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2 1 . November 1972

Inhalt
WIRTSCHAFT:
Umfassende US-Vorbereitungen auf neue GATT-Verhandlungsrunde
Von Eugene Brake
Amt für Ost-West-Handel im US-Handelsministerium
Die Frage der amerikanischen Lohn-und Preiskontrollen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
Sowjetisches Erdgas für amerikanische Wohnungen?
Von John Holway
INFORMATION:
Ausstellung "Pumpen, Kompressoren und Ventile"
I
HINTERGRUNDMATERIAL:
Überangebot an Akademikern in den USA
Von Thomas H. Elliston

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Farbfernsehsendungen aus dem Raumschiff
APOLLO 17: Seismische Untersuchungen auf dem Mond
Affen nehmen Röntgenstrahlen wahr

B E I L A G E
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
-Der Standpunkt der USA-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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47/1972

UMFASSENDE US-VORBEREITUNGEN AUF NEUE GATT-VERHANDLUNGSRUNDE
Von Eugene Brake
NEW YORK --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden sich auf die für Ende
1973 vorgesehene neue GATT-Runde von Handelsverhandlungen eingehend vor«

bereiten und hierzu die vielleicht umfassendsten Erhebungen durchführen, die jemals vorgenommen worden sind.
Dies kündigte der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson
dieser Tage auf dem amerikanischen Außenhandelskonvent in New York an.
Über die einzelnen legislativen Maßnahmen hierzu, so sagte Peterson,sei
noch nicht entschieden. Die Regierung habe jedoch die Pflicht, alles
für die Vorbereitung auf diese Verhandlungsrunde Erforderliche zu tun
und auch den Kongreß, wo nötig, einzuschalten.
Die Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen (GATT)
haben auf ihrer am 14. November beendeten zweiwöchigen Tagung beschlossen, Ende 1973 eine neue Runde von Handelsverhandlungen aufzunehmen.
Ferner soll ein Vorbereitungsausschuß eingesetzt werden, der allen Mit-

-1-

�Mitgliedsstaaten wie auch allen interessierten Entwicklungsländern, die nicht
GATT-Mitglied sind, offen steht. Im September kommenden Jahres wird eine weitere GATT-Ministertagung stattfinden, die den Bericht des Vorbereitungsausschusses prüfen, einen Verhandlungsausschuß einsetzen und Verhandlungsrichtlinien verabschieden soll.
Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat die Ergebnisse der GATT-Tagung bereits in einer
ersten Stellungnahme begrüiit und als einen weiteren Schritt in Richtung auf
die von Präsident Nixon angekündigte Ära der Verhandlungen bezeichnet. Er rechne damit, so sagte der Botschafter, daß die neue GATT-Verhandlungsrunde innerhalb von 60 Tagen nach Abschluß der Ministerkonferenz im September 1973 beginnen werde. Und es sei durchaus realistisch, wenn man als Ziel für das Ende
dieser Verhandlungen das Jahr 1975 annehme.
. Peterson wies in seinen Ausführungen vor dem Außenhandelskonvent darauf
hin, daß die Vereinigten Staaten zu lange mit einem System von Prioritäten gelebt hätten, in dem politischen und Sicherheitsfragen Vorrang gegeben wurde,
während der Handel nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Die gegenwärtige, weltweite Abkehr von einem Sichverlassen auf militärische Macht sei zu einem
großen Teil auf Präsident Nixons Friedensinitiativen zurückzuführen, durch die
erst wirtschaftliche Fragen mehr in den Vordergrund rücken konnten.
Man werde in immer stärkerem Maße jetzt feststellen, so führte Peterson
aus, daß Wirtschaftspolitik mit anderen Zielsetzungen Hand in Hand gehe. Handelspolitik sei sowohl Außen-wie auch Sicherheits-, Innen- und Energiepolitik,
und nur durch Integration ließen sich die Ziele erreichen, die im nationalen
Interesse der USA liegen.
Aufgabe

-2-

�Aufgabe der Industriestaaten, so forderte Peterson, müsse es

sein, sicher-

zustellen, daß das internationale Wirtschaftssystem auch für die Entwicklungsländer Prosperität gewährleistet. Die Vereinigten Staaten würden weiterhin zu
ihrer Zusage stehen, im Rahmen ihrer Handelsgesetze auf ein System allgemeiner
Präferenzen für die Entwicklungsländer hinzuarbeiten. Allerdings müßten solche
Präferenzen mit einem offenen Weltsystem, nicht einem Blocksystem, zu vereinbaren sein.
Peterson wie auch der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul A.
Volcker, sprachen sich in diesem Zusammenhang äußerst kritisch über die Präferenzabkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und einigen Entwicklungsländern aus. Insbesondere wandten sie sich gegen die Bestimmungen der Abkommen,
wonach die Entwicklungsländer Importen aus der Europäischen Gemeinschaft bevorzugten Zugang gewähren müssen. Dies stelle eine Diskriminierung der Exporte aus
den USA sowie anderen, nicht der EWG angehörenden Ländern dar.
Volcker, der sich in seiner Ansprache vorwiegend mit Währungsfragen befaßte,
betonte!; daß die Verhandlungen über eine Reform des internationalen Währungssystems auch in die bevorstehenden Handelsverhandlungen greifen würden und umgekehrt. Nach Auffassung der USA sollte in die Bestimmungen über Anpassungsverfahren bei Zahlungsungleichgewichten auch ein Anreiz zu einer weitergehenden
Handelsliberalisierung aufgenommen werden. So könnten es Überschußländer oftmals für angebrachter halten, Zölle oder sonstige Beschränkungen abzubauen,
statt die gesamte Anpassung über die Wechselkurse vorzunehmen. Auch vom Standpunkt der anderen Länder könne dies oftmals sehr erwünscht sein.

