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Dokumentation

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2 3 . August

1972

Inhalt

INFORMATION:
US-Kongreßausschuß für Gemeinsamen NATO«»Fonds
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-RepräsentantenhausesKulturbrief USA

WIRTSCHAFT:

Einkommenskluft zwischen schwarzen und weißen Amerikanern wird kleiner
Wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA höher als erwartet
•Erklärung des US-Handelsministeriums-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Weltgefahr Rauschgift
-Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972Boden wandert 2 cm pro Jahr
Biologische Präparate unter dem Elektronenmikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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34/1972

US-KONGRESSAUSSCHUSS FÜR GEMEINSAMEN NATO-FONDS
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-Repräsentantenhauses-

WASHINGTON--(AD)-- Der Sonderausschuß für NATO-Verpflichtungen des Militärausschusses des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat sich nachdrücklich gegen eine Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa und
stattdessen für die Schaffung eines "Gemeinsamen NATO-Fonds" ausgesprochen,
mit dessen Hilfe die Devisenlasten der USA erleichtert und deren Zahlungsbilanzdefizit verringert werden soll.
Die am 17. August von dem Sonderausschuss dazu herausgegebene Presseverlautbarung hat folgenden Wortlaut:
"Der Sonderausschuß für Verpflichtungen gegenüber der Organisation des
Nordatlantikvertrages des Militärausschusses des Repräsentantenhauses hat die
Einrichtung eines Gemeinsamen NATO-Fonds empfohlen, der die Vereinigten Staaten
von Zahlungsbilanzdefiziten entlasten würde, die aufgrund der Stationierung
ihrer Truppen in Europa auftreten.
Der Gemeinsame Fonds würde den Lastenausgleich in der NATO auf eine Weise
egalisieren, die für die Vereinigten Staaten am günstigsten wäre, ohne die
militärische Kapazität des Bündnisses zu schwächen, so erklärte der Sonderausschuß.
Der

-l-

�Der Sonderausschuß unter dem Vorsitz des Abgeordneten William J. Randall
(Demokrat, Missouri) sprach sich gegen eine Verringerung der Zahl der amerikanischen Truppen aus, die der NATO assigniert sind, und bezeichnete die in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte als das 'natürliche Bindeglied* der
NATO - als den Leim, der das Bündnis zusammenhalte.
Der Sonderausschuß erklärte, die Debatte über die amerikanische NATO-Verpflichtung habe sich fälschlicherweise auf den zahlenmäßigen Stand der amerikanischen Truppen in Europa konzentriert. Die Verpflichtung müsse auch im Hinblick
auf die Luft-und Seestreitkräfte und die Dollar-Verpflichtung gesehen werden, so
betonte der Ausschuß.
Der Sonderausschuß hat den Tenor seines Berichtes durch die Feststellung
bestimmt, daß 'er bei der Ausarbeitung seiner Empfehlungen die Versuchung meidet, sich für kosmetische Operationen auszusprechen, die möglicherweise die politischen Gefühle in den Vereinigten Staaten beruhigen könnten. Die Möglichkeit
eines Abzuges von Truppen in der Größenordnung von 10 000 oder 20 000 Mann aus
Europa ist eine jener Ideen, die, oberflächlich gesehen, attraktiv sind und deren Reiz in hochpolitischen Zeiten besonders groß wird. Bei einer genauen Untersuchung stellt sich jedoch heraus, daß ein derartiger Schritt Ergebnisse zeitigen könnte, die das Bündnis in einem Ausmaß schwächen könnten, das in keinem
Verhältnis zu der Zahl der abgezogenen Soldaten stehen würde und daß die Einsparungen, wenn überhaupt, außerordentlich bescheiden wären.'
Der Sonderausschuß traf im wesentlichen folgende Feststellungen:
Die Rückführung von Truppen nach den Vereinigten Staaten schwächt das Bündnis. Truppen in den Vereinigten Staaten würden niemals den Abschreckungswert
besitzen wie in Europa stationierte Truppen, und die Kapazität einer raschen
Redislozierung großer Verbände nach Europa wird von jenen stark übertrieben,
die Truppenverringerungen empfehlen, und gelegentlich auch von Verteidigungsplanern.
Eine

