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10. Januar

1973

Inhalt
INFORMATION:
93. US-Kongreß vor arbeitsreicher Sitzungsperiode
-Vielzahl außen-und innenpolitischer ProblemeVon Edgar H. de Lesseps
U. Alexis Johnson wird amerikanische SALT-Delegation leiten

DOKUMENTATION:
Verteidigungsminister Laird legt Abschlußbericht vor
-Auszüge aus dem Europa-und NATO-Teil-

WIRTSCHAFT:
EWG-Erweiterung wirft Kompensationsprobleme für US-Farmer auf
Von John Holway
US-Personaleinkommen nähert sich der Billionen-Dollargrenze

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
,i

]

Internationale Datenbank für die Krebsforschung
-USA errichten Informationszentrale und intensivieren Zusammenarbeit
von SpezialistenAllergie gegen bestimmte Nahrungsmittel
Schwermetalle als Umweltgift
Fischbestände im Nordostpazifik

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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2/1973

93. US-KONGRESS VOR ARBEITSREICHER SITZUNGSPERIODE
-Vielzahl außen-und innenpolitischer Probleme-

Von Edgar H. de Lesseps

WASHINGTON --(AD)-- Der jetzt wieder zusammengetretene amerikanische Kongreß - der 93. seit Gründung der USA - steht vor arbeitsreichen Wochen
und hitzigen Debatten über eine Vielzahl außen-und innenpolitischer Fragen;
dabei dürften der Krieg in Vietnam sowie die Regierungsausgaben eine zentrale Rolle spielen. Ferner stehen für eine baldige Erörterung die Frage der
Steuerreform, die Verlängerung der Lohn-und Preiskontrollen, das Problem
der Handelspolitik und der Energieversorgung sowie das Auslandshilfeprogramm an.
Präsident Nixon wird seine spezifischen Vorschläge und Empfehlungen
in der jährlichen Haushaltsbotschaft unterbreiten, die dem Kongreß Ende Januar zugeleitet wird; einige Punkte dürften auch schon in seiner Ansprache
anläßlich der zweiten Amtseinführung am 20. Januar angesprochen werden.
Wie während der ersten Amtszeit Nixons wird der Kongreß auch jetzt
wieder von den Demokraten kontrolliert. Der Fraktionsvorsitzende der demokratischen Partei im Senat, Mike Mansfield aus dem Staate Montana, hat als

-1-

�r

als "größtes nationales Anliegen" die Beendigung des Krieges in Vietnam
genannt. Es sei Aufgabe des amerikanischen Kongresses, so erklärte er, sich
dafür einzusetzen,daß ein völliges Desengagement der USA zustandekomme. Er
unterbreitete zwar keine spezifischen Vorschläge zu diesem Ziel, aber die
Vertreter der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus haben sich dafür
ausgesprochen, notfalls die Mittel zur Führung des Krieges zu sperren. Demgegenüber hat das Weiße Haus den Kongreß dringend vor Maßnahmen gewarnt, die
die vertraulichen Vietnamverhandlungen in Paris beeinträchtigen könnten.
Ein weiteres Problem, das aber auch in diesen Fragenkreis hineinreicht,
ist die Machtverteilung zwischen Regierung und Kongreß. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Carl Albert aus dem Staate Oklahomo, hat zu Beginn der
neuen Sitzungsperiode versichert, daß er stärker denn je dafür eintreten werde, daß - wie er sagte - die Respektierung des K0ngresses als gleichberechtigter Partner in der Regierung wiederhergestellt werde.
Seit vierzig Jahren beklagen sich die Mitglieder des amerikanischen Kon-n
gresses über den ihrer Ansiebt nach eingetretenen Verlust an Machtbefugnissen
gegenüber der Exekutive. Eine Reihe von diplomatischen Beobachtern in der amerikanischen Hauptstadt rechnet daher damit, daß dieses Problem während der
jetzigen Sitzungsperiode immer wieder angesprochen werden wird, insbesondere im
Zuge der Vietnamdebatte sowie der Beratungen über die Ausgabenpolitik der
Regierung.
Diese letztere Frage wird zweifellos zutage treten, wenn der Kongreß über
eine neue Gesetzesvorlage für Gesundheit, Erziehung und Soziales für das am
30. Juni ablaufende Finanzjahr 1973 berät, gegen die Präsident Nixon zweimal
sein Veto einlegte, weil er sie für zu weitgehend hält. Die Administration hat
die feste Absicht, sich an die selbstauferlegte Ausgabengrenze von 2.50 Milliarden Dollar für das laufende Finanzjahr zu halten. Der Kongreß hatte 1972 diesen Vorschlag abgelehnt, der den Präsidenten ermächtigt hätte, Kürzungen nach
seinem Ermessen vorzunehmen. Der Kongreß ging dabei von dem Gedanken aus, daß

-2-

�r

daß dadurch sein verfassungsmäßiges Recht der Ausgabenkontrolle beschnitten
würde. Die Führung der Demokraten im Kongreß erwägt nun, ein eigenes Gesetzgebungsprogramm auf die Beine zu stellen, um dadurch dem Programm Nixons entgegenwirken zu können.
Weiter kann mit einiger Sicherheit erwartet werden, daß der beständige
Kampf um die Auslandshilfeprogramme der USA wieder auflebt. Während der vergangenen Sitzungsperiode mußte sich der Kongreß immer wieder mit kontroversen
außenpolitischen Gesetzeszusätzen befassen, über die der Senat und das Repräsentantenhaus keine Einigung erzielen konnten. Bereits 1969 hatte Präsident
Nixon eine Reform des gesamten Auslandshilfeprogrammes gefordert, worauf der
Kongreß jedoch bisher noch nicht reagiert hat. Im vergangenen Jahr konnte sie
der Kongreß nicht über die Bewilligung von Mitteln für das Finanzjahr 1973
einigen. Stattdessen wurde eine Interimsmaßnahme verabschiedet, durch die die
militärische und die wirtschaftliche Auslandshilfe der USA auf dem bisherigen
Stand finanziert wurden. Diese Mittel laufen am 28. Februar aus.
Für das Militärhilfeprogramm ist eine jährliche Bewilligung erforderlich, während sich dieser Zeitraum bei der Wirtschaftshilfe auf zwei Jahre er
streckt, der am 30. Juni abläuft. Der gegenwärtige Kongreß muß also Mittel
für die Militär-und die Wirtschaftshilfe in diesem Finanzjahr sowie für das
kommende Finanzjahr bewilligen. In Beobachterkreisen wird es für möglich gehalten, daß der Kongreß das Auslandshilfegesetz mit einem Zusatz für die Beendigung des Krieges in Vietnam koppelt.
Auch auf wirtschafts-und steuerpolitischem Gebiet stehen einige Probleme
an. Die Ermächtigung Nixons für Lohn-und Preiskontrollen, mit denen der In™
flation Einhalt geboten werden soll, läuft am 30. April aus. Die Forderung
der Regierung nach Verlängerung dieser Ermächtigung wird den Rahmen für eine
weitere frühzeitige Debatte in dieser Sitzungsperiode des Kongresses bilden.
Allgemein