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47/1972

AMT FÜR OST-WEST-HANDEL IM US-HANDELSMINISTERIUM

NEW YORK --(AD)-- Das amerikanische Handelsministerium wird ein gesondertes
Amt für Ost-West-Handel einrichten, das auch die gegenwärtige Abteilung für
Exportkontrollen umfassen wird.
Dies hat der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium, Steven Lazarus, auf der Tagung des amerikanischen Außenhandelskonvents in New York mitgeteilt.
Neben der Abteilung für Exportkontrollen wird das neue Amt eine Abteilung für Handelsanalysen haben, die Informationen über das Handelspotential
der osteuropäischen Länder sammeln, Diagnosen und Voraussagen geben und
alle einschlägigen Statistiken und Informationen für den Ost-West-Handel
zusammentragen soll.
Weiter ist ein Handelssekretariat vorgesehen, das die Durchführung von
Handelsabkommen, wie die jetzt mit der Sowjetunion und mit Polen geschlossenen Vereinbarungen, überwachen soll.
Und

-1-

�I

Und drittens ist eine Abteilung zur Entwicklung des Ost-West-Handels geplant, die im besonderen die Förderung des Exports amerikanischer Güter betreiben soll. Sie wird zwei Unterabteilungen umfassen: eine für Handelsmessen
und Ausstellungen, die auch Handelsmissionen nach den osteuropäischen Ländern
entsenden wird, und eine zweite, die amerikanischen Geschäftsleuten bei der
Abwicklung von Geschäften mit den osteuropäischen Ländern helfend zur Seite
stehen soll.

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47/1972

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DIE FRAGE DER AMERIKANISCHEN LOHN-UND PREISKONTROLLEN
-Einstellung oder Modifizierung ?Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON --(AD)-- Nach einjährigen Erfahrungen mit dem für Friedenszeiten
ungewöhnlichen Schritt, Lohn-und Preiskontrollen zu verfügen, steht die amerikanische Regierung jetzt vor der vielleicht schwierigsten Entscheidung, der
sich die Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren gegenübersehen werden. Was soll geschehen, wenn das Gesetz über die derzeitigen Kontrollen ausläuft. Sollen die Lohn-und Preiskontrollen weiter bestehen bleiben, sollen sie
aufgehoben oder sollen sie in modifizierter Form fortgesetzt werden? Von seiten
der US-Regierung war bisher lediglich zu vernehmen, daß dieser ganze Fragenkomplex gegenwärtig Gegenstand einer eingehenden Überprüfung ist.
Die Öffentlichkeit hat ganz allgemein den Kontrollen ihre Unterstützung
gegeben, die offiziell am 14. November 1971, nachdem man die Preise schon vorher 90 Tage lang eingefroren hatte, eingeführt worden waren. Obwohl die Lebensmittelpreise,die nicht unter die Kontrollen fielen, schneller als erwünscht
gestiegen sind, stimmen die meisten Amerikaner mit dem Vorsitzenden der Preis-

