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                  <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis

19 6 5

Nr. 1

Die Lohnentvicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963
Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt
1962-1964
Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas
Gewerkschaft1iche Kurznachrichten

+
Nr. 2

Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen
Pensionierung in der US-Wirtschaft
Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte
Maßnahmen
Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen

+
Nr. 3

Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961
Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in
Großtarifverträgen
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 4

Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der
US-Industrie
UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft
Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag
Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt
SunnyhillsJ Rassenfragen unbekannt

+

�Nr. 5

Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen
1964 und 1980
Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und
Feuerwehrdienst
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 6

Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung
Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das
Automationszeitalter
Hilfe für die älteren Menschen

+
Nr. 7/8

Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung
von 321 Berufen
Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt
US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige
Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder

+
Nr. 9

Automation in zehn Großunternehmen
Gleiche Arbeitschancen für alle
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 10

Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
seit Kriegsende
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

2 -

�11 Automation und Gesellschaft
Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie
Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter
Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand

+
12

Automation und Gesellschaft

(II)

Gewerkschaftliche Mitsprache bei Personalentscheidungen
Arbeitnehmer auf der Schulbank

+ + + + +

- 3-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1965

INHALTSVERZEICHNIS

Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963

Seite

1

Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964

Seite

9

Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas

Seite 14

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 17

J. Ross Wetzel, Mitarbeiter des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik,
Abteilung Beschäftigungsanalysen:
Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963
Zusammenfassung
Trotz zweier Rezessionen und einer relativ hohen Erwerbslosenzahl haben sich die durchschnittlichen Arbeitseinkommen von fast 30
Millionen amerikanischen Lohnempfängern 1) zwischen 1957 und 1963 um
über 20 Prozent erhöht. Diese Aufwärtsbewegung, die auch 1964 andauerte, vollzog sich auf einer relativ breiten Basis und in verhältnismäßig ruhigen Bahnen. Zwar sind auch die Lebenshaltungskosten in diesem
Zeitraum angestiegen, aber nicht in dem Maße wie die Einkommen. Eie
Realeinkommen folgten daher beständig einem Aufwärtstrend.
Wenn
1) Zu'den 30 Millionen Arbeitnehmern, die von dieser Analyse des USBundesamtes für Arbeitsstatistik erfaßt werden, gehören die Bauarbeiter, die Produktionsarbeiter der Industrie und des Bergbaues
sowie die Angestellten des Handels, der "anken und Versicherungen,
der verschiedenen Tienstleistungszweige und des Transportwesens
mit Ausnahme der leitenden Angestellten.
- 1

�Wenn auch alle Industriezweige, für die auswertbare statistische
Unterlagen zur Verfügung standen, Lohnanstiege aufweisen, so hat sich
dennoch die Kluft zwischen den Industrien mit hohen und mit niedrigen
Löhnen erweitert - und zwar sowohl in absoluten (Geld-) als auch in
Prozentwerten. Die Einkommenszunahmen sind in erster Linie das Ergebnis höherer Stundenlöhne und nicht die Folge wesentlicher Arbeitszeitverlängerungen.
Die Wochenlöhne
Umfassende, nach Wirtschaftszweigen gegliederte Einkommensunterlagen standen bei dieser Einkommensanalyse für insgesamt 25 Millionen
im Handel, in der Fertigungsindustrie, dem Baugewerbe und de» Bergbau
beschäftigte Arbeitnehmer zur Verfügung. Die Verdienstunterlagen für
weitere 5 Millionen dagegen beziehen sich .nur auf einzelne Sektoren
von Wirtschaftszweigen. Sie werden am Ende dieses Abschnitts gesondert
behandelt. Insgesamt gesehen, bestehen zwischen den Lohnanstiegen in
den einzelnen Wirtschaftszweigen nur geringfügige Unterschiede. Sie
liegen allgemein im Bereich von 20 bis 22 Prozent. Etwa 22 Millionen in
Industrie und Handel.Beschäftigte wiesen zwischen 1957 und 1963 eine
Lohnaufbesserung dieser Größenordnung auf. An der Spitze der Skala
stehen die Bauarbeiter mit Lohnerhöhungen von 27 Prozent, am Ende rangieren die Bergarbeiter mit.Zunahmen von lediglich 16 Prozent. Wenn auch
eine auffällige Parallelentwicklung der Einkommen in Industrie und Handel
festzustellen ist, so darf doch in diesem Zusammenhang nicht übersehen
wer«en, daß die Zuwachsraten in den einzelnen Wirtschaftssektoren sehr
unterschiedlich waren.
Wie schon einleitend betont wurde, resultieren die Lohngewinne in
erster Linie aus höheren Stu denlöhnen und nur zu einem geringen Teil
aus vermehrter Arbeitszeit. Im Handel und in der Fertigungsindustrie
belaufen sich die Lohnerhöhungen auf 20-22 Prozent; im Bergbau auf 12
nd im Baugewerbe auf 26 Prozent. Die durchschnittlich»- Arbeitswoche
war 1963 in den einzelnen Wirtschaftszweigen etwas länger als 1957.
Dennoch trug die verlängerte Arbeitszeit nur mit weniger als einem Achtel
zur Gesamterhöhung der wöchentlichen Einkommen bei. Die einzige Ausnahme
bildete der Bergbau, wo sich die durchschnittliche Arbeitswoche um 1 1/2
Stunden erhöhte - was rund 1/4 der Lohnerhöhungen bewirkte.
Zwischen den einzelnen Industriezweigen bestehen - wie auch aus der
Tabelle 1 zu ersehen ist - erhebliche Lohnunterschiede, die sich zwischen
1957 und 1963 noch stärker ausgeprägt.haben. Als Beispiel seien hier die
Lohnentwicklungen bei den Bauarbeitern und den im Einzelhandel Beschäftigten angeführt. Während das. Einkommensverhältnis zwischen diesen, beiden
Arbeitnehmergruppen 1957 noch 1,0 zu 1,8 betrug, stellte es sich 1963 auf
1,0 zu 1,9. Wenn man außerdem die wöchentlichen Durchschnittseinkommen
der einzelnen Industriezweige (ohne Bergbau) .^'.Jteinander vergleicht, so
zeigt sich, daß die Kluft zwischen den Industrien mit hohem und mit niedrigem Lohnniveau sowohl absolut als auch relativ größer geworden ist.
Tabelle 1

�Tabelle 1

Wochenlöhne in ausgewählten Industriezweigen
Jahresdurchschnitte 1957 (1958) und 1963
(Angaben in Dollar)
Industriezweig

Bruttowochenlöhne
1963

1957

Zuna

Bruttostundenlöhne

Jme

1963

1957

Zunahme
in 7.

in /o

Bergbau

114,40

98,65

16

2,75

2,46

12

Baugewerbe

127,57

100,27

27

3,42

2,71

26

108,09

88,26

22

2,63

2,19

20

87,91

72,52

21

2,22

1,85

20

Großhandel

99,47

81,41

22

2,45

2,02

21

Einzelhandel

68,04

56,89

20

1,80

1,47

22

Banken

74,97

61,44

22

(2)

(2)

Versicherungen

96,28

80,83

19

(2)

(2)

Fertigungsindustrie
Dauergüter
Verbrauchsgüter
Handel

Bank- und Versicherungsgewerbe

Dienstleistungsgewerbe

(1958)

-

(1958)

Hotels und Motels

47, S8

40,89

16

1,22

1,03

18

Wäschereien

51,87

45,28

15

1,33

1,17

14

Eisenbahnen

118,40

101,50

17

2,76

2,44

13

Straßentransport

117,31

96,33

22

2,82

2,31

Telefon

22

102,40

78,72

30

2,56

2,05

25

Elektrizität, Gas u.a.

121,13

98,57

23

2,94

2,41

22

Transport, öffentliche
Versorgung

Tabelle 2

�Tabelle 2

Wöchentliche Arbeitszeit und Beschäf tigtenzah1
(Jahresdurchschnitte 1957 und 1963)

Industrie

Beschäftigtenzahl
(in 1000)

Durchschnittliche Arbeitszeit
pro Woche (in Stunden)
1963

1957

Veränderung
•

Ol

1963

1957

in k

Veränderung
in %

Bergbau

41,6

40,1

+ 1,5

497

695

Baugewerbe

37,3

37,0

+ 0,3

2578

2537

+ 1,6

- 28,5

Industrie
Dauergüter

41,1

40,3

+ 0,8

7059

7550

- 6,5

Verbrauchsgüter

39,6

39,2

+ 0,4

5526

5638

- 2,0

Großhandel

40,6

40,3

+ 0,3

2690

2541

+ 5,9

Einzelhandel

37,8

38,7

- 0,9

6303

5933

+ 6,2

Handel

Der durchschnittliche Wochenlohn der Bauarbeiter stieg zwischen 1957
und 1963 von 100,00 Dollar auf 128,00 Dollar an. Dies entspricht der größten absoluten und prozentualen Zunahme .überhaupt. .Im Bergbau, der in der
industriellen Lohnskala an zweiter Stelle steht, trat, eine Erhöhung der
Wochenlöhne von 99,00 Dollar auf 114,00 Dollar ein. Die Einkommenskluft
zwischen der Dauer- und der Verbrauchsgüterindustrie.vergrößerte sich erneut (von 16 auf 20 Dollar), obwohl prozentual gesehen die Anstiege der
Wochenlöhne zwischen.1957 und 1963 gleich hoch waren. Im Handel betrugen
die prozentualen Zunahmen der Wochenlöhne 22 (Großhandel), bzw. 20 Prozent
(Einzelhandel). Auf Grund der zunehmenden Beschäftigung yon Teilzeitarbeitskräften im Einzelhandel trat in diesem Wirtschaftszweig ein starker Rückgang
der wöchentlichen Arbeitszeit ein, prozentual aber nahmen die Stundenlöhne
hier etwas stärker zu als im Großhandel.
Auch

�Auch für Arbeitnehmergruppen der restlichen Dienstleistungszweige
wurden Einkommensunterlagen ausgewertet. Aus der Finanz-, Versicherungsund Immobilienwirtschaft standen dabei Angaben über insgesamt 1,5 Millionen bei Banken, Versicherungen, Wertpapier- und Börsenir a K 1 B ^ Beschäftigte zur Verfügung. Daraus ergibt sich, daß diese Arbeitnehmerkreise
zwischen 1957 und 1963 einen Anstieg ihrer Wochenbezüge um 19 bis 22 Prozent verzeichneten. Bei anderen Dienstleistungszweigen wurden die Einkommensunterlagen - z.B. der in Hotels, Motels und Wäschereien Beschäftigten - seit 1958 analysiert. Aus einer Zusammenstellung ergibt sich
daß die Wochenlöhne in diesen beiden Teilbereichen des Dienstleistungsgewerbes in diesem Zeitraum um 16,4 bzw. 14,5 Prozent angestiegen sind.
Aus dem Transportgewerbe und den öffentlichen Versorgungsbetrieben standen für diesen Einkommensvergleich Unterlagen von über 2 Millionen Arbeitnehmern zur Verfügung. Es handelte sich dabei um Beschäftigte der
Eisenbahnen, des Straßengüterverkehrs, der Telephongesellschaften sowie
der Elektrizitäts- und Gaswerke. Wie aus Tabelle 1 zu ersehen ist, traten hier erhebliche Lohnerhöhungen ein, die hauptsächlich aus den höheren
Stundenlöhnen resultieren. .
Die Entwicklung der Netto- und Realeinkommen
Die Erhöhung der Bruttobezüge der einzelnen Arbeitnehmer spiegelt
sich in den Nettoeinkommen deshalb nicht voll wider, weil verschiedene
Sozialabgaben sowie die Steuern einen festen prozentualen Anteil an den
Bruttoeinkommen ausmachen. Auch wegen der Erhöhung der Lebenshaltungskosten konnten sich die Realeinkommen nicht im gleichen.Verhältnis entwickeln wie die Bruttoeinkommen. Aus den beiden nachstehenden Tabellen
sind im einzelnen die Veränderungen der Netto- und Realeinkommen zu ersehen.
Tabelle 3
Vergleich der Brutto- und Netto-Wocheneinkommen 1957-1963
(Die angegebenen Werte stellen den Jahresdurchschnitt dar)

Wirtschafts- Juli
zweig
1964
Bergbau

1963

1962
1961
1960
1959
1958
(Brutto-Wocheneinkommen in Dollar)

117,32 114,40

110,70

106,92

105,44

103,68

Baugewerbe 134,87 127,57

122,47

118,08

113,04

108,41 103,78 100,27

Industrie
Handel

96,08

1957
98,65

102,97

99,38

96,56

92,34

89,72

88,26

82,71

81,59.

81,33

77,59

75,08

72,56

70,77

69,17

66,47' 64,29

Durchschnittliches

In dieser periodisch erscheinenden Einkommensübersicht des US-Bundesamtes
für Arbeitsstatistik, die rund 10 Prozent aller in Dienstleistungs- und
verwandten Zweigen Tätigen umschließt, 3i.id die AngelteUt-w mr IfeMr&amp;tKi der Regierungsbehörden nicht erfaßt. In beiden Fällen handelt es sich um schnell
wachsende Wirtschaftszweige..
5

�Durchschnittliches Netto-Wocheneinkommen eines
Arbeitnehmers mit 3 Angehörigen
(in Nominal-Dollar)

1964

1963

1962

1961

1960

1959

1958

1957

Bergbau

104,04

99,69

97,12

94,13

92,92

91,94

86,20

88,30

Baugewerbe

118,75

110,49

106,78

103,29

99,15

95,82

92,51

89,63

Industrie

92,18

87,37

85,53

82,18

80,11

79,40

75,23

74,31

Handel

74,58

70,04

68,45

66,55

65,14

64,22

62,24

60,50

90,10
91,46

(in konstanten Dollars- Basis 1957-59)
Bergbau

96,07

93,43

92,14

90,34

90,13

90,58

Baugewerbe

109,65

103,55

101,31

99,13

96,17

94,40

85,60
91,87

Industrie

85,12

81,88

81,15

78,87

77,70

78,23

74,71

75,83

Handel

68,86

65,64

64,94

63,87

63,18

63,27

61,81

61,73

Im Jahre 1963 verdiente der Industriearbeiter im Durchschnitt 99,00 Dollar
-io
Woche.
Bei Abzügen für die Sozialversicherung und die Lohnsteuer in Höhe
t
von 1? T-^lar verblieben einem Arbeitnehmer mit 3 Familienangehörigen insgesamt 87,00 Dollar. Unter Berücksichtigung der gegenüber 1957 eingetretenen
Preisveränderungen entsprachen diese 87 Dollar einer Kaufkraft von 82 Dollar,
wenn man den durchschnittlichen Dollarwert der Jahre 1957-59 zugrunde legt.
Im Jahre 1957 behielt der gleiche Arbeitnehmer von einem Wochenverdienst von
82 Dollar 74 Dollar zurück. Sein Realeinkommen belief sich damals auf 76 Dollar, (in 1957-59er Dollar). Obwohl also ein amerikanischer Industriearbeiter
mit 3 Angehörigen zwischen 1957 und 1963 einen Anstieg seiner Bruttobezüge
um 22 Prozent verzeichnete, erhöhte sich sein Realeinkommen um. weniger als
10 Prozent. Zum Teil ist dieser relativ geringe"Anstieg auch auf die Anhebung
der Sozialversicherungssätze von 2 1/4 Prozent der ersten 4200 Dollar des Jahreseinkommens auf 3 5/8 Prozent von 4800 Dollar im Jahre 1963 zurückzuführen.
Der Einfluß der Konjunkturschwankungen auf die Einkommen
Die Veränderungen der Wachstumsrate der Wocheneinkommen zwischen 1957
und 1963 standen in einem engen Zusammenhang mit den Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität. Der wichtigste Einflußfaktor war in dieser Hinsicht
die durchschnittliche ^änge der Arbeitswoche, während die andere Komponente die durchschnittlichen Stundenlöhne - unabhängig von der jeweiligen Konjunkturlage einer stetigen Aufwärtskurve folgte. Diese Feststellungen gelten für alle
Wirtschaftszweige, wenngleich die Reaktion.auf die Veränderungen in der wirtschaftlichen Aktivität innerhalb der einzelnen Branchen recht unterschiedlich

- 6-

�unterschiedlich war. So schwankten die jährlichen Lohnzuwachsraten im
Handel zwischen 2,3 und 4,1 Prozent, in der Industrie dagegen zwischen
1,4 und 6,7 Prozent.
Wenn auch die Trends der einzelnen Wirtschaftszweige verhältnismäßig
gleichlaufend sind, so zeigen sich doch die Auswirkungen der wirtschaftlichen Schwankungen auf die Einkommensentwicklung bei den Industriearbeitern
am deutlicheten. Die wichtigsten Einflüsse, die zwischen 1957 und 1963
den Einkommenstrend dieser Arbeitnehmer bestimmten, I önnen wie folgt beschrieben werden:
1. Den in Rezessionsperioden vorgenommenen Entlassungen ging jeweils
ein schneller und wesentlicher Rückgang der wöchentlichen Arbeitszeit voraus. Durch das Absinken der wöchentlichen Arbeitszeit wurden die Einkommen
der Beschäftigten nicht unerheblich beeinflußt. Sowohl während der 195758er Rezession als auch während der wirtschaftlichen Flaute in den Jahren
1960-61 ging die wöchentliche Arbeitszeit im Vergleich zum Vor-RezessLonsstand um 1 1/2 Stunden zurück. Der Rückgang war dabei in der Dauergüterindustrie - insbesondere in der Metall- und metallverarbeitenden Indu rie,
wo die Einkommen relativ hoch liegen - etwas stärker. Außerdem entfiel e:
großer Teil der Arbeitszeitkürzung auf Überstundenarbeit, wodurch die ohne
also in zweifacher Hinsicht beeinflußt wurden.
2. Trotz der beträchtlichen Abnahme der durchschnittlichen Arbeitswoche wiesen die wöchentlichen Bruttolöhne keine erheblichen zyklischen
Rückgänge auf. Zu Beginn der beiden Rezessionsperioden bl eben sie vielmehr
auf ihrem bisherigen Stand und sanken erst unmittelbar vor Einsetzen des
neuen wirtschaftlichen Aufschwungs für kurze Zeit ab.
3. Nach Überwindung des Rezessionstiefpunktes schnellten die Wochenlöhne
wieder in die.Höhe, wobei der größte Teil der Zunahmen aus der verlängerten
Arbeitswoche resultierte. Zwischen 1958 und 1959 z.B. zogen die Wochenlöhne
um 5,50 Dollar an, während gleich. tig die durchschnittliche wöchentliche
Arbeitszeit um 1,1 Stunden zunahm.
-4. Sowohl die Löhne (unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Stundenlohns ohne Berücksichtigung der Überstunden1 als auch die Verbraucherpreisestiegen während der beiden Rezessionen an, wobei die Zuwachsrate
der Lv. hne „rund doppelt so groß war wie die der 'Verbraucherpreise. Die nachst«c.^:.^ä Übersicht macht den relativ gleichmäßigen Anstieg dei Stundenlöhne
und Preise im Vergleich zu den abrupten Bewegungen der Wochenlchne deutlich.

Tabelle 3
Bruttowochenlohn, Stundenlohn
1963
Bruttowochenlohn
in Dollar

und Verbraucherpreisinde) 1957-1963

1962

1961

1960

1959

1958

1957

99,38

96,56

92,34

89,72

88,26

82,71

81,59

Stundenlohn in
Dollar (ohne Überst.) 2,37

2,31

2,25

2,19

2,12

2,o5

1,99

Verbraucherpreisindex (1957-59=100)

106,7

105,4

104,2

Durchschnittslohn der Industriearbeiter

- 7-

103,1

101,5

100,7

98,0
Die

�Die Lohnentwicklungen in der Fertigungsindustrie
Die Übersicht über die Lohnentwicklungen in den einzelnen Zweigen der
FertigungsIndustrie (Tabelle 4) unterstreicht und erhärtet all das, was
bisher über die Trends in den Groß-Wirtschaftszweigen gesagt worden ist.
Die beträchtlichen Unterschiede im Lohnniveau und die allgemeine Ausweitungstendenz kommen in der Übersicht der 21 Branchen der FertigungsIndustrie noch klarer zum Ausdruck als in der Aufstellung nach Wirtschaftszweigen. So waren zum Beispiel im Jahre 1957 die durchschnittlichen Wocheneinkommen der Arbeitnehmer der Ölindustrie um 55 Dollar (oder um 100 Prozent)
größer als d e der Bekleidungsarbeiter; 1963 dagegen hatten sich diese Unterschiede bereits auf 70 Dollar bzw. auf 110 Prozent erhöht. Die Einkommensunterschiede innerhalb .der Dauergüterindustrie sind dagegen nicht so
ausgeprägt, aber dennoch nicht unerheblich. So be rüg zum Beispiel die
Differenz zwischen den durchschnittlichen Wochenlöhnen der. Grundmetallindustrie (die an der Spitze der Lohnskala rangiert) und der an unterster
Stelle stehenden Holzindustrie 1957 noch 32 Dollar oder 49 Prozent, 1963
dagegen 43 Dollar, bzw. 52 Prozent.
Tabelle 4
Wocheneinkommen und Stundenlöhne i n der F e r t i f i u n g s i n d u s t r l e 1957
und 1963
(Jahresdurchschnitte in Dollar)
Industriezweig

Wochenlöh

1963

in Dollar

A

1957

"st^e8

Stundenlöhne in Dollar
(ohne Überstunden)
1963

1957

Dauergüterindustrie
HolzMöbelElektroSteine-, Erden-,GlasApparatebau- ,
KetallMaschinenbauRüstungsWaggonbauHütten-Industrie
Verschiedene

81,80
81,39
99,38
102,42
101,59
108,0"
116,20
119,60
126,42
124,64
80,39

66,64
69,83
81,80
82,82
83,22

88,
94,12
95,58
97,51
99,00
69,48

23
17
21
24
22
22
23
25
30
26
16

1,96
1,92
2,40
2,37
2,42
2,52
2,68
2,82
2,89
2,95
1,97

1,69
1,71
1,99
1,98
2, 1
2,09
2,21
2,31
2,32
2,44
1,70

16
12
21
20
20
21
2,
22
25
21
16

Verbrauchsgüterindustrie

- 8 -

�1963

A

1957

"st'eg
i n /o

1963

1957

*»•"•«
i n /&lt;,

Verbrauchsgüterindustrie
BekleidungsLederTextilTabakNahrungsmittelGummiPapierChemieDruckereiErdöl-Industrie

62,09
66,00
69,43
73,73
94,48
100,78
105,90
112,88
110,30
131,77

53,91
56,85
57,96
58,75
75,48
85,67
85,45
89,98
92,64
108,53

15
16
20
25
25
18
24
25
19
21

1,69
1,73
1,65
1,88
2,22
2,39
2,35
2.64
3,07

1,49
1,50
1,45
1,53
1,79
2,o6
1,92

M5
2,60

13
15
14
23
24
16
22
23
18

keine zuverlässig? Angaben vorhanden, da Überstundenbezahlung weit
über dem Normalsatz (1 l/2fach) liegt.

(Quelle: Monthly Report on the
Labor Force,
Sept. 64, S. 17)

+ ++++
Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964
Allgemeines
Zwischen 1963 und 1964 hat sich die Arbeitsmarktlage in den USA wesentlich gebessert. Die Zahl der Beschäftigten nahm in diesem Zeitraum stärker
zu als die Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte, und die Erwerbslosigkeit
konnte weiter eingedämmt werden. Die Erwerbslosenrate ging vom 3. Quartal
1963 an sowohl bei den männlichen und weiblichen Arbeitskräften als auch
bei den Jugendlichen unter zwanzig Jahren zurück.
Die Beschäftigungslage
Zum ersten Mal überstieg die Gesamtbeschäftigtenzahl der USA im Juli
und August 1964 die 72-Millionen-Grenze und erreichte während des 3. Quartals einen Durchschnitt von 71,8 Millionen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ergab sich damit eine Zunahme der Beschäftigten um
1,5 Millionen, der Anstiege von nur jeweils einer Million in den Jahren

- 9-

�Jahren 1962 und 1963 gegenüberstehen. Der Anstieg der Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze war dabei etwas größer als die Zunahme der Gesaratbeschäftigung - 1,6 Millionen gegenüber 1,2 Millionen
zwischen 1962 und 1963. Die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Arbeitnehmer ging auch 1964 weiter zurück, wenngleich nicht ganz so stark
wie 1963. Mit 5,5 Millionen im 3. Quartal 1964 war die Zahl der Arbeitsplätze des Agrarsektors im Vergleich zum 3. Quartal 1963 um 100 000 niedriger. Zwischen 1962 und 1963 hatte der Rückgang noch 200 000 betragen.
Der Zuwachs an nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen in Höhe von
1,6 Millionen verteilt sich dabei auf folgende Arbeitnehmergruppen:
600 000 Männer; 650 000 Frauen; 300 000 männliche und weibliche Teenager.
Bei den Erwachsenen-Gruppen waren die Zunahmen etwa ebenso groß wie zwischen 1962 und 1963. Den stärksten Anstieg während der vergangenen zwei
Jahre verzeichnete die Gruppe der 20- bis 24jährigen, auf die 900 000 oder
40 Prozent der Gesamtzunahme der Arbeitskräfte über 20 Jahre entfielen.
In der Gruppe der Teenager war 1964 die Zunahme im Vergleich zu 1962/63,
als keinerlei Anstiege zu verzeichnen waren, ganz beträchtlich.
Die Nachfrage nach Vollzeit-Arbeitskräften hat sich zwischen den
3. Quartalen 1963 und 1964 verstärkt. Von den 1,6 Millionen neuen Arbeitsplätzen in Industrie und Handel waren 1,5 Millionen Vollzeit-Arbeitsplätze,
während im Vorjahr das Verhältnis 1,2 Millionen zu 900 000 betragen hatte.
Das allgemein günstigere Bild bei den Vollzeit-Arbeitsplätzen wird auch
noch durch die Tatsache unterstrichen, daß die Zahl der Kurzarbeiter in
den vergangenen 12 Monaten um 200 000 abgenommen hat. Gleichzeitig aber
erhöhte sich die Zahl der Halbtagsbeschäftigten seit dem 3. Quartal 1963
um 300 000.
Die Beschäftigungslage in Industrie und Handel
Auf Grund der von den Arbeitgebern eingereichten Beschäftigungsstatistiken ergibt sich für den Gesamtzeitraum 3. Quartal 1963 - 3. Quartal 1964
eine Gesamtzunahme der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte um 1,6 Millionen. Mit Ausnahme des Bergbaues und der Behörden wiesen dabei sämtliche
Industrie- und Wirtschaftszweige erhebliche. Zunahmen in der Zahl der Beschäftigten auf. Auf Grund der erhöhten wirtschaftlichen Aktivität in. der
Industrie und eines etwas stärkeren Aufwärtstrends im Handel ist im vergangenen Jahr eine im Vergleich zu 1962/63 erheblich größere Zunahme der Zahl
der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze (+ 300 000) festzustellen gewesen. Bei den drei wichtigsten Dienstleistungszweigen - Händel, Dienstleistungsgewerbe, öffentliche Verwaltung - trat genauso wie im Vorjahr eine
Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze um rund 1 Million ein. Damit entfallen
auf diese Wirtschaftszweige etwa 2/3 aller in den beiden vergangenen Jahren
geschaffenen neuen Arbeitsplätze, obwohl sie nur knapp 50 Prozent aller
nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte auf sich vereinigen.
In der Finanz-, Versicherungs- und Immobilienwirtschaft folgte der
Beschäftigungstrend in den beiden vergangenen Jahren einer gleichmäßigen
Aufwärtskurve (Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze um jeweils 70 000 pro
Jahr), während.im Transportwesen und bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben nach einer schon mehrere Jahre andauernden Stagnation erstmals wieder
eine leichte Zunahme (seit 1962 + 100 000) eingetreten ist. Der er''-«• V iche Beschäftigungsrückgang .bei den Eisenbahnen..während der letzten Jahre hat sich
inzwischen abgeschwächt. Er wird seit kurzem durch einen laufenden Ai stieg
der Zahl der Beschäftigten im Straßen-und Luftverkehr sowie bei den öffentlichen Versorgungsunternehmen sogar mehr als ausgeglichen.
Der
- 10 -

�Der einzige Di. nstleistungszweig, der einen nicht unerheblichen
Rückgang in der Beschäftigung seit 1962 aufweist, sind die Bundesbehörden, die trotz einer kürzlichen geringen Zunahme im Jahre 1963 in
der ZweiJahresperiode einen Gesamtrückgang um 8000 verzeichnen.
Obwohl die Dienstleistungszweige auch in den beiden letzten Jahren
dem langfristigen stetigen Aufwärtstrend folgten, so verzeichnet doch die
Fertigungsindustrie seit dem 3. Quartal 1963 die stärkste Zunahme an neuen
Arbeitsplätzen. Die Zahl der Fabrikarbeiter nahm nämlich um 350 000 zu,
was im Vergleich.zur Periode 1962/63 einen doppelt so großen Anstieg bedeutet. Dadurch konnte die Industriebeschäftigung wieder den Spitzenstand
des Jahres 1957 (1. Quartal) erreichen. Von besonderer Bedeutung ist in
diesem Zusammenhang noch, daß die Arbeitsplatzzunahme in der Fertigungsindustrie vor allem auf dem Produktionssektor erfolgte. Mit einem Zuwachs
von 300 000 zwischen 1963 und 1964 entfielen auf diese Arbeitnehmergruppe
(Produktionsarbeiter) rund 85 Prozent der Gesamtzunahme. Im Gegensatz dazu
betrug der Zuwachs an Produktionsarbeitern zwischen 1962 und 1963 nur
85 000, was einem Anteil von etwa 50 Prozent entsprach. Der erhöhte Bedarf an Fabrikarbeitern spiegelt sich auch in der durchschnittlichen. Länge
der Arbeitswoche und der geleisteten Überstundenarbeit wider, die um 0,1
bzw. 0,2 Stunden zunahmen und damit den bisher höchsten 3. Quartals-Stand
erzielten.
Die erhöhte Produktion der Automobil-, der Stall- und Schwermaschinenindustrie kommt auch in der Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze in der metallerzeugenden und -verarbeitenden Industrie zum Ausdruck, wo ein Beschäftigung s anstieg um mehr als fünf Prozent eintrat
eine Zuwachsrate,, die
selbst von der schnell expandierenden Dienstleistungszweigen nicht erreicht
wurde. Auf der anderen Seite wi«s die Verbrauchs üterindustrie nur eine Gesamtzunahme um 75 000 Arbeitsplätze in den letzten zwei Jahren auf (das
sind rund 157» der Gesamtzunahme in der Fertigungsindustrie), obwohl,die
Bekleidungsindustrie in den beiden vergangenen Jahren und die Gummiindustrie
im letzten Jahr beträchtliche Anstiege verzeichneten.
In den anderen Güter erzeugenden Industriezweigen ergibt sich folgendes
Bild: Im Bergbau kam der langanhaltende Rückgang in der Zahl der Arbeitsplätze zum Stillstand; das Baugewerbe wies im 3 Quartal i ^ einen neuen "Rekordstand der Beschäftigung auf,
Arbeitslosigkeit
Zwischen 1963 und 1964 (jeweils 3. Quartal) ging die Erwerbslosenrate
von 5,6 auf 5,1 Prozent des Arbeitspotentials zurück. Gegenüber der Vergleichsperiode 1962/63, in der die Arbeitslosenrate zwischen 5,5 und 5,8
Prozent schwankte, ist damit eine erhebliche Besserung eingetreten. Auch an
der absoluten Zahl der Arbeitsuchenden wird dies deutlich. Im Juli-SeptemberQuartal 1964 betrug die durchschnittliche Arbe tslosenzahl 3,6 .Millionen.
Gegenüber dem Vorjahr stellt das einen Rückgang um 300 000 dar, der insofern von besonderer Bedeutung ist, a s er sich fast ausschließlich auf jene
Arbeitslosen konzentriert, die eine ganztätige Beschäftigung suchen. Die
Zahl derjenigen Arbeitslosen, die sich um eine Hai tagsbeschäftigung bemühten, war dagegen mit 650 000 im Vergleich zu. 1963 konstant. Insgesamt
erhöhte sich der Anteil der eine Halbtagsbeschäftigung suchenden Personen
im Erhebungszeitraum von 16 auf 18 Prozent.
Erhebliche

- 11 -

�Erhebliche Rückgänge in der Arbeitslosenrate während der vergangenen
12 Monate waren insbesondere bei den über 20 Jahre alten männlichen Arbeitnehmern sowie bei den Verheirateten festzustellen. Bei den erwachsenen Männern ging sie von 4,2 auf 3,8 Prozent zurück und. erreichte damit den
niedrigsten Stand seit dem 3. Quartal 1957. Die E werbslosenrate der verheirateten männlichen Arbeitskräfte lag in der Juli-September-Pericde 1964
bei 2,7 Prozent. Sie folgte dem gleichen Trend wie die Rate der über 20
Jahre alten Erwerbslosen. Das Absinken der Erwerbslosenrate in diesen beiden Arbeitnehmergruppen ist weitgehend durch die erhebliche Nachfrage nach
Arbeitskräften in der Industrie und im Baugewerbe bedingt gewesen.
Bei den erwachsenen Frauen (über 20 Jahre) ging die Erwerbslosenrate,
die zwischen 1962 und 1963 (jeweils 3. Quartal) keinerlei Veränderung aufwies, in den ersten neun Monaten 1964 zurück. Sie erreichte im 3. Quartal
einen Stand von 5,0 Prozent - das ist gleichzeitig der niedrigste Stand
seit Mitte 1960. Auf der anderen Seite blieb die Erwerbslosenrate für
Teenager, die ebenfalls leicht absank, immer noch erheblich über dem Niveau des Jahres 1962.
Der Rückgang der Erwerbslosenrate seit dem 3. Quartal 1963 erfolgte
sowohl bei den weißen als auch bei farbigen Arbeitnehmern. Der starke Rückgang in der Zahl der erwerbslosen Industrie- und Bauarbeiter resultierte
aus dem größeren Arbeitskräftebedarf dieser Wirtschaftszweige. Aber auch
im Handel, im Transportgewerbe und bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben, verstärkte, sich der Arbeitskräftebedarf, durch den ein weiteres Absinken der Arbeitslosenziffern herbeigeführt wurde. Wenn auch die Zahl der
Arbeitslosen zurückging, die sich um eine Beschäftigung in den Dienstleistungszweigen, dem Finanzgewerbe und der öffentlichen Verwaltung bemühten,
so waren die Abnahmen doch wesentlich geringer als in den Güter erEeugenden
Zweigen.
Langfristige Arbeitslosigkeit
Unter dem Einfluß der nun seit mehr als 3 1/2 Jahren andauernden wirtschaftlichen Expansion hat sich die Lage der längerfristigen Arbeitslosen
(länger als 15 Wochen) in letzter Zeit etwas günstiger gestaltet. Am Ende
des 3. Quartals 1964 war die Zahl dieser Arbeitslosen bis auf 800 000 abgesunken. Sie hat damit den tiefsten 3. Quartalsstand seit 1960 erreicht.
Gegenüber 1956 und 1957 jedoch ist die Zahl der langfristigen Arbeitslosen
immer noch fast doppelt so hoch. Besonders bemerkenswert ist in diesem
Zusammenhang die erhebliche Abnahme der Zahl derjenigen Erwerbslosen, die
läneer.als sechs Monate ohne Arbeit sind. Binnen zwei Jahren ging sie von
550 000 auf 480 000 zurück.
Gerade diese Rückgänge bei den länger- und langfristigen Arbeitslosen
zeigen recht deutlich, daß sich die Arbeitsmarktlage in letzter Zeit doch
erheblich gebessert hat. Dennoch kann diese Tatsache nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Dauerarbeitslosen auch weiterhin ein sehr hartnäckiges
Problem bilden werden. Im 3. Quartal 1964 z.B. hatten diese Arbeitslosen
immer noch einen Anteil.von rund 25 Prozent an der Gesamtarbeitslosenzahl,
wobei sich die hartnäckigsten Fälle auf bestimmte Arbeitnehmergruppen konzentrierten. Dazu gehören die älteren (über 45 Jahre alten) Arbeitnehmer,
die Farbigen, .die angelernten und Hilfsarbeiter ebenso wie zuletzt im Bergtau, im
Baugewerbe und in der Industrie beschäftigte Arbeitnehmer. Auch die Gruppe
der 14- bis 24jährigen.Arbeitnehmer ohne jegliche Berufserfahrung stellt
tuen relativ hohen Anteil an Dauerarbeitslosen. .
_

- 12 -

�Das Arbeitspotential
Die Gesamtzahl der zivilen Arbeitskräfte stieg 1964 sehr schnell an.
Unter Zugrundelegung der Durchschnittswerte für die ersten neun Monate 1964
ergibt sich ein Arbeitspotential von 74,3 Millionen - das sind 1,3 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gegenüber der Vergleichsperiode 1962/63 (Anstieg um 1,1 Millionen) war der Gesa.tzuwachs also um
200 000 größer. In den letzten Monaten jedoch hat sich die Wachstumsrate
erheblich verringert.
Zwischen den 3. Quartalen 1963 und 1964 erhöhte sich die Gesamtzahl
der zur Verfügung stehenden zivilen Arbeitskräfte um 1 150 000. Die Zunahme
war damit nur unwesentlich größer als zwischen 1962 und 1963. Während Anfang
der sechziger Jahre die erwachsenen Frauen der am schnellsten wachsende
Arbeitskräftesektor waren, ist es 1964 die Gruppe der jüngeren - 14 bis 24
Jahre alten - Personen gewesen. Obwohl der Anteil dieser Gruppe am Arbeitspotential im 3. Quartal 1964 nur 20 Prozent ausmachte, vereinigte sie 3/5
der Gesamtzunahme in diesem Jahr auf sich. Diese jungen, in den vierziger
Jahren geborenen Arbeitnehmer werden auch in den nächsten Jahren am stärksten
zur Ausweitung des Arbeitspotentials beitragen.

Arbeitslosenraten der männlichen 20- bis 24 Jahre und über 25 Jahre
alten Arbeitskräfte (Jan. 1957 - Sept. 1964)

Jahr

Jan.

Feb.

März

Apr.l

Mai

Juni

20-24 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

6,9

7,2

5,8

6,9

7,3

8,5

11.5
10,2

12,7
10,3

13,1

13,5

13,8

13,8

8,5

8,3

9,4
8,9

7,6
8,7

6,8
8,3

8,4
7,8

10,9

11,2

11,0

12,4

11,3

10,9

9,1
9,0
8,9

8,6
8,9
8,9

8,5
8,7
7,4

8,5
8,6
7,4

8,9
8,4
7,4

8,6
9,2
8,7

',1

2,9
5,1
4,8
3,6
5,3
4,0
4,5
3,6

2,8
5,5
4,3
4,1
5,3
4,1
4,1
3,5

3,0
6,1
3,9
4,0
5,4
4,2
4,0
3,4

2,9
6,2
3,9
3,9
5,7
4,1
4,0
3,2

3,0
6,3
3,8
4,2
5,3
4,2
^,8
3,4

•ber 25 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

4:, 6

4,8
4,0
5,3
4,2
4,3
3,7

Jahr

- 13 -

�Jahr

Juli

Aug.

Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

6,7
14,7
7,9
8,7
10,9
8,9
8,8
7,9

7,6
13,3
7,9
8,9
10,8
10,4
9,1
8,2

8,2
12,6

8,7
12,5
8,7
9,2
10,2
9,1
8,5

10,7
10,3
9,2
10,3
9,3
8,9
8,2

10,4
10,5
8,3
11,2
9,6
8,7
8,4

3,1
6,3
3,9
4,3
5,5
4,1
3,7
3,2

3,0
6,3
4,
4,5
5,3
4,2
3,7
3,2

',4
5,8
4,3
4,5
5,2
4,2
3,5
3,3

3,6
5,5
4,4
4,8
4,9
3,9
3,7

4,0
5,2
4,9
4,9
4,7
4,2
4,1

4,2
5,1
3,9
5,2
4,5
4,2
3,8

20-24 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

9.3
9,0
10,2
8,6
9,6
-9,0

über 25 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

(Quelle: "The Labor Force», U.S. Department of Labor)

+++++

Nicolas Rivero 1)
Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas
Kubas freie Gewerkschaften gehören der Vergangenheit an. Wie in allen
c-ren kommunistisch beherrschten Ländern tr^t ein
tlich dirigiertes
System an ihre Stelle, in dem die sogenannten Gewerkschaften led glich die
untergeordnete Rolle staatlicher Vollzugsorgane zu spielen haben. Das entspricht genau dem von den Sowjets aufgestellten Modell.
i: • taufgabe der kubanischen Gewerkschaften ist es daser auch nicht
mehr,: dl« wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Mitglieder zu
schützen, sondern vielmehr die staatlichen Forderungen nach Steigerung der
Arbeitsleistung bei Niedrighaltung des Lohnniveaus brutal durchzusetzen.
Uideripruch vpn Seiten der Arbeitnehmer-wird nicht nur nicht gedul-'et, sondern z.Lt härtesten Strafen geahndet.
Dies
Der Verfasser de;. Artikels war während der ersten 18 Monate des CastroRegimes Leiter der Informationsabteilung des kubanischen Außenministeriums.
Im Jahre 1960 setzte er sich in die USA ab.

- 14 -

�Dies ist die Situation. Aber man muß der Gerechtigkeit halber hinzufügen, daß Gastro die Gleichschaltung der freien kubanischen Gewerkschaftsbewegung alles andere ..ls leicht gemacht wurde. Die Kommunisten vermochten
die Kubanische Arbeiter-Konföderation (CTC) erst .nach einer ausgedehnten
Kampagne der Verleumdung., der Gewaltandrohung und hinterhältiger Täuschungsver unter ihre Kontrolle zu bringen, und sie konnten dabei in.jeder
Phase
r vollen Unter .tutzung durch das Castro-Regime sicher sein.
Sehen wahrend ieines ven den Bergen der Sierra Maestra aus gegen seinen
Vorgänger Batista geführten Kampfes verfolgte Castro der kubanischen Arbeiterbewegung gegenüber eine TaX-ik typisch kommunistischer Prägung: Er ließ
k. •. :n eine Gelegenheit aus, sich als Freund der Arbeiter aufzuspielen. Kennzeichnend dafür mag eine Erklärung sein, die er im Juli 1957 über meinen
Geheimsender verbreiten ließ und in der es hieß, daß seine "Bewegung des
26. Juli" gegen "jede staatliche Einmischung in die Angelegenheiten der
Gewerkschaften sei" und "... für eine freie und demokr.at . sehe Gewerkschaftsbewegung" eintrete,
Castros sogenannte "Bewegung des 26. Juli" setzte sich - von einigen
Ausnahmen abgesehen - in der Hauptsache aus demokratisch gesinnten Gegnern
des Diktators Batista zusammen. Allerdings gehörten zu den Ausnahmen Leute
wie Raoul Castro, Ernesto "Che" Guevara - und Fidel Castro selber.
Zahlreiche Kubaner brachten die offizielle kommunistische Partei Kubas
mit dem Diktator. Batista in Verbindung, zumal sie dessen Regime unterstützte
und erst eine Annäherung an Castro vollzog, als der Sturz Batistas für alle
Welt als unvermeidlich galt.
»
Als Castro im Januar 1959 seinen Einzug in Havanna hielt, verfügten
die Kommunisten über den schlagkräftigsten und . - besten organisierten Parteiapparat auf der Insel. Sie gingen unverzüglich daran, die Unterwanderung der
Gewerkschaften, die sie noch zu Batistas Zeiten eingeleitet hatten, zu verstärken. Die Marschroute war klar: Es galt, junge, als Mitglieder der'Bewegung des 26. Juli" getarnte kommunistische Agenten in gewerkschaftliche
Schlüsselpositionen einzuschleusen. Zugleich setzte hinter den Kulissen eine
intensive kommunistische Agitation gegen antikommunistische Arbeiterführer
ein, die als Batista-Anhänger diffamiert wurden.
Der erste direkte Versuch der Kommunisten, sich der Gewerkschaften z i
bemächtigen, schlug allerdings fehl.. In den Gewerkschaftswahlen vom April
und Mai 1959 behaupteten die antikommunistischen Mitglieder der "Bewegung
des 26. Juli"
rrain. Und auch - . den folgenden drei Monaten, zeitigte
die kommuniütische Strategie nicht die erhoftten Erfolge. Bei den Wahlen
der Delegationen für den im November 1959 angesetzten 10. Kongreß der
Kubanischen Arbeiter-Konföderation wählten 28 der der CTC angehörenden 33
Gewerkschaften rein antikommunistisch zusammengesetzte Delegationen; nur
zwei Delegationen waren mit Kommunisten durchsetzt.
Wie ablehnend die kubanischen Arbeiter den Kommunisten gegenüberstanden,
wurde anläßlich der Vorstandswahlen deutlich, die von der größten der CTC
angeschlossenen Gewerkschaft, de NFTA (Gewerkschaft der Arbeiter der Zucke-industrie), abgehalten wurden, die 40 Prozent aller Mitglieder auf sich vereinigte. Die kommunistische Tageszeitung "Hoy" hatte die Gewerkschattsi
rung vor der Wahl scharf angegriffen und sie als "Gegenrevolutionäre" bezeichnet. Die Wähler liexien sich indes nicht beeinflussen, denn als das Ergebnis der.Wahl vorlag, hatten die Kommunisten eine weitere Schlappe erlitten: Nur acht der 243 Ortsvereine der NFTA hatten kommunistisch gewählt..
Damit nicht genug: Die Gewerkschaftsversammlung warf der Zeitung vor.

- 15 -

�vor, '»unfundierte und diffamierende Behauptungen" über die der "Bewegung
des 26. Juli" angehörenden Gewerkschaftsführer verbreitet zu haben.
Inzwischen hatten Castro und seine Mitarbeiter sich auch offen zum
Kommunismus bekannt oder sich als dessen Anhänger zu erkennen gegeben.
Im September und Oktober 1959 beschuldigte das Regime zahlreiche .Gewerkschaftsführer, die zugleich der Castro-Bewegung des 26. Juli angehörten,
"konterrevolutionärer Umtriebe". Man enthob sie ihrer Posten und entfernte
sie schließlich vollständig. Sie hatten das unverzeihliche '^erbrechen begangen, gegen die kommunistische Machtübernahme in den Gewerkschaften
Einwände zu erheben.
Ich nahm an dem 10. Kongreß der CTC im November 1959 als Verbindungsmann zur ausländischen Presse teil. Die Mehrzahl der anwesenden Journalisten
vertrat Zeitungen des Ostblocks. Außerdem waren drei Vertreter der Gewerkschaftsbewegung der Sowjetunion zugegen - offensichtlich mit dem Auftrag,
die Vorgänge zu überwachen. Wie sich herausstellte, war der sie begleitende
Dolmetscher, ein Herr Vadim Kotehergin, Agent des sowjetischen Nachrichtenund Spionagebüros. KGB.
"Der Kongreß verlief zunächst nicht zur Zufriedenheit der Kommunisten.
Die erste, bis in die Nacht hinein dauernde Sitzung endete mit einem Tumult,
als die Delegierten von der Kandidatur dreier wohlbekannter Kommunisten für
das 13köpfige Exekutivkomitee vernahmen. Zahlreiche Delegierte forderten
dabei die Kommunisten heraus, indem sie Wassermelonen hochhielten und dabei
"Melonen, Melonen!" ausriefen, was besagen sollte, daß manche Castro-Anhänger äußerlich zwar "grün", innerlich aber "rot" seien. Die Demonstration
bezog sich auf eine Erklärung Castros, wonach.seine Bewegung nicht rot,
sondern olivgrün sei.
Castro selber mußte erscheinen, um die Ordnung wiererherzustellen.
Nach einer seiner üblichen Mammutreden wies er den Generalsekretär der CTC,
David Salvador, an, eine aus Kommunisten und Anhängern der "Bewegung des
26. Juli" gebildete Einheitsliste durchzusetzen. Salvador hatte eine Unterredung mit Raoul Castro, der in dieser Besprechung von Lazatö Pena, einem
Veteran der kommunistischen Gewerkschaftsbewegungj beraten wurde. Das:Ergebnis war eine revidierte Liste, in der die Namen der drei kommunistischen
Kandidaten nicht mehr enthalten waren. Als die Liste am folgenden Tage bekanntgegeben wurde, verließen Jie .Kommunisten aus Protest den Kongreß.
Die Liste wurde angenommen, aber es stellte sich sehr schnell heraus,
daß man einem kommunistischen Täuschungsmanöver unterlegen war: Die Mehrheit der für das Exekutiv-Komitee benannten Kandidaten bestand.nunmehr aus
verkappten Kommunisten oder Sympatisierenden.
Damit war die Entscheidung gefallen. Die Kommunisten beherrschten
das Exekutiv-Komitee und setzten als erstes eine Entschließung über den
Austritt des CTC aus dem antikommunistischen Internationalen Bund freier
Gewerkschaften und aus dessen interamerikanischem Regionalverband durch.
Einem schnell gebildeten Säuberungsausschuß fiel die Aufgabe zu, alle im
kommunistischen Sinne unzuverlässigen Gewerkschaftsfunktionäre ihrer Ämter
zu entheben. Bis April i960 waren bereits 20 Führer der 33 Einzelgewerkschaften durch Kommunisten ersetzt worden.
Im August wurde der Generalsekretär, David Salvador, der Castro mehr
als anderthalb Jahre lang treu gedient hatte, aus der CTC entfernt, weil
er nicht den von Lazaro'Pena abgesteckten Kurs verfolgt hatte. Salvador
ging in den Untergrund und wurde im November 1960 bei dem Versuch, Kuba zu
verlassen, gefangengenommen. Er verschwand in den Kerkern der La CatjanaFestung.
.
.
.
Mit

- 16 -

�Mit der Ausschaltung Salvadors hatten die Kommunisten ihre Ziele in
vollem Umfang erreicht. Die kubanische Gewerkschaftsbewegung, die zu den
fortschrittlichsten der amerikanischen Hemisphäre gehörte, existierte
nicht mehr. Mit ihr verschwanden die von ihr erkämpften sozialen Errungenschaften: garantierter Mindestlohn, Kranken- und Altersversicherungen,
Sicherheit des Arbeitsplatzes, garantierter bezahlter Urlaub - und das
Streikrecht.

+ ++++
US-Arb e i t smarkt
1964 - Arbeitsfriede und sozialer Fortschritt
Trotz zeitweilig aufziehender Streikwolken, die im Falle des Eisenbahner- und des Hafenarbeiterkonflikts sogar katastrophale gesamtwirtschaftliche Auswirkungen anzukündigen schienen, ist das Jahr 1964 schließlich
doch in arbeits- und sozialpolitischer Hinsicht für alle Beteiligten weitaus harmonischer und glatter verlaufen,als ursprünglich erwartet werden
durfte. Das gilt sowohl für Arbeitgeber und Gewerkschaften als auch für Arbeitnehmer und Regierung.
So wurde im Frühjahr der schon seit über drei Jahren schwelende Arbeitskonflikt bei den Eisenbahnen, der die gesamte Wirtschaft zu lähmen drohte,
in letzter Minute, und zwar durch die persönliche Initiative Präsident Johnsons und durch einsichtiges Einlenken beider Sozialpartner, beigelegt und
der ähnliche wirtschaftliche Folgen nach sich ziehende Ha/enarbeiterstreik
an der Ostküste - wenn auch nur durch Anwendung des Teft-Hartley-Gesetzes
- vorläufig entschärft und für die Dauer von 80 Tagen ausgesetzt.
Auch der dritte große Unsicherheitsfaktor auf dem Sektor der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen, die für den Herbst anstehenden Tarifverhandlungen in der Automobilindustrie, brachte nicht den von allen befürchteten langwierigen Arbeitskampf. Im Gegenteil, trotz der "maßlosen Forderungen" der
Automobilarbeitergewerkschaft - wie es Vizepräsident Seaton von General
Motors formulierte - konnte der neue, für die künftige tarifpolitiscne Entwicklung in der US-Wirtschaft so bedeutsame Kollektivvertrag, den Walter
Reuther einen neuen Meilenstein nannte, relativ schnell unter Dach und Fach
gebracht werden. Wesentlich dazu beigetragen haben die vorbereitenden Besprechungen im gemeinsamen ständigen tarifpolitischen Beratungsausschuß eine Einrichtung, durch die die Tarifverhandlungen wesentlich versachlicht
wurden. Daß es dennoch anschließend zu einigen kürzeren Streiks bei einigen
Automobilproduzenten kam, lag daran, daß im industrieweiten Rahmen nur die
Lohn- und Sozialfragen geregelt wurden, einige der seit langem anstehenden
strittigen internen arbeitstechnischen Probleme dagegen auf der betrieblichen
Ebene zu lösen waren.
Alles in allem läßt sich also auf Grund der Entwicklungen im vergangenen
Jahr feststellen, daß sich das Klima der Arbeitnehmer- Arbeitgeberbeziehungen
1964 weiter verbesserte, keine industrieweiten und die gesamte wirtschaftliche
Aktivität lähmenden Streiks stattfanden und die amerikanischen Arbeitnehmer
durch die neu abgeschlossenen Tarifverträge wesentliche Fortschritte auf dem
Gebiet der Löhne und Sozialleistungen erzielen konnten. .
Als

- 17 -

�Als Beispiel hierfür mag der neue Vertrag der Automobilarbeiter dienen, der - wenn er auch nicht in jeder Beziehung typisch für Tarifabkommen
ist - den allgemeinen derzeitigen Trend auf lohnpolitischem Gebiet wohl
am besten charakterisiert. Hier die wichtigsten Verbesserungen: Herabsetzung
der Fensionsgrenze bei ganz, beträchtlich erhöhten Pensionsleistungen (von
2,80 Dollar auf 4,25 Dollar pro Dienstjähr), mehr Urlaub (plus 1 Woche),
mehr bezahlte Feiertage (plus 2), verbesserte Arbeitsbedingungen (50% mehr
Arbeitspause) und schließlich Lohnerhöhungen zwischen 14 und 24 Cent,pro
Stunde.
Auf Grund der neu abgeschlossenen Tarifverträge, der 1964 fällig gewordenen automatischen Lohnerhöhungen aus älteren Verträgen sowie der im Juni
wirksam gewordenen Gesetzesbestimmungen über die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und die Anhebung der Mindestlohnsätze ist das Einkommensniveau
der amerikanischen Arbeitnehmer im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Während der durchschnittliche Wochenlohn eines Industriearbeiters von 99,38
Dollar auf etwa lo3,oo Dollar und der Stundenlohn von 2,46 Dollar auf 2,53
Dollar kletterten, erhöhten sich die freiwilligen Sozialleistungen infolge
zahlreicher Verbesserungen (Erhöhung der privaten Pensionsleistungen, Liberalisiei|Sing der Krankenversicherungspläne, Gewährung von mehr Urlaub und bezahlten'Feiertagen) etwa im Rahmen der Vorjahre.
Die "im Vergleich zu 1963 allgemein günstigere wirtschaftliche und soziale
Lage des amerikanischen Arbeiters erhellt auch daraus, daß die Beschäftigtenzahl sich zwischen Oktober 1963 und Oktober 1964 um 1,6 Millionen auf insgesamt 70,6 Millionen erhöhte und gleichzeitig die Erwerbslosenziffer von 4,1
auf 3,2 Millionen zurückging, so daß die Erwerbslosenrate z.Z. nur noch
5,0 Prozent beträgt.
Wenn damit auch der niedrigste Stand seit 1959 erreicht wurde, so darf
doch nicht übersehen werden, daß die Erwerbslosenrate bei den Farbigen immer
noch fast doppelt so hoch liegt wie bei den Weißen und weiterhin ein hartnäckiger Kern von Dauerarbeitslosen (länger als 15 Wochen) das durchweg günstige Bild trübt.
Aber auch in dieser Hinsicht brachte das Jahr 1964 wesentliche Fortschritte. Mit der Verabschiedung des Bürgerrechtsgesetzes dürfte auch der
letzte Rest diskriminierender Praktiken bei der Einstellung von Arbeitskräften nach und nach verschwinden und auf die Dauer ein wesentlicher Rückgang der
Arbeitslosenrate bei den Farbigen eintreten; und mit der Forcierüng des "Gesetzes über die Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften»' (Manpower Development and Training Act of 1962) sollte ein großer Teil all'jener Arbeitslosen
in nächster Zeit bessere Beschäftigungschancen"erhalten, denen es auf Grund
ihres Bildungsniveaus und. ihrer geringen beruflichen Fähigkeiten bisher nicht
möglich war, einen Arbeitsplatz in der modernen Industriegesellschaft zu finden.
Es bleibt also festzustellen, daß das Jahr 1964 sowohl für die US-Gewerkschaften als auch für die Arbeitnehmer überaus günstig verlaufen ist und daß
sehr solide Ausgangspositionen für weitere Fortschritte im kommenden Jahr geschaffen wurden.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Berichtigung
In unserer Ausgabe XVII - 12 vom 1. Dezember 1964 hat sich in dem Artikel
"Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer»
auf Seite 2, vierter Absatz ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen.
Der 3. Satz muß richtig heißen: Das kle inste Gebiet (anstelle von Unternehmen)
hatte eine Gesamtbeschäftigtenzabl von knapp 50 000,,das größte eine von rund
500 000.
•*.

