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                  <text>AMERIKA DIENST - Sonderbeilagen 1965
A.

4*

1.

KENNEDY ERKLAERT STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN
FRAGEN
Ausstiege aus den Ferasehinterriew T O B 17* 12« 1962.
STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN FRAGEN
W o r t l a u t
des Fernsehinterriew von 17* 12* 1962.

A. 18.

1.

KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT UEBER DIE LAGE DER NATIONEN
State of the Union Message

W. 25.

1.

KENNEDY LEGT NEUEN HAUSHALT VOR
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Budget 1963/64*

W. 25.

1.

KENNEDY1 DIE US-WIRTSCHAFT AM SCHEIDEWEG
Aussusge aus dem Wirtschaftsbericht des US-Praesidenten.

A. 15.

3.

EUROPA! KALEIDOSKOPE ODER GETRUEBTER KRISTALL
W o r t l a u t
der Ansprache des ehemaligen US-Ausssnministers DEAN G. ACHESON vor der Uniwersitaet von
Kalifornien, 13. 3. 1963.
EUROPEi KALEIDOSCOPE OR CLOUDED CRYSTAL
Address by the Honorable Dean Aoheson st the University
of California, Berkeley, California, Marsh 13, 1963*

A. 15«

3.

GEORGE C. MCGHEE SOLL NEUER BOTSCHAFTER DER USA IN BONN
WERDE
Praesldent Kennedy hat am Mittwoch seine Absicht bekannt
gegeben, den gegsnwaertigen Staatssekraetser fuer Politische
Fragen im amerikanischen Aussenminlstorium, George C. MeGhee,
sum neuen Botschafter der USA in der Bundesrepublik su ernennen.

W. 12.

4*

SONDERBOTSCHAFT PRAESIDENT KENNEDYS ZUR AUSLANDSHILFE
W o r t l a u t
der Sonderbotschaft sur Auslandshilfe der
USA, die Praesident Kennedy am 2. April 1963 dem amerikanischen
Kongrsss unterbreitet hat.

W. 17.

5.

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE VERHANDLUNGEN ZUR
AUSWEITUNG DES HANDELS - Eins Hintergrundanalyse.

A. 24.

5.

USA WEISEN SOWJETISCHEN PROTEST GEGEN DEN AUFBAU EINER
NATO-ATOMSTREITMACHT ZURUECK
W o r t l a u t
der Antwortnote der Vereinigten Staaten
(18.5.1963) auf die Note der UdSSR wom 8.4.1963.

A. 24.

5.

ABENTEUER DES RAUMFLUGS
Cooper - ein idealer Astronaut, Forsohungsrorhaben, Verlauf
und ersts Ergebnisse des Raumflugexperiments MERCURY-ATLAS 9*

A. 14.

6.

NEUE BEMUEHUNGEN DER USA UM DEN WELTFRIEDEN
W o r t l a u t
der Rede des US-Praesidenten JOHN F. KENNEDY,
Tom 10.6.1963 vor Absolventen der Amerikanischen Universitaet
in Washington.

�25.

6.

ANSPRACHE DES PRAESIDENTEN DER VEREINGTEN STAATEN
JOHN P. KENNEDY in der Paulskirche zu Frankfurt/Main.

25.

6.

Remarks of the President of the United States of America
JOHN P. KENNEDY, in the Asaembly Hall of Paulekirohe, Prankfurt,

26«

6«

Remarks of the President of the United States of Amsrioa
JOHN P. KENNEDY, at the Free Universitär Berlin, Germany.

26.

6.

Remarks of the President of the United States of America
JOHN P. KENNEDY, at the City Hall, West Berlin, Germany.

W. 26.

7.

SONDERBOTSCHAPT PRAESIDENT KENNEDYS UEBER US-ZAHLUNGSBILANZ
W o r t l a u t
der Sonderhotschaft, am 1 S.Juli 1963
an den US-Kongress.

A. 27.

9.

KENNEDY RUFT ZUR ZUSA*&lt;MENARBEIT PUER DEN FRIEDEN AUF
W o r t l a u t
der Rede vom 20. 9» 1963» vor der
18» Vollversammlung der Vereinten Nationen gehalten.

A. 27.

9.

DIE ROLLE DEUTSCHLANDS IN DER ENTWICKLUNG DER WELTPOLITIK
W o r t l a u t einer Rede, die der Vorsitzende des Planungsstahs im US-Aussenministerium, WALT W. ROSTOW, am 18.9*1963
vor der Universitaet von Dayton gehalten hat.

9. 10.

BETRACHTUNGEN EINES AMERIKANERS UEBER BERLIN
Ansprache des Botschafters GEORGE C. MCCHEE, im Amerika Haus,
Nuernherg, am 9*10. 1963.

A. 18. 10.

TESTSTOPPVERTRAG IN KRAFT GETRETEN
W o r t l a u t
des Vertrages ueber ein Verbot von Kemmaffenversuchen in der Atmosphaere, im Weltraum und unter Wasser.

A.

1. 11.

Ansprache Sr. Exzellenz des Auseenministers der Vereinigten
Staaten DEAN RUSK, gehalten am 27*10.1963» in der Paulskirohe
su Frankfurt/Main, anlaesalieh der Einweihung der
GEORGE C. MARSHALL - Gedenkstaette am Opernplatz.

W.

8. 11.

HANDELSAUSWEITUNG UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM IN DER
ATLANTISCHEN GEMEINSCHAFT
W o r t l a u t
einer Ansprache von US-Botschafter
George C. MoGhee, gehalten vor der Handelskammer Koblenz,5*11•

A.

6. 12.

WIR WERDEM IN DEM STREBEN NACH FRIEDEN UNERMUEDLICH SEIN
Ansprache Praesident JOHNSONS vor beiden Haeuaern des
Kongresses am 27« November 1963*

A.

6. 12.

UNSERE KRAFT UND ENERGIE IST AUF DIE ZUKUNFT GERICHTET
Botschaft Praesident JOHNSONS zum Erntedanktag 1963*

A. 13. 12.

NATUERLICHE HILFSQUELLEN DER WELT
Die Situation heute und in der Zukunft
W o r t l a u t
des Vortrags von US-Botschafter GEORGE C.
MCGHEE, gehalten am 11.12. 63, vor der Arbeitsgemeinschaft
fuer Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Dueaseldorf•

�PRÄSIDENT JOHN F. KENNEDY
ERLÄUTERT

STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN FRAGEN
Wortlaut des Fernsehinterviews vom
17. Dezember 1962

�STANDPUNKT DER USA ZU WELTPOLITISCHEN FRAGEN

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut eines Fernsehinterviews, das
Präsident Kennedy den Vertretern dreier
amerikanischer Rundfunk- und Fernsehanstalten - William H. Lawrence von der
American Broadcasting Company, George
Herman vom Columbia Broadcasting System
und Sander Vanocur von der National
Broadcasting Company - am 16. Dezember
1962 im Weißen Haus gewährt hat und das
von den Sendern dieser Anstalten am
17« Dezember ausgestrahlt wurde.

MR. LAWRENCE: Wenn Sie, Herr Präsident, auf die beiden ersten Jahre
Ihrer Amtsführung zurückblicken - entsprechen Ihre Erfahrungen in
diesem Amt Ihren ursprünglichen Erwartungen? Sie hatten sich ja
eingehend über die Machtbefugnisse des Präsidenten und deren Ausübung unterrichtet. Inwieweit sind die Dinge nun so gelaufen, wie
Sie es sich im voraus gedacht hatten?
DER PRÄSIDENT: Nun ja, zunächst einmal halte ich die Probleme heute
für schwieriger, als ich sie mir vorgestellt hatte. Zweitens sind
die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten begrenzt, diese Probleme
zu lösen. Gegenwärtig sehen wir uns im Kongo einer sehr schwierigen
Situation gegenüber. Es ist uns nicht gelungen, die Verwirklichung
der von uns vertretenen Politik zu erreichen. Wir sind auch in einer
Reihe weiterer Gebiete sehr engagiert. Wir versuchen zu klären,
ob sich eine Lösung für den Streit zwischen Pakistan und Indien
finden läßt, wollen wir doch zu beiden freundschaftliche Beziehungen
unterhalten. Sie aber, sind nicht imstande, zu einem Übereinkommen
zu gelangen. Die Macht der Vereinigten Staaten, Lösungen herbeizuführen, hat mit anderen Worten Grenzen.
Ich glaube, unsere Leute werden furchtbar ungeduldig und sind
wahrscheinlich auch müde und verdrossen und sagen: "Wir tragen diese
Last schon 17 Jahre lang, können wir sie nun niederlegen?" Wir
können sie nicht niederlegen, und ich sehe in diesem Jahrhundert,
auch keine Chance für uns, sie niederzulegen.
Deshalb möchte ich also sagen, daß die Probleme schwieriger
sind, als ich sie mir vorgestellt hatte. Die den Vereinigten Staaten auferlegte Verantwortung ist größer, als ich sie mir vorgestellt hatte, und unsere Möglichkeiten, günstige Resultate zu erzielen, unterliegen größeren Beschränkungen, als ich angenommen
hatte. Und das dürfte meiner Meinung nach für jeden Präsidenten
gelten, denn es ist nun einmal ein Unterschied zwischen jenen.

- 1

�jenen, die Ratschläge erteilen, Reden halten oder Gesetze beschließen, und dem Mann, der unter verschiedenen Alternativvorschlägen
zu wählen hat und bestimmen muß, welches die Politik der Vereinigten
Staaten sei. Es ist viel einfacher, Vorträge zu halten als schließlich ein Urteil zu fällen, denn die Ratgeber sind leider häufig geteilter Meinung. Schlägt man einen falschen Kurs ein, und das habe ich
gelegentlich getan, so trägt der Präsident die Last der Verantwortung - und das mit vollem Recht. Die Berater dagegen können auf neue
Ratschläge sinnen.
MR. LAWRENCE: Das bringt uns, Herr Präsident, auf eine Frage, die
mich schon immer interessiert hat. Wie kommt nun eigentlich eine
Entscheidung des Präsidenten wie im Falle Kubas zum Beispiel zustande?
DER PRÄSIDENT: Die jüngste wurde tatsächlich, was den einzuschlagenden Kurs und den Entschluß angeht, innerhalb eines Zeitraums von
fünf oder sechs Tagen herausdestilliert. Während dieser Zeit haben
die rund 15 Personen, die unmittelbar zu Rate gezogen worden sind,
ihre Ansicht mehrfach geändert, da jede Maßnahme, welche auch immer
wir ergreifen mochten, mit mehreren Nachteilen behaftet war und da
auch jede Maßnahme, die wir ergreifen mochten, die Möglichkeit barg,
daß sie sich zu einem Atomkrieg mit der Sowjetunion auswachsen werde.
Schließlich aber entwickelte sich eine generelle Übereinstimmung und eine solche bestand sicherlich nach der Prüfung sämtlicher Alternativen -, daß der am Ende eingeschlagene Kurs des Handelns der richtige sei.
Bei meinen Gesprächen mit Mitgliedern des Kongresses schlugen
verschiedene von ihnen eine andere Alternativlösung vor, als wir
sie an jenem Montag mit den Tatsachen bekannt machten. Ich habe das
Gefühl, daß sie, wären sie diese fünf Tage dabeigewesen, die wir mit
der Beurteilung der verschiedenen Alternativen und der Vor- und Nachteile etwaiger Maßnahmen zugebracht hatten, wahrscheinlich den gleichen Weg eingeschlagen hätten wir wir. Ich denke, wir haben den richtigen gewählt. Hätten wir am Mittwoch innerhalb der ersten 24 Stunden
handeln müssen, so wären wir meiner Meinung nach bei unserer Wahl
nicht so vorsichtig verfahren, wie wir es schließlich taten: eine
Quarantäne gegen den Einsatz von Offensivwaffen.
Darüber hinaus hatte dies eine weit größere Wirkung, als wir
ursprünglich annahmen, weil die Sowjetunion es meines Erachtens
äußerst ungern gesehen hätte, wenn wir Schiffe angehalten hätten,
die einige ihrer geheimsten und bestbehüteten Waffentypen mit sich
führten. Der Grund für den Abzug der IL-28 durch die Sowjetunion
dürfte, wie ich annehme, zu einem Teil in der Tatsache zu suchen
sein, daß wir eine sehr intensive Luftbildaufklärung in niedriger
Höhe betrieben. Nun, niemand hätte wahrscheinlich geglaubt, daß
eine derartige Belästigung möglich wäre. Herr Castro konnte uns
nicht gestatten, die ausgedehnten Flüge über seiner Insel in 70 m
Höhe tagein, tagaus auf unbestimmte Zeit fortzusetzen; er wußte aber
auch, daß er sehr ernste Repressalien zu gewärtigen hätte, wenn er
eines unserer Flugzeuge abschießen würde. Es ist somit sehr schwierig,

-

2

-

�schwierig, sich jeweils ein Urteil darüber zu bilden, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen in anderen Ländern zeitigen werden.
In diesem Falle, scheint mir, haben wir die richtige getroffen; 1961
trafen wir bezüglich Kubas die falsche.
MR. HERMAN: Ich möchte auf die Frage der Übereinstimmung und Ihr
Verhältnis zu dieser Übereinstimmung zurückkommen. Sie haben erklärt,
und auch die Verfassung besagt, die Entscheidung könne nur vom Präsidenten getroffen werden.
DER PRÄSIDENT: Sie kennen ja wohl die alte Geschichte von Abraham
Lincoln und seinem Kabinett. Er sprach: "Wer dafür ist, sage 'ja'",
und das ganze Kabinett stimmte mit "ja"; und dann, "wer dagegen ist,
sage 'nein'",und Lincoln stimmte allein mit "nein" und erklärte:
"Das Abstimmungsergebnis lautet 'nein1'." Natürlich, denn die Verfassung bürdet die Verantwortung dem Präsidenten auf. Der Kurs, den
wir schließlich einschlugen, fand keine ungeteilte Zustimmung;
der Kurs aber, den wir schließlich einschlugen, bot den Vorteil,
daß er uns auch noch andere Schritte gestattete, falls dieser erfolglos sein sollte. Mit anderen Worten, wir begannen in gewissem Sinne
mit einem Minimum. Wäre das alles nämlich ohne Erfolg geblieben, hätten wir allmählich weitergehen können bis zu wesentlich massiveren
Aktionen, die notwendig geworden wären, falls der erste Schritt keinen Erfolg gezeitigt hätte. Ich möchte annehmen, daß die Mehrheit
das schließlich einsah, wenngleich anfangs sehr scharfe Unterschiede
in den Auffassungen bestanden hatten. Das war schon sehr wertvoll,
weil die Beteiligten besondere Verantwortung in ihrem eigenen Bereich
trugen; Verteidigungsminister McNamara mußte mich demgemäß bezüglich
der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten in jenem Gebiet beraten, der Außenminister mußte seine Beurteilung der Haltung der Organisation der amerikanischen Staaten (OAS) und der NATO geben. Meiner Meinung nach gelangte die Mehrheit auf diese Weise dahin, den Kurs zu bill
gen, den wir schließlich einschlugen. Das machte die Dinge leichter.
1961 war die Lagebeurteilung durch die von der Exekutive zugezogenen
Berater in der Kuba-Angelegenheit einmütig, und diese Lagebeurteilung
war falsch. Und ich trug die Verantwortung. Im Endeffekt läuft es
darauf hinaus, daß die Berater, gleichgültig wieviel an der Zahl,
häufig geteilter Auffassung sind, und der Präsident schließlich eine
Wahl zu treffen hat.
Der andere Gesichtspunkt kommt in Worten zum Ausdruck, die Präsident Eisenhower am 19« Januar (1961) an mich richtete. Er sagte:
"Dinge, die man an Sie als Präsident heranträgt, sind niemals belanglos. Handelt es sich um Belanglosigkeiten, dann werden sie auf
niedrigerer Ebene geregelt." Die Dinge, die einem als Präsidenten
vorgelegt werden, sind also immer schwierige Dinge und damit Dinge,
die weitreichende Konsequenzen haben. Das trägt dazu bei, einige der
Lasten des Präsidentenamtes zu vergrößern, wozu sich auch schon andere
Präsidenten geäußert haben.
MR. VANOGUR:

�MR. VANOCUR: Herr Präsident, während der Kuba-Krise bestand ein
Problem, mit dem Sie offensichtlich vertraut sind und das Ihnen
auch heute Sorge bereitet, die Möglichkeit nämlich, daß ein Präsident in streng vertraulichen und geheimen Besprechungen sich ausspricht und dann etwas davon nach außen dringt. Glauben Sie, daß
dies den freien und offenen Fluß an Ratschlägen behindert, die jeder Präsident doch haben muß?
DER PRÄSIDENT: Nein, ich finde es bedauerlich, daß solchermaßen Dinge
ausgeplaudert werden, aber allein beim Weißen Haus sind wohl an die
1300 Reporter akkreditiert, und es gibt meines Wissens 100 oder 150
Leute, die mehr oder weniger über das Bescheid wissen, was auf den
Tagungen des Sicherheitsrates vorgeht. Da sind einmal die Leute, die
selbst dabei sind, und da sind die anderen, die auf Grund der dort
getroffenen Entscheidungen Anweisungen erhalten - und ich weiß, Menschen reden nun einmal. Und wie ich zum Zeitpunkt des Kuba-Fehl Schlages im April 1961 sagte, hat der Erfolg hundert Väter, und die Niederlage ist ein Waisenkind. Ich glaube, wenn eine Sache gutgeht, dann
besteht auf allen Ebenen eine verstärkte Tendenz, darüber zu reden,
und solche Berichte sind oft ungenau. Ich möchte sagen, im Nationalen
Sicherheitsrat klappt es mit der Geheimhaltung recht gut. Wird sie
durchbrochen, ist das bedauerlich.
MR. VANOCUR: Trifft es zu, Herr Präsident, daß Sie sich im ersten Jahr
Ihrer Amtszeit verschiedentlich persönlich telephonisch mit dem Außenministerium in Verbindung gesetzt haben, um zu versuchen, eine Antwort
auf eine früher gestellte Anfrage zu erhalten?
DER PRÄSIDENT: Ja, das tue ich auch heute noch, wenn es angebracht
ist, denn nach meinem Dafürhalten besteht im Staatsdienst eine große
Neigung, Akten zu lange auf dem Schreibtisch zu behalten. Und mir
scheint, hier handelt es sich um eine echte Funktion: der Präsident
kann zwar kein Ministerium verwalten, aber er kann ihm immerhin Impulse geben.
MR. VANOCUR: Erinnern Sie sich an irgendeine bestimmte Antwort, die
Sie von einem Gesprächspartner im Außenministerium erhielten, der
einen derartigen Anruf nicht erwartet hatte - an irgendeine besondere
Antwort, die Ihnen irgend jemand gab?
DER PRÄSIDENT: Nein, sie reagieren immer, sie sagen immer "ja". Es
dauert einige Zeit, bis man das raus hat. Sie werden sich erinnern,
daß es mich, nachdem ich mit Herrn Chruschtschow in Wien zusammengetroffen war und sie (die Russen) uns ein Aide-memoire überreicht
hatten, mehrere Wochen kostete, um unsere Antwort, koordiniert mit
den Briten, den Franzosen und den Deutschen,über das Außenministerium
abzuschicken. Das dauerte viel zu lange. Nun, ich habe den Eindruck,
daß es uns gelungen ist, diesen Prozeß zu beschleunigen; das Ganze
bleibt aber ein ständiges Problem in verschiedenen Ministerien. Von
jeder Entscheidung werden so viele Interessen berührt. Ob die Entscheidung Afrika oder Asien betrifft, sie geht auch die Europa-

- 4 -

�Europa-Abteilung an, sie geht die zuständige Abteilung an, sie geht das
Verteidigungsministerium an, sie kann das Zentralamt für Nachrichten
und Abwehr (CIA) berühren, sie geht in den meisten Fällen das Finanzministerium an, sie kann die Weltbank angehen, sie geht die Delegation
bei den Vereinten Nationen an. Mir scheint es eine der Funktionen des
Präsidenten zu sein, auf eine beschleunigte Erledigung all dieser
Dinge zu dringen. Andernfalls kann man warten, während die Welt zusammenstürzt.
MB. VANOCUR: Sie haben einmal gesagt, daß Sie jetzt mehr, aber weniger
gerne lesen. Sind Sie immer noch so ein unersättlicher Zeitungs- und
Zeitschriftenleser? Ich erinnere mich - wir alle, die wir Sie auf Ihrer Wahlkampagne begleitet haben -, daß damals in Ihrem Umkreis keine
Zeitschrift vor Ihnen sicher war»
DER PRÄSIDENT: 0 ja. Nein, nein, ich glaube, das ist von unschätzbarem
Wert, auch wenn es einem - es ist niemals angenehm, wenn man etwas liest
was nicht erfreulich ist, aber ich würde sagen, daß das dem Präsidenten eine unschätzbare Möglichkeit gibt, wirklich zu kontrollieren, was
in der Verwaltung passiert, und so erfahre ich mehr Dinge, die für
mich von Belang und wissenswert sind. So möchte ich meinen, daß Herrn
Chruschtschows totalitäres System, das hinsichtlich der Fähigkeit zu
geheimen Maßnahmen usw. viele Vorteile bietet, doch den kolossalen
Nachteil hat, daß man selbst und die ganze Regierung nicht täglich der
Schmirgelwirkung der Presse ausgesetzt ist, auch wenn es einem nicht
paßt und auch wenn man wünschte, sie würden das nicht schreiben; und
selbst wenn man das mißbilligt, so gibt es doch keinen Zweifel, daß
wir unsere Aufgabe in einer freien Gesellschaft ohne eine sehr, sehr
aktive Presse überhaupt nicht erfüllen könnten.
Andererseits ist die Presse dafür verantwortlich, daß die Dinge
nicht zu politischen Zwecken entstellt werden, daß man nicht irgendwelche Meldungen herausgreift, um eine politische These zu beweisen.
Meiner Meinung nach ist es ihre Pflicht, der Verwaltung so streng wie
möglich auf die Finger zu sehen, aber immer in dem Bestreben, der
Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen, und nicht bloß aus irgendwelchen politischen Beweggründen.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, wie beurteilen Sie im Licht der Wahlergebnisse, die zumindest auf der Kongreßebene sicherlich die republikanischen Hoffnungen zunichte machten, Ihre Aussichten auf bedeutsame
innenpolitische Erfolge in der kommenden Kongreßperiode?
DER PRÄSIDENT: Nun, ich denke, unsere Position wird etwa dieselbe sein
wie in den letzten zwei Jahren. Ich meine damit, daß kontroverse Dinge
sehr hart umkämpft sein werden.
MR. LAWRENCE: Hat sich das Stimmungsbild des Repräsentantenhauses
durch die Verschiebungen nicht ein wenig verändert?
DER

�DER PRÄSIDENT: Ich würde sagen, ein bißchen zu unseren Ungunsten.
Unsere Situation ist nicht ganz so gut wie in den letzten zwei Jahren,
aber wir stehen ungefähr wieder dort, wo wir in den letzten zwei Jahren
waren, das heißt, daß bei jeder Abstimmung drei bis vier Mehrstimmen
auf dieser oder jener Seite über Sieg oder Niederlage entscheiden.
MR. LAWRENCE: Rechnen Sie zum Auftakt wieder mit einer Grundsatzentscheidung in der Auseinandersetzung über den GeschäftsordnungsaUsschuß?
DER PRÄSIDENT: Ich hoffe, daß es bei der gegenwärtigen Mitgliederzahl des
Geschäft sordnungsausathusses bJeibt, weil wir andernfalls nicht arbeitsfähig sind. Wir sind unten durch, wenn wir verlieren - wenn sie versuchen, die Geschäftsordnung zu ändern. In diesem Falle käme- keine ..
kontroverse Vorlage mehr vor das Plenum, würde meiner Meinung nach
unser ganzes Programm ausgehöhlt.
MR. LAWRENCE: Als Sie noch ein junger Abgeordneter waren, haben Sie
selbst für die Beschränkung der Amtsdauer der Präsidenten auf zwei
Perioden gestimmt. Würden Sie jetzt, nachdem Sie dieses Amt selbst eine
Zeitlang bekleidet haben und auch die Auswirkungen auf Präsident Eisenhowers zweite Amtsjeriode beobachten konnten, erneut dafür stimmen, auch
wenn Sie selbst von der Änderung nicht betroffen wären?
DER PRÄSIDENT: Ja, ich würde es tun, gewiß. Ich weiß, daß 1947 besondere Umstände herrschten, aber ich glaube, acht Jahre sind genug, und
ich bin nicht sicher, ob ein Präsident - wie in meinem Falle, wenn ich
wiedergewählt würde -,ob man dann so sehr benachteiligt wäre. Es gibt
nicht viele Stellen zu besetzen. Das gehört überhaupt nicht zu den Befugnissen der Präsidentschaft, die Ämterpatronage. Sie werden in den
ersten Monaten besetzt. Die meisten dieser Stellen sind ohnehin den
Kongreßmitgliedern vorbehalten. Somit spielt die Patronage keine Rolle.
Ich glaube, es gibt viele andere Befugnisse der Präsidentschaft, die
in der zweiten Amtsperiode genauso gehandhabt werden wie in der ersten.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, was diesen Punkt betrifft...
DER PRÄSIDENT: Tatsächlich besitzt Präsident Eisenhower heute in der
Republikanischen Partei großen Einfluß und deshalb auch im ganzen Lande.
Und er hat großen außenpolitischen Einfluß, obwohl er keinerlei Amt
bekleidet. In mancher Hinsicht ist sein Einfluß sogar in gewissem Grade
gewachsen. Dasselbe gilt effektiv auch für Präsident Truman und Präsident Hoover. Ich glaube nicht, daß es davon abhängt... der Präsident
hat auch noch in seiner zweiten Amtsperiode gewichtigen Einfluß wenngleich ich selbst noch nicht in der zweiten Amtsperiode bin -, das
kann man wohl sagen.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, was diesen Punkt betrifft, so bedarf ein
großer Teil Ihres Programms noch der Zustimmung des Kongresses. Manche
Leute meinen, daß Sie das entweder in den kommenden zwei Jahren schaffen
oder überhaupt nicht mehr, selbst wenn Sie für eine zweite Amtsperiode
wiedergewählt werden. Sind Sie auch dieser Ansicht?
DER
6

�DER PRÄSIDENT: Nein, Erstens glaube ich, daß wir schon eine Menge
geleistet haben. Ich habe mir neulich einmal vergegenwärtigt, was
wir im Januar 1961 in Angriff genommen hatten, und im Hinblick auf
die Steuern, die soziale Sicherheit, die Änderungen in der Sozialgesetzgebung, die Strukturverbesserung in Notstandsgebieten, die
Mindestlöhne, das Friedenskorps, die Allianz für den Fortschritt,
die Abrüstungsbehörde, die Stärkung der Landesverteidigung und den
Ausbau unseres Weltraumprogramms muß ich sagen, wir haben das alles
erreicht, auch das Außenhandelsgesetz*, vielleicht nicht in jedem
Fall in dem ursprünglich: von uns vorgeschlagenen Ausmaß, aber doch
beträchtliche Fortschritte. Ich meine, wir können in den nächsten
zwei Jahren noch mehr schaffen.
Ich möchte meinen, daß es - sollte ich im Jahre 19^5 wiedergewählt werden - neue Probleme geben wird, und ich sehe in einer zweiten
Amtszeit nicht notwendigerweise einen Niedergang. Ich bin ganz und
gar nicht dieser Meinung. Ja, ich glaube, man weiß dann weitaus mehr
über das Amt. Es ist ein gewaltiger Wechsel vom Senator zum Präsidenten. In den ersten Monaten ist es überaus schwierig. Aber ich
habe keinen Grund, anzunehmen, daß ein Präsident mit den Machtbefugnissen dieses Amtes und der Verantwortung, die diesem Amt auferlegt ist, - falls er befindet, daß dies oder jenes getan werden
müsse - es in der zweiten Amtszeit nicht genausogut tun kann wie
in der ersten, wobei dies natürlich von der Zusammensetzung des
Kongresses abhängt. Tatsache ist, daß mit der Kongreß, von meiner
jetzigen Warte aus gesehen, weit mächtiger erscheint als damals, als
ich noch selbst im Kongreß saß. Das liegt jedoch daran, daß man als
Mitglied des Kongresses einer von 100 im Senat oder einer von 435
im Repräsentantenhaus ist, so daß die Macht also geteilt ist. Aber
in meinem jetzigen Amt sehe ich mich einem bestimmten Kongreß gegenüber, der kollektiven Macht des Kongresses, insbesondere der Blockierung
von Vorlagen, und das ist eine wesentliche Macht.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, wie Sie gesagt haben, beginnt die Macht
wie auch die Nächstenliebe zu Hause. Und Sie scheinen nun im Hinblick
auf das, was wir hier in den USA tun müssen, eine Ansicht, und der
Kongreß scheint eine andere Ansicht zu haben. Für die Verteidigung
und die nationale Sicherheit wird eine Menge Geld bewilligt werden,
aber es besteht eine gewisse Abneigung, für eine andere Form der Kapitalinvestition - nämlich das Erziehungswesen - und ähnliche innenpolitische Programme Gelder einzusetzen. Ist dies lediglich eine Frage
der Mittel oder liegt es an den (mit dieser Angelegenheit verbundenen)
kirchlichen Aspekten, daß Sie kein Erziehungsgesetz durchbringen?
DER PRÄSIDENT: Nun, im Hinblick auf das Erziehungswesen ist die Frage
zweifellos, wie die Mittel verteilt werden; wie sie aufgeteilt werden,
ist einer der Faktoren. Eine weitere Angelegenheit, die hinzukommt,
ist die Frage der Integration. Ich glaube, Sie wissen, daß Thomas
Jefferson einmal gesagt hat, wolle man erwarten, daß das Volk unwissend und frei sei, so würde man etwas erwarten, was es noch niemals
gegeben habe und niemals geben werde. Im Jahre 1970 wird es bei uns
doppelt soviel junge Menschen geben, die ein College besuchen wollen,
wie im Jahre i960. Das bedeutet, daß wir in zehn Jahren so viele

- 7 -

�so viele Schulgebäude erstellen müssen wie in den 1 60 Jahren der
Geschichte unseres Landes zusammengenommen.
Ferner haben wir diese Millionen junger Menschen, die die Schule
verlassen und noch keine Ausbildung haben - und dies zu einem Zeitpunkt, wo geschulte und keine ungelernten Arbeitskräfte benötigt werden. Wir brauchen also Gelder für ihre Ausbildung in Berufsschulen,
für die Umschulung von Arbeitern, für Unterstützungsfonds für Colleges,
und dann wiederum Gelder, um diejenigen unterstützen zu können, die
promovieren oder ein ingenieurwissenschaftliches, naturwissenschaftliches und mathematisches Studium fortführen wollen. Auf diesem Gebiet
gibt es bei uns ernste Mängel, und doch streben wir nach dem Weltenraum, der Verteidigung und allem übrigen. Die Sowjetunion konzentriert
sich hierauf. Für alle diese Dinge sind also Geldmittel erforderlich,
aber dies alles ist umstritten, Einige Leute sind der Ansicht, daß
die Bundesregierung hierbei keine Rolle spielen sollte. Und doch hat
gerade die Bundesregierung - seit dem Gesetz über die Landschenkung
an Hochschulen (Land-grant Act) und zurück bis zu dem Gesetz über die
Schaffung des Nordwest-Territoriums (Northwest Ordinance) - hierbei
eine wichtige Rolle gespielt. Meiner Ansicht nach hat die Bundesregierung auf dem Gebiet des Erziehungswesens eine große Verantwortung. Wir
können nicht unsere Stärke auf industriellem, militärischem, wissenschaftlichem und sozialem Gebiet aufrechterhalten, wenn wir nicht über
eine gebildete Bürgerschaft verfügen. Und ich bin der Oberzeugung, daß
die Bundesregierung eine Rolle spielen muß. Wir werden also dem Kongreß ein Programm unterbreiten. Auf Grund der Tatsache, die Sie erwähnten, und auch aus anderen Gründen waren wir zwar nahe daran, das
Erziehungsgesetz durchzubringen, hatten dann aber bedauerlicherweise
keinen Erfolg.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, wurde das Problem, ein Erziehungsgesetz

in diesem Jahre durchzubringen, durch die Ereignisse in Oxford, Mississippi, und durch den Einsatz von Bundestruppen dort noch erschwert?
DER PRÄSIDENT: Ja, ich denke schon.
MR. LAWRENCE: Wie-wollen Sie ankämpfen gegen diese neue...?
DER PRÄSIDENT: Wie ich schon sagte, ist dies ein Fall, bei dem wir es
fast geschafft haben; auch Präsident Eisenhower hatte es beinahe geschafft, und wir waren einmal nahe daran, wir konnten eine Gesetzesvorlage durch das Repräsentantenhaus bringen, durch den Senat, beinahe
durch das Haus, und schafften es doch nicht. In einem weiteren Versuch,
der dem höheren Schulwesen galt, erhielten wir die Zustimmung des Senats
und des Hauses, und dann scheiterte er, scheiterte am Vermittlungsausschuß. Nun, Oxford, Mississippi, wodurch das ganze Problem Bundesregierung und Erziehungswesen noch heikler geworden ist - ja, ich nehme
schon an, daß es in einigen Teilen der Vereinigten Staaten als Faktor
gelten wird,der nachteilig für uns sein wird. Ich weiß aber wirklich
nicht, wie der Präsident der Vereinigten Staaten Ihrer Meinung nach
anders hätte handeln sollen. Das Gericht, das sich aus Richtern der
Südstaaten zusammensetzte, entschied, daß es im Einklang mit der

-

8 -

�der Verfassung sei, wenn Mr. Meredith an die Universität von
Mississippi gehe. Der Gouverneur von Mississippi widersetzte sich
dem, es gab Tumult und Aufruhr um Mr. Meredith, wodurch sein Leben
gefährdet, wurde. Wir entsandten daraufhin die Bundesvollstreckungsbeamten (Marschälle), und es wurden immerhin von den vier-- oder
fünfhundert Beamten - von denen wenigstens Dreiviertel selber aus
dem Süden kamen - 150 oder 160 auf die eine oder andere Weise verwundet. Als es so aussah, als ob diese Beamten überrannt werden würden, entsandten wir schließlich Truppen. Ich glaube nicht, daß jemand,
der die Situation überdenkt, glauben kann, daß uns irgendeine
andere
Möglichkeit blieb. Andererseits freilich gebe ich zu, daß dies viel
Bitterkeit mir und der Bundesregierung gegenüber in Mississippi und
anderen Teilen der USA verursacht hat» Man erwartet doch von mir,
daß ich gemäß meinem auf die Verfassung geleisteten Eid handele, was
wir auch tun werden. Aber es macht es noch schwieriger, ;ein Erziehungsgesetz durchzubringen. Aus all diesen Gründen aber dürfen wir diesen
großen Kraftquell unserer Jugend nicht vernachlässigen. Vielmehr
müssen wir. uns an die Arbeit machen und sehen, daß diese Schulen gebaut
werden, die Lehrer ein entsprechendes Gehalt bekommen und die höhere
Schulbildung all diesen Jungen und Mädchen ermöglicht wird. Jedesmal,
wenn ich durch unser Land fahre, sehe ich da die vielen Sechs-, Siebenund Acht- und Neunjährigen, die sich in unsere Schulen und Colleges drängen, und jeder Gouverneur wird Ihnen dann sagen, daß der Bau von Schulen
und Ausbildungsstätten eines seiner Hauptprobleme ist,(und)wo die Bundesregierung eine Verantwortung hat.
MR. VANOCUR: Glauben Sie, daß wir uns einen Augenblick dem Thema der
Aufgabe und Verantwortung des Präsidenten in der Außenpolitik zuwenden
könnten? Als damals, an jenem Montag ein Kongreßmitglied mit den von
Ihnen getroffenen Maßnahmen in bezug auf Kuba nicht einverstanden war ist die Aufgabe, die Ihnen auf Grund der Verfassung zukommt, sehr klar,
aber in Fragen der Innenpolitik ist diese Aufgabe und Verantwortung
geteilt. Wie nutzen Sie die Präsidentschaft - diese 'Antreiber-Kanzel',
um mit Theodore Roosevelt zu sprechen -, um diese Leute dort auf dem
Kapitol, die wirklich so etwas wie Barone und Souveräne sind, in Bewegung zu bringen? Haben Sie Möglichkeiten, sie zu einer Aktion zu veranlassen, die Ihrer Überzeugung nach unbedingt notwendig ist?
DER PRÄSIDENT: Nun ja, die Verfassung und die Entwicklung des Kongresses
begünstigen eine Verzögerung. Es ist sehr leicht, eine Ge,setzesvorlage
im Kongreß zu Fall zu bringen. Viel schwieriger ist es dagegen, eine
durchzubringen. Durch einen Ausschuß durchzukommen, sagen wir mal, durch
den Ausschuß für Haushaltsfragen, durch den Unterausschuß, und dort
eine Mehrheit zu erlangen, dann durch den Gesamtausschuß und wieder
eine Mehrheit zu erlangen, zu dem Geschäftsordnungsausschuß zu gehen
und die Sache auf die Tagesordnung zu bringen; dann vor das Repräsentantenhaus zu kommen und wieder eine Mehrheit zu erzielen, das Ganze
noch einmal von neuem im Senat zu beginnen, mit Unterausschuß und Gesamtausschuß - und dabei ist die Debatte im Senat nicht begrenzt, so
daß man eine Sache nie zur Abstimmung bringen kann, wenn auf Seiten der
Gegner genügend Entschlossenheit vorhanden ist, selbst wenn sie sich
in der Minderheit befinden -, die Gesetzesvorlageu durch den Senat
zu bringen und dann einstimmig im Vermittlungsausschuß zwischen Haus
und Senat eine Kompromißfassung zustande zu bringen oder aber, wenn

- 9 -

�wenn ein Mitglied Einspruch dagegen erhebt, die Vorlage wieder zurückzuleiten durch den Geschäftsordnungsausschuß, durch den Kongreß,
und dies alles bei einer umstrittenen ßesetzesvorlage, bei der machtvolle Gruppen opponieren, das ist eine außerordentlich schwierige
Aufgabe. Lies ist also der Kampf, den ein Präsident führen muß, der
ein Programm im Kongreß durchbringen will, und besonders dann, wenn
auf Grund des Anciennitätsprinzips bestimmte Personen Schlüsselpositionen innehaben, die diesem Programm in keiner Weise aufgeschlossen
gegenüberstehen und die vielleicht sogar, obwohl sie Mitglieder der
eigenen Partei sind, in politischer Opposition zum Präsidenten stehen
aber dies ist ein Kampf, den jeder Präsident durchstehen mußte, der
ein Programm im Kongreß durchzubringen versucht hat. So ist zum Beispiel Franklin D. Roosevelt 1936 mit der größten Mehrheit in der Geschichte gewählt worden und erlitt seine schwerste Niederlage wenige
Monate später mit dem Gesetz über den Obersten Bundesgerichtshof.
Der Kongreß und das Präsidialamt verkörpern also zwei verschiedene Institutionen und zwei verschiedene Gewalten. Sie müssen zwangsläufig in Konflikt miteinander geraten, aber sie müssen auch so gut
wie möglich zusammenarbeiten. Das ist aber auch der Grund, warum kein
Programm eines Präsidenten jemals angenommen wurde. Nur dann ist ein
Programm eines Präsidenten schnell und leicht angenommen worden,
wenn es unwesentlich war. Aber wenn es von Bedeutung ist, wichtige
Interessen berührt und umstritten ist, dann kommt es zum Kampf,
und der Präsident ist dabei niemals ganz erfolgreich.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, ist es richtiger, ein Gesetz, das völlig
verwässert ist, an dem Sie aber großes Interesse nehmen, zu akzeptieren oder seine Ablehnung hinzunehmen in der Hoffnung, dadurch die
öffentliche Meinung zur Unterstützung dieses Gesetzes zu einem späteren Zeitpunkt zu mobilisieren?
DER PRÄSIDENT: Nun, ich möchte sagen, daß es unter den von Ihnen genannten Bedingungen meines Erachtens besser ist, die Niederlage hinzunehmen. Was aber gewöhnlich eintritt und was in den vergangenen zwei
Jahren auch geschehen ist, war, daß eine ganze Menge unserer Gesetze
in einer annehmbaren Form verabschiedet wurde, doch nicht so, wie wir
sie vorgelegt hatten. Der Kongreß hat ebenseinen eigenen Willen, seine
eigenen Ansichten und sein eigenes Urteil, und er steht dem Volk nahe,
Das gesamte Repräsentantenhaus ist gerade erst neu gewählt worden.
So ist es nur natürlich, wenn die Abgeordneten die Dinge aus anderer
Sicht sehen als ich. Ich möchte also sagen, was wir tun müssen, ist,
es so gut wie möglich zu machen. Aber wenn ein Gesetz völlig verwässert ist, wäre es sinnlos, ein Fünkchen Erfolg haben zu wollen
statt eines gehaltvollen Gesetzes.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, zur Ausübung der Ihnen als Präsident
zur Verfügung stehenden Macht - und ich glaube, dafür war vielleicht
das bekannteste, in weitesten Kreisen erörterte Beispiel die Zurücknahme der von denl Stählgesellschaften bereits verkündeten Stahlpreiserhöhung - haben einige Leute angedeutet, daß Sie, nun rückschauend,
vielleicht doch nicht so energisch gehandelt haben würden. Inwieweit
ist diese Annahme richtig?
DER

-

10 -

�DER PRÄSIDENT: Ich muß sagen - wenn ich auch nicht gern an alte Wunden
rühre - daß daraus eine sehr ernste Situation hätte werden können.
Die Situation, denke ich, wäre, eben weil ein Vertrauensfaktor mit
im Spiele war, sehr ernst geworden, hätte ich nicht versucht, meinen ganzen Einfluß geltend zu machen, um die Stahlpreiserhöhung rückgängig zu machen. Die Stahlarbeitergewerkschaft hatte die für sie
rigoroseste Regelung seit dem Ende des zweiten Weltkrieges akzeptiert;
das war drei oder vier Monate vorher geschehen. Sie tat es wohl auch
zum Teil deshalb, weil ich gesagt hatte, wir könnten uns ein weiteres
Hochschrauben der inflationistischen Spirale nicht leisten, dies gefährdete unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland. So unterzeichneten sie. Unmittelbar nachdem ihr jüngstes Abkommen unterschrieben war - das war am Freitag oder am Sonnabend davor - setzte auf einmal die Stahlindustrie ihre Preise herauf. Mir schien, daß jetzt Treu
und Glauben auf dem Spiele standen und daß die Gewerkschaft, nachdem
ich sie gebeten hatte, die nichtinflationistische Regelung zu akzeptieren, zu Recht den Eindruck bekommen könnte, getäuscht worden zu
sein, wenn ich bei der Stahlindustrie nicht meinen Einfluß dahin geltend machte, ihre Preise stabil zu halten. Meiner Ansicht nach wären
jegliche TarifVerhandlungen zwischen den Sozialpartnern gefährdet worden, wäre uns jede künftige Einflußnahme - vom Standpunkt der Öffentlichkeit - auf große Auseinandersetzungen zwischen den Sozialpartnern,
die wahrlich öffentliche Interessen berühren, unmöglich gemacht worden.
Deshalb bedaure ich nichts. Tatsache ist jedenfalls, daß wir Erfolg
hatten.
Angenommen, wir hätten versucht, dies in einer Rede des langen
und breiten zu behandeln, und wären dann gescheitert. Ich meine, das
hätte einen schweren Rückschlag für das Ansehen des Amtes des Präsidenten bedeutet. Wenn ich heute zurückdenke - ich glaube, ich würde
ein zweites Mal nicht anders handeln, als ich damals gehandelt habe.
Es hat keinen Sinn, erst großen Krach zu schlagen, wenn man mit seinen Ansichten dann doch nicht durchdringt. Es hat keinen Sinn, bei einer Streitfrage das Ansehen des Amtes des Präsidenten in die Waagschale zu werfen, wenn man dann doch klein beigeben muß. Nun, eine unglückliche Rückwirkung dieser ganzen Angelegenheit war die Überzeugung, daß
sich die Regierung in eine Reihe von Angelegenheiten der Sozialpartner
oder überhaupt in die Frage der Organisation des freien Unternehmertums
einmischen könnte. Es war bedauerlich, daß aus diesem besonderen Fall
allgemeine Schlußfolgerungen gezogen wurden. Aber ich muß sagen, daß
wir angesichts des Problems, dem ich mich an jenem Dienstagabend gegenübersah, alles unternehmen mußten, um den Gang der Ereignisse umzukehren.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, Ihr Vorgänger, Präsident Eisenhower, warnte in seiner Abschiedsbotschaft an das amerikanische Volk unmittelbar
vor der Übergabe seines Amtes vor den Gefahren eines möglichen militärisch-industriellen Übergewichts, das die Demokratie in ihrem ureigensten Wesen gefährden könne. Sind Sie sich dieser Gefahr in Ihrer bisherigen Amtszeit überhaupt bewusst geworden?
DER PRÄSIDENT: Nun, davon war vielleicht vor Monaten mehr zu spüren als
heute, möchte ich sagen. Natürlich werden bei der Einstellung der Produktion eines Waffensystems immer Tausende von Menschen , die Interessen
eines

�eines Gemeinwesens, die Interessen von Mitgliedern des Kongresses, die
Interessen des betreffenden Bundesstaates berührt. So dauert beispielsweise das Tauziehen um die Bomber vom Typ B-70 schon eine ganze Weile
an. Sie sind unserer Ansicht nach als Waffe einfach nicht wert, was sie
kosten würden. Aber es ist ein sehr mühsames Ringen mit dem Kongreß.
Zweimal hat der Kongreß schon die Mittel für das Programm bewilligt,
zweimal haben wir dieses Geld nicht ausgegeben. Aber ich muß sagen, daß
wir, so wie die Lage heute ist, auch keinem übermäßigen Druck ausgesetzt
sind.
MR. LAWRENCE: Nun, Sir, ich las in dieser Woche in einem unserer großen
Magazine mit besonderem Interesse eine Annonce, eine zweiseitige farbige Anzeige, die für die Skybolt-Rakete warb.
DER PRÄSIDENT: Ja, die Anzeige habe ich gesehen.
MR. LAWRENCE: Und darin wurde die Rakete als besonders erfolgreich gepriesen - kein Wort von Mißerfolgen, obgleich Sie auf fünf Fehlschläge
hingewiesen hatten. Und es hieß weiter darin, daß mit diesem Waffensystem, würde es weiterentwickelt, Milliarden Dollar an Steuergeldern eingespart würden. Sahen Sie darin den Versuch, Druck auf Sie auszuüben?
DER PRÄSIDENT: Ich glaube schon, daß man damit versuchte, unsere Entscheidung zu beeinflussen. Daran ist nichts Verwerfliches. Tatsache ist,
daß die Skybolt für die Zukunft der Douglas Company von größter Bedeutung ist. Tausende von Betriebsangehörigen arbeiten daran. Viele Leute
in den Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß dieses Programm nützlich sei, und natürlich sind die Briten sehr daran interessiert. So meine ich schon, daß die Annonce ein Versuch war, mich und Mr. McNamara auf
die Tatsachen oder das, was nach Ansicht der Douglas Company die Tatsachen sind, anderweitig aufmerksam zu machen. Ich habe erst heute die Anzeige gesehen. Das einzige, worauf wir hinweisen sollten, ist, daß es
um zweieinhalb Milliarden Dollar geht, um daiait eine Waffe zu bauen, mit
der unsere B-52-Bomber ausgerüstet werden sollen - zu einer Zeit, wo wir
bereits Milliarden in POLARIS und MINUTEMAN investiert haben und wo schon
von der Entwicklung der TITAN III und anderer Raketen die Rede ist. Es
gibt einfach eine Grenze dafür, wieviel wir brauchen, und auch wieviel
wir uns leisten können für ein erfolgreiches Abschreckungsmittel. Wir haben unsere U-Boote, wir haben MINUTEMAN-Raketen auf dem Kontinent, wir
haben B-52-Bomber und zum Teil noch B-47 im Einsatz, und wir haben die
taktischen Streitkräfte in Europa. Wenn es um die Frage geht, mit wieviel Megatonnen Schlagkraft wir für einen Atomkrieg gerüstet sind, so
würde ich sagen, daß das, was uns zur Verfügung steht, einfach Vernichtung bedeutet. Wie oft, meinen Sie, muß man ein Ziel mit Atomwaffen treffen? Wenn nun von diesen 2,5 Milliarden Dollar die Rede ist, so glauben
wir einfach nicht, daß wir dafür etwas Gleichwertiges für die nationale
Sicherheit eintauschen. Nun, ich weiß, daß manche anderer Meinung sind
als wir, aber das ist nun einmal unsere Ansicht.
MR. HERMAN: Im Zuge des technischen Fortschritts, Herr Präsident, scheinen neue Waffensysteme und neue Geräte, die für die Zukunft des Landes
lebenswichtig sein können, immer aufwendiger zu werden und immer mehr
Arbeitskräfte zu absorbieren. Steuern wir auf einen Punkt zu, an dem wir,
ist die Produktion eines neuen Waffensystems erst einmal angelaufen,
uns bereits soweit engagiert haben, daß wir fast gezwungen sind, e_s_

12

�es weiterzuführen, weil ein Aufhören unsere Wirtschaft aus den Fugen
brächte, Tausende arbeitslos würden und so fort?
DER PRÄSIDENT: Nun ja, es ist ein Problem, zumal solche Systeme in
der Regel zwei-, drei- oder viermal so kostspielig sind, als es
anfangs scheint. Eines der Probleme, mit denen wir uns jetzt befassen,
ist die Frage, ob wir mit dem Nike-Zeus-System, einem Anti-RaketenSystem, herauskommen sollten. Wir hoffen nämlich eines Tages ein System zu entwickeln, das es uns erlaubt, einfliegende Projektile im
Flug abzufangen und unschädlich zu machen und damit einen atomaren
Angriff auf die Vereinigten Staaten ganz auszuschalten. Aber das
wird Milliarden kosten. Und es ist sinnlos, eine Produktion voranzutreiben, solange das System nicht vollkommen ist. Manche denken, der
Zeitpunkt sei jetzt gekommen, aber wir wollen noch weitere Untersuchungen abwarten. Doch gibt es keinen Zweifel, daß, wenn man keine
B-70 oder keine Skybolts baut, davon Tausende Arbeitsstellen, das
Wohlergehen von Gemeinden, betroffen werden, und das ist eines unserer
schwierigsten Probleme. Andererseits, können wir nicht zulassen, daß
unser Verteidigungsbudget uns über den Kopf wächst. Wir geben jetzt
52 Milliarden Dollar pro Jahr aus, eine ungeheure Summe, und wir
könnten 60 oder 65 Milliarden ausgeben, wenn wir uns nicht beschränkten, so gut wir können.
MR. HERMAN: Erhielt das Nike-Zeus-Programm durch Herrn Chruschtschows
Prahlerei, er könne jederzeit und überall eine Fliege in der Luft
treffen, neuen Auftrieb?
DER PRÄSIDENT: Mag er eine Fliege treffen - ob er aber tausend Fliegen
mit Ködern treffen könnte... Sehen Sie, jedes einfliegende Projektil
kann vier oder fünf Projektile mit sich führen. Jedenfalls könnten
sie als Projektile erscheinen, und der Radarschirm muß diese aufspüren
und bei Fluggeschwindigkeiten von Tausenden von Kilometern in der Stunde
und bei Hunderten ankommender Flugobjekte herausfinden, welches nun
das echte Projektil ist und welches die Köder sind. Das ist eine unerhört schwierige Aufgabe. Man kann eines treffen, man versucht im Grunde,
eine Gewehrkugel mit einer Gewehrkugel abzuschießen. Wenn nun Tausende
Gewehrkugeln auf einen zukommen, so ist dies eine ungemein schwere
Aufgabe, die wir noch nicht gemeistert haben - und ich glaube nicht,
daß er sie bereits gemeistert hat. In der günstigeren Position ist der,
der angreift.
MR. HERMAN: Sie meinen, er hat die Kunst, eine Kugel zu treffen, gemeistert?
DER PRÄSIDENT: Ja. Das haben wir auch.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, Sie sprachen neulich von den Gefahren
und Schwierigkeiten unzulänglicher Nachrichtenverbindungen zwischen
uns und der Sowjetunion, wie die Kubakrise sie deutlich gemacht hat.
Ich meine, es wäre ein noch ernsteres Problem, wenn Ihr Radarschirm
Projektile, oder was als solche erscheint, in größerer Zahl aufzeigen
würde?
DER
-

13

-

�DER PRÄSIDENT: Ja. Gut, es gibt - Eines der Argumente dafür, das Flugzeug weiter zu bauen, ist, daß, wenn Sie einfliegende Projektile ausgemacht haben, Sie Ihre Plugzeuge starten lassen und in der Luft halten könnten. Wenn sich das Ganze als falscher Alarm herausstellen sollte, könnten Sie sie zurückbeordern. Mit Projektilen,können Sie das nicht,
und der Präsident könnte ohne umfassende Informationen zu haben gezwungen sein, eine Entscheidung innerhalb von.15 Minuten zu treffen. Sie
erinnern sich an den Fall, wo der aufgehende Mond eine Vielzahl von einfliegenden Projektilen vortäuschte? Natürlich ist das mehrere Jahre her.
Doch dies scheint mir eine allzugroße Vereinfachung. Tatsache ist, daß
die Vereinigten Staaten ziemlich lange warten könnten, weil wir Raketen
in festen Stellungen haben, und diese Raketen könnten immer noch abgefeuert werden und die Sowjetunion vernichten, ebenso wie die U-Boot-Polarisraketen es könnten. So besteht keine Gefahr, denke ich, daß wir auf
Grund unvollständiger und ungenauer Informationen Feuerbefehl geben würden, weil uns nur fünf oder sechs Minuten Zeit für.eine Entscheidung zur
Verfügung steht. Ich meine, allein die Polaris macht es uns möglich, so
lange abzuwarten, bis wir genügend Informationen an der Hand haben, und
daß er weiß, daß wir die Sowjetunion vernichten könnten. Gerade darin
liegt die Abschreckung. Wenn er seine Raketen einmal abgefeuert hat, ist
sowieso alles vorüber, weil wir genügend Reserven haben, um zurückzufeuern und die Sowjetunion zu vernichten. Wenn dieser Tag kommt, wenn es zu
einem massiven Feuerwechsel kommt, dann bedeutet dies das Ende, weil wir
dann von Westeuropa, der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, von 150
Millionen Toten in den ersten 18 Stunden sprechen. Und Sie könnten weiter geheni wenn jede Seite.auf Städte zielt, um so viele Menschen wie
nur möglich in allen diesen Gemeinwesen mit allen zur Verfügung stehenden Waffen zu töten. Sie könnten weiter töten und weiter feuern. Das ist
es, was das atomare Zeitalter zu einer so gefahrvollen Zeit macht, und
warum ich so oft diese Reden lese darüber, wer dieses oder jenes tun müsse; ich aber meine, sie sollten auf das achten, was zur Debatte steht.
MR. LAWRENCE« Wie dringend ist die Notwendigkeit einer schnelleren Nachrichtenverbindung zu uns und der Sowjetunion?
DER PRÄSIDENT« Sie wäre wünschenswert. Es ist nicht - Wenn er seine Projektile abgefeuert hat, hilft es uns wenig, einen direkten Draht zum
Kreml zu haben und ihn zu fragen, ob es wirklich wahr sei. Aber ich denke, daß es besser sei, wir wären schneller als wir es heute,sind* Es dauerte mehrere Stunden im Falle Kubas, und ich denke, eine Nachrichtenverbindung ist wichtig. Ebenso wie mit dem Kreml sind auch unsere Nachrichtenverbindungen mit einem großen Teil Lateinamerikas unzulänglich, und
wir wissen häufig nicht, was sich dort abspielt. Eben weil Informiertsein
wesentlich für eine Entscheidung ist, versuchen wir unsere Nachrichtenverbindungen in der ganzen Welt zu verbessern.
MR. VANOCUR« Herr Präsident, haben Sie, seit Sie Ihr Amt übernommen haben,
feststellen können, daß diese furchtbare Verantwortung für das Schicksal
der Menschheit Sie und Ministerpräsident Chruschtschow - trotz aller Differenzen, die Sie trennen - im Bewusstsein dieser gemeinsamen Verantwortung, einander nähergebracht hat? Er schien dies anzudeuten, vor allem in
seiner Rede vor dem Obersten Sowjet.
DER
14

�DER PRÄSIDENT: Ich glaube, in dieser Rede hat Chruschtschow gezeigt,
daß er sich über das Atomzeitalter im klaren ist. Aber das kubanische
Unternehmen hat es für uns natürlich noch schwieriger gemacht, irgendwelche erfolgreichen Verhandlungen zu führen, weil hier versucht worden ist, doch ganz wesentlich das Gleichgewicht der Kräfte zu ändern.
Dies geschah in aller Heimlichkeit» Es wurde alles, was nur möglich
war, unternommen, um uns zu täuschen; und die Sowjets planten, im
November vor aller Welt die Tatsache mitzuteilen, daß diese Raketen
in solch unmittelbarer Nähe der Vereinigten Staaten stationiert
worden seien. Es bestand nicht etwa die Absicht, sie abzufeuern, weil
die Sowjets, sollten sie in eine nukleare Auseinandersetzung geraten, auf ihre eigenen Raketen in der Sowjetunion zurückgreifen können.
Aber politisch hätte dies das Gleichgewicht der Kräfte geändert... So
dürfte es also noch einige Zeit dauern, bevor es für uns möglich ist,
zu einem wirklichen Einvernehmen mit Herrn Chruschtschow zu gelangen.
Aber ich bin doch der Meinung, daß seine Rede deutlich werden läßt,
daß er erkannt hat, in welcher gefährlichen Welt wir leben. Das
wirkliche Problem liegt in dem Wunsch der Sowjets, ihre Macht und
ihren Einfluß zu erweitern. Würde sich Herr Chruschtschow mit den
wahren Interessen der Bevölkerung der Sowjetunion befassen - höherem
Lebensstandard und Gewährleistung der eigenen Sicherheit -, dann gäbe
es keinen realen Grund, warum die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - getrennt durch so viele tausend Meilen Land und Wasser, beide
reiche Länder, beide mit einer sehr tatkräftigen Bevölkerung - nicht
miteinander in Frieden leben sollten. Immer wieder aber wird diese
Entschlossenheit sichtbar, die die Chinesen in der militantesten Form
zeigen und die die Sowjets ebenfalls gezeigt haben, nämlich, sich nicht
mit einer friedlichen Welt dieser Art abzufinden, sondern auf einer
kommunistischen Welt zu bestehen. Daraus erwächst die wirkliche Gefahr:
ein Konflikt dieser beiden Systeme auf weltweiter Ebene im Atomzeitalter ist, was die sechziger Jahre so gefährlich macht.
MR. VANOCUR: Botschafter Kennan, der ein guter Kenner der Sowjetunion
ist, schrieb in einem seiner letzten Bücher, daß wir es hier mit einem
konditionierten Denken, das die Möglichkeit des Mißverständnisses ausschließt, zu tun haben, daß das einzige, was die Sowjets wirklich verstehen, dieses ist: daß man sie vor Tatsachen stellt und ihnen sagt,
•das ist es, was wir tun werden1'. Das verstehen sie. Sind Sie der Ansicht, daß es irgendeinen Weg gibt, an Herrn Chruschtschow heranzukommen, um ihm wirklich begreiflich zu machen, daß es Ihnen ernst ist
und daß Sie entschlossen sind zu tun, was Sie sagen, Sir, oder ist dies
gänzlich...?
DER PRÄSIDENT: Nun, es ist schwer. Zurückschauend auf Kuba möchte ich
annehmen, daß die Tatsache des mangelnden Kontaktes zwischen den beiden
Regierungen zu denken gibt. Ich meine, daß wir nicht erwartet haben, er
werde Raketen auf Kuba stationieren, weil es für ihn eine so unkluge
Handlungsweise zu sein schien, dies zu tun, wie sich später auch herausgestellt hat. Er muß offenbar gedacht haben, er könnte es insgeheim
machen, und die Vereinigten Staaten würden sich damit abfinden. Nun,
er hat unsere Absichten nicht richtig beurteilt.
Und wenn Sie die Geschichte unseres Jahrhunderts überblicken, so
entstand der erste Weltkrieg aus einer Reihe von Fehlurteilen über die
15 -

�die Absichten anderer - gewiß auch der zweite Weltkrieg, wo Hitler
dachte, daß er Polen an sich reißen könnte, daß die Briten nicht in
den Kampf eingreifen und nach der Niederlage Polens den Kampf nicht
fortsetzen würden; Korea, wo die Nordkoreaner offensichtlich nicht
mit uns gerechnet hatten und wir nicht mit der Einmischung der Chinesen;
und wenn Sie alle diese Fehlschlüsse bedenken, die zum Kriege trieben,
und dann die Kluft in Betracht ziehen, die zwischen den Überzeugungen
der Vereinigten Staaten und denen der Sowjetunion klafft - wir glauben
an eine Welt unabhängiger Regierungen und Staaten, sie an eine monolithische, kommunistische Welt - und in diesen Kampf noch die nukleare Gleichung einbeziehen, so ist es das, was unsere Zeit, wie ich bereits zuvor
sagte, so gefahrenvoll macht. Wir müssen unseren Weg mit Festigkeit weiterverfolgen, an Hand der besten Informationen, die wir erhalten können,
und mit Umsicht. Ein Fehler kann alles vernichten - ein grober Fehler
von Herrn Chruschtschow oder von uns hier. Und darum ist es viel leichter,
Reden zu halten über einige der Dinge, die wir tun sollten; ich meine
aber, daß jeder, der sich die Liste der verhängisvollen Möglichkeiten von
Atomwaffen vor Augen hält, der sich bewußt ist, daß die Kommunisten ein
vollständig verzerrtes Bild von den Vereinigten Staaten haben und daß
wir sie nicht verstehen, weiß:das ist es, was das Leben in den sechziger
Jahren so gefahrenvoll macht»
MR. HERMANi Ihre Unterredung über den Kontakt mit der Sowjetunion,über
ein sorgfältiges Vorgehen und Handeln zwingt mir unwiderstehlich das
Bild des Herrn Gromyko auf, der hier sitzend, vielleicht auf dieser Couch,»•
DER PRÄSIDENT| Genau da.
MR. HERMANi Hier. Gerade vor DER PRÄSIDENT| Direkt neben Mr. Vanocur.
MR. VANOCURi Er ist nicht mein Freund.
MR. HERMANi Das war eine Gelegenheit, da Sie in Verbindung standen, er
sprach mit Ihnen, er erzählte Ihnen seine sehr interessante Version,
daß es auf Kuba keine Raketenwaffen gäbe, ja überhaupt keine Offensivwaffen gäbe. Jetzt hatten Sie Kontakt. Was mußten Sie nun tun? Mußten
Sie die Zähne zusammenbeißen, um den Stuhl herumgehen?
DER PRÄSIDENT! Nein, ich las ihm meine Septembererklärung vor, daß wir
Maßnahmen ergreifen würden, wenn sie Offensivwaffen auf Kuba stationierten»
Er antwortete nicht. Darum sage ich, daß wir noch weit davon entfernt
sind - Herr Chruschtschow und ich befinden uns im gleichen Boot, insofern
als wir beide über diese atomare Macht verfügen und darum beide daran
interessiert sind, unsere Gemeinwesen zu bewahren. Wir fahren indes insofern nicht auf gleichem Kurs, als die Sowjets ihre Macht ständig vergrößern wollen und dazu entschlossen sind; in der Kubakrise haben sie
außerdem klarwerden lassen, daß sie gewillt sind, große Risiken einzugehen,
die nur zu einer direkten Kollision führen können. Nun, ich habe einen

-

16 -

�einen ganzen Tag in Wien damit zugebracht, zu seiner Rede vom 6.
Januar 1961 Stellung zu nehmen, in der er erklärte, er werde Befreiungskriege unterstützen, und ich sagte ihm, daß dies ein Weg sei, der
für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion mit einer direkten
Konfrontation enden würde, was im Fall Kuba tatsächlich geschah.
Man kann nicht viele solche Fälle riskieren, denn wir wissen nicht
genau, ob die Sowjetunion in jedem Falle zurückweichen wird, wie eben
im Falle Kuba. Und für die Vereinigten Staaten wird es schwer sein,
sich dort abzusetzen, wo es um lebenswichtige Interessen unserer
Nation geht.
MR. LAWRENCE: Herr Präsident, waren Sie, während Gromyko hier saß
und einfach erklärte, daß es auf Kuba keine Offensivwaffen gäbe,
zu irgendeinem Zeitpunkt versucht aufzustehen, an Ihren Schreibtisch
zu gehen und eine Luftaufnahme hervorzuholen?
DER PRÄSIDENT: Nein. Denn unsere Informationen waren noch unvollständig,
und wir hatten auch noch nicht endgültig darüber entschieden, welchen
Kurs wir einschlagen würden. Wir erhielten die Information am Dienstag,
unser Gespräch fand am Donnerstag statt. Wir führten eine intensive
Aufklärung durch, und wir erwogen noch, ob es ratsam sei, einen anderen Aktionskurs einzuschlagen. Und deshalb wäre es sehr unklug von
uns gewesen, ihm im einzelnen darzulegen, was wir wußten. Wir wollten
ihm auch nicht die Genugtuung geben, seine Schritte anzukündigen.
Deshalb war es überaus wichtig, daß die Vereinigten Staaten dies bekanntgaben, bevor er es tat.
MR. LAWRENCE: Wir hätten damit die Initiative verlieren können?
DER PRÄSIDENT: Genau das. Er hätte dies bekanntgeben können, und dann
hätten wir auf eine Initiative ihrerseits reagieren müssen. Auf diese
Weise behielten wir die Initiative. Daher war es sehr wichtig, Gromyko
nicht ins Bild zu setzen, obwohl ich ihn nicht irreführte, denn wie ich
bereits sagte, verlas ich meine Erklärung vom September, und er muß sich
gefragt haben, warum ich dies tat. Aber er erwiderte nichts darauf.
MR. VANOCUR: Herr Präsident, viele Leute sagen... daß ein amerikanischer
Präsident Chruschtschow schützen müsse, denn Chruschtschow sei der
beste sowjetische Ministerpräsident, den wir jemals haben könnten.
Glauben Sie, daß dies wirklich die Aufgabe eines amerikanischen Präsidenten ist, oder hat ein amerikanischer Präsident die Pflicht, die
nationalen Interessen zu wahren?
DER PRÄSIDENT: Nein, ich glaube nicht, daß es unsere Aufgabe ist,
Herrn Chruschtschow zu schützen. Dieses Argument, daß sein Nachfolger
schlimmer sein würde - nun, ich weiß nicht, wie sein Nachfolger sein
wird. Aber ich glaube, daß es unsere Pflicht ist, zu versuchen, unsere
lebenswichtigen Interessen zu schützen, die Sicherheit der freien Welt
zu wahren und Chruschtschow unsere Absichten eindeutig genug wissen zu
lassen, damit er seinen Angelegenheiten in einer Weise nachgehen kann,
die unsere Sicherheit nicht gefährdet und die nicht zum Kriege führt.
Wir möchten nicht gezwungen werden, unsere Sicherheit mit kriegerischen
Mitteln zu erhalten. Aber Chruschtschow muß wissen, daß es für die Vereinigten Staaten lebenswichtige

-

17 -

�*

lebenswichtige Interessen gibt, für die sie kämpfen werden. Und
wenn er und die Kommunisten und die Sowjetunion jetzt ihre Kraft
darauf verwenden wollen, zu demonstrieren, wie sich ihr System
in der Sowjetunion bewährt, so bin ich der Ansicht, daß seine lebenswichtigen Interessen leicht mit der ihm zur Verfügung stehenden Macht
geschützt werden können und wir eine lange Zeit des Friedens haben
könnten. Dann könnten wir ein Urteil darüber fällen, welches System
bessere Dienste leistet. Wir glauben, daß das unser System ist. Er hat
argumentiert, seines wäre besser. Demgegenüber, scheint mir, ist es
gerade dieses ständige Streben, das Gleichgewicht der Kräfte auf
der Welt zu ändern, welches das Element der Gefahr heraufbeschwört.
Nun, ich glaube wirklich, wenn Sie die Rede Chruschtschows von
vergangener Woche lesen, so werden Sie feststellen, daß wir - und die
Welt - in einer noch viel schlechteren Lage wären, wenn die Chinesen
die kommunistische Bewegung beherrschen würden, denn die Chinesen
glauben an den Krieg als Mittel zur Verwirklichung der kommunistischen
Welt. Chruschtschows Mittel sind Vernichtung, aber er glaubt, daß eine
friedliche Koexistenz und diese Befreiungskriege, kleine Kriege unsere
Niederlage bringen werden. Die chinesischen Kommunisten glauben, dies
durch ständige Schläge zu erreichen, und daß sie es im Falle eines
Krieges, eines atomaren dritten Weltkrieges mit ihren 750 Millionen
Menschen überstehen werden. So sind für uns ganz offensichtlich die
von Chruschtschow vertretenen Ansichten besser als die der chinesischen Kommunisten. Aber leider will uns auch Chruschtschow nicht wohl.
MR. VANOCURi Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie wir auf die wachsende
Spaltung innerhalb des kommunistischen Blocks einwirken können, oder
sollten wir es einfach bei der Welt belassen, die wir jetzt haben,
und sicherstellen, daß sie nicht reif für eine kommunistische Durchdringung wird?
DER PRlSIDENTl Ich meine zu diesem Disput, der sich weiter verstärkt,
daß wir, wie Sie vorschlagen, weiterhin unsere Aufmerksamkeit jenem
großen Teil der Welt widmen sollten, der sich in einer wirklich verzweifelten Lage befindet. In Lateinamerika, Afrika, Asien gibt es Länder, die unsere Hilfe, unsere Unterstützung dringend brauchen. Wenn
wir unsere Aufgabe, die freie Welt zu stärken, erfüllen, dann werden
wir, so scheint es mir, einen Druck, einen Gegendruck gegen den kommunistischen Vormarsch auslösen, und dann wird der Kommunismus feststellen
daß die Lage im Innern unter diesem Druck noch viel schwieriger geworden ist.
Ich glaube, wir neigen dazu, die Welt in eine kommunistische
und eine freie zu unterteilen, sie als zweigeteilt zu betrachten. Tatsache ist, daß die Welt so geteilt, so von Armut heimgesucht und in
vieler Hinsicht in einer so verzweifelten Lage ist, daß wir bereits
voll damit ausgelastet sind, den Teil der Welt, der nichtkommunistisch
ist, ganz Afrika, die jungen unabhängigen und von Armut heimgesuchten
Länder, zu stärken. Da besuchte uns kürzlich der Ministerpräsident von
Somaliland, wo das Jahreseinkommen pro Kopf der Bevölkerung bei
45 Dollar liegt. Der durchschnittliche Wochenlohn in der amerikanischen

18

-

�amerikanischen Industrie beträgt etwa 94 Dollar - gegenüber 45
Dollar im Jahr! Nun, er hat erschütternde Probleme zu lösen. Sie
können auch Lateinamerika nehmen, zum Beispiel Nordostbrasilien,
wo die Leute von 100 Dollar im Jahr leben. So haben wir in unserem
eigenen Raum eine große Aufgabe zu verrichten. Wenn wir dieses Gebiet stärken können - denn der Kommunismus ist meiner Meinung nach
ein völlig trügerisches System, das den Wünschen des einfachen Mannes
gar nicht entspricht - dann, glaube ich, werden wir auch erfolgreich
sein.
MRJ HERMANl Als Ministerpräsident Chruschtschow während der KubaKrise ein Angebot für eine Inspektion auf Kuba machte, hatten Sie da
irgendeine Hoffnung, daß dies ein Durchbruch sein könnte, ein Beginn,
um eine Art von Frieden zwischen unseren beiden Systemen zu erreichen,
so daß wir an unseren eigenen Problemen arbeiten können?
DER PRÄSIDENT! Nein, ich glaube nicht, daß es das schon ist. Aber es
kann vielleicht mit der Zeit dazu kommen.
MR. HERMANl Hatten Sie, als dieses Angebot gemacht wurde, die Hoffnung,
daß es tatsächlich verwirklicht werden könnte?
DER PRlSIDENTi Nein. Aber ich denke doch zumindest, daß Kuba - wie auch
aus der Rede in der vergangenen Woche hervorgeht, die eine wichtige
Rede war - Ghruschtschow die Gefahren hat erkennen lassen, die ein Zusammenstoß zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
einem Gebiet von großer Bedeutung mit sich bringt. Das, meine ich,
ist eine sehr heilsame Tatsache. Aber ich glaube nicht, daß wir jetzt
einen Gesamtwechsel in der kommunistischen Politik erleben werden,
MR. HERMANl Wäre es Ihrer Ansicht nach ein Durchbruch gewesen, falls
eine internationale Inspektion Kubas gestattet worden wäre - ein Anfang,
ein erster Beginn?
DER PRÄSIDENT* Nein, ich glaube nicht, daß dies die Dinge im wesentlichen berührt hätte, da ich nicht annehme, daß wir jene Art von Inspektion erreicht hätten, die wirklich notwendig ist, weil ein totalitäres System die Form der Inspektion, die wirklich wünschenswert ist,
nicht akzeptieren kann. Was Sie praktisch sagen, bedeutet, daß Kuba
geöffnet wird, daß die Sowjetunion geöffnet wird. Sie werden es. nicht
tun, weil ein totalitäres System nur unter Geheimhaltung existieren
kann.
MR. HERMANl Haben die Inspektionen, die anderswo in der Welt stattgefunden haben, beispielsweise in Nordkorea, Ihnen irgendeine Hoffnung
gegeben, daß dies als System funktionieren wird?
DER PRiSIDENTi Nein. Ich glaube, die Kamera wird tatsächlich unser
bester Inspektor sein.
MR. LAWRENCE!

-

19

�MR. LAWRENCE: Herr Präsident, sehen Sie in der Art, wie die KubaKrise beendet oder doch praktisch beendet wurden in der Art, wie sie
zumindest vom Höhepunkt der Fieberkurve herunterkam, sowie in der
Entwicklung anderer weltweiter Probleme irgendwelche Anzeichen, die
Sie zu der Annahme führen könnten, daß eine Gipfelkonferenz zu irgendeinem Zeitpunkt in der nahen Zukunft nützlich sein würde?
DER PRÄSIDENT: Nein, nicht gerade zu diesem Zeitpunkt. Ich glaube,
daß das Treffen in Wien von Nutzen war. Es war nützlich für mich aber ich glaube nicht, daß wir bis dahin zurückgehen sollten, es sei
denn, daß wir den Weg wirklich frei sehen, ein Abkommen über die Atomversuche oder die Abrüstung zu erreichen oder in Europa selbst zu einer
gewissen Verständigung zu gelangen. Das ist wirklich unser Wunsch. Wie
ich schon sagte, leben wir jetzt in einer Zeit, die zu gefährlich ist,
als daß wir Spannungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten
Staaten haben oder solche wünschen sollten. Und daher sollten wir meines Erachtens alles fördern, was ihre Politik, die uns abträglichen
Dinge zu unterstützen, mildern kann. Aber solange wir nicht einen
gewissen Durchbruch auf irgendeinem Gebiet sehen, halte ich ein Treffen
zwischen Herrn Chruschtschow und mir nicht für sehr vorteilhaft, auch
wenn wir miteinander in Verbindung standen... und über unsere Beauftragten in New York Verhandlungen führen. Aber ich glaube nicht, daß
für uns eine Notwendigkeit besteht, jetzt zusammenzukommen. Ich glaube,
daß Chruschtschow wahrscheinlich genauso denkt,
MR. LAWRENCE: "Viele haben erwartet, Herr Präsident, daß sich die
Berlin-Krise unmittelbar nach den amerikanischen Wahlen wieder
,r
verschärfen" würde. Dies scheint zumindest, auch wenn dies dann nicht
ganz zutraf, der Zeitplan gewesen zu sein. Glauben Sie nun, daß die
Vorgänge auf Kuba die sowjetische und die ostdeutsche Regierung in
bezug auf Berlin zu größerer Vorsicht veranlaßt haben?
DER PRÄSIDENT: Nun, ich glaube, weder Ministerpräsident Chruschtschow
noch sonst jemand möchte das öfter durchmachen, was wir in Kuba durchgemacht haben. Und ich glaube, sie sind sich darüber im klaren, daß
West-Berlin für uns von lebenswichtigem Interesse ist, daß wir uns
dort gebunden haben und daß wir dort bleiben werden. Auf der anderen
Seite hat er ein sehr lebenswichtiges Interesse in Ostdeutschland; er
versucht dieses Regime zu stützen und seine eigene Stellung in Osteuropa zu festigen. Berlin ist eine sehr gefährliche Position, besonders auf Grund seiner geographischen Lage, denn wir müssen die" Verbindungen zu einem Gebiet aufrechterhalten, das 120 Meilen hinter
ihren Linien liegt. So besteht für sie immer die Möglichkeit, uns
dort die Luft abzuschnüren. Aber ich möchte glauben, daß Chruschtschow
mit einiger Vorsicht vorgehen wird, weil er meines Erachtens weiß, daß
es dort nicht nur um ein lebenswichtiges Interesse geht, sondern daß
dort auch die Möglichkeit eines direkten Aufeinanderprallens besteht.
So zeigt meiner Ansicht nach die Rede Chruschtschows, wie ich bereits
sagte, daß er dies weiß. Und im Gegensatz zu denjenigen im kommunistischen Lager, im besonderen den Chinesen, die Chruschtschow wegen
seiner Nachgiebigkeit angreifen, glaube ich, daß Chruschtschow erkannt
hat, daß er jetzt mit Vorsicht vorgehen muß, so wie wir.
MR. HERMAN:
-

20

-

�MR. HERMAN: Würden Sie erläutern, Herr Präsident, warum Sie in Ihrem
Trinkspruch auf Bundeskanzler Adenauer gesagt nahen, daß dies ein
Wendepunkt, eine neue Ära in der Geschichte sei?
DER PRÄSIDENT: Nach meiner Ansicht ist dies eine der Entscheidung
zustrebende Zeit. Wir haben verschiedene derartige Perioden gehabt.
Aber es ist nicht dies allein. In Kuba war es das erstemal, daß sich
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten direkt gegenüberstanden
und daß die Aussicht bestand, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion könnten Truppen einsetzen, was sich dann leicht zu einem Atomkrieg hätte ausweiten können. Dies ist eine wichtige Tatsache. Zweitens ist da der chinesisch-indische Konflikt, zwischen diesen beiden
riesigen Ländern, den beiden größten Ländern der Welt. Wenn die
Sowjetunion so -viele Jahre auf den Aufbau ihrer Politik der Freundschaft gegenüber Indien verwandt hat, so ist es jetzt eine Tatsache,
daß China die Inder angegriffen hat. Und drittens sind da die Be- Ziehungen zwischen der Sowjetunion und China als Folge des chinesischindischen Konflikts und als Folge des Disputs zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über Kuba. Ich möchte sagen, daß alles
das diese Zeit zu einer sehr wichtigen Epoche macht.
MR. VANOCUR: Wie können Sie als der Führer der westlichen Allianz,
des stärksten Mitgliedlandes, die europäischen Länder, die immer
unabhängiger, immer wohlhabender werden - was genau dem entspricht,
was Sie, wie Sie sagten, erhofften -, wie können Sie diese Länder
dazu bringen, Ihrer Führung zu folgen? Offensichtlich sind doch Verteidigungsminister McNamara und Außenminister Rusk nicht mit einem
alles in allem zufriedenstellenden Bericht von der NATO-Tagung zurückgekommen. Die Europäer scheinen nicht gewillt zu sein, die konventionellen Streitkräfte auszubauen. Haben Sie große Machtbefugnisse,
zu bestimmen?
DER PRÄSIDENT: Nein, zunächst einmal kann man das seine tun. Wir tun
unseren Teil. Wir haben unsere Truppen in Westeuropa stehen. Es sind
die am besten ausgerüsteten. Wir haben dort sechs Divisionen, ein
Viertel aller Divisionen an der westlichen Front. Sie sind sehr gut
ausgerüstet. Sie können morgen bereits zum Einsatz kommen, was bei
den meisten anderen Verbänden nicht der Fall ist. So leisten wir
dort unseren Beitrag. Wir stellen ferner die größte Kriegsflotte der
Welt. Wir stellen außerdem die Atomstreitkräfte für die (freie) Welt,
und wir führen ferner ein umfassendes Weltraumprogramm für die freie
Welt durch. Ebenso tragen wir in Südvietnam die gesamte Last. So tun
die Vereinigten Staaten mehr als nur ihren Teil. Wir hoffen, daß
Westeuropa größere eigene Anstrengungen machen wird - sowohl hinsichtlich der Aufstellung konventioneller Streitkräfte als auch bei der
Hilfe an die Entwicklungsländer.
Nun können wir sie natürlich nicht zwingen, dies zu tun. Wir
können nicht sagen, "gut, wenn Sie das nicht tun wollen, dann werden
wir unsere Truppen zurückziehen und Europa schutzlos lassen". Aber

_ 21

�Aber ich glaube, daß die Vereinigten Staaten sehr viel getan und ihre
Lasten getragen haben, und wir hoffen, daß Westeuropa, da es jetzt
aufblüht, auch seinen Teil beitragen wird. Wir haben in vier Jahren,
von 1948 bis 1952, zwölf Milliarden Dollar nach Westeuropa hineingepumpt. Der Betrag an Hilfe, die wir Lateinamerika im Rahmen der
"Allianz für den Fortschritt" gewährt haben, ist nur ein Bruchteil
dessen.
So haben wir, scheint mir, ein Recht, da wir in bezug auf Europa
gezeigt und bewiesen haben, daß wir keine Paradesoldaten sind. Es gibt
wohl kaum ein Land in Europa - unter den Ländern, von denen wir
sprechen -, das so viele Männer und einen so großen Prozentsatz seiner
Bevölkerung und seines Bruttosozialprodukts für die Verteidigung einsetzt wir wir.
MR. VANOCUR: Glauben Sie, Herr Präsident, daß Sie einmal den Punkt
erreichen werden, an dem Sie sagen müßten: ''Macht, was ihr wollt,
ich kann nicht vor das amerikanische Volk treten und' von ihm verlangen,
diese Last auf sich zu nehmen..." Nehmen wir als Beispiel einmal die
Skybolt-Rakete.
DER PRÄSIDENT: Gut, nehmen wir einmal die Skybolt. Die Vereinigten
Staaten haben die Skybolt-Rakete entwickelt. Wir haben 350 Millionen
Dollar in die Skybolt-Rakete investiert. Kein anderes Land hat etwas
für die tatsächliche Produktion der Skybolt-Rakete ausgegeben. Wenn
wir sie fertig entwickelt gehabt hätten, würden die Engländer uns
hundert Raketen abgekauft, wir vielleicht tausend gekauft haben.
Das hätte uns 2,5 Milliarden Dollar gekostet. Wir bestreiten heute
30 Prozent der Infrastruktur-Kosten der NATO, der Versorgungslinien
zu den Depots in Europa. Dies kostet uns etwa 3 Milliarden Dollar
in unserer Zahlungsbilanz. Da ist die Hilfe, die wir überall in der
Welt gewähren - Sie wissen, die amerikanischen Bürger sind sehr kritisch, und die amerikanische Presse druckt eine Menge negativer Berichte
denn negative Berichte geben Schlagzeilen, positive Berichte dagegen
nicht, so daß sie stets den Eindruck erhalten, die Vereinigten Staaten
täten nicht ihren Teil. Wenn ich an das denke, was wir 15 Jahre lang seit 1945 - getan haben, an die Länder, die wir unterstützt haben, die
Bündnisse, deren Kern und Mittelpunkt wir sind, die Bereitwilligkeit
der Vereinigten Staaten, überall in der Welt Lasten auf sich zu nehmen,
so halte ich das schon für eine phantastische Sache. Eine Million Amerikaner tun heute außerhalb des Gebietes der Vereinigten Staaten Dienst.
Es gibt kein anderes Land in der Geschichte, das ähnliche Last auf sich
nahm. Andere Länder hatten auch Truppen außerhalb ihres Landes stehen,
aber nur zu Eroberungszwecken. Wir haben zwei Divisionen in Südkorea',
nicht um Südkorea zu kontrollieren, sondern um es zu verteidigen. Eine
große Zahl, von Amerikanern befindet sich in Südvietnam. Nun gut, kein
anderes Land der Erde hat dies seit Beginn der Welt getan; Griechenland,
Rom, Napoleon und alle anderen waren stets auf Eroberung aus. Wir haben
eine Million Amerikaner im Ausland, und sie suchen diese Länder zu verteidigen. Nun, was wir hier sagen wollen, ist, daß das reiche Westeuropa seinen Teil beitragen muß, und ich hoffe, daß es das tun wird.
MR. HERMAN:

^2 _

�MR. HERMAN: Nichts von dem, was ein Präsident jemals sagt, bleibt
ohne Wirkung. Glauben Sie nicht, daß die von Ihnen soeben gemachten
Ausführungen auf Sie zurückkommen werden, wenn der Kongreß das neue
Bewilligungsgesetz erörtert, und Sie dann Ihre eigenen Zitate wieder
hören werden?
DER PRÄSIDENT: Nein, ich glaube, daß die Amerikaner wissen sollten,
was sie tun, und ich glaube, daß Westeuropas Erfolg letztlich der
größte Erfolg der amerikanischen Außenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg, seit dem Wiederaufbau Europas ist. Es ist genau das, was wir
wollten. Ganz zwangsläufig werden die Europäer Meinungsverschiedenheiten mit uns haben. Aber alles, was wir von Westeuropa fordern,
ist, sich nicht abzuschließen, nicht nur eine reiche, sorgfältige
abgeschirmte Gruppe von Ländern zu werden, sondern vielmehr seine
Rolle in dieser großen, weltweiten Auseinandersetzung zu übernehmen,
so wie wir dies getan haben...
MR. HERMAN: Aber können sie ihre Rolle ohne die Entwicklung eigener
nuklearer Waffen und einer eigenen nuklearen Abschreckung spielen, und
würde eine weitere Verbreitung der Atomwaffen nicht unserer Politik
zuwiderlaufen?
DER PRÄSIDENT: Nun, wir wollen nicht sechs oder sieben Atommächte
in Europa, die ihre Mittel für Kernwaffen ausgeben, zumal die Vereinigten Staaten dieses riesige Waffenarsenal haben. Aber wenn diese
Länder das wünschen, so halten wir sie nicht davon ab. Wenn die Franzosen beschließen, selbst eine Atommacht zu werden, dann ist dies
ihre Entscheidung. Die Frage ist, ob die Vereinigten Staaten sich
daran beteiligen und mithelfen sollen, Frankreich zu einer Atommacht
zu machen, und dann Italien, Westdeutschland, Belgien. Wie kann es
die Sicherheit stärken, wenn wir zehn, zwanzig, dreißig Atommächte
haben, die ihre Atomwaffen unter verschiedenen Bedingungen abfeuern
können? Das liegt nicht in unserem Interesse und ist meines Erachtens auch nicht im Interesse des Friedens oder im Interesse Westeuropas. Und es ist äußerst kostspielig. Warum etwas duplizieren,
was wir bereits getan haben und heute noch in 'Westeuropa tun, solange
unsere Garantien gut sind?
MR. VANOCUR: Herr Präsident, ehe Sie gewählt wurden, beliebte Ihr Herr
Vater den Reportern die kleine Geschichte zu erzählen, daß er Sie einmal gefragt habe, warum Sie diesen Job denn wollten, und er Ihnen erläutertchabe, warum Sie ihn sich nicht wünschen sollten, und Sie gaben
ihm offensichtlich eine Antwort... ich weiß nicht, ob sie ihn befriedigt hat, Sie anscheinend aber doch. Würden Sie ihm heute, nach zwei
Jahren Amtszeit noch dieselbe Antwort geben?
DER PRÄSIDENT: Ach, Sie meinen, daß irgend jemand es tun würde?
MR. VANOCUR: Yes, Sir.
DER PRÄSIDENT:

-

2,3

-

�DER PRÄSIDENT: Ja. Ich bin der Meinung, daß die Präsidentschaft in
vieler Hinsicht befriedigend sein kann, zumal, wie ich sage, äie
uns alle angeht, als Bürger und als Eltern und so weiter, samt all
den Problemen, über die wir heute abend hier gesprochen haben. Lauter
Probleme, über die ich mir, wenn ich nicht Präsident wäre, als
Vater oder als Bürger Gedanken machen würde. So hat man zumindest
eine Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. Und wenn das, was man tut,
nützlich und erfolgreich ist, dann bringt es natürlich eine große
Befriedigung mit sich. Wenn das Resultat der Entscheidung aber ein
Fehlschlag ist oder wenn man erfolglos bleibt, dann ist das freilich
ein großer Rückschlag. Ich muß aber nach zwei Jahren in diesem Amt
und mit den Erfahrungen als Präsident- keine Erfahrungen, auf die man
sich auch nur einigermaßen angemessen vorbereiten könnte - ich muß
sagen, daß ich ziemlich zuversichtlich bin, was die Vereinigten
Staaten anbelangt. Eben weil dieses Land selbstkritisch ist und
von aller Welt kritisiert wird, mit 180 Millionen Einwohnern seit
17 Jahren - eigentlich sind es mehr als das - seit fast 20 Jahren,
weil es dasjenige ist, das zuerst die Welt vor den Gefahren des Nazismus
bewahrt und seither gegen die kommunistische Gefahr verteidigt hat, und
wenn wir nicht gewesen wären... wir sind in einer starken Position,
Ich möchte meinen, daß es ein gutes Resultat für unser Land ist, das
nur sechs Prozent der Weltbevölkerung stellt und das diese Belastungen
nur sehr widerstrebend auf sich nimmt. Ich meine, wir sollten an diesen Weihnachten mit uns selbst ganz zufrieden sein.

* * * * *

- 24

-

�A M E R I K A

KENNEDY ERLÄUTERT STANDPUNKT DER USA ZU
WELTPOLITISCHEN FRAGEN

- Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 17. Dezember 1962 -

\

�Allgemeines - XVI/1

KENNEDY ERLÄUTERT STANDPUNKT DER USA ZU
WELTPOLITISCHEN FRAGEN

WASHINGTON - (AD) - In einem einstündigen Fernsehinterview
mit den drei großen amerikanischen Rundfunk- und Fernsehgesellschaften ABC, CBS und NBC hat Präsident Kennedy am 17« Dezember
1962 den Standpunkt der USA zu den wichtigsten weltpolitischen
Fragen dargelegt.
Der Präsident benutzte diese Gelegenheit, um einen Rückblick
auf die zwei Jahre seiner Amtszeit zu geben und gleichzeitig auf
die großen Aufgaben hinzuweisen, denen sich die freie Welt in den
kommenden Jahren gegenübersehen wird. Neben innenpolitischen Fragen, denen ein großer Teil des Interviews gewidmet war,ging Kennedy
vor allem auf das amerikanisch-sowjetische Verhältnis, die BerlinFrage, das Kuba-Problem sowie die Verteidigung Europas und der
fre ien Welt ein.
Der amerikanische Präsident wies eingangs des Interviews darauf
hin, daß die Probleme, mit denen er sich im Laufe seiner bisherigen
Amtszeit auseinandersetzen mußte, schwieriger und die den USA auferlegte Verantwortung größer gewesen seien, als er sich dies ursprünglich vorgestellt habe. In vielen weltpolitischen Fragen wie
beispielsweise der Kongo-Frage, ader in dem Streitfall zwischen
Pakistan und Indien sei die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, diese
Probleme zu lösen, begrenzt. Dennoch dürfe man nicht ungeduldig oder
gleichgültig werden, betonte der Präsident, wobei er sich gegen die
Ansicht wandte, daß die USA die Bürde, die sie nunmehr seit 17 Jahre
tragen, niederlegen sollten. "Wir können diese Bürde nicht niederlegen", so erklärte er wörtlich, "und ich sehe auch keine Möglichkeit, dies in diesem Jahrhundert zu tun." Kennedy unterstrich dabei
die große Verantwortung, die der Präsident der USA zu tragen habe.
Werde eine falsche Entscheidung getroffen, und dies sei auch bei
ihm der Fall gewesen, dann laste die Bürde der Verantwortung auf
dem Präsidenten allein.
Berlin und Europa
Die Ausführungen Kennedys zu Berlin und zur Verteidigung Europas haben folgenden Wortlaut:
Frage:

�"AMERIKA DIENST
Frage: "Viele haben erwartet, Herr Präsident, daß sich die
Berlin-Krise unmittelbar nach den amerikanischen Wahlen wieder
•verschärfen' würde. Dies scheint zumindest, auch wenn dies dann
nicht ganz zutraf, der Zeitplan gewesen zu sein. Glauben Sie nun,
daß die Vorgänge auf Kuba die sowjetische und die ostdeutsche Regierung in bezug auf Berlin zu größerer Vorsicht veranlaßt haben?
Antwort: Nun, ich glaube, weder Ministerpräsident Chruschtschow
noch sonst jemand möchte das öfter durchmachen, was wir in Kuba
durchgemacht haben. Und ich glaube, sie sind sich darüber im klaren,
daß West-Berlin für uns von lebenswichtigem Interesse ist, daß wir
uns dort gebunden haben und daß wir dort bleiben werden. Auf der anderen Seite hat er ein sehr lebenswichtiges Interesse in Ostdeutschland; er versucht dieses Regime zu stützen und seine eigene Stellung
in Osteuropa zu festigen. Berlin ist eine sehr gefährliche Position,
besonders auf Grund seiner geographischen Lage, denn wir müssen die
Verbindungen zu einem Gebiet aufrechterhalten, das 120 Meilen hinter
ihren Linien liegt. So besteht für sie immer die Möglichkeit, uns
dort die Luft abzuschnüren. Aber ich möchte glauben, daß Chruschtschow
mit einiger Vorsicht vorgehen wird, weil er meines Erachtens weiß,
daß es dort nicht nur um ein lebenswichtiges Interesse geht, sondern
daß dort auch die Möglichkeit eines direkten Aufeinanderprallens besteht. So zeigt meiner Ansicht nach die Rede Chruschtschows, wie ich
bereits sagte, daß er dies weiß. Und im Gegensatz zu denjenigen im
kommunistischen Lager, im besonderen den Chinesen, die Chruschtschow
wegen seiner Nachgiebigkeit angreifen, glaube ich, daß Chruschtschow
erkannt hat, daß er jetzt mit Vorsicht vorgehen muß, so wie wir.
Frage; Würden Sie erläutern, Herr Präsident, warum Sie in Ihrem
Trinkspruch auf Bundeskanzler Adenauer gesagt haben, daß dies ein
Wendepunkt, eine neue Ära in der Geschichte sei?
Antwort: Nach meiner Ansicht ist dies eine der Entscheidung
zustrebende Zeit. Wir haben verschiedene derartige Perioden gehabt.
Aber es ist nicht dies allein. In Kuba war es das erstemal,. d)aß sich
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten direkt gegenüberstanden
und daß die Aussicht bestand, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion könnten Truppen einsetzen, was sich dann leicht zu einem Atomkrieg hätte ausweiten können. Dies ist eine wichtige Tatsache. Zweitens ist da der chinesisch-indische Konflikt, zwischen diesen beiden
riesigen Ländern, den beiden größten Ländern der Welt. Wenn die
Sowjetunion so viele Jahre auf den Aufbau ihrer Politik der Freundschaft gegenüber Indien verwandt hat, so ist es jetzt eine Tatsache,
daß China die Inder angegriffen hat. Und drittens sind da die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und China als Folge des chinesischindischen Konflikts und als Folge des Disputs zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über Kuba. Ich möchte sagen, daß
alles das diese Zeit zu einer sehr wichtigen Epoche macht.
Frage; Wie können Sie als der Führer der westlichen Allianz,
des stärksten Mitgliedlandes, die europäischen Länder, die immer
unabhängiger, immer wohlhabender werden, - was genau dem entspricht,
was Sie, wie Sie sagten, erhofften -, wie können Sie diese Länder

-

2

-

�"AMERIKA PIEKST
Länder dazu bringen, Ihrer Führung zu folgen? Offensichtlich sind
doch Verteidigungsminister McNamara und Außenminister Rusk nicht
mit einem alles in allem zufriedenstellenden Bericht von der NATOTagung zurückgekommen. Die Europäer scheinen nicht gewillt zu sein,
die konventionellen Streitkräfte auszubauen. Haben Sie große Machtbefugnisse, zu bestimmen?
Antwort; Nein, zunächst einmal kann man das seine tun. Wir tun
unseren Teil. Wir haben unsere Truppen in Westeuropa stehen. Es sind
die am besten ausgerüsteten. Wir haben dort sechs Divisionen, ein
Viertel aller Divisionen an der westlichen Front. Sie sind sehr gut
ausgerüstet. Sie können morgen bereits zum Einsatz kommen, was bei
den meisten anderen Verbänden nicht der Fall ist. So leisten wir dort
unseren Beitrag. Wir stellen ferner die größte Kriegsflotte der Welt.
Wir stellen außerdem die Atomstreitkräfte für die (freie) Welt, und
wir führen ferner ein umfassendes Weltraumprogramm für die freie
Welt durch. Ebenso tragen wir in Südvietnam die gesamte Last. So
tun die Vereinigten Staaten mehr als nur ihren Teil. Wir hoffen, daß
Westeuropa größere eigene Anstrengungen machen wird - sowohl hinsichtlich der Aufstellung konventioneller Streitkräfte als auch bei der
Hilfe an die Entwicklungsländer.
Nun können wir sie natürlich nicht zwingen, dies zu tun .Wir
können nicht sagen, 'gut, wenn Sie das nicht tun wollen, dann werden
wir unsere Truppen zurückziehen und Europa schutzlos lassen'. Aber
ich glaube, daß die Vereinigten Staaten sehr viel getan und ihre
Lasten getragen haben, und wir hoffen, daß Westeuropa, da es jetzt
aufblüht, auch seinen Teil beitragen wird. Wir haben in vier Jahren,
von 1948 bis 1952, zwölf Milliarden Dollar nach Westeuropa hineingepumpt. Der Betrag an Hilfe, die wir Lateinamerika im Rahmen der
"Allianz für den Fortschritt*1 gewährt haben, ist nur ein Bruchteil
dessen.
So haben wir, scheint mir, ein Recht, da wir in bezug auf Europa
gezeigt und bewiesen haben, daß wir keine Paradesoldaten sind. Es
gibt wohl kaum ein Land in Europa - unter den Ländern, von denen wir
sprechen -, das so viele Männer und einen so großen Prozentsatz seiner
Bevölkerung und seines Bruttosozialprodukts für die Verteidigung einsetzt wie wir.
Frage; Glauben Sie, Herr Präsident, daß Sie einmal den Punkt
erreichen werden, an dem Sie sagen müßten: 'Macht, was ihr wollt,
ich kann nicht vor das amerikanische Volk treten und von ihm verlangen, diese Last auf sich zu nehmen...' Nehmen wir als Beispiel
einmal die Skybolt-Rakete.
Antwort: Gut, nehmen wir einmal die Skybolt. Die Vereinigten
Staaten haben die Skybolt-Rakete entwickelt. Wir haben 550 Millionen
Dollar in die Skybolt-Rakete investiert. Kein anderes Land hat etwas
für die tatsächliche Produktion der Skybolt-Rakete ausgegeben. Wenn
wir sie fertig entwickelt gehabt hätten, würden die Engländer uns

-

3 -

�AMERIKA DIENST"
uns hundert Raketen abgekauft , wir vielleicht tausend gekauft haben.
Das hätte uns 2,5 Milliarden Dollar gekostet. Wir bestreiten heute
30 Prozent der Infrastruktur-Kosten der NATO, der Versorgungslinien
zu den Depots in Europa. Dies kostet uns etwa 3 Milliarden Dollar
in unserer Zahlungsbilanz. Da ist die Hilfe, die wir überall in der
Welt gewähren - Sie wissen, die amerikanischen Bürger sind sehr
kritisch, und die amerikanische Presse druckt eine Menge negativer
Berichte, denn negative Berichte geben Schlagzeilen, positive Berichte
dagegen nicht, so daß sie stets den Eindruck erhalten, die Vereinigten Staaten täten nicht ihren Teil. Wenn ich an das denke, was
wir 15 Jahre lang - seit 1945 - getan haben, an die Länder, die wir
unterstützt haben, die Bündnisse, deren Kern und Mittelpunkt wir
sind, die Bereitwilligkeit der Vereinigten Staaten,überall in der
Welt Lasten auf sich zu nehmen, so halte ich das schon für eine
phantastische Sache. Eine Million Amerikaner tun heute außerhalb
des Gebietes der Vereinigten Staaten Dienst. Es gibt kein anderes
Land in der Geschichte, das ähnliche Last auf sich nahm. Andere Länder hatten auch Truppen außerhalb ihres Landes stehen, aber nur zu
Eroberungszwecken. Wir haben zwei Divisionen in Südkorea, nicht um
Südkorea zu kontrollieren, sondern um es zu verteidigen. Eine große
Zahl von Amerikanern befindet sich in Südvietnam. Nun gut, kein anderes Land der Erde hat dies seit Beginn der Welt getan; Griechenland,
Rom, Napoleon und alle anderen waren stets auf Eroberung aus. Wir
haben eine Million Arnerikaner im Ausland, und sie suchen diese Länder
zu verteidigen. Nun, was wir hier sagen wollen, ist, daß das reiche
Westeuropa seinen Teil beitragen muß, und ich hoffe, daß es das tun
wird.
Frage; Nichts von dem, was ein Präsident jemals sagt, bleibt
ohne Wirkung. Glauben Sie nicht, daß die von Ihnen soeben gemachten
Ausführungen auf Sie zurückkommen we'rden, wenn der Kongreß das neue
Bewilligungsgesetz erörtert, und Sie dann Ihre eigenen Zitate wieder
hören werden?
Antwort; Nein,ich glaube, daß die Amerikaner wissen sollten,
was sie tun, und ich glaube, daß Westeuropas Erfolg letztlich der
größte Erfolg der amerikanischen Außenpolitik seit dem zweiten Weltkrieg, seit dem Wiederaufbau Europas ist. Es ist genau das, was wir
wollten. Ganz zwangsläufig werden die Europäer Meinungsverschiedenheiten mit uns haben. Aber alles, was wir von Westeuropa fordern,
ist, sich nicht abzuschließen, nicht nur eine reiche, sorgfältige
abgeschirmte Gruppe von Ländern zu werden, sondern vielmehr seine
Rolle in dieser großen, weltweiten Auseinandersetzung zu übernehmen,
so wie wir dies getan haben...
Frage; Aber können sie ihre Rolle ohne die Entwicklung eigener nuklearer Waffen und einer eigenen nuklearen Abschreckung spielen, und würde eine weitere Verbreitung der Atomwaffen nicht unserer
Politik zuwiderlaufen?
Antwort:

�"AMERIKA DIENST"
Antwort; Nun, wir wollen .nicht sechs oder sieben Atommächte in
Europa, die ihre Mittel für Kernwaffen ausgeben, zumal die Vereinigten Staaten dieses riesige Waffenarsenal haben. Aber wenn diese
Länder das wünschen, so halten wir sie nicht davon ab. Wenn die
Franzosen beschließen, selbst eine Atommacht zu werden, dann ist
dies ihre Entscheidung. Die Frage ist, ob die Vereinigten Staaten
sich daran beteiligen und mithelfen sollen, Frankreich zu einer
Atommacht zu machen, und dann Italien, Y/estdeutschland, Belgien.
Wie kann es die Sicherheit stärken, wenn wir zehn, zwanzig, dreißig
Atommächte haben, die ihre Atomwaffen unter verschiedenen Bedingungen
abfeuern können? Das liegt nicht in unserem Interesse und ist meines
Erachtens auch nicht im Interesse des Friedens oder im Interesse
Westeuropas. Und es ist äußerst kostspielig. Warum etwas duplizieren,
was wir bereits getan haben und heute noch in Westeuropa tun, solange
unsere Garantien gut sind?
Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis und Kuba
Frage; Herr Präsident, haben Sie, seit Sie Ihr Amt übernommen
haben, feststellen können, daß diese furchtbare Verantwortung für
das Schicksal der Menschheit Sie und Ministerpräsident Chruschtschow trotz aller Differenzen, die Sie trennen - i::i. Bewußtsein dieser
gemeinsamen Verantwortung»einander nähergebracht hat? Er schien
dies anzudeuten, vor allem in seiner Rede vor dem Obersten Sowjet.
Antwort; Ich glaube, in dieser Rede hat Chruschtschow gezeigt,
daß er sich über das Atomzeitalter im klaren ist. Aber das kubanische
Unternehmen hat es für uns natürlich noch schwieriger gemacht, irgendwelche erfolgreichen Verhandlungen zu führen, weil hier versucht worden ist, doch ganz wesentlich das Gleichgewicht der Kräfte zu ändern.
Dies geschah in aller Heimlichkeit. Es wurde alles, was nur möglich
war, unternommen, um uns zu täuschen; und die Sowjets planten, im
November vor aller Welt die Tatsache mitzuteilen, daß diese Raketen
in solch unmittelbarer Nähe der Vereinigten Staaten stationiert
worden seien. Es bestand nicht etwa die Absicht, sie abzufeuern, weil
die Sowjets, sollten sie in eine nukleare Auseinandersetzung geraten, auf ihre eigenen Raketen in der Sowjetunion zurückgreifen können.
Aber politisch hätte dies das Gleichgewicht der Kräfte geändert... So
dürfte es also noch einige Zeit dauern, bevor es für uns möglich ist,
zu einem wirklichen Einvernehmen mit Herrn Chruschtschow zu gelangen.
Aber ich bin doch der Meinung, daß seine Rede deutlich werden läßt,
daß er erkannt hat, in welcher gefährlichen Welt wir leben. Das
wirkliche Problem liegt in dem Wunsch der Sowjets, ihre Macht und
ihren Einfluß zu erweitern. Würde sich Herr Chruschtschow mit den
wahren Interessen der Bevölkerung der Sowjetunion befassen - höherem
Lebensstandard und Gewährleistung der eigenen Sicherheit -, dann gäbe
es keinen realen Grund, warum die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - getrennt durch so viele tausend Meilen Land und Wasser, beide
reiche Länder, beide mit einer sehr tatkräftigen Bevölkerung - nicht
miteinander in Frieden leben sollten. Immer wieder aber wird diese
Entschlossenheit sichtbar, die die Chinesen in der militantesten Form
zeigen und die die Sowjets ebenfalls gezeigt haben, nämlich»sich nicht
mit einer friedlichen Welt dieser Art abzufinden, sondern auf einer
kommunistischen Welt zu bestehen. Daraus erwächst die wirkliche Gefahr:
ein Konflikt dieser beiden Systeme auf weltweiter Ebene im Atomzeitalter ist, was die sechziger Jahre so gefährlich macht.'
Frage:

�"AMERIKA DIKITST
Frage: Botschafter Kennan, der ein guter Kenner der Sowjetunion
ist, schrieb in einem seiner letzten Bücher, daß wir es hier mit
einem konditionierten Denken, das die Möglichkeit des Mißverständnisses ausschließt, zu tun haben, daß das einzige, was die Sowjets
wirklich verstehen, dieses ist: daß man sie vor Tatsachen stellt
und ihnen sagt, 'das ist es, was wir tun werden'. Das verstehen sie.
Sind Sie der Ansicht, daß es irgendeinen Weg gibt, an Herrn Chruschtschow
heranzukommen, um ihm wirklich begreiflich zu machen, daß es Ihnen
ernst ist und daß Sie entschlossen sind zu tun, was Sie sagen, Sir,
oder ist dies gänzlich...?
Antwort: Nun, es ist schwer. Zurückschauend auf Kuba möchte ich
annehmen, daß die Tatsache des mangelnden Kontaktes zwischen den
beiden Regierungen zu denken gibt. Ich meine, daß wir nicht erwartet
haben&gt;er werde Raketen auf Kuba stationieren, weil es für ihn eine so
unkluge Handlungsweise zu sein schien, dies zu tun, wie sich später
auch herausgestellt hat. Er muß offenbar gedacht haben, er könnte es
insgeheim machen, und die Vereinigten Staaten würden sich damit abfinden, Nun, er hat unsere Absichten nicht richtig beurteilt.
Und wenn Sie die Geschichte unseres Jahrhunderts überblicken, so
entstand der erste Weltkrieg aus einer Reihe von Fehlurteilen über die
Absichten anderer - gewiß auch der zweite Weltkrieg, wo Hitler dachte,
daß er Polen an sich reißen könnte, daß die Briten nicht in den Kampf
eingreifen und nach der Niederlage Polens den Kampf nicht fortsetzen
würden; Korea, wo die Nordkoreaner offensichtlich nicht mit uns gerechnet hatten und wir nicht mit der Einmischung der Chinesen; und wenn Sie
alle diese Fehlschlüsse bedenken, die zum Kriege trieben, und dann
die Kluft in Betracht ziehen, die zwischen den Überzeugungen der Vereinigten Staaten und denen der Sowjetunion klafft - wir glauben an eine
Welt unabhängiger Regierungen und Staaten, sie an eine monolithische,
kommunistische Welt - und in diesen Kampf noch die nukleare Gleichung
einbeziehen, so ist es das, was unsere Zeit, wie ich bereits zuvor sagte,
so gefahrenvoll macht. Wir müssen unseren Weg mit Festigkeit weiterverfolgen ,an Hand der besten Informationen, die wir erhalten können,
und mit Umsicht. Ein Fehler kann alles vernichten - ein grober Fehler
von Herrn Chruschtschow oder von uns hier. Und darum ist es viel leichter, Reden zu halten über einige der Dinge, die wir tun sollten; ich
meine aber, daß jeder, der sich die Liste der verhängnisvollen Möglichkeiten von Atomwaffen vor Augen hält, der sich bewußt ist, daß
die Kommunisten ein vollständig verzerrtes Bild von den Vereinigten
Staaten haben und daß wir sie nicht verstehen, weiß: das ist es, was
das Leben in den sechziger Jahren so gefahrenvoll macht."
Das Interview leitete dann zu dem Kuba-Problem und dem Gespräch
über, das kurz vor Ausbruch der Kuba-Krise zwischen Präsident Kennedy
und dem sowjetischen Außenminister Gromyko stattgefunden hatte.
Der sowjetische Außenminister hatte dabei erklärt, daß sich weder
Raketen noch andere Offensivwaffen auf Kuba befänden.
Präsident Kennedy sagte in diesem Zusammenhang folgendes:
"Ich las ihm meine Erklärung vom September vor, in der wir betont

-

6

-

�"AMERIKA DIENST"
betont hatten, daß wir Maßnahmen ergreifen würden, falls Raketen nach
Kuba geschafft würden. Er erwiderte daraufhin nichts... Herr Chruschtschow und ich befinden uns in demselben Boot, insofern als wir beide
über diese nukleare Kapazität verfügen und ebenso beide unsere Gesellschaften verteidigen wollen. Wobei wir uns allerdings nicht auf der
gleichen Linie befinden, ist,daß die Sowjets ihre Macht ausdehnen und
auf Kuba ihre Entschlossenheit und Bereitschaft gezeigt haben, große
Risiken einzugehen, die eigentlich nur zu einem direkten Zusammenstoß
führen können. Ich habe in Wien einen ganzen Tag damit zugebracht,
über seine Rede zu sprechen, die er am 6. Januar 1961 gehalten und in
der er ausgeführt hatte, daß er Befreiungskriege unterstütze. Ich
erklärte, daß dies der Weg sei, der schließlich zu einer direkten
Konfrontation der USA und der Sowjetunion führen würde; und genau das
war auf Kuba der Fall. Sie können nicht zu viele solcher Situationen
erwarten, weil man nicht in jedem Falle sicher sein kann, daß die
Sowjetunion sich zurückzieht, wie sie dies im Fall Kubas tat. Und
für die Vereinigten Staaten ist es schwer, sich zurückzuziehen, wenn
lebenswichtige Interessen auf dem Spiel stehen.
Frage; Herr Präsident, waren Sie, während Gromyko hier saß
und einfach erklärte, daß es (auf Kuba) keine Offensivwaffen gäbe,
zu irgendeinem Zeitpunkt versucht aufzustehen, an Ihren Schreibtisch
zu gehen und eine Luftaufnahme hervorzuholen - ?
Antwort: Nein. Denn unsere Informationen waren noch unvollständig,
und wir hatten auch noch nicht endgültig darüber entschieden, welchen
Kurs wir einschlagen würden. Wir erhielten die .Information am Dienstag,
unser Gespräch fand am Donnerstag statt. Wir führten eine intensive
Aufklärung durch, und wir erwogen noch, ob es ratsam sei, einen anderen Aktionskurs einzuschlagen. Und deshalb wäre es sehr unklug von
uns gewesen, ihm im einzelnen darzulegen, was wir wußten. Wir wollten
ihm auch nicht die Genugtuung geben, seine Schritte anzukündigen. Deshalb war es überaus wichtig, daß die Vereinigten Staaten dies bekanntgaben, bevor er es tat.
Frage:

Wir hätten damit die Initiative verlieren können?

