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und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

97

5. Juli 1972

Inhalt
DOKUMENTATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 29. Juni 1972
-Auszüge Erklärung von Außenminister Rogers auf der SEATO-Tagung
-Wo.- Uut-

INFORMATION:
Laird: Weiterer Truppenabzug ist Beweis für den Erfolg der
Vietnamisierung

WIRTSCHAFT:
Dr. Whitman: Wirtschaftliche Lage in den USA hat sich eindeutig gebessert
-AuszügeNeuer Präsident der US-Export-Importbank in Europa

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler erörtern gemeinsame
Forschungsprogramme in Medizin und Technologie
Langzeitstudie über Alterungsprozeß

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Dokumentation

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0 8 - 8 54 32

27/1972

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 29. Juni 1972
- Auszüge -

Washington - (AD) - Präsident Nixon hat am 29. Juni auf einer
Pressekonferenz - der ersten seit einem Jahr, die vom amerikanischen
Fernsehen direkt übertragen wurde - zur innen- und außenpolitischen
Lage der USA Stellung genommen. Die wichtigsten, die Außenpolitik
betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Nachdem im Jahre 1968 die Beendigung des Krieges eines
Ihrer Hauptwahlkampfthemen war, nachdem unsere Bombenangriffe in Indochina nach Angaben des Pentagon jetzt ihren Höchststand seit fünf
Jahren erreicht haben, nachdem die Truppen weiter abgezogen werden,
aber um so mehr Soldaten dafür nach Thailand und zur 7. Flotte abkommandiert werden, frage ich mich, wie Sie überhaupt noch mit Überzeugung erklären können, daß sie den Krieg bis zum 20. Januar
kommenden Jahres beenden werden?
ANTWORT: Wir haben bei der Beendigung des Krieges und besonders
bei der Beendigung des amerikanischen Engagements in dem Krieg große
Fortschritte erzielt.
Nachdem Sie die Tatsachen soweit noch einmal aufgezählt haben,
möchte ich sie ebenfalls, aber positiv gesehen, nochmals anführen.
Als ich mein Amt antrat, standen 540 000 Amerikaner in Vietnam.
Unsere Verluste betrugen 300 Mann in der Woche und die Kosten beliefen

- 1 -

�beliefen sich auf 22 Milliarden Dollar im Jahr. Wir haben seitdem
500 000 Soldaten abgezogen. Unsere Verluste sind um 95 Prozent bis auf
2 Mann (pro Woche) zurückgegangen ~ das ist noch zu viel, aber immerhin ein Rückgang von 300 auf zwei. Was die Kosten anbetrifft, so sind
sie jetzt auf 7 Milliarden Dollar im Jahr gesenkt worden gegenüber
damals 22 Milliarden Dollar im Jahr.
Was nun die Lage an der Verhandlungsfront anbetrifft, so befinden
wir uns keineswegs in einer Position, in der wir kein positives Angebot
zu machen hätten; wir haben vielmehr ein, wie Mr. Brinkley im NBC
(National Broadcasting Corporation) es gestern Abend nannte, sehr
konstruktives Angebot gemacht - ein Angebot, daß wir bei einer ganz
Indochina umfassenden Waffenruhe bei Rückkehr aller Kriegsgefangenen
und bei Unterrichtung über alle im Krieg Vermißten alle militärischen
Tätigkeiten in Indochina einstellen und alle noch dort stationierten
Amerikaner innerhalb von vier Monaten abziehen würden.
Wir sind auf diesem Standpunkt angekommen und halten das für
eine ausgezeichnete Position. Das Einzige, was wir nicht getan haben,
ist das, was die Kommunisten gefordert haben, nämlich dem südvietnamesischen Volke gegen seinen Willen eine kommunistische Regierung
aufzuzwingen. Das werden wir nicht tun, weil wir damit die Aggression
belohnen, zu einer solchen Aggression ermutigen und die Aussichten für
den Frieden überall auf der Welt verringern würden, und weil dies eine
Schmach für die Vereinigten Staaten von Amerika bedeuten würde.
An der Verhandlungsfront haben wir die Nordvietnamesen - nach
Konsultationen mit der südvietnamesischen Regierung - davon unterrichtet, daß wir am Donnerstag, den 13. Juli, an den Verhandlungstisch
in Paris zurückkehren werden; wir sind von den Nordvietnamesen und vom
Vietcong dahingehend unterrichtet worden, daß sie ebenfalls an diesem
Tage an den Verhandlungstisch zurückkehren werden. Wir sind an den
Verhandlungstisch zurückgekehrt oder werden an ihn zurückkehren, weil
wir annehmen, daß die Nordvietnamesen bereit sind, konstruktiv und
ernsthaft zu verhandeln. Wir werden bereit sein, so zu verhandeln. Wenn
- 2-

�Wenn diese Verhandlungen konstruktiv und ernsthaft geführt werden, dann
kann der Krieg beendet werden und er kann dann noch erheblich vor dem
20. Januar beendet werden. Wenn die Anderen nicht auf dieser Basis vorgehen, dann werden die Vereinigten Staaten weiterhin ihre Verpflichtungen
erfüllen. Was unsere Bombardierungen und unsere Verminungen anbetrifft,
so erfolgen diese ausschließlich aus dem Grunde, um zu verhindern, daß
die kommunistische Aggression Erfolg hat, um die noch verbleibenden rund
40 000 Amerikaner, die immer noch in Vietnam stationiert sind, zu schützen,
und um eine Verhandlungsposition für die Freigabe unserer Kriegsgefangenen
zu haben.
Noch einen letzten Punkt zur Kriegsgefangenenfrage: Ich weiß, daß
jeder Amerikaner sich um diese Soldaten sorgt. Ich habe mir Sorgen um sie
gemacht. Ich möchte dazu nur sagen, daß ich im letzten Jahr wirklich eine
Menge Erfahrungen im Verkehr mit den kommunistischen Führern gesammelt
habe. Ich weiß, es ist nicht einfach, mit ihnen ins Geschäft zu kommen,
und man erhält von ihnen nur dann etwas, wenn man selbst etwas besitzt,
was sie von einem haben wollen. Der einzige Weg, unsere Kriegsgefangenen
zurückzubekommen, ist, daß wir etwas dafür tun, und das bedeutet, daß
wir militäarische Ziele in Nordvietnam angreifen, daß wir eine ständige
Einsatztruppe in Südvietnam belassen und daß wir weiterhin die Häfen
Nordvietnams verminen.
Nur wenn wir mit solchen Tätigkeiten fortfahren, werden sie sich
veranlaßt sehen, unsere Kriegsgefangenen zurückzugeben, statt - wie dies
beim Abzug der Franzosen aus Vietnam im Jahre 1954 der Fall war, als nach
diesem Zeitpunkt über 15 000 Franzosen nie wieder etwas zu erfahren war nichts mehr über deren Schicksal mitzuteilen.
Ich werde niemals zulassen, daß das Gleiche mit unseren tapferen
Soldaten geschieht, die sich jetzt in Kriegsgefangenschaft befinden.
FRAGE:
- 3-

