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                  <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
1 9 6 3

Nr. 1
Die Bedeutung der Gewerkschaften für
das amerikanische Wirtschaftsleben
Die Aufgaben des "National Labor Relations
Board"
Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen
Gewerkschaften

Nr. 2
Automatisierung führt zur
"Bildungsgesellschaft"
Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht
Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Rehabilitation Behinderter
Erhebliche Veränderungen in der USBeschäftigungsstruktur seit 1950
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 3
Mode 11vertrag der amerikanischen
Automobilarbeitergewerkschaft
Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß
umfassendes Sozialprogramm
Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

*

�4
Erziehung und Schulung in einem
Entwicklungszeitalter (i)
Gewerkschaftli che Kurznachrichten
*

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (il)
Aktuelle Arbeitsmarktprobleme
Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst
Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

6
Der E r f o l g s b e t e i l i g u n g s p l a n
Maschinistengewerkschaft
Gewerkschaftliche

der K a i s e r - S t a h l w e r k e

f e i e r t 75jähriges

Bestehen

Kurznachrichten

1
Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme
der USA in den Jahren 1960-1975 (i)
Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen
technischen Veränderungen
"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt

�Nr. 8/9
Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme
der USA in den Jahren 1960-1975 (il)
Gleiche Berufschancen für die Farbigen
"Stille Einigung" - der neue Stil im USTarif verband lungswesen
Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen
Unfallschutzes
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 10
Die w i r t s c h a f t l i c h e
den USA

S i t u a t i o n der Farbigen

in

V e r s c h ä r f t e Bestimmungen der US-Post zur
Durchsetzung der R a s s e n g l e i c h h e i t
W i r t s c h a f t l i c h e s Wachstum und A r b e i t s l o s i g k e i t
U n f a l l s c h u t z am A r b e i t s p l a t z a l s
Aufgabe
Seeleutegewerkschaft
S t r e i k v e r z i c h t aus

spricht

gewerkschaftliche

sechsjährigen

*

N r . 11
Die amerikanische Sozialversicherung

t

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen
in den USA
Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start
Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

-

3 -

�Nr. 12
Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in
Umschulungskursen
New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule
Beträchtliche Verschiebungen in der
US-Einkommensstruktur
E. A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt
Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen

* * * * *

- 4 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschattsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeltsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Bedeutung der Gewerkschaften für das
amerikanische Wirtschaftsleben

Seite

1

Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"

Seite

7

Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen
Gewerkschaften

Seite

12

Arthur J. Goldberg, Richter am Obersten Bundesgericht
der Vereinigten Staaten:
Die Bedeutung der Gewerkschaften für das amerikanische Wirtschaftsleben
Aus der Monatsschrift "Overseas" .
Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers, der Quelle
und der Vermerk "Copyright 1962 by the Institute of
International Education" erforderlich.
Der Autor war bis August 1962 US-Arbeitsminister
und davor Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Seiner Darstellung
der Rolle der Gewerkschaften in den Vereinigten
Staaten kommt auf Grund seiner langjährigen Erfahrung
in Arbeits- und Gewerkschaftsfragen ein hohes Maß an
Authentizität zu. Im Zusammenhang mit den 19&amp;3 bevorstehenden Feiern anläßlich des 50. Jahrestags der
Schaffung des US-Arbeitsministeriums gewinnt sie
dazu noch besondere Aktualität.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung leistet ihren Beitrag zur
Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten vornehmlich in der Weise, daß sie ihre Kräfte auf die Verbesserung
der wirtschaftlichen und sozialen Lage der arbeitenden Menschen konzentriert. Das Klassenbewußtsein, in anderen Ländern so häufig ein augenfälliger Wesenszug der Gewerkschaftsarbeit, spielte bei der Verbreitung

-

1 -

�Verbreitung des Gewerkschaftsgedankens in den Vereinigten Staaten
niemals eine bestimmende Rolle.
Was die grundlegenden Zielsetzungen angeht, hält sich die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung nach wie vor an die richtungweisenden Lehren von Samuel Gompers, Mitbegründer der American
Federation of Labor (AFL) und ihr erster Präsident von der im Jahre
1886 erfolgten Gründung an bis zu seinem Ableben im Jahre 1924«
Gompe rs' Kampf galt der Anerkennung der Gewerkschaften durch
die Unternehmer. Seine Zielsetzungen lauteten einfach genug: kürzere
Arbeitszeit, höhere Löhne und größere Freiheit. Dem Wirken Gompers'
ist es zu verdanken, daß die Gewerkschaften allmählich im ganzen Volk
als unabdingbarer Bestandteil der Gesellschaft anerkannt wurden. Dieser
große Pionier der Gewerkschaftsbewegung ging von der Überzeugung aus,
das Gedeihen der Gewerkschaftsbewegung sei gleichbedeutend mit "einem
besseren Leben für alle". Er war aber gegen den Versuch, dieses Ziel
durch die Anwendung von Gewalt oder ungesetzliche Schritte anzustreben.
In der Satzung des Gesamtverbandes AFL-CIO, der 1955 durch den
Zusammenschluß der American Federation of Labor und des Congress of
Industrial Organizations entstand, werden als wichtigstes Nahziel
"höhere*Löhne, kürzere Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen"
genannt. Die Arbeiter werden aufgerufen, darüber hinaus dem höheren
Ziel nachzustreben, "ihre Rechte und Pflichten als Bürger voll auszuschöpfen" . Die Satzung ermutigt alle Arbeitnehmer zur Bildung von
"Gewerkschaften, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen", Sie
bestimmt des weiteren, daß alle Arbeitnehmer "ohne Ansehen der Rasse,
des Glaubens, der Hautfarbe, der nationalen Herkunft oder Abstammung...
an den Vorteilen der Gewerkschaftsorganisation teilhaben" sollen. Sie
bringt ferner die Absicht der AFL-CIO zum Ausdruck, die Hoffnungen
und Aspirationen der Werktätigen mit demokratischen Methoden zu verwirklichen, die mit unseren Gesetzen und Traditionen vereinbar sind
und in den Gesamtrahmen unserer konstitutionellen Regierungs- und
Staatsform passen.
Diese Grundsätze werden des weiteren mit der Versicherung bekräftigt, die AFL-CIO werde "die Sache des Friedens und der Freiheit"
fördern und "freie Gewerkschaften in aller Welt unterstützen, ihnen
beistehen und mit ihnen zusammenarbeiten".
Angesichts des ständigen Wandels und der fortgesetzten Expansion
der amerikanischen industriellen Wirtschaft schreitet der Prozeß der
Organisierung der Arbeiterschaft, der Anerkennung der Gewerkschaften
und der Festsetzung der Löhne und Arbeitsbedingungen durch frei ausgehandelte Tarifverträge rasch voran.
Gegenwärtig sind weit über 100 000 derartige Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Kraft. Die Verhandlungen werden gewöhnlich von den einzelnen Gewerkschaften für sich allein
geführt - teils durch das Ortskartell, das die Belegschaft eines
einzelnen Betriebes oder einer Gruppe von Unternehmen vertritt,
teils auch durch mehrere Ortskartelle gemeinsam'," die mit Unternehmens-

-

2

-

�Unternehmensgruppen einer Stadt oder eines bestimmten Gebiets verhandeln, und manchmal - bei Verhandlungen mit Großunternehmen oder
größeren Segmenten eines ganzen Industriezweiges - tritt auch die
nationale Muttergewerkschaft selbst als Gesprächspartner auf.
Der Geltungsbereich der Tarifverträge kann sich außer auf Löhne
und Arbeitsbedingungen noch auf viele andere Fragen erstrecken; dies
ist auch meist tatsächlich der Fall. In den letzten Jahren stand
bei den Verhandlungen in zunehmendem Maße die Forderung nach erhöhten
Lohnnebenleistungen - bezahlte Feiertage, Urlaub, Alters- und Krankenversicherung sowie andere Sozialleistungen - im Vordergrund. Auch der
Wunsch nach größerer Sicherheit des Arbeitsplatzes, wie sie ihren Niederschlag in einer vertraglich garantierten Mindestarbeitswochenzahl
pro Jahr, in den Anciennitätsrechten, in einer vernünftigen Beförderungs- und Versetzungsregelung, in Kündigungsschutzbestimmungen,
Arbeitslosenunterstützungsleistungen und ähnlichen Sozialmaßnahmen
findet, gewinnt immer größere Bedeutung. Tarifverträge erstrecken
sich auch auf Fragen des betrieblichen Unfallschutzes und aller damit
zusammenhängenden Vorkehrungen, der Länge der Arbeitszeit und ihres
Beginns und Endes, der Schicht- und Überstundenarbeit, der Kündigung,
der Verhütung von Streiks und Aussperrungen und des Beschwerderechts
und der Schlichtung.
Der Ausbau des Kollektivverhandlungswesens als wichtigste Methode
zur Erzielung einer weitgehenden Übereinstimmung zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern gehört mit zu den auffälligsten Erscheinungen der
amerikanischen Wirtschaftsdemokratie. Dieses Verfahren des Verhandeina
zwischen Gewerkschaft und Management mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen
ohne direkte Konsultation der betroffenen Arbeitnehmer festzusetzen,
wurde stark in Frage gestellt, als die Unternehmer sich weigerten, an
derartigen Kollektiwerhandlungen teilzunehmen. Dann, in der entscheidungsvollen Anfangsphase der ersten Amtsperiode von Präsident Franklin
D. Roosevelt, wurde als Antwort auf diese Weigerung 1935 das Gesetz
zur Regelung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen (National Labor
Relations Act) erlassen. Es war dies das wichtigste Arbeitsgesetz,
das bis dahin geltendes Recht im Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten
geworden war. Es garantierte allen Arbeitnehmern "das Recht, sich zu
organisieren, Gewerkschaften zu bilden, sich ihnen anzuschließen oder
sie zu unterstützen, über gewählte Vertreter Kollektivverhandlungen
mit den Unternehmern zu führen und zum Zwecke der Führung solcher Verhandlungen und zur gegenseitigen Sicherung und Hilfeleistung gemeinsame
Schritte zu unternehmen".
Das Kollektivverhandlungswesen bildet heute die feste Basis des
expandierenden Bereichs der Zusammenarbeit zwischen den beiden großen
Kontrahenten unseres Wirtschaftssystems, Arbeitgebern und Arbeitnehmern,
und fördert die zunehmende Anerkennung des dritten großen Partners - des
Staates.
Die Entwicklung dieses demokratischen Dreigestirns findet ihren
Ausdruck auch in der Arbeit des Beirates des Präsidenten für Fragen der
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, dessen Gründung Präsident Kennedy
1961 durch Erlaß verfügte. Der Ausschuß, in dem Arbeitnehmer, Arbeitgeber

-

3 -

�•

Arbeitgeber und Staat gleich stark vertreten sind, besteht aus 21
Mitgliedern. Er hat bereits eine ganze Reihe von wichtigen Problemen
unserer Wirtschaftsordnung, die gegenwärtig einen raschen Wandel
durchmacht und immer komplizierter wird, aufgegriffen und ergründet
und ist dabei in Neuland vorgestoßen. Lösungen für diese Probleme
können selbstverständlich nicht kurzfristig gefunden werden; der Gedankenaustausch aber, den die Tätigkeit des Ausschusses in Gang setzte,
berechtigt zu der Hoffnung, daß die amerikanische Arbeits- und Sozialpolitik von dieser Seite her neue Impulse erhalten wird und daß die USWirtschaft an der Schwelle eines neuen, erfolgverheißenden Zeitalters
steht.
Die zunehmende Mitwirkung der Gewerkschaften an der Gestaltung
des nationalen Lebens unterstreicht nur einen Aspekt der Gewerkschaftsarbeit, der schon immer besonders gepflegt wurde. Vertreter der Gewerkschaften sitzen in den Beratungsausschüssen zahlreicher Stellen
des Bundes und der Einzelstaaten und sind in verantwortliche Positionen
aufgestiegen. Gewerkschaftsmitglieder werden in steigender Zahl in
Organe der lokalen Selbstverwaltung wie Schulaufsichtsbehörden, Stadtverordnetenversammlungen, Bibliothekskuratorien und dergleichen gewählt oder berufen.
Im ersten und zweiten Weltkrieg traten viele Gewerkschaftsfunktionäre in den Dienst von Behörden. Heute sind die Gewerkschaften durch
führende Mitglieder in einer ganzen Reihe von staatlichen Körperschaften
und Ausschüssen tätig, die sich mit Fragen des Schul- und Bildungswesens, der Ausweitung des Außenhandels usw. befassen.
Bei politischen Wahlen bleibt es den Gewerkschaftsmitgliedern
völlig unbenommen, für wen sie stimmen. Die Gewerkschaften sehen ihre
politische Aufgabe ausschließlich darin, ihre Mitglieder über die Ansichten der Kandidaten und deren bisheriges Verhalten bei Abstimmungen
und im Amt zu unterrichten, die Wählerschaft zur Ausübung ihrer Wahlrechte anzuhalten und sich in die Gesetzgebung, -c^weit sie Wirtschaftsund Sozialfragen betrifft, möglichst schon im Planungsstadium einzuschalten. Diese Mitwirkung der Gewerkschaften an der Gesetzgebungsarbeit
im Kongreß und in den einzelstaatlichen Parlamenten hat ihrerseits tiefe
Rückwirkungen auf die Arbeiterbewegung gezeitigt.
Das amerikanische Arbeitsministerium, das 1963 den 50. Jahrestag
seiner Gründung feiert, entstand unter tatkräftiger Förderung durch
die Gewerkschaften. Obwohl es nur rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt
und somit zahlenmäßig das kleinste der zehn Ministerien ist, ließen
es sein Eintreten für die Interessen und das Wohl der Erwerbstätigen in
den USA zu einer der aktivsten Regierungsbehörden werden.
Anfang dieses Jahrhunderts konnte die Gewerkschaftsbewegung in
den Einzelstaaten verschiedene Reformgesetze durchsetzen. Zu den ersten
diesbezüglichen Erfolgen rechnen die von mehreren Bundesstaaten erlassenen Gesetze über die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit in der Industrie sowie gesetzliche Vorschriften zur Verhütung von Betriebsunfällen.
Die Gewährung von Renten im Invaliditätsfalle ist heute in den meisten
Einzelstaaten gesetzlich geregelt, und Kinderarbeitsgesetze bestehen
in sämtlichen.
T

- 4 -

�Im Jahre 1890 erließ der Kongreß das sogenannte Sherman-Antir
Trust-Gesetz, das eine Regelung des Handels zwischen den einzelnen
Bundesstaaten brachte. Das Clayton-Anti-Trust-Gesetz von 1914, ein
Ergänzungsgesetz zum Sherman Act, untersagte Alleinverkaufs-Kontrakte
und örtliche Preissenkungen, die ein Abwürgen von Konkurrenten zum
Ziele haben. Es bescheinigte den Gewerkschaften ausdrücklich, daß
sie nicht unter die verbotenen Zusammenschlüsse fallen, beschränkte
den Erlaß einstweiliger Anordnungen gegen gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen und erklärte friedliche Streiks, Boykotte und Streikposten
ausdrücklich für zulässig.
Das Adamson-Gesetz von 1916 verfügte die Einführung des Achtstundentages als Grundarbeitszeit für die Eisenbahnbediensteten. Diese
Maßnahme war ein Markstein im langen Kampf der Gewerkschaften um die
Einführung einer verbindlichen Norm für die tägliche Arbeitszeit, die
heute in der ganzen Welt gilt. Das Gesetz zur Regelung der Arbeit bei
den Eisenbahnen (Railway Labor Act) aus dem Jahr 1926 bedeutete, obwohl
es sich nur auf den Transportsektor erstreckte, einen wichtigen Wendepunkt in der Politik der Gewerkschaftsbewegung. Von dem Grundsatz ausgehend, daß Kollektivverhandlungen die Basis für ein gutes Verhältnis
zwischen Arbeitnehmern und Management bilden, verschafften die Gewerkschaften den Bahnbediensteten das Recht, sich ohne Einmischung seitens der Unternehmensleitung zu organisieren und Gewerkschaften beizutreten .
Der Börsenkrach von 1929 lähmte die amerikanische Wirtschaft
nahezu gänzlich. Die Schlangen vor den Armenküchen, die an Werkstoren
angeschlagenen Schilder "Keine freien Stellen" und die allgemeine Angst
und Hoffnungslosigkeit versetzten das Land in einen Zustand der Apathie
und Untätigkeit. Am tiefsten Punkt der Depression, im Jahre 1932, verabschiedete der Kongreß dann das Norris-La Guardia-Gesetz, das die gesetzlichen Streikverbote drastisch einschränkte.
Nur wenige Jahre später erließ der Kongreß weitere wichtige Gesetze
zur Verbesserung des Loses der arbeitenden Menschen, darunter auch das
Sozialversicherungsgesetz von 1935» das die Alters- und Invaliditätsversicherung der Arbeitnehmer regelte.
In der Nachkriegszeit setzten sich die Gewerkschaften entschlossen
gegen die Versuche vor. Kommunisten zur Wehr, die Arbeiterbewegung zu
unterwandern und Einfluß auf sie zu gewinnen. Für die Kommunisten endete
dieser Kampf mit einer vernichtenden Niederlage. Ihren dramatischen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung in den Jahren 1949 und 1950» als
der Congress of Industrial Organizations (CIC) elf kommunistisch-beherrschte Mitgliedgewerkschaften ausschloß. Der erfolgreiche Widerstand
der amerikanischen Gewerkschaften gegen kommunistische Strömungen im
Inneren bildete den Auftakt zu einer immer stärkeren Teilnahme der Gewerkschaften an dem weltweiten Ringen um Freiheit und Demokratie.
Hand in Hand mit dem Kampf gegen den Kommunismus gingen die Bestrebungen der AFL-CIO, die Arbeiterbewegung auch von anderen korrumpierenden Einflüssen frei zu halten. Ihr Disziplinarausschuß entwarf
sechs Ehrenordnungen für die verschiedenen Bereiche der Gewerkschaftsarbeit, die auf dem Jahreskongreß der AFL-CIO 1957 angenommen wurden. Der

-

5 -

�Der Disziplinarausschuß hatte ferner die Aufgabe, etwaige Mißstände
innerhalb der Mitgliedgewerkschaften aufzudecken. Auf Grund der Ergebnisse seiner Untersuchungen schloß der Jahreskongreß von 1957 drei
große Mitgliedgewerkschaften aus der AFL-CIO aus und ergriff disziplinarische Maßnahmen gegen eine vierte. Eine fünfte Mitgliedgewerkschaft, die vom Vorstand ungebührlicher Praktiken bezichtigt worden
war, leistete der Aufforderung Folge, die Mißstände noch vor der Jahrestagung zu beseitigen.
In der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), deren Mitglied
die Vereinigten Staaten 1934 wurden, arbeiten die amerikanischen Gewerkschaften seither aktiv mit. Die Mitarbeit in der ILO, die inzwischen
Sonderorganisation der Vereinten Nationen geworden war, hat die APL-CIO
auch nach dem Zusammenschluß fortgesetzt. Die internationale Tätigkeit
der amerikanischen Gewerkschaften findet ihre sinnvolle Ergänzung durch
die Mitgliedschaft im Internationalen Bund freier Gewerkschaften und
in den Internationalen Gewerkschaftssekretariaten.
Ein neugegründeter Zehnerausschuß der AFL-CIO für Fragen der Allianz
für den Fortschritt, an dessen Spitze der Präsident des Verbandes, George
Meany, steht, arbeitet gegenwärtig ein Programm für die Gewerkschaftstätigkeit in den lateinamerikanischen Ländern aus. Der AFL-CIO-Ausschuß
für die Vereinten Nationen richtete ein "Freundschaftsburo" ein, um
interessierte ausländische UN-Delegierte - vornehmlich Männer und Frauen,
die selbst aus der Gewerkschaftsarbeit kommen - mit der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung vertraut zu machen.
Die wachsende Bedeutung, die die Gewerkschaften für das gesamte
Leben des amerikanischen Volkes gewonnen haben, manifestiert sich in
einer Reihe von mächtigen Verwaltungsbauten, die die Gewerkschaften in
jüngerer Zeit in der Landeshauptstadt errichten ließen.
Der Gesamtverband AFL-CIO, der seinen Sitz in Washington hat, vertritt 134 nationale und internationale (d.h. auch in Kanada tätige) Gewerkschaften mit - nach dem Stand von 1§60 - 14 99 2 000 Mitgliedern.
Daneben gibt es noch 50 unabhängige Gewerkschaften mit 3 045 000 Mitgliedern (Stand von 1960). Hinzu kommen noch die unabhängigen Betriebsgewerkschaften und die der AFL-CIO-Zentrale direkt angegliederten selbständigen örtlichen Gewerkschaften mit insgesamt 580 000 Mitgliedern.
Der Zusammenschluß der beiden Verbände AFL und CIO zur AFL-CIO
im Jahre 1955 beendete die Spaltung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, die seit 1938 bestanden hatte, als im Zuge der Auseinandersetzung
um die Frage, inwieweit die Arbeitnehmer in Fach- bzw. Industriegewerkschaften zu organisieren seien, eine Gruppe von Gewerkschaften aus dem
damaligen Dachverband AFL austrat und sich in der CIO zusammenschloß.
In den vorausgegangenen sieben Jahrzehnten, in denen die Arbeiterbewegung
von der AFL beherrscht worden war, hatten der Gewerkschaftsgedanke und
die Gewerkschaften selbst einen gewaltigen Aufschwung genommen, und die
wirtschaftliche und soziale Lage der amerikanischen Arbeiter hatte sich
in einem Ausmaß gebessert, das alle Erwartungen übertraf.
Der

�Der Zusammenschluß der beiden rivalisierenden Gewerkschaftsverbände im Jahre 1955 wurde als Beginn einer neuen Zeit begrüßt, der
Zeit der reifen industriellen Demokratie.
Das langwierige Ringen um die Anerkennung der Gewerkschaften ist
längst siegreich beendet, und ihre Stellung im Wirtschaftsleben ist
im Gesetz des Landes inzwischen fest verankert. Eine erneute Bestätigung
fand diese Tatsache, als Präsident Kennedy 1962 durch Erlaß die Beschäftigungsverhältnisse im Bundesdienst dahin igehend modifizierte, daß die
Bundesbediensteten das Recht erhalten, sich durch Organisationen ihrer
eigenen Wahl vertreten zu lassen. So erwachsen den verantwortlichen
Männern an der Spitze der amerikanischen Gewerkschaften immer neue
Aufgaben, die sie mit wachsender Entschlossenheit zu lösen gedenken.

Aus "Overseas", einer Zeitschrift
für Fragen des Erziehungsaustauschs
(Ausgabe September 1962). Copyright
1962 by the Institute of International
Education.

* * * * *

Frank W. McCulloch, Vorsitzender des Nationalen Ausschusses für
ArbeitsbeZiehungen»
Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"
Die dem "National Labor Relations Board" (NLRB) vom Kongreß übertragene Aufgabe ist ausschließlich auf ein Ziel gerichtet! das Tarifverhandlungswesen zu fördern und die Freiheit der Arbeitnehmerorganisationen zu sichern, um dadurch den industriellen Frieden zu festigen.
Seit 27 Jahren ist der "National Labor Relations Act" die Grundlage
dieser Bestrebungen.
Die Statuten des "NLRB" sind zwar im Laufe der Jahre verschiedentlich abgeändert oder neu gefaßt worden, und auch der Ausschuß selbst
wurde inzwischen erweitert, aber weder die grundsätzliche Einstellung
in Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen in den USA noch die
Aufgaben und die Verantwortlichkeit des "NLRB" hinsichtlich der Förderung dieser Beziehungen haben sich dabei irgendwie geändert.
Es

�Es ist unsere Pflicht, den Interessen der Nation als Ganzen
dadurch zu dienen, daß wir harmonische Beziehungen zwischen den
Sozialpartnern durch die Garantierung und den Schutz gewisser Grundrechte des Arbeitnehmers fördern. Zu diesen Grundrechten zählen u.a.
das Recht der Arbeitnehmer, einer Gewerkschaft beizutreten und sich
in freien und offenen Kollektivverhandlungen mit ihren Arbeitgebern
in Arbeitsfragen auseinanderzusetzen. Wie gesagt ist es die ausschließliche Aufgabe des "NLRB" , die Ziele nur dieses Gesetzes in
der Praxis zu verwirklichen, während die Behandlung aller anderen ,
Rechtsfragen, die sich aus der Anwendung der zahlreichen Arbeitsgesetze - wie etwa des Kinderarbeitsgesetzes, des Mindestlohnoder des Arbeitszeitgesetzes - ergeben, nicht in den Kompetenzbereich
unseres Amtes fällt.
Wir sind eine unabhängige Behörde, an deren Spitze ein fünfköpfiger Ausschuß (Board) steht, dessen Mitglieder vom Präsidenten direkt
für die Dauer von fünf Jahren ernannt werden. Neben der Zentrale in
Washington unterhalten wir noch 28 Regionalbüros in den verschiedenen
Teilen des Landes. Bei einem Jahresbudgetbetrag von rund 20 Millionen
Dollar, der uns zur Verfügung steht, sind in unseren Dienststellen etwa
1850 Angestellte beschäftigt.
Das "Gesetz über Arbeitsbeziehungen" (National Labor Relations
Act) entstand in den Depressionsjähren während der ersten Amtszeit
Präsident Roosewelts. In jener Zeit der Massenarbeitslosigkeit war
die Verhandlungsposition des einzelnen Arbeitnehmers im Hinblick
auf Löhne und Arbeitsbedingungen denkbar schlecht. Bei rund 10 Millionen Arbeitsuchenden mußte der beschäftigte Arbeitnehmer entweder das
akzeptieren, was ihm vom Unternehmer geboten wurde, oder aber seinen Arbeitsplatz aufgeben. Nur im Rahmen einer Organisation hätte
der einzele damals die Möglichkeit gehabt, seine Verhandlungsposition
gegenüber den Unternehmern zu stärken. Derartigen Bemühungen auf
Seiten der Arbeitnehmer wurde von Unternehmerkreisen seinerzeit jedoch heftiger Widerstand entgegengesetzt. Zwischen 1935 und 1935 z«B.
resultierten etwa 70 Prozent aller Streiks aus der Weigerung der Arbeitgeber, die Gewerkschaften als Tarifverhandlungspartner anzuerkennen oder mit ihnen in Verhandlungen einzutreten.
Im Jahre 1935 brachte dann Senator Robert Wagner aus New York
im Kongreß eine Gesetzesvorlage ein, die darauf abzielte, das uneingeschränkte Koalitionsrecht der Arbeitnehmer zu sichern, das allgemeine
Streikrecht zu garantieren und die Arbeitgeber zu zwingen, mit den gewählten Vertretern der Arbeitnehmerverbände über Tarife zu verhandeln. Das noch im gleichen Jahr verabschiedete Gesetz (National Labor
Relations Act) führte im einzelnen die verschiedenen Grundrechte.der
Arbeitnehmer und ihrer Organisationen an und verbot zwecks wirksamer
Durchsetzung der einzelnen Bestimmungen verschiedene bis dahin in der
Wirtschaft übliche Praktiken. AJLs sogenannte "unfair labor practices" unfaire Beschäftigungspraktiken - bezeichnet das Gesetz dabei u.a.l
1. das Abhalten eines Beschäftigten von der Ausübung seiner legitimen gewerkschaftlichen Tätigkeiten durch den Unternehmer;
2. die Unterstützung, Beherrschung oder Kontrolle einer Arbeitnehmerorganisation oder Gewerkschaft durch das Unternehmen^

-

8

�3. die Entlassung oder Diskriminierung von Arbeitnehmern auf
Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft oder ihrer
Tätigkeit für diese;
4. die Diskriminierung von Arbeitnehmern, die auf Grund des Gesetzes Klage führen oder gegen den Unternehmer als Zeugen
aussagen;
5. die Weigerung des Managements, mit den Gewerkschaften als den
von den Arbeitnehmern gewählten Vertretern in Tarifverhandlungen einzutreten.
Der "National Labor Relations Act" von 1935» der allgemein als
"Wagner Act" bezeichnet wird, verbot zwar sämtliche unfairen Praktiken
der Unternehmer, sagte aber nichts in dieser Hinsicht über die Gewerkschaften aus. Er war daher auch jahrelang Gegenstand heftiger Angriffe
aus den Kreisen des Unternehmertums, der Farmer und anderer Gruppen.
Diese Opposition wuchs von Jahr zu Jahr und erreichte im zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt, als auf Grund des allgemeinen Arbeitskräftemangels die Machtposition der Gewerkschaften immer stärker wurde und
auch teilweise zu einem Mißbrauch der Macht führte. Auf Grund der industrieweiten Streiks, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit wichtige
Industriezweige für lange Zeit lähmten (Bergbau, Stahlindustrie,
Schiffsbau), brachte dann Senator Robert Taft aus Ohio im Kongreß
wichtige Xnderungsvorlagen zum "National Labor Relations Act" ein.
Diese Änderungsvorschläge Senator Tafts wurden 1947 v °m amerikanischen Kongreß mit der Verabschiedung des "Labor-Management Relations
Act** (Taft-Hartley Act) weitgehend berücksichtigt, der als "unfaire
Praktiken" der Gewerkschaften folgende Tätigkeiten bezeichnet»
1 • die Ausübung von Zwang oder die Diskriminierung von Mitgliedern oder Nichtmitgliedern wegen der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Gewerkschaft;
2. die Weigerung, mit einem Unternehmer Kollektivverhandlungen
zu führen;
3. die Auslösung oder Begünstigung eines Streiks, wenn es dabei
um folgendes geht»
a. Arbeitnehmer zu zwingen, einer Gewerkschaft beizutreten,
b. "Neutrale" zu zwingen, in einer Arbeitsstreitigkeit Partei
zu ergreifen,
c. einen Zwang auf die Unternehmer auszuüben, "MindprheitenGewerkschaften" als Tarifpartner anzuerkennen oder mit
diesen Tarifverhandlungen zu führen^
4. die Einschränkung der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder durch
Erhebung außergewöhnlich hoher Beiträge oder Aufnahmegelder;
5. die Erpressung von Geldern von den Unternehmern für Arbeiten,
die nicht geleistet wurden.
Dieses Gesetz wurde dann im Jahre 1959 erneut modifiziert, und verschiedene Paragraphen wurden neu aufgenommen, die u.a. die Offenlegung
der Finanzen der Gewerkschaften verlangen und Vorschriften hinsichtlich
der Verwaltung von Fondsgeldern usw. durch Funktionäre der Gewerkschaften enthalten.
TTV,„„
Unsere

�Unsere praktische Tätigkeit ist weitgehend mit der eines
"Arbeitsgerichtes" zu vergleichen. Die von Einzelpersonen oder
Organisationen bei unseren über das gesamte Staatsgebiet verteilten
Regionalbüros eingehenden Beschwerden oder Hinweise auf Verletzungen
der Gesetzesvorschriften werden von flen Vertretern dieser Büros zuerst auf ihre Stichhaltigkeit hin unitersucht. Wird dabei festgestellt,
daß tatsächlich Verstöße gegen das Gesetz vorliegen, so setzen die
Untersuchungsbeamten das beschuldigte Unternehmen bzw. die Gewerkschaft davon in Kenntnis, setzen eine, Klageschrift auf und benachrichtigen gleichzeitig den Labor Board in Washington, Daraufhin
schicken wir einen Vertreter zur Untersuchung des Falles an Ort und
Stelle, wo er in einem sogenannten "hearing", einem Verfahren zur
Ermittlung der Tatbestände, die betreffenden Parteien anhört. Auf
Grund dieser Verhandlung und nach Anhörung der Argumente beider Seiten fertigt er dann einen Schriftsatz an, der die Tatbestände im einzelnen aufführt, eine Würdigung der Rechtslage enthält und schließlich die sich daraus ergebenden Auflagen oder Maßnahmen angibt.
Die Beamten der Regionalbüros unterstehen disziplinarisch dem
Generalanwalt unseres Amtes und nicht den fünf Mitgliedern des Board};
und die Untersuchungsbeamten sind gegenüber dem Board ebenfalls unabhängig. Sie werden aus einer Liste ausgewählt, die von der unabhängigen
"Civil Service Commission" zusammengestellt wird, der Aufsichtsbehörde
für alle Bundesbeamten»
Wenn eine Partei mit der Entscheidung des Untersuchungsbeamten
nicht einverstanden ist, so kann sie beim Labor Board in Washington
eine Revision des Urteils beantragen» Wir überprüfen dann erneut
die einzelnen Tatbestände, die Rechtslage sowie die vom Untersuchungsbeamten vorgeschlagenen Rechtsmittel und veröffentlichen ein
Urteil, durch das der Fall entweder abgewiesen oder aber der beklagten
Partei zur Auflage gemacht wird, die beanstandeten gesetzwidrigen
Praktiken aufzugeben und entsprechende Schritte zu unternehmen, um
das begangene Unrecht wieder gutzumachen. Wenn z»B. ein Unternehmer
angeklagt ist, Arbeitnehmer auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer
Gewerkschaft entlassen zu haben, und wir nach Prüfung der Tatbestände
feststellen, daß das tatsächlich der Fall war, so machen wir es dem
Unternehmer zur Auflage, die betreffenden Arbeitnehmer bei rückwirkender Zahlung des Lohnes wiedereinzustellen und sich in Zukunft derartiger antigewerkschaftlicher Praktiken nicht mehr zu bedienen.
Es steht allerdings nicht in unserer Macht, die von uns ergangenen Urteile durchzusetzen oder eine Mißachtung dieser Auflagen zu
bestrafen. In solchen Fällen müssen wir uns an die höheren Bundes«
Appellationsgerichte wenden und diese um die Durchsetzung der Auflagen
ersuchen. Desgleichen kann natürlich jede verurteilte Partei die Aufhebung des Spruches bei einem solchen Gericht beantragen, wenn sie
der Ansicht ist, daß wir den Tatbestand nicht richtig wiedergegeben,
die Rechtslage falsch ausgelegt haben, oder die Auflage ihr ungerechtfertigt erscheint. Wenn wir das A-Ppellationsgerieht um die Durchsetzung
unseres Spruches ersuchen oder, umgekehrt, die beschuldigte.Partei eine
Aufhebung der Auflage verlangt, so ist dieses öffentliche Gericht in
seiner Urteilsfindung vollkommen unabhängig. Es ist dabei durchaus
keine Seltenheit, daß Gerichte unser Urteil in allen Punkten verwerfen
(seit 1935 in 17# aller Fälle).
Neben

-

10 -

�Neben der Behandlung von Fällen "unfairer Arbeitspraktiken"
ist es noch unsere Aufgabe, Repräsentationswahlen in den Betrieben
durchzuführen, damit festgestellt wird, welcher Gewerkschaft die
Arbeitnehmer eines Unternehmens die Vertretungsrechte übertragen
wollen. Denn im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern, wo
mehrere Gewerkschaften gleichzeitig die Interessen der Arbeitnehmer
eines Betriebes wahrnehmen können, kann in den Vereinigten Staaten
immer nur eine Gewerkschaft als bevollmächtigter Arbeitnehmervertreter innerhalb eines Unternehmens agieren. Voraussetzung für die
Übertragung der Vertretungsrechte an eine Gewerkschaft ist, daß
sie die meisten Stimmen bei der Abstimmung auf sich vereinigt.
Wenn also eine Gewerkschaft (oder mehrere) den Anspruch auf die Vertretungsrechte bei einem Regionalbüro des "NLRB" anmeldet und nachweisen kann, daß ein großer Teil der Arbeitnehmer des Betriebes
^gewöhnlich mindestens 30 Prozent) die Vertretung durch diese Gewerkschaft wünscht, dann führen wir auf Grund dieses Antrages eine
Repräsentationswahl durch. Spricht sich eine Mehrheit der Arbeitnehmer
gegen die Vertretung durch eine der kandidierenden Gewerkschaften aus,
so gewinnt keine von ihnen die Vertretungsrechte; im anderen Falle
erhält die Gewerkschaft die ausschließlichen Vertretungsrechte, die
den höchsten Stimmenanteil hat. Sie übernimmt damit die Verpflichtung,
die Arbeitnehmer bei allen Tarif- und anderen Verhandlungen zu vertreten.
So viel über die vom Gesetz uns auferlegten Pflichten und Aufgaben. Wie sieht nun aber unsere Tätigkeit in der Praxis aus?
Im vergangenen Finanzjahr z.B. führten wir insgesamt 6600 Vertretungswahlen durch, bei denen 89 Prozent der rund 500 000 wahlberechtigten Arbeitnehmer ihre Stimmen abgaben. Bei diesen Abstimmungen
über die gewerkschaftlichen Vertretungsrechte wurden 59 Prozent aller
Stimmen für Gewerkschaften abgegeben; und in 55 Prozent der Fälle erhielten die Gewerkschaften die Vertretungsrechte. Im gleichen Zeitraum
gingen bei uns über 12 000 Anzeigen wegen unfairer Arbeitspraktiken
bzw. Verstößen gegea den "Labor-Management Relations Act" ein.
Rund 8000 davon richteten sich gegen Unternehmer, etwa 4000 gegen
Gewerkschaften. Die meisten dieser Streitigkeiten werden in der Regel
auf informelle Art und ohne Ingangsetzung eines Verfahrens zur Zufriedenheit aller Beteiligten beigelegt, und zwar schon auf regionaler
Ebene. Auch die von uns in den Verfahren gefällten Sprüche und die
erteilten Auflagen werden im allgemeinen ohne weiteres von den Verurteilten akzeptiert bzw. beobachtet.

(Quellet Eigenbericht)

******

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11

-

�Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen Gewerkschaften
Ebenso wie die vergangenen Jahre stand auch 1962 ganz im
Zeichen der Bemühungen der Arbeitnehmerverbrinde um eine weitgehende
Absicherung der Arbeitsplätze und Einkommen gegenüber den Auswirkungen der schnellen technologischen Veränderungen, die in letzter
Zeit neben der Industrie auch sämtliche anderen Zweige der Wirtschaft
immer stärker erfaßt haben.
Ausdruck dieser intensiven Bemühungen sind vor allem die zahlreichen Verbesserungen, die die Gewerkschaften in dieser Hinsicht
im vergangenen Jahr in den neu abgeschlossenen Tarifverträgen verankern konnten; aber auch die diesbezüglichen Gesetze und Programme,
die 1962 vom Kongreß verabschiedet wurden, beweisen, in welchem Maße
die Gewerkschaften ihren arbeits- und sozialpolitischen Forderungen
in den gesetzgebenden Körperschaften des Landes Gehör verschaffen
konnten.
Zu den wesentlichen Verbesserungen zum Schutz von Arbeitsplätzen und Einkommen der Arbeitnehmer, die im letzten Jahr in die
Tarifverträge aufgenommen wurden, zählen vor allem die Errichtung
von Arbeitgeberfonds, aus denen alle die Arbeitnehmer einen Härteausgleich erhalten, die auf Grund von Mechanisierungsmaßnahmen
Arbeitszeit- und Einkommenseinbußen erleiden; die Gewährung von
Entlassungsgeldern; die Herabsetzung des Pensionsalters und die Erhöhung der Versicherungsleistungen im Rahmen der privaten Pensionspläne für freigesetzte Arbeitnehmer; sowie die Zahlung von Uraschulungs- und Umzugsbeihilfen.
Auf dem legislativen Sektor fanden diese gewerkschaftlichen
Sicherungsmaßnahmen eine allgemein verbindliche Ergänzung in dem
sogenannten "Manpower Development and Training Act of 1962" einem Bundesgesetz, das all jenen Arbeitnehmern die kostenlose Umschulung auf neue Berufe ermöglicht, die ihren alten Arbeitsplatz
auf Grund von Automationsmaßnahmen verloren haben, und ihnen für
die Dauer eines Jahres finanzielle Zuwendungen in Höhe der Arbeitslosenunterstützung sichert.
Während die Regierung 1962 immer wieder erklärte, daß eine allgemeine Herabsetzung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit
auf 36 oder 35 Stunden nach ihrer Ansicht nicht das geeignete Mittel
sei, um die Erwerbslosenrate auf ein tragbares Maß (von derzeitig
5,5 auf etwa 4»0 Prozent) zu senken, und das Problem nur mittels geeigneter wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate gelöst werden könne, nahm der Exekutivausschuß
der "AFL-CIO" einstimmig eine Entschließung an, in der - als Mittel
zur Vergrößerung des Arbeitsplatzangebots - die Verkürzung der Arbeitswoche von 40 a uf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich gefordert
wird. Gleichzeitig wurde vom Vorstand eine Arbeitsgruppe gebildet,
deren Aufgabe es ist, sich für eine Änderung des "Gesetzes über die
Regelung der Arbeitszeiten und Löhne" und für die Aufnahme kürzerer
Arbeitszeiten in neue Tarifverträge einzusetzen»
In

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12

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�In Anbetracht der verstärkten Bemühungen der Gewerkschaften
um eine Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen der Arbeitnehmer
war die Entwicklung auf dem lohnpolitischen Sektor während des
vergangenen Jahres verhältnismäßig ruhig. Nach den letzten Übersichten
des "Amts für Arbeitsstatistik" verzeichneten die industriellen
Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 1962 Lohngewinne von durchschnittlich 2,7 Prozent, und auch für das zweite Halbjahr 1962 kann auf
Grund der bisher vorliegenden Informationen eine ähnliche Entwicklung
angenommen werden»
Im September z.B. belief sich der durchschnittliche Wochenlohn
eines Industriearbeiters mit drei Angehörigen auf insgesamt 85»91
Dollar (78,24 Dollar für Alleinstehende). Gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres war damit ein Anstieg der Brutto- und Nettolöhne
um 4*30 Dollar bzw. 3,40 Dollar eingetreten.
Nicht unerwähnt bleiben darf in_diesem Zusammenhang auch die
automatische Lohnerhöhung, die sich - auf Grund der Anhebung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne von 1,00 Dollar auf 1,20
Dollar - 1961 für rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer ergab, die alles
in allem bis September 1962 etwa 500 Millionen Dollar mehr an Löhnen
bekommen haben dürften.
Einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Bemühungen und Mittel haben
die amerikanischen Gewerkschaften im letzten Jahr auch wieder für
ihre Auslandsarbeit eingesetzt. Rund 23 Prozent des Gesamtbudgets
der "AFL-CIO" - d.h. etwa 3 Millionen Dollar - wurden 1962 für die
Durchführung der zahlreichen internationalen Aufgaben verwendet. Nicht
eingeschlossen in dieser Summe sind die zahlreichen Beiträge der einzelnen Fachgewerkschaften zugunsten von internationalen Gewerkschaftsverbänden wie dem ICFTU oder Patengewerkschaften in Entwicklungsländern.
Sichtbarster Ausdruck aller Bemühungen der amerikanischen Arbeitnehme rverbände um die Schaffung freier und unabhängiger Gewerkschaften
in allen Teilen der freien Welt ist das "Amerikanische Institut für
die Entwicklung Freier Gewerkschaften", das im Jahr 1962 von der
"AFL-CIOn in Washington eröffnet wurde, und an dem junge Gewerkschafter
aus den südamerikanischen Entwicklungsländern im Rahmen von vierteljährigen Fortbildungskursen mit dem für ihre Tätigkeit in ihren Heimatländern erforderlichen technischen und geistigen Rüstzeug versehen werden sollen.

