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                  <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis

19 6 4

Nr. 1 Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung
Hat das Kollektiwerhandlungswesen noch Zukunft?
1963 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen
Betrieblich geförderte Freizeitprogramme
US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf Dieselloks
abbauen

+
i

Nr. 2

Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas
Minderheiten
Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen
Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 3

Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (I)
Neue Möglichkeiten des Kollekt vverhandlungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten:
Lohnpolitischer Rundblick

+
Nr. 4 Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (II)
Druckereifachschule in Colorado Springs
Die Firma zahlt den Doktorhut
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

�Nr. 5

Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand
an der amerikanischen Westküste
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den
USA (I)
US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt

+
Nr. 6

Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den
USA (II)
Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen
Ende der Monotonie am Fließband?
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 7

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA:
Ziele und Aufgaben
Die Automationsforschung:
Untersuchungen über technische Neuheiten
Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation
Künftige Forschungsreihen

'

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse
Gewerkschaft1iche Kurznachrichten
+

Nr.

/9 Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen
Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft
"Haben Sie s hon einen Job?"
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

- 2-

�10

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen
Gewerkschaften
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (I)

+
Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die
Pensionierung
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen
auf die Arbeitnehmer
Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich
gelöst werden
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+ + + + +

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung

Seite

1

Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?

Seite

7

1965 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen

Seite 11

Betrieblich geförderte Preizeitprogramme

Seite 13

US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf
Dieselloks abbauen

Seite 14

George LIeany, Präsident des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung
Der Beitrag der US-Gewerkschaften zur amerikanischen Demokratie
tritt so gut v;ie in allen Lebensbereichen zutage.
Wirtschaftliche Vorteile - in Form von höheren Löhnen, kürzeren
Arbeitszeiten, bezahltem Urlaub, bezahlten Feiertagen und Kranken-,
Altersversorgung^- und Wohlfahrtsplänen -, die von den Gewerkschaften
für ihre Mitglieder errungen wurden, sind auch für die meisten nichtorganisierten Arbeitnehmer zu Bestandteilen ihrer Beschäftigungsverträge geworden. Überall zeigt sich sozialer Fortschritt als Ergebnis
gewerkschaftlicher Arbeit. Freie und allgemeine Bildungsmöglichkeiten,
Sozial- und Invaliditätsversicherungssysteme, öffentliche Wohnbauprogramme, Gewährung voller Bürgerrechte an alle Amerikaner sind Dinge, die
in beträchtlichem Maße von der Gewerkschaftsbewegung mit durchgesetzt
wurden.
(
Der

�Der unmitteibarsteund ureigenste Beitrag der Gewerkschaften zur
amerikanischen Gesellschaftsordnung ist das System des Zusammenspiels
der Sozialpartner auf industriellem Gebiet. Arbeitnehmer erkämpften
sich zunächst das gesetzlich verankerte Koalitionsrecht. Dann trugen
sie durch ihre Gewerkschaften zur Entwicklung eines ordnungsgemäßen
Verfahrens in Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen bei.
TarifVerhandlungen, zu denen sich Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber freiwillig zusammenfinden, um gemeinsam eine Regelung von
Lohn- und Arbeitsfragen auszuhandeln, galten einmal als eine kaum
erreichbare, fast revolutionäre Zukunftsvision. Trotzdem gibt es
nur ganz wenige rückständige Industrien und Gebiete, in denen dies
noch nicht zu einem festen Bestandteil ihrer Lebensordnung geworden
ist.
Pragmatismus in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
Im Zuge dieser Entwicklung haben die amerikanischen Gewerkschaften das Hauptgewicht mehr auf praktische als auf ideologische Fragen
gelegt. In den Vereinigten Staaten gab es keine Generalstreiks oder
andere Arbeitseinstellungen mit politischen Zielen. Auseinandersetzungen zwischen den Sozialpartnern drehen sich um Arbeitsplatzprobleme
und sind in ihrer Mehrzahl von parteipolitischen Einflüssen freigeblieben.
Viele dieser praktischen Verhandlungserfolge können nicht in
Dollar und Cent ausgedrückt werden. Menschliche Würde und Selbstachtung lassen sich ebensowenig wie der Wirkungsgrad demokratischer Grundsätze, der durch gesunde TarifVerhandlungen innerhalb der Industrie
erreicht wurde, mit einem Preisschild auszeichnen. Gewerkschaften haben für menschenwürdige und demokratische Arbeitsverhältnisse gesorgt,
die auch für Millionen nichtorganisierter Arbeitnehmer Gültigkeit erhielten .
Diese Erfolge sind nicht Geschenke an die Gewerkschaften, sondern Geschenke der Gewerkschaften an die Allgemeinheit. Niemand sonst
hielt kürzere Arbeitszeiten für vernünftig, Beschwerdeverfahren für
durchführbar, bezahlten Urlaub für zweckmäßig, Alters- und Gesundheitsfürsorge für erreichbar.
Die Gewerkschaften bewiesen nicht
nur das Gegenteil, sondern ihre Erfolge kamen darüber hinaus der ganzen Nation zugute.
Höhere Löhne durch Tarifverhandlungen
Einige dieser Erfolge sind meßbar. Der Reallohn für Fabrikarbeiter beispielsweise hat sich in der letzten Generation verdoppelt.
Diese Lohnerhöhungen stießen damals wie heute auf Widerstand. Dennoch
haben sich die gewerkschaftlichen Bemühungen um eine Hebung des Lebensstandards für Amerika reichlich ausgezahlt. Im Jahre 1962 betrug
das amerikanische Bruttosozialprodukt 555 Milliarden Dollar und die
Gesamtzahl der Beschäftigten über 68 Millionen. Ohne ein kräftiges
Ansteigen der Kaufkraft breiter Schichten wäre eine Erhaltung oder
Ausweitung der auf Massenproduktion gegründeten US-Wirtschaft unmöglich gewesen.
Ei nige

2

�Einige Wirtschaftswissenschaftler streiten jeden Beitrag der
Gewerkschaften zur Anhebung der allgemeinen Kaufkraft ah. Sie behaupten, daß sich die Löhne ohnedies erhöht hätten und eine Auswirkung gewerkschaftlicher Bemühungen hier nicht nachweisbar sei. Diese
Behauptung ist absurd. Jeder, der glaubt, daß die amerikanischen Gewerkschaften für Lohngewinne und eine steigende Kaufkraft nicht mitverantwortlich sind, hat noch nie am Verhandlungstisch gesessen und
auch nichts vom Wesen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen begriffen. Auch die Verbesserung der Löhne und Lohnnebenleistungen
hat wesentlich dazu beigetragen, daß die USA heute das höchste Produktivitätsniveau der Welt besitzen. Die Forderung nach höheren Löhnen hat die Betriebsleitungen gezwungen, neue und bessere Produktionsmethoden einzuführen. Und das Ergebnis ist eine beständige und rasche
Zunahme der Produktion pro Mann und Arbeitsstunde.
Trotzdem haben die Gewerkschaften niemals ihr Blickfeld nur auf
Dollar und Cent eingeengt. "Brot und Butter" ist das Ziel aller Gewerkschaften - wichtig war aber auch stets die Schaffung besserer
Arbeitsbedingungen. Niemand kann bestreiten, daß die Gewerkschaftsbewegung wesentliche Beiträge zur Einführung ordnungsgemäßer Beschwerdeverfahren, zur Ausarbeitung von Sicherheitsnormen und zur Anerkennung
des Anciennitätsprinzips, um nur einiges zu nennen, geleistet haben.
Der Kampf um soziale Würde
Mehr Freizeit ist das Ergebnis des gewerkschaftlichen Kampfes
um anständige Lebensverhältnisse. Nur die Gewerkschaften sorgten für
eine Verkürzung der Sonnenauf- und Sonnenuntergangs-Arbeitszeit auf
eine 60-Stunden-Woche Ende des 19« Jahrhunderts. Nur die Gewerkschaften sorgten für eine weitere Einschränkung der Arbeitswoche auf 40
Stunden, die seit 1940 in den Vereinigten Staaten die allgemeine Norm
sind. Auch heute drängen die Gewerkschaften im Rahmen ihrer Vollbeschäftigungspolitik wieder auf kürzere Arbeitszeiten und treffen auf
den üblichen Widerstand. Ihr Ziel dabei ist nicht noch mehr Freizeit,
sondern eine gesündere Wirtschaft; aber dieser Unterschied zählt bei
denjenigen nicht, die in jeder Änderung Gefahr wittern.
Diese Ergebnisse haben in ihrer Vielfalt eine gesündere,
und entspanntere Atmosphäre geschaffen und Amerika zu größerem Wohlstand geführt, denn TarifVerhandlungen bilden ein ausgezeichnetes
demokratisches Mittel zur Erreichung industrieller Macht und industriel
len Friedens.
Gewerkschaften kümmern «ich nicht nur um Fragen des Arbeitsplatzes. Jeder Seite im Leben des Arbeitenden gilt ihre Aufmerksamkeit.
Schon früh in der amerikanischen Geschichte haben sich die Gewerkschaften darum bemüht, Demokratie für die Gesamtheit des Volkes,
und nicht nur für eine privilegierte Minderheit zur Realität werden zu lassen. Seit hundertfünzig Jahren haben sie nationale Ziele
aufgestellt, die oft unerreichbar zu sein schienen und trotzdem
erreicht wurden.
Eine s

-

3 -

�Eines der «raten Ziele der amerikanischen Arbeiterschaft
waren freie und allgemeine Bildungsmöglichkeiten für alle, weil
man erkannte, daß eine funktionsfähige Demokratie ein allgemeines
Wahlrecht und eine gebildete Wählerschaft voraussetzt. Parteien und
politische Gruppen, zu denen sich die Arbeiterschaft zusammenschloß,
sowie die ersten Gewerkschaften bildeten die Avantgarde im Kampf
um Bildungsmöglichkeiten für jedes Kind. Bis auf den heutigen Tag
haben die US-Gewerkschaften in ihren Bemühungen um die Ausdehnung
und Verstärkung des amerikanischen Erziehungswesens nicht nachgelassen .
Auch Kinderarbeit ist in den USA nicht mehr üblich, vor allem
weil sich die Gewerkschaften für ihre Beendigung eingesetzt haben.
Gesetzliche Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften haben dazu bei- '
getragen, daß in den Fabriken, Bergwerken und Werkstätten der Vereinigten Staaten menschenwürdige Verhältnisse herrschen. Mindestlohn- und Arbeitszeitgesetze, Invalidität«-, Arbeitslosen- und Sozialversicherung sowie öffentliche Wohnbauprogramme sind einige der
Hauptpunkte des gewerkschaftlichen Gesetzgebungsprogramms.
Die Wirkung der Gewerkschaften auf nichtorganisierte Arbeitnehmer
Selbstverständlich haben nicht die Gewerkschaften allein die ganze
Arbeit geleistet. Aber gibt es eine andere Organisation, die je so
viel für einen so großen Teil ihrer Mitbürger zu erreichen gesucht
und auch durchgesetzt hat? Die geltenden Arbeitsgesetze schreiben
nicht vor, daß nur Gewerkschaftsmitglieder Anspruch auf geregelte
Arbeitszeiten und anständige Arbeitsbedingungen oder bessere Wohnungen und sozialen Schutz haben. Das von den Gewerkschaften geförderte
Gesetzgebungsprogramm kommt allen Amerikanern zugute.
Die Gewerkschaften haben sich für die Vereinigten Staaten eine
Wirtschaft der Vollbeschäftigung zum Ziel gesetzt. Mit Inkrafttreten
des Beschäftigungsgesetzes von 1946 wurde der US-Regierung die gesetzliche Auflage erteilt, für ein Höchstmaß an Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft zu sorgen. Um diesem Gesetz Wirkung zu - geben,
haben die Gewerkschaften Maßnahmen unterstützt, die die beste
Nutzung der vorhandenen Industrieanlagen, Betriebsauatüstung und
Arbeitskräfte gewährleisten. Der Erzielung einer höheren Zuwachsrate und einer produktiven Nutzung aller Hilfsquellen gilt seit Jahren schon ein wichtiger Teil der gewerkschaftlichen Arbeit. In den
fünfziger Jahren haben die Gewerkschaften Maßnahmen ausgearbeitet,
die zur Lösung der Probleme in Notstandsgebieten beitragen sollten,
mit dem Ergebnis, daß 1961 das Gesetz zur Beseitigung wirtschaftlicher
Notstandsgebiete (Area Redevelopment Act) in Kraft trat. Das Gesetz
über die Umschulung und Fortbildung von Arbeitskräften (Manpower
Development and Training Act) aus dem Jahr 1962 hat zusammen mit anderen Gesetzgebungsmaßnahmen auf diesem Gebiet den Boden für neue
staatliche Hilfe an Arbeitnehmer bereitet, durch die ihnen die Überwindung von Anpassungsschwierigkeiten infolge der Arbeitsumschichtungen unseres Jahrhunderts erleichtert werden soll.
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�Die Herausforderung der Automation
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Diese Gesetzgebungsarbeit und der in langen Jahren von den
Gewerkschaften unternommene Versuch, die Nation an die Probleme der
Automation heranzuführen, greifen ineinander über. Im Verlauf ihrer
Geschichte haben die Gewerkschaften immer wieder sozial, wirtschaftlich und menschlich vernünftige Wege zur Anpassung an neue Entwicklungen in Wissenschaft und Technik angestrebt. Der Gewerkschaftsverband AFL-CIO akzeptiert und begrüßt sogar den Wandel auf technologischem Gebiet, der so viel Aussicht auf Befreiung von Plackerei und
auf Wohlstand für alle in sich trägt. Dennoch versuchen die Gewerkschaften sicherzustellen, daß die neuen Wunder der Wissenschaft dem
Volk als Ganzem zugute kommen. Aber dieses Ziel ist noch nicht erreicht.
Und solange eine sozial vertretbare Anpassung an die Automation noch
nicht vollzogen ist, werden auch die Gewerkschaften in ihren Bemühungen nicht nachlassen.
Die Gewerkschaften sind auch mit an erster Stelle für eine AltersKrankenfürsorge im Rahmen der Sozialversicherung als notwendige Maßnahme zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der älteren Menschen eingetreten. Viele von ihnen waren in ihrem Kampf allein und ohne viel
Unterstützung, bis sich nach Jahren intensiver Gewerkschaftsarbeit
solche Erfolge als möglich und solche Ziele als erstrebenswert herausstellten.
Die politische Arbeit der Gewerkschaften und ihre Bedeutung
Die Gewerkschaften haben sich stets aktiv am politischen Leben
der Vereinigten Staaten beteiligt und auf eine Ausdehnung und sinnvollere Gestaltung des Wahlrechts hingearbeitet. Sie geben ihre Unterstützung den Kandidaten beider großen Parteien, ihre Opposition richtet
sich gegen jeden, dessen Ansichten in den Augen der Gewerkschaften den
besten Interessen der Nation zuwiderlaufen. In jüngster Zeit haben die
Gewerkschaften ihre Bemühungen um die Ausweitung des Wahlrechts intensiviert. Ihre Unterstützung galt sowohl der Überwindung von Registrierungsschwierigkeiten wie auch der Beseitigung aller Einschränkungen des Stimmrechts bestimmter Bevölkerungsgruppen.
Eine politische Demokratie kann in unserer Welt nicht ohne die
Entfaltungsmöglichkeit starker, freier und demokratischer Gewerkschaften gedeihen. Diese Wahrheit sollte jedem in den letzten dreißig Jahren
klargeworden sein. Totalitäre Systeme haben dies längst begriffen. In
allen Diktaturen wurden freie Gewerkschaften unterdrückt, angefangen
von der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland bis
zu Kuba, wo Castro das jüngste Beispiel hierfür liefert.
Die amerikanischen Gewerkschaften arbeiten mit den Gewerkschaftsorganisationen anderer Länder zusammen, um der Gewerkschaftsbewegung
zu größerer Verbreitung zu verhelfen. Die AFL-CIO wendet nahezu ein
Viertel ihrer Einnahmen für internationale Programme auf, ohne davon
auch nur einen Pfennig an materiellen Nutzen zu erhoffen oder zu erwarten. Ihr Ziel ist die Verbreitung und Stärkung demokratischer Lebensprinzipien, zum Teil aus Gründen der Humanität,uzum Teil aber auch
aus der Überzeugung, daß dies für die Sicherheit Amerikas wesentlich

-

5 -

�So oberflächlich dieser Überblick über die Leistungen der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten auch sein mag, mir scheint
er bereits alle diejenigen zu widerlegen, die in den Gewerkschaften
eine Gefahr für die Nation sehen.
Die Rolle der Gewerkschaften im Wandel Amerikas
Gewerkschaften sind ein organischer und unentbehrlicher Bestandteil der amerikanischen Gesellschaftsordnung. Am Verhandlungstisch,
im Parlament und in der politischen Arena haben sie bewiesen, daß
Visionen von heute zu Realitäten von morgen werden können. Sie haben
das Unmögliche gefordert - und seine Verwirklichung erlebt.
Für mich ist dies ein wesentlicher Bestandteil des demokratischen
Prozesses. Mit Recht ehren wir unsere Gründerväter, die vor zwei Jahrhunderten die Vereinigten Staaten geschaffen haben. Aber genauso wie
sie in ihrer Zeit über die fest verwurzelten und ofJlr bewunderungswürdigen
Traditionen Westeuropas hinaus gingen, um eine den Realitäten der Neuen
Welt angemessenere Regierungsform zu schaffen, müssen auch wir als ihre
Nachfahren ihr Erbe den Forderungen der Gegenwart anpassen.
Und hier liegt der Kern aller gewerkschaftlichen Arbeit. Sie wird
ebensowenig ein Ende finden, wie der Wandel selbst ohne Ende ist.
Um es anders auszudrücken: Gewerkschaften sind die Antithese zu
Reaktion. Gewerkschaften sind ihrem Wesen nach der Erkenntnis verpflichtet, daß die Nation niemals in ihre Vergangenheit zurückschreiten kann,
nicht einmal in eine Zeit, die in der Rückschau besser erscheint als
die Gegenwart. Gewerkschaften kämpfen für eine bessere Gegenwart
und eine bessere Zukunft, und zwar nicht nur im Interesse ihrer eigenen
Mitglieder, sondern auch im Interesse Amerikas und der Welt.
Um ein wohlbekanntes Wort abzuwandeln: Wenn es keine Gewerkschaften gäbe, müßten sie erfunden werden. Denn sie sorgen dafür, daß das
amerikanische Gesellschaftssystem mit dem Wandel in der Welt Schritt
hält.

Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers
und folgender Vermerk erforderlich:
"Nachdruck mit Genehmigung der Zeitschrift 'Yale Political1' (März 1965)
(c) 1965 Yale Political Publishing Co."

* * * * *

- 6 -

�W. Willard Wirtz, US-Arbeitsminister:
Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?
Unternehmer und Gewerkschaften der Vereinigten Staaten stehen
heute in ihren gegenseitigen Beziehungen an einem wichtigen Scheideweg. Das traditionelle Verfahren der Kollektivverhandlungen und auch
die gegenwärtige Arbeitsgesetzgebung vermögen die Öffentlichkeit
hinsichtlich ihrer Wirksamkeit nicht mehr länger voll zu überzeugen zumindest nicht bei ernsteren Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Sozialpartnern .•
Es geht heute bei solchen Arbeitsstreitigkeiten gar nicht mehr so
sehr darum, inwieweit eine Schädigung der Wirtschaft tatsächlich oder
nur angeblich «ingetreten ist. Es gilt längst als entschieden: können
sich die Kontrahenten in einem Streitfall nicht friedlich einigen, so
trifft der Staat eine entsprechende Regelung von sich aus. Ich persönlich billige diese Entscheidung ausdrücklich, wenn im Interesse
de« Allgemeinwohls die Paralysierung von Schlüsselindustrien vermieden werden muß, die eine Schädigung der gesamten Wirtschaft zur Folge
hätte.
Der Staat muß aber auch darauf bedacht sein, seinen Bürgern die
Entscheidungsfreiheit zu erhalten, soweit dies nur irgendwie vertretbar ist. Nach meiner Überzeugung läßt sich das Verfahren frei zu
vereinbarender Tarifabmachungen durchaus so gestalten und handhaben,
daß es dieser Forderung voll genügt.
Der Fortbestand des Kollejctivverhandlungswesens hängt heute von
zwei Faktoren ab, von denen einer völlig außerhalb seines Bereichs zu
liegen scheint, nämlich die Gesunderhaltung unserer Gesamtwirtschaft.
Es sei daran erinnert, daß es bei den meisten größeren Auseinandersetzungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften in jüngerer
Zeit vornehmlich um-das sehr ernste Problem der Verdrängung - oder
drohenden Verdrängung - von Arbeitskräften von ihren Arbeitsplätzen
durch Maschinen oder neue Produktionsmethoden ging. Es ist eine offene
Frage, ob Kollektiwerhandlungen die geeignete Methode zur Regelung
von Streitfällen sind, sollte es zu ernsthaften diesbezüglichen Schwierigkeiten in den Massenbeschäftigungsindustrien kommen. Sie dürfte
nur so lange mit "ja" zu beantworten sein, wie die Gesamtwirtschaft
eine Expansionsrate aufweist, die so hoch ist, daß die verdrängten
Arbeitskräfte eine reelle Chance haben, eine neue Beschäftigung zu
finden. Ist dies nicht der Fall, werden sie ihren Vertretern am
Verhandlungstisch mit großer Wahrscheinlichkeit die Vollmacht verweigern, in ihrem Namen ihrer Entlassung zuzustimmen.
Mithin dürfte die Zukunft des Tarifverhandlungswesens in seiner
derzeitigen Gestalt - d.h. ohne zusätzliche gesetzliche Eingriffsmöglichkeiten - engstens mit der künftigen Entwicklung der Arbeitslosen- bzw. Beschäftigtenrate verknüpft sein.
Darüber hinaus dürfte sie - unter der Voraussetzung, daß das
Verhandlungsklima nicht durch eine gesetzliche Schlichtung von Grund
auf verändert wird - von der Entwicklung von Verfahrensweisen abhängen,
die die Regelung auch ernster Arbeitsstreitigkeiten in den lebens-

-

7 -

�lebenswichtige» Wirtschaftszweigen ohne wirtschaftsschädigende Stillegungen gestatten, wenn nicht sogar garantieren.
Vieles deutet darauf hin, daß sich diese Entwicklung bereits
anbahnt und bald schon immer rascher vollziehen wird.
Fast alle größeren Arbeitsstreitigkeiten, die einen nationalen
Notstand heraufzubeschwören drohten, wiesen eine Gemeinsamkeit auf, die
bisher kaum die ihr gebührende Beachtung gefunden hat: nahezu alle
getroffenen Regelungen erstrecken sich von vornherein auch auf die Beilegung oder gänzliche Vermeidung jeder denkbaren künftigen Krise.
Dies gilt sowohl für die Einigung im Stahlarbeiterstreik von 1959/60
als auch für die Beilegung des Streiks des Bodenpersonals der Fluglinien im vergangenen Jahr und des Hafenarbeiterstreiks von Anfang
1963. Eine ähnliche Regelung kam auch im New Yorker Zeitungsstreik
zustande, die neue Kollektivverhandlungen unter Beteiligung sämtlicher Zeitungen und Gewerkschaften nach Ablauf von zwei Jahren vorsieht.
Im Augenblick macht man sich praktisch in fast allen Industriezweigen auf beiden Seiten des Verhandlungstischs ernsthafte Gedanken
darüber, wie sich die zu erwartenden Schwierigkeiten auf eine beide
Teile befriedigende Weise regeln lassen. In einer Reihe von Fällen
ist man aus solchen Erwägungen heraus dazu übergegangen, Vertreter der
"Öffentlichkeit" zu den Verhandlungen zuzuziehen. Die Beteiligung der
Arbeitnehmer am Produktivitätsgewinn, wie sie zwischen der Kaiser
Steel Company und der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft (United
Steelworkers) vereinbart wurde, gibt eine Vorstellung davon, welche
Ergebnisse ein derartiges Vorgehen zeitigen kann.
Im Baugewerbe, im Kohlenbergbau, in der Flachglasindustrie, in
der Fleischkonservenindustrie und in den Raketenversuchsanstalten
wurden ähnliche Vereinbarungen zwischen Vertretern des Managements
und der Gewerkschaften getroffen.
Was sich hier anbahnt, ist etwas ganz anderes als Kollektivverhandlungen im traditionellen Sinne. Ich möchte es "konstruktives" oder
vielleicht noch besser "schöpferisches Verhandeln" nennen. Wenngleich
sich die in Rede stehenden Tarifverträge in vielen Einzelheiten unterscheiden, weisen sie doch drei wichtige Gemeinsamkeiten auf:
1. Vorkehrungen für die Behandlung vielschichtiger Probleme wie etwa der Anpassung an die Automatisierung - schon während der
Laufzeit des Vertrages und nicht erst bei den Verhandlungen kurz
vor Ablauf der Geltungsdauer des Vertrages und damit unter Zeitdruck.
Auf diese Weise ist Zeit und Gelegenheit gegeben, neue Ideen zu entwickeln, deren wir dringend bedürfen, um die Probleme einer in Bewegung geratenen Arbeiter- und Angestelltenschaft bewältigen zu können Ideen, die das Gegenstück zu Neuerungen bilden, wie sie beispielsweise
General Motors und die Automobilarbeitergewerkschaft vor einem Jahrzehnt mit der Einführung der Lohngleitklausel (die Koppelung der Lohnsätze an den Lebenshaltungskostenindex und die Produktivitätszuwachsrate)entwickelt haben;
2.

8

�2. Einschaltung eines "neutralen" oder "dritten" Gesprächspartners, sei es, um die Streitpartüien zu beraten, Vorschläge auszuarbeiten oder den Sachverhalt unvoreingenommen darzustellen. Es wäre weitgehend illusorisch, ein "öffentliches Interesse" postulieren zu wollen,
das sich auch nur im geringsten von den Interessen unterscheidet, um
die es bei einem ehrlichen Wechselspiel in den Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen geht. Die Teilnahme dritter, in jeder Hinsicht unabhängiger
Personen an derartigen Verhandlungen bietet aber die beste Gewähr dafür,
daß die "öffentlichen Interessen" gewahrt bleiben;
3. besondere Vorkehrungen für einen möglichst reibungslosen Verlauf der Verhandlungen gegen Ende der Laufzeit eines Tarifvertrages.
Zum Teil ist eine Schlichtung vorgesehen - die freiwillige Unterordnung
unter ein den jeweiligen Umständen angemessenes Schlichtungsverfahren.
Eine Reihe von Verträgen trägt dem dringenden Bedürfnis Rechnung, bei
industrieweiten Verhandlungen sowohl auf der Unternehmer- wie auf der
Gewerkschaftsseite zu zweckmäßigeren und von größerem Verantwortungsbewußtsein getragenen Absprachen innerhalb der Verhandlungsgruppen zu
gelangen. Die diesbezüglichen Schwierigkeiten rühren zum Teil daher,
daß sich mehr und mehr eine Form von "Gruppenverhandlungen" herausbildet und die Gruppen es vielfach versäumen, vor den Verhandlungen für
einen entsprechenden Ausgleich in ihren eigenen Reihen zu sorgen.
Neben den beachtenswerten Anzeichen für ein zunehmendes Interesse
der privaten Wirtschaft an neuen und gesünderen Formen des Tarifverhandlungswesens gibt es ermutigende Hinweise auf eine rasche Anpassung
der einschlägigen Regierungspolitik an die sich abzeichnende Entwicklung
mit dem Ziel, sie zu fördern.
Sowohl der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst (Federal
Mediation and Conciliation Service - FMGS) als auch der Bundesschlichtungsausschuß für Arbeitsstreitigkeiten im Transportwesen (National Mediation
Board - NMB) nehmen heute vielfach schon Fühlung mit den beiden Verhandlungspartnern auf, noch ehe das Näherrücken des Auslaufdatums eines Tarifvertrages eine Krisensituation entstehen läßt. Das US-Arbeitsministerium
sowie das ihm angegliederte US-Bundesamt für Arbeitsstatistik und sein
Amt für Fragen des Arbeitspotentials, der Automation und der Schulung
sind bestrebt, ihre bisher mehr generelle Untersuchungstätigkeit auf
spezifische Probleme bestimmter Industriezweige auszudehnen. Es wäre
zu überlegen, ob man nicht einen eigenen Beratungsdienst für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen einrichten sollte, dem Aufklärungsdienst
des Landwirtschaftsministeriums (Extension Service) vergleichbar, der
den Sozialpartnern mit Rat und Tat zur Seite stehen könnte. Es wäre
ferner zu überlegen, ob nicht die Vergabe von Regierungsaufträgen an
die Bedingung geknüpft werden sollte, daß die Firmen von sich aus alles
tun, um Unterbrechungen der Produktion auszuschließen, so wie der Zuschlag heute schon u.a. davon abhängig gemacht wird, daß der Betrieb in
seiner Personalpolitik auf diskriminierende Maßnahmen gegen Farbige
verzichtet. Der Ausschuß für Arbeitsfragen auf Raketenabschußbasen ist
ein anderes Beispiel für die Mitwirkung der Regierung an Arbeitsregelungen, die ihrem Grundcharakter nach dennoch rein privatwirtschaftlich
sind und auf Verhandlungen über einen Streikverzicht als Gegenleistung
für den Verzicht auf Aussperrung beruhen.
Die

�Die Bedeutung dieser Formen des "konstruktiven" oder "schöpferischen Verhandeins" ist heute noch gar nicht voll abzusehen. Ein« solche
Weiterentwicklung des Kollektiwerhandlungswesens ist aber unerläßlich, soll es auch in Zukunft allen Anforderungen genügen. Meiner Auffassung nach kommt dieser Entwicklung heute schon eine Bedeutung zu,
wie sie gegen Ende der vierziger Jahre die ziemlich plötzlich zu verzeichnende Bereitschaft beider Sozialpartner hatte, sich mit der bindenden Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten einverstanden zu erklären nicht nur dem Diktat der Vernunft, sondern auch den Forderungen der
Praxis folgend.
Soll diese sich anbahnende Entwicklung erfolgreich verlaufen, so
können wir auf die Dienste erfahrener, weitblickender und einfallsreicher "Dritter" nicht verzichten. Sie müssen noch dazu viel Geduld
aufbringen, sich ein selbständiges Urteil
bilden können und ansonsten durchaus die Qualitäten besitzen, die bei einem Schlichter immer
schon vorausgesetzt werden. Die Auslegung eines Tarifvertrags ist eine
handwerkliche Tätigkeit im Vergleich zu der Tätigkeit der "Architekten"
neuer Tarifverträge, wie sie uns vorschweben. Im einen Fall kann man
die Dinge nehmen, wie sie sind, im anderen Falle gilt es, selbst etwas
Neues, bisher nicht Dagewesenes zu schaffen, neue Antworten zu geben,
neue Ideen zu entwickeln.
Es liegt mir fern, hier den Eindruck zu erwecken, wir seien uns
selbst genau darüber im klaren, wie dieses "konstruktive" oder "schöpferi
sehe Tarifverhandlungswesen" der Zukunft eigentlich aussehen soll. Wir
sind es nicht. Die Erkenntnis der dringenden Notwendigkeit neuer Anstrengungen wie auch die Erfahrung der Vergangenheit werden die künftige Gestalt des Kollektivverhandlungswesens bestimmen. Es ist durchaus denkbar, daß sich eine ganz andere Formel oder ein ganz anderer Vorschlag
als die beste unter den denkbaren Lösungen herauskristallisiert. Den
Fachleuten im Bereich des Schlichtungswesens stellt sich die Aufgabe,
sich maßgeblich an der Suche nach einer solchen Formel oder einem solchen Vorschlag zu beteiligen.
Die allgemein anerkannte Institution der freien Kollektivverhandlungen sieht sich heute vor eine Bewährungsprobe gestellt, die ihr zu
einem guten Teil aus den jüngsten Ergebnissen der Forschung und Technik erwächst. Es ist in diesem Zusammenhang auch angebracht, sich erneut
Gedanken darüber zu machen, warum der wissenschaftliche Fortschritt ein
so offenkundiges und in gewisser Hinsicht bedrohliches Übergewicht über
den Fortschritt in der Entwicklung unserer demokratischen Institutionen
hat.
Sicherlich ist der Wissenschaftler nicht weiser als der Politiker.
Ist er etwa freier und unbefangener, wenn es darum geht, etwas in Zweifel zu ziehen, zu erproben und für Ideen einzutreten, die von herkömmlichen Vorstellungen abweichen? Erleben wir vielleicht - wenn auch mit
umgekehrten Vorzeichen - eine Zeit, die dem Mittelalter vergleichbar
wäre, als man Naturwissenschaftler wegen ihrer Entdeckungen als Ketzer
verdammte, während die Politiker mehr oder weniger unangefochten den
Boden für den Aufbau demokratischer Institutionen bereiten konnten?
Steht die Demokratie hier vielleicht vor ihrer entscheidenden Bewährungsprobe, in der sie an einer sich eben erst dunkel abzeichnenden Gesellschaft gemessen werden wird - in einem Bereich, in dem jeder diktatorische Zwang ohnehin versagt?
_
-

10

-

�Der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen,
Adlai Stevenson, hat in New York einmal erklärt: "Wir haben erfahren,
daß die moderne Technik die Faust des Despoten und den Zugriff des
Diktators zu stärken vermag - und nicht zuletzt aus diesem Grunde
wissen wir, daß wir die Demokratie heute mehr als je zuvor brauchen.
Die Demokratie aber ist kein Automatismus, der aus sich selbst heraus
funktioniert. Es liegt an uns, ihr Leben einzuhauchen."
Kollektivverhandlungen aber sind Wirtschaftsdemokratie in ihrer
praktischen Verwirklichung. Es ist an uns, ihr Leben einzuhauchen.

* * * * *

196$ brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen
In lohn- und sozialpolitischer Hinsicht war das Jahr 19&amp;2 eines
der ruhigsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Vereinigten
Staaten. Alle, Regierung, Unternehmer, Gewerkschaften und Arbeitnehmer, können mit dem Gesamtverlauf insofern mehr als zufrieden sein,
als sie alle ihre Absichten und Ziele weitgehend realisieren konnten.
Der Regierung war es auf Grund ihrer gezielten wirtschaftspolitischen Maßnahmen möglich, die gute Konjunktur zu erhalten, die Gesamtbeschäftigtenzahl um rund eine Million (auf fast 70 Mio.) zu erhöhen,
die Zahl der Arbeitslosen auf 3,5 Millionen herabzudrücken und die
Preise weitgehend stabil zu halten - ein Erfolg, an dem auch die Gewerkschaften insofern großen Anteil haben, als sie sich mit Lohnerhöhungen von im Durchschnitt 3,1 Prozent (in den ersten 9 Monaten) zufriedengaben. Da jedoch gleichzeitig auch die Lohnnebenleistungen verbessert
und die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohnsätze für etwa 2,6 Millionen Arbeitnehmer von 1,15 Dollar auf 1,25 Dollar pro Stunde angehoben
wurden, dürften die Arbeitnehmer 1963 mit den erreichten materiellen
Verbesserungen zufrieden gewesen sein.
Daß das abgelaufene Jahr weder industrieweite, das Wirtschaftsleben des gesamten Landes lähmende Streiks noch lautstarke lohn- und
sozialpolitische Auseinandersetzungen brachte, ist wohl der erfreulichste Aspekt überhaupt. Es ist durchaus möglich, daß man später einmal das Jahr 19^5 als den großen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen
Management und Gewerkschaften bezeichnet. Der sich bereits 1 962 abzeichnende Trend nämlich, die wichtigsten tarifpolitischen Streitpunkte
zwischen den Sozialpartnern schon lange vor Beginn der eigentlichen
Verhandlungen in einem gemeinsamen Beratungsausschuß zu klären,so daß
für die vertragschließenden Parteien lediglich die Paraphierung des
Abkommens übrigbleibt, hat sich im abgelaufenen Jahr ganz wesentlich
verstärkt. Nach dem Beispiel der Stahlarbeitergewerkschaft, die im
Frühjahr nach diesem-Verfahren ihren neuen Vertrag mit den großen
Stahlunternehmen - ganz im Gegensatz zu früheren Jahren - lautlos über
die Bühne brachte, haben sich 1963 auch die Gewerkschaften der Automobil-, Gummi-, Elektro- und Ölarbeiter mit der Schaffung gemeinsamer
tarifpolitischer Studienausschüsse zum neuen Stil im amerikanische»
Tarifverhandlungswesen bekannt,
,
-

11

-

�Auch ein anderer Trend, der sich in jüngster Zeit immer deutlicher
abzeichnete, hat wesentlich zur Beruhigung des gesamten lohn- und tarifpolitischen Klimas in den Vereinigten Staaten beigetragen: der Abschluß von langfristigen Tarifverträge» mit einer Laufzeit von zwei
bis fünf Jahren. Die Tatsache, daß im vergangenen Jahr bereits 3,5
Millionen von Großtarifverträgen erfaßte Arbeitnehmer automatisch eine
Lohnaufbesserung auf Grund von in den Vorjahren abgeschlossenen Verträgen erhielten, zeigt, welch eine große wirtschaftliche und lohnpolitische Bedeutung diese langfristigen Verträge in den USA bereits
gewonnen haben.
Durch die Abkehr von der bisherigen Praxis der jährlichen Lohnverhandlungen und durch den Abschluß von Verträgen mit festen und terminierten Lohn-Steigerungsraten ist es einerseits den Unternehmern möglich, die auf sie zukommenden Lohnkosten über einen längeren Zeitraum
abzuschätzen und sich auf die Belastungen einzustellen, während sich
anderseits die Gewerkschaften intensiver als bisher mit anderen brennenden Fragen befassen können.
Daß die Lohnfragen in Anbetracht der durch die Automation ausgelösten großen Umwälzungen auf dem Beschäftigungssektor immer mehr in den
Hintergrund und die Sicherung der Arbeitsplätze und verwandte Probleme
viel stärker in den Vordergrund treten, beweisen die Forderungen, die
die amerikanischen Gewerkschaften im letzten Jahr am Verhandlungstisch
stellten. Hierzu gehören in erster Linie: die kostenlose Umschulung
von freigesetzten Arbeitskräften auf Zukunftsberufe oder ihre Umsetzung
an verwandte Arbeitsplätze im gleichen Betrieb, die Zahlung von Entlassungsgeldern, die Gewährung von Umschulungs- und Umzugsbeihilfen
und die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze durch die Gewährung eines
längeren Urlaubs an langjährige Mitarbeiter.
In fast allen im vergangenen Jahr abgeschlossenen Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer) wurde diesen Forderungen der Gewerkschaften von den Unternehmern ganz oder teilweise entsprochen. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das neue Abkommen zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft und den Stahlwerken, das für sämtliche Mitarbeiter mit mehr als 10 Dienstjähren alle fünf Jahre einen
bezahlten Sonderurlaub von 13 Wochen vorsieht.
Auch im Jahr 1964 dürften diese gewerkschaftlichen Forderungen
die Tarifverhandlungen weitgehend bestimmen, während sich die Lohnforderungen wahrscheinlich im Rahmen der vergangenen Jahre halten und
in etwa dem zu erwartenden Produktivitätszuwachs entsprechen werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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12

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�Betrieblich geförderte Freizeitprogramme
Betriebs-Erholungsprogramme haben sich in der amerikanischen
Industrie immer deutlicher als wesentlicher Faktor eines gesunden
Betriebsklimas herausgestellt. Denn nicht nur wirtschaftliche Erwägungen veranlassen Arbeitnehmer zu Bestleistungen; Zufriedenheit am
Arbeitsplatz, die aus Anregungen und der Gelegenheit zur Selbstbestätigung in interessant gestalteter Freizeit erwächst, trägt ebenso
dazu bei .
Eine ganze Reihe amerikanischer Großbetriebe verfügt heute über
großzügig und zweckmäßig angelegte Parks und Klubhäuser, in denen Belegschaftsmitglieder und ihre Familienangehörigen jede Art von Sport
betreiben können. Firmen mit begrenzteren Mitteln haben die Gründung
von Sportvereinen und Freiseitklubs gefördert und ihnen finanzielle
Zuschüsse zur Beschaffung der notwendigen Einrichtungen und Räumlichkeiten gewährt. In den meisten Betrieben koordiniert ein aus jährlichen Belegschaftswahlen hervorgegangenes Arbeitnehmergremium die
verschiedenen Programme. Besonders beliebt sind Kegeln, Ballspiele
und Tischtennis; und auch die zahlreichen Klubs der Briefmarken- und
Photofreunde, Schachvereine, Chorgruppen, Mal- und Bastelgemeinschaften
bestätigen die Vielfalt der Entspannungsmöglichkeiten, die amerikanische Betriebe ihren Mitarbeitern heute zu bieten versuchen.
Bei der Ford Motor Company erreicht man dieses Ziel durch ein
reich gegliedertes Angebot von sportlichen,gesellschaftlichen, kulturellen und unterhaltenden Programmen, wobei Veranstaltungen mit besonders
großer Beteiligung der Belegschaft und ihrer Familienangehörigen stark
gefördert werden. Jede Freizeit-Gruppe erhält größtmögliche Freiheit
bei der Regelung ihrer internen Angelegenheiten. Beauftragte des Betriebs sorgen für eine Koordinierung der einzelnen Programme; und auch
hierbei stehen notwendige finanzielle Zuschüsse und Hilfe für anfallende
Verwaltungsarbeiten zur Verfügung.
Am umfangreichsten ist das Betriebs-Erholungsprogramm des FordWerkes "River Rouge" in Dearborn (Michigan), an dessen einzelnen Phasen
im Jahr 1962 über 1,2 Millionen Personen aus der Umgebung Detroits teilgenommen haben. Das Detroiter Programm selbst umfaßt mehr als 60 verschiedene Freizeitbetätigungen. Es gibt 30 in Ligen zusammengeschlossene
Korbballmannschaften, 130 Kegelgruppen, 160 Softball- und 8 VolleyballMannschaften. Unter den 23 Klubvereinigungen ist der "Ford Archers
Club" der Bogenschützen mit seinen rund 100 Mitgliedern einer der ältesten Betriebsvereine im Gebiet von Detroit. Daneben gibt es den 90
Stimmen starken Ford-Chor, der sehr häufig zu öffentlichen und betriebsinternen Veranstaltungen herangezogen wird. Schließlich bietet
ein "Gourmet Club" den Mitarbeitern der Ford-Werke Gelegenheit zum Besuch von Theaterabenden, Konzerten und zur Teilnahme an Sonderfahrten.
Selbstverständlich gibt es auch, wie es einem solchen Klub ansteht,
gutes Essen und Geselligkeit.
Für die Kinder der Betriebsangehörigen werden in den Sommermonaten Tageslager veranstaltet, wo sie unter Aufsicht schwimmen, Sport
treiben und basteln können . Zweimal im Jahr finden Festbanketts mit

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13

-

�mit Siegerehrungen für die aus den Klubwettbewerben und Liga-Ausscheidungskämpfen hervorgegangenen Einzelsieger und Siegermannschaften
statt. Für die jährliche Kunstausstellung der Ford-Werke (Ford Employees
Art Show) wurden 1962
652 Werke der verschiedensten Maltechniken angenommen .
Auch Betriebsausflüge fehlen nicht. Rechnet man ihre Teilnehmerzahlen zusammen, so ergibt sich für 1962 die stattliche Summe von
40 000 Menschen, die dabei Freude und Entspannung fanden.

(Quelle: Eigenbericht)

•

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US-Eisenbahnen können"zweiten Mann" auf Dieselloks abbauen
In der seit über zwei Jahren zwischen der Gewerkschaft der Lokomotivführer und Heizer und den US-Eisenbahngesellschaften schwelenden
Auseinandersetzung über die Besetzung der Fahrstände von Diesellokomotiven und die Stärke des Zugbegleitpersonals hat jetzt der im Herbst
1962 vom amerikanischen Kongreß eingesetzte Sonderausschuß einen
Schiedsspruch gefällt. Danach wird den Eisenbahngesellschaften das Recht
eingeräumt, 90 Prozent der insgesamt 40 000 im Fracht- und Rangierdienst
auf Dieselloks eingesetzten "Heizer" abzubauen. Gleichzeitig wird den
Gesellschaften jedoch zur Auflage gemacht, den Abbau der "zweiten Männer"
auf den Dieselloks allmählich vorzunehmen und Entlassungen auf ein Minimum zu beschränken.
Allen Heizern mit mehr als 10 Dienstjahren - das sind rund zwei Drittel aller Betroffenen - muß nach dem Schiedsspruch eine Beschäftigungsgarantie auf Lebenszeit gewährt werden; desgleichen haben die Eisenbahngesellschaften dafür zu sorgen, daß mindestens 10 Prozent der von dieser
Beschäftigungsgarantie nicht betroffenen Arbeitnehmer ein anderer Arbeitsplatz nachgewiesen wird.
Alle jene Heizer, die eine Dienstzeit von 2 bis 10 Jahren haben,
müssen nach dem Schiedsspruch an ihren derzeitigen Arbeitsplätzen weiterbeschäftigt oder aber - bei Fortzahlung der bisherigen Löhne - auf
andere Arbeitsplätze umgesetzt werden.
Die rund 2000 Heizer, die eine geringere Dienstzeit als zwei Jahre
aufweisen, können dagegen entlassen werden. Sie haben jedoch Anspruch
auf ein angemessenes Entlassungsgeld.
Ob mit diesem Schiedsspruch die Auseinandersetzung, die in den
vergangenen Jahren immer wieder zu Streikandrohungen der verschiedenen Eisenbahnergewerkschaften - vor allem der "Brotherhood of Locomotive Firemen and Enginemen" - führte und die Regierung schließlich zum
Eingreifen zwang, endgültig beigelegt ist, bleibt abzuwarten. Zwei

-

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-

�Zwei der von dem Schiedsspruch betroffenen und als Tarifpartner der
Eisenbahnen anerkannten Gewerkschaften haben sofort nach Bekanntwerden des Spruches mitgeteilt, daß sie diesen Entscheid beim Obersten
Bundesgericht anfechten wollen.
Ob diese Anfechtungsklage jedoch zugelassen wird, ist zweifelhaft. Die vom Kongreß am 29. August 1963 gebilligte Resolution über
eine Zwangsschlichtung, durch die der Eisenbahnerstreik bekanntlich
in letzter Minute abgewendet wurde, bestimmt nämlich, daß der von
dem siebenköpfigen Sonderausschuß zu fällende Schiedsspruch für zwei
Jahre bindend sein soll.
Der seinerzeit eingesetzte Schiedsausschuß, der unter dem Vorsitz
des bekannten Schlichters Ralph T. Seward stend, setzte sich aus je
zwei Vertretern der Sozialpartner und drei Vertretern der Öffentlichkeit zusammen, die von Präsident Kennedy ernannt worden waren. Aufgabe
des Ausschusses war es, lediglich die beiden strittigen Hauptpunkte
in der Auseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften und den Eisenbahnen - Besetzung der Fahrstände von Dieselloks und Stärke des Zugbegleitpersonals - durch einen Schiedsspruch zu regeln.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

'

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Gewährleistung gleicher Berufschancen für
Amerikas Minderheiten
Die wirtschaftliche Lage der amerikanischen
Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Sonderbeilage: Präsident Lyndon B. Johnsons
Botschaft über die Lage der Nation (8. Januar 1964)

Seite 1
Seite 5
Seite 11

Robert Taylor jr., Stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer des Präsidialausschusses zur Sicherung
gleicher Beschäftigungsbedingungen:
Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas Minderheiten
"Diskriminierung auf Grund von Rasse, Glauben,
Hautfarbe und nationaler Herkunft widerspricht
den Grundsätzen unserer Verfassung und der Politik der Vereinigten Staaten. Es ist die klare
und eindeutige Verpflichtung der US-Regierung,
ohne Rücksicht auf Rasse, Glauben, Hautfarbe
oder nationale Herkunft gleiche Beschäftigungsbedingungen für alle qualifizierten Personen, die im Bundesdienst oder im Rahmen von
Regierungsaufträgen beschäftigt sind oder um
Beschäftigung nachsuchen, zu fördern und zu
siehern,"
Präambel des Präsidialerlasses Nr. 10 925
vom 6. März 1961)
Eine Welt voller Hoffnungen öffnete
als er im vergangenen Sommer eines Tages
blechwerker fand. Und dann brachen seine
men: die Gewerkschaft bestand auf seiner
reguläre Lehrzeit nachweisen konnte,,

sich für Wynnand Normand,
endlich Arbeit als WalzHoffnungen wieder zusamEntlassung, weil er keine
Doch

�Doch Normand fühlte sich unfair behandelt. Den Grund hierfür
glaubte er in seiner Rassenzugehörigkeit zu erkennen - in der Tatsache also, daß er zu den 19 Millionen Negern der USA zählt. Ärger
und Schmerz mischten sich mit seiner Sorge um Frau und vier Kinder,
um sein Haus und seine Zukunft. Glücklicherweise wurde Normands
Fall vor den Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen gebracht, der seiner Klage stattgab und dafür sorgte, daß
Normand nicht nur seinen Arbeitsplatz wiederbekam, sondern auch als
gelernter Walzblechwerker mit einem Stundenlohn von 4,65 Dollar eingestellt wurde, da ihn seine Berufserfahrung voll für diese Tätigkeit
qualifizierte.
Normands Fall war einer von 4000, die bisher vor dem Präsidialausschuß verhandelt wurden. In 75 Prozent der Fälle wurden Diskriminierungen bei der Einstellung, Ausbildung, Beförderung oder Entlassung
von Arbeitnehmern festgestellt und gerechte Regelungen herbeigeführt.
Wo liegen die Gründe für die Schaffung dieses einzigartigen
Präsidialausschusses und wie ist seine Arbeitsweise?
In den Vereinigten Staaten hat es - wie in vielen anderen Ländern - seit über hundert Jahren Diskriminierungen gegeben. Viele
Amerikaner sind allein oder in Gemeinschaft mit anderen erfolgreich
gegen destruktive Praktiken dieser Art vorgegangen . Ein Wandel vollzieht sich oft jedoch nur recht langsam, und Minderheiten, gegen die
Diskriminierungen gerichtet sind,tragen schwer an der Last wirtschaftlicher und sozialer Unsicherheit und Entbehrungen.
In der Vergangenheit lag die Arbeitslosigkeit unter den Minderheitengruppen zweieinhalbmal so hoch wie bei den übrigen Arbeitnehmern, und das Durchschnittseinkommen betrug weniger als 60 Prozent
des Einkommens weißer Amerikaner. Historische wie aktuelle Ereignisse
lassen erkennen, daß sich diese Verhältnisse nur überaus langsam ändern, wenn nicht der Staat eine entscheidende Rolle in der Gewährleistung gleicher Berufschancen übernimmt.
Am 6. März 1961 unterzeichnete Präsident John F. Kennedy den
Präsidialerlaß Nr. 10 925, eines der wichtigsten Dokumente der letzten
Jahre, in dem er die Richtlinien zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen festlegte. Den gleichzeitig geschaffenen Präsidialausschuß
stattete er mit weitgehenden Vollmachten aus und erteilte ihm den Auftrag, für die Beseitigung von Diskriminierungen im Bundesdienst, im
Rahmen von Regierungsverträgen und allen von der Bundesregierung
geförderten Straßenbau-, Krankenhausbau-, kommunalen und ähnlichen
Bauprojekten zu sorgen. Den Vorsitz übernahm Lyndon B. Johnson, damals Vizepräsident der Vereinigten Staaten; sein Stellvertreter wurde
später US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz, der in dieses Amt nicht
nur seine reiche Erfahrung auf arbeitsrechtlichem Gebiet mitbrachte,
sondern bereits in seinem Ministerium beträchtliche Mittel zur Sicherung gleicher Berufschancen eingesetzt hatte,
"Vollstreckung" und "Überredung" sind die beiden notwendigen
und unerläßlichen Werkzeuge, mit denen der Ausschuß sein Ziel zu
erreichen sucht, sowohl bei Regierungsbehörden wie bei Privatunternehmen. Ein Verbot jeglicher Diskriminierung wird als Sonderklausel

2

�Sonderklausel in alle mit Privatfirmen abgeschlossene Regierungsverträge aufgenommen. Verstöße gegen diese Klausel können eine
Annullierung des Vertrags oder andere Strafen nach sich ziehen.
Man war sich im klaren, daß greifbare Beweise für die Erfüllung
der Vertragsklausel vorgelegt werden müssen. Deshalb wurde ein Berichtssystem ausgearbeitet, demzufolge Privatfirmen, die mit der USRegierung Geschäfte im Wert von über 50 000 Dollar jährlich tätigen
und mehr als 50 Angestellte beschäftigen, zur Vorlage von Belegschaf ts-Erstberichten und anschließenden Belegschafts-Jahresberichten verpflichtet sind. Sie sollen zeigen, welche positiven Maßnahmen zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen ergriffen wurden,
und dokumentieren, daß alle Einstellungen auf gleichberechtigter
Basis erfolgten,und zwar nicht nur bei ungelernten Kräften, sondern
für alle Positionen, sofern die erforderlichen Qualifikationen nachgewiesen wurden. Darüber hinaus sind die Firmen verpflichtet, positive
Programme zur Anwerbung von Stellungsuchenden und Ausbildung von Belegschaftsmitgliedern aus den Minderheitengruppen zu entwickeln.
Die vertragschließenden Regierungsbehörden sind für die Einhaltung des Diskriminierungsverbots verantwortlich. Jede Behörde ordnet
eigene Beamte zu den wichtigsten Beschaffungszentralen ab mit dem Auftrag, die Personalpolitik der Vertragsfirmen zu überprüfen und ihnen
verwaltungstechnische Hilfe bei der Ausarbeitung neuer Personal-Programme zur Verfügung zu stellen. Die Beamten kontrollieren, ob die einzelnen Betriebe ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen. Sie
interviewen leitende Angestellte und Belegschaftsmitglieder und überwachen ganz allgemein alle betrieblichen Antidiskriminierungsmaßnahmen. Lassen sich Beweise für einen bewußten Verstoß gegen die Vorschriften des Präsidialerlasses oder die Vertragsklausel feststellen,
dann sind die Behörden und der Präsidialausschuß zur Annullierung des
Vertrags oder zur Ausschließung des Vertragsbrüchigen Unternehmens
von der Vergabe künftiger Regierungsaufträge befugt.
Man schätzt, daß dem Präsididialausschuß Erfüllungsberichte von
38 000 Unternehmen mit 50 000 Betrieben und über 20 Millionen Beschäftigten aus allen Teilen der USA zugehen werden. Unter ihnen
dürften sich die meisten amerikanischen Industriewerke befinden.
Als nicht weniger wichtig für den Erfolg des Präsidialerlasses
hat sich Überredung erwiesen. Hunderte von Unternehmen haben sich von
ihrer Verantwortung überzeugen lassen und damit begonnen, bessere
Berufschancen zu schaffen und in ihrem Einflußbereich eine Haltungsänderung gegenüber den Minderheiten zu bewirken. Um sie darin zu
unterstützen und andere Unternehmen zu Ähnlichem anzuspornen, wurde
vom Präsidialausschuß ein Programm "Pläne für den Fortschritt" ins
Leben gerufen, an dem sich Firmen, die nicht Vertragspartner der USRegierung sind, beteiligen können. Über 120 Unternehmen haben Einzelpläne dieser Art unterzeichnet und vorausschauende Einstellungs-,
Ausbildungs-, Einstufungs- und ßeförderungsrichtlinien für Angehörige
der Minderheitengruppen entworfen. Ihre Arbeit gilt auch der Überwindung veralteter Verhaltensweisen, die den freien Fluß von Arbeitskräften und Arbeitsinformationen hemmen.
Ein

-

3 -

�Ein 19 Mitglieder umfassender Beirat wurde -von einigen der
bedeutendsten amerikanischen Gesellschaften gebildet, um diesem
kooperativen Programm zu größtmöglicher Wirkung zu verhelfen.
Seine Vorschläge erleichtern den am Programm beteiligten Firmen die
Erfüllung ihrer Verpflichtungen. Und hier liegt die entscheidende
Rolle des Beirats. Fünf Großunternehmen haben ihm Personalexperten
zur Verfügung gestellt, die neue Methoden zur Erschließung von
Arbeitsplätzen in der Industrie ausarbeiten.
Auch auf dem zweiten Tätigkeitsgebiet des Präsidialausschusses
haben sich vielversprechende Ergebnisse eingestellt: Im Bundesdienst
erhielten im Zeitraum Juli 1961 bis Juni 1962 Neger, die größte Minder
heitengruppe der USA, 10 737 - oder 17 Prozent - der 62 653 offenen
Stellen. In den mittleren Gehaltsstufen mit Jahresgehältern von
4565 bis 10 165 Dollar ist die Zahl der Neger um 19 Prozent gestiegen, obwohl die Gesamtstellenzunahme in diesen Gruppen nur 5,9 Prozent betrug. Im allgemeinen finden hier Juristen, Techniker und
Wissenschaftler ihre Anfangsstellungen.
In den oberen Gehaltsstufen, die ein hohes Maß fachlicher Qualifikation voraussetzen und Jahresgehälter zwischen 9475 und 20 000
Dollar bieten, ist die Zahl der Neger um 35»6 Prozent gestiegen,
obwohl die Gesamtstellenzünahme nur 9»5 Prozent betrug.
Statistische Angaben über den Personalstand der im Regierungsauftrag arbeitenden Vertragsfirmen lassen ähnliche Fortschritte erkennen. Eine Übersicht der 50 größten Vertragsfirmen zeigt, daß
in einer Sechsmonatsperiode bei einer Gesamtzunahme von 37 807 neuen
Arbeitsplätzen farbige Arbeitnehmer 9308 oder 24*6 Prozent der Stellen
erhielten. Als die Programme des Präsidialausschusses anliefen, waren
in diesen Firmen nur 3,8 Prozent der Arbeitsplätze von Farbigen besetz
Am größten war die Zunahme in den leitenden Positionen, im Verkauf
und in der-Technik, nämlich 13,3 Prozent, 44»2 Prozent und 11,2 Prozent .
Die Erfolge des Präsidialausschusses sind unverkennbar. So eindrucksvoll die bisherigen Statistiken auch sein mögen, seine Mitglieder und sein hauptamtlicher Mitarbeiterstab sind sich darüber im
klaren, daß sie erst am Anfang ihrer Arbeit stehen. In gemeinsamer
Anstrengung mit der Industrie bemüht sich die amerikanische Regierung,
jene sozialen Schranken zu beseitigen, die in der Vergangenheit Diskriminierungen zugelassen haben. Dies geschieht zum Nutzen aller
Amerikaner, und nicht zum ganz besonderen Vorteil einer einzelnen
Bevölkerungsgruppe. Denn jeder einzelne sollte auf Grund seines
inneren Wertes, seines Charakters, seiner Redlichkeit und seiner
Leistungen beurteilt werden - und nicht auf Grund von Äußerlichkeiten
wie die Farbe seiner Haut.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

