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Dokumentation

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18. Oktober 1972

Inhalt

INFORMATION:

USA warnen vor Kontrolle von Satellitensendungen
-Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen VorschlagAmerikanisch-sowjetisches Umweltabkommen bringt die Völker einander
näher
Von Hubert G. Collins

HINTERGRUNDMATERIAL:
Fortschritte im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel
Von Ron Moxness
Die amerikanischen Einwanderungsgesetze
-Faire Behandlung aller ethnischen GruppenVon Ed Scherr
Mehr Schwarze an amerikanischen Colleges
-Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für ErziehungVon Howard W. Young
Das Absinken der Geburtenrate in den USA und seine Folgen
Von Mary Sherwood

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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42/1972

USA WARNEN VOR KONTROLLE VON SATELLITENSENDUNGEN

-Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen Vorschlag-

VEREINTE NATIONEN, New York --(AD)-- Die Vereinigten Staaten haben ernsthafte
Bedenken gegen einen sowjetischen Vorschlag geäußert, der eine Kontrolle von
Satellitensendungen vorsieht. Moskau wünscht eine internationale Konvention,
die es jedem Land verbieten würde, Fernsehsendungen über Satelliten für den
Direkt empfang durch Bewohner anderer Länder zuzulassen, wenn die Regierung
des Empfängerlandes die Genehmigung hierzu nicht erteilt hat.
Vor dem Politischen Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen
unterstrich der amerikanische Chefdelegierte George Bush dieser Tage, daß der
sowjetische Vorschlag ein fundamentales Prinzip verletzen würde, dem die USA
sowie andere demokratische Länder größte Bedeutung beimessen: den Glauben
an den freien Austausch von Informationen und Gedanken. Dieses Prinzip bilde
eine entscheidende Grundlage für den Fortbestand demokratischer Institutionen.
Der direkte Heimempfang von Satelliten-Fernsehsendungen ist zwar im Augenblick noch nicht möglich und dürfte es auch in den nächsten Jahren noch nicht

-l-

�nicht sein, doch nahm die Sowjetunion die diesjährige Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Anlaß, ihren Vorschlag zu unterbreiten und derartige Kontrollen zu fordern.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten gibt es gegenwärtig keine "adäquate
Grundlage" für die Ausarbeitung endgültiger internationaler Abmachungen in bezug
auf Satelliten-Fernsehsendungen. Bush sagte, bevor die Weltorganisation Grundregeln für den Fluß von Informationen festlege, sollte sie einige Fragen untersuchen, die diesem ganzen Komplex zugrundelägen.
"Dazu gehört die Frage", so sagte der amerikanische Chefdelegierte wörtlich,
"ob eine Beschränkung der Freiheit des Ausdrucks mit den fundamentalen Prinzipien
der Menschenrechtserklärung in Übereinstimmung gebracht werden kann. Wir müssen
uns auch fragen, was für internationale Abmachungen erreicht werden können, die
nicht den freien Fluß von Gedanken und Informationen gefährden und die gleichzeitig doch eine angemessene Respektierung nationaler, kultureller, ethnischer
und religiöser Gefühle gewährleistet. Und wir müssen angesichts der Fakten der
sich weiterentwickelnden Technologie prüfen, wie bei den ständig wachsenden Übermittlungsmöglichkeiten unter Nutzung der modernsten verfügbaren Mittel den Interessen aller Länder, der Industrienationen wie der Entwicklungsländer, am besten
gedient wird. Dies sind nur einige der komplexen und wichtigen Fragen, die einer
überaus sorgfältigen Überlegung bedürfen."
Die Vereinigten Staaten,so sagte Bush weiter, würden ein neues technologisches Mittel begrüßen, durch das die amerikanische Bevölkerung andere Kulturen
und Gesellschaftsformen besser kennenlernen könnte. Die Beschreibungen der Erde
aus der Sicht der Astronauten beispielsweise zeige für alle Nationen die Notwendigkeit auf, so viele Informationen wie nur möglich zu erhalten.

