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4 5

9 &gt;N o v e m b e r

INFORMATION:

1972

Inhalt

P r ä s i d e n t Nixon m i t ü b e r w ä l t i g e n d e r M e h r h e i t
- 6 1 P r o z e n t d e r Stimmen f ü r N i x o n -

wiedergewählt

Demokraten b e h a l t e n K o n t r o l l e ü b e r den Kongreß
Gewinne d e r D e m o k r a t e n b e i d e n G o u v e r n e u r s w a h l e n
P r ä s i d e n t Nixon: T e r r o r i s m u s kann n i c h t g e d u l d e t
- K o n v e n t i o n von Montreal r a t i f i z i e r t Von A l e x a n d e r M. S u l l i v a n
Europäischer

werden

Mikrofilm-Kongreß

DOKUMENTATION:
L a i r d : V e r s t ä r k t e r Nachdruck a u f k o n v e n t i o n e l l e Waffen
- A u s z u g a u s d e r P r e s s e k o n f e r e n z vom 3 1 . O k t o b e r HINTERGRUNDMATERIAL:
Die E r s c h l i e ß u n g d e r W e l t m e e r e a l s i n t e r n a t i o n a l e
- H o f f n u n g e n und G e f a h r e n Von B a r r e t t McGurn

Aufgabe

WIRTSCHAFT:
F r i e d e n i n Vietnam d ü r f t e
führen
Von John Holway

zu w e i t e r e m W i r t s c h a f t s a u f s c h w u n g

s_

i n d e n USA

USA schlagen Beseitigung aller Zölle für Industrieerzeugnisse vor
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Wohngemeinschaft im Korallenriff
"Stoff" wird allmählich knapp
-Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagenNavigation mit Satelliten soll einfacher werden

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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45/1972

PRÄSIDENT NIXON MIT ÜBERWÄLTIGENDER MEHRHEIT WIEDERGEWÄHLT
-61 Prozent der Stimmen für NixonWASHINGTON -~(AD)-- Mit überwältigender Mehrheit hat das amerikanische Volk am
7. November Richard M. Nixon zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wiedergewählt. In einem "Erdrutschsieg" konnte Nixon 49 der 50 amerikanischen Bundesstaaten für sich gewinnen.Dies ist einer der größten Wahlerfolge in der Geschichte
der USA. Sein Gegner, der demokratische Senator George McGovern, konnte sich
lediglich im Staate Massachusetts sowie im District of Columbia, dem Gebiet
der amerikanischen Hauptstadt Washington, gegen Nixon behaupten. Nach dem
Stand der Auszählung vom 9. November früh - 96 Prozent der Wahlbezirke - vereinigte Nixon 45 520 507 Stimmen auf sich - das sind 61 Prozent -, während auf
McGovern 28 281 207 Stimmen - das sind 38 Prozent - entfielen. Nach den Stimmen
der Wahlmänner der einzelnen Bundesstaaten, die in den USA letztlich den Präsidenten wählen, bedeutet dies 521 Wahlmänner für Nixon, 17 Wahlmänner für Senator
McGovern.
In einer Fernsehansprache nach seinem Wahlsieg forderte Nixon alle Amerikaner auf, ihn bei dem Bemühen zu unterstützen, "eine Generation des Friedens" mit
der Sowjetunion, der Volksrepublik China und allen Ländern der Welt zu erreichen.
Sein Gegner, McGovern, hatte ihm in einem Telegramm bereits seine volle

-i-

�f

4
volle Unterstützung bei diesem Vorhaben zugesichert. Wörtlich erklärte Nixon
in seiner Fernsehansprache:
"Nachdem die Wahl nunmehr vorüber ist, ist es an der Zeit, mit den großen
Aufgaben, die vor uns liegen, zu beginnen. Ich habe mich während dieses Wahlfeldzuges eines Verhaltens befleißigt, das unser Land nicht spalten sollte...., weil
ich der festen Überzeugung bin, daß das, was Amerika heute vereint, unendlich
viel wichtiger ist, als jene Dinge, die uns trennen. Wir sind alle Amerikaner
- im Norden, Osten, Westen und Süden - wir alle sind uns einig in dem Wunsch
nach Frieden - nach einem Frieden in Ehren, nach einem Frieden, der von Dauer
ist; und wir bemühen uns, dieses große Ziel schnell zu erreichen, nicht nur in
Vietnam, sondern auch im Hinblick auf eine neue Ära des Friedens, in der die
alten Beziehungen zwischen den beiden Supermächten - der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten - und zwischen der Volksrepublik China, dem volkreichsten
Land, und den Vereinigten Staaten

geändert werden, so daß wir uns nunmehr am

Vorabend einer Ära befinden, die zur größten Generation des Friedens für die
gesamte Welt werden könnte, die die Menschheit je gekannt hat.
Dies ist ein großes

Ziel, wichtiger als die Tatsache, ob wir Demokraten

oder Republikaner sind, und es ist ein Ziel, zu dessen Erreichung Sie sicherlich
mit mir zusammenarbeiten werden."
Präsident Nixon will bereits in den nächsten Tagen darangehen, Pläne für
eine Umstrukturierung und Reorganisation des Stabes des Weißen Hauses sowie anderer Teile der Exekutive zu prüfen. Der Pressesekretär des Weißen Hauses,
Ronald Ziegler, teilte am 8. November vor Journalisten mit, die zweite Amtszeit
Präsident Nixons werde nicht nur eine Fortsetzung bisheriger, sondern auch den
Beginn neuer Programme bringen. Man könne mit einer bedeutsamen Reorganisation

-2-

�Reorganisation von Regierungsstellen rechnen. Ziegler wies in diesem Zusammenhang
darauf hin, daß alle Kabinettsmitglieder sowie andere vom Präsidenten ernannte
hohe Persönlichkeiten traditionsgemäß ihren Rücktritt einreichen würden. Das
setze den Präsidenten in den Stand, für seine zweite Amtszeit Umstrukturierungen
vorzunehmen. Nixon hat bereits die Abteilungsleiter im Weißen Haus aufgefordert,
entsprechende Pläne vorzulegen.

