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7. September 1972

Inhalt
INFORMATION:
USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört
DOKUMENTATION:
Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu
- Wortlaut Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens
- Wortlaut der Verlautbarung Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA
- Wortlaut HINTERGRUND:
Wer im Glashaus sitzt ...
- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt
Von unserem Sonderkorrespondenten
WIRTSCHAFT:
Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe
- Wortlaut des Schreibens WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17
Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 198p
- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur
Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung
Virus-Theorie gewinnt an Boden
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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36/1972

USA ÜBER BLUTTAT VON MÜNCHEN ZUTIEFST BESTÜRZT UND EMPÖRT

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben mit tiefer Bestützung
und Empörung auf die Nachricht von dem arabischen Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München reagiert und diese verabscheuungswürdige
Bluttat nachdrücklich verurteilt. Der amerikanische Präsident Nixon hat der
israelischen Ministerpräsidentin, Frau Golda Meir, wie auch den Familien der
unschuldigen Opfer sein tiefempfundenes Beileid übermittelt. Gleichzeitig hat
der amerikanische Präsident Außenminister Rogers beauftragt, in Kontakten mit
anderen Regierungen vordringlich zu prüfen, welche kollektiven Maßnahmen gegen
den Terror ergriffen werden können.
Das Beileidstelegramm Präsident Nixons an Frau Golda Meir hat folgenden
Wortlaut:

"Hochverehrte Frau Ministerpräsidentin:
Amerika fühlt zutiefst mit Ihnen, den trauernden Familien und dem israelischen Volk in diesem Unglück, das über Ihre Olympiamannschaft hereingebrochen
ist. Diese

tragische und sinnlose Tat ist ein Anschlag auf alle die Hoffnungen

und Sehnsüchte der Menschheit, die in den olympischen Spielen ihren Ausdruck
finden. In weiterem Sinne ist dies eine Tragödie für alle Völker und Länder der
Welt. Wir betrauern mit Ihnen den Tod Ihrer unschuldigen und prächtigen Athleten, und wir teilen mit Ihnen die Entschlossenheit, daß der Geist der Brüderlichkeit und des Friedens, den sie vertraten, letzlich obsiegen wird.
In aufrichtiger Anteilnahme
Richard Nixon"

�Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
George Bush, erklärte auf einer Gedenkfeier in New York:

"Als Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen und als
Mensch bin ich erschüttert über die gestrigen Ereignisse. Der hinterhältige Angriff, der das Leben dieser Olympiakämpfer forderte, erinnert uns erneut daran,
wie sehr politische Motive selbst diese Arena geführden können, in der nur
Friede und internationale Eintracht herrschen sollten.
Diese paar Männer haben mit ihren Gewalttaten versucht, den Geist der Spiele
für die Tausende von Männern und Frauen aus allen Ländern und die begeisterten
Zuschauer aus aller Welt zu vernichten.
Nirgendwo empfinden wir dies unmittelbarer als in den Vereinten Nationen,
die trotz allem eine große Hoffnung auf internationale Zusammenarbeit und
Frieden bilden.
Der einzige Trost, den ich Ihnen in diesem Augenblick geben kann, ist,
Sie an die Verheißungen des Propheten Jesaja zu erinnern, der einst sagte:
'Den Tod wird er auf ewig verschwinden lassen, die Tränen wird Gott der Herr
von jedem Antlitz abwischen und die Schmach seines Volkes überall auf der Erde
tilgen'."

Auch der amerikanische Senat hat in einer einstimmig angenommenen Entschließung seiner tiefen Sorge und Bestürzung über diese Bluttat Ausdruck gegeben, der elf israelische Olympiakämpfer zum Opfer fielen, und dem israelischen
Volke sowie den trauernden Familien seine aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen..
Der amerikanische Außenminister Rogers gab ebenfalls seiner Bestützung
und Empörung Ausdruck und forderte vor dem Rechtsausschuß der Organisation für
die zivile Luftfahrt (ICA) entschlossene und unverzügliche Maßnahmen, um
künftige Terrorakte und jede Luftpiraterie zu verhindern.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich

�"Ich danke Ihnen und den Mitgliedern dieser Konferenz für die mir erteilte Gelegenheit, heute hier vor Ihnen zu sprechen.
Ich weiß, daß Sie mit mir das tiefe Gefühl der Empörung und der Trauer
über die sinnlosen und tragischen Geschehnisse teilen, durch die die Olympischen
Spiele so sehr beeinträchtigt wurden. Die von extremistischen Terroristen verübten Morde sind mehr als Verbrechen, die gegen die Bürger eines einzigen Landes
begangen wurden. Es ist der Geist, den die olympischen Spiele verkörpern - der
Geist der Brüderlichkeit und des freundschaftlichen Wettkampfs unter den Völkern
der gesamten Welt - der durch diese Wahnsinnstat aufs schwerste herausgefordert
worden ist.
In dieser Zeit der Trauer müssen sich alle Menschen guten Willens fragen,
was können wir tun, um sicherstellen zu helfen, daß solche Verbrechen nicht
mehr vorkommen? Denn solche Verbrechen gefährden mit Sicherheit die Hoffnungen
auf eine friedlichere Welt. Wir brauchen uns hier auf dieser Konferenz nur
daran zu erinnern, daß die Münchner Attentäter versuchten, ein Flugzeug in ihre
Gewalt zu bekommen, es zu entführen, um damit ihre Flucht zu bewerkstelligen.
Wir brauchen nur daran zu denken, daß Drohungen und Gewaltakte gegen den internationalen Luftverkehr ein Aspekt - aber ein sehr bedeutsamer Aspekt - des
internationalen Terrors sini,der das Leben unschuldiger Personen ohne Rücksicht
auf ihre Nationalität gefährdet.
Die internationale Gemeinschaft muß entschlossene und unverzügliche Maßnahmen treffen, um jede Luftpiraterie wirksam zu verhindern. Wenn uns das gelingt, dann werden wir alle Terroristen und potentiellen Terroristen um eine
ihrer wirksamsten Waffen gebracht und einen entscheidenden Schritt getan haben,
um internationale; Terror und Mißachtung der Gesetze Einhalt zu gebieten.
Wir in den Vereinigten Staaten sind in dieser Hinsicht aktiv tätig. Der
Präsident hat mich soeben darüber unterrichtet, daß er heute dem Senat die
Sabotage-Konvention von Montreal zuleitet, mit der dringenden Bitte, sie zu
ratifizieren. Darüber hinaus richte ich einen nachdrücklichen Appell an den
Kongreß, die ihm vorliegende Gesetzesentwürfe unverzüglich zu behandeln, um
unsere Gesetze gegen Luftpiraterie weiter zu stärken und schwere Strafen für

�für Verbrechen gegenüber Diplomaten zu ermöglichen. Es erscheint mir klar,
daß, falls die Regierungen es versäumen, hier zu handeln, wir durch eben dieses
Versäumnis gerade zu solchen Verbrechen ermutigen, die zu bekämpfen wir hier
zusammengekommen sind.
Der internationale Luftverkehr ist ein wichtiges Element der Interdependenz, die in wachsendem Maße für die Welt in der wir leben kennzeichnend geworden ist. Nur eine starke und konzertierte Aktion seitens aller Staaten der
Welt wird die Gewähr für weitere Sicherheit der Flugpassagiere bieten. Ich
bitte sie mit aller Dringlichkeit, dies bei ihren Überlegungen zu bedenken.
Es ist nach meiner Ansicht unbedingt erforderlich, daß diese Konferenz
eine Konvention entwirft, die der Luftpiraterie und dem Terror ein Ende setzt.
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen sehr für die mir gegebene Gelegenheit - so kurz sie auch war - hier vor ihnen zu erscheinen, um ihnen die Auffassung meiner Regierung, die Hoffnungen meiner Regierung, darzulegen,daß die
internationale Gemeinschaft wirksame Maßnahmen treffen kann, um solchen Akten
der Piraterie und des Terrors Einhalt zu gebieten.
In einer Welt, die auf so zahlreichen anderen Gebieten, wie Wissenschaft,
Medizin und Technologie, so fortschrittlich ist, erscheint es fast unvorstellbar, daß nicht auch Maßnahmen getroffen werden können, um solchen Untaten Einhalt zu gebieten, und ich weiß, daß Sie hier daran arbeiten, ein Ergebnis zu
erzielen, daß wir alle gerne erreichen möchten. Aber ich bin fest davon überzeugt, daß wir entschlossene, harte Maßnahmen treffen müssen, um überall auf
der Welt klar zu machen, daß verbrecherische Taten, kriminelle Akte gegen unschuldige Menschen auf gar keinen Fall eine akzeptierbare Methode sind, um irgend welche internationalen Probleme zu lösen, und gerade auf dem Gebiet der
Luftfahrt, die alle Menschen der Welt berührt, die hier betroffen werden können,
müssen wir einen Anfang machen.
Die amerikanische Regierung ist bereit, die entschlossensten und härtesten
Maßnahmen zu ergreifen, wenn die internationale Völkergemeinschaft sich daran
zu beteiligen bereit ist. Wir halten es für unerläßlich, jetzt zu handeln, und

- 4-

�und wir glauben, daß die sich jetzt in München zugetragenen, tragischen Ereignisse die Notwendigkeit eines sofortigen Handelns nur unterstreichen.
Ich danke Ihnen sehr für diese Gelegenheit und wünsche Ihnen für Ihre
weiteren Beratungen alles Gute."

