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46

15. November 1972

Inhalt
INFORMATION:

Vier Maßnahmen zur Eindämmung des internationalen Terrorismus
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

DOKUMENTATION:
Eine politische Absichtserklärung Präsident Nixons
WIRTSCHAFT:

1

Eberle erläutert amerikanische Handelspolitik vor dem GATT
-AuszügeUSA lehnen Gegenpräferenzen nachdrücklich ab
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Biologische Experimente
Von G.Weiss
"Künstliches Wetter" ist meldepflichtig
Sonderstipendien für Ausbildung von Krebsspezialisten

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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46/1972

VIER MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG DES INTERNATIONALEN TERRORISMUS
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

WASHINGTON —(AD)-- Die Völkergemeinschaft sieht sich in jüngster Zeit einem
neuartigen bedrohlichen Phänomen - der Internationalisierung des Terrors gegenüber, wobei die Terrorakte in Länder getragen werden, die dem eigentlichen Konfliktsherd weit entfernt sind. Kein Land ist gegen diese Gefahr
immun.
Wir erleben Flugzeugentführungen, Bedrohungen der Handels-und Transporteinrichtungen sowie Entführung und Ermordung von Diplomaten. Ihren dramatischen Höhepunkt hat diese neue Form des Terrors in den entsetzlichen Geschehnissen wie dem Massaker auf dem Flugplatz von Lod und dem Blutbad von München
gefunden.
Präsident Nixon ist energisch entschlossen, diesen Akten eines internationalen Terrors ein Ende zu setzen. Als Mitglied des auf Kabinettsebene gebildeten Präsidialausschusses zur Bekämpfung des Terrors bin ich mit den Ge ~
danken und Sorgen des Präsidenten auf diesem Gebiet bestens vertraut.
Die

�Die Schaffung des Präsidialausschusses stellt lediglich einen von mehreren
Schritten dar, der in den Vereinigten Staaten gegen den Terror unternommen wird.
Der amerikanische Kongreß hat jüngst eine Gesetzesvorlage verabschiedet, wodurch Verbrechen gegen ausländische Diplomaten und offizielle ausländische
Gäste, die den Beziehungen der USA zu anderen Ländern schaden könnten, unter
die Jurisdiktion des Bundes fallen. Gleichzeitig werden alle in die USA Einreisenden einer eingehenderen Kontrolle unterzogen, um Terroranschläge in den
Vereinigten Staaten zu verhindern.
Auf internationaler Ebene gibt es vier konkrete Maßnahmen, die unter den
Auspizien der Vereinten Nationen unternommen werden könnten und unternommen
werden sollten;

1.

Eine Konferenz mit entsprechenden Vollmachten sollte einberufen werden,

um eine Konvention zum Schutz der Diplomaten zu beschließen, die auf der Grundlage des sehr brauchbaren Konventionsentwurfes ausgearbeitet werden könnte, den
die Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen erstellt hat. Der Entwurf
sieht die Auslieferung oder Strafverfolgung an Ort und Stelle solcher Personen
vor, die Akte von Gewaltanwendung gegen Diplomaten außerhalb der Rechtsprechung
oder räumlich weit entfernt von dem Land begehen, dessen politische Verhältnisse durch diese Gewaltakte verändert werden sollen. Das Ziel ist es, den Terroristen jede Möglichkeit einer sicheren Zuflucht zu nehmen und damit vor jeder
Art Terror abzuschrecken.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der Rechtsausschuß der UN-VollVersammlung selbst als derart bevollmächtigte Konferenz im Herbst 1973 in Aktion treten und eine solche Konvention beschließen wird.

2.

-2-

�2.

Es sollte eine "allgemeine Konvention" vorbereitet werden, die die Aus-

lieferung oder Strafverfolgung all jener vorsieht, die Terrorakte ausführen,
bei denen unschuldige Privatpersonen zu Schaden kommen können. Die Vereinigten
Staaten haben im September in der UN-Vollversammlung einen vollständigen Entwurf
für einen solchen Vertrag, der diesen Grundsatz umfaßt, zirkulieren lassen. Dieser Entwurf wird im Verlauf der Sitzungen der Vollversammlungen noch diskutiert
werden.

3.

Alle Staaten sollten aufgefordert werden, die Konventionen von Tokio,

Den Haag und Montreal zu unterzeichnen und sich an sie zu halten, die im Rahmen
der Internationalen Zivilen Luftfahrtorganisation (ICAO. der Vereinten Nationen
abgeschlossen wurden und die Auslieferung oder Strafverfolgung von Personen vorsehen, die Flugzeuge entführen oder in anderer Weise die internationale zivile
Luftfahrt stören.

4.

Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe der ICAO, den Luftverkehr nach all

jenen Ländern einzustellen, die eine Auslieferung oder Strafverfolgung solcher
Personen verweigern, sollten Unterstützung finden.
Die Vereinigten Staaten treten dafür ein, den Bestimmungen der Verträge
gegen Luftpiraterie die notwendige Schärfe zu geben. Sie stoßen in ihren Bemühungen aber bedauerlicherweise auf eine gewaltige Opposition.
Das Traurige an der Sache ist, daß eine solche Opposition nicht nur in
bezug auf die erforderliche Schärfe dieser Vertragsbestimmungen besteht, sondern
auch massiv zu Tage trat, als UN-Generalsekretär Waldheim die Vereinten Nationen
zur offenen Erörterung des gesamten Fragenkomplexes des Terrorismus aufforderte.
Viele arabische Länder vereinten sich in dieser Opposition, weil sie wohl
glauben, daß jede Erörterung des Terrors zwangsläufig zu einem Vorstoß gegen
gewisse palästinensische Organisationen führen würde.
Auch

-3-

�Auch eine ganze Reihe afrikanischer Länder wehrte ;ich dagegen, die Erörterung des Terrors auf die Tagesordnung der Vollversammlung zu setzen, wobei
sie unbeirrt daran festhielten, daß ein solcher Tagesordnungspunkt die Guerillatätigkeiten der "Befreiungs"-Kräfte in Afrika beeinträchtigen würde.
Unsere Aufgabe war und ist es, all diese Länder davon zu überzeugen, daß wir
bei unserem unbedingten Eintreten für den Vorschlag des Generalsekretärs nicht
auf eine bestimmte Gruppe abzielen.
Wir müssen klarstellen, daß wir uns einzig und allein darum bemühen, zu
einem Abkommen zu gelangen, wonach bestimmte Gewaltakte als Terror gekennzeichnet
werden und verurteilt und geächtet werden sollten - Akte wie Luftpiraterie, Versendung von Briefbomben, Entführung von Diplomaten und andere Gewaltmaßnahmen,
wie wir sie in den vergangenen Monaten und Jahren erleben mußten.
Angesichts der weitverzweigten und starken politischen Opposition,die dieses Bemühen bei den Vereinten Nationen findet, bin ich, offen gesagt, nicht gerade optimistisch, daß es uns gelingen wird, zu den konkreten Ergebnissen zu
kommen, die die Vereinigten Staaten so dringend wünschen und die alle zivilisierten Menschen auf der Erde fordern.
Ich kann Ihnen jedoch

versichern, daß wir uns auch weiterhin nachdrücklich

um solche positiven Ergebnisse bemühen werden.

