<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1414" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1414?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T00:30:15+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1425">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8beac5a69df2e3764c273423e7f054c5.pdf</src>
      <authentication>0415c34c9a16510716e75b4f9c50b509</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="7502">
                  <text>cimerikel
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

89-3240

Nummer

d i e n s t

Information

Service

Postfach

3UU

UnO

Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

37

13. September

Inhalt
HINTERGRUND
Genfer Abrüstungskonferenz beendete konstruktive Sitzungsperiode
Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara
Hanoi stellt sich taub
- Alle Kriegsgefangenen-Appelle verhallen Von unserem Sonderkorrespondenten

WIRTSCHAFT
USA wollen internationale Währungsreform an der Wurzel anpacken
Von Eugene Brake
USA wollen Exportkontrollen weiter abbauen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WISSENSCHAFT -UND TECHNIK
Größter Teilchen-Beschleuniger der Welt betriebsbereit
NAL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten
Giftstoffe in der Natur
Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber
Test signalisiert Gefahr von Gehirnblutung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

1972

�i a m e r i k a dienst
J

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Hintergrundmaterial

Postfach 300
Telex:08-85432

37/1972

GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ BEENDETE KONSTRUKTIVE SITZUNGSPERIODE
Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara

GENF - (AD) - Die Genfer Abrüstungskonferenz hat auf ihrer diesjährigen
Sitzungsperiode zwar keine neuen Verträge unter Dach und Fach gebracht, aber
die konstruktive Arbeit dieser Sitzungsperiode läßt Hoffnung auf weitere,
künftige AbrüstungsVereinbarungen.
Der amerikanische Delegierte, Botschafter Joseph Martin, zeigte sich
befriedigt über die Fortschritte auf dem Wege zum Verbot chemischer Waffen,
räumte jedoch ein, daß das zweite große Ziel - ein Verbot der unterirdischen
Nuklearversuche - auch weiterhin Schwierigkeiten bereite. Allerdings, so
meinte er, sei es keineswegs unmöglich, hier zu einem Abkommen zu gelangen.
Auch der sowjetische Chefdelegierte, Alexeij A. Roschtschin, erklärte,
während der diesjährigen Sitzungsperiode habe "eine gründliche und nützliche
Erörterung entscheidend wichtiger Abrüstungsprobleme" stattgefunden.

Ein Verbot chemischer Waffen setzt die Klärung einer ganzen Reihe
schwieriger Fragen voraus. Vor allem muß festgelegt werden, was verboten
werden soll. Zahlreiche Chemikalien, deren Verwendung in der Industrie
absolut legitim und nützlich sind,könnten auch für militärische Zwecke
benutzt werden. Weiter muß geklärt werden, wie ein Verbot ohne ungerechtfertigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes überwacht
werden kann.
Die
- 1 -

�Die Vereinigten Staaten haben am 21. März ein Arbeitsprogramm vorgelegt,
in dem die vielen technischen und wissenschaftlichen Probleme angesprochen
werden, die es zu lösen gilt, ehe die Konferenz zu einem Abkommen über die
Begrenzung chemischer Waffen gelangen könnte. Am 20. Juni haben die USA dann
fünf detaillierte technische Ausarbeitungen unterbreitet, die als Unterlage
für eine sorgfältige Analyse gedacht waren. Ähnliche Schriftstücke wurden
auch von Großbritannien, Schweden, Italien, Japan, Jugoslawien, den Niederlanden und Kanada vorgelegt. Und schließlich reichte auch Finnland, obwohl
nicht Konferenzteilnehmer, ein Arbeitspapier ein.
Am 5. und 6. Juli prüften Experten aus neun Ländern - darunter die USA
und die UdSSR - die technischen Aspekte. Am 8. August schlug Großbritannien
einen Vertrag über das Verbot chemischer Waffen in zwei Stufen vor. In der
ersten Phase sollten die Arsenale an chemischen Waffen vernichtet und die
Produktion, eingefroren werden. In der.zweiten Phase sollte dann die Produktionskapazität beseitigt werden. Der sowjetische Chefdelegierte übte am 5. September
Kritik an diesem Vorschlag, da dabei die Länder ohne Arsenale und Produktionskapazität im Nachteil wären. Botschafter Martin erklärte am 7. September,
die amerikanische Regierung prüfe den britischen Vorschlag.
Was das zweite Problem, das Verbot unterirdischer Kernwaffenversuche,
angeht, so besteht nach wie vor die amerikanisch-sowjetische Meinungsverschiedenheit bezüglich der Verifizierungsmethoden. Nach sowjetischer Auffassung genügen heute nationale Ortungs- und Identifizierungsmethoden, um
eine Einhaltung eines Verbots zu gewährleisten. Die Vereinigten Staaten hingegen räumen zwar ein, daß große technische Fortschritte bei der Verifizierung
mit nationalen Mitteln gemacht worden seien, daß jedoch in bestimmten Fällen
nur eine Inspektion an Ort und Stelle eindeutig klären könne, ob es sich um
eine Nuklearexplosion oder um ein natürliches Beben gehandelt hat.
Botschafter Martin wies am 24. August darauf hin, daß selbst bei der
heutigen modernen seismographischen Technik in manchen Fällen ein Zweifel an
der Ursache eines Bebens bleibe und nur die Möglichkeit einer Inspektion
an Ort und Stelle die Gewähr für die Einhaltung eines Verbotes geben könne.
Die
- 2 -

