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und
Dokumentation

08-85432

Nummer

19

10. Mai 1972

Inhalt

INFORMATION

Nixon kündigt neue Maßnahmen in Südostasien an
- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 8. Mai USA informieren Weltsicherheitsrat über neue Maßnahmen
- Wortlaut des Schreibens von Botschafter Bush HINTERGRUNDMATERIAL
Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens
I. Die US-Marine rüstet sich für Zukunftsaufgaben
Von Hubert G. Collins
Die wahre Mehrheit: 1972
- Von Richard M. Scammon I. Der amerikanische Wähler - sein statistisches Profil
II. Der amerikanische Wähler und die Parteien
WIRTSCHAFT
USA begrüßen ausländische Investitionen
- Informations-Seminar in Düsseldorf Die Entwicklungsländer und die internationale Währungsreform
Von Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Modell für ein gemeinsames Docksystem
Pläne für amerikanisch-sowjetisches Raumfahrtunternehmen
nehmen Gestalt an
Text in Braille-Schrift vom Computer

B E I L A G E

"NUR DIESE EINE ERDE"
UN-Konferenz über die menschliche Umwelt
Stockholm, Juni 1972

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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19/1972

NIXON KÜNDIGT NEUE MASSNAHMEN IN SÜDOSTASIEN AN

-Rundfunk-und Fernsehansprache des Präsidenten vom 8.Mai-

WASHINGTON --(AD)—

Präsident Nixon hat nach einer längeren Sitzung des Na-

tionalen Sicherheitsrates in einer Rundfunk-und Fernsehansprache am Abend
des 8. Mai (Ortszeit) neue Maßnahmen angekündigt, um den Krieg in Südostasien
zu beenden.
„

Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Vor fünf Wochen - am Osterwochenende - begannen die kommunistischen
Armeen Nordvietnams eine massive Invasion Südvietnams - eine Invasion , die
möglich wurde durch Panzer, Geschütze und andere moderne Offensivwaffen, die
Hanoi von der Sowjetunion und anderen kommunistischen Staaten geliefert
wurden.
Die Südvietnamesen haben tapfer gekämpft, um diesen brutalen Angriff
abzuwehren. Die Verluste waren auf beiden Seiten sehr hoch. Was am tragischsten ist, in den Städten, die die Nordvietnamesen in mutwilliger Mißachtung
menschlichen Lebens beschossen haben, sind unter der Zivilbevölkerung über
20 000 Menschen, darunter Frauen und Kinder, als Verluste zu beklagen.
Wie ich in meinem Bericht an die Nation vor zwölf Tagen bekanntgegeben
habe, ist die Rolle der Vereinigten Staaten beim Widerstand gegen die
Aggression auf Luft-und Seeangriffe auf militärische Ziele in Nord-und Südvietnam beschränkt gewesen.
Wie

-l-

�Wie ich in diesem Bericht weiter ausgeführt habe, haben wir auf die massive
militärische Offensive Nordvietnams mit weitreichenden neuen Friedensbemühungen
reagiert, die darauf abzielten, den Krieg durch Verhandlungen zu beenden.
Am 20, April entsandte ich Dr, Kissinger zu viertägigen Besprechungen mit
Generalsekretär Breschnew und anderen sowjetischen Führern nach Moskau. Ich
wies ihn an, unseren Wunsch nach einer raschen Lösung des Krieges und unsere
Bereitschaft zu unterstreichen, alle nur möglichen Wege zu prüfen. Zu jenem
Zeitpunkt zeigten die sowjetischen Führer ein Interesse daran, den Krieg auf
einer für beide Seiten gerechten Basis zu Ende zu bringen. Sie drängten auf
Wiederaufnahme der Verhandlungen in Paris, und sie ließen erkennen, daß sie
ihren konstruktiven Einfluß geltend machen würden.
Ich bevollmächtigte Dr. Kissinger, mit dem nordvietnamesischen Verhandlungschef Le Duc Tho am Dienstag, den 2 Mai, zu einem Geheimgespräch in Paris
zusammenzutreffen. W:e Sie wissen, nahm Botschafter Porter am 27. April und
dann am 4. Mai die öffentlichen Friedensverhandlungen wieder auf. Alles, was
wir auf diesen Konferenzen, sowohl den öffentlichen wie den vertraulichen, vom
Gegner hörten, war eine bombastische Rhetorik und die Wiederholung seiner Forderung nach Kapitulation.
So hatte ich beispielsweise Dr, Kissinger für das Geheimgespräch am 2.Mai
ermächtigt, über jeden nur denkbaren Weg zum Frieden zu sprechen.
Die Nordvietnamesen weigerten sich glattweg, auch nur irgendeine dieser
Möglichkeiten zu erörtern, Sie weigerten sich auch, ihrerseits eine neue Möglichkeit anzubieten. Stattdessen verlasen sie lediglich wörtlich ihre früheren
öffentlichen Forderungen.
liier das, was bei den mehr als dreijährigen öffentlichen und vertraulichen
Verhandlungen mit Hanoi herausgekommen ist:
Die Vereinigten Staaten haben bei voller Zustimmung unserer südvietnamesischen Verbündeten ein Maximum dessen angeboten, was irgendein Präsident

-2-

�Präsident der Vereinigten Staaten anbieten konnte. Wir haben eine Deeskalation
der Kämpfe angeboten. Wir haben eine Waffenruhe mit einem Termin für den Abzug
aller amerikanischen Streitkräfte angeboten. Wir haben neue Wahlen angeboten,
die unter Beteiligung der Kommunisten sowohl im Überwachungsgremium als auch
bei den Wahlen selbst international überwacht werden sollen. Präsident Thieu hat
angeboten, einen Monat vor den Wahlen zurückzutreten. Wir haben einen Gefangenenaustausch angeboten und zwar in einem Verhältnis von zehn nordvietnamesischen
Gefangenen für einen amerikanischen Gefangenen, den sie freilassen.
Nordvietnam hat auf alle diese Angebote in unverschämter und beleidigender
Weise reagiert. Die Nordvietnamesen haben sich glattweg und mit Arroganz geweigert, über die Beendigung des Krieges und die Herbeiführung des Friedens zu verhandeln.
Ihre Antwort auf jedes von uns unterbreitete Friedensangebot war eine Eskalation des Krieges. Allein in den zwei Wochen, seit ich die Wiederaufnahme
der Verhandlungen anbot, hat Hanoi drei neue militärische Offensiven in Südvietnam begonnen.
In diesen zwei Wochen hat sich die Gefahr, daß den 17 Millionen Menschen
in Südvietnam eine kommunistische Regierung aufgezwungen werden könne, vermehrt.
Und die kommunistische Offensive hat nunmehr den Punkt erreicht, daß sie das
Leben von 60 000 amerikanischen Soldaten, die sich noch in Vietnam befinden,
ernsthaft gefährdet.
Für uns gibt es in diesem Krieg jetzt nur noch zwei Fragen.
Erstens: Sehen wir angesichts einer massiven Invasion tatenlos zu, gefährden das Leben von 60 000 Amerikanern und überlassen die Südvietnamesen
einer langen Nacht des Terrors?
Das wird nicht geschehen. Wir werden tun, was immer notwendig ist, um das
Leben der amerikanischen Soldaten und die amerikanische Ehre zu schützen.
Zweitens

�Zweitens: Schließen wir angesichts der völligen Unnachgiebigkeit am Konferenztisch uns unserem Gegner an, um in Südvietnam eine kommunistische Regierung einzusetzen?
Auch das wird nicht geschehen. Wir werden die Grenze zwischen Großzügigkeit und Verrat nicht überschreiten.
Wir haben nunmehr eine klare, harte Wahl zwischen drei Kursen des Handelns:
Sofortiger Abzug aller amerikanischen Streitkräfte; die Fortsetzung der Verhandlungsversuche oder entscheidende militärische Maßnahmen zur Beendigung des
Krieges.
Ich weiß, daß viele Amerikaner für den ersten Kurs des Handelns sind
- den sofortigen Abzug, Sie glauben, der Weg zur Beendigung des Krieges sei der
Abzug der Vereinigten Staaten und die Bedrohung unserer verbliebenen Streitkräfte werde beseitigt, indem wir diese einfach abziehen.
Vom politischen Standpunkt aus könnte ich diese Wahl sehr leicht akzeptieren. Schließlich habe nicht ich über eine halbe Million Amerikaner nach
Vietnam geschickt. Seit ich mein Amt übernahm, habe ich vielmehr 500 000 Mann
aus Vietnam heimgeholt.
Unsere Verpflichtung in Vietnam jedoch hier und heute aufzugeben, würde
bedeuten, 17.Millionen Südvietnamesen der kommunistischen Tyrannei und dem kommunistischen Terror auszuliefern. Es würde bedeuten, Hunderte amerikanischer
Kriegsgefangener in kommunistischen Händen zu lassen, ohne daß wir einen Hebel
für Verhandlungen über ihre Freilassung hätten.
Eine amerikanische Niederlage in Vietnam würde überall in der Welt zu solchen Aggressionen ermutigen - Aggressionen, bei denen kleinere, von ihren
großen Verbündeten bewaffnete Nationen versucht sein könnten, willkürlich benachbarte Nationen anzugreifen - im Nahen Osten, in Europa und in anderen Gebieten wäre der Weltfrieden in ernster Gefahr.
Der
-4-