-3-

�Allgemein wird mit einer Modifizierung der amerikanischen Steuergesetzgebung gerechnet. Die Regierung Nixon hat zwar keine spezifischen Empfehlungen unterbreitet, doch hat der Vorsitzende des einflußreichen Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses, Wilbur D. Mills aus Arkansas, eine Gesetzgebung angekündigt, die Ungerechtigkeiten korrigieren soll, allerdings
ohne eine wesentliche Zunahme der Regierungseinkünfte oder eine umfassende
Steuersenkung.
Auf dem Gebiet der Handelspolitik erwägt die Regierung eine Gesetzgebung,
die den Präsidenten im Zuge von Handelsabkommen mit anderen Ländern zu Zollsenkungen ermächtigen würde. Dieser Vorschlag würde eine Modifizierung der bestehenden Anpassungsprogramme für importgeschädigte Industrien und Arbeitnehmer bedingen.
Auf dem Umweltsektor werden die Hauptanstrengungen der Regierung auf die
Energiequellen des Landes gerichtet sein. Man rechnet damit, daß die Administration die Schaffung einer neuen Bundesbehörde empfiehlt, die die energiepolitische Arbeit der gegenwärtigen 44 damit befaßten Bundesstellen koordinieren soll, sowie mit einer Beseitigung oder doch einem Abbau der Regierungskontrolle für die Naturgaspreise und einer Förderung der Erdöl-und Erdgasgewinnung vor den Küsten der USA.
Auch auf dem Erziehungs-und Gesundheitssektor kommt große Arbeit auf den
neuen Kongreß zu. Die meisten der vom Bund unterstützten Erziehungsgesetze
laufen 1973 aus, und nach den Worten des Fraktionsvorsitzenden der Republikaner im Senat, Hugh Scott, beabsichtigt Präsident N-pcon die Vorlage eines
umfassenden Krankenversicherungsgesetzes in diesem Frühjahr.

Die

-4-

�Die Zusammensetzung des 93. Kongresses als Ergebnis der Wahlen im November ist die gleiche wie beim Amtsantritt Nixons: 57 Demokraten und 43 Republikaner im Senat; 243 Demokraten und 192 Republikaner im Repräsentantenhaus. Durch den Tod des Abgeordneten George W. Collins aus Illinois, der
am 8. Dezember gestorben ist, sowie durch den mutmaßlichen Tod der Abgeordneten Haie Boggs aus Louisiana und Nich Bagich aus Alaska, die seit dem 16.
Oktober während eines Fluges über Alaska verschollen sind, vermindert sich
die Zahl der Demokraten im Repräsentantenhaus, zumindestens vorübergehend,
auf 240 Abgeordnete.

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2/1973

U.ALEXIS JOHNSON WIRD AMERIKANISCHE SALT-DELEGATION LEITEN

WASHINGTON--(AD)-- Der bisherige Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, U. Alexis Johnson, ist von Präsident
Nixon als neuer Leiter der Delegation der Vereinigten Staaten bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT) vorgesehen worden. Er wird die Nachfolge von Botschafter
Gerard C. Smith antreten, der gleichzeitig auch von seinem Posten als
Direktor des Bundesamtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung zurückgetreten
ist, um ins Privatleben zurückzukehren.
Johnson, der den Status eines Sonderbotschafters erhalten wird, soll
nur die Leitung der amerikanischen SALT-Delegation übernehmen, da die zweite Phase der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen als so wichtig und
verantwortungsvoll angesehen wird, daß der Delegationschef der USA auch wegen seiner notwendigen längeren Auslandsaufenthalte kein zweites Amt daneben bekleiden soll. Ein neuer Direktor für die Abrüstungsbehörde soll in
Kürze nominiert werden.
U.Alexis Johnson ist als einziger Berufsbotschafter der ranghöchste
Beamte im Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten.
Am

-1-

�Am 17. Oktober 1908 in Falun im Staate Kansas geboren, studierte
Johnson am Occidental College mit dem Abschluß eines Bachelor of Arts und
dann ein Jahr an der Georgetown-Universität. Im Jahre 1935 trat er in den
auswärtigen Dienst der USA und bekleidete bis 1940 diplomatische Posten in
Tokio, Seoul und Tientsin in China. Beim Eintritt der Vereinigten Staaten
in den zweiten Weltkrieg wurde er 1941 in Mukden

in China interniert und

dann 1942 ausgetauscht. Seine weitere Verwendung fand er bei den amerikanischen Missionen in Rio de Janeiro und auf den Philippinen. Danach war er in
Japan bei der Militärregierung und als Generalkonsul und ab 1950 im Nordostasien-Referat im Außenministerium tätig. Er avancierte 1951 zum stellvertretenden Unterstaatssekretär in der Fernostabteilung und fungierte bei den
Friedensverhandlungen mit Japan in San Francisco als Berater der US-Delegation. 1953 zum Botschafter in Prag ernannt, nahm er 1954 an der Indochinakonferenz in Genf teil und führte dort 1955 Botschaftergespräche mit Rotchina. Johnson wurde 1958 zum Botschafter in Thailand und 1961 zum stellvertretenden Staatssekretär für politische Angelegenheiten berufen. Er ging
1964 als stellvertretender Botschafter nach Südvietnam und kehrte 1965 auf
seinen vorigen Posten zurück. Zuletzt war er von 1966 bis 1968 Botschafter
in Japan.
Johnson ist verheiratet und hat vier Kinder.

(Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von U.Alexis
Johnson zur Verfügung).

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2/1973

VERTEIDIGUNGSMINISTER LAIRD LEGT ABSCHLUSSBERICHT VOR
-Auszüge aus dem Europa- und NATO-Teil-

WASHINGTON --(AD)-- Der aus seinem Amt scheidende amerikanische Verteidigungsminister Melvin R. Lair,d hat dem Militärausschuß des US-Repräsentantenhauses am 8. Januar einen abschließenden Bericht über seine vierjährige Tätigkeit im Pentagon vorgelegt.
Im einzelnen stellt Laird - dessen designierter Nachfolger Elliott
Richardson ist - fest, daß die Vereinigten Staaten heute über eine realistische Abschreckungskraft auf allen Ebenen eines potentiellen Konfliktes verfügen. Trotzdem habe die zahlenmäßige Stärke der US-Streitkräfte
seit 1969 um rund 1,2 Millionen Mann abgebaut und hätten in dieser Zeit
fast eine halbe Million amerikanischer Soldaten aus Vietnam abgezogen werden können. Die Vereinigten Staaten brauchten nicht länger die Rolle eines
Polizisten zu übernehmen, sondern die befreundeten und verbündeten Länder
könnten solche Aufgaben in wachsendem Maße selber lösen. Südvietnam verfüge
heute über das Potential, sich selbst verteidigen zu können.Und die europäischen Länder könnten und sollten selbst mehr tun, um vor einer sowjetischen Bedrohung ihrer Sicherheit abzuschrecken, zumal sie über die Hilfsquellen, Erfahrungen und das technische Wissen hierfür verfügten.
Laird

