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89-3240

Nummer

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Telex:

Information
und
Dokumentation

08-85432

9. August 1972

32

Inhalt

INFORMATION:

Präsident Nixon ernennt persönliche Vertreter für die Olympischen
Spiele in München
Robert Sargent Shriver, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten
Weißes Haus: US-Lufttätigkeit soll Nachschub Hanois ausschalten
-Nordvietnamesische Deiche kein AngriffszielUS-AußenministerLum bestätigt nordvietnamesische Greueltaten
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

fe
WIRTSCHAFT:

USA erhoffen sich von dem Treffen Nixon-Tanaka Fortschritte bei den
Handelsgesprächen
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Die Kontroverse um Methadon
Großaktion gegen Blasenkrebs
Retinopathie bei Diabetikern
Ersatzteile aus Titan

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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32/1972

PRÄSIDENT NIXON ERNENNT PERSÖNLICHE VERTRETER FÜR DIE
OLYMPISCHEN SPIELE IN MÜNCHEN
WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat fünf amerikanische Goldmedaillengewinner zu seinen persönlichen Vertretern bei den Olympischen Sommerspielen in München vom 26. August bis 10. September ernannt.
Zum Leiter der Delegation wurde der Ohrenarzt Dr. Sammy Lee aus Santa
Ana in Kalifornien bestimmt, der bei den Olympischen Spielen im Jahre 1948
und 1952 Goldmedaillen im Turmspringen gewann.
Die anderen Mitglieder der amerikanischen Abordnung sind:
Malvin G. Whitfield, Stellvertretender Kulturattache an der Botschaft
der Vereinigten Staaten in der Somalischen Republik, Goldmedaillengewinner
im 800 Meter-Lauf 1948 und 1952;
William A. Toomey, Fernsehkommentator in Santa Barbara in Kalifornien
und Goldmedaillengewinner im Zehnkampf im Jahre 1968;
Reverend Robert E. Richards, Autor und Rundfunkkommentator in Gordon,
Texas, Goldmedaillengewinner im Stabhochsprung 1952 und 1956; und
Patricia (Mrs.Glenn) McCormick, Schwimmtrainerin in Los Alamitos in
Kalifornien, Goldmedaillengewinnerin im Kunstspringen 1952 und 1956.

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32/1972

ROBERT SARGENT SHRIVER, DER VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER
DEMOKRATEN

--(AD)-- Mit Robert Sargent Shriver hat Senator George McGovern, der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei Amerikas, einen profilierten, politisch liberalen und im Regierungsgeschäft erfahrenen Partner ausgesucht. Der
neue 50jährige Vizepräsidentschaftskandidat stammt aus einer bekannten Familie
und hat sich in leitenden

Regierungsposten, als Botschafter sowie als Ge-

schäftsmann und Rechtsanwalt einen Namen gemacht; er hat allerdings noch kein
gewähltes Amt bekleidet.
Shriver, der mit R. Sargent Shriver unterzeichnet und von Freunden "Sarge"
genannt wird, hat im Jahre 1953 Eunice Mary Kennedy, eine der fünf Schwestern
von Joseph, John F., Robert und Edward Kennedy, geheiratet. Von vielen Demokraten wird die Verbindung des Namens Kennedy mit der Sache McGoverns begrüßt, und
politische Beobachter verweisen auf die politischen Fähigkeiten und Erfahrungen
Shrivers, von denen sie sich einen Stimmengewinn erhoffen.
McGovern hatte nach dem Verzicht des ersten Kandidaten, Senator Thomas
Eagleton, mehreren

anderen Persönlichkeiten angeboten, mit ihm zusammen in den

Wahlkampf zu ziehen; jedoch hatten sowohl Senator Kennedy als auch die Senatoren

-1-

�Senatoren Hubert H.Humphrey aus Minnesota, Abraham Ribicoff aus Connecticut unu
Gaylord Nelson aus Wisconsin sowie Gouverneur Reubin Askew aus Florida abgelehnt
Und schließlich wollte sich auch Senator Edmund S. Muskie aus Maine, der Vizeprä; identschaftskandidat der Demokraten im Jahre 1968 und zunächst aussichtsreiche Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, nicht zur Verfügung stellen.
Nun hatten viele Berater und Mitarbeiter von Senator McGovern bereits früher den Namen Shriver in die Debatte geworfen. Auch das war kein Novum, denn
Präsident Lyndon B. Johnson hatte 1964 und Präsidentschaftskandidat Hubert
Humphrey 1968 Shriver als möglichen Vizepräsidentschaftskandidaten ins Spiel gebracht. Jetzt kam ein festes Angebot und eine rasche Zusage.
Während die Wahl Shrivers in demokratischen Kreisen Beifall findet, gibt es
auch Stimmen wie die von Gouverneur Dale Bumpers aus Arkansas, die darauf hinweisen, daß sich der neue Kandidat bisher noch keiner Wahl habe stellen müssen
und sich im Wshlkampf erst zu bewähren habe.
Sargent Shriver ist den Amerikanern kein Unbekannter. Er konnte sich unter
seinem Schwager, Präsident John F. Kennedy, als Leiter des amerikanischen Friedenskorps - des ersten großen Entwicklungshilfedienstes der Welt - und dann als
Direktor des Programms zur Bekämpfung der Armut in den USA selbst profilieren,
das Präsident Lyndon B. Johnson als Nachfolger Kennedys in Angriff nahm.
Gut aussehend, sportlich, freundlich lächelnd, mit graumeliertem dunklen
Haar ist Shriver eine gewinnende Persönlichkeit. Beide Kandidaten, McGovern und
Shriver, geben ein gutes Team ab; Shriver kommt aus dem Osten der USA, McGovern
aus dem Mittelwesten; Shriver ist katholisch, McGovern protestantisch; Shriver
kommt aus der Stadt, McGovern vom Lande - obwohl beide heute im Vorort leben.
Shriver ist zwar sechs Jahre älter als MvGovern, aber er hat einen jugendlichen
Stil und ist photogen.
Shriver

