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Dokumentation

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35

30. August 1972

Inhalt

INFORMATION:
Nixon ordnet weiteren Truppenabzug aus Vietnam an
USA streben gerechtere Verteilung der UN-Beiträge an
Von unserem Sonderkorrespondenten
Klimaanlagen und Kältetechnik
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in FrankfurtI

HINTERGRUNDMATERIAL:
An der Verteidigung scheiden sich die Geister
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Zentralinstitut für Bautechnik
Strömungsforschung
Gewitterwolken werden geimpft

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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35/1972

NIXON ORDNET WEITEREN TRUPPENABZUG AUS VIETNAM AN

SAN CLEMENTE, KALIFORNIEN - ( A D ) - Präsident Nixon hat einen weiteren Abzug amerikanischer Truppen aus Vietnam angeordnet, durch den die genehmigte Truppenstärke bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert werden soll.
Dies gab der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 29. August
in San demente bekannt, wo sich Präsident Nixon gegenwärtig aufhält. Ziegler
wies darauf hin, daß die sogenannte genehmigte Truppenstärke normalerweise
etwas höher liege als die tatsächliche. So befänden sich gegenwärtig 37 000
US-Soldaten in Vietnam - eine Zahl, die um 2 000 Mann niedriger sei als die
genehmigte Truppenstärke am 1. September.
Ziegler erklärte vor der Presse, daß eine amerikanische Resttruppe solange in Südvietnam verbleiben werde, bis eine Regelung auf dem Verhandlungswege
erreicht worden sei

oder bis alle Kriegsgefangenen frei gelassen und über die

Vermißten Auskünfte erteilt worden seien. Der Pressesekretär kündigte an, daß
Präsident Nixon vor dem nächsten Zieldatum, dem 1. Dezember, eine weitere Erklärung zur amerikanischen Truppenstärke in Vietnam abgeben werde; diese Mitteilung werde jedoch nicht vor den Präsidentschaftswahlen am 7. November erfolgen.
In

-1-

�In Beantwortung von Fragen unterstrich Ziegler, daß sich die Hauptaufgabe
der noch verbleibenden Truppen auf den Nachschub und die Versorgung erstrecken
werde. Amerikanische Erdkampftruppen seien nicht mehr in Südvietnam.
Die jüngste Ankündigung bedeutet, daß Präsident Nixon bis zum 1. Dezember
die amerikanische Truppenstärke in Südvietnam seit seinem Amtsantritt am 20.
Januar 1969 um 95 Prozent reduziert haben wird. Damals waren 549 500 amerikanische Soldaten in Vietnam stationiert.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses wies darauf hin, daß die USA ihre
Truppen in Thailand sowie die Marineeinheiten vor der Küste Vietnams seit der
nordvietnamesischen Invasion am 30. März verstärkt hätten, um der damit gegebenen Bedrohung entgegenwirken zu können. Nach der massiven Verletzung der entmilitarisierten

Zone durch Hanoi habe Präsident Nixon die Entsendung von wei-

teren 12 000 Mann nach Thailand und die Abstellung von 20 000 Mann für die
Marineeinheiten vor der vietnamesischen Küste angeordnet. Gegenwärtig befinden sich 42 000 bis 44 000 amerikanische Soldaten in Thailand und 35 000 bis
39 000 vor der Küste Vietnams. Diese Einheiten werden von der jüngsten Reduzierung nicht betroffen.

f-H-H-

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35/1972

USA STREBEN GERECHTERE VERTEILUNG DER UN-BEITRÄGE AN
Von unserem Sonderkorrespondenten

VEREINTE NATIONEN,NEW YORK --(AD)-- Die Vereinten Nationen haben gegenwärtig
132 souveräne Mitglieder, die in der Vollversammlung alle das gleiche Stimmrecht haben. Das Budget der Weltorganisation wird jedoch allein zu 65 Prozent
von fünf dieser Mitgliedstaaten - und zu rund 32 Prozent von einem der Mitglieds
länder, nämlich den Vereinigten Staaten - getragen. Wenn man bedenkt, daß
über 60 der kleinen Mitgliedstaaten nicht mehr als ein Zwanzigstel eines
Prozents des Gesamthaushalts tragen, dann darf es nicht verwundern, daß man
sich in den Vereinigten Staaten - in der Regierung, im Kongreß und in der
Öffentlichkeit - Gedanken darüber macht, ob der hohe amerikanische Beitrag
heute noch gerechtfertigt ist.
Präsident Nixon hat in seinem außenpolitischen Bericht zu Anfang dieses
Jahres darauf hingewiesen, daß es für die Weltorganisation selbst auf die
Dauer nicht von Vorteil sein kann, wenn sie finanziell zu sehr auf ein bestimmtes Mitglied angewiesen ist. Zu dem regulären Haushalt der Vereinten Nationen

