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Dokumentation

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Nummer

44

3 1 . Oktober 1972

Inhalt

INFORMATION:

Nixon: Weltwirtschaftsordnung muß gerechter und offener werden
-Erklärung des Weißen Hauses-

DOKUMENTATION:
Kissinger erläutert Stand der Verhandlungen mit Hanoi
-Wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Internationale "Denkfabrik" zur Lösung sozialer Probleme
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei WienLokalisierung von Flugzeugwracks im Meer
Kosmische Gamma-Strahlung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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44/1972

NIXON: WELTWIRTSCHAFTSORDNUNG MUSS GERECHTER UND OFFENER WERDEN
-Erklärung des Weißen Hauses-

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden bei den bevorstehenden Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform "kühne Maßnahmen" für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaftsordnung ergreifen. Dies betonte Präsident
Nixon in einer Erklärung des Weißen Hauses zum kürzlichen EWG-Gipfeltreffen
in Paris, die am 27. Oktober in Washington veröffentlicht wurde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe mit großem Interesse das Kommunique gelesen, das von den Führern
der neun Länder der erweiterten Europäischen Gemeinschaft herausgegeben wurde
und in dem sie erneut ihre Verpflichtung zu einer verstärkten europäischen Einheit zum Ausdruck bringen. Auf diesem wichtigen Treffen haben die Mitglieder der
Gemeinschaft ihre Absicht bekundet, »vor Ablauf dieses Jahrzehnts die Gesamtheit ihrer Beziehungen in eine Europäische Union umzuwandeln.* Die Vereinigten
Staaten unterstützen dieses Ziel mit allem Nachdruck. Es ist - und war immer meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa
den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern.
Es

-1-

�Es ist ebenfalls von größter Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten und
Europa eng zusammenarbeiten. Aus diesem Grunde begrüße ich besonders die erklärte Absicht der Gemeinschaft, mit uns in einem progressiven, aufgeschlossenen
Dialog zu bleiben, sowie ihre Verpflichtung zu einer progressiven Liberalisierung der tarifären und nichttarifären Handelsschranken auf einer umfassenden
Basis während der wichtigen multilateralen Verhandlungen, die im nächsten Jahr
beginnen sollen.
Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich unsere Verpflichtung bekräftigen, mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft für eine Reform des Weltwirtschaftssystems zusammenzuarbeiten, und zwar in einer Weise, durch die eine
Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme der Entwicklungswelt erreicht werden.
Dies sind die Ziele, die die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden
Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform leiten werden. Wir werden bereit sein, mit unseren europäischen Partnern kühne Maßnahmen für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu ergreifen. Die Erklärung der Gipfelkonferenz
vom 21. Oktober ist der Beweis, daß unsere europäischen Partner sich in gleicher
Weise dem Erfolg dieser Bemühungen verschrieben haben. In der Zwischenzeit rechnen wir von ihrer Seite mit kontinuierlicher Unterstützung bei der Förderung
eines Klimas der gegenseitigen Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens
sowie mit einer Demonstration, daß diese Bemühungen durch positive Maßnahmen zur
Lösung dringlicher und unmittelbarer Probleme von Erfolg gekrönt sein werden."

-2-

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44/1972

KISSINGER ERLÄUTERT STAND DER VERHANDLUNGEN MIT HANOI

•wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WASHINGTON --(AD)-- Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat auf einer Pressekonferenz am 26. Oktober
in Washington den Stand der Verhandlungen mit Nordvietnam erläutert. Dabei gab
er eine längere Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
"Meine Damen und Herren:
Beide Teile Vietnams haben sich nunmehr geäußert, und es ist offensichtlich, daß ein Krieg, der zehn Jahre lang gedauert hat, jetzt zu Ende geht; das
ist eine traumatische Erfahrung für alle Beteiligten. Der Präsident meinte,
es könnte nützlich sein, daß ich Ihnen jetzt einen Bericht darüber gebe, was
wir getan haben, wo wir jetzt stehen und daß ich die verschiedenen Behauptungen und Beschuldigungen in die richtige Perspektive rücke.
Lassen Sie mich zunächst über die Situation sozusagen in drei Teilen berichten:
wo

1-

�wo wir verfahrensmäßig stehen, welches der wesentliche Inhalt der Verhandlungen ist und welches unser künftiger Kurs sein wird.
Ich glaube, daß der Friede in Reichweite ist. Wir sind der Auffassung, daß
ein Abkommen in Sicht ist - ein Abkommen, das sich auf den Vorschlag des Präsidenten vom 8. Mai sowie auf einige Anpassungen unseres Vorschlages vom 25. Januar stützt und das für alle Beteiligten gerecht ist. Es ist unvermeidlich, daß
es in einem Krieg von solcher Komplexität bei der Erreichung einer endgültigen
Lösung gelegentliche Schwierigkeiten gibt, aber wir glauben doch, daß bei weitem
der längste Teil dieses Weges zurückgelegt worden ist; was jetzt einem Abkommen
noch im Wege steht, sind Fragen, die relativ weniger wichtig sind als die Probleme, die bereits geregelt wurden.
Ich möchte zunächst auf die verfahrensmäßigen Punkte eingehen, auf die Argumente hinsichtlich bestimmter Daten für die Unterzeichnung des Abkommens. Wie
Sie wissen, haben wir nahezu vier Jahre lang auf geheimen Sitzungen mit den Nordvietnamesen verhandelt. Wir haben die Gespräche am 19. Juli dieses Jahres wieder aufgenommen. Bisher sind die Verhandlungen immer daran gescheitert, daß die
Nordvietnamesen darauf bestanden, daß erst eine politische Regelung erreicht
werden müsse, bevor über eine militärische Lösung verhandelt werden könne; sie
scheiterten ferner an der damit zusammenhängenden Forderung der Nordvietnamesen,
daß die politische Regelung Vorkehrungen enthalten müsse, die nach unserer Auffassung das politische Ergebnis von vorneherein entschieden hätten.
Wir haben in diesen vertraulichen Verhandlungen von Anfang an den Standpunkt vertreten, dau ein zügiger Fortschritt nur erreicht werden könne, wenn die
politischen und die militärischen Fragen getrennt würden; d.h., wenn die Nordvietnamesen und wir über Mittel und Wege für eine Beendigung des Krieges verhandelten, und wenn die politische Lösung des Krieges einer Erörterung der vietnamesischen Partner unter sich überlassen bleibe. Während vieler langer und