�Shriver ist bekannt dafür, daß er Geld auftreiben kann, und das braucht der
Stab McGoverns dringend für den Wahlkampf. Er hat gute Beziehungen zu den ärmeren Schichten und Minderheitengruppen im Lande, nicht zuletzt zu der starken
jüdischen Gruppe im Osten der USA.
Politisch nachteilig könnte sich auswirken, daß sich seine Frau öffentlich
gegen die legalisierte Schwangerschaftsunterbrechung ausgesprochen hat, während
McGoverns Stab dieses Thema gerne ausgeklammert hätte, und daß er Amter in der
Kennedy-und Johnson-Administration innehatte, als diese Truppen nach Vietnam
entsandten. McGovern hat versichert, daß er, wenn er gewählt würde, innerhalb
von 90 Tagen alle Truppen aus Vietnam abziehen würde.
Shriver studierte unter anderem in Yale Jura und legte 1941 seine juristische Staatsprüfung ab. Im Kriege ging er zur Marine und fuhr auf Schlachtschiffen und Unterseebooten. Nach dem Kriege war er zunächst bei einer Anwaltsfirma
in New York und kurz als Redakteur bei dem Nachrichtenmagazin Newsweek tätig.
Ein Interview mit dem Multimillionär Joseph P. Kennedy, dem Vater des späteren
Präsidenten John F. Kennedy,brachte ihn dazu,in den Dienst der Kennedyschen
Unternehmen einzutreten, wo er 1948 Direktor der riesigen Chicagoer Warenhauskette wurde. Stark am öffentlichen Leben interessiert, war er in zahlreichen
sozialen, karitativen und kulturellen Ausschüssen und Gremien aktiv.
Als Präsident Kennedy ihm nach seinem Amtsantritt im Jahre 1961 den Aufbau und die Leitung des amerikanischen Friedenskorps - des Peace Corps - übertrug, war es Shriver, der durch sein Engagement und seinen Einsatz im Kongreß
und in der Öffentlichkeit diese Einrichtung zu einem bleibenden Erfolg der Administration machte. Nach dem Tode Kennedys blieb Shriver im Regierungsdienst
und führte erfolgreich Präsident Johnsons "Krieg gegen die Armut".
Präsident Johnson

entsandte Shriver dann im Jahre 1968 als Botschafter

der Vereinigten Staaten nach Paris. Einige Monate, nachdem die Republikaner ins

-3-

�ins Weiße Haus eingezogen waren, kehrte Shriver nach Maryland zurück, wo sich
seine Hoffnungen auf eine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs nicht verwirklichten. Bei den Zwischenwahlen 1970 engagierte sich Shriver im Wahlkampf nachdrücklich für die demokratische Kongreß-Liste und trat dann in eine Anwaltsfirma
ein, deren Seniorpartner, Max Kampelmann, politisch mit Senator Humphrey eng
verbunden war.

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Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Portraitaufnahme von Robert
Sargent Shriver zur Verfügung

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32/1972

WEISSES HAUS: US-LUFTTÄTIGKEIT SOLL NACHSCHUB HANOIS AUSSCHALTEN
-Nordvietnamesische Deiche kein Angriffsziel-

WASHINGTON -_(AD)-- Das Weiße Haus hat erneut nachdrücklich alle Behauptungen
zurückgewiesen, daß die Vereinigten Staaten absichtlich das nordvietnamesische Wasserkontrollsystem bombardierten. Alle derartigen Beschuldigungen,
so sagte der Pressesekretär des Weißen Hauses»Ronald Ziegler,seien "unverantwortlich" und dienten nur den Propagandazielen Hanois.
Auch ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums bezeichnete es
als "verantwortungslos, solchen Propagandabehauptungen Glauben zu schenken",
zumal hinter ihnen die gleichen Kommunisten ständen, die sich weigerten, zuzugeben, daß ihre Streitkräfte in Vietnam, Laos und Kambodscha stehen. Beide,
das Weiße Haus wie auch das Außenministerium, unterstrichen erneut, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sei, alle Luftangriffe auf das Wasserkontrollsystem zu vermeiden.
Die Frage der amerikanischen Lufttätigkeit über Nordvietnam war im Zusammenhang mit den Ausführungen von Senator Edward M. Kennedy erneut aufgeworfen
worden, der eine Resolution eingebracht hatte, die die Politik Präsident
Nixons grundsätzlich unterstützt, jeden Bombenschaden an dem nordvietnamesi-

-1-

�&gt;

nordvietnamesischen Damm-und Deichsystem zu vermeiden. Der Senator hatte
gleichzeitig auf einen Bericht des Außenministeriums verwiesen, in dem festgestellt worden war, daß lediglich 12 Stellen des über 4 300 Kilometer langen Wasserkontrollsystems getroffen worden seien und daß jede dieser Stellen in der unmittelbaren Nähe eines legitimen militärischen