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45/1972

DEMOKRATEN BEHALTEN KONTROLLE ÜBER DEN KONGRESS

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon wird trotz seines überwältigenden Sieges
in den Präsidentschaftswahlen während der kommenden vier Jahre weiterhin mit
einem demokratisch kontrollierten Kongreß regieren müssen.
Wie die meisten politischen Beobachter bereits vorausgesagt hatten, ist
es den Republikanern nicht gelungen, im Senat, wo 33 der 100 Senatoren für
eine neue sechsjährige Amtszeit gewählt werden mußten, und im Repräsentantenhaus, dessen 435 Mitglieder alle zwei Jahre neu gewählt werden, die Mehrheit
zu gewinnen. Im Repräsentantenhaus, dem in den vergangenen zwei Jahren 179
Republikaner und 256 Demokraten angehörten, konnten die Republikaner ihre Position um 12 Sitze verbessern, so daß im neuen Repräsentantenhaus nunmehr
191 Republikaner und 244 Demokraten vertreten sein werden. Dagegen konnten
die Demokraten im Senat ihre Position um 2 Sitze verbessern, so daß dem Senat
nunmehr 57 Demokraten und 43 Republikaner - im letzten Senat 55 Demokraten
und 45 Republikaner - angehören werden.
Im Repräsentantenhaus wurden die führenden Abgeordneten beider Parteien
wiedergewählt, unter ihnen der demokratische Fraktionsführer Haie Boggs aus
Louisiana, der zusammen mit dem wiedergewählten Abgeordneten Nick Begich aus
Alaska seit dem 16. Oktober vermißt wird, als sie mit dem Flugzeug eine Wahl-

-l-

�Wahlreise durch Alaska durchführten. Wenn es nicht bald gelingt, die beiden Abgeordneten aufzufinden, werden Neuwahlen zur Besetzung der beiden Repräsentantenhaussitze durchgeführt werden müssen, und die Demokraten werden einen neuen
Fraktionsführer wählen müssen.
Im Senat gewannen die Republikaner 17 der zur Wahl anstehenden 33 Sitze,
die Demokraten 16. Ihnen gelang es, vier bisher von Demokraten besetzte Sitze
hinzuzugewinnen; dagegen konnten die Demokraten sechs republikanische Sitze für
sich gewinnen. So unterlagen die republikanischen Senatoren Gordon Allott
(Colorado), Margaret Chase Smith (Maine), Jack Miller (Iowa) und Caleb Boggs
in
(Delaware) ihren demokratischen Gegnern, In Kentucky und/South Dakota, wo die
republikanischen Senatoren sich nicht zur Wiederwahl gestellt hatten, konnten
die Demokraten diese Sitze hinzugewinnen. Auf der anderen Seite entsandten in
Virginia die Wähler den konservativen republikanischen Abgeordneten William Scott
an Stelle des demokratischen Senators William Spong in den Senat. Desgleichen
konnten die Republikaner die bisher von Demokraten besetzten Senatssitze in
Oklahoma, New Mexico und North Carolina für sich gewinnen.
Dem neuen Repräsentantenhaus werden unter anderem 16 schwarze Abgeordnete
- bisher 13 - angehören, während im Senat der einzige Schwarze, der republikanische Senator Edward W. Brooke (Massachusetts), wiedergewählt wurde. Erstmalig
erhöhte sich die Zahl der aus Südstaaten entsandten Farbigen; in Houston (Texas)
wurde die Negerin Barbara C. Jordan in das Repräsentantenhaus gewählt und in
Atlanta (Georgia) schlug der Demokrat Andrew Young den republikanischen Sitzinhaber.
Die Ergebnisse der Senatswahlen nach Staaten:
(WW)=Wiederwahl; (D)=Demokrat; (R)=Republikaner
Alabama

Sparkman (D) (WW)

Alaska

Stevens (R) (WW)
Arkansas

�Arkansas

McClellan (D) (WW)

Colorado

Haskell (D)

Delaware

Biden (D)

Georgia

Nunn (D)

Idaho

McClure (R)

Illinois

Percy (R) (WW)

Iowa

Clark (D)

Kansas

Pearson (R) (WW)

Kentucky

Huddieston (D)

Louisiana

Johnston (D)

Maine

Hathaway (D)

Massachusetts

Brooke (R) (WW)

Michigan

Griffin (R) (WW)

Minnesota

Mondale (D) (WW)

Mississippi

Eastland (D) (WW)

Montana

Metcalf (D) (WW)

Nebraska

Curtis (R) (WW)

New Hampshire

Mclntyre (D) (WW)

New Jersey

Case (R)(WW)

New Mexico

Domenici (R)

North Carolina

Helms (R)

Oklahoma

Bartlett (R)

Oregon

Hatfield (R) (WW)

Rhode Island

Pell (D) (WW)

South Carolina
South Dakota
Tennessee

Thurmond (R) (WW)
Abourezk (D)
Baker (R) (WW)
Texas

-3-

�Texas

Tower (R) (WW)

Virginia

Scott (R)

West Virginia

Randolph (D) (WW)

Wyoming

Hansen (R) (WW)

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45/1972

GEWINNE DER DEMOKRATEN BEI DEN GOUVERNEURSWAHLEN
WASHINGTON --(AD)-- Während Präsident Nixon die Wahlmänner von 49 der 50 Staaten der Union für sich gewinnen konnte, haben die Demokraten bei den Gouverneurswahlen Gewinne erzielen können. Der amerikanische Wähler hat verstärkt
von seinem Recht

abrauch gemacht, auf dem Stimmzettel jeweils nach der Person

des einzelnen Bewerbers und nicht einheitlich nach der Parteizugehörigkeit abzust immen.
Von den 18 Gouverneursposten, die zur Wahl standen, konnten die Demokraten
elf für sich erringen, sodaß jetzt in 31 der 50 Einzelstaaten Demokraten als
Gouverneure regieren.
Von neun Bewerbern, die sich zur Wiederwahl stellten, waren sieben - vier
Demokraten und drei Re; ublikaner - erfolgreich. Offensichtlich spielten persönliche Qualifikation und örtliche Gegebenheiten eine größere Rolle bei den Gouverneurswahlen als die Parteizugehörigkeit. In Illinois wurde der bisherige republikanische Gouverneur Richard E. Ogilvie von dem Demokraten Daniel Walker
abgelöst - vielleicht nicht zuletzt, weil Ogilvie zum ersten Mal in Illinois
eine einzelstaatliche Einkommensteuer eingeführt hatte. In Delaware verlor der
bisherige republikanische Gouverneur Russell W. Peterson gegen den konserva-

�konservativen Demokraten Sherman W, Tribbitt, und auch in Vermont gewann der demokratische Kandidat Thomas Salmon gegen den republikanischen Kandidaten, In North
Carolina hingegen konnte sich der Republikaner James Holshause'" gegen seinen demokratischen Gegenspieler durchsetzen, wobei zu bemerken ist, daß dieser Staat seit
1896 keinen republikanischen Gouverneur mehr hatte. Einen Rückschlag für die Demokraten gab es auch in West Virginia, wo der Multimillionär John D

Rockefeller IV.

gegen den Republikaner Arch A. Moore verlor.
Die Ergebnisse der Gouverneurswahlen nach Staaten:
(WW)=Wiederwahl; CD)=Demokrat; (R)=Republikaner
Arkansas

Dale Bumpers (D) (WW)