�und vertraulicher Sitzungen während des Sommers blieben diese Positionen im
wesentlichen unverändert

Wie Radio Hanoi heute richtig gemeldet hat, machten die

Nordvietnamesen am 8. Oktober zum erstenmal einen Vorschlag, der uns in die Lage
versetzte, die Verhandlungen zu beschleunigen. Ja, zum erstenmal unterbreiteten
sie einen Vorschlag, der es überhaupt möglich machte, konkret zu verhandeln

Die-

ser Vorschlag ist mit den Erklärungen aus Hanoi korrekt wiedergegeben worden;
d.h. er sieht vor, daß die Vereinigten Staaten und Hanoi sich zunächst einmal
darauf konzentrieren, die militärischen Aspekte des Krieges zu einem Ende zu
bringen, daß sie sich über einige sehr allgemeine Grundsätze einigen, innerhalb
derer die südvietnamesischen Partner dann über die politische Entwicklung

in

Südvietnam entscheiden könnten, was genau der Position entsprach, die wir immer
vertreten haben. Sie ließen ihre Forderungen nach einer Koalitionsregierung fallen, die alle vorhandenen Kräfte absorbieren würde. Sie ließen ihre Forderung
nach einem Veto in bezug auf die führenden Persönlichkeiten und die Struktur der
gegenwärtigen Regierung fallen.
Sie stimmten auch zum erstenmal einer Formel zu, die eine gleichzeitige Erörterung von Laos und Kambodscha gestattete. Kurz gesagt, wir hatten zum erstenmal den Rahmen,innerhalb dessen wir konkret und genau unsere Standpunkte sowie
das, was jede Seite zu geben bereit war, prüfen konnten, statt allgemeine Behaup
tungen aufzustellen und einen Fortschritt daran zu messen, ob bestimmte Klauseln
besonderer Sätze in Winzigkeiten geändert worden seien
Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um darauf hinzuweisen, daß von diesem
Zeitpunkt an die nordvietnamesischen Unterhändler guten Willen und großen Ernst
zeigten. Dasselbe gilt für uns. Wir haben an der allgemeinen Darstellung der Ereignisse, die von Radio Hanoi gegeben wurde, nichts auszusetzen.

Es

�Es zeigte sich jedoch der erste Anfang eines spezifischen Mißverständnisses. Die nordvietnamesischen Unterhändler machten ihren Vorschlag von der Lösung
des Problems bis zum 31. Oktober abhängig, und sie bestanden beharrlich darauf,
daß wir gewisse Verpflichtungen dahingehend eingehen sollten, daß wir bis zum
31. Oktober den Krieg beilegen und die Verhandlungen abschließen müßten.
Ich möchte hier unterstreichen, daß diese Daten keine Daten waren, die wir
erfunden oder vorgeschlagen haben. Ich möchte ferner unterstreichen, daß meine
Anweisungen seitens des Präsidenten genau diejenigen waren, die er auf einer
Pressekonferenz dargelegt hatte; d.h., daß wir eine Regelung erreichen sollten, die gerecht und unabhängig ist von irgendwelchen willkürlichen Terminen,die
von innenpolitischen Vorgängen bestimmt würden. Um eine abstrakte Erörterung von
endgültigen Terminen zu vermeiden, die zu jenem Zeitpunkt noch überaus theoretisch erschienen, stimmten wir jedoch zu, daß wir eine wesentliche Anstrengung
machen würden, um die Verhandlungen bis zum 31. Oktober abzuschließen; und es
ist richtig, daß wir von Zeit zu Zeit Terminabläufe nannten, durch die dies
vielleicht erreicht werden könnte. Es war jedoch immer klar - zumindest für
uns, und wir dachten, wir hätten dies auch in den Verhandlungsprotokollen klar
gemacht - daß wir ganz offensichtlich kein Abkommen unterzeichnen könnten, bei
dem noch Einzelheiten auszuarbeiten blieben, nur weil wir guten Glaubens erklärt hatten, wir würden uns darum bemühen, dieses Abkommen zu einem bestimmten
Datum abzuschließen.
Es war immer klar, daß wir alles, was ausgehandelt wurde, zunächst in
Washington und dann in Saigon erörtern müßten. Es ist viel darüber geredet worden, ob Saigon ein Veto hinsichtlich unserer Verhandlungen habe, und ich möchte
unseren Standpunkt hierzu darlegen:
Ohne