4

-

�James B. Carey, Vorsitzender der Elektro-, Radio- und
Maschinenmechanikergewerkschaf t (IUE):
Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen Gewerkschaften
Seit 1956 ist trotz eines Anstiegs des Bruttosozialprodukts
der USA um 80 Milliarden Dollar die Zahl der Arbeitnehmer in der
amerikanischen Fertigungsindustrie um annähernd 500 000 zurückgegangen. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß heute für Produktions- und Wartungspersonal eine Million Arbeitsplätze weniger
vorhanden sind als damals.
Dieser Beschäftigungsrückgang vollzog sich, obwohl die Gesamt-Industrieproduktion seit 1956 um 18 Prozent zunahm und im
Jahr 1962 eine Rekordhöhe erreichte - das Ergebnis einer beträchtlichen Produktivität ssteigerung der amerikanischen Wirtschaft.
In den Industriearbeiterberufen wurde damit ein Umschichtungsprozeß eingeleitet, der zum Abbau von Arbeitsplätzen in der Produktion und zu einem größeren Bedarf an Technikern führte. Diese Entwicklung stellt die meisten amerikanischen Gewerkschaften, die sich
bisher vor allem um die Industriearbeiterschaft bemüht haben, vor
neue Aufgaben und Probleme.
Es überrascht nicht, daß angesichts der starken Arbeitslosigkeit in der Industrie der amerikanische Gewerkschaftsverband AFLCI0, dem vor allem Industriearbeiter angehören, in vorderster Front
im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit steht. Seine Hitglieder und
ihre Familien haben am meisten unter mangelnder Vollbeschäftigung
zu leiden.
Trotz anhaltender beträchtlicher Arbeitslosigkeit ist das
Bruttosozialprodukt, bei Zugrundelegung eines festen Dollarwertes,
auch seit 1958 weiter angestiegen. Unter diesen Umständen ist es
schwierig, für volkswirtschaftliche Reformen und ein Programm der
Vollbeschäftigung volle politische Unterstützung zu gewinnen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind infolgedessen zum Umdenken und Umformulieren ihrer wirtschaftlichen Ziele und Programme gezwungen. Nur auf Arbeitslosigkeit hinzuweisen, genügt nicht
mehr, wenn so viele Bevölkerungsteile von ihr kaum betroffen werden. Konservative Kreise können auf das - wenn auch bescheidene Ansteigen des Bruttosozialproduktes in jedem Jahr verweisen.
Aus diesen Gründen pochen der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL-CI0 und seine Mitgliedgewerkschaften immer wieder auf die
Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Wachstumsrate, die mit dem
wachsenden Arbeitskräftepotential und den technischen Fortschritten in den Vereinigten Staaten in Einklang steht. Obwohl 1962 das
US-Bruttosozialprodukt gegenüber 1959 um 51 Milliarden Dollar höher lag, gab es keinen Rückgang der Arbeitslosigkeit, die 1962
stärker war als 1959 - ein Ergebnis des wachsenden Arbeitskräftepotentials und der Verbesserungen in Technik und Ausbildung, die
zur Steigerung der individuellen Produktivitätsraten geführt haben.
Auf

- 5 -

�Auf dem Gebiet der Technik wird sich in den vor uns liegenden Jahren ein noch stärkerer Wandel vollziehen. Experten rechnen
für die Zeit zwischen 1960 und 1970 mit einem Arbeitskräftezuwachs
von jährlich annähernd 1,3 Millionen neuen Arbeitsuchenden, einer
Zunahme, wie sie in den USA bisher in diesem Ausmaß nicht erlebt
wurde.
Angesichts dieser Tatsachen besteht die AFL-CIO auf einer
schnelleren Wachstumsrate als wesentlicher Voraussetzung eines
echten wirtschaftlichen Fortschritts in den Vereinigten Staaten,
der nicht Hillionen Arbeitslose und Teilbeschäftigte von wahrem
Wohlstand ausschließt.
Bei Zugrundelegung des bisherigen Produktivitätstrends und
der zu erwartenden Arbeitskräftezunahme wird nach Schätzungen der
AFL-CIO nur eine reale Steigerung des Bruttosozialprodukts von
jährlich nicht weniger als viereinhalb bis fünf Prozent die amerikanische Wirtschaftskraft erhalten können. Diesen Zahlen liegt
ein jährlicher Produktivitätszuwachs von drei bis dreieinhalb Prozent und eine Zunahme der Arbeitskräfte von eineinhalb Prozent
zugrunde.
Selbst bei diesen Angaben handelt es sich um vorsichtige Schätzungen; denn die Vereinigten Staaten stehen zunächst einmal vor der
unmittelbaren Aufgabe, einen Berg von Arbeitslosigkeit abzutragen,
ehe sie eine jährliche Zuwachsrate von fünf Prozent als Grundlage
ihrer Wirtschaftsentwicklung akzeptieren können. Für die nächsten
Jahre ist deshalb eine Zuwachsrate von acht oder neun Prozent erforderlich, um Millionen von Arbeitslosen erst einmal wieder produktiver Arbeit zuzuführen. Eine solche Zuwachsrate läßt sich bei
ernsthafter Planung ohne weiteres erreichen und für ein Jahr oder
länger beibehalten.
Statt auf einer Höhe von fünf Prozent lag in den vergangenen
zehn Jahren der Anstieg des amerikanischen Bruttosozialprodukts bei
jährlich etwa zweieinhalb Prozent. Wenn wir gegen die Stagnation
der letzten Jahre auch weiterhin nichts unternehmen, werden sich
unsere ohnehin schweren Arbeitslosenprobleme nur noch verschärfen.
Die Einbußen infolge dieser anhaltenden Stagnation sind gewaltig. Eine vorsichtige Schätzung des Wirtschaftsbeirats des US-Präsidenten veranschlagt die Verluste, die sich seit 1958 als Folge
mangelnder Beschäftigung ergeben haben, auf 170 Milliarden Dollar.
Es gibt in Fülle Beweise dafür, daß die wirtschaftlichen Stok- ,
kungen der vergangenen Jahre hauptsächlich auf eine Schwächung der
Konsumkapazität der Vereinigten Staaten zurückzuführensind. Wir
vertreten diese Ansicht trotz des von konservativen Kreisen vorgebrachten traditionellen Arguments, daß nur größere Investitionsanreize und Chancen für das Großkapital noch aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Zeit herausführen.
Zur Verdeutlichung der Milchmädchenrechnung, die diesem Argument zugrunde liegt, genügt der Hinweis, daß seit fünf Jahren Amerikas Industrie weit unter ihrer vollen Betriebskapazität arbeitet.
Selbst 1962, in einem Jahr verhältnismäßig hoher Auslastung, erreichte sie nur knapp 85 Prozent.
Zwar

�Zwar begrüßen die amerikanischen Gewerkschaften jede erhöhte
Investitionstätigkeit zur Stützung der Wirtschaft - gleichviel, ob
dies in den Vereinigten Staaten, in England oder sonstwo geschieht -,
hinsichtlich der Produktionskapazität besteht in den USA jedoch ganz
offensichtlich kein größerer Fehlbedarf. Andererseits kann, wie der
Chefberater des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des US-Kongresses
feststellte, der größte Teil des Froduktions- und Beschäftigungsrückgangs bis zu 75 Prozent "unmittelbar der niedrigen Wachfrage
nach Verbrauchsgütern und nichtlandwirtschaftlichen Wohnbauten zugeschrieben werden".
Für die amerikanischen Gewerkschaften sind die Konsequenzen
einer Analyse dieser Art ebenso klar wie die eigenen Erfahrungen
der letzten zehn Jahre. Soll die amerikanische Wirtschaft aus ihrer
Lethargie zu voller Erholung und Expansion geführt werden, dann
müssen Mittel und Wege zur Belebung der Verbrauchernachfrage gefunden werden.
Leider hnt die amerikanische Wirtschaftspolitik der vergangenen zehn Jahre nicht diese Richtung oinges^hlagav. Die Steuerreformen von 1954 und I962 haben der amerikanischen Geschäftswelt
Sonderkonzessionen in Form von günstigen Abschreibungsbedingungen
und besonderen Investitionskredit-Anreizen eingeräumt.
Mit Blick auf die ernsten Probleme der Arbeitslosigkeit und
eines mangelhaften Wirtschaftswachstums haben die amerikanischen
Gewerkschaften ein Programm zur Ankurbelung der US-Wirtschaft ausgearbeitet. Größtes Gewicht legen sie dabei auf Maßnahmen, die zu
einer raschen Erholung zum jetzigen Zeitpunkt und nicht erst in
ferner Zukunft führen. Deshalb treten sie für eine sofortige Steuersenkung in Höhe von 10 Milliarden Dollar ein, die sich vor allem
auf die unteren Einkommensschichten konzentrieren soll. Die sich
hieraus ergebende Erhöhung der Nettolöhne und -gehälter würde ihren
unmittelbaren Niederschlag in größeren Einzelhandelsumsätzen finden.
Dies würde sich seinerseits auf die Gesamtwirtschaft der USA auswirken und zu umfangreichen Neueinstellungen in der Industrie führen.
Ziel der gewerkschaftlichen Steuervorschläge ist eine Korrektur
des amerikanischen Wirtschaftsproblems Nummer eins: unzureichende
Konsumkapazität.
Neben Steuersenkungen fordern die Gewerkschaften auch eine beträchtliche Erhöhung der Ausgaben für öffentliche Arbeiten. Soziale
wie ökonomische Erwägungen liegen dieser Forderung zugrunde.
Schon einige Jahrzehnte haben die Vereinigten Staaten als Folge
von Depressionen, Weltkrieg und Kaltem Krieg ihre öffentlichen Dienst
und Bauten vernachlässigt. Dieser Rückstand hat sich durch den seit
dem zweiten Weltkrieg zu verzeichnenden raschen Bevölkerungszuwachs
noch deutlicher ausgeprägt. Bundesausgaben auf dem zivilen Sektor
sanken, bei Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes, von 227
Dollar pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1947 auf schätzungsweise
150 Dollar im Jahre 1963 ab und machen somit nur noch 4»9 Prozent
des Bruttosozialprodukts aus gegenüber 8,9 Prozent im Jahr 1947•

Die

�Die folgenden Zahlen lassen den gewaltigen Rückstand auf dem
öffentlichen Sektor der amerikanischen Wirtschaft deutlich werden:
1. Erziehung: Die Bundesregierung schätzt, daß in den zehn
Jahren zwischen i960 und 1970 308 000 neue Klassenräume
benötigt werden. Infolge niedriger Gehälter und ungünstiger
Arbeitsbedingungen existiert auch eine ernst zu nehmende
Knappheit an qualifizierten Lehrern. Bundeszuschüsse auf
dem Gebiet des öffentlichen Bildungswesens sind dringend
notwendig.
2. Wohnungsbau: Die Vereinigten Staaten haben in der Nachkriegszeit gegenüber den davor liegenden 20 Jp.hren eine
vergleichsweise hohe Wohnbaurate eingehalten; die starke
Bevölkerungszunahme, verbunden mit den niedrigen Wohnbauziffern in den dreissiger Jahren und zu Beginn der vierziger Jahre, hat einen Restbestand von rund 15 Millionen
unter der Norm liegenden Wohnungseinheiten verursacht.
Unsere Aufgabe ist es, den gegenwärtigen Jahresdurchschnitt
von 1,3 Millionen Neubau-Wohnungseinheiten auf mindestens
2 Millionen zu erhöhen.
3. Städtische Erneuerung: Die Übervölkerung der Städte stellt
für das Wohl des amerikanischen Volkes eine soziale und
ökonomische Bedrohung dar. Schätzungen von Studiengruppen
wie z. B. die Rockefeller-Stiftung heben die Notwendigkeit
von öffentlichen und privaten Ausgaben in Höhe von rund
100 Milliarden Dollar hervor, um diese Probleme in den
nächsten beiden Jahrzehnten zu bewältigen. Es ist klar,
daß zur Ankurbelung der wichtigsten Städteplanungsprogramme Bundesmittel erforderlich sind.
Zu diesen Rückständen kommen große Lücken im amerikanischen
Straßen- und Flughafenbau sowie im Krankenhauswesen und der Gesundheitspflege.
Aus all diesen Gründen wenden sich die amerikanischen Gewerkschaften mit Nachdruck gegen alle Kreise, die nach wie vor Kürzungen im Staatshaushalt befürworten, und zwar zu einem .Zeitpunkt, an
dem ganz offensichtlich eine Erhöhung der öffentlichen Ausgaben
notwendig ist. Die Gewerkschaften betonen, daß eine starke Expansion
auf dem öffentlichen Sektor schon um seiner selbst willen vorgenommen
werden sollte. Darüber hinaus glauben sie, daß erhöhte öffentliche
Ausgaben als Bestandteil eines Vollbeschäftigungsprogramms unerläßlich sind. Die Vereinigten Staaten können sich eine Vernachlässigung
ihrer Investitionsstruktur auf dem öffentlichen Sektor ebensowenig
leisten wie die Privatindustrie ein Veralten ihrer Werksanlagen und
ihrer Maschinenparks.
Mit der Stagnation der letzten Jahre hängt noch ein weiterer
volkswirtschaftlicher Aspekt zusammen. Immer stärker hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt, daß die Verbrauchernachfrage für eine
Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung unzureichend ist, weshalb
von den Gewerkschaften die Notwendigkeit einer Neubewertung der
Lohnbewegung und Lohnpolitik hervorgehoben wird.
Seit
- 8 -

�Seit I956 hat sich der Normalstundenlohn für Fertigungsund Wartungspersonal in der Industrie etwa um zehn Prozent erhöht.
Dem steht eine Produktivitätssteigerung von 18 Prozent gegenüber.
In den vergangenen beiden Jahren sind die Reallöhne noch weit
stärker hinter der Produktivitätszunahme zurückgeblieben: die Löhne
stiegen um 2,7 Prozent, während die Produktivität in der Fertigungsindustrie um 6 Prozent zunahm.
Diese wachsende Lücke zwischen Reallöhnen und Produktivität hat
die Konsum-Ausgaben in der amerikanischen Wirtschaft nur noch weiter
absinken lassen. Zum Teil ist dies ein Ergebnis der Kampagne, die
sich in den letzten Jahren ganz bewußt gegen die Gewerkschaften und
ihr Kollektivverhandlungswesen richtete. Ende der fünfziger und
Anfang der sechziger Jahre kam das Argument einer inneramerikaniachen Inflation ins Spiel, und die Gewerkschaften sahen sich neuen
Vorwürfen ausgesetzt, da Lohnerhöhungen eine Verteuerung amerikanischer Waren nach sich ziehen und sie für den Weltmarkt konkurrenzunfähig machen würden . Jede vernünftige Untersuchung des Lohnund Preisniveaus und des Außenhandelsflusses widerlegt im Handumdrehen diese wenig durchdachte Management-Propaganda.

1

Cb man des gesamte Warenangebot oder nur industrielle Fertigwarenprodukte als Beurteilungsgrundlage heranzieht - und für einen
Kostenvergleich sind Industriegüter wahrscheinlich von größerer
Relevanz -, die Exportposition der amerikanischen Industrie ist unbestreitbar stark.
In der Nachkriegsära konnten sich die Vereinigten Staaten
durchweg einer günstigen Handelsbilanz erfreuen. Ferner besteht keine
Gefahr, daß sich das Übergewicht des Exports zugunsten des Imports
verlagern wird. Im Gegenteil: die Außenhandelsbilanz war in den
letzten Jahren besonders günstig. Tatsächlich leg der Gesamtanteil
Amerikas am Welthandel durchweg höher als vor dem Krieg. Im Jahr
1958 betrug der amerikanische Anteil am Weltexport 14 Prozent gegenüber 17,4 Prozent im Jahr i960 und einem Durchschnitt von mehr als
17 Prozent während der fünfziger Jahre.
Unter Berücksichtigung der Preis- und Lohnkostenfaktoren
schneiden die Vereinigten Staaten bei einem Vergleich mit ihren
Hauptkonkurrenten in Europa ziemlich gut ab. Der Vorwurf, von den
amerikanischen Gewerkschaften seien die Löhne auf eine Höhe hinaufgetrieben worden, auf der sie sich als eine Bedrohung der amerikanischen Welthandelsposition auswirken, ist Unsinn, wie sich an Hand
der angeführten Zahlen und anderer statistischer Unterlagen nachweisen läßt.
Gelegentlich neigte man dazu, die Schwierigkeiten in der USZahlungsbilanzposition mit der US-Außenhandelsposition zu verwechseln. Die Lasten der Wirtschefts- und Militärhilfe haben unsere
Zahlungsbilanz ziemlich strapaziert, trotzdem ist unsere Außenhandelsposition stark geblieben.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben an den sogenannten LohnPreis-Richtlinien der Regierung Kennedy Kritik geübt. Dies geschah
nicht, weil sie den Gedanken, daß Lohnerhöhungen in einem bestimmten
Verhältnis zu Produktivitätssteigerungen stehen müssen, zurückwei sen.

- 9-

�zurückweisen. Ihre Bedenken galten vielmehr dem Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Richtlinien sowie der weitverbreiteten Fehlinterpretation, die sie in Presse und Industrie erfuhren. Die Reallöhne
lagen bereits hinter der Produktivität zurück, zudem hatte die
Anti-Gewerkschafts-Kampagne über Fragen der Löhne und der Konkurrenzfähigkeit auf den Auslandsmärkten bereits vielerorts zu Schwierigkeiten in den Kollektivverhandlungen geführt, als sich der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten zur Veröffentlichung der Richtlinien
entschloß. Presse und Industrie griffen sie auf und verlangten
Lohnstopps - ein Vorschlag in dieser Richtung war vom Beirat aber
nie gemacht worden. Als Ergebnis drohten die Lohnerhöhungen, die
sowieso schon nachhinkten, ganz zum Erliegen zu kommen.
Die Gewerkschaften haben die amerikanische Regierung aufgefordert, Kollektiwerhandlungen zu voller Wirkkraft zu verhelfen,
damit sie einen geeigneten Beitrag zur Ausweitung der Verbrauchernachfrage leisten können. Weniger würde die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft nur noch mehr aufhalten.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind nicht naiv genug zu
glauben, daß durch kräftigere steuerliche Maßnahmen zugunsten einer
Vollbeschäftigung alle Mängel einer zu geringen Verbrauchernachfrage in der US-Wirtschaft behoben werden können. Dagegen wird ihrer
Ansicht nach eine positive Lohnpolitik für ein abgerundetes, den
Anforderungen der sechziger Jahre entsprechendes Wirtschaftsprogramm
unerläßlich sein.
Es ist schwierig, die Zukunftsaussichten der US-Wirtschaft
exakt zu beurteilen. Die konservative Geisteshaltung, die allem
Anschein nach einen großen Teil der amerikanischen Bevölkerung
in den fünfziger Jahren ergriffen hat, bildet nach wie vor das
Haupthindernis für eine energische Wirtschafts- und Sozialpolitik,
die für eine Vollbeschäftigung so notwendig ist. Von wesentlicher
Bedeutung ist jedoch die Grundhaltung des Präsidenten und seiner
Berater diesen Problemen gegenüber; und sie wirkt sich bereits
zugunsten einer solchen Politik aus. (Gekürzt)

(Quelle: "Free Labor World", Sept. I963.
Bei Nachdruck Angabe der Quelle und des
Verfassers erforderlich)

-

10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen in den USA
Die Lohnveränderungen auf Grund von Tarifverträgen zeigten in
den letzten Jahren eine deutliche Verflachungstendenz. Im Rezessionsjahr 1954 waren die ausgehandelten Lohnerhöhungen mit
(durchschnittlich) 5 l/2 Cent pro Stunde relativ niedrig, während
sie in den drei folgenden Jahien auf über zehn Cent anstiegen.
In den darauf folgenden drei Jahren, von 1958 bis i960, variierten
die durchschnittlichen Steigerungsbeträge zwischen 8 l/2 und 9
Cent pro Stunde, um I96I auf durchschnittlich 7 Cent abzusinken.
Im Jahr 1962 war ein leichter Anstieg auf 8 Cent zu verzeichnen.
Legt man die I96I und 1962 erzielten Lohnerhöhungen auf sämtliche Beschäftigte um, die in diesem Zeitraum in irgendeiner Form
von Tarifverhandlungen berührt wurden - unter Einschluß also auch der
Arbeiter und Angestellten, deren Löhne unverändert gleichgeblieben
sind -, so errechnet sich für die beiden Jahre ein Durchschnitt von
7 Cent.
Verflachungstendenzen auch bei stufenweisen Lohnerhöhungen
Auch die Lohnveränderungen, die auf Grund älterer Tarifverträge
wirksam wurden - Erhöhungen in Anpassung an den steigenden Lebenshaltungskostenindex auf Grund einer Lohngleitklausel und inzwischen
in Kraft getretene stufenweise Lohnerhöhungen -, sind geringer ausgefallen. Soweit Arbeiter und Angestellte tatsächliche Lohnaufbesserungen erhielten, bewegten sie sich in den Jahren von 1956 bis 1958
zwischen 11 und 15 Cent die Stunde, von 1959 bis 1962 zwischen 8 und
9 l/4 Cent.
Dieser Verflachungstrend war in den Fertigungsindustrien ausgeprägter als in der übrigen Wirtschaft. Langfristige Tarifverträge,
die Lohnverhandlungen in manchen Industriezweigen nur alle zwei oder
drei Jahre zulassen, und die unterschiedliche Höhe der ausgehandelten Lohnaufschläge in den einzelnen Jahren beeinflussen diese Entwicklung.
Ähnliche Entwicklung im Baugewerbe
Parallel zur Entwicklung in der übrigen Wirtschaft verlief die
Lohnentwicklung im Bau- und Bauhilfsgewerbe. Während die Erhöhungen
in der Zeit vor 1954 zwischen J und 10 Prozent schwankten, beliefen
sie sich 1954 und 1955 auf durchschnittlich 3,5 Prozent, stiegen dann
in der Zeit von 1956 bis 1959 vorübergehend auf 4&gt;5 bis 4,9 Prozent
an, um in den folgenden Jahren auf 4 Prozent und darunter abzusinken.
Weiterer Ausbau der Lohnnebenleistungen
Neben reinen Lohnerhöhungen konnten die Arbeitnehmer auch wesentliche Verbesserungen der Lohnnebenleistungen aushandeln. Die ohnehin
sehr ausgeprägte Tendenz der Gewerkschaften, bei TarifVerhandlungen
auf Verbesserungen der Lohnnebenleistungen zu dringen, findet in der
Tatsache ihren Niederschlag, daß eine oder mehrere derartige Verbesserungen in den Jahren 1954 und 1955 in rund zwei Dritteln und I962 in
fast drei Vierteln aller Verträge vereinbart worden sind.
Was die Zahl und den Prozentsatz der von derartigen Regelungen
betroffenen Produktionsarbeiter angeht, ergibt sich ein etwas anderes
-

11

-

�Was die Zahl und den Prozentsatz der von derartigen Regelungen
betroffenen Produktionsarbeiter angeht, ergibt sich ein etwas anderes
Bild. Der Prozentsatz der betroffenen Arbeitnehmer weist größere
Schwankungen auf als der Prozentanteil der Tarifverträge mit Verbesserungen der Lohnnebenloistungen. Der eingetretene anteilmäßige Rückgang
für 1962 erklärt sich aus der Tatsache, daß Lohnvereinbarungen für
rund 4ÖO 000 nicht im Fahrdienst beschäftigte Eisenbahner und über
300 000 Telephonarbeiter getroffen wurden, bei denen Lohnnebenleistungen nicht Verhandlungsgegenstand waren.
Bei den Verbesserungen dieser Leistungen stand fast in jedem
Jahr der Ausbau der Krankenversicherungs- und Pensionskassen im
Vordergrund. Mindestens ein Drittel aller abgeschlossenen Tarifverträge enthielt diesbezügliche Bestimmungen; i960 waren es sogar 50 Prozent. Eine günstigere Pensionsregelung brachten 1957
etwa ein Sechstel der Tarifverträge und 1962 etwa ein Drittel.
Mehr Urlaub wurde, von 1954 abgesehen, jeweils in mindestens einem Viertel aller Tarifverträge vereinbart.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

AFL-CIO für Schaffung eines Bundesamtes für Automation
Die von den beiden Häusern des Kongresses kürzlich in einer
gemeinsames Resolution geforderte Schaffung eines Bundesamtes für
/ Fragen der Automation wird von den amerikanischen Gewerkschaften
voll unterstützt. Dies erklärte der Abteilungsdirektor der AFL-CIO
für Gesetzesangelegenheiten, Andrew J. Biemiller, vor dem Unter'&lt; ausschuß des Senats für Beschäftigungs- und Arbeitsfragen, der
gegenwärtig "hearings" über die Zweckmäßigkeit einer solchen Einrichtung durchführt.
Biemiller betonte, der Bundeskongreß der AFL-CIO habe in Anbetracht der Tatsache, daß sich "im amerikanischen Leben gegenwärtig
eine neue und revolutionäre Entwicklung" vollziehe, vor kurzem bereits eine ähnliche Resolution angenommen. "Inzwischen sollte es allen vollkommen klargeworden sein, daß es sich bei den derzeitigen
technologischen Veränderungen nicht lediglich um eine Fortsetzung
des Mechanisierungsprozesses handelt, der seit jenen Tagen andauert, in denen die ersten Maschinen die Muskelkraft zu ersetzen begannen..., sondern um eine völlig neue Entwicklung."
Der gegenwärtigen technologischen Revolution dürfe man keinen
freien Lauf lassen, da sie sonst die gleichen "sozialen Verwüstungen"
anrichten werde wie die erste industrielle Revolution. Ein Bundesamt
für Fragen der Automation könne nach Ansicht der Gewerkschaften wesentlich dazu beitragen, die möglichen Folgen abzuwenden, indem es
; sämtliche wichtigen diesbezüglichen Daten und Unterlagen sammle
und auswerte, als "technologische Clearingstelle" fungiere, ein
"Frühwarnsystem" für bevorstehende Veränderungen entwickle und
; Vorschläge zu den zu treffenden wirtschaftspolitischen und öffentlichen Maßnahmen mache, damit die Automation mit den Zielen des

1o

�die Bundesregierung, "Wirtschaftsbedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten", die eine "maximale Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft" gewährleisten).
Die wichtigste Aufgabe des vorgeschlagenen Bundesamtes für Automation könnte nach Ansicht Biemillers darin bestehen, "Pionierarbeit in der Meisterung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aspekte der Automation zu leisten". In diesem Sinne habe auch
Präsident Kennedy die Aufgaben und Tätigkeiten des vorgeschlagenen
Amtes für Automation verstanden wissen wollen, und Bemühungen in dieser Richtung würden der Arbeit dieses Amtes vor allem anderen Bedeutung verleihen.
Der amerikanische Kongreß hat in den vergangenen Wochen zahlreiche "hearings" in den verschiedenen Ausschüssen durchgeführt, um
die zahlreichen Vorschläge zu überprüfen, die für die Behandlung der
Probleme der Automation eingereicht worden sind. Eine endgültige Entscheidung in dieser Frage ist aber erst dann zu erwarten, wenn diese
Ausschüsse ihre Befragungen abgeschlossen, das Informationsmaterial
ausgewertet und ihre Vorschläge formuliert haben.

(Quelle» Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XYII

-

3

Bad Godesberg, den 1. März 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der
Arbeitslosen in den USA (i)
Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten»
Lohnpolitischer Rundblick

Robert L. Stein, Mitarbeiter des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im
US-Arbeitsministeriums
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen
in den USA (i)
Im April 1962 wurde in den Vereinigten Staaten eine detaillierte Untersuchung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeitslosen durchgeführt. Zur Klärung strittiger Fragen
zu Art und Auswirkung der Arbeitslosigkeit in den USA steht damit
nunmehr erstmals statistisches Beweismaterial zur Verfügung. Zwar
läßt es immer noch weit voneinander abweichende Deutungen zu,
trotzdem dürften die in diesem Bericht zusammengetragenen neuen
Fakten extreme Stellungnahmen erschweren. Arbeitslose sind eine
sehr heterogene Arbeitnehmergruppe, in der sich hinsichtlich der
Finanzkraft, der Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit, der Teilnahme
am Erwerbsleben, der beruflichen Qualifikationen und der Aussichten auf eine zukünftige Dauerstellung des einzelnen starke Unterschiede ergeben. Es handelt sich bei ihnen im allgemeinen nicht um
Menschen, die für ihre Schwierigkeiten persönlich verantwortlich
gemacht werden können, passende Arbeitsangebote ausschlagen, mehr
oder weniger freiwillig arbeitslos sind und sich nur nebenbei für
Gelegenheitsarbeiten interessieren.
Dieser

�Dieser allgemeinen Schlußfolgerung liegt eine Untersuchung des USAmtes für Arbeitsstatistik über die Lage der schätzungsweise 9,6
Millionen Personen im Alter von 18 und mehr Jahren, die 1961 insgesamt mindestens 5 volle Wochen arbeitslos waren, zugrunde^. Sie umfaßte alle amerikanischen Bundesstaaten und erbrachte neben Daten,
die aus den regulären Monatsstatistiken über die Beschäftigungslage
nicht so ohne weiteres zu erschließen sind, auch Angaben zur Arbeitsvorgeschichte der einzelnen Arbeitslosen während der fünf Jahre zwischen 1957 und 1961 .
Fast 70 Prozent der 9,6 Millionen Arbeitslosen waren Männer die meisten im besten Berufsalter von 20 bis 64 Jahren (vgl. Tabelle 1 ) . Bei drei Fünfteln der Arbeitslosen handelte es sich um Familienoberhäupter, bei einem Fünftel um Farbige. Ein Viertel der Betroffenen war 1961 über 6 Monate lang arbeitslos. Nur 33 Prozent der
Arbeitslosen - gegenüber mehr als 50 Prozent aller Zivilbeschäftigten
waren Mittelschulabsolventen.
Arbeitsvorgeschichte
Teilnahme am Erwerbsleben; Im April 1962 waren 67 Prozent der
9,6 Millionen Erwerbspersonen, die 1961 fünf Wochen oder länger arbeitslos waren, wieder beschäftigt, während sich weitere 26 Prozent
auf Arbeitsuche befanden. Nur 7 Prozent waren aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden. Die nachfolgende Aufstellung läß:t erkennen, daß der
Prozentsatz derjenigen, die nicht mehr arbeiteten bzw. nach Arbeit
suchtBjn,, bei Frauen höher lag als bei Männern - nämlich 15 Prozent
gegenüber 3 Prozent.
Beschäftigungsstand im April 1962

Arbeitskräfte des -.zivilen Sektors
Beschäftigt
Arbeitslos
Aus dem Erwerbsleben ausgeschieden
Insgesamt
Zahl", der Arbeitnehmer (in Millionen,

P r o z e n t s a t z der
Ar beitnehmer
Gesamt Männer Frauen
93,2
97,1
84,7
66,9
71,0
58,2
26,3
26,1
26,5
6,8
15,3
2,9
100,0
106,0
100,0
6,606
3,011
9,617

Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

* Berücksichtigt wurden arbeitsfähige Personen mit 5 oder mehr
Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961 , die im April 1962 achtzehn Jahre oder älter waren, sich nicht in Schulausbildung befanden
und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben. In einer Repräsentativbefragung wurden rund 3000 Interviews ausschließlich mit
solchen Arbeitnehmern durchgeführt, die persönlich von Arbeitslosigkeit betroffen waren.
Tabelle 1

�Tabelle 1
Prozentmäßige Aufgliederung der Arbeitnehmer mit 5 und
mehr Wochen Arbeitslosigkeit im Jahr 1961*, nach
Altersgruppen, Geschlecht, Hautfarbe und Arbeitslosigkeitsdauer aufgeschlüsselt
(Stand/April 1962)

Gesamtzahl (in Millionen)

9,617

Prozent

100,0
Altersgruppe und Geschlecht

Männer

.

68,7

18 und 19 Jahre

4,2

20 bis 24 Jahre

10,7

25 bis 34 Jahre

16,0

35 bis 44 Jahre

14,9

45 bis 54 Jahre

12,6

55 bis 64 Jahre

7,7

65 Jahre und älter

2,6

Frauen

31»3

18 und 19 Jahre

3,0

2o bis 24 Jahre

4,9

25 bis 34 Jahre

6,2

35 bis 44 Jahre

7,1

45 bis 54 Jahre

5,9

55 bis 64 Jahre

3,6

65 Jahre und älter

0,6

Hautfarbe
Weiße

79,8

Farbige

20,2
Dauer der Arbeitslosigkeit 1961

5 bis 26 Wochen

76,4

27 Wochen oder mehr

23,6

* berücksichtigt wurden Personen, die im April 1962 achtzehn Jahre
oder älter und arbeitsfähig waren, sich nicht in Schulausbildung
befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben.
*: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

�Selbst bei Männern der Altersgruppen von 45 Jahren und älter
mit mehr als 6 Monaten Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961 waren
nur 6 Prozent zum Zeitpunkt der Untersuchung (April 1962) aus dem
Erwerbsleben ausgeschieden.
Von den 65O 000 aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen Arbeitnehmern gaben 50 Prozent an, sie wollten wieder auf Arbeitsuche gehen, und zwar die meisten innerhalb eines Monats nach dem Befragungsdatum. Bei 36 Prozent bestand - meist aus familiären oder gesundheitlichen Gründen - nicht die Absicht hierzu. Der Prozentsatz
derjenigen, die sich nicht mehr nach einer Beschäftigung umsehen
wollten, weil es ihrer Ansicht nach keine Arbeit für sie gab, betrug
lediglich 3 Prozent der im April 1962 nicht mehr im Erwerbsleben
stehenden Personen und bildete nur einen unbedeutenden Bruchteil
(0,2 Prozent) der Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit ein- oder mehrmonatiger Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1 961 .
Um entscheiden zu können, ob der jeweils befragte Arbeitnehmer
regelmäßig oder nur gelegentlich zur Erwerbsbevölkerung* zu zählen
sei, wurden Angaben über seine Arbeitsvorgeschichte in den fünf
Jahren von 1957 bis 19&amp;1 erbeten. Die gewonnenen Daten lassen erkennen, daß die Gruppe der Arbeitslosen im allgemeinen sehr intensiv am Erwerbsleben beteiligt war. Fast 80 Prozent waren 19&amp;1 das
ganze Jahr über (d.h. 50 bis 52 Wochen) beschäftigt oder auf Arbeitsuche gewesen (vgl. Tabelle 2). Während der gesamten Fünfjahresperio
de hatten fast 50 Prozent der Befragten jedes Jahr das ganze Jahr
über zur Erwerbsbevölkerung gezählt. Diese Zahlen sind jedoch nur
Näherungswerte, da sich viele Befragte nur noch ungenau an Einzelheiten ihrer Beschäftigung und Arbeitslosigkeit während dieses Zeitraumes erinnern konnten, im besonderen diejenigen, die unregelmäßig
beschäftigt waren und immer wieder aus dem Erwerbsleben ausgeschiede
sind. Ferner waren einige Arbeitslose 1961 noch zu jung, um während
des untersuchten Zeitraumes in einem Arbeitsverhältnis gestanden zu
haben; 23 Prozent waren jünger als 25 Jahre, 8 Prozent jünger als
20 Jahre.
Rund 55 Prozent der Männer zählten jedes Jahr das ganze Jahr
über zur Erwerbsbevölkerung, während dies nur bei 28 Prozent der
Frauen der Fall war. Umgekehrt waren nur 21 Prozent der Männer, gegenüber 42 Prozent der Frauen,während eines oder mehrerer Jahre der
berücksichtigten Fünfjahresperiode vollständig aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden. Gesonderte Daten über Männer, die im April 1962 im
Alter von 45 oder mehr Jahren standen (2,2 Millionen der 9»6 Millionen untersuchten Arbeitnehmer) und dementsprechend im Januar 1957
mindestens 39 Jahre alt waren, zeigen, daß zwei Drittel von ihnen
jedes Jahr das ganze Jahr über der Erwerbsbevölkerung angehörten.
Nur 8 Prozent waren ein ganzes Jahr oder länger vollkommen aus dem
Erwerbsleben ausgeschieden.
* Gesamtzahl der Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden
Tabelle 2

�Tabelle 2
Zugehörigkeit zur Erwerbsbevölkerung zwischen 1957
und 1961 von Erwerbspersonen mit 5 und mehr Wochen
Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961*, nach Geschlecht
und Beschäftigungsdauer 1 961

[
'
\
1
j

Dauer der Arbeitslosi gkeit 1961

Zugehörigkeit
zur Erwerbsbevölkerung

Insgesamt

Männer

Gesamtzahl
(in Millionen)

9,617

6,606

3,011

7,345

2,272

Prozent

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

77,9

84,0

64,2

74,4

89,8

60,4

68,9

41,2

58,3

67,5

46,9

55,3

28,1

46,0

50,2

8,9

9,8

6,9

8,1

11 ,6

4,6

3,8

6,2

4,2

Das ganze Jahr Arbeitnehmer, 1961**
Jedes Jahr Arbeitnehmer, 1957-60
das ganze Jahr über
in jedem Jahr

Frauen

5-26
?/ochen

2"Ji u • mehr
lochen

)

(
'

/

das ganze Jahn-über
in drei Jahren
das ganze Jahr über
in zwei* oder weniger Jahreh

5,7
/

Aus dem Erwerbsleben
1 Jahr lang ausgeschieden, 1957-6o

5,8

5,0

7,6

5,6

6,7

Aus dem Erwerbsleben
2 Jahre oder länger
ausgeschieden,
1957-60

11,7

1o,1

15,3

10,5

15,7

22,1

16,0

35,8

25,6

10,2

12,0

9,9

16,6

13,6

6,5

Ein Teil des Jahres
Arbeitnehmer, 1961
Jedes Jahr Arbeitnehmer, 1957-6o

{
i
l

Aus dem Erwerbsleben
1 Jahr lang ausgeschieden, 1957-60

2,2

1,6

3,6

2,5

1,3

K

Aus dem Erwerbsleben
2 Jahre oder länger
ausgeschieden,
1957-6o

7,9

4,4

15,7

9,5

2,4

I

i
* siehe Tabelle 1, Anmerkung *
)
** "das ganze Jahr" entspricht 50 bis 52 '.Yochen
Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.
R

"

5

"

Zu

�Zu "beachten ist, daß die vorliegende Untersuchung nur den zivilen Beschäftigungssektor berücksichtigt) Militärdienstzeiten wurden unter der Kategorie "aus dem Erwerbsleben ausgeschieden" registriert. Bei älteren Männern war Krankheit oder Invalidität wahrscheinlich ein wichtigerer Faktor für ihr Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. In Institutionen oder im Ausland verbrachte Zeiten
wurden ebenfalls unter der Kategorie "aus dem Erwerbsleben ausgeschieden" registriert.
Frühere Arbeitslosigkeit: Arbeitslosigkeit war für die meisten
Befragten offensichtlich nichts Neues. Kur rund ein Drittel gab für
die Zeit zwischen 1957 und 1960 keine Arbeitslosigkeit an. Dagegen
hatte über ein Fünftel der befragten Arbeitnehmer in jedem Jahr Arbeitslosigkeit erlebt. Für nahezu die Hälfte aller Arbeitnehmer hatte
es darüber hinaus Arbeitslosigkeit in der Kehrzahl der untersuchten
Jahre gegeben (mit berücksichtigt sind alle, die einen Teil jeden
Jahres ohne Arbeit waren). Zum Teil wegen ihres stärkeren Anteils
an der Erwerbsbevölkerung wurden Männer mehr von Arbeitslosigkeit
betroffen als Frauen. Die folgende Aufstellung zeigt, daß 25 Prozent
der Männer, gegenüber nur 15 Prozent der Frauen, Arbeitslosigkeit
für jedes Jahr angaben:

Prozentsatz der Erwerbspersonen
mit Arbeitslosigkeit
angegebener Häufigkeit
zwischen 1957 und 1 960
Gesam

Männer

Frauen

31 ,0

39,9

Ohne Arbeitslosigkeit
In nur 1 Jahr arbeitslos
In 2 Jahren arbeitslos
In 3 Jahren arbeitslos
In jedem Jahr arbeitslos

21 ,0
15 ,8
10 ,5
21 . "

27,1
19,9
16,8
11,5
24,7

23,4
13,6
8,0
15,0

Insgesamt

100 , 0

100,0

100,0

9,^17

6,606

3,011

Zahl der Arbeitnehmer (in Millionen/

Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.
Arbeitnehmer mit langen Arbeitslosigkeitsperioden im Jahr 1961
hatten in den vorhergehenden Jahren etwas mehr Arbeitslosigkeit aufzuweisen; zudem waren sie, im Vergleich mit den übrigen Arbeitnehmern,
im April 1962 mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit betroffen: Nahezu die Hälfte der Personen mit 6 Monaten Arbeitslosigkeit im Jahr 1961 war
auch im April 1962 arbeitslos.
Rund 3,2 Millionen der 9,6 Millionen Arbeitslosen des Jahres 1961
waren auch im April 1962 ohne Beschäftigung; 30 Prozent von ihnen befanden sich auf Arbeitsuche, und nur 20 Prozent - zumeist Frauen hatten jede Arbeitsuche aufgegeben.
Tabelle 3

- 6 -

�Tabelle 5
Gründe für das Ausscheiden aus dem letzten Arbeitsverhältnis
nach Angaben von Erwerbspersonen, die 1 961 für 5 Wochen oder
länger arbeitslos und im April 1962 ebenfalls arbeitslos oder
vorübergehend entlassen waren*, nach Geschlecht und Arbeitslosigkeitsdauer 1 961

\

„,..
Manner
Gründe

ns gesamt

Frauen
18 bis
44 Jahre alt

45 Jahre
und
älter
0,861

\ Zahl d e r P e r s o [ nen ( i n M i l l . )

3,175

1,058

\ Prozent

1

10O,O_

Wirtschaftliche
Gründe

l
I

.100-0

1,256
1

5 bis
26 Wochen

27 und
mehr
Wochen

2,o23

1,152

2 2 * ° , =122i2=-

=

1Q2A9-

72,6

78,3

80,5

62,8

71,3

74,9

zu geringer,
fehlender Arbeitsanfall
saisonbedingte

22,4

27,8

21,9

18,4

24,6

18,7

A r b e i t zu Ende

24,0

26,4

3o,1

17,9

23,4

24,9

sonstige
Sachen

26,3

24,2

28,4

26,5

23,3

31,3

27,4

21,7

19,5

37,2

28,7

25,1

Ur-

Kichtwirtschaftl i c h e Gründe

[
,
J

°°l2-

Dauer
. .der
. .Arbeits,1961
. r.c.
losigkeit

Gesundheit
sonstige Ursechen

9,4

3,6

7,5

15,4

9,9

8,6

17,9

18,1

12,0

21,8

18,8

16,5

/

/ * siehe Tabelle 1, Anm.*
pi.; Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
i
zu 100.
Von

- 7-

�!

Von den 3,2 Killionen Arbeitnehmern, die im April 1962 arbeitslos waren, nannten 73 Prozent zu geringen oder fehlenden Arbeitsanfall oder das Auslaufen eines Arbeitsauftrages als Hauptgründe für
ihr Ausscheiden aus dem letzten Arbeitsverhältnis (vgl. Tabelle 3 ) .
Anteilmäßig wirkten sich diese wirtschaftlichen Bedingungen mehr
auf den Beschäftigungsstand der Männer aus als auf den der Frauen
(80 Prozent gegenüber 63 Prozent).
Berufserfahrung; Die 9,6 Millionen Erwerbspersonen der vorliegenden Untersuchung wechselten verhältnismäßig häufig in andere Berufsgruppen und Wirtschaftszweige über. Ein Vergleich zwischen ihrem
ersten und ihrem letzten Arbeitsplatz (d.h. dem Arbeitsplatz zur Zeit
der Befragung) läßt erkennen, daß rund 40 Prozent von ihnen am Ende
der Fünfjahresperiode in einer anderen Hauptberufsgruppe (und 40 Prozent in einem anderen Wirtschaftszweig) tätig waren als zuvor. Etwa
20 Prozent der Arbeitnehmer bezeichneten - nach eigener Definition als beste Arbeit einen anderen als den zuletzt innegehabten Beruf.
Ahnliche Zahlen ergaben sich für die Wirtschaftszweige.
Trotz dieser großen Fluktuation zwischen den einzelnen Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen bestand hinsichtlich des ersten, des
besten und des letzten Arbeitsplatzes eine bemerkenswerte Übereinstimmung (vgl. Tabelle 4)« Bei den meisten Arbeitsplatzwechseln handelte
es sich offenbar nicht um eine Bewegung in eine bestimmte Richtung,
sondern mehrum .ein Sich-Anpassen an die Verhältnisse. Zwischen dem
besten und dem letzten Arbeitsplatz konnte ein leichtes Abgleiten beobachtet werden - eine Bewegung aus Büro-, Facharbeiter- und Faschinenarbeiterberufen in Handarbeiter- und Dienstleistungsberufe. In ähnlicher Weise ließ sich auch eine leichte Tendenz zum überwechseln aus
dem Baugewerbe und der Fertigungsindustrie in den Handel und die Dienstleistungszweige feststellen. Vor allem diese Bewegungen waren wahrscheinlich für den Rückgang des durchschnittlichen Wochenverdienstes
von 76 Dollar am besten Arbeitsplatz auf 68 Dollar am letzten Arbeitsplatz verantwortlich während eines Zeitraumes, in dem das Einkommen
praktisch aller Arbeitnehmerkategorien anstiegt.
Aus der Arbeitsplatzverteilung nach Berufsgruppen wird ein Aspekt
des Arbeitslosenproblems besonders deutlich. Selbst als besten Arbeitsplatz gaben einen Angeatelltenberuf nur 22 Frozent der 9»6 Millionen
Arbeitnehmer an, obwohl zwischen 1957 und 1962 in jedem Jahr 40 Prozent
aller Beschäftigten zu dieser Berufsgruppe zählten. Mehr noch: unter
den 9»6 Millionen Arbeitnehmern unserer Untersuchung nahm zwischen dem
ersten und dem letzten Arbeitsplatz der Anteil der Angestellten nicht
zu, obwohl er im Gesamtbild des Beschäftigungsstarües immer größer wurde.
Reaktion auf Arbeitslosigkeit
Methoden der Arbeitsuche: Wieviel Aktivität ein -Arbeitsloser entfaltet, um neue Arbeit zu finden, wird gelegentlich als Indiz für die
Intensität und den Ernst seiner Stellungsuche gewertet. Alle Befragten
gaben an, mindestens eine der üblichen Methoden angewandt zu haben;
87 Frozent hatten es mit zwei oder mehr Möglichkeiten versucht. Über
75 Prozent aller Arbeitslosen wandten sich an ein staatliches Arbeitsamt und an örtliche Arbeitgeber - die beiden üblichsten Methoden .
Weniger häufig wurden Stellengesuche aufgegeben, Stellenanzeigen beantwortet oder Bewerbungen eingereicht. Freunde, Gewerkschaften oder private Arbeitsvermittlungen wurden selten bemüht.
Tabelle 4
- 8 -

�Tabelle 4
Verteilung nach Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen von
Personen mit 5 oder mehr Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im
Jahr 1961*, nach ausgewählten Berufen, 1957-62
„
„
,
Berufsgruppe und
1 *1
•
Wirtschaftszweig

Erster
., . .
Arbeitsplatz

Bester
,. . .
Arbeitsplatz

Derzeitiger &amp;
, ., , ,
oder letzter
Arbeitsplatz

20,0

21,8

2o,4

2,2

2,9

2,8

2,6
10,2
4,9

3,8
11,9
5,2

3,2
10,9
5,5

60,2

63,7

61,6

15,5
31,7

13,2
33,3

16,7
31,8

13,1

12,2

13,0

14,5

11,5

15,7

3,6
10,9

2,4
9,1

3,4
1o,5

5_j_Q

/],2

Berufsgruppe
Angestelltenberufe
Akadem., techn. u. verwandte Berufe
Manager, ö f f e n t l . Angestellte
und Selbständige (außer Landw.)
Bürokräfte u . a .
Verkaufspersonal
Arbeiterberufe
Facharbeiter, Vorarbeiter u . a .
Maschinisten u . a .
Handarbeiter (außer Landw.
und Bergbau)
Dienstleistungspersonal
Hausangestellte
Sonstige Dienstleistungsberufe
Landarbeiter

5 ,5

Insgesamt

•

100,0

100,0

100,0

55,9

58,5

56,1

6,5
2,5
15,7
55,4

4,2
2,1
16,8
55,1

5»4
2,0
15,5
55,5

44,1

41,7

45,9

•Vir t schaftszweig
Gütererzeugung
Land- und Porstwirtschaft
und Fischerei
Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrie
Dienstleistungen
Verkehr u . öffentl. Versorgungsbetriebe
Handel
Geld, Versicher, u . Immobilien
Dienstleistungsgewerbe
Öffentliche Verwaltung

5,7
18,8

2,4
15,5
1.8

6,5
16,6
2,5
14,2
2,5

5,0
17,6
2,4
16,7
2.1

Insgesamt

100,0

100,0

100,0

Zahl der Personen (in Millionen)

9,617

9,617

9,617

* siehe Tabelle 1, Anm.*
Anm.; Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.
Aussichten

- 9 -

�Aussichten auf eine Wiedereinstellung: Von den 3,2 Millionen
Erwerbspersonen, die zum Zeitpunkt der Untersuchung ohne Beschäftigung waren, erklärtei eine Million, sie erwarte eine Wiedereinstellung auf ihren alten Arbeitsplatz. Die Hälfte der Arbeitnehmer rechnete mit oeiner Rückberufung innerhalb eines Monats, ein weiteres
Drittel innerhalb 1 bis 3 Monaten. 83 Prozent gaben an, dies hänge
von einer gesteigerten Geschäftstätigkeit ab; bei der Hälfte handelte es sich um Saisonarbeiter., die auf ihre jahreszeitlich bedingte
Wiedereinstellung warteten. Die Dauer der Arbeitslosigkeit wirkte
sich offensichtlich nur in geringem Maße auf die Wiedereinstellungschancen aus. Der Prozentsatz der Arbeitnehmer mit mehr als 6 Monaten
Arbeitslosigkeit, die eine 7/iedereinstellung erwarteten (28 Prozent),
lag fast ebenso hoch wie der Prozentsatz der Arbeitnehmer mit kürzeren
Arbeitslosigkeitsperioden (34 Prozent) .
Art der gesuchten Arbeit: Ein sehr hoher Prozentsatz der Arbeitslosen - einschließlich mehr als vier Fünftel der jenigen:-, die mit einer
Wiedereinstellung rechneten - war auf der Suche nach anderer Arbeit in fast allen Fällen nach Ganztagsarbeit. Bei nahezu der Hälfte der
Arbeitnehmer, die sich nicht nach anderer Arbeit umsahen, handelte es
sich um Frauen, von denen die meisten aus dem Erwerbsleben ausgeschieden waren.
Im großen und ganzen wurden von den Arbeitslosen Stellen gesucht,
für die relativ wenig Fachkenntnisse erforderlich sind. Rund zwei Drittel gaben ?ls gesuchte Arbeitsplätze solche der Kategorie angelernte
Maschinisten, angelerntes Bedienungspersonal oder ungelernte Hilfsarbeiter (einschließlich "allgemeine Fabrikarbeit" oder "Arbeit jeder Art")
an. Nur 12 Prozent wünschten Facharbeiterstellungen, während 20 Prozent
Beschäftigung als Angestellte (zumeist in Büroberufen) suchten. Die beiden letzten Zahlen entsprechen ziemlich genau den Prozentsätzen für Arbeitnehmer, deren letzter Arbeitsplatz in eben diesen Berufsgruppen zu
finden war, wie aus folgender Aufstellung hervorgeht:

Beruf

Erwünschter Arbeitsplatz von
arbeitsuchenden
Arbeitslosen,
April 1962

Letzter Arbeitsplatz aller im
April 1962 Arbeitslosen

(in Prozent
Akadem., techn. u. verw. Berufe
Manager, öffentl. Bedienstete u.
Selbständige
Bürokräfte u.a.
Verk^ufspersonal
Hausangestellte
Sonstiges Dienstleistungspersonal
Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.
Maschinenarbeiter u.a.
Handarbeit (außer Bergbau)*
Allgemeine Fabrikarbeit
Arbeit jeder Art
Insgesamt
Zahl der Arbeitnehmer (in Millionen)

2,1

1,4

0,9
13,0
3,7
4,3
10,5
12,3
18,9
11,5
2,6
20,1
100,0
2,869

2,8
1o,9
-4,7
4,4
13,7
13,7
29,5
18,9"

100,0
3,175

* einschließlich eines kleinen Anteils von Landarbeitern
abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
,j_ Die abg
zu 100.
- 10 -

�Obwohl sich diese Daten nur auf Hauptberufsgruppen beziehen,
lassen sie dennoch erkennen, daß zwischen der gesuchten Arbeit
und den Berufserfahrungen und Qualifikationen des einzelnen Arbeitslosen ein vernünftiges Verhältnis bestand. Die Zahlen lassen
ebenso eine leichte Tendenz zu anspruchsloseren Arbeitsplätzen erkennen. Beispielsweise hatten 34»4 Prozent in der Vergangenheit
Stellungen in Angestellten- und Facharbeiterberufen; gesucht wurden solche Arbeitsplätze jedoch nur von 32,0 Prozent. Bei ehemaligen angelernten Maschinenarbeitern schien auch eine Bereitschaft
vorhanden zu sein, sich mit weniger günstigen Möglichkeiten zufriedenzugeben, obwohl diese Tendenz infolge der Ungenauigkeit vieler
Antworten auf die Frage nach der Art der gesuchten Arbeit mehr oder
weniger ungewiß bleibt.
Die Lohnerwartungen der Arbeitslosen bewegten sich in bescheidenem Rahmen. Der Mittelwert lag bei etwas mehr als 60 Dollar pro
Woche, was ungefähr dem Betrag entspricht, der in den letzten Arbeitsplätzen verdient wurde. Arbeitslose, die nicht mit einer Wiedereinstellung rechneten, erwarteten Wochenlöhne von weniger als
60 Dollar; durchschnittlich suchten diejenigen, die mit einer Wiedereinstellung rechneten, Wochenverdienste von 70 Dollar, was etwa
dem Betrag entspricht, der zum Zeitpunkt der Untersuchung von
6,4 Millionen der erfaßten Beschäftigten erreicht wurde, (leicht gekürzt; wird fortgesetzt)

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Dezember 1965, Vol. 86, Nr. 12)
*

•

*

*

•

*

*

William E. Simkin, Direktor des Bundesvermittlungs- und
Öchlichtungsdlienstes der USA?
Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens
Als Regierungsbehörde, in deren Aufgabenbereich die Beilegung
und Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten fällt, hat der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst (Federal Mediation and Conciliation
Service) der USA engen Kontakt mit den Vorgängen und Entwicklungen im
amerikanischen Kollektivverhandlungswesen. An Hand der einlaufenden
Berichte unserer 24O Vermittler, die sich jährlich in mehr als 7000
Arbeitsstreitigkeiten einschalten, ergibt sich, vom günstigen Blickpunkt meines Amtes her gesehen, ein recht genaues Bild der tatsächlichen Leistungen und Mängel im Bereich der Beziehungen zwischen den
Sozialpartnern. Dies berechtigt mich zu der nachdrücklichen Feststellung, daß Gewerkschaften und eine aufgeklärte Gewerkschaftsführung
heute so nötig sind wie eh und je.
Einige

- 11 -

�Einige "Propheten des Untergangs" behaupten das Gegenteil.
Ihrer Ansicht nach lag die Blütezeit der amerikanischen Gewerkschaften in den dreißiger und den beginnenden vierziger Jahren,
der Periode großer gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse. In den
folgenden Jahren seien mit den beträchtlichen Lohnerhöhungen und
Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen auch die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft worden, und nur noch wenig bleibe zu tun.
Im Grunde genommen heißt das nichts anderes, als daß sich die Gewerkschaften eigentlich aus dem Geschäft zurückziehen und die Regelung aller anstehenden Probleme den Betriebsleitungen überlassen
sollten. Zudem wird den Gewerkschaftsführungen Neigung zu Behäbigkeit und - aus Gründen der Sicherung ihrer Positionen - allzu starkes Festhalten am Kollektivverhandlungswesen vorgeworfen.
Es liegt mir fern, die in den vergangenen Jahren erreichten
großartigen Leistungen der Gewerkschaften zu schmälern. Allerdings
wäre es auch nicht ganz ehrlich, behaupten zu wollen, die Gewerkschaftsleitungen unserer Tage seien frei von Fehlern. Mir scheint
das Tarifverhandlungswesen jedoch neue Möglichkeiten zu besitzen,
die zu realistischeren, wenn auch vielleicht weniger spektakulären
Ergebnissen führen könnten als bisher. Auch sollten wir nicht darauf vertrauen, daß die Betriebsleitungen von sich aus die gleichen
Ziele zu erreichen suchen. Vielmehr sind demokratische Verfahrensweisen in Form von vernünftigen und reifen Kollektivverhandlungen
in der Industrie nötiger denn je.
Auf welchen Gebieten liegen\ die Aufgaben der amerikanischen
Gewerkschaftsleitungen?
Noch vor ein paar Jahren stellten Vermittler und Tarifpartner
nahezu einhellig fest, sobald eine Einigung über die allgemeine
Lohnerhöhung erreicht sei, erledige sich alles andere wie von
selbst. So einfach verlaufen heute nur noch die wenigsten wichtigen Verhandlungen.
Selbst Lohnfragen waren in der Nachkriegszeit, als sich die
meisten Lohnerhöhungen in Gestalt höherer Preise auf den Verbraucher
abwälzen ließen, relativ einfach zu lösen. Die Entscheidungen*, die
unter den gegenwärtigen,weit schwierigeren innenpolitischen und
internationalen Gegebenheiten zu treffen sind, drehen sich um die
Frage, wieviel zusätzliche Lohnerhöhungen und Lohnnebenleistungen
vertretbar sind, um Arbeitnehmern einen gerechten Anteil an den
Früchten der Produktion zu sichern, ohne dabei eine Inflation heraufzubeschwören.
Das Ausmaß einer allgemeinen Lohnerhöhung ist nach wie vor von
Bedeutung, aber es steht hinter anderen Fragen zurück. Auch sogenannte Nebenleistungen rechnen in der Industrie zu den Lohnkosten; doch
sind sie für den Arbeitnehmer von größerem Y/ert als ein entsprechende
Barbetrag in seiner Lohntüte. Ein moderner Gewerkschaftsführer muß
die Bedürfnisse der von ihm vertretenen Arbeitnehmer und den relativen Wert der wahlweise gebotenen Vorteile unter Berücksichtigung gemeinsamer nationaler Interessen und Zielsetzungen abwägen.
Er

�Er muß sich zum Beispiel darüber im klaren sein, welche Versicherungspläne für seine Gewerkschaftsmitglieder in Frage kommen
und wie hoch ihre Kosten sind. Er muß prüfen, was sich beispielsweise in Gestalt von Pensionen, Pensionen bei vorzeitigem Ausscheiden, Urlaub, Wochenendurlaub, zusätzlichen Arbeitslosenversicherungsleistungen, Arbeitszeitgarantien und ähnlichem erreichen läßt.
Es genügt nicht, nur die Wünsche der Arbeitnehmer im Auge zu behaltend Ein Gewerkschaftsführer muß darüber hinaus Phantasie und Geschick besitzen, um seine Gewerkschaft auf gangbare Wege zu lenken.
Die raschen Wandlungen auf technischem Gebiet haben eine ganze'
Reihe von neuen Problemen aufgeworfen, und wir stehen mit unseren
Versuchen, Mittel und Wege zu ihrer Lösung ausfindig zu machen,
erst am Anfang. Ein Gewerkschaftsführer muß heute imstande sein,
zwischen jenen Aspekten des technischen Fortschritts zu unterscheiden, die sich durch Kollektivverhandlungen regeln lassen, und jenen,
für die umfassende Regierungsmaßnahmen erforderlich sind.
Häufig müssen bestehende Anciennitätsregelungen den neuen Problemen angepaßt werden, wird doch der Ausgleich zwischen dem Recht
des Arbeitnehmers auf größtmögliche Arbeitsplatzsicherung und den
Erfordernissen einer leistungsfähigen Produktion immer komplizierter.
Vier Jahre hintereinander hielten sich die durch Streiks verursachten Arbeitszeitverluste in den USA auf einem sehr niedrigen
Stand: einem Streiktag standen 700 Arbeitstage gegenüber. Diese
außerordentlich günstige Streikbilanz ist ein Verdienst der amerikanischen Gewerkschaftsleitungen. Las gelegentliche Mißlingen von
Kollektivverhandlungen führt in der Öffentlichkeit zu hysterischen
Reaktionen, die nach dem Stand der Dinge nicht gerechtfertigt sind.
Wo ein Maximum an Freiheit erhalten bleiben soll, sind einige Streiks
(und Aussperrungen) einfach unvermeidlich.
Als einen der wichtigsten Vorzüge bieten Kollektivverhandlungen
die Möglichkeit, Tarifverträge jeweils den besonderen Erfordernissen
anzupassen. Manche Regelung, die sich für einen bestimmten Industriezweig oder ein bestimmtes Unternehmen;, günstig auswirkt, kann anderswo von geringem Nutzen oder ganz wertlos sein. Die Gewerkschaften
und ihre Verhandlungspartner aus der Industrie verfügen über die
notwendige"Sachkenntnis, Phantasie, Erfindungsgabe und Erfahrung,
um zufriedenstellende Lösungen für die mannigfaltigen Gegenwartsund Zukunftsprobleme auszuarbeiten.
Die Gewerkschaften legen dieser Aufgabe gegenüber Tatkraft und
Umsicht an den Tag. Zwar gibt es bei Gewerkschaften und Industrie
noch manche Unzulänglichkeit und manches menschliche Versagen, die
vermieden werden müssen. Dennoch möchte ich behaupten, daß Kollektivverhandlungen heute bessere Ergebnisse zeitigen, als sie die meisten
ihrer Kritiker zustande brächten, würde ihnen die Entscheidungsvollmacht übertragen.
Es ist die Folitik der amerikanischen Regierung.,, ihre Einflußnahme im Bereich der Kollektivverhandlungen fast ausschließlich auf
Vermittlungsdienste zu beschränken. Diese Aufgabe obliegt dem Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst, der für alle Wirtschaftszweige

- 13 -

�Wirtschaftszweige außer Eisenbahnen und Luftfahrtgesellschaften
zuständig ist. Auch von ihm wird die Zukunft Tatkraft, Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit fordern, um den größeren Aufgaben gerecht zu werden.
Über seine Rolle in Verhandlungskrisen hinausgehend, kann
der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst Gewerkschaften und
Arbeitgeber in der Erschließung neuer Methoden einer Zusammenarbeit
zwischen den Sozialpartnern unterstützen, die eine gemeinsame Untersuchung und Regelung anstehender Probleme lange vor Einsetzen der
letzten hektischen Phase unmittelbar vor Ablauf eines Tarifvertrags
ermöglichen.
Immer häufiger geschieht es, daß Verhandlungspartner mit der
Regelung komplizierter Fragen nicht mehr bis zur letzten Stunde
warten. Nur das reifliche und ruhige Durchdenken der Tatsachen und
Kostenfaktoren in einer entspannten Atmosphäre, frei vom Druck
letzter Verhandlungsfristen, führt zu beide Seiten befriedigenden
Lösungen. Zukünftige Kollektivverhandlungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach noch stärker als bisher diese Form ständiger Beratungen und Fühlungnahmen während der gesamten Laufzeit von Tarifverträgen annehmen.
So halten Baugewerkschaften schon seit Jahren mit ihren Tarifpartnern aus der Bauwirtschaft regelmäßig Konferenzen ab, auf denen
nicht nur Arbeitsfragen, sondern auch Fachprobleme erörtert werden.
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschüsse dieser Art stecken noch in den
Kinderschuhen. Sie werden von den Gewerkschaftsleitungen gefördert.
In einigen besonderen Fällen wurden auf diesem Gebiet bereits wichtige Ergebnisse erzielt. Eine Reihe von Ausschüssen befinden sich
mitten in ihrer Planung, andere stehen vor ihrer Gründung. Und die
Zeichen dieser neuen Reife im Verhandlungswesen sind nicht nur in
der Stahl-, Automobil-, Elektrogeräte-, Luft- und Raumfahrtindustrie
und Seeschiffahrt zu finden, sondern auch in zahlreichen kleineren
Betrieben und Konzernen überall in den Vereinigten Staaten»
Ein ermutigender Aspekt des Kollektivverhandlungswesens, der bei
den beharrlichen Kritikern der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen
niemals Erwähnung findet, ist die beträchtliche Zunahme freiwilliger
Schlichtungsverfahren in Meinungsverschiedenheiten zwischen den Sozialpartnern. Der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst zählt zu
seinen Mitarbeitern eine Reihe qualifizierter Schiedsmänner, deren
Dienste von den streitenden Parteien angefordert werden können und
immer häufiger angefordert werden.

