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19. A p r i l 1972

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Inhalt

Martin J.. H i l l e n b r a n d zum neuen US- Bo t s c h a f t e r i n Bonn n o m i n i e r t
Hanoi b e a n t w o r t e t e a m e r i k a n i s c h e s Verhandlungsangebot mit I n v a s i o n
in Südvietnam
- W o r t l a u t der E r k l ä r u n g von B o t s c h a f t e r

Porter-

USA v e r s t ä r k e n Anstrengungen zur Sicherung der E n e r g i e v e r s o r g u n g
••Von unserem S o n d e r k o r r e s p o n d e n t e n F a c h a u s s t e l l u n g und Tagung " K u n s t s t o f f e und i h r e V e r a r b e i t u n g "
%
DOKUMENTATION:
Die Europäische Einigung und der Atlantische Partner USA
-Ansprache des Stellvertretenden Staatssekretärs für wirtschaftliche
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Nathaniel SamuelsWlRTSCHAFT:
Connally: Volles Vertrauen in den Dollar gerechtfertigt
-Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VQAUS-Wirtschaftswissenschaftler nimmt zur internationalen Währungslage
Stellung
-Interview mit Lawrence B.Krause in Washington«
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
"Woche der Erde" - Nationale Aktion für Umweltschutz

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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16/1972

MARTIN J. HILLENBRAND ZUM NEUEN US-BOTSCHAFTER IN BONN NOMINIERT

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat den Unterstaatssekretär für Europäische
Angelegenheiten im State Department, Martin J. Hillenbrand, zum neuen Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika

in der Bundesrepublik Deutsch-

land nominiert. Er tritt an die Stelle von Kenneth Rush, der das Amt des
Stellvertretenden Verteidigungsministers der USA uebernommen hat. Die Ernennung Hillenbrands muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Wie der stellvertretende Pressesekretär des Weißen Hauses, Gerald Warren,
am 17. April zu verstehen gab, wird Hillenbrand, der seit Februar 1969 die
Europa-Abteilung im amerikanischen Außenministerium leitet, zunächst weiter
als Koordinator der Pläne für die Reise Präsident Nixons nach der Sowjetunion
fungieren. Warren konnte nicht sagen, wann ein neuer Unterstaatssekretär
für Europäische Angelegenheiten ernannt wird.
Martin Joseph Hillenbrand wurde am 1. August 1915 in Youngstown im Staate
Ohio geboren. Er erwarb 1937 an der Universität Dayton den Grad eines Bachelor
of Arts und setzte dann seine Studien an der Columbia-Universität in New York
fort, an der er 1938 zum Master of Arts promovierte und 1948 die Doktorwürde
erlangte. 1963 wurde ihm von der juristischen Fakultät der Universität Dayton
die Ehrendoktorwürde verliehen.
Hillenbrand
-1-

�Hillenbrand ist Berufsdiplomat. Er trat 1939 in den Auswärtigen Dienst
der Vereinigten Staaten und war dann als Vizekonsul in Zürich (1939-1940),
Rangun (1940-1942), Kalkutta (1942-1944) und Lourenco Marques (1944-1945) tätig. Im Oktober 1945 wurde Hillenbrand nach Bremen versetzt, wo er im März
1946 zum Konsul ernannt wurde.
Im akademischen Jahr 1949/50 absolvierte er an der Harvard-Universität
zwei Studiensemester in Wirtschaftswissenschaften. Von 1950 bis 1952 leitete
Hillenbrand die Unterabteilung Deutsche Regierung und Verwaltung im amerikanischen Außenministerium, Nach vierjähriger Tätigkeit als Erster Sekretär und
Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der Vertretung der USA bei der NATO wurde
er 1956 in Berlin Leiter der Politischen Abteilung bei der dortigen US-Mission.
Nach Erhebung in den Rang eines Generalkonsuls im Februar 1958 wurde er im
September in die Washingtoner Zentrale zurückgerufen, wo er zunächst als
Direktor des Deutschland-Büros und dann als Sonderberater des Unterstaatssekretärs für Europäische Angelegenheiten und Direktor der Arbeitsgruppe Berlin tätig
war. Als einer der jüngsten Diplomaten 1962 zum Gesandten ernannt, wurde Hillenbrand 1963 als stellvertretender Missionschef nach Bonn berufen, wo er bis 1967
wirkte.
Im September 1967 wurde Hillenbrand zum ersten amerikanischen Botschafter
in Ungarn ernannt, nachdem die Vereinigten Staaten und Ungarn 1966 übereingekommen waren, ihre diplomatischen Vertretungen von Gesandtschaften zu Botschaften
zu erheben.
Am 20, Februar 1969 wurde Martin J. Hillenbrand auf sein Amt als Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im State Department vereidigt,
nachdem ihn Präsident Nixon Anfang Februar für diesen Posten benannt hatte.
Hillenbrand ist mit Faith Stewart verheiratet. Sie haben eine Tochter,Ruth,
und zwei Söhne, David und John.
Martin J.

�I

Martin J. Hillenbrand ist Verfasser eines 1949 erschienenen Buches, das
den Titel "Power und Morals" trägt und sich mit der Frage der Ethik in der
Weltpolitik befaßt. Im Jahre 1960 wurde ihm die Superior Service Award, eine
der höchsten Auszeichnungen des State Department, verliehen.

II i H

!•[•!

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HANOI BEANTWORTETE AMERIKANISCHES VERHANDLUNGSANGEBOT
MIT INVASION IN SÜDVIETNAM
-Wortlaut der Erklärung von Botschafter Porter-

PARIS -_(AD)-- Präsident Nixon hat am 1. April auf geheimem Wege Hanoi wissen lassen, daß die USA zur Wiederaufnahme der Vietnamgespräche bereit seien.
Die Antwort der Kommunisten sei jedoch die breit angelegte Invasion Südvietnams gewesen.
Dies erklärte der amerikanische Chefdelegierte bei den Pariser Vietnamgesprächen, Botschafter William J. Porter, am 13- April bei seiner Rückkehr
nach Paris. Porter

hatte sich zu Konsultationen in Washington aufgehalten.

Die Erklärung, die der amerikanischer Botschafter bei seiner Ankunft abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Ich werde hier heute vormittag vom Manuskript sprechen. Wir halten es
für nützlich, eine kurze Erklärung abzugeben, um all den Unsinn aus der Welt
zu schaffen, der sich im Zusammenhang mit den Pariser Friedensgesprächen
angesammelt hat.
Sie

-1-

�Sie werden sich daran erinnern, daß Präsident Nixon am 25, Januar in
Übereinstimmung mit Präsident Thieu einen Acht-Punkte-Vorschlag unterbreitet
hat, der ohne Frage eine vernünftige Basis für Gespräche und Verhandlungen
darstellt. Sie werden sich ebenfalls erinnern, daß die andere Seite sich hartnäckig weigerte, gemeinsam mit uns unsere Vorschläge zu prüfen - oder auch die
ihrigen, die sie zuvor in ultimativer Form auf der Basis unterbreitet hatte,
daß sie ohne Widerrede zu akzeptieren seien. Die einzige Antwort, die wir auf
den Acht-Punkte-Vorschlag des Präsidenten erhielten, war ein massiver militärischer Aufmarsch.,
Am 23. März erklärten die südvietnamesische Delegation und die amerikanische Delegation, daß wir zukünftigen Zusammenkünften zustimmen würden, falls
die andere Seite vorschlüge, spezifische Themen im Zusammenhang mit einer friedlichen Regelung zu erörtern. Wir stellten ferner klar, daß wir selbst Zusammenkünfte vorschlagen würden, falls die Ereignisse dies wünschenswert erscheinen
ließen. Dies war das aufrechte Bemühen, die Gespräche auf eine sachliche Basis
zu stellen. Die Nordvietnamesen und der Vietcong verkündeten daraufhin lauthals,
daß wir die Verhandlungen sabotierten. Man muß sich hier fragen, wie man etwas
sabotieren kann, dessen Existenz sie nie zuließen.
Wie Sie wissen, kehrte ich zu Konsultationen nach den Vereinigten Staaten
zurück.
Ich kann hier zum ersten Mal mitteilen, daß Präsident Nixon nach einer
gründlichen Überprüfung der Situation persönlich anordnete, daß auf geheimem Wege
eine Botschaft an die andere Seite übermittelt wurde, in der unsere Bereitschaft
zur Wiederaufnahme der Pariser Gespräche am 13. April erklärt wurde.
Die einzige Antwort auf dieses Angebot erfolgte in Form einer sich ausweitenden Invasion der Republik Südvietnam durch nordvietnamesische Truppen, was
ein klassisches Beispiel für die Unwahrheit der Vietcong-Erklärung ist, daß