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GEMEINSAME ERKLÄRUNG NIXONS UND TANAKAS VON HONOLULU
- Wortlaut -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Die von Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Tanaka am 1. September

zum Abschluß ihrer zweitägigen

Gespräche herausgegebene gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"1. Ministerpräsident Tanaka und Präsident Nixon trafen am 31. August
und 1. September auf Hawaii zu umfassenden Gesprächen über eine Reihe von
Fragen gemeinsammen Interesses zusammen. Die Gespräche wurden in einer Atmosphäre der Herzlichkeit und des gegenseitigen Vertrauens geführt, die der
langen Freundschaft zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entspricht.
Beide Staatsmänner gaben der Hoffnung Ausdruck, daß ihr Treffen den Beginn
eines neuen Kapitels in der Entwicklung noch engerer Bande zwischen beiden
Ländern ankündigen werde.
2. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die derzeitige
internationale Lage und die Aussichten für eine Verringerung der Spannungen
und eine friedliche Lösung der gegenwärtigen Probleme der Welt, vor allem was
Asien anbetrifft. Es wurde unterstrichen, daß die Aufrechterhaltung und Stärkung der engen Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen beiden
Ländern einen wichtigen Faktor für Frieden und Stabilität in einer sich ständig
weiter entwickelnden internationalen Situation bedeuten. Beide Staatsmänner bekräftigten die Absicht der beiden Regierungen, den zwischen den beiden Ländern
abgeschlossenen Vertrag über Gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit fort-

- 1 -

�fortzusetzen, und sie vereinbarten, daß beide Länder weiterhin im Rahmen enger
Konsultationen zusammenarbeiten werden, um eine reibungslose und wirksame
Durchführung des Vertrages sicherzustellen.
3. Bei der Erörterung der zunehmenden Anzeichen für Frieden und Stabilität
in Asien haben der Ministerpräsident und der Präsident die kürzliche Aufnahme
des Dialogs auf der koreanischen Halbinsel sowie die wachsenden aktiven Bemühungen der asiatischen Länder um Autarkie und regionale Zusammenarbeit begrüßt, und sie teilten die Hoffnung, daß ein baldiger Friede in Indochina erreicht werden kann. Der Ministerpräsident und der Präsident erkannten an, daß
die kürzlichen Besuche des Präsidenten in der Volksrepublik China und in der
UdSSR einen bedeutsamen Fortschritt bedeuteten. In diesem Zusammenhang teilten
sie die Hoffnung, daß der bevorstehende Besuch des Ministerpräsidenten in der
Volksrepublik China ebenfalls dazu dienen werde, die Bestrebungen um einen Abbau der Spannungen in Asien zu fördern.
4. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die von den Vereinigten Staaten und der UdS.iR kürzlich erreichten Abkommen über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehr (ABM) sowie das Interimsabkommen über die
Begrenzung strategischer Offensivraketen, und sie stimmten darin überein, daß
derartige Maßnahmen einen wichtigen Schritt voran darstellten, um die strategischen Rüstungen zu begrenzen und zum Weltfrieden beizutragen. Sie vereinbarten, Konsultationen über die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Kontrolle
der strategischen Rüstungen zu führen.
5. Der Ministerpräsident und der Präsident führten einen Gedankenaustausch
auf einem weiten Gebiet von Fragen, die wirtschaftliche, handelspolitische
und finanzielle Themen betrafen. Der Ministerpräsident und der Präsident unterstrichen die große Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan
und den Vereinigten Staaten. Beide Staatsmänner gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, daß ihre Gespräche zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern
bei der Behandlung wirtschaftlicher Fragen bilateraler wie auch weltweiter Natur
führen werden.
6. Der

�6. Der Ministerpräsident und der Präsident teilten die Auffassung, daß
eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems notwendig ist.
Sie sajten zu, daß ihre Regierungen schnell auf die Verwirklichung einer solchen Reform hinarbeiten würden. Was den Handel anbetrifft, so bekräftigten
sie die Zusagen beider Länder vom Februar 1972, im Jahre 1973 multilaterale
Handelsverhandlungen aufzunehmen und aktiv zu unterstützen, die sowohl Industrie wie auch Landwirtschaft einschließen. In diesem Zusammenhang wiesen
sie darauf hin, daß die bevorstehenden HandelsVerhandlungen durch Abbau der
Zölle und der nicht zollursächlichen Handelsschranken wie auch durch Bildung
eines multilateralen, nicht diskriminierenden Sicherheitsmechanismus die
Grundlage für eine weitere Ausweitung des Handels schaffen müssen.
7. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin überein, daß
beide Länder sich darum bemühen sollten, einen besseren Ausgleich ihrer
Zahlungsbilanz und ihrer Handelsposition zu erreichen. In diesem Zusammenhang legte der Präsident die von den Vereinigten Staaten ergriffenen Maßnahmen
dar, um ihre Handels- und Zahlungsbilanzposition zu verbessern, und er betonte,
daß die amerikanische Regierung amerikanische Firmen aufgefordert habe, das
Exportvolumen, vor allem nach Japan, durch höhere Produktivität und verbesserte
Marktforschung zu steigern. Der Ministerpräsident deutete an, daß die japanische Regierung ebenfalls versuchen werde, die Importe aus den Vereinigten
Staaten zu fördern, und daß die japanische Regierung die Absicht habe, das Ungleichgewicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes auf ein überschaubareres
Ausmaß zu reduzieren. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin
überein, daß es äußerst wertvoll wäre, wenn weitere Treffen auf hoher Ebene
zur Überprüfung der sich fortentwickelnden wirtschaftlichen Beziehungen stattfinden würden, und daß sie beabsichtigen, möglichst früh im Jahre 1973 eine
Konferenz des Gemeinsamen Amerikanisch-Japanischen Handels- und Wirtschaftsausschusses abzuhalten.
8. Der Ministerpräsident und der Präsident wiesen auf die Bemühungen beider
Lander hin, in Zusammenarbeit; mit anderen Industriestaaten dazu beizutragen,
den Entwicklungsländern in Asien und in anderen Gebieten der Welt Stabilität
und Prosperität zu bringen. Sie erkannten die Notwendigkeit eines ausreichenden

