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24. Mai 1972

Inhalt
INFORMATION
Umweltschutz-Abkommen zwischen USA und UdSSR
USA und Sowjetunion beschließen Erweiterung der Zusammenarbeit
in der Medizin
DOKUMENTATION
Nixon: Die friedliche Zusammenarbeit muß Wirklichkeit werden
- Wortlaut des Trinkspruchs im Kreml Nixon erhofft vom Moskauer Gipfeltreffen Fortschritte für den Frieden
- Auszüge aus einer Erklärung vor Journalisten Pressekonferenz von Außenminister Rogers am 19. Mai
- Auszüge HINTERGRUNDMATERIAL
*•
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
III. Die US-Luftwaffe wird modernisiert
Von Hubert G. Collins
WIRTSCHAFT
George P. Shultz - der neue amerikanische Finanzminister
Ein Fachmann für Wirtschaftsfragen
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Üb erschallflug und Umwelt
Neues Forschungsprojekt in USA
Neuer Impfstoff gegen Meningitis
Fahrzeuge für Industrie- und Entwicklungsländer
TRANSPO 72 - Erste internationale Verkehrsausstellung in Washington

B E I L A G E
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN IN USA
Das Wahljahr 1972

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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21/1972

UMWELTSCHUTZ-ABKOMMEN ZWISCHEN USA UND UdSSR

- (AD) - Als "ein historisches Ereignis in mehrfacher Hinsicht" bezeichnet Russell Train, der Vorsitzende des amerikanischen Präsidialbeirats
für Umwelthygiene, das am 23. Mai 1972 von Präsident Nixon und Staatspräsident Podgorny in Moskau unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Abkommen
über eine Zusammenarbeit in Fragen des Umweltschutzes. Es ist das erste umfassende Abkommen auf diesem Gebiet zwischen zwei Weltmächten und sieht
konkrete gemeinsame Programme sowie die Durchführung spezieller Projekte vor.
Der übliche Rahmen internationaler Zusammenarbeit auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet wurde damit durchbrochen. Insbesondere werden sich beide
Nationen gemeinsam um die Entwicklung neuer Technologien bemühen, die keine
zusätzlichen Umweltbelastungen schaffen. Die Einführung solcher Technologien
in die industrielle Praxis und Untersuchungen zu ihren Auswirkungen auf das
Wirtschaftsleben sind weitere Hauptpunkte des Abkommens.

Einzelne Gebiete für langfristige Zusammenarbeit sind u.a. wie folgt
definiert: Probleme der Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung, Umweltverschmutzung, Städtesanierung, Naturschutz, biologische und genetische Aus-

�Auswirkungen von Umweltverschmutzung, Einfluß von Umweltveränderungen auf
das Klima, Erdbebenvoraussage, ökologische Systeme in Arktis und Subarktis,
gesetzliche und administrative Maßnahmen zur Umwelthygiene. Für die Ums-etzung der Vereinbarung in die Praxis ist eine amerikanisch-sowjetische Kommission verantwortlich, die einmal im Jahr abwechselnd in Washington und in
Moskau zusammentritt. Von amerikanischer Seite werden ihr Vertreter aller
für Umweltfragen zuständigen Behörden angehören. Angesichts der Bedeutung
des Abkommens und des zügigen Ablaufs seiner Vorbereitungen - sie kamen im
Herbst 1971 in Gang und wurden mit dem Besuch einer vierköpfigen amerikanischen Delegation unter der Leitung von Dr. Gordon MacDonald (Mitglied des
Beirats für Umwelthygiene) Anfang Mai 1972 in Moskau abgeschlossen - ist
schon in Kürze mit der Aufnahme gemeinsamer aktiver Programme zu rechnen.

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21/1972

USA UND SOWJETUNION BESCHLÜSSEN ERWEITERUNG DER ZUSAMMENARBEIT
IN DER MEDIZIN

WASHINGTON - (AD) - Die wissenschaftliche Forschung und Zusammenarbeit,
die amerikanische und sowjetische Ärzte in die Lage versetzt, die "Grenzen
des Wissens zu erweitern", ist das Ziel des neuen Abkommens zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, das am 23. Mai in Moskau unterzeichnet wurde.

In Washington erläuterte der Minister für Gesundheits-, Erziehungs- und
Fürsorgewesen, Elliot R. Richardson, auf einer Pressekonferenz das neue Abkommen. Danach werden Wissenschaftler beider Länder auf den verschiedensten
Ebenen zusammenarbeiten, wobei sich die Anstrengungen in erster Linie auf
drei Hauptgebiete konzentrieren werden: Herz- und Gefäßkrankheiten, Krebs
und Umwelthygiene. Ferner sollen gemeinsam neue medizinische Ausrüstungen
und Geräte sowie Medikamente entwickelt werden. Von besonderem Interesse ist
die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Chemotherapie von Krebserkrankungen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Abkommens ist die ständige Zusammenarbeit mit internationalen medizinischen Organisationen, insbesondere mit
der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zusätzlich zu dem Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen ist ein Austausch von
technischem Gerät und pharmazeutischen Erzeugnissen vorgesehen.
Das

- 1-

�Das Abkommen ist mit der Unterzeichnung in Kraft getreten. Eine Billigung durch den amerikanischen Kongreß ist nach den Worten von Minister
Richardson nicht erforderlich. Beide Länder haben eine gemeinsame Kommission
gebildet, die die einzelnen Vorschläge ausarbeiten soll. Die beiden Vorsitzenden sind Dr. Roger 0. Egeberg auf amerikanischer und Dr. Dimitri
Venedictow auf sowjetischer Seite.

- 2-

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21/1972

NIXON: DIE FRIEDLICHE ZUSAMMENARBEIT MUSS WIRKLICHKEIT WERDEN
- Wortlaut des Trinkspruchs im Kreml -

MOSKAU - (AD) - Präsident Nixon hat am 22. Mai anläßlich eines Essens,
das die sowjetische Führung ihm zu Ehren im Kreml gab, auf die Bedeutung der
(

friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie den Völkern der Welt hingewiesen. In einem Trinkspruch sagte der
amerikanische Präsident, bei allen Meinungsverschiedenheiten hätten die USA
und die Sowjetunion ein mächtiges, gemeinsames Interesse an Frieden und Sicherheit.

Der Trinkspruch Nixons hat folgenden Wortlaut:
"Ich möchte meinen Dank für die Gastfreundschaft zum Ausdruck bringen,
die Sie Mrs. Nixon und mir sowie allen Mitgliedern unserer Delegation anläßlich dieses ersten Besuches eines amerikanischen Präsidenten in Moskau erwiesen haben.

Der Mut des russischen Volkes, das über Generationen hinweg diese Stadt
heldenhaft gegen Invasoren verteidigt hat, führt einem eines lebhaft vor
Augen: Die einzige Möglichkeit, diese Stadt zu betreten, ist, sie in Frieden
zu betreten.