�Der zweite Kurs des Handelns ist die Fortsetzung des Versuches, eine Regelung auf dem Verhandlungswege herbeizuführen» Das ist der Kurs, den wir von
Anfang an vorgezogen haben, und wir werden ihn weiterverfolgen. Wir wollen
verhandeln, Aber wir haben jedes nur vernünftige Angebot gemacht und haben
jeden nur möglichen Weg versucht, um diesen Krieg am Konferenztisch zu beenden«
Das Problem ist, wie Sie alle wissen, daß man zwei braucht, um zu verhandeln,
und die Nordvietnamesen weigern sich heute - wie während der ganzen letzten
vier Jahre - arrogant, über irgendetwas anderes als über eine Auferlegung,
ein Ultimatum zu verhandeln, daß die Vereinigten Staaten 17 Millionen Menschen
in Südvietnam, die keine kommunistische Regierung wollen, ein kommunistisches
Regime auferlegen.
Hieraus wird also klar, daß das, was eine Wahl zwischen drei Kursen des
Handelns zu sein scheint, für die Vereinigten Staaten in Wirklichkeit überhaupt
keine Wahl ist. Das Töten in diesem tragischen Krieg muß aufhören. Wenn wir
einfach abzögen, würde das das Blutvergießen nur noch verschlimmern. Wenn wir
uns einzig und allein auf Verhandlungen verließen, würden wir einem unnachgiegiben Gegner die Zeit einräumen, die er braucht, um seine Aggression auf dem
Schlachtfeld voranzutreiben.
Es gibt nur einen Weg, um das Töten zu beenden, und das ist, dafür zu sorgen, daß die international Geächteten in Nordvietnam keine Kriegswaffen in die
Hand bekommen.
Während des gesamten Krieges in Vietnam haben die Vereinigten Staaten ein
Maß an Zurückhaltung geübt, das in den Annalen des Krieges einmalig ist
Das war unsere Pflicht als eine große Nation - eine Nation, die - und da~
rauf können wir als Amerikaner stolz sein - daran interessiert ist, daß Amerika
immer den Frieden und nicht die Eroberung anstrebt. Wenn jedoch der Gegner jede
Zurückhaltung aufgibt, seine gesamten Streitkräfte in den Kampf auf dem Gebiet
seines Nachbarn wirft und sich weigert zu verhandeln, dann stehen wir einfach
vor einer neuen Situation.
Unter
-5"

�Unter diesen Umständen, wo 60 000 Amerikaner bedroht sind, würde jeder
Präsident, der nicht entschlossen handelte, das Vertrauen seines Landes und die
Sache des Weltfriedens verraten.
Ich habe daher entschieden, daß Hanoi die Waffen und Nachschubgüter verwehrt
werden müssen, die es ,.ur Fortsetzung der Aggression benötigt. In voller Koordinierung mit der Republik Vietnam habe ich die folgenden Maßnahmen angeordnet,die
durchgeführt werden, während ich zu Ihnen spreche*

L.

Alle Einfahrten nordvietnameäscher Häfen werden vermint werden, um

den Zugang zu diesen Häfen und nordvietnamesische Flottenoperationen von diesen
Häfen aus zu unterbinden.
2

Die amerikanischen Streitkräfte sind angewiesen worden, innerhalb der

Binnengewässer und der beanspruchten Hoheitsgewässer Nordvietnams angemessene
Maßnahmen zu ergreifen, um die Lieferung jeglichen Nachschubs zu unterbinden
3.

Die Schienen-und anderen Verbindungswege werden im höchstmöglichen

Maße abgeschnitten.
4.

Die Luft-und Seeangriffe gegen militärische Ziele in Nordvietnam

werden fortgesetzt.
Diese Maßnahmen richten sich gegen keine andere Nation. Länder, die gegenwärtig Schiffe in nordvietnamesischen Häfen liegen haben, sind bereits unterrichtet worden, daß ihre Schiffe drei Tageslichtoerioden haben werden, um den
Hafen sicher verlassen zu können

Nach diesem Zeitpunkt werden die Minen

scharf, und jedes Schiff, das versucht, diese Häfen zu verlassen oder anzulaufen, tut das auf eigenes Risiko.
Diese von mir befohlenen Maßnahmen werden aufhören, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
1.

AI e amerikanischen Kriegsgefangenen müssen wieder ausgeliefert

werden.
-6^

�2.

In ganz Indochina muß eine international überwachte Waffenruhe

herrschen.
Wenn die Kriegsgefangenen freigelassen worden sind und die international
überwachte Waffenruhe begonnen hat, werden wir jegliche Gewaltanwendung in
ganz Indochina einstellen.
Zu jenem Zeitpunkt werden wir den völligen Abzug aller amerikanischen
Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten einleiten.
Diese Bedingungen sind großzügige Bedingungen. Es sind Bedingungen, die
keine Kapitulation und keine Demütigung von irgendjemand fordern. Sie würden
es den Vereinigten Staaten gestatten, ehrenhaft abzuziehen. Sie würden das
Töten beenden; sie würden unsere Kriegsgefangenen heimbringen; sie würden Verhandlungen über eine politische Lösung zwischen den Vietnamesen selbst gestatten; sie würden es allen Nationen, die in diesem langen Krieg so gelitten haben
- Kambodscha, Laos, Nordvietnam, Südvietnam - erlauben, sich endlich den dringenden Aufgaben des Aufbaus und des Friedens zuzuwenden. Sie verdienen es, daß
Nordvietnam ihnen unverzüglich zustimmt.
Es scheint mir angebracht, daß ich meine Ausführungen heute abend mit einider
gen Feststellungen abschließe, die an jede einzelne/von der fortdauernden Tragödie des Vietnamkrieges betroffenen Parteien gerichtet sind.
Erstens an die Führer in Hanoi: Ihr Volk hat bereits zu viel unter Ihrem
Eroberungsstreben gelitten. Bringen Sie seinem Leid doch etwas anderes entgegen
als anhaltende Arroganz! Wählen Sie stattdessen den Weg eines Friedens, der
Ihre Opfer wiedergutmacht, die wahre Unabhängigkeit für Ihr Land garantiert
und eine Ära der Versöhnung einleitet.
An das südvietnamesische Volk: Sie werden auch weiterhin in Ihrem Widerstand gegen die Aggression unsere feste Unterstützung haben. Es ist Ihr Geist,
der über den Ausgang des Kampfes entscheiden wird. Es

ist Ihr Wille, der die

Zukunft Ihres Landes gestalten wird.
An
-7-

�An andere Nationen, vor allem an jene, die mit Nordvietnam verbündet sind:
Pie Maßnahmen die ich heute abend bekanntgegeben habe, sind nicht gegen Sie gerichtet. Thr einziger Zweck ist es, das Leben von 60 000 Amerikanern zu schützen,
die für den Fall, daß die kommunistische Offensive weiterrollt, ernsthaft gefährdet wären, und

zu verhindern, daß 17 Millionen Menschen durch eine bruta-

le Aggression eine kommunistische Regierung auferlegt wird.
Insbesondere richte ich meine Feststellungen heute abend an die Sowjetunion. Wir respektieren die Sowjetunion als eine Großmacht. Wir erkennen das
Recht der Sowjetunion an, ihre Interessen zu verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Die Sowjetunion ihrerseits muß unser Recht anerkennen, unsere Interessen zu verteidigen.
In Vietnam sind keine sowjetischen Soldaten bedroht. Aber 60 000 Amerikaner
sind bedroht. Wir erwarten von Ihnen nichts anderes, als daß Sie Ihren Verbündeten helfen

Und Sie können von uns nichts anderes erwarten, als daß wir weiter-

hin unseren Verbündeten helfen. Aber lassen Sie uns - und alle Großmächte sollten das tun - unseren Verbündeten nur zum Zwecke der Verteidigung helfen, und
nicht, um Invasionen gegen ihre Nachbarn durchzuführen, sonst wird die Sache
des Friedens, die Sache, an der wir beide ein so großes Interesse haben, ernsthaft gefährdet sein.
Unsere beiden Länder haben in den Verhandlungen der jüngsten Monate bedeutsame Fortschritte erzielt

Wir stehen vor wichtigen Abkommen über die Begrenzung

der nuklearen Rüstungen, über den Handel und über eine Reihe anderer Fragen.
Wir dürfen nicht in den dun1 Len Schatten eines früheren Zeitalters zurückgleiten. Wir verlangen nicht von Ihnen, daß Sie Ihre Prinzipien oder Ihre Freunde
opfern. Aber Sie sollten es auch nicht zulassen, daß durch die Unnachgiebigkeit
Han is die Aussichten, die wir gemeinsam und geduldig vorbereitet haben, ausgelöscht werden

Wir - die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - stehen an

der Schwelle eines neuen Verhältnisses, das nicht nur den Interessen unserer
beiden Länder, sondern auch der

ache des Weltfriedens dienen kann. Wir sind be-

reit, den Aufbau dieses Verhältnisses fortzusetzen
liegt die Verantwortung bei Ihnen.