�FRAGE: Herr Präsident, bevor Sie die Wiederaufnahme der Bombardierungen Nordvietnams anordneten, genehmigte General Lavelle oder
leitete er einige nichtautorisierte Angriffe ein. Wirkte sich diese
Maßnahme Ihrer Meinung nach irgendwie auf die diplomatischen Verhandlungen aus, die in jener Zeit stattfanden, und sind Sie besorgt
darüber, daß Sie doch offenbar hiervon nichts wußten?
ANTWORT: Die diplomatischen Verhandlungen wurden dadurch nicht
berührt. In der Tat fand am 2. Mai in Paris ein Treffen, ein geheimes
Treffen, zwischen Dr. Kissinger und den (nordvietnamesischen) Unterhändlern statt - also während des Zeitraums, als die Maßnahmen General
Lavells ausgeführt wurden. Sie können sicher sein, daß die Nordvietnamesen sich über diese besondere Angelegenheit beschwert hätten, hätten
sie irgendeinen Vorwand für eine Beschwerde haben wollen.
Was nun die Sache selbst angeht, so war sie, wie auch Admiral
Moorer heute ausgesagt hat, nicht autorisiert. Sie war allerdings
nur gegen jene militärischen Ziele gerichtet, von denen aus auf
amerikanische Flugzeuge geschossen wurde. Aber da

die Vollmacht

überschritten wurde, war es nur richtig, daß der General abgelöst und
in den Ruhestand versetzt wurde. Meiner Meinung nach war dies die
richtige Maßnahme, und ich glaube, das wird sicherstellen, daß so
etwas in Zukunft nicht mehr passiert.
FRAGE: Herr Präsident, am 8. Mai - also zu der Zeit der Verminung der
nordvietnamesischen Häfen - sagte Ihr Berater, Dr. Kissinger, voraus, daß
diese Verminung zum Austrocknen des Nachschubs führen und daß die Hauptoffensive um den 1. Juni herum vorbei wäre. Ist diese Voraussage noch gültig, und wenn ja, können Sie dann einen Zeitplan für den Abzug unserer
Unterstützungsverbände nennen, die nach den See-und Luftstützpunkten um
Vietnam herum entsandt wurden, um die Südvietnamesen während der Offensive
zu unterstützen?
Antwort:

-4-

�ANTWORT: Was den Zeitpunkt der wirksamen Verminung und auch die Bombardierung der militärischen

Ziele in Nordvietnam, vor allem der Eisenbahnen

und Ölleitungen, angeht, so ist die Situation in Vietnam dadurch völlig gewandelt worden. Ich habe einige Nachrichtenmagazine durchgesehen, die in der
Woche, bevor die Verminung angeordnet wurde, erschienen, und ich habe festgestellt, daß in jedem von ihnen die Überschrift zu lesen war: "Das Gespenst
der Niederlage in Vietnam". Das war die Situation, als unsere Maßnahmen anliefen. Sie hat sich nun völlig gewandelt. Die Südvietnamesen sind in der Offensive. Die Sache ist noch nicht zu Ende. Wir rechnen unter umständen noch mit
weiteren nordvietnamesischen Offensiven, aber ich bin doch der Ansicht, daß
nunmehr die Fähigkeit der Südvietnamesen, sich mit unserer Luftunterstützung
zu Lande selbst zu verteidigen, demonstriert worden ist. Die Fähigkeit, sich
in An Loc und Kontum

und jetzt auch im Gebiet von Hue selbst zu verteidigen,

ist ein Zeichen dafür, daß die Vietnamisierung, was die Aktivität zu Lande
anbetrifft, sich als eine erfolgreiche Maßnahme erwiesen hat,. Was nun die
Zukunft angeht, so habe ich bereits zu verstehen gegeben, daß wir im Juli zu
den Verhandlungen zurückkehren werden. Das ist der Bereich, dem wir - genau
wie dem Schlachtfeld - unsere Aufmerksamkeit widmen müssen. Und soweit es um
irgendwelche zukünftigen Ankündigungen geht - diese werden von dem Fortschritt
am Verhandlungstisch und an der Front abhängen.
FRAGE: Meiner Frage liegen Ihre eigenen Erklärungen zugrunde, die Sie in
Texas und anderswo abgegeben haben und worin Sie sagten, daß Sie die Bombardierung der Deiche und Dämme in Nordvietnam nicht sanktioniert hätten und auch
nicht sanktionieren würden, weil dies Ihrer Meinung nach ein inhumaner Akt
sei wegen der Folgen für die Zivilbevölkerung. Während der letzten Wochen hat
es nun Augenzeugenberichte gegeben. Einer dieser Berichte kam von der französischen Presseagentur, ein weiterer vom schwedischen Botschafter in Hanoi,
und in diesen Augenzeugenberichten wird behauptet, daß amerikanische Flugzeuge
Deiche und Dämme getroffen hätten. Meine Frage ist nun, hat eine solche
Bombardierung stattgefunden und wenn ja, welche Schritte unternehmen Sie, damit dies sich nicht noch einmal ereignet?
Antwort:

�ANTWORT: Wir haben diese Berichte überprüft und sie haben sich als unrichtig herausgestellt. Die Bombardierung von Deichen ... wurde von manchen
Leuten befürwortet. Die Vereinigten Staaten haben sich in Ihrer Bombardierungspolitik eine große Zurückhaltung auferlegt, und meiner Meinung nach ist das
richtig. Wir waren bestrebt, nur militärische Ziele zu treffen, und wir haben
militärische Ziele getroffen. Unser Befehl lautete, keine Deiche zu treffen,
weil die Folgen im Hinblick auf die Zivilbevölkerung überaus groß sein würden.
Was nun irgendeine weitere Aktivität in dieser Hinsicht anbelangt, so
ist dieser Befehl immer noch in Kraft. Ich habe nicht die Absicht, zuzulassen,
daß irgendwelche Befehle ergehen, die zu Verlusten unter der Zivilbevölkerung
führen, wenn dies verhindert werden kann. Nur militärische Ziele sind genehmigt.
FRAGE: Herr Präsident, im letzten Jahr oder Anfang dieses Jahres hat General Abrams Ihnen gegenüber die Überzeugung geäußert, daß die Südvietnamesen es
auf dem Schlachtfeld alleine nicht schaffen könnten. Dann erfolgte die Invasion
aus dem Norden, und wir reagierten mit Bombardierungen. Wann können Ihrer Meinung nach die Südvietnamesen realistischerweise ohne massive Feuerunterstützung
durch uns mit der Situation fertig werden?
ANTWORT: Das wird gegenwärtig festgestellt, und das zeigt sich jetzt.
Erstens ,was die Aktivität zu Lande angeht, so wird sie voll und ganz
von den Südvietnamesen ausgeführt. Einsätze amerikanischer Kampftruppen
sind in Vietnam völlig eingestellt worden. Was die Amerikaner in Vietnam
anbetrifft, so ist dieser Krieg für viele künftige Wehrdienstpflichtige
vorüber. Es werden keine Wehrpflichtigen mehr nach Vietnam entsandt werden.
Was nun den Lufteinsatz anbelangt, so wird General Abrams oder jeder
Militärexperte Ihnen wie auch mir sagen, daß derartige Aktionen allein ohne entsprechenden Kampfhandlungen zu Lande - einen entschlossenen
Gegner nicht aufhalten können.
In diesem Falle nun hat Nordvietnam eine massive Offensive mit
gewaltigen Panzern vorgetragen, die größer waren als die ihnen gegenüberstehenden, sowie mit neuen und modernen Waffen. Um nun hier eine Art Aus- 6 -

�Ausgleich herzustellen, der nötig war, haben wir Luftunterstützung
zur Verfügung gestellt. Aber ich möchte hier auf etwas hinweisen, was
nur geringe Beachtung gefunden hat: 40 Prozent aller taktischen Lufteinsätze über den Kampfgebieten in Südvietnam werden jetzt von den
Südvietnamesen, nicht von Amerikanern,geflogen. Wir können also feststellen, daß die Südvietnamesen nicht nur die gesamten Kampfhandlungen
zu Lande tragen, sondern auch ständig ihre Fähigkeit verstärken, den
Kampf in der Luft zu übernehmen. Durch den Erfolg unserer Luftangriffe
auf den Norden und auf das Kampfgebiet, durch die erfolgreiche Wendung
dieses ganzen Kampfes wird schließlich der Tag herbeigeführt werden,
da die Südvietnamesen in der Lage sind, die gesamte Kampftätigkeit
selbst zu übernehmen. Ich möchte dafür kein Datum nennen. Ich kann nur
sagen, daß das Ergebnis des gegenwärtigen Kampfes, die Schwere der
nordvietnamesischen Verluste,diesen Tag bestimmen werden, Aber ich
bin in dieser Hinsicht sehr optimistisch ...
FRAGE: Herr Präsident, können Sie uns sagen, was Sie veranlaßte,
an den Verhandlungstisch in Paris zurückzukehren, und würden Sie eine
Koalitionsregierung unterstützen - die Bildung einer Koalitionsregierung oder würden Sie dies in Paris erörtern.
ANTWORT: Es wäre nicht nützlich, etwas über die Gespräche zu sagen,
die an verschiedenen Stellen im Hinblick auf eine Rückkehr an den Pariser
Konferenztisch stattgefunden haben.
Lassen Sie es damit bewenden, daß ich sage, beide Seiten erachteten
es als in ihrem Interesse liegend, an den Konferenztisch in Paris zurückzukehren. Wir wären nicht zurückgekehrt, würden wir nicht glauben, daß
es eine Chance für ernsthaftere Erörterungen und konstruktivere Gespräche
gäbe, als dies in der Vergangenheit der Fall war, obwohl ich ganz offen
sagen muß, daß wir in der Vergangenheit im Hinblick auf diese Gespräche
enttäuscht worden sind.
Es hat bisher 149 Vollsitzungen gegeben, aber keine bedeutsamen
Ergebnisse. Ich glaube, es wäre nicht besonders nützlich, würde ich mich
- 7-