Delaware

Sherman W. Tribbit (D)

Illinois

Daniel Walker (D)

Indiana

Otis R, Bowen

Iowa

Robert D. Ray (R) (WW)

Kansas

Robert B. Docking &lt;D) (WW)

Missouri

Christopher S. Bond (R)

Montana

Thomas L. Judge (D)

New Hampshire

Meldrim Thomson, Jr

North Carolina

James Holshauser, Jr.(R)

North Dakota

Arthur A. Link (D)

Rhode Island

Philip Noel (D)

South Dakota

Richard F. Kneip (D) (WW)

Texas

Dolph Briscoe (D)

Utah

Calvin L. Rampton (D) 'WW)

Vermont

Thomas Salmon (D)

Washington

Daniel J. Evans (R) (WW)

West Virginia

Arch A. Moore, Jr. (R) (WW)
-HH-H-r

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(R)

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45/1972

PRÄSIDENT NIXON: TERRORISMUS KANN NICHT GEDULDET WERDEN

-Konvention von Montreal ratifiziert-

Von Alexander M. Sullivan

WASHINGTON --(AD)-- Mit der Feststellung, daß die zivilisierte Gesellschaft
den Terrorismus nicht dulden könne, hat Präsident Nixon am 1. November für
die Vereinigten Staaten die Ratifikationsurkunde der Konvention von Montreal
unterzeichnet. Jede Maßnahme, so sagte der amerikanische Präsident,die einen
Diplomaten, einen Regierungsvertreter oder einen unschuldigen Zivilisten zu
einem Faustpfand in einem politisch motivierten Streitfall werden lasse,
unterminiere die Sicherheit eines jeden Bürgers. Für eine friedliche und
stabile Welt sei es erforderlich, daß alle Nationen mit Nachdruck Terrorakte verdammen und unter Strafverfolgung stellen, um eine Wiederholung auszuschließen.
Die Konvention, die am 23. September 1971 in Montreal unterzeichnet wurde, sieht die Auslieferung oder Strafverfolgung solcher Personen vor, die
sich krimineller Akte wie Flugzeugsabotage oder der Bombendrohung gegen die

-1-

�die Zivilluftfahrt schuldig gemacht haben. Es ist die dritte internationale Konvention, die auf eine Abschreckung vor der Luftpiraterie abzielt. Im Jahre 1963
wurde die Konvention von Tokio unterzeichnet, die die Rückführung von Passagieren und Mannschaft einer entführten Maschine verlangt; ihr folgte im Jahre 1970
die Haager Konvention, die die Auslieferung oder die Strafverfolgung von Flugzeugentführern vorsieht.
Der amerikanische Senat hatte am 3. Oktober dieses Jahres seine Zustimmung
zur Ratifizierung der Konvention von Montreal gegeben. Sie tritt 30 Tage nach
der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden durch zehn der Teilnehmerstaaten
an der Konferenz von Montreal in Kraft. Unterzeichnet haben die Konvention bisher 54 Länder,, 13 Länder haben sie ratifiziert, und acht Staaten haben bisher
die Ratifikationsurkunden hinterlegt. Großbritannien, die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion sind die Depositarmächte.
Mit Nachdruck wies Nixon darauf hin, daß noch weitere Maßnahmen erforderlich seien, um die "Geißel des Terrorismus" zu beseitigen. So sollten die Vereinten Nationen und die Zivile Luftfahrtorganisation (ICAO) unverzüglich die
Konventionen verabschieden, die eine Auslieferung oder Strafverfolgung solcher
Personen verlangen, die des Angriffes oder der Entführung von ausländischen
Zivilisten beschuldigt werden; ferner sollte Vorsorge dafür getroffen werden,
daß die Zivilluftfahrt nach solchen Ländern ausgesetzt wird, die sich weigern,
Flugzeugentführer oder Saboteure auszuliefern oder zu bestrafen. Ebenso sollte
die Strafverfolgung oder Auslieferung solcher Personen verlangt werden, die in
einem fremden Land Zivilisten verletzen, töten oder entführen mit dem Ziel, ein
Land oder eine internationale Organisation zu erpressen. Die Konvention von
Montreal ist nach den Worten von Präsident Nixon ein "wichtiger Schritt" im
Kampf gegen den Terrorismus. Die anderen Maßnahmen seien jedoch erforderlich,
"wenn wir eine Welt schaffen wollen, in der Menschen und Völker miteinander
leben können, ohne Furcht vor irrationalen und verabscheuungswürdigen Terror-

-2-

�Terrorakten haben zu müssen."
In diesem Zusammenhang wies der amerikanische Präsident auch auf das vor
kurzem in den USA in Kraft getretene Gesetz hin, durch das die Entführung oder
die Ermordung eines fremden Regierungsvertreters zu einem Verbrechen wird, das
auf Bundesebene und nicht mehr lediglich auf der Ebene der Bundesstaaten verfolgt wird.
Amerikanische Beobachter unterstreichen, daß die Unterzeichnung der Ratifikationsurkunde durch Präsident Nixon die von den USA seit langem vertretene
Auffassung widerspiegele, wonach die Luftpiraterie ein internationales Problem
darstellt, das nur durch internationale Maßnahmen und Zusammenarbeit beseitigt
werden kann. In diesem Zusammenhang muß auch der von den Vereinigten Staaten
im September bei den Vereinten Nationen eingebrachte Resolutionsentwurf für
eine Konvention gegen den Terrorismus gesehen werden. Die Resolution sieht
kollektive Maßnahmen seitens der Mitgliedsstaaten der Weltorganisation vor,
um die Luftpiraterie, Angriffe auf Diplomaten sowie andere Verbrechen dieser
Art zu bekämpfen. Bisher ist allerdings in dieser Angelegenheit in der Vollversammlung der Vereinten Nationen wenig geschehen - was den amerikanischen
Chefdelegierten, George Bush, kürzlich zu der Erklärung veranlaßte, die USA
seien mit dem mangelnden Fortschritt in dieser Frage unzufrieden.

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EUROPÄISCHER MIKROFILM-KONGRESS

--(AD)-- In Verbindung mit dem Europäischen Mikrofilm-Kongreß, der vom 14.
bis 16. November 1972 in der Rheingoldhalle in Mainz abgehalten wird, findet
eine von zahlreichen in-und ausländischen Firmen beschickte Fachausstellung
statt. Etwa 25 Unternehmen der einscnfegigen amerikanischen Industrie sind
mit einer Gemeinschaftsschau auf dieser Ausstellung vertreten. Der Schwerpunkt liegt auf Datenspeicher-und Wiederauffindungssystemen.
Die US-Firmen der Mikrofilm-Branche zeigen u.a. folgende Geräte:
Mikrofilm-Kameras, komplette COM-Systeme mit Teletype-Anschluß, Lesegeräte für Mikrofilm, Microfiche und Rollfilm, Lesegeräte mit Hardcopy-Ausgabe,
Kopiergeräte, magnetische Wiederauffindungssysteme, Datendrucker, Mikrofilmablagen sowie Peripheriegeräte und zahlreiches Zubehör. Darüberhinaus werden
Software-Programme für D kumentation und Klassifikation und die Archivierung
von Nachrichte ., historischen Dokumenten etc. auf Mikrofilm vorgestellt.
Programme für die US-Gemeinschaftsschau sowie weitere Auskünfte sind . :
v/rj.1 US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4
(Telefon 72 08 01, Telex 41 65 35).rhältlich.

