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29. November 1972

48

Inhalt
INFORMATION:
Elliot L. Richardson zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister
vorgesehen
Caspar W. Weinberger soll Ministerium für Gesundheit, Erziehung und
Sozialfragen übernehmen
Roy L. Ash soll neuer Direktor des Amtes für Planung und Haushalt
werden
Washington unterstreicht Bedeutung der Konsultationen mit den NATOVerbündeten
Von Marie H.König

L
DOKUMENTATION:
Schreiben Nixons zur Eröffnung von SALT II
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:
USA werden nachdrücklich auf Lösung der anstehenden Handelsprobleme
hinarbeiten
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Pakt zum Schutz der Ozeane
-91 Länder einigten sich auf internationale KonventionLaborsynthese von Lanosterin gelungen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Ab/1972

ELLIOT L.RICHARDSON ZUM NEUEN AMERIKANISCHEN VERTEIDIGUNGSMINISTER VORGESEHEN

WASHINGTON --(AD)«- Zum neuen Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten
hat Präsident Nixon am 28. November den jetzigen Gesundheits-, Erziehungsund Sozialminister Elliot L. Richardson vorgesehen. Richardson soll die
Nachfolge von Melvin R. Laird antreten, der das Amt des Verteidigungsmi~
nisters seit dem 20.Januar 1969 innehat.
Richardson war am 24. Juni 1970 von Präsident Nixon an die Spitze des
Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen berufen worden, nachdem er seit Januar 1969 Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium
gewesen war.
Am 20. Juli 1920 in Boston, Massachusetts, geboren, hat Richardson an
der Harvard-Universität studiert und dort 1941 den Grad eines Bachelor of
Arts und 1947 den eines Bachelor of Laws erworben. Im Kriege diente er als
Oberleutnant bei der US-Armee und nahm u.a. an der Landung der alliierten
Truppen in der Normandie teil. Nach einer dreijährigen Assistententätigkeit
an einem Bundesberufungsgericht bei Richter Learned Hand und am Obersten

-l-

�Obersten Bundesgericht bei Oberrichter Felix Frankfurter praktizierte er,
seit 1949 Mitarbeiter einer angesehenen Anwaltskanzlei in Boston

und seit

1950 zu den Gerichten von Massachusetts zugelassen, bis 1956 als Anwalt, Zwischendurch war Richardson 1952 an der Harvard-Universität als Lektor und
Chefredakteur der juristischen Fachzeitschrift "Havard Law Review" und 1953
bis 1954 als Referent des republikanischen Senators Leverett Saltonstall tätigIm Jahre 1957 berief ihn Präsident Eisenhower als Unterstaatssekretär
für Gesetzgebungsfragen in das Gesundheits-, Erziehungs-und

Sozialministerium.

Zwei Jahre später übernahm Richardson das Amt des Anklagevertreters der Bundesgerichtsbarkeit in seinem Heimatstaat. 1961 fungierte er kurze Zeit als Sonderreferent im Justizministerium und wurde noch im gleichen Jahr Teilhaber seiner
alten Bostoner Anwaltskanzlei. Von 1965 bis 1969 war er erst stellvertretender
Gouverneur und später Justizminister von Massachusetts, bis ihn Präsident Nixon
kurz nach seinem Amtsantritt als Staatssekretär und Ministerstellvertreter
ins Außenministerium berief. Elliot Lee Richardson ist verheiratet und hat
zwei Söhne und eine Tochter.

i I I H-

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Elliot Lee
Richardson zur Verfügung.

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48/1972

CASPAR W.WEINBERGER SOLL MINISTER FÜR GESUNDHEIT, ERZIEHUNG
UND SOZIALFRAGEN WERDEN

WASHINGTON --(AD)-- Caspar W. Weinberger, der bisherige Direktor des wichtigen Amtes für Planung und Haushalt, ist von Präsident Nixon am 28. November ausersehen worden, das Amt des Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialministers zu übernehmen. Er wird damit die Nachfolge Elliot L.Richardsons
antreten, der im neuen Kabinett Nixon als Verteidigungsminister vorgesehen
ist.
Weinberger hatte am 16. Mai 1972 das Amt für Planung und Haushalt übernommen, nachdem er seit