-2-

�Eine Rückführung der Truppen nach den Vereinigten Staaten würde zu keinen
Einsparungen im eigentlichen haushaltsmäßigen Sinne führen, wenn diese nicht demobilisiert werden. Wenn die Verbände aufgelöst würden, wäre es unmöglich, der
amerikanischen Verpflichtung gegenüber der NATO weiterhin gerecht zu werden.
Wenn die Truppen in den Vereinigten Staaten aufrechterhalten würden und ein Versuch gemacht würde, die Kampfstärke in Europa aufrechtzuerhalten, dann würde
dies zusätzliche Ausrüstung erfordern, die in Europa bereitgestellt werden müßte,
sowie zusätzliche Luftbrücken-und Seetransportkapazitäten. Abgesehen davon, daß
eine solche Regelung militärisch fragwürdig wäre, würde sie rein haushaltsmäßig
gesehen mehr kosten als die gegenwärtige Regelung der Stationierung der Truppen
in Europa.
Aus diesem Grunde erklärte der Sonderausschuß, daß der beste Weg zu einer
besseren Verteilung der Lasten in der NATO, sowohl vom militärischen als auch
vom Dollar-Standpunkt aus gesehen, die Einrichtung des Gemeinsamen NATO-Fonds
ist. Länder, die aufgrund der Dislozierung von Truppen für die NATO Zahlungsbilanzdefizite haben, könnten aus dem Fonds ziehen, um das Defizit auszugleichen,
und Länder, die aufgrund der Stationierung anderer Truppen in ihrem Lande aus
der Gunst der Umstände einen Zahlungsbilanzvorteil haben, würden in den Fonds
einzahlen.
Der Sonderausschuß, der empfahl, daß der Vorschlag für den Fonds auf die
Tagesordnung der nächsten Konferenz der NATO-Minister gesetzt werden möge, forderte, daß die Vereinbarung flexibel genug sein müsse, daß auch jene Länder, die
keine Truppen auf ihrem Boden stationiert haben, die jedoch von der Stationierung
amerikanischer Truppen in benachbarten Ländern profitieren, ebenfalls Zahlungen
leisten.
Der Vorsitzende des Sonderausschusses, Randall, wies darauf hin, daß der
Sonderausschuß die Bemühungen unterstützt, zu Verhandlungen über beiderseitige
und ausgewogene Truppenverringerungen in Europa zu gelangen, und erklärte:
•Man

-3-

�•Man muß erkennen,daß mit den Berlin-Abkommen, der Erweiterung des Gemeinsamen
Marktes, der Aufwertung verschiedener Währungen und dem Anstoß, den die MBFR-Verhandlungen aus dem Gipfeltreffen in Moskau erhalten haben, gegenwärtig in Westeuropa tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Man muß erkennen, daß die Fortschritte in der europäischen Wirtschaft und die Hoffnung auf eine größere politische Einheit in Westeuropa ohne die militärische Basis der NATO unmöglich wären. Wir sollten besonders vorsichtig sein und keine Veränderungen vornehmen,
die den Fortschritt vereiteln würden, der gemacht wird, oder die die Position
der NATO zu einer Zeit schwächen würden, da Verhandlungen gerade beginnen.'
Dem Sonderausschuß unter dem Vorsitzenden Randall gehören die Demokraten
Samuel S. Stratton aus New York und Les Aspin aus Wisconsin sowie die Republikaner
Alexander Pirnie aus New York und Charles S. Gubser aus Kalifornien an.
Bei der Veröffentlichung des Berichtes des Sonderausschusses fand der Vorsitzende des Militärausschusses, F. Edward Hebert, Worte hoher Anerkennung für
die Mitglieder, die an der umfassenden Studie des Sonderausschusses beteiligt
waren:
•Dies ist die erschöpfendste Studie der militärischen Verpflichtungen der
NATO, die in den 23 Jahren der Geschichte des Bündnisses im Kongreß durchgeführt
worden ist1, so sagte Hebert. 'Der Sonderausschuß hielt 17 Anhörungen in den Vereinigten Staaten und 17 in Übersee ab. Im Verlaufe von zwei Reisen nach Europa besuchte er neun NATO-Länder, sprach mit jedem wichtigen amerikanischen Befehlshaber in Europa und besuchte auch Truppeneinheiten.
Die Mitglieder widmeten diesem Unternehmen außerordentlich viel Zeit und
haben ihre Aufgabe in staatsmännischer Weise angepackt. Sie haben dem Kongreß
einen großen Dienst geleistet.'
Der Bericht des Sonderausschusses widmete den Problemen, die sich an der
Peripherie der NATO entwickeln, besondere Aufmerksamkeit: dem Aufbau der sowjeti-