�•4

Ohne Frage hat die Bevölkerung Südvietnams, die so sehr gelitten hat,
sowie die Regierung Südvietnams, mit der wir verbündet sind, die beide in jenem
Lande verbleiben, nachdem wir abgezogen sind, jedes Recht, sich an der Gestaltung
ihres eigenen Friedens zu beteiligen. Sie haben jedes Recht darauf, daß ihre Ansichten gehört und überaus ernst genommen werden.
Wir behalten uns selbstverständlich unsere eigene Urteilsfreiheit vor und
wir treffen unsere eigenen Entscheidungen darüber, wie lange nach unserer Auffassung ein Krieg fortgesetzt werden sollte. Aber eine Quelle des Mißverständnisses
bestand darin, daß Hanoi der Ansicht zu sein schien, daß wir Saigon irgendeine
Lösung einfach aufzwingen könnten und daß die Beteiligung Saigons nicht erforderlich sei. Ich möchte jedoch auch klar machen, daß die noch zu regelnden Punkte
aus einer ganzen Reihe von Quellen herrühren, und ich werde mich ausführlich mit
ihnen befassen. Saigon, und dies ist allgemein bekannt, hat seine Ansichten mit
dem üblichen Ungestüm sowie öffentlich als auch vertraulich zum Ausdruck gebracht.
Wir stimmten mit einigen dieser Ansichten überein, wir stimmten jedoch nicht
allen diesen Auffassungen zu und wir machten klar, welche wir akzeptierten und
mit welchen wir uns nicht identifizieren können.
Darüberhinaus haben meine Mitarbeiter und ich, während wir in Saigon waren,
auch andere Länder Südostasiens besucht, und wir hatten ausführliche Gespräche mit
amerikanischen Regierungsvertretern. Es hatte hierbei den Anschein, daß es bestimmte Besorgnisse und bestimmte Unklarheiten in dem Abkommensentwurf gab, die nach
unserer Auffassung einer Modifizierung und Verbesserung bedurften. Ich möchte jedoch noch einmal betonen, daß

das, was noch getan werden muß, nur einen Bruchteil

dessen ausmacht, was bereits erreicht worden ist, und wenn jetzt Behauptungen und
Gegenbehauptungen aufgestellt werden, dann müssen wir uns vor Augen halten, daß
wir nach dem bisher Erreichten an dem, was noch geregelt werden muß, nicht scheitern können und nicht scheitern werden.
Lassen

-5-

�Lassen Sie mich nun zunächst kurz die Hauptbestimmungen des Abkommens,
wie wir sie verstehen, umreißen, damit ich dann erläutern kann, was nach unserer
Auffassung noch getan werden muß. Wir sind übrigens der Meinung, daß das, was
noch geregelt werden muß, in einer einzigen weiteren Sitzung mit den nordvietnamesischen Unterhändlern erreicht werden kann, die, so möchte ich meinen, nicht
länger als drei oder vier Tage dauern dürfte, so daß hier nicht die Rede von
einer sehr langen Verzögerung ist.
Lassen Sie mich jetzt noch, bevor ich die noch verbleibenden Fragen behandle, auf jene Punkte eingehen, die in dem Entwurf für ein Abkommen enthalten
sind, und die im großen und ganzen in der Rundfunksendung aus Hanoi sehr fair
wiedergegeben wurden. Ich beziehe micht jetzt nicht auf die beiden letzten rhetorischen Seiten, sondern ich beziehe mich auf die Darstellung des Abkommens.
Die hauptsächlichen Bestimmungen waren und sind, daß eine Waffenruhe in Südvietnam von einem Zeitpunkt an eingehalten wird, über den man sich beiderseits
geeinigt hat - es würde eine Waffenruhe an Ort und Stelle sein; daß die amerikanischen Streitkräfte innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens
abgezogen würden; daß es ein totales Verbot hinsieht der Verstärkung der Truppen
geben würde, d.h., daß eine Infiltration nach Südvietnam, von welchem Gebiet und
von welchem Land aus auch immer, verboten sein würde; die vorhandene militärische Ausrüstung innerhalb Südvietnams könnte - unter internationaler Überwachung auf der Basis Stück gegen Stück durch Waffen ersetzt werden, die die gleichen
Eigenschaften oder eine ähnliche Beschaffenheit haben.
Das Abkommen sieht vor, daß alle gefangengenommenen Soldaten und ausländische Zivilpersonen während des gleichen

Zeitraums, in dem sich der Abzug voll-

zieht, repatriiert werden, d.h. alle amerikanischen Gefangenen, Soldaten wie
Zivilisten, werden innerhalb von 60 Tagen nach Inkrafttreten des Abkommens zurückkehren.
Nordvietnam