(Quellet Eigenbericht)

* * # * *

-

13

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I SIS-liimii liad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"

Seite 1

Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht

beite 5

Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Rehabilitation Behinderter

Seite 8

Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950

Seite 9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 10

Peter Drucker:
Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"
Aus "Think" (Juni 1962)
Bei Ilachdruck sind Angabe des
Verfassers, der Quelle und der
Vermerk "Copyright 1962 by
International Business Corporation" erforderlich.
Für den lMNormalbürger" schlägt sich die Automatisierung nicht so
sehr in der Entwicklung neuer Produktionsmethoden oder in Veränderungen in der Beschäftigungslage als vielmehr in einem tiefgreifenden
Wandel des geistigen und kulturellen Lebens nieder.
Eine Gesellschaft, in der die Automation zum beherrschenden Prinzip der Produktion und des Absatzes geworden ist, muß zwangsläufig zu
einer ""Bildungsgesellschaf-t" werden, zu einer Gesellschaft, in der
Wissen höher als Muskelkraft bewertet wird. Es ist dies eine Gesellschaft, die eörnehniicn die eine'besondere Fähigkeit ins Spiel bringt,
in der der JlenscB alle Kreatur übertrifft.
Größter

�Größter Beschäftigungszuwachs bei Geistesarbeitern
In den Ländern, in denen die Industrialisierung am weitesten
fortgeschritten ist, bilden bereits heute die Geistesarbeiter die
größte aller Beschäftigungsgruppen. In den Vereinigten Staaten ist
die Gruppe derer, die in der Statistik in der Rubrik "Führungskräfte und technische und akademische Fachkräfte" zusammengefasst werden, im letzten Jahrzehnt zur stärksten Beschäftigungsgruppe angewachsen. Sie hat damit in raschem Tempo die Gruppe der angelernten
Maschinisten überflügelt, die Gruppe der für das Zeitalter der Massenproduktion am Fließband typischen Arbeitskräfte. In anderen industrialisierten Ländern zeichnet sich die gleiche Entwicklung deutlich ab.
Größere Bildungschancen
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist somit die
Schaffung einer Gesellschaft möglich geworden, die jedem lernfähigen
Menschen den Zugang zu einer höheren Bildung eröffnet. In der Vergangenheit, als physische Kraft und manuelle Geschicklichkeit allein
produktiv zu werden vermochten, war die Zahl derer, denen die Gesellschaft eine gute Erziehung angedeihen lassen konnte, naturgemäß aus
Gründen der Wirtschaftlichkeit sehr begrenzt.
Selbst eine noch so reiche Volkswirtschaft früherer Zeiten konnte sich lediglich eine kleine Zahl von Menschen leisten, die nicht
unmittelbar durch ihrer Hände Fleiß zur Erzeugung von Wirtschaftsgütern beitrugen. Heute dagegen wächst die Besorgnis, daß wir nicht genug Menschen mit höherer Bildung haben könnten. Die unmittelbare Folge dieser Befürchtungen ist ein völliger Wandel der Aufstiegschancen
für jeden einzelnen. Seit alters war der Beruf selbst in einer noch
so freien Gesellschaft gewissermaßen erblich.
Von der brotlosen Kunst zum vielgefragten Beruf
Vor 30 Jahren, als ich selbst Student war, wollte einer meiner
Freunde, ein Engländer, Mathematik studieren. Er hatte auf dem College sehr gute Leistungen in diesem Fach gezeigt, war aöer auch nicht
das, was man ein Genie nennt. Die ganze Familie - angesehene, wohlhabende Leute mit akademischer Bildung - drang geschlossen in ihn, um
ihm diese unsinnige Idee auszureden. "Wovon willst du als Mathematiker leben?" fragte man ihn. Ungewöhnlich Begabte konnten sich vielleicht noch ein Stipendium für die Zeit des Studiums erhoffen; darüber hinaus aber gab es für die Jünger solcher brotloser Künste keine andere Zukunft als die des Schulmeisters. Die einzige Möglichkeit,
als "gebildeter Mensch" seinen Lebensunterhalt zu verdienen, boten
die "klassischen" akademischen Berufe des Juristen, Geistlichen, Offiziers, Arztes und Staatsbeamten. Und die Pointe der Geschichte ist,
daß die Familie recht hatte - damals vor knapp 30 Jahren. Ich brauche
wohl nicht erst näher auszuführen, daß man sich heute als Mathematiker
keine Sorgen mehr um sein Fortkommen zu machen braucht.
Das gleiche gilt auch für die anderen akademischen Berufe. Es
gibt nur sehr wenige, die heute nicht ständig und in steigendem Maße
in der Industrie» in Staatsdienst und an den Universitäten gefragt

�gefragt sind. Junge Menschen haben somit bei der Auswahl eines Berufs soviel Möglichkeiten wie nie zuvor. Wenn man den Begriff Freiheit als "Möglichkeit der Wahl" definiert, so ist die Entstehung
einer Bildungsgesellschaft, wie sie aus der Konzeption der Automatisierung erwächst, einer der größten Fortschritte in der Geschichte der Menschheit in Richtung auf die Verwirklichung der Freiheit.
Weder "Chef" noch "Handlanger"
Auch die Gesellschaftsstruktur erfährt hierbei im Zuge dieser
Entwicklung einen Wandel. In Büchern, Zeitungen und politischen Reden wird immer noch von der Annahme ausgegangen, daß es in einer
industrialisierten Gesellschaft zwei Gruppen gebe: eine sehr kleine
Gruppe von "Chefs" und eine große, undifferenzierte Gruppe von "Handlangern". Dies ist das Gesellschaftsbild, das Marx seiner Lehre zugrunde legte; er ging damit aber lediglich von einem Sachverhalt
aus, der im 19« Jahrhundert (und in früheren Jahrhunderten) jedem
als offenkundig, gottgegeben und unabänderlich galt. Heute bilden
nicht mehr länger die "Chefs" noch die "Handlanger" die wichtigste
und größte Gruppe, sondern die "Geistesarbeiter": die Buchhalter,
di©! Ärzte im Gesundheitsdienst, die Verkaufsleiter und Chemie-Ingenieure, die Betriebspsychologen und Produktionsplaner. Keiner von
ihnen ist ein "Chef" im alten Sinne; sie alle sind Angestellte. Nur
wenige von ihnen können damit rechnen, in die oberste Unternehmensspitze aufzusteigen, ja, die wenigsten erstreben überhaupt eine derartige Position; sie sind aber auch ganz eindeutig keine "Handlanger".
Die Rolle der Lehrer
Die wichtigste Untergruppe der "Geistesarbeiter" sind die Lehrer,
die das Wissen, auf dem sich diese moderne Gesellschaft von Gebildeten aufbaut, weiterreichen. In den Vereinigten Staaten sind sie heute
schon die größte Angestelltengruppe. Die Lehrer und nicht die Arbeiter an den Fließbändern der Autoraobilfabriken repräsentieren die Bildungsgesellschaft. Sie sind weder "Chefs" noch Proletarier. Sie gehören zur neuen dritten großen Gruppe, die für die Bildungsgesellschaft typisch ist und in ihr dominiert: dem Mittelstand zugehörig,
gebildet, angestellt und dennoch unabhängig, und sei es nur deshalb,
weil die Lehrer in Gestalt des Wissens einen "Besitz" von weit höherem Wert für den Prpduktionsprozeß und die Gesellschaft "verwalten"
als Land, Kapital..und Produktionsmittel.
Lernen nach der Schule
Es gibt allerdings keine neuen Chancen, die nicht ihrerseits
wieder neue Probleme aufwerfen. Um die Möglichkeiten einer Bildungsgesellschaft wirklich voll ausschöpfen zu können, wird in unseren
Schulen und im gesamten Bildungswesen vieles anders werden müssen.
Wir werden die Menschen vor allem zur Bereitschaft erziehen müssen,
auch nach Beendigung der Schulzeit noch Dinge dazuzulernen. Wir brauchen Menschen, die ein tieferes und stärker systematisiertes Wissen
in den verschiedenen Fachgebieten besitzen.
Das

�Das traditionelle Bildungswesen dürfte sich heute im Hinblick,
auf das zu lehrende Fachwissen vor die bisher größte Aufgabe gestellt
sehen. Früher war es so, daß sich ein junger Mensch in seiner Jugendzeit bestimmte Fertigkeiten aneignete und damit für den Rest seines
Lebens ausgelernt hatte. Als Fachkraft galt, wer einen der traditionellen Handwerksberufe erlernt hatte. In unserer Zeit werden die rein
handwerklichen Fertigkeiten als solche immer bedeutungsloser.
Alte und neue Fertigkeiten
Wird der Betriebsablauf zu einem auf der Automatisierung basierenden "Prozeß", d.h.iauf den systematisierten Fluß von Informationen und Material umgestellt, dann verschmelzen Berufe, die niemals
zuvor in einer engeren Beziehung zueinander gestanden hatten, am Arbeitsplatz zu einer einzigen Tätigkeit. Das Tätigkeitsfeld anderer
Berufe, das bisher ein einheitliches Ganzes gebildet hatte - z.B.
die Tätigkeit eines Elektrikers -, wird auf eine Vielzahl von Werkstücken an verschiedenen Arbeitsplätzen verteilt. Und - was noch
ernstere Folgen hat - viele noch gestern als ewig unentbehrlich angesehene Fertigkeiten können über Nacht bedeutungslos werden, während andere Fertigkeiten, die im Augenblick noch gar nicht bekannt
sind, morgen schon sehr gefragt sein können.
Fähigkeitsquotient
Deshalb kann es erforderlich werden, Begriffe wie "Fähigkeit"
neu zu definieren. Fähigkeit wird nicht mehr länger das sein, was
man erlernt hat, sondern die Kapazität, Neues dazuzul'ernen. Wir sprechen heute vom "Intelligenzquotienten" und meinen damit die Fähigkeit eines Menschen, sein Wissen auf neue Situationen anzuwenden.
Wir sollten vielleicht analog hierzu einen Begriff "Fähigkeitsquotient" schaffen, der als Maß der Fähigkeit eines Menschen dienen
könnte, Erfahrungen mit einer Materie und, einem Instrumentarium auf
eine neue Materie und ein neues Instrumentarium zu übertragen.
Recht schwierig zu lösende Probleme dürfte die auch in einer
Bildungsgesellschaft verbleibende Minorität der Ungebildeten aufwerfen. In einer Bildungsgesellschaft werden die zu lösenden Aufgaben
mehr als bisher den Einsatz von Menschen mit höherem Bildungsgrad
erfordern, so daß sich die Aufstiegschancen in erster Linie denen
bieten werden, die eine höhere Bildung nachweisen können: ein abgeschlossenes College- oder Universitätsstudium.
Verstand und Intuition
Der Mensch ist kein ausschließlich intellekt-bestimmtes, rein
analytisch denkendes Wesen, nicht einmal in der Betätigung der höheren seiner Fähigkeiten. Er hat nicht nur Verstand, sondern auch
Geist und Intuition. Und so sind ja auch die höchsten menschlichen
Leistungen keine Verstandesleistungen: Heiligenleben, Staatskunst,
Werke der Maler und Dichter, und selbst Unternehmertum. Selbst die
Leistungen der Großen unter den Wissenschaftlern beruhen in ebenso
hohem Maße auf Intuition wie auf Verstand. Es handelt sich hier mehr
um Kunstwerke denn um Etüden in Logik, mehr um ein visionäres Erfassen des Unbekannten denn um einen technischen Prozeß, der ja

- 4-

�ja immer auf Wissen basiert.
Um ein neues Gleichgewicht
Um die Vorteile voll ausschöpfen zu können, die die mit der
Automatisierung verbundene Ausweitung der Möglichkeiten und der
Leistungsfähigkeit des Menschen sowie die zusätzlichen Aufstiegsund Bildungschancen mit sich bringen, müssen wir ein Gleichgewicht
in der Bildung des einzelnen anstreben, einen Ausgleich, der der
Intuition und auch den geistigen Eigenschaften und Leistungen den
gebührenden Platz sichert. Auch innerhalb der Gesellschaft ist ein
Gleichgewicht erforderlich, auf daß ästhetischen und geistigen Leistungen kein geringerer Wert beigemessen wird als den analytischen.
Die hier aufgezeigten Perspektiven sind vielversprechend, aber zugegebenermaßen - zu einem erheblichen Teil Spekulation. Die künftigen Möglichkeiten sind jedoch groß genug, um die Phantasie von
Erziehern, Schriftstellern, Politikern, Soziologen und Künstlern
zu beschäftigen. Und auch die damit verbundenen Probleme dürften
groß genug sein, um Techniker, Wirtschaftler und Philosophen zu veranlassen, sich um sie zu kümmern.
Die der Automatisierung zugrunde liegenden Erkenntnisse machtvolle Erkenntnisse von großer Schönheit in Struktur, Rhythmus
und Gesamtaufbau - setzen uns in die Lage, auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet Großes zu leisten, und werden auch das soziale
und kulturelle Leben vielfach bereichern. Ihre Anwendung und Nutzbarmachung setzt deshalb viel Verantwortungsbewußtsein und ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge voraus.
Aus "Think" (Juni 1962)
* * * * *

Joseph A. Beirne, Präsident der Gewerkschaft der Beschäftigten
im amerikanischen Fernmeldewesen:
Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht
Im Fernsprechdienst, dem wichtigsten Tätigkeitsbereich der Gewerkschaft der Beschäftigten im amerikanischen Fernmeldewesen, ist
die Automation seit langem schon Realität. Der erste automatische
Vermittlungsschrank wurde 1889 erfunden und 1891 patentiert. Bis
zum Jahre 1920 waren aber in den Vereinigten Staaten dennoch erst
knapp zwei Prozent aller Anschlüsse mit Selbstwählapparaten ausgestattet. Anfang der zwanziger Jahre begann dann der eigentliche Aufbau des Selbstwähldienstes, der die.Zahl der Telephonteilnehmer in
den darauffolgenden 40 Jahren auf über 70 Millionen emporschnellen
ließ.

In

5

�In diesen Jahren radikaler technischer Veränderungen wurde der
Prozentsatz der im Telephondienst beschäftigten Arbeitskräfte in
Relation zur Zahl der Anschlüsse immer kleiner, wenngleich kaum jemand tatsächlich seinen Arbeitsplatz verlor. Der Bedarf an Angestellten, Technikern und akademisch geschulten Kräften nahm sogar erheblich zu.
In jüngster Zeit mehren sich aber die Anzeichen, daß die Maschinen selbst bei einem weiteren Ausbau des Netzes eine beträchtliche
Verringerung der Zahl der Arbeitsplätze und damit die Entlassung von
Mitarbeitern bewirken werden. Wahre Wunderwerke der Technik wurden
schon in Dienst gestellt und immer neue beginnen auf den Reißbrettern
in den technischen Büros Gestalt anzunehmen. Die Anschlüsse - auch
im Fernverkehr - werden in zunehmendem Maße von den Teilnehmern selbst
und nicht mehr von Gewerkschaftsmitgliedern hergestellt.
Auch in den Büros werden viele Arbeiten plötzlich überflüssig.
Im Jahre 1958 wurde erstmals eine elektronische Buchungsmaschine
von einem Wirtschaftsbetrieb zur Kontenführung eingesetzt. Heute schon
ist die Umstellung auf solche Maschinen im ganzen Land in vollem
Gange. Die erste Datenverarbeitungsanlage wurde 1946 für wissenschaftliche Zwecke entwickelt; 1954 wurde die erste Großrechenanlage an
die private Wirtschaft geliefert. Heute sind in den Vereinigten Staaten 5000 Anlagen in Betrieb und weitere 7000 bestellt; bis 1965 rechnet man mit einem Bestand von rund 18 000. Das bedeutet einen ganz
gewaltigen Einbruch, der uns nur allzu deutlich daran erinnert, daß
wir uns unbedingt mit der Automation auseinandersetzen müssen.
Verständlich, daß man die Automation allenthalben mit einer Mischung aus Hoffnung und Furcht beobachtet. Meine Gewerkschaft begrüßt
die Automatisierung, besteht aber darauf, daß die durch sie heraufbeschworenen sozialen Probleme von der Arbeiterschaft, dem Unternehmertum und von Staat und Öffentlichkeit gemeinsam und im Geiste der Verantwortung gelöst werden müssen. Die Gefahren, die die Automation für
die Wirtschaft und unsere demokratische Lebensform birgt, sind so
groß, daß sie durch Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern allein nicht zu bannen sind.
Bei allen Verhandlungen ist dem Allgemeinwohl durch beide Sozialpartner Rechnung zu tragen. Von den Entscheidungen, die am Verhandlungstisch gefällt werden, hängt nicht nur das Schicksal der Arbeiter
und Unternehmer, sondern oftmals auch das der Gemeinde und vielleicht
sogar das der ganzen Gesellschaft ab.
Die Unternehmer müssen erkennen, daß sie sich nicht nur um das
Wohl ihrer Aktionäre, sondern auch um die Belange ihrer Belegschaftsmitglieder zu kümmern haben. Arbeiter und Angestellte geben ihre Löhne und Gehälter in ihren Wohngemeinden aus, die ohne die indirekten
Einnahmen aus den Lohntüten nicht leben könnten.
Die Gewerkschäften ihrerseits dürfen sich nicht generell gegen
jegliche Veränderung sträuben; sie müssen vielmehr an der Lösung der
durch den Wandel heraufbeschworenen Probleme mitarbeiten, um zur

- 6-

�zur Beseitigung der Härten und Nöte beizutragen, die die sogenannte
"technische Arbeitslosigkeit", die Verdrängung vom Arbeitsplatz
durch Maschinen, mit sich bringt.
Natürlich bestehen wirtschaftliche und politische Notwendigkeiten, die Produktivität um jeden Preis zu steigern. Man könnte meiner
Meinung nach die Automation auch dann nicht aufhalten, wenn man das
ernsthaft wünschte. Der Wettbewerb ist so scharf, daß es ein Zurück
nicht geben kann. Der Wirtschaft - und der Demokratie - erwachsen
hieraiis aber neue, .besondere Aufgaben.
Verantwortungsbewußte Gewerkschaftsführer sind sich darin einig,
daß nur eine dynamische Wirtschaft die benötigten Arbeitsplätze zu
schaffen vermag. Wir fordern deshalb die Schaffung einer Bundesbehörde, die sich ausschließlich mit Fragen der Automation befassen
soll. Wir fordern ferner Bundesraittel für die Arbeitsplatzbeschaffung
in Gebieten, die besonders unter der technischen Arbeitslosigkeit
zu leiden haben. Y/ir fordern des weiteren die Bereitstellung von Mitteln für die Umschulung von Arbeitslosen sowie die Herabsetzung des
Pensionsalters. Dies sind ernstgemeinte und wohlüberlegte Vorschläge
zur Behebung eines sich anbahnenden nationalen Notstandes, die eine
ernsthafte Prüfung verdienen.
Die Gefahren, die der Gewerkschaftsbewegung selbst von der Automatisierung her drohen, sind uns wohlbekannt. Es ist uns nicht gelungen, die neu in die Angestelltenberufe hineingewachsenen Arbeitskräfte
in hinreichender Zahl zu organisieren. Dies kann sehr nachteilige Folgen haben. Vielleicht sind unsere Methoden veraltet. Ich glaube dies
zwar nicht, kann diese Möglichkeit aber auch nicht einfach von der
Hand weisen. Vielleicht sollten wir auf die Schaffung einer Großgewerkschaft für die Angestellten aus allen Industriezweigen hinarbeiten.
Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Automatisierung für die
Erziehung? Mit Sicherheit die, daß der Mensch nie aufhören sollte, zu
lernen. Wir sehen in einer umfassenden Bildung eine Voraussetzung für
ein erfülltes Leben, und wir wissen, daß auf der Unternehmerseite des
Verhandlungstisches auch Männer sitzen, die über ein großes Wissen
verfügen. Das amerikanische Schulsystem steht somit vor der Aufgabe,
für die Fortbildung auch der_Erwachsenen Sorge zu tragen.
Die"Technik wird den Durchschnittsmenschen zum bloßen Vegetieren
verdammen, wenn man ihn nicht rechtzeitig zu einem Verständnis der Welt
und seiner Zeit verhilft. Dem Erziehungswesen erwächst hier die größte
Aufgabe in der gesamten Geschichte der Pädagogik.
Zur Lösung des Dilemmas zwischen staatlicher Lenkung und freiem
Spiel der Kräfte wurden verschiedene Vorschläge gemacht. Einer scheint
mir besonders bemerkenswert: Statt einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit von 40 beispielsweise auf 36 Stunden sollte man vier Unterrichtsstunden wöchentlich im Betrieb einführen.
Das ist natürlich ein hypothetischer, aber dennoch geistvoller
Vorschlag. Mit weiteren Ideen ist mit Sicherheit zu rechnen, bemüht
man sich doch in den Gewerkschaften, in der Wirtschaft und an den
Universitäten um Lösungen, damit die Automation zum Segen und nicht
zum Fluch der Menschheit werde.
(Aus "Looking Ahead", National
Planning Association)

- 7-

�Dr. med. Howard A. Rusk:
Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rehabilitation
Behinderter
Aus "The New York Times" (gekürzt).
Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers, der Quelle und der Vermerk
"Copyright 1962, The New York Times
Company" erforderlich.
Fünfundzwanzig Forschungs- und Lehrprojekte auf dem Gebiet der
Rehabilitation Behinderter werden gegenwärtig im Ausland mit amerikanischer Unterstützung durchgeführt, wie die Leiterin der Abteilung
Rehabilitation und Schulung im US-Bundesministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen, Mary. E. Switzer, kürzlich bekanntgab.
Die Vorhaben werden sämtlich aus Devisenguthaben der amerikanischen
Regierung finanziert, die aus Verkäufen überschüssiger amerikanischer
Agrarprodukte herrühren. Weitere 25 Projekte sind in Vorbereitung.
Nach den Bestimmungen über den Verkauf überschüssiger amerikanischer landwirtschaftlicher Produkte sind die dafür vereinnahmten
Mittel in Landeswährung nicht in Dollar konvertierbar und müssen in
dem betreffenden Land mit Zustimmung beider Regierungen für förderungswürdige Projekte ausgegeben werden.
Derartige Rehabilitations-Projekte laufen in Ägypten, Birma,
Brasilien, Indien, Indonesien und Israel; in Planung begriffen sind
ähnliche Maßnahmen in Jugoslawien, Pakistan, Polen und Syrien. Sie
reichen von der Ausbildung von Blinden im Weben in Pakistan bis zur
chirurgischen Rehabilitation Leprakranker in Indien.
Auf einer Tagung von Fachkräften auf dem Gebiet der Rehabilitation Behinderter, die Anfang März 1962 unter der Schirmherrschaft
der Amerikanischen Vereinigung für Rehabilitation (National Rehabilitation Association) und der Internationalen Gesellschaft für die
Rehabilitation Behinderter ( International Society for Rehabilitation
of the Disabled) in Washington stattfand, gab der Chirurg Dr. Earle
E. Peacock, Dozent an der Universität von Nordkarolina in Chapel Hill,
einen aufschlußreichen Bericht über das laufende Rehabilitationsvorhaben an der Christlichen Medizinischen Hochschule in Vellore in Indien. Dr. Peacock war damals gerade aus Vellore zurückgekehrt, wo er
als einer von 15 amerikanischen Chirurgen, die sich in einem Zweimonatsturnus ablösen, tätig gewesen war. Er berichtete, daß die in Vellore angewandten Methoden der plastischen Chirurgie nicht weniger
fortschrittlich seien als die in Amerika gebräuchlichen Operationspraktiken.
Auf der gleichen Tagung ergriff auch der damalige Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID) im amerikanischen Außenministerium, Fowler Hamilton, das Wort. Wenn er auch darauf hinwies, daß
er bis zur Auswertung der Ergebnisse einer im Augenblick laufenden
diesbezüglichen Untersuchung nichts darüber sagen könne, welche Haltung seine Behörde zur Frage der internationalen Zusammenarbeit auf

- 8 -

�auf dem Gebiet der Rehabilitation und Betreuung der Körperversehrten einnehmen werde, so verlieh er doch seiner persönlichen Überzeugung Ausdruck, daß Gesundheit und Bildung die unerläßliche Voraussetzung für die Hebung der Produktivität in den Entwicklungsländern seien.
Auf der Schlußsitzung der genannten Tagung kündigte General
Omar N. Bradley, Aufsichtsratsvorsitzender der Uhrcnw»rke Bulova
Watch Company, die Stiftung ei&amp;es Stipendiums an, das behinderten
Ausländern eine Fachlehrerausbildung im Uhrmacher- und Feinmechanikerhandwerk in den Vereinigten Staaten ermöglichen soll.
Die Stipendiaten werden an der Joseph-Bulova^Uhrm&amp;cherschule
unterrichtet, die von dem verstorbenen Firraenchef Arde Bulova kurz
nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gegründet worden ist und bisher mehr als 7000 Kriegs- und Zivilbeschädigte im Uhrmacherhandwerk
ausgebildet hat. Die ersten Stipendien wurden an Versehrte aus
Australien, Hongkong, Israel, Italien und Nordafrika vergeben. Die
Einbeziehung weiterer Länder in das Stipendienprogramm ist vorgesehen.
Der Wert des einzelnen Arde-Bulova-Stipendiums, das sich auf
zwei Jahre erstreckt und sämtliche Studiengebühren und Ausgaben
für Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Betreuung deckt, beträgt
rund 7500 Dollar.
Aus "The New York Times" (gekürzt)
* * * # #

Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950
Die Zahl der in der amerikanischen Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte hat sich in der vergangenen Dekade (1950-196O) um 2,6
Millionen oder um 37 Prozent verringert, während im gleichen Zeitraum allein die Zahl der Arbeitnehmer der Fertigungsindustrie um
3,2 Millionen (= 21 Prozent) zugenommen hat.
Diese Angaben sind in einem Bericht des US-Zensus-Büros enthalten, der sich auf die Ergebnisse der 1960 durchgeführten Volkszählung stützt und im einzelnen auf die in der Beschäftigungs- und
Einkommenstruktur der USA erfolgten Veränderungen eingeht.
Einen prozentual noch größeren Zuwachs an Arbeitskräften als
die Fertigungsindustrie verzeichneten dem Bericht zufolge insbesondere jene Zweige der amerikanischen Wirtschaft, deren gesamtwirtschaftliche Bedeutung zwischen 1950 und i960 zum Teil wesentlich
zugenommen hat. So erhöhte sich z.B. die Zahl der Beschäftigten im
öffentlichen Dienst um 27 Prozent, im Finanz- und Versicherungsgewerbe (einschließlich der Grund- und Bodenfinanzierung) um 41 Prozent, während die Gesamtzahl der in den akademischen, technischen
und ähnlichen Berufen Tätigen sogar um 58 Prozent anstieg.
Zu

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�Zu denjenigen Industriezweigen, die im vergangenen Jahrzehnt
einen erheblichen Rückgang der Zahl der Beschäftigten verzeichneten,
gehören vor allem der Bergbau, die Eisenbahnen und die Textilindustrie .
Hinsichtlich der Durchschnittseinkommen der verschiedenen Arbeitnehmer- und Berufsgruppen ist aus dem Bericht zu entnehmen, daß
bei den Männern die Gruppe der Juristen, Ingenieure und verwandten
akademischen Berufe mit einem mittleren Jahreseinkommen von 7547
Dollar (Ende 1959) an der Spitze lag, während die Arbeitnehmer der
Ölindustrie und des Bergbaus mit 6521 Dollar und die im Nachrichtenwesen Beschäftigten mit 6373 Dollar noch mit an der Spitze der Einkommenskala standen. Ebenfalls verhältnismäßig hohe Einkommen wiesen auch die männlichen Arbeitnehmer der Flugzeugindustrie (6018 Dollar) und der Luftverkehrsgesellschaften (5877 Dollar) auf.
Unter den weiblichen Arbeitskräften verzeichneten dem Zensus-Bericht zufolge die Angestellten der Eisenbahnen mit 4435 Dollar die
höchsten jährlichen Durchschnittseinkommen, gefolgt von den Arbeitnehmerinnen der Flugzeugindustrie (4202 Dollar), der Ölindustrie und
des Bergbaus (4111 Dollar) sowie der Automobilindustrie (4083 Dollar).

(Quelle: Eigenbericht)

# * # # *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Lohnerhöhungen für 3&gt;3 Millionen Arbeitnehmer werden im Jahr 1963
automatisch wirksam
Für insgesamt 3&gt;3 Hillionen Arbeitnehmer der amerikanischen Industrie stehen die 1963 a u ^ Grund alter Tarifabkommen fällig werdenden Lohnerhöhungen bereits fest. Dies geht aus einer Untersuchung des
US-Arbeitsministeriuras hervor, die sich mit den in diesem Jahr automatisch wirksam werdenden Lohnerhöhungen sowie mit den anstehenden
Tarifverhandlungen befaßt.
Außer den 3»3 Millionen Arbeitnehmern, für die Lohnerhöhungen
bereits ausgehandelt wurden, besteht noch für weitere rund 3 Millionen Beschäftigte die Möglichkeit, 19&amp;3 a u ^ Grund der in den Vorjahren
abgeschlossenen Verträge in den Genuß von Lohnaufbesserungen und höheren Sozialleistungen zu kommen. Es handelt sich hierbei in erster Linie um die Arbeitnehmer der Stahl-, Gummi- und Elektromaschinenindustrie sowie der Telephongesellschaften und Eisenbahnen, in deren Tarifabkommen die Y/iederaufnahme von Lohnverhandlungen für dieses Jahr vorgesehen ist.
Nach

- 10 -

�Nach Ansicht des "Amtes für Arbeitsstatistik" dürfte der Schwerpunkt der diesjährigen Tarifverhandlungen in die Frühjahrs- und
Sommermonate fallen. Eine Wiedereröffnung der Lohngespräche für das
Betriebspersonal der Eisenbahnen ist für Mai vorgesehen, und auch
für die Stahlindustrie stehen in diesem Monat Lohn-und ähnliche
Tariffragen zur möglichen Entscheidung an. Zu den insgesamt 900 000
Arbeitnehmern der Stahlindustrie kommen noch rund 275 000 Beschäftigte in anderen wichtigen Wirtschaftszweigen, für die ebenfalls
eine Wiederaufnahme der Lohnverhandlungen für Mai vorgesehen ist.
Zu denjenigen Arbeitnehmern, für die bereits Lohnerhöhungen für
1963 in früheren Tarifverträgen festgelegt wurden, gehören mehr als
1,8 Millionen Beschäftigte der Automobil-, Landmaschinen-, Flugzeug-, Fleischkonserven- und Herrenoberbekleidungsindustrie sowie
600 000 Arbeitnehmer des Baugewerbes und rund 900 000 Beschäftigte
in anderen Industriezweigen.
Die durchschnittliche Höhe der vorgesehenen automatischen Lohnerhöhungen beträgt nach Angaben des US-Arbeitsministeriums für rund
875 000 Arbeitnehmer etwa 7 Cent pro Stunde. Weitere 575 000 Beschäftigte werden eine Lohnaufbesserung von rund 6 Cent erhalten,
während der Satz im Baugewerbe 10, 15 und 20 Cent ausmachen wird.

(Quelle: Eigenbericht)

Produktivitätsgewinn-Plan bei Kaiser Steel
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft hat kürzlich mit der
"Kaiser Steel Corporation" einen neuartigen "Zugewinnplan" abgeschlossen, der den rund 7000 Arbeitnehmern der Kaiser-Stahlwerke
in Fontana einen gleichen Anteil an den künftigen durch innerbetriebliche Maßnahmen erwirtschafteten Gewinnen sichern würde.
Mit dem neuen Plan, dessen Einzelheiten erst nach Billigung
durch die Arbeitnehmer bekanntgegeben werden sollen, will man die
verschiedenen Lohnanreizsysteme - Individual- und Gruppenpläne innerhalb des Unternehmens ersetzen, die den Betriebsangehörigen
bisher 32,5 Prozent der durch Einsparungen an Material und Arbeitszeit erzielten Produktivitätagewinne (Basis: 1 Tonne Stahl) sicherten. Gleichzeitig sieht das neue Abkommen die Schaffung eines Beschäftigten-Pools und andere den Arbeitsplatz der Mitarbeiter gegenüber technologischen Veränderungen sichernde Maßnahmen vor. Ebenso
wurde vereinbart, daß sämtliche Betriebsangehörige der "Kaiser Steel
Corporation" in Zukunft mindestens die gleichen Löhne und Lohnnebenleistungen erhalten sollen wie die anderen Arbeitnehmer der Stahlindustrie.
Der

�Der jetzt zwischen den beiden Sozialpartnern der Stahlindustrie abgeschlossene neue Vertrag ist das Ergebnis der mehr
als drei Jahre dauernden Beratungen des aus Vertretern des Managements, der Gewerkschaft und der Öffentlichkeit bestehenden
Sonderausschusses, der 1959 nach Beendigung des 104 Tage währenden Stahlarbeiterstreiks gebildet wurde und die Aufgabe hatte,
sämtliche seinerzeit im Tarifvertrag nicht gelösten außertariflichen Fragen im umfassenden Rahmen zu lösen.

(Quelle: Eigenbericht)
*

Walter Reuther fordert Gewinnbeteiligung für Automobilarbeiter
Eine Gewinnbeteiligung für sämtliche Beschäftigten der
"Großen Drei" der amerikanischen Automobilindustrie forderte
der 1. Vorsitzende der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, Walter Reuther, anläßlich einer Tagung der Hauptabteilung "Facharbeiter" der UAW in Chicago. Reuther betonte, daß
im Falle einer Ablehnung der gewerkschaftlichen Forderung durch
Ford, General Motors und Chrysler seine Gewerkschaft bei den
nächsten Tarifverhandlungen statt dessen entsprechend hohe Lohnaufbesserungen verlangen werde, und zwar wahrscheinlich bis zu
45 Cent pro Stunde.
In der amerikanischen Automobilindustrie besteht gegenwärtig nur ein Gewinnbeteiligungsplan bei "American Motors". Der
im vorvorigen Jahr ausgehandelte Plan brachte dem Unternehmen
dabei im ersten am 30. September 1962 abgelaufenen Finanzjahr
Belastungen in Höhe von 18 Cent pro Arbeitnehmer und Arbeitsstunde. Dieser Betrag liegt etwas über der Summe, die sich für
die anderen Unternehmen der Automobilindustrie in Form von höheren Löhnen und Lohnnebenleistungen auf Grund des letzten Tarifvertrages ergab. In Anbetracht der höheren Gewinnrate der "Großen
Drei" hätten die Arbeitnehmer dieser Unternehmen im letzten Jahr
jedoch bei Vorhandensein eines ähnlichen Gewinnbeteiligungsplanes
finanziell besser abgeschnitten.

(Quelle: Eigenbericht)
******

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS -Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Modellvertrag der amerikanischen
Automobilarbeitergewerkschaft

Seite

Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß umfassendes
Sozialprogramm

Seite 10

Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums

Seite 12

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 16

1

Modellvertrag der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft

Dieser Vertragstext wurde von der Abteilung
"Wissenschaft und Technik" der United Automobile Workers (üAW) ausgearbeitet und dient
den Ortsvereinen der Gewerkschaft als Muster
für Tarifverhandlungen (stand Januari962).

Dieser Tarifvertrag, der am
196 ... zwischen der
,
im folgenden als "Gesellschaft" bezeichnet, einerseits und der
kanadisch-amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft (international Union of United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement
Workers of America - UAW) im Congress of Industrial Organizationa
(CIO) und dem Ortskartell Nr
der genannten Gewerkschaft,
im folgenden als "Gewerkschaft" bezeichnet, andererseits geschlossen und unterzeichnet wurde, besagt:
ARTIKEL I - ANERKENNUNG
Abs. 1. Di« Gesellschaft anerkennt die Gewerkschaft als alleinige
Vertretung aller ihrer Arbeitnehmer außer Vorarbeitern «Aufsehern
-

1

-

�Aufsehern und Mitarbeitern der Personalabteilung sowie Büroangestellten und Arbeitsschutzkräften bei Kollektivverhandlungen zur
Festsetzung der Grundlöhne und Lohnstufen, der Arbeitszeit und anderer Arbeitsbedingungen.

ARTIKEL II - PFLICHTMITGLIEDSCBAFT UND
BEITRAGSABZUG VOM LOHN
Abs. 1. Sämtliche Arbeitnehmer, die am Tag des Inkrafttretens dieses
Tarifvertrags der Gewerkschaft angehören, haben, als Voraussetzung
für den Fortbestand ihres Arbeitsverhältnisses, ihre Mitgliedschaft
während der Gültigkeitsdauer dieses Tarifvertrags aufrechtzuerhalten.
Arbeitnehmer, die der Gewerkschaft am Tage des Inkrafttretens des
Tarifvertrages nicht angehören, haben bis zum 50. Tage danach oder
bis zu einem späteren Termin die Mitgliedschaft zu erwerben und diese,
als Voraussetzung für den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses, während
der Gültigkeitsdauer dieses Tarifvertrages aufrechtzuerhalten. Arbeitnehmer, die nach dem Tage des Inkrafttretens dieses Tarifvertrages
eingestellt werden, sind gehalten, als Voraussetzung für ihre Weiterbeschäftigung,bis zum 50« Tage nach Beginn des BeschäftigungsverhältnisseB oder bis zu einem späteren Termin die Mitgliedschaft der
Gewerkschaft zu erwerben und diese, als Voraussetzung für den Fortbestand des Beschäftigungsverhältnisses, aufrechteuerhalten.
Abs. 2.Die Gesellschaft behält die Gewerkschafts-Aufnahmegebühren
und die Mitgliedsbeiträge vom Lohn aller unter diesen Tarifvertrag
fallenden Arbeitnehmer ein, die der Gesellschaft eine unterzeichnete
Vollmacht bzw* ihre Einwilligung zur Einziehung erteilen.
ARTIKEL III - VERLUST DER ANCIENNITA*TSRECHTE
Abs. "l.Die Arbeitnehmer gehen ihrer Anciennitätsrechte verlustig,
wenn sie
a) auf Grund schuldhaften Verhaltens entlassen werden;
b) ihre Stellung selbst kündigen;
c) einen von der Firma gewährten Urlaub um mehr als fünf Tage
überschreiten;
d) ohne Benachrichtigung der Gesellschaft der Arbeit mehr als
fünf Tage fern bleiben, es sei denn, sie waren zu einer solchen Be- .
nachrichtigung unfähig;
e) sich nach schriftlicher Aufforderung nicht innerhalb von
fünf Tagen zur Arbeit zurückmelden;
f) nach &lt;Jer unter Berücksichtigung ihrer Anciennitätsrechte
erfolgten Entlassung mindestens ein Jahr ausgestellt waren.
ARTIKEL IV

�ARTIKEL IV - BEURLAUBUNG AUS DRINGENDEN GRÜNDEN
Abs. 1. Allen Arbeitnehmern mit Anciennitätsrechten ist bei Vorliegen dringender Gründe ohne Beeinträchtigung ihrer Anciennitäts- und
anderen Rechte, eine schriftliche Beurlaubung zu gewähren. Als dringende, aber nicht ausschließliche Gründe gelten:
a) die Übernahme eines befristeten oder ständigen Gewerkschaftsamtes oder einer sonstigen Gewerkschaftsfunktion;
b) Schwangerschaft;
c) Krankheit;
d) Schulbesuch;
e) Militärdienst;
f) Wahl oder Berufung in ein öffentliches Amt.
Abs. 2. Alle unter diesen Tarifvertrag fallenden Arbeitnehmer haben
bei einem Todesfall in der Familie Anspruch auf bezahlten Urlaub bis
zur Höchstdauer von drei Tagen. Im Sinne dieses Absatzes gelten als
zur "Familie" gehörig: Ehegatten, Kinder, Eltern, Großeltern und Geschwister.
ARTIKEL V - ANCIENNITJT DER BETRIEBSRATMITGLIEDER,
BETRIEBSOBLEUTE UND VERTRAUENSLEUTE
Abs . 1.
a) Betriebaratmitglieder müssen der höchsten Anciennitätsklasse innerhalb des Betriebs angehören;
b)Betriebsobleute müssen der höchsten Anciennitätsklasse innerhalb ihrer Arbeitsgruppe angehören;
c) Vertrauensleute müssen der höchsten Anciennitätsklasse
innerhalb ihrer Abteilung oder Arbeitsgruppe angehören.
ARTIKEL VI - ÜBERSTUNDEN- UND FEIERTAGS ZUSCHLAGE
Abs. 1. Die Arbeitnehmer erhalten für jede acht Stunden täglich und
40 Stunden wöchentlich überschreitende und für jede in den ersten acht
Stunden des Samstags geleistete Arbeitsstunde 150 Prozent ihres regulären Grundlohns.
Abs. 2. Die Arbeitnehmer erhalten für alle zehn Stunden am Tag oder
acht Stunden am Samstag überschreitenden und für sämtliche am Sonntag
geleisteten Arbeitsstunden 200 Prozent des regulären Grundlohns.
Abs. 5. Der doppelte Grundlohn nebst Feiertagszuschlag ist zu zahlen
im Falle der Beschäftigung an den Feiertagen: Neujahrstag, Heldengedenktag, Unabhängigkeitstag, Tag der Arbeit, Danksagungstag und
1. Weihnachtsfeiertag sowie für je vier Stunden am Hl. Abend und an
Silvester.
Abs. 4.