Antwort; Genau das. Er hätte dies bekanntgeben können, und dann
hätten wir auf eine Initiative ihrerseits reagieren müssen. Auf diese
Weise behielten wir die Initiative. Daher war es sehr wichtig, Gromyko
nicht ins Bild zu setzen, obwohl ich ihn nicht irreführte, denn wie ich
bereits sagte, verlas ich meine Erklärung vom September, und er muß sich
gefragt haben, warum ich dies tat. Aber er erwiderte nichts darauf.
Frage: Herr Präsident, viele Leute sagen... daß ein amerikanischer
Präsident Chruschtschow schützen müsse, denn Chruschtschow sei der beste
sowjetische Ministerpräsident, den wir jemals haben könnten. Glauben Sie,
daß dies wirklich die Aufgabe eines amerikanischen Präsidenten ist, oder
hat ein amerikanischer Präsident die Pflicht, die nationalen Interessen
zu wahren?
Antwort:

�"AMERIKA DIENST"
Antwort; Nein, ich glaube nicht, daß es unsere Aufgabe ist, Herrn
Chruschtschow zu schützen. Dieses Argument, daß sein Nachfolger
schlimmer sein würde - nun, ich weiß nicht, wie sein Nachfolger sein
wird. Aber ich glaube, daß es unsere Pflicht ist, zu versuchen, unsere
lebenswichtigen Interessen zu schützen, die Sicherheit der freien Welt
zu wahren und Chruschtschow unsere Absichten eindeutig genug wissen
zu lassen, damit er seinen Angelegenheiten in einer Weise nachgehen
kann, die unsere Sicherheit nicht gefährdet und die nicht zum Kriege
führt. Wir möchten
nicht gezwungen werden,umere Sicherheit mit kriegerischen Kitteln
zu erhalten. Aber Chruschtschow muß wissen, daß es für die Vereinigten Staaten lebenswichtige Interessen gibt, für die sie kämpfen werden.
Und wenn er und die Kommunisten und die Sowjetunion jetzt ihre Kraft
darauf verwenden wollen, zu demonstrieren, wie sich ihr System in der
Sowjetunion bewährt, so bin ich der Ansicht, daß seine lebenswichtigen
Interessen leicht mit der ihm zur Verfügung stehenden Macht geschützt
werden können und wir eine lange Zeit des Friedens haben könnten.
Dann könnten wir ein Urteil darüber fällen, welches System bessere
Dienste leistet. Wir glauben, daß das unser System ist. Er hat Argumentiert, seines wäre besser. Demgegenüber, scheint mir, ist es gerade
dieses ständige Streben, das Gleichgewicht der Kräfte auf der Welt
zu ändern, welches das Element der Gefahr heraufbeschwört.
Nun, ich glaube wirklich, wenn Sie die Rede Chruschtschows von
vergangener Woche lesen, so werden Sie feststellen, daß wir - und die
Welt - in einer noch viel schlechteren Lage wären, wenn die Chinesen
die kommunistische Bewegung beherrschen würden, denn die Chinesen glauben an den Krieg als Mittel zur Verwirklichung der kommunistischen Welt.
Chruschtschows Mittel sind Vernichtung, aber er glaubt, daß eine friedliche Koexistenz und diese Befreiungskriege, kleine Kriege unsere Niederlage bringen werden. Die chinesischen Kommunisten glauben, dies durch
ständige Schläge zu erreichen, und daß sie es im Falle eines Krieges,
eines atomaren dritten Weltkrieges mit ihren 750 Millionen Menschen
überstehen werden. So sind für uns ganz offensichtlich die von Chruschv
tschow vertretenen Ansichten besser als die der chinesischen Kommunisten.
Aber leider will uns auch Chruschtschow nicht wohl.
Frage: Gibt es irgendeine Möglichkeit, wie wir auf die wachsende
Spaltung innerhalb des kommunistischen Blocks einwirken können, oder
sollten wir es einfach bei der Welt belassen, die wir jetzt haben,
und sicherstellen, daß sie nicht reif für eine kommunistische Durchdringung wird?
Antwort; Ich meine zu diesem Disput, der sich weiter verstärkt,
daß wir, wie Sie vorschlagen, weiterhin unsere Aufmerksamkeit jenem
großen Teil der Welt widmen sollten, der sich in einer wirklich verzweifelten Lage befindet. In Lateinamerika, Afrika, Asien gibt es Länder, die unsere Hilfe, unsere Unterstützung dringend brauchen. Wenn
wir unsere Aufgabe, die freie Welt zu stärken, erfüllen, dann werden
wir, so scheint es mir, einen Druck, einen Gegendruck gegen den
kommunistischen Vormarsch auslösen, und dann wird der Kommunismus
feststellen, daß die Lage im Innern unter diesem Druck noch viel
schwieriger geworden ist.
Ich

8

-

�AMERIKA DIENST"
Ich glaube, wir neigen dazu, die Welt in eine kommunistische
und eine freie zu unterteilen, sie als zweigeteilt zu betrachten»
Tatsache ist, daß die Welt so geteilt, so von Armut heimgesucht
und in vieler Hinsicht in einer so verzweifelten Lage ist, daß wir
bereits voll damit ausgelastet sind, den Teil der Welt, der nichtkommunistisch ist, ganz Afrika, die jungen unabhängigen und von
Armut heimgesuchten Länder, zu stärken. Da besuchte uns kürzlich
der Ministerpräsident von Somaliland, wo das Jahreseinkommen pro
Kopf der Bevölkerung bei 45 Dollar liegt. Der durchschnittliche
Wochenlohn in der amerikanischen Industrie beträgt etwa 94 Dollar gegenüber 45 Dollar im Jahr! Nun, er hat erschütternde Probleme
zu lösen. Sie können auch Lateinamerika nehmen, zum Beispiel Nordostbrasilien, wo die Leute von 100 Dollar im Jahr leben. So haben
wir in unserem eigenen Raum eine große Aufgabe zu verrichten. Wenn
wir dieses Gebiet stärken können - denn der Kommunismus ist meiner
Meinung nach ein völlig trügerisches System, das den Wünschen des
einfachen Mannes gar nicht entspricht - dann, glaube ich, werden wir
auch erfolgreich sein.
Frage: Als Ministerpräsident Chruschtschow während der
ein Angebot für eine Inspektion auf Kuba machte, hatten Sie
gendeine Hoffnung, daß dies ein Durchbruch sein könnte, ein
um eine Art von Frieden zwischen unseren beiden Systemen zu
so daß wir an unseren eigenen Problemen arbeiten können?

Kuba-Krise
da irBeginn,
erreichen,

Antwort: Nein, ich glaube nicht, daß es das schon ist. Aber es
kann vielleicht mit der Zeit dazu kommen.
Frage; Hatten Sie, als dieses Angebot gemacht wurde, die Hoffnung,
daß es tatsächlich verwirklicht werden könnte?
Antwort: Nein. Aber ich denke doch zumindest, daß Kuba - wie auch
aus der Rede in der vergangenen Woche hervorgeht, die eine wichtige
Rede war - Chruschtschow die Gefahren hat erkennen lassen, die ein
Zusammenstoß zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
in einem Gebiet von großer Bedeutung mit sich bringt. Das, meine ich,
ist eine sehr heilsame Tatsache. Aber ich glaube nicht, daß wir jetzt
einen Gesamtwechsel in der kommunistischen Politik erleben werden.
Frage; Wäre es Ihrer Ansicht nach ein Durchbruch gewesen, falls
eine internationale Inspektion Kubas gestattet worden wäre - ein
Anfang, ein erster Beginn?
Antwort: Nein, ich glaube nicht, daß dies die Dinge im wesentlichen
berührt hätte, da ich nicht annehme, daß wir jene Art von Inspektion
erreicht hätten, die wirklich notwendig ist, weil ein totalitäres System
die Form der Inspektion, die wirklich wünschenswert ist, nicht akzeptieren kann. Was Sie praktisch sagen, bedeutet, daß Kuba geöffnet wird,
daß die Sowjetunion geöffnet wird. Sie werden es nicht tun, weil ein
totalitäres System nur unter Geheimhaltung existieren kann.
Frage :

-

9

-

�"AMERIKA DIENST
Frage; Haben die Inspektionen, die anderswo in der Welt stattgefunden haben, beispielsweise in Kordkorea, Ihnen irgendeine
Hoffnung gegeben, daß dies als System funktionieren wird?
Antwort: Nein. Ich glaube, die Kamera wird tatsächlich unser
bester Inspektor sein.
Frage: Herr Präsident, sehen Sie in der Art»wie die Kuba-Krise
beendet oder doch praktisch beendet wurde, in der Art, wie sie zumindest vom Höhepunkt der Fieberkurve herunterkam, sowie in der
Entwicklung anderer weltweiter Probleme irgendwelche Anzeichen,
die Sie zu der Annahme führen könnten, daß eine Gipfelkonferenz zu
irgendeinem Zeitpunkt in der nahen Zukunft nützlich sein würde?
Antwort: Nein, nicht gerade zu diesem Zeitpunkt. Ich glaube, daß
das Treffen in Wien von Nutzen war. Es war nützlich für mich - aber
ich glaube nicht, daß wir bis dahin zurückgehen sollten, es sei denn,
daß wir den Weg wirklich frei sehen, ein Abkommen über die Atomversuche oder die Abrüstung zu erreichen oder in Europa selbst zu einer
gewissen Verständigung zu gelangen. Las ist wirklich unser V/uns eh.
Wie ich schon sagte, leben wir jetzt in einer Zeit, die zu gefährlich ist, als daß wir Spannungen zwischen der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten haben oder solche wünschen sollten. Und daher
sollten wir meines Erachtens alles fördern, was ihre Politik, die uns
abträglichen Dinge zu unterstützen, mildern kann. Aber solange wir
nicht einen gewissen Durchbruch auf irgendeinem Gebiet sehen, halte
ich ein Treffen zwischen Herrn Chruschtschow und mir nicht für sehr
vorteilhaft, auch wenn wir miteinander in Verbindung standen... und
über unsere Beauftragten in New York Verhandlungen führen. Aber ich
glaube nicht, daß für uns eine Notwendigkeit besteht, jetzt zusammenzukommen. Ich glaube, daß Chruschtschow wahrscheinlich genauso denkt."

*

* * *

-

10 -

*

�A M E R I K A

D I E N S T

KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER
DIE LAGE DER NATION
(State of the Union Message)

�"AMERIKA DIENST

Allg./XVI - 3

KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut der Botschaft über die Lage
der Nation (State of the Union Message),
die Präsident John F. Kennedy am 14»
Januar 19^3 auf einer gemeinsamen Sitzung
des US-Kongresses verlesen hat. Er legt
darin sein innen- und außenpolitisches
Regierungsprogramm für das dritte Jahr
seiner Amtszeit dar.

Herr Vizepräsident,
Herr Sprecher des Repräsentantenhauses,
Sehr verehrte Mitglieder des 88. Kongresses:
Ich beglückwünsche Sie alle - nicht nur zu Ihrem Wahlsieg,
sondern auch zu der bevorzugten Rolle, die Sie in der Geschichte
spielen werden. Denn Sie und ich sind privilegiert, der großen
Republik in einer Zeit dienen zu dürfen, die sich leicht als das
entscheidendste Jahrzehnt ihres Bestehens erweisen kann. Die Entscheidungen, die wir treffen, zum Guten oder zum Bösen, mögen das
Wohlergehen der Nation auf Generationen hinaus beeinflussen.
Vor wenig mehr als 100 Wochen habe ich das Amt des Präsidenten übernommen. Als ich den Kongreß und meine Landsleute um ihre
Mithilfe ersuchte, versprach ich keine leichten Lösungen. Ich
versprach und forderte nur Mühe und Hingabe. Diese haben der Kongreß und das Volk in hohem Maße aufgebracht. Und heute kann ich,
nachdem ich in den letzten Monaten Zeuge einer gesteigerten Hochachtung vor unseren nationalen Zielsetzungen und unserer Macht als
Nation war, nachdem ich die mutige Ruhe eines einigen Volkes in
einer gefährlichen Stunde erlebt und eine ständige Verbesserung
der Aufstiegsmöglichkeiten und des Wohlstandes unserer Bür*ger
beobachtet habe, Ihnen berichten, daß die Lage dieser alten, aber
jugendlichen Nation im 175« Jahr ihres Bestehens gut ist.
In der Welt jenseits unserer Grenzen sind ständige Fortschritte
beim Aufbau einer Welt der Ordnung gemacht worden. Die Bevölkerung
von West-Berlin bleibt frei und sicher. In Laos ist eine Lösung, die
zwar immer noch prekär ist, erreicht worden. In Südvietnam wurde
der Aggression die Spitze genommen. Im Kongo dürfte das Ende der
qualvollen Wirren in Sicht sein. Die Troika-Doktrin ist tot. Und
wenn die Gefahr auch noch nicht ganz beseitigt ist, wurde dennoch
eine tödliche Bedrohung von Kuba abgewendet.
Hier

1

�"AMERIKA DIENST"
Hier bei uns in den USA liegt die Rezession hinter uns. Heute
sind über eine Million mehr Männer und Frauen beschäftigt, als dies
vor zwei Jahren der Fall war. Die durchschnittliche Arbeitswoche
in den Fabriken beträgt erneut über 40 Stunden. Unsere Industrien
produzieren mehr Güter als jemals zuvor, und über die Hälfte der
Produktionskapazität, die noch vor hundert Wochen still und ungenutzt dalag, läuft wieder auf vollen Touren.
Um es kurz zu sagen, sowohl hier bei uns als auch im Ausland
ist man jetzt vielleicht versucht, sich auszuruhen. Denn der Weg
war lang, die Last schwer, und das Tempo immer angespannt.
Aber wir können uns nicht damit zufriedengeben, hier stehenzubleiben . Jies ist der Anstieg , , nicht der Gipfel. Das bloße Fehlen von
Krieg bedeutet nicht Frieden. Keine Rezession bedeutet noch nicht
Wachstum. Wir haben einen Anfang gemacht - aber wir haben erst begonnen .
Jetzt ist die Zeit gekommen, um unsere Erfolge voll und ganz
auszunutzen-um aus der Erneuerung unserer nationalen Stärke heraus
die Verwirklichung unserer nationalen Ziele zu erreichen.
Amerika hat sich 22 Monate einer ununterbrochenen wirtschaftlichen Erholung erfreuen können. Aber Erholung ist nicht genug. Wenn
wir auf lange Sicht Erfolg haben wollen, dann müssen wir die Stärke
unserer Wirtschaft auf lange Sicht ausbauen. Wir müssen den Weg zu
einer höheren Wachstumsrate und zur Vollbeschäftigung verfolgen.
Denn dies würde in jedem Jahr ein Mehr von vielen zehn Milliarden Dollar an Produktion, Gewinnen, Löhnen, öffentlichen Einnahmen
bedeuten. Dies würde das Ende der hartnäckigen Flaute bedeuten, die
die Arbeitslosigkeit in 61 von 62 Monaten auf einer Rate von fünf
Prozent oder mehr gehalten hat - und auch ein Ende des wachsenden
Druckes in Richtung auf solche restriktiven Maßnahmen wie die 35Stunden-Woche, die allein unsere Arbeitskosten pro Stunde bis zu
14 Prozent erhöhen, eine neue inflationistische Lohn-Preis-Spirale
auslösen und unsere Bemühungen, mit anderen Ländern zu konkurrieren,
unterminieren könnte.
Um diese größeren Erfolge zu erreichen, ist vor allem anderen
ein Schritt notwendig: die Verwirklichung einer wesentlichen Senkung
und Revision der Bundeseinkommensteuer noch in diesem Jahr.
Denn es wird - für alle diejenigen in der Regierung, in der
Wirtschaft und in den Gewerkschaften, die die Verantwortung für unseren wirtschaftlichen Erfolg tragen - immer deutlicher, daß unser
veraltetes Steuersystem auf die Kaufkraft, die Gewinne und die Beschäftigung hemmend wirkt. Es wurde einst mit dem Ziel geschaffen,
der Inflation sinhalt zu gebieten, behindert heute aber statt dessen
das Wirtschaftswachstum. Es entmutigt jede zusätzliche Anstrengung
und Risikobereitschaft. Es bringt Verwirrung in die Nutzung unserer

2

-

�AMERIKA DIENST"
unserer Hilfsquellen und begünstigt immer wieder neue Rezessionen,
verringert die Staatseinnahmen und führt zu chronischen Haushaltsdefiziten.
Heute, da der inflationistische Druck der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht mehr länger droht und der Dollar wieder neues Ansehen gewonnen hat und keine militärische Krise unsere Hilfsquellen
überfordert - heute ist die Zeit zum Handeln. Wir können es uns nicht
leisten, ängstlich und langsam vorzugehen. Denn es handelt sich hier
um die vordringlichste Aufgabe, vor die sich der Kongreß im Jahre 1963
gestellt sieht.
Schon bald werde ich in einer Botschaft an den Kongreß eine
ständige Senkung der Steuersätze vorschlagen, die die Steuerbelastung
um 13,5 Milliarden Dollar verringern wird. Hiervon entfallen 11 Milliarden Dollar auf die Senkung der Einkommensteuersätze, die gegenwärtig zwischen 20 und 91 Prozent liegen, auf einen vernünftigeren Satz
von 14 bis 65 Prozent bei gleichzeitiger Teilung der derzeitig ersten Steuergruppe. 2,5 Milliarden Dollar entfallen auf die Senkung
des Körperschaftssteuersatzes von 52 Prozent - der dem Staat gegenwärtig den Hauptanteil am Gewinn zuspricht - auf den vor der Koreakrise üblichen ständigen Satz von 47 Prozent. Dies geschieht zusätzlich zu der Senkung der Körperschaftssteuerbelastung um über 2 Milliarden Dollar auf Grund der im vergangenen Jahr eingeführten Steuererleichterungen für Investitionen und der erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten .
Um diese Steuersenkungen innerhalb der Grenzen eines noch tragbaren Haushaltsdefizits vornehmen zu können, fordere ich: erstens
diese Steuersenkungen innerhalb von drei Kalenderjahren stufenweise
vorzunehmen, beginnend 1963 mi't einer Jahresrate von rund 6 Milliarden
Dollar; zweitens diese Steuersenkungen - beginnend 1 9&amp;4 - m^
ganz
bestimmten Strukturänderungen zu koppeln, die die Steuerbasis verbreitern, ungerechtfertigte oder unnötige Begünstigungen aufheben,
gewisse Härten beseitigen oder mildern und im Endeffekt rund 3»5 Milliarden der entgangenen Steuern wettmachen werden; und drittens die Haushaltseinnahmen von vornherein - ohne irgendwelche Änderung der Steuerbelastung - um jährlich 1,5 Milliarden Dollar über eine allmähliche
Vorverlegung der Steuertermine der großen Kapitalgesellschaften durch
raschere Veranlagung zu erhöhen. Dieses Gesamtprogramm wird durch
Steigerung des Volkseinkommens zu gegebener Zeit auch zu höheren
Staatseinnahmen führen. Es ist ein von fiskalischer Verantwortung getragenes Programm, der sicherste und vernünftigste Weg, um möglichst
bald einen ausgeglichenen Haushalt bei einer ausgeglichenen vollbeschäftigten Wirtschaft zu erzielen.
Diese Senkung der Steuerbelastung um Netto 10 Milliarden Dollar
wird zu einer Vermehrung der Kaufkraft der amerikanischen Familien und
Wirtschaftsunternehmen in jeder Steuergruppe führen, wobei die Verbraucher der unteren Einkommensgruppen am meisten profitieren werden. Außerdem wird sie die Initiative und die Risikobereitschaft fördern, von

-

3 -

�"AMERIKA DIENST"
von denen unser freies Wirtschaftssystem abhängig ist, höhere Investitionen, eine höhere Produktionskapazität und eine bessere
Ausnutzung der vorhandenen Kapazität bewirken, mit zur Schaffung der
zwei Millionen neuen Arbeitsplätze beitragen, die wir jährlich brauchen, sowie das amerikanische Prinzip der zusätzlichen Belohnung für
zusätzliche Anstrengungen stärken. Ich will damit nicht sagen, daß
Maßnahmen für eine Senkung der Steuern und eine Steuerreform der
einzige Weg sind, um diese Ziele zu erreichen.
- Ohne Zweifel könnte eine massive Erhöhung der öffentlichen
Ausgaben ebenfalls Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum
schaffen - aber in Anbetracht der heutigen Verhältnisse sollte den
privaten Verbrauchern, Arbeitgebern und Investoren zuerst eine ausreichende Chance gegeben werden.
- Ohne Zweifel könnte eine vorübergehende Steuersenkung unserer
Wirtschaft einen Impuls geben - aber ein langfristiges Problem erfordert eine langfristige Lösung.
- Ohne Zweifel würde auch eine Herabsetzung entweder der Einkommen- oder der Körperschaftssteuer allein schon eine große Hilfe
darstellen - aber die Wirtschaftsunternehmen brauchen Kunden und die
Arbeitsuchenden Arbeitsplätze.
- Ohne Zweifel würde eine Herabsetzung der Steuern ohne eine
Reform vielen einfacher und attraktiver erscheinen - aber unser wirtschaftliches Wachstum wird ebenfalls durch eine Vielzahl von steuerlichen Ungerechtigkeiten und Präferenzen gehemmt, die den Fluß der
Investitionsgelder in falsche Bahnen gelenkt haben.
- Und schließlich gibt es ohne Zweifel einige, die eine Herabsetzung der Steuern lieber in der Hoffnung aufschieben würden, daß
letztlich ein Ende des kalten Krieges einen entsprechenden Schnitt
bei den Ausgaben ermöglichen könnte - aber dieses Ende ist nicht in
Sicht, und sich diesem Wunsche hinzugeben wäre kostspielig und widersinnig.
Mit der Vorlage eines Steuerprogramms, das selbstverständlich
das Defizit vorübergehend erhöhen wird, es aber letzten Endes ausgleichen kann, und in Anbetracht der Notwendigkeit einer Kontrolle
der Ausgaben werde ich in Kürze ein Regierungsbudget für das Haushaltsjahr 1964 vorlegen, das die erforderlichen Erhöhungen für Verteidigung, Raumfahrt und den Zinsendienst berücksichtigt und das die
Gesamtausgaben für alle anderen Posten unter dem Niveau für das laufende Jahr hält.
Dies erfordert die Reduzierung oder den Aufschub vieler wünschenswerter Programme - Auffangen eines großen Teils der Gehaltserhöhungen
für Bundesbedienstete im vergangenen Jahr durch Personaleinsparungen
und andere Sparmaßnahmen, Stillegung gewisser Einrichtungen und Beendigung gewisser Prodjkte sowie für mehrere Programme die Aufbringung

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�"AMERIKA DIENST"
Aufbringung von Anleihen von privater Seite anstatt durch die
öffentliche Hand. Aber ich bin überzeugt, daß die Verabschiedung
der Steuersenkung und -reform in diesem Jahr alle anderen innenpolitischen Probleme, die dieser Kongreß zu lösen hat, überschattet.
Denn wir können nicht auf die Dauer die Sache des Friedens und der
Freiheit anführen, wenn wir nicht im eigenen Lande Vorbild sind.
Eine Steuersenkung allein ist jedoch nicht genug, um unsere
Gesellschaft zu stärken, um für die vier Millionen Amerikaner, die
in jedem Jahr geboren werden, neue Möglichkeiten zu schaffen und
um das Leben der 32 Millionen Amerikaner zu verbessern, die immer
noch am Rande der Armut leben.
Die Qualität des amerikanischen Lebens muß Schritt halten mit
der Quantität der amerikanischen Güter.
Unser Land kann es sich nicht leisten, einerseits reich und
andererseits bitter arm zu sein.
Dadurch, daß wir die Budgetkosten der gegenwärtigen Programme
niedrig halten, damit sie in den von mir genannten Grenzen bleiben,
ist es sowohl möglich als auch dringend notwendig, weitere neue
Maßnahmen zu ergreifen, die aufzuschieben wir uns nicht leisten
können.
Diese Maßnahmen sind auf eine Reihe fundamentaler Voraussetzungen gegründet, die unter vier miteinander in Beziehung stehende
Sparten fallen:
Erstens müssen wir unsere Nation dadurch stärken, daß wir mehr
für unsere Jugend tun:
- Die Zukunft eines jeden Landes, das von dem Willen und der
Weisheit seiner Bürger getragen wird, leidet Schaden - und zwar nicht
wieder gutzumachenden Schaden - wenn von seinen Kindern nicht alle von der Grundschule über die höhere Schule - die Erziehung erhalten,
die eine volle Entfaltung ihrer Fähigkeiten ermöglicht. Heute beenden
schätzungsweise vier von zehn Schülern des fünften Schuljahres nicht
einmal die Oberschule - und das ist eine Vergeudung, die wir uns nicht
leisten können.
- Ferner ist nicht einzusehen, weshalb eine Million junger Amerikaner nach der Schulzeit keine Arbeit finden, nicht gebraucht werden
und oft als Ungelernte auf der Straße bleiben müssen, obwohl ihre
Kräfte nutzbringend eingesetzt werden könnten.
- Schließlich läßt der Erfolg unserer Freiwilligen vom Friedenskorps in Übersee - die meisten von ihnen junge Männer und Frauen mit
echtem Können und dem Idealismus zur Hilfeleistung für Völker, die
solcher Hilfe bedürfen - die Einrichtung eines ähnlichen Korps für den
Dienst in unseren eigenen Gemeinwesen als verdienstvoll erscheinen: _in.

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�'AMERIKA DIENST"
in Heilanstalten, in Indianerreservaten, in Altersheimen und
Jugendhaftanstalten, in Schulen für Analphabeten oder für geistig
Behinderte. So wie der Idealismus unserer Jugend dem Weltfrieden
bereits gedient hat, so kann er auch zu Ruhe und Frieden in der
Heimat beitragen.
Zweitens müssen wir unsere Nation stärken, indem wir ihre
Gesundheit schützen:
- Unsere arbeitenden Männer und Frauen sollten, anstatt
Unterstützung von der Öffentlichen Wohlfahrt in Anspruch nehmen
zu müssen, sobald sie alt und krank sind, jetzt damit beginnen, im
Rahmen des Sozialversicherungssystems Vorsorge für Krankheit im
Alter zu treffen.
- Außerdem werden alle Wunder medizinischer Forschung nur wenig
ins Gewicht fallen, wenn wir den gegenwärtigen Zustand, nämlich den
wachsenden Mangel an Ärzten, Zahnärzten und Schwestern und den weitverbreiteten Mangel an Pflegeheimen und modernen städtischen Krankenhauseinrichtungen, nicht beheben können. Nur um zu verhindern, daß
der gegenwärtige Prozentsatz an Ärzten und Zahnärzten weiter absinkt,
müssen wir die Kapazität unserer medizinischen Hochschulen in den
nächsten zehn Jahren um 50 Prozent, die unserer zahnärztlichen Hochschulen um 100 Prozent erhöhen.
- Schließlich - und ich sage dies aus tiefer Besorgnis - bin
ich der Überzeugung, daß das Ausgeliefertsein der Geisteskranken
und der geistig Behinderten an die Gnade und Barmherzigkeit geschlossener Anstalten nur zu oft eine unnötige Grausamkeit für diese
selbst und ihre Familien bedeutet, die unser Volk nicht dulden dürfte.
Geistige Behinderung ist bei uns dreimal häufiger als beispielsweise
in Schweden - und diese Zahl kann und muß verringert werden.
Drittens müssen wir unsere Nation durch den Schutz der Grundrechte
ihrer Bürger stärken:
- Das Recht auf saqhgemäße Beratung muß jedem Angeklagten vor
Gericht zustehen, gleichgültig, in welcher wirtschaftlichen Lage er
sich befindet.
- Und das kostbarste und gewichtigste Recht auf der Welt, das
Recht auf Teilnahme an einer freien amerikanischen Wahl, darf keinem
Bürger auf Grund seiner Hautfarbe oder Rasse verweigert werden. Ich
wünschte, daß alle politisch mündigen Amerikaner, die Wählen dürfen,
auch zur Wahl gingen - auf jeden Fall aber sollte in diesem Gedenkjahr
für die Emanzipationserklärung vor hundert Jahren allen, die wählen
wollen, dies stets auch gestattet sein.
Viertens müssen wir unsere Nation stärken, indem wir unsere
natürlichen Hilfsquellen und Einrichtungen auf wirtschaftlichste
Weise nutzen:
- Das

�'AMERIKA DIENST"
- Das Wohlergehen unserer Wirtschaft ist von intakten Verkehrsadern abhängig, und ich glaube, daß wir uns durch verstärkten Wettbewerb und den Abbau von Verordnungen eine zeitgemäßere und wirtschaftlichere Art der Dienstleistungen innerhalb des amerikanischen
Transportwesens schaffen können. Der örtliche Berufsverkehr, der
noch schlechter daran ist, ist eine kommunale Dienstleistung, die
ebenso notwendig ist wie Krankenhäuser und Autobahnen. Fast Dreiviertel
unserer Bevölkerung lebt in Städten, die nur zwei Prozent der Bodenfläche unseres Landes einnehmen, und wenn der örtliche Verkehr nicht
zusammenbrechen soll und unsere verstopften Städte entlastet werden
sollen, muß.die Bundesregierung ermutigend und helfend einschreiten.
- Ferner muß sich unsere Regierung um die Nahrungsmittel- und
Rohstoffbevorratung kümmern, mit einem bedauerlichen Aufwand von über
16 Milliarden Dollar. Wir müssen das Einkommen der Farmer auch weiterhin stützen, wir sollten aber nicht die Bestände an Agrarerzeugnissen
in Höhe von 7&gt;5 Milliarden Dollar, die wir bereits besitzen, noch vermehren. Wir müssen einen Vorrat an strategisch wichtigen Rohstoffen
halten, doch die Rohstoffe im Werte von 8,5 Milliarden Dollar, die wir aus gutem und schlechtem Grund - bereits aufgekauft haben, sind mehr
als ausreichend; und wir sollten ermächtigt werden, überschüssige Bestände so abzustoßen, daß der Markt nicht gestört wird.
- und als Letztes, unsere heute bereits überlaufenen Nationalparks und Erholungsgebiete werden in zehn Jahren doppelt soviel Besucher zählen wie jetzt. Wenn wir nicht heute schon auf die künftige
Mehrung dieser und anderer großer Schätze unserer Natur - nicht nur
der Parks und Waldungen, sondern auch der Wild- und Naturschutzgebiete,
der Wasserbauprojekte aller Art - bedacht sind, dann werden unsere Kin- I
der und Kindeskinder im wahrsten Sinne des Wortes einmal ärmer sein. Dem
Kongreß werden in Kürze Vorschläge unterbreitet werden, um diesen großen
Aufgaben gerecht zu werden.
Das sind nicht allein innenpolitische Angelegenheiten. Denn von
der größeren Dynamik und Stärke im eigenen Lande hängen unser Schicksal
und unsere Zukunft in der Welt ab - unsere Fähigkeit, die Sicherheit
freier Menschen und Staaten aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten unsere Fähigkeit, ihre Respektierung unserer Führungsrolle zu erlangen unsere Fähigkeit, unseren Handel auszuweiten, ohne unsere Zahlungsbilanz
zu gefährden - unsere Fähigkeit, uns den wechselnden Anforderungen des
Wettbewerbs und der Herausforderung des kalten Krieges anzupassen.
Wir werden mehr nach dem beurteilt werden, was wir im eigenen
Hause vollbringen, als nach dem, was wir im Ausland predigen. Nichts
von dem, was wir für die Entwicklungsländer tun könnten, würde diesen
auch nur halb soviel helfen wie eine blühende Wirtschaft in den USA,
die die Rohstoffe aus diesen Ländern verbraucht; und nichts könnte den
Ehrgeiz unserer Gegner auch nur halb so stark anstacheln wie eine chronisch kränkelnde Wirtschaft in den USA. Diese innenpolitischen Aufgaben
würden die Kraftreserven unserer Sicherheit nicht anzapfen - sie sind
das eigentliche Fundament für den Fortbestand und den Erfolg der Frei-

�"AMERIKA PIEKST"
Wenden wir uns jetzt der Welt draußen zu. Noch vor wenigen
Jahren suchte der Kommunismus in Südostasien, in Afrika, in
Osteuropa, in Lateinamerika, ja sogar im Weltraum das Bild einei
einheitlichen, auf sich vertrauenden und sich ausweitenden Imperiums zu vermitteln, das ein träges Amerika und eine sich in
Unordnung befindliche freie Welt immer mehr einengte. Aber heute
würden wohl nur wenige Menschen an ein solches Bild glauben.
In den vergangenen Monaten haben wir erneut die Wissenschaft-^
liehe und militärische Überlegenheit der Freiheit bekräftigt. Wir
haben unsere Weltraumbemühungen verdoppelt, um sicherzustellen,
daß wir in Zukunft die ersten sind. Wir haben die weitestreichenden1
Verteidigungsverbesserungen getroffen, die unser Land jemals in
Friedenszeiten unternommen hat. Und wir haben die Grenzen der
Freiheit von Vietnam bis nach West-Berlin aufrechterhalten.
Aber Beschaulichkeit oder Selbstgefälligkeit können unsere
Sicherheit genauso gefährden wie die Waffen unserer Gegner. Eine
kurze Atempause ist noch nicht mit Frieden gleichzusetzen. Gefahrvolle Probleme bestehen weiterhin von Kuba bis zum Südchinesischen
Meer. Die Aussichten der Welt verheißen, kurz gesagt, nicht ein
Jahr der Erholung, sondern ein Jahr der Verpflichtungen und der
Möglichkeiten.
Vier besondere große Möglichkeiten zeichnen sich hier ab:
die Atlantische Allianz, die Entwicklungsländer, die neuen chinesisch-sowjetischen Schwierigkeiten und das Bemühen um einen weltweiten Frieden.
Wie steht es erstens um die große Allianz? Das freie Europa
tritt in eine neue Phase seiner langen und glanzvollen Geschichte
ein. Die Ära der kolonialen Expansion ist vorüber, die Ära der
nationalen Rivalitäten schwindet, und eine neue Ära der luterdependenz und der Einheit gewinnt Gestalt. Den alten Marx'sehen Prophezeiungen zum Trotz haben sich die freien Nationen Europas bereitgefunden, zu tun, was kein Eroberer erzwingen konnte: eine einheitliche Zielsetzung und Macht und Politik in jedem Aufgabenbereich
herzustellen.
Seit siebzehn Jahren haben wir diese Entwicklung sowohl politisch als auch wirtschaftlich konsequent unterstützt. Weit davon
entfernt, an dem neuen Europa Anstoß zu nehmen, betrachten wir sa
als willkommenen Partner, nicht als Rivalen. Denn der Weg zum Frieden und zur Freiheit der Welt ist noch sehr lang, und es gibt Lasten, die nur vollgültige Partner zu teilen vermögen - in der Vorsorge für die gemeinsame Verteidigung, in der Ausweitung des Welthandels, in der Ausgleichung unserer Zahlungsbilanz, in der Unterstützung der mündig werdenden Nationen, in der Abstimmung politischer
und wirtschaftlicher Direktiven und in der Einbeziehung anderer
Industriestaaten in unsere gemeinsamen Anstrengungen, namentlich
Japans, dessen bemerkenswerte wirtschaftliche und politische Entwicklung in den fünfziger Jahren ihm jetzt gestattet, in der Weltpolitik eine gewichtige konstruktive Rolle zu übernehmen.
;

8

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Zweifellos

�"AMERIKA DIENST"
Zweifellos wird man auch weiterhin den Meinungsverschiedenheiten
mehr Aufmerksamkeit widmen als den Vereinbarungen über künftiges Handeln, während Europa den Übergang von der Unabhängigkeit zu einer
präziser formulierten Interdependenz vollzieht. Doch sind dies ehrliche Differenzen zwischen redlichen Bundesgenossen - und sie treten
tatsächlich konkreter und häufiger unter unseren westeuropäischen
Verbündeten auf als zwischen ihnen und den Vereinigten Staaten. Denn
die freiheitliche Einigkeit hat noch nie auf der Uniformität der Ansichten beruht. Aber nach wie vor herrscht innerhalb dieses Bündnisses
prinzipielle Übereinstimmung in den Grundsatzfragen.
Die erste Aufgabe des Bündnisses bleibt die gemeinsame Verteidigung. Im letzten Monat legten Premierminister Macmillan und ich
Pläne für einen neuen Abschnitt unserer langjährigen gemeinschaftlichen Bemühungen fest, wobei es darum geht, bei der umfassenderen Aufgabe des Aufbaus einer gemeinsamen Kernwaffenverteidigung für die
gesamte Allianz Hilfestellung zu leisten.
In der Vereinbarung von Nassau wird anerkannt, daß die Sicherheit des Westens unteilbar ist und daß wir dementsprechend unsere
Verteidigung einrichten müssen. Aber sie stellt auch fest, daß unser
Bündnis ein Bündnis stolzer und souveräner Nationen ist, das am besten
funktioniert, wenn wir dies nicht vergessen. Sie stellt ferner fest,
daß die Kernwaffenverteidigung des Westens keine Angelegenheit ist, für
die nur die gegenwärtigen Atommächte allein zuständig sind, daß Frankreich demnächst eine solche Macht sein wird und daß wir - ohne die Risiken der Kernwaffenausbreitung zu vergrößern - Wege finden müssen, um
die Mitwirkung unserer anderen Partner bei der Planung, Bemannung und
Leitung einer wirklich multilateralen Kernwaffenstreitmacht innerhalb
eines sich immer enger gestaltenden NATO-Bündnisses zu verstärken.
Schließlich stellt das Übereinkommen von Nassau fest, daß die Kernwaffenverteidigung nicht ausreicht, daß die vereinbarten NATO-Ziele für
die konventionellen Streitkräfte verwirklicht werden müssen und daß die
NATO-Bündnispartner es nicht darauf ankommen lassen dürfen, in eine
Lage zu geraten, in der sie jede Drohung nur noch mit Kernwaffen oder
aber überhaupt nicht beantworten könnten.
Wir stehen den Entscheidungen von Nassau noch zu nahe und sind von
ihrer endgültigen Verwirklichung noch zu weit entfernt, um sagen zu
können, welchen Platz sie in der Geschichte einnehmen werden. Ich
glaube jedoch, daß die nukleare Verteidigung zum ersten Mal angefangen
hat zu einer Quelle des Vertrauens statt zu einem Streitobjekt zu werten.
Das nächste dringende Anliegen der Allianz sind unsere gemeinsamen wirtschaftlichen Ziele auf dem Gebiet des Handels und der Expansion. Die amerikanische Nation ist weiterhin um das Defizit in
ihrer Handelsbilanz besorgt, das zwar kleiner geworden ist, aber
trotzdem ein hartnäckiges und unangenehmes Problem bleibt. Wir sind
darüber hinaus überzeugt, daß engere wirtschaftliche Beziehungen

-

9 -

�"AMERIKA DIENST"
Beziehungen zwischen allen freien Nationen für Prosperität und Frieden entscheidend wichtig sind. Weder wir noch die Mitglieder des
Gemeinsamen Marktes sind so reich, daß wir es uns auf die Dauer leisten könnten, landwirtschaftliche Betriebe oder Fabriken vor dem
frischen Wind der ausländischen Konkurrenz abzuschirmen oder die
Handelsbeziehungen mit anderen Nationen der freien Welt einzuschränken. Wenn sich der Gemeinsame Markt jetzt auf Protektionismus und Restriktionen verlegen sollte, würde er seine eigenen Grundprinzipien
untergraben. Die amerikanische Regierung will die ihr vom Kongreß
im vergangenen Jahr übertragene Vollmacht dazu benutzen, um die Ausweitung des Handels auf beidtn Seiten des Atlantik und auf der ganzen
Welt zu ermutigen.
Wie steht es nun zweitens mit den Entwicklungsländern und bündnisfreien Nationen? Sie waren, so glaube ich, über den plötzlichen
und geheimen Versuch der Sowjets, Kuba zu einer nuklearen Aggressionsbasis zu machen, und über die anmaßende Invasion Chinas in Indien
überaus bestürzt. Sie sind durch unsere sofortige Hilfe für Indien,
durch unsere über die Vereinten Nationen geleistete Unterstützung
für die Wiedervereinigung des Kongo, durch unser geduldiges Bemühen
um die Abrüstung und durch unsere bessere Behandlung von Bürgern und
Besuchern, deren Hautfarbe zufällig nicht weiß ist, beruhigt. Und
in dem Maße , in dem der alte Kolonialismus schwindet und der Neokolonialismus der kommunistischen Mächte krasser denn je in Erscheinung
tritt, erkennen sie immer klarer, daß es in der Auseinandersetzung
der Welt nicht um die Frage Kommunismus gegen Kapitalismus geht, sondern um die Frage Zwang gegen Entscheidungsfreiheit.
Sie erkennen, daß die Sehnsucht nach Unabhängigkeit in der ganzen
Welt die gleiche ist, ob es sich nun um die Unabhängigkeit von WestBerlin oder von Vietnam handelt. Sie erkennen, daß eine solche Unabhängigkeit allen kommunistischen Ambitionen zuwiderläuft, aber in
Übereinstimmung mit den unsrigen steht, und daß unsere Haltung gegenüber ihren Nöten beweglich und einfallsreich ist, während die Kommunisten sich auf alte Doktrinen und Dogmen stützen.
Dennoch ist es für jedes Land schwer, sich auf eine von außen
kommende oder subversive Bedrohung seiner Unabhängigkeit einzustellen,
wenn seine Energien im täglichen Kampf mit den Kräften der Armut und
Verzweiflung aufgezehrt werden. Es ist wenig sinnvoll für uns, in
Reden und Resolutionen die Schrecken des Kommunismus anzugreifen,
50 Milliarden Dollar pro Jahr zur Verhinderung seines militärischen
Vormarsches aufzuwenden und dann über die Ausgaben - hauptsächlich
für amerikanische Erzeugnisse - zu nörgeln, die weniger als ein Zehntel jener Summe ausmachen und die anderen Nationen helfen, ihre Unabhängigkeit zu festigen und das soziale Chaos zu beseitigen, in dem
der Kommunismus seit je gedieh.
Ich bin stolz - und ich glaube, auch die meisten Amerikaner sind
stolz - auf das gemeinsame Verteidigungs- und Hilfsprogramm, daß
mit Unterstützung beider Parteien unter drei verschiedenen Präsidenten

10

-

�AMERIKA DIENST
Präsidenten ausgebaut wurde und das, mit all seinen bekannten
Problemen, wesentlich dazu beigetragen hat, daß nicht ein einziges
der fast 50 Mitglieder der Vereinten Nationen», die seit dem Ende
des zweiten Weltkrieges ihre Unabhängigkeit gewonnen haben, dem
Kommunismus anheimfiel.
Ich bin stolz auf ein Programm, das dazu beigetragen hat,
Millionen von Menschen an der Front der Freiheit mit Waffen, Nahrung
und Kleidung zu versorgen.
Ich bin besonders stolz darauf, daß dieses Land ein riesiges
gemeinsames Vorhaben für die sechziger Jahre in Angriff genommen hat,
um wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt im gesamten
amerikanischen Raum zu schaffen - die Allianz für den Fortschritt.
Ich unterschätze die Schwierigkeiten nicht, denen wir uns bei
dieser gemeinsamen Anstrengung zusammen mit unseren nächsten Nachbarn
gegenübersehen. Die freien Nationen dieser Hemisphäre haben jedoch in
enger Zusammenarbeit damit begonnen, dieser Allianz Gestalt zu geben.
Durch dieses Programm erhält gegenwärtig jedes vierte Kind im schulpflichtigen Alter in Lateinamerika eine Sonderration an Lebensmitteln
aus unseren Überschußbeständen, wurden ferner 1,5 Millionen Schulbücher
verteilt; und es werden 17 000 Klassenräume erstellt. Es hat dazu beigetragen, Zehntausende von Bauernfamilien auf Grund und Boden anzusiedeln, den sie ihr eigen nennen können. Es hat unsere Nachbarn zu größerer Selbsthilfe und Reformen angeregt - zu fiskalischen, sozialen,
institutionellen und Landreformen. Es bringt Millionen, die bisher
vergessen waren, Heime, Hoffnung und Gesundheit. Die Männer und Frauen
dieser Hemisphäre wissen, daß die Allianz keinen Erfolg haben würde,
wenn sie nur eine andere Bezeichnung für Geschenke aus den Vereinigten
Staaten wäre - und daß sie nur dann Erfolg haben kann, wenn die lateinamerikanischen Staaten selbst ihre ganze Kraft zur Erfüllung dieser Aufgabe einsetzen.
Las gleiche gilt für Afrika, für den Mittleren Osten und Asien.
Wo immer Nationen bereit sind, sich selbst zu helfen, sind wir bereit,
sie beim Aufbau neuer Bollwerke der Freiheit zu unterstützen. Wir kaufen keine Stimmen für den kalten Krieg; wir sind den gefährdeten Nationen zu Hilfe geeilt, und zwar den Neutralen genauso wie unseren Verbündeten. Was wir aber verlangen - und es ist alles, was wir verlangen
- ist, daß unsere Unterstützung so verwendet wird, daß sie größtmöglichen Nutzen bringt, und daß durch nutzlose Streitigkeiten mit
anderen unabhängigen Ländern die eigenen Bemühungen dieser Länder
nicht verzettelt werden.
Trotz aller Erfolge in der Vergangenheit dürfen wir uns um des
weiteren Fortschrittes des gemeinsamen Hilfsprogramms willen mit dem
bisher Erreichten keinesfalls zufriedengeben. Wir haben dieses Programm reorganisiert, um es zu einem wirksameren, schlagkräftigeren
Instrument zu machen, und dieser Prozeß wird in diesem Jahr weiter
andauern.
AV O T .

�"AMERIKA DIENST"
Aber im Kampf um die Entwicklung der freien Welt werden wir auch
weiterhin bergan schreiten müssen. Regierungshilfe kann die Punktion
der Privatinvestition, der Ausweitung des Handels, der Stabilisierung
der Rohstoffpreise und vor allem der Eigenbemühungen um die Verbesserung der Verhältnisse nur ergänzen. Der Prozeß des Wachstums geht
stufenweise vor sich - und trägt Früchte erst in einem Jahrzehnt und
nicht in einem Tag. Unsere Erfolge werden weder über Nacht kommen
noch aufsehenerregend sein. Aber wenn diese Programme jemals eingestellt werden sollten, dann würden unsere Fehlschläge in einem
Dutzend Länder auf einen Schlag und mit Sicherheit spürbar sein.
In dem Kampf gegen die Armut dürfen jedoch Geld und technische
Hilfe nicht unsere einzigen Waffen sein. Letztlich ist die entscheidende Anstrengung eine Sache der Zielsetzung - die nicht nur den
Brennstoff des Geldes, sondern die Flamme des Idealismus erfordert.
Und niemand trägt den Geist des amerikanischen Idealismus wirksamer
in die entfernten Winkel der Erde und verleiht unseren Hoffnungen
besseren Ausdruck als das Friedenskorps.
Vor einem Jahr arbeiteten im Friedenskorps noch weniger als
900 Freiwillige, Heute in einem Jahr werden es über 9000 Männer
und Frauen sein, im Alter zwischen 18 und 79» die bereit sind, zwei
Jahre ihres Lebens zu geben, um Menschen in anderen Ländern zu helfen.
Tatsächlich sind es nahezu eine Million Amerikaner, die ihrem
Lande und der Sache der Freiheit in Übersee dienen - eine Zahl, die
kein anderes Volk aufweisen kann. Ohne Frage sollten diejenigen von
uns, die hier in der Heimat bleiben, froh sein, indirekt helfen zu
können, indem sie unsere Hilfsprogramme unterstützen, indem sie den
fremden Besuchern, Studenten und Diplomaten unsere Türen öffnen und
indem sie Tag für Tag sowohl mit Taten als auch mit Worten beweisen,
daß wir ein gerechtes und großherziges Volk sind.
Drittens, was können wir uns von den wachsenden Belastungen und
Spannungen innerhalb des kommunistischen Blockes erhoffen? Hier muß
Hoffnung mit Vorsicht verbunden werden. Denn bei den sowjetisch-chinesischen Meinungsverschiedenheiten geht es um die Mittel, nicht um
die Ziele. Ein Disput darüber, wie die freie Welt begraben werden kann,
ist kein Anlaß, über den der Westen sich freuen kann.
Wenn ein Druck auch noch keinen Bruch bedeutet, so ist es
dennoch klar, daß die verschiedensten Kräfte innerhalb des kommunistischen Lagers am Werke sind, und zwar trotz aller eisernen Disziplin der Reglementierung und trotz aller eisernen ideologischen
Dogmen. Marx ist erneut des Irttums überführt worden, denn es sind
die geschlossenen kommunistischen Gesellschaften und nicht die
freien und offenen Gesellschaften, die den Keim der inneren Auflösung
in sich tragen.
Die

�AMERIKA DIENST
Die Unordnung innerhalb des kommunistischen Imperiums wurde
noch durch zwei weitere gewaltige Kräfte vergrößert. Eine ist die
historische Kraft des Nationalismus und der Sehnsucht aller Menschen
nach Freiheit. Die andere ist die offenkundige Erfolglosigkeit der
kommunistischen Volkswirtschaften. Denn eine geschlossene Gesellschaft steht den Fortschrittsideen nicht aufgeschlossen gegenüber.
Und auch ein Polizeistaat wird herausfinden, daß er das Wachsen des
Getreides nicht befehlen kann.
Neue Nationen, die aufgefordert werden, zwischen den beiden
konkurrierenden Systemen zu wählen, brauchen nur die Verhältnisse
in Ost- und Westdeutschland, in Ost- und Westeuropa, in Nord- und
Südvietnam zu vergleichen. Sie brauchen nur die Enttäuschung des
kommunistischen Kuba den Verheißungen der Allianz für den Fortschritt
für die westliche Hemisphäre gegenüberzustellen. Und alle Welt weiß,
daß kein erfolgreiches System eine Mauer errichtet, um seine Bevölkerung ein- und die Freiheit auszusperren, und daß die Mauer, die
Berlin teilt, ein Symbol des kommunistischen Versagens ist.
Und als Letztes: Was können wir tun, um aus der gegenwärtigen
Atempause heraus zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen? Ich möchte
wiederum zur Vorsicht mahnen. Ich sehe keine augenfällige Änderung
der Methoden und Ziele der Kommunisten voraus. Wenn aber alle diese
Tendenzen und Entwicklungen die Sowjetunion dazu bewegen können, den
Pfad des Friedens zu wandeln, dann wollen wir ihr zu verstehen geben,
daß alle freien Völker sie begleiten werden. Bis sie sich aber zu dieser Wahl entschließt und bis die Welt ein verlässliches System der
internationalen Sicherheit entwickeln kann, haben die freien Völker
keine andere Wahl, als ihre Waffen griffbereit zu halten.
Unser Land wird deshalb auch weiterhin die beste Verteidigung
der V/elt nötig haben - eine Verteidigung, die den sechziger Jahren angemessen ist. Das bedeutet bedauerlicherweise einen steigenden Verteidigungshaushalt, denn es gibt keinen Ersatz für eine ausreichende Verteidigung; und zu Discountladenpreisen ist sie nicht zu haben. Es bedeutet die Aufwendung von über 15 Milliarden Dollar in diesem Jahr,
allein für unsere Kernwaffenrüstung - eine Summe, die etwa ebenso groß
ist wie die Verteidigungshaushalte unserer europäischen Alliierten zusammen .
Aber es bedeutet auch eine verbesserte Luft- und Raketenverteidigung, eine verbesserte zivile Verteidigung, den Ausbau'der Einheiten
zur Partisanenbekämpfung und, was von höchster Wichtigkeit ist, die
Schaffung schlagkräftigerer und elastischerer nicht-nuklearer Streitkräfte. Denn Drohungen mit massiven Vergeltungsmaßnahmen mögen vor
kleineren Aggressionen nicht abschrecken - und eine Sperrkette von
Zerstörern in Quarantäne oder eine Division gutausgerüsteter Soldaten
an einer Grenze können unserer wirklichen Sicherheit nützlicher sein
als eine Anhäufung furchterregender Waffen über jede denkbare
Notwendigkeit hinaus.
Unsere

�"AMERIKA DIENST"
Unsere Verpflichtung gegenüber der nationalen Sicherheit ist
jedoch keine Verpflichtung, den Aushau unserer militärischen Einrichtungen ins Unendliche fortzusetzen. Wir tun die Abrüstung nicht als
einen schönen Traum ab. Denn wir sind davon überzeugt, daß dies
letztlich der einzige Weg ist, die Sicherheit aller ohne Gefährdung
der Interessen des einzelnen zu gewährleisten. Auch verwechseln wir
ehrenhafte Verhandlungen nicht mit Beschwichtigung. So wie wir in
der Verteidigung der Freiheit niemals müde werden, so werden wir auch
niemals das Streben nach Frieden aufgeben.
In diesem Bemühen bedürfen die Vereinten Nationen unserer vollen
und fortdauernden Unterstützung. Wie wertvoll sie im Dienst der Sache
des Friedens sind, zeigte sich erneut in ihrer Rolle bei der Regelung
in Westneuguinea, ihrer Inanspruchnahme als Forum zur Beilegung der
Kuba-Krise und in ihrer Aufgabe bei der Vereinigung des Kongo. Heute
sind die Vereinten Nationen in erster Linie Beschützer der Kleinen
und Schwachen und ein Sicherheitsventil für die Starken. Morgen können
sie den Rahmen für eine Welt des Rechts bilden - eine Welt, in der
keine Nation über das Geschick einer anderen bestimmt und in der die
riesigen Hilfsquellen, die jetzt für Zwecke der Zerstörung genutzt
werden, konstruktiven Zielen dienen.
Mit einem Wort, unsere Gegner mögen also wählen. Entscheiden sie
sich für den friedlichen Wettbewerb, so sollen sie ihn haben. Falls
sie sich darüber klar werden, daß ihre ehrgeizigen Pläne nicht zu
verwirklichen sind - wenn sie erkennen, daß ihre 'Befreiungskriege'
und ihre Wühlarbeit letzten Endes scheitern - wenn sie erkennen, daß
die Akzeptierung einer Inspektion mehr Sicherheit gewährleistet, als
wenn noch mehr Nationen die Möglichkeit gegeben wird, sich in der
schwarzen Kunst der Kernwaffen und des Atomkrieges zu üben - und wenn
sic,so wie wir, tatsächlich willens sind, ihre Energien den großen unvollendeten Aufgaben de:r eigenen Völker, zuzuwenden - dann kann die Übereinstimmung ganz gewiß sehr weite Gebiete umfassen: eine klare Einigung im Falle Berlin, Stabilität in Südostasien, Beendigung der Kernwaffenversuche, neue Sicherungen gegen Überraschungsangriffe oder Angriffe auf Grund eines Irrtums, und endlich auch eine allgemeine und
vollständige Abrüstung.
Denn wir wollen nicht den weltweiten Sieg eines Landes oder
Systems, sondern den weltweiten Sieg des Menschen. Die moderne Welt
ist zu klein, ihre Waffen sind zu zerstörerisch - sie vermehren sich
zu- rasch - und das Übel ist zu groß, als daß irgendeine andere Form
des Sieges in Frage käme.
Die Vereinigten Staaten werden,um dieses Ziel zu erreichen,
auch weiterhin einen größeren Teil ihres Bruttosozialprodukts als
jedes andere Volk der freien Welt aufwenden. Fünfzehn Jahre lang
hat keine andere freie Nation isich so viel abverlangt. Durch heiße
und kalte Kriege, durch Rezession und Wohlstand, durch das Atom- und
Weltraumzeitalter hindurch hat das amerikanische Volk weder gezögert,
noch ist es jemals in seinem Glauben ermattet. Wenn es zuzeiten
scheint, als ob unsere Handlungen dazu angetan seien, das Leben anderer zu erschweren, so nur, weil die Geschichte das Leben für uns
alle schwer gemacht hat.
_,

"

14 -

�AMERIKA DIENST
Schwere Tage müssen aber nicht unbedingt dunkle Tage sein.
Ich glaube, wir leben - was die Sache des Friedens und der Freiheit angeht - in einer stolzen und denkwürdigen Zeit. Wir sind beispielsweise
stolz auf Major Rudolf Anderson, der sein Leben über der Insel Kuba
gelassen hat. Wir neigen uns vor dem Spezialisten James Allen Johnson,
der an der Grenze von Südkorea sein Leben gab. Wir gedenken in Ehrfurcht Sergeant Gerald Pendells, der in Vietnam gefallen ist. Sie
gehören zu den vielen, die in diesem Jahrhundert fern der Heimat für
unser Land gestorben sind. Unsere Aufgabe und die Aufgabe aller
Amerikaner ist es nunmehr, uns ihres Opfers würdig zu erweisen.
Meine Freunde k ich.iSchließe-mit einem Wort der Hoffnung. Wir lassen uns durch die augenblickliche Windstille oder den etwas helleren
Himmel über uns nicht einschläfern. Wir wissen um das, was darunter
brodelt, um die Stürme, die in diesem Jahr hinter dem Horizont auf uns
warten. Aber die Winde, die einen Wandel bewirken, scheinen nunmehr
stärker au wehen als'' je zuvor - in der kommunistischen Welt ebenso
wie in unserer eigenen. Seit 175 Jahren segeln wir mit diesen Winden
im Rücken und getragen von der Strömung der menschlichen Freiheit.
Wir steuern unser Schiff, erfüllt von Hoffnung, wie Thomas Jefferson
sagte, 'die Furcht hinter uns lassend'.
Auch heute heißen wir diese Winde willkommen - und wir haben allen
Grund zu der Annahme, daß die uns tragende Strömung stark ist. Wir
danken dem allmächtigen Gott, daß er uns durch eine gefährliche Enge
geleitet hat, und erbitten abermals seine Hilfe in unserem Bemühen,
das 'gute Schiff Union' zu steuern."

* * *- * *

�A M E R I K A

D I E N S T

fi ./XV-4
KENNEDY LEGT NEUEN HAUSHALT VOR
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte d$s Budgets 1963/64

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy hat dem amerikanischen
Kongreß am 17« Januar 1963 den neuen Haushalt für das am 1. Juli
beginnende Finanzjahr 1964 vorgelegt, der mit Einnahmen in Höhe
von 86,9 Mrd. Dollar und Ausgaben von 98,8 Mrd. Dollar ein Defizit
von 11,9 Mrd. Dollar aufweist.
In seiner Botschaft an den Kongreß, die auf 1182 Seiten eine
detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Regierungsprogramme im
Finanzjahr 1964 (1963/64) gibt, unterstreicht Kennedy, daß die von
ihm vorgeschlagene Haushalts- und Finanzpolitik "den dringendsten
Erfordernissen unseres Volkes Rechnung tragen, die wirksame Durchführung der Regierungsaufgaben fördern und die die Wachstumsrate unserer Wirtschaft hemmenden Bremsen beseitigen helfen wird. Wir haben nicht zwischen einem Defizit und einem Haushaltsüberschuß zu
wählen, sondern vielmehr zwischen zwei Arten von Defiziten: einem
chronischen Defizit der Trägheit auf Grund eines unzureichenden
wirtschaftlichen Wachstums und einem temporären Defizit auf Grund
eines Steuer- und Ausgabenprogramms, das unsere nationale Sicherheit
gewährleisten, die Wirtschaftstätigkeit beleben, die Steuereinnahmen
steigern und künftige Haushaltsüberschüsse schaffen soll. Die erste
Art von Defizit ist ein Zeichen der Vergeudung und der Schwäche, die
zweite stellt eine Investition in die Zukunft dar. Es ist von größter Wichtigkeit für die kommenden Jahre, daß wir jetzt mutig handeln,
wenn wir für eine ständig steigende Zahl von Arbeitsfähigen mehr
Arbeitsplätze sicherstellen, wenn wir einen höheren Lebensstandard
erreichen und wenn wir weiterhin die von uns innerhalb der Gemeinschaft der freien Welt geforderte führende Rolle ausüben sollen. Ich
bin fest davon überzeugt, daß das in diesem Haushalt niedergelegte
Programm eine richtige Anwendung der fiskalischen Mittel zur Verwirklichung dieser wichtigen Ziele verkörpert".
Beträchtliche ungenutzte Kapazitäten
Kennedy betont, daß sich das wirtschaftliche Klima in den beiden letzten Jahren wesentlich gebessert habe und daß eine weitere
bedeutende Besserung möglich sei. In den beiden vergangenen Jahren
habe die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen um 9 Prozent
zugenommen; die Lohn- und Gehaltszahlungen seien um 10 Prozent und

1

-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
und die Gesellschaftsgewinne um 18 Prozent gestiegen; und es
seien über eine Million neue Arbeitsplätze in der Wirtschaft
geschaffen worden. Dabei sei jedoch das Preisniveau in den USA
mit am stabilsten gewesen, und das Zahlungsbilanzdefizit habe
beträchtlich abgebaut werden können.
Damit, so unterstreicht Kennedy, dürften sich die USA jedoch
nicht zufriedengeben. Im vergangenen Jahr sei die wirtschaftliche
Entwicklung hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und die Kluft
zwischen den tatsächlichen und den potentiellen Leistungen der
Wirtschaft, die sich 1957 zu öffnen begann, sei bisher noch nicht
geschlossen worden. Die ungenutzten Produktionskapazitäten seien
zu groß, Eie Arbeitslosigkeit sei zu hoch, und die Wachstumsrate
bleibe hinter den Möglichkeiten zurück. Die in den vergangenen zwei
Jahren erzielten Fortschritte dürften nicht die Tatsache verschleiern, daß die amerikanische Wirtschaft mehr Arbeitsplätze bereitstellen und mehr Güter erzeugen könne, als dies gegenwärtig der
Fall sei.
Seit mehr als fünf Jahren, so führt der Präsident aus, habe
die Gesamtnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen von Seiten der
Verbraucher und der Unternehmen nicht mehr zur vollen Ausnutzung der
in der Wirtschaft vorhandenen Kapazitäten ausgereicht. Ein wesentlicher Grund hierfür sei in den hohen Steuern und Abgaben - bei
Bund, Einzelstaaten und Kommunen - zu sehen, die gegenwärtig insgesamt über 150 Mrd. Dollar im Jahr ausmachen. Wenn die Wirtschaft
wieder auf Hochtouren laufen solle, dann müsse die die Verbraucherausgaben und die Unternehmerinitiative hemmende Wirkung der Steuern
beseitigt werden. Aus diesem Grunde enthalte der neue Haushalt als
wichtigen Bestandteil ein Steuersenkungs- und Reformprogramm, das
die Wirtschaftstätigkeit beleben und Vollbeschäftigung sowie eine
höhere Wachstumsrate bei stabilen Preisen bringen solle. Wenn auch
die durch eine Senkung der Steuern bewirkte Wirtschaftsexpansion
später zu höheren Haushaltseinnahmen führen werde, so sei die unmittelbare Auswirkung zunächst jedoch ein Einnahmeausfall. Aus diesem
Grunde seien in dem neuen Haushalt auch die Ausgaben stark eingeschränkt worden.
Höhere Aufwendungen für Verteidigung und Weltraumprogramme
Für die Verteidigung und die Weltraumprogramme, so betont
Kennedy, "wo eine falsche Sparsamkeit die nationalen Interessen,
ja selbst das Fortbestehen der USA als Nation ernstlich gefährden
könnte", seien die Ausgabenansätze erhöht worden. Desgleichen seien
auch die Aufwendungen zur Bedienung der Staatsschuld gestiegen. Dagegen sei der Gesamtbetrag der Ausgaben für alle übrigen Programme
mit 29,4 Mrd. Dollar um 300 Millionen Dollar niedriger als in diesem
(Finanz-)Jahr, wobei Erhöhungen bei einzelnen Programmen durch Kürzungen bei anderen ausgeglichen werden.
Der Präsident weist darauf hin, daß bei der Vorlage des neuen
Finanzplanes der Regierung für das Haushaltsjahr 1964 mehr Nachdruck

2

-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Nachdruck auf die Darlegung eines Gesaratzahlungsplanes gelegt
worden ist, der nicht nur die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben
des Bundeshaushalts, sondern auch die Einnahmen und Ausgaben der
Treuhandfonds und anderweitiger Programme ausweist.
GesamtZahlungsplan

Finanzjahr

1962

1963

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich
geschätzt
Gesamteinnahmen einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)

101,9

108,5

112,2

Gesaratausgaben einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)

107,7

116,8

122,5

Defizit einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)

5,8

8,3

10,3

Haushaltseinnahmen

81,4

85,5

86,9

Haushaltsausgaben

87,8

94,3

98,8

6,4

8,8

11,9

Haushaltsdefizit

Keine Inflationsgefahr
Kennedy betont, daß niemand auf Grund des Defizits im neuen
Haushalt Furcht vor einer inflationistischen Entwicklung oder Besorgnisse hinsichtlich der Zahlungsbilanz zu haben brauche. Das Programm für eine stetige Wirtschaftsexpansion und steigende Produktiv]
stehe durchaus im Einklang mit der Aufrechterhaltung einer relativen
Preisstabilität, wie sie bereits in den letzten Jahren bestanden hab
Dies sei von besonderer Wichtigkeit für den Außenhandel. Eine nachhaltige Wirtschaftsexpansion werde sich günstig auf die Inlandsinvestitionen sowie die Produktivität der Industrie auswirken und zusammen
mit den Maßnahmen zum Ausgleich der Zahlungsbilanz zu einer Stärkung
des Dollars beitragen, was von den Freunden der USA im Ausland in
immer stärkerem Maße erkannt werde.
Steuersenkungen und strukturelle Änderungen
Das neue Steuerprogramm, so führt Kennedy aus, bringe eine
beträchtliche ständige Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuersätze sowie verschiedene wichtige strukturelle Änderungen, um die
wirtschaftliche Expansion zu fördern, die Gleichheit in der Besteuerung
zu verbessern und die Steuergesetze Sowie die Verwaltung zu vereinfache
Ein Teil der Steuersenkungen solle bereits dieses Jahr wirksam werden.

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
werden, während eine weitere Senkung der Steuersätze sowie die
strukturellen Änderungen für 19&amp;4 unt* 19^5 vorgesehen seien. Das
gesamte Programm, das er dem Kongreß in Kürze unterbreiten werde,
stelle eine Einheit und einen wichtigen Schritt in den Bemühungen
zur Stärkung und Verbesserung des Steuersystems dar. Unter Zugrundelegung der Einkommen in diesem Jahr dürfte das Steuerprogramm insgesamt für den Steuerzahler eine Entlastung von Petto 10 Mrd. Dollar
bringen. Da diese Steuersenkung jedoch zu einer Beschleunigung der
Wirtschaftsexpansion und damit zu höheren Einkommen und Unternehmergewinnen führen werde, werde innerhalb weniger Jahre ein erhöhter Fluß
an Steuereinnahmen einsetzen.
Haushaltsansätze berücksichtigen Auswirkungen der Steuersenkung
Bei dem Ansatz für die Haushaltseinnahmen, so erklärt Kennedy, se
von der Voraussetzung ausgegangen worden, daß das Bruttosozialprodukt
1963 auf 578 Mrd. Dollar ansteigen werde, wobei diese Zahl einen Mittelwert mit möglichen Abweichungen von 5 Mrd. Dollar nach beiden Seiten darstelle. Dabei seien auch die wirtschaftlichen Auswirkungen
des vorgeschlagenen Steuerprogramms berücksichtigt worden. Die in
diesem Jahr vorgesehenen Steuersenkungen würden insgesamt einen Einnahmeausfall im neuen Haushaltsjahr von 5*3 Mrd. Dollar bringen, der
jedoch, da die zu erwartende Wirtschaftsexpansion eine Einnahmensteigerung bewirken werde, zum Teil wieder ausgeglichen werde, so daß sich
aus dem neuen Steuerprogramm lediglich eine Minderung des Steueraufkommens um netto 2,7 Mrd. Dollar ergeben dürfte. Trotz dieses Steuerausfalls könne jedoch auf Grund des zu erwartenden höheren Bruttosozialprodukts sogar mit einer Zunahme der Einnahmen um 1,4 Mrd. Dollar
im Finanzjahr 1964 feerechnet werden.
Ausgaben stellen ein Minimum dar
Die von ihm vorgeschlagenen Ausgaben, so unterstreicht der Präsident, stellten ein Minimum dar, das zur Erfüllung der dringend notwendigen Aufgaben einer vielseitigen und expandierenden Gesellschaft
in einer Zeit des kalten Krieges unbedingt notwendig sei.

Ausgaben

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
AUSGABEN (Zusammenfassung)

Finanzjahr

1962

Haushaltsausgaben

1963

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich . geschätzt

Nationale Verteidigung
Weltraumforschung und Technik
Zinsendienst

Zwischensumme

51,1
1,3
9,2

53,0
2,4
9,8

55,4
4,2
10,1

61 , 6

65,2

69,7

2,8

2,7

1,1
5,4
1,9

2,9
6,7
2,4
3,3
0,5
4,9
1,4
5,5
2,0

26,8

29,6

29,4

-

0,1

0,4

0,6

0,6

87,8

94,5

0,7
98,8

20,4
2,71,5
0,7
0,4

21 ,8
2,9
0,5
0,9
1,7

22,8
5,2
1,0
0,6
1,5

0,5
25,2

0,5
27,5

0,5
28,4

5,5

4,8

4,7

116,8

122,5

Übrige Programmez
I n t e r n a t i o n a l e Angelegenheiten
Landwirtschaft
Bodenschätze
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und S t ä d t e e n t w i c k l u n g
G e s u n d h e i t s - und Sozialprogramme
Erziehungswesen
Kri e g s v e t e r a n e n
Allgemeine Regierungsausgaben

5,9
2,1
2,8
0,3

4,5

Zwischensumme
Sonstiges
abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Haushaltsausgaben-Gesamtsumme:

5,7
2,5
3,4
0,3
5,6
1,5

5,5
2,2

Treuhandfonds':
Gesundheits- und Sozialprogramme
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und Städteentwicklung
Kriegsveteranen
Andere
Abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Gesamtsumme Treuhandfonds:
Abzüglich interministerielle
Transaktionen

107",7

Gesamtsumme:
-

5

-

Wohin

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Wohin der Haushalts-Dollar rollt
Von jedem Dollar, den der amerikanische Steuerzahler aufgebracht
hat, sind in dem neuen US-Haushalt 55 Cent für die nationale Verteidigung, 4,2 Cent für die Weltraumprogramme, 10,1 Cent für den Schuldendienst, 5 »6 Cent .für die Landwirtschaft, 5»5 Cent für Gesundheitsund Sozialprogramme, 5,4 Cent für Kriegsveteranen-Programme und 14»2
Cent für alle übrigen Regierungsaufgaben zusammen bestimmt. Die zur
Bestreitung der Haushaltsausgaben erforderlichen Mittel werden zu
47 Prozent durch die Einkommensteuer, zu 24 Prozent durch die Körperschaftssteuer, zu 12 Prozent durch die Verbrauchssteuern, zu 10 Prozent
über den Kapitalmarkt und zu 7 Prozent durch andere Einnahmequellen
aufgebracht.
Verteidigung nicht zu Discount-Preisen
Für die nationale Verteidigung fordert Präsident Kennedy 55»4
Mrd. Dollar an. Dieser Betrag liegt um 10 Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres 19&amp;0 und um 2,4 Mrd. Dollar höher als im laufenden Haushaltsjahr. In der Botschaft wird in diesem Zusammenhang auf
die Gefahren hingewiesen, denen sich die freie Welt heute gegenübersieht, und betont, daß es für die Verteidigung keine Discount-Preise
gebe .
Wörtlich erklärt der amerikanische Präsident zum Thema internationale Verteidigung:
"Für die Verteidigung gibt es keine Discount-Preise. Die freie
Welt muß jederzeit darauf vorbereitet sein, den Gefahren eines globalen Atomkrieges, einem begrenzten konventionellen Konflikt und der
heimlichen Guerilla-Tätigkeit entgegenzutreten.
Das Budget des Jahres 1964 führt die Politik der Regierung fort,
die zum Schutz gegen jede dieser Gefahren benötigten flexiblen und
ausgewogenen Streitkräfte aufzustellen und zu stärken und sie zu den
niedrigstmöglichen Kosten auszurüsten und aufrechtzuerhalten. Die gesamten Ausgaben für die nationale Verteidigung werden für das kommende
Jahr auf 56 Mrd. Dollar veranschlagt, wovon 55,4 Milliarden Dollar auf
den Ordentlichen Haushalt entfallen. Dieser Betrag liegt um rund 10
Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres i960 und hat zusammen
mit der Erweiterung des Weltraumprogramms in erster Linie die Ausweitung des Haushalts seit dem Amtsantritt meiner Regierung bewirkt.
j)ie im Budget für 1964 enthaltenen Vorschläge für die nationale
Verteidigung legen - wie in den letzten Jahren - auch weiterhin den
Nachdruck auf:
aine starke strategische Vergeltungsmacht, die einen Überraschungsangriff überstehen und in kontrollierter und flexibler Weise wirksam
gegen den Aggressor zurückschlagen kann. Eine weitere Anzahl von im
Inland stationierten Minuteman-Raketen wird bereitgestellt und in
sicheren und über das Land verteilten Anlagen untergebracht. Sechs

-

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Sechs weitere Polaris-U-Boote werden zur Verfügung stehen, und
die Arbeiten an den verbesserten Ausführungen der Minuteman- und
der Polaris-Raketen werden fortgesetzt}
verbesserte Luft- und Raketen-Verteidigungsstreitkräfte. Unser
Verteidigungssystem für die Bomberabwehr und unser ballistisches
Raketen-Warnsystem werden verstärkt. Große Anstrengungen werden
weiterhin auf die Entwicklung einer Verteidigung gegen Raketen verwendet werden, wozu auch die weitere Erprobung der Nike-Zeus-Raketenabwehrrakete sowie die Anfangsentwicklung der moderneren Nike-X-Boden-Luft-Rakete gehören;
schlagkräftigere und beweglichere konventionelle Erd-, Seeund Luftstreitkräfte, um den Bereich einer nicht-nuklearen Reaktion
auf einen Angriff zu erweitern. Die Bereitstellung konventioneller
Waffen, Ausrüstungen, Munition, Hubschrauber sowie taktischer Jagdund Aufklärungsflugzeuge der Luftstreitkräfte für eine wirksamere
Unterstützung der Erdkampfeinheiten wird beschleunigt werden. Die
Haushaltsansätze sehen 16 einsatzbereite Armeedivisionen, 3 Divisionen und Luftgeschwader des Marinekorps, eine weitere Modernisierung
der Flotte sowie zusätzliche 15 000 Mann für die Armee zur Erprobung
der Konzeption einer Luftangriffsdivision und andere neue Lufteinheiten vor&gt;
6sin Strahlenschutz-Programm der Zivilverteidigung, mit dessen
Hilfe die Chancen, daß ein großer Teil unserer Bevölkerung einen
eventuellen Atomangriff überleben würde, verbessert werden;
Verstärkte Einheiten zur Abwehr der Subversion, um unseren Verbündeten zu helfen, mit kommunistischer Unterwanderung und insgeheim
betriebener bewaffneter Aggression innerhalb ihrer Landesgrenzen fertig zu werden."
3,75 Milliarden Dollar für die Auslandshilfe
In dem Abschnitt der Botschaft, in dem Präsident Kennedy die
internationalen Programme und ihre Finanzierung behandelt, wird auf
die Entschlossenheit der USA hingewiesen, die Sicherheit der freien
Welt weiterhin zu fördern und zu stärken - nicht nur durch die
Verpflichtungen, die die USA zur Verteidigung der Freiheit eingegangen seien, sondern auch durch die Zusicherung, zur wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung der weniger bevorzugten unabhängigen Völker
beizutragen. "Der Angriff des kommunistischen China auf Indien sowie
der anhaltende Kampf Vietnams gegen eine massive, von außen unterstützte bewaffnete Subversion sind die jüngsten Beispiele für die
Notwendigkeit und Bedeutung unserer Unterstützung", heißt es in der
Botschaft wörtlich. "Das ständig zunehmende Tempo der Modernisierung
sowie die wachsenden Bemühungen am Reformen und Selbsthilfe in zahlreichen Nationen verdienen unsere Unterstützung und Förderung."
Die

�"AMERIKA DIENST"
Wenden wir uns jetzt der Welt draußen zu. Noch vor wenigen
Jahren suchte der Kommunismus in Südostasien, in Afrika, in
Osteuropa, in Lateinamerika, ja sogar im Weltraum das Bild eines
einheitlichen, auf sich vertrauenden und sich ausweitenden Imperiums zu vermitteln, das ein träges Amerika und eine sich in
Unordnung befindliche freie Welt immer mehr einengte. Aber heute
würden wohl nur wenige Menschen an ein solches Bild glauben.
In den vergangenen Monaten haben wir erneut die wissenschaftliche und militärische Überlegenheit der Freiheit bekräftigt. Wir
haben unsere Weltraumbemühungen verdoppelt, um sicherzustellen,
daß wir in Zukunft die ersten sind. Wir haben die weitestreichenden
Verteidigungsverbesserungen getroffen, die unser Land jemals in
Friedenszeiten unternommen hat. Und wir haben die Grenzen der
Freiheit von Vietnam bis nach West-Berlin aufrechterhalten.
Aber Beschaulichkeit oder Selbstgefälligkeit können unsere
Sicherheit geneuso gefährden wie die Waffen unserer Gegner. Eine
kurze Atempause ist noch nicht mit Frieden gleichzusetzen. Gefahrvolle Probleme bestehen weiterhin von Kuba bis zum Südchinesischen
Meer. Die Aussichten der Welt verheißen, kurz gesagt, nicht ein
Jahr der Erholung, sondern ein Jahr der Verpflichtungen und der
Möglichkeiten.
Vier besondere große Möglichkeiten zeichnen sich hier ab:
die Atlantische Allianz, die Entwicklungsländer, die neuen chinesisch-sowjetischen Schwierigkeiten und das Bemühen um einen weltweiten Frieden.
Wie steht es erstens um die große Allianz? Das freie Europa
tritt in eine neue Phase seiner langen und glanzvollen Geschichte
ein. Die Ära der kolonialen Expansion ist vorüber, die Ära der
nationalen Rivalitäten schwindet, und eine neue Ära der Interdependenz und der Einheit gewinnt Gestalt. Den alten Marx'sehen Prophezeiungen zum Trotz haben sich die freien Nationen Europas bereitgefunden, zu tun, was kein Eroberer erzwingen konnte: eine einheitliche Zielsetzung und Macht und Politik in jedem Aufgabenbereich
herzustellen.
Seit siebzehn Jahren haben wir diese Entwicklung sowohl politisch als auch wirtschaftlich konsequent unterstützt. Weit davon
entfernt, an dem neuen Europa Anstoß zu nehmen, betrachten wir es
als willkommenen Partner, nicht als Rivalen. Denn der Weg zum Frieden und zur Freiheit der Welt ist noch sehr lang, und es gibt Lasten, die nur vollgültige Partner zu teilen vermögen - in der Vorsorge für die gemeinsame Verteidigung, in der Ausweitung des Welthandels, in der Ausgleichung unserer Zahlungsbilanz, in der Unterstützung der mündig werdenden Nationen, in der Abstimmung politischer
und wirtschaftlicher Direktiven und in der Einbeziehung anderer
Industriestaaten in unsere gemeinsamen Anstrengungen, namentlich
Japans, dessen bemerkenswerte wirtschaftliche und politische Entwicklung in den fünfziger Jahren ihm jetzt gestattet, in der Weltpolitik eine gewichtige konstruktive Rolle zu übernehmen.
Zweifellos

y

�"AMERIKA DIENST"
Zweifellos wird man auch weiterhin den Meinungsverschiedenheiten
mehr Aufmerksamkeit widmen als den Vereinbarungen über künftiges Handeln, während Europa den Übergang von der Unabhängigkeit zu einer
präziser formulierten Interdependenz vollzieht. Doch sind dies ehrliche Differenzen zwischen redlichen Bundesgenossen - und sie treten
tatsächlich konkreter und häufiger unter unseren westeuropäischen
Verbündeten auf als zwischen ihnen und den Vereinigten Staaten. Denn
die freiheitliche Einigkeit hat noch nie auf der Uniformität der Ansichten beruht. Aber nach wie vor herrscht innerhalb dieses Bündnisses
prinzipielle Übereinstimmung in den Grundsatzfragen.
Die erste Aufgabe des Bündnisses bleibt die gemeinsame Verteidigung. Im letzten Monat legten Premierminister Macmillan und ich
Pläne für einen neuen Abschnitt unserer langjährigen gemeinschaftlichen Bemühungen fest, wobei es darum geht, bei der umfassenderen Aufgabe des Aufbaus einer gemeinsamen Kernwaffenverteidigung für die
gesamte Allianz Hilfestellung zu leisten.
In der Vereinbarung von Nassau wird anerkannt, daß die Sicherheit des Westens unteilbar ist und daß wir dementsprechend unsere
Verteidigung einrichten müssen. Aber sie stellt auch fest, daß unser
Bündnis ein Bündnis stolzer und souveräner Nationen ist, das am besten
funktioniert, wenn wir dies nicht vergessen. Sie stellt ferner fest,
daß die Kernwaffenverteidigung des Westens keine Angelegenheit ist, für
die nur die gegenwärtigen Atommächte allein zuständig sind, daß Frankreich demnächst eine solche Macht sein wird und daß wir - ohne die Risiken der Kernwaffenausbreitung zu vergrößern - Wege finden müssen, um
die Mitwirkung unserer anderen Partner bei der Planung, Bemannung und
Leitung einer wirklich multilateralen Kernwaffenstreitmacht innerhalb
eines sich immer enger gestaltenden NATO-Bündnisses zu verstärken.
Schließlich stellt das Übereinkommen von Nassau fest, daß die Kernwaffenverteidigung nicht ausreicht, daß die vereinbarten NATO-Ziele für
die konventionellen Streitkräfte verwirklicht werden müssen und daß die
NATO-Bündnispartner äs nicht darauf ankommen lassen dürfen, in eins
Lage zu geraten, in der sie jede Drohung nur noch mit Kernwaffen oder
aber überhaupt nicht beantworten könnten.
Wir stehen den Entscheidungen von Nassau noch zu nahe und sind von
ihrer endgültigen Verwirklichung noch zu weit entfernt, um sagen zu
können, welchen Platz sie in der Geschichte einnehmen werden. Ich
glaube jedoch, daß die nukleare Verteidigung zum ersten Mal angefangen
hat zu einer Quelle des Vertrauens statt zu einem Streitobjekt zu werden.
Das nächste dringende Anliegen der Allianz sind unsere gemeinsamen wirtschaftlichen Ziele auf dem Gebiet des Handels und der Expansion. Die amerikanische Nation ist weiterhin um das Defizit in
ihrer Handelsbilanz besorgt, das zwar kleiner geworden ist, aber
trotzdem ein hartnäckiges und unangenehmes Problem bleibt. Wir sind
darüber hinaus überzeugt, daß engere wirtschaftliche Beziehungen

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�"AMERIKA DIENST
Beziehungen zwischen allen freien Nationen für Prosperität und Frieden entscheidend wichtig sind. Weder wir noch die Mitglieder des
Gemeinsamen Marktes sind so reich, daß wir es uns auf die Dauer leisten könnten, landwirtschaftliche Betriebe oder Fabriken vor dem
frischen Wind der ausländischen Konkurrenz abzuschirmen oder die
Handelsbeziehungen mit anderen Nationen der freien Welt einzuschränken. Wenn sich der Gemeinsame Markt jetzt auf Protektionismus und Restriktionen verlegen sollte, würde er seine eigenen Grundprinzipien
untergraben. Die amerikanische Regierung will die ihr vom Kongreß
im vergangenen Jahr übertragene Vollmacht dazu benutzen, um die Ausweitung des Handels auf beiden Seiten des Atlantik und auf der ganzen
Welt zu ermutigen.
Wie steht es nun zweitens mit den Entwicklungsländern und bündnisfreien Nationen? Sie waren, so glaube ich, über den plötzlichen
und geheimen Versuch der Sowjets, Kuba zu einer nuklearen Aggressionsbasis zu machen, und über die anmaßende Invasion Chinas in Indien
überaus bestürzt. Sie sind durch unsere sofortige Hilfe für Indien,
durch unsere über die Vereinten Nationen geleistete Unterstützung
für die Wiedervereinigung des Kongo, durch unser geduldiges Bemühen
um die Abrüstung und durch unsere bessere Behandlung von Bürgern und
Besuchern, deren Hautfarbe zufällig nicht weiß ist, beruhigt. Und
in dem Maße , in dem der alte Kolonialismus schwindet und der Neokolonialismus der kommunistischen Mächte krasser denn je in Erscheinung
tritt, erkennen sie immer klarer, daß es in der Auseinandersetzung
der Welt nicht um die Frage Kommunismus gegen Kapitalismus geht, sondern um die Frage Zwang gegen Entscheidungsfreiheit.
Sie erkennen, daß die Sehnsucht nach Unabhängigkeit in der ganzen
Welt die gleiche ist, ob es sich nun um die Unabhängigkeit von WestBerlin oder von Vietnam handelt. Sie erkennen, daß eine solche Unabhängigkeit allen kommunistischen Ambitionen zuwiderläuft, aber in
Übereinstimmung mit den unsrigen steht, und daß unsere Haltung gegenüber ihren Nöten beweglich und einfallsreich ist, während die Kommunisten sich auf alte Doktrinen und Dogmen stützen.
Dennoch ist es für jedes Land schwer, sich auf eine von außen
kommende oder subversive Bedrohung seiner Unabhängigkeit einzustellen,
wenn seine Energien im täglichen Kampf mit den Kräften der Armut und
Verzweiflung aufgezehrt werden. Es ist wenig sinnvoll für uns, in
Reden und Resolutionen die Schrecken des Kommunismus anzugreifen,
50 Milliarden Dollar pro Jahr zur Verhinderung seines militärischen
Vormarsches aufzuwenden und dann über die Ausgaben - hauptsächlich
für amerikanische Erzeugnisse - zu nörgeln, die weniger als ein Zehntel jener Summe ausmachen und die anderen Nationen helfen, ihre Unabhängigkeit zu festigen und das soziale Chaos zu beseitigen, in dem
der Kommunismus seit je gedieh.
Ich bin stolz - und ich glaube, auch die meisten Amerikaner sind
stolz - auf das gemeinsame Verteidigungs- und Hilfsprogramm, daß
mit Unterstützung beider Parteien unter drei verschiedenen Präsidenten

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�"AMERIKA DIENST"
Präsidenten ausgebaut wurde und das, mit all seinen bekannten
Problemen, wesentlich dazu beigetragen hat, daß nicht ein einziges
der fast 50 Mitglieder der Vereinten Nationen,, die seit dem Ende
des zweiten Weltkrieges ihre Unabhängigkeit gewonnen haben, dem
Kommunismus anheimfiel.
Ich bin stolz auf ein Programm, das dazu beigetragen hat,
Millionen von Menschen an der Front der Freiheit mit Waffen, Nahrung
und Kleidung zu versorgen.
Ich bin besonders stolz darauf, daß dieses Land ein riesiges
gemeinsames Vorhaben für die sechziger Jahre in Angriff genommen hat,
um wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt im gesamten
amerikanischen Raum zu schaffen - die Allianz für den Fortschritt.
Ich unterschätze die Schwierigkeiten nicht, denen wir uns bei
dieser gemeinsamen Anstrengung zusammen mit unseren nächsten Nachbarn
gegenübersehen. Die freien Nationen dieser Hemisphäre haben jedoch in
enger Zusammenarbeit damit begonnen, dieser Allianz Gestalt zu geben.
Durch dieses Programm erhält gegenwärtig jedes vierte Kind im schulpflichtigen Alter in Lateinamerika eine Sonderration an Lebensmitteln
aus unseren Überschußbeständen, wurden ferner 1,5 Millionen Schulbücher
verteilt; und es werden 17 000 Klassenräume erstellt. Es hat dazu beigetragen, Zehntausende von Bauernfamilien auf Grund und Boden anzusiedeln, den sie ihr eigen nennen können. Es hat unsere Nachbarn zu größerer Selbsthilfe und Reformen angeregt - zu fiskalischen, sozialen,
institutionellen und Landreformen. Es bringt Millionen, die bisher
vergessen waren, Heime, Hoffnung und Gesundheit. Die Männer und Frauen
dieser Hemisphäre wissen, daß die Allianz keinen Erfolg haben würde,
wenn sie nur eine andere Bezeichnung für Geschenke aus den Vereinigten
Staaten wäre - und daß sie nur dann Erfolg haben kann, wenn die lateinamerikanischen Staaten selbst ihre ganze Kraft zur Erfüllung dieser Aufgabe einsetzen.
Das gleiche gilt für Afrika, für den Mittleren Osten und Asien.
Wo immer Nationen bereit sind, sich selbst zu helfen, sind wir bereit,
sie beim Aufbau neuer Bollwerke der Freiheit zu unterstützen. Wir kaufen keine Stimmen für den kalten Krieg; wir sind den gefährdeten Nationen zu Hilfe geeilt, und zwar den Neutralen genauso wie unseren Verbündeten. Was wir aber verlangen - und es ist alles, was wir verlangen
- ist, daß unsere Unterstützung so verwendet wird, daß sie größtmöglichen Nutzen bringt, und daß durch nutzlose Streitigkeiten mit
anderen unabhängigen Ländern die eigenen Bemühungen dieser Länder
nicht verzettelt werden.
Trotz aller Erfolge in der Vergangenheit dürfen wir uns um des
weiteren Fortschrittes des gemeinsamen Hilfsprogramms willen mit dem
bisher Erreichten keinesfalls zufriedengeben. Wir haben dieses Programm reorganisiert, um es zu einem wirksameren, schlagkräftigeren
Instrument zu machen, und dieser Prozeß wird in diesem Jahr weiter

�"AMERIKA DIENST"
Aber im Kampf um die Entwicklung der freien Welt werden wir auch
weiterhin "bergan schreiten müssen. Regierungshilfe kann die Punktion
der Privatinvestition, der Ausweitung des Handels, der Stabilisierung
der Rohstoffpreise und vor allem der Eigenbemühungen um die Verbesserung der Verhältnisse nur ergänzen. Der Prozeß des Wachstums geht
stufenweise vor sich - und trägt Früchte erst in einem Jahrzehnt und
nicht in einem Tag. Unsere Erfolge werden weder über Nacht kommen
noch aufsehenerregend sein. Aber wenn diese Programme jemals eingestellt werden sollten, dann würden unsere Fehlschläge in einem
Dutzend Länder auf einen Schlag und mit Sicherheit spürbar sein.
In dem Kampf gegen die Armut dürfen jedoch Geld und technische
Hilfe nicht unsere einzigen Waffen sein. Letztlich ist die entscheidende Anstrengung eine Sache der Zielsetzung - die nicht nur den
Brennstoff des Geldes, sondern die Flamme des Idealismus erfordert.
Und niemand trägt den Geist des amerikanischen Idealismus wirksamer
in die entfernten Winkel der Erde und verleiht unseren Hoffnungen
besseren Ausdruck als das Friedenskorps,
Vor einem Jahr arbeiteten im Friedenskorps noch weniger als
900 Freiwillige, Heute in einem Jahr werden es über 9000 Männer
und Frauen sein, im Alter zwischen 18 und 79» die bereit sind, zwei
Jahre ihres Lebens zu geben, um Menschen in anderen Ländern zu helfen.
Tatsächlich sind es nahezu eine Million Amerikaner, die ihrem
Lande und der Sache der Freiheit in Übersee dienen - eine Zahl, die
kein anderes Volk aufweisen kann. Ohne Frage sollten diejenigen von
uns, die hier in der Heimat bleiben, froh sein, indirekt helfen zu
können, indem sie unsere Hilfsprogramme unterstützen, indem sie den
fremden Besuchern, Studenten und Diplomaten unsere Türen öffnen und
indem sie Tag für Tag sowohl mit Taten als auch mit Worten beweisen,
daß wir ein gerechtes und großherziges Volk sind.
Drittens, was können wir uns von den wachsenden Belastungen und
Spannungen innerhalb des kommunistischen Blockes erhoffen? Hier muß
Hoffnung mit Vorsicht verbunden werden. Denn bei den sowjetisch-chinesischen Meinungsverschiedenheiten geht es um die Mittel, nicht um
die Ziele. Ein Disput darüber, wie die freie Welt begraben werden kann,
ist kein Anlaß, über den der Westen sich freuen kann.
Wenn ein Druck auch noch keinen Bruch bedeutet, so ist es
dennoch klar, daß die verschiedensten Kräfte innerhalb des kommunistischen Lagers am Werke sind, und zwar trotz aller eisernen Disziplin der Reglementierung und trotz aller eisernen ideologischen
Dogmen. Marx ist erneut des Irttums überführt worden, denn es sind
die geschlossenen kommunistischen Gesellschaften und nicht die
freien und offenen Gesellschaften, die den Keim der inneren Auflösung
in sich tragen.
Die

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�AMERIKA DIENST
Die Unordnung innerhalb des kommunistischen Imperiums wurde
noch durch zwei weitere gewaltige Kräfte vergrößert. Eine ist die
historische Kraft des Nationalismus und der Sehnsucht aller Menschen
nach Freiheit. Die andere ist die offenkundige Erfolglosigkeit der
kommunistischen Volkswirtschaften. Denn eine geschlossene Gesellschaft steht den Fortschrittsideen nicht aufgeschlossen gegenüber.
Und auch ein Polizeistaat wird herausfinden, daß er das Wachsen des
Getreides nicht befehlen kann»
Neue Nationen, die aufgefordert werden, zwischen den beiden
konkurrierenden Systemen zu wählen, brauchen nur die Verhältnisse
in Ost- und Westdeutschland, in Ost- und Westeuropa, in Nord- und
Südvietnam zu vergleichen. Sie brauchen nur die Enttäuschung des
kommunistischen Kuba den Verheißungen der Allianz für den Fortschritt
für die westliche Hemisphäre gegenüberzustellen. Und alle Welt weiß,
daß kein erfolgreiches System eine Mauer errichtet, um seine Bevölkerung ein- und die Freiheit auszusperren, und daß die Mauer, die
Berlin teilt, ein Symbol des kommunistischen Versagens ist.
Und als Letztes: Was können wir tun, um aus der gegenwärtigen
Atempause heraus zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen? Ich möchte
wiederum zur Vorsicht mahnen. Ich sehe keine augenfällige Änderung
der Methoden und Ziele der Kommunisten voraus. Wenn aber alle diese
Tendenzen und Entwicklungen die Sowjetunion dazu bewegen können, den
Pfad des Friedens zu wandeln, dann wollen wir ihr zu verstehen geben,
daß alle freien Völker sie begleiten werden. Bis sie sich aber zu dieser Wahl entschließt und bis die Welt ein verlässliches System der
internationalen Sicherheit entwickeln kann, haben die freien Völker
keine andere Wahl, als ihre Waffen griffbereit zu halten.
Unser Land wird deshalb auch weiterhin die beste Verteidigung
der Welt nötig haben - eine Verteidigung, die den sechziger Jahren angemessen ist. Das bedeutet bedauerlicherweise einen steigenden Verteidigungshaushalt, denn es gibt keinen Ersatz für eine ausreichende Verteidigung; und zu Discountladenpreisen ist sie nicht zu haben. Es bedeutet die Aufwendung von über 15 Milliarden Dollar in diesem Jahr.
allein für unsere Kernwaffenrüstung - eine Summe, die etwa ebenso groß
ist wie die Verteidigungshaushalte unserer europäischen Alliierten zusammen *
Aber es bedeutet auch eine verbesserte Luft- und Raketenverteidigung, eine verbesserte zivile Verteidigung, den Ausbau der Einheiten
zur Partisanenbekämpfung und, was von höchster Wichtigkeit ist, die
Schaffung schlagkräftigerer und elastischerer nicht-nuklearer Streitkräfte. Denn Drohungen mit massiven Vergeltungsmaßnahmen mögen vor
kleineren Aggressionen nicht abschrecken - und eine Sperrkette von
Zerstörern in Quarantäne oder eine Division gutausgerüsteter Soldaten
an einer Grenze können unserer wirklichen Sicherheit nützlicher sein
als eine Anhäufung furchterregender Waffen über jede denkbare
Notwendigkeit hinaus.
Unsere

�"AMERIKA DIENST"
Unsere Verpflichtung gegenüber der nationalen Sicherheit ist
jedoch keine Verpflichtung, den Aushau unserer militärischen Einrichtungen ins Unendliche fortzusetzen. Wir tun die Ahrüstung nicht als
einen schönen Traum ab. Denn wir sind davon überzeugt, daß dies
letztlich der einzige Weg ist, die Sicherheit aller ohne Gefährdung
der Interessen des einzelnen zu gewährleisten. Auch verwechseln wir
ehrenhafte Verhandlungen nicht mit Beschwichtigung. So wie wir in
der Verteidigung der Freiheit niemals müde werden, so werden wir auch
niemals das Streben nach Frieden aufgeben.
In diesem Bemühen bedürfen die Vereinten Nationen unserer vollen
und fortdauernden Unterstützung. Wie wertvoll sie im Dienst der Sache
des Friedens sind, zeigte sich erneut in ihrer Rolle bei der Regelung
in Westneuguinea, ihrer Inanspruchnahme als Forum zur Beilegung der
Kuba-Krise und in ihrer Aufgabe bei der Vereinigung des Kongo. Heute
sind die Vereinten Nationen in erster Linie Beschützer der Kleinen
und Schwachen und ein Sicherheitsventil für die Starken. Morgen können
sie den Rahmen für eine Welt des Rechts bilden - eine Welt, in der
keine Nation über das Geschick einer anderen bestimmt und in der die
riesigen Hilfsquellen, die jetzt für Zwecke der Zerstörung genutzt
werden, konstruktiven Zielen dienen.
Mit einem Wort, unsere Gegner mögen also wählen. Entscheiden sie
sich für den friedlichen Wettbewerb, so sollen sie ihn haben. Falls
sie sich darüber klar werden, daß ihre ehrgeizigen Pläne nicht zu
verwirklichen sind - wenn sie erkennen, daß ihre 'Befreiungskriege'
und ihre Wühlarbeit letzten Endes scheitern - wenn sie erkennen, daß
die Akzeptierung einer Inspektion mehr Sicherheit gewährleistet, als
wenn noch mehr Nationen die Möglichkeit gegeben wird, sich in der
schwarzen Kunst der Kernwaffen und des Atomkrieges zu üben - und wenn
sic,so wie wir, tatsächlich willens sind, ihre Energien den großen unvollendeten Aufgaben de:r eigenen Völker, zuzuwenden - dann kann die Übereinstimmung ganz gewiß sehr weite Gebiete umfassen: eine klare Einigung im Falle Berlin, Stabilität in Südostasien, Beendigung der Kernwaffenversuche, neue Sicherungen gegen Überraschungsangriffe oder Angriffe auf Grund eines Irrtums, und endlich auch eine allgemeine und
vollständige Abrüstung.
Denn wir wollen nicht den weltweiten Sieg eines Landes oder
Systems, sondern den weltweiten Sieg des Menschen. Die moderne Welt
ist zu klein, ihre Waffen sind zu zerstörerisch - sie vermehren sich
zu- rasch - und das Übel ist zu groß, als daß irgendeine andere Form
des Sieges in Frage käme.
Die Vereinigten Staaten werden,um dieses Ziel zu erreichen,
auch weiterhin einen größeren Teil ihres Bruttosozialprodukts als
jedes andere Volk der freien Welt aufwenden. Fünfzehn Jahre lang
hat keine andere freie Nation 'sich so viel abverlangt. Durch heiße
und kalte Kriege, durch Rezession und Wohlstand, durch das Atom- und
Weltraumzeitalter hindurch hat das amerikanische Volk weder gezögert,
noch ist es jemals in seinem Glauben ermattet. Wenn es zuzeiten
scheint, als ob unsere Handlungen dazu angetan seien, das Leben anderer zu erschweren, so nur, weil die Geschichte das Leben für uns
alle schwer gemacht hat.
_ ,
B
Schwere
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Schwere Tage müssen aber nicht unbedingt dunkle Tage sein.
Ich glaube, wir leben - was die Sache des Friedens und der Freiheit angeht - in einer stolzen und denkwürdigen Zeit. Wir sind beispielsweise
stolz auf Major Rudolf Anderson, der sein Leben über der Insel Kuba
gelassen hat. Wir neigen uns vor dem Spezialisten James Allen Johnson,
der an der Grenze von Südkorea sein Leben gab. Wir gedenken in Ehrfurcht Sergeant Gerald Pendells, der in Vietnam gefallen ist. Sie
gehören zu den vielen, die in diesem Jahrhundert fern der Heimat für
unser Land gestorben sind. Unsere Aufgabe und die Aufgabe aller
Amerikaner ist es nunmehr, uns ihres Opfers würdig zu erweisen.
Meine Freunde % ich-iSchließe mit einem Wort der Hoffnung. Wir lassen uns durch die augenblickliche Windstille oder den etwas helleren
Himmel über uns nicht einschläfern. Wir wissen um das, was darunter
brodelt, um die Stürme, die in diesem Jahr hinter dem Horizont auf uns
warten. Aber die Winde, die einen Wandel bewirken, scheinen nunmehr
stärker au wehen als" je zuvor - in der kommunistischen Welt ebenso
wie in unserer eigenen. Seit 175 Jahren segeln wir mit diesen Winden
im Rücken und getragen von der Strömung der menschlichen Freiheit.
Wir steuern unser Schiff, erfüllt von Hoffnung, wie Thomas Jefferson
sagte, 'die Furcht hinter uns lassend'.
Auch heute heißen wir diese Winde willkommen - und wir haben allen
Grund zu der Annahme, daß die uns tragende Strömung stark ist. Wir
danken dem allmächtigen Gott, daß er uns durch eine gefährliche Enge
geleitet hat, und erbitten abermals seine Hilfe in unserem Bemühen,
das 'gute Schiff Union' zu steuern."