- 3-

�ausreichenden Maßes an staatlicher Entwicklungshilfe zu angemessenen Bedingungen an. Sie bekräftigten ferner die Absicht beider Regierungen, weiterhin
zur Stärkung der internationalen Finanzinstitutionen für die wirtschaftliche
Entwicklung der Entwicklungsländer beizutragen.
9. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten weiter die Notwendigkeit, die Bemühungen um eine Verbesserung des Verständnisses zwischen den
Völkern beider Länder für ihre Vergangenheit auf kulturellem, sozialem und
auf anderen Gebieten zu fördern. Sie stimmten ferner darin überein, daß neue
und verbesserte Austauschprogramme auf kulturellem und pädagogischem Gebiet
ein wichtiges Mittel hierzu darstellen. In diesem Zusammenhang unterstrich
der Präsident, er hoffe sehr, daß die Japan-Stiftung, die im Oktober dieses
Jahres ins Leben gerufen werden soll, erfolgreich arbeiten wird.
10. Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Genugtuung von
der wachsenden Zusammenarbeit der beiden Länder auf immer weiteren Gebieten
Kenntnis, die im Rahmen der Gemeinsamen Zielsetzungen erfolgt, Frieden und
Prosperität auf der Welt und den Wohlstand ihrer Landleute zu fördern. Sie vereinbarten, die bereits enge Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Kontrolle
des illegalen Handels mit Rauschgift und anderen Drogen zu verstärken und zu
erweitern, und sie stimmten ferner hinsichtlich der Notwendigkeit überein, die
bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit bei der Erschließung und besseren
Nutzung der Energie- und Mineralvorkommen sowie bei den drängenden Problemen
des Umweltschutzes und der Kontrolle der Luftverschmutzung zu fördern. Sie
sagten zu, über die Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen weiterhin geeignete Hilfe zur Lösung der Probleme zu gewähren, die durch den zu
raschen Bevölkerungszuwachs entstanden sind.
11. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die Zusammenarbeit
bei der Erforschung des Weltraumes, darunter auch das von Japan angestrebte Ziel,
einen geostationären Nachrichtensatelliten sowie andere Nutzsatelliten aufzulassen. Der Präsident begrüßte das aktive Interesse und Studienprogramm Japans
bezüglich des Auflassens eines meteorologischen Satelliten zur Unterstützung
des weltweiten atmosphärischen Forschungsprogramms.
12. Der^
- 4-

�*
12. Der Ministerpräsident und der Präsident gaben ihrer Zufriedenheit
über ihre Gespräche Ausdruck und vereinbarten, weiterhin enge persönliche
Kontakte zu unterhalten."

+ + + + +

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EINZELHEITEN DES AMERIKANISCH-JAPANISCHEN HANDELSABKOMMENS
- Wortlaut der Verlautbarung -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Präsident Nixon hat das bei seiner Zusammenkunft mit dem japanischen Ministerpräsidenten Tanaka zustandegekommene
Handelsabkommen begrüßt, in dessen Rahmen Japan zusätzlich Waren im Werte
von rund einer Milliarde Dollar in den USA kaufen wird, um den starken
japanischen Handelsüberschuß und damit das amerikanische Defizit abzubauen.
Das Abkommen wurde zwischen dem japanischen Stellvertretenden Vizeminister
für Außenhandel,Tsurumi, und dem amerikanischen Botschafter in Japan, Robert
Ingersoll, ausgehandelt.
Dazu wurden auf Hawaii am 1. September in einer Verlautbarung folgende
Einzelheiten veröffentlicht:
"1. Anläßlich ihres Treffens in Hakone führten die Vereinigten Staaten
und Japan einen Meinungsaustausch über ihre jeweiligen Zahlungsbilanzziele.
In diesem Zusammenhang erörterten beide Regierungen verschiedene, sowohl
kurz- als auch langfristige

Maßnahmen, die zur Behebung ihres gegenseitigen

Handelsungleichgewichtes beitragen könnten.
2. Seit ihrem Treffen in Hakone haben beide Regierungen eng zusammengearbeitet und gemeinsam einen Versuch unternommen, einige ihrer gezielten kurzfristigen Maßnahmen quantitativ festzulegen, über die damals in Hakone gesprochen wurde. Präsident Nixon hat die Gelegenheit seines Treffens mit Mi-

-

I

-

�Ministerpräsident Tanaka benutzt und die folgenden auf einer Reihe von Konferenzen zwischen dem Stellvertretenden Vizeminister Tsurumi und Botschafter
Ingersoll erzielten Resultate begrüßt, einschließlich des Erwerbs amerikanischer Güter und Dienstleistungen im Werte von über einer Milliarde Dollar.
a) Der geschätzte Zuwachs japanischer Einkäufe an landwirtschaftlichen,
forstwirtschaftlichen und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten im Laufe des japanischen Haushaltsjahrs

1972, das am 31.

März 1973 endet, dürfte sich auf etwa 390 Millionen Dollar belaufen. Darüber
hinaus wird damit gerechnet, daß es zu Sonderkäufen von Getreide auf der Basis
günstiger Preise im Werte von etwa 50 Millionen Dollar kommen wird. Der Gesamtwert dieser Käufe liegt um 440 Millionen Dollar über dem Wert der Einkäufe im vorangegangenen Jahr. Damit dürfte sich der Gesamtwert der japanischen
Käufe an land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten für das (japanische) Haushaltsjahr 1972 auf 2,218 Milliarden
Dollar erhöhen, was den höchsten amerikanischen Export solcher Waren in irgendein Land bedeutet.
b) Japanische Luftfahrtgesellschaften planen den Ankauf von Zivilmaschinen, einschließlich Großraumflugzeugen, in den Vereinigten Staaten im
Werte von rund 320 Millionen Dollar. Diese Aufträge sollen in den Haushaltsjahren 1972 und 1973 vergeben werden. Die japanische Regierung wird den Kauf
dieser Flugzeuge beim Abschluß der Kaufverträge erleichtern. Die japanische
Regierung hat ferner die Absicht, soweit die notwendigen Haushaltsmittel bewilligt werden, Hubschrauber und Luftfahrtzubehör im Werte von 20 Millionen
Dollar in den Vereinigten Staaten zu kaufen.
c) Die japanischen Elektrizitätsgesellschaften werden in den Vereinigten
Staaten Uran-Anreicherungsdienstleistungen im Werte von 320 Millionen Dollar
erwerben, wobei die Bezahlung durch die japanische Regierung erleichtert
werden wird.
d) Schließlich wurde von der amerikanischen und der japanischen Regierung
auch vereinbart, daß beide alle Anstrengungen unternehmen werden, um die baldmögliche Einrichtung einer gemeinsamen japanisch-amerikanischen Arbeitsgruppe
- 2 -

�i

Arbeitsgruppe

zu erleichtern, die damit beginnen soll, die Möglichkeit eines

Gemeinschaftsunternehmens für den Bau einer Gasdiffusionsanlage zur Anreicherung
von Uran für friedliche Zwecke in den Vereinigten Staaten zu prüfen, wobei sich
die Gesamtinvestitionen auf schätzungsweise eine Milliarde Dollar belaufen
dürften.
3. Der Präsident nahm ferner mit Befriedigung die jüngsten Entscheidungen der japanischen Regierung zur Kenntnis, den Zugang zu dem japanischen
Verteilersystem zu liberalisieren, indem verbesserte Investitionsmöglichkeiten
in Einzelhandel, Verarbeitung und Verpackung geboten werden, sowie die Entscheidung, größere Verkäufe amerikanischer Computererzeugnisse in Japan zuzulassen."

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ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUR AUFHEBUNG DER WEHRPFLICHT IN DEN USA

-Wortlaut-

SAN CLEMENTE,Kalifornien --(AD)-- Präsident Nixon hat in einer Erklärung die
Aufhebung der Wehrpflicht in Friedenszeiten in den USA bis Juli 1973 angekündigt. Die amerikanischen Streitkräfte sollen sich dann künftig ausschließlich aus Freiwilligen rekrutieren.
Die am 28. August vom Weißen Haus veröffentlichte Botschaft Nixons hat
folgenden Wortlaut:
"Aufgrund des mir heute vormittag von Verteidigungsminister Laird unterbreiteten Berichtes und unter der Voraussetzung, daß der Kongreß die von mir
empfohlenen anstehenden Gesetzesvorlagen verabschiedet, werden wir, wie geplant,
bis Juli 1973 soweit sein, daß eine Einberufung zum Wehrdienst in Friedenszeiten
nicht mehr notwendig sein wird.
Vor vier Jahren verpflichtete ich mich, im Falle meiner Wahl für eine Beendigung der Wehrpflicht sowie für die Schaffung einer Freiwill igenrArmee an
ihrer Stelle einzutreten. Gleichzeitig verpflichtete ich mich, daß ich, solange
die Notwendigkeit für eine Wehrpflicht weiterbesteht, dafür sorgen würde, daß