1. Juli 1970 stellvertretender Direktor dieses zu

diesem Zeitpunkt neugeschaffenen zusammengefaßten Amtes gewesen war.
Am 18. August 1917 in San Francisco geboren studierte Weinberger in
Harvard, wo er 1938 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts erwarb, um
dann 1941 an derselben Universität sein juristisches Examen abzulegen. Er
diente vier Jahre in der US-Armee und wurde 1945 als Hauptmann entlassen. Anschließend trat er in den Justizdienst ein, um dann ab 1947 als Rechtsanwalt
zu praktizieren.
Im

-1-

�Im November 1952 w u r d e er in das Parlament des Staates K a l i f o r n i e n g e w ä h l t und hatte eine führende R o l l e in der republikanischen P a r t e i in diesem
Staat inne. Im S t a a t s p a r l a m e n t befaßte er sich vor allem m i t F r a g e n der R e g i e r u n g s o r g a n i s a t i o n und w u r d e 1955 v o n den P a r l a m e n t s J o u r n a l i s t e n zum fähigsten A b g e o r d n e t e n g e w ä h l t .
Nach einer e r f o l g r e i c h e n T ä t i g k e i t als A n w a l t und P u b l i z i s t v o n 1959
b i s 1968 ernannte ihn G o u v e r n e u r R e a g a n A n f a n g 1968 zum Direktor der Finanzen des S t a a t e s K a l i f o r n i e n . E n d e 1969 w u r d e W e i n b e r g e r in die Bundeshandelskommission berufen.
W e i n b e r g e r ist v e r h e i r a t e t und hat einen S o h n u n d eine T o c h t e r .

I1 H I

A u f A n f o r d e r u n g stellen w i r Ihnen gerne eine P o r t r ä t a u f n a h m e v o n C a s p a r W.
W e i n b e r g e r zur V e r f ü g u n g .

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48/1972

ROY L.ASH SOLL NEUER DIREKTOR DES AMTES FÜR PLANUNG UND HAUSHALT
WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Der kalifornische Industrielle Roy L. Ash ist von Präsident Nixon zum Direktor des Amtes für Planung und Haushalt in der neuen USRegierung ausersehen worden, die im Januar in ihr Amt eingeführt werden soll.
Ash ist seit 1961 Präsident der Litton Industries Inc. Er gehört zu den
Mitbegründern dieser Gesellschaft und war seit 1953 Mitglied des Direktoriums.
Von April 1969 bis Mai 1971 war Ash Vorsitzender des Beirates des Präsidenten
für die Reorganisation der Regierung. In dieser Zeit hat der Beirat Präsident
Nixor. zahlreiche Empfehlungen für eine Straffung der Regierungsarbeit, darunter auch für die Umbildung des früheren Budgetamtes in das heutige Amt für
Planung und Haushalt, vorgelegt.
Ash wurde am 20. Oktober 1918 in Los Angeles geboren und studierte an
der Harvard Universität Wirtschaftswissenschaften. Von 1936 bis 1942 und von
1947 bis 1949 was Ash für die Bank of America tätig, und von 1949 bis 1953
war er Leiter der Finanzabteilung der Hughes Aircraft Company. Während des
zweiten Weltkrieges diente er bei der amerikanischen Luftwaffe und schied 1945
als Hauptmann aus.
Ash

�Ash ist ferner Direktor der Bank America Corporation, der Bank of America,
der Global Marine Inc. und der Pacific Mutual Life Insurance Company sowie
Ko-Vorsitzender der japanisch-kalifornischen Gesellschaft. Ferner gehört er
dem Kuratorium des California Institute of Technology, des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung und des Urban Institute sowie dem Exekutivausschuß
des amerikanisch-japanischen Beirats an.
Ash ist verheiratet und hat fünf Kinder.