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi ./ xv -4
KENNEDY LEGT NEUEN HAUSHALT VOR
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte d$s Budgets 1963/64

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy hat dem amerikanischen
Kongreß am 17• Januar 1963 den neuen Haushalt für das am 1. Juli
beginnende Finanzjahr 1964 vorgelegt, der mit Einnahmen in Höhe
von 86,9 Mrd. Dollar und Ausgaben von 98,8 Mrd. Dollar ein Defizit
von 11,9 Mrd. Dollar aufweist.
In seiner Botschaft an den Kongreß, die auf 1182 Seiten eine
detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Regierungsprogramme im
Finanzjahr 1964 0963/64) gibt, unterstreicht Kennedy, daß die von
ihm vorgeschlagene Haushalts- und Finanzpolitik "den dringendsten
Erfordernissen unseres Volkes Rechnung tragen, die wirksame Durchführung der Regierungsaufgaben fördern und die die Wachstumsrate unserer Wirtschaft hemmenden Bremsen beseitigen helfen wird. Wir haben nicht zwischen einem Defizit und einem Haushaltsüberschuß zu
wählen, sondern vielmehr zwischen zwei Arten von Defiziten: einem
chronischen Defizit der Trägheit auf Grund eines unzureichenden
wirtschaftlichen Wachstums und einem temporären Defizit auf Grund
eines Steuer- und Ausgabenprogramms, das unsere nationale Sicherheit
gewährleisten, die Wirtschaftstätigkeit beleben, die Steuereinnahmen
steigern und künftige Haushaltsüberschüsse schaffen soll. Die erste
Art von Defizit ist ein Zeichen der Vergeudung und der Schwäche, die
zweite stellt eine Investition in die Zukunft dar. Es ist von größter Wichtigkeit für die kommenden Jahre, daß wir jetzt mutig handeln,
wenn wir für eine ständig steigende Zahl von Arbeitsfähigen mehr
Arbeitsplätze sicherstellen, wenn wir einen höheren Lebensstandard
erreichen und wenn wir weiterhin die von uns innerhalb der Gemeinschaft der freien Welt geforderte führende Rolle ausüben sollen. Ich
bin fest davon überzeugt, daß das in diesem Haushalt niedergelegte
Programm eine richtige Anwendung der fiskalischen Mittel zur Verwirklichung dieser wichtigen Ziele verkörpert".
Beträchtliche ungenutzte Kapazitäten
Kennedy betont, daß sich das wirtschaftliche Klima in den beiden letzten Jahren wesentlich gebessert habe und daß eine weitere
bedeutende Besserung möglich sei. In den beiden vergangenen Jahren
habe die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen um 9 Prozent
zugenommen; die Lohn- und Gehaltszahlungen seien um 10 Prozent und

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1

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
und die Gesellschaftsgewinne um 18 Prozent gestiegen; und es
seien über eine Million neue Arbeitsplätze in der Wirtschaft
geschaffen worden. Dabei sei jedoch das Preisniveau in den USA
mit am stabilsten gewesen, und das Zahlungsbilanzdefizit habe
beträchtlich abgebaut werden können.
Damit, so unterstreicht Kennedy, dürften sich die USA jedoch
nicht zufriedengeben. Im vergangenen Jahr sei die wirtschaftliche
Entwicklung hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und die Kluft
zwischen den tatsächlichen und den potentiellen Leistungen der
Wirtschaft, die sich 1957 zu öffnen begann, sei bisher noch nicht
geschlossen worden. Die ungenutzten Produktionskapazitäten seien
zu groß, Sie Arbeitslosigkeit sei zu hoch, und die Wachstumsrate
bleibe hinter den Möglichkeiten zurück. Die in den vergangenen zwei
Jahren erzielten Fortschritte dürften nicht die Tatsache verschleiern, daß die amerikanische Wirtschaft mehr Arbeitsplätze bereitstellen und mehr Güter erzeugen könne, als dies gegenwärtig der
Fall sei.
Seit mehr als fünf Jahren, so führt der Präsident aus, habe
die Gesamtnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen von seiten der
Verbraucher und der Unternehmen nicht mehr zur vollen Ausnutzung der
in der Wirtschaft vorhandenen Kapazitäten ausgereicht. Ein wesentlicher Grund hierfür sei in den hohen Steuern und Abgaben - bei
Bund, Einzelstaaten und Kommunen - zu sehen, die gegenwärtig insgesamt über 150 Mrd. Dollar im Jahr ausmachen. Wenn die Wirtschaft
wieder auf Hochtouren laufen solle, dann müsse die die Verbraucherausgaben und die Unternehmerinitiative hemmende Wirkung der Steuern
beseitigt werden. Aus diesem Grunde enthalte der neue Haushalt als
wichtigen Bestandteil ein Steuersenkungs- und Reformprogramm, das
die Wirtschaftstätigkeit beleben und Vollbeschäftigung sowie eine
höhere Wachstumsrate bei stabilen Preisen bringen solle. Wenn auch
die durch eine Senkung der Steuern bewirkte Wirtschaftsexpansion
später zu höheren Haushaltseinnahmen führen werde, so sei die unmittelbare Auswirkung zunächst jedoch ein Einnahmeausfall. Aus diesem
Grunde seien in dem neuen Haushalt auch die Ausgaben stark eingeschränkt worden.
Höhere Aufwendungen für Verteidigung und Weltraumprogramme
Für die Verteidigung und die Weltraumprogramme, so betont
Kennedy, "wo eine falsche Sparsamkeit die nationalen Interessen,
ja selbst das Fortbestehen der USA als Nation ernstlich gefährden
könnte", seien die Ausgabenansätze erhöht worden. Desgleichen seien
auch die Aufwendungen zur Bedienung der Staatsschuld gestiegen. Dagegen sei der Gesamtbetrag der Ausgaben für alle übrigen Programme
mit 29,4 Mrd. Dollar um 300 Millionen Dollar niedriger als in diesem
(Finanz-)Jahr, wobei Erhöhungen bei einzelnen Programmen durch Kürzungen bei anderen ausgeglichen werden.
Der Präsident weist darauf hin, daß bei der Vorlage des neuen
Finanzplanes der Regierung für das Haushaltsjahr 1964 mehr Nachdruck

-

2

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Nachdruck auf die Darlegung eines Gesamtzahlungsplanes gelegt
worden ist, der nicht nur die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben
des Bundeshaushalts, sondern auch die Einnahmen und Ausgaben der
Treuhandfonds und anderweitiger Programme ausweist.
GesamtZahlungsplan

1962

Finanzjahr

1963

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich
geschätzt
Gesamteinnahmen einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)
Gesamtausgaben einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)
Defizit einschließlich
Treuhandfonds (Trust Funds)
Haushaltseinnahmen
Haushaltsausgaben
Haushaltsdefizit

101,9

108,5

112,2

107,7

116,8

122,5

5,8

8,3

10,3

81,4
87,8

85,5

86,9

94,3
8,8

98,8

6,4

11,9

Keine Inflationsgefahr
Kennedy betont, daß niemand auf Grund des Defizits im neuen
Haushalt Furcht vor einer inflationistischen Entwicklung oder Besorgnisse hinsichtlich der Zahlungsbilanz zu haben brauche. Das Programm für eine stetige Wirtschaftsexpansion und steigende Produktive•
stehe durchaus im Einklang mit der Aufrechterhaltung einer relativen
Preisstabilität, wie sie bereits in den letzten Jahren bestanden hab
Dies sei von besonderer Wichtigkeit für den Außenhandel. Eine nachhaltige Wirtschaftsexpansion werde sich günstig auf die Inlandsinvestitionen sowie die Produktivität der Industrie auswirken und zusammen
mit den Maßnahmen zum Ausgleich der Zahlungsbilanz zu einer Stärkung
des Dollars beitragen, was von den Freunden der USA im Ausland in
immer stärkerem Maße erkannt werde.
Steuersenkungen und strukturelle Änderungen
Das neue Steuerprogramm, so führt Kennedy aus, bringe eine
beträchtliche ständige Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuersätze sowie verschiedene wichtige strukturelle Änderungen, um die
wirtschaftliche Expansion zu fördern, die Gleichheit in der Besteuerung
zu verbessern und die Steuergesetze sowie die Verwaltung zu vereinfachen,
Ein Teil der Steuersenkungen solle bereits dieses Jahr wirksam werden.
-

3 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
werden, während eine weitere Senkung der Steuersätze sowie die
strukturellen Änderungen für 19&amp;4 un(* 1965 vorgesehen seien. Das
gesamte Programm, das er dem Kongreß in Kürze unterbreiten werde,
stelle eine Einheit und einen wichtigen Schritt in den Bemühungen
zur Stärkung und Verbesserung des Steuersystems dar. Unter Zugrundelegung der Einkommen in diesem Jahr dürfte das Steuerprogramm insgesamt für den Steuerzahler eine Entlastung von Petto 10 Mrd. Dollar
bringen. Da diese Steuersenkung jedoch zu einer Beschleunigung der
Wirtschaftsexpansion und damit zu höheren Einkommen und Unternehmergewinnen führen werde, werde innerhalb weniger Jahre ein erhöhter Fluß
an Steuereinnahmen einsetzen.
Haushaltsansätze berücksichtigen Auswirkungen der Steuersenkung
Bei dem Ansatz für die Haushaltseinnahmen, so erklärt Kennedy, se
von der Voraussetzung ausgegangen worden, daß das Bruttosozialprodukt
1963 auf 578 Mrd. Dollar ansteigen werde, wobei diese Zahl einen Mittelwert mit möglichen Abweichungen von 5 Mrd. Dollar nach beiden Seiten darstelle. Dabei seien auch die wirtschaftlichen Auswirkungen
des vorgeschlagenen Steuerprogramms berücksichtigt worden. Die in
diesem Jahr vorgesehenen Steuersenkungen würden insgesamt einen Einnahmeausfall im neuen Haushaltsjahr von 5&gt;3 Mrd. Dollar bringen, der
jedoch, da die zu erwartende Wirtschaftsexpansion eine Einnahmensteigerung bewirken werde, zum Teil wieder ausgeglichen werde, so daß sich
aus dem neuen Steuerprogramm lediglich eine Minderung des Steueraufkommens um netto 2,7 Mrd. Dollar ergeben dürfte. Trotz dieses Steuerausfalls könne jedoch auf Grund des zu erwartenden höheren Bruttosozialprodukts sogar mit einer Zunahme der Einnahmen um 1,4 Mrd. Dollar
im Finanzjahr 1 9^4 feerechnet werden.
Ausgaben stellen ein Minimum dar
Die von ihm vorgeschlagenen Ausgaben, so unterstreicht der Präsident, stellten ein Minimum dar, das zur Erfüllung der dringend notwendigen Aufgaben einer vielseitigen und expandierenden Gesellschaft
in einer Zeit des kalten Krieges unbedingt notwendig sei.

Ausgaben

�"AMERIKA DIENST" - V/IRTSCHAFT UND ARBEIT
AUS GABEN (Zusammenfassung)

Finanzjahr

1962

Haushaltsausgaben

1965

1964

in Milliarden Dollar
tatsächlich . geschätzt

Nationale Verteidigung
Weltraumforschung und Technik
Zinsendienst

Zwischensumme

51,1
1,5
9,2

55,0
2,4
9,8

55,4
4,2
10,1

61 ,6

65,2

69,7

2,8
5,9
2,1
2,8
0,5
4,5
1,1
5,4
1,9

2,9
6,7
2,4
5,5
0,5
4,9
1,4
5,5
2,0

2,7
5,7
2,5
5,4
0,5
5,6
1,5

26,8

29,6

29,4

-

0,1

0,4

0,6

0,6

0,7

87,8

94,5

98,8

20,4
2,7-

21,8

22,8

2,9
0,5
0,9
1,7

5,2
1,0
0,6
1,5

Übrige Programme:
I n t e r n a t i o n a l e Angelegenheiten
Landwirtschaft
Bodenschätze
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und S t ä d t e e n t w i c k l u n g
G e s u n d h e i t s - und Sozialprogramme
Erziehungswesen
Kri egsveteranen
Allgemeine Regierungsausgaben
Zwischensumme
Sonstiges
abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Haushaltsausgaben-Gesamtsumme:
Treuhandfonds':
Gesundheits- und Sozialprogramme
Handel und Transportwesen
Wohnungsbau und Städteentwicklung
Kriegsveteranen
Andere
Abzüglich Posten der Rechnungsangleichung
Gesamtsumme Treuhandfonds:

1,5
0,7
0,4

Abzüglich interministerielle
Transaktionen

0,5

0,5

0,5

25,2

27,5

28,4

5,5

4,8

4,7

116,8

122,5

107",7

Gesamtsumme:
-

5

-

5,5

2,2

Wohin

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Wohin der Haushalts-Dollar rollt
Von jedem Dollar, den der amerikanische Steuerzahler aufgebracht
hat, sind in dem neuen US-Haushalt 55 Cent für die nationale Verteidigung, 4»2 Cent für die Weltraumprogramme, 10,1 Cent für den Schuldendienst, 5,6 Cent .für die Landwirtschaft, 5,5 Cent für Gesundheitsund Sozialprogramme, 5»4 Cent für Kriegsveteranen-Programme und 14»2
Cent für alle übrigen Regierungsaufgaben zusammen bestimmt. Die zur
Bestreitung der Haushaltsausgaben erforderlichen Mittel werden zu
47 Prozent durch die Einkommensteuer, zu 24 Prozent durch die Körperschaftssteuer, zu 12 Prozent durch die Verbrauchssteuern, zu 10 Prozent
über den Kapitalmarkt und zu 7 Prozent durch andere Einnahmequellen
aufgebracht.
Verteidigung nicht zu Discount-Preisen
Für die nationale Verteidigung fordert Präsident Kennedy 55*4
Mrd. Dollar an. Dieser Betrag liegt um 10 Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres 1960 und um 2,4 Mrd. Dollar höher als im laufenden Haushaltsjahr. In der Botschaft wird in diesem Zusammenhang auf
die Gefahren hingewiesen, denen sich die freie Welt heute gegenübersieht, und betont, daß es für die Verteidigung keine Discount-Preise
gebe.
V/örtlich erklärt der amerikanische Präsident zum Thema internationale Verteidigung:
"Für die Verteidigung gibt es keine Discount-Preise. Die freie
Welt muß jederzeit darauf vorbereitet sein, den Gefahren eines globalen Atomkrieges, einem begrenzten konventionellen Konflikt und der
heimlichen Guerilla-Tätigkeit entgegenzutreten.
Das Budget des Jahres 1964 führt die Politik der Regierung fort,
die zum Schutz gegen jede dieser Gefahren benötigten flexiblen und
ausgewogenen Streitkräfte aufzustellen und zu stärken und sie zu den
niedrigstmöglichen Kosten auszurüsten und aufrechtzuerhalten. Die gesamten Ausgaben für die nationale Verteidigung werden für das kommende
Jahr auf 56 Mrd. Dollar veranschlagt, wovon 55»4 Milliarden Dollar auf
den Ordentlichen Haushalt entfallen. Dieser Betrag liegt um rund 10
Mrd. Dollar über dem Ausgabenniveau des Jahres 196O und hat zusammen
mit der Erweiterung des Weltraumprogramms in erster Linie die Ausweitung des Haushalts seit dem Amtsantritt meiner Regierung bewirkt.
Bie im Budget für 1964 enthaltenen Vorschläge für die nationale
Verteidigung legen - wie in den letzten Jahren - auch weiterhin den
Nachdruck auf:
sine starke strategische Vergeltungsmacht, die einen Überraschungsangriff überstehen und in kontrollierter und flexibler Weise wirksam
gegen den Aggressor zurückschlagen kann. Eine weitere Anzahl von im
Inland stationierten Minuteman-Raketen wird bereitgestellt und in
sicheren und über das Land verteilten Anlagen untergebracht. Sechs

- 6 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Sechs weitere Polaris-U-Boote werden zur Verfügung stehen, und
die Arbeiten an den verbesserten Ausführungen der Minuteman- und
der Polaris-Raketen werden fortgesetzt}
verbesserte Luft- und Raketen-Verteidigungsstreitkräfte. Unser
Verteidigungssystem für die Bomberabwehr und unser ballistisches
Raketen-Warnsystem werden verstärkt. Große Anstrengungen werden
weiterhin auf die Entwicklung einer Verteidigung gegen Raketen verwendet werden, wozu auch die weitere Erprobung der Nike-Zeus-Raketenabwehrrakete sowie die Anfangsentwicklung der moderneren Nike-X-Boden-Luft-Rakete gehören;
schlagkräftigere und beweglichere konventionelle Erd-, Seeund Luftstreitkräfte, um den Bereich einer nicht-nuklearen Reaktion
auf einen Angriff zu erweitern. Die Bereitstellung konventioneller
Waffen, Ausrüstungen, Munition, Hubschrauber sowie taktischer Jagdund Aufklärungsflugzeuge der Luftstreitkräfte für eine wirksamere
Unterstützung der Erdkampfeinheiten wird beschleunigt werden. Die
Haushaltsansätze sehen 16 einsatzbereite Armeedivisionen, 3 Divisionen und Luftgeschwader des Marinekorps, eine weitere Modernisierung
der Flotte sowie zusätzliche 15 000 Mann für die Armee zur Erprobung
der Konzeption einer Luftangriffsdivision und andere neue Lufteinheiten vor&gt;
ein Strahlenschutz-Programm der Zivilverteidigung, mit dessen
Hilfe die Chancen, daß ein großer Teil unserer Bevölkerung einen
eventuellen Atomangriff überleben würde, verbessert werden;
Verstärkte Einheiten zur Abwehr der Subversion, um unseren Verbündeten zu helfen, mit kommunistischer Unterwanderung und insgeheim
betriebener bewaffneter Aggression innerhalb ihrer Landesgrenzen fertig zu werden."
3,75 Milliarden Dollar für die Auslandshilfe
In dem Abschnitt der Botschaft, in dem Präsident Kennedy die
internationalen Programme und ihre Finanzierung behandelt, wird auf
die Entschlossenheit der USA hingewiesen, die Sicherheit der freien
Welt weiterhin zu fördern und zu stärken - nicht nur durch die
Verpflichtungen, die die USA zur Verteidigung der Freiheit eingegangen seien, sondern auch durch die Zusicherung, zur wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung der weniger bevorzugten unabhängigen Völker
beizutragen. "Der Angriff des kommunistischen China auf Indien sowie
der anhaltende Kampf Vietnams gegen eine massive, von außen unterstützte bewaffnete Subversion sind die jüngsten Beispiele für die
Notwendigkeit und Bedeutung unserer Unterstützung", heißt es in der
Botschaft wörtlich. "Das ständig zunehmende Tempo der Modernisierung
sowie die wachsenden Bemühungen um Reformen und Selbsthilfe in zahlreichen Nationen verdienen unsere Unterstützung und Förderung."
Die

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UM) ARBEIT
Die militärische und wirtschaftliche Unterstützung der USA
für andere Länder wird für das Haushaltsjahr 1964 mit 3,75 Mrd.
Dollar veranschlagt. Dieser Betrag liegt um 100 Millionen Dollar
unter der Summe für das gegenwärtige Haushaltsjahr. Während die
Aufwendungen für die Wirtschaftshilfe um 200 Millionen Dollar auf
2,3 Mrd. Dollar erhöht werden, sollen die Ausgaben für die militärische Auslandshilfe gekürzt werden, Kennedy weist in diesem
Zusammenhang darauf hin, daß die USA hei der Bereitstellung dieser
Mittel sehr selektiv verfahren werden, wobei vor allem solche Projekte und Programme berücksichtigt werden sollen, die für die rasche
Entwicklung von Ländern entscheidend sind, denen bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien Welt Bedeutung zukommt und die die
Bereitschaft und Fähigkeit zum Einsatz ihrer eigenen Hilfsquellen
in wirksamer Weise demonstriert haben.
Kennedy geht in diesem Zusammenhang vor allem auf die Allianzfür den Fortschritt - das Hilfsprogramm für Lateinamerika - ein und
empfiehlt ein Programm, das für diese Länder über 1 Milliarde Dollar
vorsieht. Diese Hilfe soll über das Amt für Internationale Entwicklung, die Interamerikanische Entwicklungsbank, die Export-Import-Bank
und durch das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm erfolgen. Auch
das überaus erfolgreiche Programm des Friedenskorps soll in Lateinamerika
mit Vorrang fortgeführt werden.
Bundesausgaben im Ausland
Kennedy weist in seiner Haushaltsbotschaft weiter darauf hin,
daß bei der Vorbereitung des neuen Budgets alle vorgesehenen Ausgaben,
die sich auf die Zahlungsbilanz auswirken, eine besondere Überprüfung
erfahren hätten. Man sei vor allem bemüht gewesen, die Bundesausgaben
im Ausland zu reduzieren, ohne dabei die Verteidigung der freien Welt
zu gefährden.
A'uf die Kosten der Entwicklungshilfe hinweisend, appellierte Kennedy erneut an die europäischen Länder, einen größeren Kostenanteil zu
übernehmen. Wörtlich heißt es hierzu in der Botschaft:
"Wir werden auch weiterhin nachdrücklich unser Bemühen fortsetzen,
andere Länder, vor allem die europäischen Länder und Japan, zu ermutigen, einen größeren Anteil der Kosten der Wirtschaftshilfe für die
Entwicklungsländer zu übernehmen und die Unterstützung der militärischen Verteidigung innerhalb ihrer eigenen Grenzen zu verstärken..."
Weltraumforschung
Für die amerikanische Raumforschung und Raumfahrt sieht das
Budget eine Erhöhung der Mittel des US-Bundesamtes für Luft- und
Raumfahrt vor, die es ermöglichen soll, das Projekt höchster Dringlichkeit, der Landung eines bemannten amerikanischen Raumschiffes
auf dem Mond, weiter durchzuführen, sowie die vielfältigen Programme

-

8

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Programme für die Entwicklung verbesserter Forschungs- und Nachrichtensatelliten zu verwirklichen. Die Ausgaben für die Raumforschung
und Raumfahrt werden Schätzungen zufolge im Jahr 1964 auf 4,2 Mrd.
Dollar steigen - eine Summe, die um 1,8 Mrd. Dollar über den Ausgaben
des derzeitigen Haushaltsjahres liegt und einen Anstieg von 75 Prozent bedeutet. Durch Konzentration der Kräfte soll vor allem sichergestellt werden, daß die Entwicklung des Apollo-Raumschiffs für den
bemannten Mondflug und der Saturn-Rakete, die das Raumschiff zum Mond
tragen wird, ohne Verzögerung vorangeht.
In, der Botschaft des Präsidenten wird der Erfolg der amerikanischen
Venus-Raumsonde Mariner II als Beispiel für die Fortschritte angeführt,
die die Vereinigten Staaten in der Raumfahrt erzielen konnten. Auch
die Entwicklung weiterer Satelliten für geophysikalische, Astronomische
und meteorologische Forschungen sowie für die Nachrichtenübermittlung
soll mit Nachdruck vorangetrieben werden. Das Budget sieht außerdem
Mittel für Forschungsprojekte vor, durch die die technischen Voraussetzungen für unbemannte Flüge zum Mars und zur Venus sowie für bemannte Raumflüge weiter vervollkommnet werden sollen.
15 Mrd. Dollar für die wissenschaftliche Forschung
Für die wissenschaftliche Forschung und Entwicklung werden in
dem neuen Haushalt 14,953 Mrd. Dollar ausgewiesen; das sind 2,693
Mrd. Dollar mehr als im laufenden Haushaltsjahr und 4*585 Mrd. Dollar
mehr als im Haushaltsjahr 1962. Die amerikanische Bundesregierung stellt
im allgemeinen über zwei Drittel der für diese Zwecke in den USA aufgewendeten Mittel zur Verfügung.
Sofern der Kongreß diesen Ansatz billigt, werden hiervon das Verteidigungsministerium 7,653 Mrd. Dollar, das US-Amt für Luft- und Raumfahrt 4,2 Mrd. Dollar, die US-Atomenergie-Kommission 1,503 Mrd. Dollar,
das Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen 778
Millionen Dollar, die Amerikanische Stiftung für die Wissenschaft 193
Millionen Dollar, das Landwirtschaftsministerium 187 Millionen Dollar
und andere Dienststellen 419 Millionen Dollar erhalten.

* * * * *

- 9 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./XV-4
KENNEDY: DIE US-WIRTSCHAFT AM SCHEIDEWEG

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen Auszüge aus dem
Wirtschaftsbericht, den Präsident
Kennedy am 21. Januar 1963 dem amerikanischen Kongreß vorgelegt hat.

Die Teile des Wirtschaftsberichts Präsident Kennedys, die sich
mit den grundlegenden Zielen der amerikanischen Wirtschaftspolitik
sowie mit den wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Jahre 1963 befassen, haben folgenden Wortlaut:
"Den Bestimmungen des Employment Act von 1946 entsprechend
berichte ich Ihnen heute:
daß die 'wirtschaftliche Lage1 der Vereinigten Staaten im
Jahre 1962 durch stetige Fortschritte auf dem Gebiet der Beschäftigung, der Gütererzeugung und der Kaufkraftsteigerung gekennzeichnet wurde;
daß 'die sich abzeichnenden Trends' für 1 9&amp;3 weitere Fortschritte verheißen;
daß eine noch nachhaltigere Expansion unserer Wirtschaft unbedingt erforderlich ist, um das in dem Gesetz geforderte hohe Niveau
•der Beschäftigung, der Gütererzeugung und der Kaufkraft' zu erreichen und um die seit 1957 vorhandene Lücke zwischen dem''bestehenden
Niveau' und dem für die Durchführung der in diesem Gesetz aufgezeigten Politik 'erforderlichen Niveau' zu schließen;
daß der Kern meines Programms für 19&amp;3 zur 'Verwirklichung
der in dem Gesetz aufgezeigten Politik1 eine umfassende Steuersenkung und Revision ist, die zeitlich und strukturell sorgfältig abgestimmt wurde, um den Fortschritt in Richtung auf eine Vollbeschäftigung und ein schnelleres wirtschaftliches Wachstum zu beschleunigen, während gleichzeitig die Preisstabilität der letzten Monate
erhalten bleibt und die Zahlungsbilanz weiter verbessert wird.

Die
-

1

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Die Lage der Wirtschaft stellt das amerikanische Volk vor
eine Vielzahl von schwierigen Aufgaben. Die Expansion dauerte im
ganzen Jahre 1962 an, wobei die Gesamtlohn- und ;?t'haltssumme,
die Gewinne, der Verbrauch und die Gütererzeugung neue Höchststände
erreichten. Dies strafte die Befürchtungen jener Lügen, die vorausgesagt hatten, daß wir der unheilvollen Kette von Rezessionen, die
immer häufiger unsere wirtschaftliche Expansion unterbrachen 1953/54 nach 45 Monaten der Expansion, 1957/58 nach 35 Monaten der
Expansion, 1960/61 nach 25 Monaten der Expansion - nur mehr eine
weitere hinzufügen würden... Doch die 22 Monate einer stetigen Erholung haben bereits diese traurige Folge unterbrochen, und die Aussichten deuten auf eine weitere Expansion im Jahr 1963 hin.
Aber obwohl die Wirtschaftstätigkeit re?e ist, trachtet das
amerikanische Volk in seinen Bestrebungen doch nach mehr - und das
mit Recht. Denn alle die Fortschritte, die die USA erzielt haben,
bleiben beträchtlich hinter den Möglichkeiten zurück, die die Wirtschaft verheißt - Möglichkeiten, die wir ausschöpfen müssen, um
unseren Wohlstand im eigenen Lande zu heben und der Sache der Freiheit im Ausland zu dienen...
Gerade in den beiden vergangenen Jahren haben die Regierung und
der Kongreß eine Reihe wichtiger Schritte zur Förderung der Erholung
und zur Stärkung der Wirtschaft getan...
Diese Politik ermöglichte 1961 eine schnelle Erholung nach der
Rezession und brachte 1962 eine stetige Expansion - einen Fortschritt,
der die gesamte Wirtschaftstätigkeit auf ein neues hohes Niveau hob.
Die Rekordrate des Bruttosozialprodukts im letzten Quartal des vergangenen Jahres von 562 Mrd. Dollar lag, unter Berücksichtigung
eingetretener Preisveränderungen, um 10 Prozent höher als im ersten
Quartal des Jahres 1961 und um 8 Prozent über dem Höchststand der
letzten Erholungsperiode im zweiten Quartal i960. Der Index der industriellen Produktion lag im vergangenen Monat um 16 Prozent über dem
Tiefststand im Januar 1961 und um 7 Prozent über dem bisherigen
Monatshöchststand vom Januar i960.
,
Diese Produktionsausweitung brachte eine Vielzahl von Verbesserungen bei den Einkommen, auf dem Arbeitsmarkt und bei den Gewinnen mit sich, während das Preisniveau stabil blieb und unsere Zahlungsbilanz sich verbesserte. Im Verlauf der Expansion der Jahre
1961/62
stieg erstens das Personaleinkommen um 46 Mrd. Dollar auf 450
Mrd. Dollar an und lag damit um 12 Prozent über seinem Höchststand
während der vorangegangenen Expansionsperiode. Das Nettoeinkommen
pro Farm erhöhte sich um 330 Dollar, während das Nettoeinkommen
der in der Landwirtschaft Beschäftigten um 800 Millionen Dollar
anstieg. Das Gesamteinkommen der amerikanischen Verbraucher nach
Abzug der Steuern erhöhte sich um 8 Prozent; dies bedeutet für eine
vierköpfige Familie eine Verbesserung des Lebensstandards (unter
Zugrundelegung der Preise von 1962) um 40C Dollar pro Jahr;
erhöhte

�"AMERIKA PIEKST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
erhöhte sich zweitens die Zahl der Beschäftigten in der Industrie um 2 Millionen, während die durchschnittliche wöchentliche
Arbeitszeit in der Industrie von 39»3 auf 40,3 Stunden anstieg*
erreichten drittens die Unternehmergewinne, wie bereits betont
wurde, im Jahre 1Q62 einen Rekordstand von 51 Mrd. Dollar;
blieben viertens die Großhandelspreise außerordentlich stabil,
während die Verbraucherpreise lediglich um 1,1 Prozent pro Jahr anzogen - kein anderes großes Industrieland der Welt, Kanada ausgenommen,
kann sich einer größeren Preisstabilität erfreuen;
verbesserte sich fünftens die Wettbewerbslage, was zusammen mit
einer engeren internationalen Zusammenarbeit auf finanziellem Gebiet
und umfassenden Maßnahmen zur Einschränkung der Devisenkosten der Verteidigung, der Entwicklungshilfe sowie anderer Programme zu einer wesentlichen Verringerung unseres Zahlungsbilanzdefizits - von 3»9
Mrd. Dollar im Jahre i960 auf 2,5 Mrd. Dollar im Jahre 1961 und etwa
2 Milliarden Dollar jetzt, im Jahre 1962 - beigetragen hat.
Ausblick für 1 963
Die Aussichten für eine anhaltende mäßige Expansion im Jahre 1963
sind jetzt günstig:
1. Die Investitionen der Wirtschaft dürften, zum Teil infolge
des Anreizes, den die Abschreibungsreform vom vergangenen Jahr und
die Steuerstundung bei Investitionen gaben, sowie auf Grund der Aussicht auf eine baldige Steuersenkung und -reform, im Jahre 1963 insgesamt zumindest leicht ansteigen.
2. Der Wohnungsbau sollte etwa den Stand des Jahres 1962 halten.
3. Die Regierungskäufe - der Bundesregierung, der Einzelstaaten
sowie der Kommunen zusammengenommen - dürften um jeweils 2 Mrd. Dollar
pro Quartal steigen.
4

4. Die Verbraucherkäufe dürften sich in dem durch die Erfolge
der Wirtschaft sowie durch Regierungsmaßnahmen gesetzten Rahmen ausweiten.
Diese Aussichten lassen - unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen Steuersenkung - einen Ansatz des Bruttosozialprodukts für 1963
mit 578 Mrd. Dollar berechtigt erscheinen, wobei diese Zahl als Mittelwert eines 10-Mrd.-Dollar-Bereichs zu betrachten ist.
Ich rechne nicht mit einer fünften Nachkriegsrezession, die unseren Fortschritt im Jahre 1963 aufhalten würde. Es ist nicht die
Angst vor der Rezession, sondern es sind vielmehr fünf Jahre einer zu
großen Arbeitslosigkeit, ungenutzte Kapazitäten und rückläufige Gewinne - und die daraus resultierende Drosselung unserer Wachstumsrate -

-

3 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Wachstumsrate -,welche die Steuersenkung und -reform zu einer so
dringenden Sache machen. Die wirtschaftliche Expansion im Jahre
1963 wird, soweit dies einigermaßen abzusehen ist, die Wirtschaft
weit hinter dem hohen Stand der maximalen Beschäftigung, Produktion
und Kaufkraft zurückbleiben lassen, den der Employment Act vorsieht...
Die Wiedergesundung, die kurz nach meiner Amtsübernahme vor zwei
Jahren eingeleitet wurde, hängt jetzt in einem Augenblick der Entscheidung in der Schwebe. Ich glaube nicht, daß das amerikanische
Volk lediglich damit zufrieden sein wird - oder sollte -, neue
Rekorde aufzustellen. Die private Initiative und die Politik des
Staates müssen Hand in Hand arbeiten, um die Hindernisse einzureißen, die in den Jahren nachlassender Wirtschaftstätigkeit seit
1957 aufgebaut wurden, und die Nation in eine neue Periode stetiger
Vollbeschäftigung und raschen wirtschaftlichen Wachstums zu führen.
Dies kann nicht über Nacht erreicht werden, aber es ist zu schaffen,
Das Haupthindernis auf dem Wege zur Vollbeschäftigung ist eine unrealistisch schwere Steuerlast. Die Zeit ist gekommen, diese zu
besei tigen...
Steuersenkung und -reform im Jahre 196$
Lassen Sie mich
fiskalische Klugheit
kung fordern, selbst
größer wird -, warum
stehende Weg ist, um

darlegen, warum in der heutigen Wirtschaft
und Verantwortungsbewußtsein eine Steuersenwenn dadurch zeitweilig das Haushaltsdefizit
die Steuersenkung der beste uns zur Verfügung
die Staatseinkünfte zu erhöhen.

Wir haben nicht die Wahl - wie dies manchmal übermäßig vereinfacht dargestellt wird - zwischen Steuersenkung und Defizit auf der
einen und einem durch kluge Haushaltsgebarung spielend ausgeglichenen Budget auf der anderen Seite... Wenn wir in die Rezession hineinschlittern sollten, weil wir keine Entscheidung über die Steuern
getroffen haben, dann wäre das Haushaltsdefizit im nächsten Jahr ohne
Steuersenkung größer als das zu erwartende Defizit mit Steuersenkung.
Tatsächlich könnte eine neue Rezession alle Rekorde von Defiziten
in Friedenszeiten brechen. Und wenn wir versuchen sollten, den Ausgleich des Haushalts durch drastische Kürzung der Ausgaben zu erreichen - notwendigerweise auf Kosten der Verteidigung und anderer lebenswichtiger Programme -, würden wir nicht nur die Sicherheit unseres
Landes gefährden, sondern wir würden auch Nachfrage, Produktion und
Beschäftigungsstand so herabdrücken, daß das Steueraufkommen sinken
und der Regierungshaushalt erst recht ins Defizit geraten würde.
Dies zu versuchen, verbietet sich daher von selbst.
Solange wir also nicht die volle Prosperität mit den daraus
resultierenden, den Haushalt ausgleichenden Staatseinnahmen wiederhergestellt haben, liegt unsere Wahl in der Praxis nicht zwischen
Defizit und Überschuß, sondern zwischen zwei Arten von Defiziten:
zwischen einem Defizit aus Verschwendung und Schwäche heraus und
einem Defizit, dem wir ausgesetzt sind, während wir unsere künftige
Stärke aufbauen...
S o la n ge

- 4 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Solange wir in großer Zahl Arbeiter ohne Arbeitsplätze und
Produzenten ohne Absatzmärkte haben, werden wir als Nation
immer
wieder in ein Defizit der Trägheit und der Schwäche geraten. Wenn
wir jedoch statt dessen das Defizit als Nebenprodukt unserer positiven
Steuerpolitik zur Expansion unserer Wirtschaft vorübergehend erhöhen,
dann wird sich dies als eine Quelle der Stärke und nicht als ein Zeichen der Schwäche auswirken...
In dem Maße, in dem die Wirtschaft zur Vollbeschäftigung zurückkehrt, wird das Budget zu einem konstruktiven Gleichgewicht zurückfinden .
Dies wäre natürlich nicht der Fall, wenn wir laufend die Grenzen
unserer Produktionskapazität anspannten, wenn die durch die Steuersenkung freigewordenen Dollar auf starre Engpässe in der Industrie
und bei den Facharbeitern stoßen würden. Dann würde eine Steuersenkung eine offene Einladung für die Inflation, für eine neuerliche
Lohn-Preis-Spirale sein und unsere mühsam erreichte Besserung der
Zahlungsbilanz gefährden. Wir haben heute jedoch nicht nur brachliegende Arbeitskräfte und ungenutzte Produktionskapazitäten,
auch neue, zusätzliche Arbeitskräfte und Produktionskapazitäten vergrößern ständig unser Produktionspotential. Wir verfügen über eine
Wirtschaft, die voll und ganz in der Lage und bereit ist, auf den
Anreiz einer Steuersenkung zu reagieren.
Wege zu rascherem Wachstum
Das von mir umrissene Steuerprogramm erstreckt sich über drei
Jahre. Seine belebenden Auswirkungen werden jedoch noch viel länger
spürbar sein. Denn der Preis langanhaltender abgeschwächter Wirtschaftstätigkeit ist unter anderem langsames Wachstum. Eine Wirtschaft,
die nicht in der Lage ist, ihr Produktionspotential voll zu nutzen,
sieht keine Notwendigkeit, dieses rasch zu erhöhen. Der Investitionsanreiz wird von dem Gewicht der Überkapazität erdrückt. Der Mangel
an Arbeitsplätzen verlangsamt das Anwachsen der Beschäftigtenzahl.
Wenn eingeschränkte Märkte, Arbeitsmöglichkeiten und Anreize den Umfang der Anstrengungen und des Einfallsreichtums einengen, dann
blühen defensive, restriktive Praktiken - angefangen von Manipulationen mit Arbeitskräften bis zu Marktabsprachen. Wenn jedoch die
Wirtschaft aus der Lethargie der vergangenen fünf bis sechs Jahre
erwacht, dann wird schon das Ende der abgeschwächten Wirtschaftstätigkeit zu einem rascheren Wachstum führen. Die Vollbeschäftigung wird
den Würgegriff restriktiver Praktiken lockern und das Tor zu Neuerung
und Wandel weiter öffnen.
Wenn auch Programme zur vollen Nutzung vorhandener Hilfsquellen
der unbedingt notwendige erste Schritt einer positiven Politik für
ein rascheres Wachstum sind, so ist es doch nicht zu früh, andere
Programme zur Stärkung der der Wachstumskapazität der Nation zugrunde
liegenden Hilfsquellen voranzutreiben. Niemand zweifelt daran, daß
die Grundlagen der wirtschaftlichen Größe Amerikas in der Erziehung,
Ausbildung und Anpassungsfähigkeit unserer Bevölkerung und in unserer
fortschrittlichen und fortschreitenden industriellen Technik liegen.
Tief

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Tief verwurzelte Grundlagen lassen sich nicht über Nacht erneuern
und verbreitern. Aber die Erreichung der nationalen wirtschaftlichen
Zielsetzung ist auch nicht eine Aufgabe für heute oder morgen, für
dieses oder das nächste Jahr. Wenn wir nicht jetzt etwas tun, um die
menschlichen und materiellen Grundlagen für das Wachstum zu verstärken,
dann werden wir später in diesem Jahrzehnt und im nächsten den Preis
dafür in Form eines langsameren Wachstums bezahlen müssen. Wir müssen
also jetzt beginnen.
Die Bundesregierung ist bereits die Hauptquelle der finanziellen
Unterstützung für Forschung und Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Die meisten Mittel, die gegenwärtig für Forschungszwecke aufgewendet werden, fließen über das Verteidigungsministerium, das Bundesamt für Luft- und Raumfahrt und die Atomenergie-Kommission an private
Unternehmen...
Da eine steigende Produktivität eine Hauptquelle wirtschaftlichen
7/achstums ist und Forschung und Entwicklung wiederum notwendige Quellen
des Produktivitätszuwachses sind, muß die Bundesregierung meiner Meinung nach jetzt damit beginnen, das Gleichgewicht im Einsatz der wissenschaftlichen Kräfte wiederherzustellen. Zu diesem Zweck werde ich
eine Anzahl von Maßnahmen vorschlagen, um die zivile Forschung und
Entwicklung zu fördern und die Nebenprodukte der militärischen und
der Weltraumforschung der zivilen Industrie leichter zugänglich zu
machen. Zu diesen Maßnahmen gehören:
1. Schaffung eines bundesstaatlich-einzelstaatlichen technischen
Beratungsdienstes;
2. neue Mittel und Wege, um der zivilen Industrie die Nutzung
der Ergebnisse der von der Regierung finanzierten Forschung
zu erleichtern;
3. Unterstützung der industriellen Forschung und Entwicklung und
der technischen Informationsdienste auf selektiver Basis;
4. Unterstützung von Forschungsverbänden der Industrie;
5. Anpassung der Einkommensteuergesetze, um den Firmen einen
zusätzlichen Anreiz für Investitionen in Forschungseinrichtungen zu geben;
6. Anreize für die Ausbildung von Forschungspersonal der Industrie
an Universitäten...
Die Geschichte wird die amerikanische Verpflichtung zu einer umfassenden Erziehung einmal als einen unserer größten Beiträge zur Zivilisation werten. In immer stärkerem Maße häufen sich auch eindrucksvolle Beweise dafür
daß die Erziehung und Ausbildung eine der am
tiefsten reichenden Wurzeln des wirtschaftlichen Wachstums ist. Durch
ihre direkten Auswirkungen auf die Qualität und Anpassungsfähigkeit
der arbeitenden Bevölkerung und durch ihre indirekten Auswirkungen
auf den Fortschritt von Wissenschaft und Wissen bildet die Erziehung
letzten Endes die Quelle eines großen Teiles unserer gesteigerten
Produktivität...
_
In

-

6 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
In unserer Gesellschaft muß die Hauptverantwortung für die Bewältigung der erzieherischen Aufgaben und Erfordernisse bei den einzelstaatlichen Regierungen und den Kommunen, bei privaten Institutionen und bei den einzelnen Familien liegen. Aber heute, wo die Erziehung entscheidend wichtig für die Bewältigung von Aufgaben und
Pflichten des Bundes in bezug auf die nationale Sicherheit und das
wirtschaftliche Wachstum ist, bedarf es einer zusätzlichen Unterstützung und Hilfe des Bundes. Die Dollar-Beiträge, die die Bundesregierung leisten würde, sind gering im Vergleich zu den 30 Mrd.
Dollar, die unser Land gegenwärtig für das Erziehungswesen aufwendet;
aber sie sind dringend erforderlich, wenn wir uns die großen Möglichkeiten zunutze machen v/ollen, die vor uns liegen.
In einer Botschaft zum Erziehungswesen, die demnächst unterbreitet wird, werde ich eine Anzahl spezifischer Vorschläge machen. Sie
alle sind dazu bestimmt, unser Erziehungssystem zu stärken. Sie werden
die Qualität verbessern, die Möglichkeiten vergrößern und zur Erweiterung der vorhandenen Kapazitäten führen...
Die Erziehung darf nicht im Klassenzimmer aufhören. In einer expandierenden Wirtschaft steht der arbeitende Mensch vor der Notwendigkeit, seine Kenntnisse fortgesetzt der jeweiligen technischen Entwicklung anzupassen. Der einzelne und der Betrieb haben die Hauptverartwortung für die Umschulung auf sich genommen, die erforderlich ist,
um mit dem technischen Fortschritt gleichauf zu bleiben - und ihre
Fähigkeit hierzu wächst, wenn die Marktlage sich bessert und die Gewinne steigen. Aber die Regierung muß diese privaten Bemühungen unterstützen und ergänzen, wenn den Erfordernissen in vollem Umfang genügt
werden soll.
Um das Wachstum zu erleichtern, müssen wir beständig die Hindernisse abbauen, die der vollen Entfaltung der Möglichkeiten unserer
arbeitenden Bevölkerung im Wege stehen. Eine bessere Unterrichtung
wird hierbei von Nutzen sein - aber es wird noch mehr verlangt. Einrichtungen, die Arbeiter an ihre Arbeitsplätze fesseln oder ein vorzeitiges Eintreten in den Ruhestand fördern, müssen kritisch überprüft
werden. Eine Beendigung der rassischen und religiösen Diskriminierung,
die nicht nur einen Affront gegenüber unseren grundlegenden Idealen
darstellt, sondern auch mit ihrem Leerlauf unsere Wirtschaft belastet,
bietet einen verpflichtenden Beitrag zum Wachstum. Genauso wie wir
bemüht sind, den Anreiz für Investitionen in Sachwerten zu erhöhen,
müssen wir auch bestrebt sein, den Anreiz zur Entwicklung der Fähigkeiten und Möglichkeiten des Menschen und zur Förderung ihres wirksamen Einsatzes zu verstärken.
Es wird nicht einfach sein, die Wachstumsrate in den USA zu steigern. Wir verfügen nicht mehr über eine zahlenmäßig starke Landbevölkerung, die in die Industrie abwandern könnte. Wir haben nicht die
Möglichkeit, aus der im Laufe einer Generation anderswo entwickelten
modernen Technik für uns Kapital zu schlagen. Das einzige uns leicht
erreichbare Wachstum ist ein Wachstum, das dem Erfolg unserer Bemühungen entspringt, der bis 1957 zurückreichenden Periode nachlassender
Wirtschaftstätigkeit "ein Ende zu setzen - dieses Wachstum müssen wir
erreichen, schon weil es nicht zu verantworten ist, daß die amerikanis
Wirtschaft in einer Zeit der Krisen auf zu niedrigen Touren läuft.
Über

�•

"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Über die Vollbeschäftigung hinaus müssen wir uns jedoch auf
die Hauptquellen allen langfristigen Wachstums stützen: auf Menschen,
Maschinen und Wissen. Wir müssen eine Vielzahl von Maßnahmen - sowohl
einfallsreiche wie routinemäßige - ausfindig machen und anwenden, um
unser Volk in die Lage zu versetzen, alle die Verheißungen unserer
Technik und unserer Wirtschaft zu verwirklichen. In einem Rahmen der
Vollbeschäftigung können diese Maßnahmen dazu beitragen, unsere
Wachstumsrate auf vier Prozent und mehr anzuheben, das amerikanische
Volk zu größerem Wohlstand und die freie Welt zu größerer Sicherheit
zu führen."

**..••*

8

-

�EUROPE: KALEIDOSCOPE OR CLOUDED CRYSTAL
Address by
The Honoiable Dean Acheson
at the
University of California
Berkeley, California
Marih 13, 1963

Our neeting today is one postponad by the crisis before lastr In
accordance with the principle of the conservation of energy, so I an told,
nothing is ever lost; though it soi..etlraes seens to ne that it would be
well if sorce things were,. For instance, the address I was to have niade here
appearcd in January in Foreign Affatrs, while the one I was to have niade at
the California Institute of Technology was brought forth at West Point in December with devastating effect upon the regard in which the la^d of my ancestors
had previously held nie. At any rate, afcer the crises of October and January
my two speeches have gone the way of all Speeches* and we raust Start over,
Some of ny dosest friends and severest critics will doubtless observe that,
in order to take a fresh look at the world Situation, I have -- like Lord Nelson -put the telescope to my blind eye In a way they will be right, siace one can
never take a wholly fresh look. External impressions must go through some
brain,
With that caveat, let us have a look, after the high wind of last January,
at the State of well- or ill-being of what has been probably the most long continued, enligbüened, extensive, and en.coessful endeavor in history» What has
been done since the end of the last war, a period of less than twenty years, is
nothing less than tha restoration of allies, friends, and former enemies alike
after shattering experiences, and the building of a Western European-North
American nexue to deal with the woriJ vide dangers and problems of an entirely
new wer Id.
At the outset let me renind you that success has its problems too. Crises
and dlffleultlcfl are with us not because the right policy or action eludes us,
but frem the very nature of human li:e and of the Situation we have faced. The
idea that a right course exists whic&gt;. will prevent difficulties frei arising
or remove them if they do, rests on tue assumption that all is con^trollable
if only we knew how.- But it is not true that all is controllable, or that difficulties cotr.e only from eirors. Thers are times in history when a vise and highly
successful course a^peais to, and often does, result in olmost as m^ny difficulties as it has resolved* A convr'escing patient well on the road to recovery,
may be irri-.atingly cantatikerouj- in asserting his new sense of strength and independence, as well as rerentnent at h"s former dependence. Yet recovery marks
success, not failure..

�-2By ehe January crisis, I mean General deGaulle1s manifesto declaring French
policy, his vetoing of British entry into the Common Market, the Franco-German
Treaty, and his reaffirraation of France's aim for an lndependent nuclear capability, Some American press comment treats these events as a heavy blow to common
policy in Europe, as previously conceived, at least, in this country. Many
voices seem to counsel making what they call compromises with General deGaulle,
since they see his star in the ascendant. This analysis and advlce seem to me
not only thoroughly nistaken, but to be as unfair to General deGaulle as they
are to the United States.
fluch as I disagree with many of General deGaulle's policies and ideas, I
defer to no one in ny admiration of his character, especially his serenity, and
his intelligence. No one, now living and active, occurs to me whose own personallty makes as great, and generally beneficial, an impact on his envlronment as
the General's. That is as good a definition of greatness as I know.
But to advise making a compromise with the General is another matter. It
1s not possible to persuade, bribe or coerce General deGaulle from following a
course upon which he is set. But he can and does in tiroe recognize the inevitable
and adjust his conduct to it, as he did in Algeria. It has been wisely Said
that "the mode by which the inevitable comes to pass is effort." The power of
the United States to shape the inevitable for General deGaulle is immense. To
urge either him or this country to depart from policies in which each deeply
believes does both an injustice, and is a waste of time.
One point of view is that General deGaulle's actions in January presented
Europe and North America with a wholly changed Situation. From another point of
view these events are said to have revealed much, but changed little. Both
views present facets of the truth. The same thing happens when a couple which
has been getting along badly has a blazing public row. It reveals what was
already known, but, perhaps, a little raore — the depth of incompat'bility.
It would be a mistake to press siniles too far. General deGaulle has not
declared war on the Anglo-Saxons, as he calls the British and ourselves. He
has not even proposed that Europe seek a divorce from its marriage to America,
which for twenty years has been one of both convenience and necessity. He has
evidenced a growing distaste for it and a desire for Separation from bed and
board; if not a judicial Separation, at least a judicious Separation.

as
If
he
is
He

Why is this sc? The General may be deeply, indeed tragically, mistaken —
I think he is in this case — but he is neither unintelligent nor sinister.
we are to oj»?ose his course, we must understand it. The convictions on which
is now acting he has held and expressed for some time. The place to begin
with what he said in January as he excluded the British from the Common Market.
began this way:
" . . . The Treaty of Rome was concluded between six Continental states*
As a wholc, these states are, economically
speaking, alike. . . . Because this grouplng and these ties are
sc pronounced what they have to produce, t&gt;t buy, to seil, to consuroe, they prefer to produce, buy, seil, and consume within thelr
own compleX;. This, then, is in accordance with the realities of
the Situation.

�• 3 "Furthernore, it should be added Chat fron the point of
view of their economic development, cheir social progress, and
their technical capacity, they are all in step and march in a
very similar manner. Also, tl.ere is no political disagreement between
them, no boundary questions, no domination or power rivalries. On
the contrary, they are united in the first place because of their
awareness that together they possess a large part of the sources
of our civilization and also wich respect to their security, because they are Continentals and are faced with a Single identical
menace fron one end to the other of their territorial complex.
"In short, they are united because not one of them is tied
to an outside power by any special political or military pact."
Please note carefully the last paragraph. The six nations referred to,
France, Germany, Italy, and the Benelux countries, are united because, he Said,
not one of them is tied to any outside power by any special political or military pact. But all of them are signatories of the North Atlantic Treaty which
provides:
". . . an armed attack against one orraoreof them (the member
states) in Europe or North America shall be considered an attack
against them all; and consequently • . . if such an armed attack
occurs, each of them . . . will assist the Party or Parties so attacked
by taking forthwith, individually and in concert with the other
Parties, such actlon as it doems necessary, including the use of armed
force, to restore and maintain the security of the North Atlantic
area."
Both Great Britain and the United States are signatories of the same treaty.
One would, therefore, suppose it piain that all the signatores were "tied"
to one another by a very "special political (and) military pact." This treaty
had not escaped the General's attention. He simply chose to ignore it, so far
as the six countries were concerned, leaving Great Britain and the United States
as "outside powers" tied by this special relationship.
Then came Britain to alloy this incomposlte unity.
"England, in fact," said the General, "is insular, maritime, linked by its trade, its markets, its supply needs, to the
most diverse and often the most rennte countries. Its activities
are essencially of an industrial and commercial nature and it
carries on very little agricultural activity. All of its activities are characterized by very Singular and distinctive practices
and traditions . . .
"It must be admitted that the entry of Great Britain
first and then that of those states will completely change the
arrangements as a whole . . . . Kence we should envisage the
setting up of another Common Market. But the one that would
be establi*bed, conslsting of eleven countries and later of
thirteen and later, perhaps, of eighteen, would, dbubtless,
bear little resemblance to the one that the six have constructed.

�4~
"Moreover this Community, growing In this manner, would
find itself confronted with all the problems of its economic
relations with a host of otber countries and primarily with the
United States*
"It is to be anticipat?d that this would soon destroy the
coherer.ce existing betwesn all the members, which would be very
numerous;, and that in the final analysis a colossal Atlantic
Community subject to and directed by America would appear, which
would malce short work of absorbing the European Community *
"This is a hypothesis which may be perfectly justifled
in the eyes of some people but that is not at all what France
vadtrö-to' Oft .and what Franct is doing and which rejr-sents an
absolutely European setup."
Here the General comes back again to the basically disqualifying characteristic
of the British applicatton -~ its tondency to involve the Continental eilte with
America. deGaulle's nightnare is the broader American-led Atlantic Community
"which would raake short work of absorbing the European Community.." Soon, again,
he returns to this Obsession.
At Athens the United States gava clear assurances that it would react with
nuclear weapons to a Soviet nuclear attack or to a Soviet conventional attack
which could not otherrlse be resisted. Nevertheless, the General said:
" i &gt; . no one in the world and particularly ho one in America,
can say whether, where, w1 in, how, or to what extent American
nuclear weapons would be uscd to defend Europe. This does not
of course prevent American nuclear arms, which are the most
powcrful of all, from remaining the essential guarantee of world
peace • • • •
"Thus, principles and reallties are in accord in lcading
France to provide itself with an atomic force of its own. This of
course by no means excludes the possibility of the action of that
force being combined with that of simllar forces of its allies.
But, for us, in this Situation, Integration is something that
cannot be imagined . • , «,
"In the Bahamas, the United States and Great Britain
concludel an agreement, and we were asked to adhere to it . • * .
It is a matter of establishing an atomic force, called multilateral
,. • .. This multilateral fcrce would be used to defend Euiope
and would be undar American command of NATO. . . »"
Here it is not the supposed uncertain availabllity of American nuclear
power in the defense of Europe which really bothers the General. Indeed, he
refers to that power as "the essential guarantee of world peace." What the
General finds objectionable is what he calls "the American command of NATO."
What the General says that France w.mts, certainly what he wants, is what he has
called "an absolutely European setup»" Before considering whether this is wise,
possible, or desired by any of France 1 s partners in the Six, let us consider
for a mor.^nt Genera?. deGaulle's con-eption of Europe. For he has one, and it
is not a mere cloak for French parocMftllM or for illusions of "grandeur."

�-5To some che French vcto of che British applicacion was a classic example of
Chose European enmicies againsc which Che Fächer of our CounCry so eloquently
warned us in his Farewell Address:
"Europa," he sald, "has a saC of priraary interests,
which co us have none, or a very remote relacion. Hence,
she must be engaged in frequenC controversies, Che causes
of which are essencially foreign Co our concerns. Hence,
therefore, it must be unwise in us Co implicate ourselves,
by artificial Cies, in che crdinary vicissiCudes of her
policics, or Che ordinary ccnbinations and collusions of
her friendships or enmitieSo"
Far be ic fron ne Co say ChaC enmicies, ancienC or modern, have no effecc
in General deGaulle's thoughcs o&gt;_ decisions. BuC here I do noc chink ChaC he
is motivated by ancienc European entr.ities. Racher, I believe ChaC General
deGaulle is curning General Washington's advice around and givlng ic Co his
European parcners. Only a small paraphrase of Che Farewell Address is necessary
Co state General deGaulle's advice to Europe. "The greac rule of conducc for
us in regard to (non-European) nacicns is Co have wich ehern as liccle policical
conneccion as possible. Why, by incerweaving our desciny in any conneccion
wich Che (United States), entangle cur peace and prospericy in Che Coils of
(American) anbicion, rivalship, inCeresC, humor, or caprice? IC is our crue
policy Co steer clear of permanent allianee with any porCion of Che world
(beyond Europe.)"
This, I Chink, is whaC he is saying«. The quescion remains, why? Why,
in a world where terrestial Space has all buC been eliminaCed, in a Century when
all Europe, combined Co defend icself apainst che chen mosc powerful European
nacion, twice called for che aid of America -- why, now, when Europe has no adequate defense apart from America, should General deGaulle preach so suicidal a
doctrine' If chere is any answer, ic must lie in his coneeption of a Europe
from the AclanCic Co the Urals.
So far as I know, che phrase crops up firsC in 1959, when he observed ChaC
disarmament held no security for France unless ic applied "from che AclanCic
Co che Urals" —• an eminencly sensible idea. On May 31, 1960, it appeared in
a wholly new seteing:
•. . . " , . . it is only in the equilibrium of the universe
Chat one shall find peacer On our old continent the Organization of a Western group, more or less equal to that which
exists in the East, could one day make possible an underStanding (entente) from the Atlantic to the Urals without risking
the independence of anyone.»
,. Then Europe, the whole of it,
no longer cut in two by the ambitions of ideologies . . . shall
again become the home and eeotex of civilization . . . and obligate the great countries wh^ch on other continents march toward
power to take to Cooperation rather than the temptatlons of
war,"

�.6.
By Docenber 29, 1961, enthusiasn and rhetoric
staten:nt thr.t the General would b. syrapathetic to
"major Western powers and Soviet Russia," provided
and that "the discussion be that of reestablishing
of extending Moscow's hold over our kontinent."

had receded to the sober
negotlations between the
the Kremlin ceased its threat
a balance in Europe, not

But by the press Conference of Hay 15, 1962, the idea was again füll blown.
Speaking of three principal goals which he had set for hinseif, he described the
second in this way:
11

• . . To contribute tc the construction of Europe in the
fields of politics, cf defen?a and of economy, so that the expansion and action of this ensemble may aid French prosperity
and security and, at the sane time, re-establish the possibillty
of a European balance vis-a-vis the European Countries."
(On the solidarity betwaen Germany and France depends
not only the security of the two peoples but also) "the destiny
of the whole of Europe, fron the Atlantic to the Ural Mountains;
for if a structure, a f i m , prosperous and attractive Organization, can be created in Western Europe — then there reappear
the possibilities of a European balance with the Eastern states and the
prospect of a truly European Cooperation, particularly if, at
the sane time, the totalitarian regime ceased to poison the
Springs."

�.7In these passages the aGaulle conceptlon of Europe from the Atlantic to the
rais is set out with admirable clarity. It is simply this: resting upon the
olidarity of Germany and France, Westein Europe can becorae so organized and
owerful as to balance the Eastern satellites and European Russia and open the
ossibility of a truly European cooperative System extending from the Atlantic to
he Ural Mountains. This contemplates an internal equilibrium wholly within the
rea. To achieve this equilibrium it is not enough that power factors should not
nvite disequilibrium.n It is necessary that inducements to harmoniKation of
olicies within this Europe outweigh the inducements to conflict. Hov does
eneral deGaulle's Europe meet these criteria?
Some factors support the deGaulle appraisal — the populatlon of NATO Europe
larger than the Six) is slightly larger and, probably, more industrially competent
han that of the Soviet Union; its raw naterial resources and lndustrial productive
otential are as large or larger; its agriculture is infinitely superior. But here
mportant factors shift to the East.
The present armaments of the Soviet part of this Europe, conventional and
uclear, are today so superior to those of Western Europe as to defy any realistic
ope of equalization within this confined area. This is so, not only because of the
uantitative and qualitative disparity, but because no possibility exists within this
roposed society to change this disparity. The Soviet Union is directed by a
lonolithic autocracy, which will not be susceptible to any attempt by General deGaulle
o reduce its power. In Western Europe the difficulty now, and in the future as in
he past, lies in stimulating and coordinating the wills of separate peoples and
;overnments. Each government has its own difficultles; when those are put together,
hey increase geometrically. Western Europe cannot and will not be stimulated within
laullist Europe to increase its power without destroying Gaullist Europe. If the
ieneral attempts to stimulate it, his Russian colleagues will stop it; if they
itimulate it, they will dispose of him -«• and, perhaps more. Gaullist Europe must,
herefore, be a Europe under Soviet hegenony.
The General's partners see this as piainly as we do, and most of them want no
&gt;art of it. Perhaps, some of them, but only a few, nourish the hope, which I discern
iow and then in French official utterances, that they might have the best of both
rorlds by terminating, or attenuating, the American presence in Europe but still
•etaining the guarantee of American defensive protection« This would mean that
:hey would do nothing to face the Russi ins, lnstead of ourselves, with the alternative of resorting to nuclear war to deter the pressure of conventional power, lnstead,
&gt;y the development of a small national nuclear force, they would hope to be able to
letonate ours. Thus, so the argument runs, without the bürden of either conventional
&gt;r nuclear forces of any sise, they could protect themselves from the disconcertingly
&gt;owerful eastern portion of a Europe extending from the Atlantic to the Urals.
If by some such method General deGaulle seeks the best of all worlds, he surely
illocates to the United States the worst. For we would be assigned to defend Europe
lgainst the inevitable consequences of his policy -- domination by the Soviet Union -•
fhlle being excluded from any part or influence in establishing in Western Europe
»hat Genetal Washington called "a respectable defensive posture." Our task under
those circumstances would require the mutual incineration of the Soviec Union and
the United States. It is difficult to conceive of any government in this country
jndertaking so unpromising a commitment, A relatively simple effort by a Western
Surope defense integrated with power of the United States could deny the Soviet
Union conventional superiority in Europe and face it with the necessity to resort
to nuclear war to impose Its will by force.

�B.
So it seems to nie piain that the conceptlon of a Europe from the Atlantic
to the Urals 1s a conceptlon wholly at variance with the North Atlantic Treaty
so long as the Soviet Union maint a:\ns anything like its rpresent purposes
and attitudes. If it should cease to maintain them, the treaty would cease
to be of importance« General deGaulle cannot have both the Europe of his
conceptlon and ths treaty of his corception. Not because he does not want
both, but because ths tisks and ha?ards to the United States under those
circumstances of assuraing the treaty obllgations as he would conceive them
are too great. One would hope that this truth is well and widely understood*
The weakness of General deGaulle's position in the eyes of his European
partners will lie not only in its basic fallacy which we have just examined,
but in the vast difficulty of France's achieving what she must to fulfill
specific portions of the program,, Let us have a brief look at the French
milltary Situation» This requires an entirely new conventional force and
an entirely new nuclear establishment«
The conventional goal is to have at least as large and well armed a
force in Europe as the Gernans have» At present the Germans have twelve
divisions, whlch cculd, and doubtless will, be much better than they are.
They certainly will have more. The French troop uprisings in Algeria, the
O.A.S c , the desertions and trials of senior officers are only the most dramatic lidication that the French array, which since the war has been fighting
losing guerrilla wars in Asia and Africa, taust be reorganized, reraanned,
reofficered, reequipped, and redeployed. This ls not because NATO or Washington wants it, but because it is a pressing necesslty for France. It is
also a lengthy, dlfficult, and very costly process, as German experience
(ahead of France's) has so poignantly reminded us through "Der Spiegel"
affair. General deGaulle must sonetimes be tempted to repeat the Duke of
Wellington's wryly Ironie remark, provoked by a draft of troops sent to him
in the Peninsula, "I don't know what Impression these men may make on the
enemy, but, by God, they terrify ne!"
On top of this heavy and inescapable budget demand, must be imposed
the bill for the nuclear deterrent, the Force de Frappe ••- or, as the
London Economist put it, "Höre Frappe for a Franc." General deGaulle, with
characteristic candor, does not overstate what a French Force de Frappe
could do, but I think he does overestimate its significance»
"It ls perfectly true," he said in January, "that
the quantity of nuclear arms we can furnish ourselves will
far from cqual the mass of those of the two giants of
today . * ..
"In 1945 two bombs, which were elementary, caused the
capitulation of Japan, which could not retaliate . . . The
Frrnr'j atonic force will, from the beginning of its Organization, have the sinister and terrible capaclty to destroy
millions and millions of nen in a few instants,&gt; This fact
cannot but lnfluence, at least somewhat, the intentions of
such a possible aggressor,"

�-9We have nlready discussed the conception of the indepcndent French
forces as a trigger to fire the U.S. Strategie nuclear force; and polnted
out why this idea is unacceptable to us. We nust now consider the Utility
of the force» as the General is doing in the passage quoted, wholly apart
fron any lnvolvement of American Power. All that is claimed ls that it
eould affect the lntentlons of a possible aggressor "at least sonewhat."
In the strict sense of the words this is difflcult and useless to deny. But
the General surely neans more than this. He expects that his force will
have aroeasurableand, indeed, significant deterrent effect* The question is,
will it? And under what circumstances?
The French force can have very little deterrent effect if Its weapons
would have little chance of reaching any targets. When French atoroie war«
heads are developed, they will be borober-bornej therroonuclear ones are not
seheduled until the 1970's andraissilevehicles roay be a long way off.
Moreover, while General deGaulle says modestly that the French force will be
far fron equal to those of elther of the giants, the fact ls that it would
be unlikely to aroount to 27. of elther. This would be no threat to the Sovlet
air force. Indeed, the General clearly thlnks of lt as an anti-clty weapon.
The Chance that so small a force, or any of lt, would be able to penetrate
defenses to populous'Centers ("to destroyrollllonsandroillionsof nen In a
few instants") is not good* The desirability to Soviet Russia of destroylng lt
before it left the ground would be great enough to suggest that, on balance,
the rlsks of destructlon which such a force night pose would be considerally
greater in France than in the Soviet Union.
At any rate, the opportunlty to contrlbute to the creatlon of this
French force would not seem to be over-alluring to France's European neighbors; and the flnancial effort lt would impose upon the French economy
night well reverse the happily strong position which it has only just attalned
after soroanyyears of internal and external strain and draln. The fact of
the matter is that France's nilitary position ls very weak, Indeed, and ls
llkely to renain so for a conslderable period. This is not only unfortunate
for the NATO alliance, but it ls disastrous to any deslgn of General deGaulle
to convince his European nelghbors that he can lead then to any purely Euro«
pean«provided security, or further any such deeply held politlcal purposes
as the Geraan one to protect Berlin and reunlte Germany,
From an even broader point of view, General deGaulle's Europe offers
little promise of elther strength or beneficial contributlon to free world
strength. While the veto of the British application was put primarily on
the danger of the American Trojan Horse, it was also put on the ground of
the differentness of Great Britain from the Continental societles* It was
an Island. It looked outward, llnked by trade with "the most remote countries,
lts "activities . . . characterized by very Singular and distinetive prac«
tices and traditlons," Contrasted with this the General attributes to the
stx contlnental countries a preference "to produce, buy, seil, and consume
within their own conplex." In this contrast General deGaulle was quick to
see a conflict of leadership and conception, deeply rooted in history.

�10Sotne months ago a German friend said to me, "The Six are too parochial
for their owa and the general good&lt;&gt; What we need is an Infusion of salt
watero" When General deGaulle looks bayond the continent, what does he see?
Only forcier French African colonies which he wishes to bring into a Community
for which Britain was too exotic0 Tbc Common Market, like the United States,
is too larga a produetr and consumer to buy, seil, and consume within its own
coraplex, To attenpt this will have tl:e most harmful consequences within its
own area and to the 'ast external area of the free world which must live
by trade with these two great uarkets
American policy toward the Common
Market from its inception has been that such an Arrangement with low external
tariffs and other batriers was good; with high ones, bad. It was welcomed
not as an Instrument to constrict tho trade of Europe within a club under
French hegeraony, but as a new great rarket designed to expar.d trade with a
sense of outward-looking responsibilicies* The Trade Ftpansion Act, passed
in the last Session of the Congress, xs founded on this conception» No one
has stated it better than the father of the Common Market, II« Jean Monnet:
"There are urgent prcblems which neither Europe nor America
can settle alone* These are, to my mind, the monetary stability
0£ the West, the Organization of agriculture in an increasingly
industrial world, help to the developing countries to speed their
growth and, of course, the freeing of trade to be negotiated ba»
tvreen yoursalves and the Comtncn Market" _/
The contrast b..twoen this statemont and the narrow preference for a Europe
seeking an economic existenca within its own complex gives soma measure of
the haim which the announcad policy of the press Conference portends*
In the light of this analysis, what should be the response of the United
States policy to the events of Januaty? To begin with, it should be a calm
response, kaeping a sens« of proport^on, avoiding the acriraonious and spiteful.
It shov-ld not assume, as some of the press has, that all is lost because
General daGaulle has starkly revealed long-Standing Opposition to coamonly
favorcd policy, It should be basci on the knowledge that the General's
Position will not f5.nd favor with our common allies because it is not in
the cornon inte:'e&lt;5ts. It should ras.; on the further fact that tht-, 'Jnited
States is strong, and is regarded as strong by friends and opponer.Cs alike,
while France, though happily much he?.Ithier than recently, is stil1 far from
being a robust leider.. In short, General deGaulle's d&amp;aarche has changed
very little, though it has shown the Intention and capacity to slow some
things up.Our present European defense policy is right and should be continued.
This consists in konstant pressuxe tovard developing a conventional defensive
position which, as it grows in strength, constantly makes clear to rhe Soviets
that to attain their ends by threat or pressure of force increasingly faces
them with rssort to nuclear war«, No doors should be closed to French participation and Cooperation If French attitudes unduly delay or frusttate
agreen»nts through NATO Channels to gat on with the common defense, efforts
should go forward directly with nations able and willing to make pfogress.

*/

Address by -luan Monnet, J •
Award in Naw York.

!-&lt;-&gt; .,-,-• tec»*ving the 1962 freedom

�We should understand that France, because of troubles in Asia and Africa,
has make mighty little contribution for a decade; and, under the best circumstances, eoulq not have been expected to nake much more for another decade«
Furthenriore, whntever is dcne to renal 3 the French a m e d rorces is a necessary
preJ.vde to any effektive participation. Whatever the General does to develop
a nuclear capability he will do anyway, and the less tirne we spend worrying
about it the better.
As for a Strategie nuclear force in Europe, a multinational approach
is the best one in principle. But it does seem to me a waste of time to
chase its distant implications of control and connand to drily logical extremes before there is anything to control or command. Our allies can hardly
have very solid ideas about how they want to partieipate in nuclear defense
until they know something about it. This they have been prevented from
learning by self-defeating, excessive secrecy. These barriers should be
removed. Carefully selected officers and civilians should be given every
opportunity to learn the detailed costs of a nuclear establishment, tt*« intrlcacies of the deployment, protection, targeting, and control of Strategie
nuclear weapons, and something of the Operation of various types of weapons.
If this were done, the discussion of what is popularly called a "NATO" or
"European" nuclear force would be revolutionized. Only then can we hope for
really wise planning with our allies for the coiaaon defense,with the funetion
and deploynent of the various arms de^rmined in relation to the problem
and not to national prestige, pride, er suspicion.
In the political field, the ev nts of January carry a clear and stern
warning of the panalty we pay in out relations with Germany for failure to face
up to unequivocal decisions on policy toward Central Europe and the reunification of Germany. This, of course, lies at the heart of policy toward
Berlin. American and European interests, when seen free from the fog of
Illusion, require reunification within a united Europe, within a closely
knit Atlantic alliance. Since the disastrous Camp David meeting Gernans have
been disturbed over our constant negotii ;ions with the Russians under Russian
threats. Fruitless as they have been, with no real concesslons made, they
seemed to Germans to edge toward increr.sing recognition of the East German
regime; they kept German politics conf &lt;nuously upset and moved German sympathy
toward General deGaulle's support of Oerraan ambitions which is, perhaps,
more strongly stated than unreserved-. Our f lirtation with Moscow, like many
which have no serious purpose, has sueeeeded only in embittering more legitimate relationships. The time has come to stop it and State our intentions
unequivocally,
While the January offensive began on the supposedly economic front, and
did a good deal of damage, I sec no reason why the war should go on there.
The occasion for it all, the British application to the Common Market, is
now in unpredictable limbo. The Five üould gladly, and, in time, might
successfully, overbear France, if British politics were not to intervene and
change the British position. No one can see clearly at present what will
happen. But, if tempers and resenfmerts are not exaeerbated, there should
be enough common interest in important areas to push on in the directions
which M. lionnet has pointrd out«

�In the freeing of trade, the Treaty of Roiae will by 1966 prevent any one
country from blocking a course desired by the others. If we and the Five
move vigorously toward the lowering of barriers into the great markets of
Europe and America, we can shape the sort of inevitabillty whlch General
deGaulle will accept. Recently Mr. Per Jacobsson, the Managing Director of
the International Monetary Fund observed that "perhaps the best thing that
can happen to the underdeveloped countries is the pursuit of active expansionary policies in the more industrial countries" and suggested that this be
done cooperatively through the Fund and the Organization for Economic Coopera»
tion and Development in Paris. M. Ilonnet has urged that the leading financlal countries get on with the closely related task of improving the monetary
stability of the West. Here are endeavors in which General deGaulle can join
without embarrassment or inconsistency. They are whoily in accord with
French interests as he sees them.
In short, January was not a good month. General deGaulle did the West
a bad turn in vetoing the British apilication. He disclosed some long-range
plans which must be opposed and which, if intelligently opposed by pressing
on with better ones, have not much Chance of getting very far. In other
directions there is room and need for Cooperation with him in important work.
The writer of Eccleslastes has told us that there is "a time to every purpose. . ..
a time to break down and a time to build up." January last was, apparently,
a time to break down in the midst of a long time of building up. It did some
damage. It is now time to repair that and get on again with building up.

�A M E R I K A

D I E N S T

i l l g . / X V I - 11
EUROPA: KALEIDOSKOP ODER GETRÜBTER KRISTALL
von
Dean G. Acheson

-

A N S P R A C H E
g e h a l t e n vor d e r U n i v e r s i t ä t von K a l i f o r n i e n

am M i t t w o c h , dem 13« März 19&amp;3
(Wortlaut)

in

Berkeley

�EUROPA I KALEIDOSKOP ODER GETRÜBTER KRISTALL

Unser heutiges Zusammentreffen ist die Nachholung einer Veran»
staltung, die angesichts der vorletzten Krise verschoben worden war.
Nach dem Grundsatz von der Erhaltung der Energie geht, wie ich mich
belehren ließ, nichts je wirklich verloren! manchmal jedoch möchte
ich meinen, es wäre ganz gut, wenn manche Dinge doch verlorengingen«
Die Ansprache beispielsweise, die ich hier halten sollte, erschien
im Januar in "Foreign Affairs", während eine andere, die ich an der
Technischen Hochschule von Kalifornien hätte halten sollen und die
dann in West Point im Dezember von mir vorgetragen wurde, verheerende
Auswirkungen auf die Achtung hatte, die mir das Land meiner Vorfahren
bis dahin entgegengebracht hatte« Jedenfalls sind meine beiden Reden
nach den Krisen vom Oktober und Januar den Weg aller Reden gegangen,
und wir müssen ganz von vorn beginnen»
Einige meiner engsten Freunde und schärfsten Kritiker werden
zweifellos bemerken, daß ich, um einen neuen Blick auf die Weltlage
zu werfen, das Fernrohr • wie Lord Nelson - an mein blindes Auge halte«
In gewissem Sinne werden sie damit recht behalten, denn niemand wird
schon beim zweiten Blick mehr völlig unbefangen sein» Äußere Eindrücke
müssen erst das Hirn passieren«
Eingedenk dieser Vorwarnung wollen wir nun, nach dem Windstoß
vom Januar, einen Blick auf das Wohl oder Wehe dessen werfen, was die
bisher am beharrlichsten fortgesetzte, die weitestblickende, die umfassendste und die erfolgreichste geschichtliche Bestrebung darstellen
dürfte« Was seit Ende des letzten Krieges in einem Zeitraum von noch
nicht einmal zwanzig Jahren bewerkstelligt wurde, ist nicht weniger als
die Wiederaufrichtung von Verbündeten, Freunden und früheren Feinden
nach erschütternden Erfahrungen und der Aufbau einer westeuropäischnordamerikanischen Verbindung mit dem Ziel, den weltweiten Gefahren
und Problemen einer völlig neuen Welt zu begegnen«
Ich

*. 1 -

�Ich darf Sie von vornherein daran erinnern, daß auch der Erfolg
mit Problemen verbunden ist. Krisen und Schwierigkeiten tauchen auf,
nicht weil uns die rechte Politik abgeht oder weil es an richtigen
Maßnahmen mangelt; sie entspringen vielmehr dem ureigenen Wesen
menschlichen Lebens und der Lage, der wir uns gegenüber sehen. Die
Vorstellung, daß ein richtiger Kurs möglich sein müsse, der keine
Schwierigkeiten aufkommen läßt oder diese beseitigt, sobald sie
auftauchen, beruht auf der Annahme, daß alles regelbar ist, sofern
man nur weiß, wie. Es trifft aber nicht zu, daß alles regelbar ist
oder daß Schwierigkeiten nur aus Irrtümern herrühren. Es gibt Zeiten
in der Geschichte, in denen ein weiser und höchst erfolgreicher Kurs
ebenso viele Schwierigkeiten hervorzurufen scheint und oft auch tatsächlich hervorruft, wie er zu beseitigen vermochte. Ein Rekonvaleszent
auf dem Weg der Besserung kann sehr wohl in lästiger und streitsüchtiger
Weise auf sein neues Gefühl der Stärke und Unabhängigkeit pochen und
dabei gleichzeitig nichts mehr von seiner früheren Abhängigkeit wissen
wollen. Und doch ist die Genesung ein Zeichen von Erfolg und nicht von
Mißerfolg.
Mit der Januar-Krise meine ich die Erklärung General de Gaulles
zur französischen Politik, sein Veto gegen den Beitritt Großbritanniens
zum Gemeinsamen Markt, den deutsch-französischen Vertrag und die Bekräftigung des Strebens Prankreichs nach einem unabhängigen nuklearen
Potential. Verschiedene amerikanische Pressekommentare werten diese
Ereignisse als einen schweren Schlag für eine gemeinsame Politik in
Europa, wie man sie vorher, zumindest in unserem Land, ins Auge gefaßt
hatte. Viele scheinen den Ratschlag zu geben, mit General de Gaulle,
wie man es nennt, Kompromisse zu schließen, da sie seinen Stern als
im Steigen begriffen erachten. Diese Lagebeurteilung und diese Ratschläge scheinen mir nicht nur von Grund auf irrig, sondern gegenüber
General de Gaulle wie auch gegenüber den Vereinigten Staaten unfair
zu sein.
So sehr ich auch vieles an der Politik und den Ideen General
de Gaulles mißbillige, so stehe ich doch in meiner Bewunderung für
seinen Charakter, besonders seine Gelassenheit, und seine Intelligenz

2

-

�Intelligenz hinter niemandem zurück. Ich wüßte keinen unter den derzeitig Lebenden und Tätigen, dessen Persönlichkeit einen so großen
und im allgemeinen wohltuenden Eindruck auf seine Umgebung macht wie
die des Generals.

Das ist die beste mir bekannte Definition von Größe,

Zu Kompromissen mit dem General zu raten, ist eine andere Sache,
General de Gaulle ist weder durch Geld, gute V/orte noch Zwang von
einem Kurs abzubringen, den er einmal eingeschlagen hat. Er vermag
aber sehr wohl im rechten Zeitpunkt das Unvermeidbare zu erkennen und
sein Verhalten darauf abzustellen, und er tut dies auch, wie Algerien
zeigte, Es geht das kluge Wort, die beste Methode, das Unvermeidbare
herbeizuführen, sei die Anstrengung. Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, das Unvermeidbare für General de Gaulle zu gestalten, ist gewaltig.
Ihn oder unser Land zur Preisgabe von politischen Konzeptionen drängen
zu wollen, an die beide fest glauben, wäre sowohl ungerecht als auch
ZeitVerschwendung.
Eine Ansicht besagt, der Schritt General de Gaulies vom Januar
habe Europa und Nordamerika vor eine gänzlich veränderte Lage gestellt.
Einer anderen Ansicht zufolge sollen diese Geschehnisse viel enthüllt,
aber wenig geändert haben. Beide Ansichten sind Facetten der Wahrheit,
Es ist nichts anderes passiert, als daß ein Ehepaar, das seit langem
schlecht miteinander auskommt, einen lautstarken Streit in aller
Öffentlichkeit ausgetragen hat. Er enthüllt nur, was ohnehin schon bekannt war, vielleicht aber auch ein bißchen mehr - die Tiefe der Gegensätzlichkeiten •
Es wäre falsch, die Parallelen zu weit zu ziehen, General de
Gaulle hat den Angelsachsen, wie er die Briten und uns nennt, nicht
den Krieg erklärt. Er hat noch nicht einmal vorgeschlagen, daß Europa
die Scheidung seiner Ehe mit Amerika beantragen solle, die zwanzig
Jahre hindurch eine Verbindung aus Gründen der Bequemlichkeit und
Notwendigkeit war. Er hat eine zunehmende Abneigung für sie dokumentiert und den Wunsch nach Trennung von Tisch und Bett; wohl keine
juristische Scheidung, zumindest aber eine Trennung aus Vernunftgründen.
Weshalb

�Weshalb ist das so? Der General mag in einem tiefen, ja tragischen Irrtum befangen sein - wie meiner Meinung nach in diesem Falle - t
aber er ist weder unintelligent noch böswillig. Wenn wir uns seinem
Kurs widersetzen, müssen wir ihn zuerst verstehen. Die Überzeugungen,
nach denen er jetzt handelt, hat er bereits seit geraumer Zeit gehegt
und zum Ausdruck gebracht. Der Punkt, an dem wir ansetzen müssen, ist
seine im Januar abgegebene Erklärung, als er die Briten vom Gemeinsamen
Markt ausschloß, Er begann folgendermaßen:
"...Der Vertrag von Rom wurde zwischen sechs kontinentalen
Staaten geschlossen - Staaten, die, wirtschaftlich betrachtet,
gleich geartet sind ...Wenn man sie so zusammenfaßt und miteinander verbindet, daß das, was sie produzieren, kaufen, verkaufen
und verbrauchen, vorzugsweise in ihrem eigenen Verband produziert,
gekauft, verkauft und verbraucht wird, so entspricht das den wirklichen Gegebenheiten.
Hinzu kommt außerdem, daß sie sich hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, ihres sozialen Fortschritts und ihrer
technischen Fähigkeiten alle im Gleichschritt befinden und in sehr
ähnlicher Weise vorgehen. Ferner gibt es zwischen ihnen keinerlei
politische Streitfragen, keine Grenzprobleme und keine Herrschaftsoder Machtrivalitäten. Im Gegenteil, sie fühlen sich solidarisch
vor allem in dem Bewußtsein, einen bedeutenden Teil der Quellen
unserer Zivilisation gemeinsam zu besitzen, und hinsichtlich
ihrer Sicherheit auch deshalb, weil sie Kontinentalstaaten sind
und sich vom einen Ende ihres Gesamtgebiets zum anderen ein und
derselben Bedrohung ausgesetzt sehen.
Schließlich sind sie solidarisch auf Grund der Tatsache, daß
keiner von ihnen nach außen hin durch irgendeinen politischen oder
militärischen Sondervertrag gebunden ist."
Widmen Sie bitte dem letzten Absatz besondere Aufmerksamkeit. Die
sechs Länder, von denen hier die Rede ist - Frankreich, Deutschland, Italien und die Benelux-Staaten -, sind solidarisch, weil, wie er sagt,
keines von ihnen nach außen hin durch irgendeinen politischen oder

- 4 -

�oder militärischen Sondervertrag gebunden ist. Aber sie gehören sämtlich zu den Signatarstaaten des Nordatlantikpaktes, der bestimmt
"...daß ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere von
ihnen (den Vertragspartnern) in Europa oder Nordamerika als
ein Angriff gegen sie alle angesehen wird; sie vereinbaren daher,
daß im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jeder von ihnen ...
dem Vertragsstaat oder den Vertragsstaaten, die angegriffen werden,
Beistand leistet, indem jeder von ihnen unverzüglich für sich
und im Zusammenwirken mit den anderen Vertragsstaaten die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft,
die er für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wieder herzustellen und zu erhalten."
Sowohl Großbritannien als auch die Vereinigten Staaten sind Signatarstaaten desselben Vertrages. Demnach sollte man meinen, es sei klar,
daß sämtliche Signatarstaaten durch eben diesen "politischen (und)
militärischen Sondervertrag" aneinander "gebunden" sind. Dieser Vertrag
ist der Aufmerksamkeit des Generals nicht entgangen. Er zog es einfach
vor, ihn zu ignorieren, soweit die sechs Länder angesprochen waren, und
dafür Großbritannien und den Vereinigten Staaten die Rolle von "nach
außen hin" durch dieses Sonderverhältnis gebundenen Mächten zu überlassen.
Dann kam Großbritannien, um diese lautere Einheit zu vergällen.
"England ist genaugenommen", sagt der General, "ein Inselstaat,
auf die See ausgerichtet, durch seinen Handel, seine Märkte und
seine Versorgung an die verschiedensten, oftmals an die entlegensten Länder gebunden. Es ist in erster Linie ein Industrie- und
Handelsstaat, der nur wenig Landwirtschaft betreibt. Alles, was
es tut, wird bestimmt von sehr ausgeprägten, ganz eigenartigen
Gewohnheiten und Traditionen...
Man muß verstehen, daß der Beitritt erst Großbritanniens und
dann jener anderen Staaten die Gesamtheit der Anpassungen...
völlig verändern würde... Es müßte dann die Schaffung eines ganz
anderen Gemeinsamen Marktes in Erwägung gezogen werden. Aber dieser

-

5 -

�dieser Markt der Elf und dann der Dreizehn und dann vielleicht
der Achtzehn würde zweifellos in keiner V/eise demjenigen gleichen, den die Sechs aufgebaut haben.
Übrigens hätte eine derartig anwachsende Gemeinschaft zu
gewärtigen, daß sich ihr auch alle jene Probleme ihrer Wirtschaftsbeziehungen zu einer Vielzahl anderer Länder und vor
allem zu den Vereinigten Staaten stellen würden.
Es ist vorauszusehen, daß der Zusammenhalt zwischen all
diesen zahlreichen und verschiedenartigen Mitgliedern nicht von
langer Dauer wäre und daß dann schließlich eine riesige, von
Amerika abhängige und geführte atlantische Geraeinschaft entstünde,
die binnen kurzem die europäische Gemeinschaft aufsaugen würde.
Das ist eine hypothetische Entwicklung, die man nach Ansicht
gewisser Leute durchaus rechtfertigen könnte, aber es ist keineswegs das, was Frankreich gewollt hat und betreibt, nämlich eine
ausgesprochen europäische Konstruktion zu schaffen."
Hier kommt der General wieder auf das Merkmal des britischen
Aufnahmegesuchs zurück, das im Grunde seine Ablehnung veranlaßte seine Tendenz, die kontinentale Elite mit Amerika zu verstricken.
De Gaulles Alptraum ist die umfassendere atlantische Gemeinschaft unter
amerikanischer Führung, "die binnen kurzem die europäische Gemeinschaft
aufsaugen würde". Kurz darauf wendet er sich abermals dieser Zwangsvorstellung zu.
In Athen hatten die Vereinigten Staaten klare Zusicherungen gegeben, daß sie einen sowjetischen Kernwaffenangriff oder einen sowjetischen Angriff mit konventionellen Waffen, dem kein anderer Widerstand
entgegengesetzt werden könnte, mit Kernwaffen beantworten würden.
Gleichwohl erklärte der General:
"... Niemand in der Welt und niemand in Amerika kann sagen,
ob, wo, wann, wie und in welchem Umfang die amerikanischen
Kernwaffen zur Verteidigung Europas eingesetzt würden. Das ändert
im übrigen überhaupt nichts

daran, daß die amerikanische

Kern-

waffenrüstung als die mächtigste der Welt die ausschlaggebende

-

6 -

�ausschlaggebende Garantie für den Weltfrieden bleibt...
So haben Grundsätze und Realitäten Frankreich gleicherma Ü3n veranlaßt, sich eine eigene Atomstreitmacht zu schaffen.
Das schließt natürlich keineswegs aus, daß der Einsatz dieser
Streitmacht mit dem Einsatz der entsprechenden Machtmittel seiner Alliierten kombiniert wird. Aber für uns ist die Integration
in dieser Frage völlig unvorstellbar...
Nun haben Amerika und Großbritannien auf den Bahama-Inseln
ein Abkommen geschlossen, und man hat uns aufgefordert, ihm beizutreten... Es handelt sich um die Aufstellung einer sogenannten
multilateralen Atomstreitmacht ... Diese multilaterale Streitmacht
ist für die Verteidigung Europas bestimmt, und sie untersteht dem
amerikanischen NATO-Kommando..."
Hier stört den General in Wirklichkeit nicht die angeblich ungewisse Verfügbarkeit der amerikanischen Kernwaffen für die Verteidigung
Europas. Vielmehr bezeichnet er diese als "die ausschlaggebende Garantie für den Weltfrieden". Woran der General Anstoß nimmt, ist das, was
er "das amerikanische NATO-Kommando" nennt. Was nach den Worten des
Generals Frankreich wünscht und was er bestimmt selber wünscht, ist
andererseits das, was er als "ausgesprochen europäische Konstruktion"
bezeichnet hat. Bevor wir überlegen, ob dies klug, möglich oder für
irgendeinen der Partner Frankreichs im Zusammenschluß der sechs EWGLänder wünschenswert ist, wollen wir uns für einen Augenblick mit der
Europa-Konzeption des Generals de Gaulle beschäftigen. Denn er hat eine
solche, und sie ist keineswegs ein Deckmantel für französische Kirchturmpolitik oder für Illusionen französischer "Größe". Für manche
Beobachter war das französische Veto gegen den britischen Aufnahmeantrag ein klassisches Beispiel jener europäischen Zwistigkeiten, vor
denen der Vater unseres Vaterlandes uns mit so beredten Worten in seiner Abschiedsbotschaft gewarnt hat:
"In Europa", führte er aus, "gibt es eine Anzahl vordringlicher Interessen, die mit unseren Interessen in keiner oder nur
sehr entfernter Beziehung stehen. Es wird demgemäß zwangsläufig
in häufige Streitigkeiten verwickelt werden, deren Ursachen _im.

-

7 -

�im wesentlichen in keinem Zusammenhang mit unseren Belangen
stehen. Es wäre somit unklug, uns durch künstliche Bindungen
in die üblichen Wechselfälle seiner Politik oder die häufigen
Bündnisse und Machenschaften seiner Freundschaften oder Feindschaften zu verstricken."
Ich will damit keineswegs sagen, daß die Feindschaften, die alten
und neueren, keinen Einfluß auf die Gedanken oder Entscheidungen General
de Gaulies haben. Aber in diesem Fall glaube ich nicht, daß er sich von
früheren europäischen Feindschaften leiten läßt. Ich bin vielmehr der
Ansicht, daß General de Gaulle General Washingtons Ratschlag umkehrt
und ihn seinen europäischen Partnern gibt. Es bedarf nur eines kurzen
Zitats aus Washingtons Abschiedsbotschaft, um General de Gaulles Ratschlag an Europa darzulegen. "Die Hauptregel unseres Verhaltens gegenüber den (nicht-europäischen) Völkern besteht darin...,mit ihnen so
wenig wie möglich politische Verbindungen zu unterhalten... Warum
sollten wir, indem wir unser Schicksal mit den (Vereinigten Staaten)
verflechten, unseren Frieden und unser Gedeihen in die Wirrungen des
(amerikanischen) Ehrgeizes, seiner Rivalitäten, Interessen, Stimmungen
oder Launen verstricken? Es ist unsere aufrichtige Politik, uns aus
dauernden Allianzen mit irgendeinem Teil der (außereuropäischen) Welt
herauszuhalten."
Dies ist, glaube ich, das, was er sagt. Die Frage bleibt, weshalb?
Warum sollte - in einer Welt, in der die räumlichen Entfernungen so
gut wie aufgehoben sind, in einem Jahrhundert, in dem ganz Europa,
geeint in der Verteidigung gegen die damals mächtigste europäische
Nation, Amerika zweimal um Hilfe ersucht

hat -, warum sollte General

de Gaulle jetzt, wo Europa ohne die Vereinigten Staaten über keine
ausreichende Verteidigung verfügt, solche selbstmörderischen Thesen
verkünden? Wenn es hierauf überhaupt eine Antwort gibt, so muß sie in
seiner Konzeption eines Europas vom Atlantik bis zum Ural zu suchen
sein.
Soweit mir bekannt ist, tauchte diese Wendung erstmals 1959 auf,
als er feststellte, daß eine Abrüstung Frankreich keine Sicherheit
gewährt, solange sie nicht "vom Atlantik bis zum Ural" reiche - ein
äußerst vernünftiger Gedanke. Am 31« Mai 196O tauchte sie dann in einem
vollkommen neuen Zusammenhang erneut auf:
-

8

-

�"...Nur in einem Gesamtgleichgewicht ist der Frieden zu
finden. Auf unserem alten Kontinent könnte durch die Bildung
einer westlichen Gruppe, die etwa

der im Osten gleichkommt,

eines Tages ein Einvernehmen (Entente) vom Atlantikbis zum Ural
herbeigeführt

werden, ohne die Unabhängigkeit irgendeines

Landes aufs Spiel zu setzen

Dann wird Europa - das ganze Europa,indcht

mehr länger durch den Ehrgeiz von" Ideologien gespalten, wieder
Hort und Mittelpunkt der Kultur werden... und die Großmächte, die
auf anderen Kontinenten zur Macht emporsteigen, zwingen, sich zur
Zusammenarbeit bereitzufinden statt den Verlockungen des Krieges
zu erliegen. "
Am 29. Dezember 1961 machten Enthusiasmus und Rhetorik der
nüchternen Erklärung Platz, daß der General für Verhandlungen zwischen
den "westlichen Großmächten und Sowjetrußland" sei, vorausgesetzt, daß
der Kreml seine Drohungen einstellt und daß "die Diskussion darum geht,
das Gleichgewicht in Europa wieder herzustellen und nicht Moskaus Macht
über den Kontinent weiter auszudehnen11.
Aber auf der Pressekonferenz vom 15« Mai 1962 wurde die Idee erneut hochgespielt. Bei der Erörterung von drei Hauptzielen, die er sich
gesetzt habe, umriß er das zweite Ziel wie folgt:
"...Zum Aufbau Europas auf dem Gebiet der Politik, der Verteidigung und der Wirtschaft beizutragen, so daß die Expansion und
das Vorgehen dieses Ganzen die Prosperität und Sicherheit Frankreichs
mehren und gleichzeitig wieder Möglichkeiten zur Schaffung eines
europäischen Gleichgewichts im Verhältnis zwischen den europäischen
Staaten eröffnet werden.'"
(Von der Solidarität zwischen Deutschland und Frankreich hängt
nicht nur die Sicherheit dieser beiden Völker ab, sondern auch)
"das Schicksal ganz Europas, vom Atlantik bis zum Uralgebirge;
gelingt es, eine Konstruktion, eine feste, prosperierende und
attraktive Organisation in Westeuropa zu schaffen, dann ergeben
sich auch wieder Möglichkeiten eines europäischen Gleichgewichts
mit den östlichen Staaten , und die Aussicht auf eine wirkliche
europäische Zusammenarbeit, insbesondere dann, wenn gleichzeitig
das totalitäre Regime seine Brunnenvergiftung einstellt."

12.

- 9 -

�In diesen Passagen wird die Konzeption de Gaulles von einem
Europa vom Atlantik bis zum Ural mit bewundernswerter Klarheit zum
Ausdruck gebracht. Sie lautet ganz einfach: Auf der Basis der Solidarität zwischen Deutschland und Frankreich kann Westeuropa so
straff organisiert und mächtig werden, daß es ein Gegengewicht zu
den östlichen Satelliten und dem europäischen Rußland darstellt und
die Möglichkeit zur Schaffung eines echten kooperativen europäischen
Systems vom Atlantik bis zum Uralgebirge eröffnet. Dies setzt ein
inneres Gleichgewicht innerhalb dieses Gebietes voraus. Um dieses
Gleichgewicht zu erreichen, genügt es nicht, daß die Machtkomponenten
nicht einer Störung des Gleichgewichts hier Vorschub leisten. Es ist
vielmehr notwendig, daß die Anreize zur Harmonisierung der Politik
innerhalb dieses Europa die Anreize zum Konflikt überwiegen. Wie
will das Europa des Generals de Gaulle diesen Kriterien gerecht werden?
Einige Faktoren sprechen für die Auffassung de Gaulles: Die
Bevölkerung KATO-Europas (das über die Sechs hinausgeht) ist etwas
größer und wahrscheinlich industriell besser geschult als die der
Sowjetunion; seine Rohstoffquellen und sein industrielles Produktionspotential sind ebenso groß, wenn nicht größer; seine Landwirtschaft
ist weit überlegen. Andere einschlägige wichtige Faktoren geben dem
Osten aber ein Übergewicht:
Der Rüstungsstand des sowjetischen Teils dieses Europa ist, auf
nuklearem wie auf konventionellem Gebiet, dem Westeuropas so weit
überlegen, daß jede realistische Hoffnung auf einen Ausgleich innerhalb dieses begrenzten Gebietes einfach hinfällig ist. Und dies nicht
nur auf Grund der qualitativen und quantitativen Ungleichheit, sondern
auch auf Grund der Tatsache, daß innerhalb des vorgeschlagenen Gemeinwesens keine Möglichkeit besteht, dieses ungleiche Kräfteverhältnis
zu ändern. Die Sowjetunion wird von einer

monolithischen Autokratie

beherrscht, die sich von etwaigen Versuchen General de Gaulles, ihre
Macht zu verringern, nicht beeindrucken lassen wird. In Westeuropa
liegt die Schwierigkeit heute - und in der Zukunft ebenso wie in der
Vergangenheit - darin, das Wollen verschiedener Völker und Staaten
zu wecken und zu koordinieren. Jeder Staat hat seine eigenen Schwierigkeiten; wenn diese Schwierigkeiten nun zusammenkommen, nehmen
sie in geometrischer Reihe zu.
.Vesteuropa
-

10

-

�Westeuropa kann und wird im Rahmen eines gaullistischen
Europa nicht dazu gebracht werden, seine Macht zu vergrößern, ohne
dieses gaullistische Europa zu zerstören. Versucht der General, es
dahin zu bringen, dann werden ihm seine russischen Kollegen Einhalt
gebieten;.machen diese den.Versuch, werden sie sich seiner entledigen und es vielleicht damit noch nicht bewenden lassen. Das gaullistische
Europa muß somit ein Europa unter sowjetischer Hegemonie sein.
Die Partner des Generals sehen dies ebenso klar wie wir selbst,
und die meisten von ihnen möchten sich an so etwas nicht beteiligen.
Manche, aber sicherlich nur wenige von ihnen, nähren vielleicht die
Hoffnung, die ich hier und da aus offiziellen französischen Verlautbarungen herauslese, daß sie mit beiden Seiten am besten fahren würden,
wenn sie die Präsenz der USA in Europa beenden oder abschwächen, dabei
aber die Garantie defensiven amerikanischen Schutzes beibehalten könnten.
Dies liefe darauf hinaus, daß sie nichts tun würden, um die Russen an
unserer Stelle mit der Alternative eines Atomkrieges zu konfrontieren,
um sie vor dem Druck mit konventioneller Gewalt abzuschrecken. Statt
dessen würden sie hoffen, durch die Aufstellung einer kleinen nationalen Kernwaffenstreitmacht in der Lage zu sein, die unsrige zum Einsatz
zu bringen. Damit, so wird argumentiert, könnten sie sich, ohne die
Bürde einer größeren konventionellen oder nuklearen Streitmacht auf
sich zu nehmen, vor dem unverhältnismäßig mächtigen östlichen Teil
eines vom Atlantik bis zum Ural reichenden Europa schützen.
Wenn General de Gaulle mit solchen Methoden das Beste beider
Seiten zu erlangen sucht, so überläßt er den Vereinigten Staaten sicherlich den schlechtesten Teil. Uns würde nämlich die Aufgabe zugeteilt,
Europa gegen die unausweichlichen Konsequenzen seiner Politik - die
Beherrschung durch die Sowjetunion - zu verteidigen, ohne daß man uns
gestatten würde, an der Schaffung einer, wie General Washington es
nannte,

"achtunggebietenden Verteidigungsstellung" in Westeuropa

mitzuwirken oder Einfluß darauf zu nehmen. Unsere Aufgabe würde es
unter diesen Umständen erforderlich machen, daß sich die Sowjetunion
und die Vereinigten Staaten gegenseitig in Schutt und Asche legen.
Man kann sich schwerlich vorstellen, daß eine Regierung in unserem
Lande je eine so wenig verlockende Verpflichtung übernehmen werde. Eine
-

11

-

�Eine relativ geringe Anstrengung seitens einer mit der Macht der
Vereinigten Staaten integrierten Verteidigung Westeuropas könnte der
Sowjetunion die konventionelle Überlegenheit in Europa verwehren
und sie vor die Notwendigkeit stellen, ihre Zuflucht zu einem Atomkrieg zu nehmen, um ihren Willen mit Gewalt durchzusetzen.
Somit scheint mir auf der Hand zu liegen, daß die Konzeption eines
Europa vom Atlantik bis zum Ural eine Konzeption ist, die völlig von
der des Nordatlantikpaktes abweicht, so lange die Sowjetunion auch nur
im entferntesten an ihren gegenwärtigen Zielsetzungen und Auffassungen
festhält. Sollte sie diese aufgeben, verlöre der Pakt seine Bedeutung.
General de Gaulle kann nicht sowohl das Europa seiner Konzeption als
auch den Vertrag seiner Konzeption haben. Nicht, weil er nicht beides
wünscht, sondern weil unter diesen Umständen die Risiken und Gefahren
für die Vereinigten Staaten im Falle der Übernahme der Vertragsverpflichtungen, wie er sie sich vorstellt, zu groß wären. Man kann nur hoffen, daß
diese Wahrheit allgemein wohl verstanden wird.
In den Augen seiner europäischen Partner dürfte die Schwäche der
Position General de Gaulies nicht nur in seinem grundlegenden Irrtum
liegen, den wir soeben untersucht haben, sondern auch darin, daß es
Frankreich überaus schwerfallen wird, das zu erreichen, was es zur
Erfüllung bestimmter Teile des Programms erreichen muß. Werfen wir
einen kurzen Blick auf die militärische Situation Frankreichs. Diese
erfordert den Aufbau völlig neuer konventioneller Streitkräfte und eines
völlig neuen Kernwaffenpotentials.
Das konventionelle Ziel besteht darin, zumindest ebenso große
und gut ausgerüstete Streitkräfte in Europa zu haben wie die Deutschen.
Zur Zeit verfügen die Deutschen über zwölf Divisionen, die noch viel
besser sein könnten - und zweifellos bald sein werden -, als es augenblicklich der Fall ist. Ihre Zahl wird sicherlich noch erhöht. Die
französischen Militärrevolten in Algerien, die O.A.S., die Desertionen
und die Prozesse gegen hohe Offiziere sind nur die dramatischsten
Anzeichen dafür, daß die französische Armee, die nach dem Weltkrieg
in Asien und in Afrika einen Guerillakrieg nach dem anderen verlor,
reorganisiert werden, neue Mannschaften, Offiziere und Ausrüstungen
erhalten und neu gegliedert werden muß. Dies muß nicht deshalb geschehen.

-

12

-

�geschehen, weil die NATO oder Washington es wünschen, sondern weil
es für Frankreich eine zwingende Notwendigkeit ist. Das ist ein ebenso langwieriger wie schwieriger und sehr kostspieliger Prozeß, woran
uns die deutschen Erfahrungen (die die französischen vorweggenommen
haben) anläßlich der "Spiegel"-Affäre so eindringlich erinnerten.
General de Gaulle müssen wohl manchmal die sarkastischen Worte des
Herzogs von Wellington auf die Lippen kommen, der angesichts eines
Truppenkontingents, das man ihm auf die iberische Halbinsel geschickt
hatte, trocken bemerkte: "Ich weiß nicht, welchen Eindruck diese Leute
auf den Feind machen werden; aber mir jagen sie, weiß Gott, einen
Schrecken ein!"
An erster Stelle unter den hohen und unausweichlichen Haushaltsanforderungen steht der Ansatz für die nukleare Abschreckungswaffe, für
die "force de frappe" oder, wie der Londoner "Economist" schrieb,
die Forderung "mehr Frappe für einen Franc". General de Gaulle übertreibt dabei in seiner charakteristischen Offenheit keineswegs, was
eine französische "force de frappe" bewirken könnte, aber ich glaube,
er überschätzt ihre Bedeutung.

"Es trifft durchaus zu", sagte er im Januar, "daß
die Menge an Atomkampfmitteln, mit der wir uns ausrüsten
können, bei weitem nicht an die Massenvorräte der heutigen
beiden Giganten heranreichen wird... 1945 führten zwei
damals noch sehr einfache Bomben zur Kapitulation Japans,
/

das ihnen nichts entgegenzusetzen hatte... Die französische Atomstreitmacht wird vom Beginn ihres Aufbaus
an die Grimme und schreckliche Fähigkeit besitzen, in
wenigen Augenblicken Millionen und Abermillionen Menschen
zu vernichten. Diese Tatsache wird bestimmt - wenigstens
in einem gewissen Umfang - nicht ohne Einfluß auf die Absichten eines etwaigen Angreifers bleiben."