-1-

�Preiskommission, Jackson Grayson, darin überin, daß die Kontrollen das Tempo
des Preisauftriebs wirklich verlangsamt haben. Grayson hatte am 15. November vor
einem Kongreßausschuß betont, daß die Preisauftriebsrate aufgrund der Lohn-und
Preiskontrollen in den letzten 12 Monaten um rund zwei Prozent gesenkt werden
konnte. Die Verbraucherpreise, die seit November vergangenen Jahres um 3,2 Prozent angezogen haben, wären also ohne die Kontrollen um 5,2 Prozent gestiegen.
Die Folge ist, daß zahlreiche andere Länder die Vereinigten Staaten um ihre gegenwärtige Preisauftriebsrate beneiden.
Der Erfolg der amerikanischen Bemühungen um eine Eindämmung des Preisauftriebs wird nach Ansicht maßgebender amerikanischer Wirtschaftsexperten auch Auswirkungen auf andere Länder haben. Sie werden zu einer Stärkung des amerikanischen Dollar und zu einer vermehrten Stabilität des internationalen Währungssystems führen. Und es mag vielleicht wie Ironie klingen, daß gerade die Regierungj die seinerzeit nur sehr zögernd die Kontrollen eingeführt hatte, für ihr
Programm jetzt völlig unerwartet Unterstützung nicht nur von demokratischen
Wirtschaftlern, sondern auch aus Kreisen der Wirtschaftsmanager erhalten hat.
So erklärte der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des verstorbenen Präsidenten
Kennedy, Walter Heller, die Kontrollen hätten wesentlich dazu beigetragen, den
Auftrieb bei Löhnen und Preisen niedrig zu halten; sie sollten daher beibehalten
werden, bis die Arbeitslosenrate auf 4 Prozent heruntergedrückt sei. Die Regierung sehe sich allerdings einer schweren Aufgabe gegenüber, die Vollbeschäftigung ohne Preisauftrieb zurückzugewinnen. Würden die Kontrollen aufgehoben, so
meinte Heller, dann werde die Haushalts-und Währungspolitik diese Aufgabe ganz
allein bewältigen müssen.
Und der Sprecher der amerikanischen Handelskammer, Carl H. Madden, sprach
sich vor dem gleichen Ausschuß ebenfalls für eine Fortsetzung der Lohn- und
Preiskontrollen aus. Gerade angesichts der 1973 bevorstehenden Lohnverhandlungen
in wichtigen Industriesektoren, die leicht zu einem erneuten Aufleben des Lohn-

-2-

�Lohn-und Preisauftriebs führen könnten, komme einer Fortführung der Kontrollen
besondere Bedeutung zu.
Die Gewerkschaften allerdings haben das Kontrollprogramm in der Vergangenheit verschiedentlich scharf kritisiert, weil es die Löhne, aber nicht Preise und
Gewinne einfriere, und George Meany hatte zusammen mit anderen Gewerkschaftsführern den Lohnausschuß verlassen. Trotzdem haben die Gewerkschaften das Kontrollprogramm stillschweigend geduldet, und tatsächlich sind seit Einführung des Programmes Löhne und Wochenarbeitszeit schneller als die Preise gestiegen, so daß
das Realeinkommen der Arbeitnehmer einen Nettozuwachs zu verzeichnen hatte. Und
auch nicht alle Wirtschaftskreise haben die Kontrollen uneingeschränkt unterstützt. Die Wirtschaftszeitschrift Dun*s berichtet über eine Befragung von 300
Wirtschaftsführern, daß die meisten ein Ende der Kontrollen wünschten oder zumindest eine Modifizierung. .Als Begründung wird angeführt, daß Leistung und gutes
Management bestraft und die Wiedererholung der Wirtschaft durch Beschneiden der
Gewinne beeinträchtigt würden.
So haben die Kontrollen ihre Anhänger und ihre Gegner, aber bei weitem am
größten ist die Zahl derer, die ein Beibehalten modifizierter Kontrollen befürworten. Der demokratische Senator William Proxmire möchte die kleineren Betriebe
mit einem Jahresumsatz von weniger als 100 Millionen Dollar ausgenommen wissen.
Stattdessen soll den Großbetrieben schärfer auf die Finger gesehen werden. Auch
der Gewerkschaftsverband AFL/CIO würde eine Verschärfung der Kontrollen für die
Industrie, besonders der Zinsen, Dividenden und Gewinne, gerne sehen. Professor
Heller und andere sprechen sich für eine Aufhebung der Kontrollen bei Renten und
Einzelhandelsumsätzen aus, während der republikanische Senator Jacob Javits für
die Beibehaltung der Kontrollen in diesen Bereichen und die Einbeziehung der
Lebensmittelpreise in das Kontrollsystem eintritt. Dem widerspricht jedoch Preiskommissar Grayson, der gegen eine Kontrolle der Lebensmittelpreise ist, da dies
höchstens zu schwarzen Märkten führen würde. Dann, so sagte er, sei es aber nicht
mehr weit bis zur Rationierung. Grayson möchte das Problem lieber dadurch anpacken, daß das Warenangebot vergrößert wird.
Das

-3-

�Das gegenwärtige Kontrollprogramm will gerade den durch steigende Kosten
ausgelösten Preisauftrieb bekämpfen. In Wirtschaftskreisen bezweifelt man es
daher, ob die derzeitigen Kontrollen auch bei einem von der Nachfrage getragenen
Preisauftrieb wirken würden. So hat Präsident Nixon denn auch zugesagt, bei den
Regierungsausgaben kurzzutreten, damit eine zu hohe Nachfrage nicht, wie Ende
der sechziger Jahre, wieder zur Ursache des Preisauftriebs wird.
Wann aber sollten nun die Preiskontrollen aufhören? Die Regierung hat es
bisher abgelehnt, einen genauen Zeitpunkt hierfür zu nennen. Der Vorsitzende des
Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons, Herbert Stein, hat betont, daß die Kontrollen zwar erfolgreich gewesen seien, aber nicht auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt werden könnten. Im Laufe der Zeit, so meint er, würden sie immer mehr an
Wirkung verlieren. Auf der anderen Seite könne die Regierung sie nicht auf einen
Schlag einstellen und wieder zu freiwilligen Leitzahlen zurückkehren. Dies würde
nur zu einem Wiederaufleben des starken inflationistischen Druckes führen, wie
er in den Jahren 1965 bis 1968 bestand.