-4-

�sowjetischen Seestreitkräfte im Mittelmeer, der beachtlichen sowjetischen Flottendrohung an der Nordflanke der NATO, der Möglichkeit beunruhigender künftiger
Entwicklungen in Jugoslawien und der Auswirkung, die der Abzug von NATO-Truppen
auf die Stabilität im Nahen Osten haben könnte.
Der Sonderausschuß sprach sich kritisch gegenüber der Exekutive aus, daß
sie der NATO nicht immer die Priorität eingeräumt habe, die sie in der internationalen Politik verdient, und empfahl, daß eine Konferenz der NATO-Führer und die
Möglichkeit eines Besuchs des Präsidenten bei der NATO ins Auge gefaßt würde.
Der Sonderausschuß erklärte, daß er zu seiner Überraschung einen ernsten
Mangel an langfristiger Planung für künftige Veränderungen in der NATO und ein
mangelndes Interesse seitens einiger amerikanischer Regierungsvertreter für die
ernsten wirtschaftlichen Probleme in den Vereinigten Staaten festgestellt habe.
Der Bericht unterstreicht, wie wichtig es sei, dafür zu sorgen, daß langfristige
Veränderungen in der amerikanischen Verpflichtung nur nach voller Konsultation
und in gemeinsamer Planung mit unseren Verbündeten vorgenommen werden.
Der Sonderausschuß ließ erkennen, daß seine Unterstützung der weiteren Dislozierung von Truppen in Europa sich auf die 260 000 amerikanischen Soldaten erstreckt, die ausdrücklich für die KampfStreitkräfte der NATO assigniert sind.
Er wies darauf hin, daß die oft zitierte Zahl von 310 000 (amerikanischen) Soldaten in Europa rund 50 000 Mann einschließen, die nicht ausdrücklich NATO-Befehlsstellen assigniert sind."

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34/1972

KULTURBRIEF USA

WASHINGTON --(AD)-- August 1972 —

Das John F.Kennedy Center, das am S.Sep-

tember vergangenen Jahres eröffnet wurde, begeht in diesen Tagen den ersten
Jahrestag seines Bestehens. Mit einer Konzertreihe, die vom 30. August bis
10. September unter dem Motto "The Old and the New" stattfindet und 30 Konzerte mit rund 100 Werken von 75 Meistern - von Vivaldi bis Strawinsky, Bartok
und Ives - umfaßt, eröffnet das Center, das erheblich zur Bereicherung des
kulturellen Lebens der amerikanischen Bundeshauptstadt beigetragen hat, die
zweite Spielzeit.
+-HDie Fromm Music Foundation, so genannt nach dem aus Kitzingen (Main) stammenden
Weinimporteur und Philanthropen Paul Fromm, der sie vor zwanzig Jahren gründete,
um dazu beizutragen, "die Kluft zwischen dem zeitgenössischen Komponisten und
der Gesellschaft zu überbrücken", hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten
in ganz besonderer Weise der Popularisierung der musikalischen Avantgarde angenommen. Dies geschah durch die Vergabe von Stipendien und Kompositionsaufträgen
an begabte junge Musiker

sowie durch Beteiligung der Stiftung an der Ausrich-

tung der Tanglewood Festspiele für Neue Musik. Um die Kontinuität ihres Wirkens

�Wirkens zu sichern, hat sich die Organisation jetzt mit Harvard zusammengetan und
wird in Zukunft die Bezeichnung Fromm Music Foundation at Harvard University
führen.

+++
Das Beste, was dem bekannten Newport Jazz Festival passieren konnte, war seine
Verlegung von Newport (Rhode Island) nach New York City. Die Befürchtung, daß
das Festival, dessen Publikumszulauf das kleine Newport nicht mehr bewältigen
konnte, in der Fülle des kulturellen Angebots der Millionenmetropole versickern
würde, war unbegründet. Die Jazztage waren ein großer Erfolg. Die Großen des
Jazz wie Stan Kenton, Count Basie,Woody Herman, Lionel Hampton, Duke Ellington,
Roy Eldridge, Buddy Täte und Charles Mingus spielten oft in überfüllten Sälen,
in denen vielfach nicht einmal mehr ein Stehplatz zu haben war. Es besteht kein
Zweifel daran, daß New York City auch in kommenden Jahren Schauplatz dieses inzwischen weltberühmten und weltweit interessierenden Festivals sein wird freilich, wie man hofft, unter Beibehaltung der alten Bezeichnung.

1,11
TTT

New York City mußte in diesen Wochen einige scharfe Angriffe der Theaterkritiker
über die in den letzten Jahren ziemlich unbefriedigenden Leistungen des Broadway
(den Off-Broadway ausgenommen) hinnehmen. Zweifellos liegt darin ein gutes Teil
Wahrheit. Trotz der Konkurrenz, die ihm von aktiven Theaterleitern in anderen
Teilen der USA gemacht wird, gilt New York noch immer als Amerikas Theaterstadt.
Nummer eins. Dichtauf aber liegen die Bundeshauptstadt Washington und Los Angeles
In Los Angeles wurden vor kurzem zwei neue Theater eröffnet: das Universal

�Universal Studios Amphitheater, eine Freiluftarena mit 3 800 Sitzplätzen und
das Shubert-Theater mit 1 800 Sitzplätzen - ein Faktum, das erstaunliche RückSchlüsse auf die Theaterfreudigkeit in einem Raum zuläßt, der ohnehin schon
über eine Reihe großer und moderner Theaterstätten verfügt, wie etwa das Music
Center, das Hungton Hartford Theatre, das Greec Theatre und die berühmte Hollywood Bowl. Die beiden neuen Theater bieten darüber hinaus mit dem Broadway-Hit
"Follies" (Shubert) und dem Rockmusical "Jesus Christ Superstar" ein echtes
Kontrastprogramm.