i-

�Nationen für das Jahr 1972 haben die USA allein 31,52 Prozent oder 64 Millionen
Dollar beigetragen, und in früheren Jahren betrug der Prozentsatz bis zu 39
Prozent.
Die Vereinigten Staaten haben jetzt begonnen, mit anderen Mitgliedsstaaten über eine Neuregelung der Beitragsveranlagung zu sprechen, wobei man von
amerikanischer Seite eine Maximalrate von 25 Prozent anstrebt, die den heutigen
Verhältnissen sicher angepaßt wäre.
Nixon hat bereits in seinem außenpolitischen Bericht darauf hingewiesen,
daß die Zahlungsfähigkeit eines Landes nicht die einzige Richtschnur sein könne,
da Vernunft und politischer Realismus dagegen sprächen, daß ein Mitglied einen
unverhältnismäßig hohen Beitrag leiste. Schließlich sei der Mindestbeitrag
auch nicht allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt worden.
Als die Vereinten Nationen zu Kriegsende die Beiträge festsetzten, lag es
auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten allein mindestens so viel bezahlen
konnten wie alle anderen zusammen. Jedoch schon damals erkannte man in der
Vollversammlung die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit und setzte das Limit
auf 40 Prozent. Im Jahre 1948 wurde beschlossen, daß kein Land mehr als ein
Drittel des Gesamtbeitrages aufbringen solle und dürfe, und im Jahre 1957 wurde
mit wachsender Mitgliederzahl die Beitragsgrenze schließlich auf 30 Prozent
festgelegt - wobei der amerikanische Beitrag de facto auch weiterhin über diesem Prozentsatz lag.
Die Kommission, die Präsident Nixon für den 25. Jahrestag des Bestehens
der Vereinten Nationen einsetzte, empfahl bereits im Jahre 1971 eine Senkung
der Beitragsrate auf 25 Prozent. Die Empfehlungen der Kommission unter Leitung
des früheren amerikanischen Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen, Henry
Cabot Lodge, sind mittlerweile Bestandteil der Außenpolitik der Nixon-Administration geworden. Amerikanische Diplomaten bemühen sich in den Hauptstädten

-2-

�Hauptstädten der Welt und in den Vereinten Nationen um Unterstützung für eine
Reduzierung des Höchstbeitrages - wobei nicht an eine Anhebung des Mindestbeitrages gedacht ist, wie ihn viele der kleinen Mitglieder bezahlen. Der Ausgleich
könnte vielmehr durch eine Erhöhung des Beitrages einiger wirtschaftlich erstarkter Mitgliedsländer erreicht werden.
Eine Neuverteilung der Beiträge müßte natürlich zunächst einmal von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen gebilligt werden. Zuvor bedarf es eines
Beschlusses des Beitragsausschusses, der im Frühjahr kommenden Jahres zusammentritt und die Beiträge für drei Jahre festsetzt. Diese Entscheidung muß dann
von der Vollversammlung - im Jahre 1973 - bestätigt werden, und die neuen Beiträge würden dann mit dem Jahre 1974 wirksam. Wie aus amerikanischen Kreisen
bei den Vereinten Nationen verlautet, denkt man in dem Ausschuß an eine Aufstockung der Beiträge unter anderem für Japan und Australien. Auch die Volksrepublik China dürfte etwas mehr zur Kasse gebeten werden als das ausgeschlossene
Formosa.
Die Vereinigten Staaten würden auch bei einer Neufestsetzung der Beitragshöchstgrenze auf 25 Prozent bei weitem den größten Beitrag zur Weltorganisation
leisten. Ihr Beitrag würde auch dann noch um 50 Prozent höher liegen als der
des nächsthöheren Beitragszahlers, nämlich der Sowjetunion. Und schließlich darf
man nicht vergessen, daß hier zunächst nur von dem Beitrag zum regulären Budget
die Rede war. Die gewaltigen Zuwendungen der USA zu den verschiedenen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen betragen ein Vielfaches dieses Betrages,und
die Vereinigten Staaten bringen rund 40 Prozent der Mittel für das gesamte System
der Vereinten Nationen auf- Mittel, die schließlich jedes Jahr vom amerikanischen
Kongreß bewilligt werden müssen. So haben die USA im Jahre 1971 die stattliche
Summe von über 433 Millionen Dollar für die Vereinten Nationen insgesamt aufgebracht.
Die

�Die amerikanische Mission bei den Vereinten Nationen hat in diesem Zusammenhang eine interessante Aufschlüsselung des Beitrages der USA veröffentlicht:
1 9

7 1
US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

Vereinte Nationen

56 312

31,5

Ernährungs-u.Landwirtschaftsorganisation(FAO)

10 083

31,6

115

8,1

Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)

3 977

31,5

Internationale Zivilluftfahrtorganisation(ICAO)

2 167

30,9

Gemeinsames Finanzierungsprogramm

1 773

39,1

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

3 908

25

Reguläres Budget(Voranschlag)

Zwischenstaatliche Konsultativorganisation für
die Seefahrt (IMCO)

Internationale Fernmeldeunion (ITU)
UNESCO
Weltpostverein
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Weltwetterdienst (WMO)
Gesamt:

703

11,6

12 018

29,8

80

4,2

23 741

30,9

774

23,9

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern

4 800

38,7

19 7 1

-4-

�19 7 1
Freiwillige Beiträge zu Programmen
der Vereinten Nationen

US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

1 550

36,9

Kinderhilfsfonds (UNICEF)

