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1 4 . J u n i 1972

INFORMATION:

Inhalt

Nixon legt ABM-Vertrag dem Kongreß zur Ratifizierung vor
-Wortlaut des BegleitschreibensRichard Kleindienst, der neue amerikanische Justizminister

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
IV. Die nukleare Abschreckung und Verteidigung
Von Hubert G.Collins

WIRTSCHAFT:
US-Haushaltsdefizit niedriger als erwartet
Von Eugene Brake
Hoher EWG-Getreidepreis verteuert Futtermittel für westdeutsche
Bauern
Von George A. Parks und Roger E. Neetz
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zwanzig Prozent mehr Kohlensäure im Jahre 2000 ?
US-Wissenschaftler berechnet künftige KlimaVeränderungen
Schallsonde für Luftüberwachung
Steroidhormone steigern Penicillinwirkung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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24/1972

NIXON LEGT ABM-VERTRAG DEM KONGRESS ZUR RATIFIZIERUNG VOR

-Wortlaut des Begleitschreibens-

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß die
ausgefertigten Kopien des Vertrages über eine Begrenzung der ABM-Systeme
sowie das Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen, die
beide am 26. Mai 1972 in Moskau unterzeichnet worden waren, zugeleitet. Das
an den Senat und an den Sprecher des Repräsentantenhauses gerichtete Begleitschreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich lege hiermit die ausgefertigten Kopien des Vertrages über die Begrenzung der ABM-Systeme und das Interimsabkommen über bestimmte Maßnahmen
hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen, die am 26. Mai
1972 in Moskau unterzeichnet worden waren, vor. Kopien dieser Verträge werden
ebenso dem Sprecher des Repräsentantenhauses übersandt. Ich ersuche den Senat
um seinen Rat und Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrages und bitte um
eine Bekundung der Unterstützung seitens beider Häuser des Kongresses für das
Interimsabkommen über die Begrenzung strategischer Offensivwaffen.
Diese

-l-

�Diese Abkommen, Ergebnis umfassender Bemühungen dieser Administration,
stellen einen bedeutsamen Schritt dar in Richtung auf eine neue Ära einer
beiderseitig vereinbarten Zurückhaltung und einer beiderseitig vereinbarten
Begrenzung der Rüstungen zwischen den wichtigsten Nuklearmächten.
Die Bestimmungen der Abkommen werden im einzelnen in dem Bericht des
Außenministers erläutert, den ich beifüge. Ihr Hauptzweck ist: der ABM-Vertrag schränkt die Dislozierung von Raketenabwehrsystemen auf zwei bestimmte
Gebiete ein, und zwar auf einem niedrigen Stand. Das Interimsabkommen begrenzt
die Gesamtstärke der offensiven strategischen Raketenstreitkräfte. Zusammen
werden die beiden Abkommen für ein stabileres strategisches Gleichgewicht in
den nächsten Jahren sorgen, als dies möglich gewesen wäre, wenn das Wettrüsten mit strategischen Waffen unkontrolliert weitergegangen wäre. Das ist
nicht nur für die Vereinigten Staaten und für die Sowjetunion von Nutzen,
sondern für alle Nationen der Welt.
Die Abkommen bilden einen wichtigen Schritt,um das Wettrüsten unter
Kontrolle zu bekommen, allerdings nur einen ersten Schritt; sie versperren
nicht alle Wege für ein strategisches Wettrüsten.
So wie die Aufrechterhaltung einer starken strategischen Position ein
wichtiges Element beim Erfolg dieser Verhandlungen bildete, so ist es jetzt
genauso wichtig, daß wir gesunde strategische Modernisierungsprogramme fortführen, um unsere Sicherheit zu gewährleisten und sicherzustellen, daß dauerhaftere und umfassendere Abkommen über eine Begrenzung der Rüstungen erreicht
werden können.
Das Verteidigungspotential der Vereinigten Staaten bleibt hinter dem
keines anderen Landes zurück. Ich bin entschlossen, daß dies weiterhin so bleiben wird. Die Bestimmungen des ABM-Vertrages und des Interimsabkommens werden
es den Vereinigten Staaten ermöglichen, die von uns für erforderlich erachteten
Schritte zu ergreifen,um eine strategische Position beizubehalten, die unsere

�unsere lebenswichtigen Interessen schützt und unsere weitere Sicherheit gewährleistet.
Neben der Stärkung unserer nationalen Sicherheit eröffnen diese Verträge
eine Möglichkeit für neue und konstruktivere amerikanisch-sowjetische Beziehungen, die durch die Beilegung von Meinungsverschiedenheiten auf dem Verhandlungswege statt der Feindseligkeit und Konfrontation der vorigen Jahrzehnte
gekennzeichnet werden.
Diese Abkommen stellen einen greifbaren Beweis dafür dar, daß die Menschheit nicht für immer unter dem drohenden Schatten eines Nuklearkrieges leben
muß.

Sie geben erneute Hoffnung, daß die Menschen und Nationen durch Zusammen-

arbeit Erfolg beim Aufbau eines dauerhaften Friedens haben können.
Da diese Verträge einem der höchsten Ziele unseres Landes auf wirksame
Weise dienen - nämlich eine sicherere und friedlichere Welt zu schaffen, in
der Amerikas Sicherheit voll gewahrt ist - empfehle ich nachdrücklich, daß
der Senat sie unterstützt und die Beratungen über sie ohne Verzögerung aufnimmt .
Gegeben im Weißen Haus am 13. Juni 1973