�I
Die Konferenz hat sich darüber hinaus auch noch in eigener Sache beschäftigt: mit der Frage nämlich, ob sie sich neu organisieren und erweitern
solle. Diese Frage war auf der ersten Sitzung am 29. Februar von Mexiko angeschnitten worden.
Hier geht es im wesentlichen um die Beteiligung Frankreichs - das seinen
ihm reservierten Sitz nie eingenommen hat - und der Volksrepublik China.
Nach Auffassung Mexikos und anderer ist die Voraussetzung für eine Beteiligung
der einzigen beiden Nuklearmächte, die in Genf nicht mit dabei sind, die Ablösung des bisherigen Systems des Ko-Vorsitzes der USA und der UdSSR.
Andere Delegationen, an der Spitze die kanadische, warnten jedoch vor
einer Änderung des bewährten Systems, ehe nicht definitive Zusagen vorliegen,
daß Frankreich und China auch wirklich an den Konferenztisch kommen wollen.
Die Konferenz hat natürlich auch ihren Jahresbericht ausgearbeitet, mit
dem sich jetzt die Vollversammlung der Vereinten Nationen befassen wird. Dazu
gehören auch ein sowjetischer Vorschlag für eine Weltabrüstungskonferenz und
eine Würdigung der amerikanisch-sowjetischen Gespräche über eine Begrenzung
der Strategischen Rüstungen (SALT), die von vielen Delegierten in Genf als
ein Meilenstein auf dem Wege zur Abrüstung bezeichnet wurden.
Was die Weltabrüstungskonferenz angeht, so wird sie von den Vereinigten
Staaten zum richtigen Zeitpunkt als durchaus nützlich angesehen,- sie könnte
nach amerikanischer Auffassung jedoch zum heutigen Zeitpunkt leicht zu einem
Forum der Propaganda und der Polemik werden - im Gegensatz zu den ernsthaften
Verhandlungen in Genf.
UN-Generalsekretär Waldheim hat zu Beginn der diesjährigen Sitzungsperiode der Genfer Abrüstungskonferenz bescheinigt, daß sie sich "als das
wirksamste und produktivste Organ für multilaterale Rüstungskontrollverhandlungen erwiesen hat, über die die internationale Gemeinschaft verfügt."

+ + + + +

- 3-

�amerika dienst
•

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Hintergrundmaterial

Postfach 300
Telex:08-85432

37/1972

HANOI STELLT SICH TAUB
- Alle Kriegsgefangenen-Appelle verhallen Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Drei Missionare - zwei davon Frauen - waren die
ersten Amerikaner, die von den vietnamesischen Kommunisten während des Krieges
in Südostasien gefangengenommen wurden. Es war am 30. Mai 1962. Seither haben
weder die amerikanische Regierung noch die Familienangehörigen dieser Gefangenen
je ein Wort über ihr Schicksal oder ihren Aufenthaltsort gehört.
Nach der Argumentation des Gegners sind die Missionare als Zivilpersonen
anzusehen, auf die sich das internationale Recht, das Militärpersonen schützt,
nicht erstreckt, so erklärt Frank Sieverts, der Experte des amerikanischen
Außenministeriums für Kriegsgefangenenfragen. Diese drei Amerikaner wurden indessen vor nunmehr bereits mehr als zehn Jahren gefangengenommen und die Liste
derer, die seither dem Gegner in die Hände fielen, ist immer größer geworden.
Ihre Not zeigt den klaren Verstoß Nordvietnams gegen die Bestimmungen der
Genfer Konvention über die Behandlung der Kriegsgefangenen.
Bis zum 26. August verzeichnete das amerikanische Verteidigungsministerium
eine Zahl von 1123 amerikanischen Militär- und Zivilpersonen, die im Indochinakrieg als vermißt gemeldet wurden und 539 in Gefangenschaft geratene Amerik.uu •
insgesamt also 1662 Mann.
Die Freilassung der amerikanischen Kriegsgefangenen ist eines der grundsätzlichen Ziele der amerikanischen Außenpolitik, und man hat in Washington

- 1 -

-

�Washington immer wieder betont, daß die Vereinigten Staaten diese Kriegsgefangenen niemals im Stich lassen würden, um eine politische Lösung des Konflikts erreichen zu können.
Präsident Nixon hat dies vielfach in aller Klarheit ausgesprochen, so
zuletzt am 29. August dieses Jahres. Der Präsident versicherte mit aller Entschiedenheit, daß es solange eine amerikanische Freiwilligen-Streitmacht in
Südvietnam geben werde, "als es noch einen einzigen amerikanischen Kriegsgefangenen in Nordvietnam oder einen Vermißten gibt, über dessen Schicksal nichts
bekannt ist."
Der Präsident unterstrich dabei erneut, daß man Hanoi den "totalen Abzug"
der amerikanischen Streitkräfte aus Südvietnam innerhalb von vier Monaten anbiete - unter der Voraussetzung, daß es zu einer Waffenruhe in Indochina unter
internationaler Überwachung komme und die amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen würden sowie eine Aufklärung über das Schicksal der im Einsatz Vermißten erfolge. Diese Bedingungen waren von Präsident Nixon zum erstenmal in
einer Rede am 8. Mai gestellt worden.
Der amerikanische Präsident verwies außerdem darauf, daß die Vereinigten
Staaten alles Erforderliche tun würden, um zu verhindern, daß "dem südvietnamesischen Volk gegen seinen Willen eine kommunistische Regierung aufgezwungen
wird."
Die gegen die Gebote der Menschlichkeit verstoßende Behandlung der Kriegsgefangenen durch die vietnamesischen Kommunisten hat nicht nur in den Vereinigten
Staaten, sondern in der ganzen freien Welt Proteste hervorgerufen. Die Vereinigten
Staaten haben immer wieder die energischsten Anstrengungen gemacht, um die Freilassung der Kriegsgefangenen zu erreichen. Hanoi aber hat alle auf diesen Zweck
gerichteten Vorschläge konstant abgelehnt.
Wie der amerikanische Außenminister Rogers in seiner Erklärung vom 22.
März hervorhob, sind bisher noch in keinem Krieg, den die Vereinigten Staaten
in ihrer Geschichte geführt haben, amerikanische Soldaten so lange vom Gegner
in Gefangenschaft gehalten worden
Über
- 2-

