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2 6 . J u l i 1972

Inhalt
INFORMATION:
Rogers brandmarkt nordvietnamesische Propagandakampagne
-Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24.JuliUSA: Beschuldigungen Hanois sind Propagandamaßnahme
USA: Hanoi setzt militärischen Aufbau in Südvietnam fort
-Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25.JuliDOKUMENTATION:
Rede von Außenminister Rogers vor dem Commonwealth Club von
San Francisco

WIRTSCHAFT:
US-Maßnahmen gegen die Währungsspekulation
Von Eugene Brake
Positive Zeichen aus der US-Wirtschaft mehren sich
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster ERTS-Satellit gestartet
Krebs - geographisch gesehen
Atemnot - schon vor der Geburt diagnostiziert
Biologische Schädlingsbekämpfung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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30/1972

ROGERS BRANDMARKT NORDVIETNAMESISCHE PROPAGANDAKAMPAGNE
Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24.Juli-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P.Rogers hat
Hanoi vorgeworfen, es führe eine sorgfältig geplante Propagandakampagne, um
die falschen Anschuldigungen glaubwürdig zu machen, daß die Vereinigten Staaten vorsätzlich Dämme und Deiche des nordvietnamesischen Bewässerungs-und
WasserkontrollSystems bombardierten.
In scharfen Worten nahm Rogers am 24. Juli zu den Ausführungen des UNGeneralsekretärs Kurt Waldheim Stellung, der kurz zuvor auf einer Pressekonferenz, erklärt hatte, er habe über "private Kanäle" Informationen erhalten, daß
nordvietnamesische Deiche durch amerikanische Bomben zerstört worden seien.
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe Botschafter Bush (den ständigen Vertreter der USA bei den Vereinten Nationen) angewiesen, um eine baldige Unterredung mit dem Generalsekretär nachzusuchen und darauf hinzuweisen, daß die ihm zugegangenen Informationen
bezüglich angeblicher vorsätzlicher Bombardierungen zur Zerstörung der nord-

-1-

�nordvietnamesischen Deiche falsch sind - wie dies auch der Präsident in seiner
Pressekonferenz am 29. Juni erklärt hat.
Weiter habe ich Botschafter Bush angewiesen, den Generalsekretär dahingehend zu unterrichten, daß diese Anschuldigungen Teil einer sorgfältig geplanten Kampagne der Nordvietnamesen und ihrer Sympatisanten sind, um diese Unwahrheiten weltweit in Umlauf zu bringen.
Der Generalsekretär hat heute auf seiner Pressekonferenz erklärt, 'es
liegt stets in meinem Interesse, Diplomatie im Stillen so einzusetzen, daß sie
nützlich ist*- Wir können öffentliche Erklärungen, die solchen Berichten noch
mehr Verbreitung geben, nicht als nützlich bezeichnen."
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Charles Bray, der die Erklärung des
Außenministers vor der Presse verlas, betonte in diesem Zusammenhang, daß Botschafter Bush mit dem UN-Generalsekretär vor dessen Moskau-tReise gesprochen
und ihm versichert habe,"daß die an die amerikanischen Streitkräfte ergangenen
Befehle Angriffe auf Deiche als zivile Ziele ausschließen". Auf seiner Pressekonferenz am 29. Juni hatte Präsident Nixon erklärt: »Unser Befehl lautete,
keine Deiche zu treffen, weil die Folgen im Hinblick auf die Zivilbevölkerung
überaus groß sein würden. Was nun irgendeine weitere Aktivität in dieser Hinsicht anbelangt, so ist dieser Befehl immer noch in Kraft*.
Bray verlas vor den Korrespondenten ferner Auszüge aus zwei Leitartikeln
der amtlichen Zeitung "Hanoi Moi", die zeigen, daß das Hauptanliegen Hanois
hinsichtlich der Deiche - wie dies der eigenen Bevölkerung gegenüber dargestellt
wurde - darin bestand, die Schäden der Überschwemmungen des vergangenen Jahres
zu beseitigen. In einem Leitartikel vom 28. Mai heißt es unter anderem: "Hanoi
hat alles getan, um undichte Stellen abzudichten, Termitenhügel einzuebnen und
zu beseitigen, Dränagerohre und Leitungen zu reparieren und das gesamte System
von Deichen und Dämmen, das durch die Überschwemmungen des letzten Jahres in
Mitleidenschaft gezogen worden war, weiter zu konsolidieren." Am 20. Juni er-

�erklärte das gleiche Blatt in einem Leitartikel: "An einigen Stellen hat die
Wiederinstandsetzung von Deichstücken, die durch Wolkenbrüche im Jahre 1971 beschädigt worden waren, noch nicht den technisch erforderlichen Stand erreicht."
Andere amerikanische Stellen wiesen am 2 4 . Juli darauf hin, daß wenigstens
mehrere 2 000-»Pfund Bomben die gleiche Stelle treffen müßten, wenn wesentliche
Schäden an einem Deich bewirkt werden sollten. Die von den Flugzeugen gewöhnlich mitgeführten 500 Pfund-Bomben würden kaum eine größere Beschädigung verursachen. Im übrigen habe

die amerikanische Regierung immer wieder darauf hin-

gewiesen, daß Deiche höchstens dann getroffen werden könnten, wenn sich auf
ihnen oder in ihrer unmittelbaren Nähe militärische Ziele befänden. Hanoi habe
das Diplomatische Korps Anfang Juli eingeladen, einen beschädigten Damm zu besichtigen. Ein von einem Diplomaten eingegangener Bericht zeige jedoch eindeutig, daß sich in der Nähe dieser Stelle eine Flugabwehrstellung
habe.

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befunden

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30/1972

USA: BESCHULDIGUNGEN HANOIS SIND PROPAGANDAMASSNÄHME

WASHINGTON --(AD)-- Nach Ansicht des Weißen Hauses ist Hanoi angesichts der
bevorstehenden Regenzeit und etwaiger Überschwemmungen offensichtlich bemüht,
die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, daß die Vereinigten Staaten die
Dämme und Deiche in Nordvietnam durch Bombenangriffe bewußt schädigen.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, erklärte am 20.Juli
auf eine entsprechende Frage, es sei ganz offensichtlich, daß Nordvietnam in
diesem Zusammenhang ein Propagandamanöver gegenüber der Weltöffentlichkeit
unternehme. "Die Dämme und Deiche in Nordvietnam waren kein Ziel (für unsere
Angriffe) und werden es auch in Zukunft nicht sein", erklärte der Sprecher
wörtlich. Dies sei von Präsident Nixon, Verteidigungsminister Laird und Außenminister Rogers immer wieder unterstrichen worden.
Die Feststellungen Zieglers erfolgten in Beantwortung von Fragen zu einem
Artikel des amerikanischen Journalisten Joseph Kraft, in dem behauptet worden
war, daß Dämme, Schulen und Wohnhäuser in Nordvietnam durch amerikanische Luftangriffe beschädigt worden seien.
Es

�Es sei die Politik der USA, so sagte Ziegler, den Nachschub Nordvietnams
für die offensiven Operationen in Südvietnam zu unterbinden und nicht Schulen
oder Wohnhäuser anzugreifen. Er selbst habe auch keine Beweise dafür gesehen,
daß Schulen oder Wohnhäuser bombardiert worden seien.
Der Sprecher des Weißen Hauses wies darauf hin, daß Verteidigungsminister
Laird auf seiner Pressekonferenz vom 17. Juli erklärt hatte, wenn die Nordvietnamesen Flugabwehrgeschütze auf Deichen oder Dämmen in Stellung brächten und
auf amerikanische Maschinen schössen, dann könnte ein Angriff gegen diese
Stellung geflogen worden sein. "Ich habe jedoch keine Beweise gesehen, die auf
eine größere oder weitreichende Beschädigung der Dämme schließen lassen",
fügte Ziegler hinzu.