-6-

�Nordvietnam hat sich verpflichtet, über alle unsere Gefangenen und im Einsatz Vermißten in ganz Indochina Auskunft zu erteilen und alle amerikanischen Gefangenen in ganz Indochina zu repatriieren.
Es gibt da ferner eine besondere Bestimmung, wonach die Zukunft der südvietnamesischen Zivilpersonen, die in Südvietnam festgehalten werden, durch Verhandlungen zwischen den südvietnamesischen Beteiligten bestimmt werden soll, so daß
die Rückkehr unserer Gefangenen nicht von den Vorkehrungen hinsichtlich der vietnamesischen Gefangenen in vietnamesischen Gefängnissen beider am Konflikt beteiligter Seiten abhängt. Was die politischen Bestimmungen angeht, so gibt es da eine
Bestätigung der allgemeinen Grundsätze, die garantieren, daß das südvietnamesische
Volk ein Recht auf Selbstbestimmung hat und daß es über seine politische Zukunft
im Rahmen freier und demokratischer Wahlen unter internationaler Überwachung bestimmt ,
Wie Radio Hanoi ausführte, würden die bestehenden Behörden in bezug auf die
Innen-und Außenpolitik im Amt bleiben. Die beiden Beteiligten in Vietnam würden
über den Zeitpunkt von Wahlen, über die Art der Wahlen sowie über jene Ämter verhandeln, um die es bei diesen Wahlen gehen soll.
Es würde eine als Nationalrat der Versöhnung und Eintracht bezeichnete Einrichtung geschaffen werden, dessen generelle Aufgabe darin bestehen würde, für die
Aufrechterhaltung der Waffenruhe einzutreten und die Wahlen zu überwachen, auf
die sich die Parteien einigen könnten. Dieser Rat würde auf der Basis der Ernennung gebildet werden und würde auf der Grundlage der Einstimmigkeit arbeiten.
Wir betrachten ihn als die Institutionalisierung der Wahlkommission, die wir am
25. Januar in unserem Plan vorgeschlagen haben.
Es

-7-

�Es gibt da Bestimmungen, daß die Disposition vietnamesischer Streitkräfte
im Süden ebenfalls durch Verhandlungen unter den südvietnamesischen Partnern geregelt werden soll.
Es gibt da Bestimmungen, daß die Vereinigung Vietnams ebenfalls auf dem
Verhandlungswege unter den Beteiligten erreicht werden soll, und zwar ohne militärischen Druck, ohne Einmischung von außen, ohne Zwang und ohne Annexion.
Es gibt da ferner ein sehr langes und kompliziertes Kapitel über internationale Überwachung, das sicherlich Studenten höherer Semester noch viele Jahre
beschäftigen wird, und das, soweit ich das übersehe, nur mein Kollege, Botschafter Sullivan, ganz versteht.
Kurz gesagt, es sieht gemeinsame Kommissionen der Beteiligten, je nachdem
mit zwei Parteien oder vier Parteien, für jene Teile des Abkommens vor, die jeweils auf zwei Parteien oder auf vier Parteien anwendbar sind. Es sieht eine internationale Überwachungskommission vor, an die Streitfragen der aus Parteien zusammengesetzten Kommissionen verwiesen würden; die jedoch auch das Recht haben
würde, unabhängige Untersuchungen vorzunehmen, sowie eine internationale Konferenz, die innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens zusammentreten soll, um die Garantien auszuarbeiten und die Beziehungen

der verschiedenen

Parteien untereinander im einzelnen herzustellen.
Da gibt es schließlich ein Kapitel über Kambodscha und Laos, in dem die an
dem Abkommen Beteiligten übereinkommen, die Unabhängigkeit und Souveränität von
Kambodscha und Laos zu respektieren und anzuerkennen, in dem sie übereinkommen,
davon Abstand zu nehmen, das Territorium von Kambodscha und das Territorium von
Laos dazu zu benutzen, die Souveränität und Sicherheit anderer Staaten zu gefährden.
Es

-8-

�Es gibt da ein Übereinkommen, daß ausländische Mächte ihre Streitkräfte aus
Kambodscha und Laos abziehen werden, und es gibt da ein besonderes Kapitel über
die künftigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen
Republik Vietnam, in dem beide Seiten ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß
dieses Abkommen eine neue Periode der Versöhnung zwischen beiden Ländern einleiten wird, und in dem die Vereinigten Staaten ihre Auffassung zum Ausdruck bringen, daß es in der Nachkriegsperiode zum Wiederaufbau von Indochina beitragen
wird und daß beide Länder ihre Beziehungen auf der Grundlage der gegenseitigen
Achtung und Nichteinmischung in die Angelegenheiten des anderen aufbauen werden,
und daß sie aus einem Zustand der Feindseligkeit heraus in einen normalen Zustand
eintreten werden.
Meine Damen und Herren, angesichts des Standes, den wir erreicht haben, ist
es klar ersichtlich, daß die meisten der schwierigsten Probleme überwunden sind.
Wenn Sie einmal von dem ausgehen, was viele von Ihnen noch vor Monaten für möglich gehalten hätten, und es mit dem vergleichen, wo wir heute sind, dann müssen
wir sagen, daß beide Seiten an dieses Problem mit einem Blick auf die weite Zukunft herangegangen sind - mit der Einstellung, daß wir nicht lediglich einen
Waffenstillstand haben wollen, sondern Frieden - und es ist diese Einstellung, die
trotz des gelegentlichen Auf und Ab, das bei einem Problem solcher Komplexität
unvermeidlich ist, unser Handeln bestimmen wird.
Was verhindert denn nun aber den Abschluß des Abkommens? Warum haben wir
um eine weitere Zusammenkunft mit den Nordvietnamesen ersucht, um den endgültigen
Text auszuarbeiten? Der Hauptgrund ist der, daß bei Verhandlungen, die fünf Jahre
lang auf der Stelle traten und bei denen bis zum 8. Oktober faktisch kein Durchbruch erzielt werden konnte, viele der Grundprinzipien vor diesem Durchbruch klar
verstanden wurden, dann aber bei einem genaueren Eingehen auf den Text viele der
Nuancen, von denen die Verwirklichung letztlich abhängen wird, mehr und mehr zu
Tage traten.
Es