-

3 -

�Abs. 4« Die Arbeitsverteilung ist nach Möglichkeit so vorzunehmen,
daß erforderlich werdende Überstunden unter den Arbeitskräften
gleichmäßig aufgeteilt werden, sofern nicht bestimmte Arbeitnehmer
für die zu verrichtende Arbeit als besonders befähigt anzusehen sind.
Abs. 5« Arbeitnehmer, die ohne vorhergegangene Benachrichtigung
vom Eintreten eines Arbeitsmangels zur Arbeit gerufen worden sind
oder denen in einem solchen Fall der Arbeitsantritt nicht verwehrt
wird, haben Anspruch auf Beschäftigung während mindestens vier
Arbeitsstunden bzw. auf den normalen Stundenlohn für diese außer
bei Vorliegen von Umständen, die sich der Kontrolle der Geschäftsleitung entziehen.
Abs. 6. Allen Arbeitnehmern ist nach Ablauf der Hälfte der Arbeitszeit zwischen Mittagspause und Arbeitsschluß eine Ruhepause von
zehn Minuten zu gewähren. Vor der Mittagspause und vor Arbeitsschluß ist eine Waschpause von jeweils fünf Minuten einzuräumen.
(Anm.t Eine andere Form der Pausenregelung für in der Fertigung
beschäftigte Arbeitnehmer, wie sie in den großen Automobilwerken
praktiziert wird, sieht Pausen von zusammen 24 Minuten Dauer pro
Acht-Stunden-Schicht vor.)
Abs. 7« Die Arbeitnehmer erhalten für Arbeit in der zweiten Schicht
einen Zuschlag von 5 Prozent pro Stunde und in der dritten Schicht
einen Zuschlag von 10 Prozent.

ARTIKEL VII - LÖHNE
Abs. 1. Die Stundenlohnsätze für die einzelnen Tätigkeiten sind in
dem einen Vertragsbestandteil bildenden Anhang aufgeführt.
Abs. 2. Neu einzustellende Arbeitnehmer werden zu einem Satz eingestellt, der 10 Cent pro Stunde unter dem für die betreffende Tätigkeit üblichen Grundlohn liegt, und erhalten den Grundlohn erst nach
Ablauf der Probezeit.
Abs. 3. Der Lohn von Arbeitnehmern, denen vorübergehend eine niedriger eingestufte Tätigkeit zugewiesen wird, darf wegen eines solchen
Arbeitsplatzwechsels nicht gekürzt werden.
Abs. 4«
a) Sämtliche, von diesem Tarifvertrag erfaßten Arbeitnehmer
fallen unter die nachstehend aufgeführten Bestimmungen über die Gewährung von Teuerungszulage.
b) Die Höhe der Teuerungszulage wird von Vierteljahr zu Vierteljahr an Hand des Verbraucherpreisindex wie folgt bestimmt»
Erstmalige

- 4 -

�Erstmalige Gewährung
der Zulage

basierend auf

in der ersten Lohnperiode beginnend am
oder nach dem 1. Dezember 196«. • und
jedes darauffolgende Vierteljahr

dem am 15. Oktober 196... und
dem jedes darauffolgende Vierteljahr ermittelten Verbrauche rpreisindex

Die Höhe der für einen solchen ViertelJahreszeitraum geltenden Teuerungszulage ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle:

Verbraucherpreisindex
laut US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik

Teuerungszulage auf die Sätze
der Lohntabelle für die einzelnen Tätigkeiten

bis

keine
1 Cent
2 Cent
3 Cent
4 Cent
5 Cent

i

125,7 126,2 126,7 127,2 127,7 -

125,6
126,1
126,6
127,1
127,6
128,1

pro
pro
pro
pro
pro

Stunde
Stunde
Stunde
Stunde
Stunde

usw. unter Angleicnung um 1 Cent pro Änderung des Index um 0,5 Punkte;
c) Ein Absinken des Index unter 125,6 Punkte hat keine Senkung
der Lohnsätze zur Folge»
d) Die Teuerungszulage ist auch bei der Berechnung der Überstunden-, Sonn- und Feiertags- und Schichtzuschläge sowie bei der Festsetzung der Bereitschaftsentschädigung sowie des Urlaubsgeldes in Ansatz zu bringen.
Abs. 5« Ein jährlicher Lohnsteigerungsfaktor trägt der Tatsache Rechnung, daß eine fortgesetzte Hebung des Lebensstandards der Arbeitnehmer
vom technischen Fortschritt, von immer besseren Geräten, Methoden, Verfahren und Anlagen sowie von der Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller
an diesem Fortschritt Beteiligten abhängt. Er beruht auf dem Grundsatz,
daß eine höhere Produktion bei gleichem Aufwand an menschlicher Arbeitskraft ein erstrebenswertes wirtschaftliches und soziales Ziel ist. Aus
diesem Grund erhalten sämtliche von diesem Tarifvertrag erfaßten Arbeitnehmer gemäß nachstehender Tabelle zum 1. September jährlich auf
Grund des jährlichen Lohnsteigerungsfäktors eine Erhöhung ihres Bruttostundtnlohns (ausschließlich Teuerungszulage und Schichtzuschläge) von
2 1/2 Prozent bzw.. 6 Cent pro Stunde, wobei jeweils die für den Betroffenen günstigere Regelung anzuwenden ist.

Lohnerhöhung

-

5 -

�Lohnerhöhung auf Grund des jährlichen
S teigerungsfaktors
Erhöhung auf Grund des
jährlichen Steigerungsfaktors

Brutto stunden lohn
ohne Zuschlä «e
(in Dollar)
b:LS
2,60
2 ,60 - 2,99
3,00 - 3,39

6 Cent pro Stunde
7 Cent pro Stunde
8 Cent
9 Cent
10 Cent
11 Cent

3,40 - 3,79
3,80 - 4,19
4,20 - 4,59

pro
pro
pro
pro

Stunde
Stunde
Stunde
Stunde

Die Erhöhungen des Bruttostundenlohns für die einzelnen Tätigkeiten
werden mit ihrem Inkrafttreten den Bruttolöhnen zugeschlagen.
Abs. 6. An den Feiertagen Neujahr, Heldengedenktag, Unabhängigkeitstag,
Tag der Arbeit, Danksagungstag und 1. Weihnachtsfeiertag erhalten die
Arbeitnehmer den normalen Bruttolohn, ausschließlich Nacht- und Überstundenzuschläge, für einen Acht-Stunden-Tag; am Hl. Abend und an
Silvester für je vier Stunden.
Abs. 7» Sämtliche Arbeitnehmer haben nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit Anspruch auf bezahlten Urlaub nach folgendem
Schlüssel:
BetriebsZugehörigkeit
1

Jahr

3 Jahre
5 Jahre
10
15

Jahre
Jahre

Urlaubsgeld
40
60
80
100
120

Stunden
Stunden
Stunden
Stunden
Stunden

Urlaubsdauer
1
1
2
2
3

Woche
Woche
Wochen
Wochen
Wochen

Abs. 8. Arbeitnehmer, die als Geschworene geladen werden und als solche
fungieren, erhalten nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit
von der Gesellschaft bis zur Höchstdauer von 60 Tagen eine Entschädigung von mindestens 10 Dollar pro Tag.
ARTIKEL VIII - ALTERS- UND INVALIDITATSRENTEN
Abs. 1. Die in Anhang B spezifizierte Regelung der Tätigkeit der Pensionskasse bestimmt:
a) die Gewährung einer regulären Altersrente für Arbeitnehmer
im Alter von 65 Jahren und darüber von monatlich 2,80 Dollar pro Dienstjahr als Zusatzrente zu den Bezügen aus der staatlichen Altersversicherung;

il
- 6 -

�b) die Gewährung einer Beihilfe bei völliger und andauernder Arbeitsunfähigkeit von 5»60 Dollar pro Monat und Dienstjahr unter Anrechnung der Ansprüche auf andere betriebliche Versor&amp;ungsleistungen•
c) Sämtliche aus der Tätigkeit der Pensionskasse erwachsenden Kosten trägt die Gesellschaft.
d) Die Arbeitnehmer können die Gewährung einer verminderten
Altersrente von einem früheren Zeitpunkt als dem der Erreichung der
Altersgrenze an beantragen, wobei im Todesfalle Anspruch auf ein
Witwengeld in halber Höhe des Rentenanspruchs besteht.
e) Die Gesellschaft trägt die Hälfte der Beiträge zur Krankenhaus- und Arztkostenversicherung der pensionierten Arbeitnehmer
und ihrer Ehefrauen.
ARTIKEL IX - VERSICHERUNGEN
Abs. 1. Das in Anhang C spezifizierte Versicherungsprogramm sieht
vor:
a) eine Lebensversicherung in Höhe von etwa 65OO Dollar;
b) eine Beihilfe im Falle vorübergehender Arbeitsunfähigkeit
in Höhe von etwa 65 Dollar pro Woche als Verdienstausfallentschädigung für die Dauer von 26 Wochen. Diese Zahlungen werden ohne Aufrechnung gegen Ansprüche des Arbeitnehmers an die Krankenhaus- und
Arztkostenversicherung gewährt;
c) eine Krankenhauskostenversicherung bis zu einer Dauer
von 365 Tagen für die Arbeitnehmer und ihre Familienangehörigen für
jeden Krankheitsfall, welche die Kosten für Pflege, Arzneimittel,
Sauerstoff, Anästhesie usw. einschließt^
d) eine Arztkostenversicherung für die Arbeitnehmer und ihre
Familienangehörigen. Bei Operationen werden je nach Art des Eingriffs
unterschiedliche Sätze gewährt; der Höchstsatz beträgt 450 Dollar.
e) Die durchschnittlichen Aufwendungen für die vorstehend
genannten Leistungen belaufen sich je Arbeitnehmer auf durchschnittlich 31 Dollar pro Monat, von denen dieser etwa 4»25 Dollar aufzubringen hat.
f) Die Gesellschaft gewährt entlassenen Arbeitnehmern und
deren Familienangehörigen die uneingeschränkten Leistungen der Krankenhaus- und Arztkostenversicherung auch während der Zeit, in der
ein Anspruch auf Leistungen aus der zusätzlichen betrieblichen Arbeitslosenversicherung besteht, jedoch höchstens für die Dauer von
12 Monaten.

ARTIKEL X

�ARTIKEL X - ZUSATZLICHE ARBEITSLOSENVERSICHERUNG
Abs. 1. Die zusätzliche Arbeitslosenversicherung gewährt während
höchstens 52 Wochen Leistungen in einer Höhe, die der Differenz
zwischen den Leistungen der staatlichen Arbeitslosenversicherung
und 62 Prozent des Bruttolohnes des Arbeitnehmers j entspricht,
zuzüglich je 1,50 Dollar für bis zu vier unterhaltsberechtigte
Angehörige bis zu einem Höchstsatz von 40 Dollar pro Woche.
Abs. 2. Reicht der Arbeitsanfall der Gesellschaft nicht für eine
Beschäftigung während 40 Wochenstunden aus, so hat sie während
der Dauer der von der Firmenleitujng angeordneten Kurzarbeit
die Zeitdifferenz zwischen der geleisteten Wochenstundenzahl und 40 Stunden
mi 165 i&lt;&gt; des regulären Lohnsatzes zu bezahlen. Wird Kurzarbeit
durch höhere Gewalt erzwungen, so hat jeder Arbeitnehmer Anspruch
auf die Bezahlung von 50$ seines normalen Lohnsatzes für die Differenz zwischen der geleisteten Wochenstundenzahl und 40 Wochenstunden.
Die Mittel werden aus dem Fonds der zusätzlichen Arbeitslosenversicherung entnommen, solange dessen Einlagen eine bestimmte Mindesthöhe
nicht unterschreiten, andernfalls von der Gesellschaft direkt aufgebracht .
ARTIKEL XI - ENTLASSUNGSGELD
Abs. 1. Tarifverträge in der Automobilindustrie sehen die Gewährung
eines Entlassungsgeldes nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit vor. Nach zwei Jahren Dienstzeit beläuft sich das Entlassungsgeld auf den Gegenwert von 50 Wochenstunden; es steigert sich bis zu
einem Höchstsatz entsprechend 1500 Stunden nach 30jähriger Betriebszugehörigkeit. Die Bezahlung erfolgt aus dem Fonds der zusätzlichen
Arbei ts losen Versicherung.
Abs. 2. Arbeitnehmer, die in einen anderen Betrieb der Gesellschaft
an einem mehr als 50 Meilen (80 km) entferntgelegenen Ort versetzt
werden, haben Anspruch auf eine nach Entfernung und Familienstand
gestaffelte Umzugsbeihilfe bis zu einem Höchstsatz von 580 Dollar.
ARTIKEL XII - ALLGEMEINES
Abs. 1. Die Gesellschaft verpflichtet sich, größte Anstrengungen
zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und zur Schaffung
aller möglichen Sicherheitsvorkehrungen im Betrieb zu unternehmen.
Die Gesellschaft wird für die Bereitstellung von Verbandskästen für
die Erste Hilfe und Tragbahren sowie für die Einrichtung eines Ambulanzdienstes für alle Betriebsangehörigen Sorge tragen.
Abs. 2. Zieht sich ein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit eine
Verletzung zu und ist er deshalb genötigt, sich in Behandlung außerhalb des Betriebs zu begeben, oder wird er wegen eines solchen Unfalls nach Hause geschickt, so erhält er für den Rest der Schicht
seinen normalen Lohn fortgezahlt, sofern ein von der Gesellschaft

-

8

-

�Gesellschaft benannter Arzt bzw. eine von ihr bestimmte Krankenschwester die Unfähigkeit des Arbeitnehmers feststellt, seine Arbeit in
dieser Schicht fortzusetzen.
Abs. 3« Vorarbeitern und Aufsehern ist es untersagt, die Arbeit
anderer Arbeitnehmer zu verrichten, es sei denn in dringenden Fällen
oder zum Zwecke der Instruktion oder bei Entwicklungsarbeiten.
Abs. 4« Die Gesellschaft verpflichtet sich, bei Stellenbewerbern und
Mitarbeitern bezüglich Lohn, Schulung, Höhereinstufung, Beförderung,
Versetzung, zeitweiliger Entlassung, Kündigung, disziplinarischer
oder anderer Maßnahmen keinerlei Unterschiede auf Grund der Rassenzugehörigkeit, des Glaubens, der Hautfarbe, der nationalen Herkunft,
der politischen Überzeugung, des Geschlechts oder des Personenstandes
zu machen.
Abs. 5- Die Gewerkschaft wird ihre Mitglieder zu keinem Streik aufrufen, verpflichten oder ermächtigen, solange nicht sämtliche Möglichkeiten des Beschwerdeverfahrens ausgeschöpft sind. Die Gesellschaft wird keinerlei Aussperrungen vornehmen oder anordnen, solange
nicht sämtliche Möglichkeiten des Verhandlungsverfahrens erschöpft
sind.
Abs. 6. Die Gesellschaft stellt im Betriebsgelände eine Anschlagtafel
zur Benutzung durch die Gewerkschaft auf.
(Quelle: Research &amp; Engineering
Department - UAW)
* * * * *

9 -

�Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß umfassendes Sozialprogramm
Ein umfassendes Sozialprogramm für die älteren - im Ruhestand
lebenden und über 64 Jahre alten - Menschen, das diesen Personengruppen neben einer größeren wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit vor allem einen verstärkten Schutz bei Krankenhausaufenthalt
und Siechtum bringen soll, ist von Präsident Kennedy jetzt dem Kongreß in Form einer Botschaft zugeleitet worden. Die für die Verbesserung der Alters-Krankenversicherung, der Gesundheitsfürsorge,
der Altenbetreuung und der Wohnverhältnisse vorgesehenen und für
die Durchführung zahlreicher anderer Altenhilfeprogramme notwendigen Mittel werden in der Gesetzesvorlage auf rund 10 Mrd. Dollar
für die nächsten fünf Jahre beziffert.
Die Durchführung der vom US-Präsidenten vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen für die älteren Menschen ist in den USA insofern von großer
sozialer Dringlichkeit, als es dort - im Gegensatz zu zahlreichen
europäischen Ländern - keine gesetzliche, sondern nur eine freiwillige
Krankenversicherung gibt und zum anderen eine staatliche Altersversorgung erst seit 1955 existiert. Das bedeutet, daß die Sozialrenten
für viele ältere Menschen, sofern sie überhaupt noch Beiträge zur
Sozialversicherung leisten konnten, relativ gering sind und in keinem
Verhältnis zu den hohen Arzt-, Krankenhaus- und anderen Versorgungskosten stehen.
Die Dringlichkeit derartiger Hilfsmaßnahmen unterstrich Präsident Kennedy in seiner Gesetzesvorlage unter Hinweis auf folgende
von zahlreichen Regierungsstellen ermittelten statistischen Ergebnisse :
Die sozialen Tatbestände
- Rund 1/1O der amerikanischen Bevölkerung - das sind 17 1/2
Millionen Personen - ist heute älter a&lt;Ls 64 Jahre; in Anbetracht
der hohen Lebenserwartung (Durchschnitt 70 Jahre) wird sich diese
Zahl bis 1980 auf 25 Millionen erhöht haben. Während die Gesamtbevölkerung seit 1900 um das 2 l/2fache zunahm, erhöhte sich die Zahl
der 65 Jahre alten und älteren Leute um 500 Prozent.
- Das Durchschnittseinkommen eines älteren Ehepaares ist nur
halb so groß wie das eines jüngeren; fast 50 $ der über 64jährigen
weisen ein Jahreseinkommen von weniger als 1000, und rund 75 c/° von
weniger als 2000 Dollar auf. 70 Prozent aller älteren Menschen 12,5 Millionen - erhalten heute eine staatliche Altersrente, die im
Durchschnitt 76 Dollar für einen Alleinstehenden, 66 Dollar für eine
Witwe und 129 Dollar im Monat für ein Ehepaar beträgt. Rund 2 1/4
Millionen leben gegenwärtig von der staatlichen Fürsorgeunterstützung
(60 Dollar pro Person und Monat plus 15 Dollar Krankenkostenbeihilfe).
- Ältere Menschen sind viel häufiger und auch länger krank als
jüngere. Von 100 Personen über 64 leiden 80 an einer chronischen
Krankheit; 28 haben eine Herzkrankheit oder zu hohen Blutdruck, 27
Arthritis oder Rheumatismus, 10 haben Augenkrankheiten, 17 Hörfehler, 16 liegen mindestens einmal im Jahr im Krankenhaus.
- 10 -

�- Nur 50 in der 65jährigen und älteren Personen sind krankenversichert. Die durchschnittlichen täglichen Krankenhauskosten betragen gegenwärtig 35 Dollar. Rund die Hälfte aller Sozialrentner
hat außer der Rente kein weiteres Einkommen, und rund 1/3 von ihnen
verfügt nur über flüssige Mittel von weniger als 100 Dollar.
Die vorgeschlagenen Verbesserungen
Zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der
älteren Menschen schlägt Präsident Kennedy in seiner Botschaft die
Verabschiedung folgender Gesetze und Maßnahmen durch den Kongreß vor:
1. Einführung einer Krankenhauskostenversicherung für Sozialrentner im Rahmen des staatlichen Sozialversicherungssystems auf
selektiver Basis, d.h., der Versicherte hat die Wahl zwischen drei
verschiedenen Versicherungsformen - 45'tägiger Vollversicherung,
90tägiger Versicherung bei maximal 90 Dollar Selbstbeteiligung und
180tägiger Versicherung mit einer Selbstbeteiligung in Höhe des
2 l/2fachen Satzes der durchschnittlichen Krankenhaus-Tageskosten;
2. Einbeziehung sämtlicher Personen über 64 in die Krankenhauskostenversicherung, die nicht sozialversicherungspflichtig waren
oder nicht zum Versichertenkreis gehörten;
3. Ausdehnung der staatlichen Alterskrankenversicherung auf die
Fürsorgeempfänger;
4. Bereitstellung größerer Mittel für den Bau und die Unterhaltung von Pflegeheimen;
5- Erhöhte Bundeszuschüsse für die Einrichtungen des allgemeinen
Gesundheitswesens und für die Ausbildung von Ärzten und medizinischem
Fachpersonal;
6. Senkung der Steuersätze für Personen über 64; Erhöhung der
Freibeträge und Heraufsetzung der Steuerpflichtgrenze von gegenwärtig
1333 Dollar auf 2900 Dollar;
7« Erhöhung der staatlichen Wohnungsbauzuschüsse für die Erstellung von Wohnungen für ältere Menschen;
8. Erschließung von neuen und Verbesserung der derzeitigen Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menseben.
Zwecks Finanzierung der einzelnen Sozialprogramme, vor allem jedoch des Krankenversicherungsprogramms, schlägt Präsident Kennedy eine
Erhöhung der Beitragssätze zur Sozialversicherung um ein 1/4 Prozent
(gemessen an der Lohnsumme) sowie die Anhebung der Sozialversicherungspflichtgrenze von gegenwärtig 4800 auf 5200 Dollar pro Jahr vor.
(Quelle: Special Message on Aiding Our Senior
Citizens)
* * * * *

-

11

-

�Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums
Das amerikanische Arbeitsministerium wurde am 4« März 191?
durch ein vom Kongreß gebilligtes Gesetzeswerk in der Absicht geschaffen, die wirtschaftliche Lage der werktätigen Bevölkerung
und die allgemeinen Arbeitsbedingungen zu verbessern sowie die Möglichkeiten für eine lohnende Beschäftigung zu vermehren. In Ausführung der vom Gesetz vorgeschriebenen Direktiven hat das in zahlreiche
Haupt- und Unterabteilungen gegliederte Arbeitsministerium heute
eine weite Skala von Tätigkeiten auszuführen, die sich praktisch auf
sämtliche Bereiche des Wirtschaftslebens erstrecken.
Sammeln und Auswerten statistischer Angaben
Die für die Gesamtarbeit des Ministeriums wohl wichtigste Aufgabe besteht in der Sammlung, Zusammenstellung, Auswertung und Publizierung statistischer Angaben, die von der Hauptabteilung "Amt für
Arbeitsstatistik" wahrgenommen wird. Bei dieser Arbeit wird das Amt
von fünf Regionalbüros unterstützt, die auch - genauso wie das Amt
selbst - mit anderen Statistischen Ämtern des Bundes und der Bundesstaaten eng zusammenarbeiten. Die Ergebnisse werden neben zahlreichen
Spezialpublikationen vor allem im Mitteilungsblatt des Ministeriums,
der "Monthly Labor Review", veröffentlicht. Die Statistiken und Analysen beziehen sich dabei auf praktisch sämtliche Sachgebiete, die
mit Arbeitsmarkt und Beschäftigungslage, Lebenshaltung, wirtschaftlicher
Entwicklung und Tätigkeit und Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen im
Zusammenhang stehen.
Sicherung der Beschäftigung
Zwei bedeutende Aufgaben des US-Arbeitsministeriums bestehen
darin, die Tätigkeit der Arbeitsämter auf dem Sektor der Vermittlung
von Erwerbslosen und Arbeitskräften zu unterstützen und das Programm
für Arbeitslosenunterstützung zu fördern.
Die öffentliche Arbeitsvermittlung wird gemeinsam von Bund und
Bundesstaaten durchgeführt. Als verantwortlichem Amt des Bundes obliegt es dabei dem Arbeitsministerium, die erforderlichen Maßnahmen
hinsichtlich Finanzierung, Planung und Zusammenarbeit zu treffen
und zu überwachen. Die den Bundesstaaten untergeordneten Arbeitsämter sind die Organe zur praktischen Durchsetzung dieser Anordnungen.
Insgesamt gibt es rund 1700 Arbeitsämter in den Vereinigten Staaten, denen nicht nur die Vermittlung von Arbeitskräften obliegt, sondern auch die Berufsberatung, Durchführung von Spezialtests zur
Ermittlung der beruflichen Fähigkeiten oder Anlagen, Zusammenarbeit
mit den Unternehmern bei der Lösung von Beschäftigungsproblemen,
Herausgabe von Informationen über die Arbeitslage und -bedingungen
an interessierte Kreise.
Arbeitslosenversicherung
Auch in Fragen der Arbeitslosenversicherung auf Grund des
"Social Security Act", der Entrichtung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge und der Arbeitsschutzgesetze der Bundesstaaten bildet das

12

-

�das Arbeitsministerium das federführende Organ des Bundes. Es hat
dabei im einzelnen die Aufgabe, die entsprechenden Ministerien der
Bundesstaaten in legislativen, Interpretations-, Verwaltungs- und
Finanzfragen des Programms zu beraten und die Arbeitslosenversicherungsgesetze der Bundesstaaten und ihre Verwaltungsorgane zu überprüfen.
Ebenso hat das Arbeitsministerium die Verantwortung für die Verwaltung des Arbeitslosenunterstützungsprogramms für Kriegsveteranen
und Angestellte des Bundes.
Ausbildung von Arbeitskräften
Durch Kongreßbeschluß wurde der US-Arbeitsminister im Jahre 1937
beauftragt, ergänzende Arbeitsschutzgesetze auszuarbeiten, durchzusetzen und zu überwachen, die sich ausschließlich auf die Lehrlingsausbildung beziehen. Unter den Begriff "Lehrling" fallen nach der
Definition des US-Arbeitsministeriums sämtliche unter einem speziellen
Arbeitsvertrag beschäftigten Arbeitnehmer, die für die Dauer von zwei
bis vier Jahren einen Fachberuf erlernen.
Bei der Durchführung der Aufgaben wird das Ministerium durch ein
nationales Komitee unterstützt, das sich aus Vertretern der Gewerkschaften, Unternehmerverbände und des öffentlichen Erziehungswesens
zusammensetzt. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch in dieser Hinsicht
mit den Lehrlingsausschüssen der Bundesstaaten. Bei der Ausarbeitung
der allgemein verbindlichen Richtlinien für die Behörden, die auf lokaler Ebene für die praktische Durchsetzung verantwortlich sind, arbeitet das Arbeitsministerium eng mit den Unternehmer- und Gewerkschaftsverbänden zusammen, während die örtlichen Beauftragten für das Lehrlingswesen wiederum mit den Unternehmern und Ortsgewerkschaften die Grundsätze für die Beschäftigung und Ausbildung von Lehrlingen sowie die
Aufstellung von Ausbildungsprogrammen im einzelnen festlegen.
Ebenso ist es Aufgabe des Ministeriums, Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme auszuarbeiten und durchzuführen, die auf eine allgemeine Verbesserung der technischen Fähigkeiten sämtlicher Arbeitnehmer abzielen.
Löhne und Arbeitszeit
Weitere wichtige Funktionen des US-Arbeitsministeriums beziehen
sich auf die Überwachung und Durchsetzung verschiedener Gesetze, die
mit der Festsetzung von Löhnen und Arbeitszeit in Verbindung stehen.
Der "Fair Labor Standards Act"
Die wichtigsten Aufgaben des Ministeriums im Rahmen dieses Gesetzes haben Bezug auf die Handhabung und Durchführung der Mindestlohn-, Überstundenbezahlungs- und Kinderarbeitparagraphen. Dem entsprechenden Amt des Arbeitsministeriums obliegt es, die Verwaltungsrichtlinien festzulegen und Ausführungsbestimmungen zum Gesetz und
Interpretationen des Gesetzes zu veröffentlichen. Ebenso koordiniert
es die Tätigkeit der Regional- und Ortsbüros.
Die

�Die Durchsetzung der Gesetze und die Durchführung von Untersuchungen hinsichtlich der Einhaltung der Gesetze liegt in Händen der
Regional- und Ortsbüros, die gleichfalls in speziellen Fällen Befreiung^ Zertifikate ausstellen können. Die strafrechtliche Verfolgung von
Gesetzesverstößen obliegt jedoch dem Ministerium.
Arbeitsgrundgesetze
Die Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen und damit die
Erhöhung der sozialen Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer ist eine weitere und sehr umfangreiche Aufgabe des US-Arbeitsministeriums. Sie drückt sich aus in der Entwicklung gesunder Grundlagen
für die Arbeitsgesetze und ihrer Handhabung,; durch Gewährung technischer und administrativer Hilfe an die Bundesstaaten, Gewerkschaften
und alle, die an einer Verbesserung der Arbeitsgesetzgebung interessiert
sind; in industrieweiten Sicherheitsprogrammen sowie in der Schaffung
von Programmen zur Verbesserung der Beschäftigungspraktiken bei jungen
Arbeitnehmern.
Das Ministerium analysiert ferner die bestehenden Arbeitsgesetze
des Bundes und der Bundesstaaten und veröffentlicht entsprechende Informationen hierüber an alle interessierten Kreise. Es dient ebenso
als nationale Informationsstelle für technische Informationen über
sämtliche Aspekte der Arbeitsgesetzgebung und Verwaltung.
Das Arbeitsministerium arbeitet in allen Arbeitsnormfragen eng
mit den entsprechenden Behörden der Bundesstaaten mit dem Ziel zusammen, eine Übereinstimmung der Bundesgesetze mit denen der Bundesstaaten
auf den wichtigsten Sektoren wie Löhne, Arbeitszeit und Betriebssicherheit zu erreichen. Desgleichen ist es Mittler zwischen dem Internationalen Arbeitsamt und den Bundesstaaten und ist diesen dabei behilflich,
die von dieser internationalen Körperschaft als allgemeinverbindlich
erklärten Empfehlungen einzuhalten.
Industrielle Sicherheitsprogramme
Einen großen Rahmen nimmt auch die Arbeit auf dem Gebiet der
industriellen Sicherheit und der Unfallverhütung ein. Auch hier erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten bei der Aufstellung von Unfallverhütungsprogrammen und bei der Ausbildung der Sicherheitsinspektoren der Bundesstaaten. Ein wichtiges Organ auf diesem
Sektor bildet dabei der "Federal Safety Council" im US-Arbeitsministerium (Bundesrat für Industrielle Sicherheit), der durch seine 97
Zweigbüros die praktischen Erkenntnisse auf dem Sektor der industriellen Sicherheit vermittelt, die von der "President1s Conference on
Occupational Safety", einem mit Fachkräften des Arbeitsministeriums
besetzten Forschungsausschuß, erarbeitet werden.
Weibliche Arbeitnehmer
Da heute rund ein Drittel aller Arbeitskräfte in den Vereinigten
Staaten Frauen sind, kommt den Aufgaben des Arbeitsministeriums hinsichtlich der Ausarbeitung und Überwachung entsprechender Arbeitsschutzund Sozialgesetze eine sehr große Bedeutung zu. Im einzelnen ist es
hier Aufgabe des Ministeriums, Arbeitsnormen und andere grundlegende

-

14

-

�grundlegende Bestimmungen auszuarbeiten und durchzusetzen, die
allgemeinen Arbeitsbedingungen für weibliche Arbeitskräfte zu verbessern und die Möglichkeiten für eine lohnende Beschäftigung zu
erhöhen. Dazu gehört die Durchführung von Programmen zur Verbesserung
des Status der weiblichen Arbeitnehmer, die Kontaktpflege mit den
Frauenvereinigungen zwecks Informierung über Programme, die Vorteile
für die weiblichen Arbeitskräfte bieten; die Durchführung statistischer
Erhebungen zwecks Erlangung entsprechender Informationen; die Entwicklung von Programmen, die den zivilen und politischen Status der
Frau verbessern; die Organisierung von internationalen technischen
Beistands- und Austauschprogrammen für Frauen sowie die Veröffentlichung all jener Informationen, die sich auf den wirtschaftlichen
und rechtlichen Status der Frau beziehen.
Auf Wunsch der Arbeitsministerien der Bundesstaaten oder von
Organen in den Bundesstaaten und Gemeinden, die die Absicht haben,
neue Arbeitsgesetze über Mindestlöhn, Maximalarbeitszeit oder gleiche
Bezahlung zu erlassen oder bestehende Gesetze wirksamer zu gestalten,
gibt das US-Arbeitsministerium technische Hilfe oder andere Unterstützungen.
Internationale Arbeitsfragen
Große Aufmerksamkeit schenkt das amerikanische Arbeitsministerium
den Entwicklungen auf dem internationalen Arbeitsmarkt und auf dem
Sektor des Arbeitsrechts. In Zusammenarbeit mit dem US-Außenministerium
und anderen an diesen Entwicklungen interessierten Ministerien sammelt
es als Informationszentrale alle entsprechenden Informationen und ist
für die Ausarbeitung der Richtlinien in bezug auf internationale Arbeitsfragen verantwortlich. Es unterhält ferner enge Kontakte zu den
entsprechenden Organisationen der Vereinten Nationen und des Internationalen Arbeitsamtes und ist für die Durchführung der internationalen Austauschprogramme zuständig.

(Quelle: Eigenbericht)

*

• * * *

-

15

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Höchster Beschäftigungsstand für Januar
Mit 65,935 Millionen Beschäftigten wurde im Januar 1963 die bisher höchste Gesamtbeschäftigtenziffer für diesen Monat erreicht, wie
aus der jüngsten Arbeitsmarktübersicht des "US-Amtes für Arbeitsstatistik" hervorgeht.
Der hohe Beschäftigungsstand ist dabei in erster Linie auf die
erhebliche Zunahme der Gesamtzahl der Arbeitskräfte zurückzuführen
sowie auf die für die Jahreszeit relativ niedrige Erwerbslosenrate,
die nach Ausschaltung der saisonbedingten Einflüsse in dem Bericht mit
5,8 Prozent angegeben wird.
Zwischen Dezember und Ende Januar hat sich die Zahl der Erwerbslosen in den USA um 855 000 auf insgesamt 4 672 000 erhöht. Diese verhältnismäßig große Zunahme ist hauptsächlich durch die Entlassung
von Aushilfspersonal bei den Kaufhäusern, der Post und anderen im
Weihnachtsgeschäft stark engagierten Unternehmen bedingt gewesen.
Auch die Zahl der in Außenberufen tätigen Arbeitnehmer hat sich mit
fortschreitender Jahreszeit weiter verringert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Versehrtenbetrieb "Unternehmen des Jahres"
Die jährlich vom Verband der Fertigungsindustrie (NAM) an Versehrtenbetriebe verliehene Medaille "Unternehmen des Jahres" wird 1963 die
"Ace Electronics" erhalten, ein Betrieb in Somerville (Massachusetts),
der 275 Arbeitnehmer beschäftigt, darunter allein 240 Körperbehinderte.
Die Auszeichnung soll, wie es in den Verleihungsbestimmungen heißt, jeweils einem Unternehmen zuerkannt werden, das auf dem Gebiet der Beschäftigung Versehrter Arbeitnehmer Hervorragendes geleistet und diesem
Personenkreis die Möglichkeit verschafft hat, seinen körperlichen Gegebenheiten entsprechende Arbeitsplätze zu finden und voll auszufüllen.
Chef
ist Aaron
und heute
hinweisen

dieses elektronische Einzelteile herstellenden Betriebes
N. Solomon, der 1952 mit zwei Versehrten Arbeitnehmern begann
mit Stolz auf einen Jahresumsatz von 1,75 Millionen Dollar
kann.

Die wesentlichen Elemente seiner Personalpolitik sind: 1 . seine
Überzeugung, allen weniger vom Schicksal begünstigten Menschen helfen
zu müssen; 2. die Erkenntnis der Tatsache, daß elektrotechnische Arbeiten in erster Linie an der Werkbank ausgeführt werden und daher besonders gut für Körperbehinderte geeignet sind, und 3« seine festeüberzeugung, daß es keine "Versehrten gibt, wenn man es versteht, di esen

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16

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�diesen Personenkreis an Arbeitsplätzen einzusetzen, die seinen speziellen Fähigkeiten entsprechen.
Als für den Erfolg seines Unternehmens ausschlaggebend, bezeichnet Solomon folgende Punkte: Spezielle Anpassung der einzelnen
Arbeitsplätze an die Gegebenheiten der einzelnen Arbeitnehmer; sorgfältige Einweisung und Einführung neuer Arbeitnehmer in ihre Tätigkeiten und Aufgaben; häufige Überprüfung des Neueingestellten, um
festzustellen, wie er sich an seinen Arbeitsplatz und seine Arbeit
gewöhnt hat; enger persönlicher Kontakt zu allen Angestellten; Zahlung von angemessenen Löhnen an alle Arbeitnehmer.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Günstige Streikbilanz im Jahre 1962
Die Gesamtzahl der streikenden Arbeitnehmer ist 1962 weiter
zurückgegangen und erreichte, wie aus einer Übersicht des "US-Amtes
für Arbeitsstatistik" hervorgeht, im vergangenen Jahr den tiefsten
Stand der Nachkriegszeit.
Nicht ganz so günstig fällt dagegen die Bilanz bei der Gesamtzahl der 1962 begonnenen Streiks sowie bei der Gesamtzahl der durch
Streiks verlorengegangenen Arbeitstage aus, obwohl auch hier das
Niveau der günstigsten Jahre seit 1945 erreicht wird.
Bei insgesamt 3500 begonnenen Streiks, von denen 1,25 Millionen
Arbeitnehmer berührt wurden, gingen im vergangenen Jahr insgesamt
19,0 Millionen Arbeitstage verloren (1961 - 16,3 Mio; 196O = 19,1 Mio).
Gemessen an der von sämtlichen nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der
US-Wirtschaft im vergangenen Jahr geleisteten Gesamtarbeitszeit, gingen durch die Streiks nur 0,15 Prozent verloren.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

17 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
XVI

" 4

Bad Godesberg,den 1.