�Über 130 Staaten, darunter auch Nordvietnam, haben die Genfer Konvention
über die Behandlung von Kriegsgefangenen vom Jahre 1957 unterzeichnet. Nordvietnam argumentiert nun, daß alle amerikanischen Kriegsgefangenen "Kriegsverbrecher" seien und daher keinen Anspruch auf den Status eines Kriegsgefangenen
erheben könnten. Für eine solche Behauptung gibt es im Völkerrecht keine Grundlage - Angehörige der bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die
Uniform tragen, haben ohne jeden Zweifel Anspruch auf den Status eines Kriegsgefangenen, wenn sie dem Gegner in die Hände fallen.
Washington betrachtet das Kriegsgefangenenproblem als eine rein humanitäre
Frage. Die Kriegsgefangenen können und dürfen niemals das Objekt eines Kuhhandels werden. Bei den Verhandlungen in Paris wird die Kriegsgefangenenfrage
zwar immer wieder aufgeworfen, aber es wäre nach amerikanischer Auffassung
eine Travestie, wollte man das Schicksal der Gefangenen für politische oder
militärische Ziele einsetzen.
Hanoi erklärt, es werde keinen amerikanischen Gefangenen freilassen, ehe
nicht eine endgültige militärische und politische Beilegung des Krieges erfolgt ist. Die Machthaber in Hanoi räumen ganz offen ein, daß sie die amerikanischen Gefangenen als Faustpfand betrachten - und das ist eine klare Verletzung der Genfer Konvention. Ebenso ist es eine Verletzung dieser Konvention
und jeder humanitären Norm, daß Nordvietnam keine Aufklärung über Gefangene
oder Vermißte gibt. Zu leiden darunter haben die unschuldigen Angehörigen.
Ebenso hat Hanoi auch jeden humanitären Vorstoß Südvi-etnams für den Austausch von verwundeten und kranken Kriegsgefangenen abgelehnt - ja sogar die
einseitige Freilassung von verwundeten Nordvietnamesen einfach nicht zur Kenntnis genommen. Dabei steht in Briefen an diese Gefangenen zu lesen, wie besorgt
man um das Schicksal dieser "heldenhaften" Soldaten sei - man weint ganz offensichtlich Krokodilstränen.
Diese Dinge wurden am 31. August von dem amerikanischen Chefdelegierten
in Paris, Botschafter William Porter,ganz klar ausgesprochen, und er hat Hanoi
sicherlich nicht zu Unrecht der Heuchelei beschuldigt. Auch Porter erinnerte
daran, daß die Vereinigten Staaten niemals vollständig abziehen würden, ehe

- 3-

�ehe nicht die Kriegsgefangenen frei sind.
Im Laufe der Jahre haben die Vereinigten Staaten und Südvietnam eine ganze
Reihe von Vorschlägen für einen Gefangenaustausch gemacht, aber diese verhallten ebenso ungehört wie alle internationalen Appelle. Im Oktober 1970 hatte
Präsident Nixon bereits die Freilassung aller Kriegsgefangenen auf beiden
Seiten vorgeschlagen. Im Dezember folgte Südvietnam mit dem Angebot der Freilassung aller 8500 nordvietnamesischen Gefangenen
alliierten

gegen die Freilassung der

Kriegsgefangenen in nordvietnamesischer Hand,

Im Januar 1971 schlug Südvietnam den Austausch aller verwundeten und
kranken Kriegsgefangenen vor. Im Frühjahr 1971 ging Hanoi schließlich auf
die Freilassung von 570 kranken und verwundeten Nordvietnamesen ein - lehnte
jedoch das Angebot Saigons dann ab, als sich herausstellte, daß nur 13 der
Männer nach Nordvietnam zurückkehren wollten.
Die Mißachtung der Genfer Konvention durch Nordvietnam hat nicht nur in
den Vereinigten Staaten, sondern auch in der ganzen zivilisierten Welt tiefe
Besorgnis ausgelöst. Die Internationale Konferenz des Roten Kreuzes im Jahre
1969 forderte den vollsten Schutz der Gefangenen im Sinne der Konvention und
im Jahre 1971 brachte die Vollversammlung der Vereinten Nationen ihre Besorgnis über das Schicksal der Kriegsgefangenen zum Ausdruck. Zahlreiche Länder
haben sich als neutrale Gewahrsamsmacht angeboten.
Hanoi hat auf all diese Appelle nicht reagiert. Es hat die Genfer Konvention verletzt, indem es keine neutrale Inspektion der Gefangenenlager zuließ; indem es die Namen von Gefangenen nicht sofort mitteilte - und wenn nur unvollständige Angaben machte, indem es keinen regelmäßigen und garantierten
Postverkehr mit den Angehörigen zuließ, indem es die Gefangenen unzulänglich
ernährt, indem es Gefangene jahrelang in Einzelhaft hielt und noch hält.
Hanoi stellt sich taub.