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LAIRD: VERSTÄRKTER NACHDRUCK AUF KONVENTIONELLE WAFFEN
-Auszug aus der Pressekonferenz vom 31. Oktober

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin R. Laird
hat am 31. Oktober an Bord der USS Mount Whitney in Norfolk, Virginia, eine
Pressekonferenz abgehalten, auf der er unter anderem über die Sitzung der
Nuklearen Planungsgruppe der NATO in London berichtete. Der Minister gab
eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
"Meiner Ansicht nach war der herausragende Aspekt der Herbstsitzung
der Nuklearen Planungsgruppe die Tatsache, daß in dem Maße, in dem wir uns
auf dem Gebiete der nuklearen Waffen auf eine Gleichwertigkeit hinbewegt
haben, die Bedeutung der konventionellen Waffen sehr viel größer wird und
innerhalb der Planung des NATO-Bündnisses zunehmendes Gewicht erhält. Wenn
wir uns im Zuge der SALT II-Verhandlungen, die am 21. November beginnen,
auf die Gleichwertigkeit zubewegen, dann werden wir uns einer Position nähern,
in der es, was die strategischen Waffen anbelangt, eine Parität gibt. Und
wenn wir an die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerung herangehen, die im nächsten Jahr beginnen werden, dann ist es ab-

-l-

�absolut notwendig, daß unsere NATO-Verbündeten zusammen mit den Vereinigten
Staaten sich nachdrücklich darum bemühen, die Situation auf dem Gebiet der konventionellen Waffen zu verbessern - was auch geschieht.
Wenn wir die Gesamtstärke-Konzeption auf das NATO-Bündnis anwenden, diese
Konzeption mit dem Geist einer starken Partnerschaft und einer angemessenen militärischen Stärke verbinden und Verhandlungsbereitschaft zeigen - was der
Grundpfeiler der Nixon-Doktrin ist - dann gelangen wir mit dem Eintritt in die
MBFR-Gespräche zu einer Position, wo auf die Haushalte für die konventionellen
Streitkräfte, die die NATO-Verbündeten ihren Parlamenten für das nächste Haushaltsjahr vorlegen werden, weitaus größerer Wert gelegt werden muß als dies zu
irgendeinem anderen Zeitpunkt der Fall gewesen war. Ich habe meinen Amtskollegen in diesem Bündnis nahezubringen versucht, welch großen Nachdruck wir darauf
legen, daß sie im Rahmen der NATO einen größeren Teil der Lasten für die Verteidigung und die nationale Sicherheit übernehmen.
Ich glaube, daß wir auf der Tagung der EURO-Gruppe, die den Sitzungen des
Ausschusses für Verteidigungsplanung (DPC) in der ersten Dezemberwoche vorausgehen wird, mit einer Steigerung in verschiedenen wichtigen Haushalten des NATOBündnisses rechnen können. Ich bin der Auffassung, daß sich die Partner des Bündnisses darüber im klaren sind, wie wichtig es ist, während dieser bedeutsamen
Zeitspanne vor Beginn der MBFR-Gespräche in dieser Richtung voranzukommen.
Ich habe den Bündnispartnern versichert, daß Präsident Nixon - was unsere
Streitkräfte in Europa angeht - keine einseitigen Reduzierungen vornehmen werde,
obwohl es Leute gibt, die Kürzungen bis zu 170 000 Mann sowie eine wesentliche
Verringerung unserer Flugzeugträger-Streitmacht befürworten. Diese Kreise finden
jedoch nicht die Unterstützung einer Mehrheit der Demokraten im Repräsentanten-

-2-

�Repräsentantenhaus und im Senat; sie finden auch nicht die Unterstützung einer
Mehrheit der republikanischen Mitglieder des Hauses und des Senats. Ich glaube,
ich konnte jede echte Besorgnis seitens der NATO-Verbündeten ausräumen, daß
die USA ihre nachdrückliche Unterstützung der partnerschaftlichen Beziehungen
nicht fortsetzen würden, die wir bisher unterhalten haben und aufgrund deren
es möglich war, den Frieden in Europa seit dem zweiten Weltkrieg zu wahren."

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DIE ERSCHLIESSUNG DER WELTMEERE ALS INTERNATIONALE AUFGABE
-Hoffnungen und GefahrenVon Barrett McGurn

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinten Nationen werden in dieser Sitzungsperiode
über Zeitpunkt und Ort einer großen internationalen Meereskonferenz entscheiden. Voraussichtlich im November kommenden Jahres werden sich die Länder dieser Erde mit den großen Chancen, aber auch den großen Gefahren befassen, die
die Ozeane bergen.
Was das Meer zu bieten hat, ist bekannt - wenn auch noch längst nicht
voll erschlossen: Eiweiß in gewaltigen Mengen, um die hungrigen Menschen der
Welt zu speisen. Hier kann der Ertrag des Fischfangs von gegenwärtig 55 Millionen Tonnen pro Jahr ohne Gefahr fJr den Fischbestand auf 100 Millionen Tonnen
gesteigert werden, wobei die Fischzucht eine nicht geringe Rolle spielt.