Wir

�Wir haben bereits die Konzeption erörtert, nach der unabhängige! französische Streitkräfte als

Abzugshebel den Abschuß amerikani-

scher strategischer Atomwaffen auslösen könnten, und dargelegt, weshalb diese Idee für uns nicht akzeptabel ist. Wir müssen jetzt die
Nützlichkeit solcher Streitkräfte erörtern,wie es der General in dem
zitierten Absatz tut, und zwar völlig unabhängig von einer Einbeziehung der amerikanischen Macht. Behauptet wird lediglich, daß diese
Streitkräfte auf die Absichten eines etwaigen Angreifers''toenigstens
in einem gewissen Umfang" nicht ohne Einfluß bleiben werden. Nimmt
man diese Behauptung wörtlich, so ist es schwierig und nutzlos, ihre
Richtigkeit zu bestreiten. Aber der General meint sicher mehr damit.
Er erwartet, daß seine Streitkräfte einen meßbaren, ins Gewicht fallenden Abschreckungseffekt haben werden. Die Frage ist, wird dies der
Fall sein? Und unter welchen Bedingungen?
Die französischen Streitkräfte hätten nur einen sehr geringen Abschreckungseffekt, falls ihre Waffen nur wenig Aussicht haben, irgendwelche Ziele zu erreichen. Wenn französische Atomsprengköpfe entwickelt
werden, dann solche, die von Flugzeugen befördert werden; thermonukleare
Sprengköpfe sind bis in die siebziger Jahre nicht vorgesehen, und es
dürfte noch lange dauern, bis Raketengeschosse verfügbar sind. Und
weiter! Während General de Gaulle bescheiden meint, daß die französischen Kampfmittel bei weitem nicht an diejenigen der beiden Giganten
heranreichen werden, verhält es sich S o, daß sie1 wahrscheinlich noch
nicht einmal auf zwei Prozent der einen oder anderen kommen dürften.
Dies wäre für die sowjetischen Luftstreitkräfte keine Bedrohung.
Tatsächlich denkt der General ganz eindeutig an eine städtevernichtende
Waffe. Die Aussicht, daß eine so kleine Streitmacht oder ein Teil davon
die Abwehr dichtbevölkerter Zentren durchbrechen könnte,"um in wenigen
Augenblicken Millionen und Abermillionen Menschen zu vernichten", ist
nicht groß. Da Sowjetrußland immerhin bestrebt sein müßte, diese Kampfmittel zu vernichten, bevor sie noch den Boden verlassen haben, ist
anzunehmen, daß die Vernichtungsrisiken, die eine solche Streitmacht
heraufbeschwört, in der Bilanz für Frankreich beträchtlich größer als
für die Sowjetunion sein würden.
Auf jeden Fall wäre die Möglichkeit, zur Schaffung

-

14

-

dieser

�dieser französischen Streitmacht beizutragen, für die europäischen
Nachbarn Frankreichs nicht allzu verlockend. Und die finanzielle
Belastung, die sie der französischen Wirtschaft auferlegen würde,
könnte die erfreulich starke Position, die diese nach so vielen
Jahren innerer und äußerer Spannungen und Aderlässe gerade erst
gewonnen hat, leicht wieder ins Gegenteil verkehren. Tatsache ist,
daß die militärische Position Frankreichs sehr schwach ist und wahrscheinlich noch eine beträchtliche Zeitlang schwach bleiben dürfte.
Das ist nicht nur für das NATO-Bündnis bedauerlich, sondern es muß sich
auch katastrophal auf die Absichten General de Gaulles auswirken,
seine europäischen Nachbarn davon zu überzeugen, daß er sie zu einer
ausschließlich von den Europäern gewährleisteten Sicherheit führen kann
oder daß er die Verwirklichung so sehnlich erstrebter politischer Ziele
wie der deutschen Zielsetzung, Berlin zu schützen und Deutschland
wiederzuvereinen, zu fördern vermag.
Sieht man die Dinge in einem noch größeren Rahmen, so bietet sich
dem Europa General de Gaulles wenig Aussicht, eigene Stärke zu gewinnen
oder einen positiven Beitrag zur Stärke der freien Welt zu leisten.
Zwar wurde das Veto gegen den Aufnahmeantrag der Briten hauptsächlich
mit der Gefahr begründet, daß die Amerikaner sie als Trojanisches Pferd
benutzen könnten, doch kam als weiterer Grund zur Sprache, daß Großbritannien ganz anders als die kontinentalen Gesellschaften geartet
sei. Es sei eine Insel. Es blicke nach außen, sei durch seinen Handel
mit "den entlegensten Ländern" verbunden; was es tue, werde "bestimmt
von sehr ausgeprägten, ganz eigenartigen Gewohnheiten und Traditionen".
Demgegenüber bescheinigt der General den sechs Kontinentalstaaten,
sie zögen es vor, "innerhalb ihres eigenen Verbandes zu produzieren,
zu kaufen, zu verkaufen und zu verbrauchen". General de Gaulle war
rasch bereit, in diesem Gegensatz einen geschichtlich tief verwurzelten Konflikt der Führungskräfte und Konzeptionen zu erblicken.
Vor einigen Monaten erklärte mir ein deutscher Freund: "Die Sechs
haben einen zu engen Horizont, um dem eigenen und dem allgemeinen Wohl
zu dienen. Was wir brauchen, ist ein Schuß Salzwasser." Was sieht
General de Gaulle, wenn er über den Kontinent hinausschaut? Nur die
ehemaligen afrikanischen Kolonien Frankreichs, die er in eine Gemeinschaft

-

15 -

�Gemeinschaft einbeziehen möchte, für welche ihm Großbritannien zu
fremdartig war. Der Gemeinsame Markt ist genau wie die Vereinigten
Staaten ein zu bedeutender Produzent und Verbraucher, um nur innerhalb
seines eigenen Verbandes kaufen, verkaufen und verbrauchen zu können.
Wenn man dies versuchen wollte, würde es die schlimmsten Konsequenzen
für das eigene Gebiet und für die weiten Außenzonen der freien Welt
haben, die vom Handel mit diesen beiden großen Märkten leben müssen.
Die amerikanische Politik gegenüber dem Gemeinsamen Markt ging seit
seiner Gründung davon aus, daß ein

solches Arangement unter der Voraus-

setzung niedriger Außenzölle und anderer Schranken gut, bei hohen
Barrieren dagegen schlecht sei. Der Gemeinsame Markt wurde nicht als
ein Instrument für die Abkapselung des europäischen Handels innerhalb
eines geschlossenen Vereins unter französischer Hegemonie begrüßt,
sondern als ein neuer großer Markt, der der Ausweitung des Handels
auch aus weltoffenem Verantwortungsbewußtsein dient. Das vom Kongreß
in der vergangenen Sitzungsperiode verabschiedete Gesetz über die Ausweitung des Außenhandels (Trade Expansion Act) fußt auf dieser Konzeption. Niemand hat dies besser formuliert als Jean Monnet, der Vater
des Gemeinsamen Marktes:
"Es gibt dringende Probleme, die weder Europa noch Amerika
allein lösen kann. Dabei handelt es sich nach meiner Auffassung
um die Währungsstabilität des Westens, um die Organisation der
Landwirtschaft in einer sich zunehmend industrialisierenden Welt,
um die Hilfe für die Entwicklungsländer, die deren Wachstum beschleunigen soll, und selbstverständlich um die Freigabe des
Handels, die zwischen Ihnen (den Amerikanern) und dem Gemeinsamen
Markt ausgehandelt werden muß."
Der Gegensatz zwischen dieser Peststellung und der kurzsichtigen
Vorliebe für ein Europa, das sein wirtschaftliches Auskommen innerhalb
des eigenen Verbandes sucht, ist ein gewisser Maßstab dafür, welcher
Schaden aus der auf der Pressekonferenz angekündigten Politik erwachsen
kann •
Wie sollennun die Vereinigten Staaten im Lichte dieser Analyse
auf die Ereignisse des Januar reagieren? Zunächst einmal sollten sie

-

16 -

�sie eine besonnene Antwort geben, die Sinn für die richtigen Proportionen erkennen läßt und Schärfe und Groll vermeidet. Sie darf nicht,
wie es zum Teil in der Presse der Fall war, auf der Annahme basieren,
daß alles verloren sei, weil General de Gaulle unumwunden einen schon
seit langem bestehenden Widerstand gegen eine allgemein befürwortete
Politik aufgedeckt hat. Sie sollte auf dem Wissen basieren, daß die
Haltung des Generals von unseren gemeinsamen Verbündeten nicht gebilligt werden wird, weil sie nicht im gemeinsamen Interesse liegt.
Sie sollte des weiteren auf der Tatsache basieren, daß die Vereinigten
Staaten stark sind und von Freund und Feind gleichermaßen als stark
angesehen werden, während Frankreich

zwar glücklicherweise wesentlich

gesündere Verhältnisse als noch vor kurzem aufzuweisen hat, aber noch
immer weit davon entfernt ist, kraftvoll die Führung zu übernehmen.
Kurzum, die Demarche de Gaulles hat sehr wenig geändert, wenn sie auch
die Absicht und die Fähigkeit aufgezeigt hat, den Gang der Dinge in
einigen Fällen zu bremsen.
Unsere gegenwärtige Verteidigungspolitik in Europa ist richtig
und sollte fortgeführt werden. Sie besteht in dem beständigen Drängen
auf die Entwicklung einer konventionellen Verteidigungsposition, die,
während ihre Stärke wächst, den Sowjets beständig klarmacht, daß sie
der Versuch, ihre Ziele durch Drohung oder gewaltsamen Druck zu erreichen, in zunehmendem Maße mit der Notwendigkeit konfrontiert, zum
Atomkrieg Zuflucht zu nehmen. Einer französischen Beteiligung und
Mitarbeit sollten die Türen nicht verschlossen werden. Wenn die Haltung
Frankreichs Abmachungen, die im Rahmen der NATO hinsichtlich des weiteren Aufbaus der gemeinsamen Verteidigung getroffen werden, über
Gebühr hinaus verzögert oder hintertreibt, dann sollten die diesbezüglichen Bemühungen eben direkt auf die Nationen verwandt werden,
die fähig und willens sind., Fortschritte zu machen. Wir sollten uns
darüber im klaren sein, daß Frankreich wegen der Schwierigkeiten in
Asien und Afrika ein Jahrzehnt lang einen ungemein geringen Beitrag
geleistet hat und daß von ihm im günstigsten Fall auch für ein
weiteres Jahrzehnt nicht viel mehr zu erwarten ist. Ferner ist alles
das, was zur Reorganisation der französischen Streitkräfte unternommen
wird, ein notwendiges Vorspiel für jedwede wirksame Beteiligung, Was

-

17

-

�Was immer der General für die Entwicklung eines nuklearen Potentials
unternimmt, unternimmt er ohnehin, und je weniger Zeit wir daran
verschwenden, uns deshalb Sorgen zu machen, desto besser.
Was eine' strategische Atomstreitmacht in Europa anbelangt, so
ist das multinationale Konzept im Prinzip das beste. Es dürfte
meines Erachtens aber Zeitverschwendung sein, den noch in ferner
Zukunft liegenden Problemen der Kontroll- und Befehlsgewalt bis
in die letzten logischen Extreme nachzuspüren, ehe es überhaupt
etwas zu kontrollieren oder zu befehligen gibt. Unsere Verbündeten
können ja gar keine sehr konkreten Vorstellungen davon haben, wie
sich ihre Beteiligung an der nuklearen Verteidigung gestalten soll,
solange sie nichts darüber wissen. Darüber etwas zu erfahren, hat
ihnen eine zum eigenen Schaden übertriebene Geheimhaltung verwehrt.
Diese Barrieren sollten beseitigt werden. Sorgfältig ausgewählten
Offizieren und Zivilpersonen sollte jede erdenkliche Gelegenheit
gegeben werden, im Detail die Kosten einer Atomrüstung» die Schwierigkeiten der Bereitstellung, des Schutzes, der Einsatzplanung
und der Kontrolle strategischer Atomwaffen und einiges über die
Bedienung verschiedener Waffentypen zu erfahren. Dadurch würde
die Diskussion

'über das, was gemeinhin als "NATO"- oder "europäische"

Atomstreitmacht bezeichnet wird, radikal verwandelt. Nur dann können
wir für die gemeinsame Verteidigung eine wirklich kluge Planung im
Verein mit unseren Verbündeten erhoffen, bei der Aufgaben und Bereitstellung der verschiedenen Waffen von dem zu lösenden Problem, nicht
aber von nationalem Prestige, Stolz oder Mißtrauen bestimmt werden.
Im politischen Bereich laufen die Ereignisse des Januar auf
eine deutliche und emste Warnung hinaus, welche Strafe in unseren
Beziehungen zu Deutschland für das Versäumnis, zu zahlen ist, uns zu
unzweideutigen politischen Entschlüssen hinsichtlich Mitteleuropas
und der Wiedervereinigung Deutschlands durchzuringen. Dies berührt
natürlich auch den Kern der Berlin-Politik. Amerikanische und
europäische Interessen erfordern, wenn man sie frei vom Nebel der
Illusion betrachtet, die Wiedervereinigung innerhalb eines vereinten
Europa, innerhalb einer eng geknüpften atlantischen Allianz.Seit

_

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-

�Seit dem verhängnisvollen Treffen in Camp David sind die Deutschen
über unsere beständigen Verhandlungen mit den Russen unter russischen Drohungen beunruhigt. Ergebnislos und ohne echte Zugeständnisse, wie sie bisher verliefen, schienen sie den Deutschen auf eine
zunehmende Anerkennung des ostdeutschen Regimes hinzudeuten;sie versetzten die deutsche Politik fortlaufend in Aufregung und lenkten die
Sympathie der Deutschen auf die Unterstützung der deutschen Ambitionen durch General de Gaulle, die nachdrücklicher zugesagt als
vorbehaltlos gegeben worden sein dürfte. Unser Flirt mit Moskau
vermochte,wie viele andere, die ohne ernste Absichten begonnen worden
sind, weiter nichts, als weit engere Beziehungen zu vergiften. Es
ist an der Zeit, dem ein Ende zu machen und unsere Absichten unzweideutig darzulegen.
Wenn die Januar-Offensive auch dort begann, wo man die Wirtschaftsfront vermuten darf, und allerlei Schaden angerichtet hat, so sehe
ich doch keinen Grund, weshalb der Krieg dort weitergehen sollte.
Der Anlaß dafür, nämlich der britische Aufnahmeantrag, ist jetzt
auf unbestimmte Zeit ad acta gelegt. Die Fünf würden Frankreich
gerne - mit der Zeit vielleicht auch mit Erfolg - umstimmen, sofern
die britische Politik nicht einen Weg einschlägt, der die Haltung
Großbritanniens ändert. Niemand kann gegenwärtig klar erkennen,
wie sich die Dinge entwickeln werden. Aber wenn die Erregung

und

der Groll nicht angefacht werden, sollten sich in wichtigen Bereichen
genügend gemeinsame Interessen ergeben, um in den von Jean Monnet
gewiesenen Richtungen weiter vorzustoßen.
Was die Liberalisierung des Handels betrifft, so wird der Vertrag von Rom ab 1966 jeden Einzelpartner daran hindern, einen von den
anderen gewünschten Kurs zu blockieren. Wenn wir und die Fünf tatkräftig auf den Abbau der Schranken rings um die großen Märkte Europas
und Amerikas hinarbeiten, können wir das Unvermeidbare so gestalten,
wie es General de Gaulle akzeptieren wird. Der geschäftsführende
Direktor des Weltwährungsfonds, Per Jacobsson, hat kürzlich erklärt,
es sei "vielleicht das Beste, was den Entwicklungsländern passieren
kann, wenn die industriell fortgeschrittenen Länder eine aktive

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19 -

�aktive expansive Handelspolitik betreiben", und er regte an, daß dies
in gemeinschaftlicher Weise über den Fonds und die Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris geschehen könnte. Jean Monnet forderte mit Nachdruck, die führenden
Finanzländer sollten sich weiter der damit eng verknüpften Aufgabe
widmen, die Stabilität der westlichen Währungen zu erhöhen. An diesen
Bemühungen kann sich General de Gaulle ohne Verlegenheit und inneren
Widerspruch beteiligen. Sie stehen in vollem Einklang mit den französischen Interessen, wie er sie sieht.
Kurzum, der Januar war kein guter Monat. General de _Gaulle hat
dem Westen mit der Ablehnung des britischen Aufnahmegesuchs einen
schlechten Dienst erwiesen. Er enthüllte dabei einige langfristige
Pläne, denen man entgegentreten muß und die, wenn man ihnen du^rch
kluges Vorantreiben besserer Pläne entgegentritt, keine großen Entwicklungsaussichten haben. Auf anderen Gebieten besteht die Möglichkeit und die Notwendigkeit, bei bedeutenden Aufgaben mit ihm zusammenzuarbeiten. Der Ecclesiastes-Verfasser hat uns gesagt: "Ein jegliches
hat seine Zeit. . .''brechen und bauen". Der vergangene Januar war anscheinend eine Zeit des Brechens inmitten einer langen Aufbauperiode.
Dabei ist einiger Schaden angerichtet worden. Jetzt ist es an der Zeit,
ihn wieder zu reparieren und den Aufbau weiter fortzusetzen.

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20

*

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./XVI - 11

GEORGE C. MCGHEE
SOLL NEUER BOTSCHAFTER DER USA IN BONN V/ERDEN

WASHINGTON - (AI)) - Präsident Kennedy hat am Mittwoch seine
Absicht bekanntgegeben, den gegenwärtigen Staatssekretär für Politische Fragen im amerikanischen Außenministerium, George C. McGhee,
zum neuen Botschafter der USA in der Bundesrepublik zu ernennen.
McGhee, der bisherige dritte Mann im State Department, wird Botschafter Walter C. Dowling nach Ablauf seiner Amtszeit in Bonn wahrscheinlich Ende August oder Anfang September - ablösen.
In einer Erklärung des Weißen Hauses würdigte Präsident Kennedy
die Verdienste McGhees, der seit nahezu siebzehn Jahren auf verschiedenen Posten wertvolle Arbeit geleistet habe. "Meine Entscheidung, ihn zu bitten, seinen gegenwärtigen wichtigen Posten zu verlassen ,um Botschafter der USA in der Bundesrepublik zu werden", so
heißt es in der Erklärung wörtlich, "spiegelt die große Bedeutung
wider, die ich der Aufrechterhaltung enger und kooperativer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland im Rahmen der
Atlantischen Allianz beimesse."
Wie aus der Erklärung Kennedys weiter hervorgeht, soll Botschafter Dowling nach Beendigung seiner Tätigkeit in Bonn einen
anderen wichtigen Posten übernehmen. Kennedy würdigte in der genannten Erklärung auch die Leistungen Dowlings und führte wörtlich
aus: "Sein Beitrag zur Entwicklung enger Bindungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland während
der vergangenen dreieinhalb Jahre war besonders wichtig zu einer
Zeit, in der die Rolle Deutschlands in der europäischen Gemeinschaft
und in der Atlantischen Allianz nach Umfang und Bedeutung immer
größer wurde."
George C. McGhee wurde am 10. März 1912 in Waco im Staate
Texas geboren. Schon bei seinem Studium an den Universitäten Dallas
(Texas) und Oklahoma hatte er sich vornehmlich auf Geologie und
Geophysik konzentriert. Um sein Studium bestreiten zu können,
hatte er ein Jahr lang als Geologe für eine Ölgesellschaft in
Dallas gearbeitet. Kurz nach seinem Abgang von der Oklahoma-Universität erhielt er ein Rhodes-Stipendium, das ihm die Fortführung
1

�"AMERIKA DIENST"
Fortführung seiner Studien in Oxford gestattete, wo er 1937 zum
Doktor promovierte, ehe er für kurze Zeit an die Londoner Universität übersiedelte.
Noch vor Beendigung seiner dreijährigen Studienzeit in Oxford
hatte McGhee ein eigenes Verfahren zur Bestimmung geologischer Formationen entwickelt. Obwohl er schon damals den Entschluß gefaßt
hatte, später in den Staatsdienst zu treten, begann er nach seiner
Rückkehr in die Vereinigten Staaten eine nur kurze, aber um so erfolgreichere Karriere als Ölsucher. Sie stellte seine finanzielle Unabhängigkeit sicher, noch ehe er das dreißigste Lebensjahr vollendet
hatte. Im Januar 1938 wurde er Teilhaber einer Erdölfirma, und 1940
konnte er, begünstigt durch große Ölfunde, im Staate Louisiana eine
eigene Ölgesellschaft aufbauen.
Damit war der Zeitpunkt für den Beginn einer Laufbahn im Staatsdienst gekommen. McGhee nahm eine Stellung in der Kriegsproduktionsbehörde, dem War Production Board, an. Im weiteren Verlauf des Krieges ging er als Offizier zur US-Marine und wurde vornehmlich auf dem
pazifischen Kriegsschauplatz eingesetzt. Für die Leitung eines kombinierten See- und Lufteinsatzes, bei dem 600 Menschen aus Seenot gerettet werden konnten, wurde er mit dem Orden "Legion of Merit", dem
Tapferkeitsorden, ausgezeichnet.
Kurz nach Kriegsende kehrte McGhee wieder in den Regierungsdienst
zurück, zunächst als Sonderreferent des Unterstaatssekretärs für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium. 1947» als die kommunistischen
Versuche einer Infiltration Griechenlands ihrem Höhepunkt zustrebten,
wurde er Koordinator der Griechenland- und Türkei-Hilfe. Zwei Jahre später ernannte ihn Präsident Truman zum Unterstaatssekretär für Nahost-,
Südasien- und Afrika-Fragen; in dieser Position war er maßgeblich an
der Planung und Abwicklung des Punkt-4-Programms zur technischen Hilfeleistung beteiligt. Von 1951 bis 1953 vertrat er die Vereinigten Staaten in der Türkei als Botschafter und Direktor der Amerika-Hilfe.
In den folgenden acht Jahren widmete sich Botschafter McGhee vornehmlich privaten geschäftlichen Angelegenheiten und der Mitarbeit in
einer Reihe von wissenschaftlichen und gemeinnützigen Vereinigungen und
Gesellschaften.
Nachdem McGhee bereits seit 1958 verschiedentlich vom Nationalen
Sicherheitsrat als Berater herangezogen worden war, brachte das Jahr
1961 seine Rückkehr in den Staatsdienst, als ihn Präsident Kennedy
als Unterstaatssekretär für politische Planung und Vorsitzer des Rates
für politische Planung in das State Department berief. 1961 war er
maßgeblich an den Vorbereitungen für die Berlin-Verhandlungen mit den
Sowjets beteiligt. Während der Kongo-Krise spielte er eine aktive
Rolle in den amerikanischen Bemühungen um eine geeignete Lösung und
machte in einer Sondermission eine einmonatige Reise nach Afrika.

Im
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2

�AMERIKA DIENST"
Im November 1961 rückte McGhee im Zusammenhang mit einer
Umbesetzung der Führungsspitze des State Department auf den Posten
des Staatssekretärs für Politische Fragen auf und nahm damit die
dritte Position im US-Außenministerium ein.
Die Berufung zum Botschafter in Bonn bringt für George McGhee
die Erfüllung des lang gehegten Wunsches, wieder in den diplomatischen
Außendienst zurückzukehren. Mit ihm kommt ein Mann als Vertreter der
amerikanischen Regierung nach Bonn, der die Grundzüge und Zielsetzungen der US-Außenpolitik wie kaum ein anderer kennt und seit Jahren
selbst aktiv an ihrer Gestaltung mitgearbeitet hat.
Botschafter McGhee ist verheiratet und hat sechs Kinder. Er
ist ein Freund der Künste, photographiert gerne und spielt Tennis.
Er geht, wenn Zeit und Umstände es gestatten, viel auf Reisen. Während
seiner Tätigkeit in Washington verbrachte er seine Freizeit zumeist
auf einem Gut, das er in Virginia, unweit der amerikanischen Hauptstadt, besitzt.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

ffi ./XV-15
SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT KENNEDYS ZUR AUSLANDS HILFE

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Sonderbotschaft
zur Auslandshilfe der USA, die Präsident
Kennedy am 2. April 19^3 dem amerikanischen
Kongreß unterbreitet hat.

Das Weiße Haus
Botschaft über die Verteidigungs- und Hilfeprogramme der freien Welt
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
"Der Frieden hat seine Siege, die nicht weniger rühmlich sind
als die des Krieges", so schrieb Milton. Und kein Sieg in Friedenszeiten in unserer Geschichte hat eine weiter reichende Auswirkung
gehabt oder hat der Sache des Friedens besser gedient als die Siege,
die wir während der letzten 17 Jahre durch die Programme für gegenseitige Hilfe und Verteidigung unserer Nation errangen. Diese Siege
wurden im wesentlichen in aller Stille und nicht mit lauten Fanfaren
errungen. Sie zielten nicht darauf ab, Territorien für die Vereinigten Staaten oder Unterstützung in den Vereinten Nationen zu gewinnen,
sondern Dutzenden von Staaten in aller Welt, die eine Schlüsselstellung einnehmen, Freiheit und Hoffnung zu bewahren und Tyrannei und
Subversion zu ersparen.
Die Vereinigten Staaten geben heute über 10 Prozent ihres
Bruttosozialprodukts für Programme aus, die hauptsächlich der Verbesserung unserer nationalen Siehe rheit dienen. Etwas weniger als
ein Zwölftel dieses Betrages und w eniger als 0,7 Prozent unseres
Bruttosozialprodukts werden für da s Programm für gegenseitige Hilfe
aufgewandt, davon etwa die Hälfte für wirtschaftliche Entwicklung
und die andere Hälfte für militari sehe und andere kurzfristige Hilfe.
Vom Standpunkt unserer nationalen Interessen überwiegt der Wert
dieses Programms seine Kosten bei weitem. Es ist sicherlich gerechtfertigt, wenn die reichste Nation der Welt knapp ein Prozent

-

1

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Prozent ihres Bruttosozialproduktes für die Unterstützung der weniger
vom Glück begünstigten Schwesternationen ausgibt, allein schon auf
Grund ihrer internationalen Verantwortung. Aber da diese Programme
nicht nur das sind, was ohnehin rechtens ist, sondern eindeutig in
unserem nationalen Interesse liegen, muß alle Kritik in diesen Rahmen
gerückt werden. Daß unsere Hilfsprogramme verbesserungsfähig sind,
steht hier nicht zur Debatte. Daß sie aber sowohl unserer nationalen
Tradition entsprechen als auch unseren nationalen Interessen dienen,
steht gänzlich außer Zweifel.
Die Geschichte zeigt, daß unsere Hilfsprogramme für die Türkei
und für Griechenland die entscheidenden Faktoren waren, die die Türkei in die Lage versetzten, sich gegen nachhaltigen sowjetischen Druck
zu behaupten, Griechenland, eine kommunistische Aggression niederzuwerfen, und beide, wieder stabile Verhältnisse herzustellen und auf
dem Wege zu wirtschaftlichem und sozialem Wachstum voranzuschreiten.
Die Geschichte zeigt, daß der Marshall-Plan es den Ländern Westeuropas, einschließlich Großbritanniens, ermöglicht hat, sich von den
Verwüstungen des schrecklichsten Weltkrieges zu erholen, eine neue militärische Stärke aufzubauen, dem expansionistischen Druck des stalinistischen Rußland zu widerstehen und eine wirtschaftliche Wiedergeburt
einzuleiten, die Westeuropa zum zweitgrößten und -reichsten Industriegebiet der heutigen Welt gemacht hat, zu einem pulsierenden Zentrum der
Stärke der freien Welt, das jetzt selbst zum Wachstum und zur Stärke
der Entwicklungsländer beiträgt.
Die Geschichte zeigt, daß unsere militärische und wirtschaftliche
Hilfe für die Länder an den Grenzen der kommunistischen Welt - wie
Persien, Pakistan, Indien, Vietnam und das freie China - es bedrohten
Völkern ermöglicht hat, da frei und unabhängig zu bleiben, wo sie
sonst entweder von der aggressiven kommunistischen Macht überrannt worden oder dem völligen Chaos, der Armut und der Verzweiflung anheimgefallen wären.
Die Geschichte zeigt, daß unsere Beiträge zur Auslandshilfe der
entscheidende Faktor bei dem Entstehen und Wachsen einer ganzen Familie
internationaler Finanzinstitutionen und -behörden waren, die in dem unaufhörlichen Krieg gegen die Not und in dem Kampf um Wachstum und Freiheit eine immer wichtigere Rolle spielen.
Und schließlich wird die Geschichte zeigen, daß heute unsere Anleihen im Rahmen der technischen und Entwicklungshilfe dort Hoffnung
geben, wo diese Hoffnung fehlte, dort die Initiative wecken, wo es an
Dynamik mangelte» und daß sie überall auf der Erde zum Fortschritt anspornen - daß sie gleichzeitig die militärische Sicherheit der freien
Welt fördern und damit mithelfen, dort Barrieren gegen die Ausbreitung
des Kommunismus zu errichten, v/o sie am meisten zählen, mithelfen, jene
Weltgemeinschaft unabhängiger und selbständiger Nationen aufzubauen, in
der wir leben möchten, und schließlich auch dem aus tiefstem Herzen kommenden amerikanischen Drang Genüge leisten, jenen eine hilfreiche Hand
hinzustrecken, die hart arbeiten, um sich und ihren Kindern ein besseres
Leben zu schaffen.
Trotz
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Trotz lautstarker Opposition von allem Anfang an, trotz düsterer
Voraussagen, daß die Auslandshilfe unser Land in den Bankrott führen
werde, trotz der Warnungen, daß wir unser Geld mit dem Marshall-Plan
und den darauf folgenden Programmen "in ein Rattenloch würfen", und
trotz der großen Schwierigkeiten in der Praxis sowie einiger Fehler
und Enttäuschungen ist es eine Tatsache, daß unsere Hilfsprogramme
generell durchweg das erreicht haben, was sie erreichen sollten.
Nirgendwo auf der Welt befindet sich die Freiheit auf dem Rückzug - weder in Europa, Asien und Afrika noch in Lateinamerika -, wie
es ohne amerikanische Hilfe sehr wohl hätte der Fall sein können. Wir
wissen jetzt, daß diese Freiheit - die Freiheit insgesamt, unsere eigene eingeschlossen - geschmälert wird, wenn andere Länder unter kommunistische Herrschaft fallen, wie China im Jahre 1949» Nordvietnam
und die nördlichen Provinzen von Laos im Jahre 1954 und Kuba im Jahre
1959« Die Freiheit, jegliche Freiheit, wird durch die versteckten,
vielgestaltigen und unaufhörlichen kommunistischen Subversionsbemühungen in Lateinamerika, Afrika, im Mittleren Osten und in Asien bedroht.
Und ebenso werden die Aussichten der Freiheit in Ländern gefährdet
oder untergraben, denen die Hoffnung fehlt, die Hoffnung auf ein besseres Leben, das sich auf wirtschaftlichen Fortschritt, Erziehung, soziale Gerechtigkeit und auf die Entwicklung stabiler Institutionen
stützt. Hier liegen die vorgeschobenen Grenzposten der Freiheit, die
wir durch unsere militärischen und wirtschaftlichen Hilfsprogramme zu
festigen versuchen; und indem das geschieht, dienen sie unserem tiefsten nationalen Interesse.
Diese Auffassung wurde nacheinander von drei Präsidenten - Demokraten sowohl als auch Republikanern - vertreten.
Sie ist in neun aufeinanderfolgenden Kongressen mit überparteilicher Mehrheit gebilligt worden.
Sie hat seit 17 Jahren die Unterstützung einer überparteilichen
Mehrheit des amerikanischen Volkes gefunden.
Und sie ist erst kürzlich von einem Ausschuß aus hervorragenden
amerikanischen Bürgern, der unter der Leitung von General Lucius D. Clay
steht und dem die Herren Robert Anderson, Eugene Black, Clifford Hardin,
Robert Lovett, Edward Mason, L.F. McCollum, George Meany, Herman Phleger
und Howard Rusk angehören, erneut bekräftigt worden. In ihrem Bericht
heißt es: "Wir sind der Überzeugung, daß diese Programme, richtig geplant und durchgeführt, von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit
unserer Nation und für die Erfüllung unserer weltweiten Pflichten notwendig sind."
Es besteht also, kurz gesagt, seit vielen Jahren eine nationale
Übereinstimmung bezüglich der entscheidenden Bedeutung dieser Programme.
Grundsatz und Zielsetzung der amerikanischen Hilfe für die weniger gesicherten und weniger vom Glück begünstigten Nationen werden und können
nicht ernsthaft in Zweifel gestellt werden.
Die

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
*

Die Erfordernisse der Gegenwart
Die Frage ist-nunj Wie steht es um die Zukunft? Wie groß ist angesichts dieser Fortschritte der Vergangenheit das Ausmaß der gegenwärtigen Erfordernisse, welche Möglichkeiten nahen wir, und mit welchen Veränderungen müssen wir an diesem Scheideweg der Weltgeschichte
rechnen?
Ich glaube, wir stehen an einem wirklichen Scheideweg. Unsere Welt
steht vor dem Höhepunkt einer historischen Umwälzung. Eine Woge der
nationalen Unabhängigkeit hat fast alle Entwicklungsländer erfasst, in
denen rund ein Drittel der Menschheit lebt; die industrielle und wissenschaftliche Revolution breitet sich bis in die entlegensten Gebiete der
Erde aus. Die Völker der Erde stehen vor zwei unvereinbaren Auffassungen
vom Wert, von den Rechten und der Rolle des Einzelmenschen.
In den etwa 80 Entwicklungsländern werden in den kommenden Tagen,
Monaten und Jahren zahllose große und kleine Entscheidungen getroffen
werden - Entscheidungen, die zusammengenommen das wirtschaftliche und
soziale System errichten, die politische Führung und Form und die politische Praxis bestimmen und die Gestalt der Institutionen prägen werden, die für ein Drittel der Menschheit entweder Entscheidungsfreiheit
oder Zwang bringen v/erden. Und diese Entscheidungen werden gewaltige
Auswirkungen auf die Gestalt der Welt haben, in der unsere Kinder heranwachsen.1
Afrika ist in unruhiger Bewegung, um seine Unabhängigkeit zu festigen und diese Unabhängigkeit durch wirtschaftliche und soziale Entwicklung für seine Völker sinnvoll zu machen. Das amerikanische Volk
hat seine Sympathie für diese Ziele zum Ausdruck gebracht und immer wieder bekräftigt.
Das freie Asien wendet sich entschlossen gegen die politische,
wirtschaftliche und militärische Herausforderung der' unablässigen Versuche des kommunistischen China, den Kontinent zu beherrschen.
Lateinamerika ist dabei, entscheidende Schritte in Richtung auf
eine wirkliche Demokratie zu tun - und das inmitten eines turbulenten,
raschen sozialen Wandels und angesichts der drohenden Gefahr der kommunistischen Unterwanderung.
Die Vereinigten Staaten können - als die reichste und mächtigste
Nation und als die Nation, die für die Unabhängigkeit der Völker und ein
besseres Leben für alle Menschen eintritt - auf diesem Höhepunkt des
Zeitalters der Entscheidung ebensowenig abseits stehen wie sie sich aus
der Gemeinschaft der freien Nationen lösen können. Unsere Anstrengung
ist nicht nur symbolisch: sie ist auf unsere lebenswichtigen Sicherheitsinteressen gerichtet.
Ich hoffe, daß das amerikanische Volk durch seine Vertreter im Kongreß in diesem Jahr unseren Antrag auf Mittel für die Auslandshilfe aus
diesem Zusammenhang heraus prüfen wird, einen Antrag, der sorgfältig und
ausdrücklich darauf abgestimmt ist, diesen spezifischen Aufgaben gerecht
zu werden. Es handelt sich nicht um eine lästige Bürde. Es handelt sich
vielmehr um ein neues Kapitel unseres Anteils an einem unausgesetzten

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
unausgesetzten lebenswichtigen Kampf - um die konstruktivste, größte
Anforderungen stellende Aufgabe, die größte Aufgabe, die Menschen
jemals um der Freiheit und ihrer Mitmenschen willen auf sich genommen haben.
Geplante Verbesserungen
In einer sich ständig ändernden Welt müssen unsere gemeinsamen
Verteidigungs- und Hilfeprogramme laufend überprüft werden. Meine
in dieser Botschaft enthaltenen Empfehlungen spiegeln die Arbeit des
Clay-Ausschusses, die von dem neuen Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung durchgeführte Untersuchung sowie die Erfahrungen
wider, die im ersten vollen Jahr der Durchführung des vom Kongreß 1961
verabschiedeten neuen und verbesserten Programms gesammelt wurden. In
diesen Untersuchungen besteht grundsätzliche Übereinstimmung, daß
diese HilfeProgramme von großem Wert für unsere eigensten nationalen
Interessen sind, daß ihre grundlegenden Konzeptionen sowie ihre Durchführung, wie sie in der bestehenden Gesetzgebung verankert sind, richtig
sind, daß bei der Verwirklichung dieser Konzeptionen Fortschritte erzielt wurden und weiterhin erzielt werden, daß aber noch viel zu tun
übrig bleibt, um unsere Leistungen zu verbessern und den bestmöglichen
Nutzen aus diesen Programmen zu ziehen.
Ferner besteht in all diesen Untersuchungen grundsätzliche Übereinstimmung hinsichtlich sechs Hauptempfehlungen für die Zukunft.
Ziel Nr. 11 Die Anwendung strengerer Maßstäbe hinsichtlich der
Förderungswürdigkeit und Bereitschaft zur Selbsthilfe bei der Unterstützung der Entwicklungsländer. Diesem Ziel wurde von dem Ausschuß
zur Stärkung der Sicherheit der freien Welt (Clay-Bericht), der die
Meinung vertritt, daß die Anwendung solcher Kriterien zu wesentlichen
Einsparungen bei ausgewählten Progranmen im Laufe der nächsten ein bis
drei Jahre führen könnte, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
In dieser Richtung sind bereits beträchtliche Fortschritte erzielt
worden. Während die Anzahl früherer Kolonien, die ihre Unabhängigkeit
erlangt haben, die Gesamtliste der unterstützten Länder vergrößert hat,
gehen 80 Prozent der gesamten Wirtschaftshilfe gegenwärtig nur an 20
Länder; und die Militärhilfe ist sogar noch enger konzentriert. Der Anteil der Entwicklungsanleihen gegenüber den ausgesprochenen Zuwendungen
hat sich von 10 Prozent auf 60 Prozent erhöht. Wir haben unsere gesamten
Entwicklungsanleihen auf eine "Rückzahlbar-in-Dollar-Basis" gestellt,
und in diesem Jahr verstärken wir - wie der Clay-Ausschuß dies empfahl unsere Bemühungen, die Anleihebedingungen so zu formulieren, daß die
Zinssätze und Fälligkeitstermine mehr als bisher der unterschiedlichen
Finanzkraft der verschiedenen Länder angepaßt sind.
Insbesondere im Rahmen der Allianz für den Fortschritt - und in
zunehmendem Maße auch bei anderen Hilfeprogrammen - wird der Nachdruck
von den Empfängerländern selbst auf Selbsthilfe und auf eigene Reformen

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Reformen gelegt, indem unsere Hilfe als Katalysator für den Fortschritt und nicht als Almosen verwendet wird. Schließlich geben
wir nicht nur - wo immer die Verhältnisse dies gestatten - der
Wirtschafts- gegenüber der Militärhilfe den Vorzug, sondern sehen
uns neuerdings auch Umfang und Zweck der örtlichen Streitkräfte,
die unsere Hilfe empfangen, sehr kritisch an. Die Tatsache, daß
wir bei unserer Militärhilfe eine stärkere Betonung auf die innere
Sicherheit sowie auf den zivilen Einsatz legen, steht im Einklang
mit der Erfahrung, daß militärische Streitkräfte in Entwicklungsländern eine ebenso bedeutende wirtschaftliche wie auch schützende
Rolle spielen können. So wurden beispielsweise in Lateinamerika im
Finanzjahr 1963 die Militärhilfemittel, die für die Unterstützung
von technischen, medizinischen und anderen für Zivilprojekte eingesetzten Einheiten bereitgestellt wurden, mehr als verdoppelt.
Ziel Nr. 2: Das Streben nach einer Reduzierung und schließlichen
Einstellung der amerikanischen Unterstützung dadurch, daß die einzelnen Nationen so schnell wie möglich in die Lage versetzt werden,
auf eigenen Füßen zu stehen. Sowohl den USA als auch den von uns
unterstützten Ländern muß daran gelegen sein, den Punkt zu erreichen,
wo sie aus eigener Kraft wachsen können, den Punkt, wo sie Hilfe von
außen nicht mehr länger benötigen, um ihre Unabhängigkeit zu wahren.
Unser Ziel ist nicht ein willkürlicher Termin für die Einstellung
der Hilfe, sondern eine möglichst weitgehende Vorverlegung des
"Starttermins", des Zeitpunkts also, "wo ihre Volkswirtschaften genügend Schwung gewonnen haben, um sich selbständig weiterzuentwickeln,
und wo sie zur Deckung des wachsenden Kapitalbedarfs nur der gleichen
normalen Quellen der Finanzierung von außen bedürfen, die auch unser
Land viele Jahrzehnte lang in Anspruch genommen hat.
Für einige ist dieses Ziel, was die Wirtschaftshilfe betrifft,
in greifbare Nähe gerückt. Bei anderen wird es länger dauern. Aber
in allen Fällen sollten besondere zur Selbständigkeit führende Programme und Dringlichkeitsstufen festgesetzt werden, einschließlich
jener Maßnahmen, die von den Empfängerländern und allen anderen, die
diesen Ländern zu helfen bereit sind, ergriffen werden müssen.
Die bisherige Entwicklung zeigt deutlich, daß die Auslandshilfe
kein endloser oder unwandelbarer Prozeß ist. Vor fünfzehn Jahren ging
unsere Unterstützung nahezu ausschließlich an die fortgeschrittenen
Länder Europas und an Japan; heute wird sie fast ausschließlich
in die Entwicklungsländer gelenkt. Vor zehn Jahren wurde der größte
Teil unserer Hilfe zur Stärkung der militärischen Streitkräfte und
labilen Volkswirtschaften verwendet; inzwischen wurde diese Hilfe
auf die Hälfte reduziert, und unsere Unterstützung kommt in zunehmendem
Maße der wirtschaftlichen Entwicklung zugute. Es gibt jedoch noch wichtige Fälle, in denen sich die militärische Drohung des Kommunismus nicht
verringert hat und sowohl Militär- als auch Wirtschaftshilfe noch erforderlich ist. Die Reihe solcher Fälle reicht von relativ stabilen
Grenzen wie in Korea und der Türkei bis zu Gebieten aktiver Aggression
wie Vietnam.
Ziel

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Ziel Nr. 3 : Sicherstellung einer größeren Beteiligung anderer
Industrienationen an den Kosten der internationalen Entwicklungshilfe.
Die Vereinigten Staaten stehen bei der Unterstützung der Entwicklungsländer nicht mehr allein, und ihr anteilmäßiger Beitrag zu den Kosten
verringert sich. Der Fluß der Geldmittel aus anderen Industrieländern
der sich gegenwärtig auf insgesamt 2 Milliarden Dollar im Jahr beläuft
dürfte anhalten; und wir rechnen mit einer noch engeren Zusammenarbeit
mit diesen Ländern, um unsere gemeinsamen Bemühungen in wirksamster
Weise zum Tragen zu bringen. Ferner haben die internationalen Kreditinstitutionen sowie die für die technische Unterstützung zuständigen
Einrichtungen, für die wir große Beiträge leisten, das Programm sowie
den Umfang ihrer Tätigkeit erweitert; und wir rechnen mit einer Ergänzung dieser Hilfsquellen von Fall.zu Fall in Verbindung mit größeren Beiträgen seitens anderer Länder. Wir werden weiterhin mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten und sie auffordern, ihre Hilfeanstrengungen zu intensivieren und ihre Unterstützung zu Bedingungen
zu gewähren, die für die Entwicklungsländer weniger beschwerlich sind.
Ziel Nr. 4 : Abschwächung nachteiliger Auswirkungen des Hilfeprogramms auf unsere eigene Zahlungsbilanz und auf unsere eigene
Wirtschaft. Noch vor wenigen Jahren wurde mehr als die Hälfte der
Mittel der amerikanischen Wirtschaftshilfe im Ausland ausgegeben, was
zum Abfluß unserer Dollar und unseres Goldes beitrug. Über achtzig
Prozent der für die Einhaltung unserer bis dato gegebenen Zusicherungen erforderlichen Mittel werden nun in den Vereinigten Staaten ausgegeben werden, was zum Wachstum unserer Wirtschaft und der Beschäftigungsmöglichkeiten beitragen wird.. Dieser Anteil wird in dem Maße
steigen, in dem weitere Maßnahmen zu diesem Zweck ergriffen werden.
Ich möchte hinzufügen, daß unsere Zahlungsbilanzsituation heute durch
die Rückzahlung von Anleihen, die den europäischen Ländern im Rahmen
des Marshall-Plans und seitens der Export-Import-Bank gewährt wurden,
günstig beeinflußt wird. Ich bin überzeugt, daß wir in Zukunft, wenn
das Einkommen in den Entwicklungsländern ansteigt, ähnlichen Nutzen
aus den Anleihen ziehen werden, die wir jetzt diesen Ländern gewähren.
Unserer Wirtschaf t wird ebenfalls durch die Ausweitung kommerzieller Exporte auf Länder geholfen, deren gegenwärtiges Wachstum und
deren Prosperität durch die amerikanische Wirtschaftshilfe in früheren Jahren angespornt wurde . Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben
sich unsere Exporte nach Westeuropa und Großbritannien mehr als verdoppelt, und unsere Exporte nach Japan haben um das Vierfache zugenommen. Ebenso können wir damit rechnen, daß sich die Handelsmöglichkeiten mit denjenigen Ländern in Zukunft ausweiten werden, deren wirtschaftliche Entwicklung wir im Augenblick fördern,
überdies verwenden wir unsere Agrarprodukte in steigenden Maße
im Rahmen des Lebensmittel-für-den-Frieden-Programms, um das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer anzuregen und zur Verwirklichung anderer außenpolitischer Ziele der USA beizutragen. In
dem Maße, wie sich die Volkswirtschaften dieser Länder aufwärtsentwickeln, ermutigen wir sie, bei diesen Waren von Verkäufen^ in ausländischer Währung zu Bar- oder Dollarkreditverkäufen überzugehen.
Die

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Die anteilmäßige Last unserer Unterstützungsprogramme ist
ständig vermindert worden - von rund 2 Prozent unseres Bruttosozialprodukts bei Anlaufen des Marshall-Plans auf 0,7 Prozent
heute, von 11,5 Prozent des Bundeshaushalts im Jahre 1949 auf gegenwärtig 4 Prozent.
Obwohl diese Zahlen erkennen lassen, daß unsere Hilfeprogramme relativ gesehen - heute beträchtlich weniger Kosten als noch vor zehn oder
fünfzehn Jahren, setzen wir dennoch unsere Bemühungen fort, um sie
wirksamer zu gestalten und den Gewinn aus jedem investierten Dollar
zu vergrößern. Das Personal, die Verfahren und die Durchführung werden
ständig verbessert. Eine Anzahl von Außenstellen sind geschlossen, verkleinert oder mit den Botschaften oder regionalen Dienststellen zusammen
gelegt worden. Diese Bemühungen um größere Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit werden unter dem neuen Administrator noch beschleunigt
werden .
Ziel Nr. 5 : Fortsetzung der Verteidigungsunterstützung für die
von einem kommunistischen Angriff von innen oder außen her bedrohten
Länder. Unser Militärhilfeprogramm war ein entscheidender Faktor, um
die sowjetische und chinesische Militärmacht über zehn Jahre lang
verhältnismäßig fest in ihren Grenzen zu halten. Ohne den Schutz dieses Programms wäre der erhebliche wirtschaftliche Fortschritt der an
den sino-sowjetischen Bereich grenzenden Entwicklungsländer kaum möglich gewesen. Mit dem Aufbau ihrer wirtschaftlichen Stärke werden
diese Länder auch einen größeren Teil der Lasten ihrer Verteidigung
übernehmen können. Wir dürfen jedoch nicht annehmen, daß die Militärhilfe für diese Länder - oder für andere, die vor allem einem
subversiven Angriff von innen her ausgesetzt sind - in absehbarer Zukunft eingestellt werden kann. Im Gegenteil: wenn es auch möglich sein
wird, das eine oder andere Programm zu reduzieren oder einzustellen,
so müssen wir doch mit der Notwendigkeit neuer und erweiterter Programme rechnen.
Indien ist ein Modellfall. Es kann kaum noch bezweifelt werden,
daß es klug war, die bemerkenswerten und erfolgreichen Bemühungen des
indischen Subkontinents um Fortschritt und Stabilität durch amerikanische Hilfeleistungen zu unterstützen. Die Bedrohung, die durch den
chinesischen Angriff auf Indien im vergangenen Herbst offenbar wurde,
wird vielleicht weitere Anstrengungen unsererseits erforderlich machen,
um die Sicherheit dieses entscheidend wichtigen Gebietes zu stärken,
unter der Voraussetzung, daß diese Anstrengungen durch entsprechende
Leistungen Indiens und Pakistans ergänzt werden.
Im großen und ganzen ist jedoch der Umfang der Militärhilfe
gering im Verhältnis zu den Ausgaben für unsere nationale Sicherheit;
in diesem Finanzjahr beläuft sie sich auf rund 3 Prozent unseres
Verteidigungsbudgets. "Dollar für Dollar", so erklärte der Clay-Ausschuß unter besonderer Bezugnahme auf die Grenzgebiete, "tragen diese
Programme mehr zur Sicherheit der freien Welt bei als entsprechende
Posten in unseren Verteidigungsbewilligungen... Diese Länder stellen

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stellen mehr als zwei Millionen Soldaten, die zum überwiegenden Teil
für jeden Notfall gerüstet sind." Ohne Zweifel würde - wenn es dieses
Programm nicht gäbe - unser Verteidigungsbudget erheblich erhöht werden müssen, um einen gleichwertigen Beitrag zur Verteidigung der freien
Welt zu leisten.
Ziel Nr. 6: Stärkere Heranziehung privater Investitionen sowie
anderer nichtstaatlicher Hilfsquellen bei der Unterstützung der Entwicklungsländer. In den vergangenen Monaten sind eine Reihe neuer Maßnahmen ergriffen worden, um Erfahrung und Können einer Vielzahl von
privaten Organisationen und Einzelpersonen hier in den USA für dieses
Programm zu mobilisieren. Genossenschaften sowie Spar- und Darlehensverbände haben sich sehr aktiv für die Schaffung ähnlicher Einrichtungen im Ausland, insbesondere in Lateinamerika, eingesetzt. Unsere landwirtschaftlichen Hochschulen und die Universitäten schalten sich zunehmend in unsere verschiedenen Programme ein, um bei der Entwicklung
von Agrargebieten in Übersee zu helfen. In Lateinamerika sind beispielsweise bereits 37 amerikanische Universitäten und landwirtschaftliche
Hochschulen am Werk - und eine weitere erhebliche Steigerung dieser
Arbeit ist im kommenden Jahr zu erwarten. Führende Persönlichkeiten
des öffentlichen und privaten Lebens aus dem Staat Kalifornien beraten
mit den zuständigen Stellen in Chile, wie die Möglichkeiten und Hilfsmittel eines bestimmten Bundesstaates besser auf die Unterstützung eines
bestimmten Landes ausgerichtet werden können. Die Gewerkschaften, Stiftungen, Handelsverbände, Berufsvereinigungen und viele andere Institutionen verfügen ebenfalls über Wissen und Hilfsmittel, die wir in
immer stärkerem Maße heranziehen, um den ganzen Komplex privater und
öffentlicher Einrichtungen, von denen unser eigenes nationales Leben
abhängt, systematischer und sinnvoller bei diesem wichtigen Prozeß des
nationalen Aufbaues einzusetzen. Dem Modernisierungsprozeß liegt das
zentrale Problem der Schaffung, Anpassung und Verbesserung der Institutionen zugrunde, ohne die keine moderne Gesellschaft auskommen kann.
Privatinvesti tJonen
Die wichtigste neue Initiative im diesjährigen Programm erstreckt
sich auf unsere verstärkten Bemühungen, die Investition von Privatkapital in den Entwicklungsländern zu ermutigen. Bei der Förderung amerikanischer Privatinvestitionen durch die Gewährung von Investitionsgarantien - bisher in Höhe von 900 Millionen Dollar -, durch Kostenbeteiligung an Investitionsprüfungen, Anleihen in Landeswährung und
andere nach den gegenwärtigen Gesetzen mögliche Maßnahmen ist bereits
ein beachtlicher Fortschritt erzielt worden. Allein während der ersten
Hälfte des laufenden Haushaltsjahres wurden privaten Firmen 7,7 Millionen Dollar in Landeswährung als Anleihen zur Verfügung gestellt.
Ich glaube jedoch, daß sowohl von seiten der Regierung durch eine
verstärkte Tätigkeit des Amtes für Internationale Entwicklung (AID)
als auch auf gesetzgeberischem Gebiet durch den Kongreß noch viel mehr
getan werden müßte. Von Regierungsseite werden unsere Botschafter und
Missionen im Ausland angewiesen, bei ihren Verhandlungen mit den

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den Entwicklungsländern nachdrücklicher darauf hinzuweisen, wie
wichtig es ist, die privaten Hilfsquellen voll auszuschöpfen und
das Klima sowohl für einheimische wie auch für ausländische Privatinvestitionen zu verbessern. Insbesondere bin ich darüber besorgt,
daß das Investitionsgarantieprogramm in einigen Ländern nicht in
vollem Umfang durchgeführt werden kann, da es die dortigen Regierungen
versäumen, die normalen, zwischenstaatlichen Zusicherungen bezüglich
der Investitionsgarantien zu geben.
Darüber hinaus wird auch das Amt für Internationale Entwicklung
(AID) seine eigene Tätigkeit bea-üglich der Förderung der privaten
Wirtschaftstätigkeit verstärken und ausweiten - sowohl hinsichtlich
der Bemühungen, den Entwicklungsländern beim Aufbau einer starken
Privatwirtschaft zu helfen, als auch hinsichtlich der Einrichtungen,
durch die Kapital und technisches Können der Privatwirtschaft für die
wirtschaftliche Entwicklung mobilisiert werden.
Auf gesetzgeberischem Gebiet empfehle ich folgendes:
a. Eine Änderung der Steuerbestimmungen für einen Versuchszeitraum, um amerikanischen Steuerzahlern die Möglichkeit zu geben, Neuinvestitionen in Entwicklungsländern abzusetzen, was auch in gewissem
Umfang für Reinvestitionen ihrer Gewinne in diesen Ländern gelten
sollte. Eine solche Steuererleichterung dürfte durch die Ermöglichung
höherer Kapitalerträge wesentlich dazu beitragen, daß weitere Privatinvestitionen in den Entwicklungsländern getätigt werden. Der Ausschuß
amerikanischer Geschäftsleute für die Allianz für den Fortschritt hat
eine solche Maßnahme empfohlen.
b. Eine Änderung der Bestimmungen für Investitionsgarantien im
Auslandshilfegesetz, um das Garantieprogramm zu erweitern und klar
zu umreißen.
Der wirtschaftliche und soziale Fortschritt kann nicht von den
Regierungen allein erreicht werden. Die wirksame Beteiligung des
fortschrittlichen amerikanischen Geschäftsmannes, insbesondere in
Verbindung mit Privatinteressen in dem Entwicklungsland selbst,
bringt im Entwicklungsprozeß nicht nur die finanzielle Investition,
sondern auch seine technischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnisse
ins Spiel. Seine erfolgreiche Beteiligung trägt wiederum dazu bei,
das Klima des Vertrauens zu schaffen, das so entscheidend wichtig
ist, um das lebensnotwendige ausländische und inländische Kapital
anzuziehen und zu halten. Wir begrüßen und ermutigen jede Initiative,
die in Lateinamerika auf dem privaten Sektor ergriffen wird, um das
industrielle Wachstum zu beschleunigen, und hoffen, daß auch in anderen
Entwicklungsländern ähnliche kooperative Anstrengungen gemacht werden.
Die Allianz für den Fortschritt
Die Erfolge der Allianz für den Fortschritt in den kommenden
Jahren werden - in einem ganz besonderen Sinne - Maßstab unserer

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unserer Entschlossenheit, unserer Ideale und unserer Klugheit und
Besonnenheit sein. In diesem vergangenen Jahr ist unsere Fähigkeit
und Findigkeit als Volk gerade hier in der westlichen Hemisphäre
in ganz eindeutiger Weise auf die Probe gestellt worden. Wir handelten
unverzüglich, um der Bedrohung durch aggressive Kernwaffen auf Kuba
zu begegnen, und wir fanden die Nationen Lateinamerikas auf unserer
Seite. Ihnen wurde ebenso wie uns erneut bewußt, welche Gefahr darin
liegt, zuzulassen, daß die Armut und Hoffnungslosigkeit eines ganzen
Volkes irgendwo hier auf diesem Kontinent lange währt.
Hätte man die Bedürfnisse des kubanischen Volks in der Zeit vor
Castro befriedigt - seinen Wunsch nach Nahrungsmitteln, Wohnraum, Bildung und Arbeit sowie, allem voran, sein Verlangen nach demokratischer
Mitbestimmung in der Erfüllung seiner eigenen Hoffnungen - dann hätte
es weder einen Castro noch Raketen auf Kuba gegeben und die Nachbarn
Kubas hätten sich nicht dem gewaltigen Risiko des Widerstands gegen
eine drohende Aggression von seiten dieser Insel auszusetzen brauchen.
Es gibt nur einen einzigen Weg, um zu vermeiden, in
Zukunft einem ähnlichen Dilemma gegenüber zustehen. Man muß in allen
Ländern Lateinamerikas die Hoffnung wecken und den Völkern dieses Kontinents zu verstehen geben, daß sie für sich eine bessere Zukunft gestalten können - nicht dadurch, daß sie den unmenschlichen Geboten
einer fremden und zynischen Ideologie folgen, sondern dadurch, daß
sie ihrem eigenen Wollen Ausdruck verleihen, sich ein eigenes Urteil
bilden und verantwortungsbewußt als Bürger handeln.
Als Amerikaner haben wir seit langem die Rechtmäßigkeit dieser
Bestrebungen anerkannt. In den vergangenen Monaten haben wir - wie
nie zuvor - erkennen können, welche Dringlichkeit ihnen zukommt und,
wie ich meine, durch welche konkreten Maßnahmen sie sich verwirklichen
lassen.
In weniger als zwei Jahren ist aus dem ZehnJahresprogramm der
Allianz für den Fortschritt mehr geworden als eine Idee, mehr als eine
Verpflichtung von Regierungen. Die notwendige erste Anstrengung, um
Pläne auszuarbeiten, Institutionen zu errichten, zu erproben und zu
prüfen - haben eine neue Hingabe und Bereitschaft erforderlich gemacht
und wachgerufen - eine neue Bereitschaft zum klugen Kompromiß zwischen
alten und neuen Lebensformen. Auf lange Sicht wird diese Anstrengung
und nicht die Drohung des Kommunismus das Schicksal der Freiheit in
der westlichen Hemisphäre bestimmen.
Diese Jahre waren für keine Gruppe in Lateinamerika leicht.
Eine ähnliche Änderung der grundlegenden Ausrichtung unserer eigenen
Gesellschaft wäre gewiß nicht leichter gewesen. Die Schwierigkeit
der herbeizuführenden Veränderungen läßt den Erfolg vieler Nationen
in Lateinamerika bei der Durchführung von Reformen, die ihren fundamentalen wirtschaftlichen und sozialen Aufbau gesünder und auch gerechter gestalten helfen, in einem noch helleren Licht erscheinen.
Einige
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Einige eindrucksvolle Erfolge sind bereits sichtbar geworden.
In den meisten Ländern dieses Gebietes werden immer mehr neue Wohnungen gebaut. Die Ausbildungsmöglichkeiten wachsen rasch. Der
Straßenbau schreitet insbesondere in landwirtschaftlichen Gebieten
schnell voran. Mit Hilfe von amerikanischen Geldern werden über zwei
Millionen Schulbücher verteilt, um dem Analphabetentum bei etwa der
Hälfte der 210 Millionen Bewohner Lateinamerikas zu Leibe zu rücken.
In den Ländern der Allianz für den Fortschritt wird die Ernährung
von 8 Millionen Kindern und Müttern durch Lebensmittel
aus dem Programm "Nahrungsmittel für den Frieden" ergänzt, und diese Zahl dürfte
im nächsten Jahr auf fast 16 Millionen anwachsen.
In dem von Unruhen heimgesuchten Nordosten Brasiliens wird
im Rahmen eines Abkommens mit dem Land Rio Grande do Norte ein Programm in Angriff genommen, um 3000 Lehrer auszubilden, 1000 Klassenräume, zehn Berufsschulen, acht Volksschulen und vier Lehrerbildungsstätten zu errichten. In Venezuela ist ein 30-Millionen-DollarProjekt zur Beseitigung von Elendsvierteln in Angriff genommen worden.
In Bogota in Kolumbien wächst auf dem Gebiet des ehemaligen Flugplatzes
eine neue Stadt für 71 000 Menschen, die sich mit Unterstützung des
Treuhandfonds für Sozialen Fortschritt ihre Wohnungen selbst bauen.
In diesem Jahr habe ich einen Brief von Senor Argemil Plazas
Garcia erhalten, den ich bei der Einweihung eines Wohnungsbauprojekts im Rahmen der Allianz für den Fortschritt in Bogota traf. Er
schreibt mir: "Heute lebe ich mit meinen dreizehn Kindern in diesem
Haus, und wir sind sehr glücklich, daß wir solche Armut nicht mehr
kennen und nicht mehr wie Ausgestoßene von Ort zu Ort ziehen müssen.
Wir wissen jetzt, was Würde und Freiheit ist... Meine Frau, meine
Kinder und ich schreiben Ihnen diesen einfachen Brief, um Ihnen den
herzlichen Dank der kolumbianischen Freunde auszusprechen, die nunmehr ein Heim haben, in dem sie glücklich leben können." Zahlreiche
Anfänge der Selbsthilfe und der Reformen zeichnen sich jetzt ab, die
von noch größerer und weitreichender Bedeutung sind. Seit 1961 haben
elf lateinamerikanische Länder - Argentinien, Brasilien, Bolivien,
Kolumbien, Chile, Costa Rica, die Dominikanische Republik, El
Salvador, Mexiko, Panama und Venezuela - strukturelle Reformen in
ihren Steuersystemen vorgenommen. Zwölf Länder haben ihre Einkommensteuergesetzgebung und ihre Steuerverwaltung verbessert. In Venezuela,
der Dominikanischen Republik und zwei Staaten Brasiliens sind umfassende Programme zur besseren Bodennutzung und zur Landreform in
Angriff genommen worden. Verhältnismäßig begrenzte Pläne werden
gegenwärtig in Chile, Kolumbien, Panama, Uruguay und Mittelamerika
durchgeführt.
Sechs lateinamerikanische Länder - Kolumbien, Chile, Bolivien,
Honduras, Mexiko, und)Venezuela - haben dem Expertenausschuß der Organisation Amerikanischer Staaten Entwicklungsprogramme unterbreitet. Dieses Gremium hat die Pläne der ersten drei Länder analysiert
und darüber Bericht erstattet; zu den Plänen der restlichen Länder
soll in Kürze berichtet werden.
w^v,
Wenn

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Wenn man berücksichtigt, was in Jahrzehnten versäumt worden
ist, oder daß die grundlegenden Probleme nur gelegentlich Aufmerksamkeit fanden, dann ist der Anfang, der gemacht worden ist, ermutigend. Vielleicht am bedeutsamsten von alledem aber ist der Wandel,
der sich im Fühlen und Denken der Menschen vollzogen hat - ein
zunehmender Wille, ihr Land zu entwickeln. Wir können den Lateinamerikanern nur helfen, sich selbst zu helfen. Aus diesem Grunde
ist die zunehmende Entschlossenheit der Völker dieses Gebietes,
moderne Gesellschaften aufzubauen, so erfreulich. Und aus diesem
Grunde müssen auch die verantwortlichen Politiker in Lateinamerika
auf den Willen des Volkes mit einem größeren Verständnis für die
dringenden Aufgaben und Ziele reagieren, damit aus Erwartungen nicht
Enttäuschung, aus Hoffnung nicht Verzweiflung wird. Die anstehenden
Reformgesetze müssen verabschiedet werden, aus Worten müssen Taten
werden, und der Mechanismus zur Durchführung der Programme muß aufgebaut und verstärkt werden. Das sind keine leichten Schritte, wie
wir aus eigener Erfahrung wissen, aber sie müssen getan werden.
Wir selbst beabsichtigen, unsere Unterstützung in Lateinamerika
auf jene Länder zu konzentrieren, die sich an die in der Charta von
Punta del Este niedergelegten Prinzipien halten, und mit unseren Nachbarn zusammenzuarbeiten, um genauer die besonderen politischen
Fluktuationen, Reformen und andere Maßnahmen•der Selbsthilfe aufzuzeigen, die notwendig sind, um unsere Hilfe wirksam zu gestalten
und der Allianz zum Erfolg zu verhelfen. Die Empfehlung des ClayAusschusses, unsere Bemühungen um die Förderung einer wirtschaftlichen Integration innerhalb dieses Gebietes und die Ausweitung
des Handels zwischen den lateinamerikanischen Ländern zu verstärken,
ist überaus wertvoll. Die Entschlossenheit der mittelamerikanischen
Präsidenten, sich kühn in dieser Richtung zu bewegen, hat mich während
meines jüngsten Zusammentreffens mit ihnen in San Jose, Costa Rica,
sehr beeindruckt; und das Amt für Internationale Entwicklung hat bereits ein Regionalbüro in Mittelamerika eröffnet, unterstützt eine
regionale Entwicklungsbank und beteiligt sich an regionalen Handelskonferenzen.
In den ersten zwei Jahren der Allianz für den Fortschritt ist
ein Anfang gemacht worden, aber die Arbeit, die noch vor uns liegt,
muß fortlaufend schnellstens in Angriff genommen werden. Zahlreiche
Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jahrzehnt sind vorhanden, und
der grundsätzliche Kurs für die Zukunft ist klar. Es liegt nun bei
allen Partnern der Allianz»stetig die Kräfte und den Willen aufzubieten, die notwendig sind, um unerschütterlich diesen Kurs zu verfolgen .
Die gesetzgeberischen Maßnahmen für dieses Jahr
Wenn man die vorerwähnten Tatsachen und Grundsätze in Programmkosten und Bewilligungen umsetzt, und zwar auf der Grundlage der Anwendung der vorher dargelegten und vom Clay-Ausschuß bekräftigten
Maßstäbe, dann ergibt sich folgendes Bild:
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1. Mehr als 200 Millionen Dollar an Mitteln der Wirtschaftshilfe, die gegenwärtig verfügbar sind, dürften im laufenden Finanzjahr eingespart und nicht verwendet werden; und mehr als 100 Millionen Dollar dieser nicht verwendeten Mittel werden für künftige Anleihezwecke verfügbar sein;
2. Zusätzlich zu den eingesparten Mitteln, die in das nächste
Jahr hinübergenommen werden, hat eine genaue Prüfung ergeben, daß eine
Anzahl von Reduzierungen der ursprünglichen Haushaltsvoranschläge für
die Wirtschafts- und Militärhilfe vorgenommen werden können, ohne daß
die nationalen Interessen dadurch ernstlich in Mitleidenschaft gezogen
werden •
Diese Faktoren zusammengenommen erlauben eine Kürzung des ursprünglichen Haushaltsvoranschlages von 4»9 Milliarden Dollar auf 4»5 Milliarden Dollar. Dieser Betrag bringt - in Übereinstimmung mit den Maßstäben und Empfehlungen - die erwarteten Reduzierungen der Militär- und
Wirtschaftshilfe für eine Reihe von Ländern sowie unvermeidbare Erhöhungen für andere zum Ausdruck. Die wesentlichen für die Bewilligungen des Jahres 19^4 vorgeschlagenen Netto-Erhöhungen sind folgende:
- zusätzliche 525 Millionen Dollar für Anleihen in Lateinamerika
- davon 125 Millionen Dollar durch das Amt für Internationale Entwicklung (AID) und 200 Millionen Dollar durch den Treuhandfonds für Sozialen Fortschritt, der von der Interamerikanischen Entwicklungsbank für
die Vereinigten Staaten verwaltet wird (wofür im Haushaltsjahr 19&amp;5
keine Bewilligung notwendig war, da im Jahr zuvor eine zweijährige Bewilligung ausgesprochen wurde);
- zusätzliche 85 Millionen Dollar für Anleihen in der übrigen Welt,
vor allem für Länder wie Indien, Pakistan und Nigeria, die jenem Höhenniveau der Selbsthilfe und des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts gerecht werden, das es ermöglicht, unsere Hilfe auf die
schließliche volle Selbständigkeit abzustellen;
- zusätzliche 80 Millionen Dollar für die Militärhilfe, einschließlich der erhöhten Anforderungen für Indien (wobei die Summe
noch weit unter dem Stand im Haushaltsjahr 1961 liegt); und
- zusätzliche 50 Millionen Dollar für den Nothilfe-Fonds, der
die für unsere eigene Sicherheit notwendige Flexibilität gewährleistet. Wir können und dürfen die Möglichkeit nicht außer acht lassen,
daß in Gebieten, die heute ruhig erscheinen, neue Bedrohungen - ähnlich denen in Laos oder Vietnam - auftreten oder daß sich neue Chancen
bieten, große Erfolge für die Sache der Freiheit zu erzielen. Die Auslandshilfepolitik kann ebensowenig unbeweglich sein wie die Außenpolitik
selbst.
Ich halte es für notwendig und wünschenswert, daß diese Mittel
vom Kongreß zur Verfügung gestellt werden, um den Anforderungen des
Programms gerecht zu werden und für neue Möglichkeiten des Programms

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Programms zur Verfügung zu stehen. Mittel, die auf Grund der verschärften Maßstäbe für die Auswahl und Durchführung von Projekten,
unseres Hilfeprogramms nicht benötigt werden, sollen, wie auch im
laufenden Jahr, nicht ausgegeben oder bereitgestellt werden.
Die Änderungen in der Gesetzgebung, die ich hiermit vorschlage,
berühren die Grundzüge des Aufbaus und der Zielsetzung des Auslandshilfegesetzes von 1961 in seiner geänderten Form nicht. Grundsätzliche
Änderungen dieser Gesetzgebung scheinen heute nicht notwendig.
Eine relativ geringfügige Änderung, die ich vorschlage, betrifft
die getrennte Ausgabeermächtigung für die Bewilligung der Mittel zur
Unterstützung amerikanischer Schulen und Krankenhäuser im Ausland. Eine
Reihe dieser von Amerikanern geförderten Schulen sind in den Entwicklungsländern sehr erfolgreich gewesen, indem sie eine nach amerikanische
Maßstäben ausgerichtete Ausbildung boten. Bisher ist ihnen eine gewisse
Unterstützung aus den allgemeinen Mitteln für die Wirtschaftshilfe zugeflossen, aber das hat sich in zunehmendem Maße als unzweckmäßig erwiesen. Getrennte Ausgabeermächtigungen und Bewilligungen würden dazu
dienen, diesen Schulen die Durchführung eines langfristigen Ausbildungsprogramms zu ermöglichen, und es ihnen erleichtern, sich auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen und, soweit überhaupt möglich, eines
Tages von amerikanischer Regierungsunterstützung unabhängig zu werden.
Schließlich ersuche ich den Kongreß, im Rahmen dieser Gesetzgebung
den Abschnitt des Gesetzes über die Ausweitung des Handels zu ändern,
der verlangt, daß Importe aus Polen und Jugoslawien nicht die gleiche
Zollbehandlung erfahren dürfen wie andere. Es wäre zweckmäßig, diese
Änderung in dieses (Auslandshilfe-) Gesetz einzubauen,zumal ich davon
überzeugt bin, daß der Handel und andere Formen normaler Beziehungen
für unsere künftigen Beziehungen zu diesen Ländern eine gesündere
Basis darstellen als die Hilfe.
Zusammenfassung
Lassen Sie mich abschließend noch einmal die überragende Bedeutung
der Bemühungen unterstreichen, denen wir uns verschrieben haben.
An diesem Punkt der Geschichte können wir auf zahlreiche Erfolge
in dem Kampf um die Erhaltung der Freiheit zurückblicken. Tag für Tag
erringt unser Land in den Elendsvierteln und den kleinen Dörfern, in
den Krankenhäusern und Schulen sowie in den Regierungsämtern einer
Welt, die entschlossen ist, sich emporzuarbeiten, unbemerkte Siege
im Kampf gegen die kommunistische Subversion. Zwei Jahrhunderte der
Pionierarbeit und des Wachstums müssen auf Jahrzehnte, ja sogar Jahre
zusammengedrängt werden. Es ist dies ein Tätigkeitsbereich, für den
uns unsere Geschichte prädestiniert, zu dem uns unsere Aspirationen
drängen und auf den uns unsere nationalen Interessen hinlenken.
Überall

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Überall auf der Welt zeigen sich - für alle sichtbar - Risse
in dem monolithischen Block unseres Gegners. Für das amerikanische
Volk ist dies eine Zeit, in der es gilt, mit Weitblick, Geduld,
Fleiß und Klugheit zu handeln. Ob zum Guten oder Schlechten: wir
geben das Tempo an. Die Führungsmacht der Freiheit darf nicht
nachlassen oder zögern, soll nicht ein anderer das Tempo bestimmen.
Wir haben es gewagt, die sechziger Jahre das Jahrzehnt der
Entwicklung zu nennen. Doch nicht die Ausdruckskraft unserer Schlagworte, sondern das Maß an Beharrlichkeit, das wir aufbringen, wird
darüber entscheiden, ob diese Generation von Amerikanern die führende Rolle verdient, die die Geschichte uns übertragen hat.

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�A M E R I K A

D I E N S T

W1./17-5.1963
DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE VERHANDLUNGEN
ZUR AUSWEITUNG DES HANDELS
Hintergrundanalyse

Das amerikanische Gesetz über die Ausweitung des Handels
(Trade Expansion Act) und die in den Vereinigten Staaten angelaufenen Vorbereitungen, seine Bestimmungen so weitgehend wie
möglich auszuschöpfen, basieren auf der Überzeugung, daß eine
Ausweitung des Welthandels die Prosperität aller Völker mehren
wird. Das Gesetz leitet sich direkt aus dem Gesetz über gegenseitige Handelsabmachungen von 1934 (Reciprocal Trade Agreements Act)
her und soll die Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Abbau
internationaler Handelsschranken nicht nur fortführen, sondern
noch intensivieren. Die Vereinigten Staaten erhoffen von einer internationalen Arbeitsteilung, welche die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile nahelegen, nicht nur für sich selbst, sondern
auch für ihre Handelspartner (darunter insbesondere die Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft - EWG) und Drittländer in allen Teilen der
Welt günstige Auswirkungen. Diese liberale Einstellung zum Welthandel hat ihren Ursprung in den politischen und wirtschaftlichen
Reformen der dreißiger Jahre, die eine Abkehr von dem aus der Depression geborenen Protektionismus einleiteten. Sie war das ausschlaggebende Moment, das die Vereinigten Staaten zur Mitarbeit
im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on
Tariffs and Trade - GATT) und bei allen während der Nachkriegszeit
geführten Verhandlungen bestimmte, die auf den Abbau der Handelsschranken abzielten. Den ausländischen Produzenten eröffnete sie
den Zutritt zum größten und reichsten einheitlichen Markt der Erde
in bisher einmaligem Umfang.
Der Erfolg der Bemühungen der USA um die Ausweitung des Welthandels läßt sich an der zu verzeichnenden Senkung der US-Zölle
und auch an der Erhöhung der Einfuhren gegenüber dem Zeitraum von
1931 bis 1935 ablesen. Damals beliefen sich die amerikanischen Zölle
ad valorem im Durchschnitt auf 50 Prozent, 1961 nur noch auf 12 Prozent; im gleichen Zeitraum stiegen die amerikanischen Einfuhren von
durchschnittlich 1,7 Mrd. Dollar im Jahr auf 14,6 Mrd.
Die Regierung Kennedy hat klar zu verstehen gegeben, da.ß sie
das neue Handelsgesetz, das die Voraussetzung für eine einschneidende und umfassende Senkung der Zölle auf der Basis der Gegen-

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�"AMERIKA DIENST" - '.VIRTSCHAFT UND ARBEIT
Gegenseitigkeit schafft, als die wichtigste gesetzgeberische Maßnahme der beiden ersten Jahre ihrer Amtstätigkeit ansieht. Unmittelbar nachdem Präsident Kennedy die Zustimmung des Kongresses zu diesem Gesetz erwirkt hatte, gab er den Anstoß zur Aufnahme von Verhandlungen mit dem Ziel, die nunmehr gegebenen Möglichkeiten zum Abbau
der Zölle voll zu nutzen.
Die vorliegende Analyse soll die wichtigsten Bestimmungen des
Trade Expansion Act zusammenfassend darstellen, das Verfahren erläutern, durch das die Vereinigten Staaten die Änderungen der USZollsätze zu erreichen suchen, die Haltung der USA zu den Fragen
umreißen, die voraussichtlich bei den Verhandlungen auf Grund des
Trade Expansion Act zur Sprache kommen werden, und die amerikanische
Ansicht auch zu anderen Formen der Behinderung des Handels umreißen.
I. Das Gesetz über die Ausweitung des Handels (Trade Expansion Act)
Die Zielsetzungen
Sinn und Zweck des Trade Expansion Act lassen sich vielleicht
am besten an den Motiven ablesen, die Präsident Kennedy bewogen haben, sich für seine Annahme einzusetzen.
1 . Die Industriestaaten unter den Handelspartnern der Vereinigten Staaten haben sich während der GATT-Verhandlungen des Jahres 1961
(der sog. Dillon-Runde) darüber beklagt, daß die Vereinigten Staaten
viel zu geringe Zollkonzessionen anzubieten haben, um weiter gehende
Konzessionen von ihrer Seite zu rechtfertigen. Diese Beschränkung
war eine Folge der Bestimmungen des damals geltenden Reciprocal Trade
Agreements Act. In der Erkenntnis, daß dieser keine Möglichkeit zu
Senkungen der amerikanischen Außenhandelszölle über den erreichten
Punkt hinaus bot, entschloß sich die Regierung Kennedy, den Kongreß
um weiter gehende diesbezügliche Vollmachten zu ersuchen.
2. Präsident Kennedy war zu der Auffassung gelangt, daß die
amerikanische Wirtschaft dringend des Anreizes bedürfe, den ein verschärfter Wettbewerb auf den heimischen und ausländischen Märkten mit
sich bringen mußte. Im Sinne der genannten liberalen Grundkonzeption
der Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten will Präsident Kennedy
die amerikanische Industrie dem Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz unter dem geringstmöglichen Schutz durch Zollmauern aussetzen.
Gleichzeitig will er damit erreichen, daß die Weltmärkte den amerikanischen Exportgütern mehr als bisher geöffnet werden.
3. Die Vereinigten Staaten hoffen, mit dem wachsenden Gemeinsamen
Markt in Europa eine Regelung aushandeln zu können, die die Gewähr für
einen expandierenden Güteraustausch mit diesem wichtigen Markt bietet.
Vor den Zollverhandlungen von 1961 betrugen die EWG-Zölle im arithmetischen Mittel etwa 14 Prozent, die Zölle der Vereinigten Staaten 12
Prozent. Geht man von den Einfuhren aus, so lagen die Gemeinsamen
Außenzöl\Ltarife der EWG bei etwa 5,7 Prozent, die der USA bei 7,1 Prozent. Wegen der Vielschichtigkeit der Zollstruktur ist solchen Angaben
als Maßstab nur ein relativer Wert beizumessen.
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Um ihre eigenen Exportaussichten zu verbessern, mußten die Vereinigten Staaten - darüber war man sich durchaus im klaren - dem
Gemeinsamen Markt und anderen wichtigen Handelspartnern, die eine Erhöhung ihres Absatzes auf dem aufnahmefähigen amerikanischen Markt
erstreben, sehr umfangreiche Konzessionen anbieten. Aus diesem Grund
ermächtigt der Trade Expansion Act den Präsidenten zu Zollsenkungen,
die weit über das bisherige Maß hinausgehen.
4. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist um die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den weniger entwickelten
Ländern der Erde bemüht. Voraussetzung für diese ist es aber, daß die
Entwicklungsländer die Möglichkeit erhalten, ihre Produkte in den hochindustrialisierten Ländern abzusetzen. Der Trade Expansion Act verfolgt
deshalb auch das Ziel, diesen Exporten die Märkte der Industriestaaten
zu öffnen, und zwar ohne von den Entwicklungsländern als Gegenleistung
ähnliche Konzessionen zu verlangen.
5. Eine Ausweitung des Welthandels bei rationellerer Nutzung der
Rohstoffquellen und die daraus -resultierende Verbesserung des Loses
der Menschen in allen Teilen der Welt lassen sich nur durch einen weitgehenden Abbau der Zollschranken bewerkstelligen.
Die Bestimmungen
Die Verwirklichung seiner Zielsetzungen sucht der Trade Expansion
Act vornehmlich durch folgende Schlüsselbestimmungen sicherzustellen:
1. Die amerikanischen Zollsätze können, auf der Basis der Gegenseitigkeit, gesenkt werden
a) um bis zu generell 50 Prozent, bei nur wenigen Ausnahmen;
b) um bis zu 100 Prozent
i) bei Gütern, bei denen auf die USA und die EWG zusammen
ein Anteil von mindestens 80 Prozent am Ausfuhrhandel
der freien Welt entfällt (eine Bestimmung, die nach dem
Abbruch der Verhandlungen zwischen der EWG und Großbritannien vorläufig kaum zur Anwendung gelangen dürfte);
ii) bei bestimmten Agrar- und Tropenprodukten;
iii) bei Waren mit einem Zollsatz von 5 Prozent und darunter
(denn Zölle in dieser Höhe machen gewöhnlich mehr Verwaltungsarbeit als sie zum Schutz der Wirtschaft beitragen).
2. Die Zollsenkungen sind über einen Zeitraum von fünf Jahren auf
der Basis der Meistbegünstigung vorzunehmen.
3. Das Gesetz enthält einige wenige bindende, dabei aber variable
Ausnahmevorschriften, z.B. bezüglich Teppichen, Glaswaren,
Uhren, Blei und Zink, Erdöl usw. Auf die betreffenden Waren
entfällt jedoch nur ein sehr geringer Prozentsatz der amerikanischen Gesamteinfuhr. Es dürften so ziemlich alle Länder

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Länder einige besondere Waren haben, bei denen eine
Sonderregelung zu treffen ist. Um die Verhandlungen aber
zu einem erfolgreichen Abschluß bringen zu können, muß die
Zahl derartiger Sonderfälle auf ein Minimum beschränkt bleiben.
4.

Als Novum in der amerikanischen Gesetzgebung erhält der
Präsident die Vollmacht, von Zollsenkungen hart betroffenen
Industrien und Arbeitnehmern zeitlich begrenzte Hilfe zu
gewähren. Diese Hilfe, die für besondere Fälle als Kompensation für den Fortfall bisher wirksamer Vergünstigungen
gedacht ist, soll die betroffenen Industrien in die Lage
versetzen, sich dem Wettbewerb anzupassen, und den Arbeitern Gelegenheit bieten, neue Fertigkeiten zu erwerben und
sich für neue Arbeitsplätze zu qualifizieren. Es handelt
sich auch insofern um ein Novum, als der Anpassung an Veränderungen Vorrang gegenüber dem Schutz vor ihnen eingeräumt
wird. Die Anpassungshilfe wird die Fälle, in denen andere
Schutzbestimmungen zur Anwendung gebracht werden, auf ein
Mindestmaß reduzieren. Es ist damit zu rechnen, daß sie zur
hauptsächlichsten Sicherheitsvorkehrung überhaupt wird, deren
sich die Vereinigten Staaten bedienen.

5.

Andere Vorschriften des Gesetzes sehen Verhandlungen mit
dem Ziel vor, internationale Absatzvereinbarungen zu treffen, um schädliche Nebenwirkungen zu verringern. Unter ganz
bestimmten Umständen, wenn die Senkung von Zollsätzen erwiesenermaßen einen Industriezweig schwer schädigt, ist auch
eine Heraufsetzung des Zolls um maximal 50 Prozent des Standes von 1954 zulässig.
Obwohl der Trade Expansion Act aus diesem Grund die Aufhebung von Zollvergünstigungen auch weiterhin gestattet, bedeutet dies nicht, daß die USA von dieser Bestimmung häufigen Gebrauch machen werden, wie sie dies ja auch bisher
nicht getan haben.

/

In Zukunft wird sie aus zwei Gründen sogar noch seltener
angewandt werden. Erstens besitzt der Präsident nunmehr
die Vollmacht, geschädigten Industrien Anpassungshilfe zu
gewähren (und er hat bereits klar zu verstehen gegeben, daß
er diese Bestimmung als Hauptinstrument zu gebrauchen gedenkt). Zweitens sind die im Gesetz niedergelegten Voraussetzungen für den Widerruf von Zollvergünstigungen weit
schwieriger zu erfüllen als früher.
Selbst unter der bisherigen gesetzlichen Regelung haben
die Vereinigten Staaten wie kaum ein anderes GATT-Mitglied
die einmal gewährten Zollkonzessionen aufrechterhalten,
und dies trotz des starken Drucks auf ihre Zahlungsbilanz.
Während die Vereinigten Staaten ihre Zölle auf 3000 bis
4000 Positionen senkten, wurde bei lediglich 130 Gütern
ein Widerruf der Vergünstigungen erwogen. Nur in 35 Fällen
•

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Fällen wurde die Aufhebung für gesetzlich zulässig erklärt,
und bei wiederum mehr als der Hälfte dieser Fälle wurde sie
vom Präsidenten abgelehnt.
6.

Das Geaetz gestattet für den Fall, daß andere Staaten andere
alB Zollbeschränkungen gegen amerikanische Exporte verhängen,
die Anwendung von Repressalien, um sicherzustellen, daß Zollaenkungen nicht durch andere Maßnahmen null und nichtig gemacht und amerikanische Agrar- und Industrieexporte keiner ungerechtfertigten Diskriminierung ausgesetzt werden.

Die Verfahrensregelung
Die amerikanische Verfassung ermächtigt den Kongreß, Einfuhrabgaben festzusetzen. Im Trade Expansion Act hat der Kongreß jedoch dem
Präsidenten Vollmacht erteilt, innerhalb der vorstehend aufgezeigten
Grenzen Zollsenkungen auszuhandeln und ihnen zuzustimmen. Die von ihm
ausgehandelten Vereinbarungen bedürfen nicht der späteren Zustimmung
des Kongresses, der sich lediglich ausbedungen hat, daß je zwei Vertreter des Senats und des Repräsentantenhauses den US-Verhandlungsdelegationen als Berater beigegeben werden.
Bezüglich der Führung der Verhandlungen über die angestrebten Zollsenkungen verfügt der Trade Expansion Act die Einsetzung eines Sonderbeauftragten (des Präsidenten) für Handelsverhandlungen (Special Representative for Trade Negotiations) mit dem Rang eines Botschafters. Auf
diesen Posten wurde Christian Herter, Außenminister unter Präsident
Eisenhower, berufen; zu seinem Stellvertreter wurde William Gösset ernannt, ehemaliger Vizepräsident der Ford Motor Company.
Mr. Herter kam zu dem Entschluß, nur einen kleinen Mitarbeiterstab
aufzubauen und die eigentlichen Verhandlungen dem Außenministerium zu
überlassen. Verhandlungsführer ist W. Michael Blumenthal, stellvertretender Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im USAußenministerium. Er hat direkten Vortrag beim Sonderbeauftragten, der
seinerseits unmittelbar dem Präsidenten Bericht erstattet.
Die Koordinierung der Tätigkeit der in Handelsverhandlungen eingeschalte ven Regierungsstellen wurde dem Beratungsausschuß für das
Gesetz zur Ausweitung des Handels (Trade Expansion Act Advisory
Committee) übertragen, dessen Vorsitz Mr. Herter führt. Ihm gehören ferner Außen-, Finanz-, Verteidigungs-, Innen-, Landwirtschafts-, Handelsund Arbeitsminister an.
Das Gesetz verpflichtet den Sonderbeauftragten,1. die Stellungnahme der US-Zollkommission (einer selbständigen Bundesbehörde) bezüglich aller für derartige Verhandlungen in Aussicht genommenen Waren
einzuholen; 2. die Stellungnahme des Arbeits-, Finanz-, Handels-,
Innen-, Landwirtschafts- und Verteidigungsministeriums vor Abschluß
jedes Abkommens anzuhören; und 3- öffentliche Informationssitzungen
bezüglich der für Verhandlungen in Aussicht genommenen Waren zu veranstalten.
Diese

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Diese Konsultation soll dem Präsidenten die Entscheidung
darüber erleichtern, welche Waren zum Gegenstand von Verhandlungen
zu machen und welche Konzessionen während der Verhandlungen anzubieten sind.
Die ersten Schritte zur Durchführung des im Oktober 1962 erlassenen
Gesetzes wurden innerhalb kürzester Frist unternommen. Mr. Herter unterbreitete bereits im Januar 19^3 der EWG-Kommission, der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dem GATT
und den Regierungen der wichtigsten Länder in Europa seine ersten
Vorstellungen bezüglich seiner Aufgabe. Die Vereinigten Staaten regten
kurz nach Jahresbeginn 19&amp;3 an, die Eröffnung der offiziellen GATTVerhandlungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt im Jahre 1964 ins Auge
zu fassen.
Der Präsident drängt zur Eile, um die Bestimmungen des Trade
Expansion Act so rasch und weitgehend wie möglich ausschöpfen zu
können.

II. Der amerikanische Standpunkt zu den vorgesehenen GATTZo11Verhandlungen
Die Vereinigten Staaten haben den Wunsch, mit möglichst vielen
GATT-Mitgliedern sowie allen Ländern gegenseitige Handelsgespräche zu
führen, die bereit sind, sich dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen anzuschließen.
Die USA vertreten die Ansicht, daß eine bedeutende Ausweitung des
Welthandels nur dann erreicht werden kann, wenn eine möglichst große
Zahl von Handelsnationen an dieser Zollrunde teilnimmt, darunter vor
allem die großen Export- und Importstaaten und auch die Niedriglohnund Niedrigpreisländer z.B. in Asien.
Die Vereinigten Staaten wünschen ferner, daß über eine möglichst
große Zahl von Positionen verhandelt wird. Sie hoffen, daß sich die
Zahl der Waren, über die gesonderte Verhandlungen nötig sind, auf ein
Minimum reduzieren läßt.
In dem ernsthaften Bemühen, dem Welthandel einen starken Auftrieb
zu geben, befürworten die USA eine allgemeine Senkung der Zölle um
50 Prozent. Ziel dieses Vorschlages ist es, zeitraubende positionsweise Verhandlungen von vornherein auszuschalten, die sich bei früheren
Versuchen als ungeeignet erwiesen haben, umfangreichere Zollsenkungen
zu erreichen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, über Zollsenkungen
zu verhandeln, die rund 95 Prozent ihres gesamten Außenhandels berühren. Das ist ein sehr viel höherer Prozentsatz als bei sämtlichen
bisherigen Verhandlungen.
Obwohl in der Vergangenheit mehrere europäische Staaten in vorbereitenden Gesprächen ein lineares Zollsenkungsverfahren mit dem Ziel
der Verhandlungsvereinfachung befürwortet hatten, sind jetzt Bedenken

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6

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�"AMERIKA DIENST" - Y/IRT3CHAFT UND ARBEIT
Bedenken laut geworden, daß eine linerare Senkung der Zölle für die
EWG weniger vorteilhaft wäre als für die Vereinigten Staaten. Da die
EWG-Tarife auf einer mittleren Höhe angeglichen wurden, sind die Unterschiede zwischen den höchsten und den niedrigsten Sätzen nicht mehr
sehr groß, während die amerikanischen Zollsätze, die bei null Prozent
beginnen, untereinander stark variieren. Aus diesem Grunde befürchten
einige Länder, daß bei einer linearen Senkung der Zölle die bereits
relativ niedrigen EWG-Sätze weiter reduziert werden, während einige
amerikanische Zölle selbst bei einer Halbierung nach wie vor verhältnismäßig hoch bleiben 'miüßten.
Diese Furcht ist völlig unbegründet. Von den 5000 Gütern der
amerikanischen Zolliste weisen nämlich rund 10QP einen Zollsatz von
null Prozent auf. Im Vergleich zur Zolliste der EWG ist dieser Anteil
erheblich größer. Von den restlichen 4000 Positionen weisen nur rund
900 Zollsätze auf, die über 30 Prozent hinausgehen. Nur bei einigen
wenigen Gütern übersteigt der Tarif 50 Prozent. Es ist also nur ein
Bruchteil aller in den USA zollpflichtigen Güter, der zur Gruppe
der Waren mit hohen Zöllen gehört.
Zudem aber vertreten die Vereinigten Staaten die Ansicht, daß nicht
die Zollhöhe das entscheidende Kriterium ist, sondern vielmehr die
Rolle, die ein zollpflichtiges Gut im Außenhandel spielt. So kann z.B.
ein Zollsatz von 20 Prozent durchaus die Absatzchancen für "das Produkt
"A" zunichte machen, während das Produkt "B" trotz eines Zollsatzes von
90 Prozent gehandelt wird. Tatsächlich werden Güter mit hohen Zollsätzen in erheblichen Mengen in die USA importiert. Niedrigere Zölle
könnten daher in solchen Fällen zu einer wesentlichen Zunahme der Einfuhren nach den Vereinigten Staaten führen und wären somit als wertvolle Konzession anzusprechen. Güter mit hohen Zollsätzen sind bei
früheren Verhandlungen von den USA vielfach ausgeklammert worden,
da niedrigere Zollsätze höhere Importe nach sich gezogen hätten.
Die von den Vereinigten Staaten jetzt vorgeschlagene lineare Zollsenkung eröffnet den nach den USA exportierenden Ländern große Marktchancen und dürfte zudem wesentliche strukturelle Veränderungen in der
amerikanischen Wirtschaft nach sich ziehen. Daher werden die Vorteile,
die ausländischen Exporteuren auf dem amerikanischen Markt aus einer
linearen Zollsenkung erwachsen, größer sein als die, die die amerikanischen Exporteure im EWG-Raum infolge der Senkung der bereits mäßigen
EWG-Zölle einhandeln.
Das Eintreten der Vereinigten Staaten für eine lineare Zollsenkung
um 50 Prozent stellt keineswegs einen Versuch dar, eine Freihandelszone
zu schaffen. Das Meistbegünstigungsverfahren, das bei den GATT-Verhandlungen in Anwendung kommt, macht einen solchen Versuch von vornherein
unmöglich. Ebenso stehen die Vorschläge der USA nicht im Widerspruch zu
einer Gemeinsamen Agrarpolitik der EWG. Die Vereinigten Staaten erkennen
durchaus an, daß ein Geraeinsamer Außenzoll und eine Gemeinsame Agrarpolitik eine wesentliche Voraussetzung für den Aufbau der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft darstellen, die von den USA voll und ganz unterstützt wird. Die Vereinigten Staaten sind viel mehr wegen des Umfangs des Schutzes besorgt als wegen des Prinzips des Schutzes selbst.
Die

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Die USA sind der Ansicht, daß die Agrarfragen mit in die Verhandlungen einbezogen werden müssen. Der Anteil der landwirtschaftlichen
Produkte an den gesamten amerikanischen Exporten nach den Ländern des
Geraeinsamen Marktes beträgt rund 40 Prozent. Da die EWG im Begriff
ist, eine Gemeinsame Agrarpolitik und mit ihr ein neues System zum
Schutze der Landwirtschaft der EWG zu entwickeln, das auf die Erhöhung
der derzeitigen Schutzwälle hinauslaufen könnte, haben die Vereinigten
Staaten die EWG um die vorherige Zusicherung ersucht, daß ihnen der Zugang zum Gemeinsamen Markt nicht wesentlich erschwert werde, solange
die Verhandlungen über den Abschluß einer langfristigen Regelung fortgeführt werden.
•

In diesem Zusammenhang ist auch die Frage aufgetaucht, ob es überhaupt sinnvoll sei, über Agrarzölle zu verhandeln, wenn sich die Gemeinsame Agrarpolitik zur Abschirmung der EWG anderer Schutzmaßnahmen
als Zölle bedient. Die USA sind der Auffassung, daß die Gemeinsame
Agrarpolitikkein unüberwindliches Hindernis für ernsthafte Verhandlungen
darstellt und daß durch solche Verhandlungen die Schaffung oder das
Funktionieren einer Gemeinsamen Agrarpolitik nicht präjudiziert zu werden
braucht. Erstens sind und werden zahlreiche landwirtschaftliche Erzeugnisse durch herkömmliche Zölle geschützt; zweitens könnten die Zollsätze für Agrarprodukte beispielsweise genausogut- im Rahmen der normalen
GATT-Verfahren ausgehandelt werden; und schließlich könnten für solche
Produkte, die sich für derartige Verfahren nicht eignen, internationale
Warenabkommen abgeschlossen werden.
Die Vereinigten Staaten haben als Beitrag zur Lösung der internationalen Probleme auf dem Agrarsektor angeboten, eine Modifizierung
ihrer agrarpolitischen Richtlinien in Betracht zu ziehen, durch die
Importe begrenzt oder Exporte subventioniert werden.
Die Vereinigten 'Staaten sind gegenüber den Entwicklungsländern
zu speziellen Konzessionen bereit und hoffen, daß andere Industrieländer ein Gleiches tun werden. Neben der Herabsetzung aller Zölle
um 50 Prozent schlagen die USA auch die Abschaffung sämtlicher Zölle
für eine Anzahl tropischer Produkte vor. Obgleich diese Produkte in den
Ländern der gemäßigten Klimazonen nicht erzeugt werden, treffen sie
doch häufig auf den Wettbewerb mit Ersatzprodukten, die in den Industrieländern hergestellt werden - wie dies z.B. bei tierischen und
pflanzlichen Fetten und Ölen der Fall ist.
Es ist wichtig, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß
die Vereinigten Staaten gefordert haben, bei Zollverhandlungen mit
Entwicklungsländern nicht auf dem Prinzip der vollen Reziprozität zu
bestehen. Sie sind der Meinung, daß die Entwicklungsländer vielfach
der Hilfe bedürfen, um ihre Exporte absetzen zu können und daß ein gewisser Schutz der aufstrebenden jungen Volkswirtschaften durchaus angebracht
ist.

III.

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
III. Andere Handelsbeschränkungen
Die Vereinigten Staaten haben außerdem den Wunsch, auch über jene
Handelsbeschränkungen zu verhandeln, die nicht zollpolitischer Art sind.
Wo immer Mittel und Wege für den Abbau solcher Handelsschranken gefunden werden können, sind die USA bereit, die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen zwecks Änderung ihrer nationalen Gesetze einzuleiten.
Diese Hindernisse - in der Regel Gesetze und Bestimmungen, die den
Handel selbst dann noch hemmen, wenn keine Zölle erhoben werden - bereiten den USA ebenso ernste Sorgen wie anderen Ländern. Die große
Bedeutung, die die Vereinigten Staaten der Beseitigung gerade dieser
Handelsschranken für ihre eigenen Exporte beimessen, ist schon daran zu
ersehen, daß der Trade Expansion Act dem Präsidenten verschiedene Möglichkeiten an die Hand gibt, Repressalien zu ergreifen - Möglichkeiten,
die hoffentlich niemals angewendet werden müssen.
In den vorbereitenden Gesprächen zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren wichtigsten Handelspartnern wurde auch duch letztere.- allgemein
gefördert, daß derartige Handelsbeschränkungen bei eventuellen Handelsgesprächen Gegenstand von Erörterungen sein müßten.
Die USA erklärten sich sofort damit einverstanden, diesen Fragenkomplex zu diskutieren. Sie sind der Meinung, daß die amerikanischen
Exporte unter diesen Beschränkungen mindestens ebenso zu leiden haben
wie die Exporte anderer Länder in die USA. Dennoch verdienen die Zölle
die größte Beachtung, und die Verhandlungen über andere Handelsfragen
dürfen keinesfalls den Bemühungen um eine Senkung der Zölle im Wege
stehen.
Zu den wichtigsten nicht zollpolitischen Handelsbeschränkungen
gehören:
Mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen. Die Vereinigten Staaten haben
sich seit langem gegen dieses Uberlbleibsel aus den wirtschaftlichen
Krisen der Kriegs- und Nachkriegs jähre gewandt, bilde.t es doch ein
schwerwiegendes Hindernis auch für zahlreiche amerikanische. Ausfuhren.
Die mengenmäßigen Einfuhrbeschränkungen der Vereinigten Staaten, die
im Einklang mit den GATT-Verfahren bisher aufrechterhalten wurden,
betreffen lediglich Blei, Zink, Baumwolle, Weizen und Weizenprodukte,
einige Milchprodukte und Erdnüsse.
Vorschriften über Präferenzkäufe. In vielen GATT-Ländern bestehen
Gesetze oder interne Anweisungen, wonach Regierungskäufe nicht bei ausländischen Lieferanten getätigt werden dürfen. Der amerikanische "Buy
American Act" betrifft nur die Beschaffungskäufe der Bundesregierung.
Er enthält kein Verbot des Erwerbs ausländischer Erzeugnisse und räumt
amerikanischen Produzenten lediglich einen gewissen Preisvorteil ein,
ohne Auslandskäufe in praxi zu unterbinden.
Hygienische

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WIRTSCHAFT UND ARBEIT

Hygienische und gesundheitliche Vorschriften. Die Hygiene- und
Gesundheitsvorschriften eines jeden Landes können dazu benutzt werden,'
die Einfuhren zu blockieren. Amerikanische Exporteure beklagen sich
darüber, daß sie trotz Gewährleistung einwandfreier hygienischer
Produktionsverhältnisse ständig gegen dieses Problem anzukämpfen haben.
Vielfach haben ausländische Exporteure auch behauptet, daß die amerikanischen Vorschriften, die den US-Produzenten zur Einhaltung anderer
als im Ausland üblicher Normen zwingen, diskriminierend seien. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, diese Vorwürfe in dem Wunsch zu prüfen,
eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.
Zollberechnungsgrundlagen. Die Höhe der Zölle hangt eindeutig von
der Erhebungsbasis ab. Es gibt kein allgemein anerkanntes System zur
Ermittlung des Zollwertes. Der Gemeinsame Markt berechnet den Zoll
nach dem Cif-Wert des importierten Gutes, die USA dagegen legen den
Fob-Wert als Basis zugrunde, der in der Regel um 10 bis 15 Prozent niedriger ist als der Cif-Wert.
Um sicherzustellen, daß die Importe in zolltechnischer Hinsicht
nicht unterbewertet werden, haben die Zollbehörden - einschließlich der
amerikanischen - ihre eigenen Methoden zur Wertbestimmung der Importgüter entwickelt. Diese voneinander abweichenden Verfahren stehen ebenfalls zur Verhandlung an.
Anti-Dumping-Maßnahmen.. Alle Staaten suchen zu verhindern, daß
ausländische Dumping-Verkäufe ihren Binnenmarkt aus dem Gleichgewicht
bringen. Maßnahmen zur Bekämpfung des Dumpings werden von allen Industrieländern angewendet. Verfahrenstechnische Schutzvorkehrungen gegen
ein Dumping sind auch im GATT-Protokoll enthalten, und der Gemeinsame
Markt selbst hat Bestimmungen zur Unterbindung von Dumping-Verkäufen
eines Partnerstaates auf den Märkten eines anderen erlassen. Auch die
Vereinigten Staaten besitzen ein derartiges Gesetz, das den GATT-Bestimmungen entspricht. Die Anwendung dieses Gesetzes und seine Bestimmungen bezüglich der vorübergehenden Aussetzung der Zollberechnung
nach Einleitung einer Untersuchung sind von einigen Exporteuren von
Industrieerzeugnissen kritisiert worden. Die Vereinigten Staaten untersuchen diese Frage gegenwärtig gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten
der OECD. Sie sind bereit, diese Frage ebenso wie andere Vorwürfe bezüglich handelsdiskriminierender Praktiken im Gesamtrahmen von Zollverhandlungen zu erörtern.

*

* * *

-

10

*

�Die amerikanische Note hat folgenden
Wortlaut:

"Die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika erweist dem
Außenministerium der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ihre
Hochachtung und hat die Ehre, auf die Note des Außenministeriums vom
8. April 1963 Bezug zu nehmen, in der die Ansichten der sowjetischen
Regierung im Zusammenhang mit den Plänen dargelegt werden, die gegenwärtig innerhalb der Nordatlantikpaktorganisation erörtert werden
und die in der Entwicklung begriffene Organisation nuklearer Verteidigungsstreitkräfte der NATO betreffen.
Die sowjetische Regierung erhebt in ihrer Note im Hinblick auf
die Maßnahmen, die die freien Länder Europas und Nordamerikas zur
Gewährleistung ihrer Sicherheit ergreifen mußten, eine Reihe grundloser Anschuldigungen. Sie erklärt, daß diese Maßnahmen jeder Rechtfertigung entbehrten, die Gefahr des Ausbruchs eines thermonuklearen
Krieges vergrößerten und von vornherein jeden Fortschritt auf dem

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�"AMERIKA DIENST"
dem Gebiet der Abrüstungsverhandlungen zunichte machten.
Die Vereinigten Staaten weisen diese Beschuldigungen zurück.
Es ist wichtig, erneut darauf hinzuweisen, daß die Tätigkeit der
NATO im Lichte jener Umstände beurteilt werden muß, die seinerzeit
zur Gründung der westlichen Allianz und ihrem - sowohl in der
Konzeption wie auch in der Wirklichkeit - rein defensiven Charakter führten. Die Tatsachen der Nachkriegsgeschichte zeigen unwiderlegbar auf, daß die NATO im Jahre 1949 auf Grund eines freien und
spontanen Entschlusses der freien Länder Europas geschaffen wurde,
gemeinsam zusammen mit den Vereinigten Staaten und Kanada ihre
Selbstverteidigung zu organisieren. Die Länder wollten sichergehen,
daß sie nicht das Schicksal jener Staaten erleiden würden, die in der
Zeit vor Gründung der NATO eines nach dem anderen unter sowjetische
Herrschaft gefallen waren. Seither haben die Länder Westeuropas und
der NATO sich mit Erfolg ihre Freiheit und nationale Unabhängigkeit
erhalten, ohne den rein defensiven und nicht-aggressiven Charakter
der Allianz dadurch zu verändern.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die NATO-Allianz
sowohl das Recht als auch die Pflicht, hat, die Erhaltung der Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Mitglieder weiterhin zu gewährleisten.
Dieses Recht und diese Pflicht schließen die Aufrechterhaltung der
modernen Rüstungen ein, die erforderlich sind, um jeder Drohung
seitens eines oder mehrerer Länder zu begegnen, die über gleichartige
Rüstungen verfügen. Die Vereinigten Staaten weisen jede Vorstellung
zurück, daß einer Allianz, zu der Länder Europas gehören, die innerhalb der Reichweite Hunderter sowjetischer Atomraketen und Atombomber
liegen, entsprechende Streitkräfte verwehrt werden sollten. Es ist
absurd, darauf zu bestehen, daß die Sowjetunion selbst das Vorrecht
zur Stationierung nuklearer Waffen in Positionen haben müsse, die
die Städte Westeuropas bedrohen, und daran festzuhalten, daß eigentlich von Seiten der NATO keine dementsprechenden Verteidigungsmiißnahmen ergriffen werden dürfen.
Die 1.957 gefaßten Beschlüsse der NATO, eine eigene Atomstreitmacht
aufzustellen, waren lediglich die Antwort auf wiederholte Drohungen
der Sowjetunion, Kernwaffen einzusetzen, und erfolgten im Hinblick
auf die gewaltigen Anstrengungen der sowjetischen Regierung, ihr
Kernwaffen- und Raketenarsenal weiter auszubauen. Die sowjetische
Regierung hat seitdem in keiner Weise zu erkennen gegeben, daß sie
beabsichtigt, den Ausbau ihrer nuklearen Stärke zu verlangsamen: und
sie hat ihre ungerechtfertigten und gefährlichen Drohungen, ihr nukleares Potential einzusetzen und die NATO-Länder zu vernichten, fortgesetzt. Um nur ein Beispiel zu erwähnen, möchten die Vereinigten
Staaten die Aufmerksamkeit der sowjetischen Regierung auf die von
ihrem Verteidigungsminister, Marschall Malinowski, anläßlich des 45»
Jahrestages der Roten Armee am 22. Februar 1963 gehaltene Rede lenken.
Seine Rede ist ein Beispiel, das die Anstrengungen der NATO-Länder, ihre
Verteidigungsstärke zur Sicherung des Friedens und zum Schutze ihrer
Freiheit auszubauen, rechtfertigt. Die Note der sowjetischen Regierung
scheint anzudeuten, daß lediglich die Sowjetunion das Recht habe, ihre

2

-

�»

AMERIKA DIENST"
ihre militärische und vor allem ihre nukleare Stärke auszubauen,
während entsprechende Anstrengungen der NATO-Länder zur Verbesserung
ihres Verteidigungspotentials eine 'Bedrohung des Weltfriedens' und
einen Ausdruck t der Politik des Kalten Krieges'darstellten. Es liegt
auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten eine derartige Argumentation, die im Widerspruch zu dem vorgegebenen Wunsche der sowjetischen Regierung steht, zu -den NATO-Ländern Beziehungen der Zuversicht und des gegenseitigen Vertrauens herzustellen, nicht akzeptieren können.
Die Ausführungen in der sowjetischen Note hinsichtlich der
Politik der Vereinigten Staaten in der Frage der nuklearen Waffen
entbehren genauso jeder Grundlage wie die Beschuldigungen in bezug
auf die westlichen Verteidigungsmaßnahmen im allgemeinen. Die Vereinigten Staaten haben sich der Ausbreitung nuklearer Waffen auf
den Besitz einzelner Nationen konsequent widersetzt und im Zusammenhang mit den Abrüstungsverhandlungen, der Verteidigungspolitik und der
internationalen Zusammenarbeit für die friedliche Nutzung der Atomenergie zahlreiche Schritte eingeleitet, um eine solche Entwicklung
zu verhindern. Leider sind die von den Vereinigten Staaten im Rahmender
Abrüstungsverhandlungen unternommenen Bemühungen, die Möglichkeiten
eines Krieges durch Zufall oder Irrtum zu verringern, bisher von
der UdSSR zum größten Teil zurückgewiesen worden, obgleich die Vereinigten Staaten sich durch die Annahme des Vorschlages einer direkten
Nachrichtenverbindung seitens der Sowjets ermutigt fühlen. Die Versuche,
über die Internationale Atomenergiebehörde Garantien für die Atomprogramme zu schaffen, sind jedoch von der UdSSR abgelehnt worden.
Was indessen die von seiten der Vereinigten Staaten und ihrer Verteidigungspartner unternommenen Schritte zur Reduzierung des Kriegsrisikos anbelangt, sind die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um den unbefugten oder zufälligen Einsatz von Kernwaffen
auszuschalten und eine zu allen Zeiten von Verantwortung getragene
Kontrolle der Atomwaffen zu gewährleisten.
Alle Verteidigungsprogramme, denen sich die Vereinigten Staaten
angeschlossen haben oder anschließen werden, sei es innerhalb der
NATO oder irgendeiner anderen Allianz der freien Welt, stehen voll
und ganz mit diesen seit langem bestehenden Zielsetzungen in Einklang.
Die sowjetische Regierung hat die Frage der multilateralen Streitmacht aufgeworfen, die gegenwärtig innerhalb der NATO erörtert wird.
Eine solche Streitmacht würde voll und ganz mit dem Ziel in Einklang
stehen, die Entwicklung neuer nationaler nuklearer Waffenprogramme zu
verhindern. Eine solche Streitmacht würde multilateraler Besitz sein,
multilaterale Besatzungen haben und keiner einzelnen Regierung zur
Verfügung stehen. Die Schaffung einer solchen Streitmacht würde der
Vermehrung unabhängiger nuklearer Potentiale eher hinderlich als
förderlich sein. Sie würde um einen unbefugten Einsatz oder einen
Einsatz auf Grund eines Zufalls zu verhindern, den gleichen Sicherheitsbestimmungen unterworfen sein wie die übrigen nuklearen Streitkräfte der NATO. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, klarzustellen, daß die Schiffe - im Gegensatz zu den sowjetischen Behauptungen - nicht als Handelsschiffe 'getarnt' wären. Es würden de jure
und de facto Kriegsschiffe sein', die eindeutig als Teil der westlichen

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�AMERIKA DIENST
westlichen Verteidigungsstreitmacht gekennzeichnet wären, und es
würde kein Versuch unternommen werden, diese Schiffe als Handelsschiffe zu tarnen.
Die Vereinigten Staaten vermerken, daß die Sowjetunion wieder
einmal eine Reihe haltloser und unbegründeter Anschuldigungen gegen
die Bundesrepublik Deutschland erhoben hat, deren in demokratischer
Form frei gewählte Regierung sich den anderen freien Staaten in der
kollektiven Selbstverteidigung angeschlossen hat. Die Verteidigungsstruktur der Bundesrepublik wurde innerhalb der Struktur der NATO
konzipiert und gestaltet und dient allein dem Zweck, einen Beitrag
zu den Verteidigungserfordernissen der Atlantischen Allianz zu leisten, um jeder möglichen Bedrohung von Mitgliedern der Allianz
begegnen zu können. Jeder objektive Beobachter erkennt, daß die Spannungen und Gefahren in Europa ihren Ursprung nicht in der Politik der
Bundesrepublik haben, sondern vielmehr in der unnatürlichen Teilung
Deutschlands, wie sie in -der mitten durch Berlin führenden Mauer in
ihrer groteskesten und unmenschlichsten Form zum Ausdruck kommt,sowie
in der Weigerung der sowjetischen Regierung, zuzulassen, daß dem
deutschen Volk sein natürliches Recht auf Selbstbestimmung gewährt
wird. Wenn die sowjetische Regierung wirklich eine Normalisierung der
Situation in Mitteleuropa anstrebt, sollte sie sich vor allem um die
Beseitigung dieser Ungerechtigkeiten bemühen.
Die sowjetische Regierung führt eine Reihe von Problemen an, an
deren Lösung sie, wie sie zugibt, interessiert ist. Der sowjetischen
Regierung ist eine Vielfalt von Möglichkeiten zur Demonstration
einer echten Bereitschaft geboten, gerechte Lösungen für die internationalen Probleme herbeizuführen. Um nur ein Beispiel zu nennen:
Ein Übereinkommen zur Einstellung der Kernwaffenversuche würde auf
die internationale Lage tiefgreifende Auswirkungen haben, es würde auf
konkrete Weise zur Verlangsamung des Wettrüstens und dazu beitragen,
eine weitere Ausbreitung der Kernwaffen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden nicht nachlassen in ihren Bemühungen,
Fortschritte in der Frage der Abrüstung und des Kernwaffenversuchsverbots zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten können und werden
sich nicht durch Drohungen davon abbringen lassen, alle zum Schutz
ihrer Sicherheit notwendigen Maßnahmen zu treffen. Gleichzeitig aber
bleiben die Vereinigten Staaten entschlossen, alle Wege zu beschreiten, die Hoffnung auf eine Verminderung der Spannung und eine Vergrößerung der Friedensauasichten bieten."