(Quelle: Eigenbericht)

- 14 -

�Sewerka haftliche Kurznachrichten
Lohnpolitischpr Rundhlick
Die durchschnittlichen Stunden- und Wochenlöhne für Industriearbeiter (Bruttolöhne) haben sich auch im November 1963 weiter erhöht und mit 2,49 Dollar bzw. 101,09 Dollar neue Spitzenstände erreicht, wie aus der neuesten Lohnübersicht des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Während die Stundenlöhne gegenüber dem Vormonat um 2 Cent und
Li Vergleich zum November 1962 um 8 Cent anstiegen, beliefen sich
die Zunahmen beim durchschnittlichen Wochenlohn auf 56 Cent bzw.
3,73 Dollar.
Nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern vom Bruttolohn ergab
sich für einen Industriearbeiter mit drei Angehörigen dabei ein Wochenlohn von 88,77 Dollar (plus 46 Cent) und für einen Unverheirateten ein Nettoeinkommen von 80,93 Dollar. In beiden Fällen trat gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ein Anstieg des NettoWochenlohnes um 2,50 Dollar ein.
Da sich die Lebenshaltungskosten im November erneut geringfü- (plus 0,2 Prozent) erhöhten, stieg der Reallohn nicht im gleichen
Umfang an wie der Nettolohn. Im Vergleich zum November 1962 ist nach
Angaben des Arbeitsministeriums ein Kaufkraftanstieg der industriellen V/ochenlöhne um rund 2 Prozent zu verzeichnen.
Die Lage am Arbeitsmarkt war im November 1963 durch einen geringen Rückgang (100 000) der Zahl der Industriearbeiter auf insgesamt
58,3 Ilillionen gekennzeichnet. Im Vergleich zum November 1962 liegt
diese Ziffer um 1,5 Ilillionen höher'. Die stärksten Rückgänge in der
Zahl der Arbeitskräfte verzeichneten das Baugewerbe und die Zweige
der Fertigungsindustrie. Wie das US-Arbeitsministeriura jedoch betont,
sind diese Rückgänge allgemein jahreszeitlich bedingt gewesen.
Der allgemeine Anstieg der Arbeitslöhne in den Vereinigten Staaten dürfte sich auch in diesem Jahr im bisherigen Rahmen fortsetzen.
Legt man die 1964 auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen Tarifverträge wirksam werdenden Lohnerhöhungen als Maßstab an, so werden sich für alle Wirtschaftszweige durchschnittliche Aufbesserungen
um 7»1 Cent, für die Fertigungsindustrie um 6,3 Cent und für die nichtindustriellen Branchen um 9&gt;9 Cent, ergeben. Da jedoch zahlreiche Tarifverträge Lohngleitklauseln enthalten, dürften sich diese Sätze bei einem Anstieg des Lebenshaltungskostenindex noch um einige Cent erhöhen.
Durch die in diesem Jahr wirksam werdenden Verbesserungen auf dem
Gebiet der Lohnnebenleistungen werden außerdem zahlreiche tarifvertraglich erfaßte Arbeitnehmer in den Genuß weiterer materieller Vorteile
kommen. Nach einer Analyse des US-Arbeitsministeriums sind es vor
allem erhöhte oder zusätzliche Versicherungsleistungen, längerer Urlaub und verbesserte Altersrenten, die hier 1964 irc Vordergrund stehen. Wesentlich verbesserte Urlaubspläne sind bereits am 1. Januar in
der Stahl-, der Aluminium- und der Blechbehälterindustrie sowie in
einigen anderen Fertigungszweigen wirksam geworden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der
Arbeitslosen in den USA (il)
Druckereifachschule in Colorado Springs
Die Firma zahlt den Doktorhut
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 1
Seite 9
Seite 10
Seite 12

Robert L. Stein, Mitarbeiter des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im
US-Arbeitsministerium:
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen
in den USA (II)
Einkommen und Lebensstandard
Amtliche Arbeitslosigkeitsstatistiken sind ein Index der in
einer Volkswirtschaft brachliegenden und sofort verfügbaren Arbeitskräfte; ihr Zweck ist es nicht, etwas über finanzielle Härten und
die Not «der Betroffenen auszusagen. Arbeitslosigkeit wirkt sich
auf die wirtschaftliche Gesaratlage des Betroffenen und seiner Familie, je nach der Stellung des Arbeitslosen im Familienverband, der
Dauer seiner Arbeitslosigkeit und seinem Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, sehr unterschiedlich aus. Sie beeinflußt in jedem
Falle das Wohl des Betroffenen und seiner Familie. Im Rahmen der
im April 1962 durchgeführten Untersuchung der wirtschaftlichen
und persönlichen Verhältnisse der Arbeitslosen* wurde versucht,
* Berücksichtigt wurden arbeitsfähige Personen mit 5 oder mehr Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961, die im April 1962 achtzehn Jahre oder älter waren, sich nicht in Schulausbildung befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben. In einer
Repräsentativbefragung wurden rund 3000 Interviews ausschließlich mit solchen Arbeitnehmern durchgeführt, die persönlich von
Arbeitslosigkeit betroffen waren.

- 1-

�die Auswirkungen einer Arbeitslosigkeit auf Einkommen und Lebensstandard zu messen. In den Einzelinterviews wurden Fragen nach
Personal- und Familieneinkommen, Zahl der abhängigen Familienmitglieder und Methoden der Bestreitung des Lebensunterhalts während
der Arbeitslosigkeit gestellt.
Persönliches Einkommen: Bei den 9»6 Millionen Arbeitnehmern
mit fünf- oder mehrwöchiger Arbeitslosigkeit im Jahr 1961 betrug
das durchschnittliche Jahreseinkommen aus allen Einkommensquellen
2300 Dollar und lag damit um 40 Prozent niedriger als das von allen
übrigen Erwerbspersonen* erzielte durchschnittliche Jahreseinkommen
in Höhe von 3700 Dollar. Wäre es möglich gewesen, alle Schüler, Studenten, Jugendlichen unter 18 Jahren und gerade arbeitsunfähigen Personen, die in der vorliegenden Untersuchung der Arbeitslosen nicht
berücksichtigt wurden, auch aus der Zahl der übrigen Erwerbspersonen
auszusondern, läge der letztgenannte Durchschnittswert noch über
3700 Dollar.
Erwartungsgemäß wirkte sich die Dauer der Arbeitslosigkeit sehr
stark auf das persönliche Einkommen aus. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines langfristig Arbeitslosen betrug nur rund 1400 Dollar oder etwas mehr als die Hälfte des Einkommens der Arbeitnehmer
mit nur ein- bis sechsmonatiger Arbeitslosigkeitsdauer (vgl. Tabelle 5 ) .
Arbeitnehmer, die das ganze Jahr über überwiegend einer Ganztagsbeschäftigung nachgegangen waren, erreichten einen Jahresdurchschnitt von 5000 Dollar; demgegenüber konnte nur einer von acht Arbeitslosen ein gleich hohes oder höheres Einkommen nachweisen. Trotzdem ist diese Differenz nur teilweise die unmittelbare Folge von Arbeitslosigkeit; ausschlaggebend ist auch die Tatsache, daß die Arbeitslosen selbst im Falle einer Beschäftigung durchschnittlich weit niedrigere Wochenverdienste hatten als Arbeitnehmer, die ganzjährig beschäftigt waren. An ihrem derzeitigen oder letzten Arbeitsplatz verdienten
die 9»6 Millionen Arbeitslosen rund 7° Dollar pro Woche; der vergleichbare Wochenlohn oder das vergleichbare Wochengehalt betrug bei Arbeitnehmern, die 1961 das Jahr über ganztägig beschäftigt waren, rund
95 Dollar. Diese Diskrepanz ist eine Folge des niedrigeren Bildungsstandes der Arbeitslosen, ihrer stärkeren Konzentration in weniger anspruchsvollen und schlechter bezahlten Berufen und der bei ihnen häufiger anzutreffenden Teilzeitbeschäftigung.
Trotz Arbeitslosigkeit stammten die Einkünfte der Arbeitslosen
zu 80 Prozent aus eigenen Löhnen und Gehältern. Eine weitere wichtige,
wenn auch kleinere Einkommensquelle bildeten die Zahlungen aus der
Arbeitslosenversicherung, die 12 Prozent ausmachten. Die restlichen
8 Prozent kamen aus allen übrigen Quellen zusammengenommen, vor allem
aus gesetzlichen oder tarifvertraglichen Sozial- und Pensionsfonds.
Einkünfte aus Löhnen und Gehältern; Im Jahr 1961 betrugen die
Lohn- und Gehaltseinkünfte der 9»6 Millionen Arbeitslosen im Durchschnitt
rund 1900 Dollar, gegenüber fast 5000 Dollar bei Arbeitnehmern, die das •
Jahr über ganztägig beschäftigt waren. Trotzdem bildeten Löhne und
* d.h. Personen, die im Laufe des Jahres kurz- oder langfristig beschäftigt waren
Tabelle 5
_ 2 -

�Tabelle 5
Einkommen von Erwerbspersonen mit 5- oder mehrwöchiger
Arbeitslosigkeit 1961*, nach Dauer der
Arbeitslosigkeit (in Prozent)

Dauer der Arbeitslosigkeit
Jahreseinkommen

Insgesamt

Insgesamt

27 -und, mehr
Wochen

_122i2

±oqtq

22,4

18,5

36 ,1

21,9

19,4

30 7

19,0

20,0

15, 7

13,4

14,6

9, 2

4000 bis 4999
5000 bis 5999

10,7

12,3

5, ,1

6,4

7,8

1, 8

6000 und mehr

6,1

7,4

1 4

Unter 1000
Dollar
1000 bis 1999
2000 bis 2999
3000 bis 3999

oo1o__

e
*.c Wochen
w L.
5-26

Anzahl der Personen mit
Einkommen (in Millionen)

9,430

7,267

2,163

Durchschnittseinkommen
(in Dollar)

2300

26o7

1443

* berücksichtigt wurden Personen, die im April 1962 achtzehn Jahre
oder älter und arbeitsfähig waren, sich nicht in Schulausbildung
befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben.
Ann.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

_ * _

�und Gehälter auch für Arbeitslose die wichtigste Einkommensquelle;
95 Prozent waren 1961 zumindest zeitweise Empfänger von Arbeitsentgelt, während nur 69 Prozent Einkünfte aus anderen Quellen bezogen. Durchschnittlich lagen die Arbeitseinkünfte dreieinhalbmal
höher als die anderweitigen Einkünfte.
Umgekehrt: Obwohl fast 90 Prozent der langfristig Arbeitslosen
während des Jahres zumindest zeitweise Löhne und Gehälter bezogen,
lagen diese niedriger als der Durchschnittsbetrag aller anderweitigen
Einkünfte- in Höhe von 950 Dollar, der von 75 Prozent der langfristig
Arbeitslosen mit solchen anderweitigen Einkünften erreicht wurde. Insgesamt stammte etwas mehr als die Hälfte der Gesamteinkünfte der
langfristig Arbeitslosen aus Löhnen und Gehältern.
Arbeitslosenversicherung: Die Arbeitslosenversicherung stellte
einen wichtigen, wenn auch nur partiellen Ausgleich der 1961 eingetretenen Lohneinbußen dar. Etwas mehr als die Hälfte (5*5 Millionen)
der Arbeitslosen gab an, Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung
erhalten zu haben. Diejenigen, die keine Arbeitslosenunterstützung
empfingen, hatten sie zumeist - wahrscheinlich weil kein Anspruch
bestand - auch nicht beantragt. Im Durchschnitt betrugen die Leistungen 36 Dollar pro Woche; Arbeitslosenunterstützung wurde durchschnittlich 14 Wochen lang bezogen, was der Hälfte der in den meisten amerikanischen Einzelstaaten gültigen maximalen Zahlungsdauer (unter Ausschluß vorübergehender Verlängerungen, wie sie in den Jahren 1958
und 1961 wirksam wurden) entspricht. Die meisten Arbeitslosen fanden
offensichtlich vor Erlöschen ihres Anspruches auf reguläre und verlängerte UnterstützungsZahlungen eine neue Beschäftigung; ein Fünftel
jedoch nahm die Unterstützung 1961 voll in Anspruch.
Für Arbeitnehmer mit 27 und mehr Wochen Arbeitslosigkeit im
Jahr 1961 spielten die Unterstützungszahlungen eine bedeutende Rolle:
im Durchschnitt lagen sie um 10 Prozent höher als ihre Lohn- und Gehaltseinkünfte. Immerhin hatte einer unter neun langfristig Arbeitslosen 1961 keine Lohn- und Gehaltseinkünfte, gegenüber nur einem
unter 40 Arbeitnehmern mit 5 his 26 Wochen Arbeitslosigkeit.
Einkünfte aus anderen Quellen: Die Einkünfte aus allen übrigen
Quellen zusammengenommen trugen weniger zum Gesamteinkommen der Arbeitslosen bei als die Arbeitslosenunterstützung allein. Der Anteil
der Arbeitslosen mit anderweitigen Einkünften dieser Art bewegte sich
zwischen acht und eineinhalb Prozent: 8 Prozent erhielten eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, 1 1/2 Prozent Zahlungen aus privaten
Pensionsfonds. Rund 4 1/2 Prozent der 9»6 Millionen Arbeitslosen bezogen Einkünfte aus der Sozialversicherung in Höhe von durchschnittlich
knapp 700 Dollar im Jahr - der größte Betrag aus einer einzelnen Einkommensquelle, bei der es sich nicht um Löhne oder Gehälter handelte.
Tatsächlich betrugen alle anderweitigen Einkünfte neben Löhnen und Gehältern im Jahr 1961 durchschnittlich nur etwas mehr als 500 Dollar.
Sie lagen damit nicht nur verhältnismäßig niedrig, bei Berechnung
dieses Durchschnittswertes wurden darüber hinaus nur Arbeitnehmer mit
Einkünften von mindestens einem Dollar berücksichtigt. 30 Prozent
hatten überhaupt keine Einkünfte dieser Art.
Selbst für die langfristig Arbeitslosen stellten Arbeitsentgelt
und Arbeitslosenunterstützung die weitaus wichtigste - Einkommensquellen

- 4 -

�^inkommgnsque11en dar. Zahlungen aus der Sozialversicherung und
der öffentlichen Fürsorge waren für sie jedoch von größerer Bedeutung als für Arbeitnehmer mit kürzeren Arbeitslosigkeitsperioden.
Abhängige Familienmitglieder: Obwohl sich aus der Arbeitslosigkeit eines Haushaltsangehörigen stets Probleme für das Wohl der ganzen Familie ergeben, wird die Situation besonders schwierig, wo ein
Arbeitsloser für Angehörige zu sorgen hat. Bei der Mehrzahl (55 Prozent) der Arbeitslosen handelte es sich um Haushaltsvorstände, die
für andere Personen die finanzielle Verantwortung trugen. V/eitere
25 Prozent waren Personen ohne Familienanhang oder Haushaltsmitglieder, die für ihren Lebensunterhalt selbst aufkamen. In den übrigen
Fällen handelte es sich zumeist um Ehefrauen von Haushaltsvorständen
(17 Prozent); ein sehr kleiner Prozentsatz (nur rund 3 Prozent) waren
Angehörige, die nicht für ihren Lebensunterhalt aufkamen (vgl. Tabelle 6 ) . Etwa drei Fünftel der 1,6 Millionen arbeitslosen verheirateten
Frauen hatten Kinder unter 18 Jahren; in den Schätzzahlen für Arbeitslose mit Angehörigen wurden diese Frauen nicht eingeschlossen, obwohl
die Einkünfte der Mütter einleuchtenderweise auch den Kindern zugute
kamen.
Die Folgen einer Arbeitslosigkeit des Haushaltsvorstandes wurden
in jenen Familien etwas abgemildert, in denen auch andere Familienmitglieder einen Arbeitsplatz innehatten. In einem Drittel der
4,8 Millionen Familien, in denen eine Ehefrau oder ein anderer Verwandter im Alter von mindestens 18 Jahren zum Haushalt zählte, stand
ein anderes Familienmitglied in Arbeit, als das Familienoberhaupt
1961 seine erste Arbeitslosigkeitsperiode erlebte; in den meisten
Fällen war es die Ehefrau. Nur in wenigen Fällen veranlaßte die Arbeitslosigkeit des Familienoberhauptes andere Familienmitglieder zur
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. In 12 Prozent der Familien begab
sich - als unmittelbares Ergebnis der Arbeitslosigkeit des Familienoberhauptes - ein anderes Familienmitglied, gewöhnlich die Ehefrau,
auf Stellensuche oder nahm eine Arbeit auf.
Haush-lts einkommen und Lebensstandard: Im Jahr 1961 betrug das
durchschnittliche Haushaltseinkommen der 8,8 Millionen Arbeitslosen
mit Familie 4400 Dollar. Hinzu kamen 800 000 Arbeitslose ohne Familienanhang mit einem Durchschnittseinkommen von rund 1800 Dollar. Unter den
8,8 Millionen Arbeitslosen mit Familie gab es 5»3 Millionen Familienoberhäupter - fast zu 90 Prozent verheiratete und von ihrer Ehefrau
nicht getrennt lebende Männer. Der größte Teil der folgenden Darlegung befaßt sich mit Familien, deren Oberhaupt arbeitslos war.
Das Durchschnitts-Jahreseinkomnen dieser Haushalte betrug 4100 Dollar, gegenüber 5700 Dollar 'im Durchschnitt aller Haushalte bzw. 6900
Dollar bei Haushalten, deren Vorstand das Jahr über ganztägig beschäftigt war. Zwar sind diese Zahlen auch ein Maß für die Unterschiede im
Lebensstandard zwischen Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen
wurden, und Familien, deren Oberhaupt einer Dauerbeschäftigung nachging;
diese Differenzen sind jedoch nicht allein als Auswirkung einer Arbeitslosigkeit des Haushaltsvorstandes aufzufassen. Wie bereits festgestellt,
lag der Wochenverdienst aller Arbeitslosen (als sie 1961 beschäftigt
waren) um 25 Dollar niedriger als derjenige ganzjährig Beschäftigter.
Setzt man einen ähnlichen Unterschied auch für Haushaltsvorstände voraus,
würde dies - ohne Berücksichtigung der Folgen einer Arbeitslosigkeit -

- 5-

�Tabelle 6
Familienstand von Arbeitnehmern mit 5 oder mehr Wochen
Arbeitslosigkeit im Jahr 1961*, nach Geschlecht und
Dauer der Arbeitslosigkeit 1961; Stand: April 1962
(in Prozent)

Familienstand

Insgesamt

Männer
18-44 45 Jahre
Jahre
und
alt
älter

Dauer der Arbeitslosigkeit 1961
Frauen
5-26
27 und mehr
Wochen
Wochen

Zahl der Arbeitnehmer
(in Millionen)

9,617

3,011

7,345 2,272

Prozent

122i2_ _!92»2_ _loo1o_ _]_oq,q_

_ioo,o_ 100,0

Familienoberhaupt,
mit Ehefrau**
Familienoberhaupt,
sonstiger Familienstand
Ehefrauen

4,404

2,202

48,8

66,3

80,5

6,3
16,8

1,9

3,7

Andere Verwandte
19,5
für eigenen Lebensunterhalt aufkommend
16,7
nicht für eigenen
Lebensunterhalt
aufkommend
2,8
Arbeitnehmer ohne
Anhang
8,5

26,5

4,6

22,9

4,3

3,6
5,3

0,4
11,2

14,8
53,8

51,0

41,8

5,9

7,8

17.3

15,2

18.4

23,1

20,3
15,8

19,7

2,6

3,4

16,8

3,5
11,1

7,4

12,1

* siehe Tabelle 5, Anm.*
** einschließlich der Haushaltsvorstände von Unterhaushalten
Anm^Lüt abgerundeten Prozentmgaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.

- 6-

�Arbeitslosigkeit - eine Jahresdifferenz von 1300 Dollar bedeuten.
Setzt man ferner voraus, daß der V/ochenverdienst von arbeitslosen
Haushaltsvorständen mit 75-80 Dollar etwas höher lag als der wöchentliche Durchschnittsverdienst aller Arbeitslosen, dann können bei Zugrundelegung einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 15-16 Wochen die durch sie verursachten Einbußen an potentiellem Einkommen
mit durchschnittlich 1100 bis 1300 Dollar veranschlagt werden. Rund
zwei Fünftel dieser Einbußen wurden für 3 »4 Millionen Familienoberhäupter durch Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung ausgeglichen.
Trotz dieser Verdienstausfälle stellten die Lohneinkünfte des
Haushaltsvorstandes den wichtigsten Bestandteil des Haushaltseinkommens dar. Im Jahr 1961 machten die Lohneinkünfte des Familienoberhaupts (2700 Dollar) nahezu drei Fünftel des Gesamteinkommens der
5,3 Millionen betroffenen Familien aus. Zugleich bildeten jedoch
seine sonstigen Einkünfte, hauptsächlich aus der Arbeitslosenversicherung, zusammen mit dem Verdienst anderer Familienangehöriger mit zwei
Fünfteln einen wichtigen Beitrag zum Haushaltseinkommen.
Da die Erwerbsfähigkeit des Familienoberhaupts diejenige anderer
Familienmitglieder zu übertreffen pflegt, wirkt sich dessen Arbeitslosigkeit auf die Zahlungsfähigkeit seiner Familie abträglicher aus
als die Arbeitslosigkeit eines anderen Familienmitglieds. In den 3»5
Millionen Familien, in denen die Ehefrau oder ein anderer Verwandter
arbeitslos war, lag das Haushaltseinkommen im Durchschnitt um 800 Dollar
höher als in den 5»3 Millionen Familien, deren Oberhaupt arbeitslos war.
Offensichtlich arbeitete in vielen Familien das Oberhaupt auch dann
weiter und bezog sein reguläres Einkommen, wenn sich andere Familienmitglieder auf Stellensuche befanden, sonst könnte das persönliche
Einkommen von arbeitslosen Ehefrauen und Verwandten im Durchschnitt
nicht lediglich knapp ein Drittel des Gesamthaushaltseinkommens ausmachen. Allerdings war dieser niedrige Anteil zum Teil auch das Ergebnis ihrer Arbeitslosigkeit.
In etwa einem Viertel der 3*5 Millionen Familien, in denen die
Ehefrau oder ein anderer Verwandter arbeitslos war, steuerten dagegen
gerade diese Familienmitglieder immer noch mehr als die Hälfte zu den
Gesamteinkünften aus Löhnen und Gehältern bei. Ihre während der Arbeitslosigkeit erlittenen Einkommensverluste wirkten sich auf die Finanzkraft der Familie selbstverständlich recht ungünstig aus.
Zahl der Fafliilienangehörigen:,tfaMfrJGesfmteinkommen aller Haushalte,
deren Vorstand arbeitslos war, Ineugefr. schätzungsweise 19 Millionen
Personen (über 10 Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung im
April 1962) bei. Dabei handelte es sich um 5»3 Millionen Familienoberhäupter, 4»7 Millionen Ehefrauen, 8,5 Killionen Kinder unter 18 Jahren
und 0,6 Millionen sonstige Angehörige und andere Personen. Haushalte,
deren Vorstand arbeitslos war, hatten nicht nur um ein Viertel niedrigere Durchschnittseinkünfte als der Durchschnitt aller Hauchalte und um
zwei Fünftel niedrigere Durchschnittseinkünfte als die Haushalte, deren
Vorstand einer Dauerbeschäftigung nachging, sondern standen auch vor der
Notwendigkeit, ihr niedrigeres Einkommen auf eine größere Zahl von Verbrauchern aufzuteilen. Beispielsweise hatten 26 Prozent der Familien,
deren Oberhaupt von Arbeitslosigkeit betroffen wurde, 3 oder mehr Kinder
unter 18 Jahren (eingeschlossen sind 14 Prozent Familien mit 4 und mehr
Tabelle 7

- 7-

�Tabelle 7
Bestreitung der Lebenshaltungskosten in Haushalten,
die von Arbeitslosigkeit betroffen wurden, nach Stellung
des Arbeitslosen* in der Familie und Dauer
der Arbeitslosigkeit 1961
(in Prozent)

Methode

Abheben von Ersparnissen
Durchschn.-Betrag (in Dollar)
Borgen von Geld
Durchsehn.-Betrag (in Dollar)

Insgesamt

Familienstand des
Arbeitslosen
Oberhaupt

Ehefrau Personen
ohne
u.sonst.
Verwandte Anhang

Dauer der Arbeitslosigkeit
5-26
Wochen

27 oder
mehr
Wochen

46,9

51,0

36,9

52,5

49,1

39,9

396

441

261

356

378

22,6

26,9

16,8

12,7

23,7

443
18,8

308

347

288

195

315

281

Umzug in billige
Wohnungen

9,5

11,2

6,6

8,5

8,8

12,0

Verkauf von Eigentum

4,3

4,3

4,7

3,4

4,3

4,5

H i l f e von Freunden
unverwandten a u ß e r halb des Uaru-uhalts 19,1

19,8

15,3

27,5

18,0

22,5

Barzuschüsse öffentl.u.private r
Wohlfahrtseinrichtungen

7,4

7,7

7,2

6,8

5,6

13,2

Sonstige öffentl.
Unterstützung

11,4

13,9

8,0

5,5

9,1

18,7

* siehe Tabelle 5, Anm.*

�mehr Kindern), während von den übrigen Familien 22 Prozent 3 und mehr
Kinder (eingeschlossen sind 11 Prozent Familien mit 4 und mehr Kindern)
besaßen. Anders gefaßt: Während 36 Prozent der von Arbeitslosigkeit
betroffenen Familien keine Kinder im angegebenen Alter hatten, waren
es bei den übrigen Familien 41 Prozent.
In Haushalten mit bis zu fünf Personen stieg das verfügbare Gesamteinkommen mit der Größe der Familie des arbeitslosen Vorstandes
an - eine Folge des Umstands, daß andere Familienmitglieder mitverdienen und das Familienoberhaupt zwischen Ende dreißig und Anfang
vierzig einen Höhepunkt der Erwerbsfähigkeit erreicht. Allerdings
nahm in Familien mit mehr als fünf Personen das Einkommen nur geringfügig zu und das Pro-Kopf-Einkommen stark ab.
Wie die Lebenshaltungskosten bestritten wurden: In sehr vielen
Haushalten reichte das Gesamteinkommen offensichtlich nicht aus, um
den Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Andere Mittel, wie Ersparnisse,
Kredite oder Hilfe von Freunden und Verwandten, mußten einen Ausgleich
schaffen. Auf solche Mittel wurde am ehesten dort zurückgegriffen, wo
das Familienoberhaupt arbeitslos war oder die Arbeitslosigkeit länger als
ein halbes Jahr andauerte.
Fehlende Einkünfte wurden in den meisten Fällen durch Ersparnisse
ausgeglichen. Fast 50 Prozent der Familien hoben Sparbeträge von durchschnittlich 400 Dollar ab (vgl. Tabelle 7)« Nahezu 25 Prozent der Familien borgten Geld, die Hälfte von ihnen 300 Dollar und mehr. Andere
Wege, die Lebenshaltungskosten während einer Arbeitslosigkeit zu bestreiten, schlössen Barzuschüsse und Lebensmittelzuwendungen öffentlicher
und privater Wohlfahrtseinrichtungen und den Umzug in billigere Wohnungen ein. Solche Auswege wurden am ehesten von jenen Familien gesucht,
in denen der Arbeitslose länger als 26 Wochen beschäftigungslos blieb.
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Dezember 1963, Vol. 86, Nr. 12)
* * * * *

Druckereifachschule in Colorado Springs
Der technische Fortschritt hat seine Schattenseiten: Wo Arbeitnehmer nur unzureichend auf neue Produktionsmethoden vorbereitet sind,
bringt er Entlassungen. Auch die amerikanische Buchdruckergewerkschaft
ITU sah dieses Problem auf ihre Mitglieder zukommen. Deshalb gründete
sie bereits 1956 in Indianapolis (Indiana) ihre zentrale Druckereifachschule, die vor zwei Jahren nach Colorado Springs verlegt wurde.
Lehrgänge in moderner Druckereitechnik
Im Druckereiwesen vollzieht sich gegenwärtig ein Übergang von
konventionellen Setzmaschinen und Umbruchmethoden zu modernen Lichtsetzmaschinen und Klebeumbruchverfahren. In Colorado Springs können sich
ITU-1'.iitglieder an neuen Maschinen und in neuen Techniken ausbilden lassen. Einige technische Neuerungen und Erfindungen - z.B. die "ITU Ruling

- 9-

�Ruling Machine", mit der sich komplizierte Linienmatrizen und geometrische Formen in mikrometrischer Präzision herstellen lassen entstanden in der Gewerkschafts-Fachschule, deren Lehrkräfte anerkannte Experten ihres Fachgebietes sind.
Etwa 200 Gewerkschaftsmitglieder werden jährlich in Colorado
Springs ausgebildet. Diese Zahl vervielfacht sich in ihrer Wirkung,
da Absolventen der Fachschule später oft als Lehrer in örtlichen
ITU-Kursen tätig werden. Der Lehrplan ist sehr vielseitig und umfaßt
Kurse in Klebeumbruchtechnik, Layout, Photographie, Phototypie, Teletypie, Druckereielektronik, Druckplatten- und Klischeeherstellung
sowie Offset- und Farbdruck.
Im Mittelpunkt des Phototypie-Lehrganges steht die Ausbildung am
Fotosetter (Licht-Setzmaschine), der den Drucksatz photomechanisch
auf sensibilisiertem Papier oder auf Filmmaterial herstellt. Der Arbeitsablauf ähnelt dem der Zeilensetzmaschine, nur daß an die Stelle
des traditionellen Gießkessels eine Projektionseinrichtung tritt. Zum
Unterrichtspensum gehören auch der Umgang mit belichtetem Filmmaterial,
Korrekturlesen, Zurichten und sonstige Vorbereitungen für den Klebeumbruch.
Vorbild für Druckereifachschulen im Ausland
Die meisten Lehrgänge dauern drei Wochen bei täglich sieben Stunden Unterricht, von neun bis siebzehn Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Auch zweiwöchige Auffrischungskurse für ehemalige Lehrgangsteilnehmer und Fachlehrer an örtlichen ITU-Schulen werden geboten .
Da Datenverarbeitungsanlagen auch im Druckereigewerbe immer größere
Bedeutung gewinnen, bereitet die Anstalt zur Zeit Kurse im Programmieren und in der Computer-Wartung vor.
Besucher aus aller Welt haben sich in den vergangenen Jahren
über die Unterrichtsprogramme und technischen Einrichtungen der ITUFachschule informiert. Zum Teil suchten sie Rat und Anregung für die
Gründung ähnlicher Schulen in ihren eigenen Ländern. Auch mancher
Druckereibesitzer hat sich hier über neue Drucktechniken beraten
lassen oder Mitarbeiter zum Studium neuer Verfahren, die in der eigenen Druckerei angewendet werden sollen, nach Colorado Springs geschickt .
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
Die Firma zahlt den Doktorhut
Als Teilnehmer am betrieblichen Studienförderungsprogramm der bekannten Flugzeugwerke North American Aviation in El Segundo (Kalifornien) bemühen sich gegenwärtig über 5000 Mitarbeiter der Firma in Fernkursen zu Hause, in Abendkursen an Oberschulen und technischen Lehranstalten oder als Vollstudenten an Universitäten und Colleges um ihre
berufliche und allgemeine Weiterbildung. Der Betrieb vergütet den bildungsbeflissenen Mitarbeitern jeweils zwei Drittel der Studiengebühren
und erstattet auch das letzte Drittel, wenn sie den entsprechenden
Lehrgang oder das Studium mit Erfolg abschließen.
FirmenZuschüsse

. 10 -

�Firmenzuschüsse werden frühestens nach einjähriger Betriebszugehörigkeit gewährt und reichen von geringfügigen Beiträgen zu
brieflichen Fernkursen bis zu Summen, die bei Doktoranden in die
Tausende gehen. Zusätzlich zu den Finanzbeihilfen gewährt die Firma
gegebenenfalls Bildungsurlaub bis zu drei Jahren im Falle eines
Hochschulstudiums und ermöglicht Kursteilnehmern Teilzeit- oder
Schichtarbeit.
Das Studienförderungsprogramm geht auf das Jahr 1950 zurück,
als erstmals 133 Betriebsangehörige Studien- und Ausbildungsbeihilfen zugesprochen bekamen, eine Zahl, die sich bis 1963 auf rund
11 500 erhöht hat. Zunächst beschränkte sich das Programm mehr auf
die praktische Ausbildung, doch wurde es schon bald auf das CollegeStudium bis zum akademischen Grad eines Bachelor und 1956 schließlich auf das Universitätsstudium, einschließlich des Magister- und
Doktorexamens, ausgedehnt. Der Erfolg dieser Maßnahme spricht für
sich selbst, haben doch inzwischen 502 Mitarbeiter der North American
Aviation den Bachelor-Grad, 276 den eines Magisters und neun den
Doktortitel erworben.
Die Geschäftsführung hat eine eigene Bildungsabteilung eingerichtet, die die Anträge auf Studienförderung bearbeitet, die vorgeschlagenen Kurse oder Studien begutachtet und die Mittel bewilligt. Generelle Zustimmung besteht für die Ingenieurfächer sowie für Mathematik,
Physik, Elektronik und Betriebswissenschaften.
Nimmt man das Jahr 1954 als Indexjahr, so ist die Beteiligung am
Studienförderungsprogramm heute 441 Prozent, eine Tatsache, die nicht
zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß sich das Tätigkeitsgebiet der
Firma in den letzten Jahren auf den Bau von Raketentriebwerken und
die Reaktorentwicklung ausgedehnt hat. Die Aufwendungen der Firma
stiegen im gleichen Zeitraum von 84 500 Dollar auf 467 000 Dollar.
Die Empfänger der Studienbeihilfe verteilen sich auf eine große
Zahl von Anstalten, die von kommunalen Oberschulen am Arbeitsort bis
zu den besten Universitäten des Landes reichen. Die 150 Werksangehörigen,
die gegenwärtig auf Bildungsurlaub sind, studieren an 27 Colleges und
•Universitäten in 12 verschiedenen Bundesstaaten der USA, darunter so
bekannten Instituten wie der Stanford-Universität, dem California Institute of Technology in Pasadena, der Universität von Illinois in Urbana
und dem Polytechnic Institute in Brooklyn (New xork City).
"Die Förderung strebsamer Mitarbeiter durch Studienbeihilfen hat
uns die Möglichkeit gegeben, nicht nur einen Stamm von hervorragend
c.ualifizierten Fachkräften heranzuziehen, sondern auch das gesamte
Leistungsniveau in unseren Werken anzuheben", erklärte der Leiter
des Stipendien- und Erziehungsprogramms der.Firma, F.G. Rizzardi.
"Für den Mitarbeiter bedeutet erfolgreiche Beteiligung am Bildungsprogramm in der Regel eine Höhereirsbufung im Betrieb und für die
Firma einen Leistungszuwachs." Mr. Rizzardi sieht in dem Programm
eine Bestätigung seiner Überzeugung, daß der Leistungsstand der amerikanischen Industrie nicht zuletzt der Fähigkeit der Männer und Frauen
in den Werkshallen und Büros zu danken ist, sich neuen technischen
Entwicklungen und Ideen unverzüglich anzupassen.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 11 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Schlichtungsbestirnmungen sollen Festliegen von Schiffen verhindern
Das Festliegen von Schiffen sollen künftig die Schlichtungsbestimmungen eines neuen Arbeitsvertrages verhindern, der im Januar
zwischen der Amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union - NMU) und dem Versorgungswerk der Schiffsingenieure (Marine
Engineers Beneficial Association - MEBA) auf der einen Seite und den
Schiffahrtslinien im Ost- und Golfküstenverkehr ausgehandelt worden
ist. Er beendete die Arbeitsstreitigkeiten, die u.a. zu einem viermonatigen Festliegen des Passagierschiffes "America" geführt hatten.
Arbeitsstreitigkeiten, in die Mitglieder der beiden Verbände verwickelt sind, sollen nach der neuen Regelung zwei Schiedsleuten, Theodore W. Kheel von der NMU und Donald Shoughnessy von der MEBA, unterbreitet werden, die zunächst als Vermittler fungieren und gegebenenfalls die Schlichtung betreiben. Sind die beiden Schiedsleute in der
Beurteilung eines Falles unterschiedlicher Auffassung, so sind sie
gehalten, einen dritten Schiedsmann hinzuzuziehen.
Bei dieser Form der Schlichtungsvereinbarung handelt es sich um
eine völlig neue Regelung, die nach Ansicht der Beteiligten geeignet
sein dürfte, bei Arbeitsstreitigkeiten auch in anderen Gewerbezweigen
Streiks zu verhindern.
*
New Yorker Transportarbeiter erhalten 35 Cent pro Stunde mehr
Einen neuen ZweiJahresvertrag mit dem New Yorker Verkehrsamt, der
rückwirkend ab 1. Januar in Kraft tritt, hat die Mitgliedschaft der
Transportarbeitergewerkschaft im Bereich New York ratifiziert. Der
Vertrag sieht eine Lohnerhöhung von insgesamt 35 Cent pro Stunde in
zwei Stufen vor. Hiervon sind 11 Cent ab Jahresbeginn zu zahlen, die
restlichen 24 Cent vom 1. Januar 1965 an.
Eine wesentliche Verbesserung erfuhr auch die Urlaubs- und
Feiertagsregelung. Transportarbeiter erhalten künftig nach fünfjähriger Dienstzeit vier und nach 25jähriger Dienstzeit fünf Yv'ochen bezahlten Urlaub. Es wurde ihnen ferner ein neunter bezahlter Feiertag
im Jahr sowie die Übernahme der Beiträge zur Krankenversicherung nach
der Pensionierung zugestanden.
*
Berufstätige im Alter von 75 Jahren und darüber
Die Zahl der Berufstätigen im Alter von 75 Jahren und darüber
betrug in den Vereinigten Staaten i960 nach Angaben des Statistischen
Bundesamtes der USA insgesamt 468 000. Von 340 000 berufstätigen Männern dieser Altersgruppe war der größte Teil in der Landwirtschaft, in
den akademischen Berufen und im Handwerk beschäftigt, während die
127 000 weiblichen älteren Beschäftigten größtenteils in Berufen tätig
waren, die mit Haushaltsführung und Kinderpflege und -erziehung in
einem engen Zusammenhang stehen.
Bei

12 -

�Bei den Männdern ergibt sich folgende Aufschlüsselung in einzelnen Berufen: Landwirte und -arbeiter rund 148 000, davon 69 000 als
Besitzer oder Pächter und 79 000 als Landarbeiter; Juristen, Anwälte
oder Richter 6000; praktische Ärzte und Chirurgen 46OO; Geistliche
3200; Immobilienhändler und -makler 5000; festangestellte Führungskräfte von Wirtschaftsunternehmen oder Eigentümer 3700; Zimmerleute,
Mechaniker und Gärtner jeweils 6000.

Zunahme der Bauarbeiterlöhne im Jahr 1965 um 3,5 Prozent
Eine Erhöhung der Stundenlöhne der Arbeiter im Bau- und Bauhilfsgewerbe um durchschnittlich 1,9 Cent bewirkte ein Steigen der tarifvertraglich vereinbarten Sätze per 2. Januar 1964 au? einen Durchschnitt von 4»13 Dollar; das sind 3&gt;5 Prozent mehr als per 2. Januar
des Vorjahres, wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik (Bureau of
Labor Statistics) in der soeben veröffentlichten letzten Vierteljahresübersicht 1963 über die Lage in sieben Beruf s'sparten im Bau- und
Bauhilfsgewerbe in 100 Großstädten nachweist.
Am günstigsten schnitten die Elektriker ab, die ihre Durchschnittsstundenlöhne um 3»2 Cent auf 4*60 Dollar aufbessern konnten. Sie waren
gefolgt von den Zimmerleuten mit einer Zunahme um 2,3 Cent auf 4»26
Dollar pro Stunde und den Malern mit einer Steigerung um 2 Cent auf
4,00 Dollar pro Stunde.
Nach Angaben des Bundesamtes für Arbeitsstatistik ist diese Zunahme der Durchschnittslöhne auf die im Laufe des Jahres in Kraft getretenen Erhöhungen der Lohnsätze zurückzuführen, von denen jeder
fünfte Arbeiter auf dem Bausektor profitierte. Im Falle der Elektriker erfolgte eine Anhebung in 24 der 100 Städte, bei den Maurern in 18,
bei den Zimmerleuten in 17 und in anderen Sparten in mindestens 12
Städten.
«

Erster Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß in der US-Bekleidungsindustrie
Als erste Gewerkschaft der amerikanischen Bekleidungsindustrie hat
sich die Gewerkschaft der Beschäftigten in der Damenoberbekleidungsindustrie (international Ladies' Garment Workers Union - ILGWU) zur Bildung eines Gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschusses bereit erklärt, in dem Arbeitsprobleme vor Beginn der üblichen TarifVerhandlungen
- d.h. rechtzeitig vor Ablauf des Tarifvertrages - besprochen werden sol
len. Sie erweitert damit den Kreis zahlreicher bereits bestehender Gremien dieser Art, die als bestes Mittel zur Verhinderung von Streiks
gelten. Beratungspartner der ILGWU ist die Firma Bobbie Brooks, Inc.,
Ausschußvorsitzender David L. Cole, ein bekannter Arbeitsschlichter.
Die Geschichte dieser gemeinsamen Beratungsausschüsse beginnt mit
dem Jahr 1949» &amp; ls sich nach einer Serie heftiger Streiks die amerikanische Bergarbeitergewerkschaft (United Mine Workers of America)
mit ihren Tarifpartnern aus der Bergbauindustrie bereits vor Beginn
von Kollektivverhandlungen zu Besprechungen zusammensetzte. Rund zehn

- 13 -

�zehn Jahre später wurde in der Stahlindustrie nach Beendigung des
1l6tägigen Streiks von 1959 mit der Gründung des Geraeinsamen Ausschusses für zwischenmenschliche Beziehungen (Joint Human Relations
Comraittee) aus Vertretern der Industrie und der Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) ein weiterer wichtiger
Schritt auf diesem Gebiet getan. Im Haushaltjahr 1964» das am
30. Juni endet, sind bisher etwa 300 solche Ausschüsse neu gebildet
worden, gegenüber 213 im Haushaltjähr 19&amp;3 u n d 79 im Jahre davor.
Zwar liegt ihre Gesamtzahl noch immer verhältnismäßig niedrig, trotzdem ist der im vergangenen Jahr verzeichnete Streikrückgang nach Ansicht von Gewerkschaftsführern der APL-CIO wenigstens teilweise auf
die Arbeit dieser Beratungsgremien zurückzuführen. Im Jahr 19^3 wurden kaum mehr als eine Million Beschäftigte von Streiks betroffen;
das sind 16 Prozent weniger als 1962. Damit erreichte diese Ziffer
den niedrigsten Stand der letzten zwei Jahrzehnte.

(Quelle: Eigenbericht)
* * # * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung;. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand
an der amerikanischen Westküste
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten
in den USA (i)
US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt

Seite 1
Seite 10
Seite 13

Bruce Bliven, Dozent für Zeitungswissenschaft an der
Stanford-Universität in Kalifornien»
Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand an der
amerikanischen Westküste*
Drei an der Westküste der Vereinigten Staaten abgeschlossene
Tarifverträge scheinen einen klaren und gangbaren Weg zu einem
freiwilligen Friedensschluß zwischen den Sozialpartnern in der
wichtigsten Einzelfrage, die sie trennt, aufzuzeigen - in der Frage der Automation. Jeder dieser Verträge enthält den Verzicht der
Gewerkschaft auf ihren Widerstand gegen arbeitsparende Neuerungen;
in jedem der Verträge zahlt der Arbeitgeber für diese Konzession
einen hohen Preis einschließlich der langjährigen Garantie, daß
kein Belegschaftsmitglied Härten in Kauf zu nehmen braucht, weil
ihn Maschinen von seinem Arbeitsplatz verdrängten. Prophezeiungen
sind immer etwas gewagt» mit Streiks dürfte jedoch während der
Laufzeit der Verträge kaum zu rechnen sein. Und zu einem Zeitpunkt,
zu dem der US-Kongreß angesichts des ganz Amerika berührenden Konflikts zwischen den Eisenbahngesellschaften und ihrem Personal
erstmals in Friedenszeiten ein Zwangsschlichtungsgesetz erlassen
hat, kommt den neuen,freiwillig geschlossenen Tarifvereinbarungen
besondere Bedeutung zu.

* (c) 1963 by The Reporter Magazine Company
- 1-

�\

Vereinbart wurden diese Neuregelungen zwischen der Unternehmensleitung und den Angestellten der Southern-Pacific-Eisenbahn, den Reedern und Hafenarbeitern an der Pazifikküste und auf Hawaii und der
Kaiser Steel Corporation und der Belegschaft ihres Stahlwerks in Fontana (Kalifornien).
Diese Vereinbarungen tragen die persönliche Handschrift von drei
Männern, die am Dreieckstisch, der für Kollektivverhandlungen immer
kennzeichnender wird, jeweils eine andere Seite repräsentierten. Im
Falle des Eisenbahnerkonflikts war es die überragende Persönlichkeit
Professor J. Keith Manns von der juristischen Fakultät der StanfordUniversität; der Hafenarbeiter-Vertrag ist in erster Linie das Werk
des Gewerkschaftsvorsitzenden Harry Bridges; und der Kaiser-Plan entsprang den Vorstellungen Edgar Kaisers, des Spiritus rector der Stahlwerke und fast aller übrigen von seinem Vater Henry J. Kaiser gegründeten Unternehmen.
Die drei Tarifabkommen wurden an nicht weit voneinander gelegenen
Orten erarbeitet - die beiden ersteren in San Francisco, das letztere
jenseits der Bucht von San Francisco im Kaiser-Hauptquartier in Oakland (Kalifornien). Dies beruht nur teilweise auf Zufall; denn der
Westen der USA scheint nicht so sehr wie der Osten an starre konservative Traditionen gebunden und eher zu kühnen Experimenten bereit zu
sein.
Zwar stimmen die Verträge in wesentlichen Zügen überein; andererseits weisen sie genug Unterschiede auf, die eine gesonderte Darstellung rechtfertigen.
Automation
_
_ ^ _ — ^ und
. ^ Schiedsverfahren
_ ^ ^ _ _ — _ _ —bei
_ _der
_ ^Southern
_ _ ^ _ Pacific
_ — _
Donald J. Russell, der energische 64jährige Präsident der Southern-Pacif ic-Eisenbahn, hat seine Gesellschaft zu einer der reichsten
Amerikas entwickelt. Dabei kam ihm die Tatsache zu Hilfe, daß ihr Strekkennetz von rund 12 900 km Gesamtlänge sieben Weststaaten der USA durchzieht, in "denen es kaum Konkurrenz für sie gibt. Russell ist seit Beendigung seines Studiums an der Stanford-Universität für die Southern
Pacific tätig. Kostensenkende und leistungssteigernde technische Neuerungen, einschließlich der Verwendung von Elektronenrechnern und anderen Geräten zur Reduzierung der Büroarbeiten, sind sein besonderes
Steckenpferd. In den fünf Jahren zwischen 1958 un d 1962 gelang es ihm,
40 Prozent seiner Büroangestellten - ungefähr 4500 Beschäftigte - einzusparen, obwohl die Transportleistung seiner Bahn um 11 Prozent zunahm.

(

Kein Wunder, daß die Gewerkschaft der Angestellten im Transportgewerbe (Brotherhood of Railway and Steamship Clerks, Freight Handlers,
Express and Station Employees) nicht besonders begeistert davon war und
dies auch zun Ausdruck brachte. James E. Weaver, Vorsitzender der Gewerkschaftsgruppe Southern Pacific und einer der härtesten Tarifverhandlungspartner, erhob nachdrücklichen Protest. Unterstützt wurde er
dabei von George M. Harrison, dem Präsidenten seiner Gewerkschaft, einem nicht minder energischen Mann am Verhandlungstisch. Die Klagen wurden so lautstark, daß Präsident Kennedy schließlich einen Sonderuntersuchungsausschuß unter Professor Mann einsetzte. Professor Mann beschäftigt sich fast seit dem Tag, an dem er 1949 sein juristisches Bakkalaureat (LL.B.) an der Universität Indiana ablegte, mit Arbeitsfragen. Während des Koreakrieges war er Vorsitzender des Prüfungs- und Berufungsausschusses (Review and Appeals Committee) des Lohnstabilisierungsamtes (Wage Stabilization Board); später befaßte er sich mit
- 2 -

�mit Arbeitsfragen der Atomenergiekommission (Atoraic Energy Commission),
war 1961 Mitglied der Präsidialkommission zur Regelung des Konflikts
zwischen den amerikanischen Plugingenieuren und ihren Luftfahrtgesellschaften und leitete die Schlichtungsverhandlungen in zwei Arbeitsstreitigkeiten bei Eisenbahngesellschaften.
Der Southern-Pacific-Ausschuß wurde im August 1962 gebildet. Am
31. Dezember unterbreitete Mann einen Bericht mit einigen weitreichenden Vorschlägen, die sich für beide Seiten als unannehmbar erwiesen.
Während noch weitere Untersuchungen im Gange waren, beraumte Weaver
mehrmals Streiks an, die er erst in letzter Minute verschob.
Die Gewerkschaft lehnte Personalkürzungen als Folge von Automation
nicht grundsätzlich ab. Umstritten war die Frage, wie rasch solche Kürzungen vorgenommen werden sollten. Der Gesellschaft wäre es, wenigstens
theoretisch, am liebsten gewesen, wenn jeder erwiesenermaßen überflüssige Arbeitsplatz möglichst schnell hätte freigemacht werden können. Die
Gewerkschaft hingegen wollte die Kürzungen auf möglichst niedrigem Niveau, etwa von zwei Prozent pro Jahr, halten, wie dies zwei Jahre zuvor
in einem gesonderten Tarifvertrag mit der Gewerkschaft der EisenbahnFernmeldetechniker (Order of Railroad Telegraphers) ausgehandelt worden war.
Im März 1963 war in einer Reihe von Fragen Einigung erzielt worden. Präsident Kennedy schlug daraufhin vor, Professor Manns Ausschuß
zu Schiedssprüchen in den ungelösten Fragen zu bevollmächtigen, zu deren Annahme sich beide Parteien im voraus verpflichten sollten. Dies
geschah, und innerhalb zehn Tagen war der Arbeitskonflikt endgültig bereinigt .
Wichtigster Vertragsgrundsatz war die Vereinbarung, den Abbau von
Arbeitsplätzen möglichst im Rahmen des "natürlichen Ausscheidens" von
Belegschaftsmitgliedern - durch Kündigung, Pensionierung, Beförderung,
Krankheit, fristlose Entlassung oder Tod - zu halten. Bei der Southern
Pacific erreicht der Personalrückgang auf diese Weise fünf bis sechs
Prozent im Jahr. Höchst selten ist in der amerikanischen Industrie bisher ein ähnlicher Vorschlag gemacht, geschweige denn akzeptiert worden.
Professor Manns Ausschuß formulierte mit seiner Erklärung, kein
Tarifvertrag dürfe die Finanzbasis des Arbeitgebers gefährden, einen
weiteren richtungweisenden Grundsatz:
"Unser Ausschuß kann keiner Regelung zustimmen, die die Konkurrenzfähigkeit eines Transportunternehmens beeinträchtigen würde. Nur
wenn es den Eisenbahngesellschaften freigestellt bleibt, kostensparende Neuerungen einzuführen, werden die Vereinigten Staaten auch in Zukunft über ein angemessenes und leistungsfähiges Transportsystem verfügen ... Eine sinnvolle Arbeitsplatzsicherung läßt sich nicht auf Kosten des Fortschritts erreichen."
Beim Abbau eines Arbeitsplatzes wird alles unternommen, um das betroffene Belegschaftsmitglied auf eine andere Tätigkeit im Betrieb umzuschulen. Alle zuständigen Regierungsstellen werden eingeschaltet, vor
allem jene. Behörden, die mit der Durchführung des Gesetzes zu Fragen
der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion (Federal Manpower Development and Training Act) beauftragt sind, da Staat wie Privatwirtschaft
zur Hilfeleistung gegenüber den Opfern des stürmischen technischen Fortschritts verpflichtet sind.
Wird

�Wird jemand niedriger eingestuft als bisher, so findet ein Lohnausgleich zu seinen Gunsten statt. Lohnnebenleistungen, z.B. Krankenhausgelder, werden je nach Dienstalter auf einer bestimmten Höhe gehalten. Bei Versetzung in eine andere Stadt werden alle Unkosten,
einschließlich etwaiger durch den Verkauf des eigenen Hauses entstehender Verluste, ersetzt. Starre gewerkschaftliche Arbeitsplatzklassifizierungen wurden in vielen Fällen gelockert, um Belegschaftsmitglieder leichter in andere Arbeitsplätze einweisen zu können.
Ben wenigen tatsächlich freigesetzten Arbeitnehmern werden Wartegelder ausgezahlt, die teilweise aus Mitteln der Southern Pacific
und teilweise aus der Eisenbahner-Arbeitslosenversicherung stammen
und je nach Dienstalter maximal ein Jahr lang 70 Prozent und maximal
weitere vier Jahre lang 60 Prozent der bisherigen Bezüge betragen.
Don Russell hat allen Grund, mit dem neuen Tarifvertrag zufrieden zu sein. Ohne mit großen Schwierigkeiten bei seinen Angestellten
rechnen zu müssen, kann er so viel arbeitsparende Geräte einsetzen,
wie erfunden werden, und das Forschungsinstitut der Stanford-Universität arbeitet für ihn mit Hochdruck an Neuentwicklungen. Bei einem
Personalrückgang von jährlich fünf Prozent wird die Zahl seiner Angestellten in absehbarer Zeit so weit absinken, wie es mit der Betriebssicherheit zu vereinbaren ist. ,(Der abgebaute Arbeitsplatz
braucht, solange das Verhältnis eins zu eins zwischen natürlichem
Personalschwund und Arbeitsplatzabbau bestehen bleibt, nicht unbedingt mit demjenigen eines ausscheidenden Arbeitnehmers identisch zu
sein.)
James Weaver und George Harrison haben ebenfalls handfeste Gründe, zufrieden zu sein. So gut wie alle bei der Southern Pacific beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder verfügen jetzt über garantierte
Arbeitsplätze. Und die wenigen, für die eine solche Garantie nicht
besteht, erhalten auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen jede erdenkliche Unterstützung.
Automation und Arbeitsfriede in den Pazifikhäfen
Die Pazifikküste und Hawaii, Domänen der Gewerkschaft der Hafenarbeiter und Lageristen (international Longshoremen's and V/arehousemen's Union - ILWU), erlebten in der Vergangenheit eine Reihe
hitziger Arbeitskonflikte. Hafenarbeit ist - oder war bisher - fast
ausschließlich mit schwerer körperlicher Anstrengung verbunden, die
zähe und kräftige Männer erfordert. Auch Reeder sind ein zäher, eigenwilliger Menschenschlag, vom V/ert persönlicher Initiative zutiefst
überzeugt, und dies, obwohl die amerikanische Handelsschiffahrt sehr
stark auf die Unterstützung der US-Regierung angewiesen ist. Reedern
behagt es nicht, Anordnungen entgegenzunehmen, schon gar nicht, wenn
sie von Gewerkschaftsfunktionären ausgehen. Immer wieder war es in
den vergangenen Jahren zu Ausständen gekommen: 1934 wuchs sich ein
Hafenarbeiter-Konflikt zu einem Generalstreik aus, in dessen Verlauf
drei Tote und zahlreiche Verletzte zu beklagen waren.
Zu ähnlichen Ausschreitungen ist es später nicht mehr gekommen,
aber die Spannungen zwischen beiden Seiten blieben bestehen. Die
Schwierigkeiten waren so groß, daß Reedereien ihre Frachten umzuleiten begannen, um ILWU-beherrschte Häfen möglichst zu umgehen.