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46/1972

EINE POLITISCHE ABSICHTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS
Präsident Nixon hat in einem Interview mit
Garnett D. Horner von der amerikanischen Zei-»
tung "Washington Star-News" seine Vorstellungen und Absichten für seine zweite vierjährige Amtsperiode als Präsident der Vereinigten
Staaten dargelegt. Das Interview wurde am 5.
November aufgenommen und am 9 November veröffentlicht. Wir geben hier die Passagen wieder, die die Außenpolitik betreffen sowie die
zusammenfassende Darstellung
Copyright (c) The Washington,D.C.Star-News 1972
Außenpolitik

Das erste Jahr wird sehr bewegt werden. Wir werden zu SALT II kommen. Und
wir werden natürlich zu der Europäischen Sicherheitskonferenz kommen • und auf
einem parallelen Kanal werden wir zu MBFR - der beiderseitigen, ausgewogenen
Truppenverringerung - kommen Wir werden den Dialog mit der Volksrepublik China
fortsetzen, obwohl das ein Prozeß auf lange Sicht ist. Es wird keine plötzlichen
Ereignisse geben. Es wird keine Änderung, keinerlei Änderung, in unserer Politik
gegenüber Kuba geben - es sei denn, Castro ändert seine Politik gegenüber

•

!

•

�gegenüber Lateinamerika und den Vereinigten Staaten - womit ich nicht rechne.
Dem Nahen Osten wird eine sehr hohe Priorität eingeräumt werden, weil der Nahe
Osten während der letzten Jahre sich zwar in einer Periode einer unsicheren Waffenruhe oder eines unsicheren Waffenstillstandes - wie immer man das bezeichnen
will -. befunden hat, er jedoch jederzeit explodieren kann.
Was nun andere Teile der Welt angeht, so möchte ich nicht den Eindruck erwecken, daß Lateinamerika und Afrika keine Aufmerksamkeit erhalten werden; sie
werden es, denn kein Teil unserer gegenwärtigen Politik wird als heilige Kuh
behandelt werden. Ich werde unsere Lateinamerika-Politik und unsere Afrika-Politik überprüfen, um festzustellen, wie unsere Programme in diesen Gebieten verbessert werden können.
Auf internationalem Gebiet müssen wir uns daran machen, ein stabileres Währungssystem zu bekommen, und wir müssen auf dem Gebiet des Handels etwas tun,
damit die Vereinigten Staaten auch weiterhin in ihren Handelsbeziehungen zu anderen Ländern eine angemessene Chance erhalten können.
Ich möchte daher sagen, daß die nächsten vier Jahre vielleicht nicht so
spektakulär sein werden wie das Jahr 1972 - als wir die Öffnung nach Peking
hatten, das erste Gipfeltreffen mit den Russen und die internationalen Währungsschritte vom 15. August (1971) - daß die nächsten vier Jahre jedoch auf dem aufbauen und sogar mehr erreichen werden, da es sich damals im wesentlichen um die
ersten Schritte handelte, die den Weg für sehr viel größere Schritte in der Zukunft öffneten.
So wird beispielsweise SALT II wichtiger sein als SALT I. Es wird mehr erreichen. Es wird mehr von einer Begrenzung bringen. Das gilt für die Europäische
Sicherheitskonferenz, für den Nahen Osten, für all diese Gebiete. Zu Vietnam
möchte ich folgendes sagen: Wenn ich erk Ire, daß ich absolut zuversichtlich

.2-

�zuversichtlich bin, daß wir eine Regelung erreichen werden, dann dürfen Sie
sich darauf verlassen.
Von der Annahme ausgehend, daß es eine Regelung in Vietnam geben wird, wurde
der Präsident nach der Zukunft Südostasiens in den nächsten vier Jahren gefragt:
Es wird sich um eine Zukunft handeln, in der wir unseren Freunden in diesem Gebiet weiterhin Wirtschaftshilfe gewähren werden - und auch einige Militärhilfe, da die kommunistischen Länder dieselbe Art von Hilfe an Nordvietnam
gewähren werden. Wir werden, wie wir erklärt haben, auch Nordvi,etnam einige
Hilfe auf wirtschaftlicher Basis gewähren.
Unser Interesse besteht nicht nur darin, ein Abkommen herbeizuführen, das
den Krieg jetzt beendet, sondern wir wollen auch einen Einfluß auf die Ereignisse in der Zukunft haben, und es ist sehr viel bessei , zu den Nordvietnamesen eine Beziehung zu haben als keine.

Zusammenfassung
Der Präsident hat in seinen Äußerungen oft zu verstehen gegeben, daß er
vor der Geschichte einmal als ein Präsident dastehen möchte, der eine neue Ära
des Friedens eröffnet hat, und er wurde in diesem Zusammenhang gefragt, ob er
auf innenpolitischem Gebiet dies auch wolle.
Lassen Sie mich in Bezug auf den weltpolitischen Aspekt sagen, daß ich
dies ein wenig abwandeln möchte. Ob die Vereinigten Staaten, als die einzige
Nation, die in der freien Welt mächtig genug ist, um diese Rolle zu übernehmen,
sich dieser Aufgabe gewachsen zeigt und auf dem Weg zu dieser neuen Periode
des Friedens vorangeht - das ist die eigentliche Fraget ob wir uns ihr gewachsen
erweisen oder zum Isolationismus zurückkehren.
Das

-3-

�Das ist auch der Grund, warum ich dies als eine der entscheidend wichtigen
Fragen dieses Wahlfeldzuges betrachtete. Ein schwächeres, sich nach innen wendendes Amerika wäre meiner Ansicht nach für die Menschen in unserem Lande nicht
gut gewesen. Darüber aber ließe sich immerhin noch streiten. Für die Welt jedoch wäre dies eine Katastrophe gewesen, weil die kleineren Nationen ohne Mitwirkung Amerikas auf der weltpolitischen Szene in Furcht und Schrecken leben
müßten, weil dadurch ein Vakuum der Macht entstünde. Dieses Vakuum ist gefüllt.
Die Vereinigten Staaten unterhalten jetzt Beziehungen zur Sowjetunion und
zu den Chinesen, von denen die eine eine Supermacht ist und die anderen das Potential für die Zukunft haben. Es ist dies eine gesunde Beziehung, aber auch eine
Beziehung, in der unsere Stärke stets beibehalten werden muß, bis wir zu einem
gemeinsamen Abkommen über ihre Reduzierung gelangen.
Was nun die Szenerie der Innenpolitik anbetrifft: Ich glaube, die Tragödie
der sechziger Jahre besteht darin, daß so viele Amerikaner - und vor allem so
viele junge Amerikaner - den Glauben an ihr Land, an das amerikanische System
und die Außenpolitik ihres Landes verloren haben. Viele wurden dazu gebracht, zu
glauben, daß sie sich über das schämen müßten, was wir in der Außenpolitik getan haben und in der Welt weiterhin tun, daß wir uns zu schämen hätten über das,
was Amerika alles getan hat.
Viele Amerikaner gewannen den Eindruck, daß dies ein häßliches Land ist,
rassistisch, ohne Mitgefühl für den anderen - und der Grund dafür lag zum Teil
in dem Bestreben