Zieles liege. Dabei hatte Kennedy

unter anderem erklärt, wenn die Bombardierung eines Zieles in der Nähe eines
Deiches dazu führe, daß der Deich selbst auch getroffen werden könne, dann werde der Deich genauso vorsätzlich bombardiert, als wenn er das eigentliche Ziel
gewesen wäre.
Dem hielt Ziegler auf seiner Pressekonferenz am 4. August entgegen, daß
die amerikanische Lufttätigkeit über Nordvietnam die Offensive Hanois in Südvietnam zerschlagen solle und daß der Präsident wie auch zahlreiche Mitglieder der
Regierung immer wieder unterstrichen hätten, daß es ganz eindeutig die Politik
der USA sei, keine Dämme oder Deiche anzugreifen. Wörtlich sagte Ziegler zu den
Ausführungen von Senator Kennedy unter anderem:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten hat unsere Politik hinsichtlich der
Lufttätigkeit über Nordvietnam ganz eindeutig umrissen. Wir haben bei zahlreichen
Anlässen den Grund für diese Lufttätigkeit dargelegt. Der Grund für diese Lufttätigkeit ist ganz klar aufgezeigt worden, nämlich die Anstrengungen der Nordvietnamesen zunichtezumachen, die Offensive nach Südvietnam hineinzutragen.
Wir haben immer wieder unterstrichen, daß diese Administration nicht die
Politik verfolgt, die Dämme und Deiche zu bombardieren, und wir tun das auch
nicht. Wir halten uns an diese von uns festgelegte Politik. Das Außenministerium
hat vor kurzem Informationen bezüglich einiger versehentlicher Angriffe gegen
das Deichsystem veröffentlicht. Es hat in diesem Bericht meines Erachtens aber
auch sehr detailliert aufgezeigt, welchen umfang dieses System von Dämmen und
Deichen in Nordvietnam hat. Es hat dabei betont, daß sich diese Dämme und Deiche

-2-

�Deiche über 4 300 Kilometer hinziehen, und ebenfalls dargelegt, welche Maßnahmen
oder welche Schäden an dem System zu Überschwemmungen führen könnten.
Jeder weiß

, daß in Nordvietnam, wie auch dieser Bericht des Außen-

ministeriums besagt, jedes Jahr um diese Zeit Überschwemmungen auftreten.
Ich möchte sagen, daß der Gegner mit seiner massiven Propagandakampagne
ganz zweifellos die Vereinigten Staaten zu beschuldigen versucht, eine Politik
der vorsätzlichen Bombardierung dieser Dämme und Deiche zu verfolgen. Dabei
steht im Hintergrund die Absicht, diese Anschuldigungen dann erneut vorzubringen, falls und wenn es zu Überschwemmungen kommt, und zu erklären, daß dies eine
Folge der Bombenangriffe sei. In Wirklichkeit kann dies nicht geschehen. Ich
möchte daher nur feststellen, daß unsere Politik hierzu klar ist - daß wir uns
an diese Politik halten. Ich habe die hierzu heute morgen im Senat abgegebenen
Erklärungen nicht in allen Einzelheiten gelesen,.doch wird in ihnen völlig ignoriert, was die Regierung und der Präsident als ihre Politik bezeichnet haben.
Ich möchte lediglich sagen, daß solche Kommentare, gleichgültig von welcher
Seite sie kommen, unverantwortlich sind und völlig übersehen, was diese Administration als die von uns verfolgte Politik der USA bezeichnet hat. Erklärungen
wie diese können lediglich dazu dienen, die diesbezüglichen Propagandaanstrengungen des Gegners zu fördern".
Ziegler teilte weiter mit, daß Präsident Nixom beim Verteidigungsministerium
eine Überprüfung angeordnet habe, als Berichte über Schäden an den Dämmen aufkamen, um sicherzustellen, daß seine Politik auch eingehalten wird. Als dann die
Propagandakampagne Hanois immer intensiver wurde, so fuhr Ziegler fort, "hat
der Präsident seine Politik vor der Öffentlichkeit wie auch in vertraulichen Gesprächen immer wieder dargelegt, und er ist überzeugt, daß die für die Durchführung der Luftoperationen im Norden Verantwortlichen diese Politik auch befolgen."
Der

-3-

�Der Pressesekretär unterstrich auf die Fragen der Korrespondenten hin immer
wieder, daß die gegenwärtigen Bombenangriffe auf militärische Ziele der Nordvietnamesen den gleichen Zweck wie anfangs hätten, nämlich die nordvietnamesische Invasion des Südens zu stoppen. Nordvietnam habe keinerlei Hinweise dafür
gegeben, daß es seine Anstrengungen in Südvietnam aufgeben wolle. Die Luftangriffe verfolgten daher den Zweck, die Versorgung der nordvietnamesischen Truppen mit Nachschub zu unterbinden.
In der Senatsdebatte hatte der republikanische Fraktionsführer, Hugh Scott,
Senator Kennedy sowie weiteren demokratischen Senatoren vorgeworfen, sie seien
Opfer der kommunistischen Propaganda geworden. Wenn die Vereinigten Staaten wollten, so erklärte Scott, könnten sie Nordvietnam in weniger als einer Woche in
einen See verwandeln; ein so schreckliches Unterfangen käme ihnen jedoch überhaupt nicht in den Sinn. "Die Deiche werden nicht bombardiert", so sagte der
Senator wörtlich, "und es ist an der Zeit, daß wir die wirklichen Fragen erörtern und aufhören, über solchen Unsinn zu reden".

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32/1972

US-AUSSENMINISTERIUM BESTÄTIGT NORDVIETNAMESISCHE GREUELTATEN
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

WASHINGTON --(AD)— Presseberichte, wonach die nordvietnamesischen Invasionstruppen südvietnamesische Beamte öffentlich hingerichtet und tausende von Flüchtlinge niedergemetzelt haben, sind jetzt vom amerikanischen Außenministerium bestätigt worden.
Der Sprecher des State Department, John King, erklärte am 7. August vor
Korrespondenten unter Bezugnahme auf einen Bericht der New York Times, daß die
Nordvietnamesen bei der Invasion der Provinz Binh Dinh zwischen 250 und 500 Regierungsbeamte und Privatleute öffentlich hingerichtet hätten. Geradezu verheerende Folgen, so sagte King, hätten die kommunistischen Angriffe auf die langen Kolonnen von Flüchtlingen gehabt, die aus der Stadt Quang Tri zu entkommen suchten.
Am 24. April sei zum Beispiel eine Fahrzeugkolonne, mit der mehrere Tausend
Frauen, Kinder und alte Leute evakuiert werden sollten, wenige Kilometer südlich von Quang Tri in einen Hinterhalt der Nordvietnamesen geraten und völlig
vernichtet worden. Augenzeugen hätten berichtet, daß die Straße und die anliegenden Felder über weite Strecken hinweg mit Fahrzeugteilen und Leichen übersät gewesen seien.
Wie