15 886

38,8

Entwicklungsprogramm

86 268

34

Weltlebensmittelprogramm (FAO)

54 56o

51,7

Fonds für Rauschgiftbekämpfung

2 000

70,9

14 500

50

IAEA Betriebskosten

Bevölkerungsfragen

1 000

19,2

Humanitäre Hilfe für Indien

90 875

37,1

Humanitäre Hilfe für Ostpakistan

18 920

UNRWA

23 200

54,3

I n s t i t u t für Ausbildung und Forschung

400

38,3

Freiwilligenprogramm

200

79,1

S o n d e r b e i t r ä g e für Vietnam

950

76,9

Krebsforschung der WHO

312

15,5

Sonderprogramm der WHO

469

36,9

Programme des Hochkommissars für Flüchtlinge

F r e i w i l l i g e s Unterstützungsprogramm der WHO

1 500

Gesamt:

312 59o

Gesamtbeitrag zum regulären Budget

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern
Gesamtaufwendungen der USA

4 800

433 041

nicht ver fügbar

30

�B E R I C H T I G U N G

In der Tabelle: "Freiwillige Beiträge zu Programmen der Vereinten
Nationen" auf Seite 5 muß der letzte Posten richtig heißen:

Freiwilliges Unterstützungsprogramm für den WMO
(Weltwetterdienst)

1 500

30

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35/1972

KLIMAANLAGEN UND KÄLTETECHNIK
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt -

--(AD)-- Vom 11. bis 15. September 1972 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Fachausstellung zum Thema "Klimatechnik-Kältetechnik" ,
auf der über 30 amerikanische Hersteller Anlagen, Geräte und Bauteile aus
ihren neuesten Produktionsserien zeigen. Die Mehrzahl der ausstellenden Unternehmen, die in Deutschland noch nicht vertreten sind, sucht

Kontakte zu

Vertriebsfirmen bezw. Lizenznehmern. Ein angegliedertes Tagungsprogramm behandelt praktische Anwendungsbeispiele und spezielle Geräteentwicklungen.
Kostenlose Unterlagen können beim US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am
Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, angefordert werden. Telefon 72 08 Ol,
Telex 416535.

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35/1972

AN DER VERTEIDIGUNG SCHEIDEN SICH DIE GEISTER
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

CHIKAGO --(AD)-- Der wohl entscheidenste Unterschied in den politischen Auffassungen Präsident Nixons, des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
zur Wiederwahl, und seines demokratischen Herausforderers, Senator George
McGovern,liegt auf dem Gebiet der Verteidigung und der militärischen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten.
Die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben der USA liegen bei jährlich 80
Milliarden Dollar, und Präsident Nixon möchte sie in etwa auf diesem Stand halten.
Senator McGovern dagegen möchte sie über einen Zeitraum von drei Jahren um mindestens 30 Milliarden Dollar kürzen. Die Unterschiede in den Auffassungen beider Kandidaten kommen vielleicht am deutlichsten in den Reden zum Ausdruck,die
sie dieser Tage vor dem großen amerikanischen Veteranenverband "American Legion"
gehalten haben.
McGovern führte am 23. August in Chikago unter anderem aus:
"....Die Streitkräfte sind heute in dem längsten Krieg unserer Geschichte
gebunden. Der Höchststand unserer Streitkräfte in Südostasien ist zwar seit 1969
um eine halbe Million Mann gesenkt worden, jedoch wurden im gleichen Zeitraum

�Zeitraum über eine Million Mann dorthin geschickt, um dort zu kämpfen. Und es
sind immer noch zu Lande und zur See über 140 000 Mann....
Amerikaner werden für eine gute Sache kämpfen und sterben; das haben wir
immer getan. Die Armee, die so kämpft, wird ihre Offiziere achten und wird bei
der Bevölkerung in der Heimat geehrt und bewundert werden. Unsere gegenwärtigen
Probleme entstanden aus der Tatsache, daß die Soldaten aufgefordert wurden
- und immer noch aufgefordert werden - weiterhin in einem Krieg zu kämpfen,
an den die Nation nicht länger glaubt.
Ein Krieg ist niemals fair. Wir werden von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften immer mehr fordern, als wir ihnen geben können. Aber als
Mindestes können wir ihnen eine Aufgabe geben, die der Ehre und Würde ihres
Dienstes entspricht - eine Aufgabe, ihrer eigenen Selbstachtung als Menschen
gerecht zu werden - eine Aufgabe, die sie stolz als amerikanische Aufgabe bezeichnen können.
Der Krieg in Vietnam ist keine solche Aufgabe und kann es auch nicht sein.
General Thieu ist keinen weiteren Tropfen amerikanischen Blutes wert oder auch
nur eines Gramms an Leiden und Sorgen seitens unserer Kriegsgefangenen und ihrer
Angehörigen. Und je eher wir der Bombardierung und der Beschießung Einhalt gebieten und unsere Männer nach Hause bringen können, desto eher können sich unsere Streitkräfte wieder den echten Erfordernissen unserer Sicherheit und unseres
Landes zuwenden.
Wir müssen begreifen lernen, daß jeder Dollar, den wir für die Zerstörung
Vietnams ausgeben, uns der Mittel beraubt, die wir zum Aufbau Amerikas brauchen..
Ich bin gegen die Bombardierung Vietnams, nicht nur, weil ich überzeugt bin,
daß sie falsch ist, nicht nur, weil ich der Überzeugung bin, daß sie militärisch
unwirksam ist, sondern auch, weil sie Verschwendung ist....
Laßt