-2-

�daß keine nordvietnamesischen Truppen an dieser militärischen Invasion beteiligt seien.
Wir haben seither Erklärungen gehört, daß die andere Seite Zusammenkünfte
wünsche. Wir bezweifeln das nicht; aber niemand, der mit der Geschichte der Pariser Gespräche vertraut ist, kann behaupten, daß die Tatsache, Zusammenkünfte
zu haben, gleichbedeutend mit der Tatsache sei, daß auch verhandelt werde.
Wenn wirklich der Wunsch zu verhandeln vorhanden ist, dann kann die andere Seite - wie wir ihr erklärt haben - uns das auf jedem Wege, den sie wünscht,
wissen lassen. Und man wird uns bereit und willens finden, auf dieser Basis zu
beginnen. Es ist hier schon zu viel Zeit vergeudet worden, was schlimm genug ist,
aber der Gedanke, sich nur mit vorgehaltener Pistole zu treffen, was ebenfalls
eine Zeitvergeudung wäre, ist sogar noch weniger akzeptabel.
Was nun die Zukunft angeht, so werde ich hier für einige Zeit bleiben,um
damit die Möglichkeit zu einer Wiederaufnahme (der Gespräche) zu bieten, vorausgesetzt, daß die andere Seite zur Zusammenarbeit bereit ist."
Auf die Frage, wann Präsident Nixon seine Botschaft übermittelt habe, erklärte Botschaft Porter:
"Die Botschaft wurde am 1. April abgesandt und von der anderen Seite am
2. April empfangen."

I-IH-1-H t H-l-

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16/1972

USA VERSTÄRKEN ANSTRENGUNGEN ZUR SICHERUNG DER ENERGIEVERSORGUNG
-Von unserem SonderkorrespondentenWASHINGTON —(AD)-« Die Vereinigten Staaten verbrauchen wesentlich mehr Energie, als sie selbst produzieren, und sind auf diesem Gebiet - vor allem was
Ol anbetrifft - von Einfuhren abhängig. Der Innenausschuß des amerikanischen
Repräsentantenhauses hat sich vom 10. bis 18. April mit dem Problem der Energieversorgung befaßt, und die zuständigen Vertreter der Nixon-Administration
haben versichert, daß alle Anstrengungen unternommen werden, um die USA in
dieser Hinsicht unabhängiger zu machen.
Wenn sich der Energieverbrauch weiterhin in dem bisherigen Tempo steigert,
dann müssen die Vereinigten Staaten mit einer Verknappung von Öl, Gas und
Strom rechnen. Trotz aller Anstrengungen wird es nach Auffassung von Regierungsvertretern zunächst zu gewissen Unbequemlichkeiten und Preissteigerungen
kommen. Innenminister Rogers Morton versicherte jedoch vor dem Ausschuß: "Wir
sind überzeugt, daß wir auf lange Sicht in der Lage sein werden, mit der Energiekrise fertig zu werden."
Der Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, John Irwin, der
anstelle von Außenminister Rogers vor dem Ausschuß erschien, hob hervor, daß es
im Interesse Amerikas liege, die Abhängigkeit von importierter Energie auf ein
-l-

�ein Minimum zu reduzieren. Die entsprechenden Maßnahmen müssten jedoch mit
anderen Wirtschafts-und Sicherheitszielen vereinbar sein. "Gleichzeitig", so
fügte der Staatssekretär hinzu, "sollten wir versuchen, unsere Politik enger
mit der anderer Verbrauchernationen zu koordinieren" • vor allem mit Japan
und westeuropäischen Nationen.
Der Ausschußvorsitzende Wayne Aspinall stellte fest, daß die Amerikaner
mehr Energie verbrauchen, als sie produzieren, und ein Kollege von ihm verwies
in diesem Zusammenhang auf die interessante Tatsache, daß die Vereinigten Staaten mit 209 Millionen Menschen nur sechs Prozent der Weltbevölkerung stellen,
jedoch rund ein Drittel der Gesamtenergiemenge verbrauchen. Dabei wird mit einer
jährlichen Zunahme von 3,5 Prozent gerechnet.
Der wissenschaftliche Berater Präsident Nixons, Dr. Edward David, und andere Regierungsvertreter nannten folgende Schritte auf diesem Gebiet:
- Industrie und Öffentlichkeit sollen zu rationellerer Nutzung der Energiequellen aufgerufen werden. So kann beispielsweise der Nutzeffekt von Kraftwerken von 35 auf 60 Prozent erhöht werden.
- Ölbohrungen sollen bis in größere Tiefe vorangetrieben und die Bohrungen
vor der Küste intensiviert werden. Die Nutzung von verflüssigtem Erdgas und Kohle
soll verstärkt werden. Ferner soll mehr Öl aus Kanada, Venezuela und anderen
Ländern der westlichen Hemisphäre importiert werden.
- In diesem Jahrzehnt wird in verstärktem Maße Öl aus Alaska zur Verfügung stehen, und die Produktion von Öl aus Ölschiefer soll intensiviert werden.
Ferner soll mehr Gas aus Kohle gewonnen werden, und auch Atomkraftwerke werden
immer mehr Energie liefern. Die Versuche, mit Hilfe von Brutreaktoren auf dem
Kernspaltungs-und Verschmelzungswege "saubere Energie" zu gewinnen, werden mit
Hochdruck fortgesetzt.
- Im übrigen werden die Wissenschaftler in den nächsten Jahrzehnten mit
Brennstoffzellen, Kombinationen von Gas-und Dampfturbinen und magnetohydro-2-

�magnetohydrodynamischen Experimenten arbeiten, um weitere Energiequellen zu
erschließen. Schließlich wird man versuchen, durch Umwandlung von Sonnenenergie
und Erdwärme, Nutzung der Gezeitenströme, des Windes und der Wärmeunterschiede
von Ozeanen dem Menschen diese gewaltigen Energiereservoire nutzbar zu machen.
Von Regierungsseite wurde in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß
die USA in ihrer Energieversorgung zwar zu rund 5o Prozent vom Öl abhängen, daß
die Lösung des Energieproblems jedoch alle möglichen Brennstoffe und Energiequellen einschließt.
Der Direktor des US-Amtes für Notstandsplanung, General George Lincoln,
hob vor dem Ausschuß hervor, daß die Energiepolitik heute die gleiche Bedeutung
und den gleichen Rang habe wie die Sicherheits-und Außenpolitik. "Die Sicherstellung der Energieversorgung wird rasch zu einer entscheidenden Komponente
der nationalen Sicherheit", so erklärte er.
Die Vereinigten Staaten verbrauchen, wie vor dem Ausschuß dargelegt wurde,
täglich 16 Millionen Barrels Öl - verglichen mit 12 Millionen Barrels in Westeuropa und annähernd 4 Millionen in Japan. Bis 1980 wird in den USA mit einem
Anstieg des Verbrauchs auf 24 bis 30 Millionen Barrels pro Tag gerechnet und
auf 24 Millionen Barrels in Westeuropa und 10 Millionen Barrels in Japan. Bis
zum Jahre 2000 erwartet man eine Verdreifachung des Energiebedarfs.
Nach Schätzungen von Staatssekretär Irwin wird der amerikanische Ölbedarf
im Jahre 1980 zu 35 bis 5o Prozent aus Importen gedeckt werden müssen. Gegenwärtig, so führte der Staatssekretär aus, werde "in allen Ecken der Erde1», in
der Arktis, im Gelben Meer, in Afrika und in Südamerika nach Öl gebohrt, und
es sei durchaus möglich, daß sich die Vereinigten Staaten den Europäern und
den Japanern in der Suche nach Öl in der östlichen Hemisphäre anschließen müssten. Nach Auffassung Irwins liegen fast drei Viertel der Weltreserven an Erdöl
-rund 400 Milliarden Barrels- im Nahen Osten.
In

-3-

�In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, daß die öl fördernden und
exportierenden Staaten (OPEC) ihre Preise erhöht haben und jetzt den Mitbesitz
an den Ölquellen und Raffinerien fordern. Man könne mit einem Anstieg der 0 1 preise rechnen, so sagte Irwin, der die Gewinnung von Öl aus Ölschiefer wirtschaftlich lohnend m a c h e . Damit sei aber auch praktisch eine Höchstgrenze für
den Ölpreis gesetzt.
Übereinstimmend wurde im Ausschuß festgestellt, daß die amerikanische Energie die billigste in der Welt sei, daß die Amerikaner jedoch in Zukunft mit höheren Preisen rechnen und wohl in den nächsten Jahren auch noch einige Luftverschmutzung in den Städten hinnehmen müssten.