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42/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES UMWELTABKOMMEN BRINGT DIE VOLKER
EINANDER NÄHER
Von Hubert G.Collins
WASHINGTON --(AD)-- Der Hauptwert des amerikanisch-sowjetischen Uraweltabkommens
liegt in seiner völkerverbindenden Wirkung, und es spielt keine entscheidende
Rolle, welches Land dabei einen größeren materiellen Vorteil erzielt. Mit dieser
Erkenntnis kehrte der Vorsitzende des amerikanischen Beirates für Umwelthygiene,
Dr. Russell E. Train, kürzlich von einer längeren Informationsreise durch die
Sowjetunion zurück.
Dr. Train, der sich in Umweltfragen einen internationalen Namen gemacht
hat, hat auf seiner fast 17000 km langen Reise durch die UdSSR mit über 100
sowjetischen Experten Umweltfragen - angefangen vom Winterbau bei Dauerfrost
bis zur Luft-und Wasserverschmutzung in städtischen Ballungsgebieten - gesprochen.
Am 21. September haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein
Durchführungsabkommen zu dem Allgemeinen Umweltabkommen geschlossen, das Präsident Nixon und der Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets, N.V.Podgorny,
am 23. Mai unterzeichnet hatten. Im Rahmen des Durchführungsabkommens sind über
30 spezielle amerikanisch-sowjetische Gemeinschaftsprojekte des Umweltschutzes
vorgesehen.
Auf

-1-

�Auf einer Pressekonferenz am 13. Oktober nach seiner Rückkehr aus der
UdSSR (am 5. Oktober) zeigte sich Dr, Train beeindruckt von der Gastfreundschaft
und der positiven Einstellung, die er in der Sowjetunion vorgefunden habe.
Die USA, so sagte er, seien der UdSSR in der Umwelttechnologie sicherlich
voraus, und die sowjetische Seite werde fraglos die größeren Vorteile haben.
Er habe jedoch in der UdSSR immer wieder darauf hingewiesen, daß die von der
amerikanischen Privatindustrie produzierte Technologie jedermann zur Verfügung
stehe. Das Entscheidende sei jedoch die Stärkung der Beziehungen zwischen beiden
Völkern, da das Abkommen nicht nur Wissenschaftler und Verwaltungsleute einander nahe bringe, sondern auch Institutionen in beiden Ländern.
Podgorny, so berichtete Dr. Train, habe ferner darauf hingewiesen, daß
die Frage des Umweltschutzes nicht nur für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern auch und gerade für die internationale Zusammenarbeit von
Bedeutung sei.
Die Gemeinschaftsprojekte auf dem Gebiet des Umweltschutzes würden sicherlich positive Auswirkungen auf das allgemeine politische Klima haben.
Nach Schätzungen von Dr. Train werden im Zuge der amerikanisch-sowjetischen
Projekte in neun Arbeitsgruppen auf vier Tagungen mindestens tausend Personen
routinemäßig zusammentreffen und zusammenarbeiten.
Dr. Train vertrat aufgrund seiner Reise die Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten beispielsweise auf dem Gebiet der Kontrolle der Luft-und Wasserverschmutzung voraus seien. Dies

habe er vor allem am Baikalsee feststellen

können, wo ein großes Zellulosewerk ernste Probleme für Luft und Wasser mit
sich bringe. Auch was die Festsetzung von Normen fpr die Reinheit von Luft
und Wasser angehe, sei die Sowjetunion noch zurück.

Ferner

�Ferner berichtete Dr. Train, daß ein Besuch bei dem sowjetischen Permafrost-Institut in Jakutsk - dem einzigen Institut dieser Art in der Welt - ebenfalls keine wesentlichen neuen Erkenntnisse gebracht habe. Die USA selbst hätten
angesichts der geplanten Pipeline durch Alaska umfassende Forschungen auf dem
Gebiet des Bauens unter Dauerfrost betrieben. Amerikanische Ölfirmen hätten jedoch bereits viel von den sowjetischen Erfahrungen beim Bau von Pipelines unter
Dauerfrostbedingungen profitiert.
Die Sowjetunion, so betonte der Vorsitzende des amerikanischen Beirates für
Umwelthygiene abschließend, wolle das Problem des Umweltschutzes im großen nationalen Rahmen angehen. Nach seiner Überzeugung werde das neue Abkommen den
Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und der ganzen Welt zum Vorteil gereichen.