gez. Richard Nixon

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24/1972

RICHARD KLEINDIENST, DER NEUE AMERIKANISCHE JUSTIZMINISTER

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Senat hat am 8. Juni mit 64 gegen
19 Stimmen die Ernennung von Richard Kleindienst zum neuen amerikanischen
Ju.?;tizminister bestätigt.
Kleindienst, der von Präsident Nixon als Nachfolger von John Mitchell
zum neuen Justizminister ausersehen worden war, ist für dieses Amt wohl vorbereitet. Bereits seit dem 31. Januar 1969 war er stellvertretender Justizminister. Und als John Mitchell im März 1972 sein Amt niederlegte, um die
Vorbereitungen des Wahlkampfes für Präsident Nixon zu leiten, wurde Kleindienst
vom Präsidenten mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Justizministers beauftragt.
Der in Arizona gebürtige, 48jährige Kleindienst war bereits lange vor
seinem Eintritt in das Justizministerium im politischen Leben seines Heimatstaates aktiv tätig gewesen. Er wurde in Winsley, Arizona, als Sohn eines
Eisenbahners geboren und besuchte dort auch die Volksschule. In seinem Heimatort lebten zahlreiche Navajo-Indianer sowie Amerikaner chinesischer und mexikanischer Abstammung, während die Weißen in der Minderzahl waren. Trotzdem

�Trotzdem wurde Kleindienst zum Vorsitzenden der Schülervertretung seiner Schule
gewählt.
Von 1942 bis 1945 diente Kleindienst in der amerikanischen Luftwaffe, aus
der er nach Kriegsende mit dem Range eines Oberleutnants entlassen wurde. Anschließend studierte er an der Harvard-Universität Jura, legte 1947 sein
Examen mit magna cum laude ab und promovierte 195o. Noch als Student in Harvard
heiratete er Margaret Dunbar, eine Studentin des Radcliffe-College. Aus dieser
Ehe gingen vier Kinder hervor.
Unmittelbar nach Beendigung seines Studiums trat Kleindienst in eine
Anwaltsfirma in Arizona ein und bald darauf wurde er Partner der Anwaltsfirma
Shimmel, Hill, Kleindienst und Bishop. Von 1953 bis 1954 gehörte er dem Abgeordnetenhaus von Arizona an. Im Jahre 1964 unterstützte er aktiv die Präsidentschaftskandidatur von Senator Barry Goldwater, während er sich gleichzeitig,
allerdings erfolglos, um das Amt des Gouverneurs seines Heimatstaates bewarb.
Drei Jahre später übernahm Kleindienst in Arizona die Vorbereitung des Wahlkampfes für die schließlich erfolgreiche Kandidatur Präsident Nixons, um
dann als Stellvertreter von John Mitchell auf nationaler Ebene maßgebend
an der Ausrichtung des Wahlkampfes für Präsident Nixon beteiligt zu sein.
Kürzlich wurde Kleindienst zum neuen Präsidenten der amerikanischen Anwaltskammer gewählt

ein Amt, das er am 1. Oktober antreten wird.

Jede Nominierung für einen Kabinettsposten bedarf gemäß der amerikanischen Verfassung der Bestätigung durch den US-Senat. Und in diesem Zusammenhang hat d&lt;r neue Justizminister nochmals seine Ansichten zu einigen wichtigen
Fragen vor Jen Senatoren dargelegt. So lehnt Kleindienst jede Legalisierung
des Besitz s und Genusses von Marihuana ab. In Fällen, in denen die nationale
Sicherheit bedroht ist, können nach Ansicht von Kleindienst elektronische
Uberwachu:. ..smittel auch ohne gerichtliche Verfügung eingesetzt werden. Dies

�Dies schließt auch die Telefonüberwachung ein, die Kleindienst jedoch nur
in wenigen Ausnahmefällen angewandt wissen will. Kleindienst ist ganz generell
gegen die Todesstrafe, doch glaubt er, daß sie in einigen wenigen Fallen, bei
Entführungen, Mord und Bombenanschlägen, beibehalten werden sollte. Gleich
seinem Vorgänger will auch der neue Justizminister nachdrücklich für die
Verwirklichung der Wahlgesetze und der anderen Bürgerrechtsgesetze eintreten.
Das vorgeschlagene Bundesgesetz für eine Kontrolle des Besitzes von Handfeuerwaffen hält Kleindienst für undurchführbar; diese Frage sollte nach seiner Ansicht von den einzelnen Bundesstaaten geregelt werden.

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24/1972

DIE MILITÄRISCHE MACHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS
IV. Die nukleare Abschreckung und Verteidigung

Von Hubert G. Collins

Präsident Nixon hat bei seinem Besuch in Moskau einen, wie er selbst
sagte, "historischen ersten Schritt in Richtung auf die Begrenzung der
nuklearen strategischen Waffen" erreicht. Er fügte jedoch hinzu, daß die
USA - ebenso wie die Sowjetunion - "die Stärke beibehalten, die notwendig
ist, um ihre Unabhängigkeit zu verteidigen."
Die Vereinigten Staaten werden die nukleare Stärke aufrechterhalten,
die notwendig ist, um sicherzustellen, daß kein Aggressor den Frieden
bricht und einen Nuklearkrieg gegen die USA oder ihre Verbündeten entfesselt .
Die amerikanische Nuklearmacht reicht vom Strategischen Luftkommando
der USA (SAC) über die taktischen Nuklearwaffen der Luftwaffe und die Polarisund Poseidon-Raketen der US-Marine bis zu den taktischen Gefechtsfeldwaffen
der Armee. Dieses gewaltige Arsenal bietet bis zu einem weltweiten, gesicherten Abkommen über einen Abbau der Nuklearwaffen die Gewähr, daß sich niemand
der Illusion hingeben könnte, ungestraft mit solchen Waffen angreifen zu
können.
Das
-1-

