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19. Juli 1972

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Inhalt
INFORMATION:
George S. McGovern-der Präsidentschaftskandidat der Demokraten
Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der DemokratenDie nordvietnamesischen Deich-und Schleusensysteme sind kein Ziel
amerikanischer Bombenangriffe
Von Marion D. Joyce

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:

US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt in den siebziger Jahren
Astronomie-Satellit "Copernicus"
Flugzeug mit ungleichen Tragflächen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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29/1972

GEORGE S.MCGOVERN - DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT
DER DEMOKRATEN

MIAMI BEACH --(AD)-- Senator Dr. George Stanley McGovern, der Außenseiter
aus dem Staate Süddakota, hat mit seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei für die am 7. November 1972 in den
USA stattfindenden Präsidentschaftswahlen alle Voraussagen derer Lügen gestraft, die ihm jede Chance absprachen. Bereits im ersten Wahlgang konnte
der Senator auf dem Parteikonvent in der Nacht zum 13. Juli 1 864 Delegiertenstimmen auf sich vereinigen - mindestens 1 509 Stimmen waren für die
Nominierung erforderlich.
McGovern gilt als einer der führenden Köpfe des liberalen Flügels der
Demokratischen Partei, der sich nicht scheut, auch unorthodoxe Ideen zu vertreten. Er möchte Amerika - und hier schlägt er geradezu konservative Töne
an - zu den Idealen der Gründungsdokumente des amerikanischen Staates zurückführen: die Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung und die Bill of
Rights. Er tritt ferner für eine umgehende Beendigung des Krieges in Vietnam
und einen amerikanischen Truppenabzug ein und will lediglich solange einige
Truppen in Südostasien belassen, bis alle amerikanischen Kriegsgefangenen
freigelassen worden sind.
George

-1-

�George S. McGovern wurde am 19. Juli 1922 in Avon, einem Dort in Süddakota,
als Sohn eines M

'

pi :rrers geboren. Schon in frühester Jugend lernte er

die Probleme aet verarmten Farmer seiner Heimat kennen, denn der Lebensunterhalt der Familie wurde zum größten Teil mit von Gemeindemitgliedern gespendeten
Naturalien b&lt; ti tten.
Sein « M schiedenes Eintreten für den Frieden rührt.

inen Erfahrungen

während des Krieges her. Als Boraberpilot flog er 35 Einsätze über Nordatrika
und Europa. Als seine Maschine bei seinem 30. Einsatz über Wien getroffen
und er verwundet wurde, gelang ihm eine Notlandung aul der Adriainsel Viz,für
die ihm später das Distinguished Flying Gross verliehen wurde.
Im Jahre 1945 erwarb George McGovern den Grad eines Bachelor of Arts an
der Dakota Wesleyan-Universität. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit siedelte der
heutige Senator nach Evanston, Illinois, über, wo er 1949 an der dortigen
Northwestern-Universität das Magister-Examen ablegte und 1953 zum Dr. phil.
promovierte.
Nachdem der Professor für Geschichte, und Politologie drei Jahre die Geschäfte der Demokratischen Partei Süddakotas geführt hatte, wurde McGovern als
Abgeordneter - der erste demokratische Abgeordnete, den dieser Bundesstaat nach
20 Jahren wieder nach Washington entsandte - in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Sein erster Versuch im Jahre 1960, sich für einen Sitz im Senat zu qualifizieren, scheiterte, aber der zweite Anlauf zwei Jahre später gelang, nachdem er sich bereits als Leiter des "Lebensmittel-für-den-Frieden;,-Programms
der Regierung zur Bekämpfung des Hungers in den Entwicklungsgebieten der Welt
einen Namen gemacht hatte. Damals bezeichnete ihn Präsident Kennedy als "einen
tatkräftigen und klugen" Politiker, der sich "durch seine hervorragende Kenntnis landwirtschaftlicher Probleme und sein Verständnis für die Belange der
sozial Benachteiligten der Welt" ausgezeichnet habe.
Im

-2-

�Im Senat ist McGovern bekannt für seine unabhängigen Ansichten und seine
feste Haltung ohne Rücksicht auf Mehrheitsauffassungen oder politische Konsequenzen. So sagt er von sich: "Ich kann harten Fragen fest ins Auge sehen.
Meines Erachtens muß ein Kandidat beweisen können, daß er zu seinen Auffassungen steht." Und er selbst hat nicht gezögert, zu unpopulären Maßnahmen zu
stehen, wenn er sie für richtig hielt.
Schon 1968 bewarb sich McGovern - allerdings erfolglos - um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei, gewann dann

allerdings die

Wiederwahl in den Senat. Und als er im Januar 1971 als erster Politiker der
Demokraten bereits Öffentlich bekanntgab, daß er sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bei den nächsten Wahlen bewerben werde, wurde sein
Entschluß vielerorts nur belächelt. Doch McGovern verfolgte sein Ziel ganz
konsequent, und es gelang ihm, in zehn von 2.3 Vorwahlen als Sieger hervorzugehen und schon vor dem Parteikonvent, mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen auf sich zu vereinigen.
McGovern setzte sich bereits 1963 für die Anti-Kriegsbewegung ein,als
diese noch in ihren Anfängen war, und seitdem hat er immer wieder die Beendigung des Vietnam-Krieges und den Abzug der amerikanischen Truppen gefordert.
Auch sein Eintreten für bessere Beziehungen zu Peking, heute ein wichtiges Anliegen

der amerikanischen Politik, ist alt. Schon vor 20 Jahren hat sich

McGovern zum Fürsprecher einer Anerkennung der Volksrepublik China als einzige
legitime Vertreterin des chinesischen Volkes und ihrer Aufnahme in die Vereinten Nationen gemacht. Und in seinem Wahlfeldzug hat er immer wieder die alte
Forderung wiederholt, daß der Handel mit dem chinesischen Festland auf die
gleiche Basis wie der Handel mit der Sowjetunion gestellt werden sollte. Was
die Umstellung der amerikanischen Wirtschaft von einer Kriegs-auf eine Friedensbasis anbetrifft, so kann der Senator aus Süddakota auf die von ihm 1963