einiger, jeden kleinen Fleck bei uns herauszustellen und ihm

das Aussehen eines Krebsgeschwürs zu geben.
Nun, wir sehen ein: dies isp kein vollkommenes Land. Es gibt vieles, was
falsch ist und der Korrektur bedarf. Aber was ich nun sage, sage ich keineswegs
in chauvinistischem Sinne - ich habe die Welt gesehen und ich kenne keinen jungen

-4-

�jungen Menschen im Ausland, der - wenn er die Möglichkeit hätte - nicht lieber
hier als an irgendeinem anderen Olt leben würde.
Es geht nun meiner Ansicht nach nicht einfach darum, in den Amerikanern wieder einen neuen Stolz in ihr Land zu erwecken - die Mehrzahl der Amerikaner ist
stolz auf ihr Land

Sie sehen ja, wie sie reagieren.

Aber sie müssen dies nicht in dem blinden Glauben tun: "Dies ist mein Land,
ob Recht oder Unrecht, es ist mein Land." Wir wollen, daß sie wissen, warum
dieses Land Recht hat. Um das Gebiet der Außenpolitik zu nehmen: wir wollen das
amerikanische Volk dazu bringen, daß es stolz au,f die Rolle ist, die sein Land
auf außempolitischen Gebiet spielt

Ich glaube, daß die Reisen nach Peking und

Moskau in dieser Hinsicht geholfen haben. Ich glaube, das Volk sah, daß die Vereinigten Staaten führend waren in der Welt im Bemühen um Frieden, und daß wir
die einzigen waren, die dies tun konnten. Sie waren stolz auf ihr Land.
Wir werden auch weiterhin eine Führungsrolle dieser Art übernehmen.
Im eigenen Land werden wir - so glaube ich - etwas von dem in den sechziger
Jahren verlorengegangenen Glauben wiedergewinnen, wenn wir uns auf die Chancengleichheit für alle hinbewegen

die freilich nicht über Nacht kommen wird -

aber wenn wir, wie gesagt, auf sie hinarbeiten, wenn wir uns daran machen, die
Probleme der Umwelt in den Griff zu bekommen, handele es sich nun um reine Luft,
um ein besseres Gesundheitssystem oder um Verbesserungen des Erziehungswesens
- wenn wir auf all diesen Gebieten zu Fortschritten gelangen.
Ich glaube, wir sind von ihrer eigentlichen Frage etwas abgeschweift, aber
worüber wir hier meiner Ansicht nach reden, ist, daß wir in diesem Land Ende der
sechziger Jahre eine sehr große geistige Krise durchgemacht haben; viele haben
den Vietnamkrieg dafür einzig und allein verantwortlich machen wollen. Er aber
bildete nur einen Teil des Problems und in vielen Fällen war er auch eigentlich

-5-

�eigentlich mehr eine Entschuldigung als eine Begründung, Wir erlebten aber jedenfalls einen Zusammenbruch in der, wie ich ganz offen sagen möchte, Führungsschicht dieses Landes.
Ich sage dies nicht tadeln, weil viele ihren Glauben in zahlreiche unserer
Institutionen verloren haben. Da ist beispielsweise dieser gewaltige Trend zur
Nachgiebigkeit, der dann zu der Eskalation der Kriminalität und der Eskalation
des Drogenmißbrauchs in diesem Lande führte - all dies war ein Resultat der
Haltung jener unter uns, die im Grunde die Verantwortung und die Aufgabe der
Führung tragen und nicht erkannten, daß man vor allem eins nicht darf: den Charakter eines Volkes schwächen.
Lassen Sie mich versuchen, es andersherum zu sagen. Eine Frage, die Sie
nicht berührt haben, ist der große Komplex der Rechtsprechung . Ich habe mehrfach gesagt, daß ich auch weiterhin konservative Richter an die Gerichtshöfe berufen werde. Ich werde es. Die Gerichte brauchen sie; sie brauchen Männer wie
Rehnquist und Burger und Blackmun und Powell an den Gerichten - nicht reaktionäre
Richter, sondern konservative Männer, die auf dem Boden der Verfassung stehen,
weil der Trend zu weit in die andere Richtung gegangen ist. Ich will damit nicht
sagen, daß es nicht Richter waren, die das beste wollten, aber ich glaube nicht,
daß das der richtige Trend für dieses Land war, und ich bin der Ansicht, daß wir
diesen Trend auf dem gesamten Gebiet des Re;htsvollzugs umkehren müssen.
Was die Drogen und all das anbetrifft - so werden wir auch hier weiterhin
^in sehr energisches Programm fortsetzen, weil diese ganze Ära der Duldsamkeit
und Nachgiebigkeit hier ihren Einfluß gehabt hatNun meine ich mit dem, was ich gesagt habe, nicht, dai&gt; wir uns zur Reaktion
hinwenden. Ich meine nicht, da.j wir nun in eine Haltung verfallen sollten, die

-6-

�die kein Mitgefühl mit denen hat, die keine Schuld für manche ihrer Probleme
tragen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, daß dieses Land ein neues Gefühl der
Selbstdisziplin will - daß diese Wahl zeigen wird, daß das amerikanische Volk
ein solches neues Gefühl der Selbstdisziplin und Verantwortung will, damit
stark sein wird und nicht zu den Vorstellungen der sechziger Jahre zurückkehren
möchte, nämlich, daß es Aufgabe einer Regierung sein sollte, jedes auftretende
Problem zu lösen und die Bevölkerung mehr und mehr von ihr abhängig zu machen,
so daß diese alL ihren Launen nachgibt.
Das Durcheinander bei der Wohlfahrt ist ein Beispiel. Diese zahlenmäßige
Eskalation bei der Wohlfahrt ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß
etwas geschwunden ist, was ich als Arbeitsethos bezeichne. Ich weiß, daß man es
als reaktionär betrachtet, wenn gesagt wird, die Leute sollten lieber arbeiten
als Wohlfahrtsempfänger werden. Ich weiß auch sehr wohl, daß es Leute gibt, die
nicht arbeiten können und von der Wohlfahrt leben müssen. Aber auf der anderen