�Das Strategische Luftkommando (SAC) verfügt über rund 1 500 nuklearbestuckte strategische Raketen und Bomber, die zusammen mit den Unterseebootgestützten Raketen den Kern der amerikanischen Abschreckungsmacht darstellen.
Dem SAC unterstehen unter anderem 1054 verbunkerte Raketen, deren Silos über
den amerikanischen Mittelwesten verstreut sind. Davon sind 54 Flüssigkeitsraketen vom Typ Titan II, die die größten Gefechtsköpfe der amerikanischen Arsenale tragen können und eine Reichweite von rund 10 000 Kilometer haben.
Die übrigen rund 1 000 Raketen entfallen auf den Typ Minuteman, eine Feststoffrakete, die etwas leichter, dafür aber schneller und genauer ist als die
Titan. Das neueste Modell, die Minuteman III,ist die einzige landgestützte
Rakete mit einer Mehrfachsprengkopf-Kapazität (MIRV), d.h., sie kann gleichzeitig drei bis sieben Gefechtsköpfe tragen, die unabhängig voneinander auf
verschiedene Ziele eingeplant werden können.
Die Unterseebootsflotte der USA verfügt über 656 nuklearbestückte Raketen, wobei die ballistischen Raketen vom Typ Polaris teilweise durch modernere
Raketen vom Typ Poseidon ersetzt werden, die Mehrfachsprengköpfe mit zehn Gefechtsköpfen tragen können. Nach dem Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen
Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen werden die USA nicht
mehr als 710 Abschußvorrichtungen für ballistische Raketen auf Unterseebooten
(SLBM) und nicht mehr als 44 moderne Unterseeboote für solche Raketen besitzen
dürfen.
Neben den ballistischen Raketen sind die Bomber des Strategischen Luftkommandos keineswegs als veraltet anzusehen, und hier geht die Entwicklung
von der B-52 zur B-l weiter. Allein die gegenwärtige Bomberflotte der USA
könnte theoretisch 5 000 Nuklearwaffen mitführen. Ein Teil dieser strategischen Bomber ist ständig einsatzbereit, um für einen etwaigen Überraschungsangriff gerüstet zu sein.
Eine

-2-

�Eine wichtige Rolle bei der nuklearen Abschreckung und Verteidigung spiel
natürlich das Frühwarnsystem, das jeden etwaigen gegnerischen Raketen-oder
Bomberstart so rechtzeitig anzeigt, daß entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Ebenso wichtig sind die vielfältigen Sicherheitsmaßnahmen
und -Vorkehrungen gegen einen ungewollten Zwischenfall. Hier sorgt ein kompliziertes System von Kontrollen und Gegenkontrollen unter der Bezeichnung
"fail safe", daß keine dieser furchtbaren Waffen sozusagen "aus Versehen" zum
Einsatz gelangt.
Was die strategischen Defensivwaffen betrifft, so hat der amerikanischsowjetische Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme einen bedeutsamen
Einschnitt in das Wettrüsten gebracht. Für das amerikanische ABM-System sind
Raketen vom Typ Spartan und Sprint erprobt worden. Die größere Spartan-Rakete
kann nukleare Gefechtsköpfe mit einer Wirkung bis zu einer Megatonne mitführen und gegnerische Flugköprer bereits über der Atmosphäre in einer Entfernung
von Hunderten von Kilometern abfangen.
Die etwas kleinere Sprint-Rakete ist für eine konzentrierte Verteidigung
im näheren Bereich gegen Raketen gedacht, die die Spartan-Abwehr durchbrochen
haben.
Zu diesem ABM-System gehören Weitbereich-und Nahbereich-Radareinrichtungen, die zusammen mit Computern das Leitsystem bilden. Auch diese Radareinrichtungen sind im Moskauer Vertrag begrenzt worden.
Die nukleare Stärke der Vereinigten Staaten ist - ob nun in einem Gleichgewicht des Schreckens oder einem Gleichgewicht der Vernunft - zu einem friedenserhaltenden Faktor in der Welt geworden und wird dies im Rahmen weiterer
möglicher Vereinbarungen über eine Begrenzung der strategischen. Rüstungen
auch bleiben.

"Wenn wir keinen Frieden wollten", so sagte Präsident Nixon in

seiner Fernsehansprache in Moskau, "würden wir nicht so hart darauf hingearbeitet haben, ein Abkommen über die Begrenzung von Nuklearwaffen zu erreichen."

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24/1972

US-HAUSHALTSDEFIZIT NIEDRIGER ALS ERWARTET
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-™ Als die Voranschläge der Regierung im Januar zwischen
den Haushaltseinnahmen und Ausgaben eine Lücke von fast 39 Milliarden Dollar ankündigten, war man im In-und Ausland eher erschrocken als erfreut
ob der gewaltigen Höhe dieses Defizits, mit dem das am 3o.Juni auslaufende
gegenwärtige Finanzjahr in den USA abschließen sollte.
Nach den neuesten, jetzt veröffentlichten Schätzungen der Regierungsexperten dürfte dieses Defizit im amerikanischen Haushalt jedoch bei weitem nicht so groß werden. Vielmehr glaubt man heute, nur noch mit einer
Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben von rund 26 Milliarden Dollar rechnen
zu müssen. Das wären etwa drei Milliarden Dollar mehr als im vorangegangenen
Finanzjahr 1970/71.
In beiden Finanzjahren waren die Haushaltsdefizite auf eine rückläufige Entwicklung der Regierungseinnahmen zurückzuführen und nicht auf ein zu
starkes Ansteigen der Ausgaben. Und in beiden Haushaltsjahren konnten die
vorhandenen Kapazitäten der Wirtschaft bei weitem nicht ausgenutzt werden.
Aufgrund der besonderen Struktur des amerikanischen Steuersystems bewirkt