-3

�1963 eingebrachte Gesetzesvorlage verweisen, in der erstmalig die Unterstützung
des Übergangs zu einer Friedenswirtschaft der Vollbeschäftigung gefordert worden war. Ein ähnlicher Entwurf war dann 1970 erneut eingebracht worden. Und
als erster Senator hat McGovern einen von der Bundesregierung garantierten Arbeitsplatz für jeden Amerikaner gefordert, der arbeiten will. McGovern setzt
sich auch energisch für die Gleichberechtigung der Frauen ein, denen vermehrte
Aufstiegsmöglichkeiten bis in höchste Regierungsämter, ja sogar eine Vertretung
im Kabinett eingeräumt werden sollten.

Und er fordert einen verstärkten Schutz

der Umwelt und nachdrücklicheres Vorgehen gegen jegliche Verschmutzung. Zu den
derzeitigen Kontrollen von Preisen und Löhnen sagt McGovern, daß er solche bereits als erster Senator gefordert habe, um die inflationistische Spirale zu
brechen.
George S.McGovern ist seit 1943 mit Eleanor Stegeberg verheiratet; aus
dieser Ehe sind fünf Kinder hervorgegangen.

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THOMAS EAGLETON: JUNG, LIBERAL UND DYNAMISCH
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten-

MIAMI BEACH --(AD)-- Thomas Francis Eagleton, der diesjährige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten, ist ein relativ neuer Mann auf der politischen Bühne der Vereinigten Staaten. Jung, liberal und ehrgeizig, gilt er
als eine Art Wunderknabe im politischen Leben seines Heimatstaates Missouri.
Wahlniederlagen sind ihm fremd, und seine Laufbahn im öffentlichen Leben wird
durch eine Reihe bemerkenswerter Erfolge gekennzeichnet: mit 26 Jahren der
jüngste Kreisstaatsanwalt von St.Louis, mit 30 Jahren der jüngste Justizminister des Staates Missouri und mit 34 Jahren der jüngste stellvertretende
Gouverneur seines Heimatstaates. Mit 39 Jahren wurde er in den amerikanischen
Senat gewählt.
Heute, im Alter von 42 Jahren, weist sein Haar zwar die ersten grauen
Strähnen auf, doch ist er in den Augen seiner Anhänger noch immer der junge
dynamische. Mann von einst. Er ist liberaler als der Durchschnitt seiner Wähler,
weiß seine Wahlkampagnen energisch zu führen und gilt als geschickter Politiker.
Als

-1-

�Als Eagleton von seiner Wahl zum Vizepräsidentschaftskandidaten seiner Partei hörte, nannte er selbst die Gründe für seine Nominierung: Er ist relativ
jung, katholisch, kommt aus einem vorwiegend durch Städte geprägten Bundesstaat
und verfügt über gute Beziehungen zu den Gewerkschaften. Damit ergänzt er nach
Ansicht vieler politischer Beobachter den Präsidentschaftskandidaten seiner
Partei, Senator McGovern, der Protestant ist, aus einem vorwiegend ländlichen
Staat (Süddakota) stammt und gewisse Schwierigkeiten mit den Gewerkschaften hat.
Tom Eagleton wurde am 4. September 1929 in St. Louis als Sohn eines bekannten republikanischen Anwalts geboren, der später der Demokratischen Partei beitrat. Er besuchte das Amherst College und absolvierte dann ein juristisches Studium an der Harvard-Universität; beide Male legte er seine Abschlußprüfungen
"cum laude" ab. Zwischenzeitlich diente er bei der amerikanischen Marine. Seit
1955 im öffentlichen Dienst seines Staates, bewarb er sich 1968 um den Posten
eines Senators von Missouri, schlug zwei demokratische Gegner bei den Vorwahlen
und besiegte dann bei der eigentlichen Wahl seinen republikanischen Opponenten.
In Washington konzentrierte er sich auf die Kürzung der Militärausgaben,
auf die Wahlreform und auf Fragen der Städtesanierung. Er sprach sich gegen die
Vietnampolitik der Nixon-Administration aus, gilt als Gegner des Raketenabwehrsystems und tritt für eine stärkere Aufteilung der Regierungseinnahmen auf die
Bundesstaaten ein. Eagleton ist ein Verfechter von Gewerkschafts-und Verbraucherfragen, hatte wesentlichen Anteil an der Verabschiedung des Gesetzes zur Luftreinhaltung aus dem Jahre 1970 und befürwortete schon sehr früh Lohn-und Preiskontrollen

zur Eindämmung der Inflation. Er unterstützt ferner die von Sena-

tor John Stennis aus dem Staate Mississippi eingebrachte und vom Senat bereits
verabschiedete Vorlage,die eine Einschränkung der Vollmachten des Präsidenten bei
einer Entsendung amerikanischer Truppen ins Ausland vorsieht.
Eagleton

�Eagleton ist mit Barbara Ann Smith verheiratet; sie haben zwei Kinder:
Terrence (13) und Christin (10)-.