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FORTSCHRITTE IM KAMPF GEGEN DEN INTERNATIONALEN RAUSCHGIFTHANDEL

Von Ron Moxness

WASHINGTON --(AD)-- Fast täglich liest man Meldungen über erfolgreiche Schläge
der Polizei gegen Rauschgifthändler, die Präsident Nixon erst kürzlich
Schleichhändler des Todes, genannt h,ato Wie gefährlich dieser Kampf ist,läßt
sich daraus erkennen, daß erst dieser Tage ein Beamter des amerikanischen Bundeskriminalamtes FBI seinen Einsatz in New York mit dem Leben bezahlen mußte
und ein weiterer Beamter schwer verletzt wurde. Auch in der Türkei wurden kürzlich durch eine überraschende Aktion der Polizei große Mengen an Heroin sichergestellt .
Ein Beispiel der verstärkten internationalen Zusammenarbeit zur Bekämpfung
vor allem der sogenannten harten Drogen nannte kürzlich der Direktor des amerikanischen Büros für die Bekämpfung von Rauschgift und gefährlichen Drogen (BNDD),
John E. Ingersoll. Auf einer Tagung der Internationalen Vereinigung der in der
Rauschgiftbekämpfung tätigen Rechtsvollzugsbeamten in New Orleans, Louisiana,
am 12. Oktober gab Ingersoll bekannt, daß sich die Zusammenarbeit auf diesem
Gebiet mit lateinamerikanischen Ländern verzehnfacht hat. Vor allem in Brasilien,

"1-

�Brasilien, Argentinien, Peru und Chile habe

die Rauschgiftbekämpfung große

Fortschritte gemacht.
Nach dem Bericht Ingersolls wurden vor kurzem allein in Buenos Aires
45 Kilogramm Heroin beschlagnahmt und 30 Mitglieder eines internationalen Rauschgiftringes verhaftet. Einige Tage zuvor konnte die venezolanische Polizei in Zusammenarbeit mit BNDQ-Agenten 16 Kilogramm Heroin sicherstellen und eine Organisation von Rauschgifthändlern in Caracas und Miami zerschlagen.
Die wachsenden Erfolge der internationalen Zusammenarbeit, so betonte
Ingersoll in seiner Ansprache, seien der Beweis dafür, daß es in dem Kampf gegen
den illegalen Rauschgifthandel keine "Kapitualation" gebe. "Wir führen", so
sagte er, "einen weltweiten Krieg gegen Rauschgift und gefährliche Drogen in
Zusammenarbeit mit fast allen Ländern der Erde, und wir werden diesen Krieg
weiterführen."
Ingersoll gab zahlreiche weitere Beispiele dieses erfolgreichen Einsatzes.
So haben Ende September philippinische Beamte in Zusammenarbeit mit BNDD-Agenten
in Manila über 21 Kilogramm Heroin sichergestellt, die im Endverkauf einen Wert
von fast neun Millionen Dollar hatten. In drei getrennten Aktionen wurde ein
Heroin-Ring zerschlagen, der monatlich rund acht Kilogramm reines Heroin herstellte.
Die Hauptsorge, so betonte Ingersoll, bereite Südostasien. Man habe zwar
eine gute Zusammenarbeit mit den Regierungen von Thailand und Laos erreicht,
jedoch sei eine wirksame Kontrolle des Mohnanbaus im sogenannten "goldenen
Dreieck" - wo die Grenzen von Laos, Thailand und Burma zusammenkommen - bisher
noch nicht möglich. Von den schätzungsweise 700 Tonnen Opium, die im goldenen
Dreieck illegal produziert werden, gelangen nach Ansicht von Ingersoll etwa
200 Tonnen auf die Märkte in Malaysia, den Philippen und Hongkong, während
etwa 100 Tqnnen dem internationalen Markt zufließen. Immerhin hat die thailändi-