-1-

�bewirkt eine Wirtschaftsflaute aber stets eine starke Schrumpfung der Regierungseinnahmen .
Vollbeschäftigung und volle Auslastung der Kapazitäten in der Wirtschaft sind noch nicht wieder erreicht, so daß man in Regierungskreisen für
das neue Finanzjahr 1972/73 mit einem Defizit rechnet, das eventuell noch um
eine Milliarde Dollar höher als das im laufenden Finanzjahr 1971/72 liegen
wird.
Wie wirken sich diese Haushaltsdefizite nun auf die Maßnahmen der amerikanischen Regierung zur Bekämpfung und Eindämmung der Inflation aus? Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, erklärte
hierzu dieser Tage vor einem Kongreßausschuß: "Weist der Haushalt ein Defizit
aus, wenn die Kapazitäten in der Wirtschaft nicht ausgelastet sind, und ist
dies der Hauptgrund für das Defizit, dann dürfte das kaum zu einer inflationistischen Übernachfrage führen." Und er fuhr fort, "die Haushaltsdefizite
in den Finanzjahren 1970/71 und 1971/72 standen in

Zusammenhang mit einer

wesentlichen Senkung der Inflationsrate in diesen Jahren, und unseres Erachtens wird dies im Finanzjahr 1972/73 ebenso der Fall sein".
Einer der Gründe dafür, daß das diesjährige Haushaltsdefizit hinter den
ursprünglichen Schätzungen zurückbleiben wird, ist, daß zahlreiche Steuerzahler zur großen Überraschung des Finanzministeriums ihre Steuervorauszahlungen überzahlt hatten; die FinanzVerwaltung wird also im neuen Haushaltsjahr
mit erheblichen Steuerrückerstattungen rechnen müssen.
Als diese Tatsache erstmals festgestellt wurde, befürchtete man vielerorts, die erhoffte Wiedererholung der Wirtschaft von der Rezession der Jahre
1971/72 würde durch dieses nicht gewollte Abschöpfen von Kaufkraft ins Stocken
geraten.. Dem war aber, wie die Entwicklung zeigte, nicht so. Vielmehr konnte
Dr. Stein vor dem Kongreßausschuß darauf hinweisen, daß aufgrund der vorliegen-

-?_

�vorliegenden Statistiken das von dem Wirtschaftsbeirat für die Gütererzeugung
angesteuerte Ziel, eine Steigerung des Bruttosozialproduktes in diesem Kalenderjahr um 100 Milliarden Dollar auf 1 145 Milliarden Dollar, erreicht werden
dürfte.
Auf einem Gebiet haben sich jedoch die Hoffnungen

der Regierung bisher

nicht erfüllt: Es ist nicht gelungen, die Arbeitslosigkeit entscheidend abzubauen. Die Beschäftigtenzahl hat zwar zugenommen, doch hat diese sehr beträchtliche Zunahme noch zu keinem wesentlichen Rückgang der Arbeitslosenrate geführt,
die nach den neuesten Statistiken bei 5,9 Prozent liegt. Die Erklärung für
diese Tatsache ist, daß das Arbeitskräftepotential in den letzten Monaten fast
ebenso stark zugenommen hat wie die Zahl der neugeschaffenen Arbeitsplätze.
Die ungewöhnlich große Ausweitung des Arbeitskräftepotentials kann jedoch
nicht unbegrenzt andauern. Sie ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen,
daß zahlreiche verheiratete Frauen eine Arbeit angenommen haben, um ebenfalls
zum Familieneinkommen beizutragen. Sobald das Arbeitskräftepotential aber nurmehr den normalen Zuwachs zu verzeichnen hat und wenn die gegenwärtige Ausweitung von Gütererzeugung und Beschäftigtenzahl anhält, dann wird auch die Arbeitslosenrate sehr schnell von dem hohen Stand zurückgehen, den sie seit nunmehr anderthalb Jahren aufwies.

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24/1972

HOHER EWG-GETREIDEPREIS VERTEUERT FUTTERMITTEL FÜR WESTDEUTSCHE
BAUERN
Von George A.P^rks und Roger E.Neetz

WASHINGTON --(AD)-,- In westdeutschen Wirtschaftskreisen wie auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik wird in immer
stärkerem Maße darüber diskutiert, ob nicht niedrigere Getreidepreise
innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) einen wichtigen
Schritt zur Lösung der wichtigen Handelsfragen bilden könnten, die in
Bezug auf die Vereinigten Staaten und andere Länder anstehen.
Niedrigere Getreidepreise werden in der EWG, und besonders in der
Bundesrepublik, aus traditionellen Erwägungen für politisch undurchführbar
betrachtet. Die gegenwärtigen Diskussionen konzentrieren sich weitgehend
auf eine beträchtliche Preiskorrektur nach unten für den Teil der Getreideerzeugung, der auf Futtermittel oder auf den Export entfällt. Die Preise
für Weizen und Roggen, soweit dieses Getreide für den menschlichen Verbrauc
bestimmt ist, könnten auf dem derzeitigen Niveau belassen oder sogar noch
weiter heraufgesetzt werden.
Die