++++

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne einePortraitaufnähme von Thomas
Eagleton zur Verfügung.

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29/1972

DIE NORDVIETNAMESISCHEN DEICH-UND SCHLEUSENSYSTEME SIND
KEIN ZIEL AMERIKANISCHER BOMBENANGRIFFE
Von Marion D. Joyce
WASHINGTON --(AD)-- Ein planmäßiger Angriff auf das umfassende System von
Dämmen, Schleusen und Deichen in Nordvietnam, die das Land während der Regenzeit vor Überschwemmung schützen und in der Trockenzeit die Bewässerung der
Felder sichern, ist von maßgeblichen amerikanischen Kommandostellen - in
Vietnam oder in Washington - niemals in Erwägung gezogen worden.
Von offizieller amerikanischer Seite ist der Gedanke an einen solchen
Angriff sowohl aus humanitären als auch aus praktischen Gründen stets verworfen
worden. Seit Beginn des Vietnamkrieges hat sich die Regierung in Washington
ständig darum bemüht, die Verluste unter der Zivilbevölkerung so niedrig wie
nur möglich zu halten.
Wie von amtlicher amerikanischer Seite hierzu erklärt wird, wäre der
entschlossene Versuch, das ausgedehnte Damm-und Schleusensystem in Nordvietnam
durch Luftangriffe zu zerstören, eine Aufgabe, die einen ungeheuren Materialund Kräfteaufwand erforderte. Jeder derartige Versuch wäre aber außerdem ein
direkter Verstoß gegen die vom Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte
erlassenen Befehle.

-l-

�So erklärte Präsident Nixon noch am 29. Juni auf seiner Pressekonferenz
mit allem Nachdruck, daß die "Vereinigten Staaten sich bei ihren Bombardierungen größte Zurückhaltung auferlegt haben - und, wie ich glaube, war das auch
durchaus richtig."
"Wir haben versucht", so fuhr der Präsident fort, "ausschließlich militärische Ziele anzugreifen, und wir haben die militärischen Ziele auch getroffen.
Unsere Piloten haben den Befehl, keine Deiche zu bombardieren, weil die Folgen
solcher Angriffe für die Zivilbevölkerung ungeheuerlich sein würden. Was unsere militärischen Aktionen für die Zukunft anbetrifft, so gelten diese Befehle
auch weiterhin. Ich werde es nicht zulassen, daß militärische Befehle ergehen,
die der Zivilbevölkerung große Verluste zufügen könnten - soweit das irgendwie
zu vermeiden ist.Ausschließlich militärische Ziele werden angegriffen werden."
Wie von militärischer Seite hierzu erklärt wurde, sind im Verlaufe der
Kämpfe zur Unterbindung der Verbindungswege in Nordvietnam sowie der Eisenbahn-und Straßenlinien nach dem kommunistischen China zweifellos einzelne
Damm-und Schleusenanlagen durch Bomben und Raketenbeschuß aus der Luft getroffen
worden.
Einige der Deiche dienen gleichzeitig als Straße oder Eisenbahndämme,
und sofern militärische Konvois auf ihnen Agriffsziel der amerikanischen Luftwaffe sind, ist es oft unvermeidlich, daß diese Anlagen beschädigt werden.
Wie ein Sprecher des Pentagon hierzu bemerkt, werden gerade die Deiche in
Nordvietnam von den Kommunisten oft benutzt, um ihre Flugzeugabwehrgeschütze
und Raketenanlagen in günstige Feuerstellungen zu bringen. Die amerikanischen
Piloten sind verständlicherweise berechtigt, solche Stellungen anzugreifen
- sofern sie sich nicht in dicht bevölkerten Gebieten befinden -, und bei derartigen Angriffen kann es geschehen, daß die Deiche und Dämme selbst Schaden
leiden.
Solche

�•

Solche Fälle seien jedoch die Ausnahme und nicht die Regel, so betont der
Sprecher des Pentagon. In diesem Zusammenhang wird auf das vom amerikanischen
Verteidigungsministerium am 15. Juni veröffentlichte Bildmaterial verwiesen,
das die Zerstörungen an einem nordvietnamesischen Wasserkraftwerk nach einem
amerikanischen Luftangriff zeigt.
Das Kraftwerk liegt rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Hanoi. Bei
dem ersten Angriff wurde das Schutzdach des Kraftwerkes zerstört. Die zweite
Bomberwelle brachte ihre Bomben mit höchster Genauigkeit in die entscheidenden
Ziele - den Turbinenraum, die Schaltanlagen und andere Schwerpunkte - wobei
diese gänzlich zerstört wurden.
Wie genau die durch Laserstrahl geführten Bomben