�mich auf einer Pressekonferenz darüber auslassen, worüber wir in Paris
sprechen werden. Das ist eine Angelegenheit, die wir mit deir Gegner aushandeln werden.
Was nun eine Koalitionsregierung anbetrifft, so ist die Antwort: Nein.
Wir werden nicht mit dem Gegner etwas aushandeln, was er selbst nicht erreichen kann, nämlich gegen den Willen der Bevölkerung Südvietnams ihr
eine Koalitionsregierung mit den Kommunisten aufzuzwingen.
Wir werden jedoch konstruktiv und entgegenkommend sein. Eine international überwachte Waffenruhe, der völlige Abzug aller Amerikaner innerhalb von vier Monaten, die völlige Einstellung aller Bombenangriffe das sind unserer Ansicht nach sehr vernünftige Angebote, und wir meinen,
der Gegner sollte sie ernsthaft prüfen.
FRAGE: Kaum hatten Sie die Rüstungskontrollabkommen in Moskau unterzeichnet,
forderte Ihre Administration neue Gelder für neue strategische Waffen an.
Manche Ihrer Kritiker sagen, daß es fast an Betrug grenze, wenn man dem
Pentagon gebe was es will, nämlich eine Konzentration auf die Entwicklung
neuer hochmoderner Waffen. Würden Sie versuchen, diese schlimmen Voraussagen zu entkräften?
ANTWORT: Das Problem bei der Kontrolle der Rüstungen ist, daß wir
das nicht in einem Vakuum behandeln. Wir müßen uns mit dem Problem so
befassen, wie es die Sicherheit der Vereinigten Staaten berührt. Zunächst
möchte ich einmal betonen: Hätten wir kein Abkommen über eine Kontrolle der
Rüstungen, eine Begrenzung der Luftabwehrraketen und eine vorläufige,
auf fünf Jahre befristete Begrenzung bestimmter Kategorien von Offensivwaffen, dann würde ich - und das ist ganz vorsichtig geschätzt - den
amerikanischen Kongreß ersuchen müssen, in einem Sofortprogramm eine
Erhöhung des Verteidigungshaushalts für strategische Nuklearwaffen um
wenigstens 15 Milliarden Dollar pro Jahr zu bewilligen. Grund: Ohne ein
Abkommen über Rüstungskontrolle hätten die sowjetischen Pläne eine Erhöhung
der Zahl ihrer Luftabwehrraketen in den nächsten fünf Jahren auf 1000 vor- 8-

�vorgesehen

Das Abkommen über eine Rüstungskontrolle begrenzt diese Zahl

für sie wie für uns auf 2uü. Hätte es kein Rüstungskontrollabkommen gegeben,
dann würde die Sowjetunion jetzt ein Unterseebootprogramm durchführen, durch
das die Zahl ihrer Unterseeboote auf über 90 erhöht würde

Das Abkommen

begrenzt ihre Zahl auf 62. Und hätte es kein Rüstungskontrollabkommen
für strategische Offensivwaffen gegeben - und das ist der wohl wichtigste
Punkt -, dann hätte uns die Sowjetunion bei den strategischen Offensivwaffen jetzt überrundet, Sie haben rund 1 600, wir etwa 1000 solche Waffen.
Sie würden in den nächsten fünf Jahren weitere 1000 solche Waffen gebaut
haben. Unter solchen Umständen würde jeder amerikanische Präsident feststellen, daß die Vereinigten Staaten in fünf Jahren hoffnungslos zurückgefallen sein würden; unsere Sicherheit wäre bedroht gewesen, unsere Verbündeten wären, vor allem in diesen Bereichen, in Angst versetzt worden, und
unsere Freunde ebenso, zum Beispiel im Nahen Osten, wo die Möglichkeit
sowjetischer Abenteuer für recht groß gehalten wird,
Daher wirkt ein Rüstungskontrollabkommen, zumindest bei neuen Waffen,
als Bremse. Was jetzt die von Ihnen erwähnten neuen Waffen anbetrifft, so
möchte ich betonen,daß dies nicht den Zeitraum der nächsten fünf Jahre
betrifft. Wir sprechen vielmehr von der Zeit danach, Und sie sind für
die Sicherheit der Vereinigten Staaten auch aus einem anderen Grund absolut
notwendig - denn wir dürfen das ganze nicht in einem Vakuum sehen, sondern
müssen es nach dem beurteilen, was die andere Seit tut, und Herr Breschnew
hat es sehr deutlich gemacht

daß er bei diesen Kategorien von Waffen,

bei denen keine Begrenzungen bestehen, weitermachen werde
Um ihm gegenüber fair zu sein, er sagte weiter und machte das sehr
klar - er machte es ganz eindeutig klar, so möchte ich sagen-,daß er damit
rechne, daß auch wir weitermachen

Wenn also unter diesen Umständen die

Vereinigten Staaten auf diesen Gebieten,wo keine Kontrolle besteht, nicht
weitermachen würden, dann würde dies bedeuten, daß wir Ende der siebziger
Jahre d ie Unterlegenen wären, und kein Präsident der Vereinigten Staaten

�Staaten kann die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Vereinigten
Staaten an die Stelle des zweitmächtigsten Staaten der Welt rücken nicht aus chauvinistischen Überlegungen heraus, sondern weil dann unsere
Außenpolitik, unsere Verpflichtungen überall auf der Welt sehr, sehr
ernsthaft gefährdet wären,
Den wichtigsten Punkt aber habe ich bis zum Schluß aufgespart
und zwar: Diese Abkommen liegen meiner Ansicht nach im Interesse der
Vereinigten Staaten. Sie liegen nach meiner Auffassung unbedingt im
Interesse der Rüstungskontrolle und damit des Weltfriedens. Aber sie sind
erst ein Anfang; sie sind nur die Grundlage

Was wir jetzt tun müssen,

ist, realistisch den zweiten Schritt weiterzugehen. Und das ist der Grund,
warum die Phase zwei der Rüstungskontrolle, von der wir hoffen, daß sie,
sofern der Kongreß die ihm gegenwärtig vorliegenden Abkommen billigt,
im Oktober beginnen wird - daß die Phase zwei ein ständiges Rüstungskontroi labkommen für alle nuklearen Offensivwaffen bringen wird - das
wird unserer Ansicht nach noch weit größere Bedeutung haben, als die
Phase eins.
Phase eins ist der Durchbruch und Phase zwei ist die Krönung
Phase zwei wird, wenn wir ein Abkommen mit den Sowjets erreichen können
- und es wird langer und harter Verhandlungen bedürfen - aber wenn wir
es erreichen können, bedeuten, daß wir unsere Rüstungsbudgets dann
auf dem gegenwärtigen Stand halten können, und daß wir diese neuen
Programme, statt mit ihnen auf der gegenwärtig

vorgesehenen Basis

weiterzumachen, dann kürzen können.
Das ist unser Ziel, und ich meine, wir können es erreichen, vorausgesetzt, daß wir Phase eins billigen und vorausgesetzt, daß wir weiterhin
ein glaubwürdiges Rüstungsprogramm fortführen, denn glauben Sie mir,
die Sowjets werden einer Begrenzung ihrer künftigen Programme nicht
zustimmen, wenn sie von uns nichts dafür bekommen können.
FRAGE:
- 10 -