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FACHAUSSTELLUNG UND TAGUNG "KUNSTSTOFFE UND IHRE VERARBEITUNG"

—(AD)»* Vom 15. bis 19. Mai 1972 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Fachausstellung zum Thema "Kunststoffe und ihre
Verarbeitung". Bisher haben sich rund 20 amerikanische Hersteller angemeldet, die ihre neuesten Geräte und Verfahren auf diesem Sektor vorstellen
werden. Parallel zur Ausstellung findet eine Vortragsreihe statt, die sich
mit verarbeitungstechnischen Fragen befaßt.
Ausstellungs-und Tagungsunterlagen können beim US-Handelszentrum
(600 Frankfurt am Mains Bockenheimer Landstraße 2-4) kostenlos angefordert
werden.

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16/1972

DIE EUROPÄISCHE EINIGUNG UND DER ATLANTISCHE PARTNER USA

Wortlaut der Ansprache, die der Stellvertretende Staatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im USAußenministerium, Nathaniel Samuels, am 14. April 1972
auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in
Leverkusen gehalten hat.

�Die freundliche Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Teilnahme
an dieser Veranstaltung ehrt mich sehr, und ich danke für die Gelegenheit,
meine Gedanken über die Beziehungen eines sich zusammenschließenden Eurooas
zu seinem atlantischen Partner - die Vereinigten Staaten - vor einem so außerordentlichen Kreis von Sprechern und Zuhörern, darlegen zu dürfen.

Die strukturen der Zusammenarbeit und der Konflikte zwischen diesen
beiden großen Partnern sind ebenso zahlreich wie vielfältig. Die grundlegende
Harmonie, die unsere Beziehung charakterisiert, ist manchmal tief und sinnvoll, gelegentlich auch voller Dissonanzen und verwirrend. Kurz gesagt,
unsere Gesellschaften sind von pulsierendem Leben erfüllt, und unser gegenseitiges Verhältnis läßt sich nicht immer mit dem wiederkehrenden Refrain
einer abgedroschenen Melodie vergleichen.

Die Musik des Augenblicks ist nicht ohne Dissonanzen, hat aber dennoch
ihre wesentliche und unlösliche Harmonie nicht verloren. Da keiner von uns,
wie ich meine, den Wunsch hegt, daß unsere Beziehung von den Dissonanzen
beherrscht wird,

dürfte es uns wohl anstehen, einige Noten zu ändern,

einige Akkorde neu zu fassen und einige Themen zu überarbeiten um den
Völkern auf beiden Seiten das Atlantiks die Gewißheit zu geben, daß der
angeschlagene Rhythmus ihren innersten Aspirationen gemäß ist.

Wenn

- 1 -

�Wenn ich mehr Nachdruck auf die Harmonie als auf Dissonanzen lege, so
tue ich dies, weil ich es im gegenwärtigen Zeitounkt für notwendig halte,
die fortbestehende Einigkeit in unseren Zielsetzungen zu bekräftigen und
nicht etwa die Divergenzen hinsichtlich kurzfristiger Ziele zu betonen und
auszuweiten.

Während der letzten Jahre haben sich - um ganz offen zu sein - die
Vorstellungen der Vereinigten Staaten von Europa und die Vorstellungen
Europas von den Vereinigten Staaten allmählich gewandelt. Vor 20 Jahren,
als die europäische Gemeinschaft Gestalt anzunehmen begann, fragten sich
viele Amerikaner, ob die umfassende Unterstützung, die wir diesem großen
Vorhaben gewährten, einen mächtigen Mitarbeiter in der Weltpolitik oder
eine mächtige dritte Kraft mit unsicherer Orientierung würde schaffen helfen.
Manche nahmen an, daß ersteres der Fall sein werde und traten deshalb rückhaltlos für die Konzeption und den Inhalt eines integrierten und schließlich
vereinigten Europas ein. Jenen hingegen, die das Entstehen einer mächtigen
und unabhängigen dritten Kraft in der Weltpolitik voraussahen, wurde oft
entgegengehalten, daß die Vereinigten Staaten eine derartige Entwicklung
nicht zu fürchten brauchten - daß die moralische Gesundheit einer Nation
wie des Individuums nicht durch Dominanz, sondern durch die Notwendigkeit
gefordert und bereichert werde, Meinungsverschiedenheiten auszuräumen und
eine gemeinsame Politik auf der Grundlage der Partnerschaft zu erstreben.

Heute, nach zwei Jahrzehnten der Erfahrung mit dem Prozeß der europäischen
Einigung, ist die Realität einer mächtigen europäischen Körperschaft in der
Weltpolitik gegeben, die aus einem zersplitterten Geflecht nationaler

- 2 -

�nationaler Souveränität erwächst - einem Gebilde, das den grundlegenden
Charakter seiner Bindungen zu den Vereinigten Staaten anerkennt, gleichzeitig aber auch seine eigene spezifische Identität zu finden sucht und
entschlossen eine Position einnimmt, die es ihm gestattet, den Verlauf der
Dinge im Sinne seiner eigenen Auffassungen und Interessen zu beeinflussen.

Die Verwirklichung unserer Vision und der Erfolg unserer Bemühungen
steilen "jedoch die Amerikaner ebenso wie die Eurooäer zwangsläufig vor
die Notwendigkeit, ihre wechselseitigen Beziehungen der Welt der siebziger
Jahre anzupassen, die sich bereits heute weitgehend von der der fünfziger
Jahre unterscheidet, während die bipolare Welt der fünfziger Jahre im
letzten Viertel dieses Jahrhunderts dem Entstehen multipler Machtzentren
Platz macht.

Für die Amerikaner ist das sich entfaltende historische Schauspiel
soweit es unsere Beziehungen zu Europa angeht, nicht ohne Probleme. Wir
sind uns dessen bewußt, daß wir gewaltige moralische Anstrengungen und
materielle Hilfsquellen auf den Wiederaufbau Europas verwendet haben, daß
wir auf diese Weise mithalfen, uns Konkurrenten wie auch Mitarbeiter zu
schaffen, daß wir Kapital in großem Umfang und technisches Wissen im Überfluß exportiert haben, um wirtschaftlichen Wohlstand zu schaffen und die
politische Stabilität um anderer und unserer selbst willen zu gewährleisten.
Wenn wir einerseits die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser beispiellosen
Anstrengungen für die Vereinigten Staaten näher betrachten, stellen wir
fest, daß unsere Exporte an Industrieprodukten in die europäische Gemeinschaft kräftiq und unsere Ausfuhren an landwirtschaftlichen Produkten trotz
der Behinderung durch Handelsschranken alles in allem - wenn auch vornehm-

- 3 -

�vornehmlich bei ungeschützten Erzeugnissen - zugenommen haben, während
unsere Auslandsinvestitionen geradezu beträchtlich gestiegen sind. Die
europäische Gemeinschaft, Europa als Ganzes und die Vereinigten Staaten
waren sichtlich sämtliche Nutznießer dieser Entwicklung - und mit ihnen
im allgemeinen auch die Entwicklungsländer.

Andererseits erleiden die USA seit rund 20 Jahren laufend Zahlungsbilanzdefizite, weil staatliches und privates Kapital nach Europa und in
andere Teile der Welt strömt, weil die weltweiten Strukturen in Handel
und Produktion durch diesen Prozeß verändert wurden und weil die Verteidigungslasten fortbestehen. Hochtechnisierte Industrien haben ihrer eigenen
Auslandskonkurrenz auf die Beine geholfen, weniger technisierten Industrien
fällt es immer schwerer, sich angesichts der niedrigen Löhne in anderen
Ländern zu behaupten, die Landwirtschaft wird daran gehindert, protektionistische Handelsschranken für verschiedene ihrer wichtigsten Exportprodukte
zu überwinden, und der Geltungsbereich der unseren Interessen zuwiderlaufenden
Handelspräferenzen dehnt sich vom Mittelmeer auf Afrika und nunmehr auch
auf die nicht der Gemeinschaft angehörenden Länder Europas aus.

Auf dem Währungssektor sind wir, wie sich in der Rückschau auf unsere
Erfahrungen während der letzten Jahre vor der jüngsten Neufestsetzung der
Wechselkurse sagen läßt, oftmals nur einer widerstrebenden Bereitschaft
seitens mancher Überschußländer begegnet, ihre Wechselkurse, ihre Steuerund Geldpolitik sowie ihre Handelspraxis und Handelspolitik auf die Notwendigkeit eines besseren internationalen Gleichgewichts auszurichten.