in ihr Ziel kommen, wird

aus der Tatsache deutlich, daß das Elektrizitätswerk völlig zerstört wurde,
während ein in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks gelegener Damm unversehrt
blieb.
Nach Ansicht des Pentagon gibt es eine Reihe von Erklärungen für die Behauptung Hanois, daß die amerikanische Luftwaffe bewußt die Dämme und Deiche
in Nordvietnam angreife. "Hanoi11, so erklärt ein General der US-Air Force,
"versucht uns - ähnlich wie im Jahre 1968 - unter Druck zu setzen und auf diese
Weise einen neuen Bombardierungsstopp zu erreichen."
Verteidigungsminister Laird stellte hierzu fest, daß Hanoi noch schlimmere
Überschwemmungen als 1971 befürchtet und sein eigenes Versagen, die Deiche in
Stand zu halten und Schäden noch vor dem Höhepunkt der Regenzeit im August und
September zu beseitigen, verdecken will. Dabei wird von amerikanischer Seite
darauf hingewiesen, daß Hanoi die hierfür benötigten Arbeitskräfte für andere
Aufgaben eingesetzt hat. Große Gebiete mit Ackerland müssen neu kultiviert
werden, Straßen-und Eisenbahnnetze müssen repariert werden, und diesen Aufgaben wird nach amerikanischen Informationen größere Priorität eingeräumt als
dem Deichbau. Und hierzu kommt noch der Bedarf der Streitkräfte an jungen

-3-

�jungen Soldaten für die Invasion Südvietnams. Im Oktober 1971s als Nordvietnam
von der schwersten Überschwemmung seit fast einem Jahrhundert heimgesucht
worden war, wurden trotzdem beträchtliche Zahlen von Arbeitskräften für den
Straßenbau im westlichen Teil der entmilitarisierten Zone und für die Instandhaltung des Ho-tschi-Minh-Pfades abgezweigt. Besser für Nordvietnam wäre es gewesen, so meint US-Botschafter Porter bei den Gesprächen in Paris, wenn diese
Arbeitskräfte und Materialien für die Wiederinstandsetzung der von den Fluten
beschädigten Deichsysteme eingesetzt worden wären. Die jetzt bevorstehende Regenzeit, die meistens von drei bis fünf Wirbelstürmen begleitet wird, bereitet
den nordvietnamesischen Führern mit Recht ernste Sorge. So warnt die offizielle Zeitung "Hanoi Moi" in ihrer Ausgabe vom 20. Juni, daß die nach der Überschwemmung von 1971 wiederhergestellten Dämme vielfach noch nicht den technischen Voraussetzungen entsprechen. Sie seien zu schwach, nicht hoch genug und
teilweise voll Termitenkolonien. Das Blatt wendet sich an jeden einzelnen Bürger, sich aktiv für die Reparaturarbeiten zur Verfügung zu stellen,,
Offizielle Statistiken gibt es für das nordvietnamesische Deichsystem
nicht, das 1954 eine Länge von über 2 500 Kilometern hatte und seitdem noch erheblich ausgebaut worden ist. Einige der Deiche sind 25 bis 30 Meter breit,
so daß zweispurige Straßen auf ihnen angelegt werden können,die dann vielfach
von Flugabwehrbatterien geschützt werden. Häufig sind auch Erdölleitungen auf
den Deichen verlegt, die ebenfalls ein militärisches Ziel darstellen. "Wenn die
Nordvietnamesen die Sicherheit ihrer Deiche gewährleistet sehen wollen, dann
sollten sie alle militärischen Ziele von ihnen entfernen", so wird von seiten
des Pentagon betont. Und der Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium,
Daniel Z.Henkin,stellt fest, daß Nordvietnam selbst die Voraussetzungen geschaffen habe, um den amerikanischen Bombenangriffen die Schuld für etwaige Überschwemmungen

zuschieben zu können.
Schon

�Schon am 28. Mai hatte "Hanoi Moi" betont, daß die Deiche trotz umfassender Wiederinstandsetzungsarbeiten in diesem Jahr, um die Schäden der Überschwemmung von 1971 zu beseitigen, immer noch in schlechter Verfassung seien,."Wir
dürfen daher bis zur Regenzeit in unserer Wachsamkeit nicht im geringsten nachlassen und müssen die laufenden Arbeiten vordringlich zum Abschluß bringen", so
schreibt das Blatt weiter. "Zahlreiche Teilstücke,die erst kürzlich instand
gesetzt worden waren, haben die Abnahmeprüfungen nicht bestanden, die Erde hat
sich nicht genügend gesetzt, und wenn der Fluß aufgrund starker Niederschläge
anschwillt, dürften sie wieder beschädigt werden. Andere Stücke könnten brechen,
weil das Erdreich nicht ausreichend verdichtet worden ist."

I II II

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ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PORTER AUF DER PARISER VIETNAMKONFERENZ

-Wortlaut-

PARIS --(AD)-- Nach rund zehnwöchiger Unterbrechung sind am 13. Juli in
Paris die Vietnamgespräche wieder aufgenommen worden. Es war die 150. Vollsitzung der Konferenz. Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter William
J. Porter,gab eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Meine Damen und Herren,
wir sind heute zu einem ganz bestimmten Zweck hierher gekommen: um
mit Ihnen die Möglichkeiten für den Beginn ernsthafter und konstruktiver
Verhandlungen über eine Beilegung des Vietnamkonfliktes zu sondieren. Wir
hoffen, daß auch Ihre Seite von den gleichen Überlegungen geleitet wird und
daß wir gemeinsam zu einer intensiven Prüfung der konkreten Fragen gelangen
können.
Seit der letzten Vollsitzung sind durch Verhandlungen in verschiedenen
Teilen der Welt bemerkenswerte Beiträge zum Frieden geleistet worden. Am
4. Juli verpflichteten sich die Republik Korea und die Demokratische Volksrepublik Korea, ihre künftigen Beziehungen auf "friedlichem Wege und nicht
durch die Anwendung von Gewalt gegeneinander" zu regeln.