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EINKOMMENSKLUFT ZWISCHEN SCHWARZEN UND WEISSEN AMERIKANERN
WIRD KLEINER

NEW YORK --(AD)-- Die Kluft zwischen dem durchschnittlichen Familieneinkommen
der schwarzen und der weißen Amerikaner ist in den letzten sechs Jahren wesentlich geringer geworden. Dies stellt der "Conference Board", eines der
größten Wirtschaftsforschungsinstitute der Welt, in einem in der Augustausgabe seiner Zeitschrift "Record" veröffentlichten Bericht fest.
Dem Bericht zufolge lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der schwarzen Familien in den USA 1970 mit 6 279 Dollar um 60 Prozent höher als 1965.
Demgegenüber ist das durchschnittliche Jahreseinkommen der weißen Familien
von 1965 bis 1970 nur um 40 Prozent auf 10 236 Dollar gestiegen. Während das
Durchschnittseinkommen der schwarzen Familien 1965 lediglich 54 Prozent des
Durchschnittseinkommens der weißen Familie ausmachte, waren es 1970 bereits
61 Prozent.
Auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Jahreseinkommen über 10 000
Dollar lag, hat, wie der Bericht zeigt, in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich schneller zugenommen, als dies bei den weißen Familien der Fall war.
Allein in der Zeit von 1965 bis 1970 verdoppelte sich die Zahl der schwarzen

-1-

�*

schwarzen Familien dieser Einkommensgruppe, während sie sich bei den weißen Familien lediglich um ein Drittel erhöhte. Im Jahre 1970 hatten rund 28 Prozent
aller schwarzen Familien und 52 Prozent der weißen Familien Jahreseinkommen
von 10 000 Dollar und mehr.
Aus dem Bericht geht weiter hervor, daß gerade Zeiten einer raschen wirtschaftlichen Expansion, wie Ende der sechziger Jahre, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen aufgrund des hohen Arbeitskräftebedarfs begünstigen. Am stärksten
hat sich jedoch das Verhältnis der Einkommen von Schwarzen und Weißen 1966 geändert - dem Jahr, in dem die Kommission für gleiche Arbeitschancen erstmalig ihre
Arbeit voll aufnahm.
Der Bericht zeigt aber auch, daß die Schwarzen in immer stärkerem Maße in
gehobenere Berufe Eingang fanden. So hat sich die Zahl der schwarzen Geistesarbei
ter und Techniker in der Zeit von 1960 bis 1971 um 128 Prozent erhöht, die der
weissen in diesen Berufsgruppen um 45 Prozent. Die Zahl der schwarzen Manager,
Unternehmer und Beamten stieg in der gleichen Zeit um 92 Prozent, bei den Weißen
betrug die Zunahme in diesen Berufsgruppen 21 Prozent. Dagegen ging die Zahl der
Schwarzen, die in niedrig bezahlten Berufen wie im Haushalt, als Arbeiter oder
landwirtschaftliche

Arbeitskräfte tätig waren schneller zurück als die der

Weißen. Bei den sogenannten Prestigeberufen sitzen die Weißen allerdings immer
noch in den Spitzenpositionen, während in den untergeordneteren Positionen relativ mehr Schwarze tätig sind. Im Jahre 1971 hatten hier 13 Prozent aller berufstätigen Schwarzen führende Stellungen inne, während es bei den Weißen 26 Prozent
waren. In den untergeordneteren Positionen waren 21 Prozent der berufstätigen
Schwarzen und nur 10 Prozent der berufstätigen Weißen tätig.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Schulbildung einen wichtigen Faktor
für den wirtschaftlichen Fortschritt der Schwarzen darstellt. Im Jahre 1959 hatten die im Berufsleben stehenden Schwarzen im Durchschnitt 8,7 Jahre eine Schule
besucht; für die Weißen betrug die Zahl 12,1 Jahre. Im Jahre 1971 hatten die

-2-

�die Schwarzen im Durchschnitt einen Schulbesuch von 11,9 Jahren und die Weißen
von 12,5 Jahren aufzuweisen.
Aber auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Einkommen unter dem
Existenzminimum - gegenwärtig 3 968 Dollar für eine vierköpfige Familie in der
Stadt - liegt, ist merklich zurückgegangen.

Bei den schwarzen Familien beträgt

sie zur Zeit noch 29 Prozent, bei den weißen Familien acht Prozent.