Wenn dies nicht gelingt,
.. ,

-8-

�Und schließlich möchte ich dem amerikanischen Volke sagen:
Ich bitte Sie um die gleiche nachhaltige Unterstützung, die Sie in schweren
Stunden Ihren Präsidenten immer gegeben haben. Mehr als auf irgend jemand wird
die Welt auf Sie blicken.
Ich weiß, wie &lt;,ehr Sie das Ende dieses Krieges wünschen. Ich weiß, wie sehr
Sie die Heimkehr unserer Soldaten wünschen. Ich glaube, daß Sie aus all dem,
was ich in den letzten dreieinhalb Jahren gesagt und getan habe, erkannt haben,
wie sehr auch ich das Ende des Krieges und die Heimkehr unserer Soldaten
wünsche.
Sie wollen Frieden, Ich will Frieden, Aber Sie wollen auch Ehre und keine
Niederlage. Sie wollen einen echten Frieden, nicht einen Frieden, der lediglich
ein Vorspiel zu einem neuen Krieg ist.
Wir müssen in diesem Augenblick in Zielsetzung und Entschlossenheit zusammenstehen. Wie so oft in der Vergangenheit waren es nicht wir Amerikaner, die die
Ausflucht in einen Krieg suchten. Er ist uns durch einen Gegner aufgezwungen
worden, der jeder Friedensouvertüre unsererseits nichts als Verachtung entgegengebracht hat
Darum, meine amerikanischen Mitbürger, bitte ich Sie heute abend um Ihre
Unterstützung für diese Entscheidung

- eine Entscheidung, die nur einen Zweck

hat: den Krieg nicht zu verlängern, den Krieg nicht zu eskalieren, sondern diesen Krieg zu beenden und einen Frieden zu gewinnen, der dauerhaft ist. Mit
Gottes Hilfe, mit seiner Unterstützung werden wir dieses große Ziel erreichen".

H I HI

-9-

�Der zweite Kurs des Handelns ist die Fortsetzung des Versuches, eine Regelung auf dem Verhandlungswege herbeizuführen. Das ist der Kurs, den wir von
Anfang an vorgezogen haben, und wir werden ihn weiterverfolgen. Wir wollen
verhandeln. Aber wir haben jedes nur vernünftige Angebot gemacht und haben
jeden nur möglichen Weg versucht, um diesen Krieg am Konferenztisch zu beenden.
Das Problem ist, wie Sie alle wissen, daß man zwei braucht, um zu verhandeln,
und die Nordvietnamesen weigern sich heute - wie während der ganzen letzten
vier Jahre - arrogant, über irgendetwas anderes als über eine Auferlegung,
ein Ultimatum zu verhandeln, daß die Vereinigten Staaten 17 Millionen Menschen
in Südvietnam, die keine kommunistische Regierung wollen, ein kommunistisches
Regime auferlegen.
Hieraus wird also klar, daß das, was eine Wahl zwischen drei Kursen des
Handelns zu sein scheint, für die Vereinigten Staaten in Wirklichkeit überhaupt
keine Wahl ist. Das Töten in diesem tragischen Krieg muß aufhören. Wenn wir
einfach abzögen, würde das das Blutvergießen nur noch verschlimmern. Wenn wir
uns einzig und allein auf Verhandlungen verließen, würden wir einem unnachgiegiben Gegner die Zeit einräumen, die er braucht, um seine Aggression auf dem
Schlachtfeld voranzutreiben.
Es gibt nur einen Weg, um das Töten zu beenden, und das ist, dafür zu sorgen, daß die international Geächteten in Nordvietnam keine Kriegswaffen in die
Hand bekommen.
Während des gesamten Krieges in Vietnam haben die Vereinigten Staaten ein
Maß an Zurückhaltung geübt, das in den Annalen des Krieges einmalig ist.
Das war unsere Pflicht als eine große Nation - eine Nation, die - und darauf können wir als Amerikaner stolz sein - daran interessiert ist, daß Amerika
immer den Frieden und nicht die Eroberung anstrebt. Wenn jedoch der Gegner jede
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19/1972

USA INFORMIEREN WELTSICHERHEITSRAT ÜBER NEUE MASSNAHMEN
-Wortlaut des Schreibens von Botschafter BushVEREINTE NATIONEN, New York --(AD)— Die Vereinigten Staaten haben den
Weltsicherheitsrat am 8. Mai davon unterrichtet, daß die neuen Schritte,
die sie in Südostasien unternehmen, "Maßnahmen der kollektiven Selbstverteidigung" seien. Unmittelbar nach der Rede Präsident Nixons unterbreitete
der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
George Bush, dem Präsidenten des Sicherheitsrates den Text dieser Ansprache
sowie ein erläuterndes Begleitschreiben als offizielles Dokument.
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gab heute bekannt,daß
er die US-Streitkräfte in Südostasien angewiesen habe, im Verein mit den
Streitkräften der Republik Vietnam und als Antwort auf die neuen bewaffneten
Angriffe durch Noudvietnam zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Der Präsident
ordnete die Verminung der Einfahrten der Häfen Nordvietnams und die Unterbindung der Versorgung Nordvietnams auf dem Seewege an. Gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen werden, hiermit diese Maßnahmen der kollektiven
Selbstverteidigung dem UN-Sicherheitsrat gemeldet.
Die massive Invasion, die von den Streitkräften Nordvietnams über die
entmilitarisierte Zone und über internationale Grenzen hinweg durchgeführt
wird, und die fortgesetzte Aggression jener Streitkräfte gegen Volk und
Territorium der Republik Vietnam haben bisher noch nie dagewesene Gefahren
für die Streitkräfte der Republik Vietnam, für die Republik Vietnam selbst
und für jene amerikanischen Streitkräfte geschaffen, die sich noch in jenem
-1-

�jenem Land befinden. Diese Invasion stellt eine krasse Verletzung der Absprachen dar, die 1968 im Zusammenhang mit der Einstellung der Bombardierung nordvietnamesischen Territoriums ausgehandelt worden waren. Der umfang dieser erneuten Aggression und die Art und Weise, in der sie geleitet und unterstützt
wird, zeigen mit großer Deutlichkeit, daß Nordvietnam einen totalen Versuch
unternommen hat, Südvietnam mit militärischer Gewalt zu erobern und den geordneten Abzug der amerikanischen Streitkräfte zu stören.
Zur gleichen Zeit, da Nordvietnam diese massive Invasion begonnen hat,
hat es sich sowohl öffentlich als auch in Geheimgesprächen geweigert, über
die Herbeiführung einer friedlichen Beilegung des Konflikts in Südostasien
zu verhandeln.
Ein wesentlicher Teil des Nachschubs zur Unterstützung der Invasion Südvietnams kommt auf dem Seewege nach Nordvietnam. Es ist entscheidend wichtig,
diese Belieferung von See her zu unterbinden, damit Nordvietnam nicht weiterhin den Nachschub sowohl für seine Streitkräfte im Einsatz als auch für seine
Versorgungsbasis laufend ergänzen kann.
Dementsprechend haben die Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten
von Amerika als Mindestmaßnahmen zur Abwehr dieser Bedrohung gemeinsam beschlossen, die folgenden Maßnahmen kollektiver Selbstverteidigung zu ergreifen:
Die Einfahrten der Häfen Nordvietnams werden ab 9. Mai 09:00 Uhr Saigoncr
Zeit vermint, und die Minen werden ab 11. Mai, 18:00 Uhr Saigoner Zeit automatisch scharf

Dies räumt Schiffen anderer Länder, die derzeit in nordviet-

namesischen Häfen liegen, eine Frist von drei Tageslichtperioden ein, um
sicher auslaufen zu können. Die Minen werden in den Binnengewässern und den
beanspruchten Hoheitsgewässern Nordvietnams so verlegt werden, daß die Einfahrt in nordvietnamesische Häfen und nordvietnamesische Flottenoperationen
von diesen Häfen aus unterbunden werden. Außerdem weisen die Republik Vietnam
und die Vereinigten Staaten ihre See-und Luftstreitkräfte an, geeignete Maßnahmen innerhalb der Binnengewässer und der beanspruchten Hoheitsgewässer

�Hoheitsgewässer Nordvietnams zu treffen, um den Nachschub nach Nordvietnam von
See her zu verhindern.
Über diese und andere allgemeine Verlautbarungen dieser Maßnahmen hinaus
werden die Seestreitkräfte der Republik Vietnam und der Vereinigten Staaten
außerdem alle Schiffe, die sich den Binnengewässern und beanspruchten Hoheitsgewässern Nordvietnams nähern, von diesen Maßnahmen in Kenntnis setzen.
Wie aus obigem ersichtlich, sind die Maßnahmen, die von den Streitkräften
der USA und Südvietnams ergriffen werden, in Ausmaß und Zielsetzung begrenzt.
Der Präsident gab ferner bekannt, daß, sobald eine international überwachte
Waffenruhe in ganz Indochina zustandegekommen ist und die Kriegsgefangenen freigelassen worden sind, wir jegliche Gewaltanwendung in ganz Indochina einstellen
und die US-Streitkräfte aus Südvietnam innerhalb von vier Monaten abziehen werden.
Ich ersuche darum, daß dieses Schreiben und der beigefügte Text von Präsident Nixons Verlautbarung als Dokument des Sicherheitsrates in Umlauf gebracht
werden."