Inzwischen sind

weitere Fortschritte bei der Schaffung freundlicherer Beziehungen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik

�Republik erzielt worden. Diese Entwicklungen waren das Ergebnis von Verhandlungen, die der Bundeskanzler als einen Beweis dafür bezeichnet hat, daß es trotz
der bestehenden Gegensätze möglich sei, zu praktischen Vereinbarungen zu gelangen, die die besondere Situation in Deutschland berücksichtigen und geeignet
seien, die Spannungen und Reibungsflächen zu vermindern. Am 29. Mai bekundeten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihren "Wunsch,die friedlichen Beziehungen zueinander zu stärken", in voller Erkenntnis der "Notwendigkeit, Beziehungen zu schaffen, die eine Verminderung der Spannungen in der Welt fördern".
Die beiden Länder erklärten ihre Bereitschaft, "zu verhandeln und ihre Differenzen durch friedliche Mittel beizulegen".
Dies sind überaus ermutigende Entwicklungen. Ohne in irgendeiner Weise
die außerordentliche Komplexität des Vietnamproblems zu unterschätzen, halten
wir es für möglich, daß hier bei diesen Gesprächen eine Parallele gefunden werden kann. Auf jeden Fall lenken wir Ihre Aufmerksamkeit auf eine weitere Entwicklung bei der Suche nach Frieden, die sich seit der letzten Vollsitzung
vollzogen hat.
Am 8. Mai schlug Präsident Nixon in Übereinstimmung mit der Regierung der
Republik Vietnam gerechte und großzügige Bedingungen vor, die die Grundlage für
eine für beide Seiten vorteilhafte Regelung auf dem Verhandlungswege bieten
könnten. Die Regierung/der Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam haben
in der Tat eine lange Reihe konstruktiver Vorschläge unterbreitet. Die Vorschläge vom 8. Mai sind unserer Ansicht nach jedoch ihres klaren und großzügigen Inhalts wegen besonders bemerkenswert.
Wie Sie wissen, sehen diese Vorschläge folgendes vor: erstens, die Rückkehr aller amerikanischen Kriegsgefangenen sowie Angaben über die Vermißten;
zweitens, eine Waffenruhe unter internationaler Überwachung für ganz Indochina; .drittens werden die Vereinigten Staaten, sobald Punkt eins und zwei erfüllt
worden sind, jegliche Gewaltanwendung in ganz Indochina einstellen; schließlich erklärte der Präsident, daß wir dann den völligen Abzug aller amerikani-

�amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten einleiten
werden.
Diese Vorschläge würden das Töten beenden. Sie würden Verhandlungen über
eine politische Lösung zwischen den Vietnamesen selbst gestatten und zwar in Übereinstimmung mit dem Grundsatz, daß über die politische Zukunft Südvietnams vom
südvietnamesischen Volk selbst ohne Einmischung von außen bestimmt wird. Sie
würden es ermöglichen, daß alle Länder, die in diesem langen Krieg gelitten haben - Kambodscha, Laos, Nordvietnam,Südvietnam - mit der dringenden Aufgabe des
friedlichen Wiederaufbaus und der Aussöhnung beginnen könnten. Wenn diese Vorschläge nicht zufriedenstellend sind, was ist dann falsch an ihnen?
Ist es denn denkbar, daß irgendjemand die Fortsetzung des gegenwärtigen
Krieges in Nord-und Südvietnam der Möglichkeit für eine ehrenhafte Lösung des
Konfliktes vorziehen würde, die diese Vorschläge bieten?
Kurzum, diese Vorschläge verdienen Ihre umfassende und abgewogene Prüfung.
Wir unsererseits werden den von Ihnen vorgebrachten Ansichten sowie irgendwelchen einleitenden Fragen, die Sie vielleicht zu unseren Vorschlägen stellen wollen, bevor Sie Ihre Ansichten darlegen, die größte Aufmerksamkeit schenken. Wir
sind ebenfalls voll und ganz bereit, auch jede andere Frage zu behandeln, die
Sie vielleicht für eine eingehende Erörterung hier aufwerfen.
Meine Damen und Herren, unserer Meinung nach ist eine beiderseitige Prüfung
unserer jeweiligen Standpunkte, ein ernsthafter und systematischer Dialog über
die substantiellen Fragen der Weg, um hier Fortschritte zu erzielen.

1111 i n i

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US-ZOLLKOMMISSION: OSTEUROPAISCHE LANDER SOLLEN EBENFALLS ZOLLKONZESSIONEN GEWÄHREN

WASHINGTON — ( A D ) - - Osteuropäische Länder, die von den Vereinigten Staaten
Gewährung der Meistbegünstigungsklausel verlangten, sollten aufgefordert werden, ihrerseits hierfür ebenfalls gewisse Zollkonzessionen einzuräumen.