Seite geht es bei dieser Wahl mit darum, ob wir noch mehr Geld an die Leute verteilen und die Menschen mehr und mehr von der Regierung abhängig machen sollen,
ihr
i der ob wir sagen sollen, es liegt an Euch selbst. Die Menschen werden/ Teil an
der Last tragen müssen.
Der Durchschnittsamerikaner ist wie das Kind in der Familie. Man überträgt
ihm eine Aufgabe, und es wird etwas aus ihm. Es wird etwas leisten, Macht man es
auf der anderen Seite völlig abhängig, verwöhnt es und gewährt ihm zu viel, dann
wird es weich und verwöhnt und schließlich zu einem sehr schwachen Menschen
Ich möchte das einfach mit folgenden Worten zusammenfassen: Wenn Sie auf die
kommenden vier Jahre blicken - an der innenpolitischen Front und an der internationalen Front - dann wird das eine erregende Zeit sein: International gesehen, weil wir uns nicht, wie unsere Gegner das befürwortet haben, von der Welt
zurückziehen, sondern auf vielen Gebieten weiterhin eine große Rolle in der Welt
spielen werden, da das der einzige Weg ist, den Frieden zu bekommen, von dem wir
sprechen.
Was

-7-

�Was die innenpolitische Front anbetrifft, so wird die Zeit erregend sein,
weil wir die Dinge anders anpacken werden. In der Vergangenheit ist man immer
davon ausgegangen, die meisten Stimmen bringt, wer am meisten verspricht

Mit

anderen Worten, es ging darum, wieviel man versprach, wieviel Geld man für dies
oder jenes Programm zusagte. Dies war der erste Wahlkampf in der Geschichte,
wie man erleben wird, ja vielleicht der ;rste Wahlkampf eines Kandidaten überhaupt, der nicht mit ein i: ^ack voll Versprechungen herumzog.
ich habe mich an mein Programm gehalten und ich habe nicht einen Haufen
neuer Versprechungen gemacht. Das ist ein Fall, wo das amerikanische Volk
zwischen einem Kandidaten zu wählen hatte, der versprach, Milliarden mehr von
seinem (des amerikanischen Volkes) Geld auszugeben, um letztlich, wie es hieß,
ihm (dem Volk) zu helfen, und einem anderen Kandidaten, der erklärte, nein,
wir versprechen nicht, das zu tun; wir versprechen,Euch

die Chance zu geben,

Euch selbst zu helfen.
Das amerikanische Volk wird sich zu diesem Punkt äußern. Unsere Aufgabe
ist es, einen Weg zur Reform unserer Regierungseinrichtungen zu finden, damit dieser neue Geist der Unabhängigkeit, des Selbstvertrauens, des Stolzes,
den ich im amerikanischen Volke spüre, gestärkt wird. Ich glaube, daß dieser
Geist vorhanden ist.
Ich bin mir durchaus darüber im kl ren, daß das, was ich hier gesagt habe,
in vielen Gegenden Washingtons, beim Cocktail Set in Georgetown, einiges Kopfschütteln hervorrufen wird. Diese Leute glauben ernsthaft, daß die Lösung der
Probleme immer in neuen massiven Regierungsprogrammen zu finden sei. Ich bin
völlig anderer Meinung, kri ichmal bedarf es eines neuen Programms. Was wir jedoch heute brauchen, ist nicht mehr Regierung, sondern bessere Regierung. Ich
bin mir darüber im klaren, daß das ein Klischee ist, aber statt mehr soll
besser stehen, und oft ist das bessere nicht das Umfassendere, sondern das
Magerere .
Wir

-8-

�Wir werden einen anderen Weg gehen. Statt daß die Regierung mehr für

das

Volk tut und das Volk immer abhängiger von ihr macht, stehe ich dafür ein,
daß die Regierung Mittel und Wege findet, es dem Volk durch Regierungsprogramme
zu ermöglichei , mehr für sich selbst zu tun; es ermutigt, mehr für sich selbst
zu tun; es nicht nur ermutigt, sondern ihm auch den Anreiz gibt, selbst mehr
für sich zu tun; ohne Hilfe der Regierung.

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46/1972

EBERLE ERLÄUTERT AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK VOR DEM GATT
-Auszüge-

GENF --(AD)-- Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William D. Eberle, hat vor dem GATT die Ziele der amerikanischen
Handelspolitik dargelegt. Die wichtigsten Teile der Rede Eberles haben
folgenden Wortlaut:
Beseitigung der Zölle
Was den Handel selbst anbetrifft, so bereitet sich meine Regierung gegenwärtig intensiv auf multilaterale Handelsverhandlungen vor.
Wir erwarten von solchen Verhandlungen, daß sie alle Aspekte der Handelsbeziehungen umfassen.
Das GATT hat auf dem Gebiet der Zölle einen äußerst wichtigen Beitrag zur
Handelsliberalisierung geleistet. Die Bedeutung der Zölle hat sich ganz eindeutig während des letzten Viertel Jahrhunderts -gemessen an der bei anderen
Handelshindernissen und Handelsverzerrungen verfolgten Politik - wesentlich verringert. Aber wir dürfen auch die Bedeutung der Zölle nicht unterschätzen, vor
allem in bezug auf das effektive Maß an Schutz, das sie gewähren. Angesichts
des bereits erzielten bedeutenden Fortschritts beim Abbau der Zölle, dürfte die

-1-

�die Zeit bald gekommen sein, da wir ernsthaft mögliche Programme für ihre phasenweise Beseitigung erwägen werden.

Nicht-tarifäre Handelsschranken
Was die Politik auf dem Gebiet der nicht-tarifären Handelsschranken und bei
anderen Handelsverzerrungen anbetrifft, so sollten unseres Erachtens alle Anstrengungen unternommen werden, diese Quellen der Verzerrung und der Reibungen
in den Handelsbeziehungen zu beseitigen. Wo die Ursache des Problems darin zu
suchen ist, daß die nationale Politik und die nationalen Praktiken voneinander
abweichen oder im Widerspruch zueinander stehen, eine Beseitigung der Kontrollen
jedoch nicht im Einklang mit den sozialen Zielen liegt, sollten unseres Erachtens gemeinsame Verpflichtungen auf gemeinsame Regeln und Verfahren angestrebt
werden. Dies würde die Möglichkeit zumindest verringern oder ganz beseitigen,
daß nicht-tarifäre Maßnahmen zur Begünstigung einer Gruppe gegenüber einer anderen oder eines Landes gegenüber einem anderen angewandt werden. Damit würden wir
alle harmonisierten Konzeptionen von dem, was recht und was falsch ist, unterworfen sein.
Landwirtschaft
Unseres Erachtens ist es unbedingt erforderlich, für eine beträchtliche Ausweitung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu sorgen und die
verschiedenen nationalen Werkzeuge der Agrarpolitik, die zu größeren Verzerrungen
und Störungen führen, unter eine internationale Ordnung zu bringen. Die Notwendigkeit einer Reform auf diesem Gebiet ist groß. In den Verhandlungen im Laufe
der Jahre ist es nicht gelungen, eine wesentliche Liberalisierung herbeizuführen. Die GATT-Bestimmungen sind unzulänglich, und wo solche bestehen, haben die