Wir alle können die Geschichte in diesem großen Palast spüren. Hier
trafen Russen und Amerikaner in Waffenbrüderschaft zusammen, um einige der

- 1 -

�'

der Hauptentscheidungen des zweiten Weltkrieges auszuarbeiten, womit ein Beispiel für die Zusammenarbeit in Kriegszeiten gesetzt wurde - eine Zusammenarbeit, der in Friedenszeiten zu folgen, wir zu lange Zeit gebraucht haben.
In dieser Woche treffen wir hier in diesen Mauern zusammen, um Entscheidungen
zu treffen, die mithelfen können, daß der Weg zum Frieden für alle Welt geebnet wird.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind Großmächte. Unsere
Völker sind große Völker. In der langen Geschichte unserer Länder haben wir
einander niemals in einem Krieg bekämpft. Lassen Sie uns jetzt Entscheidungen
treffen, die sicherstellen werden, daß dies auch niemals in Zukunft der Fall
sein wird,

Das amerikanische Volk wünscht Frieden. Ich weiß, daß auch die Völker
der Sowjetunion Frieden wünschen. Ich hoffe zutiefst, daß wir als die Vertreter unserer beiden Völker zusammenarbeiten können, um sicherzustellen, daß
alle Völker der Erde sich der Segnungen des Friedens erfreuen können.

An die Gipfeltreffen der Vergangenheit denkt man wegen ihres 'Geistes'
zurück. Wir müssen danach streben, daß man an das Moskauer Gipfeltreffen
wegen seiner Substanz zurückdenkt

Eine mehr als zweijährige, sorgfältige Vorbereitung hat unsere gemeinsame
ernsthafte Zielsetzung erwiesen und uns zu diesem Treffen geführt mit der
Bereitschaft, konkrete Abkommen zu schließen.

Vor noch nicht allzu langer Zeit konzentrierte sich unsere Aufmerksamkeit auf unsere relativen Positionen der Stärke, Aber im Nuklearzeitalter
gibt es keine Sicherheit in einem Übergewicht der Stärke. Die Großmächte
haben diese Tatsache erkannt: Abkommen, die sich auf der Ausnützung der angenommenen Schwäche einer Seite stützen, veranlassen diese nur, ihre Bemühungen, den Gleichstand zu erreichen, zu verdoppeln} Abkommen jedoch, die
auf beiderseitiger Respektierung und auf Gegenseitigkeit basieren, haben

- 2-

�haben weit größere Aussichten, von Bestand zu sein.

Weil wir beide bereit sind, auf der Basis der Gleichheit und der beiderseitigen Achtung voranzukommen, ist dies ein Augenblick, an dem wir die friedliche Zusammenarbeit Wirklichkeit werden lassen können. Um aus dieser Möglichkeit das meiste herauszuholen, sollten wir uns darüber im klaren sein, daß
wir trotz zahlreicher fundamentaler und tiefgehender Meinungsverschiedenheiten
ein mächtiges,gemeinsames Interesse an Frieden und Sicherheit haben.

Wir sollten uns darüber im klaren sein, daß große Nuklearmächte die
feierliche Verpflichtung haben, bei jeder Krise Zurückhaltung zu üben und
positive Maßnahmen zu ergreifen, um eine direkte Konfrontation zu verhindern.

Einer Großmacht fällt auch eine große Verantwortung zu. Immer dann, wenn
Macht nicht von Verantwortung begleitet wird, ist der Friede in Gefahr. Lassen
Sie uns dafür sorgen, daß unsere Macht immer nur eingesetzt wird, um den
Frieden zu wahren, niemals, um ihn zu brechen.

Wir sollten uns ferner darüber im klaren sein, daß es die Pflicht der Großmächte ist, in Konflikten oder Krisen andere Nationen dahingehend zu beeinflussen, daß sie sich in ihrem Verhalten Mäßigung auferlegen.

Lassen Sie mich darlegen, was wir meines Erachtens beide in dieser
Woche erreichen möchten.

1. Wir möchten die Arbeit an den Fragen abschließen, die durch jahrelange
geduldige Verhandlungen bis zur Entscheidung gebracht worden sind. Bilaterale
Fragen dienen uns als Ausgangspunkt: Unsere beiden Länder können bei der Erforschung des Weltraums, der Bekämpfung der Krankheiten und bei der Verbesserung der Umwelt zusammenarbeiten. Ein Fortschritt in der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit wird beiden Ländern zum Nutzen gereichen. Die beiden größten
Volkswirtschaften der Welt stehen sich gegenwärtig in relativer Isolierung
gegenüber. Die Möglichkeit für neue kommerzielle Beziehungen eröffnet eine
große Chance des Fortschritts für unsere beiden Völker.
Die

�Die Aufmerksamkeit der Welt richtet sich vor allem auf die Möglichkeit
einer ersten Begrenzung der strategischen Rüstungen. Zum ersten Mal würden
große Nationen einem weiten Bereich ihrer wichtigsten Waffensysteme Restriktionen auferlegen. Ein Abkommen auf diesem Gebiet könnte der Anfang dafür
sein, daß sich unsere Länder von einem verschwenderischen und gefährlichen
Wettrüsten ab - und einer größeren Produktion für den Frieden zuwenden.

Wenn bei diesen bilateralen Fragen eine positive Haltung zutage tritt,
dann wird die Lösung anderer Fragen in anderen Teilen der Welt neuen Auftrieb erhalten.

Wenige Minuten nach meinem Amtseid als Präsident der Vereinigten Staaten
erklärte ich meinen Landsleuten, daß die Zeit gekommen sei, um von einer Ära
der Konfrontation zu einer Ära der Verhandlungen zu gelangen. In dieser Woche
können wir den Beweis dafür liefern, daß die Ära der Verhandlungen zwischen

den mächtigsten Ländern der Welt begonnen hat. Es liegen harte Verhandlungen
vor uns, und Staatsmänner, die sich mit wirklichen Meinungsverschiedenheiten
befassen, werden ihren Teil an Hindernissen zu überwinden haben.
Wir haben verschiedene Interessen und verschiedene Methoden, und keiner
von uns wird zögern, darauf hinzuweisen. Aber die Grundlage eines gesunden
Wettstreits muß die Bereitschaft sein, in Fragen von ausschlaggebender Bedeutung zusammenzuarbeiten und sich auszutauschen.

Daher treffen wir nicht nur in einer Atmosphäre des guten Willens zusammen, den wir ohne Frage haben. Wir treffen nicht nur zusammen, um Abkommen
abzuschließen, von denen ich hoffe, daß wir sie abschließen können. Wir
treffen zusammen, um ein neues Zeitalter in den Beziehungen zwischen unseren
beiden großen und mächtigen Ländern einzuleiten.

Indem

ich auf dieses Zukunftsbild blicke, lassen Sie mich die amerika-

nische Verpflichtung bekräftigen:
Die

„ 4 -

�Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit allen Nationen bei der Schaffung
einer friedlichen Welt eng zusammenzuarbeiten, in der jedes Land über sein
eigenes Geschick entscheidet.

Unsere beiden Völker lernten, einander zu bewundern, als wir uns zusammenschlössen, um in Zeiten des Krieges einen gemeinsamen Feind zu besiegen. Wir
lernten, einander zu respektieren als Gegner in einer Zeit der Spannung nach
dem Kriege. Lassen Sie uns nun lernen, in einer Zeit des Friedens zusammenzuarbeiten.

Wir wollen uns immer vor Augen halten: Wenn wir damit beginnen, die Last
der bewaffneten Konfrontation von unseren Völkern zu nehmen, dann erhöhen wir
damit die Friedenshoffnungen aller Völker der Welt.
Niemals haben zwei Völker eine größere Aufgabe oder ein größeres Ziel
gehabt. Wollen wir uns den Hoffnungen des sowjetischen Volkes, des amerikanischen Volkes und aller Völker auf dieser Erde wert erweisen, wenn wir gemeinsam auf dieses Ziel einer friedlichen Welt hinarbeiten."