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30/1972

USA: HANOI SETZT MILITÄRISCHEN AUFBAU IN SÜDVIETNAM FORT
-Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25.Juli-

PARIS —(AD)-- Die amerikanische Delegation bei den Pariser Vietnam-Gesprächen hat Hanoi vorgeworfen, daß es die Vorschläge Präsident Nixons für eine
Waffenruhe ignoriere und stattdessen einen "wesentlichen" militärischen Aufbau südlich der entmilitarisierten Zone durchführe.
Die zwei Tage vor der für den 27. Juli anberaumten Sitzung der Konferenz
veröffentlichten Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"In einer Zeit, in der die Vorschläge Präsident Nixons vom 8. Mai für
eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina immer noch auf dem
Verhandlungstisch liegen und von der anderen Seite noch nicht ernsthaft beantwortet sind, gibt es weitere Hinweise auf einen wesentlichen militärischen Aufbau der nordvietnamesischen Streitkräfte in den nördlichsten Provinzen Südvietnams .
Um die Presseverlautbarung der Delegation vom 21. April 1972 über die
Dislozierung regulärer nordvietnamesischer Divisionen außerhalb Nordvietnams
auf den neuesten Stand zu bringen: Die uns verfügbaren Hinweise deuten darauf
hin, daß sich jetzt sogar 12 reguläre/vietnamesische Divisionen in Südvietnam

-l-

�Südvietnam befinden dürften gegenüber 10 Divisionen, die dort im April standen.
Die andere Seite bezieht sich häufig auf - wie sie es nennt - die 'Verantwortung' der Vereinigten Staaten. Es wäre gut, wenn sie sich ihre eigene Verantwortung für die Fortsetzung und Intensivierung der militärischen Operationen in
Südvietnam vor Augen halten würde. Diese Operationen haben bereits zu enormen
Verlusten und einer großen Zahl verwüsteter Städte im Süden geführt, und die
Aussicht, daß diese Entwicklung anhält, muß die Weltmeinung in Bestürzung versetzen."

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REDE VON AUSSENMINISTER ROGERS VOR DEM COMMONWEALTH CLUB
VON SAN FRANCISCO

SAN FRANCISCO --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 18. Juli 1972 in einer Rede vor dem Commonwealth Club von San Francisco
zu der gegenwärtigen internationalen Lage Stellung genommen. Die Rede des
Außenministers hat folgenden Wortlaut:
"Es ist mir eine große Freude, daß ich eingeladen wurde, vor diesem namhaften Club zu sprechen. Ich habe vor vielen Jahren bereits einmal vor dem
Commonwealth Club gesprochen, als ich noch Justizminister in der Regierung
Präsident Eisenhowers war.
Ich weiß, welche Bedeutung diesem Forum für die Gestaltung der öffentlichen Einstellung zu wichtigen außen-und innenpolitischen Fragen zukommt. Aus
diesem Grunde schätze ich mich sehr glücklich, heute hier mit Ihnen die Außenpolitik der Vereinigten Staaten erörtern zu können. Ich glaube, sie verdient
die Unterstützung aller verantwortungsbewußten Amerikaner.

Lassen

�Lassen Sie mich heute mit einer abschließenden Feststellung beginnen.
Aufgrund der von Präsident Nixon in internationalen Fragen ergriffenen Initiativen
haben die Vereinigten Staaten heute in der ganzen Welt ein Prestige wie nie zuvor.
Ausgehend von dem Grundsatz, daß 'eine Generation den nachfolgenden Generationen
kein größeres Geschenk hinterlassen kann, als den Schlüssel zu einem dauerhaften
Frieden zu schmieden', hat der Präsident beharrlich jeden Schritt in Richtung auf
dieses Ziel ausgerichtet. Die Folge ist, daß die Welt heute ein weitaus weniger
feindseliger Platz ist als noch vor dreieinhalb Jahren, und daß die Grundlagen
für einen wirklich stabilen und dauerhaften Frieden gelegt sind.
Der Präsident hat der Versuchung widerstanden, eine nationale Hypothek auf
sich zu nehmen - einen temporären Frieden um den Preis einer künftigen Instabilität zu erkaufen. Ein wahrer Friede kann nicht mit der Zukunft erkauft werden;
er muß für die Zukunft errichtet werden. Das verlangt Geduld und sorgfältiges
Planen. Es verlangt eine Bereitschaft, neuen Boden durch Verbesserung der Beziehungen zu früheren Gegnern zu gewinnen. Und es erfordert Stärke und ein ständiges Festhalten an feierlich eingegangenen Verpflichtungen gegenüber Freunden und
Verbündeten. Das ist der Weg, für den sich Präsident Nixon entschieden hat. Dies
ist der Grund, warum unser Ansehen - sowohl bei unseren Freunden wie auch bei
unseren Gegnern - so hoch ist wie noch nie zuvor. Dies ist auch der Grund, warum
'die Welt nicht mehr so starr und versteift ist* - um einen gängigen Ausdruck
zu gebrauchen, wie dies noch vor dreieinhalb Jahren der Fall war.
Nach den Besuchen in China, Rußland und Polen bin ich vor kurzem von einer
Reise durch elf weitere Länder in vier Kontinenten zurückgekehrt. Diese jüngste
Besuchsreise begann mit einem Treffen mit unseren südostasiatischen Verbündeten
in Canberra, Australien, wo ich die Bedeutung unterstrich, die wir unseren engen
Beziehungen zu Australien und allen unseren Sicherheitsbündnissen in Asien beimessen.
Wir

�Wir haben auf unserer Reise einige der ältesten Länder der Welt besucht
- Griechenland, das die Wiege unserer eigenen Demokratie ist, und Ceylon, das
ebenfalls drei Jahrhunderte vor Christi Geburt bereits eine blühende Kultur
aufwies. Wir waren in Indonesien, einem wichtigen Land in Südostasien, mit
einer Bevölkerung, die so groß wie die aller übrigen Länder in diesem Raum zusammen ist. Und wir waren in zwei Ländern am Persischen Golf - Kuwait und
Bahrein - mit einer Gesamtbevölkerung, die etwa der von San Francisco entspricht, denen aber eine bedeutende Rolle in der Welt zukommt.
Drei der von uns besuchten Länder - Italien, Griechenland und Australien sind unsere Verbündeten. Zwei Länder - Ungarn und Rumänien - sind Mitglieder
des Warschauer Paktes. Und ein drittes kommunistisches Land - Jugoslawien hat eine führende Rolle unter den Blockfreien.
Zu den meisten der von uns besuchten Länder sind unsere Beziehungen
freundschaftlich und eng. Zu Ungarn sind unsere Beziehungen jedoch eingeschränkt
und ich war das erste amerikanische Regierungsmitglied, das den Führer Ungarns,
den Ersten Sekretär Kadar,besucht hat. Und zum Jemen, einer eindrucksvollen Republik auf der arabischen Halbinsel, hatten wir seit 1967 überhaupt keine diplomatischen Beziehungen; mein Besuch in der Gebirgshauptstadt des Jemen, Sanaa,
bildete den Anlaß zur Wiederherstellung und zur Hervorhebung der Bedeutung,die
wir der Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu allen arabischen Ländern beimessen.
Dieser Besuch im Jemen war zugleich ein guter Hinweis auf die Bedeutung,
die allen Ländern dieser Welt zukommt. Wir flogen bei einbrechender Dunkelheit
in die Hauptstadt dieses entlegenen und armen Landes - und mußten auf einer
Landebahn ohne Lichter oder irgendwelche navigatorischen Hilfsmittel landen.
In einem solchen Augenblick fällt es vielleicht schwer - und besonders für