* * * * *
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�A M E R I K A

D I E N S T

�Allg./24.5.1963

ABENTEUER DES RAUMFLUGS
Cooper - ein idealer Astronaut

Als der ideale Astronaut, der sein Raumfahrzeug auch in kritischer Situation zu führen versteht und der unter den besonderen
Bedingungen im Weltraum als aufmerksamer wissenschaftlicher Beobachter fungiert, erwies sich Luftwaffenmajor Leroy Gordon Cooper. Sein
Flug vom 15«/l6« Mai 19^3, bei dem er 22mal die Erde umkreiste, bildet die Krönung des MERCURY-Programms der NASA (US-Amt für Luft- und
Raumfahrt). Das Experiment ist von allen Raumflügen, die von den
Vereinigten Staaten bisher überhaupt unternommen worden sind, als
eines der ergiebigsten zu werten. Was inzwischen über den Flug selbst,
die Erlebnisse Coopers und die Ausbeute an wissenschaftlichen Daten
bekanntwurde, ist verständlicherweise noch sehr lückenhaft und nicht
viel mehr als "rohes Material". Die Auswertung im Detail wird Wochen
und Monate in Anspruch nehmen. Dennoch lohnt es sich, auf die bereits
bekanntgewordenen Einzelheiten jetzt schon näher einzugehen.
Bei dem Experiment MERCURY-ATLAS. 9,wie die offizielle Bezeichnung für die Flugmission Major Coopers mit seinem Raumschiff "Faith 7"
lautete, ging es weniger darum, ein Fluggerät zu testen, als Forschungsaufgaben zu erfüllen und die Reaktionen des Menschen und seine
Leistungsfähigkeit unter der Einwirkung relativ lang dauernder Schwerelosigkeit zu untersuchen. Cooper befand sich nahezu viermal länger
in diesem Zustand als sein Vorgänger Schirra. Er hatte dabei ein ungemein reichhaltiges Arbeitsprogramm zu absolvieren, und er selbst
besaß anscheinend noch den besonderen Ehrgeiz, mit seinen Vorräten
an Sauerstoff, Treibstoff und Strom so sparsam wie nur möglich umzugehen. Die Beobachter auf den Bodenstationen vermerkten diese Disziplin mit größter Bewunderung; sein Kamerad Shepard sah sich im Funksprechverkehr mit Cooper sogar einmal zu der scherzhaften Bemerkung
veranlaßt: "Nun kannst du ruhig damit aufhören, die Luft anzuhalten atme doch mal Sauerstoff!"
Die wenigen Beschwerden, die sich bei Major Cooper nach der
Landung zeigten, klangen sehr bald wieder ab. Die erste äußerte sich
in einem Schwindelanfall von 15 Sekunden Dauer, unmittelbar nachdem
er an Bord des Flugzeugträgers "Kearsarge" aus seiner Raumkapsel
geklettert war. Die Raumflugmediziner hatten dies erwartet und

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1

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�"AMERIKA DIENST'1
und hätten selbst einen Ohnmachtsanfall nicht als etwas Ungewöhnliches empfunden. Der Astronaut sprach mit etwas heiserer Stimme,
seine Augen waren leicht gerötet; das letztgenannte Symptom schreibt
sein Arzt dem lang dauernden "Bespülen" des Gesichts mit reinem Sauerstoff zu. Nichts Ungewöhnliches war ferner das Absinken des Blutdrucks
bei gleichzeitiger Beschleunigung des Herzschlags beim Aufstehen aus
der Ruhelage. 48 Stunden nach der Landung waren sämtliche Beschwerden
verschwunden. Gebräunt, entspannt und frisch wie eh und je stellte
sich Cooper in Cape Canaveral, vier Tage nach seinem "Start nach dem
Lehrbuch", den rund 300 Journalisten aus 50 Ländern.
Physiologische Daten
Die medizinischen Kontrollen sind allerdings noch lange nicht
abgeschlossen; Cooper wird noch mehrere Wochen lang unter gründlicher
Beobachtung stehen. Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt hatte insgesamt 71 Raumflugmediziner bei den Bodenstellen rund um den Erdball
stationiert, die gemeinsam mit Ärzten der verschiedensten Fachrichtungen den Plug Coopers beobachteten. Sie hatten die mit den Telemetriesignalen übermittelten physiologischen Meßdaten zu überwachen, die
Flugleitung bei Auftreten erkennbarer Störungen sofort zu informieren
und über Funk dem Astronauten notfalls Anweisungen zu geben. In dieses
System hatte man erstmals einen auf den Bermudas stationierten Elektronenrechner eingeschaltet, der so programmiert war, daß er den jede
Minute gemessenen Puls laufend mit dem "Normalpuls" Coopers verglich.
Bei einer anomalen Abweichung wurden sofort Warnungen über eine angeschlossene elektrische Schreibmaschine ausgedruckt.
Coopers Puls, der in der Startphase unter dem ungeheuren Beschleunigungsdruck auf über 150 angestiegen war, fiel nach dem Eintritt
in die Umlaufbahn bald auf den Normalwert von 75 bis 92 Schlägen pro
Minute zurück. Während der Schlafperiode zwischem dem 9» u n d 15« Umlauf - Cooper selbst schätzt die Zeit, in der er fest schlief, auf
sechseinhalb bis sieben Stunden - wurden für den Pulsschlag 55 bis
58, für die Atmung 16 Frequenzen in der Minute gemessen.
Kurz nach Beginn des 13. Umlaufs wurden die Beobachter auf den
Bodenstationen alarmiert. Der Puls des Astronauten war plötzlich auf
über 100 gestiegen, ging dann aber bald wieder auf einen normalen
Wert zurück. Später stellte sich heraus, daß es Cooper infolge eines
Ansteigens der Temperatur im Raumanzug ungemütlich geworden war. Dadurch war er auch in seinem Schlaf gestört worden. Nachdem er aber
die Temperatur reguliert hatte, schlief er wieder ein. Die Bodenstationen waren angewiesen, ihn nicht zu stören und den Funksprechverkehr mit der Kapsel vorübergehend einzustellen. Am späten Vormittag
des 16. Mai, rund 21 Stunden nach dem Start Coopers mit "Faith 7"
in Cape Canaveral, meldete sich in Muchea (Australien) eine wohlbekannte Stimme. Cooper berichtete, daß er gut ausgeruht sei und sich
sehr wohl fühle.
Nach seiner Rückkehr erzählte Cooper, daß er beim Aufwachen
zunächst gar nicht gewußt habe, wo er sich befinde. Die Schwerelosigkeit habe sich insofern unangenehm ausgewirkt, als seine Arme in der
Kabine "schwebten", die Hände gefährlich nahe an den Schaltern und
Hebeln. Schleunigst habe er sie daraufhin anter den Gurten "verstaut",
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�AMERIKA DIENST"
"verstaut", mit denen er angeschnallt war.
Die Kontrollmessungen 22 Stunden nach dem Start ergaben: "Alles
an Bord O.K." 18,2 Grad Celsius betrug die Temperatur im Raumanzug,
33» 7 Grad Celsius in der Kabine. Eine übermäßige Erhöhung der Temperatur im Raumanzug, der ein von der Kabinenkühlung unabhängiges Kühlsystem besitzt, wurde nicht nur von den üblichen Thermometern,, sondern bei einem Ansteigen auf mehr als 24 Grad Celsius auch von dem
neuen, bei Cooper erstmals verwendeten Körperthermometer zur zusätzlichen Kontrolle registriert. Dieses kleine elektronische Gerät enthält ein Halbleitermaterial, das seinen elektrischen Widerstand mit
der Temperatur verändert und so sehr zuverlässig Zehntelgrade von
Temperaturen zwischen 24° und 65 0 C meldet. Es war im Helm vor dem
rechten Ohr des Astronauten befestigt. Cooper brauchte es zum Temperaturmessen nur unter die Zunge zu schieben, mußte dazu jedoch das
Visier öffnen, weshalb er angewiesen war, insgesamt nur viermal die
Temperatur zu nehmen.
Rund 20 Mal hatte Cooper auch seinen Blutdruck zu messen, und
zwar durch Aufpumpen einer an ein Spezialgerät angeschlossenen, mit
einem kleinen Mikrophon ausgestatteten Manschette am linken Oberarm.
Er brauchte dazu nur einen ".'.Knopf auf dem linken Instrumentenbord zu
drücken.- alles andere, einschließlich der Übermittlung des Meßwerts
zu den Bodenstellen, verlief automatisch.
Die Stromkurven für das EKG, das die Herztätigkeit anzeigt, lieferten vier Elektroden am Körper, die so geschaltet waren, daß jeder
Herzschlag in den Beobachtungsstationen registriert wurde. Zwei weitere
Elektroden auf der Brust gaben ihre Impulse an einen sogenannten Pneumographen, ein Gerät, das die Atemtätigkeit laufend kontrolliert und registriert.
Cooper hat nach Angaben seiner Ärzte während seines Raumflugs
von 34 Stunden und 21 Minuten(22 Erdumkreisungen)3»17 kg abgenommen.
Dies ist relativ wenig im Vergleich zu dem Gewichtsverlust, der bei
seinen Vorgängern Schirra (6 Erdumkreisungen - 2,04 k g ) , Carpenter
(3 Erdumkreisungen - 2,72 kg) und Glenn (3 Erdumkreisungen - 2,42 kg)
festgestellt wurde. Wie diese war auch Cooper schon drei Tage vor
dem Starttermin (14. Mai 1963) auf eine Spezialkost gesetzt worden,
die bei hoher Energiezufuhr nur geringe Rückstände bildet. An dem
zuerst vorgesehenen Starttag hatte er schon mehr als fünf Stunden in
der Kabine seiner Raumkapsel zugebracht - umsonst, wie sich zeigte, als
dann wenige Minuten vor dem geplanten Abschuß feststand, daß wegen technischer Mängel in der Radarstation auf den Bermudas der Start verschoben werden mußte. "Eine recht realistische Simulatorübung", meinte
Cooper lakonisch, als er wieder herauskletterte. Als er am nächsten
Morgen wieder gewogen wurde, zeigte die Waage 1 Pfund weniger an als
am Vortage.
Über den Wasserhaushalt seines Körpers und die Nierenfunktion
während des Weltraumflugs versuchten die Wissenschaftler durch eine
genau geregelte Wasserzufuhr und die Anweisung zur regelmäßigen Entnahme von Urinproben, die nach der Rückkehr auch auf die Ausscheidung

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�"AMERIKA DIENST"
Ausscheidung von Salzen, u.a. Calcium aus dem Skelett, untersucht
wurden, einen exakten Überblick zu bekommen. Das erste, wonach
Cooper nach seiner Rückkehr verlangte, war Ananassaft, von dem er
gleich vier große Gläser zu sich nahm; drei Stunden später, zur
ersten regulären Mahlzeit, folgten sechs Glas Milch. Mit dem Trinken
während der Weltraumreise hatte es etwas gehapert, weil der Astronaut
mit der Druckschlauchverbindung am Wasserbehälter (Fassungsvermögen
rund 2,5 l) Schwierigkeiten bekam. Die Eiserne Ration griff er jedoch
nicht an. Er hatte offenbar auch gar kein ausgesprochenes Durstgefühl
empfunden.
Die Kontrolle des Wasserhaushalts ist überaus wichtig. Drei Fünftel des menschlichen Körpergewichts entfallen auf Wasser, von dem der
Körper täglich 2,5 bis 5»5 1 in Form von Flüssigkeiten und mit der
Nahrung zugeführt bekommt. Nahezu die Hälfte davon ist in den Muskeln
gespeichert, die zu 75 Prozent aus Wasser bestehen, während das Skelett
nur 34 Prozent Wasser enthält. Eine Wasserverarmung des Körpers führt
zu schweren Störungen, vor allem zum Zerfall von Eiweiß.
Nur nichts verschütten!
An Nahrungsmitteln waren mundgerecht, abgepackte Fertiggerichte
und dehydrierte Speisen, die einige Minuten nach Hinzufügen von Wasser
eßfertig und sehr wohlschmeckend sind, an Bord; ihr Kalorienwert betrug insgesamt 2576» Die Erprobung der in kleinen Plastikbehältern mitgeführten dehydrierten Nahrungsmittel erfolgte bereits im Hinblick auf
die Versor&amp;ung der GEMINI-Astronauten, die bis zu zwei Wochen um die
Erde kreisen sollen.
Essen und Trinken bereitete Cooper keinerlei Schwierigkeiten.
Pflichtgemäß hielt er die Mahlzeiten ein, brachte aber von den Speisen
mehr als erwartet wieder mit, einfach deshalb, weil er trotz der anstrengenden Tätigkeit keinen Hunger verspürte. Ärger gab es mit Wasser,
das er verschüttet hatte. Es schwebte in Tropfen, manchmal zu einer
lockeren Masse geballt, in der Kabine herum, nahm ihm die Sicht aus
dem Kabinenfenster und verdeckte gelegentlich sogar die Anzeigewerte
von einigen der mehr als 100 Instrumente, die er laufend zu kontrollieren hatte .
über solche Schwierigkeiten ließ er aber kein Sterbenswort verlauten, als er mit den Bodenstellen sprach. Nur einmal machte er seinem
Ärger Luft mit den Worten: "Da photographiere ich schon am laufenden
Band, und nun muß ich auch noch am laufenden Band aufräumen!" Daß er
dabei auch Wassertropfen nachjagen mußte, ahnte am Boden niemand. Nachdem sie seinen Handschuhen immer wieder entschlüipf en,
fing er sie
endlich mit dem Taschentuch. Dies hatte letztlich sogar sein Gutes.
Mit dem feuchten Tuch kühlte er sich das Gesicht und empfand dies als
äußerst angenehm. Cooper meint, bei künftigen Raumflügen sollten die
Astronauten auf jeden Fall feuchte Taschentücher zur Verfügung haben.
"Willkommen daheim auf der guten alten Erde"
So lautete die Inschrift eines der vielen Transparente, mit denen
Cape Canaveral, der Ort, von dem aus er zu seiner Expedition von

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von 54 Stunden und 21 Minuten gestartet war, Fliegermajor Cooper
festlich empfing. Der Pilot des Raumschiffes "Faith 7" berichtete
den Journalisten, daß von ihm aus der Flug noch länger hätte ausgedehnt werden können, sofern keine ernsten technischen Störungen
zum Abbruch zwängen. Das Versagen der zwei Umrichter, mit denen
Gleichstrom zur Erzielung höherer Spannungen in Wechselstrom umgewandelt wird, betrachtet er nicht als einen solchen Anlaß, obgleich
dadurch die automatische Steuerung vollkommen unbrauchbar geworden
war. Schließlich sei er ja im Gebrauch der Handsteuerung genügend
geübt gewesen, erklärte Cooper.
Die körperliche und geistige Verfassung des Astronauten hätte
nach Ansicht von Dr. Charles A. Berry, dem Leiter der Abteilung
Flugmedizin am NASA-Forschungszentrum für bemannten Raumflug in
Houston (Texas), eine Ausdehnung der Flugdauer ohne weiteres zugelassen. Auch angesichts der Bordvorräte an Sauerstoff, Treibstoff
für die Lageregelungsdüsen, Trinkwasser und Nahrung wäre eine längere Flugdauer vertretbar gewesen. Mit einem frischen KohlendioxydFilter, entsprechend mehr Wasser und Betriebsstrom für die Apparaturen hätte sich Cooper sogar sechs Tage lang mit seiner Raumkapsel
"Faith 7" i m Weltraum aufhalten können.
In Zukunft mehr "Mitspracherecht" der Raumschiffpiloten
Das disziplinierte Verhalten Coopers, seine Fähigkeit, sich stets
auf das Wichtige voll und ganz zu konzentrieren, seine gleichbleibende
Ruhe und Besonnenheit auch in Augenblicken, in denen ein anderer den
Atem anhält und kaum zu reagieren, geschweige denn richtig zu reagieren vermag, haben die Verantwortlichen des MERCURY-Programms davon
überzeugt, daß man einem zuvor aufs sorgfältigste auf seine Eignung
geprüften Raumschiffpiloten ein größeres Mitspracherecht bei der
Durchführung eines Flugexperiments einräumen müsse. Damit würde
auch den Wünschen entsprochen, die schon die anderen amerikanischen
Astronauten geäußert haben.
Nach Meinung von NASA-Flugdirektor Christopher Kraft sollte in
Zukunft überhaupt keine bestimmte Zahl von Erdumkreisungen vorgeschrieben werden. Vielmehr müßte entsprechend dem Ablauf des Fluges
und der Funktionsfähigkeit von Mensch und Maschine während des Experiments üie ü'lugdauer bestimmt werden.
Ob es überhaupt noch einmal zu einem Raumflug mit einer MERCURYKapsel kommt, der dann allerdings eine Woche und vielleicht sogar noch
länger dauern dürfte, wird erst nach Auswertung der Ergebnisse von
MERCURY-ATLAS 9 entschieden. Aus jedem Flug, der bisher unternommen
wurde, haben die NASA-Leute- und alle anderen an den Versuchen beteiligten Spezialisten unendlich viel gelernt. Den Erfahrungsschatz durch
weitere, der Mission von "Faith 7" ähnliche Flüge zu vergrößern, wäre
nach Meinung vieler Mitarbeiter der NASA nur wünschenswert, denn dies
alles käme auch dem GEMINI-Projekt zugute, bei dem in etwa 18 Monaten
der erste Testflug mit einer bemannten Kapsel zu erwarten ist.
Aber

�"AMERIKA DIENST"
Aber das Ganze ist auch eine Geldfrage. Für das seit fünf
Jahren laufende MERCURY-Programm, ein 500-Millionen-Dollar-Projekt, sind vorläufig keine weiteren Flüge genehmigt, obgleich
noch Raumkapseln und die anderen erforderlichen Ausrüstungen zur
Verfügung stehen.
Visuelle Experimente und Wahrnehmungen
Ein von Nichtfachleuten wenig beachtetes, für künftige Operationen im Weltraum aber außerordentlich wichtiges Experiment war
die Beobachtung eines kleinen Blinklicht-Satelliten. Dieser war
an der Unterseite der Kapsel montiert und von Cooper während des
J. Umlaufs 15 Minuten vor Sonnenuntergang durch einen Federmechanismus in einem bestimmten Winkel abgestoßen worden. Hierdurch wollte
man erreichen, daß er eine etwas andere Umlaufbahn erhält als das
Raumschiff "Faith 7"« Die 4&gt;5 kg schwere Kugel von 14»6 cm Durchmesser trug an den Seiten zwei Xenonlampen, die in kurzen Lichtblitzen die Helligkeit einer ganzen Batterie von 100-Watt-Lampen
entwickelten.
Zunächst glaubte Cooper, daß dieses Experiment fehlgeschlagen
sei, weil er den Blinklicht-Satelliten nicht ausmachen konnte. Im
5. Umlauf aber entdeckte er ihn plötzlich - überraschenderweise
auf der Tagseite der Erde - infolge der Reflexion des Sonnenlichts
am Kugelkörper. Von da an vermochte ihm Cooper dank der in Abständen von 1 Sekunde aufblitzenden Blinklichter in den Erdschatten
zu folgen. Der Abstand seines Raumschiffs zu dem Zweitsatelliten
vergrößerte sich dabei seiner Meinung nach allmählich von 16 auf
21 km. Als er zum letzten Mal die Lichtzeich.en sichtete - die
Batterien der Xenonlampen waren nach 10 Stunden erschöpft -,
hatte sich der Blinkkörper nach Schätzung des Astronauten inzwischen 27 bis 29 km von "Faith 7" entfernt. Die Helligkeit der Lichtblitze sollte bei einem Abstand von 11 bis 15 km von der MERCURYKapsel ungefähr der des Polarsterns entsprechen. Cooper ist jedoch
der Ansicht, daß die tatsächliche Helligkeit geringer war.
Derartige optische Hilfen spielen bei späteren Rendezvous-Manövern zwischen Raumschiffen eine außerordentlich wichtige Rolle
und können nicht durch Radar ersetzt werden. Um ein Zusammentreffen
mit einem anderen Raumschiff herbeizuführen, muß der Pilot zunächst
einmal das Blinklicht gegen den Sternenhintergrund fixieren. Die
einzige Information, die er dann benötigt, ist die Geschwindigkeit,
mit der sich die beiden nunmehr auf einer Bahn befindlichen Raumfahrzeuge einander nähern. Diese kann mit Hilfe mehrerer Methoden,
beispielsweise durch die Messung der Laufzeit von Radarsignalen,
ermittelt werden.
Die MERCURY-Astronauten haben drei Möglichkeiten, ihre Position
zu bestimmen. Aus dem periodisch vorgenommenen Vergleich zwischen
Bordzeit und Bodenzeit können sie ihre Position einmal mit Hilfe
einer Karte finden, auf der die Umläufe und die für jeden einzelnen
Umlauf vorausberechneten Zeiten eingetragen sind. Die zweite Navigationshilfe ist eine Sternkarte in Verbindung mit dem Sternnaviga-.
tionsgerät, die dritte die Berechnung der Position nach bestimmten

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Landmarken, z.B. Küste, Gebirge usw.
Cooper nutzte die Gelegenheit reichlich, um die Erdoberfläche
nach geeigneten Landmarken abzusuchen. Er hatte dabei besonderes
Glück, weil die Sicht größtenteils außerordentlich gut war. Es erschien ihm beinahe unglaubhaft, aus seiner Flughöhe zwischen 160
und 265,2 km nicht nur das Himalaja-Massiv in Einzelheiten, sondern
auch Dörfer, Straßen, Eisenbahnlinien und unter besonderen Bedingungen sogar Wohnhäuser mit rauchenden Schornsteinen zu erkennen.
Die Ostküste der Vereinigten Staaten konnte er von Florida bis hir.lauf nach Washington oder New York - darüber war er sich nicht ganz
sicher - ausmachen. Dallas und seinen neuen Wohnort Houston in Texas
fand er ohne Schwierigkeit.
Bodenmarken als Navigationshilfen sind jedoch, ebenso wie starke
Lichtquellen auf der Erdoberfläche - ein sehr erfolgreicher Versuch
in dieser Hinsicht wurde während Coopers Weltraumflug mit starken
Scheinwerfern in Südafrika unternommen -, unbrauchbar, sobald eine
dichte Wolkendecke dazwischen liegt. Für Kursmanöver auf einer Erdsatellitenbahn oder gar für den Einflug in eine Bahn zum Mond oder
in den interplanetaren Raum ist jedoch größte Navigationsgenauigkeit
von entscheidender Bedeutung. Cooper sollte deshalb im Auftrag eines
Instituts der Technischen Hochschule Massachusetts, das das Steuerungsund Navigationssystem für die APOLLO-Raumschiffe entwickelt, durch
photographische Aufnahmen ermitteln, inwieweit der Erdhorizont in
Verbindung mit dem Mond als zweitem Bezugspunkt für die Navigation
beim Flug zum Mond benutzt werden kann.
Im besonderen ging es bei diesem Versuch darum, eine geeignete
unveränderliche Horizontlinie in der Atmosphäre nahe der Erdoberfläche zu finden, die von den jeweiligen atmosphärischen Bedingungen
nicht beeinflußt wird. Bei Tageslicht und in der Dämmerung machte
Cooper unter den verschiedensten Blickwinkeln zur Erde Hundertevon
Aufnahmen mit verschiedenen Filmen und Filtern.
Dies war jedoch nur einer von den vielen Aufträgen, die er für
weitere amerikanische Forschungsinstitute, u.a. für das Zentralamt
des US-Wetterdienstes zur Vorbereitung der Flüge von Wetterbeobachtungssatelliten vom Typ NIMBUS, zu erfüllen hatte.
Das grüne Lämpchen
Bis zum 19« Umlauf ging alles wie am Schnürchen, was die Flugleitung zu Kommentaren wie "Unglaubliche Präzision" oder "Ein Flug
nach dem Lehrbuch" veranlaßt hatte. Auch die technischen Experimente
klappten ausgezeichnet. Eines davon war ein Versuch, zur Einsparung
von Strom das Kabinenkühlsystem abzuschalten und die Einregulierung
des Temperaturgleichgewichts in der Kabine zu beobaohten. Im 4»
Umlauf hatte Cooper die Kabinenkühlung abgestellt und versuchte,
nur noch mit der Kühlung seines Raumanzugs auszukommen. Dies funktionierte so ausgezeichnet, daß er erst im 21. Umlauf die Kabinenkühlung wieder einschaltete, auf die er während der Rückkehrphase
wegen der starken Erhitzung der Kapselwandung nicht verzichten durfte.
Bin

�"AMERIKA DIENST"
Ein weiterer Test war die Erprobung drei verschiedener weißer
Farbpigmente auf der Basis von Titanoxyd, Zirkonoxyd und Zinkoxyd
als eines möglichen Außenanstrichs für künftige Raumschiffe, der
infolge•seiner geringeren Absorption von Sonnenenergie, als sie ein
dunkler Anstrich aufweist, die Innentemperatur um 6 bis 8,3 Grad
Celsius niedriger halten würde. Auch das Experiment mit der kleinen
Fernsehkamera verlief zufriedenstellend. Alles in allem schien es
ein Routineflug zu sein, bei dem eine Menge Forschungsaufgaben zu
erfüllen waren, aber sonst nichts passierte.
Das Aufleuchten eines grünen Lämpchens am Instrumentenbord 28 Stunden und 59 Minuten nach dem Start - änderte plötzlich die
ganze Situation. Die Lampe leuchtet normalerweise nach dem Zünden
der Bremsraketen auf, sobald die Raumkapsel nicht mehr schwerelos
ist, sondern sich mit einer Erdbeschleunigung von mindestens 0,05 g
schon in der Abstiegsbahn befindet. Die Bremsraketen sollten ja
auch erst nach drei weiteren vollen Umläufen gezündet werden.
Cooper, der sofort die Bodenstationen von dem Vorfall unterrichtete,
bekam von dort die Bestätigung, daß sich "Faith 7" weiterhin bei
gleicher Geschwindigkeit auf normalem Kurs befinde.
Der Pilot hatte im ersten Augenblick die Sache gar nicht ernst
genommen, ebensowenig die Flugleitzentrale. Die Erkenntnis, daß in
der Automatik ein Fehler aufgetreten sein müsse und Cooper nur mit
der Handsteuerung sicher zurückkommen könne, setzte sich erst nach
Durchführung verschiedener Tests durch, die die Ursache für das Aufleuchten zutage bringen sollten.
Darüber waren eineinhalb Stunden vergangen. Cooper hatte festgestellt, daß die Gleichumrichter für das automatische Stabilisierungsund Kontrollsystem ausgefallen waren. Es blieb tatsächlich keine andere Wahl als den Astronauten anzuweisen, das Landemanöver selbst
durchzuführen. Mit optischer Orientierung an den Sternen und am Erdhorizont drehte er durch Aktivierung der kleinen Schubdüsen die Kapsel über Asien in die Position, die für die Zündung der Bremsraketen
erforderlich war. Dann folgte mit Assistenz von John H. Glenn, der
auf einem amerikanischen Beobachtungsschiff vor der japanischen Küste
stationiert war, das Countdown für die Zündung der drei Bremsraketen.
Der Astronaut drückte den Zündknopf. Unmittelbar darauf verspürte er einen heftigen Ruck: der Abstieg auf einer fast 64OO km
langen Bahn bis zum vorgesehenen Landepunkt hatte begonnen. Die Hitze
in der Kapsel nahm merklich zu, draußen flogen rot- und weißglühende
Teile vom abgeworfenen Bremsraketensatz vorbei. Die Vibrationen, die
beim Eintritt in die dichteren Luftschichten auftreten, hatte sich
Cooper schlimmer vorgestellt; auch die Schwerebelastung infolge des
starken Abbremsens sei überhaupt kein Problem gewesen. Als er in 63OO
Höhe den kleinen Stabilisierungsfallschirm auslöste, bemerkte er ein
"Knattern, Tosen und einen heftigen Ruck". Im gleichen Augenblick,
in dem er in 3000 m Höhe den Hauptfallschirm auslöste, entdeckte
er die Hubschrauber in der Luft, die ihn schon erwarteten. In knapp
7 km Entfernung vom Flugzeugträger "Kearsarge" ging er auf dem V/asser
nieder. Schon 38 Minuten später befand er sich mit "Faith 7" an Bord.
Bildunterschriften:

�"AMERIKA DIENST"
Bildunterschriften;
1)

Unter Assistenz von Joe Schmitt, der schon die Vorgänger
Leroy Gordon Coopers betreute, legt der 6. amerikanische
MERCURY-Astronaut im Hangar S (Cape Canaveral) den Druckanzug an. (63-1698)

2)

Start! Nach übereinstimmenden Berichten des Astronauten und
der Bodenbeobachtungsstellen war noch kein Start einer
ATLAS-Rakete so perfekt und nahezu frei von allen Vibrationen wie der von MERCURY-ATLAS 9 mit Fliegermajor Leroy
Gordon Cooper in seinem Raumschiff "Faith 7".
Ort: Cape Canaveral, Areal 14
Zeit: 15. Mai 1963, 1404Uhr MEZ

3)

(63-2507)

Die Aufnahme zeigt die Anordnung der 18 Reaktionsdüsen zur
Lageregelung der MERCURY-Kapsel. Cooper mußte in der Endphase
seines Fluges wegen Ausfalls zweier Gleichumrichter, mit denen
Gleichstrom zur Erzielung höherer Spannungen in Wechselstrom
umgewandelt und dann wieder gleichgerichtet wird, die Lageregelung über die Handsteuerung betätigen und so sein Raumschiff "Faith 7" i n die richtige Position zur Zündung der
Bremsraketen manövrieren. (H-42778)

(Bilder: AD)
* * * * *

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9

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./14.$.63

NEUE BEMÜHUNGEN DER USA UM DEN WELTFRIEDEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy bezeichnete
am 10. Juni 1963 in einer Rede vor der Amerikanischen
Universität in Washington den totalen Krieg im Atomzeitalter als "sinnlos" und kündigte neue Bemühungen
der Vereinigten Staaten um den Weltfrieden an. Bei
allen Anstrengungen zur Sicherung der eigenen Lebensinteressen, so führte Kennedy aus, müßten Konfrontationen vermieden werden, die einem Gegner nur die
Wahl zwischen Demütigung oder Atomkrieg ließen.
Der Präsident betonte fernerhin, daß die amerikanische Verpflichtung zur Verteidigung Westeuropas und
West-Berlins unverändert weiterbestehe und daß die
USA sich niemals mit der Sowjetunion auf Kosten anderer Nationen arrangieren würden.
Die Vereinigten Staaten, so führte der Präsident aus,
würden sich im Gespräch auf hoher Ebene mit den Sowjets
um einen Vertrag über die Einstellung der Kernwaffenversuche bemühen. Die USA würden keine Versuche in
der Atmosphäre durchführen, wenn die anderen Atommächte ebenfalls auf solche Versuche verzichteten.
Die Gespräche zwischen den USA, Großbritannien und
der Sowjetunion über ein Kernwaffenversuchsverbot
sollen, wie Kennedy ankündigte, in Kürze in Moskau
beginnen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"'Es gibt wenige irdische Dinge, die schöner sind als eine
Universität', schrieb John Masefield in seiner Würdigung der englischen Universitäten - und seine Worte haben hier in gleicher
Weise Gültigkeit. Er bezog sich damit nicht auf die Türme und
Spitzen, nicht auf die Grünanlagen des Universitätsgeländes und
auf die efeubewachsenen Mauern. Er bewunderte die großartige
Schönheit der Universität, weil sie, wie er sagte, 'ein Platz ist,
wo diejenigen, die die Unwissenheit hassen, nach Wissen streben
können, wo diejenigen, die die Wahrheit sehen, danach streben können, auch andere sehend zu machen'.
Ich
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�"AMERIKA DIENST"
Ich habe daher diesen Zeitpunkt und diesen Ort gewählt, um
ein Thema zu erörtern, über das zu oft Unwissenheit herrscht und
bei dem die Wahrheit zu selten gesehen wird - und doch ist es
eines der wichtigsten Themen auf Erden: der Weltfrieden.
Welche Art Frieden meine ich? Nach welcher Art Frieden streben wir? Nicht nach einer Pax Americana, die der Welt durch amerikanische Kriegswaffen aufgezwungen wird. Nicht nach dem Frieden des
Grabes oder der Sicherheit des Sklaven. Ich spreche hier von dem
echten Frieden, jenem Frieden, der das Leben auf Erden lebenswert
macht, jenem Frieden, der Menschen und Nationen befähigt, zu wachsen und zu hoffen und ein besseres Leben für ihre Kinder aufzubauen - nicht nur Frieden für Amerikaner, sondern Frieden für alle
Menschen, nicht nur Frieden in unserer Generation, sondern Frieden
für alle Zeiten.
Ich spreche vom Frieden, weil der Krieg ein neues Gesicht
trägt. Ein totaler Krieg ist sinnlos in einem Zeitalter, in dem
Großmächte starke und verhältnismäßig unverwundbare Atomstreitkräfte
unterhalten können und sich weigern, zu kapitulieren ohne vorher auf
diese Streitkräfte zurückgegriffen zu haben. Er ist sinnlos in einem
Zeitalter, in dem eine einzige Atomwaffe fast das Zehnfache der
Sprengkraft aller Bomben aufweist, die von den gesamten alliierten
Luftstreitkräften während des zweiten Weltkrieges abgeworfen wurden.
Er ist sinnlos in einem Zeitalter, in dem die bei einem Atomkrieg
freigesetzten tödlichen Giftstoffe durch Wind und Wasser und Boden
und Saaten bis in die entferntesten Winkel des Erdballs getragen und
sich selbst auf die noch ungeborenen Generationen auswirken würden.
Es ist heute, wenn der Friede gewahrt werden soll, unerläßlich, jedes
Jahr Milliarden Dollar für Waffen auszuwerfen, die lediglich zu dem
Zweck geschaffen werden, sicherzustellen, daß wir sie niemals einzusetzen brauchen. Aber zweifellos ist die Anlage solcher unnützen
Arsenale, die nur der Vernichtung und niemals dem Aufbau dienen
können, nicht der einzige, geschweige denn der wirksamste Weg zur
Gewährleistung des Friedens.
Ich spreche deshalb vom Frieden als dem notwendigen vernünftigen Ziel vernünftiger Menschen. Ich bin mir bewußt, daß das Streben
nach Frieden nicht so dramatisch ist wie das Kriegsstreben - und oft
treffen die Worte desjenigen, der nach Frieden strebt, auf taube
Ohren. Aber es gibt keine Aufgabe für uns, die dringlicher wäre.
Manche sagen, es sei zwecklos, von Weltfrieden, internationalem
Recht oder internationaler Abrüstung zu sprechen, und daß alles nutzlos sein wird, solange nicht die Führer der Sowjetunion eine aufgeschlossenere Haltung einnehmen.
Ich hoffe, sie werden dies tun.
Ich glaube, wir können ihnen dabei helfen. Aber ich glaube auch,
daß wir unsere eigene Haltung überprüfen müssen - als Einzelpersonen
und als Nation -, denn unsere Einstellung ist genauso wichtig wie die
ihre. Und jeder Absolvent dieser Universität, jeder denkende Bürger,
der den Krieg verabscheut und mithelfen will, den Frieden zu schaffen.

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�"AMERIKA DIENST*
schaffen, sollte zunächst in sich gehen und seine eigene Einstellung zu den Möglichkeiten des Friedens, zur Sowjetunion, zum Verlauf des Kalten Krieges, zur Freiheit und zum Frieden hier im eigenen
Lande überprüfen.
Lassen Sie uns zunächst unsere Einstellung zum Frieden selbst
überprüfen. Zu viele von uns halten ihn für unmöglich. Zu viele von
uns halten ihn für nicht realisierbar. Aber das ist ein gefährlicher,
defaitistischer Glaube. Er führt zu der Schlußfolgerung, daß der
Krieg unvermeidlich ist, daß die Menschheit zum Untergang verurteilt
ist, daß wir uns in der Gewalt von Kräften befinden, die wir nicht
kontrollieren können.
Wir brauchen diese Ansicht nicht zu akzeptieren. Unsere Probleme
sind von Menschen geschaffen; deshalb können sie auch von Menschen
gelöst werden. Und die Größe, die der menschliche Geist erreichen
kann, bestimmt der Mensch selbst. Kein Schicksalsproblem der Menschheit liegt außerhalb der Reichweite des Menschen. Die menschliche
Vernunft und der menschliche Geist haben oftmals das scheinbar Unlösbare gelöst - und wir glauben, daß sie dies erneut tun können.
Ich spreche jetzt nicht von der absoluten, nicht mehr faßbaren
Idee des Weltfriedens und des guten Willens, von der einige Phantasten
und Fanatiker immer noch träumen. Ich leugne nicht den Wert von Hoffnungen und Träumen, aber wir würden lediglich Entmutigung und Ungläubigkeit Tür und Tor öffnen, machten wir dies zu unserem einzigen und
unmittelbaren Ziel.
Wir sollten uns statt dessen auf einen praktischeren, leichter
erreichbaren Frieden konzentrieren, der nicht auf einer plötzlichen
Revolutionierung der menschlichen Natur, sondern auf einer allmählichen Evolution der menschlichen Institutionen basiert - auf einer
Reihe von konkreten Maßnahmen und wirksamen Übereinkünften, die im
Interesse aller Betroffenen liegen.
Für diesen Frieden gibt es keinen einzelnen einfachen Schlüssel,
keine großartige oder magische Formel, die sich eine oder zwei Mächte
anzueignen hätten. Der echte Friede muß das Produkt vieler Nationen
sein, die Summe vieler Maßnahmen. Er muß dynamisch, nicht statisch
sein, er muß flexibel sein, um den großen Aufgaben einer jeden Generation zu entsprechen. Denn der Friede ist ein Prozeß - ein Weg,
Probleme zu lösen.
Bei einem solchen Frieden wird es Streitigkeiten und Interessengegensätze geben, wie sie innerhalb von Familien und Nationen vorkommen. Der Weltfriede, wie auch der Friede in Stadt und Land, erfordert
nicht, daß jeder seinen Nachbarn liebt. Er erfordert lediglich, daß
man in gegenseitiger Toleranz miteinander lebt, seine Auseinandersetzungen einer gerechten und friedlichen Lösung zuführt. Und die
Geschichte lehrt uns, daß Feindschaften zwischen Nationen - wie zwischen Einzelnen - nicht ewig dauern. Wie starr unsere Neigungen und
Abneigungen auch immer erscheinen mögen, der Gang der Zeit und der
Ereignisse wird oft überraschende Wendungen in den Beziehungen zwischen Nationen und Nachbarn bringen.
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�"AMERIKA DIENSTSO wollen wir unermüdlich weiter arbeiten. Der Friede braucht
nicht unerreichbar und der Krieg nicht unvermeidlich zu sein. Indem
wir unser Ziel klarer definieren, indem wir es greifbarer und weniger
fern erscheinen lassen, können wir dazu beitragen, daß alle Völker es
erkennen, Hoffnung daraus schöpfen und sich unbeirrt darauf zubewegen.
Lassen Sie uns zweitens unsere Haltung gegenüber der Sowjetunion
überprüfen. Es ist entmutigend, zu denken, daß die sowjetischen Führer
wirklich glauben könnten, was ihre Propagandisten unablässig schreiben.
Es ist entmutigend, eine kürzlich erschienene autoritative sowjetische
Veröffentlichung über militärische Strategie zu lesen und Seite um
Seite völlig haltlose und unglaubliche Behauptungen zu finden - wie die,
daß sich amerikanische imperialistische Kreise darauf vorbereiten, verschiedene Arten von Kriegen auszulösen... daß die sehr reale Gefahr
eines Präventivkrieges besteht, der von amerikanischen Imperialisten
gegen die Sowjetunion gestartet wird... daß die politischen Ziele
der amerikanischen Imperialisten in der wirtschaftlichen und politischen Versklavung der europäischen und anderen kapitalistischen Länder.,
und in der Erreichung der Weltherrschaft... durch Angriffskriege bestehen' .
Sicher ist es so, wie es in der Schrift heißt, daß 'der Gottlose
flieht und niemand jagt ihn...' Dennoch ist es betrüblich, diese
sowjetischen Erklärungen zu lesen - und die Größe der Kluft zu erkennen,
die uns trennt. Es ist aber auch eine Warnung - eine an das amerikanische Volk gerichtete Warnung, nicht in die gleiche Falle hineinzutappen wie die Sowjets, sich nicht nur ein verzerrtes hoffnungsloses
Bild von der anderen Seite zu machen, den .Konflikt nicht als etwas
Unvermeidliches und den Ausgleich nicht als unmöglich anzusehen und
nicht jede Kommunikation lediglich als Austausch von bloßen Worten und
Drohungen zu betrachten.
Keine Regierung und kein Gesellschaftssystem ist so schlecht, daß
man das unter ihm lebende Volk als bar jeglicher Tugend ansehen kann.
Wir Amerikaner finden den Kommunismus als eine Verneinung der persönlichen Freiheit und Würde im tiefsten Grunde abstoßend. Dennoch aber
können wir das russische Volk zu vielen seiner vollbrachten Leistungen
- in der Wissenschaft und im Weltraum, in der wirtschaftlichen und
industriellen Entwicklung, in der Kultur und auf Grund seines mutigen
Handelns - beglückwünschen.
Unter den vielen Eigenschaften, die den Völkern unserer beiden
Länder gemeinsam sind, ist keine ausgeprägter als unsere beiderseitige Abscheu vor dem Krieg. Unter den großen Weltmächten haben wir und das ist beinahe einzigartig - noch nie
gegeneinander im Krieg
gestanden, und kein anderes Volk in der Geschichte der Kriege hat
wohl mehr gelitten als das russische Volk im Verlauf des zweiten
Weltkrieges. Wenigstens zwanzig Millionen verloren ihr Leben. Unzählige Millionen Häuser und Bauernhöfe brannten nieder oder wurden zerstört, Ein Drittel des russischen Gebiets - darunter nahezu zwei
Drittel der Industriegebiete - wurde verwüstet - ein Verlust, dem die
Verwüstung unseres gesamten Landes östlich von Chicago entspräche.
Sollte

�•AMERIKA DIENST
Sollte heute - wie auch immer - ein totaler Krieg ausbrechen,
dann würden unsere beiden Länder die Hauptziele darstellen. Es ist
eine Ironie, aber auch eine harte Tatsache, daß die beiden stärksten
Mächte zugleich auch jene sind, die in der größten Gefahr einer Zerstörung schweben. Alles, was wir aufgebaut haben, alles, wofür wir
gearbeitet haben, würde vernichtet werden. Und selbst im Kalten
Krieg - der für so viele Länder, unter ihnen die engsten Verbündeten der USA, Lasten und Gefahren bringt - tragen unsere beiden
Länder die schwersten Lasten. Denn wir werfen beide für gigantische
Waffen riesige Beträge aus - Beträge, die für den Kampf gegen Unwissenheit, Armut und Krankheit besser verwendet werden könnten. Wir
sind beide in einem unheilvollen und gefährlichen Kreislauf gefangen,
in dem Argwohn auf der einen Seite Argwohn auf der anderen auslöst
und neue Waffen wieder neue Abwehrwaffen hervorbringen.
Kurz gesagt, sowohl die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
als auch die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben ein gemeinsames
tiefes Interesse an einem gerechten und wahren Frieden und der Einstellung des Wettrüstens. Abkommen, die zu diesem Ziel führen, sind
im Interesse der Sowjets wie auch in unserem. Und selbst bei den
feindseligsten Ländern kann man damit rechnen, daß sie solche - wenn
auch nur solche - vertraglichen Verpflichtungen akzeptieren und einhalten, die in ihrem eigenen Interesse sind.
Wir wollen unseren Meinungsverschiedenheiten gegenüber nicht die
Augen verschließen - wir wollen aber unser Augenmerk auch auf unsere
gemeinsamen Interessen und auf jene Möglichkeiten richten, durch die
diese Differenzen sich beseitigen lassen. Und wenn wir sie auch jetzt
nicht bereinigen können, so können wir doch wenigstens dazu beitragen,
daß die Vielfalt in der Welt erhalten bleibt.Denn letztlich bildet die
Tatsache, daß wir alle Bewohner dieses Planeten sind, das uns im tiefsten gemeinsame Band. Wir alle atmen die gleiche Luft, uns allen liegt
die Zukunft unserer Kinder am Herzen, und wir alle sind sterblich.
Lassen Sie uns drittens unsere Einstellung zum Kalten Krieg
überprüfen. Wir wollen uns daran erinnern, daß wir nicht in eine
Debatte verwickelt sind, bei der es darum geht, Pluspunkte zu sammeln.
Wir sind nicht hier, um Lob und Tadel zu verteilen oder mit dem Finger
auf andere zu zeigen. Wir müssen uns mit der Welt, wie sie ist, auseinandersetzen, und nicht, wie sie hätte sein können, wäre die Geschichte
der letzten 18 Jahre anders gelaufen.
Wir dürfen daher in der Suche nach Frieden nicht nachlassen,
hoffend, daß konstruktive Veränderungen innerhalb des kommunistischen
Blocks Lösungen herbeiführen könnten, die heute noch unerreichbar
scheinen. Wir müssen unsere Politik so betreiben, daß es schließlich
im Interesse der Kommunisten liegt, einem echten Frieden zuzustimmen.
Vor allem müssen Atommächte, bei steter Verteidigung der eigenen
Lebensinteressen, solche Konfrontationen vermeiden, die einem Gegner
nur die Wahl eines demütigenden Rückzugs oder eines Atomkriegs lassen.
Wollte man im Atomzeitalter diesen Kurs einschlagen, so wäre dies nur
der Beweis für den Bankrott unserer Politik oder, für die Welt, einer
kollektiven Todesbereitschaft.
Daher

-

5 -

�"AMERIKA DIENST
Daher sind die Waffen Amerikas keine provozierenden, sie sind
sorgfältig kontrolliert, für die Abschreckung bestimmt und für den
selektiven Einsatz geeignet. Unsere Streitkräfte sind dem Frieden
verpflichtet und in Zurückhaltung geschult. Unsere Diplomaten sind
angewiesen, unnötigen Ärger und rein rhetorische Feindseligkeit
zu vermeiden. Wir können uns um ein Nachlassen der Spannungen bemühen,
ohne deshalb in unserer Wachsamkeit nachzulassen. Und wir bedürfen unsererseits nicht der Drohungen, um unsere Entschlossenheit zu zeigen.
Wir haben es nicht nötig, ausländische Rundfunksendungen zu stören,
aus Furcht, unser Glaube könnte durch sie entwurzelt werden. Wir
wollen unser System keinem Volk gegen seinen Willen aufzwingen. Wir
sind aber willens und in der Lage, mit jedem anderen System auf der
Erde in einen friedlichen Wettstreit einzutreten.
In der Zwischenzeit suchen wir die Vereinten Nationen zu stärken,
ihre finanziellen Probleme lösen zu helfen, sie zu einem wirksameren
Instrument des Friedens zu machen, sie zu einem echten Sipherheitssystem für die Welt zu entwickeln - einem System, das in der Lage
ist, Streitfragen auf der Basis des Rechts beizulegen, die Sicherheit
der Großen und Kleinen zu garantieren und Bedingungen zu schaffen, unter
denen die Waffen schließlich abgeschafft werden können.
Gleichzeitig bemühen wir uns, den Frieden innerhalb der nichtkommunistischen Welt zu erhalten, wo viele Nationen - alle unsere
Freunde - über Fragen uneinig sind, die die westliche Einheit schwächen, die eine kommunistische Intervention begünstigen oder die zum
Kriege zu führen drohen. Wir sind in unseren Bemühungen in Westneuguinea, im Kongo, im Mittleren Osten und auf dem indischen Subkontinent trotz Kritik von beiden Seiten beharrlich und geduldig geblieben.
Wir haben gleichzeitig versucht, anderen ein Beispiel zu geben, indem
wir kleine, aber doch nicht unwichtige Differenzen mit unseren eigenen
nächsten Nachbarn in Mexiko und in Kanada beizulegen suchten.
Wenn ich von anderen Nationen spreche, dann möchte ich einen Punkt
klarstellen. Wir sind durch Allianzen an viele Nationen gebunden. Diese
Bündnisse bestehen, weil ihre und unsere Belange sich im wesentlichen
decken. An unserer Verpflichtung zum Beispiel, Westeuropa und WestBerlin zu verteidigen, hat sich nichts geändert, weil unsere lebenswichtigen Interessen nach wie vor die gleichen sind. Die Vereinigten
Staaten werden sich mit der Sowjetunion nicht auf Kosten anderer Nationen und anderer Völker arrangieren, nicht allein, weil sie unsere
Partner sind, sondern weil ihre und unsre Interessen konvergieren.
Unsere Interessen stimmen jedoch nicht nur bei der Verteidigung
der Grenzen der Freiheit überein, sondern auch in dem Vorwärtsstreben
auf den tfegen des Friedens. Es ist unsere Hoffnung - und das Ziel der
alliierten Politik -, die Sowjetunion überzeugen zu können, daß auch
sie jede Nation ihre eigene Zukunft bestimmen lassen sollte, solange
diese Wahl nicht die anderer beeinträchtigt. Das Streben der Kommunisten, anderen ihr politisches und wirtschaftliches System aufzuzwingen,
ist der Hauptgrund für die Spannungen in unserer heutigen Welt. Denn es
ist außer Zweifel, daß der Friede weitaus gesicherter wäre, wenn alle

i

6 -

�"AMERIKA DIENST

\

alle Nationen davon Abstand nähmen, sich in die Selbstbestimmungsrechte anderer einzumischen.
Dies wird neue Anstrengungen zur Schaffung eines Weltrechts einen neuen Rahmen für weltweite Gespräche - erfordern. Es wird eine
bessere Verständigung zwischen uns und der Sowjetunion voraussetzen.
Und eine bessere Verständigung wird vermehrte Kontakte und Verbindungen erfordern. Ein Schritt in dieser Richtung ist die vorgeschlagene Vereinbarung für die Schaffung eines direkten Drahts
zwischen Moskau und Washington, durch den auf beiden Seiten die gefährlichsten Verzögerungen, Mißverständnisse und Fehldeutungen der
Maßnahmen des anderen vermieden werden sollen, wie sie in Krisenzeiten leicht auftreten könnten.
Wir haben ferner in Genf über andere erste Maßnahmen der Rüstungskontrolle gesprochen, die die Intensität des Wettrüstens einschränken
und die Risiken eines Zufallskrieges verringern sollen. Unser Hauptziel in Genf bleibt auf lange Sicht jedoch die allgemeine und vollständige Abrüstung - die in Phasen stattfinden und gleichlaufende
politische Entwicklungen beim Aufbau der neuen Institutionen des
Friedens, die an die Stelle der Rüstungen treten würden, zulassen soll.
Die Abrüstung war seit den zwanziger Jahren ein Anliegen der
amerikanischen Regierung. Die letzten drei Regierungen haben sich
intensiv darum bemüht. Und so ungewiß die Aussichten auch heute noch
sein mögen, so haben wir doch die Absicht, diese Bemühungen fortzusetzen, - fortzusetzen, damit alle Länder, einschließlich unseres
eigenen Landes, besser erfassen können, welche Probleme und Möglichkeiten tatsächlich in der Abrüstung liegen.
Der eine große Verhandlungskomplex, der vor dem Abschluß steht der aber dringend eines neuerlichen Anstoßes bedarf - betrifft den
Vertrag zur Ächtung der Kernwaffenversuche. Der Abschluß eines solchen
Vertrages - so nah und doch noch so fern - würde die Schraube des
Wettrüstens auf einem seiner gefährlichsten Gebiete zum Stillstand
bringen. Dadurch würden die Atommächte in die Lage versetzt, auf
wirksamere Weise mit einer der größten Gefahren fertig zu werden,
die die Menschheit bedrohen - der weiteren Ausbreitung der Kernwaffen.
•

Er würde unsere Sicherheit erhöhen - er würde die Gefahr eines
Krieges herabsetzen. Dieses Ziel ist wichtig genug, um unser ständiges
Bemühen zu verdienen, wobei wir weder der Versuchung erliegen dürfen,
die ganzen Bemühungen aufzugeben, noch der Versuchung, von unserem
Beharren auf den entscheidend wichtigen Sicherheitsgarantien abzugehen.
Ich benutze daher diese Gelegenheit, um zwei wichtige Entscheidungen in dieser Hinsicht bekanntzugeben.
Erstens: Ministerpräsident Chruschtschow, Premierminister
Macmillan und ich sind übereingekommen, daß in Kürze Erörterungen
auf hoher Ebene in Moskau beginnen werden - mit dem Ziel eines baldigen Abkommens über einen umfassenden Vertrag über die Einstellung

- 7 -

�t

AMERIKA DIENST"
Einstellung der Kernwaffenversuche. Die Erfahrungen der Geschichte
lehren uns, daß wir unsere Hoffnungen zügeln müssen, aber unsere
Hoffnungen werden von den Hoffnungen der gesamten Menschheit begleitet sein:
Zweitens: Um unseren guten Willen und unsere aufrechte Gesinnung in dieser Angelegenheit zu demonstrieren, erkläre ich hiermit, daß die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen, Kernwaffenversuche in der Atmosphäre durchzuführen, solange andere Staaten es nicht
tun. Wir werden nicht die ersten sein, die diese Versuche wieder aufnehmen. Eine solche Erklärung ist kein Ersatz für einen formalen,
bindenden Vertrag - aber ich hoffe, daß sie zum Abschluß eines solchen
beitragen wird. Noch würde ein solcher Vertrag Ersatz für die Abrüstung
sein - ich hoffe aber, daß er uns helfen wird, die Abrüstung zu erreichen.
'
Lassen Sie uns, meine amerikanischen Mitbürger, schließlich
unsere Haltung gegenüber dem Frieden und derFreihei t hier im eigenen
Lande überprüfen. Der Wert und der Geist unserer eigenen Gesellschaft
müssen unsere Anstrengungen im Ausland rechtfertigen und sie unterstützen. Sie müssen sich im eigenen Einsatz zeigen - zu dem viele
von Ihnen, die heute ihr Studium abschließen, eine einzigartige Gelegenheit haben werden, indem sie ohne Bezahlung im Friedenskorps im Ausland oder in dem geplanten Nationalen Hilfsdienst hier im eigenen
Land Dienst tun.
Aber wo immer wir auch sind, müssen wir alle in unserem täglichen
Leben dem jahrhundertealten Glauben gerecht werden, daß Frieden und
Freiheit Hand in Hand gehen. In zu vielen unserer Städte ist der Friede
heutzutage nicht gesichert, weil die Freiheit unvollkommen ist.
Die Exekutive hat auf allen Verwaltungsebenen - kommunalen,
einzelstaatlichen und nationalen - die Verantwortung, mit allen Mitteln im Rahmen ihrer Autorität für die Freiheit aller Bürger zu sorgen
und sie zu schützen. Die Legislative hat die Verantwortung, diese
Autorität, wo sie heute noch unzureichend ist, entsprechend zu festigen.
Und alle Bürger in allen Bereichen haben die Verantwortung, die Rechte
aller anderen und das Gesetz des Landes zu respektieren.
All dies steht im Zusammenhang mit dem Weltfrieden. 'Wenn jemand
desWege dem Herrn Wohlgefallen', so heißt es in der Heiligen Schrift,
'macht Er auch seine Feinde mit ihm zufrieden'.
Und ist nicht letztlich der Friede im Grunde eine Sache der Menschenrechte - des Rechts, unser Leben ohne Furcht vor Vernichtung ganz
zu leben, des Rechts künftiger Generationen auf ein gesundes Dasein?
So wie wir uns um den Schutz unserer nationalen Interessen bemühen, so wollen wir auch die menschlichen Interessen schützen. Und
die Abschaffung des Krieges und der Waffen dient eindeutig den einen
wie den anderen. Kein Vertrag, so sehr er auch zum Vorteil aller sein

8

�AMERIKA DIENST
sein und so genau er auch formuliert sein mag, kann eine absolute
Sicherheit gegenüber den Gefahren der Täuschung und der Umgehung
bieten. Aber er kann - wenn er in seiner Durchführung nur wirksam
genug ist und weitestgehend im Interesse seiner Unterzeichner liegt
weitaus mehr Sicherheit bieten und weniger Risiken bergen als ein
unvermindertes, unkontrolliertes und unberechenbares Wettrüsten.
Wie die Welt weiß, werden die Vereinigten Staaten niemals
einen Krieg beginnen. Wir wollen keinen Krieg. Wir rechnen jetzt
nicht mit einem Krieg. Die gegenwärtige Generation von Amerikanern
hat bereits genug - mehr als genug - von Krieg, Haß und Unterdrükkung erlebt. Wir werden auf den Krieg vorbereitet sein, wenn andere
ihn wünschen. Wir werden jederzeit bemüht sein zu versuchen, ihn
zu unterbinden. Aber wir werden ebenfalls unseren Teil dazu beitragen, eine Welt des Friedens aufzubauen, in der die Schwachen sicher
und die Starken gerecht sind. Wir stehen nicht hilflos vor dieser
Aufgabe und sind nicht ohne Hoffnung im Hinblick auf ihren Erfolg.
Voller Vertrauen und ohne Furcht werden wir weiterarbeiten, nicht
in Richtung auf eine Strategie der Vernichtung, sondern in Richtung
auf eine Strategie des Friedens."

* * * # *

- 9 -

�THE

W H I T E

HOUSE

Remarks of t h e P r e s i d e n t of t h e U n i t e d S t a t e s of America
JOHN F . KENNEDY
i n t h e Assembly H a l l of P a u l s k i r c h e , F r a n k f u r t ,

June 2 5 , 1963

Germany

�One hundred and fifteen years ago a most learned Parliament
was convened in this historic hall. Its goal was a united German
Federation. Its members were poets and professors, lawyers and
thinkers, doctors and clergymen, freely elected in all parts of
the land. No nation applauded its endeavors as warmly as my own.
No assembly ever strove nore ardently to put perfection into
practice. And though in the end it failed, no other building in
Germany more deserves the title of "cradle of German democracy."
But can there be such a title? In my own home city of Boston,
Faneuil Hall - once the meeting-place of the authors of the Revolution - has long been known as the "cradle of American liberty."
But when, in 1852, the Hungarian patriot Kossuth addressed an
audience there, he criticized the name. "It is, he said, "a great
name - but there is aomething in it which saddens my heart. You
should not say 'American liberty.' You should say 'liberty in
America.' Liberty should not be either American or European - it
should just be 'liberty.'"
Kossuth was right. For unless liberty flourishes in all lands,
it cannot flourish in one. Conceived in one hall, it must be
carried to many. Thus the seeds of the American Revolution had been
brought earlier from Europa, and they later took root around the
World. And the German Revolution of 1848 transmitted ideas and
idealists to America and other lands. Today, in 1963» democracy and
liberty are more international than ever. And the spirit of the
Frankfurt Assembly, like the spirit of Faneuil Hall, must live in
many hearts and nations if it is to live at all.
For we live in an age of interdependence as well as independence - an age of internationalism instead of nationalism. In 1848
many countries were indifferent to the goals of the Frankfurt Parliament. It was, they said, a German problem. Today there are no
exclusively German problems, or American problems, or even European
Problems. There are world problems - and our two countries and
continents are inextricably bound together on the tasks of peace
as well as war.
We are • irtners for peace - not in a narrow bilateral context
but in a framework of Atlantic Partnership. The ocean divides us
less than the Mediterranean divided the ancient world of Greece and
Rome. Our Constitution is oldard yours is young - cur culture is young
and yours is old - but in our commitment to freedom, we can and
must speak with but one voice. Our roles are distinct but complementary - and our goals are the same: peace and freedom for all men,
for all men, for all time, in a world of abundance and justice.
That is why our nations are working together to strengthen
KATO, to expand trade, to assist the developing countries, to
align our monetary policies and to build the Atlantic Community.
I would not diminish the miracle of West Germany's economic
achievements. But the true German miracle has been your rejection
of the past for the future - your reconciliation with France,
your participation in the building of Europe, your leading role in
NATO, and your growing Support for constructive undertakings
throughout the world.
Your
-

2

-

�Your economic institutions, your constitutional guarantees, your
confidence in civilian autlority, are all harmonious with the ideals
of older democracies. And they form a firm pillar of the democratic
European Community.
But Goethe teils us in his greatest poem that Faust lost the
liberty of his soul when he said to the passing moment: "Stay, thou
are so fair." And our liberty, too, is endangered if we pause for the
passing moment, if we rest on our achievements, if we resist the pace
of progress. For time and the world do not stand still. Change is
the law of life. And those who look only to the past are certain to
miss the future.
The future of the West lies in Atlantic Partnern ip - a System
of Cooperation, interdependence and harmony whose peoples can jointly
meet their burdens and opportun!ties throughout the world. Some say
that is only a dream, but I do not agree. A generation of achievement the Marshall Plan, NATO, the Schuman Plan, and the Common Market urges us up the path to greater unity.
There will be difficulties and delays. There will be doubts and
discouragement. There will be differences of approach and opinion. But
we have the will and the means to serve three related goals - the heritage of our countries, the unity of our continents and the interdependence of the Western Alliance.
Some say that the United States will neither hold to these
purposes nor abide by its pledges - that we will revert to a narrow
nationalism. But such doubts fly in the face of history. For eighteen
years the United States has stood its watch for freedom all around
the world. The firmness of American will, and the effectiveness of
American strength, have been shown, in support of free men and free
governments, in Asia, in Africa, in the Americas, and, above all, here
in Europe. We have undertaken, and sustained in honor, relations of
mutual trust and Obligation with more than forty allies. We are proud
of this record, which more than answers all doubts. But, in addition,
these proven commitments to the common freedom and safety are assured,
in the future as in the past, by one great fundamental fact - that they
are deeply rooted in America's own self-interest. Our commitment to
Europe is indispensable - in our interest as well as yours.
I'. is n...t in our interest to try to dominate the European
Councils of decision. If that were our objective, we would prefer to
see Europi divided and weak, enabling the United States to deal with
each fragment individually. Instead we look forward to a Europe united
and strong - speaking with a common voice - acting with a common will a world power capable of meeting world problems as a füll and equal
partner.
This is in the interest of us all. For war in Europe, as we
learned twice in 40 years, destroys peace in America. A threat to
the freedom of Europe is a threat to the freedom of America. That is
why no administration in Washington can fail to respond to such a
threat - not merely from good will but from necessity. And that _is_

-

3 -

�is why we look forward to a united Europe in an Atlantic Partnerhsip an entity of interdependent parts, sharing equally both burdens and
decisions, and linked to £ether in the tasks of defense and the arts
of peace.
This is no fantasy. It will be achieved by concrete steps to
solve the problems that face us all: military, economic and political.
Partnership is not a posture but a process - a continuous process
that grows stronger each year as we devote ourselves to common tasks.
The first task of the Atlantic Community was to assure its common
defense. That defense was and still is indivisible. The United States
will risk its cities to defend yours because we need your freedom
to protect ours. Hundreds of thousands of our soldiers serve with
yours on this continent, as tangible evidence of that pledge. Those
who would doubt our pledge or deny this indivisibility - those who
would separate Europe from America or split one ally from another would only give aid and comfort to the men who make themselves our
adversaries and welcome any Western disarray.
The purpose of ouf common military effort is not war but peace not the destruction of nations but the protection of freedom. The
forces that West Germany contributes to this effort are second to none
among the Western European nations. Your nation is in the front line
of defense - and your divisions, side by side with our own, are a
source of strength to us all.
These conventional forces are essential; and they are backed by
the sanction of thousands of the most modern weapons here on European
soil and thousands more, only minutes away, in posts around the world.
Together our nations have developed for the forward defense of free
Europe a deterrent far surpassing the present or prospective force
of any hostile power.
Nevertheless, it is natural that America1s nuclear position has
raised questions 'vifhin the Alliance. I believe we must confront these
questions - not by uarning the clock backward to separate nuclear
deterrents - but by developing a more closely unified Atlantic
deterrent, with genuine European participation.
How this can best be done, end it is not easy - in some iraqra more
difficult to split the atom physically - how this can best be done
is now under discussion with those who may wish to join in this effort.
The proposal before us is for a new Atlantic force. Such a force would
bring strength instead of weakness, cohesion instead of division.
It would belong to all members, not one, with all participating on
a basis of füll equality. And as Europe moves towards unity, its role
and responsibility, here as elsewhere, would and must increase
accordingly.
Meanwhile, there is much to do. We must work more closely together
on strategy, training and planning. European officers from NATO are
being assigned to Strategie Air Command Headquarters in Omaha,
Nebraska. Modern weapons are being deployed here in Western Europa.
And

�And America's Strategie deterrent - the most pov/erful in history will continue to be at the Service of the whole Alliance.
Second: Our partnership is not military alone. Economic unity
is also imperative - not only among the nations of Europe, but across
the wide Atlantic.
Indeed, economic Cooperation is needed throughout the entire Free
World• By opening our markets to the developing countries of Africa,
Asia and Latin America, by contributing our capital and our skills, by
stabilizing basic prices, we can help assure them of a favorable
climate for freedom and growth. This is an Atlantic responsibility.
For the Atlantic nations themselves helped to awaken these peoples.
Cur merchants and traders ploughed up their soils - and their
secieties as well - in search of minerals and oil and rubber and coffee.
Now we raust help them gain füll membership in the 20th Century, closing
the gap between rieh and poor.
Another great economic challenge is the Coming round to trade
negotiations. Those deliberations are much more important than a
technical discussion of trade and commerce. They are an opportunity
to build common industrial and agricultural policies across the
Atlantic. They are an opportunity to open up new sources of demand to
give new impetus to growth, and make more Jobs and prosperity, for our
expanding populations. They are an opportunity to recognize the trading
needs and aspirations of other Free World countries, including Japan.
In short, these negotiations are a test of our unity. While each
nation must naturally look out for its own interests, each nation must
also look out for the common interest - the need for greater markets
on both sides of the Atlantic - the need to reduce the imbalance between
developed and underdeveloped nations - and the need to stimulate the
Atlantic economy to higher levels of produetion rather than to stifle
it by higher levels of protection.
We must not return to the 1930 's when we exported to each other
our own Stagnation. We must not return to the discredited view *that
trade favors some nations at the expense of others. Let no one think
that the United States - with only a fraction of its economy dependent
on trade and only a small part of that with Western Europa - is seeking
trade expansion in order to dump our goods on this Continent. Trade
expansion will help us all. The experience of the Common Market - like
the experience of the German Zollverein - shows an increased rise in
business activity and general prosperity resulting for all partieipants
in such trade agreements, with no member profiting at the expense of
another. As they say on my own Cape Cod, a rising tide lifts all the
boats. And a partnership, by definition, serves both partners, without
domination or unfair advantage. Together we have been partners in
auversity - let us also be partners in prosperity.
Beyond development and trade is monetary policy. Here again our
interests run together. Indeed there is no field in which the wider
interest of all more clearly outweighs the narrow interest of one.
We have lived by that principle, as bankers to freedom, for a generation.
Now that other nations - including West Germany - have found new

-

5 -

�new economic strenght, it is time for common efforts here, too.
The great free nations of the world must take control of our monetary
Problems if those problems are not 4 o take control of us.
Third and finally, our partnership depends on common political
purpose. Against the hazards of division and lassitude, no lesser
force will serve. History teils us that disunity and relaxation are
the great internal dangers of an alliance. Thucydides reporte that
the Peloponnesians and their allies were mighty in battle but
handicapped by their policy-making body - in which, he related "each
presses its own ends... which generally results in no action at
all... they devote more time to the prosecution of their own
purposes than to the consideration of the general welfare - each
supposes that no härm will come of his own neglect, that it is the
•.usiness of another to do this or that - and so, as each separately
entertains the same illusion, the common cause imperceptibly decays."
Is that also to be the story of the Grand Alliance? Welded in a
moment of imminent danger, will it disintegrate in complacency, with
each member pressing its own ends to the neglect of the common cause'?
This must not be the case. Our old dangers are not gone beyond return,
and any division among us would bring them back in doubled strength.
Our defenses are now strong - but they must be made stronger. Our
economic goals are ncw clear - but v/e must get on with their Performance. And the greatest of our necessities, the most notable of our
omissions, is progress toward unity of political purpose.
For we live in a world in which our own united strength and
will must be our first reliance. As I have said before, and will say
again, we work toward the day when there may be real peace between
us and the Communi sts. V/e will not be second in that effort. But that
day is not yet here.
V/e in the United States and Canada are 200 million, and here
on the European side of the Atlantic Alliance are nearly 300 million
more. The strength and unity of this half-billion human beings are
and will continue to be the anchor of all freedom, for all nations.
Let us from time to time pledge ourselves again to the common purposes.
But let us go on, from words to actions, to intensify our efforts for
still greater unity among us, to build r.ew associations and institutions on those already established. Lofty words cannot construct
an alliance or maintain it - only concrete deeds can do that.
The great present task of construction is here on this continent
where the effort for a unified free Europe is underway. It is not for
Americans to prescribe to Europeans how this effort should be carried
forward. Nor do I believe that there is any one right course or any
Single final pattern. It is Europeans who are building Europe.
Yet the reunion of Europe, as Europeans shape it - bringing a
permanent end to the civil wars that have repeatedly wracked the
aorld - will continue to have the determined support of the United
States. For that reunion is a necessary step in strengthening the
community of freedom. It would strengthen our alliance for its defense.
And it would be in our national interest as well as yours.
T+
b

�It is otfly a fully cohesive Europe that can protect us all
against fragmentation of the alliance. Only such a Europe will
permit füll reciprocity of treatment across the ocean, in facing the
Atlantic agenda. With only such a Europe can we have a füll giveand-take between equals, an equal sharing of responsibilities,
and an equal level of sacrifice. I repeat again - so that there
may be no raisunderstanding - the choice of paths to the unity of
Europa is a choice which Europe must inake, But as you continue thi s
great effort, undeterred by either difficulty or delay, you should
know that this new European greatness will be not an object of
fear, but a source of strength, for the United States of America.
There are other political tasks before us. We must all learn to
practice more completely the art of consultation on matters stretching
well beyond immediate military and economic questions. Together, for
example, we must explore the possibilities of leashing the tensions
of the Cold War and reducing the dangers of the arms race . Together
we must work to strengthen the spirit of those Europeans who are
now not free, to reestablish their old ties to freedom and the West,
so that their desire for liberty and their sense of nationhood, and
their sense of belonging to the Western Community will survive for
future expression. We ask those who would be our adversaries to
understand that in our relations with them we will not bargain one
nation's interest against another's and that the commitment to the
cause of freedom is common to us all.
All of us in the West must be faithful to our conviction that
peace in Europe can never be complete until everywhere in Europe,
and that includes Gerinany, men can choose, in peace and freedom, how
their countries shall be governed, and choose - without threat to
any neighbor - reunification with their countrymen.
I preach no easy liberation and I make no empty promises; but
ir.y countrymen ,since our country was founded, believe strongly in the
proposition that all men shall be free and all free men shall have
this right of choice.
As we look steadily eastward in the hope and purpose of new
freedom, we must also look - end evermore closely - to our transAtlantic ties. The Atlantic Community will not soon become a Single
overarching super-state. But practical steps toward s tronger coimicr puipose
are well v/ithin our means. As we widen our common effort in defense,
and our threefold Cooperation in economics, we shall inevitably
strengthen our political ties as well. Just as your current efforts for
unity in Europe will produce a stronger voice in the dialogue between
us, so ir. America our current battle for the liberty and prosperity of
al] Citizens can only deepen the meaning of our common historic
:-urposes. In the far future there may be a new great union for us all.
But for the present, there is plenty for all to do in building new
and er.during connections.
In short, the words of Thucyiides are a warning, not a prediction.
We have it ir. us, as 18 years have shown, to build our defenses, to
strengthen our economies, and to tighten our political bonds, both
in gocd weather and in bad. We can move forward with the confidence
that is born of success and the skill that is born of experience. And

_ 7 .

�And as we rnove, l e t us t; ke h e a r t from the c e r t a i n t y t h a t we are
not only u n i t e d by danger and n e c e s s i t y , but by hope and purpose
as w e l l .
i

For we know nov; that freedom is raore than the rejection of tyranny that prosperity is more than an escape from want - that partnership
is more than a sharing of power. These are all, above all, great human
adventures. They must have meaning and conviction and purpose - and
because they do, in'your country now and in mine, in all the nations
of the Alliance, we are called to a great new mission.
It is not a mission of self-defense alone - for that is a
means, not an end. It is not a mission of arbitrary power - for we
rejeet the idea that one naiion should dominate another. The mission
is to create a new social order, founded on liberty and justice, in
which men are the masters of their fate, in which states are the
servants of their Citizens, and in which all men and women can share
a better life for themselves and their children. That is the objeet
of our common policy.
To realize this vision, we must seek, above all, a world of
peace - a world in which peoples dwell together in mutual respect
and work together in mutual regard - a world where peace is not a
mere interlude between wars, but an incentive to the creative
energies of humanity. Je will not find such a peace today, or even
tomorrow. The obstacles to hope are large and menacing. Yet the goal
of a peaceful world must - today and tomorrow - shape our decisions and
inspire our purposes.
So we are all idealists. We are all visionaries. Let it not be
said of this Atlantic generation that we left ideals and visions to
the past, nor purpose and determination to our adversaries. We have
come too far, we have sacrificed too much, to disdain the future now.
And we shall ever remember what Goethe told us - that the "highest
wisdom, the best that mankind ever knew" was the realization that
"he only earns his freedom and existence who daily conquers them
anew." Thank you.

*

* * * *

i

-

8

-

�THE

WHITE
H 0 U S E
Frankfurt, Germany

Ansprache des Präsidenten der Vereinigten Staaten
JOHN F. KENNEDY
in der Paulskirche zu Frankfurt am Main

Dienstag, 25. Juni

1963

�Vor 115 Jahren hat in diesem historischen Saal ein Parlament der erlauchtesten Geister Deutschlands getagt. Sein Ziel war
ein geeinter deutscher Bundesstaat. Dieses Parlament bestand aus
Dichtern und Professoren, aus Rechtsgelehrten und Philosophen, aus
Ärzten und Geistlichen, die in allen Teilen des Landes frei gewählt
worden waren. Und keine Nation spendete seiner Arbeit wärmeren Beifall als meine eigene. Keine parlamentarische Versammlung hat jemals
größere Anstrengungen unternommen, etwas Vollkommenes ins Werk zu
setzen. Und obwohl ihre Bemühungen letzten Endes scheiterten, kann
kein anderes Gebäude in Deutschland begründeteren Anspruch auf den
Ehrentitel der "Wiege der deutschen Demokratie" erheben.
Aber wie steht es überhaupt mit der Berechtigung eines solchen
Titels? In meiner eigenen Heimatstadt Boston ist die Faneuil Hall,
in der einst die Urheber unserer Revolution zusammenkamen, seit
langem als "Wiege der amerikanischen Freiheit" bekannt. Als jedoch im
Jahre 1852 der ungarische Patriot Kossuth dort eine Ansprache hielt,
übte er an dieser Bezeichnung Kritik. "Das ist ein schöner Name",
sagte er, "obgleich daran etwas auszusetzen ist, was mein Herz betrübt. Man sollte nicht von der 'amerikanischen Freiheit' sprechen.
Man sollte vielmehr von der 'Freiheit Amerikas' sprechen. Die Freiheit darf weder amerikanisch noch europäisch, sondern sie muß schlicht
und einfach 'die Freiheit' sein."
Kossuth hatte recht. Denn so lange die Freiheit nicht in allen
Ländern blüht, kann sie in einem einzelnen nicht gedeihen. Aus dem
Saale, von dem sie ihren Ausgang nahm, muß sie zu vielen anderen
weitergetragen werden. So ist die Saat der amerikanischen Revolution
von 1776 schon vorher aus Europa herübergebracht worden und hat später
in aller Welt Wurzeln geschlagen. Und auch die deutsche Revolution
von 1848 sandte
Ideen und Idealisten nach Amerika und anderen Ländern aus. Heute, im Jahre 19&amp;3» haben Demokratie und Freiheit internationalere Verbreitung gewonnen als je zuvor. Und der Geist der
Frankfurter Nationalversammlung muß genau wie der Geist von Faneuil
Hall in vielen Herzen und Nationen lebendig sein, wenn er überhaupt
lebendig bleiben soll.
Denn wir leben sowohl in einem Zeitalter wechselseitiger Abhängigkeit als auch in einem solchen der Unabhängigkeit - im Zeitalter des Internationalismus, nicht mehr des Nationalismus. Im Jahre
1848 verhielten sich viele Länder gleichgültig gegenüber den Zielen
der Frankfurter Nationalversammlung. Das war,ihrer Meinung nach,
ein deutsches Problem. Heute gibt es keine ausschließlich deutschen
Probleme oder amerikanischen Probleme oder europäischen Probleme
mehr. Wir haben es mit Weltproblemen zu tun - und unsere beiden Länder und Kontinente sind hinsichtlich der Aufgaben des Friedens wie
des Krieges unauflöslich miteinander verbunden.
Wir sind Partner bei der Sicherung des Friedens - nicht in
einem engumschriebenen, zweiseitigen Verhältnis, sondern im Rahmen
der Atlantischen Partnerschaft. Der Ozean trennt uns weniger noch,
als früher das Mittelmeer die antike Welt der Griechen und Römer

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2

�Römer zu trennen vermochte. Wir besitzen eine alte und Sie eine
junge Verfassung - wir haben eine junge und Sie eine alte Kultur -,
aber was unsere Verpflichtung auf die Freiheit betrifft, so können
und müssen wir alle ein und dieselbe Sprache sprechen. Unsere Rollen
sind verschieden, doch ergänzen sie einander - und unsere Ziele sind
die gleichen: Friede und Freiheit für alle Menschen, für alle Zeiten,
in einer Welt des Überflusses und der Gerechtigkeit.
Aus diesem Grunde arbeiten unsere Nationen zusammen: um die
NATO zu festigen, um den Handel auszuweiten, um den Entwicklungsländern beizustehen, um eine gemeinsame finanzpolitische Linie zu
finden und um die Atlantische Gemeinschaft aufzubauen. Ich möchte
das Wunder der wirtschaftlichen Leistungen Deutschlands nicht verkleinern. Aber das wahre deutsche Wunder war Ihre Abkehr von der
Vergangenheit um der Zukunft willen - war Ihre Aussöhnung mit Frankreich, Ihre Beteiligung an der Schaffung Europas, Ihre führende Rolle
in der NATO und Ihre wachsende Unterstützung konstruktiver Vorhaben
in allen Teilen der Welt.
Ihr Wirtschaftsgefüge, Ihre Verfassungsgarantien, Ihr Vertrauen
in die Autorität ziviler Instanzen, das alles steht im Einklang mit
den Idealen älterer Demokratien. Und sie bilden einen festen Pfeiler
der demokratischen europäischen Völkergemeinschaft.
Doch wie uns Goethe in seinem größten Werke berichtet, sollte
Faust die Freiheit seiner Seele verspielt haben, sobald er zum flüchtigen Augenblicke sagte: "Verweile doch, du bist so schön." So ist auch
unsere Freiheit in Gefahr, wenn wir beim flüchtigen Augenblick verweilen, wenn wir uns auf unseren Leistungen ausruhen, wenn wir das Tempo
des Fortschritts bremsen. Denn die Zeit und die Welt stehen nicht still.
Der Wandel ist das Gesetz des Lebens. Und wer nur auf die Vergangenheit
blickt, verpaßt mit Sicherheit die Zukunft.
Die Zukunft des Westens beruht auf der Atlantischen Partnerschaft
- einem System der Zusammenarbeit, der wechselseitigen Abhängigkeit
und der Übereinstimmung zwischen Völkern, die ihre Lasten gemeinsam
tragen und ihre Chancen in aller Welt gemeinsam nutzen können. Mancher
mag sagen, das sei lediglich ein Traum, doch ich bin anderer Meinung.
Eine ganze Kette großer Leistungen - Marshallplan, NATO, Schumanplan
und Gemeinsamer Markt - drängt uns auf dem Weg zu größerer Einheit
immer weiter voran.
Wir müssen mit Schwierigkeiten und Hindernissen rechnen. Es
werden sich Zweifel und Enttäuschungen einstellen. Es werden methodische und Meinungsverschiedenheiten auftreten. Aber wir haben den
Willen und auch die Mittel, drei eng miteinander verbundenen Zielen
zu dienen: dem Erbe unserer Länder, der Einheit unserer Kontinente
und der Interdependenz der Bündnispartner des Westens.
Manche behaupten, die Vereinigten Staaten würden weder an diesen
Zielsetzungen festhalten, noch ihre Verpflichtungen einlösen - wir
würden vielmehr zu einem beschränkten Nationalismus zurückkehren.
Aber solche Zweifel verflüchtigen sich angesichts der geschichtlichen

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�geschichtlichen Tatsachen. Seit 18 Jahren haben die Vereinigten
Staaten in aller Veit für die Freiheit Wache gehalten. Die Festigkeit des amerikanischen V/illens und der wirksame Einsatz amerikanischer Stärke zur Unterstützung freier Menschen und freier Regierungen sind in Asien, Afrika, auf dem amerikanischen Kontinent und vor
allem auch hier in Europa unter Beweis gestellt worden. '.Vir haben
zu über 40 Verbündeten Beziehungen auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und wechselseitiger Verpflichtungen hergestellt und in Ehren
aufrechterhalten. Wir sind stolz auf diesen Sachverhalt,der alle
Zweifel mehr als ausreichend beantwortet. Außerdem wird diese nachweisliche Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber der gemeinsamen
Freiheit und Sicherheit nach wie vor durch eine wichtige, grundlegende
Tatsache verbürgt: sie wurzelt nämlich tief im eigenen amerikanischen
Interesse. Unsere Verpflichtung gegenüber Europa ist unerläßlich - in
unserem eigenen wie in Ihrem Interesse.
Wir haben kein Interesse an dem Versuch, die beschlußfassenden
europäischen Gremien zu beherrschen. Wäre dies unser Ziel, so würden wir ein gespaltenes und schwaches Europa bevorzugen, das den
Vereinigten Staaten die Möglichkeit böte, mit den Einzelteilen getrennt zu verhandeln. Statt dessen setzen wir unsere Hoffnungen auf
ein einiges und starkes Europa - das eine gemeinsame Sprache spricht
und mit einem gemeinsamen Willen handelt -, in eine Weltmacht, die
imstande ist, die Weltprobleme als vollgültiger und gleichberechtigter Partner anzupacken.
Das liegt in unser aller Interesse. Denn ein Krieg in Europa
zerstört, wie wir in 40 Jahren zweimal erfahren haben, auch den Frieden in Amerika. Eine Bedrohung der Freiheit Europas ist eine Bedrohung
der Freiheit Amerikas. Deshalb kann keine Regierung in Washington
eine solche Drohung unbeantwortet lassen - das ist nicht nur eine
Frage des guten Willens, sondern eine Notwendigkeit. Und deshalb
hoffen wir auch auf ein vereintes Europa im Rahmen einer Atlantischen
Partnerschaft - als Gesamtheit interdependenter Teile, die an Lasten
und Entscheidungen gleichermaßen beteiligt und sowohl durch die Aufgaben der Verteidigung als auch durch die Werke des Friedens miteinander verknüpft sind.
Diese Vorstellung ist keine Phantasie. Sie wird Wirklichkeit
werden durch konkrete Maßnahmen zur Lösung der Probleme, vor die wir
uns alle gestellt sehen: im militärischen, im wirtschaftlichen und
im politischen Bereich. Partnerschaft ist kein Zustand, sondern ein
Prozeß - ein fortlaufender Prozeß, der sich von Jahr zu Jahr um so
stärker auswirkt, je mehr wir uns den gemeinsamen Aufgaben widmen.
Die erste Aufgabe der Atlantischen Gemeinschaft bestand in der
Sicherung der gemeinsamen Verteidigung. Diese Verteidigung ist nach
wie vor unteilbar. Amerika setzt seine Städte aufs Spiel, um Ihre
Städte zu verteidigen, weil wir Ihrer Freiheit bedürfen, um unsere
Freiheit schützen zu können. Hunderttausende unserer Soldaten dienen
gemeinsam mit den Ihrigen auf diesem Kontinent als konkretes Unterpfand jener Verpflichtung. Wer diese unsere Verpflichtung in Zweifel
zieht oder ihre Unteilbarkeit leugnet - wer einen Keil zwischen

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�zwischen Europa und Amerika treiben oder die Verbündeten einander
entfremden möchte -, der unterstützt und stärkt damit nur jene
Leute, die sich selbst als unsere Gegner betrachten und denen jede
Verwirrung des »Yestens willkommen ist.
Das Ziel unserer gemeinsamen militärischen Anstrengungen
ist nicht der Krieg, sondern der Friede, nicht die Vernichtung von
Nationen, sondern die Sicherung der Freiheit. Die Streitkräfte, die
die Bundesrepublik Deutschland zu diesem Zweck beisteuert, werden
von denen keines anderen europäischen Landes über troffen. Ihr Land
steht in der ersten Verteidigungslinie - und Ihre Divisionen sind,
Schulter an Schulter mit den unsrigen, eine Quelle der Stärke für
uns alle.
Diese konventionell bewaffneten Streitkräfte sind von entscheidender Bedeutung, und dahinter stehen 'Tausende der modernsten Waffen
hier auf europäischem Boden sowie weitere Tausende, nur Minuten entfernt, rund um die Welt in Bereitschaft. Zusammen haben unsere Länder für die Vorwärtsverteidigung des freien Europas e:Ln Abschrekkungspotential entwickelt, das die gegenwärtige oder voraussichtliche
Stärke jedes Gegners bei weitem übertrifft.
Dennoch liegt es in der Natur der Sache, daß Amerikas nukleare
Position innerhalb des Bündnisses Fragen aufgeworfen hat. Ich glaube,
wir müssen uns mit diesen Fragen auseinandersetzen, nicht indem wir
die Uhr auf die Zeit der separaten nationalen Abschreckung zurückdrehen, sondern indem wir eine noch einheitlichere atlantische Abschreckungsmacht mit echter europäischer Beteiligung schaffen.
Wie sich dies am besten bewerkstelligen läßt, wird gegenwärtig
mit jenen erörtert, die an diesem Vorhaben teilzunehmen wünschen.
Der zur Diskussion s'tehende Vorschlag zielt auf eine neue atlantische
Streitmacht ab. Eine solche Streitmacht würde Stärke statt Schwäche
und Zusammenhalt statt Spaltung hervorbringen. Sie würde allen Mitgliedern und nicht einem einzigen gehören, wenn alle auf der Basis der
Gleichberechtigung beteiligt sind. Und je weiter Europa auf dem Wege
zur Einheit vcranschreitet, desto größer wird und muß demgemäß seine
Rolle und Verantwortung hier und anderswo werden.
Vorläufig aber gibt es noch viel zu tun. Auf den Gebieten der
Strategie, der Ausbildung und der Planung müssen wir noch enger zusammenarbeiten. Europäische NATO-Offiziere werden dem Hauptquartier
des Strategischen Luftkommandos in Omaha zugeteilt. Moderne Waffen
werden in Westeuropa bereitgestellt. Und Amerikas strategische Abschreckungsmacht - die stärkste der Geschichte - wird weiterhin im
Dienste des gesamten Bündnisses stehen.
Zweitens ist unsere Partnerschaft nicht nur militärischer Art.
Die wirtschaftliche Einheit - und zwar nicht nur zwischen den Nationen Europas, sondern auch über den Atlantik hinweg - ist eine
ebenso gebieterische Notwendigkeit.
Tatsächlich

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�Tatsächlich ist eine wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb
der gesamten freien Welt vonnöten. Indem wir den Entwicklungsländern
in Afrika, Asien und Lateinamerika unsere Märkte öffnen, ihnen unser
Kapital und unsere Erfahrungen zur Verfügung stellen und die Rohstoffpreise stabilisieren, können wir die Schaffung eines Klimas fördern,
das die Freiheit und das Wirtschaftswachstum begünstigt. Dies ist
eine atlantische Aufgabe, denn die atlantischen Nationen trugen
dazu bei, diese Völker zu erwecken. Unsere Kaufleute und Händler
begannen auf der Suche nach Mineralstoffen, Öl, Kautschuk und Kaffee,
ihren Boden und gleichzeitig ihre Gesellschaftsformen umzupflügen.
Jetzt müssen wir ihnen dabei helfen, vollgültige Mitglieder der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts zu werden und die Kluft zwischen
;irm und reich zu überbrücken.
Eine andere große wirtschaftliche Aufgabe stellt uns die bevorstehende Verhandlungsrunde der Handelsgespräche. Diese Beratungen
stellen sehr viel mehr dar als nur technische Diskussionen über Zollund Handelsfragen. Sie bieten die Möglichkeit zur Schaffung einer
gemeinsamen Industrie- und Agrarpolitik über den Atlantik hinweg.
Sie bieten ferner eine Gelegenheit, neuen Bedarf zu wecken, um dem
wirtschaftlichen Wachstum neuen Auftrieb zu geben und mehr Arbeitsplätze und größeren Wohlstand für unsere wachsende Bevölkerung
zu schaffen. Sie geben uns auch Gelegenheit, die Hand*-. 1 swünsche und
Erwartungen der anderen freien Völker einschließlich Japans kennenzulernen.
Kurzum, diese Verhandlungen sind ein Prüfstein für unsere Einigkeit. Wenngleich jedes Land selbstverständlich seine eigenen Interessen im Auge hat, muß es doch seinen Blick auch auf die gemeinsamen
Interessen richten - auf die Notwendigkeit, die Märkte auf beiden Seiten des Atlantiks auszuweiten, auf die Notwendigkeit, das Gefälle
zwischen hoch- und minderentwickelten Ländern zu verringern, und auf
die Notwendigkeit, die atlantischen Volkswirtschaften auf ein höheres
Produktionsniveau zu bringen, statt sie durch höhere Schutzwälle zu
ersticken.
Wir dürfen nicht in die dreißiger Jahre zurückfallen, als wir
uns gegenseitig die eigene Stagnation exportierten. Wir dürfen nicht
zurückkehren zu der überholten Auffassung, daß der Handel einige Nationen auf Kosten der anderen begünstige. Niemand soll glauben, daß
die Vereinigten Staaten, deren Wirtschaft nur zum kleinen Teil vom
Außenhandel und zu einem noch geringeren Teil vom Handel mit Westeuropa abhängt, eine Ausweitung des Handels anstreben, um den
europäischen Kontinent mit amerikanischen Waren zu überschwemmen.
Die Ausweitung des Handels wird uns allen zugute kommen. Die Erfahrungen des Gemeinsamen Marktes verheißen - ähnlich wie die des
Deutschen Zollvereins - allen Partnerstaaten solcher Handelsabmachungen eine erhöhte wirtschaftliche Aktivität und Prosperität, ohne
daß sich einzelne Mitglieder auf Kosten anderer bereichern. In meiner Heimat, an der Cape-Cod-Küste, sagt man: Die steigende Flut macht
alle Boote flott. Und eine Partnerschaft dient laut Begriffsbestimmung
beiden Partnern, ohne Bevormundung oder Übervorteilung. Wir waren

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�waren Partner in der Not - so lassen Sie uns auch Partner in der
Prosperität sein.
liber der Wirtschaftsentwicklung und Handelsausweitung steht
die Finanzpolitik. Auch hier laufen unsere Interessen wieder zusammen. Tatsächlich gibt es keinen Bereich, in dem die umfassenderen
Interessen aller Beteiligten die engeren Einzelinteressen eindeutiger
überwiegen. Als Sachwalter der Freiheit haben wir seit einer Generation nach diesem Prinzip gehandelt. Jetzt, nachdem andere Länder
einschließlich der Bundesrepublik Deutschland von neuem erstarkt sind,
ist auch hier die Zeit für weitere, gemeinsame Anstrengungen gekommen.
Die großen freien Nationen der Erde müssen ihre Währungsprobleme
bewältigen, damit sie nicht von diesen überwältigt werden.
Drittens und letztens beruht die Atlantische Partnerschaft
auf einer gemeinsamen politischen Zielsetzung. Gegen die Gefahren
der Spaltung und Erschlaffung ist mit geringeren Kräften nichts auszurichten. Die Geschichte lehrt, daß Uneinigkeit und Ermüdung die
großen inneren Gefahren sind, die einem Bündnis drohen. Thukydides
berichtet, die Peloponnesier und ihre Verbündeten seien mächtig in
der Schlacht, doch gehemmt durch eine politische Führung gewesenen der
"jeder seine eigenen Absichten verfolgt..., was im allgemeinen dazu
führt, daß jede Aktion unterbleibt... Sie verwenden mehr Zeit auf
die Besorgung ihrer eigenen Geschäfte als auf die Sorge für das Gemeinwohl... Jeder glaubt, daß aus seinen eigenen Versäumnissen kein
Schaden erwachse und daß es die Aufgabe anderer sei, dies oder jenes
zu tun - und da somit jeder für sich die gleiche Illusion hegt, gerät
die gemeinsame Sache unmerklich immer mehr in Verfall."
Soll unsere Große Allianz etwa das gleiche Schicksal erleiden?
Wird sie, die im Augenblick höchster Gefahr geschmiedet wurde, in
Selbstgefälligkeit zerfallen, weil jedes Mitglied seine eigenen Ziele
zum Nachteil der gemeinsamen Sache verfolgt? Das darf nicht geschehen.
Die alten Gefahren sind keineswegs ein für allemal gebannt, und jede
Spaltung in unseren Reihen könnte sie mit doppelter Macht wieder auf
den Plan rufen.
Unsere Verteidigung ist jetzt stark - doch muß sie noch stärker
werden. Unsere wirtschaftlichen Aufgaben sind jetzt klar - doch
müssen wir ihre Erfüllung weiter vorantreiben. Das größte Erfordernis und unsere bemerkenswerteste Unterlassung ist freilich der Fortschritt zu wahrer politischer Gemeinschaft.
Denn wir leben in einer Welt, in der wir uns in erster Linie
auf unsere eigene vereinte Stärke verlassen müssen. Wie ich schon
gesagt habe und hier erneut betonen möchte, arbeiten wir auf den
Tag hin, da es einen wirklichen Frieden zwischen uns und den Kommunisten geben kann; und wir werden uns in diesem Bemühen von niemandem übertreffen lassen. Aber dieser Tag ist noch nicht angebrochen.
Wir haben in den Vereinigten Staaten und in Kanada 200 Millionen
Menschen, und hier auf der europäischen Seite des Atlantischen Bündnisses kommen noch nahezu 300 Millionen hinzu. Die Stärke und

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�und Einigkeit dieser halben Milliarde Menschen sind jetzt und in
Zukunft der Anker aller Freiheit für alle Nationen. Wir wollen uns
von Zeit zu Zeit der gemeinsamen Ziele versichern. Aber lassen wir
den Worten Taten folgen, indem wir unsere Bemühungen um noch mehr
Einigkeit zwischen uns verstärken und neue Verbindungen und Institutionen schaffen, die auf den bereits vorhandenen aufbauen. Durch
schöne Worte läßt sich keine Allianz errichten, sondern nur durch
konkrete Taten.
Die große konstruktive Aufgabe der Gegenwart liegt hier auf
diesem Kontinent, wo Bemühungen um die Schaffung eines geeinten
Europas im Gange sind. Es ist nicht Sache der Amerikaner, den
Europäern vorzuschreiben, wie diese Bemühungen voranzutreiben sind.
Ebensowenig glaube ich, daß es nur einen einzigen richtigen Kurs
oder nur eine alleingültige Form dafür gibt. Die Europäer selbst sind
es, die Europa bauen.
Doch der Zusammenschluß Europas wird, wenn Europäer ihn vollziehen, auch weiterhin die entschlossene Unterstützung der Vereinigten Staaten finden - und für immer die Bruderkriege beenden, die wiede
holt die Welt verwüstet haben. Denn dieser Zusammenschluß ist ein notwendiger Schritt für die Stärkung der Gemeinschaft der Freiheit. Er
würde unser Bündnis zu ihrer Verteidigung stärken. Und er läge sowohl in unserem wie auch in Ihrem nationalen-Interesse,
Nur ein in sich gefestigtes Europa kann uns alle vor der Zersplitterung des Bündnisses bewahren. Nur ein solches Europa ermöglicht eine echte Reziprozität in allem Tun und Trachten über den Ozean
hinweg, angesichts unseres wahrhaft atlantischen Arbeitsprogramms. Nur
mit einem solchen Europa ist ein uneingeschränktes Geben und Nehmen
zwischen Gleichberechtigten möglich und eine gleichmäßige Verteilung
der Verantwortung wie auch der Opfer. Ich möchte - damit keine Mißverständnisse aufkommen - noch einmal wiederholen; die Wahl der Wege
zur Einheit Europas muß von den Europäern getroffen werden. Wenn Sie
aber, unbeeindruckt durch Schwierigkeiten oder Verzögerungen, dieses
große Werk fortsetzen, sollen Sie wissen, daß die Vereinigten Staaten
von Amerika in dieser neuen Größe Europas keinen Anlaß zur Furcht,
sondern einen Quell der Stärke sehen.
Es werden Ihnen noch weitere politische Aufgaben gestellt werden.
Wir alle müssen die Kunst der Konsultation in Fragen, die weit über
die direkte militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit hinausgehen, noch besser beherrschen lernen. So müssen wir beispielsweise
gemeinsam die Möglichkeiten einer Lockerung der Spannungen im Kalten
Kriege und einer Verringerung der Gefahren des Wettrüstens erkunden.
Wir müssen gemeinsam alles tun, um jenen Europäern Mut zu machen, die
gegenwärtig nicht frei sind, ihre alten Verbindungen zur Freiheit und
zum Westen wiederherzustellen, auf daß der Wunsch nach Freiheit und
das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit für spätere Zeiten
lebendig bleiben.
Möchten

�Möchten doch jene, die sich als unsere Gegner betrachten, endlich begreifen, daß wir, in unseren Beziehungen zu ihnen, nicht die
Interessen anderer Staaten gegeneinander ausspielen werden, und daß
wir uns alle gleichermaßen der Sache der Freiheit verschrieben haben.
Wir alle hier im Westen müssen treu zu unserer Überzeugung stehen,
daß der Friede in Europa nie vollständig sein kann, solange nicht überall in Europa die Menschen in Frieden und Freiheit darüber befinden
können, wie ihre Länder regiert werden sollen, und - ohne Bedrohung
irgendeines Nachbars - die Wiedervereinigung mit ihren Landsleuten
erwählen können.
Ich predige keine leichte Befreiung, und ich mache keine leeren
Versprechungen. Meine Landsleute sind jedoch fest von dem Grundsatz
überzeugt, daß alle Menschen frei sein sollen und alle freien Menschen
Anspruch auf Entscheidungsfreiheit haben.
So wie wir ständig in der Hoffnung und zielstrebigen Erwartung
neuer Freiheit nach dem Osten blicken, so müssen wir auch unsere
Aufmerksamkeit - und zwar immer nachdrücklicher - auf unsere transatlantischen Bindungen richten. Die Atlantische Gemeinschaft wird sicher
nicht schon in Kürze zu einem einheitlichen, alles überwölbenden tiberstaat werden. Aber praktische Schritte auf dem Weg zu einer entschiedeneren gemeinsamen Zielsetzung liegen durchaus im Bereich unserer
Möglichkeiten. Je mehr wir unsere gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen und unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit in den drei erwähnten
Bereichen intensivieren, werden sich zwangsläufig auch unsere politischen
Bindungen festigen. Genauso wie Ihre gegenwärtigen Bemühungen um Einheit in Europa Europas Stimme im Zwiegespräch mit uns nachdrücklicher
zur Geltung bringen werden, so kann unser gegenwärtiges Ringen um Freiheit und Wohlfahrt aller amerikanischen Bürger die Bedeutung unserer
gemeinsamen historischen Zielsetzungen nur stärken. Die fernere Zukunft mag für uns alle vielleicht einen neuen großen Bund bereithalten.
Doch hier und heute schon gibt es für jeden genug zu tun, um neue und
dauerhafte Verbindungen zu schaffen.
Kurzum, die Worte des Thukydides sind eine Warnung, keine Voraussage. Wie die letzten 13 Jahre beweisen, sind wir sehr wohl imstande,
unsere Verteidigungssysteme auszubauen, unsere Volkswirtschaften zu
festigen und unsere politischen Bindungen in guten wie in schlechten
Tagen noch enger zu gestalten. Wir können mit jener Zuversicht weiter
voranschreiten, die aus dem Erfolg erwächst, gepaart mit jenem Können,
das die Erfahrung verleiht. Und auf unserem Weg wollen wir Mut aus
der Gewißheit schöpfen, daß nicht nur Gefahr und Notwendigkeit, sondern
ebenso auch Hoffnung und Zielstrebigkeit uns einen.
Denn wir wissen jetzt, daß Freiheit mehr bedeutet als Ablehnung
der Tyrannei - daß Prosperität mehr bedeutet als Erlösung von der Not
- daß Partnerschaft mehr bedeutet als Beteiligung an der Macht. All
das sind in erster Linie große Menschheitsabenteuer. Sie müssen Sinn
und Überzeugungskraft und Zielstrebigkeit haben, und weil das so ist heute in Ihrem Land und in meinem und in allen Nationen des Bündnisses -,
sind wir zu einer großen neuen Mission aufgerufen.

Es
_

o _

�Es ist nicht allein eine Hission der Selbstverteidigung - denn
sie ist ein Mittel, kein Endzweck. Es ist nicht eine Mission aus
eigener Machtvollkommenheit, denn wir lehnen die Vorstellung ab,
daß eine Kation eine andere bevormunden dürfe. Unsere Mission ist
die Schaffung einer neuen Gesellschaftsordnung, die auf Freiheit
und Gerechtigkeit fußt, wo der Mensch Herr seiner Geschicke, wo
der Staat der Diener seiner Bürger ist und wo alle Männer und Frauen
eines besseren Lebens für sich und ihre Kinder teilhaftig werden
können.
Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, müssen wir vor
allem eine Welt des Friedens erstreben - eine Welt, in der die Völker
in gegenseitiger Achtung zusammen leben und in gegenseitiger Wertschätzung zusammenarbeiten, eine Welt, in der der Friede nicht mehr
nur eine Pause zwischen zwei Kriegen ist, sondern den schöpferischen
Kräften der Menschheit Auftrieb gibt. Wir werden einen solchen Frieden
nicht heute finden, auch nicht morgen. Große, dräuende Hindernisse
stehen der Erfüllung der Hoffnung im Wege. Dennoch muß das Ziel der
Schaffung einer friedlichen Welt - heute wie morgen - unsere Entscheidungen leiten und unser Wollen beflügeln.
Insofern sind wir alle Idealisten. Insofern sind wir alle
Visionäre. Man soll dieser atlantischen Generation nicht nachsagen
können, daß sia Ideale und Visionen der Vergangenheit und Zielstrebigkeit und Entschlußkraft ihren Widersachern überlassen habe. Wir
haben bereits zu viel erreicht und zu große Opfer gebracht, um jetzt
die Zukunft preiszugeben. Und wir sollten immer des Goetheworts eingedenk bleiben: "Dies ist der Weisheit letzter Schluß - Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß".