- 18 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung
in der US-Wirtschaft

Seite

Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen

Seite 13

Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen

Seite 15

1

Walter W. Kolodrubetz, Abteilung Arbeitsbeziehungen
im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung in der USWirtschaft
Auf Grund der umfassenden technologischen Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren hat sich die
Beschäftigungsstruktur in den Vereinigten Staaten
ganz beträchtlich gewandelt. Viele alte handwerkliche und Fachberufe sind in der Industrie durch die
neuen automatischen Produktionseinrichtungen ausgelöscht worden. Gleichzeitig wurden jedoch auch zahlreiche neue, in der Regel höherqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Die Folge dieser Entwicklung war
einerseits ein Überfluß an Arbeitskräften für nicht
mehr gefragte Berufe, zum anderen ein nicht unerheblicher Mangel an höherqualifizierten Kräften. Wenn
auch die beruflichen Umstellungsprobleme bei den
jüngeren und Facharbeitern weniger schwierig waren,
so hatten doch die älteren - meist über 50 Jahre
alten - Arbeitnehmer in der Regel erhebliche Schwierigkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden: teils

�teils auf Grund ihrer mangelnden beruflichen
Qualifikationen, vor allem aber wegen ihres
relativ hohen Lebensalters. Eine überdurchschnittlich hohe Erwerbslosenrate und eine
große Zahl von Dauerarbeitslosen in diesen
Altersgruppen kennzeichneten den Umstellungsprozeß.
In dem Bestreben, diesen Automationsverdrängten zu einem wirtschaftlich gesicherten Absprung aus dem Erwerbsleben zu verhelfen, haben
die amerikanischen Gewerkschaften in den vergangenen Jahren versucht, in die Kollektivverträge Klauseln einzubauen, die eine vorzeitige
Pensionierung dieser Arbeitnehmergruppen ohne
größere wirtschaftliche Benachteiligung gestatten. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über entsprechende von den Gewerkschaften
mit den Unternehmen ausgehandelte Pläne in der
amerikanischen Wirtschaft.
Vorbemerkungen
Durch die Aufnahme von Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung in die privaten Pensionspläne der amerikanischen Wirtschaft ist das
gesamte Pensionierungsschema in den vergangenen Jahren - da auch die
staatliche Altersversicherung (seit 1961) eine vorzeitige Pensionierung
nach Erreichen des 62. Lebensjahres vorsieht - variantenreicher und umfassender, gleichzeitig aber auch unübersichtlicher geworden.
Das "vorzeitige Pensionsalter" ist in allen privaten Pensionsplänen
ebenso wie das "normale Pensionsalter" speziell definiert. Die technische
Definition des "vorzeitigen Pensionsalters" weicht von der allgemein vorherrschenden Vorstellung, daß jede Pensionierung vor Erreichen des 65.
Lebensjahres eine "vorzeitige Pensionierung" darstellt, insofern ab, als
in den Pensionsplänen (wie auch im weiteren.Verlauf dieses Artikels) dieser Begriff eine Pensionierung vor Erreichen des in den einzelnen Plänen
festgesetzten "normalen Pensionsalters" bezeichnet. Das "normale Pensionsalter" stellt daher den frühestmöglichen Zeitpunkt dar, zu dem ein Arbeitnehmer bei Erhalt der vollen aufgelaufenen Bezüge in den Ruhestand
treten kann. Gewöhnlich ist das "normale Pensionsalter" 65 Jahre, es kann
aber ebenso bei 60 oder 62 wie bei 68 oder 70 Jahren liegen,
Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
In über 100 der untersuchten privaten Pensionspläne., die 1,6 Millionen Arbeitnehmer erfassen, lag das normale Pensionsalter unter 65, gewöhnlich bei 60 Jahren. Eingeschlossen sind fast eine Million Arbeitnehmer, die von Plänen - wie denen des Bell Telephone System - erfasst werden, die auch eine vorzeitige Pensionierung vorsehen. Bei einigen von
diesen Plänen, zu denen auch die der Telefonindustrie gehören, können die
Arbeitnehmer mit Einwilligung des Unternehmens bereits mit Erreichen des
55. Lebensjahres bei Gewährung der vollen Bezüge in den Ruhestand treten;
bei anderen dagegen ist eine Pensionierung, nur bei reduzierten Leistungen

- 2-

�Leistungen möglich. Zu den restlichen Pensionsplänen, bei denen das
normale Pensionierungsalter zwar unter 65 Jahren liegt, die aber keine
vorzeitige Pensionierung vorsehen, zählen u.a. die der Gewerkschaften
der Elektroarbeiter (IBEW), der Bergarbeiter und der Transportarbeiter.
Das amerikanische Sozialversicherungsgesetz (Social Security Act),
das das normale Pensionierungsalter für alle Sozialversicherungspflichtigen auf 65 Jahre festsetzt, wurde im Jahre 1956 erstmalig liberalisiert. Seinerzeit wurde die Bestimmung aufgenommen, daß sich Frauen bereits ab 62. Lebensjahr bei verminderten Bezügen pensionieren lassen
können - eine Option, die auf die männlichen Arbeitskräfte 1961 ausgedehnt wurde. Da die meisten privaten Pensionspläne zu diesem Zeitpunkt
bereits Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung - in einem
meist noch niedrigeren Lebensalter - enthielten, dürfte der Einfluß dieser Gesetzesänderung auf die Gestaltung der privaten Pläne nur gering
gewesen sein, wenngleich sie zweifellos dazu beigetragen hat, das tatsächliche "vorzeitige Pensionsalter" allgemein herabzudrücken.
Auf Grund der Bestimmungen dieser privaten Pensionspläne ist es
den Arbeitnehmern, die die erforderlichen Voraussetzungen in bezug auf
Lebensalter und Dienstjähre erfüllen, möglich, sich bei verminderten Bezügen vorzeitig pensionieren zu lassen.
Obwohl allgemein bestimmt ist, daß die Pensionsleistungen in solchen
Fällen sofort fällig sind, bieten einige Pläne den Versicherten die Möglichkeit, die Auszahlung bis zur Erreichung des normalen Pensionsalters
aussetzen zu lassen, damit sie dann in den Genuß der vollen Pension
kommen.
Zu den in jüngster Zeit neu eingeführten Bestimmungen gehören auch
jene, die es den Unternehmern gestatten, die vorzeitige Pensionierung
eines Arbeitnehmers zu erzwingen oder den Betreffenden zu "beiderseits
annehmbaren Bedingungen" (d.h. bei Einvernehmen von Unternehmer, Gewerkschaft und Arbeitnehmer) zu pensionieren. In diesen Fällen kommen die
"Zwangspensionierten" in der Regel in den Genuß wesentlich höherer Pens-ionsle istungen, die.bei einigen Plänen sogar über den Pensionen liegen,
die bei Erreichen der normalen Altersgrenze zu zahlen sind. Wie bei
allen anderen Pensionierungsvorschriften müssen natürlich auch hier
gewisse Voraussetzungen hinsichtlich der Dauer der Betriebszugehörigkeit und des Lebensalters erfüllt sein.
Vorzeitige Pensionierung
Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung enthielten rund 75
Prozent aller untersuchten privaten Pensionspläne. Bemerkenswert ist dabei, daß derartige Bestimmungen weitaus häufiger in jenen Plänen verankert sind, die sich lediglich auf ein einzelnes Unternehmen beziehen,
(in der Folge als Einzelpläne bezeichnet), als in solchen, die von mehreren Arbeitgebern (Sammelpläne) getragen werden. Das Verhältnis ist hier
4:1 bzw. 2:3. Bei den Einzelplänen, die keine derartigen Klauseln enthielten, handelte es sich in der Regel um Pläne, die ausschließlich durch
Unternehmerbeiträge gespeist werden und hauptsächlich auf Unternehmen des
Handels, der Dienstleistungszweige und der Fertigungsindustrie beschränkt
sind. Bestimmungen über eine vorzeitige Bansionierung (bei reduzierten
Bezügen) oder eine normale Pensionierung vor dem 65. Lebensjahr (bei
Tabelle 1

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�(bei vollen Bezügen) sind bei Sammelplänen vor allem in jenen Industriezweigen anzutreffen, in denen die Arbeiter besonders schwierige
und körperlich harte Arbeit zu leisten haben, wie im Bergbau, im
Straßentransportgewerbe und in der Schiffahrt.
Eine ganze Reihe von privaten Pensionsplänen, die etwa eine
Million Arbeitnehmer umschließen, sehen nur für weibliche Arbeitskräfte eine vorzeitige Pensionierung, gewöhnlich ab 62. Lebensjahr,
vor. Viele dieser Pensionspläne existieren in der Bekleidungsindustrie - einem Industriezweig mit einem sehr hohen Anteil an weiblichen
Arbeitskräften. Die meisten Arbeitnehmer gehören dabei Sammelplänen an,
die von den Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter und der Damenoberbekleidungsindustrie zentral verwaltet werden.
Voraussetzungen für eine vorzeitige Pensionierung
Voraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung ist in der Regel
eine Mindestdienstzeit von 15 Jahren. Diese Bestimmung ist in 25 Prozent aller untersuchten Pläne mit derartigen Klauseln verankert, die
etwa ein Viertel aller erfaßten Arbeitnehmer umschließen. Eine Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren war dagegen lediglich bei. sechs
Pensionsplänen erforderlich; allerdings wurden von diesen rund 25 Prozent aller Arbeitnehmer erfaßt. Weniger als 10 Dienstjähre als Mindestvoraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung schreiben schließlich rund 33 Prozent aller Pläne vor, die jedoch nur ein Fünftel aller
durch diese Untersuchung erfaßten Arbeitnehmer umschließen, während
ein weiteres Viertel aller Arbeitnehmer Pensionsplänen angehörte, bei
denen die erforderliche Mindestdienstzeit 20 Jahre und mehr betrug.
Was das Mindestalter betrifft, so ermöglichen zwei Drittel dieser
Pläne, die rund die Hälfte aller Arbeitnehmer erfassen, eine Pensionierung ab 55. Lebensjahr, während weitere zwei Fünftel aller Arbeitnehmer
Plänen angehörten, die das 60. Lebensjahr als Mindestalter vorschreiben.
Schließlich sehen weniger als 5 Prozent dieser privaten Pensionspläne
eine vorzeitige Pensionierung vor Erreichen des 55. Lebensjahrs vor.
Für über 50 Prozent aller von diesen Plänen erfaßten:Arbeitnehmer gilt
als Voraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung eine kombinierte
Formel von Lebensalter und Dienstzeit - bei etwa 20 Prozent waren es
55 Lebens- und 10 bis 15 Dienstjahre, bei 30 Prozent 60 Lebens- und 10
bis 15 Dienstjahre.
In allen Pensionsplänen mit sogenannten "vesting rights" - Anspruchsberechtigung auch bei Entlassung oder Betriebswechsel - lag das
Mindestalter allgemein höher als bei Plänen ohne derartige Rechtsanspruchssicherungen. So bestehen zum Beispiel für rund 25 Prozent aller
Arbeitnehmer, die von Plänen erfaßt werden, die keine Sicherungsbestimmungen enthalten, keinerlei Begrenzungen hinsichtlich des Lebensalters, während von Arbeitnehmern unter Garantieplänen fast ausschließlichderartige Kriteria zu erfüllen sind. Auf der anderen Seite war die
Zahl der vorgeschriebenen Dienstjahre in Garantieplänen mit Bestimmungen
über eine vorzeitige Pensionierung geringer als in Plänen ohne eine
Garantie.
Bestimmungen darüber, daß ein Arbeitnehmer inur dann eine vorzeitige Pensionierung beantragen kann, wenn der Unternehmer einverstanden ist oder
Tabelle 2

�TABELLE 2

BESTIMMUNGEN ÜBER EINE VORZEITIGE PENSIONIERUNG IN PRIVATEN PENSIONSPLÄNEN
(Nach Industriezweigen gegliedert, Stand: Winter 1962/63)

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Industriezweig
Arbeitnehmer
(in 1000)

Zahl

Mit dera rti|»en
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Pläne

Ohne derartige
Klauseln

Arbeitnehmer
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Arbeitnehmer
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Zahl der untersuchten Pläne

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12.099

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Landwirtschaft,
Forsten,
Fischerei

75

26

75

26

Bergbau

316

327

312

119

4

208

Baugewerbe

449

1 072

156

343

293

729

9 257

9 678

7 409

7 981

1 848

1 697

Transport

673

1 286

496

644

177

642

Nachrichtenwesen, Öffentl.
Versorgung

849

1 270

600

1 184

249

87

Groß-, Einzelhandel

1 627

920

1 271

690

. 356

230

Finanz,
Vers icherungen

1 853

733

1 439

660

414

73

719

308

341

140

378

168

Fertigungsindustrie

Dienstleistungszweige

- 6-

�oder den Arbeitnehmer ausdrücklich auffordert, sind in etwa der Hälfte
aller Pläne verankert, durch die etwa 40 Prozent aller Arbeitnehmer
erfaßt werden.
Während die Sammelpläne nur in Ausnahmefällen derartige Bestimmungen enthielten, waren sie in Einzelplänen, insbesondere in der Fertigungsindustrie, die Regel. Außerdem bezogen sich diese Bestimmungen
weitaus häufiger auf die Angestellten eines Betriebes als auf die Produktionsarbeiter.
Pensionsleistungen
Die Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung setzen in allen Fällen
unmittelbar nach Beendigung der Erwerbstätigkeit ein; bei einigen Pensionsplänen, durch die etwa die Hälfte aller anspruchsberechtigten Arbeitnehmer erfaßt wird, steht es jedoch den Betreffenden frei, den
Zeitpunkt der Leistungsaufnahme bis zum Beginn des normalen Pensionsalters hinauszuschieben.
Die monatlichen Pensionen entsprechen bei einer Pensionierung im
60. Lebensjahr in der Regel (2/3 aller Pläne) einem versicheTiingsmathematisch genau errechneten verminderten Anteil des Grundbetrags, der bei
Erreichen des normalen Pensionsalters (von 65 Jahren) fällig wäre. Auf
Grund dieser reduzierten Leistungen kommt der bei Erreichen des 60.
Lebensjahres in Pension gehende Arbeitnehmer allgemein in den Genuß von
2/3 des Grundbetrages. Läßt er seine Rente bis zum 65. Lebensjahr weiter auflaufen, so kann er eine Erhöhung seiner Bezüge um rund die Hälfte erreichen. Bei den meisten der restlichen Pläne werden dagegen andere Bemessungsfaktoren zugrunde gelegt. Das am häufigsten angewendete
Verfahren sieht dabei eine Minderung des Rentengrundbetrages um bestimmte, meist auf Monatsbasis bezogene prozentuale Anteile vor, die
zwischen 1/4 und 3/4 Prozent pro Monat liegen. Gezählt werden alle
Monate, die zwischen dem Zeitpunkt der vorzeitigen Pensionierung und
dem normalen Pensionsalter liegen. Dadurch ergeben sich vielfach größere Abschläge für den Versicherten als bei Anlegung versicherungstechnischer Maßstäbe. Mehr als 10 Prozent aller Arbeitnehmer werden
z.B. von Pensionsplänen erfaßt, die monatliche Abzüge in Höhe von 6/10
eines Prozents vorsehen (was bei einer Pensionierung mit 60 Jahren .
einer Rentenminderung um 36 Prozent entspricht), während andererseits
1 Million Arbeitnehmer privaten Pensionsplänen r-gehören, die um 30
Prozent verminderte Leistungen (bei 0,5 Prozent Abzug pro Monat) für
Versicherte festsetzen, deren normales Pensionsalter 65 Jahre ist und
die sich mit 60 pe~ ionieren lassen.
Allerdings gibt es auch zahlreiche Pläne, die keinerlei Abzüge
von der Grundrente bei einer vorzeitigen Pensionierung kennen. So
fallen rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer unter Pläne, die keine Leistungsminderung ab 60 Jahre vorsehen, während für eine weitere.Million
Arbeitnehmer das normale Pensionsalter bei 60 Jahren liegt und 200 000
von Pensionsplänen erfaßt werden, die bei einer vorzeitigen Pensionierung mit 60 Jahren bereits die gleichen Leistungsbeträge vorsehen wie
mit 65 Jahren.
Die Reduzierung der Leistungen bei Plänen, die eine noch frühere
Pensionierung (meist ab 55 Jahre) ermöglichen, erfolgt in der Regel
nach dem Berechnungsschema von Planen, bei denen das vorgezogene PensionsTabelle 3

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�Pensionsalter 60 Jahre beträgt. Da die tatsächlich gezahlten Pensionen
in diesen Fällen jedoch beträchtlich unter den Normalleistungen liegen
(Abschläge von meist über 50 Prozent), kann man darauf schließen, daß
eine vorzeitige Pensionierung zu einem so frühen Zeitpunkt meist nur
für außergewöhnliche Umstände (Betriebsstillegung etc.) vorgesehen ist.
Dennoch gehörte eine nicht unbeträchtliche Zahl von Versicherten Pensionsplänen an, die eine Pensionierung ab 55. Lebensjahr bei vollen
Bezügen ermöglichen. Die meisten dieser Arbeitnehmer sind bei den Telefongesellschaften beschäftigt, deren Pläne als Mindestvoraussetzung für
die Zahlung der vollen Pension 25 Dienstjahre und die Zustimmung des
Unternehmens vorschreiben. Die normale Pensionierungsgrenze liegt hier
allerdings schon bei 60 Jahren.

TABELLE 4
EINSCHRANKENDE BESTIMMUNGEN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG
(Stand: Winter 1962/63)

Arbeitnehmer

Pläne

Art der
Konditionen

Prozent

Zahl
in 1000

Prozent

12 099

100,0

11 786

100,0

Nur auf Antrag des
Arbeitnehmers

6 327

52,3

7 133

60,5

Nur nach Zustimmung oder
Forderung des Unternehme s

5 772

47,7

4 653

39,5

Nach Zustimmung des
Unternehmers

5 369

44,4

3 729

31,6

Nach Forderung des Unternehmers

89

0,7

273

2,3

Entweder nach Zustimmung
oder Forderung des Unternehmers

247

2,0

389

3,3

In beiderseitigem Einvernehmen

55

0,5

219

1,8

Andere

12

0,1

43

0,4

Zahl
Sämtliche Pläne mit Bestimmungen über eine vorzeitige
Pensionierung

Da all diese privaten Pensionspläne einen Eintritt in den Ruhestand zu
einem Zeitpunkt ermöglichen, der vor dem der Leistungsaufnahme der staatlichen Altersversicherung liegt, müssen die meisten dieser frühzeitig in Pension gehenden Arbeitnehmer in der Regel für einige Jahre erhebliche Einkom-

- 9 -

�Einkommenseinbußen hinnehmen, ehe sie, sobald die staatlichen Pensionsleistungen einsetzen, eine ganz wesentliche Aufbesserung ihrer Ruhegelder erfahren. Um die beträchtlichen Einkomraenschwankungen auszugleichen, bieten mehr als 25 Prozent aller privaten Pensionspläne dem Versicherten eine Option auf einen sogenannten Sozialversicherungsausgleich.
Bei Inanspruchnahme dieser Option erhält der Versicherte eine erhöhte
Rente aus dem privaten Pensionsfonds bis zum Einsetzen der Leistungen
aus der staatlichen Altersversicherung. Nach Erreichung dieses Zeitpunktes
erfolgt dann eine entsprechende Reduzierung.

TABELLE 5
RENTENABZUGSFAKTOREN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG MIT 60 JAHREN )
Pläne

Arbeitnehmer

Faktor
Zahl

Prozent

12 099

100,0

11 786

100,0

169

1,4

1 162

9,9

Verminderung des Grundbetrages
nach versicherungsmathematischen Formeln
8 067

66,7

5 821

49,4

Prozentuale Minderung des
Grundbetrages pro Monat vor
dem normalen Pensionsalter
(65 Jahre)

2 837

23,4

4 193

35,6

1/4 eines Prozents

32

0,3

108

0,9

1/3 eines Prozents

52

0,4

545

4,6

4/10 eines Prozents

62

0,5

193

1,6

1/2 eines Prozents

934

7,7

1 245

10,6

5/9 eines Prozents

179

1,5

710

6,0

1 006

8,3

1 290

10,9

5/8 eines Prozents

520

4,3

71

0,6

3/4 eines Prozents

52

0,4

31

0,3

Leistungstabellen mit verschiedenartigen Minderungsfaktoren

836

6,9

419

3,6

Leistungstabellen mit reduzierten Leistungen

31

0,3

91

0,8

159

1,3

102

0,9

Sämtliche Pläne mit derartigen Bestimmungen
Ohne jeglichen Abzug

6/10 eines Prozents

Andere
X)

Zahl in
1000

Prozent

Sonder-

Stand: Winter 196?/*^
10

�Sonderregelungen für eine vorzeitige Pensionierung
In zahlreiche private Pensionspläne, vor allem der Fertigungsindustrie,
ist in den vergangenen Jahren eine ganze Anzahl von Sonderbestimmungen für
eine vorzeitige Pensionierung aufgenommen worden. Es handelt sich hierbei
vor allem um Klauseln obligatorischen Charakters (Zwangspensionierung), an
die Leistungen geknüpft sind, die allgemein wesentlich über die hinausgehen,
die der Versicherte bei einer normalen vorzeitigen Pensionierung zu erwarten hätte. Diese Bestimmungen wurden gemeinsam von Gewerkschaften und Unternehmern mit.dem Ziel ausgehandelt, spezielle wirtschaftliche und soziale
Härten bei Eintritt außergewöhnlicher Umstände (Massenentlassungen, Betriebsstillegungen usw.) auszuschalten. Viele dieser Bestimmungen sind inzwischen
auch auf jene Arbeitnehmer und Angestellte eines Betriebes ausgedehnt worden, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind..

TABELLE 6
SONDERBESTIMMUNGEN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG'&gt;
(nach Industri.ezweigen)
All e Pläne
Industriezweig

Mit Sonderklauseln

Arbeitnehmer
in 1000

Pläne

Arbeitnehmer
in 1000

15 818

15 621

1 051

2 674

75

26

Bergbau

316

327

34

Baugewerbe

449

1 072

9 257

Transport

Pläne

Arbeitnehmer
in 1000

14 767

12 947

75

26

18

282

310

2

7

447

1 065

9 678

992

2 551

8 265

7 128

673

1 286

2

38

671

1 248

Nachrichtenwesen,
Öffentl. Versorgung

849

1 270

4

11

845

1 260

Groß-, Einzelhandel

1 627

920

7

24

1 620

895

Finanzen, Versicherung, Immobilien

1 853

733

5

17

1 848

716

308

5

8

714

300

Zahl der untersuchten Pläne
Landwirtschaft,
Forsten, Fischerei

FertigungsIndustrie

Dienstleistungszweige

Zahl

Ohne Sonderklauseln

1

719

Im Zeitpunkt der Erhebung enthielten fast sieben Prozent aller untersuchten privaten Pensionspläne, durch die 17 Prozent der Arbeitnehmer erfaßt
wurden, derartige Sonderbestimmungen. Sie waren vor allem in der FertigunRs1) 9f-.r&gt;H- T-Mnt-PT- 1 0 f t ? / f
- 11 -

�I
Fertigungsindustrie (Stahl-, Automobil-, Gummi-, Konservenindustrie)
anzutreffen und hauptsächlich in Einzelplänen verankert, die allein
durch Unternehmerbeiträge gespeist wurden. Pläne,die in ihren Grundzügen denen der Stahlindustrie entsprechen und rund ein Viertel dieser Arbeitnehmer einschließen, sehen unter anderem vor, daß die Versicherten bei 60 Lebens- und 15 Dienstjahren Fensionsleistungen erhalten können, wenn das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt, oder bei einem Lebensalter von 55 Jahren und 20 Dienstjahren, wenn die vorzeitige Pensionierung auf Grund
einer Betriebsstillegung, Massenentlassung oder wegen Teilinvalidität
beantragt wird, wobei die Teilinvalidität nicht für den Bezug staatlicher Invalidenrente ausreichen würde. Die Pensionsleistungen sind
in diesen Fällen sofort fällig.
Außerdem gibt es in der Stahlindustrie noch einige Varianten zu
diesen Plänen - Pläne, die schon eine spezielle vorzeitige Pensionierung mit 50 Lebens- und 15 Dienstjahren unter "beiderseitig annehmbaren Bedingungen" oder bei Entlassung gestatten - sowie mit 55 Lebens- und 15 Dienstjahren im Falle einer Betriebsstillegung oder.Teilinvalidität oder mit 60 Lebens- und 30 Dienstjahren zu für beide Seiten annehmbaren Bedingungen.
Generell ergibt sich nach Auswertung sämtlicher Pensionspläne mit
derartigen Sonderbestimmungen folgendes Bild hinsichtlich der Mindestvoraussetzungen: 55 Lebens- und 20 Dienstjahre für 1/3 aller erfaßten
Arbeitnehmer; 60 Lebens- und 10 Dienstjahre für 2/5 der Arbeitnehmer;
55 Lebens- und 10.oder 15 Dienstjähre für 1/10.
Was die Leistungen betrifft, so gehören 50 Prozent aller versicherten Arbeitnehmer Pensionsplänen an, die die gleichen Leistungen
vorsehen wie bei einer normalen Pensionierung, während ein fast gleich
hoher Prozentsatz bis zum Erreichen der normalen Pensionierungsgrenze
oder Einsetzen der Leistungen aus der staatlichen Altersversicherung
Pensionen erhält, die mehr als doppelt so hoch sind wie die gewöhnlichen Leistungen. Der Rest entfällt auf Pläne, die nur geringfügig
über dem Normalsatz .liegende Renten für die Versicherten vorsehen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 87, Nr. 10, Oktober 1964).

+ ++++

- 12 -

�Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen
In seiner Sonderbotschaft vom 7. Januar unterbreitete Präsident
Johnson dem amerikanischen Kongreß ein umfassendes Volksgesundheitsprogramm, das neben einer angemessenen kostenlosen ärztlichen Betreuung und Krankenhausfürsorge für die älteren, nicht sozialversicherten
Menschen vor allem die Errichtung von medizinischen Regionalzentren
für die Bekämpfung der bedrohlichsten Volkskrankheiten sowie die Bereitstellung von Bundesmitteln zur Betreuung von geistig Zurückgebliebenen, geistig Erkrankten und Invaliden vorsieht. Alles in allem forderte der Präsident für die Durchführung dieser Einzelprogramme im
ersten Jahr Mittel in Höhe von 262 Millionen Dollar an.
Präsident Johnson hob in seiner Sonderbotschaft insbesondere die
große Bedeutung einer den neuesten Erkenntnissen und Techniken der
modernen Medizin entsprechenden Gesundheitsfürsorge für das gesamte
amerikanische Volk hervor und betonte, daß die besten Diagnose- und
Therapiemethoden unserer Zeit allen Amerikanern zugänglich gemacht
werden müßten. Alter und wirtschaftlicher Status dürften hierbei keine
hemmenden Schranken bilden.
In Verfolg dieses Zieles forderte der Präsident als zeitgemäße
Ergänzung der vor nunmehr 30 Jahren eingeführten Sozialgesetzgebung die
Ausdehnung der staatlichen Sozialfürsorge auch auf das Gebiet der Krankenversicherung für ältere Menschen. Die Bedeutung einer derartigen Versicherung für die 65jährigen und älteren unterstrich Präsident Johnson
mit den Hinweisen, daß
- 80 Prozent aller über 65 Jahre alten Menschen irgendwelche körperlichen Gebrechen oder chronische Krankheiten aufweisen;
- diese älteren Menschen sehr viel häufiger das Krankenhaus aufsuchen
müssen als Angehörige anderer Altersgruppen der Bevölkerung und in der
Regel doppelt so lange im Hospital bleiben als jüngere Menschen;
- die von ihnen aufzubringenden Kosten für Ärzte, Medizin und Krankenhaus doppelt so hoch sind wie bei den Jüngeren; .
- fast die Hälfte dieser alten Menschen überhaupt keine Krankenversicherung hat;
- ältere, nicht mehr erwerbstätige Ehepaare heute nicht in der Lage
sind, die Mittel für eine ausreichende Krankenfürsorge im Rahmen der
privaten Krankenversicherung aufzubringen.
Nach den Vorschlägen des Präsidenten soll dieses spezielle Krankenversicherungsprogramm in die staatliche Sozialgesetzgebung einbezogen und
durch geringfügig erhöhte Beitragsleistungen der Versicherten finanziert
werden. Im einzelnen soll sich dabei die Krankenversicherung auf die
Deckung der gesamten Krankenhaus- und Nachbehandlüngskosten erstrecken
sowie auf die Heimpflege- und Diagnosekosten. Der gleiche Versicherungsschutz soll auch auf alle jene Personenkreise ausgedehnt werden, die
tegenwärtig noch nicht durch die Sozialversicherung erlaßt "werden, wobei
ie entstehenden Kosten in das administrative Budget autgenommen werden
sollen. Ebenso soll das vom Kongreß zu verabschiedende Krankenversicherungsgesetz für die älteren Menschen und die sozial Schwachen sicherstellen, daß die freie Arzt- und Krankenhauswahl der Versicherten erhalten

bleibt.

.

"..

- 13 -

Ml

�Bei Verabschiedung eines derartigen Gesetzes durch den Kongreß
würden rund 18 Millionen Amerikaner in den Genuß eines Krankenversicherungsschutzes kommen. Von diesen sind gegenwärtig nur rund 2
Millionen durch die Sozialversicherung erfaßt. Zur Deckung der damit
entstehenden Kosten sollen nach den Vorschlägen des .Präsidenten die
Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bis zum
Jahre 1971 nach und nach von derzeitig 4,25 Prozent des Einkommens
auf 5,2 Prozent erhöht werden.
Während für das erste Jahr eine Gesamtsumme von 262 Mio. Dollar
zur Finanzierung des Volksgesundheitsprogramms Präsident Johnsons veranschlagt wird, rechnet man bereits im zweiten Jahr mit einem Betrag
von 801,6 Mio. Dollar - eine Summe, die in den nächsten fünf Jahren
auf mehrere Milliarden ansteigen dürfte.
Zu den weiteren Vorschlägen Präsident Johnsons für einen verbesserten Krankenversicherungsschutz, eine umfassendere vorbeugende medizinische Betreuung weitester Volkskreise und eine allgemeine Hebung der
Volksgesundheit in den Vereinigten Staaten gehört auch die Errichtung
von 32 über das gesamte Land verteilten medizinischen Regionalzentren
zur Bekämpfung und Behandlung von Herzkrankheiten, Krebs und Kreislaufkrankheiten - Leiden, die in der Liste der Krankheiten in. den USA
an der Spitze stehen.
Durch diese Regionalzentren, die in der Nähe großer und medizinisch
hervorragender Universitätskliniken geschaffen werden sollen, will man
die in vielen Fällen über Tod und Leben entscheidenden Kenntnisse und
Fertigkeiten namhafter Kliniker und bekannter Chirurgen, einem möglichst
großen Teil der Bevölkerung zugänglich machen. Zur Durchführung dieses
Programmpunktes sollen im Verlauf von fünf Jahren rund 1,2 Mrd. Dollar
(50 Mio. Dollar im ersten Jahr) aufgebracht werden. Dabei würde der
Bund Zuschüsse für die Heranziehung von Spezialisten .und Stipendien
für die Grundlagenforschung auf dem Gebiet dieser Krankheiten zur Verfügung stellen.
Für die restlichen Schwerpunktprogramme Präsident Johnsons zur
Verbesserung der Krankenfürsorge, der vorbeugenden medizinischen Betreuung und der Bekämpfung der Volkskrankheiten sind schließlich noch folgende Beträge vorgesehen:
125 Millionen Dollar für die medizinische Betreuung von Kindern und
Jugendlichen;
19,5 Millionen Dollar für das Personal der kommunalen Heil- und
Pflegeanstalten;
20 Millionen Dollar als Beihilfen und Stipendien für medizinische
und zahnmedizinische Ausbildungsstätten;
5 Millionen Dollar für die medizinische Grundlagenforschung;
7 Millionen Dollar für Gesundheitsbetreuung der Wanderarbeiter;
8 Millionen Dollar an Beihilfen für Impfprogramme;
10 Millionen Dollar für Umschulungsprogramme; und
10 Millionen Dollar für Krankenhausbetreuung nicht krankenversicherter alter Menschen.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
- 14 -

�Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen
Eine Repräsentativuntersuchung von 400 Tarifverträgen der amerikanischen Industrie ergab, daß in 99 Prozent aller Verträge die Frage der
Entlassung von Arbeitnehmern generell geregelt ist. Dies teilte kürzlich das Bureau of National Affairs (BNA), ein privates statistisches
Institut, mit.
In 90 Prozent aller Tarifverträge sind Gründe, die zu einer Entlassung führen können, aufgeführt. Die Formel "begründet" oder "aus berechtigtem Anlaß" erscheint in 73 Prozent aller Verträge. Zahlreiche
Verträge geben spezifizierte Gründe der Entlassung an. Darunter wird
"Verletzung der vertraglichen Abmachungen" (einschließlich Streikaktionen)
am häufigsten, nämlich in 27 Prozent aller Verträge, genannt. "Mißachtung der Werksanordnungen" erscheint in 18 Prozent, "mangelhafte Leistungen" oder "Versagen" in 14 Prozent, "Trunkenheit!1 ebenfalls in 14
Prozent, "betrügerisches Verhalten" oder."Diebstahl".in zwölf Prozent
und "unerlaubtes oder ungewöhnlich.häufiges Fernbleiben von der Arbeit"
in elf Prozent aller Verträge.
Die Generalklausel "aus berechtigtem Anlaß" findet sich in mindestens
der Hälfte aller Tarifverträge. Detaillierte Begründungen werden in Verträgen der Fertigungsindustrie häufiger als in den anderen Wirtschaftszweigen angetroffen; das Verhältnis ist 65 Prozent zu 54 Prozent.
"Verletzung vertraglicher Abmachungen" (einschließlich Teilnahme an
Bummel- oder an wilden Streiks) gilt in 32.Prozent aller Verträge der
Fertigungsindustrie gegenüber 17 Prozent der anderen Wirtschaftszweige
als Entlassungsgrund. Bei "Mißachtung der Werksanordnungen" ist die Relation 21 zu 14 Prozent, bei. "mangelhaften Leistungen" oder '.«Versagen" ist
das Verhältnis 13 zu 18 Prozent, bei "Trunkenheit" 11 zu 21.Prozent.„
In der Fertigungsindustrie sind"in 64 von 100 Verträgen genaue Entlassungsverfahren bezeichnet gegenüber 41 von 100 in den übrigen Wirtschaftszweigen. 24 Prozent der Verträge schreiben vor, daß dem Arbeitnehmer die Entlassung anzukündigen ist. In 14 Prozent der Verträge ist eine
vorherige Verständigung der Gewerkschaft, in 23 von 100 Verträgen ihre
nachträgliche Benachrichtigung vorgesehen. 16 Prozent der Verträge machen
die Verständigung von Arbeitnehmer und Gewerkschaft obligatorisch.
In 15 von 100 Verträgen wird bestimmt, daß der Arbeitnehmer auf seine
mögliche Entlassung aufmerksam gemacht werden muß. Neun Prozent der Verträge sehen die Suspendierung als eine der Entlassung vorausgehende Maßnahme vor. Ebenfalls neun Prozent der Verträge schreiben das Anhörverfahren vor einer Entlassung vor, und in mehr als der Hälfte dieser Verträge ist wiederum die Anwesenheit von Gewerkschaftsvertretern bei solchen
Anhörverfahren als erforderlich bezeichnet.
Berufungsverfahren bei Entlassungen sind in 80 v.H. der für die Fertigangsindustrie geltenden Verträge genannt, dagegen nur in 47 v.H. aller
in der übrigen Wirtschaft gültigen Verträge.
In den meisten Fällen ist ein normales Beschwerdeverfahren anwendbar,
allerdings müssen Einsprüche gegen Entlassungen fristgerecht - meist binnen
vier bis sieben Tagen - erhoben werden.
Andere

- 15 -

�Andere, nicht zur Entlassung führende Disziplinarmaßnahmen sind
in 71 Prozent der Verträge der Fertigungsindustrie erwähnt, dagegen
nur in 44 Prozent der Verträge der übrigen Wirtschaft. Die meisten
Klauseln beschränken sich allerdings auf die ausdrückliche Feststellung, daß Suspendierung oder vorübergehende Entlassung als zulässige
Maßnahmen gelten. Zehn Prozent der Verträge erwähnen die niedrigere
Einstufung als erlaubte Form der Maßregelung, sechs Prozent führen
die Versetzung als solche an.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++

- 16

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters In der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
-

XVIII - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1965

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961

Seite

1

Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in
Großtarifverträgen

Seite

7

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 14

Kathryn R. Murphy, Mitarbeiterin im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961
Einleitung
Die "Erhebung über die Verbraucherausgaben in den Jahren 1960/61"
bietet eine gute Möglichkeit, die Ausgabengewohnheiten amerikanischer
FamilienD erneut zu untersuchen. Die unzähligen individuellen Verbraucherkäufe hatten 1960/61 einen Anteil am Bruttosozialprodukt von
65 Prozent. Während der gesamten Nachkriegsperiode haben sie ständig
mehr als 3/5 des Sozialprodukts ausgemacht. Zeitpunkt, Umfang und Art
dieser Käufe sind volkswirtschaftliche Faktoren, denen man in den USA
seit den Depressions jähren verstärkte Aufmerksamkeit schenkt.
Die Erhebung der Jahre 1960/61 setzt die bereits im Jahre 1888
vom "Amt für Arbeitsstatistik" begonnene Serie über die Familienausgaben fort. Die wirtschaftlichen Indikatoren, die Auskunft über die
Kaufkraft der Verbraucher geben, zeigten eindeutig, daß in den fünfziger Jahren mehrere Rezessionen dadurch wesentlich abgeschwächt wurden, daß die Verbraucherausgaben - im Gegensatz zu den reduzierten

Die Bezeichnungen "Familie" und "Verbrauchereinheit" werden in
diesem Artikel wechselweise verwendet und umschließen sowohl
alleinstehende Personen als auch Familien mit zwei und mehr
Personen.
- 1-

�reduzierten Käufen der öffentlichen Hand - im ganzen gesehen unverändert blieben. Einzelangaben über die Ausgabenstruktur der Familien
waren jedoch seit dem Jahre 1950 - seit Durchführung einer umfassenden Untersuchung durch das US-Amt für Arbeitsstatistik - nicht systematisch gesammelt worden. Im Zuge der Überarbeitung des Verbraucherpreisindex führte das Amt i960 und 1961 in allen Teilen der USA Interviews in der Absicht durch, zuverlässige Angaben über die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher zu erhalten. Diese Angaben lassen
im Vergleich zu 1950 beträchtliche Unterschiede sowohl in der Einkommensstruktur als auch in der Einkommenshöhe erkennen. S?e sind ein
Fundus neuer Daten, die in eine ganze Reihe von Erhebungen zur Ermittlung der Verbrauchergewohnheiten eingebaut werden können. Der folgende Artikel befaßt sich mit den Entwicklungstrends bei Einkommen, Ausgaben und Spareinlagen seit 1950.
Einkommen und Ausgaben
In der Dekade 1950-1960 haben sich die durchschnittlichen Ausgaben einer amerikanischen Stadtfamilie zur Deckung des laufenden
Bedarfs um 42 Prozent auf 5390 Dollar pro Jahr erhöht (si he Tabelle).
Im gleichen Zeitraum stiegen die Preise (gemessen am Verbraucherpreisindex) für Güter und Dienstleistungen nur um 24 Prozent an. Das Bruttoeinkommen (vor Abzug der Steuern) dieser Familieneinheiten nahm um
58 Prozent.zu und erreichte 1960/61 eine jährliche Durchschnittssumme
von 6691 Dollar. Die Personalsteuern (vor allem die.Einkommensteuern
des Bundes, der Einzelstaaten und Gemeinden sowie die Vermögenssteuer)
stiegen proportional stärker an als die Einkommen. Der durchschnitt- .
liehe Steuerjahresbetrag pro Familie war mit 785 Dollar 1960/61 um
140 Prozent höher als der des Jahres 1950. Dennoch verzeichnete das
durchschnittliche Familieneinkommen zwischen 1950 und 1960/61 einen
Anstieg von ' 910 auf 5906 Dollar. Im Schnitt gaben 1960/61.die Familien 91 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Deckung des laufenden
Bedarfs aus, im Vergleich zu 9 7 Prozent im Jahre 1950.
Spareinlagen, Geschenke und Versicherungen
Auf Grund der vergrößerten Spanne zwischen Einkommen und laufenden
Ausgaben ist es den Familien 1960/61 möglich gewesen, mehr Geld für Geschenke, Spenden aller Art und für Versicherungen auszugeben als 1950.
Geschenke für Freunde und Verwandte sowie Spenden an religiöse, wohltätige und andere Organisationen machten 1960/61 durchschnittlich
303 Dollar pro Familie aus; gegenüber 1950 ist das fast die doppelte
Summe.
In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, eine
exakte Trennungslinie zwischen Ausgaben und Sparbeiträgen zu ziehen.
Bereits im Jahre 1950 war es klar, daß der Begriff "finanzielle Sicherheit", der sich früher im Bankkonto ausdrückte, mit.der Ausdehnung des
langfristigen Kreditgeschäfts, dem Ausbau der Sozialversicherung und der
privaten Versicherungsprogramme eine neue Dimension erhalten hatte. Die
sich bereits 1950 schwach abzeichnenden Trends waren ein Jahrzehnt später
sehr viel ausgeprägter. Als Beispiel hierfür seien nur die Aufwendungen
für persönliche Versicherungen angeführt (in der Erhebung des Amtes für
Arbeitsstatistik als "Auslagen" klassifiziert und weder den Ausgaben
noch den Spareinlagen.zugerechnet), die von 177 Dollar (1950) auf

- 2-

�auf 324 Dollar und damit um 83 Prozent an
^enDie Hauptaufwendungen konzentrierten sich dabei auf die Sozialversicherung und andere
Pensionspläne - Ausgaben, die 1960/61 bereits 53 Prozent der Gesamtaufwendungen für persönliche Versicherungen auf sich vereinigten und
1950 lediglich einen Anteil von 31 Prozent hatten. In diesen Umschichtungen drücken sich zwei Entwicklungen der jüngsten.Zeit aus. Die höheren Beiträge für die Sozialversicherung resultieren aus der Ausdehnung
dieser Versicherung auf weitere Personenkreise, aus der Erhöhung der
Beitragssätze und der Bemessungsgrundlage sowie den höheren Einkommen.
Auf der anderen Seite hat die immer mehr verbreitete Praxis, Lebensversicherungen als Teil der freiwilligen Sozialleistungen der Unternehmer
anzusehen (wobei.vielfach die Beiträge allein vom Unternehmer geleistet
werden), zu einer beträchtlichen Erhöhung des Versicherungsschutzes geführt, ohne daß dabei Belastungen für die Familien in Erscheinung treten.
In dem Maße, wie diese, und ähnliche zusätzliche wirtschaftliche Sicherungen an Umfang gewonnen haben, hat sich auch der Zwang verm
Bar- oder andere flüssige Mittel für Notzeiten zurückzulegen. Außerdem
ist noch zu berücksichtigen, daß - mit der steigenden Zahl der Eigenheimbesitzer - die Eigenanteile der Familien an Haus- und Grundbesitz
sowie an Einrichtungsgegenständen einen immer größeren Teil ihrer Rücklagen ausmachen.
Die Erhebungsgrundlage des Amtes für Arbeitsstatistik zur Ermittlung der Spareinlagen pro Verbrauchereinheit bilden die im Erhebungsjahr bei Guthaben und Verpflichtungen eingetretenen Netto-Veränderungen.
Bei Anwendung dieser Bemessungsgrundlage ergibt sich für die Periode
1960/61 eine durchschnittliche Sparsumme von 177 Dollar pro Familie,
verglichen mit einer Netto-Zunahme der Verpflichtungen gegenüber den
Spareinlagen von 74 Dollar im Jahre 1950. Der Entwicklungstrend bei den
Spareinlagen wird noch deutlicher, wenn man einmal die zyklischen Schwankungen bei Einkommen und Ausgaben während der Nachkriegsperiode betrachtet. Nach der 1948/49er Rezession war eine Erhöhung der Erwerbsrate für
Häuser, Haushaltseinrich.ungen, Automobile und andere Dauergüter festzustellen . - Güter, für die sich in den dreißiger und den Kriegsjähren
ein erheblicher Nachholbedarf angestaut hatte. Während des Konjunkturaufschwungs im Jahre 1950 bauten die Verbraucher dabei ihre. Spareinlagen
so stark ab und.nahmen darüber hinaus Kredite in einem solchen Umfang
auf, daß der Bundesbankrat im September 1950 einschneidende Bestimmungen
erlassen mußte, um einer weiteren Ausweitung der Kredite für. den Erwerb
von Automobilen und einer ganzen Reihe von Haushaltsgütern entgegenzuwirken. Im folgenden Monat gab der Bundesbankrat weitere restriktive Maßnahmen bekannt, um den sich immer stärker bemerkbar machenden inflationistischen Druck zu mir :ern und den Wohnungsbau durch Begrenzung der dem
Hypothekenmarkt zufließenden Gelder vor einer weiteren. Überhitzung zu
bewahren.
Die in den Jahren 1960/61 durchgeführte Erhebung fiel dagegen in
eine Rezessionsperiode, die im 1. Quartal 1960 begann und ihren Tiefpunkt
im Februar 1961 erreichte. Die Verbraucherpreise waren in dieser Zeit relativ stabil, der große Nachholbedarf der ersten Nachkriegsjähre war weitgehend befriedigt, und die Verbraucher bemühten sich, entweder ihre Spareinlagen zu erhöhen oder aber ihre Schulden abzutragen anstatt neue Kredite aufzunehmen.
Die

- 3 -

�Die derzeitigen Lebenshaltungskosten
Bei allen wichtigen Güter- und Dienstleistungskategorien lagen
die Aufwendungen einer städtischen "Durchschnittsfamilie" 1961 im
Vergleich zu 1950 wesentlich höher..Gleichzeitig hatte sich auch der
Anteil der einzelnen Posten am Gesamtbudget erheblich verändert.
Posten wie Nahrungsmittel, Bekleidung, Haushalts- und Einrichtungsgegenstände und Freizeitausgaben wiesen dabei einen geringeren Anteil
auf als 1950, andere dagegen, wie Miete, Heizung, Gas, Elektrizität,
Wasser, allgemeine Haushaltsaufwendungen, Gesundheitsfürsorge, persönliche Ausgaben, Automobilkauf und -unterhalt sowie Erziehung, einen
höheren Prozentsatz. Diese Veränderungen resultierten in erster Linie
aus den unterschiedlichen Preis- und Kostenbewegungen bei den einzelnen Gütern und Dienstleistungen.
Die wichtigste Veränderung ergab sich in der Periode 1950-1961
bei den Aufwendungen für Nahrungsmittel, die in diesem Zeitraum - gemessen am Gesaratbudget der Familie - rückläufig waren. Der Rückgang
von rund 30 Prozent des durchschnittlichen Familienbudgets im Jahre
1950 auf 24 Prozent im Erhebungszeitraum 1960/61 entspricht einem langfristigen, seit Beginn dieses Jahrhunderts wirksamen Trend.
Die größte prozentuale Zunahme dagegen trat bei den Mieten (bzw.
Unterhaltungskosten für Eigenheime) ein. Beigetragen zu diesem Anstieg hat zweifellos der riesige Nachkriegsboom im privaten Wohnungsbau, durch den immer mehr Familien in die Lage versetzt wurden, modernere,
qualitativ bessere - aber auch teuerere - Wohnungen und Häuser zu bewohnen. Auch der Anteil der Eigenheimbesitzer hat sich in der fünfziger
Dekade weiter erhöht, und gleichzeitig der Durchschnittswert und die durchschnittlichen Belastungen pro Eigenheim. Parallel dazu stiegen die
Hypotheken- und Versicherungskosten sowie die Aufwendungen für Unterhalts- und Reparaturarbeiten an.
Auf der anderen Seite jedoch gingen die Ausgaben für Einrichtungsstücke und Möbel zwischen 1950 und 1960/61 relativ stark zurück. Wie
schon erwähnt, waren die Ausgaben für Gegenstände dieser Art im Jahre
1950 infolge von "Angstkäufen" außergewöhnlich hoch. So waren die Preise
für Haushaltsgeräte im Gegensatz zu den Preisen der meisten anderen
Güter und Dienstleistungen 1960/61 geringer als 1950. Darüber hinaus
hat der allgemeine Trend im Wohnungsbau, zahlreiche Einrichtungsgegenstände wie Eisschränke, Öfen, Klimaanlagen usw. zu festen Bestandteilen
von Wohnungen und Miethäusern zu machen, dazu geführt, daß die Aufwendungen dafür in den Familienbudgets ihren Niederschlag heute in verstärktem Maße in den Mieten und Kaufpreisen von Häusern und weniger stark,
in eigenen Ausgaben finden. Der Rückgang des Ausgabenanteils für Haushaltseinrichtungen und Möbel wurde jedoch zum größten Teil wieder durch
die steigenden Haushaltsaufwendungen (Ausgaben für Telefon, Hausgehilfinnen, Wäscherei, Reinigung usw.) absorbiert.
Der Rückgang bei den Ausgaben für Freizeit und Erholung von 4,4 auf
4,0 Prozent ist in Anbetracht des starken Anstiegs der Realeinkommen
zwischen 1950 und 1960/61 an sich ungewöhnlich. In ihm kommen jedoch
Schwerpunktverlagerungen bei den Freizeitbetätigungen zum Ausdruck, die
in dieser Übersicht allerdings nicht alle erfaßt sind. So gaben die
Familien z.B. 1960/61 weniger für Eintrittsgelder (Film, Sport, Konzert,
Theater) aus, während sie wie 1950 praktisch den gleichen Anteil ihres

Tabelle

�TABELLE
EINKOMMENS- UND ANDERE ANGABEN ÜBER DIE AMERIKANISCHE STADTFAMILIE
(1960/61 und 1950)

Art der Angaben

Durchschnitt pro Familie Zunahme in Prozent
1950-1960/61
1950
1960/61

Angaben über die Finanzen
Gesamteinkommen
Arbeitseinkommen vor Abzug der Steuern
Andere Geldeinnahmen

6773 Dollar
6691
82

Verwendung der ver ügbaren
Mittel, gesamt
6979
Ausgabun des laufenden
Bedarfs
5390
Persönl. Versicherungen
324
Staatl. u. private
1
Altersversicherungsbeiträge
171
Lebens- u. a. Vers.
153
Geschenke u. Spenden
303
Steuern (Einkommens-,
Vermögens- u. Kopfsteuer)
785
Spareinlagen
177
Saldo von Einkommen und
Ausgaben
Anteil der Ausgaben am Arbeitseinkommen nach Abzug
der Steuern
In 1960/61er Dollar
Arbeitseinkommen nach
Abzug sämtl. Steuern
und Abgaben
Ausgaben des laufenden
Bedarfs

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4848 Dollar

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91,3 Prozent

Andere Angaben
Familiengröße
(Zahl der Personen)
3,1
Alter des Familienvorstands
4/
Bildungsniveau des Familienvorstands (Zahl der Schuljahre) 11
Familien mit
Eigenheim
53 Prozent
73
»
Automobil
12 »
Farbige Familien
Zahl der von der Erhebung
erfaßten Familien

58
67

-

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58

9476

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10
45 Prozent
59
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12 489

�ihres Einkommens für den Erwerb von Radio- und Fernsehgeräten sowie
von Musikinstrumenten aufwendeten und erhöhte Ausgaben für Sportausrüstungen, Hobbys und andere Freizeitbetätigungen aufzuweisen hatten.
Insgesamt gab die in einer Stadt lebende amerikanische "Durchschnittsfamilie" in der Erhebungsperiode 1960/61 rund 217 Dollar pro Jahr für
Freizeitbeschäftigungen aus. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen,
daß in dieser Erhebung - der allgemeinen Praxis der Mehrheit folgend die Ausgaben für Urlaubs- und Freizeitreisen auf die Posten Unterhaltskosten für das Automobil, Fahrgelder sowie Ernährung und Unterkunft außer
Hause aufgeteilt sind. Eine gewisse Vorstellung über Art und Umfang der
MFreizeitausgaben" gibt jedoch eine kürzlich vom "Survey Research Center"
veröffentlichte Studie, aus der hervorgeht, daß 27 Prozent aller '»Fami- .
lien" im Jahre 1961 mindestens 100 Dollar für Urlaubsreisen (reine.Reisekosten) ausgaben und ihre durchschnittlichen Ausgaben auf Urlaubsreisen
380 Dollar betrugen.
Die beträchtliche Erhöhung der Aufwendungen für Kraftwagenkäufe
und -unterhalt in der vergangenen Dekade ist zu einem großen Teil auf
derartige Urlaubsreisen zurückzuführen, während andererseits die Erhöhung der Verkaufspreise, der Finanzierungs- und Versicherungskosten
in den fünfziger Jahren ebenso zu einer Kostensteigerung beitrug wie
die verstärkte Abhängigkeit der Familien, vom Automobil auf Grund der
Verlagerung der Wohngebiete an die Stadtränder und in di* Vororte.