�Die Argumentation läuft darauf hinaus, daß so die starke Abhängigkeit der
EWG von hohen Getreidepreisen zur Stützung der Agrareinkommen abgebaut und
gleichzeitig die gemeinsame Agrarpolitik auf wirksamere Alternativen verlagert
werden könnte. Eine solche Politik könnte im Falle ihrer Annahme die Einkommenschancen für die westdeutschen Landwirte beträchtlich erweitern.
Obwohl in Westdeutschland gegenwärtig bis zu 2o Millionen Tonnen Getreide
jährlich geerntet werden, kann man die Bundesrepublik kaum als eines der wichtigen kommerziellen Getreideländer und schon gar nicht als einen potentiellen Getreideexporteur zu Wettbewerbsbedingungen bezeichnen. Westdeutschland
hat seit 1964 rund 5 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr eingeführt. Von Bedeutung dürfte in diesem Zusammenhang ferner sein, daß das Agrareinkommen
der Landwirtschaft nicht so stark vom Getreideanbau abhängig ist, da ein großer
Teil des geernteten Getreides auf den Höfen für Futterzwecke verwendet wird.
Die derzeitige westdeutsche Agrarpolitik ist jedoch auf stark subventionierte Exporte von Getreide abgestellt, das angesichts der hohen Preise im
Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik angebaut worden war, und unterstützt
gleichzeitig hohe Abschöpfungen für Getreideimporte aus Drittländern. Diese
protektionistische Maßnahme der gemeinsamen Agrarpolitik führt dazu, daß der
Handel von den am rationellsten arbeitenden Erzeugern und Exporteuren von
Getreide wegdirigiert wird.
Traditionsgemäß war der Schutz des Getreideanbaus immer schon der Kern
der deutschen Agrarpolitik. Nach dem Getreidepreis waren die Preise für alle
anderen Agrarprodukte, darunter auch Futtermittel und tierische Erzeugnisse,
ausgerichtet. Einer beträchtlichen Zahl kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe, die ihren Lebensunterhalt aus ihren Einkünften aus landwirtschaftlicher
Arbeit bestreiten mußten, wurde aus politischen Gründen Schutz gewährt.

Die

�Die schnelle Abnahme der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft seit den
fünfziger Jahren hat die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft von rund
26 Prozent im Jahre 1955 auf weniger als 10 Prozent im Jahre 1970 zurückgehen
lassen. Damit wurde die deutsche Agrarerzeugung immer kapitalintensiver, und
vor allem der Getreideanbau wurde nicht mehr so stark von Lohnschwankungen beeinflußt. Die fortschreitende Mechanisierung hat in einer Zeit steigender Löhne
zu einem immer stärkeren Anbau angeregt. Während jedoch die Größe der Bauernhöfe wie auch die Höhe der Hektarerträge bei Getreide immer weiter zunahmen,
steht das hohe Preisniveau im Rahmen der verfolgten Agrarpolitik praktisch im
Widerspruch zu den Gesetzen des Wettbewerbsvorteils.
Besonders die hohen Getreidepreise haben die Betriebskosten für die meisten
landwirtschaftlichen Betriebe erhöht, da der größte Teil der Bareinkünfte der
Bauern - 75 Prozent - aus dem Verkauf tierischer Erzeugnisse herrühte gegenüber
nur 8,5 Prozent aus dem Verkauf von Getreide. Somit hat eine ständig zurückgehende Zahl von Höfen, auf denen vorwiegend Getreide angebaut wmd, und das sind
in Deutschland allgemein die größeren Höfe, am meisten von dem hohen Preisniveau
profitiert.
Ferner haben aufgrund der durch die gemeinsame Agrarpolitik festgelegten
hohen Getreidepreise Ernteerträge und Anbaufläche bei Getreide zugenommen. Die
Anbaufläche ist seit 1965 um rund fünf Prozent ausgeweitet worden, und die
Ernteerträge haben um 50 Prozent von 13,9 Millionen Tonnen im Jahre 1965 auf
20,8 Millionen Tonnen im Jahre 1971 zugenommen.

Die Hälfte der eingebrachten

Ernteerträge entfällt auf Weizen und Roggen.
Als Westdeutschland in der Zeit von 1965 bis 1971 zwei allgemeine Preisrückgänge aufzuweisen hatte - eine im Zusammenhang mit der Koppelung der
Preise an die Rechnungseinheit und die andere aufgrund der Aufwertung der

-3-

�der Aufwertung der Deutschen Mark - erhielten die Bauern wenigstens zu einem
Teil Kompensationen für diese Preisveränderungen. Somit bleibt der preisliche
Anreiz weiterhin Hauptgrund für die Ausweitung des Getreideanbaus.
Interessanterweise findet diese Ausweitung angesichts eines rückläufigen
Verbrauchs von Getreide für Ernährungszwecke statt, wodurch Westdeutschland
künstlich in eine Wettbewerbssituation hineingezwungen wird, die gegenüber
den rationeller arbeitenden Erzeugern nur durch hohe Subventionen gehalten
werden kann. Ferner muß es größere Mengen einheimischen Weizens als kostspieligen Ersatz für billiger importierbares Futtergetreide benutzen. Sowohl
die Hinwendung zum Export wie auch die Verwendung von Weizen anstelle von
Futtergetreidt

sind noch durch hohe Subventionen gefördert worden, die aus

dem gemeinsamen Europäischen Ausrichtungs-und Garantiefond für die Landwirtschaft (EAGFL) gezahlt werden.
Im Jahre 1970 hat der EAGFL rund 820 Millionen Dollar und 1971 rund
725 Millionen Dollar zur Stützung der Getreidepreise für Ankäufe, Export
und die Subventionierung von Weizen, der statt für Ernährungszwecke als Futtergetreide verwendet wird, ausgegeben. In den letzten Jahren hat Westdeutschland über zwei Millionen Tonnen Getreide jährlich exportiert und wurde so zum
Empfänger beträchtlicher EWG-Mittel für die Exportsubventionierung. Gleichzeitig profitierte es von den Subventionen, die bei einer anderweitigen Verwendung von Weizen gezahlt werden. Die Zuwendungen, die die Bundesrepublik so vom
EAGFL erhält, haben also weit schneller zugenommen als ihre Beiträge, denn die
Importe, die der variablen Abschöpfung unterliegen, wie zum Beispiel Getreide
und Geflügel, gingen zurück, während der deutsche Getreideexport anstieg.
In den sechziger Jahren setzte eine schnelle Ausweitung der deutschen
Fleischerzeugung ein. Die Geflügel - und die Schweinehaltung - in beiden Fällen
werden beträchtliche Mengen an Futtergetreide benötigt - nahm schneller als