-3

�für unseren Piloten - sich den Jemen als einen bedeutsamen Faktor in der Weltpolitik vorzustellen. Und doch ist er das - mit seiner geographischen Lage auf
der ölreichen arabischen Halbinsel und der größten Bevölkerungszahl auf dieser
Halbinsel. Wir wissen den positiven Schritt zu schätzen, den der Jemen ergriffen hat,als er eine amerikanische Botschaft in Sanaa wieder zuließ. Und wir
hoffen, daß andere arabische Länder,die sich uns seit dem Ausbruch des arabischisraelischen Konflikts entfremdet haben, ähnliche Schritte erwägen werden.
Auf meiner Weltreise habe ich mit einer Reihe namhafter Persönlichkeiten
gesprochen. Unter ihnen befanden sich der 39jährige Emir von Bahrain und der
80jährige jugoslawische Präsident Tito, der noch an der russischen Revolution
vor 55 Jahren teilgenommen hatte. Während meines Aufenthaltes in Rom hatte ich
ein nützliches Gespräch mit dem burmesischen Präsidenten Ne Win, der dort ebenfalls zu Besuch weilte. Und ich hatte eine Audienz bei einem der unermüdlichsten Fürsprecher der Welt für den Frieden, bei Papst Paul VI.

Allen diesen Persönlichkeiten legte ich unsere Hoffnungen auf und unsere
Bemühungen um eine friedlichere Welt dar, und ich versuchte in Erfahrung zu bringen, wie eine solche Welt ihrer Ansicht nach am besten verwirklicht werden könnte. Heute würde ich gerne mit Ihnen über einige der Fragen sprechen, die wir
erörtert haben. Was für eine Welt streben wir an? Vor allem sollte es eine Welt
sein, in der alle Länder - gleichgültig ob Freunde oder Feinde, ob Partner oder
Konkurrenten - im Gespräch stehen.
Während der Zeit des kalten Krieges herrschte die Auffassung vor, daß wir
nicht miteinander reden könnten, weil wir mit unseren Gegnern wesentliche Meinungsverschiedenheiten hätten.

Präsident Nixon ist von der entgegengesetzten

Auffassung ausgegangen, nämlich weil wir wesentliche Meinungsverschiedenheiten
haben, müssen wir miteinander reden. Natürlich wußte der Präsident, daß ein Gespräch allein nicht die Differenzen überbrücken würde; aber er wußte auch, daß
sie ohne ein Gespräch überhaupt nicht überbrückt werden würden.
Unsere

�Unsere Außenpolitik basiert daher auf der Überzeugung, daß Kommunikationen
zwischen solchen, die einander fremd sind, und Verhandlungen zwischen Gegnern
der Sache einer ruhigeren Welt dienen. Aus diesem Grunde hat auch der Besuch
des Präsidenten in China eine so große Bedeutung; er hat einen notwendigen
Dialog zwischen uns angebahnt. Bei der Sowjetunion dagegen bestand die Aufgabe
darin, zu konkreten Verhandlungen zu gelangen. Wir haben jetzt Abkommen zur
Begrenzung der offensiven und der defensiven strategischen Waffen. Wir haben
fünf weitere bilaterale Abkommen, die alle während des Gipfeltreffens in Moskau
unterzeichnet wurden und die unsere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion auf ein
Maß erweitern, wie es seit der Zeit unseres Bündnisses im Kriege unbekannt war.
Unsere neuen Beziehungen zu China und unsere wachsende Zusammenarbeit mit der
Sowjetunion sind meines Erachtens von großer Bedeutung für die Schaffung einer
stabileren internationalen Ordnung.
Auf meiner Weltreise stellte ich fest, daß dies allgemein anerkannt wurde.
Und ich legte unsere Auffassung dar, daß das, was für uns gut ist, auch für ande gut ist. Es gibt nichts Produktiveres als eine Bereitschaft in allen Gebieten der Welt, sich von der Erstarrung der letzten beiden Jahrzehnte frei zu
machen.
Es ist in der Tat bemerkenswert, wie groß der Fortschritt ist, der gerade
in diesem Augenblick gemacht wird, da langjährige Gegner nunmehr miteinander
sprechen. Ganz beiläufig möchte ich hervorheben, daß die Vereinigten Staaten
in zahlreichen Fällen diesen Bemühungen in aller Stille dennoch wirksame diplomatische Unterstützung gegeben haben. Dies trifft unter anderem auf folgende
Fälle zu:
-- Die Gespräche, die zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
Deutschen Demokratischen Republik auf einem weiten Gebiet von Fragen im Gange
sind.
--Die

-5-

�-- Die Übereinkunft über eine Reihe von Prinzipien für eine Verminderung
der Spannungen und eine Verbesserung der Kommunikationen, die vor gerade zwei
Wochen gleichzeitig in Seoul und in Pjoengjang bekanntgegeben wurde.
-- Das Abkommen, das während der gleichen Woche zwischen Pakistan und Indien, die innerhalb von 25 Jahren in drei Kriegen gegeneinander gekämpft haben,
unterzeichnet wurde und das ein Beginn zur Heilung der Wunden dieser Kriege sein
kann.
-- Die Gespräche, die zwischen dem griechischen und dem türkischen Bevölkerungsteil auf der Insel Zypern - einer weiteren Brutstätte der Spannungen über eine friedliche Beilegung der tiefgreifenden Differenzen aufgenommen wurden.
-- Die Vietnam-Gespräche, die in der letzten Woche in Paris wieder aufgenommen wurden. Wir sind zu diesen Gesprächen in der aufrichtigen Hoffnung zurückgekehrt, daß sie zu einer Lösung auf dem Verhandlungswege führen können.
Es gibt nur eine bedeutsame Ausnahme in diesem Trend hin zu Gesprächen
- das ist der Nahe Osten. Während meines Besuches im Nahen Osten habe ich den
Fortschritt unterstrichen, der in Verhandlungen bei schwierigen Problemen in anderen Teilen der Welt erzielt worden ist. Ich habe ein gleiches Vorgehen bei dem
arabisch-israelischen Problem gefordert. Aufgrund einer amerikanischen Initiative
herrscht seit zwei Jahren Waffenruhe im Nahen Osten. Es wird jedoch solange keinen
dauerhaften Frieden geben, wie nicht alle Beteiligten beschließen, miteinander in
Frieden zu leben, und nach Lösungen der komplexen und emotionellen Probleme zu
suchen beginnen, um die es hier geht. Ich glaube, daß dies schließlich geschehen
wird und daß dann ernsthafte Verhandlungen stattfinden werden.
An diesen Beispielen läßt sich ersehen, daß unsere Politik, zu Verhandlungen
zu ermutigen und Wege für Kommunikationen in allen Gebieten der Welt zu öffnen,
sich auszahlt - daß die Spannungen nachgelassen haben und daß zahlreiche örtliche Konflikte einer Beilegung entgegenzugehen scheinen.
Das

�Das zweite Merkmal einer friedlichen Welt, wie wir sie anstreben, steht in
einem engen Zusammenhang zu dem ersten. Da für eine solche Welt Gespräche und
Verhandlungen charakteristisch sind, muß sie ebenfalls für den freien Verkehr
von Menschen, Ideen und Gütern offen sein. Wir sind überzeugt, daß die Sache
des Friedens durch Kontakte zwischen den Menschen und einen freien Austausch
von Gedanken auf allen Ebenen gefördert wird. Daher suchen wir in Gebieten, in
denen solche Kontakte begrenzt

sind, diese zu erweitern.