Nach

- 4 -

�Nach Ansicht von Beobachtern von außerhalb hat sich während der letzten
Jahre ein deutlicher wenn auch subtiler Wandel vollzogen, in dessen Verlauf
Europa, schwach und zaudernd im Aufschwung begriffen aber dennoch furchtsam,
prosperierend aber ohne Glauben an sein Glück, entschlossen aber nicht
selbstbewußt, fast unmerklich begann, seine eigene Stärke zu fühlen und
seine eigenen Ziele mit nur begrenzter Rücksicht auf die Konsequenzen für
andere zu verfolgen.

Ich weiß, daß viele unter Ihnen dies als eine unzutreffende und ungerechte Beurteilung mancher Züge der europäischen Politik und Einstellung
ansehen werden. Wenn man jedoch die atlantische Partnerschaft mit europäischen *ugen betrachtet, wird die Zurückweisung dieser Beurteilung verständlich. Nach europäischer Auffassung kam die Politik des generell offenen
Handels mit Industrieprodukten und der ungehinderten Investitionen den
amerikanischen Ausfuhren und Investitionen sehr zugute. Wenn die Agrarpolitik der europäischen Gemeinschaft gegenüber gewissen Agrarexporten der
Vereinigten Staaten voreingenommen war, so war dies

nach europäischer Auf-

fassung mit Rücksicht auf die Anstrengungen zur Erreichung gewisser innerer
sozialer und wirtschaftlicher Ziele Europas notwendig, die nur in mehreren
Jahren erreicht werden können. Wenn Handelspräferenzen eingeräumt und erweitert wurden, die gewisse europäische und afrikanische Länder beqünstigen,
dann nur, weil die europäische Gemeinschaft glaubt, sie habe eine Verantwortung für die wi rtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität im
Mittelmeerraum und in Afrika übernommen, wo beide atlantischen Partner gemeinsame Interessen verfolgen. In europäischen Augen ist eine ähnliche Po-

- 5-

�Politik auch gegenüber jenem Teil Europas notwendig, der sich nicht der
Gemeinschaft anschließen wird - nicht nur zum Besten Europas, sondern auch
um der grundlegenden und langfristigen Interessen der Vereinigten Staaten
willen. Im monetären Bereich erblickt Europa in der im Laufe der Jahre erfolgten Ansammlung gewaltiger Dollarbestände einen greifbaren Beweis dafür, daß es sich wie ein stiller Teilhaber verhielt und gewisse Schritte
der amerikanischen

Außenpolitik/die es nicht selten mißbilligte, untätig

hinnahm.

+ ++

Wenn ich heute so viel Zeit auf die Darlegung einiger der veränderten
Betrachtungsweisen innerhalb der atlantischen Partnerschaft verwendet habe,
dann geschah dies, weil ich auf einige wenige intellektuelle und haltungsmMßige Veränderungen hinweisen möchte, die meines Erachtens geeignet sind,
unsere grundlegende Einigkeit in den Zielsetzungen und im Handeln endlich
wieder mehr in den Vordergrund zu rücken und gleichzeitig störende Tendenzen
auszufiltern, die auf eine Soaltung und eine Vertiefung der 'teinungsverschiedenheiten hindeuten.

Erstens müssen wir auf dem Gebiet der Handelsbeziehungen das Prinzip
der Universalität und der Nichtdiskriminierung mit der Praxis des zunehmenden
Regionalismus in Einklang bringen.
Zweitens

�Zweitens dürfen wir, auch wenn wir an den politischen Geboten einer
in allen unseren Ländern vereinbarten Agrarpolitik festhalten wollen, die
Vernunft nicht daran hindern, die diesbezügliche Politik auf beiden Seiten
des Atlantiks zu durchdringen.

Drittens besteht eine weite geistige Kluft zwischen unseren Vorstellungen bezüglich der Verpflichtungen von Überschuß- ebenso wie von
Defizitländem bezüglich der Zahlungsbilanzorobleme, die es zu überbrücken
gilt.

Viertens müssen wir, was die Entwicklungsländer angeht, aus dem
geistigen Wirrwarr herauskommen, in dem wir alle ratlos herumirren,
und Klarheit bezüglich der Prinzipien schaffen, die auf Länder sehr unterschiedlicher wirtschaftlicher und oolitischer Entwicklungsstufen anzuwenden
sind.

Fünftens müssen wir unsere bilateralen Beziehungen vertiefen und sie
gleichzeitig in den wesentlichen und in der Welt von heute unentbehrlichen
multilateralen Rahmen integrieren.

Im Hinblick auf den Handel, einschließlich des Agrarhandels, können wir
nicht davon ausgehen, daß die Ausweitung eines einzelnen Marktes innerhalb
eines begrenzten Raumes, und die Ausdehnung eines Netzes von Handelsorivileqien auf einige ausgewählte Länder außerhalb seiner geongraohischen Grenzen,
.lutomatisch im allgemeinen internationalen Interesse liegt. Vom Gemeinsamen Markt wurde erwartet, daß die Aufhebung der Handelsschranken innerhalb der Sechsergemeinschaft nicht nur deren eigenen Handel und deren

- 7 -

�deren Wirtschaftswachstum stimulieren und fördern würde, sondern auch, daß
die Dynamik dieses Prozesses auch Länder außerhalb dieser Zollunion zugute
konmen werde. Wie wir alle wissen, haben sich diese Erwartunqen fast in jeder
Hinsicht erfüllt, und es herrscht deshalb die Überzeugung vor, d.iß die Erweiterung der Sechsergemeinschaft zur Zehnergemeinschaft zu einem noch
größeren einheitlichen Markt sich wiederum stimulierend auf die Volkswirtschaften der Mitglieder wie der Nichtmitglieder auswirken wird.
Keiner von uns kann natürlich mit Sicherheit sagen, in welchem Maße der
einheitlich

europäische Markt im letzten Jahrzehnt zum allgemeinen Wachstum

von Handel und Wirtschaft beigetragen hat und eine wie gLoße Rull« .uidore
Faktoren dabei gespielt haben. Wir sind überzeugt, daß die Elrwai l.eriuig der
europäischen Gemeinschaft durch die Aufnahme von Großbritannien, Dänemark,
Norwegen und Irland zum wirtschaftlichen Wohl Europas und der übrigen Welt
beitragen wird; es würde Europa aber gut anstehen, wenn es im Zuge dieser
Entwicklung die Vision eines universalen Handels und einet von Diskriminierung
freien Welt im Auge behielte, anstatt zu versuchen, seinen ».kjwrnn hinter
den Mauern des agrarwirtschaffliehen Protektionisinus und eines Systems von
Präferenzabkommen mit Nichtmitgliedstaaten in Europa und (Jbersee zu konsolidieren. Bis jetzt gibt es wenige, wenn überhaupt irgendwelche Anzeichen, die
auf. Schritte in Richtung auf eine Modifizierung bestimmtei, den Interessen
der Nichtmitgliedstaaten zuwiderlaufender Maßnahmen hinweisen; das ist ein
störendes Element in unseren Beziehungen. Wir sind uns der Tatsache bewußt,
daß die europäische (Gemeinschaft die Augen nicht vor den Problemen schließen
kann, die sich durch die Erweiterung der Gemeinschaft für das übrige Europa
ergeben; wir erwarten aber auch, daß eine echte atlantische PattnetSchaft die

- 8-

�die Gemeinschaft und die übrigen europäischen Staaten dazu bestürmt, ihre
Verhältnisse in einer Weise zu regeln, die den Vereinigten Staaten nicht
unannehmbare finanzielle Belastungen auferlegt. Wir verstehen die Sorge der
europäischen Gemeinschaft um ihre Nachbarn im Mittelmeerraum und um die
früheren afrikanischen Kolonien, entdecken aber in dem System der sogenannten
umgekehrten Präferenzen Reste kolonialen Denkens und hoffen darauf, daß
dieser Typ von Handelsbeziehungen allmählich aufgegeben wird.

Das Festhalten am System solcher Präferenzen wird unausweichlich Gegenreaktionen auslösen. Es könnte - wie dies bereits geschehen ist - einige
Leute in anderen Ländern zu der Überlegung veranlassen, ob die Bildung von
Handelsblöcken nicht in ihrem Interesse liege - sei es um ein Gegengewicht
zum europäischen Handelsblock zu schaffen oder, um sich nicht vom europäischen
Präferenzsystem erfaßte Märkte in anderen Teilen der Welt zu sichern. Jone
Entwicklungsländer, die sich durch das europäische Präferenzsystem benachteiligt fühlen, stehen ihrerseits vor demselben Problem und werden sich
fragen, ob sie sich nicht auch bestimmten Industriemärkten anschließen
sollen.

