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6. Dezember 1972

INFORMATION:

Inhalt
William P. Rogers bleibt Außenminister der USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werdenEnger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen
-Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehenGeorge F. Shultz, Finanzminister mit erweitertem Aufgabenbereich
Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Peter M.Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik
Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz
in Helsinki
-WortlautWIRTSCHAFT:
Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken
-Von unserem WirtschaftskorrespondentenStellvertreterausschuß nahm Währungsgespräche in Washington auf
-Von Eugene BrakeWISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation
-Von G.WeissNoch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen
Strahlungsausbruch eines Röntgensterns

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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49/1972

WILLIAM P. ROGERS BLEIBT AUSSENMINISTER DER USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden-

WASHINGTON — ( A D ) — William P. Rogers, einer der engsten Mitarbeiter Präsident Nixons, soll auch in der zweiten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Außenminister der USA bleiben.
Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 30. November
mitteilte, soll Außenminister Rogers für die nächsten vier Jahre ein "starkes neues Team" zur Seite stehen, damit die sich aus den außenpolitischen
Initiativen der letzten Jahre ergebenden Ziele verwirklicht werden könnten.
Präsident Nixon hat in diesem Zusammenhang noch einmal die hervorragenden Verhandlungsqualitäten von Außenminister Rogers unterstrichen und seine
Befriedigung darüber zum Ausdruck gebracht, daß Rogers auch in der neuen
amerikanischen Regierung eine "zentrale Rolle" spielen werde. Nixon verwies
auf eine Reihe von Initiativen, bei denen sich Außenminister Rogers besonders
engagiert habe, und nannte hier den Nahen Osten, die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Verhandlungen für eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung.
Zweiter

-1-

�Zweiter Mann im State Department und damit Stellvertreter von Rogers soll
der bisherige Stellvertretende Verteidigungsminister Kenneth Rush werden, der
vom Juli 1969 bis zum Februar 1972 Botschafter der USA in Bonn war. Er wird
die Nachfolge von John N. Irwin antreten, der einen hohen Botschafterposten
übernehmen soll.
Rush wurde am 17. Januar 1910 geboren, studierte an der Universität von
Tennessee und in Yale, war lange Jahre als Rechtsanwalt tätig und trat 1936
in den Dienst der Union Carbide Corporation, deren Präsident er von 1966 bis
zu seiner Berufung zum Botschafter in Bonn war.
Für das neugeschaffene Amt des Staatssekretärs für Wirtschaftliche Angelegenheiten im State Department ist der bisherige Leiter des Effekten-und
Börsenaufsichtsamtes, William J. Casey, vorgesehen. Damit soll nach den Worten von Präsident Nixon dem künftigen "intensiven internationalen Wirtschaftswettbewerb" Rechnung getragen werden. Casey habe auf seinem Posten im Effektenund Börsenaufsichtsamt jene Initiative bewiesen, die für das neue Amt benötigt werde. Der 59jährige Casey, von Haus aus Jurist, hatte maßgeblichen Anteil an der Durchführung des Marshall-Planes in Europa,
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im State Department soll der
bisherige Botschafter der USA und persönliche Vertreter Nixons bei den Pariser
Vietnamverhandlungen, William J. Porter, werden. Er wird an die Stelle von
U. Alexis Johnson treten, der mit einer neuen wichtigen Aufgabe betraut werden
soll. Porter leitet die amerikanische Delegation in Paris seit dem 31. Juli
1971. Vorher war er Botschafter der USA in Korea und Algerien sowie Stellvertretender Missionschef in Vietnam. Er gehört dem Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten seit 1937 an.
Das

-2-

�Das Amt des Staatssekretärs für die Koordinierung der Sicherheitshilfeprogramme der USA soll weiterhin von seinem bisherigen Leiter Curtis W. Tarr
geführt werden. Dieses Amt war 1971 durch Gesetz geschaffen worden und ist
seit Anfang 1972 besetzt. Zuvor war Tarr, der 1924 geboren wurde und an der
Harvard-Universität studiert hatte, Direktor der Bundeszentrale für Wehrdiensterfassung .
Alle Neuernennungen müssen vom Senat der USA bestätigt werden.

Rogers: USA werden ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter
verfolgen

Nach den Worten von Außenminister Rogers werden die Vereinigten Staaten
in den nächsten vier Jahren ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter verfolgen und das bisher auf außenpolitischem Gebiet Erreichte weiter ausbauen.
Vor Pressevertretern sagte Rogers am 30. November, hierzu gehörten insbesondere die Phase II der Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT), die vorgeschlagene Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa. Der Außenminister versicherte, daß er auch in
Zukunft seine ganze Kraft für die Interessen der Vereinigten Staaten einsetzen
werde. Dies habe er bisher getan, und dies werde auch in Zukunft der Fall
sein.
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49/1972
ENGER VERTRAUTER NIXONS ALS NATO-BOTSCHAFTER VORGESEHEN
- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat einen seiner engsten Mitarbeiter
und Vertrauten im Weißen Haus, den ehemaligen Kongreßabgeordneten Donald
Rumsfeld, als Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat vorgesehen. Wenn der Senat nach der Einberufung des neuen amerikanischen Kongresses im Januar nächsten Jahres die Ernennung Rumfelds bestätigt, wird er in Brüssel die Nachfolge von Botschafter David Kennedy antreten, der als früherer Finanzminister und Sonderbotschafter ebenfalls
zu den engen Vertrauten Nixons zählt. Kennedy wird in den Ruhestand treten.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, der die Ernennung am 4. Dezember bekanntgab, betonte, daß der Präsident der"Stärkung und Neubelebung des Bündnisses"höchste Priorität einräume. Dies komme
schon dadurch zum Ausdruck, daß er einen seiner engsten Mitarbeiter im
Weißen Haus für den Botschafterposten bei der NATO in Brüssel ausersehen
habe. Rumsfeld sei wegen seiner vielfältigen Erfahrungen, vor allem auch
auf wirtschaftlichem Gebiet und seines Verhandlungsgeschicks für den Posten
in Brüssel hervorragend geeignet.
Donald