Dies geht aus einer von Experten der amerikanischen Zollkommission erstellten Studie hervor, in der auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, daß
diese Länder möglicherweise an Stelle oder zusätzlich zur .Gewährung der
Meistbegünstigungsklausel an die USA noch zu weniger orthodoxen Konzessionen
greifen müssen. In der unter der Leitung von Anton Malish erstellten Studie
"Der amerikanische Osteuropahandel" wird darauf hingewiesen, daß die darin
enthaltenen Empfehlungen nicht zwangsläufig auch die Ansichten der Zollkommission wiedergeben.
Die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel an ein osteuropäisches Land
bedeutet, daß Importgüter aus diesem Land zu dem niedrigsten Zollsatz in die
USA eingeführt werden dürfen, der von den Vereinigten Staaten irgendeinem Lande
eingeräumt wird. Zur Zeit müssen Waren aus den osteuropäischen Ländern,Polen
ausgenommen, zu den hohen Sätzen des vom US-Kongreß 1930 beschlossenen Zolltarifs verzollt werden.
Räumt

�Räumt ein Land einem anderen die Meistbegünstigungsklausel ein, so erwartet
es von diesem eine gleiche Vergünstigung. Die Studie hat jedoch festgestellt, daß
die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für amerikanische Waren durch die
osteuropäischen Länder den Zugang amerikanischer Exporte auf den betreffenden
Markt nur wenig erleichtern würde. Da die Handelsbeziehungen in diesen Ländern
fast ausschließlich eine Angelegenheit des Staates sind, könnten Vergünstigungen
aufgrund der Meistbegünstigungsklausel durch andere staatliche Kontrollen zunichtegemacht werden.
Die Studie zählt unter anderem folgende Konzessionen auf,die die osteuropäischen Regierungen einräumten könnten:
-- Kaufverpflichtungen seitens der osteuropäischen Länder, die sich damit
bereiterklären, während der Laufzeit der Verträge amerikanische Exportgüter mindestens bis zu einem bestimmten Betrag abzunehmen;
-- Preisklauseln, wonach die amerikanischen Exportgüter in diesem osteuropäischen Land zu einem bestimmten Preis und in Mengen verkauft werden,
die die Nachfrage zu diesem Preis deckt;
-= Schutz der industriellen Rechte und Fertigungsverfahren, so daß amerikanische Patente und Warenzeichen geschützt bleiben;
-- Beilegung von Handelsstreitigkeiten auf dem Schlichtungswege in einem
dritten Land oder durch ein internationales Tribunal und nicht durch
eine osteuropäische Handelskammer, die letztlich doch Teil des Handelsministeriums dieses Landes ist;
-- Förderung des Reiseverkehrs und des Kulturaustausches in beiden Richtungen.
Die

�i
&lt;

Die Vereinigten Staaten haben in der Vergangenheit bereits verschiedene
Schritte zur Liberalisierung des Handels mit den kommunistischen Ländern gemacht.
1971 wurde zum Beispiel die Forderung fallen gelassen, daß 5o Prozent der Getreidelieferungen auf amerikanischen Schiffen befördert werden müssen. Dann wurde
das Handelsembargo gegenüber der Volksrepublik China aufgehoben. Weiter erhielt
Polen die Meistbegünstigungsklausel von den USA eingeräumt. Ein entsprechendes
Gesetz, diese Vergünstigung auch anderen kommunistischen Ländern einzuräumen
oder dem amerikanischen Präsidenten entsprechende Vollmachten zu geben, muß noch
den Kongreß passieren .
Im Jahre 1970 entfielen 45 Prozent der USA-Exporte osteuropäischer Länder
mit einem Wert von 97 Millionen Dollar auf Polen., während die Ausfuhren der
Sowjetunion nach den USA 65 Millionen Dollar und die der Tschechoslowakei 23
Millionen Dollar ausmachten. Es liegen auch Hinweise dafür vor, daß die Sowjet'

union und andere osteuropäische Länder an einer Ausweitung des USA-Handels interessiert sind, wobei nicht nur wirtschaftliche, sondern in stärkerem Maße

,

noch politische Erwägungen mitspielen.
Präsident Nixon und andere führende Politiker der USA haben mit den Führern
der Volksrepublik China, der Sowjetunion und der osteuropäischen Länder 1972
Handelsfragen erörtert. Der frühere Handelsminister Stans war 1971 in der
Sowjetunion, und der jetzige US-Handelsminister Peter Peterson wird in der
nächsten Woche nach der Sowjetunion fliegen.
Nach Ansicht der Studie würde der Abschluß eines Abkommens über die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel mit einem oder mehreren kommunistischen
Ländern wichtige Auswirkungen haben. In der Sowjetunion könnte dies zu vermehrten Importen führen, und für andere osteuropäische Länder würde der Zugang zum
amerikanischen Markt erleichtert und als unmittelbare Folge davon der Handel
ausgeweitet werden. Aber auch die stabilisierende politische Wirkung einer Handelsausweitung sollte nicht unterschätzt werden. So hat die Sowjetunion erst in
diesen Tagen ein Abkommen über umfangreiche amerikanische Getreidelieferungen abgeschlossen und die Volksrepublik China verhandelt mit der US-Flugzeugindustrie
über etwaige Lieferungen in Höhe von vielen Millionen Dollar.
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US-RAUMFAHRT IN DEN SIEBZIGER JAHREN