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47/1972

SOWJETISCHES ERDGAS FÜR AMERIKANISCHE WOHNUNGEN ?
Von John Holway

WASHINGTON --(AD)-- Das Erdgas, mit dem die amerikanischen Wohnungen beheizt werden, wird eines Tages vielleicht aus der Sowjetunion kommen. Dies
dürfte die Folge des wohl größten Erdgasgeschäftes sein, über das gegenwärtig sechs amerikanische und mehrere japanische Gesellschaften mit der
Sowjetunion Verhandlungen zwecks Erschließung und Nutzung der sowjetischen
Erdgasvorkommen in Sibirien führen. Das unter der sibirischen Tundra liegende Erdgas soll in Pipeline über Tausende von Kilometern an die Küste
gepumpt, dort verflüssigt und dann in Tankern nach Japan und den Vereinigten Staaten gebracht werden.
Amerikanische Verhandlungskreise warnen jedoch vor zu optimistischen
Erwartungen, daß diese Pläne sich bereits bald realisieren lassen würden.
Es seien, so wird betont, noch zahlreiche Hürden zu nehmen. Dies gelte
vor allem für die Finanzierung des Vorhabens, so daß es noch Jahre dauern
dürfte, bis sich diese Pläne verwirklichen ließen.
Die

-l-

�Die Pläne sind sowohl für die Sowjetunion als auch für die Vereinigten
Staaten sehr attraktiv. Für die USA ließe sich so die ständig bedrohlicher werdende Energiekrise leichter meistern. Darüberhinaus könnten durch das Erdgasgeschäft tausende neuer Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen
werden. Aber auch für die Sowjetunion brächten die Pläne zahlreiche Vorteile.
Moskau braucht dringend ausländische Devisen, die das Erdgasgeschäft, wenn
erst einmal die Investitionskosten nach rund 10 Jahren bezahlt sind, erbringen
würde. Daher ist die Sowjetunion an einem schnellen Abschluß interessiert, zumal nach Ansicht zahlreicher Experten im Jahre 2 000 der Atomstrom Erdgas als
Energiequelle verdrängen dürfte. So wollen die Sowjets ihre riesigen Erdgasvorkommen möglichst bald nutzen.
Doch bis zur Verwirklichung dieses Projekts gilt es noch beträchtliche
Schwierigkeiten zu überwinden. In den Vereinigten Staaten fragt man sich, ob
es richtig ist, auf dem Energiesektor in eine zu starke Abhängigkeit von sowjetischen Lieferungen zu geraten. Wenn die sibirischen Erdgaslieferungen erst
einmal laufen, werden sie etwa 6 Prozent des gesamten Energiebedarfs der USA
decken. Auf der anderen Seite glaubt man in Washington nicht, daß die Sowjets
etwa die Lieferungen stoppen würden, da die dafür erlösten Devisen für Moskau
lebenswichtig sind.
GroQe Schwierigkeiten wirft auch das Finanzierungsproblem auf. In Sibirien
müßten bis nach Murmansk, rund 2 400 Kilometer weit, Pipelines verlegt werden.
Dort müßten dann Verflüssigungsanlagen errichtet, und schließlich müßten rund
20 Tanker für den Transport des verflüssigten Erdgases nach den USA gebaut werden, von denen jeder rund 10 Millionen Dollar kosten dürfte. Die Gesamtkosten
würden sich also auf rund 6 Milliarden Dollar stellen.