(Quelle: "Monthly Labor Review»»,
Vol.87, Nr.11, November 1964)
+ -H- + +

- 6-

�Arne H. Anderson, Abteilung Industrielle und Arbeitsbeziehungen
im Amt für Arbeitsstatistik:
Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in Großtarifverträgen
Zusammenfassung
Von den insgesamt 1773 vom "Amt für Arbeitsstatistik" im Jahre 1963
untersuchten Großtarifverträgen (Verträge, die jeweils für mehr als
1000 Arbeitnehmer gelten) enthielten nur weniger als 10 Prozent Bestimmungen über Arbeits- und Lohngarantien. Auch die Zahl der von solchen
Bestimmungen erfaßten Arbeitnehmer lag im gleichen Größenbereich (unter
10 Prozent). Die meisten dieser in Tarifverträgen verankerten Klauseln
bezogen sich dabei fast ausschließlich auf wöchentliche Arbeitszeit- und
Einkommensgarantien; nur 6 Verträge sahen Jahresgarantien vor (siehe Tabelle). Nicht nur hinsichtlich der Länge der Garantieperiode bestanden
zwischen den einzelnen Abkommen erhebliche Unterschiede, sondern auch in
bezug auf Faktoren wie Höhe des Garantielohnes und Zahl der garantierten
Arbeitsstunden, Anspruchsberechtigung, Arbeitsbedingungen, Aufhetzung
oder Einschränkung der Garantie.
Wöchentliche Garantie
Bestimmungen über wöchentliche Arbeits- oder Einkommensgarantien,
durch die 513 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden, enthielten insgesamt 117
der untersuchten Tarifverträge. Die meisten dieser Abkommen (81) entfielen dabei auf die nichtindustriellen Wirtschaftszweige, in erster
Linie auf das Straßentransportgewerbe, die kommunalen Verkehrsbetriebe
und den Einzelhandel, die übrigen (36) auf die Nahrungsmittelindustrie mit Schwerpunkt fleischverarbeitende Industrie (19) und Milchwirtschaft
(12).
Rund die Hälfte aller Tarifverträge mit Garantieklauseln sind von
der Transportarbeitergewerkschaft (Teamsters) ausgehandelt worden, während
die restlichen Abkommen fast alle auf die Fleischer-, Einzelhandels-,
Lagerarbeiter-, Straßenarbeiter-, Straßenbahner- und Maschinistengewerkschaft entfallen.
Wöchentliche Arbeitszeit- und Einkommensgarantien finden sich weitaus häufiger in Verträgen, die mit mehreren Unternehmen abgeschlossen
wurden, als in Einzelabkommen. Sowohl in der Nahrungsmittelindustrie als
auch im Einzelhandel verteilten sich die Garantieabkommen ungefähr je
zur Hälfte auf Einzel- und auf Sammelverträge, während in der Transportindustrie 7/10 aller Garantien in Sammelverträgen verankert waren.
Voraussetzungen für die Gewährung von Garantien
In den Genuß wöchentlicher Arbeitzeit- oder Einkommensgarantien kamen
in der Regel sämtliche - oder fast alle - von diesen Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer. Einige Abkommen beziehen die Garantien auf "sämtliche
Arbeitnehmer", andere nur auf die "fest Angestellten", die "regulär Beschäftigten", oder etwa auf die "regulär Vollzeit-Beschäftigten".
Für gewöhnlich haben die Arbeitnehmer mit vollzogener Einstellung
Anspruch auf eine derartige Garantie, sonst nach Ablauf der Probezeit.
Wie aus der nachstehenden Übersicht hervorgeht, wurde nur in 16 Abkommen
eine Mindestdienstzeit als.Voraussetzung für die Gewährung der Garantie
gefordert.
Erforderliche

- 7-

�Erforderliche Mindestdienstzeit

Zahl der Abkommen

Arbeitnehmerzahl

2 Monate

1

1200

3 Monate

1

1000

12 Monate

2

3900

18 Monate

1

2000

24 Monate

11

11 000

16

19 200

Insgesamt

Die geforderte Mindestdienstzeit war im allgemeinen die einzige
Voraussetzung für die Gewährung einer Einkommens- oder Arbeitszeitgarantie. Der Senioritätsgrad der einzelnen Arbeitnehmer spielte so gut wie
keine .Rolle. Nur in neun der 117 Abkommen mit Garantieklausein wurden die
Arbeitnehmer der niedrigsten Senioritätsgruppen von der Garantie ausgeschlossen. In dem Abkommen zwischen der "Central Motor Freight Association"
und den Teamsters zum Beispiel bezog sich.die Garantie lediglich auf die
oberen 80 Prozent in der Senioritätsskala.
Als selbstverständliche Voraussetzung gilt in allen Abkommen, daß
der Arbeitnehmer jederzeit verfügbar ist, und, wenn Arbeit für ihn vorhanden ist, auch gewillt sein muß, zu arbeiten. In 85 Prozent aller Garantieabkommen werden die Voraussetzungen für die Gewährung der Einkommensund Arbeitszeitgarantie speziell aufgeführt..So gilt zum Beispiel in
3/10 aller Abkommen die Garantie nur für jene Arbeitnehmer, die in der
betreffenden Woche gearbeitet haben. Eine Mindestarbeitszeit, die ein Arbeitnehmer zu erfüllen hat, um sich für die Garantie zu qualifizieren,
ist nur in einem einzigen Vertrag fixiert.
Bei 1/4 aller Abkommen war die Meldung zur Arbeit die entscheidende
Voraussetzung dafür, ob ein Arbeitnehmer Anspruch auf die Garantie hat
oder nicht. Dagegen wurde in 17 Abkommen die Zubilligung der garantierten
Ansprüche davon abhängig gemacht, ob der Arbeitnehmer verfügbar war oder
den Wunsch hatte, zu arbeiten. Bei den meisten der restlichen (13) Abkommen hing die Gewährung der Garantie davon ab, ob der betreffende Arbeitnehmer zur Arbeit in der entsprechenden Woche eingeteilt war.
Berechnungsgrundlagen und umfang der Garantieleistungen
Die meisten der wöchentlichen Lohn- und Arbeitsgarantieabkommen
sichern den anspruchsberechtigten Arbeitnehmern die Vollbeschäftigung
während des Garantiezeitraumes zu, andere wiederum einen vollen Wochenlohn oder "Arbeit" oder Bezahlung anstelle von Beschäftigung. In den meisten Fällen wird die Garantie in Arbeitsstunden, pro Woche ausgedrückt. In
einigen Abkommen jedoch ist die Garantie auf eine pro Tag zu leistende .
Mindestzahl von Arbeitsstunden bzw. Mindestzahl von Arbeitstagen pro Woche
bezogen. Nur in neun Abkommen wird die wöchentliche Garantieleistung mit
einem Geldbetrag angegeben. Im allgemeinen wird den Arbeitnehmern die
normale Arbeitswoche, die sich in den meisten Fällen auf 40 Stunden beläuft, garantiert. Eine Ausnahme bildet das Abkommen der Gewerkschaft der
Fleischkonservenarbeiter, bei denen die Normalarbeitswoche zwar 40 Stunden
beträgt, die Garantie sich aber nur auf 36 Stunden bezieht.

In

�In der überwiegenden Mehrzahl der Garantieabkommen wird allen
anspruchsberechtigten Arbeitnehmern einheitlich eine bestimmte Zahl
von Arbeitsstunden oder eine bestimmte Einkommenshöhe garantiert. Etwa
3 von 10 Wochen-Garantieabkommen machen die Höhe der Garantieleistungen
jedoch von solchen Faktoren abhängig wie Arbeitsplatzeinstufung und
Seniorität. In einigen wenigen Abkommen werden außerdem Unterschiede
hinsichtlich.der Leistungsgarantie zwischen männlichen und weiblichen
Arbeitskräften gemacht. In einem Tarifvertrag zum Beispiel werden den
Männern 4 Stunden pro Woche mehr garantiert als den Frauen.
Anrechnung nicht geleisteter Arbeitszeit
In den meisten Garantiebestimmungen werden all jene nicht geleisteten Arbeitsstunden pro Garantieperiode besonders spezifiziert, die angerechnet werden können oder durch die sich die Leistungspflicht des Unternehmers vermindert. Alle diese Spezifikationen sind in erster Linie
in solchen Garantieplänen enthalten, die sowieso bestimmte Voraussetzungen
für die Gewährung der Garantie vorschreiben. Aus der folgenden Übersicht
sind die verschiedenen Arten von Ausfallzeiten aufgeführt, durch die die
Garantieleistung beeinflußt wird:
Zahl der
Abkommen

Zahl der Arbeitnehmer

Voll angerechnet werden:
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage

3

9 000

32

284 800

42

118 600

30

81 000

13

14 800

15

63 800

4

6 400

63

344 400

In Abzug gebracht werden:
Fehlzeiten auf Grund von unentschuldigtem
Fehlen
Fehlzeiten auf Grund von Verspätungen
Fehlzeiten, die durch Entlassung oder
Kündigung entstehen
Fehlzeiten, die durch Wiedereinstellung
oder Zurücknahme einer Entlassung nach
Beginn der Arbeitswoche entstehen
Sonstige
Gesamtzahl der Abkommen mit Minderungsklauseln

Etwa ein Drittel aller Garantiebestimmungen sieht vor, daß der Unternehmer dann von der Garantieleistung entbunden ist, wenn sich im Laufe
der Arbeitswoche bestimmte »außergewöhnliche Umstände" ergeben, die in
rund der Hälfte der Abkommen als Ereignisse spezifiziert werden, welche
»sich der. Einflußnahme des Unternehmens entziehen": höhere Gewalt, Produktionsstörungen, Streiks, nationaler Notstand, Entlassung, freiwilliges
Fernbleiben. In einigen Abkommen wird durch unentschuldigtes Fehlen' die
Garantie sogar aufgehoben und entschuldigtes Fernbleiben von 4er Arbeit
mit Abzug bestraft.
Jahresgarantien

�Jahresgarantien
Von sämtlichen untersuchten Großtarifverträgen enthielten lediglich sechs Bestimmungen über einen garantierten Jahreslohn, d.h. eine
Einkommens- oder Arbeitsgarantie für sämtliche oder bestimmte Arbeitnehmer für einen Zeitraum von mehr als 10 Monaten. Die folgenden Abschnitte gehen näher auf diese Abkommen ein.
1. Das Abkommen mit der Geo. A. Hormel Company
Das zwischen der Gewerkschaft der Fleischkonservenarbeiter und der
Hormel Company abgeschlossene Abkommen über einen garantierten Jahreslohn sieht vor, daß sämtliche Arbeitnehmer des Werks in Austin (Minnesota) mit dem Tag ihrer Einstellung einen Anspruch auf ein garantiertes Jahreseinkommen haben. Ausgeschlossen von dieser Regelung sind
lediglich die Teilzeitarbeiter und die Aushilfskräfte. Den an Dauerarbeitsplätzen Beschäftigten werden eine Beschäftigung während.des
ganzen Jahres w i e 52 Wochenlohnschecks garantiert, deren Höhe dem in
den einzelnen Abteilungen gezahlten normalen Wochenlohn entspricht.
Berechnungseinheit ist die 40-Stunden-Woche (Normalarbeitszeit) eine Basis, die jedoch jährlich neu in Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmen festzulegen ist. In dem am 1. April 1963 beginnenden Vertragsjahr betrug das wöchentliche Garantieminimum in
allen Abteilungen des Werkes 36 Stunden, d.h. ob die Arbeitnehmer 40
Wochenstunden oder nur 30 arbeiten mußten, sie hatten auf alle fälle Anspruch auf das Minimum (36 Stunden). Überstundenarbeit war in der Garantieperiode nicht untersagt Überstundenzuschläge erhielten alle Arbeitnehmer, die entweder länger.als 8 Stunden täglich oder aber mehr
als 40 Stunden wöchentlich oder an Sonn- und Feiertagen arbeiteten.Ebenso wie die normalen Überstunden wurde auch die Feiertagsarbeit auf
die Garantie angerechnet. Am Ende des Jahres erhalten die Arbeitnehmer
einen Bonus für sämtliche abgeleisteten Arbeitsstunden, die über die
Garantienorm von 2080 Stunden hinausgehen. Arbeitete ein Arbeitnehmer
während des GarantieJahres weniger als 1872 Stunden, so wurde ihm die
fehlende Zahl von nicht geleisteten, aber bezahlten Arbeitsstunden erlassen.
2. Das Abkommen mit der "Michigan Sugar Company"
Im Gegensatz zu den meisten anderen Jahreslohn-Garantieabkommen,
durch die praktisch jeder Arbeitnehmer erfaßt wird, erstreckt sich die
Arbeits- und Lohngarantie bei diesem Unternehmen (in allen Werken) nur
auf eine spezielle Gruppe von Mitarbeitern - im Durchschnitt nur auf
27 bis 30. Die Garantie ist noch dazu insofern eingeschränkt, als sie
nur für die .Zeit Gültigkeit hat, in der die Fabriken produzieren. Wenn
jedoch ein Werk stillgelegt wird, hat das Unternehmen die Option, entweder die von der Garantie erfaßten Arbeitnehmer in ein anderes „Werk
zu transferieren oder ihnen ein Entlassungsgeld zu zahlen, dessen Hohe
von der Länge der Dienstzeit abhängt.
3. Das Abkommen mit dem Verband der Bekleidungseinzelhändler
Nach dem von der Bekleidungsarbeitergewerkschaft mit der "Retail
Apparel Merchants Association» in New York City abgeschlossenen Garantie
abkommen erhält das Verkaufspersonal zum Teil höhere Garantien als zum
Beispiel die Repasseure, Bügler und Fertigmacher. Das für drei Jahre
gültige Garantieabkommen für das Verkaufspersonal garantiert allen Festangestellten eine ständige Beschäftigung während der Laufzeit des Kontraktes. Allerdings kommen r tt bestimmte, namentlich aufgeführte Mjtar-

- 10 -

�Mitarbeiter in den Genuß dieser Vergünstigung. Alle anderen Beschäftigten dagegen gelten dem Abkommen zufolge als "Arbeitskräfte auf Zeit",
die jederzeit entlassen werden können.
Für die Bügler, Fertigmacher und andere Hilfskräfte erstreckt sich
die Einkommensgarantie lediglich auf 10 Monate pro Jahr, wobei für 8
Monate die volle Arbeitszeit und für 4 Mengte nur eine Teilarbeitszeit
garantiert wird. In Perioden, in denen nicht voll gearbeitet wird, ist
eine Verteilung der Arbeit auf die vorhandenen Arbeitskräfte gestattet.
Weder Überstundenarbeit noch "Nachholarbeit" werden auf die Garantie
angerechnet.
4. Das Abkommen mit der Schuhwaren-Einzelhandelsliga
Der Kontrakt dieses Firmenverbandes mit der Gewerkschaft der Groß-,
Einzelhandels- und Kaufhausangestellten garantiert allen Festangestellten
während der Laufzeit des Abkommens (2 Jahre) pro Jahr eine Beschäftigung
von 52 Wochen. Während die leitenden Angestellten eine Arbeitsgarantie
von 44 Wochenstunden haben, gilt für sämtliche anderen Mitarbeiter des
Unternehmen, ue 40-Stunden-Woche als Garantiebasis.
5. Die Garantiebestimmungen der "Wisconsin Public Service Corporation"
Auf Grund eines Abkommens mit der Gewerkschaft der Betriebstechniker
erhalten alle Arbeitnehmer mit mindestens fünfjähriger Dienstzeit eine
Arbeitsgarantie von 2080 Stunden pro Jahr, abzüglich der Urlaubstage und
der bezahlten Feiertage, an denen sie nicht gearbeitet haben. Der Vertrag
hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Obwohl die von der Garantie.erfaßten
Arbeitnehmer nicht entlassen werden können, dürien sie bei Arbeitsuungel
an andere Arbeitsplätze umgesetzt werden. Werden sie umgesetzt, so erhalten sie - wenn eine Einkommensminderung mit dem Transfer verbunden ist
- für die Dauer von sechs Monaten ihre bisherigen Bezüge weitergezahlt.
Andere Garantieformen
Weitere acht Tarifabkommen - sechs davon in der Film- und Theaterindustrie - enthielten andere als die eben beschriebenen Garantien. Im
einzelnen handelte es sich dabei um folgende Formen:
Verband der Baustoffhändler in Cleveland
Ein Abkommen zwischen diesem Unternehmerverband und der TeamsterGewerkschaft garantiert 50 Prozent der am 1. Dezember eines jeden Jahres
beschäftigten Arbeitnehmer eine Beschäftigung.über einen Zeitraum von 17
Wochen - beginnend mit der Woche, die mit oder nach dem 10. Dezember anfängt. Die Garantie deckt hier also einen Zeitraum ab, der außerhalb der
Bausaison liegt. Allerdings haben die Arbeitgeber auf Grund dieses Vertrages das Recht, die Beschäftigtenzahl vor dem 1. Dezember noch auf einen
Stand zu reduzieren, der nach ihrer Ansicht für die .Garantieperiode ausreichend ist.
Ähnlich wie bei den wöchentlichen Arbeits- und Einkommensgarantien
werden auch hier unentschuldigtes Fehlen und Nichtmeldung zur eingeteilten
Arbeit in Anrechnung gebracht und Ereignisse, die außerhalb der Kontrolle
des Unternehmens liegen und zur Stillegung des Betriebes führen (Feuer,
Explosionen, Streiks), als garantieaufhebend betrachtet. Überstundenarbeit,
bezahlter Urlaub und. bezahlte Feiertage, die vom Arbeitnehmer in der

- 11 -

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�der Garantiezeit genommen werden, werden dagegen auf die Garantieleistung angerechnet.
Seehafenbetriebe der Pazifikküste
Die "Pacific Maritime Association" hat mit der Hafen- und Lagerhausgewerkschaft ein völlig aus dem Rahmen fallendes Garantieabkommen
geschlossen, das Bestandteil des "Automationsabkommens" ist und den
Arbeitnehmern in den Häfen der amerikanischen Westküste eine Beschäftigungs- oder Einkommensgarantie in solchen Perioden sichert, in denen neue Umschlageinrichtungen installiert oder neue Löschgngs- und
Beladungsverfahren eingeführt werden, durch die die Arbeitsmöglichkeiten drastisch reduziert werden.
Aufgrund des sehr detaillierten Garantieabkommens, das von dem
Verband und der Gewerkschaft nach Abschluß des Tarifvertrages ausgehandelt wurde, sind Entlassungen nicht statthaft. Um jedoch die Zahl
der Arbeitskräfte in ein vernünftiges Verhältnis zur anfallenden Arbeit
zu bringen, zielt das Abkommen darauf ab, die Arbeitnehmer für eine
normale oder vorzeitige Pensionierung zu interessieren, und in einigen
Fällen ist sogar eine Zwangspensionierung möglich. Den qualifizierten
Hafenarbeitern wird eine wöchentliche Beschäftigung von 35 Stunden oder
der entsprechende Lohn dafür garantiert.
Für jede 4-Wochen-Periode gilt die Garantie für solche Hafenarbeiter, die
1. schon drei Jahre lang als reguläre Hafenarbeiter registriert
sind;
2. Anspruch auf einen bezahlten Urlaub von zwei Wochen haben;
3. sich regelmäßig zur Arbeitsaufnahme gemeldet und angebotene
Arbeit nicht verweigert haben;
4. weniger als 5359 Dollar in den aufeinanderfolgenden 48 Wochen
verdient haben, die der vierwöchigen Garantieperiode vorangingen;
5. entweder 93 Prozent der im Gruppendurchschnitt in der laufenden Garantieperiode geleisteten Arbeit tatsächlich abgeleistet oder
aber auf Grund des Garantieabkommens dafür eine Gutschrift erhalten
haben.
Film- und Theaterindustrie
Die in insgesamt sechs Tarifabkommen der Filmindustrie verankerten
Garantiebestimmungen sind Ausdruck der in diesem Wirtschaftszweig völlig
anders gelagerten Beschäftigungs- und Tarifvertragsbedingungen. Für die
meisten der von diesen Verträgen Betroffenen werden in den Grundabkommen
lediglich die Mindestvoraussetzungen einer Beschäftigung, einschließlich
der Mindestgarantien, aufgeführt. Tatsächliche Beschäftigungs- und Einkommensgarantien sind - wie auch andere Konditionen - Gegenstand von individuellen Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nur die
Anfangsperiode der Beschäftigung wurde auf Grund dieser Verträge garantiert. Die Garantiedauer war entweder gleich (d.h. eine Woche) oder richtete sich nach dem Budget der Filmgesellschaft, nach der Zahl der Auftritte
oder der Länge der Fernsehserien„
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 87, Nr. 11, November 1964)

+ ++++
- 13 -

�Gewerkschaft1iche Kurznachrichten
Automatische Lohnerhöhungen für 3,7 Mio. Arbeitnehmer 1965
Rund 3,7 Millionen amerikanische Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnisse durch Großtarifverträge (mit jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmern) geregelt sind, werden 1965 auf Grund von in den Vorjahren abgeschlossenen Tarifverträgen automatische Lohnaufbesserungen erhalten.
Gegenüber dem Vorjahr sind das rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer mehr,
und für die letzten sechs Jahre ist es die überhaupt höchste Zahl.
Der größte Teil der Arbeitnehmer ist, wie aus einer Übersicht des
US-Arbeitätninisteriums hervorgeht, in der Industrie beschäftigt (1,7 Mio.),
während 600 000 im Baugewerbe tätig sind und der Rest (1,4 Mio.) sich auf
die anderen Wirtschaftszweige verteilt.
Automatische Lohnerhöhungen auf Grund der Lohngleitklausel werden
dagegen in diesem Jahr rund 2 Millionen Arbeitnehmer erhalten, also die
gleiche Anzahl wie im Vorjahr.
Die Gesamtzahl der von automatischen Lohnerhöhungen erfaßten Arbeitnehmer ist 1965 deshalb wesentlich höher als 1964, weil die meisten
der im Vorjahr in der Automobil-, Automobilzubehör-, Bau- und Landmaschinenindustrie sowie im Straßentransportgewerbe abgeschlossenen Tarifverträge einerseits sämtlich eine sehr große Zahl von Arbeitnehmern umschließen und andererseits ausnahmslos automatische Lohnerhöhungen in den folgenden Jahren vorsehen.
Außerdem stehen 1965 noch Lohnaufbesserungen für 355 000 Eisenbahner
an, die im vergangenen Jahr keinerlei Lohnerhöhungen oder Lebenshaltungskostenausgleich erhalten haben.
"ILGWU" bildete nationalen Pensionsfonds
Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie ILGWU hat mit
Wirkung vom 1. Januar 1965 ihre insgesamt 41 betrieblichen und regionalen
Pensionsfonds in einen "Nationalfonds" (National Retirement Fund) übergeführt, aus dem die 400 000 Mitglieder-der Gewerkschaft künftig ihre
Leistungen erhalten werden.
Der Aufbau der verschiedenen Sozialfonds der ILGWU-Gewerkschaft
erfolgt ausschließlich durch Unternehmerbeiträge, die gegenwärtig zwischen
zwei und sechs Prozent der Lohnsumme liegen und den anspruchsberechtigten
Leistungsempfängem monatliche Pensionszahlungen von etwa 50 Dollar (New
Yorker Mantelschneider 65 Dollar) sichern.
Die Gesamteinnahmen sämtlicher 41 Pensionsfonds der Gewerkschaft
beliefen sich 1963 auf 37,7 Millionen Dollar. Der Auszahlungen stellten
sich dagegen im gleichen Jahr auf über .20 Millionen Dollar. In den Genuß
dieser zusätzlichen Pensionen (neben denen der staatlichen Sozialversicherung) kamen insgesamt 31 644 Mitglieder der ILGWU.
Außer zusätzlicher Altersversorgung sowie Entlassungsgeldern erhalten
die Mitglieder der Damenoberbekleidungsgewerkschaft auch noch Leistungen
aus verschiedenen anderen (insgesamt 71) Sozial- und Wohlfahrtsfonds.
26

- 14 -

�26 Mio. Amerikaner beziehen Pensionen aus zwei Quellen
Die meisten im Ruhestand lebenden Amerikaner erhalten heute Pension
aus zwei verschiedenen Quellen: aus der staatlichen Sozialversicherung
und aus den zahlreichen privaten Pensionsplänen. Während die staatlichen
Altersrenten für Einzelpersonen 40 bis 127 Dollar im Monat und für Familien 60 bis 254 Dollar betragen, sind die privaten Pensionsleistungen
sehr unterschiedlich, wenngleich sie in einigen Fällen bis zu 100 Dollar
pro Monat ausmachen können.
Gegenwärtig werden über 26 Millionen (von insgesamt 71 Mio.) Arbeitnehmer in den USA durch private, zwischen Gewerkschaften und Unternehmen
ausgehandelte und häufig allein vom Arbeitgeber finanzierte Pensionspläne
erfaßt, die z.Z. ein Gesamtvermögen von rund 67 Mrd. Dollar aufweisen.
Gegenüber 1945 hat sich damit das Fondsvermögen um das 22fache erhöht,
während die Zahl der Leistungsberechtigten im gleichen Zeitraum von 5,6
Millionen auf 26 Millionen angestiegen ist.
Pensionierung jetzt mit 55 Jahren möglich
Die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft (United Mine Workers) hat
als Treuhänder des Bergarbeiterwohlfahrtsfonds mit Wirkung vom 1. Februar
1965 das Pensionsalter herabgesetzt und die Pensionsleistungen weiter verbessert.
Im einzelnen sehen die neuen Bestimmungen vor, daß ein Bergarbeiter
künftig schon mit 55 Jahren (bisher 60 Jahre) bei vollen Bezügen in Pension gehen kann, die monatlichen maximalen Rentenleistungen (zusätzlich
zu den Leistungen der staatlichen Altersversicherung) von gegenwärtig 75
auf 85 Dollar angehoben werden und die Dienstzeitbestimmungen (20 Jahre)
gelockert werden.
. . . .
Gerade der letzte Punkt ist für die Bergarbeiter insofern von großer
edeutung, als künftig jeder Bergarbeiter, der seinen Beruf vorzeitig aufgibt, seine vollen Rentenansprüche dann behält, wenn er eine Gesamttätigkeit im Bergbau von 20 Jahren nachweisen kann. Bisher bestand die Vorschrift, daß die 20 im Bergbau abgeleisteten Dienstjähre in die 30-JahrPeriode fallen müssen, die vor dem Pensionierungszeitpunkt liegt.
Betroffen von dieser Liberalisierung der Pensionierungsvorschriften
sind rund 64 000 bereits im Ruhestand lebende sowie zur Pensionierung anstehende Bergleute, die künftig außer den Altersrenten auch Leistungen
aus der Krankenhaus- und Krankenversicherung des Wohlfahrtsfonds der UMWGewerkschaft erhalten.
(Quelle: Eigenberichte)

+++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Information»! Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in
der US-Industrie

Seite

1

UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft

Seite

8

Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag

Seite 10

Umschulungs- und Berufsförderungsprograrame
wurden verstärkt

Seite 12

Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt

Seite 13

Arnold Strasser, Abteilung Löhne und Gehälter im US-Amt
für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der US-Industrie
Einleitung
Im Jahre 1962 beliefen sich die Unternehmeraufwendungen für bestimmte Lohnnebenleistungen auf rund 57 Cent pro Arbeitsstunde und
Produktionsarbeiter. Im Vergleich zu 1959 (48 Cent) bedeutet das eine
Zunahme um 9 Cent.
Dieser 18prozentige Anstieg der Aufwendungen bei den für diese
Untersuchung ausgewählten Lohnnebenleistungsarten ist wesentlich
größer als die relativen Zunahmen der Stundenlöhne für Produktionsarbeiter im gleichen Zeitraum 1'. Ähnliche Unterschiede zwischen
den Unternehmeraufwendungen für Lohnnebenleistungen und denen für
Grundlöhne sind in allen Wirtschaftszweigen festzustellen, für die
auswertbare Unterlagen zur Verfügung stehen. Diese unterschiedliche
Entwicklung läßt ganz klar die wachsende Bedeutung der zusätzlichen
Leistungen in der Lohnstruktur der amerikanischen Industrie erkennen.

Der durchschnittliche Stundenlohn für Produktionsarbeiter der
Industrie stieg zwischen 1959 und 1962 um 9,1 Prozent, und
zwar von 2,19 Dollar auf 2,39 Dollar an.
- 1 -

�Zwischen 1959 und 1962 hat sich die Struktur der Unternehmeraufwendungen für Zuschläge aller Axt und Lohnnebenleistungen erheblich verändert. Während im Jahre 1959 die. in der Lohnsumme zum Ausdruck kommenden Zuschläge (Urlaub, Überstunden, Bonusse) über die
Hälfte dieser AufWendungen.ausmachten, entfiel im Jahre.1962 mehr
als die Hälfte dieser zusätzlichen Aufwendungen auf die gesetzlichen
und freiwilligen Sozialleistungen wie Lebens-, Kranken-, Unfallversicherung, zusätzliche Pensionen und Arbeitslosenunterstützung usw.
Umfang und Art der Erhebung
Die für diese Analyse verwendeten Informationen wurden mittels
sehr zuverlässiger Repräsentativerhebungen in Industrieunternehmen
gesammelt. Die Einzelangaben wurden dabei in erster Linie durch eine
Fragebogen-Aktion zusammengestellt und dann unter Berücksichtigung
der derartigen Umfragen zugrunde liegenden Faktoren, die für die
Auswahl des betreffenden Betriebs maßgeblich waren, ausgewertet. Die
Daten der Erhebung des Jahres 1962 sind aus den Angaben von insge-:
samt 5194 Unternehmen zusammengestellt; die des Jahres 1959 stammten
von 4400 Unternehmen.
Die Aufwendungen im Jahre 1962
Die Aufwendungen der Industrieunternehmen für nicht geleistete,
aber vergütungspflichtige Arbeitszeiten (Urlaub, Feiertage usw.) sowie
für Sonderzuschläge (Überstunden, Wochenend- oder Nachtarbeit) und
Prämien aller Art machten im Jahre 1962 insgesamt 10,9 Prozent der
Bruttolohnsumme bzw. 11,3 Prozent der Normallohnsumme aus, die Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialversicherungsbeiträge und
freiwillige Sozialleistungen weitere 11,2 bzw. 11,7 Prozent.
Die Lohnzuschläge für Urlaub, Überstunden und Prämien beliefen
sich 1962.auf 26,4 Cent pro Arbeitsstunde, die Aufwendungen für die
gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen und die zusätzlichen
privaten Sozialleistungen aller Art auf weitere 27,0 Gent pro Arbeitsstunde.
Allgemein ist festzustellen, daß die Unternehmeraufwendungen für
die in dieser Studie untersuchten Arten von Lohnnebenleistungen am
höchsten in Industriezweigen mit hohem Lohnniveau und starker gewerkschaftlicher Organisation waren - wobei.innerhalb eines jeden Industriezweiges die Leistungen proportional zur Unternehmensgröße und zum durchschnittlichen Lohnniveau zunehmen. Dennoch weisen die Industriezweige
mit niedrigerem Lohnniveau einen im.Vergleich zur Gesamtlohnsumme höheren Ausgabenanteil bei den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen
auf, während sie, wenn man die Leistungen in Cent pro Arbeitsstunde ausdrückt, einen niedrigeren Ausgabenstand im Vergleich zu Industriezweigen
mit hohem Lohnniveau aufweisen. Die Bonuszahlungen dagegen scheinen
nicht von der industriellen Lohnstruktur abhängig zu sein. Die Unternehmen z.B., die an der Spitze und am Ende der Lohnskala stehen, weisen
relativ geringere Bonusleistungen auf, während einige in der Mitte rangierende Industriezweige relativ hohe Aufwendungen dieser Art verzeich-

2 -

�Alle im Jahre 1962 in der Fertigungsindustrie beschäftigten
Produktionsarbeiter wurden durch die staatliche Altersversicherung
erfaßt, während fast alle gegen Arbeitslosigkeit und Unfall versichert waren. Außerdem war die überwiegende Mehrheit dieser Arbeitnehmer in Unternehmen beschäftigt, die zusätzlich Leistungen
für bestimmte Arten von privaten Sozialplänen erbrachten - hauptsächlich für Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen (90 Prozent) sowie für Pensions- und Altersversorgungspläne (rund 60
Prozent).
Bezahlte Freizeit
- in erster Linie Urlaub und Feiertage wurde von Unternehmen zugestanden, die rund 96 Prozent aller Produktionsarbeiter beschäftigten] Zuschläge für Überstunden-, Wochenend- und Feiertagsarbeit wurden von Unternehmen gewährt, die etwa
93 Prozent der erfaßten Arbeitnehmer auf sich vereinigten. Rund
1/3 der Arbeitnehmer war ferner bei Firmen tätig, die ihren Arbeitnehmern Weihnachtsgeld und andere nicht-regelmäßige Bonusse zahlten,
Vergleich der Aufwendungen von 1959 und 1962
Die Aufwendungen der Unternehmer pro Arbeitsstunde für bestimmte Lohnnebenleistungen nahmen in allen Industriezweigen, von denen
auswertbare Unterlagen für 1959 und 1962 zur Verfügung standen, zu.
Die größte Zunahme (um mehr als 50% oder über 16 Cent) verzeichnete
die Tabakindustrie,.während die Textil- und die Bekleidungsindustrie
mit Zunahmen von lediglich fünf Cent - oder weniger als 20 Prozent den geringsten Anstieg aufwiesen. Die Industriezweige mit den höchsten Aufwendungen für Lohnnebenleistungen pro Arbeitsstunde im Jahre
1962 - Grundmetall- und Transportausrüstungsindustrie - hatten im
Vergleich zu 1959 um 12 bis 15 Cent (16-24 Prozent) höhere Aufwendungen pro Stunde zu machen.
Die relativ stärksten Anstiege wurden ferner - bei einer speziellen Auswertung besonderer Charakteristika - in Betrieben registriert, die gewerkschaftlich organisiert sind, nicht in Großstadtgebieten ansässig sind, zwischen 100 und 500 Beschäftigte haben und
deren Stundenlohnniveau im unteren Drittel der Gesamtlohnskala der
Fertigungsindustrie liegt.
Die höchsten Aufwendungen für Lohnnebenleistungen pro Arbeitsstunde verzeichneten jedoch wie auch schon 1959 jene Unternehmen,
die Gewerkschaften zum Tarifpartner und ihren Firmensitz in Großstädten haben, mehr als.500 Mitarbeiter beschäftigen und deren Lohnniveau im oberen Drittel der industriellen Lohnskala liegt.
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Tabelle 1
l) Neben direkten Zahlungen an die Arbeitnehmer für Freizeit erbringen zahlreiche Unternehmen auch noch Zuwendungen für Urlaubs- und
Freizeitfonds, aus denen dann die Arbeitnehmer zusätzliche Leistungen erhalten.

- 3 -

�TABELLE 1
UNTERNEHMERAUFWENDUNGEN FÜR LOHNNEBENLEISTUNGEN IN DER US-INDUSTRIE
(Stand

Leistungsart

1962)

Anteil an der
Anteil an der
Gesamt lohnsumme Normallohnsumme
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in Prozent

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Arbeitsstunde
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Feiertage
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Überstunden-,
Wochenend-,
Feiertagsarbeit
Schichtausgleich

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3,5
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8,1
2,1

Weihnachtsgeld u.a.
Bonusse

0,7

0,7

1,7

Gesetzliche Sozialabgaben
Altersversorgung
Arbeitslosenvers.
Unfallversicherung
Andere

5,8
2,6
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1,0
1)

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13,9
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2,4
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5,7

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0,1

0,1

0,1

Freiwillige Sozial-.
leistungen
Lebens-, Unfall-,
Krankenversicherung
Pensionspläne
Urlaubsfonds
Entlassungsgeld,
Sus. Arbeitslosenversicherung
Spar-, Aktienerwerbspläne usw.

weniger als 0,05 Prozent

Tabelle 2

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�Was die einzelnen Leistungen betrifft, so ist der stärkste Anstieg der Aufwendungen pro Arbeitsstunde bei den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen (38,3 Prozent) zu verzeichnen, der
zweitstärkste bei den privaten Wohlfahrtsplänen (18,8 Prozent). Die
Aufwendungen der Unternehmen für Überstunden-, Wochenend- und Feiertagszuschläge weisen dagegen mit 4,9 Prozent die geringste Zunahme
auf (Urlaubszahlungen: plus 7,7%).
Die erhebliche Zunahme der gesetzlichen Sozialleistungen ist
in erster Linie auf die Anhebung der Beitragssätze zurückzuführen.
Die Beiträge für die Sozialversicherung wurden von 2,5 Prozent der
ersten 4800 Dollar des Einkommens auf einen Satz von 3,125 Prozent
angehoben und die an den Bund abzuführenden Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 0,3. Prozent der ersten. 3000 Dollar des Einkommens auf 0,8 Prozent. Außerdem stiegen die Abgaben an die Bundesstaaten zur Arbeitslosenversicherung infolge hoher Arbeitslosigkeit
und neuer gesetzlicher Vorschriften erheblich an.
Bei den freiwilligen Sozialleistungen, bei denen zwischen 1959
und 1962 eine Zunahme um 6,9 Cent pro Arbeitsstunde bzw. um 38 Prozent eintrat, konzentrierten sich die Mehrleistungen der Unternehmen
vor allem auf die Lebensversicherungs-, Krankenversicherungs- und
Unfallversicherungspläne.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Nov. 1964, Vol. 87, Nr. 11 )

+++++

- 7-

�UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft
Zwei Faktoren waren es, die zur Gründung des heute wohl einflußreichsten amerikanischen Arbeitnehmerverbandes, der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW), führten: die wirtschaftliche Depression der dreißiger Jahre und die vertikale, ganz auf die handwerklichen
Fachberufe ausgerichtete Gewerkschaftsstruktur in den USA.
Die organisatorischen Nachteile einer solchen Gliederung - die
geringe Macht der Gewerkschaften auf Grund ihrer Zersplitterung -, die
schon mit der Entwicklung von Großindustrien zutage traten, wurden den
Arbeitnehmern in den Depressionsjähren zum erstenmal mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, in denen sie - was Löhne, Arbeitszeit, Beschäftigungsbedingungen usw. betraf - Spielball.der Unternehmerinteressen waren.
Da der immer stärker werdende Ruf nach einer Neugliederung der
Gewerkschaftsstruktur und einem horizontalen, industrieweiten Aufbau
bei der "AFL" ungehört verhallte, begannen in den Jahre 1933 bis 1935
verschiedene Facharbeitergruppen der Automobilindustrie, eigene gewerkschaftliche Interessenverbände aufzubauen (u.a. "Associated Automobile
Workers", "Automotive Industrial Workers Association", "Auto Workers
Union"), die sich im Jahre 1935, mit einer einzigen Ausnahme, zu den
"United Auto Workers" zusammenschlössen.
Im April 1936 fand dann die Gründungsversammlung der UAW-Gewerkschaft in South Bend (Indiana) statt. Die Automobilindustrie, die diesem Zusammenschluß keine große Bedeutung beimaß, sollte jedoch sehr
schnell spüren, welche entschlossene Männer auf der Kommandobrücke dieser zahlenmäßig noch schwachen (nur 7500 Mitglieder). Gewerkschaft standen, die als Tarifpartner noch nicht anerkannt und auf Grund ihrer leeren
Kassen auch nicht in der Lage war, längere Arbeitskämpfe durchzustehen.
Aber schon im Juni 1936 konnte die Bendix-UAW-Betriebsgruppe den
ersten bemerkenswerten UAW-Vertrag abschließen, der. dem "Local" die Vertretungsrechte sicherte und dein Arbeitnehmern 'Lohnerhöhungen einbrachte
- ein Vorgang, der die Aufmerksamkeit der Automobilarbeiter auf die neue
Gewerkschaft lenkte und ihre Mitgliederzahl schnell ansteigen ließ.
Bereits ein Jahr später konnte die UAW zum großen Schlag ausholen
und in die Phalanx der Automobilfirmen einbrechen: Mit einem für alle
Werke der "General Motors Corporation" (GM) ausgerufenen Sitzstreik
gelang es ihr in kürzester Zeit, den größten und mächtigsten Industriegiganten in die Knie zu zwingen. Zwar war der erste Vertrag, den die UAW
mit GM am Hauptsitz des Unternehmens in Flint (Michigan) im März 1936
abschloß, ein Dokument von knapp einer Seite, aber er enthielt doch
sämtliche Hauptforderungen der Gewerkschaft: Anerkennung als Tarifpartner; Verhandlungen über Löhne, Seniorität und.Beschwerdeführung; keine
Diskriminierung Streikender.
Nachdem erst einmal das größte Unternehmen der Branche an die Kette
gelegt war, hatte die UAW nur noch wenig Mühe, auch kleineren Firmen die
Anerkennung als Tarifpartner abzuringen. Schon im Herbst 1937 hatte sie
mit rund 400 Unternehmen Verträge abgeschlossen.
Interne

�Interne Streitigkeiten in der Gewerkschaftsspitze brachten der
UAW in den folgenden zwei Jahren jedoch einen gewissen Prestigeverlust, so daß der große Gegenspieler, die "General Motors Corporation",
erneut hoffte, sich der gewerkschaftlichen Fesseln wieder entledigen,
zu können. Die für 1939 anstehenden Tarifverhandlungen schienen hierfür die geeignete Kraftprobe zu sein.
Walter Reuther jedoch, der seinerzeit die GM-Abteilung der Gewerkschaft leitete, wählte der schlechten Kassenlage wegen nicht wieder den
Frontalangriff, der zur Anerkennung als Tarifpartner geführt hatte, sondern die "Aushungerungstaktik11, die Lahmlegung des gesamten Unternehmens
allein durch den Streik der Werkzeugmacher und Former. Insgesamt 29 Tage
dauerte dieser Teilstreik, ehe GM kapitulierte und die UAW erneut als
alleinigen Sprecher der Automobilarbeiter anerkannte.
Aber noch standen die anderen großen Bastionen der AutomobilIndustrie: Chrysler und Ford. Chrysler entschloß sich erst nach einem 54tägigen Streik zur Kapitulation, und der Kampf gegen Ford dauerte sogar
bis zum Juni 1941, als die UAW nach einem kurzen Streik (10 Tage) den
ersten Tarifvertrag auch mit diesem Giganten der Autoindustrie abschließen konnte. Damit war praktisch der Boden für den weiteren schnellen
Aufstieg der UAW-Gewerkschaft in den nächsten (Kriegs-) Jahren und für
die Gewerkschaftsgeschichte machende Nachkriegszeit bereitet.
Mit der Übernahme der Gewerkschaftsführung durch Walter Reuther im
Jahre 1946 setzte sich dann auch ein neuer, von langfristigen lohn- und
sozialpolitischen Zielsetzungen getragener Tarifverhandlungsstil durch,
der die UAW-Gewerkschaft zum tarifpolitischen Avantgardisten unter den
amerikanischen Gewerkschaften machen sollte.
Die ersten Tarifverhandlungen der Nachkriegszeit brachten den Automobilarbeitern eine Lohnerhöhung von 18 1/2 Cent pro Stunde - in der
Erinnerung jedoch sind diese Verhandlungen weniger mit der bis dahin
größten Einkommensaufbesserung als mit dem Angebot Walter Reuthers an
General Motors verknüpft, auf jede Lohnerhöhung zu verzichten, die zu
Preiserhöhungen führe, und nur das zu nehmen, was GM für vertretbar
erachte, wenn das Unternehmen bereit sei, der Gewerkschaft seine Geschäftsbücher offenzulegen.
Der nächste Kontrakt (1948), der den Arbeitnehmern zum ersten Mal
eine Beteiligung an den Produktionsgewinnen (annual improvement factor)
und einen Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten (escalator
clause) sicherte, konnte ohne Streik nnter Dach und Fach gebracht werden, ebenso das erste private Pensionsabkommen (allein vom Unternehmer
finanziert) in der amerikanischen Massengüterindustrie (1949 mit Ford),
durch das die Arbeitnehmer in den Genuß zusätzlicher Pensionsleistungen
kamen.
Die nächsten wichtigen Stationen der UAW auf tarifpolitischem Gebiet
waren.folgende:
1955: Durchsetzung des "Garantierten Jahreslohns" in der Kompromißform einer zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung, die dem arbeitslosen
Automobilarbeiter zusammen mit dew staatlichen Arbeitslosenunterstützung
bis zu 3/4 seines bisherigen Einkommens sichert]
1958: Zahlung von Entlassungsgeldern;
1961: Gewinnbeteiligung; Umzugsbeihilfen bei Entlassung oder Umsetzung
des Arbeitnehmers in einen anderen Betrieb des Unternehmens; sowie voll-

- 9-

�vollständige Krankenversicherung aller Arbeitnehmer einschließlich
ihrer Familienangehörigen.
1964: Vorzeitige Pensionierung (ab 60) bei vollen (wie mit 65
Jahren) Bezügen; Anhebung.der Pensionsleistungen; mehr bezahlte
Feier- und Urlaubstage; Erhöhung der Entlassungsgelder.
Diese mehr als eindrucksvolle Erfolgsbilanz ist letztlich das
Ergebnis der inzwischen auch von einigen anderen Gewerkschaften
kopierten Verhandlungstaktik der UAW - des "pattern bargaining".
Das tarifpolitische Spiel ist immer das gleiche. Ein "Mustervertrag"
wird zuerst mit einem (dem "anfälligsten" ) Unternehmen der "Großen,
Drei" - General Motors, Chrysler oder Ford- ausgehandelt und der
gleiche Vertrag anschließend gegen die beiden anderen - je nach Lage
der Dinge, mit oder ohne Streik - durchgeboxt!. Das Musterabkommen
bei den zahlreichen kleineren Firmen durchzusetzen, ist dann nur
noch Formsache.
Mit ihren 1,2 Mio. Mitgliedern und 1300 Ortsverbänden ist die
UAW heute die einflußreichste und wohl auch mächtigste und reichste
amerikanische Gewerkschaft. Allein an Mitgliedsbeiträgen (5 Dollar
pro Monat) dürften monatlich rund 6 Mio. Dollar eingehen, und wie
der "größte Streikfonds der Welt" (65 Mio« Dollar) zeigt, bedeuten
heute selbst Streiks keine Durststrecke mehr für diese Gewerkschaft,
die ihren Hauptsitz im "Solidarity House" in Detroit hat und neben
450 Sekretärinnen einen.Stab von 750 Funktionären beschäftigt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag
In Verfolg ihres tarifpolitischen Hauptzieles, die vertraglich
geregelte Arbeitsplatz- und Beschäftigungsgarantie, hat die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) jetzt ein Abkommen mit der "Alan
Wood Steel Company" geschlossen, das David J. McDonald, der 1..Vorsitzende der Gewerkschaft, als einen '.'ersten, wesentlichen Durchbruch"
in dieser Richtung bezeichnete.
Im Mittelpunkt dieses Abkommens stehen verschiedene tarifvertragliche Leistungen (zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, garantiertes
Jahreseinkommen und garantierte jährliche Mindestarbeitszeit), die
zwar direkt auf eine bessere wirtschaftliche und soziale Absicherung
der Beschäftigten abzielen, indirekt jedoch zur Sicherung der Arbeitsplätze beitragen.
Damit hat die Stahlarbeitergewerkschaft einen neuen großen tarifpolitischen Erfolg erzielen können, der von ebenso weitreichender Bedeutung ist wie der vor zwei Jahren mit der "Kaiser Steel Company", abgeschlossene Vertrag über eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer, das
zuerst in der Behälterindustrie.durchgesetzte Abkommen über die Aus-

- 10 -

�Ausdehnung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung auf 52 Wochen
und das Musterabkommen in der stahlerzeugenden Industrie über die
Gewährung von zusätzlichen 13 Urlaubswochen alle fünf Jahre.
Im einzelnen sieht das neue Abkommen folgendes vor:
1. Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung (in Ergänzung der staatlichen Leistungen) auf 85 Prozent (z.Z. maximal 60%)
des zuvor bezogenen Lohnes, wobei jüngere Arbeitnehmer über einen
Zeitraum von zwei Jahren (z.Z. ein Jahr) in den Genuß dieser Zahlungen
kommen, während der Bezug.bei einer Dienstzeit von zehn Jahren nicht
mehr terminiert ist;.
2. Verbesserung der Leistungen der privaten Kranken- und Unfallversicherung bei den gleichen Bedingungen - bisher wurden über einen
Zeitraum von sechs Monaten 60 Prozent des Wochenlohnes gezahlt, künftig
werden es 85 Prozent sein;
3. Einführung einer Lohngarantie, die den Arbeitnehmern in jedem
Quartal des Jahres mindestens 95 Prozent des normalen Stundenlohnes
(ohne Überstundenzuschläge) sichert, den sie im letzten Quartal des
Vorjahres bezogen haben;
4. Verlängerung der garantierten Arbeitswoche von gegenwärtig
32 auf künftig 38 Stunden. Diese Regelung besagt, daß ein Arbeitnehmer
den vollen Lohn für 38 Wochenstunden erhält, ganz gleich, ob er voll
gearbeitet hat oder wegen Auftragsmangels diese Norm nicht erfüllen
konnte.
Außerdem hat sich das Unternehmen verpflichtet, eine besondere
Arbeitsreserve - ähnlich wie beim Kaiser-Abkommen - zu bilden. Auf
Grund der diesbezüglichen Bestimmungen hat der vorübergehend Entlassene nach 13 Wochen die Wahl, zwischen der Fortzahlung seiner zusätzlichen
Arbeitslosenunterstützung und der Rückkehr ins Werk. Allerdings hat er
hier dann die durch Krankheit entstandenen Lücken auszufüllen, hat
also keinen festen Arbeitsplatz. Gegenwärtig werden die Arbeitsplätze
von kranken Arbeitern durch solche Leute besetzt, die auf anderen,
weniger wichtigen Posten eingesetzt.sind. Die Arbeitsreserve umfaßt
mindestens 2 Prozent der Belegschaft.
Wie der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft zu dem
neuen Abkommen weiter erklärte, sollen die in diesem Vertrag mit der
"Alan Wood Steel Company" erreichten Verbesserungen für die in diesem
Jahr anstehenden Tarifverhandlungen zur Verhandlungsgrundlage gemacht
werden. Ein ähnlicher Plan ist bereits sämtlichen Großunternehmen der
Stahlindustrie bei Wiederaufnahme der Tarifgespräche am 15. Februar un
terbreitet worden.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 11 -

�Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt
Von beträchtlichem Erfolg gekrönt waren im vergangenen Jahr die
Bemühungen der amerikanischen Regierung, solche Arbeitskräfte wieder
produktiv in den Arbeitsprozeß einzugliedern, die entweder auf Grund
der technologischen Veränderungen ihre Beschäftigung verloren haben
oder aber wegen ihrer nur mangelhaften schulischen und beruflichen
Ausbildung ohne Umschulung nicht in der Lage gewesen wären, einen
Dauerarbeitsplatz oder einen Zukunftsberuf auszufüllen.
Während einerseits im Rahmen des Gesetzes über die Fort- und Ausbildung von Arbeitskräften (Manpower Development and Training Act)
im Finanzjahr 1964 die doppelte Anzahl vnn Dauerarbeitslosen -insgesamt 115 000 - auf neue Zukunftsberufe umgeschult wurde, konnte ande
rerseits in bisher 31 Städten mit den Planungsarbeiten für die Errichtung von sogenannten "Youth Opportunity Centers" begonnen werden, in
denen arbeitslosen Jugendlichen eine entsprechende Starthilfe fürs
Berufsleben gegeben werden soll.
Daß das Umschulungsprogramm für Arbeitsplatzverdrängte nach
Überwindung der anfänglichen Schwierigkeiten im vergangenen Jahr den
entscheidenden Auftrieb erhielt, ist nach Meinung von Arbeitsminister
Wirtz darauf zurückzuführen, daß immer mehr Amerikaner die wirkliche
Bedeutung der beruflichen Umschulung und Fortbildung als Mittel zur
Herabsetzung der Arbeitslosigkeit erkannt.haben - eine Tatsache, die
durch die steigende Zahl der Anmeldungen zu den Umschulungskursen
noch unterstrichen wird.
Aber auch in anderer Beziehung kommt der Erfolg dieses Umschulungsprogrammes zum Ausdruck: in der Zahl der nach Abschluß entsprechender
Kurse in neue Berufe vermittelten Arbeitnehmer. Während nämlich im
ersten Jahr (1962/63) lediglich 70 Prozent der Umschüler sofort einen
neuen Arbeit$platz erhielten, waren es 1963/64 bereits 75 Prozent, und
im laufenden Finanzjahr ist mit einer noch höheren Vermittlungsquote
zu rechnen.
Interessant ist auch die Tatsache, daß 60 Prozent aller Umschüler
die Ernährer ihrer Familien sind, der Anteil der farbigen Arbeitnehmer
von 23 auf 28 Prozent, der der Jugendlichen von 25 auf rund 33 Prozent
und der der Frauen von 36 auf 41 Prozent anstieg.
Im Rahmen des staatlich geförderten Umschulungsprogramms können
die Teilnehmer gegenwärtig auf insgesamt 500 Zukunftsberufe - in erster
Linie Fachberufe - vorbereitet werden, wobei sich der Schwerpunkt in
Zukunft immer mehr auf höherqualifizierte Tätigkeiten - technische,
halbwissenschaftliche und Dienstleistungsberufe - verlagern dürfte,
wie auch der Rückgang der Anlernberufe von 27 auf 18 Prozent (1963/64)
andeutet.