-2-

�die Regierungen sie oft ignoriert oder Wege zu ihrer Umgehung gefunden.
Wenn ich die Landwirtschaft besonders heraushebe, so liegt das daran, weil
diese unseres Erachtens eines der deutlichsten Beispiele dafür ist, welche Gefahren Handelspraktiken bilden, die nicht durch gemeinsam vereinbarte Regeln
kontrolliert werden. Industriestaaten und Entwicklungsländer haben in gleicher
Weise ein grundlegendes Interesse daran, die Stärke ihres Agrarsektors aufzubauen und zu erhalten. Dies sollte jedoch nicht in einer Weise geschehen, die
den Bauern anderer Länder Lasten auferlegt, noch auf eine Weise, die auf lange
Sicht das Streben nach größerer Effizienz der Gütererzeugung der Welt zunichte
macht .

Schutz
Wir werden ferner Wege finden müssen, um eine gewisse Harmonisierung der
verschiedenen nationalen Schutzmaßnahmen zu erreichen, die zu einer Verminderung des internationalen Handelsflusses für begrenzte Zeiträume ergriffen worden sind. Unseres Erachtens sollte ein neues internationales Schutzsystem entwickelt werden, das gemeinsame Verfahren für alle Länder vorsieht, sofern sie
besondere Maßnahmen zur Mäßigung des Tempos der binnenwirtschaftlichen Anpassungen ergreifen, die durch plötzliche Veränderungen der Handelsbedingungen
ausgelöst worden sind. Dies würde es einerseits den Ländern gestatten, spezielle Schutzmaßnahmen in besonderen Fällen durchzuführen, in denen ein Druck von
außen zu beträchtlichen binnenwirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten führt.
Und auf der anderen Seite würde dies sicherstellen, daß durch solche Maßnahmen
benachteiligte Länder gerecht behandelt werden und daß die speziellen Maßnahmen
sich an die vereinbarten Bestimmungen und Zeitpläne halten. Dies würde Möglichkeit und Anreiz geben, um sicherzustellen, daß solche Maßnahmen auf eine
langfristige Anpassung an die sich ändernden Gegebenheiten auf den Weltmärkten
abzielen. Ein multilaterales Schutzsystem, das richtig aufgebaut ist, sollte

�sollte den Prozeß der weltweiten Handelsliberalisierung erleichtern, während
gleichzeitig die Unsicherheit der Zugangsbedingungen zu den Märkten verringert
wird, der sich die Exporteure in bestimmten Erzeugergebieten gegenübersehen
könnten.

Diskriminierung
Schließlich sind wir der Ansicht, daß solche Länder, die im Innern Diskriminierungen gegen ausländische Erzeugnisse sowie überholte Formen des Schutzes,
wie sie unter den Bedingungen einer anderen Zeit noch angebracht waren, aufrechterhalten, jetzt bereit sein sollten, ihre Politik wesentlich zu ändern und sich
mit uns zu gemeinsamen Verpflichtungen zusammenzuschließen.
Wir sind der Ansicht, daß das GATT, wenn wir jetzt Liberalisierung und
Entwicklung neuer Bestimmungen und Verfahren anstreben, als Institution wie
auch als Abkommen über Bestimmungen und Verfahren weiterhin von Wert ist. Trotzdem ist es nunmehr an der Zeit, die Stärke des GATT zu festigen und seine Schwächen zu beseitigen. Es muß anerkannt werden, daß sich seit der Zeit, da die Entwürfe für das GATT erstmals ausgearbeitet wurden, große Änderungen vollzogen haben. Auch innerhalb des GATT haben sich aufgrund täglicher Entscheidungen, oder
gerade weil keine Entscheidungen getroffen wurden, Änderungen vollzogen. Die
Praxis wird zur Regel, wenn sie sich oft genug wiederholt und wenn die Mitgliedstaaten nicht bereit sind, zu den betreffenden Fragen Stellung zu beziehen.
Unseres Erachtens kann es sich das internationale Handelssystem nicht länger leisten, daß wichtige Bestimmungen des Abkommens weitgehend übertreten werden. Es ist daher vordringlich und notwendig, die tägliche Arbeit des GATT zu
beleben und die Verfahren mit dem Blick auf konkrete Entscheidungen anzuwenden.
Wo es für die Vereinigten Staaten zum Beispiel seit langem Importbeschränkungen
gab, die mit dem GATT nicht zu vereinbaren waren

und sich gegen ihren Handel

�Handel richteten, werden wir jetzt jede einzelne zur Diskussion stellen mit dem
Ziel, eine baldige Übereinkunft über einen Zeitplan für eine Liberalisierung
oder.Kompensierung zu erreichen. Unseres Erachtens sollten wirksame Maßnahmen
in diesen Routinefragen im Rahmen der normalen Arbeit des GATT - ohne Zögern
und politische Reibungen - ergriffen werden.
Es besteht, wie Sie alle wohl wissen, in meinem Lande eine wachsende Besorgnis hinsichtlich einer etwaigen Aushöhlung der Anwendbarkeit des Prinzips
der allgemeinen Meistbegünstigung. Die Praxis, besondere Vereinbarungen auf
einer diskriminierenden Basis auszuhandeln, die auf die spezifischen bilateralen Probleme zwischen zwei Ländern oder Gruppen von Ländern zugeschnitten sind,
läuft unseres Erachtens dem Geist des GATT zuwider und steht auch im Gegensatz
zu den Bestimmungen von Artikel XXIV. Praktisch betrachten wir dies als eine
eindeutige Bedrohung der Vorstellungen von einem gerechten Wirtschaftssystem,
für das es nur eine Welt gibt und das von denen so stark hervorgehoben worden
ist, die direkt von einer monetären Reform betroffen werden. Wir teilen die
wachsende Besorgnis, daß die Ereignisse uns in eine Aufspaltung der Welt in
Blöcke oder fest abgeschlossene Einflußsphären hineinzwingen werden.
Aufgrund der Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des GATT hat es
das GATT vermieden, darüber zu beschließen. Die Praxis, Sondervereinbarungen
auszuhandeln, ist jetzt in den Beziehungen mit der

Europäischen Gemeinschaft

weitverbreitet. Was bedeutet allgemeine Meistbegünstigung jedoch? Gilt sie
nur wahlweise für bestimmte Länder?
Ich könnte das noch fortsetzen. Die Liste würde dann Probleme der Unzulänglichkeit und der Nichteinhaltung von Bestimmungen in der Landwirtschaft,
die Anwendung von Handelsmaßnahmen aus Zahlungsbilanzzwecken, Subventionen und
restriktive Schutzmaßnahmen einschließen. Ich könnte Bereiche nennen, wo der
Handel durch nationale Politik beeinflußt wird, aber die Bestimmungen für die