Bei

-2-

�Bei Beteiligung Japans an dem Projekt würden sich die Gesamtkosten sogar
auf etwa 10 Milliarden Dollar belaufen. Es müßte eine Pipeline über eine Entfernung von 3 200 Kilometern nach Wladiwostok gebaut und dort müßten Verflüssigungsanlagen geschaffen werden. Japan würde etwa ein Drittel des Erdgases erhalten, so daß eine Tankerflotte von 11 bis 16 Schiffen benötigt würde.
Wie das benötigte Kapital aufgebracht werden kann, ist noch nicht geklärt.
Berichten zufolge will sich die Sowjetunion an die amerikanische Export-Importbank wenden und um eine Finanzierung von 5 Milliarden Dollar der Gesamtkosten
nachsuchen. In amerikanischen Wirtschaftskreisen hält man dies jedoch für unrealistisch, denn die größte ausstehende Anleihe der Bank - an Japan - beläuft
sich auf nur 1,3 Milliarden Dollar. Es sei daher äußerst unwahrscheinlich, so
wird erklärt, daß die Bank so kurzfristig 5 Milliarden Dollar der Sowjetunion
zur Verfügung stellen werde, zumal keine amerikanischen Firmen kapitalmäßig beteiligt werden sollen, sondern das von ihnen investierte Geld in Form von Erdgaslieferungen zurückgezahlt werden soll.
Moskau hat bereits angekündigt, daß im kommenden Jahr eine sowjetische
Delegation nach den USA fliegen wird, um dort die Finanzierungsmöglichkeiten zu
sondieren sowie andere Möglichkeiten für eine Ausweitung des amerikanischsowjetischen Handels zu erörtern. So bestände beispielsweise die Möglichkeit,
daß die Sowjetunion die amerikanischen und japanischen Investoren mit Gold auszahlt. Doch zögert Moskau, dies zu tun, da es das Gold für Getreidekäufe benötigt. Eine andere Möglichkeit wäre die Gründung einer amerikanisch-sowjetischen
Börse
Gesellschaft, deren Aktien an der New Yorker/zugelassen würden. Und schließlich
könnte auch eine Anleihe zur Deckung der Kosten des Projekts auf dem amerikanischen Markt aufgelegt werden.

Nach

-3-

�Nach amerikanischer Ansicht muß die Finanzierung auf jeden Fall multinational erfolgen, wobei etwa aufzulegende Papiere eine Laufzeit von bis zu 20 Jahren haben könnten. Außerdem, so wird erklärt, müsse sich die Sowjetunion selbst
wesentlich stärker an der Finanzierung beteiligen, als sie dies gegenwärtig
scheinbar will.
Trotz aller dieser Schwierigkeiten gibt man sich auf amerikanischer Seite
optimistisch. Drei amerikanische Gesellschaften hoffen sogar, bereits im
Februar kommenden Jahres zumindest eine prinzipielle Einigung bekanntgeben zu
können. Dagegen hält der amerikanische Handelsminister Peterson Berichte über
eine endgültige Einigung entschieden für verfrüht. Die amerikanischen Gesellschaften, so meint er, müßten erst einmal genaue Kalkulationsgrundlagen erstellen, wie teuer das sibirische Erdgas wirklich kommen

wird. Sie müßten ferner

feststellen, ob die Verwirklichung der Projekte technisch auch durchführbar
ist.

Die amerikanische Regierung hat inzwischen eine sogenannte Erdgasgruppe
eingesetzt, die den gesamten Fragenkomplex prüfen soll.

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AUSSTELLUNG "PUMPEN,KOMPRESSOREN UND VENTILE"
— ( A D ) — Rund 35 amerikanische Hersteller zeigen vom 4.-7.Dezember 1972
im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main ein breit gestreutes Ausstellungsprogramm über den Einsatz von Pumpen, Kompressoren und Ventilen
in den verschiedensten Industriezweigen.
Zwei Drittel der ausstellenden Firmen zeigen ihre Produkte zum ersten
Mal in Deutschland oder in Europa; sie sind besonders an Verbindungen zu
Lizenznehmern bezw. Vertriebsgesellschaften interessiert.
Parallel zur Ausstellung wird am 5. und 6. Dezember eine Vortragsreihe veranstaltet, auf der deutsche und amerikanische Fachleute zu aktuellen Fragen auf dem Pumpen-und Ventilsektor Stellung nehmen.
Informationen und AusStellungsprogramm können über das US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, angefordert
werden.

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47/1972

ÜBERANGEBOT AN AKADEMIKERN IN DEN USA
Von Thomas H.Elliston

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten sehen sich auf ihrem Arbeitsmarkt vor ein Problem gestellt, das es bisher in der amerikanischen Geschichte noch nie gegeben hat: Es gibt mehr akademisch vorgebildete Arbeitskräfte als Arbeitsplätze für sie.
Eine der wichtigen Fragen für die Zukunft wird es sein, wie dieses
Problem gelöst und wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. Es werden Mittel und Wege gefunden werden müssen, wie die jungen Menschen, die alljährlich die Universitäten und Colleges verlassen, ihre Ausbildung und erworbenen Fähigkeiten auf ihren Fachgebieten zu ihrem und zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen können.
Dieses Überangebot macht sich vor allem auf den Gebieten der Bildung
und Erziehung, der Technik und der Wissenschaften bemerkbar. Und dieses
Problem ist erst in den letzten Jahren aufgetreten, denn früher war gerade
auf den genannten Gebieten die Zahl der offenen Stellen sehr viel höher als