April 1963

INHALTSVERZEICHNIS

Erziehung und Schulung in einem
Entwicklungszeitalter (i)

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

1

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter

Unter der vorstehenden Hauptüberschrift
bringen wir in dieser und der nächsten
Ausgabe sechs Beiträge namhafter amerikanischer Regierungsvertreter, Wirtschaftler
und Publizisten zu Fragen der Heranbildung
von Arbeitskräften für die Welt von morgen.
Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die
sich bereits heute abzeichnende wachsende
Nachfrage nach "Kopfarbeitern" mit besonderen Fachkenntnissen und höherer Bildung.
W. Willard Wirtz, US-Arbeitsminister:
Grundsätze und Probleme der Arbeitspolitik und Nachwuchsförderung
Die Welt von heute wird von einem Wandel gekennzeichnet, wie er
in der Geschichte ohne Beispiel ist. Alles scheint in Fluß geraten
zu sein, doch nicht im Sinne einer langsamen Evolution, wie sie sich
einem roten Faden vergleichbar durch die Geschichte zieht. Es ist dies
vielmehr ein Wandel, der sich in "Megatonnen" einer technischen, bevölkerungsmäßigen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Explosion ausdrückt.
Die

-

1

-

�Die Menschheit ist sich - soweit Menschen überhaupt je das Unermeßliche ausdenken können - bewußt, wie sehr die Wissenschaft gewissermaßen von gestern auf heute Begriffe wie Zeit, Entfernung, Erde
und All von Grund auf verändert hat.
Welche Auswirkungen diese wissenschaftliche Revolution aber auf
die Arbeitswelt des Menschen zeitigt, darüber herrschen noch sehr
vage Vorstellungen. Der Beruf wurde bisher fast überall auf der
Welt als eine Tätigkeit angesehen, die man ein ganzes Leben lang
verrichtet. Man ererbte ihn vielfach von seinem Vater, und bezeichnenderweise leiten sich nicht wenige Nachnamen von Berufsbezeichnungen
her. Die Art der lebenslangen Erwerbstätigkeit wurde häufig allein
von dem Umstand bestimmt, daß man in einem landwirtschaftlichen Anbaugebiet, in einer Waldgegend, an der Küste, in einem Industriegebiet
oder in der Nähe einer Grube oder Fabrik geboren worden war. Und heute
besteht nun plötzlich ein direkter Zusammenhang zwischen der Arbeit
und dem Beruf eines Menschen und der Entwicklung einer Wissenschaft,
die er weder beeinflussen noch verstehen kann - und deshalb fürchtet.
Es gilt aber, eine vernünftige Einstellung zu dem Wandel zu gewinnen, dessen Zeuge wir sind: ihn übersehen zu wollen, wäre dumm,
ihn zu fürchten, feige. Es genügt auch nicht, sich dem Wandel "anpassen" zu wollen, denn das hieße, daß der Mensch immer weiter hinter
der Entwicklung der Wissenschaft und Technik zurückbliebe, bis die
Kräfte, die dem Menschen Freiheit verheißen,
zu Kräften der
Vernichtung zu werden drohen.
Das Morgen gehört denjenigen, die dem Wandel offen, ehrlich und
frei entgegensehen, ja, ihm entgegengehen, ihn als ein Wesensmerkmal
des Wachstums und dieses wiederum als den Sinn des Lebens ansehen
und deshalb an die Zukunft glauben.
Zu dieser Haltung wird sich ein Volk und die Menschheit aber
nur durchringen, wenn wir, die wir die staatlichen Maßnahmen im Bereich der Arbeitspolitik und Menschenführung treffen, uns klar und
deutlich zu dem Prinzip bekennen - ja dieses Prinzip erst einmal
aufstellen -, daß eine solche Politik der "Menschenführung" das Recht
und die Fähigkeit eines jeden Menschen garantieren muß, zu arbeiten vielleicht nicht das, was er zu tun erwartete, gegenwärtig tut oder
früher getan hat, aber in jedem Falle etwas, was sowohl an sich als
auch als Beitrag zu einem besseren Leben für die gesamte Menschheit
sinnvoll ist. Die Wesenszüge einer solchen Arbeitspolitik stehen
sämtlich in einem engen Bezugsverhältnis zum Kern einer neuen, tatkräftigen und vielleicht auch mehr pragmatischen Vorstellung von
Erziehung und Schulung. Ich denke in diesem Zusammenhang an fünf
Grundsätze:
1. Jeder Mensch ist erziehbar. Jeder kann eine berufliche Ausbildung mit Erfolg durchlaufen und nützliche Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben, sofern man ihn nur richtig anleitet, berät, testet
und einer Schulung unterwirft, die genau auf die geforderten beruflichen Qualifikationen zugeschnitten ist und seine Fähigkeiten, Wünsche und Grenzen gebührend berücksichtigt.
Wir
-

2

-

�Wir Amerikaner konnten bei der Verwirklichung des Kraftwerkund Bewässerungsprojektes im Tennessee-Tal beobachten, wie sich
Männer und Frauen, deren Arbeitserfahrung sich ausschließlich auf
den von ihren Vorfahren ererbten Beruf des Farmers erstreckte, rasch
und ohne größere Schwierigkeiten den Erfordernissen der Arbeit in
modernen Industriebetrieben anpaßten. In den 20 Jahren von 1940
bis 196O hat sich zum Beispiel die Zahl der Fertigungsarbeiter im
Tennessee-Tal - von einer halben auf eine ganze Million - fast verdoppelt. Der Bedarf an Facharbeitern erhöhte sich um fast 100 Prozent - und wurde auch gedeckt. Das Personaleinkommen stieg gleichzeitig um 508 Prozent! Dies ist ein greifbarer Beweis für die Anpassungsfähigkeit des Menschen an neue berufliche Anforderungen - sofern die Möglichkeiten gegeben sind, die eine expandierende Wirtschaft bieten kann.
2. Jedermann sollte sein Wissen laufend ergänzen. Der rasche
technische Fortschritt bringt es mit sich, daß Fähigkeiten und Fertigkeiten von den niedrigsten bis zu den höchsten Berufen rasch veralten. Zahlreiche Arbeitskräfte können nicht mehr länger hoffen, einen
Beruf zu erlernen und diesen dann bis zur Erreichung der Altersgrenze
auszuüben - ohne je etwas dazuzulernen. Heute muß jeder bereit sein,
sich gegebenenfalls neue Fertigkeiten anzueignen und das vorhandene
Fachwissen immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen, wenn wir
ein hinreichendes Reservoir von flexiblen und anpassungsfähigen Arbeitskräften schaffen wollen, das den Bedarf unserer Wirtschaft jederzeit zu decken vermag,
3. Es muß überall mehr für die Bildung getan werden. Industrie
und Wirtschaft sind nicht mehr so standortgebunden wie früher, weshalb sich Beschäftigungsmöglichkeiten heute häufig von einem Ort nach
einem anderen verlagern. Einst maßgebliche Faktoren der Standortwahl
wie die Verfügbarkeit von Energie und günstige Transportverbindungen
verlieren an Bedeutung. Die Industrie ist mobiler als früher und muß
im Hinblick auf die steigenden Anforderungen an das Können ihrer Mitarbeiter auf das Vorhandensein qualifizierter Arbeitskräfte im Bereich
ihres Standorts größeren Wert legen als je zuvor. Andererseits begünstigt das Vorhandensein von Arbeitskraftreserven in manchen Gebieten
deren wirtschaftliche Entwicklung heute oft ganz entschieden.
4. Unsere Schulungsmethoden müssen verbessert werden. Sie sind
den neuen Erfordernissen und Aufgaben anzupassen. Schon finden neue
Lehrmittel und Unterrichtsmethoden - übersichtlichere Fachbücher,
elektronisch gesteuerte Lehrmaschinen, Film, Fernsehen und anderes
Anschauungsmaterial wie Bildtafeln, Aufrisse, Dias und Modelle - in
steigendem Maße im Unterricht Verwendung.
5. Die Lehrkräfte sollten geistig beweglich und fähig sein, auf
die jeweiligen Verhältnisse einer im Wandel begriffenen Arbeitswelt
einzugehen. Die Beurteilung unserer Arbeitspolitik, unsere Menschenführung und aller getroffenen Maßnahmen wird davon abhängen, inwieweit es uns gelingt, die wissenschaftliche und technische Entwicklung
richtig einzuschätzen und uns im voraus auf sie vorzubereiten. Gelingt uns dies, so neutralisieren wir damit nicht nur die Angst der

-

3 -

�der arbeitenden Menschen vor der Wissenschaft und Technik, die
sie in ihrer freien Entfaltung behindert, sondern beugen auch der
Verknappung qualifizierter Arbeitskräfte vor, die ein Hemmschuh
für jede expandierende Wirtschaft ist.
Es wird heute kaum mehr bestritten, daß die Ausbildung und
Umschulung mindestens zu einem Teil Aufgabe des Staates ist. In
anderen Ländern, vornehmlich in Westeuropa, gibt es hierfür zahlreiche Beispielsfälle. Was die Vereinigten Staaten angeht, so sind
wir dabei, unsere ersten diesbezüglichen Erfahrungen in Verbindung
mit dem 19&amp;2 erlassenen Gesetz über Maßnahmen zur Entwicklung des
Arbeitsmarktes und Umschulung (Manpower Development and Training
Act) zu sammeln. Das Gesetz geBtattet im Verlauf der nächsten drei
Jahre die Ausbildung bzw. Umschulung von 400 000 Männern und Frauen
auf Staatskosten - zumeist Opfer der sogenannten technischen Arbeitslosigkeit, d.h. der Verdrängung vom Arbeitsplatz durch Maschinen .
Dieses Gesetz basiert auf der Überzeugung, daß Erziehung, Ausbildung und Umschulung in einer freien und demokratischen Gesellschaft
die beste Methode sind, Mensch und Arbeit miteinander in Einklang zu
bringen, und daß dies vor allem Aufgabe des Staates ist.
Die Entwicklung der intellektuellen und physischen Fähigkeiten
des Menschen durch das demokratische Mittel der Erziehung muß das
Ziel jeder Arbeitspolitik sein. Die Probleme der Welt von heute, vor
die uns der kalte Krieg, die Industrialisierung, die Verstädterung
und die Automatisierung stellen, werden wir nur dann auf eine vernünftige Weise zu lösen vermögen, wenn ein größerer Prozentsatz der
Bewohner dieser Erde eine eingehendere und bessere Erziehung und Schulung als heute erhält.
M

Walter W. Heller, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des
lo-irasiaenten:
Bildung als Faktor des Wirtschaftswachstums
Im Wirtschaftsleben unserer Zeit gewinnt das sogenannte "menschliche Kapital" immer mehr an Bedeutung, ja es scheint in Zukunft sogar
zum wichtigsten Faktor überhaupt zu werden. Damit erhebt sich die
Frage: Welche Rolle spielt die Erziehung in der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, und was tun wir, um Erziehung und Bildung die ja dieses "menschliche Kapital" schaffen und mehren - zu fördern?
Von den vielen Dingen, die die Beantwortung dieser Frage beeinflussen, seien hier nur zwei herausgegriffen:
Erstens:

- 4 -

�Erstens: Die Problematik wirtschaftlichen Wachstums, um die
sich die hochindustrialisierten Volkswirtschaften von Jahr zu Jahr
mehr kümmern müssen, ebensosehr wie um alle Vorgänge, die ein Wachstum begünstigen oder hemmen können. Um das Geheimnis eines rascheren
oder langsameren Wirtschaftswachstums zu ergründen und zu verstehen,
müssen wir die wirtschaftliche Entwicklung in der Vergangenheit analysieren und zu verstehen trachten. Es genügt nicht, den Punkt zu
kennen, den wir erreicht haben; wir müssen uns vielmehr auch Klarheit
darüber verschaffen, wie wir zu ihm gelangt sind.
Wir wissen aus Erfahrung, daß das wirtschaftliche Wachstum keiner
Naturgesetzlichkeit unterliegt; es hängt aber weitgehend von einer
Variablen ab, die sich - innerhalb gewisser Grenzen - dem Willen, dem
Gesetz und der Planung des Menschen gefügig machen läßt. Es gibt heute
schon eine Fülle von Beweisen für die Auffassung, daß die Wirtschaftsexpansion stark von wirtschafts- und sozialpolitischen Maßnahmen mitbestimmt wird, die ihrerseits das Angebot an produktiven Arbeitskräften sowie deren Qualifikationen und die Ansichten mitgestalten.
Zweitens: Die Erkenntnis, daß sich Investitionen in das Erziehungsund Bildungswesen lohnen - eine Erkenntnis, die uns unsere Bemühungen
um das Wirtschaftswachstum in den weniger entwickelten Ländern erst
so recht ins Bewußtsein gerückt hat.
Was nützen Maschinen ohne Menschen, die sie zu bedienen wissen?
Die Produkte unseres technischen Zeitalters lassen sich fertig importieren, eine ausreichende Zahl von Technikern und Wissenschaftlern aber
muß sich jedes Land selbst heranbilden. Und man kann dabei auch nicht
am oberen Ende der Bildungspyramide anfangen; es gilt vielmehr, ihr
zunächst eine breite Basis in Form eines Grundschulwesens zu schaffen,
das das Analphabetentum beseitigt und ein größeres Allgemeinwissen
verbreitet.
Untersuchungen bekannter Fachleute aus mehreren Ländern führten,
in bemerkenswerter Übereinstimmung, zu sehr bezeichnenden und aufschlußreichen Ergebnissen und Folgerungen bezüglich der Rolle des
"menschlichen Kapitals" in der wirtschaftlichen Entwicklung.
Die häufigste Methode der Ermittlung des Beitrags des "menschlichen Kapitals" zum Wirtschaftswachstum besteht in der Errechnung
des Unterschiedes zwischen der Wachstumsrate des Sozialprodukts (oder
der Wertschöpfung innerhalb eines bestimmten Wirtschaftssektors, etwa
der Landwirtschaft) und der Zunahme des tatsächlichen Aufwands an
Bodenfläche, Arbeit (gemessen in geleisteten Arbeitsstunden), Betriebsmitteln, Material und Kapital. Das Ergebnis dieser Aufrechnung ist in
praktisch allen Ländern verblüffend. Die Zunahme des Sozialprodukts
ist um ein Beträchtliches höher als die Zunahme des materiellen Aufwandes. Diese "unerklärliche" Komponente der Wirtschaftsexpansion wird
"Wachstumsdifferenz" genannt und durch solche immaterielle Faktoren
wie Erziehung, Schulung und Forschung hervorgebracht.
Eine Untersuchung der diesbezüglichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten zeigte, daß etwa die Hälfte der Produktionszunahme
während der letzten 50 Jahre Faktoren zuzuschreiben ist, die nicht im

-

5 -

�im Bereich des materiellen Aufwands zu suchen sind. Das ist eine
bemerkenswerte Feststellung, denn noch vor wenigen Jahren glaubten
die meisten Laien und auch zahlreiche Fachleute, das Geheimnis des
Wachstums der US-Wirtschaft beruhe nahezu ausschließlich auf dem
sehr hohen materiellen Aufwand und dem natürlichen Reichtum des
Landes.
Damit mich niemand mißversteht: Technische Neuerungen und Erfindungen des menschlichen Geistes lassen sich selbstverständlich
nur mit genügend Kapital und Arbeit in Produktion und Wirtschaftswachstum ummünzen. Forschungen der jüngeren Zeit haben aber den Nachweis erbracht, daß lediglich 10 bis 20 Prozent des gesteigerten Ausstoßes pro aufgewandte Arbeitseinheit auf Kapitalgüterinvestitionen
zurückzuführen sind. Die Vereinigten Staaten bilden übrigens in dieser Hinsicht keineswegs einen Einzelfall; auch andere Volkswirtschaften sind weit schneller gewachsen, als man auf Grund der Zunahme des
materiellen Aufwandes erwarten durfte.
In Süd- und Mittelamerika zum Beispiel wird die durchschnittliche
Wachstumsrate der Wirtschaft in der Zeit von 1945 his 1955 auf jährlich 4»9 Prozent geschätzt; der erfaßbare materielle Mehraufwand
aber lag bei durchschnittlich 3»1 Prozent pro Jahr. So läßt sich ein
sehr beachtlicher Anteil von 1,8 Prozent auf "Bildung" und anderen
"immateriellen Aufwand" zurückführen.
Eine Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung in Norwegen
in den Jahren von 1900 bis 1955 führte zu der gleichen Feststellung,
daß ein jährlicher Produktionszuwachs von 1,8 Prozent verbleibt, der
sich durch die Steigerung des materiellen Aufwandes nicht erklären
läßt.
Zu einem Ergebnis, das noch verblüffender ist, gelangt man, wenn
man diese Analyse auf den landwirtschaftlichen Sektor beschränkt. In
den Vereinigten Staaten wurde für die Jahre 1940-1958 eine geradezu
frappante Wachstumsdifferenz ermittelt: bei einem um 1,7 Prozent erhöhten Aufwand pro Jahrzehnt stieg die Erzeugung um 29 Prozent.
Die Ergebnisse dieser Vergleichsrechnung sind auch im Falle der
landwirtschaftlichen Erzeugung der lateinamerikanischen Staaten sehr
eindrucksvoll. Argentinien hatte von 1920 bis 1940 eine Steigerung
des materiellen Aufwandes um 6 Prozent zu verzeichnen, der eine Steigerung der Erzeugung um 27,5 Prozent pro Jahrzehnt gegenübersteht. In
Brasilien erhöhte sich der Aufwand - vom Durchschnitt der Jahre 19251929 zu dem der Jahre 1945-1949 - pro Jahrzehnt um 15, die Erzeugung
um 27 Prozent; für Mexiko lauten die entsprechenden Vergleichszahlen
15,5 und 30 Prozent,
Die von mir hier angeführten Zahlen sagen uns aber nicht nur, daß
Kapital nicht alles bedeutet; sie machen uns auch klar, daß tatsächlich eine Möglichkeit besteht, über den "immateriellen Aufwand" zur
Wirtschaftsexpansion beizutragen: durch Hebung des Bildungsniveaus
und des Ausbildungsstandes der arbeitenden Menschen, durch organisatorische Verbesserungen und gutes Management - und den technischen
Fortschritt. Und dieser "immaterielle Aufwand" hat seinen Ursprung

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6

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�Ursprung größtenteils in der Erziehung und Ausbildung.
In den Vereinigten Staaten dürften die erhöhten Investitionen
auf dem Schulsektor 25 bis 50 Prozent zur Wachstumsdifferenz beigetragen haben, zu jenen 1,6 Prozent des jährlichen Wachstums des
Sozialproduktes, die sich nicht auf den "materiellen Aufwand" zurückführen lassen.
Es ist noch viel Forschungsarbeit zu leisten, ehe wir die Rentabilität von Investitionen in Erziehung, Bildung und Schulung ebenso
sicher errechnen können, wie wir heute die Rentabilität des Kapitalaufwands für Maschinen, Ausrüstungen und Werksanlagen berechnen.
Der Schluß aber, daß Investitionen in das "menschliche Kapital"
einen hohen Gewinn bringen, ist schon heute gerechtfertigt. In unseren Entwicklungsprogrammen und bei allen wachstumsfördernden Maßnahmen sollten wir dieser Erkenntnis gebührend Rechnung tragen.
Wir werden in dieser Erkenntnis ferner durch die Ergebnisse
von Untersuchungen der Zusammenhänge zwischen Bildungsgrad und Einkommen und der Auswirkungen einer Hebung des Bildungsgrades auf
letzteres bestärkt. Da das Einkommen des einzelnen bedingt als Maß
für seinen Beitrag zum Sozialprodukt gelten darf, läßt sich auch der
Einfluß der Erziehung auf das Sozialprodukt bis zu einem gewissen Grad
an der Relation zwischen Bildungsgrad und persönlichem Einkommen
(und damit Produktionsleistung) ablesen. Wir gewinnen auf diese Weise
ein weiteres Maß der "Rentabilität" der Erziehung und Bildung,
Die "Verzinsung" von Investitionen in die Erziehung auf CollegeNiveau ist in den Vereinigten Staaten etwa ebenso hoch wie die Verzinsung von Investitionen in die Wirtschaft. Weiter gehende Untersuchungen haben jedoch gezeigt, daß im Falle der Grund- und Mittelschulen sogar mit einer noch wesentlich höheren "Rendite" zu rechnen ist
als im Falle der akademischen Bildung.
Der Geldaufwand für das Erz,iehungswesen lohnt sich in ähnlicher
Weise auch in anderen Staaten, vor allem in den Entwicklungsländern,
in denen Mangel an geschulten Kräften besteht. In Venezuela beispielsweise nimmt man für die Verzinsung von Investitionen auf dem Erziehungssektor einen wesentlich höheren Satz an als in den Vereinigten Staaten.
Angesichts dieser Untersuchungen und Forschungsarbeiten werden
die Erziehungs- und Arbeitsministerien schon bald in der Lage sein,
den exakten Nachweis zu führen, in welcher Weise und Höhe sich die
Erziehungsausgaben lohnen. Sie werden dann mit ebenso konkreten Zahlen
argumentieren können, wie es beispielsweise die Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Transportministerien bisher immer schon vermochten.
Es gibt mit Sicherheit keine Ideallösung, die sich für sämtliche
Länder der Erde gleichermaßen eignet. Dazu unterscheiden sie sich
viel zu sehr hinsichtlich der natürlichen Hilfsquellen, der Kapitalkraft, der Bevölkerung, der Kultur, der Vergangenheit, der Gegenwart
und auch der Zukunft. Aus den Erfahrungen, die wir alle machen, können
wir aber vielleicht allgemeingültige Prinzipien herleiten, die jedes
Land mit Erfolg auf seine spezifischen Probleme und Verhältnisse anzuwenden vermag.
*

�Paul G. Hoffman, Direktor des Sonderfonds der Vereinten Nationen und
ehemaliger Leiter der US-Marshallplan-Behörde:
Hebung des Bildungsniveaus als Voraussetzung., der wirtschaftlichen
Erschließung der Entwicklungsländer
Die Vereinten Nationen haben sich für dieses Jahrzehnt, die
"Entwicklungsdekade", das Ziel gesetzt, das Personaleinkommen in
den wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten um jährlich 2,5 Prozent
zu steigern. Gegenüber einer Erhöhung des Personaleinkommens um
durchschnittlich 1 Prozent in den fünfziger Jahren bedeutet dies eine
gewaltige Zunahme.
Fragen wir uns, ob dieses Ziel erreichbar ist, so lautet die
Antwort» "Von den vorhandenen Möglichkeiten her, ja." Es fehlen weder
die notwendigen Hilfsquellen noch mangelt es an Menschen; es dreht
sich lediglich darum, Menschen und Material nutzbringender einzusetzen.
Die Beschleunigung des Entwicklungsprozesses hängt von einer Vielzahl
von Paktoren ab, soziologischen, politischen, wirtschaftlichen und
psychologischen•
Was die Erschließung der materiellen Hilfsquellen angeht, gilt
es zuerst einmal Klarheit darüber zu gewinnen, welche natürlichen
Hilfsquellen in den fraglichen Ländern vorhanden sind. Die Erde ist
reich an Bodenschätzen, was für die den Vereinten Nationen angeschlossenen rund 100 "Entwicklungsländer" vielfach noch mehr als für andere
zutrifft.
Glücklicherweise bieten uns Forschung und Technik eine große Zahl
von Hilfsmitteln, die wirtschaftliche Erschließung eines Landes zu beschleunigen. Die restlichen sieben Jahre dieses Jahrzehnts reichen aus,
um eine Bestandsaufnahme der materiellen Hilfsquellen der Entwicklungsländer durchzuführen und die Erschließung dieses teilweise noch verborgenen Reichtums zum Segen der in diesen Gebieten lebenden Menschen in
Angriff zu nehmen.
Die Erfahrungen, die wir als Vertreter des UN-Sonderfonds - eines
umfassenden Programms der Vereinten Nationen zur Gewährung von Hilfe
zu einem Zeitpunkt, an dem die eigentliche Investitionshilfe von außen
noch nicht eingesetzt hat - bisher gesammelt haben, unterstreichen die
großartigen Möglichkeiten des Einsatzes modernster technischer Hilfsmittel. Es sei hier nur an die Bodenerkundung aus der Luft erinnert,
die uns mit Bestimmtheit in sieben Jahren ebenso viele und mehr geologische Aufschlüsse vermitteln kann wie einst sieben Jahrzehnte Schürfarbeit. Die Luftbildgeologie gestattet die Auffindung von Lagerstätten,
die unter steilen Gebirgszügen, in undurchdringlichen Wäldern, Sandwüsten und Sumpfebenen verborgen liegen.
Luftbildkamera, Magnetometer, Szintillationszähler und andere elektronische Meßgeräte haben den mit Spitzhacke und Spaten in der Erde wühlenden Geologen früherer Zeiten weitgehend verdrängt. Der Geologe von
heute kann mit seinen Geräten nicht nur die Oberflächenbeschaffenheit
der Erde aus der Luft feststellen, sondern auch mit Hilfe von

8

�von Strahlen tief in das Erdinnere "blicken" und nach einem guten
Dutzend Mineralien suchen. Die Meßdaten solcher Geräte haben zur
Auffindung reicher Erdölvorkommen in Wüstengebieten geführt, obwohl
Lagerstätten wertvoller Mineralien nach Auffassung älterer Geologen,
die diese Wüsten einst auf Kamelrücken durchstreift hatten, dort
nicht zu erwarten waren.
Was die Nutzung des vorhandenen Menschenpotentials angeht,
liegen die Dinge leider viel komplizierter. In bezug auf Erziehung
und Bildung wurde in den Entwicklungsländern in der Vergangenheit
viel versäumt. In sämtlichen Ländern mit niedrigem Personaleinkommen
sind Verwaltungskräfte, Techniker, Angehörige der freien Berufe,
Lehrer, Wirtschaftler und Facharbeiter äußerst knapp - gerade jene
Leute, die für eine tatkräftige Erschließung des vorhandenen natürlichen Reichtums unerläßlich sind.
Unsere Erfahrungen zeigen deutlich, daß die Menschen jener Gebiete durchaus zu guten Verwaltungsfachleuten, Technikern, Facharbeitern und Bauern erzogen werden können. Und sie sind auch durchaus
lernbegierig. Die zu bewältigende Erziehungsaufgabe ist gewaltig:
Von der Gesamtbevölkerung der 100 den Vereinten Nationen angeschlossenen unterentwickelten Länder und Territorien von insgesamt 1,3 Milliarden sind rund 750 Millionen im schulpflichtigen Alter und darüber
hinaus des Schreibens und Lesens unkundig.
Aber die Beseitigung des Analphabetentums reicht längst nicht aus.
Millionen Jungen und Mädchen müssen eine Berufsschulung bzw. eine
höhere Schulbildung erhalten. Und schließlich gilt es, als eine der
wichtigsten Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung,
eine möglichst große Zahl von Facharbeitern heranzubilden.
Nach vorsichtigen Schätzungen müssen in diesen Ländern und
Territorien eine Million Führungskräfte für den Staatsdienst, die
akademischen Berufe, die Wirtschaft und den Handel geschult werden
und eine noch größere Zahl von Technikern, Ingenieuren, medizinischtechnischen Kräften und Pädagogen für die öffentliche Verwaltung
und die Wirtschaft.
Was das im Hinblick auf die Angleichung der Entwicklungsländer
an das Erziehungs- und Bildungsniveau der hochindustrialisierten
Staaten bedeutet, hat Professor F. H. Harbison von der Universität
Princeton in einer kürzlich veröffentlichten Studie über Möglichkeiten
zur Nutzung des Arbeitspotentials für die wirtschaftliche Entwicklung
herausgestellt. Er führt den Nachweis, daß in den unterentwickelten
Gebieten in Afrika noch nicht einmal einer von 1000 Einwohnern eine
12jährige Schulung durchgemacht hat und somit der Kategorie der hochqualifizierten Kräfte zuzurechnen ist.
Die Vereinten Nationen und eine ganze Reihe von Staaten haben
ihre Hilfe verstärkt, um mehr für die Erziehung der Bevölkerung in
den Entwicklungsländern tun zu können. Es bedarf aber einer Anstrengung, die weit über das Maß hinausgeht, das man bisher für ausreichend
hielt. Es darf auch keine Zeit mehr verloren werden, bevor diese gewaltige Aufgabe mit entsprechender Tatkraft in Angriff genommen wird,
denn nur auf der Grundlage einer besseren Erziehung und Ausbildung
können diese Länder zu einem rascheren Wirtschaftswachstum gelangen.
*

- 9 -

�Joseph A. Harary, Mitarbeiter des US-Außenministeriums:
Die Schulungsarbeit amerikanischer Unternehmen im Ausland
Wenn die Entwicklungsländer heute Ausschau nach ausländischem
Investitionskapital als einem der wichtigsten Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung halten, so denken sie dabei zumeist nur an die
mittelbaren Auswirkungen einer solchen Finanzhilfe und des gewöhnlich
damit verbundenen "Imports" von Management-Kräften und Technikern.
Wie sehr und wieviel ausländische und gemischte Kapitalgesellschaften zur Heranbildung eines Stammes von tüchtigen Facharbeitern
beitragen können und vielfach auch schon beigetragen haben, wird selten richtig gewürdigt.
Nach dem zweiten Weltkrieg hat das ausländische Privatkapital in
zunehmendem Maße aus dem Bewußtsein einer bestehenden Interessengemeinschaft mit dem Gastland heraus gehandelt. Das gemeinsame Interesse
an der Heranbildung von einheimischen Facharbeitern und Verwaltungskräften stand bei Erwägungen dieser Art ebenso im Vordergrund wie
der Wunsch der ausländischen Stammhäuser, die Verantwortung für ihre
Tochtergesellschaften in ständig steigendem Maße an ortsansässige Mitarbeiter zu übertragen, die mit den Verhältnissen des Gastlandes bestens vertraut sind.
Der wichtige Beitrag, den ausländische Gesellschaften bei der
Schulung und Fortbildung von Fachkräften in den "mittleren" Berufen
und selbst von Spitzenkräften leisten können, die für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in den Entwicklungsländern so dringend
benötigt werden, findet in jüngerer Zeit immer stärkere Beachtung.
Um eine Vorstellung von der Bedeutung dieser Erziehungsarbeit
von Firmen mit Filialen im Ausland zu gewinnen, wurde das AuslandsSchulungsprogramm
von zwölf bedeutenden amerikanischen Unternehmen
aus zwölf verschiedenen Branchen einer kritischen Überprüfung unterzogen. Es handelte sich um Firmen mit ausländischen Zweigbetrieben,
die jeweils einige tausend oder viele tausend Mitarbeiter beschäftigen. Bei aller Verschiedenheit haben diese Firmen doch vieles
gemeinsam:
Sämtliche Unternehmen sind in mehreren Ländern, darunter auch
Entwicklungsländer, tätig; rekrutieren ihre Mitarbeiter, wenn irgend
möglich, auf dem lokalen Arbeitsmarkt; besetzen höhere Positionen, wo
möglich, aus den Reihen der bisherigen Mitarbeiter; suchen die Zahl
der Mitarbeiter mit einer anderen als der Nationalität des Gastlandes
auf das absolut nötige Minimum zu beschränken; wenden viel Zeit und
Geld für die innerbetriebliche Schulung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und verschiedentlich sogar von deren Familienangehörigen auf;
und können auf ein langjähriges erfolgreiches diesbezügliches Wirken
zurückblicken, das dem wirtschaftlichen und sozialen Leben im engeren
und weiteren Bereich der Standorte ihrer Zweigbetriebe entscheidende
Impulse gegeben hat.

-

10

-

�Die zwölf Firmen beschäftigten zusammengenommen in ihren Auslandsbetrieben 575 OOO Arbeiter und Angestellte, von denen nur 5200
oder weniger als 1 Prozent Amerikaner oder Staatsangehörige eines
anderen als des Gastlandes sind. Bezeichnenderweise steht einem
starken Anstieg der Zahl der Ortskräfte in der Zeit nach dem zweiten
Weltkrieg ein bemerkenswerter Rückgang der amerikanischen und sonstigen ausländischen Mitarbeiter gegenüber, wurden deren Funktionen doch
zunehmend auf inzwischen ausgebildete einheimische Kräfte übertragen.
Eine der Firmen beschäftigt im Ausland über 100 000 Ortskräfte
und lediglich 900 Amerikaner; bei einer anderen Firma lauten die
Vergleichszahlen 33 000 und 250. Eine dritte Gesellschaft mit 135 000
Ortskräften beschäftigt lediglich 2200 Amerikaner und andere Ausländer;
bei einer ihrer Töchter entfällt auf 1000 ortsansässige Beschäftigte
gar nur ein Amerikaner. Das sind nur einige wenige Beispiele.
Tausende nicht-amerikanische Angestellte und ehemalige Arbeiter
sind in diesen ausländischen Zweigbetrieben in Aufsichts- und Führungspositionen aufgestiegen - einige sogar bis in den Vorstand. Sie haben
fast alle "von der Pike auf" gedient und sind von Stufe zu Stufe geklettert; sie bekamen immer mehr Verantwortung übertragen, je mehr
ihre Fähigkeiten gewachsen waren.
*
Die Tatsache, daß Tausende von Amerikanern im Laufe der Zeit durch
Ortskräfte ersetzt werden konnten, ist ein deutlicher Beweis für die
Wirksamkeit der Schulungsarbeit. Die zwölf Gesellschaften lassen sich
in ihrer Schulungsarbeit deshalb auch generell von den Betriebs- und
Branchenerfordernissen leiten. Die Schulung selbst reicht von der
Einweisung von Neulingen durch die unmittelbaren Vorgesetzten über
den Gruppenunterricht bis zu der Vergabe von Stipendien und der Finanzierung der Teilnahme an internationalen Fachtagungen. Die hierfür
jährlich ausgeworfenen Summen gehen in die Millionen.
Eine der Gesellschaften hat bisher 5000 ausländischen Ingenieuren
einen Studienaufenthalt in den Vereinigten Staaten ermöglicht; keiner
der Stipendiaten war Werksangehöriger und keiner wurde verpflichtet,
später für die betreffende Firma zu arbeiten.
Viele amerikanische Gesellschaften dehnen ihre Erziehungsarbeit
auf die Angehörigen ihrer Beschäftigten und selbst auf breitere Bevölkerungskreise aus, die überhaupt nichts mit der Firma zu tun haben.
Dies gilt sowohl für allgemeinbildende Kurse als auch für die berufliche und fachliche Schulung. Der Unterricht findet zum Teil in werkseigenen Schulungsräumen statt, zum Teil auch in den örtlichen Schulen,
die vielfach erhebliche Zuwendungen seitens der Firmen erhalten. Nicht
selten werden ursprünglich von den Werken eingerichtete Schulen und
Kurse später von der örtlichen Verwaltung übernommen und der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
In Venezuela richtete beispielsweise eine amerikanische Firma
an mehreren Plätzen Berufsschulen ein, die später dem venezolanischen
Staat kostenlos übereignet wurden. Die Firma veranstaltete des weiteren betriebswirtschaftliche Kurse, die nach zweijährigem Bestehen

-

11

-

�Bestehen von der Universität Caracas übernommen und weitergeführt
wurden. Einige andere amerikanische Firmen in Brasilien stellen
Studenten, die von den Universitäten ausgewählt und vorgeschlagen
werden, regelmäßig Praktikantenstellen zur Verfügung.
Alle diese Beispiele beweisen, in welch hohem Maße ausländische
Gesellschaften zur Nachwuchsförderung gerade in den Entwicklungsländern beitragen können. Sie geben intelligenten und entwicklungsfähigen Kräften viele Aufstiegschancen. Das gilt vor allem für die
Berufe, bei denen der Arbeitskräftemangel am meisten fühlbar ist.
Der Trend weist eindeutig in die Richtung einer Verstärkung dieser
Anstrengungen seitens der Unternehmen, gehen sie doch von der Erkenntnis aus, daß jeder Fortschritt des Gastlandes auch ihnen selbst
zugute kommen wird.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Durchschnittliche Lohnerhöhungen nur drei Prozent im Vor.jahr
Die im Rahmen von Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer)
im vergangenen Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen für industrielle
Arbeitnehmer beliefen sich nach Angaben des US-Amtes für Arbeitsstatistik im Durchschnitt auf 3 Prozent. Rund 4/5 der insgesamt 3»75
Millionen Arbeitnehmer, für die neue Tarifverträge abgeschlossen wurden, erhielten dabei eine Lohnaufbesserung von 3»4 Prozent.
Im Vergleich zu 19&amp;1 liegt dieser Durchschnittswert zwar etwas
höher; dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß seinerzeit der
allgemeine Durchschnittssatz für Lohnerhöhungen sehr stark durch die
Tarifverträge der Automobilindustrie beeinflußt wurde, die - zugunsten
höherer Lohnnebenleistungen - nur geringe Aufbesserungen der Stundenlöhne für die Arbeitnehmer brachten.
Für weitere 4,1 Millionen durch Großtarifverträge erfaßte Arbeitnehmer wurden 1962 keine neuen Lohnabkommen abgeschlossen. Jedoch erhielten 2,75 Millionen von ihnen, das sind 65 Prozent, Lohnerhöhungen auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen Verträge.
Zu den restlichen industriellen Arbeitnehmern, die 1962 keine Lohnerhöhung erhielten, gehören auch die des Bergbaus und der Bekleidungsindustrie, die auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen langfristigen Tarifverträge 1962 in neue Lohnverhandlungen hätten eintreten können, aber von dieser Option keinen Gebrauch machten.
Zu denjenigen GroßtarifVerhandlungen, die bis zum Jahresende
nicht abgeschlossen werden konnten und deren Ergebnisse dementsprechend auch nicht in die Lohnstatistik für 1962 aufgenommen wurden,
zählen vor allem die für die Hafenarbeiter der Ostküste, die Angestellten der New Yorker Zeitungen und die Eisenbahner.
*
-

12

(Quelle: Eigenbericht)
-

�Einzelhandelsgewerkschaft will Automationsstudie durchführen
Der Exekutivausschuß der amerikanischen Einzelhandelsgewerkschaft
(Retail Clerks International Association) hat nach Abschluß seiner
letzten Tagung in Bai Harbour (Florida) die Arbeitgeber des Einzelhandels aufgefordert, sich an der Durchführung einer umfassenden
Analyse über die Auswirkungen der Automatisierung in diesem bedeutenden Wirtschaftszweig und über die Möglichkeiten zur Sicherung
der Arbeitsplätze dieses Beschäftigtenkreises finanziell (50:50) zu
beteiligen.
Der 1. Vorsitzende der Gewerkschaft, James A. Suffridge, appelierte in diesem Zusammenhang mit großer Eindringlichkeit an "alle Segmente
des Einzelhandels", diese gewerkschaftlichen Bemühungen zu unterstützen,
damit sämtliche Probleme, die die Automation für den Einzelhandel mit
sich bringe, erforscht und geklärt werden könnten. Bisher habe sich die
Automatisierung noch nicht in vollem Umfange im Einzelhandel ausgewirkt, wenngleich man schon gewisse Auswirkungen auf Grund der Einführung zahlreicher technischer Neuerungen während der letzten Jahre
verspürt habe. So seien z.B. zahlreiche kleine Einzelhandelsgeschäfte
inzwischen von der Bildfläche verschwunden, während die Kettenläden,
Diskontläden und selbst die Warenhäuser in jüngster Zeit ihre Rationalisierungsbemühungen beträchtlich verstärkten. Zwar habe sich dieser
Mechanisierungstrend bisher in erster Linie auf die Bereiche der Lagerhaltung und Lagerkontrolle, der Verpackung und einige andere Tätigkeiten erstreckt, aber mit einer ähnlich starken Autoraationswelle wie
in der Fertigungsindustrie sei auch im Einzelhandel in naher Zukunft
zu rechnen.
Dies seien die Gründe gewesen, die die Gewerkschaft veranlaßt
hätten, sich weitaus stärker als bisher um die Sicherung der Arbeitsplätze und Erhaltung der Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Mitglieder zu bemühen.
*
Arbeiter den Angestellten gleichgestellt
Der erste Kollektivvertrag der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW),der eine vollkommene tarifpolitisehe Gleichstellung
der Produktionsarbeiter mit den Angestellten zum Inhalt hat, ist kürzlich zwischen dem Ortsverein 55 der UAW und den "Sabo Machine and
Tool Works" in Buffalo abgeschlossen worden.
Wenn auch diese bedeutsame tarifvertragliche Vereinbarung mit
einem verhältnismäßig kleinen Unternehmen abgeschlossen wurde, so dürfte
sie doch für die künftige Lohnpolitik der Automobilarbeitergewerkschaft
von großer Bedeutung sein und auf die Vertragsverhandlungen - zumindest
bei Mittel- und Kleinbetrieben - in Zukunft großen Einfluß haben.
Der neue Dreijahresvertrag, der für die Produktionsarbeiter eine
Abkehr von dem bisherigen Lohnzahlungssystem (Wochenlohn) bringt und
ihnen all jene arbeitsrechtlichen Vergünstigungen einräumt, die bisher
nur den Angestellten vorbehalten waren, sieht für die Arbeiter - je

-

13

-

�je nach Qualifikation und Arbeitsplatz - Jahresgehälter zwischen
5510 und 648O Dollar sowie Gehaltsaufbesserungen während der beiden
nächsten Jahre von jeweils 180 Dollar vor. Außerdem wurde die durchschnittliche Arbeitswoche von bisher 40 a uf 37»5 Stunden (5 Arbeitstage zu je 7 1/2 Stunden) herabgesetzt. Überstunden werden künftig
mit 150 Prozent des Normalsatzes vergütet, Samstags- und Sonntagsarbeit mit 200 und Peiertagsarbeit mit 300 Prozent.
Eine sehr wesentliche Verbesserung stellt auch die Regelung der
Feierschichtenvergütung sowie die Bezahlung von Krankheitsurlaub dar.
Während bei Feierschichten oder vorübergehender Entlassung das Gehalt
dem Arbeitnehmer (1 Monatsgehalt pro Dienstjahr) für eine bestimmte
Zeit weitergezahlt wird, erhält er bei Erkrankung seine Bezüge für
drei Monate und - wenn der Arzt ein längeres Aussetzen für erforderlich hält - noch darüber hinaus. Auch wenn der Arbeitnehmer gezwungen
ist, sich "aus wichtigen persönlichen Gründen" frei zu nehmen, kann
er für die Dauer von drei Monaten künftig sein volles Gehalt weiterbeziehen .
Zu den weiteren Verbesserungen, die die "Local 55" für ihre Mitglieder und sich selbst aushandeln konnte, gehören ein "Union Shop"Abkommen, Abzug der Gewerkschaftsbeiträge vom Gehalt; Gewährung eines
Lebenshaltungskostenausgleichs auf Grund der sogenannten "escalator
clause" (Lohngleitklausel), Bezahlung der Lebens- und Krankenversicherungsprämien durch den Unternehmer, Gewährung von sieben bezahlten
Feiertagen pro Jahr sowie bezahlter Urlaub bis zu vier Wochen (nach
20jähriger Dienstzeit).
(Quelle: Eigenbericht)

Bauarbeiterlöhne nur geringfügjg gestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne im amerikanischen Baugewerbe
sind im letzten Quartal 1962 nur um 0,4 Prozent oder 1,4 Cent angestiegen, wie aus der jüngsten - in 100 Städten und in sieben verschiedenen Bauberufen durchgeführten - Lohnanalyse des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Nach den vorliegenden Ergebnissen betrug der im Baugewerbe gezahlte durchschnittliche Stundenlohn am Ende des vergangenen Jahres
3,98 Dollar. Die stärksten Lohngewinne verzeichneten im Erhebungszeitraum (Oktober-Dezember) die Elektriker (4&gt;9 Cent), gefolgt von
den Maurern und Klempnern mit 1,8 bzw. 1,6 Cent, während alle anderen
Bauberufe - Maler, Verputzer, Zimmerleute, Bauhilfsarbeiter - Lohnanhebungen von weniger als 1 Cent registrierten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

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�je nach Qualifikation und Arbeitsplatz - Jahresgehälter zwischen
5510 und 648O Dollar sowie Gehaltsaufbesserungen während der beiden
nächsten Jahre von jeweils 180 Dollar vor. Außerdem wurde die durchschnittliche Arbeitswoche von bisher 40 auf 37»5 Stunden (5 Arbeitstage zu je 7 1/2 Stunden) herabgesetzt. Überstunden werden künftig
mit 150 Prozent des Normalsatzes vergütet, Samstags- und Sonntagsarbeit mit 200 und Feiertagsarbeit mit 300 Prozent.
Eine sehr wesentliche Verbesserung stellt auch die Regelung der
Feierschichtenvergütung sowie die Bezahlung von Krankheitsurlaub dar.
Während bei Feierschichten oder vorübergehender Entlassung das Gehalt
dem Arbeitnehmer (1 Monatsgehalt pro Dienstjähr) für eine bestimmte
Zeit weitergezahlt wird, erhält er bei Erkrankung seine Bezüge für
drei Monate und - wenn der Arzt ein längeres Aussetzen für erforderlich hält - noch darüber hinaus. Auch wenn der Arbeitnehmer gezwungen
ist, sich "aus wichtigen persönlichen Gründen" frei zu nehmen, kann
er für die Dauer von drei Monaten künftig sein volles Gehalt weiterbeziehen .
Zu den weiteren Verbesserungen, die die "Local 55" für ihre Mitglieder und sich selbst aushandeln konnte, gehören ein "Union Shop"Abkommen, Abzug der Gewerkschaftsbeiträge vom Gehalt; Gewährung eines
Lebenshaltungskostenausgleichs auf Grund der sogenannten "escalator
clause" (Lohngleitklausel), Bezahlung der Lebens- und Krankenversicherungsprämien durch den Unternehmer, Gewährung von sieben bezahlten
Feiertagen pro Jahr sowie bezahlter Urlaub bis zu vier Wochen (nach
20jähriger Dienstzeit).
(Quelle: Eigenbericht)

Bauarbeiterlöhne nur geringfügig gestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne im amerikanischen Baugewerbe
sind im letzten Quartal 1962 nur um 0,4 Prozent oder 1,4 Cent angestiegen, wie aus der jüngsten - in 100 Städten und in sieben verschiedenen Bauberufen durchgeführten - Lohnanalyse des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Nach den vorliegenden Ergebnissen betrug der im Baugewerbe gezahlte durchschnittliche Stundenlohn am Ende des vergangenen Jahres
3,98 Dollar. Die stärksten Lohngewinne verzeichneten im Erhebungszeitraum (Oktober-Dezember) die Elektriker (4&gt;9 Cent), gefolgt von
den Maurern und Klempnern mit 1,8 bzw. 1,6 Cent, während alle anderen
Bauberufe - Maler, Verputzer, Zimmerleute, Bauhilfsarbeiter - Lohnanhebungen von weniger als 1 Cent registrierten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

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14

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USJS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 5

Bad Godesberg, den 1 . Mai

TW5

INHALTSVERZEICHNIS

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (ü)

Seite

1

Aktuelle Arbeitsraarktprobleme

Seite

6

Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst

Seite

9

Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 13

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter

Zweiter Teil unserer Artikelreihe zu
Fragen der Heranbildung von Arbeitskräften für die Welt von morgen. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die sich
bereits heute abzeichnende wachsende
Nachfrage nach "Kopfarbeitern" mit besonderen Fachkenntnissen und höherer
Bildung.