�FRAGE: Herr Präsident, zu ihren Ausführungen über die Notwendigkeit
von Offensivwaffen: Warum bestehen Sie denn dann auf der Entwicklung des
kostspieligen B-1-Bombers, wenn die Sowjetunion in den letzten Jahren
tatsächlich so wenig Interesse an der Bomberentwicklung gezeigt hat und
wenn sie, soweit wir wissen, im Augenblick keinen neuen Bomber in der
Entwicklung hat?
ANTWORT: Jede Macht, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten,
muß die Streitkräfte haben, die für ihre eigene Sicherheit notwendig sind
Wir sind im Grunde genommen nicht ausschließlich eine Landmacht sondern
vielmehr eine Land- und Seemacht

Die Sowjetunion ist in erster Linie

eine Landmacht und hat daher ganz bestimmte Erfordernisse. Wir glauben,
daß der B-1-Bomber für unsere Sicherheit notwendig ist.
Was nun die Sowjetunion anbetrifft, so bedeutet die Tatsache, daß
sie keine Bomber entwickelt, nicht, daß sie nicht die unsrigen respektiert
Und ich möchte ferner sagen, hätten wir nicht zur Zeit diesen Vorteil
bei Bombern, dann könnten wir nicht ruhig zusehen und es zulassen, daß
die Sowjets uns gegenüber bei landgestützten Raketen mit 1 600 zu 1000
im Vorteil sind. Unsere Bomber sind somit ein Ausgleich dafür ...
FRAGE: Herr Präsident, ich hätte gerne noch eine klärende Frage
zu den Bombardierungen gestellt. In Ihrer Rede vom 8. Mai haben Sie
erklärt, das einzige Ziel Ihrer Bombardierungen und Ihrer Verminung
sei der Schutz der 60 000 dort noch verbliebenen amerikanischen Soldaten.
Habe ich Sie recht verstanden, daß Sie in Beantwortung einer früheren
Frage sagten, es bestehe jetzt ein Zusammenhang zwischen den Bombardierungen und der Freilassung der Gefangenen

Und ich möchte noch eine

zusätzliche Frage stellen, die in einiger Beziehung dazu steht: waren
mit der Rückkehr zu den Pariser Friedensgesprächen irgendwelche Bedingungen der beiden Seiten verknüpft?
ANTWORT: Nein. Keine der beiden Seiten hat damit irgendwelche
Bedingungen verknüpft. Wir kehren zu den Gesprächen zurück und sind
bereit, ohne Vorbedingungen zu verhandeln. Wir halten das für den
- 11 -

�den konstruktivsten Weg, um Ergebnisse zu erreichen. Es gab beispielsweise keine Bedingung - und darauf dürfte Ihre Frage ja wohl abzielen daß wir die Bombardierungen einstellen, wenn wir zu den Gesprächen
zurückkehren. Wir haben nicht die Absicht, sie einzustellen. Wir werden
die Bombardierungen einstellen, wenn die Bedingungen erfüllt sind, die
ich in meiner Rede vom 8. Mai dargelegt habe.
Wie Sie sich erinnern, habe ich in dieser Rede vom 8. Mai drei
Bedingungen dargelegt. Ich erklärte, daß wir militärische Ziele im
Norden bombardieren und die Häfen verminen würden und zwar aus drei
Gründen: um zu verhindern, daß Südvietnam eine kommunistische Regierung
aufgezwungen werde; um unsere in Südvietnam verbleibenden Truppen zu
schützen, die sich damals auf 60 000 Mann beliefen; und um die Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu erreichen. Das sind die drei Bedingungen, die es im Hinblick auf die Bombardierungen gibt. Wir sind
jedoch bereit, über diese Punkte mit dem Gegner zu verhandeln. Wir
haben nicht den Wunsch, die Bombardierungen auch nur einen Augenblick
langer fortzusetzen, als notwendig ist, um diese nach unserer Ansicht
sehr minimalen Ziele zu erreichen
FRAGE: Herr Präsident, die Geschichte der amerikanischen Bombenangriffe auf Nordvietnam zeigt, daß diese eher dazu gedient haben,
Verhandlungen zu behindern, statt sie zu fördern. Warum glauben Sie
- angesichts dieses Hindergrundes - daß es jetzt Erfolg verspricht?
ANTWORT: Ich bin nicht sicher, ob sich meine Beurteilung dieser
Angelegenheit mit der Ihren deckt. Ich bin der Meinung, daß wir im
Verlaufe der letzten drei Jahre alles nur mögliche getan haben, um
Verhandlungen in Gang zu bringen. Wir haben Truppen abgezogen, wir
haben sehr entgegenkommende Angebote gemacht,wir haben auf unserer
Seite die Kampftätigkeit herabgeschraubt, und das Ergebnis war einfach
eine ständig wachsende Unnachgiebigkeit auf Seiten des Gegners,

- 12 -

�Glauben Sie mir, es war nur eine letzte Zuflucht, als ich die überaus schwierige Entscheidung vom 8. Mai traf, wohl wissend, wieviel diese
Entscheidung mit sich brachte. Aber nachdem ich diese Entscheidung getroffen habe, glaube ich, daß es die richtige Entscheidung war; und ich
glaube, die Tatsache, daß unsere Gipfeltreffen trotz dieser Entscheidung
stattfanden, die Tatsache, daß wir trotz dieser Entscheidung an den
Verhandlungstisch zurückkehren, zeigt, daß vielleicht diejenigen Unrecht
haben, die der Meinung sind, daß eine starke Position am Verhandlungstisch zu keinen Verhandlungen führt.
Ich bin immer der Ansicht gewesen, daß bei der Auseinandersetzung
mit diesen sehr pragmatischen Männern, die die kommunistischen Nationen
führen - und wir müssen sie ihrer Stärke und ihres Pragmatismus wegen
respektieren -, daß diese Männer also Stärke respektieren - keine
kriegerische Haltung, aber doch Stärke. Das ist zumindest die Art und
Weise, mit der ich immer an diese Dinge herangehe und ich glaube, sie
wird erfolgreich sein.

+ + + + +

- 13 -

�B E R I C H T I G U N G

Bitte le§en Sie auf Seite 8, letzte Zeile, richtig:
der Zahl ihrer Raketenabwehrraketen - vergl. Raketenabwehrraketen

+++-

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27/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS AUF DER SEATO-TAGUNG
-Wortlaut-

CANBERRA --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 27. Juni auf der Eröffnungssitzung der 17. SEATO-Ministerratstagung
folgende Erklärung abgegeben:
In den letzten vier Monaten waren die Vereinigten Staaten zusammen
mit anderen Ländern an entscheidenden Entwicklungen beteiligt, die der
Geschichte dieses Jahrhunderts ihren Stempel aufdrücken werden. Die erfolgreichen Besuche des amerikanischen Präsidenten in Peking und Moskau, die
Unterzeichnung der amerikanisch-sowjetischen Abkommen zur Begrenzung der
strategischen Rüstungen, das Inkrafttreten eines Abkommens über Berlin,
durch das diese Quelle internationaler Spannungen ausgeschaltet wird
- alle diese Ereignisse sollten, einzeln für sich und in ihrer Gesamtheit,
wesentlich zu der friedlichen Welt beitragen, die alle von uns in der
SEATO herbeiwünschen.
Bei den von uns in bezug auf unsere Hauptgegner ergriffenen Schritten
traten die amerikanischen Ziele ganz offen und eindeutig zu Tage - eine
Welt frei von den Risiken eines nuklearen Krieges und den Gefahren einer