�als die Zahl der qualifizierten Bewerber.
In Regierungskreisen hegt man die Hoffnung, daß sich die Situation wieder
einpendeln wird - wobei die Experten sich nicht ganz einig sind. Manche sind
überzeugt, daß der Ausgleich noch in diesem Jahrzehnt kommen wird, während
andere glauben, daß es noch etwa zwanzig Jahre dauern wird, bis sich die Verhältnisse wieder normalisiert haben. Wer recht hat, wird die Zukunft zeigen.
Fest steht, daß dem Problem große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Erst
kürzlich sind in Publikationen des amerikanischen Arbeitsministeriums zwei bedeutsame Artikel zu diesem Thema erschienen;

der eine, "Akademisch gebildete

Arbeitskräfte und die Wende auf dem Arbeitsmarkt" in der von der Abteilung für
Arbeitsstatistik herausgegebenen Monatsschrift "Monthly Labor Review", und
der andere "Akademisch gebildete Arbeitskräfte und nationale Ziele" in dem
Magazin "Manpower".
Die Wurzeln des Problems sind in zwei verschiedenem Dekaden zu finden.
Zunächst wurden in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg sehr viel mehr Kinder
geboren als in den Kriegsjähren. Und dann kam Ende der fünfziger Jahre der
gewaltige Aufschwung der Weltraumtechnologie.
Diese Entwicklung führte dazu, daß die große Zahl der Neueinschulungen
Anfang der fünfziger Jahre eine starke Nachfrage nach Lehrkräften auslöste und
damit den Lehrerberuf für viele junge Amerikaner s'ehr attraktiv werden ließ.
Als dann Mitte der sechziger Jahre diese zahlenmäßig starken Schuljahrgänge das Collegealter erreicht hatten, bestand auf technischem und wissenschaftlichem Gebiet eine große Zahl offener Stellen und damit ein Anreiz, diese Studieneinrichtungen einzuschlagen.
Infolgedessen

-2-

�Infolgedessen stieg die Zahl der Studenten an den Colleges und Universitä
ten gewaltig an. Bezeichnend dafür ist, daß die Gesamtzahl der an den amerikanischen Hochschulen im Jahre 1970 erteilten akademischen Abschlußdiplome im Jahre
1970 mit 1 0f)5 • 91 Graduierten mehr als doppelt so groß war wie die im Jahre
1960, in dem die Hochschulen 476 704 Diplome erteilten.
Anfang 1970 erreichte die Zahl der technischen und akademischen Berufe in
den Vereinigten Staaten eine Rekordhöhe von etwas über 11 Millionen und begann
dann im Jahre 1971 wieder zu sinken.
Eine Reihe von Faktoren war für dieses Absinken maßgeblich

Einmal ging

die Zahl der Neueinschulungen zurück und verringerte damit den Bedarf an Grundund Mittelschullehrern. Zum anderen führten Einsparungen bei den Forschungsprojekten der Regierung - vor allem auf dem Gebiet des Verteidigungswesens und der
Raumfahrttechnik zu einer geringeren Nachfrage nach wissenschaftlich und technisch hoch qualifizierten Arbeitskräften.
Wie aus den Publikationen der Abteilung für Arbeitsstatistik hervorgeht,
ergibt sich für den akademischen Nachwuchs bis tu den achtziger Jahren jedoch
wieder ein optimistischeres Bild. Schätzungen zufolge werden die Hochschulen
in der Zeit bis 1980 rund 13,o Millionen Qiplome verleihen, aber nur 9,2 Millionen der Graduierten werden in das Berufsleben eintreten. Die Nachfrage nach aka
demisch vorgebildeten Kräften wird in ^ s e r Zeit jedoch wieder steigen, einmal
weil ganz allgemein für viele Berufe, die man bislang auch ohne Hochschulabschluß einschlagen könne -, in Zukunft ein akademischer Grad erforderlich sein
wird, und zum andern weil mit einem weiteren Anwachsen der Zahl offener Stellen für den akademischen Nachwuchs gerechnet werden kann.

Diese

3-

�Diese Faktoren werden statistischen Untersuchungen zufolge bis 1980 9,6
Millionen Stellen schaffen, für die ein Hochschulabschluß erforderlich ist. Daraus ergibt sich, daß das ungefähre Gleichgewicht zwischen der Zahl der Stellen
und der vorhandenen Bewerber wieder hergestellt sein wird.
In jedem Falle - so geht aus den Untersuchungen hervor - wird in Zukunft
die Forderung nach einer hochqualifizierten Ausbildung eher zunehmen als geringer werden,und es wird keine Gefahr bestehen, daß eine Art akademisches Proletariat entsteht, für das es keine seiner Ausbildung entsprechenden Stellen gibt.