--(AD)— Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit werden das bestimmende Element
im Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren sein,,
Dies betonte Dr. James C. Fletcher, der Leiter des US-Amtes für Luft-und
Raumfahrt (NASA). Er verweist gleichzeitig darauf, daß das Programm zwar im
Gegensatz zu den sechziger Jahren der Dramatik entbehre, aber nicht minder
interessante Entwicklungen und Ergebnisse verspreche.
Die finanziellen Aufwendungen seitens der amerikanischen Bundesregierung dürften im Durchschnitt bei etwas über drei Milliarden Dollar pro Jahr
liegen - das entspricht etwa der Hälfte dessen, was Mitte der sechziger Jahre
für die Raumfahrt ausgegeben wurde. Dies zeigt eine pragmatische Einstellung
zur Raumfahrt, bei der man sich auf Vorhaben konzentrieren wird, von denen
größtmöglicher Nutzen für die Allgemeinheit zu erwarten ist. Dennoch sind
weitgespannte Projekte, etwa ein Flug von Menschen zum Mars gegen Ende der
achtziger Jahre, nicht ad acta gelegt.
In den siebziger Jahren stehen im Zusammenhang mit der bemannten Raumfahrt
vier Hauptprojekte auf dem amerikanischen Programm:

1)

�1)

Auswertung der APOLLO-Flüge zum Mond unter allen nur erdenklichen

wissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkten, was nach Meinung der Experten mindestens noch die Jahre bis 1980 in Anspruch nehmen wird.

2)

SKYLAB, die experimentelle Raumstation, die nach ihrem Start (vorgesehener

Termin: 30. April 1973) acht Monate lang in Betrieb gehalten wird und davon fünf
Monate drei Astronautengruppen als Aufenthalt dienen soll. Die Aufgaben der Besatzung umfassen u.a. die Durchführung von Experimenten, welche für Raumflugmedizin, Physiologie und Biologie von Bedeutung sind; die Astronauten beobachten
Sonne,Erde -jnd den erdnahen Raum und befassen sich mit einer Vielzahl technischer Versuche unter den speziellen Bedingungen der Schwerelosigkeit»
3)

Gemeinsamer Raumflug eines bemannten amerikanischen APOLLO-Raumschiffs

und eines sowjetischen SOJUS-Raumschiffs im Jahre 1975. In einem internationalen
Unternehmen,für das es noch keine Parallele gibt, sollen die beiden Fluggeräte
mit je zwei oder drei Mann Besatzung ein Rendezvous-und Koppelmanöver durchführen. Abgesehen von dem technischen Fortschritt, der mit der Verwirklichung des
Projekts beispielsweise in bezug auf künftige Möglichkeiten einer Rettung "gestrandeter" Astronauten aus dem Weltraum verbunden wäre, könnte es auch den Beginn einer neuen Ära der Weltraumforschung darstellen, von der alle Länder profitieren.

4) Wiederverwendbarer Raumtransporter - neuartiges Transportsystem zur Beförderung von Nutzlasten und von Personen, die keine Astronauten zu sein brauchen,
von der Erde zu einer Raumstation und zurück. Außerdem soll der Raumtransporter
als fliegende Abschußrampe für den Start von unbemannten Satelliten für Nachrichtenzwecke, Wetterbeobachtung etc. sowie als "orbitale Reparaturwerkstatt"
dienen. Dadurch würden die Startkosten für solche Geräte gegenüber den heute erforderlichen Aufwendungen drastisch verringert, und Satelliten auf Erdumlauf-

�i

Erdumlaufbahnen könnten inspiziert und notfalls repariert werden.

-PlanetenforschungIn der planetaren Forschung stehen die Nahbeobachtung der Planeten Jupiter, Venus und Merkur mit PIONIER-Sonden für 1973 und 1974 auf dem Programm.
Im Jahre 1976 soll eine unbemannte VIKING-Sonde ein Landegerät auf dem Mars absetzen, das als automatisches Laboratorium ausgerüstet ist und durch chemische
Analysen unmittelbar an der

Marsoberfläche auch die Existenz von Leben auf dem

Nachbarplaneten, falls es sich dort in irgendeiner Form entwickelt hat, nachweisen könnte.
Die Beobachtungen, die mit Hilfe der Erdforschungssatelliten ERTS möglich
werden, könnten im besonderen für Land-und Forstwirtschaft, Bodennutzung und
Raumordnung, Bergbau und Wasserwirtschaft von Nutzen sein. Mit Hilfe dieser
Satelliten wollen Wissenschaftler und Wirtschaftler zu einer umfassenden Bestandsaufnahme der natürlichen Reichtümer dieser Erde gelangen. Allgemein gesehen soll die Raumfahrt dazu dienen, die Erde besser und rationeller zu nutzen
als dies mit den heutigen Kenntnissen und Mitteln möglich ist.

H I H

-3-

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53

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29/1972

ASTRONOMIE-SATELLIT "COPERNICUS"

--(AD)-- Zu Ehren des großen Astronomen Nikolaus Kopernikus wird das US-Amt
für Luft-und Raumfahrt (NASA) dem nächsten Astronomie-Forschungssatelliten
vom Typ 0A0 den Namen COPERNICUS geben. Dies erklärte Dr. Edward E. David,
der Wissenschaftsberater Präsident Nixons und Direktor des Präsidialamtes
für Wissenschaft und Technik, anläßlich seines fünftägigen Besuches in
Warschau. Der Start des 2,2 Tonnen schweren Geräts mit einer ATLAS-CENTAURRakete ist für Anfang August 1972 vorgesehen.
Der Satellit ist u.a. mit einem 81-cm-Fernohr (Entwicklung von Wissenschaftlern der Universität Princeton) und einer Anzahl kleinerer Teleskope
(Experiment der Universität London, England) ausgerüstet. Er soll die Erde in
660 km Höhe umkreisen und vor allem ultraviolette Strahlung erfassen bezw.
Quellen dieser Strahlung im Universum ausfindig machen und beobachten. Die
Optik..wird vom Goddard-Raumflugzentrum der NASA in Greenbelt (Maryland) durch
Fernsteuerung bedient.
Der Start des neuen OAO-Satelliten bildet den wissenschaftlichen Auftakt
zum Kopernikus-Jahr. Dieses beginnt offiziell allerdings erst am 19. Februar