-1-

�Laird hebt weiter hervor, daß die Vereinigten Staaten in den vergangenen
vier Jahren ihre technologische Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion weiter gehalten hätten. Im Rahmen des vor zwei Jahren angelaufenen realistischen
Abschreckungsprogramms seien veraltete Waffen durch modernere und wirksamere
Ausrüstung ersetzt worden. Auch die Kommando struktur sei verbessert worden.
Das ungerechte Einberufungssystem solle beseitigt werden, und bei dem Übergang zu einer Freiwilligenarmee werde auch der Status der Nationalgarde und
der Reserveverbände verbessert.
In seinem Bericht befaßt sich Laird ferner eingehend mit der Situation
in Vietnam, wobei er es jedoch vermeidet, auf Punkte der Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Hanoi oder die künftige amerikanische Strategie
in Indochina einzugehen, da hierdurch die geheimen Verhandlungen in Paris gestört werden könnten. Gleichzeitig unterstreicht er die Erfolge des Vietnamisierungsprogramms Präsident Nixons. Dieses Programm sei der erste entscheidende
Schritt im Rahmen der Nixon-Doktrin gewesen, die zu einer völlig neuen Formulierung der amerikanischen Politik geführt habe. Diese Politik sei darauf abgestellt, den Freunden und Verbündeten der USA den Weg zur Selbsthilfe zu weisen, die grundlegenden amerikanischen Verpflichtungen einzuhalten und bei allen internationalen Streitfragen eine Verhandlungslösung an Stelle von Konfrontation anzustreben.
Die wichtigsten, Europa und die NATO betreffenden Teile des Berichtes
haben folgenden Wortlaut:
In Europa ist der Rahmen,in dem wir die Nixon-Doktrin zu verwirklichen
suchen, wesentlich anders (als in anderen Teilen der Welt;. Unsere europäischen Verbündeten können und müssen mehr tun, um vor einer sowjetischen Bedrohung ihrer Sicherheit abzuschrecken. Ihnen fehlen nicht die Hilfsquellen
dazu. Ihnen mangelt es nicht an Erfahrung und technischem Wissen. Sie müssen
lediglich die strategischen und politischen Realitäten erkennen, denen wir

-2-

�wir alle uns gegenübersehen, und den Willen haben, dementsprechend zu handeln.
Eine ausreichende nukleare Abschreckung wird auch weiterhin den Eckpfeiler der Struktur für die Sicherheit der Verbündeten bilden. Gleichzeitig
verleiht jedoch das Herannahen eines strategischen nuklearen Gleichgewichtes
zwischen den USA und der UdSSR der Notwendigkeit eines ausreichenden konventionellen Potentials vermehrtes Gewicht, um konventionellen Bedrohungen auf
den Ebenen begegnen zu können, auf denen sie auftreten könnten
Den Vereinigten Staaten wird weiterhin die Hauptverantwortung für die
Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung seitens der Verbündeten zufallen.
Und die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin einen beträchtlichen Beitrag zu der konventionellen Abschreckung durch die Verbündeten leisten, Aber
von den USA kann nicht erwartet werden, daß sie die volle Last der nuklearen
Verteidigung und gleichzeitig einen unangemessen hohen Teil der Lasten der
konventionellen Verteidigung tragen. Dies ist weder gerecht noch politisch
richtig. Und es ist nicht mit der Konzeption der Nixon-Doktrin von einer
neuen Partnerschaft zu vereinbaren.
In den vergangenen vier Jahren haben zahlreiche Mitglieder des Kongresses
die derzeitige Aufteilung der Verantwortung für die Verteidigung Europas zwischen den USA und den Verbündeten in Zweifel gezogen. Der Punkt,um den es dabei ging, war meines Erachtens nicht: "warum tun die USA so viel", sondern
vielmehr: "warum tun die Europäer nicht mehr für das, was in erster Linie ihre
eigene Verteidigung ist?".
Auf meinen Zusammenkünften mit meinen NATO^Kollegen zweimal im Jahre
habe ich immer wieder hierauf verwiesen, Sie haben mit Programmen zur Verbesserung der Streitkräfte im Rahmen der Euro»Gruppe geantwortet, die tatsächlich einen wesentlichen Schritt voran bedeuten. Aber mehr - viel mehr - muß
getan werden, wenn wir das volle Potential der von uns auf dem Gebiet der kon-

-3-

�konventionellen Verteidigung bereits unternommenen Investitionen zum Tragen
bringen wollen.
Es besteht natürlich bei einigen Kreisen - und zwar auf beiden Seiten
des Atlantiks - die Tendenz, in der neuen Ära der Verhandlungen einen

Grund

oder einen Vorwand zu sehen, die Verteidigungsanstrengungen zu verringern.
Es muß jedoch allen klar sein, daß die militärische Stärke des Westens dazu
beigetragen hat, diese neue Ära herbeizuführen und zwar dadurch, daß alle
Wege außer dem der Verhandlungen verschlossen wurden. Und es muß genauso klar
sein, daß die Positionen und Interessen des Westens in Verhandlungen nicht
ausreichend geschützt und gefördert werden können, sofern der Westen nicht den
Willen und die Fähigkeit zeigt, seine militärische Stärke aufrechtzuerhalten.
Als ich 1969 Verteidigungsminister wurde, war es klar, daß wir unsere
kollektive NATO-Strategie überprüfen müßten, um festzustellen, ob sie angesichts der neuen Gegebenheiten und Realitäten noch gültig war. Wir wußten,
daß es Schwächen und Ungleichgewichte in dem konventionellen Potential der
NATO, verglichen mit dem des Warschauer Paktes gab. Der Status der amerikanischen Streitkräfte in Europa war vor 1969 aufgrund unseres erweiterten
Truppenengagements in Südostasien geringer veranschlagt worden. Es war ferner
wichtig, einige der Mißverständnisse zwischen den USA und ihren Verbündeten
zu beseitigen, die sich im Laufe der Jahre ergeben hatten, und gemeinsam
auf die Wiederherstellung des Zusammenhalts des großen Bündnisses hinzuarbeiten.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir innerhalb der NATO eine umfassende Studie der Verteidigungsprobleme des Bündnisses in den siebziger Jahren durchgeführt, in der wir die Gültigkeit unserer derzeitigen militärischen
Strategie bekräftigten und Übereinstimmung über die Art und Weise erzielten,
wie die NATO-Streitkräfte, ihre Bewaffnung, ihr Nachschub, die sie stützende
Infrastruktur wie auch die Möglichkeiten verbessert werden sollten, Konsultationen über ihren möglichen Einsatz in einer Krise zu führen.
Präsident

-4-

�Präsident Nixon hat nachdrücklich die amerikanischen Verpflichtungen
gegenüber der NATO bekräftigt. Er erklärte, daß die USA bei entsprechendem
Verhalten unserer Verbündeten ihre im europäischen Raum stationierten Streit«
kräfte weiter dort belassen und qualitativ verbessern würden. Wir haben dieses Versprechen gehalten.
Was die europäische Seite anbetrifft, so können wir alle mit Recht stolz
auf das Europäische Verstärkungsprogramm (EDIP) sein, das eine Verpflichtung
zu Modernisierungsprogrammen für die nationalen Streitkräfte, Zahlungen
für Flugzeugbunker für die taktischen Luftstreitkräfte der NATO in Europa
und ein Programm für gegenseitige Hilfe vorsieht.
Die Fortschritte bei der Bewaffnung der NATO waren langsam, wenn es
auch besonders bei Panzern, Panzerabwehr und Modernisierung der Marine voranging. Aber der Gesamtprozeß war, offen gesagt, aufgrund der nationalen Bestrebungen, eine Vielzahl ähnlicher Verteidigungsindustrien am Leben zu erhalten, unzulänglich und von Überschneidungen gekennzeichnet. Das Ergebnis ist
nicht nur wirtschaftliche Verschwendung, sondern es ist auch militärisch unerwünscht, denn es verhindert Normung und gegenseitige Einsetzbarkeit. Wir
haben versucht, dieser Entwicklung dadurch zu begegnen, daß wir eine stärkere
Zusammenarbeit und Rationalisierung zwischen den europäischen Ländern der
freien Welt förderten. Wir bieten anderen NATO-Ländern unsere neuesten Entwicklungen an und prüfen ihre Entwicklungen auf eine mögliche Aufnahme in
unsere Streitkräfte hin. Natürlich wird jedes dem Bündnis angehörende Land
im gemeinsamen Interesse etwas nachgeben müssen, wenn wir die beträchtlichen
Ersparnisse erzielen wollen, die eine echte Zusammenarbeit uns bringen kann.
Die Zusammenarbeit der Verbündeten auf dem Gebiet der Logistik läßt
ebenfalls manches zu wünschen übrig; wir hoffen jedoch, daß die Reihe von
Konferenzen internationaler Logistikexperten, die kürzlich begonnen hat,