Zwei wichtige Aspekte unserer sich ausweitenden Beziehungen zu China sind
der Austausch von Personen und die Zunahme der Handelskontakte, über die wir
gegenwärtig mit den Chinesen in Paris sprechen. Nach dem sehr erfolgreichen Besuch der chinesischen Tischtennismannschaft hoffen wir auf eine Fortsetzung des
Austausches auf dem Gebiet des Sports. Wir rechnen ferner mit einem Austausch auf
Gebieten wie Medizin und Musik. Das Handelsministerium hat kürzlich Exportlizenzen für den Verkauf kommerzieller Düsenflugzeuge an China im Werte von 150 Millionen Dollar ausgestellt. Wenn diese Lizenzen ausgenutzt werden, so wird dies der
erste bedeutende Schritt in Richtung auf bilaterale Handelsbeziehungen sein,
die, wie wir hoffen, sich produktiv erweisen werden.

Wir sind ferner der Mei-

nung, daß die neue Generation der chinesischen Führung nicht jeder Möglichkeit
beraubt sein sollte, sich aus erster Hand Informationen über Amerika und die
Amerikaner zu beschaffen, die der gegenwärtigen Generation fehlten - und umgekehrt .
Es ist ebenso bemerkenswert, in welchem Maße den Führern Osteuropas Kontakte mit den Vereinigten Staaten fehlten. Von den 22 Mitgliedern des höchsten, die
politischen Entscheidungen treffenden Gremiums der Sowjetunion, dem Politbüro
der kommunistischen Partei, haben, soweit ich weiß, nur vier jemals Amerika besucht. Von den Verbündeten der Sowjetunion hat lediglich der rumänische Präsident
Ceausescu die Vereinigten Staaten über die Vereinten Nationen hinaus besucht.
Bis zu meinem Besuch in Budapest hat kein amerikanisches Kabinettsmitglied jemals Ungarn besucht. In der heutigen Welt muß der Ausweitung der aus erster Hand

-7-

�Hand gewonnenen Kenntnisse, die die führenden Staatsmänner der einzelnen Länder
von anderen Staaten haben, oberste Priorität gegeben werden.
Wir rechnen ferner mit einer beträchtlichen Ausweitung unseres Handels und
anderer Kontakte zu Osteuropa. Die Sowjetunion hat kürzlich mit uns ein Abkommen
über den Ankauf von mehr Getreide unterzeichnet,als bisher bei einem einzigen
Geschäftsabschluß je von uns verkauft worden ist. Und in Rumänien habe ich unseren Gastgebern versichert, daß ich mich im Kongreß weiterhin für die Verabschiedung eines Gesetzes einsetzen werde, damit die rumänischen Exporte auf der Basis
der Meistbegünstigungsklausel, das heißt ohne diskriminierende Zölle, nach den
Vereinigten Staaten hereingenommen werden können. In dem ganzen Gebiet wird es,
wie wir hoffen, bald möglich sein, zu normaleren Handelsbeziehungen überzugehen. Dies ist der Grund, warum an der Spitze unserer Handelsmission, die sich
gegenwärtig auf dem Wege nach Moskau befindet, unser Handelsminister steht.
Wir sind ferner der Ansicht, daß ein freierer Austausch von Personen und
Ideen ein aktives Prinzip in Beziehungen zwischen den getrennten Teilen Europas
sein sollten. Im nächsten Jahr dürfte eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, an der nahezu alle europäischen Länder sowie die Vereinigten Staaten und Kanada teilnehmen, stattfinden. Wenn diese Konferenz wirklich
nützlich sein soll, so sollte sie unserer Ansicht nach, statt sich mit Ermahnungen oder Deklarationen zufriedenzugeben, konkrete Schritte zur Erleichterung des
normalen Reiseverkehrs und des Flusses von Ideen über den Kontinent hinweg ergreifen. Unserer Ansicht nach sind praktische Verbesserungen, die zu einem größeren Kontakt zwischen allen Völkern Europas führen, der beste Weg, um schneller
zu dem Tag zu kommen, da Europa nicht mehr geteilt ist.
Gerade deshalb messen wir dem Abkommen, das ich zusammen mit den Außenministern Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion im vergangenen Monat in
Berlin unterzeichnete, solche Bedeutung bei. Dieses richtungweisende Abkommen
wird das tägliche Leben von zwei Millionen Westberlinern erleichtern, indem es

-8-

�es ihnen normalere Reisen nach Ostberlin und in die Deutsche Demokratische Republik ermöglicht. Wir hoffen, daß die wachsenden Kontakte, die durch das Abkommen sichergestellt werden, Europa als Ganzem Auftrieb geben werden.
Das dritte Merkmal der friedlichen Welt, die wir anstreben, besteht darin,
daß das Recht eines jeden Landes auf Unabhängigkeit, auf Souveränität und auf
seine eigene innere Entwicklung ohne Einmischung von außen weltweit respektiert
werden muß.
Wenn wir auf die Beseitigung der einem freieren Kontakt entgegenstehenden
Hindernisse drängen, so haben wir dabei keinerlei Interesse, uns in die inneren
Angelegenheiten irgendeines Landes einzumischen. Im Gegenteil, unsere Politik
entspringt einer ganz anderen und positiven Überzeugung, daß nämlich offenere
Grenzen die Spannungen vermindern und die normale menschlische Kommunikation
fördern werden, die die Menschen und Staaten dazu ermutigt, in Frieden und
Freundschaft zu leben und andere leben zu lassen.
Wir in Amerika treten nachdrücklich für die Rechte von Ländern ein, sich
nach ihren eigenen Wünschen zu entwickeln, weil wir selber einen Kampf geführt
haben, um diese Rechte für uns zu erlangen. Wir respektieren dies bei anderen.
Ja, wir sehen diese Rechte als fundamental für friedliche Beziehungen zwischen
den Staaten an. Sie müssen immer - und nicht nur manchmal - angewandt werden,
und sie müssen nicht nur in bestimmten Fällen, sondern in jedem einzelnen Fall
angewandt werden. Einem Lande darf nicht die volle Souveränität verwehrt werden,
nur weil es klein ist oder weil der geographische Zufall es in die Nähe einer
Großmacht gerückt hat oder weil es das gleiche politische, wirtschaftliche oder
soziale System wie andere Länder in seinem Gebiet hat.
In Osteuropa habe ich unterstrichen, daß dieses Prinzip zum Fundament unserer
Außenpolitik gehört. Wir haben die Absicht, mit allen Ländern in diesem Gebiet
und auch anderswo als mit souveränen Mächten zu verkehren. Wir sind zu einer