+ + + ++

- 4-

�amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

Telex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

37/1972

USA WOLLEN INTERNATIONALE WÄHRUNGSREFORM AN DER WURZEL ANPACKEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der am 6. September
veröffentlichte Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) über "die Reform des Internationalen Währungssystems" dazu beitragen wird, die Aufmerksamkeit auf die eigentlichen politischen Fragen zu lenken, die gelöst werden
müssen, wenn eine solche Reform durchgeführt und zum Abschluß gebracht werden
soll.
Nach Ansicht maßgebender amerikanischer Regierungskreise haben die früheren,
vom IWF ausgearbeiteten Entwürfe sich zu sehr mit technischen Fragen befaßt und
den grundlegenden politischen Entscheidungen,die von den einzelnen Regierungen
getroffen werden müssan, zu wenig Aufmerkdamkeit geschenkt. Ein wichtiges Ziel
der USA in den Beratungen des IWF-Direktoriums war es daher, sicherzustellen,
daß der endgültige Entwurf der Studie die politischen Auswirkungen der technischen Alternatiworschläge für die folgenden Erörterungen klar aufzeigt.
Der aus den Beratungen der Exekutivdirektoren hervorgegangene, wesentlich
modifizierte Entwurf ist nicht als endgültige Arbeitsgrundlage für die Reform,
sondern lediglich als ein Versuch zu werten, die Regierungen und die Öffentlichkeit mit den Fragen vertraut zu machen, um die es hier geht.
Eine der wichtigsten Fragen, denen sich die Regierungen gegenübersehen,
ist, wie restriktiv oder flexibel die neuen internationalen Verhaltensregeln
sein sollen und wie sie auf internationaler Ebene durchgesetzt werden können.
-

I

-

�können. Diese Fragen müssen, wie von amerikanischer Seite betont wird, gelöst
sein, bevor die Vereinigten Staaten eine Entscheidung darüber treffen können,
welchem internationalen Währungssystem sie letztlich den Vorzug geben werden.
Wenn die neuen Verhaltensregeln für alle gleich und fair angewandt werden,
wenn sie von allen Ländern akzeptiert worden sind und wenn sie in allen Ländern
durchgesetzt werden können, dann könnten die Vereinigten Staaten sich auch bereit finden, ein System zu akzeptieren, das die Handlungsfreiheit der einzelnen
Regierungen stark einschränkt. Wenn jedoch die Möglichkeit offen bleibt, daß
einzelne Regierungen von den angestrebten Verhaltensregeln abweichen können,
dann würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich ein weniger starres System
bevorzugen.
Der neue IWF-Bericht bestätigt, daß sich zwischen den großen Handelsnationen ein Konsensus hinsichtlich einiger wichtiger Prinzipien für eine Reform
des internationalen Währungssystems herausgebildet hat. Aber hinsichtlich der
Verwirklichung dieser Prinzipien bestehen noch schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten und Zweifel.
Es besteht allgemein

Übereinstimmung, daß das neue internationale Währungs-

system symmetrischer sein muß als das alte System von Bretton Woods, an dessen
Stelle es treten soll. Dies bedeutet unter anderem, daß der US-Dollar in stärkerem
Maße die gleiche Behandlung erfahren muß wie die Währungen anderer Länder.
Die meisten Länder müssen, sobald ihre Ausgaben im Ausland ihre Einnahmen
dort übersteigen, das hieraus resultierende Defizit durch Transfer von Reserven seien es Gold, Devisen oder IWF-Sonderziehungsrechte - an andere Regierungen
finanzieren, oder sie müssen sich Devisen beim IWF leihen oder anderweitige internationale Kreditvereinbarungen treffen.
Unter dem alten System konnten die Vereinigten Staaten - da der US-Dollar
von den anderen Ländern in hohem Maße als Reservewährung benutzt wurde - ihre
Zahlungsbilanzdefizite gelegentlich über eine Erhöhung der von den ausländischen
Zentralbanken gehaltenen Dollarbestände finanzieren. Um dieser Asymmetrie ein
Ende zu bereiten,hat der IWF-Bericht die Einführung eines Währungsreserven-

- 2-

�Währungsreserven-Ausgleichsystems (Asset Settlement System), also eine neue
Form der Konvertierbarkeit, vorgeschlagen. Bei einem derartigen System würde
jedes amerikanische Zahlungsbilanzdefizit umgehend - zum Ausgleich - zu einem
Abfluß von Währungsreserven aus den Vereinigten Staaten führen. Gleichzeitig
würde ein neuer Mechanismus geschaffen, der sicherstellt, daß amerikanische
Zahlungsbilanzüberschüsse nicht lediglich - zum Ausgleich -, zu einem Abbau also Rückfluß - von Dollarbeständen des Auslandes führen, sondern den Vereinigten Staaten zusätzliche Reserveguthaben - wie zum Beispiel Sonderziehungsrechte - bringen würden.
Ein solches System des Ausgleichs über die Währungsreserven würde die Vereinigten Staaten sehr schenll dazu zwingen, ein Zahlungsbilanzdefizit direkt
zu bereinigen. Die meisten anderen Länder hingegen hätten, sob ald sie einem
solchen Druck ausgesetzt sind, den Ausweg, den Wechselkurs ihrer Währungen
gegenüber anderen Währungen zu ändern, um so ihr Defizit zu korrigieren. Unter
dem bis zum 15. August letzten Jahres praktizierten Währungssystem (also bevor
Präsident Nixon die Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold aussetzte) hatten
die Vereinigten Staaten praktisch keine Möglichkeit, den Wechselkurs ihrer
eigenen Währung wirksam zu steuern. Der internationale Kurswert des US-Dollar
wurde ausschließlich durch die Wechselkurspolitik der anderen Länder bestimmt,
die den Kurswert ihrer Währungen an dem Dollar orientierten.
Ein "Asset Settlement System", also ein System des Ausgleichs über die
Währungsreserven, das den Vereinigten Staaten nicht erlauben würde, zur Korrektur von Zahlungsbilanzdefiziten ebenfalls den Wechselkurs des US-Dollar zu
ändern, würde unter gewissen Umständen die USA zu einer ungeeigneten Binnenwirtschaftspolitik zwingen, die zu Depression und hoher Arbeitslosigkeit führen
könnte.
Daß die Vereinigten Staaten ebenfalls ein gewisses Maß an Kontrolle über
den Wechselkurs des US-Dollar haben sollten und müßten, ist ein zweiter wichtiger Aspekt der Frage der Symmetrie, über die prinzipielle Übereinstimmung
zu bestehen scheint. Wie in dem Bericht hervorgehoben wird, würde eine wirkliche Symmetrie voraussetzen, daß die Vereinigten Staaten nicht nur das Recht
haben müßten, von sich aus Kurswertänderungen vorzunehmen, sondern daß er-