-l-

�einer Konfrontation der Großmächte; ein Europa, in dem schrittweise Aussöhnung an die Stelle von Spaltung tritt; ein Asien, in dem die Völker, große
wie kleine, über ihr eigenes Schicksal in Frieden ohne ausländische Einmischung selbst bestimmen können.
Diese Ziele werden schneller erreicht werden, wenn die Prinzipien der
internationalen Beziehungen, die sich aus den Besuchen in Peking und Moskau
ergeben haben, peinlich genau beachtet werden. Nur die Zeit kann zeigen, in
welchem Maße diese Prinzipien in der Praxis verwirklicht werden. Für jedes
dieser Länder werden wir, in unterschiedlichem Maße und auf geraume Zeit,
Konkurrenten und starke ideologische Rivalen bleiben - mit einer diametral
entgegengesetzten Auffassung von den Beziehungen zwischen den Menschen und
den Staaten. Wir glauben jedoch, daß ein Prozeß begonnen hat, der diesen
Wettstreit in friedlichen Bahnen und diese Rivalitäten in Schranken und
realistisch halten kann.
Die Wege, die zu den Gipfeltreffen führten, waren nicht einfach. Für
beide, China und die Sowjetunion, waren die ideologischen und die tatsächlichen Schranken gewaltig. Wir nehmen daher an, daß sie die Verbesserung der
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten mit einer ernsten Absicht aufgenommen
haben. Die Änderung ihrer Haltung war zweifellos "verstandesmäßig und nicht
gesinnungsmäßig", wie Präsident Nixon dies kürzlich nannte. Aber diese Änderung bietet die Möglichkeit einer friedlicheren Welt für uns alle, und die
Vereinigten Staaten werden das Ihre in diesem Geiste dazu beitragen, damit
diese Möglichkeit verwirklicht wird.
Es ist unsere Hoffnung und unsere Absicht, daß der auf den Gipfeltreffen
erzielte bilaterale Fortschritt auch den Übergang zu normaleren Beziehungen
zwischen anderen Ländern fördern kann, die durch den kalten Krieg gespalten
oder entfremdet worden sind. Solch ein Fortschritt ist sowohl in Europa wie
in Asien bereits im Gange.
--In

-2-

�--In Europa haben Sir Alec Douglas Home und ich vor drei Wochen ein Abkommen mitunterzeichnet, das die Reisebeschränkungen und andere Lebensbedingungen für die Bevölkerung Westberlins lockern und erleichtern wird, die ein
unschuldiges Opfer der Teilung ihrer Stadt und ihres Landes ist. Dieses Abkommen hat weitere Aussichten auf Verbesserungen in Europa durch verstärkte
bilaterale Kontakte und die bevorstehende Europäische Konferenz eröffnet.
--In Asien sind seit fast einem Jahr Gespräche zwischen Vertretern des
Roten Kreuzes der Republik Korea und der demokratischen Volksrepublik Korea
im Gange, die ursprünglich auf die Wiederzusammenführung

von seit Jahrzehn-

ten getrennten Familien abzielten. Wir teilen die Hoffnung, die Präsident
Park auf einer kürzlichen Sitzung des Asiatischen und Pazifischen Rates
äußerte, daß solche Gespräche und Kommunikationen andauern und weiter entwickelt werden.
Das Berlin-Abkommen und die neuen Anfänge in Korea zeigen den Fortschritt, den Verhandlungen für komplizierte Probleme bringen können. Leider
wird in Vietnam und in Gebieten, die für die SEATO von direkter Bedeutung
sind, ein solcher Fortschritt durch die Weigerung Nordvietnams, ernsthaft
zu verhandeln, immer noch blockiert. Die kommunistische Seite hat sich sogar
geweigert, in Gespräche mit der Regierung der Republik Vietnam über eine politische Regelung einzutreten. Die Vorschläge des amerikanischen Präsidenten
vom 8. Mai konnten Hanoi bisher nicht von dem Beharren auf Bedingungen abbringen, die es dem südvietnamesischen Volk verwehren würden, selbst über
seine eigene Zukunft zu bestimmen. Dem können und werden wir nicht zustimmen.
Aber eine fruchtbare Basis für eine gerechte Regelung sind Verhandlungen,
sobald Hanoi bereit ist, sie aufzunehmen. Wir haben gewissen Grund zu der
Hoffnung, daß der verstärkte diplomatische Druck, der aus allen Teilen der
Welt auf Hanoi ausgeübt wird, Nordvietnam veranlassen wird, ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen.
Die

-3-

�Die amerikanische Außenpolitik in Asien und in der Welt beruht auf Treue
zu unseren Verpflichtungen und Festigkeit in unseren Prinzipien. Sie beruht
ferner auf der Überzeugung, daß eine Bereitschaft zur Änderung traditioneller
Formen, zur Suche nach Lösungen durch Verhandlungen und durch Gespräche sowie
zur Erzielung von für beide Seiten vorteilhaften Kompromissen im Interesse
des Friedens ist. Genauso wie wir unsere Beziehungen zu traditionellen Gegnern
verbessern, so verstehen und begrüßen wir auch ähnliche Initiativen unserer
Verbündeten und Freunde. Eine Bereitschaft auf allen Seiten, von der Erstarrung
der beiden letzten Jahrzehnte abzugehen, kann nur positive Ergebnisse zeitigen
Solche Veränderungen können sich nur auf dem Nährboden der Stabilität
vollziehen. Was uns anbetrifft, so werden die Vereinigten Staaten in Ostasien und
im Pazifik weiterhin von folgenden Überzeugungen ausgehen:
Erstens, unsere neuen Beziehungen werden nicht durch Preisgabe der
Interessen unserer Freunde erkauft. Diese Tatsache ist in den Prinzipien, zu de^
nen wir uns gegenüber China und der Sowjetunion bekannten, ausdrücklich anerkannt
worden,
• Zweitens, wir sind uns voll darüber im klaren, daß diese neuen Beziehungen unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nur dann stärken werden, wenn
wir weiterhin eine überzeugende Stärke aufweisen. Dies ist der Grund, warum Präsident Nixon, selbst in einem Wahljahr, auf einem ausreichenden nationalen Verteidigungshaushalt besteht. Diese Erkenntnis bildet den Kern unserer Politik
im Pazifik wie in Europa. Und wir sind uns genauso darüber im klaren, daß
weitere militärische und wirtschaftliche Hilfe erforderlich sein wird, wenn andere jetzt die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen. Wir sind
entschlossen, diese Hilfe zu gewähren.
--Drittens,

�--Drittens, ein friedliches Asien wird nicht durch ein Aufgeben unserer
Verpflichtungen oder unserer Interessen in diesem Raum angestrebt und könnte
so auch nicht erreicht werden. Unsere Interessen in Asien und im Pazifik sind
von grundlegender Bedeutung. In unserem eigenen Selbstinteresse sowie im Interesse unserer Freunde und Verbündeten wird unser Engagement nicht mit dem Auslaufen unseres militärischen Engagements in Vietnam enden.
Gerade die Notwendigkeit stabiler Verhältnisse in einer Zeit des Wandels
verleiht einer Organisation wie der SEATO weiterhin große Bedeutung. Aus diesem
Grunde werden die Vereinigten Staaten diese Organisation und deren Zielsetzungen auch künftig unterstützen. In der Tat sind unsere Initiativen in Ostasien
auf das Hauptziel ausgerichtet, das von den Unterzeichnern des SEATO-Paktes
vor 18 Jahren gesetzt worden war -- "das Gebäude des Friedens und der Freiheit
zu stärken". Im Namen Präsident Nixons kann ich Ihnen die feierliche Zusicherung geben, daß die Vereinigten Staaten weiterhin in Asien in diesem Bemühen
engagiert sein werden.
Ich werde jetzt Admiral McCain Platz machen, damit er Ihnen seine Beurteilung der militärischen Bedrohung des Vertragsgebietes geben kann. Wie Sie wissen, ist dies die letzte Ministerratstagung für Jack McCain. Ich möchte ihm
vor diesem Forum meinen persönlichen Dank für seine Arbeit aussprechen, die er
so hervorragend geleistet hat. Während der Jahre, die er als Oberbefehlshaber
im Pazifik wirkte, war er für mich als Außenminister eine unfehlbare Quelle
des Rates und der Stärke. Die SEATO hat bestimmt keinen loyaleren Freund als
Jack McCain.
-t fc-»-fc I i I l - H -