-2-

�thailändische Regierung in diesem Jahr

bereits 26 Tonnen Opium vernichtet,

das beschlagnahmt worden war.
Ingersoll konnte auch über Fortschritte in der Organisation der Rauschgiftbekämpfung berichten. Seine Behörde, das BNDD, verfügte im Jahre 1968 über ein
Gesamtpersonal von weniger als 900 Mann, darunter weniger als 600 Agenten, mit
einem Budget von rund 14 Millionen Dollar. Heute, so hob Ingersoll hervor, verfuge er über fast 3 000 Bedienstete, darunter fast 1 600 Agenten, und einen
Haushalt von 74 Millionen Dollar. Großer Nachdruck werde auf die wissenschaftliche und technologische Ausbildung und Ausrüstung der Beamten gelegt.
Wie Ingersoll ausführte, haben nationale Anstrengungen und internationale
Zusammenarbeit zu guten Ergebnissen geführt. In den ersten beiden Monaten des
laufenden Haushaltsjahres seien allein auf dem amerikanischen illegalen Markt
23,8 Kilogramm Heroin und 21,6 Kilogramm Kokain sichergestellt worden. Im
gleichen Zeitraum konnten ausländische Behörden in Zusammenarbeit mit BNDDAgenten 706 Kilogramm Heroin und ähnliche Derivate beschlagnahmen. Im Haushaltsjahr 1971/72 nahmen BNDD^Agenten 4 579 Festnahmen vor und unterstützten
andere Polizeistellen in In-und Ausland bei weiteren 3 092 Festnahmen. Die
amerikanische Zollbehörde nahm im gleichen Zeitraum 7 86o Personen wegen
Rauschgiftbesitz fest und beschlagnahmte 286 Kilogramm Heroin und verwandte Derivate sowie 170 Kilogramm Kokain.
IngersQll wies darauf hin, daß die Tätigkeit von BNDD-Agenten im Ausland
vervielfacht worden sei, und das zahle sich aus. Auch das Abkommen mit der Türkei,
die sich verpflichtete, keinen Mohn mehr anzubauen, werde sicherlich positive
Auswirkungen haben. Früher seien zwischen 50 und 150 Tonnen Rohopium allein aus
der Türkei in den illegalen Rauschgifthandel geflossen. Ein Großteil dieses im
wesentlichen für die Vereinigten Staaten bestimmten Opiums sei in Frankreich

�Frankreich verarbeitet worden. Die französischen Behörden machten jedoch nachdrückliche Anstrengungen, um dagegen einzuschreiten. In diesem Jahr seien allein
auf einem Fischdampfer eine halbe Tonne Heroin sichergestellt und auf französischem Boden fünf Laboratorien ausgehoben worden.
Dies alles, so betonte der BNDD-Direktor, sei ein klarer Beweis für die
immer erfolgreichere internationale Zusammenarbeit.

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42/1972

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DIE AMERIKANISCHEN EINWANDERUNGSGESETZE
-Faire Behandlung aller ethnischen GruppenVon Ed Scherr

WASHINGTON --(AD)-- Über die Möglichkeiten der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika herrschen auch heute noch viele Unklarheiten, und bei
manchem mögen noch die Bilder von Ellis Island - der längst geschlossenen
Einwanderungsstation im New Yorker Hafen - lebendig sein. Die im Jahre 1965
unterzeichneten Einwanderungsgesetze haben jedoch die Verhältnisse grundlegend
gewandelt. Heute ist eine gerechte Verteilung der Einwanderungsbewilligungen
auf fast alle Länder der Erde sichergestellt.
Nach den früheren Bestimmungen gab es nationale Quoten, durch die Einwanderer aus Nord-und Westeuropa begünstigt wurden. Heute werden die Quoten nach
Hemisphären verteilt, wodurch die geographische Streuung breiter und gerechter
geworden ist. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes von 1965 hat die Zahl der
Einwanderer aus Asien sowie aus Süd-und Osteuropa um ein Vielfaches zugenommen,
während die Zahl der Einwanderer aus Nord-und Westeuropa stark zurückging.
Bis zur Wende des 19. Jahrhunderts kamen die Menschen aus fast allen Ländern der Erde - vor allem aber aus Nord-und Westeuropa - in praktisch unbe-