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21/1972

NIXON ERHOFFT VOM MOSKAUER GIPFELTREFFEN FORTSCHRITTE FÜR DEN FRIEDEN
- Auszüge aus einer Erklärung vor Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hofft, daß die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion auf dem Gipfeltreffen in Moskau zu einer "konstruktiven
Beziehung" gelangen, in deren Rahmen beide Mächte ihren Einfluß geltend machen,
um "die

Aggression zu entmutigen und die Kräfte des Friedens zu ermutigen."

In einer längeren Erklärung vor Journalisten, die ihn begleiten, gab der
amerikanische Präsident am Vorabend seiner Abreise einen Überblick über seine
Erwartungen, wobei er hervorhob, daß die Rüstungskontrolle, der Handel sowie
die Weltraumforschung die Gebiete sein dürften, auf denen am wahrscheinlichsten
Vereinbarungen zwischen den beiden Ländern während der Gipfelgespräche erreicht werden könnten.

Präsident Nixon führte unter anderem aus:

" ... Ich dachte, es wäre vielleicht nützlich, Ihnen einen kleinen Überblick über die Reise sowie einige Informationen zu geben, die Ihnen bei Ihrer
Berichterstattung hilfreich sein könnten. Diese Reise ist alles in allem
vielleicht über drei Jahre geplant worden. Sie werden sich erinnern, daß ich
bereits auf meiner ersten Pressekonferenz hier im Weißen Haus nach einem
Gipfeltreffen gefragt worden bin.

Damals

�Damals äußerte ich mich recht pessimistisch über Gipfeltreffen, es sei
denn, sie seien gut im voraus geplant. Ich sagte das, weil ich - wie auch
Sie - gewisse Erinnerungen an die Gipfeltreffen der Vergangenheit hatte. Ich
sehe noch deutlich vor mir, was damals in der Presse darüber geschrieben
wurde. Es war da die Rede vom «Geist von Wien', vom 'Geist von Genf1, vom
'Geist von Glassboro' und vom 'Geist von Camp David'. Worauf all diese Treffen hinausliefen, waren Äußerlichkeiten, ein Gefühl der Hoffnung in der Welt und vor allem in den Vereinigten Staaten -, und dann kam die Enttäuschung,
weil es nur sehr viel Gerede gab, aber kaum Wesentliches erreicht wurde.

Diese Reise nun ist in der Hauptsache auf das Wesentliche, statt auf
Äußerlichkeiten gerichtet - wobei ich nicht überbetonen möchte, was Sie
vielleicht an Wesentlichem erwarten.
Wir unternehmen diese Reise nicht nur, um eine neue Beziehung zu eröffnen, wie das im Hinblick auf die Peking-Reise der Fall war. Das war
natürlich überaus wichtig; es war wichtig, genau zu diesem Zweck nach Peking
zu reisen, wenn schon sonst nichts anderes erreicht werden konnte. Und unserer
Meinung nach war dies auch für andere Dinge nützlich.
In diesem Falle jedoch ist es so, daß wir seit langem Beziehungen mit
der Sowjetunion unterhalten. Es haben auf den verschiedensten Ebenen Kontakte
stattgefunden - auf Kabinettsebene -, und hohe sowjetische und amerikanische
Regierungsvertreter sind während des Weltkrieges und nach dem Kriege immer
wieder zusammengetroffen.

Was nun in den letzten dreieinhalb Jahren geschähest folgendes: Wir
haben auf verschiedenen Gebieten einen langen Prozeß begonnen, in dessen Verlauf auf beiden Seiten ... festgestellt werden sollte, ob ein Treffen der Regierungsvertreter auf Gipfelebene nützlich sein würde; das ist der Grund,
weshalb wir erst vor einigen Monaten eine Entscheidung - eine beiderseitige
Entscheidung übrigens - trafen, daß ein solches Treffen dienlich wäre.
Sie
- 2-

�Sie werden sich erinnern, daß das Einzelereignis, das die sowjetische
und unsere Entscheidung hinsichtlich eines Gipfeltreffens zustandebrachte,
das erfolgreiche Viermächte-Abkommen über Berlin war. Wir waren der Meinung,
daß wir, wenn wir beide auf diesem so kritischen Gebiet Fortschritte erzielen konnten, dann mit einiger Hoffnung auf Erfolg versuchen sollten, auch
auf einigen anderen, ebenfalls schwierigen Gebieten Fortschritte zu machen

Um nun auf dieses Gipfeltreffen zu kommen, so möchte ich meinen, daß
es nicht nützlich wäre, Spekulationen darüber anzustellen, welche Abkommen
oder Absprachen nun daraus resultieren könnten. Ich möchte hier nur die
drei Themen ansprechen, über die so sehr viel in der Presse geschrieben worden
ist - drei Themen, drei Gebiete, die auf der Tagesordnung stehen und bei denen
die Möglichkeit - keinesfalls die Gewißheit -,aber doch die Möglichkeit besteht,
daß Einigung erzielt wird, vorausgesetzt, daß wir auf höchster Ebene einige
immer noch bestehende Engpässe überwinden können.

Das eine Gebiet ist natürlich die Rüstungsbegrenzung. Auf diesem Gebiet
sind beträchtliche Fortschritte gemacht worden. Es müssen allerdings noch
einige sehr schwierige Probleme gelöst werden. Wir werden sie direkt ansprechen. Ich werde sie während meines Besuches offen mit Parteichef Breschnew
erörtern, und wir hoffen, daß wir auf diesem Gebiet eine Einigung erreichen
werden.

Beide Seiten sind sich jedoch darüber im klaren, da.C, einige sehr schwierige
Probleme vor uns liegen, bei denen nur eine Entscheidung auf Gipfelebene eine
Einigung bringen kann. Wir sind hoffnungsvoll, aber wir möchten hier doch nicht
den Eindruck hervorrufen, daß mit Gewißheit eine Einigung erreicht werden kann.

Das zweite Gebiet ist der Handel. Sie alle haben natürlich die Reisen
von Landwirtschaftsminister Butz und von Handelsminister Stans nach der Sowjetunion verfolgt und natürlich auch die Reisen, die der sowjetische Landwirtschaftsminister und der sowjetische Handelsminister nach den Vereinigten Staaten
unternommen haben. Sie trafen hier mit (unserem neuen) Handelsminister Peterson
sowie mit (dem Vorsitzenden des Rates für Internat ionale Wirtschaftspolitik)

- 3-

�Wirtschaftspolitik) Peter Flanigan zusammen - und natürlich auch ich hatte
Zusammenkünfte mit beiden.

In diesem Zusammenhang traf ich mit den führenden Mitgliedern des Kongresses zusammen, um Dinge zu erörtern wie die Meistbegünstigungsklausel,
die Frage

von Krediten und anderes. Ich möchte sagen, daß die Chancen für

einige positive Ergebnisse gut sind - nicht sicher, aber zweifellos gut.
Sie werden das bestimmt während Ihres Aufenthalts in der Sowjetunion sehr
genau verfolgen.

Ein drittes Gebiet, das ich Ihrer Aufmerksamkeit anempfehle, ist der
Bereich der Zusammenarbeit im Weltraum. In diesem Zusammenhang muß ich an
die Rede denken, die ich im Jahre 1959 über das Fernsehen an das sowjetische
Volk richtete. Ich hatte schon fast vergessen, ... daß ich damals erklärte,
'laßt uns zusammen zum Mond fliegen1.
Ich möchte hier nun nicht im einzelnen darauf eingehen, worüber wir
sprechen werden - laßt uns zusammen zum Mond oder laßt uns zusammen zum Mars
fliegen -, aber ich weiß, daß während der letzten Monate beträchtliche Fortschritte im Hinblick auf eine Zusammenarbeit bei der Erforschung des Weltraums erzielt worden sind. Wir werden versuchen, einen Höhepunkt dieses Fortschrittes auf diesem Gebiet zu erreichen.