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48/1972

WASHINGTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER KONSULTATIONEN MIT
DEN NATO-VERBÜNDETEN

Von Marie H.König

WASHINGTON --(AD)-- Weil in Kreisen der Nordatlantischen Versammlung die Ansicht vertreten wird, daß eine Ausweitung der "streng bilateralen Diplomatie" zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion potentielle Gefahren
für die westliche Solidarität mit sich bringen könnte, ist es wichtig, sich da
in die Erinnerung zurückzurufen, was der amerikanische Außenminister William
P.Rogers im Mai in Bonn auf der Ministerratstagung der NATO gesagt hat.
Außenminister Rogers war damals direkt von den Gipfelgesprächen, die
Präsident Nixon in Moskau geführt hatte, nach Bonn gekommen und hatte auf den
geheimen Sitzungen der Minister immer wieder unterstrichen, "daß der Erfolg
unseres Besuches in Moskau nicht im geringsten auf Kosten unserer Verbündeten
gegangen ist". Und ein wichtiger Punkt, den Rogers herausstellte, war, daß die
sowjetischen Gesprächspartner höflich aber fest zurückgewiesen worden seien,
wenn immer die Sowjets Präsident Nixon oder ihm eine Möglichkeit anboten,
einseitig für die NATO zu sprechen. Von amerikanischer Seite sei dabei betont

�betont worden, daß Moskau und Washington nicht über das Schicksal Europas entscheiden könnten. Moskau, so erklärte Rogers damals, sei davon unterrichtet worden, daß die USA mit ihren Verbündeten umfassende und ständige Konsultationen
über alle Fragen führen würden, die die Sicherheit Europas berühren.
Außenminister Rogers bereitet sich gegenwärtig auf eine neue NATO-Ministerratstagung vor, die im Dezember in Brüssel stattfinden wird. Wie der Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, dieser Tage vor Korrespondenten betonte, wird Rogers auf der Konferenz eingehende Konsultationen mit den
übrigen Außenministern führen und zwar gerade zu dem Zweck, die Politik der NATO
im Hinblick auf die beiden wichtigen, für 1973 vorgesehenen Ost-Westkonferenzen
aufeinander abzustimmen.
Der amerikanische Außenminister wird zu einem entscheidend wichtigen Zeitpunkt in Brüssel sein, denn die vorbereitenden Gespräche für eine Konferenz über
Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) haben soeben zwischen
Vertretern von 34 Ländern in Helsinki begonnen, und am 31. Januar 1973 sollen
ebenfalls vorbereitende Gespräche für eine Konferenz mit den kommunistischen
Ländern Europas über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung(MBFR)
aufgenommen werden.
Auf eine am 23. November von der Nordatlantischen Versammlung in Bonn angenommene Resolution angesprochen, in der auf potentielle Gefahren für die westliche Solidarität angesichts der amerikanisch-sowjetischen Geheimdiplomatie verwiesen worden war, erwiderte Bray, daß die Vereinigten Staaten gerade dieser Frage,
nämlich Politik und Konsultationen zwischen den USA und den übrigen Mitgliedern
des Bündnisses zu harmonisieren, große Bedeutung beimessen. Bereits während der
ersten Runde der Verhandlungen über eine Reduzierung der Strategischen Rüstungen
(SALT I) hätten die Vereinigten Staaten strikt diesen Weg verfolgt.
Von

-2-

�Von Seiten des amerikanischen Außenministeriums wurde in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, daß die Nordatlantische Versammlung, die sich aus Paria»
mentarier der NATO-Mitgliedsstaaten zusammensetzt und beratende Funktionen ausübt, offensichtlich nicht auf dem laufenden darüber sei, welche eingehende
Konsultationen Washington ständig mit den europäischen Hauptstädten führe. Zum
Beispiel schließt der stellvertretende amerikanische Außenminister John Irwin
in diesen Tagen in Washington mit den Botschaftern der NATO-Länder eine Gesprächsrunde über die bevorstehenden Verhandlungen für eine Truppenreduzierung
ab. Und im Oktober hatte Irwin in Paris Konsultationen über Amerika und Europa
betreffende Fragen geführt. Während der Moskauer Gipfelkonferenz hat Außenminister Rogers ständig die Botschafter der verbündeten Länder über das Konferenzgeschehen auf dem laufenden gehalten. Präsident Nixon selbst hat in seiner
Rede vor dem amerikanischen Kongreß nach seiner Rückkehr aus Moskau unter anderem erklärt: "...Wir müssen fest zu unseren NATO-Partnern stehen, wenn Verhandlungen mit dem Ziel einer neuen Entspannung und einer beiderseitigen Verringerung
der Streitkräfte in Europa positive Ergebnisse bringen sollen. Die Erhaltung
der Stärke, der Integrität und Festigkeit unserer Bündnisse in der freien Welt
ist die Grundlage, auf der alle unsere anderen Initiativen für Frieden und
Sicherheit in der Welt basieren müssen."