-5-

�hat, neue Voraussetzungen auf diesem Gebiet schaffen wird. Auch dies ist
ein Gebiet, auf dem beträchtliche Einsparungen erwartet werden können, sobald
die Haltung der einzelnen Länder dies zuläßt.
Die Infrastruktur, das NATO-Programm für den Bau der notwendigen ortsgebundenen Einrichtungen für die NATO-Streitkräfte, bleibt weiterhin ein Gebiet, auf dem die gemeinsame Arbeit der NATO überragende Erfolge erzielt hat,
obwohl sie unter einer unzureichen Mittelzuteilung zu leiden hatte. Während
gegenwärtig das Infrastrukturprograrnm für den Bau von Bunkern für taktische
Flugzeuge der NATO von der Euro-Gruppe (INIT) gefördert wird, sieht sich
die NATO-Infrastruktur bei der Wiederherstellung und dem Umbau früherer
Anlagen wie auch beim Bau neuer Anlagen beträchtlichen Problemen gegenüber,
die durch die Erfordernisse der heutigen Verteidigung entstanden sind. Die
Minister haben vereinbart, das Infrastrukturprogramm für weitere fünf Jahre
fortzusetzen; die Vereinigten Staaten werden in Kürze innerhalb des Bündnisses Verhandlungen über den Umfang des Programms sowie den angemessenen
amerikanischen Beitrag zu diesem letzten Punkt führen. In den vergangenen
Jahren war die Unterstützung, die wir für unsere Streitkräfte aus dem NATOInfrastrukturprograrnm erhalten haben, gut.
Das Fernmeldenetz der NATO für politische Konsultationen sowie für
Befehlsübermittlung und Kontrolle ist im allgemeinen unzulänglich, sieht man
es im Hinblick auf mögliche Erfordernisse einer modernen Kriegsführung. In
den letzten eineinhalb Jahren hat die NATO einen Plan für ein verbessertes
NATO-Nachrichtenverbindungssystem (NICS) ausgearbeitet und vereinbart; sie
hat Mittel für die erste Phase des Programms verfügbar gemacht und den erforderlichen Apparat aufgebaut,um die Entwicklung des Systems zu leiten,Einige
Verbesserungen im Fernmeldenetz der NATO sind bereits offensichtlich, und
wenn das NICS-Programm weiter fortgeführt wird, rechnen wir mit ganz wesentlichen Verbesserungen.
Was

-6-

�Was das Krisenmanagement anbetrifft, so hat die NATO die Kapazität ihrer wichtigsten Einrichtungen im Brüsseler Hauptquartier beträchtlich verbessert, und sie entwickelt und erprobt gegenwärtig Verfahren für mögliche Krisen, damit die NATO-Länder im Falle eines Notstandes sofort umfassende Konsultationen führen und entsprechende Schritte unternehmen können. In den vergangenen vier Jahren haben unsere NATO-Verbündeten Einsatzbereitschaft und Ausbildungsstand ihrer Streitkräfte durch Teilnahme an und Zusammenarbeit bei alliierten Manövern erhöht. Von besonderer Bedeutung in jüngster Zeit waren das im
September 1972 durchgeführte große Manöver "Strong Express", an dem 64 000
Mann, 300 Schiffseinheiten und 700 Flugzeuge beteiligt waren, sowie die Teilnahme der Ständigen Seestreitmacht Atlantik (STANAVFORLANT) an einem alliierten Manöver im Mittelmeer im Mai 1972.
Was die Manöver anbetrifft, so sind jedoch größere Fortschritte vor allem
im maritimen Bereich möglich. Unsere Verbündeten verfügen über beträchtliche
Schiffsreserven, deren Kapazitäten noch nicht voll ausgenutzt werden, weil die
Schiffe einen großen Teil ihrer Zeit im Hafen liegen. Würden bestimmte Verbündete solche Schiffseinheiten vermehrt einsetzen, würden Ausbildungsstand, Einsatzbereitschaft und die Fähigkeit, mit den übrigen verbündeten Seestreitkräften zusammenzuarbeiten, wesentlich gestärkt werden. Dies könnte dann auch zur
Schaffung einer Ständigen Seestreitmacht Mittelmeer führen, die eine Ergänzung zu den in der Vergangenheit so erfolgreichen atlantischen Seestreitkräften bilden würde.
Was die Planung anbetrifft, so sind wir mit dem, was die Nukleare Planungsgruppe der NATO - ein Forum für eine offene Erörterung delikater nuklearer Probleme der NATO - erreicht hat, zufrieden. Ich bin weiterhin überzeugt,
daß die Förderung des Verständnisses unter den Verbündeten und die Planung
für die nukleare Verteidigung der NATO von großer Wichtigkeit sind.
Wenn

-7-

�Wenn wir in die Zukunft blicken, so werden wir die uns verfügbaren Hilfsquellen noch weit wirksamer nutzen müssen - gleichgültig, ob es sich dabei um
Menschenpotential, Technologie, politische Grundsätze oder Dislozierung handelt. Gerade das aber versuchen wir im Rahmen unserer Konzeption der Gesamtstreitkräfteplanung zu erreichen. Die NATO muß ebenfalls alle potentiellen
Aktiva für die Verteidigung in Rechnung stellen, darunter auch die zivilen
Hilfsquellen, und gewährleisten, daß ihr Einsatz voll koordiniert ist.
Wir brauchen zusätzliche gemeinsame Maßnahmen der Verbündeten auf Gebieten wie:
-- Organisation, Kommando und Kontrolle der NATO-Luftstreitkräfte im
Bereich Mitte;
-- bessere Nutzung des Mannschaftspotentials, der Aktiven wie der Reservisten;
-- Forschung und Entwicklung, um eine wirklich effektive Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Bewaffnung zu erreichen.
Wir haben in den letzten vier Jahren die Zusage des Präsidenten eingehalten, die amerikanischen Streitkräfte in Europa zu belassen und qualitativ
zu verbessern. In den unmittelbar vor uns liegenden Jahren wird es jedoch
nahezu unmöglich sein, eine unverminderte amerikanische Truppenpräsenz in
Europa zu unterstützen, wenn einige unserer Partner die Schlagkraft ihrer eigenen Streitkräfte schwächen - sei es durch Budgetkürzungen, Verringerung ihrer Truppenstärken oder kürzere Dienstzeiten.
Auf der jüngsten Konferenz der NATO-Verteidigungsminister im Dezember
1972 in Brüssel gründete ich meine Hauptargumente auf die Lastenverteilung
sowie auf die Notwendigkeit, diese noch zu erweitern. Über meine Mahnungen
hinaus, daß die Verteidigungsausgaben real wachsen und daß die Mittel wirksamer zur Förderung unserer gemeinsamen Verteidigung eingesetzt werden müßten,
forderte ich die kontinuierliche Weiterführung des Europäischen Verstärkungs-