-5-

�die Bewältigung der aufgeworfenen Probleme nicht ausreichen. Hierunter fallen
die Beschaffungspolitik, administrative Maßnahmen, Innen-und regionale Politik.
Diese Probleme betreffen in der einen oder anderen Weise alle Mitgliedstaaten.
Bei der Vorbereitung von Handelsverhandlungen in den kommenden Monaten werden wir in Konsultationen den Rat unserer Handelspartner suchen, sowohl der
Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer. Wir hoffen, sie werden das
gleiche tun, so daß man die Verhandlungen wirklich als eine gemeinsame Initiative zum gemeinsamen Wohl betrachten kann. Wir werden in diesem Zusammenhang sorgfältig die Ansichten der Regierungen der Entwicklungsländer über die Rolle studieren, die ihnen vorschwebt. Multilaterale Handelsverhandlungen sind für ihre
Interessen von entscheidender Bedeutung. Auf den Handel entfallen 75 bis 80 Prozent ihrer Devisenquellen. Wege zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei
ihren Verhandlungen und Verfahren zur Hinzuziehung von Ländern, die gegenwärtig
nicht dem GATT angehören, sollten in den kommenden Monaten sehr sorgfältig ausgearbeitet werden.
Ja, wir rechnen damit, daß die Probleme der Entwicklungsländer einen wichtigen Punkt der Vorbereitungsgespräche bilden werden, die unseres Erachtens geführt werden müssen.
Bei der Vorbereitung der Verhandlungen sollten Unterschiede zwischen den
Volkswirtschaften der Industriestaaten und der Entwicklungsländer gebührend berücksichtigt werden. Der Gesamtrahmen für die Verhandlungen sollte sicherstellen, daß die tatsächlichen Ergebnisse - was den Handel anbetrifft - die Möglichkeiten für den Zugang der Exporte der Entwicklungsländer zu den Märkten der Industriestaaten verbessern.
Meine

-6-

�Meine Regierung kennt das große Interesse der Entwicklungsländer und auch
das allgemeine Präferenzsystem. Wir werden eine legislative Ermächtigung zur
Ausweitung solcher Präferenzen anstreben. Die Tatsache sollte nicht übersehen
werden, daß auch ohne Präferenzen in der Zeit von 1%2 bis 1969 die Hälfte der
Fertigwarenimporte der Entwicklungsländer aus den Industriestaaten auf die Vereinigten Staaten entfiel.
Wir haben diesen Punkt offen gelassen in der Hoffnung, daß die Europäische
Gemeinschaft und die ihr beitretenden Länder uns eine umfassendere Darlegung
ihrer Ansichten geben werden, damit wir festlegen können, wie die Prüfung am
besten beschleunigt werden kann. Wir begrüßen die Erklärung des Sprechers der
erweiterten Gemeinschaft, daß die Verhandlungen über Artikel XXIV Absatz 6 bald
aufgenommen werden können. Die Arbeitsgruppe für die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft sollte die Ergebnisse der Verhandlungen genau verfolgen, ihren
Fortschritt von Zeit zu Zeit überprüfen und den Teilnehmerstaaten bei der Ausräumung etwa sich ergebender Schwierigkeiten helfen. Es wäre wünschenswert gewesen,
wenn diese Verhandlungen vor dem 1. Februar 1973 hätten abgeschlossen werden
können, wenn die beitretenden Länder die Bestimmungen des Beitrittsabkommens
anzuwenden beginnen. Ohne uns irgendwelcher Rechte auf Konzessionen zu begeben,
die gebrochen werden könnten, sind wir uns darüber im klaren, daß Neuverhandlungen
nicht vor dem 1. Februar abgeschlossen werden können. Unseres Erachtens sollten
die Verhandlungen im Februar beginnen und bis zu den Ferien im August abgeschlossen sein. Daher muß jetzt ein fester Termin für einen Beginn im Februar festgelegt werden, der für alle Mitgliedsstaaten fair ist, die Vorkehrungen treffen
müssen, damit das für die Verhandlungen benötigte Personal rechtzeitig in Genf
ist. Es müssen konkrete Ergebnisse erreicht werden.

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45/1972

USA LEHNEN GEGENPRÄFERENZEN NACHDRÜCKLICH AB
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -

WASHINGTON --(AD)-- Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft hat am 6. und
7. November in Brüssel die beabsichtigte Handelspolitik der Gemeinschaft gegenüber den Mittelmeerländern erörtert. Noch vor dieser Tagung hatten die Vereinigten Staaten den Mitgliedern der E,WG gegenüber ihre Besorgnis zu einem
Aspekt der beabsichtigten Handelspolitik - den Gegenpräferenzen - zum Ausdruck
gebracht.
Die Vereinigten Staaten halten Gegenpräferenzen aus zwei Gründen für untragbar. Derartige Vereinbarungen ermöglichen die Einfuhr von Fertigerzeugnissen
aus der EWG in bestimmte Entwicklungsländer zu niedrigeren Zollsätzen, als sie

für Drittländer gelten. Gegenpräferenzen sind somit nach Auffassung der USA diskriminierend für die Exporteure anderer Länder.
Amerikanische Regierungskreise pflichten dem zwar bei, daß die Entwicklungsländer ein legitimes Recht auf Handel haben und auch für ihre Fertigerzeugnisse
besonderen Zugang zu den Märkten der Industriestaaten erhalten sollten. Eine
gesunde Volkswirtschaft in diesen Ländern ist zu einem erheblichen Teil vom
Außenhandel und den Absatzmärkten abhängig. Gegenpräferenzen begünstigen je-

-1-

�jedoch nicht die Entwicklungsländer, sondern die Industriestaaten Europas und
richten sich gegen die Exportinteressen dritter Länder - Industriestaaten wie
auch Entwicklungsländer. Zum Beispiel stehen die Vereinigten Staaten und andere
Industriestaaten, wie auch bestimmte Entwicklungsländer, bei zahlreichen Fertigerzeugnissen, Werkzeugmaschinen, Chemikalien und elektronischen Erzeugnissen
und bei Halbzeugen in einem scharfen Wettbewerb mit der EWG. Einzeln ausgehandelte Gegenpräferenzen mit Industriestaaten dienen nur dazu, den europäischen Erzeugnissen einen unfairen Vorteil zu verschaffen und die Märkte gegenüber der
Konkurrenz abzuschirmen. Und die Besorgnisse der Drittländer sind umso verständlicher, wenn man bedenkt, daß die Märkte für solche Erzeugnisse in den Entwicklungsländern sich noch mehr ausweiten werden, so daß die Diskriminierungen in
den kommenden Jahren eher größer als kleiner werden. Aber auch die zahlreichen
Entwicklungsländer, die nicht der Europäischen Gemeinschaft angehören oder mit
ihr assoziiert sind, werden ihren Export an Fertigerzeugnissen laufend ausweiten. Und diese Länder werden sich dann ebenfalls diskriminierenden Zollsätzen
gegenübersehen.
Zweitens sind die Vereinigten Staaten der Ansicht, daß Gegenpräferenzen ein
Hindernis für eine gesunde Entwicklungspolitik in den Entwicklungsländern selbst
darstellen. Wenn ein solches Land von Gegenpräferenzen abgeht, dann kann es
freier unter den Fertigerzeugnissen aller Länder wählen. Der freie Wettbewerb,
und auf lange Sicht niedrigere Preise und ein breiteres Warenangebot auf den
Binnenmärkten, werden damit gewährleistet. Nach Ansicht amerikanischer Regierungskreise sind zahlreiche Entwicklungsländer längst nicht so glücklich über
die Gegenpräferenzen,wie dies die Europäer vielleicht glauben mögen. Mehrere
Länder haben darauf hingewiesen, daß sie die Vereinbarungen über Gegenpräferenzen zwar nicht gut heißen, jedoch glauben, daß sie sie annehmen mußten, um die
Finanzhilfe und die Vorzugszölle zu erhalten, die sie auf den europäischen Märkten brauchen.
Aber