10

-

�THE

W H I T E

H O U S E

Remarks of the President of the United States of America
JOHN F. KENNEDY

at the Free University Berlin, Germany

June 26, 1963

1

�Mr. Mayor, Mr. Chancellor, distinguished Ministers, Members
of the Faculty and Pellows of this University, Fellow Students,

I am honored to become an instant graduate of this distinguished
University. The fact of the matter is, of course, that any university, if it is a university, is free. So one might think the words
"Free University" are redundant but not in V/est Berlin. So I am
proud to be here.today and I am proud to have this association on
behalf of my fellow countrymen in this great center of learning.
Prince Bismarck once Said that one third of the students of German
universitiee broke down from overwork, another third broke down from
dissipation, and the other third ruled Germany. I do not know which
third of the Student body is here today, but I am confident that I
am talking to the future rulers of this country and also of other
free countries stretching around the world who have sent their
sons and daughters to this center of freedom in order to understand
what the world struggle is all about.
I know that when you leave this school, you will not imagine
that this institution was founded by Citizens of the world,
including my own country, and was developed by Citizens of West
Berlin, that you will not imagine that these men who teach you have
dedicated their lives to your knowledge in order to give this school's
graduates an economic advantage in the life struggle. This school
is not interested in turning out merely corporation lawyers or skilled
accountants. What it is interested in, and this must be true of every
university, it must be interested in turning out Citizens of the world
- men who comprehend difficult, sensitive tasks that lie before us
as free men and women, and men who are willing to commit their energies
to the advancement of a free Society. That is why you are here and
that is why this school was founded, and all of us benefit from it.
It is a fact that in my own country in the American Revolution,
that revolution, and the society that developed thereafter, was
built by some of the most distinguished scholars in the history of
the United States who were at the same time among our foremost
politicians. They did not believe that College was merely for the
study, they thought is was for the market place as well. And Madison
and Jefferson and Franklin and all the others who built the United
States, who built our Constitution, who built it on a sound framework,
I believe set an example for us all. And what is true of my country has
been true of your country and the countries of Western Europe.
As an American said a hundred years ago, was John Milton to
conjugate Greek verbs in his library when the freedom of Englishmen
was imperilled? The duty of the scholar, of the educated man, of
the man or woman whom society has developed talents in, the duty of
that man or woman is to help build the society which has made their
own advancement possible . You understand it. And I understand it,
and I am proud to be with you.
Goethe,

_

2

�Goethe, whose home city I visited yesterday, believed that
education and culture were the answer to international strife.
With sufficient learning, he v/rote, "a Scholar forgets national
hatreds, Stands above nations, and feels the well-being or troubles
of a neighboring people as if they happened to his own."
That is the kind of scholar that this University is training.
In the turbulent years, since this Institution was founded, dedicated
to the motte- "Truth, Justice, and Liberty, much has changed. The
University enrollment has increased seven-fold, and related Colleges
have been founded. West Berlin has been blockaded, threatened,
harassed - but it continues to grow in industry, and culture, and size
and in the hearts of free men. Germany has changed. Western Europe and
indeed the entire world have changed. But this University has maintaine
its fidelity to these three ideals - truth, justice and liberty.
I choose, therefore, to discuss the future of this city briefly
in the context of these three obligations. Speaking a äiort time ago
in the center of the city I reaffirmed my country's commitments to
West Berlin1s freedom and restated our donfidence in its people
and their courage. The shield of the military commitment with which
we in association with two other great powers guard the freedom of
West Berlin will not be lowered or put aside so long as its presence is
needed. But behind that shield, it is not enough to mark time - to
adhere to a status quo while awaiting a change for the better. In a
Situation fraught with challenge, and the last four years in the
world have seen the most extraordinary challenge, the significance of
which we cannot even grasp today, and only when history and time have
passed can we realize the significant events that happened at the
end of the fifties and the beginning of the sixties - in a Situation
fraught with change and challenge in an era of this kind every resident
of West Berlin has a duty to consider where he is, where his city is
going, and how best it can get there. The scholar, the teacher, the
intellectual have a higher duty than any of the others. For society
has trained you to think as well as do. This Community has committed
itself to that objeetive, and you have a special Obligation to think
and to help forge the future of this city in terms of truth and
justice and liberty.
First, what does truth require? It requires us to face the
facts as they are, not to involve ourselves in self-deception, to
refuse to think merely in slogans. If we are to work for the future
of this city, let us deal with the realities as they actually are,
not as they might have been and not as we wish they were.
Reunification, I believe, will some day be a reality. The
lessons of history support that belief, especially the history in
the world of the last 18 years. The strongest force in the world
today has been the strength of the State, of the idea of hationalism
of a people, and in Africa, and Latin America and Asia - all around the
globe - new countries have sprung into existence determined to
maintain their freedom. This has been one of the strongest forces on
the side of freedom, and it is a source of satisfaction to me that so
many countries of Western Europe recognized this and chose to move

-

3 -

�move with this great tide. And therefore ,that tide has served us,
and not our adversaries. But we all know that a police state regime has
been imposed on the Eastern sector of this city and country. The
peaceful reunification of Berlin and Germany will, therefore, not
be either quick or easy. We must first bring others to see their own
true interest better than they do today.
What will count in the long run are the realities of Western
strength, the realities of Western commitment, the realities of
Germany as a nation and a people, without regard to artificial
boundaries of barbed wire. Those are the realities upon which we
rely - and on which history will move, and others, too, would do
well to recognize them.
And secondly. what does justice require? In the end, it requires
liberty, and I will come to that. But in the meantime, justice
requires us to do what we can do, in this transition period, to
improve the lot and maintain the hopes of those on the other side.
It is important that the people on the quiet streets in the East
be kept in touch with Western society - through all the contacts
and communication that can be established - through all the trade
that Western security permits.
Above all, whether they see much or little of the West, what
they see must be so bright as to contradict the daily drum-beat of
distortion from the East. You have no higher opportunity, therefore,
than to stay here in West Berlin - to contribute your talents and
skills to its life - to show your neighbors democracy at work, a growing
and productive city offering freedom and a better life for all.
You are helping now by your studies and by your devotion to
freedom, and you.therefore,earn the admiration of your fellow students
from wherever they come.
Today I have had a chance to see all this myself. I have seen
housing and factories and office buildings; commerce and a vigorous
academic and scientific life here in this Community. I've seen the
people of this city. And I think that all of us who have come here
know that the morale of this city is high, the Standard of living is
high, faith in the future is high, and that this is not merely an
isolated outpost cut off from the world, cut off from the West.
Students come here from many countries. And I hope more will come,
especially from Africa and Asia. Those of you who may return from
study here to other parts of Western Europe will still be helping to
forge a society which most of those across the wall yearn to join.
The Federal Republic of Germany - as all of us know from our viäits
better than ever - has created a free and dynamic economy from the
disaster of defeat, and a bulwark of freedom from the ruins of
t'yranny.
V/est Berlin and V/est Germany have dedicated and demonstrated
their commitment to the liberty of the human mind, the welfare of
the Community, and peace among nations. They offer social and economic security and progress for their Citizens. And all this has

- 4 -

�has been accomplished - and this is the important point - not
only because of their economic plant and capacity, but because
of their commitment to democracy. Because even economic wellbeing and democracy must go hand-in-hand.
And finally. what does liberty require? The answer is clear:
a united Berlin, in a united Germany, united by self-determination and living in peace. This right of free choice is no special privilege
claimed for Germans alone; it is an elemental requirement of human
justice. So this is a goal we shall never abandon. And it is a
goal which may well be obtainable most readily in the context of
a reconstitution of the larger Europe on both sides of the harsh
line which now divides it.
This idea is not new in the postwar West. Secretary Marshall,
soon after he delivered his famous speech at Harvard University
urging aid to the reconstruction of Europe, was asked what area his
proposal might cover; and he replied that he was "taking the commonly
accepted geography of Europe - west of Asia."
His offer of help and friendship was rejected -^ut it is not too
early to think once again in terms of all of Europe. For the winds
of change are blowing across the curtain as well as in the rest
of the world. The cause of human rights and dignity, some two
centuries after its birth in Europe and the United States, is still
moving men and nations with ever-increasing momentum. The Negro
Citizens of my own country have strengthened their demand for
equality and opportunity - and the American people and government
are determined to respond. The pace of decolonization has quickened
in Africa. The peoples of the developing nations have intensified
their pursuit of social and economic justice.
The people of Eastern Europe, even after 18 years of oppression,
are not immune to change. The truth doesn't die. The desire for
liberty can never be fully suppressed. The people of the Soviet Union,
even after 45 years of party dictatorship, feel the forces of historical
evolution. The harsh precepts of Stalinism are officially recognized
as bankrupt. Economic and political Variation and dissent are appearing,
for example, in Poland, in Rumania, and the Soviet Union itself. The
growing emphasis on scientific and industrial achievement has been
accompanied by increased education and by intellectual ferment. Indeed,
the very nature of the modern technological Society requires human initiative and the diversity of free minds. So history itself runs against
the Marxist dogma, not toward it. Nor are such rsystems equipped to deal
with the Organization of modern agriculture and the diverse energies
of the modern consumer in a developed society.
In short, these dogmatic police states are an anachronism. Like
the division of Germany, and of Europe, it is against the tide of
history. The new Europe of the V/est - dynamic, diverse and democratic must exert an ever-increasing attraction to the peoples to the East.
And when the possibilities of reconciliation appear, we in the West
will make it clear that we are not hostile to any people or system,
provided they choose their own destiny without interfering with the
free choice of others. There will be wounds to heal and suspicions to
be eased on both sides. The difference in living Standards will have

-

5 -

�have to be reduced - by leveling up, not down. Fair and effective
agreements to end the arms race must be reached. These changes will
not come today or tomorrow, but our efforts must continue undiminished.
As I said this morning, I am not impressed by the opportunity
open to opular fronts throughout the world. I do not believe that
any Democrat can successfully ride that tiger. But I do believe of
the necessity of great powers working together to preserve the
human race, or otherwise we can be destroyed.
This process can only be helped by the growing unity of the
West, and we must all work towards that unity. For in unity there is
strength, and that is why I travel to this continent. And any
division or weakness only makes our task more difficult. Nor can
the West ever negotiate a peaceful reunification of Germany from
a divided and uncertain and competitive base.
In short, only if they see over a period of time that we are
strong and united, that we are vigilant and determined, are others
likely to abandon their course of armed aggression or Subversion.
Only then would genuine, mutually acceptable proposals to reduce
hostility have a chance to succeed.
This is not an easy course. There is no easy course to the
reunification of Germany and the reconstitution of Europe . But life
is never easy. There is work to be done and obligations are to be met obligations to truth, to justice and to liberty.

-

6 -

�THE

WH I T E

Remarks of t h e P r e s i d e n t

of

H 0 U S E

he United States of America

JOHN F . KENNEDY
at

t h e C i t y H a l l , W st Berlin, Germany

June 26, 1963

�I am proud to come to this city as the guest of your
distinguished Mayor who has symbolized throughout the world
the fighting spirit of West Berlin.
And I am proud to visit the Federal Republic with your
distinguished Chancellor who for so many years has committed
Germany to deraocra-cy ana freedom and progress, and to come here
in the Company of my fellow American»General Clay, who has been
in this city during its great moments of crisis and will come
again if ever needed.
Two thousand years ago the proudest boast was: "civis
Somanus sum." Today, in the world of freedom, the proudest boast
is: "Ich bin ein Berliner."
There are many people in the world who really don't understand - or say they don't - what is the great issue between the
Free World and the Communist "world. Let them come to Berlin.
There are some who say that Communism is the wave of the
future. Let them come to Berlin.
V

And there are some who say - in Europe and elsewhere -:
We can work with the Gommunists. Let them come to Berlin.
And there are even a few who say that it's true that Communism
is an evil System, but it permits us to inake economic progress.
Laßt sie nach Berlin kommen.'"
Freedom has many diff iculti es, and democracy is not perfect.
But we have never had to put a wall up to keep our people in to keep them from leaving us.
I want to say on behalf of my countrymen who live many
miles away on the other side of the Atlantic - who are far distant
from you - that they take the greatest pride that they have been
able to share with you, even from a distance, the story of the last
18 years. I know of no town, no city that has been besieged for 18
years that still lives with the vitality and the force and the
hope and the determination of the City of West Berlin.
While the wall is the most obvious and vivid demonstration
of the failures of the Communist System for all the world to see,
we take no satisfaction in it. For it is, as your Mayor said, an.
offense not only against history, but an offense against humanity separating families, dividing husbands and wives and brothers and
sisters, and dividing up people who wish to be joined together.
What is true of this city is true of Germany. Real lasting
peace in Europe can never be assured as long as one German out
of four is denied the elementary right of free men, and that is to
make a free choice. In 18 years of peace and good faith, this
generation of Germans has earned the right to be free, including
the right to unite their families and their nation in lasting
peace with good will to all people.
You
-

2

-

�You live in a defended island of freedom. But your life is
part of the mein. So let me ask you as I close to lift your eyes
beyond the dangers of today to the hope of tomorrow - beyond the
freedom merely of this ßity of Berlin, or your country of Germany to the advance of freedom everywhere, beyond the wall, to the
day of peace with justice; beyond yourselves, and ourselves, to all
mankind. Freedom is indivisible, and when one man is enslaved, all
are not free. When all are free, then we can look forward to that
day when this city will be joined as one - and this country and
this great continent of Europe - in a peaceful and hopeful globe.
When that day finally comes - as it will - the people of West
Berlin can take sober satisfaction in the fact that they were in th
front lines for almost two decades.
All free men, wherever they may be, are Citizens of Berlin.
Therefore, as a free man, I take pride in the words: "Ich bin ein
Berliner."

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

-Vi./26.7.1963
SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT KENNEDYS
ÜBER US-ZAHLUNGSBILANZ

Washington - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Sonderbotschaft,
die President Kennedy am 18. Juli 19&amp;5 a n
den US-Kongreß gerichtet hat.

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Kurze Zeit nach meiner Amtseinführung habe ich dem Kongreß
über die Probleme berichtet, die das wachsende und von einem starken Goldabfluß begleitete Zahlungsbilanzdefizit seit Ende der fünfziger Jahre für die USA in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgeworfen hatte. Und ich gab damals ein Programm bekannt, durch das
sowohl das Vertrauen in den US-Dollar wie auch schließlich der Ausgleich unserer internationalen Konten wiederhergestellt werden
sollte. Die Aufgabe, vor die wir uns so zwangsweise gestellt sahen,
wurde damals noch durch die Notwendigkeit vergrößert, der zunehmenden Arbeitslosigkeit nicht nur Einhalt zu gebieten, sondern sie
mehr und mehr abzubauen und unsere stagnierende Wirtschaft wiederzubeleben. Wir lehnten damals die Wahl zwischen zwei gleichermaßen
unannehmbaren Alternativen ab - nämlich die Beschäftigungslage im
Inland um den Preis einer Schwächung des Dollars im Ausland zu verbessern oder den Dollar um den Preis einer Schwächung der Wirtschaft
und der Nation zu stärken - und suchten nach einem neuen Weg, um
gleichzeitig unser Wirtschaftswachstum im Inland zu beschleunigen,
die Arbeitslosigkeit zu reduzieren und den Dollar durch die Beseitigung des Defizits in unserer internationalen Zahlungsbilanz zu
stärken. Es erscheint jetzt - fast zweieinhalb Jahre später angebracht, auf die Probleme zurückzublicken, denen wir uns damals
gegenübersahen, den inzwischen erzielten Fortschritt zu überprüfen
und den neuen Kurs abzustecken.
Da gibt es vieles, aus dem wir Mut schöpfen können. Unsere
Wirtschaft hat ihr Wachstum wieder aufgenommen, und die Arbeitslosigkeit konnte gesenkt werden. Der Dollar ist weiterhin stark und
wird durch nahezu 40 Prozent der Golddeckungsbestände der freien

-

1

-

�»

"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT DND ARBEIT
freien Welt sowie ein neu aufgebautes Netz bilateraler und multilateraler Finanzvereinbarungen abgesichert. Unser Goldabfluß wurde
um die Hälfte vermindert. Es gibt Anzeichen für eine langfristige
Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsposition, da unsere
Preise und Kosten konstant bleiben, während sie bei den anderen
steigen. Das Defizit in unserer Zahlungsbilanz ist gesenkt worden von 3»9 Milliarden Dollar im Jahre 196O auf 2,4 Milliarden Dollar
im Jahre 1961 und 2,2 Milliarden Dollar im Jahre 1962.
Darüber hinaus ist die grundlegende Stärke unserer Wirtschaft
gewaltig, real und von Bestand. Unser Zahlungsbilanzdefizit wurde,
was unseren Goldabfluß sowie die Zunahme unserer kurzfristigen
liquiden Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern betrifft, ständig
durch die Zunahme unserer langfristigen, hohe Erträge abwerfenden
Auslandsguthaben ausgeglichen oder sogar mehr als ausgeglichen Guthaben, die in der Vergangenheit eine wachsende Quelle der Stärke
für unsere Zahlungsbilanz waren und die es auch weiterhin sein werden. Heute besitzen Amerikaner über 60 Milliarden Dollar in privaten
Auslandsinvestitionen, und die an die amerikanische Regierung zurückzuzahlenden Dollaranleihen belaufen sich auf insgesamt mehr als
11 Milliarden Dollar. Ende 1962 überstiegen alle diese Guthaben zusammen unsere Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern um schätzungsweise 27 Milliarden Dollar. Und die Guthaben zeigten im Laufe der
Jahre eine wachsende Tendenz: Unsere Gesamteinnahmen aus diesen Guthaben betrugen 1959 rund 3 Milliarden Dollar; 1962 stiegen die Einnahmen auf 4,3 Milliarden Dollar, und für die kommenden Jahre rechnen
wir abermals mit einem weiteren erheblichen Zuwachs.
Dies alles sind Zeichen des Fortschritts. Doch noch immer ist
die Arbeitslosigkeit zu hoch, die Wachstumsrate zu niedrig, und es
muß - wiewohl auf lange Sicht günstig wirkende Kräfte am Werk sind heute noch mehr geschehen, um das fortwährende Zahlungsbilanzdefizit
zu beseitigen.
Ein wesentlicher Teil unseres Fortschrittes war bisher auf besondere Abmachungen mit anderen befreundeten Ländern zurückzuführen über vorzeitige Schuldentilgungsleistungen, Vorauszahlungen für militärische Lieferungen und über Geldaufnahmen im Ausland durch die USA.
Wenngleich sich ähnliche Abmachungen auch 1963 wieder als geeignet
erweisen könnten, um einen wesentlichen Teil des Brutto-Defizits
abzudecken, so darf man sich doch nicht auf unbegrenzte Zeit auf derartige spezielle Transaktionen verlassen. Während darüber hinaus bei
unserer Handelsbilanz und bei den Auslandsausgaben der Regierung bescheidene Verbesserungen festzustellen waren, hat der Kapitalabfluß,
sowohl an kurzfristigen wie an langfristigen Mitteln, weiter zugenommen .
Obwohl weitere Anstrengungen dringend notwendig sind, möchte
ich ganz eindeutig klarstellen, daß die USA auch bei der Lösung ihrer
internationalen Zahlurigsprobleme weiterhin an ihrer historischen Politik des Eintretens für freieren Handel und Kapitalverkehr festhalten
und auch weiterhin zu ihren Verpflichtungen stehen werden, einen fairen

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2

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
fairen Anteil an der Verteidigung und der Entwicklung der freien
Welt zu tragen. Gleichzeitig werden wir die Politik fortsetzen,
durch die die Arbeitslosigkeit gesenkt und das Wirtschaftswachstum
hier im Inland beschleunigt werden soll - denn der Wohlstand aller
freien Völker ist unlösbar verflochten mit dem Fortschritt, der
von unserem eigenen Volke erzielt wird. Und ich möchte genauso eindeutig klarstellen, daß die USA weiterhin den Goldwert des Dollars
erhalten werden, der zu einem Satz von 35 Dollar pro Unze frei in
Gold konvertierbar ist und nach wie vor den Grundstein des Handelsund Zahlungssystems der freien Welt bildet.
Die Erhaltung des Vertrauens im Inland und die Fortführung der
Zusammenarbeit mit dem Ausland erfordern jedoch weitere administrative
und legislative Schritte, die den Kern unseres anhaltenden Zahlungsbilanzdefizits berühren - Schritte zur Steigerung unserer langfristigen Bemühungen um eine Verbesserung der Leistung unserer Wirtschaft
über Jahre hinweg, um den Ausgleich gegenüber dem Ausland zu erreichen
und die Expansion im Inland sicherzustellen - Schritte zur Intensivierung unserer kurzfristigen Bemühungen um einen Abbau des Zahlungsbilanzdefizits, während
die langfristigen Kräfte am Werke sind sowie Schritte zur Erweiterung der Zahl der Abmachungen, durch die
unser Defizit bis zur Wiederherstellung eines Ausgleichs auf eine
Weise finanziert werden soll, daß ein kontinuierliches, reibungsloses
Funktionieren der internationalen Währungs- und Handelssysteme gewährleistet ist.
Bevor wir uns nun den auf diesen beiden letzteren Gebieten erforderlichen Maßnahmen zuwenden, möchte ich erneut die Notwendigkeit
einer Verbesserung des Gesamtwirtschaftsbildes der USA auf lange Sicht
unterstreichen - dies schließt erhöhte Investitionen und verstärkte
Maßnahmen zur Modernisierung mit dem Ziel der Steigerung der Produktivität und der Gewinne, die Aufrechterhaltung der Stabilität der
Kosten und Preise sowie die Vollbeschäftigung und eine schnellere Expansion ein. Sie sind der Schlüssel zur Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit, zur Steigerung unseres Handelsüberschusses sowie zur Verringerung unseres Kapitalabflusses.
Aus diesem Grund ist eine baldige Verabschiedung des bereits
früher vorgelegten umfassenden Programms für eine Steuersenkung und
Revision des Steuersystems der wichtigste Schritt, der zur Erzielung
des Ausgleichs gegenüber dem Ausland wie auch der Expansion im Inland
getan werden kann. Die größeren Investitionsanreize und die vermehrte
Kaufkraft, die die Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuer
mit sich bringen wird,dürfte - zusammen mit den im vergangenen Jahr
gewährten Vergünstigungen für Investitionen und den erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten - den Arbeitsmarkt, die Produktion, die Umsätze und die Investitionstätigkeit beleben, vor allem wenn ständig
ausreichende Kredite zu vernünftigen langfristigen Zinssätzen verfügbar sind. Eine blühende Wirtschaft mit hohen Investitionen führt
zu den schnellen Fortschritten in bezug auf Produktivität und Leistung, die zur Verbesserung unserer Wettbewerbsposition gegenüber
dem Ausland so dringend erforderlich sind. /
~

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Um neue Auslandsmärkte erschließen und die im eigenen Lande
erzielten Wachstums- und Leistungssteigerungen erhalten zu können,
müssen wir die in den letzten &lt;Tahren erreichte Kosten-Preis-Stabilität aufrechterhalten und Lohn- und Gewinnerhöhungen auf einen angemessenen Anteil an unserer steigenden Produktivität beschränken. Aus
diesem Grunde ermahnen wir die Arbeitgeber und Arbeitnehmer seit
zwei Jahren, sich bei der Lösung von Streitfragen im Rahmen von
Kollektivverhandlungen von dem Gesichtspunkt einer vernünftigen
Lohn-Preis-Relation leiten zu lassen. Der Erfolg unserer Bemühungen,
unser Preisniveau gegenüber dem unserer wichtigsten Konkurrenten
niedrig zu halten, stellt einen gewichtigen Faktor dar, der auf einen
langfristigen Ausgleich unserer Zahlungsbilanz hinwirkt. Diese Tatsache sollte man über den augenblicklichen kurzfristigen Entwicklungen
nicht übersehen.
Bis sich diese langfristigen Kräfte voll auszuwirken beginnen,
müssen wir eine Reihe von Sofortmaßnahmen in besonderen Bereichen
treffen, um das Defizit in unseren internationalen Transaktionen zu
verringern und unsere Goldreserven zu erhalten.
1. Ausweitung der Ausfuhr
Unsere kommerziellen Exporte an Waren und Dienstleistungen nach
anderen Ländern überstiegen 1962 unsere Importe um 4,3 Milliarden
Dollar, und sie bewegen sich in diesem Jahr bisher auf etwa gleicher
Höhe. Darin liegt unsere größte Stärke, doch können wir es nicht dabei
bewenden lassen. Unsere Warenexporte haben sich in den letzten drei
Jahren nur mäßig erhöht und mit der raschen Zunahme der Importe,
die mit der Expansion der heimischen Wirtschaft einherging, nicht
Schritt gehalten. Die Folge war, daß der Überschuß im kommerziellen
Handel 1962 zurückging, statt in zunehmendem Maße zu einer Stütze für
unsere übrigen Transaktionen zu werden.
t

Das wichtigste langfristige Korrektiv für diese Situation ist ,
die Durchführung des Gesetzes über die Ausweitung des Handels von
1962. Der Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen schickt sich an,
die mir in diesem Gesetz übertragenen Vollmachten im höchstmöglichen
Maße auszuschöpfen, indem er auf lineare Zollsenkungen und die Beseitigung anderer Handelshindernisse hinarbeitet. Damit dürften sich
den amerikanischen Ausfuhren neue Märkte eröffnen, während die bestehenden Märkte eine Ausweitung erfahren.
Wie bereits erwähnt, soll unser langfristiges Programm für die
heimische Wirtschaft - darunter die Steigerung der Investitionstätigkeit, die Erhöhung der Produktivität und die Aufrechterhaltung der Lohn
Preis-Stabilität - die Wettbewerbsposition unserer Produkte im Inund Ausland verbessern. Die Fortdauer der Preisstabilität im Inland
wird, bei Anhalten des Preisauftriebs im Ausland, ein immer günstigeres Klima für den amerikanischen Export schaffen; meine Regierung
konzentriert sich auf sechs Sofortmaßnahmen, um die amerikanische
Wirtschaft in die Lage zu versetzen, unser Exportpotential. zu nutzen.
Erstens :

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Erstens: Die Export-Import-Bank hat ein völlig neues ExportFinanzierungsprogramm eingeleitet, das der amerikanischen Wirtschaft
nunmehr Kreditmöglichkeiten einräumt, die denen in anderen Ländern
gleichen. Das wichtigste Element dieses neuen Programms ist die
Rückversicherung kurz- und mittelfristiger Ausfuhrkredite durch die
Foreign Credit Insurance Association, an der über 70 private Versicherungsgesellschaften gemeinsam mit der Export-Import-Bank beteiligt sind. Ich ersuche den Kongreß dringend, umgehend die volle
Leistungsfähigkeit dieses Instituts durch Erneuerung seiner Lizenz
und Bereitstellung ausreichender Mittel wiederherzustellen.
Zweitens: Das Außen- und das Handelsministerium haben ihre
Bemühungen im Ausland zur Sondierung neuer Märkte und zur Förderung
des Verkaufs und des Absatzes amerikanischer Produkte verstärkt
und ausgeweitet.
Drittens: Das Handelsministerium hat ein umfassendes Programm
zur Anleitung und Unterstützung derzeitiger und potentieller amerikanischer Exporteure ausgearbeitet. Für die Unterstützung der Bemühungen des Handelsministeriums zur Belebung unseres Exports habe
ich einen relativ geringen Betrag an zusätzlichen Mitteln angefordert.
Diese Mittel, die sich auf 6 Millionen Dollar belaufen, sind vom Repräsentantenhaus nicht bewilligt worden. Wenn wir aber unseren Außenhandelsüberschuß vergrößern wollen, ist es notwendig, diese Mittel
in das endgültige Bewilligungsgesetz wieder einzubauen. Diese bescheidene Summe wird sich vielfach auszahlen, in Form höherer Exporte,
eines geringeren Zahlungsbilanzdefizits und eines verstärkten Schutzes
unserer Goldreserven.
Viertens: Das Landwirtschaftsministerium hat im März ein neues
Auktionsprogramm für den direkten Verkauf von Baumwolle im Ausland
bekanntgegeben. Es ist zu erwarten, daß diese neue Absatztechnik
eine dem Wettbewerb angepaßte Preisgestaltung für unsere Baumwolle
auf den Exportmärkten gewährleisten und unseren Export um rund 100
Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr steigern wird.
Fünftens: Die derzeitigen Seefrachtraten benachteiligen unseren
Export gegenüber dem Import. Die Atlantik-Frachtraten für Güterverschiffungen in östlicher Richtung sind weitaus höher als die für
vergleichbare Frachten in umgekehrter Richtung. Eine ähnliche Situation herrscht auf anderen Frachtrouten. Wenn auch diese beträchtlichen Unterschiede in der unmittelbaren Nachkriegsperiode der
Dollar-Knappheit vertretbar waren, zu einer Zeit also, als Europa
darum kämpfte, wieder auf die Beine
zu kommen, so ist ihr
Ausmaß heute jedoch völlig ungerechtfertigt. Aus diesem Grunde habe
ich den Handelsminister angewiesen, durch die Seeschiffahrtsverwaltung eine Korrektur vornehmen zu lassen; und ich fordere das Bundesamt für die Seeschiffahrt auf, in seiner Eigenschaft als unabhängige
Aufsichtsbehörde die Frage der spezifischen Export-Frachtraten zu
untersuchen, die ungebührlich hoch erscheinen. Sollten gesetzliche
Maßnahmen sich als notwendig erweisen, so wird um solche ersucht
werden.
Sechstens:

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Sechstens: Um unseren Bestrebungen zur Ausweitung des Exports
weiteren Nachdruck zu verleihen, werde ich zum 17. und 18. September
eine ''White House'-Konferenz über die Ausweitung der Exporte mit dem
Ziel einberufen, amerikanische Firmen, ob sie gegenwärtig im ExportGeschäft tätig sind oder nicht, auf die Möglichkeiten und Vorteile
der Aufnahme oder Ausweitung von Export-Bemühungen hinzuweisen. Wir
werden diese Gelegenheit benutzen, die amerikanischen Geschäftsleute
mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß verstärkte Anstrengungen zur
Erhöhung ihrer Exporte sowohl in ihrem eigenen als auch im Interesse
unseres Landes liegen.
2. Tourismus
Ein anderes Element in unseren kommerziellen Transaktionen, dem
wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, ist die sich immer mehr zu
unseren Ungunsten entwickelnde Netto-Bilanz im Touristenverkehr. Mit
wachsendem Wohlstand, der Reisen amerikanischer Touristen ins Ausland
begünstigt
, haben sich die Ausgaben der Touristen in anderen Ländern im vergangenen Jahr um weitere 10 Prozent auf fast 2 1/2 Milliarden Dollar erhöht. Dieser Anstieg wurde zum Teil durch die höheren
Ausgaben ausländischer Touristen in den Vereinigten Staaten wieder ausgeglichen. Aber das Ergebnis war letztlich ein Abfluß von 1,4 Milliarden Dollar, was etwa zwei Dritteln des Gesamt-Zahlungsbilanzdefizits
des vergangenen Jahres entspricht. Dieses Jahr dürften die Ausgaben
noch weit größer sein. Aus diesem Grunde mußten wir die Zoll-Freigrenze für zurückkehrende Touristen auf 100 Dollar pro Person herabsetzen. Im vergangenen Jahr wurden durch diese Maßnahme Einsparungen
von über 100 Millionen Dollar erzielt, und ich bin froh, daß der
Kongreß diese Einschränkung um weitere zwei Jahre verlängert hat. Wir
haben ferner durch die Errichtung des US-Reisedienstes versucht, unsere Einnahmen über Besuchsreisen nach den USA zu erhöhen. Zur Unterstützung dieser Bemühungen empfehle ich nachdrücklich, daß der Kon' greß die für den US-Reisedienst angeforderten Bewilligungen voll
billigt.
Darüber hinaus ersuche ich im Einvernehmen mit den zuständigen
Regierungsbehörden die amerikanische Reise- und Fremdenverkehrswirtschaft, eine gemeinsame Kampagne mit dem Ziel in Angriff zu nehmen,
die Amerikaner anzuspornen, ihr eigenes Land und seine ruhmreiche
Tradition besser kennenzulernen. Bis zum Frühjahr 1964 soll das Programm "seht e uch Amerika heute an" auf vollen Touren laufen, auf daß
unsere gewaltigen Hilfsquellen im.höchstmöglichen Ausmaß genutzt
und Reisen im eigenen Lande zu einer reizvolleren Alternative zu
Auslandsreisen werden.
3. Auslandsausgaben der Regierung
Die Ausgaben der Bundesregierung im Ausland erfolgen weitgehend
für Verteidigung und Hilfe. Sie sind Ausdruck der Verpflichtungen,
die sich für uns aus unserer führenden Position in der Welt und unserer unbestrittenen wirtschaftlichen Stärke ergeben. Nach der
Wiedererholung der übrigen Industriestaaten, vor allem unserer

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
unserer Verbündeten in Westeuropa, haben wir uns nachdrücklich und
mit zunehmendem Erfolg bemüht, zusammen mit ihnen eine bessere Verteilung
unserer gemeinsamen Verantwortung sicherzustellen. Diese
Bemühungen haben es uns zusammen mit einer rigorosen Überprüfung
unserer Auslandskäufe ermöglicht, unsere Auslandsausgaben trotz
steigender weltweiter Anforderungen und Kosten zu senken, und gleichzeitig die Sicherheit der freien Welt zu vergrößern und die Hilfe
für die Entwicklungsländer unvermindert fortzusetzen.
Die laufende Modernisierung unserer bewaffneten Streitkräfte
und die Verbesserung ihrer Schlagkraft, die eine Erhöhung unserer
Verteidigungsbereitschaft zur Folge hatten, verringern die Notwendigkeit,von Dollarausgaben im Ausland. Weitere Einsparungen dürften
sich gleichzeitig dadurch ermöglichen lassen, daß wir unsere Hilfe
mehr als bisher an~ Beschaffungskäufe in den USA knüpfen und die
zivilen Ausgaben scharf einschränken. Bis zum Januar 1965 dürfte dies
zu einer Kürzung der Staatsausgaben im Ausland gegenüber 1962 um rund
1 Milliarde Dollar führen.
a) Militärausgaben.
Das Verteidigungsministerium hat seit dem Amtsantritt meiner
Regierung nachdrückliche Anstrengungen unternommen, die Auslandsausgaben ohne Minderung der Militärischen Einsatzbereitschaft zu
verringern.
Trotz der Berlin-Maßnahmen des Jahres 1961 und der steigenden
Kosten im Ausland konnten die Gesamtauslandsausgaben des Verteidigungsministeriums auf diese Weise noch unter dem Stand von 196O gehalten
werden. Auf Grund des Wunsches unserer Verbündeten, die zur Stärkung
der Verteidigung der freien Welt benötigten modernen militärischen
Ausrüstungen von uns zu erwerben, und zwar zu geringeren Kosten als
wenn sie die Ausrüstungen selbst herstellen würden, ergab sich ein
beträchtliches Gegengewicht zu diesen Ausgaben, so daß unsere NettoVerteidigungsausgaben im Ausland von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre
1960 auf 1,9 Milliarden Dollar im Jahre 1962 zurückgegangen sind.
Im Rahmen dieser ständigen Bemühungen hat mich der Verteidigungsminister dahin gehend unterrichtet, daß die Jahresrate der Auslandsausgaben des Verteidigungsministeriums durch Maßnahmen, die noch vor
Ende des Kalenderjahres 1964 in Kraft treten sollen, gegenüber dem
Stand von 1962 um über 300 Millionen Dollar gesenkt werden wird.
Gleichzeitig wird das Verteidigungsministerium weiterhin Vereinbarungen
mitrunseren wichtigsten Verbündeten anstreben, um diese zu veranlassen,ihre militärischen Beschaffungskäufe in den USA zu erhöhen,
um so den Nettoabfluß weiter zu verringern. Der Verteidigungsminister
hat mir ferner versichert, daß diese Ausgabensenkung ohne jede
Schwächung unserer militärischen Position und ohne Beeinträchtigung
der Fähigkeit erreicht werden kann, unseren Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten in allen Teilen der Welt nachzukommen.
Neben

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Neben den direkten Ausgaben des Verteidigungsministeriums erhöhten sich unsere Verteidigungsausgaben im Ausland jahrelang
durch die Kosten der Programme für den Ankauf strategischer Rohstoffe in anderen Ländern. Die Kosten dieser Programme gehen nunmehr
stetig zurück, nachdem ihr Zweck erfüllt ist und sie nicht mehr
länger benötigt werden. Binnen zwei Jahren werden sie sich gegenüber
dem Stand von 1962 um 200 Millionen Dollar verringern lassen, so daß
sich eine Gesamteinsparung an Dollar-Ausgaben für die Verteidigung
von über 500 Millionen Dollar ergeben wird.
b) Amt für Internationale Entwicklung
Im Jahre i960 wurde nur etwa ein Drittel der Ausgaben im Rahmen
der Hilfsprogramme für den Ankauf amerikanischer Güter und Dienstleistungen verwendet. Im vergangenen Jahr ist dieser Anteil auf rund
50 Prozent gestiegen. Während des Haushaltjahres, das im vergangenen
Monat auslief, waren volle 80 Prozent der Zusagen des Amtes für Internationale Entwicklung an den Export amerikanischer Güter und
Dienstleistungen geknüpft. Der Rest entfiel praktisch auf Käufe in
den Entwicklungsländern und nicht in den Industriestaaten, welche die
Zahlungsbilanzüberschüsse aufweisen, die eine Ursache unseres Defizits
sind. Während des Haushaltjahres 1964» für das die Mittel gegenwärtig
im Kongreß geprüft werden, dürften die Zusagen des Amtes für Internationale Entwicklung, die an amerikanische Exporte geknüpft sind,
insgesamt die 80-Prozent-Grenze übersteigen. Ich habe den Administrator des Amtes angewiesen, diese Politik fortzusetzen und zu verstärken, so daß sich die Hilfsausgaben, die im Haushaltjähr 19^5 unsere
Zahlungsbilanz belasten, abermals um etwa 500 Millionen Dollar verringern werden - verglichen mit dem Finanzjahr 1961 von etwa 1 Milliarde Dollar auf höchstens 500 Millionen Dollar, was dem niedrigstmöglichen Stand entspricht.
c) Andere Ministerien und selbständige Bundesbehörden
Die Auslandsausgaben aller übrigen Regierungsbehörden sind ebenfalls einer besonderen Überprüfung und Kontrolle durch den Direktor
des Amtes für Haushaltsplanung unterzogen worden. Die Gesamtauslandsausgaben der Regierung - ausgenommen Verteidigung und Auslandshilfe,
Zahlungen des Schatzamtes für Auslandsschulden und Pensionszahlungen
des Bundes -, die unter diese Überprüfung fallen, betragen gegenwärtig
etwa 600 Millionen Dollar im Jahr. Der Direktor des Amtes für Haushaltsplanung hat mir versichert, daß die rigorose Überprüfung der Auslandsausgaben dieser anderen Ministerien und Bundesbehörden zu weiteren
beträchtlichen Einsparungen in der Zahlungsbilanz führen wird. Diese
Einsparungen würden zusammen mit denen, die auf Grund von Revisionen
der Programme im Rahmen des Gesetzes über die Ausweitung des Handels
und der Hilfe mit Agrarerzeugnissen (P.L. 480) zu erwarten sind, pro
Jahr einige hundert Millionen Dollar betragen. Dies schließt auch
mein Ersuchen an den Kongreß ein, ein Gesetz zu verabschieden, das
eine freiere Verwendung unserer gegenwärtigen Guthaben in den Währungen einer Anzahl anderer Länder ermöglicht.
4-i

8

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
4 • Abfluß kurzfristigen Kapitals
Durch geschickte Handhabung der Möglichkeiten, die Schuldenverwaltung und Währungspolitik bieten, haben das Schatzamt und das
Zentralbankensystem den Abfluß kurzfristigen Kapitals durch eine
Reihe behutsam vorgenommener Erhöhungen der Sätze für kurzfristiges
Geld beträchtlich eingeschränkt, während gleichzeitig ein ausreichendes Kreditvolumen erhalten und die Sätze für langfristige Gelder
sowie für Bankkredite niedrig gehalten werden konnten und vielfach
sogar noch weiter absanken. Die Erfahrungen während der sich seit
zweieinhalb Jahren vollziehenden Wiedeierholung berechtigen zu der
sicheren Erwartung, daß es uns durch entschlossene Bemühungen gelingen
wird, Gelder für langfristige Investitionen und Hypotheken reichlich
und billig verfügbar zu halten und gleichzeitig die Zinssätze für
kurzfristiges Geld zu erhöhen. Vom Februar 1961 bis zum 12. Juli 1963
zog der Satz für neu aufgelegte Breimonatspapiere des Schatzamtes
um 76 Basispunkte an, während der Anstieg bei langfristigen Bonds
des Schatzamtes auf nur 22 Basispunkte beschränkt werden konnte
und die Erträge bei erstklassigen Industrieanleihen und Hypotheken
praktisch zurückgingen.
Der erfaßte Abfluß kurzfristigen Geldes machte - zusammen mit
dem nichtregistrierten Netto-Abfluß ,der zweifellos größtenteils auf
kurzfristige Kapitalbewegungen zurückzuführen ist - 19^2 etwa 1,6
Milliarden Dollar aus und hat sich bisher auch in diesem Jahr in
beträchtlicher Höhe fortgesetzt. Eine starke Einschränkung dieses
Abflusses würde unsere Gesamtzahlungsbilanz bedeutend stärken. Aus
diesem Grunde haben mehrere Zentralbanken eine Erhöhung des Diskontsatzes von 3 auf 3 1/2 Prozent beschlossen. Gleichzeitig haben der
Zentralbankrat und die Bundesrückversicherungsanstalt der Depositenbanken die Höchstgrenze für Zinsen bei Zeiteinlagen, die zwischen 90 Tagen und einem Jahr fällig werden, angehoben, so daß unsere Banken nunmehr wirksamer den Wettbewerb mit den ausländischen Banken aufnehmen
und Mittel anziehen können, die anderenfalls aus dem Lande abgezogen
würden.
Wenn auch keiner von uns eine Anhebung der Zinssätze in einer
Zeit begrüßt, in der unsere Wirtschaft nicht mit voller Kapazitätsauenutzung arbeitet - in einer Zeit, in der liquide Sparguthaben
schnell zunehmen und keine gleichzeitige Beschränkung des Kreditvolumens und keine gleichlaufende Erhöhung der Zinssätze für Bankkredite, Hypotheken oder andere langfristige Schuldverschreibungen
erfolgt -»dürfte eine Anhebung der Sätze für kurzfristiges Geld
wenig oder überhaupt keine nachteilige Auswirkungen auf unsere
Wirtschaft haben. Die bisher einmalige Zunahme liquider Sparguthaben dürfte die Märkte für langfristigeres Kapital vor den Auswirkungen der höheren Sätze für kurzfristiges Geld weitgehend abschirmen. Mir ist sowohl von Vertretern des Schatzamtes wie des
Zentralbankensystems versichert worden, daß sie alles in ihren Kräften Stehende tun werden, sowohl bei der Schuldenverwaltung wie auch
durch Offenmarkt-Geschäfte, um bei Vermeiden einer Inflation zu
verhindern, daß die im Lande verfügbaren Kredite zurückgehen oder

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
oder bei den Zinssätzen für langfristiges Geld ein Druck nach oben
entsteht, solange die Wirtschaft nicht mit voller Ausnutzung ihrer
Kapazität arbeitet. Andere Bundesbehörden werden sich darum bemühen,
daß auch weiterhin genügend private Hypotheken zu stabilen Zinssätzen
verfügbar sind. Trotzdem fordert die Situation immer dringlicher, auf
fiskalischem Gebiet einen Anreiz zu geben, wie dies durch die prompte
Verabschiedung der von mir empfohlenen wesentlichen Steuersenkungen
geschehen könnte.
5 • Abfluß langfristigen Kapitals
Der Abfluß langfristigen Kapitals, soweit er aus Direkt-Investitionen in ausländischem Produktionseinrichtungen resultiert, scheint
in den letzten Jahren zurückgegangen zu sein, während die PortefeuilleInvestitionen in Form von langfristigen Anleihen oder WertpapierKäufen stark angestiegen sind. Während unser langfristiges Programm
den Anreiz für Investitionen im Inland erhöhen und den Abfluß auf
Grund von Direkt-Investitionen weiter verringern dürfte, sind beim
zunehmenden Abfluß langfristigen Kapitals für Portefeuille-Investitionen im Ausland bisher noch keinerlei Anzeichen eines Rückganges
erkennbar. Dieser Kapitalabfluß ist von 850 Millionen Dollar im Jahre
196O auf 1,2 Milliarden Dollar im Jahre 1962 gestiegen und liegt bisher
in diesem Jahr - auf Jahresbasis umgerechnet - weit über 1,5 Milliarden
Dollar.
Angesichts des Fortbestehens direkter Kontrollen und unzureichender Kapitalmarkteinrichtungen in zahlreichen anderen Ländern sowie der
großen Differenz bei langfristigen Zinssätzen zwischen den großen Industriestaaten und den USA scheint es nur drei mögliche Lösungen für
dieses Problem zu geben, von denen zwei unter den derzeitigen Bedingungen
nicht akzeptabel sind:
Eine wesentliche Erhöhung unseres gesamten Zinsgefüges für langfristige Anlagen würde für unsere Wirtschaft einen Rückschlag bedeuten,
die Arbeitslosigkeit erhöhen und unseren Import-Bedarf erheblich einschränken, wodurch wiederum die Volkswirtschaften der freien Nationen
Schaden erleiden würden.
Die Einführung direkter Kapitalkontrollen, wie sie in den meisten
Ländern angewandt werden, ist bei Verhältnissen, wie sie bei uns herrschen, nicht angebracht. Sie stünde im Gegensatz zu unserem grundlegenden Prinzip freier Märkte. Wir können diesen Weg nicht beschreiten.
Eine dritte Alternative, die ich empfehle, würde der Verkaufsflut
ausländischer Effekten auf unseren Märkten Einhalt gebieten und stünde
voll und ganz in Einklang sowohl mit einer Wirtschaftsexpansion wie auch
einem freien Kapitalverkehr. Ich ersuche den Kongreß um die Verabschiedung eines Zinsausgleichssteuergesetzes, das praktisch für Ausländer,
die Geld in diesem Land aufnehmen, die Zinskosten um ein Prozent erhöhen und so dazu beitragen würde, die Zinssätze für langfristige
Finanzierungen in den USA und im Ausland einander anzugleichen. Die
Höhe der Steuer würde von 2,75 Prozent bis auf 15 Prozent des Effektenwertes ; abgestuft werden, je nach Fälligkeit der Schuldverschreibung.

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Schuldverschreibung, und sollte 15 Prozent im Falle von DividendenPapieren betragen. Diese Steuer sollte bis 1965 in Kraft bleiben,
da bis dahin eine Besserung sowohl bei unserer Zahlungsbilanz als
auch der Lage auf den ausländischen Kapitalmärkten ihre Aufhebung
gestatten dürfte.
Angesichts dieser Alternative wird die Verwendung von Spareinlagen für Investitionen in Wertpapieren weiterhin das Ergebnis
von Entscheidungen sein, die durch die Marktpreise bestimmt werden.
Es wird weder Begrenzungen hinsichtlich des Absatzes ausländischer
Titel noch eine staatliche Prüfung von Kreditnehmern geben. Wir vertrauen darauf, daß ausschließlich der Preis den Abfluß amerikanischer
Gelder durch Erwerb von Aktien, Schuldverschreibungen und langfristigen
Anleihen eindämmen wird, ganz gleich, ob es sich um neue oder alte
Emissionen handelt, ob sie öffentlich aufgelegt oder privat placiert
worden sind.
Auf Direktinvestitionen würde sich die Steuer nicht beziehen desgleichen nicht auf Wertpapiere oder Anleihen, die in weniger als
drei Jahren fällig werden, oder von Geschäftsbanken gewährte Anleihen.
Diese Ausnahmen werden sicherstellen, daß Exportkredite im vollem Umfang
verfügbar bleiben. Außerdem werden Wertpapiere unterentwickelter Länder oder von Firmen, die hauptsächlich in diesen Ländern tätig sind,
nicht dieser Steuer unterliegen.
Ebensowenig wird die Steuer bei Geschäften mit ausländischen
Wertpapieren»die sich bereits im Portefeuille von Amerikanern befinden,
oder beim Wertpapiererwerb durch Ausländer zur Anwendung kommen.
Emissionsfirmen oder Händler werden dann von der Steuer befreit sein,
wenn sie bei Neuemissionen Aktien oder Wertpapiere an Ausländer
verkaufen. Alle Amerikaner jedoch, die neue oder alte Wertpapiere
von ausländischen Emissionären oder Besitzern erwerben, würden der
Steuer unterliegen. Um ungerechte Belastungen von Transaktionen zu
vermeiden, die nahezu abgeschlossen sind, sollte die Steuer nicht auf
Offerten von Wertpapieren angewendet werden, für die ein ordnungsgemäßer Zulassungsantrag bei der Wertpapier- und Börsenkommission bereits
läuft. Ebenso sollten bereits, eingegangene Abnahmeverpflichtungen davonunberührt bleiben.
Der Finanzminister wird dem Kongreß die Einzelheiten dieses Vorschlages unterbreiten, und es wurde mir versichert, daß der Ausschuß
für Haushaltsfragen des Repräsentantenhauses bereit ist, diese Vorlage
mit größter Dringlichkeit zu beraten, sobald eine Entscheidung über
das gesamte Steuersenkungs- und -re*formprograram,das dem Haus jetzt
vorliegt, gefallen ist. Da die Wirksamkeit dieser Steuer von einer
schnellen und sofortigen Anwendung abhängt, ersuche ich den Kongreß,
diese Gesetzgebung mit dem Datum dieser Botschaft wirksam werden zu
lassen. Die Bundesfinanzverwaltung wird sofort eine Übergangsregelung
treffen, um die Erfüllung der in dieser Empfehlung vorgesehenen
Vorschriften bis zum Erlaß entsprechender gesetzlicher Bestimmungen
durch den Kongreß sicherzustellen.

6.

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6. Investitionen ausländischer Geldanleger
Die Investitionen ausländischer Anleger in Wertpapiere, amerikanischer Privatunternehmen sind im Jahre 1962 sehr schnell auf weniger als 150 Millionen Dollar zurückgegangen. Das bessere Investitionsklima, das die Verabschiedung des dem Kongreß jetzt vorliegenden
Steuersenkungs- und -feformprogramms mit sich bringen wird, dürfte
zwar viel zur Verbesserung der Situation beitragen; daneben aber
brauchen wir ein direktes Aktionsprogramm zur Förderung des Auslandsabsatzes von Wertpapieren amerikanischer Privatunternehmen. Ein derartiges Programm sollte auch die Auslandsbeteiligung an der Finanzierung von neuen oder Ausbauvorhaben von im Ausland tätigen amerikanischen Privatfirmen steigern.
Um diesen beiden Seiten ein und desselben Problems gerecht zu
werden, sollte sich ein neues und positives Programm auf die folgenden
Tätigkeitsbereiche richten:
a) die Feststellung und kritische Durchleuchtung der juristischen, verwaltungstechnischen und institutionellen Restriktionen, die
auf den Kapitalmärkten anderer Industriestaaten der freien Welt fortbestehen und sowohl den Erwerb amerikanischer Wertpapiere unterbinden
als auch die amerikanischen Gesellschaften bei der Finanzierung ihrer
Auslandstätigkeit aus nicht-amerikanischen Quellen behindern.
b) eine Überprüfung amerikanischer staatlicher und privatwirtschaftlicher Maßnahmen, die den Erwerb von Wertpapieren amerikanischer
privater Unternehmen durch Ausländer beeinträchtigen; und
c) umfassende und
kanischen Geldwirtschaft,
ternehmen an ausländische
von ausländischem Kapital
verbessern.

tatkräftige Anstrengungen seitens der amerium Wertpapiere privater amerikanischer UnGeldgeber abzusetzen und die Verfügbarkeit
für im Ausland tätige US-Unternehmen zu

^
Ein solches Programm erfordert zwangsläufig eine Zusammenfassung
des technischen Wissens und der Anstrengungen seitens der Regierung
und der Geldwirtschaft. Ich habe das Finanzministerium ersucht, in
Fühlungnahme mit dem Außenministerium einen entsprechenden Organisationsplan aufzustellen und ein derartiges Programm auszuarbeiten.
Die größere Freizügigkeit des Kapitals und die vermehrte Beteiligung von Ausländern und ausländischen Geldinstituten am Eigentum
und an der Finanzierung amerikanischer Unternehmen, auf die diese
Anstrengungen gerichtet sind, werden dazu beitragen, die wirtschaftlichen und politischen Bindungen innerhalb der freien Welt und ihres
Währungssystems zu verstärken. Wertpapiere privater amerikanischer
Unternehmen könnten und sollten zu einem unserer besten Exportartikel werden. Verstärkte Investitionen ausländischer Geldgeber
in derartige 3 Wertpapiere werden einen ausgeglicheneren Kapitalverkehr in beiden Richtungen zwischen dem Kapitalmarkt der Vereinigten

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12

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�"AMERIKA DIENST" - y/IRTSCHAFT UND ARBEIT
Vereinigten Staaten und den ausländischen Kapitalmärkten auslösen
und die Auswirkungen des Netto-Abflusses an langfristigem Kapital
aus den Vereinigten Staaten auf unsere Zahlungsbilanz abschwächen.
7. Besondere Transaktionen
Besondere Transaktionen der Regierung deckten 1,4 Milliarden
Dollar unseres Zahlungsbilanzdefizits von 1962 ab. Darunter fielen
vorzeitig geleistete Schuldentilgungsraten fremder Staaten, Vorauszahlungen auf Rüstungskäufe in den USA und die Ausgabe von Obligationen mittlerer Laufzeit an ausländische Institutionen, die in
staatlichem Auftrag Dollar-Guthaben unterhalten. Weitere vorzeitige
Schuldentilgungen sind auch für 1963 zu erwarten - so hat Frankreich eben jetzt die vorzeitige Rückzahlung von 160 Millionen Dollar
angekündigt -, doch es ist klar, daß es sich hier um einmalige Zuflüsse handelt, die sich kaum später wiederholen dürften. Es ist auch
nicht wahrscheinlich, daß die Vorauszahlungen auf Rüstungskäufe abermals so hoch sein werden, da sich die Lieferfristen verkürzen.
Insofern als unser anhaltendes Zahlungsbilanzdefizit dazu führt,
daß ausländische Zentralbanken Dollar-Guthaben ansammeln, die ihren
normalen Dollarbestand übersteigen bedeutete es eine gewisse Abhilfe,
als eine Anzahl ausländischer Regierungen und Zentralbanken mit dem
Ankauf einer neuen Art von nichthandelsfähigen mittelfristigen Papieren
des Schatzamtes, die entweder auf Dollar oder auf ihre eigenen Währungen lauten, als einer ihnen genehmen Alternative zu dem Ankauf von
Gold begannen, Rund 610 Millionen Dollar sind bisher im Jahre 19&amp;3 i"
solchen Papieren ausgegeben worden.
Weitere vorzeitige Schuldenrückzahlungen sowie der weitere Absatz dieser Papiere während des Restes dieses Jahres werden das noch
nie dagewesene Ausmaß an Zusammenarbeit, wie sie gegenwärtig im internationalen Finanzverkehr vorherrscht, sowie die wachsende Erkenntnis
widerspiegeln, daß die Korrektur unausgeglichener Zahlungsbilanzen
sowohl eine Pflicht der Überschuß- wie auch der Defizitländer ist.
In diesem Geiste werden wir weiter auf eine umfassendere und gerechtere Aufteilung der Verteidigungslasten sowie auf den teilweisen oder
gänzlichen Abbau von Handelsschranken drängen, die unseren Export behindern.
8. Goldverkäufe
Das nach d i e s e n besonderen R e g i e r u n g s t r a n s a k t i o n e n v e r b l e i b e n d e
D e f i z i t wird über Goldverkäufe und e r h ö h t e Dollar-Guthaben a b g e d e c k t .
Im J a h r e 1962 b e t r u g d i e s e s D e f i z i t rund 2,2 M i l l i a r d e n D o l l a r . Es
wurde durch Abgabe von Gold für 890 M i l l i o n e n D o l l a r , 17 M i l l i o n e n
D o l l a r aus unseren Devisenbeständen sowie e i n e Erhöhung der a u s l ä n dischen Guthaben an US-Dollar und amerikanischen S t a a t s p a p i e r e n um
653 M i l l i o n e n D o l l a r und e i n e Zunahme der Dollar-Guthaben des I n t e r n a t i o n a l e n Währungsfonds um 626 M i l l i o n e n D o l l a r a b g e d e c k t .
Der

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Der Gesamtgoldabfluß in den beiden Jahren 1961 und 1962 zusammen
war nur geringfügig höher als der Goldabfluß allein im Jahre i960.
Und der Goldabfluß im Jahre 1963 liegt bei einer Jahresrate, die niedriger als die vom vergangenen Jahr ist. Da die Anhebung der kurzfristigen Zinssätze auf Grund der jüngsten Maßnahmermehrerer Zentralbanken Ausländern einen wesentlich größeren Anreiz geben wird, ihr
Geld in Dollar einschließlich kurzfristiger Papiere der US-Regierung
anzulegen, besteht jetzt mehr Aussicht, daß ein noch größerer Teil
unseres Defizits über steigende ausländische Guthaben statt über
den Verkauf von Gold abgedeckt wird.
9. Internationaler Währungsfonds
Beim Internationalen Währungsfonds (IWF) liegen die Dinge jedoch
anders. Im vergangenen Jahr stiegen die Dollar-Guthaben des IWF an,
da andere Länder ihre Dollar-Schulden zurückzahlten und sich bei der
Kreditaufnahme, soweit angängig, auf andere konvertierbare Währungen
konzentrierten. Die Bestimmungen des IWF besagen jedoch, daß das
Gesamtguthaben des Fonds in einer bestimmten Währung - außer im Falle
der Inanspruchnahme der Ziehungsrechte, d.h. der Kreditaufnahme - die
bei der Gründung geleistete Einzahlung (in der Praxis 75 Prozent) nicht
überschreiten darf; die Dollarbestände haben aber diese Grenze nunmehr
fast erreicht.
Um dieser Situation gerecht zu werden, haben die Vereinigten Staaten den Fonds um die Einräumung eines Standby-Kredits in Höhe von 500
Millionen Dollar ersucht, der es ihnen gestattet, im Laufe des kommenden Jahres von Zeit zu Zeit Kreditmittel in Anspruch zu nehmen. Das
Direktorium des IWF hat diesem Ersuchen entsprochen. Wir beabsichtigen,
diese Ermächtigung dazu zu benutzen, Rückzahlungen zu ermöglichen, die
sich im Laufe der nächsten zwölf Monate auf etwa 500 Millionen Dollar
belaufen werden. Wenn ein Land Rückzahlungen an den IWF zu leisten
wünscht, werden wir konvertierbare ausländische Devisen abrufen und
dafür mit Dollar bezahlen. Das Land, das die Rückzahlung leistet,
wird seine eigenen Dollar dazu benutzen, um diese ausländischen Devisen bei uns anzukaufen und sie an den IWF abzuführen. Alle Transaktionen werden zu pari vorgenommen. Auf diese Weise wird der IWF einen
weiteren Teil unseres Defizits dadurch abdecken, daß er seine DollarGuthaben erhöht; und seine Schuldner werden auch künftig über eine
einfache kostenlose Methode verfügen, um ihren Verpflichtungen gegenüber dem IWF nachzukommen. Die Alternative für sie unter den gegenwärtigen Umständen, nachdem sie nicht mehr direkt in Dollar zahlen
können, würde sein, entweder in den USA Gold anzukaufen und dieses
an den IWF abzuführen oder aber mit ihren Dollar andere konvertierbare Währungen auf dem offenen Markt anzukaufen, was für sie mit
zusätzlichen Kosten und Unannehmlichkeiten verbunden wäre.
Abhebungen durch die USA auf Grund dieser neuen Vereinbarung
müssen in drei Jahren zurückgezahlt werden, wobei gegebenenfalls eine
Verlängerung um zwei Jahre möglich ist. Es müssen keine Zinsen bezahlt
werden, aber bei jeder Inanspruchnahme des Kredits wird eine einmalige
Verwaltungsgebühr von einem halben Prozent erhoben.
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10. Die Entwicklung eines internationalen Währungssystems
Während der beiden vergangenen Jahre sind große Fortschritte
bei der Stärkung der Grundlagen für ein internationales Währungssystem gemacht worden, von dem die gesamte freie Welt abhängt. Es
wurde eine weit engere Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken
der führenden Industriestaaten erreicht. Es wurden gegenseitige
Kreditvereinbarungen getroffen, um verhängnisdrohenden Störungen
im internationalen Zahlungssystem rasch begegnen zu können - Vereinbarungen, die die monetären Auswirkungen der Berlin-Krise des
Jahres 1961, des starken Drucks auf den kanadischen Dollar im Frühjahr 1962, der Kuba-Krise im vergangenen Herbst, der Reaktionen auf
den Ausschluß Großbritanniens vom Gemeinsamen Markt sowie einer
Anzahl weniger spektakulärer Ereignisse erfolgreich abschwächten,
die vielleicht in anderen Jahren gefährliche Wellen von Währungsspekulationen ausgelöst hätten. Informelle und dabei äußerst wirksame Arbeitsbeziehungen haben sich zwischen einer Anzahl der gleichen
Länder in bezug auf den Londoner Goldmarkt herausgebildet, durch
die für die Zukunft jede Wiederholung des alarmierenden Anstiegs
der Goldpreise ausgeschaltet wird, der im Oktober i960 so große Unsicherheit ausgelöst hatte. Schließlich haben zehn der führenden
Industriestaaten eine Zusage gegeben, 6 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln für den Internationalen Währungsfonds bereitzustellen,
die im Falle einer Gefährdung der Stabilität des internationalen
Währungssystems eingesetzt werden könnten.
Alles in allem wurde damit ein starkes Bollwerk als Schutz
vor erfolgreichen Angriffen auf die Hauptwährungen geschaffen..Unsere
Bemühungen um eine Verstärkung dieses Schutzes werden fortgesetzt.
Während dieser Prozeß abläuft, werden die Vereinigten Staaten fortfahren, mit anderen Ländern Maßnahmen zu prüfen und zu erörtern,
die zur weiteren Stärkung des internationalen Währungssystems auf
lange Sicht ergriffen werden könnten. Das Interesse der USA an der
ständigen Weiterentwicklung des seinerzeit in Breton Woods geschaffenen Systems ist keine Folge unseres gegenwärtigen Zahlungsbilanzdefizits; es spiegelt vielmehr unser Streben wider, ausreichende Vorkehrungen für die Erhöhung der internationalen Liquidität zu treffen,
um den expandierenden Welthandel in den kommenden Jahren finanzieren
zu können. Einer der Gründe, die die Erschließung neuer Quellen
liquider Mittel erforderlich machen dürften,ist in eben der Tatsache
zu sehen, daß wir der übrigen Welt immer wehiger Dollar verfügbar
machen werden, je mehr es uns gelingt, unsere Zahlungsbilanzlücke
zu schließen.
Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist die US-Regierung nicht imstande,
irgendwelche spezifischen Maßnahmen für eine langfristige Verbesserung
des internationalen Währungssystems zu empfehlen. Wir prüfen diese
Frage jedoch eingehend. Wir werden mögliche Verbesserungen mit unseren Freunden im Ausland erörtern. Und wir werden ihren Initiativen
gegenüber aufgeschlossen sein. Wir teilen ihre Ansicht, daß das Problem einer Verbesserung des Zahlungsmechanismus sorgfältige gemeinsame
Überlegungen erfordert. Zugleich geben wir jedoch nicht vor, daß Gespräche über langfristige Reformen des Systems ein Ersatz für Maßnahmen
sind, die wir selbst jetzt ergreifen müssen.
Verheißungen
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Verheißungen für die Zukunft
Eine volle Verwirklichung des von mir heute umrissenen Aktionsprogramms sollte zu einer wesentlichen Verbesserung unserer internationalen Zahlungsbilanz führen. Die Regierungsausgaben im Ausland
werden im Laufe der nächsten 18 Monate um 900 Millionen Dollar zurückgehen. Und die Auswirkungen der Anhebung der Zinssätze für kurzfristige Gelder und der Zinsausgleichssteuer werden zusammen diesem
Betrag etwa gleichkommen oder ihn, was noch wahrscheinlicher ist,
sogar übersteigen. Erfolge in dieser Größenordnung - schätzungsweise
2 Milliarden Dollar - werden uns die Zeit geben, die wir für unser
grundlegendes langfristiges Programm benötigen, das darauf gerichtet
ist, unsere internationale Wettbewerbsposition zu verbessern und Investitionen in den Vereinigten Staaten attraktiver zu gestalten.
Diese beiden Ziele müssen die Grundlage für jede permanente
Schließung der Zahlungsbilanzlücke bilden, und mit diesem Programm
werden sie ohne jede Gefährdung unseres Wirtschaftswachstums im
Inland erreicht werden. Mit ihm wird sich dies bewerkstelligen
lassen, ohne unser Festhalten an den Prinzipien eines freieren Handels
und eines freien Kapitalverkehrs in Frage zu stellen Es wird vielmehr
dazu beitragen, dem Drängen auf noch restriktivere Maßnahmen entgegenzuwirken. Kurz gesagt, wenn wir jetzt unsere Anstrengungen intensivieren müssen, so können wir dies in vollem Vertrauen auf die Zukunft
tun.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./27.9.1963

DIE ROLLE DEUTSCHLANDS IN DER ENTWICKLUNG DER WELTPOLITIK

DAYTON (Ohio) - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
einer Rede, die der Vorsitzende des
Planungsstabes im US-Außenministerium,
Walt W. Rostow, am 18. September 1963
vor der Universität von Dayton gehalten
hat.

"Ich bin heute hierhergekommen, um zu Ihnen über die Rolle
Deutschlands in der Entwicklung der Weltpolitik zu sprechen.
Wenn man das heutige Deutschland betrachtet und die Geschichte
dieses Jahrhunderts überdenkt, dann wird klar, daß die inneren
Verhältnisse der Bundesrepublik Deutschland und ihre Rolle im
Weltgeschehen Ausdruck einer außerordentlichen Leistung sind sicherlich einer der größten Leistungen der Nachkriegsgeneration.
Ich meine damit nicht nur das Wunder des deutschen wirtschaftlichen Wiederaufstiegs, durch welches ein verwüstetes Land, dem
ein wichtiger Teil seines Territoriums temporär weggenommen wurde,
rund elf Millionen Flüchtlinge aufnehmen und dann darangehen konnte,
seinen Wiederaufbau zu betreiben und für alle seine Menschen neue
Fundamente des wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu schaffen.
Ich denke vielmehr an die Bildung einer stabilen, demokratischen
Staatsführung, getragen von einer weitgehenden nationalen Übereinstimmung in außen- und innenpolitischen Angelegenheiten, die über
die großen Parteien hinausreicht,und nahezu frei von der Bitterkeit und Zersplitterung
die die demokratische Politik in Teilen Europas in der Vergangenheit gekennzeichnet haben.
Ich denke an die unerschütterliche Loyalität der Bundesrepublik
Deutschland gegenüber den Konzeptionen der europäischen Integration
und der atlantischen Partnerschaft.
Ich denke an die wachsende Rolle Deutschlands als einer konstruktiven Kraft in vielen Teilen der Welt außerhalb Europas.

Und

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�"AMERIKA DIENST"
Und ich denke auch an die Verbindung von innerer Haltung
und Entschlossenheit, mit der das deutsche Volk trotz ständiger
kommunistischer Provokationen und angesichts der kommunistischen
Versuche, seine Berechtigte Sorge um seine Landsleute und seinen
berechtigten Anspruch auf nationale Selbstbestimmung als einen
Wunsch nach blutiger Rache für die Niederlage im zweiten Weltkrieg
hinzustellen, seiner endlichen Wiedervereinigung mit friedlichen
Mitteln entgegenblickt.
Um das Ausmaß dieser Leistung zu verstehen, muß man auf die
neuere Geschichte Deutschlands und die vier Hauptfaktoren zurückgreifen, die zusammen diese Geschichte so schwierig gestaltet haben
- schwierig für Deutschland, für seine Nachbarn und für die Welt.
Erstens ist Deutschland, gemessen an den Staaten der Neuzeit,
erst spät gegründet worden. Frankreich, England, Rußland und selbst
die Vereinigten Staaten hatten bereits ein klares Empfinden für
nationale Identität und nationale Einheit entwickelt, als die
deutschen Stämme Mitte des 19« Jahrhunderts noch um die Errichtung
einer wirklichen nationalen Einheit kämpften. Diese Zufallserscheinung der Geschichte mochte Deutschland das Gefühl geben, daß es in
Eile eine Menge nachzuholen hatte, ehe es den ihm zustehenden Platz
in Europa und in der Welt einnehmen konnte. Es machte Deutschland
bei der Bestimmung seines nationalen Geschicks unsicherer und selbstbewußter zugleich.
Zweitens wurde die deutsche Einheit in ihrer ersten Phase durch
das Land Preußen beherrscht, Dieses nordöstliche Gebiet hatte eine
lange vom Militarismus geprägte Geschichte hinter sich und stand den
liberalen Strömungen des Denkens und Empfindens ziemlich fern, die
Ende des 18. Jahrhunderts.und insbesondere während der Französischen
Revolution und in der Zeit danach Westeuropa, einschließlich Westdeutschland, erfaßten. In gewissem Sinne verkörpert das heutige
Deutschland den Sieg - und meiner Überzeugung nach den endgültigen
Sieg - jener Männer, die im Jahre 1848 die Frankfurter Nationalversammlung zustande brachten, wenngleich die Revolution von 1948 durch
Preußen und die deutschen Nationalisten seinerzeit zunichte gemacht
wurde,
.
Drittens ist da die einfache Tatsache der Tatkraft, der Entschlossenheit und Fähigkeit der Deutschen, ihr Nationalgefühl und
ihre nationale Identität in der Welt nachdrücklich zum Ausdruck zu
bringen. Im Zusammenspiel der politischen Machtinteressen in Europa
hat dieses Sich-Vordrängen, sagen wir, zwischen 1860 und 1945 immer
wieder die größten Probleme dadurch aufgeworfen, daß die deutschen
Ambitionen und die Lebensinteressen anderer Nationen frontal aufeinanderprallten - obschon es lang andauernde Perioden gab, in denen
Deutschland friedliche Kanäle für sein Talent und seinen nationalen
Ehrgeiz fand, die in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung des internationalen Lebens bedeuteten - zum Beispiel auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Pädagogik, der Literatur sowie in allen anderen Bereichen
der westlichen Kultur.
rt^A
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2 -

�'AMERIKA DIENST"
Und schließlich gibt es die Tatsache der geographischen Lage:
Deutschland liegt im Scheitelpunkt des Gleichgewichts der Kräfte
in Europa. Seine Lage, seine Bevölkerung und die Konzentration
seiner Hilfsquellen machen es zu einem entscheidend wichtigen
Gebiet zwischen Ost und West. Manche Deutschen konnten einst sogar
davon träumen, diese Lage zu nutzen, um Europa zu beherrschen. Vom
Standpunkt der Kommunisten aus ist Deutschland im Kampf um die
Weltherrschaft nach wie vor der lohnendste Preis.
Das Zusammenwirken dieser Faktoren der Geschichte, der nationalen Kämpfe und der geographischen Lage ist die Ursache ernster
Schwierigkeiten gewesen. Den erfahrenen schmerzlichen Lehren aber
ist in den Nachkriegsjähren durch das deutsche Volk selbst, durch
seine westlichen Nachbarn und bis zu einem gewissen Grade auch durch
uns eine Wendung zum Konstruktiven gegeben worden.
Denn wir in den Vereinigten Staaten haben in unserer Europapolitik
zwischen den beiden Weltkriegen
. schwere Fehler gemacht, und auch
wir mußten schmerzliche Lehren hinnehmen und zur Anwendung bringen.
Dadurch daß wir dem Völkerbund nicht beitraten, und dadurch daß wir
unsere Anwesenheit und unser militärisches Potential nicht zu einem
festen Faktor in den europäischen Sicherheitskalkulationen machten,
trugen wir zur Schaffung einer Situation bei, die es Hitler ermöglichte, von einer deutschen Herrschaft über Europa und einer europäischen Herrschaft über die Welt zu träumen. Wie ich mich erinnere,
enthielten die Tagebücher Graf Cianos mit ihren detaillierten Aufzeichnungen der Achsendiplomatie in den dreißiger Jahren praktisch keine
Hinweise auf die Vereinigten Staaten. Hitler und Mussolini träumten
ihre Träume und machten Pläne, als ob die Vereinigten Staaten als
Faktor im europäischen Kräftespiel gar nicht existierten. Unser Isolationismus in der Zeit zwischen den Kriegen ermutigte noch zu dieser
tragischen Engstirnigkeit.
Eingedenk dieser Lehren bemühte sich die amerikanische Regierung
unmittelbar nach dem Kriege, gegenüber dem europäischen Kontinent eine
Politik zu betreiben, durch die die Fehler früherer Zeiten vermieden
würden.
Nachdem es im Winter und Frühjahr 1946 ..klargeworden war, daß die
Sowjetunion die Einigung Deutschlands und Europas auf der Basis der
politischen Freiheit nicht zulassen würde, begannen wir eine Politik
zu entwickeln, die noch immer Gültigkeit hat, nämlich eine Politik,
die den Aufbau eines blühenden und "vereinigten Westeuropas,das in
militärischen und anderen wichtigen Angelegenheiten eng mit den Vereinigten Staaten und Kanada verbunden sein, und das in weitgehender
Übereinstimmung mit Nordamerika seine Rolle als Großmacht im Weltgeschehen wieder einnehmen würde, unterstützte.
Vier Faktoren bestimmten die Gestaltung dieser Politik.
Da war erstens Deutschland selbst. Man hielt es für entscheidend
wichtig, ein starkes, integriertes europäisches Gefüge zu schaffen, das

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�AMERIKA DIENST"
das ein voraussichtlich noch für einige Zeit gespaltenes Deutschland
als gleichberechtigten Partner aufnehmen konnte, ein Gefüge, das
den Deutschen die Möglichkeit gehen würde, ihre große Tatkraft
und ihre Hilfsquellen zu mobilisieren und diese angesichts der unumgänglichen Belastungen, die ihnen durch die Geschichte und die
geographische Lage ihres Landes auferlegt wurden, in konstruktive
Bahnen zu lenken. Bundeskanzler Adenauer hat sehr richtig gesagt,
daß die Mitgliedschaft Deutschlands in einer integrierten europäischen
Gemeinschaft den besten Schutz gegen ein Wiederaufleben nationalistischer Tendenzen in Deutschland gewähre.
Zweitens war da Moskau. Europa sah sich einem geeinten Gegner
gegenüber, der im Begriff war, sein bis zur Elbe erweitertes Imperium
zu konsolidieren, und der jede Uneinigkeit, oder Schwäche, die er beim
Westen entdecken konnte, für sich auszunutzen suchte. Ein vereintes,
mit den Vereinigten Staaten verbundenes Europa schien das einzige
leidlich sichere Organisationsgefüge zu sein, das mit diesem zentralisierten und immer mächtiger werdenden Herd aktiver Feindseligkeit
fertig zu werden vermochte.
Drittens gab es jene Erkenntnis, in der viele Menschen beiderseits des Atlantik die eigentliche geschichtliche Lehre des zweiten
Weltkriegs sahen, daß nämlich in der Welt der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts die einzelnen Nationalstaaten Europas nur dann
wirksam eine bedeutendere Rolle im Weltgeschehen spielen könnten,
wenn sie sich vereinten und wenn diese Vereinigung in der Form eines
echten Zusammenschlusses, nicht aber einer lockeren Gruppierung
völlig souveräner Staaten erfolgte. Der Schauplatz der Weltpolitik
hatte sich derart erweitert, daß er den gesamten Planeten umfaßte;
und die Technologie effektiver Macht hatte den Maßstab der alten
Staaten Europas weit übertroffen. Der geschichtliche Wettstreit
um Macht und Ansehen unter ihnen ließ sich nur auf Kosten ihrer
allgemeinen Bedeutung als einer Stimme in der Weltpolitik und unter
dem Risiko für ihre gemeinsame Sicherheit weiter fortführen.
Und schließlich gab es das wirtschaftliche Argument: Das volle
wirtschaftliche Potential Europas konnte nur auf der Grundlage eines
weiträumigen und äußerst konkurrenzfähigen Festlandmarktes entwickelt
werden.
Ich kann mich noch sehr lebhaft daran erinnern, daß Anfang 1946,
als diese Fragen zum erstenmal erörtert wurden - ich bekleidete damals eine untergeordnete Stellung im US-Außenministerium -, die Gefahren dieser Politik für die Vereinigten Staaten offen dargelegt
wurden: Wie könnten wir sicher sein, daß ein vereintes Europa tatsächlich eine mit den amerikanischen Interessen in Einklang stehende
Politik verfolgen würde? Würde es nicht sicherer sein, mit Europa
ein bilaterales Beziehungsverhältnis einzugehen, das es uns - auf
Grund der aus unserer Verhandlungsposition resultierenden Möglichkeiten - erlauben würde, den Einfluß der Vereinigten Staaten auf
die europäischen Angelegenheiten über einen längeren Zeitraum zu

-, 4 -

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Wir entschieden uns dafür, daß den umfassenderen Interessen
der Vorrang gebührte; und wir setzten uns weiter für die Förderung
der «uropäischen Integration ein. Hinter dieser Entscheidung stand
ein Akt des Vertrauens - des Vertrauens darin, da3 die elementare Kraft der
atlantischen Verbindung, die bereits in zwei Weltkriegen erprobt
und unter Stalin einer dritten Prüfung unterzogen worden war,
obsiegen würde., und daß ein Vereintes Europa seine Politik auf dem
sich in unseren jeweiligen Interessen im Grunde Deckenden, nicht
aber auf den möglichen Divergenzen und Antagonismen aufbauen würde die offenkundig genug waren und sind.
Diese Einstellung gegenüber dem Problem Europas und Deutschlands
bildete den Ausgangspunkt für den Ausbau des Marshallplans. Wir trugen
unser Teil zum Aufbau der NATO bei, wir setzten uns für die Montanunion und Euratom ein und unterstützten den Gemeinsamen Markt. Im
Rahmen dieser Politik - auf die die deutsche Führung schöpferisch
reagierte - hat dann die Bundesrepublik den Weg zu einer Rolle der
Würde, der Gleichberechtigung und Führung innerhalb Westeuropas
selbst, in den Gremien der Atlantischen Gemeinschaft und im Weltgeschehen wiedergefunden.
Ich glaube, das deutsche Volk und seine politischen Führer verstehen besser als die meisten anderen, daß die wirklichen Probleme,
denen sie und wir im Westen gegenüberstehen, nur durch eine geschlossene europäische Aktion und atlantische Partnerschaft gelöst werden
können .
In geschichtlicher Hinsicht haben sie - mit echter Einsicht
und Aufrichtigkeit - die alte Rivalität mit Frankreich aus der Welt
geschafft und die französisch-deutsche Wiederannäherung zum Hauptziel
einer Politik auf lange Sicht gemacht, die im Rahmen einer integrierten europäischen Gemeinschaft und gesunden atlantischen Partnerschaft
zu verwirklichen ist.
In militärischer Hinsicht leben die Deutschen schließlich an
einer exponierten Grenze der freien Welt. Sie wissen, daß der Schutz
dieser Grenze und West-Berlins nicht durch bloße Gesten oder selbstauferlegte Zurückhaltung der Kommunisten erreicht worden ist, sondern durch eine gewaltige Mobilisierung militärischer Hilfsmittel
und den offensichtlichen Willen, sie zu nutzen, Sie wissen ferner, daß
die militärische Stärke der Vereinigten Staaten - in der Form unterirdischer Silos, der unter der Meeresoberfläche operierenden POLARISUnterseeboote, der Flugzeugträger, der alarmbereiten Flugzeuge auf den
über die ganze Welt verstreuten Flugstützpunkten und der einsatzbereiten Reserve in den Vereinigten Staaten, zusammen mit den Truppen der
amerikanischen Garnison in Berlin und den amerikanischen Soldaten,
die auf deutschem Boden Seite an Seite mit ihren eigenen stehen, und
zusammen mit allen anderen Kontingenten und Zusagen der NATO - ein
entscheidend wichtiger und unersetzlicher Bestandteil ihrer Sicherheit
ist.
Da

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5 -

�"AMERIKA DIENST"
Da ihr Wirtschaftsleben eng mit dem anderer Teile Europas
verflochten ist, begreifen sie, daß ihr Wohlstand von einer nach
außen gerichteten Handelspolitik abhängig ist - von Maßnahmen,
deren Ziel die Ausweitung und nicht die Einengung jener Gebiete
ist, die sich in einem auf niedrigen Zöllen basierenden Handelssystem zusammengeschlossen haben. Sie haben die Konzeption einer
echten wirtschaftlichen Integration in Europa unterstützt - mit
gemeinsamen Gremien mit beträchtlichen Entscheidungsbefugnissen -,
und sie waren bereit, bedeutende Opfer zu bringen, um sie funktionsfähig zu machen.
Sie haben darüber hinaus in der wirtschaftlichen Integration eine
erste Station auf dem Wege zu anderen Formen der europäischen Einheit
gesehen, die sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen den übrigen europäischen Ländern einschließen.
Deutschland war durch die Geschichte seiner Kolonien beraubt
worden und war daher in dieser Generation»befreit von der Verpflichtung und der Belastung, seinen Teil zur großen Wandlung des Kolonialismus beizutragen, in der Lage,an die Probleme der Entwicklungsländer
auf einer weltweiten Basis und mit neuen Vorstellungen von der Aufgabe
und ihren Möglichkeiten heranzugehen.
Angesichts einer Viertelmillion amerikanischer Truppen, die in
Deutschland zur Verteidigung einer notwendigerweise gemeinsamen Grenze
stationiert sind, hat die deutsche Bundesregierung Verständnis für
die Belastung unserer Zahlungsbilanz, die sich aus unserer Verpflichtung zur gemeinsamen Verteidigung der freien Welt ergibt; und siel
zeigte sich aufgeschlossen und hilfreich, wenn es darum ging, einen
Teil ihrer Auswirkungen zu mildern.
Und schließlich haben die Deutschen, den Blick nach Osten und
auf die 18 Millionen Deutschen gerichtet, die gegen ihren Willen
im Grunde genommen noch immer unter einem Besatzungsregime stehen,
zur gleichen Zeit aber das Wesen des Atomzeitalters wohl begreifend,
den Kampf um Selbstbestimmung und nationale Einheit mit friedlichen
Mitteln und im Rahmen des westlichen Bündnisses fortgesetzt.
Kurz gesagt, die Deutschen haben aus ihren Erfahrungen sowie den
gemeinsamen Erfahrungen dieses Jahrhunderts gelernt; sie beträchten
nüchtern ihre Probleme als Nation, sie studieren die moderne Militärtechnik und die Formen moderner Nachrichtenübermittlung, und sie haben
begriffen, daß keiner von uns im Westen - und dies gilt natürlich
auch für die Vereinigten Staaten - unsere Probleme lösen kann, es
sei denn, daß wir gemeinsame Sache machen, es sei denn, daß wir unsere
Politik auf der Grundlage uneingeschränkter Loyalität gegenüber den
Werten und der großen Tradition des Westens aufbauen, an denen wir
alle teilhaben. Sie haben erkannt, daß die Aufgabe, der wir 1945
gegenüberstanden und seither noch immer gegenüberstehen, nicht nur
ältere Konzeptionen des Nationalismus, der nationalen Verteidigung
und des nationalen Bestimmung einschließt, sondern darüber hinaus geht.

Wir

�"AMERIKA DIENST"
Wir haben allen Grund anzunehmen, daß Form und Art der deutschen
Politik in allen großen politischen Parteien und im Denken und Fühlen des deutschen Volkes fest verankert sind - auch in der jetzt heranwachsenden jüngeren Generation, die die Tage Hitlers nicht mehr richtig erlebt hat. Aber die heutige Welt ist so eng ineinander verflochten,
daß auch wir in den Vereinigten Staaten einen Teil der Verantwortung
für die Erhaltung der Kontinuität der deutschen Politik tragen.
Erstens: Wir müssen Deutschland weiterhin nicht nur ein zuverlässiger Verbündeter sein, sondern ihm auch als treuer Partner dabei helfen,
innerhalb der NATO die Verteidigung der westlichen Grenze, einschließlich West-Berlins, aufrechtzuerhalten. Der deutsche Beitrag zur eigenen
wie auch zur westlichen Verteidigung ist erweitert und ausgebaut worden. Wir stehen beide im Begriff, zusammen mit einigen unserer NATOYerbündeten die Errichtung einer multilateralen Atomstreitmacht innerhalb der NATO zu prüfen, die den europäischen Ländern eine annehmbare
Beteiligung an der nuklearen Abschreckung bietet, ohne zur Entstehung
weiterer nationaler Atommächte zu führen. Wir stehen beide im Begriff,
gemeinsam mit allen unseren NATO-Verbündeten unsere strategische
Konzeption neu zu durchdenken, eine vereinbarte Verteidigungspolitik
der NATO für das Atomzeitalter auszuarbeiten und den Kurs abzustecken,der
dieser Konzeption dauernde Wirksamkeit verleihen-würde.
Die Stabilität der deutschen Politik hängt von dem weiteren Erfolg der kollektiven Verteidigung Westeuropas sowie von der Rolle
Deutschlands als einem geachteten Seniorpartner bei diesen Bemühungen
ab .
Wir haben in den vergangenen zwei Jahren in Berlin und während
der Kuba-Krise bewiesen, daß die Verpflichtung der Vereinigten Staaten
zur kollektiven Verteidigung auch weiterhin besteht, obwohl die Sowjetunion Kernwaffen entwickelt hatte und damit in die Lage gekommen war,
den Vereinigten Staaten in einem Atomkrieg schweren Schaden zuzufügen.
Die sowjetische Taktik der nuklearen Erpressung, die 1958 in Berlin
begann und bis 1962 fortgesetzt wurde, schlug fehl. Die erste Voraussetzung für die Stabilität des Westens ist, daß solche Taktiken auch
in Zukunft fehlschlagen, sollten sie je wieder versucht werden.
Zweitens: In einer Zeit, in der wir die Gefahren und die Spannungen des kalten Krieges zu verringern trachten und zu ergründen suchen,
wie weit wir ohne Gefahr in Richtung auf eine Rüstungskontrolle gehen
können, ist es unerläßlich, daß wir unsere Verbündeten so eingehend wie
nur möglich dort konsultieren, wo ihre Interessen auf dem Spiele stehen
könnten. Aus diesem Grund haben wir uns in Moskau allem Drängen widersetzt,
das Atomversuchsverbot mit einem Nichtangriffspakt zwischen der NATO und
den Staaten des Warschauer Paktes zu koppeln. Die atlantische Partnerschaft ist mehr als lediglich ein Verteidigungsbündnis. Sie ist eine
Gruppe von Nationen mit einem gemeinsamen Erbe und umfassenden bleibenden gemeinsamen Interessen. Wir sind ganz offensichtlich bereit,
gemeinsam zu kämpfen. Wir müssen jedoch auch lernen, genauso eng zusammenzuarbeiten, um die Möglichkeiten zu sondieren, allmählich in
Richtung auf eine friedlichere Welt voranzukommen.
Wir

�"AMERIKA DIENST"
Wir haben während der Berlin-Krise der Jahre 1961/62 einander
fast täglich bis ins kleinste Detail konsultiert. Wir beabsichtigen
genauso enge Beratungen wenn wir die Möglichkeiten prüfen, die sich
uns vielleicht in den kommenden Monaten für eine Verringerung der
Gefahren und der Spannungen des kalten Krieges bieten werden. Und
bei diesen Konsultationen muß die Frage des hoch immer gespaltenen
Deutschland, dessen Bevölkerung das Recht auf Selbstbestimmung noch
immer verwehrt wird, von Deutschland und den Verbündeten Deutschlands
mit größter Sorgfalt und Ernsthaftigkeit behandelt werden.
Drittens: Wir müssen Deutschland dabei unterstützen, im Rahmen
der Einheit Europas, welchen Grad auch immer diese erreichen mag,
eine maximale Rolle bei all den schöpferischen Unternehmungen der
freien Welt zu spielen, die bereits sehr umfassend sind, jedoch immer
noch stärker ausgeweitet werden: bei der kühnen Aufgabe der Hilfe
für die Entwicklungsländer, bei der Formulierung der Handelspolitik
nicht nur innerhalb Europas und zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten, sondern auch auf einer weltweiten Basis, auf der wir Wege
zur Schaffung eines Handelssystems finden müssen, das sowohl den
fortgeschrittenen als auch den weniger entwickelten Ländern der
Völkergemeinschaft der freien Welt Nutzen bringt; und auf dem Gebiet
der Währung, wo wir in den sechziger Jahren neue Wege zur Stützung
eines Warenflusses und eines Kapitalverkehrs finden müssen, die weit
rascher anwachsen als die Goldvorräte der Welt.
Obwohl unsere Beziehungen auf bilateraler Basis zu Deutschland
sehr eng und umfassend sind - und sie sollten dies auch sein, da wir
zusammen einen sehr großen Anteil von den Lasten der europäischen
Verteidigung tragen -, so sind wir letztlich doch durch die Loyalität
gegenüber einem umfassenderen Zukunftsbild miteinander verbunden.
Dieses Zukunftsbild gliedert sich in drei Teile: in die Einheit Europas,
in den Aufbau der Atlantischen Gemeinschaft und in die systematische
Ausnutzung der Energien und Hilfsquellen der Atlantischen Gemeinschaft
für die größeren Ziele des Friedens und des Wohlstandes auf der Welt.
Dieses Zukunftsbild ist aber augenscheinlich noch unvollendet. Die
europäische Einheit steht in einem
Stadium zwischen Pause
und Debatte - keineswegs dem ersten derartigen Zwischenstadium seit
1945 - In diese Debatte sind natürlich auch die langfristigen Beziehungen Großbritanniens zum europäischen Kontinent einbezogen. Und weil
die europäische Debatte zum Teil auch die geeigneten langfristigen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und einem geeinten Europa
berührt, kommen wir in bestimmten Fragen der transatlantischen Partnerschaft vorläufig nicht weiter - obgleich hier im Stillen mehr Fortschritte
erreicht wurden ,als die Zeitungen berichten.
Es sollte uns weder überraschen noch enttäuschen, wenn wir auf
dem Wege zu diesen Zielen - die von unseren drei Nachkriegspräsidenten
in gleicher Weise unterstützt worden sind - nur langsam vorankommen.
Dies ist das größte internationale Aufbauwerk, das jemals in Friedenszeiten von souveränen Nationen in Angriff genommen worden ist. Für
jedes einzelne Land stehen Fragen von großer Bedeutung auf dem Spiel,
die sowohl weit in seine Geschichte als auch in seine derzeitige Politik
hineinreichen.
,„^ 0

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�"AMERIKA DIENST"
Wie jedoch Präsident Kennedy auf seiner Europa-Reise im Juni
dieses Jahres eindeutig klargestellt hat, stehen wir auch weiterhin
fest zu unserer Zusage, die Bemühungen um ein Höchstmaß der europäischen Einheit, das die Europäer selbst innerhalb des größeren
Rahmens der Atlantischen Partnerschaft schaffen können, zu unterstützen .
Wir bleiben diesem Zukunftsbild, das nunmehr seit fast einer
Generation fest in die amerikanische Politik eingebettet ist,
verpflichtet, nicht aus Trägheit oder weil wir die damit verbundenen
Schwierigkeiten nicht erkennen. Wir bleiben diesem Zukunftsbild fest
verpflichtet, weil es den Interessen der Vereinigten Staaten, den
Interessen Europas und den Interessen der Freiheit überall auf der
Welt am besten dient.
Obwohl diese Politik die Antwort auf den von Stalin unmittelbar
nach dem Kriege unternommenen Versuch war, ein verarmtes und entmutigtes Westeuropa an sich zu reißen, ist sie unseres Erachtens keineswegs an eine Fortsetzung der gegen den Westen gerichteten Vorstoßtätigkeit der Sowjets gebunden, wie wir sie zum Beispiel in Berlin
in den Jahren von 1958 bis 1962 erlebt haben. Wir brauchen ein geeintes Europa, das über den Atlantik hinweg als Partner mit uns zusammenarbeitet, aus Gründen, die weit über die Zeit, in der wir leben, und die Probleme, denen wir uns gegenübersehen werden, hinaus
reichen .
Das Wesen der militärischen Technik - und das nukleare Potential
der Kommunisten - bedingen es, daß die Atlantische Gemeinschaft wohl
die kleinste Einheit ist, die den Aufbau einer rationellen und wirksamen Verteidigung Europas möglich macht. Die Aufgabe, eine Gemeinschaft unabhängiger Staaten zu organisieren, die sowohl die fortgeschrittenen Länder des nördlichen Teils der freien Welt als auch die
schnell aufstrebenden Länder Asiens, des Mittleren Ostens, Afrikas
und Lateinamerikas umfaßt, macht unsere Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg notwendig. Die Probleme, die sich für uns aus den mit
Moskau geführten Verhandlungen über eine Kontrolle der Atomwaffen ergeben, berühren lebenswichtige Interessen jedes einzelnen Mitgliedstaates der Atlantischen Gemeinschaft und fordern Entschlossenheit
innerhalb der Völkerfamilie; gleiches gilt auch für das Problem des
kommunistischen China, für Chinas aggressive Haltung jetzt und in
Zukunft,im besonderen dann, wenn es über eigene Atomwaffen verfügen
wird.
Wenn wir mit aller Vorstellungskraft,
die Zukunft blicken, können wir uns keinen
gen entsprechenden Zeitraum vorstellen, in
eine Zusammenarbeit mit Nordamerika Europa
würde.

deren wir fähig sind, in
den gegenwärtigen Planundem ein Zusammenschluß und
nicht zum Vorteil gereichen

Oder anders ausgedrückt, es werden sich für uns alle nur Gefahren abzeichnen, wenn sich Europa von den Vereinigten Staaten trennen
oder wenn es seinen großen Wohlstand und die jüngste Lockerung der
Spannungen mit Moskau zum Anlaß nehmen sollte, dem überholten Nationalismus erneut freien Lauf zu lassen.
.

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�"AMERIKA DIENST
Die kommunistischen Machthaber haben über die jüngste Periode
der Entspannung zwei Dinge gesagt, die beachtenswert sind: erstens,
daß es keine' ideologische Koexistenz geben dürfe. Das bedeutet, daß
sie die gegenwärtigen Verhandlungen als eine begrenzte Phase - eine
wichtige Phase - im kalten Krieg betrachten, als einen Versuch nämlich, die Gefahr eines Atomkriegs, der weder in ihrem noch in unserem
Interesse wäre,zu verringern. Das bedeutet ferner, daß die Kommunisten
die Absicht haben - mit allen anderen ihnen zur Verfügung stehenden
Mitteln - darauf zu beharren, die Expansion ihrer Macht und ihres Einflusses weiter zu betreiben.
Alle der Regierung - die das Verhalten der Kommunisten in allen
Teilen des Erdballs beobachtet - zur Verfügung stehenden Informationen lassen darauf schließen, daß die Kommunisten in keiner Weise
in ihren Bemühungen nachgelassen haben, ihre Macht und ihren Einfluß
auf Kosten des Westens weiter auszubauen.
Sie haben dann zweitens gesagt, daß sie in einer Periode verminderter Spannung hoffen und erwarten, die - wie sie es nennen - dem
Wesen des Westens immanenten Widersprüche werden sich in zunehmendem
Maße geltend machen. Sie hoffen und erwarten, daß wir im Westen, wenn
die Krisen in Berlin und anderswo etwas weniger akut sind, nicht klug
genug sein werden, zusammenzuhalten; und sie haben offensichtlich
die Absicht, jede Spaltung, die sich unter uns zeigen könnte, auszunutzen .
Wir sollten diese Warnungen ernst nehmen; und sie stehen in einer
Beziehung zu der Aufrechterhaltung jenes politischen Denkens und Handelns in Deutschland, das, wie ich bereits erwähnt habe, eine der
größten kollektiven Leistungen der Nachkriegszeit darstellt.
Ich bin überzeugt, daß die Deutschen und die deutsche Politik
loyal an den Konzeptionen der europäischen Einheit und der atlantischen Partnerschaft und an der kollektiven Verteidigung der Werte der
westlichen Kultur festhalten werden, die dieser Politik zugrunde liegen. Dies bedeutet aber, daß Deutschlands Verbündete in Europa und
Nordamerika tätig zu dieser Politik stehen müssen.
Die Probleme auf unserer gemeinsamen Tagesordnung im Westen haben
sich in den letzten Monaten geändert, wie sie sich in der Zeitspanne
seit etwa 1947» als die gegenwärtige Politik konzipiert wurde, schließlich oft geändert haben. Die Politik der atlantischen Staaten hat in
diesen beiden Jahrzehnten °ine große Elastizität bewiesen, Wir haben
Probleme und Krisen mancherlei Art überstanden, und die Kernstruktur der
NATO ist noch immer intakt, und die Impulse für die europäische Einheit
sind noch immer lebendig. Wir sind mit den Problemen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und der Auslandshilfe in den Entwicklungsländern und
mit einer Fülle von Problemen auf dem Gebiet des Handels und der Währungen fertig geworden. Wir sind mit Vorstößen gegen die Türkei und
Griechenland und zweimal mit größeren Vorstößen gegen Berlin fertig
geworden. Wir haben unsere gemeinsame Strategie aus einer Zeit, da
die Hauptbedrohung die Rote Armee zu Lande war, der wachsenden Kompliziertheit einer Zeit angepaßt, in der die Sowjetunion über ein Arsenal

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�"AMERIKA DIENST"
Arsenal nuklearer Waffen und die Mittel zum Einsatz dieser Waffen
mit Hilfe von Raketen verfügt. Wir sind mitten im Übergang, aus
einer Zeit deB nuklearen Monopols der USA in eine Zeit, in der eine
Verteilung der Lasten und der Verantwortung der nuklearen Verteidigung zunehmend möglich ist. Wir haben Augenblicke erlebt, da wir kur-2
vor einem Kriege standen, und wir hatten längere Perioden relativer
Ausgeglichenheit in den Spannungen zwischen Moskau und dem Westen»
Wir haben erlebt, wie die Beziehungen zwischen West- und Osteuropa
aus der düsteren Hoffnungslosigkeit der Zeit Stalins in eine Zeit
übergingen, da Männer auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs mit
gesteigerter Hoffnung auf größere nationale Unabhängigkeit und menschliche Freiheit im Osten und die Wiederherstellung alter Verbindungen
rechnen durften, die sich aus den gemeinsamen religiösen und kultu»
rellen Bindungen Ost- und Westeuropas herleiten.
Wir haben miterlebt, wie Westeuropa eine Reihe schwerer Krisen
in den alten Kolonialgebieten überstand und neue Beziehungen der
Assoziierung und Partnerschaft mit den früheren Kolonien und mit
anderen Nationen fand, die sich unter dem Banner der nationalen Un*
abhängigkeit und Erneuerung gebildet haben.
Alle diese Anpassungen sind nicht leicht vor sich gegangen;
und da es sich um demokratische Gesellschaften handelte, konnten alle
die Schwierigkeiten sehen. Unsere Debatten finden in aller Öffentlichkeit statt. Aber wir haben allen Grund zu glauben, daß die Politik»
die Maschinerie und die Geisteshaltung, die in der vergangenen Genera»
tion gestaltet wurden, sich auf eine Weise fortentwickeln werden,
daß sie die Einigkeit des WestenB - nicht seine Zersplitterung - för»
dem»
Dabei hat Deutschland heute eine große Rolle zu spielen. Keine
Nation hat ein größeres Interesse am Erfolg einer kollektiven Politik
im Westen oder ist mehr befähigt feiner solchen Politik Substanz zu
verleihen. Deutschlands Sicherheit nach dem Kriege, seine Prosperität!
seine Ruhe im Inneren und seine wachsende Rolle im Weltgeschehen sind
in dieser Politik verwurzelt; und was die Deutschen und Deutschland
heute bereits erreicht haben, ermöglicht es ihnen, tatkräftig voranauschreiten, wenn es gilt» ihr den Weg in die nächste Phase der westlichen Geschichte zu ebnen. Die Welt indes, in der wir heute leben»
ist so eng miteinander verknüpft, daß die Standhaftigkeit des einen
von der Standhaftigkeit aller abhängt. Insbesondere wir in den Vereinigten Staaten - die wir» ob wir es wolle n oder nicht, immer noch
die Führer des Westens sind, - müssen fest auf dem Kurs bleiben.
Wenn wir als Nation unsere Loyalität gegenüber den großen Zielsetzungen der europäischen Einheit und der atlantischen Partnerschaft
bewahren - die der Präsident auf seiner Europa-Reise im Juni so nach»
haltig bekräftigt hat -, dann können wir nicht nur der Stabilität der
deutschen Politik, sondern auch des stetigen Fortschritts der Sache
der Freiheit in jedem Teil unseres Globus sicher sein»'*
* * * * *

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�Ailg./27.9.1963

KENNEDY RUFT ZUR ZUSAMMENARBEIT FÜR DEN FRIEDEN AUF

NEW YORK - (AD) - Wortlaut der Rede, die der
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
John F. Kennedy, am 20. September 19&amp;3 "vor der
18. Vollversammlung der Vereinten Nationen gehalten hat.

"Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Delegierte der
Vereinten Nationen, meine Damen und Herren!'
Wir treffen hier erneut in unserem Bemühen um den Frieden
zusammen. Vor 24 Monaten, als ich zuletzt die Ehre hatte, vor diesem Gremium zu sprechen, lag der Schatten der Furcht düster über
der Welt. Die Freiheit West-Berlins war in unmittelbarer Gefahr.
Ein Abkommen über ein neutrales Laos schien weit entfernt. Das
Mandat der UN im Kongo wurde angegriffen. Die finanzielle Zukunft
der Weltorganisation war in Frage gestellt. Dag Hammarskjöld war
tot. Für seinen Posten wurde die Troika-Doktrin gefordert, und
die Kernwaffenversuche in der Atmosphäre waren soeben von der Sowjetunion wiederaufgenommen worden.
Dies waren Tage der Angst für die Menschheit - und manche
fragten sich laut, ob diese Weltorganisation weiter fortbestehen
könnte. Aber die 16. und die 17» Vollversammlung erreichten nicht
nur, daß die Weltorganisation weiterbestand, sondern auch daß
Fortschritte erzielt wurden. Die Vereinten
Nationen zeigten sich
ihrer Verantwortung gewachsen und trugen dazu bei, die Spannungen
zu verringern, die düstere Zukunft abzuwenden.
Heute haben sich die Wolken etwas gelichtet, so daß neue
Hoffnungsstrahlen durchbrechen können. Der Druck auf West-Berlin
scheint vorübergehend nachgelassen zu haben. Die politische Einheit im Kongo ist weitgehend wiederhergestellt. In Laos besteht
zumindest eine neutrale Koalition - auch wenn sie noch Schwierigkeiten hat. Die Integrität des UN-Sekretariats wurde erneut gefestigt. Ein Jahrzehnt der Entwicklung im Zeichen der Vereinten
Nationen ist angebrochen. Und schließlich wurde zum erstenmal nach
17 Jahren der Bemühungen ein spezifischer Schritt unternommen, um
das atomare Wettrüsten zu begrenzen.
Ich
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�"AMERIKA DIENST"
Ich meine Hiermit den Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, der zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten
abgeschlossen und inzwischen bereits von fast hundert Staaten unterzeichnet wurde. Dieser Vertrag wurde von der Bevölkerung der ganzen
Welt, die dankbar ist, von der Furcht vor radioaktiven Niederschlägen befreit zu sein, aus tiefstem Herzen begrüßt, und ich bin fest
davon überzeugt, daß er am kommenden Dienstagvormittag um 11.30 Uhr
die überwältigende Unterstützung des amerikanischen Senats findepn
wird.
Die Welt ist dem Dunkel noch nicht entronnen. Die langen Sc hatten
der Auseinandersetzungen und Krisen halten uns noch immer umfan gen.
Doch kommen wir heute in einer Atmosphäre wachsender Hoffnung ir
einem verhältnismäßig ruhigen Augenblick zusammen. Daß ich hier
zugegen bin, ist nicht ein Zeichen der Krise, sondern der Zuvers icht.
Ich bin nicht hier, um über eine neue Friedensbedrohung oder übe r
neue KriegsanzeichBn" zu berichten. Ich bin Vielmehr gekommen, Um die
Vereinten Nationen zu grüßen und Ihnen die Unterstützung des am« rikanischen Volkes bei Ihren täglichen Beratungen zu demonstrieret
Denn welcher Wert der Arbeit dieser Körperschaft beizumessrn ist,
das hängt nicht vom Vorhandensein von Notstandssttuatic jn ab, vnd
der Weg zur Gewinnung des Friedens kann auch nicht nur aus dramatischen Siegen bestehen. Der Friede ist ein täglicher, wochen- und
monatelanger Prozeß der allmählichen Meinungsänderung, der langsamen
Aushöhlung alter Widerstände, des stillen Aufbaus neuer Strukturen.
Und so undramatisch solche Friedensbemühungen auch sind, so müssen
dieseTBemühungen doch ständig fortgesetzt werden.
Heute mögen wir eine Pause im kalten Kriege erreicht haben,
aber das ist noch kein dauerhafter Friede. Ein Versuchsstoppvertra^
ist ein Meilenstein, aber damit ist noch kein Goldenes Zeitalter
angebrochen. Wir sind keineswegs aus unseren Verpflichtungen entlassen, sondern haben nur eine Chance erhalten. Und wenn wir diesen
Moment und diesen Schwung nicht voll zu nutzen verstehen, sondern
unsere neugewonnenen Hoffnungen und Einsichten in neue Mauern und
Waffen der Feindschaft umwandeln lassen - wenn diese Pause des kalten
Krieges lediglich zu seiner Erneuerung statt zu seiner Beendigung
führt -, dann wird die Nachwelt zu Recht in vorwurfsvoller Anklage
mit Fingern auf uns alle weisen. Wenn wir aber diese Pause zu einer
Periode fruchtbarer Zusammenarbeit auszudehnen vermögen, wenn Beide
Seiten jetzt neues Vertrauen und echte Erfahrung im konkreten Zusammenwirken für den Frieden gewinnen, wenn wir jetzt imstande sind,
die Kontrolle der tödlichen Waffen ebenso' kühn und weitblickend zu
betreiben wie vorher ihre Herstellung, dann kann dieser erste kleine
Schritt sicherlich zum Beginn einer langen und fruchtbringenden Reise
werden.
Die Aufgabe, den Frieden zu schaffen, ist den Führern aller
Nationen, der großen wie der kleinen, gestellt, denn die Großmächte

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�AMERIKA DIENST"
Großmächte besitzen kein Monopol auf Konflikte und Ambitionen. Der
kalte Krieg ist nicht die einzige Ausdrucksform der Spannungen in
der heutigen Welt, und das nukleare Wettrüsten ist nicht der einzige
Rüstungswettlauf. Auch kleine Kriege sind gefährlich in einer nuklear
bewaffneten Welt. Die mühselige Arbeit für den Frieden ist eine
Aufgabe für alle Nationen, und bei dieser Anstrengung kann sich keiner
von uns abseits halten. Diesem Ziel darf sich niemand versagen.
Die Verminderung der weltweiten Spannungen darf nicht als Vorwand für die engstirnige Verfolgung selbstsüchtiger Interessen benutzt werden. Wenn die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten trotz
all ihrer globalen Interessengegensätze und ideologisch bedingten
Auseinandersetzungen und der immer noch gegeneinander gerichteten Kernwaffen - imstande sind, ein Terrain der gemeinsamen Interessen und des Einvernehmens zu finden, dann sollte dies anderen Nationen
sicherlich auch gelingen - Nationen, die von regionalen Konflikten,
Rassenkämpfen oder von den Todeszuckungen des alten Kolonialismus
in Atem gehalten werden. Chronische Streitigkeiten, die wertvolle
Kräfte den notwendigen Aufgaben des Volkes entziehen oder die Energien
beider Seiten verschleißen, sind für niemand von Nutzen - und das
Erkennungsmerkmal des Verantwortungsbewußtseins ist in der modernen
Welt die Bereitschaft, nach friedlichen Lösungen zu suchen»
Für einen Versuch ist es niemals zu früh; für eine Aussprache
ist es niemals zu spät; und es ist höchste Zeit, daß viele Dispute,
die auf der Tagesordnung dieser Vollversammlung stehen, aus Streitgegenständen zu Verhandlungsgegenständen gemacht werden.
Tatsache ist, daß die Vereinigten Staaten als eine der großen
Atommächte eine besondere Verantwortung tragen. Es handelt sich faktisch um eine dreifache Verantwortung: eine Verantwortung gegenüber
unseren eigenen Mitbürgern, eine Verantwortung gegenüber Menschen in
aller Welt, die von unseren Entscheidungen betroffen werden, und eine
Verantwortung gegenüber der kommenden Generation der Menschheit. Wir
glauben, daß auch die Sowjetunion diese besondere dreifache Verantwortung trägt und daß diese dreifache Verantwortung unsere beiden
Länder verpflichtet, das Hauptaugenmerk weniger auf unsere Differenzen
und mehr auf die Mittel zu ihrer friedlichen Beilegung zu richten.
Viel zu lange schon haben wir beide unsere Militärhaushalte immer
weiter erhöht und unsere Kernwaffenvorräte und unsere Fähigkeit zur
Zerstörung alles Lebens auf diesem Planeten - alles menschlichen,
tierischen und pflanzlichen Lebens - immer weiter vermehrt, ohne
damit eine entsprechende Erhöhung unserer Sicherheit zu erreichen.
Unsere Konflikte sind sicherlich realer Natur. Unsere Idealvorstellungen von der Welt sind verschieden. Wir würden niemandem
einen Dienst erw.eisen, wenn wir es versäumten, unsere Meinungsverschiedenheiten klar herauszustellen. Eine der zentralen Meinungsverschiedenheiten erwächst aus dem Glauben des amerikanischen Volkes
an das Selbstbestimmungsrecht für alle Völker.
Wir

�"AMERIKA DIENST"
Wir glauben, daß es den Menschen in Deutschland und Berlin freigestellt sein muß, ihre Hauptstadt und ihr Land wiederzuvereinigen.
Wir glauben, daß es den Menschen in Kuba freigestellt sein
muß, die Früchte der Revolution einzubringen, die so betrügerisch
von innen verraten und von außen ausgebeutet wurde.
Um es kurz zu sagen, wir glauben, daß es den Menschen in der
ganzen Welt - in Osteuropa ebenso wie in Westeuropa, in Südafrika
ebenso wie in Nordafrika, in den alten Staaten ebenso wie in den
jungen - freigestellt sein muß, über ihre eigene Zukunft zu bestimmen,
ohne Diskriminierung oder Diktat und ohne Zwang oder Subversion.
Dies sind grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen uns
und der Sowjetunion, und sie lassen sich nicht verheimlichen. Solange
sie weiterbestehen, setzen sie einer Übereinkunft Grenzen und verbieten sie ein Nachlassen der Wachsamkeit. Unsere Verteidigungsvorkehrungen
rund um den Erdball werden zum Schutz-e der Freiheit aufrechterhalten
werden, und unsere Entschlossenheit, diese Freiheit zu wahren, wird
jeder Drohung oder Herausforderung gewachsen sein.
Ich möchte aber den führenden Männern der Sowjetunion und ihrem
Volke zurufen, daß wir, wenn unsere beiden Länder vollständige Sicherheit erreichen sollen, einer weit besseren Waffe bedürfen als der Wasserstoffbombe, einer besseren Waffe als Raketen oder Atom-U-Boote und diese bessere Waffe ist friedliche Zusammenarbeit.
Wir haben uns in den letzten Jahren auf einen Vertrag über die
beschränkte Einstellung der Kernwaffenversuche geeinigt, auf eine
Nachrichtenverbindung zwischen unseren Hauptstädten für den Dringlichkeitsfall, auf eine Grundsatzerklärung bezüglich der Abrüstung, auf
eine Erweiterung des Kulturaustauschs, auf eine Zusammenarbeit im
Weltraum, auf die friedliche Erforschung der Antarktis und auf eine
Entschärfung der Kuba-Krise des vergangenen Jahres.
Darum glaube ich, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
zusammen mit ihren Verbündeten weitere Abkommen erreichen können Abkommen, die unserem gemeinsamen Interesse entspringen, die gegenseitige Vernichtung zu verhindern.
über die Reihenfolge weiterer Schritte kann es keinerlei Zweifel geben. Wir müssen weiterhin nach einem Übereinkommen über Maßnahmen
zur Verhinderung eines Krieges durch Zufall oder Fehleinschätzung trachten. Wir müssen weiterhin ein Übereinkommen über Maßnahmen zur Sicherung
gegen einen Überraschungsangriff anstreben, wozu die Errichtung von
Beobachtungsposten an Schlüsselpunkten gehört. Wir müssen uns weiterhin
um ein Abkommen über die Einschränkung des nuklearen Wettrüstens durch
eine Kontrolle der Überstellung von Kernwaffen, eine Verwendung spaltbaren Materials für friedliche Zwecke sowie ein Verbot unterirdischer
Versuche mit angemessenen Inspektionen und Einhaltungsgarantien bemühen. Wir müssen uns weiterhin um ein Übereinkommen über einen freieren
Informationsaustausch und Personenverkehr von Ost nach West und von
West nach Ost bemühen.
,„.