�Donald Rumsfeld gehört seit Mai 1969 dem Kabinett Nixon an; zunächst
war er Leiter des Amtes zur Sicherung des Wirtschaftlichen Fortkommens
(OECf. und Referent im Weißen Haus, um dann Sonderberater des Präsidenten
zu werden.
Als Direktor des Lebenshaltungskostenrates ist Rumsfeld für die
Durchführung der Phase II des wirtschaftlichen Stabilitätsprogrammes des
Präsidenten verantwortlich. Gleichzeitig gehört er wichtigen wirtschaftlichen Beratungsgremien an.
Am 9. Juli 1932 in Chicago im Staate Illinois geboren studierte
Rumsfeld an der Princeton-Universität und diente von 1954 bis 1957 als
Fluglehrer bei der amerikanischen Marine. Anschließend war er als
Assistent für verschiedene Kongreßabgeordnete tätig und wurde dann 1962
selbst zum ersten Mal als Vertreter des Wahlkreises 13 in seinem Heimatstaat Illinois in den Kongreß gewählt. Bis zu seiner Wahl war er für das
Bankhaus A.G.Becker &amp; Co. in Chicago tätig gewesen.
Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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49/1972

GEORGE P. SHULTZ, FINANZMINISTER MIT ERWEITERTEM AUFGABENBEREICH

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
wird dem neuen Kabinett Nixon mit einem erweiterten Aufgabenbereich angehören.
Präsident Nixon hat Shultz nicht nur in seinem bisherigen Amt bestätigt, sondern ihn gleichzeitig zum Sonderberater des Präsidenten und zum Vorsitzenden
des neugeschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik ernannt.
Damit ist Shultz praktisch zum Gesamtkoordinator der amerikanischen Wirtschafts«
politik geworden.
Shultz, der bereits 1969 von Präsident Nixon zu seinem Arbeitsminister
ernannt worden war und der dann 1970 das neugeschaffene zusammengefaßte Amt
für Planung und Haushalt übernahm, wird dem Präsidenten auch je nach Bedarf
für Sonderaufgaben zur Verfügung stehen. Neben seinem Amt als Finanzminister,
das er am 12.Juni 1972 übernommen hat, wird Shultz als Sonderberater des Präsidenten im Weißen Haus ein eigenes Büro haben, und als Vorsitzender des
neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik wird er dem Präsidenten gegenüber die Gesamtverantwortung für die Finanz-und Wirtschaftspolitik der
Vereinigten Staaten nach innen und außen tragen.
Der

-1-

�Der Präsident selbst hat der Wirtschaftspolitik nach der nationalen
Sicherheit und Verteidigung die zweithöchste Priorität eingeräumt und damit
dürfte Shultz eine besondere Stellung im Kabinett einnehmen.
Geboren am 13. Dezember 1920 in New York wirkte Shultz nach dem Jurastudium an der Princeton-Universität (Bachelor of Laws 1942) und dem Wirtschaftsstudium am Massachusetts Institute of Technology (Doktor 1949) an dessen
wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät als Lektor und, ab 1955, a.o.Professor.
Seit 1957 o.Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität von Chicago und seit 1962 dessen Dekan hat sich Shultz einen internationalen Ruf in Finanz-und Wirtschaftsfragen erworben.

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Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von George P.
Shultz zur Verfügung .

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HERBERT STEIN BLEIBT VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden seines Wirtschaftsbeirates, Herbert Stein, am 1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Stein, der dem wichtigen Beirat seit dem 4. Februar 1969 angehörte,
hat am 1. Januar 1972 dessen Vorsitz von Paul W. McCracken übernommen.
Am 27. August 1919 in Detroit im Staate Michigan geboren studierte
Stein am Williams-College und war von 1938 bis 1945 als Wirtschaftler für
die amerikanische Regierung tätig - bis 1940 bei der Bundesdepositenversicherungsgesellschaft, 1940-41 bei der Nationalen Kommission für Verteidigungsberatung, von 1941-44 beim Kriegsproduktionsausschuß und 1945 beim Amt
für Kriegsmobilisierung.
Von 1945 bis 1969 gehörte Stein dem Ausschuß für Wirtschaftliche Entwicklung an und war zuletzt Chefwirtschaftsberater.
Im Jahre 1958 promovierte er an der Universität von Chicago in Wirtschaftswissenschaften.
Stein

-1-

�Stein hat sich auch als Wirtschaftspublizist einen Namen gemacht und
verschiedene Bücher und Fachartikel veröffentlicht, darunter ein Buch über
die Preispolitik der Regierung.
Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von
Herbert Stein zur Verfügung.