-9-

�Es lag auf der Hand und es war nur natürlich, daß sich bei unseren Gesprächen über den abstrakten Wunsch nach einer Waffenruhe weder die eine noch die
andere Seite so präzise ausdrückte, wie später notwendig wurde, als wir über
Zeitpunkt und Ablauf einer Waffenruhe in einem Lande sprachen, in dem es keine
klare Frontlinie gab. Und auch als wir unsererseits das Beharren der Nordvietnamesen auf einem beschleunigten Zeitplan akzeptierten, bedeutete das, daß der
Text niemals konform gestaltet werden konnte, daß also die englischen und
vietnamesischen Texte hintereinander herhinkten, und daß außerdem Unklarheiten
bei der Formulierung entstanden, deren Klärung eine weitere Zusammenkunft erforderlich machen.
Ich darf Ihnen dafür ein paar Beispiele geben und ich glaube, Sie werden
verstehen, daß wir hier über ein ganz anderes Problem sprechen als das, was uns
in den vielen Konferenzen beschäftigte, die ich mit Ihnen, meine Damen und
Herren, über das Problem des Friedens in Vietnam gehabt habe - Konferenzen,
die die abstrakten Theorien betrafen, welcher Weg zum Erfolg führen könnte.
Wir sprechen hier über sechs oder sieben sehr konkrete Fragen, die mit
einem ähnlichen guten Willen, wie er bereits gezeigt wurde, leicht gelöst werden
können. So ist es beispielsweise für uns klar geworden, daß eine große Versuchung
bestehen wird, mit einer Waffenruhe eine letzte Anstrengung einhergehen zu lassen, um soviel Territorium wie nur möglich in Besitz zu nehmen und die Operationen vielleicht lange genug auszudehnen, um die politische Kontrolle über ein
bestimmtes Gebiet zu erlangen.
Wir möchten die Gefahren des weiteren Verlustes von Menschenleben vermeiden, vielleicht in einigen Gebieten sogar die eines Massakers, das damit gegeben sein könnte, und daher wünschen wir über Methoden zu sprechen, durch die
ein internationales Überwachungsgremium gleichzeitig mit der Verkündigung der
Waffenruhe seinen Platz einnehmen kann.
Unser

-10-

�Unser Außenminister hat bereits vorbereitende Gespräche mit einigen der
Länder geführt, die gebeten werden sollen, diesem internationalen Gremium beizutreten - um dadurch diesen Prozeß zu beschleunigen.
Zweitens, wegen der unterschiedlichen politischen Umstände in jedem der
indochinesischen Länder ist der Zusammenhang zwischen den dortigen militärischen Operationen und dem Ende des Krieges in Vietnam oder der dortigen Waffenruhe zu dem Ende des Krieges in Vietnam ziemlich komplizierter Art, und wir
möchten in konkreterer Weise erörtern, wie man dies zeitlich so stark wie möglich zusammendrängen kann.
Es bestehen ferner gewisse Unklarheiten, die sich aus einem Interview ergeben, das der nordvietnamesische Ministerpräsident Pham Van Dong einer Wochenzeitschrift gegeben hat, in dem er hinsichtlich eines oder zweier Punkte in
einem Irrtum über das, was der Inhalt des Abkommens

ist, befangen zu sein

schien - jedenfalls würden wir das gern klargestellt sehen.
Es gibt auch rein sprachliche Probleme. So bezeichnen wir beispielsweise
den Nationalrat für Versöhnung als ein administratives Gebilde, um klarzumachen,
daß wir in ihm nichts mit einer Koalitionsregierung Vergleichbares sehen. Wir
möchten sicherstellen, daß der vietnamesische Text die gleiche Bedeutung vermittelt .
Ich muß hinzufügen, daß der Ausdruck administratives Gebilde uns von den
Vietnamesen selbst durch die englischen Worte "administrative structure11 vorgeschlagen wurde, so daß es sich hier nicht etwa um ein Manöver von unserer
Seite aus handelt.
Da

-11-

�Da gibt es ferner einige technische Probleme hinsichtlich der Frage, auf
welche Klauseln der Genfer Abkommen man sich in bestimmten Abschnitten des
D&lt; uiments beziehen solle und es gibt außerdem das Problem, das bisher nicht
gelöst wurde, daß nämlich die Nordvietnamesen - wie sie in ihrer Rundfunksendung
betonten - vorgeschlagen haben, daß das Abkommen von den Vereinigten Staaten und
Nordvietnam unterzeichnet werden soll - wir für Saigon; sie für ihre Verbündeten in Südvietnam.
Wir haben stets die Auffassung vertreten, daß es unseren Verbündeten überlassen bleiben sollte, ob sie ein Zwei-Mächte-Dokument wünschten oder ob sie
selbst das Dokument unterzeichnen wollten, das Frieden in ihrem Lande schafft.
Nun ziehen sie es vor, an der Unterzeichnung des Friedens beteiligt zu sein und
es erscheint uns auch als ein durchaus vernünftiger Vorschlag, daß ein Land,
auf dessen Territorium ein Krieg geführt worden ist und dessen Bevölkerung so
schwer gelitten und Opfer gebracht hat, das Recht haben sollte, seinen eigenen
Friedensvertrag zu unterzeichnen.
Das wiederum scheint uns keine unüberwindliche Schwierigkeit darzustellen,
aber die Annahme dieses Vorschlages wird eine Neufassung bestimmter Abschnitte
des Dokumentes erforderlich machen, und das wiederum ist eine Aufgabe, für die
mehrere Stunden Arbeit notwendig sind.
Wir haben die Nordvietnamesen gebeten, mit uns zu einem Zeitpunkt ihrer
Wahl zusammenzukommen. Wir haben - wie schon berichtet - unsere Bombardierungen
eingeschränkt und zwar faktisch auf das eigentliche Kampfgebiet, um damit unseren guten Willen zu zeigen und erkennen zu lassen, daß wir uns im Rahmen der bestehenden Übereinkunft halten.
Wir bleiben auch weiterhin davon überzeugt, daß die von mir erwähnten Fragen in einem sehr kurzen Zeitraum gelöst werden können. Wir haben zugesagt, und