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APOLLO 17:

FARBFERNSEHSENDUNGEN AUS DEM RAUMSCHIFF

--(AD)— Die NASA veröffentlichte einen vorläufigen Zeitplan für die Farbfernsehsendungen, die während des Fluges aus dem Raumschiff APOLLO 17 und
während des dreitägigen Aufenthaltes der Astronauten Cernan und Schmitt auf
dem Mond aus dem Landegebiet vorgesehen sind. Die unten angegebenen Sendezeiten hängen jedoch von der Einhaltung des vorgesehenen Starttermines
(7. Dezember 1972, 3.53 Uhr MEZ) und vom Flugverlauf ab. Sollte der Start
in der Nacht zum 7. Dezember nicht möglich sein, gäbe es noch Startmöglichkeiten am 8. Dezember 1972 und am 5. Januar 1973.
Folgende Sendungen sind geplant:

Tag

-1-

�Iä£

Dauer

7. Dezember

20 Min.

Beginn(MEZ)

Programm

7.59 Uhr

Wenden und Ankoppeln nach Einschuß in
Flugbahn zum Mond. Aufnahmen aus dem
Fenster der Kommandokapsel, während
die Astronauten das Raumschiff um
18o Grad drehen und dann mit der
Spitze der AMERICA an der Mondfähre
CHALLENGER festmachen. Anschließend
wird die gesamte Kombination von
der Oberstufe S-IV B der SATURN VTrägerrakete abgesetzt, um eine
Kollision zu vermeiden. Die S-IV B
stürzt drei Tage später auf den
Mond. Die

Seismometer an vier frühe-

ren APOLLO-Landeplätzen können die
Bodenerschütterungen registrieren.
12.Dezember

5 Std.
30 Min.

1 43 Uhr

Sendung aus dem Taurus-Littrow-Landegebiet, 70 Minuten nach Beginn der
ersten Exkursion von Cernan und Schmitt
Installation der automatischen Meßstation ca.100 m westlich der Landefähre und,ca.300 m davon entfernt,
der Radio-Bodensonde SEP; Auslegen
kleiner Sprengkapseln für spätere
seismische Experimente auf der Fahrt
zu einer Kratergruppe im Südosten,
Einsammeln von Bodenproben.
12.

-2-

�»

Tag

Dauer

Beginn(MEZ)

12.Dezember

6 Std.
30 Min.

23.23 Uhr

Programm
2. Exkursion in südwestlicher Richtung zu Kratern am Fuße eines Zweitausenders und zu einer langgestreckten Felswand.

13.Dezember

6 Std.
30 Min.

22.53 Uhr

3.Exkursion in weitgezogenem Bogen
nach Norden und Osten in ein Gelände
mit vier größeren und zahlreichen
kleinen Kratern.

14.Dezember

25 Min.

23.41 Uhr

Rückstart vom Mond, aufgenommen von
der am Rover Fahrzeug montierten Fernsehkamera. Sie wird von Houston aus
gesteuert.

15.Dezember

6 Min.

1.08 Uhr

Rendezvous mit dem APOLLO-Mutterschiff. Aufnahmen aus der Kommandokapsel.

15.Dezember

5 Min.

1.31 Uhr

Ankoppeln am Mutterschiff. Aufnahmen
aus der Kommandokapsel.

17.Dezember

30 Min.

0.46 Uhr

Aufnahmen vom Mond nach Einschießen
des APOLLO-Raumschiffes in die Rückkehrbahn zur Erde.

17.

�17.Dezember

1 Std.

21.19 Uhr

Ausstieg von Ron Evans. Der Pilot der
Kommandokapsel begibt sich zum rückwärtigen Teil des APOLLO-Raumschiffes,
um Kassetten mit Fotos und Aufzeichnungen zu bergen.
i

18.Dezember

30 Min,

24.00 Uhr

Pressekonferenz der APOLLO 17-Besatzung
mit Journalisten in Houstonwährend des
Rückfluges zur Erde.

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47/1972

APOLLO 17:
SEISMISCHE UNTERSUCHUNGEN AUF DEM MOND
--(AD)-- Ein wichtiges Verfahren zur Sondierung des Mondkörpers ist das
Studium des Verhaltens von Druckwellen beim Durchgang durch den Untergrund.
Den vier Seismometern, die im Landegebiet von APOLLO 12,14,15 und 16 installiert wurden und noch immer zuverlässig arbeiten, verdankt die Wissenschaft bereits sehr aufschlußreiche Meßdaten. Die Instrumente erfassen
Dauer und Stärke von Bodenvibrationen, die durch Druckwellen von Mondbeben
oder von natürlichen und "künstlichen" Meteoriten beim Einschlag auf dem
Mond und deren Reflexion an Grenzschichten unter der Oberfläche ausgelöst
werden. Außerdem ist es jetzt mit Hilfe der ALSEP-Stationen auf der Nordund Südhalbkugel des Mondes in den meisten Fällen durch Triangulation möglich, den Bebenherd zu lokalisieren.
Wie schon bei den früheren APOLLO-Flügen werden auch bei der letzten
Expedition im Rahmen dieses Programmes die Oberstufe der Trägerrakete
SATURN V und die Oberstufe der Landefähre als künstliche Meteorite benutzt.
Noch vor der Landung von Cernan und Schmitt zerschellt die S-IV B-Oberstufe
auf der Vorderseite. Nach der Rückkehr des Landeteams zum Mutterschiff läßt
man auch die Fähre auf den Mond stürzen. Ferngelenkt aus Houston wird die