-9-

�einer Verbesserung oder Ausweitung unserer Beziehungen bereit, und zwar in einem
Tempo und in einer Weise, die diese Länder selbst einschlagen wollen. Während
des Besuches des Präsidenten in Moskau haben die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten durch eine schriftliche Verpflichtung vereinbart, 'die souveräne
Gleichberechtigung aller Staaten anzuerkennen und weder für sich selbst den
Anspruch in der Weltpolitik auf irgendwelche besonderen Rechte oder Vorteile
zu erheben noch einen solchen Anspruch von einer anderen Seite anzuerkennen'.
Diese Verpflichtung, die von beiden Ländern feierlich eingegangen wurde, ist
in den vor uns liegenden Jahren von großer Bedeutung für Frieden und Sicherheit.
Unser

langfristiges Ziel ist es, über das passive Verhältnis, das durch

das Wort 'Koexistenz1 impliziert ist, hinweg zu einem aktiveren und kooperativeren Verhältnis zu gelangen. Von der Anerkennung des Rechtes eines jeden Landes, seine eigenen Angelegenheiten zu regeln, ausgehend, setzen wir uns für eine
Welt ein, in der ehemalige Gegner nicht nur in Frieden koexistieren, sondern
auch kooperieren können.
Das vierte wesentliche Merkmal der friedlichen Welt, die wir anstreben, ist
die Bereitschaft der Staaten, sich nicht länger mehr auf die Gewalt als eines
unerläßlichen Instruments der nationalen Politik zu verlassen. Selbst heute ist
eine wachsende Bereitschaft erkennbar, die Anwendung von Gewalt zu begrenzen.
Ich habe bereits auf die Mannigfaltigkeit der Verhandlungen verwiesen, die
gegenwärtig über einige der schwierigsten Probleme der gesamten Nachkriegszeit
geführt werden. Wenn es auch wichtig ist, die Dinge in der richtigen Perspektive zu sehen, so glaube ich doch, daß die ersten SALT-Abkommen einen neuen Abschnitt in den weltpolitischen Beziehungen eingeleitet haben. Zum erstenmal haben die stärksten nuklearen Mächte der Welt unumgehbare und verifizierbare Abkommen über einen Komplex abgeschlossen, der für sie selbst sowie für die Welt
als Gesamtheit von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Wir

-10-

�Wir hoffen und erwarten daher, daß die Prinzipien der friedlichen Beziehungen, auf die sich die Sowjetunion und wir in Moskau verpflichtet haben, mehr als
nur Worte auf einem Stück Papier darstellen. Wir unsererseits werden ohne Frage
unser bestes tun, um sie in die praktische Wirklichkeit umzusetzen.
Wir blicken erwartungsvoll auf die nächste Phase der SALT-Verhandlungen.
Wir hoffen ferner, daß bald Verhandlungen über eine Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa beginnen können. Außer der sowjetisch-chinesischen Grenze
ist dieses Gebiet der Schauplatz der größten Konzentration bewaffneter Gewalt
in der Welt. Wir haben die Absicht, parallel mit der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa auf Verhandlungen über dieses Problem zu drängen.
Wir werden

bereit sein, über spezifische Reduzierungen zu verhandeln, solange

diese beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen darstellen und die Sicherheit
der einen oder der anderen Seite nicht gefährden.
Wenn wir nun zu neuen und konstruktiveren Beziehungen mit früheren Gegnern
gelangen, so ist es umso wichtiger, daß wir ein Gefüge an Stabilität bewahren.
Wie kann dies geschehen? Erstens, indem wir sicherstellen, daß das Bemühen um
neue Beziehungen nicht auf Kosten unserer Verbündeten und Freunde geht. Zweitens, indem wir uns darüber im klaren sind, daß diese Beziehungen unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nur verbessern werden, wenn wir dabei überzeugend stark bleiben werden. Drittens, indem wir durch Wort und Tat bekräftigen, daß eine friedliche Welt nicht angestrebt wird - wie sie ja auch nicht erreicht werden könnte - durch die Aufgabe unserer Verpflichtungen oder unserer
Interessen.
Es ist gerade die Gültigkeit dieser drei Grundsätze, die die Art und Weise
unseres Abzuges aus Vietnam genau so wichtig macht wie den Abzug selbst. Mit
dem Ende unseres Engagements in diesem Krieg in Sicht dürfen wir niemals vergessen, daß die Bevölkerung Südvietnams mit uns als Verbündete und Freunde gekämpft hat und gestorben ist. Eine vernünftige und ehrenhafte Beendigung dieses tragischen Krieges muß unter Berücksichtigung ihrer als auch unserer In-

-11-

�Interessen erreicht werden.
Es ist auch die Gültigkeit dieser drei Grundsätze,die von uns in unserem
eigenen Interesse verlangt, daß wir unsere Verpflichtungen gegenüber der NATO,
im Pazifik und in unserer eigenen Hemisphäre aufrechterhalten. Die Stabilität,
die unsere Bündnisse mit 42 Ländern mit sich gebracht haben, ist eine wesentliche Voraussetzung für den Frieden, den wir anstreben. Und schließlich ist
es die Gültigkeit dieser Grundsätze, die Präsident Nixon veranlaßt haben, auf
einem angemessenen nationalen Verteidigungsbudget zu bestehen. Eine Kürzung
von 30 Milliarden Dollar oder jede Kürzung in dieser Größenordnung würde unsere
Bündnisse über Nacht unterminieren und uns sehr bald in eine zweitrangige militärische Position versetzen.
Eine anhaltende Verbesserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion und zu
China hängt nicht von der Aufgabe unserer Bündnisse ab und erfordert auch keine
gefährlich geschwächte Verteidigungskapazität. Ja, wir hätten niemals ein verbessertes Verhältnis erlangen können, wenn wir diese Bündnisse aufgegeben oder
diese Kapazität geschwächt hätten. Gerade die Stärke der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten hat es uns ermöglicht, mit Vertrauen zu verhandeln. Es
wäre ein tragischer Schritt und ein Schritt nach rückwärts, der der Sache des
Friedens nicht förderlich sondern abträglich sein würde, würden wir diese Lehre
vergessen.
Dies also ist die Art friedlicher Welt, die wir gerne schaffen würden und
auf die die Politik Präsident Nixons gerichtet ist:
-- eine Welt, in der Dialog und Verhandlung an die Stelle von Konfrontation und Konflikt getreten sind;
-- eine Welt, in der die Menschen frei und leicht über die nationalen Grenzen reisen können;
--eine

-12-

�-- eine Welt, in der die Anerkennung der Souveränität und der Unabhängigkeit
aller Länder der erste Grundsatz der internationalen Beziehungen ist;
-- eine Welt, in der man sich weniger und weniger auf die Gewalt als ein
Instrument der nationalen Politik verläßt.
Hätte noch vor einem Jahrzehnt irgendjemand gedacht, daß eine solche Welt
noch zu unseren Lebzeiten möglich sei? Auch heute noch kann niemand sagen, daß
sie bald verwirklicht wird oder daß die Probleme und Schwierigkeiten nicht unerhört schwierig sind. Aber zum erstenmal seit dem Kriege ist eine solche Welt
zu einer praktischen Möglichkeit geworden.
Wir können aber zur Verwirklichung dieser Möglichkeit nicht beitragen, wenn
wir uns auf unsere eigen Küsten zurückziehen. Um am»Aufbau eines dauerhaften
Friedens mitzuwirken, müssen wir in weltpolitischen Angelegenheiten in verantwortlicher Weise engagiert bleiben. Die Vereinigten Staaten müssen und werden
so engagiert bleiben."