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PETER M. FLANIGAN BLEIBT VORSITZENDER DES RATES FÜR INTERNATIONALE
WIRTSC HAFTS POLITIK

WASHINGTON -~(AD)-- Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden des
Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter M. Flanigan, am
1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Flanigan, der seit dem 16. April
1969 dem Beraterstab des Weißen Hauses angehört, behält auch seinen Status
als Berater des Präsidenten.
Flanigan hatte bereits vor 1969 als ehrenamtlicher Berater der Regierung in Wirtschaftsfragen gewirkt und sich nach seiner Aufnahme in den Arbeitsstab des Präsidenten vorwiegend mit Fragen der Wirtschaft, des Handels und der Finanzen befaßt. Unter anderem hatte er Textilverhandlungen
mit Japan geführt.
Am 21. Juni 1923 in New York geborer

studierte Flanigan an der Prince-

ton-Universität und war im zweiten Weltkrieg Pilot auf einem Flugzeugträger der US-Marine im Pazifik.
Von 1947 bis zu seiner Berufung ins Weiße Haus im Jahre 1969 war
Flanigan bei der New Yorker Investitionsbank Dillon, Read &amp; Co. Inc. tätig. In den Jahren 1949 und 1950 erstellte er Wirtschaftsanalysen für die

-1-

�die Mission des Amtes für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (EAC) in Großbritannien. Ehrenamtlich arbeitete er auch für verschiedene Stiftungen
Bereits seit 1959 hatte er sich in Wahlkämpfen für Richard Nixon eingesetzt und war 1968 bei den Präsidentschaftswahlen Stellvertretender Wahlkampfmanager für Nixon.
Flanigan ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Peter
Flanigan zur Verfügung.

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PETER J.BRENNAN SOLL NEUER ARBEITSMINISTER WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Präsident Nixon hat den Gewerkschaftler Peter J. Brennan
zum Arbeitsminister in seinem Kabinett für die zweiten vier Jahre seiner
Amtszeit ausersehen. Die Nominierung Brennans bedarf noch der Bestätigung
durch den Senat.
Brennan wird damit der erste Gewerkschaftler seit 1953 sein, der dieses Amt übernimmt. Damals hatte Präsident Eisenhower Martin Durkin in das
Arbeitsministerium berufen. Brennan wird die Nachfolge von James Hodgson antreten, der von Präsident Nixon für einen anderen Regierungsposten auf internationaler Ebene vorgesehen ist. Wie der Pressesekretär des Weißen Hauses,
Ronald Ziegler, in diesem Zusammenhang mitteilte, habe Hodgson eine Entscheidung bezüglich seiner Zukunft noch nicht getroffen.
Brennan wurde am 24. Mai 1918 in New York geboren. Nach Besuch der Handelsschule trat er der Gewerkschaft der Maler und Tüncher bei. Schon während
der Vorbereitung auf die Meisterprüfung und auch während des anschließenden
College-Besuches war er aktiv für die Gewerkschaft tätig. Während des zweiten
Weltkrieges wurde Brennan zur Marine eingezogen und im Pazifik eingesetzt.

Seit

�Seit Kriegsende gehörte Brennan der Bauarbeitergewerkschaft an, zu deren
Präsident er 1957 in

der Stadt New York und 1958 für den Staat New York ge-

wählt wurde. Gleichzeitig ist Brennan Vizepräsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL/C10 für den Staat New York.
Neben der aktiven Gewerkschaftsarbeit hat sich Brennan in zahlreichen
kommunalen und karitativen Organisationen betätigt. Von Gouverneur Rockefeller
wurde er ferner in den Beirat für Arbeitsbeschaffung sowie in den Beirat des
Arbeitsministeriums des Staates New York für Sicherheitsbestimmungen berufen.
Und im September 1971 hatte Präsident Nixon ihn zum Mitglied des Nationalen
Beirates für die Förderung geistig und körperlich behinderter Kinder ernannt.
Brennan hat auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene zahlreiche
Auszeichnungen erhalten und sich in seiner Gewerkschaft besonders für die berufliche Förderung von Angehörigen der Minderheiten eingesetzt.
Brennan ist verheiratet und hat drei Kinder und fünf Enkel.

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ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PETERSON AUF DER KSZE-VORBEREITUNGSKONFERENZ IN HELSINKI
-Wortlaut-

HELSINKI--(AD)-- Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Val Peterson,
hat am 4. Dezember auf der Vorbereitungskonferenz für die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) folgende Erklärung abgegeben:
"Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren:
Ich möchte zuerst der Regierung Finnlands und der Stadt Helsinki meinen
tiefen Dank für die Vorbereitung dieser Konferenz aussprechen. Die großzügige finnische Gastlichkeit sollte

zusammen mit den uns zur Verfügung stehen-

den ausgezeichneten technischen Einrichtungen und ihrer hervorragenden Leitung unsere Arbeit wesentlich fördern. Wir sind wirklich dankbar, hier sein
zu dürfen.
In einer kürzlichen Erklärung an das amerikanische Volk hat Präsident
Nixon betont, und ich zitiere, "daß unser Land mit besonderer Dankbarkeit auf
die Ereignisse eines Jahres zurückblicken kann, das mehr Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden gebracht hat als irgend ein anderes Jahr

-1-

�Jahr während der letzten Generation" und daß ,lwir.... den Chancen entgegensehen können, die der Friede bringen wird".
Es bietet sich uns eine neue und einzigartige Möglichkeit, um zu dieser
sich entwickelnden Struktur des Friedens beizutragen. Im Mittelpunkt einer
friedlichen Welt steht ein friedliches Europa. Das ist die Lehre, die wir
alle aus zwei Weltkriegen gezogen haben. Und aus dieser Erfahrung haben die
Amerikaner noch eine weitere Lehre gezogen: Europas Sicherheit ist untrennbar mit der unsrigen verbunden.
Daher sehen wir dem Tag entgegen, da Europa nicht länger mehr gespalten
ist. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß Verständigung unter den
Völkern hierfür von grundlegender Bedeutung ist. Wir streben eine offenere
Welt an - offen für eine engere Zusammenarbeit und vermehrte Kontakte zwischen
den Völkern wie auch für einen freien Austausch von Gedanken und Informationen.
Herr Vorsitzender, wir treten in diese vorbereitenden Gespräche konstruktiv und aufrichtig ein. Wir glauben, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, wenn sie sorgfältig vorbereitet ist, bedeutsame
praktische Schritte ergreifen kann, um die Zusammenarbeit zu verstärken und
die Sicherheit, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung jedes einzelnen unserer
Staaten, frei von ausländischer Einmischung zu fördern