- 4-

�Der Automation lieferte die Gewerkschaft ständige Rückzugsgefechte, in dem Versuch» ihren Mitgliedern einen möglichst hohen Beschäftigungsstand zu erhalten, selbst wenn dies nur durch "featherbedding",
d.h. durch die Schaffung bzw. Beibehaltung eigentlich überflüssiger
Arbeitsplätze, möglich war. "Vor Inkrafttreten des neuen Tarifvertrags
sah man auf den Kais gewöhnlich Trupps von Schauerleuten, von denen
nur die Hälfte arbeitete. Es konnte geschehen, daß Frachtgut aus den
Schiffsladeräumen direkt neben einem wartenden Lastkraftwagen abgesetzt und nicht weiterverladen wurde, weil erst einmal die gesamte Ladung gelöscht sein mußte. Obwohl moderne Kräne ungeheure Lasten heben
können, mußte jedes Kollo über 19 Zentner in leichtere Einzelstücke
aufgeteilt werden. Beschwerdefälle lösten zahlreiche Kurzstreiks aus.
Chef der ILWU-Gewerkschaft ist seit Jahrzehnten Alfred Renton
Bridges, der sich den Vornamen Harry zugelegt hat. Jahrelang versuchte
die amerikanische Regierung vergeblich, ihn auf Grund der Tatsache,
daß er bei seiner Einwanderung Kommunist gewesen und folglich illegal
ins Land gekommen sei, in seine Heimat Australien abzuschieben. Heute besitzt Bridges die amerikanische Staatsbürgerschaft und bezeichnet
sich als Republikaner. V/elcher politischen Richtung er auch zuneigen
mag, er hat sich als einer der fähigsten und umsichtigsten Gewerkschaftsführer der USA erwiesen.
Vor einigen Jahren begann Bridges am Sinn gewerkschaftlicher
Kampfmaßnahmen gegen die Automation zu zweifeln. Trotz aller Opposition war der Portschritt eine unabänderliche Tatsache; und wenn es in
Konflikten, in denen auch technische Probleme eine Rolle spielten, zu
Schiedssprüchen kam, zog die Gewerkschaft oft den kürzeren. Die Öffentlichkeit war gegen "featherbedding" eingestellt, und jeder weitere Widerstand schien einfach töricht. Seine Ansicht kam in einem Sonderbericht eines Gewerkschaftsausschusses zum Ausdruck, der an Hand einer
Fülle von Fakten und Ziffern nachwies, daß die Automation Arbeitsplätze nicht in dem Maße überflüssig macht wie gemeinhin angenommen. Dort
hieß es weiter:
"Unsere derzeitige Politik läßt sich als ein nur gelegentlich unterbrochener Partisanenkrieg gegen alle Wandlungen beschreiben, von
denen wir annehmen, daß sie den Bedarf an Menschen herabsetzen ...
Wollen wir an ihr festhalten oder eine flexiblere Politik einschlagen,
um mit ihrer Hilfe bestimmte Vorteile einzuhandeln?"
Die Reeder sind im Pazifik-Seeschiffahrts-Verband (Pacific Maritime Association) unter dem Vorsitz ihres betont höflichen, sehr eleganten und energischen Präsidenten J. Paul St.Sure zusammengeschlossen.
Als wieder einmal Arbeitsniederlegungen bevorstanden, soll Bridges mit
den Worten zu St.Sure gekommen sein: "Ein Streik wird Sie 70 Millionen
Dollar kosten. Geben Sie uns die Hälfte der eingesparten Kosten als
unseren Anteil, und wir werden gegen die Automation nichts mehr einwenden und die nächsten fünf Jahre auf Streiks verzichten." (Wie jeder
vernünftige Berichterstatter habe ich allerdings auf eine Überprüfung
dieser Geschichte tunlichst verzichtet, damit sie sich nicht als falsch
herausstellt; immerhin entsprach der endgültige Tarifvertrag ziemlich
genau diesen Bedingungen.)
Bridges wie St.Sure hatten jahrelang mit Starrköpfen in ihren eigenen Reihen zu kämpfen. Schauerleute werden gewöhnlich von Subkontraktoren beschäftigt, die ihre Arbeitskräfte auf der Basis Lohnaufwand

-5

�Lohnaufwand plus Unternehmerzuschlag vermieten. In der Praxis geben
jedoch die Reeder den Ton an, und einige von ihnen waren über die Zumutung empört, das Recht zu Verbesserungen der Lade- und Löschvorgänge im Hafen jemandem erst abkaufen zu müssen. Viele Gewerkschaftsmitglieder wetterten gegen den Gedanken, auf Kosten der Schauerleute mehr
Maschinen einzusetzen; und die Ortsgewerkschaft Los Angeles stimmte
schließlich auch gegen den Plan.
Trotzdem wurde er 1961 schließlich angenommen. Die Vereinbarungen
Sehen im Verlauf von fünfeinhalb Jahren Zahlungen in einer Gesamthöhe
von 29 Millionen Dollar vor, die in einen von Gewerkschaft und Reedereien gemeinsam kontrollierten Sonderfonds fließen. Er garantiert jedem Hafenarbeiter, ob es für ihn Arbeit gibt oder nicht, einen Hindestwochenlohn, dem als Rechnungseinheit zur Zeit 35 Arbeitsstunden
bei einem Stundenlohn von mehr als vier Dollar zugrunde liegen. Jeder
Hafenarbeiter wird mit 65 Jahren pensioniert; bei seinem Ausscheiden
erhält er ungeachtet irgendwelcher sonstiger Rentenansprüche eine einmalige Abfindung in Höhe von 7920 Dollar. Wahlweise ist auch eine Pensionierung mit 62 Jahren möglich; die Abfindung wird in diesem Falle
in monatlichen Raten von 220 Dollar ausgezahlt.
Bei Unterzeichnung des Tarifvertrags rechnete man mit einer Pensionierung von vier Prozent der Hafenarbeiter pro Jahr. In Wirklichkeit lag die Zahl doppelt so hoch. Obwohl bei uneingeschränkter Automatisierung der einzelne Arbeiter weit mehr leistet als früher, führte eine starke Geschäftsbelebung zu Arbeitskräftemangel. Bridges hat
seine Leute in letzter Zeit wegen ihres Widerstands gegen die Neuaufnahme von Mitgliedern kritisiert, und seine Gewerkschaft ist zur Zeit
dabei, ihre Reihen mit tausend Arbeitern, die einige Hafenerfahrung
besitzen, aufzufüllen.
St.Sure und seine Reeder haben guten Grund, mit dem Tarifvertrag
zufrieden zu sein. Frachtgut wird jetzt vielfach in riesigen plombierten Behältern umgeschlagen, so daß Schiffe oft nur noch 24 Stunden
statt acht Tage im Hafen zu liegen brauchen, wodurch sich täglich Tausende von Dollar einsparen lassen. Die zahlreichen Kurzstreiks früherer Tage konnten ebenfalls eingedämmt werden. Schlichter stehen zu jeder Stunde bereit, um Arbeitskonflikte umgehend an Ort und Stelle zu
bereinigen. Diebstähle, die Plage aller Hafenstädte, haben stark abgenommen.
Die Lohnkosten sind gesunken; schon ein Rückgang um nur fünf Prozent gleicht die jährlich fälligen Zahlungen an den Sonderfonds aus,
und diese fünf Prozent sind längst überschritten. Wenn die Zahl der
Beschäftigten um ein Drittel reduziert werden kann - bei Lage der Dinge eine wohlbegründete Erwartung -, dürften sich für die Reeder Einsparungen in Höhe von 40 Millionen Dollar pro Jahr ergeben.
Aber auch die Vorteile für die Gewerkschaft sind nicht zu verachten. Unregelmäßige Beschäftigung gehört der Vergangenheit an. Jeder
Arbeitnehmer erhält seinen Lohn, ob Arbeit für ihn vorhanden ist oder
nicht, und wird mit 65 bzw. 62 Jahren pensioniert.
Automation und Erfolgsbeteiliffunp; im Kaiser-Werk Fontana
Das neue Tarifabkommen im Kaiser-Stahlwerk in Fontana, einige Kilometer östlich von Los Angeles gelegen, ist in mancher Hinsicht der

- 6 -

�der bemerkenswerteste der drei Kollektivverträge.* Sein Zustandekommen verdankt es Edgar Kaiser, dem liebenswürdigen und unermüdlich
arbeitenden 55jährigen Sohn des berühmten Henry J. Kaiser. Im zweiten V/eltkrieg baute Kaiser, der Ältere, mit solcher Geschwindigkeit
Schiffe, daß man sich, wie es hieß, beim Stapellauf des einen schon
vor dem nächstfolgenden in acht nehmen mußte. Mit 81 Jahren durchstreift Henry J. Kaiser heute die Hawaii-Inseln und hinterläßt beinahe auf Schritt und Tritt einen neuen Hotelgroßbau. Edgar hat die
Gesamtleitung des Kaiser-Imperiums übernommen, das neben Stahlwerken auch Ingenieurfirmen, Automobil-, Zement-, Gips-, Aluminium-,
Chemie-, Plugzeug-, Elektronik- und andere Werk« umfaßt. Von seinem
Vater wurde er in eine harte Schule genommen. Mit 22 Jahren arbeitete er an einer Erdgasleitung, die zwischen Kansas und Texas verlegt wurde; danach war er am Bau der Boulder-, Bonneville- und GrandCoulee-Staudämme beteiligt, ehe er sich in Portland (Oregon) mit dem
Bau von Kriegsschiffen befaßte.
Fontana ist ein ultramodernes Drei-Millionen-Tonnen-Stahlwerk.
Trotz seiner Leistungsfähigkeit wies seine Jahresbilanz gewöhnlich
rote Zahlen auf, und es wurde von den übrigen Kaiser-Werken mitgetragen. Zum Teil lag dies an der ausländischen Konkurrenz, zum Teil
auch an der Tatsache, daß sich Aufträge für Fertigstahl aus dem Inlandsmarkt normalerweise in bescheidenem Rahmen bewegen und kostspielige Umstellungen im Maschinenpark notwendig machen. Edgar Kaiser unterhielt stets gute Beziehungen zu seiner Belegschaft, und
1959 war er im amerikanischen Stahlarbeiterstreik der erste, der aus
der Front der Stahlfirmen ausscherte und mit der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) eine Sonderregelung traf.
V/ie vielen anderen Unternehmern waren ihm die ermüdenden, unter
dem Druck drohender Streiks sich tage- und nächtelang hinziehenden
Tarifverhandlungen im Laufe der Jahre zuwider geworden. Er rief ein
Gremium von Arbeitssachverständigen und Vertretern der Stahlarbeitergewerkschaft zusammen, mit denen er gemeinsam überlegte, was zu
unternehmen sei. Nach monatelangen Beratungen legten sie den heute
gültigen Vertrag vor, der von den Arbeitern der Fontana-Stahlwerke
am 1. März 1963 angenommen wurde. Nach Edgar Kaisers Vorstellungen
sollte eine Lösung gefunden werden, die "die Chance bietet, in Wirt«
schaftsfragen Tarifvertragsfristen vollkommen zu eliminieren".
Dem neuen Plan zufolge werden alle Betriebskosteneinsparungen,
die sich gegenüber der Berechnungsgrundlage des Jahres 1961 ergeben,
im Verhältnis zwei zu eins zwischen dem Unternehmen und der Belegschaft aufgeteilt. Da ungefähr 50 Prozent der Unternehmensgewinne sofern solche erzielt werden - als Steuern abzuführen sind, spricht
das Management der Kaiser-Werke gerne von einer Dreiteilung - zugunsten des Unternehmens, der Belegschaft und der Öffentlichkeit.
Bei Abbau eines Arbeitsplatzes wird der betroffene Arbeitnehmer
einer Arbeitsreserve zugeteilt. Ein Jahr lang bleibt sein Normalstundenlohn garantiert und bis zu seiner Einweisung in einen neuen
* vgl. auch Internationale Arbeitsmitteilungen XVI-6, 1. Juni 1963,
Seite 1-2

- 7-

�neuen Arbeitsplatz auch sein Anstellungsvertrag. Stahlarbeit bedeutet wie Hafenarbeit auch bei den heutigen technischen Hilfsmitteln Schwerarbeit. In Fontana beträgt die normale Personalabgangsrate acht Prozent pro Jahr, und die Unternehmensleitung rechnet damit, daß der Arbeitsreserve niemand im Durchschnitt länger
als fünf bis sechs Monate angehören wird. Kaiser gibt auch die Garantie, die Stundenlöhne und Lohnnebenleistungen auf dem Niveau
zu halten, das von der Stahlarbeitergewerkschaft in künftigen, die
gesamte Stahlindustrie umfassenden Kollektivverhandlungen ausgehandelt wird.
Wie andere Stahlwerke zahlte auch Kaiser bestimmten Facharbeitern besondere Lohnanreizprämien. Diese Belegschaftsmitglieder
konnten wählen, ob sie unter den alten Bedingungen oder mit Zustimmung der Mehrheit ihrer Betriebsgruppe im Rahmen des neuen Tarifvertrags weiterarbeiten wollten. Wenn sie sich für das neue System entschieden, erhielten sie eine Ablösungssumme bis zu 5000
Dollar.
Für das Unternehmen selbst enthält der neue Plan mehrere wichtige Vorzüge. Er bietet der Belegschaft einen sehr realen Anreiz
zur Ausarbeitung zeit- und kostensparender Neuerungen. Kurzstreiks
sind ebenso wie die vollständige Arbeitsniederlegung nach Ablauf
des Tarifvertrags ziemlich unwahrscheinlich geworden.
Nicht minder bedeutend sind die Vorteile für die Belegschaft.
Ihre Arbeitsplätze sind gegen alles abgesichert, außer gegen die
Folgen einer ernsten Wirtschaftsdepression', in der so gut wie jede
Arbeitsplatzgarantie hinfällig wird. Wenn ein Belegschaftsmitglied
neue ertragssteigernde Verfahren entwickelt, wird sich dies auf seinem Lohnscheck - und dem seiner Kollegen - niederschlagen. In den
beiden ersten Monaten nach Inkrafttreten des Kaiser-Plans betrugen
die Betriebskosteneinsparungen im Vergleich zum gleichen Zeitraum
des Jahres 1961 insgesamt 2 158 000 Dollar, wobei sich der Belegschaftsanteil auf 700 000 Dollar oder 25 Prozent des Gesamtlohnbetrags der beteiligten Arbeitnehmer belief.
Auch für die Kunden des Stahlwerks bringt der neue Plan einen
entscheidenden Vorteil: Da Streiks kaum zu befürchten sind, dürfte
es sich für sie erübrigen, größere Lager anzulegen und das Risiko
einer Qualitätsminderung einzugehen.
Das Problem der "Ungeborenen"
Die drei Tarifabkommen verdeutlichen eine Reihe von Schlußfolgerungen, die sich hinsichtlich der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern in der amerikanischen Wirtschaft ziehen lassen.
Klar scheint zu sein, daß keine Gewerkschaft ohne Kampfmaßnahmen irgendwelche Regelungen akzeptieren dürfte, die für einen großen
Teil ihrer Mitglieder den Verlust des Arbeitsplatzes ohne eine angemessene Absicherung ihrer Zukunft nach sich zieht. Sie werden dies,
solange kein gesetzliches Verbot besteht, ohne Rücksicht auf gesamtwirtschaftliche Auswirkungen durch Streiks zu verhindern suchen» Sind
sie erbittert genug, dann werden sie auch Wege zur Umgehung bestehender Gesetze finden. Denn auch heute gilt noch das Wort, das John L.
Lewis einmal prägte: Kohle kann man nicht mit Bajonetten graben.
Klar

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�Klar ist aber auch, daß nur wenige Arbeitgeber ein "featherbedding" größeren Ausmaßes hinnehmen werden, es sei denn unter Zwang.
Die öffentliche Meinung wird, sobald sie die Tatsachen kennt, auf
ihrer Seite stehen.
Da Lohnfragen und Beschäftigungsbedingungen mehr und mehr an
Bedeutung verlieren und sich Tarifverhandlungen stärker auf Fragen
der Arbeitsplatzgarantie und Pensionsrechte konzentrieren, gibt es
immer mehr Gebiete, auf denen die Interessen von Gewerkschaften und
Unternehmen identisch sind oder parallel laufen. Die Vorstellungen,
die man von einander hat, sind auf beiden Seiten vielfach etwas überholt. Einige Gewerkschaften übersehen die Tatsache, daß die meisten
Firmen heute von Gehaltsempfängern geleitet werden, die, wenn überhaupt, nur einen kleinen Teil der Firmenaktien besitzen und in betriebswirtschaftlichen Fragen, einschließlich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, bestens versiert sind. Auch die Arbeitgeber zögern, eine neue Generation von Gewerkschaftsführern anzuerkennen, die
von Wirtschaft und Finanzen ebenso viel verstehen wie ihre Partner
am Verhandlungstisch und deren Ziel die wirtschaftliche Blüte des Unternehmens und ihres Landes ist.
Vereinbarungen wie die drei beschriebenen können unmöglich in
einer Krisenatmosphäre, unter dem Druck drohender Streiks, erzielt
werden. Sie geben daher jener Bewegung Auftrieb, die überall an Bedeutung gewinnt und fortgesetzte Verhandlungen zwischen den Tarifpartnern im Rahmen ständiger Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschüsse über
das ganze Jahr hin fordert.
Mehr und mehr wird man bei Kollektivverhandlungen mit einer Hinzuziehung neutraler dritter Parteien rechnen können, geschulter Sachverständiger, die ihre am Verhandlungstisch gesammelten Erfahrungen
von Industrie zu Industrie weitergeben werden.
Schließlich sollte man auch nicht übersehen, daß diese und ähnliche Tarifverträge nur für die bereits vorhandenen oder als unmittelbarer Ersatz einzustellenden Gewerkschaftsmitglieder Gültigkeit besitzen. Unberücksichtigt bleiben jene - wie Gewerkschaftsexperten sie
bezeichnen - "Ungeborenen", die jetzt erst heranwachsen und den Gewerkschaften später einmal beigetreten wären. Ihr Problem bleibt bestehen, und es wird nicht leicht zu lösen sein.
(Unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "The Reporter", 7« Nov. 1963)
Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers,
der Quelle und dem Vermerk "(c) 196} by
The Reporter Magazine Company" auf der
ersten Seite des Abdrucks gestattet.

* * * * *

- 9-

�Harry E. Davis, Mitarbeiter der Abteilung Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen im US-Arbeitsministerium:
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA
Die in die vorliegende Untersuchung einbezogenen 50 Betriebe hatten größtenteils getrennte Pensionskassen für Arbeiter und Angestellte;
die Mitgliederzahl der Angestelltenkassen reichte von 1000 bis zu einigen hunderttausend. Nur einige wenige Firmen (z.B. die U.S. Steel
Corporation) hatten eine einzige, gemeinsame Kasse für Lohn- und Gehaltsempfänger. Andererseits gab es bei neun Unternehmen jeweils zwei
Pensionskassen für Angestellte, von denen die eine als beitragsfreie
Grundkasse und die andere als beitragspflichtige Zusatzkasse für solche Angestellte eingerichtet wurde, die besonderen Spezifikationen
genügen. Mitarbeiter der Union Carbide Corporation werden beispielsweise mit der Einstellung automatisch Mitglied der Grundkasse und können nach Beendigung des ersten Dienstjahres der Zusatzkasse beitreten,
sofern ihr Gehalt 3000 Dollar pro Jahr übersteigt.
Von den 50 untersuchten Sozialkassen gewähren 31 zusätzlich zu
Leistungen der Altersversicherung auch sämtliche der anderen drei Leistungsformen moderner betrieblicher Sozialversicherungen: vorgezogene
Altersrente, Invaliditätsrente und beitragsfreie Aufrechterhaltung der
Ansprüche bei Ausscheiden aus dem Betrieb. Von diesen 31 Kassen gewähren 14 ein Sterbegeld im Falle des Ablebens des Versicherten während
seiner Betriebszugehörigkeit oder nach der Versetzung in den Ruhestand,
und zehn zahlen überhöhte Altersrenten für den Fall, daß der Angestellte
auf Wunsch der Gesellschaft in beiderseitigem Einvernehmen vor Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand tritt.
Die Mitgliedschaft bei einer Angestelltenpensionskasse ist nicht
in jedem Betrieb zwangsweise oder zwangsläufig mit der Einstellung gekoppelt. Sehr häufig wird dem Angestellten eine gewisse Betriebszugehörigkeitsdauer, die Erreichung eines bestimmten Alters, ein bestimmtes Mindestgehalt oder eine Kombination dieser Erfordernisse für den
Beitritt zur Bedingung gemacht. Die Kriterien für die Aufnahmefähigkeit liegen bei einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren, einer Betriebszugehörigkeitsdauer von 6 Monaten bis zu 5 Jahren und einem Hindestjahresgehalt von 4200 bis zu 4800 Dollar.
Bei einigen Kassen kommt die Forderung nach Ableistung einer bestimmten anrechnungsfähigen Dienstzeit als Voraussetzung für den Beitritt einem Ausschluß neueingestellter Personen höheren Alters gleich.
Dies geschieht dergestalt, daß die Betriebszugehörigkeitsdauer nach
Erreichung eines bestimmten Lebensalters nicht mehr auf die 'dienstzeitmäßigen Voraussetzungen für den Beitritt zur Pensionskasse angerechnet wird, oder auch in der V/eise, daß alle Mitarbeiter bei Erreichung einer bestimmten Altersgrenze ohne Rücksichtnahme auf etwaige
Dienstzeiterfordernisse als Voraussetzung für die Erlangung einer Rente aus der betrieblichen Pensionskasse zwangsweise in den Ruhestand
versetzt werden. Die Sozialkasse der Douglas Aircraft Company verlangt
beispielsweise eine zehnjährige Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung für die Gewährung von Altersrente, rechnet aber über das 65. Lebensjahr hinaus geleistete Dienstjahre auf die Wartefrist nicht an;
das bedeutet, daß allen Personen, die im Alter von 55 und darüber neu
eingestellt werden, die Erlangung einer Rente aus der betrieblichen
Pensionskasse unmöglich ist.
„,,
Altersrente
10 -

�Altersrente
Fast bei sämtlichen betrieblichen Pensionskassen der Angestellten gilt das 65« Lebensjahr für männliche und weibliche Angestellte
ebenso wie bei den Sozialkassen der Arbeiter als normale Altersgrenze. Zwei Pensionskassen, die die Altersgrenze mit 60 Jahren angesetzt
haben, rechnen auch über dieses Alter hinaus geleistete Dienstzeit
auf die Rente an. In 39 Pensionskassen sind gewisse Voraussetzungen
bezüglich der Betriebszugehörigkeitsdauer und des Lebensalters zu erfüllen. Y/enngleich die geforderte Betriebszugehörigkeitsdauer zwischen
einem'und dreißig Jahren schwankt, sind bei 21 der Kassen fünf Jahre
und weniger erforderlich. Bei 32 Betriebskassen gibt es eine Bestimmung bezüglich eines Zwangspensionierungsalters, nach dessen Erreichung der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zwangsweise in den Ruhestand
versetzen kann. Etwa ein Drittel der Kassen sieht eine automatische
Pensionierung nach Erreichnung einer bestimmten Altersgrenze vor,
über die hinaus keiner der Angestellten arbeiten darf. Die Altersgrenze für die Zwangspensionierung liegt in den meisten Fällen bei
65 Jahren, die für die automatische Pensionierung zwischen 65 und 70
Jahren.
Die Höhe der Leistungen der Pensionskassen hängt im allgemeinen
vom Gehalt und vom Dienstalter ab, jedoch besteht nur bei drei Kassen
ein Unterschied in der Rentenhöhe allein auf Grund der Betriebszugehörigkeitsdauer. Eine Kasse, die der North American Aviation, kombiniert beide Elemente, indem sie für jedes Dienstjahr eine Monatsrente von 2,50 Dollar zuzüglich 1,5 Prozent des Monatsgehaltsanteils
auszahlt, der 350 Dollar übersteigt.
Viele Pensionskassen gewähren Angestellten, die lediglich den
Mindesterfordernissen genügen, eine Rente, die nach einer für sie
günstigeren Formel als der zur Bestimmung der normalen Rentenansprüche errechnet wird. Im allgemeinen begünstigt diese Formel die Angestellten der niedrigeren Gehaltsgruppen, und in manchen Fällen findet sie überhaupt nur auf Angestellte mit niedrigen Gehältern oder
kurzer Dienstzeit oder beidem Anwendung.
Die Leistungen der betrieblichen Sozialkassen können gegen die
der staatlichen Sozialversicherung nach der sogenannten Verdrängungsmethode oder auf Grund der sogenannten Anteile-Rechnung aufgerechnet
w.erden. Die Verdrängungsmethode, derzufolge die Grundleistungen aus
der staatlichen Sozialversicherung teilweise oder ganz von den Leistungen der betrieblichen Sozialkasse abgerechnet werden,findet bei
neun der untersuchten Pensionskassen Anwendung. Bei der Mehrzahl der
Kassen bedient man sich der Anteile-Rechnung, bei der zwischen dem
Gehaltsanteil, der im Zeitpunkt der Aufstellung oder Revision der
Rentenformel der Sozialversicherungssteuer unterlag, und dem Gehaltsanteil unterschieden wird, der die Besteuerungsgrenze übersteigt; für
beide Gehaltsanteile werden gewisse Prozentsätze festgesetzt, mit denen sie bei der Rentenberechnung der Pensionskasse zu berücksichtigen
sind. So gewährt beispielsweise die Pensionskasse der Firma Hart,
Schaffner and Marx eine Monatsrente pro Dienstjahr in Höhe von 0,75
Prozent jenes Teils des Monatsgehalts, der unter 350 Dollar liegt,
und von 1,75 Prozent des darüber hinausgehenden Betrags. Andere Pensionskassen wiederum richten sich bei der Aufgliederung der Arbeitseinkünfte nach der jeweiligen Grenze der SozialVersicherungsteuer.

11 -

�Sozialversicherungssteuer, so daß ihre Formeln den jeweiligen Stand
der Sozialversicherungsgrenze einbeziehen. So sieht z.B. die Pensionskasse der American Airlines die Berechnung der Leistungen nach
einer Formel vor, der zufolge die Monatsrente pro Dienstjahr 1,25
Prozent des Gehaltsanteils beträgt, der der Sozialversicherungssteuer unterliegt, und 2 Prozent des Teils, der diesen Betrag übersteigt .
Von den Pensionskassen mit variablen Leistungen wurde lediglich
eine, die des Zeitschriftenverlages "Time", in die Untersuchung einbezogen. Die Rente setzt sich aus der nach der Rentenformel errechneten Grundrente und einer veränderlichen Zusatzrente zusammen, die
sich nach den Erträgen der investierten Rücklagen des Fonds richtet.
Um Vergleiche der Leistungen der Kassen zu ermöglichen, wurden
sie durch das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik für die hypothetischen Fälle von Angestellten berechnet, die im Alter von 65 Jahren
nach 20- oder 30jähriger Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand treten und Jahresgehälter von 4800, 10 000 bzw. 15 000 Dollar bezogen
haben. Bei der Berechnung wurde des weiteren von der Hypothese ausgegangen, die Angestellten hätten die betreffenden Gehälter während
ihrer ganzen Dienstzeit in gleicher Höhe bezogen, um auf diese Weise die (bei 18 Kassen große) Differenz zwischen den Leistungen auszugleichen, die auf der Basis des "Schlußverdienstes" (des Gehalts
in den letzten oder bestbezahlten fünf oder zehn Jahren) berechnet
werden, und denen, die auf dem echten Durchschnittsgehalt während
der ganzen Beschäftigungsdauer beruhen. Auf Grund dieser hjrpothetischen Annahme betrug die monatliche Rente bei der Hälfte der Kassen
bei Angestellten mit einem durchschnittlichen Jahresverdienst von
4800 Dollar und 20 anrechnungsfähigen Dienstjahren 80 Dollar und
mehr. Rechnet man diesen Betrag zur maximalen Grundrente aus der
staatlichen Sozialversicherung in Höhe von 127 Dollar hinzu, so gewährleisten die betriebliche und die staatliche Rentenversicherung
den Ruhegeldempfängern im Regelfall ein Einkommen in Höhe von mehr
als 50 Prozent ihres letzten Gehalts. Angestellten der gleichen Gehaltsstufe mit 30 Dienstjahren gewähren die Pensionskassen normalerweise eine Rente von 120 Dollar pro Monat, abgesehen von der staatlichen Sozialrente.
Die Leistungen der Pensionskassen an Angestellte mit Jahresgehältern von 10 000 bzw. 15 000 Dollar sind bei dieser Art der Berechnung mehr als zwei- bzw. dreimal so hoch wie die an Angestellte
der Gehaltsklasse von 4800 Dollar. So bezieht ein Angestellter mit
einem Jahresgehalt von 10 000 Dollar und 20 oder 30 Dienstjahren im
Hypothesefall eine Monatsrente von 190 bzw. 289 Dollar, das ist etwa das 2,4fache des Betrags, den ein Angestellter mit 4800 Dollar
Jahresgehalt bei gleichem Dienstalter erhalten würde. Die verhältnismäßig hohen Leistungen im Falle der hochbezahlten Angestellten rühren aus der Addition der Leistungen aus der betrieblichen Sozialkasse und der Renten aus der staatlichen Sozialversicherung her. Da aber
die Pensionskassen in praxi meist einen Leistungsausschluß in Höhe
der Rente der staatlichen Sozialversicherung oder eines Teils derselben kennen, lag die Gesamtrente aus der privaten und der staatlichen
Altersversicherung bei Angestellten mit 10 000 und 15 000 Dollar im
Jahr in Wahrheit unter dem Zwei- bzw. Dreifachen der Gesamtrente&lt; der

�der Angestellten der Gehaltsklasse von 4800 Dollar. Die Gesamtrente eines Angestellten mit 10 000 Dollar im Jahr und 30 Dienstjahren
beträgt im Mittel der Pensionskassen 416 Dollar pro Monat - das
entspricht der Hälfte seines Gehalts - gegenüber 247 Dollar im Falle eines Angestellten mit 4800 Dollar im Jahr und gleichem Dienstalter. Die Rente eines Angestellten mit 15 000 Dollar pro Jahr ist
im allgemeinen um 50 Prozent höher als die eines Angestellten mit
10 000 Dollar pro Jahr, (wird fortgesetzt)
(unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Januar 1964, Vol. 87,
Nr. 1)

* * * * *

US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt
Der drohende Streik der amerikanischen Eisenbahner mit allen
seinen Konsequenzen für die US-Y/irtschaf t und letztlich das ganze
amerikanische Volk ist abgewendet. Präsident Johnson, der sich persönlich für eine friedliche Einigung zwischen den Bahnen und den
fünf Eisenbahnergewerkschaften eingesetzt hatte, ließ es sich nicht
nehmen, diese Nachricht dem amerikanischen Volk in einer Fernsehsendung am späten Abend des 22. April - rund 48 Stunden vor Ablauf des
kürzlich auf seine Initiative hin vereinbarten 15tägigen Stillhalteabkommens - selbst mitzuteilen.
Konzessionen auf beiden Seiten
Beide Parteien mußten natürlich Zugeständnisse machen, damit
eine dauerhafte Lösung zustande kommen konnte, die nunmehr noch in
eine vertragliche Form zu bringen ist und der - als sicher geltenden - Ratifizierung durch die Gewerkschaftsmitglieder bedarf.
Die Gewerkschaften handelten folgende Verbesserungen ein: sieben
bezahlte Feiertage jährlich für praktisch sämtliche im Stundenlohn
beschäftigte Eisenbahnbedienstete; Spesenvergütung für Nachtaufenthalte zuzüglich eines Essenbonus bei einer Überstundendauer von mehr
als vier Stunden über die normale Arbeitszeit hinaus; Erhöhung der
Stundenlöhne des Rangierpersonals um 12 Cent für Vorarbeiter und um
8 Cent für Arbeiter auf insgesamt 3,10 Dollar bzw. 2,90 Dollar.
Die Eisenbahngesellschaften konnten ihrerseits folgende Konzessionen durchsetzen: die Zustimmung zum Einsatz von Fahrpersonal
in gewissen Sparten des Rangierdienstes und zur Verringerung des
Streckenpersonals an automatisch gesicherten Strecken; die Beibehaltung der Oberstundenbezahlung nach Zeit statt nach Fahrkilometern
und gleicher Lohnsätze für Tag- und Nachtarbeit.
Die Eisenbahngesellschaften verzichteten auf eine Erhöhung der
arbeitstäglichen Fahrtstrecke von Lokomotivführern und Heizern über
- 13 -

�über den derzeitigen Satz von 160 km hinaus und erklärten sich damit einverstanden, den vom Abbau des Fahrpersonals betroffenen Bediensteten 60 Prozent ihrer derzeitigen Bezüge vier Jahre lang
weiterzugewähren.
Es begann vor fünf Jahren
Dam± hat die sich über fast fünf Jahre hinziehende Auseinandersetzung um die sogenannten "Arbeitsregeln" ihren Abschluß gefunden,
bei der es um die Frage des Abbaus bzw. der Y/eiterbeschäf tigung der
durch die fortschreitende Technisierung und Automatisierung des Bahnbetriebs von ihrem Arbeitsplatz verdrängten Bahnbediensteten ging.
Die Eisenbahngesellschaften hielten seit langem schon zur Wiederherstellung der Rentabilität den Abbau nicht mehr benötigten Personals - vor allem der durch die Verdieselung überflüssig gewordenen
Heizer sowie des überzähligen Zugbegleitpersonals - für unerläßlich.
Sie beschuldigten die Gewerkschaften, die auf der Besetzung der
Führerstände der Dieselloks mit einem zweiten Mann anstelle des Heizers bestanden, des "featherbedding", d.h. des Versuchs, ihren Mitgliedern Sinekuren zu verschaffen. Die Gewerkschaften aber argumentierten, die Automatisierung der Bahnen dürfe nicht zu Entlassungen
führen und somit das Recht des Menschen auf Arbeit schmälern.
Drei Präsidenten vermittelten
Im Verlauf dieser Auseinandersetzung haben drei Präsidenten Eisenhower, Kennedy und Johnson - ihren Einfluß zur Besänftigung der
Streitpartner geltend gemacht und besondere Ausschüsse zur Untersuchung und Regelung der Streitfrage eingesetzt. Es sind zwei Schiedssprüche ergangen: der eine wurde vom Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten als Berufungsinstanz ausdrücklich bestätigt, der
andere von ihm durch die Zurückweisung der Berufungsklage ohne Angabe von Gründen am 27- April 1964 indirekt bestätigt .
Eine weitere Komplikation ergab sich in jüngster Zeit aus gewissen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der bislang geschlossenen
Front der Gewerkschaften über die Führung der Auseinandersetzung: die
eine Richtung wollte, genau wie die Gesellschaften, die Verhandlungen
nur als Gesamtverhandlurgei - mit allen Bahnen gleichzeitig - führen;
eine andere Richtung trat dafür ein, mit den Eisenbahngesellschaften
einzeln zu verhandeln. Die von den Gewerkschaften erhobenen neuen Forderungen nach einer Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen verschärften die Situation ebenfalls.
* Ä * d e n beiden Schiedssprüchen und einer älteren Vereinbarung zwischen
Gewerkschaften und Bahnen stünde es den Gesellschaften juristisch frei,
die umstrittenen neuen Arbeitsregeln in der ersten Llaiwoche in Kraft zu
setzen und mit dem Abbau der "Dieselheizer" zu beginnen, sofern sie allen Betroffenen mit 10 und mehr Dienstjahren - das sind rund 24 000 von
ihnen - eine lebenslange Beschäftigungsgarantie geben. Die Gewerkschaften können umgekehrt nach dem Schiedsspruch gegen derartige Schritte
Kampfmaßnahmen ergreifen, also auch streiken. Soweit die Rechtslage;
in praxi sind natürlich nunmehr beide Seiten an die Regelung vom 22.
April gebunden.

- 14 -

�Die akute Krise
In ein akutes Stadium trat die Auseinandersetzung aber, als die
Angestellten der Illinois Central Railroad am 8. April in den Ausstand traten und den gesamten Streckenverkehr lahmlegten. Daraufhin
kündigten die Eisenhahngesellschaften an, daß sie ihrerseits von
ihrem Recht auf Änderung der Arbeitsregeln am 10. April Gebrauch
machen werden, was die Gewerkschaften mit einer allgemeinen Streikdrohung beantworteten.
In dieser Krisensituation schaltete sich Präsident Johnson ein
und bat am 9» April die Vertreter der Gewerkschaften und Eisenbahnen
zu sich ins Weiße Haus. In vierstündigen Verhandlungen konnte er
wenige Stunden vor dem angesetzten Streikbeginn - 10. April Mitternacht - den beiden Kontrahenten die Zustimmung zu einem 15tägigen
Verzicht auf irgendwelche weiteren Handlungen abringen. Damit war
die Streikgefahr fürs erste abgewendet und Raum für Verhandlungen
gewonnen.
Der Präsident zog Arbeitsminister W. Willard Wirtz, dessen
Stellvertreter, James J. Reynolds, den Leiter des Bundesschlichtungsdienstes für Arbeitsstreitigkeiten im Transportwesen, Francis A.
O'Neill, sowie die Schiedsleute Theodore W« Kheel und George W.
Taylor zu den anschließenden Schlichtungsgesprächen im Weißen Haus
hinzu. Johnson beauftragte sie, gemeinsam mit den beiden Streitparteien den Versuch einer Lösung des Konflikts zu unternehmen. Und
dann begann ein zwölftägiges hartnäckiges Ringen, in dem, wie der
Präsident es ausdrückte, "eine gerechte und faire Übereinkunft erzielt wurde, die der für den Portbestand und die Rentabilität der
Bahnen erforderlichen Modernisierung ebenso wie den Bedürfnissen und
Wünschen der Menschen Rechnung trägt, die vom technischen Portschritt
unmittelbar betroffen werden".
Die Beilegung des Streites zwischen den Eisenbahngewerkschaften
und den Eisenbahngesellschaften wird in Amerika als ein Beweis für
die Zweckmäßigkeit des Verfahrens der Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten durch Kollektivverhandlungen gefeiert. Innenpolitisch gilt
sie als ein Sieg Präsident Johnsons.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * * #

- 15 -

�Berichtigung
Wir bitten, in der April-Nummer der "Internationalen Arbeitsmitteilungen" (Jahrgang XVII, Nummer 4) auf Seite 7 den ersten Satz
des letzten Absatzes wie folgt zu berichtigen:
Zahl der Familienangehörigen: Das Gesamteinkommen aller Haushalte, deren Vorstand arbeitslos war, verteilte sich auf schätzungsweise 19 Hillionen Personen (über 10 Prozent der amerikanischen
Gesamtbevölkerung im April 1962). Dabei ...

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Die betrieblichen Sozialkaeeen der Angestellten
in den USA (II)
Die amerikanischen Gewerkschaften und die
Präsidentschaftsirahlen
Ende der Monotonie am Fließband?
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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Harry E. Davis, Mitarbeiter der Abteilung Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen im US-Arbeitsministeriumt
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA (II)
Vorgezogene Alterarente
Die Bestimmungen über die vorgezogene Altersrente von 49 Sozialkaasen gestatten dem Angestellten, vor Erreichung der normalen Altersgrenze
in den Ruhestand zu treten, und sichern ihm eine sogleioh fällige, aber
fast in jedem Pall verringerte Rente zu. Das Mindestalter für die vorgezogene Altersrente schwankt, liegt aber dooh bei 31 Kassen bei 55 Jahren
und bei 11 bei 60 Jahren. Als weitere Voraussetzung wird zumeist die
Vollendung von zehn oder mehr DienstJahren gefordert.
Ausgangspunkt ist bei allen Kassen die normale Rente, von der in
den meisten Fällen für jeden Monat, der zur Erreichung der normalen
Altersgrenze fehlt, ein Betrag von 0,5 oder 0,33 Prozent abgezogen wird,
was entweder in den Vertragsbedingungen niedergelegt ist oder sich aus
den versicherungsmathematischen Tabellen ergibt. So gewährt z.B. die
Pacific Gas and Electric Company einem Angestellten mit 4800 Dollar Jahresgehalt nach 20jähriger Dienstzeit eine Rente von 140 Dollar im Monat
bei Erreichung der Altersgrenze von 65 Jahrenj bei vorzeitiger Pensionierung erfolgt ein Abschlag von 0,33 Prozent pro Monat der Vorzugszeit,
so daß ein Angestellter mit 4800 Dollar im Jahr und 20 Dienstjahren im
Falle der Pensionierung im Alter von 60 Jahren eine Rente von monatlioh
112,28 Dollar auf Lebenszeit erhält.
Eine

�Eine kleine Zahl von Pensionskassen gewährt einen Zuschlag zur
vorgezogenen Altersrente, der nur bis zur Erreichung des 65« Lebensjahres oder bis zu dem Zeitpunkt gezahlt wird, an dem der Empfänger
den Anspruch auf eine ungekürzte Rente aus der staatlichen Sozialversicherung realisieren kann. Die Goodyear Tire and Rubber Company
wendet auf die vorgezogene Altersrente beispielsweise eine Formel an,
die einen Abschlag von 0,4 Frozent pro fehlenden Monat von der normalen
Altersrente und einen Zuschlag von 0,5 Prozent des der Sozialversicherungssteuer unterliegenden Teils des durchschnittlichen Monatsgehaltes pro Dienstjahr vorsieht, der bis zum Einsetzen der Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung gewährt wird. Die vorgezogene Altersrente wird nach den Bestimmungen aller Lassen mit der
Antragstellung fällig; eine große Zahl der Kassen gestattet den Angestellten allerdings, die Annahme der Leistungen bis zur Erreichung
des normalen Pensionsalters aufzuschieben, wodurch der Angestellte
Anspruch auf die volle Pension erlangt. Als Dienstalter wird dabei
die bis zum tatsächlichen Ausscheiden aus dem Betrieb zurückgelegte
Eeschäftigungszeit gewertet.
Bei der Eälfte der lensionskassen haben die Angestellten die
Möglichkeit, wahlweise statt der vollen vorgezogenen Rente eine nivellierte Rente zu beziehen, vielfach auch Einkommensausgleichungsrente
genannt. Hierbei wird bis zur Fälligkeit der Rente aus der staatlichen
Sozialversicherung'gegenüber der normalerweise fälligen vorgezogenen
Rente ein höherer Satz und in der Zeit danach ein unter dem Normalsatz liegender Satz gezahlt, so daß das Monatseinkommen während der
gesamten Dauer des Bezugs von Alterspension unverändert bleibt.
Neben der regulären vorgezogenen Rente werden von zehn Pensionskassen noch besondere Leistungen in dieser Rentensparte gewährt.
Hiervon betroffen sind, wie auch bei den Pensionskassen der Arbeiter,
Rentner, die von ihrem Betrieb zwangspensioniert werden oder auf
dessen V/unsch im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig in den Ruhestand
treten. In einem solchen Fall werden erheblich höhere Leistungen gewährt als bei Inanspruchnahme der normalen vorgezogenen Rente. Die
Pensionskasse von Swift und Company gewährt, um ein Beispiel zu geben,
den auf eigenen .Vunsch vorzeitig in den Ruhestand tretenden Betriebsangehörigen das versicherungsmathematische Äquivalent der normalen
Leistung, den auf V/unsch der Gesellschaft pensionierten Angestellten
aber die volle Normalleistung unter Anrechnung des zum Zeitpunkt des
Ausscheidens erreichten Dienstalters.
Invaliditätsrente
Eine Invaliditätsregelung findet sich bei 38 Pensionskassen. Sie
zahlen an lCOprozentig und ständig arbeitsunfähige Angestellte ein
mit dem Eintritt des Versicherungsfalles fällig werdendes Ruhegeld.
Die meisten Pensionskassen machen die Gewährung einer Rente wegen Erwerbsunfähigkeit nicht von irgendwelchen altersmäßigen Voraussetzungen
abhängig, während eine gewisse Betriybszugehörigkeitsdauer - gewöhnlich zehn oder fünfzehn Jehre - bei allen Kassen mit nur einer
Ausnahme als Voraussetzung erforderlich ist.
Die Formeln für die Errechnung der Invaliditätsrente weisen
starke Unterschiede von Kesse zu Kasse auf. Es gewähren 16 von den
36 in Frage kommenden Kassen die volle Normalrente und 12 die Normalrente mit einem bestimmten Abschlag. Darüber hinaus wird bei 9 Fensions-

- 2 -

�Pensionskassen die Rente auf der Grundlege der normalen Rente neu berechnet, sobald der Empfänger das 65. Lebensjahr erreicht oder die
Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung einsetzt. In Anerkennung der Tatsache, daß keineswegs sämtliche Erwerbsunfähige, die
Anspruch auf Invaliditätsrente aus der betrieblichen Pensionskasse
haben, gleichzeitig Anspruch auf die Invaliditätsrente aus der staatlichen Sozialversicherung erheben können, sehen einige Kassen für
solche Rentenempfänger Zusatzleistungen zur Invaliditätsrente vor, die
so lange gewährt werden, bis die Leistungspflicht der staatlichen
Sozialversicherung einsetzt oder der Empfänger das 65. Lebensjahr
vollendet hat. Ein Beispiel: Nach der Formel, die die betriebliche
Pensionskasse der General I.'.otors Corporation anwendet, erhält der vorzeitig wegen Invalidität pensionierte Angestellte bis zum Eintritt
eines der beiden genannten Ereignisse die normale Rente zuzüglich
eines Zuschlags von 2,80 Dollar pro Dienstjahr. Einige Kassen gewähren
auch eine monatliche I.iindestinvaliditätsrente. Die Bestimmungen bezüglich der Invaliditätsrente sind im allgemeiner, großzügiger gefaßt
als die bezüglich der vorgezogenen Altersrente.
Beitragsfreier Fortbestand der Rentenversicherung Entlassener
Von den 5G Sozirlkassen gestatten 37 den beitrsgsf rei.en Fortbestand der Versicherung von Entlassenen, die die sonstigen Voraussetzungen einer Rentengewährung erfüllen. Von diesen Kassen wenden
30 das Verfahren der sogenannten aufgeschobenen vollen Rentengewährung
an, dem zufolge der Angestellte bei Erreichung des normalen Pensionsalters Anspruch auf Rente in Höhe der bis zu seinem Ausscheiden erworbenen Ansprüche hat. Nach dem Verfahren der aufgeschobenen verminderten Rentengewährung, da3 von 6 Sozialkassen angewandt wird, hat
der Angestellte bei Erreichung des normalen Fensionsalters Anspruch
auf einen bestimmten Prozentsatz des erworbenen Rentenanspruchs,
wiederum abhängig vom Alter und von der Betriebszugehörigkeitsdauer.
Als Beispiel möge die Pensionskasse der International Business Machines
Corporation dienen, die nach 15 Dienstjahren entlassenen Angestellten
einen Anspruch auf 5G Prozent der vollen Leistungen zugesteht, der
sich mit jedem weiteren Dienstjahr um 10 Prozent erhöht und somit bei
Angestellten mit 20 Dienstjahren der vollen Höhe entspricht.
Die Voraussetzungen für den Fortbestand der Versicherung beim
Ausscheiden aus dem Betrieb sind bei den einzelnen Kassen unterschiedlich. Ein I.'indestalter, das zwischen 40 und 60 Jahren schwankt, wird
von 17 und eine zehn- oder fuenfzehnjährige, wenn nicht sogar noch
längere Betriebszugehörigkeitsdauer wird von den meisten Kassen gefordert. Lediglich zwei Kassen machen den beitragsfreien Fortbestand
überhaupt nicht von der Betriebszu.ehörigkeitsdauer abhängig; die
eine setzt aber die Erreichung des 55« Lebensjahrs voraus, die andere
macht selbst diesbezüglich keine Einschränkungen* Die meisten Kassen
gestatten, sofern alle sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind, die
beitragsfreie Fortführung unabhängig vom Grund des Ausscheidens aus
dem Betrieb. Einige aber beschränken sie auf ehemalige Betriebsangehörige, denen unter ganz bestimmten Bedingungen - Persoualeinschränkung, Betriebsschließung oder vorübergehende Ausstellung - gekündigt worden ist.
Hinterbliebenenrente
Hinterbliebenenrente im Falle 4ea Todes des versicherten Angestellten wird von 15 Sozialkassen gewährt. Sie ist fällig bei sechs

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�sechs Kassen im Todesfall sowohl vor als auch nach Erreichung des
Pensionsalters, bei weiteren sechs Kassen nur bei Eintritt des Todes
nach und bei dreien nur im Todesfall vor Erreichung der .Altersgrenze..
Die Leistungen an die Hinterbliebenen sind recht unterschiedlichen
Charakters. Einige Sozialkassen garantieren die Zahlung der monatlichen
Altersrente auf eine Mindestzeit und setzen die Zahlungen, sofern der
Empfänger innerhalb dieses Zeitraums stirbt, an den von ihm namhaft
gemachten Begünstigten für den Rest der Laufzeit fort. Andere Kassen
gewähren die Altersrente über den Tod des Empfängers hinaus grundsätzlich auf eine bestimmte Zeit - gewöhnlich 12 Monate -,einige
zahlen eine Barabfindung.
Fast alle Pensionskassen kennen die wahlweise Gewährung einer
gekoppelten Hinterbliebenenrente, bei der sich der Versicherte mit
einer verminderten Rente begnügt und dafür die Garantie erhält, daß
der überlebende Begünstigte eine Rente auf Lebenszeit in gleichbleibender Höhe empfängt. Der zur Auszahlung gelangende Betrag ist in
manchen Fällen mit der Altersrente identisch oder beläuft sich auf
die Hälfte oder einen anderen, spezifizierten Prozentsatz der Altersrente. Bei lj Pensionskassen haben die Teilnahme_berechtigten die
Wahl zwischen einer Festzeitrente und der erwähnten gekoppelten
Hinterbliebenenrente. Bei der Festzeitrente erfährt die Altersrente
gewöhnlich eine geringere Kürzung als bei der gekoppelten Hinterbliebenenrente; stirbt der Empfänger vorzeitig, so wird die Rente
bis zum Auslaufen der Zahlungspflicht an die Hinterbliebenen weitergezahlt .
Finanzierung
Die Beiträge werden in 34 Betrieben an einen Sonderfonds abgeführt, aus dem entweder die Leistungen selbst oder die Beiträge für
entsprechende Versicherungen bei einer kommerziellen Versicherungsgesellschaft entnommen werden. Diese Sonderfonds werden im allgemeinen
von einer Treuhandfirma (Bank oder Treuhandgesellschaft) verwaltet,
einige wenige durch ein von der Firma bestelltes Kuratorium
oder einen einzigen Treuhänder.
Sechs der Pensionskassen sind bei einem Versicherungsunternehmen
rückversichert. Mischformen mit Leistungen aus dem Fondsvermögen und
Versicherungsbeitragszahlungen aus diesem sind bei acht Pensionskassen zu beobachten. In einem Fall werden die Leistungen aus Gesellschaftsmitteln bestritten (und sind damit vom Geschäftsgang abhängig), in einem anderen Fall werden die normale und die vorgezogene
Altersrente aus einem Treuhandfonds gezahlt, die Invaliditätsrente
und das Sterbegeld aber aus dem Firmenvermögen.
Ein Beitrag des Arbeitnehmers wird von 14 Kassen für die Grundversicherung und von 9 für die Zusatzversicherung gefordert. Bei
allen diesen beitragspflichtigen betrieblichen Pensionskassen führt
der Arbeitnehmer einen festen Prozentsatz seines Gehalts ab, während
der Unternehmer die gesamten nicht durch Beiträge gedeckten Kosten
aufzubringen hat. Bei 12 der 14 durch Arbeitnehmerbeiträge gespeisten
Pensionskassen führen die Angestellten an die Kasse einen geringeren
Prozentsatz (0 bis 3 Prozent) vom sozialversicherungssteuerpflichtigen
Gehaltsanteil und einen höheren (3 bis 6 Prozent) vom darüber liegenden
Gehaltsanteil ab.
Der

�Der Jahresbeitrag der Arbeitnehmer ist sehr unterschiedlich.
Er beläuft sich, soweit er erhoben wird, auf 72 bis 192 Dollar für
Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von 48OC Dollar, auf I56 bis
456 Dollar bei einem Jahreseinkommen von 10 000 Dollar und auf 306
bis 756 Dollar bei einem Jahreseinkommen von 15 000 Dollar.

(unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Januar I964, Vol. 87, Kr. 1)
* * * * *

Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen
"Deine Stimme gibt den Ausschlag - Wähle!" mahnt ein Plakat der
American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations
(AFL-CIO), des Dachverbandes der amerikanischen Gewerkschaften, mit
dem sie ihre Mitglieder im ganzen Land zur Teilnahme an den Präsidentschafts- und Kongreßwahlen am 3« November dieses Jahres aufruft. Für
den verantwortungsbewußten Gewerkschafter - das will das Plakat besagen - bedeutet das demokratische Wahlrecht gleichzeitig auch individuelle Wahlpflicht.
COPE berät 13,5 Millionen Hitglieder
Die dreizehneinhalb Millionen Gewerkschaftsmitglieder bei der Ausübung des Wahlrechts zu beraten, unternimmt der AFL-CIO-Aussch uß für
politische Bildung (Committee on Political Education - COPE) mit Sitz
in Washington, dem je ein Regionalausschuß in jedem der 50 Einzelstaaten
und kleinere Untergruppen' in Städten, Kreisen und Ortskartellen angegliedert sind. Die Regionalausschüsse wiederum sind in Arbeitsausschüsse mit
den Sachgebieten Y/ahllisten, Öffentlichkeitsarbeit, Parlamentsbeobachtung,
Frauenfragen und Finanzen unterteilt.
Für COPE begannen die Vorbereitungen auf die diesjährigen Novemberwahlen schon im Januar, als der Ausschuß erstmals auf die zur Neubesetzung
ausgeschriebenen Wahlämter und die, aus gewerkschaftlicher Sicht betrachtet,
mit den Wahlen verbundenen Probleme hinwies. Der Gewerkschafter soll als
Bürger vor der Wahlurne wissen, worin seine Wahl besteht, wen er wählt und
wie die Bewerber um die höchsten Staatsämter, die Parlamentssitze und die
übrigen Wahlämter zu den wichtigsten innen- und außenpolitischen Fragen
stehen.
Aufforderung zur Einschreibung in die Wahllisten
Da die Ausübung des Wahlrechts von der Eintragung des Wahlberechtigten
in die Wahlliste und diese wiederum von seiner diesbezüglichen Willenserklärung abhängt, beginnen die Gewerkschaften ihre Wahlaktivität mit dem
Aufruf an alle Mitglieder, sich und ihre Familienangehörigen in die

- 5-

�die Wahlliste einzuschreiben, sich "registrieren" zu lassen. Das
Pegistrierungsverfahren selbst unterließt einzelstaatlichen und
daher mitunter abweichenden Regelungen, so daß der diesbezüglichen
Beratung durch die mit der örtlichen Praxis vertrauten Regional«
ausschüsse bei der großen Unzugsfreudigkeit der Amerikaner erhebliche
Bedeutung zukommt.
Beobachtungsausschuß registriert Stimmabgabe der Parlamentarier
Eine nicht minder wichtige Punktion üben die Parlamentsbeobachtun.^sausschüsse im Wahljahr aus. Sie führen "Punktkarten" für alle Angehörigen dos Kongresses und der einzelstaatlichen Parlamente, auf denen
deren Stimmabgabe zu den - in Stichworten skizzierten - bedeutenderen
Gesetzesvorlagen vermerkt wird. Diese Punkt karten Verden in den Gewerkschaftsblättern abgedruckt, damit die Hitglieder sich informieren
können, wie dieser und jener Senator oder Abgeordnete nicht nur bei
Vorlagen aus dem Bereich der Arbeitsgesetzgebung, sondern auch aus dem
der Innen- und Außenpolitik und der Schul- und Sozialgesetzgebung gestimmt hat.
Der Ausschuß für politische Bildung umreißt in seinen Veröffentlichungen ferner die Eineteilung der Gewerkschaften zu diesen gesetzgeberischen Maßnahmen} und so ist es nicht zuletzt seiner Tätigkeit und
dem Virken der Ausschüsse für Gesetzgebungsfragen der Mitgliedgewerkschaften der AFL-CIO zu danken, wenn jeder Gewerkschafter heute, sein Interesse vorausgesetzt, über den Stand einer Auslandshilfegesetzesvorlage
nicht weniger gut informiert ist als beispielsweise rber einen Gesetzesvorschlag zur Anhebung der Hindestlöhne.
Politische Bildung durch Spenden finanziert
Da die Verwendung von Gewerkschoftsgeldern strengen gesetzlichen Beschränkungen unterliegt, muß COPE die für die politische Bildungsarbeit
erforderlichen Mittel, einschließlich der Verwaltungskosten und der Auslagen für Druck und Versand,aus Spenden bestreiten. Das gilt erst recht
für etwaige Zuschüsse zur "Vahlkampfkasse" eines von den Gewerkschaften
geförderten Kandidaten.
Ks ist schon zur ständigen Pegel geworden, daß die AFL-CIO im Sommer
und Herbst eines jeden Präsidentschaftswahljahr.es ( wenn die beiden großen
Parteien die Kandidaten für das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten nominiert haben, ihre Mitglieder über die innen- und außenpolitischen
Hintergründe des Wahlkampfes informiert. Sie veröffentlicht deshalb die
Parteiprogramme und die Wahlversprechen der Kandidaten.
Mahnung per Telephon
Rüokt die Wahl näher, fragen "Telephon-Teams" der Gewerkschaften
fernmündlich bei den Mitgliedern an, ob sie sich in die Wahllisten eingetragen und - am Wahltag - schon von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Die örtlichen Gruppen organisieren einen "Hilfsdienst", um Körperbehind rte und alte Leute im Kraftwagen zum Wahllokal zu bringen, und
stellen Hüttern mit mehreren Kindern einen Babysitter zur Verfügung,
damit sie in aller Ruhe wählen gehen können«
Der

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�Der Y/ähler entscheidet
Bei alledem wissen und respektieren die Gewerkschaften aber
eines» Jede gewerkschaftliche politische Schulung und jeder Versuch, einem den Gewerkschaften genehmen Kandidaten zum Sieg zu
verhelfen, endet an der Tür des Wahllokals. Die eigentliche Wahl
trifft der Gewerkschafter wie jeder andere Bürger in der Abgeschiedenheit der Wahlzelle für sich allein. Er weiß aber dank
der Schulungsarbeit, daß die Arbeiterschaft am Wahltag Gelegenheit hat,
"Freunde zu belohnen und Feinde zu bestrafen", wie Samuel lompers,
der Mitbegründer der ersten großen - 1886 entstandenen - amerikanischen Sammelgewerkschaft, der American Federation of Labor, es ausgedrückt hat.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

H.F. Jones:
Ende der Monotonie am Fließband?
Henry Ford revolutionierte vor Jahrzehnten seine Produktionsmethoden durch die Einführung des Fließbands, an dem "viele Arbeiter
einfache Handgriffe tun". Im General-Motors-Werk in Flint (Michigan)
ist man dabei, sich alte Handwerkertradition in der modern abgewandelten Form der "Ein-Mann-Montage" wieder zunutze zu machen. Entsprechende
Versuche haben uisher zu günstigen Ergebnissen geführt: es wird weniger Ausschuß produziert, und die Arbeitsmoral ist gestiegen.
Treibende Kraft hinter diesem Versuchsprogramm ist Joseph A. Anderson, Vizepräsident bei General Motors und Generaldirektor der "AC Spark
Plug Division" in Flint. "Mit unserer Ein-Hann-Montage", erklärte er,
"zielen wir darauf ab, die ständige Wiederholung am Fließband auszuschalten und jeden Arbeiter am einzelnen Werkstück Fertigungsarbeit
i'ber mehrere Montagestufen'hinweg ausführen zu lassen. In der industriel
len Massenfertigung herrscht ein Zug zur Arbeitsvereinfachung. Andererseits steigt das Bildungsniveau unserer Arbeitnehmer. Beides zusammen
führte zu dem Ergebnis, daß sich mancher Beschäftigte eher für seine
Arbeit entschuldigt, statt auf sie stolz zu sein."
Um die Arbeit für seine Belegschaft interessanter und sinnvoller
zu gestalten, läßt Anderson seine Arbeiter nach Möglichkeit mehr als
einen einzigen Handgriff - umfangreiche Teilmontagen und bisweilen
sogar Gesamtmontagen - ausführen.
Benzinpumpen z.B. werden in Serienfertigung normalerweise von Jü
bis 40 Mann am Fließband zusammengesetzt. Bei Versuchen in Flint ließ
man sie statt dessen jeweils von einem einzigen Arbeiter komplett montieren. Denn die Ausführung einer ganzen Serie von Arbeitsgängen, so
überlegte man, durchbricht die Monotonie am Fließband und verhindert
das Aufkommen von Langeweile. Der einzelne Arbeiter sieht sein Werkstück "wachsen" und lernt, Sinn und Zweck seiner Arbeit besser zu beurteilen. Das Ergebnis: Er geht sorgfältiger zu Werke, und seine Fertigkeiten nehmen zu.
»Für

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�"Pur manchen ist Fließbandarbeit gerade das nichtige", erläuterte
Anderson, "aber bei dem steigenden Ausbildungsniveau unserer Arbeitnehmer sollten wir diese Art Beschäftigung so stark wie möglich einschränken. In einigen Betrieben wird dies selbstverständlich schwierig,
wenn nicht sogar undurchführbar sein."
Anderson wies darauf hin, daß sich Ein-Männ-Montagen unter laufender Kontrolle, wie sie bei der Benzinpumpen-Fertigung erprobt wurden,
als sehr erfolgreich erwiesen haben. Auch die Montage von Armaturenbrettern wurde getestet. Ferner wurden Luftfilter und zahlreiche andere
Autozubehörteile in die Versuche mit einbezogen. Die beteiligten Arbeiter waren begeistert.
Das Werk stellt vor allem Kraftwagenteile und -Zubehör her. Aber
auch Zündkerzen, Düsen-Anlasser, Geschwindigkeits- und Streckenmesser,
Armaturenbretter und sonstige Geräte für den Flugzeugbau gehören zum
Fabrikationsprogramm, das den Werk durch seine Vielfalt mehr als anderen
Unternehmen Spielraum für die Beteiligung der Belegschaft an dieser
neuen Produktionsform läßt.
Nach Anderson steckt sie jedoch noch zu sehr im Experimentierstadium,
als daß sich heute schon entscheiden ließe, ob sie bei Berücksichtigung
aller Kostenfaktoren mit der üblichen Fließbandfertigung konkurrieren
kann. "Sie scheint jedoch Zukunft zu haben. Y.:enn am Band etwas schiefgeht, wird die Ausfallzeit zum Faktor. Bei Zwischenstationen oder EinMann-Montagen wirkt sich technisches und menschliches Versagen normalerweise nicht auf den Gesan.tbetrieb aus. Zudem bringen sie größere Bewegungsfreiheit bei einer Umstellung von Fabrikat zu Fabrikat oder für Konstruktionsänderungen am Grundfabrikat."
Gray H. Bernard jr., Planungsexperte in der Abteilung Arbeit- und
Zeitstudien, beurteilt die Einrichtung von Zwischenstationen und Ein-MannLiontagen sehr positiv. Diese Produktionsform "ist flexibel, Ausfallzeiten
spielen keine Rolle, und die Arbeiter sind von ihr begeistert. An einigen
Fließstrecken machen selbst kleinste Umstellungen bedeutende Umgruppierungen und Änderungen erforderlich. Bei einer Montage in Zwischenstationen
gibt es dieses Problem nicht mehr."
Einen weiteren Pluspunkt sieht Bernard in der Möglichkeit, I.IontageZwischenstationen zunächst laboratoriumsmäßig aufzubauen, um sie dann bei
einem Minimum an Produktionsunterbrechung direkt in die Verkshallen zu verlegen. Dies ist besonders wichtig bei Umstellungen auf neue Modelle.
Darüber hinaus kann die Zahl der Haltevorrichtungen beträchtlich herabgesetzt werden. Statt einer Vielzahl ähnlicher Vorrichtungen, die längs
der Fließstrecke vorhanden sein müssen, sind nur einige wenige erforderlich
Auch die Materialnutzung wird günstig beeinflußt. Bei Armaturenbrettern
würde sich der Übergang zu Neukonstruktionen ohne die sonst am Fließband
vorzunehmenden ausgedehnten Umstellungen vollziehen lassen.
Bernard hob des weiteren den positiven Einfluß auf die Belegschaft
hervor: "Bei einem Test erklärten 26 von 30 Beschäftigten, daß sie die EinMann-Montage vorziehen." Als Gründe wurden u.a. angeführ*: Die Zeit geht
schneller vorbei, man hat mehr Freiheit. Ich habe das Gefühl) mehr zu
leisten. Es macht Spaß, jedesmal ein ganzes Stück fertigzustellen.
Ferner ließ sich feststellen, daß jeder Arbeiter sein Verkstück von si
aus einer eigenen Kontrolle unterzog. Denn man wollte erstklassige und
ganze Arbeit leisten. Es gab weniger Ausschuß. Keu eingestellte Kräfte

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�Kräfte konnten ihre Arbeit in aller Ruhe lernen, ohne gleichzeitig
mit dem Fließhand Schritt halten zu müssen - ein weiterer Vorzug, der
sich vom ersten Augenblick an günstig auf ihre Arbeitsmoral auswirkte.
Unbeantwortet bleibt bisher allerdings die Frage, wieviel verschiedene Ilontagestufen ein Arbeiter bewältigen kann, ohne seine normale Leistungsfähigkeit einzubüßen. Es könnte geschehen, daß jemand so viel
Zeit zum Erlernen einer Anzahl verschiedener Hontagegriffe benötigt,
daß er sich bei seiner Arbeit nie besonders glücklich fühlt. Hierdurch
würde sein Leistungsniveau beeinträchtigt. Bernard und seine Mitarbeiter
versuchen dies zu verhindern.
Jedes Unternehmen ist an höherem Gewinn, steigender Produktivität,
einwandfreier Fabrikation und besserer Arbeitsmoral interessiert. Sollten Ein-Mann-Montagen diesen Effekt haben, wird General Motors weitere
Versuche unternehmen, um die Idealkombination des richtigen Mannes mit
dem richtigen Werkstück am richtigen Platz der Verwirklichung näherzubringen.
Der Kachdruck dieses Artikels, den wir in
gekürzter Form veröffentlichen, ist nur mit
Angabe des Verfassers, der ijielle "Iron Age"
und dem Vermerk "(c) 1964 ^y Chilton Company"
auf der ersten Seite des Abdrucks gestattet.

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Der Einfluß der technologischen Veränderungen auf die Beschäftigungsstruktur
Auf Grund der technologischen Veränderungen, die sich gegenwärtig
in der amerikanischen Wirtschaft vollziehen, wird sich die Zahl der Beschäftigten in 18 der wichtigsten Industriezweige bis zum Jahr 1970 zum
Teil erheblich verringern, während in 14 anderen Industrien mit einer
Zunahme der Beschäftigtenzahl gerechnet werden kann.
Dies sind die Ergebnisse umfassender gemeinsamer Untersuchungen des
amerikanischen Arbeits- und des Handelsministeriums, die im vergangenen
Jahr durchgeführt und die jetzt in einem Bericht unter dem Titel "Technological Trends in 56 Major American Industries" veröffentlicht wurden.
Zu denjenigen Industrien, die in den nächsten Jahren einen (proportional zur Gesamtbeschäftigtenziffer) stark rückläufigen Beschäftigungstrend
aufweisen werden, gehören dem Bericht zufolge all jene Branchen, die sich
mit der Verarbeitung oder Herstellung von Nahrungsmitteln und Bekleidung
befassen. Auch der Kohlebergbau, die Erdölindustrie, die Eisenbahnen und
die Telephongesellschaften werden im Jahre 1970 weniger Arbeitnehmer beschäftigen als heute.
Die Wirtschaftszweige dagegen, die auf Grund einer stark zunehmenden
Bedarfsnachfrage mit einer beträchtlichen Zunahme der Beschäftigung rechnen können, sind der Groß- und Einzelhandel; das Bank- und Versicherungsgewerbe, der Güter-Straßentransport, der Luftverkehr, die Elektronik- und die
Kunststoffindustrien. In diesen Wirtschaftszweigen wird gegenwärtig rund
die Hälfte der insgesamt 29,1 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt, die von
der Untersuchung erfaßt wurden.
*

- 9-

�Viertel Jahresurlaub für Stahlarbeiter
Jedes fünfte Jahr dreizehn Wochen bezahlten Urlaub können seit
Januar 1964 insgesamt 600 000 Arbeiter der amerikanischen Metallund metallverarbeitenden Industrie nach 15jähriger Dienstzeit beanspruchen. Diese Vergünstigung ist Teil einer neuen Urlaubsregelung,
die die amerikanische Stahlarbeitergewerkschaft (ünited Steelworkers
of America) für ihre Mitglieder ausgehandelt hat. Die ersten Urlauber
sind bereits zur Erholung in den wärmeren Süden und Westen der USA
abgereist, während andere ihren Vier Lei Jahresurlaub zu Hause verbringen, um längst fällige Hausreparaturen vorzunehmen, sich weiterzubilden oder sich daheim zu entspannen.

Lohnerhöhungen im amerikanischen Einzelhandel
Für Arbeitnehmer im amerikanischen Einzelhandel wurden von den
Gewerkschaften im vergangenen Jahr Lohnerhöhungen von durchschnittlich
10,1 Cent (im Lebensmitteleinzelhandel 10,2 Cent) pro Stunde, gegenüber 9»7 Cent I962 bzw. 9&gt;9 Cent 1961, erzielt. Die neu abgeschlossenen
Tarifverträge haben im allgemeinen eine zwei- bis dreijährige Laufzeit.
Auch auf dem Gebiet der Lohnnebenleistungen wurden Regelungen ausgehandelt, die verbesserte Krankenversicherungs- und Pensionsleistungen
bringen. Rund 53 Prozent der Krankenversicherungspläne (gegenüber 31
Prozent im Jahr 1962) und 21 Prozent der Pensionspläne (14 Prozent)
wurden revidiert und verbessert.

161 750 Wohlfahrts- und Pensionspläne mit einem Gesamtvermögen von
66 Mrd. Dollar
Beim US-Arbeitsministerium waren am 1. Juli I963 insgesamt
161 750 Sozial- und Pensionspläne für Betriebsangehörige amerikanischer
Unternehmen registriert. Die meisten Pläne bieten zwei oder mehr Versicherungsleistungen, über die Hälfte eine kombinierte Krankenhaus-,
Operationskosten- und Lebensversicherung. Bei vier Fünfteln der Pläne
handelt es sich um Sozialkassen, bei den übrigen um Pensionspläne
oder eine Kombination beider.
Krankenhauskosten-Versicherungen stehen an der Spitze der
128 340 Sozialpläne, gefolgt von Operationskosten- und Lebensversicherungen. Praktisch sämtliche der 32 610 Pensionspläne sehen die
Gewährung von Altersrenten, die meisten auch Renten bei Eintritt der
Invalidität und die Zahlung von Sterbegeldern vor. Die Versicherungsbeiträge werden im allgemeinen von den Arbeitgebern oder von Arbeitgebern und Versicherten gemeinsam geleistet.
Das Gesamtvermögen der Pensions- und Sozialfonds belief sich im
Vorjahr auf rund 66 Mrd. Dollar gegenüber 52,2 Mrd. Dollar im Jahr
1962. In dieser Ziffer sind die Vermögenswerte aller privaten (von
Arbeitgebern und Arbeitnehmern bzw. Gewerkschaften gemeinsam verwalteten) Kranken-, Krankenhaus- und Operationskosten-, Unfall-,
Invaliditätsrenten-und Arbeitslosenversicherungspläne eingeschlossen,

- 10 -

�eingeschlossen, die der Meldepflicht gemäß dem Gesetz über die
Offenlegung der Sozial- und Pensionspläne unterliegen, nicht eher
die Rücklagen der Pensionskassen des Bundes und der staatlichen
Sozialversicherung.
Nach den neuesten Unterlegen werden durch derartige Fonds insgesamt 22 Millionen Arbeitnehmer - das ist rund ein Drittel ihrer
Gesamtzahl - erfaßt, zu denen noch die mitversicherten Familienangehörigen dazuzuzählen sind.

AFL-CIO plant KypotheR'en-Treuhs.ndfonds zur Anlage der Pensionskassenmittel
. .
Die Schaffung eines Hypotheken-Treuhandfonds bereitet der
amerikanische Gewerkschaftsverband AFL-CIO gegenwärtig in Ausführung eines im Februar auf der Tagung des Vorstanues in Bai
Karbour (Florida) gefaßten Beschlusses vor. Hauptaufgabe des Fonds
wird es sein, für die wertbeständige Anlage der Mittel der angeschlossenen Gewerkschaften und der Reserven der von Arbeitnehmern
und Gewerkschaften gemeinsam verwalteten Sozialkassen Sorge zu
tragen. Dem Fonds soll eine Wohnbaufinanzierungsgesellschaft angegliedert werden, die Kapitalm.ttel für die Teilfinanzierung von
Projekten des sozialen Wohnungsbaus bereitstellt, um dadurch weitere
gemeinnützige Bauträger für diese Vorhaben zu gewinnen. Der Fonds
wird Hypotheken nur dann vergeben, wenn sie innerhalb der von der .
Bundeswohnbauverwaltung festgesetzten Beleihungsgrenzen liegen und
bei dieser versichert sind.

Drei.-jahresvertrag beendet New Yorker Schleppbon ^streik
Ein neuer Dreijahresvertrag, der zwischen dem Ortskartell
New York der amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union) und dem Verband der Arbeitgeber im Seeschlepp- und Transportgewerbe vereinbart wurde und den dreiunddreißigtägigen Streik der
Schlepperbesatzungen im New Yorker Hafen von Februar bis März dieses
Jnhres beendete, sichert den Schlepperkapitänen 50 Cent und den Besatzungsmitgliedern 35 Cent Lohnerhöhung pro Stunde zu.
Die Arbeitgeber heben sich in dem Kontrakt darüber hinaus zur
Abführung von zusätzlich 18,75 Cent pro Stunde an den Fensions- und
Versicherungsfonds der Seeleute verpflichtet. In früheren Vereinbarungen hstten sie sich bereit erklärt, pro Arbeitnehmer monatlich
15 Dollar an den Versicherungsfonds, 8,68 Dollar an eine Grundrentenkaose und 6 Dollar an einen Zusatzversicherungsfonds abzuführen,
sofern der Arbeitnehmer seinerseits den gleichen Betrag einzahlt.

- 11 -

�Tarifverhandlungen in der US-Autoindustrie beginnen am 1. Juli
Die allgemein mit großer Spannung erwarteten TarifVerhandlungen
in der amerikanischen Automobilindustrie v/erden, wie verlautet, von
den beiden Sozialpartnern voraussichtlich am 1. Juli aufgenommen
werden.
Die diesjährigen Verhandlungen finden im Vergleich zu 1961,
als die wirtschaftliche Erholung nach der Rezession der Jahre 1959/60
noch im Anfangs'stadium steckte und die Arbeitslosigkeit in der Autoindustrie weitverbreitet war, in einer völlig anderen Atmosph re
statt. General Motors, Chrysler und Ford - die "Großen Drei" - verzeichneten im vergangenen und in diesem Jahr hohe Gewinne, aber auch
American Motors, deren Absatz etwas schleppender war, weisen beträchtliche Gewinne auf.
Nach Ansicht der Experten dürfte die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UA',7) bei den Verhandlungen ihre Aufmerksamkeit auf
ßeschäftigungsfragen konzentrieren, wobei Probleme der Sicherung der
Arbeitsplätze im Vordergrund stehen werden. Ebenso dürfte
V/alter Reuther, der Präsident der UA.7, höhere Lohnnebenleistungen und
Maßnahmen zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen - möglicherweise durch
Herabsetzung des 1ensionsalters - am Verhandlungstisch fordern. Mit
dem Argument, daß die Arbeitsproduktivität in der amerikanischen
Automobilindustrie seit 1957 jährlich im Durchschnitt mit 4»9 Prozent
stärker angestiegen ist als in der Fertigungsindustrie als Ganzes
(3»2 Prozent), dürften jedoch auch die Lohnforderungen mit Nachdruck
vertreten werden.

12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
————____—_—_____——__________—————————__———_——————————————___.___——_______

XVII - 7

,

Bad Godesberg, den 1. Juli 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in. den USA
Ziele und Aufgaben
Die Automationsforschung
Untersuchungen über technische Neuheiten
Untersuchungen über die Auswirkungen der
Automation
Künftige Forschungsreihen

Seite 1
Seite 4

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse

Seite 10

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA
I» Ziele und Aufgaben
Die Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums im Bereich der Arbeitsmarktentwicklung dienen dem Zweck, Verständnis für die auf diesem Gebiet gegebenen nationalen Problemstellungen zu wecken und Hilfsmittel aufzuzeigen, die zur Lösung der Probleme geeignet erscheinen.
Unsere dynamische Wirtschaft produziert fortgesetzt neue Paktoren,
die das bestehende Gleichgewicht stören. Eine unerläßliche Voraussetzung für das wirtschaftliche Wachstum des Landes aber ist die Wiederherstellung des Gleichgewichts. Paradoxerweise kann sich ein Mißverhältnis am Arbeitsmarkt in einem Nebeneinander von hohen Arbeitslosenziffern und einem ausgesprochenen Mangel an Fachkräften ausdrücken.
Das Forschungsprogramm des Arbeitsministeriums sucht daher beiden
Aspekten dieser Frage nachzugehen.
Angesichts der Mannigfaltigkeit der Arbeitsmarktprobleme und im
Hinblick auf die Tatsache, daß die Entwicklung und Nutzung des Arbeitspotentials unlöslich mit dem Menschen und seinem Verhältnis zur Arbeit
verbunden ist, muß die Arbeitsmarktforschung alle jene Faktoren in
Rechnung stellen, die den arbeitenden Menschen als Individuum berühren,
und dabei gleichzeitig das nationale Interesse und die Auswirkungen der
verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Programme auf die Wirtschaft gebührend berücksichtigen.
In
- 1 -

�In den Gründerjahren unseres Staates drückten sich Arbeitsmarktprobleme in erster Linie in einem chronischen Mangel an Handarbeitern aller Art aus, der aber durch die Eingliederung von Arbeitskräften mit relativ geringen Kenntnissen und Fähigkeiten aus
der großen Schar der Einwanderer meist behoben werden konnte. In
jüngerer Zeit jedoch haben der schnelle technische Fortschritt,
der Wandel in der Verbrauchernachfrage, die Veränderungen in der
Bevölkerungsstruktur und die Standortverlagerungen der Industrie
weit vielschichtigere Arbeitsmarktprobleme aufgeworfen, die neue
Methoden zu ihrer Lösung erfordern. Das Gesetz für Fragen der Beruf sförderung und Arbeitsraarktexpansion (Manpower Development and
Training Act) von 1962 in der Fassung von 1963 definiert die Forschung als ein Mittel, um Einblick in diese Probleme zu gewinnen
und ihre Lösung zu erleichtern.
Seit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes hat die Forschungstätigkeit des Arbeitsministeriums auf dem Gebiet der Arbeitsmarktprobleme
neuen Auftrieb erhalten und an Zielstrebigkeit gewonnen. Das Ministerium bemüht sich um die Lösung gerade der schwierigeren Arbeitsmarktprobleme durch eigene Forschungstätigkeit, unterstützt von einigen
der fähigsten Forschungsorganisationen des Landes. Der Angriff auf
diese Probleme konzentriert sich auf zwei der Hauptziele des genannten Gesetzes: die Verringerung der Arbeitslosigkeit und die Deckung
des Arbeitskräftebedarfs einer im steten Wandel begriffenen Wirtschaft .
Ein streng koordiniertes und in all seinen Teilen integriertes
Arbeitsraarktforschungsprogramm wird gegenwärtig entwickelt. Gemeinsame Ausschüsse der verschiedenen Abteilungen wurden inzwischen geschaffen, um der Forschungsarbeit innerhalb des Ministeriums Führung
und Richtung zu geben. Der Koordinierungsausschuß für Fragen der Arbeitsmarktforschung mit.seinen zwei beigeordneten Ausschüssen für Fragen der Automation und des technischen Wandels sowie für Fragen des
Arbeitspotentials, der Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit hat bereits einen wichtigen Beitrag zur besseren Nutzung der Forschungseinrichtungen und -möglichkeiten des Ministeriums geleistet.
Der Unterausschuß für Forschung des Beratungsausschusses für
Fragen der Arbeitsmarktpolitik ist gegenwärtig noch immer dabei, das
im Aufbau begriffene Forschungsprogramm zu überprüfen und brauchbare
Empfehlungen für seine künftige Weiterentwicklung auszuarbeiten. Dem
Unterausschuß gehören an: Dr. Richard A. Lester, Präsident der Princeton-Universität; Dr. C.E. Bishop vom North Carolina State College of
Agriculture and Engineering; Dr. James R. Bright von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Harvard-Universität; Dr. Rupert N. Evans
und Robben W. Fleming, beide Universität Illinois; Marvin Friedman,
AFL-CIO; Dr. Varden Füller, Universität Kalifornien; Dr. Charles C.
Killingsworth, Staatsuniversität Michigan; Dr. William H. Miernyk aus
Colorado; und Dr. Eli Gihzberg, Vorsitzender des Beratungsausschusses
für Fragen der Arbeitsmarktpolitik und als solcher Ex-offic.io-Mitglied,
von der Columbia-Universität.
Kontrakti'orschung
Im vergangenen Jahr hat das Ministerium verstärkte Anstrengungen
unternommen, um das Interesse an der Arbeitsmarktforschung und die

- 2

�die Mitarbeit seitens der Colleges und Universitäten und anderer Einrichtungen, die neue Ideen und Ansatzpunkte zur Lösung von
Arbeitsmarktproblemen beizutragen vermögen, zu beleben. Im Laufe
des Jahres 1963 wurden rund 200 Vorschläge von Forschungsstellen
und V.rissenschaftlern, die nicht im Regierungsdienst stehen, durch
das Arbeitsministerium überprüft. Bei über 30 derartigen Projekten,
die sich auf besonders dringende Probleme der Arbeitsmarktforschung
beziehen, wurde eine vertragliche Regelung getroffen.
Das Programm zur Förderung der Kontraktforschung entspricht
einem ausdrücklichen Auftrag des Kongresses, der im Arbeitsmarktgesetz ausgesprochen wurde. Die unter Vertrag benommenen Institute
und Wissenschaftler beschäftigen sich mit Fragen der Automation, der
Arbeitsmobilität, der Entwicklung und Nutzung des Arbeitspotentials
und des Arbeitskräftebedarfs. Einige von ihnen haben bereits wichtige
Teilbeiträge zum Verständnis der Arbeitsmarkt- und Arbeitspolitik
beigesteuert, die ihren Niederschlag in Aktionsprogrammen und arbeitspolitischen Richtlinien fanden.
Der arbeitsmarkt- und arbeitspolitische Bericht des Präsidenten
Da das Arbeitsmarktforschungsprogramm des US-Arbeitsministeriums
die Lösung der gegenwärtigen und künftigen Probleme der Arbeitslosigkeit und Beschaffung der für die Virtschaft erforderlichen Arbeitskräfte zum Ziele hat, ist es dringend notwendig, von Zeit zu Zeit
eine Bestandsaufnahme bezüglich der gesamten Arbeitsmarktsituation
vorzunehmen, die eine sichere Basis für die Ilanung der Arbeitsmarktforschung abgeben kann. Der Jahresbericht des Präsidenten zu Arbeitsmarktfragen und Arbeitsmarktpolitik und der ihn begleitende Bericht
des Arbeitsministers, die beide im Gesetz für Fragen der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion vorgeschrieben sind, geben eine solche
Basis ab. Sie stellen u.a. ferner ein Instrument dar, das es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Arbeitsminister in regelmäßiger
Folge erlaubt, dem Kongreß und der gesamten Nation ihre Beurteilung
der Arbeitsmarkt- und arbeitspolitischen Probleme zu unterbreiten
und Programme zu ihrer Lösung vorzuschlagen.
Der erste Bericht, der im Ilärz 1963 veröffentlicht wurde, enthielt eine Übersicht über die Entwicklung auf dem Arbeitssektor in
der Zeit nach Beendigung des zweiten Veitkriegs. Er vereinte in sich
eine Fülle von einschlägigem Material bezüglich der Gesamtsituation
auf diesem Gebiet, das früher nur in Form separater Unterlagen verfügbar war.
Der zweite Arbeitsmarktbericht, der dem Kongreß kürzlich zugegangen ist, stützte sich auf noch umfangreicheres Material und stellte
insbesondere wichtige Aspekte der gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation
in den Mittelpunkt der Erörterung. Die Ergebnisse der vom US-Arbeitsministerium durchgeführten und in Auftrag gegebenen Forschungsarbeiten
wurden in den Bericht eingearbeitet. Er stellt eine Lokumentation
der Probleme der Arbeitslosigkeit dar und bringt Empfehlungen bezüglich der Möglichkeiten zur Erreichung der Vollbeschäftigung. Er analysiert die gegenwärtige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, die Beschäftigungslage verschiedener in unserer Gesellschaft benachteiligter
Gruppen und die Auswirkungen staatlicher Maßnahmen und technischer
Fortschritte auf Wirtschaft und Gesaratbeschäftigung. Die Darlegungen

- 3-

�Darlegungen werden durch einen umfassenden und in die Einzelheiten gehenden statistischen Anhang belegt, der an sich schon ein
wertvolles Hilfsmittel für die Arbeitsmarktforschung darstellt.
Er bietet eine Fülle'von historischen und laufenden Statistiken
und ist gegenüber dem letzten Bericht wesentlich erweitert worden.
II. Die Autnrnati cnsforschung
Auf Grund eines Kongreßbeschlusses hat das amerikanische Arbeitsministerium ein nationales Forschungsprogramm zur Untersuchung
der Auswirkungen der Automation und der technologischen Veränderungen auf das Arbeitspotential ausgearbeitet und in Kraft gesetzt.
Die Ziele dieses umfassenden Forschungsprogramms sind im einzelnen:
1. Untersuchung und Auswertung der gegenwärtigen und sich für
die Zukunft abzeichnenden Auswirkungen der Automation und der tech: olo•ischen Veränderungen auf den Arbeitsmarkt und den einzelnen Arbeitnehmer;
2. Lenkung und Koordinierung sämtlicher auf dem Gebiet der Automatisierung von der Regierung und den privaten Organisationen durchgeführten Forschungen;
3. Feststellung der im einzelnen zu treffenden I.laßnahmen, um die
Auswirkungen der technologischen Veränderungen auf die Arbeitnehmer
zu mindern und eine Anpassung des gesamten Arbeitspotentials an die
Veränderungen zu erleichtern.
Die bisherigen Erfahrungen haben eindeutig gezeigt, daß das derzeitig verfügbare Wissen über die Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitsmarkt alles andere als ausreichend ist. Um diesen Mangel abzustellen, hat das Arbeitsministerium unter Berücksichtigung der von den
fünf an den Forschungen beteiligten Bundesämtern entwickelten Programme
einen allgemeinen Forschungsplan aufgestellt.
Gegenwärtig stehen den Fachleuten nur sehr dürftige Informationen
über solche wichtigen Fragen wie Umfang, Einführungsrate und Auswirkung der technologischen Veränderungen auf die Beschäftigung zur Verfügung. Dennoch haben vorbereitende Untersuchungen, die während des vergangenen Jahres durchgeführt wurden, dazu beigetragen, viele Probleme
in ihrem Umfang zu umreißen, die aus den technologischen Veränderungen
resultieren. Zu denjenigen Gebieten, die noch besser erforscht werden
müssen, zählen unter anderem:
1. Art und Umfang der Automation und anderer technischer Veränderungen in den verschiedenen Industriezweigen;
2. die Auswirkungen der Automation und anderer technischer Veränderungen auf die Beschäftigung - und zwar nach Wirtschaftszweig und
Tätigkeit gegliedert -, unter Berücksichtigung der Arbeitsplätze schaffenden und Arbeitsplätze vermindernden Faktoren;
/
3- die wahrscheinlichen Durchsetzungsraten und die künftigen Arbeitsmarkt-Auswirkungen sich bereits abzeichnender technologischer
Neuerungen;
4« die Auswirkungen der Automation auf die funktionellen Tätigkeiten am Arbeitsplatz sowie die beruflichen Anforderungen und damit auch
auf die Erziehung und die berufliche Ausbildung;

)

- 4-

�5« der Einfluß der Automation auf Arbeitsbedingungen, Einkoramen und die Lohnzahlungsverfahren sowie auf das Betriebsklima;
6. die Auswirkungen der Automation auf einzelne Arbeitnehmergruppen unter Berücksichtigung von Alter, Beruf und anderen Kriterien ;
7» die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die institutionellen Einrichtungen des Arbeitsmarktes und auf das Tarifverhandlungswesen;
8. die von den Arbeitnehmern, Unternehmern, Gemeinden und der
Regierung bereits getroffanen oder zu treffenden IJaßnahmen, um die
Auswirkungen der Automation auf den einzelnen Arbeitnehmer zu mindern.
Untersuchungen über technische Neuheiten
Einer der ersten Forschungsaufträge, die das US-Arbeitsministerium zur Feststellung von Art und Umfang der Automation in den Vereinigten Staaten vergeben hat, wurde von der "Diebold Group,' Inc.y
im Februar 1 963 abgewickelt. Ihr Untersuchungsbericht enthält neben
detaillierten Schätzungen über die Zunahme und" Verteilung von Elektronenrechnern in den einzelnen Wirtschaftszweigen auch vorläufige
Begriffsbestimmungen der Automation und ein Hilfssystem zur Klassifizierung der verschiedenen automatischen Ausrüstu.
• '.,'ie aus der
Übersicht hervorgeht, waren in den USA im Jahre 1962 insgesamt 11 000
elektronische Digitalrechner in Betrieb - das sind rund doppelt soviel wie im Jahr i960. Diese und andere Untersuchungsergebnisse werden bei der Planung weiterer Analysen über derzeitige und künftige
Beschäftigungstrends in solchen datenverarbeitender
i'en wie Pr grammierer und lektronenrechneroperateur ausgewert
rden. Das
gleichzeitig geschaffene Klassifizierungssystem für automatische Betriebsausrüstungen stellt, eine Pionierarbeit auf diesem 'Gebiet dar
und bildet einen wertvollen Rahmen für Detailänaly^
Das US-Arbeitsninisterium veröffentlichte im Juni 1963 e i n e n Bericht über die gegenwärtigen und künftigen Auswirkungen auf die Beschäftigung von sogenannten Lesemaschinen füiv die Datenverarbeitu;
V/enn auch diese Geräte zur Zeit erst in geringem Umfang Verwende
finden, so ist doch für die Zukunft mit einer erheblichen Zunahme
zu rechnen. Dadurch wird sich die Zahl der Arbeitsplätze, insbesondere
bei den Locherinnen, verringern. Diese Untersuchung darf als Vorläufer
eines "Frühwarnsystems" für' vorstehende technologische Neuerungen und
ihre möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung angesehen werden.
Ein Bericht über die technologischen Veränderungen in den wichsten Industriezweigen wurde inzwischen ebenfalls fertiggestellt. In ihm
werde im einzelnen die zur Zeit ablaufenden und die unmittelbar bevorstehenden technischen Entwicklungen in 36 Industriezweigen beschr
ben und ihre möglichen Auswirkungen auf Produktivität und Beschäftig
aufgezeigt.
Einen weiteren Forschungsbericht hat das Arbeitsministerium von
der Auerbach Corporation über den Arbeits!
bedarf erhalten, der
sich durch den steigenden Anfall von Blaupausen, technischen Papieren
und Listen der verschiedensten Art in Industriebetrieben ergibt« Obwohl

�Obwohl dieser "Papierlawine" auf dem Gebiet der Wissenschaft und
Technik bereits erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird, so ist doch
immer noch nur sehr wenig über die Zahl und die Art der Arbeitnehmer
bekannt, die zur Bearbeitung und Verteilung dieser technischen Dokumente benötigt werden. Von gleicher Bedeutung ist auch die Frage, wie
lange sich die entsprechenden Tätigkeiten in Anbetracht der technologischen Entwicklung werden behaupten können und Inwieweit sie sich
automatisieren lassen.
Gegenstand spezieller Untersuchungen der Auerbach Corporation war
insbesondere die Punktion dieser Tätigkeiten in der Nachrichten : -dustrie. Analysiert wurden unter anderem die Verarbeitung und
Dokumentation der aus der technischen Arbeit eines Betriebes anfallenden Informationen und umgekehrt die Weiterleitung der aus anderen
Quellen kommenden entsprechenden Informationen an die Ingenieur- und
Technikergruppen. Durch diese Untersuchungen, die in acht Firmen dieses Industriezweiges durchgeführt wurden, war es möglich, sechs spezifische Gebiete klar abzugrenzen, die mit diesen Tätigkeiten weitgehend übereinstimmen» Technisches Schreiben, Technisches Zeichnen,
Unterlagenreproduktion, Archiv (Informationszentrum), $ormen,und Ersatzteilbeschaffung. Der Arbeitskräftebedarf in diesen sechs Gruppen
dürfte, v;ie die Untersuchungen ergaben, etwa bis 1970 i n demselben
Umfang ansteigen wie der gesamte Arbeitskräftebedarf dieses Industriezweiges, während ab 1970 die Kategorie "Technisches Zeichnen", die
bei weitem d? i g &lt;5ßte Anzahl von Arbei splätzen aufweist, einen geringeren Anteil an der Ges.atzahl der Arbeitsplätze in den sechs Gruppen
verzeichnen wird« Dies wird in erster Linie durch technologische Veränderungen bedingt.sein, die sowohl den Bedarf an Zeichnungen als auch
die Herstellungsniethoden beeinflussen werden.
Aus der Untersuchung ist ferner ein Zusammenhang zwischen dem
Anv. .chsen der Zahl der beschäftigten Techniker und dem der Zahl der
für die Bearbeitung der technischen Informationen erforderlichen Arbeitskräfte ersichtlich. Dagegen waren die erarbeiteten Unterlagen nicht
ausreichen!,um im einzelnen den Einfluß der technischen Inforr• ationsfunktionen auf den Gesamtbedarf an Ingenieuren und Technikern zu spezifizieren.
Zwei andere Berichte über spezielle technische Neuerungen, die
sich auf Untersuchungen stützen, die vom US-Arbeitsministerium durchgeführt wurden, sollen noch 1964 veröffentlicht werden. Der eine Bericht
untersucht dabei die Verwendung von numerischen Ivont roll Systemen in
der Fertigung von Werkzeugmaschinen und ihre Auswirkungen auf den Arbeitskräftebedarf des Industriezweigs, der andere dagegen analysiert
den Einfluß der Elektronenrechner auf den Arbeitskräftebedarf in der
Versicherungswirtschaft. Die Verwendung numerischer Kontrollsysteme
bei der Werkzeugmaschinenherstellung ist in der metallverarbeitenden
Industrie eine der bedeutendsten Neuerungen der letzten Jahre. Desgleichen hat die zunehmende Verwendung von Elektronenrechnern die Bürotät
keiten in de Versicherungsunternehmen, die heute etwa 800 000 Anges"
te beschäftigen, wesentlich beeinflußt. Jeder dieser Berichte wird über
solche Fragen Auskunft geben wie Anzahl der installierten Einrichtung
Ausnutzungsgrad der Anlagen in der gesamten Industrie, Einfluß auf die
Produktivität, die Beschäftigung, die berufliche Ausbildung, die Umschulung, die beruflichen Fertigkeiten und die innerbetrieb1ichen

�innerbetrieblichen Beziehungen.
Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation
Im Jahre 19^3 ^a.t das US-Arbeitsministerium zahlreiche Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation und technologischer
Veränderungen auf den Arbeitskräftebedarf veröffentlicht. Eine der
bedeutendsten Analysen befaßte sich dabei mit den Auswirkungen der
Büroautomatisierung iei der Bundesfinanzverwaltung (internal Revenue
Service). In dem Bericht werden im einzelnen die Planungstechniken
zur Ermittlung des Arbeitskräftebedarfs und die personalpolitischen
Entscheidungen erläutert, die die Verwaltung zur Verminderung der
Auswirkungen auf die Beschäftigten bei der Umstellung auf automatische
Datenverarbeitung traf. Gleichzeitig werden die Ausbildungs- und Umschulungspraktiken beschrieben, die zur Erleichterung der Umstellung
angewendet wurden.
Ebenso hat das Arbeitsministerium eine Reihe von Einzeluntersuchungen über die Erfahrungen mit Gruppen von Arbeitskräften durchgeführt, die auf Grund technologischer Veränderungen aus ihren angestammten Tätigkeitsbereichen verdrängt worden waren. Die Ergebnisse dieser
Studien werden ebenfalls Mitte 19^4 veröffentlicht werden. Bei diesen
Untersuchungen wurde insbesondere versucht, die besonderen Merkmal«
all jener Arbeitnehmer aufzuzeigen, die sich einen neuen Arbeitsplatz
sichern konnten, und all derer, die arbeitslos blieben. Desgleichen
sind solche Faktoren untersucht worden wie Einkommensminderung, Belastung der Arbeitslosenunterstützungsfonds, Nutzungsgrad beruflicher
Kenntnisse und Fähigkeiten, Veränderungen in der Mitgliederstruktur
der Gewerkschaften, Methoden der Arbeitsuche und Interesse der Arbeitnehmer an Umschulungskursen.
Eine Analyse über die Art der automatisierten Arbeitsplätze und
die bildungs- und berufsmäßigen Anforderungen führt zur Zeit die Human
Sciences Research, Inc., im Auftrag des Arbeitsministeriums durch.
Diese Untersuchung ist in Anbetracht der zahlreichen einander widersprechenden Ansichten über die beruflichen und bildungsmäßigen Voraussetzungen hinsichtlich der Umschulung von Arbeitnehmern auf automatisierte
Tätigkeiten insofern von großem Nutzen, als auf Grund der Ergebnisse
eine wirksame 9 Ausbildungspolitik für die Zukunft festgelegt werden
kann. 'Jährend nämlich eine Gruppe von Experten behauptet, daß die automatisierten Arbeitsplätze eine bessere schulische und berufliche Ausbildung erfordern, ist eine andere der Ansicht, daß die bildungsmäßigen und beruflichen Anforderungen nicht größer sind als bei den nicht
automatisierten Tätigkeiten.
Zahlreiche Forschungsprojekte sind in jüngster Zeit auch mit dem
Ziel durchgeführt worden, größere Klarheit über die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte
zu gewinnen. Ein im November 1963 veröffentlichter Bericht befaßt sich
mit den Veränderungen in der Zahl der Arbeitsplätze und in den Aufgaben
und Tätigkeiten an den verschiedenen Arbeitsplätzen in der Telefonvermittlung seit Einführung des Fernwähldienstes und anderer technischer
Neuerungen. Eine in Kürzebeginnende Untersuchung hat die besonderen
Probleme zum Gegenstand, denen sich weibliche Arbeitskräfte von Fertigungsbetrieben bei einem Verlust ihres Arbeitsplatzes auf Grund der

-7

�der Einführung automatischer Maschinen gegenüber sehen. Daneben
wird eine Überprüfung der gesamten Autoraationsliteratur durchgeführt, um all das zusammenzufassen, was bis jetzt über die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf weibliche Arbeitskräfte und
typische Frauenberufe bekannt ist. Die Ergebnisse sollen in künftige
Veröffentlichungen dieser Art eingebaut werden.
Um das künftige Tempo und den künftigen Einfluß der Automation
und anderer technischer Entwicklungen besser abschätzen zu können,
ist eine genaue Kenntnis all jener Faktoren nötig, die die Entscheidungen des Managements in dieser Hinsicht beeinflussen. Das Stanford
Research Institute führt gegenwärtig diesbezügliche Untersuchungen im
Auftrag der US-Arbeitsministeriums durch. Dabei soll im einzelnen die
Automatisierung in Lagerhausbetrieben, bei Banken, in der Nahrungsmittel- und Geräteindustrie untersucht sowie ermittelt werden, von
welchen Faktoren die Entscheidungen der Unternehmensführungen, die
Betriebe zu automatisieren, beeinflußt wurden. Desgleichen sollen die
tatsächlich erzielten wirtschaftlichen Vorteile mit den vom Management
errechneten V/erten verglichen v/erden. Auch diese Ergebnisse dürften
Mitte 1964 veröffentlicht werden.
Eine ganze Serie von Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation und anderer technologischer Veränderungen führt das US-Arbeitsministerium gegenwärtig in der Stahl- und Textilindustrie sowie in
Gießereien, Elektrizitätswerken und im Transportgewerbe durch. Diese
Analysen umfassen sowohl augenblicklich.ablaufende als auch bevorstehende technologische Entwicklungen und beziehen sich auf solche Faktoren
wie Auswirkungen auf die Produktivität, Produktion, Beschäftigung, Beschäftigungsstruktur, Ausbildung und innerbetriebliche Beziehungen.
Mit der Einführung der Automation in Industriebetrieben, die über
keine eigene Maschinenreparatur- oder Elektrowerkstatt verfügen, ergibt
sich für diese Unternehmen ein ganz spezielles Problem: die Deckung des
Bedarfs an qualifizierten Arbeitskräften zur Wartung und Reparatur der
neuen automatischen Produktionseinrichtungen. Tiefere Einsicht in dieses
Problem zu gewinnen,ist das Ziel eines gemeinsam durchgeführten Projekts
des US-Arbeitsministeriums und des Internationalen Arbeitsamts. Im einzelnen sollen dabei - durch eine Auswertung der Erfahrungen anderer
Länder -Möglichkeiten zur Rekrutierung dieses Y/artungs- und Instandhaltungspersonals aufgezeigt werden.
Künftige Forschungsreihen
Die Ermittlung der wahrscheinlichen Auswirkungen künftiger technologischer Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt und den Arbeitskräftebedarf stellt einen der bedeutendsten Aspekte der Automationsforschung
dar. Zu den zahlreichen geplanten Untersuchungen auf diesem Gebiet gehört auch eine Serie von Analysen, die weitere Aufschlüsse über Art und
Umfang der Automation in der amerikanischen Industrie von heute geben
sollen. Die erste Erhebung im Rahmen dieser Serie wird sich dabei auf
die Elektronenrechner konzentrieren.
Zahlreichen Forschungsprojekte sind ferner geplant, die Aufschlüsse
über spezifische technische Entwicklungen geben sollen, die sich noch
in den Anfangsstadien befinden. Ziel der Untersuchungen ist es, die
wahrscheinliche Einführungsrate und die Auswirkungen auf die Beschäftigung zu ermitteln. Eine weitere Forschungsreihe wird sich ferner mit

- 8 -

�mit der Feststellung all jener wirtschaftlichen Faktoren beschäftigen, die die technologische Entwicklung beeinflussen und charakteristisch für die Veränderungsrate sind. In diesem Zusammenhang sollen
dabei die Einflüsse von Veränderungen auf die Güter- und Dienstleistungsnachfrage sowie auch auf die Beschäftigung - nach Industriezweigen und Tätigkeiten unterteilt - in. Vergangenheit und Zukunft ermittelt
werden. Statistische Analysen der wirtschaftlichen Determinanten und
über die Auswirkungen der Automation und der technologischen Veränderungen werden weiter fortgesetzt und darüber hinaus noch ausgeweitet
werden, wobei der Schwerpunkt bei Zukunftstrends liegen wird. Zu den
zu untersuchenden Faktoren gehören unter anderem: Forschungs- und Entwicklungsausgaben; .Kapitalbedarf; Kassenbestandsveränderungen; Arbeitsund andere Kosten; und Produktionskapazität.
Umfangreiche Studien bei einzelnen Unternehmen und Industriezweigen werden in solchen Branchen durchgeführt werden, die entweder ständig niedrige
oder ständig hohe Y.'achstumsraten aufweisen. Ziel dieser
Analysen ist es, die Beziehungen zwischen technologischen Veränderungen
und gegenläufigen Beschäftigungstrends und anderen Virtschaftsfaktoren
aufzuzeigen. Desgleichen sind Unternehmensgruppenuntersuchungen vorgesehen, um all jene Faktoren zu ermitteln, die die Verbreitungsrate technologischer Veränderungen beeinflussen und über die möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung Aufschluß geben. Auch sind Untersuchungen
über jene Faktoren beabsichtigt, die mit den Entscheidungen des Managements im Zusammenhang stehen, Investitionen in automatische Produktionsausrüstungen vorzunehmen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die
Auswirkungen solcher Entscheidungen auf die Beschäftigungsstruktur gerichtet sein, wobei die gegenwärtig vom Stanford Research Institute
durchgeführten Analysen mit als Grundlage dienen werden.
Eine weitere Serie von Forschungen schließlich wird sich mit
solchen Fragen befassen wie Einfluß der Automation auf die einzelnen
Berufe, berufliche Qualifikationen der Arbeitnehmer, schulische und
berufliche Ausbildungsanforderungen,und Arbeitsbedingungen und Betriebsklima. Eingeschlossen hierin sind auch die Untersuchungen über die Auswirkung der Automation auf die innerbetrieblichen Beziehungen und die Maßnahmen, die von Management und Gewerkschaften getroffen wurden oder getroffen werden sollten, um die Einflüsse auf die Arbeitnehmer zu mildern.

(Aus "Report of the Secretary of Labor on Manpower Research and
Training", März 1964)
* * * * #

- 9-

�AI J. Hayes, I

n

der* der Maschinenbauerge\"er:-3C%- ft 'IAM):

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse

Decken sich die gewerkschaftlichen Interessen weitgehend mit denen der Öffentlichkeit, oder verfolgen die Arbeitnehmerverbände ausschließlich eigene, engbegrenzte
und nicht dem Gemeinwohl dier ande Ziele?
Zu diesen Fragen nimmt der Präsident der
Maschinenbauergewerkschaft, AI J. Hayes,
in dem folgenden Artikel Stellung.

Zunächst ist festzustellen, daß die in Verhandlungen mit den
Unternehmern erzielten gewerkschaftlichen Erfolge nicht allein den
17 Millionen Gewerkschaftern und ihren Familienangehörigen zugute
kommen, sondern auch allen nicht organisierten Arbeitnehmern der
Betriebe, mit denen die Gewerkschaften Tarifverträge abgeschlossen
haben. Darüber hinaus lösen neue Vereinbarungen erfahrungsgemäß auch
Verbesserungen in bezug auf Gehalt, Urlaub, Pensions- sowie andere
Sozialleistungen zugunsten der Ingenieure, Techniker und Angehörigen
anderer Angestelltengruppen eines Betriebs aus.
Was aber liegt nun im öffentlichen Interesse? Auf Grund meiner
praktischen Erfahrungen wage ich die Definition, daß dem öffentlichen
Interesse dient, was für die Mehrheit von Vorteil ist, ohne daß es der
Minderheit schadet. Und es ist meine feste Überzeugung, daß die Erfolge,
das Handeln und die Ziele der amerikanischen Gewerkschaften einen Test
entsprechend dieser Definition standhalten. Natürlich haben die Gewerkschaften Fehler gemacht, was übrigens für alle übrigen Institutionen
unserer Gesellschaft ebenfalls gilt. Indes hat man den Gewerkschaften
daraus einen größeren Vorwurf gemacht als den anderen Gruppen, so etwa,
wenn man das wichtigste und nächstliegende Ziel aller Gewerkschaftspolitik, nämlich dem Arbeitnehmer einen angemessenen Anteil am Wohlstand
zu sichern, immer wieder heftig angegriffen hat. Demgegenüber muß festgehalten werden, daß dieses Ziel durchaus dem allgemeinen Interesse entspricht. Denn höhere Löhne bedeuten nicht nur höheren Lebensstandard
für mehr Menschen, sondern auch eine breitere Konsurabasis. Ohne gute
Löhne und Massenkaufkraft aber gäbe es keinen Markt für Güter der
Massenproduktion.
Sicherlich war die geographische Größe des Landes ein wesentlicher
Faktor für die Entwicklung der Massenproduktion in Amerika. Aber das
allein erklärt diese Entwicklung nicht. Denn sonst gehörten ja Indien
und China gewiß zu den hervorragendsten Wirtschaftsnationen. Ein wesentliches Element der Entwicklung ist vielmehr eine gut bezahlte Arbeiterschaft, die nicht nur in der Lage ist, zu produzieren, sondern auch zu
konsumieren. Mehr noch, die fortschreitende Lohnentwicklung bewirkte
auch eine dynamische Entwicklung der Technik in Amerika. Kurz, die
Politik der Gewerkschaften hat die Industrie dazu gebracht, die Arbeitskraft zu konservieren, sie in Verbindung mit neuen Maschinen, Verfahren
und Techniken so nutzbringend wie möglich einzusetzen.
Es
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�Es gibt keinen automatischen Fortschritt, und es gäbe keine
Lohnerhöhung und keine Arbeitszeitverkürzung, wenn sie die Gewerkschaften nicht am Verhandlungstisch durchgesetzt hätten. Die Theorie
vom automatischen Portschritt hat sich nie deutlicher als falsch erwiesen als in jenen Jahren, da die Gewerkschaften den Kampf um die
Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von 16 Stunden auf 10 und
schließlich 8 Stunden führten. Glücklicherweise haben sich die Gewerkschaften auch nie das Argument jener selbsternannten Anwälte
des öffentlichen Interesses zu eigen gemacht, demzufolge die Arbeitszeitverkürzung gegen das Allgemeinwohl gerichtet sei, die
Profitchancen zunicht mache, die Kosten steigere, die Harkte zerstöre, die Löhne verringere und die Arbeitnehmerschaft auf den Weg
des Müßiggangs, des Lasters und der Sünde führen werde. Das Ergebnis
der Gewerkschaftspolitik sieht anders aus: Die Ilehrheit des Volkes
- die Lohnempfänger - kam in den Genuß höherer Löhne und kürzerer
Arbeitszeit, während die Minderheit - Unternehmer, Aktionäre und die
investierende Schicht - eine Stabilisierung ihrer Profiterwartungen
de.für eintauschte.
Ebenfalls im Sinne des öffentlichen Interesses ist die Erkenntnis der Gewerkschaften, daß für das Wohlbefinden eines Arbeiters
nicht allein der Job ausschlaggebend ist, sondern daß Fragen des
Krankenschutzes, der sozialen Sicherheit, der Bildung, der angemessenen Wohnung, des Ruhestandes, die in den Bereich der Gesetzgebung gehören, eine ebenso bedeutende Rolle spielen. In Wahrung ihrer
eigenen Interessen, aber ebensosehr im Interesse des Allgemeinwohls
handelnd, haben die organisierten Arbeitnehmer Amerikas den Kampf für
folgende Ziele geführt:
kostenlose Grundschulbildung mit dem Ziel einer maximalen Bildung
der Bürger;
Verbot der Kinderarbeit, um die Kinder aus den Arbeitsstätten in
die Schulen zu bringen;
geregelte Ausbildung und vermehrte Möglichkeiten der Weiterbildung
im Beruf, um den wachsenden Bedarf der Industrie an Facharbeitern befriedigen zu können;
soziale Sicherheit, einschließlich der medizinischen Versorgung
alter Menschen, um den im Ruhestand lebenden Arbeitern die Angst vor
den Risiken des Alters zu nehmen;
eine allgemeine Ausweitung der Möglichkeiten der medizinischen
Versorgung, so daß alle Menschen in den Genuß schneller und angemessener Behandlung entsprechend ihren Bedürfnissen gelangen;
Unterstützung im Falle technologischer Arbeitslosigkeit, um die
Arbeiter gegen das Hauptrisiko einer sich schnell wandelnden Technik
zu schützen;
eine gesetzliche Regelung des Mindestlohns mit dem Ziel, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor den Folgen eines bedingungslosen Kampfes
um den Arbeitsplatz zu bewahren;
andere gesetzgeberische Maßnahmen zur Verbesserung des Krankheitsschutzes, der Bildung und Erziehung, der sozialen Sicherheit und der
allgemeinen Wohlfahrt.
Mit

- 11 -

�i.Iit der Durchsetzung dieser Ziele am Arbeitsplatz und in den
gesetzgebenden Körperschaften hat die Arbeiterbewegung auch ganz
entschieden im.Sinne des allgemeinen Interesses gehandelt.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliehe Kurznachrichten
Vordringen der Negerinnen in höherqualifizierte Berufe
Dem Trend der farbigen männlichen Arbeitnehmer folgend,hat sich
in den vergangenen Jahren auch die Beschäftigungsstruktur für Negerinnen ganz beträchtlich gewandelt. Während Negerinnen früher fast
ausschließlich in ungelernten, keine speziellen geistigen und bildungsmäßigen Anforderungen stellenden Berufen tätig waren, sind sie
heute in praktisch allen Tätigkeitsbereichen anzutreffen. Dies ist in
erster Linie auf das steigende Bildungsniveau, aber auch auf die zunehmende Durchsetzung gleicher Berufschancen für Parbige zurückzuführen.
'jypisch für den sich hier abzeichnenden Wandel ist vor allem der
starke Rückgang der Zahl der weiblichen farbigen Arbeitskräfte in den
Haushaltsberufen - neben der Landwirtschaft und den Fabriken die einstige Domäne dieser Arbeitnehmerinnen. Wie aus einer Untersuchung des
US-Arbeitsministeriums, die unter dem Titel "Negro Y/omen Y/orkers in
1960" veröffentlicht wurde, hervorgeht, sank die Zahl der in privaten
Haushalten beschäftigten Negerinnen bis 1950 von 60 Prozent auf 41 Prozent der Gesamtbeschäftigtenziffer und zwischen 1950 und 1960 auf
36 Prozent ab. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß sich in
dem Zeitraum von 1950 bis 1 96O die Gesamtzahl der werktätigen Negerinnen um 31 Prozent auf insgesamt 2,5 Hillionen erhöhte.
Dem starken Rückgang in den "traditionellen" Negerinnen-Berufen
steht eine kräftige Zunahme der Zahl von farbigen weiblichen Arbeitskräften in den akademischen, Angestellten- und Dienstleistungsberufen
(außer Haushalten) gegenüber. Nach dem Bericht erhöhte sich der Anteil
der Negerinnen an den Angestelltenberufen zwischen 1940 und 1950 von
1 Prozent auf 5 Prozent und bis i960 auf 9 Prozent, während in den
verschiedenen Dienstleistungszweigen zwischen 1940 und 1950 ein Anstieg von 10 auf 19 Prozent und bis 196O auf 21 Prozent zu verzeichnen
war.
Zu den anderen Wirtschaftszweigen und Institutionen, in denen eine
ständig wachsende Zahl von Negerinnen beschäftigt wird, gehören auch
das Bank- und Versicherungsgewerbe, der Einzelhandel, der öffentliche
Gesundheitsdienst und die öffentliche Verwaltung.
*
(Quelle: Eigenbericht)
lütgliederkurve zeigt wieder nach oben
Die Lütgliederkurve der amerikanischen Gewerkschaften, die seit 1957»
nach Erreichung eines absoluten Spitzenstandes von 17*5 Millionen, ständigen Schwankungen unterworfen war, zeigt seit 1961 wieder nach oben.
, Dies

- 12 -

�Dies seht aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriuns hervor, die
sich hauptsächlich auf Angaben der Gewerkschaften stützt und die
Jahre 1960-1962 umfaßt.
Die Zahl der in den nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften (mit Mitgliedern in anderen amerikanischen Ländern) organisierten Arbeitnehmer ging bekanntlich zwischen 1957 und
1961 um 1,2 Millionen auf 16,3 Millionen zurück. Uine kurze Trendumkehx gab es nur in den Jahren 1952/59» als 88 000 neue Mitglieder
gewonnen werden konnten. Der erneute Anstieg der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder be ann dem Bericht zufolge Unde 1961 und setzte sich
auch 1962 fort. Die Zunahme um insgesamt 283 000 auf 16 586 000 ist
jedoch weitgehend auf einen Präsidialerlaß zurückzuführen, durch
den 1961 die llegierungsangestellten aufgefordert wurden, Arbeitnehmerorganisationen beizutreten. Insgesamt 155 000 Angestellte traten
seinerzeit einer Gewerkschaft bei.