-4-

�als die Zahl der Rinder zu. Bis 197o war bei Geflügel gegenüber dem Durchschnitt
der Jahre 1957-61 eine Zunahme um 59 Prozent und bei Schweinen um 34 Prozent
zu verzeichnen.
Die wachsende Zahl deutscher Bauern, die sich nunmehr der Viehwirtschaft
zuwandten, stellte fest, daß die Produktionskosten aufgrund der hohen EWG-Getreidepreise höher waren, als wenn sie Futtergetreide von rationeller arbeitenden
Erzeugern kaufen würden.
Nach den derzeitigen Schätzungen werden in Westdeutschland rund 15,5 Millionen Tonnen Getreide als Futtermittel verbraucht; die Bauern verkaufen jedoch an
andere landwirtschaftliche Betriebe oder Getreidehändler lediglich 1,4 Millionen

Tonnen Futtergetreide wie Gerste, Hafer und Mais. Wertmäßig beliefen

sich

im Erntejahr 1969/70 die Barverkäufe der Bauern nur auf 1,4 Prozent der Gesamtumsätze, während die Futtermittelimpcr te seit dem Erntejahr 1965/66 durchschnittlich vier Millionen Tonnen pro Jahr betrugen;

das sind über 25 Prozent des ge-

samten Getreidebedarfs für Futterzwecke. Es ergibt sich also ein Verhältnis zwischen Futtermittelimporten und Barverkäufen von 2 zu 3.
Ein großer Teil der Importe wird für Mischfutter verwendet. Seit 1966

waren

es in Westdeutschland jährlich mehr als 3 Millionen Tonnen Getreide. Dies zeigt
deutlich, daß selbst bei einer stark ausgeweiteten Eigenerzeugung Importgetreide
immer noch wesentlich zu dem wachsenden Mischfutterbedarf beiträgt. Bauern mit
begrenzten Einkommensmöglichkeiten, die Viehwirtschaft betreiben und nicht Getreideselbstversorger sind, suchen es zu vermeiden, von anderen Bauern teures
einheimisches Getreide anzukaufen, sondern bemühen sich um Mischgetreide in
der Hoffnung, auf diese Weise etwas an dem Preisvorteil des Importgetreides zu
profitieren, das für das Mischgetreide benutzt wird.

Trotzdem

�Trotzdem lassen sich die Einkommen in der Landwirtschaft nicht mit denen in
anderen Bereichen der deutschen Wirtschaft vergleichen. Der große Nachdruck, der
auf hohe Getreidepreise gelegt wird, bleibt ein Paradoxon zu den Einkommenszielen der deutschen Agrarpolitik. Beispielsweise liegen die meisten Preise für
Agrarerzeugnisse auf den Weltmärkten unter denen der EWG. Vergleicht man jedoch
die Weltmarktpreise für tierische Erzeugnisse mit denen für Getreide, so liegen
die ersteren weitaus höher.
Da die in den EWG-Ländern beim Getreideanbau anfallenden Kosten höher als
in anderen Ländern sind, liegen auch die Einnahmen der Bauern aus dem Verkauf
tierischer Erzeugnisse niedriger, sofern sie nicht mehr des billigeren Importgetreides verfüttern können. Die EWG wird bei der Überprüfung ihrer gesamten
Absatzpolitik vielleicht eine Möglichkeit finden, ihre Preisrelationen mit dem
Ziel einer Erhöhung der landwirtschaftlichen Einkommen

für eine möglichst

große Zahl von Bauern zu korrigieren.
Ein Überblick über die Fortschritte der deutschen Landwirtschaft über
einen längeren Zeitraum zeigt, daß die Agrarerzeugung seit 1965 um jährlich
1,6 Prozent zugenommen hat. Dies ist weit weniger als die Zunahme der Agrarimporte.die im gleichen Zeitraum um 5,4 Prozent pro Jahr stieg. Ende der sechziger Jahre waren Import und Eigenerzeugung wertmäßig mit jeweils 5,5 bis
6 Milliarden Dollar etwa gleich.
Bedeutsam für das Gesamtbild ist die Tatsache, daß die Importe an Fleischwaren und tierischen Erzeugnissen von 8,3 auf 10,3 Prozent der Gesamteinfuhren
stiegen, während die Getreideimporte wertmäßig von 11 auf weniger als 9 Prozent
zurückgingen. Betrachtet man diesen Handel unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Möglichkeiten für die deutschen Bauern, so wird offensichtlich,
daß Veränderungen der Binnenpreise für Futtergetreide die Ausweitung der ein-

-6-

�einheimischen Fleischerzeugung bei niedrigeren Kosten fördern könnten. Auf
der anderen Seite könne eine zunehmende Produktivität beim Getreideanbau die
Einkommen der Hauptgetreideerzeuger ohne Preiserhöhungen stabil erhalten. Wenn
jedoch der Produktivitätszuwachs eine Senkung der Getreidepreise nicht voll
kompensiert, so könnten steuerliche Entlastung, zusätzliche Zahlungen für
Bodenkonservierung und entsprechende Agrarprogramme einen Teil des Einkommensrückgangs auffangen. Im Rahmen einer solchen Politik würden die Einkünfte
aus der Viehhaltung steigen.
Westdeutschland bewegt sich bereits in Richtung auf eine mehr marktorientierte Politikv obwohl die Regierung immer noch nicht bereit ist, eine Politik
der niedrigeren Kosten für Futtergetreide einzuschlagen. Seit der Verabschiedung des Marktstrukturgesetzes vom Mai 1969, das die Erzeuger ermutigen will,
sich den Marktchancen anzupassen, ist die größte Zahl der neuen Erzeugerorganisationen für den Kauf und Verkauf tierischer Erzeugnisse gegründet worden.