-1-

�daß diese in ihrer Auswirkung auf das Leben junger Amerikaner gerechter und
berechenbarer gehandhabt werden soll.
Unmittelbar nach der Amtsübernahme begann meine Administration mit der Erfüllung dieses Versprechens, und ich blicke mit großer und besonderer Genugtung
auf den bisher erzielten Fortschritt.
Innerhalb von 18 Monaten trat an die Stelle des alten und überholten selektiven Einberufungsprozesses mit seinem ungerechten Aufschubsystem ein unparteiisches Lossystem. Die durch das Einziehungssystem verursachte Ungewißheit wurde
ferner dadurch verringert, daß der Zeitraum, innerhalb dessen mit einer Einberufung zu rechnen war, von sieben Jahren auf ein Jahr reduziert wurde. Aufgrund
dieser und anderer Reformen wurde das Vertrauen in die Fairneß des selektiven
Wehrdienstsystems wieder hergestellt.
Inzwischen haben wir gleichzeitig daran gearbeitet, eine Freiwilligen-Armee
aufzubauen.
Verteidigungsminister Laird hat mir heute einen ermutigenden Bericht unterbreitet, der sich im einzelnen mit den wesentlichen Fortschritten befaßt, die
wir erzielt haben, um hinsichtlich der Erfüllung der Erfordernisse an Personalstärke die Abhängigkeit von der Wehrpflicht zu reduzieren. Die Erfahrung der
letzten drei Jahre scheint, wie aus diesem Bericht hervorgeht, darauf hinzudeuten, daß eine genügende Anzahl von Freiwilligen für die Streitkräfte gewonnen
werden kann, um das Personalsoll zu erfüllen, und daß ein Verzicht auf die Wehrpflicht mit der Wahrung des Personalstandes und des Bereitschaftsgrades zu vereinbaren ist, die notwendig sind, um unsere lebenswichtigen langfristigen nationalen Sicherheitserfordernisse zu gewährleisten.
Dieser bemerkenswerte Bericht über den Fortschritt beim Abbau unseres auf
der Wehrpflicht beruhenden Systems ist das direkte Ergebnis der starken Unterstützung von seiten des Verteidigungsministers, der Staatssekretäre für ^ie

-2-

�die Teilstreitkräfte, der Chefs der Teilstreitkräfte sowie des gesamten Verteidigungsministeriums. Sie alle können mit Recht stolz auf das Erreichte sein:
- Die Einberufungen konnten von 299 000 im Jahre 1968 auf 50 000 im Jahre
1972 verringert werden - das ist ein Sechstel der früheren Zahl.
- Der Anteil der Rekruten, die als »echte Freiwillige* eintreten - das heißt
all jener, die sich aus eigenem freien Willen zum Militärdienst melden und nicht
wegen des Zwanges der Einberufung - hat sich allein im letzten Jahr von 59 Prozent auf 75 Prozent erhöht.
- Die Qualität der Rekruten ist weiterhin hoch geblieben, ja hat sich sogar
noch etwas verbessert, während sich das wirtschaftliche und rassische Profil
der neuen Rekruten nicht wesentlich geändert hat.
- Unsere militärische Einsatzbereitschaft hat nicht gelitten.
Einige Probleme müssen jedoch noch bewältigt werden, und dazu wird es der
vollen Unterstützung von seiten des Verteidigungsministeriums, des Kongresses
und der Öffentlichkeit bedürfen. Zu diesen Problemen zählen:

- Die Vermeidung potentieller Lücken in der Mannschaftsstärke, zu denen es
kommen würde, wenn das derzeit dem Kongreß vorliegende Gesetz nicht verabschiedet wird, das die seitens der Streitkräfte bereits unternommenen energischen Anstrengungen untermauert, die auf eine rationellere Verwendung der Rekruten und
ihre Weiterverwendung abzielen.
Die Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Ärzten und anderer hochqualifizierter Spezialisten in entscheidend wichtigen Sparten.
- Die Beibehaltung der zahlenmäßigen Stärke in der Nationalgarde und der Reserve, die unter dem vom Kongreß vorgesehenen Stand bleiben würde, wenn die anstehenden Gesetzesvorlagen nicht verabschiedet werden.
Ich

-3-

�Ich bin überzeugt, daß man mit diesen Problemen fertig werden kann und
fertig werden wird - sofern der Kongreß unverzüglich über die anstehenden dringenden Vorlagen entscheidet und sofern auch weiterhin von Seiten der Öffentlichkeit und der Streitkräfte eine Unterstützung erfolgt.
Dazu gehören:
- Nutzen und Wert einer militärischen Laufbahn müssen dem amerikanischen
Volk in wirksamerer Weise vermittelt werden, während gleichzeitig alle vier
Teilstreitkräfte auch weiterhin bestrebt bleiben,ihr System in bezug auf die
Personalpolitik und die Verwendung des Personalbestandes zu verbessern. Alle
die, die sich den Militärdienst zu ihrem Beruf wählen, verdienen die Achtung
und die Dankbarkeit der Öffentlichkeit, der sie dienen.
- Der Kongreß muß durch rechtzeitige Verabschiedung der anstehenden Vorlagen dabei mithelfen - das gilt besonders für das Sondergesetzt über die einheitliche Besoldung der Streitkräfte von 1972, das die Zahlung besonderer Zulagen erlaubt, um etwa auftretende Lücken bei entscheidend wichtigen Fachkräften
zu schließen und einen anderen etwa auftretenden Fehlbedarf an Rekruten bei
dem auf Null gestellten Einberufungssystem auszugleichen.
Bei einer solchen Unterstützung werden wir künftig keine Wehrpflicht mehr
brauchen, um die erforderlichen Mannschaftsstärken nach dem Juli 1973 zu erlangen. Das bedeutet, daß es nicht notwendig sein wird, den Kongreß um eine Verlängerung der Einberufungsermächtigung im Rahmen des Gesetzes über den Selektiven
Wehrdienst über Juli 1973 hinaus zu ersuchen; alle weitere Vollmacht zu Einberufungen nach diesem Zeitpunkt würde allein beim Kongreß liegen.
Mit der Erreichung dieses Zieles werden wir endlich - 28 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges - das getan haben,was wir - wie ich im Jahre 1968
sagte - tun müßten: daß wir nämlich unseren Einsatz für die Freiheit dadurch
zeigen sollten, daß wir daran gehen, unseren jungen Menschen ihre Freiheit zu
sichern."
+++I I H M 1-f

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-Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewähltVon unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON --(AD)-- Wenn ausgerechnet Kuba in den Vereinten Nationen den
"Fall der Kolonie Puerto Rico" wieder einmal aufgreift und einige andere Nationen, wie die Sowjetunion und die Volksrepublik China, im Sonderausschuß der
Vereinten Nationen für Fragen des Kolonialismus das "Recht auf Selbstbestimmung" für die Puertoricaner fordern, dann muß man sich fragen, ob die Bevölkerung in diesen Ländern wohl je die Möglichkeit hatte, sich frei über
ihre politische Zukunft zu äußern.
Der Ausschuß billigte am 28. August - mit 12 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Resolution, in der das Recht der Bevölkerung von Puerto Rico auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit anerkannt wird. Frühere Versuche bestimmter
Staaten, den Status der Insel in den Vereinten Nationen in Frage zu stellen,
waren immer gescheitert.
Die Insel Puerto Rico,die in einer Entfernung von etwa 1 600 Meilen von
New York und rund 1 000 Meilen von Miami (Florida) im Karibischen Meer liegt,
ist mit den Vereinigten Staaten durch einen Commonwealth-Status verbunden.
Was

-1-

�Was nun diesen Status anbetrifft, so haben die Puertoricaner im März 1952
mit überwältigender Mehrheit - 375 000 gegen 83 000 Stimmen - eine neue Verfassung gebilligt, die dann vom amerikanischen Kongreß ratifiziert wurde. Am 25.
Juli 1952 wurde aufgrund dieser Verfassung das Commonwealth of Puerto Rico ausgerufen.
Seither hat es auch auf der Insel Auseinandersetzungen um diesen Status gegeben - aber der Streit ging und geht darum, ob Puerto Rico Commonwealth bleiben oder als 51. Staat voll in die Vereinigten Staaten aufgenommen werden soll.
Für eine Unabhängigkeit hat sich immer nur ein verschwindender Bruchteil der Bevölkerung ausgesprochen - aber selbst diese Wenigen hatten und haben die Möglichkeit, ihre Meinung frei zu äußern.
Die Puertoricaner sind amerikanische Staatsbürger und können jederzeit zum
amerikanischen Festland reisen. Sie brauchen keine amerikanische Einkommensteuer
zu bezahlen, müssen dafür aber Commonwealth-Steuern entrichten, die im Lande
bleiben und ganz wesentlich zu dem wirtschaftlichen Wachstum in Puerto Rico beigetragen haben und beitragen.
Bei einer Volksabstimmung im Jahre 1967 stimmten 425 081 für die Beibehaltung des Commonwealth, 273 315 für die Eingliederung als Einzelstaat in die USA
- und ganze 4 248 - oder 0,6 Prozent - für die Unabhängigkeit.
Daß unter diesen Umständen die Vereinigten Staaten die Behandlung des Status
von Puerto Rico im Kolonialausschuß der Vereinten Nationen als eine Einmischung
in die inneren Angelegenheiten der USA betrachten, ist nicht verwunderlich. Der
amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter George Bush,
bezeichnete es als einen "Affront" gegenüber der Weltorganisation. Er habe, so
sagte er, leider noch nie etwas von einer freien Volksabstimmung in Kuba gehört,
während die Bevölkerung von Puerto Rico immer wieder ihre freie Entscheidung habe
treffen können.
Der