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27/1972

LAIRD: WEITERER TRUPPENABZUG IST BEWEIS FÜR DEN ERFOLG DER
VIETNAMISIERUNG

WASHINGTON .«.(AD)— Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin R.
Laird hat den Abzug von weiteren 10 000 amerikanischen Soldaten aus Südvietnam als einen konkreten Beweis für den Erfolg des Vietnamisierungsprogramms bezeichnet. In einer in Colorado Springs veröffentlichten Erklärung betonte der amerikanische Verteidigungsminister ferner, die USA hofften weiterhin, daß der Gegner das großzügige Friedensangebot Präsident
Nixons annehmen werde, damit die Kämpfe in Südvietnam beendet werden
könnten.
Die Erklärung Lairds hat folgenden Wortlaut:
"Die heutige Mitteilung Präsident Nixons, daß weitere Amerikaner aus
Südvietnam abgezogen werden sollen, ist ein erneuter konkreter Beweis für
den Erfolg des Vietnamisierungsprogrammes. Seit Anlaufen dieses Programms
vor mehr als drei Jahren sind über eine halbe Million Amerikaner aus Vietnam
zurückgebracht worden, und bis am 1. September werden 93 Prozent der amerikanischen Soldaten zurückgeführt worden sein, die sich bei Amtsantritt Präsident Nixons in Vietnam befanden.
Ich

-1-

�Ich bin insbesondere erfreut darüber, daß wir unter der Führung Präsident Nixons während der letzten drei Jahre die Höhe der Einberufungen in so
augenfälliger Weise reduzieren konnten. Der Präsident konnte nunmehr bekanntgeben, daß aufgrund unseres Vietnamisierungsprograrames die Notwendigkeit für
die Stationierung amerikanischer Soldaten in Vietnam so weitgehend vermindert
worden ist, daß keine Einberufenen mehr nach Vietnam entsandt werden, es sei
denn, sie melden sich freiwillig dorthin.
Wir hoffen weiterhin, daß der Gegner das großzügige Friedensangebot Präsident Nixons annehmen wird, so daß die Kampfhandlungen in Vietnam eingestellt
werden und alle Gefangenen nach Hause zurückkehren können; in der Zwischenzeit werden jedoch weiterhin amerikanische Soldaten nach den USA zurückkehren. "
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hatte am 28. Juni
den Abzug von weiteren 10 000 amerikanischen Soldaten bekanntgegeben. Damit
wird sich die Zahl der noch in Südvietnam verbleibenden US-Truppen bis zum
1. September auf 39 000 Mann verringern. Ziegler erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß Präsident Nixon zugesagt habe, alle amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten abzuziehen, nachdem die amerikanischen
Kriegsgefangenen freigelassen worden seien, über die Vermißten Angaben vorlägen und eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina begonnen
habe. Bis zum 1. September werden insgesamt 510 500 amerikanische Soldaten
aus Vietnam abgezogen worden sein, seit Präsident Nixon sein Amt übernommen
hat. Die jüngste Entscheidung des Präsidenten, so unterstrich Ziegler, basiere
auf der Beurteilung, daß diese Reduzierung ohne Gefährdung des Vietnamisierungsprogramms oder der Sicherheit der verbleibenden amerikanischen Truppen
vorgenommen werden könne. Unter den gegenwärtig in Vietnam stationierten
49 000 amerikanischen Soldaten befinden sich nach Angaben Zieglers rund 4 000
Einberufene.
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27/1972

DR. WHITMAN: WIRTSCHAFTLICHE LAGE IN DEN USA HAT SICH EINDEUTIG
GEBESSERT
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — Die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten hat
sich nach Ansicht des Mitgliedes des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons,
Dr. Marina Whitman, auf zahlreichen Gebieten eindeutig gebessert.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen von Dr. Whitman vor amerikanischen Wirtschaftlern in Minneapolis am 28. Juni haben folgenden Wortlaut:
Heute, zehn Monate nach der Aufnahme der neuen Wirtschaftspolitik können wir solide Zeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs in zahlreichen Bereichen der Wirtschaft feststellen. Nachdem die reale Wirtschaftstätigkeit
immer schneller expandiert, kann die Wiedererholung nicht länger mehr in
Zweifel gestellt werden. Wohnungsbau, Einzelhandelsumsätze und Investitionsausgaben der Wirtschaft - sie alle partizipieren an der sich auf einer breiten Basis vollziehenden Expansion.
Gleichzeitig

-1-

�Gleichzeitig lassen die Statistiken echten Fortschritt bei der Reduzierung
der Inflation sowohl auf der Lohn-wie auch auf der Preisseite erkennen. Seit
Aufnahme des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms hat der Index der Verbraucherpreise im Durchschnitt eine Zunahme - auf Jahresbasis - von 2,9 Prozent aufzuweisen gehabt gegenüber 3,8 Prozent in den acht Monaten, die dem
Preis-und Lohnstopp vorangingen, und gegenüber einer Spitzenrate von 6,1 Prozent im Jahre 1969.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne haben seit Einsetzen der Kontrollen
- auf Jahresbasis - um 5,8 Prozent zugenommen gegenüber 7,2 Prozent in den
vorangegangenen acht Monaten.
Diese Entwicklungen sind nicht auf einseitige Opfer irgendeines Teiles
unserer Wirtschaft zurückzuführen. Im Gegenteil können beide,Arbeitnehmer
wie Unternehmer, eine Verbesserung ihrer Situation feststellen.
Der freie Wochenlohn der Arbeiter (nach Berücksichtigung preislicher
und steuerlicher Veränderungen) ist real in der Zeit der Kontrollen im Durchschnitt doppelt so schnell gestiegen wie in, der ersten Hälfte des Jahres
1971 und viermal so schnell wie im Durchschnitt der Jahre 1960-70.
Die Gewinne pro Produktionseinheit haben seit Beginn des Lohn-und Preisstopps - auf Jahresbasis - um 5,8 Prozent zugenommen, während die Gütererzeugung selbst beträchtlich angestiegen ist.
Die Tatsache, daß wir Fortschritte erzielen, bedeutet natürlich nicht,
daß wir machen können, was wir wollen. Trotz der Tatsache, daß heute in der
Wirtschaft fast zwei Millionen Menschen mehr in Arbeit stehen als im vergangenen. August, hat sich die Arbeitslosenrate als überraschend hartnäckig erwiesen.
Die

-2-

�Die Zahl der Arbeitsplätze hat schnell zugenommen, aber das gleiche gilt
auch für das Arbeitskräftepotential, und die Arbeitslosenrate ist immer noch
zu hoch. Es gibt allen Anlaß anzunehmen, daß sie im Verlaufe dieses Jahres
aufgrund einer noch schnelleren wirtschaftlichen Wachstumsrate und einer Verlangsamung des ungewöhnlich raschen Anstiegs des Arbeitskräftepotentials
zurückgehen wird.
Gleichzeitig wird aber auch die von der Regierung verfolgte Steuerpolitik
darauf ausgerichtet sein, durch entsprechende Anreize den Druck auf die Arbeitslosenrate, der sich aus der expandierenden Wirtschaftstätigkeit im privaten Bereich ergibt, zu unterstützen und zu ergänzen.
An der Inflationsfront ist es unsere Aufgabe, die bisher gemachten Fortschritte zu konsolidieren und zu festigen. Der Anstieg des Index der Großhandelspreise, der immer noch schneller ist, als wir dies möchten, zeigt, daß die
Schwierigkeiten vor allem bei den Lebensmittelpreisen, und hier besonders bei
den Fleischpreisen, sowie bei den Preisen für bestimmte industrielle Rohstoffe
liegen, die gegenwärtig weltweit einen starken Preisauftrieb verzeichnen.
Die diese Woche bekanntgegebenen Maßnahmen unterstreichen die Entschlossenheit der Regierung, wirksame Maßnahmen mit dem Ziele zu unternehmen, die
steigenden Lebensmittelpreise zu bremsen und so die Inflationsrate insgesamt
unter Kontrolle zu halten. Gleichzeitig sind wir entschlossen, die eigenen
Ausgaben der Regierung unter Kontrolle zu halten, um jedes Wiederauftreten
eines zu starken Nachfragedrucks zu verhindern.
Auf dem internationalen Sektor hat die dringend notwendige Neufestsetzung
der Wechselkurse, die das Abkommen im Smithsonian Institut im Dezember brachte, den Grundstein für eine Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsposition gelegt.
Wenn