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30/1972

US-MASSNAHMEN GEGEN DIE WÄHRUNGSSPEKULATION
Von Eugene Brake
WASHINGTON — ( A D ) - - Die überraschenden Interventionen der Federal Reserve
Bank auf den Devisenmärkten unterstreichen die feste Absicht der Vereinigten
Staaten, zur Abwehr von Währungsspekulationen beizutragen, wenn immer solche

Maßnahmen angebracht erscheinen.
Mit dem Ankauf von US-Dollar durch DM am 19. Juli hat die Federal Reserve
Bank erstmals wieder amerikanische Devisenreserven zum Rückkauf von US-Dollar
eingesetzt, seit Präsident Nixon am 15. August 1971 die Konvertierbarkeit des
Dollar ausgesetzt hatte. Dieser Schritt wurde nicht im voraus angekündigt,
vielmehr erläuterte ihn der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Arthur F.
Burns, später mit folgenden Worten: "Wir werden unsere Rolle bei der Wiederher.
Stellung der Ordnung auf den Devisenmärkten spielen und das unsrige tun, um
das Smithsonian-Abkommen aufrechtzuerhalten, so wie dies die übrigen Länder
tun. Es handelt sich hierbei ausschließlich um unsere eigene Initiative".
Einen Tag später gab das amerikanische Finanzministerium hierzu folgende
Erklärung ab:
"Die

-1-

�"Die Federal Reserve Bank hat gestern einen begrenzten Dollar-Betrag mit
DM-Guthaben des Schatzamtes aus dem Markt genommen. Dieser Schritt zeigt die
Bereitschaft der Vereinigten Staaten zu Interventionen auf den Devisenmärkten
in Fällen, in denen sie es für wünschenswert erachten, zur Abwehr der spekulativen Kräfte beizutragen.
Dieser Schritt deutet absolut keine Änderung unserer grundlegenden Politik
bezüglich einer Währungsreform und der notwendigen Anstrengungen auf allen Fronten an, ein tragbares Zahlungsbilanzgleichgewicht zu erreichen.
Dieser Schritt steht selbstverständlich im Einklang mit unserer offen bekundeten Auffassung, daß der spekulative Druck aufgrund der Entscheidung, den
Wechselkurs des britischen Pfundes freizugeben, nicht das grundlegende Wechselkurssystem beeinträchtigen darf, das durch das Smithsonian-Abkommen geschaffen
und erst jetzt wieder von den anderen Ländern bekräftigt worden ist'.'.
Weder das Finanzministerium noch der Federal Reserve Board haben angedeutet, ob die Interventionen auf den Devisenmärkten fortgesetzt werden. Amerikanische Regierungskreise gaben jedoch zu verstehen, daß die Swap-Abkommen mit
anderen Notenbanken wieder reaktiviert werden könnten. Unter diesen Swap-Abkommen können die Notenbanken sich untereinander Devisen ausleihen , wenn diese
zur Stützung des Wechselkurses benötigt werden. Die US-Federal Reserve Bank
hatte ein umfassendes Netz von Swap-Abkommen mit anderen Notenbanken, bis diese
am 15. August letzten Jahres aufgrund der von Präsident Nixon verkündeten Maßnahmen ausgesetzt worden waren.
Die Reaktivierung dieser Swap-Abkommen gibt den amerikanischen Währungsbehörden eine Möglichkeit zur Beschaffung anderer Devisen, die für den Rückkauf
von Dollar verwandt werden können, und somit zur Stützung des Dollar-Kurses.
Die

�Die Erklärung des US-Finanzministeriums deutet darauf hin, daß derartige
Interventionen seitens der Vereinigten Staaten nur gelegentlich erfolgen, wenn
die USA dies für wünschenswert erachten,

und auch dann nur, um gegen die Spe-

kulation vorzugehen.
Die Spekulationen gegen den US-Dollar hatten nach der kürzlichen Entscheidung der britischen Regierung, den Wechselkurs des Pfundes freizugeben, zugenommen. Der Dollar-Kurs ging dabei bis auf den unteren Interventionspunkt zurück.
Doch war bereits vor der Intervention der Federal Reserve Bank am 19. Juli eine
Festigung des Dollar-Kurses festzustellen.
Alle derartigen Interventionen erfolgen gewöhnlich über die Federal Reserve
Bank von New York.

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30/1972

POSITIVE ZEICHEN AUS DER US-WIRTSCHAFT MEHREN SICH

-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON --(AD)-- Die immer positiver klingenden Berichte über den Wirtschaftsaufschwung in den USA tragen zu einem wachsenden Optimismus bei, daß
die von der Nixon-Administration gesetzten wirtschaftspolitischen Ziele
bis Ende des Jahres erreicht werden können.
Ende letzten Jahres hatte der Lebenshaltungskostenrat gefordert, daß die
Inflationsrate bis Ende 1972 auf einen Stand zwischen zwei und drei Prozent
gesenkt werden müsse. Die soeben vom US-Handelsministerium veröffentlichten
Zahlen zeigen, daß der Index der Verbraucherpreise - auf Jahresbasis und
nach Ausschaltung saisonbedingter Faktoren - in den letzten sechs Monaten
lediglich um 2,9 Prozent und in den letzten drei Monaten sogar nur um 2,2 Prozent gestiegen ist. Beide Zahlen liegen im Rahmen des vom Lebenshaltungskostenrat gesetzten Zieles. Und der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, betonte, daß die zuletzt verzeichnete Zuwachsrate
aller registrierten Preise von 2,1 Prozent die niedrigste gewesen ist, die in
irgendeinem Quartal seit 1965 erreicht wurde, abgesehen von der Zeit des
Lohn-und Preisstopps.
Aber