('.„uelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII -8/9

Bad Godesberg, den 1. September 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektiv
vertragen

Seite 1

Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen
Wirtschaft
"Haben Sie schon einen Job?"

Seite 5
Seite 10

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Robert B. Cooney:
Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen
Der amerikanische Gewerkschafter ist dabei, eine neue Freiheit zu entdecken - den längeren bezahlten Urlaub.
Eine bemerkenswerte Illustration dieser neuen Freiheit von
der Arbeitsroutine bildet der 13-Wochen- oder sogenannte "Sabbat-Urlaub" (eine Bezeichnung, die dem jüdischen Brauch entlehnt
ist, nach sieben Jahren in der Felderbewirtschaftung jeweils eine einjährige Ruhepause eintreten zu lassen). Diese neue Regelung trat mit Beginn dieses Jahres für Angehörige der Stahlarbeitergewerkschaft in Kraft. Ähnliche Regelungen mit alle fünf
Jahre eingeschobenen verlängerten Urlaubsperioden erlangten davor schon in der Behälter- und Aluminiumindustrie, vor allem
aber in der Stahl- und stahlverarbeitenden Industrie Geltung.
Seit mehr als einem Jahrzehnt besteht ein starker Trend
zur Gewährung längerer bezahlter Urlaubsperioden. Der Drei- oder
Vierwochenurlaub für Belegschaftsangehörige mit langjähriger Betriebszugehörigkeit ist bereits eine Selbstverständlichkeit, und
für neu eingestellte Arbeiter hat man die Urlaubsregelungen liberalisiert und auch die Bestimmungen über die erforderliche
Dienstzeit ständig gelockert.
Die
- 1 -

�Die Pläne selbst sind unterschiedlich, aber sie sind Ausdruck
des aggressiven und pra
tischen Herangehens der :.:
ten
an die Probleme. Eine Art Richtschnur liefert der Vertrag, der unlängst von der Bauarbeitergewerkschaft in Milwaukee für 4500 ihrer
Mitglieder ausgehandelt wurde« Ei" sieht fünf Wochen Urlaub für Arbeiter mit 17jähriger Dienstzeit und sechs Wochen Urlaub für solche
J.t 20jähriger Dienstzeit vor. Ahnliche Vereinbarungen wurden mit
Brauereien in New fork und 5t. Louis schon früher ausgehandelt.
Der Trend zu verlängerten Urlaubszeiten hat die verschiedensten Ursachen. Zunächst: ei zunehmender Vertrautheit mit den Problemen der Freizeit nimmt auch das Verlangen nach noch mehr Freizi
zu. Die weite Verbreitung des Automobils und die ständige Ausdehnung
des Autobahnnetzes haben den Wunsch nach lungeren Urlaubszeiten als
Voraussetzung für weitere Urlaubsreisen entstehen lassen.
Die Aufnahmefähigkeit der Erholungsgebiete des Landes winde bis
zum'äußersten strapaziert. Ein zusammen.
ler Bericht der "Outdoor
Recreation Resources Review Commission" an den Präsidenten und den
Kongreß wies folgende Rekordbesucherzahlen in Erholungsgebieten des
Bundes für das Jahr 196O aus: egenüber 1950 meldete der "National
Park Service" eine Verdoppelung auf 12 Millionen Besucher, der "Forest
Service" eine Verdreifachung auf 93 Millionen, die "Tennessee Valley
Authority" eine Verdreifachung auf 42 Millionen, das "Corps of Engileers' Recreational Dams" eine Steigerung von 16 Millionen auf 106
Millionen. Auf Grund der Untersuchungen der Kommission schlug der verstorbene Präsident Kennedy eine nationale Erholungspolitik vor.
Durch die Verbilligung der Plugreisen sind auch entlegene Gebiete
der USA und sogar fremde Länder für den amerikanischen Arbeiter erreichbar geworden, sofern er über einen entsprechend langen bezahlten Urlaub verfügt. Eine Reihe von Gewerkschaften bietet seit Jahren Reisen
über die "American Travel Associati n", ein ge\
schaftseigenes Unternehmen •.. Die Zeitung der Stahlarbeitergewerkschaft hat speziell für
1 ^-'"Ochen-Urlaüber eine Gruppenreise durch sieben europäische Länder
angekündigt. Und die Gewerkschaft der Elektriker, Radio- und Maschinenmechaniker (IUE) organisiert im Rahmen ihres Programms "Verständigungsreise 1964" Reisen ihrer*Mitglieder nach Europa, Israel, Mexiko,
Hawaii und zur New lorker Veitausstellung.
Ferienreisen ins Ausland erfreuen sich besonderer Beliebtheit bei
den amerikanischen Arbeitern bieten sie den Werktätigen doch Gelegenheit, das Land ihrer Geburt, hier gebliebene Verwandte oder die Quellen ihres kulturellen und religiösen Erbes aufzusuchen. Die Gewerkschaften, die solche Auslandsreisen unterstützen, waren immer bestrebt,
dabei den Bildungseffekt zu betonen.
So erklärte lUE-Prasident James B. Carey: "In den letzten Jahren
haben Mitglieder von IUE-Reisegruppen Sitzungen des englischen Parlaments verfolgt und mit führenden Vertretern der britischen Labour Party
diskutiert. Sie sind durch den Louvre geschlendert, haben den Eiffelturm erstiegen und haben mit französischen Gewerkschaftsvertretern und
Politikern über die gegenseitigen Handelsbeziehungen diskutiert. S i 9

�Sie sind durch die Straßen Jerusalems und Nazareths gega:
,
haben mit Kibbuz-Farmern und Arbeitern in gewerkschaftseigenen
Fabrikationsstätten gesprochen. Sie haben auf der Tokioter Hauptgeschäftsstraße Einkäufe gemacht, Fabriken der Rundfunk- und Ferneräteindustrie besichtigt und über Importe, Zölle und vergleichende Lohnskalen mit Vertretern der aufstrebenden japanischen
Elektrikergewerkschaften debattiert."
Verlängerte Urlaubsperioden bieten älteren Arbeitern die Mo'
lichkeit, sich frühzeitig mit den Verhältnissen des Ruhestandsdaseins vertraut zu machen. Höhere Lebenserwartung und der wachsende Anteil der alten Menschen an der Bevölkerung - etwa 13 Millionen Amerikaner sind 65 Jahre alt oder älter - lassen den langen
Urlaub als willkommene Übergangsperiode erscheinen«
Nach Auffassung der Gewerkschaften wäre die Einführung längerer Urlaubsperioden außerdem ein konstruktiver Beitrag zur Vermehrung der Arbeitsplätze. Der in der Stahlindustrie verwirklichte
Plan ist das Resultat von Überlegungen des "Human Relations Committee", das von der Gewerkschaft und elf Stahlfirmen nach dem /16e-Streik im Jahre 1959 gebildet wurde, Es gehört zu den Funktionen des Ausschusses, unbeeinflußt von schwebenden Lohnverhandlungen
diese Fragen grundsätzlich zu diskutieren.
In diesem Falle hatten neue technische Erfindungen wie das
Sauerstoff-Gebläseverfahren die Produktivität der Stahlindustrie erhöht und zugleich den Bedarf an Arbeitskräften herabgesetzt. Um den
Arbeitern ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsprozeß zu ermöglichen und damit Platz für entlassene Arbeiter zu schaffen, handelte die Stahlarbeitergewerkschaft 1962 mit den elf Stahlfirmen
einen Spar- und Urlaubsplan aus. 1963 kam ein Übereinkommen zustande,
in dem zusätzlicher Urlaub, der durch Beiträge jeder Firma in Höhe
von 12,5 Cent je Arbeitsstunde und Arbeitnehi •
.anziert wird,
vorgesehen ist. Der dafür jährlich aufzuwendende Betrag
Lrd auf,
100 Millionen Dollar geschätzt. Die obere Hälfte der Alterspyramide
der Belegschaft wird Seniorgruppe genannt. Diese Gruppe älterer
Arbeiter hat alle fünf Jahre Anspruch auf den auf 1J Wochen erweiterten Urlaub, worin der normale Urlaub enthalten ist.
Verträge mit zwei bedeutenden Konservendos
steuern räumen
die gleiohen Rechte Arbeitern ein, die 15 Jahre der Firma angehören.
In der Aluminiumindustrie gibt es einen zusätzlichen Erholungsurlaub
von 10 '..ochen Dauer für Arbeiter mit zwei- oder
DJ Istzeit; für weitere drei Wochen wird zusätzlicher Lohn gezahlt. Beide
Pläne unterscheiden eich von der in der S
en
R
Der Spar- und Urlaubsplan wird, so hofft die Gewerkschaft,
neue Arbeitsplätze Bchaffen, aber diese Wirkung kann man noch nicht
enau abschätzen. Die Anwendung des Plans enthüllte im übrigen
ein neues Problem: die Verwirrung oder die Langeweile, welche solche
Arbeiter überkam, die sich noch nie in ihrem Leben einer längeren
bezahlten Periode des Nichtstuns gegenüber sahen.
Lne Reihe

- 3 -

�Reihe von Stahlarbeitern durchaus fähig war, die Zeit für die Verwirklichung alter Wunschträume zu nutzen - nämlich zu reisen, Besichtigungen vorzunehmen, sich einem Hobby zu widmen, ein Wochenendhaus zu bauen -, war eine andere Gruppe von Arbeitnehmern nur
durch Anregung und Überredung zu bewegen, sich vom Einerlei der
jahrelangen Routine freizumachen.
Die besten Übersichten über die bestehenden Urlaubsklauseln
stammen aus dem amerikanischen Arbeitsininisterium. Das dem Ministerium unterstellende Bundesamt für Arbeitsstatistik führt regelmäßig
eine Analyse der wichtigsten Tarifverträge durch.
Der Bericht des Ministeriums aus dem Jahr 1 962 gibt einen
Überblick über 1698 Großtarifvertr;&gt;e (die jeweils mehr als 1 00 Arbeitnehmer umfassen) für insgesamt 7,4 Millionen Arbeiter, al-o et*
Vd d"&gt;e Half+e aller unter .' rifverträgen arbeitenden Personen.
Etwa 92 Prozent der 1693 Verträge schließen Bestimmungen über
bezahlten Urlaub ein. Verträge, die solche Regelungen nicht enthalten, sind vor allem in der Bauindustrie, also einer Saison-Industrie,
anzutreffen. Aber selbst in der Bauindustrie ist ein bemerkenswerter
Trend festzustellen: Von 167 abgeschlossenen Verträgen enthalten
26 Prozent Urlaubsregelungen; 1957 waren es nur 20 Prozent. Und in
vielen von diesen Verträgen sind Unternehmerbeiträge an einen zentralen' Urlaubsfonds vorgesehen - ein Verfahren, das auch in anderen
Saison-Industrien, etwa der Bekleidungsindustrie, oder in der Schiff"
fahrt angewandt wird. Die Auszahlungen richten sich entweder nach
der im Fonds vorhandenen Summe oder nach der Zahl der Arbeitete .
Die Grundkonzeption für die Ermittlung der Urlaubszeit - angewandt bei über 90 Prozent aller Pläne - ist der sog. Stufenplan, .der
den Urlaubsanspruch von der Beschäftigungsdauer abhängig macht. Ein
verschwindend geringer Teil der Verträge sieht zwei andere Verfahren
vor, und zwar einheitlichen Urlaub für alle sowie eine von der jährlichen Arbeitsdauer abhängige Regelung wie z.B. im Druckereigewerbe,
wo für je 16 Arbeitstage im vorausgegangenen Jahr ein Urlaubstag
gewährt wird, die Gesamturlaubszeit aber drei Wochen nicht überschreiten darf.
Eine Analyse der jüngsten Angaben, die die Forschungsabteilung
des GewerksohaftsVerbandes AFL-CIO durchgeführt hat, läßt den Trend
zu längerem Urlaub klar erkennen.
Noch 1952 betrug der Höchsturlaub bei 5° Prozent aller nach dem
Stufenverfahren getroffenen Urlaubsvereinbarungen zwei Wochen oder
weniger; 46 Prozent der Pläne wiesen drei oder dreieinhalb Wochen
als Maximum auf, 4 Prozent vier oder mehr Wochen* 1961 sahen 40 Prozent der Pläne drei oder dreieinhalb Wochen Urlaub und 43 Prozent
vier Wochen oder einen noch längeren Urlaub vor.
Nach 1961 wurden die UrlaubeheStimmungen weiter verbessert:
Der Vier-Wochen-Urlaub ist in der Mehrzahl der Vereinbarungen nunmehr enthalten, wie die AFD-CIO feststell'". Der Gewerkschaftsverband
wies darauf hin, daß 1957 noch 68 Prozent der auf der Stufenregelung

- 4-

�Stufenregelung basierenden Verträge eine 25jährige Berufstätigkeit
zur Vorbedingung für den Anspruch auf vierwöchigen Urlaub machten;
bis 1961 hatte sich dieser Prozentsatz auf 52 Prozent vermindert.
Und seit der Veröffentlichung von 1962 ist auch die erforderliche
Berufstätigkeitsdauer in der Fleischkonserven-, Backwaren- und
Papierindustrie von 25 Jahren auf 20 Jahre herabgesetzt worden. In
der Gumniibranche ist die Anspruchsberechtigungsgrenze auf 22 Jahre
festgelegt worden. Wie der Bericht von 1962 zeigt, gil± in 60 Prozent der Verträge bereits die Bestimmung, daß auch bei weniger als
15 Jahren Berufstätigkeit bereits Anspruch auf einen Tiindesturlaub
von drei V/ochen besteht. Neu eingestellte Kräfte sollten, wie der
\Trend erkennen läßt, bald einen Mindesturlaub von zwei Wochen erhalten.
Die APL-CIO stellte weitere bemerkenswerte Entwicklungen bezüglich der Urlaubsgewährung fest:
Urlaubsgeld wird in der Regel so bemessen, daß es dem normalen
Lohn des Arbeitnehmers entspricht; das bedeutet, daß Anreizlohn,
Schichtausgleichslohn und Zeitlohn sowie Überstunden berücksichtigt
werden.
Bezahlter Urlaub stellt erworbenes Recht dar, das abgegolten
werden kann, wenn es nicht in Anspruch genommen wurde, oder das auf
die Angehörigen eines Arbeiters bei dessen Tod übergehen kann.
Neu eingestellte Arbeitnehmer erhalten während ihres ersten Arbeitsjahres in der Regel Urlaub, und zwar meistens eine Woche oder
mehrere Tage nach halbjähriger Beschäi'tigungsdauer.

(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft
Vorausschauendes Planen ist eine wesentliche Voraussetzung für
die Gewährleistung von Vollbeschäftigung, 'höheren Lebensstandard und
eine bestmögliche Hilfeleistung an Entwicklungsländer. Zu dieser gemeinsamen Auffassung gelangten führende Gewerkschaftsvertreter aus
Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten im Verlauf von Gesprächen im Rahmen der zweiten Ditchley-Konferenz (Bitchley Park, England ).
In der Präge der nationalen Einkommenspolitik vertraten die Konferenzteilnehmer die Auffassung, daß eine solche Politik nur unter
Berücksichtigung aller eingeschlossenen wirtschaftlichen Faktoren entwickelt werden könne, daß es jedenfalls falsch wäre, diese Frage isoliert zu betrachten.
Die

- 5-

�Die Konferenz stand unter der Leitung von Lord V,rilliamson,
dem früheren Vorsitzenden des britischen Gewerkschaftskongresses
(TUC) und derzeitigen Generalsekretär der Gewerkschaft der Kommunalarbeiter» An der Konferenz nahmen Vertreter des britischen
Gewerkschaftskongresses, des Amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO sowie des Kanadischen Gewerkschaftskongresses (JLC)
teil.
Die Beschlüsse der Konferenz zu Planungs- und Einkommensfragen
wurden in zwei Dokumenten veröffentlicht.
Dokument A: Beteiligung an Planung und praktischer Durchführung der
'•;' i rt s chaf t s po li t ik
M i t g l i e d e r d e r G e w e r k s c h a f t s b e w e g u n g e n d e r drei t e i l n e h m e n d e n
L ä n d e r e r z i e l t e n E i n i g u n g d a r ü b e r , d a ß die g r o ß e n Z i e l e d e r V o l l b e schäftigung, der Anhebung des Lebensstandards und der Verbesserung
d e r L e b e n s b e d i n g u n g e n s o w i e e i n e s H ö c h s t m a ß e s an w i r t s c h a f t l i c h e r
H i l f e f ü r d i e E n t w i c k l u n g s l ä n d e r k e i n e s f a l l s dem S p i e l d e r a u f d e m
Markt herrschenden Kräfte überlassen bleiben dürfen.
V i e l m e h r sind p l a n e r i s c h e M a ß n a h m e n v o n n ö t e n , u m d i e s e Z i e l e
zu e r r e i c h e n . D i e P l a n u n g m u ß d e m W e s e n n a c h d e m d e m o k r a t i s c h e n

Prozeß der Überzeugung statt des Zwanges folgen und muß die Mitwirkung der Gewerkschaften als konstituierende Mitglieder einschließen.
Ohne Beteiligung der Gewerkschaften ist der Planungsprozeß undemokratisch und unrealistisch.
Die Annahme des Prinzips der wirtschaftlichen Planung wird
neue Belastungen und neue Verantwortung für die Gewerkschaften mit
sich bringen. So werden die Gewerkschaften in einer geplanten dauerhaften Vollbeschäftigungswirtschaft sicherlich ein weitaus größeres
Maß an Selbstdisziplin aufbringen müssen. Außerdem werden sie mehr
Verantwortung in der Ausbildung und Umschulung von Arbeitern übernehmen sowie entsprechend vorgebildetes Personal bereithalten müssen, das in der Lage ist, an planerischen Maßnahmen aktiv mitzuarbeiten.
Alle drei Gewerkschaftsverbände stimm en darin überein, daß die
Steuer- und Geldpolitik die allgemeine Nachfrage auf einem Kiveau
halten muß, das die Vollbeschäftigung in den betreffenden Volkswirtschaften garantiert. Unterschiede in der historischen Entwicklung«
in den Hilfsquellen und in den Institutionen bedingen, daß die drei
Gewerkschaftsverbände unterschiedliche Auffassungen bezüglich des
Grads und der Methoden wirtschaftlicher Planung vertreten.
Britischer Gewerkschaftsverband TUC:
Die sozialistische Tradition der britischen Gewerkschaftsbewegung und die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse Großbritanniens lassen es verständlich erscheinen, daß der britische Gewerkschaftsverband (TUC) ein höheres Maß an wirtschaftlicher Planung
befürwortet als die beiden anderen Gewerkschaftsverbände.
«
Die

- 6 -

�Die Sicherung gesunder wirtschaftlicher Verhältnisse und
eines hohen Lebensstandards hängt weitgehend von LJrfolg des britischen Exporthandels ah. Der Verband glaubt, daß eine progressive
Steuer- und Geldpolitik zwar notwendig, aber allein nicht ausreichend ist, um Produktivitätssteigerungsraten zu erreichen, die die
Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf dem Weltmarkt
gewährleisten. Bei fortdauerndem Interesse an einer angemessenen
Verteilung des Sozialprodukts befaßt sich der Verband in wachsendem Haße mit den Möglichkeiten der wirtschaftlichen Expansion, die
man am ehesten durch die Kombinierung von Vollbeschäftigung und
höheren Produktivitätsraten für erreichbar hält.
Der britische Gewerkschaftsverband setzt sich für eine bessere
Aufteilung der verfügbaren Hilfsquellen ein und ist auch Mitglied
des Nationalrates für Wirtschaftliche Entwicklung (NEDC). Der Verband ist sich der damit verbundenen Verpflichtungen bewußt. Er gibt
z.B. Empfehlungen über benötigte Investitionssummen, Arbeitskräftebedarf je Industriezweig usw. heraus. Er ist der Auffassung, daß
Industrieplanung in diesem Stil notwendig ist, um eine ausgewogene
Expansion entsprechend den Erfordernissen Großbritanniens zu erreichen.
Der Gewerkschaftsverband vertritt die Auffassung, daß die zentrale Planungsbehörde, der NEDC, einen unabhängigen Status und einen
eigenen Stab besitzen muß, wenn er in der Lage sein soll, sinnvolle
Empfehlungen an Regierung und Industrie abzugeben.
APL-CIO:
Der amerikanische Gewerksch^ftsverband APL-CIO unterstützt das
Beschäftigungsgesetz aus dem Jahre 1946 (lümployment Act), das den Rahmen für die wirtschaftspolitische Betätigung in den Vereinigten Staaten absteckt. So hat der Verband den Beirat des Präsidenten für Wirtschaftsfragen, der unter diesem Gesetz gebildet wurde, mit Nachdruck
aufgefordert, detailliertere jährliche Voraussagen über die Beschäftigungslage in der amerikanischen Wirtschaft zu machen und über geplante Maßnahmen zur Erreichung der Vollbeschäftigung zu berichten.
Die APL-CIO hat außerdem die Einrichtung einer neuen Planungsbehörde
gefordert, die mit der Ermittlung der Hilfsquellen sowie des Bedarfs
der Nation beauftragt werden soll, damit eine sinnvolle Verwendung
gewährleistet ist. Gewerkschaften, Arbeitgeber und Vertreter der
Farmer sollen an der Arbeit dieser neuen Behörde beteiligt werden.
Nach dem zweiten Veitkrieg erfreute sich die amerikanische Wirtschaft durchgehend einer Rekord-Arbeitsproduktivitätsrate in der Industrie. Dies hat dazu beigetragen, daß die Vereinigten Staaten eine
starke Position auf den Weltmärkten (im Gegensatz zur Position Großbritanniens) behaupten konnten, wie der ständige jährliche Überschuß
im Außenhandel beweist.
Während des vergangenen Jahrzehnts haben sich die Vereinigten
Staaten jedoch nicht in vollem Umfang der Vorteile zu bedienen gewußt, die mit der wachsenden Produktivität und der wachsenden Zahl
der Arbeitskräfte verbunden sind. Die Folge: das Land hinkt beträchtlich hinter seiner wirtschaftlichen Kapazität her.
Um

- 7-

�Um diesen Zustand der unzureichenden Ausnutzung des Potentials
zu beenden, legt die AFL-CIO größten Nachdruck auf die Anwendung
energischer steuerpolitischer Maßnahmen« Vo • allem verweist sie
dabei auf die Möglichkeiten, die in einer verbesserten Steuerpolitik zur Stärkung der Kaufkraft der unteren und mittleren Einkommensschichten liegen. Außerdem wird die Ausweitung des staatlichen Bereichs der Wirtschaft einschließlich des Bauwesens und sozialer
Hilfsprogramme befürwortet.
l.'ährend die AFL-CIO einerseits mit Nachdruck fiskalische Maßnahmen zur Sicherung der Vollbeschäftigung fordert, wird andererseits
nicht übersehen, daß die Nation mitten in einem technischen Wandel
steht, der zu wirtschaftlicher Rückstandigkeit in vielen Teilen des
Landes führt und Industriezweige wirtschaftlich veralten und einige
Berufe aussterben lassen wird. Der Gewerkschaftsverband ist Mitglied
einer Reihe von Behörden, die für die wirtschaftliche Neustrukturierung rückständiger Gebiete und die Ausarbeitung wirksamer Arbeitsbeschaffungsprogramme verantwortlich sind. Die APL-CIO befürwortet
darüber hinaus die Errichtung einer ständigen Kommission zum Studium
der Polgen des technischen './andeis, einschließlich einer möglichen
Verkürzung der Arbeitszeit.
Die APL-CIO identifiziert sich zwar nicht mit irgendeiner politischen Partei, wie es der britische (TUC) und der kanadische Gewerkschaftsverband (CLC) tun. Nichtsdestoweniger setzt der amerikanische
Gewerkschaftsverband seine Mittel ein, um die Politik der amerikanischen Regierung im Sinne seiner Ziele zu beeinflussen.
Canadian Labour Congress:
Der kanadische Gewerkschaftsverband hat sich voll und ganz dem
Prinzip der Planung verschrieben. Dabei geht der Gewerkschaftsverband davon aus, daß Kanadas Situation durch Elemente der britischen
und der amerikanischen Volkswirtschaft charakterisiert ist.
Ähnlich wie der TUC ist der CLC davon überzeugt, daß es erforderlich ist, sich direkt mit einem politischen Instrument zu verbinden.
Aber die kanadische Wirtschaft weist auch eine Reihe von eigenständigen Zügen auf. Dazu gehört insbesondere die Tatsache, daß in
der kanadischen Wirtschaft in starkem Hafie amerikanisches Geld investiert ist. Der CLC glaubt, daß die wirksame Kontrolle dieses
Kapitals eine wesentliche Voraussetzung jeder kanadischen Wirtschaftsplanung ist.
Seit einigen Jahren gehört Arbeitslosigkeit zu den ernsten Problemen der kanadischen Wirtschaft, und sie lieferte auch primär das
Motiv für die weitverbreitete Bereitschaft, die Notwendigkeit wirtschaftlicher Planung anzuerkennen. Zugleich muß der ^xportbedarf Kanadas einschließlich einer mit Kachdruck betriebenen Expansion des Fertigwarenexports bei der Planung der Vollbeschäftigung und des wachsenden Lebensstandards sorgfältig beobachtet werden.
Um

- 8 -

�Um diese Ziele zu erreichen und um ein dauerhaftes wirtschaftliches Wachstum zu sichern, hat sich der CLC voll und ganz
in die Arbeit des Kanadischen Wirtschaftsrates eingeschaltet. Der
Wirtschaftsrat erteilt der Regierung Ratschläge und Empfehlungen
in allen wirtschaftspolitischen Fragen. Steuer- und geldpolitische Maßnahmen, die Kapitalschöpfung und die Kanalisierung der
Ivlittel, das Verhältnis der privaten Investitionen zu denen der
öffentlichen Hand, der Investitionsbedarf der einzelnen Industriezweige, wirtschaftliche Stimulationsmaßnahmen, die Bedeutung und
der Grad von TransferZahlungen, die Verbesserung der Arbeitsmarktpolitik und der Ausbildung, die Sicherung guter Arbeitsverhältnisse in den Betrieben und andere verwandte 'Aspekte der Wirtschaftspolitik gehören zu den Beratungsgegenständen des Wirtschaftsrates.
Schlußbemerkungen:
Die drei Spitzenverbände vertreten die Auffassung, daß in
zunehmendem Maße das Mittel demokratischer Wirtschaftsplanung angewandt werden muß, um ein ausgewogenes wirtschaftliches Wachstum
und damit die gesellschaftspolitischen Ziele zu erreichen. Die Konferenz hat bei allen Teilnehmern zu einem besseren Verständnis für
die Haltung anderer gewerkschaftlicher Spitzenverbände in der Frage
der Wirtschaftsplanung geführt.
Dokument B: Nationale Einkommenspolitik
Bei der Behandlung der Frage, welche Politik in der Einkommensfrage verfolgt werden soll, traten zwar unterschiedliche Auffassungen
zutage, trotzdem gelang es, in einer Reihe von Punkten Übereinstimmung
zu erzielen.
1. Die Einkommenspolitik kann nicht isoliert von Kosten, Preisen
und Profit, Investitionen, Dividendenausschüttung und einer allumfassenden Politik der Vollbeschäftigung, herbeigeführt durch planerische
Maßnahmen, betrachtet werden. Einseitig formulierte sogenannte Leitlinien sind unannehmbar.
2. Eine solche Politik muß mit der vollem Mobilisierung aller
nationalen wirtschaftlichen und menschlichen Hilfsquellen verbunden
sein, nicht mit einem Restriktionsprogramra.
3« Ziel der Planung muß sein, schnelleres wirtschaftliches Waohstum über eine schnellere Einkommenssteigerung herbeizuführen.
4« Zugleich wird anerkannt, daß ein exzessives Ansteigen der
Profite und Preise das Programm des geplanten Wachstums unterminieren
und daß eine sinnvolle Preis- und Einkommenspolitik nur dann Erfolg
haben kann, wenn alle Betroffenen davon überzeugt sind, daß nicht
einzelne Gruppen der Gemeinschaft auf Kosten anderer Vorteile erlangen dürfen.
5« Die Mitarbeit der Gewerkschaften auf dieser Basis ist eine
wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Planung des wirtschaftlichen Wachstums. Kur durch diese Mittel kann der Lebensstandard

- 9-

�Lebensstandard der Gemeinschaft verbessert und Vollbeschäftigung
gesichert werden.
6. Eine starke und lebensfähige Gewerkschaftsbewegung, die eine
dynamische Politik fortgesetzter Expansion verfolgt, ist für die
Durchsetzung dieser Ziele unentbehrlich.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

"Haben Sie schon einen Job?"
"Brauchen S\e einen Job?" Unter dieser Rubrik findet man in den
amerikanischen Universitätszeitschriften laufend Hinweise darauf,
wann und wo auf dem Universitätsgelände welches Wirtschaftsunternehmen Gespräche mit den angehenden Akademikern über eine mögliche spätere Beschäftigung führen wird.
Die jungen amerikanischen Akademiker, ja selbst schon die Studenten der letzten Semester, werden heute von Industrie und Wirtschaft,
nach allen Regeln der Kunst hofiert. Der große Ilangel an jungen Wissenschaftlern zwingt die Firmen, sich rechtzeitig hochqualifizierte
Nachwuchskräfte zu sichern und dabei schneller zu sein als die Konkurrenz. Wie umworben der amerikanische Student ist, mag allein schon die
Tatsache demonstrieren, daß im vergangenen Jahr an der Universität von
Pennsylvanien z.B. sich insgesamt 677 Personalchefs oder Einstellungskommissionen der Wirtschaft und der Regierung die Tür in die Hand gaben und über 8000 Interviews mit rund 1000 Studenten durchführten.
Allgemein werden diese Einstellungsgespräche in den Räumen des Vermittlungsbüros der Universität geführt, das auch die Interviews arrangiert und den Studenten mit Rat und Tat zur Seite steht.
Diese Stellenvermittlungsbüros gibt es heute fast an allen amerikanischen Universitäten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß der junge
Akademiker doch noch ziemlich hilflos ist, wenn es darum geht,wichtige
berufliche Entscheidungen fürs Leben zu treffen und Anstellungaverträge
auszuhandeln, die seinen Interessen ebenso entsprechen wie denen seines
künftigen Arbeitgebers.
Seit dem Jahre 1957 sind diese Vermittlungsbüros der amerikanischen Universitäten unter einer koordinierenden Dachorganisation, dem
sogenannten "College Placement Council", zusammengeschlossen, deren
Hauptaufgabe darin besteht, allgemein verbindliche Richtlinien auszuarbeiten, um die Vermittlung junger Akademiker in geordnete Bahnen
zu lenken und damit Auswüchse zu vermeiden. In 8 Regionalverbänden

- 10 -

�Regionalverbänden gegliedert, gehören ihr heute mehr als 1000
Universitäten in den USA und in Kanada sowie rund 2000 Wirtschaftsunternehmen an.
Ein gutes Beispiel für die vielseitige praktische Arbeit dieser Vermittlungsbüros ist die Iowa State University, die bereits
auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken kann.
Schon mit Semesterbeginn setzt hier ihre beratende und aufklä- .
rende Tätigkeit ein. Broschüren über Berufswege, Verdienstmöglichkeiten und alle anderen interessierenden Fragen werden ausgegeben,
ein Terminkalender für entsprechende informatorische Zusammenkünfte
wird veröffentlicht, die Möglichkeiten zur persönlichen Beratung
der Studenten bekanntgegeben und ein "Stellenanzeiger", der die
offenen Stellen in 1750 Unternehmen enthält, an die angehenden Absolventen verteilt.
Die Beratung der Studenten erstreckt sich praktisch auf alle
Fragen, die für einen erfolgreichen Eintritt ins Berufsleben von Bedeutung sind, wie Führung eines Interviews, Schreiben von Bewerbun^sbriefen, Zusammenstellen von Zeugnissen und Urkunden, Ausfüllen spezieller Fragebogen; aber auch Kleidungs- und Forrafragen werden in
diesbezüglichen Referaten behandelt.
Die Studenten sind also in jeder Beziehung gut vorbereitet,
wenn die "'tferber" der großen Firmen kommen, um sie als Kachwuchskräfte zu engagieren. Die meisten Unternehmen ziehen es dabei vor,
zuerst einen großen Kreis von Studenten mit der Struktur ihres Betriebs bekannt zu machen sowie die dort bestehenden beruflichen Möglichkeiten und Entwicklungschancen aufzuzeigen, ehe sie in Einzelinterviews ihre Angebote konkretisieren.
Den angehenden Lehrern und Universitätsdozenten steht in den
USA eine besondere Stellenvermittlungsorganisation (Association for
School, College and University Staffing) zur Verfügung, die 250 von
den führenden Colleges und Universitäten des Landes zu Mitgliedern
hat. Rund 75 Prozent aller Volks- und Oberschullehrer und mehr als
80 Prozent aller Doktoranden, die ins Lehrfach gehen wollen, werden
jährlich an den Colleges und Universitäten ausgebildet, die diesem
Verband angehören.
Die Stellenvermittlung geschieht hier im nationalen Rahmen, so
daß die Lehramtskandidaten, die sich beim Vermittlungsbüro ihrer
Universität registrieren lassen, ein Lehramt in praktisch allen
Bundesstaaten erhalten können. Die beim Vermittlungsbüro eingehenden Hinweise auf offene Stellen an Schulen und Universitäten werden
eingehend geprüft, nach Fachgebieten und geforderten Qualifikationen geordnet und die für das ausgeschriebene Lehramt in Frage kommenden Studenten auf eine Nominierungsliste gesetzt.
V/enn auch die Praxis der offiziellen Stellenvermittlung über
die Büros der Universitäten sich als außerordentlich erfolgreich erwiesen hat und ihre Dienste von immer mehr Studenten in Anspruch genommen werden, so gibt es für den amerikanischen Studenten von heute

- 11 -

�heute doch noch zahlreiche andere Möglichkeiten, um Kontakt zu
Firmen aufzunehmen und sich ein Bild über die Arbeitsbedingungen
und beruflichen Erfolgsaussichten zu machen. Eine gute Gelegenheit hierzu bietet die praktische Arbeit während der Semesterferien, die nicht nur durch die Industrie- und Wirtschaftsunternehmen, sondern auch von Regierungsdienststellen in jeder Hinsicht
gefördert wird« Die große Zahl der "Werkstudenten" in jedem Sommer
beweist, daß Amerikas Studenten, bevor sie einen Arbeitskontrakt
abschließen, sich gerne erst mit eigenen Augen von dem überzeugen
wollen, was ihnen von den "Werbern" an den Universitäten oft in
den rosigsten Farben ausgemalt worden ist.
Natürlich gibt es auch noch den guten alten Weg, sich einen
Arbeitsplatz zu verschaffen, und viele Studenten folgen noch immer
dieser alten Tradition. Mit Zeugnissen und Referenzen unter dem
Arm klopfen sie an die Tür des Personalchefs und fragen nach dem
üblichen How do you do?: "Wie sieht es bei Ihnen mit einem Job für
mich aus?"
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gesamtvermögen der privaten Wohlfahrtsf onds
gestiegen

auf 66 Mrd. Dollar

Der Vermögensstand der über 120 000 melde- und offenlegungspflichtigen privaten amerikanischen Wohlfahrts- und Pensionsfonds
bei?ef sich Ende vorigen Jahres nach einer Aufstellung des US-Arbeitsministeriums auf rund 66 Krd. Dollar, während die Fondsreserven der staatlichen Altersversorgung 1963 einen Stand von 40,0 Lird.
Dollar und die der staatlichen Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung 20,0 Lird. Dollar erreichten. Bei Beibehaltung der derzeitigen jährlichen Wachstumsrate dürften die privaten Sozialfonds
bis zum Jahre 1970 über Reserven in Höhe von 100 Mrd. Dollar verfügen.
Von den rund 70 Millionen amerikanischen Arbeitnehmern kommen
der gleichen Übersicht zufolge gegenwärtig über 22 Millionen in den
Genuß zusätzlicher Sozialleistungen (bei Krankheit, Krankenhausaufenthalt, Operation, Unfall, Arbeitslosigkeit, Invalidität), die in
den meisten Fällen auch die Familienangehörigen der Versicherten
mit einschließen.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, sehen zwei Drittel
aller Wohlfahrtspläne Leistungen bei Krankenhausbehandlung, drei
Fünftel Leistungen bei Operationen oder Tod des Versicherten und

- 12 -

�und die Hälfte eine allgemeine Krankenversicherung vor. Zu den
anderen, weniger stark vertretenen Leistungen der privaten Wohlfahrtspläne zählen die Hinterbliebenenbeihilfen sowie Invalidenund Krankengelder. Fast in allen Plänen enthalten sind dagegen
Altersversicherungsleistungen. Auch Sterbegelder (4/5 aller Pläne)
und Versorgungsbeihilfen bei Vorliegen einer Vollinvalidität
(3/4 aller Pläne) gehören mit zu den häufigsten Leistungen.
Wenn sich auch die privaten Wohlfahrts- und Sozialpläne in den
vergangenen Jahren in praktisch allen Wirtschaftszweigen und in
allen Teilen des Landes mehr und mehr durchsetzen konnten, so ergaben sich doch die stärksten Zunahmen und die größten Leistungsverbesserungen in der Industrie und in Großstädten. In den kleineren
Gemeinden und Städten dagegen haben die privaten Sozialpläne genauso wie in den gewerkschaftlich relativ schwach organisierten Wirtschaftszweigen (Einzelhandel, Dienstleistungsindustrien) bislang
noch nicht recht Fuß fassen können. In den Haushalts- und in Landarbeiterberufen sind sie praktisch überhaupt nicht anzutreffen.
(Quelle: Eigenbericht)
*

Neuer Arbeitsvertrag bei Chrysler
Als erster der"Großen Drei" der amerikanischen Aufcomobilindustrie hat die "Chrysler Corporation" Anfang September einen neuen
Tarifvertrag mit der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschait (UAW)
abgeschlossen. Der neue Dreijahresvertrag bringt den Arbeitnehmern
dieses Unternehmens neben einer Herabsetzung der Pensionierungsgrenze
bei beträchtlich erhöhten Pensionslei stungen eine erheblich« Verbesse
rung der Arbeitsbedingungen, mehr Urlaub und mehr bezahlte Feiertage
sowie Lohnerhöhungen zwischen 14 und 24 Cent pro Stunde.
Der neue Arbeitsvertrag, der als Modell für die noch auezuhandelnden Verträge mit General Hotors, Ford sowie den übrigen Betrieben der Autoindustrie gilt, sei, wie UAW-Prüsident WalterBReuther
betonte, das bedeutendste derartige Abkommen in der Geschichte der
Gewerkschaftsbewegung. Es beweise, daß freie Gewerkschaften und freie
Arbeitgeber erfolgreiche Kollektivverhandlungen führen können. Der
Vizepräsident der Chrysler Corporation, John D. Leary, bezeichnete
die neue Übereinkunft als fair für alle Betroffenen - die Aktionäre,
die Arbeitnehmer und die Öffentlichkeit.
Der neue Vertrag, der vorerst nur für die 74 000 Arbeiter der
Chrysler-Werke gilt und erst kurz vor dem angekündigten Streikbeginn bekanntgegeben wurde, sieht eine Erhöhung des Pensionsgrundbetrags von monatlich 2,80 Dollar auf 4,25 Dollar für jedes abgeleistete Dienstjähr bis zu maximal 30 Jahren.vor. Die sich so ergebende Pension von 127*50 Dollar soll aus einem von-den beiden Sozial-

- 13 -

�Sozialpartnern errichteten Fonds auf bis zu 400 Dollar im Monat
aufgestockt werden. Die auf diese V/eise aufgestockte Pension soll
bis zum 65» Lebensjahr gezahlt werden. Danach soll - neben der dann
einsetzenden Rente aus der staatlichen Sozialversicherung - lediglich die Grundrente von 127»50 Dollar gezahlt werden.
Der leitende Vertreter der UAW bei Chrysler, Douglas Fräser,
betonte, daß die Arbeiter durch den neuen Arbeitsvertrag ermutigt
werden sollten, sich bereits mit 60 Jahren pensionieren zu lassen.
Auch schon im Alter von 55 «Jahren sei eine Pensionierung möglich.
Der Arbeiter könne dann an Pensionsbezügen bis zu JO Prozent seines
Grundlohns erhalten. Die durchschnittliche Pension für einen Arbeiter, der sich nach ^Ojähriger Betriebszugehörigkeit mit 60 Jahren
pen;Monieren lasse, belaufe sich auf etwa 381 Dollar im Llonat.
Auch für die rund 14 000 bereits pensionierten Arbeiter der
Chrysler-Werke sieht der neue Arbeitsvertrag eine Aufbesserung der
Bezüge vor. So wird die Gesellschaft für diese Arbeiter die gesamten Kosten für Krankenhaus- und Krankenversicherung tragen. Als weitere wichtige Bestimmung sieht der neue Vertrag neben der normalen
Mittagspause eine Verlängerung der sonstigen Arbeitspausen für die
am Fließband beschäftigten Arbeiter um 50 Prozent, und zwar von
bisher 24 Minuten auf nunmehr 36 Minuten pro Arbeitstag vor. Ferner
werden die Grundlöhne um 14 bis 24 Cent pro Stunde angehoben, die
Zahl der bezahlten Feiertage wird um zwei auf neun pro Jahr und der
Jahresurlaub um eine V/oche auf drei Wochen erhöht. Außerdem wird
die Hinterb lieb enenver .- orgung verbessert.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen
Gewerkschaften
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (i)

Seite 1
Seite 14

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen Gewerkschaften
Die Untersuchungsergebnisse in Kürze
Die Gesamtmitgliederzahl aller nationalen ' und internationalen^ Gewerkschaften der USA ist nach der jüngsten Erhebung des
"Amtes für Arbeitsstatistik" des US-Arbeitsministeriums zwischen
i960 und 1962 um 487 000 zurückgegangen. Damit hat sich der rückläufige Trend, der nach der stetigen Zunahme der Mitgliederzahl
seit den dreißiger Jahren von 1956 an festzustellen ist, weiter
fortgesetzt. Er hat bisher insgesamt einen Verlust von 847 000
Mitgliedern gebracht. Der Hauptanteil entfällt dabei auf die Fertigungsindustrie, wo die Gesamtbeschäftigtenzahl in einzelnen Industriezweigen während der vergangenen Jahre stark abgenommen
hat; dennoch läßt sich der Mitgliederschwund auf keinen Einzelfaktor zurückführen. Der geringe Anstieg der Mitgliederzahl zwischen
1961 und 1962 könnte jedoch auf eine Trendumkehr hindeuten.
Während die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer in der Privatindustrie zwischen 1960 und 1962 allgemein
zurückging, nahm sie im öffentlichen Dienst beträchtlich (um
154 000) zu, was in erster Linie auf den 1962 veröffentlichten
Präsidialerlaß zurückzuführen ist, in dem das Koalitionsrecht der
öffentlichen Bediensteten ausdrücklich anerkannt wurde und die
Beamten und Angestellten zum Gewerkschaftsbeitritt ermutigt
wurden.
Im

l Tätigkeit nur auf die USA beschränkt
' Mit Mitgliedern in anderen amerikanischen Staaten,
vor allem in Kanada
- 1-

�Im Jahre 1962 betrug die Gesamtmitgliederzahl aller 181 nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften 17»6 Millionen. In dieser Ziffer eingeschlossen sind rund 1 Million kanadische
Gewerkschaftsmitglieder. Von diesen 17»6 Millionen Mitgliedern gehörten 14*8 Millionen (- 237 000) Gewerkschaften an, die im Verband der
AFL-CIO zusammengeschlossen sind, während 2,8 Millionen (- 250 000)
unabhängigen Gewerkschaften angehörten.
Von den 181 Gewerkschaften wiederum waren 130, die rund 84 Prozent
aller Mitglieder auf sich vereinigten, der AFL-CIO angeschlossen. Dieser Anteil war seit dem Ausschluß der Transportarbeitergewerkschaft
(Teamsters) sowie zweier kleinerer Arbeitnehmerverbände im Jahre 1957
praktisch konstant geblieben. Die Zahl der Ortsverbände der AFL-CIOGewerkschaften belief sich im Zeitpunkt der Erhebung auf insgesamt
62 000, die der Ortsverbände unabhängiger Gewerkschaften auf rund
12 000. Etwa 465O "local unions" hatten ihren Sitz außerhalb der Vereinigten Staaten, davon allein 4400 in Kanada.
Auch die Mitgliederstruktur hat sich im Vergleich zur letzten
Erhebung (i960) nur unwesentlich verändert. Die Zahl der weiblichen
Gewerkschaftsmitglieder ging um rund 53 000 auf 5 272 000 zurück, die
der organisierten Angestellten stieg um 93 000 auf 2 285 000 an. Trotz
des nicht unerheblichen Rückgangs der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft blieb das Mitgliederverhältnis zwischen Fertigungsindustrie und den anderen Wirtschaftszweigen praktisch ausgeglichen. Die Masse der organisierten Arbeitnehmerschaft in den USA entfällt weiterhin auf die großen Gewerkschaften.
Art und Durchführung der Erhebung
Die in diesem Artikel benutzten Angaben wurden dem in Kürze erscheinenden "Directory of National and International Labor Unions in
the United States, 1963" entnommen, das vom "Amt für ,rbeitss.tatistik"
des US-Arbeitsministeriums nach Auswertung der an alle Gewerkschaften
verschickten Fragebögen zusammengestellt wurde. In den wenigen Fällen,
in denen die Gewerkschaften die Fragebögen nicht.an das Amt zurückschickten, wurden die hier verwendeten Angaben aus anderen Informationsquellen der Arbeitnehmerorganisationen und aus den im Archiv des Amtes
aufbewahrten Tarifverträgen entnommen.
Eine präzise Ermittlung der Kitgliederzahlen der Gewerkschaften
ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich,,einmal, weil einige Gewerkschaften - aus Prestigegründen oder um einen Mitgliederrückgang zu verschleiern - dazu neigen, höhere Ziffern anzugeben, andere wiederum es
für zweckmäßiger und vorteilhafter halten, tiefzustapeln und niedrigere
Ziffern einzusetzen. Die Hauptschwierigkeit besteht jedoch in der unterschiedlichen Auslegung des Begriffs "Mitglied" innerhalb der einzelnen Gewerkschaften. Um n zdton zu einer einheitlichen Berichterstattung
zu gelangen, hat das "Amt für Arbeitsstatistik" die Gewerkschaften jeweils gebeten, in die.Fragebögen die durchschnittliche Zahl der in dem
Berichtsjahr Beitrag zahlenden Mitglieder einzusetzen. Wie jedoch eine
genaue Analyse der beantworteten Fragebögen ergab, haben sich nicht
alle Gewerkschaften an diese Norm gehalten, und in einigen Fällen wurden auch von der Beitragsleistung befreite (arbeitslose, im Streik

- 2 -

�Streik befindliche us»») Arbeitnehmer mit aufgeführt« Trotz solcher gewisser Unzulänglichkeiten auf einigen Gebieten dürfte die
übersieht über die Mitgliederbewegungen in den amerikanischen Gewerkschaften dennoch ein ziemlich genaues Bild von dem derzeitigen Stand geben.
Die Gesamtmitgliederzahl
Diese Mitgliederübersicht (s. Seite 4) wurde nach Berichten von
169 Gewerkschaften und auf Grund von Schätzungen der Mitgliederbewegungen in 12 Arbeitnehmerorganisationen aufgestellt. Sie gibt Aufschluß über die llitgliederzahl sämtlicher nationaler und internationaler Gewerkschaften, die ihren Sitz in den Vereinigten Staa.ten
haben. Sicht eingeschlossen jedoch sind einzelne Betriebsgewerkschaften sowie größeren Gewerkschaften oder Verbänden nicht angeschlossene Ortsvereine, die zusammen etwa 450 000 Mitglieder aufweisen
dürften.
Wie daraus hervorgeht, verteilen sich die seit i960 eingetretenen Mitgliederverluste ziemlich gleichmäßig auf die AFL-CIC und
die unabhängigen Gewerkschaften. Beide Gruppen hatten es sehr schwer,
ihren Mitgliederbestand insbesondere in jenen Industriezweigen zu
halten, in denen sich die größten technologischen Veränderungen vollzogen und in denen sich die Beschäftigungsstruktur erheblich wandelte .
Von den insgesamt 181 nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften haben 128 Sektionen und Ortsvereine mit einer Gesamtmitgliederzahl von 1,1 Millionen im Ausland, was einer Zunahme
gegenüber 196O um 10 000 und einem Anteil an der Gesamtmitgliederzahl
aller Gewerkschaften von rund 6 Prozent entspricht.
Mitgliedertrends und Veränderungen
Nach einer spektakulären Zunahme der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in den USA zwischen 1936 und 1944 flachte die ansteigende
Mitgliederkurve - bei ziemlich konstanter Zuwachsrate - in den nächsten Jahren etwas ab und erreichte 1956 mit 17»5 Millionen (ohne 1
den bisherigen Gipfelpunkt. Seit diesem Zeitpunkt ist ein kuckgang
der Mitgliederzahl um rund 900 000 eingetreten. Im Jahre 1962 lag sie
etwas unter dem Niveau des Jahres 1955» und der Abwärtstrend scheint
in diesem Jahr (1962) seinen Tiefpunkt überschritten zu haben, wie
der Anstieg der Mitgliederzahl gegenüber 1961 um 300 000 andeutet«
Die amerikanischen Gewerkschaften haben aber nicht nur einen erheblichen Mitgliederschwund hinnehmen müssen, auch ihre relative
Stärke, gemessen am Verhältnis der Gesamtzahl der organisierten Merktätigen zur Gesamtbeschäftigtenz'iffer (Tabelle 1 ) , hat seither abgenommen. Seit 1956 hat sich dieses Verhältnis ständig zuungunsten
der Gewerkschaften verändert} es ist z.Z. etwa 1; 4. Selbst in denjenigen Dienstleistungs- und Industriezweigen, die seit je eine Do li ne der Gewerkschaften waren und den höchsten Prozentsatz an organisierten Arbeitnehmern aufweisen, ist der Trend rückläufig gewesen.
Das Verhältnis beträgt hier gegenwärtig 3;".
Mitgliederzahlen 1961

- 3

�Litgliederzahlen 1 961

AFL-CIO - nach Angaben von
121 Gewerkschaften
AFL-CIO - nach Schätzungen für
10 Gewerkschaften

13 332 642
1 168 250

AFL-CIO - direkt angeschlossene
Ortsvereine und Betriebsgewerkschaften

71 000

Gesamt AFL-CIO

14 571 892

Unabhängige - nach Angaben von
43 Gewerkschaften

2 598 464

Unabhängige - nach Schätzungen für
10 Gewerkschaften

157 906

Gesamt Unabhängige

2 756 370

Gesamtmitglied &lt;.. rzahl
aller Gewerkschaften

17 328 262

Mitgliederzahlen 1962

AFL-CIO - nach Angaben von
125 Gewerkschaften
AFL-CIO - nach Schätzungen für
5 Gewerkschaften
AFL-CIO - direkt angeschlossene Ortsvereine und Betriebsgewerkschaften

13 736 363
1 033 207

65 819

Gesamt AFL-CIO
Unabhängige - nach Angaben .von
44 Gewerkschaften
Unabhängige - nach Schätzungen für
7 Gewerkschaften
Gesamt Unabhängige
Gesamtmitgliederzahl
aller Gewerkschaften

14 835 389
2 704 600
89 665
2 794 265

17 629 654

�Tabelle 1
Zahl der organisierten Arbeitnehmer und ihr Anteil
am Arbeitspotential

Arbeitspotential
Jahr

Gesantmtglied- •
schaft ;

Zahl

Anteil der
Gewerkschaften
i n &lt;f&gt;

1956

17 490 000

70 387 000

24,8

1957
1958

17 369 000
17 029 000

70 744 000
71 204 000

24,6

1959
i960

17 117 000

71 946 000
75 126 000
74 175 000
74 681 000

1961
1962

17 049 000
16 303 000
16 586 000

23,9
23,8
25,3
22,0
22,2

Gesamtbeschäftigung
(ohne Landwirtschaft)
Zahl
Anteil der
Gewerkschaften
in #
52 408 000
52 904 000

33,4
32,8

51 423 000
53 404 000
54 370 000

33,1
32,1

54 224 000
55 841 000

31,4
30,1
29,7

1) ohne kanadische Mitglieder

Trotz des Mitgliederrückgangs seit 1956 neideten rund 3/5 aller
Gewerkschaften für die Periode 196O-62 entweder Zunahmen oder keine Veränderungen in der Zahl ihrer Mitglieder. Auf der anderen Seite neidete
jede 7» Gewerkschaft einen Mitgliederverlust von 10 Prozent und nehr
im ErhebungsZeitraum» Geringere Veränderungen (weniger als 5 Prozent)
ergaben sich 1961/62 bei nehr als 2/3 dieser Gewerkschaften. Zwischen
1951 und 1962 verzeichneten 4/5 aller amerikanischen Gewerkschaften Gewinne oder Verluste von 10 Prozent oder mehr.
Zu denjenigen Arbeitnehmerorganisationen, die in diesem Zeitraum
Mitgliederverluste aufwiesen, gehören vor allem die Gewerkschaften der
Eisenbahner, der Bergarbeiter, der textil- und metallverarbeitenden Industrien sowie des Nachrichtenwesens. Zu den Organisationen, die die.
Zahl ihrer Mitglieder erhöhen konnten, zählen die Gewerkschaften der
Angestellten in öffentlichen Dienst, des Luft- und Seetransports sowie
des Einzelhandels und anderer.Dienstleistungszweige.
Von

- 5-

�Von den sechs größten amerikanischen Gewerkschaften, die jährlich Berichte über Mi.tgliederfcewegungen veröffentlichen, hat nur die
International Brotherhood of Electrical Workers (iBEff) zwischen 1951
und 1962 ihre l.Iitgliederzahl ständig erhöhen können: um 293 0^0 baw«
um 59 Prozent. Der größte jährliche Zuwachs wurde dabei 1958 (250 000)
erzielt.