105 Jugendförderungszentren sollen entstehen
Ziel der 105 im ganzen Land entstehenden sogenannten "Youth
Opportunity Centers" (Jugendförderungszentren) ist es dagegen, den arbeitslosen Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren die entsprechenden

- 12 -

�'

entsprechenden bildungsmäßigen und beruflichen Kenntnisse zu vermitteln, damit sie später sowohl im Leben als auch im Beruf ihren
Mann stehen können. Die von ausgesuchten Fachleuten geleiteten Zentren sollen im Rahmen der "Kampf gegen die Armut"-Programme der
Städte und Gemeinden dabei.so etwas wie Kontaktstellen für alle
jene Jugendlichen werden, die Hilfe benötigen oder Hilfe suchen.
Im einzelnen stehen den hilfesuchenden Jugendlichen verschiedene Möglichkeiten offen, entweder die schulische Ausbildung zu
vollenden oder einen zukunftssicheren Beruf zu erlernen. So kann
der Jugendliche unter anderem dem sogenannten "Nachbarschafts-Jugendkorps" beitreten, das ihm eine Beschäftigung bietet, damit er seine
schulische Ausbildung fortsetzen oder wieder an. die Schule zurückgehen kann. Alle Jugendlichen, die an Projekten des Nachbarschaftskorps mitarbeiten, erhalten dabei einen Mindestlohn von 1,25 Dollar
die Stunde (der offizielle Mindestlohnsatz).
Alle anderen Jugendlichen, die nicht mehr die Schule besuchen,
und arbeitslos sind, können dagegen dem sogenannten "Job Corps" beitreten, das ihnen sowohl die Möglichkeit bietet, ihre schulische
Ausbildung zu ergänzen,als auch einen Beruf in Ausbildungslagern zu
erlernen.
Wie groß das Interesse der Jugendlichen für das "Job Corps" ist,
geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß im ersten Monat nach
Anlaufen der Werbekampa^gne bereits 50 000 Jugendliche ihre Registrierung beantragten.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt
Zu Beginn der fünfziger Jahre bot das am Südrand der Bucht von
San Francisco gelegene Milpitas das Bild einer verschlafenen Streusiedlung von vielleicht 600 Einwohnern. 1963 dagegen wohnten in Milpitas 10 000 Menschen, und die Stadtväter rechnen damit, daß sich
die Einwohnerzahl im Laufe dieses Jahres auf 18 000 erhöhen wird»
Hervorragend beteiligt an dieser sprunghaften Entwicklung ist
Sunnyhills, ein von der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
flUAW) gefördertes Siedlungsprojekt in Milpitas. Diese Siedlung ist
aber noch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Hier leben Angehörige
verschiedener Rassen im Rahmen eines funktionsfähigen Gemeinwesens
miteinander. Sunnyhills gilt daher als Beweis dafür, daß Rassengegensätze im praktischen Alltag überwunden werden können.
Als die Ford Motor Company im Januar 1954 die Schließung ihres
Montagewerkes in dem am Ostrand der Bucht von San Francisco gelegenen
Richmond und die Errichtung eines neuen Werkes in dem 130 Kilometer
weit entfernten Milpitas bekanntgab, schienen die Ford-Arbeiter keine

- 13 -

�keine andere Wahl zu haben, als entweder ihre Arbeit aufzugeben oder
aber von Richmond aus täglich nach Milpitas zu fahren. Die dritte Alternative, nach Milpitas umzuziehen, mußte problematisch erscheinen.
Denn Milpitas verfügte weder über ausreichenden noch geeigneten Wohnraum für die 2100 vom Standortwechsel betroffenen Belegschaftsmitglieder des Werkes.
An diesem Punkt schaltete sich der Ortsverein 560 der Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft ein und sorgte für Abhilfe: Die Gewerkschaft kam zu der Überzeugung, daß die Errichtung einer Siedlung in der
Nähe von Milpitas die einzige praktikable Lösung sei.
Mit Unterstützung.der Bundesgeschäftsstelle der Automobilarbeitergewerkschaft erwarb der Ortsverein Baugelände, löste die Frage der Finanzierung durch Einschaltung der Metropolitan Life Insurance Company
und begann unverzüglich mit der Verwirklichung des Projektes. Die Einzelheime wurden bei niedrigen Anzahlungen zu Preisen (10 700 bis 12 500
Dollar) angeboten, die durchweg um 2000 Dollar niedriger lagen als die
ortsüblichen Preise für vergleichbare Häuser.
Da das Zweigwerk der Ford Motor Company Arbeiter unterschiedlicher
Herkunft und Rassenzugehörigkeit beschäftigt, entwickelte sich der Wohnkomplex Sunnyhills zu einem "offenen", in sich lebensfähigen Gemeinwesen,
in dem Menschen, die sich täglich an.der Arbeitsstätte sehen, sich auch
nach der Schicht begegnen.
Zwei Soziologen urteilten nach dem Studium der Verhältnisse in Sunnyhills und Milpitas: "Sunnyhills und die in Sunnyhills verwirklichten Gedanken dürften sich auch anderenorts auswirken." Und: "Etwa ein halbes
Dutzend anderer Siedlungskomplexe im Bereich von Milpitas wie in der Santa
Clara County überhaupt zählen heute Neger zu ihren Bürgern."
Und die Behörden in Milpitas selber erklärten, die übrige Bevölkerung
habe das Experiment der Automobilarbeitergewerkschaft zwar zunächst mit
Skepsis verfolgt, äußere sich aber mittlerweile uneingeschränkt in positivem Sinne. Vor allem, so wird betont, habe das Projekt Sunnyhills zweierlei erreicht: Es seien gute und preisgünstige Wohnungen für Angehörige
der niedrigen Einkommsklassen geschaffen worden, und es sei der Beweis
erbracht worden, daß "offene" Siedlungen die Immobilienwerte in einem Gebiet nicht unbedingt beeinträchtigen müssen.
Was aber in Sunnyhills möglich war, müsse auch in anderen Orten durchgeführt werden können.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1965

INHALTSVERZEICHNIS
Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials
zwischen 1964 und 1980
Die Entwicklung der Einkommen im Polizeiund Feuerwehrdienst
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

1

Seite

8

Seite 13

Sophia Cooper und Denis F. Johnston, Abt. Bevölkerungs- und Arbeitspotentialstudien im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen 1964 und 1980
Einleitung
Wie aus den jüngsten Untersuchungen des "Amtes für Arbeitsstatistik" über die Entwicklung des amerikanischen Arbeitspotentials in
den nächsten 15 Jahren hervorgeht, kann in diesem Zeitraum mit einem
Anstieg der Gesamtzahl der Arbeitskräfte von gegenwärtig (1964) 77
Millionen auf 86 Millionen im Jahre 1970 und 101 Millionen im Jahre
1980 gerechnet werden. Diese Zunahme der arbeitsfähigen Bevölkerung
um 24 Millionen innerhalb 16 Jahren bedeutet, daß pro Jahr rund
1 1/2 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, um allein die Neuzugänge am Arbeitsmarkt einer produktiven Beschäftigung
zuführen zu können. Die darüber hinaus auf Grund der steigenden Produktivität (Automation) notwendig werdenden neuen Arbeitsplätze sind
in dieser Ziffer ebensowenig berücksichtigt wie all jene Arbeitsplätze, die erforderlich wären, um die Arbeitslosenrate (z.Z. 5,0 7.)
weiter herabzudrücken.
Die
- 1-

�Die Prognosen für 1970
Die Auswirkungen des sogenannten "Babybooms" der Nachkriegs jähre
auf den Arbeitsmarkt sind bereits seit einigen Jahren stärker zu spüren. Seit dem Jahr 1960 hat sich die Gesamtzahl der Teenager im Rahmen
des Arbeitspotentials um 800 000 erhöht, während die Gruppe der 20-24jährigen sogar um 1,4 Millionen angewachsen ist.
In den nächsten Jahren ist mit einer dramatischen Entwicklung in
diesen Arbeitnehmergruppen und mit einer ungemein kräftigen Zunahme der
Zahl der Arbeitnehmer unter 25 Jahren zu rechnen. Bis zum Jahre 1970
dürften sich dabei die Zahl der arbeitsfähigen Teenager (um 1 1/2 Millionen) und die der 20-24jährigen (um 2 3/4 Millionen) auf insgesamt mehr
als 20 Millionen erhöhen. Diese jungen Menschen werden dann rund 24 Prozent des gesamten Arbeitspotentials ausmachen im Vergleich zu 21 Prozent im Jahre 1964. Rund 6 Millionen von ihnen dürften dabei sowohl
arbeiten als auch die Schule besuchen. Die Zahl der erwachsenen (25
Jahre alten und älteren) männlichen Arbeitnehmer wird im gleichen Zeitpunkt gegenüber 1964 um etwa 2 Millionen und die der weiblichen sogar
um 2 1/2 Millionen höher liegen.
Die erhebliche Zunahme der Zahl der jugendlichen Arbeitskräfte ist
größtenteils und die bei den älteren männlichen Arbeitnehmern ausschließlich durch die Bevölkerungszunahme bedingt. Bei den weiblichen Arbeitnehmern werden die steigenden Beschäftigungsraten zu etwas mehr als 50
Prozent zur Erhöhung des Gesamtarbeitspotentials beitragen.
Die Prognosen für 1980
Für das Jahr 1980 kann mit einer Gesamtzahl an Arbeitskräften von
101,4 Millionen gerechnet werden; das ist ein gegenüber 1964 um 24,4
Millionen größeres Arbeitspotential. Der größte Teil des Zuwachses (87
Prozent) ergibt sich durch die Bevölkerungszunahme, die restlichen 13
Prozent resultieren aus höheren Erwerbstätigkeitsraten bei erwachsenen
Frauen.
Obwohl der Zuwachs an Arbeitskräften zwischen 1970 und 1980 mit
15,4 Millionen beziffert wird (im Vergleich zu den 12,9 Millionen zwischen 1960 und 1970), wird der prozentuale Anstieg mit 17,9 Prozent
praktisch genau so groß sein wie in der laufenden Dekade (17,7%). Die
dramatischsten Veränderungen vollzogen bzw. vollziehen sich in den.
Dekaden 1950-60 und 1960-70 in der Gruppe der Arbeitnehmer unter 25
Jahren. In der Dekade 1970-80 wird es die nächsthöhere Altersgruppe
(25-34 Jahre) sein, die die stärksten Veränderungen aufweist. Zwischen
1960 und 1970 wird die Altersgruppe der 35-44jährigen Arbeitnehmer einen Rückgang aufweisen, um dann in der darauffolgenden Dekade wieder
in dem Maße an Zahl zuzunahmen, wie die "Babyboom"-Welle diese Altersgruppe erreicht.
Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Ein erheblicher Teil der zwischen 1964 und 1980 zu erwartenden
Neuzugänge am Arbeitsmarkt wird sich auf die Gruppen der jüngeren
Arbeitnehmer und der erwachsenen Frauen konzentrieren. Da es sich hierbei jedoch um Gruppen handelt, die eine sehr höhe Teilarbeitszeitrateaufweisen, ist damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Halbtagsbeschäftigten

- 2-

�Halbtagsbeschäftigten stark erhöhen wird. Außerdem wird es sich bei
vielen von diesen Neuzugängen um Arbeitnehmer ohne Berufserfahrung
handeln, die sich um jene Arbeitsplätze bewerben werden, die die
untere Sprosse der Berufsskala bilden. Die Folge wird ein verschärfter Kampf um die vorhandenen Arbeitsplätze zwischen den Jugendlichen
selbst und zwischen den Jugendlichen und den älteren Frauen sein.
Wenn es nicht gelingt, eine ausreichende Zahl von Teilzeitarbeitsplätzen sowie solche Arbeitsplätze zu schaffen, die nur geringere
berufliche oder fachliche Qualifikationen verlangen, so ist es durchaus möglich, daß die Zahl der erwerbstätigen verheirateten Frauen
hinter den Erwartungen zurückbleibt, da die Erwerbstätigkeitsrate
dieser Arbeitnehmergruppe im gewissen Umfang von der Verfügbarkeit
der gewünschten Arbeitsplätze abhängig ist. Die gleiche Situation
ist auch für die jüngeren Menschen gegeben, die noch die Schule besuchen.
Es mag in dieser Hinsicht von Bedeutung sein, daß in der Nachkriegsperiode, als sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen ganz beträchtlich erhöhte, die Zahl der jungen Arbeitnehmer, von den letzten paar Jahren abgesehen, relativ klein war. So ging zum Beispiel
die Zahl der 18 und 19 Jahre alten Arbeitnehmer von 4,6 Millionen
im Jahre 1947 auf 4,1 Millionen im Jahre 1952 und die Zahl der 2024jährigen von 12,1 Millionen im Jahre 1947 auf 10,7 Millionen im
Jahre 1957 zurück. Im Gegensatz dazu wird es 1970 rund 7,3 Millionen
Arbeitnehmer im Alter von 18 und 19 Jahren geben und 17,1 Millionen
in der Altersgruppe 20-24 Jahre. Eine Zunahme in dieser Größenordnung
könnte sich dabei durchaus auf die Neuzugangsrate bei den verheirateten Frauen hemmend auswirken.
Methodik und Voraussetzungen
Die in dem vorhergehenden Abschnitt gemachten Voraussagen sind
das Ergebnis einer eingehenden Analyse beider Autoren über die wahrscheinlichen Entwicklungen auf dem Arbeit^markt unter Berücksichtigung
sämtlicher Einflüsse. Es muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß es sich hier um langfristige Voraussagen handelt, in
denen sich zu erwartende demographische Umschichtungen und mögliche
Veränderungen in der Erwerbstätigkeit-srateo der verschiedenen Altersund Geschlechtsgruppen der Bevölkerung widerspiegeln. So gibt es
zum Beispiel zahlreiche Faktoren, die in den einzelnen Arbeitnehmergruppen die Entscheidung .beeinflussen, einer Erwerb»tätigkeit nachzugehen oder nicht. Das trifft vor allem für die verheirateten Frauen,
die noch im Schulalter stehenden Erwerbspersonen und- die zurPensionierung Anstehenden zu. Nicht alle diese Faktoren lassen sich hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeitsrate
auf lange Sicht spezifizieren. Aus diesem Grunde lassen sich die Prognosen auch nicht als präziser Maßstab zur Beurteilung der jährlichen
Zunahme des Arbeitspotentials verwenden.
Der generelle Zweck dieser Untersuchung war es, die Erwerbstätigkeitsraten für jede Alters-Geschlechts-Gruppe vorauszubestimmen, diese
Raten in Beziehung zur künftigen Bevölkerungszahl zu setzen und dabei
die Gesamtzahl der Arbeitskräfte,, nach Geschlecht und Altersgruppen
getrennt, zu ermitteln. Die Prognosen hängen weitgehend von der

- 3 -

�der künftigen Größe und Altersstruktur der Bevölkerung und weniger
von dem Geburtenfaktor ab, da die Arbeitnehmer des Jahres 1980
bereits heute leben. Dennoch besteht zwischen dem künftigen Arbeitskräfteangebot und dem.Geburtenfaktor insofern eine indirekte Beziehung, als kleine Kinder im Hause einen hemmenden Effekt auf die
Erwerbstätigkeitsrate für junge Frauen ausüben können.
Die Erwerbstätigkeitsraten für männliche Arbeitnehmer im Alter
zwischen 25 und 59 Jahren wiesen in der Nachkriegsperiode nur geringfügige Schwankungen auf. Sie bewegten sich konstant auf dem Durchschnittsniveau der Jahre 1955-57, in denen die Erwerbslosenrate 4
Prozent ausmachte.
Für die anderen Altersgruppen, bei denen verschiedene Veränderungen offenkundig waren, sind bei der Erstellung dieser Analyse bestimmte soziale und demotraphische Faktoren, die die Teilnahme am Erwerbsleben entweder einschränken oder begünstigen, mit berücksichtigt
worden.
Weibliche Arbeitskräfte
Die Erwerbstätigkeitsrate für erwachsene Frauen hat, insbesondere
in den Altersgruppen über 35, stetig zugenommen. Bei den jüngeren
Altersgruppen dagegen waren die Anstiege nicht ganz so stark. Dies
liegt zum größten Teil daran, daß ein hoher Prozentsatz dieser .Frauen
kleine Kinder hat - ein Faktor, durch den die Erwerbstätigkeit stark
eingeschränkt wird. Um diesen Faktor in seinen Auswirkungen genau abzuschätzen, wurden separate Prognosen über die Zahl der verheirateten
Frauen zwischen 22 und 44 mit Kindern unter fünf und ohne Kinder unter
fünf Jahren erstellt, und zwar, im Rahmen der vom Zensusbüro erarbeiteten
Voraussagen über die altersspezifische Fruchtbarkeit und über die Zahl
der Frauen in jeder der einzelnen Altersgruppen. Die Erwerbstätigkeitsraten für Frauen mit kleinen Kindern und solche ohne Kleinkinder haben
sich beide erhöht, aber von verschiedenen Basen aus. Diese Raten wurden zur zahlenmäßigen Stärke jeder Altersgruppe in Beziehung gesetzt
und den Prognosen zugrunde gelegt.
Bei Frauen im Alter von über 44 Jahren ist der Familienstatus der
wichtigste demographische Faktor, der die Erwerbstätigkeitsrate beeinflußt. Die Erwerbstätigkeitsrate der verheirateten Frauen ist niedriger
als die Rate für ledige, verwitwete, geschiedene oder von ihren Mannern
getrennt lebende Frauen. Dennoch ist sie auch bei dieser Gruppe merklich angestiegen. -Separate Prognosen wurden für diese Gruppen - nach
Lebensalter - unter Berücksichtigung der Familienstands-Bevölkerungsvoraussagen aufgestellt.
Jugendliche Arbeitskräfte
Für die jugendlichen Arbeitskräfte im Alter unter 25 Jahren wurden
zwei verschiedene Prognosen der Erwerbstätigkeitsraten erstellt, und zwar
eine für diejenigen, die nebenher noch eine Schule besuchen, und eine für
die Schulabsolventen. Die Erwerbstätigkeitsraten für einige TeenagerGruppen von Schulabsolventen sind in den vergangenen Jahren in Anbetracht
der begrenzten Zahl von Erstarbeitsplätzen zurückgegangen. Die derzeitigen Voraussagen gehen jedoch von der Annahme aus, daß genügend Arbeitsplätze für alle, die arbeiten wollen,_zur Verfügung stehen werden und

- 4-

�und die Erwerbstätigkeitsrate der schulentlassenen Jugendlichen
die Durchschnittsrate der Jahre 1955-57 erreichen wird.
Auch die Erwerbstätigkeitsrate der Jugendlichen, die noch
eine Schule besuchen, ist in den letzten Jahren zurückgegangen,
- wobei jedoch die Erwerbstätigkeitsraten' der 18- und 19jährigen sowie der Jugendlichen der Altersgruppe 20-24 Jahre zugenommen haben. Eine Fortdauer der bisherigen Trends in diesen beiden Gruppen wurde für die nächsten Jahre als wahrscheinlich vorausgesetzt.
Ältere Arbeitnehmer
Die Erwerbstätigkeitsrate der männlichen Arbeitnehmer im
Alter von 60 bis 64 Jahren ist in den letzten Jahren rückläufig
gewesen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, daß immer mehr
ältere Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, sich vorzeitig, d.h.
vor Erreichen der normalen Altersgrenze, pensionieren zu lassen.
Die Zahl der Tarifverträge, die solche Möglichkeiten vorsehen,
ist in den letzten Jahren beträchtlich angestiegen, und auch im
Rahmen der staatlichen Sozialversicherung ist es jetzt diesen
Arbeitnehmern möglich, ab einem Alter von 62 bei reduzierten Rentenleistungen in Pension zu gehen. Die Erwerbstätigkeitsraten
der über 65 Jahre alten männlichen Arbeitskräfte sind seit Ende
des letzten Krieges stetig zurückgegangen, und zwar sowohl in
Jahren mit hoher Beschäftigung als auch in Zeiten wirtschaftlicher
Rezession. Ein Teil des Rückganges in der Erwerbstätigkeitsrate
bei den männlichen Arbeitskräften über 60 Jahre erklärt sich wohl
auch aus der Tatsache, daß es vielen älteren, aus ihren angestammten Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitnehmern nicht gelang, einen
neuen Arbeitsplatz zu bekommen, so daß sie sich aus dem Berufsleben zurückziehen mußten.
Wie in diesem Zusammenhang aus einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung des Ministeriums für Gesundheits-, Erziehungsund Sozialfragen hervorgeht, dürften rund 20 Prozent aller männlichen Arbeitnehmer über 62 Jahre, die sich zwischen 195/ und 1962
aus dem Erwerbsleben zurückzogen, unfreiwillig ausgeschieden sein,
dementsprechend wurde der Rückgang seit 1957 in der Erwerbstätigkeitsrate für die männlichen Arbeitskräfte im Alter von über 60'
Jahren um 20 Prozent reduziert, ehe der Trend extrapoliert wurde.
Ebenso wurde noch ein weiterer Faktor bei der Erstellung der
Beschäftigungsprognosen für die Altersgruppen 60-64, 65-69 und 70
und mehr Jahre berücksichtigt: Die Landwirtschaft ist für die Erwerbstätigkeitsrate der männlichen Arbeitskräfte in diesen Altersgruppen immer noch ein relativ bedeutender Faktor, wobei sich der
Trend in der Landwirtschaft von dem in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der Wirtschaft stark unterscheidet. Dementsprechend
wurde der Anteil an der Gesamtbevölkerung für jede dieser Altersgruppen nach Landwirtschaft und übriger Wirtschaft getrennt extrapoliert. Diese Anteile wurden dann der zu erwartenden Bevölkerungsziffer gegenübergestellt, um die Gesamt-Erwerbstätigkeitsrate für
jede Altersgruppe zu erhalten.
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Tabelle 1

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�Im allgemeinen gehen die Voraussagen davon aus, daß die seit
1948 auftretenden Veränderungstrends in den Erwerbstätigkeitsraten
weniger ausgeprägt sein werden. Für die Periode 1964-1980 wurde
die Annahme zugrunde gelegt, daß die Veränderungen nur halb so groß
sind wie die der vergangenen 16 Jahre.
Die Zahl der in der Armee Dienst tuenden Soldaten wurde auf
der bisherigen Höhe von 2,7 Millionen belassen; und ebenso geht
diese Untersuchung von der Annahme aus, daß sich der Trend in Richtung auf einen verstärkten Schulbesuch nach Beendigung der Oberschule weiter fortsetzen und verstärken wird. Was die Erwerbslosigkeit betrifft, so wurde hier eine Rate von 4 Prozent zugrunde gelegt.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Feb. 1965, Vol. 88, Nr. 2)

+ ++++
Arthur Sackley, Mitarbeiter des Amtes für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und Feuerwehrdienst
Die historische Hintergrund
Die erste Berufsfeuerwehr in den Vereinigten Staaten wurde im
Jahre 1853 in Cincinnati, Ohio, gebildet. Der Brandmeister und das
Bedienungspersonal der Dampfspritzen erhielten ein Gehalt, während
die restlichen Bedienungskräfte sich aus Freiwilligen zusammensetzten. In den letzten Dekaden des vorigen Jahrhundert erkannte man
auch in den anderen Großstädten der USA mehr und mehr, wie notwendig
die Aufstellung einer jederzeit einsatzbereiten und aus ausgebildeten Männern bestehenden Berufsfeuerwehr war, und ging nach und nach
dazu über, die Freiwilligen durch festangestellte Feuerwehrleute zu
ersetzen. Schon in dieser Zeit bildeten sich zahlreiche Berufsvereinigungen und Berufsvertretungen mit gewerkschaftlichem. Charakter
heraus, die sich für eine Verbesserung der wirtschaftlichen und
sozialen Lage der Feuerwehrmänner einsetzten und die sich später der
"American Federation of Labor" anschlössen.
Als Arbeitnehmerorganisationen von im öffentlichen Dienst Beschäftigten, deren Tätigkeit zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit beiträgt, besitzen die Feuerwehrmänner-Organisationen in den
USA nicht die üblichen gewerkschaftlichen Rechte, die den Arbeitnehmehrverbänden des privaten Sektors der Wirtschaft gesetzlich zuerkannt werden. Sowohl die Gehälter als auch die Arbeitsbedingungen der
Feuerwehrleute - und Polizeiangehörigen - werden gesetzlich, und zwar
auf bundesstaatlicher oder kommunaler Ebene, festgelegt. Und obwohl
Streiks nicht für illegal erklärt wurden, benutzen die Feuerwehrgewerkschaften diese Waffe des Arbeitskampfes - aus grundsätzlichen

- 8-

�grundsätzlichen tarifpolitischen Erwägungen - nicht als Mittel
zur Durchsetzung ihrer Forderungen. Sie versuchen vielmehr, auf
dem Wege von Verhandlungen mit den örtlichen Behörden die wirtschaftliche und soziale Lage ihrer Mitglieder zu verbessern deren Ergebnisse ihren Niederschlag in Resolutionen und Verwaltungsanordnungen finden.
Das schnelle Wachstum der Städte gegen Ende des vorigen und
zu Beginn dieses Jahrhunderts stellte die Behörden, was die Aufrechterhaltung und Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und
Sicherheit betraf, vor vollkommen neue Probleme, die eine bessere
Organisation und die Ausweitung der Ordnungs- und Sicherheitskräfte bedingten. Der Dorfpolizist und der städtische Polizeihauptmann mußten weichen. Sie wurden durch die Bezirksreviere und
Polizeipräsidien ersetzt.
Obwohl die Polizeiangehörigen in den USA als Beamte des Öffentlichen Dienstes auf eine längere Tradition zurückblicken können,
hatten sie größere Schwierigkeiten als die Feuerwehrleute, sich gewerkschaftlich zu organisieren.
Die Höhe der Einkommen und die Art der Arbeitsbedingungen der
Polizisten waren weitgehend von der Fähigkeit der Polizeichefs abhängig, die örtlichen Behörden von der Notwendigkeit der Verabschiedung entsprechender Besoldungsgesetze zu überzeugen. Da dieser Weg
jedoch in der Regel mit zahlreichen Hindernissen und Schwierigkeiten
gepflastert war, schlössen sich schon damals Polizeibeamte einiger
Reviere zu "Bruderschaften" zusammen, die später dann die Sprecher
der Polizeibeamten in Arbeitsfragen wurden. Dennoch hat die gewerkschaftliche Organisation bei den Polizisten nicht den Grad der Organisation der Feuerwehrmänner erreicht. Gesetzliche Beschränkungen
und die allgemeine Abneigung der Öffentlichkeit gegen. Polizeigewerkschaften waren hier die wesentlichen Hindernisse. Wenn auch die
Polizeiberufsvertretungen heute gewisse gewerkschaftliche Funktionen ausüben, so haben sie sich doch bisher noch keinem Gewerkschafts verband angeschlossen.
Beschäftigungs- und Einkommenstrends 1954-1964
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der in Städten
von über 100 000 Einwohnern beschäftigten Polizisten und Feuerwehrleute um fast 1/5 auf 193 000 erhöht. Der stärkste Zugang war dabei
in den letzten drei Jahren festzustellen.
Wenn auch die Wachstumsrate der öffentlichen Sicherheitskräfte
zwischen 1954 und 1964 fast doppelt so hoch war wie die für das gesamte Arbeitspotential, so war die relative Zunahme im Vergleich zu
den Verwaltungsangestellten jedoch nur 1/3 so groß. Der zahlenmäßige
Anstieg bei Polizisten und Feuerwehrleuten deckte sich zwar weitgehend mit dem BevöLkerungsanstieg in den Großstädten (ausgenommen
Millionenstädte), war aber stärker als der Gesamtbevölkerungszuwachs.
Diejenigen amerikanischen Städte und Gemeinden, die zwischen
1954 und 1964 die Gehälter der Polizeibeamten und Feuerwehrleute um
60 bis 70 Prozent erhöhten, beschäftigten rund 1/3 aller Sicherheitskräfte; weitere 2/5 waren in solchen Kommunen tätig, die die Gehälter
um 40 bis 60 Prozent anhoben. Die Bezüge- von etwa 25 Prozent aller

- 9-

�aller Polizeibeamten und Feuerwehrleute wurden in diesem Zeitraum
um 1400 bis 1800 Dollar erhöht; weitere 25 Prozent erhielten Gehaltsaufbesserungen zwischen 3000 und 3200 Dollar, während 5 Prozent aller Beamten Lohnanstiege von über 3200 Dollar verzeichneten.
Im Gegensatz dazu erhielten nur 0,1 Prozent aller Sicherheitskräfte zwischen 1954 und 1964 Gehaltserhöhungen von weniger als 800
Dollar.
Die Einkommensveränderungen in Städten verschiedener Größe
In den größeren Städten waren die Gehaltsaufbesserungen - sowohl prozentual als auch in Dollar - höher als in den kleineren.
Rund 38 Prozent der 1964 in den Millionenstädten gültigen Gehaltsgruppen sind in den vergangenen zehn Jahren neu geschaffen worden.
Die Tatsache, daß mehr als 3/5 der Arbeitnehmer in den Millionenstädten zwischen 1954 und 1964 Gehaltsaufbesserungen zwischen 60
und 70 Prozent - was Erhöhungen zwischen 3000 und 3200 Dollar entspricht - erhielten, erklärt sich daraus, daß sich diese Gruppe zu
fast 50 Prozent aus New Yorker Polizisten und Feuerwehrleuten zusammensetzt.
In der Gruppe der Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen
100 000 und 1 000 000 waren die Erhöhungen dagegen nicht so stark
ausgeprägt. Etwa 63 Prozent der in Städten mit 500 000 bis 1 000 000
Einwohnern beschäftigten Polizisten und Feuerwehrleute erhielten in
den vergangenen zehn Jahren Gehaltsaufbesseuungen zwischen 30 und
50 Prozent, während ein ähnlich hoher Prozentsatz in den Städten
mit 250 000 bis 500 000 Einwohnern Erhöhungen von 40 bis 60 Prozent
verzeichnete. In Großstädten mit einer Einwohnerzahl zwischen
100 000 und 250 000 sind größere Schwankungen - sowohl prozentual
als auch nominell - festzustellen, aber auch hier erhielt rund 1/3
aller Polizisten und Feuerwehrleute Gehaltserhöhungen zwischen 30
und 40 Prozent.
Die Entwicklung der Gehälter zwischen 1961 und 1964
Die Gehälter der Polizisten und Feuerwehrleute in Großstädten
(über 100 000 Einwohner) erhöhten sich zwischen Januar 1961 und
Januar 1964 im gleichen Verhältnis wie in der vorangegangenen
Dreijahresperiode. Für beide Berufsgruppen zusammen belief sich
die durchschnittliche Zunahme, der Gehälter auf 757 Dollar, verglichen mit 639 Dollar in dem Erhebungszeitraum 1958-61. In erster
Linie auf Grund der Aufbesserung der Gehälter für die New Yorker
Polizisten und Feuerwehrleute um 10 Prozent ergaben sich 1962 stärkere prozentuale Gesamtzunahmen (5%) als 1961 (47.) und 1963 (3,5%).
Während 1963 etwa 75 Prozent aller.Arbeitnehmer Gehaltserhöhungen
erhielten, waren es 1961 und 1962 nur rund 66 Prozent gewesen.
Keine Änderung der Spitzengehälter erfolgte zwischen 1961 und
1963 dn drei Städten, die 2,3 Prozent aller Feuerwehrleute sowie
in vier Städten, die 3,2 Prozent aller Polizisten beschäftigen. Am
unteren Ende der Gehaltsskala dagegen wurden die Mindestgehälter
für Polizisten in zwei Städten um 25 Prozent angehoben, während in
einer Stadt die Feuerwehrleute eine gleich hohe Aufbesserung erhielten. Die meisten Städte - sechs von zehn - hoben die Gehälter
der Polizisten und drei von fünf die der Feuerwehrleute um 5 bis

- 10 -

�bis 15 Prozent an, wobei der Mittelwert für beide Gruppen bei 11
Prozent liegt. Etwa 3/5 aller Großstädte erhöhten die Gehälter
dieser Arbeitnehmergruppen mindestens zweimal in der Dreijahresperiode.
Rund 3/10 aller Arbeitnehmer waren in Städten tätig, die die
Gehälter um 17,5 bis 20 Prozent heraufsetzten; weitere 2/10 in
Kommunen, die Aufbesserungen zwischen 7,5 und 10
Prozent vornahmen. Die meisten Gehaltserhöhungen lagen bei 1200 Dollar und
mehr und bei 400 bis 500 Dollar. Die größten Gehaltserhöhungen
wurden u.a. in New York -.mit über 1200 Dollar - registriert.
Sowohl im Erhebungszeitraum 1958-61 'als auch in der Periode
1961-64 waren die Gehaltserhöhungen für die im Streifendienst
eingesetzten Polizisten etwas größer als die für Feuerwehrleute.
Während die Polizistengehälter zwischen 1961 und 1964 um 13 Prozent anzogen, verzeichneten die Feuerwehrleute einen Anstieg um
12,7 Prozent. In Dollar ausgedrückt beliefen sich die Erhöhungen
auf 780 bzw. 726 Dollar.
Die Veränderungen in Städten verschiedener Größe
Die Gehälter für Polizisten und Feuerwehrleute stiegen in
den Millionenstädten während der DreiJahresperiode (1961-64) am
stärksten an. Die durchschnittliche Erhöhung betrug in der Gruppe
der kleinsten Großstädte (100 000 - 250 000 Einwohner) 11,5 Prozent oder 584 Dollar, in den Millionenstädten dagegen.14,3 Prozent bzw. 915 Dollar. Die Unterschiede in den Gehaltserhöhungen
bei Polizisten .und Feuerwehrleuten waren nur in Städten mit einer
Einwohnerzahl zwischen 500 000 und 1 Million von Bedeutung: sie
sind durch eine wesentliche Aufbesserung der Bezüge für Polizisten in einigen Städten des Südens bedingt,, wo die Feuerwehrleute leer ausgingen.
Die Gehälter im Jahre 1964
Die Gehaltsskala für Polizisten und Feuerwehrleute, die in
amerikanischen Großstädten tätig sind, bewegte sich im Januar
1964 zwischen 8316 Dollar (Polizisten in San Francisco und Berkeley, Kalifornien).und 4080 Dollar (Feuerwehrleute in Wichita
Falls, Texas). Die.Durchschnittsgehälter für beide Berufsgruppen
lagen im gleichen Zeitpunkt bei 6587 Dollar.
In den Großstädten und Ballungszentren waren die Gehälter
allgemein höher als in kleineren Städten. Die höchsten Gehälter
wurden in den Weststaaten, die niedrigsten in den Südstaaten gezahlt, wo sieben der zehn Städte mit den niedrigsten Gehältern
für Feuerwehrleute und acht der zehn mit den niedrigsten Polizeidienstgehältern anzutreffen sind. Von den zehn Städten, die die
höchsten Gehälter sowohl für Polizisten als auch für Feuerwehrleute zahlen, liegen allein neun in Kalifornien.
Vergleich mit anderen Arbeitnehmergruppen
In den vergangenen 25 Jahren (zwischen 1939 und 1964) stiegen die Gehälter der Polizisten und Feuerwehrleute um 184 Prozent.
Sie zogen damit weitaus stärker an als der Verbraucherpreisindex
in diesem Zeitraum und hatten höhere Zuwachsraten aufzuweisen als

- 11 -

�als z.B. die Bundesangestellten. Gegenüber dem durchschnittlichen
Anstieg der Lehrergehälter in öffentlichen Schulen und der durchschnittlichen Wochenlöhne der Industriearbeiter jedoch war dieser
Anstieg geringer.
EINKOMMENSZUNAHMEN IN PROZENT
1939-1964

Berufsgruppe

1954-1964

1961-1964

Polizisten, Feuerwehrleute
(Höchstgehälter)

184

51

13

Volksschu Hehrer
(durchschn. Jahresgehälter)

192

49

1)

Bundesangestellte
(Durchschnittsgehälter)

253

76

22

(durchschn. Stundenlohn)

301

41

10

(durchschn. Wochenlohn)

336

42

12

Verbraucherpreisindex
(Anstieg in Prozent)

121

15

Industriearbeiter

1) keine Angaben für 1964
INDEX DER SPITZENGEHÄLTER 1924 BIS 1964
(1957-59 = 100)
Jahr

Polizisten
u. Feuerwehrleute

1924
1929
1932
1934
1938
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945
1946
1947
1948
1949

38
42
43
42
45
45
45
45
46
47
49
52
53
57
61
66

Feuerwehrleute
39
43
44
41
44
44
44
44
46
47
49
5252
58
62
66

Polizisten
37
42
42
42
45
45
45
45
46
46
49
52
55
57
61
66

Jahr
1950
1951
1952
1953
1954
1955
1956
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

Polizisten
u. Feuerwehrleute
68
72
77
82
85
87
91
96
101
104
108
113
118
124
128

Feuerwehrleute

Polizisten

68
72
77
82
85
87
91
96
101
104
108
113
117
123
127

68
72
77
82
85
87
91
96
101
104
108
113
118
124
128

(Quelle: Monthly Labor Review,
Feb. 1965, Vol. 88, Nr. 2)

+ ++++
- 12 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Lohnpolitischer Rundblick
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) hat den Vertretern der amerikanischen Stahlindustrie bereits einen Monat vor Auslaufen der alten Tarifverträge ihre detaillierten Forderungen übermittelt, die sie bei den in Kürze beginnenden Tarifverhandlungen in
diesem wichtigen Zweig der amerikanischen Industrie durchzusetzen
gewillt ist.
Wenn auch beide Tarifpartner bisher keine näheren Angaben über
die Art der Forderungen und die daraus resultierenden Kosten gemacht
haben, so hat doch die USA-Gewerkschaft recht deutlich zu verstehen
gegeben, daß sie keine Lohnerhöhungen von weniger als 4 Prozent pro
Jahr akzeptieren werde. Allgemein wird wieder mit dem Abschluß eines Drei Jahresvertrages gerechnet. Die jährliche Steigerung der Löhne
um 4 Prozent entspricht nach Angaben der Gewerkschaft der jährlichen
durchschnittlichen Zunahme der Produktivität in diesem Industriezweig.
In der amerikanischen Stahlindustrie werden gegenwärtig rund
450 000 Arbeitnehmer beschäftigt, die einen durchschnittlichen Stundenlohn (einschließlich der Lohnnebenleistungen) von 4,40 Dollar erhalten. Eine Erhöhung der tariflichen Leistungen um 4 Prozent pro
Jahr würde einer zusätzlichen Kostenbelastung von etwa 52 Cent pro
Stunde während der DreiJahresperiode entsprechen. Die Industrie hat
jedoch bereits öffentlich erklärt, daß sie keinen Tarifvertrag unterschreiben werde, der zusätzliche Leistungen von mehr als 26 Cent
pro Stunde bringt.
Welcher Art die Forderungen sind, die die Stahlarbeitergewerkschaft gestellt hat, läßt sich in etwa aus dem kürzlich mit der American und der Continental Can Company abgeschlossenen Tarifvertrag ablesen. Dieses Abkommen sieht für die Arbeitnehmer der insgesamt 71
Betriebe der beiden Unternehmen Leistungserhöhungen (Löhne und Sozialleistungen) von 45,7 Cent pro Stunde in einem Zeitraum von 40 Monaten
vor. Das entspricht einer jährlichen Zunahme um 3,5 Prozent.
Im einzelnen wurden die Löhne im Durchschnitt um 12 Cent - rückwirkend ab 1. Oktober 1964 - angehoben (das Abkommen wurde erst nach
einem Warnstreik abgeschlossen). Weitere Erhöhungen um 7 bis 11 Cent
werden am 1. Dezember 1966 fällig.
Auch bei den Sozialleistungen konnte die Stahlarbeitergewerkschaft wesentliche Verbesserungen durchsetzen. So wurden die Pensionsleistungen von 2,25 Dollar pro Monat für jedes Dienstjahr auf
5,50 Dollar angehoben, und gleichzeitig wurde eine Pensionsformel im
Tarifvertrag verankert, die eine Pensionierung bereits ab 50. Lebensjahr nach 30 Dienstjähren ermöglicht. Außerdem werden künftig sämtliche Arbeiter der Unternehmen eine zusätzliche Pensionszahlung in
Höhe von 100 Dollar monatlich erhalten, wenn sie bereits vor Erreichen
des 63. Lebensjahres (Normale Pensionierungsgrenze bei vollen Bezügen)
in den Ruhestand treten.
Auch die neben der staatlichen Arbeitslosenversicherung gezahlten
zusätzlichen Ausgleichsbeträge (SUB) wurden erhöht. Arbeitslose Arbeiter der Weißblech- und Behälterindustrie werden künftig 70 Prozent

- 13 -

�70 Prozent (bisher 60%) ihres vorherigen Einkommens als Unterstützung
erhalten. Allen Arbeitnehmern, die innerbetrieblich auf Grund von Rationalisierungsmaßnahmen an einen niedriger eingestuften Arbeitsplatz
umgesetzt werden müssen, wird künftig 95 Prozent ihres bisherigen Jahreseinkommens am neuen Arbeitsplatz garantiert.
Zu den weiteren Verbesserungen gegenüber dem alten Abkommen zählen
höhere Versicherungsleistungen bei Krankenhausaufenthalt, gleichzeitige
Ausdehnung des Versicherungszeitrauras (bis zu 2 Jahren) und Einbeziehung
sämtlicher Familienangehöriger bei Arbeitnehmern mit 10 Dienstjähren.
In bezug auf technologische Umstellungen im Betrieb (Automation)
kamen Gewerkschaft und Unternehmen überein, daß bei einer Zusammenlegung von Arbeitsplätzen die Arbeitnehmer, die in die neuen Positionen
aufrücken, mindestens um eine Gehaltsgruppe, höchstens jedoch um zwei
Gruppen aufgestuft werden.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++

Kaiser-Gewinnbeteiligungsplan ein großer Erfolg für die Arbeitnehmer
Auf Grund des vor zwei Jahren zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft und der "Kaiser Steel Company" ausgehandelten Gewinnbeteiligungsplanes haben die Arbeitnehmer dieses.Unternehmens bisher 24 monatliche
Gewinnanteile in ununterbrochener Folge erhalten und insgesamt 7,6
Millionen Dollar gutgeschrieben bekommen. Im Durchschnitt erhielten die
anspruchsberechtigten Arbeitnehmer 52 Dollar pro Monat in Form von Bonussen ausgezahlt, was, auf die normalen Tarifleistungen übertragen,
einer zusätzlichen Leistung von 46 Cent pro Arbeitsstunde entspricht.
Von der im 'Februar zur Auszahlung gelangten Summe in Höhe von
251 579 Dollar wurden 92 628 Dollar in bar ausgezahlt (das entspricht
einem Betrag von 13 Cent pro Arbeitsstunde) und 158 951 Dollar (22
Cent pro Arbeitsstunde) in einen Reservefonds übergeführt, aus dem zusätzliche Sozialleistungen bestritten werden sollen.
Während im ersten Jahr nach Unterzeichnung des Gewinnbeteiligungsabkommens monatlich Beträge zwischen 205 000 und 518 000 Dollar zur
Verteilung gelangten und die Barauszahlungen zwischen 199 000 und 482 000
Dollar schwankten, wurden im zweiten Jahr mit 469 000 Dollar die Spitzensumme und mit 206 000 Dollar der Mindestbetrag erreicht. Die Barauszahlungen bewegten sich dabei zwischen 92 000 und 360 000 Dollar, Die
Zahl der anspruchsberechtigten Arbeitnehmer erhöhte sich seit Januar
1963 von 3500 auf 5000.

(Quelle: Eigenbericht)

+ + + + -I- 14 -

�Zusätzliche Sozialleistungen in der US-Industrie
Wie aus einer Repräsentativerhebung des "National Industri.il
Conference Board", einer privaten Forschungsorganisation, hervorgeht, haben heute praktisch sämtliche Industrieunternehmen GruppenLebensversicherungen für ihre Mitarbeiter abgeschlossen. Etwa 80
Prozent von den Unternehmen unterhalten ferner Unfall- und Krankenversicherungen, rund 78 Prozent von ihnen Krankengeldversicherungen,
die in der Regel jedoch nur für die Angestellten abgeschlossen wurden. Die Beiträge zu den Versicherungen werden im allgemeinen von
den Arbeitgebern allein aufgebracht.
Wie aus der Erhebung weiter zu entnehmen ist, gewähren die
Unternehmen ihren Mitarbeitern zum Teil noch folgende Sozialleistungen und Vergünstigungen: 78 Prozent: Pensionen; 44 Prozent: Entlassungsgeld; 33 Prozent: Weihnachtsgeld oder Jahresbonus; 25 Prozent:
Gewinnbeteiligung; 50 Prozent: innerbetriebliche berufliche Fortbildung; 87 Prozent: Kaffeepause.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Pensionäre als Büroaushilfskräfte
Um den erheblichen Mangel an Büroaushilfskräften auszugleichen,
hat jetzt die Arbeitsbehörde der New Yorker Stadtverwaltung ein Arbeitsvermittlungsbüro für solche Pensionäre eingerichtet, die sich
um einen zusätzlichen Verdienst (bis zu 1200 Dollar pro Jahr steuerfrei) bemühen und für Büroarbeiten geeignet sind.
In Zusammenarbeit mit verschiedenen privaten Wirtschaftsverbänden will die Stadtverwaltung ihre Bemühungen vorerst nur auf solche
Rentner beschränken, die bereits Erfahrung in Büroarbeiten besitzen.
Später jedoch will man versuchen, auch branchenfremde Kräfte zu vermitteln, und entsprechende Umschulungsprogramme durchführen. Insgesamt werden gegenwärtig in New York pro Jahr rund 40 000 bis 60 000
Büroaushilfskräfte benötigt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1965

INHALTSVERZEICHNIS
Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung

Seite

Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das
Automationszeitalter

Seite 12

Hilfe für die älteren Menschen

Seite 14

1

Harvey R. Hamel und Forrest A. Bogan, Abt. Bevölkerungs- und arbeitspolitische Forschungen im US-Amt für Arbeitsstatistikt
Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung
Einleitung
Die Doppelbeschäftigung oder das sogenannte "moonlighting" ist
für die Experten für bevölkerungspolitische und Arbeitsfragen aus
zweierlei Gründen von besonderem Interesse. Einmal interessiert sie,
was der Arbeitnehmer von heute mit seiner Freizeit anfängt und wie
er sie ausnutzt, und zum anderen, welche Auswirkungen die Doppelbeschäftigung angesichts einer relativ hohen Zahl von Arbeitslosen auf
den Arbeitsmarkt und das Arbeitsplatzangebot hat. Während einige Interessengruppen, vor allem die Gewerkschaften, sich für eine Verkürzung der normalen Arbeitswoche auf etwa 35 Stunden einsetzen, um mehr
Arbeitsplätze für die Erwerbslosen zur Verfügung zu haben, vertreten
andere die Ansicht, daß durch eine Verkürzung der Arbeitswoche das Arbeitslosenproblem nicht zu beseitigen sei, da die Arbeitnehmer mit einer kürzeren Arbeitszeit bestrebt sein würden, sich einen zweiten
Arbeitsplatz zu verschaffen. Gerade in Anbetracht dieser gegensätzlichen Standpunkte ist es von großer Bedeutung, sich einen Überblick
über den Umfang der Doppelbeschäftigung zu verschaffen und neben anderen Grundfakten vor allem herauszufinden, welche Arbeitnehmergruppen hierbei insbesondere berührt werden. In diesem Artikel sind die
wichtigsten Ergebnisse einer Analyse zusammengefaßt, die im Mai 1964
durchgeführt wurde.
KurzZusammenfassung

- 1 -

�KurzZusammenfassung
Im Mai 1964 hatten insgesamt 3,7 Millionen Personen in den Vereinigten Staaten mehr als einen Arbeitsplatz: das sind 5,2 Prozent
aller Beschäftigten. Von diesen 3,7 Millionen Personen hatten rund
2,1 Millionen in der Erhebungswoche zwei Arbeitsplätze als Lohn- oder
Gehaltsempfänger, während 1,6 Millionen neben einer selbständigen
Tätigkeit einen Beruf ausübten, der ihnen einen festen Lohn oder ein
festes Gehalt einbrachte. Als Beispiel für die erste Gruppe kann der
Postbeamte angesehen werden, der in seiner Freizeit in einem Kaufhaus
arbeitet, oder der Bankkassierer, der an den Wochenenden an der Kasse
eines Supermarktes sitzt, während zur zweiten Gruppe solche Personen
zählen wie die Fabrikarbeiter, die nach der Arbeit noch ihre Farm
bewirtschaften, oder Maurer, die in ihrer Freizeit Arbeiten auf eigene Rechnung durchführen.
Der Trend der letzten Jahre
Die Zahl der Personen mit einer Doppelbeschäftigung ging - gemessen an der Gesamtbeschäftigtenzahl - zwischen Mai 1963 und Mai
1964 von 5,7 auf 5,2 Prozent zurück. Sie näherte sich damit wieder
dem langjährigen Durchschnitt. Wie schon bei früheren Untersuchungen
ließ sich kein klarer Trend hinsichtlich der die Doppelbeschäftigung
beeinflussenden Faktoren erkennen. Wenn man die Entwicklung der vergangenen acht Jahre eingehend analysiert, zeigt sich, daß sowohl die
Zahl der Beschäftigten mit einem zweiten Arbeitsplatz als auch die
Doppelbeschäftigungsrate sich in diesem Zeitraum in relativ engen
Grenzen hielt. Irgendwelche besonderen Beziehungen zu Konjunkturverläufen und jahreszeitlichen Schwankungen in der Beschäftigung ließen
sich nicht ermitteln.
Seit der im Jahre 1956 durchgeführten Erhebung hat sich die Zahl
der Beschäftigten mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ungeachtet der
beiden Rezessionsperioden lediglich zwischen 3 und 4 Millionen bewegt,
während die Doppelbeschäftigungsrate zwischen 4,5 und 5,7 Prozent in
einer Zeit schwankte, in der die Arbeitslosenrate zwischen 4,2 und
7,5 Prozent (jahreszeitlich bedingt) lag.
Charakteristika der Doppelbeschäftigung
Die meisten Zweitarbeitsplätze wurden im Zeitpunkt der Erhebung
(Mai 1964) von Männern ausgefüllt. Während 6,9 Prozent aller tätigen
männlichen Arbeitskräfte einen zweiten Arbeitsplatz hatten, waren es
bei den Frauen lediglich 2,1 Prozent.
Die folgende Übersicht zeigt insbesondere die auffallend große
Zahl von 25 bis 44 Jahre alten Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen. Ihr Anteil von 8,3 Prozent liegt um mehr als 50 Prozent über
der Durchschnittsrate. Die Zahl der weißen und die der farbigen Arbeitnehmer halten sich hier .die Waage.
Tabelle 1

�TABELLE 1
PERSONEN MIT ZWEI ODER MEHR ARBEITSPLÄTZEN

Männer

Gru

PP e

Frauen

Zahl
Anteil in Prozent
in 1000
an der Gesamtbeschäftigtenzahl
der Gruppe

Zahl
Anteil in Prozent
in 1000
an der Gesamt beschäftigtenzahl
der Gruppe

Gesang l

14 Jahre und älter

3215

6,9

511

2,1

14-19 Jahre

154

4,7

37

1,8

20-24 Jahre

229

5,3

25-44 Jahre

1700

8,3

53
219

1,8
2,3

45-64 Jahre

1056

6,5
3,6

185
17

2,1
1,7

65 Jahre und älter

76

Die Entscheidung, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen, dürfte
hauptsächlich von wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt sein. Denn die
verheirateten Männer, die 9/10 aller Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ausmachen, vlesen mit einem Anteil von 7,6 Prozent eine relativ hohe
Doppelbeschäftigungsrate auf. Bei den Junggesellen dagegen belief sich der
Anteil der Doppelbeschäftigten, an der Gruppen Gesamtbeschäftigtenzahl lediglich auf 4,5 Prozent. Bei den Teenagern und den älteren - über 65 Jahre alten - Arbeitskräften war die Doppelbeschäftigung dagegen relativ gering.
Der Einfluß der Arbeitszeit auf die Doppelbeschäftigung
Verleitet eine kurze Arbeitswoche die Arbeitnehmer dazu, einer weiteren Erwerbstätigkeit nachzugehen? Im Mai 1964 betrug die durchschnittliche
wöchtenliche Arbeitszeit von Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen an
ihrem Hauptarbeitsplatz 39 Stunden. Sie war damit ebenso lang wie die durchschnittliche Arbeitswoche der nur an einem Arbeitsplatz Tätigen. Auch bei
den Kurzzeitarbeitern (weniger als 35 Wochenstunden) ergibt sich praktisch
das gleiche Verhältnis. Nur bei den in der Landwirtschaft und im Baugewerbe
tätigen Lohn- und Gehaltsempfängern war ein.erheblicher Teil der Doppelbeschäftigten am ersten Arbeitsplatz weniger als eine volle (Normal«)Arbeitswoche tätig.
Eine

�Eine Beziehung zwichen den Doppelbeschäftigungsraten der einzelnen Wirtschaftszweige und dem Anteil der Teilzeitbeschäftigten in
diesen Branchen läßt sich nicht feststellen. Ein großer Prozentsatz
der im Handel Beschäftigten z.B. bestand im Zeitpunkt der Erhebung
aus Teilzeitarbeitern, aber die Doppelbeschäftigungsrate in diesem
Wirtschaftszweig war die niedrigste von allen. Auf der anderen Seite
war der Anteil der Kurzzeitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung
und im Transportwesen relativ gering, die Doppelbeschäftigungsrate
hier jedoch hoch.
Wie schon einleitend erwähnt, fordern in den USA verschiedene
Interessengruppen eine Verkürzung der normalen Arbeitswoche (bei Fortzahlung der bisherigen Bezüge), um mehr Arbeitsplätze für die Erwerbslosen zu schaffen. Ein in diesem Zusammenhang immer wieder gehörtes
Gegenargument ist, daß durch eine Verkürzung der Arbeitswoche die Zahl
der "moonlighter's" zunehmen würde. Wie aus den verfügbaren Unterlagen
jedoch hervorgeht, scheint diese Behauptung nicht ganz stichhaltig
zu sein, denn die Doppelbeschäftigungsrate ist bei Personen, die 41
und mehr Wochenstunden tätig sind, sogar etwas höher als bei jenen,
die nur durchschnittlich 35 bis 40 Stunden arbeiten.

TABELLE 2

Wirtschaftszweig

Doppelbeschäftigungsraten unter Berücksichtigung der am ersten Arbeitsplatz
geleisteten wöchentlichen Arbeitszeit
(Stand Mai i960
1-34 Std.

Nichtlandwirtschaftliche
Arbeitnehmer, gesamt

35-40 Std.

41 u.mehr Std

5,7 X

4,8 7.

6,2 X

10,0 X

4,8 7.