�Aber auch für das Bruttosozialprodukt mußten die Zahlen nach oben revidiert werden. So konnte für das zweite Quartal 1972 die ungewöhnlich hohe
Zuwachsrate - auf Jahresbasis und saisonbereinigt - von real 8,9 Prozent erzielt werden, während gleichzeitig die Arbeitslosenrate, die lange Zeit bei
sechs Prozent gelegen hatte, auf 5,5 Prozent zurückging.
Dr. Stein konnte also auf seiner Pressekonferenz mit Recht sagen, daß
"äußerst eindrucksvolle Zeichen eines starken Fortschritts in Richtung auf eine
gesündere Wirtschaft vorliegen, wie sie das Land lange Zeit nicht mehr gesehen
hat". Aber auch aus der Außenwirtschaft hatte Dr. Stein Gutes zu berichten,
und er erläuterte

das in dieser Woche erneut vor dem Gemeinsamen Wirtschafts-

ausschuß des Kongresses. So hat sich die Nettoexportposition der USA im zweiten Quartal erstmalig wieder gebessert, nachdem sich die Handelsposition mehrere Monate lang ständig verschlechtert hatte. Wie Stein am 24. Juli ausführte,
wies das Defizit in der US-Handelsbilanz - in Dollar von 1958 - nach einer
Jahresrate von 1,8 Milliarden Dollar im 4. Quartal 1971 und einer Jahresrate
von 3,3 Milliarden Dollar im 1. Quartal 1972 im 2. Quartal 1972 wieder eine
Jahresrate von 2,4 Milliarden Dollar auf. Und die rückläufige Entwicklung der
Inflationsrate, wie sie die Junizahlen jetzt erneut bestätigten, ließen auf
eine weitere Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz in den kommenden Monaten schließen.
Dr. Stein wies vor der Presse wie auch vor dem Kongreßausschuß darauf hin,
daß die günstige Entwicklung in der amerikanischen Wirtschaft während der nächsten Monate andauern dürfte. Allerdings, so sagte er, werde es, was Ausmaß und
Tempo des Aufschwungs angehe, "Fluktuationen" geben. Zum Beispiel sei kaum damit
zu rechnen, daß die im zweiten Quartal erzielte hohe Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes sich so bald wiederholen werde. Doch seien gerade die jüngsten
Statistiken, was Produktion und Preise anbetreffe, "äußerst ermutigend".
Auf

-2-

�Auf die kürzliche Intervention der amerikanischen Federal Reserse Bank
auf den internationalen Devisenmärkten angesprochen, meinte Stein auf seiner
Pressekonferenz, daß dieser Schritt im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen
der Regierung erfolgt sei.

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ERSTER ERTS-SATELLIT GESTARTET
Roboter sucht Bodenschätze und ermittelt Umweltschäden
--(AD)-- Der erste Versuchssatellit der ERTS-Serie wurde am 23. Juli 1972
von der Abschußbasis Lompoc (Kalifornien) in eine polare Umlaufbahn in 920 km
Höhe eingeschossen. Das schmetterlingsförmige, 891 kg schwere Gerät umkreist
die Erde in 103 Minuten einmal und tastet mit drei Fernsehkameras und einer
ganzen Batterie elektronischer Sensoren die Oberfläche unseres Planeten ab.
Ziel des Experiments ist eine Bestandsaufnahme, die sowohl über Hilfsquellen
als auch über mögliche Gefahren für das Leben auf der Erde Auskunft gibt.
So könnten beispielsweise die Bilder der drei Fernsehkameras und der
Scanning-Systeme anzeigen, wo Trockengebiete, Sümpfe, Seen und Flußsysteme
mit oder ohne ausreichende Zuflüsse liegen, ob der Boden landwirtschaftlicher
Nutzgebiete durch Bewässerung versalzen wird oder nicht, ob Anbauflächen von
Schädlingen befallen sind, noch ehe dies bei Kontrollen an Ort und Stelle bemerkt wurde. Die Instrumente helfen Meeresströmungen und große Fischschwärme
orten, ermöglichen die Ermittlung der

in Gelände

zunächst kaum erkenn-

baren Landschaftsschäden durch Straßen-und Autobahnbau oder zeigen den Fortschritt bei der Rekultivierung weiter Tagebaugebiete.
Untersuchungen

-1-

�Untersuchungen zu Raumordnungsfragen auf kommunaler und regionaler Ebene
und zu den Auswirkungen industrieller Ballungszentren auf die nähere und weitere
Umgebung, die Luft-und Wasserverschmutzung und das regionale Klima werden durch
das Erdbeobachtungsprogramm mit den "Earth Resources Technology Satellites"
unterstützt, ja in mancher Hinsicht überhaupt erst möglich. Mit der durch das
ERTS-Programm erhofften Verbesserung der zunächst einmal versuchsweise angewandten
Technik hofft man z.B. auch, Veränderungen im Gelände sowie der Temperaturen und
des Feuchtigkeitsgehaltes des Bodens als Vorboten von Erdbeben, Vulkanausbrüchen
und Erdrutschen erfassen zu können.
Die mit ERTS gewonnenen Meßdaten sollen aller Welt zur Verfügung stehen.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Vereinigten Staaten zu einem an der Universität von Michigan abgehaltenen Seminar eingeladens wo unter Beteiligung von
Wissenschaftlern aus 40 Ländern und von 16 internationalen Organisationen die
Aufgaben und die Möglichkeiten dieser neuen Erd-und Bodenforschungstechnik erläutert wurden. Inzwischen hat die NASA, die für das ERTS-Projekt verantwortlich ist, 300 Wissenschaftlerteams (davon 100 in 34 Ländern außerhalb der USA)
als Arbeitsgruppen für die Auswertung der Daten ausgewählt. Sie werden kontinuierlich mit Informationen versorgt, die der ERTS-Satellit von dem Gebiet liefert,
zu dem ihr Land gehört, oder die für ihr spezielles Arbeitsgebiet von Interesse
sind. In den Vereinigten Staaten selbst werden das US-Innenministerium, das USHandelsministerium und das US-Landwirtschaftsministerium zu den Hauptkunden der
ERTS-Datenzentrale in Sioux Falls (Süddakota) zählen.

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KREBS - GEOGRAPHISCH GESEHEN

--(AD)-- Zu den Rätseln, die der Krebs als Krankheit aufgibt, kommt ein
weiterer Faktor hinzu - das gehäufte Auftreten bestimmter Krebsformen in
einzelnen geographischen Regionen. So sind beispielsweise aus bisher nicht erklärbaren Gründen Krebserkrankungen im Nasen-und Rachenraum in China relativ
häufig. Die Erkrankungsziffer geht jedoch unter Auslandschinesen sehr rasch
zurück. I n einem Gebiet in Äquatorial-Ostafrika wird ein Karzinom des Lymphsystems, das in der übrigen Welt nur selten zu registrieren ist, extrem häufig
beobachtet. Finnen und Japaner sind von Magenkrebs viel stärker betroffen als
die Bevölkerung in anderen Ländern. Warum ist das so? Viele Wissenschaftler
sind überzeugt, daß es tatsächlich eine "geographische Häufigkeit" bei versohiedenen Krebsformen gibt und dies auf Umweltfaktoren zurückzuführen ist.
Somit müßten sich auch in bestimmten Fällen exogene Ursachen ermitteln und ausschalten lassen.
Das neue Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation in
Lyon (Frankreich), das im Juni seiner Bestimmung übergeben wurde, soll einen
wichtigen Beitrag zur Klärung dieser Fragen leisten. Es wird dabei in jeder
nur erdenklichen Form von der neuen amerikanischen Zentralbehörde zur Erforschung und Bekämpfung von Krebs unterstützt.
Untersuchungen
.i-

�Untersuchungen über ein merkwürdiges regionales Phänomen, nämlich das
Auftreten von Speiseröhrenkrebs in zwei Distrikten des Iran, wurden bereits in
Angriff genommen: im östlichen Gonbad-Distrikt werden auffallend viele Frauen
von der Erkrankung befallen, dagegen ist die Gefahr für Frauen im RudbarDistrikt, nur ca. 400 km von Gonbad. entfernt, praktisch Null. Außerhalb des
Iran wird in einem breiten Band von Vorderasien bis ins nordöstliche China
eine besonders große Erkrankungshäufigkeit beobachtet, ähnlich in Frankreich
in der Normandie und in der Bretagne. Man vermutet, daß die Ursachen chemischer Natur sind. Die Wissenschaftler machen Nitrite (zur Fleischkonservierung
benutzt) und Amine(die z.B. in Fisch gefunden werden) dafür verantwortlich.
Wenn diese beiden Verbindungen miteinander reagieren, bilden sie sogenannte
Nitrosamine, die, wie durch Experimente mit sehr kleinen Dosen an verschiedenen
Tierarten bereits nachgewiesen, bei den Versuchstieren Ösophaguskarzinom auslösen. Ob die Reaktionskette allerdings auch für den Menschen gilt, war bisher
nicht zu beweisen. Deshalb wird Ursachenforschung in Bezug auf kanzerogene
Stoffe im internationalen

Rahmen intensiviert; das neue amerikanisch-sowje-

tische Abkommen zur Zusammenarbeit in der Medizin dürfte dabei eine wichtige
Rolle spielen.