-2-

�Der gegenwärtige Gouverneur von Puerto Rico, Luis A. Ferre, ist Vorsitzender
der 1967 gegründeten Progressiven Partei und erhielt bei den Wahlen 1968 rund
45 Prozent der Stimmen. Seine Partei hat die Mehrheit im puertoricanischen Repräsentantenhaus (der unteren Kammer des Parlaments) und tritt für die volle Eingliederung als Einzelstaat in die USA ein.
Die zweite große Partei, die Volksdemokratische Partei unter dem Vorsitz von
Rafael Hernandez Colon, hat die Mehrheit im Senat und tritt für die Beibehaltung
des Commonwealth-Status - mit bestimmten Veränderungen - ein.
Bei den Wahlen im Jahre 1968 erhielten die Kandidaten der Unabhängigkeitspartei nur drei Prozent der Wählerstimmen - alle anderen gingen an den Kandidaten, die den Commonwealth-Status oder die volle Eingliederung befürworten.
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht noch, daß auch die beiden
großen Parteien in den USA sich in ihrer Wahlplattform mit Puerto Rico befassen.
Die Demokraten "respektieren und unterstützen den immer wieder zum Ausdruck gebrachten Wunsch der Bevölkerung von Puerto Rico, sich in einer ständigen Union
als unabhängiges Commonwealth frei mit den Vereinigten Staaten zu verbinden."
Die Republikaner haben erklärt, daß sie die volle Eingliederung als Einzelstaat unterstützen wollen, wenn sich eine Mehrheit der Puertoricaner in Zukunft
für eine solche Lösung entscheiden sollte.
Gouverneur Ferre hat im vorigen Jahr die Dinge klar aufgezeigt:
"Nach dem Grundsatz der

Selbstbestimmung wird es die Bevölkerung von

Puerto Rico selbst sein, die letztlich entscheiden wird, welche Art von Beziehung die Insel zu den Vereinigten Staaten haben soll. Als Gouverneur bin ich darauf vereidigt, diese Aspekte der Verfassung zu schützen. Sollte sich die Bevölkerung von Puerto Rico dafür entscheiden, den gegenwärtigen Commonwealth-Status

-3-

�•

Commonwealth-Status beizubehalten, dann wird das für mich verpflichtend sein.
Sollte sie sich für die Eingliederung in die Vereinigten Staaten als Einzelstaat
entscheiden, dann wird sich die Regierung auch daran halten, und das gleiche würde gelten, wenn die Bevölkerung von Puerto Rico aus freiem Entschluß und durch
Mehrheitsentscheid die Unabhängigkeit wählen sollte."

-++++

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36/1972

VORBEHALTE EBERLES ZUM BERICHT DER OECD-SACHVERSTÄNDIGENGRUPPE

- Wortlaut des Schreibens -

PARIS - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben wichtige Vorbehalte zu dem
Bericht über die Lage des internationalen Handels angemeldet, den die Sachverständigengruppe (Rey-Kommission) der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Vorbereitung einer neuen Runde von
Handelsgesprächen veröffentlicht hat.
Der elfköpfigen OECD-Sachverständigengruppe (High Level Group on Trade
and Related Problems) unter Leitung von Jean Rey (Belgien) gehören acht europäische Mitglieder sowie jeweils ein Vertreter Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten an.
Der amerikanische Delegierte, der Sonderbeauftragte für Zoll- und Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle, hat den Mehrheitsbericht mit unterzeichnet, jedoch in einem dem Bericht beigefügten Schreiben wichtige Vorbehalte angemeldet.
Der am 5, September in Paris veröffentlichte Zusatz Eberles zu dem Bericht hat folgenden Wortlaut:
"Ich unterzeichne diesen Bericht aus einem tiefen persönlichen Gefühl der
Anerkennung heraus für die Ernsthaftigkeit und Offenheit der kollektiven Anstrengungen unseres Vorsitzenden und meiner Kollegen, die komplexen wirtschaftlichen Fragen in den Griff zu bekommen, vor denen wir und die Nationen der Welt

- 1 -

�Welt heute stehen. Ohne jedoch die Bedeutung dessen schmälern zu wollen, was
in dem Bericht steht, kann ich mein Bedauern darüber nicht verbergen, daß der
Bericht, meiner Beurteilung nach, nicht in ausreichendem Maße die Dringlichkeit oder Klarheit erkennen läßt, vor allem was die langfristigen Ziele für
das internationale Handelssystem angeht. Unser Auftrag war es, 'Handelsprobleme und damit zusammenhängende Probleme in einer längerfristigen Perspektive
zu analysieren'. Es ist bedauerlich, daß es uns als unabhängige Experten nicht
gelungen ist, längerfristige Ziele zu setzen, nach denen Regierungen streben
könnten.
Es steht der Gruppe zu, größere kollektive Disziplin und Achtung vor internationalen Regeln zu fordern und zu erklären, daß 'die fundamentale Reform des
WährungsSystems eine dringende Aufgabe ist'. Der Bericht sollte jedoch auch
bedeutsame Veränderungen jener internationalen Handelsregeln und -praktiken gefordert haben, die der Bericht ganz richtig als die Quelle der akuten politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten identifiziert.
Es ist und bleibt meine Auffassung, daß der Mangel an politischem Willen,
direkt und offen jene Handelspraktiken anzupacken, die zu einer Isolierung von
Marktsektoren von dem internationalen wirtschaftlichen Anpassungsprozeß führen,
diesen Anpassungsprozeß und die Wiederherstellung des Zahlungsbilanzgleichgewichts ernsthaft gefährden. Wenn wir die Ordnung in einem Teil des internationalen Wirtschaftssystems wieder herstellen, müssen wir auch daran gehen, die
Grundsätze des fair play und des vergleichsweisen Vorteils in anderen Gebieten
anzuwenden.
Der Bericht geht davon aus, daß die Landwirtschaft von der Industrie grundsätzlich verschieden sei und daß wir nicht nur viele Jahre warten können, sondern
müssen, bevor Schranken und Verzerrungen im Agrarhandel irgendwie fundamental
angepackt werden können. Ich stimme mit keinem dieser Gedanken überein.
Die Anpassungsprobleme in der Landwirtschaft sind ernsthafter Natur, aber
das gilt in gleicher Weise für die Anpassungsprobleme in bestimmten Industriezweigen, wo Arbeitslosigkeit herrscht und wo Arbeiter ohne Umschulung oder Ortsveränderung keine Arbeitsplätze finden können. Die industrielle und die regionale