-2-

�Laßt uns aufhören, Asien zu bombardieren, und anfangen, Amerika aufzubauen.
Das ist der einzige Weg, das Töten zu beenden, und es ist der einzige Weg, die
Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu erreichen. Unsere gegenwärtige Politik
befreit die Gefangenen nicht, sie sperrt sie vielmehr noch enger ein und vergrößert jede Woche die Zahl derer, die abgeschossen und gefangengenommen werden...
Es war bisher nicht Tradition, daß Präsidentschaftskandidaten ihre militärischen Vorstellungen im einzelnen darlegten, bevor sie gewählt wurden. Aber das
Militärprogramm hat einen so lebensentscheidenden Einfluß auf unsere Wirtschaft
und nimmt einen so hohen Anteil unserer Regierungstätigkeit in Anspruch, daß die
Öffentlichkeit wissen sollte, welche Absichten ich habe.
Erstens mache ich folgende Zusage: Solange ich Präsident der Vereinigten
Staaten wäre, würde Amerika niemals zu einer zweitklassigen Macht werden. Wir sind
die stärkste Nation der Welt und werden es bleiben.
Ich habe meinen Verteidigungsvorstellungen mehr Zeit und Mühe gewidmet als
irgendeinem anderen Teil meiner Vorbereitungen für die Präsidentschaft. Ich habe
die Sicherheitserfordernisse unseres Landes sorgfältig durchkalkuliert. Es gibt
keine einzige Möglichkeit, die nicht in diese Überlegungen einbezogen worden ist.
Mein Budget hält an einer festen Verpflichtung zur konventionellen Verteidigung
und zur nuklearen Abschreckung fest. Es bietet ausreichende Sicherheit gegen einen
Angriff, indem die Nation mehr und nicht weniger der nuklearen Systeme erhält, auf
die wir für die garantierte Zerstörung jedes potentiellen Gegners angewiesen sind.
Darf ich Ihnen nur ein Beispiel geben: Mein Budget würde uns genug Feuerkraft geben, um Rußland und China gleichzeitig zwanzigfach zu zerstören, und ich
würde selbstverständlich mein Verteidigungsbudget ständig mit unseren militärischen Befehlshabern überprüfen und jedwede Veränderungen vornehmen, die durch
neue Verhältnisse und neue Techniken erforderlich würden.
Ich

-3-

�Ich versichere Ihnen, daß es keiner feindlichen Macht je gelingen wird,
dieses Land zu bedrohen, wenn ich Präsident wäre. Keine ausländische Macht wird
uns herumschubsen. Wir werden immer genügend Macht haben, einem Angriff, der Drohung mit einem Angriff oder der auf diplomatischem Wege vorgenommenen Erpressung
zu widerstehen.
Wer jedoch jemals Soldat war, der weiß, daß unsere militärischen Ausgaben
durch Verschwendung und Unwirksamkeit durchlöchert werden. Wir brauchen eine unbesiegbare und unverletzbare Verteidigung. Aber wir müssen auch den hochfliegenden militärischen Geldausgebern Zügel anlegen, die glauben, daß die Grenze der
Himmel sei, und die in flagranter Weise die Blankoschecks mißbraucht haben, die
ihnen in der Vergangenheit vom Kongreß und von der Bevölkerung ausgestellt worden sind. Wir haben heute mehr Offiziere, um 2,5 Millionen Mann zu befehligen,
als wir im zweiten Weltkrieg hatten, um 12 Millionen Mann zu befehligen, und
manche von uns glaubten damals schon, wir hätten zu viele Offiziere. Die Führer,
die unsere Streitkräfte schwächen würden, sind nicht jene, die die Verschwendung
in unserem Verteidigungshaushalt beseitigen würden. Es sind nicht jene, die Geld
für unsere Städte bereitstellen oder die Steuerlasten des Eigenheimbesitzers
oder des kleinen Geschäftsmannes oder des Arbeiters an der Maschine erleichtern
würden. Die Führer, die unserer Verteidigung schweren Schaden zugefügt haben,
sind jene Männer, die unsere militärische Macht für Zwecke benutzt haben, die
unser Volk abgelehnt hat.
Die Gefahr des Isolationismus kommt nicht von jenen, die eine vernünftige
Politik in Indochina wollen. Die Gefahr kommt nicht von jenen, die daran zweifeln,
ob es notwendig ist, daß unser Land ganz Asien und Afrika und Lateinamerika und
Europa unter der Fuchtel hält. Die Gefahr kommt von jenen, die an einer Politik
festhalten, von der das amerikanische Volk weiß, daß sie in Geld und Leben gemessen