-8-

�Verstärkungsprogramms (EDIP), eine neue Form der Infrastruktur zur Unterstützung von Truppen, die außerhalb ihres eigenen Territoriums stationiert
sind, sowie einen verminderten Anteil der USA an den Kosten für das Infrastrukturprogramm der NATO. Ich bin mir im klaren darüber, daß es schwierig
sein wird, diese Empfehlungen zu verwirklichen; ich bin jedoch der Überzeugung, daß die Zeit hierfür reif ist, und daß unsere Verbündeten voll und ganz
die Notwendigkeit einsehen, uns einige der Lasten abzunehmen.
Mit den bereits geschlossenen Abkommen, wie SALT und Berlin, mit den
laufenden Vorbesprechungen für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und mit den in Kürze beginnenden ersten Gesprächen
über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) befinden
wir uns schon mitten in der Ära der Verhandlungen. Angesichts dieses Komplexes der Ost-West-Gespräche hört man nun schon viel über eine profunde und
dauerhafte Änderung der Grundhaltung und -einstellung der Sowjets gegenüber
dem Westen. Dies ist verfrüht. Entspannung ohne angemessene Verteidigung ist
eine Selbsttäuschung.
Ich bin mir vielmehr darüber im klaren, daß tiefgehende Differenzen und
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns bestehen bleiben. Diese Differenzen
können nicht einfach dem historischen Zufall oder Mißverständnissen zugeschrieben werden. Sie wurzeln vielmehr in verschiedenartigen Konzeptionen der
Rechte und Pflichten von Menschen und Regierungen sowie in verschiedenartigen
Methoden des Verhaltens zu anderen Nationen.
Wir können auch nicht andere Fakten ignorieren, die sich auf unsere
Hoffnungen auf erfolgreiche Verhandlungen mit dem Osten auswirken:
-- Wir können nicht die großen, gut ausgebildeten und sich ständig verbessernden Streitkräfte des Warschauer Paktes in Europa außer acht lassen;
-- wir können nicht die Augen verschließen vor der raschen und kontinuierlichen Ausweitung der sowjetischen Rüstung und ihrer qualitativen Verbesserung

-9-

�Verbesserung in den letzten Jahren}
-- wir können nicht die weltweite Expansion der sowjetischen Seestreitkräfte und ihrer Aktivität ignorieren;
-- wir können nicht; die wachsende militärische Präsenz der Sowjets sowie ihr Engagement in Gebieten übersehen, die an den NATO-Bereich angrenzen,
wie im Nahen Osten und im Indischen Ozean.
Es ist; einfach eine Tatsache, daß der militärische Aufbau der Sowjets,
auf konventionellem wie auf nuklearem Gebiet, weiter energisch vorangetrieben
wird.
Wenn wir uns nicht über diese strategische und politische Realität im
klaren sind und diese Erkenntnis zum Ausgangspunkt für unsere Verhandlungsbemühungen machen, gefährden wir die Chancen für die Erreichung eines Friedens,
während wir gleichzeitig unsere lebenswichtigen Interessen aufs Spiel setzen.
Dies soll nicht besagen, daß wir nicht darauf vorbereitet sein sollten,
das Eingehen vernünftiger Risiken für den Frieden zu erwägen. Im Gegenteil
sollten wir uns gemeinsam mit unseren Verbündeten darum bemühen, neue Beziehungen zur Sowjetunion und den Ländern Osteuropas anzubahnen - Beziehungen, die
auf beiderseitiger Zurückhaltung und beiderseitiger Anpassung der Interessen
basieren. Solche Beziehungen lassen sich aber nur auf der Grundlage eines
starken und geeinten Westens schaffen.
Es mag zutreffen, daß eine Ära der Verhandlungen in gewisser Weise größere
Anforderungen an uns stellt als eine Ära der Konfrontation; aber ich bin zuversichtlich, daß wir dieser Aufgabe genauso gewachsen sein werden.
Eine solche Aufgabe, vor der das Bündnis gegenwärtig steht, siimd die Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR).
Bei MBFR handelt es sich um eine Initiative der NATO, die auf das Jahr 1968
zurückgeht und die ein stabileres militärisches Gleichgewicht auf einem

-10-

�einem niedrigeren Truppenstand erreichen und dadurch das Risiko eines Konflikts in Europa verringern soll. Nach mehreren Jahren von Vorbereitungen und
Versuchen seitens der Verbündeten, die Sowjetunion und andere osteuropäische
Länder in einen MBFR-Dialog hineinzuziehen, haben bestimmte osteuropäische
Länder, unter ihnen die Sowjetunion, jetzt ihre Bereitschaft zu erkennen gegeben, in vorbereitende MBFR-Gespräche einzutreten, die bald aufgenommen werden sollen. Es besteht Hoffnung, daß diese vorbereitenden Gespräche die Aufnahme von Verhandlungen im Herbst 1973 ermöglichen werden.
Die Aussichten auf Fortschritte bei den MBFR-Verhandlungen bedeuten für
das Bündnis Verschiedenes:
—

Unsere umfassende Untersuchung in bezug auf MBFR hat gezeigt, daß

es keinen schnellen und leichten Weg zum Erfolg gibt; daher müssen wir bei
der Verfolgung unserer Zielsetzungen an die MBFR-Verhandlungen mit Klugheit,
Zielstrebigkeit und Entschlossenheit herangehen.
-- Da jede Schwächung der kollektiven Verteidigungsanstrengungen unsere
Position am Verhandlungstisch beeinträchtigen würde, müssen wir vor allen
Bestrebungen auf der Hut sein, die Aussicht auf MBFR als Vorwand entweder für
einseitige Truppenreduzierungen der Verbündeten oder für ein Nachlassen bei
der Verbesserung der Streitkräfte zu benutzen.
-- Wir dürfen nicht etwaige MBFR-Ergebnisse als Anlaß für eine Kürzung
der Verteidigungsausgaben auf längere Sicht betrachten. MBFR wird nicht die
Notwendigkeit beseitigen, unser konventionelles Potential aufrechtzuerhalten
und zu verbessern; im Gegenteil, MBFR wird die Notwendigkeit erhöhen, unsere
Verteidigungshilfsquellen auf wirksamste Weise zu nutzen.
Insgesamt gesehen kann MBFR, sofern die Mitglieder des Bündnisses richtig an die Verhandlungen herangehen, die militärische Ergänzung zu den politischen Bemühungen des Bündnisses bilden, das Ausmaß der Konfrontation zwischen Ost und West abzubauen.
Einige

-11-

�t

Einige haben die Besorgnis geäußert, ob wir MBFR und andere Verhandlungen führen und gleichzeitig im Zuge dieser Verhandlungen den Zusammenhalt
des Bündnisses gewährleisten können. Aber wie groß auch die Aufgabe, vor die
MBFR uns stellt, sein mag, in vieler Hinsicht wird MBFR eine noch weit schwerere Bewährungsprobe für den Osten sein.
Welcher Ar; unsere Probleme hier im Westen auch sein mögen, das gegenseitige Vertrauen, das schon so lange unter uns besteht, wird für uns in den
kommenden Monaten bei den Verhandlungen mit unseren Gegnern ein großer Pluspunkt sein. Dieses Vertrauen ist tief verwurzelt in gemeinsamen Idealen und
Bestrebungen und in einer Tradition vertrauensvoller Beziehungen zueinander.
Dies ist ein Gut, das alle von uns sorgfältig hüten müssen.
Das Bündnis war in der Vergangenheit eine mächtige Kraft für den Frieden und wird dies auch künftig sein. Ich scheide aus meinem Amt mit der Zuversicht, daß die NATO weiterhin diesem hohen Ziele dienen wird.