Tabelle 2
Struktur der amerikanischen Gewerkschaften auf Grund von
l.Iitgliederzahl und Verbandszugehörigkeit

Sämtliche Gewerkschaften

Verbands Zugehörigkeit
'"
APL-CIO
Unabhängig

Zahl der Mitglieder
Zahl Prozent Mitglieder
in 1000
Sämtliche
schaften

Gewerk181

100,0

17 564

15

8,2

6

1000-4999

29

16,0

134

5000-9999

14

7,7

10 0 0 0 - 2 4 999

27

25 0 0 0 - 4 9 999
59 0 0 0 - 9 9 999

bis

in

1000

1 00,0

130

51

5

10

0,8

13

16

95

0,6

8

6

14,9

411

2,3

24

5

26

14,4

5,5

17

9

26

14,4

959
1 762

10,0

22

4

3 354
1 917
1 575

19,0

22

1

10,9

7

-

7,8

4

-

10,0

1

18,7

3
4

14,4

1

1

•7

100 0 0 0 - 1 9 9 999

23

12,7

200 0 0 0 - 2 9 9 999

7

3,9

300 0 0 0 - 3 9 9 999

4

2,2

400 OOO-499 999

4

2,2

500 OOO-999 999

4

2,2

1 765
3 278

ü b e r 1 000 000

2

1,1

2 551

2)
' weniger als 0,05 Prozent

- 6-

2)

-

�Die Transportarbeitergewerkschaft, die ab 1951 einen stetigen
Anstieg ihrer Mitgliederzahl verzeichnete und 1 %0 fast die 1,5Hillionen-Harke erreichte, hat seit 1961 einen geringen Rückgang
aufzuweisen» In der Periode 1951-62 ergibt sich für die "Teamsters"
trotzdem noch.ein Mitgliederzuwachs von 457 000» Das ist.der stärkste Anstieg unter diesen sechs größten Gewerkschaften, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die stärkste Zunahme in den Jahren
1951-57 (417 000) erfolgte.
Sowohl bei der Stahl- (USA) als auch bei der Autonobilarbeitergewerkschaft (UAYf) deckt sich die I.Iitgliederkurve weitgehend mit dem
konjunkturellen Trend, d.h., beide verzeichneten in der Rezessionsperiode 1957/58 erhebliche Rückgänge, während in der nachfolgenden
Aufschwungsperiode die Kurve wieder einem Aufwärtstrend folgte. Die
Automobilarbeitergewerkschaft hat seither, von geringeren Schwankungen abgesehen, einen stetigen Ilitgliederzuwachs zu verzeichnen gehabt,
wobei die Gesamtzahl auf etwas über 1 Million anstieg. Dennoch hat
diese einst stärkste amerikanische Gewerkschaft ihre 1953 erzielte
Ilitgliederspitze (1 418 000) nicht wieder erreichen können. Die Stahl»
arbeitergewerkschaft dagegen weist seit 1959 - 1'-"^" Spitzenjahr mit
1 250 000 Mitgliedern - einen beträchtlichen Rückgang auf, ••• i.ei
die hier vorgenommene Umstellung in der Mitgliedererfassung und -Zählung den Hauptfaktor bilden dürfte. Donn während in den früheren
Jahren auch sämtliche Mitglieder, die keine bzw. «mäßigte Beiträge
zahlten, als Vollmitglieder gezählt wurden* sind in den Aufstellungen der Jahre 1961 und 1962 nur die den vollen Beitrag entrichtenden
Mitglieder aufgeführt.
Auch bei den Gewerkschaften der Maschinenbauer und der Zimmerleute sind die Mitgliederzählen in den vergangenen Jahren stark rückläufig gewesen. So hat z.B. die IAM-Gewerkschaft seit 1958 rund 125 000
Mitglieder» die Zimmerleutegewerkschaft seit 1956 110 000 Mitglieder
verloren.
Größe und Struktur der Gewerkschaften
Im Vergleich zu den früheren Erhebungen hat sich die Größe der
einzelnen Gewerkschaften und die zahlenmäßige Rangfolge bei den nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften kann verändert!
Zu den 43 Gewerkschaften» die bei der letzten Erhebung mehr als
100 000 Mit lieder zählten, sind drei weitere, die Gewerkschaften der
Feuerwehrleute» der Regierungsangestellten und der Postbedlens äten,
hinzugekommen» während zwei Arbeitnehmerorganisationen» die Geverksohaft
der Pleisohkonservenarbeiter (98 000) und die der Berg- und Hüttenarbeiter (75 000), aus diesem Kreis ausgeschieden sind. (Tabelle 5)
Geringere Verschiebungen haben sich auch in der Rangordnung der
sechs größten Gewerkschaften ergeben, die jeweils mehr als 700 000
Mitglieder aufweisen« Die jetzt hinter der Iransportarbeitergewerksohaft
an zweiter Stelle stehende Autömobilarhsitergewerksohaft hat sich um
einen Platz verbessern und die Stahlarbeitergewerkschaft auf den dritten Platz verwei en können. Der vierte Bang wird immer noch von den
Maschinenbauern verteidigt» während die lektriker (iBLTf) sich auf
den fünften Platz vorschieben und damit die jetzt an sechster Stelle

- 7

�Tabelle 3
National« und internationale Gewerkschaften
mit mehr als 100 000 Mitgliedern
(Stand 1?62)
Gewerkschaft

Mitglieder

Gewerkschaft

Mitglieder

Transportarbeiter
1 457 252
(Teansters) (unabh.)

Zugbegleiter

196 000

Autoraobilarbeiter
(UAV)

Textilarbeiter (TVHJA)

183 000

878 516
867 759
793 000

Holzschliffarbeiter

174 062

Ölarbeiter

168 1 90

739 207
450 000
445 000

Groß- und Einzelhandel

159 356

Gummiarbeiter

1 58 344

Straßenarbeiter

152 691

Damenoberbekleidung
(iLGYnj)

441 000

Maurer

151 000

Steinträger
Bekleidungsarbeiter

429 279
376 000

Briefträger

1 50 114

Verkäufer
Fleischer

363 983

Postan-estellte
Sisenarbeiter

145 000
138 789

1 073 547

Stahlarbeiter (USA)
Mas chinenbauer
Elektriker (IBM)
Zimmerleute
Bergarbeiter (unabh.)
Hotelangestellte

Elektriker (UE) (unabh.) 163 000

333 023
Eisenbahn- und Schiff- 300 000
fahrtsangestellte
Betriebstechniker
296 503

Transportarbeiter
Straßenbahner

135 000
134 000

Papierarbeiter

130 125

Elektriker (IUE)

295 000

Rangierer

126 000

Gebäude-Dienstleistungsarbeiter

294 359

Kesselschmiede

125 000

Musiker

281 949
278 678

Drucker

11 5 604

Valzwerkarbeiter

110 87O

250 531

Feuerwehrleute

109 035

Öffentlicher Dienst

220 000

Kegierungsar.£e4teilte
(AFGE)

1 06 042

Anstreicher

196 487

Typographen

106 001

Telephon-,Telegraphenarbeiter
Klempner

- 8 -

�Stelle rangierende Zimmerleutegewerkscha. t überflügeln konnten.
Weibliche Mitglieder
Die Gesamtzahl der gewerkschaftlich organisierten weiblichen
amerikanischen Arbeitnehmer belief sich nach den beim "Amt für
Arbeitsstatistik" eingegangenen Berichten von 145 Gewerkschaften
und nach Schätzungen über den Mitgliederbestand von 56 weiteren
Organisationen auf annähernd 3,3 Millionen. Dttcit ist gegenüber
1960 ein Rückgang um 55 000 eingetreten, der jedoch das bisherige
Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Gewerkschaftsmit liedern (etwa 1»5) nicht veränderte. Infolge der erheblichen Zunahme
der Zahl weiblicher Arbeitskräfte hat sich jedoch das Verhältnis
zwischen gewerkschaftlich organisierten und nicht organisierten
weiblichen Arbeitnehmern von 1 J 6 (i960) auf 1*7 verschoben. Bei
den Männern dürfte das Verhältnis etwa 1*3 betragen, was ebenfalls
einem leichten Rückgang entspricht.
Tabelle 4
Anteil der weiblichen Mitglieder an der Gesamtmitgliederzahl

Gruppe

Sämtliche Gewerkschaften
Keine weiblichen Mitglieder
Unter 10 Prozent
Zwischen 10 u. 19,9 Prozent
Zwischen 20 u. 29,9 Prozent
Zwischen 30 u. 39,9 Prozent
Zwi chen 40 u. 49,9 Prozent
Zwischen 50 u. 59,9 Prozent
Zwischen 60 u. 69,9 Prozent
Zwischen 70 u. 79,9 Prozent
Zwischen 80 u. 89,9 Prozent
über 90 Prozent

Sämtliche Gewerkschaften
Anzahl der weibZahl
Prozent
liehen Mitglieder
in 1000

in $
100,0

181

100,0

5272

48

26,5
52,0

-

168

5,1

11 ,6

620

18,9

12

6,6

9,5

8 •
12

4,4 •
6,6

505
458

13,4

425

12,9

459
195

13,4

659
50

19,5

58
21

8

4,4

7
4

3,9
2,2

3

1,7

_

_

m

-

5,9
1,5
_

Während

�Während in 22 Gewerkschaften - auf die rund 2/5 aller weiblichen organisierten Arbeitnehmer entfallen - die weiblichen Mitglieder die Mehrheit bilden, liegt der Anteil der Frauen an der
Gesamtmitgliederzahl in 106 Gewerkschaften (rund 3/5 aller Gewerkschaften) zwischen 0 (48 Organisationen) und 10 Prozent. In den
drei Gewerkschaften, in denen die Frauen 80 und mehr Prozent der
Gesamtmitgliederzahl ausmachen, beläuft sich ihre Zahl insgesamt
auf rund 50 000.
Der überwiegende "Blue-collar"-Charakter der amerikanischen
Gewerkschaften kommt auch in der Arbeitsplatzstruktur der weiblichen
Mitgliedschaft zum Ausdruck. So entfallen zum Beispiel auf zwei Gewerkschaften der Bekleidungsindustrie (Amalgamated Clothing V.rorkers"
und "International Ladies' Garment Workers Union") allein etwa
17 Prozent aller weiblichen Gewerkschaftsmitglieder. Zu den anderen
Gewerkschaften mit einer großen Zahl weiblicher Mitglieder gehören
ferner die Elektrikergewerkschaft (IBEW), die Gewerkschaf en der
Hotel- und Restaurantangestellten, Verkäufer, Automobilarbeiter und
Telephon- und Telegraphenarbeiter.
Mitglieder aus den Angestelltenberufen
Die Zahl der in den Angestelltenberufen tätigen Arbeitnehmer
ist in den USA erstmals 1956 größer gewesen als die Zahl der in Industrie und Handwerk Beschäftigten. In dem Maße, wie sich die "Whitecollar"-Berufe in den folgenden Jahren ausweiteten, nahm auch der
Anteil dieser Beschäftigtengruppe an der Gesamtzahl aller verfügbaren Arbeitskräfte weiter zu, während die Zahl der "blue-collar1
workers" im gleichen Verhältnis zurückging. Die amerikanischen Gewerkschaftsführer haben in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, daß die Arbeitnehmerorganisationen sich aus ihrer traditionellen "Blue-collar"-Orientierung lösen und sich in verstärktem Maße
um die Organisierung der Angestellten bemühen müßten, wenn sie nicht
künftig an Einfluß verlieren wollten. Dennoch haben sich die Mitgliederziffern für Angestellte seit 1956 nur unwesentlich geändert.
Mitglieder aus den
Angestelltenberufen

Anteil an der Gesamtmitgliedschaft

1956

2 463 000

13,6 i»

1958

2 184 000

12,2 fo

1960

2 192 000

12,2 °/o

1962

2 285 000

13,0 fo

Obwohl die 1962 für Gewerkschaftsmitglieder in Angestelltenberufen registrierte Ziffer von rund 2,3 Mio. im Vergleich zu 1 -60 um
93 000 höher liegt, so ist diese Zunahme doch relativ gering, wenn
man berücksichtigt, daß es heute rund 22 Millionen organisationsfähige
Arbeitnehmer in diesen Berufszweigen gibt. Au erdem entfallen etwa
2/5 dieser Zunahme allein auf zwei Gewerkschaften des öffentlichen

- 10 -

�öffentlichen Dienstes, die hier zum ersten Mal in einer Mitgliedererhebung in Erscheinung treten. Man kann also sagen, daß auf diesem
Sektor seit 1956 praktisch ein Stillstand eingetreten ist.
Mitgliedergewinne unter den Angestellten wurden 1962 bei den
Gewerkschaften für die Angestellten im öffentlichen Dienst, der Dienstleistungszweige und des Einzelhandels festgestellt, während Mitgliederrückgänge in zahlreichen führenden Gewerkschaften verzeichnet wurden, die ihre Mitglieder in erster Linie aus Wirtschaftszweigen mit
einer überwiegenden "Blue-collar"-Struktur rekrutieren.
Fast 2/3 aller Gewerkschaftsmitglieder aus den Angestelltenberufen ( 1 447 000) waren zum Zeitpunkt der Erhebung in nichtindustriellen Betrieben beschäftigt, während sich der Rest auf die öffentliche
Verwaltung (521 000) und die Fertigungsindustrie (317 000) verteilte.
Die Zugänge in der Verwaltung betrugen seit i960 rund 112 000 und in
den nichtindustriellen Zweigen der Wirtschaft 30 000. Diesen Zugängen
stehen Abgänge in der Fertigungsindustrie in Höhe von 49 000 Mitgliedern gegenüber.
Die Mitgliederstruktur in der Industrie
Seit der ersten Erhebung dieser Art im Jahre 1956 ist ein starker
Rückgang in der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer
in der Industrie, ein geringerer in den nichtindustriellen Zweigen
der US-Wirtschaft eingetreten, denen ein geringer, aber stetiger Anstieg im öffentlichen Dienst gegenübersteht.
Verteilung der Gewerkschaftsmitglieder auf
die einzelnen Wirtschaftszweige

Jahr

Industrie

1956

8 839 000 48,8

8 350 000

46,1

1958

8 359 000 46,5
8 591 000 47,6
8 050 000 45,8

8 574 000

47,7
46,6

1960
1962

in Ja

Übrige Wirtschaft

8 375 000
8 289 000

in Ja

47,2

Öffentlicher
Dienst
915
1 035
1 070
1 225

000
000
000
000

in Ja

5,1
5,8

5,9
7,0

Der hohe Mitgliederverlust in der Industrie (800 000 seit 1956)
erklärt sich durch die erhebliche Einbuße an industriellen Arbeitsplätzen in diesem Zeitr&gt; um. Der Rückgang der Mitgliederzahl um 541 000 seit
1960 schließt einen Verlust von 308 000 Arbeitsplätzen in der Metallindustrie und von 136 000 Arbeitsplätzen in der Waggon- und Fahrzeugbauindustrie ein.
Drei große Wirtschaftszweige - Metall und Maschinenbau, Transportwesen, Hoch- und Tiefbau - vereinigen auch weiterhin die Masse der organisierten Arbeitnehmer der USA auf sich (mehr als 2/5). Zu den anderen Industriezweigen, in denen die Gewerkschaften über mehr als 1 Million Mitglieder verfügen, gehören« Nahrungsmittel und Tabak, Bekleidung und Leder, Waggon- und Fahrzeugbau, Gro - und Einzelhandel.
Tabelle 5
- 11 -

�Tabelle 5
M i t g l i e d e r s t r u k t u r d e r US-Gewerkschaften nach W i r t s c h a f t s z w e i g e n

Sämtliche
Wirtschaftszweig

Gewerkschaften
Mitglieder

Zahl

i n 1000

in

Sämtliche Gewerkschaften

181

Fertigungsindustrie

107

8 050

45,8

Nahrungsmittel, Getränke, Tabak

28

6,0

Textil, Bekleidung, Leder

24

1 045
1 226

7,0

Möbel, Holz, Papier

23

766

4,4

Druckerei und Verlag

559

2,0

Erdöl, Chemie, Gummi

15
20

491

2,8

Stein, Ton, Glas

18

269

1,5

Metall, Maschinenbau

58

2 585

Trans po rtaus rüs tungen

16

1 187

14,7
6,8

Verschiedene

25

123

0,7

103

8 289

47,2

Bergbau, Steinbrüche

11

552

2,0

Bauwirtschaft

28

15,8

Transport und Verkehr

47

2 417
2 572.

6

416

2,4

Öffentliche Versorgung

16

327

1,9

Handel

19

1 129

6,4

5

31

0,2

55

996

Landwirtschaft und Fischerei

7

36

5,7
0,2

Verschiedene

8

14

0,1

41

1 225

7,0

Andere Wirtschaftszweige

Fernmeldewesen

Finanz und Versicherung
Dienstleistung^ zweige

Öffentlicher Dienst

- 12 -

._1Z_5_64_

_!Q0 1 o_ ;

14,6

�Verbands Zugehörigkeit
Unabhängig

AFL-CIO
Firtschaftszweig

Mitglieder

Zahl

Mitglieder
i n 1000

i n &lt;$&gt;

i n 1000

in i

130

14 770

100.0

51

78

7 141

48,4

29

909

32,5

N a h r u n g s m i t t e l , Get r ä n k e , Tabak

18

596

4,0

10

449

16,1

Textil,Bekle idung,Leder

17

1 211

8,2

15

0,5

Möbel,Holz,Papier

18

735

5,0

31

1,1

Druckerei u.

11

312

2,1

47

1,7

Erdöl,Chemie,Gummi

16

382

2,6

7
5
4
4

5,9

Stein,

16

257

1,7

2

109
12

0,4

Metall, Maschinenbai

25

2 346

15,9

Transp ortausrüstungen

14

1 187

8,0

15
2

237
1)

8,5
1)

Versdi iedene

15

114

0,8

8

9

0,3

76

6 680

45,2

27

1 609

57,6

8

51

0,5

10,8

2 339

15,8

5
7

301

rv&gt;

Zahl

78

2,8

35

1 678

11,4

12

895

32,0

4

354

2,5

2

82

2,9

37

1,3

159

5,7

Sämtliche Gewerkschaften

Fertigungsindustrie

Ton,

Verlag
Glas

Andere Wirtschaftszweige
Bergbau, Steinbrüche
Sauwirtschaft
Transport und Verkehr
Fernmeldewesen

._2_Z9_4_ ..IQO^Q

Öffentl. Versorgung

11

291

2,0

Handel

14

970

6,6

5
5

3

28

0,2

2

3

0,1

28

975

6,6

5

21

0,7

Landwirtschaft u.Fischerei 4
Verschiedene
4

10

0,1

3

26

0,9

1)

4

8

0,3

14

277

9,9

Finanz und Versicherung
Dienstieistungszweige

Öffentlicher

0 weniger

Dienst

a l s 0,05

27

6
948

Prozent

6,4

( Q u e l l e : Monthly Labor Review,
Mai 1964, V o l . 8 7 , N r . 5 )
- 15 -

�Lawrence Rogin, Leiter der Abteilung Erziehung der AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (i)
Vor etwa 1 50 Jahren begannen die jungen amerikanischen Gewerkschaften, auf örtlicher Ebene lose Zusammenschlüsse zu bilden und
ihre Kräfte zusammenzufassen, um die wirtschaftlichen Interessen
des Arbeiters - dauerhafte Beschäftigung, angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen - besser vertreten zu können.
Diese Entwicklung war Teil des Vfachstumsprozesses der amerikanischen Demokratie. Und die amerikanischen Arbeiter waren weitsichtig genug, um zu erkennen, daß es die Demokratie über den Bereich
des Arbeitsplatzes hinaus auszudehnen galt. Die frühen zentralen
Gewerkschaftsbünde setzten sich sowohl politische als auch wirtschaftliche Ziele. Sie waren entschlossen, dafür zu sorgen, daß sich die
Verheißung der amerikanischen Demokratie auch unter den Bedingungen
der entstehenden Industriegesellschaft erfüllte. Das aber bedeutete,
daß man für Gleichheit der Chancen und für die Abschaffung der Klassenprivilegien einzutreten hatte.
Es war daher auch ganz selbstverständlich, daß sich die damaligen
Gewerkschafter die Forderungen der bekannten Pädagogen Horace Mann
und Henry Bernard zu eigen machten und ihren Kampf um ein allgemeingültiges, umfassendes öffentliches Erziehungssystem mit Nachdruck
unterstützten. SLer konnten ihre Auffassung schließlich gegen diejenigen durchsetzen, die Bildung als ein Privileg der Vermögenden verstanden wissen wollten und die in der Forderung nach freier, umfassender und gleicher Erziehung einen gefährlichen Angriff auf das
amerikanische System erblickten.
Seitdem haben die amerikanischen Gewerkschaften unablässig die
Forderung nach einem Höchstmaß an Chancen für alle auf dem Gebiet der
Bildung erhoben. Sie setzten sich für Schulpflicht und Schulgeldfreiheit, für die Einbeziehung des höheren Schulwesens in das öffentliche
Schulsystem, für die Einrichtung von Berufsschulen und akademische:
Berufsausbildung ein und forderten, daß das Einkommen der Eltern
niemals ein Hindernis für das Universitätsstudium sein dürfe.
Aber zwischen Absicht und Verwirklichung liegt ein weiter Weg.
Zwar ist die Gelegenheit zum Studium an Colleges und Universitäten
in den USA noch nie so günstig gewesen wie heute, nichtsdestoweniger
ist die wirtschaftliche Barriere für viele noch ein beträchtliches
Hindernis.
Erst kürzlich hat Francis Keppel, der Beauftragte der amerikanischen Regierung für das Erziehungswesen, dargelegt, daß jedes Jahr
zirka 100 000 bis 200 000 Oberschulabsolventen mit Hochschulbefähigung
meist aus finanziellen Gründen ihren Bildungsgang abbrechen müssen.
Und dabei steigen die Studienkosten weiter an, und zwar schneller als
die Einkommen der Arbeiter. Sowohl die öffentlichen als auch die privaten höheren Lehranstalten sahen sich in den vergangenen Jahren immer
wieder gezwungen, die Gebührensätze zu erhöhen, und alles spricht dafür, daß sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird.
Natürlich

- 14 -

�Natürlich nimmt die Zahl der Stipendiaten zu. Eine halbe Million Dollar wenden allein die Gewerkschaften für Stipendien auf,
die rund 1000 Studierenden zugute kommt. Aber alles in allem decken
Stipendien nur fünf Prozent der Gesamtaufwendungen aller Studierenden ab. Hinzu kommt noch, daß das durchschnittliche Jahresstipendium nicht einmal 200 Dollar ausmacht.
Als problematisch wird außerdem empfunden, daß die Stipendien
nur den hervorragendsten Begabungen zugute kommen. Davon ausgeschlossen bleiben jene Absolventen der High Schoala, die durch ihre
schulischen Leistungen klar den Kachweis erbracht haben, daß die
Fortsetzung ihrer Ausbildung sinnvoll wäre, und denen aus finanziellen Gründen das Studium verwehrt ist. Für sie muß eine andere
Losung gefunden werden.
Zur Kostenfrage kommt die Raumfrage hinzu. Mit anderen Worten:
es ist fraglich, ob Colleges und Universitäten über genügend Einrichtungen verfügen werden, um alle jungen Menschen aufzunehmen, die sich
zu immatrikulieren wünschen. Der US-Beauftragte für das ErziehungSwesen, Keppel, schätzt, daß die amerikanischen höheren Bildungsanstalten in den nächsten sieben Jahren Platz für zusätzliche 3 Millionen
Studenten schaffen müssen} das bedeutet mehr Hörsäle, mehr Laboratorien, mehr Büchereien u n d - das schwierigste Problem - mehr Dozenten!
Wachsende Kosten und verschärfte Aufnahmeverfahren erschweren
dem "guten" Studenten aus einer Familie mit niedrigem Einkommen den
Zugang zur College-Erziehung, während Studenten aus Familien mit hohem
Einkommen immer in der Lage sind, einen Studienplatz zu finden. Die
amerikanischen Gewerkschaften sind jedoch nicht bereit, Universitätsbildung als ein Vorrecht der Gutsituierten und Hochbegabten anzuerkennen. Sie betrachten die Gleichheit der Chancen auf dem Erziehungssektor
als wesentliches Kennzeichen einer demokratischen Gesellschaft, und im
Lauf der Zeit hat sich die amerikanische Gesellschaft diesen Grundsatz
auch mehr und mehr zu eigen gemacht. Die Gewerkschaften aber sind der
Meinung, daß jetzt die Zeit gekommen ist, einen Schritt weiter zu gehen.
Die Gewerkschaften haben sich fiti eine wesentliche Erhöhung des
Finanzaufwands für Bildungszwecke ausgesprochen. Ein Teil des Geldes
wird aus privaten Quellen fließen, und zwar in Gestalt der schon erwähnten Stipendien oder nennenswerter Beiträge von Stiftungen, Firmen,
und Einzelpersonen. Aber die Masse der Mittel wird durch den Staat aufgebracht werden müssen, und zwar vor allem durch Steuern der Einzelstaaten und des Bundes.
Wegen der unterschiedlichen Höhe des Steueraufkommens in den einzelnen Staaten haben sich die Gewerkschaften für ein stärkeres Engagement
des Bundes ausgesprochen. Sie sind der Meinung, daß der Zufall der Geburt an diesem oder jenem Ort für niemanden ein Hindernis sein darf,
sich der Erziehungseinrichtungen zu bedienen, die er für seine Person als
angemessen erachtet. Und es ist bekannt, daß das durchschnittliche ProKopf-Einkommen in unseren ärmsten Staaten weniger als die Hälfte des
Durchschnittseinkommens pro Kopf in unseren reichsten ausmacht.
Die

�Die Gewerkschaften halten es für richtig, daß den Universitäten und Colleges der größte Teil dieser Hilfe direkt gegeben wird,
falls überhaupt so etwas wie Chancengleichheit zustande kommen soll.
Nur auf diese Weise wird es gelingen, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Vertreter der Gewerkschaften haben vor dem Kongreß und
in den Parlamenten der Einzelstaaten die Erweiterung der akademischen
Einrichtungen und eine angemessene Besoldung der Hochschullehrer gefordert. Außerdem bestehen sie weiter darauf, daß höhere Bildung gänzlich oder zum größten Teil kostenlos sein sollte und daß alle in Frage
kommenden Amerikaner einen rechtlich fixierten Anspruch darauf haben
sollten.
Die Gewerkschaften haben sich besonders damit befaßt, die Einrichtungen der höheren Bildung in den Arbeitergemeinden zu verbessern,
Das Campus-Leben ist sicherlich für den Bildungsprozeß von großer Bedeutung. Für Studenten, die sich das nicht leisten können und die nicht
zu den Stipendiaten gehören, muß man aber andere Möglichkeiten schaffen. Erfahrungsgemäß immatrikulieren sich Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen in bedeutend stärkerem Maße an Colleges, wenn sich
solche Anstalten im Wohnort des Studenten befinden.
Man hat darauf hingewiesen, daß die höhere Bildung in den Vereinigten Staateh unter zwei Gesichtspunkten betrachtet wird: Höhere Bildung
sei in erster Linie ein individuelles Vorrecht; der einzelne Student
sollte ein Maximum an Studienkosten selber tragen} und ziemlich strenge
Zulassungsbestimmungen sollten die Zahl der Studierenden klein halten.
Der zweite Gesichtspunkt betont primär den gesellschaftlichen
^
Wert höherer Bildung als Mittel zur Herbeiführung der Chancengleichheit für alle. Demnach wird es im Interesse des Fortschritts zwar für
richtig und notwendig gehalten, die Hochbegabten zu fördern, dennoch
wird die Erziehung der großen Zahl der weniger Begabten als nicht minder wichtig erachtet. Verfechter dieses Standpunktes pflegen niedrige
Studienkosten sowie eine großzügige Handhabung der Immatrikulation zu
empfehlen.
In dieser Diskussion stehen die Gewerkschaften eindeutig auf der
Seite der Befürworter möglichst großzügiger und umfassender Regelungen des Hochschulstudiums. Sie blieben damit ihrer seit 150 Jahren gepflegten Tradition treu.
Allerdings sollte das eine klar sein. Die Vertreter der Arbeiterbewegung sind keineswegs der Ansicht, daß jedes Kind aufs College gehen
sollte. Auch unter den besten Bedingungen wird es immer noch Millionen
von jungen Menschen geben, die nicht aufs College gehen v/ollen und es
auch nicht sollten. Unter diesen, das dürfte sicher sein, werden sich
viele begabte Schüler befinden. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil.
Die Arbeit, die in der Welt getan werden muß, verlangt Fähigkeiten aller Art, und diese jungen Menschen können ihren Beitrag für die Gesellschaft auf vielen Gebieten leisten, die keine College-Ausbildung voraussetzen. Die Gewerkschaften hoffen, daß viele von ihnen sich zu den
Facharbeiterberufen hingezogen fühlen, die so viele Gewerkschaftsmitglieder heute ausüben, (wird fortgesetzt)
(Quellet Eigenbericht)

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enth&amp;lt Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I S I S Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 11

Bad Godesberg, den 1. November 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die
Pensionierung

Seite 1

Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (il)

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 11

Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die Pensionierung
Die nachfolgenden Auszüge aus einem Bericht
des "National Industrial Conference Board"
über Programme der amerikanischen Industrie
zur Erleichterung des Übergangs aus dem
Berufsleben in den Ruhestand befassen sich
mit einem Thema, das auch in den anderen
Industrieländern immer mehr an Bedeutung
gewinnt: die psychologische Vorbereitung
der Arbeitnehmer auf die Zeit nach ihrer
Pensionierung. Welche V/ege in dieser Hinsicht von einigen amerikanischen Unternehmen beschritten wurden, sei hier an einigen Beispielen erläutert.
Graduelle Pensionierung
Die von der Industrie entwickelten Programme zur Vorbereitung
des Arbeitnehmers auf die bevorstehende Pensionierung gehen im
wesentlichen von der Annahne aus, daß ständige Hinweise auf die

- 1 -

�die Pensionierung und die laufende Unterrichtung über die sich
für ihn ergebenden Probleme eine gewisse Aktivität bei dem angehenden Pensionär auslösen und ihn veranlassen, eigene feste
Pläne für die Zeit nach seiner Pensionierung zu machen. Auf diese
Weise - so argumentiert man - wird sich die gesamte Umstellung
viel leichter vollziehen und v/eniger Schwierigkeiten für die einzelnen Arbeitnehmer mit sich bringen.
Eine Anzahl amerikanischer Industrieunternehmen haben nun diese
Logik noch einen Schritt weitergeführt! sie haben bereits praktische
Haßnahmen getroffen und die Arbeitszeit ihrer der Pensionierung entgegensehenden Mitarbeiter verkürzt, damit diese gewisse praktische
Erfahrungen mit vermehrter Freizeit sammeln und vielleicht auch Gelegenheit finden können, bestimmte Pläne für die Zeit nach der Pensionierung zu ventilieren.
Wenn auch die hier untersuchten Programme für eine graduelle
Gewöhnung an die Pensionierung im Detail etwas voneinander abweichen,
so verfolgen doch alle die gleichen Ziele.
Bei einem Teil dieser Unternehmen - einer Gruppe von insgesamt
16 Firmen, bei denen die Pensionierung bei Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren, obligatorisch ist - beginnt das "Gewöhnungsprogramm" vor dem normalen Pensionsalter. 15 dieser Unternehmen betrachten
dabei ihren Pensions-Vorbereitungsplan als einen festen Bestandteil
ihrer Sozialprogramme, denn mit einer Ausnahme zahlen alle den Mitarbeitern den vollen Lohn während der zusätzlichen Freizeit.
Bei den anderen fünf Unternehmen dagegen, wo die Pensionierungsgrenze bei 70 Jahren liegt oder überhaupt nicht festgelegt ist, setzt
die Vorbereitung erst nach Überschreiten der normalen Pensionierungsgrenze - also nach Erreichen des 65. Lebensjahres - ein, wobei die zusätzlich gewährte Freizeit nicht vergütet wird.
Die häufip;sten Programme

,

Die gebräuchlichste Form der Gewährung zusätzlicher Freizeit ist
bei den 16 Unternehmen mit einer -Pensionierungsgrenze von 65 Jahren
ein verlängerter Jahresurlaub, der entweder in voller Höhe im letzten
Jahr vor der Pensionierung genommen oder aber auf die letzten 2 oder
3 Jahre aufgeteilt werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist uie Verteilung der zusätzlichen Urlaubstage auf einen Zeitraum von 3 bis 5
Jahren auf progressiver Basis. Der Plan eines Unternehmens sieht eine
Verkürzung der jährlichen Arbeitszeit für den angehenden Pensionär in
den letzten drei Jahren vor} allerdings wird hier nur ein Urlaub ohne
Bezahlung gewährt. Weitere vier Unternehmen nehmen dagegen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit vor, wobei der Programmbeginn
zwischen einem Jahr und drei Monaten vor Erreichung der Altersgrenze
liegt.

&lt;L

-

�Tabelle 1
Regelungen durch Verlängerung der Freizeit

zu

Unternehmen

Erfaßte
Arbeitnehmergruppen

Urlaub mit
Bezahlun S
Sonder- Gesamt
urlaub
(NiDrmalvor der u.laonderPensio- ur laub)
nierung

Versicherung

v .Aufsichtspersonal
aufwärts

2 Monate 3 !üionate

im letzten Jahr

die 3 Mon.
sind auf
einmal zu
nehmen

Versicherung

alle mit 20
u. mehr
Dienstjahren

2 Monate keine

in den
letzten
zwei
Jahren

nu r 1 Mo n .
darf bis
z . letzten
Vierteljahr
aufgespart
werden

Versicherung

alle

6 Wochen 10 ''lochen

im letzten Jahr

keine

Versi cherung

alle mit 10
u. mehr
Dienstjahren

6 Wochen
£&lt;sstaffeit nach 7 Wochen
D:Lenst0 Wochen
zeit

im 63 • &gt;
im 64 •»
im 65 .
Lebensjahr

keine

Versicherung

alle

2 Monate

3 Monate

in den
letzten
drei
Jahren

keine

2 Wochen

6 Wochen

4 Wochen

8 Wochen

im 61 . u.
62.,
im 65 . 65.Lebens
Jahr

mind. 4 Wochen im 61 .
u. 62 .Lebensjan:, der
Rest auf zwei
mal

1 Woche
2 Wochen

4 Wochen
5 Wochen
6 Wochen
7 Wochen

im 61 .,
im 62 .,
im 63•j
im 64•,
im 65 •
Lebensjahr

Gesamter Sonderurlaub ist
anschl. an
Jahresurlaub
zu nehmen

Angaben

f
Fertigungsbetrieb

Angestellte

Fertigungsbetrieb

v.Vorarbeiter
aufwärts

3 Wochen
4 Wochen
5 Wochen

8 7'ochen

nenmen

Einschränkungen

�Unternehmen

Erfaßte
Arbeitnehmergruppen

Urlaub mit
Bezahlung
SonderGesamt
(Normalurlaub
u .Sondervor der
urlaub)
Pensionierung

Fertigungsbetrieb

Konzernverw.
u. ein Produktionsbetrieb

3-4
6-8
Wochen*
Wochen*

im letzten Jahr

Sonderurlaub ist
auf einmal
zu nehmen

Fertigung sbetrieb

v. Vorarbeiter aufw är t s

1
2
3
4
5

Sonderurlaub ist
auf einmal
zu nehmen

Fertigungsbetrieb

Angestellte
u. J0&gt;i der
Produktionsarbeiter

3-4
Wochen

im 61.,
im 62 .,
im 63•,
im 64 • &gt;
im 65 •
Lebensjahr
im letzten Jahr

Woche
Wochen
Wochen
Wochen
Wochen

5
6
7
8
9

Wochen
Wochen
Wochen
Wochen
Wochen

6-8
Wochen

zu
nehmen

Einschrän
kungen

nach Vereinbarung

* Für leitende Angestellte bis zu 6 Wochen Sonder- und 12 Wochen
Gesamturlaub

�Die meisten Pläne dieser Unternehmen sehen keine Geldleistungen
anstelle des zusätzlichen Urlaubs oder eines Teils desselben vorl).
"Entweder der ältere Mitarbeiter nimmt den zusätzlichen Urlaub, oder
aber er verliert ihn", ist hier die Einstellung der Unternehmen.
Diese Praxis entspricht auch ganz den Absichten solcher Programme,
denn wenn ein angehender Pensionär seine zusätzliche Freizeit nicht
in Anspruch nimmt, können auch die beiden Hauptziele nicht erreicht
werden: Er selbst erhält keinen Vorgeschmack von der größeren Muße,
und sein Nachfolger hat keine Gelegenheit, sich mit den Funktionen
und Pflichten seines neuen Postens vertraut zu machen.
Diese harte Alternative des "Nimm oder verliere es !" ist Ausdruck
der Erfahrungen mit einem Programm, bei dem nicht genommener Urlaub
automatisch vergütet wird. Im Rahmen dieses Programmes nämlich wählten
95 Prozent aller Mitarbeiter das Geld anstelle des Urlaubs. Allerdings
ging es dem Unternehmen dabei weniger um die hier angesprochenen Ziele
als vielmehr darum, seinen älteren Mitarbeitern eine Möglichkeit zu
geben, sich einmal diejenigen Plätze im Land anzusehen, die als Wohnsitz für die Zeit nach ihrer Pensionierung in Frage kommen.
Die anderen Pläne
Die Pensionierungsprogramme der Unternehmen, bei denen das Pensionsalter über 65 Jahren liegt oder nicht festgesetzt ist, sehen ebenfalls eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit bzw. des Arbeitsjahres vor. Die drei Unternehmen in dieser Gruppe, die einen allmählichen Abbau der jährlichen Gesamtarbeitszeit durch die Gewährung eines
unbezahlten Urlaubs vornehmen, beginnen damit ab 66. Lebensjahr. Die
Herabsetzung der Arbeitswoche geschieht dagegen in der Regel dadurch,
daß der betreffende Arbeitnehmer auf Teilarbeitszeit (pro Arbeitstag
oder pro Arbeitswoche) gesetzt wird. Die Zahl der Wochenstunden wird
aber so bemessen, daß er in dem Genuß der ihm sonst zustehenden staatlichen Sozialleistungen bleibt.
Ein anderes stark beachtetes Pensionierungsprogramm wiederum verbindet die "Peitsche" des Zwanges mit dem "Zuckerbrot" des finanziellen
Anreizes. Die "Peitsche" ist dabei der "Zwangsurlaub" ohne Bezahlung 1 Monat Urlaub ohne Bezahlung im ersten Jahr, 2 Monate im zweiten Jahr das "Zuckerbrot" ist die höhere Pension, die alle Mitarbeiter erhalten,
die über das 65. Lebensjahr hinaus weiterbeschäftigt werden - 8 Prozent
mehr bei einer Pensionierung im Alter von 66 Jahren, 17 Prozent mehr
bei 67, 2'6 Prozent mehr bei 68. 37 Prozent mehr bei 69 und 48 Prozent
mehr bei 70 un(l mehr Jahren 2 ' .
1/ Nur in solchen Fällen, in denen der Betreffende aus bestimmten Gründe
nicht in der Lage ist, den Urlaub zu nehmen, oder das Unternehmen ihn
ersucht, darauf zu verzichten, erfolgt bei den meisten Plänen eine
finanzielle Ablösung.
2) Diese Steigerung entspricht etwa der Pensionssumme, die normalerweise
ab 65. Lebensjahr zur Auszahlung gekommen wäre.

�In einem weiteren Unternehmen erstreckt sich das Programm der
zwangsweisen graduellen Pensionierung nur auf die leitenden Angestellten. Hier erhalten diejenigen Mitarbeiter, die die Altersgrenze
von 65 Jahren erreichen, eine Pension - ob sie in den Ruhestand
treten oder nicht. Entscheidet sich ein leitender Angestellter für
die Weiterarbeit, dann muß er jährlich einen zusätzlichen Monat unbezahlten Urlaubs nehmen und nach Erreichen des 70. Lebensjahres
ganz ausscheiden.
In einem anderen Unternehmen dieser Gruppe beträgt das Pensionsalter für männliche Mitarbeiter 65 und für weibliche 60 Jahre. Es
kann jedoch um jeweils fünf Jahre überschritten v/erden. Nach Angaben
dieser Firma haben rund 90 Prozent ihrer Mitarbeiter nach Erreichen
der Pensionierungsgrenze den Wunsch, weiterzuarbeiten - die meisten
sogar bei voller Arbeitszeit. Ist die Geschäftsleitung jedoch der
Ansicht, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit im Interesse des betreffenden Mitarbeiters liegt, dann ist dieser gehalten, in der Fünfjahresperiode jedes Jahr zusätzlich unbezahlten Urlaub zu nehmen.
Anscheinend ist dieses Programm der zwangsweisen Verkürzung der
Arbeitszeit bei den älteren Mitarbeitern nicht sehr populär, denn die
meisten würden es vorziehen, mit voller Kraft bis zu ihrer Pensionierung zu arbeiten. Ein Grund für diese Einstellung mag darin zu sehen
sein, daß dieses Unternehmen statt der sonst üblichen privaten Pensionspläne für seine Mitarbeiter einen Gewinnbeteiligungsplan durchführt, der aber nur Eonus Zahlungen bis zum Ausscheiden des jeweiligen
Mitarbeiters vorsieht.
Die beiden restlichen Programme in dieser Gruppe sind eher als
Teilarbeitszeitpläne denn als Pensionierungspläne anzusprechen. Sie
sehen Teilarbeitszeit für die Pensionsberechtigten vor, um diesen Gelegenheit zu geben, sich ein zusätzliches Einkommen pro Jahr bis zu
1200 Dollar zu verdienen.
Bei dem einen Programm haben die Produktionsarbeiter und das Wartungspersonal im Alter von 65 die Wahl zwischen drei Möglichkeiten*
Pensionierung, Weiterbeschäftigung bei voller Arbeitszeit, Übergang
auf Teilarbeitszeit (Die normale Arbeitszeit beträgt in diesem Fall
2 Tage pro Woche) . Weitere Sozialleistungen werden ihnen in Form einer
Lehensversicherung in Höhe von 1000 Dollar sowie einer allgemeinen
Krankenversicherung gewährt. Diese Leistungen erlöschen jedoch nach
Erreichung der Zwangspensionierungsgrenze, die hier ebenfalls bei 70
Jahren liegt.
Bei dem anderen Programm schließlich bemüht sich das Unternehmen
in der Zeit kurz vor dem Erreichen des durchschnittlichen normalen
Pensionsalters (Männer 65, Frauen 62;, die betreffenden Arbeitnehmer
im Betrieb um- und so einzusetzen, daß sie bei Teilarbeit in der Lage
sind, zusätzlich zu ihrer staatlichen Altersrente pro Jahr bis zu
1200 Dollar (Steuerfreigrenze) zu verdienen. Gleichzeitig werden sie
ermuntert, diese Tätigkeit beizubehalten. Zwangspensionierungsvorschriften bestehen bei diesem Programm indessen nichtj rund 70 Prozent
aller Arbeitnehmer dieses Betriebs bleiben über das normale Pensionsalter hinaus berufstätig.

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�Tabelle 2
Regelungen durch Verkürzung der Arbeitswoche

Unternehmen

Erfaßte
Mitarbeiter
im Pensionsalter

Anzahl der
freien
Wochentage

Finanz

alle

in den
nur Freitag oder
letzten
Montag
6 Monaten

Versicherung

alle

im letzten nur Freitag oder
Jahr
Montag

Fertigungsbetrieb

alle

im viertletzten
Monat
im drittletzten
Monat

gültig

Einschränkungen

.keine

im vorletzten
Monat
im letzten
Monat
Fertigungsbetrieb

im drittletzten
Monat

ausgewählte
Angestellte

keine

im vorletzten
Monat
im letzten
Monat
Individuallösungen
Um die in leitenden Positionen tätigen Angestellten auf die vermehrte Freizeit nach ihrer Pensionierung vorzubereiten, haben zahlreiche Unternehmen individuelle, auf die besonderen Verhältnisse und
Probleme des angehenden Pensionärs abgestimmte Übergangs Programme entwickelt, die in der Regel keine starre Form aufweisen, sondern recht
flexibel und informell gestaltet sind. So ist man bei einigen Unternehmen dazu übergegangen, den Nachfolger des betreffenden leitenden
Angestellten 1 bis 2 Jahre vor dessen Pensionierung einzuarbeiten, wo-

- 7-

�wobei nach einer gewissen Periode der Zusammenarbeit und Einarbeitung sukzessive immer mehr Verantwortungen auf den Nachfolger übergehen. Zu den anderen Möglichkeiten zählen: Übertragung gewisser ziviler Projekte des Unternehmens an den zur
Pensionierung anstehenden leitenden Angestellten} Gewährung
eines Urlaubs während der letzten Monate vor dem Ausscheiden;
Einfrieren des Gehalts auf einem bestimmten Niveau bei gleichzeitiger Gewährung von längerem Urlaub} Verminderung des Jahreseinkommens durch Zwangsurlaub ohne Bezahlung} und Umsetzen auf
Teilarbeit.

(Quelle; Monthly Labor Review,
Juli 1964, Vol. 87, Nr. 7)

Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)
Amerikanische Gewerkschafter machen nur allzu oft die Erfahrung,
daß der gebildete Lurchschnittsamerikaner keine Vorstellung von der
Rolle der Gewerkschaften in der industriellen Gesellschaft besitzt.
So sind etwa Lehrer - um nur ein Beispiel zu nennen - in der Regel
kaum oder nur mangelhaft über den Beitrag der amerikanischen Gewerkschaften zur Entwicklung des öffentlichen Erziehungswesens in den USA
orientiert.
Die Gewerkschaften haben nun keineswegs die Absicht, von den Universitäten zu verlangen, daß sie ihre Studenten zu überzeugten Anhängern der Gewerkschaftsbewegung machen. Aber sie glauben doch erwarten zu dürfen, daß jeder gebildete Amerikaner eine gewisse Vorstellung von einer der bedeutendsten demokratischen Institutionen
der Gesellschaft, in der er lebt, besitzt und daß er somit in der
Lage ist, sich ein auf Wissen gegründetes Urteil in gewerkschaftlichen Fragen zu bilden. Sicherlich gibt es Universitäten, die in
der Verbreitung von Kenntnissen über die amerikanische Industriegesellschaft Beachtliches leisten. Aber viel zu groß ist noch die
Zahl der Universitäten, denen das Thema Gewerkschaften zu heikel
erscheint, als daß sie es für objektiv darstellbar halten könnten.
Der Auftrag der Universitäten erstreckt sich jedoch nicht allein
auf die Lehre, sondern auch auf die Forschung, und die Gewerkschaften
hoffen und würden es begrüßen, wenn sich ein Teil der Forschung auf
Probleme konzentrieren würde, die für Millionen amerikanischer Arbeiter
unmittelbar von Interesse sind, wie zum Beispiel das Phänomen der
Arbeitslosigkeit im allgemeinen oder das Sonderproblem der technologischen, im Gefolge der Automatisierung auftretenden Arbeitslosigkeit.
In gewissem Sinne wurde diese Arbeitslosigkeit ja unter Mitwirkung
der Universitäten geschaffen; Es steht außer Frage, daß die Auto-

- 8-

�Automation in ihren mannigfachen Spielarten das Ergebnis der
Anstrengungen hochqualifizierter Wissenschaftler und Techniker ist,
die ihr Wissen an den Universitäten erwarben und die heute zumeist
in deren Auftrag tätig sind. Wichtig und unbestritten ist der Beitrag der Universitäten in der Schaffung der Arbeitsvoraussetzungen
für die Wissenschaftler. Kur - es ist mindestens ebenso wichtig,
daß dieselben Universitäten auch die Voraussetzungen für die Erforschung sozialer Tatbestände schaffen, die die unmittelbare Folge
des von ihnen mitbewirkten technischen Wandels sind.
Die amerikanischen Hochschulen haben schon immer eine Verpflichtung darin gesehen, ihre Erziehungstätigkeit über ihren eigenen Bereich
hinaus auf die Gemeinschaft auszudehnen. So betrachteten hervorragende
Universitätslehrer ihre Institutionen als dynamische Instrumente, die
im Dienste der Gesellschaft deren materielle und soziale Probleme lösen
helfen sollten. Das setzte allerdings voraus, daß sich die Hochschulen
in die Gesellschaft einfügten, und es setzte eine Organisation voraus,
mit deren Hilfe die Ergebnisse der Forschung in der Praxis anwendbar
wurden.
Aus dieser Erkenntnis entstanden Erwachsenenbildungsprogramme.
Dabei wurden Unterrichtsmethoden entwickelt, durch die praktisch alle
Gruppen mit einem breiten Themenkreis bekannt gemacht werden konnten,
und die Wahl der Themen richtete sich wiederum nach den Bedürfnissen
dieser Gruppen.
Historisch gesehen, wurde dieses Verfahren zunächst auf die Landwirtschaft angewandt, weil sie zu jener Zeit unbestrittenen Vorrang in
der amerikanischen Wirtschaft besaß. So hat sich zwischen Landwirtschaft
und Universitäten schließlich eine Verbindung entwickelt, die sich als
Modell in der ganzen Welt bewährt hat.
Aber die Hochschulen stehen auch im Dienst anderer Gruppen der
amerikanischen Gesellschaft. Es gibt kaum eine bedeutende Universität,
die sich nicht auch den Bedürfnissen der Industrie und der Geschäftswelt angepaßt hat. Dagegen erkannten die Universitäten erst ziemlich
spät, daß sie auch für die Arbeiterschaft einen Bildungsauftrag zu
erfüllen hatten.
Für eine Reihe von Universitäten waren die Gewerkschaften zu umstritten. Andererseits war man sich in akademischen Kreisen auch nicht
ganz sicher, ob man von den Gewerkschaften akzeptiert werden oder über
die geeigneten Lehrmethoden verfügen würde. Denn schließlich besaßen
zahlreiche Gewerkschafter nicht einmal eine abgeschlossene überschulgeschweige denn eine College-Ausbildung. Viele Universitäten hatten
sich um die Probleme der Arbeiter einfach nicht gekümmert} sie verfügten
daher auch nicht über die iiittel, um sich Arbeitern gegenüber verständlich zu machen.
Das beträchtliche Anwachsen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zwischen 1935 un&lt;l 1945 hatte u.a. die Beseitigung dieser Unklarheiten
zur Folge. Die Gewerkschaften waren ein solch bedeutender Faktor der amerikanischen Gesellschaft geworden, daß man schlechterdings nicht umhin
konnte, sie zum Studienobjekt zu machen. Und die Gewerkschaften wandten

- 9-

�wandten sich nun auch von sich aus besonders an die in den Industrieregionen liegenden Universitäten und baten um Unterstützung. Die Folge
davon war, daß die Universitäten in den vergangenen 20 Jahren langsam
dazu übergingen, besondere BildungsProgramme für Gewerkschafter einzurichten. Heute sind bereits 25 Hochschulen an diesem Projekt beteiligt und jedes Jahr stoßen weitere hinzu. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Institute, die ihren Standort in Industriezentren
haben. Aber auch solche berühmte private Universitäten wie Harvard,
die Universität Chicago und die Roosevelt-Universität gehören dazu.
Die von den Universitäten eingerichteten Lehrprogramme für Gewerkschafter unterscheiden sich zwar nach Umfang, Thematik und Form, aber
man kann noch von keinem behaupten, daß es den Standard der für andere
Zweige der amerikanischen Gesellschaft geltenden Programme erreicht.
Einige Hochschulen benötigten zudem viel Zeit, um zu der Erkenntnis
zu kommen, daß man in der Arbeiterbildung - ebenso wie in der kaufmännischen und in der landwirtschaftlichen Ausbildung - Spezialisten
braucht. Darüber hinaus waren anfänglich erhebliche Mängel in der Zusammenarbeit und gegenseitigen Beratung von Universitäten und Gewerkschaften festzustellen, so daß es nicht zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch kommen konnte. Außerdem wurde nur in seltenen Fällen soviel
Geld für diese Programme aufgebracht wie erforderlich gewesen wäre, um
überhaupt einen nennenswerten Effekt zu erzielen.
Die Universitäten richteten in der Hauptsache ein- bis zweiwöchige
Sonderkurse ein, aber man hat auch schon mit Kursen von bis zu 13
Wochen Dauer experimentiert. Teilnehmer waren Gewerkschaftsführer sowie
einfache Mitglieder. Die Lehrer kamen von den Fakultäten der Universitäten oder waren Fachleute oder Angehörige der Gewerkschaften. Die
Thematik bildeten Tagesfragen, 7/irtschaftsfragen, Fragen des internationalen Handels oder Probleme grundsätzlicher Art.
Zwar bleibt noch viel zu tun, aber man kann doch sagen, daß die
Erfahrungen im ganzen positiv sind, und zwar sowohl für die Gewerkschaften als auch für die Universitäten. Der Effekt dieser Bildungsprogramme kommt der Gesamtgesellschaft zugute. Universitäten und Gewerkschaften aber haben ihre Auffassung bekräftigt, daß höhere Bildung
nicht nur für Gelehrte,• sondern für alle Menschen da ist. Und George
Meany, Präsident der AFL-CIO, hat kürzlich die gewerkschaftlichen
Erwartungen in der Frage der höheren Bildung wie folgt zusammengefaßt*
"Die Gewerkschaften erwarten, daß die höhere Bildung allen zugänglich
gemacht wird - den jungen Menschen, ungeachtet des Einkommens oder der
Intelligenz, der Gesellschaft als Mittel zur Ausbildung einer Führungselite als Garanten des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts, den
arbeitenden Mensohen als Hilfe in ihrem Streben nach höheren Leistungen
am Arbeitsplatz und im öffentlichen und gewerkschaftlichen Leben."

(Quelle» Eigenbericht)

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Beschäftigungs- und Einkommensgarantie auf Lebenszeit
Eine Beschäftigungs- und Einkommensgarantie auf Lebenszeit sowie
höhere allgemeine Sozialleistungen - das sind die wesentlichen lohnpolitischen Forderungen des Jahreskongresses der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft (USA), der kürzlich in Atlantic City abgehalten
wurde.
In der von den Delegierten mit überwältigender Mehrheit angenommenen sozialpolitischen Resolution wird darauf hingewiesen, daß sich
auf Grund der geringeren Beschäftigungsmöglichkeiten in der Industrie
immer stärker die Forderung nach weniger strengen Pensionierungsvorschriften und höheren Pensionsleistungen erhebe. Die Auswirkungen der
Automation auf einen immer größeren Arbeitnehmerkreis unterstreichen
die Notwendigkeit des Ausbaus der Arbeitslosen- und anderer Verdienstfortfall Versicherungen.
Von den rund 900 000 Stahlarbeitern werden nach dem letzten Stand
etwa 800 000 durch private Pensionspläne erfaßt: nur 79 000 Arbeitnehmer
der Stahlindustrie arbeiten dagegen in Betrieben, in denen keine zusätzlichen Sozialleistungen gewährt werden.
In verschiedenen Referaten unterstrichen die Delegierten des Kongresses ihre Entschlossenheit, um höhere Löhne, mehr Freizeit zu Muße
und Erholung sowie bessere berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für ihre Mitglieder zu kämpfen. Wörtlich heißt es in der
Resolution: "Vor allem müssen wir uns für die Verwirklichung des Prinzips einsetzen, daß ein Stahlarbeiter ein Mensch ist, der nicht nur
ein Recht auf diesen oder jenen sozialen Schutz oder auf diese oder
jene Sozialleistung hat, sondern auf den totalen Schutz seines Einkommens, seiner Würde, ja seiner beruflichen Karriere."
David I. McDonald, der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft,
erklärte in diesem Zusammenhang, daß die "totale"Arbeitsplatzsicherheit
nicht über Nacht erreicht werden könne. Neue Ideen wie diese brauchten
Zeit, um sich durchzusetzen. Sie werden-aber mit Sicherheit bei künftigen
Tarifverhandlungen eine immer größere Rolle spielen.
Neue Vertragsverhandlungen in der amerikanischen Stahlindustrie
werden allgemein für Anfang nächsten Jahres erwartet, da das derzeitig
gültige Abkommen eine Wiederaufnahmeklausel enthält, die es der Gewerkschaft ab 1. Januar 1965 gestattet, nach einer Ankündigungsfrist von
120 Tagen erneut über die Tarife zu verhandeln.
(Quelle: Eigenbericht)
#

- 11

�Kaiser-Gewinnbeteiligungsplan sehr erfolgreich
Seit Unterzeichnung des zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft
und der "Kaiser Steel Corporation" abgeschlossenen Gewinnbeteiligungsplanes vor 18 Monaten haben die Arbeitnehmer des Unternehmens schon
Prämien in Höhe von 5 Mio« Dollar ausgezahlt bekommen. Da das Abkommen
vorsieht, daß sämtliche durch Rationalisierung erzielten Produktionsgewinne zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern im Verhältnis 2:1 aufgeteilt v/erden, ergibt sich somit auch ein zusätzlicher Gewinn für
Kaiser in Höhe von 10 Mio. Dollar.
Die Bonusentwicklung ist in den vergangenen eineinhalb Jahren
recht unterschiedlich gewesen. Nach relativ hohen Prämienzahlungen
in den ersten Monaten - mit 100 Dollar wurde im Juni 1963 die bisherige Spitze erklommen - ergab sich ein stetiger Rückgang, wobei im
April 1964 mit 9 Cent pro Arbeitsstunde der niedrigste Stand erreicht
wurde. Seit diesem Zeitpunkt jedoch folgten die Bonusse wieder einem
Aufwärtstrend. Mit 47 Dollar erreichten sie im Juli den bisher höchsten
Stand in diesem Jahr.
Der Prämienrückgang ist nach Angaben des Unternehmens durch umfassende - von Zeit zu Zeit notwendige - Reparaturarbeiten sowie, in
Verbindung damit, durch die geringere Kapazitätsausnutzung bedingt
gewesen.
Sowohl die Stahlarbeitergewerkschaft als auch die Unternehmensleitung zeigten sich über die bisherigen Erfahrungen mit dem neuartigen Gewinnbeteiligungsplan sehr befriedigt.
So wurden nach Angaben der Unternehmensleitung bisher über 100
Produktionsarbeiter-Ausschüsse mit dem Ziel gebildet, die Produktivität in den einzelnen Abteilungen zu erhöhen, und über 400 Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern eingereicht, von denen 94 angenommen wurden. Auch durch eine sorgfältige Pflege der Produktionseinrichtungen und Maschinen konnten beträchtliche Einsparungen erzielt
und die Ausfallzeiten wesentlich vermindert werden.
Äußerte sich Edgar F. Kaiser, der Präsident des Unternehmens, zu
dem Gewinnbeteiligungsplan: "Die bisherigen Erfahrungen sowohl als
auch die Einstellung der Mitarbeiter sind sehr positiv. Die monatlich
erzielten Einsparungen haben uns und auch die Gewerkschaft überrascht."