Wenn ich von diesen drei Bereichen spreche, dann heißt das nicht, daß
es keine anderenThemen gibt. Ich meine nur, daß dies Gebiete sind, die beträchtliche Verheißungen bieten dürften.

Was nun die anderen Tagesordnungspunkte anbetrifft, so haben beide
Seiten Themen unterbreitet. Über die Tagesordnung herrscht Einigung. Sie
wird in erster Linie bilaterale Themen enthalten. Ich möchte betonen, daß
alle Gespräche, die wir führen werden, die Interessen des einen Landes gegenüber dem anderen im Auge haben werden und daß sie nicht auf Kosten oder zum
Nachteil der Interessen eines unserer beiden Länder gegenüber seinen Verbündeten oder anderen Ländern in der Welt erfolgen werden.
Andererseits

�Andererseits steht die Erörterung solcher Punkte auf der Tagesordnung
wie Vietnam und andere Gebiete der Welt, wo die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion manchmal miteinander in Widerspruch stehende Interessen haben.

Ich möchte im Zusammenhang mit diesen Gebieten jetzt nichts weiter
sagen, denn nur die Ergebnisse unserer Gespräche werden zeigen, ob ein Fortschritt möglich ist. Im Hinblick auf einige dieser Gebiete sind wir - wie
Sie wissen - ziemlich weit von einander entfernt. Ich kann hier nur sagen,
daß es offene, freie und freimütige Gespräche über diese Gebiete geben wird,
die sich auf die Erörterungen stützen, die wir hierüber zu einem früheren
Zeitpunkt geführt haben.

Nun noch ein Wort zu der Vorbereitung (dieser Reise). Ich möchte hier
nun nicht den Eindruck erwecken, daß -.:;. alles auf der Präsidentenebene erfolgte

Ich habe sowohl auf dem Korrespondenzwege wie auch über andere

Kontakte einen umfangreichen Meinungsaustausch direkt mit Parteichef Breschnew
geführt. Dieser Meinungsaustausch - obwohl ich mit Breschn-w nur 1959 kurz
zusammentraf - bedeutet meines Erachtens, daß wir beide zumindest von einer
Basis ausgehen werden, w o wir unsere Differenzen kennen und deshalb in der
Lage sein werden, schnell die Probleme anzupacken, die wir - und vielleicht
nur wir - auf höchster Ebene lösen .innen.

Darüber hinaus hatte natürlich das State Department auf einigen Gebieten
die Hauptverantwortung; das Handelsministerium, das Landwirtschaftsministerium,
der Wissenschaftsbea ter, unsere Leute von der NASA und zahlreiche andere Experten - sie alle haben auf den Zeitpunkt hingearbeitet, da dieses Treffen
stattfinden würde.

Wenn wir nun nicht a .f all den Gebieten, die erörtert werden, eine Einigung erreichen werden - und natürlich wird dies nicht der Fall sein - dann
werden wir zumindest den Prozeß der Verhandlung fortsetzen, so daß es nach
dem Gipfeltreffen nicht nur einen Dialog, sondern möglicherweise künftige
Einigungen geben wird

Das hängt von dem ab, was auf dem Gipfeltreffen ge-

schieht . . .
Darf
- 5-

�Darf ich meine Ausführungen mit einem letzten Gedanken abschließen.
Jeder in dieser Regierung hat während der letzten Monate - manche seit Jahren außerordentlich hart für diese Reise gearbeitet: die SALT-Delegation, unsere
Leute im Außenministerium, die Leute in den anderen von mir erwähnten Ministerien, der Stab des Weißen Hauses - und natürlich hat Dr. Kissinger mit seiner
Reise nach der Sowjetunion und seinen Gesprächen mit Parteichef Breschnew und
anderen sowjetischen Führern einen enormen Beitrag geleistet. Es handelt sich
um eine Reise, die wir alle mit einer gemeinsamen Zielsetzung unternehmen,
nämlich den Versuch zu machen, eine andere Beziehung herzustellen, eine Beziehung, bei der es zwar auch weiterhin sehr wesentliche Meinungsverschiedenheiten geben wird - das dürfen wir niemals vergessen - im Denken, in der Einstellung usw. - aber eine Beziehung, bei der zwei Großmächte unter Beachtung
ihrer Interessen zu der Entscheidung kommen, daß wir auf bestimmten Gebieten
künftig zusammenarbeiten sollten, statt gegeneinander.

Wenn ich also versuche, Ihnen hier einen gewissen Eindruck von dem zu
geben, was zu erwarten steht, dann möchte ich Ihre Hoffnungen nicht zu hoch
spannen, weil es einige verwickelte Probleme gibt, die es noch zu lösen gilt.
Was den Ausschlag geben wird - ob sie gelöst werden können - wird die Haltung
der sowjetischen Führer sein und auch unsere eigene Haltung.
Ich kann so viel sagen: Nach der Korrespondenz, die ich geführt habe,
und nach den Kontakten, die ich direkt mit Parteichef Breschnew während der
letzten Tage gehabt habe, ist seine Haltung positiv.

Botschafter Dobrynin kam gestern nach Camp David und überbrachte mir eine
persönliche Botschaft von Parteichef Breschnew, in der einige Fragen angeschnitten werden, über die wir sprechen müßten, aus der aber auch eine positive
Haltung zu erkennen ist bezüglich des Versuches, einige dieser Meinungsverschiedenheiten zu bereinigen. Wenn wir uns also auf dem Gipfel treffen, dann
wird es sich nicht lediglich um einen jener 'Geiste' handeln, die kommen und
gehen, sondern wirklich um einige Substanz, die bleibt - eine Substanz, die bedeuten wird, daß das amerikanische Volk und das russische Volk, trotz Unterschiede in Denkweise und Regierungsform von Volk zu Volk eine freundlichere

�freundlichere Beziehung haben werden, und eine Substanz, durch die - und das
hoffe ich mehr als alles andere - der Sache des Friedens gedient sein wird ...

Parteichef Breschnew hat (bei dem Besuch Dr. Kissingers) seinen Wunsch
zum Ausdruck gebracht, daß wir bei dem Gipfeltreffen einigen Fortschritt erzielen, ... und er sagte, es sei wichtig, einen Schritt zu tun - nicht nur
einen kleinen Schritt, sondern einen Schritt, der bedeutsam für die Beziehungen
unserer beiden Länder ist, weil wir dann wissen werden, wohin wir gehen ...

So tun wir also einen Schritt. Wie groß die Schritte sein werden, das
werden Sie, meine Damen und Herren selbst zu bewerten haben. Wir hoffen,
daß es ein bedeutsamer Schritt sein kann

Er wird nicht alle Meinungsver-

schiedenheiten beenden, aber er könnte sicherlich bedeuten, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - auf dem sehr sorgsamen Gerüst aufbauend, das wir in der Vergangenheit errichtet haben - eine konstruktive Beziehung schaffen könnten, in deren Rahmen beide großen Nationen ihren Einfluß nicht nur gegenseitig, sondern auch in anderen Gebieten der Welt geltend
machen werden, wo sie Einfluß haben, um die Aggression zu entmutigen und die
Kräfte des Friedens zu ermutigen.