-1-

�Wie King weiter berichtete, sind am 29. und 30. April Tausende von aus Quang
Tri fliehende Zivilisten auf der Nationalstraße eins niedergemetzelt worden.
Zur Verteidigung der Mychanh-Brücke eingesetzte Truppen hätten machtlos zusehen
müssen, wie die Kommunisten immer wieder die langen Flüchtlingskolonnen mit
13o mm Granaten beschossen. Nach Zeugenaussagen seien allein in diesen zwei Tagen 1 000 bis 2 000 Zivilisten getötet worden. Diese Zeugenaussagen, so betonte
King, bestärkten nur die Befürchtungen des Außenministeriums, daß die Kommunisten
auch an anderen Orten nicht weniger grausam vorgegangen seien.
Der am 3. August in der New York Times erschienene Bericht über die Ermordung von Regierungsamten und die Inhaftierung von 6 000 Menschen in der Provinz
Binh Dinh basiert nicht nur auf Geheimdienstberichten der Verbündeten, sondern
auch auf eingehenden Interviews von Personen, die die dreimonatige kommunistische Besetzung überlebten. Die Informationen des Außenministeriums, so sagte
King, "bestätigen nur, was wir alle in der New York Times gelesen haben". Aber
auch in anderen Teilen Vietnams, so fügte der Sprecher hinzu, seien die Nordvietnamesen ähnlich vorgegangen und hätten südvietnamesische Regierungsbeamte
und Privatleute hingerichtet oder entführt.
Der Korrespondent der New York Times, Joseph B. Treaster, berichtete, die
Hinrichtungen von Angehörigen der Saigoner Regierung in der Provinz Binh Dinh
seien die umfassendsten seit dem Massaker von Hue während der Tet-Offensive des
Jahres 1968 gewesen, bei dem nach Angaben der verbündeten Truppen wie auch unabhängiger Journalisten mehr als 2 600 Personen getötet wurden. Wie Treaster in
seinem Artikel schrieb, hätten die Kommunisten nach dem Fall des nördlichen Teiles der Provinz Binh Dinh ihr Programm unter den 200 000 Einwohnern dieses Gebietes in allen Einzelheiten durchführen können. Kommunistische Sicherheitsoffiziere hätten in kürzester Zeit Dossiers über jeden einzelnen Einwohner angelegt und die Bevölkerung in verschiedene Kategorien eingestuft. Maßgebend hierfür
seien physische Leistungsfähigkeit, finanzielle Lage, Beruf, Alter sowie Beziehungen zu den Kommunisten oder der Saigoner Regierung gewesen. Diejenigen, die

-2-

�die mit der Saigoner Regierung direkt zusammengearbeitet hatten, seien vor
"Volksgerichte" gestellt, als "Tyrannen" gebrandmarkt und zum Tode oder zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Dabei habe es sich vor allem um Dorfälteste und
Gemeindevorsteher, ihre Stellvertreter sowie Angehörige der Polizei und

der

Miliz gehandelt. Aber auch Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern und untergeordnete
Verwaltungsangestellte seien verhaftet worden.
Ein Sprecher der Vereinten Nationen hatte am 5. August vor der Presse zu dem
Artikel der New York Times erklärt, sollte dieser Bericht wirklich wahr sein,
so bedauere Generalsekretär Kurt Waldheim diese Vorgänge und Verluste an Menschenleben zutiefst.

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32/1972

USA ERHOFFEN SICH VON DEM TREFFEN NIXON-TANAKA FORTSCHRITTE
BEI DEN HANDELSGESPRÄCHEN
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON --(AD)-- In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums erhofft
man sich von dem Gipfeltreffen zwischen Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Kakuei Tanaka,das Ende August in Honolulu stattfinden
soll, nicht nur Fortschritte für die amerikanisch-japanischen Handelsgespräche, sondern vor allem eine baldige Entlastung für das große und ständig zunehmende US-Handelsdefizit gegenüber Japan.
In diesen Kreisen zeigt man sich "enttäuscht" über die Konzessionen,
die Japan bei den kürzlichen Handelsgesprächen in Hakone angeboten hat. Allerdings, so wird betont, habe die japanische Seite erstmalig zu verstehen gegeben, daß sie sich der Dringlichkeit des Problems bewußt ist.
Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan belief sich im letzten
Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar und dürfte dieses Jahr fast 4 Milliarden Dollar erreichen, sofern nicht bald etwas unternommen wird. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle,
berichtete nach seiner Rückkehr von Hakone, die Japaner hätten zugesagt, die-1-