- 2-

�regionale Politik vieler Regierungen zielt auf eine Erleichterung der Schwierigkeiten bei Ubergangsanpassungen in der Industrie ab. Eine ähnliche Politik könnte
auch für die Landwirtschaft entwickelt werden, wenn der politische Wille dazu
vorhanden ist. Der Unterschied zwischen Industrie und Landwirtschaft ist also
eher eine Frage der Haltung der Regierungen als eine Frage des fundamentalen
Unterschiedes in der Natur des Problems.
Was ein viele Jahre langes Abwarten anbetrifft, so ist dies meiner Überzeugung nach weder notwendig noch möglich, wenn wir mit der Liberalisierung des
Handels vorankommen wollen. Es ist meine Überzeugung, daß die Liberalisierung
des Handels sowohl zum Wohle der Farmer als auch der Verbraucherin all unseren
Ländern sein wird. Ich kann nicht einsehen, warum Länder, deren vergleichsweiser
Vorteil in der Landwirtschaft groß ist, nicht das gleiche Recht haben sollten,
diesen Vorteil ebenso auszunutzen wie jene Länder, deren vergleichsweiser Vorteil in der Gütererzeugung liegt. Es ist eine politische Grundtatsache, daß ein
wesentlicher Fortschritt im industriellen Welthandel nicht ohne einen Fortschritt
auch auf der landwirtschaftlichen Seite ausgehandelt werden kann. Damit werden
längerfristige Ziele zu einer wichtigen Richtschnur der Zwischenentscheidungen,
die für die Reform notwendig sind und die sowohl für die Industrie als auch für
die Landwirtschaft gelten sollten.
Aus der Überzeugung ihrer Bedeutung heraus und in Übereinstimmung mit den
Auffassungen meiner Kollegen möchte ich die Notwendigkeit für einige solcher
weitreichenden Vorschläge unterstreichen, wie sie im Teil II, Kapitel V für
einen multilateralen Sicherheitsmechanismus gemacht werden. Es ist meine Überzeugung, daß ohne ein Abkommen über einen fairen und wirksamen Mechanismus zur
Behebung abrupter Marktverzerrungsprobleme nur wenig Hoffnung besteht, einseitige
Schutzmaßnahmen zu vermeiden, und die Aussichten für einen allgemeinen Fortschritt der Liberalisierung des Handels würden wesentlich vermindert.
Daß es der Gruppe nicht gelungen ist, einen Konsensus über die Gefahren der
Ausbreitung von Präferenzabkommen und entsprechender Gegenmaßnahmen zu finden,
ist ein wesentlicher Mangel. Es scheint unangemessen zu sein, daß Sonderabmachungen zur Begünstigung einiger, weniger Entwicklungsländer in einem bestimmten Gebiet getroffen werden, während Entwicklungsländer in anderen Gebieten
- 3-

�I

Gebieten diskriminiert werden. Darüber hinaus gibt es keine wirtschaftliche
oder entwicklungspolitische Rationale, die die Ausweitung von 'umgekehrten'
Präferenzen durch Entwicklungsländer gegenüber Industriestaaten in Westeuropa
rechtfertigen könnte. Ich bin besonders darüber enttäuscht, daß die Gruppe kein
Einvernehmen über eine baldige Beseitigung von umgekehrten Präferenzen erzielen
konnte.
Schließlich bedeutet auch unser Unvermögen, einen Konsensus über die Bedeutung der Gefahr zu finden, die andere im Gegensatz zu dem Grundprinzip
der Nichtdiskriminierung stehende Handelsvereinbarungen für die Zukunft der
internationalen Wirtschaftsbeziehungen bilden, eine Enttäuschung für mich.
Der Bericht unterstreicht wiederholt die Tatsache der wachsenden Interdependenz als zentrales Charakteristikum der heutigen Weltwirtschaft. Nachdem wir
übereingekommen sind, daß dieser Trend ermutigt werden sollte, zweifle ich daran,
daß die Ausbreitung diskriminierender Handelsvereinbarungen durch die Europäischen
Gemeinschaften zu rechtfertigen ist. Wir müssen dieses Problem lösen, das zu
einer ernsten Frage in unseren Beziehungen geworden ist.
Diese Probleme werfen nicht nur Fragen bezüglich der Einhaltung bestehender
Regeln auf, sondern es erhebt sich auch die Frage, ob die Regeln ausreichend
sind.
Es ist meine Hoffnung, daß diese Gesamtüberlegungen eher ein Zusatz und
nicht ein Abzug von den vielen ausgezeichneten Ideen des Berichtes sind."

+ + + + +

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36/1972

VORLÄUFIGER ZEITPLAN FÜR DEN FLUG APOLLO 17

- (AD) - Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) rechnet damit, daß
der erste Nachtstart in der Geschichte der amerikanischen bemannten Raumfahrt
noch mehr Besucher als beim Beginn früherer Weltraumexpeditionen nach Kap
Kennedy führen wird. Nach dem jetzt bekannt gegebenen vorläufigen Zeitplan
für APOLLO 17, den letzten Flug der APOLLO-Serie, soll das Raumschiff mit den
drei Astronauten Eugene A. Cernan (Kommandant), Ronald E. Evans (Pilot der
Kommandokapsel) und Dr. Harrison H. (Jack) Schmitt (Pilot der Mondfähre) am
7. Dezember 1972 um 3.53 Uhr MEZ starten (nach der Ortszeit "Eastern Standard
Time" - EST - am 6. Dezember 1972 um 21.53 Uhr).
Mit einer Gesamtdauer von 304 Stunden und 31 Minuten wird APOLLO 17 der
längste Flug des Programms sein. Hauptaufgabe der Mission ist die Landung von
zwei Astronauten in der Nähe der Littrow-Krater am Taurus-Gebirge, in der
Grenzzone zwischen dem Mare Imbrium und dem Mare Serenitatis im nordöstlichen
Mondquadranten. Die Koordinaten des vorgesehenen Landeplatzes werden von der
NASA mit 20 Grad 10 Min. Nord und 30 Grad 45 Min. Ost auf der der Erde zugekehrten Seite angegeben.
Im Verlauf von drei Exkursionen werden Cernan und Schmitt mit Hilfe ihres
Elektrofahrzeugs versuchen, möglichst viele und dabei möglichst unterschiedliche Boden- und Gesteinsproben einzusammeln. Das gebirgige Gelände ist besonders gekennzeichnet von hellem und von dunklem Material - vielleicht zählt
das letztere zu dem "jüngsten" aus Schmelze erstarrten Gestein, das man bisher

�bisher angetroffen hat, weil es möglicherweise erst geraume Zeit nach dem vermuteten Einschlag großer Meteore auf dem Mond vor rund 3,9 bis 3,2 Milliarden
Jahren aus dem Innern ausgequollen ist. Erst nach gründlicher Analyse der Aufnahmen, die APOLLO 15 (Juli/August 1971) zur Erde brachte, wurde der Platz ausgewählt. Mit Harrison Schmitt ist zum ersten Mal ein routinierter Geologe dabei, von dessen Beobachtungen - wie natürlich auch von den späteren Gesteinsuntersuchungen - sich die Wissenschaftler wichtige neue Hinweise auf Geschehnisse
in der Vergangenheit und auf mögliche vulkanische Vorgänge in jüngerer Zeit erhoffen.
Die wichtisten Stationen des Unternehmens APOLLO 17 sind:
Datum

U h r z e i t (MEZ)

Start

7. Dezember 1972

3.53 Uhr

Einschuß in Bahn zum Mond

7.

ii

II

7.14 Uhr

Eintritt in Mondumlaufbahn

10.

ti

ll

20.49 Uhr

Beginn der Landemanöver

11.

M

II

1.06 Uhr

Einschuß in Abstiegsbahn

11.

•i

II

19.54 Uhr

Landung

11.

II

ll

20.55 Uhr

1. Exkursion

12.

II

ll

0 . 3 3 Uhr

2. Exkursion

12.

H

II

23.13 Uhr

3. Exkursion

13.

II

II

22.33 Uhr

Start vom Mond

14.

II

II

23.56 Uhr

Einschuß in Rückkehrbahn

17.

II

II

0 . 3 3 Uhr

Ausstieg im Weltraum

17.

II

19.