+++

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2/1973

EWG-ERWEITERUNG WIRFT KOMPENSATIONSPROBLEME FÜR US-FARMER AUF

Von John Holway

WASHINGTON — ( A D ) — Der jetzt vollzogene Beitritt Großbritanniens, Irlands
und Dänemarks zum Gemeinsamen Markt bedeutet für die amerikanischen Farmer
keineswegs eine gute Nachricht, denn der Absatz ihrer Erzeugnisse in diesen
Ländern wird durch die sogenannten "variabler} Abschöpfungsbeträge" der EWG,
die nahezu prohibitiven Charakter haben, künftig erschwert werden.
Aufgrund einer früheren bindenden Vereinbarung mit Großbritannien war
den amerikanischen Farmern zugesichert worden, daß ihr Weizen zollfrei dorthin eingeführt werden darf. Nachdem diese Vereinbarung nunmehr hinfällig
geworden ist, ergibt sich die Frage, wie der Gemeinsame Markt die amerikanischen Farmer für die ihnen entstehenden Exportverluste kompensieren will.
Diese Frage wird im Mittelpunkt der intensiven Verhandlungen stehen,die
im März in Genf aufgenommen werden sollen und die sich voraussichtlich bis
in den Sommer hinziehen werden. Und ihr Verlauf wird zweifellos beträchtlichen Einfluß auf den Gang der für September anberaumten weltweiten Handelsverhandlungen haben.
Die

-1-

�Die Vereinigten Staaten wie auch andere Weizenexportländer - zum Beispiel Kanada und Australien - werden im Rahmen der GATT-Bestimmungen Kompensationen fordern. Nach diesen Bestimmungen kann eine Zollunion, wie sie der
Gemeinsame Markt letztlich darstellt, errichtet werden; der neue konsolidierte Zolltarif darf jedoch das allgemeine Zollniveau der früheren Einzelstaaten nicht übersteigen. Und selbst wenn dieses allgemeine Erfordernis erfüllt
ist, haben Exporteure aus Drittländern Anspruch auf Kompensationen, sobald
Zölle im Gegensatz zu bestehenden Abkommen oder Vereinbarungen heraufgesetzt
werden.
Anstelle von Zöllen erhebt der Gemeinsame Markt bei landwirtschaftlichen
Erzeugnissen sogenannte variable Abschöpfungsbeträge. Die Höhe dieser Abschöpfungsbeträge ändert sich von Tag zu Tag, um Fluktuationen der Weltmarktpreise bei den einzelnen Agrarerzeugnissen auszugleichen, Wenn auch der Weltmarktpreis für Getreide im Augenblick recht hoch und die variable Abschöpfung
somit relativ niedrig ist, so kann der Abschöpfungsbetrag jedoch jederzeit
heraufgesetzt werden, sobald die Getreidepreise auf den Weltmärkten nachgeben.
Im Gegensatz zu Zöllen,die sich nicht ändern, können die Abschöpfungsbeträge
jederzeit erhöht werden, um Importe fernzuhalten. Und in der Vergangenheit
hatten die EWG-Abschöpfungsbeträge für Getreide zeitweise eine Höhe von bis
zu 70 Prozent des Warenwertes erreichtIn den meisten Fällen werden die Exportverluste nicht so groß wie gerade
bei Getreide sein. Ja, vielfach werden die britischen Industriezölle im Zuge
der Anpassung an den gemeinsamen Außenzoll der EWG gesenkt werden. Doch trotzdem bleibt die Frage im Raum, wie die Vereinigten Staaten und andere Länder
für die höheren Abschöpfungsbeträge bei Getreide kompensiert werden können.
Eine Möglichkeit wäre, daß der Gemeinsame Markt seine Abschöpfungsbetrage für Getreide senkt. Beispielsweise könnte sich die jetzt auf neun
Mitglieder erweiterte EWG bereit erklären, anstelle der bisherigen variablen

-2-

�variablen Abschöpfungsbeträge der früheren sechs EWG-Länder und des von
Großbritannien zugesagten Null-Tarifs die Abschöpfung auf 30 Prozent zu begrenzen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Exportverluste bei Getreide durch niedrigere Zölle bei anderen Agrarerzeugnissen zu kompensieren.
Sprecher des Gemeinsamen Marktes haben zu verstehen gegeben, daß die EWG
einen dritten Weg bevorzugen würde, nämlich die Verluste bei Agrarexporten
durch Zollvorteile auf dem Industriesektor auszugleichen. Von amerikanischer
Seite wurde jedoch bereits angedeutet, daß die USA einen solchen Vorschlag ablehnen würden, da damit den amerikanischen Farmern nicht geholfen sei. Alles
spricht also dafür, daß es in Genf zu harten Verhandlungen kommen wird.
Was geschieht aber nun, wenn diese Verhandlungen auf einem toten Punkt
stecken bleiben? Die Vereinigten Staaten und jede andere geschädigte Partei
könnten den Fall vor das GATT bringen und Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, indem sie entsprechende Konzessionen gegenüber dem Gemeinsamen Markt aufheben.
Das war zum Beispiel 1962 der Fall, als die Abschöpfungsbeträge bei Geflügel
zu einer starken Einschränkung der US-Exporte nach Deutschland führten. Mit
Zustimmung des GATT erhöhten die Vereinigten Staaten damals die Zölle für
Lastwagen und Kognak.
Das wäre jedoch nur ein letzter Ausweg, der letztlich den amerikanischen
Verbraucher träfe, ohne den geschädigten Exporteuren zu helfen. Nach amerikanischer Auffassung wäre es weit besser, wenn eine faire Kompensation der geschädigten Exporteure durch entsprechende Zollsenkungen seitens des Gemeinsamen
Marktes erreicht werden kann.

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US-PERSONALEINKOMMEN NÄHERT SICH DER BILLIONEN-DOLLARGRENZE
WASHINGTON--(AD)-- Das amerikanische Personaleinkommen dürfte in Kürze
die Billionen-Dollargrenze überschreiten. Dies stellt der Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium, Dr. Harold C. Passer, in der diese Woche
erschienenen neuesten Ausgabe der vom Ministerium herausgegebenen Zeitschrift "Commerce Today" fest.
Wie Dr. Passer betont, hat das Personaleinkommen in den USA in den
vergangenen 12 Monaten eine durchschnittliche monatliche Zuwachsrate von
über 7,5 Milliarden Dollar zu verzeichnen gehabt. Bei Zugrundelegung
dieser Zuwachsrate werde das Personaleinkommen im kommenden März oder
April die Billionen-Dollargrenze überschreiten.
Dr. Passer verweist in der alle zwei Wochen herausgegebenen Zeitschrift
darauf, daß das amerikanische Bruttosozialprodukt bereits vor Jahren die
Billionen-Dollargrenze überschritten und im dritten Quartal 1972
-saisonbereinigt- eine Jahresrate von 1 164 Milliarden Dollar zu verzeichnen hatte. Aber nicht nur das Personaleinkommen, so betont der
Unterstaatssekretär, habe seit Ende des zweiten Weltkrieges einen enormen
Zuwachs aufzuweisen gehabt, sondern auch das verfügbare Einkommen - ver-