-1-

�unbegrenzter Zahl nach den USA. Mit der raschen Industrialisierung Anfang des
20. Jahrhunderts stieg auch die Zahl der Einwanderer aus Süd-und Osteuropa. In
den zwanziger Jahren setzten die Vereinigten Staaten dann mit einer Reihe von
Gesetzen der Einwanderung Grenzen. Auf der Basis einer Volkszählung, durch die
Anteile der ethnischen Gruppen festgestellt wurden, wurden jetzt länderweise
Quoten aufgestellt, wobei die sogenannten "alten Herkunftsländer" in Nord-und
Westeuropa begünstigt wurden.
Ein neues Gesetz im Jahre 1952 bevorzugte weiterhin die Länder Nord-und
Westeuropas, die etwa 80 Prozent der Quotenzahlen erhielten. Bei all diesen Gesetzen war die Einwanderung aus der westlichen Hemisphäre keinerlei Beschränkungen unterworfen.
Im Rahmen des Gesetzes von 1952 erhielten drei europäische Länder - Großbritannien, Irland und Deutschland - allein 70 Prozent des Quotenanteils für
Einwanderer aus Europa, Asien und Afrika. Während Großbritannien

jährlich

40 000 bis 50 000 Visen ungenutzt ließ, betrug die Quote für Italien 5 600,
während über 200 000 Einwanderungsanträge vorlagen.
Nach dem neuen Gesetz vom 3. Oktober 1965 wurden die Länderquoten abgeschafft und mit 170 000 lediglich eine Jahreshöchstgrenze für die Einwanderung
aus der östlichen Hemisphäre (Europa, Asien, Afrika^ festgelegt, wobei kein Land
jährlich mehr als 20 000 Visen bekommen kann. Auch die Einwanderung aus der westlichen Hemisphäre wurde begrenzt. Seit 1. Juli 1968 ist die Höchstzahl der jährlichen Visen für die amerikanischen Länder auf insgesamt 120 000 festgelegt, wobei jedoch keine Begrenzung für die einzelnen Länder vorgenommen wird.
Mit der Abschaffung der Länderquoten hat sich die ethnische Zusammensetzung
der Einwanderer radikal verändert. So nahmen die USA im Haushaltsjahr 1970/71
(das am 30. Juni 1971 zu Ende ging) 103 461 Asiaten auf, verglichen mit

-2-

�mit 20 683 im Haushaltsjahr 1964/65. Die Zahl der Einwanderer aus Süd-und Osteuropa betrug in den gleichen Zeiträumen 70 444 gegenüber 40 106.
Während 1964/65 Kanada mit 40 013, Großbritannien mit 29 747 und Italien
mit 10 344 Einwanderern an der Spitze der Herkunftsländer lagen, waren es
1970/1 die Philippinen mit 28 471, Italien mit 22 137 und Kuba mit 21 611.
Auch die berufliche Qualifikation der Einwanderer hat sich geändert.
Während Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem ungelernte Arbeitskräfte in die
USA kamen, haben heute mindestens 40 Prozent eine Berufsausbildung; bei den Einwanderern aus Asien sind sogar rund 60 Prozent technisch oder beruflich qualifiziert. Auch nach dem Geschlecht ist eine Verschiebung eingetreten. Kamen früher
hauptsächlich ledige junge Männer, sind heute etwa die Hälfte der Einwanderer
Frauen - nicht solche, die ihren Männern folgen.
Auch in dem Gesetz von 1965 wird die Tradition fortgesetzt, Angehörigen
von amerikanischen Staatsbürgern den Vorrang bei der Einwanderung zu geben. Ehefrauen und Kinder (ledig und unter 21 Jahren) von bereits in den USA lebenden
Bürgern konnten schon früher ohne zahlenmäßige Beschränkung in die Vereinigten
Staaten einwandern. Im Gesetz von 1965 wurden sogar noch die Eltern von erwachsenen amerikanischen Bürgern in den bevorzugten Personenkreis aufgenommen.
Die Familienzusammenführung hat bei der jährlichen Quote von 170 000 für
die östliche Hemisphäre Vorrang und zwar nach folgendem Prozentsatz:
74 Prozent für (1.) unverheiratete Söhne und Töchter von amerikanischen
Staatsbürgern, (2.) Ehefrauen und unverheiratete Kinder von Ausländern, die ständiges Wohnrecht haben, (4.) verheiratete Söhne und Töchter von amerikanischen
Staatsbürgern, (5.) Brüder und Schwestern amerikanischer Staatsbürger;