-l-

�»

Februar 1973. An diesem Tage jährt sich zum 500. Male der Geburtstag des
Begründers des heliozentrischen Weltbildes, der aus Thorn stammte, an den
Hohen Schulen von Krakau, Bologna, Padua und Ferrara Astronomie, Mathematik,
weltliches und geistliches Recht sowie Medizin studierte und als 70jähriger
in Frauenburg (Ostpreußen) starb.

-++-H-

-2-

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29/1971

FLUGZEUG MIT UNGLEICHEN TRAGFLÄCHEN
Neue Theorie zum Überschallflugzeug

--(AD)— Die Verwendung "anti-symmetrischer Tragflächen" hält Dr.R.T.Jones,
langjähriger Mitarbeiter des Arnes-Forschungszentrums der NASA (US-Amt für
Luft-und Raumfahrt) in Moffett Field (Kalifornien), für den Schlüssel zur
Lösung vieler Probleme des Überschallfluges. Bisherige Ergebnisse von Experimenten und Computerberechnungen bestärkten ihn in ssiner Überzeugung, daß
eine radikale Abkehr von der Tragflächen-Grundgeometrie die Lärmentwicklung
bei künftigen Überschall-Transportflugzeugen reduziere und ihren wirtschaftlicheren Betrieb ermögliche. Als "anti-symmetrisch" bezeichnet Dr. Jones
eine durchgehende Doppeltragfläche, die um ihren Mittelpunkt über dem Flugzeugrumpf drehbar ist.
Beim Start von einer Rollbahn mittlerer Länge sollen die Tragflächen wie
bei einem langsamen Propellerflugzeug rechtwinklig zum Rumpf angestellt sein.
Ein Flugzeug dieser Konfiguration benötigt nur den vierten Teil der Energie,
die eine vergleichbare, mit gepfeilten, d.h. schräg nach hinten abgewickelten
Tragflächen ausgerüstete Düsenmaschine bei ähnlich großer Nutzlast zum Abheben
und Steigen braucht. Sobald die Geschwindigkeit und die Höhe erreicht sind,

-l-

�sind, wo Delta-Flügel den größten Nutzeffekt haben, würde der komplette Doppelflügel um etwa 45 Grad gedreht, so daß auf der einen Seite seine eine Hälfte
schräg nach v o r n , die andere Hälfte auf der anderen Seite schräg nach hinten
weist.
Auf Grund der bisher vorgenommenen Studien ist anzunehmen, daß das Flugzeug bei dieser Tragflächenstellung im Bereich von Überschallgeschwindigkeit
bis 1,2 Mach keinen Überschallknall am Boden erzeugt und dabei kaum mehr Treibstoff verbraucht als die heutigen Düsenpassagierflugzeuge bei Unterschallgeschwindigkeit.. Über dem offenen M e e r , wo niemand durch den Überschall-Lärm belästigt w i r d , ließe sich die Reisegeschwindigkeit auf 1,5 Mach (ca„ 1 8 0 0 km/st)
steigern. Diese Angaben basieren auf Windkanaluntersuchungen a n Modellen, bei
denen Fluggeschwindigkeiten bis 1,4 Mach simuliert worden sind.
Dr.R.T,Jones, der 1945 die theoretischen Grundlagen für die Entwicklung
moderner Fluggeräte mit gepfeilten Tragflächen schuf, kommentiert seine neuen
Überlegungen so: "Der Mensch hat ein instinktives Empfinden für Symmetrie,
das sich zweifellos davon herleitet, daß die Vögel oder andere Tiere symmetrisch
gebaut sind, So ist es auch nur natürlich, daß wir einem Überschallflugzeug

eine

Form geben, die diesem instinktiven Empfinden gerecht wird. A b e r in Wirklichkeit
gibt uns die Natur ja gar keine Anleitung für den Überschallflug. V ö g e l , die
schneller fliegen als der Schall, gibt es nicht. Deshalb ist es besonders interessant und wichtig, daß m a n auf mathematischem Wege zu einer ganz anderen Art
v o n Symmetrie für das Überschallflugzeug gelangt".
Die theoretischen Computerstudien v o n Wissenschaftlern des Arnes Research
Center zur Weiterentwicklung der Theorie von Dr. Jones werden fortgesetzt. Inzwischen wurde auch ein Unternehmen der Flugzeugindustrie in die Untersuchungen
eingeschaltet.
H-J I I I-

-2-

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Georg S. McGovern- der Präsidentsschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;-der Vizepräsidentsschaftskandidat der Demokraten-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Die nordvietnamesischen Deich- und Schleusensysteme sind kein Ziel amerikanischer Bombenangriffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marion D. Joyce&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt in den siebziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Astronomie-Satellit "Copernicus"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flugzeug mit ungleichen Tragflächen&lt;br /&gt;</text>
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