6,1 X

6,0 X

4,6 X

5,5 X

10,1 X

5,5 X

6,4 X

Groß- und Einzelhandel

4,1 X

2,9 X

5,0 X

Dienstleistungszweige

5,1 X

4,7 X

5,9 X

10,9 %

8,0 X

17,9 X

Baugewerbe
Fert igungs indus trie
Transportgewerbe

Öffentl. Verwaltung

Es besteht Grund zu der Annahme, daß Arbeitnehmer, die an ihrem
Hauptarbeitsplatz keine volle Arbeitswoche ableisten, sich in der Regel
um einen zweiten Arbeitsplatz bemühen - vor allem, wenn sie verheiratet
sind. Aus dieser Untersuchung ergibt sich, daß die in nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen in Teilzeitarbeit stehenden Lohn- und Gehaltsempfänger eher geneigt sind, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen,
als jene, die 35 bis 40 Wochenstunden tätig sind. So ist zum Beispiel die

- 4 -

�dl« Doppelbeschäftigungsrate unter den Teilzeitarbeitern des Baugewerbes etwa zweimal so hoch wie die für Vollzeitbeschäftigte.
Wie aus der Übersicht weiter zu entnehmen ist, waren rund 70
Prozent aller Doppelbeschäftigten an einem Arbeitsplatz vollbeschäftigt, während sie ihren zweiten Arbeitsplatz als Teilzeitarbeiter ausfüllten (Tabelle 3). Mit Ausnahme einer kleinen Minderheit (7 Prozent, die zwei Arbeitsplätze voll ausfüllten), waren die
übrigen (23-Prozent) an beiden Arbeitsplätzen nur halbtagsbeschäftigt.
Doppelbeschäftigte, die ihren Hauptarbeitsplatz in der Industrie, im Transportgewerbe, in den öffentlichen Versorgungsbetrieben und in der öffentlichen Verwaltung haben, gehen in der Regel
einer Vollbeschäftigung nach. Im Baugewerbe, im Handel und in den
Dienstleistungszweigen (in denen sehr viele Frauen beschäftigt
werden) sind dagegen Vollarbeitsplätze von Doppelbeschäftigten
weniger zahlreich. Die Teilzeitarbeit war am stärksten bei den Lohaund Gehaltsempfängern in der Landwirtschaft ausgeprägt, wo etwa die
Hälfte aller Doppelbeschäftigten zwei Teilzeitarbeitsplätze hatte gegenüber knapp 25 Prozent in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen.
Wie erwartet, war die Gesamtarbeitszeit der Doppelbeschäftigten
länger als die der Arbeitnehmer mit nur einem Arbeitsplatz. Im Erhebungszeitraum waren über 3/4 aller "moonlighters" mehr als.40
Stunden in der Woche tätig (von den Arbeitnehmern mit nur einer Beschäftigung dagegen rand 1/3). Sie machten allerdings nur 12 Prozent
aller Personen aus, die eine wöchentliche Arbeitszeit von 41 und
mehr Stunden aufwiesen. Die durchschnittliche Zahl der geleisteten
wöchentlichen Arbeitsstunden betrug bei den Doppelbeschäftigten 53.
Die selbständigen Farmer unter ihnen brachten es dagegen im Durchschnitt auf 60 Wochenstunden. Die Spanne der wöchentlichen Arbeitszeit der Doppelbeschäftigten mit einer nichtlandwirtschaftlichen
Haupttätigkeit lag zwischen 47 Stunden (Bauhandwerk) und 56 Stunden
(Angestellte der öffentlichen Verwaltung).
An ihrem zweiten Arbeitsplatz arbeiteten die Männer im Durchschnitt pro Woche 13, die Frauen dagegen nur acht Stunden.
Doppelbeschäftigung und Wirtschaftszweig
Selbständige Farmer und Landarbeiter wiesen auch weiterhin
höhere Doppelbeschäftigungsraten auf als die Arbeitnehmer in den
meisten nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der amerikanischen Wirtschaft (Tabelle 4). Die Zahl der Doppelbeschäftigten mit landwirtschaftlichem Hauptberuf entsprach.bei dieser letzten Erhebung der
in den beiden, vorhergehenden Untersuchungen festgestellten. Während jedoch die Gesamtbeschäftigung in der Landwirtschaft zwischen
Mai 1962 und Mai 1964 zurückging, stieg die.Doppelbeschäftigungsrate von 6,7 auf 8,1 Prozent an. Der Anteil der Doppelbeschäftigten
mit mindestens einem Arbeitsplätzen der Landwirtschaft (mehr als
25 Prozent) ist in den vergangenen Jahren.relativ stabil geblieben,
obwohl die Landwirtschaft heute nur noch einen Anteil an der Gesaratbeschäftigtenziffer von 7 Prozent aufweist. Da die Arbeit in der
Landwirtschaft verhältnismäßig fletibel gestaltet werden kann, ist es
Tab. 3 u. 4

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�TABELLE 4
PERSONEN MIT ZWEI UND MEHR ARBEITSPLÄTZEN, NACH
WIRTSCHAFTSZWEIG UND BERUFSGRUPPE, 1957-64

Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl des
Wirtschaftszweiges des 1. Arbeitsplatzes
(in Prozent)

Wirtschaftszweig
und
Berufsgruppe

Mai 1964 Mai 1962 Dezember 1960 Juli 1958

Juli 1957

Gesamtwirtschaft

5,2

4,9

4,6

4,8

5,3

Landwirtschaft

8,1

6,7

6,7

9,3

11,0

Lohn- und Gehaltsempfänger

8,8

6,2

6,7

13,2

12,1

Selbständige

9,3

7,5

7,6

8,1

10,7

Unbezahlte Familienmitglieder

3,7

5,2

3,6

6,9

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Selbständige,

2,7

3,0

2,8

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Unbezahlte Familienmitglieder

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2,9

1,1

2,2

3,9

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Industrie
Lohn- und Gehaltsempfänger
Forstwirtschaft,
Fischerei, Bergbau
Baugewerbe
FertigungsIndustrie
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Versorgung
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Dienstleistungszweige, Finanz
Öffentl.Verwaltung

- 7-

3,9
4,6

�es auch einer großen Zahl von Farmern möglich, einer Arbeit in
einem anderen Wirtschaftszweig nachzugehen. Die meisten der rund
1 Million Doppelbeschäftigten mit einem Arbeitsplatz in der Landwirtschaft waren Farmer im Nebenberuf. Für viele dieser Arbeitskräfte ist die Landwirtschaft früher zweifellos die Haupterwerbsquelle gewesen. Auf Grund ihrer geringen Einkünfte aus ihren Randbetrieben hatte sich jedoch auch bei ihnen der Wunsch, einen weiteren Arbeitsplatz zu übernehmen, immer mehr verstärkt. Hinzu kam,
daß mit dem Vordringen der Industrie in die Agrargebiete. sich
zwangsläufig zahlreiche neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die
Farmer ergaben.
Diejenigen Arbeitnehmer, die man allgemein als die eigentlichen
'•moonlighters" bezeichnet - Personen mit zwei oder mehreren nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen -, machen mit 1,9 Millionen rund
die Hälfte aller Doppelbeschäftigten aus. Zu den Berufsgruppen mit
einem hohen Hundertsatz an Doppelbeschäftigten zählen die öffentlichen Verwaltungs- und Behördenangestellten. Besonders stark ausgeprägt ist die Doppeltätigkeit bei den Festangestellten (14 Prozent).
Die hohen Raten bei Postangestellten, Feuerwehrleuten, Polizisten
und anderen Behördenangestellten resultieren- vielleicht daraas, daß
diese Personenkreise Arbeitszeiten und Dienstpläne haben, durch die
ihnen die Ausübung einer weiteren Tätigkeit erleichtert wird. Auch
auf Grund ihrer Schulbildung, ihrer speziellen beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen ist es vielen aus diesen Berufsgruppen leichter möglich, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen, als Angehörigen anderer Arbeitnehmergruppen.
Zu den anderen Arbeitnehmern, die auf Grund ihrer Haupttätigkeit für eine Doppelbeschäftigung prädestiniert erscheinen, gehören
die Lehrer sowie die in der Fischerei, im Forstwesen, im Bergbau,
im Bauhandwerk, im Transportgewerbe, in der Unterhaitungsr und Freizeitindustrie und in den öffentlichen Versorgungsbetrieben Tätigen.
Diese Wirtschaftszweige umschließen sowohl Arbeitnehmer mit. umfassenden als auch mit geringen beruflichen Kenntnissen sowie solche mit
hohem als auch mit niedrigem Einkommen. Obwohl der Wunsch nach einem
höheren Einkommen der Hauptgrund für die Übernahme eines zweiten
Arbeitsplatzes ist, so hängt doch das Ausmaß der Doppelbeschäftigung
auch von den besonderen Verhältnissen und Gegebenheiten in den einzelnen Wirtschaftszweigen ab. Die höhe Rate in den Lehrberufen zum
Beispiel resultiert zweifellos.einerseits aus der Fähigkeit der Lehrer, ihre speziellen Kenntnisse auch in anderen Berufen nutzbringend
einzusetzen, zum anderen aber aus dem Wunsch, einen ihrem sozialen
Status entsprechenden Lebensstandard zu erreichen. Ein weiterer Faktor ist die relativ geringe Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden.
Die meisten Doppelbeschäftigten arbeiteten jeweils in zwei verschiedenen Wirtschaftszweigen. Von den 25 Prozent der Doppelverdiener
zum Beispiel, die ihren ersten Arbeitsplatz in einem Fertigungsbetrieb
hatten, arbeiteten nur 6 Prozent wiederum in einer Fabrik. Das große
Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen im Einzelhandel ist zweifellos mitverantwortlich dafür, daß in diesem Wirtschaftszweig der Anteil der
Zweitarbeitsplätze größer ist als der der Erstarbeitsplätze.
Über

8 -

�Über die Hälfte (52 Prozent) aller Zweitarbeitsplätze stellten
im Mai 1964 der Handel und die Dienstleistungszweige; 40 Prozent
schlössen eine unselbständige und 12 Prozent eine selbständige Tätigkeit ein.
Ein wesentlich größerer Teil aller Doppelbeschäftigten als am
ersten Arbeitsplatz war am zweiten Arbeitsplatz selbständig - 32 Prozent gegenüber 11 Prozent.
Während die überwiegende Mehrheit der Doppelbeschäftigten (2,1
Mio.) Lohn- oder Gehaltsempfänger an beiden Arbeitsplätzen war, hatten
1,6 Millionen jeweils ein selbständiges und ein unselbständiges Beschäftigungsverhältnis. Rund die Hälfte der letzten Gruppe war Farmer.
Berufsgruppen und Doppelbeschäftigung
Wie schon die vorhergehenden Untersuchungen, zeigt auch die Erhebung vom Mai 1964, daß die Farmer und die in den Fachberufen Tätigen
die größten Doppelbeschäftigungsraten aufweisen, nämlich 10 bzw.. 7
Prozent. Beide Gruppen zusammen haben einen Anteil an der Gesamtzahl
der Doppelbeschäftigten von 25 Prozent und an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit nur einem Arbeitsplatz von über 15 Prozent.
Die männlichen Arbeitskräfte weisen auch weiterhin höhere Doppelbeschäftigungsraten auf als die Frauen. In einigen Berufsgruppen sind
die Unterschiede relativ stark ausgeprägt. Bei den Volks- und Ober
schullehrern zum Beispiel wiesen die Männer, eine Doppelbeschäftigungsrate von 16,5 Prozent auf, das ist im Vergleich zu den weiblichen
Lehrkräften mit zwei Tätigkeiten eine rund fünfmal so große Rate.
Die meisten Erwerbspersonen, die zwei Beschäftigungen nachgingen,
arbeiteten an ihrem Zweitarbeitsplatz nicht, im gleichen Beruf. Mit 80
Prozent war der Prozentsatz der in zwei verschiedenen Berufen Tätigen
beim Verkaufspersonal und bei den Mechanikern am größten; am niedrigsten (50 Prozent) war er bei den Fach- und technischen Berufen (Tabelle
5). Etwa 75 Prozent aller Betriebsleiter und Unternehmensinhaber, der
Handwerker und des Dienstleistungspersonals (ohne die im Haushalt Beschäftigten) sowie dar landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaft
liehen Hilfsarbeiter arbeiteten an ihrem zweiten Arbeitsplatz nicht im
gleichen Beruf. Die selbständigen Farmer wurden nur dann zu den Doppelbeschäftigten gezählt, wenn sie an.ihrem zweiten Arbeitsplatz Lohnoder Gehalt erhielten. Ein Viertel aller Farmer zum Beispiel waren an
ihrem zweiten Arbeitsplatz als Landarbeiter und etwa, ein gleicher Prozentsatz als "Operatives" tätig. In fast allen anderen Berufsgruppen
waren mindestens 10 Prozent aller.Personen mit mehr als. einem Arbeitsplatz Farmer in ihrer Zweittätigkeit, wobei der Anteil bei den,Handwerkern und Mechanikern sogar 27 Prozent ausmachte (21 Prozent bei den
Landarbeitern). Von den Angehörigen der Fach- und technischen Berufe
waren nur relativ wenige Personen am zweiten Arbeitsplatz als ."Arbeiter"
(blue-collar worker) oder Arbeitnehmer eines Dienstleistungszweiges
tätig, während andererseits rund 40 Prozent der Doppelbeschäftigten des
Verkaufs- und Büropersonals solche Arbeitsplätze .innehatten. Demgegenüber wurdenrausgeprochene "White-collar"=Nebenberufe von fast .25 Pro~
zent der Handwerker, Mechaniker und Dienstleistungsarbeiter ausgefüllt.
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Tabelle 5

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�Di«, folgende Übersicht zeigt, wie hoch der Anteil der Doppelbeschäftigten in den einzelnen Berufsgruppen war, die als Zweitarbeit eine selbständige Tätigkeit ausführten.

Selbständig am 2. Arbeitsplatz

Berufsgruppe
Alle Berufsgruppen

31,5 Prozent

Farmer und Verwalter

98,7

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Manager, Geschäftsinhaber (ohne Farm)

57,9

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Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.

29,6

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Fach- und techn. Berufe

24,4

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6,0

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Sämtliche anderen Berufsgruppen

Wie erklärt es sich nun, daß 3,7 Millionen Arbeitnehmer einen zweiten Arbeitsplatz ausfüllten, während gleichzeitig 2,9 Millionen Personen mit Arbeitserfahrung im Erhebungszeitraum ohne Arbeit waren? Verschiedene Faktoren erklären diese augenscheinliche Anomalie. Rund 1/3
aller Zweitarbeitsplätze werden nämlich von Selbständigen ausgefüllt,
die diese Arbeitsplätze aus wirtschaftlichen Gründen selbst geschaffen
haben. Nur relativ wenige Arbeitslose besitzen aber die erforderlichen
beruflichen Fähigkeiten, die Berufserfahrungen und auch die Neigung,
solche Tätigkeiten zu übernehmen, ganz zu schweigen von den finanziellen Mitteln, die vielfach vorausgesetzt werden. Ebenso zeigt ein Vergleich der Berufe der berufserfahrenen Erwerbslosen mit den Zweitarbeitsplätzen der Doppelbeschäftigten, daß in einigen Berufsgruppen die Zahl
der Arbeitslosen die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger, die "moonlighters" in diesen Tätigkeitsbereichen waren, weit übersteigt. Außerdem
suchen die Erwerbslosen in erster Linie einen Vollzeitarbeitsplatz, während die eine Zweittätigkeit Suchenden eine Teilarbeit anstreben, wie
auch die Tatsache zeigt, daß sie im Durchschnitt nur 13 Stunden pro
Woche an ihrem zweiten Arbeitsplatz tätig sind.
Außerdem sollte in diesem Zusammenhang beachtet werden, daß die Erwerbslosigkeitsraten bei den Männern in jenen Altersgruppen am niedrigsten sind, in denen die Doppelbeschäftigungsraten am höchsten liegen.
In der Männer-Altersgruppe 35 bis 44 Jahre zum Beispiel ist die Doppelbeschäftigungsrate die höchste (8,4%) und die Erwerbslosigkeitsrate (2,4%)
gleichzeitig die niedrigste von.allen. Auf der anderen Seite liegen die
Erwerbslosigkeitsraten bei den Jugendlichen und den älteren Personen weit
über dem Durchschnitt, während die Doppelbeschäftigungsraten hier die niedrigsten sind.
Diese Untersuchung zeigt, daß durch die Doppelbeschäftigung den Erwerbslosen im allgemeinen keine Beschäftigungsmöglichkeiten vorenthalten
werden, denn nur relativ wenige Arbeitslose würden oder könnten die Zweitarbeitsplätze übernehmen, die von den Personen mit zwei Arbeitsplätzen
ausgefüllt werden.
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 88, Nr. 3, März 1965)

+ ++++
- 11 -

�Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Automationszeltalter
Obwohl die Vereinigten Staaten gegenwärtig ihre längste Prosperitätsperiode in Friedenszeiten erleben, sehen sie sich in Anbetracht
der stark ansteigenden Bevölkerungsziffer und der verstärkten Auswirkungen der Automation auf das Arbeitspotential nicht unerheblichen
Anpassungsproblemen gegenüber - Problemen, die in den nächsten Jahren
wichtige wirtschafts- und arbeitspolitische Entscheidungen erfordern
werden.
Die sich auf dem Beschäftigungssektor abzeichnenden Zukunftsprobleme sind von zweierlei Art. Einmal gilt es, bis 1970 jährlich rund
1,5 Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen, und zum anderen müssen
die weniger qualifizierten Arbeitskräfte wissensmäßig und beruflich
so gefördert und weitergebildet werden, daß sie sich im Zeitalter einer wissenschaftlichen und technischen Revolution in ihrem Beruf behaupten können.
In den vergangenen 51 Monaten der wirtschaftlichen Expansion konnten insgesamt 6,6 Millionen Amerikaner in neue Arbeitsplätze vermittelt werden. Gegenwärtig stehen rund 72 Millionen Personen in Arbeit.
Die stärkste Beschäftigungszunahme wurde 1964 verzeichnet, als 1,5
Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.
Im vergangenen Monat belief sich die Erwerbslosenrate (gemessen
an der Zahl der Beschäftigten) nur noch auf 4,6 Prozent; das ist der
niedrigste Stand seit Oktober 1957. Die Zahl der Arbeitslosen beläuft
sich gegenwärtig zwar nur auf 3,3 Millionen, aber mit Beginn der Universitäts- und Schulferien im Juni ist für die Sommermonate mit einer
leichten Zunahme zu rechnen.
Während aber die Gesamtbeschäftigtenzahl in den vergangenen Jahren ständig angestiegen ist, hat sich der Bedarf an ungelernten Arbeitern von Jahr zu Jahr verringert. Und in dem Maße, wie die Maschinen
die Muskelkraft weiter verdrängen, werden sich auch die bildungsmäßigen Anforderungen erhöhen, die an die Arbeitnehmer gestellt werden.
Entscheidend für die künftige wirtschaftliche Gesamtentwicklung wird
dabei sein, ob die bildungsmäßige Anpassung an die neuen Gegebenheiten
am Arbeitsmarkt reibungslos und glatt vollzogen werden kann.
Denn es kommt nicht nur darauf an, daß die zum Arbeitsmarkt drängenden Jugendlichen alle bildungsmäßigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn mitbringen, sondern auch,, daß die Farbigen in der Lage sind, die ihnen jetzt gebotenen Berufschancen zu
nutzen, und daß die älteren, aus ihren angestammten Berufen herausgerissenen Menschen wieder auf produktive Aufgaben in der Wirtschaft
vorbereitet und in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden.
Wie weit die technische Revolution in der
bereits vorgeschritten ist, zeigt allein schon
schen 1950 und 1960 die Zahl der Ingenieure um
hat und damit viermal so stark angestiegen ist
tenzahl.

amerikanischen Wirtschaft
die Tatsache, daß zwi64 Prozent zugenommen
wie die Gesamtbeschäftig-

Auch die Beschäftigungsstruktur hat sich in den vergangenen 18 Jahren beträchtlich verändert. Während zwischen 1947 und 1964 der Anteil
der "Arbeiter", der "blue-collar workers", an der Gesamtbeschäftigten-

- 12 -

�Gesamtbeschäftigtenzahl von 41 auf 36 Prozent zurückging, erhöhte sich
der Anteil der Angestellten, der "white-collar workers", von 35 auf
44 Prozent. In der Landwirtschaft ist sogar ein Rückgang der Zahl
der Arbeitskräfte in knapp einer Generation um 60 Prozent - von 14
auf 6 Prozent des Gesamtarbeitspotentials - eingetreten.
Ein ebenso bedeutsamer Trend, der sich in den Nachkriegs jähren
immer stärker ausprägte, drückt sich in dem steigenden Arbeitskräftebedarf der öffentlichen Verwaltungen aller Ebenen aus. Jeder dritte
seit 1947 neu entstandene Arbeitsplatz auf dem nichtlandwirtschaftlichen Sektor entfällt auf die Behörden des Bundes, der Einzelstaaten
oder Gemeinden. Im Jahre 1962 wurden insgesamt 9,2 Millionen Personen
in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt, davon 6,7 Millionen in den
einzelstaatlichen und kommunalen Behörden.
Der Bedarf an Arbeitskräften allein auf diesen beiden Verwaltungsebenen wird sich nach zuverlässigen Schätzungen bis 1975 um 50 Prozent
erhöhen. Auslösende Faktoren sind hier der zu erwartende Anstieg der
Bevölkerungszahl von gegenwärtig 192 Millionen auf 230 Millionen (1975)
und 250 Mi lionen (1980) sowie die steigenden Anforderungen auf den
Gebieten der Gesundheitsfürsorge und der Medizin, des Erziehungswesens
und der Sozialfürsorge. Damit wird ein erheblicher Mehrbedarf an Ärzten, Wissenschaftlern aller Art, Ingeni«"J^in,, Lehrern und Professoren
sowie an Sozialwissenschaftlern und Juristen verbunden sein.
Die US-Regierung ist schon seit einigen Jahren intensiv bemüht,
durch umfassende, staatlich geförderte Programme auf dem Gebiet der
Erziehung und der Berufsausbildung diesen künftigen Problemen Rechnung
zu tragen. In Zusammenarbeit mit den Schulverwaltungen der Einzelstaaten und Gemeinden strebt sie dabei nicht nur eine intensivere, berufsnahe Ausbildung in den Oberschulen an, sondern auch eine berufliche
Fortbildung von Schulentlassenen und bereits im Beruf stehenden Personen, damit diese in höhere Positionen aufrücken oder neue Arbeitsplätze
übernehmen können. Im Jahre 1963 nahmen insgesamt 4,2 Millionen Amerikaner an solchen berufsfördernden Kursen teil.
Auch die Lehrlingsausbildungsprogramme (finanzielle Beihilfen für
den Lehrbetrieb) und die Umschulungsprogramme für ältere - aus ihren
Arbeitsplätzen verdrängte - Arbeitnehmer werden von der Bundesregierung
intensiv gefördert. Bisher konnten über 50 000 ältere Personen, darunter
40 000 Arbeitsplatzverdrängte in Notstandsgebieten (Gewährung von Unterhaltsbeihilfen während der Umschulung), auf neue Berufe umgeschult werden.
Weitere Schwerpunktmaßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit
und Verbesserung der allgemeinen Berufschancen sind: das Strukturprogramm für das Appalachengebiet, wo zwischen 1950 und 1960 insgesamt
641 000 Bergleute und Landarbeiter ihre Arbeitsplätze verloren; die
Schaffung eines Jugendaufbaukorps und eines Nationalen Hilfskorps Einrichtungen, die die Jugendlichen bzw. älteren Arbeitnehmer bei Ausübung einer praktischen Tätigkeit auf einen Beruf vorbereiten sollen sowie die im vergangenen Jahr vom Kongreß verabschiedeten Gesetze über
die finanzielle Unterstützung durch den Bund bei der Errichtung neuer
Bildungseinrichtungen aller Ebenen.
Alle

- 13 -

�Alle diese gezielten Programme und Maßnahmen dürften zweifellos
wesentlich dazu beitragen, daß die sich auf dem Beschäftigungssektor
abzeichnenden Zukunftsprobleme mit Erfolg gemeistert werden und der
amerikanischen Wirtschaft damit ein kontinuierliches Wachstum gesichert
wird.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Hilfe für die älteren Menschen
Man kann sich als Europäer nur schwer vorstellen, daß ein 95jähriger Amerikaner - und es gibt nicht wenige davon - Zeuge einer Epoche
ist, die mehr als die Hälfte der amerikanischen Geschichte umfaßt. Die
Vereinigten Staaten sind eben noch ein relativ junges Land, und diese
Tatsache mag vielleicht auch die Vitalität auf vielen Gebieten des
amerikanischen Lebens erklären, ganz zu schweigen von den harten geistigen Auseinandersetzungen; und sie erklärt vielleicht auch, warum
die speziellen Probleme der älteren Menschen erst in jüngster Zeit
mehr und mehr in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt
sind und auch die Regierung sich in zunehmendem Maße - ausgelöst durch
die öffentliche Diskussion - mit den sozialen und wirtschaftlichen Problemen der älteren Bürger auseinandersetzt.
Der unmittelbare Anlaß hierfür ist darin zu sehen, daß sich die
Zahl der älteren Menschen - also der 65jährigen und älteren - sowohl
absolut als auch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in den letzten
Jahren ganz wesentlich erhöht hat: Gegenwärtig fällt fast 1/10 der Gesamtbevölkerung - das sind mehr als 18 Millionen Menschen -.in diese
Altersgruppe, und im Jahre 1980 werden es - bei einem noch höheren Anteil - sogar mehr als .23 Millionen sein.
Selbstverständlich gibt es auch in den USA schon seit längerem
zahlreiche Regierungsprogramme zur Unterstützung der älteren Menschen das Sozialversicherungsgesetz und die Sozialhilfepro,.ramme sind Beispiele
hierfür -, wenngleich eine gezielte Sozialpolitik in dieser Hinsicht erst
seit 1962 von der Regierung verfolgt wird. Damals begann die. US-Regierung damit, insgesamt 45 Einzel Programme zu.koordinieren und zusammenzufassen, und rief einen Präsidialausschuß für Altersfragen ins Leben,
der sich aus den Leitern von insgesamt acht Ministerien und Regierungsbehörden zusammensetzt.
In Erinnerung an dieses Ereignis und in Würdigung der verstärkten
Bemühungen um das Wohl der älteren Menschen hat Präsident Johnson den
Mai zum '•Monat der älteren Bürger11 erklärt und die Sozialarbeit auf diesem Sektor in diesem Jahr unter das Motto "Kommunale Hilfsaktionen für
die älteren Menschen" gestellt.
Gleichzeitig konnte der Präsidialausschuß in seinem letzten Jahresbericht auf zahlreiche Erfolge hinweisen, die 1964 in der Altershilfe
erzielt werden konnten. So wurden im vergangenen Jahr unter anderen 11

- 14 -

�11 verschiedene Gesetze vom Kongreß verabschiedet, die sich auch
mit der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der älteren Menschen befassen, und über 19 Mrd. Dollar (die Aufwendungen der
Einzelstaaten und Gemeinden nicht gerechnet) für die verschiedensten
sozialen Zwecke allein vom Bund ausgegeben.. Als wichtigster Punkt für
dieses Jahr steht das Krankenversicherungsprogramm für ältere Menschen
zur Verabschiedung Im Kongreß an, das als ein wesentlicher Schritt zur
Verbesserung Ihrer Lage angesehen wird.
Der Krankheitsfall ist für die älteren Menschen in den Vereinigten Staaten insofern problematisch, als es dort keine staatliche Krankenversicherung nach europäischen Vorbildern gibt, sondern jeder Arbeitnehmer sich gegen Wechselfälle nach eigenem Ermessen privat versichern
muß. Hinzu kommt noch, daß zahlreiche über 65 Jahre alte
Menschen nur eine geringe Rente erhalten, da die Altersversicherung
in den USA erst im Jahre 1935 eingeführt wurde.
Nach dem letzten Stand beziehen mehr als 13,4 Millionen Personen
im Alter von 65 Jahren und darüber eine Rente aus der staatlichen Sozialversicherung. Die jährlichen Rentenleistungen betragen dabei 11,5
Mrd. Dollar. Hinzu kommen noch Renten in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar, die
an Anspruchsberechtigte ausgezahlt werden., die sich vorzeitig - im Alter von 62-64 Jahren - pensionieren ließen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 7/8

Bad Godesberg, den 1. Juli 1955

INHALTSVERZEICHNIS

Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung
von 321 Berufen

Seite

1

Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt

Seite

9

US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige

Seite 10

Chrysler startete bemerkenswertes Uraschulungsprogramm
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder

Seite 11
Seite 12

Eine Einkommenskala der US^ unter Berücksichtigung von 321 Berufen
Die durchschnittlichen Jahreseinkommen männlicher Arbeitnehmer in
insgesamt 321 für diese Erhebung speziell ausgewählten Berufen bewegten sich im Jahre 19591) zwischen 14 561 (Arzte) und 550 Dollar (Zeitungsjungen). Klammert man die oberen und die unteren 10 Prozent der
Einkommenskala (je 31 Berufe) aus, so ergeben sich Jahresverdienste
für die restlichen Berufsgruppen zwischen 7780 und 2857 Dollar.
Erwartungsgemäß liegen Berufe, die Universitätsbildung oder eine
ähnliche Fachausbildung voraussetzen, an der Spitze der Einkommenskala
(26 der ersten 32 gehören zu den sogenannten "professions"). Einige
akademische Berufe dagegen rangieren in dieser Einkommenskala ziemlich
weit unten. Ein Grund dafür mag darin zu suchen sein, daß es sich bei
diesen Berufen vielfach um solche handelt, in denen mehr Frauen tätig
sind (Lehrer, Bibliothekar usw.).
Di
Die in dieser Untersuchung verwendeten Angaben wurden aus den Unterlagen der 1960 durchgeführten Volkszählung gewonnen. Durch Hinzurechnung von etwa 10 Prozent erhält man in etwa die derzeitigen Verdienste in den einzelnen Berufsgruppen.

- 1-

�Die zahlreichen Faktoren, die die Einkommen der einzelnen
Berufssparten bestimmen, begünstigen die Bildung einer Einkommensstruktur, die relativ "geschlossen" ist. In den Einkommensunterschieden zwischen den einzelnen Berufen spiegeln sich Tausende unabhängiger Lohn- und Gehaltsentscheidungen von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern wider, und ebenso kommen in ihnen zahlreiche andere
Formen des Leistungsentgelte - so etwa die Honorare der Ärzte zum Ausdruck. In außergewöhnlichen Perioden, wie etwa in. Eriegszeiten, können bedeutende Veränderungen und Umschichtungen in den
Beziehungen der Berufsgruppen zueinander eintreten, und für einige
Berufsgruppen, insbesondere für Ingenieure und Wissenschaftler, hat
die erhebliche Ausweitung der Elektronik« und Raumfahrtindustrie
ganz wesentliche Auswirkungen auf ihre Einkommensposition gehabt.
Methodik der Untersuchung
Aus den über 500 Berufen, von denen Einkommensunterlagen zur
Verfügung standen, wurde eine Liste von insgesamt 321 Berufen zusammengestellt. Die nicht berücksichtigten Berufe gehören hauptsächlich
zu denjenigen der einzelnen Wirtschaftszweige, die kein oder nur ein
ganz geringes Fachwissen erfordern. Die Einstufung der einzelnen Berufe in der Einkommenskala - von den niedrigsten bis zu den höchsten
Einkommen - erfolgte unter Berücksichtigung des Hittelwerts. Die Bezeichnung der Berufe entspricht den allgemein üblichen Definitionen.
Der in der Einkommenskala aufgeführte "Einkommensindex" basiert auf
dem Durchschnittseinkommen (3052 Dollar = 100) zahlreicher Gruppen
von "Arbeitern".
Die Einkommensunterschiede
Wie aus der Einkommensübersicht auf den Seiten 5 bis 8 hervorgeht, weisen die akademischen und die Manager-Berufe die höchsten und
die ungelernten Arbeiter die geringsten Einkommen auf. An der Spitze
der Einkommenskala stehen die Ärzte (14 561 Dollar), das Schlußlicht
bilden die Zeitungsjungen mit einem Jahreseinkommen von 550 Dollar.
In der Mitte, in der sich die meisten Berufe konzentrieren, gibt es
zahlreiche Überschneidungen. Legt man die Zahl der Schul- und Ausbildungsjahre zugrunde, so zeigt sich, daß mit der Länge der Ausbildungszeit auch die Einkommen ansteigen. Dennoch gibt es hier einige bemerkenswerte Ausnahmen. Eine der Ursachen dafür, daß die Einkommen der
männlichen Akademiker in einigen Berufen relativ niedrig erscheinen,
dürfte mit darin liegen, daß in diesen Berufen ein sehr hoher Prozentsatz Frauen tätig ist, die vielfach geringere Gehälter beziehen als
die Männer. Ein anderer Grund scheint zu sein, daß in einer Berufsgruppe ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer eine jährliche Beschäftigungsdauer von weniger als 50 Wochen aufweist. Auch bei einigen Handwerkerberufen fallen die relativ niedrigen Jahreseinkommen - trotz
hoher Stundenlöhne - auf, die darauf zurückgeführt werden könnten, daß
es sich hier in den meisten Fällen um ausgesprochene Saisontätigkeiten
handelt. Wenn auch die ersten 10 Berufe der Einkommenskala, mit einer
einzigen Ausnahme, der traditionellen Berufshierarchie entsprechen,
so sind doch die nächsten 10 Ränge typisch für unsere Zeit: 5 davon
sind technische und 2 sind wissenschaftliche Berufe.
Die

- 2 -

�Die akademischen Berufe
Die meisten akademischen Berufe stehen in der Einkommenskala mit
an der Spitze. Von den 32 bestbezahlten Berufen gehören 26 zu dieser
Kategorie. Anderseits gibt es auch zahlreiche akademische Berufe, die
eine ähnliche Ausbildung voraussetzen wie die besser bezahlten, die
aber verhältnismäßig niedrigere mittlere Einkommen aufweisen. Zu diesen Berufen zählen vor allem die kirchlich-geistlichen Berufe, die Lehrer und Bibliothekare - Gruppen, in denen (mit Ausnahme von Geistlichen)
der Anteil der weiblichen Berufstätigen ziemlich groß ist. Bei einigen
dieser Berufe war außerdem der Anteil derjenigen Arbeitnehmer verhältnismäßig hoch, die weniger als 50 Wochen pro Jahr beschäftigt waren.
Zu den besser bezahlten Berufen gehören auch die Gruppen der
Manager, der wirtschaftlichen Führungs- und Spitzenkräfte. Drei dieser
Gruppen - Selbständige im Bankgewerbe, Selbständige in der Versicherungswirtschaft und im Maklergewerbe sowie Angestellte der Industrie - sind
auf den 10 höchsten Rängen der Einkommenskala zu finden. Spitzenkräfte
in Führungspositionen des Einzelhandels dagegen rangieren erst in der
unteren Hälfte der Skala. Der Bildungsweg der Berufstätigen in der Gruppe
der wirtschaftlichen Führungskräfte ist erheblich kürzer als der der
Akademiker in vergleichbaren Einkommenskategorien.
Verkaufs- und Büropersonal
Die Jahreseinkommen der in dieser Kategorie aufgeführten Arbeitnehmer gehen weit auseinander. Die Aktien- und Wertpapierverkaufer und
das Verkaufspersonal industrieller Unternehmen führen hier die Einkommensliste an. Die schulische Ausbildung und der Bildungsweg der Industrievertreter ist erheblich länger, ihr Bildungsniveau höher als das
des Verkaufspersonals im Einzelhandel.
Die meisten Berufe der Gruppe "Büroangestellte" sind in der unteren
Hälfte der Einkommenskala anzutreffen. Von den insgesamt 32 verschiedenen Berufen lag nur einer einkommensmäßig (Schadensregler bei Versicherungen) in der oberen Hälfte der Einkommenskala. Das Bildungsniveau dieser Versicherungsangestellten ist höher als das der anderen Bürokräfte.
Der Einkommensindex (Basis • Mittelwert der Einkommen zahlreicher
Arbeitergruppen) für die restlichen 31 Berufe der Büroangestellten bewegt sich zwischen 195 und 36.
Handwerkliche und Fachberufe
Der Einkommensindex dieser Gruppe von Arbeitnehmern weist sehr
große Ausschläge auf - von 249 (Lokomotivführer) bis 92 (Schuhmacher).
Die Indexziffern lassen erkennen, daß die häufig zitierten hohen Stundenlöhne der Handwerker keinen geeigneten Maßstab für die Jahreseinkommen darstellen. Im Jahre 1959 hatten sowohl die Maurer, Gipser und Betonmischer als auch die Möbeltischler, Automechaniker und Radio- und
Fernsehmechaniker einen Einkommensindex, der unter 160 Funkten lag, was
einem mittleren Einkommen von weniger als 4900 Dollar im Jahr entspricht.
Diese Diskrepanz zwischen den hohen Stundenlöhnen und den niedrigen Jahreseinkommen ist darauf zurückzuführen, daß ein großer Teil dieser Facharbeiter in ausgesprochenen Saisonberufen tätig ist.
Die

- 3 -

�Die höchsten Jahreseinkommen in diesen Berufsgruppen weisen die
Lokomotivführer, Meister, Photograveure, Lithographen und die Formund Werkzeugmacher auf. Meister mit größeren Weisungsbefugnissen
nähern sich mit ihrem Jahreseinkommen vielfach dem unteren Ende der
Gruppe der industriellen Führungskräfte.
Da die meisten Arbeitnehmer in diesen Berufen lediglich eine
rein handwerkliche Ausbildung benötigen, stehen Schulbildung und Einkommen in keiner so direkten Beziehung wie bei den anderen Berufsgruppen.
Angelernte Arbeiter und Hilfskräfte
Von den 41 aufgeführten Berufen dieser Gruppe sind 35 in der
unteren Hälfte der Einkommenskala anzutreffen. Der Einkommensindex
liegt hier zwischen 203 (Operateure von Schaltstationen in Kraftwerken)
und 63 (Frucht- und Gemüsesortierer und Packer). Generell sind die
bildungs- und berufsmäßigen Anforderungen, die an diese Arbeitnehmer
gestellt werden, geringer als die bei Facharbeitern. Die Jahreseinkommen werden gerade in dieser Gruppe von Schwankungen in der Beschäftigung beeinflußt. Eine relativ große Anzahl Arbeitnehmer in dieser
Gruppe weist eine Jahresbeschäftigung von weniger als 50 Wochen auf.
Die Hilfsarbeiter sind gewöhnlich die am schlechtesten bezahlten
Arbeitskräfte der Wirtschaft. Die von ihnen ausgeübten Tätigkeiten erfordern in der Regel nur geringe schulische und berufliche Kenntnisse.
Dennoch bestehen auch hier verhältnismäßig große Unterschiede in den
Jahreseinkommen. Die Hafenarbeiter zum Beispiel weisen einen Einkommensindex von 154 auf - in dem sich ohne Zweifel ein gewisses Maß an beruflichen Fähigkeiten und eine starke gewerkschaftliche Bindung ausdrücken.
Die Hilfsarbeiter der Industrie weisen allgemein höhere Einkommen auf
als die anderer Wirtschaftszweige.
Arbeitnehmer der Dienstleistungszweige
Die breite Einkommensstreuung bei den Beschäftigten des Dienstleistungsgewerbes spiegelt gleichzeitig die Vielzahl der Tätigkeiten
wider. Die Schutzkräfte - Feuerwehrleute, Polizisten, Sheriffs - stehen
an der Spitze der Einkommenskala in dieser Gruppe. Sie weisen auch das
höchste Bildungsniveau auf. Da sie meist im öffentlichen Dienst stehen,
müssen sie schon bei der Einstellung gewisse Anforderungen erfüllen.
Eine andere starke Gruppe ist die der Pförtner, Fahrkartenkontrolleure,
Schuhputzer und Hausangestellten. Sie weist allgemein ein sehr niedriges Bildungsniveau und eine geringe Gesamtarbeitszeit - bei häufigem
Stellenwechsel - auf. Sie rangiert auf der untersten Stufe der Einkommenskala.

TABELLE

�TABELLE

DIE EINKOMMENSKALA VON 321 AUSGEWÄHLTEN BERUFEN1' (AUSZUG)

Rang

Berufsgruppe

Mittl.Jahreseinkoramen
(in Dollar)

Durchschn. Anteil der
Schulzeit
Frauen im Beruf
(in Jahren)
(in Prozent)

14 561

477

17,5

6,8

Manager, selbst.
(Banken,Finanz) 12 757

418

14,3

5,2

1. Arzte
2.

Einkommens--^
index

3.

Zahnärzte

11 858

389

17,3

2,3

4.

Professoren
(Mediziner)

11 666

382

17,5

17,2

5. Richter,
Anwälte

10 587

347

17,4

3,5

6.

Piloten

10 274

337

13,5

0,6

11.

Physiker

9 043

296

17,2

4,2

16. Architekten

8 651

283

16,8

2,5

17.

Volkswirte

8 649

283

16,8

14,5

18.

Elektro-Ing.

8 553

280

16,2

0,8

8 534

280

16,3

1,0

Geologen und
Geophysiker

8 409

276

16,9

2,3

22.

Bergbauing.

8 359

274

16,5

0,3

29.

Professoren
(Techn.Hochsch.) 7 841

257

17,4

2,2

30.

Publ.Rel.Manager

7 826

256

16,1

23,1

32.

Mathematiker

7 780

255

17,1

26,5

34.

Psychologen

7 726

253

17,5

31,1

42.

Professoren
(Wirtschaftsw.)

7 447

244

17,

b,6

55.

Pharmazeuten

7 176

235

16,2

7,7

57.

Chemiker

7 120

233

16,6

8,6

61.

Photograveure,
Lithographen

7 026

230

12,2

5,2

Meister
(Industrie)

6 932

227

11,8

7,7

Redakteure und
Reporter

6 832

224

16,0

37,2

19. Metallurgen
20.

63.
67.

72,
5 -

�72. Buchprüfer
76. Werkzeugmacher

6 591

216

15,3

16,8

u.a.

6 503

213

11,7

0,6

83. Biologen
98. Verkäufer

6 383

209

17,2

26,7

(Großhandel)

6 011

197

12,6

4,1

Lokomotivführer

5 969

196

11,7

0,3

5 954

195

11,8

0,7

113. Flugzeugmechaniker
5 904

194

12,2

1,5

Inspektoren
(Öffentl.Verw.) 5 888

193

12,4

3,9

104.

106. Elektriker

116.
117.

Oberschullehrer

5 827

191

17,2

47,0

118.

Zugschaffner
(Elsenbahn)

5 803

190

10,8

0,2

120. Schriftsetzer

5 763

189

12,1

8,5

131. Klempner

5 590

183

10,2

0,3

138.

5 485

180

12,1

0,2

151. Postangestellte

5 364

176

12,5

18,2

154.

Lehrer,sonstige

5 329

175

16,4

61,6

156.

Sekretäre

5 315

174

12,8

97,2

161.

Polizisten

5 272

173

12,2

2,7

163. Kranführer u.a.

5 260

172

8,9

0,5

168.

Volksschullehrer 5 201

170

17,0

85,7

170.

Optiker,
Linsenschleifer

5 191

170

12,0

15,0

172.

Buchbinder

5 170

169

10,7

55,6

177.

Hochofenarbeiter 5 073

166

8,9

1,7

Feuerwehrleute

185. Maurer

4 864

159

9,7

0,4

188. Gipser,
Verputzer

4 806

157

9,0

0,3

190.

Förster

4 783

157

12,8

2,4

197.

Hafenarbeiter

4 715

154

8,4

0,5

199. Metzger (außer
Schlachthofpers.)4 677

153

10,7

3,0

200.

Dekorateure

4 665

153

12,3

46,4

204.

Bäcker

4 558

149

9,2

16,2

213.

Buchhalter

4 443

146

12,7

83,7
218.

6 -

�218.

Busfahrer

4 362

143

9,8

10,1

220. Möbeltischler

4 351

143

10,0

1,4

225. Krankenpfleger

4 295

141

13,0

97,5

227.

4 272

140

12,7

69,3

4 255

130

9,3

0,7

4 231

139

12,0

88,7

Gebäudemaler)

4 213

138

9,2

9,5

237.

Schmiede

4 189

137

8,5

0,5

239.

Zimmerleut«

4 155

136

9,3

0,3

240. Polsterer

4 116

135

9,7

9,5

245.

Geistliche

4 008

131

17,1

2,3

249.

Schneider

3 925

129

8,4

21,8

253.

Farmverwalter

3 847

126

11,5

2,9

255.

Friseure

3 751

123

9,2

3,1

(Landw.)

3 724

122

9,0

2,1

261.

Stenotyplsten

3 666

120

12,5

95,1

264.

Dachdecker

3 654

120

8,9

0,2

266. Weber (Textilind.) 3 623

119

8,4

41,4

274.

Köche

3 424

112

9,4

64,4

275.

Fahrstuhlführer

3 389

111

8,6

32,0

276.

Packer

3 347

110

9,5

60,0

278.

Taxifahrer

3 270

107

9,2

2,7

284.

Tapezierer

3 039

100

8,8

14,3

286. Kasslerer

3 010

99

12,0

78,5

287. Wäschereiarbeiter

2 969

97

9,4

71,7

289.

Schiankenwärter u.a. 2 922

96

8,5

46,0

291.

Suhuhmacher

2 800

92

8,4

3,7

298.

Reinigungspersonal 2 539

83

8,9

68,3

Bankkassierer

228. Matrosen
231.

Friseure
(Kosmetiker)
233. Maler (außer

258. Vorarbeiter

301. Fischer

2 441

80

8,3

1,3

304.

Kellner

2 144

70

10,7

86,6

305.

Transportarbeiter

1 957

64

7,8

0,4

308.

Gärtner

1 829

60

8,5

1,5

310.

Holzfäller,Flößer

1 758

58

7,9

0,8
313,

- 7

�313.

Telegrammboten

316.

Landarbeiter

317.

Hausangestellte

318.

Schuhputzer

319. Platzanweiser
(Vergnügungsbetriebe)
321.

Ze itungs jungen

1 539
1 080
1 058
847

50
35
35

10,4

5,4

7,9

10,5

8,6

96,4

28

8,2

4,1

837
550

27
18

9,9
9,0

12,9

4,4

Berücksichtigt sind nur männliche Arbeitnehmer bzw. Selbständige
2

' Basis: 3052 Dollar - 100

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 88, Nr. 3, März 1965)

+++++

- 8 -

�Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt
Zu den bemerkenswertesten Entwicklungen auf dem amerikanischen
Arbeitsmarkt während der vergangenen Monate gehört ohne Zweifel die
erhebliche Zunahme der Zahl der Fabrikarbeiter, die im Vergleich zum
Vorjahr gegenwärtig um rund 600 000 größer ist.
Dieser Trend ist insofern von Bedeutung, als die industrielle
Beschäftigung während der letzten zwölf Jahre in Anbetracht der verstärkten Automatisierung der Produktionsanlagen praktisch stagnierte
und ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl sogar stark rückläufig
war. Mit über 17,5 Millionen Industriearbeitern wurde jedoch inzwischen der 1953 erzielte bisherige maximale Beschäftigungsstand übertreffen.
Zwar hat die amerikanische Industrie in den letzten Jahren ihre
Produktionsanlagen im gleichen Rahmen automatisiert wie bisher (bei
praktisch konstanter Beschäftigtenzahl konnte die Produktion seit
1953 um 45 Prozent gesteigert werden), aber der seit März 1961 andauernde konjunkturelle Auftrieb hat inzwischen einen solchen Umfang
erreicht,daß die Rationalisierungsmaßnahmen mit dem Arbeitskräftebedarf nicht mehr Schritt halten und der industrielle Arbeitsmarkt
daher jetzt die Auswirkungen der Konjunktur immer stärker zu spüren
bekommt.
Die zunehmende Anspannung des amerikanischen Arbeitsmarktes
drückt sich aber nicht nur in den rückläufigen Arbeitslosenziffern,
den zahlreichen offenen Stellen und der gesteigerten allgemeinen
Nachfrage nach Arbeitskräften aus (die Stellenanzeigen der Zeitungen
weisen das bisher größte Volumen auf), sondern auch in einer außerordentlichen Verknappung von Facharbeitern. Nach einer Übersicht des
US-Arbeitsministeriums sind es rund 70 Berufe, für die gegenwärtig
und auch in Zukunft ein sehr großer Bedarf besteht.
Diese Übersicht weist übrigens auch indirekt auf die Gründe
hin, warum gegenwärtig ein so erheblicher Mangel an Arbeitskräften
in einigen Fachberufen besteht. Sie führt nämlich auch die für jeden der 70 Berufe erforderlichen schulischen und beruflichen Qualifikationen an, und aus dieser Aufstellung ist unschwer zu ersehen,
daß sich die Anforderungen an die Arbeitnehmer in der jüngsten
Zeit doch ganz erheblich erhöht haben. Kräftige Muskeln, geringe
Schulbildung und kurze Lehrzeit genügen heute nicht mehr, um sich
in der Wirtschaft einen Dauerarbeitsplatz zu sichern.
Insgesamt 27 der in der Übersicht aufgeführten "Zukunftsberufe"
setzen für die meisten Bewerber das Abschlußzeugnis einer "High
School" (etwa dem Realschulzeugnis entsprechend) sowie eine Mindestlehrzeit von einem Jahr voraus. Zu diesen Berufen zählen unter anderen: Bäcker, Maurer, Klempner, Elektriker, Maschinenbauer, Schneider
und Sekretär. Bei weiteren 24 Berufen wird das Abschlußzeugnis eines
College sowie eine zusätzliche Spezialausbildung verlangt. In diese
Berufskategorie fallen unter anderem die Lehrer, Bibliothekare,
Sozialhelfer, Psychologen, Metallurgen, Veterinäre und Agronomen.
Nur für 4 der 70 Berufe (darunter Schweißer und Krankenschwester)
wird kein Oberschul-Abschlußzeugnis verlangt, aber doch mindestens der

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�der zweijährige Besuch einer Oberschule und eine bestimmte Spezialausbildung.
Diese 70 Berufe, in denen schon jetzt ein großer Bedarf besteht,
sind nach Ansicht der Wirtschaftsexperten für das künftige wirtschaftliche Wachstum in den USA von entscheidender Bedeutung. Nach ihrer
Meinung könnte nämlich ein erheblicher Mangel an diesen Arbeitskräften
sogar zu einem gefährlichen Absinken der jährlichen wirtschaftlichen
Wachstumsrate führen.
Das ist eine sehr deutliche Warnung. Sie bedeutet, da3 das künftige
wirtschaftliche Wohlergehen des Landes im großen Maße von dem abhängen
wird, was der Jugend heute an schulischen und beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten geboten wird. Daher auch der große Nachdruck, der sowohl
von der Wirtschaft als auch von der Regierung auf die Verbesserung des
allgemeinen Schulniveaus in den USA gelegt wird - denn nur ein hoher
Bildungsstand und eine umfassende berufliche Ausbildung können die USA
letzten Endes in die Lage versetzen, das von Präsident Johnson angestrebte Ziel einer "Great Society" zu erreichen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige
Das Berufsbild des amerikanischen Farbigen beginnt sich zu wandeln.
Der traditionelle Weg in gehobene Berufe führte bisher über ein akademisches Studium, und Farbige strebten vornehmlich Positionen auf den
Gebieten der Rechtspflege, der Medizin, der Pädagogik oder der Seelsorge
an. Neuerdings bieten sich in zunehmendem Maße auch in der Industrie
entsprechende Chancen.
Der sich abzeichnende Wandel in der Berufsstruktur der amerikanischen
Farbigen ist also vor allem durch eine stärkere Hinwendung zu den höheren
Angestelltenberufen gekennzeichnet. Das alte Schema, wonach Farbige überwiegend in den selbständigen Berufen zu Erfolg zu kommen trachteten, dürfte damit im Laufe der Entwicklung abgebaut werden. Dieser Vorgang steht
im Einklang mit den Bestrebungen des Präsidialausschusses zur Sicherung
gleicher Beschäftigungsbedingungen; er wird von bedeutenden Firmen der
amerikanischen Industrie tatkräftig gefördert.
Im Rahmen des 1961 eingeführten Programms "Plans for Progress"
haben sich 279 amerikanische Industriefirmen zur Ausschaltung jeglicher
rassebedingter Diskriminierung bei Einstellungs- und Beförderungsvorgängen in ihren Betrieben verpflichtet. Und eine 1964 angefertigte Studie
ermittelte, daß Farbige mehr als 12 Prozent aller neugeschaffenen Angestelltenarbeitsplätze innehaben. Als frühere Vergleichszahl werden 1,5
Prozent angegeben. Wie Hobart Taylor jr., der stellvertretende Vorsitzende des Präsidialausschusses, erklärte, bietet die amerikanische

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�amerikanische Industrie derzeit mehr gehobene Positionen für Farbige
an als qualifizierte Bewerber vorhanden sind.
Ähnlich wie in den akademischen Berufssparten ist auch in der
Industrie die bildungsmäßige Qualifikation die entscheidende Voraussetzung. Und Farbige, die sich für die Industrielaufbahn entscheiden,
stellen sehr schnell fest, daß ihre Bewerbungen nicht unter dem Gesichtspunkt der Rassenzugehörigkeit beurteilt werden, sondern daß
man allein auf Grund der Befähigung des einzelnen Bewerbers entscheidet.
Angesichts dieser Entwicklung wird die Frage der qualifizierten
beruflichen Vorbildung immer wichtiger. Eine Reihe von großen amerikanischen Firmen, wie etwa der General-Electric-Konzern, hat besondere berufliche Aus- und Weiterbildungsprogramme eingeführt. Betriebsinterne Lehrgänge, aber auch Pläne zur Übernahme der Ausbildungskosten durch die Firma gehören dazu. Außerdem wird die Möglichkeit
der Xeilzeitarbeit neben dem Studium eingeräumt.
Der Teilnebmerkreis dieser beruflichen Fortbildungsprogramme
umfaßt Angehörige aller Bildungsgrade - vom Hochschulabsolventen bis
zum vorzeitigen Grundschulabgänger.
Ein typisches Beispiel für einen vorzeitigen Grundschulabgänger,
der bei General Electric als ungelernte Hilfskraft begann und heute
die Position einer gut bezahlten Fachkraft einnimmt, ist Thomas Carter
aus Philadelphia. In der Haushaltsartikelabteilung von General Electric
fing er als Lastwagenwäscher an. In den folgenden 17 Jahren erwarb er
auf Lehrgängen umfassende Kenntnisse im Kraftfahrzeug- und im Elektrohandwerk. So vermochte er nach und nach seine Position zu verbessern.
Farbige werden heute selbst für betriebliche Führungsaufgaben
herangezogen. Samuel H. Howard war Doktorand der Volkswirtschaft an
der Stanford University in Kalifornien, ehe er ein Angebot von General
Electric annahm. Seit 1962 absolviert er eine Spezialausbildung als
Nachwuchs-Führungskraft mit glänzendem Erfolg. General Electric schätzt
sich glücklich, die hervorragenden Fähigkeiten des jungen Hannes erkannt zu haben. Zweifellos wird - er.nach Abschluß seines Ausbildungsprogramms in der Lage sein, eine wichtige und hoch dotierte Führungsposition in dem großen amerikanischen Konzern einzunehmen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm
Zur Behebung des chronischen Hangels an Automobilfacharbeitern
in ihren Vertragswerkstätten hat die Chrysler Corporation jetzt ein
umfassendes Umschulungsprogramm gestartet, in dessen erster Phase insgesamt 1000 Dauerarbeitslose oder chronisch unterbeschäftigte Arbeitnehmer zu Automechanikern und Karosserieschlossern ausgebildet werden
sollen.