I I H I l-l

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19/1972

DIE MILITÄRISCHE MA.CHT DER USA IM DIENSTE DES FRIEDENS

Die großen Entspannungsbemühungen des Westens
hätten ohne die militärische Macht der Vereinigten Staaten kaum Aussicht auf Erfolg. Während
die Nixon-Doktrin einen Abbau des amerikanischen
Engagements in Übersee vorsieht, hat die Sowjetunion mit ihren Verbündeten ihre militärische
Stärke ständig weiter ausgebaut. Angesichts
dieser Entwicklung haben die Verantwortlichen
in den USA ihre strategischen und taktischen
Überlegungen neu durchdacht, Wenn die militärische Macht der Vereinigten Staaten ihrer eigentlichen Aufgabe der Sicherung des Friedens und
der Verteidigung des eigenen Territoriums sowie
dessen der Verbündeten dienen soll, dann müssen
nach amerikanischer Auffassung eine ausreichende nukleare Abschreckung sowie die Möglichkeit
gesichert sein, diese Militärmacht zur Erfüllung
der Verteidigungsverpflichtungen gegenüber den
Verbündeten auch in Übersee rasch und wirksam
zur Geltung bringen zu können.
In einer Reihe von vier Artikeln soll hier der
Versuch gemacht werden, die amerikanischen
Anstrengungen auf diesem Gebiet aufzuzeigen.
Im Hinblick auf den gewaltigen sowjetischen
Flottenaufbau steht ein Artikel über die amerikanische Marine an erster Stelle

I Die

�I. DIE US-MARINE RÜSTET SICH FÜR ZUKUNFTSAUFGABEN

Von Hubert G. Coli ins

Die Bedeutung der Flottenmacht der Vereinigten Staaten ist aufgrund der
Nixon-Doktrin und angesichts des gewaltigen Aufbaus der sowjetischen Flotte,
die heute ihre Flagge auf allen Weltmeeren zeigt, größer geworden als jemals
zuvor, Admiral Elmo Zumwalt, der vor einem Jahr den Befehl über die amerikanische Marine übernahm, ist mit 50 Jahren der bisher jüngste Flottenchef der USA
und sicherlich auch der reformfreudigste.
Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin Laird hat der Modernisierung der Marine höchste Priorität eingeräumt, wobei die Abschreckung vor einem
nuklearen Angriff auf die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten die wichtigste Aufgabe der US-Navy ist und bleibt.
Eines der Hauptprobleme - vor allem, wenn eines Tages die Wehrpflicht in
den USA abgeschafft wird - ist der Personalmangel. Hier hat Admiral Zumwalt
durch Lockerung der Bekleidungsvorschriften, Erweiterung der Freizeit und
Wochenendflüge für Familienangehörige zu den im Ausland befindlichen Schiffsbesatzungen bereits Schritte unternommen, um den Beruf des Seemanns attraktiver zu machen.
Das Kernstück der amerikanischen Marine ist die Flotte von 41 atomgetriebenen Unterseebooten mit Polaris-Raketen. Jedes Boot führt 16 solcher Raketen
mit sich, die Nuklearsprengköpfe über eine Entfernung von rund 4 600 km tragen
können. Ein Teil dieser Abschreckungsflotte - 31 Boote - wird gegenwärtig auf
die noch mächtigere Poseidon-Rakete umgerüstet, die 10 Sprengköpfe für zehn
verschiedene Ziele mit sich führen kann. Das Arsenal von nuklear-bestückten
Raketen auf Unterseebooten beläuft sich derzeit auf 656, und nach der Umrüstung
auf die Poseidon-Rakete werden sich über 5 000 Nuklearsprengköpfe auf See
befinden.
Für
-2-

�Für die Zukunft richtet sich die Planung auf ein neues Super-Unterseeboot
mit einem Unterwasser-Langstrecken-Raketensystem (Underwater long-range missile
System) oder kurz "ULMS" . Diese Riesenunterseeboote sollen 20 bis 30 Raketen
mit Mehrfachsprengköpfen mitführen. Mit einer Reichweite von fast 10 000 km
könnten diese Raketen praktisch jedes gegnerische Ziel erreichen. Wenn der Kongreß die notwendigen Mittel bewilligt, könnten die ersten ULMS 1977 oder 1978 vom
Stapel laufen. Damit würden die USA eine ziemlich unverletzliche "ZweitschlagKapazität" besitzen.
Die zweite Säule der amerikanischen Flottenstärke sind die 13 AngriffsFlugzeugträger . schwimmende Flugplätze, von denen aus Kampfflugzeuge mit einem
Aktionsradius von bis zu 1 100 km operieren können. Die Bedeutung dieser Waffe
ist nicht zuletzt im Korea-Krieg und im Mittelmeer deutlich geworden. Einer dieser Flugzeugträger, die ENTERPRISE, ist atomgetrieben, und zwei weitere Träger
dieses Typs sind im Bau: die NIMITZ wird voraussichtlich 1974 in Dienst gestellt
werden, und die EISENHOWER 1975 vom Stapel laufen. Die EISENHOWER wird 13 Jahre
ohne Brennstoffaufnähme operieren können. Die Marineleitung möchte über insgesamt vier atomgetriebene Flugzeugträger, von denen zwei im Atlantik und zwei im
Pazifik stationiert werden sollen, verfügen.
Im Hinblick auf die Tatsache, daß die sowjetische Unterseebootsflotte der
amerikanischen zahlenmäßig um über das Doppelte überlegen ist, sind die Flugzeugträger der US-Navy auch - drei ausschließlich - auf die Unterseebootbekämpfung
eingerichtet. Die Marineleitung möchte die Träger mehr und mehr mit Maschinen des
neuen Typs F-14 ausrüsten, die sich offensichtlich besser bewähren als die F-lll.
Die F-14 wird mit der Phönix-Luftrakete ausgestattet.
Admiral Zumwalt strebt ferner zum Schutz der Flugzeugträger eine Flotte
von Flugkörper-Fregatten an, von denen jeweils vier einem Träger zugeteilt werden
sollen. Ein Prototyp dieser Klasse, die TRUXTON, hat erst kürzlich auf einer
Nonstop-Testfahrt um den Indischen Ozean die Kapazität solcher Schiffe unter
Beweis gestellt.
Die
-3-

�Die beste Waffe gegen Unterseeboote sind jedoch Unterseeboote selbst.
Während die sowjetischen Boote im allgemeinen schneller sind, sind die amerikanischen leiser und damit schwerer zu orten. Die neuen atomgetriebenen 688 to-Boote
der US-Navy sind nach Ansicht von Fachleuten das wirksamste Instrument zur Bekämpfung gegnerischer U-Boote
Neben den großen - aber auch sehr teuren - Flugzeugträgern wird in Zukunft
auch der "Mini-Träger", das sogenannte "Seekontrollschiff", eine große Rolle
spielen. Im Januar 1972 hat die US-Marine einen Prototyp in Dienst gestellt. Ein
zweiter Typ für Überwachungsaufgaben ist der Zerstörer-Hubschrauberträger, Hier
werden die Vorteile des kleinen Zerstörers oder der Fregatte mit einem leichten
Luft-Mehrzwecksystem oder kurz LAMPS verbunden. Dieses kombinierte System wird
gegenwärtig auf der umgebauten Lenkwaffen-Fregatte STERETT im Pazifik erprobt.
Als Hubschrauber isc der Typ "Seasprite" mit drei Mann Besatzung und modernsten
RADAR-und SONAR-Einrichtungen vorgesehen.
Diese neuen Seekontrollschiffe - die später auch mit Senkrechtstartern
(VTOL) ausgerüstet werden sollen, werden die Flugzeugträger zwar nicht ersetzen,
aber eine wichtige Rolle bei der Überwachung und Sicherung der Schiffahrtswege
spielen.
Eine der radikalsten Neuerungen - von der sich Fachleute viel erhoffen ist jedoch die Entwicklung sogenannter Oberflächengleiter oder Luftkissenboote.
Mit Hilfe verschiedener Systeme wird der Reibungswiderstand des Wassers praktisch
ausgeschaltet, so daß ganz wesentlich höhere Geschwindigkeiten erzielt werden
können. Die amerikanische Marine hat umfassende Versuche auf diesem Gebiet begonnen. Selbst Flugzeugträger könnten eines Tages mit einem solchen Antriebssystem operieren., wobei dann die Eigengeschwindigkeit fast der des landenden
Flugzeuges entspräche und dieses damit die. Eigenschaften eines Senkrechtstarters
bezw. -landers gewinnen würde.
Die Versuche laufen gegenwärtig mit zwei 10O-to-Modellen, Eines der Modelle
arbeitet nach dem Prinzip des Luftkissens, d, h, der Bootskörper hebt sich völlig