Niedrigere Getreidepreise könnten ferner die Erzeugung wie auch den
Verbrauch tierischer Erzeugnisse in der EWG fördern und so für eine große Zahl
deutscher Bauern die Märkte ausweiten und die Einkommen steigern. Damit könnten niedrigere Getreidepreise als Möglichkeit zur Ausweitung der Einkommen
und nicht als Mittel zum Schutz der Einkommen betrachtet werden.

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24/1972
ZWANZIG PROZENT MEHR KOHLENSÄURE IM JAHRE 2000 ?
US-Wissenschaftler berechnet künftige Klimaveränderungen

—(AD)-- An Hand eines umfassenden Modells für den quantitativen Austausch
von Kohlendioxid (C00) zwischen Atmosphäre, Meer, Flora und Fauna versucht
Dr. Lester Machta, Leiter der Abteilung Aeronomie des US-Amtes für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA), mögliche künftige Klimaveränderungen zu
berechnen. In dem Modell sind ältere Beobachtungen bis zurück zur Mitte des
19. Jahrhunderts, weltweite Messungen seit den vierziger Jahren sowie detaillierte Studien zum gegenwärtigen Zustand und zu der in den nächsten drei
Jahrzehnten zu erwartenden C09-Belastung der Atmosphäre durch Industrieprozesse usw. berücksichtigt.
Die Schlußfolgerung des Wissenschaftlers, daß um das Jahr 2000 der
Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre rund 20 Prozent höher liegen werde als
heute, basiert auf unzählig vielen Faktoren. Einige davon sind bekannte physikalische Prozesse und chemische Umsetzungsvorgänge mit mengenmäßiger Berechnung des Stoffaustausches zwischen Stratosphäre und Troposphäre, zwischen
den unteren Luftschichten und dem Meer, zwischen Wasser in großer Meerestiefe

-l-

�Meerestiefe und Oberflächenwasser. Ferner sind Schätzungen von Ökologen einbezogen, z.B. über die Menge des von lebender Materie aus der Luft oder aus
dem Wasser aufgenommenen Kohlenstoffs und über dessen Verweildauer in der
Biosphäre. So wird für Bäume eine Bindungszeit von durchschnittlich 40 Jahren
angesetzt, während z.B. der in Blättern enthaltene Kohlenstoff schon nach
zwei Jahren wieder in den Kreislauf zurückgelangt. Auf Grund der Beobachtung
von radioaktivem Kohlenstoff-14 aus Kernwaffenversuchen ergab sich für Kohlenstoff-14 eine mittlere Verweildauer von fünf Jahren in der Atmosphäre bis zur
Absorption an der Meeresoberfläche.
Die Kohlendioxid-Konzentration der Luft, die für das Jahr 1970 mit 322 ppm
("parts per million"=Teilchen in einer Million Luftpartikel) errechnet wurde,
wird vor allem durch die Aufnahme der Verbrennungsprodukte von Kohle, Öl und
Erdgas bis zum Jahre 1980 stärker ansteigen als danach, weil dann der Anteil
von Atomkraft an der Energieerzeugung immer mehr ins Gewicht fällt. Der weltweite Verbrauch an fossilen Brennstoffen wird Wirtschaftsanalysen zufolge bis
1980 um jährlich 4 Prozent, in den darauffolgenden 20 Jahren um jährlich 3,5
Prozent zunehmen.
Kohlendioxid, dem bei wachsender Konzentration in der Atmosphäre ein
"Treibhauseffekt" mit allgemeiner Erhöhung der Durchschnittstemperaturen
auf der Erde zugeschrieben wird, weil es zwar die Sonnenenergie zur Erdoberfläche passieren läßt, jedoch nicht die von der Erde wieder abgegebene Strahlung, scheint allerdings nur einer von vielen Faktoren zu sein, die die Temperaturen der unteren Luftschichten beeinflussen. Denn trotz des nachgewiesenen
weltweiten Anstiegs des Kohlensäuregehalts der Luft in den letzten Jahrzehnten
ist nach Dr. Machta auf der nördlichen Halbkugel seit den vierziger Jahren sogar eine Abkühlung zu beobachten.
In

�In die Untersuchungen zu der Frage, welche Rolle andere Aerosole neben
dem Kohlendioxid für die Klimaentwicklung spielen könnten, ist neuerdings die
Astronomie eingeschaltet. In dem von der amerikanischen "National Science
Foundation" finanzierten Projekt ASTRA (Astronomische und satellitentechnische
Verfahren für die Atmosphärenforschung) soll u.a. durch Sichtung spektrographischer Aufnahmen aus zurückliegender Zeit auf sogenannte Erdlinien, die die
Auswertung der Sonnen-und Sternenspektren stören, der Anteil und die Zusammensetzung fester und flüssiger Schwebstoffe in der Atmosphäre geklärt werden.
Dieser Störeffekt, der jetzt der Aeronomie zugutekommt, machte sich in
den letzten Jahrzehnten zunehmend unangenehmer bemerkbar. Über der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington z.B. nahm

den Beobachtungen von Astronomen

zufolge die Lufttrübung durch Schwebstoffe in 60 Jahren um 57 Prozent zu, wovon ca. zwei Drittel örtliche Ursachen haben. Aber auch abseits von großen
Städten wird ähnliches beobachtet - über Mauna Loa (Hawai) wurde ein Anstieg
der Lufttrübung um 30 Prozent in zehn Jahren, über Davos (Schweiz) um 80 Prozent in 30 Jahren, und über dem Gletschergebiet des Kaukasus gar um das Zwanzigfache in der Zeit zwischen 1930 und 1960 verzeichnet. "Praktisch alle
neuen Stoffe, die die Industrie präsentiert (pro Jahr etwa 500 neue Verbindungen), sind auch in der Atmosphäre zu finden", berichten Dr. Paul W. Hodge
(Professor der Astrophysik) und Dr. Robert J.Charlson (Professor für Chemie
der Atmosphäre) von der Staatsuniversität Washington. Die Archive der 102
großen Observatorien rund um die Erde bergen deshalb nach Meinung der Wissenschaftler für die Klima-und Atmosphärenforschung unendlich wertvolle Schätze,
die es nun zu heben gelte.