-3-

�1

Wenn unsere Außenhandelsposition bei weitem noch nicht befriedigt, so
ist das zum Teil darauf zurückzuführen, daß die Auswirkungen dieser Neufestsetzung der Währungen sich bisher noch nicht stärker bemerkbar gemacht haben,
auch wenn die jüngsten Handelsstatistiken sich jetzt vielleicht als die
ersten Zeichen einer Wende erweisen werden.
Inzwischen gehen wir internationalen Verhandlungen entgegen mit dem
Ziel, ein internationales Währungssystem zu schaffen, das den heutigen und
den künftigen internationalen Beziehungen eher entspricht als in der Vergangenheit.
Blickt man in die Zukunft, so deuten die Zeichen darauf hin, daß das
reale Wachstum der Wirtschaft im weiteren Verlauf des Jahres schneller sein
wird als in den ersten Monaten, für die bereits Zahlen vorliegen.
Wenn auch die Aufgaben, die der neuen Wirtschaftspolitik des Präsidenten
gestellt sind, noch keineswegs gelöst wurden, so können wir doch mit einem
Klima einer kontrollierten Expansion rechnen, in dem dies nun geschehen
kann.

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27/1972

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NEUER REPRÄSENTANT DER US-EXPORT-IMPORTBANK IN EUROPA

WASHINGTON --(AD)— Zum neuen Repräsentanten der amerikanischen ExportImportbank in Europa ist der bisherige Abteilungsleiter der Bank für Exportausweitung, George J. Dietz, ernannt worden. Wie der Präsident der Bank,
Henry Kearns, jetzt bekanntgegeben hat, wird Dietz als Nachfolger von Joseph
Rand die Leitung des Eximbank-Büros in der US-Botschaft in Wien übernehmen
und auf ausgedehnten Reisen das Export-Finanzierungsinstitut der amerikanischen Regierung in ganz Europa vertreten.
Sein Vorgänger Rand hatte während der letzten Jahre von dem Büro in
der Boltzmanngasse 16 in Wien aus der europäischen Geschäftswelt die Leistungen der Eximbank im Dienste der Förderung amerikanischer Exporte nahegebracht.
In diese Zeit fiel die Einführung verschiedener neuer, wichtiger Programme
der Eximbank wie zum Beispiel das kooperative Finanzierungsprogramm (CFF).
Mit diesem Programm hilft die Eximbank mittleren Unternehmen, sich die für
den Import aus den USA notwendigen Kredite über Banken des eigenen Landes
zu beschaffen. Im Rahmen dieses Programms war von der Eximbank am 23. Juni
rund 160 Banken in fast allen westlichen Ländern ein Kreditbetrag von insgesamt 1,1 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt worden, die zur Vergabe
günstiger Kredite an Importeure von Gütern und Dienstleistungen aus den USA
verwandt werden können.
Dietz

-1-

�Dietz war seit seinem Eintritt in die Eximbank im Oktober 1969 Vizepräsident für Projektplanung und seit Juli 1970 Vizepräsident für Exportausweitung.
Er besitzt reiche Erfahrungen auf dem Gebiet des internationalen Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse und gehörte lange Zeit als stellvertretender
Landwirtschaftsattache den amerikanischen Botschaften in Oslo und Den Haag an.
Später war er Direktor für internationale Angelegenheiten bei der American
Farm Bureau Federation in Washington D.C. sowie Direktor des Farm Bureau Trade
Development Office in Rotterdam. Vor seinem Eintritt war er als Direktor für
Marktentwicklung für die Continental Grain Company of New York tätig. Von 1966
bis 1969 war Dietz ferner Präsident der Spanisch-Amerikanischen Handelskammer
in New York.

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27/1972

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE WISSENSCHAFTLER ERÖRTERN GEMEINSAME
FORSCHUNGSPROGRAMME IN MEDIZIN UND TECHNOLOGIE

--(AD)-- Zu Besprechungen mit sowjetischen Regierungsbeauftragten und Wissenschaftlern halten sich derzeit zwei amerikanische Delegationen in Moskau
auf. Die unter der Leitung von Dr. Edward E. David, Wissenschaftsberater
des Präsidenten und Direktor des Amtes für Wissenschaft und Technik, stehende erste Gruppe verhandelt auf Grund der beim Besuch Präsident Nixons im
Mai 1972 unterzeichneten Verträge über die Modalitäten der Aufstellung und
der Tätigkeit der Amerikanisch-Sowjetischen Kommission für Zusammenarbeit
in Wissenschaft und Technik. Diese Kommission, die im Herbst 1972 zum ersten
Mal zusammentreten soll, hat die verschiedenen Programme zu koordinieren.
Dr. David, der vor seinem Eintreffen in Moskau am 2, Juli u.a. in Bonn Station
gemacht hatte, erwartet jedoch, daß Wissenschaftler einzelner Fachgebiete
bereits vor diesem Zeitpunkt Kontakte mit entsprechenden Forschungsstellen
in der UdSSR aufnehmen werden.
Auf technischem Gebiet rangiert die Erzeugung von Strom aus unkonventionellen Energiequellen mit an erster Stelle. Gemeinsam will man nach praktischen Wegen suchen, um mit relativ geringen Kosten und unter Anwendung
"sauberer" Verfahren im Sinne des Umweltschutzes bei weitgehendem Verzicht auf

-l-

�auf herkömmliche Quellen wie Kohle, Öl und Gas große Energiemengen zu produzieren. In beiden Ländern laufen bereits seit längerer Zeit umfangreiche Forschungsprojekte, bei denen jedoch verschiedene Wege begangen werden. Sc

wurde

in der Sowjetunion eine Demonstrationsanlage errichtet, die auf der Grundlage
der Magnetohydrodynamik (MHD) Strom aus erhitzten und teilweise ionisierten
Gasen gewinnt. In den Vereinigten Staaten existieren verschiedene MHD-Experimentieranlagen, mit deren Hilfe man die rentabelsten Verfahren für die Methode
der Stromerzeugung zu entwickeln sucht. Auch die Fortsetzung gemeinsamer
Forschung auf dem Gebiet der gesteuerten atomaren Fusionsreaktion zur Energieerzeugung stehp s»uf dem Programm. Die Sowjetunion erprobt seit einiger Zeit mit
dem Gerät "Tokomak" neue Verfahren, während in den USA an einer Reihe von
Forschungsinstituten theoretische und experimentelle Forschung unter Anwendung
verschiedener Prinzipien zur Aufhellung und Stabilisierung des für die Kernverschmelzung erforderlichen "Plasmas" betrieben wird.
Als weitere Gebiete der Zusammenarbeit kommen nach Dr. C)avid zunächst
Betriebs-und Wirtschaftswissenschaften, Meeres-und Atmosphärenforschung sowie
Metallurgie in Frage. Die Vereinigten Staaten seien vor allem an sowjetischen
seismologischen

Untersuchungen, insbesondere an Forschungen zur genaueren

Vorhersage von Ort, Zeitpunkt und Stärke von Erdbeben interessiert.