- und daß sie damit

einen echten Beitrag zu dem gegenwärtig sich vollziehenden Prozeß einer europäischen Aussöhnung leisten kann.
Es liegt reichlich Arbeit vor uns. Jeder der hier vertretenen Staaten hat
eine wichtige Rolle zu spielen. Wir wollen eine allseits befriedigende Basis
für eine Konferenz auf Ministerebene schaffen, die über einen möglichst weitgesteckten Rahmen verhandeln kann:
Zuerst

-2-

�Zuerst einmal sollten unseres Erachtens allgemein akzeptierte Prinzipien
für das internationale Verhalten ohne jede Einschränkung auf die Beziehungen
zwischen uns allen angewandt werden - und wir befürworten Maßnahmen, die Vertrauen aufbauen könnten, daß militärische Truppenbewegungen und Manöver nicht
Instabilität und Mißverständnis schaffen.
Ferner können wir unseres Erachtens mit gutem Willen ainige der wirklichen Hindernisse für freie Kontakte zwischen unseren Völkern und für einen vermehrten Austausch von Informationen und Gedanken beseitigen.
Schließlich streben wir Maßnahmen an, die eine engere Zusammenarbeit auf
den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Umwelt fördern.
Angesichts der Vielzahl der vor uns liegenden Themen erscheint es nur angebracht und logisch, daß wir jetzt prüfen, wie wir unsere Arbeit am besten
fortsetzen können.

In dieser Hinsicht, Herr Vorsitzender, wäre es unseres Erachtens ein Fehler, einfach den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und uns darauf zu
beschränken, nur eine Übereinkunft über Vereinbarungen für eine schließliche
Konferenz anzustreben. Täten wir dies, so würden wir die sich uns bietende Gelegenheit auslassen, eine Konferenz vorzubereiten, die bedeutsame Ergebnisse
zeitigen kann.
Unseres Erachtens wäre für uns der wünschenswerteste Weg, erst eine Übereinkunft über die Punkte einer Tagesordnung für eine Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa anzustreben.
Dies muß unserer Meinung nach zu einer sorgfältigen Prüfung der Bezugspunkte für eine weitere Vorbereitung jedes einzelnen Tagesordnungspunktes führen. Sobald wir einen Punkt erreicht haben, an dem es den Anschein hat, daß ausreichende Übereinstimmung in wesentlichen Fragen erreicht worden ist, so daß
ein weiteres Vorgehen gerechtfertigt wäre, ist es nur natürlich, daß wir unsere

-3-

�unsere Aufmerksamkeit den Verfahrensfragen für spätere Phasen, unter anderem
auch Ebene und Zuständigkeitsbereich der Konferenz selbst, zuwenden.
Herr Vorsitzender, ich sagte zu Beginn, daß sich uns eine neue und einzigartige Gelegenheit bietet. Wir stehen vor einer bedeutenden Aufgabe. Wir
sind damit betraut, sicherzustellen, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa meßbaren Fortschritt in Richtung auf Frieden und
Aussöhnung in Europa bringen wird. Angesichts der vor uns liegenden schwierigen Fragen wird es ein echter Prüfstein für die Diplomatie sein, ob es uns
gelingen wird, diese außergewöhnliche Aufgabe zu bewältigen. Wir sind zuversichtlich, daß konstruktive, verantwortungsbewußte und ernste Bemühungen jedes
Einzelnen an diesem Tisch es möglich machen werden, daß eine Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zur Schaffung einer Ära der Verhandlungen beitragen wird.

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KOORDINIERUNG DER WIRTSCHAFTSPOLITIK SOLL STELLUNG DER USA
IN DEN KOMMENDEN VERHANDLUNGEN STARKEN
-Von

WASHINGTON —

unserem Wirtschaftskorrespondenten-

Die Ernennung von Finanzminister George P. Shultz zum Vor-

sitzenden des neu geschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik
wird nachhaltige Auswirkungen auf die künftige Binnen-und Außenwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten haben. Damit soll vor allem dem seit langem
bestehenden Erfordernis Rechnung getragen werden, die von den einzelnen
Ministerien und unabhängigen Regierungsämtern in Wirtschaftsfragen verfolgte Politik besser aufeinander abzustimmen. In der Vergangenheit vertraten
zum Beispiel Landwirtschaftsministerium, Arbeitsministerium und andere
Regierungsdienststellen häufig etwas andere Ansichten als die für den Außenhandel, die Auslandshilfe und die Währungspolitik der USA unmittelbar Verantwortlichen. Es gab keine zentrale Stelle, die ein einheitliches, auf
einander abgestimmtes Programm in Wirtschaftsfragen für die gesamte amerikanische Regierung abstecken konnte.
Dies