10

-3-

�10 Prozent für (3.) Akademiker und Personen mit außerordentlichen Fähigkeiten auf den Gebieten von Wissenschaft und Kunst (wozu auch Buchhaltung, Architektur, Maschinenbau, Krankenpflege, Pharmazie usw. gezählt werden;
10 Prozent für (6.) gelernte und ungelernte Arbeitskräfte, für die nach
Bescheinigung des Arbeitsministers ein Mangel besteht (dazu gehören Piloten,
Juweliere, Tischler, Modeschöpfer, Schreibmaschinenmechaniker usw.)»
6 Prozent für (7.) Flüchtlinge.
Alle Visen, die nicht unter diesen bevorzugten Kategorien ausgenutzt werden, stehen sonstigen Bewerbern zur Verfügung, die die Einwanderungsbestimmungen
erfüllen.
Interessant wäre noch anzumerken, daß die Zahl der Einwanderer aus
Deutschland von 1964/65 mit 24 045 bis 1970/71 mit 7 519 um 68,7 Prozent abgei

nommen hat.

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MEHR SCHWARZE AN AMERIKANISCHEN COLLEGES
-Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für ErziehungVon Howard W. Young

WASHINGTON --(AD)-- Erziehung und Ausbildung der schwarzen Bevölkerung in den
USA zeigen stetige Fortschritte. Dies geht aus neuesten Angaben des Statistischen Bundesamtes der USA sowie aus einer jetzt veröffentlichten Untersuchung
des Amerikanischen Rates für Erziehung (ACE) hervor.
Während die Zahl der jungen Amerikaner, die von einer weiterführenden
Schule auf ein College überwechseln, in den letzten Jahren ganz allgemein
ständig gestiegen ist, war die Zuwachsrate von Schwarzen fast fünfmal so groß
wie bei weißen Schülern. Im Studienjahr 1971/72 schrieben sich insgesamt 8,1
Millionen Studierende an 2 543 amerikanischen Colleges und Universitäten ein,
was einer Zunahme um 33 Prozent während der letzten fünf Jahre entspricht. Der
Zuwachs der schwarzen Studenten - auf 680 000 - betrug jedoch während des gleichen Zeitraumes 141 Prozent. Wenn auch der Prozentsatz der schwarzen Studenten
noch hinter der Zahl der jungen Amerikaner in ihrer Gesamtheit zurückbleibt,
so ist doch immerhin ein weiterer Teil der Lücke geschlossen worden.
Die

-1-

�Die meisten schwarzen Studenten sind an nicht nur für Neger vorgesehenen
Institutionen eingeschrieben. Sie machen 6,3 Prozent der amerikanischen CollegeStudenten aus. Diese Ziffer ist zwar niedrig in bezug auf die Gesamtzahl der
Schwarzen in der amerikanischen Bevölkerung (12 Prozent), doch spiegelt auch diese Zahl einen nicht unbeträchtlichen Fortschritt wider.
Mit den besseren und größeren Ausbildungsmöglichkeiten für Schwarze hat sich
auch ihre sozial-wirtschaftliche Position verbessert. Dies wird aus einer Untersuchung des Amerikanischen Rates für Erziehung deutlich, der 1918 ins Leben gerufen wurde, um das Erziehungswesen in den Vereinigten Staaten zu fördern. In
dem Bericht, der den Titel trägt: "Die schwarzen Erstsemester - Charakteristika
und neueste Tendenzen" wird darauf hingewiesen, daß sich der sozial-wirtschaftliche Status der Studienanfänger verglichen mit der Ausbildung, dem Beruf und
dem Einkommen ihrer Eltern zwar leicht verbessert hat, daß jedoch weiterhin
gewisse Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Studenten bestehen.