M. J. Rathbone, Präsident der Standard Oil Company of New Jersey:
Erfahrungen einer amerikanischen Ölgesellschaft mit ihren
Schulungsprogrammen im Ausland
Die Entwicklungsländer sehen sich, meiner Meinung nach, vier
grundlegenden Erfordernissen gegenüber:
Erstens benötigen sie Kapital, um Industrien aufzubauen, die
Landwirtschaft zu modernisieren und die notwendigen Versorgungseinrichtungen und Verkehrsanlagen zu erstellen.
Zweitens müssen sie ihren Bürgern eine bessere Erziehung und
Schulung angedeihen lassen, damit sie sich den Umweltbedingungen einer
modernen Industriegesellschaft anzupassen lernen.
_ .,
°
*
Drittens

�Drittens brauchen ihre Bürger den psychologischen Arbeitsanreiz,
den leistungsgerechte Gewinne oder Löhne darstellen, wie sie eine freie
Wettbewerbswirtschaft am ehesten zu bieten vermag.
Viertens gilt es, stabile politische Verhältnisse zu schaffen.
Es ist nicht zuletzt auch Aufgabe der Entwicklungsländer selbst,
diese Vorbedingungen für ihren weiteren Aufstieg zu erfüllen. Die
hochindustrialisierten Staaten aber sollten ihnen jede nur mögliche
Hilfestellung hierbei leisten. Das ist das Gebot der Stunde für unsere
demokratischen Institutionen: den Staat, das Erziehungswesen und die
Wirtschaft.
Der Staat hat dafür zu sorgen, daß jeder seiner Bürger eine angemessene Allgemeinbildung erhält. Er ist aber oftmals nicht in der Lage,
Ausbildungsmöglichkeiten gerade in jenen Fächern und Berufen bereitzustellen, die für das Funktionieren eine Industriegesellschaft am wichtigsten sind. Und gerade auf diesem Gebiet kann die private Wirtschaft
einen Beitrag leisten, der allen zugute kommen wird.
Ich darf aus eigener Erfahrung berichten, daß international tätige
Großfirmen wie die Standard Oi1 viel Mühe auf die Schulung und Weiterbildung von Menschen in allen Teilen der Welt verwenden. Es gehört mit
zu den Grundprinzipien sämtlicher unserer im Ausland tätigen Tochtergesellschaften, allen Betriebsangehörigen die Chance zur Erlernung neuer
und höherer Fertigkeiten und zur Mehrung ihres Wissens zu bieten.
Die meisten unserer Mitarbeiter haben früher oder später einmal
an einem oder mehreren allgemeinbildenden Lehrgängen oder an praktischen Schulungskursen im Betrieb teilgenommen. Diese Programme reichen
von Lehrgängen im Schweißen bis zur Unterweisung im Labor, im Raffineriebetrieb und in Verwaltungsfragen.
Wir stützen uns bei diesen Schulungsprogrammen weitgehend auf
amerikanische Fachkräfte, die wir in das betreffende Land entsenden.
Die meisten dieser "Erzieher" - und ich meine Erzieher in des Wortes
wahrster Bedeutung - kehren in ihre Heimat zurück, sobald sie Ersatzkräfte herangebildet haben, die ihre Aufgabe übernehmen können, Wir und
andere Betriebe haben gewissermaßen seit Jahren schon unser eigenes
"Friedenskorps" im Einsatz.
Damit niemand glaubt, irgendein Land sei so weit fortgeschritten,
daß es nicht noch vom Fachwissen anderer lernen kann, möchte ich auf
die vielen Lehr- und Ausbildungsstätten verweisen, die ausländische
Firmen hier in den Vereinigten Staaten zur Weiterbildung ihrer amerikanischen Mitarbeiter eingerichtet haben. Dieses Einfließen von Kenntnissen aus dem Ausland ist nur dazu angetan, uns zu lehren, wie wir
selbst es noch besser machen könnten.
Die Standard Oil unterhält ihrerseits z,wei Ausbildungsstätten
im Ausland, an denen Ingenieure und Fachkräfte für Management-, Buchhaltungs- und Verkaufsaufgaben geschult werden. Die eine befindet sich
in Abington (England), die andere in Cali (Kolumbien). Während der
letzten fünf Jahre haben 2000 Mitarbeiter an den Lehrgängen dieser
Institute teilgenommen.
Derartige
2

�Derartige Schulungsprogramrae sind nach unserer Auffassung von
größter Wichtigkeit, weil sie den Wissensstand unserer Mitarbeiter
h&gt;eben. Und ich bin sicher, daß die Kursteilnehmer mit neuem Wissen
und einem erweiterten geistigen Horizont in ihre Gemeinschaften zurückkehren und mehr als zuvor zur Förderung des Gemeinwohls beitragen
werden.
Die Schulung der Führungskräfte in Managementfragen erfolgt auf
Universitäten. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde über 500
ausländischen Mitarbeitern unserer Firma eine Fortführung und Vervollständigung ihres wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an amerikanischen und auch ausländischen Universitäten ermöglicht. Eine unserer Tochtergesellschaften litt so stark unter dem Mangel an Führungskräften, daß wir in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Northwestern University in Chicago ein eigenes Institut in jenem Lande einrichteten und dort nicht nur Betriebsangehörige»sondern auch andere
Interessenten in Fortbildungskursen schulen ließen.
Der Erfolg unserer Schulungsarbeit läßt sich an der Zusammensetzung der Vorstände der 20 wichtigsten unserer Auslandstöchter ablesen. Bei elf dieser Unternehmen hat der Generaldirektor die Staatsangehörigkeit des Gastlandes; und von den insgesamt 116 Direktoren
sind 79» oder fast 60 Prozent, Nicht-Amerikaner. In den Führungspositionen der nächstniedrigeren Stufe ist der Anteil der Ortskräfte
noch weit höher und reicht in manchen Fällen fast an 100 Prozent heran.
Natürlich haben nicht nur die amerikanischen Ölgesellschaften,
sondern auch Unternehmen aus zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen
umfassende Auslandsschulungsprogramme eingerichtet. Sie haben wie wir
die Erfahrung machen müssen, daß die Entwicklung der wirtschaftlichen
Hilfsquellen und die Heranbildung von fähigen Arbeitskräften ein langwieriger und mit zahlreichen schweren Problemen verbundener Prozeß ist.
Ein solches Problem ist das "Abspringen" von ausländischen Firmenangehörigen. Es kommt ziemlich häufig vor, daß sich von uns geschulte
Kräfte, nachdem sie es zu etwas gebracht haben, einen neuen Arbeitsplatz bei einer anderen Firma oder im Staatsdienst suchen - sehr zum
Kummer der Betriebsleitungen unserer Tochtergesellschaften. Von höherer
Warte betrachtet, ist der Verlust aber nicht so schlimm, denn alles, was
die Entwicklung der Gesamtwirtschaft des Gastlandes fördert, wirkt
sich indirekt auch für uns wieder günstig aus.
Die Wirtschaft vermag auf internationaler Ebene noch manches zu
tun, um die Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus in vielen Gebieten
der Erde zu beschleunigen. Sie kann vor allem die qualitativen Anforderungen in der bereits laufenden Schulungsarbeit in vielen Fällen noch
höher schrauben. So viel die Industrie auch bereits auf dem Gebiet der
Schulung und Bildung weiter Bevölkerungsteile geleistet hat, gibt es
doch auch viele Beispiele eines glatten Versagens ausländischer Gesellschaften vor dieser Aufgabe. Hier sei nur die oftmals unsinnige
Verzögerung bei der Vorbereitung von Ortskräften auf Positionen herausgestellt, für die sie - nach entsprechender Schulung und Einarbeitung durchaus qualifiziert sind. Wir Amerikaner jedenfalls sind der Auffassung, daß wir im Falle einer Entsendung ins Ausland kaum etwas
Nützlicheres tun können, als nach Kräften zur Ausbildung unseres Nachfolgers auf unserem Platz beizutragen.
*

- 3-

�Ernst W. Leonhard:
Bewährte Institutionen zur Schulung landwirtschaftlicher Kräfte in
einem Entwicklungszeitalter
Zwischen dem derzeitigen Entwicklungszeitalter, das für viele
Völker Asiens und Afrikas angebrochen ist oder bald anbrechen wird,
und der Pionierzeit des vergangenen Jahrhunderts in den Vereinigten
Staaten besteht manche eindeutige Parallele. Für die Landwirtschaft
beispielsweise ist die Ausgangsbasis so ziemlich die gleiche. Es fehlt
weder an ertragsfähigem Boden noch an den Menschen, die ihn bestellen
könnten - es fehlen aber gewisse "technische" Voraussetzungen wie Geld,
Maschinen, eine straffe Organisation und, last not least, das notwendige
Fachwissen.
Gerade letzteres Problem hat Amerika beispielgebend zu lösen
verstanden, ernährt doch heute jeder amerikanische Farmer sich und
27 Menschen im In- und Ausland. Er verdankt dies neben seiner Ausrüstung, seinem Fleiß auch seinem Kopf - seinem Fachwissen.
Die Bauern und Handwerker, die vor einem runden Jahrhundert mit
ihren, Familien, dem Zuge nach dem Westen folgend, in das Gebiet der
Great Plains, der Großen Ebenen, in den nördlichen Zentralstaaten kamen und dort neue Farmen und neue Betriebe gründeten, erkannten sehr
rasch, wie wichtig eine gründliche schulische Ausbildung für ihre
Söhne und Töchter gerade am Rande der Wildnis war. Sie verlangten nach
Schulen und Hochschulen, die in erster Linie auf die praktischen Erfordernisse des Lebens zugeschnitten waren. Sie durften nicht viel
kosten und sollten Unterricht und Forschung auf die Notwendigkeit
ausrichten, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, die allgemeinen Lebensbedingungen auf dem Lande zu verbessern und für die aufstrebende Industrie des jungen Landes tüchtigen Nachwuchs heranzubilden.
Der Kongreß hatte Verständnis für diese Wünsche und erließ deshalb im Jahre 1862 das Morrill-Gesetz, das die Errichtung von mindestens einer agrarwissenschaftlich-technischen Hochschule in jedem Bundesstaat verfügte. Die Finanzierung dieser Hochschulen wurde durch die
Übereignung von Bundesland an die Einzelstaaten zum Zwecke des Verkaufs
an meistbietende Interessenten gesichert, weshalb die auf Grund des
Morrill-Gesetzes geschaffenen Institute noch heute die Bezeichnung
Land-Grant College, "Landdotationshochschule", führen. Das System
der Dotations-Colleges umfaßt gegenwärtig 71 Anstalten, die 1962
ein Fünftel der gesamten amerikanischen Studentenschaft auf sich vereinigten, und auf die 40 Prozent sämtlicher in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten verliehenen Doktorgrade entfielen.
Jede dieser Anstalten ist auf die Bedürfnisse des Bundesstaates
zugeschnitten, in dem sie liegt. Ein typisches Beispiel ist die naturwissenschaftlich-technische Staatsuniversität von Iowa in Arnes,
die als erste in die Rechte und Pflichten einer Hochschule im Sinne
des Morrill-Gesetzes eintrat. Heute zählt sie 10 000 Studenten; statt
je eines Kurses in "Landwirtschaft" und "Maschinenbau" bietet sie Vorlesungen in 80 Haupt- und Nebenfächern auf den Gebieten der Landwirtschaft, der Technik, der Hauswirtschaft, der Natur- und Geisteswissenschaften und der Veterinärmedizin.
T&gt;„IJ

�Bald zeigte sich, daß die Hochschulen, eine so segensreiche Tätigkeit sie auch entfalteten, allein nicht ausreichten, um genügend
Wissen ins Volk zu tragen. Da es sich als unmöglich erwies, Bauern
und Farmer in genügend großer Zahl in die Hörsäle zu holen, entschlossen sich einige der Colleges, die erarbeiteten neuen agrarwissenschaftlichen Erkenntnisse unmittelbar unter der Landbevölkerung zu verbreiten - unter den Menschen, die sie am ehesten und wirksamsten in die
Praxis umsetzen konnten. Schon 1870 hat beispielsweise der Präsident
der Iowa State University einen Fünftagekurs für Farmer in einer
Kreisstadt abgehalten.
Aus diesen Anfängen entwickelte sich im Lauf der Jahre, zuerst
auf lokaler und später auf einzelstaatlicher Ebene, ein ständiger
Kontakt zwischen Hochschule und Landvolk. Die Ausdehnung dieser Aufklärungsarbeit auf dem Lande auf das gesamte Bundesgebiet brachte die
Schaffung des sogenannten Landwirtschaftlichen Beratungsdienstes, des
Agricultural Extension Service, durch das 1914 erlassene Smith-LeverGesetz. Der Beratungsdienst, der sich vor allem auf die DotationsColleges stützt, wurde dem US-Landwirtschaftsministerium unterstellt
und entsendet heute in jeden Kreis einen oder mehrere Berater, sogenannte "Kreisagenten". Sie organisieren land- und hauswirtschaftliche
Lehrgänge für die Landbevölkerung, unterweisen die Farmer in neuen
Anbaumethoden, klären sie über die landwirtschaftsfordernden Maßnahmen
der Regierung und die Marktaussichten für ihre Erzeugnisse auf. Die
Kreisagenten organisieren auch Großaktionen wie zum Beispiel die Aufforstung kahlgeschlagener Gebiete. Nicht selten bestreiten sie auch
den Landwirtschaftsfunk im Regionalprogramm des Lokalsenders und versorgen die Presse mit wichtigen Informationen aus dem Bereich der
Landwirtschaft.
Die Landwirtschafts-Colleges wiederum tun alle s, um die Arbeit
der rund 6 300 Kreisagenten zu fördern. Sie stellen Lehrkräfte für spezielle Kurse zur Verfügung und betreiben Musterfaraon und Versuchsanstalten in den Hauptanbaugebieten.
Das letzte Glied schließlich in der Kette der landwirtschaftlichen
Schulung sind die Farmjugend-Gruppen, die sogenannten 4 H-Clubs, deren
vier "H" die Anfangsbuchstaben der englischen Worte für Kopf, Herz, Hand
und Gesundheit symbolisieren. In rund 94 000 Ortsvereinen wetteifern
über 2,3 Millionen Jungen und Mädchen miteinander um Bundespreise
in Ackerbau und Viehzucht. So erlernen sie in einer Art sportlichem
Wettkampf in der täglichen Arbeit auf dem Hof und auf den Feldern modernste agrarwissenschaftliche Methoden. Die Aufsicht über die örtlichen
4 H-Clubs obliegt wiederum den Kreisagenten, die mithin ständig in
engstem Kontakt auch mit der Landjugend stehen.
Wie leistungsfähig dieses Erziehungssystem in der Praxis ist, läßt
sich wohl am besten an den hohen Erträgen der amerikanischen Landwirtschaft ablesen. Diese hohe Produktivität ist das Ergebnis der Verwendung
modernster Maschinen im Verein mit der Anwendung der neuesten Erkenntnisse der landwirtschaftlichen Forschung, wie sie von den Universitäten
und den landwirtschaftlichen Versuchsanstalten des Bundes und der Einzelstaaten betrieben wird.
Das

�Das amerikanische Beispiel dürfte gerade für die Entwicklungsländer, die weitgehend noch zu den Hungergebieten der Erde zählen,
sehr ermutigend sein, gilt es doch dort, möglichst rasch eine leistungsstarke Landwirtschaft aufzubauen. Sie erst kann das Brot schaffen, das der Arbeit Lohn auch in jenen Ländern werden soll.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * #

Aktuelle Arbeitsmarktprobleme
Gezielte Maßnahmen zur Lösung der Arbeitsmarktprobleme
Eine wesentliche Voraussetzung für ein kontinuierliches und kräftiges wirtschaftliches Wachstum ist ein leistungsfähiges, hochqualifiziertes und voll eingesetztes Arbeitspotential. Ist diese Grundbedingung in einer Volkswirtschaft nicht gegeben, so ist auch eine maximale
Hutzung der anderen wichtigen Hilfsquellen wie Kapital, Rohstoffe, Boden und Industriekapazität nicht möglich.
Die Einbeziehung brachliegender Arbeitsreserven in den wirtschaftlichen Prozeß ist gegenwärtig ein Problem, mit dem sich zahlreiche Länder auseinanderzusetzen haben. Auch die Vereinigten Staaten haben in
dieser Hinsicht gegen zahlreiche spezielle Schwierigkeiten anzukämpfen:
Rund 2 Millionen neue Arbeitsplätze müssen pro Jahr für Schulentlassene
und jene älteren Arbeitnehmer gefunden werden, die ihren Arbeitsplatz
auf Grund technologischer Veränderungen verloren haben; die wirtschaftliche Wachstumsrate muß so stark erhöht werden, daß die sich ständig
vergrößernde Zahl der Arbeitnehmer auch in Zukunft ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten vorfindet.
All diese Arbeitsmarkt- und Wachstumsprobleme werden auch in dem
jetzt veröffentlichten ersten Bericht Präsident Kennedys über die allgemeine Beschäftigungssituation in den USA angesprochen, der mehr als
nur ein statistisches Dokument darstellt. Bekanntlich ist ja die amerikanische Regierung auf Grund des "Manpower Training and Development Act
of 1962" verpflichtet, jährlich einen umfassenden Bericht über die
Arbeitsmarktsituation und die allgemeinen Probleme zu veröffentlichen
und Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie und in welcher Form jeder
Arbeitswillige produktiv in die Wirtschaft eingegliedert werden kann.
Die heutigen Arbeitsmarktprobleme, denen sich die USA gegenübersehen, sind in erster Linie die Folge der zahlreichen technologischen
und strukturellen Veränderungen, die sich nun schon seit rund zehn
Jahren in verstärktem Maße in der amerikanischen Wirtschaft vollziehen
und die - bei gleichzeitigem stetigen Anstieg der Gesamtbeschäftigten-

- 6 -

�Gesamtbeschäftigtenziffer - eine nicht unerhebliche Erwerbslosigkeit
brachten. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Zahl
der jährlich neu geschaffenen Arbeitsplätze seit 1957 nicht im gleichen Verhältnis wie die Arbeitnehmerzahl angestiegen ist. Die in den
vergangenen Jahren erzielten Produktionsgewinne resultierten nämlich
fast ausschließlich aus der höheren Produktivität und nicht aus dem
Einsatz von mehr Arbeitskräften.
Mit ständig steigendem Lebensstandard haben sich außerdem einige
sehr wesentliche Veränderungen in den Verbrauchergewohnheiten ergeben,
die u.a. in der Schwerpunktverlagerung von der Güterproduktion auf die
Dienstleistungszweige sichtbar zum Ausdruck kommen. Die sich in den
letzten Jahren immer schneller ausbreitende Automation hat schließlich zu einer stetigen Anhebung der Arbeitsplatzanforderungen in der
Gesamtwirtschaft geführt - eine Entwicklung, die auch darin ihren
Niederschlag findet, daß die größte Wachstumsrate jene Arbeitsplätze
aufzuweisen haben, die ein Hochschulstudium, Spezialwissen oder eine
besondere Fachausbildung voraussetzen, und daß die größte Arbeitslosigkeit unter den jungen Arbeitnehmern und bei solchen herrscht, die
entweder technisch inzwischen überholte Berufe ausübten, in rückläufigen Industriezweigen tätig gewesen sind oder keine Facharbeiterausbildung aufweisen.
Typisch für die Veränderungen, die inzwischen stattgefunden haben, ist übrigens auch die Tatsache, daß, obwohl die Erwerbslosenrate
gegenwärtig 6,1 Prozent beträgt, doch eine nicht unwesentliche Zahl
offener Arbeitsplätze für Arbeitnehmer mit Spezialausbildung und
höheren Qualifikationen vorhanden ist.
Das derzeitige Arbeitsmarktproblem besteht also in erster Linie
darin, das verfügbare Arbeitspotential den veränderten Gegebenheiten
in Industrie und Wirtschaft anzupassen und gleichzeitig die seit 1957
rückläufige wirtschaftliche Wachstumsrate wesentlich zu erhöhen. Dieses Ziel streben auch die von Präsident Kennedy in seinem Bericht gemachten Vorschläge an, die darauf abgestimmt sind, einmal die gesamtwirtschaftliche Aktivität (durch Senkung der Einkommensteuer) zu erhöhen und zum anderen die "strukturellen" Arbeitslosen im Rahmen von
Umschulungs- und Jugendförderungsprogrammen (Jugend-Aufbaukorps Nationaler Hilfsdienst) auf Zukunftsberufe umzuschulen.
Alle diese Maßnahmen sind als Ergänzung für die bereits angelaufenen Programme gedacht - wie etwa das Entwicklungsprogramm für die
wirtschaftlichen Notstandsgebiete mit hoher Arbeitslosigkeit oder
das vom Bund finanziell unterstützte Umschulungsprogramm für
technologische Arbeitslose, in dessen Rahmen bereits 40 000 Arbeitnehmer umgeschult werden.

(Quelle: Eigenbericht)

i

7 -

�Verbesserte Beschäftigungslage - aber Kernprobleme bleiben bestehen
Mit der Erhöhung der allgemeinen wirtschaftlichen Aktivität in
den vergangenen Wochen hat sich auch die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt wesentlich gebessert. Erfreulich ist dabei, daß die Auftriebsmomente in diesem Jahr stärker sind als sonst jahreszeitlich
üblich.
Dies gilt vor allem für die Beschäftigtenziffer, die zwischen
Februar und März um 790 000 auf 67,148 Millionen anstieg. Aber auch
die Erwerbslosenziffer, die von 4»918 auf 4&gt;501 Millionen zurückging,
entwickelte sich sehr günstig - desgleichen die Erwerbslosenrate, die
von 6,1 auf 5»6 Prozent absank und damit den stärksten Monatsrückgang
seit vier Jahren aufwies.
Aber auch die verschiedenen Trends, die gegenwärtig die Lage am
Arbeitsmarkt bestimmen, sind alles in allem sehr ermutigend. So ist
z.B. den Lageberichten des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen, daß in
erster Linie Erwachsene in neue Arbeitsplätze vermittelt wurden, und
zwar hauptsächlich solche, die eine ganztägige Beschäftigung suchten;
daß die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche weiter zugenommen hat
und die Zahl der Anträge auf Erwerbslosenunterstützung weiter rückläufig war.
Trotz dieser günstigen Entwicklung bleibt die Lage am Arbeitsmarkt
jedoch insofern weiterhin unbefriedigend, als eine Erwerbslosenrate
von 5»6 Prozent immer noch erheblich über dem Hundertsatz (4 Prozent)
liegt, den die Regierung Kennedy als wünschenswert und volkswirtschaftlich tragbar erachtet. Ob diese Rate allein mit konjunkturpolitischen Mitteln erreicht werden kann, ist sehr zweifelhaft, da der
Problemkern der Arbeitslosigkeit in den USA tiefer liegt.
Im Zuge der großen technischen Umwälzungen, die sich in den vergangenen Jahren in der amerikanischen Wirtschaft vollzogen haben, hat
sich nämlich nicht nur der Arbeitsmarkt, sondern auch die industrielle
Beschäftigungsstruktur ganz erheblich verändert. Während einerseits
die Nachfrage nach ungelernten Arbeitern stark zurückgegangen ist, hat
sich andererseits der Bedarf an höher qualifizierten Arbeitskräften
sprunghaft erhöht. Um das vorhandene Arbeitspotential voll in den Wirtschaftsprozeß eingliedern zu können, sind daher außer den wirtschaftspolitischen noch eine Reihe gezielter Maßnahmen auf dem Gehiet der
Erziehung, Ausbildung und Umschulung erforderlich.
Wie brennend dieses Problem der Anpassung des Arbeitspotentials
an die neuen Gegebenheiten inzwischen geworden ist, zeigt eine sehr
aufschlußreiche Analyse der "Chase Manhattan Bank" in New York über
die gegenwärtige Struktur der Erwerbslosigkeit in den Vereinigten
Staaten. Danach besteht die größte Arbeitslosigkeit heute in der Gruppe
der ungelernten nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte, während die
akademischen und technischen Fachberufe den geringsten Grad der Erwerbslosigkeit aufweisen.
Bei

8

-

�Bei einer Aufschlüsselung der derzeitigen Arbeitslosen nach
dem Lebensalter zeigt sich ferner, daß gerade die jüngeren Jahrgänge - und hier wieder insbesondere die Gruppe der noch nicht 20jährigen - am stärksten von der Erwerbslosigkeit betroffen sind und
daß der geringste Prozentsatz der Arbeitslosigkeit bei solchen
männlichen und weiblichen Arbeitnehmern zu verzeichnen ist, die in
der Blüte ihres Erwerbslebens stehen - also den 30-50jährigen.
Bezeichnend für den allgemeinen Beschäftigungstrend in den USA sind
auch die Feststellungen in der Analyse der Chase Manhattan Bank
über das Verhältnis zwischen Bildungsniveau und Arbeitslosigkeit.
Hier zeigt sich nämlich, daß der Anteil der Erwerbslosen mit Oberschul- und teilweiser College-Ausbildung an der Gesamtarbeitslosenzahl zwischen 1950 und 196O von 2,3 a u f 1»4 Prozent zurückgegangen
ist, während andererseits der Anteil bei den Volksschülern, die weniger als 12 Schuljahre aufzuweisen haben, beträchtlich zugenommen
hat.
Schon diese kurzen Beispiele dürften gezeigt haben, daß das Arbeitslosenproblem in den USA zu einem großen Teil auch ein Erziehungsund Ausbildungsproblem ist, das in den kommenden Jahren noch dadurch
kompliziert wird, daß die Zahl der Schulentlassenen sprunghaft ansteigt .
Die amerikanische Regierung hat dieses Problem schon seit langem
erkannt und sich in den vergangenen zwei Jahren intensiv darum bemüht,
durch Verabschiedung zahlreicher Maßnahmen und Programme (größere Bundesmittel für das Erziehungswesen, Ausbildung von Arbeitskräften und
Umschulung auf zukunftssichere Berufe, Bundesmittel für die wirtschaftlichen Notstandsgebiete, Förderungsprogramme für die Jugend) dieser
Entwicklung Rechnung zu tragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst
Zu den bemerkenswertesten Entwicklungen auf dem amerikanischen
Arbeitsmarkt während der Nachkriegs jähre gehört zweifellos das starke
Vordringen der weiblichen Arbeitskräfte. Rund 1/3 des derzeitigen
Arbeitspotentials der USA - das sind rund 24 Millionen - sind Frauen.
Im Vergleich zu 1939 ist damit eine Zunahme um etwa das Doppelte eingetreten.
Aber nicht nur die Zahl der werktätigen Frauen hat sich in diesem
Zeitraum erhöht, auch das allgemeine Beschäftigungsniveau dieses Arbeitnehmerkreises ist in all den Jahren ständig angestiegen. Dies liegt
einerseits daran, daß die Frauen in immer neue Berufe eingedrungen
sind, zum anderen an dem allgemein höheren Bildungsgrad.
Die

�Die Folge dieser Entwicklung ist, daß Frauen heute in zunehmendem Maße auch in jenen Berufsgruppen und Positionen anzutreffen sind,
die früher fast ausschließlich den Männern vorbehalten waren. Dies
gilt sowohl für die Privatwirtschaft als auch für den öffentlichen
Dienst.
über die Entwicklung der Frauenarbeit im amerikanischen Regierungsdienst gibt eine von der Abteilung für Frauenfragen des US-Arbeitsministeriums jetzt herausgegebene Broschüre sehr interessante
Aufschlüsse, die den Titel "Frauen im Regierungsdienst 1939-1959"
(Women in the Federal Service, 1939-1959) trägt. Danach hat sich
der Anteil der Frauen an jenen höheren Positionen, die ein Fachstudium oder eine akademische Ausbildung erfordern, zwischen 1939 und
1959 von acht auf 18 Prozent erhöht. Mit 34 758 weiblichen Angestellten in diesen Kategorien hat sich die Gesamtzahl seit 1939 um das
5 l/2fache erhöht.
Natürlich besteht die überwiegende Mehrheit der weiblichen Arbeitnehmer im Regierungsdienst auch heute noch aus Büroangestellten
und Schreibkräften. Ihr Anteil an der Gesamtzahl (576 000) der weiblichen Angestellten belief sich 1959 immer noch auf 78 Prozent. Dennoch
hat sich der Anteil der Akademikerinnen prozentual weitaus stärker
erhöht, was zum größten Teil darauf zurückzuführen ist, daß sie, wie
in dem Bericht betont wird, "Hervorragendes in ihren Tätigkeitsbereichen leisten" .
Zwar habe in den vergangenen Jahren auch die Zahl der weiblichen
Akademikerinnen im öffentlichen Dienst mit einem Rechts-, Medizin- oder
Ingenieurstudium weiter zugenommen, aber die größten Anstiege seien
doch in Berufen festzustellen gewesen, die für die weiblichen Arbeitnehmer bessere Aufstiegsmöglichkeiten böten. So sei z.B. die Zahl
der Mathematikerinnen und Statistikerinnen allein in den vergangenen
20 Jahren um das Zwölffache angestiegen.
Auch in den volkswirtschaftlichen, sozial- und naturwissenschaftlichen Tätigkeitsbereichen ist dem Bericht zufolge die Zahl der weiblichen Arbeitnehmer seit 1939 ständig angewachsen. In der Gruppe der
Chemiker wurden z.B. 1959 14 Prozent sämtlicher Arbeitsplätze von
Frauen besetzt, während vor 20 Jahren der Anteil lediglich drei Prozent betrug.
Die Gesamtzunahme der Zahl weiblicher Arbeitnehmer im Regierungsdienst ist, wie in der Broschüre betont wird, in erster Linie durch
die Ausweitung der Tätigkeitsbereiche der Regierung auf den Gebieten
der Wirtschaft und der Verteidigung bedingt gewesen. Rund die Hälfte
der 576 000 weiblichen Arbeitnehmer wurde Ende 1959 allein von militärischen Dienststellen beschäftigt,^während ein weiteres Viertel
im US-Amt für Kriegsteilnehmerversorgung, im US-Postministerium und
im Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen tätig war.

(Quelle: Eigenbericht)

******

-

10 -

�Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt
Filmore LaDeaux ist Prüftechniker bei den Zenith-Radio- und
Fernaehwerken in Chicago - ein Nachkomme des berühmten Sioux-Häuptlings "Rote Wolke" und Angehöriger des Stamms der Oglala. Der Name
LaDeaux leitet sich von dem einzigen Weißen in der Reihe seiner
Vorfahren her, einem Franzosen.
Die indianische Kolonie in Chicago schätzt ihn als eines ihrer
aktivsten Mitglieder. Ob es sich darum handelt, einer mittellos in
Chicago zugewanderten Rothaut zu helfen oder die Jugend die alten
indianischen Tänze zu lehren: Filmore ist immer zur Stelle. Trotz
solcher Anerkennung fühlt er sich als einfacher Arbeiter: "Ich bin ein
Mensch mit geringen Ansprüchen und Freude an simplen Vergnügungen",
sagt er von sich selbst.
Geboren wurde Filmore LaDeaux vor etwas mehr als 40 Jahren eineinhalbtausend Kilometer von Chicago entfernt am Rande der Black Hills
in dem Dorf La Creek im Staate South Dakota. Er ist ziemlich weit
herumgekommen - als Soldat im zweiten Weltkrieg sogar bis nach Europa.
Zum Radio- und Fernsehtechniker wurde er nach seiner Entlassung aus
dem Wehrdienst an der rundfunktechnischen Fachschule in Detroit im Staate
Michigan ausgebildet.
In Detroit lernte Filmore auch seine spätere Frau Katherine kennen,
eine Weiße englisch-irischer Abstammung. Sie hat ihm im Lauf der Jahre
fünf Kinder geboren. 1957 siedelten die LaDeaux nach Chicago über, wo
die Zenith Radio Corporation Filmore einen guten "Job" anbot: die Qualitätsprüfung der vom Band rollenden Fernsehgeräte. Normal arbeitet die
Belegschaft 8 Stunden am Tag, 40 in der Woche . In Zeiten langsameren
Geschäftsganges kommt es auch mal zu einer Herabsetzung der Arbeitszeit; bei Hochkonjunktur heißt es dafür Überstunden machen, so daß
aus den 40 oft 50 Stunden werden, wobei die Überstunden natürlich mit
150 Prozent des normalen Stundenlohns abgegolten werden.
Die Gewerkschaft der Hochfrequenztechniker - die Radionic Workers
of America -, der LaDeaux und seine Arbeitskollegen angehören, hat für
ihre Mitglieder mit Zenith ein Tarifabkommen getroffen, das den Beschäftigten eine Reihe von Lohnneben- und Sozialleistungen sichert.
Die Firma trägt die Kosten für eine zusätzliche Krankenkosten- und
Rentenversicherung und gewährt einen beträchtlichen Zuschuß zu den
Beiträgen zu einer Lebensversicherung. Ein Teil des Firmengewinns
wird jährlich an einen Treuhandfonds abgeführt, aus dem - als eine Art
Gewinnbeteiligung - den Mitarbeitern der Zenith eine Zusatzrente zur
Altersrente aus der staatlichen Sozialversicherung gezahlt wird. Scheidet ein Werksangehöriger vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis aus, so
erhält er seinen angesammelten Anteil ausgezahlt; im Todesfalle fällt
er den Erben zu.
Filmore LaDeaux wohnt mit den Seinen in einem der älteren Stadtviertel Chicagos. Die Straßen sind nicht sehr weiträumig angelegt, aber
sauber und ruhig. Mrs. LaDeaux macht fast die ganze Hausarbeit selbst.
Ein Waschautomat und andere Elektrogeräte erleichtern ihr diese Aufgabe
etwas, und auch die "großen" Kinder helfen schon tüchtig mit. Eine

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11

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�Eine geräumige Kühltruhe gestattet es ihr, Fleisch und Gemüse auf
Vorrat einzukaufen. Filmore repariert in seiner Freizeit auch noch so
manchen Fernsehapparat "auf eigene Rechnung" und hilft damit dem Familienbudget etwas auf.
Die ganze Liebe der Familie gilt der Pflege des indianischen
Brauchtums; die Gelegenheit hierzu bietet das "Indianerzentrum" der
Stadt, das American Indian Center. Das Institut ist von morgens bis
abends geöffnet und veranstaltet laufend Ausstellungen indianischer
Kunst und kunsthandwerklicher Erzeugnisse. Hier erwachen auch die
alten indianischen Tänze zu neuem Leben, auf die sich Filmore noch
sehr gut versteht. Er hat sie inzwischen längst auch seinen Kindern
beigebracht und sie auch die Sprache der Sioux gelehrt.
Filmore spricht nicht viel. Dabei ist er ein rechter Philosoph
und Lebenskünstler: "Wir haben unser Auskommen. Ich muß schwer arbeiten und verdiene: nicht gerade sehr viel; mir macht aber das Leben,
das ich mir aufbauen konnte, sehr viel Spaß."
Natürlich träumen auch die LaDeaux so manchen Traum. Der wichtigste aber dürfte, seiner Bescheidenheit wegen, wohl schon bald in
Erfüllung gehen: ein kleines Häuschen in South Dakota, aus Baumstämmen
selbst gefügt. Dann wünscht sich Filmore noch einen alten Lastwagen
oder Bus, um ihn als Radio- und Fernsehwerkstatt auszurüsten und damit,
Nomade, der er ist, von Dorf zu Dorf zu ziehen. Mit 65 Jahren wird dann
noch die Altersrente aus der Sozialversicherung und eventuell eine
Zusatzrente aus der Betriebsversicherung dazukommen - die LaDeaux haben wirklich wenig Grund, sich um ihre persönliche Zukunft Sorge zu
machen. Ist es erst einmal so weit, will Filmore auch nicht mehr über
die Dörfer fahren und Radios reparieren, sondern an einem See oder
Fluß in der Nähe seines Häuschens fischen gehen.
Besonderes Vergnügen werden ihm sicher in seinen alten Tagen die
Powwows bereiten, die Stammeszusammenkünfte der Indianer, auf denen
in langem Palaver Wichtiges - und Unwichtiges - erörtert und Kriegstänze aufgeführt werden. Dann wird Filmore Zeit genug haben, um von
Anfang bis Ende dabeizusein. Doch heute schon steht in LaDeaux Garage
ein großer Kombi, der ihn und seine Familie gelegentlich zu derartigen
Veranstaltungen bringt. Und Mrs. LaDeaux, die Weiße, hat inzwischen im
Schneidern der Kostüme für solche Powwows die Handfertigkeit einer Indianersquaw erworben.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Strittige Arbeitsfragen bei den Eisenbahnen beigelegt
Die letzten fünf Punkte, die bisher bei der Auseinandersetzung
zwischen der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten("Brotherhood of
Railway Clerks") und der "Southern Pacific" über Arbeitsfragen nicht
in Verhandlungen zwischen den beiden Sozialpartnern geklärt werden
konnten, sind jetzt von einem dreiköpfigen Schiedsausschuß entschieden worden.
Der unter dem Vorsitz des bekannten Professors für Arbeitsfragen
der Stanford-Universität J. Keith Mann stehende und mit je einem Vertreter der beiden Sozialpartner als Beisitzer tagende Ausschuß hat dabei folgende verbindliche Empfehlungen bekanntgegeben:
Die Eisenbahngesellschaft wird zusammen mit der Gewerkschaft ein
Umschulungs- und Ausbildungsprogramm für alle jene Arbeitnehmer durchführen, die ihren Arbeitsplatz auf Grund der Einführung neuer, arbeitsparender Maschinen verloren haben, damit diese, entsprechend ihren
Fähigkeiten und ihrem Dienstalter, an neue Arbeitsplätze im Unternehmen
selbst umgesetzt werden können. Während der Umschulungszeit werden sie
als Beihilfe pro Tag 19 Dollar erhalten.
Entlassungen, die auf Grund wirtschaftlicher Einflüsse vorgenommen
werden müssen, sind dann wieder rückgängig zu machen, wenn sich die wir
schaftliche Lage bessert. Die Arbeitsplätze müssen dann im gleichen Ver
hältnis, in dem Einschränkungen vorgenommen wurden, wieder eingerichtet
werden .
Arbeitnehmer, die nur vorübergehend entlassen werden, können erst
nach einer Wartezeit von sechs Monaten die Unterstützungsleistungen vom
Unternehmen erhalten, die dieses an jene Arbeitnehmer zahlt, welche
ihren Arbeitsplatz ganz verloren haben.
Schließlich wird die Eisenbahngesellschaft die über eine Stunde
hinaus gehende Zeit als normale Arbeitszeit vergüten, die der Arbeitnehmer braucht, um von seiner Wohnung an seinen Arbeitsplatz zu gelangen. Ebenso werden in Zukunft alle Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz nicht an ihrem Wohnort haben, pro Tag 7»50 Dollar Trennungsentschädigung erhalten.
(Quelle: Eigenbericht)

Gesamtguthaben der privaten Wohlfahrts- und Pensionsfonds
52 Mrd. Dollar
Der Vermögensstand der insgesamt 120 510 melde- und offenlegungspflichtigen privaten amerikanischen Wohlfahrts- und Pensionsfonds belief sich Ende 196O auf insgesamt 33,4 Mrd. Dollar, wie aus einer
Untersuchung des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.

Zu

�Zu dieser Summe kommen noch Guthaben in Höhe von 18,8 Mrd.
Dollar, die von den Versicherungen als Deckungsreserve für die Gewährleistung der Pensions- und Altersversorgungsleistungen von rückversicherten Plänen gehalten werden.
Die Gesamtsumme von 52,2 Mrd. Dollar stellt eine Zunahme der Gesamtguthaben gegenüber 1959 um 4»5 Mrd. Dollar dar.
Wie aus dem Bericht des US-Arbeitsministeriums weiter zu entnehmen
ist, verfügten Ende 1960 1050 Wohlfahrts- und Pensionspläne über
Guthaben von 5 Millionen Dollar und mehr; davon waren 98O Pensionsund 70 Wohlfahrtspläne. Rund 100 Pläne - 90 Pensions- und 10 Wohlfahrtspläne - wiesen jeweils ein Guthaben von über 50 Millionen Dollar
auf.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

14 -

�internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Der Erfolgsbeteiligungsplan der Kaiser-Stahlwerke

Seite

1

Maschinistengewerkschaft feiert 75jähriges Bestehen

Seite

12

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

13

Der Erfolftsbeteiligungsplan der Kaiser-Stahlwerke

Im folgenden bringen wir die wichtigsten Bestimmungen des zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America - USY/)
und der Kaiser Steel Corporation vereinbarten
Erfolgsbeteiligungsplans, der am 1. März 1963
in Kraft trat. Der Plan, das Ergebnis dreijähriger Beratungen, wurde von einem aus je drei Vertretern der Gewerkschaft und des Unternehmens
sowie drei neutralen Fachleuten (zwei Universitätsprofessoren und ein Schiedsmann für Arbeitsstreitigkeiten) bestehenden Ausschuß ausgearbeitet .
Die für die Berechnung des Erfolgsanteils unwesentlichen Abschnitte werden in der vorliegenden Übersetzung nur zusammenfassend referiert.