-1-

�Dies soll mit dem neuen Kabinettsausschuß für Wirtschaftspolitik unter
dem Vorsitz von Finanzminister Shultz anders werden. Der Ausschuß wird alle
binnen-und außenwirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung aufeinander abstimmen. Ihm werden die Chefs des Arbeitsministeriums, des Handelsministeriums,
des Landwirtschaftsministeriums, des Verkehrsministeriums, des Außenministeriums und des Finanzministeriums sowie der Direktor des Amtes für Planung
und Haushalt und die Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten,
des Lebenshaltungskostenrates und des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik angehören. Shultz hatte, bevor er Mitte dieses Jahres das amerikanische Finanzministerium übernahm, selbst zwei dieser Ämter inne gehabt - er
war Arbeitsminister und Direktor des Amtes für Planung und Haushalt gewesen.
Auf internationaler Ebene bestätigen die Errichtung des neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik sowie andere von Washington in letzter Zeit
getroffene Maßnahmen eine Entwicklung, die in den letzten Wochen immer deutlicher zutagegetreten ist, nämlich die feste Absicht der Nixon-Administration,
der Außenwirtschaftspolitik einen höheren Rang in der Prioritätenliste einzuräumen und Entscheidungen in Fragen des Handels, der Reform des internationalen Währungssystems oder der Auslandsinvestitionen künftig auf einer höheren
Ebene zu treffen.
Noch vor den Novemberwahlen war bereits in Washingtoner Regierungskreisen
betont worden, daß im Falle einer zweiten vierjährigen Amtszeit Präsident
Nixons den wirtschaftlichen Fragen, und im besonderen den internationalen Wirtschaftsbeziehungen, ein bedeutend größeres Gewicht zukommen werde. Berichten
zufolge soll Präsident Nixon sogar beabsichtigen, künftig häufiger persönlich
einzugreifen, um einen etwaigen toten Punkt in internationalen Wirtschaftsverhandlungen überwinden zu helfen, so wie der Präsident dies bereits beim
Zustandekommen des Smithsonian-Abkommens vom Dezember vorigen Jahres getan
hatte.
Finanzminister

-2-

�Finanzminister Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds(IWF) im September die Notwendigkeit unterstrichen, internationale Wirtschaftsfragen künftig auf einer hohen Regierungsebene zu behandeln, da es sich hier um Dinge handele, die für die nationalen Interessen
bestimmter Länder von großer Wichtigkeit seien. Internationale Entscheidungen
über solche Fragen könnten nur dann glaubwürdig und wirksam sein, wenn sie von
Politikern getroffen würden, die innerhalb ihrer eigenen Regierung maßgebenden
Einfluß haben. Das Finanzminister Shultz nunmehr übertragene neue Amt verleiht seinen Worten künftig ein solches Gewicht.
Amerikanische Regierungskreise weisen in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen einen gewichtigen Faktor bei der Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen den Ländern bilden. Und Außenminister
Rogers hat mit Recht darauf hingewiesen, daß Präsident Nixon die Tatsache,
daß wir in einer "interdependenten Welt" leben, in der für alle so viel auf
dem Spiele steht, daß niemand den Frieden zu stören wagen kann, allen ins Bewußtsein zu rufen sucht. Handelsminister Peterson verwies auf dem Außenhandelskonvent in New York darauf, daß Handelspolitik zugleich Außen-, Sicherheits-.
Innen-wie auch Energiepolitik ist und daher im nationalen Interesse auf höchster
Ebene abgestimmt werden müsse. In diesem Sinne ist auch die Schaffung des Postens
eines weiteren Staatssekretärs für Wirtschaftliche Fragen im amerikanischen
Außenministerium zu sehen, für den Präsident Nixon den bisherigen Direktor des
Amtes für Planung und Haushalt, William J. Casey, nominiert hat.

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STELLVERTRETEKAUSSCHUSS NAHM WÄHRUNGSGESPRÄCHE IN WASHINGTON AUF
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Das für die detaillierten Verhandlungen über ein neues
internationales Währungssystem zuständige internationale Gremium - die Stellvertretergruppe des Zwanziger-Ausschusses - hat letzte Woche in Washington
seine erste Sitzungsrunde abgeschlossen.
Im Mittelpunkt der Debatten auf dieser ersten Zusammenkunft der internationalen Währungsexperten stand eines der heikelsten Themen, mit denen sich
die Stellvertretergruppe zu befassen hat, nämlich wie im Rahmen des neuen
Systems ständige Zahlungsbilanzungleichgewichte abgebaut werden können, die
das alte, unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffene
WährungsSystem in so große Schwierigkeiten brachten. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die Form des Anpassungsprozesses und die Frage, welche Rolle
Wechselkursanpassungen bei der Überwindung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten
spielen können.
Sehr eingehend wurde dabei der amerikanische Vorschlag diskutiert, daß
sich das neue internationale Währungssystem objektiver Indikatoren für die
Entscheidung bedienen müsse, wann eine Regierung Maßnahmen zur Korrektur eines

-1-

�eines internationalen Zahlungsungleichgewichtes ergreifen soll. Nach Auffassung
der USA hat eine Regierung die Pflicht zu handeln, sobald es sich bei einem
Ungleichgewicht um einen Zahlungsbilanzüberschuß oder ein Zahlungsbilanzdefizit
handelt.
Der amerikanische Finanminister George Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im September betont, der beste
und objektivste Indikator hierfür sei, wenn sich der Stand der internationalen
Währungsreserven eines Landes -IWF-Sonderziehungsrechte, Gold und harte Devisenverändere. Gerade dieser Punkt wurde jetzt von den Währungsexperten eingehend
erörtert; die Vereinigten Staaten erläuterten ihre Auffassung näher, und die
anderen Staaten legten ihre Ansichten dazu dar. Wie der Vorsitzende der Gruppe,
Jeremy Morse, vor Korrespondenten betonte, bestand allgemeine Übereinstimmung
darüber, daß die angewandten objektiven Indikatoren lediglich die Notwendigkeit