II

c a . 20.33 Uhr

Wasserung im Pazifik
(17,9° Süd, 166° West)

+ + + + +

- 2-

II

20.24 Uhr

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36/1972

UMWELTSCHUTZ: 287 MILLIARDEN DOLLAR BIS 1980
-Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor-

--(AD)-- Der Himmel über einigen Industriegebieten Amerikas ist klarer, manche
Flüsse sind sauberer geworden. Der soeben erschienene dritte Jahresbericht des
Beirats für Umwelthygiene Präsident Nixons gibt eine Übersicht über die Fortschritte, die in den vergangenen 12 Monaten erzielt wurden, und umreißt die
Aufgaben, die auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Umweltverbesserung in
naher und fernerer Zukunft zu bewältigen sind.
In welchen Größenordnungen sich diese bewegen, geht schon daraus hervor,
daß die für die Zeit zwischen 1971 und 1980 erforderlichen Aufwendungen auf
287 Milliarden Dollar geschätzt werden.
Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen für wirksame Maßnahmen hat sich
in den letzten drei Jahren vieles in positivem Sinne geändert. In allen 50 Bundesstaaten wurden teilweise oder uneingeschränkt die von der Bundesregierung
geforderten Pläne gebilligt, das eigene Vorgehen auf die von Washington aufgestellten Kriterien zur Reinhaltung der Luft abzustimmen. Dabei geht es vor

�*

vor allem um die Bekämpfung von Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffoxiden, Kohlenwasserstoffen, photochemisch wirksamen Verbindungen und Staub.
Durch Koordinierung der Maßnahmen von Bund und Einzelstaaten soll ganz allgemei
die Luftqualität bis zum Jahre 1975 merklich verbessert werden. William D.
Ruckeishaus, der Leiter der Bundesbehörde für Umweltschutz, glaubt allerdings,
daß dieses Ziel in den Großstädten erst 1977 erreicht sein wird. Heute verzeich
nen 139 der insgesamt 247 Kontrollregionen bereits über der Norm liegende Quali
tätswerte hinsichtlich mindestens eines der sechs Schmutz-und Schadstoffe.
170 Millionen Menschen profitieren davon.

-Probleme des IndustriewachstumsObgleich auf die Verbesserung der Luft-und Wasserqualität nach wie vor die
meisten Anstrengungen verwendet werden, befassen sich zahlreiche Bundesstaaten
auch bereits eingehend mit Fragen der Lärmbekämpfung, der wirksamsten Verfahren
zur Müllbeseitigung, der Raumordnung und Bodennutzung sowie der weiteren Verringerung von Risiken, die durch Strahlung und Schädlingsbekämpfung entstehen
können. Mancherorts, so in dem kleinen Staat Delaware an der Atlantikküste,
führte dies bereits zu einer Art Reglementierung des industriellen Wachstums.
In einem 45 km breiten Streifen entlang der Küste dürfen keine weiteren Werke
bestimmter Industrien mehr angesiedelt werden - u.a. Ölraffinerien und Papierfabriken. Außerdem wurde die Errichtung zweier künstlicher Inseln in der
Delaware-Bucht als Öl-und Kohlespeicher untersagt und der Bau eines Hafens
für Supertanker zunächst einmal aufgeschoben. In seiner Antwort auf die Proteste der Industrie bezweifelt Gouverneur Peterson, daß "die alten Maßstäbe"
für den Fortschritt auch heute noch als Orientierung für ein ersprießliches
Dasein güll.ig sein könnten. Das neue "Küstenzonengesetz" macht den Bundes-

-2-

�Bundesstaat jedoch attraktiv für Industrie-und Gewerbezweige, die nicht so
leicht mit den Umweltschützern in Konflikt geraten.
Diese Gruppe ist z.B. in Kalifornien recht aktiv. Sie fordert u.a.ein Gesetz, das die gesamte 1 76o km lange Küste am Pazifik, zumindest aber bestimmte
Gebiete davon, unter Schutz stellt. Denn im Gegensatz zu Oregon weiter im Norden,
wo die Küsten seit langem dem Staat gehören und nicht direkt für kommerzielle
Zwecke genutzt werden können, haben sich in Kalifornien Wirtschaftsunternehmen
aller Art breitgemacht. Möglicherweise erhalten die "Umweltaktivisten" für
die Durchsetzung ihrer Forderungen sogar Unterstützung aus Washington. Der USSenat stimmte kürzlich dem Küstenzonen-Kontrollgesetz zu; für die Staaten am
Atlantik und Pazifik sind 320 Millionen Dollar als Beihilfe für Entwicklungsund Kontrollprogramme im Verlauf der nächsten fünf Jahre bereitgestellt.
Der Neuenglandstaat Maine und der Pazifikstaat Oregon erließen Gesetze, die
die Ausweitung bestimmter Industrien zum Schutze der Umwelt unter Kontrolle
stellen.

In Florida wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Behörden gewisse

Kontrollrechte bei Projekten einräumt, die eine besondere Umweltbelastung darstellen können - z.B. Flughäfen und neue Großsiedlungen. Mit Hilfe einer Anleihe
soll außerdem der Ankauf von Gebieten durch den Staat finanziert werden, die
durch Umwelteinflüsse besonders gefährdet sind oder als Naturschutzgebiet erhalten werden sollen.
Während New Mexico und Pennsylvanien auch durch Verfassungszusätze neue
Garantien für den Umweltschutz zu schaffen suchten, konzentriert man sich in
Oregon zunächst auf gezielte, praktische Maßnahmen. Der ca. 300 km lange
Willamette-Fluß, noch vor nicht allzu langer Zeit einer der am stärksten verschmutzten Flußläufe Oregons, ist wieder sauber geworden - so sauber, daß er
sogar vom Pazifik-Lachs wieder aufgesucht wird. Im Rahmen eines Zehnjahresprogramms zur Verbesserung der Wasserqualität, die heute den strengen bundesund einzelstaatlichen Kriterien vollauf entspricht, wurden die Abwässer und

�:

und Belastungsstoffe um mehr als 90 Prozent vermindert. Zwanzig Städte und 600
Industriebetriebe leiten ihre Abwässer ein; außerdem bildeten landwirtschaftliche Abwässer des Farmlandes rundum früher eine erhebliche Verschmutzungsquelle.
"Überraschenderweise mußte trotz der überaus strengen Bestimmungen in keinem
einzigen Fall gegen einen Verschmutzer gerichtlich vorgegangen werden",

schrieb

im Juni 1972 das "National Geographie Magazine". "Nur ein kleines Unternehmen
zog es vor, den Betrieb zu schließen, anstatt den Auflagen nachzukommen."
Alles in allem gesehen scheinen sich zwischen den Interessengruppen - etwa
den passionierten Umweltschützern einerseits und den Behörden oder der Industrie
andererseits - immer mehr Kompromisse anzubahnen. Es besteht sogar Aussicht,
daß die erstgenannte Gruppe eines Tages doch mit ihrer seit längerer Zeit erhobenen Forderung durchkommt, Gelder aus dem Bundesstraßen-Treuhandfonds für den Bau
von Massenverkehrsmitteln freizubekommen und so zur Entlastung der Straßen vom
umweltfeindlichen Autoverkehr beizutragen. In diesen Fonds fließen aus Steuern,
die auf Benzin,Autoreifen und Lastkraftwagen erhoben werden, jährlich fünf
Milliarden Dollar. Er wird gegenwärtig ausschließlich für den Straßenbau benutzt.
Ein am 10. August 1972 im zuständigen Senatsausschuß eingebrachter neuer Antrag,
seine Verwendung für den Bau von Massenverkehrsmitteln zu verbieten, wurde diesmal mit nur sehr knapper Mehrheit - nämlich 8:7 Stimmen - abgelehnt.

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36/1972

DEM VERGIFTUNGSMECHANISMUS VON HEXACHLOROPHEN AUF DER SPUR

--(AD)-- Eine durch einen Fabrikationsfehler verursachte Überkonzentration an
Hexachlorophen in Babypuder war, wie sich jetzt herausstellte, die Ursache
für den Tod von mindestens 27 und die Erkrankung von mehr als 60 Säuglingen
in Frankreich. Obgleich dieses tragische Vorkommnis eindeutig auf menschliches
Versagen zurückgeht, ist es doch auch deshalb alarmierend, weil offenbar gefährliche chemische Stoffe zu leicht weit verbreitet, sorglos und unsachgemäß angewandt werden können.
Hexachlorophen galt als wirksames Mittel zur Vorbeugung und Bekämpfung
von Hautinfektionen durch Pilze und Bakterien. Aber Anfang des Jahres warnten
zwei New Yorker Wissenschaftler davor. Sie hatten bei Tierversuchen herausgefunden, daß es die Fähigkeit der Gehirnzellen beeinträchtigt, die für die Gehirnfunktionen benötigte Energie zu produzieren. Aufgrund dieser Warnung verbot
kürzlich die US-Regierung über die zuständige Behörde, die "Food and Drug Administration" (Bundesaufsichtsamt für Kosmetika, Nahrungs-und Arzneimittel),
die weitere Verwendung von Hexachlorophen

als Zusatz zum Badewasser von Neu-

geborenen und Säuglingen. Untersuchungen in der Folgezeit hatten nämlich gezeigt, daß die chemische Verbindung über die Haut vom Körper aufgenommen wird
und mit dem Blut ins Gehirn gelangt.
Eine