-4-

�völlig aus dem Wasser. Das zweite Modell benutzt das Prinzip der eingeschlossenen
Luftblase (Captured Air Bubble) oder kurz CAB. Dieses Boot bleibt in Kontakt mit
der Wasseroberfläche, wobei der Energieaufwand nur etwa ein Drittel gegenüber
dem ersteren Modell beträgt, da beim Luftkissen die Luft ständig nach allen Seiten entweicht. Man rechnet bei den neuen Gleiter-Modellm mit Geschwindigkeiten
von 100 bis 125 Knoten (180 bis 225 km/St), und bis 1980 hofft man. Prototypen
in der Größenordnung von 10 000 to entwickeln zu können. Admiral Zumwalt hat
hier von "einer neuen Dimension" der US-Navy gesprochen.
Wie immer all diese technischen Entwicklungen verlaufen mögen, so ist doch
eines sicher, daß die Verantwortlichen in Washington die ungeheure Bedeutung
der Flotte für die Zukunft erkannt haben und alles in ihren Kräften stehende
tun werden, um die amerikanische Marine auch in Zukunft zu einem schlagkräftigen
und modernen Instrument der Erhaltung des Friedens zu machen.

-5-

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19/1972

DIE WAHRE MEHRHEIT: 1972
-Von Richard M. Scammon-

Richard M. Scammon ist ein international anerkannte" Meinungsforscher und Experte für
Wahlanalysen und Fragen der Bevölkerungsstatistik. Er war von 1961-1965 Direktor des
Statistischen Bundesarates der USA und leitet
gegenwärtig das Wahlforschungszentrum in
Washington. Scammon ist der Verfasser des
mehrbändigen wahlstatistischen Werkes "AMERICA
VOTES" (Amerika wählt) und Mitautor des Bestsellers "THE REAL MAJORITY" (Die wahre Mehrheit), in dem das Verhalten des amerikanischen
Wählers analysiert wird.
In der Folge bringen wir vier Artikel von
Richard M. Scammon, in denen er sich mit den
amerikanischen Wahlen in diesem Jahr befaßt.
I

-

Der amerikanische Wähler - sein statistisches Profil

Eine Erörterung der politischen Szenerie in den Vereinigten Staaten,
so wie sie sich im Jahre 1972 darbietet, muß mit einer Strukturanalyse der
Gesamtwählerschaft - sozusagen mit ihrer Anatomie - beginnen. Im November 1972
wird es in Amerika rund 140 Millionen Menschen geben, die ihrem Alter nach
wahlberechtigt sind. Von diesen potentiellen Wählern werden einige nicht
stimmberechtigt sein, weil sie entweder noch nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen oder noch nicht lange genug in ihrem Wahlbezirk wohnen
oder weil andere gesetzliche Gründe im Wege stehen. Man kann damit rechnen,daß
von der Gesamtzahl der wahlberechtigten Amerikaner etwa 85 Millionen zur Wahlurne gehen und 55 Millionen ihr Wahlrecht nicht ausüben werden. Bei den
85 Millionen, die in diesem November ihre Stimmen für die Präsidentschaftskandidaten abgeben werden, lassen sich eine ganze Reihe von Merkmalen aufzeigen.
Die

�Die Gesamtheit der Wähler zeigt in immer stärkerem Maße einen großstädtischen
Charakter. Zu den bedeutsamsten Phänomenen im Nachkriegs-Amerika zählen die
Landflucht und die Flucht aus den Stadtzentren. Der Zug zu großstädtischer Lebensform - worunter ich vor allem die Vorstädte und Außenstadtbezirke Amerikas verstehe - ist mehr und mehr zu einer beherrschenden Kraft im politischen Leben der
Vereinigten Staaten der siebziger Jahre geworden.
Unter den Wählern des Jahres 1972 überwiegt die Zahl der Frauen um ein weniges. Die Männer sterben einfach schneller hinweg3und die Langlebigkeit der Frauen
gibt diesen zahlenmäßig ein gewisses Übergewicht unter den Erwachsenen. Bis vor
fünf oder sechs Jahren war der Anteil der nicht zur Wahl gehenden Frauen gegenüber der Zahl der nichtwählenden Männer um so viel größers daß es den Männern
immer noch gelang, die Mehrheit bei der Gesamtzahl der Wähler zu stellen,. Diesmal
wird das nicht der Fall sein. Wenn man bei den Wahlen des Jahres 1972 auf eine
Gesamtwählerzahl von 85 Millionen kommen wird, dann wird sich diese Zahl auf
43 Millionen Frauen und 42 Millionen Männer verteilen.
Bei der Wählerschaft im Jahre 1972 wird es sich ferner im wesentlichen um
eine weiße Wählerschaft handeln: etwa 90 Prozent Weiße, neun Prozent Schwarze
und ein Prozent andere Minderheiten.
Das Gros der in diesem Jahr zur Wahl gehenden Amerikaner wird der mittleren
Altersgruppe angehören. Das Durchschnittsalter des amerikanischen Wählers lag im
Jahre 1968 bei 47 Jahren.

In diesem Jahr wird sich das Durchschnittsalter auf

44 oder 45 Jahre verringern - die Gründe dafür liegen einmal in der Senkung des
Wahlalters und der dadurch hinzukommenden Gruppe der 18-, 19- und 2o-jährigen
Wähler sowie in der verhältnismäßig großen Zahl von Wählern in den Altersgruppen
von 21 bis 25 Jahren, die sich aus dem starken Anstieg der Geburtenzahlen in
den Nachkriegsjahren erklären. Aber auch in diesem Wahljahr wird sich der
Durchschnittswähler als eine Person darstellen, die schon seit 2o Jahren ihr
Wahlrecht ausübt, nicht jedoch als ein Bürger, der zum erstenmal zur Wahlurne
geht.
Wird
-2-

H

�Wird der Zuwachs an jüngeren Wählern eine einschneidende Änderung des Wahlgeschehens bedeuten? Ich möchte das bezweifeln. Einer meiner Kollegen hat bei
einer Analyse von Meinungsumfragen aus jüngster Zeit festgestellt, daß die jungen Menschen in den Vereinigten Staaten geneigt sind, zu etwa sieben Prozent mehr
für die Demokraten zu stimmen als der amerikanische Durchschnittswähler.
Interessant an dieser Zahl ist für mich die Tatsache, daß sie genau der
Situation von 1940 entspricht. Außerdem bilden die jungen Wähler keinen monolithischen Block. Untersuchungen haben gezeigt, daß

bei den jungen Wählern

tatsächlich weniger eine Generationenkluft zu ihren titern vorhanden ist als
vielmehr eine Kluft der Klassen. Der junge Arbeiter hat ein stärkeres Gefühl
der Gemeinschaft mit seinem als Arbeiter tätigen Vater als zum Beispiel mit
einem jungen Mann seiner Altersgruppe, der zu den Reichen gehört.
Dem Wähler des Jahres 1972 geht es einigermaßen gut - er ist nicht gerade
reich, aber auch nicht arm. Es gibt unter der Wählerschaft des Jahres 1972 keine
massive und bedrückende Armut.
Die Mitte charakterisiert den Wähler dieses Jahres; er ist nicht nur mittleren Alters und gehört nicht nur zur Mittelklasse, sondern auch was Erziehung
und Ausbildung angeht, steht er in der Mitte. Nicht der akademische Grad ist
die Norm; für die meisten Amerikaner ist es eher der Abschluß einer höheren
Schule.
Vor vier Jahren konnte man sagen, daß der durchschnittliche Wähler eine
47-jährige weiße Frau sei, die in einem Vorort von Dayton (Ohio) lebt, eine
höhere Schule besucht hat und mit einem Mann verheiratet ist, der einen technischen Beruf ausübt. Für dieses Jahr dürfte etwa das Gleiche gelten, mit der einen
Ausnahme, daß das Durchschnittsalter des Wählers vermutlich zwei oder drei Jahre
niedriger sein wird.

Das

-3°

�Das also ist die Anatomie des Wählers. Der Hinweis auf Geschlecht,
Hautfarbe, Alter, Lebensstand, Ausbildung und Wohnort des Wählers ist jedoch
nur ein Anfang. Als nächstes gilt es jetzt zu untersuchen, was diese voraussichtlich 85 Millionen Wähler veranlaßt, so zu wählen, wie sie dies tun.