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48/1972

SCHREIBEN NIXONS ZUR ERÖFFNUNG VON SALT II
-Wortlaut«
GENF--(AD)-- Präsident Nixon hat in einen» Schreiben an den amerikanischen

Chefdelegierten bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT), Botschafter Gerard Smith,
seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß SALT II zu einem "erneuten
Erfolg" führen werde. Das zu Beginn der neuen Verhandlungsrunde in Genf am
21. November veröffentlichte Schreiben hat folgenden Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Botschafter!
Vor drei Jahren sind Sie und Ihre Kollegen in die wohl kritischsten
Verhandlungen in unserer Geschichte eingetreten. Damals bestand nur eine geringe Garantie, daß wir einen gemeinsamen

Boden für Gespräche finden würden,

geschweige denn ein Übereinkommen über Fragen, deren letzter Konsequenz man
sich in der Nachkriegszeit nicht gestellt hatte und die die lebenswichtigen
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion berührten.

Der

-1,

�Der erfolgreiche Abschluß der am 26

Mai unterzeichneten Abkommen war

ein Meilenstein nicht nur in den amerikanisch sowjetischen Beziehungen, sondern
auch in der umfassenderen Anstrengung, eine friedlichere Welt zu schaffen.
Diese abkommen, so wichtig sie auch sind, dürfen nicht Anlaß zur Selbstgefälligkeit sein. Wir haben einen ersten Schritt getan und die Grundlage für
neue Abkommen gelegt. Jetzt stehen Sie vor einer Aufgabe, die in vieler Hinsicht noch komplizierter und schwieriger ist, da beide Seiten jetzt gezwungen
sein werden, in einem endgültigen Abkommen langfristige Verpflichtungen für
ein

stabiles strategisches Verhältnis "ür dieses Jahrzehnt und darüber hinaus

einzugehen.
In meinem Schreiben an Sie vor drei Jahren habe ich darauf hingewiesen,
daß niemand den Ausgang der Verhandlungen voraussehen könne, aber zugleich habe
ich meiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß eine Kontrolle der Rüstungen
im beiderseitigen Interesse unseres Landes und der Sowjetunion läge. Wir haben
in den letzten drei Jahren erfahren, daß solche beiderseitigen Interessen in
der Tat bestehen.
Was durch die SALT-Abkommen und auch durch die Grunds.-^ze er eicht wurde,
die heute unsere Beziehungen zur UdSSR .^stimmen, bringt mich zu der Überzeugung, daß Ihre gegenwärtigen Bemühungen zu e • .iem erneuten Erfolg führen werden.
Wenn Sie und Ihre sowjetischen Kollegen jetzt in eine neue Gesprächsrunde
eintreten, dann begleiten Sie die Hoffnungen des ganzen amerikanischen Volkes
- ja die Hoffnungen der ganzen Menschheit.

uochachtun,gsvoll
gez. Richard Nixon "

H H-l-

-2-

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USA WERDEN NACHDRÜCKLICH AUF LÖSUNG DER ANSTEHENDEN HANDELSPROBLEME
HINARBEITEN
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)—Amerikanische Regierungskreise stellen bei jeder Gelegenheit heraus, daß die Nixon-Administration in den kommenden Monaten und Jahren
nachdrücklich auf eine Lösung der anstehenden Handelsprobleme hinarbeiten
wird.
Die wichtigsten Handelsverhandlungen sind die, die im kommenden Jahr auf
weltweiter Ebene aufgenommen werden und zu einem weiteren Abbau aller Handelsschranken - der zoll-und der nicht-zollursächlichen - führen sollen.

Die ame-

rikanische Regierung hat hierfür umfassende Vorbereitungen in Angriff genommen, und in Kreisen des amerikanischen Handels setzt man große Erwartungen und
Hoffnungen auf diese Gespräche, die das in der Kennedy-Runde der sechziger
Jahre erreichte Maß an Handelsliberalisierung noch wesentlich erweitern sollen.
Dieser weltweiten Verhandlungsrunde werden jedoch andere Handelsgespräche
noch vorangehen. Diese Zollausgleichsverhandlungen sollen im Rahmen des