Das ist unser Ziel. Wir vertrauen darauf und hoffen, daß dies auch das
sowjetische Ziel sein wird, denn wenn diese beiden großen Nationen in Konflikt kämen, sei es direkt oder sei es, daß sie wegen Auseinandersetzungen
in anderen Teilen der Welt, wo sie indirekt berührt werden, in einen Konflikt
hineingezogen würden, dann wäre dies eine Bedrohung des Weltfriedens, der
sicherlich jeder von uns mit sehr großer Besorgnis entgegensehen würde ..."

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21/1972

PRESSEKONFERENZ VON AUSSENMINISTER ROGERS AM 19. MAI
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 19. Mai, einen Tag vor der Moskau-Reise Präsident Nixons, auf einer
Pressekonferenz zur internationalen Lage Stellung genommen. Die einleitende
Erklärung des Außenministers sowie die Fragen und Antworten - soweit sie
Europa und die Moskau-Reise betreffen - haben folgenden Wortlaut:

Außenminister Rogers: Zunächst möchte ich feststellen, daß das deutsche
Parlament offensichtlich die Ostverträge mit der Sowjetunion und mit Polen
ratifiziert hat. Und wenn auch der letzte Schritt im Ratifizierungsprozeß
noch nicht erfolgt ist, so ist es doch meines Erachtens ziemlich sicher, daß
er erfolgen wird. Und dies ist für mich ein Anlaß zu erklären, daß die amerikanische Regierung den Schritt des Parlaments der Bundesrepublik und die Ratifizierung dieser Verträge mit der Sowjetunion und mit Polen mit Befriedigung
betrachtet. Der Weg zur Unterzeichnung des Viermächte-Schlußprotokolls ist
nunmehr frei, das das Berlin-Abkommen in Kraft setzen wird - ein Abkommen,
das Präsident Nixon als einen Meilenstein bezeichnet hat. Die Frage des
Zeitpunktes werden wir natürlich mit Großbritannien, Frankreich und der
Sowjetunion erörtern. Sobald das Protokoll unterzeichnet ist, wird ... der
Weg für multilaterale oder zumindest für bilaterale Sondierungen im weiteren
Verlauf dieses Jahres offen sein. Wir wissen noch nicht, ob sie multilateral
oder bilateral sein werden. Diese Frage wird auf der Ministerratstagung zur

- 1 -

�zur Diskussion anstehen, die sich mit der Möglichkeit einer Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im Jahre 1973 befassen wird.

Daher sind wir erfreut, daß diese Verträge ratifiziert worden sind. Und
wir werden jetzt hierüber auf der Ministerratstagung in Bonn, in etwa einer
Woche, sprechen ...

Frage: Herr Außenminister, ich möchte gerne eine die Sowjetunion betreffende Frage stellen. Wie erklären Sie es sich in bezug auf Vietnam, daß
die sowjetische Reaktion auf die Verminung des Hafens von Haiphong so gemäßigt war? Bestand irgendeine geheime Absprache zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion über diese Schritte?

Antwort: Ich möchte natürlich zu dem ersten Teil Ihrer Frage keine Spekulationen anstellen. Den zweiten Teil Ihrer Frage kann ich kategorisch beantworten: Nein, es gab keine diesbezügliche geheime Absprache oder irgendeine
geheime Abmachung in dieser Hinsicht.

Frage: Herr Außenminister, wird Vietnam ein Punkt sein,der in Moskau erörtert wird? Haben Sie irgend welche Hinweise dafür, daß Sie sowjetische
Unterstützung für eine Friedensinitiative gewinnen können?

Antwort: Wir möchten zu diesem Zeitpunkt natürlich keine Spekulationen
darüber anstellen, was auf dem Gipfeltreffen erreicht werden kann und was
nicht. Und so will ich dies auch nicht tun. Der amerikanische Präsident gibt
heute nachmittag eine Erklärung ab, die sich - soweit ich weiß - mit dem
Gipfeltreffen befassen wird und in der er darlegt, wie er dieses Treffen
sieht - die allgemeine Haltung, die wir in bezug auf dieses Treffen einnehmen werden.. Und daher möchte ich angesichts dieser Erklärung des Präsidenten vor der Presse von jeder Stellung™,,, Abstand nehmen ...

Frage: Herr Außenminister, Sie reisen von Moskau aus nach Bonn. Welche
weiteren Fragen werden nach Ihrer Ansicht neben der Konferenz über die Sicherheit in Europa dort noch erörtert werden?
Antwort:

�Antwort: Wir werden natürlich nicht nur über die Konferenz selbst und
über die Tagesordnung für diese Konferenz sprechen, sondern wir werden auch
die Frage beiderseitiger und ausgewogener Truppenreduzierungen erörtern, die
praktisch hiermit zusammenhängt. Wir werden ferner die Gelegenheit nutzen,
um unseren NATO-Verbündeten über die Ergebnisse unserer Gespräche zu berichten,
die wir in der Sowjetunion führen werden.

Wie Sie wissen, war ich vor einigen Wochen in Europa und habe sie
(unsere Verbündeten) über die Schritte unterrichtet, die wir ergreifen
werden, sowie über die Haltung, die wir gegenüber der Sowjetunion eingenommen haben. Und sie werden natürlich an den Ergebnissen des Gipfeltreffens
sehr interessiert sein. So werde ich die1 Gelegenheit nutzen, hierüber zu
berichten.

Frage: Herr Außenminister, erwägen Sie, im kommenden Monat selbst nach
Berlin zu fliegen, um das Viermächte-Abkommen zu unterzeichnen?

Antwort: Dies ist eine der Fragen, die wir erörtern werden, und es ist
möglich, daß es in Berlin irgendwann im Juni durch die Außenminister der vier
Mächte unterzeichnet werden wird. Über Zeitpunkt und Ort sind bisher keine
endgültigen Entscheidungen getroffen worden.

Frage: Herr Außenminister, können Sie uns über den Stand der SALT-Verhandlungen unterrichten?

Antwort: Die SALT-Verhandlungen sind plangemäß vorangekommen, und es
sind dabei gute Fortschritte gemacht worden. Es besteht natürlich Hoffnung,
wie wir dies bereits früher zum Ausdruck gebracht haben, daß sie auf höchster
Ebene zum Abschluß gebracht werden.

Ich möchte jedoch darauf hinweisen, daß es bei all diesen Verhandlungen
noch ungelöste Probleme gibt, die von den Führern der beiden Länder erörtert
werden müssen. Und wenn wir erfolgreiche Abkommen ausarbeiten, so wird dies

- 3-

�dies letztlich durch den amerikanischen Präsidenten und die führenden Männer
der Sowjetunion geschehen ...

Frage: Herr Außenminister, wird der Nahe Osten auf der Moskauer Tagesordnung stehen, und wenn ja, welche Haltung werden die Vereinigten Staaten
zu diesem Gesprächspunkt einnehmen? Welche Ziele in bezug auf den Nahen
Osten können billigerweise von diesem Gipfeltreffen erwartet werden?

Antwort: Wir haben keine feste Tagesordnung. Daher möchte ich keine
Fragen dazu beantworten, was auf der Tagesordnung stehen wird. Der Nahe
Osten ist jedoch ganz offensichtlich eine Frage, die erörtert werden wird;
daran besteht kein Zweifel ...

Frage: Herr Außenminister, ich weiß, Sie möchten nicht darüber sprechen,
was auf der Tagesordnung in Moskau stehen wird, aber Sie sagten, daß die Ratifizierung der Ostverträge den Weg für Gespräche über eine Sicherheitskonferenz im kommenden Jahr geebnet habe. Ist dies ein Punkt, über den Sie
erst mit den Sowjets sprechen und über den Sie dann den Verbündeten berichten werden oder werden Sie warten, bis Sie weitere Konsultationen mit den
Verbündeten geführt haben?