�»
»

Eine Anzahl von Herstellerfirmen hexachlorophenhaltiger Mittel arbeitete
inzwischen Anwendungsvorschriften zu einzelnen Präparaten aus, damit verhindert
wird, daß oberhalb bestimmter Konzentrationen die chemische Verbindung von der
Haut oder von Wundflächen absorbiert wird. In der Bundesrepublik gab das Gesundheitsministerium Empfehlungen an Herstellerfirmen, in denen Höchstkonzentrationen für kosmetische Erzeugnisse angeführt sind. Babypflegemittel enthalten nach offizieller Mitteilung überhaupt kein Hexachlorophen mehr.
Die beiden amerikanischen Wissenschaftler berichteten jetzt über Einzelheiten der Ergebnisse ihrer Versuche zur Aufklärung des Wirkungsmechanismus von
Hexachlorophen. Sie studierten ihn an Mitochondrien (strangförmigen Gebilden im
Zellplasma) aus Gehirn-und Leberzellen von Ratten. Diese winzigen Partikel gelten als "Kraftwerke" der Zellen. Innerhalb der Mitochondrien werden aufgenommene
Nährstoffe in die Verbindung ATP (AdenosintriphosphorpäureI umgewandelt. Sobald
diese Verbindung durch Wasser wieder aufgespalten wird, setzt sie große Mengen
Energie frei.
Bei Anwesenheit von Hexachlorophen sind die Mitochondrien jedoch nicht fähig, ATP zu produzieren - und das kann bedeuten, daß die Zelle abstirbt. Wie
aber Hexachlorophen aus dem Blut in die Gehirnzellen gelangt, war im Detail
noch nicht lückenlos zu ermitteln. Jedoch gab es bei den Tierversuchen eindeutige Hinweise darauf, daß die Verbindung in die Gewebe des Zentralnervensystems
eindringt.

-2-

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36/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES PROJEKT ZUR KREBSFORSCHUNG
Virus-Theorie gewinnt an Boden

Von G. Weiss

- (AD) - Durch Überimpfen von menschlichen Tumorzellen auf Primaten entwickelte sich bei ca. 200 von 600 Versuchstieren, insbesondere bei Pavianen,
Leukämie. Angesichts dieses Ergebnisses einer langen Experimentierreihe habe,
wie kürzlich ein sowjetischer Krebsforscher anläßlich seines Besuches in den
Vereinigten Staaten erklärte, die Virus-Theorie im Zusammenhang mit Krebs beim
Menschen eindeutig an Boden gewonnen.
Dr. Boris Lapin, der Direktor des Instituts für experimentelle Pathologie
und Therapie in Suchumi (Georgien, UdSSR), der sich mit einer Gruppe von Mitarbeitern seit Jahren mit Leukämieforschung und speziell mit Viren als möglicher Ursache dieser Krankheit befaßt, erörterte jetzt mit amerikanischen
Kollegen vom Nationalen Krebsforschungsinstitut (NCI) der USA in Bethesda
(Maryland) Pläne für gemeinsame Projekte. Wie Dr. John B. Malony, einer der
wissenschaftlichen Direktoren des NCI, auf einer Pressekonferenz in Bethesda
erklärte, werden amerikanische Wissenschaftler mit Gewebekulturen, die von Proben des in der Sowjetunion isolierten "verdächtigen" Materials weitergezüchtet
werden, versuchen, die Krebs verursachenden Partikel zu bestimmen. Dabei muß
Malony zufolge exakt herausgefunden werden, um welches "gruppenspezifische"
Material es sich dabei handelt - ob es wirklich Viren vom Menschen oder aber
von Primaten sind, die bei den Experimenten in der Sowjetunion für die Um-

- I -

�-

Umwandlung gesunder Zellen in leukämische Zellen verantwortlich waren.
Die Klärung dieser Frage würde die Forschung sicherlich ein gutes Stück
voranbringen. Nach Meinung Dr. Malonys geht es dabei nicht nur um Leukämie
und leukämieähnliche Erkrankungen, sondern auch um die in verschiedenen Erscheinungsformen auftretenden Sarkome (bösartige Geschwülste, die aus Bindegewebe hervorgehen). Diese allein machen in den Vereinigten Staaten ca. 38 000
der pro Jahr verzeichneten 640 OOO Neuerkrankungen an Krebs aus.
Wohl kennt man schon seit geraumer Zeit bestimmte Typen von Viren, die
bei Säugetieren (Mäusen, Hamstern, Katzen und Ratten) und einigen Vogelarten
zu Tumoren führen. Jedoch war bisher nicht oder nicht mit letzter Sicherheit
nachzuweisen, daß sie auch beim Menschen Krebs auslösen. Ca. 40 Virustypen,
die zumindest bei niedrigeren Tieren Geschwulstbildungen verursachen, wurden
inzwischen isoliert. Die große Schwierigkeit für die Onkologie (Geschwulstforschung) ergab sich aber bisher aus der Tatsache, daß in menschlichen Krebsgeschwülsten allenf all ? Restbestände oder "Fingerabdrücke" von Viruspartikeln
in der Form von Antikörpern, aber - mit ganz wenigen Ausnahmen - nicht die
verdächtigen Viren selbst nachzuweisen waren.
Anscheinend spielt bei den immunbiologischen Reaktionen, d.h. den vom
Körper entwickelten Mechanismen zur Abwehr von Infektionen, die starke Differenzierung der Organismen eine besondere Rolle. In ihr könnte z.B. einer der
Gründe für unterschiedliche Reaktionen niedriger Lebewesen einerseits und hochentwickelter Spezies andererseits auf körperfremde Partikel, die in die Zellen
eindringen und sich unter Abbau von deren Substanz, einschließlich des Zellkernmaterials, darin vermehren, zu suchen sein. Auf die Bedeutung dieser
Theorie deuten u.a. Versuchsergebnisse einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe vom NCI hin. Dr. Edward M. Scolnick und Mitarbeiter stellten im Verlauf
einer Experimentierreihe fest, daß drei jüngst entdeckte RNS-Virusarten vom
Typ C, die möglicherweise bei Primaten Krebs verursachen, sich in immunologischer Hinsicht von ähnlichen RNS - Viren,die bei Mäusen, Ratten und Hamstern
gefunden werden, unterscheiden.
Dr. Mahony

- 2-

�Dr. Mahony und Dr. Lapin sehen in der Züchtung großer Mengen von Typ-CViren - auch bei dem am Institut Dr. Lapins von leukämiekranken Pavianen
(Papio Hamadryas) gewonnenen Virusmaterial handelt es sich um diesen Typ den allerwichtigsten nächsten Schritt. Nur so könne mit Sicherheit ermittelt
werden, ob es sich dabei um Affen- oder um Menschenviren handelte. Im letzteren
Fall wäre dies ein Beweis, daß das Impfen mit menschlichen Leukämiezellen zur
Erkrankung der Tiere führte. Aber selbst wenn die Viren als Primatenviren identifiziert würden, sei dies, so Dr. Lapin, "äußerst interessant", weil dann die
Demonstration erbracht sei, daß die humanspezifischen Tumorgewebe - insbesondere Leukämiezellen - einen Faktor enthielten, der "im Organismus des Pavian
die genetischen Prozesse aktivierte, durch die Krebszellen entstanden und sich
weiter vermehrten".
In diesem Zusammenhang berichtete Frank J. Rauscher, der Direktor des
Nationalen Krebsforschungsinstituts, daß man in den USA bisher mit den verschiedensten Primaten, aber nicht mit Pavianen experimentiert habe. Jedoch
würde man sich jetzt darum bemühen, äthiopische Paviane für die Krebsforschung
zu bekommen. Der logische zweite Schritt sei dann, wie Dr. Lapin weiter erklärte, der Versuch, Primaten, die mit menschlichen Leukämiezellen geimpft
werden, gegen die Entwicklung der Krankheit zu schützen. Erst wenn dies gelingt, bestehe Hoffnung, einen Impfstoff gegen bestimmte Formen von Krebs
beim Menschen zu entwickeln.

- 3-

�</text>
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    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
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      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Verlautbarung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wer im Glashaus sitzt ...&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Virus-Theorie gewinnt an Boden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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