- 3-

�erforderliche Anpassungen der Dollarparität auch nicht durch defensive Anpassungen des Kurswertes anderer Währungen wieder aufgehoben werden dürften.
Nach amerikanischer Auffassung steht ein solches System für einen Ausgleich
der Zahlungsbilanzen in engem Zusammenhang mit der Frage der Wechselkursanpassungen sowie anderen Problemen. Die Vereinigten Staaten wären möglicherweise
durchaus bereit, ein starres System des Zahlungsbilanzausgleiches über die
Währungsreserven zu akzeptieren, wenn auch auf anderen Gebieten des Währungssystems die Einhaltung fester Regeln ausreichend gewährleistet ist. Dazu gehören feste Vereinbarungen über Anpassungsmaßnamen, die Garantie, daß Länder
mit dauernden Zahlungsbilanzüberschüssen ebenso Anpassungen vornehmen müssen
wie Defizitländer, sowie Mittel und Wege, um die Einhaltung der neuen Regeln
im Notfall erzwingen zu können.
Von amerikanischer Seite wird bezweifelt, ob alle anderen Länder bereit
wären, sich einem solchen Gesamtrahmen von festen Regeln zu unterwerfen, wie
sie ein starres "Asset Settlement System" voraussetzt. Bei den Gesprächen der
Exekutivdirektoren haben die Vereinigten Staaten darauf bestanden, daß diese
und andere Fragen geklärt sein müssen, bevor man iavon ausgehen kann, daß ein
solches System für einen Ausgleich der Zahlungsbilanzen wirklich der beste
Weg ist.
Da all diese Fragen in einem so engen Zusammenhang miteinander stehen,
ist es für die Vereinigten Staaten, wie von amerikanischer Seite unterstrichen
wird, unmöglich, zu irgend einem Aspekt der Reform des internationalen Währungssystems - zum Beispiel den Vorschlägen " ir einen Ausgleich über die Währungsreserven - eindeutig Stellung zu nehmen, so lange sie nicht auch die anderen
Aspekte des neuen Währungssystems kennen.
Und bevor ein solches ineinandergreifendes System von Reformmaßnahmen
akzeptiert werden kann, werden die einzelnen Regierungen einige sehr wichtige
und grundlegende politische Entscheidungen treffen müssen. Sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in den anderen Ländern sind noch längst nicht alle
diese grundlegenden Entscheidungen getroffen worden.
Die

- 4-

�Die Vereinigten Staaten, so betont man in Washington, wollen eine
richtige Reform, und wenn sichergestellt ist, daß sie richtig ist, dann
wollen sie sie auch rasch.

+ + + +

�amerika dienst
"

U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Wirtschaft

300

08-85432

37/1972

USA WOLLEN EXPORTKONTROLLEN WEITER ABBAUEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung will - mit Billigung und
auf ausdrückliches Verlangen Des Kongresses - ihr Programm zum Abbau der Exportkontrollen für Ausfuhren nach den kommunistischen Ländern weiter beschleunigen.
Bei :er Verlängerung des "Export Administration Act von 1969" hatte der
amerikanische Kongreß im August dieses Jahres einen raschen Abbau aller einseitigen Exportkontrollen gefordert. Ausgenommen sollten nur solche Kontrollen
sein, die aus Gründen der nationalen Sicherheit für notwendig erachtet werden.
Gleichzeitig hatte der Kongreß die Regierung aufgefordert, innerhalb von neun
Monaten einen Bericht darüber vorzulegen, in wie weit die in den USA bestehenden
Exportkontroi:en sich von denen anderer freier Länder unterscheiden. Seitens der
Regierung, die selbst die Verlängerung dieses Gesetzes beantragt hatte, war bei
diesem Anlaß erneut betont worden, daß alles für einen raschen Abbau der Kontrollen für den Warenexport nach der Sowjetunion, der Volksrepublik China und
den übrigen kommunistischen Ländern getan werden wird.
Das Gesetz kennt drei große

^reiche von Exportkontrollen: Erstens, aus

nationalen Sicherheitsgründen verhängte Exportkontrollen, zweitens, aus anderen
außenpolitischen Erwägungen verfügte Exportkontrollen und drittens, Exportkontrollen zur Vermeidung von Warenverknappungen auf dem Binnenmarkt.
Gera !e
- 1 -