Die

-1-

�Die Festlandsockel enthalten riesige Mengen von Erdöl und Erdgas, deren Erschließung einer drohenden Energiekrise steuern werden. Allein vor den Küsten de
Vereinigten Staaten werden Öllager in einer Größenordnung von 700 Milliarden
Barrel vermutet, wozu noch Erdgasvorkommen von rund zwei Billiarden Kubikfuß
hinzukommen.
Aus dem Sand des Meeresbodens und dessen Untergrund können seltene Metalle
wie Mangan, Nickel, Kobalt, Zink und Blei in großen Mengen gewonnen werden
- neue Absaug-und Schürfmethoden werden den Abbau wesentlich erleichtern. Aber
auch Stickstoff, Kohlendioxyd, Helium, Schwefel und andere Mineralien harren darauf, geborgen zu werden.
Die riesigen Ozeane mit einer Oberfläche von 260 Millionen Quadratkilometern bergen also ein ungeheures Reservoir für den Menschen - aber auch große
Gefahren der Verschmutzung und der nationalen Besitzergreifung durch ungezügelte Ausdehnung der Hoheitsgewässer. Die fortschreitende Verschmutzung der Meere
droht heute bereits, die so dringend benötigten Reserven zu vernichten. Der berühmte französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau, der durch seine Unterwasserexpeditionen bekannt geworden ist, hat nicht umsonst davon gesprochen, daß
er seit 30 Jahren ein "langsames Sterben" in den Weltmeeren beobachten mußte.
Wenn diese Entwicklung weitergeht, gibt Cousteau der Menschheit noch 50 Jahre au
diesem Planeten zu leben.
Die Verschmutzung der Ozeane geschieht übrigens keineswegs nur auf direktem
Wege durch den Menschen, sondern auch über die Atmosphäre. So kommen von jährlich 2,2 Milliarden Tonnen gewonnenem Öl rund 10 Millionen Tonnen wieder in
irgendeiner Form ins Meer zurück, zum großen Teil über Rauch und Ruß.
Und

�Und was die nationalen Ansprüche auf die Meere angeht,so hat der Botschafter von Malta, Arvid Pardo, dieses in der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit den kolonialen Eroberungen des vorigen Jahrhunderts verglichen.
Ansprüche auf eine 200-Meilen-Zone vor Küsten können den heutigen Menschheitsinteressen nicht mehr entsprechen. Wenn alle Küstenländer dem Beispiel
Ecuadors in dieser Richtung folgen wollten, dann würden 36 Prozent der Meeresoberfläche für die Handels-und Kriegsmarinen der Welt versperrt bleiben. Selbst
eine 12-Meilen-Zone, die heute weitgehend befürwortet wird, würde über 100 strategisch wichtige Meerengen und Durchfahrten praktisch sperren, darunter auch
Gibraltar, wo die Meerenge nur acht Meilen breit ist, und die Malakka-Straße,
die den Pazifik mit dem Indischen Ozean verbindet. Für die meisten Staaten,
darunter die USA, würde eine solche Einschränkung die Gefährdung ihrer Sicherheit
bedeuten, und keine seefahrende Nation kann eine Beeinträchtigung ihrer Schiffahrt akzeptieren.
Wenn die große Meereskonferenz im nächsten Jahr zustandekommt, dann wird
eine Fülle von Anträgen vorliegen. Die Vereinigten Staaten, die jahrhundertelang
an der Drei-Meilen-Zone festgehalten haben, werden sich der Forderung nach einer
Zone von 12 Meilen nicht verschließen - unter der Voraussetzung, daß die freie
Durchfahrt für Schiffe aller Nationen durch internationale Meerengen gewährleistet
wird.
Was die Erschließung und Ausbeutung der Schätze des Meeres angeht, so haben
die USA eine neue internationale Behörde vorgeschlagen, die die Lizenzen vergeben soll. Diese Behörde wäre praktisch die erste internationale Organisation,
die sich aus den Einnahmen selbst finanzieren und darüberhinaus erhebliche Mittel für die internationale Gemeinschaft - in erster Linie für Entwicklungsaufgaben - zur Verfügung stellen könnte. Um auch die Interessen der Küstenländer in

-3-

�in fairer Weise zu berücksichtigen, sieht der amerikanische Vorschlag vor, daß
diese im Rahmen einer internationalen Vereinbarung größere wirtschaftliche Rechte über den Bereich der Territorialgewässer hinaus erhalten sollen. In dieser
Pufferzone zwischen den Hoheitsgewässern und dem tiefen Ozean würden die Küstenstaaten zu einem Drittel an den Lizenzeinnahmen und Gewinnen beteiligt und
müßten zwei Drittel an die internationale Behörde abführen. Dadurch soll jeder
Raubbau vermieden und gegen Verschmutzung vorgesorgt werden.
Auch auf dem Gebiet der Fischerei wendet sich der amerikanische Vorschlag
gegen jeden Raubbau und strebt eine vernünftige Nutzung und Verteilung der Eiweißreserven der Meere an.
All diese Probleme sind in ihrem Schwierigkeitsgrad durchaus mit der Abrüstung zu vergleichen; hier wie dort geht es letztlich um die Zukunft der
Menschheit, und man kann nur hoffen, daß die Vernunft die Oberhand behalten
wird.

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45/1972

FRIEDEN IN VIETNAM DÜRFTE ZU WEITEREM WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
IN DEN USA FÜHREN

Von John

Holway

WASHINGTON--(AD)— Was bedeutet Frieden in Vietnam für die amerikanische
Wirtschaft? Die meisten Experten glauben, daß die kurzfristigen Auswirkungen
nur sehr gering sein werden,da die bereits expandierende Wirtschaft einen
Frieden in Vietnam weitgehend einkalkuliert hat. Aber auf lange Sicht, so
meinen die Experten, könnten die psychologischen Auswirkungen eines Friedens
der US-Wirtschaft- der Binnen-wie der Außenwirtschaft- starken Auftrieb
geben.
Nach Ansicht der Experten befindet sich die amerikanische Wirtschaft
schon in einer nachhaltigen Aufschwungsphase, die auch das kommende Jahr hindurch anhalten dürfte. Bei den letzten vier Kriegen, in die die Vereinigten
Staaten verwickelt waren, hat der Friede anschließend stets zu einem Wirtschaftsboom geführt. Nach einer kurzen Zeit nicht vorhersehbarer Reaktionen,
folgte immer ein geradezu phantastischer Aufschwung - der wohl stärkste nach
Beendigung des Korea-Krieges.
Die

-1-

�Die Bevölkerung, so wird erklärt, sei bereits wieder kauffreudiger, nachdem
die Wirtschaft schon lange in ihre gegenwärtige Aufschwungphase eingetreten
ist. Allerdings bestehe nicht die gleiche angestaute Nachfrage nach Verbrauchsgütern wie nach früheren Kriegen. Und dies bedeute, daß die Wirtschaft heute
nicht, wie nach früheren Kriegen, einen erneuten Preisauftrieb befürchten muß.
In Fachkreisen ist man sich allerdings darüber einig, daß ein Friede in
Vietnam zu einem Ansteigen der Verbraucherausgaben führen wird. Die Zeitschrift
"Business Week" meint: "Geschäftswelt und Verbraucher dürften wieder kauffreudiger eingestellt sein." So hat sich denn auch die Wirtschaft auf ein überdurchschnittliches Weihnachtsgeschäft eingestellt. Allerdings wird darauf hingewiesen, daß in verschiedenen Bereichen die Verbraucherausgaben bereits recht
hoch sind und für weitere Steigerungen nur wenig Raum ist. So übertreffen beispielsweise die Autoverkäufe alle bisherigen Rekorde. Eine Ausnahme dürfte der
Wohnunbsbau sein. Hier sind ebenfalls alle Rekorde übertroffen worden, doch die
Nachfrage ist weiterhin stark. Und wenn die Bauwirtschaft floriert, dann bedeutet dies auch für zahlreiche andere Industrien eine anhaltend günstige Geschäftsentwicklung.
Hand in Hand mit der Ausweitung der Produktion wird nach Ansicht der Experten ein Rückgang der Arbeitslosigkeit erfolgen, die die Wirtschaftstätigkeit
seit zwei Jahren oder noch länger beeinträchtigt hatte. Aber auch die Produktivität dürfte steigen, wenn die Kapazitätsauslastung in der Industrie wieder zunimmt. Dies wiederum wird zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten, einer Milderung des Druckes auf den
Dollar und einer Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanzposition führen.
So meint die bekannte Maklerfirma"Merrill, Lunch, Pierce, Fenner and Smith",
ein Ende des Krieges in Vietnam könne das Vertrauen in die USA und ihr Potential, mit anderen Handel zu treiben, stärken. Darüberhinaus dürfte aber ein