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WIRTSCHAFTLICHE WACHSTUMSRATE IN DEN USA HOHER ALS ERWARTET
-Erklärung des US-Handelsministeriums-

WASHINGTON --(AD)-- Der Unterstaatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Handelsministerium, Harold C. Passer, hat zu den nunmehr vorliegenden revidierten Zahlen über die Entwicklung des amerikanischen Bruttosozialproduktes
im zweiten Quartal 1972 eine Erklärung des Handelsministeriums abgegeben, die
folgenden Wortlaut hat:
Die berichtigten Zahlen zeigen, daß die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal noch größer war,als ursprünglich berichtet wurde.- 9,4 Prozent gegenüber 8,9 Prozent. Dies war zum Teil auf die höheren Zahlen
des Bruttosozialproduktes in US-Dollar und zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die Inflationsrate niedriger war als erwartet - 1,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent. Die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal
von 9,4 Prozent ist seit 13 Jahren nicht mehr übertroffen worden - sie wurde
allerdings im vierten Quartal 1965 ebenfalls erreicht. Die Wachstumsrate von
7,4 Prozent in den letzten drei Quartalen ist die höchste für einen Neunmonatszeitraum seit sechs Jahren.
Der

-1-

�Der Anstieg des Deflators des Bruttosozialproduktes - der umfassendste
Preisindikator - um nur 1,8 Prozent steht neben einem Deflator von 1,5 Prozent
im vierten Quartal 1971, als die Preise durch den Preisstopp niedrig gehalten wurden. Abgesehen von diesem Quartal war der Deflator von 1,8 Prozent der niedrigste
seit dem vierten Quartal 1965.
Wie in einer rasch expandierenden Wirtschaft zu erwarten ist, nahmen die
Gesellschaftsgewinne im zweiten Quartal weiter zu. Nach Abzug der Steuern erhöhten sich die Gewinne um 2,9 Milliarden Dollar und sind damit seit dem von 1966
bis 1970 dauernden Rückgang sechs Quartale lang ständig gestiegen.
Obwohl die Gesamtgewinne im Rahmen des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogrammes steigen dürfen, gibt es Kontrollen für die Gewinnmarge pro umgesetztem
Dollar. Die Gesamtgewinne dürfen also steigen, wenn die Umsätze zunehmen. Man
kann dies in etwa mit den Grenzen vergleichen, in denen die Stundenlöhne ansteigen dürfen, was aber nicht verhindert, daß das Gesamteinkommen eines Arbeiters
sich über diese Grenzen hinaus erhöht, sofern er mehr Stunden arbeitet.
Es gibt jedoch ein freiwilliges Programm zur Beschränkung der Dividenden,
und die Höhe der Gewinne, die bisher in diesem Jahr an die Aktionäre ausgeschüttet
worden sind, hat gegenüber vor einem Jahr um weniger als 3 Prozent zugenommen.
Die Aufwärtsentwicklung der Gewinne ist für die Wirtschaft als Ganzes ermutigend, weil sie sowohl Anreiz zur Ausweitung der Produktion und Hinzunahme
neuer Anlagen bietet, die Arbeitsplätze und Einkommen vermehren, als auch einen
Teil der Mittel hierfür bereitstellt.
Die Fluktuation der Gewinne während eines Wirtschaftszyklus ist groß. In
den ersten Phasen einer Wirtschaftsexpansion steigen sie gewöhnlich stark an
und stabilisieren sich dann oder gehen zurück, während Löhne und andere Einkommensarten weiter steigen. Dabei waren die Gewinne zu Beginn der gegenwärtigen
Wiedererholung ohnehin niedrig, da sie Ende der sechziger Jahre zurückgegangen
waren, obwohl die Wirtschaft weiter expandierte.
Von

-2-

�Von dieser zyklischen Wirkung ganz abgesehen hatten die Gewinne eine langfristige Abwärtsentwicklung zu verzeichnen. Im Jahre 1970 waren die Gewinne nach
allen Maßstäben gemessen - in Prozenten des Volkseinkommens, nach der Ertragsrate des investierten Kapitals, in Prozenten der Einkünfte aus dem Gesellschaftssektor und für die Hersteller in Prozenten des Umsatzes - auf dem niedrigsten
Stand seit dem zweiten Weltkrieg angelangt.
Obwohl die Gewinne auf einer relativ niedrigen Basis begannen, sind sie
nicht so rasch gestiegen wie in anderen Wiedererholungsphasen. In den ersten
sechs Quartalen der derzeitigen Wiedererholung betrug die Zunahme der Gewinne
in Dollar noch nicht 15 Prozent der Zunahme des Bruttosozialproduktes in Dollar
verglichen mit etwa 20 Prozent im gleichen Zeitraum einer typischen Wiedererholungsperiode,
Nach Abzug der Steuern lagen die Gewinne im zweiten Quartal nur 5 Prozent
über dem Stand von 1966, während die Stundenlöhne in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - um 41 Prozent angestiegen sind.
Beide, Gesellschaftsgewinne und Wochenlöhne der Angesteilten,lassen sich
durch Abzug der Einkommensteuerzahlungen und Berücksichtigung der Auswirkungen
des Preisauftriebs bereinigen. Die Gesellschaftsgewinne nach Abzug der Steuern
sind von 1966 bis 1970 real um über 30 Prozent zurückgegangen und liegen immer
noch um 17 Prozent unter dem Stand von 1966. Auf der anderen Seite war das verfügbare wöchentliche Einkommen 1970 real nur um 1 Prozent niedriger als 1966.
Diese Einkommen sind während des letzten Jahres um 4 Prozent gestiegen und jetzt
um 5 Prozent höher als 1966.