von Anpassungsmaßnahmen seitens der betreffenden Regierung anzeigen sollten,
nicht jedoch von spezifischen Wechselkursänderungen, sobald der Gefahrenpunkt
überschritten ist. Die USA hatten bereits zu einem früheren Zeitpunkt darauf hingewiesen, daß den einzelnen Ländern nach ihrer Ansicht ein, Höchstmaß an Freiheit
hinsichtlich der Wahl der Anpassungsmaßnahmen - beispielsweise Handelsliberalisierung statt Wechselkursänderung, sofern damit das angestrebte Ziel auch erreicht werden kann - eingeräumt werden sollte. Es soll also, wie Morse ausführte, bei Erreichen eines bestimmten Punktes nicht"automatisch"eine bestimmte Maßnahme ausgelöst werden.
Verschiedene Länder waren offensichtlich der Ansicht gewesen, daß den Vereinigten Staaten ein "automatisches System" vorschwebte, als Finanzminister
Shultz die amerikanischen Pläne auf der IWF-Jahrestagung darlegte. Diese Auffassung ist von dem Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul Volcker, korrigiert worden, der in seiner Rede auf dem amerikanischen Außenhandelskonvent in
New York am 13. November erklärte, daß solche vereinbarten objektiven Kriterien

-2-

�Kriterien nicht unfehlbar auf entsprechende Maßnahmen hinweisen könnten. Sie
könnten lediglich Zeiten schwerwiegender Zahlungsbilanzungleichgewichte anzeigen und zu der Auffassung führen, daß wirksame Anpassungsmaßnahmen vorgenommen
werden sollten. Die betreffenden Länder, so hatte Volcker weiter ausgeführt,
sollten und könnten selbst weitgehend über die Form ihrer Anpassungspolitik
entscheiden. In internationalen Konsultationen werde festgestellt werden, ob
das Kriterium auf eine bestimmte Situation anzuwenden oder der seltene Fall
eingetreten sei, daß das Kriterium ein "falsches Signal" gesetzt habe.
Aber auch ein anderer Punkt wurde auf dieser ersten Sitzungsrunde erörtert,
nämlich inwieweit Druck oder Sanktionen angewandt werden dürfen, falls die internationalen Konsultationen nicht ausreichten, um ein Land zur Durchführung
der erforderlichen Anpassungen zu bewegen. Morse betonte jedoch, daß die Gesprächsteilnehmer zu diesen oder zu anderen Aspekten des Reformpaketes noch
nicht endgültig Stellung beziehen würden, bevor die Stellvertreter alle Fragen
geprüft hätten.
Die Stellvertretergruppe hofft, bereits auf ihrer nächsten Sitzungsrunde
vom 23. bis 25. Januar in Paris die Erörterungen des Anpassungsprozesses abschließen und sich einem weiteren wichtigen Gebiet zuwenden zu können, nämlich
der Rolle, die IWF-Sonderziehungsrechte, Gold, Dollar und andere Reservewährungen in dem neuen System einnehmen werden. Auf der März-Sitzung sollen dann die
besonderen Interessen der Entwicklungsländer zur Sprache kommen. Die Stellvertretergruppe will weiterhin alle zwei Monate zusammentreten, so daß der gesamte
Fragenkomplex einer Reform des internationalen Währungssystems bis zur nächsten
Jahrestagung des IWF im September 1973 in Nairobi behandelt werden kann.

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49/1972

APOLLO 17:
RÄTSELHAFTE GRAVITATION
Von G.Weiss

.--(AD)-- Als Wirkungskraft ist die Gravitation, die Anziehungskraft zwischen zwei oder mehreren Massen, wohlbekannt, obgleich ihr Wesen noch
nicht restlos aufgeklärt ist. Die Entfernung der Körper voneinander und
ihre relative Größe spielen jedenfalls eine wichtige Rolle. Der englische
Naturforscher Isaac Newton berechnete die Gravitation und wies auf Grund
seiner Beobachtungen von Planetenbahnen um die Sonne schon vor 290 Jahren
nach, daß es sich bei dieser Kraft um eine universale Größe, eine Naturkonstante handelt.
Gravitation ist zwischen allen Massen vorhanden, gleichgültig, wo sie
sich gerade befinden. Sie erklärt, weshalb ein Apfel zu Boden fällt, ein
locker gespanntes Seil durchhängt oder weshalb die Planeten scheinbar unverändert in ihrer Bahn um die Sonne verbleiben. Ihre Eigenbewegung ist das
Resultat eines Gleichgewichtszustandes zwischen Kräften innerhalb eines bestimmten Bezugssystems und im Einflußbereich eines Gravitationsfeldes.
Auch

-l-

�Auch die Erde und ihr Satellit, der Mond, bilden eines der unzähligen
Systeme im Kosmos, dessen einzelne "Glieder" ein gemeinsames Gravitationszentrum haben. Aber die Masse des Mondes greift an den Milliarden und Abermilliarden Materieteilchen, aus denen die Erde besteht, mit unterschiedlicher Stärke
an, weil diese Teilchen verschieden weit von der Masse des Mondes entfernt und
verschieden stark beweglich sind. Daraus erklären sich z.B. Ebbe und Flut oder
auch die Deformation von festem Gestein an oder nahe der Erdoberfläche unter
dem Einfluß der Massenanziehung des Mondes.
Während dabei die Erdkruste stellenweise um Zentimeter oder ein paar Dezimeter verformt wird und, gemessen an der flächenmäßigen Ausdehnung, in
einem normalerweise kaum wahrnehmbaren Ausmaß "pulsiert", können die Höhenunterschiede zwischen Ebbe und Flut an den Meeresküsten sogar mehr als 20 m
betragen. Das ist örtlich ganz verschieden und von sehr vielen zusätzlichen
Faktoren, u.a. vom Wind und vom Stand der Sonne (und damit von deren Massenanziehung als weiterer Komponente) abhängig.
Entsprechende Messungen wurden bisher nur auf der Erde durchgeführt. Beim
Unternehmen APOLLO 17 sollen nun zum ersten Mal Gravimeter auf einem anderen
Himmelskörper eingesetzt werden. Das eine dieser Instrumente, das die Astronauten bei ihren Erkundungsfahrten mitführen, wird absolute Messungen des örtlichen Schwerefeldes im Bereich des Landeplatzes ermöglichen. Das andere dagegen soll über einen längeren Zeitraum relative Werte der Gravitation unter
dem Einfluß der Massenanziehungskraft anderer kosmischer Objekte übermitteln.
Die für dieses Experiment zuständigen Wissenschaftler hoffen,, dabei auch
"Gravitationswellen" aus der Tiefe des Universums registrieren zu können.
Gravitationswellen spielen seit Einführung der allgemeinen Relativitätstheorie durch Albert Einstein im Jahre 1915 in der theoretischen Physik eine
Rolle. Demnach müßten beschleunigte Massen, sofern sie sich nicht gleichförmig