�"AMERIKA DIENST1
Wir müssen, ermutigt durch die gestrige positive Antwort des
sowjetischen Außenministers auf diesen Vorschlag, weiterhin eine
Übereinkunft über ein Abkommen suchen, durch das Massenvernichtungswaffen aus dem Weltraum verbannt werden. Sehen wir zu, daß wir unsere
Delegierten wieder an den Verhandlungstisch bringen, damit sie ein
durchführbares Abkommen in dieser Richtung ausarbeiten.
Lassen Sie uns auf diese und andere Weise den steilen und schwierigen Pfad zu einer umfassenden Abrüstung beschreiten, das gegenseitige Vertrauen durch gegenseitige Verifizierung festigen und die Institutionen des Friedens schaffen, während wir gleichzeitig unsere
Kriegsmaschinen demontieren. Wir dürfen nicht deswegen, weil etwa
nicht in allen Punkten eine Übereinstimmung erzielt werden kann, die
Übereinkunft dort hinausschieben, wo ein Übereinkommen möglich ist.
Und wir dürfen Vorschläge nicht einfach nur aus propagandistischen
Gründen unterbreiten.
Schließlich gibt es auf einem Gebiet, auf dem die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion eine führende Stellung einnehmen - dem
Gebiet der Raumfahrt - Ansatzpunkte genug für eine neue Zusammenarbeit,für weitere gemeinsame Anstrengungen bei der Ausarbeitung eines
Weltraumrechts und der Erforschung des Weltraumes. Zu diesen Möglichkeiten gehört auch eine gemeinsame Expedition zum Mond. Der Weltraum
bietet keine Souveränitätsprobleme; in einer Resolution dieser Versammlung haben die Mitglieder der Vereinten Nationen auf jegliche
territorialen Rechtsansprüche im Weltraum oder auf Himmelskörpern
verzichtet und erklärt, daß das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen gültig sein sollen. Warum sollte daher der erste
Plug des Menschen zum Mond Gegenstand eines nationalen Wettstreits
sein? Warum sollten sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bei der Vorbereitung solcher Expeditionen auf immense Doppelleistungen
auf dem Gebiet der Forschung, der Konstruktion und der Ausgaben einlassen? Wir sollten lieber prüfen, ob d±e Wissenschaftler und Astronauten unserer beiden Länder - ja der ganzen Welt - bei der Eroberung
des Weltraumes nicht zusammenarbeiten können, um eines Tages in diesem Jahrzehnt -nicht Vertreter einer einzigen Nation, sondern Vertreter der gesamten Menschheit zum Mond zu schicken.
Alle diese und andere neue Schritte in dieser Richtung auf eine
friedliche Zusammenarbeit sind möglich. Die meisten von ihnen setzen
unsererseits eine umfassende Konsultation mit unseren Verbündeten
voraus - denn deren eigene Interessen werden davon genauso berührt
wie die unsrigen, und wir werden niemals ein Abkommen auf ihre Kosten
abschließen.
Die meisten solcher Abkommen werden lange und sorgfältige Verhand
lungen erfordern. Und die meisten von ihnen werden eine neue Einstellung zum kalten Krieg bedingen - den Wunsch, nicht seinen Gegner zu
•beerdigen', sondern sich mit ihm in einer großen Anzahl friedlicher
Arenen, in.Ideen, in der Produktion und im Dienste an der gesamten
Menschheit zu messen.
. Der

�"AMERIKA DIENST"
Der Wettstreit wird weitergehen - der Wettstreit zwischen
Menschen, denen eine monolithische Welt vorschwebt, und denen,
die an die Mannigfaltigkeit glauben. Aber es sollte ein Wettstreit
der Leitbilder und nicht der Zerstörung, ein Wettstreit der Leistungen und nicht der Einschüchterung sein. Im Namen der Vereinigten
Staaten von Amerika begrüße ich einen solchen Wettstreit. Denn wir
glauben, daß die Wahrheit stärker ist als der Irrtum und die Freiheit
dauerhafter als der Zwang. Und im Wettstreit um ein besseres Leben
wird die ganze Welt der Sieger sein.
Das Bemühen um die Verbesserung des Loses der Menschen aber ist
nicht die Aufgabe einiger weniger. Es ist die Aufgabe aller Völker
- handelnd für sich allein, handelnd in Gruppen und handelnd im
Rahmen der Vereinten Nationen. Denn Pest und Plage, Verlorenheit
und Verderb, Naturkatastrophen und der Hunger der Kinder - sind
Feinde eines jeden Volkes. Land und Meer und Luftraum - sie gehen
heute alle Völker an. Und Wissenschaft, Technik und Bildung können
Verbündete eines jeden Volkes sein.
Nie zuvor besaß der Mensch in so hohem Maße die Fähigkeit, seine
Umwelt zu ordnen, Hunger und Durst ein Ende zu setzen, Armut und Krankheit zu besiegen, das Analphabetentum zu beseitigen und das große
menschliche Leid zu bannen. Es steht in unserer Macht, diese Generation
zur tüchtigsten der Menschheitsgeschichte zu machen - oder zu ihrer
letzten.
Die Vereinigten Staaten haben seit Kriegsende Hilfe im Werte von
mehr als 100 Milliarden Dollar an Länder geleistet, die eine lebensfähige Wirtschaft aufzubauen suchten. Und vor zwei Jahren, auf die
Woche genau, gründeten wir das Friedenskorps, um allen interessierten
Ländern zu helfen, den Bedarf an entsprechend geschulten und begeisterungsfähigen Arbeitskräften zu decken. Andere hochindustrialisierte
Länder, deren Volkswirtschaften vor noch nicht allzu langer Zeit erst
mit unserer Unterstützung wiederaufgebaut worden sind, erkennen nun
ihrerseits ihre Verantwortung gegenüber den weniger entwickelten
Völkern.
Die Bereitstellung von Entwicklungshilfe durch die einzelnen
Länder muß fortgesetzt werden. Aber auch die Vereinten Nationen
müssen eine größere Rolle in den Bemühungen spielen, allen Menschen
die Früchte der Wissenschaft und Industrie unserer Zeit zukommen zu
lassen. Eine Konferenz der Vereinten Nationen zu diesen Fragen, die
vor Monaten in Genf stattgefunden hat, eröffnete den Entwicklungsländern neue Ausblicke. Im kommenden Jahr wird eine UN-Konferenz über
Handelsfragen die Notwendigkeit prüfen, diesen Ländern neue Märkte
zu eröffnen. Und über vier Fünftel des UN-Systems sind heute dabei,
die Waffen der Wissenschaft und Technik für das EntwicklungsJahrzehnt
der Vereinten Nationen zu mobilisieren.
Es kann aber noch mehr, noch weit mehr geschehen. Es könnten
beispielsweise
- eine

�AMERIKA DIENST"
- eine Weltzentrale für medizinische Nachrichten unter den
Auspizien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Epidemien und
den nachteiligen Folgen bestimmter Drogen warnen und die Ergebnisse
neuer Versuche und Entdeckungen verbreiten;
--regionale Forschungszentren unser gemeinsames medizinisches
Wissen erweitern und zusätzlich Wissenschaftler und Ärzte für die
jungen Staaten heranbilden;
- ein weltumspannendes System von Satelliten die Verbreitung
von Nachrichten und Wettermeldungen in allen Teilen der Erde ermöglichen;
- ein weltweites Naturschutzprogramm die Wald- und Wildbestände
erhalten helfen, die gegenwärtig von der Gefahr der -Vernichtung bedroht sind, die Gewinnung von Nahrungsmitteln aus den Weltmeeren
steigern, und die Verseuchung der Luft und des Wassers durch industrielle und nukleare Abfallstoffe verhindern; und schließlich
- ein weltweites Programm zur Ertragssteigerung der Landwirtschaft und Verbesserung der Nahrungsmittelverteilung - ähnlich wie das
1
Lebensmittel-für-den-Frieden'-Programm meines Landes - jedem hungernden Kind die Nahrung geben, die es braucht.
Doch der Mensch lebt nicht von Brot allein - und die Mitglieder
dieser Organisation sind durch die Charta verpflichtet, die Menschenrechte zu fördern und zu achten. Diese Rechte aber werden nicht geachtet, wenn ein buddhi\stischer Mönch aus seiner Pagode vertrieben oder
eine Synagoge geschlossen wird, wenn einer protestantischen Kirche
die Errichtung einer Mission verwehrt oder ein Kardinal gezwungen
wird, sich zu verbergen, oder aber wenn in einer überfüllten Kirche
während des Gottesdienstes Bomben explodieren.
Die Vereinigten Staaten sind gegen jede Diskriminierung und
Verfolgung aus rassischen oder religiösen Gründen, wo immer sie auftreten mögen, ob in unserem eigenen Lande oder sonstwo auf der Welt.
Wir sind bemüht, das Unrecht in unserem eigenen Lande wiedergutzumachen.
Die amerikanische Regierung hat - durch Gesetzes- und Verwaltungsmaßnahmen, durch moralische und rechtliche Verpflichtungen - eine
entschlossene Anstrengung unternommen, um unsere Nation von der viel
zu lange schon bestehenden Diskriminierung auf den Gebieten des Erziehungswesens, des Wohnungswesens, des Verkehrs-, der Beschäftigung,
des öffentlichen Dienstes sowie der Erholungs- und der öffentlichen
Einrichtungen zu befreien. Und daher zögern wir nicht, weder hier
noch vor irgendeinem anderen Forum, alles rassische und religiöse
Unrecht, werde es von Freund oder Feind begangen, zu verdammen.
Ich weiß, daß einige von Ihnen Diskriminierungen in diesem Lande
erfahren haben. loh bitte Sie jedoch, mir zu glauben, daß dies nicht
dem Wunsch der meisten Amerikaner entspricht, daß wir Ihren Kummer

- 7 -

�AMERIKA DIENST"
Kummer und Ihre Empörung teilen und daß wir gewillt sind, derartige
Praktiken nicht nur für die Besucher unseres Landes, sondern genauso
für seine Bürger für alle Zeit zu beenden.
Ich hoffe, daß nicht nur unsere Nation, sondern auch alle anderen Staaten mit verschiedenen Rassen diesen Normen der Fairness
und der Gerechtigkeit entsprechen werden. Wir sind unabänderlich gegen die Apartheid und alle Formen der menschlichen Unterdrückung.
Wir vertreten die Rechte der Schwarzen in Afrika nicht, um die Weißen
aus Afrika zu vertreiben. Uns geht es um das Recht aller Menschen auf
gleichen Schutz und gleiche Chancen - und da die Menschenrechte unteilbar sind, kann diese Organisation nicht beiseite stehen, wenn diese
Rechte von einem ihrer Mitglieder mißbraucht oder Vernachlässigt werden.
Neue Anstrengungen sind notwendig, wenn die jetzt 15 Jahre alte
Menschenrechtsdeklaration der UN-Vollversammlung ihre volle Bedeutung
erlangen soll. Und es sollten neue Mittel zur Förderung der Freiheit
der Rede und des Ideenaustauschs gefunden werden - durch bessere Reisemöglichkeiten und Nachrichtenverbindungen und durch einen vermehrten
Austausch von Besuchergruppen, Büchern und Rundfunksendungen, denn
jetzt, da die Welt das Wettrüsten ablehnt, muß der Wettstreit der Ideen
blühen - und dieser Wettstreit muß so umfassend und fair wie möglich
sein.
Die amerikanische Delegation ist bereit, UN-Initiativen zur Verfolgung all
der Ziele anzuregen, die ich erwähnt habe. Denn dies ist
eine Organisation für den Frieden - und der Friede kann nicht ohne
Fortschritte kommen.
Die Vereinten Nationen können stolz sein auf die Verdienste, die
sie sich bei der Bewahrung des Friedens erworben haben, obwohl noch
immer gewaltige Aufgaben zu bewältigen sind. Wir dürfen uns glücklich
schätzen, daß wir auf das Geschick unseres ausgezeichneten Generalsekretärs und auf den tapferen Einsatz jener zählen dürfen, die sich in
den Dienst der Sache des Friedens am Kongo und im Mittleren Osten, in
Korea und Kaschmir, in Westneuguinea und Malaysia gestellt haben. Aber
was die Vereinten Nationen in der Vergangenheit vollbrachten, ist weniger wichtig als ihre künftige Aufgabe. Wir können ihren friedensbewahrenden Apparat nicht als selbstverständliche Einrichtung betrachten. Dieser Apparat bedarf einer soliden Finanzierung - und diese ist
nicht gegeben, wenn man zuläßt, daß einige Mitglieder sie dadurch an
der Erfüllung ihrer Pflichten hindern, daß sie ihren eigenen Verpflichtungen nicht nachkommen. Die Vereinten Nationen müssen von allen unterhalten werden, die hier von ihren Rechten Gebrauch machen, und alle
UN-Maßnahmen müssen bis zum Letzten unterstützt werden.
Zu oft läßt das Interesse an einem in Krisenstimmung eingeleiteten
Unternehmen nach, sobald sich die Lösung der Probleme hinzieht und
sich die Rechnungen stapeln. Aber wir müssen standfest genug sein, jede
Unternehmung zu Ende zu führen.
Es

8

�"AMERIKA DIENST1
Es ist zum Beispiel sehr wichtig, nicht die außerordentlichen
Erfolge der Vereinten Nationen im Kongo in Frage zu stellen. Dieses
Land, das erst vor drei Jahren um die Hilfe der Weltorganisation
nachsuchte, hat jetzt darum gebeten, daß die Vereinten Nationen
noch etwas länger dort bleiben. Meines Erachtens sollte diese
Vollversammlung alle notwendigen Schritte zur Konsolidierung der
bereits erzielten Erfolge unternehmen und das junge Land in seinem
Kampf um den Fortschritt schützen. Lassen Sie uns vollenden, was wir
begonnen haben, denn 'wer seine Hand an den Pflug legt und sieht
zurück1, so sagt uns die Heilige Schrift, 'der ist nicht geschickt
zum Reich Gottes'.
Ich hoffe ebenso, daß die jüngste Initiative einiger Mitglieder,
eine Bereitschaftsfriedenstruppe, die von den UN abgerufen werden
kann, vorzubereiten, andere Länder zu ähnlichen Zugeständnissen ermutigen wird.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin bereit,
logistische und andere materielle Unterstützung zu gewähren.
Eine Überwachung ohne spezifische Vorkehrungen für eine friedliche Lösung genügt jedoch nicht. Wir sollten den Aufgabenbereich
für Sondermissionen erweitern, die an Ort und Stelle die Verhältnisse
prüfen und sich um eine Schlichtung bemühen, und wir sollten in
stärkerem Maße den Internationalen Gerichtshof einschalten und die
Arbeit der Internationalen Rechtskommission beschleunigen.
Die Vereinten Nationen können als starre, unbewegliche Organisation keinen Bestand haben. Ihre Aufgaben und Verpflichtungen wachsen
ebenso wie ihre Größe. Ihre Charta wie auch ihre Verfahren müssen
geändert werden. Die Verfasser der Charta hatten nicht im Sinn, ihr
ein für allemal eine starre Form zu geben. Die Waffen- und Kriegstechnik hat uns alle - in weitaus stärkerem Maße als vor achtzehn
Jahren - in einer Welt und zu einem Menschengeschlecht mit einem gemeinsamen Geschick vereint.
In einer solchen Welt bürgt selbst absolute Souveränität
nicht mehr für absolute Sicherheit. Die Friedensvereinbarungen müssen
mit den Kriegserfindungen gleichziehen und ihnen sodann den Rang ablaufen. Die Vereinten Nationen müssen auf ihren Erfolgen aufbauen
und aus ihren Fehlern lernen und so zu einem wahren Weltsicherheitssystem ausgebaut werden.
Aber der Friede beruht nicht allein auf Chartas und feierlich
geschlossenen Verträgen, er ruht in den Herzen und im Denken der Menschen. Wann er daraus vertrieben ist, dann besteht auch keinerlei
Hoffnung, daß irgendein Schritt, ein Pakt, ein Vertrag oder eine
Organisation den Frieden erhalten kann. So wollen wir nicht alle
unsere Hoffnungen auf Pergament und Papier gründen, sondern vielmehr danach streben, Frieden in die Herzen und das Denken der Menschen zu tragen.
Ich

�AMERIKA DIENST"
Ich glaube, daß die Probleme des Menschenschicksals die Kräfte
des Menschen nicht übersteigen.
Vor zwei Jahren habe ich vor diesem Gremium erklärt, daß die
Vereinigten Staaten einen Vertrag über einen begrenzten Atomstopp
vorgeschlagen hätten und bereit seien, einen solchen zu unterzeichnen. Heute ist dieser Vertrag bereits unterzeichnet. Er wird nicht
den Krieg beseitigen. Er wird nicht die grundlegenden Konflikte aus
der Welt schaffen. Er wird nicht die Freiheit für alle gewährleisten.
Aber er kann als Hebel wirken. Und Archimedes soll, als er das Prinzip der Hebelwirkung erläuterte, zu seinen Freunden gesagt haben:
•Gebt mir einen Standpunkt und ich hebe die Welt aus den Angeln.'
Meine Mitbürger auf diesem Planeten: Lassen Sie uns hier in dieser Versammlung der Nationen unseren Standpunkt beziehen. Und lassen
Sie uns sehen, ob wir zu unseren Lebzeiten die Welt einem gerechten
und dauerhaften Frieden näherbringen können."

* * * * *

10

�BETRACHTUNGEN EINES AMERIKANERS UßER BERLIN

ANSPRACHE

Sr. Exzellenz, des Botschafters der Vereinigten Staaten,
GEORGE C. MCGHEE

gehalten im Amerika-Haus zu Nürnberg am 9- Oktober 1963

�BETRACHTUNGEN EINES AMERIKANERS ÜBER BERLIN

Meine Damen und Herren,
es ist mir ein Vergnügen, an der Berlin-Woche des hiesigen
Amerika-Hauses teilzunehmen. Das mir heute abend gestellte Thema
ist die Politik Amerikas bezüglich Berlins. Es ist dies ein Thema,
zu dem Millionen V/orte gesprochen und geschrieben worden sind.
Dennoch scheinen mir die Fragen, um die es hier geht, nichts an
Aktualität einzubüßen. Wenn ich auch in erster Linie über Berlin
spreche, so möchte ich doch auch die Bedeutung des Berlin-Problems
als eines Aspekts der umfassenderen Frage der deutschen Einheit aufzeigen.
Um meine Ausführungen in die rechte Perspektive zu rücken,
dürfte es zweckmäßig sein, daß ich gemeinsam mit Ihnen erst einmal
einige der mit der Berlin-Frage verknüpften historischen Tatsachen
rekapituliere.
Wir beginnen vielleicht am besten mit der Situation unmittelbar bei Kriegsende. Es lagen gewisse Vereinbarungen vor, die von
der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten 1944
innerhalb der Europäischen Beratungskommission unterzeichnet worden
waren und die Schaffung von Besatzungszonen in Deutschland und die
Verwaltung Groß-Berlins betrafen. Zusätzliche Vereinbarungen bezüglich des gleichen allgemeinen Fragenkomplexes, die eine Mitwirkung
auch der Vorläufigen Regierung der Republik Frankreich an der
Besetzung Deutschlands vorsahen, wurden im Juni und Juli 1945 unterzeichnet. Diese Dokumente legten im wesentlichen den rechtlichen
Status

Groß-Berlins fest.

Auf Grund dieser Vereinbarungen wurde Groß-Berlin in vier Sektoren geteilt. Ein Punkt von größter Wichtigkeit ist hierbei, daß
die Stadt unter die gemeinsame Verwaltung der vier Mächte gestellt
worden ist. Im Einklang mit diesen Abmachungen wurde die Alliierte
Kommandantur aus den -vier - von den jeweiligen Zonenbefehlshabern
ernannten - Stadtkommandanten geschaffen. Den vier Stadtkommandanten,
stand ein Stab von Fachleuten zur Seite. Der Kommandantur übergeordnet

1

-

�übergeordnet war der Alliierte Kontrollrat aus den vier Zonenbefehlshabern. Der Kontrollrat übte die oberste Verfügungsgewalt
in Deutschland aus - in Angelegenheiten, die Deutschland als
Ganzes betrafen.
Die Alliierte Kommandantur trat erstmals am 11. Juli 1945
zusammen und arbeitete bis Juli 1948, als der sowjetische Vertreter seinen wohlbekannten "Ausmarsch" antrat. Die Kommandantur
setzte ihre Tätigkeit von diesem Zeitpunkt an bis zum 21. Dezember
1948 aus, als die Kommandanten der Westsektoren

die folgende Er-

klärung abgaben:
"Es kann nicht mehr länger geduldet werden, daß die
Weigerung der sowjetischen Behörden, an den Sitzungen
der Alliierten Kommandantur teilzunehmen, die ordnungsgemäße und gesetzmäßige Verwaltung Berlins behindert.
Die Alliierte Kommandantur wird deshalb unverzüglich ihre
Arbeit wiederaufnehmen. Sollten sich die sowjetischen Behörden jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt dazu bereit
finden, den Vereinbarungen nachzukommen,an die die vier
Mächte gebunden sind, dann kann die Vier-Mächte-Verwaltung
Berlins wieder aufgenommen werden. Während ihres Fernbleibens werden die drei westlichen Alliierten die Befugnisse
der Alliierten Kommandantur ausüben, wenn sie sich auch
darüber im klaren sind, daß sie ihre Entscheidungen im
gegenwärtigen Zeitpunkt wegen der sowjetischen Obstruktion
lediglich in den westlichen Sektoren durchsetzen können."
Eine Prüfung der verschiedenen einschlägigen Dokumente läßt
ganz eindeutig erkennen, daß die Westmächte und die Sowjetunion
übereingekommen waren, Groß-Berlin als ein von den vier Besatzungszonen getrenntes und gesondertes Gebiet zu behandeln. Es wurde nicht
als Teil irgendeiner der vier Besatzungszonen angesprochen.
Die westlichen Alliierten sind mithin in Berlin kraft ihres
Siegerrechts. Wir sind nicht dort auf Grund der Duldung einer anderen Besatzungsmacht. Wir sind und bleiben in Berlin, bis wir nicht
mehr gebraucht werden, um die Grundrechte seiner Bürger zu wahren.
In diesem Zusammenhang

umriß Präsident Kennedy unseren Standpunkt

2

-

�Standpunkt im Juli 1961 in seinem an das amerikanische Volk
gerichteten Bericht sehr klar,als er erklärte:
"Wir können und werden es nicht zulassen, daß die Kommunisten uns - sei es allmählich oder mit Gewalt - aus
Berlin vertreiben. Denn die Erfüllung unseres dieser
Stadt gegebenen Versprechens ist für die Moral und Sicherheit Westdeutschlands, für die Einheit Westeuropas und
den Glauben der gesamten freien Welt wesentlich. Die
sowjetische Strategie richtet sich seit langem schon
nicht nur auf Berlin, sondern auch auf die Teilung und
Neutralisierung ganz Europas, um uns an unsere eigenen
Küsten zurückzuwerfen, ,Yir müssen unser der freien Bevölkerung West-Berlins gegebenes und oft wiederholtes Versprechen halten und unsere Rechte und ihre Sicherheit
selbst angesichts der Gewalt wahren, um das Vertrauen der
anderen freien Völker in unser Wort und unsere Entschlossenheit nicht zu verlieren. Die Stärke der Allianz, von der
unsere Sicherheit abhängt, ist wiederum von unserer Bereitschaft abhängig, unseren Verpflichtungen ihnen gegenüber
nachzukommen."
Dies ist eine klare und unzweideutige Bekräftigung unserer
Entschlossenheit, in Berlin zu bleiben. Sie dürfte bei niemandem
irgendwelche Zweifel an unserem Entschluß aufkommen lassen, die
Chance von über zwei Millionen Berlinern, in Freiheit zu leben,
offenzuhalten und sie zu verteidigen.
Diese Entschlossenheit erstreckt sich auch auf das Festhalten
am Recht auf Zugang nach Berlin. Das Recht auf freien und uneingeschränkten Zugang ist offenkundig Wesensbestandteil des Rechtes
der Alliierten auf Anwesenheit in Berlin. Darüber hinaus wurde es
durch Vereinbarungen bestätigt, die 1945 unter den Kriegsverbündeten
getroffen und 1949 erneut bekräftigt wurden. Diese Zugangsrechte des
Westens schließen eindeutig das Recht zum Transport von Nahrungsmitteln und anderen Versorgungsgütern ein, die für die Bevölkerung
der Stadt bestimmt sind. Das Recht der Berliner selbst, Güter von
Westdeutschland und anderswoher zu beziehen und dorthin zu verschicke

�verschicken, ist ebenso offenkundig Wesensbestandtei1 des besonderen Status, der Berlin zuerkannt ist.
Ich brauche diesem Zuhörerkreis die Einzelheiten unserer Entgegnung auf die ersten ernsthaften Versuche, unsere Position in
Berlin unhaltbar zu machen, nicht erst ins Gedächtnis zurückzurufen. Die Luftbrücke, die wir 1948 einrichteten, nachdem der Landzugang zur Stadt abgeschnitten worden war, führte zum Scheitern
der Anstrengungen der Kommunisten, die Alliierten gewaltsam aus
Berlin zu verdrängen und die Bevölkerung der Stadt durch Hunger
zur Unterwerfung unter den Kommunismus zu zwingen. In einem Zeitraum
von etwas mehr als elf Monaten wurden über zweieinviertel Millionen
Tonnen Nahrungsmittel und Versorgungsgüter in über einer Viertelmillion Flügen von französischen, britischen und amerikanischen
Luftwaffenangehörigen nach West-Berlin geschafft. Als die Luftbrücken-Aktion ihren Höhepunkt erreicht hatte, landete, wie Sie
sich vielleicht erinnern werden, alle 45 Sekunden eine Maschine in
West-Berlin.
Die Luftbrücke ist ein unauslöschliches Kapitel in der Geschichte der Verteidigung der Freiheit, ebenso wie der Mut der
Berliner während der Blockade. Sie hielten aus trotz dürftigster
Rationen. Die Kommunisten boten ihnen Lebensmittel für den Fall an,
daß sie sich in Ost-Berlin registrieren ließen, doch sie schlugen,
von einigen tausend abgesehen, dieses Anerbieten aus. Im Winter,
als Brennstoffe knapp wurden, froren sie meist ganz erbärmlich.
Monatelang gab es nur drei Stunden am Tag elektrischen Strom. Die
Berliner haben sich der Brüderschaft der freien Völker würdig
erwiesen. Die Bewunderung für ihren Mut und ihre Ausdauer hat erheblich dazu beigetragen, den Namen des deutschen Volkes in den
Augen der Welt wieder zu Ansehen zu bringen.
Das gemeinsame Erlebnis der Blockade schmiedete ein dauerhaftes Freundschaftsband zwischen den Berlinern und den Amerikanern
und ihren Verbündeten. Das Läuten der Freiheitsglocke im Turm des
Westberliner Rathauses mahnt jeden Tag zur Mittagsstunde an die
gemeinsame Sache.
Es

- 4 -

�Es hat seit dem Fehlschlagen der Blockade im Jahre 1948 auch
noch andere Bedrohungen der Freiheit West-Berlins gegeben. Einige
dieser Bedrohungen waren mit kommunistischen Ultimaten verknüpft,
andere nicht. Frisch im Gedächtnis ist uns noch die sowjetische
Herausforderung vom Februar-März 19&amp;2 in den Luftkorridoren einer der lebenswichtigen Verbindungen des freien Berlin mit der
Außenwelt. Wie 1948 begegneten die alliierten Behörden und die privaten Luftgesellschaften, deren Piloten den normalen Flugverkehr
von und nach Berlin ununterbrochen aufrechterhalten haben, dieser
Bedrohung mit ruhiger aber fester Entschlossenheit. Eben erst haben
wir eine ausgedehnte Periode harten diplomatischen Drucks auf Berlin
durchlebt, die im November 1958 begann. Während dieser ganzen Zeit
haben der Mut und die Standhaftigkeit der Berliner niemals nachgelassen. Trotz der grausamen Mauer bewahren die Berliner ihren
Gleichmut. Allen Drohungen und Schikanen zum Trotz haben die freien
Berliner den Wiederaufbau ihrer Stadt und die Wiederbelebung ihrer
Wirtschaft tatkräftig vorangetrieben.
Berlin ist wieder die größte Metropole zwischen Paris und
Moskau. Schon bei einem kurzen Besuch kann man sehen, wie aus
Ruinen und Trümmern neue Bürogebäude, Appartementhäuser, Hotels
und Läden entstanden sind. Hunderttausende neuer Arbeitsplätze wurden in den vergangenen 15 Jahren geschaffen, und alle einschlägigen
Indexziffern beweisen, daß die Wirtschaft Berlins ständig wächst.
Doch das freie Berlin gedeiht nicht nur in materieller Hinsicht,
auch das kulturelle Leben hat einen großen Aufschwung genommen.
Kunst, Musik, Theater und das akademische Leben - sie alle tragen
jetzt wieder dazu bei, Berlins einstigen Ruf als großes europäisches
und westliches Kulturzentrum wiederherzustellen. Seine wirtschaftliche Vitalität, die erwiesene Tapferkeit seiner Bevölkerung und
das anerkanntermaßen hohe kulturelle Niveau haben alle mitgeholfen,
Berlin seinen Platz unter den ersten Städten der Welt wieder zu
verschaffen .
Es gibt indessen noch ein anderes Element, das Erwähnung verdient, nämlich, $aß Berlin in den vergangenen 15 Jahren auch Schauplatz einer äußerst erfolgreichen westlichen Zusammenarbeit war.
In' der ersten Zeit nach Beendigung der Blockade wurde der Stadt für

-

5 -

�für ihren Wiederaufbau fast eine Milliarde Dollar an direkter
oder indirekter Hilfe aus Mitteln des Marshallplans zur Verfügung
gestellt. Die anderen westlichen Verbündeten schalteten sich ein,
sobald die Erholung von den Kriegsschäden im eigenen Lande einsetzt
Als dann die Bundesrepublik ihrerseits daranging, eine eigene leistungsfähige Wirtschaft aufzubauen, trug auch sie innerhalb der
Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in steigendem
Maße hierzu bei, bis

sie schließlich den Punkt erreichte, -von dem

an sie die Hauptverantwortung übernahm. Alles dies, gepaart mit
der Initiative und Tatkraft Berlins und seiner Bevölkerung, war
von unschätzbarem Wert für das Wiedererstarken der Stadt.
Abgesehen von den wirtschaftlichen Aspekten dieser Zusammenarbeit, kommt ihr auch noch eine große politische Bedeutung zu.
Was die Berlin-Politik anlangt, gibt es zwischen Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten. Die drei Mächte, die eine grundlegende Verantwortung in Berlin haben, sind sich im Hinblick auf ihre Verpflic
tung einig,

dem freien 3erlin Demokratie, Freiheit und Fortschritt

zu erhalten.
Diese Einigkeit in den Zielsetzungen teilen die westlichen
Bündnispartner nicht nur mit den Bürgern des freien Berlin, sondern
mit dem gesamten deutschen Volk. Mit dem ganzen deutschen Volke
gemeinsam haben wir den Wunsch, nicht nur Berlin, sondern Deutschland in Frieden und Freiheit wiedervereint zu sehen.

Wir wollen

die Tatsache niemals aus den Augen verlieren, daß die fortdauernde
Prosperität und Lebensfähigkeit des freien Berlin und die Aufrechterhaltung seiner engen Bindungen zu der Bundesrepublik für die
schließliche Wiedervereinigung Deutschlands von großer Wichtigkeit
sind. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat im vergangenen Monat in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
die amerikanische Einstellung bezüglich Berlin-und der Wiedervereinigung Deutschlands kristallklar herausgearbeitet. Auf die Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eingehend, sagte er:
"Unsere

�"Unsere Konflikte sind sicherlich realer Natur. Unsere
Idealvorstellungen

von der Welt sind verschieden. Wir

würden niemandem einen Dienst erweisen, wenn wir es versäumten, unsere Meinungsverschiedenheiten klar herauszustellen. Eine der zentralen Meinungsverschiedenheiten
erwächst aus dem Glauben des amerikanischen Volkes an
das Selbstbestimmungsrecht für alle Völker.
Wir glauben, daß es den Menschen in Deutschland und Berlin
freigestellt sein muß, ihre Hauptstadt und ihr Land wiederzuvereinigen...
Um es kurz zu sagen, wir glauben, daß es den Menschen in
der ganzen Welt - in Osteuropa ebenso wie in Westeuropa,
in Südafrika ebenso wie in Nordafrika, in den alten Staaten
ebenso wie in den jungen - freigestellt sein muß, über ihre
eigene Zukunft zu bestimmen, ohne Diskriminierung oder Diktat und ohne Zwang oder Subversion..."
Wir können die Vorstellung nicht akzeptieren,daß die Elementarbegriffe menschlicher Gerechtigkeit wahlweise anwendbar sind. Die
sittlichen Überlegungen, die die Selbstbestimmung zum guten Recht
der Völker Afrikas erheben, sind gleichermaßen auf den Fall Deutschland und Berlin anwendbar. Ich als Amerikaner darf sagen, daß mein
Land ein vereintes, freies und demokratisches Berlin, das seinen
rechtmäßigen Platz als großartige Hauptstadt eines freien und geeinten Deutschland einnimmt, weiterhin standhaft als eines seiner Ziele
ansehen wird.
Ich weiß, daß es ungeduldige Stimmen gibt, die die sofortige
Wiedervereinigung fordern. Ich sage frei und offen, daß ich jedoch
gleichzeitig nicht etwa konkrete Vorschläge zu hören bekomme, die
aufzeigen, wie dies ohne Anwendung von Gewalt zu bewerkstelligen wäre,
auf die wir im Westen als Mittel zur Erreichung dieses Ziels verzichtet haben. Wir dürfen uns weder durch semantische Wortdeutelei
oder Schlagworte irreführen lassen, noch der Selbsttäuschung erliegen. Wir müssen uns mit den Realitäten der Welt von heute auseinandersetzen. Jene, die die Bastion Berlin bewachen, die in die täglichen

-

7 -

�täglichen Ausfälle und Paraden des Umgangs mit den Kommunisten verwickelt sind, kennen diese Realitäten. Pluspunkte lassen sich in
Berlin nicht leicht erzielen.
Dies heißt aber nicht, daß wir deshalb in unserer Entschlossenheit nachlassen. Wir brauchen nicht das künstliche Stimulans des
Konflikts und der Spannung, um in unserem Entschluß neu bestärkt zu
werden. Wir anerkennen die einfache Wahrheit, daß

die Freiheit von

der Woge der Zukunft getragen wird, daß die evolutionären Entwicklungsprozesse, die für die Freiheit arbeiten, eine ganz eigene innere
Schwungkraft besitzen. Diese Prozesse haben eine größere Chance,
sich zu entfalten, wenn keine Spannungen auftreten, die nur dazu angetan sind,

den Status quo einzufrieren und sinnvolle friedliche

Anpassungen politisch unmöglich zu machen.
Wir können manche Entwicklung im Osten als Vorboten der Zukunft
betrachten. Die starren Dogmen des Stalinismus, die in der Vergangenheit

Millionen Menschen Not und Tod brachten, werden nun in Osteuropa

offiziell als Ketzerei bezeichnet. Wir stoßen auf abweichende Stimmen,
auf Zweifel an früher als unumstößlich geltenden Dogmen und auch auf
unmißverständliche Beweise einer natürlichen Freiheitssehnsucht der
Menschen. Ähnliche Kräfte

sind, wenn auch noch stärker gedämpft

und strenger überwacht, auch in der Ostzone Deutschlands vorhanden.
Ich zähle diese Punkte auf, um meine Überzeugung zu unterstreichen,
daß die Teilung Deutschlands dem Strom der Geschichte zuwiderläuft.
Wenn uns vielleicht auch die Geschichte begünstigen mag, so
müssen wir dennoch einsehen, daß eine Wiedervereinigung Berlins und
Deutschlands nicht schnell und nicht auf leichte V/eise zu erreichen
ist. Wir müssen einsehen, daß die Zeiten Geduld, Ruhe und Einsicht,
gepaart mit Entschlossenheit, fordern. Eine Frage aber, auf die wir
heute eine Antwort finden müssen, lautet: Wie können wir den Menschen
in Mitteldeutschland helfen, mit den Schwierigkeiten fertig zu werden,
die ihnen aus der Existenz der Mauer erwachsen? Diese Frage hat mehrere
Aspekte.
Zunächst muß der Westen stark und einig bleiben. Wir hier sind
uns der vielen Vorteile voll bewußt, die die Freiheit in ihren im
Westen entwickelten Formen mit sich bringt. Wir müssen der Welt aber

-

8

-

�aber deutlich vor Augen führen, daß die westlichen Wertbegriffe
universale Werte sind und den Aspirationen aller Menschen entgegenkommen. Die marxistischen Dialektiker attackieren eine Karikatur
des westlichen Kapitalismus, wie ihn Marx Mitte des 19- Jahrhunderts
sah. Wir können der Welt nicht nur beweisen, daß das westliche System einer freien Gesellschaft der beste Weg ist, die geistigen und
seelischen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, sondern auch,
daß unser freies Wirtschaftssystem das wirksamste Mittel ist, die
materiellen Wünsche der Menschen zu erfüllen. Wir müssen schwer
arbeiten, um die Dynamik unseres Systems fortgesetzt unter Beweis
zu stellen

und um der Welt die mannigfaltigen Vorteile der Ent-

scheidungsfreiheit vor Augen zu führen.
Auf wirtschaftlichem Gebiet sind die Schwierigkeiten, denen
sich Osteuropa gegenübersieht, von einer deutschen Expertengruppe,
nämlich dem "Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung
Deutschlands", wie folgt charakterisiert worden1 "Die Wirtschaft
des Ostblocks ist das Opfer der tiefen Kluft zwischen ideologischer
Loyalität und den praktischen -volkswirtschaftlichen Erfordernissen."
Erst kürzlich hat die Presse die Probleme aufgezeigt, mit denen sich
die Wirtschaftsplaner des Sowjetblocks im COMECON konfrontiert sehen.
Die Opposition rumänischer Stellen zu den für ihr Land ausgearbeiteten Plänen, die seiner industriellen Entwicklung ein Ende gesetzt
hätten, ist allgemein bekannt. Vergleichen Sie diese Situation einmal mit jener, die wir in Westeuropa vorfinden. Obwohl wir auch im
Westen Meinungsverschiedenheiten antreffen, so besteht doch keinerlei Zweifel darüber, daß der Gemeinsame Markt neue wirtschaftliche
Impulse zu einer Zeit hervorgebracht hat, in der sich der Ostblock
immer akuteren Schwierigkeiten gegenübergestellt sieht. Unser
spezifisches Wirtschaftssystem habe ich bereits erwähnt. Hier in
der Bundesrepublik, wo Sie von einer freien Marktwirtschaft profitieren, genießen Sie ebenfalls die Segnungen einer fortschrittlichen Sozialpolitik. Ganz eindeutig ist die soziale Gerechtigkeit
in den freien Volkswirtschaften des Westens

unendlich viel größer

als in Osteuropa. Konkret gesprochen können wir sicher sein, daß
die Arbeiter in der Ostzone genau wissen, wieviel mehr Annehmlichkeiten ihre Kollegen in der Bundesrepublik unter diesem System

-

9 -

�System genießen, als ihnen unter dem dort herrschenden System
geboten werden. Trotz der im Osten bestehenden Beschränkungen
des Meinungsaustausches mit dem Westen sind die offensichtlichen
Vorteile des westlichen Systems den Menschen in Osteuropa durchaus bekannt und werden auch in zunehmendem Maße diskutiert. Der
Westen wird für den Osten immer mehr zu einem Magnet von mächtiger Anziehungskraft, einer Anziehungskraft, die dort zwangsläufig zu einer Neuorientierung führen und neue Beziehungen zwischen Ost und West möglich machen wird. Wie Präsident Kennedy
in seiner Ansprache vor Studenten der Freien Universität in Berlin
erklärte: "Ganz gleich, ob sie (die Menschen des Ostens) viel oder
wenig vom Westen sehen, was immer sie sehen muß so strahlend sein,
daß es den täglichen Propagandawirbel der Entstellung klar wider- legt." Auf eine Zeit eingehend, in der sich Möglichkeiten für eine
Aussöhnung zwischen Ost und West abzeichnen, erklärte der Präsident
weiter: "Dann gilt es, Wunden zu heilen und das Mißtrauen auf beiden Seiten abzubauen. Es gilt dann die Unterschiede im Niveau des
Lebensstandards auszugleichen - das heißt, es nach oben und nicht
nach unten anzugleichen. Es gilt, faire und wirksame Abkommen zur
Beendigung des Wettrüstens zu treffen. Diese Veränderungen werden
nicht heute oder morgen eintreten, aber wir müssen unsere Bemühungen mit unverminderter Kraft fortsetzen."
Daneben gilt es, mit großer Wachsamkeit die westliche Einigkeit zu wahren, die allein unser System in großem Rahmen funktionsfähig machte. Diese Einigkeit wurde in Krisenzeiten glänzend unter
Beweis gestellt. Ich brauche nur abermals an die Reaktion des Westens auf die Berliner Blockade zu erinnern und als ein Beispiel
aus jüngster Zeit die Solidarität des Westens während der Kuba-Krise
im vergangenen Jahr anzuführen. In der Tat wurden zahlreiche Einrichtungen, die unsere Einigkeit hier dokumentieren, in Krisenzeiten geboren. Ich brauche in diesem Zusammenhang nur die NATO zu erwähnen.
Dennoch sollten und können wir, wie ich glaube, in Zeiten der
relativen Ruhe genauso einig sein wie in Krisenzeiten. Wenn wir
unser System für die östliche Welt anziehend machen wollen, müssen
wir unsere Ideen und Hilfsquellen zusammenfassen. Einigkeit ist dabei
die wesentliche Voraussetzung.
Lassen
-

10

-

�Lassen Sie mich das, was ich eben generell gesagt habe,
speziell auf Berlin anwenden.
Die amerikanische Verpflichtung gegenüber Berlin wurde erst
kürzlich durch Präsident Kennedy anläßlich seines Berlin-Besuches
im Juni dieses Jahres erneut bestätigt. Ich brauche wohl nicht zu
wiederholen, was er in so beredter Weise bei dieser Gelegenheit
zum Ausdruck brachte. Niemand sollte die diesbezügliche feste
Entschlossenheit der Amerikaner und ihrer Alliierten anzweifeln.
Wir verstehen und würdigen den Wunsch der Berliner Behörden
und der Bevölkerung der Stadt nach normaleren Beziehungen zu ihren
Landsltuten in der Bundesrepublik. Ich glaube, die Geschichte wird
meine Worte bestätigen, wenn ich behaupte, daß es zahlreiche Beweise
unseres Mitempfindens bezüglich dieses natürlichen Wunsches gibt.
Seit Jahren bestehen Regelungen, um einem Großteil der Gesetze und
Abkommen der Bundesrepublik auf Berlin auszudehnen. Die Vertreter
von 2 l/2 Millionen freien Berlinern spielen eine aktive und einflußreiche Rolle im Parlament der Bundesrepublik.
Gleichzeitig haben wir jedoch auf des Aufrechterhaltung des
besonderen Status von Berlin bestanden. Wenn wir Berlin verteidigen
und weiterhin die Freiheit und Prosperität seiner Bürger gewährleisten sollen, dann ist es ganz klar, daß wir eine starke Basis brauchen, von der aus wir operieren können. Verstehen Sie mich bitte nicht
falsch - ich verwende das Wort Basis nicht im militärischen Sinn.
Wir halten es für wichtig, unsere rechtlich starke Position in der
Stadt beizubehalten, und zwar sowohl im Interesse Berlins als auch
in unserem eigenen. Für mich gilt es als erwiesen, daß ein eventueller Mangel an Klarheit hinsichtlich der alliierten Position letzten
Endes unser Verantwortungsbewußtsein gegenüber dieser Stadt schwächen
und unsere Fähigkeit, eben dieser Verantwortung gerecht zu werden, in
Frage stellen könnte. Offensichtlich ist die sowjetische Führung in
den letzten Jahren gegenüber der Weltmeinung empfindlicher und rücksichtsvoller geworden. Für Berlin und die Alliierten ist es von lebenswichtiger Bedeutung, daß die Welt ein wohlwollendes Verständnis
für die Probleme hat, um die es in der Berlin-Frage geht. Die Überzeugungskraft unserer Argumentation vor dem Forum der Weltmeinung

-

11

-

�Weltmeinung hängt aber weitgehend von der Integrität unserer
Position ab.
Wir legen es den deutschen Stellen nahe, die von mir hier
angeführten Erwägungen bei ihren Überlegungen ernsthaft zu prüfen.
Diese Erwägungen sind natürlich nur für die Übergangsperiode von
Belang - so lange, bis die gerechte und friedliche Wiedervereinigung
Deutschlands, die wir genau so glühend herbeisehnen wie die Deutschen,
erreicht werden kann.
Daneben gibt es noch andere Dinge, die wir in diesem Interimszeitraum tun sollten und müssen:
Wir müssen uns ernsthaft darum bemühen, jenen Menschen die Hoffnung zu erhalten, deren Verbindung zu ihren deutschen Landsleuten
durch die unmenschliche, mitten durch das Herz Berlins führende
Mauer abgeschnitten wurde.
In Einklang mit unseren allgemeinen politischen Zielen müssen
wir neue Anstrengungen zur Milderung der menschlichen und physischen
Härten unternehmen, die den Ostdeutschen durch die Errichtung der
Mauer zugefügt worden sind.
Diese beiden Ziele lassen sich im Rahmen eines friedlichen Wettbewerbs erreichen. Wir haben viele mutige und zuversichtliche Äußerungen von kommunistischen Führern über die Überlegenheit des Kommunismus gehört. Sie waren ausnahmslos begleitet von düsteren Beschreibungen der Unzulänglichkeiten unseres Systems im Westen. Berlin stellt
für sie eine Herausforderung dar, ihre zuversichtlichen Worte durch
Taten zu bekräftigen. Es fordert sie heraus, sich vor aller Öffentlichkeit dem Wettbewerb der Ideen zu stellen. Wir haben gehört, was
sie zur Verteidigung der Mauer vorbringen. Sie geben vor, ihre
"Errungenschaften" gegen übergriffe des Westens verteidigen zu müssen.
Wir alle wissen, daß dies nicht der Wahrheit entspricht - daß sie in
Wirklichkeit die magnetische Anziehungskraft der Freiheit fürchten,
wie sie in West-Berlin zu finden ist.
Wir haben ein Recht, ihnen entgegenzuhalten: "Wenn ihr so vom
Wert eurer Ideen überzeugt seid, dann laßt doch die Bevölkerung frei

12

-

�frei zwischen beiden Systemen wählen! Gestattet den freien Berlinern, Ost-Berlin zu betreten, und erlaubt den Ostdeutschen, nach
dem Westen zu kommen!" '.Vir haben auch das Recht, zu fragen: "Warum
muß die Bevölkerung der Sowjetzone noch immer Furcht davor haben,
eine andere Meinung zu äußern? Warum wird die Bevölkerung der Sowjetzone durch ihre Behörden von jedem Kontakt mit ihren Brüdern im
Westen abgeschnitten? Warum ist ein Gebiet, das für seine Produktivität und seinen Fleiß bekannt war, nicht in der Lage, seine Bevölkerung mit dem Notwendigsten zu versorgen? Warum ist die Produktivität der deutschen Arbeiter oder Bauern im Osten (die sich vom
Wesen her in nichts von ihren Kollegen in Westdeutschland unterscheiden) soviel niedriger als im Westen?"
'.Vir appellieren an die Sowjetführung, die letztlich die Verantwortung für Ostdeutschland trägt, eine Verbesserung der Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung zu gestatten. Die Kommunisten
sollen ihr Sperrfeuer lügenhafter Propaganda einstellen und der
Bevölkerung erlauben, die Verhältnisse im Westen selbst in Augenschein zu nehmen und sich ihre eigene Meinung zu bilden.
Und weiter: Was soll die endlose Kette kleiner Schikanen,
die sowohl den Zugang nach Berlin als auch das Leben in der Stadt
selbst berühren? Wenn die kommunistischen Führer so von ihrem Endsieg in Frieden überzeugt sind, warum setzen sie dann ihre Bemühungen
fort, Berlin zu isolieren und zu schwächen? Ist dies ein Zeichen von
Zuversicht, oder fürchten sie in Wirklichkeit, im freien Wettbewerb
der Ideen nicht bestehen zu können?
Wenn wir diesen Fragen auf den Grund gehen, so sollten wir dies
nicht in provokativer oder aggressiver Weise tun, denn damit würden
wir nur unserer eigenen Sache schaden. Was ich vielmehr vorschlage,
ist eine gemeinsame Anstrengung des Westens, um seine Anziehungskraft
auf den Osten immer mehr zu verstärken. Wir sollten klar zum Ausdruck bringen, daß wir keinem wie auch immar gearteten System feindselig gegenüberstehen, das den Menschen die- Freiheit läßt, ihr
Schicksal selbst zu bestimmen. Ich bin überzeugt, daß die Anziehungskraft unseres westlichen Systems so groß ist, daß der Sieg letzten

13

�letzten Endes unser sein wird, wenn sich die Menschen tvrv frei en+
scheiden dürfen.
Wie schon Präsident Kennedy in Berlin sagte: "Es gibt keinen
einfachen Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands und Wiederherstellung Europas. Aber das Leben ist niemals einfach. Es gibt
Arbeit, die getan werden muß, Verpflichtungen, die erfüllt werden
müssen - Verpflichtungen gegenüber der Wahrheit, der Gerechtigkeit
und der Freiheit."
In diesem Sinne trete ich dafür ein, daß wir alle unsere Anstrengungen, unsere Fähigkeiten und unsere Hilfsquellen vereinen,
damit Berlin und Deutschland schließlich in Frieden und Freiheit
wiedervereinigt werden.

* * * * *

-

14 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./l8.10.1963

TESTSTOPPVERTRAG IN KRAFT GETRETEN

WASHINGTON - (AD) - Der Vertrag über das Verbot von
Kernwaffenversuchen und anderen nuklearen Explosionen
in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser ist
am 10. Oktober 19&amp;3 mit der feierlichen Hinterlegung
der Ratifikationsurkunden in Washington, London und
Moskau in Kraft getreten. Der Kreis der Vertragspartner, der ursprünglich nur die Vereinigten Staaten,
Großbritannien und die Sowjetunion umfaßte, hat sich
nach der Unterschriftsleistung der Außenminister dieser drei Staaten am 5« August 1963 i n Moskau durch
die Beitrittserklärungen anderer Regierungen inzwischen um mehr als hundert Staaten erweitert. In
Washington wurden bis zum Tag des Inkrafttretens Beitrittserklärungen von 102 Regierungen abgegeben. Der
Vertrag wurde allgemein als ein erster Schritt zum
Abbau der internationalen Spannungen begrüßt. Präsident John F. Kennedy versicherte anläßlich des Inkrafttretens des Teststoppvertrages, daß die Vereinigten
Staaten "dem Buchstaben und dem Inhalt nach" zu dem
Vertrag stehen werden. Der Teststoppvertrag hat folgenden Wortlaut:
VERTRAG
über ein Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre,
im Weltraum und unter Wasser

Die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, nachstehend als "die
ursprünglichen Vertragspartner" bezeichnet, die
es als ihr Hauptziel verkünden, schnellstmöglich ein Abkommen
über eine allgemeine und vollständige Abrüstung unter strikter
internationaler Kontrolle im Einklang mit den Zielsetzungen der
Vereinten Nationen zu erreichen, das dem Wettrüsten ein Ende machen
und den Anreiz zur Produktion und zur Erprobung aller Arten von Waffen, einschließlich Kernwaffen, beseitigen würde,
die
-

1

�"AMERIKA DIENST
die Einstellung aller Versuchsexplosionen nuklearer Waffen
für alle Zeiten zu erreichen suchen, entschlossen, die diesbezüglichen Verhandlungen fortzusetzen, und von dem Wunsche beseelt,
der Vergiftung der Umwelt des Menschen durch radioaktive Substanzen ein Ende zu setzen,
haben folgendes vereinbart:
Artikel I
1 . Jeder Partner dieses Vertrages verpflichtet sich, jegliche
Versuchsexplosion mit Kernwaffen oder jegliche andere nukleare Explosion zu verbieten, zu verhindern und solche an keinem seiner
Jurisdiktion oder Kontrolle unterstehenden Platz durchzuführen:
a) in der Atmosphäre; jenseits ihrer Grenzen, einschließlich
des Weltenraums; oder unter Wasser, einschließlich der
territorialen Gewässer oder auf hoher See; oder
b) in irgendwelchen anderen Bereichen, falls eine solche
Explosion bewirkt, daß radioaktive Rückstände außerhalb
der territorialen Grenzen des Staates auftreten, unter
dessen Jurisdiktion oder Kontrolle eine derartige Explosion durchgeführt wird. In diesem Zusammenhang herrscht
Einvernehmen, daß die Bestimmungen dieses Unterabschnitts
den Abschluß eines Vertrages nicht präjudizieren, der zu
einem ständigen Verbot aller nuklearen Versuchsexplosionen,
einschließlich aller derartigen unterirdischen Explosionen,
führt und dessen Abschluß die Partner, wie sie in der
Präambel dieses Vertrages erklärten, zu erreichen suchen.
2. Jeder Partner dieses Vertrages verpflichtet sich außerdem,
davon Abstand zu nehmen, die Durchführung irgendeiner Kernwaffenversuchsexplosion oder einer anderen Kernexplosion an irgendeinem
Ort innerhalb der bezeichneten Bereiche oder von der in Paragraph 1
dieses Artikels beschriebenen Wirkung zu veranlassen, zu unterstützen
oder sich in irgendeiner Weise an ihr zu beteiligen.
Artikel II
1. Jeder Partner kann Zusätze zu diesem Vertrag vorschlagen.
Der Wortlaut jedes vorgeschlagenen Zusatzes soll den DepositarTiegierungen unterbreitet werden, die ihn an alle Partner dieses
Vertrages weitergeben werden. Danach sollen die Depositarregierungen, sofern dies von einem Drittel oder mehr der Partner gewünscht
wird, eine Konferenz zur Erörterung eines solchen Zusatzes einberufen, zu der alle Partner einzuladen sind.
2. Jeder Zusatz zu diesem Vertrag muß von einer Stimmenmehrheit
aller Partner dieses Vertrages, einschließlich der Stimmen aller
ursprünglichen Vertragspartner, gebilligt werden. Der Zusatz soll

- 2

�"AMERIKA DIENST"
soll für alle Partner mit der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden durch eine Mehrheit aller Partner, einschließlich der Ratifikationsurkunden aller ursprünglichen Vertragspartner,in Kraft
treten.
Artikel III
f

1 . Dieser Vertrag soll allen Staaten zur Unterzeichnung
offenstehen. Jeder Staat, der diesen Vertrag nicht vor seinem Inkrafttreten gemäß Paragraph 3 dieses Artikels unterzeichnet, kann
ihm zu jedem anderen Zeitpunkt beitreten.
2. Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung durch die Signatarstaaten. Die Ratifikationsurkunden und die Beitrittsurkunden sollen
bei den Regierungen der ursprünglichen Vertragspartner - den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken - hinterlegt werden, die hiermit als Depositarregierungen
bezeichnet werden.
3. Dieser Vertrag soll nach seiner Ratifikation durch alle
ursprünglichen Vertragspartner und nach der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden in Kraft treten.
4. Für Staaten, deren Ratifikations- oder Beitrittsurkunden
nach dem Inkrafttreten dieses Vertrages hinterlegt werden, soll
er mit dem Datum der Hinterlegung ihrer Ratifikations- oder Beitrittsurkunden in Kraft treten.
5. Die Depositarregierungen sollen umgehend alle Signatarmächte sowie alle beitretenden Staaten über den Zeitpunkt jeder
Unterzeichnung, den Zeitpunkt der Hinterlegung jeder einzelnen
Ratifikations- und Beitrittsurkunde zu diesem Vertrag, über das
Datum ihres Inkrafttretens und das Datum des Eingangs jeglicher
Ersuchen um eine Konferenz oder anderer Mitteilungen unterrichten.
6. Dieser Vertrag soll von den Depositarregierungen gemäß
Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen registriert werden.
Artikel IV
Dieser Vertrag soll von unbegrenzter Dauer sein.
Jeder Partner soll in Ausübung seiner nationalen Souveränität
das Recht haben, von dem Vertrag zurückzutreten, sofern er entscheidet, daß außergewöhnliche Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem
Gegenstand dieses Vertrages stehen, die höchsten Interessen seines
Landes gefährdet haben. Er soll alle übrigen Partner des Vertrages
drei Monate im voraus von einem solchen Rücktritt benachrichtigen.
Artikel V

�"AMERIKA DIENST"
Artikel V
Dieser Vertrag, dessen englischer und russischer Text in
gleicher "/eise authentisch sind, soll in den Archiven der Depositarregierungen hinterlegt werden. Ordnungsgemäß beglaubigte Kopien dieses Vertrages sollen von den Depositarregierungen den Regierungen der Signatar- und der beitretenden Staaten übersandt
werden .
Zum Zeugnis dessen haben die Unterzeichneten, ordnungsgemäß
bevollmächtigt, diesen Vertrag signiert.
Gegeben in dreifacher Ausfertigung zu Moskau am fünften Tage
des August Eintausendneunhundertunddreiundsechzig.
Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
(gez.) Dean Rusk
Für die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien
und Nordirland
(gez.) Home
Für die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
(gez.) A. Gromyko

* * * * *

4 -

�A M E R I K A

D I E N S T

ANSPRACHE
S r . Exzellenz des Außenministers der V e r e i n i g t e n S t a a t e n
Dean Rusk

gehalten am 2 7 . Oktober 1965 in der P a u l s k i r c h e zu F r a n k f u r t (Main)
a n l ä ß l i c h der
Einweihung der George C. M a r s h a l l - G e d e n k s t ä t t e am Opernplatz

�"AMERIKA DIENST"

Allg./XVI-39
I. General Marshall

Es ist eine hohe Ehre für mich, Herr Bundeskanzler, Ihnen und
dem deutschen Volk hier die Dankbarkeit aller Amerikaner für die
Ehrung zu bekunden, die Sie heute General George Catlett Marshall
zuteil werden lassen. Es freut mich insbesondere, daß auch Mrs.
Marshall hier unter uns weilt. Von besonderer Bedeutung ist ferner,
daß einige der prominentesten Mitglieder unseres Senats und Repräsentantenhauses hierhergekommen sind - Männer, die selbst engstens
mit General Marshall zusammengearbeitet haben und durch ihre Anwesenheit die Tatsache bezeugen, daß jeder einzelne Amerikaner, der für
die als Marshall-Plan bekannte große Partnerschaft zwischen Ihnen
und uns gewirkt hat, mit ganzer Einsatzfreude und Hingabe am Werk
war. Dieses große Unterfangen wäre ohne das Verständnis und die
praktische Mitarbeit vieler unserer Bürger, die heute hier im Geiste
mit uns sind, nicht möglich gewesen.
Für diejenigen unter uns, die an seiner Seite tätig waren,
stellte General Marshall eine Persönlichkeit olympischer Größe dar.
Er führte uns im größten aller Kriege und errang dennoch den Friedensnobelpreis. Er war ein warmherziger Mensch und gleichzeitig ein
Mann, der hinsichtlich der Pflichten der Staatsbeamten eine sehr
strenge Dienstauffassung vertrat, und er hatte tiefsten Respekt vor
den verfassungsmäßigen Gepflogenheiten eines demokratischen Volkes.
Einfach und unkompliziert in Geist und Denken, war er, was Klarheit
und den Blick für das Wesentliche angeht, selbst noch so gebildeten
Kollegen Vorbild. Ich höre ihn förmlich zu seinen Kollegen sagen:
"Meine Herren, betrachten Sie unsere Probleme bitte nicht so, als
handelte es sich um militärische Probleme - das könnte sie nämlich
leicht zu militärischen Problemen machen."
General Marshall hatte zwei wesentliche Eigenschafte. , die die
Größe eines Staatsmannes ausmachen. Er besaß die Fähigkeit, große
Konzeptionen zu formulieren - Ziele, die nach Lord Acton durch ihre
Großartigkeit die Vorstellungskraft und durch ihre Einfachheit die

«

-

1

�die Vernunft in Bann schlagen. Und er hatte den Willen, an diesen
Konzeptionen festzuhalten, bis sie verwirklicht waren.
Nachdem General Marshall von der gescheiterten Moskauer
Konferenz von 1947 zurückgekehrt war, begann in seinem Denken die
Idee eines umfassenden Plans zur Einigung und zum Wiederaufbau
Europas Gestalt anzunehmen. Noch vor Sommeranfang traf er seinen
Entschluß. Am 5« Juni 1947 hielt er dann seine Rede vor der HarvardUniversität, in der er den europäischen Ländern für den Fall, daß
sie einen gemeinsamen Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau entwickelten, die Mitwirkung der Vereinigten Staaten an dessen Verwirklichung in Aussicht stellte.
Es fanden sich natürlich allenthalben Menschen, die ihm Rat
und Hilfe anboten. Die Verantwortung aber konnte er mit niemandem
teilen. Er allein konnte aus der Verpflichtung heraus, die ihm sein
Amt auferlegte, dem Präsidenten in einer Zeit wirtschaftlicher
Schwierigkeiten im eigenen Lande und angesichts der herannahenden
Wahlen empfehlen, vor sein Volk zu treten und um die Bereitstellung
von 16 Milliarden Dollar für ein Unternehmen zu ersuchen, das man
bestenfalls als ein wohlüberlegtes und notwendiges Wagnis bezeichnen
konnte .
Doch er hatte bereits eine klare Konzeption im Sinn, und er war
überzeugt, daß sie richtig war. So zauderte er nicht lange.
Und damit sind wir bei dem zweiten Element seiner Größe: der
Fähigkeit, eine einmal entwickelte Konzeption mit Beharrlichkeit und
Mut der Verwirklichung entgegenzuführen.
Und jenem Mut auch - dem Mut, sich nicht von der Ungewißheit
und den Schwierigkeiten einschüchtern zu lassen, denen er sich am
Anfang dieses Unternehmens im Sommer 1947 gegenüber fand - verdanken wir die nützliche wirtschaftliche Partnerschaft zwischen Europa
und den Vereinigten Staaten, deren Auswirkungen in unseren Tagen in
steigendem Maße sichtbar werden.

II.

-

2

-

�II. Die wirtschaftliche Partnerschaft

Diese Partnerschaft ist weit über die Träume des Jahres 1947
hinaus gediehen, ohne sich je von den Grundsätzen gelöst zu haben,
die General Marshall seinerzeit aufgestellt hat:
1. daß Europa in dieser Partnerschaft seine Rolle als kollektive Einheit spielen soll, und
2. daß die Vereinigten Staaten die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, die sich aus der Einheit Europas ergeben, voll
ausschöpfen sollen.
Der erste dieser beiden Grundsätze fand seinen Niederschlag in
der Schaffung dreier großer Institutionen - in der Gemeinschaft für
Kohle und Stahl, in EURATOM und im Gemeinsamen Markt.
In diesen Einrichtungen wurde die Vision eines wahrhaft vereinten Europas erstmals Wirklichkeit: eines Europas, das als Einheit
handeln konnte, und zwar nicht auf Grund der Hegemonie eines einzelnen Staates oder endloser Verhandlungen von vielen, sondern auf Grund
der Übereinkunft der europäischen Staaten, gewisse Fragen als Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse zu behandeln, die von gemeinsamen Organen im Namen einer einzigen Gemeinschaft angegangen werden
sollten.
Und jedesmal, wenn Europa einen wirklichen Schritt vorwärts in
Richtung auf eine größere wirtschaftliche Einheit tat, gingen die
Vereinigten Staaten auf die Notwendigkeit und die Möglichkeit der
engeren Partnerschaft ein, die dieser Schritt schuf.
Unser als Starthilfe für die Gemeinschaft für Kohle und Stahl
gegebener Kredit, unsere Zusammenarbeit mit EURATOM auf dem Gebiet
der Atomenergie und die Verabschiedung unseres Gesetzes

über die

Ausweitung des Handels sind sichtbare Beweise dafür, daß das amerikanische Ziel die Schaffung eines vereinten Europas war, ins auf
eigenen Füßen stehen konnte und in der Lage war, mit den Vereinigten
Staaten als gleichberechtigter und sich seines Eigenwertes bewußter
Partner zu verhandeln und seine historische Rolle in der Weltpolitik
wieder zu übernehmen.

. ~

-

3 -

�Auf wirtschaftlichem Gebiet gibt es für Europa und die Vereinigten Staaten noch vieleDinge zu tun.

Sie füllen eine lange

Liste: Handel, Entwicklung und das Zahlungsbilanzproblem - ein
Problem, das aus den wirtschaftlichen Aufgaben und den Sicherheitsfunktionen der Vereinigten Staaten resultiert, die diese in
der freien Welt übernommen haben, und das nach unserer Ansicht
wirkungsvoll durch gemeinsame Maßnahmen in der OECD und anderen
Gremien gelöst werden kann. Wenn ich auf meine Tätigkeit im öffentlichen Dienst zurückblicke, dann muß ich feststellen, daß die Hälfte
der Zeit mit Sorgen über zuviel Gold und die andere Hälfte mit
Sorgen über

- u wenig Gold ausgefüllt war. Ich wünschte, wir könnten

herausfinden, welcher Goldbestand wohl der richtige ist.
Die Fortschritte der letzten 15 Jahre geben uns guten Grund zu
der Annahme, daß diese wirtschaftliche Agenda der Partnerschaft mit
Erfolg abgewickelt werden kann, wenn wir an den Grundkonzeptionen
festhalten, von denen General Marshall in der Harvard-Universität
sprach«
Unsere wirtschaftliche Partnerschaft ist mit der tiefgehenden
Verpflichtung verknüpft, die Handelsschranken zwischen uns abzubauen es ist dies eine Linie, die von Bundeskanzler Erhard wohl verstanden und von ihm geschickt verfochten wird. Liberale Handelspraktiken
sind lebenswichtig für das Wohlergehen unserer Völker und für die
freie Welt als Ganzes. Sie sind nicht minder bedeutsam für die
Erreichung unserer gemeinsamen Ziele auf dem Gebiet der Politik und
der Sicherheit, denn wirtschaftliche Stärke ist hierfür Voraussetzung.
In allen unseren Ländern gibt es jedoch auch Stimmen, die uns - vielfach politisch überzeugend, manchmal aber auch nur lautstark - zu
Maßnahmen zu drängen suchen, die in die andere Richtung weisen zurück zu höheren Zöllen, zu kleinen Märkten und zum wirtschaftlichen Isolationismus. Es wäre gefährlich, würden wir diesen Ratschlägen folgen. Denn die wirtschaftliche Zerplitterung der freien Welt
könnte dahin führen, daß alles,was wir zusammen in den vergangenen
15 Jahren so erfolgreich aufgebaut haben, wieder niedergerissen wird.
III.

�III. Politische Partnerschaft

Im Juni sprach Präsident Kennedy in dieser berühmten Stadt
von der Notwendigkeit einer engeren Partnerschaft zwischen den
Vereinigten Staaten und einem zur Einheit strebenden Europa,
nicht allein auf dem Gebiet der Wirtschaft, sondern auch in Fragen
der Politik und der Verteidigung. Ich möchte zunächst auf die politische Zusammenarbeit eingehen. Diese Frage gewinnt im gegenwärtigen
Stadium der Ost-West-Beziehungen ganz besondere Bedeutung.
An dieser Stelle möchte ich zwei Warnungen einflechten. Erstens:
die Sowjetführer haben weder ihr Weltherrschaftsziel noch ihren Entschluß aufgegeben, dieses Ziel mit allen für sie ungefährlichen
Mitteln zu verfolgen. Zweitens: die begrenzten Abkommen, die wir
jüngst mit der Sowjetunion getroffen haben, stellen keine Detente
dar. Der "heiße Draht", der für einen etwaigen Ernstfall zwischen
Moskau und Washington eingerichtet wurde, das Verbot der Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, die
Resolution, den Weltraum von Massenvernichtungswaffen frei zu
halten - das alles sind nützliche, wenn auch kleine Schritte auf dem
Wege zum Frieden.
Ohne Fortschritt in Richtung auf die Bereinigung solcher kritischer politischer Streitfragen wie Berlin und die Teilung Deutschlands, Vietnam, Laos und Kuba kann es keine echte Entspannung geben,
und solange die Einwilligung in eine Inspektion und Überprüfung aussteht, sind in der Frage der Abrüstung nur geringe Fortschritte zu
erwarten .Semit haben wir in der freien Welt keinen Grund, in unserer
Wachsamkeit nachzulassen.
Innerhalb der kommunistischen Welt aber sind interessante Entwicklungen im Gange. Hier sind der chinesisch-sowjetische Dialog
und die Spannungen in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten
zu nennen. In den kommunistischen Staaten Osteuropas mehren sich
die Zeichen eines wachsenden Nationalbewußtseins. Es herrscht
offensichtlich eine nüchterne Einschätzung der Gefahren eines

-

5 -

'

�III» Politische Partnerschaft

Im Juni sprach Präsident Kennedy in dieser berühmten Stadt
von der Notwendigkeit einer engeren Partnerschaft zwischen den
Vereinigten Staaten und einem zur Einheit strebenden Europa,
nicht allein auf dem Gebiet der Wirtschaft, sondern auch in Fragen
der Politik und der Verteidigung. Ich möchte zunächst auf die politische Zusammenarbeit eingehen. Diese Frage gewinnt im gegenwärtigen
Stadium der Ost-West-Beziehungen ganz besondere Bedeutung.
An dieser Stelle möchte ich zwei Warnungen einflechten. Erstens:
die Sowjetführer haben weder ihr Weltherrschaftsziel noch ihren Entschluß aufgegeben, dieses Ziel mit allen für sie ungefährlichen
Mitteln zu verfolgen. Zweitens: die begrenzten Abkommen, die wir
jüngst mit der Sowjetunion getroffen haben, stellen keine Detente
dar. Der "heiße Draht", der für einen etwaigen Ernstfall zwischen
Moskau und Washington eingerichtet wurde, das Verbot der Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, die
Resolution, den Weltraum von Massenvernichtungswaffen frei zu
halten - das alles sind nützliche, wenn auch kleine Schritte auf dem
Wege zum Frieden.
Ohne Fortschritt in Richtung auf die Bereinigung solcher kritischer politischer Streitfragen wie Berlin und die Teilung Deutschlands, Vietnam, Laos und Kuba kann es keine echte Entspannung geben,
und solange die Einwilligung in eine Inspektion und Überprüfung aussteht, sind in der Frage der Abrüstung nur geringe Fortschritte zu
erwarten .Semit haben wir in der freien Welt keinen Grund, in unserer
Wachsamkeit nachzulassen.
Innerhalb der kommunistischen Welt aber sind interessante Entwicklungen im Gange. Hier sind der chinesisch-sowjetische Dialog
und die Spannungen in den Beziehungen zwischen den beiden Staaten
zu nennen. In den kommunistischen Staaten Osteuropas mehren sich
die Zeichen eines wachsenden Nationalbewußtseins. Es herrscht
offensichtlich eine nüchterne Einschätzung der Gefahren eines

-

5 -

�eines nuklearen Schlagabtauschs. Es bereitet Schwierigkeiten,
die wirtschaftlichen Kraftreserven auf die widerstreitenden Anforderungen der Rüstung, der Industrialisierung, der Verbrauchsdeckung und der Förderung der Weltrevolution zu verteilen. Und
es bestehen Anzeichen für ein steigendes Interesse an größerer
persönlicher Freiheit.
Es sind eindeutig Wandlungsprozesse hinter dem Eisernen Vorhang im Gange. Es wäre falsch, baldige Veränderungen zu erwarten.
Es wäre aber ebenso falsch, die Macht freiheitlicher Ideen zu
unterschätzen - Ideen, deren Lebenskraft

aioh im Lauf

der Ge-

schichte mehrfach erwiesen hat und die tief in der menschlichen
Natur verwurzelt sind.
Wie Präsident Kennedy vor der Freien Universität in Berlin
erklärte, ist unser Hauptziel die Wiederherstellung Europas - nicht
des künstlich geteilten Europas, wie es seit 1945 besteht, sondern
eines Europas, in dem sich jedes Volk der Selbstbestimmung und Freiheit erfreut.
Solch ein Europa wird gegenwärtig durch die Politik der Sowjetunion unmöglich gemacht, und die Ereignisse der Zeit nach 1945 deute
darauf hin, daß sich dieses Hindernis nicht so ohne weiteres durch
schöne Reden oder Überzeugungskraft überwinden läßt. Es kann nur
mit Gewalt oder durch einen friedlichen Wandel beseitigt werden.
Hier handelt es sich aber um Fragen, die durch Gewalt nicht entschieden werden können, würden durch sie doch eben jene Ziele ver-»,
nichtet, die wir uns gesetzt haben. Die Ausweitung des Handels und
verstärkte Kontakte mit den kommunistischen Staaten sind dem eher
dienlich. Als Teil dieser Bemühungen, einen konstruktiven Wandel
zu beschleunigen, sollten wir versuchen, zu Vereinbarungen über
Maßnahmen zu gelangen, die auf die Beseitigung der Teilung Deutschlands gerichtet sind. Wir müssen den Blick beharrlich auf unser Ziel
der Wiedervereinigung des deutschen Volkes in Freiheit richten.
Dieses Ziel ist wichtig, nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit
und der Menschlichkeit, sondern weil es keinen sicheren und dauerhaften Frieden geben kann, bis daß die aus der unfreiwilligen Spaltung des deutschen Volkes resultierenden Spannungen beseitigt sind.
Es

�Es kann kein befriedigendes politisches Abkommen geben, das dieses
Ziel außer acht läßt. Folglich dürfen wir bei Verhandlungen mit
kommunistischen Staaten nichts tun, das den Anschein erwecken könnte,
als setzten wir das Siegel der Zustimmung unter den Status quo für
das deutsche Volk. Daraus folgt außerdem, daß wir durch solche Verhandlungen die wachsende Stärke und Einheit des Westens nicht in
Gefahr bringen dürfen.
Dies sind keine Fragen, die die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes Land einseitig entscheiden können oder werden. Aus eben
diesem Grunde kommt der Frage der politischen Konsultation ganz besondere Bedeutung zu. Von meinem Lande wird kein Abkommen, das unsere
Verbündeten betrifft,

ohne derartige Konsultierung geschlossen werden.

Im Nordatlantikrat und durch unsere normalen diplomatischen Verbindungen stehen uns wirksame Konsultationsmöglichkeiten zur Verfügung.
Wir haben von diesen Möglichkeiten in den letzten zwei Jahren reichlich Gebrauch gemacht. Nun aber müssen wir in diesen lebenswichtigen
Fragen eine noch engere Partnerschaft anstreben.
Alle unsere Länder sollten aus den Möglichkeiten, die die Diskussion

im Nordatlantikrat in dieser Hinsicht bietet, größeren

Nutzen ziehen. Die Vereinigten Staaten haben ihre Initiative zu
solchen Konsultationen innerhalb des Rates erheblich verstärkt und
hoffen, daß andere Mitglieder das gleiche tun werden.
Auch hoffe ich, daß die führenden politischen Planer der interessierten Länder unter der Ägide des Rates in den Ad-hoc-Arbeitsgruppen der METO
Öfter zusammenkommen können. Auf diese Weise würden die Männer, die
in ihren eigenen Hauptstädten die Entscheidungen in diesen Fragen zu
treffen haben, zu einem besseren Verständnis der gegenseitigen Ansichten gelangen. Dafür haben wir ein nützliches Vorbild in der Beratergruppe für atlantische Planung, die die NATO-Planer aus den einzelnen Hauptstädten in regelmäßigen Abständen zusammenführt.
Wir alle sind uns durchaus darüber im klaren, daß es in den
transatlantischen Beziehungen gewisse Probleme gibt. Mein eigener

-

7 -

�eigener Eindruck geht dahin, daß sie nicht wirklich transatlantischer Natur sind, sondern aus dem Fehlen einer Antwort auf die
Frage resultieren: Was ist Europa und wer spricht für es? Da aber
die grundlegenden Verpflichtungen der Mitglieder der großen
atlantischen Gemeinschaft die gleichen sind, hege ich keine Bedenken bezüglich der Lebensfähigkeit einer transatlantischen
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und einem starken,
kraftvollen und geeinten Europa.
Die Antworten aber müssen die europäischen Staaten - wie schon
1947 - selbst geben.

IV. Verteidigungs-Partnerschaft
Ich wende mich nun dem zweiten Gebiet zu, auf dem, wie Präsident
Kennedy ausführte, den Grundsätzen der europäischen Einheit und atlantischen Partnerschaft neue Bedeutung gegeben werden kann - dem Gebiet der Verteidigung.
Wir brauchen zum Schutz des atlantischen Raumes eine starke und
mannigfaltig gegliederte westliche Streitmacht.
Diese Streitmacht muß sowohl nukleare wie nichtnukleare Komponenten einschließen.
Die Militärbehörden der NATO haben Sollstärken festgesetzt, deren
Erreichung dazu beitragen würde, daß wir über eine ausgewogene Gesamtstreitmacht verfügen. Es ist wichtig, daß diese Ziele erreicht werden.
Dann könnte auch niemand mehr auf die Idee verfallen, der Westen sei
in der Verteidigung seiner lebenswichtigen Interessen lax oder gleichgültig.
Ich hoffe, daß das Bündnis als Ganzes die gesteckten Ziele erreichen wird. In einer echten Partnerschaft müssen die Lasten gerecht verteilt sein; alle Länder müssen ihren fairen Anteil an der Gesamtstärke
der Allianz tragen,
Die Vereinigten Staaten leisten ihren vollen Beitrag zu dieser
Partnerschaft und werden dies auch weiterhin tun. Wir können stolz
auf die Tatsache sein, daß die Vereinigten Staaten im allgemeinen
ihre Ziele erreicht oder übertroffen haben, und wir bedauern, daß
-

8

-

�daß dies für gewisse andere Mitglieder des Bündnisses nicht
zutrifft. Wir sind von der Idee durchdrungen, daß die Allianz
als Ganzes ihre Verpflichtungen erfüllen sollte, und wir hoffen
zutiefst, daß dies auch geschehen wird.
Da Sie in der Bundesrepublik und wir in den Vereinigten
Staaten die schwerste NATO-Bürde tragen, kann ich zu Ihnen ganz
offen sprechen. Sie und wir arbeiten in engster Partnerschaft in
der NATO zusammen. Wir ziehen einander vertrauensvoll zu Rate. Wenn
wir sagen, Ihre Verteidigung ist unsere Verteidigung, dann meinen
wir das auch. Das haben wir in der Vergangenheit bewiesen, und wir
werden dies auch.in Zukunft unter Beweis stellen.
Wir haben sechs Divisionen in Deutschland stehen. Wir haben
die Absicht, diese Divisionen hier zu belassen, solange sie gebraucht werden - und unter den gegenwärtigen Umständen werden sie
ohne Zweifel auch weiterhin notwendig sein. Unsere Streitkräfte in
Deutschland werden durch das größte logistische System der Welt
versorgt, das sie mit Hilfe der modernsten und schlagkräftigsten
Ausrüstung in höchster Einsatzbereitschaft hält. Und hinter ihnen
stehen nukleare Streitkräfte

von nahezu unvorstellbarer Schlag-

kraft.
Ich darf Sie auch daran erinnern, daß die zentrale NATO-Front
nicht die einzige Grenze der Freiheit bildet, an der Streitkräfte
der Vereinigten Staaten Wache halten. Wir haben über 2 700 000
Mann unter Waffen, von denen fast eine Million fern der Küsten
der Vereinigten Staaten zu Lande und zu Wasser stationiert sind.
Als eine Nation mit über vierzig Verbündeten und weltweiten
Verteidigungsverpflichtungen sind wir naturgemäß sehr stark an
der Beweglichkeit unserer Streitkräfte interessiert.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein Wort zum Lufttransport einer US-Panzerdivision nach Deutschland sagen, die hier
an Manövern teilnimmt. Diese Übung war ein Experiment und eine
Demonstration - gestützt

auf die Lufttranspcrtkapazität, zu

deren Schaffung wir uns 1961 im Zusammenhang mit der Berlin-Krise

- 9

�Berlin-Krise verpflichtet haben. Hauptziel war hierbei ,den schnellen
Aufmarsch von Verstärkungen im Falle einer ernsten Krise zu ermöglichen. Es handelte sich also um die Erprobung einer neuen und wichtigen zusätzlichen Kapazität zur Stärkung der militärischen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.
Ist dieser Lufttransport einer Panzerdivision gleichbedeutend
mit dem Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland? Die Antwort
heißt: "Nein" - das Gegenteil ist der Fall. Infolge dieses Lufttransportunternehmens befindet sich zur Zeit vorübergehend eine
siebente Division in Europa. Darüber hinaus steht noch äU Ausrüstung
für eine weitere Division bereit. Auf diese Weise bildet die von
den Vereinigten Staaten mit so hohem Kostenaufwand aufgebaute Lufttransportkapazität eine bedeutsame Quelle zusätzlicher Stärke
für die Allianz.
Die Partnerschaft zwischen den nordatlantischen Verbündeten
muß auch auf die atomare Verteidigung ausgedehnt werden.
Die Gelegenheit dazu ergibt sich, wie im Falle politischer
Konsultationen, aus der Notwendigkeit, einem spezifischen Problem
zu begegnen. Dieses Problem wird durch eine wachsende sowjetische
Atommacht aufgeworfen, die in Hunderten gegen Westeuropa und die
Vereinigten Staaten gerichteten sowjetischen Raketen ihren Ausdruck
findet. •
Die wirksamste Art und Weise, dieser Bedrohung zu begegnen,
schien zwei aufeinanderfolgenden Regierungen der Vereinigten Staaten
eine Kombination von amerikanischen Fernwaffen und Mittelstreckenraketen, die alliierten Streitkräften mit multilateralen Mannschaften
unter multilateralen Kontrollen und Besitzrechten überstellt werden
sollten.
Eine solche multilaterale Raketenflotte wäre von militärischer
Wirksamkeit. Ihre zielsicheren und wohlgeschützten Raketen wären
Teil des Gesamtbedarfs an westlicher Abschreckungsstärke.
Sie würde die atlantische Partnerschaft stärken, indem sie
die Vereinigten Staaten und Europa durch ein unauflösbares atomares
Band verknüpft. Die Raketen und Sprengköpfe stünden in gemeinsamem
-

10 -

�gemeinsamem Besitz und unter gemeinsamer Kontrolle; sie könnten nicht
einseitig abgezogen werden»
Sie würde ferner den europäischen Zusammenhalt stärken, indem
sie den gegenwärtigen nichtnuklearen Mächten die Gelegenheit böte,
sich an dem Besitz, dem Personal und der Kontrolle einer schlagkräftigen Atomstreitmacht auf derselben Grundlage wie andere Mitglieder dieser Streitmacht zu beteiligen.
Sie wäre somit ein wirksames Mittel, um den Prinzipien, von
denen General Marshall sprach, im gegenwärtigen politischen Rahmen
Europas Wirkung zu verleihen.
Mit zunehmender Ausweitung dieses Rahmens muß natürlich auch
auf diesem Gebiet, ebenso wie im Bereich der politischen Konsultation, Raum für eine Weiterentwicklung vorhanden sein. Der Präsident sprach eindeutig von dieser Möglichkeit im Zusammenhang
mit der Raketenflotte, als er hier im vergangenen Juni erklärte,
daß Europa immer größere Verantwortung auf diesem Gebiet übernehmen
könne und solle, je weiter es auf dem Weg zur Einheit voran schreite.

V. Die Reaktion Europas und die Rolle Deutschlands
Die atlantische Partnerschaft verdankte ihre Anfänge auf wirtschaftlichem Gebiet sowohl der von den Vereinigten Staaten zum Ausdruck gebrachten Bereitschaft, zu handeln, als auch der Reaktion in
Europa selbst. Wie ja auch General Marshall in seiner Rede sagte:
"Die Initiative muß von Europa ausgehen."
Vor 16 Jahren konnte Deutschland bei der Formulierung der
europäischen Antwort nur eine begrenzte Rolle spielen. Aber in
den darauffolgenden Jahren haben wir erlebt, wie die Bundesrepublik
ein; gesundes politisches System entwickelte, einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg nahm und einen hervorragenden Platz
in der Europa-,Atlantik- und Weltpolitik errang. Sie haben eine geschichtlich bedeutsame Aussöhnung mit Frankreich erreicht. In diesen
Bemühungen war es Kanzler Konrad Adenauer, der die Führung übernahm
und eine unvergängliche Rolle in der deutschen - und europäischen -

-

11

-

�europäischen - Geschichte spielte. Seine Leistung wurde durch Dr.
Ludwig Erhards "Wirtschaftswunder" kraftvoll gestützt.
Auf Grund dieser großen Anstrengungen ist Deutschland in der
Lage, eine höchst bedeutsame Rolle im Aufbau der europäischen
Einheit und der Partnerschaft zwischen Europa und Nordamerika zu
spielen. Die Möglichkeiten, die jetzt vor Ihnen liegen, sind mindestens ebenso faszinierend wie diejenigen, denen sich die europäischen Länder vor 16 Jahren gegenübersahen.
Die Notwendigkeit einer solchen Anstrengung wurde vor wenig
mehr als einer Woche auch von Bundeskanzler Erhard unterstrichen,
als er sein Regierungsprogramm umriß. Es ist ein deutsches Programm,
das auf dem basiert, was nach Ansicht des Kanzlers den Interessen
Deutschlands am besten dient. Aber es ist auch ein europäisches
Programm, ein atlantisches Programm und ein Programm der "freien
Welt".
Lassen Sie mich, im Hinblick auf die konstruktive Rede des
Regierenden Bürgermeisters Brandt vom Dienstag auch beiläufig bemerken, daß es für uns Amerikaner, die wir in den Hauptpunkten
unserer Außenpolitik eine gemeinsame Linie beider Parteien anstreben,
ermutigend ist, zu sehen, daß bei den führenden Männern Ihrer
großen Parteien Einvernehmen in den Grundzügen Ihrer Außenpolitik
herrscht.
Wir hoffen, daß wir im Verein mit Bundeskanzler Erhard und
seinen fähigen Kollegen im Kabinett weitere Portschritte in Richtung
auf die europäische Einheit und atlantische Partnerschaft erzielen
werden.
In diesem Bemühen wird die Standhaftigkeit unserer beiden
Länder und anderer Staaten, die unsere Ziele teilen, voll und ganz
auf die Probe gestellt werden. Denn wir werden auf unserem Weg auf
Hindernisse stoßen.
Es wird in der weiteren Entwicklung der europäischen Integration
und atlantischen Partnerschaft nicht an Schwierigkeiten fehlen.
Bei einer Bewegung solchen historischen Ausmaßes bleiben sie nicht aus.
Wir

�Wir müssen uns auf zeitweilig auftretende Verzögerungen und Enttäuschungen gefaßt machen. Aber wir bewegen uns mit dem Strom
der Geschichte, und die Dinge können gar keinen anderen Verlauf
nehmen.
Wenn die Freiheit siegen soll, müssen wir mit tiefster
innerer Überzeugung und Entschlossenheit voranschreiten.
Ich bin heute hierhergekommen, um erneut die Bereitschaft
meines Landes

zu bekunden, unserer Partnerschaft eine neue Di-

mension zu geben.
Bei Ihnen und den anderen, die die Ziele der europäischen
Einheit und atlantischen Partnerschaft teilen, liegt die Entscheidung darüber, ob diese Bemühungen fortgeführt werden.
Indem wir auf diesem Weg voranschreiten, ehren wir den Mann,
dessentwegen wir hier versammelt sind, in der ihm gemäßen Weise den Staatsmann, der als erster diesen Ideen Ausdruck und Inhalt
verlieh: General George C. Marshall.

* * * * *

-

15 -

&lt;

�A M E R I K A

D I E N S T
W. &amp; A. XV-40

HANDELSAUSWEITUNG UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM
IN DER ATLANTISCHEN GEMEINSCHAFT
ANSPRACHE
Sr. Exzellenz, das Botschafters der Vereinigten Staaten,
GEORGE C. MCGHEE

gehalten vor der Handelskammer Koblenz am 5« November 1965

�HANDELSAUSWEITUNG UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM
IN DER ATLANTISCHEN GEMEINSCHAFT

Die Ereignisse unserer e igenen Zeit in historischer Perspektive zu betrachten,ist ein sehr schwieriges Unterfangen - ein Unterfangen aber, dem wir uns unterziehen müssen, wollen wir sinnvoll
fuer die Zukunft planen. Es gibt eine Reihe guter Gründe, gerade
diesen Zeitpunkt gegen Jahresende dazu auszuersehen,uns Rechenschaft über uns s elost und die Richtung abzulegen, die die Dinge
nehmen.
In Deutschland kennzeichnet das Jahr 1963 das Ende der Ira
Adenauer - einer Ära, in der eine Nation aus dem Chaos der Niederlage in eine führende Position innerhalb der Völkerfamilie emporgestiegen ist. Unter Bundeskanzler Erhard fängt nunmehr ein neuer
Abschnitt der deutschen Geschichte an.
In Europa brachte 1963 einen vorübergehenden Stillstand auf
dem Wege zu einer wirtschaftlichen Integration innerhalb einer
erweiterten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, eine Entwicklung,
die zwangsläufig auch den Prozess der politischen Integration verlangsamte .
In der Welt als Ganzes kam es zu weithin wirksamen Veränderungen in den politischen Verhältnissen. Der Übergang von kolonialer Abhängigkeit zu nationaler Unabhängigkeit ist in Asien
und Afrika weit fortgeschritten; die Spaltung zwischen der
Sowjetunion und dem kommunistischen China hat sich vertieft und
ist vielleicht sogar nicht wieder rückgängig zu machen; und ein
erster kleiner Schritt wurde unternommen, die Kernwaffen unter
Kontrolle zu bringen.
Einige
- 1 -

�Einige der Tendenzen und Sachverhalte,die ich hier kurz angeführt habe,leiten sich aus früheren Entscheidungen her, andere werden
in Zukunft Entscheidungen von uns verlangen. Ein Gebiet, auf dem uns
sicherlich Entscheidungen bevorstehen,ist das des internationalen
Handels. Die Möglichkeiten einer weiteren Expansion des Welthandels
sind deshalb heute abend mein Thema. Diese Möglichkeiten sind naturgemäss für uns von grosser Bedeutung, nehmen doch unsere beiden Länder
in der Rangfolge der Handelsnationen der Erde die beiden ersten
Plätze ein. Dabei geht es aber um weit mehr als nur um Handelsinteressen. Wie wir und unsere Partner diese Möglichkeiten nutzen, wird
tiefgreifende Auswirkungen nicht nur auf die Prosperität,sondern auch
auf die Stärke und den Zusammenhalt der freien Welt haben.
Rückblick auf die letzten zehn Jahre
In den letzten zehn Jahren hat sich vieles ereignet, das uns mit
Befriedigung erfüllt. Der Warenaustausch unter den Ländern der freien
Welt,auf die übrigens über neun Zehntel des gesamten Welthandels entfallen, nahm wertmässig von etwa 75 Milliarden Dollar im Jahre 1953
auf über 150 Milliarden Dollar im Jahre 1965 zu. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Außenhandel der heute der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft angehörenden sechs Länder um das Zweieinhalbfache,
nämlich von rund 15 Milliarden Dollar auf 37 Milliarden Dollar. Und
um von der Bundesrepublik zu sprechen, so stieg ihr Außmhandel um
mehr als das Dreifache von rund 4 Milliarden auf etwa 15 Milliarden
an»
Sie werden mir wohl sicherlich beipflichten, daß dieser eindrucksvollen Ausweitung des Außenhandels, mindestens was Deutschland
betrifft, eine ähnlich starke Belebung auch der übrigen Wirtschaftstätigkeit auf dem Fuße folgte. Die nach außen orientierte liberale
Handels-und Zahlungspolitik,die Deutschland und andere Länder der
freien Welt betreiben, hat uns allen Vorteile gebracht.
Es haben selbstverständlich viele Faktoren zu der bemerkenswerten
Entwicklung des Welthandels beigetragen, an der die Bundesrepublik
so hervor"0^nden Anteil gehabt hat. In der Bundesrepublik gebührt
das Verdienst der Tüchtigkeit und dem Fleiß des deutschen Arbeiters
- 2-

�Arbiters, der Tatkraft und Initiative der deutschen Wirtschaftskapitäne und dem Geschick in der Wahl der Mittel der Wirtschaftspolitik
seitens des Staates. Natürlich gab es da auch noch ein anderes einflußreiches Moment. In einer Zeit,der Erholung, die auf die Zerstörungen des Krieges und die Unterbrechung der Welthandelsverbindungen
, folgte, war eine Ausweitung der Produktion und des Handels zfc erwarten.
Es waren darüber hinaus aber noch drei weitere wichtige Faktoren
mitgestaltend am Werk.
Es herrscht hier, wie ich nicht bezweifle, allgemeine Übereinstimmung bezüglich der Wichtigkeit des ersten dieser Faktoren. Ich
meine den Schutzschild, den die NATO gegenüber der Bedrohung aus
dem Osten darstellt. Die militärische Stärke, die vor einer Aggression abzuschrecken vermag, war und ist unerlässliche Voraussetzung
für das wirtschaftliche und politische Wohl Europas» Der Beitrag
unserer beiden Länder zur NATO ist hinreichend bekannt.
Ein zweiter Faktor waren die finanziellen Mittel, die über
das Auslandshilfeprogramm der Vereinigten Staaten in die Weltwirtschaft gepumpt worden sind. In der Zeit vor Anlaufen des MarahallPlans und während seiner Laufzeit erhielten die Länder Europas
2|) Milliarden Dollar an amerikanischer Wirtschaftshilfe - zum Teil
in Form von nicht-rückzahlbaren Beihilfen, zum Teil in Form v«n
Krediten -,um ihre Zahlungsbilanzdefizite während der ersten Nachkriegsjahre ausgleichen zu können. Bei fortschreitender wirtschaftlichen Erholung profitierte Europa darüberhinaus noch von den weiteren
32 Milliarden Dollar an amerikanischer Hilfe, die außereuropäischen
Ländern gewährt und von diesen zu einem guten Teil zum Kauf europäischer Waren verwendet wurden.
Der dritte wichtige Faktnr,auf den ich hier näher eingehen
möchte, ist die Liberalisierung des Zahlungsverkehrs und des Handels.
Der Fortschritt in Richtung auf einen freieren Zahlungs-und Handelsverkehr setzte schon kurz nach dem Kriege ein und erhielt in Europa
- 3 -

�Europa einen besonderen Auftrieb unter dem Marshall-Plan, sah man
doch die Beseitigung der Zahlungs-und Handelsbeschränkungen als eine
notwendige Ergänzung der Hilfe an. Ich halte es für sehr instruktiv,
hierbei einen Augenblick zu verweilen und einen Überblick über das zu
geben, was wir durch gemeinsame Anstrengungen zwischen uns erreicht
haben. Richten wir unser Augenmerk zunächst auf den Fortschritt, den
wir auf dem Gebiet des Zahlungsverkehrs erzielt haben.
Auf dem Weg zur Konvertibilität der Währungen
Am Ende des zweiten Weltkrieges litten die meisten europaeischen
Währungen unter den Fesseln sehr strenger Devisenkontrollen. Eine Zahlung, gleich welcher Art, an einen Gläubiger in einem anderen Land zu
leisten, erforderte eine Genehmigung, und die Erteilung einer solchen
Genehmigung wurde häufig wegen Devisenmangel abgelehnt. Der Wert der
europäischen Währungen war s» unsicher und der Bedarf an Waren aller
Art so groß, daß die Länder zögerten, einander nennenswerte Kredite
einzuiXumen. Zahlungen wollten sie außer in Form von Waren des d-ringlichsten Bedarfs, die ohnehin knapp waren, nur in Gold oder Dollar annehmen - und das zu einer Zeit, da sowohl die Gold- als auch die
Dollar- Reserven in fast allen europäischen Ländern sehr gering
waren.
Die Folge war, daß die meisten europäischen Länder bilaterale Abkommen mit jedem einzelnen ihrer Handelspartner abachloßen in dem Versuch, die Zahlungen untereinander auszugleichen. In den meisten Fällen
waren die Kreditmöglichkeiten im nahmen dieser bilateralen Abkommen
ohnehin sehr beschraenkt, und war der Kredit ausgeschöpft, hatte die
Tilgung entweder in Gold oder konvertierbarer Währung zu erfolgen.
Dieses System des bilateralen Zahlungsausgleichs war dazu angetan,
den Handel abzuschnüren und zu zerrütten.
Im Jahre 1947 wurde offenkundig, daß sich Produktion und Handel
in Europa ohne die Schaffung eines flexibleren Zahlungssy3tems nicht
weiter ausbauen ließen. Um diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen,
schlössen die Mitgliedstaaten der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit in Europa (OEEC) im Zuge des Anlaufens des Marshall-

_ 4-

�Marshall-Plans 1946 das Intereuroifiische Zahlungsabkommen. Dieses
Abkommen gestattete den Mitgliedstaaten zum ersten Male, laufende
Verbindlichkeiten und Forderungen auf multilateraler Basis zu verrechnen. Deutschland konnte zum Beispiel Importe aus Italien mit
Forderungen gegenüber Frankreich begleichen, Ein bilateraler Ausgleich der Zahlungsverpflichtungen war nicht mehr länger erforderlich.
Dieses System der multilateralen Verrechnung wurde in der Folge
durch die 19p0 erfolgte Gründung der Europäischen Zahlungsunion - der
sogenannten EZU - weiter verbessert, die in Ergänzung der Verrechnungsmöglichkeiten erhebliche Kreditmöglichkeiten auf Gegenseitigkeit bot.
Unter dem stimulierenden Einfluß der EZU nahmen Handel und Produktion
in Europa rasch zu, wurden in vielen Ländern wieder stabile finanzielle
Verhältnisse hergestellt und begann Europas Dollar-Defizit abzunehmen«
Die Mehrzahl der Beschränkungen im innereuropäischen Zahlungsverkehr
wurde aufgehoben.
Gestützt auf die zusätzliche Stärke, zu der ihnen die EZU verhelfen hatte, machten die europäischen Währungen weitere Fortschritte in
Richtung auf die Liberalisierung des Geldverkehrs, und Ende 1958 wa**
das unmittelbare Ziel, die Konvertierbarkeit der Währungen, im laufenden Zahlungsverkehr, erreicht. Das bedeutete, dass alle Kontrollen
oder Beschränkungen des laufenden Zahlungsverkehrs aufhörten. In
einigen europäischen Ländern, vor allem in der Bundesrepublik, wurde
diese Liberalisierung auch auf den Kapitalverkehr ausgedehnt. Leider
halten mehrere Länder, die über große Devisenreserven verfügen, eine
Aufhebung ihrer Restriktionen des Kapitalverkehrs noch immer nioht für
angebracht. Von dieser relativ unbedeutenden Ausnahme abgesehen, war
jedoch Ende 1958 das Ziel eines freien Zahlungsverkehrs im wesentlichen erreicht. Die praktische Bedeutung der annähernden Verwirklichung der Konvertibilität läßt sich kaum überschätzen. Heute kann
beispielsweise jedes Land der Erde, das österreichische Schillinge
vereinnahmt hat, mit diesen Schillingen seine Importe aus jedem beliebigen Erzeugerland der Welt finanzieren. In den veröffentlichten
Gold- und Devisenausweisen führen die Länder der freien Welt auoh ihre
Bestände an Währungen wie Holländische Gulden und Deutsche Mark auf.

- 5-

�auf. Ein Geschäftsmann in Europa,Asien oder Afrika, der Waren
für Deutsche Mark oder italienische Lire einkauft, bezahlt in Devisen, mit denen er praktisch ebensoviel anfangen kann wie mit
Dollar oder Gold. Durch die von den europäischen Ländern erreichte freie Konvertierbarkeit ist die Welt gesünder und sind ihre
Zukunftsaussichten sehr viel günstiger geworden.
Gewiss hat die Umstellung auf die durch die Konvertibilität
geschaffenen Verhältnisse nach 1956 Schwierigkeiten mit sich gebracht. Das ständige Defizit in der Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten erfüllt uns alle mit Besorgnis. Wie Sie wissen, gehen
wir dieses Problem von verschiedenen Seiten her an, und wir lassen
uns dabei von dem festen Entschluß leiten, dieses Problem nicht
nur zu lösen, sondern es so zu lösen, daß keiner unserer Handelspartner dadurch irgendwie geschädigt wird. Wir sind entschlossen,
dieses Defizit zu beseitigen, und wir sind »estrebt, dies womöglich auf dem Wege der Ausweitung und nicht der Einengung des
privaten Handels und Zahlungsverkehrs zu erreichen.
Wir alle dürfen stolz sein auf den bisher unerreichten Grad
enger Zusammenarbeit, den unsere Finanz- und Währungsbehörden bei
der Umstellung auf eine Welt der Konvertibilität erreioht haben.
Gemeinsam haben sie neue und stärkere Schutzwälle gegen spekulative
Geldbewegungen und andere Störungen des Währungsgefüges aufgerichtet. Ich schätze mich glücklich, sagen zu dürfen, daß die zuständigen Stellen der Bundesrepublik dabei Hervorragendes geleistet haben.
Vor zwei Monaten gaben die zehn wichtigsten Industrieländer
der Welt auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in
Washington bekannt, daß sie das gegenwärtige Währungsystem gemeinsam überprüfen wollen, um festzustellen, ob es der Verbesserung
bedarf und die steigende Nachfrage der expandierenden Weltwirtschaft nach liquiden Mitteln zu decken vermag. Diese Überprüfung
soll sicherstellen, daß zu jedem Zeitpunkt liquide Mittel in
ausreichender Menge verfügbar sind und daß unsere internationalen
- 6 -

�internationalen Währungsorgane.auch in Zukunft imstande sind, die
Handelswege zwischen den freien Völkern von Hindernissen frei zu
halten.
Handelsliberalisierung und wirtschaftliche Integration
Das andere Hauptelement des in der Nachkriegszeit in der freien
Welt zu beobachtenden Drangs nach wirtschaftlicher Freiheit war der
Wunsch, den Handel zu liberalisieren. Die Liberalisierung des Handels
war dabei schwieriger und ist nicht so weit gediehen wie die Beseitigung der Währungsrestriktionen. Dennoch sind die weitblickenden
politischen Führer Europas auf dem Weg über den Abbau von Handelsrestriktionen bis zur wirtschaftlichen Integration und über diese
hinaus auch zur politischen Integration ein großes Stück vorangekommen .
Der Prozeß der Liberalisierung des Handels setzte auf multilateraler Basis nach dem Kriege mit der Unterzeichnung des Allgemeinen ?oll-und Handelsabkommens - GATT - ein. In Europa erhielt
er durch den Marshall-Plan einen besonderen Auftrieb. Die Zug um
Zug erreichte Liberalisierung des Zahlungsverkehrs zwischen den
OEEC - Mitgliedern war von einem schrittweisen Abbau der mengenmässigen Handelsbeschränkungen begleitet. Später liberalisierten
dann die europäischen Länder ihren Außenhandel mit Partnern außerhalb ihres Wirtschaftsraumes. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft trieb diesen Proz^J in der Folge mit der Senkung der gegenseitigen Zölle weiter voran und eine andere Gruppe europäischer
Staaten - die EFTA - ist ebenfalls dabei, die Zölle im Handel
zwischen ihren Mitgliedern abzubauen. Die Vielfalt «n Institutionen
und Abkürzungen - GATT, OEEC (inzwischen in OECD umgewandelt),
EWG und EFTA - lässt sowohl die Stärke des Dranges nach mehr Freiheit im Handel deutlich werden als auoh die Schwierigkeiten ihrer
Verwirklichung.
Im Rahmen des GATT drückt sich der Fortschritt in den Verhandlungen über die Anwendung der von den Beteiligten anerkannten
Grundsätze für einen fairen Handel aus, die unter anderen die Zufluchtnahme zu mengenmässigen Einfuhrbeschränkungen begrenzen.