-1-

�des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) geführt werden und betreffen
die sich aus der Erweiterung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
ergebenden Fragen sowie die Auswirkungen der besonderen Handelsvereinbarungen
zwischen der EWG und den ihr nicht als Vollmitglied angehörenden Ländern auf
den Handel mit Drittländern.
Wenn ein Land, das einer Zollunion beitritt, deswegen Zölle oder andere
Handelsschranken erhöhen muß, so fordern die GATT-Bestimmungen, daß die NichtMitgliedsstaaten für die Schädigung ihrer Handelsinteressen kompensiert werden
müssen. Da die Vereinigten Staaten gewillt sind, ihre Rechte und die anderer
Nicht-Mitgliedsstaaten zu wahren, dürften harte Verhandlungen bevorstehen. Die
wünschenswerte Lösung der Kompensationsfrage - vom Standpunkt der Vereinigten
Staaten wie auch der anderen Länder, die mit der EWG hierüber in Verhandlungen
eintreten wollen - wären wahrscheinlich Maßnahmen, um die besondere Situation
zu korrigieren, die diese Probleme geschaffen hat, und das in früheren Verhandlungen geschaffene Gleichgewicht von Rechten und Pflichten wiederherzustellen.
Wo zum Beispiel die Agrarpolitik der EWG die Ausweitung der amerikanischen
Getreideexporte beeinträchtigt hat, könnte eine modifizierte Politik eingeschlagen werden, die das Einkommen der Bauern in der EWG wirksam schützen würde,
ohne daß die Landwirte anderer Länder einen Teil ihrer potentiellen Absatzmärkte verlieren.
Und wo die besonderen Handelsvereinbarungen der EWG mit Nicht-Mitgliedsstaaten zu einer Diskriminierung amerikanischer Waren führen, ließe sich das
Ausmaß solcher Diskriminierung auf verschiedene Weise verringern. Beispielsweise könnten die Gegenpräferenzen in den Abkommen zwischen der EWG und einigen
Entwicklungsländern aufgehoben werden, nach denen diese Länder Industrieerzeugnissen der EWG einen niedrigeren Zollsatz einräumen müssen als gleichen Importen aus den USA, Japan oder anderen Nicht-Mitgliedsländern.
Sollten

-2-

�Sollten die europäischen Länder nicht bereit sein, spezifische, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, so könnten sie auf andere Weise Kompensationen
gewähren. So könnten sie die Zölle für andere Erzeugnisse senken, die für die
USA von besonderem Interesse sind, und dadurch die durch Gegenpräferenzen sich
für den US-Handel ergebenden Verluste kompensieren.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß beide Seiten gewillt sind, ernsthaft
zu verhandeln. Europäische Sprecher scheinen zu akzeptieren, daß sie anderen
Ländern Kompensationen schuldig sind. Allerdings dürfte es darüber, wo und wie
solche Kompensationen erfolgen sollen,harte Verhandlungen geben.
Die Aussicht auf ein konstruktives Ergebnis wird durch die Bereitschaft
aller großen Handelsnationen, im kommenden Jahr eine umfassende, weltweite
Runde von Handelsgesprächen aufzunehmen, nur vergrößert. Ein Abbau oder eine
Beseitigung zahlreicher Handelsschranken auf weltweiter Ebene würde an sich
schon ausreichen, um zahlreiche Klagen über eine Handelsdiskriminierung auszuräumen. Würde bei einzelnen Erzeugnissen überhaupt kein Zoll mehr erhoben
werden, so könnte es bei diesen Erzeugnissen auch keine Diskriminierung durch
Zölle mehr geben.
Die Ergebnisse dieser beiden bevorstehenden Verhandlungsrunden könnten
also die Exportmöglichkeiten aller Länder verbessern, während der Welthandel
sich aufgrund der weltweiten Handelsliberalisierung weiter ausweitet. Und
ein solches konstruktives Ergebnis - nicht eine sterile Konfrontation - streben
die Vereinigten Staaten mit ihrer neuen dynamischen Handelspolitik an.