-2-

�ein Ende der Kämpfe in Indochina auch vermehrten Handel mit der Sowjetunion,
China und anderen kommunistischen Ländern und damit eine weitere Verbesserung
der amerikanischen Handelsbilanz bringen.
Allerdings,so betonen die Experten, gibt es noch keinerlei Anzeichen dafür, daß ein Friede in Vietnam auch ein Ende der Lohn-und Preiskontrollen der
Regierung bedeuten würde. Meinungsumfragen zeigen, daß diese von den Verbrauchern,
zum Teil sogar auch von der Geschäftswelt befürwortet werden. Im kommenden Jahr
stehen einige wichtige Lohn-und Gehaltstarife zur Erneuerung an, und daher dürfte die Neigung zum Abbau solcher Beschränkungen, der vielleicht die Lohn-Preisspirale erneut in Gang setzen könnte, nur gering sein.
Auch wenn die Waffen in Vietnam vielleicht bald schweigen werden, dürften
die Auswirkungen auf den amerikanischen Verteidigungshaushalt nach Ansicht dieser Experten nur gering sein. Sie weisen darauf hin, daß diese Ausgaben für Vietnam bereits von einem Höchststand von 30 Milliarden Dollar im Jahre 1969 auf
nur 7 Milliarden Dollar heute zurückgegangen sind. Eine gewisse Militärhilfe
sowie Gelder für den Wiederaufbau werden auch weiterhin nach Südostasien fliessen. Auftragskürzungen in der Verteidigungsindustrie, wie vor zwei Jahren,
deren Auswirkungen für einzelne Betriebe so schmerzlich waren, dürften sich dieses Jahr nicht wiederholen. Und diese "Friedensdividenden" sind bereits durch
höhere Kosten der Waffenentwicklung sowie höhere Personalkosten der geplanten
Freiwilligenarmee aufgezehrt worden. Geringfügige Einsparungen sind allerdings
möglich. Sie werden zur Einengung des Haushaltsdefizits wie auch zur Eindämmung
des Preisauftriebs beitragen und einem Ansteigen der Zinsen entgegenwirken.
Die größte Enttäuschung brachte die Börse. Die Kurse zogen an, als der
Berater des Präsidenten für Sicherheitsfragen, Dr. Henry Kissinger, letzte Woche
erklärte, der Friede sei in Reichweite. Doch dieser Kursanstieg setzte sich
nicht fort.Einige Beobachter sind der Auffassung, daß die Börse die Auswirkungen

-3-

�Auswirkungen eines Kriegeendes bereits vorweggenommen und damit auf die Gerüchte der letzten Monate reagiert hat. Andere sind der Ansicht, daß die von der
Regierung ausgeübte Kontrolle für Preise und Gewinne auf die Kurse drückt. Und
wieder andere meinen sogar, daß die Kurse im nächsten Jahr nachgeben werden.
Ein namhafter New Yorker Bankier erklärte jedoch gegenüber der New York
Times, die Kurse würden jäh anziehen, sobald es zu einem echten Frieden kommt.
Und wenn erst einmal die Aktienkurse steigen und sich auf dem erhöhten Niveau
behaupten,so betonte er, dann worden dies die ausländischen Investoren als
Signal zum Einsteigen betrachten, Er rechne mit einem erheblichen Kursanstieg,
der seinen Höhepunkt vielleicht im kommenden Frühjahr erreichen werde, wobei
Standardaktien die größten Gewinne zu verzeichnen haben dürften.

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45/1972

USA SCHLAGEN BESEITIGUNG ALLER ZOLLE FÜR INDUSTRIERZEUGNISSE VOR

GENF --(AD)-- Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß bei den im kommenden Jahr anstehenden neuen Handelsverhandlungen bei industriellen Erzeugnissen das angestrebte Ziel eines zollfreien Handels zwischen den Industriestaaten erreicht werden kann.
Entsprechende Vorschläge hat der stellvertretende US-Sonderbeauftragte
für Handelsverhandlungen, Botschafter William R. Pearce, jetzt den übrigen Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) unterbreitet. Wie
ein Sprecher des GATT betonte, habe Botschafter Pearce darauf hingewiesen, daß
der Industrieausschuß des GATT bei verschiedenen nicht-tarifären Handelsschranken Lösungen ausgearbeitet habe, die den Regierungen zur Billigung vorgelegt
werden könnten, und erklärt, daß bis Ende des Jahres Übereinstimmung über Standardnormen erzielt werden könne. Wörtlich, so fuhr der Sprecher fort, habe Pearce
erklärt: "Der Vorschlag,die künftige Arbeit mit einer Erörterung des zollfreien
Handels mit Industrierzeugnissen zwischen den Industriestaaten zu beginnen, hat
unseres Erachtens wesentliche Vorteile. Bedenkt man, daß kein Mitgliedstaat bisher bereit ist, eine feste Verpflichtung einzugehen, so dürfte ein solches Vorgehen den weitestmöglichen Rahmen für eine Erörterung bieten, bei der auch