Abschnitt I und II
Die beiden ersten Abschnitte enthalten lediglich Eingangsbestimmungen.
Abschnitt III - Geltungsbereich
Der Plan gilt für sämtliche Beschäftigten des Werks Fontana (Kalifornien) der Kaiser Steel Corporation, die von der Amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) vertreten werden.
Er tritt am 1. März 1963 in Kraft.
Abschnitt IV

�Abschnitt IV - Sicherung des Arbeitsplatzes
Um durch gemeinsame Anstrengungen und so rasch, wie entsprechende Verbesserungen nur gemacht werden können, die höchstmögliche Produktivitätssteigerung zu erzielen, ist es notwendig, nicht nur dafür
Sorge zu tragen, daß die Ergebnisse derartiger Produktivitätssteigerungen der Gesellschaft und ihren Beschäftigten gleichermaßen zugute
kommen, sondern auch den Beschäftigten einen ausreichenden Schutz ge^
gen den Verlust des Arbeitsplatzes oder Einkommenseinbußen zu bieten,
die derartige Maßnahmen andernfalls nach sich ziehen könnten. Um diesen Zweck zu erreichen und die größtmögliche Produktivitätssteigerung
herbeizuführen, sind die folgenden Maßnahmen zu ergreifen. Keine der
nachstehenden Bestimmungen ist jedoch dahin gehend auszulegen, daß sie
die Gesellschaft zu Neueinstellungen zwingt.
A. Beschäftigungsgarantie 1. Zweck dieser Bestimmung ist es, den
Beschäftigten vom Tag des Inkrafttretens dieses Plans an einen ausreichenden Schutz gegen den Verlust der Beschäftigungsmöglichkeit auf Grund
technischer Veränderungen, neuer oder verbesserter Arbeitsmethoden oder
irgendwelcher anderer Veränderungen im Betrieb zu bieten, die nicht auf
eine Verringerung des Arbeitsstundenanfalls auf Grund eines Rückgangs
der Fertigung von Stahlendprodukten oder eine Änderung des Produktionsprogramms oder der Produktionserfordernisse zurückzuführen sind. Dieser
Schutz ist durch die Schaffung einer auf das gesarate Werk auszudehnenden Arbeitsreserve zu gewährleisten...
Zusammenfassung der restlichen Bestimmungen des Abschnitts IV:
Anspruch auf Beschäftigung in der Arbeitsreserve im Falle einer
andernfalls notwendig werdenden Ausstellung besteht frühestens
nach 26wöchiger Betriebszugehörigkeit. Ist der Höchststand der
Arbeitsreserve (siehe weiter unten) erreicht, ist eine Ausstellung zulässig; sie ist jedoch rückgängig zu machen, sobald die
Zahl der Angehörigen der Arbeitsreserve den Höchststand unterschreitet. Jeder Angehörige der Arbeitsreserve ist verpflichtet,
einen ihm von der Gesellschaft angebotenen ständigen,höher dotierten Arbeitsplatz anzunehmen; bei Weigerung verliert er das
Anrecht auf Beschäftigung in der Arbeitsreserve. Der Einsatz der
Arbeitsreserve im Betrieb obliegt der Werksleitung, darf jedoch
. nicht dazu führen, daß andere Beschäftigte von ihrem festen Arbeitsplatz verdrängt oder auf Kurzarbeit gesetzt werden. Die Weigerung, zur Arbeitsreserve überzutreten, bewirkt keinen Verlust
der Ansprüche an die betriebliche Arbeitslosenversicherung.
Im ersten Monat nach dem Inkrafttreten des Plans beziffert sich
die Höchststärke der Arbeitsreserve auf die Zahl der Beschäftigten, die Anspruch auf Beschäftigung haben, die die Gesellschaft
aber zu dem Zeitpunkt nicht an ihrem bisherigen Arbeitsplatz weiterbeschäftigen kann. Von da an ist die Höchststärke gleich der
Zahl der Anspruchsberechtigten, für die keine Beschäftigungsmöglichkeit besteht, oder gleich dem Unterschied zwischen der Standardarbeitszeit im vorletzten Monat und der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit (außer Arbeitsreserve) dividiert durch 173
oder durch die monatliche Durchschnittsarbeitszeit, sofern die
entsprechende Zahl niedriger ist. Innerhalb der Arbeitsreserve
sind zwei Gruppen zu unterscheiden, die Gruppe der Produktionsund Wartungsarbeiter-und die der Büro- und technischen Angestellten.
Beschäftigte
- 2 -

�Beschäftigte, deren fällige Beförderung auf Grund technischer Änderungen ausgesetzt oder deren Arbeitsplatz aus diesen Gründen
zurückgestuft wird, haben Anspruch auf eine Ausgleichszahlung in
Höhe des Unterschieds zwischen dem an sich zu beanspruchenden und
dem tatsächlich- gezahlten Lohn. Der Anspruch auf Ausgleichszahlung erlischt nach 52 Wochen oder nach Zuweisung eines ständigen,
gleich hoch oder höher dotierten Arbeitsplatzes; er erlischt ferner, wenn sich der Beschäftigte weigert, einen solchen Arbeitsplatz anzunehmen. Bei Kurzarbeit auf Grund technischer Veränderungen hat jeder Beschäftigte Anspruch auf einen Kurzarbeitszuschlag in Höhe seines Durchschnittsstundenlohns multipliziert mit
der Zahl der Stunden, die ihm an 40 Stunden fehlen und für die er
keine andere Bezahlung erhalten hat.
Die genannten Ausgleichszahlungen und die Kurzarbeitszuschläge
sind von dem gemäß Abschnitt V, B zu ermittelnden Gesamtdollarmehrertrag abzusetzen.
Abschnitt V - Erfolgsbeteiligung
A. Normen. 1. Sämtliche Verbesserungen hinsichtlich Arbeitsleistung, Materialnutzung und Ertragsfähigkeit sowie die Ergebnisse technischer Veränderungen sind auf der Basis der laufenden Geschäftstätigkeit im Kalenderjahr 1961 zu bemessen. Die Normen für die Produktionskosten und deren Verbesserung sind in anteilmäßigen Produktionskosten
pro hergestellte Tonne Eisen und Stahl auszudrücken. Andere als StahlAbfallprodukte sind ebenfalls der Produktion zuzurechnen. Bei neuen
Produkten, die bisher von der Gesellschaft nicht hergestellt worden
sind, werden die Vertragspartner neue Normen festsetzen.
2. Die Normen (die Verglaichsziffern für das Jahr 1961) sind in
einer gesonderten Anlage aufgeführt. Die Normen wurden für jedes Produkt der einzelnen Abteilungen festgesetzt, um Änderungen in den Produktionsprogrammen und in der Kapazitätsausschöpfung hinreichend Rechnung tragen zu können. Die Normen setzen sich aus einem Basiswert, der
Arbeitsnorm, und einer V/erkstoffe-, Hilfsstoffe-und Vorratsnorm (Materialnorm) zusammen, die auf den im Laufe des Jahres 1961 verzeichneten
unterschiedlichen Graden der Geschäftstätigkeit basieren; die Normen
werden jeweils in Dollar ausgedrückt. Die Normen sind so zu bemessen,
daß die Erfolgsbeteiligungsplan-Normkosten bei Anwendung als Ganzes
auf das Kalenderjahr 1961 den laufenden Kosten des Jahres 1961 entsprechen, wobei jedoch von der Annahme auszugehen ist, daß die im Januar 1963 gültigen Stundenlohn- und Lohnsteuersätze sowie sämtliche
Lohnneben- und Sozialleistungen bereits das ganze Jahr 1961 hindurch
bestanden haben.
3« Die Materialkostennormen nach Abschnitt V, A sind um die prozentuale Erhöhung oder Senkung der vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik veröffentlichten Großhandelspreisindex-Ziffern für Stahlhüttenerzeugnisse auf den letzten Monatsstand zu erhöhen oder zu senken, der
am 10. des Monats verfügbar ist, der auf den Monat folgt, für den die
Berechnung der erzielten Ertragssteigerung erfolgen soll, wobei der
Jahresstand 1961 mit dem letzten vor dem Monat des Inkrafttretens des
Erfolgsbeteiligungsplans verfügbaren Monatsstand zu vergleichen und
der niedrigere von beiden zugrunde zu legen ist.
4. Die

- 3 -

�4« Die Arbeitskostennormen nach Abschnitt V, A sind um die prozentuale Erhöhung oder Senkung des vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik veröffentlichten Einzelhandelspreisindex auf den letzten Monatsstand zu erhöhen oder zu senken, der am 10. des Monats verfügbar ist,
der auf den Monat folgt, für den die Berechnung der erzielten Ertragssteigerung erfolgen soll, wobei der Jahresstand 1961 mit dem letzten
vor dem Monat des Inkrafttretens des Erfolgsbeteiligungsplans verfügbaren Monatsstand zu vergleichen und der niedrigere von beiden zugrunde zu legen ist.
5» Die im jeweiligen Monat anfallenden laufenden Kosten für innerhalb der Kaiser Steel Corporation produzierte Rohstoffe sind in der
V/eise zu berechnen, daß als Pr.is für diese Stoffe der Preis eingesetzt
wird, der bei der Festsetzung der Norm benutzt wurde, wobei bei Ljualitätsänderungen entsprechende Preiskorrekturen vorzunehmen sind. Änderungen des Großhandelspreisindex für Stahlhüttenerzeugnisse bewirken
keine Auf- oder Abschläge bei diesen Produkten. Die Kosten für andere
verbrauchte Materialien, über die Bestandslisten geführt werden, sind
auf der gleichen Basis zu berechnen, die bei der Pestsetzung der Normen benutzt wird.
B. Berechnung von Ertragssteigerungen. 1. Die anteilmäßigen Monatserträge werden, ausgehend vom jeweiligen Arbeitsaufwand und dem
Verbrauch an Werkstoffen, Hilfsstoffen und Vorräten pro erzeugte Tonne
Stahl, aber unter Ausschluß der Aufwendungen für Anlageverbesserungen
durch Vergleich mit den gemäß der vorstehenden Regelung ermittelten
und modifizierten Normen - in Dollar ausgedrückt - berechnet, indem
a) die Differenz zur Materialkostennorm pro Tonne erzeugten Stahls
ermittelt, mit der Zahl der im jeweiligen Monat erzeugten Tonnen Stahl
multipliziert und hierzu
b) die Differenz zur Arbeitskostonnorm pro Tonne erzeugten Stahls,
multipliziert mit der Zahl der i : j^weili ;en Monat erzeugten Tonnen
Stahl, addiert wird. Als Arbeitskosten gelten die in dem jeweiligen Monat angefallenen laufenden Arbeitskosten ausschließlich der Anteile,
die auf nach Januar 1963 in Kraft getretene Lohnsteuererhöhungen, Lohnerhöhungen oder Verbesserungen der Sozialleistungen entfallen.
2. Die Gesamtdollarerträge werden dann um die Investitionen in bestehende Anlagen verringert, die zum Zwecke der Senkung der Herstellungskosten getätigt worden sind, wie zum Beispiel die Sauerstoffbeschickung
eines vorhandenen Siemens-Martin-Ofens. Investitionen dagegen, die zum
Zwecke der Einführung eines neuen Verfahrens oder wegen der Aufstellung
neuer Maschinen als Mittel zur Kapazitätsausweitung, zur Errichtung einer neuen Betriebsabteilung oder Auswertung eines neuen Verfahrens - zum
Beispiel die Aufstellung eines neuen Sauerstoffofens - getätigt werden,
sind nicht von den Gesamtdollarerträgen abzusetzen. Die Aufrechnung von
Kapitalgüterinvestitionen der ersteren Art ist auf jene Monate beschränkt,
in denen Kostensenkungen bei dem Prozeß erzielt worden sind, um dessentwillen sie getätigt wurden, und mit dem niedrigeren der nachstehenden
Beträge in Ansatz zu bringen: ein Drittel der tatsächlichen Kostensenkung, um derentwillen die Investitionen getätigt wurden, oder ein Sechzigstel der investierten Summe, Derartige Abschläge sind nur so lange
zulässig, bis sie insgesamt die Höhe der fraglichen Kapitalgüterinvestition erreichen.
3» Bei

- 4-

�3« Bei der Ermittlung der Gesamtdollarerträge der einzelnen Monate
sind Aufwendungen für einzelne Reparatur- und Wartungsmaßnahmen in
Höhe von 300 000 Dollar und darüber auf einen Zeitraum von 12 Monaten
umzulegen.
4. a) Abschlagszahlungen seitens der Gesellschaft, durch die
bestimmte Arbeitsanreize und Sonderzuschläge im Sinne von Abschnitt
VI abgelöst werden, sind monatlich als laufende Arbeitskosten zu
verrechnen, wobei von der in der betreffenden Betriebsgruppe im jeweiligen Monat bezahlten Zahl der Stunden, dem Prozentsatz' für das
Jahr 1961 und den im'Dezember 1961 in Kraft befindlichen Stundenlöhnen auszugehen ist. Für Betriebsgruppen, die nach 1961 in einen
Lohnanreizplan oder in eine Sonderzuschlagsregelung einbezogen worden
sind, ist bei der Berechnung von dem Prozentsatz auszugehen, der bei
der Festsetzung der Abschlagszahlung gemäß Abschnitt VI zugrunde gelegt wird.
b) Derartige Aufschläge auf die laufenden Arbeitskosten werden beginnend mit dem ersten vollen Monat nach dem Monat, in dem eine
solche Abschlagszahlung geleistet worden ist, verrechnet, und zwar
so lange, bis sie insgesamt die Höhe der fraglichen Ablösungssumme
erreichen.
c) Von diesem Zeitpunkt an werden die entsprechenden Beträge
gemäß den vorstehenden Bestimmungen berechnet, als laufende Arbeitskosten gewertet und jeden Monat dem Bruttoanteil der Beschäftigten
zugeschlagen. Diese Aufstockung wird für die Betriebsgruppen für die
Zeiten ausgesetzt, in denen sie ihre Leistungen schuldhaft auf einem
Stand halten, der merklich unter dem des Bemessungszeitraumes liegt.
5. Die Berechnungen sind monatlich durchzuführen und unterliegen
einer jährlichen Überprüfung Die Gesellschaft stellt der Gewerkschaft
monatlich die wichtigsten statistischen Gesamtdaten in bezug auf Produktion, geleistete. Arbeitsstunden, Beschäftigtenstand, Gesamtbeschäftigungs- und Materialkosten zur Verfügung, die als vertraulich
zu behandeln sind. Die Unterlagen auf denen diese statistischen Übersichten basieren, sind den von der Gewerkschaft benannten Vertretern
zur Überprüfung und Beglaubigung offenzulegen.
C. Der Bruttoanteil der Beschäftigten. 1. Ein erster Teil des
Bruttoanteils der Beschäftigten besteht aus 32,5 Prozent des nach
den weiter oben angeführten Richtlinien errechneten Dollar-Nettoertrags.
2. a) Von diesem Teil des Bruttoanteils der Beschäftigten werden im ersten Monat nach Anlaufen des Erfolgsbeteiligungsplans 0,2
Prozent der Gesamtbeschäftigungskosten in diesem Monat, im zweiten
Monat 0,4 Prozent, im dritten Monat 0,6 Prozent abgezogen usw. bei
einer Steigerung um jeweils 0,2 Prozent von Mona't zu Monat, bis die
weiter unten vorgesehene Anpassung erfolgt ist.
b) Die Gesellschaft richtet ein Konto ein, das die Bezeichnung Lohn- und Sozialreserve führt.. Dieser Reserve werden jeden Monat
die gesamten vorstehend beschriebenen Abzüge vom Bruttoanteil der

-

5 -

�der Beschäftigten zugewiesen. Aus dieser Reserve wird monatlich der
gesamte Mehrbetrag der Beschäftigungskosten entnommen, der durch
Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen gemäß den in Abschnitt VII
dieses Plans enthaltenen Garantievorschriften verursacht wird.
Als Ausnahmeregelung zu dieser Bestimmung werden Beschäftigungsmehrkosten, die durch eine für die gesamte Industrie binnen sechs Monaten
nach dem Inkrafttreten dieses Plans wirksam werdende Erhöhung der
Löhne und Sozialleistungen verursacht werden, nur zur Hälfte aus
der Lohn- und Sozialreserve entnommen. Als eine weitere Ausnahme zu
dieser Bestimmung ist für den Fall, daß in irgendeinem Monat die Beschäftigungsmehrkosten auf Grund einer für die gesamte Industrie wirksam werdenden Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen den Bruttoanteil
der Beschäftigten übersteigen, der darüber hinaus gehende Betrag als
ein von der Firma zu tragender Kostenanteil anzusehen, nicht aus der
Lohn- und Sozialreserve zu entnehmen und nicht als Defizit auf künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Erfolgsbeteiligungsplan aufzurechnen .
c) Die Vertragspartner setzen alle 6 Monate die Progression
der vom Bruttoanteil der Beschäftigten einzubehaltenden Abzüge neu
fest. Diese Neufestsetzung erfolgt nach dem Grundsatz, daß die Abzüge
innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten gleichmäßig in solchem Maße
zu erhöhen sind, daß sich der Saldo der Lohn- und Sozialreserve 6 Monate nach Inkrafttreten einer für die gesamte Industrie wirksam werdenden Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen auf Null stellt.
3. Ein zweiter Teil des Bruttoanteils der Beschäftigten besteht
aus
a)
Abschnitts
b)
Abschnitts

den Beträgen, die gemäß Unterabschnitt B, Absatz 4 c dieses
vorgesehen sind; und
den Beträgen, die gemäß den Unterabschnitten H und L des
VI vorgesehen sind.

D» Ertragsverteilung. 1 . Die nach dejji vorausgegangenen Abschnitt
V,C errechneten Bruttoanteile der Beschäftigten werden, abzüglich etwaiger Beträge, die auf Grund einer Entscheidung der Vertragspartner
zu gegebener Zeit benötigt werden, um eine bereits eingeführte Sozialleistung zu verbessern oder eine neue Sozialleistung (außer den in Abschnitt VII behandelten) einzuführen, wie zum Beispiel - doch nicht
auf diese Beispiele beschränkt - zusätzliche Feiertage, längerer Urlaub, Verbesserungen der Versicherungsleistungen, Altersversorgung, zusätzliche Arbeitslosenversicherung und Arbeitszeitverkürzungen, unter
den Beschäftigten als ein Aufgeld zum Arbeitsentgelt gemäß dem nachstehenden Schlüssel aufgeteilt, bis Gruppe A 10 Prozent erreicht.
Gruppe '

Faktor

A
2,0
B
3,5
C
5,0
D
6,5
E
8,0
F - Betriebsgruppen, für die Arbeitsanreiz- 0
plane weiterbestehen, sind ausgeschlossen
1) Die Gruppen, zu denen die einzelnen Betriebsgruppen gehören, sind
in Anhang "A - Gruppeneinteilung" aufgeführt, die historischen Gesichtspunkten und Billigkeitsmomenten der Entlohnung gleichermaßen
Rechnung zu tragen sucht.
,
\

�a) Die gesamten Stundenlohnnormen jeder Gruppe sind mit dem
ihr zugeordneten Faktor zu multiplizieren, um die Faktoreinheiten
jeder Gruppe zu erhalten.
b) Die Faktoreinheiten jeder Gruppe sind durch die gesamten
Faktoreinheiten zu dividieren, um den Prozentanteil jeder Gruppe an
dem Gesamtbeschäftigtsnanteil zu erhalten.
c) Der jeweilige Prozentanteil jeder Gruppe ist mit dem Gesamtbeschäf tigtenantei1 zu multiplizieren, um den Dollaranteil jeder
Gruppe zu erhalten.
d) Der Dollaranteil jeder Gruppe ist durch die jeweiligen
Stundenlohnnormen zu dividieren, um die Prozentausschüttung jeder
Gruppe zu erhalten.
c) Die Prozentausschüttung jeder Gruppe ist mit der Stundenlohnnorm jedes Beschäftigten zu multiplizieren.
2. Der Betrag, der nach Anwendung von Absatz 1 als Beschäftigtenanteil verbleibt, wird den Beschäftigten als Aufgeld zum Arbeitsentgelt nach folgendem Modus ausgezahlt:
a) Der verbleibende Betrag ist durch die Gesamtstundenlohnnormen sämtlicher unter den Langfristigen Erfolgsbeteiligungsplan fallenden Beschäftigten, die an der Ausschüttung teilnehmen, zu dividieren,
um die Prozentausschüttung zu erhalten.
b) Die Stundenlohnnorm jedes Beschäftigten ist mit der Prozentausschüttung zu multiplizieren.
3. Der Ertragsanteil des Beschäftigten wird als zusätzliches Entgelt in Form eines "Aufgeldes" ausgezahlt und gilt als Teil des regulären Arbeitsentgelts für den Monat, für den er ausgezahlt wird,
verändert hingegen die Basis für die Berechnung bestehender Lohnanreize nicht.
4. Wird der Beschäftigtenanteil oder ein Teil davon auf Grund
einer Übereinkunft zwischen den Vertragspartnern dazu verwendet, eine
neue oder verbesserte Sozialleistung einzuführen, so sind die für
diese Leistung aufzubringenden Beträge in geeigneter Weise zu schätzen,
monatlich umzulegen und jährlich anzugleichen.
5» Die Ausschüttung an die mit Produktions- und Wartungsarbeiten
befaßten Beschäftigten für den jeweiligen Monat erfolgt am letzten
Donnerstag des auf diesen folgenden Monats, die an die Büro- und technischen Angestellten an dem darauffolgenden Zahltag. Die Ausschüttungen
für die einzelnen Monate sind nach der bestgeeigneten statistischen
Methode so aufzuteilen, daß übermäßige Schwankungen von Monat zu
Monat vermieden werden, wobei von den Ziffern der vorausgegangenen
6 Monate auszugehen ist.
VI. Lohnanrei ze

�VI. Lohnanreize
Zusammenfassung: Die Kollektiwertragsbestimmungen über die .
Gewährung von Lohnanreizprämien bleiben unverändert in Kraft;
neue Prämien dürfen dagegen nicht eingeführt werden. Die Gesellschaft kann Lohnanreizpläne für einzelne Betriebsgruppen
durch eine Ablösungssumme abgelten, sofern diese für einen
Zeitraum von mindestens 13 Wochen vor einem entsprechenden
Angebot seitens der Gesellschaft die Zahlung von Prämien bewirkt haben. Die Ablösungssumme entspricht dem höheren der
beiden Beträge, die.sich ergeben, wenn 1. die mit der Zahl
der während der letzten 13 Wochen vor dem Angebot geleisteten Arbeitsstunden multiplizierte Differenz zwischen Prämienlohn und normalem Stundenlohn mit zehn multipliziert oder 2. die
Zahl der während der unmittelbar auf das Angebot folgenden 52
Wochen geleisteten Arbeitsstunden mit der genannten Differenz
multipliziert wird. Die betreffenden Betriebsgruppen entscheiden mit Stimmenmehrheit über Annahme oder Ablehnung eines
solchen Ablösungsangebots.
Im Falle der Annahme eines solchen Angebots werden die Beschäftigten der betreffenden Betriebsgruppe in den Erfolgsbeteiligungsplan einbezogen und für die Zeit, während der die Ablösungszahlung gemäß Abschnitt V, B Absatz 4 b als laufender Arbeitskostenanteil anzusehen ist, in eine Faktorgruppe eingestuft, die zwei Stufen unter der ihnen nach Anhang A an sich
zuzuordnenden Faktorgruppe liegt; nach dieser Zeit erfolgt
die Einreihung in die eigentliche Faktorgruppe.
Im Falle einer Ablehnung der Ablösung durch die Beschäftigten
werden die Prämien fortgezahlt. Allgemeine Lohnerhöhungen bewirken ein Ansteigen der Stundenlohnsätze, verändern die Basis
für die Berechnung der Lohnanreizprämien jedoch nicht.
Die Gesellschaft ist gehalten, den Betriebsgruppen möglichst
rasch Ablösungsangebote zu unterbreiten, über deren Annahme oder
Ablehnung diese binnen 90 Tagen durch Mehrheitsbeschluß zu
entscheiden haben. Erfolgt ein Ablösungsangebot nicht innerhalb
zwei Jahren nach Inkrafttreten des Erfolgsbeteiligungsplans,
so werden die fraglichen Betriebsgruppen in den Erfolgsbeteiligungsplan einbezogen und als zur Faktorgruppe A gehörig
angesehen, sofern in diesen zwei Jahren die für ihre Faktorgruppe ausgezahlten Erfolgsanteile nicht mindestens drei Monate
hindurch die ausgezahlten Prämien übersteigen; die Erfolgsanteile sind in diesen Fällen zusätzlich zu den Prämienanreizen
zu zahlen. Die Einstufung in Faktorgruppe A hört auf, sobald
die Beschäftigten ein Ablösungsangebot annehmen oder die Ausschüttungen für ihre Faktorgruppe die Prämien erreichen oder
übersteigen.
Beschäftigte, die aus irgendwelchen Gründen Sonderzuschläge erhalten ,haben im Falle einer Ablösung Anspruch auf das Zehnfache
der während der letzten 13 Wochen bezahlten Zuschläge. Ablösungssummen, die ausgeschiedenen Beschäftigten zustünden,
sind dem Bruttoanteil der Beschäftigten gemäß Abschnitt V,
Unterabschnitt C gutzuschreiben. Bei der Rentenberechnung sind

-

8

�sind Ablösungszahlungen wie Lohneinkünfte zu behandeln,
nicht dagegen bei der Berechnung anderer Sozialleistungen.
Die Gesellschaft kann das Ablösungsangebot im Falle der
Ablehnung zu gegebener Zeit wiederholen, wobei die Beschäftigten innerhalb einer Frist von 60 Tagen über seine
Annahme oder Ablehnung zu entscheiden haben. Die Beschäftigten haben frühestens 60 Tage nach Inkrafttreten des Erfolgsbeteiligungsplans das Recht,von sich aus durch Mehrheitsbeschluß die Ablösung der Prämien und Zuschläge sowie
die Einbeziehung in den Erfolgsbeteiligungsplan und die Einsetzung in die Rechte nach Abschnitt V, D zu verlangen.
Beträge ,die den an einem Lohnanreizplan beteiligten Beschäftigten am Tage des Inkrafttretens des Erfolgsbeteiligungsplans zustehen, werden dem Bruttoanteil der Beschäftigten
zugerechnet, wenn diese sich für die Annahme einer Ablösungssumme und die Beteiligung am Erfolgsbeteiligungsplan entscheiden. Das gleiche gilt für Beschäftigte, die an sich unter den
Erfolgsbeteiligungsplan fallen, aber zu einer Arbeitsgruppe
versetzt werden, die unter einen Lohnanreizplan fällt. Das
Verfahren der Übertragung ist das gleiche wie im Falle Ablösungssummen .
VII. Mindestgarantie
A. Am 51. Dezember 19^3 und am Ende jeden folgenden Kalenderjahres
ist eine Analyse der laufenden Arbeitskosten und der laufenden Gesamtarbeits- und Materialkosten für den entsprechenden Zeitraum zu erstellen. Zeigt eine solche Analyse, daß sich die laufenden Gesamtarbeitskosten (einschließlich des Bruttoanteils der Beschäftigten) auf einen
geringeren Prozentanteil an den Gesamtarbeits- und Materialkosten
belaufen als den der Arbeitskostennorm an den Gesamtnormkosten für
den entsprechenden Zeitraum (vor Anwendung der Indizes des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik), so schreibt die Gesellschaft dem ersten
Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten einen Betrag zu, der
sich mit den laufenden Arbeitskosten (einschließlich des Bruttoanteils der Beschäftigten) zu den Gesamtarbeitskosten (einschließlich
dieses Betrags) addiert, die denselben Prozentanteil der Gesamtkosten (einschließlich dieses Betrags) ausmachen, den die Arbeitskostennorm an den Gesamtnormkosten (vor Anwendung der Indizes des
US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik) hat. Es ist dem ersten Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten jeweils ein Zwölftel dieses
Betrags per Monat zuzuweisen, beginnend spätestens mit der zweiten
Zahlungsperiode unter dem Gewinnbeteiligungsplan, die auf die Durchführung dieser Berechnung folgt, bis der Gesamtbetrag dem ersten Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten gutgeschrieben ist. Diese
Beträge sind bei der Festsetzung künftiger Verpflichtungen der Gesellschaft gemäß diesem Unterabschnitt nicht in Ansatz zu bringen.
Sie sind vielmehr als Kosten der Gesellschaft anzusehen und nicht als
Defizit gegen künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Gewinnbeteiligungsplan aufzurechnen. Die Anwendung dieses Absatzes darf jedoch
nicht dazu führen, daß die laufenden Gesamtarbeits- und Materialkosten, einschließlich des Beschäftigtenanteils, im betreffenden Zeitraum die Gesamtnormkosten für die entsprechende Produktion übersteigen.
B.

- 9 -

�B. Die im Zusatzprotokoll zu dem zwischen der Gesellschaft und
der Gewerkschaft geschlossenen Vertrag vom 9« März 1961 enthaltene
Zusicherung, daß zwischen der Gewerkschaft und den großen Stahlerzeugern vereinbarte Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen auch
seitens der Gesellschaft vorgenommen werden, bleibt weiterhin in
Kraft.
C. Auf Grund von Unterabschnitt B bewirkte Erhöhungen der Beschäftigungskosten werden mit Ausnahme etwaiger für den Bereich der
gesamten Stahlindustrie innerhalb 6 Monaten nach dem Inkrafttreten
dieses Plans wirksam werdender Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen gemäß Abschnitt V, C, 2 b aus der Lohn- und Sozialreserve
entnommen. Wie in dem genannten Abschnitt vorgesehen, darf der
Nettoanteil der Beschäftigten per Saldo niemals passiv sein. Ist
der in Unterabschnitt V, C angeführte erste Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten niedriger als die Gesamtsumme, die sich
aus der Anwendung der im Bereich der Stahlindustrie eingetretenen
Erhöhungen der Löhne und der Gewährung bisher nicht gewährter Lohnnebenleistungen errechnet, so schießt die Gesellschaft die Differenz
zu. Bei der Berechnung der Kosten solcher Lohnerhöhungen ist die Anreizwirkung derselben, wie sie für die Kaiser Steel Corporation im
Jahre 1961 bestanden hätte, zu berücksichtigen. Der dieser Anreizwirkung zuzumessende Betrag soll den Beschäftigten nach demselben
Modus ausgezahlt werden, der bei der Verteilung der Gewinnanteile
der Beschäftigten angewandt wird. Er ist als Teil der Kostenrechnung
der Gesellschaft anzusehen und gilt nicht als Defizit, das gegen künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Gewinnbeteiligungsplan aufgerechnet werden kann.
VIII. Das Verhältnis des Plans zu anderen Vereinbarungen
Zusammenfassung: Arbeitsstreitigkeiten, die sich aus der Durchführung des Erfolgsbeteiligungsplans ergeben, sind nach den einschlägigen Bestimmungen des Tarifvertrags beizulegen. Meinungsverschiedenheiten, die sich aus der Auslegung der Bestimmungen
des Plans oder hinsichtlich der Verwendung des Beschäftigtenanteils auf Sozialleistungen, der Behandlung solcher Leistungen
als Arbeitskostenanteil und der Revision des Plans nach Abschnitt
IX ergeben, sind vor den Langfristigen Ausschuß zu bringen und
gegebenenfalls den unabhängigen Mitgliedern desselben zur endgültigen bindenden Entscheidung zu übergeben.
Soweit der Plan nicht ausdrücklich etwas anderes verfügt, bleiben
sämtliche zwischen der Gesellschaft und der Gewerkschaft getroffenen Vereinbarungen uneingeschränkt in Kraft.
Die Rechte der Unternehmensleitung bezüglich Absatz, Einkauf,
Forschung, Vergütung der Führungskräfte, Kapazitätsausweitung
u.a. werden durch diesen Plan nicht berührt.
IX. Geltungsdauer
A. Dieser Plan gilt unbefristet und kann jedes Jahr innerhalb eines
Zeitraums von 90 Tagen vor dem Jahrestag seines Inkrafttretens einer
Überprüfung und Revision seitens der Gesellschaft und der Gewerkschaft
unterzogen werden.
••

-

10

-

�B. In Zahlungsperioden des Erfolgsbeteiligungsplans, in denen die
Produktion an Stahlendprodukten mehr als 24 Stunden ruht, sind die Normen
für die Arbeits- und Materialkosten proportional zur Dauer des Produktionsstillstands herabzusetzen.
C. Dieser Plan ist seitens der beiden Vertragspartner mit viermonatiger Frist kündbar, wobei die Kündigung dem Vertragspartner innerhalb der 12 Monate zugestellt werden muß, die auf den vierten Jahrestag
des Inkrafttretens dieses Planes folgen, bzw. in jedem darauffolgenden
vierten Jahr.
D. Spricht einer der Vertragspartner eine solche Kündigung aus,
kommen die beiden Vertragspartner gemeinsam überein, welche Regelung
für die Zeit nach der Kündigung zu treffen ist. Diese Übereinkunft
ist unter gebührender Berücksichtigung der Zielsetzungen zu treffen,
die in den Abschnitten bezüglich des Sachverhalts und der Annahme des
Langfristigen Gewinnbeteiligungsplans angeführt sind, sowie der Entwicklung, die sich während der Geltungsdauer des Plans ergeben hat, und
der Gründe, die für seine Kündigung angeführt wurden. Können sich die
Vertragspartner nicht innerhalb von 60 Tagen einigen, ist die Angelegenheit den unabhängigen Mitgliedern des Langfristigen Ausschusses zur
Überprüfung zu unterbreiten.
E. Ausgehend von dieser Überprüfung, sind die unabhängigen Mitglieder des Langfristigen Ausschusses ermächtigt, eine oder sämtliche der
nachstehenden Maßnahmen zu treffen. Sie können
1. beschließen, sich jeglichen Eingriffs zu enthalten, oder diesen
auf einen anderen Zeitpunkt verschieben, um Gelegenheit zu weiteren Gesprächen zu schaffen;
2. Vermittlungsversuche unternehmen, einschließlich geheimer Beratungen mit Vertretern beider Vertragspartner;
3. den Langfristigen Ausschuß einberufen; und schließlich
4. den beiden Vertragspartnern einen Bericht zustellen, der die
Standpunkte der Parteien zusammenfaßt, den strittigen Sachverhalt umreißt und den beiden Vertragspartnern Empfehlungen erteilt.
F. Bei Kündigung des Plans und NichtZustandekommen einer die
Kündigung aufhebenden Einigung ist jede der Vertragsparteien berechtigt,
ihre Zuflucht zu Streik bzw. Aussperrung zu nehmen, um ihren Standpunkt
zu untermauern, ungeachtet irgendwelcher anderer zwischen den Vertragspartnern bestehender Abmachungen.
G. Bei Einstellung dieses Plans ist die Lohn- und Sozialreserve
restlos an fiie Beschäftigten nach dem gleichen Modus auszuzahlen, nach
dem die Erifölgsanteile auf Grund dieses Plans ausgezahlt werden.

(Aus "Monthly Labor Review"
Vol. 86, Nr. 2,Februar 1963)
s
* * * * *

11

-

�Maschinistengewerkschaft feiert 75.jähriges Bestehen
Als die 19 Maschinisten eines Eisenbahnausbesserungswerks in
Atlanta (Georgia) am 5- Mai 1888 heimlich in einem Lokomotivschuppen
zusammenkamen, um die "Gewerkschaft der Maschinisten" aus der Taufe
zu heben, steckte die Gewerkschaftsbewegung in den USA noch in den
Kinderschuhen, Zusammenschlüsse solcher Art waren in dieser Zeit an
der Tagesordnung, aber nur wenige Gründungen hatten Bestand. Und auch
Tom Talbot, der erste Präsident der "International Association of
Machinists" (lAM) , und seine 18 Kollegen waren damals wohl kaum davon
überzeugt, daß ihre Gewerkschaft einmal zu den vier größten in den
Vereinigten Staaten zählen würde.
Über 900 000 Mitglieder
Mit über 900 000 Mitgliedern und fast 2000 Ortsvereinen stellt
die IAM-Gewerkschaft unter Führung ihres Präsidenten AI Hayes heute
einen wichtigen Paktor nicht nur in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, sondern auch im wirtschaftlichen und sozialpolitischen Leben
des Landes dar. Ihre Stärke ist dabei zweifellos die sehr breite
Streuung ihrer Mitglieder, die sich im Gegensatz zu den anderen großen
Gewerkschaften der Vereinigten Staaten nicht auf einen einzelnen Industriezweig konzentrieren, sondern auf eine Vielzahl von Branchen verteilen .
Schon die Tatsache, daß sie mit rund 15 000 Unternehmen Tarifverträge abgeschlossen hat (die bei weitem größte Zahl, die von einer
einzelnen Gewerkschaft je abgeschlossen wurde), zeigt, wie groß ihr
tatsächlicher Einfluß ist. Waren es früher in erster Linie die Maschinisten und Maschinenwärter vor allem der Eisenbahnen, die in der IAMGewerkschaf t organisiert waren, so sind es heute sowohl die Arbeitnehmer
der Raumfahrtindustrie und das technische Personal der Luftfahrtgesellschaften als auch die Beschäftigten der Werkzeug- und Büromaschinensowie der metallverarbeitenden und der Elektroindustrie - also der
aufstrebenden Wirtschaftszweige -, die der IAM ihre Vertretungsrechte
übertragen haben.
Führend in der Lohn- und Sozialpolitik
Als Talbot und seine Kollegen 1888 die Gewerkschaft gründeten,
belief sich ihr Tagesverdienst bei einer Arbeitszeit von 10-12 Stunden
auf etwa 2 - 2 1/2 Dollar. Heute dagegen liegt schon der Stundenlohn
der Mitglieder der IAM-Gewerkschaft über diesen Sätzen, wobei der größte
Teil von ihnen es auf Stundenverdienste von weit über 3 Dollar bringt.
Aber nicht nur auf dem Gebiet der Löhne ist die IAM-Gewerkschaft
in all den Jahren Schrittmacher für die weniger stark organisierten
Industrien gewesen, auch in der Sozialpolitik war sie mit bahnbrechend.
Die heute in der amerikanischen Wirtschaft allgemein üblichen Lohnnebenleistungen wie Unternehmerbeiträge zu Krankenversicherungs-, Wohlfahrtsund Pensionsfonds gehen mit auf die Initiative dieser Gewerkschaft
zurück.
Künftige

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-

�Künftige Ziele
Als die wichtigsten künftigen gewerkschaftlichen Ziele der IAM
bezeichnete AI Hayes kürzlich folgende:
1. Verstärkte Organisationsbemühungen unter Berücksichtigung der
und im Hinblick auf die sich schnell vollziehenden strukturellen Veränderungen im amerikanischen Arbeitspotential.
/

2. Genaue Untersuchung der Einflüsse der Automation auf den
beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Status der Arbeitnehmerschaft und Durchsetzung von geeigneten Maßnahmen zur Milderung der
negativen Auswirkungen.
3. Durchführung von Ausbildungs-, Fortbildungs- und Umschulungskursen für all jene Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz auf Grund der
technologischen Veränderungen verlieren.
4. Ausweitung und Verbesserung der Lehrlingsausbildungsprogramme
zwecks Sicherung eines leistungsfähigen hochqualifizierten Facharbeiternachwuchses.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Erster gewerkschaftlicher Arbeitsvertrag für die Postangestellten
Ein Tarifverhandlungsabkommen zwischen dem amerikanischen Postministerium und den sechs als vertretungsberechtigt anerkannten Postarbeitergewerkschaften wurde jetzt vom Postmaster General (Postminister)
der USA und den Gewerkschaftsvertretern unterzeichnet. Es ist das
erste Generalabkommen dieser Art überhaupt, das für die rund 500 000
Postangestellten und Beamten im allgemeinen Postdienst und in den
34 000 Postämtern der USA abgeschlossen wurde.
Dieser Vertrag geht auf die Initiative Präsident Kennedys zurück,
der sich im vergangenen Jahr für eine Ausdehnung der gewerkschaftlichen Vertretungsrechte auch auf die Bundesbediensteten ausgesprochen
hatte. Sichtbarer Ausdruck dieser Bemühungen ist das im Januar dieses
Jahres in Kraft getretene sogenannte Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Programm,
in dem die Vertretungsrechte der Bundesbediensteten offiziell anerkannt
werden.
Der neue Einjahresvertrag bezieht sich jedoch nur auf solche tarifvertragliche Abmachungen wie Arbeitsbedingungen, Beschwerdeverfahren usw.
und enthält, im Gegensatz zu den in der Privatwirtschaft abgeschlossenen

-

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�abgeschlossenen allgemeinen Tarifverträgen keine bindenden Abmachungen über Löhne, Arbeitszeit und Sozialleistungen - Beschäftigungsbedingungen, die vom amerikanischen Kongreß festgesetzt werden.
In de.m 60 Druckseiten umfassenden Vertragswerk verpflichten sich
die Gewerkschaften unter anderem, von ihrem Streikrecht keinen Gebrauch zu machen und sich nicht an irgendwelchen gewerkschaftlichen
Kampfmaßnahmen zu beteiligen, die gegen die Regierung gerichtet sind.
Neben Abmachungen über die Vertretungsrechte, die den Gewerkschaften
eingeräumt werden, enthält das Abkommen auch detaillierte Angaben
über die Abwicklung von Disziplinar- und Beschwerdeverfahren sowie
über die Einspruchsrechte der Angestellten der amerikanischen Bundespost.
(Quelle: Eigenbericht)
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Eastman Kodak zahlte 55.6 Millionen Dollar als Gewinnbeteiligung
Eine Summe von 55,6 Millionen Dollar hat die "Eastman Kodak
Company" in diesem Jahr an ihre 48 000 Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten im Rahmen ihres Gewinnbeteiligungsplans ausgezahlt oder
auf Spar- und Investitionskosten überwiesen. Das ist die höchste
Summe, die seit der Einführung dieses Gewinnbeteiligungssystems im
Jahre 1912 an die Eastman-Belegschaft ausgeschüttet wurde.
Auf Grund des allgemeinen Verteilungsschlüssels erhalten die
Arbeitnehmer der "Eastman Kodak Company" für jede 1000 Dollar, die sie
in den vergangenen Jahren verdient haben, einen Gewinnbonus in Höhe
von 56,75 Dollar. Darüber hinaus sind noch sämtliche Mitarbeiter des
Unternehmens mit mehr als fünf Dienstjahren berechtigt, am sogenannten
Spar- und Investitionsprogramm teilzunehmen, für das jährlich ein Teil
der Gesamtsumme abgezweigt wird. Die auf diesen Konten eingehenden
Gelder werden für den Erwerb von Aktien, Schuldverschreibungen oder
Regierungsanleihen verwendet. In diesem Jahr waren insgesamt 15 000
Mitarbeiter des Unternehmens an diesem Programm teilnahmeberechtigt.
Die Gewinnbeteiligung, die in jedem Jahr auf einer Vorstandssitzung beschlossen werden muß, richtet sich jeweils nach der Höhe
der Dividende, die vom Unternehmen auf die Stammaktien gewährt wird.
Die zweithöchste Gewinnbeteiligungssumme (50,9 Mio Dollar) gelangte im vergangenen Jahr zur Ausschüttung.
(Quelle: Eigenbericht)

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-

�Studienausschüsse zur Vorbereitung der Tarifverhandlungen
in der Automobilindustrie
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) hat sowohl
mit der "General Motors Corporation" (GM) als auch mit der "Ford
Motor Company" ein Übereinkommen erzielt, wonach zwei paritätisch
besetzte Studienausschüsse gebildet werden sollen, deren Aufgabe es
sein wird, die bei den nächstjährigen Tarifverhandlungen wahrscheinlich im Mittelpunkt stehenden Probleme vorbereitend zu erörtern.
Die Anregung zur Bildung solcher gemeinsamer Ausschüsse war von
dem 1. Vorsitzenden der UAW-Gewerkschaft, Walter P. Reuther, ausgegangen, der im März in einem Rundschreiben an die Firmen der Automobilund Landmaschinenindustrie darauf hingewiesen hatte, daß "wegen der
immer verwickelter werdenden Tarifverhandlungen" solche Studienkommiasionen dringend erforderlich sind. "Wir sind der Ansicht", so schrieb
Reuther, "daß die TarifVerhandlungen selbst viel rationeller geführt
werden können, wenn sich die beiden Tarifpartner schon lange vor Beginn
der eigentlichen Verhandlungen zusammensetzen und all jene Punkte der
Übereinstimmung festlegen, und daß den nationalen Belangen und den
Bedürfnissen der Arbeitnehmer und ihrer Familien dadurch mehr Rechnung
getragen wird."
Die ersten Beratungen zwischen den Vertretern der UAW-Gewerkschaft
einerseits und der "General Motors Corporation" sowie der "Ford Motor
Company" andererseits fanden bereits Mitte April statt. Im gemeinsamen
zwölfköpfigen UAW-GM-Studienausschuß führten der J. Vorsitzende der
UAW-Gewerkschaft, Walter P. Reuther, sowie der Vizepräsident von GM,
Louis G. Seaton, den Vorsitz, während Ford für die Verhandlungen als
Spitzenvertreter seinen Viaapräsidenten Malcolm L. Denise bestellt
hatte .
In einer gemeinsamen, nach der ersten Fühlungnahme veröffentlichten Erklärung betonen Reuther und Denise, daß "sowohl die Gewerkschaft
als auch das Unternehmen darin übereinstimmen, daß der Studienausschuß
durch seine Vorarbeit lange vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen
einen konstruktiven Beitrag leisten" könne.
Der Vertrag zwischen der UAW-Gewerkschaft und General Motors
läuft am 31. August 1964 aus. Er erfaßt rund 325 000. Arbeitnehmer.
Als besondere Verhandlungspunkte für die Studienausschüsse nannte
Walter Reuther u.a. Arbeitslosigkeit und Verdrängung von Arbeitnehmern,
die Auswirkung der höheren Produktivität auf Grund leistungsfähigerer
Maschinen, Uberstundenbezahlung, zusätzliche Pensions- und Arbeitslosenunterstützungsleistungen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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15

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 7

Bad Godesberg, den 1. Juli 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (i)

Seite

1

Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen
technischen Veränderungen

Seite

12

"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt

Seite

15

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (I)
Grundtendenzen, Veränderungen und künftiger Arbeitskräftebedarf
Die umwälzenden technischen Veränderungen des vergangenen
Jahrzehnts, die ihren sichtbarsten Ausdruck in der Automation finden, haben tiefgreifende strukturelle Umschichtungen im gesamten Arbeitspotential der Vereinigten Staaten
herbeigeführt. Zahlreiche altüberlieferte Berufe sind durch
die modernen Produktionstechniken bereits für immer ausgelöscht worden, viele neue, höherqualifizierte Tätigkeiten
haben sich den Arbeitnehmern eröffnet. Millionen ist es bisher gelungen, sich mit Erfolg den neuen beruflichen Gegebenheiten anzupassen, viele aber haben - wie die relativ hohe
Zahl der "technologischen Arbeitslosen" zeigt - diese Umstellung aus eigener Kraft nicht geschafft. Diesen Menschen
neue berufliche Chancen zu geben, ist das Ziel des sogenannten "Manpower Development and Training Act", der im vergangenen Jahr vom US-Kongreß verabschiedet wurde und in
dessen Rahmen bisher 435 Millionen Dollar für die Umschulung langfristiger Arbeitsloser auf neue Berufe bereitgestellt wurden. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Eingliederung der bisherigen und künftigen strukturellen Arbeitslosen in die Wirtschaft ist die genaue
Kenntnis der heutigen und künftigen Struktur des gesamten
Arbeitsmarktes sowie der jeweiligen beruflichen Anforderungen, die an die Arbeitnehmerschaft gestellt werden.