So ist

der schwarze Student durchweg älter als sein weißer Kommilitone, ärmer, und sein
Vater hat eine weniger gute Ausbildung. Fast 50 Prozent der Väter der schwarzen
Studenten hat eine weiterführende Schule nicht beendet, während weniger als 25
Prozent der Väter der weißen Studienanfänger die Schule vor dem Abschluß verlassen haben. Ferner kommen etwa dreimal so viele Schwarze wie Weiße aus Familien
mit relativ geringen Einkommen, wenn sich auch der wirtschaftliche Status der
schwarzen Familien ständig verbessert. Die schwarzen Studenten sind auch in größerem Maße auf Stipendien und Zuschüsse angewiesen als ihre weißen Kommilitonen.
Mehr als 50 Prozent der Schwarzen beziehen ihre Mittel aus solchen Quellen, während 56 Prozent der weißen Studierenden angeben, daß sie in erster Linie von
ihren Eltern unterstützt werden. Die Studenten des Erstsemesters sind meistens
18 Jahre alt, doch ist ein höherer Prozentsatz von Schwarzen als von Weißen älter
als 18 Jahre.
Schwarze

�Schwarze Studenten sind dem Bericht zufolge durchweg weniger militant als
ihre weißen Kommilitonen.

Obwohl

nahezu die m f t e

der schwarzen

Studenten

(46,5 Prozent) sich als "liberal» oder »weit links stehend» bezeichnet gegenüber
37,5 Prozent der weißen Studienanfänger, neigen die Weißen eher dazu, an Demonstrationen für die Geburtenkontrolle, die Legalisierung von Marihuana und die Abschaffung des Benotungssystems an den Colleges teilzunehmen.
Sowohl schwarze als auch weiße Studienanfänger ließen dem Bericht nach ein
abnehmendes Interesse an dem Besuch von Gottesdiensten sowie von Museen und
Kunstgalerien erkennen. Aber beide Gruppen zeigten ein starkes Interesse daran,
anderen zu helfen und als Lebensziel ein besonderes Fachwissen auf Spezialgebieten zu erlangen. Zwei von drei Schwarzen erklärten, sie würden bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen ihre Stimme abgeben, während bei den Weißen drei

von

vxer d.ese Absicht erklärten. Im Hinblick auf die Kontrolle der Umweltverschmutzung
sowie den Verbraucherschutz war das Interesse auf beiden Seiten etwa gleich.
Die Untersuchungsergebnisse des Rates für Erziehung bestätigten im großen
und ganzen die Feststellungen eines zu Anfang dieses Jahres veröffentlichten Berichtes des National Scholarship Service, einer im Jahre 1946 gegründeten gemeinnützigen Organisation, deren Ziel es ist, Negern bei der Erlangung einer CollegeAusbildung zu helfen.

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42/1972

DAS ABSINKEN DER GEBURTENRATE IN DEN USA UND SEINE FOLGEN

Von Mary Sherwood

WASHINGTON --(AD)-- Die rasche Bevölkerungszunahme in den Vereinigten Staaten

scheint nach den jüngsten vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Berichten über die Geburtenziffern ihrem Ende entgegenzugehen.
Noch vor fünf Jahren rechnete man mit einem Anwachsen der amerikanischen
Bevölkerung, die damals rund 200 Millionen zählte, auf rund 300 Millionen bis
zum Jahre 2000.

Nach den heutigen Schätzungen wird man bis zum Jahre 2000 mit

30 bis 40 Millionen weniger Geburten rechnen müssen als ursprünglich angenommen.
Es besteht damit sogar die Möglichkeit, daß die Bevölkerungszunahme bei weiter
anhaltender geringer Geburtenzahl den Nullpunkt erreicht - wenn man von der Zahl
der in das Land strömenden Einwanderer einmal absieht.
Eine vom Bundesamt für Statistik im Juni 1972 bei amerikanischen Frauen der
Altersgruppen zwischen 18 bis 24 Jahren durchgeführte umfrage ergab, daß 70 Prozent der Befragten im Höchstfalle zwei Kinder haben wollen. Noch ein Jahr zuvor
hatten nur 64 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe erklärt, daß sie nicht