- Krebs und Herzkrankheiten ~
Vom 24. Juni bis Anfang Juli führte eine fünfköpfige Delegation amerikanischer Krebsspezialisten unter der Leitung von Dr. Charles Zubrod, wissenschaftlicher Direktor für Chemotherapie am Krebsforschungsinstitut der
"National Institutes of Health" (NIH) der Vereinigten Staaten, Besprechungen mit sowjetischen Kollegen. Dabei einigte man sich über erste gemeinsame

-2-

�gemeinsame Programme wie den Austausch von Medizinern, die an Instituten des
Gastlandes arbeiten sollen, den Austausch von Informationen über medizinische
Entdeckungen sowie die Erprobung bestimmter Medikamente.
Das Gemeinschaftsprogramm auf dem Gebiet der Herzforschung und der Herzerkrankungen umfaßt folgende vier Hauptpunkte:
1) Pathogenese der Arteriosklerose, Diese Erkrankung ist für die meisten Todesfälle infolge Herz-und Gefäßkrankheiten verantwortlich. Es hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt,daß für ihre Entstehung mehrere Faktoren zusammenwirken, wobei die Erhöhung des Blutfettspiegels als wichtigster Risikofaktor betrachtet wird. Koordinatoren für dieses Projekt sind auf amerikanischer Seite
Dr. Donald S

Fredrickson (Nationales Institut für Herz-und Lungenkrankheiten,

NIH), auf sowjetischer Seite Prof. L.A. Myasnikow, Akademie für medizinische
Wissenschaften der UdSSR.
2) Beherrschung ischämischer Herzkrankheiten, die durch mangelnde Blutversorgung des Herzmuskels - vor allem Blockierung der Koronararterien - entstehen.
Im Rahmen dieses Projektes sollen die verschiedenen Aspekte der medikamentösen
und chirurgischen Therapie erörtert und mögliche Verbesserungen der Behandlung
erarbeitet werden. (Koordinatoren: Dr. Peter Frommer, US-Herz-und Lungenforschungsinstitut, Prof. I.K.Schkwatsabaya, Akademie für medizinische Wissenschaften der UdSSR.)
3) Stoffwechsel des Myokard. Man weiß inzwischen, daß die Reaktion des Herzens
auf Erkrankungen zum Teil durch die Stoffwechsellage des Herzmuskels bestimmt
wird. Bei gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Forschungsprojekten sollen die
Einflüsse des Eiweiß-, Kohlehydrat-und Fettstoffwechsels auf die Herzfunktion,
einschließlich der Rhythmusstörungen bei gesunden und kranken Personen geklärt
werden. (Koordinatoren: Dr

Eugene Braunwald, Harvard-Universität, Boston,

E I. Chazow, Mitglied der sowjetischen Akademie fijr medizinische Wissenschaften. )

hl
-3-

�4) Angeborene Herzfehler. Durch frühzeitige Diagnose undBehandlung angeborener
Herzfehler konnte bereits Tausenden von Kindern ein normales Leben ermöglicht
werden. Durch die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet
will man jedoch die äußerst, schwierig zu beherrschenden Anomalien bei Neugeborenen und Kleinkindern besser in den Griff bekommen. (Koordinatoren: Dr. Frank
Gerbode, Pacific Medical Center, San Francisco, und Prof. V.I.Burakowski,
Bakulew-lnstitut für kardiovaskuläre Chirurgie, Akademie für medizinische
Wissenschaften der UdSSR.).

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27/1972

LANGZEITSTUDIE ÜBER ALTERUNGSPR0ZES.S

--(AD)-- Eine im Jahre 1940 begonnene Studie an amerikanischen Piloten, mit
deren Hilfe ursprünglich Eignungstests für Marineflieger-Bewerber ausgearbeitet werden sollten, erweist sich heute als einzigartiges Beobachtungsprogranun im Rahmen der Gerontologie. Der Personenkreis von anfänglich
1056 Flugzeugführern ("The Thousand Aviator Study" ist die Bezeichnung des
Projekts) schmolz in 32 Jahren auf 776 zusammen. Abgesehen von jenen, die
im zweiten Weltkrieg fielen, kamen mehr als 100 Piloten in dieser Zeit bei
Unfällen - meist Flugzeugabstürzen - ums Leben, einer starb bei einem Autounfall; 11 von 29 erlagen Herz-und Gefäßerkrankungen, zwei von drei einem
Schlaganfall, zwei starben an Krebs, zwei an Leukämie. Insgesamt zeigt sich
heute, daß hoher Blutdruck keineswegs eine zwangsläufige Konsequenz der
Alterungsprozesse ist und außerdem in einer Reihe von Fällen ein auffälliger Kurvenverlauf im Elektrokardiogramm, der früher als Anzeichen ernster
Störungen betrachtet wurde, wahrscheinlich nur geringe Bedeutung hat.

Dr. Ashton Graybiel, der als einer der leitenden Ärzte dieser Langzeitstudie der US-Marine die regelmäßig durchgeführten Untersuchungen überwacht
und auswertet, berichtete kürzlich, daß jetzt zum ersten Mal eine kleine,
aber signifikante Gruppe den Aufforderungen zur Kontrolluntersuchung nur
ungern Folge leiste.

Er führt dies darauf zurück, daß sich bei diesen

Personen vermutlich Altersbeschwerden wie Herz-und Kreislaufstörungen oder

-l-

�i
t

o d e r S t ö r u n g e n der L u n g e n f u n k t i o n bemerkbar m a c h e n und sie nun f ü r c h t e n , der
A r z t könne eine ernste Erkrankung feststellen. Auch jene mit starker G e w i c h t s zunahme bleiben den U n t e r s u c h u n g e n lieber fern.
Das D u r c h s c h n i t t s a l t e r der unter Beobachtung stehenden P e r s o n e n beträgt
5 4 J a h r e , das Durchschnittsgewicht liegt etwa 2 kg über dem Normalgewicht

für

M ä n n e r dieses A l t e r s . Die m e i s t e n P r o b a n d e n sind auch heute noch körperlich gut
durchtrainiert und haben ihre schlanke F i g u r b e h a l t e n . Die Mehrzahl steht in
Z i v i l b e r u f e n ; 11 Ä r z t e , zwei A d m i r a l e , ein ehemaliger G o u v e r n e u r eines a m e r i k a n i s c h e n B u n d e s s t a a t e s , 15 C h e f p i l o t e n v o n F l u g l i n i e n und - als einziger N i c h t A m e r i k a n e r - der v e n e z o l a n i s c h e Botschafter in R o m zählen zu der P r o b a n d e n g r u p p e . D a s ursprünglich angestrebte Z i e l , die U n t e r s u c h u n g e n als G r u n d l a g e
für die A u f s t e l l u n g v o n E i g n u n g s k r i t e r i e n für M a r i n e f l i e g e r zu b e n u t z e n ,
w u r d e übrigens nicht e r r e i c h t ; dafür erwies sich die S t u d i e als nicht g e e i g n e t .

W a r n u n g vor krassem K l i m a w e c h s e l

Im Leitartikel einer der jüngsten A u s g a b e n des "American Heart Journal",
der die E r g e b n i s s e m e h r e r e r S t u d i e n über H e r z k r a n k h e i t e n in k a l t e n K l i m a z o n e n
b e h a n d e l t , w e r d e n außerdem ä l t e r e M e n s c h e n und solche mit H e r z k r a n k h e i t e n v o r
k r a s s e m K l i m a w e c h s e l g e w a r n t . D e r p l ö t z l i c h e Übergang v o n einer k a l t e n in eine
w a r m e Gegend und umgekehrt sei für diesen P e r s o n e n k r e i s w e g e n der p h y s i o l o g i schen S c h w i e r i g k e i t e n der A k k l i m a t i s i e r u n g äußerst

gefährlich. Die Untersuchun-

gen h ä t t e n außerdem g e z e i g t , daß in k a l t e n G e g e n d e n im W i n t e r , in w a r m e n G e g e n den im Sommer die Häufigkeit v o n H e r z i n f a r k t e n am g r ö ß t e n s e i . Die G r ü n d e für
d i e s e s P h ä n o m e n seien jedoch w i s s e n s c h a f t l i c h noch nicht eindeutig zu erklären.
I i I I I I III

-2-

�</text>
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          <description>An account of the resource</description>
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              <text>1. &lt;strong&gt;Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 29. Juni 1972 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Auszüge-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Rogers auf der SEATO-Tagung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Wortlaut-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laird: Weiterer Truppenabzug ist Beweis für den Erfolg der Vietnamisierung &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Dr. Whitman: Wirtschaftliche Lage in den USA hat sich eindeutig verbessert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Auszüge-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Präsident der US-Export-Importbank in Europa &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler erörtern gemeinsame Forschungsprogramme in Medizin und Technologie &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langzeitstudie über Alterungsprozeß</text>
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