Antwort: Wir haben mit den Verbündeten eingehende Konsultationen über
die Konferenz über Sicherheit in Europa geführt. Dies war unser Hauptanliegen
auf den letzten Ministerratssitzungen, und auch auf meiner Zusammenkunft
mit dem NATO-Rat vor einigen Wochen haben wir darüber gesprochen. So ist,
was die Konferenz über Sicherheit in Europa anbetrifft, alles klar. Ohne
Zweifel wird diese Frage bei unseren Gesprächen mit den sowjetischen Führern
aufgeworfen werden.

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21/1972

DIE MILITÄRISCHE MACHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS
III. Die US-Luftwaffe wird modernisiert

Von Hubert G. Coli ins

Das Kernstück der amerikanischen Luftwaffe ist das Strategische Luftkommando (SAC), das mit über 1000 Interkontinentalraketen und einer Flotte
von Bombern vom Typ B-52 eine gewaltige Abschreckungsmacht aufbietet. Es
ist - auch im amerikanischen Kongreß - gesagt worden, die Interkontinentalrakete habe das Bombenflugzeug überholt und zu einem Museumsstück werden
lassen.

Der Befehlshaber des Strategischen Luftkommandos, General Bruce K.
Holloway,selbst erfolgreicher Jagdflieger im zweiten Weltkrieg, hat dies
nachdrücklich bestritten. Ein Bomber, so argumentiert er, kann aus verschiedenen Richtungen und Höhen und mehrere Ziele nacheinander angreifen.
Er kann die verschiedensten Waffen mitführen und sein Ziel aussuchen. Und
vor allem er kann zurückkehren oder auch zurückgerufen werden, während eine
Rakete nach dem einmal erfolgten Start nicht zurückgeholt werden kann.

Die B-52 kann 30 Tonnen nuklearen oder herkömmlichen Sprengstoffs
mitführen und hat bei dem heute üblichen Auftanken in der Luft praktisch
einen unbegrenzten Aktionsradius. Sie kann ferner zwei Luft-Boden-Raketen
vom Typ Hound Dog mitführen, die eine Reichweite von rund 800 km haben. Im
Zuge der Modernisierung ist hier an eine neue Luft-Boden-Rakete - eine
- 1 -

�eine Kurzstrecken-Angriffsrakete oder SCRAM - gedacht, die eine gegnerische
RADAR-Anlage mit Überschallgeschwindigkeit unterlaufen kann. Mit der SCRAM
ausgerüstet könnte die B-52 bis zu 24 Nuklearwaffen mitführen, d.h. die gesamte Bomberflotte theoretisch über 5000. Die ersten SCRAM-Raketen sollten
noch in diesem Jahr einsatzbereit sein.

Für die weitere Zukunft wird ein völlig neues Bombenflugzeug vom Typ
B-l entwickelt, das sehr viel kleiner als die B-52 werden soll. Mit Schwenkflügeln ausgestattet soll die Maschine mit doppelter Schallgeschwindigkeit
fliegen. Im Einsatz selbst kann die Maschine mit fast Schallgeschwindigkeit
praktisch über dem Boden manövrieren.

Aber nicht nur im strategischen Bereich ist mit umwälzenden Modernisierungen zu rechnen, sondern auch die taktische Luftwaffe entwickelt ständig
neue Waffensysteme.
Eine gewaltige Neuerung ist der noch immer viel umstrittene Jagdbomber
vom Typ FA-111. Diese Maschine hatte eine etwas unglückliche Anfangsentwicklung, da bei den ersten Erprobungen - als sie noch unter der Bezeichnung
TFX flog - eine Reihe von Unfällen auftrat. Trotz vieler AnlaufSchwierigkeiten hielten führende Offiziere der US-Luftwaffe - auch gegen Widerstände
im Kongreß - an dieser Maschine fest, die, wie sie sagen, einzigartig für
die gestellten Aufgaben ist.

Die FB-111 ist praktisch zwei Flugzeuge in einem. Bei jedem Wetter kann
sie als Bomber oder Jäger eingesetzt werden, und sie ist auch zwei Bomber in
einem - sie kann strategisch und taktische Einsätze fliegen. Sie hat den
doppelten Aktionsradius und die doppelte Geschwindigkeit des alten F-100
Super Sabrejet und kann mit zwei Nuklearwaffen unter jedem Flügel bei einem
Einsatz so viel Kampfkraft aufbringen wie eine ganze Staffel von sechs
F-4 Phantom. Dem Strategischen Luftkommando sind allein 66 FB-111 zugeteilt
worden. Wenn sie in der Luft aufgetankt werden, können sie ein interkontinentales Ziel schneller erreichen als die B-52.
Es
- 2-

�Es ist vor allem die Möglichkeit der raschen Dislozierung an praktisch
jedem Punkt der Erde, die die FB-111 zu einem besonders wichtigen Instrument
der Verteidigung macht

Erst kürzlich löste ein Geschwader dieser Maschinen

auf einem NATO Flugplatz in England die langsam veraltenden F-100 ab.

Auch die FB-111 benutzt das moderne Prinzip des Schwenkflügels und kann
dadurch bei Start und Landung mit einem relativ kurzen Rollfeld auskommen.
Beim Flug mit zurückgeklappten Flügeln erreicht sie eine Geschwindigkeit von
2,5 Mach - eine .:^eieinhalbfache Schallgeschwindigkeit. Mit Hilfe eines
RADARS und eines Bord omputers kann die Maschine automatisch den Erhebungen
und Vertiefungen der Erdoberfläche folgen, ohne daß der Pilot zu steuern
braucht.

Die Planer der US-Airforce

sehen als Hauptaufgabe der Maschine die

Zerstörung der gegnerischen Luftwaffe auf den Flugplätzen, um so die Luftüberlegenheit sicherzustellen.
Ein völlig neues Konzept der amerikanischen Luftwaffe - das gerade mit
der Nixon-Doktrin besondere Bedeutung gewinnt - ist der transportable Flugplatz. Mit Hilfe von Transportmaschinen wird die komplette Einrichtung eines
Flugplatzes, einschließlich von rund 400 Gebäuden, dorthin gebracht, wo sie
gebraucht wird. Alles was .ür diesen "Flugplatz aus der Dose" nötig ist, ist
ein Kollfeld und Wasser

Mit diesen Grundvoraussetzungen - die nach Fest-

stellung der Experten an rund 1400 Orten der Welt vorhanden sind - kann die
amerikanische Luftwaffe innerhalb eines Tages einen vollen Flugbetrieb einrichten. Bei einem Versuch in den Vereinigten Staaten hat eine Einheit von
1700 Mann einen verlassenen Flugplatz innerhalb von 29 Stunden betriebsklar
gemacht und innerhalb von 72 Stunden war er voll einsatzbereit.