- 7-

�begrenzen. Innerhalb der OEEC hatte man nicht nur die quantitativen
Handelsrestriktionen beseitigt, sondern auch im Zuge der weiteren
Entwicklung die enge Konsultation und Zusammenarbeit zur allgemeinen Praxis erhoben. Die Wirtschaftspolitik der einzelnen Länder
wurde zur Diskussion gestellt und in ihren Auswirkungen auf andereStaaten überprüft. Von diesen Ansätzen ausgehend, begannen die
weitblickendsten unter den europäischen Staatsmännern in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit einen Weg zu erk«aa«nr. ihre Länder
einander näherzubringen, und schließlich zu «iner Union zu vereinigen.
Dieser Weitblick war es, wie wir alle wissen, der 1952 zur
Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und
später, im Jahre 1957» sur Schaffung der EWG und ihrer Schwesterarganisation EURATOM führte.
Die Geschichte der europäischen Integration seit dem Inkrafttreten der europäischen wirtschaftlichen Verträge ist noch in guter
Erinnerung. Wir können mit Recht behaupten, dass die EWG in wirtschaftlicher Hinsicht ein Erfolg war und einen verstärkten Güteraustausch zwischen den Mitgliedstaaten in Gang brachte. ™ie Sie sich
erinnern, entschlossen sich die Vereinigten Staaten im Jahre 1957»
die EWG zu fördern und ihren Aufbau nach Kräften zu unterstützen.
Wir trafen diese Entscheidung, obwnhl wir erkannt hatten, daß die
EWG im Bereich des reinen Handels angesichts ihrer Binnenhandelspräferenz auf eine Diskriminierung gegenüber Götom aus Nichtmitgliedstaaten - einschließlich meines eigenen Landes - hinauslaufen würde. Nach unserer Meinung rechtfertigte jedoch das größere Ziel der europäischen Integration diesen Preis. Natürlich wurden
wir damals durch die zu erwartende liberale Orientierung der EWG
in diesem Glauben bestärkt. Wir waren überzeugt, daß eine größere
nach außen orientierte Gemeinschaft einen expandierenden Absatrrmarkt auch für Erzeugnisse aus Ländern außerhalb der EWG bilden
werde.
Die Verlangsamung des europäischen Integrationsprozeß«? im
Jahre 1965 wird von den meisten unter uns natürlich tief bedauert.
- 8 -

�bedauert. Und wenn ich sage, daß unsere beiden Länder aufrichtig
auf eine baldige Gelegenheit zu erneuten Gesprächen über die Frage
des Beitritts Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt hoffen, dann
glaube ich, damit die Einstellung hier in Deutschland korrekt wiedergegeben zu haben. Gans gleich,ob es dazu kommen wird oder nicht,
wir beide haben jedenfalls alles Interesse daran, auf dem Weg zur
Liberalisierung des Handels weiter voranzuschreiten. Die Portschritte auf diesem Weg haben uns in den Nachkriegsjähren ein hohes
Maß an Prosperität und Stärke beschert, und trotz verschiedener
Rückschläge im Jahre 19^5 liegen noch bedeutsame Möglichkeiten vor
uns.
Eine dieser Möglichkeiten bietet das Gesetz zur Ausweitung
des Handels. Dieses Gesetz gibt Präsident Kennedy Vollmachten zur
Herabsetzung und vollkommenen Aufhebung von Zöllenj wie sie kein
amerikanischer Präsident je besessen hat. Präsident Kennedy hat verfügt, Vorbereitungen für die optimale Nutzung der ihm übertragenen
Vollmachten in der neuen GATT-Runde zu treffen, die im kommenden
Jahr stattfinden soll.
Diese Politik drückt unsere Anerkennung der Tatsache aus, daß
den Vereinigten Staaten in der EWG zum ersten Mal ein Partner von
fast gleicher wirtschaftlicher Stärke gegenübersteht. Sowohl die
Vereinigten Staaten als auch die EWG besitzen eine hochentwickelte
Industrie. Beide haben eine große, im Wohlstand lebende Bevölkerungi
Die Aaßenzölle beider bewegen sich in etwa auf dem gleichen Durchschnittsniveaut bei einigen Gütern werden die Zollsätze der Gemeinschaft über denen der Vereinigten Staaten liegen, bei anderen wird
ein umgekehrtes Verhältnis herrschen.
Gerade weil sie einander so ähnlich sind, müssen diese beiden
großen Wirtschaftseinheiten zusammenarbeiten, wenn sie sich nicht
gegenseitig zerschlagen wollen. Eng miteinander in Harmonie verbunden, können sie zu einem Motor von fast unbegrenzter Stärke
für die Umgestaltung der Welt werden.
Wir sind der Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten und
die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft in den bevorstehenden

-9 -

�beverstehenden Verhandlungen den gegenseitigen Zugang zu ihren
Märkten auf einer Basis erweitern können, die für uns beide vorteilhaft wäre. Durch die Ausdehnung der Meistbegünstigung auf
andere Handelspartner können die beiden großen gemeinsamen Märkte
die einander eingeräumten Konzessionen dazu benutzen, die Handelsschwierigkeiten und die Besorgnisse der gesamten freien Welt zu
vermindern. Ausserdem können umfassende Zollsenkungen durch die
Vereinigten Staaten, die EWG und andere Handelsnationen viel
zur Verringerung solcher Probleme beitragen, wie sie sich aus
der sogenannten "Zollkluft" zwischen der EWG und der EFTA ergeben.
Man muß sich jedoch darüber im klaren sein, daß der Erfolg
der Verhandlungen als Ganzes von der Fähigkeit abhängen wird, zu
Übereinkünften auch auf dem Gebiet der Agrarerzeugaiase zu gelangen,
ebenso wie bezüglich des Handels mit Industrierzeugnissen. In
diesem Zusammenhang sind wir bereit, über jeden Aspekt unserer
eigenen Landwirtschaftspolitik zu diskutieren. Zum anderen wird es
jedoch nötig sein, daß unsere europäischen Freunde ihrerseits Übereinstimmung hinsichtlich einer Reihe wichtiger Aspekte der Landwirtschaftspolitik des Gemeinsamen Marktes erzielen. Wir wissen,
daß sie dies vor schwerwiegende Probleme stellt, dennoch sind wir
ganz aufrichtig überzeugt, daß dies Probleme sind, mit denen man
sich, den Blick auf die Zukunft gerichtet, unbedingt befassen muß.
Die Vorbereitungen auf die Kennedy-Runde
Die Handelsverhandlungskonferenz s&lt;&gt;ll im nächsten Frühjahr
in Genf beginnen. Die Vorbereitungen auf sie sind sehr umfangreich.
Bereits seit Monaten leisten die technischen Experten auf beiden
Seiten des Atlantik harte Arbeit. Es dürfte für Sie interessant
sein, etwas über einige Schritte zu erfahren, die wir in den Vereinigten Staaten gegenwärtig unternehmen, um unseren gesetzlichen
Erfordernissen Genüge zu tun.
Der erste diesbezügliche Schritt wurde von Präsident Kennedy
genau vor zwei Wochen unternommen, als er der Zollkommission eine
- 10 -

�eine Liste von rund 6000 Positionen vorlegte, über die wir zu verhandeln beabsichtigen. Umfang und Gliederung dieser Liste sämtlicher
Importartikel der USA - wenn wir von den wenigen absehen wollen,
die auf Grund besonderer gesetzlicher Bestimmungen ausgenommen sind dürften mehr als ausreichend beweisen, wie stark wir uns einer
Liberalisierungspolitik verpflichtet fühlen. Unsere Liste stellt eine
Aufforderung an die EWG dar, an diesen Aspekt der Verhandlungen im
gleichen Geist heranzugehen.
Das Gesetz zur Ausweitung des Handels verpflichtet die Zollkommission, den Präsidenten über die wahrscheinlichen wirtschaftlichen Auswirkungen sämtlicher vorgeschlagenen Handelsvertragskonaessionen auf jeden einzelnen Artikel zu unterrichten. Sie muß ihm
ihre Stellungnahme innerhalb von sechs Monaten nach Eingang der
Liste unterbreiten. In dieser Zeit ist die Kommission gehalten,
Informationsaitzungen durchzuführen und allen interessierten Personen Gelegenheit zu geben, ihre Ansichten darzulegen.
Weitere Einvernahmen werden gleichzeitig vom Handels-Informatijnsausschuß durchgeführt, einem Gremium, das sich aus Vertretern
mehrerer Stellen der US-Regierung zusammensetzt. Diesem Ausschuß
werden die Stellungnahmen aller interessierten Personen au allen,
das vorgeschlagene Handelsabkommen berührenden Fragen zugeleitex.
Bei diesen Ausschußberatungen geht es in erster Linie um die Klärung
der Frage, welche ausländischen Zölle und Handelsrestriktionen die
amerikanischen Exporteure am meisten behindern. Diese Formalitäten
sind gesetzlich vorgeschrieben. Wenn diese Gesetzespflichten auch
leider sehr zeitraubend sind, so bedeutet ihre Erfüllung d&lt;-ch keineswegs, daß die Vereinigten Staaten an den Verhandlungen weniger
stark interessiert sind. Lassen Sie mich daher mit Nachdruck betonen,
daß wir mit den Verhandlungen so früh beginnen möchten, wie uns
dies nach dem Gesetz nur möglioh ist.
Bei jeder Zollverhandlung wird es Ausnahmen geben. Und in der
Tat haben die EWG-Länder bei den Zollsenkur-gen untereinander
Ausnahmen gemacht. Das Gesetz zur Ausweitung des Handels nimmt ausdrücklich gewisse Erzeugnisse von den Verhandlungen aus. Es läßt
- 11 -

�läßt überdies dem Präsidenten vollkommen freie Hand, auf Grund der
Empfehlungen der Zollkommission, des Sonderbevollmächtigten für
Handelsverhandlungen und anderer von ihm bestimmter Behörden zusätzliche *aren zurückzustellen. Wir beabsichtigen jedoch, diese Ausnahmeparagraphen so selten wie nur möglich anzuwenden, und vertrauen
darauf, daß andere Staaten sich gleiche Zurückhaltung auferlegen.
ErfolgBauaeiohten.
Ich habe die Vorbereitungen umrissen,die die Vereinigten Staaten
unternehmen, um zu zeigen, wie ernst wir diese Verhandlungen nehmen
und wie entschlossen wir sind, unser Teil zur Mehrung der Erfolgsaussichten beizutragen.
Sind die Aussichten gut? Oder wird dieser Berg von Anstrengungen
nur eine Maus an greifbaren Erfolgen hervorbringen?
Manche Kommentatoren haben den Vereinigten Staaten vorgeworfen,
sieverfolgten gegenüber der EWG einen, wie sie es nennen, "harten
Kurs". Es wäre exakter, unsere Haltung als anpassungsfähig, aber
fest zu bezeichnen.
Wir erkennen die berechtigten Bedürfnisse anderer Länder an und
wollen nach Mitteln und Wegen suchen,sie dem Rab-en eines Abkommens
einzufügen, das allen Teilen gerecht wird. Darin sind wir anpassungsfähig. Wir betrachten diese Verhandlungen nicht als ein Ringen um
Vorteile, bei dem die eine Seite verlieren muß, wenn die andere Seite
gewinnt.
Nach unserer Meinung können und werden beide Seiten bei gegenseitigen Zugeständnissen gewinnen.
Ich glaube, es gibt viele Gründe, weshalb wir ein gemeinsames
Interesse am Gelingen dieser Verhandlungen haben.
Erstens liegt es im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten,
die Senkung der Zölle und den Abbau auch der anderen Handelsschranken
sicherzustellen. Das belebt die Produktion und den Handel, schafft
neue Arbeitsplätze und steigert allgemein die Prosperität.

- 12 -

�Prosperität.
Zweitens ist das Gelingen dieser Verhandlungen um einer
grösseren Gemeinsamkeit innerhalb der freien "Zelt willen dringend
notwendig. Diese Verhandlungen sind notwendigerweise kompliziert
und technischer Natur und dennoch mehr als blosse Übungen in der
Abfassung von Gutachten. Sie sind,indem sie die Volkswirtschaften
vieler Nationen aufeinander abstimmen helfen,die bestmögliche Antwort auf die Bedürfnisse - und Hoffnungen - des größten Teils der
Menschheit.
Beide Punkte werden durch die Bedürfnisse und Interessen der
EWG selbst illustriert. Seitdem für England - vorläufig nur, wie
wir hoffen - die Tür zugeschlagen wurde, ist die Kluft zwischen der
SWG und dem anderen großen Handelsblock in Europa, der EFTA, breiter
und tiefer geworden. Beide Blöcke hoffen, bis 1967 die Zölle im Inneren beseitigen zu können. Die EWG hat bereits 60 Prozent dieses Wege« zurückgelegt, und die EFTA wird den gleichen Punkt Ende dieses
Jahres erreichen.
Die auf diese V/eise geschaffenen Zolldiskriminierungen werden
die traditionellen Handelsverbindungen ganz beträchtlich stören.
Um nur ein Beispiel zu nennen* Der Außenhandelsüberschuß der Bundesrepublik für das vergangene Jahr wurde auf insgesamt 900 Millionen
Dollar geschätzt, der Überschuß aber im Handel allein mit den
EFTA-Ländern auf 1,4 Milliarden Dollar. Ohne diesen riesigen Überschuß im Handel mit den EFTA-Ländern, der durch Zolldiskriminierunger
in zunehmendem Maße gefährdet wird, hätte Deutschland im Jahr 19^2
ein Handelsdefizit in Höhe von 500 Millionen Dollar zu verzeichnen
gehabt.
Auch die EFTA-Länder würden unter einer Verbreiterung der
Kluft zu den EWG-Staaten zu leiden haben. So ging beispielsweise
der Handel zwischen Schweden und Belgien im vergangenen Jahr schon
erheblich zurück. Beide Länder haben darauf hingewiesen, daß die
Zolldiskrepanzen zwischen EWG und EFTA einen Punkt erreicht haben,
an dem sie den innereuropäischen Handel gefährden«
- 15 -

�Erfolge in den Bemühungen um Zcllsenkungen in Genf können,bis
sich neue- Möglichkeiten für Fortschritte in der europäischen Integration ergeben, nicht nur eine Verbreiterung der Kluft zwischen
den beiden Hälften Europas verhindern, sondern sogar zu ihrer Beseitigung beitragen.
Auch die Entwicklungsländer sind zutiefst besorgt über die
Zukunft ihres Außenhandels. Dieses Problem war, wie Sie wissen,
in den letzten Jahren Gegenstand eingehender Untersuchungen , und
es wird auch das Hauptthema der im nächsten Jahr stattfindenden
UN-Konferenz über Handel und Entwicklung sein. von grcßt9r Bedeutung ist auch die Tatsache, daß man innerhalb des GATT auf Ministerebene übereingekommen ist, dem Problem des Handels der Entwicklungsländer im Rahmen der Kennedy-Runde besondere Beachtung zu schenken.
Wir dürfen erwarten, daß die in diesen Verhandlungen anzustrebende
Liberalisierung des Handels zu einer Belebung des Warenverkehrs
zwischen Industrie- und Entwicklungsländern beitragen und damit
unseren Anstrengungen auf dem Gebiet der Auslandshilfe noch
größere Wirksamkeit verleihen wird.
Wie die Vereinigten Staaten stellt auch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft dank ihres Kräftepotentials eine Weltwirtschaftsmacht dar. Das Drängen nach einer stärkeren Liberalisierung des
Handels, das allenthalben in der Welt spürbar ist, konzentriert sich
deshalb auf die Europäische Gemeinschaft. Und es wird sich in den
kommenden Monaten sicher noch verstärken. Ich weiß, daß sich die
führenden Männer Europas dieses Drängens bewußt sind. Die EWG ist
dabei, ihre weitreichende Verantwortung zu begreifen. So erklärte
Prifess.ir Walter Hallstein, der Präsident der EWG-Kommission, im
S.-&gt;mmer dieses Jahres»
" Die beiden Aspekte unseres Wesens - im Innern verbunden und
für die übrige Welt offen und ihr zugewandt - sind nicht voneinander
zu trennen. "
Ist die Welt voll von Bedürfnissen,so ist sie doch auch
voller Hoffnungen. Auch diese sind auf Genf gerichtet.

- 14 -

4

�Da ist die Hoffnung der großen Mehrheit der Europäer auf
einen Zusammenschluß Europas. Da hegen Menschen guten Willens auf
beiden Seiten des Atlantik die Hoffnung auf eine fruchtbare Partnerschaft der alten und neuen Heimstatt westlicher Kultur. Da ist die
von Völkern in anderen Teilen der Welt leidenschaftlich genährte Hoffnung auf uneingeschränkte Mitwirkung im wirtschaftlichen wie im
politischen Konzert der Nationen.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß diejenigen, die diese Erfordernisse negieren und diese Sehnsüchte leugnen, eine Mehrheit darstellen oder sich durchsetzen werden. Ihre Stimmen sind Widerhall
einer unglücklichen Vergangenheit, aber nioht Prophezeiungen für
die Zukunft. Wir haben in den Nachkriegsjähren zuviel getan und
sind einander auf dem Wege der internationalen Zusammenarbeit schon
zu weit entgegengekommen, um jetzt noch diesen Weg zu verlassen.
Der Abbau von Restriktionen im Zahlung? :nd Handelsverkehr
hat uns bereits ein beispielloses Maß an Stärke, Prosperität und
Zusammenhalt eingebracht. Ich vertraue darauf, daß wir bei wachsendem gegenseitigen Verständnis und zunehmender Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen auf unserem Weg zu noch größeren Erfolgen gelangen
werden.

*****

15

�A M E R I K A

D I E N S T

Ailg./ xvi-44

"WIR WERDEN IN DEM STREBEN NACH FRIEDEN UNERMÜDLICH SEIN"
Ansprache Präsident Johnsons vor beiden Häusern des Kongresses
(27. November 1963)

"UNSERE KRAFT UND ENERGIE IST AUF DIE ZUKUNFT GERICHTET"
Botschaft Präsident Johnsons zun Erntedanktag 1965
(28. November 1963)

�Der amerikanische Praesident Lyndon B. Johnson gab am 27. November vor
einer gemeinsamen Sitzung beider Haeuser des amerikanischen Kongresses seine
erste grosse politische Erklaerung ab, in der er betonte, dass die Ideen und
Ideale des verstorbenen Praesidenten John Fitzgerald Kennedy "verwirklicht
werden muessen und werden." Johnson forderte, dass der Verkuendung von Hass
und Gewalt ein Ende gesetzt und vor allem das Buergerrechtsprogramm des
verstorbenen Praesidenten verabschiedet werden sollte.

"Mr. Speaker, Herr Praesident, Mitglieder des Repraesentantenhauses und
des Senats, meine amerikanischen Mitbuerger:
Alles, was ich habe, wuerde ich gerne dafuer geben, wenn ich heute nicht
hier stehen muesste.
Der groesste Fuehrer unserer Zeit ist durch die niedertraechtigste Tat
unserer Zeit niedergestreckt worden. Heute lebt John Fitzgerald Kennedy in
den unsterblichen Worten und Werken, die er hinterlassen hat. Er lebt im
Herzen und in der Erinnerung der Menschheit fort. Er lebt in den Herzen
seiner Landsleute weiter.
Es gibt keine Worte, die die Trauer wiedergeben koennten, die wir ueber
den Verlust empfinden. Es gibt keine Worte, die stark genug sind, um unserer
Entschlossenheit Ausdruck zu verleihen, den Schwung Amerikas nach vorne, den
er eingeleitet hat, fortzutuehren.
Der Traum von der Eroberung der Weiten des Weltraums - der Traum von
einer Partnerschaft ueber den Atlantik hinweg - und auch ueber den Pazifik
hinweg - der Traum von einem Friedenskorps fuer die weniger entwickelten
Laender - der Traum der Erziehung und Ausbildung fuer unsere Jugend - der
Traum von Arbeitsplaetzen fuer alle, die Arbeit suchen - der Traum von der
Betreuung unserer alten Mitbuerger - der Traum von einem umfassenden Feldzug gegen geistige Erkrankungen - und vor allem der Traum von gleichen
Rechten fuer alle Amerikaner, ohne Ruecksicht auf Rasse und Hautfarbe diese und andere amerikanische Traeume haben durch seinen energischen
Willen und seine Hingabe Leben und Gestalt gewonnen.
Die Ideen und Ideale, die er in so edler Form verkoerperte, muessen
und werden nunmehr wirksam in die Tat umgesetzt werden.
Unter der Fuehrung John Kennedys hat unser Land gezeigt, dass es den
Mut besitzt, nach Frieden zu streben, und auch den inneren Mut besitzt,
einen Krieg zu riskieren. Wir haben bewiesen, dass wir denen ein guter und
zuverlaessiger Freund sind, die nach Frieden und Freiheit streben. Wir
haben gezeigt, dass wir denen genau so ein furchtbarer Gegner sein koennen,
die den Weg des Friedens ablehnen, und die uns oder unseren Verbuendeten
das Joch der Tyrannei aufzuzwingen suchen.
Unser Land wird zu seinen Verpflichtungen stehen - von Sued-Vietnam
bis Westberlin. Wir werden in dem Streben nach Frieden unermuedlich sein;
wir werden in unserer Suche nach Gebieten der Uebereinstimmung selbst mit
denen, mit denen wir verschiedener Meinung sind, ideenreich sein; und wir
werden grosszuegig und loyal zu denen stehen, die sich mit uns in der
gemeinsamen Sache zusammenschliessen.

�In diesem Zeitalter, in dem es keine Verlierer im Frieden und keine
Sieger im Krieg geben kann - muessen wir die Verpflichtung erkennen,
nationale Staerke mit nationaler Zurueckhaltung aufzuwiegen - muessen
wir gleichzeitig auf beides, die Konfrontation der Staerke und die Beschraenkung der Staerke,vorbereitet sein - muessen wir bereit sein, die
nationalen Interessen zu verteidigen und ueber das geroeinsame Interesse
zu verhandeln. Dies ist der Weg, den wir weiter verfolgen werden. Diejenigen, die unseren Mut auf die Probe stellen, werden finden, dass er
stark ist. Und diejenigen, die unsere Freundschaft suchen, werden
finden, dass sie aufrichtig ist. Wir werden erneut beweisen, dass der
Starke in der Anwendung der Staerke gerecht und dass der Gerechte in
der Verteidigung der Gerechtigkeit stark sein kann. Und alle sollen
wissen, dass wir niemand Sonderrechte gewaehren, aber auch niemand mit
Hass verfolgen werden.
Wir werden den Kampf gegen Armut und Elend, Unwissenheit und
Krankheit weiterfuehren - in anderen Laendern und in unserem eigenen.
Wir werden der gesamten Nation dienen und nicht nur einem Teil oder
einem Sektor oder einer Gruppe - sondern allen Amerikanern. Dies naemlich
sind die Vereinigten Staaten -ein vereintes Volk mit einheitlicher Zielsetzung.
Unsere amerikanische Einheit haengt nicht von der Einstimmigkeit ab.
Wir haben Meinungsverschiedenheiten; aber heute - wie schon in der Vergangenheit - koennen wir aus diesen Meinungsverschiedenheiten Staerke
statt Schwaeche - Weisheit statt Verzweiflung fuer uns gewinnen. Beide —
das Volk wie die Regierung -- koennen wir uns in einem Programm vereinen,
das klug, gerecht und konstruktiv ist.
Das Kapitol ist seit 32 Jahren meine Heimat. Ich habe gemeinsam mit
Ihnen viele stolze Augenblicke erlebt - den Stolz ueber die Faehigkeit
des Kongresses der Vereinigten Staaten zu handeln, sich jeder Krise gewachsen zu zeigen und aus unseren Meinungsverschiedenheiten kraftvolle
Programme des nationalen Handelns zu gewinnen.
Die Kugel eines Meucheln»erders hat mir die ungeheure Last der
Praesidentschaft aufgebuerdet. Ich stehe hier heute, um Ihnen zu sagen,
dass ich Ihre Hilfe brauche; ich kann diese Buerde nicht allein tragen.
Ich brauche die Hilfe aller Amerikaner. Unsere Nation hat einen tiefen
Schock erlitten, und in diesem kritischen Augenblick ist es unsere Pflicht
- die Ihre und die meine - als Regierung der Vereinigten Staaten jede
Unsicherheit zu beseitigen und zu zeigen, dass wir zu entschlossenem
Handeln faehig sind, dass der grausame Verlust des Fuehrers unserer Nation
uns nicht schwaecht, sondern uns stark werden laesst, dass wir handeln
koennen und handeln werden, und zwar jetzt.
Hier aus diesem Hause einer repraesentativen Regierung soll alle
Welt wissen - und niemand soll uns missverstehen - dass sich diese
Regierung erneut verpflichtet zur unerschuetterlichen Unterstuetzung
der Vereinten Nationen, zur ehrenhaften und entschlossenen Durchfuehrung
unserer Verpflichtungen gegenueber allen unseren Verbuendeten, zur
Aufrechterhaltung einer militaerischen Staerke, die keiner anderen
unterlegen ist, zur Verteidigung der Staerke und der Stabilitaet des
Dollar, zur Erweiterung unseres Aussenhandels, zu einer Verstaerkung
unserer Programme der gegenseitigen Unterstuetzung und Zusammenarbeit
in Asien und Afrika und zur Foerderung unserer Allianz-fuer-den-Fortschritt
in der westlichen Hemisphaere*

�Am 20. Januar 1961 hat John F. Kennedy seinen Landsleuten zugerufen,
dass unser Werk als Nation 'nicht In den ersten tausend Tagen vollbracht
sein wird noch In der Amtszelt dieser Regierung, ja vielleicht noch nicht
einmal In der Zelt unseres Lebens auf diesem Planeten. Aber*, so sagte
er, 'lasst uns trotzdem einen Anfang machen*.
Heute, In diesem Augenblick neuer Entschlossenheit moechte Ich
meinen amerikanischen Mitbuergern zurufen: Lasst uns fortfahren.
Dies Ist unsere Aufgabe - nicht zu zoegern, nicht lnne zu halten,
uns nicht abzuwenden und nicht ueber diesem unglueckllchen Augenblick zu
verweilen, sondern auf unserem Weg fortzuschreiten, damit wir das Schicksal zu erfuellen vermoegen, das die Geschichte uns bestimmt hat. Unsere
vordringlichsten Aufgaben liegen hier in diesem Hause.
Als erstes koennte keine Gedenkrede oder Lobpreisung beredter das
Andenken Praesident Kennedys ehren als die baldmoegliche Verabschiedung
des Buergerrechtsgesetzes, fuer das er gekaempft hat. Wir haben lange
genug in unserem Land von gleichen Rechten gesprochen. Wir haben dies
hundert Jahre lang oder noch laenger getan. Es ist jetzt wirklich an
der Zeit, das naechste Kapitel zu schreiben - und zwar in den Gesetzesbueehern.
Ich fordere Sie nochmals mit allem Nachdruck auf - so wie ich dies
schon im Jahre 1957 und erneut 1960 getan habe - ein Gesetz ueber die
Buergerrechte zu verabschieden, damit wir voranschreiten koennen, um
jede Spur einer Diskriminierung oder Unterdrueckung aufgrund von Rasse
oder Hautfarbe in unserem Staatswesen zu beseitigen. Es kann fuer die
Vereinigten Staaten im eigenen Lande wie im Ausland keine groessere
Kraftquelle geben.
Und zweitens koennte das Werk Praesident Kennedys durch keine
Massnahme unsererseits passender fortgefuehrt werden als durch die
fruehestmoegliehe Verabschiedung der Steuergesetzesvorlage, fuer die
er gekaempft hat - ein Gesetz, das dazu bestimmt ist, unser Nationaleinkommen und unsere Bundeseinnahmen sowie unsere Sicherheit vor einer
Rezession zu vergroessern. Dieses Gesetz bedeutet - wenn es ohne
Saeumen verabschiedet wird - weitere Sicherheit fuer die jetzt in Arbeit
Stehenden und weitere Arbeitsplaetze fuer die zur Zeit Arbeitslosen,
und einen groesseren Anreiz fuer unsere Wirtschaft.
Kurzum: Es ist jetzt nicht die Zeit zu zoegern. Es ist die Zeit
zu handeln - die Zeit fuer energische und vorausschauende Massnahmen
hinsichtlich der noch nicht verabschiedeten Gesetze ueber das Erziehungswesen, damit das Licht des Wissens in jedes Heim und jede noch
so kleine Gemeinde in Amerika dringt - fuer energische und vorausschauende Massnahmen in bezug auf die Arbeitsplatzbeschaffung fuer
Jugendliche; fuer energische und vorausschauende Massnahmen in bezug
auf das noch nicht verabschiedete Auslandshilfegesetz, damit wir klarstellen, dass wir unsere Aufgaben und Verantwortungen gegenueber dieser
Hemisphaere oder der Welt nicht leichtfertig preisgeben noch unserer
Regierung ihre Flexibilitaet in der Behandlung der Aussenpolitik nehmen,
- sowie fuer starke und vorausschauende Massnahmen in bezug auf die
uebrigen Bewilligungsgesetze.

�Wenn der Kongress in diesem neuen Geist handelt, so kann er auf die
volle Mitarbeit und Unterstuetzung seitens der Exekutive rechnen. Und
im besonderen versichere ich, dass die Regierung sich bei ihren Ausgaben
aeusserste Sparsamkeit und Maessigung auferlegen wird. Ich werde darauf
bestehen, dass die Regierung fuer jeden Dollar, den sie ausgibt, auch den
vollen Gegenwert erhaelt. Die Regierung wird ein Beispiel an Umsicht und
Sparsamkeit geben. Dies soll nicht bedeuten, dass wir bestehende Not bei
uns nicht beseitigen oder dass wir zu unseren Verpflichtungen nicht stehen
werden. Wir werden beides tun.
Ich, der ich lange Zeit beiden Haeusern des Kongresses angehoert habe,
glaube fest an die Unabhaengigkeit und Unantastbarkeit der Legislative.
Ich verspreche Ihnen, dass ich diese stets respektieren werde. Dies ist
mir zutiefst in Fleisch und Blut uebergegangen. Genau so fest glaube ich
aber auch an das Vermoegen und die Faehigkeit des Kongresses, trotz der
fuer unser Land charakteristischen Verschiedenheit der Meinungen zu
handeln - und zwar klug, nachdruecklich und schnell zu handeln, wenn dies
notwendig ist.
Die Notwendigkeit ist da. Sie ist jetzt gegeben. Ich bitte Sie um
Ihre Hilfe. Ich weiss, dass wir uns in unserer gemeinsamen Trauer finden,
aber lassen Sie uns auch in erneuter Hingabe und erneuter Kraft zueinander
finden - lassen Sie uns im Handeln, in der Toleranz und im gegenseitigen
Verstaendnis zusammenfinden.
Was John Kennedy uns vorlebte, das wird uns durch seinen Tod zum
Gebot: dass Amerika voranschreiten muss. Fuer die Amerikaner aller
Rassen, aller Glaubensrichtungen und aller politischen Ueberzeugungen
ist die Zeit gekommen, einander zu verstehen und einander zu achten.
Lassen Sie .uns dem Lehren und Predigen von Hass, von Boesem und von
Gewalt ein Ende bereiten. Wollen wir uns abwenden von den Fanatikern
der extremen Linken und der Rechten - von den Aposteln der Bitterkeit
und der Bigotterie, von denen, die dem Gesetz Trotz bieten, und von
denen, die den Blutstrom unserer Nation vergiften.
Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass die Tragoedie und die Qual
dieser schrecklichen Tage uns in neuer Gemeinschaft zusammenschliessen
wird, uns in unserem Leid zu e i n e m
Volk werden laesst. Lassen Sie
uns hier feierlich den Entschluss fassen, dass John Fitzgerald Kennedy
nicht umsonst gelebt haben soll oder umsonst gestorben sein soll, und
lassen Sie uns heute am Vorabend des Thanksgiving-Tages, da wir zusammenkommen, um um Gottes Segen zu bitten und ihm zu danken, alle einstimmen
in jene vertrauten und geliebten Worte:
'America, America,
God shed his grace on Thee
and crown Thy good
with brotherhood
from sea to shining sea.'

('Amerika, Amerika,
Gott schenk'Dir seine Gnad'
und kroen' Dein Werk
mit Brudergeist
von Gestade zu Gestad'.')

�"UNSERE KRAFT UND ENERGIE IST AUF DIE ZUKUNFT GERICHTET"

WASHINGTON - (AD) - Wir übermitteln
Ihnen im folgenden den Wortlaut der
Rundfunk- und Fernsehansprache, die
Präsident Lyndon B. Johnson zum Erntedanktag 1965 gehalten hat.

'Meine amerikanischen Mitbürger,
gestern trat ich vor den Kongreß, um zum ersten Mal als Präsident der Vereinigten Staaten zu sprechen. Heute, am Erntedanktag,
trete ich vor Sie, um Sie um Iahre Hilfe, Ihre Stärke, Ihr Gebet
zu bitten, daß Gott unsere Republik schützen und alle meine Arbeit
leiten möge.
Wir haben soeben sieben Tage erlebt, die keiner von uns jemals
wieder vergessen wird. Wir besitzen nicht die göttliche Weisheit,
um die Antwort darauf geben zu können, weshalb dies alles geschehen
ist. Aber uns ist als Menschen die Pflicht gegeben^, zu entscheiden,
was geschehen soll - was in bezug auf Amerika, die Welt, die von uns
vertretene Sache und alle in unseren Herzen schlummernden Hoffnungen
geschehen soll.
Ein großer Führer ist tot. Für eine große Nation geht das Leben
weiter. Das Gestern können wir nicht zurückholen, aber das Morgen
können wir gewinnen - oder aber verlieren. Ich bin fest entschlossen,
die Zukunft für uns zu gewinnen. Daher bitte ich Sie, sich mit mir
in dieser Entschlossenheit zu vereinen, in der festen Absicht, daß
wir aus dieser tiefen Nacht der Tragödie Amerika zu neuer Größe
führen.
Wir haben mehr als jede andere Generation vor uns allen Grund,
dankbar zu sein, so dankbar an diesem "Thanksgiving Day". Unsere
Ernte ist reich, unsere Industrie blüht, unsere Heime sind geschützt
und unsere Verteidigung ist sicher.
Wir leben in Frieden. Alle Welt bringt uns guten Willen entgegen,
aber über alle diese Segnungen hinaus wissen wir heute abend, daß
unser System stark ist, stark und sicher.
Eine Tat, die uns auseinanderreißen sollte, hat uns zusammengeführt. Unser System hat die Probe bestanden. Sie alle haben eine
g^roße Probe bestanden. Sie haben das bewiesen, was John F. Kennedy in
seiner Proklamation zum Erntedanktag von uns gefordert hatte: nämlich jene ehrenhaften Zielsetzungen, jene feste Entschlossenheit und
jene Willensstärke, die uns von unseren Vorvätern überkommen sind.
Wodurch könnte überzeugender aufgezeigt werden, was für Amerika
am besten ist? Am Sonnabend, als diese schwere Bürde erst wenige
-

1 -

�"AMERIKA DIENST"
wenige Stunden auf mir lastete, waren die ersten beiden Bürger, die
mich aufsuchten, um mir ihre ganze Unterstützung anzubieten, Dwight
D. Eisenhower und Harry S. Truman.
Nach dem Freitag der vergangenen Woche haben sich die Amerikaner dem Guten zugewandt, den höheren Werten des Lebens. Sie waren
uns Hilfe, ja Rettung. Die aufopfernde Hingabe der staatlichen
Stellen und aller Männer im öffentlichen Dienst, vom Obersten Bundesgericht bis zu den Bundesstaaten, gab uns allen inneren Halt. Um
wieviel besser, um wieviel vernünftiger, um wieviel anständiger und
um wieviel amerikanischer wäre es, wenn alle Amerikaner ihr Vermögen,
ihre Zeit und ihre Energien darauf verwenden wollten, unser System
und seine Diener in den Bemühungen zu unterstützen, unser aller
Probleme zu lösen, statt Gift und Haß zu verbreiten, die unseren
Fortschritt hemmen.
Ich habe 32 Jahre lang in Washington im Dienste der Öffentlichkeit gestanden - gestern waren es 32 Jahre. Ich habe fünf Präsidenten
in diesem so unglaublich schweren Amt erlebt. Ich habe sie alle gut
gekannt und habe sie alle zu meinen Freunden gezählt: Präsident Herbert Hoover, Präsident Franklin Roosevelt, Präsident Harry Truman,
Präsident Dwight Eisenhower und Präsident John Kennedy.
Noch in jeder Regierung war die größte Last, die der Präsident
zu tragen hatte, gedankenloser und unvernünftiger Haß und Uneinigkeit
der eigenen Landsleute.
Gerade in diesen Tagen ist das Schicksal dieses Amtes unser
aller Schicksal. Ich möchte daher alle Amerikaner an diesem Tag des
Gebets und der Andacht aufrufen, dies zu bedenken. Wollen wir alle,
die wir Reden halten und lehren, die wir predigen, die wir publizieren,
im Rundfunk Sprechen oder lesen und zuhören - wollen wir uns alle auf
unsere Pflicht besinnen, unsere Wunden zu verbinden, alte Wunden zu
heilen, unsere Gemeinschaft gesund zu machen und sie zu festigen für
die kommenden Aufgaben.
Am meisten liegt mir am Herzen, daß wir aus unseren Worten jeden
Haß und aus unseren Herzen jeden Groll verbannen, daß wir die von
Haß, Intoleranz und Fanatismus genährten Quelle des Gifts versiegen
lassen, daß wir unsere Einigkeit im Norden und Süden, im Osten und Westen wahren, daß wir das Herannahen des Tages beschleunigen, da es
keine Vorurteile aus rassischen, religiösen und regionalen Gründen
mehr gibt, und daß der Tag anbrechen möge, da unsere großen Energien,
unsere moralischen und geistigen Kräfte von den Belastungen frei sein
werden, die wir zu lange getragen haben.
Wir blicken nach vorn, und unsere Kraft und Energie ist auf die
Zukunft gerichtet, aber in unserem Herzen tragen wir das Bild dieses
tapferen jungen Mannes, der nun, von uns allen geehrt, jenseits des
Potomac zur ewigen Ruhe gebettet liegt. Wir denken an ihn, wir denken
an seine wundervolle und tapfere Frau, die wir alle lieben. Wir denken an Caroline und John und an die gesamte große Familie, die der
Nation diesen Sohn und Bruder gab.
Um

-

Z

-

�•AMERIKA DIENST"
Um sein Andenken und das von ihm begonnene Werk zu ehren,
habe ich heute bestimmt, daß die wichtigste Station der atlantischen
Raketenversuchsstrecke und die Startanlagen der NASA in Florida von
nun an John F. Kennedy-Raumflugzentrum heißen werden. Ich habe ferner heute mit Einwilligung und Unterstützung meines Freundes Farris
Bryant, des Gouverneurs von Florida,verfügt, daß der Name von Cape
Canaveral geändert wird. Von nun an wird es Cape Kennedy heißen.
Wenn wir uns am heutigen Erntedanktag inmitten unserer Familien
in gegenseitiger Liebe und Achtung, die wir für einander empfinden,
versammeln, und wenn wir unser Haupt in Ehrerbietung vor der gött- "
liehen Vorsehung neigen, dann laßt uns Gott ebenfalls für die Jahre
danken, in denen er uns durch seinen Diener John F. Kennedy erleuchtete .
Lassen Sie uns heute unsere Hingabe an die Ideale erneuern,
die Amerika bedeuten. Lassen Sie uns, Gott um die Weisheit bitten,
damit der Ungerechtigkeit, Intoleranz und Bedrängnis in unserem Land
für jeden unserer Mitbürger, gleich welcher Weltanschauung oder Hautfarbe, ein Ende gesetzt wird - denn Gott hat alle, nicht nur einige
von uns, nach seinem Ebenbild geschaffen. Wir alle, nicht nur einige
von uns, sind seine Kinder.
Und schließlich bitte ich Sie als Ihr Präsident, daß Sie jeden
Tag Ihr Land und mich in Ihre Gebete einschließen, und ich versichere
feierlich, daß ich mit allen meinen Kräften auf eine neue Sröße
Amerikas hinarbeiten werde - auf einen neuen Tag, da der Friede mehr gefestigt,.'da die Gerechtigkeit weiter verbreitet, da die Freiheit
überall, wo Menschen wohnen, stärker ist.

*

* * * *

-

3

-

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./XVI-45
NATtiRLICHE HILFSQUELLEN DER WELT
Die Situation heute und in der Zukunft

Vortrag
Sr. Exzellenz des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika
GEORGE C. MCGHEE
vor der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes
Nordrhein-Westfalen am 11. Dezember 1963 in Düsseldorf

Das Interesse Botschafter McGhees gilt seit vielen Jahren dem Problem der natürlichen Hilfsquellen. Es beschäftigt ihn nicht nur in seiner Eigenschaft als Politiker und Diplomat, sondern gleichermaßen als
Wissenschaftler. Er studierte Geologie und Physik und promovierte mit
einer Arbeit aus den genannten Disziplinen als Rhodes-Stipendiat an der
Universität Oxford (England) zum Dr. phil. Die Universitäten von Oklahoma und Tulane (USA) verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. George C.
McGhee hatte ursprünglich die Absicht, nach Abschluß seines Studiums
an der Universität Göttingen wissenschaftlich zu arbeiten, konnte jedoch diesen Plan nicht verwirklichen. Seit 1935 ist er Inhaber eines
Patents über ein Verfahren zur Bestimmung des Einfallens geologischer
Formationen. Als junger Geologe und Geophysiker war er an seismographischen Untersuchungen in England, auf Kuba, in Marokko, in Südamerika und in den Vereinigten Staaten beteiligt.
Bei der Abfassung dieses Referats konnte sich Botschafter McGhee
auf Unterlagen stützen, die ihm von der Abteilung für Notstandsplanung
im US-Präsidialamt und dem amerikanischen Bundesamt für Geologische
Bestandsaufnahme zur Verfügung gestellt wurden.

* * *

�NATÜRLICHE HILFSQUELLEN DER WELT
DIE SITUATION HEUTE UND IN DER ZUKUNFT

Einführung:
Viele behaupten, der wirtschaftliche Wohlstand hänge von dem Besitz
reicher natürlicher Hilfsquellen ab. Es ist in der Tat viel Wahres an die
ser Behauptung. Aber Rohstoffe sind nur ein Teil des Gesamtbildes. Wir
können beobachten, daß die Bevölkerung mancher Entwicklungsgebiete in der
Welt trotz des Vorhandenseins von Hilfsquellen, die andere als größten
Reichtum betrachten würden, in Not lebt. Andererseits erhalten sich
viele Nationen trotz relativ begrenzter Hilfsquellen einen hohen Lebensstandard.
Japan und die Schweiz sind zwei hervorragende Beispiele für Länder
mit begrenzten natürlichen Hilfsquellen; dennoch erfreut sich die Bevölkerung eines hohen Lebensstandards, indem sie Qualitätswaren produziert,
um diese auf den Weltmärkten gegen Rohstoffe einzutauschen. Der Unterschi
zwischen solchen Staaten und vielen Entwicklungsländern liegt hauptsächlich in der beruflichen Fertigkeit und im Fachwissen der Bevölkerung und
deren Bereitschaft, ihr Können für eine systematische und disziplinierte
Nutzung der Hilfsquellen einzusetzen.
Man kann sogar sagen, daß in vieler Hinsicht die Bevölkerung eines
Landes dessen wertvollste "Hilfsquelle" darstellt. Die negativen Aspekte
von Bevölkerung und Bevölkerungswachstum in Relation zu den natürlichen
Hilfsquellen sind durch den Prozeß der Bildung und Erziehung zu überwinden.
Eines der Ziele der Erziehung besteht darin, Erfahrung und 7/issen
des einzelnen anderen mitzuteilen. Gerade diese Fähigkeit des Menschen,
sein Wissen mit seinen Mitmenschen zu teilen, gibt ihm die Möglichkeit,
den V/issens- und Erfahrungsschatz früherer Generationen im Verein mit
dem eigenen für die Planung der Zukunft zu nutzen. Dem Menschen ist damit ein Mittel an die Hand gegeben, einen Mangel an natürlichen Hilfsquellen und andere Unzulänglichkeiten auszugleichen. Nationen, die zu
den Habenichtsen zählen, ist somit die Chance gegeben, am materiellen
Fortschritt der Welt teilzuhaben.
Wenn wir das Problem der Naturschätze und des wirtschaftlichen Wohlstands betrachten, so scheint bewiesen, daß die Natur bei all ihrer Freigebigkeit nur teilweise mit dem Menschen zusammengearbeitet hat, um seine
materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschheit verfügt über ein

�ein natürliches Erbe an wahrhaft riesigen Mengen nützlicher Rohstoffe an
oder nahe der Erdoberfläche, wobei allerdings hinsichtlich Konzentration
und Nützlichkeit Unterschiede bestehen. In den meisten Fällen sind sie
nicht ersetzbar, wenngleich es möglich sein dürfte, als Folge verbesserter Methoden und verstärkter Anstrengungen immer größere Mengen davon
aus immer größeren Tiefen mit besseren Ausbeutungsergebnissen zu gewinnen.
Ebenso stehen dem Menschen regenerierbare Hilfsquellen, wie man sie
vielleicht nennen könnte, zur Verfügung - nämlich die kontinuierlich anfallenden tierischen und pflanzlichen Produkte. Sie werden mehr oder
minder großzügig durch Luft, Wasser, Licht, klimatische und geographische Vorzüge ergänzt. Diese Faktoren bilden insgesamt die Umwelt des
Menschen; der Mensch muß jedoch, um in dieser Welt gut leben zu können,
auch weiterhin arbeiten, und zwar in fruchtbringender Weise.
In vielen Gebieten der Erde verläßt sich der Mensch bei einem minimalen Aufwand an eigener Arbeit weitgehend auf die Natur. Wo dies zutrifft, ergibt sich hieraus aus den verschiedensten Gründen gewöhnlich
nur ein Leben am Rande des Existenzminimums - ein Leben, das vielfach
für das Individuum nur von kurzer Dauer ist und viele Beschwernisse mit
sich bringt. Wie sehr die Produktivität auch steigen mag - der Gewinn
wird durch die wachsende Bevölkerung immer wieder absorbiert.
.
Versuche, aus dem Existenzminimum herauszukommen, erfordern seitens
des Menschen große Anstrengungen. Die damit verbundenen Mühen werden
nicht nur durch die ungleiche Verteilung natürlicher Hilfsquellen kompliziert, sondern auch durch die politische Zersplitterung, die der
Mensch selbst geschaffen hat und die die Folge der geschichtlichen Entwicklung, geographischer Gegebenheiten, von Glückszufällen und seines
eigenen Existenzkampfes und Ringens um Bestätigung ist. Gebietsweise
ergeben sich schwerwiegende Belastungen, sofern die Vorräte dem Bedarf
nicht entsprechen. Hier herrscht Überfluß, dort Mangel, und Probleme
gibt es hier wie dort.
Ich habe mir für heute viel vorgenommen. Ich möchte einen Überblick
über die natürlichen Hilfsquellen unserer Erde und eine Prognose ihrer
künftigen Bedeutung für den menschlichen Fortschritt geben. Wenn wir aus
unserem Gedächtnis und an Hand des Überlieferten einen Blick in die Vergangenheit werfen sollten, so könnten wir, beschränkten wir unsere
2

�unsere Untersuchung auf die Rolle der natürlichen Hilfsquellen allein,
ein faszinierendes. Bild von ihrer Beziehung zum Wohlergehen der Menschheit "bis zum heutigen Tage entwerfen. Versuchen wir aber in die Zukunft
zu blicken, so kompliziert sich unsere Frage ganz erheblich durch die
Schwierigkeit, die sich ergibt, wenn man einzig und allein die Rolle
der natürlichen Hilfsquellen von anderen Faktoren isoliert betrachtet.
Man

kann

fünf Hauptfaktoren unterscheiden, die weitgehend das

wirtschaftliche Wohl des einzelnen und der Nationen bestimmen, nämlich
Bevölkerung, natürliche Hilfsquellen, Energie (die ebenfalls von Hilfsquellen abhängig ist), Stand von Wissenschaft und Technik sowie
Staats- und Gesellschaftsform. Überlegungen in bezug auf den Faktor
Bevölkerung schließen nicht nur statistische Zahlen ein, sondern auch
politische Führung, soziale Einrichtungen, allgemeines Bildungsniveau
und Beweggründe menschlichen Handelns. Es dürfte nützlich sein, zunächst einmal diese Faktoren einzeln kurz unter dem Gesichtspunkt zu
erörtern, daß sie alle auch eng miteinander in Wechselbeziehung stehen.
Bevölkerung
Die Weltbevölkerung zählt heute etwa drei Milliarden und nimmt
gegenwärtig um schätzungsweise 120 000 Menschen täglich zu. Nach den
statistischen Darstellungen von Publikationen der Vereinten Nationen
ergibt die Kurve des Wachstums der Weltbevölkerung offenbar eine Exponentialfunktion - das heißt, sie steigt immer steiler an. Nach
Schätzungen der Vereinten Nationen dürfte die Weltbevölkerung, die im
Jahre 1900 etwa 1,6 Milliarden Menschen zählte, bis zum Jahre 2000
auf mehr als sechs Milliarden anwachsen (Tabelle 1 ) . Um die Bedeutung
dieses Anwachsens ins rechte Licht zu rücken, sei hier erwähnt, daß
die Weltbevölkerung seit 1940 um etwa 1,3 Milliarden Menschen zugenommen hat. Dieser Zuwachs, der sich innerhalb der kurzen Zeitspanne
von 23 Jahren vollzog, ist größer als die für das Jahr 1800 geschätzte Gesamtbevölkerungsziffer der Welt. Bei der gegenwärtigen Zuwachsrate und unter der Voraussetzung, daß keine Katastrophe eintritt, ist
zu erwarten, daß sich die Zahl der auf der Erde lebenden Menschen
während des kommenden Jahrhunderts verdreifacht.
Das

- 3 -

�Das Phänomen des Ansteigens der Y/eltbevölkerungszif f er mußte
in zunehmendem Hasse die Aufmerksamkeit auf das Problem lenken, wie
der zukünftige Bedarf an Grundstoffen zu decken ist. Man hat häufig
angenommen, daß der Bedarf an Hilfsquellen gemäß dem Bevölkerungszuwachs steigt, und daß es deshalb die große Aufgabe der Zukunft
sein werde, immer wieder Hilfsquellen zu erschließen, um mit dem
Bevölkerungszuwachs Schritt zu halten. Es zeigt sich ständig deutlicher, daß die Aufgabe noch viel größer ist, als man zunächst angenommen hat •
Der Verbrauch an Rohstoffen nimmt nicht nur mit der wachsenden Bevölkerungszahl, sondern auch mit den steigenden Ansprüchen der
Völker zu. Ohne Frage ist der Verbrauch bei den einzelnen Grundstoffen verschieden groß, und bei einigen zeigt sich sogar ein Rückgang.
Aber die Menschen in aller Welt werden immer anspruchsvoller, reisen
mehr, sie werden immer aktiver und haben somit einen ständig wachsenden Bedarf an neuen Dienstleistungen und Produkten. Ganz allgemein macht sich - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg - das
Streben nach einem höheren Lebensstandard bemerkbar. Die Bedeutung
dieser Tendenz zeigt sich am augenfälligsten an der Beanspruchung
der Energiequellen, worauf später noch näher eingegangen wird.
Industrie und Verteilung der Produkte basierten bisher auf der
allgemeinen Konzeption begrenzter Märkte und reichlichen Materialangebots. Einige Wirtschaftler behaupten nun, daß die schnelle Zunahme der Konsumenten und des Bedarfs auf der Veit, im Verein mit
den von Natur aus begrenzten Hilfsquellen, bedeuten könnte, daß
sich die Wirtschaft in Zukunft auf unbegrenzte Märkte und Llaterialverknappung werde einrichten müssen. Es dürfte klar sein, daß es
Änderungen geben wird, aber es ist nicht so sicher, daß .sich die
Änderungen in dieser Richtung vollziehen. Lassen Sie uns nun andere
Faktoren betrachten, die das Gesamtbild beeinflussen werden.
Natürliche Hilfsquellen
Die natürlichen Hilfsquellen der Erde reichten bisher aus, um
mit dem notwendigen Einsatz von Arbeitskräften den Bedarf der Welt
zu decken. Unser industrieller Fortschritt ist durch gefährliche
Verknappungen nicht aufgehalten worden. Und dies, obwohl die natürlichen Hilfsquellen in den letzten Jahrzehnten eine ständig

-4

�ständig wichtigere, ja sogar eine dramatische Rolle im V/irtschaf tswachstum spielten.
Es würde sehr viel Zeit kosten, wollte man die Probleme und die
künftigen Aussichten jeder einzelnen der zahlreichen Formen von natürlichen Hilfsquellen, ja seihst nur der großen Gruppen der regenerierbaren und der nicht regenerierbaren Hilfsquellen erörtern.
Aus diesem Grunde wollen wir unsere Aufmerksamkeit auf einige bemerkenswerte Beispiele und vor allem auf die Bodenschätze konzentrieren.
Nach den uns vorliegenden Informationen scheinen sich hinsichtlich der Verfügbarkeit von regenerierbaren Hilfsquellen, von denen
wir bei Produkten wie Lebensmitteln, Naturfasern und Arzneipflanzen
in so hohem Maße abhängig sind, keine Probleme für uns zu ergeben,
die zwangsläufig das V/irtschafts- und Bevölkerungswachstum einschränken würden, selbst wenn wir die Verhältnisse um das Jahr 2000
und die Zeit danach ins Auge fassen. Y/ir können sogar erwarten, daß
es auch in Zukunft Probleme von Überproduktion geben wird. Große
Fortschritte sind in der Landwirtschaft erzielt worden. Im Jahre
1820 konnte in den Vereinigten Staaten ein Landarbeiter den Lebensmittelbedarf von etwa vier Personen decken; im Jahre 1962 sicherte
ein in der Landwirtschaft Beschäftigter durch seine Arbeit die Versorgung von 28 Personen mit Lebensmitteln. Würde der Stand der Landwirtschaft, der dies ermöglichte, überall in der Veit erreicht, und
wären die hierfür benötigten Energie- und Düngemittelmengen verfügbar, dann würden die Hilfsquellen an Lebensmitteln und Naturfasern
genügen.
Die Welt hat seit dem Jahr 1900 weit mehr Mineralien verbraucht
als in ihrer gesamten Geschichte zuvor (Tabelle 2 ) . Unsere Zukunft
hängt in hohem Maße davon ab, daß sie auch weiterhin verfügbar sind.
Eine Lösung für das Problem, die Versorgung mit Mineralien sicherzustellen, bestand zunächst in der Entdeckung neuer Hilfsquellen in
dem uns zugänglichen Bereich - wodurch der erhöhte Bedarf auf lange
Zeit hinaus gedeckt wurde. Ja, selbst noch im Jahre 1920 gab es erst
etwa 18 industrielle Rohstoffe, die auf dem V/eltmarkt in größeren
Mengen gehandelt wurden, und einige von ihnen waren nicht einmal Mineralien, sondern Produkte tropischen Ursprungs.
Heute

�Heute gibt es Hunderte von Industriemineralien und Rohstoffen
im Export- und Importgeschäft. Sie umfassen Erze von Metallen wie
Beryllium, Hafnium, Tantal, Titan und Zirkon, von denen vor nicht
allzu langer Zeit mit Ausnahme von Wissenschaftlern kaum jemand etwas wußte. Ein zunehmender Bedarf sowohl nach Mengen als auch nach
Sorten und Qualitäten hat dazu geführt, daß die Suche nach wirtschaftlich rentablen Materialquellen auf die fernsten Winkel der"
Erde ausgedehnt wurde. Dank bemerkenswerter Portschritte vor allem
in Geologie und Geophysik, in denen deutsche Wissenschaftler eine
führende Rolle spielten, waren die Forschungen außerordentlich erfolgreich. Es besteht aller Grund zu der Annahme, daß sie es auch
in Zukunft sein werden. Ein Beispiel ist Eisenerz - ein für Deutschland besonders interessanter Rohstoff, denn es muß einen großen Teil
des benötigten Eisenerzes importieren.
Die enorme Inanspruchnahme der wirtschaftlichen Eisenerzreserven während des zweiten Weltkrieges zwang viele Industrieländer,
neue Quellen zu erschließen. Das Problem wurde teilweise dadurch
gelöst, daß man auf bekannte Vorkommen geringer Ergiebigkeit zurückgriff, in der Hauptsache jedoch durch die Entdeckung neuer Vorkommen in anderen Gebieten. Umfangreiche Lager hochwertigen Eisenerzes wurden in Afrika, Asien, Australien, in Nord- und Südamerika
entdeckt und erschlossen. In Anbetracht dieser Entdeckungen schätzt
man heute den Eisengehalt der bekannten Weltreserven an Eisenerz,
das mit den üblichen Methoden erschlossen werden kann, auf 132 Milliarden Tonnen.
Das US-Eergbauamt schätzt die Weltproduktion an Stahl für das
Jahr 1962 auf 36O Millionen Tonnen, von Eisenerz auf 500 Millionen
Tonnen. Bei dieser Inanspruchnahme sind die bekannten Weltreserven
an Eisenerz viele Male größer als, soweit man voraussehen kann, der
Bedarf bis zum Jahr 2000 jemals sein wird. Darüber hinaus stehen
wir erst am Beginn der technologischen Weiterentwicklung, die notwendig ist, um minderwertige Eisenerze anzureichern und zu verwenden.
Eine weitere Lösung für unseren ständig steigenden Bedarf an
Materialien, insbesondere an Metallen, ergibt sich aus der Wiederverwendung von Abfall- und Altmetall oder Schrott. Von den
- 6-

�den Bodenschätzen geht durch die wirtschaftliche Nutzung nur sehr
wenig verloren. Wir tun im Grunde nicht viel mehr als bei ihnen
Erscheinungsform und Standort zu verändern; am Ende des Kreislaufs
steht die Rückgabe an die Erde oder die vorläufige Lagerung auf
Schrottplätzen, wie es in Industrieländern üblich ist

(Tabelle 4 ) .

Ein Zweites Schlüsselmetall der Industrie ist Kupfer. Die Weltproduktion an Hüttenkupfer im Jahre 1962 wird vom US-Bergbauamt auf
etwa 5 Millionen Tonnen geschätzt. Die Weltreserve an handelsüblichen
Erzen nähert sich 10 Milliarden Tonnen, die etwa 200 Millionen Tonnen
Kupfer enthalten. Viele Vorkommen mit hochwertigem Erz sind erschöpft,
und einige, deren Abbau sich

jetzt noch rentiert, haben im Durch-

schnitt eine Ergiebigkeit von weniger als 0,75 Prozent Kupfer
(Tabelle 3 ) . Auch die Verwendung von Altkupfer nimmt zu; in den Vereinigten Staaten trägt es jetzt fast zu 25 Prozent zu dem Ausstoß
an neu erschmolzenem Kupfer bei. Die Bedeutung von Altmetall und
Schrott ist aus der Tatsache ersichtlich, daß beispielsweise in den
USA die Gesamtmenge des in Gebrauch stehenden Kupfers ungefähr ebenso
groß ist wie die Kupferreserven in den Vorkommen auf amerikanischem
Boden.
Eine weitere Lösung für unseren Materialbedarf ergibt sich aus
der Verwendung von Ersatzstoffen. In der Erdrinde sind viele Elemente
in weit größerer Menge als Eisen vorhanden, aber sie werden heute nicht
im gleichen Ausmaß wie Eisen gebraucht. Dafür ist Aluminium ein Beispiel. Deutschland war ein Pionier in der Gewinnung und Anwendung dieses Leichtmetalls.
Aluminium ist in der Erdrinde nahezu doppelt so häufig wie Eisen
und etwa I200mal häufiger als Kupfer. Aluminium kann mit Eisen und
Kupfer in vielen Anwendungsbereichen konkurrieren. Die Weltproduktion
an metallischem Aluminium wird für 1962 auf etwa 5 Millionen Tonnen geschätzt. Der Aluminiumgehalt der V/eltvorkommen an Bauxit, der heute
in der Aluminiumproduktion fast ausschließlich als Rohstoff dient,
wird auf gut über eine Milliarde Tonnen geschätzt. Darüber hinaus
könnten noch sehr große Mengen von Aluminium aus Tonerden und anderen
Mineralien von niedriger Aluminiumkonzentration gewonnen werden. Wir
sehen also, daß ein ausreichend großes Angebot auch zur Deckung des

-

7 -

�des künftigen Bedarfs an Aluminium bis weit in das nächste Jahrhundert hinein vorliegt.
Die Möglichkeiten, Ersatz- oder Austauschstoffe zu verwenden,
sind auf dem Gebiet der Eisenlegierungsmetalle besonders groß; keine
Industrienation ist in dieser Hinsicht völlig autark. Die Reserven
der freien Welt an Erzen für Ferrolegierungsmetalle sind sehr groß,
aber die Lage der Vorkommen im Verhältnis zu den Zentren des größten
Verbrauchs läßt viel zu wünschen übrig. Glücklicherweise sind im Vergleich zu Eisen nur sehr kleine Mengen solcher Metalle erforderlich,
um die vielen Sorten und Qualitäten von Stahl herzustellen. Darüber
hinaus gibt es zahlreiche Ausweichmöglichkeiten, um ein bestimmtes
Ergebnis zu erzielen. Folglich scheint es klar, daß unser künftiger
Bedarf an Legierungsmetallen für Eisen zu einem erträglichen Preis
gedeckt werden kann - vorausgesetzt, daß wir einen internationalen
Markt halten können, zu dem alle Nationen freien und gleichen Zugang
haben •
Energie
Während sich die Weltbevölkerung bis gegen Ende dieses Jahrhunderts etwa verdoppeln dürfte, wird der Weltenergiebedarf auf das
Fünffache anwachsen, d.h. der Energieverbrauch pro Kopf wird auf das
Zweieinhalbfache des heutigen Standes steigen. Man schätzt, daß der
Weltverbrauch an fossilen Brennstoffen von 196O bis 2000 dreimal so
groß sein wird, wie der gesamte Energieverbrauch bis zum heutigen
Tage. Um den Energiehunger dieser vierzig Jahre zu stillen, ist ein
Energieaufkommen erforderlich, das 435 Milliarden Tonnen Kohle entspricht .
Wenn wir von Energie sprechen, meinen wir heute noch in erster
Linie die fossilen Brennstoffe - Kohle, Erdöl und Erdgas. Die Wasserkraft deckt nur einen kleinen Bruchteil des Gesamtenergiebedarfs.
Andere natürliche Energiequellen - Sonnenstrahlen, Wind sowie geothermische und Gezeitenkraftwerke - können aus begreiflichen Gründen im
Rahmen dieser Erörterung unberücksichtigt bleiben. Auf die Kernenergie werden wir später noch zu sprechen kommen.
Die

-

8

-

�Die Weltkohlevorräte sind groß genug, um den zu erwartenden
Energiebedarf der Welt weit über das Jahr 2000 hinaus decken zu können. Einer vorsichtigen Schätzung des US-Bundesamtes für Geologische
Bestandsaufnahme zufolge betragen die abbaufähigen Weltkohlereserven
von bisher bekannten Lagerstätten unter Berücksichtigung der durch
zu geringe Mächtigkeit und zu große Tiefenlage der Flöze gezogenen
Grenzen 2,32 Billionen Tonnen. Damit kann nicht nur der genannte
Weltenergiebedarf der Zeit von i960 bis 2000, der 435 Milliarden
Tonnen Kohle entspricht, sondern auch der Gesamtbedarf von fast weiteren hundert Jahren unter Zugrundelegung einer Verbrauchsrate gedeckt
werden, wie sie für das Jahr 2000 vorausgeschätzt wird. Ich darf Sie
darauf hinweisen, daß diese Ziffer weder die Kohlereserven in bisher
unentdeckten, noch die in bereits bekannten, aber zu tief gelegenen
Lagerstätten einschließt. Nach einer zweiten Schätzung des Geologischen
Bundesamtes der USA, in der die Entdeckung neuer Vorkommen vorausgesetzt wird, liegt die Gesamtmenge sogar noch siebenmal höher.
Die Inanspruchnahme von Erdöl und Erdgas beim Weltenergieverbrauch
ist in den vergangenen Jahrzehnten selbstverständlich immer größer geworden. Obwohl unsere riesigen Kohlereserven notfalls diese Brennstoffe in mehr als ausreichendem Maße ersetzen

könnten, bleibt doch

die Tatsache bestehen, daß Erdöl und Erdgas aus Kosten- und Transportgründen sich immer größerer Beliebtheit erfreuen (Tabelle 10).
Die bisher erfaßten und "bestätigten" Rohölvorkommen belaufen sich
gegenwärtig auf insgesamt 320 Milliarden Barrels, das entspricht dem
Energiewert von 56 Milliarden Tonnen Kohle. Diese Zahl bedarf jedoch
wegen der unterschiedlichen Auslegung des Begriffs "bestätigte" Reserven der näheren Erläuterung. Uns interessieren hier indes nicht so
sehr die "bestätigten" als vielmehr die "höchstmöglichen" Reserven.
Hierfür gibt es, wie bei der Kohle, eine ganze Skala von Schätzzahlen.
Wenn wir von den Extremwerten authentischer Schätzungen ausgehen, so
würden die höchstmöglichen Rohölreserven der Welt mindestens 1,25
Billionen, jedoch nicht mehr als 4 Billionen Barrels betragen.
Auf diesen beiden Schätzungen basieren auch Angaben über die
höchstmöglichen Reserven an Erdgas. In Steinkohleeinheiten ausgedrückt, belaufen sich die höchstmöglichen Vorräte an Erdöl und Erdgas

- 9 -

�Erdgas zusammen euf mindestens 535 Milliarden,

im Höchstfalle

auf 1,62 Billionen Tonnen. Bei dem niedrigen Schätzwert sind die
mit Sicherheit zu erwartenden Verbesserungen in der Fördertechnik
unberücksichtigt geblieben; dennoch übersteigt diese Zahl den für
die Zeit von 196O bis 2000 auf 435 Milliarden Tonnen geschätzten
Gesamtenergiebedarf der Welt um 100 Milliarden Tonnen.
Obwohl mit ausgedehnten Lagerstätten von Qualitätskohle gesegnet, hat Deutschland in der Vergangenheit nur einen Bruchteil seines Bedarfs an Erdöl und Erdgas selbst erzeugt und ist jetzt dabei,
sich eine bessere Position für die Zukunft zu schaffen. In den Gewässern vor der deutschen TTordseeküste, in einem Gebiet, das sich an
die riesigen neuentdeckten holländischen Erdgasfelder anschließt,
arbeiten deutsche und amerikanische Firmen gemeinsam an vielversprechenden Erschließungsvorhaben.
Die derzeitigen hohen Schätzwerte für die fossilen Brennstoffvorräte sind beruhigend; dennoch lehren die bisherigen Erfahrungen,
daß sie sich wahrscheinlich weiter erhöhen werden. In dem Maße, in
dem der Bedarf weiter stieg, die Technik sich weiterentwickelte und
neue Lager entdeckt wurden, konnten auch die schon optimistisch
erscheinenden Schätzungen über die höchstmöglichen Reserven ständig
nach eben hin revidiert werden. Es besteht kein Grund zu der Annahme,
daß das in Zukunft anders sein wird.
Hinzu kommt noch, daß wir unsere Betrachtung bisher ausschließlich auf Kohle, Erdöl und Erdgas beschränkt haben. Wir haben die
riesigen Ölschiefer- und Teersandvorkommen, zwei praktisch noch
unausgebeutete Energiequellen mit gewaltigen Entwicklungsmöglichkeiten, noch völlig unberücksichtigt gelassen. Man schätzt, daß die
Ölschieferlager der Vereinigten Staaten allein einem Energiepotential
von 250 Milliarden Tonnen Kohle entsprechen. In anderen Teilen der
Welt gibt es noch weit größere Ölschieferlager.
Selbst wenn man die vorsichtigsten Schätzungen zugrunde legt,
wird deutlich, daß die Weltreserven an fossilen Brennstoffen mehr
als ausreichen, um den zu erwartenden steigenden Bedarf im gesamten
20. Jahrhundert und im größten Teil des 21. Jahrhunderts zu decken.
Diese Feststellung steht in krassem Gegensatz zu der in den ersten

-

10

-

�ersten Nachkriegs jähren vorherrschenden Ansicht, daß sich die
Weltbrennstoffreserven schnell erschöpften.
Es ist überhaupt unwahrscheinlich, daß wir unsere fossilen
Brennstoffreserven jemals ganz aufbrauchen könnten. Bis es einmal
soweit wäre, dürfte die Atomenergie die fossilen Brennstoffe als
Hauptenergiequellen schon weitgehend abgelöst haben. Die Weltreserven an nuklearen Brennstoffen lassen in bezug auf ihren Energiegehalt die riesigen Reserven an fossilen Brennstoffen wirklich zwergenhaft erscheinen. Das US-Bundesamt für Geologische Bestandsaufnahme
schätzt, daß die Uranlager der Vereinigten Staaten 2,1 bis 6,9
Billionen Tonnen Kohle äquivalent sind. Dabei sind die Thorium-Reserven, deren Energiegehalt wahrscheinlich noch größer ist als bei
Uran, noch gar nicht berücksichtigt.
Setzt man allein diese geschätzten Reserven an nuklearen Grundstoffen in den Vereinigten Staaten in Relation zu dem gesamten Weltbedarf, so ergibt sich das Bild fast unbegrenzter Energiequellen.
Noch günstiger sind die Aussichten, wenn man in Rechnung stellt, daß
es uns wohl doch eines Tages gelingen wird, mit Hilfe der kontrollierten Kernverschmelzung auch die Energie des schweren Wasserstoffs aus
den Weltmeeren zu verwerten.
Obgleich der Bedarf ständig zunimmt, setzt sich auch immer mehr
die Erkenntnis durch, daß die wichtigen natürlichen Hilfsquellen sich
wohl niemals wirklich erschöpfen. Wir werden uns mehr und mehr der
Rolle bewußt, die Naturwissenschaft und Technik bei der Lösung unserer
Energie- und Rohstoffprobleme spielen, ebenso der Bedeutung der Forderung, in jedem Stadium unserer industriellen Entwicklung die wirtschaftlichen Hilfsquellen in größtmöglichem Umfang und auf die rentabelste Weise zu nutzen. Gleichzeitig mehren wir durch neue Anlagen,
Institutionen und Erkenntnisse, die alle zur Sicherung einer ausreichenden Rohstoffversorgung in der Zukunft beitragen können, den
Wertbestand.
Wissenschaft und Technik
Ich möchte nun kurz die Auswirkungen von Wissenschaft und Technik auf die natürlichen Hilfsquellen untersuchen. Wissenschaft, Technik und Erfindungen haben eine Schlüsselrolle dabei gespielt, daß

-

11

�daß der Mensch in die Lage versetzt wurde, die ihm zugänglichen
Hilfsquellen besser zu nutzen. Manche der großen Erfindungen aus
der jüngeren Vergangenheit, wie die Dampfmaschine, die Lokomotive,
das Automobil, Funk und Fernsehen und das Flugzeug, sind Beispiele
hierfür.
Wenige neue wissenschaftliche Entdeckungen wirken sich sogleich
auch auf die Lebensverhältnisse aus. Die meisten der großen Erfindungen und deren Anwendungen sind, von der noch unbewiesenen Theorie
oder von Entdeckungen auf verwandten Gebieten der Grundlagenforschung
an gerechnet, erst im Verlauf von Jahren herangereift. Im Durchschnitt vergehen heute von den ersten Anfängen neuer Fortschritte in
der Technik bis zu greifbaren gesellschaftlichen Auswirkungen ungefähr 25 bis 50 Jahre. Neben ganz natürlichen Hindernissen zählen zu den
Faktoren, die zu einer derartigen Verzögerung beitragen, die natürliche Trägheit des Menschen mit seinem Festhalten an alten Gewohnheiten, Vorurteile, Phantasielosigkeit, Schwierigkeiten im Zustandebringen gemeinsamer Aktionen sowie der in der Wirtschaft bestehende Widerwille dagegen, veraltete Betriebsausrüstungen zum alten Eisen zu
werfen, um so neuen Verfahrensweisen den Weg zu ebnen.
Trotz solcher Hemmnisse lernen wir jedoch mit Hilfe der Wissenschaft und Technik nicht nur immer besser, die Rohstoffe, die uns
unsere Welt bietet, aufzufinden und auszubeuten, sondern auch neue
Anwendungsmöglichkeiten für sie zu erschließen, In der Tat bestimmt
dieser Erfahrungs- und Wissensechatz weitgehend unseren Begriff davon, welche Bodenschätze nützlich sind. Das Metall Titan beispielsweise ist seit langem bekannt; aber erst 1948 begann es ein nützliches
Element zu werden, als man es erstmals aus seinen hochschmelzenden
Erzen zu raffinieren vermochte, so daß sich ein Titanmarkt entwickeln
könnte.
Mit Hilfe der Technik verdrängten Kohle, später öl und Erdgas,
Holz immer mehr als wichtigste Wärmequelle. Die Technik zeigt jetzt
den Weg zu größerer Nutzbarmachung so häufiger Elemente wie Silizium,
Magnesium, Titan etc., deren gegenwärtige Anwendung' in keinem Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Häufigkeit steht. Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, die auf weitere Erschließung warten. So

12

-

�So könnten z.B. große Mengen Thorium aus unergiebigen Erzen angereichert werden, und auch Aluminium ist überall in Tonerden reichlich vorhanden - aber wir brauchen neue Methoden der Anreicherung,
des Abbaues und der Extrahierung, um solche Bodenschätze wirtschaftlich zu nutzen. Wissenschaft und Technik, zeigen uns, wie Metalle
nicht nur durch Raffination, sondern auch durch Legieren mit anderen Elementen verbessert werden können. Dieser Prozeß bewirkt in
gewisser Weise eine Konservierung, denn er streckt die vorhandenen
Vorräte und läßt das gleiche Ergebnis mit geringeren Rohstoffmengen
erreichen.
Stahl ist für diese Entwicklung ein gutes Beispiel, Noch vor
einigen Jahrzehnten lag die Zugfestigkeit der handelsüblichen Stahlsorten bei 55 kg/mm , und Werkzeugstahl konnte in Gütegraden von
o
140 kg/mm geliefert werden. Heute sind handelsübliche Stähle mit
2
einer Zugfestigkeit von 140 kg/mm

erhältlich, und bei Werkzeug-

stählen werden sogar die doppelten Festigkeitswerte erreicht. Hierdurch verringern sich die Stahlmengen ganz erheblich, die für einen
bestimmten Zweck benötigt werden, und noch immer gibt es Möglichkeiten für weitere Verbesserungen. Die theoretisch höchstmögliche Zugfestigkeit von Stahl liegt weit über 700 kg/mm . Die gegenwärtigen
Forschungen mit Haarkristallen und die Entwicklung von Metallen
höchsten Reinheitsgrades mit Hilfe der sogenannten Zonenschmelzprozesse verheißen sogar noch viel größere Fortschritte, um schließlich zu derart hohen Festigkeitswerten zu gelangen.
Wissenschaft und Technik geben uns größere Freiheit in der
Auswahl von Materialien, die Gestalt und Wesen unserer zivilisatorischen Errungenschaften mitbestimmen. Entwicklungen aus jüngster
Zeit führten dazu, daß jetzt ein Metall wie Niob mit seinen einzigartigen Eigenschaften bei extremen Temperaturen, ferner das besonders
korrosionsfeste und leichte Titan sowie Beryllium, das nicht nur zu
den Leichtmetallen zählt, sondern überdies einen doppelt so hohen
Schmelzpunkt wie Aluminium besitzt, in Gebrauch kamen. Verfahren,
solche Materialien durch Schichtung, Legieren, Sprühen, Plattieren
oder Verstärkung miteinander zu verbinden oder sie als Überzugsmaterial zu benutzen, bringen eine derartige Vielfalt neuer nützlicher

-

13

-

�nützlicher Stoffe hervor, daß es selbst für den Konstrukteur
schwierig wird, sich angesichts der großen Auswahl an neuen Werkstoffen für einen bestimmten zu entscheiden.
Die Weiterentwicklung der Verfahrenstechnik ermöglicht die Ausbeutung von Erzen an bisher unzugänglichen Lagerstätten und aus
größerer Tiefe. Der vielleicht bedeutendste Beitrag von Wissenschaft
und Technik zur Lösung unserer Rohstoffprobleme dürfte jedoch in der
Verheißung liegen, nützliche Werkstoffe von weniger hochwertigen
oder gar minderwertigen Erzen zu bekommen, die früher als unwirtschaftlich betrachtet wurden. Am Anfang verwerteten wir nur die
hochwertigen Mineralien, aber wir sahen uns in zunehmendem Maße
gezwungen, auf Rohstoffe geringerer Qualität zurückzugreifen. Dafür
ist Kupfer ein ausgezeichnetes Beispiel. Der Mensch entdeckte zuerst
das gediegene Metall - aber jetzt werden bereits Erze abgebaut, die
weniger als ein Prozent Kupfer enthalten.
Man sollte annehmen, daß dieser Trend mehr finanzielle Aufwendungen erfordert - aber ganz im Gegenteil, der Preis pro Einheit für
die wichtigsten Industrie-Rohstoffe wie Kupfer, Eisen, Zement und
Brennstoffe ist unter Zugrundelegung eines festen Geldwertes gleichgeblieben oder sogar abgesunken. Am Industriearbeiterlohn gemessen
sind die positiven Auswirkungen solcher Errungenschaften sogar noch
eindrucksvoller. In den Vereinigten Staaten ist heute als Folge
technischer Fortschritte für den Gegenwert einer Arbeitsstunde die
sechsfache Menge von Kupfer oder Erdöl und die doppelte Menge von
Kohle oder Zement als im Jahr 1900 erhältlich.
Die steigende Nachfrage nach besseren Konstruktionsmaterialien
wird zum Teil durch neue Synthesewerkstoffe gedeckt. Die Erforschung
des chemischen Aufbaus organischer Verbindungen gab dem Menschen
neue Möglichkeiten an die Hand, Stoffe zu manipulieren. Fast täglich
erscheinen Kunststoffe und KohlenstoffVerbindungen mit immer neuen
und besseren Eigenschaften auf dem Markt. Professor Karl Ziegler,
det gestern erst den Nobelpreis für seine Arbeiten zur Chemie und
Technologie der Hochpolymere entgegennahm, ist einer unter zahlreichen
Deutschen, die für entscheidende Beiträge auf diesem Forschungsgebiet
ausgezeichnet wurden.

_ ,
Werks tolle
-

14

-

�Werkstoffe auf der Basis von Siliziumverbindungen wie Glas
und spezielle keramische Stoffe mit höheren Elastizi tütsv.cr tun und
größerer Warmfestigkeit sind in Entwicklung bzw. finden bereits
praktische Anwendung. Es dürften der Menschheit somit schon bald zwei
große Gruppen von Werkstoffen zur Verfügung stehen, die beide in gleich
großen Mengen vorhanden, beide vielfältig verwendbar sind; sie ergänzen einander und lassen sich kombinieren, wobei die eine Gruppe
auf Metallen und die andere auf Silizium und Kohlenstoff basiert.
Der Gehalt der Erdkruste an Silizium und Kohlenstoff zusammengenommen ist etwa ebenso groß wie ihr Gehalt an Metallen. Die Erzvorkommen aber sind weit und ungleichmäßig über die Erde verteilt,
und in manchen Teilen der Welt sind sie sogar ausgesprochen selten
anzutreffen. Die Anwendung von Kombinations- und Synthesewerkstoffen
ist in den Vereinigten Staaten bereits soweit gediehen, daß ihre Produktion heute schon ungefähr so groß i3t wie die Gesamterzeugung an
Metallen -Eisen und Stahl ausgenommen.
In unseren Forschungslaboratorien haben wir in den letzten Jahren gelernt, neue Atome aufzubauen und auf diese V/eise Elemente umzuwandeln. Jede großtechnische Nutzung dieser Erkenntnisse wird einen
sehr hohen Energieaufwand erfordern - einen Energieaufwand, der in
jedem Falle so hoch ist, daß er nur durch Erschließung der Kernenergie oder anderer Energiequellen höherer Ordnung zu bestreiten sein
wird. Selbst bei vorsichtiger Vorausbeurteilung der Entwicklung kann
man erwarten, daß es dem Menschen gelingen wird, seine Materialsorgen
eines Tages durch den Aufbau neuer Atome zu lösen, sobald er erst gelernt hat, Kernenergie in einem Ausmaß unter Kontrolle zu bringen,
das man heute nur erahnt. Ich möchte nicht riskieren, einen Zeitpunkt
zu nennen, an dem d'*..n der Fall sein wird. Fest steht aber, daß Professor
Jensen von der Universität Heidelberg, der gestern für seinen Beitrag
zur Theorie der Schalenstruktur des Atomkerns ebenfalls den Nobelpreis entgegennahm, Vorbild und Ansporn für buchstäblich Tausende
von Wissenschaftlern sein wird, auf dem gleichen Gebiet zu arbeiten.
Es dürfte klar sein, daß Materialfragen in Zukunft eine immer
wichtigere Rolle spielen, da die Märkte kontinuierlich expandieren
und unser Bedarf an Stoffen immer höheren Reinheitsgrades und an einer

-

15

-

�einer ständig wachsenden Vielfalt immer komplizierterer Produkte
laufend größer wird. Die Materialforschung wird überdies um so mehr
zu einer vordringlichen Aufgabe, als der Stand der Ingenieurkunst
in einer größeren Vielfalt von anorganischen und organischen Feststoffen, Flüssigstoffen und Gasen Ausdruck findet. Die Bemühungen
um Kostensenkung und die Schaffung hochwertiger Produkte dürften
dazu zwingen, die physikalischen Eigenschaften der Stoffe bis zum
äußersten auszuschöpfen. Diese Art fachmännischen Wissens und Könnens
in der Nutzbarmachung der Stoffe zu erlangen muß in der Technik von
heute und von morgen eines der Hauptziele sein. Die Verwirklichung
dieser Zielsetzungen aber hängt von Forschung und Entwicklung ab.
In jüngster Zeit haben viele ihre Sorge über den Mangel an
greifbaren Vorteilen staatlicher Forschung für die Industrie und
Wirtschaft im allgemeinen zum Ausdruck gebracht. In vielen Fällen
wird behauptet, daß der sekundäre Nutzen, welcher der Wirtschaft aus
der Verteidigungs- und Raumfahrtforschung erwächst, nur ein Mythos sei.
Tatsächlich werden gegenwärtig relativ wenig neue wissenschaftliche
Erkenntnisse von grundlegender Bedeutung, die sich aus den Verteidigungsund Raumfahrtforschungsprogrammen ergeben, der kommerziellen Nutzung
zugeführt. Marktlage und Nachfrage stehen jedoch nicht unbedingt
in Beziehung zur weiteren Entwicklung dieser Programme. Forschung
und Entwicklung auf dem Gebiet des Verteidigungswesens mit der Produktion kommerzieller Erzeugnisse zu verknüpfen, ist ein wichtiges
Problem für sich. Setzt man sich mit ihm auseinander, so erweisen
sich Erziehungswesen und Berufsbildung als eine der schwierigsten
Hürden. Viele der neuen Ideen, die für die Verteidigungs- und Raumfahrtprogramme entwickelt wurden, fallen sogar in die Grenzbereiche
der Naturwissenschaft, so daß hochqualifizierte Spezialisten benötigt
werden. Solange diese Spezialisten mit ihren unmittelbaren Aufgaben
befaßt sind, können sie zu der noch größeren Aufgäbe,nämlich Forschungsergebnisse in kommerzielle Produkte und Verfahren

umzu-

setzen, nichts beitragen.
Eine mögliche Lösung besteht darin, Erziehung
in die Fabrik

und Berufsbildung

hineinzutragen. Dieser Gedanke ist keineswegs

-

16

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�keineswegs unrealistisch.. Neue technologische Fortschritte verringern den Bedarf an ungelernten Arbeitskräften. Je mehr die Produktivität durch den Einsatz von mehr Energie und die Anwendung neuer
Erkenntnisse und Methoden steigt, desto weniger Zeit ist für die
Arbeit am Fließband und desto mehr dafür erforderlich, sich mit den
neuesten technischen Entwicklungen vertraut zu machen. Dabei wird
ständig mehr Wert auf Fachwissen gelegt.
Sowohl die Industrie als auch der Staat müssen erkennen, daß
Forschung, Erziehung und Berufseusbildung kein Luxus mehr sind, den man
nur aus Mitteln des Gewinns bestreitet, sondern Geschäftsunkosten,
die auch als solche behandelt werden sollten. Änderungen der "Verfahrenstechnik als Folge neuer technologischer Fortschritte mehren
sich und können eine solche Dynamik erlangen, daß Fortbildung und
Umschulung vielleicht einmal der wichtigste Lohnkostenfaktor der
Zukunft sein werden. Schon heute neigt man zu der Auffassung, daß
der Forschungsprozeß enger mit Arbeitnehmer- und Betriebsproblemen
verknüpft werden müßte. Folglich stellen Anwendung und Nutzung der
wirksamsten Verfahren und Erziehungsmethoden die denkbar besten Investitionen für die Zukunft dar. Die Dividenden werden sich daraus
ergeben, daß beim Arbeitnehmer neues Interesse und neue Freude am
Beruf geweckt werden, sowie aus Möglichkeiten zur Beschleunigung der
Anwendung neuer Techniken - und dies um so mehr, je geringer der
Bildungsunterschied zwischen Arbeitern und Führungskräften ist.
Organisatorische Voraussetzungen
Meiner Ansicht nach bilden in der Nutzbarmachung der natürlichen
Hilfsquellen weder die Größenordnung der Vorkommen noch die Fortschritte in der Methodik ihrer Gewinnung und Verwendung Schlüsselfaktoren, sondern die Organisationsformen, die Volk und Staat entwickeln, um den Gesamtprozeß der Erschließung und Vermarktung unserer Hilfsquellen erfolgreich zum Ziel zu führen. Wie bereits gesagt,
kann es durchaus sein, daß eine Nation mit einem begrenzten natürlichen Reichtum, aber einem leistungsfähigen Wirtschaftssystem einen
hohen Entwicklungsstand erreicht, während eine andere mit eben den
selben natürlichen Hilfsquellen an dieser Aufgabe scheitert. Der
Schutz des Privateigentums, die Steuer- und Handelspolitik, Gewinn-

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17

-

�Gewinnanreize, Konservierungsmaßnahmen,'der Stand des Verkehrswesens und das Ausmaß staatlicher Wirtschaftstätigkeit und Lenkung

- sie alle sind von ausschlaggebender Bedeutung für die

Fähigkeit einer Gesellschaft, vorhandene Energie- und Rohstoffquellen im größtmöglichen Umfang zu nutzen.
Diese Faktoren staatlicher Politik und wirtschaftlicher Organisation sind auf internationaler Ebene von noch größerer Bedeutung.
Die Erschließung von Rohstoffen in Afrika z.B., die schließlich für
die Verwendung in einem deutschen Fertigprodukt bestimmt sind,
schafft eine lange Kette vielfach

verflochtener wirtschaftlicher,

zwischenstaatlicher und menschlicher Beziehungen. Sie beginnt beim
Besitzer der Rohstoffquelle. Sofern er Privateigentümer ist, wird
er an einem vernünftigen und stabilen Preis bei beständiger und
voraussehbarer Nachfrage interessiert sein und seine Besitzrechte
gewahrt wissen wollen. Neben den zahlreichen Zwischengliedern ist der
Endverbraucher zu nennen, der ebenfalls an Fragen wie Preis, Güte,
zuverlässiger Versorgung, Versicherungsschutz während des Transports
und tragbaren Zollbelastungen etc. nicht uninteressiert sein kann.
Es ist uns im großen und ganzen bisher immer gelungen, Mittel und
Wege zu ersinnen, den festen Zusammenhalt dieser Kette zu wahren.
Trotzdem sind uns allen Beispiele geläufig, in denen Politik oder
menschliches Versagen zu einer Unterbrechung des Warenflusses vom
Produzenten zum Verbraucher geführt haben.
Die Grundfaktoren des Erfolgs in der Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen für die Erschließung von Hilfsquellen sind
nach meiner Überzeugung Freiheit und Zusammenarbeit. Ich bin sicher,
daß die Mehrzahl von Ihnen der gleichen Auffassung ist. Das "deutsche
Wunder" der letzten achtzehn Jahren wäre nicht möglich gewesen, hätte
man nicht - dem klassischen Begriff der "Arbeitsteilung" folgend die marktwirtschaftlichen Kräfte im Einsatz der verfügbaren Arbeitskräfte und Hilfsquellen als wichtigstes Regulativ wirksam werden
lassen, gemäßigt allerdings durch die Rücksichtnahme auf soziale
Gesichtspunkte und staatliche Maßnahmen, die Anreiz und Schutz ohne
Einmischung gewähren sollen. Nirgendwo hat dieser Versuch einer
Lösung der Probleme des 20. Jahrhunderts beredteren Ausdruck

-

18

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�Ausdruck gefunden als in Bundeskanzler Erhards "Sozialer Marktwirtschaft" .
Im Gegensatz hierzu finden wir immer noch Länder, in denen
das Fehlen eines ausreichenden Rechtsschutzes, unnötige staatliche
Eingriffe oder produktionsfeindliche Steuergesetze alle Anstrengungen
zur Erschließung und Nutzbarmachung leicht zugänglicher Hilfsquellen
unterdrücken. Hoffnungen auf Privatinvestitionen in- und ausländischer
Kapitalgeber werden zunichte, wo nach Lage der Dinge adäquate öffentliche Finanzierungshilfen nicht verfügbar sind.
Selbst dort, wo ein günstiges Investitionsklima herrscht, ist
es vielfach der Mangel an Investitionskapital, fähige© Unternehmern und
Führunc3kr!ifton, der die Erschließung der Hilfsquellen unterbindet.
Hier müssen die Industrienationen ihre Unterstützung in Form von Privatinvestitionen oder, falls notwendig, in Form staatlicher Auslandshilfe zur Überwindung solcher Hindernisse leisten. Vielfach muß die
Investitionshilfe durch die Entsendung von Verwaltungskräften, Wissenschaftlern und Technikern ergänzt werden, soll sie erfolgreich sein.
Für die freie Welt ist es eine wichtige Organisationsfrage, Menschen
zu finden, die bereit sind, hinauszugehen, aber nicht minder wichtig
ist es auch, daß diese dort vorurteilslos aufgenommen werden. Dies
alles erfordert kooperative Bemühungen großen Stils seitens des einzelnen wie der Regierungen, soll das Gesamtvorhaben erfolgreich sein.
Auch politische Spaltungen können den Zugang zu Rohstoffen blockieren. Staaten mit totalitären Regierungssystemen richten häufig ihre
anfälligen Volkswirtschaften lieber nach den eigenen Märkten aus, anstatt sich nach den Märkten der freien Welt zu orientieren. Aus völlig
grundlosen Befürchtungen oder Vorurteilen heraus verwehren manche
Staaten oft gerade jenen das Recht auf Erschließung oder Vermarktung
ihrer Hilfsquellen, die als einzige willens und fähig wären, dies
unter realistischen, wirtschaftlichen und marktgerechten Bedingungen
zu tun.
In den meisten rohstoffordernden Industrien ist außer privatem
Kapital kein anderes verfügbar. Dabei setzen Investitionen der hier
erforderlichen Größenordnung - bei einem großen Kupferbergwerk beispielsweise bis zu einer halben Milliarde Dollar - ein hohes Maß
an Vertrauen auf Seiten der privaten ausländischen Wirtschaf1«interessanten in die künftige Politik des Erzeugerlandes voraus.

vi^a

�Eine Enteignung - oder die einer Enteignung gleichkommende
Regierungsmaßnahme - bringt die Kapitalquellen nicht nur für das
betreffende Land oder für die fragliche Industrie, sondern für alle
anderen Länder und Industrien zum Versiegen, wo ähnliche Gefahren
drohen. Ein solches Vorgehen könnte den Interessen aller»nämlich
der Bevölkerung des Erzeugerlandes, der Investoren und der Endverbraucher, völlig zuwiderlaufen, ja die Wirtschaft der gesamten freien
Welt lähmen. Es gibt Beispiele aus verschiedenen Teilen der Welt, wo
solche ungesunden Zustände lange Zeit bestanden - einfach deshalb,
weil das so leicht verletzbare Element des Vertrauens nicht vorhanden war.
Der Anreiz zu Handel und Investitionen muß nicht nur von den
Industriestaaten, sondern auch von den Entwicklungsländern selbst
ausgehen, die die wichtigen Rohstoffe erzeugen. Ihre "terms of trade",
d.h. die Relation zwischen den aus Exportgütern erlösten und für
Importgüter aufzuwendenden Preisen und die übrigen Handelsbedingungen
wie Zölle, Quoten und Meistbegünstigungen, müssen gleich sein. Andernfalls könnten ganze Gruppen von Ländern dazu gebracht werden, die
Märkte der freien Welt zu boykottieren - selbst wenn ihnen daraus
nur Nachteile erwachsen.
Wir sehen also, daß die organisatorischen Voraussetzungen
für die Entwicklung von Rohstoffquellen einen ungemein weiten Bereich der menschlichen und nationalen Beziehungen umfassen. Der
Ausbau leistungsfähiger Organisationen für eine zweckentsprechende
Entwicklung und Nutzung unserer natürlichen Hilfsquellen ist in der
freien Welt in einem sehr realen Sinn zur Basis für die Verbesserung
des Loses der Menschen geworden. Wir alle haben daher ein lebhaftes
Interesse an der Fortsetzung ihrer erfolgreichen Tätigkeit. Es
muß unser Ziel und unsere Aufgabe sein, die Naturschätze nicht
nur auszubeuten, sondern sie auch in solchen Mengen auf den Markt
zu bringen, die dem heutigen Massenverbrauch entsprechen, und zwar
zu Bedingungen, die die ständige Verfügbarkeit dieser Hilfsquellen
für uns und für künftige Generationen gewährleisten.

-

20

�Zusammenfassung
In der Vergangenheit hat man vielfach geglaubt, daß die Begrenztheit der natürlichen Hilfsquellen auch der Zahl und dem Wohlstand der Weltbevölkerung Grenzen setze. Eine dieser Theorien der
Entwicklungsbegrenzung besagte, daß die natürlichen Hilfsquellen
irgendwann einmal erschöpft sein würden. Eine andere Lehrmeinung
behauptete, daß an die Qualität der geförderten Rohstoffe immer geringere Ansprüche gestellt

würden, und folgerte daraus, daß die

steigenden Kosten ihrer Nutzung zu einer Verlangsamung des Fortschritts und damit zu einem Absinken des Lebensstandards führten.
Armut und Not wären demnach schließlich das gemeinsame Schicksal
der gesamten Menschheit.
Lieser unser Überblick über die wichtigsten Faktoren, die die
Zukunft des Menschen mitbestimmen werden, führt jedoch nicht zu
derartigen Schlußfolgerungen. Wenn der Mensch hart genug arbeitet
und Erziehung, Wissenschaft, Technik und dem staatlichen und gesellschaftlichen Aufbau genug Aufmerksamkeit zuwendet, dann braucht die
Begrenztheit der natürlichen Hilfsquellen nicht zur Grenze des Fortschritts der Menschheit zu werden.
Ja, es gewinnt sogar die Annahme immer mehr an Boden, daß die
langfristig verfügbare Energie, die für das künftige Wohlergehen der
Menschheit von zentraler Bedeutung ist, selbst in unserer eigenen
begrenzten Sicht als nahezu unerschöpflich gelten könne. Erlangt
der Mensch das als Vorbedingung erforderliche Wissen, so vermag er
sich durch einen entsprechend hohen Energieaufwand nicht nur von
seinen Materialsorgen zu befreien, sondern er kann sogar dem Entwicklungsprozeß neue Impulse geben. Liese erstrebenswerte Stufe haben wir
noch nicht erreicht, und wir wissen auch nicht recht, wie oder wenn
dies geschehen wird. Aber die Idee als solche zeichnet sich bereits
am Horizont der Wissenschaft ab.
Wir müssen immer noch damit rechnen, daß jedes weitere Wirtschaftswachstum harte Anstrengungen seitens des Menschen erfordern
wird und mit vorübergehenden Rückschlägen und sogar Krisen verbunden sein kann. Labei geht es jedoch nicht so sehr um die dem Menschen

-

21

-

�Menschen überkommenen Naturschätze, sondern um die Mehrung seines
Wissens und seines Ideen- und Einfallsreichtums zur Bewältigung
der ihm durch seine Umwelt gestellten Probleme. Der Mensch wird auch
in Zukunft wie schon in der Vergangenheit die größte ihm gestellte
Aufgabe in sich selbst finden.
Ferner geht es nicht lediglich darum, daß der Mensch die Nutzung
der ihm von der Natur geschenkten Hilfsquellen mit dem Blick auf seinen Portbestand einteilt. Eine ständig wachsende Bevölkerungsziffer
in einer Welt des Mangels und der drückenden Armut kann nicht das Ziel
sein. Der Mensch steht letztlich auch noch vor dem Problem, seine
Welt - wie reich sie auch sei - so zu gestalten, daß alle auf ihr
friedlich zusammenleben und die vielfachen Ausdrucksformen des Einzelwesens voll zur Entfaltung gelangen können. Der Mensch kann einer
weiteren Vermehrung seiner Gattung selbst unter günstigsten äußeren
Lebensumständen nicht mit Gleichmut zusehen, solange Haß, Angst und
Streit herrschen.
Während die der Menschheit verfügbaren Hilfsquellen völlig ausreichend sind, hat gerade die Ausweitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse, dieeben dies sicherstellt, dem Menschen Möglichkeiten der
Zerstörung an die Hand gegeben, die die Basis der menschlichen Existenz gefährden.
Wir in Amerika und Sie hier in Deutschland haben einen Lebensstil
und ein Weltbild gemeinsam, die Wohlstand für alle in einem bisher
nie dagewesenen Ausmaß herbeigeführt haben. Mithin läuft die These, die
ich hier zu entwickeln suchte, darauf hinaus, daß für den Menschen unter
eben solchen Lebensbedingungen die größte Hoffnung besteht, die Aufgaben der Zukunft zu meistern - Bedingungen nämlich, unter denen der einzelne wie die Völker die größtmögliche, mit der Wahrung der Rechte
anderer zu vereinbarende Freiheit des Denkens und Handelns im Rahmen
einer auf der Unabhängigkeitsidee basierenden Zusammenarbeit genießen.
In einer solchen Welt wird der Mensch, dessen bin ich sicher, die
Probleme, die ihm gestellt sind, lösen können.
*

* * * *

-

22

�Tabelle 1
Schätzungen zur Weltbevölkerungsziffer, i960 bis 2000 (Angaben in
Zehn-Jahres-Intervallen, in Millionen)

Gebiet

i960

1970

1980

1990

2000

hoch

2920

5500

4280

5360

690O

Durchschnittswert

2910

5480

4220

5140

6280

2900

5550

5850

4570

4880

Afrika

257

575

492

Nordamerika

197

294
225

255

287

65,9

86,4

115

157

665
526
219

140

179

514

452

1620

1980

2 54
2480

52 00

4250

424

457

496

592

16,5

19,4

22,5

540
26

50,2

215

254

297

544

595

niedrig

Mittelamerika
Südamerika
Asien
Europa
Ozeanien
UdSSR

Quelle: Vereinte Nationen
* Hoch-, Mittel- und Niedrigwerte gelten für die gesamte Welt; für
die genannten Gebiete sind nur Maximalwerte angesetzt.

�Tabelle 2
Zunahme der Weltproduktion an Mineralien. Wichtige Mineralien in den
Jahren 1900 bis i960 (Angaben in Zehn-Jahres-Intervallen)

Jahr und Produktionsmenge

Mineral

Einheiten

Eisenerz

in Millionen
Long tons

Kupfer
Aluminium
Kohle
Erdöl
Chromerz
Kobalt
Nickel

Quelle:

1900

1910

1920

1930

1940

90

139

122

176

200

in t'ausend
Short tons

545

946

1057

1 760

in i'ausend
Short tons

7

49

137

860

1280

149

1950 196O

247

514

2734 2915

4990

298

663

164O

4985

1450

1600

1900

2000

2900

328

689

1412

2144

3803

7674

59

119

189

616

1605

2655

4870

in tausend
Short tons

0,2

1,1

0,4

1,4

5,5

7,9

16,7

in tausend
Short tons

10

25

39

60

154

16C

359

in Millionen
Short tons
in Millionen
Barrels
in tausend
Short tons

US-Bergbauamt

�Tabelle 3
K u p f e r i n h a l t der von 1900 b i s i960 in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n
abgebauten Erze (Angaben i n Z e h n - J a h r e s - I n t e r v a l l e n )

J a h r und P r o z e n t g e h a l t der Erze an Kupfer

1900

1910

1920

1930

1940

1950

1960

2,8

1,88

1,63

1,43

1,20

0,89

0,73

Q u e l l e : US-Bergbauamt

�Tabelle 4
Rückgewinnung w i c h t i g e r N i c h t e i s e n m e t a l l e a u s A l t m a t e r i a l i n den
Vereinigten
(Angaben i n

Staaten,

1950 b i s

i960

Fünf-Jahres-Intervallen)

(in tausend Short

Metall

tons)

1950

1955

1960

76

76

63

Kupfer

485

515

429

Blei

474

495

465

Zink

75

84

68

28

25

19

Aluminium

Zinn

'

Q u e l l e : "Kesource's i n A m e r i c a ' s P u t u r e "

(Joho?

und R e s o u r c e s f o r t h e F u t u r e , I n c . ,

Hopkins P r e s s

1962)

�\

Tabelle 5
Anteil der Einfuhren am statistisch erfaßten Verbrauch von Kupfer,
Blei, Zink, Bauxit und Eisenerz in den Vereinigten Staaten,
1930 bis 196O (Prozentangaben in Fünf-Jahres-Intervallen)

Jahr

Kupfer

Blei

Zink

Bauxit

Eisenerz

1930

64,6$

9,1*

5.9*

64,5$

5,0*

1935

58,3

3,5

2,9

58,5

4,2

1940

48,7

35,4

22,9

65,2

3,1

1945

60,3

28,3

42,0

30,1

1,4

1950

47,7

43,5

40,2

76,3

7,7

1955

44,5

38,1

56,3

69,8

18,8

1960

45,7

35,3

60,0

98,4

32,0

Quelle: "Resources in America1s Future" (Johns Hopkins Press und
Resources for the Future, Inc., 1962)

�Tabelle 6
Schätzungen zum künftigen Verbrauch der freien Welt an wichtigen
primär und sekundär erschmolzenen Nichteisenmetallen

Metallverbrauch in
Millionen Tonnen
Metall
1959
Gesamt* PrimärBatall

Aluminium
Kupfer
Zink
Blei
Zinn

3,95
5,03

3,21
2,91

2,89
2,57
0,20

Schätzwerte 1975
Gesamt* Primärmetall

11,1

Wachstumsrate des
Verbrauchs an Primärmetallen,
1959 his 1975
($ pro Jahr)

6,7

10,1

9,1
6,1

2,20

5,4

4,2

4,1

1,64

4,2

2,7

3,3

0,15

0,29

0,21

2,1

4,7

Quelle: Sekretariat der Vereinten Nationen
*Gesamtmengen an Primär- und Sekundärmetallen (mit Ausnahme der
Länder mit Plenwirtschaft)

�Tabelle 7

Gesamtproduktionsindex der Länder der freien Welt für die wichtigsten
Metallerze zwischen 1938 und 1962 (1958 = 100)

Jahr

Freie Welt*

Vereinigte Staaten
und Kanada

Europa*

1938

66

64

66

1948

66
82

77
80

51

100

104

100

100

79
96
100

104

100

98

116

114

108

118

113

113

120

115

111

1954
1956
1958
1959
196O
1961
1962

Quelle: "Monthly Bulletin of Statistics" der Vereinten Nationen,
Jahrgang 17, Mai 1963
*

mit Ausnahme der Länder mit Planwirtschaft

�Tabelle 8
Statistisch erfaßbarer Verbrauch an wichtigen Nichteisenmetallen
(raffiniert) in den wichtigsten Ländern der
freien Welt im Jahr 196O

Verbrauch i960 (in tausend metrischen Tonnen)

Land

Kupfer

Blei

Aluminium

Zink

Zinn

1225

809

1550

Großbritannien

560

287

560

790
276

52
22

Bundesrepublik
Deutschland

516

240
165

504
215
61
112

297
172

28
11

105
51
51
189

5
5
1

Vereinigte Staaten

Frankreich
Belgien

241
76

Italien

185

78

Schweden

91
107

. 44

56

45
104

504
62

95
26

149
24

5760

2212

5147

Kanada
Japan
Indien
Freie Welt*

46

85

60
2442

4
15
4
164

V

Quelle: Zusammengestellt vom Sekretariat der Vereinten Nationen.
* mit Ausnahme der Länder mit Planwirtschaft

�Tabelle

9

E i n - und Ausfuhr an E r z e n von E i s e n und N E - M e t a l l e n i n w i c h t i g e n
Industrieländern

im J a h r 1961

Importe
Eisenerz

Gesamtwert 1961
(in Millionen Dollar)

1352

Exporte

NE-Erze
und
Metalle

3020

Eisenerz

114

NE-Erze
und
Metalle

1304

Gesamtwert 1961
in Prozent

100%

100%

100%

100?

davon:
Vereinigte Staaten
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
Großbritannien

19

21

-

28

43
43
15

54
54
23
23

100
-

54
18

Japan

23

2

Quelle: United Nations Commodity Survey, 1962

�Tabelle

10

A n t e i l e i n z e l n e r E n e r g i e t r ä g e r an der Gesamtenergieerzeugung der
V e r e i n i g t e n S t a a t e n , 1900 "bis i960 (in

Bituminöse
Kohle und
Lignit
Anthrazit

Jahr

Gesamt,
aus angegebenen
Energieträgem

1900

100,0$

1910

100,0
100,0

70,5$
71,1

18,4$
14,0

69,7
55,4
48,1
39,2
26,0

1920
1930
1940
1950
1960

100,0
100,0
100,0
100,0

Zehn-Jahres-Intervallen*)

Erdgas
(nass)

Wasserkraft

4,7$

3,2$

3,2$

7,9

3,5

3,5

10,7

12,0

4,1

3,5

8,0

9,7

3,4

1,2

35,7

11,9
19,8
33,0

3,5

3,2

23,5
31,3
33,2

5,2

Erdöl

4,6
4,1

Q u e l l e : Minerals Yearbook, 1961, US-Bergbauamt
* Prozentangaben auf der Basis von BTU-Einheiten. E n e r g i e e i n h e i t e n
auf der Basis Kernenergie und Holz sind n i c h t b e r ü c k s i c h t i g t .

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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A. 4. 1. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy erklärt Standpunkt der USA zu weltpolitischen Fragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 17.12.1962&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Standpunkt der USA zu weltpolitschen Fragen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Fernsehinterviews vom 17.12.1962&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 18. 1.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy unterbreitet Botschaft über die Lage der Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;State of the Union Message&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 25. 1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy legt neuen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Budget 1963/64&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 25. 1.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy: Die US-Wirtschaft am Scheideweg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht des US-Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 15. 3.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Europa: Kaleidoskope oder getrübter Kristall&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Ansprache des ehemaligen US-Außenministers Dean G. Acheson vor der Universität von Kalifornien, 13.03.1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europe: Kaleidoscope or clouded Crystal&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Address by the Honorable Dean Acheson at the University of California, Berkeley, California, Marsh 13, 1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 15. 3.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;George C. McGhee soll neuer Botschafter der USA in Bonn werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Kennedy hat am Mittwoch seine Absicht bekannt gegeben, den gegenwärtigen Staatssekretär für Politische Fragen im amerikanischen Außenministerium, George C. McGhee, zum neuen Botschafter der USA in der Bundesrepublik zu ernennen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 12. 4.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Kennedys zur Auslandshilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft zur Auslandshilfe der USA, die Präsident Kennedy am 2. April 1963 dem amerikanischen Kongress unterbreitet hat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 17. 5.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und die Verhandlungen zur Ausweitung des Handels &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Hintergrundanalyse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. 5.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA weisen sowjetischen Protest gegen den Aufbau einer NATO-Atomstreitmacht zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Antwortnote der Vereinigten Staaten (18.05.1963) auf die Note der UdSSR vom 08.04.1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. 5.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abenteuer des Raumflugs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Cooper - ein idealer Astronaut, Forschungsvorhaben, Verlauf und erste Ergebnisse des Raumflugexperiments MERCURY-ATLAS 9&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 14. 6. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Bemühungen der USA um den Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten John F. Kennedy, vom 10.6.1963 vor Absolventen der Amerikanischen Universität in Washington&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;25. 6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des Präsidenten der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy in der Paulskirche zu Frankfurt/ Main&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;25. 6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Remarks of the President of the United States of America &lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy, in the Assembly Hall of Paulskriche, Frankfurt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;26. 6.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Remarks of the President of the United States of America &lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy, at the Free University Berlin, Germany&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;26. 6.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Remarks of the President of the United States of America &lt;br /&gt;&lt;em&gt;John F. Kennedy, at the City Hall, West Berlin, Germany&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 26. 7. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Kennedys über US-Zahlungsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft, am 18. Juli 1963 an den US-Kongress&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. 9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy ruft zur Zusammenarbeit für den Frieden auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede vom 20.09.1963, vor der 18. Vollversammlung der Vereinten Nationen gehalten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. 9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle Deutschlands in der Entwicklung der Weltpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede, die der Vorsitzende des Planungsstabs im US-Außenministerium, Walt W. Rostow, am 18.09.1963 vor der Universität von Dayton gehalten hat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;9. 10.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Betrachtung eines Amerikaners über Berlin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Botschafters George C. McGhee, im Amerika Haus, Nürnberg, am 09.10.1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 18. 10. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teststoppvertrag in Kraft getreten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Vertrages über ein Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 1. 11.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Sr. Exsellenz des Außenministers der Vereinigten Staaten Dean Rusk, gehalten am 27.10.1963, in der Paulskirche zu Franktfurt/Main, anlässlich der Einweihung der George C. Marshall - Gedenkstätte am Opernplatz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 8. 11.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelsausweitung und Wirtschaftswachstum in der atlantischen Gemeinschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Ansprache von US-Botschafter George C. McGhee, gehalten vor der Handelskammer, Koblenz, 05.11.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. 12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir werden in dem Streben nach Frieden unermüdlich sein&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Johnsons vor beiden Häusern des Kongresses am 27. November 1963&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. 12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unsere Kraft und Energie ist auf die Zukunft gerichtet&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft Präsident Johnsons zum Erntedanktag 1963&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. 12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Natürliche Hilfsquellen der Welt&lt;br /&gt;Die Situation heute und in der Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Vortrags von US-Botschafter George C. McGhee, gehalten am 11.12.63, vor der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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