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�r
Da dieses vom drittgrößten Automobilhersteller der USA entwickelte
Programm auch gleichzeitig den Bemühungen der US-Regierung zur Beseitigung der Dauerarbeitslosigkeit Rechnung trägt, haben das Arbeits- und
das Handelsministerium sich vertraglich verpflichtet, die Umschulungskurse finanziell zu unterstützen und die entsprechenden staatlichen
Einrichtungen hierfür kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Das Programm, das sich zunächst über einen Zeitraum von drei Jahren
erstrecken und in der zweiten Phase weitere 1000 Arbeitslose einer produktiven Beschäftigung zuführen soll, wird nach Angaben der Chrysler
Corporation insgesamt 7,85 Millionen Dollar erfordern. Davon wird das
Unternehmen selbst 6,463 Millionen Dollar aufbringen, den Rest (1,387
Mio. Dollar) die Bundesregierung.
Das neue Umschulungsprogramm wird auf lokaler Ebene in Zusammenarbeit mit örtlichen Stellen durchgeführt und zuerst bei Vertragshändlern in vier Großstädten entwickelt. Vorgesehen ist, daß die Bewerber
von Vertretern der Arbeitsämter geprüft und ausgewählt und den einzelnen Werkstätten zugeteilt werden. Die Umschüler sollen tagsüber während
der normalen Arbeitszeit in den Betrieben von den Meistern Unterweisung
in der praktischen Arbeit und abends, nach Feierabend, in den Berufsschulen theoretischen Unterricht in Kraftfahrzeugmechanik erhalten.
Der Anfangslohn für die Umschüler beträgt etwa 1,50 Dollar pro
Stunde, das ist rund die Hälfte des durchschnittlichen Stundenlohns für
einen ausgebildeten Kraftfahrzeugmechaniker. Die Chrysler Corporation
unterhält in den Vereinigten Staaten insgesamt 6300 Vertragswerkstätten.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder
Rund 600 000 der 2,5 Millionen im Dienste der amerikanischen Bundesregierung beschäftigten Personen genießen tarifvertraglichen Schutz. Insgesamt sind gegenwärtig 205 unter den Rahmenbestimmungen der von Präsident Kennedy 1962 erlassenen Regierungsverordnung Nr. 10988 ausgehandelte
Tarifverträge für den Bereich der amerikanischen Bundesregierung in Kraft.
Auf Grund des Präsidialerlasses gelten Gewerkschaften im Bereich der. Bundesregierung als anerkannt, sofern sie von der Mehrheit der Beschäftigten
unterstützt werden.
Aus einer Anfang des Jahres vom US-Arbeitsministerium veröffentlichten Studie geht hervor, daß rund 470 000 von nur sechs Gewerkschaften
vertretene Postangestellte den Hauptanteil der durch Tarifverträge gesicherten Beschäftigten stellen. Drei Gewerkschaften, nämlich die Vereinigte
Föderation der Postangestellten und die Nationale Briefträgergewerkschaft,
beide der AFL-CIO angeschlossen, sowie die unabhängige Nationale Landbriefträgergewerkschaft, vereinigen 75 Prozent der 593 000 gewerkschaftlich organisierten Bundesbediensteten auf sich. Weitere 55 000 Beschäftigte sind von der Gewerkschaft der amerikanischen Regierungs- und Verwaltungsangestellten (AFL-CIO) organisiert. Für diese Gruppe sind 108

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�108 Tarifverträge in Kraft. Zehn Verträge gelten für 37 000 in der
AFL-CIO-Gewerkschaftsabteilung für das Metallgewerbe organisierte
Arbeitnehmer. 8700 Arbeiter gehören der Maschinistengewerkschaft
(AFL-CIO) an. Hinzu kommt eine Reihe von unabhängigen Gewerkschaften,
zu deren Mitgliedern Bundesbedienstete der verschiedensten Sparten
gehören.
Von den nicht im Postdienst tätigen Gewerkschaftsangehörigen
stellt die Gruppe der Angestellten 23 000, die Gruppe der Lohnempfänger 57 000, während 42' 000 weitere gemischten Gruppen angehören.
Im Gegensatz zu anderen Gewerkschaftsmitgliedern ist den im
Dienste der amerikanischen Bundesregierung stehenden Personen das
Streikrecht durch Gesetz und durch den oben erwähnten Präsidialerlaß
verwehrt.
US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz wies im Zusammenhang mit den
Ergebnissen der Untersuchung darauf hin, daß "im Bereich der amerikanischen Bundesregierung die Grundsätze guter Beziehungen zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfüllt" sind.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS l'.onn Ha.l Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 9

1. September 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation in zehn Großunternehmen

Seite 1

Gleiche Arbeitschancen für alle

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 10

7

Andrew Juvinall:
Automation in zehn Großunternehmen
Ergebnisse einer Umfrage über die Auswirkungen der Automatisierung auf
den Belegschaftssektor
AUS "The Christian Century".
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by The Christian Century
Foundation
gestattet.
Die Auswirkungen der Automation auf Belegschaftsstärke und -Zusammensetzung großer Firmen sind langfristig empirisch noch nicht genügend
erforscht. Um den Mangel an verläßlicher Information zu beheben, führte
die Kommission für Gemeinde- und Wirtschaftsleben des Northern California-Nevada Council of Churches kürzlich eine Befragung der 20 größten
Unternehmen in Kalifornien durch.
Unter den zehn Firmen, deren Antworten berücksichtigt wurden, befanden sich sieben mit einer nicht ausschließlich auf den Bundesstaat
Kalifornien beschränkten Geschäftstätigkeit. Es handelte sich um folgende zehn Firmen: die Bank of America, das größte Bankunternehmen der Welt;
United Airlines, die größte Fluggesellschaft der Welt; Pacific Telephone
and Telegraph, die Firma mit der größten Beschäftigtenzahl in Kalifornien; die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway; die Pacific Gas and
Electric Co., das größte öffentliche Versorgungsunternehmen seiner Art
in den USA; Shell Oil Co.; Douglas Aircraft Co.; Aerojet; Rohr Aircraft
Corp.; North American Aviation, das zweitgrößte Luft- und RaumfahrtUnternehmen in den USA.
Die

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�Die erste Frage lautete: "In welchem Maße ist Ihre Firma automatisiert?»
Zunächst ergab sich, daß sich alle Firmen fortschrittlicher technischer Einrichtungen und Verfahren bedienen. Die Bank of America hat
fast alle bedeutenden
Routinebuchungsvorgänge auf elektronische
Rechen- und Buchungsmaschinen umgestellt. Die Santa-Fe-Eisenbahngesellschaft arbeitet mit zentral gesteuerten Signalsystemen, verfügt
über elektronisch gesteuerte automatische Verschiebebahnhöte, hat die
Wartung der Ausrüstungen weitgehend mechanisiert und setzt elektronische
Datenverarbeitungsanlagen ein. Shell betonte, die Erdölindustrie könne
als die am weitesten durchautomatisierte Branche gelten. In dem weiteren
Sinne der Übertragung menschlicher Fertigkeiten auf Maschinen sind alle
diese Firmen von Anfang an irgendwie mit "Automation" befaßt gewesen;
neuere Entwicklungen trugen nur zur Beschleunigung des Automatisierungstempos bei.
Die zweite Frage lautete: "Welche Probleme wurden durch die Einführung der Automation aufgeworfen?"
United Airlines antwortete: "Keine". Die Bank of America berichtete
von geringfügigen Planungs- und Verfahrensschwierigkeiten. Pacific Gas
and Electric bezeichnete die aufgetretenen Probleme als keineswegs unlösbar. Man habe die Umstellungen langfristig geplant und daher die betroffenen Arbeitnehmer rechtzeitig auf die neuen Verfahren umschulen
oder sie an anderen Arbeitsplätzen unterbringen können. Pacific Telephone and. Telegraph bezeichnete die Anpassung an den rapiden Wandel als
das umfassends'i Problem, betonte jedoch, dieses Problem könne durch langfristige Vorausplanung bewältigt werden. Santa Fe berichtete, daß die
Automatisierung zahlreiche untergeordnete Tätigkeiten überflüssig gemacht
und außerdem die Abwicklung des Schienenverkehrs beschleunigt habe. Freilich seien Personalkürzungen unumgänglich geworden. Douglas teilte mit,
die Automation sowie die Schwerpunktverlagerung von der Flugzeugfertigung auf den Lenkwaffen- und Raumfahrzeugbau hätten zu einer erheblichen
Personalverminderung geführt. Die Firma sei jedoch in der Lage, viele
der automationsverdrängten Arbeitnehmer in anderen Abteilungen weiterzubeschäftigen oder umzuschulen.
Die dritte Frage lautete: "Nehmen Sie an, daß sich bei weiterer
Automatisierung die Belegschaftsstärke weiter verringern wird?"
Hier wurde ein einstimmiges Nein verzeichnet. Santa Fe äußerte sich
zuversichtlich hinsichtlich einer Steigerung der Geschäftstätigkeit im
Zuge der Automation. Die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze bei erhöhter Arbeitsplatzsicherheit werde möglich sein. Pacific Gas and Electric
berichtete, daß sich die Neueinstellungschancen durch die Automation nicht
verringert hätten, während sich die Zahl der Arbeitsplätze durch die Expansion der Firma sogar in bescheidenem Umfang vermehrt habe. Pacific
Telephone erklärte: "Um die stark ansteigenden Anforderungen an unseren
Dienstleistungsbetrieb erfüllen zu können, benötigten wir mehr Mitarbeiter
trotz der Automatisierung. Solange das dynamische Wachstum in Nevada und
Kalifornien anhält, sind Arbeitsplatzstreichungen unwahrscheinlich." Rohr
Aircraft meinte: "Unsere langfristige Planung sieht keine Verminderung der
Gesamtstärke unserer Belegschaft vor." North American ist, wie viele andere
Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, technisch höchst fortschrittlich
ausgerüstet. Die Firma ist auf eine geradezu enzyklopädische Vielfalt von

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�von Produkten nach Kundenwunsch spezialisiert. Massenproduktion spielt
fast gar keine Rolle. Aufgrund dieser breiten Streuung der Fertigungsbereiche, aber auch wegen einer nicht unerheblichen Absatzverlagerung
auf den nicht-nilitärischen Sektor der Raumfahrt und Atomenergie war
die Firma suvaraichtlich, einen hohen Beschäftigtenstand aufrechterhalten zu können.
Die vierte Frage lautete: "Wie stark ist Ihre Belegschaft heute
im Vergleich zu der Zeit vor der Automatisierung bestimmter Betriebsabläufe in Ihrem Unternehmen?M
Hier wurden sehr unterschiedliche Antworten gegeben. Die Pacific
Telephone hat ihre Belegschaft seit 1945 trotz fortschreitender Automatisierung um 55 Prozent vergrößert. Rohr und Aerojet verzeichneten einen
Rückgang der Belegschaftsstärke, was auf einen Rückgang der Verteidigungsauf träge, zurückgeführt wird. Die Bank of America teilte mit, sie
habe die Zahl ihrer Mitarbeiter während der FünfJahresperiode der Umstellung auf automatische Buchungsanlagen um.15 Prozent erhöht.United
Airlines hat ihre iFinanzbuchhaltung kürzlich auf elektronische Rechenmaschinen umgestellt; in den letzten drei Jahren jedoch ist die Zahl
ihrer Beschäftigten leicht angestiegen. Znnächst hatte die Firma angenommen, daß die Umstellung auf Düsenflugzeuge eine Verringerung der
Ingenieur- und Mechanikerstellen ermöglichen werde; die starke Zunahme
des Reiseflugverkehrs machte statt dessen eine Erhöhung der Stellenzahl
um rund 10 Prozent erforderlich. Santa Fe berichtete, daß die in den
vergangenen 20 Jahren schrittweise vorgenommene Verdieselung sowie der
Schiedsspruch in der Frage der Weiterbeschäftigung der Heizer auf Dieselloks aus dem Jahre 1963 eine Streichung der meisten Heizerstellen auf
Güter- und Rangierlokomotiven ermöglicht habe. Pacific Gas and Electric
teilte mit, die Belegschaft des Unternehmens habe sich seit 1957 um
etwas über 8,5 Prozent vergrößert. Shell meldete eine Verringerung der
Beschäftigtenzahl von 39 000 im Jahr 1955 auf 32 500 im Jahr 1964. Die
Reduzierung sei das Ergebnis eines normalen Schrumpfungsprozesses - .Ausscheiden aus Altersgründen, Kündigungen seitens der Arbeitnehmer und Einführung eines attraktiven Systems zur Förderung der vorzeitigen Pensionierung. Bis 1955 hatte das Unternehmen trotz einer 20jährigen stetigen
Automatisierung ein Ansteigen der Beschäftigtenzahl zu verzeichnen.
Die fünfte Frage lautete: "In'welcher Hinsicht hat die Automatisierung zu einer .Veränderung der Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen der Arbeitnehmer geführt?"
Übereinstimmend stellten alle Unternehmen zunächst einmal fest,
daß die Anforderungen tatsächlich gestiegen seien. Rohr und Aerojet wiesen jedoch darauf hin, daß die Bedienung einer Reihe von numerisch kontrollierten Maschinen praktisch, keine besonderen Fachkenntnisse voraussetze, in diesem Falle also eine Steigerung der QualifikäMonsanforderungen nicht eingetreten sei. Die Bank of America führte aus: "Abgesehen von
der Tatsache, daß sich neue .Laufbahnen eröffnet haben - so. zum Beispiel
in der Forschung und in anderen Tätigkeitsbereichen, die mit den neuen
Systemen verbunden sind -, ist heute ein weitaus größerer
Leil unserer
Mitarbeiter weniger mit Routinearbeiten als mit der höhere Anforderungen
stellenden Kundenberatung befaßt." Santa Fe teilte mit, daß die fachlichen
Anforderungen praktisch in allen Bereichen des Unternehmens gestiegen
seien. Pacific Gas and Electric bestätigte, daß als Folge der Automatisie-

�Automatisierung eine Zunahme der Facharbeiter- und eine Abnahme der
Hilfsarbeiterstellen eingetreten und daß mit den erhöhten fachlichen
Anforderungen zahlreiche neuartige Facharbeiterstellen hinzugekommen
sind. Sowohl Shell als auch Douglas berichteten, daß der herkömmliche
Fließbandarbeiter immer mehr .durch den hochqualifizierten gebildeten
Facharbeiter verdrängt wird. Während bei Douglas 1940 noch 90 Prozent
aller Arbeitnehmer am Fertigungsband standen, sind es heute bereits
weniger als 50 Prozent.
Die sechste Frage lautete: "Welche Vorkehrungen treffen Sie zum
Schutz Ihrer Belegschaft gegenüber weiteren Automatisierungsmaßnahmen?"
Pacific Telephone verständigt seine Mitarbeiter rechtzeitig im
voraus von geplanten Veränderungen, richtet Umschulungslehrgänge ein
und paßt die Tätigkeitsspezifizierungen jeweils den neuen Gegebenheiten
an. Die Bank of America veranstaltet für ihre Angestellten eine Reihe
von Fortbildungskursen und hat ein Trainingsprogramm zur Umschulung am
Arbeitsplatz eingerichtet. Ähnliche.Programme bestehen auch bei der
Santa Fe. Hier wird jedoch gelegentlich Klage geführt, daß bestimmte
Gewerkschaften gegen Umschulungsmaßnahmen opponieren. Shell Oil sowie
Pacific Gas and Electric bieten ihren Belegschaften ebenfalls Umschulungsprogramme. Douglas stellte 1962/63 insgesamt 1563 Belegschaftsmitgliedern College-: und Fachschulstipendien zur Verfügung, und arbeitete
bei der Zusammenstellung von entsprechenden Fortbildungskursen eng mit
den Hochschulen zusammen.
. „Mitarbeiter der North American absolvierten 1963 insgesamt 28 000
Fachprüfunger im Rahmen der betriebsinternen Schulung. Ähnlichen Fortbildungsprogrammen der vorangegangenen zwei Jahre wird es zugeschrieben,
daß mittlerweile rund 3000 Belegschaftsmitglieder den Sprung in Angestelltenberufe schafften. 465 Firmenangehörige studieren gegenwärtig
mit Firmenunterstützung und streben das Magisterexamen an, weitere 112
Firmenangehörige arbeiten im Rahmen der Studienförderungsprogramme der
Firma auf die Promotion zum Doktor hin. North American trägt dabei die
Studienkosten und gewährt in.einer Reihe von Fällen auch Unterhaltsbeihilfen. North American beschäftigt in seinen in 21 amerikanischen Bundesstaaten bestehenden Niederlassungen mehrere tausend Farbige. 181 Angehörige dieser Belegschaftsgruppe sind als aufsichtführende Personen tätig.
Bezeichnend für die Fortkommenschancen, die die Firma bietet, ist das
Beispiel eines Farbigen, der 1946 als Pförtner eingestellt wurde und der
es,nach einem zwischenzeitlichen Studium mit Unterstützung der Firma,
erst zum Laborangestellten brachte und heute für Gesundheits- und Arbeitsschutzfragen in der Atomics International Division von North American
zuständig ist. Ihm sind 50 Mitarbeiter unterstellt.
Eine weitere Frage lautete: "Verfügen Sie über Pläne zur Beteiligung
der Aktionäre, Belegschaftsmitglieder und Verbraucher an den Automationsgewinnen ?"
Die Bank of America teilte mit, die Automation habe zu einer Stabilisierung der Betriebskosten beigetragen und es damit ermöglicht, eine
Erhöhung der Kundendienstgebühren abzuwenden. Zugleich konnten höhere
Dividenden gezahlt und eine Anhebung der Angestelltengehälter vorgenommen

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�vorgenommen werden. Die technische Modernisierung verschaffte den
United-Kunden direkte Vorteile: Noch 1940 kostete der 17 Stunden dauernde und durch sechs Zwischenlandungen unterbrochene Flug San Francisco-New York 149,95 Dollar. Heute zahlt der Fluggast für den nur
noch fünf Stunden dauernden Nonstopflug mit einer modernen DC-8-Düsenmaschine 145810 Dollar. Von ähnlichen Verbesserungen berichtete Pacific Telephone: 1920 kostete ein dreiminütiges Ferngespräch quer über
den amerikanischen Kontinent 16,50 Dollar, und.es dauerte durchschnittlich zehn Minuten, ehe es zustande kam. Heute läßt sich das Gespräch
binnen Sekunden durch Selbstwählvermittlung zustande bringen und es
kostet nur noch 1 Dollar (Nachttarif).
Santa Fe wies darauf hin, daß der Rückgang im Güterverkehr, die
geringe Zunahme der Personenbeförderung sowie die erheblich gestiegenen Kosten für Material, Brennstoff und Arbeitskräfte (50 Prozent in
zehn Jahren) eine Weitergabe von Automationsgewinnen illusorisch machen. Die Investitionsgewinne nach Abschreibung hätten für 1963 nur
4,17 Prozent betragen. Pacific Gas and Electric teilte mit, die Automationsgewinne hätten sich in den Kundentarifen niedergeschlagen. Shell
gab an, trotz verstärkter Bemühungen um die Qualitätsverbesserung der
Treibstoffe sei es der Gesellschaft aufgrund technischer Modernisierung
möglich, ihre Produkte gegenwärtig zu dem niedrigsten Großhandelspreis
seit 15 Jahren zu offerieren.
Das Ergebnis der Umfrage macht deutlich, daß die Automatisierung
für den Kunden vorteilhaft ist: Sie trägt zur Kostensenkung oder Stabilisierung eines gegebenen Kostenniveaus bei, das unter anderen Umständen hätte heraufgesetzt werden müssen. Sämtliche befragten Großfirmen
unternehmen erhebliche Anstrengungen, um die Leistungsfähigkeit ihrer
Belegschaften den neuen Erfordernissen anzupassen und die potentielle
AutomationsVerdrängung durch Umschulung zu kompensieren. Die Automatisierung führte außerdem zu einer deutlichen Steigerung der Ansprüche
an die Fachkenntnisse der Beschäftigten. Bemerkenswert ist, daß zahlreiche Arbeitnehmer der Automatisierung nicht tatenlos gegenüberstehen,
sondern regen Gebrauch von den Umschulungs- und Fortbildungsprogrammen
ihrer Firmen machen. Die Automation wirkte sich lohnsteigerrid eis*. In
den Dienstleistungsbereichen stieg der Personalbestand entweder an.
oder er blieb konstant. Dagegen war im Bereich der Fertigungsindustrien
eine Tendenz zur Senkung.des Personalbestandes erkennbar - eine Feststellung, die für die ganzen Vereinigten Staaten gilt. In Fällen jedoch,
in denen die Belegschaften kalifornischer Zweigwerke vergrößert wurden,
hielt die Zunahme nicht mit dem Bevölkerungszuwachs Schritt. Keine der
befragten Firmen verfügte über spezifische Pläne zur Beteiligung von
Aktionären, Arbeitnehmern und Konsumenten an den Automationsgewinnen,
etwa nach dem Modell, das die Firma Kaiser Steel Co. 1959 einführte.
Kaiser Steel bildete damals eine Sonderkommission zur Lösung dieses
Probl ems. Viele der befragten Firmen betonten jedoch, man werde nennenswerte Automationsgewinne '•automatisch" an die Aktionäre, Arbeitnehmer
und Konsumenten weitergeben.
Die Angaben dieser Firmen, die von Männern mit sozialem Weitblick
geleitet werden, legen den Schluß nahe, daß angesichts der Zahl von 3,8
Millionen Arbeitslosen die Nation nur in ihrer Gesamtheit in der Lage

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�Lage sein wird, die bedrohlichen Folgen künftiger umfassenderer Automatisierungsmaßnahmen abzuwenden. Vorzeitiges Ausscheiden aus dem
Arbeitsprozeß wie auch der normale Schrumpfungsprozeß mögen den "Automa tions schock" für die Belegschaften von Shell, Santa Fe oder Douglas
zunächst mildern. Auf der anderen Seite besteht jedoch die Notwendigkeit, den stellungslosen Jugendlichen sowie den aus automationsintensiven Branchen wie dem Bergbau, der Stahl- oder der Automobilindustrie
ausscheidenden Arbeitnehmern Arbeitsplätze zu verschaffen. Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Regelung der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion (Manpower Development and Training Act) hat der Kongreß
diesem Problem bereits 1962 Rechnung getragen.
Als sehr nützlich erwiese sich eine Umzugsbeihilfe der Bundesregierung für entlassene Arbeitnehmer, die in anderen Gebieten Arbeit
erhalten können. Zur Beseitigung sozialer Härten wie auch zur Schließung gewisser Beschäftigungslücken sind darüber hinaus umfangreiche
staatliche und. private Projekte wie etwa Maßnahmen zur Bodenkonservierung und Urbarmachung, Verkehrsbauten sowie Projekte zur städtebaulichen Sanierung geeignet.Schließlich müßten sich Staat und privates
Unternehmertum ernsthaft Gedanken über die Verwendung der Automationsgewinne machen. Mehr Freizeit, längerer bezahlter Urlaub sind Möglichkeiten, die sich anbieten. Unternehmen, die am Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer interessiert sind, werden sich darüber hinaus rechtzeitig
mit den Gewerkschaften über geeignete Maßnahmen zur Milderung der mit
der automationsbedingten Arbeitslosigkeit unvermeidlich verbundenen
Härten verständigen. In den TarifVerhandlungen kommen in zunehmenden
Maße bereits auch diese Fragen zur Sprache.
.'Die Automation ist generell zu bejahen. Es muß nur gewährleistet
sein, daß sie allen zum Segen gereicht. Von Unternehmern, Gewerkschaften,
aber auch vom Staat ist daher ein hohes Maß an Einsicht und Verantwortungsbewußtsein zu fordern, soll die Automation schließlich die in sie
gesetzten Erwartungen erfüllen...

(Aus "The Christian Century")

+++ * +

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�Donald Slaiman, Direktor der Abteilung Bürgerrechte der AFL-CIO:
Gleiche Arbeitschancen für alle
Der Kampf der Gewerkschaften gegen die Diskriminierung
Es ist eines der Grundprinzipien und Ziele der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, für alle Arbeitnehmer die gleichen Vorteile gewerkschaftlicher Organisierung anzustreben - ohne Bücksicht darauf, welcher
Volksgruppe oder Religion sie angehören, welcher Herkunft sie sind oder
welche Hautfarbe sie haben. Bereits vor dem Zusammenschluß von AFL und
CIO bemühten sich die Gewerkschaften darum, ihre Aktivität auf dieses
Ziel abzustimmen. Aus diesem Grund ist es auch leicht verständlich, daß
die (Gewerkschaften bei der Erörterung und Verabschiedung des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 eine so wichtige Rolle spielten. Ihr Verhalten bedeutete
in der Tat eine Stärkung der Position der zahlreichen Organisationen, die
für die Bürgerrechte, für konfessionelle und kommunale Interessen eintreten und in der Leadership Conference on Civil Rights, einer ständigen
Konferenz führender Bürgerschaftsvertreter, zusammengeschlossen sind.
In der ursprünglichen Fassung des Gesetzes fehlte der Passus, der
bei einer Diskriminierung am Arbeitsplatz eine Entschädigung vorsieht.
Viele Befürworter des Bürgerrechtsgesetzes fürchteten die Aufnahme einer
solchen Bestimmung in den Gesetzestext, weil damit ihrer Ansicht nach
die Annahme der ganzen Vorlage in Frage gestellt worden wäre. Aber die
Gewerkschaften erkannten die Bedeutung gerade dieser Bestimmung für ihre
eigenen Programme und kämpften energisch für den Abschnitt VII, der "gleiche Beschäftigungsbedingungen für alle'1 vorsieht.
Wenn auch das Hauptaugenmerk der Gewerkschaften dem Abschnitt VII
gilt, so ist ihr Interesse an dem Gesetz damit doch nicht erschöpft..
Denn Erziehungswesen, Sozialwesen und Wahlrecht sind ebenfalls wirksame
Instrumente zur Erzielung voller Gleichberechtigung und müssen deshalb
nachdrücklich gefördert werden. Nach Ansicht der meisten amerikanischen
Gewerkschaftsführer k«nn eine echte Gleichberechtigung der farbigen Bevölkerung auf dem Arbeitssektor nicht"durch kleine Schritte erreicht, werden. Vielmehr bedarf es eines massiven Programms, das alle Punkte des
Gesetzes durchzusetzen sucht und alle Bavölkerungsteile zur Mitarbeit heranzieht, um das angestrebte Ziel zu erreichen.
Die Aufgaben der Gewerkschaften sind dabei überaus vielschichtig
und weitreichend. Komplizierte Probleme gilt es zu lösen - Probleme, die
nicht einfach durch Beseitigung der Diskriminierung aus der Welt zu schaffen sind. So brauchen beispielsweise die Neger besonders gute Bildungsmöglichkeiten, damit die Versäumnisse von Jahrzehnten nachgeholt werden
können. Amerika steht inmitten einer technischen Revolution, die die gesamte Struktur des Arbeitsmarktes verändert. Im ganzen gesehen verlieren zu
viele Neger und andere Farbige infolge der Streichung von Arbeitsplätzen
für ungelernte und angelernte Arbeiter ihre Stellung &lt;= Beschäftigungen also,
in denen überwiegend Farbige tätig sind. Das Gewerkschaftsprogramm wurde
angesichts der oben erwähnten Probleme formuliert und hat bereits auf vielen Gebieten zu konkreten Ergebnissen geführt.
Was

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�Was ist der gegenwärtige Kurs der Gewerkschaften?
Am 4. August 1964 forderte der Exekutivrat der AFL-CIO die freiwillige Befolgung des Gesetzes auf breitester Basis. Abschnitt VII
des Gesetzes wurde jedoch ausdrücklich hervorgehoben, weil die Gewerkschaften in dieser Hinsicht besondere Verantwortung tragen. Der Rat
berief eine nationale Konferenz von Gewerkschaftsführern aller Funktionsbereiche für den 2. September 1964 ein. Die Delegierten wurden
aufgefordert, ein Fünf-Punkte-Programm auszuarbeiten und seine Verwirklichung in die Wege zu leiten.
Punkt 1 drang auf eine beschleunigte Unterrichtung der Gewerkschaftsmitglieder über Ziele und Bestimmungen des Gesetzes. Alle zuständigen Stellen der AFL-CIO und. maßgebliche Persönlichkeiten der angeschlossenen internationalen (amerikanisch-kanadischen) Gewerkschaften
koordinierten ihre Anstrengungen zur Vorbereitung geeigneter Literatur
und Handbücher für diese Aufgabe. In zwei Broschüren wurde der Gewerkschaftsstandpunkt in der Frage der.Bürgerrechte klar umrissen. In der
im September 1964 herausgegebenen Broschüre »Bürgerrechtes Tatsechen
und Fiktion'* wurde mit den Gerüchten über die. Forderungen.der Neger aufgeräumt, die Rassenfanatiker ausgestreut hatten. Schließlich wurde ein
Handbuch für kommunale Gewerkschaftsführer zusammengestellt, das als
Leitfaden zur Aufstellung von Aktionsprogrammen auf kommunaler Basis
dienen konnte.
Punkt 2 forderte die Schaffung von mehr AFL-CIO-Arbeitsgruppen
auf kommunaler Ebene - ein Versuch, örtliche Gewerkschaftsbewegungen
zu mobilisieren, die gemeinsam mit anderen Gruppen örtliche Aktionsprogramme zur Förderung der Bürgerrechte unterstützen.
Punkt 3, ein Grundsatzprogramm, forderte die freiwillige Befolgung
der Bestimmungen von Abschnitt VII des Bürgerrechtsgesetzes. Die Gewerkschaften wurden angehalten, auf die Praktiken gewerkschaftlich gebundener und nicht gebundener Arbeitgeber zu achten und bei solchen Arbeitgebern, die sich nicht an das Gesetz hielten, die Einhaltung der Bestimmungen durchzusetzen.
Punkt 4 verlangte von den Gewerkschaften ständige Wachsamkeit.
Jede sollte in ihrem Gebiet beobachten, wie in der Praxis das Gesetz gehandhabt wird. Auch wurden die Gewerkschaften aufgerufen, die Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen wirksam zu unterstützen..
Punkt 5 forderte alle Angehörigen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu kritischer Beurteilung des Gesetzes in seiner jetzigen Form
auf. Unzulänglichkeiten, sollten aufgedeckt werden, um sie auf dem Gesetzeswege korrigieren zu können.
Am 5. Oktober 1964 ersuchte George Meany, Präsident der AFL-CIO, die
Führer aller nationalen und internationalen Gewerkschaften, zur Unterstützung der lokalen Kampagnen für die Gleichberechtigung maßgebliche
Vertreter zu benennen« Anschließend sollte jeweils ein Spitzenfunktionär
bestimmt werden, der für die Ausarbeitung und Durchsetzung eines Programms

- 8 -

�Programms zur Erzielung gleicher Beschäftigungsbedingungen für alle
in den einzelnen gewerblichen oder Industriegewerkschaften verantwortlich
zu sein habe-' Inzwischen haben 75 nationale Gewerkschaften - in Kürze
wird ihre Zahl.auf 100 gestiegen sein - diese Funktionäre bestimmt; die
Programme sind eingeleitet.
Zwei in diesem Jahr abgehaltene Konferenzen hatten ebenfalls eine
intensivere Durchsetzung von Abschnitt VII zum Ziel, vornehmlich in
Städten, die als Schlüsselpositionen zu betrachten sind. Darüber hinaus
sollen die Gewerkschaftsführer - bei der zweiten Konferenz waren 74 internationale Gewerkschaften mit einer Gessratmitgliedschaft von 10,2 Millionen Arbeitnehmern vertreten - die Funktion von Verbindungsleuten zu der
neugeschaffenen "Bundeskommission zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen", zu.anderen Seglerungsbehörden und der Bürgerrechtsabteilung
*•* AFL~ CIO.ausüben. Bei der Aufstellung von Gewerkschaftsprogrammen zur
Ausschaltung diskriminierender Verhaltensweisen werden sie sich mit Problemen zu befassen haben, die die Praktiken sowohl der Arbeitgeber als
auch der Gewerkschaften selbst betreffen» Sie bemühen sich u.a. um die
Aufnahme von Klauseln über Nicht-Diskrlnr nierung in Tarifverträge, und
sie arbeiten Programme aus, die den örtlichen Gewerkschaften die Möglichkeit zur Durchsetzung dieser Klauseln verschaffen und sie befähigen, das
gesamte Tarifvertragswesen auf die Gleichstellung von Arbeitnehmern aus
Minderheitengruppen abzustimmen. Davon werden nicht zuletzt der berufliche Aufstieg und die Zulassung zur Lehrlingsausbildung betroffen.
Zahllose Beispiele gibt es dafür,,daß Neger in den Gewerkschaften
immer mehr in führende Positionen aufrücken» Die AFL-CIO führt keine nach
Rassenzugehörigkeit gegliederte Statistiken, aber man schätzt, daß die
AFL-CIO-Gewerkschaften 1,5 bis 1,7 Millionen farbige Mitglieder zählen.
Früher nach rassischen Gesichtspunkten getrennte örtliche Gewerkschaften
werden jetzt vereinigt. Bemerkenswerte Beispiele hierfür gibt es in den
Südstaaten in der Tabak-« Papier- und Textilindustrie und bei den Eisenbahnen .
Die Gewerkschaften ergreifen JctSt die Initiative im Ausfindigmachen
von Möglichkeiten, um den Angehörig«•« von Minderheitengruppen zu einer
besseren Einstufung im Betrieb zu verhelfen. In einigen Fällen werden
versuchsweise Prüfungen, für Jugendliche aus Minderheitengruppen beim Eintritt in den Betrieb durchgeführt, um ihnen eine Chance zu geben, zum
Facharbeiter aufzusteigen. Ein Beispiel hierfür ist das DemonstratIonsprojekt der Bezirksgruppe 9 der. Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
in New York.. Unter gemeinsamer Förderung von gewerkschaftlicher und bundesbehördlicher Seite werden ungelernte Arbeiter zu Facharbeitern ausgebildet.
Ähnliche Bestrebungen gibt es im Hinblick auf die-Annahme jugendlicher
Neger als. Lehrlinge im Baugewerbe, Bildungsmäßig bringen sie nicht immer
die notwendigen Voraussetzungen mit. - jetzt wurden Vereinbarungen getroffen, sie trotzdem anzunehmen und entsprechend auizubl 1&lt;#«ni.

Sofern

�Sofern den Gewerkschaften die Durchsetzung des Prinzips der
Gleichbererhtigung am Arbeitsplatz bei Arbeitgebern, die Regierungsaufträge erhalten, nicht gelang, wurde Beschwerde beim "Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen" eingereicht.
Das neue Gesetz ist gut, aber es wird nicht automatisch befolgt.
Jeder Bevölkerungsteil muß die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um die Einhaltung der Gesetzesbestimmungen auf freiwilliger Basis zu erreichen. Die Gewerkschaften haben im Hinblick auf die Ziele
des Bürgerrechtsgesetzes die Verpflichtung, Diskriminierung am Arbeitsplatz zu beseitigen, wo immer sie auftritt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neue Tarifverträge in der Gummiindustrie
Die kürzlich zwischen der "Vereinigten Gummiarbeitergewerkschaft"
(URW) und den "großen Drei" der amerikanischen Gummiindustrie (Firestone, Goodyear, Goodrich) abgeschlossenen neuen Tarifverträge bringen
insgesamt 51 500 Beschäftigte dieser drei Unternehmen in den Genuß höherer Löhne und Lohnnebenleistungen.
Im einzelnen sehen die drei sich in den Grundzügen ähnelnden und
für zwei Jahre abgeschlossenen Abkommen im ersten Jahr Lohnerhöhungen
von 7,5 Cent pro Stunde für Arbeiter in der Reifenproduktion und von
6,5 Cent für alle anderen Arbeitnehmer vor. Im zweiten Jahr dagegen
werden alle Arbeitnehmergruppen Lohnaufbesserungen von 9 Cent pro Stunde erhalten.
Von den zahlreichen verbesserten Lohnnebenleistungen sind vor allem
zu nennen: Gewährung von vier Wochen bezahltem Urlaub nach 15 (bisher 22)
und einer weiteren Woche nach 25 Dienstjähren; Gewährung eines neunten
bezahlten Feiertages pro Jahr; Erhöhung der zusätzlichen Unterstützungsleistungen bei Erwerbslosigkeit.
Auf Grund der neuen Regelung werden die maximalen Ausgleichsbeträge
zur staatlichen Arbeitslosenunterstützung allen Mitarbeitern mit einer
Betriebszugehörigkeit zwischen einem und fünf Jahren für die Dauer eines
Jahres gewährt, während sie bei einer Dienstzeit von über fünf bis zu
zehn Jahren 18 Monate, zwischen zehn und 15 Jahren 24 Monate, 15 und 25

- 10 -

�25 Dienstjahren 30 Monate und über 25 Dienstjahren 48 Monate gezahlt
werden.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Produktionsarbeiter beliefen sich bei den drei Unternehmen bisher auf: 3,43 Dollar (Firestone), 3,41 Dollar (Goodyear) und 3,16 Dollar (Goodrich).

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

ILGWU-Gewerkschaft schloß Mustervertrag ab
Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (ILGWU) hat
kürzlich mit dem größten Unternehmen dieser Branche, der Jonathan
Logan, Inc., einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen, der für rund
7000 Arbeitnehmer gilt, die in insgesamt 75 Betrieben in 16 verschiedenen Bundesstaaten beschäftigt sind.
Durch den Abschluß dieses allgemein verbindlichen Tarifvertrages
(bisher wurde mit jedem einzelnen Betrieb ein Vertrag abgeschlossen)
soll verhindert werden, daß es künftig zu Betriebsstillegungen kommt,
solange die TarifVerhandlungen noch im Gange sind. Zur Schlichtung
von Streitfragen soll in Zukunft ein unparteiischer Schiedsmann eingesetzt werden, auf den sich beide Vertragsparteien geeinigt haben.
Das neue Tarifwerk ist in zwei Abschnitten gegliedert. Während im
Rahmenvertrag alle allgemeingültigen Grundsätze und Verfahrensfragen
aufgeführt sind, enthält Abschnitt 2 eine Reihe von Zusatzabkommen, die
auf die speziellen Gegebenheiten der einzelnen Betriebe abgestellt sind.
Neben diesen Regelungen bringt der neue Tarifvertrag den Beschäftigten eine zehnprozentige Lohnerhöhung, die in zwei Stufen (jeweils
fünf Prozent) vorgenommen wird, sowie höhere Ecklöhne für Stückarbeit
und verbesserte Zuschläge für Facharbeiter.

(Quelle: Eigenbericht;

+ ++++

- 11

�"GM" zahlte 7 Mio. Dollar für Verbesserungsvorschläge
Eine Rekordsumme von 7 868 184 Dollar hat die "General Motors Corporation" im vergangenen Jahr an ihre Mitarbeiter für Verbesserungsvorschläge ausgezahlt, die zur Arbeitserleichterung, Verminderung der Zahl
der Unfälle am Arbeitsplatz sowie zur Vereinfachung der Produktion und
Steigerung der Produktivität beitrugen.
Die im Vorjahr zur Auszahlung gelangte Summe ist höher als die in
den ersten zehn Jahren nach Einführung des betrieblichen Vorschlagswesens bei General Motors insgesamt ausgezahlten Beträge.
Die höchste Einzelsumme erhielt im vergangenen Jahr ein Mitarbeiter, der 142 Verbesserungsvorschläge eingereicht hatte, von denen 36
angenommen und mit insgesamt 45 905 Dollar prämiert wurden.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++
Der Übergang von der Industrie- zur "Dienstleistungswirtschaft"
Was die Fachleute schon seit längerem vermuteten und die Statistiken anzudeuten schienen, ist jetzt durch eine Wirtschaftsanalyse weitgehend bestätigt worden: der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Aktivität
in den USA liegt nicht mehr auf dem industriellen, sondern auf dem
Dienstleistungssektor.
Wie aus der von Dr. Victor R. Fuchs für das "National Bureau of
Economic Research" durchgeführten Untersuchung hervorgeht, ist heute
mehr als die Hälfte der werktätigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten
in den zahlreichen Dienstleistungszweigen der Wirtschaft tätig. Die güterproduzierenden Zweige dagegen, die seit der industriellen Revolution
Mitte des vorigen Jahrhunderts die dominierende Rolle in der amerikanischen Wirtschaft spielten und zeitweilig rund 2/3 aller Arbeitnehmer beschäftigten, dürften auch weiterhin an Boden verlieren.
Dieser Wandlungsprozeß dauert zwar schon seit einigen Jahrzehnten
an, aber der eigentliche Durchbruch erfolgte erst Mitte der fünfziger
Jahre, als die Automation ihren Einzug in der Industrie hielt.
Im Jahre 1929 zum Beispiel waren noch 27,5 Millionen Amerikaner in
der Güterproduktion und nur 18,6 Millionen in den Dienstleistungszweigen
beschäftigt; im Jahr 1963 dagegen belief sich die Zahl der Dienstleistungen erbringenden Amerikaner auf 37,9 Millionen, die der Industriearbeiter
nur noch auf 31,4 Millionen.
Dieser Wandel in der Beschäftigungsstruktur hat bereits weitreichende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen im Gefolge gehabt - Auswirkungen, die sich in Zukunft noch verstärken dürften.
Was

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�Was sind nun die spezifischen Auswirkungen? Einmal bedeutet dieser
Wandel, daß die Frauen künftig im Berufsleben weitaus besser mit den
Männern zu konkurrieren vermögen, da die meisten Tätigkeiten in den
Dienstleistungszweigen keinerlei große physische Anstrenuungen erfordern.
Schon heute nehmen die Frauen 46 Prozent aller Arbeitsplätze in diesem
Wirtschaftssektor ein, während ihr Anteil in der Industrie nur rund 19
Prozent beträgt. Auch die Berufschancen der älteren Menschen dürften sich
gegenüber denen der jüngeren, physisch kräftigeren Arbeitnehmer nicht unerheblich verbessern.
Der zweite wichtige Einfluß, der sich durch diesen Strukturwandel
ergibt, ist wirtschaftlicher Art. Da die Konjunkturschwankungen in den
Dienstleistungszweigen allgemein weniger stark in Erscheinung treten als
im industriellen Bereich, dürften hieraus konjunkturelle Stabilisierungseffekte resultieren. Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant zu
erfahren, daß zum Beispiel die Erwerbslosenrate in den Dienstleistungszweigen während der gesamten Nachkriegsperiode erheblich geringer gewesen
ist als die der Industrie.
Außerdem ist die "Dienstleistungswirtschaftu stark verbraucherorientiert. Sie wird von dem einzelnen in vielerlei Hinsicht beeinflußt, sei
es, daß er in einem Geschäft etwas kauft, eine Schule besucht oder einen
Arzt konsultiert.
Allerdings läßt sich die Produktivität in einer Dienstleistungswirtschaft sehr viel schwerer ermitteln als etwa in der Industrie. Wie kann
man z.B. die Arbeitsleistung eines Arztes, eines Lehrers oder Verkäufers
pro Zeiteinheit in festen Werten wie in der Güterproduktion ausdrücken?
Das gleiche gilt auch hinsichtlich der Qualität der geleisteten Arbeit.
Aber dies sind technische Zukunftsfragen, die mit den großen soziologischen Auswirkungen nur in losem Zusammenhang stehen. Nach Ansicht von
Dr. Fuchs wird dieser Strukturwandel zu einer Dienstleistungswirtschaft
ähnlich große Auswirkungen auf das gesamte Leben in den USA haben wie die
großen Übergänge in der Geschichte der Menschheit von einer Wirtschaftsstufe zur nächsthöheren.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 10

Oktober 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Entwicklung der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen seit Kriegsende

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 14

1

Joseph P. Goldberg, Sonderberater im US-Bundesamt
für Arbeitsstatistik:
Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen seit Kriegsende

Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History, Inc.
gestattet.
Die breite Öffentlichkeit ist sich in den Vereinigten Staaten sehr
wohl bewußt, daß das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
in den zwei NachkriegsJahrzehnten manche Krise durchgemacht hat; wie es
aber heute um dieses Verhältnis bestellt ist, davon haben leider die
wenigsten eine klare Vorstellung. Dies erklärt sich zum Teil aus dem
Wesen und der Praxis der Kollektiwerhandlungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern. Das System der Kollektiwerhandlungen erstreckt sich
auf einen Bereich, in dem gegenwärtig und voraussichtlich auch in Zukunft widerstreitende Kräfte aufeinanderstoßen. Diese wiederum unterliegen dem Einfluß wechselnder Machtrelationen und veränderlichen wirtschaftlichen Drucks sowie der Einflußnahme des Staats.
Hauptfiguren der Kollektiwerhandlungspraxis sind nicht lediglich
die Vertreter der Unternehmer- und der Arbeitnehmerseite, sondern vielmehr auch Repräsentanten zahlreicher anderer Gruppen: Wirtschaftswissenschaftler, Intellektuelle, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit der Gewerkschaftsbewegung liiert waren,Schiedsleute und, in einem weiteren
Sinne, auch die Öffentlichkeit. Hieraus auch erklärt sich die große
Fülle der Literatur über Fragen des Kollektiwerhandlungswesens, in
der es von vorgefaßten Meinungen über seine Ziele nur so wimmelt, während man nur selten auf Versuche einer objektiven Beurteilung stößt.
Vertreter

�Vertreter der Industrie und der Verbände verweisen nach wie vor
gern auf die Stärke der Gewerkschaften, um dann fortzufahren, daß
Kollektivverhandlungen auf industrieweiter Basis häufig zu Streiks
mit verheerenden Folgen führen. Die Gewerkschaften dagegen stellen die
negativen Auswirkungen des Taft-Hartley-Gesetzes von 1947 (Labor-Management Relations Act - Gesetz zur Regelung der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen) und des Landrum-Griffin-Gesetzes von 1959 (Labor Management
Reporting and Disclosure Act - Gesetz über die Berichterstattungs- und
Offenlegungspflicht der Gewerkschaften und Unternehmen) heraus, die sie
als Zwangsjacke empfinden. Manche Intellektuelle, die sich der Ideologie
der Arbeiterbewegung aus der Zeit der großen Wirtschaftskrise verbunden
fühlen, schreiben jedes noch so geringfügige Versagen der Gewerkschaften
und des Kollektivverhandlungswesens dem Fehlen einer straffen Organisation der Arbeiterschaft und der - angesichts der technischen Revolution fortgesetzt sehr großen Arbeitslosigkeit zu. Auch die Rolle des Staates
wird vielfach stark kritisiert: Man bezichtigt ihn einer übermäßigen
Bereitwilligkeit zum Eingreifen in Arbeitsstreitigkeiten und argumentiert, je nach der eigenen arbeitgeber- oder arbeitnehmerfreundlichen
Haltung, die staatlich festgelegten Lohn-Preis-Richtwerte wirken sich
lohnkostensteigernd aus oder dienen lediglich dem Zweck, eine Verhandlungsbasis unterhalb der Forderungen der Gewerkschaften abzugeben.
Dabei ist natürlich der Rahmen, in dem sich Kollektiwerhandlungen
abspielen, selbst wieder nur das Produkt vielfältiger Einflüsse, deren
Auswirkungen zu erfassen äußerst schwierig ist. Zu einem Teil sind sie
eine Folge der widerstreitenden Positionen der Arbeitnehmer und des
Managements, zu einem anderen Teil der Besorgnis des Staates, wie sie
ihren Ausdruck in legislativen Maßnahmen wie dem Taft-Hartley- und dem
Landrum-Griffin-Gesetz fand. Selbstverständlich sind die wirtschaftlichen
Einflüsse auf das Kollektivverhandlungswesen mindestens genauso wichtig,
wurden doch die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern in der gesamten
Nachkriegszeit durch eine kaleidoskopartige Fülle von wirtschaftlichen
Entwicklungen berührt. Zu diesen zählen der Übergang von der Kriegs- auf
die Friedenswirtschaft, periodisch wiederkehrende Rezessionen., der wachsende internationale Wettbewerb und Standortsveränderungen und andere
Entwicklungen innerhalb der eigenen Wirtschaft.
Um zu einem tieferen Verständnis der gegenwärtigen Situation des
Kollektiwerhandlungswesens und der Haltung des Staates zu den Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu gelangen, muß man auch andere in Erscheinung tretende Einflüsse in Betracht ziehen, wie z.B. die tiefgreifenden technischen Veränderungen, (insbesondere in Gestalt der Automation),
die Entwicklung neuer Produkte und die Zunahme des Arbeitspotentials.
Die Arbeitspolitik der Regierung ist in ihren Grundzügen nach wie
vor auf das Ziel ausgerichtet, jedem Arbeitnehmer das Recht zu gewährleisten, sich nach eigenem freien Willen der von ihm bevorzugten Gewerkschaft
anzuschließen und die Fortentwicklung des Systems der Kollektivverhandlungen zu fördern. Wenngleich die Gewerkschaften im letzten Jahrzehnt generell einen Mitgliederschwund zu verzeichnen hatten, konnten sie ihre
Position in Kollektivverhandlungen durchaus bewahren und ihre Mitwirkung
im Bereich des staatlichen Lebens und ihren Einfluß auf dieses noch steigern. In einer Reihe von großen Industrien zeigt sich immer deutlicher,

- 2 -

�deutlicher, daß das Kollektivverhandlungswesen einen hohen Grad der
Reife erreicht hat. Wie sehr die Regierung die Privatinitiative im
Bereich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu wecken bemüht
ist, läßt sich an der gesamten Tätigkeit des Beratungsausschusses
des Präsidenten zu Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
seit 1961 ablesen. Die Arbeitslosigkeit als Folge der raschen Expansion des Arbeitspotentials ist angesichts komplizierender Faktoren wie des technischen
Wandels und des zunehmenden ausländischen Wettbewerbs eine Angelegenheit, auf die Kollektivverhandlungen nur einen begrenzten Einfluß ausüben. Rier war die Regierung bemüht, die Verhandlungspartner bei ihrer
Suche nach Lösungen zu unterstützen, die eine Anpassung an die veränderte wirtschaftliche Situation erleichtern helfen. Gewerkschaften,
Unternehmer und Regierung haben sich zusammengefunden, um gemeinsam
Maßnahmen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes zu treffen und durchzuführen. Ziel dieser Bemühungen ist es, mit den Problemen der Arbeitsplatzverdrängung und der Arbeitsplatzbeschaffung für jugendliche Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt fertig zu werden.
Die Regierung ist in der Formulierung ihrer Arbeitspolitik in
bezug auf das Kollektivverhandlungswesen darauf bedacht, den jeweiligen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Das Taft-Hartley- und das LandrumGriff in-Gesetz fügten dem Verbot unfairer Arbeitspraktiken, das das
Wagner-Gesetz von 1935 (National Labor Relations Act - Gesetz zur Sicherung der Arbeitnehmerrechte) für die Unternehmerseite gebracht hatte,
ein solches für die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsseite hinzu und setzten feste Normen für die Tätigkeit der Gewerkschaften. Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 schließlich dehnte den Grundsatz der Gleichheit aller
auch auf die Aufnahme in eine Gewerkschaft und die Einstellungspolitik
der Betriebe aus. Der bereits genannte Präsidialausschuß war darüber
hinaus auch außerhalb des Bereichs der Legislative bestrebt, das Kollektivverhandlungswesen weiter zu festigen. Um einer inflatorischen Entwicklung vorzubeugen, setzte der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten die LohnPreis-Richtwerte fest.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sich im Bereich des Kollektivverhandlungswesens alle Beteiligten nach Kräften bemüht haben, den Erfordernissen einer im raschen Wandel begriffenen Wirtschaft gerecht zu
werden; und vieles deutet darauf hin, daß diese Bemühungen auch erfolgreich waren. Die Arbeitspolitik der Regierung ist geeignet, sowohl die
Interessen der Allgemeinheit zu wahren als auch das Kollektiwerhandlungswesen und den damit verbundenen Drang der Gewerkschaften zur Bildung fester Institutionen zu sanktionieren. Nunmehr gilt es, durch, die
fortgesetzte.Beobachtung der Entwicklung sicherzustellen, daß der Staat
nicht Aufgaben privater Institutionen an sich zieht, was einem Eingtiff
in unser demokratisches System gleichkäme.
Das Taft-Hartley-Gesetz
Der Gang der Ereignisse nach Kriegsende zeigte bereits, daß das
Kollektivverhandlungswesen - im Gegensatz zur Lage nach dem ersten Weltkrieg - als fest verankert gelten konnte. Die Arbeitsprobleme des Jahres

�Jahres 1946 waren die Folge einer uneinheitlichen Entwicklung, in
deren Verlauf den Sozialpartnern in ihren Kollektiwerhandlungen die
Aufgabe zufiel, ausgehend von einer staatlichen Lohn-Preis-Politik
mit begrenzten Zielen im Bereich der Löhne und Arbeitsbedingungen
den Übergang auf die Friedenswirtschaft zu vollziehen. Die zahlreichen Streiks jener Zeit hatten wirtschaftliche Fragen zum Anlaß und
nicht,wie in einer früheren Umstellungsphase, grundsätzliche Dinge.
Je mehr die wirtschaftliche Anpassung zur Sache der Sozialpartner wurde, um so heftiger wurden die Angriffe gegen das Wagner-Gesetz.
Die zahlreichen Arbeitseinstellungen in dieser Übergangsperiode und
die gegen John L. Lewis erhobene Beschuldigung,.die Gewerkschaft zu
dominieren, bereiteten den Boden für das Taft-Hartley-Gesetz. Es wurde
im Jahr 1947 durch einen von den Republikanern, beherrschten Kongreß
erlassen, der das ausdrückliche Veto Präsident Trumans überstimmte.
Das Wagner-Gesetz hatte die Organisation der Gewerkschaften gefördert und ihren Tätigkeitsdrang auf das Gebiet der Kollektivverhandlungen gelenkt. Einer der Väter des neuen Gesetzes, Senator Robert
A. Taft, sprach von der Absicht, "ein gewisses Maß an Gleichheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herzustellen, damit es zu freien
Kollektiwereinbarungen zwischen den beiden komme". Das Taft-HartleyGesetz bekräftigte mithin den Grundsatz freier Kollektivverhandlungen,
das Organisierungsrecht der Arbeiterschaft, bejahte jedoch gleichzeitig auch das ^et'nt des einzelnen Arbeitnehmers, den Gewerkschaften
fernzubleiben. Es fügte der Liste der unfairen Arbeitspraktiken auf
selten der Unternehmer eine solche auf seiten der Gewerkschaften hinzu.
Das Taft-Hartley-Gesetz verbot sekundäre Boykottmaßnahmen ebenso
wie Streiks wegen Differenzen über die gewerkschaftliche Zuständigkeit
(Vertretungsbefugnis). Der Bereich der Kollektivverhandlungen wurde
insofern eingeschränkt,als das Gesetz ein Verbot des Closed Shop (Gewerkschaftsbetrieb mit Mitgliedzwang als Anstellungsvoraussetzung)
brachte; der Union Shop (Gewerkschaftsbetrieb mit Mitgliedzwang nach
Einstellung) blieb auch weiterhin erlaubt. Abschnitt 14 (b) räumte
jedoch den Einzelstaaten das Recht ein, für ihren Bereich den Union
Shop zu untersagen. Einen Eingriff in die Geschäftsführung der Gewerkschaften - ein Novum - stellten jene Bestimmungen dar, die sich auf die
Frage überhöhter oder diskriminierender Beitrittsgebühren bezogen und
es den Gewerkschaftsfunktionären zur Pflicht machten, Aufbau und Finanzen ihrer Organisationen in regelmäßigen Berichten offenzulegen und
eidesstattlich zu versichern, daß ihre Organisation nicht kommunistisch
ist.
Das Taft-Hartley-Gesetz enthielt ferner Bestimmungen bezüglich der
Regelung von Streitfragen, die geeignet sind, "einen nationalen Notstand" hervorzurufen,
nach Auffassung des Präsidenten "die Volksgesundheit und die nationale Sicherheit zu gefährden". Das Gesetz bot
die Handhabe, eine 80tägige Stillhaltefrist zu verfügen, um einen Streik
hinauszuzögern und einem Untersuchungsausschuß Gelegenheit zu geben, den
Sachverhalt zu klären und über ihn, wenngleich ohne Vorlage von Empfehlungen, zu berichten.
Die