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WELTGEFAHR RAUSCHGIFT

Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972

--(AD)-- Der Drogen-Sonderausschuß der US-Regierung, dem Kabinettsmitglieder
sowie der US-Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen und der Direktor des
CIA angehören, gab am 16. August seinen "Welt-Opiumbericht 1972" zur Veröffentlichung frei. Der Bericht orientiert sich im wesentlichen am Welt-Opiumbericht
von 1970, behandelt jedoch sehr viel ausführlicher das internationale HeroinProblem, die Netze des illegalen Rauschgifthandels, die Rauschgiftsituation
in den einzelnen Ländern sowie internationale Probleme, die sich aus dem
Schmuggel mit Heroin und anderen Opiumderivaten ergeben.
Das unter der Leitung von Außenminister Rogers stehende Gremium hat nicht
nur die Aufgabe, alle Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung gegen die
illegale Einfuhr und den illegalen Handel mit Rauschgiften zu koordinieren,
sondern dabei auch alle Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit auszuschöpfen. Seine Arbeit, für die ein Jahresetat von 50 Millionen Dollar zur
Verfügung steht, konzentriert sich auf die rechtlichen Mittel, die unter

-l-

�unter Nutzung der diplomatischen Kanäle und aller erreichbaren Informationsquellen in Zusammenarbeit mit den UN-Mitgliedsstaaten anwendbar sind.
Dem jüngsten Bericht zufolge ist Südostasien eine bedeutsame,aber doch
sekundäre Quelle für Heroin und andere Opiate, die in die Vereinigten Staaten

ge-

langen. Das Gros - ca.80 Prozent - des Heroins stammt derzeit aus türkischen
Quellen, 10-15 Prozent aus Mexiko und 5 bis 10 Prozent aus Südostasien. Zwar
sei das "Goldene Dreieck" (Nord-Thailand, Westlaos und Ostburma) mit ca. 700
Tonnen pro Jahr noch immer der Haupterzeuger von Schwarzmarkt-Opium, jedoch
werde dieses zum allergrößten Teil in dem Raum selbst und in angrenzenden Gebiete^ einschließlich Hongkong) konsumiert. Nur ein kleiner Bruchteil davon werde zu Heroin weiterverarbeitet.
In der illegalen Opium-Produktion folgen mit insgesamt 220 Tonnen Indien,
Pakistan und Afghanistan; die illegale Produktion in der Türkei wird für das Jahr
1971 auf 35 Tonnen geschätzt. Kleinere Mengen stammten aus Mexiko, Bulgarien
und Jugoslawien. Inwieweit Nordafrika und vor allem südamerikanische Länder zur
illegalen Opiumerzeugung beitragen,ist nicht genau bekannt. Fest steht nur, daß
im Hochland Südamerikas immer mehr Mohn angebaut wird, daß in südamerikanischen
Ländern der Drogenmißbrauch steigt und der internationale Rauschgifthandel in
wachsendem Maße über Südamerika Drogen nach den USA, zum größten Rauschgiftmarkt,
einschleust. Ein Drittel der dort beschlagnahmten

Drogen war jedenfalls über die-

se Kanäle gekommen.
Aber auch Kanada ist ein Land, über das große Mengen Narkotika aus Europa
die Vereinigten Staaten erreichen. Organisierte kriminelle Elemente - einschließlich Mafia und französisch-korsische Banden - kontrollieren einen großen Teil
des Rauschgifthandels. Die kanadische Polizei konnte jedoch, wie der Bericht betont, bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen die Rauschgifthändler erzielen. Sie
arbeitet eng mit den amerikanischen Behörden zusammen; Beschlagnahmeaktionen und
Verhaftungen nehmen zu.
Eine

-2-

�Eine ähnliche Entwicklung ist in Frankreich zu beobachten, wo die Polizei
in guter Zusammenarbeit mit amerikanischen Fahndungsbeamten hart gegen Händler,
Schmuggler und vor allem die Geheimlaboratorien vorgeht, wo Opium zu Heroin aufbereitet wird. Die wichtigste Nachschubroute für Opium und harte Drogen führt noch
immer von der Türkei über Westeuropa in die USA. Anscheinend sehen sich aber die
Banden aufgrund des Vorgehens der Polizei in Frankreich gezwungen, z.T.auf andere
westeuropäische Länder auszuweichen. Der Preisanstieg für Heroin, der heute zu
verzeichnen ist, "dürfte nicht nur die weit verbreitete Inflation in den Industrieländern, sondern auch die erhöhten Risiken für den Heroinschmuggel

widerspiegeln."