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24/1972

SCHALLSONDE FÜR LUFTÜBERWACHUNG

— ( A D ) - - Die kontinuierliche Beobachtung von Inversionsschichten mit
einer Schallsonde zur Verbesserung der Methoden der Voraussage gefährlicher Luftverschmutzung in Industriegebieten erprobt gegenwärtig
Dr. Freeman F. Hall (Institut zur Erforschung der Atmosphäre, Boulder,
Colorado). Es handelt sich um eire verhältnismäßig einfache Apparatur,
bestehend aus einem Schalltrichter und einem Mikrophon. Die vom Trichter
senkrecht nach oben abgestrahlten Schallwellen ziemlich kurzer Frequenz
werden von Schichten wärmerer Luft zurückgeworfen, so daß das Mikrophon
einen Teil der Schallenergie wieder empfängt. Die Echowellen, die von
einem Meß-Schreiber fortlaufend registriert werden, zeigen somit den Temperaturverlauf - bis etwa 45o m Hoehe - über dem Boden an.
Dr. Hall verwendet seit Ende 1971 die Schallsonde in Verbindung mit
Radiosonden, die an Ballons bis in ca. 3000 m Höhe aufgelassen werden. Die
Meßdaten dieser Instrumente sind jedoch häufig irreführend, weil es bei
einer Inversion häufig zu äußerst dynamischen Vorgängen in den Luftschichten
mit "Wellen" kommt, die sich um Hunderte von Metern auf und ab bewegen und
bei denen es auch Erscheinungen gibt, die Brandungswellen oder schweren
Brechern ähneln. Messungen der Ballonsonden aus einem solchen Wellenkamm

-l-

�Wellenkamm oder Wellental, von deren Existenz nichts bekannt ist, können
zu falschen Schlußfolgerungen über die Höhe der Inversion und deshalb auch
über die Fähigkeit der unteren (kalten) Luftschichten zur Aufnahme und
"Verdünnung" von Staub und Abgasen führen.
Mit Hilfe der Schallsonde werden diese sogenannten Schwerewellen ("gravity waves") vor allem bei tiefliegender Inversion sehr viel genauer erfaßt.
Außerdem können der Aufbau

einer Überlagerung von kalter mit warmer Luft

und die Entwicklung von Instabilitäten beobachtet sowie das Aufbrechen einer
solchen Inversion besser vorhergesagt werden. Nach Meinung Dr. Halls müßte
es unter Ausnutzung des Dopplereffekts auch möglich sein, Geschwindigkeit
und Richtung von Winden in einigen hundert Metern Höhe fortlaufend zu ermitteln. Dies müßte mit drei Schallsonden in bestimmter Anordnung geschehen, von
denen eine die Schallimpulse senkrecht abstrahlt, während die beiden anderen
sie im Winkel von 45 Grad aussenden.

Frequenzveränderungen beim Echo und

Laufzeit der Impulse sind die Parameter, aus denen Windgeschwindigkeit und
Windrichtung bis in ca. 450 m Höhe errechnet werden können.

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STEROIDHORMONE STEIGERN PENICILLINWIRKUNG

—(AD)-- Bei Tierexperimenten stellten Mikrobiologen von der Harvard-Universität fest, daß verschiedene Keimdrüsenhormone in Verbindung mit
Penicillin die Möglichkeiten zur Bekämpfung schwerster Infektionen mit
grampositiven Bakterien, z.B. Staphylococcus aureus, wesentlich verbessern. Sowohl die Ausbreitung der Infektion mit verbreiteten Absiedlungen
in Organen wie Herz, Lunge oder Leber als auch die Virulenz der Bakterien
wird dabei verringert. Dr. Thomas Fitzgerald und seine Mitarbeiter von der
"School of Public Health" führen diese Wirkung auf dadurch ausgelöste Veränderungen der Funktion der Zellmembranen zurück. Beobachtet wurden in Einzelexperimenten mit Staphylokokken-K^-lturen bei der Kombination von Penicillin mit Keimdrüsenhormonen ausgeprägte Veränderungen bei der Aufnahme
von Nährstoffen, beim Transport von Aminosäuren in die Zellen und aus den
Zellen, bei der Inkorporation von Substraten in Makromolekülen und beim
Aussickern bestimmter Zellprodukte. Die Wissenschaftler empfehlen, die Untersuchungen wesentlich zu intensivieren, um diese Kombinationstherapie
für die Bekämpfung von Septikämie (schwerer Blutvergiftung) nutzen zu
können.

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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon legt ABM-Vertrag dem Kongress zur Ratifizierung vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Kleindienst, der neue amerikanische Justizminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;IV. Die nukleare Abschreckung und Verteidigung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Haushaltsdefizit niedriger als erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hoher EWG-Getreidepreis verteuert Futtermittel für westdeutsche Bauern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George A. Parks und Roger E. Neetz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwanzig Prozent mehr Kohlensäure im Jahre 2000 ?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Wissenschaftler berechnet künftige Klimaveränderungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schallsonde für Luftüberwachung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steroidhormone steigern Penicillinwirkung&lt;/p&gt;</text>
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