-2-

�Aber auch unter den Entwicklungsländern ergeben sich Probleme. Einige stellen fest, daß sie Gegenpräferenzen akzeptiert haben, während ihre Nachbarn dies
nicht getan haben. Die Folge ist, daß die ersteren beim Import von industriellen
Erzeugnissen an die Länder der EWG gebunden sind, während ihre Nachbarn zwar bevorzugten Zugang zu dem EWG-Markt erhalten haben, ohne daß sie aber den Preis
von Gegenpräferenzen zahlen mußten.
Die Vereinigten Staaten sind besonders besorgt über die ständige Ausweitung
der Zahl solcher Präferenzabkommen, die die Grundlagen des Allgemeinen Zoll-und
Handelsabkommens (GATT) untergraben. So besagt Artikel I des GATT, der grundlegend für das Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung ist, "...alle Vorteile,
Vergünstigungen, Vorrechte oder Befreiungen, die eine Vertragspartei für eine
Ware gewährt, welche aus einem anderen Land stammt oder für dieses bestimmt ist,
werden unverzüglich und bedingungslos für alle gleichartigen Waren gewährt, die
aus Gebieten der anderen Vertragsparteien stammen oder für diese bestimmt sind."
Das grundlegende Ziel der allgemeinen Meistbegünstigung ist es, diskriminierende
Handelsschranken gegen Erzeugnisse anderer Vertragsparteien zu beseitigen. Und
gerade dieses Prinzip wird nach Ansicht der Vereinigten Staaten durch die Präferenzabkommen gefährdet. Demgegenüber ist die Europäische Gemeinschaft der Auffassung, daß Präferenzabkommen und Gegenpräferenzen mit dem GATT zu vereinbaren
sind und zwar nach Artikel XXIV, der Freihandelszonen als Ausnahme zuläßt. Die
wachsende Zahl solcher Abkommen über Präferenzen und Gegenpräferenzen bedeutet
jedoch, daß die Ausnahme zur Regel wird, widerspricht also dem Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung und benachteiligt Drittländer. Das Vorgehen der EWG
muß also der amerikanischen Öffentlichkeit als Versuch erscheinen, für die europäischen Erzeugnisse einen großen Präferenzmarkt zu schaffen. Nach Ende der
Übergangsperiode werden die Erzeugnisse der EWG-Länder zollfrei oder zu Vorzugszöllen Zugang zu den Märkten zahlreicher Entwicklungsländer haben. Bei Importen
aus Drittländern werden dagegen die in diesen Ländern geltenden höheren Zölle
angewandt.
Zwischen

3-

�Zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft besteht grundlegende Übereinstimmung darüber, daß den Entwicklungsländern Handelsvorteile und Wirtschaftshilfe gewährt werden sollten. Die Amerikaner können
zwar die historischen und geographischen Bande akzeptieren, die zwischen den
europäischen Ländern und zahlreichen Entwicklungsländern besondere Beziehungen
geschaffen haben. Es wäre jedoch unmöglich, die amerikanische Öffentlichkeit
und den amerikanischen Kongreß davon zu überzeugen, daß Gegenpräferenzen für
eine gesunde Entwicklungspolitik notwendig und für Drittländer nicht diskriminierend sind. In den Vereinigten Staaten hinterlassen die Gegenpräferenzen
den Eindruck, daß die Europäische Gemeinschaft einen Präferenzhandelsblock für
europäische Waren errichtet. Amerikanische Regierungskreise sind der Auffassung,
daß die europäischen Länder die nachteilige

psychologische und politische Wir-

kung von Gegenpräferenzen auf die amerikanische Öffentlichkeit nicht genügend
berücksichtigen, die das Klima der Zusammenarbeit nachteilig beeinflussen könnten, das für einen Erfolg der bevorstehenden Verhandlungen über Währungs-und
Handelsreformen erforderlich ist.

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APOLLO 17:

46/1972

BIOLOGISCHE EXPERIMENTE
Von G.Weiss

--(AD)i-- Die drei Astronauten Eugene Cernan, Ronald Evans und Dr. Harrison
Schmitt sind nicht die einzigen Passagiere an Bord des APOLLO 17-Raumschiffes. Sie fliegen in Gesellschaft von einem halben Dutzend winziger
Mäuse und rund einer Milliarde von Mikroorganismen sowie Keimwurzeln und
Samen verschiedener Pflanzen. Allerdings wird davon, nichts zur Mondoberfläche transportiert. Sie verbleiben während der ganzen Dauer des Fluges an
Bord der AMERICA, wie kürzlich das APOLLO 17-Team das Mutterschiff taufte.
Bei den sechs Mäusen handelt es sich um eine Spielart der Taschenspringmaus, Gattungsname: Perognathus Lingotnembris. Die Mäuseart wurde deshalb ausgewählt, weil diese Tierchen sehr widerstandsfähig, genügsam und besonders leicht sind. Keines wiegt mehr als neun Gramm. Sie trinken kein Wasser.
Vielmehr beziehen sie die Flüssigkeit, die sie benötigen, aus Samenkörnern
- und davon werden sie auf dem 13-Tage-Flug genug zur Verfügung haben. Jede
Maus .