Die OLUidausrüstung dieses "fliegenden Flugplatzes" besteht aus drei
"Paketen". Das eine enthält in einem Behälter von rund 2,4 mal 2,4 mal 3,9 m
eine zusammenlegbare Halle, die in eine über

7

m lange Werkstatt mit allen

Maschinen und Geräten verwa delt werden kann. Die Wände bestehen aus zwei
Schichten von Leichtaluminium. Das zweite Paket enthält eine zusammenleg- 3-

�zusammenlegbare Unterkunft, die auf rund 10 m ausgezogen werden kann und
12 Klappbetten enthält. Ein drittes Paket enthält die Bauelemente für
Schuppen, die als Lagerräume verwandt werden können und eine Größe von
9 mal 14 m bei 3,3 m Höhe haben. Und schließlich werden transportable Hangars
mitgeführt, die aufgebaut eine Länge von 24 m, eine Tiefe von 17,6 m und eine
Höhe von 6 m haben und zwei Jagdflugzeuge vom Typ F-4 aufnehmen können.

Mit all diesen und zahlreichen anderen Neuentwicklungen wird die
amerikanische Luftwaffe ständig auf dem modernsten Stand gehalten, um
ihrerAufgäbe der Sicherung des Friedens gerecht werden zu können.

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21/1972

GEORGE P. SHULTZ - DER NEUE AMERIKANISCHE FINANZMINISTER

Ein Fachmann für Wirtschaftsfragen

Mit George P. Shultz hat Präsident Nixon einen seiner respektiertesten
und mächtigsten Berater zum Nachfolger für den zurückgetretenen Finanzminister
John B. Connally nominiert. Mit der zu erwartenden Billigung durch den Senat
wird der bisherige Leiter des Amtes für Planung und Haushalt und frühere Arbeitsminister ein Amt antreten, das gerade im Hinblick auf die Neugestaltung
des Internationalen Währungssystems von besonderer Bedeutung weit über die
Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus ist.

Am 13. Dezember 1920 in New York geboren, studierte Shultz an der
Princeton-Universität Jura (Bachelor of Law 1942) und dann Wirtschaftswissenschaften am Massachusetts Institute of Technology, wo er 1949 promovierte.
Bis 1957 war er als Dozent und Professor an der wissenschaftlichen Fakultät
dieser berühmten amerikanischen Hochschule tätig. Als Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität von Chicago und ab 1962 als dessen
Dekan hat Shultz die Richtung des von ihm bewunderten bekannten amerikanischen
Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman vertreten. Auch als ihn Präsident

- 1 -

�Präsident Nixon 1969 als Arbeitsminister und dann 1970 als Planungs- und
Haushaltsdirektor in sein Kabinett berief, hat sich Shultz immer für das
freie Spiel der Marktkräfte ausgesprochen.
Shultz hat sich in Washington und darüber hinaus einen Ruf als fähiger
Administrator und Verhandler erworben und ist bekannt dafür, daß er ihm
gestellte Aufgaben anpackt und löst. Bevor der frühere Gouverneur von Texas,
John Connally, auf der Washingtoner Szene erschien, wurde Shultz in der
Presse als der zweitmächtigste Mann nach dem Präsidenten in innenpolitischen
Fragen bezeichnet. Der als freundlich, kühl, intellektuell und bestimmt
charakterisierte Professor hat sein Prinzip vom freien Spiel der Kräfte selbst
in der in dieser Richtung orientierten Nixon-Administration nicht immer durchsetzen können. So folgte man beispielsweise seinen Empfehlungen nicht, das bestehende System der strikten Erdöleinfuhrquoten durch einen festen Zollsatz
zu ersetzen, der eine flexiblere Einfuhrpolitik erlaubt hätte. Ebenso ist
Shultz immer ein Gegner von Lohn- und Preiskontrollen gewesen, hat jedoch
wie andere Wirtschaftler seiner Richtung die Kontrollen befürwortet, die
Präsident Nixon unter dem Zwang der Umstände im August vorigen Jahres einführte.

In vielen innenpolitischen Fragen - wie etwa Arbeitnehmer-ArbeitgeberBeziehungen, Beschäftigungspolitik und gleiche Arbeitschancen für Schwarze ist Shultz ein Liberaler.

Der neue Finanzminister der Vereinigten Staaten hat noch wenig Gelegenheit gehabt, seine Auffassungen über internationale Währungsfragen zu äußern.
Es bestehen jedoch keine Anzeichen, daß der Wechsel in der Führung im Finanz-

�Finanzministerium irgendeine bedeutsame Änderung der amerikanischen Zielsetzungen bezüglich der Reform des internationalen Währungssystems oder bezüglich anderer wirtschaftlicher Fragen bedeuten würde. Shultz hat eine
zentrale Position in der Schaltstelle der innenpolitischen Macht mit einem
Posten eingetauscht, der ihm sicherlich eine stärkere internationale Bedeutung geben wird. Von seiner Ausbildung und seinen Fähigkeiten her wird er
keine Mühe haben, die neuen, großen Aufgaben zu bewältigen.

Als Nachfolger im Amt für Planung und Haushalt ist der bisherige Haushaltsdirektor und erste Mitarbeiter von Shultz, Caspar Weinberger, ausersehen worden.
Bis zur Bestätigung von Shultz durch den Senat wird Connally das Amt
des Finanzministers weiter verwalten, in dem er sich durch seine Offenheit,
Entschlossenheit und feste Haltung einen Namen gemacht hat. Bereits bei
seiner Berufung nach Washington - als einziger Demokrat im republikanischen
Kabinett Nixon - hatte Connally angekündigt, daß er sein Amt nur für ein
Jahr übernehmen wolle. Nachdem diese Frist im Dezember vorigen Jahres abgelaufen war und gerade die Neuordnung des internationalen Währungssystems anstand - die dann unter seiner Ägide mit dem Smithsonian-Abkommen auch zustande kam - hatte er in eine Verlängerung um sechs Monate eingewilligt.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Portraitaufnahme von
George P. Shultz zur Verfügung
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21/1972

ÜBERSCHALLFLUG UND UMWELT
Neues Forschungsprojekt in USA

- (AD) - Im Rahmen eines Forschungsprojekts des Lawrence-Laboratoriums
in Livermore (Kalifornien) sollen mögliche Umweltauswirkungen des Flugverkehrs mit Überschallgeschwindigkeit untersucht werden. Die vom US-Verkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie, die mindestens 30 Monate in Anspruch
nehmen wird, soll insbesondere die Frage klären helfen, inwieweit die Flugzeugabgase die Verhältnisse in der Stratosphäre so zu beeinflussen vermögen,
daß sich mit der Zeit die Bedingungen in der Troposphäre, der Zone des
Wettergeschehens, grundlegend verändern.

Unter Berücksichtigung aller nur erdenklichen Faktoren werden die
Wissenschaftler des Livermore-Laboratoriums, eines Instituts der US-Atomenergie-Kommission, Computer-Modelle ausarbeiten,

die z.B. Voraussagen

über mögliche Veränderungen von Bewölkung, Eindringtiefe der UltraviolettStrahlung von der Sonne und der Temperaturen an der Erdoberfläche geben.
Physiker, Mathematiker, Meteorologen und Chemiker werden an dem Projekt mitwirken.

Die Überschallflugzeuge, die gegenwärtig von England, Frankreich und
der Sowjetunion entwickelt werden, bewegen sich in Flughöhen zwischen 16 000
und 22 000 m, also bereits in der bis knapp 60 000 m Höhe reichenden Stra-

-

I

-

�Stratosphäre. Im einzelnen geht es um die Klärung folgender Probleme:

1) Durch Wasserdampf und Rauchpartikel aus den Abgasen der SST-Flugzeuge (Überschall-Transportmaschinen), die in der Stratosphäre freigesetzt
werden, könnten die Temperaturen am Erdboden verändert werden, weil sie
Energie

von der Sonne aufnehmen und reflektieren. Jedoch kann nach dem

gegenwärtigen Stand unseres Wissens noch nichts darüber gesagt werden,
ob dadurch die Temperaturen absinken oder ansteigen bzw. in welchem Ausmaß sie sich verändern würden.