-B-f-f

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48/1972

PAKT ZUM SCHUTZ DER OZEANE,

91 Länder einigten sich auf internationale Konvention

--(AD)-- Vor zwei Jahren forderte der US-Präsidialbeirat für Umwelthygiene
die amerikanische Regierung auf, sich auf internationaler Ebene dafür einzusetzen, daß der Verseuchung der Ozeane Einhalt geboten werde. In den Vereinigten Staaten wurden daraufhin Gesetze vorbereitet, die eine weitere Verseuchung
durch das Versenken von Abfällen aus amerikanischen Quellen unterbinden sollten. Die Maßnahmen dienten auf der Stockholmer "UN-Konferenz über die menschliche Umwelt" (Juni 1972) als Modell für ein ähnliches internationales Programmi das bis Ende 1972 Rechtskraft erlangen soll.
Mitte November wurde darüber in London Einigung erzielt. 91 Länder, unter ihnen alle seefahrenden Nationen, stimmten einer globalen Konvention zu,
die Russell E. Train, der Leiter der US-Delegation, als einen "historischen
Schritt zur Kontrolle weltweiter Meeresverschmutzung" bezeichnete. Aufgrund
dieser Konvention sind die Regierungen dafür verantwortlich, welche Art von
Abfällen in welchen Mengen und an welcher Stelle ins Meer geleitet werden.
Bei

i

�Bei manchen Substanzen besteht ein absolutes Verbot zur Abfallbeseitigung in
den Ozeanen. Zu ihnen gehören z,B

bestimmte Schädlingsbekämpfungsmittel, schwer

abbaufähige Öle und Koststoffmassen, stark radioaktive Abfälle sowie Kadmium und
Quocksilberund deren Verbindungen. Abfälle, die giftige Stoffe wie Blei, Chrom,
Arsen, Zyanide und Fluoride enthalten, dürfen nur mit Sondergenehmigung ins Meer
gebracht werden, alle übrigen Substanzen fallen unter ein allgemeines Genehmigungsverfahren.
Die Vereinbarungen von London berücksichtigen im wesentlichen die Ziele,
die die Vereinigten Staaten zum Schutz der Meere anstreben. So verbietet das
von Präsident Nixon am 28. Oktober 1972 unterzeichnete Gesetz das Versenken oder
Ablassen jeglicher Stoffe für radiologische, chemische oder biologische Waffen
oder stark radioaktiver Abfälle amerikanischer Herkunft im Meere. In den neuen
amerikanischen Bestimmungen ist auch die verschmutzende Wirkung anderer Abfallprodukte berücksichtigt - z.B, von Industrieabfällen, Klärschlamm, festen
Materialien und von Baggergut. Die Ablagerung solcher Produkte wird nach der
Untersuchung ihrer Auswirkungen von der US-Bundesbehörde für Umweltschutz geregelt.
Der "Pakt von London" tritt in Kraft, sobald er von mindestens 15 Signatarmächten ratifiziert worden ist

Diese verpflichten sich, "alle praktikablen

Schritte zu tun, um die Verschmutzung der Meere durch Abfallprodukte und andere
Stoffe zu verhindern, welche zwangsläufig Gefahren für die menschliche Gesundheit schaffen, die Nahrungskette und Lebewesen im Meer schädigen, Naturschönheiten zerstören oder anderweitig die rechtmäßige Nutzung der Meere beeinträchtigen." Wo in Sonderfällen eine Beseitigung gefährlicher Substanzen im Meer
unumgänglich ist, muß dies der Behörde oder Organisation, die beauftragt wird,
Informationen über die Meeresverschmutzung zu veröffentlichen, sofort gemeldet
werden. Die Durchsetzung der einzelnen Punkte der Konvention ist Sache der
Regierungen.
Die

T2-

�Die Konvention allein könnte allerdings die Probleme der Meeresverschmutzung
nicht lösen. Sie muß deshalb zusammen mit den übrigen Abmachungen wirksam werden, die durch internationale Gremien wie IMCO (Intergovernmental Consultative
Organization - Zwischenstaatliche Konsultativorganisation) insbesondere zur
Bekämpfung der Ölpest bereits durchgesetzt worden sind. Die USA stehen derzeit
inmitten der Vorbereitungen für die nächste IMCO-Konferenz im Herbst 1973.
Auf dieser soll eine neue Konvention angenommen werden, die sehr strenge Maßstäbe in bezug auf das Ablassen von Öl und Versenken gefährlicher Substanzen
im Meer sowie für die Konstruktion von Schiffen anlegt, mit denen solche Stoffe
transportiert werden.