Die legale Produktion und die Verteilung von Opium für medizinische und wissenschaftliche Zwecke (1971: ca. 1 500 Tonnen) steht dem Bericht zufolge im grossen und ganzen unter Kontrolle. In einigen Ländern werde allerdings unter dem
Deckmantel des legalen Mohnanbaues auch Opium für illegale Zwecke abgezweigt.
In der Türkei wird dem in Kürze ein Riegel vorgeschoben, da diese Quelle versiegt,
wenn 1973 das generelle Verbot für den Mohnanbau in Kraft tritt. In einigen asiatischen Ländern jedoch, vor allem dort, wo die geographischen und politischen
Verhältnisse die Regierungskontrolle erschweren oder überhaupt unmöglich machen,
sei diesem Problem vorläufig kaum beizukommen.

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BODEN WANDERT

2 CM

PRO JAHR

-»(AD)-- Nach eingehenden Beobachtungen über einen Zeitraum von vier Jahren
bestätigte jetzt eine amerikanische Wissenschaftlergruppe kontinuierliche Bodenverschiebungen entlang einer geologischen Verwerfung in der Türkei. Ein ähnliches Phänomen war bisher nur von Kalifornien bekannt. Die Bauingenieure
Edwin Zacher und Karl Steinbrugge hatten dort im Jahre 1956 Versetzungen an
Bauwerken entdeckt. Sie rührten von Bodenverschiebungen her - einer Gleitbewegung entlang der San Andreas-Verwerfung.
Wie Dr. Robert D. Nason, Geophysiker am Institut für Erdbebenforschung in
San Francisco, erklärte, gehört die ca. 110 km nördlich von Ankara entdeckte
Gleitzone zu der sogenannten anatolischen Verwerfung, die Teil eines riesigen
Erdbebengürtels ist. Dieser zieht sich vom Mittelmeerraum durch die Türkei,
den Iran, Südrußland, Afghanistan, Pakistan und Nordindien bis nach Indonesienr
Auf dem Hochplateau Anatoliens hatte man vor ein paar Jahren in der Nähe
der Ortschaft Ismetpasha eine sehr gut gebaute alte Mauer entdeckt, die seltsame Versetzungen aufwies. Sie kreuzt offenbar eine Rißstelle in der Erdrinde,
an der Schollen ins Gleiten geraten sind. Die Bewegungsgeschwindigkeit ist gering, aber doch groß genug, um meßbar zu sein. Dr. Nason errechnete sie für den

�1

den untersuchten Abschnitt mit zwei Zentimeter pro Jahr. Bisher wurde durch Messungen an Ort und Stelle und durch Vergleiche älterer mit neuen Fotos von der Mauer
eine Versetzungsstrecke von insgesamt 16 cm innerhalb der letzten paar Jahre ermittelt. Die Gleitgeschwindigkeit entspricht ungefähr den in Kalifornien gemessenen Werten.
Unter den Wissenschaftlern ist es noch eine Streitfrage, inwieweit solche
Gleitbewegungen in der Erdrinde mit Erdbeben in Zusammenhang stehen. Wenn durch
"Kriechen", wie viele behaupten, Spannungen in der Erdrinde vermindert werden,
so erhebt sich die Frage, in welchem Umfang dies geschieht und wie sich die Verformung möglicherweise auf eine "Entschärfung"großer Erdbeben auswirkt. Manche
Wissenschaftler sind der Ansicht, daß in einer solchen Gleitzone tatsächlich die
Gefahr starker Beben geringer sei. Andere wieder glauben, die Bodenverschiebung
entlang einer Bruchzone sei nur ein Symptom für das Vorhandensein starker Spannungen, die sich in Erdbeben entladen. Dann ist es aber nicht ganz verständlich,
weshalb in anderen, seismisch äußerst aktiven Gebieten wie Japan, Neuseeland,
Alaska oder Iran keine Gleitbewegungen zu beobachten sind.
Die Entdeckung einer zweiten Gleitzone auf der Erdoberfläche ist wegen der
nunmehr möglichen Vergleiche seismischer Aktivität zwischen dem "Testgebiet"
Kalifornien und Anatolien von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Vielleicht ist
auch eher die Frage zu beantworten, welche Zusammenhänge zwischen Gleitbewegungen
im Bereich geologischer Verwerfungen und Erdbeben in Bruchzonen bestehen.
Dr. Nason ist z.B. der Meinung, daß das Gleiten in Bruchzonen durch einen "Schmiereffekt" bestimmter Schiefertone, die unter Spannung ihren Zusammenhalt verlieren,
verursacht werde. Deshalb wäre es interessant, zu erfahren, ob in den Gleitabschnitten der Bruchzonen in Kalifornien und Anatolien solche Tonarten vorhanden
sind. Erdbeben in Anatolien kosteten seit 1938, dem Beginn einer Periode verstärkter Aktivität mit 13 großen Erdbeben, schon Tausenden von Menschen das Leben.