Im

�Im Verfolg dieser Ziele hat das amerikanische Arbeitsministerium eine umfassende Analyse über die heutige
Arbeitsmarktsituation sowie über die bis 1975 zu erwartenden Veränderungen erstellt und im März dieses Jahres
veröffentlicht. In den beiden folgenden Beiträgen geben
c die wichtigsten Ergebnisse des ersten Berichts dieser Art überhaupt wieder.
Die derzeitige Situation
mmenfassung der wichtigsten Ergebnisse
1. Beschäftigung: Die Gesamtbeschäftigtenzahl der Vereinigten
Staaten hat sich seit dem Ende des zweiten Weltkrieges ständig erhöht,
aber noch stärker ist in diesem Zeitraum die Zahl der verfügbaren Gesamtarbeitskräfte angestiegen.
Die Gesamtzahl aller beschäftigten Arbeitnehmer - Unselbständige,
Selbständige, im Haushalt Beschäftigte oder im Familienbetrieb ohne
Bezahlung Tätige - belief sich 1962 im Durchschnitt auf 67,8 Millionen.
Gegenüber 1947 ist damit eine Zunahme um 10 Millionen festzustellen,
was einem prozentualen Anstieg um 17 Prozent gleichkommt. Im selben
Zeitraum aber hat sich das gesamte Arbeitspotential um 13 Killionen
oder 21 Prozent erhöht - ein Anstieg, der teils durch die Bevölkerungszunahme, teils durch die Zunahme der Zahl der werktätigen Frauen bedingt war. hierin auch die Frauen heute nur rund 1/3 des gesamten
Arbeitspotentials ausmachen, so belief sich doch ihr Anteil an der Gesamtzunahme zwischen 1947 u n d 1962 auf etwa 3/5«
•2. Erwerbslosigkeit: Auch der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte hat entsprechend zugenommen.
Im Jahre 1962 waren im Durchschnitt rund 4 Millionen Amerikaner erwerbslos. Das entspricht einer Erwerbslosenrate von 5 1/2 Prozent.
Damit wurde in fünf hintereinanderfolgenden Jahren jeweils ein Satz
von mindestens 5 1/2 Prozent registriert. In den ersten Nachkriegsjahren hingegen betrug die Durchschnittsrate weniger als 4 Prozent.
Diese Ziffern zeigen, daß es der amerikanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, das vorhandene Arbeitspotential
voll zu nutzen.
3« Ein besonderes Problem stellen in diesem Zusammenhang die
langfristigen Erwerbslosen dar. Zwischen 1957 und 1962 stieg die Zahl
der längerfristigen Erwerbslosen (15 Wochen und mehr) um 100 Prozent
an, und die der langfristigen (mehr als 6 Monate) sogar um 150 Prozent.
Die Gesamtzunahme der Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum betrug nicht
ganz 40 Prozent, die der kurzfristigen (unter fünf Wochen) nicht ganz
20 Prozent.In Anbetracht dieser Tatsachen gewinnt die Frage der Sicherstellung einer ausreichenden Arbeitslosenunterstützung oder überbrückungsbeihilfe für solche Arbeitnehmer stark an Bedeutung, die mehr als 6
Monate erwerbslos sind. (Die derzeitige Maximaldauer der Unterstützung
in den USA beträgt im Durchschnitt 39 Wochen. Anm.d.Red.)

1t

- 2 -

�4« Besondere Aufmerksamkeit verdienen ebenfalls einige ernste
und schwer zu lösende Beschäftigungsprobleme: die hohe Arbeitslosigkeit unter den
a) Jugendlichen, b) den älteren Arbeitnehmern, c) den Farbigen,
d) den in rückläufigen Industriezweigen Beschäftigten, e) den in
wirtschaftlichen Notstandsgebieten Lebenden und f) allgemein den
ungelernten Arbeitnehmern. Obwohl festzustellen ist, daß keine Beschäftigtengruppe gegenüber der Erwerbslosigkeit immun ist, so ist
doch die Anfälligkeit gerade der oben angeführten Gruppen auf Grund
eines gemeinsamen Faktors - unzureichende berufliche ^oialif ikationen - besonders stark.
Um die kritischen Probleme der am schwersten von der Arbeitslosigkeit betroffenen Gruppen zu lösen, bedarf es nicht nur einer
allgemeinen stärkeren wirtschaftlichen Expansion, sondern gleichfalls erheblich zahlreicherer Möglichkeiten für die Erziehung und
berufliche Ausbildung. Außerdem müssen wesentliche Anstrengungen
unternommen werden, um den jüngeren Arbeitnehmern eine bessere berufliche Anleitung und Führung zu geben, die Vorurteile gegenüber
älteren Arbeitnehmern und Angehörigen der Hinderheitengruppen abzubauen, die Freizügigkeit in der Arbeitsplatz- und Arbeitsortswahl
zu erhöhen und die wirtschaftlichen Notstandsgebiete strukturell
zu verbessern.
5« In der derzeitigen Beschäftigten- und Arbeitslosenstruktur
kommen folgende wichtige Entwicklungen zum Ausdruck, die alle die
Notwendigkeit für Haßnahmen zur Beschleunigung des wirtschaftlichen
Wachstums unterstreichen:
a) Die Zunahme des Bruttosozialprodukts in den Nachkriegsjähren,
so eindrucksvoll sie auch sein mag, ist in erster Linie durch den
Anstieg der Arbeitsproduktivität und weniger durch eine Erhöhung der
Beschäftigtenzahl oder der Gesamtarbeitszeit bedingt gewesen.
Zwischen 1947 u n d 1961 nahm die Gesamterzeugung der Privatwirtschaft um 59 Prozent zu. Hehr als 4/5 dieser Zunahme sind dabei durch
die Erhöhung der Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer und Stunde eingetreten. Die Gesamtbeschäftigtenzahl auf dem privaten Sektor nahm im
gleichen Zeitraum nur um 10 Prozent zu. Und der Gesamtanstieg der geleisteten Arbeitsstunden war noch geringer - nur 5 Prozent -, und
zwar auf Grund des Rückganges der durchschnittlichen jährlich geleisteten Arbeitszeit, der zum größten Teil auf den sehr steilen Anstieg
der Halbtagsbeschäftigungen zurückzuführen ist.
b) Die wirtschaftliche Wachstumsrate lag in den vergangenen.fünf
Jahren erheblich unter der Durchschnittsrate der vorangegangenen Dekade. Zwischen 1947 und 1957 nahm das Bruttosozialprodukt, unter Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes, im Durchschnitt um 3f8
Prozent pro Jahr zu. In den letzten Jahren dagegen belief sich die
Zuwachsrate auf lediglich 2,9 Prozent.
c) Die Wachstumsrate für neue Arbeitsplätze auf dem privaten
Wirtschaftssektor ist ebenfalls zurückgegangen. Während zwischen 1947
und 1957 auf dem nichtlandwirtschaftlichen Sektor jährlich rund
700 000 neue Arbeitsplätze dazukamen, waren es zwischen 1957 und 1962
lediglich noch 175 000 pro Jahr.

AI
- 5-

�d) Lediglich auf dem öffentlichen Sektor ist seit 1957 eine
steinende Tendenz festzustellen gewesen. Die Zunahme der Zahl neuer Arbeitsplätze erfolgte dabei hauptsächlich bei den Bundesstaaten und. Gemeinden - und hier wiederum in erster Linie im Erziehungswesen.
6. Die regionalen Verlagerungen von Industrieunternehmen und
die Umschichtungen auf dem Beschäftigungssektor haben zu einer erhöhten Freisetzung von Arbeitskräften geführt und damit zwangsläufig V/iedereinstellungsprobleme geschaffen.
Diejenigen Berufe mit expandierenden Beschäftigungsmöglichkeiten verlangen heute im allgemeinen eine längere schulische und
berufliche Ausbildung. Freigesetzte Arbeitnehmer ohne die erforderlichen Qualifikationen haben es sehr schwer, neue Arbeitsplätze zu finden.
7. Ein akuter Mangel an Arbeitskräften besteht gegenwärtig
in zahlreichen Fach- und Spezialberufen.
Die Zahl der neu ins Arbeitsleben eintretenden Jugendlichen
mit abgeschlossener Ausbildung hat mit dem allgemein steigenden
Bedarf an Ingenieuren, Mathematikern, Naturwissenschaftlern, Soziologen, Lehrern, Ärzten, Krankenschwestern und ähnlichen akademischen, technischen und Fachberufen nicht Schritt gehalten. Ungeachtet des allgemein hohen Niveaus der Arbeitslosigkeit besteht in
zahlreichen Spezialberufen ein ausgesprochener Personalmangel, und
zwar auf nationaler ebenso wie auf regionaler Ebene.
8. Die Arbeitnehmermobilität ist in den Vereinigten Staaten
relativ groß, reicht aber doch nicht aus, um einen vollständigen
Ausgleich zwischen den Angeboten an Arbeitnehmern und Arbeitsplätzen herbeizuführen.
Von den 1961 beschäftigten Llännern und Frauen wechselten 8
Millionen - das sind 10 Prozent - ihren Arbeitsplatz im Laufe des
Jahres. Einige veränderten sich aus eigenem Entschluß, in der Absicht, einen besseren Arbeitsplatz zu finden oder aus sonstigen
Gründen, andere dagegen gezwungenermaßen, weil sie ihren alten Arbeitsplatz verloren hatten.
In der vielfach außerordentlich hohen Veränderungsrate der
18- und 19jährigen spiegeln sich insbesondere die großen Schwierigkeiten wider, denen sich heute unerfahrene Arbeitnehmer ohne
eine spezielle berufliche Ausbildung gegenüber sehen. Die hohe Veränderungsrate unterstreicht hier die Notwendigkeit für eine umfassendere und realistischere berufsschulmäßige Unterweisung von Jugendlichen und für eine verbesserte Berufsausbildung.
9« Die künftigen Arbeitsmarktprobleme der USA ergeben sich aus
der erwarteten unvergleichlich hohen Zunahme der Gesamtzahl der Arbeitskräfte in den 60er Jahren sowie durch die radikalen strukturellen Veränderungen in der Yfachstumsrate des Arbeitspotentials.
a) Die Gesamtzahl der Arbeitskräfte in den USA wird sich in
den 60er Jahren um rund 1} Millionen vergrößern und zwischen 1970 und

- 4-

�und 1975 u m weitere 7 Millionen zunehmen, so daß das Arbeitspotential 1975 etwa 93 Millionen Werktätige umfassen wird. Dieser Anstieg wird sehr viel größer sein als in jeder anderen 15-JahresPeriode zuvor.
b) Die jungen Arbeitnehmer unter 25 werden in den 60er Jahren
rund die Hälfte des erwarteten Zuwachses ausmachen, weitere 30 Prozent die älteren Frauen.
10. Auch die künftigen Produktivitätsgewinne werden zum wirtschaftlichen V/achstum beitragen und einen erheblichen Einfluß auf
den Arbeitsmarkt haben.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges lag die V/achstumsrate der
Arbeitsproduktivität in den Vereinigten Staaten über dem langfristigen Durchschnitt. In der privaten Wirtschaft belief sich die jährliche Zunahme der Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer und Arbeitsstunde
auf durchschnittlich 3 Prozent, während die Durchschnittsrate für
das letzte halbe Jahrhundert 2,4 Prozent beträgt. Geht man von der
Annahme aus, daß sich auch in Zukunft die Produktivitätsgewinne in
dem bisherigen Rahmen halten werden, so wäre zum Ausgleich der durch
den technischen Fortschritt bewirkten Verminderung der Zahl der Arbeitsplätze eine jährliche wirtschaftliche V/achstumsrate erforderlich, bei der pro Jahr 2 Liillionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.
11. Um eine Vollbeschäftigung für das schnell wachsende Arbeitspotential sicherzustellen, wäre ein beträchtlicher Anstieg der Zahl
der Arbeitsplätze in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der amerikanischen Volkswirtschaft erforderlich, zumal mit einem v/eiteren
Rückgang der Beschäftigung in der Landwirtschaft zu rechnen ist. Auch
in den nächsten Jahren werden die Farmer in etwa dem gleichen Umfang
wie bisher in andere, nichtlandwirtschaftliche Arbeitsplätze überwechseln.
Von den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen wird die
Dienstleistungsindustrie auch in Zukunft die größte Zahl an neuen Arbeitsplätzen schaffen. Die Zahl der Beschäftigten auf diesem Sektor
dürfte in den 60er Jahren um etwa 30 Prozent zunehmen. In den gütererzeugenden Branchen dagegen wird die Zahl der Gesamtarbeitsplätze
nur geringfügig ansteigen. Eine Ausnahme bildet lediglich die Bauwirtschaft, wo - unter der Voraussetzung, daß die angestrebte Vollbeschäftigung erreicht v/erden kann - ein Zuwachs von 40 Prozent zu
erwarten ist.
12. Akademische und technische Berufe werden in den 60er Jahren
die größte Zuwachsrate aufzuweisen haben; eine überdui f'.i.schnittliche
Zunahme in der Beschäftigung dürfte bei den Angestellten (\7hitecollar-Berufe), den Facharbeitern und den Beschäftigten in den Dienst,
leistungsbetrieben registriert werden.
Zu denjenigen Berufen, die eine besonders hohe Uachstumsrate in
diesem Jahrzehnt aufweisen werden, zählen vor allem die Ingenieursberufe, die meisten der naturwissenschaftlichen und die Lehrberufe.
Auch bei den Technikern ist eine ähnliche stürmische Entwicklung zu
erwarten.

Uli

- 5-

�13« Die voraussichtlichen Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur geben aber nur ein unvollständiges Bild von dem künftigen
Arbeitskräftebedarf, denn ein weiterer erheblicher Bedarf wird sich
ebenfalls durch technologische Umschichtungen ergeben.
14» Der gesicherte Nachschub an Arbeitskräften für bestimmte
Beschäftigungsgruppen wird aber nicht allein von den Erziehungs- und
Ausbildungseinrichtungen abhängig sein, sondern auch durch solche
unabwägbaren Faktoren beeinflußt werden wie die Berufswahl, die jeder einzelne zu treffen hat. Es ist daher sehr schwer, das künftige
Angebot an Arbeitskräften in festen Ziffern auszudrücken. Verschiedene Vergleichsanalysen über das künftige Angebot und die Nachfrage nach Arbeitskräften sind jedoch inzwischen auf einer vorläufigen
Basis für die Fach- und akademischen Berufe mit dem Ziel erstellt
worden, die Planung von Ausbildungsprogrammen und anderen in dieser
Richtung notwendigen Schritten zu erleichtern. Damit soll den personellen Bedürfnissen in diesen entscheidend wichtigen*Berufen Rechnung getragen werden.
a) Der derzeitige Umfang der Lehrlingsausbildungsprogramme i6t
zu gering, um selbst die in den kommenden Jahren durch Tod, Pensionierung oder Berufswechsel sich ergebenden natürlichen Abgänge in
den einzelnen Facharbeitergruppen auszugleichen.
b) Die Neuzugänge in den akademischen und Fachberufen würden dagegen in etwa den voraussichtlichen Bedarf decken. Dennoch wird auch
weiterhin mit einem Personalmangel in zahlreichen Fachberufen zu rechnen sein, insbesondere dort, wo ein höheres Eildungs- und Ausbildungsniveau erforderlich ist.

Die voraussichtlichen Beschäftiigungstrends in den
einzelnen Wirtschaftszweigen
Ein guter Ausgangspunkt für die voraussichtlichen Entwicklungen
auf dem Beschäftigungssektor sind die heute schon überblickbaren Auswirkungen, die sich durch die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur ergeben.
Bis zum Jahre 1970 wird sich die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten nach den Voraussagen des US-Zensusbüros auf rund 210 Millionen erhöht haben und damit um 28 Millionen größer sein als im Jahr
1960. In den folgenden fünf Jahren dürfte es eine weitere Steigerung
um etwa 17 Millionen geben, so daß die USA im Jahre 1975 eine Gesamtbevölkerung von etwa 226 Millionen aufweisen werden.
Auf Grund dieser erwarteten Zunahme der Bevölkerung (sowie der
Veränderungen in der Teilnahme am Erwerbsleben in den einzelnen Altersgruppen der Männer und Frauen) ergibt sich eine bisher nicht gekannte Zunahme in der Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte - ein Zuwachs
um rund 20 Millionen zwischen i960 und 1975« Die Zahl der in der Privatwirtschaft Tätigen wird dabei von rund 67 Millionen im Jahre 1960
auf etwa 80 Millionen im Jahr 1970 und 88 Millionen im Jahr 1975 ansteigen - was eine Zunahme um rund ein Drittel bedeutet.
Die

,(

- 6 -

�Die Zunahme der in der Privatwirtschaft tätigen Arbeitnehmer
wird dabei von erheblichen Veränderungen in der industriellen Beschäftigungsstruktur begleitet sein. Zahlreiche Industriezweige
werden auf Grund von Veränderungen in den Verbrauchergewohnheiten,
der Investitionsentscheidungen der Wirtschaft und der der Regierung hinsichtlich der Verwendung der öffentlichen Gelder entweder
einen Zuwachs oder einen Verlust an Produktionsvolumen und Beschäftigten aufweisen. Zu den anderen Paktoren, die einen nachhaltigen Einfluß auf die Beschäftigungsstruktur haben werden, sind
die Portschritte in der Technik, die Einführung neuer Produkte und
die Veränderungen in der Verfügbarkeit von natürlichen Hilfsquellen zu rechnen.
Der einzige Großsektor der amerikanischen Volkswirtschaft,
auf dem bestimmt mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl zwischen
1960 und 1975 selbst in Anbetracht einer Vollbeschäftigung zu rechnen ist, ist die Landwirtschaft. Die ständige Erhöhung der Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft, die die Hauptursache für den Rückgang in der Zahl der landwirtschaftlichen Arbeiter im vergangenen
Jahrzehnt war, wird auch in der Periode bis 1975 auf Grund der vermehrten Verwendung von Haschinen, Kunstdünger, Futtermittelzusätzen,
Herbiziden und Insektiziden andauern. Der ständige Rückgang in der
Zahl der Farmen, insbesondere der kleinen, geringe Einkommen erwirtschaftenden Farmen, wird gleichfalls anhalten. Auf der anderen Seite wird der Bedarf der größeren Farmen an zusätzlichen Arbeitskräften durch die weitere Mechanisierung in engen Grenzen gehalten werden. Alles in allem ist damit zu rechnen, daß die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer zwischen 1960 und 1970 von 5»7 auf 4»3
Millionen und bis 1975 auf 4»0 Millionen zurückgehen wird.
Im gleichen Zeitraum aber wird sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer schnell erhöhen. Nach den Schätzungen
des amerikanischen Arbeitsministeriums wird sich hier ein Anstieg
zwischen i960 und 1970 von 61 auf 76 Millionen und bis 1975 auf fast
84 Millionen ergeben. Die größte Zunahme werden dabei die unselbständigen Arbeitnehmer aufweisen, deren Zahl von 51»5 Millionen
(1960) auf 71,5 Millionen (1975) ansteigen wird. Die Zahl der anderen Arbeitnehmer (Selbständige, in Familienbetrieben ohne Bezahlung
Tätige usw.) wird sich ebenfalls, aber weniger stark erhöhen, und
zwar von 9»5 a u f 12 Millionen.
Die folgende Übersicht zeigt die voraussichtliche Entwicklung
bei den unselbständigen Arbeitnehmern in den verschiedenen Wirtschaftszweigen:
Wirtschaftszweig

-7

�Wirtschaftszwei g

Zahl der Beschäftigten
(in Millionen)
tatsächliche

voraussichtliche

Veränderungen
1 96O-I 975
(in *)

1960

1970

54,3

67,7

74,2

37

Lienstleistungszweige
(Gesamt)
34,0

43,7

48,8

44

11,4
.4
111

14,0

15,6

37

Regierung

8,5
8,
,5

11,5

12,8

51

Dienste, Verschiedenes

,A
7,4
7,

10,2

11,9

61

Transport,offentl.
Versorgung

,0
4,0
4,

4,4

4,5

13

Finanz, Versicherungen, Immobilien

2,7

3,5

3,9

44

20,4

24,0

25,4

25

Fertigungsindustrie

16,8

19,2

20,3

21

Bauwirtschaft

2,9

4,0

4,4

52

Bergbau

0,7

0,7

0,7

0

Gesamtwirtschaft

Groß- und Einzelhandel

Güterproduz.Zweige
(Gesamt)

1975

Von den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen werden also
die Dienstleistungen hervorbringenden Industrien einen stärkeren Zuwachs
an Beschäftigten aufweisen als die Fertigungsindustrien. Die gesamte
prozentuale Zunahme bis 1975 dürfte hier fast 45 Prozent ausmachen,
während in den traditionellen güterproduzierenden Zweigen' nur eine Zunahme von etwa 25 Prozent erwartet wird.
Die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftszweigen
A. Dienstleistungszweige
1. Groß- und Einzelhandel; Die Zahl der Beschäftigten im Groß und
Einzelhandel, die in den vergangenen Dekaden erheblich angestiegen
ist, wird auch in den nächsten 15 Jahren dem bisherigen Trend folgen.
In dem Maße, in dem die Bevölkerung und die Verbraucherausgaben ansteigen, wird auch der Groß- und Einzelhandel ein ständig größeres Gütervolumen umzuschlagen und daher auch mehr Arbeitnehmer zu beschäftigen
haben. Auf Grund der technischen Entwicklung - wie die vermehrte

�vermehrte Aufstellung von Automaten, der Ausbau der Selbstbedienungsläden, die Einbeziehung von Elektronenrechnern für die Lagerkontrolle und Buchhaltung usw. - wird sich jedoch die Zuwachsrate
etwas abflachen. Insgesamt gesehen dürfte sich hier zwischen 196O
und 1970 eine Zunahme der Beschäftigtenzahl um rund 23 Prozent ergeben. Sie dürfte 1970 an die 14 Millionen betragen und bis 1975 auf
über 15 1/2 Millionen anwachsen. Jedoch wird sich das schon seit
1939 festgestellte Verhältnis von 1:3 zwischen den im Groß- und im
Einzelhandel Beschäftigten nicht verändern.
Ein Großteil der Neuzugänge in diesem Wirtschaftszweig wird aus
Halbtagsbeschäftigten bestehen, unter ihnen viele Frauen und Jugendliche. Der Aufbau von Shopping Centers in den Vororten der Großstädte und der Trend nach einer Verlängerung der Geschäftszeit bis
in die späten Abendstunden forcieren den Bedarf an stundenweise
Beschäftigten - Arbeitnehmern, die in den angrenzenden Siedlungsgebieten wohnen. Auch wird der Groß- und Einzelhandel weiterhin
zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Selbständige bieten.
2. Regierung: Die Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten
wird zwischen 196O und 1970 um rund ein Drittel zunehmen und einen
Stand von etwa 11 Millionen erreichen. Ein Anstieg um weitere 2
Millionen auf insgesamt 13 Millionen wird für die Periode 1970-1975
erwartet. Wie auch schon in den vergangenen 15 Jahren werden die bundesstaatlichen und kommunalen Verwaltungen dabei den stärksten Anstieg
zu verzeichnen haben. Auf Grund der allgemeinen Bevölkerungszunahme
und des Zustroms von Personen aus den ländlichen Gegenden in die
Stadtgebiete und aus den Städten in die Vororte ergibt sich zwangsläufig ein höherer Bedarf an Arbeitskräften für das Erziehungswesen,
den öffentlichen und allgemeinen Gesundheitsdienst, die Ordnungsund Schutzorgane wie Polizei und Feuerwehr, die Straßenreinigung
und -Unterhaltung sowie für die Wohlfahrtspflege. Aus diesen Gründen
ist zu erwarten, daß die Zahl der von den Bundesstaaten und Gemeinden
Beschäftigten in den nächsten 15 Jahren um etwa 50 Prozent ansteigen
wird, während der Beschäftigtenstand des Bundes sich nur* unwesentlich
verändern dürfte.
3« Verschiedene Dienstleistungszweige; Mit dem weiteren Anstieg
deB Pro-Kopf-Einkommens ist zu erwarten, daß die Verbraucher - wie
auch in den vergangenen 15 Jahren - einen immer größeren Teil ihres
Einkommens für die zahlreichen Dienstleistungen aufwenden werden.
Die Zahl der Arbeitsplätze wird sich daher in diesen Wirtschaftszweigen bis 1975 weitaus stärker erhöhen als in allen anderen Sektoren
der US-Wirtschaft. Bis zum Jahre 1970 dürfte sie bis auf 10 Millionen
und bis 1975 auf fast 12 Millionen ansteigen. Das entspricht einer
Zunahme um 60 Prozent.
Innerhalb dieser großen Gruppe werden die Arzt- und Heilberufe
die stärksten Zugänge aufweisen. Bei den Faktoren, die die Zuwachsrate beeinflussen, sind neben der Bevölkerungszunahme insbesondere
die Erhöhung der Zahl der älteren Menschen und der Kinder zu nennen
sowie die steigenden Einkommen, die Ausweitung des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der medizinischen Forschung, die Veränderungen
in der Gesundheitsvorsorge und der Bau.neuer medizinischer Einrichtungen.
Aber

- 9 -

�Aber auch auf anderen Dienstleistungssektoren wird die Beschäftigtenziffer beträchtlich zunehmen. Dies wird in erster Linie darauf
zurückzuführen sein, daß viele Unternehmen die Werbung für ihre Produkte immer mehr den Agenturen überlassen, in stärkerem Maße als
bisher die Durchführung ihres gesamten Rechnungswesens Buchhaltungsund Buchprüfungsfirmen und das Inkasso und die Kunden-Kreditabwicklung den auf diesem Sektor tätigen Fachunternehmen übertragen werden.
Schließlich wird noch die höhere Zahl von Jugendlichen im schulpflichtigen Alter einen höheren Bedarf an Lehrkräften nicht nur in den
öffentlichen Schulen, sondern auch in den privaten Bildungsstätten
bedingen.
4. Transport- und öffentliche Versorgungsunternehmen; Wie schon
in den vergangenen Dekaden werden die Beschäftigungstrends innerhalb
dieser Gruppe auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren sehr unterschiedlich sein. Unter Berücksichtigung dieser Trends und von der allgemeinen Annahme ausgehend, daß eine Vollbeschäftigung erreicht werden
kann, ist eine Zunahme der Zahl der Arbeitskräfte von gegenwärtig
4,0 auf 4,4 (1970) und 4,5 Millionen (1975) zu erwarten.
5. Finanz, Versiaherungen,. Immobilien: Der Beschäftigtenstand in
diesen Dienstleistungszweigen hat sich in all den Jahren stetig erhöht. Auch in den nächsten 15 Jahren wird das der Fall sein. Es kann
damit gerechnet werden, daß 1970 rund 3»5 und 1975 etwa 3,9 Millionen
in diesen Branchen Beschäftigung finden. Das entspräche einer Zunahme
um 45 Prozent. Auslösende Faktoren sind hier die zunehmende Kompliziertheit des gesamten Finanzwesens, die weiter steigenden Einkommen
und das allgemeine Wachstum der Wirtschaftsunternehmen und der Stadtbevölkerung.
Bei den Banken, die i960 rund ein Viertel aller Arbeitnehmer dieser Gruppe beschäftigten, wird die Zunahme in der Zahl der Arbeitsplätze trotz der stärkeren Verwendung von elektronischen Datenverarbeitungsanlagen besonders rasch erfolgen. Bis zum Jahre 1975 dürfte
dabei der Anteil der Banken an der Gesamtbeschäftigtenzahl dieser
Gruppe bis auf 40 Prozent ansteigen. Im Versicherungswesen und bei
den Immobilienfirmen kann dagegen mit einer Zunahme der Beschäftigtenzahl um etwa ein Drittel gerechnet werden.
Da die weiblichen Arbeitnehmer gegenwärtig rund die Hälfte aller
Beschäftigten in diesen Branchen ausmachen, ergeben sich hier durch den
schnellen Anstieg der Arbeitnehmerzahl bedeutende Auswirkungen auf die
Frauenbeschäftigung.
B. Güterproduzierende Zweige
1. Fertigungsindustrie; Die Zahl der Beschäftigten in der Fertigungsindustrie dürfte zwischen i960 und 1970 nicht so stark ansteigen
wie in sämtlichen anderen nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der US-Wirt-schaft. Mit 16,8 Millionen Arbeitnehmern hatte die Fertigungsindustrie
- der größte Wirtschaftssektor - 196O einen Anteil an der gesamten
(nichtlandwirtschaftlichen) Beschäftigtenziffer von rund 30 Prozent.
Bis zum Jahrä.1970 wird sich die Beschäftigtenziffer auf 19 Millionen
erhöhen, der Anteil dabei aber auf 28 Prozent zurückgehen. Auch bis

10

-

�bis 1975 wird eine weitere - wenn auch relativ viel geringere Zunahme um eine Million auf insgesamt 20 Millionen bei gleichzeitigem
weiteren Rückgang des Beschäftigtenanteils erwartet. Auch in diesem
Fall gehen die Schätzungen von der Annahme aus, daß eine Vollbeschäftigung erreicht werden kann. Wenn allerdings dieses hohe Beschäftigungsniveau nicht erzielt werden sollte, dann wird die Zahl der Arbeitnehmer in diesem Industriezweig wesentlich niedriger sein, da die
Fertigungsindustrie ja bekanntlich am stärksten auf die Ausschläge
des Konjunkturbarometers reagiert.
Innerhalb der verschiedenen Branchen dieses Industriezweiges
dürften die Entwicklungstrends sehr unterschiedlich verlaufen. Wie
auch schon in all den Nachkriegs jähren wird dabei die Dauergüterindustrie einen größeren Zuwachs an Arbeitsplätzen aufweisen als die
Verbrauchsgüterindustrie. Zwischen 196O und 1975 dürfte die Zunahme
in den Lauergüterzweigen dabei um etwa das Doppelte größer sein. Auf
Grund der zu erwartenden höheren Ausgaben der Regierung für Raketen,
Raumfahrzeuge und elektronische Geräte dürfte die Zahl der Arbeitsplätze in den entsprechenden Produktionszweigen erheblich ansteigen.
Beträchtliche Zunahmen sind auch in anderen Dauergüterindustrien zu
erwarten, die sich vor allem mit der Herstellung von automatischen
Produktionseinrichtungen und anderen fortschrittlichen Maschinen und
Geräten befassen. Von den Verbrauchsgüterzweigen dürften die chemische
Industrie, das Druckereigewerbe und die Papierindustrie die stärksten
Zugänge von Arbeitskräften aufweisen.
2. Bauwirtschaft: Die Beschäftigungszuwachsrate im Baugewerbe
wird in den nächsten 15 Jahren erheblich über der der Gesamtwirtschaft
(ohne Landwirtschaft) liegen, und zwar auf Grund des zu erwartenden
Mehrbedarfs an Wohn-, Industrie- und Geschäftsbauten. Der Wohnungsbau
wird dabei einen erheblichen Auftrieb durch die Zunahme der Bevölkerung und der Familieneinheiten, die Erhöhung der Familieneinkommen,
und auf Grund der anhaltenden Bevölkerungsumschichtungen von den Stadtkernen in die Vororte erhalten. Eine direkte Folge dieser Entwicklung
sind größere Aufwendungen der öffentlichen Hand für den Bau von Schulen,
Krankenhäusern und Straßen. Mit der allgemeinen Expansion der Volkswirtschaft wird sich auch der Bedarf an neuen Fabriken, Geschäftshäusern, Läden und Banken erhöhen. Insgesamt dürfte die Bautätigkeit
zwischen 196O und 1970 nach Schätzungen des US-Handelsministeriums
um 57 Prozent zunehmen und sich bis 1975 verdoppelt haben. Der Anteil
der Reparaturarbeiten am Gesamtvolumen der Bauwirtschaft, der gegenwärtig etwa ein Drittel beträgt, dürfte sich in dieser Periode wesentlich erhöhen. Die Zunahme der Beschäftigtenzahl wird jedoch nicht ganz
mit der Entwicklung Schritt halten, da einerseits die Mechanisierung
weiter fortschreiten wird und zum anderen mehr Fertigbauteile Verwendung finden dürften.
In Anbetracht dieser Gegebenheiten dürfte die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe bis 1970 auf rund 4»0 Millionen ansteigen, was
einer Steigerung gegenüber i960 um 38 Prozent gleichkommt. Unter der
Voraussetzung einer Vollbeschäftigung ist für 1975 mit einer Gesamtbeschäftigtenzahl im Baugewerbe von 4»5 Millionen zu rechnen.
3. Bergbau-*

-

11

�5. Bergbau; Im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftszweigen,
wird die Beschäftigung im Bergbau zwischen 1 96O und 1975 wahrscheinlich konstant bleiben und sich in Nähe der 700 OOO-Grenze bewegen.
Im Steinkohlebergbau, wo die Zahl der Arbeitnehmer im vergangenen
Jahrzehnt sehr stark abgesunken ist, ist mit weiteren Rückgängen
zu rechnen. Da jedoch in den anderen Zweigen des Bergbaues geringfügige Zunahmen zu verzeichnen sein werden, wird sich der heutige
Beschäftigtenstand kaum verändern.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 86, Nr. 3, März 1965)

* * * * *

Solomon Barkin, Stellvertretender Direktor der Abteilung für Arbeitsund Sozialfragen der OECD in Paris:
Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen technischen Veränderungen
Aus "Free Labour World".
Bei Nachdruck ist die Angabe der
Quelle und des Verfassers erforderlich.

Durch die Mechanisierung, die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der Betriebsführung, die Automation und jetzt auch durch die
Neugestaltung der Wirtschaftsstruktur in den Notstandsgebieten sind
zahlreiche Veränderungen in der amerikanischen Volkswirtschaft ausgelöst worden.
*
Diese Entwicklungen haben zwangsläufig auch große Veränderungen
der Struktur und Art der industriellen Arbeitsplätze mit sich gebracht.
Ein vollkommen neuer Produktionsarbeitertyp zeichnet sich immer deutlicher ab. Die Zahl der Wartungsberufe nimmt ständig zu, und der Bedarf
an wissenschaftlich und technisch gebildeten Arbeitskräften weitet
sich sprunghaft aus.
Der Übergang von der rein handwerklichen Tätigkeit zur mechanisierten Fließbändarbeit brachte eine wesentliche Verminderung der
physischen Anstrengungen und eine stärkere Spezialisierung für die
Arbeiter mit sich. Gleichzeitig wurden sie weitgehend von ihrer Verantwortung für das Gesamtprodukt entbunden. Die Arbeitnehmer in den
Massengüterindustrien wurden "Maschinisten", die die Aufgabe haben.

-

12

�haben, die Maschine zu überwachen, zu steuern und zu warten. Die
erforderliche Ausbildung, die sie hierfür benötigten, war unterschiedlich, in der Regel jedoch nicht sehr umfassend.
Die wissenschaftliche Betriebsführung verstärkte den Bedarf
an Management-Spezialisten mit einem umfangreicheren Wissen zur
Beherrschung spezieller Betriebsführungstechniken. Eine längere
schulische Ausbildung wurde zwangsläufig für einen großen Arbeitnehmerkreis zum wesentlichen Kriterium für eine Anstellung.
Unsere Zeit, die uns die automatischen Produktionsverfahren,
insbesondere die Elektronenrechner und die Servomechanismen bescherte, hat auch einen neuen Produktionsarbeitertyp, den Operateur von Produktionsautomaten, geschaffen, für den wir die entsprechenden neuen schulischen Ausbildungsmöglichkeiten bereitstellen müssen. Die in diesem Beruf gestellten körperlichen und handwerklichen Anforderungen liegen heute unter denen der Arbeiter in
den Massengüterindustrien.
Von Bedeutung ist jedoch, daß sich die Verantwortung des Bedienungspersonals für Produktionsautomaten erhöht hat. Sie sind entweder als einzelne oder als Angehörige einer Arbeitsgruppe für eine ganze Produktionsstufe verantwortlich. Die Hauptanforderungen, die an sie gestellt werden, sind geistiger Art. Während die
Maschine sich selbst reguliert, ist es ihre Pflicht, die Arbeitsweise der Maschine zu kennen. In erster Linie obliegt es ihnen dabei,
mögliche Pannen, die sich aus unbekannten Ursachen ergeben können,
rechtzeitig zu erkennen und die Maschine so einzustellen, daß sie
maximale Leistungen erreicht.
Diese Fähigkeiten gewinnen immer stärker
Operateur muß in der Lage sein, solche Pannen
organen - Auge, Nase, Ohr - zu "erspüren". Er
jenen Symptomen unterscheiden können, die auf
hindeuten, und jenen,die normal sind.

an Bedeutung. Der
mit seinen Sinnesmuß ebenso zwischen
einen Leistungsabfall

Um diese Sinneneindrücke zweckentsprechend auswerten zu können,
muß der Operateur eine genaue Kenntnis seiner Tätigkeiten haben. Dazu gehören sowohl die Betriebsanweisungen seiner Maschinen als auch
die betreffenden Produktionsverfahren und -techniken, das Kontrollsystem, die Kontrollinstrumente und die Symptome von Pannen. Vor
allem aber muß er entscheiden können, welche Schritte zu unternehmen
sind, wenn es zu einer Störung des Produktionsablaufs kommt. Dies
ist insofern ein sehr wichtiger Faktor, als jede - wenn auch noch so
geringfügige - Fehlentscheidung im Hinblick auf Zeit und Geld von
weitreichender Bedeutung sein kann. Da er schließlich Teil einer
Arbeitsgruppe ist, werden an ihn auch erhöhte menschliche Anforderungen gestellt, das heißt, er muß es verstehen, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen und zu erhalten.
Die Ausbildung eines solchen Operateurs von Produktionsautomaten weicht in vielerlei Hinsicht von der der Arbeitnehmer der Massengüterindustrien ab. Nicht die besonderen technischen oder handwerklichen Fähigkeiten stehen hier im Mittelpunkt, sondern in erster
Linie die geistigen.
-.,

�Ein hohes Niveau an technischem Wissen wird ihn für eine große
Anzahl von Tätigkeiten qualifizieren - Wissen, das ihm im Rahmen des
allgemeinen technischen Unterrichts an den Aufbauschulen vermittelt
werden kann. Außerdem aber muß ihm ein großes Verantwortungsgefühl
anerzogen werden, das für die Erledigung seiner Aufgaben erforderlich ist.
Der Maschinenwärter benötigt in dieser neuen Ära ebenfalls umfangreichere Kenntnisse von Werkzeugen, Materialien und Pruduktionstechniken. Neue Verfahren werden strändig eingeführt, und im gleichen
Augenblick, wo sie da sind, muß er sie auch beherrschen. In der Technik der Zukunft werden Hydraulik, Pneumatik und Elektronik eine
bedeutende Rolle spielen. Das Wartungspersonal muß dafür gerüstet
sein.
Die größten beruflichen Chancen bieten sich gegenwärtig für die
aus den unteren Rängen aufgestiegenen Instrumentenmechaniker. Ähnlich
günstige Aussichten bestehen auch in verstärktem Maße für die Allroundmechaniker, die in der Lage sein müssen, sehr viel mehr handwerkliche Tätigkeiten auszuführen als in den Industriebetrieben heute
allgemein üblich sind.
Die gesamte Berufsschulausbildung darf nicht länger nur darauf
ausgerichtet sein, junge Menschen auf einen speziellen Beruf vorzubereiten. Die Berufe sind einem ständigen Wandel unterworfen und bestehen vielfach nur dem Namen nach weiter. Die beruflichen Anforderungen werden weiter zunehmen. Zwar wird es auch in Zukunft zahlreiche Berufe geben, die keine besonders hohen Anforderungen an die
Arbeitnehmer stellen, aber diese werden in erster Linie ir den Randzweigen der amerikanischen Wirtschaft anzutreffen sein und zudem ebenfalls ständig an Niveau gewinnen. Als Volk können wir es urs nicht lei
sten, daß das Arbeitspotential leistungsmäßig nicht voll benutzt wird.
Dazu sind die Investitionen für die Produktionsausrüstungen, das Erziehungs- und Ausbildungswesen, den sozialen Überbau und die Sozialleistungen zu groß.
Die Erhöhung der Lebenserwartung bedeutet gleichzeitig auch eine
Veränderung des Arbeitslebens. Die bisherigen Erfahrungen haben deutlich gezeigt, daß der einzelne Arbeitnehmer seine Tätigkeit den technologischen Veränderungen ir der Wirtschaft immer wieder anpassen muß.
Durch den Rückgang der alten Industrien werden zwangsläufig viele
Arbeitnehmer freigesetzt, für die es neue Arbeitsplätze zu schaffen
gilt. Auch die erheblich größer gewordene Mobilität der Industrie
selbst wird ähnliche Auswirkungen zur Folge haben.
All diese Trends zeigen ganz klar, daß es in Zukunft nötig ist,
die jungen Menschen nicht nur auf einen bestimmter. Beruf vorzubereiten, sondern sie so auszubilden, daß sie sich während ihres langen
Arbeitslebens den jeweiligen Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur anpassen können.
Ziel der Erziehung und Ausbildung muß es daher sein, die jungen
Menschen auf ein Leben der ständigen Anpassungen vorzubereiten, ihre
geistigen Fähigkeiten zu schärfen und ein Verantwortungsgefühl bei

-

14

-

�bei ihnen zu entwickeln. Ihr Lernvermögen muß darüber hinaus so entwickelt werden, daß sie selbst in der Lage sind, sich immer neues
Wissen zu erarbeiten. Die Lehrmethoden müssen denjenigen für Erwachsene angepaßt werder, die sich bei der Weiterbildung mehr auf
das früher Erlernte als auf die direkte Unterweisung stützen, wie
dies bei den Jugendlichen der Fall ist.
Die größte Beachtung verdient in diesem Zusammenhang der praktische, berufsfördernde Unterricht an den Aufbauschulen, deren Lehrpläne den heutigen Bedürfnissen der Industrie anzupassen sind. Der
Absolvent dieser Schule muß das sichere Gefühl haben, den künftigen
beruflichen Anforderungen gewachsen zu sein und sein Leben lang lernen
und sich fortbilden zu können.