• 1 -

�- verbleibende Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben - habe
sich in der Nachkriegszeit - gemessen in Dollar von 1958 - mehr als verdoppelt.
Die Zeitschrift befaßt sich in ihrer neuesten Ausgabe ferner mit der
Errichtung der neuen Abteilung für Ost-Westhandel im US-Handelsministerium,
dessen Leitung Steven Lazarus übernommen hat, sowie den Aussichten für eine
Ausweitung des Handels zwischen den Vereinigten Staaten und der kommunistischen Welt. Nach Auffassung von Lazarus, so betont das Blatt, dürfe man
von der Schaffung der neuen Abteilung nicht eine plötzliche Ausweitung des
amerikanischen Osthandels um viele Milliarden Dollar erwarten. Fortschritte
in dieser Richtung würden sich vielmehr nur ganz allmählich und in dem
Maße vollziehen, wie von amerikanischen Firmen auf individueller Basis neue
Handelsbeziehungen angebahnt würden.
In einem weiteren Beitrag befaßt sich die Zeitschrift mit einem von dem

amtierenden Direktor des Statistischen Bundesamtes der USA, Dr. Lawrence M.
Kushner, ausgearbeiteten Arbeitspapier über die Auswirkungen eines eventuellen Übergangs zum metrischen System. Damit allein,so stellt Dr. Kushner in
seiner Expertise klar, würden die Handelsprobleme der USA nicht gelöst. Nach
Ansicht von Dr. Kushner wäre ein vernünftiger Weg, einen geplanten Übergang
mit einer verstärkten Mitarbeit der USA bei der internationalen Typennormierung zu verbinden.

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INTERNATIONALE DATENBANK FÜR DIE KREBSFORSCHUNG

-USA errichten Informationszentrale und intensivieren Zusammenarbeit von
Spezialisten
--(AD)-- Das Nationale Krebsforschungsinstitut (NCI), das den medizinischen
Bundesforschungsanstalten der USA in Bethesda (Maryland) angeschlossen
ist, bemüht sich um die Schaffung eines weltweiten Informationsnetzes, das
alle Erfahrungen und Resultate erfaßt, die für die Bekämpfung der Krebskrankheiten Bedeutung haben können. Dr. John H. Schneider, der am NCI für
wissenschaftliche und technische Informationen zuständig ist, erläuterte
den Plan zur Errichtung der "Internationalen Datenbank für Krebsforschung"
(1CRDB-International Cancer Research Data Bank) auf der Jahrestagung der
Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAS) Ende Dezember 1972 in Washington. Das Institut will fortlaufend Informationen aus den
USA und anderen Ländern sammeln und katalogisieren und spezifische Daten
bezw. Ergebnisse an interessierte Mediziner und Krebsforscher in aller
Welt weiterleiten.
Einen

�r

Einen derartigen Informationsdienst, der allgemein weiterhelfen könnte,
gibt es bisher nicht. Der Erfahrungs-und Informationsaustausch zwischen den
Institutionen der medizinischen Forschung und speziell der Krebsforschung
innerhalb und außerhalb der USA ist zwar gut eingespielt, reicht aber nach Ansicht Dr. Schneiders nicht aus, um aus den tatsächlichen Bemühungen um

eine

Lösung der zahlreichen Probleme einer wirksamen Krebsbekämpfung das Bestmögliche herauszuholen.
Der Plan zur Einrichtung einer solchen Datenbank ist nicht neu, sondern
bereits in dem amerikanischen Gesetz von 1971, das die rechtlichen Grundlagen
für eine intensivierte Erforschung und Behandlung von Krebskrankheiten in den
USA schuf, erwähnt. Den vorbereitenden Arbeiten von NCI-Vertretern im abgelaufenen Jahr,die auch bereits eine gewisse Übersicht über den in Frage kommenden Benutzerkreis der Datenbank brachten,soll Anfang 1973 die Auswahl des Unternehmens folgen, das auf vertraglicher Basis das Informationszentrum betreibt. Ausschlaggebend für die Erteilung des Auftrags werden Erfahrungen auf
dem Gebiet der Datenerfassung und Datenverarbeitung sein.
Daneben wird, wie Dr. Stephen Carter vom NCI erklärte, die direkte Zusammenarbeit der für die Krebsbekämpfung zuständigen amerikanischen Stellen mit
Institutionen anderer Länder - insbesondere in Europa und Asien sowie mit der
Sowjetunion -weiter verstärkt. So vergab kürzlich das NCI einen Forschungsauftrag an das Weizmann-Institut in Rehovot (Israel) in Höhe von fast einer
halben Million Dollar. Bei den Untersuchungen wird es vor allem um die Entwicklung besserer Methoden zur Früherkennung von Krebs und um die Erforschung
von Möglichkeiten gehen, Leukämie auf dem Wege über eine Beeinflussung der
Entwicklung von Lymphozyten, die aus dem Knochenmark oder aus dem Thymus
stammen, wirksamer zu bekämpfen.
Mit

-2-

�Mit der Sowjetunion wurde vereinbart, daß Dr. James F. Holland, einer
der führenden amerikanischen Spezialisten in der chemotherapeutischen Krebsbekämpfung

und einer der Direktoren des Roswell Park Memorial Instituts in

Buffalo (New York), ein Jahr lang in Rußland arbeitet. Er hat dort Gelegen-,
heit, sich aus erster Hand über den Stand der Chemotherapie bei Krebs zu informieren und seine eigenen langjährigen Erfahrungen mit sowjetischen Kollegen

und Vertretern der Pharmazie zu erörtern. Gleichzeitig wird Dr. Holland

Seminare über pharmazeutische Forschung abhalten und an der Ausarbeitung von
Behandlungsprogrammen für Magen-Darm-Krebs sowie von Fachartikeln für wissenschaftliche Zeitschriften mitwirken. Er hält sich mit seiner Familie bereits
seit November 1972 in der Sowjetunion auf.

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ALLERGIE GEGEN BESTIMMTE NAHRUNGSMITTEL

--(AD)— Viele Eltern wissen nicht, daß die verschiedensten Symptome wie
Müdigkeit, Unlust, Bauch-oder Gliederschmerzen, auffallende Blässe, Augenringe, chronischer Husten, Niesen und verstopfte Nase bei ihren Kindern
Anzeichen für eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel sein können.
Vor allem Milch, Schokolade, Cola-Getränke, Weizen-und Maisprodukte sind
unter Umständen für solche Erscheinungen verantwortlich, wie Dr. William
Deamer, Professor der Kinderheilkunde an der Universität Kalifornien in
San Francisco, kürzlich berichtete. Natürlich müssen für jedes einzelne
der genannten Symptome auch andere Ursachen in Betracht gezogen werden. Aber
nach Meinung Prof.Deamers machen sich zu wenig Ärzte und Eltern Gedanken
darüber, daß eine Nahrungsmittelallergie dahinter stecken könnte.
So wurden ihm z.B. kleine Patienten vorgestellt, bei denen wegen starker Blässe und Müdigkeit Verdacht auf Anämie, wegen Schmerzen in den Beinen
und auffälliger Müdigkeit Verdacht auf eine "rheumatische Erkrankung" bestand und wegen ständiger Kopfschmerzen sogar vermutet wurde, daß ein
Gehirntumor die Ursache sein könne. In allen solchen Fällen könne, so
Prof. Deamer, die Anamnese gar nicht sorgfältig genug durchgeführt werden.
Ist jedoch der Verdacht auf Nahrungsmittelallergie gegeben, so sollte man