�Gerade auf dem ersten, dem nationalen Sicherheitsbereich, sind die Exportkontrollen ständig liberalisiert worden. Zahlreiche dieser Kontrollen waren in
Übereinstimmung mit den NATO-Verbündeten und Japan verhängt worden. Darüber
hinaus gab es eine von den USA aufgestellte Liste von Exportgütern,deren Ausfuhr einer Kontrolle unterliegt. Diese Liste wird laufend überprüft und ist
ständig verkleinert worden. Wie große Fortschritte hierbei gemacht worden sind,
zeigt allein schon die Tatsache, daß die USA 1971 nach der Sowjetunion Waren
im Werte von rund 160 Millionen Dollar - über die Hälfte davon aufgrund von
Sonderlizenzen - exportiert haben, während in diesem Jahr bereits Sonderlizenzen für die Ausfuhren nach der Sowjetunion von Exportgütern mit einem Warenwert
von 1270 Millionen Dollar ausgestellt worden sind. Allerdings muß hierzu bemerkt werden, daß die tatsächlich realisierten Ausfuhren bei weitem nicht diese
Höhe erreichen, da häufig mehrere, sich um den gleichen Auftrag bemühende
Firmen im Voraus eine Lizenz zuerteilt erhalten. Doch dürfte diese Zahl bereits
eindeutig erkennen lassen, in welchem Maße die Ausfuhr nach der Sowjetunion
liberalisiert worden ist. Unabhängig von den erteilten Sonderlizenzen werden
außerdem zahlreiche Güter aufgrund einer allgemeinen Lizenz exportiert, die
nicht mehr als strategisch wichtig erachtet werden und für deren Ausfuhr daher
keine Sonderlizenz mehr erforderlich ist. Dagegen werden nur relativ wenig
Lizenzanträge aus Sicherheitsgründen abgelehnt; im letzten Jahr belief sich ihr
Wert auf noch nicht sechs Prozent der Gesamtexporte, wobei es sich meist um
Waren handelte, die auch für militärische Zwecke verwandt werden

können. Aus-

schlaggebend für eine Lizenzerteilung - auch wenn es sich um strategisch wichtige
Güter handelt - ist, ob vergleichbare Erzeugnisse anderer westlicher Länder verfügbar und ob diese Güter für eine friedliche Verwendung bestimmt sind.
Der Kongreß ist jedoch um eine noch weitergehende Liberalisierung der Kontrollisten bemüht und hat daher das Handelsministerium beauftragt, innerhalb von
neun Monaten weitere Liberalisierungsvorschläge zu unterbreiten. Bei der Entscheidung darüber, welche Kontrollen künftig entfallen können, soll ein Beirat
der Industrie das Handelsministerium beratend unterstützen. Das Handelsministerium, das für die Durchführung der Kontrollen verantwortlich zeichnet, hat bereits angekündigt, daß es an diese Aufgabe "positiv" herangehen werde, und der
Leiter des Amtes für Exportkontrollen hat betont, daß das Ministerium die Aus-

-

I

-

�Ausweitung des Handels zu fördern und die Beschränkungen auf ein Minimum zu
reduzieren trachte. Das Handelsministerium stimme mit der Wirtschaft darin
überein, daß die Lizensierungsbestimmungen weiter liberalisiert werden sollten.
So sind denn auch die Firmen der Raumfahrtindustrie,der elektronischen und
der

caamischen Industrie aufgefordert worden, dem Handelsministerium Vor-

schläge zu unterbreiten, welche Waren aus der Kontrolliste

genommen werden

könnten. Den Erfolg dieser ständigen Bemühungen des Handelsministeriums zeigt
die Tatsache, daß die Zahl der Anträge auf eine Ausnahmegenehmigung, die vor
drei Jahren noch fast 600 pro Tag betrug, heute bereits auf die Hälfte zurückgegangen ist.
Im vorigen Jahre hat Präsident Nixon das Exportembargo für Ausfuhren nach
der Volksrepublik China aufgehoben. Damit gelten jetzt für Ausfuhren dorthin
die gleichen Lizensierungsbestimmungen wie

für Exporte nach der Sowjetunion

und den meisten osteuropäischen Ländern. Dagegen bleibt das Exportembargo
für Ausfuhren nach Kuba, Nordkorea und Nordvietnam weiterhin bestehen. Doch
auch hier hat es verschiedentlich Ausnahmen gegeben. So wurden ein medizinisches
Labor sowie Ausrüstungen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung für die Ausfuhr
nach Kuba freigegeben.
Bei dem zweiten Bereich von Exportkontrollen handelt es sich um solche,
die aus außenpolitischen und nicht aus Sicherheitserwägungen verfügt worden
sind. So halten sich die Vereinigten Staaten zum Beispiel an die Resolutionen
des Weltsicherheitsrates über ein Embargo für Warenexporte nach Rhodesien und
für die Ausfuhr militärischer Güter nach Südafrika. Weiter wird von Seiten der
amerikanischen Regierung die Ausfuhr militärischer Güter nach den Ländern des
Nahen Ostens sowie den portugiesischen Besitzungen in Afrika überwacht und
kontrolliert. Aufgrund des Atomsperrvertrages unterliegt ferner die Weitergabe
solcher Güter und technologischen Kenntnisse an andere Länder einer strikten
Kontrolle, die dort für die Entwicklung oder Erprobung nuklearer Waffen verwandt
werden könnten.
In

- 3-

�In den dritten Bereich von Exportkontrollen, um Verknappungen auf dem
amerikanischen Binnenmarkt zu vermeiden, fallen nur wenige Waren. So war in
der Vergangenheit unter anderem die Ausfuhr von Kupfer- und Nickelerzeugnissen
gewissen Beschränkungen unterworfen. Das gleiche galt auch für die Ausfuhr von
Rinderhäuten, doch haben jetzt beide Häuser des Kongresses einem Einspruch der
Viehzüchter stattgegeben, so daß Häute in dem n ?uen Verlängerungsgesetz aus
den Exportkontrollen genommen wurden.