töricht, unnütz und teuer ist. Das sind diejenigen, die einen wahrhaft

katastrophalen Rückzug aus der Welt heraufbeschwören...."
Präsident

�Präsident Nixon führte am 24 August zu diesem Thema unter anderem aus:
"... Meine Richtschnur ist gewesen und wird auch weiterhin sein, daß Amerika
niemals die zweitstärkste Nation der Welt werden wird. Solange ich Präsident bin,
wird Amerika mit unseren Gegnern niemals aus einer Position der Schwäche heraus
verhandeln müssen....
Damit will ich keinen Augenblick sagen, daß wir nicht so viel Geld wie möglich bei unserer nationalen Verteidigung einsparen und so viel Geld wie nur möglich für andere lebenswichtige nationale Erfordernisse bereitstellen sollten.
Wir haben bei unseren Militärausgaben gespart und werden auch weiterhin sparen, wann und wo wir das ohne Gefahr tun können. Aber ich habe niemals die Sicherheit des amerikanischen Volkes unter der falschen Flagge der Sparsamkeit aufs
Spiel gesetzt und werde das auch niemals tun. Ein dauerhafter Friede gründet
sich nur auf Stärke.
Sparsamkeit immer - Schwäche niemals. Sehen Sie sich das bisher Geschehene
an, und Sie werden erkennen, daß wir bereits wesentliche und gefahrlose Sparmaßnahmen eingeführt haben. Es ist uns gelungen, die Verteidigungsausgaben auf ein
sicheres Minimum zu verringern, ohne unsere Sicherheit infragezustellen oder unsere vertraglichen Verpflichtungen zu verletzen.
Wir haben die Gesamtstärke unserer Streitkräfte erfolgreich um fast ein
Drittel verringert. Wir haben überseeische Stützpunkte geschlossen, die für unsere nationale Sicherheit nicht länger von entscheidender Bedeutung sind, ohne dadurch das Vertrauen unserer Verbündeten zu untergraben. Und es ist uns gelungen,
jene Verbündeten dazu zu bewegen, einen größeren Anteil an der Last der Verteidigung der freien Welt zu übernehmen als in der Vergangenheit.
Wenn

-5-

�Wenn Sie einmal die Tatsachen von der Wahlkampfrhetorik trennen, dann werden
Sie erkennen, daß der Verteidigungshaushalt für 1973 nur 6,4 Prozent des geschätzten Bruttosozialproduktes ausmacht - daß er unserem Lande die kleinste wirtschaftliche Belastung durch irgendeinen Verteidigungshaushalt seit über 20 Jahren
auferlegt. Das ist echter Fortschritt.
Ich bin jedoch sicher, daß ich für die große Mehrheit der Amerikaner spreche, wenn ich erkläre, daß ich in unserem Verteidigungsprogramm eine klare Linie
ziehe zwischen Maßnahmen, die ins Fleisch schneiden, und solchen, die das Fett beseitigen.
Wenn wir jedoch - wie manche das vorschlagen - die Entwicklung unserer Minuteman III und der Poseidon-Raketen-Programme einstellen - Programme, die für eine
glaubwürdige Verteidigung notwendig sind und Programme, die bereits vom Kongreß
gebilligt worden sind - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir unsere strategische Bomberstreitmacht um 60 Prozent amputieren wenn wir die Entwicklung des B 1-Bombers einstellen und die Zahl unserer Flugzeugträger von 16 auf 6 verringern - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht
der Welt.
Wenn wir in einer Zeit, da die Sowjetunion aktiv mit dem größten Flottenaufbau in der ganzen Geschichte beschäftigt ist, unsere Flottenstärke drastisch kürzen würden, dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir einen großen einseitigen Truppenabzug der NATO vornehmen - einen Abzug, der unsere Kapazität in Europa und im Nahen Osten ernsthaft schwächen würde dann würden wir das Vertrauen unserer Freunde hintergehen und die Hoffnungen auf
ein Abkommen zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt über beiderseitige Truppenverringerungen zerstören....
Was jedoch am wichtigsten ist, wenn wir einseitig die B 1-und MIRV-Programme
aufgeben würden, wie manche das vorschlagen, dann könnten wir niemals hoffen,

-6-

�hoffen, einen weiteren Fortschritt in der Rüstungsbegrenzung mit der Sowjetunion erzielen zu können. Eine Sowjetunion, die sich einem Amerika gegenübersieht,
das selbst einseitig seine militärische Stärke vermindert, hätte keinerlei Anreiz, ihre eigenen Programme zu verringern.
Schwäche ist ein Risiko, das wir niemals eingehen dürfen. Gerade weil diese
Administration nicht unverantwortlich gehandelt hat, weil diese Administration
in ihrer Verteidigungspolitik ruhig und vernünftig und in ihren Beziehungen zu
anderen Nationen offen und frei geblieben ist, stehen wir heute an der Schwelle
einer friedlicheren und sichereren Ära für die ganze Menschheit
Ich bin dankbar für die Art und Weise, in der das amerikanische Volk und
ganz besonders Gruppen wie die American Legion während der schwierigen, aber erfolgreichen Politik der Beendigung des Krieges in Vietnam auf ehrenhafte Weise
ihre Regierung unterstützt haben. Als Ergebnis ist es uns möglich gewesen, eine
halbe Million amerikanischer Soldaten aus Vietnam heimzuholen - und wir haben das