-l-

�die 2 200 kg schwere

Aufstiegsstufe etwa acht Stunden, nachdem die Astronauten

den Mond verlassen haben, nur ca. neun Kilometer vom APOLLO 17-Landeplatz entfernt niedergehen. Die Wucht des Aufsturzes an einem Berghang entspricht der
Sprengkraft von ca. 720 kg TNT.
Die auf dem zurückgelassenen Rover-Fahrzeug montierte Fernsehkamera wird
zuvor - ebenfalls von Houston aus - in Richtung des Aufschlagpunktes gedreht.
Man will versuchen, den Ablauf des Ereignisses nicht nur auf Grund von Bodenerschütterungen, die das neu installierte Seismometer erfaßt, sondern auch opti
zu beobachten. Wenn es gelingt, wäre dies das erste Mal. Die Besatzungen von
APOLLO-Raumschiffen in der Mondumlaufbahn bemühten sich bisher vergeblich, den
Aufsturzort auszumachen. Die Entfernung von mehr als 100 km zur Mondoberfläche
ist dafür einfach zu groß.
An die Auswirkungen des Einschlags natürlicher Meteorite kommt aber weder
das Experiment mit der Mondfähre noch mit der fast neunmal schwereren S-IV/BRaketenstufe heran. So erwies sich der Aufsturz eines Meteoriten im Mai 1972
auf der Mondvorderseite als ein Ereignis besonderer Art. Die Einschlagenergie
entsprach der Sprengkraft von 200 Tonnen TNT, die Druckwellen wurden noch aus
mehr als 1 000 km Tiefe reflektiert. Ein zweiter Meteoritentreffer im Juli 1972
auf der Rückseite des Erdtrabanten alarmierte jedoch die gesamte wissenschaftliche Welt - die Druckwellen mußten, da sie von den Stationen auf der Vordersei
registriert wurden, den ganzen Mondkörper durchlaufen haben. Die Auswertungsergebnisse dürften somit auch Hinweise auf den - vielleicht flüssigen - Mondkern
geben.
Von dem bei APOLLO 17 erstmalig angewandten Sprengkapsel-Experiment sind
allerdings nur Aufschlüsse über oberflächennahe Schichten zu erwarten. Auf den
Rover-Fahrten wird Astronaut Schmitt insgesamt acht Sprengkapseln verschiedener
Größe auslegen. Sie werden in 500 bis 3 500 m Abstand von vier Geophonen plaziert, die ihrerseits an den Eckpunkten eines gleichseitigen Dreiecks von

-2-

�von 90 m Seitenlänge und in der Dreiecksmitte zu installieren sind. Erst nach
der Rückkehr zur Erde sollen durch Funkkommandos aus Houston die Sprengkapseln
gezündet werden.
Die Betriebsenergie für die Instrumente der Meß-und Experimentierstation
liefert wiederum eine Radionuklidbatterie, die die Zerfallswärme eines künstlichen Radioisotops in elektrischen Strom umwandelt. Die Lebensdauer einer solchen "Atombatterie" überrascht selbst die Fachleute. Ein Jahr hatte man der
Stromquelle der ALSEP-Stationen gegeben - aber der Radionuklidgenerator an der
APOLLO 12-Station ist nun schon drei Jahre in Betrieb, und nichts läßt darauf
schließen, daß er in absehbarer Zeit ausfallen könnte.

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47/1972

AFFEN NEHMEN RÖNTGENSTRAHLEN WAHR
--(AD)-- Daß manche Tiere für Schallwellen sehr hoher Frequenz, für die
der Mensch taub ist, sehr empfindliche Aufnahmeorgane haben, ist unter
anderem durch Forschungen mit Fledermäusen und, seit etwa eineinhalb Jahrzehnten, mit Meeressäugetieren hinreichend bekannt geworden. Ähnlich krasse
Unterschiede bestehen vielfach zwischen menschlichem und tierischem Sehund Riechvermögen. Bei Experimenten mit Affen wies nun Dr. Thomas Chaddock
von der Staatsuniversität Florida nach, daß diese Röntgenstrahlungen wahrnehmen können, und zwar sowohl mit den Augen als auch mit der Nase.
Als erstes wurde der Geruchssinn von Affen für Röntgenlicht getestet,
wobei sich die Tiere in einer hell erleuchteten, echofreien Kammer befanden.
Sie reagierten sofort auf jeden Blitz von Röntgenlicht, bis durch einen operativen Eingriff der Geruchssinn ausgeschaltet worden war. Dann führte Chaddock
die Experimente in einer total abgedunkelten Kammer weiter, wobei innerhalb
eines bestimmten

Versuchsabschnitts das Sehvermögen durch vorübergehende

Fixierung der Augenlider beeinträchtigt wurde. Die Tiere reagierten nur, wenn
sie die Lider öffnen konnten. Schließlich stellte Chaddock durch weitere Experimente, bei denen er das Farbensehen testete, fest, daß "Blau" die Farbe
ist, in der den Affen das Röntgenlicht erscheint.

+-H-t-

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