+ + + + +

- 4 -

�' amerika dienst
i

U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Wissenschaft
und
Technik

300

08-85432

37/1972

\T3^ÖSSTER TEILCHEN-BESCHLEUNIGER DER WELT BETRIEBSBEREIT
l/AL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten

- (AD) - Die technischen Schwierigkeiten, die den Beginn der wissenschaftlichen Arbeit am größten amerikanischen Teilchenbeschleuniger fast ein Jahr
lang verzögerten, sind überwunden. "National Accelerator

Laboratory" (NAL -

Nationales Beschleunigerlaboratorium) heißt die riesige neue Anlage der USAtomenergie-Kommission in Batavia, in der Nähe von Chicago im Bundesstaat
Illinois. Für ihren Betrieb ist ein Universitäten-Konsortium verantwortlich.
Es setzt sich aus den Vertretern 51 amerikanischer Hochschulen und einer kanadischen Hochschule zusammen. Zu dem ca. 1000 Personen umfassenden Mitarbeiterstab des Laboratoriums, das Dr. Robert Wilson leitet, zählen viele bekannte
Hoch nergiephysiker. Auch Spezialisten aus anderen Ländern - so aus Westeuropa,
Australien, Israel, Indien und Japan - stehen lie Institute offen, wenn Experimente unter Höchstenergiebedingungen durchzuführen sind.
Die Beschleunigungsleistung der "Maschine" ist auf 500 Milliarden Elektronenvolt (GeV) berechnet, 300 GeV wurden im Juli 1972 erstmals erreicht. Im Vergleich dazu leistet der bisher stärkste amerikanische Protonenbeschleuniger von
Brookhaven bei New York 33 GeV, der stärkste Beschleuniger in der Sowjetunion
76 GeV. im Prinzip geschieht in Batavia dasselbe wie an anderen großen Maschinen
auch: Protonen (Kerne von Wasserstoffatomen, denen das Elektron entzogen ist),
werden in Magnetfeldern, die 1000 Zwanzig-Tonnen-Magnete erzeugen, auf eine Geschwindigkeit gebracht, die fast der des Lichts entspricht. Zu einem Strahl gebündelt richtet mannu.: die Protonen auf ein "Target", d.h. eine Zielsubstanz, in

-

1 -

�in der viele Atome durch den Aufprall der Protonengeschosse zertrümmert werden.
Diese Wirkungen am Target - die Zertrümmerungsvorgänge, die dabei entstehenden Materieteilchen, die freiwerdenden Energien, die Wechselwirkungen von Materie
und Energie sowie von Materieteilchen - genau zu analysieren ist die Aufgabe der
experimentellen kernphysikalischen Forschung. Nicht alle tatsächlich auftretenden
Reaktionen oder Reaktionsketten sind zu beobachten. Auf viele kann nur indirekt
an Hand von Indizien und Berechnungen geschlossen werden. Die Resultate aber
geben Hinweise auf die Struktur der Atomkerne und auf die in ihnen gebundenen
Kräfte.
Vom NAL hoffen die Physiker unvergleichlich bessere Hinweise als von Experimenten mit Maschinen geringerer Leistung insofern zu bekommen, als hier die
Möglichkeit besteht, den Atomkern nach seiner Feinstruktur auszuloten. Denn
ungeachtet der mehr als 100 subatomaren Teilchen, die bis jetzt als Kernpartikel
identifiziert wurden, gibt es viele Lücken und Fragen in bezug auf die Struktur
der Materie und ihre Grundeinheiten.
Die Bauarbeiten für das Beschleunigerlaboratorium in Batavia begannen im
Jahr 1968. Der ursprünglich dafür bereitgestellte Betrag von 350 Millionen
• lar wurde in der Folgezeit vom US-Kongreß um 100 Millionen Dollar gekürzt.
Dies veranlagte Dr. Wilson, eine Anzahl von Änderungen an der gesamten Auslegung
des Projekts vorzunehmen, um dennoch Wege zu finden, die gestreckten Ziele für
die Wissenschaft zu erreichen. Auf einen 2750 Hektar großen Areal wurden insgesamt drei Beschleunigungsanlagen errichtet - ein als Linearbeschleuniger ausgelegter "Injector" zum Einschießen der Protonen, ein Zwischenbeschleuniger
und der Hauptbeschleuniger. Ihre höchsten Energien erreichen die Protonen auf
der ringförmig angelegten Rennbahn, wo sie durch starke Magnetfelder immer
größere Geschwindigkeiten bekommen und gleichzeitig auf Kurs gehalten werden.
Die Ringanlage allein hat 1,6 km Durchmesser.

+ + + + +

- 2 -

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Wissenschaft
und
Technik

Telex:08-85432

37/1972

GIFTSTOFFE IN DER NATUR
Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber

- (AD) - Im Rahmen eines Forschungsauftrags, für den die "National
Science Foundation" (amerikanische Nationalstiftung für die Wissenschaft)
1,2 Millionen Dollar bereitstellte, untersucht eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien (Riverside) die ökologischen Auswirkungen von Stickstoffdünger auf Oberflächen- und Grundwasser im Bereich
künstlich bewässerter Kulturen. Stickstoff, wichtiger Pflanzennährstoff und
praktisch unentbehrlich für die Steigerung der Ernteerträge, kann bei übermäßiger Dosierung zu hohen Nitratkonzentrationen in Bächen und Flußläufen,
Teichen und Seen und selbst in unterirdischen Wasserspeichern führen. Die
Studie, an der 20 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen beteiligt
sind und die ca. sechs Jahre dauert, wird von Dr. Parker F. Pratt, dem
Direktor des Departments für Bodenforschung und Agrartechnik der kalifornischen
Staatsuniversität in

Riverside

geleitet.