- 4 -

�Die Gewerkschaften nannten das Taft-Hartley-Gesetz ein "Zwangsgesetz" und forderten seine Widerrufung. Obwohl sich Befürworter wie
Gegner darin einig waren, daß das Gesetz einer Revision bedurfte,
blieb diese Einigkeit fruchtlos. (Eine Reform erfolgte 1951 insofern,
als im Anschluß an eine Abstimmung, in der das Prinzip des Union Shop
fast einmütige Zustimmung gefunden hatte, die Vorschrift bezüglich der
Stimmenmehrheit als Voraussetzung für das Inkrafttreten eines Vertrags
zur Errichtung eines Gewerkschaftsbetriebs zu Fall gebracht wurde.)
Hier sind auch noch weitere Entwicklungen zu nennen, die dem Erlaß der nächsten einschlägigen Gesetzesbestimmungen in den Jahren 1958
und 1959 vorausgingen. Die gesetzliche Sanktionierung der Gewerkschaften und des Gewerkschaftsbetriebs zog die Forderung nach einer Beobachtung und Überwachung der gewerkschaftlichen Tätigkeit durch den
Staat nach sich. Kenner der Verhältnisse im Bereich der ArbeitgeberArbeitnehmer- Beziehungen wie auch unparteiliche Schiedsleute wiesen
mit Nachdruck auf die Notwendigkeit einer solchen Überwachung hin.
Prof. Sumner Slichter von der Harvard-Universität forderte 1947 in
einer Arbeit über das Verhalten der Gewerkschaften, deren Tätigkeit
nationale Interessen berührt, eine staatliche Überwachung der AufnahmebestImmungen und der gewerkschaftlichen Disziplinarordnung sowie
eine Überprüfung der treuhänderischen Tätigkeit der örtlichen Gewerkschaften. Im Jahr 1952 kritisierte die. amerikanische Bürgerrechtsvereinigung (American Civil Liberties Union) die Ehrengerichtsbarkeit
der Gewerkschaften und wies mit besonderem Nachdruck auf das Fehlen
unparteiischer Richter hin. Kritik an den einengenden Bestluuuungen
über die Aufnahme neuer Gewerkschaftsmitglieder, inäbimundere *&gt;n Negern,
war bereits 1930 in Untersuchungen der Liga zur Förderung der städtischen Negerbevölkerung (National Urban League) geübt worden.
Die Notwendigkeit einer Überwachung der Gewerkschaften
Die AFL-CIO selbst erkannte die Notwendigkeit der Abhilfe in Fällen von Gesetzwidrigkeiten und Korruption durchaus an. Anläßlich des
Zusammenschlusses der beiden Organisationen im Jahr 1955 wurden die
sogenannten Ehrenordnungen erlassen und ein Ausschuß zur Untersuchung
ehrenrühriger Gewerkschaftspraktiken eingesetzt. Dieser Schritt führte
im Jahr 1957 zum Ausschluß der Transportarbeitergewerkschaft und zweier
anderer Organisationen«, Daß ein solcher Ausschluß notwendig wurde, war
als Zeichen des tatsächlichen Bestehens von Mißbräuchen zu werten.
Gewerkschaftliche Mißbräuche bildeten den Gegenstand von Untersuchungen eines Senatsausschusses in den Jahren 1954-56, der sich mit
der Tätigkeit der Sozialkassen befaßte, sowie auch der 270 Tage währenden Informationssitzungen des McClellan-Ausschusses in den Jahren 1957
bis 1959. Bei diesen Untersuchungen kam zutage, daß sich Funktionäre
einiger weniger Gewerkschaften der Korruption schuldig gemacht und geheime Absprachen mit Vertretern der Management-Seite getroffen hatten.
Damals wurde unter anderem auch der Vorwurf erhoben, die Stärke der
Gewerkschaften trage zur Förderung inflationistischer Tendenzen bei
und schwäche die Wettbewerbsposition der amerikanischen Produzenten
auf den Weltmärkten. Die genannten Untersuchungen führten zum Erlaß

- 5-

�Erlaß zweier neuer Gesetze. Das erste aus dem Jahr 1958 war das Gesetz über die Offenlegungspflicht der Sozial- und Pensionskassen
(Weifare and Pension Plans Disclosure Act), das im Hinblick auf das
Wachstum dieser Kassen und die damit verbundene Anhäufung gewaltiger
Beträge erlassen wurde. Während das Gesetz zunächst lediglich eine
jährliche Berichterstattung dieser Institutionen vorsah, wurde es
1962 mit Unterstützung der AFL-CIO um Strafbestimmungen im Falle von
Mißbräuchen erweitert.
. -*..
Das Landrum-Griffin-Gesetz, das im Jahr 1959 in Kraft trat, bekräftigte das Recht der Arbeitnehmer auf gewerkschaftlichen Zusammenschluß und Wahl eigener Vertreter bei Kollektivverhandlungen. Es verkündete jedoch gleichzeitig neue Richtlinien für die Geschäftsführung
der Gewerkschaften, und bezeichnete es als "von entscheidender Wtcfctigkeit, daß die Gewerkschaften die Unternehmer und ihre Vertreter den
höchsten Anforderungen in bezug auf Verantwortung und Moral bei der
Verwaltung der Angelegenheiten ihrer Organisation, insbesondere soweit diese die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen betreffen, genügen".
Eine Erklärung der Gewerkschafterrechte setzte feste Normen bezüglich des Schutzes der neuen Rechte des einzelnen innerhalb der Gewerkschaft, der Erhebung von Gebühren und Beiträgen, des Rechts, gegen eine Gewerkschaft und ihre Funktionäre zu klagen und gegen diese
auszusagen, und des Schutzes vor ungerechtfertigten disziplinarischen
Maßnahmen. Die Achtung dieser Rechte kann durch Klage vor einem Bundesdistriktsgericht erzwungen werden.
Die Pflicht zur Offenlegung wurde auf die Gewerkschaften und ihre
Funktionäre und festangestellten Mitarbeiter sowie die Unternehmen ausgedehnt, um unerlaubte Verbindungen wie im Fall von Investitionen und
Interessenkonflikten aufzudecken. Es wurden ferner Vorkehrungen getroffen, um den Mißbrauch der Treuhänderschaft der großen Dachverbände
über die örtlichen Gewerkschaften zu unterbinden. Weitere Bestimmungen betreffen die Gewerkschaftswahlen und die Qualifikationen der Gewerkschaftsfunktionäre. Sie sollen die Gewerkschaften vor unerwünschter Beeinflussung bewahren.
Ein Abschnitt des Gesetzes änderte das Taft-Hartley-Gesetz in
der Absicht ab, die Bestimmungen bezüglich der Durchführung von sekundären Boykotten, der Aufstellung von Streikposten und der Vertragsklauseln über den Ausschluß gewisser Güter vom Transport zu verschärfen.
Das Gesetz befaßte sich ferner ausdrücklich.mit den besonderen Verhältnissen im Baugewerbe und in der Bekleidungsindustrie.
--er.
Die Auswirkungen des neuen Gesetzes lassen sich ebensowenig wie
die des früheren direkt erfassen. Fest steht, daß es Anlaß zu großer
Unzufriedenheit schuf. Die AFL-CIO hat auf ihrem Jahrestag 1963 gegen
das Taft-Hartley-Gesetz .erneut den Vorwurf erhoben, es sei unfair. Sie
wies darauf hin, daß das Landrum-Griffin-Gesetz und insbesondere die
darin enthaltene "Erklärung der Rechte der Gewerkschaftsmitglieder" viel
dazu beitragen, "unerhebliche oder ungerechtfertigte, kostspielige.und
lästige Streitfälle heraufzubeschwören, die von den Gerichten sehr sorgfältig bearbeitet werden müssen, damit die Gewerkschaften in ihrem traditionellen und demokratischen Aufbau und Wirken keinen Schaden erleiden".

Eine

�Eine unparteiische Analyse der Erfahrungen mit dem Gesetz gipfelt in
dem Schluß 1 ) :
"Alles in allem können die Gewerkschaften und ihre Führer die
Berichte des Bundesamtes für die Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Berichterstattung (Bureau of Labor-Management Reports) mit Genugtuung und in
dem sicheren Bewußtsein zur Kenntnis nehmen, daß die Gewerkschaften,
was die Demokratie und die Rechte ihrer Mitglieder angeht, mindestens
ebenso hohen Normen gerecht werden wie andere Institutionen unserer
Gesellschaft."
In diesem Zusammenhang sei auch auf die Bestimmungen des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 verwiesen, das die Schaffung einer Kommission
zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen (Equal Employment
Opportunity Commission) vorsieht, der die Aufgabe gestellt ist, die
Durchführung der Gesetzesbestimmungen zur Verhütung von Diskriminierung aufgrund der Rasse, Hautfarbe, Religion, des Geschlechts und der
nationalen Herkunft zu überwachen. Das entschlossene Eintreten der
AFL-CIO für die Bestimmungen zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen bildet gewissermaßen den Höhepunkt der langjährigen Bemühungen dieser Organisation um die Verbesserung der Beschäftigungsaussichten der Neger.
Auf dem Gewerkschaftskongreß von 1963 wurde berichtet, daß 111 von
insgesamt 130 in den Vereinigten Staaten und in Kanada tätigen Gewerkschaften keine nach Hautfarbe getrennten Ortsvereinigungen unterhielten,
während bei den restlichen 19 AFL-CIO-Gewerkschaften von insgesamt 15 000
Ortsverbänden lediglich 172 bisher an der Rassentrennung festgehalten
haben. In einer Entschließung der Tagung wurden sämtliche Mitgliedgewerkschaften aufgefordert, "mit großem Nachdruck auf die Entwicklung eines
eigenen Bürgerrechtsprogramms hinzuarbeiten, das die Ächtung jeglicher
Form der Diskriminierung aufgrund der Rassenzugehörigkeit, des Glaubens
oder der Hautfarbe in ihren eigenen Reihen zum Ziel hat", und "auf den
Einbau wirksamer Bestimmungen zur Verhinderung von Diskriminierungen in
sämtliche Kollektivverträge zu drängen". Im Anschluß an den Kongreß
startete die AFL-CIO in verschiedenen Städten ein Modellprogramm, in
dessen Rahmen die Abteilung Bürgerrechte der AFL-CIO-Zentrale Vertreter
tu den Ortsverbänden mit dem Auftrag entsandte, bei der Beseitigung der
Diskriminierung auf unterster Ebene beratend zu helfen.
Die Rolle des Staates bei Arbeitsstreitigkeiten
Das Gesetz zur Regelung der Arbeitsbedingungen bei den Eisenbahnen
(Railway Labor Act) und das Taft-Hartley-Gesetz enthalten Bestimmungen
über die Behandlung von Arbeitsstreitigkeiten auf Bundesebene. Gegen das
erstere Gesetz, das für die Eisenbahnen ebenso wie für den Flugverkehr
gilt, wird seit Jahren schon der Vorwurf erhoben, es habe die Durchführung von Kollektiwerhandlungen unmöglich gemacht und zur ausschließlichen Zufluchtnahme zu staatlicher Regulierung geführt. Als absoluter
Tiefpunkt des Funktionierens des Eisenbahngesetzes ist der im August
1963 notwendig gewordene Erlaß eines Gesetzes anzusehen, das eine
zwangsweise Schlichtung des vielschichtigen und sich lange hinziehenden
Streits über die Arbeitsbedingungen verfügte, der zwischen den führenden Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften des Eisenbahnbetriebs-

Industrial Relations Research Association, Regulating Union Government,
Publication No. 31, 1964
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�Eisenbahnbetriebspersonals ausgebrochen war. Jene geradezu traumatische Erfahrung dürfte noch lange in die Zukunft wirken. Der
damalige Arbeitsminister Wirtz erklärte hierzu: '»Anhand jener Erfahrung wurde deutlich, wie weitverbreitet das Gefühl ist, daß
'Eingriffe des Staates* in Kollektiwerhandlungen beinahe um jeden
Preis zu vermeiden sind." ./
Es wurde bereits auf die Notstandsbestimmungen des Taft-HartleyGesetzes für den Fall von Streiks auf Bundesebene verwiesen. Die Durchführung dieser begrenzten Bestimmungen hat viel Unmut erregt. Sie wurden in der Zeit von 1947 bis 1964 in 24 Fällen angewandt, wobei in 19
Fällen der entsprechende Apparat noch vor oder kurz nach Streikbeginn
eingeschaltet wurde: in 7 Fällen kam es zu einem Streik, nachdem die
verfügte Stillhaltefrist abgelaufen war.
Die Bemühungen der Regierung um eine Verbesserung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen ohne Inanspruchnahme dieser gesetzlichen
Bestimmungen sind unabdingbarer Bestandteil der Arbeitspolitik. Die
Berichte des Beratungsausschusses des Präsidenten zu Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Politik (President's Advisory Coramittee on LaborManagement Policy) seit 1962 fanden weitgehend Zustimmung bei den
beteiligten Vertretern der Öffentlichkeit, der Gewerkschaften und der
Unternehmer. "Die volle Einmütigkeit darüber, daß Kollektivverhandlungen ein wesentliches Element der Wirtschaftsdemokratie darstellen",
wie Präsident John F. Kennedy in dem Bericht dieses Ausschusses über,
"freie und verantwortungsbewußte Kollektiwerhandlungen und Arbeitsfrieden" erklärte, "ist ein Zeichen unseres Fortschritts als Nation
gegenüber der Uneinigkeit in dieser Frage noch in jüngster Vergangenheit."
Wichtige Empfehlungen betrafen Fragen der Schlichtung, die Freiheit in der Wahl der Vertreter für Kollektiwerhandlungen, die Verantwortung des Staates in Kollektiwerhandlungen, die Mithilfe dritter
Parteien und die Verbesserung der Verfahrensregelung im Falle eines
Streiks, der einen nationalen Notstand hervorzurufen geeignet ist. Die
Berichte des Ausschusses haben sich auch mit so vielschichtigen Themen
befaßt wie "Vorteile und Problematik der Automation und anderer technischer Fortschritte", "Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Waren auf den Weltmärkten" und "Erklärungen zur Steuerund Währungspolitik". Das soll nicht besagen, daß es in dem Ausschuß zu
keinerlei Differenzen gekommen wäre, trafen doch einige Mitglieder die
Feststellung, die Konzentration von Macht bei den Gewerkschaften wirke
sirh nachteilig *ä£ die Kollektiwerhandlungen aus, während die Gewerkschaftsvertreter im Ausschuß dem entgegenhielten, wenn überhaupt eine
Bedrvjh''^»" gegeben sei, dann rühre sie von der Machtkonzentration in den
großen Unternehmen her. Die Behandlung der gemeinsamen Probleme war

W. Willard Wirtz, Labor and the Public Interest, New York, 1964

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�war dennoch beispielhaft und zeigte, daß sich eine nationale Basis
für die fortgesetzte Beratung jener vielschichtigen Fragen finden
läßt, wie sie in zunehmendem Maße bei Verhandlungen zwischen Betrieben, Gesellschaften und Gewerkschaftsverbänden angestrebt wird.
Fragen der Wirtschaftspolitik
Auf seiten des Staates ist jedoch eine zunehmende Besorgnis über
die Verhandlungsergebnisse zu verzeichnen. Die Sorge um die Aufrechterhaltung stabiler Preise angesichts des wachsenden Wettbewerbsdrucks
aus dem Ausland und der Bemühungen um den Ausgleich der Zahlungsbilanz
war mit Ausschlaggebend für die Festsetzung der Lohn-Preis-Richtwerte
durch den Wirtschaftsbeirat des Präsidenten. Ausgangspunkt war die im
Wirtschaftsbericht des Präsidenten von 1959 enthaltene Ermahnung, daß
"die einschlägigen Maßnahmen der Regierung ihre Ergänzung in geeigneten privaten Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf Gewinne und Löhne,
finden müssen1*. D*.r Bericht von 1962 brachte dann die erwähnte Festsetzung spezifischer. Richtwerte für Löhne und Preise.
Die Aufstellung von Richtwerten beweist, daß das Kollekfiwerhandlungswesen integraler Bestandteil der US-Wirtschaftspolitik ist. Hierin
ist man sich wohl grundsätzlich einig. Über die Handhabung allerdings
dieser Richtwerte bestehen weitgehende Meinungsunterschiede. Auf seiten
der Wirtschaftswissenschaft begrüßte Professor J.K. Galbraith kürzlich
die Richtwerte als "wichtigstes Mittel zur Verteidigung des Dollars.
Sie sind von größter Bedeutung auch für die Ruhe im Innern und für den
guten Ruf unseres wirtschaftlichen Managements1*. Im Gegensatz hierzu
erklärte Professor Arthur Bums: "Wenn sich die Regierung erst einmal
darin auf Gewerkschaften und Betriebe verläßt, daß sie eine Inflation
abwehren, besteht die Gefahr,, daß sie ihrer traditionellen Verantwortung
für die Überwachung des Geldumlaufs und die Aufrechterhaltung des Wettbewerbsklimas nicht gerecht wird.1*
Sowohl auf Gewerkschafts- wie auf Unternehmerseite macht sich eine
gewisse Unsicherheit bemerkbar. Walter Reuther von der Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft erklärte kürzlich, die Richtwerte seien
"ihrem Wesen nach gefährlich negativ", und er kritisierte den Wirtschaftsbeirat wegen der rigorosen Anwendung.der Richtwerte und beschuldigte ihn,
die störenden Auswirkungen steigender Preise auf das Gleichgewicht zwischen Löhnen und Kaufkraft außer acht zu lassen. 3) Handelsminister John
T. Connor, der die Richtwerte an sich befürwortet,-erklärte hingegen:
"Zahl reiche Geschäftsleute beklagen sich in privaten Gesprächen
darüber, daß der Lohn-Richtwert einer durchschnittlichen jährlichen
Steigerung von 3,2 Prozent in Wirklichkeit zum Minimum geworden ist,
das die Gewerkschaftsführer in ihren Verhandlungen erstreben... Sie
erklären, kein vernünftiger Unternehmer werde die Preise aufgrund der
Gewinne der Vergangenheit* herabsetzen, er werde vielmehr zu erfahren
wünschen, welche Lorin- und anderen Kosten ihm voraussichtlich in najier
Zukunft erwachsen und wie die Marktlage für seine Produkte zu beurteilen

Vgl. Report of the President (89. Congress, Ist Session) und Hearings
Before the Joint Economic Committee on the January, 1965
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�Auswirkungen der staatlichen Arbeitspolitik
Welche Auswirkungen hat nun die Haltung der Regierung gegenüber
den Gewerkschaften und dem System der Kollektiwerhandlungen gezeitigt?
Eine direkte Antwort auf diese Frage ist unmöglich, weil die staatliche Politik, wie bereits ausgeführt, mit einer ganzen Reihe anderer
Einflüsse in Wechselwirkung steht. Dennoch sei hier auf einige Trends
verwiesen, die geeignet zu sein scheinen, die einzelnen Elemente der
staatlichen Arbeitspolitik in eine vernünftige Perspektive zu rücken.
Alles in allem war das Wirtschaftsklima seit 1947 für Kollektivverhandlungen günstig. Die Wirtschaftstätigkeit nahm in der Zeit nach
1947 fast unablässig zu, und es gab nur relativ wenige Rückschläge,
von denen das Einkommens- und das Preisniveau weitgehend unberührt
blieben. Das Fortbestehen einer hohen, wenngleich abnehmenden Arbeitslosigkeitsrate, die von einem Maximum von 6,8 Prozent im Jahr 1958
auf 5,2 Prozent im Jahr 1964 zurückging, war ein störender Faktor. Er
erschwerte insbesondere die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten, die
sich aus den Rückwirkungen technischer Veränderungen auf die bisherigen
Arbeitsregelungen und Einstellungsvereinbarungen ergaben. Die Zahl der
Streiks hingegen war relativ niedrig, und der Arbeitsausfall machte
nach 1947 bei den bestreikten Betrieben im Bereich der gewerblichen
und industriellen Fertigung nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtarbeitszeit aus (im allgemeinen weniger als 0,5%).
Stabile Verhältnisse im Bereich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen werden nicht lediglich durch das Fehlen von Streiks bestimmt.
Die beiden letzten Jahrzehnte waren gleichzeitig ein Zeitraum, in dem
die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen veränderten Erfordernissen angepaßt werden mußten. Trotz einer Verhärtung des Standpunktes der Arbeitgeber - eine Folge des zunehmenden Wettbewerbs auf den Inlandsund Auslandsmärkten - funktionierte das System der Kollektivverhandlungen in fast allen Fällen reibungslos.
Die Zahl der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten rechtswirksamen Kollektivverträge wird auf 150 000 geschätzt. Die rund 1800 Verträge, von denen jeder mehr als 1000 Arbeitnehmer erfaßt, erstrecken
sich im allgemeinen auf mehrere Werke ein und derselben Gesellschaft
oder auf ganze Branchen. Diese Verträge lassen deutlich erkennen, daß
das Kollektiwerhandlungswesen noch im Stadium der Evolution ist:
Tarifverträge werden immer vielschichtiger.
Alle Entwicklungen im Bereich des Kollektivverhandlungswesen
hier aufzeigen zu wollen, wäre unmöglich. Es sind neben allgemeinen
Entwicklungstrends auch zahlreiche Einzelexperimente zu beobachten. Die privaten Pensions- und Versicherungskassen sind ein hervorragendes
Beispiel für eine Entwicklung, die ihren Anfang in Kollektiwerhandlungen nahm und durch eine zweckdienliche Steuerpolitik gefördert wurde.
Sie zeigt aber auch, daß die Leistungen der staatlichen Sozialversicherung nicht mit den Lebenshaltungskosten Schritt gehalten haben. Auch
die Verbesserung der Urlaubsregelung und die Gewährung bezahlter
Feiertage sind Entwicklungen mit weitreichenden Folgen.
Aus

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�Aus TarifVerhandlungen sind bemerkenswerte Neuerungen hervorgegangen. Im Bereich der Automobilindustrie handelten die Vereinigte
Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers - UAW) und
General Motors 1948 erstmals eine Lohnvereinbarung aus, die Lohnerhöhungen in Relation zur Produktivitätssteigerung und in Angleichung
an den Lebenshaltungskostenindex des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
vorsah. Im Jahr 1953 wurde in der gleichen Industrie ein Abkommen
über die Einführung einer zusätzlichen, privaten Arbeitslosenversicherung abgeschlossen. Und erst in jüngerer Zeit, im Jahr 1963, stimmte
die Stahlindustrie in Kollektiwerhandlungen der Gewährung von zusätzlichem Urlaub für langjährige Mitarbeiter zc drei Monate für je fünf
Jahre Betriebszugehörigkeit. Eine weitere Neuentwicklung spiegelt sich
auch im Tarifabkommen mit der Automobilindustrie vom Jahr 1963, nämlich der zunehmende Trend, Arbeitnehmer durch Vergünstigungen dazu zu
veranlassen, vorzeitig in den Ruhestand zu treten.
Die wachsende Vielschichtigkeit der Fragen, denen sich beide
Seiten in Kollektiwerhandlungen gegenübersehen, hat in den sechziger
Jahren den Anstoß dazu gegeben, neue Verhandlungspraktiken zu entwickeln. Der Ausschuß für zwischenmenschliche Beziehungen in der Stahlindustrie ist ein hervorragendes Beispiel hierfür. Aus langwierigen
Erörterungen solcher Probleme resultierten der sogenannte Armour-Plan,
die TarifVereinbarung der Hafenarbeiter an der Westküste, die Vereinbarung mit der amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union of America - NMU) über die Errichtung von Mechanisierungs- oder
Automatisierungsfonds sowie der Kosteneinsparungsplan der Kaiser Steel
Company.
Zumindestens gestreift sei hier auch die Lage der Gewerkschaften
selbst und deren Auswirkung auf ihre Position in Kollektivverhandlungen.
Die Gewerkschaften machen das Taft-Hartley-Gesetz und die einzelstaatlichen Gesetze zur Sicherung des Rechtes auf Arbeit für das geringe
Wachstum der Gewerkschaftsbewegung in der Nachkriegszeit verantwortlich. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik verzeichnete zwischen 1945
und 1950 eine durchschnittliche Mitgliederzahl der Gewerkschaften von
14,3 Millionen, einen Anstieg auf 17,5 Millionen bis 1956, einen allmählichen Rückgang bis auf 16,3 Millionen (1961) und dann einen erneuten
Anstieg auf 16,6 Millionen im Jahr 1962, der die stärkste Zunahme seit
1956 darstellt. Noch schwerer als der absolute Rückgang der Mitgliederziffern wiegt die Tatsache, daß die Migliederzahlen der Gewerkschaften
nicht mit der Zunahme des Arbeitspotentials Schritt halten konnten:
Der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder verringerte sich von 24,8 Prozent des zivilen Arbeitspotentials im Jahre 1956 auf 22,2 Prozent
1962. Ebenso deutlich ist der Rückgang, legt man nur die gewerbliche
und industrielle Wirtschaft (außer Landwirtschaft) zugrunde: von 33,4
Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigten im Jahre 1956 auf 29,7 Prozent
1962.
Will man diesen Trend analysieren, so muß man dabei zwei gegensätzliche Erwägungen anstellen. 1. Der Einfluß der Gewerkschaften hat
in diesem Zeitabschnitt zugenommen und wurde in vielen Streitfragen,
die sich auf die heimische Wirtschaft ebenso wie auf unsere Außen-

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�Außenpolitik ausgewirkt haben, deutlich spürbar. 2. Die retartierenden
Einflüsse auf das Wachstum der Mitgliederzahlen der Gewerkschaften
waren sehr zahlreich. Während der Fortbestand der einzelstaatlichen
Gesetze zur Sicherung des Rechts auf Arbeit gemäß Abschnitt 14 (b) des
Taft-Hartley-Gesetzes unter Umständen tatsächlich das Wachstum der
Gewerkschaften in den bisher weniger durchorganisierten Wirtschaftszweigen beeinträchtigt haben mag, haben sich auch andere Einflüsse
dahin gehend ausgewirkt. Die wirtschaftliche Position einzelner Industriezweige, wie beispielsweise des Bergbaus und auch der Eisenbahnen,
und deren Einfluß auf die Beschäftigungsentwicklung gehören hierzu.
Technische Veränderungen, die die negativen Auswirkungen einer verringerten Nachfrage auf die Beschäftigung - insbesondere in den Arbeiterberufen - verstärkten, gehören gleichfalls hierher. Ähnliches gilt für
die Umsiedlung von Industrien in Gebiete, in denen die Gewerkschaften
nicht sehr stark, und für das Wachstum der Beschäftigung in Berufen, die
gewerkschaftlich weniger gut durchorganisiert sind.
Vielleicht ist das Problem des Wachstums der Gewerkschaften mehr
noch als manch anderes eine Frage zunehmender Beschäftigungsmöglichkeiten. Das Bruttosozialprodukt erhöhte sich zwischen 1947 und 1964 um
80 Prozent; die 70prozentige Erhöhung des Warenausstoßes der privaten
Wirtschaft pro Mann und Arbeitsstunde war einer der wichtigsten Faktoren in dieser Entwicklung. Die Gesamtzahl der Zivilbeschäftigten erhöhte sich in diesem Zeitraum um 23 Prozent, während die Beschäftigung
im Bereich der FertigungsIndustrie um lediglich 12 Prozent zunahm.
Übrigens entfällt der größte Teil der Zunahme auch in der letzteren
Gruppe auf die nicht in der Produktion eingesetzten Beschäftigten auf Techniker, wissenschaftliche Mitarbeiter, Verkaufspersonal und
Verwaltungskräfte.
Der Strukturwandel und Verschiebungen im Tätigkeitsbereich einzelner Industrien im Verein mit Veränderungen in der Gliederung der
Gesamtbeschäftigung bei gleichzeitiger Zunahme des zivilen Arbeitspotentials stellen die Gewerkschaften, das Unternehmertum und auch
den Staat vor neue Aufgaben. Die Gewerkschaften müssen unter anderem
bei der Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder ein Gegengewicht
zum Einfluß der Unternehmer und Unternehmensleitungen auf die Wirtschaft schaffen. Ihr Erfolg in dieser Vertretung wird allgemein als
ein Beitrag angesehen, der dem Wohl des ganzen Landes dient.
Die Bemühungen der Gewerkschaften, Arbeiter und Angestellte zu
organisieren, haben manchen Erfolg gezeitigt. Das gilt vor allem für
eine Reihe von Beschäftigungszweigen und Berufsgruppen, die bisher
keineswegs als gewerkschaftliche Schwerpunkte gelten konnten: Frauenberufe, der öffentliche Dienst und der Einzelhandel. Zum Teil dürfte
dies auf die wachsende Einsicht der Gewerkschaften und ihrer Führer
zurückzuführen sein, daß andere Verhältnisse andere Methoden erfordern. Das Bewußtsein, daß die Stärke der Gewerkschaften weitgehend
von der wirtschaftlichen und sozialen Stärke des ganzen Staates abhängt, ist weitverbreitet. Die AFL-CIO tritt nachdrücklich für eine
Anhebung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung, die Unter-

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�Unterstützung von Notstandsgebieten und notleidenden Bevölkerungsgruppen und ein Programm zur Beschaffung von Arbeitsplätzen auf der
Basis entsprechender Gesetze ein. Die Schaffung besserer Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche wird allgemein als eine Aufgabe
der Gesellschaft insgesamt und somit auch der Gewerkschaftsbewegung
anerkannt. Tragen die Gewerkschaften zur Stärkung des allgemeinen
wirtschaftlichen Wachstums bei, so helfen sie damit auch das Wachstum und die Lebenskraft der Gewerkschaftsbewegung mehren.
Die Sorge der Regierung um eine gesunde Wirtschaft tritt nicht
weniger deutlich zutage. Der hier gegebene Rahmen reicht nicht aus,
alle neu erlassenen einschlägigen Gesetze einzeln anzuführen. Das
Gesetz, mit dem die Grundlagen zur Bekämpfung der Armut geschaffen
wurden, fand die Unterstützung sowohl der Gewerkschaften als auch
der Unternehmer und zeigt, wie weit die Sorge des Staates in dieser
Frage geht. Wirtschaftliche Gesundheit setzt aber auf selten der
Allgemeinheit das Wissen um die Notwendigkeit einer von Störungen
freien Wechselwirkung zwischen den wirtschaftlichen und sozialen
Gruppen voraus, die unerläßlich ist, soll eine demokratische Gesellschaft fortbestehen. Es ist zu hoffen, daß Gewerkschaften und Unternehmer aus eigenem Antrieb über Kollektiwerhandlungen Wechselbeziehungen anstreben, die sich auf die Gesamtbeschäftigung wie ihre
strukturelle Gliederung nach Beschäftigungszweigen, Berufsgruppen,
und Standorten erstrecken müssen. Gelangen sie nicht dahin oder
sollten gesetzliche Bestimmungen einer solchen Entwicklung entgegenstehen, dann wäre es an der Zeit, die Rolle der Regierung auf diesem
Gebiet im Hinblick auf mögliche Störungen des sozialen Gleichgewichts
neu zu durchdenken.

(Aus "Current History1*)

+ ++++

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Organisiertenanteil weiter rückläufig
Die Zahl der Mitglieder amerikanischer Gewerkschaften (einschl. der
in Kanada vertretenen Gewerkschaften) stieg zwischen 1962 und 1964 um
346 000 auf 17 976 000 an. Der Anteil der kanadischen Arbeitnehmer beläuft sich auf mehr als 1,1 Millionen. In den USA erhöhte sich die Zahl
der organisierten Arbeitnehmer um 255 000 auf insgesamt 16 841 000, wie
das Bundesamt für Arbeitsstatistik des amerikanischen Arbeitsministeriums
bekanntgab. Trotz der zunehmenden Organisiertenzahlen nimmt der Anteil
der Gewerkschaftsmitglieder an der Gesamtzahl der nicht im Farmbereich
beschäftigten Personen weiterhin ab, heißt es in der Verlautbarung des
Amtes.

+
UAW gründete Institut für Sozialforschung
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) hat ein Institut
für Sozialforschung (Michigan Health and Social Security Research Institute, Inc.) in Detroit gegründet. Nach Angaben des UAW-Präsidenten Walter
P. Reuther wird sich das Institut vor allem mit der Erforschung von Gesundheits-, Wohlfahrts- und Sozialversicherungsfragen befassen. In einer ersten Untersuchunp soll die Verwendung der Renten- und Sozialleistungen verstorbener Automobilarbeiter, die deren Angehörige erhalten, durchleuchtet
werden.

+
Lehrgänge für Lehrlingsanwärter
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) führt in Zusammenarbeit mit dem Detroit Board of Education ein Vor-Lehrlingsausbildungsprogramm für beschäftigungslose Jugendliche aus einkommensschwachen
Familien durch. Das Ziel eines solchen auf 14 Wochen angesetzten Lehrgangs besteht darin, den Jugendlichen das für die Teilnahme an den Lehrlingsprogrammen der Detroiter Betriebe nötige elementare Fachwissen zu
vermitteln. UAW-Präsident Walter P. Reuther vertrat die Ansicht, die bestehenden Lehrlings-Testverfahren der Industrie seien unzulänglich. Das
neue Vor-Ausbildungsprogramm soll zur Vermeidung ungerechtfertigter
Härten beitragen.

+
US-

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�US-Arbeitslosigkeit erreichte Tiefstand
Mit 2,9 Millionen Beschäftigungslosen erreichte die Arbeitslosigkeit im September in den USA ihren tiefsten Stand seit Oktober 1957.
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums sank die Zahl der Beschäftigungslosen gegenüber dem Vormonat um 383 000 auf 2 850 000. Die Arbeitslosigkeitsrate sank auf 4,4 Prozent gegenüber 4,5 Prozent im
August. Im September verringerte sich die Zahl der Beschäftigten um
1,8 Millionen auf 72,4 Millionen. Dieser Vorgang ist im wesentlichen
auf die Rückkehr der in den Ferien berufstätigen Schüler und Studenten
in die Schulen zurückzuführen.

(Quelle: Eigenberichte)

+ + + ++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 11

November 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation und Gesellschaft

Seite

1

Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie

Seite

4

Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter

Seite

8

Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand

Seite

10

G. Randolph Corastock, Mitarbeiter im Stab des Präsidialausschusses für Arbeitsmarktfragen:
Automation und Gesellschaft
Der technische Wandel als Aufgabe für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Der technische Wandel ist nichts Neues. Die erste Anwendung des
Hebels, Erfindungen wie das Rad und die Dampfmaschine, die Nutzung der
Elektrizität - sie alle hatten Rückwirkungen auf die Gesellschaft, die
denen der augenfälligsten technischen Fortschritte in unserem Jahrhundert kaum nachstehen. Da die Mechanisierung und die fortschreitende
Technisierung stets Veränderungen in den verschiedensten Lebensbereichen mit sich bringen, stellen sie für die Gesellschaft sowohl eine
Aufgabe wie auch eine Chance dar. Das gilt zumindest für die Zeit seit
Beginn der industriellen Revolution.
Nach Auffassung mancher Fachleute erleben wir gegenwärtig eine
"zweite industrielle Revolution", die sich weitgehend von der ersten
unterscheidet. Die an sie geknüpften Besorgnisse, daß sich nämlich
die Technik in ihren Dimensionen verändert oder das Tempo des Wandels
beschleunigt habe, sind zum Teil der Popularisierung von Begriffen wie
"Automation" als Sammelworte für praktisch alle Formen technischer
Neuentwicklungen zuzuschreiben. Dem Wort in der ursprünglichen Bedeutung haftet nichts Revolutionäres an.*' Diese ging jedoch rasch jLn

1) Der Begriff Automation wurde 1947 von D.S. Härder geprägt, dem
Leiter der Fertigungsabteilung der Ford Motor Company, um die Mechanisierung "ä la Detroit" zu charakterisieren: die Verbindung
verschiedener Fertigungsstationen durch automatische Transferstraßen oder Transportvorrichtungen. Offensichtlich wurde der gleiche
Begriff etwa zur gleichen Zeit und unabhängig hiervon auch von John
Diebold definiert, wenngleich in einem noch umfassenderen Sinne.
- 1 -

�in dem oftmals von emotionellen Gesichtspunkten diktierten Bemühen
verloren, diesen Begriff um der Anwendbarkeit auf die verschiedensten
Bedürfnisse und Befürchtungen willen jeweils neu zu definieren. Das
Ergebnis war eine nicht unbeträchtliche Verwirrung, die bis heute
spürbar ist.
Die gleichzeitig mit dieser Entwicklung sich einstellende Neigung
auf selten der Wirtschaftstheoretiker, Unternehmer, Gewerkschaftsführer und Journalisten, Begriffe wie technischer Wandel, Mechanisierung,
Automation, Kybernation und Produktivität bald als Synonyme, bald in
unterschiedlicher Bedeutung zu benutzen, hat die Verwirrung noch gesteigert. Um der Einheitlichkeit und Klarheit willen werden diese Begriffe im folgenden ausschließlich nach ihrer ••technischen«» Bedeutung
angewandt werden.
"Technisierung" ist für den Wirtschaftler die Gesamtheit des Wissens und der Verfahren, mit deren Hilfe alle verfügbaren wirtschaftlichen Hilfsquellen zusammengefaßt und in Waren und Dienstleistungen
zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse umgesetzt werden können.
Technisierung ist somit eindeutig ein dynamischer Prozeß. Ein "technischer Wandel", der den Wirkungsgrad der Umsetzung von Hilfsquellen
in Waren und Dienstleistungen erhöht, kann vielfältige Formen annehmen: Verwendung neuer Rohstoffe, Anwendung neuer Verfahren, Veränderung der organisatorischen Struktur eines Unternehmens, Einführung von
Ersatz- oder neuen Produkten, Standortveränderung mit Rücksicht auf
Rohstoffvorkommen und Märkte, Spezialisierung und Aufteilung der Arbeit
und der unternehmerischen Entscheidungsbefugnisse.
"Mechanisierung" läßt sich exakt nur auf eine ganz spezifische
Entwicklung in der Technik anwenden: den Ersatz menschlicher oder tierischer Arbeitskraft durch Maschinen. "Automation" bedeutet den Ersatz
des Menschen an der Maschine durch automatisch arbeitende Kontrollund Steuerorgane. "Kybernation" stellt eine Verfeinerung dieser Technik
dar, insofern als automatisierte Prozesse durch elektronische Steuergeräte . mit der Fähigkeit, gewisse Entscheidungen zu treffen, kontrolliert
werden. "Produktivität" wird gewöhnlich als Leistung pro Mann und Arbeltsstunde 2 ) definiert und dient als Meßgröße für die meisten, wenn
auch nicht sämtliche Auswirkungen des technischen Wandels auf die Beschäftigung.
Wenn sich die Begriffe der Technik relativ leicht definieren lassen, warum geben dann zwei unter ihnen - Automation und Kybernation Anlaß zu einem so heftigen Bedeutungsstreit, daß man sie am besten gesondert behandelt? Die Antwort liegt offensichtlich in den unterschiedlichen Auffassungen über die möglichen Auswirkungen der Automation und
Kybernation auf die Beschäftigung, die Einkommensentwicklung und die
Freizeit der Menschen begründet. Und in diesem Bereich vorwiegend persönlicher Besorgnisse, in dem sich jeder als Fachmann fühlt, haben die
Literatur und unzählige Vorträge über die Automation (in ihrer umfassendsten Bedeutung) einen heftigen Meinungsstreit ausgelöst.

2)

*2l

—

Die Leistung bzw. der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde ist der Quotient aus der jährlichen Wertschöpfung der Wirtschaft, eines Industriezweiges oder eines Betriebs (in konstanten Preisen) und der Gesamtzahl
der geleisteten Arbeitsstunden. Die Produktivität wird in Geld ausgedrückt, ihre Zunahme in Prozenten.

- 2 -

�Auf diesen Meinungsstreit näher einzugehen, reicht der verfügbare
Raum nicht aus. Dennoch sei hier als wichtig angemerkt, daß das Spektrum der Meinungen sehr weit ist, halten die einen die Automation und
Kybernation doch lediglich für Varianten anderer technischer Veränderungen unserer Geschichte, während die anderen im Hinblick auf Art und
Umfang ihrer Auswirkungen befürchten, sie werden die Welt von Grund auf
verändern: Von einigen Ausnahmen abgesehen, werden Maschinen die menschliche Arbeitskraft überflüssig machen3), und
computergesteuerte
Maschinen werden sämtliche Arbeiten verrichten,die nötig sind, um die
Menschen mit Waren zu versorgen sowie ihre Freizeitbedürfnisse zu befriedigen. Der Mensch wird dann (nach dieser Auffassung) ein Einkommen
nicht als Gegenwert für aufgewandte Mühe beziehen, sondern dank eines
bestehenden Rechtsanspruchs.
Die pragmatische Erprobung solcher "utopischen" Hypothesen ist
nicht möglich. Sie sind bestenfalls subjektive Beurteilungen der Zukunft
und basieren schlimmstenfalls auf der Annahme, wir lebten in einer Zeit,
in der die Geschichte zum Stillstand kommt. Bis heute fehlt noch jeder
einigermaßen stichhaltige Beweis, daß die Automation oder irgendeine
andere Form des allgemeinen technischen Wandels einen klaren "Bruch mit
der Geschichte" darstellt.
Das Vernünftigste ist demnach, davon auszugehen, der technische
Wandel - die Mechanisierung wie auch die Automatisierung - haben heute,
und mehr noch in der Zukunft, einen gewissen Einfluß auf die Gesellschaft.
Diesen Einfluß auf die Beschäftigung, die Einkommensentwicklung und
überhaupt unser gesamtes Leben aber können und sollten wir in die gewünschte Richtung lenken. Wie sich Gesellschaft, Unternehmer und Arbeitnehmer der Aufgabe entledigen, die ihnen aus der neuen technischen Entwicklung erwächst, ist weitgehend in ihre Hand gelegt.
Auswirkungen technischer Veränderungen
Ein Blick auf die Geschichte offenbart, was die Zukunft angeht, so
gut wie nichts. Es haben viele - zum Teil schmerzlich - erfahren müssen,
daß die Vergangenheit nicht zwangsläufig Prolog der Zukunft ist. Dennoch
tun wir gut daran, die Auswirkungen der technischen Veränderungen.in den
vergangenen Jahren eingehend zu studieren.
Das meist gebräuchliche Maß des technischen Fortschritts ist, wie
schon erwähnt, die Arbeitsproduktivität. Bei seiner Anwendung ist jedoch
einige Vorsicht geboten, weil es sich hierbei nicht um einen Meßwert für
Größen aus dem Bereich der Technik, sondern für die wirtschaftlichen Auswirkungen technischer Veränderungen handelt. In den Angaben über die Leistung pro Mann und Arbeitsstunde spiegeln sich auch andere Veränderungen
Vgl. "The Triple Revolution" (Erklärung des Ad Hoc Committee on the
Triple Revolution vom März 1964, in Briefform weitergeleitet an den
Präsidenten der Vereinigten Staaten, den Arbeitsminister und die Fraktionsvorsitzenden beider Parteien im Senat und Repräsentantenhaus).
Siehe ferner "Cybernation: The Silent Conquest" von Donald N. Michael
(Santa Barbara: Center for the Study of Democratic Institutions, 1962)
sowie die Gegendarstellung «The Automation Hysteria" von George Terborgh
(Washington, D.C.: Machinery and Allied Products Institute, 1965).

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�Veränderungen wider (z.B. Änderungen in der Investitionsrate, in Ausmaß und Intensität der Wirtschaftstätigkeit, im Niveau der Bildung und
des fachlichen Könnens der Beschäftigten), die den Arbeitsaufwand pro
Stück zu beeinflussen vermögen; über die. Tragweite solcher Veränderungen
sagen diese Angaben jedoch nichts aus.
Dennoch darf man darüber nicht aus dem Auge verlieren, daß es eben
der technische Wandel ist, der erst Leistungssteigerungen in der Produktion von Waren und Dienstleistungen auf der Basis der vorhandenen
Hilfsquellen ermöglicht. Es sei ferner daran erinnert, daß die Produktivitätsziffern lediglich die Jahr für Jahr auftretenden Veränderungen
registrieren, die es gestatten, ein Stück dank der Verringerung des erforderlichen Arbeitsaufwands mit größerem Wirkungsgrad herzustellen.
Unter diesen Gesichtspunkten lassen sich Produktivitätsvergleiche tatsächlich als Maß für die Auswirkungen technischer Veränderungen über
einen größeren Zeitraum hinweg benutzen.
Für die Beurteilung der Auswirkungen eines technischen Wandels
auf die Beschäftigung erweist sich die Produktivität als ein hervorragendes Hilfsmittel. Jede Veränderung in der Beschäftigung zieht eine
Veränderung der Relation zwischen Produktion, und Produktion pro Arbeitsstunde nach sich. Natürlich wird der Beschäftigungsstand auch durch
andere variable Größen beeinflußt. Solange die Produktion schneller
wächst als die Produktivität, steigt die Beschäftigtenzahl;wenn jedoch
der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde schneller als die Produktion zunimmt, geht die Beschäftigung zurück. (Wird fortgesetzt).
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History, Inc.
gestattet.

+ ++++

Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie
Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Arbeiterberufen
Die Situation auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich von
August 1964 bis August 1965 ständig verbessert. Innerhalb dieses Zeitraumes sank die Arbeitslosigkeit von 5,1 Prozent.auf 4,5 Prozent (Oktober 1965: 4,3 Prozent, niedrigster Stand seit acht Jahren). Ausschlaggebend für den Rückgang der Arbeitslosigkeit war neben anderen Faktoren
vor allem der Aufschwung in der gütererzeugenden Wirtschaft.
Während dieser zwölf Monate ließ insbesondere der Beschäftigungsstand in der Fertigungsindustrie eine starke Aufwärtstendenz erkennen.
Im März übertraf hier die Beschäftigung den Höchststand des Jahres 1956
und erreichte im August 1965 eine neue Rekordhöhe. Das Arbeitsplatzangebot in der Fertigungsindustrie hat sich im Vergleich zu früheren Perioden entschieden verbessert: Während es sich zum Beispiel in der Zeit von
August 1963 bis August 1964 monatlich nur um durchschnittlich 28 000
Arbeitsplätze erhöhte, betrug der Zuwachs in der folgenden Vergleichsperiode durchschnittlich 65 000 Arbeitsplätze pro Monat. Der Schwerpunkt
dieser Entwicklung lag in der Metall- und metallverarbeitenden Industrie.
Gleichzeitig wurden auf diesem Industriesektor längere
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�längere Arbeitswochen, erhebliche Überstundenleistungen sowie sehr
hohe Stunden- und Wochenlöhne verzeichnet. Dem Aufschwung in der
Industriearbeiterbeschäftigung gingen erhebliche Zunahmen im Baugewerbe voraus, wo im übrigen der Anstieg weiter anhält.
Das wachsende Arbeitsplatzangebot schlug sich im Beschäftigungsstand der Arbeiter nieder. Diese Beschäftigtengruppe verzeichnete in den beiden letzten Jahren erhebliche Zunahmen, wobei das
Schwergewicht bei den weniger hoch qualifizierten Arbeitskräften lag.
Schon im Frühjahr 1962 war der Rückgang, der während der Rezession der Jahre 1960 und 1961 im Beschäftigungsstand der Arbeiter eingetreten war, mehr als wettgemacht. In den folgenden zwei Jahren stieg
die Zahl der Beschäftigten ständig, wobei der Schwerpunkt der Entwicklung auf dem Dienstleistungssektor lag, während die gütererzeugende
Industrie und verwandte Industriezweige wegen ihrer- Rezessionanfälligkeit zunächst nicht Schritt zu halten vermochten. Erst im Februar 1964
übertraf die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze in diesen Industrien
den Höchststand vom Frühjahr 1960. Und im August 1964 schließlich
schnellten die Zuwachsraten im Arbeitsplatzangebot in der gütererzeugenden Industrie»und da vor allem im Fertigungsbereich, schlagartig
nach oben. In schneller Folge wurden die früheren Rekordmarken der
Jahre 1956, 1953 und 1943 übertroffen. Während des Aufschwungs wurden
gewisse langfristige Wandlungsprozesse in der Struktur der gütererzeugenden Industrie sichtbar, während andere Nachkriegsentwicklungen
zum Stillstand kamen. Der neue in der FertigungsIndustrie erreichte
Höchststand der Beschäftigtenzahlen im August 1965 ist kennzeichnend
für die veränderte Situation.
Einer der dauerhaftesten Trends der Nachkriegszeit bestand darin,
daß die nicht in der Produktion tätigen Arbeitskräfte in ständig wachsendem Maße ihren Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl in der Fertigungsindustrie zu vergrößern vermochten. Noch 1947 zum Beispiel.übte
jeder sechste in der Fertigungsindustrie Tätige eine nicht-produktive
Beschäftigung aus. 1960 war bereits jeder vierte Arbeitnehmer nicht
in der Produktion beschäftigt. Im Zuge de* jüngsten wirtschaftlichen
Aufschwungs erfuhr diese Entwicklung allerdings eine Unterbrechung.
Soweit man dies heute bereits übersehen kann, ist sie sogar wieder
rückläufig. Obgleich das Verhältnis auch schon während früherer wirtschaftlicher Aufschwünge konstant geblieben ist, ist es immerhin bemerkenswert, daß in dieser Relation nunmehr seit vier Jahren kaum
Schwankungen aufgetreten sind. Es ist freilich noch zu früh, um beurteilen zu können, ob der Trend nun zum Stillstand gekommen ist.
Zunächst jedoch erreicht der Beschäftigungsstand der nicht-produktiven
Arbeitnehmer neue Höchstwerte,; gemessen an den zwischen 1947 und 1961
erreichten Spitzenwerten, während der Beschäftigungsstand bei den Produktionsarbeitern immer noch etwas unterhalb der Rekordmarken früherer
Jahre liegt.
Der Gesamtanstieg der Beschäftigung in der FertigungsIndustrie
ist das Ergebnis einer starken Beschäftigungszunahme in einer Reihe
von Branchen, während andere Zweige Einbußen erlitten. Drei Branchen
des kurzlebigen Güter-Bereichs - Chemie, Druckereigewerbe und Bekleidungsindustrie - sowie drei Branchen des langlebigen Güter Bereichs -

5 -

�Güter-Bereichs - Metallverarbeitung, elektrische Ausrüstungen und
Maschinenbau - haben einen erheblichen Zuwachs an Arbeitsplätzen
über den Höchststand von 1957 hinaus zu verzeichnen. Von den Branchen, die gegenwärtig unter dem Höchststand von 1957 bleiben, hat
die Transportausrüstungsbranche, die zwischen 1957 und 1960 infolge
des Rückgangs der Flugzeugproduktion erhebliche Verluste hinnehmen
mußte, vor allem durch den nun schon vier Jahre andauernden Boom in
der AutomobilIndustrie mittlerweile ihre Einbußen nahezu wieder wettmachen können. Metall- und Textilindustrie haben jüngst aufgeholt,
jedoch ihre früheren Verluste noch keineswegs ausgeglichen. Auf der
anderen Seite verzeichnet die Lebensmittelindustrie seit 1956 einen
mäßig starken, aber doch beständigen Abwärtstrend.
Von erheblicher Bedeutung ist die Tatsache, daß in den sechs
größten Wachstumsbranchen die Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze
zwischen 1960 und 1965 nur geringfügig stärker war als die Zunahme
in der Produktionsarbeiter-Beschäftigung. Etwa das gleiche gilt für
die Metallindustrie, wo die. Gesamtbeschäftigung leicht zurückging,
während der Anteil der Produktionsarbeiter an der Gesamtbeschäftigung 1964 - im Gegensatz zu den sechs vorausgegangenen Jahren mit
gleichbleibendem Anteil - leicht anstieg.
Beschäftigungsstand und Arbeitslosigkeit von Arbeitern
Die jüngste erhöhte Zunahme des Arbeitsplatzangebots für Arbeiter schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder. Wie die
Tabelle (unten) erkennen läßt, sind die laufenden Zunwachsraten für
gelernte u.a. Arbeiter und für ungelernte Arbeiter (ohne Landwirtschaft) erheblich höher als die für die Gesamtbeschäftigung geltende
Zuwachsrate.
TABELLE 1
DURCHSCHNITTLICHER BESCHAFTIGUNGSSTAND, JANUAR-AUGUST, 1963-1965
(in 1000)
Berufe

Prozentuale Zunahme
1965

. .1964

1963

Gesamtbeschäftigung

71 865

70 149

Gelernte u.a.
Arbeiter

13 290
3 926

Ungelernte
Arbeiter
(ohne Landw.)