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ATEMNOT - SCHON VOR DER GEBURT DIAGNOSTIZIERT

--(AD)-- Für die pränatale Diagnostik, in diesem Fall zur Erkennung der Gefahr von Sauerstoffmangel und schwerer Atemnot beim Neugeborenen, entwickelten Mediziner der Universität Kalifornien in den Kliniken von Los Angeles
und San Francisco einen zuverlässigen und relativ einfachen Test. Er sollte
nach Meinung von

Dr. John A. Clements, der mit finanzieller Unterstützung

der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) die Arbeiten leitete, in allen solchen Fällen angewandt werden, bei denen entweder die Geburt
vor Ablauf der normalen Reifezeit zu erwarten ist, ein primärer Kaiserschnitt vorgenommen werden muß oder andere Risikofaktoren eine Rolle spielen,
die die vorzeitige Geburtseinleitung ratsam erscheinen lassen oder bei denen
auch nach normaler Tragezeit die Organreife des Kindes nicht gegeben ist.
Zu den Risiken zählen z.B. Diabetes und Bluthochdruck bei der Mutter, Präeklampsie oder RhiUnverträglichkeit.
Der neue Test gibt Auskunft darüber, ob die Broncheolen und Lungenalveolen
bereits genügend ausgebildet sind, um den regulären Gasaustausch in der Lunge
und damit die ausreichende Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe zu
gewährleisten. In diesem Fall bildet sich vor der Geburt ein oberflächenakti-

-1-

�oberflächenaktiver Film, der z.B. einen Stau hyaliner Massen (geronnenes
Eiweiß, Kohlenhydrat-Komplexe) zwischen Kapillarwand und Epithel der Lungenbläschen oder andere Störungen, die Atmungsbeschwerden, ja den Zusammenbruch
der Lungenfunktion auslösen, verhindert.
Der Test verlangt eine Amniozentese, d.h. eine Punktion der Eihäute zur
Gewinnung von Fruchtwasser. In den meisten Fällen wird die Punktion durch
die Bauchdecke ausgeführt. Er läßt sich in weniger als einer halben Stunde
in der Klinik, im Labor oder in der ärztlichen Praxis durchführen. Durch
Schaumbildung beim Schütteln der mit einer entsprechenden Menge Alkohol versetzten Fruchtwasserprobe wird angezeigt, daß bereits genügend oberflächenaktive Substanz, von der dann auch Partikel in das Fruchtwasser übergehen, gebildet worden ist. Ist dies nicht der Fall.unterbleibt die Schaumbildung oder
ist nur schwach

Unter diesen Umständen sind Atmungsschwierigkeiten bei dem

Kind nach der Entbindung zu erwarten. Der Arzt kann dann Maßnahmen treffen, um
den Geburtstermin bis zu einem Zeitpunkt hinauszuziehen, an dem mit einer besse
ren Organreife beim Kind gerechnet werden kann,oder aber die Atmung des Neugeborenen sofort mit allen erdenklichen Mitteln zu unterstützen. Denn wenn erst
einmal Atemnot eingesetzt hat, ist es oft sehr schwierig, den damit ausgelösten
Circulus vitiosus zu durchbrechen. In den USA sterben jährlich 25 000 Neugeborene an dem gefürchteten "Respiratory Distress Syndrom" (RDS .

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BIOLOGISCHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

--(AD)— Mit 250 Wissenschaftlern und technischen Hilfskräften werden sich
fast alle großen amerikanischen Universitäten an einem Forschungsprojekt
beteiligen, das den Ausbau der biologischen Bekämpfung von Schädlingen zum
Ziele hat. Wie Dr. H. Guyford Stever, der Direktor der Nationalstiftung für
die Wissenschaft (National Science Foundation - NSF), kürzlich bekanntgab,
geht es dabei vor allem um den Schutz von Zitruspflanzen, Baumwolle, AlfalfaGras, Plantagen mit Kern-und Steinfrüchten (z.B. Äpfeln und Pfirsichen) und
Anbauflächen für Sojabohnen. Mit zunächst 300 000 Dollar wird die National
Science Foundation, mit 700 000 Dollar die Bundesbehörde für Umweltschutz
(EPA) und mit 911 500 Dollar das US-Landwirtschaftsministerium das Projekt
finanzieren. Es ist Teil des Internationalen Biologischen Programms (IBP),
in dem 57 Nationen zusammengeschlossen sind.
Im Rahmen der von Dr. Carl B. Huffaker (Universität Kalifornien in Berkeley) geleiteten Studie soll die Arbeit aller beteiligten Wissenschaftler,
die die verschiedensten Fachgebiete wie Entomologie, Biochemie, Pflanzen-und
Tierphysiologie, Ökologie und Mathematik vertreten, koordiniert werden. Die
biologische Schädlingsbekämpfung umfaßt eine Vielzahl von Methoden, angefangen von der Unterbindung der Entwicklung und Vermehrung von Schädlingen durch
biochemische Mittel, der Einführung natürlicher Feinde in Schädlingspopulationen bis zur Entwicklung schädlingsresistenter Pflanzen.
Durch

-l-

�Durch Anwendung solcher Methoden wird angestrebt, die weitere Anreicherung
und damit Verseuchung der Umwelt mit Chemikalien, die bisher in großen Mengen
zur Schädlingsbekämpfung benutzt wurden, zu verhindern und zusätzliche Schädigungen ökologischer Systeme unmöglich zu machen. Allerdings erfordert es größte
Sorgfalt und fortlaufende Informationen über alle nur erdenklichen Faktoren im
regionalen Bereich, um biologische Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung wirksam
und unter Vermeidung neuer Schäden anwenden zu können. Die Studie, die den
Titel trägt "Prinzipien, Strategie und Taktik bei der Bekämpfung und Regulierung von Schädlingspopulationen im Ökosystem wichtiger Nutzpflanzen",soll der
Wissenschaft unter anderem ein möglichst komplettes Bild aller Umweltfaktoren
vermitteln,die auf die Existenz der Schädlinge in der lebenden Natur Einfluß
haben und von Ort zu Ort verschieden sind. Für die größten Anbaugebiete werden bereits entsprechende Computermodelle entwickelt, an denen sich die Bedeutung einzelner Faktoren und die Auswirkung ihrer Veränderung studieren
lassen.

4-H-

�</text>
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