Testareal sind die künstlich bewässerten Gebiete Kaliforniens. Die Ergebnisse werden jedoch für alle 17 West- und Südstaaten der USA von großer
Bedeutung sein. Dort befinden sich landwirtschaftliche Flächen in der Ausdehnung von 17,2 Millionen Hektar unter künstlicher Bewässerung. Sie machen
10 Prozent der Anbauflächen in den Vereinigten Staaten aus; auf die betreffende
Bundesstaaten entfällt ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichn Produktion
der USA.
Es

�Es gibt kaum brauchbare Alternativen für die Verwendung von Kunstdänger
auf Stickstoffbasis. Andererseits birgt seine Anwendung jedoch gesundheitliche Gefahren, wenn bestimmte Maximalmengen überschritten werden. Dr. Pratt
verweist insbesondere auf das Risiko des Auftretens einer Blutkrankheit,
der Methämoglobinämie. Dabei kommt es zu einer besonderen Form der Oxydation
des roten Blutfarbstoffs, des Hämoglobins. Es entsteht Hämiglobin, das den
Sauerstoff nicht mehr locker bindet, sondern fest an den Eisenbestandteil
gebunden hält. Unter solchen Bedingungen kann an das Gewebe kein Sauerstoff
abgegeben werden - dies führt zum Erstickungstod. Besonders gefährdet scheinen
Säuglinge im Alter bis zu vier Monaten zu sein, die Flaschennahrung bekommen.
Der Öffentliche Gesundheitsdienst der USA hat angesichts solcher Gefahren bereits seit längerer Zeit die Höchstkonzentration für Nitrate im Trinkwasser
auf 45 ppm ( = Anteile Stickstoff in einer Million Teile Wasser) festgesetzt.
Beim Einschleusen

von Quecksilber in die Nahrungskette und damit auch

in die menschliche Nahrung dürften nach Ansicht von Dr. Dennis Kenney (Universität Wisconsin) festwurzelnde Wasserpflanzen eine Schlüsselrolle spielen.
Sie nehmen in verseuchten Gewässern aus den Ablagerungen am Boden die für den
Menschen besonders gefährlichen organischen Quecksilberverbindungen auf, die
aus Abwässern von Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben stammen. Auch aus
dem Wasser vermögen Pflanzen direkt Quecksilber zu absorbieren. Dr. Keeney
hält jedoch die Konzentrationen organischer Quecksilberverbindungen in den
Sedimenten, die durch abgestorbene Wasserpflanzen ansteigen können, für besonders gefährlich. Deshalb sollten in Gebieten, in denen quecksilberhaltige
Sedimente nachgewiesen werden, im Boden wurzelnde Wasserpflanzen entfernt
werden.
Daß eine Anreicherung von Quecksilber in Nahrungsmitteln nicht erst eine
Erscheinung des Industrie- und Technikzeitalters ist, zeigen allerdings Untersuchungen an Überresten von Speisefischen, die man bei Ausgrabungen im amerikanischen Mittelwesten und in Peru gefunden hat. Dr. Edwin Wilmsen, Kurator des
Anthropologischen Museums der Universität Michigan, berichtete kürzlich, daß
gelegentlich die Quecksilberkonzentration in Fischüberresten von Abfallhaufen,
die zu 300 bis 2000 Jahre alten Indianersiedlungen gehörten, durchaus mit jener
zu vergleichen ist, die heutzutage in Fischen ermittelt wird.
+ + + + +
- 2-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

Godesbergt,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wissenschaft
und
Technik

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

37/1972

TEST SIGNALISIERT GEFAHR VON GEHIRNBLUTUNG

- (AD) - Mit Hilfe eines einfachen Tests, der nicht länger als fünf
Minuten in Anspruch nimmt, lassen sich Strömungsbedingungen in bestimmten
Blutgefäßen des Gehirns erfassen, die auf einen bevorstehenden Schlaganfall
hindeuten. Dr. Herbert I. Machleder und Dr. Wiley F. Barker von der Universitätsklinik der Universität Kalifornien in Los Angeles berichteten auf
der Tagung der "International Cardiovascular Society" im Juni in Carmel
(Kalifornien) über ihre bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Test. Er erwies
sich als durchaus brauchbar und aufschlußreich, um solche Patienten ausfindig
zu machen, bei denen die Gefahr einer Gehirnblutung oder einer Unterbrechung
der Blutversorgung gewisser Hirnpartien durch Blockierung der inneren Hirnarterie infolge sklerotischer Prozesse bestand. Die rechtzeitige Einleitung
einer Präventivbehandlung kann in vielen Fällen zum Erfolg führen. Allgemein
angewandt, dürfte der Test nach Meinung der beiden Mediziner viele Schlaganfälle verhindern. In den USA allein werden jährlich ca. 1,5 Millionen
Fälle von Gehirnblutung mit mehr oder minder ernsten Auswirkungen verzeichnet.
Nach der Besch jibung Dr. Machleders wird ein hochempfindliches
elektronisches Gerät wie ein Stethoskop auf die Stirn unmittelbar über dem
Auge aufgesetzt. Es mißt und verstärkt die Schallwellen, die das durch eine
Oberflächen, terie strömende Blut erzeugt. Das mit Hilfe eines DoppierStrömungsmessers gewonnene "Schallmuster", das aufgezeichnet wird, läßt zuverlässige Rückschlü- ;e auf die Strömungsbedingungen in der Aorta carotis
interna und in ihren Hauptästen zu.
+ +++ +

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7499">
              <text>13.09.1972</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7500">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7501">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14498">
              <text>Amerikadienst 13.09.1972</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14499">
              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genfer Abrüstungskonferenz beendete konstruktive Sitzungsperiode&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanoi stellt sich taub&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Alle Kriegsgefangenen-Apelle verhallen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen internationale Währungsreform an der Wurzel anpacken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Exportkontrollen weiter abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Größter Teilchen-Beschleuniger der Welt betriebsbereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NAL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Giftstoffe in der Natur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Test signalisiert Gefahr von Gehirnblutung</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