�dieses Defizit bis zum März 1973 auf weniger als 3 Milliarden Dollar und bis
1974 auf weniger als 2 Milliarden Dollar herabzudrücken. Demgegenüber soll jedoch der japanische Minister für Außenhandel und Industrie am 2. August in Tokio
erklärt haben, Japan habe lediglich zugesagt, es werde versuchen, dieses Defizit
abzubauen. Gleichzeitig soll der Minister jedoch Zweifel geäußert haben, daß dieses Ziel realisiert werden könne.
Botschafter Eberle hatte Japan aufgefordert, selbst seine Grenzen für höhere Importe amerikanischer Erzeugnisse zu öffnen, nachdem die Vereinigten Staaten bereits immer mehr japanische Güter kaufen. Sollte dies nicht geschehen,so
warnte der Botschafter, müsse Japan mit ernsten Konsequenzen rechnen - zum Beispiel mit einem Wiederaufleben des protektionistischen Drucks gegen japanische
Erzeugnisse oder mit vermehrtem Druck nach einer weiteren Yen-Aufwertung.
Ministerpräsident Tanaka pflichtete dem durchaus bei,daß die Konsequenzen
schwerwiegend sein könnten, aber er hat sich bisher geweigert, größere Zolloder Quotenkonzessionen zu gewähren. Der Ministerpräsident vertritt vielmehr
die Auffassung, daß die Wiedererholung der japanischen Wirtschaft von ihrer
gegenwärtigen Rezession auch zu einer Ausweitung des Absatzmarktes für amerikanische Erzeugnisse führen wird.
In den viertägigen Verhandlungen in Hakone hat Japan lediglich die folgenden Konzessionen eingeräumt: Es hat sich bereit erklärt,in diesem Jahr für
50 Millionen Dollar mehr amerikanische Agrarerzeugnisse zu kaufen, als ursprünglich vorgesehen war. Es hat auf dem Komputermarkt das Kontingent für ausländische Erzeugnisse von 46 auf 50 Prozent erhöht. Es hat die Einfuhr amerikanischer Röntgen-und Schwarzweiß-Filme liberalisiert. Es hat sich bereit erklärt,
in ausländischem Besitz befindliche Läden in Japan zuzulassen, gleichzeitig
jedoch die Zahl der zugelassenen Verkaufsstellen pro Unternehmen auf 11 begrenzt. Und es hat erstmalig zugelassen, daß sich auch amerikanische Firmen an
Ausschreibungen der japanischen Regierung beteiligen dürfen. Allerdings bedürfen
verschiedene dieser Vorschläge noch der Zustimmung des japanischen Diet.
Der

-2-

�Der Leiter der japanischen Delegation in Hakone, Kiyoh-Iko Tsurumi, gibt
durchaus zu, daß er bei den Verhandlungen nicht alle amerikanischen Wünsche
habe befriedigen können. Er betrachtet die anstehenden Probleme als "schwierig
und komplex" und betont, daß Japan volles Verständnis für ihre Dringlichkeit
hat.
In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums ist man zwar enttäuscht
darüber, daß kein Abkommen über umfassendere und schnellere Maßnahmen erreicht
werden konnte, weist jedoch darauf hin, daß in diesen ersten Verhandlungen m it
der Regierung Tanaka trotzdem guter Fortschritt erzielt worden sei. Man habe
eine beachtliche Liberalisierung erreicht, obwohl der Zeitpunkt, politisch gesehen, gegenwärtig für Japan ungünstig sei, um schneller vorangehen zu können.
Ministerpräsident Tanaka, so wird betont, habe eine wenig stabile Koalition
hinter sich und werde wahrscheinlich in naher Zukunft Neuwahlen ausschreiben.
Hinzu komme, daß wichtige Kreise der japanischen Landwirtschaft und Industrie
gegen jeden verstärkten Wettbewerb aufgrund höherer amerikanischer Importe sin
So ist auch von japanischer Regierungsseite zu verstehen gegeben worden, daß
eine Ausweitung der japanischen Agrarimporte zum gegenwärtigen Zeitpunkt die
japanische Landwirtschaft "erschüttern" würde. Von amerikanischer Seite wird
dem entgegengehalten, daß Präsident Nixon angesichts der in drei Monaten in
den USA stattfindenden Wahlen ebenfalls unter einem politischen Druck steht,
das Handelsdefizit abzubauen.
Eines der wichtigsten Gebiete, bei denen in Hakone Übereinstimmung bestand, waren die multilateralen Handelsprobleme. Beide Länder kritisierten
die von dritten Ländern gegen Japan angewandten diskriminierenden Handelspraktiken. Und sie vereinbarten, bei den für das kommende Jahr anstehenden Zollverhandlungen eng zusammenzuarbeiten.
Amerikanische

�Amerikanische Kreise betonen, daß Japan angesichts seiner politischen
Probleme in Hakone relativ entgegenkommend gewesen sei. "Sie haben zwar nicht
alles getan, was wir wünschten, aber sie haben mehr getan als im letzten Jahr;
trotzdem müssen sie noch mehr tun und zwar schneller", so faßt es ein hoher
amerikanischer Beamter zusammen, der nicht genannt sein will.
Die Gespräche auf niedrigerer Ebene zwischen beiden Ländern dauern weiter
an, und auf amerikanischer Seite hofft man, nach dem Gipfeltreffen zwischen
Präsident Nixon und Ministerpräsident Tanaka möglicherweise weitere Fortschritte bekanntgeben zu können.

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DIE KONTROVERSE UM METHADON

•»-(AD)— Nach wie vor gehen in den Vereinigten Staaten die Meinungen in
bezug auf die Anwendung von Methadon bei der Behandlung und Rehabilitation
Heroinsüchtiger auseinander. Das Präparat sei, so erklären die einen, ein
legales und akzeptables Mittel, das gegenwärtig im Rahmen von 450 Behandlungsund Rehabilitationsprogrammen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und
kommunaler Ebene angewandt werde und etwa 60 000 Süchtigen geholfen habe.
30 000 Heroinsüchtige stünden noch auf den Wartelisten. Methadon bedeute nur
den Austausch eines Suchtmittels gegen ein anderes, behaupten dagegen die
Kritiker. Intravenös injiziert, führe es genau wie Heroin zum Rauschzustand,
was dazu geführt habe, daß es bereits auf dem schwarzen Markt gehandelt
werde.
In einer Reihe von Untersuchungen bemühen sich gegenwärtig Ärzte und
Psychologen, zu einer objektiven Beurteilung zu gelangen. So beendete im Juni
eine Gruppe kalifornischer Wissenschaftler eine im Auftrag der US-Zentralstelle für Narkotika und gefährliche Arzneimittel (BNDD) durchgeführte Studie über
sieben verschiedene Verfahren, die bei der Behandlung Heroinsüchtiger angewandt
werden. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, daß die Methadon-Programme ausgebaut
und Süchtige notfalls zwangsweise dieser Behandlung zugeführt werden sollten.
Nach Überzeugung der Experten sei dann zu erwarten, daß die unter Heroinzwang
begangenen Verbrechen um 85 Prozent zurückgingen, der Verlust an Volksvermögen,