-2-

�gleichförmig parallel, sondern relativ zueinander und deshalb mit veränderlicher Massenanziehung bewegen, Gravitationswellen abstrahlen, die sich mit
Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen. Diese Wellen führen Energie und Kraftmomente mit sich und sind somit in gewisser Weise elektromagnetischen Wellen vergleichbar. Während diese jedoch nur mit elektrischen Ladungen und Strömen in
Wechselwirkung treten, reagieren Gravitationswellen mit allen Formen von Materie
und Energie.
Der amerikanische Physiker Dr. Joseph Weber von der Universität Maryland
versucht seit fast eineinhalb Jahrzehnten, mit empfindlichen Detektoren Gravitationswellen zu erfassen. Durch ständige Verbesserung seiner Apparaturen
und seiner Meßtechnik glaubt Dr. Weber, daß ihm dies in den letzten drei Jahren
auch tatsächlich schon mehrfach gelungen sei und das Milchstuaßenzentrum als
"Strahlungsquelle" ausgemacht werden könne. Viele seiner Kollegen zweifeln
die Ergebnisse und ihre Interpretation an. Dennoch sind ähnliche Experimente
inzwischen an zahlreichen Instituten in aller Welt in Angriff genommen worden;
auch das Max Planck-Institut in Garching bei München befaßt sich damit.
Das größte Hindernis bei derartigen Experimenten ist eben die Tatsache,
daß die Energie möglicher Gravitationswellen für die meisten Objekte auf der
Erde viel zu klein ist, um hier überhaupt gemessen werden zu können. Deshalb
ist Weber schon seit langem dazu übergegangen, Detektoren mehr als 1 000 km
voneinander entfernt aufzustellen und sie durch Telefonverbindung miteinander
zu koppeln. Denn da es sich bei den von ihnen registrierten Vibrationen
- vielleicht - um die Wirkung einer kosmischen Kraft handelt, müßten diese
Vibrationen auf der Erde an vielen Orten gleichzeitig verzeichnet werden
können. Besser wäre es jedoch, sowohl von der Erde als auch einem anderen
Himmelskörper Meßdaten dafür zu bekommen, beide Objekte gewissermaßen als
"Antennen" für Gravitationswellen aus dem Kosmos zu benutzen.
Genau

-3-

�Genau das soll beim Unternehmen APOLLO 17 geschehen. Dr. Weber
schickt ein Oberflächengravimeter mit auf die Reise, dessen Meßdaten
möglicherweise auch über Gravitationswellen, die den Mond durchlaufen,
Auskunft geben. Allerdings wäre der Effekt nur dann als solcher zu erkennen, wenn zur gleichen Zeit Detektoren auf der Erde, wo allerdings
Ebbe und Flut, Druckveränderungen in der Atmosphäre und seismische Aktivität erhebliche Störeffekte ausüben, ihn ebenfalls registrierten.
In erster Linie aber gibt das Webersche Gravimeter, das nach dem
Prinzip einer empfindlichen Federwaage - mit einem Präzisionsgewicht aus
Wolfram und einer Spiralfeder - funktioniert und Schwingungen als Folge
der Aufnahme von Vibrationen in elektrische Meßwerte umsetzt, Auskunft
über den Massenanziehungseffekt der Erde, der Sonne und der übrigen Planeten des Sonnensystems auf dem Mond. Die Kräfte verändern sich ja ständig mit der jeweiligen Position der Himmelskörper zueinander. Jedenfalls
stellt der Mond für diese Art Untersuchungen ein geradezu ideales Experimentierfeld dar. Man erwartet, daß das Oberflächengravimeter etwa
zwei Jahre lang Daten übermittelt.

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49/1972

NOCH MEHR SCHUTZ VOR IONISIERENDEN STRAHLEN

--(AD)-- Eine Gruppe prominenter amerikanischer Wissenschaftler hat vorgeschlagen, die für die allgemeine Bevölkerung zulässige Dosis an ionisierender Strahlung noch mehr zu reduzieren. In einem 470 Seiten umfassenden
Bericht begründet eine Kommission der Nationalen Akademie der Wissenschaften, welche sich speziell mit den biologischen Auswirkungen ionisierender
Strahlen befaßt, ihre vor allem für viele Gebiete der Medizin einschneidende Schlußfolgerung. Die Bedenken der Expertengruppe beruhen auf der Befürchtung, daß bei weiterer Anwendung von Röntgenstrahlen und anderen Quellen
ionisierender Strahlung im bisherigen Umfang die Häufigkeit der Krebserkrankungen und der Erbschädigungen in den kommenden Jahrzehnten zunehmen werde.
Die Untersuchungen, die dem Bericht vorausgingen, wurden auf Ersuchen
der US-Bundesbehörde für Umweltschutz und des amerikanischen Bundesministeriums für das Gesundheitswesen durchgeführt. Auf Grund der bisher gültigen
Bestimmungen ist pro Jahr eine Bestrahlungsdosis bis zu 170 Millirem (170
Tausendstel "röntgen cquivalent man" = biologisches Äquivalent von Röntgenstrahlung) zulässig. Diese Maximaldosis, die beispielsweise

durch vier

Röntgenaufnahmen vom Brustkorb Zustandekommen würde, möchte die Kommission
reduziert sehen. Sie befürchtet, daß andernfalls mit der Zeit die Todesfälle
als Folge von Krebs um 2 Prozent jährlich ansteigen würden. Denn die