-l-

�man drei Wochen lang das Kind auf eine Diät setzen, die bestimmte Nahrungskomponenten - insbesondere Milch, Schokoladen und Maisprodukte - ausschließt.
Denn Hauttests allein genügten nicht, um diese Frage zu klären. In mehr
als der Hälfte der Fälle führe das Weglassen von Milch, Milchprodukten und
Schokoladen (einschließlich der Cola-Erzeugnisse) schon nach kurzer Zeit
zu einem Verschwinden der Symptome.
Die verbreitete Annahme, daß sich eine Überempfindlichkeit des Säuglings gegen Milch, die beispielsweise mit dem Auftreten von Koliken oder
Durchfall zum Ausdruck kommt, mit der Zeit verliere, wenn man die Babynahrung vorübergehend entsprechend ändere, entspricht nach Dr. Deamers Erfahrung nicht den Tatsachen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit seien zwar in
den meisten Fällen nicht mehr die zuerst beobachteten Beschwerden zu registrieren, jedoch äußere sich die gegen bestimmte Nahrungsmittel nach wie
vor bestehende Allergie in anderen und teilweise irreführenden Symptomen,
z.B.chronischem Schnupfen oder Müdigkeit.

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SCHWERMETALLE ALS UMWELTGIFT

--(AD)— Quecksilber, Kadmium, Blei, Zink und Arsen gehören zu den gefürchteten Giftstoffen im Wasser. Für den Menschen wie für Tiere und Pflanzen
können sie selbst in sehr kleinen Mengen toxisch sein. Wie aber kommt es
zu dem Kreislauf von Metallen in der Biosphäre? Wie verbinden sie sich mit
anderen Metallen oder wie gehen sie in Formen über, die für den Menschen besonders schädlich sind? Sind diese Prozesse genau zu ermitteln und unter
Kontrolle zu bringen?
In einem Versuch, diese Art von Problemen besser zu verstehen, nahmen
Laboratorien des US-Handelsministeriums Studien in Angriff, mit denen charakteristische biologische und andere Prozesse geklärt werden sollen, durch
die Schwermetalle in Wasserläufen, Seen, Küstengewässern und in Grundwasser
mobilisiert und transportiert werden. Die bisherigen Erfahrungen vor allem
des "National Bureau of Standards" und das Interesse einer Reihe seiner Mitarbeiter an metallorganischen Verbindungen und an der biologischen Korrosion
von Materialien erleichtert das schwierige Unternehmen.

Es wird z.T. durch

die amerikanische Bundesbehörde für Umweltschutz finanziert.

Man

-l-

�Man will in erster Linie herausfinden, auf welchen Wegen elementares
und anorganisches Quecksilber in metallorganische Verbindungen übergeführt
wird, in welchem Umfang dies geschieht und welche chemischen und biologischen Faktoren diese Prozesse unterstützen oder blockieren. Erst auf der Grundlage solcher Untersuchungen ist es möglich, Kontrollverfahren für metallische
Belastungsstoffe der Gewässer zu entwickeln. So ist beispielsweise die genaue
Ermittlung des Umfangs der Bildung von Methylquecksilber eine Basis dafür, um
Aussagen zu maximal zuverlässigen Konzentrationen und die Zeitspanne zu
machen, in der eine Gefährdung durch sie besteht. Andererseits dürfte die genaue Beobachtung der Bedingungen, die für das Ausmaß der Methylierung maßgebend sind, Hinweise auf praktische Möglichkeiten zur Verminderung der
Dauerkonzentrationen erbringen.
Das Einleiten von Quecksilber und anderer giftiger Metalle in freie Gewässer und Sickerräume kann zwar gestoppt werden und wird auch schon unterbunden. Jedoch werden diese Substanzen noch Jahre danach von Pflanzen aus
verseuchtem Boden und verseuchtem Wasser absorbiert. Häufig sind die Konzentrationen der Giftstoffe im Boden, insbesondere in Sedimenten, um ein Vielfaches größer als im Wasser. Die Metalle können immer wieder in lebenden
Pflanzen und in tierischem Gewebe angereichert werden und so Eingang in die
Nahrungskette und in die menschliche Ernährung finden.
Untersuchungen in verschiedenen Laboratorien haben gezeigt, daß Quecksilber und seine anorganischen Salze in Gewässersedimenten durch Mikroorganismen in Methylquecksilber, eine unbeständige Verbindung, und in andere reaktionsfähige Zwischenprodukte umgewandelt werden. Vieles deutet aber auch darauf hin, daß es daneben andere, nichtbiologische Wege der Bildung spezifischer metallorganischer Verbindungen gibt. In umfangreichen und systematischen Laboratoriums-und Feldversuchen wollen Dr.F.E.Brinckman und Dr.W.Iverson vom "National Bureau of Standards" und Prof.R.Colwell von der Universität

�&lt;

Universität Maryland diese Probleme unter Einsatz der modernsten Analysenmethoden angehen. Bisher gibt es keine Methode, um Schwermetalle in der
oberen 50-60 cm dicken Sedimentschicht, wo sie sich ansammeln, auf chemischem Wege zu neutralisieren.
Ein empfindliches, dabei leicht transportables Instrument zur Messung
von Quecksilberkonzentrationen in anorganischen und organischen Proben sowie
in Luft entwickelten Dr. Peter R. Buseck, Dr. Roland C. Hanson und John J.
McNerney von der Staatsuniversität Arizona in Tempe. Seine Arbeitsweise beruht
auf dem Prinzip, daß sich der elektrische Widerstand eines auf eine Chromlage
aufgedampften Goldfilmes mit der -sehr geringfügigen- Menge von absorbiertem
Quecksilberdampf verändert. Auf diese Weise ist Quecksilber bereits in Konzentrationen von 0,05 Nanogramm (Milliardstel Gramm) nachweisbar. Nach Meinung der drei Wissenschaftler wäre das Instrument nach entsprechender Modifizierung auch zum Nachweis anderer giftiger Gase - Z.B.Schwefelwasserstoff geeignet.

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FISCHBESTÄNDE IM NORDOSTPAZIFIK

--(AD)-- Das Überfischen wichtiger Speisefische im Pazifik soll verhindert werden. Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler, die unter
der Leitung von Dr. D.L.Alverson (Direktor der Abteilung Nordwest des
US-Bundesamtes für Hochseefischerei in Seattle, Washington) und Dr. A. S.
Bagdanow (Direktor des sowjetischen Instituts für Fischereiwesen und Meeresforschung in Moskau) Ende 1972 zehn Tage lang in Moskau konferierten,
haben dazu Empfehlungen an ihre Regierungen ausgearbeitet. Betroffen ist
vor allem der Fang von Krabben, Flundern, Kabeljau, Heringen, Barsch und
Seehecht im nordöstlichen Pazifik, insbesondere im Seegebiet vor Oregon,
Washington, Britisch-Kolumbien, Alaska und im Beringmeer. Anfang 1973
sollen Regierungsvertreter beider Länder in Moskau entsprechende Vereinbarungen über Schutzmaßnahmen treffen.

+444

�</text>
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