-12-

�und ich wiederhole dies hier in aller Öffentlichkeit, sie auf einem einzigen
weiteren Zusammentreffen zu regeln und dieses Zusammentreffen so lange auszudehnen wie es notwendig ist, um das Abkommen zu einem Abschluß zu bringen.
Das ist also die Situation, in der wir uns im Hinblick auf Hanoi befinden.
Wir verstehen Hanois Enttäuschung, daß ein Zeitplan, für dessen Verwirklichung
es so ernsthafte Anstrengungen gemacht hat, aus Gründen, die außerhalb der Kontrolle irgendeines Beteiligten liegen, nicht eingehalten werden konnte; sie
(die Nordvietnamesen) wissen jedoch oder sie sollten es wissen, und gan* bestimmt müssen sie es jetzt wissen, daß der Friede innerhalb von Wochen oder
noch weniger in Reichweite ist, was davon abhängt, wann das Treffen stattfindet. Und sie wissen auch, daß wir, wenn der Friede einmal erreicht worden ist,
von der Gegnerschaft zu einer normalen Situation gelangen werden und von dort
zur Zusammenarbeit, und zwar mit dem gleichen Ernst, mit dem wir unsere bisherigen weniger glücklichen Beziehungen zu ihnen geführt haben.
Was nun Saigon anbetrifft, so ist es natürlich berechtigt, an der Beendigung
eines Krieges mitzuwirken, der auf seinem Territorium geführt worden ist. Das
südvietnamesische Volk hat vieles erleiden müssen, und die Südvietnamesen werden
dort bleiben, wenn wir das Land verlassen haben. Die südvietnamesischen Ansichten
verdienen großen Respekt. Um die Verhandlungen zu beschleunigen, legten wir ihnen
Ergebnisse vor, über die man in den vier Tagen, die ich in Saigon verbrachte,
offenbar nicht hundertprozentig klarkommen konnte. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß unsere Konsultationen mit Saigon innerhalb des zeitlichen Rahmens, der,
wie ich angedeutet habe, zum Abschluß des Abkommens mit Hanoi erforderlich ist,
zu einer Einigung führen werden, und daß die Verhandlungen nach dem Plan fortgesetzt werden können, den ich dem amerikanischen Volke dargelegt habe.
Wir

-13-

�Wir haben hier sehr oft über die Friedensverhandlungen gesprochen und wir
waren uns der Spaltung und der Sorgen sehr wohl bewußt, die der Krieg in diesem
Lande verursacht hat. Ein Grund, warum der Präsident so bestrebt war, den Krieg
durch Verhandlungen zu beenden, und zwar in einer Weise, die sich mit unseren
Grundsätzen in Übereinstimmung befindet, ist die Hoffnung, daß der Friedensschluß die Einheit wiederherstellen kann, die zuweilen zu bestimmten Zeiten während dieses Krieges verlorengegangen war, so daß das Abkommen heilend wirken
könne statt neue Spaltung zu verursachen. Das bleibt auch weiterhin unsere
Politik.
Wir werden uns nicht in ein Abkommen hineintreiben lassen, bevor die Bestimmungen in Ordnung sind. Wir werden einem Abkommen nicht ausweichen, wenn seine
Bestimmungen in Ordnung sind. Mit dieser Haltung und mit etwas Zusammenarbeit
seitens der anderen Seite glauben wir, daß wir schon sehr bald sowohl den Frieden als auch die Einigkeit in Amerika wiederherstellen können,"

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INTERNATIONALE "DENKFABRIK" ZUR LÖSUNG SOZIALER PROBLEME
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei Wien-

--(AD)-- Wissenschaftliche Organisationen und Akademien aus zunächst 12 Ländern der westlichen und östlichen Welt haben sich zu einer internationalen
Institution zusammengeschlossen, die sich mit der Lösung weltweiter sozialer
Fragen befassen will. Dabei wird man vor allem auf Methoden der Systemanalyse
zurückgreifen, die beispielsweise die Inangriffnahme und Durchführung technischer Großprojekte wie die Landung von Menschen auf dem Mond ermöglicht
haben. Sitz des "Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse" wird
Schloß Laxenburg bei Wien sein, das die österreichische Bundesregierung gegenwärtig für den neuen Bestimmungszweck renovieren läßt. Der Gründungsvertrag für das Institut wurde Anfang Oktober 1972 in London unterzeichnet.
Die Anregung zu dem neuen internationalen Projekt, das vor allem die
komplexen Folgeprobleme der Industrialisierung in Angriff nehmen wird, gab
schon im Jahre 1966 McGeorge Bundy in seiner damaligen Eigenschaft als Berater von Präsident Lyndon B. Johnson. Bundy wurde kurz darauf mit dem Amt
des Präsidenten der Ford-Stiftung betraut, das er noch heute innehat.