Man kann jedoch die einzigartigen Bedingungen Europas nicht auf die
übrige Welt anwenden. Die geographische Nähe, die historischen und kulturelle
Bindungen, die politische Entwicklung und die wirtschaftlichen Verflechtungen,
die eine europäische Gemeinschaft möglich gemacht haben, sind andernorts
nicht gegeben. Der regionalen Zusammenarbeit ist eine gewisse Logik und
Zweckdienlichkeit eigen und sie hat ihren eigenen Wert, aber wir können dies^
ihre Vorteile sicherlich mit einer weltweiten Ordnung vereinbaren und die

- 9 -

�die Zersplitterung einer Weltgemeinschaft vermeiden, die der Zusammenarbeit
und nicht der Spaltung bedarf.

Auf monetärem Gebiet habe ich van der Verpflichtung der Defizitwie auch der überschußländer gesprochen, Anpassungsprozesse als einen
normalen Bestandteil des internationalen Lebens zu akzeptieren. Wir
operieren innerhalb eines Währungssystems, in dem im allgemeinen noch immer
die überlebte Auffassung vorherrscht, die Defizitländer seien verpflichtet,
ihre Politik zu ändern, um ein besseres Ergebnis zu erzielen, während den
überschußländem keine solche moralische Pflicht obliegt, ihre Überschüsse
auszugleichen. Beide stehen vor dem Problem, ihre äußeren gegen ihre inneren
Zielsetzungen aufzuwiegen, beide haben aber auch - Defizit- wie Überschußländer - die Verpflichtung, das internationale System arbeitsfähig zu machen.

Auf beiden Seiten des Atlantik besteht ein großes Bedürfnis, die
praktische Einsicht und die moralische

Verr&gt;flichtung sowohl der überschuß-

als auch der Defizitländer zur Überzeugung zu erheben, daß es notwendig ist,
eine Innen- und Außenpolitik zu betreiben, die auf ein Gleichgewicht in
unseren Angelegenheiten hinzielt. In dieser Hinsicht ist in den letzten
Jahren viel erreicht worden, und unsere europäischen Partner haben ein Verständnis, eine Einsicht und eine Geduld an den Tag gelegt, die in den USA
gut aufgenommen wurden.

Was die Entwicklungsgebiete der Welt angeht, kommen wir zu der Einsicht, daß sich gewisse Entwicklungsländer bezüglich des Standes und der
Art ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stark voneinander unterscheiden. Wir
leben hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung nicht alle in der gleichen

- 10 -

�gleichen Zeit. Wenn ich zuvor von Universalität und Nichtdiskriminierung
sprach, bezog ich mich hauptsächlich auf die im weitesten Sinne stärker
entwickelten Gebiete der Welt, zu denen die Industrienationen und eine
Reihe von Ländern gehören, die in ihrer Entwicklung auf einer Stufe zwischen
einer industrialisierten und einer nichtindustrialisierten Gesellschaft
stehen. Wir sind jedoch inzwischen vom Prinzip der Meistbegünstigung im
Handel abgewichen, als wir der Konzeption allgemeiner Handelspräferenzen
für weniger entwiekelte

Länder nähertraten, und es mag durchaus sein,

daß die Welt es künftig für zweckmäßig hält, bei den einzelnen Gruppen von
Entwicklungsländern stärker zu differenzieren, um unterschiedlichen Graden
der wirtschaftlichen Entwicklung entSDrechend Rechnung tragen zu können.
Die beiden großen atlantischen Partner haben die gemeinsame Aufgabe und auch
ein gemeinsames Interesse daran, ihre respektive Einstellung bezüglich der
Hilfe für die weniger entwickelten Gebiete der Erde neu zu durchdenken.

Lassen Sie mich abschließend noch ein Wort sagen über einen denkbaren
Apparat zur Vertiefung der bilateralen atlantischen Beziehungen, das heißt
die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der europäischen Gemeinschaft.

Die Notwendigkeit,uns Gedanken um einen solchen Mechanismus zu machen,
erwächst aus dem Reichtum, der Breite und Mannigfaltigkeit unserer Partnerschaft. Die Halt long Amerikas und Europas zu Dutzenden von Problemen und
Fragen stellt

ein nächtiges und oft beherrschendes Element im interna-

tionalen Leben dar.
Es

- 11 -

�Es wird natürlich zwischen uns ein Meinungsaustausch über zahllose
Fragen jeder Art geführt, und wir haben in den 1/ifsten beiden Jahren eine
sehr informelle KbnsultativgruDoe aus Vertretern der Vereinigten Staaten
und der Euronäischen Kommission gebildet, die sich mit bestimmten Problemen
von gemeinsamer Interesse befaßt. Darüber hinaus kam es auch außerhalb
der KonsultativgruDDe zu einem rein informellen, ja fast Dersönlichen Gedankenaustausch mit den ständigen Vertretern der EWS-Mitgliedstaaten in
Br'issel. Sollte die Gemeinschaft in Zukunft einen breiter ausgelegten und
systematischer arbeitenden Mechanismus oder andere Mittel zur Abwicklung
unserer Angelegenheiten von gemeinsamen Interesse vorschlagen wollen, werden
wir gerne bereit sein, ihre Vorschläge zu erörtern.

Wir sol'ten jedoch die Tatsache nicht aus den Augen «wrltemn, 'la*
unsere Benr'ihungen um die Stärkung unserer bilateralen Beziehungen auf der
Erkenntnis beruhen, daß ein solches Vorgehen die multilateralen Prozesse
des internationalen Lebens bereichern kann. Wenn ein angemessener bilateraler
Mechanismus mithilft, die Gewähr zu schaffen, daß die Politik des einen
Partners den Interessen des anderen Rechnung trägt, wird dies auch sicherstellen helfen, daß wir beide den Interessen anderer Länder und anderer
Kontinente Rechnung tragen.

Wenn ich heute nicht über unsere jeweiligen Beziehungen zu Jaoan,
Kanada, Lateinamerika, Australien und Neuseeland, zum Subkontinent Indien
und Pakistan, zu den kcmnunistischen Staaten in Eurooa und Asien sowie
über unser Verhältnis zu eino^lnen Ländern in allen Teilen der Welt spreche,
dann deshalb, weil ich meine Ausführungen auf lie atlantischen Beziehungen
beschränken möchte. Es steht jedoch fest, daß die bilateralen Beziehungen

- 12 -

�Beziehungen zwischen den europäischen und den aorerikanischen Partnern
keinesfalls die wünschenswerten und notwendigenbilateralen Beziehungen zu
anderen Ländern oder die multilateralen Beziehungen und Institutionen beeinträchtigen dürfen, an den wir beide starken Anteil nehmen.

Die Vereinigten Staaten und Europa, das sowohl die der Gemeinschaft
angehörenden als auch die ihr nichtangehörigen europäischen Länder einschließt, sind von einer Größenordnung und Bedeutung, die beiden eine gewaltige Rolie in dex. Weltpolitik und einen tief reichenden Einfluß auf
sie zuweisen. Die wahren Ursprünge meines Landes, unsere gemeinsame
atlantische Geschichte, unser gemeinsames kulturelles Erbe, die gemeinsamen
Qualen und Triumphe, die wir in allen Bereichen menschlicher Bemühungen
erlebt haben, und das Gebäude unserer wirtschaftlichen Interdependenz sie alle gehen ein in unsere heutigen Beziehungen auf den Gebieten der
Politik, der Wirtschaft und der Sicherheit, die ebenso natürlich wie notwendig sind. Zusammenarbeit und nicht Konfrontation, Wettbewerb und nicht
Konflikt sind unsere Bestimmung.