-l-

�I

Volksvermögen, der gegenwärtig mit etwa 4,7 Milliarden Dollar anzusetzen sei, um
2,4 Milliarden Dollar reduziert werde.
Die kalifornische Wissenschaftlergruppe empfiehlt ein Programm, in dessen
Rahmen süchtige Gesetzesbrecher anfänglich in geschlossenen Behandlungszentren
unterzubringen seien, später jedoch die Wahl hätten, von sich aus auf das Rauschgift zu verzichten oder der Methadon-Behandlung zuzustimmen. Die Rückkehr zum
Heroin würde automatisch zur Wiedereinweisung in die geschlossene Anstalt führen.
Die Kosten des Programms werden pro Einzelfall auf 4 000 Dollar jährlich für
die stationäre und 1 500 Dollar für die ambulante Behandlung geschätzt.
Die Initiatoren des Methadon-Programms, Dr. Vincent P. Dole und Dr. Marie
Nyswander-Dole

/om Rockefeiler Hospital in New York, machten seit der Einfüh-

rung ihrer Therapie im Jahre 1964 immer wieder die Beobachtung, daß es nach der
Entziehungskur im Krankenhaus möglich ist, zur ambulanten Betreuung ehemaliger
Süchtiger überzugehen. Patienten, die den Willen aufbringen, in die Gesellschaft
zurückzukehren, sind dazu mit Methadon als einer Art "Krücke" in der Lage.
Allein die Tatsache, daß sich in den letzten paar Jahren in den Vereinigten
Staaten die Zahl der Heroinsüchtigen mehr als verdoppelte und auf schätzungsweise 560 000 erhöhte, führte zwangsläufig zu einer Intensivierung der von offizieller Seite geförderten Umstellungsprogramme auf Methadon. Niemand verkennt, daß
auch Methadon eine suchterzeugende Droge ist - und insofern dem Heroin in gewisser
Weise vergleichbar, das ursprünglich als Ersatz für Morphin in Amerika eingeführt
wurde. Dr. Jerome H. Jaffe, der Sonderberater Präsident Nixons für Narkotika und
gefährliche Arzneimittel, erklärte vor einem Senatsunterausschuß: "Die Anwendung
von Methadon als Mittel der Behandlung der Heroinsucht hat zu Kontroversen geführt - gleichzeitig aber vielen Menschen die Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht."
Es

-2-

�i

Es ist für den Arzt,ldie Droge der Wahl" bei der Entziehungsbehandlung. Während Heroin physisch zerstört, zeigen sich bei Methadon-Patienten verhältnismäßig wenig Nebenwirkungen. Die auf die richtige Dosis eingestellten Patienten
können gewöhnlich, wie gesunde Menschen auch, normal essen, schlafen, arbeiten
und sich vergnügen. "Methadon", so ein Vertreter der Washingtoner Suchtstoffzentrale BNDD, "stabilisiert den Grad der Abhängigkeit und beseitigt die extremen
Formen psychischer Fehlreaktionen, wie sie bei Heroin auftreten". Es sei keineswegs ideal, jedoch wesentlich vorteilhafter als die von einer Anzahl von Kritikern
der Methadon-Behandlung geforderte legale Anwendung von Heroin. Ärzte wie Behörden sind einig darin, daß bei den Kranken Wille und Motivation eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozeß spielen.
Die Kritik gegen die Anwendung von Methadon konzentriert sich vor allem auf
folgende Punkte: Methadon ist der Ersatz einer Droge durch eine andere und überläßt die Last der Wahl dem Süchtigen. Unzureichende finanzielle Unterstützung
der Programme durch die Bundesbehörden gebe außerdem vielen Heroinsüchtigen gar
keine Chance, von ihrer Sucht loszukommen. Die Kontrolle über Methadon werde
viel zu lasch gehandhabt, so daß durch seine illegale Benutzung, bei der es schon
zu Todesfällen gekommen sei, ähnlich wie durch Heroin Unglück gestiftet werde.
Die Suchtstoffzentrale (BNDD) in Washington ist sich dieser Schwierigkeiten
durchaus bewußt und versucht deshalb, den Mißbrauch von Methadon und seine Anwendung außerhalb der offiziellen Institutionen unter Einschaltung aller verfügbaren Rechtsmittel zu unterbinden und für die Erreichung dieses Zieles notfalls
auch neue Gesetze im Kongreß durchzusetzen.

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GROSSAKTION GEGEN BLASENKREBS
Neues Schwerpunktprogramm in den USA

--(AD)-- Diagnose und Behandlung von Blasenkrebs sowie Maßnahmen zu seiner
Verhütung sollen einer Verlautbarung des Nationalen Krebsforschungsinstituts
(NCI) der Vereinigten Staaten zufolge durch ein zunächst auf drei Jahre befristetetes Forschungsprogramm, für das mindestens 2,5 Millionen Dollar pro Jahr verfügbar sind, wesentlich verbessert werden. Ähnliche Aktionen sind geplant,um
Darmkrebs und Prostatakarzinom wirksamer als bisher zu bekämpfen.