-1-

�auch andere Verfahren geprüft und dem jeweiligen Ziel, über das im Laufe des
Verhandlungsprozesses Übereinstimmung erzielt werden kann, angepaßt werden
können."
Auf die engen Wechselbeziehungen zwischen Zöllen, nicht-tarifären Verzerrungen und Schutz eingehend hatte Botschafter Pearce erklärt, daß Art und Umfang
eines Abkommens bei einem dieser Punkte jeweils von den Fortschritten bei den
übrigen Punkten abhingen.
Bei der Landwirtschaft, so führte der Botschafter weiter aus, würden nicht
nur der Schutz an den Grenzen, sondern auch die Erzeugung und Verbrauch beeinflussende Politik Probleme für den Handel aufwerfen. Wörtlich sagte Pearce: "Wir
müssen gewillt sein, die Bedeutung der Subventionspolitik auf den Binnenmärkten
für den Handel zu erkennen und diese notfalls zu modifizieren, um eine Ausweitung des Handels mit Agrarerzeugnissen zu ermöglichen, damit Fortschritte auf
diesem Gebiet gemacht werden können." Dies gelte, so fügte der Botschafter hinzu, nicht nur für die Politik der USA, sondern auch für die Politik der übrigen
Länder.
Die bei der neuen Verhandlungsrunde vereinbarten Verfahren müssen nach Ansicht von Pearce einen Abbau des Schutzes für Importe, eine Beseitigung der Exportsubventionen sowie eine prinzipielle Übereinstimmung einschließen, daß Zahlungen zur Erhaltung der Erzeugereinkommen Erzeugung und Handel so wenig wie möglich beeinflussen dürften.
Über die Rolle der Entwicklungsländer im GATT sagte Pearce, nach Ansicht
der USA sei der langsame Fortschritt beim Studium dieser Frage in den GATT-Arbeitsgruppen nicht nur auf das Fehlen jeglichen politischen Willens, sondern
auch eines Verhandlungsklimas zurückzuführen, das eine Verwirklichung guter Absichten erleichtern würde.
Nach

4.

�Nach Ansicht von Botschafter Pearce braucht ein Abkommen über Richtlinien
für die neue Verhandlungsrunde Zeit. Hierfür sei ein Gremium erforderlich, das
alle Probleme des Agrar-und des Industriehandels zusammen erörtern könne. Es
sei Sache der Mitgliedsstaaten, diese Frage noch während der gegenwärtigen
Sitzungsperiode zu regeln. Diese Sitzungsperiode biete die Möglichkeit, der
Vorbereitungsarbeit für die nächstes Jahr beginnenden wichtigen Handelsverhandlungen neuen Auftrieb zu geben.

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45/1972

WOHNGEMEINSCHAFT IM KORALLENRIFF

--(AD)-- Eine neue Serie von meeresbiologischen und chemischen Untersuchungen
von einer in 17 m Tiefe verankerten Tauchstation aus begann Anfang Oktober
1972 in der Nähe der Großen Bahama-Insel. Die Studie, an der Wissenschaftlergruppen von fünf amerikanischen Universitäten und zwei Forschungsinstituten
teilnehmen, wird von Bundesbehörden, insbesondere der US-Behörde für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA) finanziert. Das Projekt, für das von der
Perry Foundation, Inc., und der Bahamas Undersea Research Foundation die Unterwasserstation Hydro-Lab bereitgestellt wurde, ist auf neun Monate befristet.
In Gruppen zu je vier Mann werden
grund

die Forscher jeweils sieben Tage am Meeres-

verbringen, um dort vor allem das Leben im Korallenriff zu beobachten

und a^e Einflüsse von Abfallstoffen auf das biologische Gleichgewicht im Meer
zu untersuchen.
Hydro-Lab steht etwa 260 m vor einem Steilhang zur Tiefsee. In einem
solchen "Grenzgebiet" zwischen der verhältnismäßig nahen Küste und dem offenen
Meer ergeben sich für die Wissenschaftler besonders interessante Aspekte.

-1-

�Aspekte. Physikalische Faktoren, chemische Prozesse aller Art und die Herausbildung typischer ökologischer Systeme sind hier auf relativ engem Raum zu
studieren.
Die Bewohner des Korallenriffs, insbesondere die Fische, wird Dr. C.
Lavett Smith vom American Museum of Natural History unter die Lupe nehmen. Ihn
interessiert vor allem die Frage des erforderlichen Lebensraumes für die Tiere,
der Einfluß des tatsächlich vorhandenen Lebensraumes auf die Größe der Kolonien und die Zusammensetzung der überall beobachteten Wohngemeinschaften von
Meereslebewesen, auf Fortpflanzungszyklen, auf Brutpflege und ähnliche Faktoren.
Dr. Thomas J. Bright von der Texas A &amp; M-Universität wird sich mit der
"Sprache" der Riffbewohner befassen. Taucher wissen, daß Korallenriffe und ihre
nähere Umgebung besonders "laute"Plätze unter Wasser sind. Aber von den Verursachern der Geräusche weiß man noch recht wenig.

Man kennt z.B. Klick-und

Knarrgeräusche von Garnelen, die im Stakkato ausgestoßenen Laute vom Sägefisch
oder die typischen Geräusche, die Stachelhummer oder Nassau-Barsch erzeugen,
wenn sie aufgeschreckt werden. Alles in allem ist jedoch über all dies noch
wenig bekannt - etwa über die Technik zur Lauterzeugung, über die Tonhöhen, die
Bedeutung der Geräusche und die Reaktionen der Mitbewohner der Riffe auf sie.
Dr. Bright setzt jetzt Untersuchungen fort, die er beim Unternehmen TEKTITE 11
vor Florida und bei früheren Hydro-Lab-Experimenten bereits begonnen hat.
Dr. William Schroeder (Texas A &amp; M University in College Station, Texas)
wird mit seiner Gruppe die Rolle tierischer Mikroorganismen (Zooplankton) in
der Korallenriff-Ökologie untersuchen. Plankton bildet den Anfang der Nahrungskette im Meer. Noch weiß man

viel zu wenig darüber, ob und inwieweit die

Milliarden und Abermilliarden dieser winzigen Lebewesen durch die Eingriffe des

-2-

�des Menschen in die natürlichen Gegebenheiten beeinträchtigt werden.
In diesem Zusammenhang sind auch die Studien von besonderer Bedeutung,

die

Dr. John Bunt und Richard Curry (beide Universität Miami) sowie Dr. William
P. Muellenhoff (Staatsuniversität Oregon) und Alan A. Allen (Marine Consultants,
Inc., Long Beach, Kalifornien) z. B. zur Konzentration bestimmter chemischer Elemente im Riffgebiet und zu der dort beobachteten biologischen Aktivität - einschließlich des Produktionstempos der Korallentiere für Kalziumkarbonat - und
zur "Verarbeitung" bezw. zum Abbau von ölhaltigem Schlamm, Kohlenwasserstoffen
und Abfällen aus Wohn-und Industriegebieten im Wasser und am Meeresgrund vornehmen. Die meisten Studien, die es bisher zu dieser Frage gab, beziehen sich
in erster Linie auf Auswirkungen der Schmutz-und Schadstoffe an der Küste, an
der Wasseroberfläche und im oberflächennahen Bereich.