- 13 -

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16/1972

CONNALLY: VOLLES VERTRAUEN IN DEN DOLLAR GERECHTFERTIGT

-Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VOA-

WASHINGTON -• (AD) -- Der amerikanische Finanzminister John B. Connally hat
in einem Interview mit der Stimme Amerikas am 16. April versichert, die Finanzund Währungspolitik der USA rechtfertige ein volles Vertrauen in den Dollar.
Die wesentlichen Auszüge aus diesem Interview haben folgenden Wortlaut:
"Frage: Herr Minister, im vorigen Monat (März) gab es in Europa erneut
recht hektische Spekulationen gegen den Dollar, und dem begegnete man hier in
Washington mit außerordentlicher Ruhe. Ist diese Ruhe nun echt oder nur gespielt?
Antwort: Nein, ich meine sie ist echt... Wir glauben, daß wir auf dem
Wege zu einer sehr starken wirtschaftlichen Expansion sind. Wir glauben, daß
wir bei der Bekämpfung der Inflation mehr fertig bringen als irgend ein anderes
großes Industrieland, ich weiß das. Wir glauben, daß unsere Preise und unsere
Löhne mit einer geringeren Rate steigen als bei den anderen Industrienationen
der Welt. Wir glauben daher, daß wir bis Ende dieses Jahres unsere Situation
besser im Griff haben werden als die meisten anderen Länder, und es wird - und
zwar zu Recht - in der ganzen Welt ein erneutes Vertrauen herrschen, daß wir
unsere fiskalischen und monetären Angelegenheiten wirklich so behandeln, daß
die Menschen volles Vertrauen in den Dollar haben dürfen.
Ich
-1-

�Ich kann hier nicht umhin einzuwerfen..., was von manchen Leuten vielleicht
als Hohn und Spott aufgefaßt wird..., daß ich immer darauf hinweisen möchte,
daß der Dollar konvertierbar ist... hier und heute... und zwar voll konvertierbar in jede Ware oder Dienstleistung, die irgend jemand in der Welt von den Vereinigten Staaten kaufen will ....
Frage: Herr Minister, Sie haben xu erkennen gegeben, daß sie nicht glauben,
die Verhandlungen über ein neues Währungsabkommen sollten in dem Forum der
Zehnergruppe - jenem Forum, das das Smithsonian-Abkommen aushandelte - geführt
werden. Was für ein Forum möchten Sie?
Antwort: .... Darf ich hier einen kleinen Einwand machen und vielleicht
noch ein Wort dazu sagen. Ich habe versucht, klar zum Ausdruck zu bringen, daß
die Verhandlungen meiner Meinung nach nicht ausschließlich in der Zehnergruppe
geführt werden sollten.
Ich glaube, die Zehnergruppe hat bei den Beratungen über ein neues internationales Währungssystem eine Rolle zu spielen, aber ich bekenne offen, daß
es meiner Meinung nach zusätzliche Foren geben sollte, in denen diese Angelegenheit ebenfalls in allen Einzelheiten erwogen und erörtert wird; und ohne daß
ich irgendwelche fixen oder starren Ansichten hätte, daß irgendeine Idee ausgeschlossen sein sollte, möchte ich doch sagen, daß die Erörterungen natürlich
von den Nationen gepflogen werden sollten, die formell oder informell zur Zehnergruppe gehören.
Nach meiner Meinung sollten die Gespräche darüber hinaus unter den Nationen
geführt werden, die dem Vorstand des Internationalen Währungsfonds angehören.
Und ich bin nicht sicher, ob nicht sogar noch eine dritte - mehr oder weniger
ad hoc zusammengekommene - Gruppe zumindest konsultiert werden sollte, und ich
möchte meinen, daß die Vereinigten Staaten wahrscheinlich alles nur Menschenmögliche tun würden, um mit in keiner dieser Gruppen vertretenen Nationen
einige der Probleme zu erörtern, vor denen wir in dem neuen Währungssystem
stehen werden.
Frage:
-2-

�Frage: Es ist angeregt worden, daß andere Länder mehr tun sollten, um den
Vereinigten Staaten und dem Dollar zu helfen, um größere Verantwortung zu übernehmen. Was können sie tun - was sollten sie tun - , um unserem Lande zu helfen?
Antwort: Da komme ich natürlich immer wieder auf etwas zurück, was ich für
die eigentlich fundamentale Frage halte, daß wir nämlich unsere Währungsprobleme
niemals wirklich lösen können, wenn wir nicht über ein System sprechen, das sehr
häufige Aufwertungen und Abwertungen der verschiedenen Währungen in der Welt erlaubt, und wenn kein besseres Gleichgewicht in Handelsfragen geschaffen wird,
denn das sind schließlich die Dinge, die die Diskrepanz in Zahlungsbilanzen hervorrufen.
In einigen Fällen können andere Nationen ohne Frage ihre Märkte öffnen. Ich
glaube, da? gilt sicherlich für Japan. Ich mache kein Hehl daraus. Ich habe meinen Freunden in Japan gesagt, daß sie bestimmte Praktiken üben, daß sie Dinge
tun,die zu unserem Nachteil sind..,., und daß es eine Grenze gibt, bis zu welchem
Maße wir ihnen zugestehen können, den amerikanischen Markt zu sättigen, ohne daß
auch wir für einige Produkte Zugang zu ihrem Markt hätten.
Das gleiche gilt auch für die Länder in aller Welt, Wir müssen mit allen
von ihnen bezüglich von Änderungen unserer Handelspraktiken ins reine kommen.
Und schließlich möchte ich sagen, daß der größte Teil der übrigen Welt eine
fundamentale Entscheidung zu treffen haben wird, bevor wir ein neues Währungssystem errichten können, und diese Länder müssen selbst - einzeln oder kollektiv die Frage beantworten, ob sie jemals bereit sein werden, den Vereinigten Staaten
einen Überschuß zuzugestehen.
Frage: Bedeutet das, daß sie Defizite in Kauf nehmen müssen?
Antwort: Das bedeutet, daß sie Defizite in Kauf nehmen müssen. Schließlich
haben wir 22 Jahre lang ein Defizit in Kauf genommen. Unsere Defizite sind der
Überschuß eines anderen. Wenn wir also irgendeine Art von Konvertierbarkeit aufrechterhalten sollen, dann liegt es auf der Hand, daß wir ein System haben müssen,

-3

�müssen, das uns ebenso erlaubt, zu gewinnen wie zu verlieren - oder wir können
niemals eine realistische Konvertierbarkeit haben,
Wenn wir also wirklich eine Konvertierbarkeit im streng monetären Sinne
haben sollen - eine Konvertierbarkeit in Reserveguthaben

- dann werden wir ein

System haben müssen, das den Vereinigten Staaten erlaubt, gelegentlich einen Überschuß zu haben.
Frage:.., In Amerika herrscht seit vielen Jahren eine gewaltige Begeisterung
für den Eintritt Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt, und jetzt scheint diese Begeisterung durch eine gewisse Vorsicht gedämpft zu werden. Könnten Sie uns
gewisse Hinweise darauf geben, auf die Überlegungen, die diesen Mangel an Begeisterung in Washington verursacht haben?
Antwort: Darf ich Ihnen darauf eine persönliche Antwort geben.,..
Ich glaube nicht, daß es ein Nachlassen der Begeisterung über den Beitritt
Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt gibt- Wenn es heute eine gewisse Vorsicht
im Denken der Leute in Washington gibt, dann deshalb, weil wir den Gemeinsamen
Markt heute nach dem Gesichtspunkt, betrachten, wie er in den siebziger Jahren
verfahren wird.
Meine persönliche Auffassung ist die, daß trotz der besten Absichten Einzelner und von Regierungen in einer Zeit, da der Gemeinsame Markt versucht, sich als
wirtschaftliche Einheit, als politische Einheit und als finanzielle Einheit zu
vervollkommnen, es unausweichlich ist, daß er nach innen blicken wird. Das muß
so sein.,.., und ich meine das nicht kritisch.... Man wird einfach nach innen
blicken, weil dort die Probleme liegen werden.,..
Was meiner Meinung nach uns angeht, ist, wie wir - wenn das der Fall ist reagieren, wie wir uns in internationalen Währungsangelegenheiten und in Welthandel sfragen verhalten werden. Das ist der einzige Anlaß zur Vorsicht...."

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16/1972
US-WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLER NIMMT ZUR INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSLAGE STELLUNG
-Interview mit Lawrence B.Krause in Washington-

Lawrence B. Krause, der in internationalen
Wirtschafts-und Finanzkreisen als anerkannte
Autorität für währungs-und wirtschaftspolitische Fragen gilt, hat nach seinem Studium an
der Universität von Michigan und der HarvardUniversität neben seiner Lehrtätigkeit an namhaften amerikanischen Hochschulen wichtige
Stellungen im öffentlichen Dienst bekleidet.
Unter anderem war er als Berater des State Department und des US-Sonderbeauftragten für Zollund Handelsfragen sowie in besonderen Missionen
für den Wirtschaftsbeirat des Präsidenten tätig.
Zahlreiche seiner Veröffentlichungen wurden in
bekannten amerikanischen und internationalen
Zeitschriften abgedruckt. In den letzten Jahren
hat die Brookings Institution unter anderem seine Bücher "European Economic Integration and
the United States", Britain*s Economic Prospects"
sowie "Sequel to Bretton Woods: A Proposal to
Reform the World Monetary System" herausgebracht.
Krause, der im Dezember 1929 in Detroit geboren
wurde und 1958 an der Harvard-Universität zum
Dr. phil. promovierte, hat zahlreiche akademische Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Er
wird Anfang Mai Vorträge in Frankfurt und Berlin halten sowie zu Gesprächen mit führenden
Bankleuten zusammentreffen.