-i-

�die Strahlenwirkung im Organismus summiert sich im Laufe der Jahre.
Auch in der Natur ist ionisierende Strahlung vorhanden. Sie entsteht
durch kosmische Strahlen oder den Zerfall radioaktiver Bestandteile von
Gestein, beispielsweise im Granit. In manchen Gegenden beträgt diese Dosis
sogar ein Mehrfaches der oben erwähnten Maximaldosis aus künstlichen Quellen.
Angesichts cieser Strahlenbelastung, gegen die sich niemand schützen kann,
sollte nach Meinung der Kommission die Belastung durch künstliche Strahlungsquellen so klein wie nur irgend möglich gehalten werden. In dieser Beziehung
seien noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. In dem Bericht werden
u.a. elektronische Geräte und Leuchtzifferuhren als mögliche Strahlungsquellen
erwähnt, bei denen noch mehr als bisher auf eine Verminderung ihrer Strahlen emmission hingearbeitet werden sollte.Die Bemühungen sollten sich jedoch
.rster Linie auf die weitere Verbesserung der Röntgentechnik und auf die
stärkere Beachtung und Entwicklung von Methoden richten, um die Einwirkung
von Röntgenstrahlen auf ein Mindestmaß zu beschränken. So wird u.a. in Frage
gestellt, ob Schirmbild-Massenuntersuchungen, beispielsweise auf Lungenkrebs
und Tuberkulose, tatsächlich im bisherigen Umfang erforderlich und ergiebig
genug seien. Zumindest sollte der Kreis der auf diese Weise zu untersuchenden
Personen durch mögliche anderweitige Tests wesentlich eingeschränkt werden.
Ähnliches gelte für diagnostische Untersuchungen beim Mann und bei Frauen
(z.B. zur Vornahme einer Mammographie), bei denen bereits eine Schwangerschaft
festgestellt wurde oder zu vermuten ist.

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49/1972

STRAHLUNGSAUSBRUCH EINES RÖNTGENSTERNS

--(AD)— Um mehr als das 200fache ihrer normalen Intensität verstärkten
sich Anfang September 1972 die Radiosignale von Cygnus X-3, einer Röntgenstrahlungsquelle im Sternbild des Schwans. Dr. Mark A. Stull und Larry R.
D'Addario beobachteten die "Eruption" von Radiostrahlung über mehrere Tage
mit einem der modernsten Radioobservatorien der Welt - nämlich mit dem
aus fünf Parabolantennen bestehenden Interferometer des radiowissenschaftlichen Instituts der Stanford-Universität. Jede der Schüsselantennen des
Observatoriums hat 18 m Durchmesser.Die Antennen,die auf einer 205 m langen,
von Ost nach West verlaufenden Strecke montiert sind, können auf jede Radioquelle am Firmament gerichtet werden und diese beobachten, solange sie über
dem Horizont steht. Die Oberfläche der fünf Antennen zusammen entspricht
dem Auflösungsvermögen einer Einzelantenne von mehr als 200 m Durchmesser.
Die Meßdaten jeder Station werden separat aufgezeichnet und von einem
Computer wieder zusammengefügt, der auf Befehl den Durchschnittswert für
die Einzelmessungen ausdruckt.
Nie zuvor war ein derartiges Phänomen, das sich einige Wochen später
noch einmal wiederholte und auch von einigen anderen Radioobservatorien
erfaßt wurde, beobachtet worden. Der Ost-West-Durchmesser der unsichtbaren

�unsichtbaren Strahlungszunge betrug den Meßdaten zufolge auf dem 2,8 craBand (10 690 Megahertz) nicht mehr als fünf Bogensekunden. Mit dem optischen Fernrohr ist die Strahlungsquelle, einer der hellsten "Röntgensterne",
der bisher geortet wurde, nicht auszumachen. Niemand weiß genau, wie weit
sie von der Erde entfernt ist oder um was für ein Objekt es sich tatsächlich
handelt. Man glaubt jedoch, daß s_ch Cygnus X-3 in der Nähe eines optisch
gut sichtbaren Sternhaufens befindet, dessen Entfernung auf ca. 6 500 Lichtjahre geschätzt wird.
Cygnus X-3, vor ein paar Jahren mit Hilfe einer Forschungsrakete entdeckt, eröffnete der Astronomie eine neue Dimension. Inzwischen wurden
-vor allem durch entsprechend ausgerüstete Forschungssatelliten- mehr als
hundert Röntgenstrahler im Kosmos ausfindig gemacht. Eine ganze Anzahl von
ihnen gibt in diesem sehr kurzwelligen Bereich des elektromagnetischen Spektrums viel mehr Energie ab als im Bereich des sichtbaren Lichts oder der
Radiowellen.

-2-

�</text>
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              <text>&lt;p&gt;1. Information&lt;br /&gt;William P. Rogers bleibt Außenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;George P. Shultz, Finanzminister mit erweirtem Aufgabenbereich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter M. Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz in Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stellvertreterausschuss nahm Währungsgespräche in Washington auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlungsausbruch eines Röntgensterns&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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