Die Leitung des "National Bladder Cancer Project" wurde Dr. Gilbert
Friedell, Chefpathologe am St. Vincent-Hospital in Worchester (Massachusetts),
übertragen. Gemeinsam mit 50 Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, die
an führenden amerikanischen Forschungsinstituten tätig sind, wurden bereits die
organisatorischen Vorbereitungen getroffen, die "ein integriertes und interdisziplinäres Vorgehen gewährleisten sollen".
Die Forschungsaufgaben, mit deren Durchführung ausgewählte in-und ausländische Institutionen betraut werden, erstrecken sich auf Epidemiologie (Häufigkeit, Verteilung und Umwelteinflüsse beim Auftreten von Blasenkrebs), Vorbeugung, Erkennung, Diagnose und Prognose, Planung und Durchführung von Tierexperimenten als Modellversuche und schließlich Behandlung.
Nach

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�Nach Schätzungen des Nationalen Krebsforschungsinstituts entfallen gegenwärtig etwa vier Prozent aller Neuerkrankungen an Krebs auf Blasenkarzinom. Die
Aussichten auf Heilung sind jedoch nur in Fällen oberflächlicher oder sehr eng
begrenzter Erkrankung günstig. Deshalb kommt der Frühdiagnose und der Erfassung
von Bevölkerungsgruppen, bei denen das Risiko einer Erkrankung größer ist als
bei anderen, so große Bedeutung zu.
Die Ursachenforschung soll erheblich intensiviert werden. Schon seit einiger Zeit ist z.B. bekannt, daß Zusammenhänge zwischen Blasenkrebs und bestimmten Tätigkeiten in der Farben-und GummiIndustrie sowie Blasenkrebs und Rauchen
bestehen. Auch wird nicht ausgeschlossen, daß der Zusammensetzung des Urins in
Bezug auf die Ausscheidung bestimmter Stoffe eine gewisse Bedeutung zukommt.

Krebspräparate werden mit der UdSSR ausgetauscht
Wie Dr. C. Gordon Zubrod, wissenschaftlicher Direktor der Abteilung Chemotherapie des Nationalen Krebsforschungsinstitutes, nach der Rückkehr aus der
Sowjetunion erklärte, wird in den USA im Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Programms zur Zusammenarbeit in der Medizin auch ein Medikament erprobt werden,
das sowjetische Ärzte bei Schilddrüsen-und Blasenkrebs anwenden (Bezeichnung:
Dijodobenzotepa). Allerdings sei in Amerika erst im nächsten Jahr mit einer Anwendung zu rechnen, da das Präparat (ebenso Fluorodopan

und das Versuchspräpa-

rat Asaley gegen Lymphom, Brust-und Ovarialkrebs) erst getestet und von der
"Food und Drug Administration" freigegeben werden müsse. Zu allererst soll die
einschlägige russische Literatur, zu der auch bisher unveröffentlichte Arbeiten
gehören, übersetzt werden. Die Vereinigten Staaten stellen ihrerseits amerikanisehe Fachliteratur,einschließlich Dauerabonnements mehrerer medizinischer Fachzeitschriften,und die Krebspräparate Hexamethylmelamin, CCNU und DTIE zur
Verfügung.

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RETINOPATHIE BEI DIABETIKERN

— ( A D ) — Verbesserte Methoden der Behandlung von Retinopathie bei Diabetes
mellitus werden in den Vereinigten Staaten in einer bundesweiten Studie erprobt. In erster Linie geht es darum, systematisch festzustellen, in welchen
Fällen und in welchem Umfang die verschiedenen Methoden der Lichtkoagulation
als optimale therapeutische Verfahren betrachtet werden können, um den Patienten das Augenlicht zu erhalten. Die Methode als solche wurde in den
letzten Jahren bereits sehr häufig angewandt; ihr tatsächlicher Wert war
jedoch bisher nicht eindeutig zu dokumentieren. Denn der klinische Verlauf
von Retinopathia diabecica ist recht unterschiedlich, und außerdem ist es
schwierig, das Ergebnis einer Lichtkoagulationsbehandlung exakt zu ermitteln.

Die eigentliche Ursache der Retinopathie im Zusammenhang mit Diabetes
ist nicht bekannt. Jedoch sind gewöhnlich Auftreten und Schwere der Störungen,
bei denen es zu Netzhautblutungen kommt, der Dauer der Erkrankung an Diabetes mellitus proportional. Von Patienten, die seit zehn Jahren zuckerkrank
sind, leiden etwa 50 Prozent bis zu einem gewissen Grad an Retinopathie; bei
15jähriger Krankheitsdauer sind es ca. 75 Prozent, bei 25jähriger Krankheitsdauer 95 Prozent.
Hauptursachen

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�I

Hauptursachen von Erblindung infolge Retinopathia diabetica sind massive
Netzhautblutungen mit Einsickern in den Glaskörper, Bildung von Narbengewebe
und Netzhautablösung. Dem Prozeß geht gewöhnlich die Neubildung von Blutgefäßen
entlang der inneren Netzhautoberfläche voraus. Diese Blutgefäße erweisen sich
auch als Quelle der Blutungen in den Glaskörper und für die Bildung von Narbengewebe, das durch Schrumpfung zu Netzhautablösung führen kann.
In 16 amerikanischen Augenkliniken soll bei etwa 1 800 Diabetikern mit
Retinopathie - zunächst an einem Auge des Patienten - eine Lichtkoagulation nach
drei verschiedenen Methoden durchgeführt werden. Bei der ersten Gruppe geschieht
dies mit weißem Licht aus einer Xenon-rLampe, bei der zweiten Gruppe mit dem intensiven blaugrünen Licht aus einem Argon-Laser und bei der dritten Gruppe mit
einem Verfahren, das eine Kombination dieser beiden Methoden darstellt. Das
zweite Auge des Patienten dient vorläufig als Kontrollorgan und wird nur dann
in gleicher Weise behandelt, wenn der Erfolg beim ersten Auge gesichert ist.
(Die durch die Wärmewirkung des Lichts ausgelöste Koagulation wäre dann