-1-

�Frage: Glauben Sie, daß es für ausländische Zentralbanken notwendig sein
wird, mehr Dollar aufzunehmen, damit die Neufestsetzung der Wechselkurse in
den nächsten zwei oder drei Jahren richtig zur Wirkung kommen kann?
Antwort: Es mag durchaus notwendig werden, daß sie etwas mehr hereinnehmen. Ohne Frage werden bestimmte Zentralbanken mehr hereinnehmen müssen, da
jedes Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Ländern stets in Dollar ausgeglichen wird. Wenn Frankreich oder Großbritannien ein Defizit haben und
Deutschland weist einen Überschuß aus, dann erhält Deutschland Dollar, auch
wenn Frankreich Dollar verliert. Ich rechne aber auch mit einem Rückfluß von
Dollar, die früher aus spekulativen Gründen abgewandert sind. Sie werden ganz
allmählich in den nächsten zwei Jahren zurückfließen,und dies wird zu einem
Ausgleich beitragen. Aber Ihre Frage zielt in die richtige Richtung, nämlich
daß es zwei Jahre dauern wird, bis die Verbesserung der Zahlungsbilanz aufgrund der Abwertung zum Tragen kommt. Es wird noch einer gewissen weiteren
Finanzierung bedürfen.
Frage: Wird dies soweit ins Gewicht fallen, daß es für einige dieser Länder zu gewissen Problemen führt, wenn sie diese Dollar aufnehmen müssen?
Antwort: Die Aufnahme von Dollar führt zu zwei Arten von Problemen. Da
ist einmal die Angst, man erhalte Geld, das dann an Wert verliert. Diese Befürchtung hat jeder Bankier, nicht nur ein Zentralbankier. Ich möchte meinen,
daß sie diese Angst ertragen könnten. Es handelt sich hier nicht um Institutionen,die auf Gewinn aus sind. Sie erhalten einen guten Zinssatz.

Und wenn

die Alternative für sie Gold ist, dann ist es wohl klar, daß sie mit Dollar
besser dran sind, denn der Zinssatz ist höher als jede vorstellbare Entwertung pro Jahr. Aber das ist nur das eine ihrer Probleme. Das zweite Problem
ist die Inflation im Inland. Wenn Zentralbanken ausländische Währungen aufnehmen müssen, dann wirkt sich dies stimulierend auf die Geldausweitung im
Inland aus. Darüber haben sie keine Kontrolle. Sie können dies auszugleichen
versuchen, doch ist dies eine automatische monetäre Expansion innerhalb der
-2-

�der Volkswirtschaft. Deutschland hat sich von Zeit zu Zeit diesem Problem gegenübergesehen. Es kann so schwerwiegend sein, daß es innerhalb ihrer Volkswirtschaften eine Inflation auslöst. Und das ist ihre Hauptsorge.
Das wird für sie auch weiterhin Anlaß zur Besorgnis sein. Zahlreiche Länder werden sich überlegen müssen, "wie können wir eine antiinflationäre Politik
entwickeln, die nicht so stark von dem Währungssystem abhängig ist, wie dies in
der Vergangenheit der Fall war".
Frage: In letzter Zeit ist davon gesprochen worden, daß einige Länder möglicherweise zu Währungskontrollen verschiedenster Art greifen werden, wenn sie
vor die Notwendigkeit gestellt werden, Dollar aufnehmen zu müssen, und sie
könnten Kontrollen einführen, statt Dollar aufzunehmen. Halten Sie das für
möglich?
Antwort: Das ist eine reale Möglichkeit. Wenn Länder bei irgendeiner Sache
ein Problem sehen, dann werden sie oft den direkten Weg einschlagen wollen. So
hat sich Frankreich bei dem Kapitalzufluß in der Vergangenheit verhalten, und
Italien hat eine solche Tradition aufzuweisen. Bei Deutschland ist das überhaupt nicht der Fall, und Großbritannien hat einen gemischten Kurs eingeschlagen. Das Problem bei solchen Kontrollen ist, daß sie nicht funktionieren, oder
jedenfalls nicht sehr gut. Soweit sie den Zufluß abstoppen, wird etwas Natürliches und nicht etwas Unnatürliches verhindert. Es trifft den kleinen Mann,
nicht die Großen. Und vor allem sind solche Kontrollen nicht sehr wirkungsvoll.
Ich wäre überrascht, wenn Kontrollen eine Lösung des Problems wären.
Frage: Die Vereinigten Staaten sind von manchen Leuten kritisiert worden,
weil sie nicht genug tun, um den Kapitalabfluß aus den Vereinigten Staaten zu
kontrollieren. Können oder sollten die Vereinigten Staaten noch mehr tun?
Antwort: Ich möchte sagen, sie sollten etwas weniger tun. Kapitalkontrollen wurden eingeführt, um eine Abwertung zu verhindern. Man versuchte, unsere
Zahlungsbilanz ohne Änderung des Wertes des Dollar zu korrigieren. Aber das

-3

�das ging nicht. Daher haben wir den Dollar abgewertet, und jetzt gibt es keinen
Grund mehr für die Kapitalkontrollen, die wir haben. Natürlich würden Probleme
aufgeworfen werden, wenn man sie plötzlich, über Nacht einstellen würde. Aber
es ist ganz klar, daß wir in Richtung auf ihre Liberalisierung voranschreiten
sollten, denn Kontrollen jeder Art sind in sich selbst nicht wünschenswert.
Frage: Wie steht es mit den Bewegungen kurzfristigen Kapitals? Muß etwas
unternommen werden, um sie mehr unter Kontrolle zu bringen?
Antwort: Kurzfristiges Kapital reagiert sehr feinfühlig auf die jeweiligen Zinssätze in den verschiedenen Ländern; und die natürlichen Marktkräfte
werden solche Geldabflüsse aus den Vereinigten Staaten sehr schnell weniger
werden lassen,und sehr bald werden sie in der umgekehrten Richtung fließen.
Wenn die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr und im kommenden Jahr - 1973 weiter expandiert, dann werden wir wahrscheinlich kurzfristiges Kapital anziehen. Das dürfte kein Problem werden, da andere Länder über eine Menge Reserven
verfügen, die sie abbauen können. Ich halte dies in diesem Jahr und im kommenden
daher für ein weitaus geringeres Problem - von den natürlichen Wirtschaftskräften her gesehen -, als es im Augenblick aussieht.
Frage: Glauben Sie, daß irgendwelche Kontrollen oder irgendwelche neuen
Methoden in Bezug auf die Bewegungen kurzfristigen Kapitals einen Platz in der
langfristigen Reform des internationalen Währungssystems einnehmen werden?
Antwort: Absolut. Wenn wir ein festes System von Wechselkursen, ohne irgendwelche Kontrollen des Handels und der Kapitalbewegungen haben wollen, dann werden
wir einen Mechanismus zur Finanzierung solcher Bewegungen, falls sie auftreten,
brauchen. Meines Erachtens werden schon allein die größeren Bandbreiten bei
den Wechselkursen solche Bewegungen verlangsamen, und auch häufigere Veränderungen der Wechselkurse werden die Bewegungen verlangsamen. Aber ich glaube, die
Regierungen wollen eine gewisse Sicherheit, mehr Sicherheit gegen die Möglichkeit plötzlicher Abflüsse, die ihre Reservebasis verschwinden lassen. Daher wird