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"STOFF" WIRD ALLMÄHLICH KNAPP
Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagen

--(AD)-- Etwa 20 Jahre lang dürfte ein internationaler Rauschgifthändlerring mit Verbindungsstellen in Europa, Lateinamerika und in den Vereinigten
Staaten aktiv gewesen sein, bis es jetzt endlich gelang, ihn zu zerschlagen.
Der Erfolg ist der engen Zusammenarbeit der Fahndungsbehörden in den betroffenen Ländern zu verdanken. Ein Sprecher der amerikanischen Bundesbehörde für
Narkotika und gefährliche Drogen (BNDD) bezeichnete den Ring als "einen französisch-lateinamerikanischen Kanal" und äußerte die Vermutung, daß die Verbrechergruppe mindestens 25 Prozent des Heroins geliefert hatte, das in den Straßen
der Städte in den USA gehandelt wurde.
Nach den Angaben von John E. Ingersoll, des Direktors der US-Zentrale für
die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs, gingen allein der französischen Polizei
von Januar bis August 1972 nicht weniger als 67 "größere Fische" von internationalen Banden ins Netz; im gleichen Zeitraum wurden in Frankreich 1429 Händler
festgenommen. Eine Folge dieser Maßnahmen ist eine erhebliche Verteuerung und

-l-

�und gleichzeitig Qualitätsminderung des in Frankreich noch angebotenen Heroins.
Das gleiche ist schon seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten zu beobachten.
Die französischen Gerichte gehen streng gegen Rauschgifthändler vor

Diese haben,

wenn sie zum ersten Mal straffällig werden, 10 bis 20 Jahre Gefängnis zu erwarten, im Wiederholungsfalle 40 Jahre.
Wie John E. Ingersoll auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte,
konnten 14 Schlüsselfiguren der internationalen Bande dank des Zusammengehens
der amerikanischen mit den ausländischen Behörden ausgeschaltet, 40 weitere Verbrecher im Zusammenhang damit hinter Gitter gebracht werden. Die 14 wurden entweder verhaftet oder bei Schießereien mit der Polizei verwundet oder getötet.
Zu ihnen gehören, so Ingersoll, u.a. Lucien Sarti. Er wurde in Mexiko City erschossen, als er auf mexikanische Polizisten aus seinem Haus das Feuer eröffnete. Der in Mexiko verhaftete Jean Paul Angelletti wurde an Frankreich ausgeliefert, wo er wegen Mordversuchs gesucht wurde; Francois Chiappe, der "Organisator"
des Ringes in Argentinien, der wegen zweier 1964 in Paris begangener Morde zum
Tode verurteilt ist, sitzt hinter Schloß und Riegel. Der Name des ebenfalls verhafteten Anführers der Bande, "Mr.Big", wurde nicht bekanntgegeben. Der Ring
hatte seine Netze über eine Reihe europäischer Länder, von Italien bis Belgien,
ausgeworfen. Die Hauptkanäle nach Übersee gingen über Argentinien, Brasilien,
Venezuela und Mexiko in die Vereinigten Staaten, dort insbesondere nach Miami
und New York.

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45/1972

NAVIGATION MIT SATELLITEN SOLL EINFACHER WERDEN

--(AD)— Für Navigationssatelliten erprobt die US-Marine z.Zt.ein neuartiges
Steuerungssystem. Es soll dazu beitragen, die Umlaufbahn des "künstlichen
Leitsterns" für Schiffe so zu stabilisieren,.daß sehr viel exaktere Karten
als bisher mit vorausberechneten Umlaufbahnen für mehrere Tage angefertigt
werden können. Die Schiffe» denen die Daten per Funk übermittelt werden,
wären dann auch mit einfachen Instrumenten in der Lage, ihre Positionsbestimmungen auf Grund der Durchgänge von Navigationssatelliten zu machen, ohne
dabei jedesmal deren Bahnveränderungen berücksichtigen zu müssen.
Die Vorläufer des im September 1972 in einen polnahen Orbit eingeschossenen Versuchssatelliten TRIAD5 der eine Betriebsdauer von höchstens sechs Monaten haben soll, verändern unter der Einwirkung des sogenannten Lichtdrucks
der Sonne und des Bremseffekts von Luftteilchen ständig etwas ihre Bahn. Deshalb müssen die Speicher der Computer, mit deren Hilfe die nächsten Umläufe
vorausberechnet werden, alle 12 Stunden mit neuen Daten gefüttert werden.
Das neue Steuerungssystem DISCOS dagegen soll alle derartigen Störeffekte
erfassen und sie durch die Aktivierung kleiner Düsen am Satelliten sofort mit

-l-

�mit Kurskorrekturen ausgleichen. DISCOS ist die Abkürzung für "disturbance
compensation System" und bedeutet "System zur Kompensation von Störungen". Es
nutzt das Trägheitsprinzip bei einer Flugstabilisierung unter dem Einfluß von
Gravitation. Das Verfahren wurde von Professoren und Assistenten der StanfordUniversität (Kalifornien) in zweijähriger Arbeit entwickelt.
Der 94 kg schwere und insgesamt 7,3 m lange Satellit besteht aus drei
Hauptkörpern, die durch zwei Scherenarme miteinander verbunden sind. Am einen
Ende befindet sich der Radionuklid-Generator, der den Betriebsstrom liefert,
am anderen Ende die gesamte elektronische Ausrüstung, in der Mitte die DISCOSKomponente. Sie ist von den beiden anderen Segmenten des Satelliten, der auf
Grund seiner Länge und Massenverteilung zum Erdmittelpunkt orientiert ist,
weit genug entfernt, um einen Störeffekt durch deren Massen auszuschalten.
DISCOS selbst besteht aus einer 113 Gramm schweren tischtennisgroßen Edelmetallkugel in einem kleinen, goldplattierten Vakuumbehälter, in dessen Innenwandung empfindliche Sensoren eingebaut sind. Sobald die frei schwebende Kugel
infolge einer Störung der Gravitationsorientierung des Satelliten, die unter
der Einwirkung der Korpuskelströme von der Sonne oder des Bremseffektes von
Luftteilchen hervorgerufen werden kann, ihren normalen Platz im Mittelpunkt
des Behälters verläßt und auf die Wandung zutreibt; registrieren dies die Sensoren. Über ein rafi Lniertes elektronisches System werden daraufhin bestimmte
Düsen aus einem ganzen Satz von winzigen Freongas-Düsen aktiviert, um die -wenn
auch nur geringfügige- Abweichung des Satelliten von seiner ursprünglichen Bahn
sofort zu korrigieren

Denn ein Navigationssatellit erfüllt nur dann seinen

Zweck, wenn er auf die Sekunde pünktlich an den erwarteten Bahnpositionen erscheint, damit die Ortsbestimmung, die ein Schiff durch Funkmessung mit seiner
Hilfe vornimmt, nicht zu falschen Ergebnissen führt.

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