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34/1972
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BIOLOGISCHE PRÄPARATE UNTER DEM ELEKTRONENMIKROSKOP

—(AD)-- Bei ihren Arbeiten als Gastforscher im "Centre National des Recherches Scientifique" in Toulouse (Frankreich) machten zwei Wissenschaftler des
"Lawrence Berkeley Laboratory" (Universität Kalifornien) die überraschende
Erfahrung, daß biologische Präparate durch die Untersuchung am Elektronenmikroskop selbst bei sehr hoher Beschleunigungsspannung nicht zerstört werden. Bisher galt es als sicher, daß das Elektronenmikroskop für die Biologie
nur begrenzt einsatzbar sei, weil sich die Präparate infolge Hitzeentwicklung
oder Ionisation im Elektronenstrahl zu stark verändern. Die elektronenmikroskopische Untersuchung sei deshalb, so glaubte man, oberhalb einer bestimmten
Vergrößerungsgrenze sinnlos.
Dies gilt, wie Dr. Gareth Thomas, Professor der Metallurgie, und der Biophysiker Dr. Robert Glaeser von der Universität in Berkeley feststellten, bis
zu einem gewissen Grade nach wie vor bei zunehmender Beschleunigungsspannung
bis ca. 1 Millionen Elektronenvolt. Sobald jedoch mit noch höheren Spannungen
gearbeitet wird, nimmt der Zerstörungseffekt mit zunehmender Beschleunigung
der Elektronen rapide ab. Die beiden Wissenschaftler beobachteten dieses
überraschende Phänomen bis zu Spannungen von 2,5 Millionen Elektronenvolt.
Sie sind jedoch der Meinung, daß Untersuchungen auch noch bei Spannungen von
5 Millionen Volt, vielleicht sogar bis 10 Millionen Volt möglich seien.
Die

�4.

Die Präparate - es handelte sich um die beiden Aminosäuren Valin und
Glycin - waren weder gefärbt noch durch Aufdampfen von Metall vorbereitet worden.
Mit ihnen beabsichtigten Dr. Thomas und Dr. Glaeser Elektronen-Beugungsaufnahmen an dem neuen Gerät von Prof. Dupouy und Prof. Perrier in Toulouse vorzunehmen.Es zählt neben einem zweiten 3-Millionen-eV-Gerät in Japan zu den stärksten
der Welt. Das in Berkeley verfügbare Gerät erreicht dagegen nur eine Leistung
von 650 000 eV.
Wie jetzt Dr. Thomas auf der 13. Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft
für Elektronenmikroskopie in Los Angeles erklärte, sei das Phänomen, das nur bei
organischen und biologischen Proben, jedoch nicht bei Proben anorganischer Materie zu beobachten sei, mit den heute gültigen Theorien nicht zu erklären und
erfordere deshalb eine gründliche Erforschung. Es eröffne jedenfalls der Biologie und Biomedizin ganz neue Möglichkeiten für Präparate-Untersuchungen. Denn
je höher die Beschleunigungsspannung, desto kürzer die Wellenlänge des Elektronenstrahls - das bedeutet besseres Auflösungsvermögen, bei der Probe also das
Sichtbarmachen immer kleinerer Einheiten im Molekülverband. Es sei denkbar, daß
bei 2,5 MeV Beschleunigungsspannung Strukturen sichtbar werden, die nur 2 Sngström-Einheiten(ca. ein fünfmillionstel Millimeter) groß sind, verglichen mit
einer Auflösungsgrenze von 25 ÄE unter einem Elektronenmikroskop mit 100 000 eV
Spannung.
Dr. Thomas zufolge dürfte es künftig möglich werden, so empfindliche Präparate wie Nukleinsäuren, Enzyme, Viren, Zellmembranen und andere biologische
"Bausteine" in der tatsächlich vorhandenen molekularen Struktur und ohne die
Komplikationen und Einschränkungen, die sich durch Färben ergeben, abzubilden.
Der Wissenschaftler konzentrierte sich zunächst auf die Untersuchung von Valin
und Glycin, weil die Ergebnisse als repräsentativ auch für Nukleinsäuren und
Proteine gelten können. Was die reine Untersuchungstechnik angehe, so habe
sich in Toulouse gezeigt, daß z.B. der Schaden, der bei einer Spannung von
1 MeV an der Probe angerichtet werde, bei der Beobachtung unter 2,5 MeV Spannung
erst nach zehnmal längerer Beobachtungszeit auftrete.

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