2) Kondensstreifen würden sich wahrscheinlich sehr lange Zeit in
der Atmosphäre halten, vor allem über der nördlichen Hemisphäre, wo kalte
Luftmassen ihr Auftreten begünstigen.

3) Verschiedene Berechnungen lassen vermuten, daß Stickstoffoxyde
aus den Abgasen von SST-Flugzeugen in der Stratosphäre mit Ozon reagieren
und einen Teil davon zerstören. Dadurch würde ein wichtiger Schutzschild
gegen die Ultraviolettstrahlung von der Sonne in seiner Wirksamkeit geschwächt. Aber auch dieser Punkt verlangt noch umfassende Klärung. Andererseits hat sich nämlich gezeigt, daß unter gewissen Voraussetzungen Stickstoffoxyde kondensiert werden und ohne weitere chemische Reaktionen mit
Niederschlägen zur Erde gelangen. Andere Vermutungen gehen dahin, daß in
der Stratosphäre Ozon und Stickstoffoxyde nebeneinander existieren können,
d.h. daß der Effekt des Abbaus von Ozon durch andere Effekte neutralisiert
wird.

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NEUER IMPFSTOFF GEGEN MENINGITIS

- (AD) - Einen ersten Großversuch m i t einem neuartigen Vakzin gegen
M e n i n g i t i s , d a s speziell für die Schutzimpfung v o n Kleinkindern entwickelt
w u r d e , unternehmen D r . Martha Lepow, D r . Ronald Gold und D r . Irving
Goldschneider v o n der Universität Connecticut im A u f t r a g des Nationalen
Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in Bethesda

(Maryland).

Mit Einverständnis der Eltern w e r d e n 200 Babies im Alter v o n etwa drei
M o n a t e n m i t dem Vakzin geimpft und anschließend ein Jahr lang unter Beobachtung bleiben.

Der Impfstoff wurde bei 250 000 Armeeangehörigen bereits m i t großem
E r f o l g angewandt. Nach Ansicht D r . Goldschneiders, der an der Entwicklung
des Vakzins maßgebend beteiligt w a r , blieb bei dem bisher geimpften Personenkreis die Anzahl v o n Meningitis-Fällen auf e i n Zehntel der normalerweise
auftretenden Krankheitsfälle

beschränkt. Im Verlauf des ersten Großversuchs

bei Kindern soll vor allem die Bildung v o n A n t i k ö r p e r n gegen Meningokokken
eingehend untersucht w e r d e n .

In den Vereinigten S t a a t e n treten 90 Prozent aller M e n i n g i t i s f ä l l e ,
die jährlich gemeldet w e r d e n , bei Kindern a u f . Schon allein diese Tatsache
m a c h t die Entwicklung eines speziell für Kinder geeigneten Impfstoffes zu
einer überaus wichtigen A u f g a b e . Meningitis-Epidemien w e r d e n in einem g e w i s s e n Zyklus im Abstand v o n ca. 15 Jahren verzeichnet. Bei der letzten
großen Epidemie in den Vereinigten Staaten während der fünfziger Jahre kam

- 1 -

�kam es zu 50 000 bis 80 000 Erkrankungen mit teilweise schwerwiegenden
Folgen. In der Statistik rangiert Meningitis unter den zehn gefährlichsten
Krankheiten, die das Leben von Kindern bedrohen. Eine besondere Schwierigkeit der Schutzimpfung ergibt sich jedoch aus der Tatsache, daß verschiedene
Erregertypen die gefürchtete

Hirnhautentzündung verursachen können (z.B.

Haemophilus influenzae Typ B, Meningococcus A, B und C). Zum Schutz gegen
jeden Erregertyp ist ein besonderes Vakzin erforderlich.

Die wirksame Substanz in dem neuen Vakzin, das gegen Meningococcus A
und C immunisiert, ist ein Polysaccharid aus der Hülle des Bakteriums; sie
ist leichter herzustellen und sicherer anzuwenden als ein Vakzin, das aus
lebenden oder abgetöteten Viren oder Bakterien gewonnen wird. Parallel zu
dem genannten Projekt laufen im Auftrag der medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA vier weitere großangelegte Studien, die alle darauf abzielen, das epidemische

Auftreten von Meningitis völlig auszuschalten.

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21/1972

FAHRZEUGE FÜR INDUSTRIE- UND ENTWICKLUNGSLÄNDER
TRANSPO 72 - Erste internationale Verkehrsausstellung in Washington

(AD) - Mehr als 350 Privatfirmen und eine Anzahl offizieller ausländischer Vertretungen stellen auf der TRANSPO 72 aus, der ersten Internationalen Ausstellung für den Land-, Luft- und Seeverkehr; sie findet vom
27. Mai bis 4. Juni 1972 auf dem Dulles International Airport in der Nähe von
Washington statt

Die Schau präsentiert in großer Vielfalt neue technische

Entwicklungen und Projekte, die auf besondere Bedürfnisse der Industrie- und
der Entwicklungsländer abgestellt sind. Fast 1,5 Millionen Besucher werden
erwartet, etwa &gt;0 000 davon aus Übersee

Wie ein Sprecher der TRANSPO 72 erklärte, zeigen die USA u.a. Ausrüstungen, die Entwicklungsländern "den Sprung vom 19. ins 20. Jahrhundert"
ermöglichen - u.a. den beschleunigten Ausbau von Häfen mit neuartigen Piers,
die in acht Monaten errichtet werden (gegenüber einer Bauzeit von drei
Jahren für hölzerne Piers). Die Autofirmen Ford und General Motors führen
neue billige Vielzweckfahrzeuge vor, die vor allem Betriebsbedingungen im
südostasiatischen Raum gerecht werden. Das neue Allzweckfahrzeug von General
Motors z.B.,dessen Serienproduktion Ende Mai in Tampoi (Malaysia) aufgenommen
wird, hat einen Vierzylindermotor mit 37 PS und einen leiterähnlichen Rahmen,
an dem eine Vielzahl einfacher Ausrüstungen oder zu transportierender Geräte
angehängt werden kann. Das Fahrzeug ist nach Angaben eines Sprechers des
Unternehmens robust, vielseitig, wirtschaftlich im Betrieb, leicht zu mon-

- 1 -

�montieren und zu reparieren. Die Fa. General Electric stellt u.a. ein Antriebssystem für Aggregate vor,die in riesigen Bergbau-Transportmaschinen
mit einem Aufnahmevermögen bis 230 Tonnen, bei Bohrausrüstungen und Schleppwagen für Jumbo-Jets und andere Großfahrzeuge im Gelände verwendet werden.

Helikopter verschiedenster Typen demonstrieren die Möglichkeiten zur
medizinischen Versorgung oder Evakuierung der Bevölkerung in abgelegenen
Gebieten oder für das Absetzen von Maschinen und Ausrüstungen in Dschungellichtungen oder auf Berggipfeln, wo es keine Straßen gibt. Sie wurden u.a.
bereits dazu benutzt, Sendetürme oder Gerüste für elektrische Überlandleitunge
zu installieren. Auch Kleinflugzeuge, Lasten-Helikopter, Ausrüstungen für
Speicher und Materiallager oder neuartige Schleppausrüstungen für Schiffe
dürften verbreitet Interesse finden. Jeden Vormittag sind Sondervorführungen
mit technischen Neuheiten vorgesehen.

+ ++++

�</text>
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