getan, ohne unsere Verbündeten zu verkaufen, ohne vor unseren Gegnern zu kapitulieren und ohne unsere Gefangenen und Vermißten aufzugeben....
Wollen wir uns nichts vormachen. Die Freiheit ist noch nicht sicher vor ihren Gegnern, und selbst unter unseren Verbündeten muß noch manche echte Differenz
ausgeräumt werden. Ich habe jedoch Grund zu berechtigtem Optimismus gefunden
- für eine vorsichtige, bedachte Hoffnung für die Zukunft. In Peking, in Moskau
und in den Hauptstädten unserer Verbündeten in der ganzen Welt habe ich den
Wunsch nach Frieden vorgefunden. Es sind nicht die gleichen Gründe oder dieselben Bedingungen, die in jedem dieser Zentren der Welt den Frieden wünschenswert
machen. Aber er wird in einem solchen Maße gewünscht, daß wir eine Basis haben,
auf der wir aufbauen können, wenn Amerika nicht nachgibt oder schwach wird....

Der

-7-

�Der Frieden wird nicht Wirklichkeit werden, wenn wir den zwar ehrenhaften,
aber fehlgeleiteten Stimmen jener nachgeben, die sagen, wir sollten Amerika heute schwächen und naiv auf Frieden für morgen hoffen. Der Frieden kann jedoch
Wirklichkeit werden, wenn wir weiterhin eine vernünftige, verantwortungsbewußte
Außenpolitik verfolgen, wenn wir Amerika stark genug erhalten, um diese Politik
glaubwürdig zu machen..."

-8-

�" amerika dienst
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und
Technik

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35/1972

ZENTRALINSTITUT FÜR BAUTECHNIK
"National Bureau of Standards" koordiniert Forschung und
Entwicklung auf dem Bausektor

--(AD)-- Beim "National Bureau of Standards" (NBS), dem amerikanischen Bundesamt für Materialprüfung und technische Normen, wurden mit der Schaffung des
Zentralinstituts für Bautechnik in Gaithersburg (Maryland) alle Einzelabteilungen des NBS, die sich in irgendeiner Form mit dem Bauwesen befassen, unter einem Dach vereint. Baustoffe und Materialforschung, Städte-und Regionalplanung, Bodenmechanik, Wohnungsbau, Behörden-und Krankenhausbau fallen ebenso darunter wie die Auswertung Von Modellprojekten, bei denen die fabrikmäßige
Herstellung von kompletten Wohnungen, Büroetagen und Reihenhäusern, die nur
noch montiert zu werden brauchen, eine immer wichtigere Rolle spielt.
Im laufenden Haushaltjahr stellt das US-Handelsministerium 8,7 Millionen Dollar für das Zentralinstitut zur Verfügung, das gegenwärtig etwa 25o
Mitarbeiter hat. Sie vertreten als Spezialisten 2o verschiedene Disziplinen
-vom Architekten, Statiker und Werkstoffphysiker bis zum Soziologen.

Einer

der Schwerpunkte ist gegenwärtig das Projekt FEEDBACK. Dabei geht es um die

-l-

�die Auswertung der Modelle für den Wohnungs-, Siedlungs-und Städtebau, die im
Rahmen der "Operation Breakthrough" (»Operation Durchbruch") errichtet worden
sind. In einer Vielzahl von Interviews werden die Erfahrungen der Herstellungsund Montagefirmen sowie der Bewohner der neuen Städte oder Stadtteile erfaßt,
um Mittel und Wege zu notwendigen und optimalen Verbesserungen zu finden.
Gespannt erwartet man z.B. die Ergebnisse des "Breakthrough" - Modells
von Jersey City. Dort wird der gesamte Strom an Ort und Stelle erzeugt, Abwärme
wird für Wohnungs-und Warmwasserheizung sowie für Kühlzwecke genutzt. Ziel des
Unternehmens: Rationelle Nutzung der Energiereserven, größere Zuverlässigkeit
der Dienstleistungen, weniger Lärm und Verschmutzung.
Die heute üblichen Werkstoffe - vom Bau-und Möbelmaterial bis zu den Haushaltswaren und Anstrichen - werden keineswegs als der Weisheit letzter Schluß
betrachtet. Das Institut für Bautechnik bemüht sich z. B. gegenwärtig, sämtliche
im Handel befindlichen Anstrichfarben auf ihre Giftigkeit (etwa wegen ihres Bleigehalts) oder auf Auswirkungen in der Form allergischer Erscheinungen bei den
Personen zu prüfen, die damit leben. Andere Untersuchungen konzentrieren sich
u.a. auf die Gefahren

der Ausbreitung von Rauch und Feuer, auf die Erstel-

lung von Fundamenten, auf Materialien für Rohrleitungen, Isoliereigenschaften
ganzer Gebäude gegen Wärme und Kälte, Rentabilitätsstudien bei Wohnungsbauprojekten, beschleunigte Alterung von Baukomponenten. Der letztgenannte Punkt ist
im Zusammenhang mit den Bemühungen von Bedeutung, die Entwicklung von Slums
künftig unmöglich zu machen. Die ursprünglichen 22