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II. DER AMERIKANISCHE WÄHLER UND DIE PARTEIEN

Der durchschnittliche amerikanische Wähler geht keineswegs völlig in
der Politik auf - er ist kein totales "zoon politikon". Die Zahl der Amerikaner, die sich tagaus tagein mit Politik beschäftigen, dürfte sehr klein
sein, was jedoch nicht bedeutet, daß der amerikanische Wähler nicht in der
Lage wäre, eine sehr präzise und genau überlegte Entscheidung an der Wahlurne zu fällen.
Seine alltäglichen Interessen konzentrieren sich auf seine nächste Umgebung und auf seine Person selbst. Seine Hauptanliegen sind seine Gesundheit,
sein Job, seine wirtschaftliche Lage, seine Familie und seine Hobbies, Was
ihn berührt, ist sicherlich nicht das, was man als totales politisches
Engagement bezeichnen könnte*
Nach welchen Gesichtspunkten trifft er nun seine politische Wahl? Im
großen und ganzen wird seine politische Entscheidung von der Überlieferung
geprägt. Im wesentlichen wird seine Entscheidung von dem beeinflußt, was
seine Eltern sind. Dies liegt umso näher, als die beiden großen politischen
Parteien in den Vereinigten Staaten nicht als geschlossene ideologische Einheit betrachtet werden können.
Das Parteisystem in den USA ist sehr viel lockerer strukturiert als in
vielen anderen Ländern

Es gibt keine strikte Parteidisziplin, es gibt kein

Festhalten an einer Parteiideologie, die sich auf spezifische historische
oder dogmatische Grundsätze aufbauen würde. Und es gibt auch keine im echten
Sinne nationale Partei mit unwandelbaren Charakteristika, die jahrein
aus dasselbe "Image" zeigen würde.
So

- 1 -

jahr-

�So wie im Leben Amerikas Veränderungen auftreten, so dringen sie gewöhnlich auch in das Denken der beiden großen Parteien ein. Nicht zuletzt
wegen des Systems der Vorwahlen, die für die Nominierung der jeweiligen
Kandidaten bedeutsam sind, variieren die amerikanischen Parteien von Einzelstaat zu Einzelstaat, ja selbst von Bezirk zu Bezirk. Die Demokratische
Partei in Mississippi ist nicht die Demokratische Partei von Minnesota und
die Republikanische Partei von Maine ist nicht die Republikanische Partei
in Kalifornien. Und da nun das Etikett nicht so sehr viel bedeutet, gibt
es auch keinen Grund, warum man nicht das Parteietikett mit der Zugehötigkeit zu einer Religionsgemeinschaft mitnimmt, die wiederum in erster Linie
von den Eltern her bestimmt wird.
Es gibt noch andere Gründe, warum sich Leute als Republikaner oder
Demokraten bezeichnen. Hier spielt zunächst einmal der soziale und wirtschaftliche Stand eine Rolle,, Die Reichen von heute neigen dazu, anders
zu wählen als die Armen. Wenn man die demographischen Fakten auf der Karte
einer typischen Großstadt auswertet, dann wird man herausfinden, daß die
Wahlbezirke, die im Jahre 1968 am stärksten für Richard Nixon gestimmt
haben, auch diejenigen sind, wo das meiste Geld zu Hause ist. Und jene
Wahlbezirke, in denen Hubert H. Humphrey die meisten Stimmen erhielt,
sind jene, wo man das wenigste Geld findet. Dies scheint eine übersimplifizierte Beobachtung zu sein, sie ist jedoch die Grundlage eines Großteils
der Parteipolitik im heutigen Amerika.
Es gibt natürlich noch weitere Gründe, sich einer Partei verbunden zu
fühlen. Dazu gehört die Loyalität zum Parteinamen. Diese Loyalität mag auf
Religionszugehörigkeit zurückgehen. So wählen Juden und Katholiken im großen
und ganzen eher demokratisch als Protestanten. Auch die ethnische Herkunft
mag eine Rolle spielen,und es gibt sicherlich noch eine Fülle von historischen
Problemen und Umständen, die die politische Entwicklung mitgeprägt haben viele davon vielleicht längst vergessen. So kann es beispielsweise in Kentucky
und Tennessee zwei Bezirke geben, die nebeneinander liegen und die von
Menschen bevölkert sind, die so arm sind wie Kirchenmäuse. Der eine Bezirk
wählt demokratisch und der andere republikanisch, weil hier der entscheidende
Faktor ist, wer im Jahre 1861 zu welcher Armee ging; anders ausgedrückt, wer
- 2-

�wer Sklaven besaß und wer nicht; wer für die Südstaaten kämpfte und wer für
die Nordstaaten.
Dieses Grundmuster der traditionellen Bindung oder des sozial-wirtschaftlichen Status ist jedoch in den letzten Jahren durch zwei Dinge verändert worden: erstens gibt es eine wachsende Zahl von Amerikanern, die
sich selbst als Unabhängige bezeichnen - sie machen keine Mehrheit

aus,

aber doch immerhin vielleicht ein Viertel der Bevölkerung. Hier handelt es
sich meist um jüngere Menschen und um Leute aus dem Süden, die sich nicht
mehr als Nationaldemokraten bezeichnen wollen, es aber auch nicht über sich
bringen, sich Republikaner zu nennen - und man findet diese sogenannten Unabhängigen auch unter denen, die kein Interesse an Politik haben und sich
damit auch keiner Partei verpflichtet fühlen.
Vielleicht noch wichtiger ist eine zweite Tatsache: Obwohl die große
Mehrheit der Amerikaner sich selbst entweder als Republikaner oder als
Demokraten bezeichnet, ist in den letzten Jahren offensichtlich eine Veränderung dahingehend eingetreten, daß eine größere Zahl von Republikanern
und Demokraten bereit ist,

unter besonderen Umständen für jemand von der

anderen Seite zu stimmen. Diese Menschen fühlen sich nicht mehr an ihr
Parteietikett gebunden, sondern vertrauen mehr auf ihr eigenes Urteil. Sie
werden zwar weiterhin hauptsächlich republikanisch oder demokratisch wählen,
aber sie sind auch bereit, für ein oder zwei oder drei Kandidaten der Opposition zu stimmen.
In manchen Kreisen des Mittelstandes kann man heute einen beinahe
pathologischen Antipartei-Standpunkt finden. Wenn auf einem Wahlzettel über
zwei wichtige Posten abzustimmen ist, dann ist die Chance groß, daß diese
Menschen einmal für einen Republikaner und einmal für einen Demokraten
stimmen. Sie fürchten, als sture Parteigänger angesehen zu werden,und betrachten sich als kühne und tapfere Verfechter eines unabhängigen Geistes.
Wenn man heute durch eine typische amerikanische Großstadt fährt, dann
kann man wahrscheinlich schon vorher sagen, welche Wahlkreise republikanisch
und welche demokratisch wählen werden. Das eigentliche Problem liegt darin,

- 3-

�)

darin, daß man nicht weiß, welchen Schwung das Pendel am Wahltag nehmen
wird - daß man nicht weiß, welchen Ausschlag die Unabhängigen oder die sowohl-als-auch-Wähler für die eine oder die andere Partei oder den einen
oder anderen Kandidaten geben werden. Es ist durchaus möglich, daß eine
Wahl dadurch entschieden werden kann, wie groß dieser Ausschlag ist, vor
allem, wenn das Ergebnis so knapp ist, wie dies

bei einigen unserer letzten

Wahlen der Fall war.
Keine Partei hat die Mehrheit der Wähler als ständige Anhänger, so
daß die Politik in den Vereinigten Staaten - wie in den meisten Ländern im wesentlichen in dem Prozeß der Bildung von Koalitionen besteht.. Wenn
es um die politischen Vorstellungen des Einzelnen oder einzelner Gruppen
ginge,und diese sich organisieren würden, dann gäbe es in den Vereinigten
Staaten wahrscheinlich 300 politische Parteien oder mehr.
In jedem politischen System geht es darum, Koalitionen zu bilden,

um diese unterschiedlichen Auffassungen und Interpretationen unter einen
Hut zu bringen. Niemand wird dabei all das bekommen, was er will, aber
durch den Anschluß an eine Koalition so viel wie möglich. Der ideale
politische Kandidat ist die Person, die die Fähigkeit hat, divergierende
Elemente einer Koalition möglichst erfolgreich zusammenzuhalten. Er muß
Führungsqualitäten besitzen, um die divergierenden Elemente zusammenzubringen, um Lösungen für die Probleme der Nation zu finden.