von

größtem Nutzen, wenn sie an den neuen Blutgefäßen unmittelbar vor einer Blutung
erfolgte). Bisher hatte man Photokoagulation entweder auf Netzhautpartien, in denen neue Blutgefäße festgestellt wurden, oder in einer Art Schachbrettmuster auf
größeren Netzhautflächen angewandt in der Hoffnung, daß die Blutgefäße abgeschnürt werden oder ein indirekter günstiger Effekt auf die nichtbehandelten
Partien der Netzhaut erzielt wird.
Besondere Bedeutung wird im Rahmen der Studie der ständigen Beobachtung und
regelmäßigen Untersuchung der Patienten mit Aufnahmen von der Netzhaut zugemessen.
Um die Ergebnisse wirklich exakt verifizieren zu können, wird auch eine sogenannte
Blindauswertung vorgenommen, d.h., der untersuchende Augenarzt weiß nicht, welche
Behandlung der betreffende Patient erfahren hat. An den Universitäten Maryland
(in Baltimore) und Wisconsin (in Madison) wurden Zentren für die Beurteilung der

-2-

�f

der vor und während der Behandlung angefertigten Netzhautaufnahmen, die zur
Sicherung der Diagnose und Ermittlung des Erkrankungsstadiums dienen, eingerichtet. Die Ergebnisse von Alternativmethoden der Behandlung von Retinopathia
diabetica werden in die allgemeine Auswertung der Studie einbezogen.

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ERSATZTEILE AUS TITAN
--(AD)— In der Wiederherstellungschirurgie spielen Metalle als Prothesenmaterial eine wichtige Rolle. Jedoch können sie auch Komplikationen auslösen, die sich nach einer gewissen Zeit einstellen. In den Vereinigten
Staaten geht man jetzt immer mehr dazu über, auch das von der Raumfahrttechnik her bekannt gewordene Metall Titan für medizinische Zwecke einzusetzen, vor allem deshalb, weil es gegenüber physiologischen Salzen in
Lösung außerordentlich beständig ist.
Um aber mögliche Korrosions-und Oberflächenreaktionen von Titan im
Körper im Detail erfassen und die Ursache ihrer Entwicklung besser verstehen
und ausschalten zu können, wurde von Metallurgen am National Bureau of
Standards (U.S.Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) eine
Studie zur Untersuchung bestimmter, verschieden vorbehandelter Legierungen
unter der Einwirkung zahlreicher physiologischer Flüssigkeiten und Gewebe
durchgeführt. Als Probenmaterialien wurden reines Titan, Titan mit sechs
Prozent Aluminium und vier Prozent Vanadium sowie Titan mit 0,2 Prozent
Palladium benutzt, die man verschiedenen physiologischen Kochsalzlösungen
in Kombination mit Harnsäure in verschiedenen Konzentrationen und mit
Aminosäuren wie Glykokoll, Cystein, Cystin und Tryptophan aussetzte. Die

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�Die Oberflächender meisten Metallproben waren auf elektrischem, in einigen lallen auf mechanischem Wege poliert worden. Manche Proben mit FI?ktropolitur hatte man anschließend sterilisiert, um die Effekte unterschiedlicher Oberflächenbehandlungen auf die als Schutzfilm vorhandene korrosionsabweisende Schicht
Titandioxid (TiO?) studieren zu können.
Durch Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop war bereits bekannt, daß
die Legierungszusammensetzung und die jeweiligen physiologischen Gegebenheiten
die Rauhigkeit und das kristalline Gefüge des Schutzfilms beeinflussen. Seine
Veränderungen wurden in jeder Phase verfolgt. Dabei zeigte sich, daß durch
Sterilisieren von 15 min Dauer im Autoklaven bei 120 C die Einheitlichkeit des
Films zerstört und er an einigen Stellen als TiO , an anderen als einfaches
Titanoxid (TiO) vorhanden ist.
Das letztgenannte, weniger beständige Oxid ergibt eine glattere Oberfläche als TiO . Alles in allem sollte wegen der Gefahr der Bildung einer
uneinheitlichen Oxidfilmoberfläche die Dampfsterilisierung von Titanmaterialien äußerst sorgfältig kontrolliert werden. Es zeigte sich ferner, daß reines
Titan auf bestimmte Oberflächen-und Sterilisierungsbehandlungen weniger reagiert als seine Legierungen. Und von diesen scheint die Ti-Palladium-Verbindung von der Oberflächenbehandlung und der Art der einwirkenden physiologischen
Salzlösungen stärker betroffen zu werden als die Legierung Titan-AluminiumVanadium.
Künftige Untersuchungen wird man auf die Entstehung von Risskorrosion in
diesen Titanlegierungen konzentrieren. Sie entsteht an Stellen des Implantats,
wo - wie am Gewinde einer Schraube oder an den Lochrändern einer Platte Körperflüssigkeiten nur ungleichmäßig oder geringfügig mit dem Metall in Berührung kommen. Den geringen

Flüssigkeitsmengen wird der Sauerstoff entzogen,

was den TiO-Schutzfilm beeinträchtigt. Stellenweise kann es auch zu einer

-2-

�einer Verringerung des pH-Wertes, also zu einer Erhöhung des Säuregrades kommen, so daß die Aggressivität der Lösung gegenüber dem Metall größer wird,
als sie normalerweise ist. Unter diesen Gesichtspunkten soll nun auch die
Formgebung für Implantate aus Titan-Metall überprüft werden.

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