-1-

�nicht mehr als zwei Kinder haben wollten, und im Jahre 1964 lag die Zahl sogar
bei nur 44 Prozent. Die Durchschnittszahl der in dieser Altersgruppe erwarteten
Geburten fiel in fünf Jahren um über 2o Prozent und zwar von 2,9 im Jahre 1967
auf 2,3 im Jahre 1972.
Alle Voraussagen über den Bevölkerungszuwachs werden immer nur im besten
Falle einen wissenschaftlichen Wahrscheinlichkeitsgrad beanspruchen können,da
sie weitgehend von Veränderungen in der Grundeinstellung der Menschen zur
Existenz abhängig sind. Dennoch sieht das Bundesamt für Statistik die Resultate
seiner jüngsten Erhebungen als "sehr bedeutsam" an. Bei einer ähnlichen im
Jahre 1960 durchgeführten Umfrage hatte sich bei den Frauen dieser Altersgruppe
ergeben, daß sie im Durchschnitt 3,1 Kinder haben wollten. Die Durchschnittszahl der tatsächlich geborenen Kinder liegt mit 2,9 Geburten um 0,2 unter dem
erwarteten Durchschnitt. Zieht man diese 0,2

von der als Durchschnitt

errechneten Zahl bei den in diesem Jahr befragten amerikanischen Frauen ab,
so käme man auf 2,1 Geburten und damit auf eine Zahl, die den Bevölkerungszuwachs auf den Punkt Null brächte, wenn sie in den nächsten siebzig Jahren beibehalten wird.
Was bedeutet diese Statistik über die Zahl der zu erwartenden Geburten
nun für die Vereinigten Staaten? Als erste Auswirkung zeigt sich heute schon,
daß die Entbindungsstationen in den Krankenhäusern weniger überfüllt sind und
die Zahl der Schulanfänger in den Volksschulen etwas zurückgeht.
In einer Veröffentlichung der Weltbank, die sich ganz allgemein mit den
möglichen Auswirkungen eines geringeren Bevölkerungszuwachses befaßt, heißt
es: "Der sicherste, unmittelbarste und greifbarste Vorteil der Verlangsamung
der Bevölkerungszunahme ist das Anwachsen des pro Kopf-Einkommens. Die Probleme
der Arbeitslosigkeit und der Ungleichheit in der Verteilung der Einkommen
werden durch einen Rückgang in der Geburtenzahl entschärft."
Ben

-2-

�Ben Wattenberg schreibt in einem in der amerikanischen Zeitschrift "World"
am 8. August 1972 veröffentlichten Artikel über die in den Vereinigten Staaten
sich mehr und mehr durchsetzende Form der kleineren Familie, daß "wir damit
rechnen können, daß die jungen Familien gesünder als heute sein werden - das
heißt, daß sie in der Lage sein werden, mehr Geld für ihre Wünsche als für ihre
direkten Bedürfnisse auszugeben."

Eine kleinere Familie, so fährt Wattenberg

fort, brauche auch nur eine kleinere Wohnung,und außerdem könne die Mutter einer
kleineren Familie leichter eine Beschäftigung finden - was wiederum zur Gründung
kleinerer Familien ermutigen werde.
Außerdem, so betont Wattenberg, werde sich das Verhältnis von "Steuerverzehrern" zu "Steuerzahlern" günstig verändern, da beispielsweise eine wachsende
Zahl von Schulkindern eine immer größere Zahl von Schulen und Lehrern brauche
und damit "Steuerverzehrer" sei.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA warnen vor Kontrolle von Satellitensendungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen Vorschlag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Umweltabkommen bringt die Völker einander näher&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Ron Moxness&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Einwanderungsgesetze&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Faire Behandlung aller ethnsichen Gruppen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Ed Scherr&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr Schwarze an amerikanischen Colleges&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für Erziehung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Howard W. Young&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Absinken der Geburtenrate in den USA und seine Folgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Mary Sherwood&lt;/em&gt;</text>
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