+ + + 4- +

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19/1972

USA BEGRÜSSEN AUSLANDISCHE INVESTITIONEN
-Informations-Seminar in Düsseldorf-

BONN «-(AD)-- Die Vereinigten

Staaten haben ein Aktionsprogramm entwickelt,

das das Ziel hat, Investitionen ausländischer Gesellschaften in den USA
aktiv zu unterstützen. Tm Rahmen einer Informationskampagne sollen deutsche
Unternehmer über die Investitionsmöglichkeiten in den USA unterrichtet werden» Dazu gehören auch ein~oder zweitägige Informations-Seminare, die in
gewissen Abständen abgehalten werden sollen. Das erste Seminar dieser Art
- das Symposium "Invest in USA!t - findet am 16, und 17. Mai in Düsseldorf
statt.
In einer Presseerklärung wies der amerikanische Geschäftsträger in Bonn,
Gesandter Frank E. Cash, am 3, Mai darauf hin, daß die US-Regierung Investitionen ausländischer Gesellschaften in den Vereinigten Staaten begrüßt und aktiv
unterstützt.
Die Erklärung des amerikanischen Geschäftsträgers hat folgenden Wortlaut:
Investitionen amerikanischer Gesellschaften im Ausland fanden in den
Nachkriegsjahren beträchtliche Beachtung, Weniger bekannt ist die Tatsache,
daß die amerikanische Regierung Investitionen ausländischer Gesellschaften
in den Vereinigten Staaten begrüßt und aktiv unterstützt. Es war lange unsere
Politik, den freien Fluß von Waren und Dienstleistungen zu begünstigen, der,
wie wir glauben, ein gesundes wirtschaftliches Wachstum fördert, gemeinsame
Interessen schafft und zu Frieden und Wohlstand in der freien Welt beiträgt.
Die
-1-

�Die Vereinigten Staaten haben immer Investitionen willkommen geheissen. Als
jedoch während der letzten Jahre der Abfluß von Kapital aus den Vereinigten Staaten für Direktinvestitionen ein ernsthafter Faktor unseres Zahlungsbilanzdefizits
wurde, wurde ein Aktionsprogramm entwickelt

mit dem Ziel, einen gegengewichtigen

Fluß von Kapital in die Vereinigten Staaten anzuregen. Wir glauben, daß ebenso
wie die Direktinvestitionen amerikanischer Gesellschaften in Westeuropa in vielen
Fällen der beste Weg sind, eine Basis in diesem Markt zu errichten, dasselbe für
ausländische Gesellschaften gilt, die einen größeren Anteil am gewaltigen und
prosperierenden amerikanischen Markt gewinnen möchten.
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Staaten hat die amerikanische Regierung
auf verschiedene Weise versucht, diesen Gedanken den ausländischen Gesellschaften
nahezubringen. Vor sechs Jahren sandte die amerikanische Regierung den ersten
Industrie-Entwicklungs-Attache nach Europa. Anfang 1972 gesellte sich ihm ein
zweiter hinzu. Des weiteren sind alle unsere Dienststellen in Deutschland - die
Botschaft in Bonn, die U.S.Mission in Berlin und die sechs Generalkonsulate in der Lage, eine Fülle von Informationen über Investitionsmöglichkeiten in den
Vereinigten Staaten zur Verfügung zu stellen. Von Zeit zu Zeit senden einzelne
Bundesstaaten und Regionen Investitions-Gruppen nach Übersee. Diese Aktionen
jedoch neigen eher dazu, passiv zu wirken und von einer Initiative seitens der
deutschen Geschäftsleute abzuhängen.
Wir fangen jetzt an, ein aktiveres Programm zu entwickeln, indem wir Informationen verteilen, die direkte Kontakte unserer Handelsattaches mit potentiellen deutschen Investoren einschließen. Dies wird in gewissen Abständen ergänzt
durch ein-oder zweitägige Informations-Seminare, wovon das erste für den 16. und
17. Mai 1972 in Düsseldorf vorgesehen ist.
Bis jetzt haben sich etwa 85 deutsche Geschäftsleute für dieses Seminar angemeldet. Ihnen werden sich etwa 55 bis 60 Regierungsvertreter einzelner amerikanischer Bundesstaaten und etwa 15 Sachverständige der Regierungen und aus der
Privatwirtschaft aus Europa und den Vereinigten Staaten hinzugesellen. Sie werden
zusammen über solch bedeutende Investitionsfragen diskutieren wie: Marketing-2-

�Marketing-Konzepte, Standortwahl, Finanzierung, Arbeitskräfte, die Vereinigten
Staaten als Ausgangsbasis für Exporte und Rechts-sowie Steuerfragen,
Einer Ihrer prominenten Industriellen, Herr Dr. Konrad Henkel.. Präsident
des Verbandes der Chemischen Industrie, hat sich bereit erklärt, die Begrüßungsansprache zu halten. Mr, Robert P, Beshar, Deputy Assistant Secretary of Commerce,
wird auch einer der ersten Redner sein, Das vollständige Programm stellen wir
Ihnen hiermit heute zur Verfügung,
Ich habe bereits eingangs erwähnt, daß es für eine deutsche Gesellschaft
gute Gründe geben muß, wenn sie eine Niederlassung in den Vereinigten Staaten
errichten soll» Welches sind die Schlüsselfaktoren?
1. Der Markt. Vor ein paar Jahren veröffentlichte die Chase Manhattan Bank
einen ausgezeichneten Führer für Investitionen in den Vereinigten Staaten mit
dem vielsagenden Titel: "Die Billionen-Dollar-Wirtschaft". Der Titel sagt
alles c Nach allen Maßstäben «• Nationaleinkommen, Produktion, Bevölkerung oder
Geographie - sind die Vereinigten Staaten einer der größten und dynamischsten
Märkte der Welt.. Er wächst mit beachtlicher Geschwindigkeit, und im Jahre 1980
wird ein Drittel aller Haushalte ein Einkommen von 15 000 Dollar oder etwa
50 000 DM haben.
2. Ein günstiges Investitionsklima. Die Politik der amerikanischen Regierung
ist es, ausländische Investitionen zu begrüßen und zu ermuntern und den ausländischen Firmen dieselbe Behandlung zuteil werden zu lassen wie amerikanischen
Firmen. Die verhältnismäßig geringen Behinderungen von Geschäften machen es neuen Firmen leicht, Fuß zu fassen, sich zu betätigen und zu wachsen.
3. Eine günstige Gelegenheit, klein anzufangen. Entgegen der allgemeinen Ansicht muß eine ausländische Gesellschaft nicht die Größe von General Motors
oder General Electric haben, um es auf dem amerikanischen Markt aufnehmen zu
können, Tatsache ist, daß 96 Prozent der 400 000 Hersteller in den Vereinigten
Staaten weniger als 250 Arbeitnehmer beschäftigen, und 52 Prozent aller Firmen
-3-

�Firmen beschäftigen 9 oder weniger P e r s o n e n . K l e i n e Firmen spielen auch eine
große R o l l e , w e n n es sich um große T r a n s a k t i o n e n h a n d e l t , besonders w e n n ihr
E r z e u g n i s ein seltenes Bedürfnis befriedigt. Für die Herstellung der Boeing 7 4 7 ,
zum B e i s p i e l , w e r d e n Erzeugnisse von 1 500 w i c h t i g e r e n und 15 000 z w e i t r a n g i g e n
Lieferanten v e r w e n d e t , die über den ganzen Kontinent der V e r e i n i g t e n S t a a t e n
verstreut sind. Ihre Lieferungen für die 747 m a c h e n die Hälfte der H e r s t e l l u n g s k o s t e n des fertigen Flugzeuges a u s .

4 . Der Zugang zu K a p i t a l , Technologie und F i n a n z i e r u n g s a n r e i z e n .

Eine F i r m a , die

sich entschließt, eine Niederlassung in den Vereinigten S t a a t e n zu e r r i c h t e n ,
hat einen leichten Zugang zu unserem großen und gut entwickelten K a p i t a l m a r k t .
In d e n m e i s t e n F ä l l e n k ö n n e n Gelder billiger geliehen w e r d e n als irgendwo anders auf der W e l t . Die m e i s t e n Bundesstaaten und S t ä d t e bieten eine attraktive
L i s t e v o n Finanzierungsanreizen einschließlich S t e u e r e r m ä ß i g u n g e n , A-usbildungsp r o g r a m m e n für A r b e i t s k r ä f t e und Industrieanleihen m i t sehr n i e d r i g e n
Zinsen.