"Breakthrough"-Projekte

wurden inzwischen offiziell um die Sonderprogramme Qualitätskontrolle, Produktionsplanung, Planung für Verkehrswesen und Transportfragen sowie Kostenberechnung erweitert. Dabei ist es selbstverständlich und notwendig, daß das Zentralmstitut eng mit der Industrie, mit Regierungsbehörden, Berufsverbänden, Gewerkschaften, Verbrauchern, Normenausschüssen, Medizinern und Forschungsinstituten der Universitäten im ganzen Land zusammenarbeitet. Die experimentellen

-2-

�experimentellen Untersuchungen werden zum größten Teil in den NBS-Uboratorien
von Gaithersburg, manche jedoch auch von mobilen Laboratorien an Ort und Stelle
oder an Spezialinstituten in anderen Bundesstaaten durchgeführt.

+++

-3-

�imerika dienst
-

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35/1972

STROMUNGSFORSCHUNG
Sprechende Flaschenpost-Farbmarkierung-Tiefenströmung
elektrisch gemessen
--(AD)-- Einfache Treibbojen, die mit Kleinsendern versehen sind, werden am
Ozeanographischen Institut Woods Hole (Massachusetts, USA) entwickelt. Die
nach einem bestimmten Programm abgestrahlten Signale sollen noch im Umkreis
von mehr als 400 km empfangen werden können, so daß festlandnahe Oberflächenströmungen im Meer auch von Küstenstationen aus zu überwachen sind.
Das vom amerikanischen Handelsministerium finanzierte Projekt soll die
Strömungsforschung wirtschaftlicher gestalten. Bisher konnten mit den herkömmlichen Methoden - Suche nach angetriebener Flaschenpost

"in d e r Küste, ihre

zufällige Bergung durch Schiffe oder ihre Lokalisierung mittels Radar von
Schiffen oder Flugzeugen aus - durchschnittlich nur 10 Prozent der Markierobjekte wieder ausfindig gemacht werden. An der amerikanischen Ostküste ist das
Beobachtungsergebnis in der kalten Jahreszeit wegen der starken Nordwestwinde,
die die Behälter aus der Strömungszone treiben,sogar noch magerer. Ein weiterer
Nachteil der einfachen Driftbojen ergibt sich aus der Tatsache, daß sie nach
dem Einsetzen ins Wasser auf ihrem Weg nicht verfolgt werden können. Dies ist
jedoch für viele Einzelprobleme, angefangen von der Überwachung südwärts treibender Eisberge bis zur Klärung der Frage des Transports von Fischlaich durch

-1-

�durch Meeresströmungen, von großer

Bedeutung.

Das geplante neue System der

"sprechenden Flaschenpost" könnte bei geringem finanziellen Aufwand detaillierte Ergebnisse über einen langen Zeitraum bringen.
Es würde allerdings nicht ausreichen, um großflächige Störungen innerhalb
einer Meeresströmung, wie sie z.B. in den letzten Monaten im Golfstrom durch
Kaltwasserwirbel auftraten, zu überwachen. Deshalb wurde von Bord des Forschungsschiffes MT MITCHELL aus einer der riesigen Wirbel mit orangegelbem Farbstoff zusätzlich markiert, nachdem im Zentrum und in den Randzonen bereits Blechfässer
und Kleinbehälter als Treibbojen ausgesetzt worden waren.
Die drei bisher in diesem Jahr ermittelten Kaltwasserwirbel rotieren entgegen dem Uhrzeigersinn und haben 120 bis 160 km Durchmesser. Am schnellsten wandert Wirbel Nr. 2; er zieht mit 3,2 km Geschwindigkeit pro Tag an der Ostseite
des Golfstroms nach Südwesten und befindet sich derzeit im Grenzgebiet der amerikanischen Bundesstaaten Georgia und Florida. Dr. Philip Richardson (Universität
Rhode Island) schätzt, daß die Wassermasse etwa der Wassermenge entspricht,die
der warme Golfstrom in ca. 10 Tagen am Cape Hatteras (Nordkarolina) vorbeiführt.
Die Oberflächentemperatur des Wirbels liegt mit 18 Grad Celsius um 4,5 Grad C
niedriger als die des umgebenden Meerwassers. Wirbel Nr.l, der bereits Anfang
des Jahres beobachtet wurde, reichte nach Schätzung Richardsons von der Wasseroberfläche bis in 3 000 m Tiefe, ehe er am Kontinentalsockel entsprechend der geringeren Abfalltiefe aufzusteigen begann. Anfang April 1972 wurde er vor Kap Kennedy geortet, war jedoch wenig später nicht mehr ausfindig zu machen. Nach Ansicht
der Wissenschaftler entstehen solche Kaltwasser-"Taschen" durch die unvorhersehbaren Änderungen des Weges, den die aus der karibischen See und dem atlantischen
Äquatorialstrom gespeiste warme Meeresströmung vor der Ostküste Floridas und
bis Cape Hatteras nimmt, ehe sie als "Golfstrom" weiter nach Nordosten durch den
Atlantik bis zu den Küsten Europas und Skandinaviens zieht. Warmwasserzungen be-