. lebt in einer eigenen Kapsel, in der sie sich wohl fühlen kann. Die

Kapseln sind in einen Kanister mit eigenem Sauerstoffversorgungssystem eingeschlossen, so daß sich die Astronauten nicht um die Mäusegesellschaft zu kümmern
brauchen. Den Tieren ist am Kopf ein winziger Detektor implantiert, der

-i-

�der kosmische Strahlenpartikel registriert. Nach der Rückkehr zur Erde werden die
Wissenschaftler zunächst die in Schichten konstruierten Detektoren

auf Kernspu-

ren prüfen, die energiereiche Strahlenpartikel beim Durchschlagen der Schichten
erzeugt haben. Einige der Mäuse werden über gewisse Zeit auf mögliche Sehschädigungen oder Reaktions-und Verhaltensveränderungen gründlich beobachtet, während
man bei den anderen sofort die Gehirnzellen auf Schädigungen untersucht, die
vielleicht unter der Einwirkung des Bombardements schwerer Kerne entstanden.
Noch weiß man viel zu wenig über das Phänomen der Zellschädigung, insbesondere der Schädigung von Nervenzellen, um Flüge von längerer Dauer - etwa über
mehrere Monate oder gar Jahre •• planen zu können. Das für 1973 vorgesehene Projekt SKYLAB dürfte hierzu erste ausführliche Informationen bringen; während die
Aufenthaltsdauer der jeweils drei Mann Besatzung im Weltraum von zunächst 28 Tagen beim zweiten und dritten Flug auf 56 Tage ausgedehnt werden soll, wird eine
Anzahl biologischer Präparate monatelang der Korpuskelstrahlung • jsgesetzt sein.
Für die Berichte von Astronauten, bei Flügen im Weltraum selbst bei abgedunkelter Kabine oder bei geschlossenen Augen Lichtblitze wahrgenommen zu haben,
fand die Wissenschaft inzwischen eine Erklärung. Man konnte durch Experimente
nachweisen, daß es sich bei diesen "Blitzen" um physiologische Reaktionen handelt^
die beim Durchgang energiereicher kosmischer Strahlenpartikel durch die Netzhaut
des Auges ausgelöst werden.
Die Raumfahrtbehörde NASA versucht gegenwärtig durch Experimente aller Art,
diesem Phänomen und der Art wie dem Ausmaß der biologischen Auswirkungen energiereicher Strahlung aus dem Kosmos nachzugehen. Deshalb kommt den beim Flug
APOLLO 17 mitreisenden Mikroorganismen und biologischen Materialien besondere Bedeutung zu. Die Versuchsanordnung, die in einem kleinen Kanister hermetisch abgeschlossen ist,trägt die Bezeichnung BIOSTACK II. Sie wurde unter der Leitung
von Dr. Horst Bücker von der Universität Frankfurt entwickelt und soll helfen,

-2-

�helfen, die Untersuchungen fortzuführen, die Dr. Bücker mit BIOSTACK I, einer
"Beiladung" für APOLLO 16, so erfolgreich begann.
Bei der Auswertung von BIOSTACK I hat sich u.a. herausgestellt, daß die
Entwicklungs-und Fortpflanzungsfähigkeit eines Teiles der Organismen und biologischen Materialien, zu denen z.B. Kressesamen, Krebseier, Bakterien und
Bakteriensporen gehörten, durch die Strahleneinwirkung beeinträchtigt worden
war. Inwieweit die Weltraumstrahlung, gegen die das Leben auf der Erde durch
die Lufthülle weitgehend geschützt ist, Mutationen hervorzurufen vermag, ist
eine Frage, zu deren Beantwortung BIOSTACK II manches beitragen kann.

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46/1972

"KÜNSTLICHES

WETTER" IST MELDEPFLICHTIG

—(AD)-- Am 1 November 1972 trat in den USA eine Verordnung in Kraft, derzufolge alle Versuche zur Wetterbeeinflussung innerhalb der Vereinigten Staaten und in «merikanischen Territorien dem US-Handelsministerium gemeldet werden müssen. Durch Regierungsverordnung sollen künftig auch die Behörden, die
sich mit solchen Unternehmungen befassen, in diese Meldepflicht einbezogen werden .
Wie Donald F, Moore von der für die Meldungen zuständigen Bundesbehörde
für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA) erklärte, soll damit in keiner
Weise ein Eingriff in Projekte zur Wetterbeeinflussung oder deren technische
Bewertung verbunden sein. Vielmehr gehe es z.B. darum, an zentraler Stelle
Daten über Art und Zweck solcher Vorhaben zu sammeln, welche dann wiederum
den Spezialisten, die sich mit derartigen Projekten befassen, zur Verfügung
stünden. Das Verfahren trage dazu bei, Doppelarbeit und, was unter Umständen
sehr wichtig sein kan• , regionale Überschneidungen in der Auswirkung einzelner
Projekte zu vermeiden. Die NOAA wird in Jahresberichten Zusammenfassungen der
entsprechenden Unterlagen veröffentlichen. Über die einruinon Projekte zur

-l-

�zur Wetterbeeinflussung sollen vor, während und nach dem Versuch Mitteilungen an
die NOAA mit Zwischenberichten und ausführlichen Berichten über die Resultate
gegeben werden.
Unter Wetterbeeinflussung werden alle Aktionen verstanden, mit denen künstliche Veränderungen von Vorgängen in der Atmosphäre, deren

Zusammensetzung und

Dynamik erreicht werden sollen - beispielsweise Impfen von Wolken und Nebelmassen, Nebelauflösung oder Beeinflussung von Luftströmungen unter Feuer-oder Hitzeeinwirkung, Freisetzen von Gasen, Staubpartikeln, Flüssigkeiten oder Aerosolen,
um die Strahlungsbilanz zu verändern, und Besprühen und Bestäuben von Land oder
Wasseroberflächen(auch mit Farben oder anderen Materialien), Freisetzen elektri. ch
geladener oder radioaktiver Partikel oder Ionen in der Atmosphäre, Anwendung von
Druck-und Schallwellen, Erzeugung von Luftbewegung durch Propeller oder Strahltriebwerke, Verwendung von Laserlicht oder anderen Quellen elektromagnetischer
Strahlung.

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46/1972

SONDERSTIPENDIEN FÜR AUSBILDUNG VON KREBSSPEZIALISTEN

--(AD)-- Mit einem neu aufgenommenen Stipendienprogramm will das "Nationale
Krebsforschungsinstitut", eine Abteilung der Medzinischen Bundesforschungsan •
stalten der USA in Bethesda (Maryland), Assistenzärzten, jungen praktischen
Ärzten und Zahnärzten Gelegenheit geben, sich zusätzlich auf eines der Gebiete der Krebskrankheiten zu spezialisieren. Man hofft, auf diese Weise mehr
Ärzte als bisher außerhalb der Klinik-und Forschungszentren mit dem Rüstzeug
von Spezialisten zu versehen und sie dafür zu gewinnen, an der Früherkennung,
Behandlung und Verhütung von Krebserkrankungen mitzuwirken.
Die Sonderausbildung, die bis zu drei Jahre dauern kann, wird in Kliniken
absolviert, die einen besonderen Ruf als Diagnose-und Behandlungszentren für
Krebskranke haben. Die Stipendiaten brauchen sich dabei nicht auf amerikanische
Institutionen zu beschränken, sondern können sich auch um einen Studienplatz
im Ausland bewerben.

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