1-1 I I I M

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19/1972

DIE ENTWICKLUNGSLÄNDER UND DIE INTERNATIONALE WÄHRUNGSREFORM

Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)-« Die Forderungen der Entwicklungsländer nach einer aktiven
Rolle bei der Neugestaltung des internationalen Währungssystems sind in
Washington keineswegs auf taube Ohren gestossen. Amerikanische Regierungskreise sind sich durchaus im klaren darüber, daß die Interessen dieser Nationen
beispielsweise durch Entscheidungen über die Schaffung und Verwendung internationaler Reserveguthaben und durch die Wechselkurspolitik entscheidend berührt werden.
Die Vereinigten Staaten haben sich daher zum Anwalt der Srhaffung eines
neuen Verhandlungsforums gemacht, in dem einerseits die Entwicklungsländer
vertreten wären, das jedoch auf der anderen Seite klein genug wäre, um der
ganzen Vielfalt der komplizierten und miteinander verknüpften Fragen Herr
werden zu können.
Vom Standpunkt der Entwicklungsländer konzentriert sich das Interesse
an der internationalen Währungsreform sehr stark auf die Möglichkeit, die
Sonderziehungsrechte (SDRS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Mittel für zusätzliche Entwicklungshilfe für die Länder mit Niedrigeinkommen zu
benutzen. Nun sind Zweifel an diesem Vorschlag laut geworden, weil man befürchtet, diese zusätzliche Funktion der Sonderziehungsrechte könnte ihre
Hauptfunktion gefährden: nämlich als Ergänzung oder Alternative für Gold
oder Dollar in den internationalen Reserven der einzelnen Länder zu dienen.
Die USA wären bereit, den Vorschlag auf jeden Fall zu prüfen; Vertreter des
-1-

�1
des amerikanischen Finanzministeriums halten es jedoch für unklug, hier eine Entscheidung zu treffen, bevor andere Aspekte der internationalen Währungsreform geklärt sind.
Die Entwicklungsländer wollen verständlicherweise sichergehen, daß die vereinbarten Regeln und Abmachungen einer Neuordnung des internationalen Währungssystems ihre besonderen Probleme in Rechnung stellen und nicht nur den Interessen der Industrienationen, sondern auch denen der Entwicklungsländer dienen.
Manche Experten in den Entwicklungsländern sind der Auffassung, daß Regeln,
die für die Industrienationen gut sind - wie etwa die Regelung der Wechselkurse
- nicht unbedingt für Länder geeignet sinds die noch am Anfang ihrer Industriealisierung stehen, Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Pierre-Paul
Schweitzer, ist gegenteiliger Auffassung. Auf der Dritten Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung (UNCTAD III) in Santiago räumte
Schweitzer zwar ein, daß beide Gruppen unterschiedliche Probleme haben; dies
'

könne jedoch nur bedeuten, "daß die Verhaltensnormen, die das System beherrschen
sollten, auf eine so flexible Anwendung abgestellt sein müssen, daß sie diesen
besonderen Problemen und Bedürfnissen Rechnung tragen können." Auch Schweitzer
sprach sich für eine Prüfung der besonderen Verwendung der Sonderziehungsrechte
aus, fügte jedoch hinzu, daß es auch noch andere Möglichkeiten der Kanalisierung
von Entwicklungshilfemitteln gebe, die eingehend untersucht werden müssten.
Generalsekretär Manuel Perez Guerrero setzte sich in seinem Bericht an die
UNCTAD ebenfalls für eine Verknüpfung von Sopderziehungsrechten und Entwicklungshilfe ein. Er stellte ferner die Annahme in Frage, daß die Behebung der amerikanischen Zahlungsbilanzschwierigkeiten ausschließlich durch eine Anpassung der
bilateralen Beziehungen der USA zu ihren Haupthandelspartnern - Westeuropa, Kanada und Japan - erreicht werden könne und müsse, Eine bessere Lösung, so meinte
er,sei eine Erhöhung der Importe Japans und Westeuropas aus den Entwicklungsländern und ein verstärkter Kapitalfluß nach den Entwicklungsländern aus Westeuropa und Japan. So könnten diese Länder zu einer Behebung der Schwierigkeiten
in den USA beitragen, da, wie er sagte, etwa ein Fünftel der zusätzlichen Ex-2-

�Exporterlöse der Entwicklungsländer von diesen wahrscheinlich in den USA ausgegeben würden
Auch der Interamerikanische Ausschuß der Allianz für den Fortschritt
(CIAP) der Organisation der Amerikanischen Staaten (CAS) hat sich für eine Verbindung von Sonderziehungsrechten und Entwicklungshilfe ausgesprochen» Der Ausschuß, dem Wirtschaftler aus sechs lateinamerikanischen Ländern und aus Nordamerika angehören, machte jedoch noch weitere Empfehlungen. So sollte Gold weiter als Währungsreserve dienen, seine traditionelle Rolle jedoch abgebaut werden; die Währungsreform sollte rasch vorangetrieben werden, um eine Aufsplitterung des Weltwährungs-und Handelssystems in Handelsblöcke mit "Währungsgebieten"
zu verhindern; und Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen und Reservewährungen
sollten sich ebenfalls der internationalen Disziplin unterwerfen und verpflichtet sein, übermäßige Überschüsse abzubauen - so wie die Defizitländer zum Abbau der Defizite gezwungen worden sind.
Die Konferenz in Santiago und andere Foren werden den Entwicklungsländern
noch reichlich Gelegenheit bieten, ihre Auffassungen in diesen Fragen darzulegen.

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MODELL FÜR EIN GEMEINSAMES DOCKSYSTEM

Pläne für amerikanisch-sowjetisches Raumfahrtunternehmen
nehmen Gestalt an

(AD) - Von der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) und der
Sowjetischen Akci 'emie der Wissenschaften wurde kürzlich die zweite Berichtsserie der amerikanisch-sowjetischen Arbeitsgruppen gebilligt, die
die Möglichkeiten für gemeinsame Rendezvous- und Dockmanöver von bemannten
Raumschiffen untersuchen. Obgleich noch keine bindende Entscheidung über
gemeinsame Raumfahrtunternehmen getroffen wurde, einigten sich die amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftler und Ingenieure über gewisse technische Einzelelemente, in erster Linie solche des Docksystems, das zunächst
einmal in einem Modell in natürlicher Größe dargestellt und erprobt werden
soll.
Allerdings gibt es in Vorbereitung eines gemeinsamen Unternehmens
unendlich viele technische Detailfragen zu bedenken. Dazu gehören nicht
nur die Lebenserhaltungssysteme, die Steuerungs- und Kontrollsysteme der
von den beiden Ländern entwickelten bemannten Raumschiffe und die Notwendigkeit sowie die Möglichkeiten für Anpassungen, sondern auch Probleme der
Stabilisierung nach einer Koppelung der Nachrichtenverbindungen zur Erde
oder der Flugüberwachung vom Boden aus. Die Gespräche werden im Sommer 1972
in den USA fortgesetzt.

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TEXT IN BRAILLE-SCHRIFT VOM COMPUTER

- (AD) - An der Technischen Universität Massachusetts (MIT - Boston)
wurde mit finanzieller Hilfe vom Gesundheitsministerium der USA ein Computersystem zur sofortigen Übersetzung englischer Texte in die Braille-Blindenschrift entwickelt. Innerhalb von 90 Sekunden druckt der Computer eine
komplette Seite in Braille-Schrift aus, während allein dieser Vorgang bei
Anwendung moderner Verfahren nach dem herkömmlichen System bis zu 10 Minuten
in Anspruch nimmt.
Besonders wichtig ist jedoch die Tatsache, daß jeder, der mit einer
Schreibmaschine umgehen kann, in der Lage ist, die Computer-"Übersetzungsanlage" zu bedienen. Sie besteht aus einer Fernschreibmaschine herkömmlicher
Bauweise und einer Spezial-Druckmaschine für Braille-Schrift. Beide sind
über eine gewöhnliche Telefonleitung an den Computer, ein Gerät aus der
Serienproduktion, angeschlossen.
Im Raum Boston (Massachusetts) sowie in Manitoba (Kanada) benutzen
derzeit Universitätsstudenten versuchsweise das neue System. In Atlanta
(Georgia) dagegen wird es bereits von Schulen im regulären Unterricht angewandt. Die städtischen Behörden ließen einen Schnelldrucker für Brailleschrift installieren, um auch blinden Kindern die Teilnahme am normalen
Unterricht zu ermöglichen. Nach Meinung der Experten könnten durch verbreitete
Nutzung des neuen Verfahrens stark sehbehinderten oder blinden jungen Menschen
endlich uute Chancen gegeben werden, sich einem ihren Fähigkeiten wirklich
entsprechenden Beruf zuzuwenden, anstatt sie zu veranlassen, sogenannte
Blindenberufe zu ergreifen. Auch die Herstellung von Tageszeitungen in
Braille-Schrift dürfte keine allzu großen Schwierigkeiten mehr bereiten,
da manche Verlage sowieso bereits Computer in das Setzverfahren eingeschaltet haben.

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�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon kündigt neue Maßnahmen in Südostasien an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 8. Mai -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA informieren Weltsicherheitsrat über neue Maßnahmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens von Botschafter Bush -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die militärische Macht der USA im Dienste des Friedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;I. Die US-Marine rüstet sich für Zukunftsaufgaben&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wahre Mehrheit: 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard M. Scammon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;I. Der amerikanische Wähler - sein statistisches Profil&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;II. Der amerikanische Wähler und die Parteien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen ausländische Investitionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Informations-Seminar in Düsseldorf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklungsländer und die internationale Währungsreform&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Modell für ein gemeinsames Docksystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pläne für amerikanisch-sowjetisches Raumfahrtunternehmen nehmen Gestalt an&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Text in Braille-Schrift vom Computer</text>
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