64-65

63-64

68 542

2,4

2,3

12 832

12 407

3,6

3,4

3 675

3 555

6,8

3,4

Dieser deutliche Beschäftigtenzuwachs hat ein merkliches Absinken der Arbeiter-Erwerbslosigkeitsrate bewirkt. Obwohl der seit vier
Jahren andauernde Trend in der Entwicklung der Arbeitslosenziffern für

- 6 -

�für alle Arbeitergruppen rückläufig war, verdient der letzthin eingetretene Rückgang in der Arbeiter-Rate besondere Aufmerksamkeit. Die
Beschäftigungslosigkeit dieser Arbeitnehmerkategorie erreichte im
zweiten Quartal des Jahres 1961 mit 9,8 Prozent ihren Gipfel, innerhalb eines Jahres sank sie jedoch auf 7,4 Prozent. Dieses schnelle
Absinken stand in Einklang mit der allgemeinen Entwicklung nach der
Rezession von 1960 und 1961. In den Jahren 1962 und 1963 schwankte
die Beschäftigungslosigkeit in den einzelnen Berufsgruppen, jedenfalls war kein Trend auszumachen. Von dem vierten Quartal des Jahres
1963 an sank jedoch die Beschäftigungslosigkeit bei den Arbeitern besonders bei gelernten Arbeitern - schneller als in anderen Berufsgruppen. In der Zeit von Ende 1963 bis Mitte 1965 sank die Arbeitslosigkeit bei gelernten Arbeitern von 7,5 Proeent auf 6 Prozent. Zu
dem allgemeinen Absinken der Arbeiter-Erwerbslosigkeit trug jedoch
auch der Rückgang bei den übrigen Arbeitern (außer Landwirtschaft)
bei. Hier setzte eine stärkere rückläufige Bewegung, im zweiten Quartal 1963 ein, die im zweiten Quartal 1965 bei 8 Prozent einen Tiefpunkt erreichte. Die Arbeitslosigkeit war zu diesem Zeitpunkt nur
noch halb so hoch wie im Frühjahr 1961. Diese günstige Entwicklung
hielt während des Sommers an und führte dazu, daß sich die Arbeitslosigkeit der Arbeiter auf den sehr niedrigen Stand der Zeit vor
1957 einpendelte.
TABELLE 2
ARBEITSLOSIGKEIT BEI ARBEITERN UND ANGESTELLTEN Ausgewählte saisonal korrigierte Quartalsdurchschnitte zwischen 1957
und 1965

Berufszweig

3. Quartal
19651)

2. Quartal
1963 1962

1965

1964

5,3

5,6

6,2

7,3

7,4

9,8

5,9

Facharbeiter und
Vorarbeiter

3,6

3,9

4,0

4,6

5,3

7,0

3,6

Gelernte u.a.
Arbeiter

5,6

6,0

6,5

7,6

7,2

10,0

6,3

Ungelernte Arbeiter
(ohne Landwirtschaft)

7,6

8,0

10,2

12,2

12,7

15,7

9,6

2,2

2,3

2,7

2,9

2,6

3,4

1,9

Akademiker,
techn. Angestellte

1,4

1,5

1,8

2,1

1,7

2,1

1,4

Manager, öffentl.
Angest., Selbständige

1,2

1,1

1,2

1,5

1,4

1,9

0,8

Arbeiter

Angestellte

1961

19572)

Büroangestellte
7 -

�Berufszweig

3. Quartal
19651)

1965

1964

2. Quartal
1963 1962

1961

1957

Büroangestellte

3,0

3,4

3,9

3,8

3,6

5,0

2,9

Verkaufspersonal

3,2

3,3

3,8

4,2

3,9

4,4

2,2

Vorläufige Schätzung nach Angaben für Juli und August
Geschätzt

(Aus "The Monthly Report on
the Labor Force11)

•+++++
Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter
Der neue Stahlarbeiter-Tarifvertrag, der am 1. September in Kraft
trat, brachte für rund 350 000 Beschäftigte der "großen Zehn" unter den
US-Stahlproduzenten neben einer stufenweisen Erhöhung der Stundenlöhne
innerhalb rund drei Jahren um durchschnittlich 21,5 Cent ganz erhebliche
Verbesserungen der sozialen Nebenleistungen. Rechnet man den Wert dieser
Sozialleistungen zu den absoluten Lohnerhöhungen hinzu, so wird nach den
Berechnungen der Stahlarbeitergewerkschaft eine effektive Lohnsteigerung
von 47,3 Cent erreicht, nach Angaben der Industrie sogar von mehr als 50
Cent.
Die neue Regelung gilt vom 1. September 1965 bis 1. August 1968 und
kann frühestens am 1. Juni 1968 mit 60tägiger Frist gekündigt werden.
Dem Abschluß dieses Vertrags waren neunmonatige schwierige Verhandlungen
vorausgegangen. Als eine Regelung daran zu scheitern drohte, daß die Gewerkschaften eine Erhöhung der Stundenlöhne (einschließlich sozialer Nebenleistungen) um 50 Cent forderten, während.die Arbeitgeber lediglich
40 Cent gewähren wollten, schaltete sich am 30. August Präsident Johnson
ein. Seinem Eingreifen ist es zu danken, daß dann doch noch eine Einigung vor dem für den 1. September 0 Uhr angedrohten Streik zustande kam,
der sicherlich größte Schäden für die Gesamtwirtschaft mit sich gebracht
hätte.
Im ersten Jahr der Gültigkeit des neuen Tarifvertrags werden die
Löhne in den einzelnen Lohngruppen um 10 bis 19 Cent pro Stunde oder um
durchschnittlich 16,2 Cent angehoben. Hit Wirkung vom 1. Januar 1966
werden sämtliche Facharbeiter innerhalb ihrer jeweiligen Beschäftigungs-

- 8 -

�Beschäftigungskategorien um zwei Stufen höher klassifiziert, was einer
Lohnerhöhung von rund 14,6 Cent über die Erhöhung vom September 1965
hinaus gleichkommt. Im dritten Jahr, d.h. ab 1. August 1967, werden
die Löhne wiederum um sechs bis zwölf Cent bzw. durchschnittlich um
8,5 Cent erhöht. Alles in allem ergibt sich daraus über die ganze Laufzeit des Vertrages hinweg die schon erwähnte durchschnittliche Erhöhung
der Stundenlöhne von 21,5 Cent.
Ein noch stärkerer Anstieg als bei den Löhnen ist bei den sozialen
Leistungen zu verzeichnen. In der betrieblichen Altersversicherung wird
es ab 1. August 1966 für Arbeitnehmer mit 30 und mehr Dienstjähren
keine untere Pensionierungsgrenze mehr geben. Gleichzeitig wird der Rentensatz von 2,50 Dollar auf 5 Dollar monatlich je Dienstjahr angehoben.
Die Mindestrente beträgt demnach künftig 150 Dollar monatlich, der
Höchstsatz (nach 35 Dienstjähren) 175 Dollar. Die bestehenden Altrenten
werden sämtlich um 15 Dollar pro Monat erhöht. .
Im Falle der Invalidität, der Pensionierung wegen Werksstillegung
oder nach zweijähriger Arbeitslosigkeit wird eine Zusatzrente in Höhe
von 75 Dollar zu der Rente gezahlt, auf die der Betroffene aufgrund
seiner Dienstjahre Anspruch hat. Diese Zusatzrente erlischt bei Einsetzen der vollen Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung.
Der Einbehaltungssatz bei gleichzeitigem Empfang von Rente aus
der Sozialversicherung wird von 80 Dollar auf 60 Dollar im Monat gesenkt, was einer Rentenerhöhung um den Differenzbetrag gleichkommt.
Vom 1. August 1967 an wird die Leistungsdauer der Kranken- und
Unfallversicherung für Mitarbeiter mit zwei und mehr Dienstjahren von
26 auf 52 Wochen ausgedehnt bei gleichzeitiger Anhebung des durchschnittlichen Wochensatzes von 67,50 Dollar auf 80 Dollar. Arztkosten
werden vom gleichen Zeitpunkt an restlos statt wie bisher nur teilweise erstattet. Im Falle der Entlassung oder Arbeitsunfähigkeit nach
zehn DienstJahren wird die Leistungspflicht der Behandlungskostenversicherung gleichfalls von 26 auf 52 Wochen verlängert. Dieser Versicherungsschutz wird auch auf unterhaltsberechtigte Kinder ausgedehnt;
er reicht bei Studierenden bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres,
bei arbeitsunfähigen Kindern ist er unbegrenzt.
Daneben brachte der neue Tarifvertrag noch Vereinbarungen zu
Fragen der Lehrlingsausbildung, des Arbeitsschutzes und der Abgeltung
von Urlaubsansprüchen durch einmalige Zahlungen.
Die neuen Vergünstigungen werden schon bald auch den rund 100 000
Mitarbeitern der kleineren, unabhängigen Stahlbetriebe zugute kommen.
Die für sie derzeitig gültigen Tarifverträge wurden fast sämtlich in
jüngerer Zeit unter der Bedingung verlängert, daß die Firmen den Belegschaftsangehörigen die gleichen Leistungen gewähren wie die "großen
Zehn".

(Quelle:

+++++

- 9-

Eigenbericht)

�Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand
Die Zahl der Erwerbslosen in den USA ist seit Monaten rückläufig
und erreichte in Oktober ihren niedrigsten Stand seit acht Jahren:
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums wurden im Oktober 2,8 Millionen Erwerbspersonen als arbeitslos registriert. Diese Zahl entspricht
einer Arbeitslosigkeit von 4,3 Prozent.
Trotz des starken Rückganges der Arbeitslosenziffer wird der derzeitige Stand von amerikanischen Experten als immer noch viel zu hoch
bezeichnet; die Anstrengungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dauern denn auch unvermindert an. Indes läßt ein Vergleich der gegenwärtigen Situation mit der Lage im Oktober 1964 doch erhebliche Fortschritte in Richtung auf die Beseitigung des Problems der Erwerbslosigkeit erkennen.
Im Oktober 1964 belief sich die Zahl der Erwerbslosen auf 3,3
Millionen Personen, das waren 500 000 Arbeitslose mehr als im Oktober
1965. Die Arbeitslosigkeit betrug 5,2 Prozent. Der Fortschritt wird
aber noch deutlicher an der Zunahme der Zahl der erwerbstätigen Amerikaner gegenüber dem Vorjahr um 2 Millionen auf insgesamt 73 196 000.
Die binnen Jahresfrist eingetretenen günstigen Veränderungen
macht folgende Aufschlüsselung der statistischen Globalzahlen sichtbar: Die Arbeitslosigkeit sank gegenüber Oktober 1964 in der Altersgruppe der 20- bis 24jährigen männlichen Erwerbspersonen von 4 Prozent
auf 2,9 Prozent, in den Altersgruppen darüber von 3,4 Prozent auf 2,6
Prozent, bei verheirateten männlichen Erwerbspersonen von 2,9 Prozent
auf 2,1 Prozent, bei nicht-weißen Erwerbspersonen von 9,8 Prozent auf
7,9 Prozent und bei weiblichen Erwerbspertfonen in den Altersgruppen
von 20 Jahren und darüber von 5,1 Prozent auf 4,2 Prozent,
Diese bemerkenswerte Entwicklung ist im wesentlichen auf das erfolgreiche Zusammenwirken von Bundesregierung, lokalen Behörden, Privatwirtschaft und Gewerkschaften in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Dieser Feldzug spielt sich an vielen Fronten ab.
Da sind einmal steuerpolitische Maßnahmen wie die Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuern um 6,7 Mrd. Dollar vor zwei Jahren, die
zu einem nicht unerheblichen Teil dem Wirtschaftskreislauf in Form von
Konsumaufwand zuflössen, oder die VerbrauchesteuerSenkung vom vergangenen Jahr. Beide fiskalpolitische Maßnahmen trugen zur Erhöhung der
wirtschaftlichen Aktivität und damit zur Schaffung neuer Arbeitsplätze
bei.
Parallel zu den steuerpolitischen Maßnahmen wurde die Ausbildung
und Umschulung von stellungslosen Arbeitnehmern vorangetrieben. Programme dieser Art basieren auf den Gesetzen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes und zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens. Darüber hinaus sind örtliche Behörden wie auch die Gewerkschaften mit eigenen Beruf sbildungsprogrammen hervorgetreten.
Rund 550 000 Amerikaner erhielten auf Grund dieser Gesetzgebung
inzwischen eine Fachausbildung in Mangelberufen, und weitere 200 000
Amerikaner werden bis Mitte nächsten Jahres eine solche Ausbildung ab-

- 10 -

�abgeschlossen haben, die sie in die Lage versetzt, auf den freien
Stellenmarkt erfolgreich zu konkurrieren.
Diese Fachausbildungsprogramme werden von staatlichen Erziehungsbehörden in Zusammenarbeit mit örtlichen Berufsschulen und
beratenden Bürgerausschüssen durchgeführt, wobei die Kommunen lediglich 10 Prozent der Aasbildungskosten zu tragen haben. Besonderes Gewicht kommt der Ausbildung am Arbeitsplatz zu, wobei der
Staat die Ausbildungskosten trägt, während die Wirtschaft die Lohnkosten übernimmt. Dieses Programm ist außerordentlich erfolgreich:
75 Prozent der Fachbildungsabsolventen nehmen inzwischen entsprechende Stellen in der Industrie ein.
Ein weiteres erfolgreiches Programm - das Neighborhood Youth
Corps Program - bemüht sich um jene Gruppe von Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren, die aus finanziellen Gründen vorzeitig die
Schule verlassen mußten. Für sie bietet das Programm Möglichkeiten
der Teilzeitbeschäftigung. Das Programm ist auf die Unterstützung
von über 300 000 Jungen und Mädchen zugeschnitten.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 11 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 12

Dezember 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation und Gesellschaft

(II)

Seite 1

Gewerkschaftliche Mitsprache bei
Personalentscheidungen

Seite 9

Arbeitnehmer auf der Schulbank

Seite 11

G. Randolph Comstock, Mitarbeiter im Stab des Präsidialausschusses für Arbeitsmarktfragen:
Automation und Gesellschaft (II und Schluß)
Historisch betrachtet ist die Wertschöpfung der amerikanischen
Wirtschaft in einem Umfang gewachsen, der mehr als ausreichend war, um
die Auswirkungen des Produktivitätszuwachses wettzumachen. Die Folge
war ein kontinuierlicher Anstieg in der Gesamtbeschäftigung.
Da die Produktivität4) dem Einfluß von vielen variablen Größen unterworfen ist, muß man kurzfristige Veränderungen mit einer gewissen
Vorsicht betrachten. Je mehr Variable von Einfluß sind, um so länger muß
man mit der Beurteilung von Trends warten, damit sich größere Schwankungen in der generellen Entwicklungslinie durch die wechselseitige Beeinflussung dieser Faktoren untereinander auspendeln. Ein Zeitraum von fünf
Jahren dürfte unter diesem Gesichtspunkt ausreichen, gewisse typische
Entwicklungstendenzen aufzuzeigen, während ein wirklich zuverlässiges
Bild vom Ausmaß und von der Tragweite technischer Veränderungen erst
bei Betrachtung eines Zehnjahreszeitraums zu gewinnen sein wird.
Die Landwirtschaft ist sicherlich ein hervorragendes Beispiel dafür, welche Auswirkungen Produktivitätssteigerungen über einen größeren
Zeltabschnitt hinweg haben können. Anfang des 19. Jahrhunderts waren
Da sich die Produktivität der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst
nicht messen läßt - kann man deren "Produkt" doch nicht als Ware verkaufen -, beziehen sich Angaben über die Produktivität gewöhnlich
lediglich auf die private Wirtschaft.

- 1-

�waren rund 75 Prozent aller Erwerbspersonen in der Landwirtschaft tätig.
Diese Ziffer fing bis zur Jahrhundertwende auf 40 Prozent zurück und erreichte in jüngster Zeit mit nur 5 Prozent ihren absolut tiefsten Stand.
Das ganze amerikanische Volk - einschließlich der Farmer - erfreut sich
heute eines höheren Lebensstandards, was keineswegs der Fall wäre, wenn
der Großteil der Bevölkerung noch immer in der Landwirtschaft tätig sein
müßte. Der Farmer kann heute mehr Industrieprodukte als je zuvor erwerben, größtenteils deshalb, weil er umgekehrt heute mehr Industriearbeiter
als in der Vergangenheit zu versorgen vermag.
Der Anstieg des Lebensstandards in den Vereinigten Staaten ist vor
allem technischen Veränderungen zu verdanken. Das jährliche verfügbare
Personaleinkommen stieg von 1180 Dollar im Jahre 1930 auf 2248 Dollar
im Jahre 1964 (in Preisen von 1964 ausgedrückt). Der Anstieg der Einkommen war begleitet von einer Zunahme der Freizeit, .ging doch die durchschnittliche jährliche Arbeitszeit pro Kopf der Bevölkerung von 2600
Stunden im Jahr 1900 auf 1600 Stunden im Jahr 1960 zurück. Die langfristigen Vorteile des Produktivitätsanstiegs - mit anderen Horten, eines
höheren Grades der Technisierung - lassen sich am deutlichsten an der
Tatsache ablesen, daß das Bruttosozialprodukt von 1929 mit den heutigen
Methoden von nur 26 Millionen Arbeitskräften bei Einhaltung der 40-Stunden-Woche erwirtschaftet werden könnte, während umgekehrt ein Bruttosozialprodukt von 600 Milliarden Dollar (im Jahre 1964) mit den technischen Möglichkeiten von 1929 nur durch den Einsatz der. Gesamtzahl von
70 Millionen Beschäftigten bei 90 Wochenstunden zu schaffen wäre.
Es wäre müßig, sich die Folgen künftiger technischer Fortschritte
nach Zelt und Ausmaß ausmalen zu wollen; fest steht dagegen, daß im
Jahre 1965 - fünfzehn Jahre nach den ersten düsteren Prophezeiungen
über die rasche Verdrängung der menschlichen Arbeitskraft in der Industrie als Folge der Automation und Kybernation - noch nicht einmal ein
einziges Produkt in der gesamten amerikanischen Industrie^) in einem
einsigen lückenlos durchautomatisierten Prozeß erzeugt wird. Und es
sieht auch keineswegs so aus, als ob sich daran in naher Zukunft etwas
ändern würde"'. Die moderne Technik bietet uns die einzig praktikable
Methode zur Aufrechterhaltung unseres gegenwärtigen hohen Lebensstandards und verspricht uns noch weitere große Fortschritte für die Zukunft. Wir müssen deshalb diese Entwicklung verstehen und beherrschen
lernen und sie in Bahnen leiten, die die Gewähr bieten, daß sie zur
Verbesserung des Loses der Menschen beiträgt.
Der Wandel als Aufgabe
Zweifellos kulminieren die Besorgnisse über die Auswirkungen der
Automation auf die Wirtschaft in der Vorstellung, die Verdrängung vom
Arbeitsplatz durch automatisch gesteuerte Maschinen laufe auf «ine

Siehe Herbert Wiener "The Human Use of Human Belüge" (Boston, Houghton
Mlfflin Company, 1950).
Siehe Charles E. Silbernen "The Real News About Automation1* in der
Januarausgabe 1965 dar Zeitschrift "Fortune**.

- 2 -

�eine ständig« Verdrängung hinaus, d.h. auf dauernde Arbeitslosigkeit.
Selche Befürchtungen werden sowohl durch logische Argumente als auch
durch die gesamte wirtschaftliche Erfahrung widerlegt. Die Erfindung
und Herstellung «ahlreicher Produkte, wie sie für den heutigen Markt
typisch sind, geht auf Kosten anderer Produkte, Verfahren und auch
Personen. Sicherlich ist die Beschäftigungszunähme, die aus technischen Heuerungen oder neuen Produkten herrührt, manchmal geringer als
dl« durch sie bedingte Arbeitslosigkeit. Dennoch ist in der Mehrzahl
der Fälle ein völlig gegenteiliger Effekt zu beobachten, weil wirklich
erfolgreiche technische Veränderungen zu expandierenden Märkten führen; in solchen Pillen (man vergleiche nur Entwicklungen wie das Auto,
Telefon, Fernsehen) findet das Produkt eine rasch zunehmende Verwendung, so daß für seine Herstellung immer mehr Personal benötigt wird.
Die Erdölraffination und das Fernsprechwesen sind Wirtschaftszweige, in denen die Automation seit vielen Jahren schon intensiv vorangetrieben wird. Im Bereich der Erdölverarbeitung nahm die Beschäftigung seit 1920 um über 175 Prozent und im Fernsprechwesen um über 130
Prozent zu. In beiden Fällen übersteigt die Beschäftigungszunahme den
Durchschnitt der Gesamtwirtschaft erheblich.
Innerhalb der letzten 35 Jahre stieg die Gesamtzahl der Erwerbspersonen von 50 auf 75 Millionen, d.h. um 50 Prozent, bei gleichzeitiger
Zunahme der Gesamtbeschäftigung um 23 Millionen. Die Eingliederung einer
so großen Zahl von neuen Arbeitskräften in den Wirtschaftsprozeß ist
teils der Schaffung neuer Arbeitsplätze, teils der Umverteilung der
Arbeitskraft« zu verdanken, die der technische Wandel mit sich brachte.
Ohne die technischen Fortschritte der beiden letzten Jahrzehnte würde
die Arbeitslosigkeit weit größer und angesichts des derzeitigen Lohnniveaus auch weit schlimmer sein als die zu Beginn der dreißiger.Jahre.
Verdrängte Arbeltskräfte
Bei der Betrachtung der Vorteile eines Wirtschaftssystems, das
durch das Absterben seiner schwächsten Elemente an Stärke und Umfang
wächst, darf man jedoch die Probleme nicht übersehen, vor die sich der
einzelne gestellt sieht. Den von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitskräften ist es ziemlich gleichgültig, ob sie wegen der Automatisierung oder auf Grund der schwindenden Nachfrage nach den bisher von
ihnen erzeugten Produkten arbeitslos werden. Es wird ihnen schwer klarzumachen sein, daß durch den Gewinn, der der Gesellschaft letztlich
aus diesem Vorgang erwächst, ihr persönlicher Verlust und ihr persönliches Ungemach kompensiert werden.
Den einzelnen wie die Gesellschaft zu der Erkenntnis zu führen,
daß der Wandel lebenswichtige Voraussetzung einer dynamischen Wirtschaft ist, scheint deshalb eine vordringliche Aufgabe.
Die Automation bringt eine Umschichtung in den Arbeitsmöglichkeiten mit sich, ja sie soll sie sogar mit sich bringen. Arbeitskräfte
geben Berufe auf, die nicht mehr länger gefragt sind, und übernehmen
andere, oftmals bessere Arbeitsplätze, um auf diese Weise zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft beizutragen. Unglücklicherweise
besitzen die verdrängten Arbeitskräfte oft nicht die beruflichen

- 3 -

�beruflichen Qualifikationen, die für die im Zuge des technischen Fortschritts neu entstehenden Arbeitsplätze gefordert werden, und verschiedentlich sind auch gar keine anderen Arbeitsplätze verfügbar.
Die Anerkannung dieser Tatsache führt zu einer Reihe von Schlußfolgerungan. Erstens und allem voran bedarf es selbstverständlich
größerer Anstrengungen, den Bildungs- und Fertigkeitsgrad der Bevölkerung im ganzen Lande zu heben. Besondere Berücksichtigung verdienen
hierbei alle diejenigen, die unter den Folgen des technischen Fortschritts su leiden haben. Die derzeitige Debatte über die Auswirkungen
dar Automation und Kybernation auf den Bildungs- und Fertigkeitsgrad
richtet sich vornehmlich auf jene Beschäftigungssparten, in denen diese
am weitesten vorgedrungen sind. Dia Debatte ist damit tragischerweise
in gewisser Hinsicht in die falsche Richtung gegangen. Die Zahl der
Arbeitsplätze dürfte im Zuge der Entwicklung zu durchautomatisierten
Arbeitsvorgängen so gut wie in jedem Falle zurückgehen. Es muß deshalb
vielmehr die Frage gestellt werden: Welche Fertigkeiten und welche Qualifikationen sind für die verbleibenden und die wegen der Produktionserweiterungen neu zu schaffenden Arbeitsplätze erforderlich?
Es gibt sahireiche Beweise dafür, daß die Anforderungen an die Beschäftigten hinsichtlich, des Bildungs- und Fertigkeitsgrads seit dem
Ende des zweiten Weltkriegs ständig gestiegen sind. Das gilt auch für
die Jagendlichen, die sich neu in den Arbeitsprozeß eingliedern. Zum
Teil handalt es sich bei diesem Vorgang um eine natürliche Auslesemaßnahme seitens der Unternehmen. Für eine große Zahl von Erwerbspersonen Jagendliche mit nicht abgeschlossener Mittelschulbildung, Arbeitsplatzverdrängte älterer Jahrgänge, jugendliche Farbige usw. - hat sich die
Kluft zwischen erworbener Bildung und geforderten Qualifikationen sogar
ständig erweitert. Statistisch läßt sich diese Entwicklung an dem unverhältnismäßig großen Anteil dieser Personengruppen an dar sogenannten
langfristigen Arbeitslosigkeit nachweisen.
Auf dar Suche nach einer Lösung für die Probleme in solchen schwerwiegenden Fällen bietet sich nur ein Weg an: entschlossene Bemühungen
auf nationaler Ebene, gebildetere, kenntnisreichere und anpassungsfähigere
Menschen heranzubilden, die die Belastungen des technischen Fortschritts
zu tragen imstande sind. Die Verfechter des Gedankens, die Fortbildung
mindestens zwei Jahre über den Mittelschulabschluß hinaus für alle Jugendlichen möglich, wenn nicht sogar obligatorisch zu machen, suchen die
formale Bildung wie die berufliche Schulung zu einem verläßlicheren
Mittel das Eintritts in die Arbeitswelt weiterzuentwickeln. Die in jüngerer
Zelt su beobachtende Tendenz zur Verbesserung der Lehrpläne an den Grundund Mittelschulen wie auch das Projekt "Starthilfe" (Project Headstart)
für Kinder Im Vorschulalter dürften hier von größtem Wert sein. Die Verbesserung das Erziehungswesens wird wesentlich dazu beitragen, die vielfach gehörte Behauptung zu widerlegen, daß einem Teil dar Bevölkerung die
natürliche Fähigkeit oder der Wunsch abgeht, sich das Maß an Bildung und
Fertigkeiten anzueignen, das unerläßlich ist, um in einer äußerst komplizierten und technisch orientierten Gesellschaft produktiv mitzuarbeiten.
Diese zweifelhafte Annahme wird so lange nicht durch stichhaltige Beweise
widerlegt, wie nicht überall wirklich umfassende Bildungsmöglichkeiten
gegeben sind.
Eine
- 4 -

�Ein« nicht weniger dringend« nationale Aufgabe ist es, will man
die Voraussetzungen für ein« selch« maximale Anpassung an di« Automation
und Kybernatlou sowie an alle anderen Formen des technischen Wandels
schaffen, eine dynamische und expandierende Wirtschaft b«i gleichzeitiger Vollbeschäftigung anzustreben, in der jeder arbeitsfähig« und
arbeitswillig« M«n«ch «ln«n Arbeitsplatz finden kann. Die Behauptung,
Maschinen werden die Arbeitskraft des Menschen in einem solchen Ausmaß
überflüssig machen, daß sich nicht mehr länger für alle Arbeitsuchenden
ein geeigneter Arbeltsplatz finden läßt, stimmt einfach nicht. Sie
basiert auf dar irrigen Annahm«, di« Nachfrage nach Waren und Dienstlelstungen habe in unserer Überflußgesellschaft den Sättigungsgrad erreicht oder sich ihm schon stark genähert* Ganz im Gegenteilt Noch ein
Fünftel aller amerikanischen Haushalte haben ein Einkommen von weniger
als 3000 Dollar im Jahr, und nur einer unter vierzehn Haushalten hat
• in Einkommen von mehr als 15 000 Dollar. .,
Angesichts einer Gesamtzahl von rund 60 Millionen Beschäftigten
(ohne.Landwirtschaft und Selbständige) und einer Produktivitätssteigerung
von jährlich 3 Prozent muß das Bruttosozialprodukt in einem Maße wachsen,
das die Schaffung von jährlich 1,8 Millionen Arbeitsplätzen gestattet,
um eine Zunahme der Arbeitslosigkeit als Folg« technischer Neuerungen
zu verhüten. Oder um es anders auszudrücken: Bei einer Produktivitätssteigerung von jährlich 3 Prozent würde bei.gleichbleibender Wertschöpfung der Wirtschaft die Arbeitslosenziffer um jährlich 1,8 Millionen
steigen.
Über die wirtschaftliche Expansion hinaus, die einen Ausgleich für
den Produktivitätsanstieg schafft, muß die Wertschöpfung in einem Maße
zunehmen, das die Wirtschaft in die Lage versetzt, die jährlichen Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt - durchschnittlich 1,4 Millionen bis 1970 unterzubringen. Um sowohl die jährliche Produktivitätssteigerung zu
kompensieren als auch die N«uzugäng« in den Arbeitsprozeß einzugliedern,
muß die Wirtschaft, soll ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit vermieden
werden, jährlich 3,2 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Die fiskalischen und währungstechnischen Hilfsmittel der Bundesregierung sind
geeignet, die Aufrechterhaltung einer so großen Nachfrage zu gewährleisten, daß die Voraussetzungen für eine steigende Wertschöpfung gegeben sind. Das Beharren der Arbeitslosenziffer im Bereich von 3 bis 4
Millionen Ist «in deutlicher Beweis, daß wir unsere Hilfsquellen noch
nicht genügend auf diese Aufgabe ausgerichtet haben..
Um eine Anpassung an'den technischen Wandel im großen Stil zu ermöglichen, müssen alle die Freizügigkeit hemmenden Faktoren ausgeschaltet werden. Zu diesem Zweck müßten öffentliche Informationsstellen im
ganzen Land« errichtet werden, die Informationen über neue Beschäftigungs-

Siehe "Toward Füll Employmenti Proposais for a Comprehensive Employment and Manpower Policy in tbe United States", Subcommittee on
Employment and Manpower of the Senate Committee on Labor and Public
Weifare (Unterausschuß für Beschäftigung»- und Arbeitsmarktfragen des
Senatsausschusses für Arbeits- und Sozialfragen} April 1964.

- 5-

�Beschäftigungsraöglichkeiten verbreiten helfen.Es müßten ferner finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um Umzugsbeihilfen zu gewähren
und Beratungsstellen für Umzugswillige einzurichten, die ohne Hilfe von
außen einen solchen Ortswechsel nicht vornehmen können. Bei allen
solchen Haßnahmen wäre größte Rücksicht auf die Würde und die Befürchtungen der Betroffenen zu nehmen.
Die Rolle der Gewerkschaft
Des weiteren gilt es das Vertrauen in den privaten Anpassungsmechanismus des Kollektlwerhandlungswesens zu stärken, ist es doch eine der
Grundlagen der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung einer freien Gesellschaft. Das wirtschaftliche Wohl ihrer Mitglieder wiederum ist das Hauptanliegen .der Gewerkschaften. Sie müssen deshalb die künftige Entwicklung
der Technik verstehen und ihren Mitgliedern bei allen aus ihr erwachsenden
Problemen Hilfestellung leisten, indem sie beispielsweise in Tarifverhandlungen, auf die Bereitstellung der Mittel drängen, die für.Anpassungsmaßnahmen bei Verlust des Arbeitsplatzes, Fortfall gewisser Beschäftigungssparten oder Standortveränderung von Betrieben erforderlich werden.
Im großen und ganzen widersetzen' sich die amerikanischen Gewerkschaften dem technischen Wandel keineswegs. Sie sind jedoch bemüht, den noch
verbleibenden Arbeitskräften einen Teil der zusätzlichen Erträge aus der
steigenden Produktivität in Form höherer Löhne und Lohnnebenleistungen
zu sichern. Während weite Kreise eine Weitergabe dieser Erträge an die
Allgemeinheit in Form von Preissenkungen befürworten, lehrt die Praxis,
daß der Zusatzertrag unter die Arbeitnehmer (in Gestalt höherer Löhne)
und Unternehmer (in Form steigender Gewinne),aufgeteilt wird. Allerdings
wird auch immer häufiger argumentiert, die aus der technischen Arbeitsplatz Verdrängung resultierenden Lasten sollten in erster Linie von denen
getragen werden, die am meisten yom technischen Wandel profitieren; es
müsse deshalb ein Teil der Zusatzerträge aus der steigenden Produktivität
auf Maßnahmen verwandt werden, die den Anpassungsprozeß erleichtern helfen. Diese Entwicklung findet ihren Niederschlag in der steigenden Zahl
der Verträge, die eine Verkürzung der Arbeitszeit, die Herabsetzung des
Pensionsalters, die Übertragbarkeit der Anciennitätsrechte bei Arbeitsplatzwechsel, die Gewährung von Entlassungsgeld, Umzugsbeihilfen, laufenden Unterstützungsleistungen zur Erzielung des garantierten Jahreslohnes
und von Renten zum Gegenstand haben.
In dem Versuch, das gewerkschaftliche Denken angesichts des zunehmenden Tempos des technischen Fortschritts auf die Erfordernisse der Industrie von heute auszurichten, haben die Gewerkschaften ihre Position im
Kollektiwerhandlungswesen teilweise von Grund auf geändert. Dieser Wandel
wird auch in dem Nachdruck deutlich, mit dem führende Gewerkschafter auf
die neue Verantwortung des Managements verweisen, die Belegschaftsangehörigen rechtzeitig auf mögliche Auswirkungen geplanter technischer Veränderungen aufmerksam zu machen. Mit großem Nachdruck wird heute ferner
die Auffassung vertreten, der Arbeitnehmer erwerbe auch ein gewisses
Eigentumsrecht in bezug auf seinen Arbeitsplatz und habe daher bei drohender technischer Arbeitslosigkeit Anspruch auf einen neuen Arbeitsplatz oder ;
aber auf seine Umschulung8^.
'
Die
8)
Vgl. Walter P. Reuther, "Congressional Testimony", wiedergegeben in
"Automation, Implications for the Future" (New York, Vintage Books, 1962).
- 6-

�Die Roll« der Unternehmer
Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sehen sich die
Unternehmer in Zeitalter der Automation und des allgemeinen technischen
Wandels vor drei wichtige Aufgaben gestellt. Erstens zwingt der ständige wirtschaftliche Druck, die Wettbewerbsposition des Unternehmens zu
erhalten oder zu verbessern, die Unternehmensleitung zur Entwicklung
«ad Anwendung immer neuer Verfahren. Der Porschungs- und Entwicklungsaufwand wird mithin weiter steigen, da jeder Industriezweig, jedes Werk
«ad jeder Manager fortgesetzt nach wirksameren Herstellungsmethoden und
neuen Produkten für künftige Märkte sucht. Zweitens müssen sich die
Unternehmer auf die neuen technischen Verfahren innerhalb ihrer eigenen
Betriebe einstellen. Drittens müssen die Unternehmer, da ja nun einmal
Arbeitskräfte langfristig von ihren Arbeitsplätzen verdrängt und von
Arbeitslosigkeit bedroht werden, ihre Verantwortung gegenüber den Betroffenen, sofern eine solche besteht, definieren.
Punkt zwei und drei berühren die Frage der veränderten Rollen der
Führungskräfte im Zeitalter der Datenspeicher- und-Verarbeitungsanlagen
und der damit verbundenen Möglichkeiten, Entscheidungen auf der Grundlage
mathematischer Berechnungen zu treffen. Sie rühren ferner an Fragen der
Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften, der selbständigen wie auch
der mit den Gewerkschaften im Rahmen von Kollektiwerhandlungen koordinierten Unternehmensvorausplanungen, der Standortveränderungen und der
Änderungen von Produkten und Herstellungsverfahren, die ihrerseits den
Arbeitsaufwand beeinflußen.
Man darf implizieren,daß das Management bei der Bewältigung der
Aufgaben, die der Wandel stellt, künftig ein gewichtiges Wort mitreden
wird. Für die berufliche Fortbildung und Umschulung der großen Masse der
Erwerbstätigen sorgt in den Vereinigten Staaten vor allem die Industrie.
Die von privater Seite unternommenen Anstrengungen werden, falls nötig,
durch entsprechende Programme des Bundes gefördert, wie sie beispielsweise im Rahmen des Gesetzes zur Entwicklung des Arbeitsmarktes, des
Gesetzes zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens und anderer einschlägiger Vorschriften vorgesehen sind. Aufgabe der Unternehmungsleitung
kann es auch sein, den durch technische Veränderungen von ihrem Arbeitsplatz verdrängten Personen nach ihrem Ausscheiden aus der Firma den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern oder ihnen anderweitige wirtschaftliehe Garantien oder Entschädigungsleistungen zu gewähren''.
Und schließlich muß der technische Fortschritt auch eine Wandlung
des Wlrtschaftsgefüges hervorbringen - eine Wandlung, die nicht nur unvermeidbar, sondern auch wünschenswert ist. Willkürliche Versuche, diese
Wandlung zu unterbinden, sind nur geeignet, dort Probleme zu schaffen,
wo an sich keine bestehen.
'
Die
Vgl. "The Contribution of Collective Bargaining" von Arnold R. Weber
«KCD-Konferenz zu Fragen der Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitsraakkt, Washington, 8.-10. Dezember 1964).

- 7 -

�Sie dienende Funktion der Technik
Im Amerika unserer Tage ist zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben,
den Besitz des einen zu mehren, ohne den des anderen zu schmälern. Läßt
sich die derzeitige Produktivitätszuwachsrate bis Ende dieses Jahrhunderts aufrechterhalten, wird sich das durchschnittliche Haushaltseinkommen einem Betrag von 18 000 Dollar im Jahr nähern. Die wissenschaftliche
und private Forschung versetzt immer mehr Bürger in die Lage, nicht nur
einen Zweitwagen und ein Zweitfernsehgerät anzuschaffen, sie gewährleistet auch ein höheres Maß an Sicherheit, ein längeres und gesünderes
Leben und mehr Freizeit. Das alles ist heute für viele Amerikaner erreichbar - aber nicht für alle.
Noch immer wächst eine große Zahl junger Menschen heran, die nicht
genügend schulisch vorgebildet sind, um in der Welt von heute bestehen
zu können. Unsere Städte sind übervölkert und drohen im Verkehr und in
verpesteter Luft zu ersticken. Zehntausende leben in völlig unzureichenden Behausungen. Weite Teile unseres Landes sind von Wasserknappheit
bedreht, andere von verheerenden Flutkatastrophen. Der Bürger klagt über
die Zunahme der Verbrechen und die steigende Jugendkriminalität. Manche
Gemeinden werden durch die zunehmende Verschmutzung der Gewässer, eine
Flut von Abfall und Müll und das Absterben bzw. die Verlagerung ganzer
Industrien von völliger Vernichtung bedroht.
Wenn die Vereinigten Staaten die von Präsident Johnson geforderte
Große Gesellschaft aufbauen wollen, müssen sie sich zur Lösung dieser
kritischen sozialen Probleme der Technik bedienen. An Aufgaben und
Chancen ist kein Mangel. Die Technik ist das größte Reservoir, aus dem
wir die Mittel schöpfen können, um jedem Kind eine gute Erziehung zuteil werden zu lassen, bessere Wohnungen zu bauen, die Einrichtungen
des Gesundheitsdienstes zu vervollkommnen, ausreichende Verkehrseinrichtungen zu schaffen, für angemessene Erholungsmöglichkeiten zu sorgen und schließlich jedem einzelnen mehr Freizeit zu gewährleisten,
damit er alle diese Segnungen genießen kann.
Ein Volk, das bemannte Satelliten auf eine Kreisbahn um die Erde
schickt, Expeditionen unter den Eismantel der Nordpols entsendet und
tief in die Geheimnisse des Aufbaus der Atome und Moleküle eindringt,
••Ute nicht verzweifeln, wenn es darum geht, die vom technischen
Fortschritt aufgeworfenen Probleme zu meistern.

(unwesentlich gekürzt)
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History. Inc.
gestattet.

+ ++++

- 8 -

�Gewerkschaftlicht Mitspräche bti Personalentscheidungen
Fortschreitende Automation und Ihr« Folgen für Arbeitnehmer als
Gegenstand von TarifVerhandlungen in den USA
Salt geraumer Zeit widmet der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL£10 den mit dam raschen Vordringen dar Automation in den USA zusammenhängenden Fragen verstärkt« Aufmerksamkeit. Das Interesse der Gewerkschaften ist eindeutig: Es gilt, die bei der .Eliminierung von Arbeitsplätzen für die Arbeitnehmer entstehenden Härten so weit wie möglich zu
mildern.
Dabei bietet sich den Gewerkschaften unter anderem die Einflußnahme
auf die unternehmerische Personalpolitik über die tarifvertragliche
Fixierung sogenannter Personalschrumpfungsklauseln ("attrition clauses")
an. In solchen Klauseln wird generell festgelegt, daß ein Unternehmen
bei Einführung neuer personalkostensenkender technischer Verfahren nicht
einfach die entbehrlich gewordenen Arbeitsplätze aufhebt.sondern sich
auf die Streichung solcher Arbeitsplätze beschränkt, deren Inhaber wegen
Kündigung, Pensionierung, Invalidität oder mit ihrem Tod - also aus
"natürlichen Gründen" - aus dem betrieblichen Arbeitsprozeß ausscheiden.
Bereits in den dreißiger Jahren wurden in-den USA Personalschrumpfungsklauseln zwischen Gewerkschaften und Unternehmen ausgehandelt, aber
erat in jüngerer Zeit haben sie - vor allem im Druckereigewerbe und im
Eisenbahnbetrieb - größere Aktualität erlangt...Bestimmungen dieser Art
haben aich als geeignetes Mittel zur Erhöhung der Sicherheit des Arbeitsplatzes erwiesen. Darüber hinaus bleibt ein gewisser kostensparender
Effekt erhalten: Eine hohe Arbeitsplatzmobilität trägt zur Verringerung
der durch den natürlichen Personalschwund verursachten Kosten bei.
In den Kollektivverhandlungen mit den Unternehmen führen die Gewerkschaften im Hinblick auf die Verankerung von Personalschrumpfungsklauseln
folgende Argumente an: Das Unternehmen möge bei etwaigen Personaldispositionen im Auge behalten, daß von einer Reduzierung der Zahl der Arbeitsplatz« Arbeitnehmer betroffen werden könnten, die durch ihre jahrelange
Mitarbeit nicht unerheblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen
haben. Darüber hinaus müsse es für den Unternehmer vorteilhafter sein,
wenn er .sich auf eine möglichst ^wenig durch Fluktuation veränderte Belegschaft stützen könne, die ihre Leistungsfähigkeit bereits bewiesen hebe.
Di« tarifvertragliehe Fixierung von Personalschrumpfungsklauseln
stellt allerdings nicht das einzige Mittel zur gewerkschaftlichen Einflußnahme auf die unternehmerische Personalpolitik dar, ein Recht im
übrigen, das sowohl die Rechtsprechung als auch die Exekutive ausdrücklich bestätigt haben. Weitere Einwirkungsmöglichkeiten besitzen die
Gewerkschaften bei der Aushandlung der tarifvertraglichen Regelung der
vorzeitigen Pensionierung sowie bei Vereinbarungen über den Wechsel der
Arbeitsstelle oder des Arbeitsorts.
Es liegt auf der Hand, daß der natürliche PersonalSchwund durch
entsprechende Vereinbarungen auf diesen Gebieten erheblich beschleunigt
werden kann. Allerdings wären solche Maßnahmen ohne die Berücksichtigung
der Einkommenssituation der Arbeitnehmer unrealistisch. Eine Einkommens-

- 9-

�Einkonmensgarantie ist daher «In weiterer wichtiger Funkt, der in den
Tarifgesprächen zwischen Gewerkschaften und Unternehmen berührt wird.
Und nur die Kombination all dieser Maßnahmen kann dem Arbeitnehmer
Jenen Schutz vor des Felgen des technischen Wandels gewähren, auf den
er sich eis Anrecht erwerben hat.
Die Voraussetzungen, unter denen die Anwendung der Personalschrumpfungsklausel möglich wird, sind keineswegs einheitlich. Im allgemeinen ist der Nachweis einer feststehenden Zahl von Dienstjähren
erforderlich, ehe der Anspruch auf volle Vergünstigungen gemäß den Bestimmungen der Klausel geltend gemacht werden kann.
Die Gewerkschaften haben hauptsächlich im Eisenbahnwesen eine Reihe
von Personalschrumpfungsklauseln tarifvertraglich vereinbart. Dia erste
Abmacheng dieser Axt wurde 1961 mit der Southern Pacific Railroad getroffen. In jüngerer Zelt wurde eine derartige Regelung für insgesamt
300 000 der nicht zur Kategorie "Bahnbetriebspersonal" gehörenden Bahnarbeiter vereinbart»
Ähnliche Klauseln haben inzwischen in Verträge mit Zeitungsverlegern, Druckereibesitzern, Transportunternehmen, Versorgungsbetrieben,
Fernsprechgesellschaften und für Hafenarbeiter Eingang gefunden. In
einer Reihe von weiteren Branchen, wird noch verhandelt.
Schrumpfungsklauseln' sind nicht nur ein Mittel zum Schutz der
Arbeitnehmer vor der Verdrängung durch die Automation, sie können auch
bei Firmeazuaammenschlüssen wirksam werden, so zum Beispiel, wenn eine
Firmenfusion die Reduzierung der beiden zusammengeführten Belegschaften
möglich macht. Bedeutung erlangten sie außerdem bei geschäftsbedingten
Personalkürzungen im Eisenbahnwesen.
Nun sind solche Personalschrumpfungsklauseln sicherlich kein Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit. Sie dienen dem Schutz der Arbeitnehmer, aber sie schaffen keine neuen Arbeitsplätze. Dieser Fragenkomplex,
wie überhaupt das Problem der Vollbeschäftigung, erfordert mehrere
Lösungswege, die der Gewerkschaftsverband AFL-GIO in einer Reihe von
Programmen entwickelt hat: Umschulung, Verkürzung der Arbeitszeit,
Steigerung des Arbeitnehmereinkommens als Mittel zur Vermehrung der
Kaufkraft und damit der Erhöhung der Zuwachsrate des Volkseinkommens.
Im Zusammenhang mit unternehmerischen Dispositionen auf dem Personalsektor legen die Gewerkschaften größten Wert auf die rechtzeitige Bekanntgabe von geplanten Entlassungen, sofern sie durch technologische Umstellungen bedingt sind. Die Gewerkschaften wollen auf diese Weise sicherstellen, daß sie bei der Feststellung der Rechte des einzelnen betroffenen Arbeitnehmers mitwirken können. Bislang hat vor allem das Druckereigewerbe dieser gewerkschaftlichen Forderung Rechnung getragen. .
Zwar liegen den Gewerkschaften noch keine Statistiken über die Einbeziehung von Personalschrumpfungsklauseln in Tarifverträge oder über
die Zahl der von solchen Klauseln betroffenen Arbeitnehmer vor, aber
aufgrund der bisherigen Erfahrungen kann festgestellt werden, daß diese
Klauseln in weit höherer Zahl in die Tarifverträge mit den Eisenbahngesellschaften Eingang fanden als in die Verträge mit der übrigen
Industrie. Generell gilt, daß sich derartige Abmachungen als ein wertvolles Hilfsmittel zum Schutze der Arbeitnehmerrechte erwiesen haben. Sie
dürften, nach und nach auch in anderen Branchen akzeptiert werden.
(Quelle: Eigenbericht)
- 10 -

�Arbeitnehmer auf der Schulbank
In den USA machen nicht wenige Hochschulabsolventen beim Übergang ins Berufsleben die Erfahrung, daß die moderne Arbeitswelt eine
überraschende Parallele zum Studienbetrieb aufweist: Der Prozeß des
Studierens, des Lernens, setzt sich praktisch auch im Berufsleben
fort. Auf diese Tatsache wies jüngst noch George Melloan in einem
Artikel in der angesehenen Zeitung "The Wallstreet Journal1' hin.
So muß zum Beispiel ein College-Absolvent, der bei der International Business Machines Corporation (IBM) eintritt, damit rechnen,
während der ersten fünf Jahre seiner Laufbahn 33 Wochen die IBMSchulbank zu drücken. Auch später noch werden durchweg 10 bis 15 Prozent seiner Arbeitszeit für die Teilnahme an IBM-Lehrgängen vorgemerkt
sein, auf denen er mit neuen Firmenerzeugnissen vertraut gemacht wird.
Irgendwann einmal wird man dem vielversprechenden jungen Mann dann von
selten der Firma vielleicht sogar nahelegen, er möge seine Ausbildung
ergänzen, eine Management-Schule besuchen oder seinen philosophischen
Doktorgrad erwerben - wohlgemerkt, alles auf Kosten der Firma.
Das Beispiel IBM steht durchaus nicht vereinzelt da. Zwar sind
nur wenige Firmen in der Lage, so großzügig wie IBM zu verfahren, deren Instruktionspersonal 1800 Personen umfaßt, die jährlich 10 Millionen Unterrichtsstunden erteilen. Aber die Einsicht in die Notwendigkeit einer Erweiterung der Ausbildungsprogramme setzt sich in allen
Branchen und bei Firmen aller Größenordnungen immer mehr durch.
Vorsichtigen Schätzungen zufolge werden sich die Ausbildungsaufwendungen der amerikanischen Industrie - eine jährliche Steigerungsrate von 5 bis 6 Prozent einkalkuliert - 1965 auf insgesamt 4,5 Mrd.
Dollar oder die Hälfte jener Summe belaufen, die Amerikas H0chschulen
jährlich kosten. Zwar entfällt der Hauptanteil dieser Aufwendungen
immer noch auf die HinformelleM Ausbildung am Arbeitsplatz, aber die
"formelle1* Schulung gewinnt - auch kostenmäßig - zunehmend an Gewicht.
Das Spektrum solcher "formellen" Unterweisung reicht von Kursen, auf
denen Sekretärinnen in korrektem Verhalten geschult werden, bis zu
Auffrischungskursen in höherer Mathematik für Fertigungsdirektoren.
Die zunehmende Komplexität des Wirtschaftsgeschehens zwinge die Industrie zu einer Verstärkung ihrer firmeneigenen Ausbildungsprogramme,
meinte Gerald L. Phillippe, Vorsitzer von General Electric.
Besonders deutlich sind diese Anstrengungen inder Automobil- und in
der Geräteindustrie bemerkbar. Beide Branchen kümmern sich intensiv
um die Schalung ihres Verkaufs- und Service-Personals. So unterhält
beispielsweise General Motors allein 30 regionale Ausbildungszentren
für das Personal ihrer Vertragshändler. Die Radio Corporation of
America betreibt Schulen für den Absatz von Elektronik-Erzeugnissen
in Los Angeles und New York. Aber auch in anderen Branchen ist man
nicht untätig. Im übrigen dürfte bemerkenswert sein, daß sich die
Schulungsprogramme der Firmen keineswegs ausschließlich auf die Verbesserung der Job-Orientierung erstrecken. Eine Reihe von Großfirmen
hält es für richtig, den Gesichtskreis ihrer Führungskräfte in philosophische Bereiche zu erweitern.
Ein

- 11 -

�Ein willkommene! Nebenprodukt des verstärkten Engagements von
Industriefinnen auf dem Gebiet des Lehrens und Lernens besteht in
der Erarbeitung und Prüfung neuer Methoden. Die programmierte Unterweisung, ein Verfahren, das auf den sogenannten Lernmaschinen basiert,
bat sich für die Zwecke des Firmenunterrichts als besonders geeignet
erwiesen. Die Maschine ersetzt nicht nur hoch bezahltes Lehrpersonal,
sie ermöglicht es dem Lernenden auch, seine Fortbildung la die Feierabendstunden zu verlegen. Die American Telephone and Telegraph Company führt die 27prozentige Zeitersparnis bei der Ausbildung ihrer
Telephonistinnen auf den Einsatz von Lernmaschinen zurück. Kosteneinsparungen meldet auch IBM: Die Maschine macht kostspielige Ausbildungszentren überflüssig.
Zusätzlich zur Lernmaschine bedient sich die Industrie mehr und
mehr der Simulatoren. Die Techrep-Abteilung der Firma Philco, Hersteller solcher Übungsgeräte, berichtet von einer 30prozentigen Erhöhung
ihrer Kapazität im Werk Charleston (Südkarolina). Die Nachfrage nach
Techrep-Erzeugnissen und -Dienstleistungen, zu denen auch die Ausarbeitung und Durchführung von Schulungsprogrammen gehört, hat in jüngster Zeit jährlich um jeweils 50 Prozent zugenommen. Bekannt ist die
Verwendung von Simulatoren für die Ausbildung von Verkehrspiloten.
Zu den Neuerungen zählt auch der Einsatz von Hausfernseh- und Tonübertragungsanlagen.
Nichtsdestoweniger vertrauen zahlreiche Firmen weiterhin herkömmlichen Methoden. So berichtet ein Unternehmensberater, daß z.Z. 54
Universitäten zwei- bis sechzehnwöchige Fortbildungskurse für Führungskräfte anbieten. Die Kosten eines solchen Kurses liegen zwischen 300
und 3500 Dollar je Teilnehmer.
Der durch den technischen Wandel bedingte Zwang zur Umschulung von
Angehörigen ihres Ingenieurpersonals läßt zahlreiche Firmen Arrangements
mit normalen Hochschulen treffen. Die Lehranstalten richten Sonderkurse
ein, die auf die Erfordernisse dieser Kategorie von Studenten zugeschnitten sind. So hat die American Telephone and Telegraph Company Vereinbarungen mit acht Universitäten getroffen. Sperry Gyroscope schickt 1350
ihrer Ingenieure nach Feierabend für anderthalb Stunden auf die Schulbank. Stetig im Steigen begriffen sind auch die Firmensubventionen für
studierende Belegschaftsmitglieder sowie die direkte finanzielle Unterstützung von Colleges und Universitäten. 1962-1963 wurden von amerikanischen Firmen direkte Zuwendungen an Hochschulen in Höhe von schätzungsweise 200 Mio. bis 225 Mio. Dollar gemacht. Die jährliche Steigerungsrate wird auf 15 Prozent beziffert.
Im Jahre 1965 unterzogen, sich insgesamt 2,7 Millionen Amerikaner
einer "formellen" Zusatzausbildung. Der Kostenaufwand dafür betrug
1,5 Mrd. Dollar. 1956 wurden für den gleichen Zweck nur 800 Mio. Dollar
ausgegeben.

Nachdruck ist mit dem Vermerk
(c) 1965 by Dow Jones &amp;
Company, Inc.
gestattet.

+++++
- 12 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963&lt;br /&gt;Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964&lt;br /&gt;Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen&lt;br /&gt;Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausgabetrends von Stadtfamilien 1950-1961&lt;br /&gt;Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in Großtarifverträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der US-Industrie&lt;br /&gt;UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft&lt;br /&gt;Stahlarbeitergewerkschaft schloss Modellvertrag&lt;br /&gt;Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt&lt;br /&gt;Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 5&lt;br /&gt;Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen 1964 und 1980&lt;br /&gt;Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und Feuerwehrdienst&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung&lt;br /&gt;Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Automationszeitalter&lt;br /&gt;Hilfe für die älteren Menschen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7/8&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung von 321 Berufen&lt;br /&gt;Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt&lt;br /&gt;US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm&lt;br /&gt;600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation in zehn Großunternehmen&lt;br /&gt;Gleiche Arbeitschancen für alle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen seit Kriegsende&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation und Gesellschaft&lt;br /&gt;Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie&lt;br /&gt;Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter&lt;br /&gt;Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation und Gesellschaft (II)&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Mitsprache bei Personalentscheidungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Arbeitnehmer auf der Schulbank</text>
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