(Quelle: Eigenbericht)

»

Bergarbeiter-Wohlfahrtsfonds zahlte fast 2 Mrd. Dollar aus
Seit der Errichtung ihres Wohlfahrtsfonds (1946) hat die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft fast 2 Mrd. Dollar an ihre im Stein-

- 12 -

�Steinkohlenbergbau tätigen Mitglieder und deren Familienangehörigen in Form verschiedener Sozialleistungen ausgezahlt.
Den größten Posten stellen mit fast 1,0 Mrd. Dollar die
Pensionsleistungen dar, während sich die Unterstützungsleistungen
bei Krankenhausaufenthalt oder Krankheit auf über 750 Hillionen
Dollar belaufen.
Wie aus den kürzlich veröffentlichten Jahresbericht des Fonds
weiter hervorgeht, kamen seit Leistungsaufnahme (1948) bisher
106 542 Bergarbeiter in den Genuß von zusätzlichen Pensionsleistungen,
die bis zum 50« Juni 1964 eine Gesamthöhe von 960,5 Mio. Dollar erreichten - was einer täglichen Auszahlung von 175 747 Dollar entspricht. Am Ende des Berichtsjahrs 1965/64 bezogen insgesamt 64 658
Bergarbeiter Pensionen, mehrere tausend von ihnen bereits seit 1948.
Ein amerikanischer Bergarbeiter, der diese Pension von September 1948
bis Juni 1964 bezog, erhielt den Bericht zufolge eine Gesamtsumme von
17 175 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * # . &lt; *

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeltsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1964

INHALTSVERZEICHNIS

Technologische Betriebsumstellungen und die
Auswirkungen auf die Arbeitnehmer

Seite

1

Probleme des technischen Wandels müssen
fortschrittlich gelöst werden

Seite

14

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

18

Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die
Arbeitnehmer

Die Ergebnisse einer Untersuchung in fünf Industrieunternehmungen
Vorbemerkungen

Es besteht in den USA allgemein Übereinstimmung darüber, daß die
mannigfaltigen Auswirkungen der technologischen Veränderungen, langfristig gesehen, positiv sind und sich unter anderem in einer höheren
Arbeitsproduktivität, einer größeren wirtschaftlichen Wachstumsrate,
mehr Arbeitsplätzen sowie höheren Löhnen und Sozialleistungen niederschlagen. Über die kurzfristigen Auswirkungen, insbesondere jedoch
über den Preis, den der einzelne durch die Technik von seinem Arbeitsplatz verdrängte Arbeitnehmer hierbei zu zahlen hat, sind die Vorstellungen im allgemeinen weniger klar und bestimmt.
Um die Auswirkungen der Automation auf die Arbeitsplatzstruktur
und auf den beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Status der einzelnen Arbeitnehmer näher zu erforschen, hat das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik zwischen April 1962 und Mai 1963 fünf verschiedene

- 1 -

�verschiedene Analysen in solchen Unternehmen durchgeführt, in denen die
technische Umstellung entweder eine Stillegung einzelner Werke oder aber
Massenentlassungen zur Folge hatte. Dabei zeigte sich allgemein, daß es
vielen von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitnehmern selbst in jenen Teilen der USA sehr schwerfiel, einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen,
wo die Arbeitsmarktlage relativ günstig war. Andere wiederum mußten beträchtliche wirtschaftliche Härten und eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen. Diese Feststellungen gelten insbesondere für die älteren Arbeitnehmer, die Frauen und die Arbeiter mit dem niedrigsten Bildungsniveau und dem niedrigsten beruflichen Leistungsstandard. In den meisten Fällen wurden die Arbeitsplatzverdringten bei der Arbeitsuche von
ihren ehemaligen Arbeitgebern nur wenig unterstützt, so daß sie weitgehend
auf persönliche Beziehungen und Kontakte zu Freunden und Verwandten angewiesen waren.
Eine beträchtliche Anzahl der Automationsverdrängten gab die Suche
nach einer neuen Beschäftigung auf, während die meisten von denen, die
einen neuen Arbeitsplatz fanden, weniger verdienten - zum Teil sogar sehr
viel weniger - und auch erhebliche Einbußen an Sozialleistungen und den
Verlust ihrer Senioritätsansprüche hinnehmen mußten.
Umsetzungen innerhalb des Unternehmens wurden den betroffenen Arbeitnehmern nur in zwei der fünf Unternehmen angeboten, wobei die Umsetzung
auf Grund einer tarifvertraglichen Vereinbarung erfolgte. Selbst in dem
einen Fall, in dem eine Transferierung bei Erhaltung der Senioritätsansprüche angeboten wurde,, machten nur 20 Prozent der Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit Gebrauch. Die wichtigsten Gründe für die Ablehnung des
Angebots durch die Arbeitnehmer waren: hohe Umzugskosten, Eigenheimbesitz,
Arbeitsplatz der Ehefrau, Schulbesuch.der Kinder, familiäre und gesellschaftliche Bindungen, Furcht vor künftigen Entlassungen.
Die einzelnen Fälle
Die durchgeführte Untersuchung erstreckte sich auf fünf verschiedene
Industriebetriebe (Erdölraffinerie, Automobilzulieferungswerk, Glasbehälterfabrik, Bodenbelaghersteller, Eisenhütte), in denen zwischen Juli 1960
und Juni 1962 insgesamt 3000 Arbeitnehmer entlassen worden sind. .Die meisten dieser Betriebe waren im Mittelwerten der USA ansässig, in einem Gebiet
also, das starke industrielle Schwerpunkte ut}d «jine vielschichtige Wirtschaftsstruktur aufweist. Das kleinste Imfernahman hatte eine Gcftantbtschftf«
tigtenzahl von knapp 50 00Q, das größte eine von rund 500 000. Im Zeitpunkt
der Erhebung betrug die Erwerbslosenrate in diesen Gebieten etwas über sechs
Prozent. In allen fünf Fällen waren es technologische Veränderungen, die direkt oder indirekt - zur Betriebsschließung oder zu Massenentlassungen
führten: in einem Betrieb waren arbeitsparende Produktionsverfahren eingeführt worden; in einem anderen war es ein Absatzrückgang, der durch eine
Veränderung in der Verbrauchernachfrage und die Hinwendung der Konsumenten
zu einem Produkt ausgelöst wurde, das aus einem anderen Material hergestellt
war.
In allen Fällen - mit lediglich einer Ausnahme - spielten auch noch
andere Faktoren eine ebenso bedeutende Rolle: erheblicher Rückgang in der
Verbrauchernachfrage nach einem bestimmten Erzeugnis, Stornierung langfristiger Aufträge durch einen Hauptkunden und Umstellung auf kurzfristige kleinere

- 2-

�kleinere Aufträge von mehreren Auftraggebern, Arbeitskonflikte zwischen
Gewerkschaften und Unternehmen.
Die Untersuchungen des "Amtes für Arbeitsstatistik" haben gezeigt,
wie schwierig es ist, spezielle Fälle auszuwählen, in denen Arbeitnehmer
ausschließlich auf Grund technologischer Veränderungen entlassen wurden,
denn in der Regel sind es mehrere Faktoren gewesen, die letztlich die
Entscheidung der Betriebsführung beeinflußt haben, den Betrieb zu schließen. Ebenso war es äußerst schwierig, genau zu ermitteln, welche Faktoren
im einzelnen Fall ausschlaggebend waren.
Maßnahmen zur Abwendung von Entlassungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die notwendig werdenden Entlassungen zu verhindern oder zumindest einzuschränken - so unter anderem durch
Verhängen von generellen Einstellungssperren, so daß die infolge von Pensionierung oder Kündigung frei werdenden Arbeitsplätze unbesetzt bleiben;
durch die frühzeitige Pensionierung älterer Arbeitnehmer, die gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Arbeit unter Ausschaltung von Überstundenarbeit, Verlegung der Umstellung - soweit dies möglich ist - in eine Zeit der
wirtschaftlichen Expansion. Von den hier untersuchten Unternehmen hatte nur
eines - die Raffinerie - den Versuch unternommen, durch langfristige Planung die Entlassungen auf ein absolutes Minimum zu beschranken. Durch die
Verhängung einer Einstellungssperre konnte hier die Zahl der zur .Entlassung
kommenden Arbeitnehmer um mehr als die Hälfte reduziert werden. Drei Jahre
vor Beginn der Umstellung wurden bei diesem Unternehmen keine neuen Arbeitskräfte mehr eingestellt. Ebenso bemühte sich die Geschäftsleitung, allen Mitarbeitern im Alter von über 51 Jahren, die nicht zur Entlassung anstanden,
eine vorzeitige Pensionierung nahezulegen, indem sie ihnen ein relativ hohes
"Altersgeld" zusätzlich zu dem ihnen normalerweise zustehenden allgemeinen
Entlassungsgeld und den Sozialleistungen anbot. Eine Summe von maximal
4800 Dollar als "Altersgeld" wurde dabei den 58jährigen offeriert, während
die älteren (bis.65 Jahre) und die jüngeren Arbeitnehmer entsprechend niedrigere Abfindungen erhielten. Rund 1/6 der zur Entlassung kommenden Arbeitnehmer gehörten dieser Kategorie an. .
Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche
Die Unterstützung, die den entlassenen Arbeitnehmern durch ihre Arbeitgeber bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zuteil wurde, ist sehr unterschiedlich gewesen. Sie schwankt in Umfang und Leistung von Betrieb zu Betrieb, wobei die allgemeine Einstellung des Unternehmens, die Beziehungen
zwischen den Sozialpartnern und die in Tarifverträgen verankerten Abmachungen eine Rolle spielten. In vier Fällen, wurden die Arbeitnehmer von Gewerkschaften vertreten, die der "AFL-G10" angeschlossen waren; bei dem fünften
Unternehmen war eine unabhängige Arbeitnehmerorganisation der Tarifpartner.
Zu den häufigsten Maßnahmen gehörten unter anderen: rechtzeitige Benachrichtigung der Betroffenen von der beabsichtigten Entlassung; Einrichtung eines
Vermittlungsdienstes; Umsetzungen innerhalb des Unternehmens oder des Betriebes; Durchführung von Umschulungsprogrammen, die vom Unternehmen finanziert
wurden. Die Erfolge all dieser Maßnahmen waren jedoch im allgemeinen nur begrenzt. .
Rechtzeitige

�Rechtzeitige Benachrichtigung
Eines der fünf Unternehmen stoppte bereits drei Jahre vor Durchführung der ersten Entlassungen die Neueinstellungen, setzte die in Frage
kommenden Mitarbeiter rechtzeitig von der beabsichtigten Entlassung in
Kenntnis und dehnte die Entlassungen selbst über einen Zeitraum von einem
Jahr aus; in allen anderen Fällen war die Kündigung wesentlich kürzer terminiert. Die längste Kündigungsfrist betrug sechs, die geringste etwas
über zwei.Monate.
Arbeitsplatzvermittlung
Als bei weitem wirksamste Hilfe bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen
erwiesen sich die persönlichen Kontakte. Zwischen 50 und 66 Prozent der in
neue Arbeitsplätze Vermittelten, gaben an, ihren neuen Arbeitsplatz durch Hinweise und Beziehuifcei vcn Freunden imd \fewandten erhalten zu haben.
Die einzige wirksame Hilfe, die den entlassenen Arbeitnehmern von anderer Seite zuteil wurde, leistete in einem Falle das Unternehmen (Raffinerie), in einem anderen die Gewerkschaft. Die Ölfirma schaltete zu diesem
Zweck ihren eigenen Arbeitsplatzvermittlungsdienst ein, durch den Kontakte
zu insgesamt 600 Firmen hergestellt wurden. Sie erklärte sich darüber hinaus
bereit, die Gebühren für zwei private Arbeitsvermittlungsbüros zu bezahlen.
Nach Angaben des Unternehmens konnten durch diese Bemühungen rund 1/3 aller
neu eingestellten Arbeitnehmer vermittelt werden. . .
,.
•„
Im Falle des Automobilzulieferungswerkes forderte die Gewerkschaft alle
zur Entlassung anstehenden Arbeitnehmer auf, einen beruflichen Fragebogen
auszufüllen, der dann den Personalabteilungen all jener Unternehmen zugeleitet wurde, zu denen die Gewerkschaft Kontakte hatte. Auf diese Weise konnten
rund 200 der insgesamt 1000 entlassenen Arbeitnehmer Arbeitsplätze in Firmen
erhalten, in denen die Gewerkschaft Tarifpartner ist.
. ,
Die meisten konnten dabei in einem stark expandierenden Unternehmen untergebracht werden, das Arbeitnehmer bis zu einem Alter von 55 Jahren einstellte. Diese hohe Altersgrenze liegt erheblich über dem festgestellten
allgemeinen Durchschnitt, ist aber dadurch bedingt, daß das Unternehmen qualifizierte "fertige" Arbeiter suchte, die ohne Umschulung an den neuen Arbeitsplätzen eingesetzt werden konnten. Praktisch unmöglich war es der Gewerkschaft
dagegen, männlichen Arbeitskraft«» im Alter von über 55 Jahren und Frauen jeglichen Alters neue Arbeitsplätze zu vermitteln.
Umsetzungen innerhalb des Unternehmens
Obwohl es sich bei allen fünf Firmen um Unternehmen mit zahlreichen
Zweigbetrieben handelt, machten nur zwei ihren zur Entlassung vorgesehenen
Mitarbeitern ein Transferangebot, und zwar, weil die entsprechenden Tarifverträge Klauseln enthielten, die eine derartige Umsetzung innerhalb des Unternehmens vorsahen. In beiden Fällen wurden jedoch keinerlei Umzugsbeihilfen
gewährt. Im Falle des Autanobilzulieferungswerks sah der Tarifvertrag mit der
stärksten.im.Betrieb vertretenen Gewerkschaft vor, daß den Mitarbeitern
(Produktionsarbeitern und Wartungspersonal) bei Schließung eines Zweigwerks
und Verlagerung der Produktion in ein anderes Werk, die Möglichkeit geboten
werden muß, in das andere Werk samt ihrem Arbeitsplatz überzusiedeln. Desgleichen bleiben ihnen in einem solchen Fall sämtliche Senioritätsrechte im

- 4 -

�im Hinblick auf Entlassungen sowie ihre Ansprüche auf verschiedene Sozialleistungen im vollen Umfang erhalten. Auf Grund dieser Vereinbarungen entschlossen sich etwa 1/5 aller in Frage kommenden Arbeitnehmer,
einen neuen Arbeitsplatz in einem anderen Werk des Unternehmens in einem
angrenzenden Bundesstaat anzunehmen. Eine weitere Regelung sah die bevorzugte Wiedereinstellung in einem der übrigen Zweigwerke vor. Allerdings
waren solche Arbeitnehmer, die von dieser Option Gebrauch machten, dann
wie "Neueingestellte".zu behandeln, das heißt, sie verloren ihre Senioritätsrechte hinsichtlich einer,Entlassung, konnten ihre Sozialleistungsansprüche jedoch behalten. Auf Grund dieser Vereinbarung wurden insgesamt
3 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer an andere . Arbeitsplätze in Zweigwerken transferiert.
Im zweiten Fall - der Bodenbelagsfabrik - sah der Tarifvertrag eine
Überführung der sozialen Ansprüche vor, nicht aber der Arbeitsplatzrechte,
die sich aus der Länge der Betriebszugehörigkeit herleiten. Nur 1/8 aller
entlassenen Arbeitnehmer machten hier von dem Angebot einer Transferierung
Gebrauch.
Umschulungsprogramme der Unternehmen
Spezielle Programme für die Umschulung der zur Entlassung anstehenden
Arbeitnehmer auf andere Tätigkeiten in anderen Branchen wurden von den fünf
Unternehmen nicht durchgeführt. Die Automobilzulieferungsfirma gab zwar bei
der Verkündung der Betriebsstillegung gleichzeitig die Errichtung eines Umschulungsfonds in Höhe von 100 000 Dollar bekannt - wonach sich auch rund
30 Prozent der entlassenen Arbeiter.für eine Umschulung registrieren ließen -,
aber dennoch mußte das Vorhaben aus verschiedenen Gründen - Alter, unzureichende Schulungsmöglichkeiten, geringe Punktzahl der Umschüler bei Intelligenztests - wieder aufgegeben werden. Das Unternehmen war bei den Vorbereitungsarbeiten zu der Überzeugung gelangt, daß auf Grund der verschiedenen
negativen Faktoren nur geringe Aussichten auf Unterbringung der Entlassenen
in anderen-Berufszweigen bestanden. Nach Angaben der Firma waren viele der
Entlassenen, nicht willens, sich auf schlechter bezahlte Dienstleistungstätigkeiten umschulen zu lassen, während nur wenige auf die Arbeitslosenunterstützung umd die zusätzlichen Unterstützungsleistungen verzichten wollten, auf die
sie ala- Teilnehmer an ganztägigen Umschulungskursen keinen Anspruch hatten.
V«jn den entlassenen Raffineriearbeitern erklärten 10 Prozent, daß ihnen
eine früher, durchgeführte betriebliche Umschulung wesentlich bei der Sicherung eines neuen Arbeitsplatzes geholfen habe. Im Zeitpunkt der Erhebung
waren alle von ihnen wiederbeschäftigt.
Maßnahmen zur Sicherung des Einkommens
a. Arbeitslosenunterstützung
Die bedeutendste Einkommensquelle für die Entlassenen war die Arbeitslosenunterstützung. In vier von den fünf Fällen schwankte der Prozentsatz derjenigen, die diese Bezüge erhielten, zwischen 69 und 94 Prozent, wobei die
durchschnittliche Bezugsdauer zwischen 18 und 27 Wochen lag. Selbst im fünften Fall, in dem die Zahl der Entlassenen relativ klein war, empfing rund
die Hälfte der freigesetzten Arbeitskräfte solche Bezüge.

b.

�b. Zusätzliche Arbeitslosenunterstützung
Eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung (auf Grund von tarifver.traglichen Abmachungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften) erhielten
nur die Arbeitnehmer des Automobilzulieferungswerks. Im Zeitpunkt der Erhebung hatten rund 2/3 aller Entlassenen derartige Bezüge für eine durchschnittliche Dauer von 22 Wochen erhalten.
c. Entlassungsgeld
Entlassungsgeld in irgendeiner Form erhielten die entlassenen Arbeitnehmer in vier der fünf Unternehmen, wobei jedoch nur in einem Fall die
Summe so hoch war, daß sie eine wesentliche Hilfe bei längerer Arbeitslosigkeit dargestellt hätte. Auf Grund dieses Planes wurde den Entlassenen
eine "Betriebszugehörigkeitsprämie" gezahlt,"die sich,aus dem bisherigen
Durchschnittslohn und der Länge det Dienstzeit errechnete. Der geringste
nach der Berechnungsformel.ausgezahlte Betrag belief sich auf etwas über
600 Dollar.
d. Vorgezogene Pensionsleistungen
Obwohl sämtliche Pensionierungsprogramme der betreffenden Firmen eine
vorzeitige Pensionierung im Alter von 60 Jahren und darunter vorsahen, kam
nur in zwei Fällen mehr als ein Bruchteil .der entlassenen Arbeitnehmer in
den Genuß dieser traifvertraglichen Vereinbarung. Im Automobilzulieferungswerk war ein sehr hoher Prozentsatz älterer Arbeitnehmer betroffen, von
denen - nach einer Mitteilung des Unternehmens - innerhalb 14 Monaten nach
Ankündigung der Entlassungen 375 eine Pension erhielten. Da sich herausstellte, daß das Kapital des privaten Pensionsfonds wegen.des hohen Neuzugangs an Pensionären nicht ausreichte, um sämtliche Pensionen in voller
Höhe auszuzahlen, beschloß man im Einklang mit den Kontraktbestimmungen,
die vorgezogenen Pensionen der 50-_bis 59jährigen wesentlich zu kürzen und
die für die noch Jüngeren ganz zu streichen. Bei der Raffinerie erhielten
90 Prozent sämtlicher entlassenen Arbeitnehmer über 55 Jahre volle Pensionsleistungen, fünf Prozent verminderte. Ferner erhielt je.einer von drei Entlassenen unter 55 die volle oder die verminderte Pension. In allen anderen
Fällen verloren die Entlassenen - viele davon mit langer Dienstzeit - ihre
Pensionsansprüche gänzlich.
Charakteristika der Arbeitsplatzverdrängten
Der "typische" Arbeitsplatzverdrängte dieser Untersuchung ist ein Endvierziger männlichen Geschlechts und weißer Hautfarbe, der verheiratet ist,
zwei Familienangehörige, etwas Oberschulbildung und ein Eigenheim hat.
Der Anteil der weiblichen Arbeitnehmer beträgt in einem Fall 40%, im
zweiten 207» und ist in den restlichen drei Fällen unbedeutend. Der Anteil
der Farbigen unter den Entlassenen überstieg in keinem Fall die .7-ProzentGrenze. Die meisten Arbeitnehmer waren 45 Jahre alt und .älter, wobei der
Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtzahl in einem Fall 21 und im
höchsten Fall 94 Prozent betrug. In allen Fällen war die Mehrzahl der Betroff enen .verheiratet und Besitzer eines Eigenheims. Die Zahl der Familienangehörigen war mit zunehmendem Lebensalter rückläufig. Während in .vier
Fällen die überwiegende Mehrheit.der Entlassenen eine nicht abgeschlossene
Oberschulausbildung aufwies, war der Anteil derjenigen mit Abschlußzeugnis - bis auf einen Fall - relativ gering.
Die

�Die Arbeitsplatzsuche
Für viele der entlassenen Arbeitnehmer war die Arbeitsplatzsuche äußerst mühsam und beschwerlich und für eine große Anzahl auch erfolglos .
Die meisten Arbeitsplatzverdrängten konnten auf eine langjährige Tätigkeit
an einem bestimmten Arbeitsplatz zurückblicken, und vielt von ihnen waren
den Anstrengungen der Arbeitsplatzjagd nicht gewachsen.
Wiederbeschäftigte und Erwerbslose
Im Zeitpunkt der Erhebung waren von den entlassenen Arbeitnehmern der
fünf analysierten Firmen rund 66 Prozent wieder an anderen Arbeitsplätzen
beschäftigt. Weitere 10 Prozent waren entweder pensioniert worden oder betrübter sich aus anderen Gründen um keine neue Beschäftigung. 25 Prozent
schließlich waren immer noch unbeschäftigt und hielten nach einem Arbeitsplatz Ausschau. Die Erwerbslosenrate der freigesetzten Arbeitskräfte schwankte - je nach Unternehmen - zwischen 8 und 39 Prozent. Wie aus der folgenden
Übersicht hervorgeht, war sie erheblich höher als die durchschnittliche Arbeitslosenrate im Tätigkeitsbereich des jeweiligen Unternehmens.

Unternehmen

Prozentsatz der Unbeschäftigten
Spanne zwischen ZeitUnter den
Am regionalen Arbeitsmarkt
punkt der
freigesetzEntlassung
ten ArbeitsIm Zeitpunkt
Im Zeitpunkt
und Durchkräften
der Entlassung der Erhebung
führung der
(Erhebung)
Erhebung
(in Monaten)

Erdölraffinerie

6-18

4,6 - 9,9

4.7

8

Automobilzulieferungswerk

10

6,8

4,9

27

8

7,5

5,1

39

16

5,9

3,0

17

Glasbehälterfabrik
Bodenbelagshersteller
Eisenhütte

21 u.13

l)

2,8 u.6,9

1}

3,1 u.3,6

1}

28

2)

1) Spanne für die beiden in zwei verschiedenen Bundesstaaten stillgelegten
Hüttenwerke
2)
Mittel der Erwerbslosenrate in den beiden Bundesstaaten
Mit einer Ausnahme war die Arbeitslosenrate unter den Arbeitsplatzverdrängten mindestens fünfmal so groß wie die allgemeine Durchschnittrate in
dem betreffenden Arbeitsmarktgebiet.
Die Zahl der langfristigen Erwerblosen war erheblich. In vier Fällen
waren mehr als 50 Prozent der freigesetzten Arbeitskräfte mindestens 16 Wochen lang arbeitslos; in zwei dieser Fälle waren es sogar mehr als 66 Prozent,
Ebenso

�Ebenso lag der Prozentsatz derjenigen, die länger als ein halbes Jahr
ohne Arbeit blieben, in diesen vier Fällen zwischen über 40 und mehr als
50 Prozent.
Ferner hatte eine erhebliche Anzahl bis zum Zeitpunkt der Erhebung
überhaupt noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. Auf der anderen Seite
hatten zwischen 12,5 und 37,5 Prozent der in den einzelnen Unternehmen
freigesetzten Arbeitskräfte bis dahin schon mehr als einen Arbeitsplatz
gehabt.
Lebensalter und Wiederbeschäftigung
Die Aussichten auf Wiederbeschäftigung waren bei den jüngeren Arbeitnehmern (bis 45) erheblich besser als bei den älteren. In vier der in der
nachstehenden Übersicht aufgezeigten Fälle war der Anteil der älteren Erwerbslosen und.noch Arbeit Suchenden erheblich höher als der anderer Altersgruppen. Bei dem fünften Unternehmen hatte sich eine überwiegende Zahl der
älteren Arbeitnehmer mit ihrer vorzeitigen Pensionierung einverstanden erklärt, dennoch waren im Zeitpunkt der Erhebung viele von ihnen wiederbeschäftigt, während einige von ihnen nach Arbeitsmöglichkeiten Ausschau hielten. Bei allen fünf untersuchten Unternehmen bemühte sich jedoch ein größerer
Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer nicht um einen neuen Arbeitsplatz.

Zahl der im Zeitpunkt der Erhebung nuch Arbeit Suchenden
. .
Betrieb

(in %)
erwerbslos
unter 45 Jahren

Erdölraffinierie
Automobilzulieferungswerk
Glasbehälterfabrik
Bodenbelagshersteller
Eisenhütte

nicht auf Arbeitssuche
unter 45
über 45
über 45 Jahren

unter 45

1

39

8

5

12

14

10
35

29
41

3

16

12
25

19
32

0
0

15
19

Bei zwei Unternehmen, wo es auf Grund umfassender statistischer Unterlagen möglich war, die Altersgruppen enger zu fassen, zeigte sich, daß die
bei weitem höchste Erwerbslosenrate die Gruppe der 55- bis 59jährigen aufzuweisen hatte. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer über 60 Jahre und
in noch höheren Altersgruppen (über 65) bemühte sich um keine neue Beschäftigung. Obwohl eine beträchtliche Zahl von ihnen von der Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung Gebrauch gemacht hatte, so dürften doch viele andere
in Erkenntnis der Altersbarriere von der Suche nach einer neuen Beschäftigung
abgeschreckt worden sein.
Schulbildung und Wiederbeschäftigungschancen
Arbeitsplatzverdrängte mit einer abgeschlossenen Oberschulausbildung

- 8-

�1

Ob«rschulausbildung wiesen eine wesentlich niedrigere Arbeitslosenrate
auf als jene, die keinen Abschluß hatten. In drei Fällen war die Erwerbslosenrate der Arbeitnehmer mit Reifezeugnis nur halb so groß wie die derjenigen ohne Abschlußzeugnis. Die Unterschiede in den Erwerbslosenraten
zwischen "Volksschülern" und Oberschülern ohne Abschlußzeugnis waren
dagegen sehr viel geringer.
Auch bei den älteren Arbeitnehmern mit Oberschulabschluß waren die
Wiederbeschäftigungsaussichten weit günstiger als bei jenen, die nur eine
geringe oder unvollständige schulische Ausbildung genossen hatten. Zu den
freigesetzten Arbeitnehmern, die sich um keinen neuen Arbeitsplatz bemühten,
zählten vor allem solche mit einer unzureichenden schulischen Ausbildung.
In Anbetracht des doppelten Handikaps - hohes Lebensalter, geringe Schulkenntnisse - zogen es viele Arbeitnehmer, die normalerweise noch werktätig
geblieben wären, vor, sich vorzeitig pensionieren zu lassen.
Frauen und Wiederbeschäftigung
Die Erwerbslosenrate bei den freigesetzten weiblichen Arbeitskräften
bewegte sich in den fünf untersuchten Fällen zwischen 56 und 61 Prozent das ist eine fast dreimal so hohe Rate„wie bei den Männern in jenen beiden
Firmen, wo eine genauere Analyse möglich war. Nur 25 Prozent der Frauen
waren in allen Fällen wiederbeschäftigt, während sich die restlichen um
keinen neuen Arbeitsplatz bemühten. In einem Fall waren fast 7 von 8 entlassenen weiblichen Arbeitskräften länger als.ein halbes Jahr ohne Arbeit,
während es bei den Männern nur 1 von 3 war. In einem anderen Betrieb ergaben sich entsprechende Verhältniszahlen von 2:1 bzw. 1:3. Wie aus der
folgenden Übersicht hervorgeht, wiesen die Frauen sämtlicher Altersgruppen
unter 60 Jahren und auf allen Bildungsniveaus höhere Erwerbslosenraten auf
als die Männer.
Erwerbslose in Prozent

Altersgruppe

Automobilzulief? v ungswerk

Glasbehält erfabrik

Männer

Frauen

Männer

Frauen

unter 35 Jahren

5

22

10

58

3 5 - 4 4 Jahre

7

25

22

63

4 5 - 5 4 Jahre

17

67

19

70

5 5 - 5 9 Jahre

32

62

51

71

67

32

65

Schulbildung
keine Oberschule

26

•

Oberschule ohne
Abschluß

25

64

23

59

Oberschule mit
Abschluß

11

31

11

65

Der

- 9

�Der Altersfaktor scheint sich bei den Frauen im Hinblick auf die
Beschäftigungsmöglichkeiten also früher auszuwirken als bei den Männern.
Die höchste Arbeitslosenrate ergab sich bei den Männern in beiden Fällen
in der Gruppe von 55 Tis 59 Jahren, während bei den weiblichen Arbeitskräften in einem Fall die Spitze in der Gruppe von 45 bis 54 Jahren lag
und im anderen Fall fast gleichhohe Spitzen in zwei Altersgruppen (45 54 und 55 - 59 Jahre) erreicht wurden.
Ausbildungsstand und Wiederbeschäftigung
Bei der Überprüfung sämtlicher Fälle stellte sich heraus, daß die
höhere Erwerbslosenrate stets die Arbeitnehmer mit den geringeren beruflichen Kenntnissen aufwiesen. Die Rate lag z.B. beim Wartungspersonal
zwischen 0 und 33 Prozent, bei .den Maschinenoperateuren zwischen 8 und
39 Prozent und bei den Hilfsarbeitern zwischen 20 und 59 Prozent. Ein ähnliches Bild ergab sich auch, wenn man die Stundenlöhne als Maßstab für
die beruflichen Fähigkeiten anlegte. Auch hier zeigte sich, daß die höchste Erwerbslosenrate die Arbeitnehmer mit den niedrigsten Stundenlöhnen
aufwiesen.
Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Industriezweige, in denen die freigesetzten Arbeitskräfte einen neuen Arbeitsplatz fanden. Sie zeigt ganz eindeutig, daß es für die Betreffenden sehr schwierig
war, einen neuen Arbeitsplatz im gleichen Industriezweig zu finden.

Prozentsatz der Wiederbeschäftigten in
der gleichen
Industrie
Ölraffinerie

47

Glasbehälterfabrik

21

Eisenhütte

nichtgewerblichen
Zweigen

57

36

7

Automobilzulieferungs
werk

Bodenbelagshersteller

anderen Fertigungszweigen

17

1J

2)

8

28

25

32

47

46

37

34

58

Schließt 33 Prozent an Arbeitnehmern mit ein, die auf Grund tarifvertraglicher Abmachungen in ein anderes Werk des Unternehmens in einem anderen
Bundesstaat transferiert wurdenj die restlichen 147» fanden Arbeitsplätze
in anderen Unternehmen.
Die 17 Prozent stellen alle Arbeitnehmer dar, die auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen in ein anderes Werk des gleichen Unternehmens in
einem anderen Bundesstaat kamen.
Mobilität

- 10 -

�Mobilität und Wiederbeschäftigung
Welche Rolle die Mobilität bei der Arbeitsplatzsuche spielt, erhellt
schon allein aus der Tatsache, daß ein weit höherer Prozentsatz der Wiederbeschäftigten als der Arbeitslosen sich um Arbeit außerhalb des Wohnortes bemüht hatte. Außerdem hatten - außer in einem Fall - doppelt soviel
Wiederbeschäftigte wie Erwerbslose ihre Arbeitssuche über den 50-KeilenRadius hinaus ausgedehnt.
Welche Anreize und Hindernisse für die Arbeitnehmer bei einer Umsetzung innerhalb des Unternehmens - in ein anderes Werk - bestehen, läßt
sich- an den beiden Fällen ablesen, in denen auf Grund der tarifvertraglichen Vereinbarungen eine solche Möglichkeit gegeben war. Erst die volle
Garantie für die Erhaltung der Senioritäts- r . nderen Ansp üche war
in beiden Fällen für eine Anzahl der Entlassenen Anreiz genug, um einen
Ortswechsel vorzunehmen. Aber selbst in diesem Fall machten nur 20 Prozent von dem Angebot Gebrauch. Nur relativ wenige Arbeitnehmer waren dagegen bereit, einen Arbeitsplatz in einem Zweigwerk des Unternehmens anzunehmen, wenn lediglich die aufgelaufenen sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche, nicht aber die Senioritätsrechte, garantiert wurden. Wie eine genaue
Faktenanalyse bei den transferierten Arbeitnehmern zeigte, zählten neben
dem Zwang zur Sicherung der im Laufe eines langen Arbeitslebens aufgelaufenen Sozialleistungen zu den Antriebsmomenten vor allem die Furcht, aus. Altersgründen keinen neuen Arbeitsplatz mehr zu bekommen, sowie - bei den
großen Familien - der Druck den wirtschaftlichen Verhältnisse.
Hemmende und einem Ortswechsel entgegenstehende Faktoren waren dagegen:
Rücksichtnahme auf den Arbeitsplatz der Frau, Eigenheimbesitz, familiäre
und soziale Bindungen, der Schulbesuch der Kinder, die Furcht vor abermaliger Kündigung und die hohen Umzugskosten.
Umschulung und Wiederbeschäftigung
Von den freigesetzten Arbeitnehmern haben nur wenige - zwischen 2 und
7 Prozent - an einem Umschulung6kursus nach ihrer Entlassung teilgenommen.
Dennoch gaben die meisten von den Betroffenen zu erkennen, daß sie an derartigen Umschulungskursen interessiert seien, sofern ihnen dadurch keine Nachteile entstehen. Ihre beruflichen Interessen erstreckten sich dabei auf eine
Vielzahl von Tätigkeiten, in erster Linie auf die Erlernung von Fachberufen
wie Schweißer, Elektrotechniker, Automobil- und Maschinenmechaniker. Bei den
Berufswünschen der weiblichen Arbeitskräfte standen Büro- und Pflegeberufe im
Vordergrund.
Die Auswirkungen auf die Einkommen
Eine Analyse der Einkommen der Wiederbeschäftigten zeigte, daß die meisten freigesetzten Arbeitnehmer an ihrem neuen Arbeitsplatz weniger verdienten. In allen fünf Fällen wiesen mehr als die Hälfte geringere Einkommen auf,
wobei in einem Fall fast ein Verhältnis von 4 i 1 erreicht wurde. Bei vielen
belief sich der.Einkommensverlust auf 20 Prozent und mehr. Das Verhältnis betrug dabei durchschnittlich 1 : 3, in einem Fall sogar 1 : 1. Im Gegensatz
dazu konnten nur wenige Wiederbeschäftigte eine Einkommensaufbesserung erzielen. In zwei Fällen dagegen, in denen eine Umsetzung innerhalb des Unternehmens stattfand (Automobilzulieferungswerk und Bodenbelagshersteller) konnte
ein relativ hoher Prozentsatz der Arbeitnehmer.(32% bzw. 187») sein bisheriges
Einkommen beibehalten.
Wenn
- 11 -

�Wenn ältere Arbeitnehmer einen neuen Arbeitsplatz bekommen konnten,
so mußten sie in der Regel weitaus größere Stundenlohnverluste hinnehmen
als jüngere Kollegen. Die folgende Tabelle zeigt, welcher Prozentsatz
an Arbeitnehmern in den einzelnen Altersgruppen Stundenlohneinbußen von
mehr als 20 Prozent hinnehmen mußte.

unter
35 Jahren

35-44 Jahre

45-54 Jahre

über
55 Jahre

Erdölraffinerie

24

35

31 +

+

Automobilzulieferungswerk

17

18

30

33

Glasbehilterfabrik

31

35

74

Bodenbelagshersteller

11

13

72
35

+

57

iber 45 Jahr«

In drei von vier Fällen, wo eine genaue diesbezügliche Aufschlüsselung
möglich war, ergab sich, daß die Zahl derjenigen Arbeitnehmer, die Einkommensverluste von 20 und mehr Prozent hinnehmen mußten, ab 45. Lebensjahr
besonders stark ansteigt. Das gleiche Gefälle tritt auch bei Anlegung des
Bildungsmaßstabes auf: Diejenigen Arbeitnehmer mit der geringsten Schulbildung wiesen auch die stärksten Einkommensverluste auf.

Arbeitnehmer» die Einkc—nenjsve.irl-ii.ste v m ro"hr als 20% aufwiesen,
nach Bildungsniveau aufgefeilt: (in %)

Grundschule

Erdölraffinerie

Einige Jahre
Oberschule

Abschluß
Oberschule

43

31

Automobilzulieferungvwerk

39

28

23

Glasbehälterfabrik

70

55

32

Bodenbelagshersteller

31

18

22

Die Auswirkungen auf die Sozialleistungen
Viele der durch die technologischen Veränderungen freigesetzten Arbeitskräfte beklagten sich darüber - häufig sehr verbittert - daß sie mit der

- 12 -

�der Entlassung auch sämtliche aufgelaufenen privaten Sozialleistungsansprüche verloren haben. Dieser Verlust war für die meisten Entlassenen in
wirtschaftlicher Hinsicht der härteste, da diese zusätzlichen, die soziale
Sicherheit der Familie wesentlich stärkenden Leistungen einen nicht unwesentlichen Bestandteil der langfristigen Einkommensplanung der Betroffenen darstellten. Hinzu kommt noch, daß die Höhe dieser Sozialleistungen von der
Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig war und daher die Entlassenen an
ihrem neuen Arbeitsplatz mit dem Aufbau ihrer Sozialansprüche von vorn zu
beginnen hatten. Die meisten wieder in Arbeit Stehenden erklärten, daß die
Lohnnebenleistungen an ihren neuen Arbeitsplätzen weniger liberal seien als
die an den alten.
Die Arbeitsplatzveränderungen
Die meisten der entlassenen Arbeiter mußten eine berufliche Zurückstufung
bei ihrem neuen Arbeitgeber hinnehmen; das heißt, die an ihrem neuen Arbeitsplatz von ihnen geforderten beruflichen Qualifikationen lagen unter denen ihres
alten Arbeitsplatzes. Dies war bei den angelernten Arbeitern im stärkeren Maße
der Fall als bei den Facharbeitern. Während die meisten der höherqualifizierten Wartungsarbeiter durch den Arbeitsplatzwechsel nicht aus ihrer Beschäftigungsgruppe herausgedrängt wurden, konnteivon den Maschinenoperateuren nur
etwas mehr als 307» einen gleichwertigen Arbeitsplatz im neuen Betrieb finden.
Ein hoher Prozentsatz der entlassenen Maschinenoperateure, die. einen neuen
Arbeitsplatz gefunden hatten, war als Hilfsarbeiter oder Wachpersonal beschäftigt.
Die Auswirkungen auf die Gewerkschaften
Auf die Mitgliederzahl der Gewerkschaften hatten die Entlassungen einen
sehr erheblichen Einfluß. Während vor den Entlassungen rund 9/10 aller hier
untersuchten Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert waren,.war das Verhältnis
zwischen Organisierten und Unorganisierten im Zeitpunkt der Erhebung in zwei
Fällen nur noch 1:2 und in keinem Fall besser als 2:1. Der höchste Prozentsatz
gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer wurde im Falle des Automobilzulieferungswerks festgestellt, in dem jedoch eine nicht unwesentliche Zahl entweder
in andere Zweigwerke transferiert worden war oder durch die Gewerkschaft neue
Arbeitsplätze erhalten hatte. Selbst wenn man nur diejenigen Arbeitnehmer berücksichtigt', die neue Arbeitsplätze gefunden haben, ergeben sich erhebliche
Rückgänge in der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder - zwischen 2/5 und 3/5 gemessen an der Gesamtzahl. Zum Teil erklärt sich dieser Rückgang aus der Tatsache,
daß viele neue Arbeitsplätze sich in Betrieben befinden, die gewerkschaftlich
nicht organisiert sind.
Der Einfluß auf die Seniorität
In den meisten von den Gewerkschaften mit Unternehmen abgeschlossenen Tarifverträgen sind sogenannte Senioritätsklauseln enthalten, die den Arbeitnehmern
mit einer längeren Dienstzeit einen größeren Schutz bei Entlassungen garantieren sollen - Bestimmungen, die auch für die Gewährung zusätzlicher betrieblicher
Sozialleistungen von Bedeutung sind. Mit dem Verlust der'Senioritätsrechte hat
ein Arbeitnehmer in seinem neuen Betrieb in jeder Hinsicht (Sicherheit des Arbeitsplatzes, Höhe der Sozialleistungen) wieder von vorn anzufangen. Die überwiegende Mehrheit, der in den untersuchten fünf Betrieben entlassenen Arbeitnehmer
wies eine Betriebszugehörigkeit von mehr als. 10 Jahren euf. In einigen Unternehmen hatten zahlreiche Entlassene sogar erheblich längere Dienstzeiten. In
einem Betrieb waren es rund 25 Prozent, die mehr als 20 Dienstjähre nachweisen

- 13 -

�nachweisen konnten, während es in einem anderen 33 Prozent und in einem
dritten sogar 90 Prozent waren.
Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben
Eine beträchtliche Anzahl der entlassenen Arbeitnehmer - zwischen 9
und 14 Prozent - gab zu erkennen, daß sie sich nicht mehr um einen neuen
Arbeitsplatz bemühen würde. Besonders hoch war der Prozentsatz dieser
freiwillig vorzeitig aus dem Berufsleben Ausscheidenden natürlich in der
Altersgruppe der 60- bis 64jährigen. Im günstigsten Fall bedeutete dieser
Schritt für sie eine frühzeitige Pensionierung bei reduzierten Rentenleistungen und einem niedrigeren Lebensstandard als ursprünglich für diesen
Lebensabschnitt erwartet. In zahlreichen Fällen zogen sich ältere Arbeitnehmer ohne Aussicht auf eine Pension aus _dem Berufsleben zurück, weil sie
einsahen, daß es für sie einfach unmöglich war* einen anderen Arbeitsplatz
zu bekommen. Diese Ftststellung trifft besonders für die weiblichen Arbeitnehmer zu.
(Aus "Monthly Labor Review'», Vol. 87, Nr. 6,
Juni 1964. Originaltitel der Untersuchung:
"Five Case Studies of Displaced Workers"..
Autor: Herbert Hammerman, US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik, Abteilung für Technologische Studien)

+ + + + 4-

Dr. Louis T. Rader:
Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich gelöst werden
In zunehmendem Maße rückt das Thema Automation in
den Vordergrund wirtschaftlicher und sozialpolitischer Diskussionen. Man spricht von einer:tzweiten
industriellen Revolution", deren Folgen noch nicht
zu übersehen seien. Sind.sie es wirklich nicht? Dr.
Louis T. Rader untersucht im folgenden die Chancen,
die die Automation in der modernen Wirtschaft bietet.

Was ist Automation und was bedeutet sie? Man unterscheidet vier Formen
der Automation:
1. Vorgänge, bei denen automatische Transportmaschinen und elektrische
Energie Werkstücke oder Güter mittels eines laufenden Bandes von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle befördern. Diese Methode wird bei der Produktion von
Automobilen und langlebigen Verbrauchsgütern angewandt.
2. die Anwendung des sogenannten "Feedback"'-Verfahrens - die laufende
"Meldung" von wichtigen Produktionsdaten de_ Meß- oder Kontrollgeräte an einen Elektronenrechner, der sie auswertet und die einzelnen Maschinen etc.
dann selbsttätig reguliert - zur Kontrolle und Regelung der Arbeitsweise von

�von Maschinen und Produktionsvorfänpen, das bei kontinuierlichen Herstellungsprozessen in Frage kommt, also vor allem in der Erdölchemie, in der
Energiewirtschaft oder auch in dev '^.-Thlprociuktion. Man spricht hier vielfach auch von "Cybernation" oder demC PC-System (Computer Production Control);
3. das numerische KontrollverfaV.ren, das auf der Speicherung mathematischer Werte auf Lochstreifen, Lochkarten oder Magnetbändern in Form eines "Programms" beruht, das jeweils einer bestimmten Fertigungsphase entspricht, die
je Bandablauf "identisch" ausgeführt wird;
4. der Einsatz von elektronischen Rechenautomaten, die in der Lage sind,
im Zeitraum von millionstel Sekunden Informationen zu verarbeiten, zu analysieren, zu vergleichen und zu speichern. Anlagen dieser Art zeichnen sich durch
außerordentlich hohe Arbeitsgeschwindigkeit und einen kaum zu übertreffenden
Grad an Präzision aus. Sie vermögen sogar menschliche oder eigene Fehler zu
erkennen und zu korrigieren.
Faßt man den Einsatz automatischer Vorrichtungen dieser Art ausschließlich als Mittel zur Einsparung von Arbeitskraft auf, so geht man ganz sicher
an dem sehr viel wichtigeren sozialen und wirtschaftlichen Aspekt der Verwendungsmöglichkeiten von "Automaten" vorbei. Es stimmt, daß der Einsatz solcher
Geräte etwa in der Buchhaltung oder der Lagerkontrolle zunächst mit Kostensenkung motiviert wurde. Aber immer mehr setzte sich die Erkenntnis durch, daß
Automaten im Management moderner Industriebetriebe bei der Entscheidungsvorbereitung eine eminente Rolle zu spielen vermögen: Die von Automaten entwickelten
und geprüften Alternativen einer möglichen Entscheidung zeichnen sich durch ein
bedeutend größeres Maß an konkreter Information und durch einen unvergleichlich
höheren Grad an IVr^z ision aus.
Indes hängt der Einsatz von Automaten nicht allein von den Einsatzmöglichkeiten ab, denn Automation ist nicht billig, und sie erfordert Zeit, viel Zeit
- Monate und häufig sogar Jahre. Sie bedingt hohe Kapitalinvestitionen, zumindest aber die Entrichtung hoher Leihgebühren bei der Inanspruchnahme der Dienste
nicht-betriebseigener «'Rechenzentren". Der Anstoß zur Einführung der Automation
muß also vom "Markt" her kommen; sie.wird gewissermaßen aus der Preiskonkurrenz
hervorgehen, beispielsweise, wenn etwa die Marktchancen für ein Produkt verbessert werden können oder wenn sich Chancen zur Erweiterung eines Absatzmarktes auf Grund niedrigerer Preise ergeben. In jedem Falle müssen Maßnahmen zur
Einführung der Automation ökonomisch vertretbar sein.
Die Einführung der Automation ist eine Entscheidung mit sozialpolitischen
Konsequenzen, und insbesondere von Arbeitnehmerseite wird auf den Zusammenhang
zwischen Arbeitsplatzschwund und Automation aufmerksam gemacht. Man darf dem
jedoch mit gleichem Recht entgegenhalten^, daß etwa die relativ hohe Zahl der
Arbeitslosen in den USA, wie;e'inef der fuhrenden Wissenschaftler auf dem Gebiete der Produktivitätsforschung, Professor John W. Kendrick von der GeorgeWashington-Universität, betont, im wesentlichen auf die geringen Produktivitätssteigerungsraten der letzten Jahre zurückzuführen ist. Diese These läßt sich
mit der Beobachtung untermauern, daß gerade die Industrien mit überdurchschnittlichen Produktivitatssteigerungsraten auch die Tendenz zur überdurchschnittlichen Vergrößerung ihrer Beschäftigtenzahl aufwiesen. Die Behauptung, die Automation mache in den USA pro Woche 40 000, mithin im Jahr 2 Millionen Menschen,
arbeitslos, kann man andererseits mit dem Hinweis auf. die Tatsache begegnen,
daß in den vergangenen zwölf Monaten eine Million Menschen in den USA in den
Arbeitsprozeß eingeschaltet werden konnten und daß die Arbeitslosigkeit keineswegs zugenommen hat. Von 1947 bis 1963 wurden in den USA 11,3 Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen, und das, obwohl in dieser Periode eine verstärkte Ab-

- 15 -

�Abwanderung aus der Landwirtschaft in die Industrie zu verzeichnen war.
Hier besteht offenbar ein wichtiger Zusammenhang: Diese Arbeitsplätze
entstanden zu einer Zeit, da in Amerika mehr Geld für neue Industrieanlagen, für neue und bessere Maschinen und für kostensenkende Ausrüstungen
ausgegeben wurde als je zuvor. Der entscheidende Punkt in der ganzen Diskussion um das soziale Für und Wider der Automation liegt, wie mir scheint,
in folgenden: Der Trend, neue Maschinen einzusetzen, neue und vermehrte
Kapitalinvestitionen vorzunehmen, neue Fabrikationsanlagen zu schaffen wie überhaupt das ständige Bemühen um eine Verbesserung der Produktivität -.
schafft neue Arbeitsplätze.. Die Wechselwirkung zwischen Mechanisierung und
verbesserter Produktivität ist unbestreitbar.
Ganz offenbar besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Nutzung der
Arbeitskraft und dem An- und Abstieg der Beschäftigtenziffer. Ein Vergleich
zwischen den Industriezweigen mit der höchsten und der geringsten Produktivitätsrate in.den USA zeigt, daß der Bedarf an Arbeitskräften bei den Industrien mit Spitzenwerten in der Ausnutzung der Arbeitskraft zunehmende
Tendenz aufweist, während die Industrien mit der geringsten Leistung je Arbeitskraft ein Nachlassen des Arbeitskräftebedarfs verzeichnen: Von 1947/49
(Durchschnitt) bis 1961 vergrößerten die ersteren Industrien ihre Beschäftigtenziffer um 236 000, während die Beschäftigtenzahl der Industrien, mit schlechter Arbeitskraftnutzung um 609 000. zurückging.
Die Ursache dieses Phänomens ist darin zu erblicken, daß Industrien,
die mechanisieren und automatisieren, wettbewerbsfähig sind, neue und bessere
Güter zu niedrigeren Preisen herstellen, ihr Produktionsvolumen erweitern
können und Profite zu erzielen vermögen, die wiederum zur Produktion von
Gütern verwandt werden können, die der Kunde kaufen will und die er sich wegen der niedrigeren Preise auch leisten, kann.
Ein Unternehmer, der Profite erzielt und sein Kapital in extensivem
Sinne einsetzt, ist ein wahrer Freund der Arbeitnehmer. Ein Unternehmer dagegen, der am Rande des Bankrotts wirtschaftet und der sich weigert, moderne
Fertigungsmethoden einzusetzen, ist es sicherlich nicht.
Wirtschaftswissenschaftler haben immer wieder versucht, die Faktoren
wirtschaftlichen Wachstums zu ermitteln. Vollständig gelang ihnen das nie.
Die Veränderlichkeit der Qualität der menschlichen Komponente scheint die
unbekannte Größe in ihrer Berechnung zu sein. Wenn man dies berücksichtigt,
kommt man zu dem überraschenden Ergebnis, daß etwa 21 Prozent oder knapp
ein Fünftel unserer wirtschaftlichen Wachstumsrate allein auf den menschlichen Bildungsfaktor zurückgeht.
Man darf daraus wohl den Schluß ziehen, daß in den nächsten zehn oder 20
Jahren der Qualität und Art der Ausbildung menschlicher Arbeitskräfte in
erhöhtem Maße Beachtung geschenkt werden muß. Die Automation verringert den
Bedarf an ungelernten Arbeitskräften und erhöht den Bedarf an Fachkräften.
So wurden vom US-Arbeitsministerium nicht weniger als 37 Berufssparten als
Mangelberufe klassifiziert. Darunter fallen Farbensetzer, Elektroniktechniker, Feinmechaniker, Ingenieure, Maschinisten, Mathematiker, Krankenschwestern, Büro- und kaufmännisches Personal und natürlich zahlreiche Lehrberufe.
Sicherlich erfordern nicht alle diese Berufe ein abgeschlossenes Hochschulstudium, aber sie setzen doch zumindest eine spezielle Ausbildung voraus.
Ausbildung, Umschulung, Arbeitermobilität, Expansion der Wirtschaft das sind die Themen des technologischen Zeitalters, und es ist nicht nur

- 16 -

�I

nur Sache der Regierung, sondern auch der Wirtschaft, der Gewerkschaften,
des BildüngsWesens und nicht zuletzt des einzelnen Arbeitnehmers, die mit
dem technologischen Wandel verbundenen Härten weitgehend abzumildern und aus
Technologie und Automation den größtmöglichen Nutzen zu ziehen.
Nicht selten wird die Ansicht vertreten, der fortschreitende technologische Wandel, die zunehmende Übernahme menschlicher Funktionen durch Rechenautomaten sowie die rapide Bevölkerungsr;unt/ " 2 würden den Menschen schließlich zum bloßen manipulierbaren Objekt degtadteren. Ich bin anderer Ansicht.
Für den Menschen gibt es immer genug zu tun. Projekte wie die Entsalzung des
Meerwassers, die Bewässerung der Wüsten, die Beseitigung der Luftverschmutzung
über den industriellen Ballungsräumen, die Beseitigung der Verkehrsengpässe
und die Herstellung von. unbegrenzt haltbaren Gebrauchsgütern erscheinen zwar
vorerst aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar. Es müssen aber Wege
gefunden werden, die einen Einsatz von Kapital, Arbeit und Material zur Lösung dieser Probleme in einer Weise erlauben, die im monet ren Sinne die.
Kosten rechtfertigt. Dabei kann die Automation helfen.
Die eigentliche Macht des menschlichen Intellekts besteht in der Fähigkeit, über seine Umwelt zu triumphieren. Der.Mensch ist unsere entscheidende
Hilfsquelle, die Automation nur ein Werkzeug der menschlichen Rasse, allerdings ein gutes und brauchbares Instrument, wie man betonen sollte.

(stark gekürzt)
(Nachdruck mit Angabe des Autors und
Vermerk
"Courtesy of Sperryscope Sperry Rand Corporation"
gestattet.)

+ ++++

17 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Bessere Schulungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für farbige Hotelangestellte
Bessere Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sichert den farbigen
und puertoricanischen Hotelangestellten New Yorks eine zwischen dem "Hotel
and Motel Trades Council" und dem Hotelierverband getroffene Vereinbarung,
an deren Zustandekommen auch vier der bedeutendsten Vereinigungen zur Förderung der Interessen Farbiger beteiligt waren.
Wie der Präsident des Trades Council, der die Interessen von insgesamt
neun Fachgewerkschaften des Hotelgewerbes vertritt,.zu dem neuen Abkommen
erklärte, sollen in Zukunft bei der Neubesetzung höher eingestufter Arbeitsplätze zuerst solche Arbeitnehmer berücksichtigt werden, die bereits seit
langem im Hotelfach tätig sind und sich beruflich durch gute Leistungen
hervorgetan haben. Die Nominierung der Kandidaten für die berufliehenFortbildungs- und Umschulungsprogramme soll, dabei künftig ohne Rücksicht auf
Rasse, Hautfarbe oder Religion erfolgen.
Zur schnelleren Erreichung dieser Ziele kündigte der Council u.a.
folgende Sofortmaßnahmen an: Ernennung einer qualifizierten Persönlichkeit
zum Leiter der gesamten Ausbildungsarbeit; Abfassung einer Eingabe an die
New Yorker Stadtverwaltung, in der diese aufgefordert wird, Spezialklassen
für Lesen, Schreiben und freie Rede einzurichten, damit dieeiner Beförderung in der Regel im Wege stehenden Sprachschwierigkeiten beseitigt werden;
Verstärkung der Bemühungen, Neger und Puertoricaner in Angestelltenpositionen zu bringen.
Der "Hotel and Motel Trades Council" vertritt in New York insgesamt
33 000 Hotelangestellte in 180 Hotels. Rund 40 Prozent aller in den New Yorker Hotels Tätigen sind Neger und Puertoricaner, wovon der größte Teil in
den untersten Arbeitsplatzkategorien anzutreffen ist.
(Quelle: Eigenbericht)

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Erhebliche Gehaltsaufbesserung für New Yorks Polizeibeamte
Rund 20 500 New Yorker Polizeibeamte werden auf Grund eines nach mehrwöchigen Verhandlungen zwischen der Polizeigewerkschaft und der Stadtverwaltung abgeschlossenen neuen Tarifvertrages eine wesentliche Aufbesserung
ihrer Gehälter und Lohnnebenleistungen erhalten. In den nächsten zwei Jahren
(Vertragsdauer) sollen die Polizeibeamten dabei insgesamt 900 Dollar mehr "
bekommen - 400 Dollar im ersten und 500 Dollar im zweiten Jahr*
Diese Regelung, die vorläufig nur für die Mannschaftsdienstgrade der
New Yorker Polizei gilt, soll bei den nächsten TarifVerhandlungen auch auf
die rund 5000 Offiziere ausgedehnt werden.
Nach

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�Nach Mitteilung des Gewerkschaftsvorsitzenden, John J. Cassese,
dürfte das Gehalt eines Streifenbeamten einschließlich der Kleiderzulagen
und Feiertagszuschläge künftig rund 9020 Dollar (8260 Dollar bisher) im
Jahr betragen.
Zu den in den Tarifverhandlungen erreichten Verbesserungen zählen ferner: Gewährung eines zusätzlichen bezahlten Feiertages (jetzt insgesamt 11)J
Erhöhung des Kleidergeldes um 15 Dollar in diesem und um weitere 15 Dollar
im nächsten Jahr (Gesamthöhe dann.185 Dollar pro Jahr); Anhebung der.Sozialbeiträge der Stadt für die Krankenversicherungs- und Wohlfahrtsfonds der
Polizei um 25 Dollar pro Polizist und Jahr; freie Wahl der angebotenen Krankenhauskosten- Yersicherungspläne; Zahlung von 3/4 der Krankenhauskosten, durch
die Stadtverwaltung ab 1. Januar 1965 und Übernahme der Gesamtkosten ab
1. Januar 1966.
(Quelle: Eigenbericht)

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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?&lt;br /&gt;1963 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungen&lt;br /&gt;Betrieblich geförderte Freizeitprogramme&lt;br /&gt;US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf Dieselloks abbauen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas Minderheiten&lt;br /&gt;Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (I)&lt;br /&gt;Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten: Lohnpolitischer Rundblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (II)&lt;br /&gt;Druckereifachschule in Colorado Springs&lt;br /&gt;Die Firma zahlt den Doktorhut&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand an der amerikanischen Westküste&lt;br /&gt;Die betrieblichen Sozialklassen der Angestellten in den USA (I)&lt;br /&gt;US-Eisenbahnerstreik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA (II)&lt;br /&gt;Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen&lt;br /&gt;Ende der Monotonie am Fließband?&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA: Ziele und Aufgaben&lt;br /&gt;Die Automationsforschung:&lt;br /&gt;Untersuchungen über technische Neuheiten&lt;br /&gt;Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation&lt;br /&gt;Künftige Forschungsreihen&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen&lt;br /&gt;Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft&lt;br /&gt;"Haben Sie schon einen Job?"&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die Pensionierung&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer&lt;br /&gt;Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich gelöst werden&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/p&gt;</text>
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