-4-

�wird dies Teil einer grundlegenden Gesamtreform sein. Es ist unvorstellbar, daß
wir genügend Weltreserven schaffen könnten, so daß jedes Land über genügend
Mittel verfügte, um damit gegen eine Verknappung im Falle kurzfristiger Kapitalbewegungen gesichert zu sein. Daher brauchen wir einen Mechanismus, eine Art
Lagerhaus oder einen Bestand an Liquidität, der zur Finanzierung solcher Abflüsse benutzt werden kann. Mein eigener Vorschlag ist, daß dies der Internationale Währungsfonds (IWF) sein sollte. Aber es ist auch möglich, dies auf andere
Weise zu arrangieren.
Frage: Sie sprechen von der Finanzierung solcher Kapitalbewegungen und
nicht von ihrer Kontrolle?
Antwort: Absolut. Meines Erachtens kann man sie nicht kontrollieren. Ich
glaube, wenn ein Mechanismus entwickelt würde, um sie zu kontrollieren, dann
würde man damit das Kind mit dem Bade ausschütten. Man müßte jede einzelne internationale Transaktion kontrollieren. Sie werden feststellen, daß dann nicht nur
Kapital, sondern auch Handel, langfristige Investitionen, Touristenverkehr,
alle diese Dinge schließlich in Kontrollen enden würden. Und das wäre nicht wünschenswert.
Frage: Was halten Sie von einigen Hilfsmitteln, die in letzter Zeit benutzt
wurden, wie verschiedene Depoterfordernisse bei Ausländereinlagen?
Antwort: Ich möchte das nicht als "Kontrolle" bezeichnen. Hier wird ein
Preismechanismus angewandt, um sie weniger attraktiv zu machen. Natürlich müssen
die einzelnen Länder sich darüber im klaren sein, daß man, wenn man bestimmte
Arten von Kapital verteuert, andere Arten von Kapital, die eng hiermit zusammenhängen, nunmehr attraktiver macht. Anders gesagt, Geld kann durch beide Kanäle
fließen. Sie können bestimmte Formen von Abflüssen verlangsamen. Einige von
ihnen werden in unterschiedlicher Form abgelenkt. Das ist bekannt. Wenn man Kapitalkontrollen einführt oder in diesem Falle den Preis bestimmter Formen von Kapitalbewegungen verteuert, dann können Sie damit rechnen, daß die Geldabflüsse
andere Kanäle finden. Aber man hofft, daß der Gesamtfluß dadurch verlangsamt
wird.
++II 1 &gt; Hl I
-5-

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16/1972

"WOCHE DER ERDE" - NATIONALE AKTION FÜR UMWELTSCHUTZ
Amerikanische Bürgerkomitees und Behörden appellieren an das
Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen

--(AD)— Vor zwei Jahren begingen viele Tausende von Amerikanern, meist
Studenten und Oberschüler, den "Tag der Erde", um ihrer Besorgnis über die
bedrohte Umwelt nicht nur in Amerika, sondern in praktisch allen Ländern
Ausdruck zu geben. Jetzt sind solche Aktionen auf eine ganze Woche ausgedehnt. Präsident Nixon ersuchte die Gouverneure der Bundesstaaten, in der
"Woche der Erde" vom 17. - 23. April 1972 allen Bürgern Gelegenheit zu geben,
sich an Programmen und praktischen Schritten zu beteiligen, mit denen die
Umwelt restauriert werden soll.
Neben Bürgergruppen für Umweltschutz, die sich im ganzen Land gebildet
haben, sind in diesem Jahr auch wichtige Regierungsbehörden an der Programmplanung für die "Woche der Erde" beteiligt. Sie bildet bereits einen Auftakt
für die Umweltschutzkonferenz im Juni 1972, die unter der Schirmherrschaft de
Vereinten Nationen in Stockholm abgehalten wird.
Die bisherigen Erfahrungen mit der Aktion "Woche der Erde" zeigten, wie
Senator Gaylord Nelson erklärte, daß es Jahrzehnte nationaler Anstrengungen
bedürfe, um die Umwelt zu restaurieren. Gleichzeitig führten die inzwischen
gewonnenen Erfahrungen zu wichtigen Revisionen der ursprünglichen Pläne und

�und Programme. Sie sind heute realistischer und stellen die Zeit besser in
Rechnung, die für eine Beseitigung und künftige Verhinderung von Schäden tatsächlich gebraucht werden wird.
Umfragen lassen erkennen, wie groß die Unterstützung für Umwelt Schutzmaßnahmen in der Bevölkerung ist. 75 Prozent der Befragten erklärten dabei u.a.,
für eine ausreichende Finanzierung entsprechender Maßnahmen auch willens zu
sein, mehr Steuern zu bezahlen.
Denis Hayes, der 1970 als Student die ersten Aktionen organisierte und heute
im Auftrag der Smithsonian Institution Fragen des wirtschaftlichen Energiebedarfs untersucht, betont: "Heute versuchen wir, eine Bewegung auf sehr viel
breiterer Basis zu bilden, die sich, um grundlegende Reformen zu erreichen, auch
auf das Verkehrswesen und auf die Energieproduktion konzentriert."
Auf Grund einiger von Bürgervereinigungen für den Umweltschutz angestreng ten Prozesse wurde beispielsweise der Bau einer Ölpipeline in Alaska zurückgestellt und die Vergabe weiterer Lizenzen für Ölbohrungen im Golf von Mexiko
sowie der Bau neuer Kraftwerke vorläufig gestoppt. Mit solchen Prozessen sollen
zwar solche Projekte nicht mit allen Mitteln unterbunden werden, aber man will
sicherstellen, daß sie wirklich im Einklang mit den Umweltschutzgesetzen
stehen.
Obgleich die Politiker von derartigen Bürgeraktionen nicht gerade entzückt
sind, erklärte z.B. Innenminister Rogers C.B. Morton kürzlich vor einem Ausschuß des US-Senats: "Die Erwägung von Fragen der Umweltsituation bei bestimmten politischen Entscheidungen

führte alles in allem dazu, daß jetzt mehr

Informationen eingeholt werden und die Behörden Auswirkungen auf die Umwelt
von vorneherein berücksichtigen. Auch die Öffentlichkeit wird mehr als bisher
informiert, wie sich Maßnahmen der Regierung auf die Umweltsituation auswirken."

Ein
-2-

�Ein Musterbeispiel dafür sind die zweieinhalbjährigen Untersuchungen im
Auftrag des US-Innenministeriums zum Bau einer 1200 km langen Erdölleitung in
Alaska, die von den Ölfeldern der Prudhoe-Bucht im Norden zum eisfreien Hafen
Valdez im Süden führen soll, von wo aus Tanker das Öl zum Puget«Sund im Staate
Washington und zu den kalifornischen Häfen bringen würden. In einem vielbändigen Bericht wurde Ende März 1972 das Ergebnis*dieser Studie über das 3,5 Milliarden-Dollar-Projekt von sieben großen Ölfirmen veröffentlicht. Die Quintessenz:
Es ist nicht möglich,ohne tatsächliche oder mögliche Schädigungen des Landes
sowie der Tier-und Pflanzenwelt die Leitung zu bauen. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet die Frage, wie ein Auftauen des unter Dauerfrost stehenden Bodens,
über den 85 Prozent der Pipeline führen würde, zu verhindern sei. Das zweite
große Problem ist die Forderung der Umweltschützer, das letzte große Naturparadies, das Alaska darstellt, unter allen Umständen zu erhalten. Um dem gerecht zu
werden, schlug die Industrie vor, etwa die Hälfte der Strecke in einem Felsoder Kiesbett, die andere Hälfte aufgeständert zu montieren, damit der Kontakt
mit dem Permafrostboden verhindert und die Tierwanderungen nicht gestört werden.
Die Entscheidung der Bundesregierung wird zurückgestellt, bis Präsident Nixons
Beirat für Umwelthygiene, die US-Bundesbehörde für Umweltschutz und andere zuständigenOrgane den Bericht des Innenministeriums studiert und entsprechende
Empfehlungen unterbreitet haben.
Die Meinungen über mancherorts geäußerte Befürchtungen gehen auseinander,
daß verstärktes Umweltbewußtsein zu übertriebenen Reaktionen führe, neue Projekte verzögere und in Zeiten erhöhter Arbeitslosigkeit sogar die Schließung
bereits in Betrieb befindlicher Anlagen erzwinge. Allerdings warnen Sprecher
der Industrie vor einem "Overkill", vor einem zu heftigen Vorpreschen in Umweltfragen. William D. Ruckeishaus, der Leiter des Bundesamtes für Umweltschutz, räumt ein, daß manche Umweltschützer tatsächlich "unmögliche" Gütegrade für Luft und Wasser forderten. Gleichzeitig weist er aber die Behauptung
zurück, die Industrie werde mit Vorschriften zu stark gegängelt. Seine Behörde

-3

�</text>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 19.04.1972</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martin J. Hillenbrand zum neuen US-Botschafter in Bonn nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanoi beantwortete amerikanisches Verhandlungsangebot mit Invasion in Südvietnam&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung von Botschafter Porter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA verstärken Anstrengungen zur Sicherung der Energieversorgung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fachausstellung und Tagung "Kunststoffe und ihre Verarbeitung"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Europäische Einigung und der Atlantische Partner USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Stellvertretenden Staatssekretärs für wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium Nathaniel Samuels -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Connally: Volles Vertrauen in den Dollar gerechtfertigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Interview des US-Finanzministers mit der VOA -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftswissenschaftler nimmt zur internationalen Währungslage Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Lawrence B. Krause in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Woche der Erde" - Nationale Aktion für Umweltschutz</text>
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