Bundys

-1-

�Bundys damalige Verhandlungen mit Vertretern der UdSSR führten zu einem
ständig weiter intensivierten Gedankenaustausch zwischen der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den Vereinigten Staaten unter der Leitung von
Philip Handler und Repräsentanten der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion. Später wurden auch führende Wissenschaftler anderer Länder in Ost und
West hinzugezogen. Wie Dr. Handler, der Präsident der US-Akademie der Wissenschaften, kürzlich erklärte, wird das jetzt ins Leben gerufene Gemeinschaftsunternehmen "einzigartige Möglichkeiten und Hilfsmittel für Wissenschaftler
vieler Nationen schaffen. Sie können relativ frei von Rücksichten auf nationale Belange direkt miteinander zusammenarbeiten, um einige der schwierigsten
Weltprobleme zu untersuchen, sie zu verstehen und nach Lösungen zu suchen."
Die wichtigsten "Instrumente" zur Bewältigung dieser Aufgabe werden Methoden
der Systemanalyse, des modernen Management und der Computertechnik sein. Nach
Meinung Handlers ist gerade dieses Institut geeignet, Brücken zwischen den
Geisteswelten der Länder von Ost und West zu bauen.
Sein künftiger Direktor, der Wirtschaftsstatistiker und Mathematiker
Prof

Howard Raiffa von der Harvard-Universität in Cambridge (Mass.),wird nach

Wien übersiedeln und dort einen Mitarbeiterstab von zunächst 80, später etwa
100 Wissenschaftlern aus den Mitgliedsländern haben.
Die in Angriff zu nehmenden Projekte konzentrieren sich auf die verschiedensten Aspekte von Umweltverschmutzung, des Wasserhaushaltes der Erde angesichts des rapide zunehmenden Wasserverbrauchs sowie der Verunreinigung und Aufheizung natürlicher Wasserläufe, ferner auf Systeme der optimalen Gesundheitsfürsorge für große Bevölkerungsgruppen, auf Dienstleistungsaufgaben der Großstädte und auf Bauvorhaben größten Stils. Wie Prof. Raiffa erklärte, dürften zunächst Energiefragen im Vordergrund stehen - Versorgung, Bedarf, Erschließung
zusätzlicher Energiequellen, neuartige Technologien der Energieproduktion und

~2-

�und schließlich auch der Gefahren von Produktion und Verbrauch von Energie.
Um jedoch brauchbare Lösungen zu finden, sind nicht nur physikalisch-technische und wirtschaftliche, sondern ebenso gesellschaftliche und menschliche
Faktoren zu berücksichtigen und in das "System" zu integrieren.
Das internationale Institut, in dem die Wissenschaftler aller beteiligten
Länder gleichberechtigt sind, wird sich nur mit friedlichen Forschungsaufgaben
befassen. Von dem erforderlichen Jahresetat von ca. 3,5 Millionen Dollar übernehmen in den ersten Jahren die USA und die Sowjetunion je eine Million Dollar,
in den Rest teilen sich die Vertragsorganisationen der übrigen Länder - in
der Bundesrepublik die Max-Planck-Gesellschaft, in der DDR die Deutsche Akademie der Wissenschaften, ferner Wissenschaftsorganisationen in Frankreich,
England, Italien, Kanada, Japan, Polen, Bulgaren und der Tschechoslowakei.

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44/1972

LOKALISIERUNG VON FLUGZEUGWRACKS IM MEER

--(AD)-- Die Klärung der Unfallursache nach dem Absturz eines Flugzeuges
ist für die zuständigen zivilen oder militärischen Behörden eine der
kritischsten Aufgaben. In den meisten Katastrophenfällen ist sie, auch wenn
auf die Aussagen von Überlebenden zurückgegriffen werden kann, nur dann
zu erfüllen, wenn der Flugschreiber geborgen wird. Dies aber ist beim Absturz über dem Meer oder einem großen Binnensee oft schon deshalb fraglich, weil die Absturzstelle nicht genau zu lokalisieren ist. Ohne besondere Suchhilfen besteht dann kaum Aussicht, das Wrack unter Wasser zu
entdecken.
Ein Ultraschall- Gerät der amerikanischen Firma Dukane Corporation
(St. Charles, Illinois) hat sich in solchen Fällen außerordentlich bewährt.
Wie Gloria W. Heath, Direktorin von SAR-Assist, Inc. (Greenwich,Connecticut)
- ein Unternehmen, das sich mit der Entwicklung von Rettungsverfahren für
Luft-und Raumfahrzeuge befaßt - kürzlich in Wien erklärte, seien z.B. sämtliche Flugzeuge der NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) sowie zahlreiche
Flugzeuge der US-Marine und vor allem Versuchsmaschinen damit ausgerüstet.

Dank

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�Dank eines solchen Ultraschallsenders an Bord eines Jagdflugzeuges vom
Typ F 14-A war es möglich,die in der Chesapeake-Bucht (Bundesstaat Maryland) abgestürzte Maschine innerhalb von fünf Stunden zu finden. Sie lag in 10 m Wassertiefe. Jedoch war das Wasser, gepeitscht von einem Hurrikan, so trübe, daß die
Sicht gleich Null war. Ein vom nahegelegenen Marine-Testzentrum ausgeschicktes
Suchboot nahm das Peilsignal auf; ein mit einem Empfangsgerät ausgerüsteter
Froschmann vermochte dann innerhalb von Minuten das Wrack zu finden.
Das batteriebetriebene PcLI gerät wird mit dem Augenblick der Wasserberührung aktiviert. Es ist mit einem entsprechenden Empfangsgerät selbst noch bei
6 000 m Wassertiefe auszumachen; je nach den Wasserverhältnissen und der Betriebsdauer ist das Signal in einem umkreis von knapp 2000 bis 4000 m aufzuspüren. Die aktive Lebensdauer wird von Dukane mit 3o Tagen angegeben. Die Betriebsfrequenz liegt bei 37,5 kHz. Das Gewicht des Signalgerätes beträgt ca. 34o g.
Es wurde auch bei Testflugkörpern verwendet,die mit sehr hoher Geschwindigkeit
auf das Wasser aufschlugen. Das Gerät blieb unversehrt und signalisierte den
Lageort, so daß die Bergung in mehr als 95 Prozent der Fälle möglich war.