-2-

�beginnen kalte Wasseraassen aus dem Norden zu umschließen, wobei diese in langsame Rotation geraten

Wenn ein solcher Wirbel den Golfstrom durchbricht, wird

das eingeschlossene kalte Wasser nach Süden bis in die Sarg.sso See transportiert. In mehrjährigen Beobachtungen will man herausfinden, ob bezw. welche Auswirkungen auf Klima und Wettergeschehen an der amerikanischen Ostküste durch
solche Kaltwassermassen zu erwarten sind.
Die Geschwindigkeit einer Tiefenströmung konnte Dr. Robert R. Harvey von
der Universität Hawai erstmals indirekt mit Hilfe eines bei 3 000 m Wassertiefe
südwestlich der Hawai-Insel Oahu am Pazifikboden

verankerten Instruments

durch Messung des vertikalen elektrischen Feldes ermitteln. Dazu wird die elektrische Leitfähigkeit des Meerwassers auf Grund seines Gehalts an Metallionen
und gelösten Salzen in Verbindung mit dem erdmagnetischen Feld genutzt.
Die Bewegungen der Wassermassen mit Flut, Ebbe, Wellen und Strömungen führen
zu einer Art Dynamo-Effekt insofern, als ein elektrischer Leiter (das Meerwasser),
der durch ein Magnetfeld '[Erdmagnetfeld) geführt wird, ein elektrisches Feld in
einer Richtung erzeugt, die senkrecht zur Bewegungsrichtung des leitfähigen Mediums und zum Magnetfeld steht. Dr. Harvey erklärt das Meßprinzip des unter seiner
Mitwirkung konstruierten Geräts folgendermaßen: Die in Ost-West-Richtung sich bewegende Meeresströmung schneidet das in dem betreffenden Raum in Nord-Süd-Richtung orientierte eLdmagnetische Feld. Dadurch wird ein vertikales elektrisches
Feld erzeugt. Mit den Meßdaten für das(durch das Instrument ermittelte) elektrische Feld und der erdmagnetischen Feldstärke ist nach Harvey die Bewegungskomponente der Strömung nach Richtung und Geschwindigkeit rechnerisch zu ermitteln.

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35/1972

GEWITTERWOLKEN WERDEN GEIMPFT

--(AD)-- Durch das "Impfen" von Gewitterwolken mit dünnen, aluminiumüberzogenen Nylonfäden wollen Wissenschaftler des amerikanischen Instituts für
Physik und Chemie der Atmosphäre-APCL (Boulder, Colorado) versuchen, starke
luftelektrische Spannungen abzuschwächen und Blitzentladungen weitgehend zu
verhindern. Das auf sechs Wochen angesetzte Feldexperiment im Nordosten des
Bundesstaates Colorado basiert, wie Dr, Heinz Kasemir vom APCL erklärte, auf
Erfahrungen, die bei den ersten Versuchen dieser Art in den Jahren 1965-66
gesammelt wurden. Man wird in einem ca. 500 qkm großen Gebiet das Phänomen
der Korona-Entladung, das z.B. auch beim sogenannten Elmsfeuer in Erscheinung
tritt, für die elektrische Abschwächung von Gewitterfronten nutzen. Am Boden
wurde ein Netz von Beobachtungsstationen geschaffen, die die elektrische Feldstärke und jeden Blitzschlag im Umkreis bis zu 80 km registrieren.
Zu einem Blitzschlag kommt es bei der plötzlichen Entladung zwischen zwei
Gebieten mit unterschiedlicher elektrischer Ladung. Wenn dies jedoch geschieht,
ist das elektrische Feld in den "Gewitterzellen" mindestens 500 000 Volt/Meter
stark. Wird nun ein elektrisch leitfähiges Objekt in ein solches elektrisches
Feld eingebracht, entwickelt es einen positiven und einen negativen Pol. Elektrisch geladene Teilchen (Ionen) werden an den Polen gleicher Ladung abgestoßen;

-l-

�abgestoßen; solche Ionenströme erhöhen die elektrische Leitfähigkeit der Atmosphäre. Sie verursachen auch, wie dies gelegentlich bei Gewitter zu beobachten
ist, die schwachen Leuchterscheinungen an Tragflächenspitzen von Flugzeugen, an
Schiffsmasten und an Baumkronen. Luft ist ja normalerweise ein sehr schlechter
Leiter, woraus sich auch die Tatsache erklärt, daß sich darin so starke elektrische Felder aufbauen können.
Der mit 10 cm langen aluminisierten Nylonfäden künstlich erzeugte KoronaEffekt wird jedoch vom Erdboden aus nicht sichtbar sein. Er tritt dann auf, wenn
das elektrische Feld stärker ist als 30 000 Volt/Meter. Deshalb setzen die Wissenschaftler, die unterhalb der Gewitterwolken Patrouille fliegen, die Verteiler
für die Nylonfäden erst in Aktion, wenn ihre Geräte höhere Meßwerte anzeigen.
Bei der ersten Versuchsserie im Jahre 1965 gelang es z.B. mit diesem Verfahren,
eine Gewitterzelle von 300 000 Volt/Meter elektrischer Feldstärke völlig zu neutralisieren.

Hill

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