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LABORSYNTHESE VON LANOSTERIN GELUNGEN

--(AD)-- Chemikern der Stanford Universität ist es zum ersten Mal gelungen,
eine der kompliziertesten biochemischen Reaktionen unter Laboratoriumsbedingungen zu simulieren. Prof. Eugene van Tamelen und Richard Anderson, einer
seiner Doktoranden, beschreiben in der Zeitschrift der "American Chemical
Society" (Ausgabe vom 15. November 1972) Reaktionsabläufe, die über Lanosterin zur Bildung der pflanzlichen und tierischen Steroide führen.
Bisher glaubte man, die Synthese von Lanosterin sei nur in Anwesenheit
von Enzymen möglich, die im Organismus als Katalysatoren fungieren. Die Natur
setzt ein ganzes System von Enzymen ein, um aus einem verhältnismäßig einfachen Molekül, nämlich Squalenoxid, Lanosterin zu produzieren. Dieses ist
die Muttersubstanz für zahlreiche wichtige Verbindungen - insbesondere für
Cholesterin und eine Gruppe von Körpern, zu der z.B, Vitamin D-Varianten,
Sexualhormone und Nebennierenrinden-Hormone wie Cortison gehören. Normalerweise gewinnt man alle synthetischen Hormone, auch die Bestandteile der Kontrazeptiva, aus natürlichen Steroiden. Nach den Angaben der Stanford-Wissenschaftler ist es bisher bei Abwesenheit von Enzymen nicht gelungen, aus Squalenoxid
Lanosterin aufzubauen. Die beiden Chemiker fanden jedoch ein nahezu identisches
Molekül, ein "Pseudo-Squalenoxid", Dieses Molekül führt in Verbindung mit
Enzymen oder - im Labor - mit einer Reihe von sauren Katalysatoren zum
Lanosterin-System.
Nach

-l-

�Nach Ansicht van Tamelens bedeutet dies einen wichtigen Schritt für die
organische Chemie. "Es gibt wenig Fälle, in denen man in einer einzigen Reaktion
mit so wenig Aufwand so viel erreichen kann", meint er. Die Aufdeckung der Rolle
des Squalenoxids bei der Biosynthese der Steroide ist ebenfalls Arbeiten von
Wissenschaftlern der Stanford-Universität zu verdanken.
Ob den neuen Experimenten und deren Ergebnissen kommerzielle Bedeutung zukommt, vermag van Tamelen noch nicht zu beurteilen. Aber sie lassen nunmehr bemerkenswerte Schlußfolgerungen auf Evolutionsprozesse zu. Höhere Lebensformen
könnten ohne Lanosterin überhaupt nicht existieren. Aus spektrographischen
Untersuchungen ist bekannt, daß es schon vor 2,5 Milliarden Jahren auf der Erde
Steroide gab. Nach Meinung van Tamelens ist anzunehmen, daß sich diese Substanzen
spontan bildeten - und das bedeutet, daß vorher chemische Prozesse ohne Enzyme
am Werk waren. "Nachdem wir jetzt wissen, was ohne ein Enzym zustandegebracht
werden kann, sind wir auch eher in der Lage, seine reale Bedeutung zu erfassen
und abzugrenzen."
Die neuesten Ergebnisse stellen den Höhepunkt zehnjähriger Forschungsarbeit
dar. Dem Bericht van Tamelens zufolg e wurde das gleiche Verfahren nicht nur bei
Squalenoxid, sondern bei verschiedenen Ausgangsmaterialien angewandt, um mit
einfachen Mitteln noch kompliziertere Verbindungen zu gewinnen als Lanosterin
es ist. Dazu gehörten z.B. Beta-und Deltaamyrin (zwei sehr komplizierte Pflanzenprodukte) und Tetrahymanol, das normalerweise in Protozooen enthalten ist.

-2-

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elliot L. Richardson zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Caspar W. Weinberger soll Ministerium für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen übernehmen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Roy L. Ash soll neuer Direktor des Amtes für Planung und Haushalt werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washington unterstreicht Bedeutung der Konsultationen mit den NATO-Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marie H. König&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Nixons zur Eröffnung von SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden nachdrücklich auf Lösung der anstehenden Handelsprobleme hinarbeiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Intensive Vorbereitungen Washingtons -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pakt zum Schutz der Ozeane&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 91 Länder einigten sich auf internationale Konvention -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laborsynthese von Lanosterin gelungen</text>
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