f+4-i

-2-

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44/1972

KOSMISCHE GAMMA-STRAHLUNG

--(AD)-- Die "Kartierung" von Quellen kosmischer Gammastrahlung innerhalb
und außerhalb unserer Milchstraße ist die Aufgabe eines neuen wissenschaftlichen Satelliten, den die NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) mit einer
SCOUT-Rakete von der italienischen San-Marco-Plattform aus Anfang November
1972 zu starten beabsichtigt

Der Abschußplatz befindet sich auf einer stäh-

lernen Insel, ca. 5 km vor der Küste des Staates Kenia im Indischen Ozean.
Er erlaubt die Einsteuerung des Satelliten in qine fast auf Äquatorebene
liegende Umlaufbahn. Bei der vorgesehenen Umlawfhöhe von 555 km ist dies
deshalb von großer Bedeutung, weil dadurch der Durchgang durch ein die
Messungen störendes Feld hoher Elektronendichte

über dem Südatlantik, das

auf eine Anomalie im erdmagnetischen Feld zurückzuführen ist, vermieden
wird.
Der 186 kg schwere Satellit SAS-B (nach erfolgreichem Start wird er die
Bezeichnung EXPLORER 48 führen) ist mit einem Funkenkammer-Detektor ausgerüstet, der über ein Filter von 32 Einzelschüiten auf Gammastrahlung in den

-l-

�'

den Energiebereichen zwischen 25 und 200 Millionen Elektronenvolt anspricht und
außerdem noch die Bestimmung der Richtung, aus der die Strahlen kommen, auf ein
Grad genau erlaubt. Die Lokalisierung der Strahlungsquellen ist somit mit großer
Präzision möglich.
Die Gammastrahlen-Astronomie hat vor allem auf Grund der Ergebnisse, die
mit EXPLORER 42 (auch UHURU genannt) erzielt wurden, große Bedeutung erlangt.
Allein durch diesen Satelliten wurden 125 Quellen von Röntgenstrahlung entdeckt, bei denen es sich z.T. um Binär-Sternsysteme, um die noch rätselhaften
Quasare, um

sogenannte Seyfert-Galaxien und um einen neuartigen Typ von Pulsaren

handelt. Dr. Carl Fichtel vom Goddard-Raumflugzentrum in Greenbelt (Maryland)
nennt dieses neue Gebiet der astronomischen Forschung "einen riesigen Schritt
vorwärts, weil nicht nur wichtige, sondern auch unerwartete Phänomene zu erfassen sind, die direkten Bezug zu den

Hochenergie-Prozessen haben, welche bei

der Evolution der Sterne und Galaxien eine Rolle spielen."
Die kosmische Gammastrahlung - übrigens sendet auch die Sonne Gammastrahlung aus, wie der amerikanische Forschungssatellit OSO 7 im Zusammenhang mit
den heftigen Eruptionen am 4. und 7. August 1972 feststellte - dringt nicht
bis zur Erdoberfläche vor. Aber in ca. 36 000 m Höhe, also im Operationsbereich
von Forschungsballonen, ist sie bereits zu registrieren. Jedoch werden dort die
Beobachtungen durch die Reaktionen kosmischer Partikelstrahlung mit den Luftmolekülen gestört. Deshalb sind Satellitenbeobachtungen außerhalb der Erdatmosphäre
auf jeden Fall vorzuziehen. Von SAS-B erhoffen sich die Wissenschaftler besonders
aufschlußreiche Ergebnisse, weil das dabei verwendete Gamma-Teleskop zehnmal
empfindlicher ist als alle ähnlichen,bisher in Raumfluggeräten verwendeten Instrumente.
Vor

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�Vor allem die wichtigen Prozesse des Transports und der Umwandlung von Energie im Kosmos dürften durch diese Art von Beobachtungen besser verstanden werden.
So erwartet man beispielsweise neue Erkenntnisse über Supernovae - explodierende
Sterne, die in ihrer Masse etwa der Masse unserer Sonne vergleichbar sind. Auch
zur Dynamik des Kräftespiels innerhalb unseres Milchstraßensystems, wo dem Expansionsdruck von kosmischer Strahlung, Magnetfeldern und Teilchenbewegung die
Gravitationskraft der Materie in der galaktischen Ebene entgegenwirkt, dürften
neue Einsichten zu erwarten sein.
Das 11-Millionen-Dollar-Projekt (9 Millionen Dollar davon entfallen auf den
Satelliten) wird von Marjorie R. Townsend (Goddard-Raumflugzentrum) geleitet.
Mrs. Townsend studierte Ingenieurwissenschaften an der George Washington-Universität (in der Bundeshauptstadt Washington) und wurde vor einem Jahr in Anerkennung ihrer hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten bei der Durchführung
komplizierter Projekte mit der Verdienstmedaille der NASA ausgezeichnet.

-3-

�</text>
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