(Aus "Free Labour World".)

* * * * *

"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt
Zu den zahlreichen Bestsellern, die das amerikanische Arbeitsministerium im Eigenverlag laufend herausbringt - Veröffentlichungen
über arbeits- und lohnpolitische Entwicklungen, Gewerkschaftsfragen
und die Automation -, zählt vor allem eine Publikation, die sich trotz
der ihr anhaftenden Trockenheit eines großen Leserkreises im In- und
Ausland erfreut. Sie trägt den nüchternen Titel "Dictionary of
Occupational Titles" - kurz "DOT" genannt - und enthält eine genaue
Beschreibung aller heute in der amerikanischen Industrie und Wirtschaft ausgeübten Berufe.
Seit der Veröffentlichung der 1. Auflage des "DOT" im Jahre 1939,
in der insgesamt 17 452 Berufe beschrieben waren, sind von diesem
Standardwerk bereits über 200 000 Exemplare abgesetzt worden. Zwar
sind in all den Jahren ständig Neuauflagen erschienen - die letzte
grundlegende Neufassung wurde 1949 vorgenommen -, dennoch aber entspricht das "Berufe-Lexikon" - zumal die Zahl der Berufe inzwischen
auf 25 000 angewachsen ist - nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen, weil es noch nicht jene Tausende von neuen Tätigkeiten aufführt,
die durch die schnell fortschreitende Technik geschaffen wurden.
Da weitere Überarbeitungen auch nur Stückwerk bleiben würden, hat
das US-Arbeitsministerium sich jetzt entschlossen, einen vollkommen
neuen Band herauszubringen und zu diesem Zweck eine große "Bestandsaufnahme" in allen Industrie- und Wirtschaftszweigen durch geschulte
Fachleute vornehmen zu lassen.
Schon die ersten Untersuchungsberichte lassen erkennen, daß sich
inzwischen die Zahl der tatsächlich ausgeübten Berufe einerseits ganz
erheblich vergrößert hat, andererseits aber auch zahlreiche berufliche

-

15

-

�berufliche Tätigkeiten nur noch auf dem Papier existieren.
Zu denjenigen Industrien, die eine Vielfalt von neuen Tätigkeiten hervorgebracht haben, zählen vor allem die Flugzeugindustrie, die datenverarbeitenden Zweige der Wirtschaft und sämtliche
mit der Atomenergie in Zusammenhang stehenden Wirtschaftsunternehmen.
Nach dem bisherigen Stand der Erhebungen ist damit zu rechnen, daß
der neue Band des "Berufe-Lexikons" mehr als 40 000 Berufsbezeichnungen aufführen wird, darunter etwa 6000, die in den letzten Ausgaben überhaupt noch nicht erwähnt waren.
Die für die Herausgabe des "DOT" erforderlichen Unterlagen werden von Spezialisten auf Grund von Interviews zusammengestellt, die
sie in den verschiedensten Betrieben der einzelnen Industrie- und
Wirtschaftszweige mit den entsprechenden Fachleuten für Arbeitsplatzfragen sowie mit den Arbeitnehmern selbst an ihren Arbeitsplätzen führen.
Im einzelnen sammeln sie dabei Informationen über die auszuführenden Tätigkeiten, die jeweils erforderlichen Kenntnisse und
Qualifikationen, die notwendige Ausbildungszeit, die körperlichen
und geistigen Voraussetzungen, die Arbeitsbedingungen usw.
Ehe der neue "D0T"-Band - wie vorgesehen - im nächsten Frühjahr erscheinen kann, müssen noch rund 60 000 Einzelanalysen durchgeführt, die Ergebnisse ausgewertet und redaktionell bearbeitet werden. Dann aber wird das US-Arbeitsministerium der interessierten
Fachwelt wieder ein Nachschlagewerk anbieten können, von dem man
heute schon sagen kann, daß es wieder ein Bestseller ist.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

16

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 8/9

Bad Godesberg, der. 1. August 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (II)

Seite

1

Gleiche Berufschancen für die Farbigen

Seite

9

"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen

Seite

10

Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite
Seite

11
13

Die Arbeitsmartc L- und Beschäf -,igy.pgsproble:i.e der USA in den
Jahren 1960-1975 (il)
Die Veränderungen in den einzelnen Berufsgruppen
A. Allgemeines

In der Beschäftigungsstruktur der Vereinigten Staaten werden
sich in den nächsten 15 Jahren erhebliche Veränderungen ergeben.
Die auslösenden Faktoren sind dabei die sehr unterschiedlichen
Wachstumstrends der einzelnen Industriezweige, das aller Voraussicht
nach sich noch steigernde Tempo des technologischen Fortschritts
sowie das Fortbestehen all.jener Einflüsse, die auch schon in den
vergangenen Jahren die beruflichen Umschichtungen bewirkten.. Eine
genaue Analyse der künftigen Beschäftigungstrends in den wichtigsten Berufen ist deshalb von großer Bedeutung, weil sich nur dadurch ein exakter Überblick über den künftigen Arbeitskräftebedarf,
das Arbeitsangebot, die Mangelberufe und die beruflichen Anforderungen gewinnen läßt.
Bei der Beurteilung des künftigen Arbeitskräftebedarfs in den
einzelnen Berufszweigen ist sowohl die Zahl der auf Grund des allgemeinen wirtschaftlichen V/achstums neu entstehenden Arbeitsplätze
zu berücksichtigen als auch die Zahl jener, die durch das Ausscheiden von Arbeitnehmern aus dem Beruf wegen Tod, Krankheit, Pensionierung, Berufswechsel oder aus anderen Gründen, zwangsläufig frei
werden

-

- , -

Auf

�Auf die Tatsache, daß sich durch personelle Umschichtungen von
einem Industriezweig zum anderen weitere Veränderungen der 2iusammensetzung des Arbeitspotentials ergeben werden, wurde bereits hingewiesen. Jeder Industriezweig hat eine spezielle Struktur, die wie in der Vergangenheit - auch in Zukunft solchen Veränderungen
unterworfen sein wird, die aus der Einführung neuer Produkte und
neuer Produktionsverfahren sowie aus anderen technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen resultieren. Durch die Veränderungen
der Beschäftigungsstruktur innerhalb der Industriezweige selbst
und das ungleiche Wachstum der einzelnen Industrien wird die Nachfrage nach Arbeitskräften mit speziellen Kenntnissen auch in Zukunft
beeinflußt werden. Und wie aus den bisher, vom US-Arbeitsministerium
durchgeführten Untersuchungen hervorgeht, wird sich dies in der Weise
auswirken, daß die Nachfrage nach Arbeitnehmern mit guter Schulbildung und einer umfassenden beruflichen Ausbildung weiter zunehmen
wird, während die Beschäftigungschancen für ungelernte Arbeitnehmer
ständig zurückgehen werden.
Die Bedeutung einer soliden schulischen Ausbildung für die
berufliche Karriere erhält durch den schnellen technischen Wandel
und die damit verbundenen häufigen Veränderungen in den beruflichen
Anforderungen noch einen besonderen Akzent. Die Arbeitnehmer müssen
in Zukunft eine weitaus größere berufliche Anpassungsfähigkeit besitzen als bisher, wobei eine gute schulische und berufliche Ausbildung die Grundlage für den Aufbau eines anpassungsfähigen Arbeitspotentials ist.
Die wichtigsten Beschäftigungstrends in den kommenden Jahren
werden folgende sein:
1 . ein weiterhin verhältnismäßig schneller Anstieg der Zahl der
Arbeitnehmer in den Angestelltenberufen, insbesondere in den akademischen und technischen Pachberufen;
2. ein langsamerer Anstieg der Zahl der "Arbeiter" ("bl.ue
collar workers"), wobei die Handwerksberufe die größte und die
Hilfsarbeitersparten keine Zunahme aufzuweisen haben werden;;
3. eine überdurchschnittliche Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze
in den Dienstleistungszweigen und
4. ein weiterer Rückgang der Zahl der Farmer und landwirtschaftlichen Arbeiter.
Bei einem voraussichtlichen Anstieg der Gesamtbeschäftigtenzahl
zwischen 196O und 1970 um 20 Prozent werden die Angestelltenberufe
eine Zunahme um 30, die "Arbeiterberufe" eine Zunahme um 14 Prozent
erfahren. In der gesamten Periode 1960-1975 dürfte die Zahl der Beschäftigten in den USA um 31 Prozent zunehmen - in den "White-collar"Berufen um 46 und in den "Blue-collar"-Berufen um 21 Prozent.

Die

2

�Die Veränderungen ir. der Beschäftigungsstruktur

Berufsgruppen

66,7

1960-1975

Voraussichtl.
Stand 1970
in Mio in &lt;/o

Voraussichtl. VerändeStand 1975
rung
in Mio in fo (1P601975)
in

100

80,5

100

87,6

100

+

31

Stand i960
i n Hi 0
in &lt;?o

Gesamt

-

Akadem. u.
techn.
Fachkräfte

7,5

11,2

10,7

13,3

12,4

14,2

+

65

Manager, leitende Angestellte u.
Inhaber(ohne
Farmer)

7,1

10,6

8,6

10,7

9,4

10,7

+

32

Büroangestellte u.a.

9,8

14,7

12,8

15,9

14,2

16,2

+

45

Verkäufer

4,4

6,6

5,4

6,7

5,9

6,7

12,8

12,8

+

12,8

10,3

11,2

u . F a c h a r b e i t e r 8,6

30

13,6

16,3

+

18

16,0

16,9

14,2

Fabrikarbeiter 12,0

11 ,1

13,8

12,5

14,3

+

51

-

28

- + 34

Handwerker, Vor-

Dienstpersonal
Hilfsarbeiter
(ohne Landwirtschaft und
Bergbau)
Farmer, Verwalter, Landwirtschaf tl.
Arbeiter

8,3

12,5

3,7

5,5

3,7

4,6

3,7

4,3

5,4

8,1

4,2

5,3

3,9

4,5

B. Die voraussichtlichen Veränderungen
1. Akademische und technische Fachkräfte; Die Gruppe der akademischen und technischen Fachberufe, die in der vergangenen Dekade den
größten Zuwachs von allen Berufsgruppen aufzuweisen hatte, dürfte in
den Jahren 196O-I975 eine Wachstumsrate erreichen, die um mehr als
das Doppelte über der Durchschnittsrate liegt. Der Anstieg der Beschäftigtenzahl wird hier zwischen i960 und 1970 rund 43 Prozent betragen und zwischen 1970 und 1975 um weitere 16 Prozent zunehmen. Die

-

3

-

�Die Gesamtzahl der in den akademischen und technischen Fachberufen
Tätigen würde sich damit bis 1975 auf mehr als 12 Millionen erhöhen.
Der Arbeitskräftebedarf wird dabei in praktisch allen Berufszweigen
ganz erheblich ansteigen, so auch in der Gruppe der Lehrer, Ärzte,
Sozialwissenschaftler, Geistlichen, Juristen, Ingenieure und Naturwissenschaf tler.Allerdings werden die Wachstumsraten innerhalb dieser Gruppe unterschiedlich sein.
In den Ingenieur- und den naturwissenschaftlichen Berufen wird
der Arbeitskräftebedarf bis 1975 auf etwa 2,4 Millionen ansteigen,
was eine Erhöhung um das Doppelte gegenüber 1960 bedeutet. Der Bedarf an Ingenieuren wird sich 1970 auf fast 1,4 Millionen belaufen das sind 550 000 mehr als i960. Das Arbeitsplatzangebot für Wissenschaftler dürfte bis 1970 auf 580 000 Stellen anwachsen im Vergleich
zu 335 000 im Jahre 196O. Der größte Bedarf ergibt sich hier für die
Zweige der Luft- und Raumfahrt, der medizinischen Forschung, der Verteidigung sowie für die technischen Hilfsprogramme. Besonders groß
wird die Nachfrage nach solchen Wissenschaftlern sein, die bereits
ihr Doktorat besitzen oder in ihrer beruflichen Ausbildung schon
weiter sind. Zu berücksichtigen ist in dieser Hinsicht jedoch, daß
die zu erwartenden Schwerpunkte in den wissenschaftlichen Sparten
nicht mit Bestimmtheit angegeben werden können, zumal im Jahre 1970
etwa bestimmte Spezialisten gefragt sein dürften, über deren Wirken
heute noch keine klare Vorstellung herrscht.
Generell kann jedoch schon jetzt gesagt werden, daß bei den
Mathematikern und Physikern die größten Zunahmen erfolgen werden;
aber auch die Aussichten für Chemiker und Biologen sind äußerst
günstig. Andere wissenschaftliche Berufe dagegen - wie etwa der
des Geologen - dürften eine erheblich geringere Wachstumsrate aufwei sen.
Die Zahl der technisch-wissenschaftlichen Fachkräfte belief
sich im Jahre i960 auf rund 775 000. Der Bedarf an diesen Spezialisten wird sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren zumindest ebenso stark
erhöhen wie die Zahl der Wissenschaftler und Ingenieure, so daß bis
1975 möglicherweise eine Verdoppelung eintritt.
Bei den Lehrberufen wird sich 1970 ein Bedarf von insgesamt
fast 2,5 Millionen Lehrkräften ergeben. Gegenüber 196O bedeutet das
eine Zunahme um rund 500 000. Dieser Schätzung liegt dabei die Erwartung zugrunde, daß sich die Zahl der Schulpflichtigen weiterhin stark
erhöht, die durchschnittliche Länge der Schulzeit weiter zunimmt und
die angestrebte maximale Klassenstärke verwirklicht werden kann.
Der Bedarf an Lehrkräften wird an den Colleges verhältnismäßig
stärker zunehmen als an den Grund- und Oberschulen. Die Zahl der an
Colleges und Universitäten tätigen Lehrkräfte und Professoren betrug
1960 etwa 175 000; diese Zahl müßte, bis 1970 jedoch um etwa 80 Prozent erhöht werden, wenn zu diesem Zeitpunkt allen Jugendlichen ein
College- und Universitätsstudium gesichert sein soll, die den höheren
Bildungsweg einschlagen wollen.
Die

4

�Die außerordentliche hohe Wachstumsrate in den technischen
Berufen, die auch in den nächsten Jahren beibehalten werden dürfte,
ist ein weiterer bemerkenswerter Trend auf dem Beschäftigungssektor.
Obwohl der Mangel an Ingenieuren und Wissenschaftlern - und die sich
hieraus ergebende Notwendigkeit, sie von solchen Aufgaben zu entlasten, die von weniger qualifizierten Kräften ausgeführt werden können auch in den beiden letzten Dekaden dazu beigetragen hat, die Beschäftigungsmöglichkeiten für technische und wissenschaftliche Hilfskräfte
zu vergrößern, hat dieses schnelle Wachstum doch fundamentalere Gründe.
Es ist in erster Linie durch die zunehmende Kompliziertheit der modernen Technik bedingt, durch die der Bedarf an solchen Arbeitnehmern
forciert wurde, die einige Grundkenntnisse in der Mathematik und den
Naturwissenschaften sowie eine spezielle Fachausbildung besitzen.
2. Manager, leitende Angestellte und Inhaber: Die Zahl der Geschäftsinhaber dürfte in den nächsten Jahren nur geringfügig zunehmen,
da der schon in der letzten Dekade feststellbare Trend zur Bildung
größerer Wirtschaftsunternehmen sich fortsetzen und damit die Zahl
der Firmen etwa auf dem derzeitigen Stand halten wird. Die Zahl der
Manager und anderer leitender Angestellter in Wirtschaft und Regierung
sollte dagegen weiterhin verhältnismäßig schnell zunehmen.
Auf Grund dieser sehr unterschiedlichen Trends wird die Zunahme
in dieser Gruppe im Vergleich zu allen anderen Angestelltengruppen
wahrscheinlich geringer sein. Dennoch dürfte die relative Zunahme
hier etwa ebenso hoch sein wie die Zunahme in allen Berufsgruppen, die
für die Zeit zwischen i960 und 1970 rund 20 Prozent und für die folgenden fünf Jahre 9 Prozent betragen wird. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und Geschäftsinhaber wird dabei bis 1970 auf 8,6 Millionen und bis 1975 auf 9,4 Millionen ansteigen.
3. Angestellte: Die Zahl der in dieser Gruppe erfaßten Arbeitnehmer dürfte in den nächsten 15 Jahren eine relativ starke Zunahme erfahren, da der Anfall an neuen Büroarbeiten aller Art nicht gänzlich
durch die Einführung moderner Elektronenrechner und anderer neuzeitlicher Büromaschinen kompensiert werden kann. So wird sich die Zahl
der Angestellten bis 1970 auf etwa 12 f 8 Millionen und bis 1975 auf
rund 14 Millionen erhöhen, was einen Anstieg gegenüber 196O um 45 Prozent bedeutet.
Die Hauptursache für die relativ starke Zunahme der Zahl der Angestellten ist in der zu erwartenden schnellen Geschäftsausweitung im
Finanz- und Versicherungswesen und in ähnlichen Geschäftsbereichen zu
suchen sowie in der Fortdauer des Trends der vergangenen Jahre, den
Bürokräften Tätigkeiten zu übertragen, die bisher hauptsächlich von
den Verkäufern und den Geschäftsinhabern ausgeführt wurden. So brachte
z.B. der Selbstbedienungstrend im Einzelhandel eine wesentliche Verminderung des Verkaufspersonals, während gleichzeitig zahlreiche neue
Arbeitsplätze für Kassierer und Prüfer geschaffen wurden.

At
-

5 -

�4. Verkaufspersonal; Die Zahl der Verkäufer dürfte bis 1970
rund 5 1/2 Millionen und bis 1975 fast 6 Millionen erreichen, was
einer Zunahme um rund 1/3 entspricht. Zu den Wachstumsfaktoren sind
hier vor allem die steigende Bevölkerungszahl und die steigenden
Pro-Kopf-Einkommen zu rechnen; aber auch die zunehmende Halbtagsbeschäftigung dürfte die Gesamtbeschäftigtenzahl stark positiv beeinflussen. Alle diese Wachstumsfördernden Faktoren werden dabei einen
stärkeren Einfluß auf die Zahl der Arbeitsplätze haben als die die
Wachstumsrate hemmenden Selbstbedienungstechniken und andere arbeitsparende Einrichtungen.
5. Handwerker, Vor- und Facharbeiter; Unter den "blue collar
workers" weist diese Gruppe auch in Zukunft die günstigsten Beschäftigungsaussichten auf. Die Zahl dieser Facharbeiter dürfte in
der Periode 1960-1975 um etwa 2 1/2 Millionen zunehmen und damit die
11-Millionen-Grenze überschreiten.
Die größten Zugänge innerhalb dieser Gruppe werden dabei Mechaniker, Baufach-, Metallfach- und Vorarbeiter verzeichnen. Auf Grund
des steigenden Bedarfs an Mechanikern, Wartungs- und Reparaturpersonal
für die Installierung, Wartung und Reparatur der immer komplizierter
werdenden Produktionsausrüstungen der Industrie sowie der technischen
Anlagen in Regierungsdienststellen und Privathaushalten kann hier mit
einer Gesamtbeschäftigtenzahl von 2 3/4 Millionen 1970 und von 3 Millionen im Jahr 1975 (i960 =• 2 Mio) gerechnet werden.
Das zu erwartende große Bauvolumen in der nächsten Dekade wird
für die Baufachberufe eine ähnliche hohe Zunahme bringen. Die Beschäftigtenzahl wird dabei von gegenwärtig 2 1/2 Millionen (i960) auf
3 3/4 Millionen im Jahre 1975 ansteigen, wobei die Berufschancen
für Bauleiter, Betonierer, Maurer, Bauelektriker und Klempner besonders
günstig sind.
6. Fabrikarbeiter und .berufsverwandte Gruppen; Diese zur Zeit noch
größte Arbeitnehmergruppe wird in den nächsten 15 Jahren eine unterdurchschnittliche Wachstumsrate aufweisen. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäf tigtenziff er wird dabei von gegenwärtig 18 Prozent (i960) auf
etwa 16 Prozent zurückgehen. Dennoch wird sich auch in dieser Gruppe
die Gesamtarbeitnehmerzahl um.rund 2 Millionen erhöhen, so daß sie
im Jahre 1975 einen Stand von 14 Millionen erreichen wird.
Zahlreiche industrielle Arbeitsplätze werden auch in den kommenden Jahren durch die Einführung moderner automatischer Produktionseinrichtungen verlorengehen, wenngleich sich dieser Prozeß allmählich
vollziehen wird. Durch die zunehmende Verwendung von Lastkraftwagen
jedoch werden sich größere Beschäftigungsmöglichkeiten für Lastwagenund Busfahrer - eine der Hauptgruppen in dieser Kategorie -.ergeben.
Darüber hinaus wird die dynamische technische Entwicklung zahlreiche
Arbeitsplätze für angelernte Arbeiter schaffen.
7. Hilfsarbeiter (außer Landwirtschaft); Die Gesamtzahl der industriellen Hilfsarbeiter, die im Jahre i960 rund 3,7 Millionen betrug,
dürfte sich in den nächsten 15 Jahren selbst bei Erreichung der angestrebten Vollbeschäftigung kaum .verändern, so daß ihr Anteil am gesamten

-

6

-

�gesamten Arbeitspotential von gegenwärtig 5 1/2 Prozent (i960)
auf weniger als 4 1/2 Prozent (l 975) absinken wird.
Die ungelernten Arbeiter dürften auch in Zukunft in -verstärktem
Maße durch Baggerraupen, Grabenbaumaschinen und ähnliche mechanische
Geräte aus ihren angestammten Arbeitsplätzen verdrängt werden, ebenso
wie die verstärkte Einführung von Gabelstaplern, Kränen, Transportbändern und anderen hydraulisch-mechanischen Hebewerkzeugen den zunehmenden Abbau von Arbeitsplätzen für ungelernte Arbeiter in Fabriken,
Lagerhäusern und Güterumschlagplätzen bewirken wird. Dennoch werden
sich aber, wie aus der Untersuchung des US-Arbeitsministeriums hervorgeht, für diese Arbeitnehmergruppe auch in den nächsten 10-15 Jahren
relativ viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben.
8. Dienstpersonal: In dieser Beschäftigungsgruppe wird die Zahl
der Arbeitnehmer relativ schnell und stark zunehmen. Die Wachstumsrate wird dabei über dem Gesamtdurchschnitt liegen. Von 8,3 Millionen
im Jahre 196O wird die Zahl der Arbeitskräfte bis 1970 auf rund 11 Millionen und bis 1975 auf 12 1/2 Millionen ansteigen, was einer Zunahme von
etwa 50 Prozent entspricht.
Einen relativ schnellen Anstieg dürften dabei - in Anbetracht der
zu erwartenden Bevölkerungszunahme - die in den öffentlichen Sicherheits- und Schutzorganen Tätigen, wie Polizisten und Feuerwehrleute,
aufweisen. Sehr erheblich.wird auch die Zunahme bei Vollschwestern sein,
desgleichen bei dem Pflegepersonal in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen. Zu den anderen Gruppen mit. großer Wachstumsrate zählen
ferner: Kellner, Kellnerinnen, Köche und Raumpfleger.
9. Farmberufe: Die Zahl der Farmer und der in der Landwirtschaft
tätigen Fach- und Hilfskräfte wird auch in den nächsten 15 Jahren weiter annehmen, und zwar zwischen i960 und 1970 um 20 Prozent und zwischen
1970 und 1975 um weitere 6-7 Prozent. In der Gesamtperiode dürfte der
Rückgang dabei bis zu 1 1/2 Millionen betragen, d.h., die Gesamtzahl
wird von 5 1/2 auf rund 4 Millionen absinken.
C. Der Arbeitskräftebedarf auf Grund der zu erwartenden Abgänge
Während in den vorangegangenen Abschnitten, die im Gefolge der
Bevölkerungszunahme, der wirtschaftlichen Expansion und der industriellen und technologischen Veränderungen sich ergebenden Beschäftigungstrends behandelt wurden, soll in diesem abschließend noch kurz auf den
Arbeitskräftebedarf eingegangen werden, der sich durch die normalen
Abgänge infolge Tod, Invalidität, Pensionierung usw. zwangsläufig
ergibt. Nach den.vorliegenden Unterlagen wird die Zahl der zwischen
1960 und 1970 durch Abgänge frei werdenden Arbeitsplätze größer sein
als der Nettozuwachs an Arbeitsplätzen in diesem Zeitraum (13&gt;8 Mio).
In zahlreichen Berufen, insbesondere solchen, in denen überwiegend
Frauen beschäftigt werden, übersteigt die Zahl der benötigten "Ersatzkräfte" die Zahl der für die Besetzung neu geschaffener Stellen erforderlichen Kräfte ganz erheblich. So müssen z.B. rund 8 Prozent aller Volksund Oberschullehrer jährlich ersetzt werden, während der durchschnittliche jährliche Nettozuwachs an Stellen zwischen i960 und 1970 lediglich
2 1/2 Prozent beträgt.
Wann

-

7 -

�V/enn auch die statistischen Unterlagen über die Todes- und
die Pensionierungsrate bei männlichen Arbeitnehmern ziemlich lückenlos sind und ebenso die Beschäftigungsgewohnheiten von weiblichen
Arbeitskräften sich - zwecks Ermittlung des wahrscheinlichen Ersatzbedarfs - relativ genau analysieren lassen, so gibt es doch für
die Feststellung des voraussichtlichen Arbeitskräftebedarfs auf Grund
des Berufswechsels von Arbeitnehmern keine zuverlässigen Angaben.
Die folgenden Angaben sind daher als Minimum-Ziffern zu werten.
Nach Auswertung der diesbezüglichen Unterlagen in den einzelnen
Berufsgruppen ergibt sich den Angaben des US-Arbeitsministeriums zufolge folgendes Bild: Bei männlichen Arbeitnehmern wird die Abgangsrate
in den sechziger Jahren rund 2 Prozent pro Jahr betragen. In der Gruppe
der akademischen und technischen Fachkräfte sowie in der Gruppe der
Fabrikarbeiter wird dabei eine Separationsrate von 1,7 Prozent und
in der Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und Geschäftsinhaber von 2,6 Prozent zu verzeichnen sein. Die Abgangsrate für Frauen
wird sich dagegen auf rund 5 Prozent belaufen; und im Gegensatz zu
den Männern werden die Raten der einzelnen Gruppen keine deutlichen
Unterschiede aufweisen.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die zwischen 1960
und 1970 jährlich in den wichtigsten Berufsgruppen zu erwartenden
Abgänge :
Berufsgruppe

Gesamt

Männer

Frauen

231 J00

83 300

148 000

Angest. u.Inhaber

209 900

156 300

53 600

Angestellte u.a.

414 900

59 600

355 300

Verkäufer

142 200

55 200

87 000

187 500

176 000

11 500

304 200

148 200

156 000

Akademische und
techn. Fachkräfte
Manager, leitende

Handwerker, Vor- und
Facharbeiter
Fabrikarbeiter und
verw. Berufe

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 86, Nr. 3, März 1963)

* * * * *

-

8 -

�Gleiche Berufschancen für die Farbigen
Präsident Kennedy hat dem amerikanischen Kongreß Ende Juni
eine umfangreiche Gesetzesvorlage unterbreitet, die im wesentlichen
darauf abzielt, der farbigen Bevölkerung die gleichen Berufschancen
in allen Zweigen der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung im
Rahmen eines Bundesgesetzes zu sichern. Durch vom Staat getragene
Förderungsprogramme soll darüber hinaus die berufliche Ausbildung und
Fortbildung der Neger verbessert werden, so daß sie in stärkerem
Maße als bisher auch in die höheren und besser bezahlten Positionen
aufrücken können. Damit wird ein Prozeß wesentlich beschleunigt,
der sich bisher fast unbemerkt vollzog und der farbigen Bevölkerung
trotz starker Gegenströmungen bemerkenswerte Fortschritte in beruflicher, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht brachte.
2 3 Neger-Millionäre
Daß es heute in den Vereinigten Staaten bereits 25 Neger-Millionäre gibt, rund 400 Farbige ein Jahreseinkommen von mehr als 50 000
Dollar beziehen und weitere zehntausend zwischen 10 000 und 50 000
Dollar pro Jahr verdienen, ist dabei für die Beurteilung der erzielten Fortschritte von geringerer Bedeutung als die Tatsache, daß die
farbige Bevölkerung in den vergangenen Jahren in immer mehr Berufe
eindringen konnte, die ihr bis dahin versperrt waren. Das gilt nicht
für die akademischen, sondern für eine Vielzahl anderer Berufe, die
bislang nur den Weißen vorbehalten waren.
So hat zum Beispiel kürzlich eine große amerikanische Fluggesellschaft mit der Ausbildung von Neger-Stewardessen begonnen,
während ein großer Einzelhandelskonzern junge farbige College-Absolventen als Geschäftsführer in seinen Supermärkten einsetzen will.
Natürlich sind dies alles
daß die berufliche Integration
Druck der öffentlichen Meinung
reichen privaten Vereinigungen
- unaufhaltsam fortschreitet.

noch Ausnahmen, aber sie zeigen doch,
- wenn auch nur zum Teil unter dem
oder auf Grund der Bemühungen der zahlzur Förderung der rassischen Integration

Mehr Akademiker
Sehr aufschlußreich in dieser Hinsicht sind dabei die kürzlich
vom US-Zensus-Büro veröffentlichten Ziffern über die Farbigen, die
in geistigen und akademischen Berufen beschäftigt sind. Nach dieser
Übersicht gab es im Jahre i960 etwas über 9000 Ärzte, Zahnärzte
und Rechtsanwälte; 235 Architekten! 3662 Chefbuchhalter und Buchprüfer; 1539 Chemiker; 4378 Diplomingenieure; 14 276 Sozialhelfer und
130 659 Lehrer.
So eindrucksvoll diese Ziffern auch sein mögen, sie können
dennoch nicht die Tatsache überdecken, daß der Anteil der Farbigen
an diesen Berufen im Verhältnis zur weißen Bevölkerung immer noch
sehr gering ist. Denn obgleich jeder 9. Amerikaner (also 11J6 der
Gesamtbevölkerung) schwarzer Hautfarbe ist, übersteigt der Anteil
der Neger in den akademischen Berufen nur in ganz wenigen Fällen
10$. Auch in zahlreichen Fachberufen ist das Verhältnis trotz .der.

�der großen Anstrengungen der Gewerkschaften bei der Durchsetzung
und Anwendung gleicher Beschäftigungsbedingungen noch relativ
ungünstig für die Farbigen. Lediglich im öffentlichen Dienst
konnte bisher - dank den intensiven Bemühungen der Regierung mit 13$ ein positives Verhältnis erreicht werden.

(Quelle: Eigenbericht)
« * x- * *

"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen
Die Lohnverhandlungen in der Stahlindustrie gehörten in der
Nachkriegszeit immer zu den großen tarifpolitischen Ereignissen in
den USA. Und in Anbetracht der Härte, mit der diese Verhandlungen
in der Regel geführt wurden, stellte sich die gesamte Wirtschaft
meist schon Monate vorher auf die möglichen Folgen solcher tarifpolitischen Auseinandersetzungen ein. Der letzte große Streik in diesem
wichtigen Wirtschaftszweig, der die US-Wirtschaft weitgehend paralysierte und mit 116 Tagen Dauer zugleich der längste war, fand bekanntlich im Jahre 1959 statt.
In diesem Jahr nun gingen die mit Spannung erwarteten Kollektivverhandlungen der Stahlindustrie vollkommen lautlos und praktisch unbemerkt über die Bühne. Die Mitteilung der beiden Tarifpartner
La vergangenen Monat man habe sich bereits auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, löste daher auch in der amerikanischen Öffentlichkeit
und Wirtschaft allgemeine Überraschung und Erleichterung aus.
Nun, für eingeweihte Kreise und Kenner des amerikanischen Tarifverhandlungswesens kommt diese "stille Einigung" allerdings gar nicht
so überraschend. Die beiden Tarifpartner haben nämlich dieses Mal
sämtliche wichtigen Anliegen und Forderungen in einem im Vorjahr gebildeten gemeinsamen "Tarifverhandlungs-Studienausschuß" in den vergangenen Monaten eingehend erörtert und ihre Standpunkte so weit
präzisiert und einander angenähert, daß sich der eigentliche Tarifverhandlungsausschuß gleich mit konkreten Ergebnissen dieser Vorverhandlungen befassen und dadurch die Verhandlungen in relativ kurzer
Zeit abschließen konnte.
Daß dieser neue Stil im amerikanischen Tarifverhandlungswesen
- die Versachlichung der Verhandlungen, der Verzicht auf öffentliche
Polemik, die Führung vorbereitender, klärender Gespräche - sich auch
in anderen wichtigen Zweigen der US-Wirtschaft durchzusetzen beginnt,
zeigen sowohl die in den letzten Wochen zwischen der Automobilarbeitergewerkschaft und den großen Automobilkonzernen getroffenen Abkommen über die Bildung gemeinsamer Studienausschüsse für die im nächsten Herbst anstehenden Verhandlungen als auch die zwischen der
Elektrikergewerkschaft und der "General Electric" (260 000 Arbeitnehmer) erzielte Einigung über die Schaffung eines ähnlichen Gremiums.
Diese
10

-

�Diese Entwicklung vollzieht sich nahezu zwangsläufig, denn
im Gegensatz zu früheren Jahren, wo es in den Tarifverhandlungen
fast ausschließlich um höhere Löhne und Sozialleistungen ging,
stehen heute die Arbeitsfragen im Vordergrund - Probleme also, die
nicht in unter Zeitdruck stehenden Verhandlungen zu lösen sind. Die
Sicherung der Arbeitsplätze vor den Auswirkungen der Automation,
die Umschulung der durch die Technik verdrängten Arbeiter, die Gewährung von Entlassungsgeldern, Übergangsbeihilfen, Umzugskosten usw.
sind dabei die wichtigsten Tariffragen, um die es heute geht.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, daß der neue Tarifvertrag der Stahlarbeitergewerkschaft roit den 11 großen Firmen der
Stahlindustrie keine Lohnerhöhungen vorsieht - ein Faktum, das
bisher einfach undenkbar gewesen wäre -, sondern vor allem solche
Punkte enthält, die auf die Erhaltung der Zahl der Arbeitsplätze
abzielen. Auch der stark herausgestellte Urlaubsplan, der den
Arbeitnehmern mit höherem Dienstalter alle fünf Jahre zusätzlich
13 Wochen Urlaub sichert, dient diesem Ziel, denn hierdurch werden
nach Schätzung der Gewerkschaft rund 25 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das der Gewerkschaft zugestandene größere Mitspracherecht
bei der Vergabe solcher Aufträge an andere Firmen, die ohne weiteres
auch im eigenen Betrieb abgewickelt werden können, soll ebenfalls
dazu beitragen, den derzeitigen Bestand an Arbeitsplätzen zu sichern.
Dennoch bringt der neue Vertrag, der eine Laufzeit von zwei
Jahren hat, den Arbeitnehmern der Stahlindustrie eine Reihe verbesserter Sozialleistungen wie höhere Lebensversicherungen und Krankenhausversicherungsleistungen, so daß die Gesamtaufwendungen der Unternehmer
für Löhne und Sozialleistungen, die gegenwärtig rund 4»30 Dollar pro
Stunde betragen, auf etwa 4»50 Dollar angehoben werden dürften.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes
An seinem Arbeitsplatz ist der amerikanische Arbeiter heute
Unfällen weniger stark ausgesetzt als in seinem Heim. Dies ist die
nüchterne Feststellung der amerikanischen industriellen Unfallstatistik, aus der auch hervorgeht, daß die Unfallrate seit 1912 um
rund die Hälfte zurückgegangen ist, obwohl in diesem Zeitraum die
Zahl der Gesamtarbeitskräfte sich fast verdoppelte.
Dieser Erfolg auf dem Gebiet der Unfallverhütung is t aber noch
insofern besonders bemerkenswert, als sich ja nicht allein die Zahl
der Werktätigen erhöht hat, sondern auch die Gefahrenquellen auf
Grund des stärkeren Einsatzes von Maschinen, der Einführung neuer
Produktionsverfahren, neuer Materialien und Werkstoffe wesentlich
vermehrt haben.
Teamwork

�Teamwork Voraussetzung
Der gesamte Unfallschutz in den modernen Industriebetrieben
ist damit zwangsläufig sehr viel umfangreicher und komplizierter
geworden und daher nicht mehr allein von den technischen "Sicherheitsingenieuren" zu bewältigen, sondern nur noch von einem Team ausgesuchter Spezialisten, dem heute sowohl Physiker, Chemiker, Toxikologen, Ärzte als auch neuerdings Hygieniker angehören.
Die spezielle Aufgabe dieser Sicherheitsspezialisten besteht
in erster Linie darin, in enger Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsteams mögliche, die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer bedrohende Gefahrenquellen rechtzeitig aufzuspüren und entsprechende Sicherheits- und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Ein gutes Beispiel für einen vorbildlichen vorbeugenden betrieblichen Unfallschutz bietet in dieser Hinsicht die "North
American Aviation, Inc." in Los Angeles, ein auf dem Gebiet des
Flugzeugbaus und der friedlichen Nutzung der Atomenergie tätiges
Unternehmen, in dem gerade die gesundheitsschädigenden Dauereinflüsse
in der Unfallverhütung eine große Rolle spielen.
Es beginnt mit der Einstellung
Aus diesem Grunde hat auch hier die medizinische Abteilung eine
relativ große Bedeutung und zahlreiche wichtige Aufgaben im Rahmen
des betrieblichen Unfall- und Gesundheitsschutzes zu erfüllen. Schon
bei der Einstellung wacht sie darüber, daß keine Arbeiter angenommen
werden, die mit irgendwelchen übertragbaren Krankheiten behaftet sind
oder auf Grund ihrer körperlichen Konstitution gegenüber speziellen
Dauereinflüssen am Arbeitsplatz besonders anfällig erscheinen. Vielfach wird diesen Bewerbern auch eine spezielle ärztliche Behandlung
empfohlen, durch die physische Mängel, die einer Einstellung im V,rege
stehen, beseitigt werden können.
Darüber hinaus hat die medizinische Abteilung die Aufgabe, bei
Erkrankungen oder Unfällen Erste Hilfe zu leisten und solche Arbeitnehmer gründlich zu untersuchen, die krank gewesen sind oder einen
Unfall gehabt haben und die ihre Arbeit wieder aufnehmen wollen.
Durch diese Untersuchungen will man verhindern, daß noch nicht voll
genesene oder wiederhergestellte Arbeiter ihre Tätigkeit vorzeitig
aufnehmen und damit sich selbst und andere gefährden.
Abschirmung nach außen
In Anbetracht der Tatsache, daß die modernen Industriebetriebe
zahlreiche Vorerzeugnisse und Rohstoffe aus anderen Betrieben beziehen,
kommt den Betriebshygienikern heute bei der Abschirmung äußerer Gefahrenquellen eine große Bedeutung zu. Auch in dieser Beziehung war
die "North American Aviation" bahnbrechend, denn den Hygienikern
dieses Unternehmens ist es zuzuschreiben, daß in den USA heute sämtliche Produzenten von Chemikalien ihren Erzeugnissen Hinweiszettel
beilegen, auf denen genau die chemischen Bestandteile der Sendung

- 12

-

�Sendung angegeben sind. Auf diese Weise sind die Betriebshygieniker
jederzeit vollkommen im Bilde, welche gesundheitsgefährdenden Stoffe
in der Produktion verwendet werden und welche Schutzmaßnahmen jeweils zu treffen sind.
Auswertung der Unfallberichte
Ein wichtiger Bestandteil des gesamten Unfallverhütungsprogramms des Unternehmens ist die Auswertung sämtlicher Unfallberichte,
wobei selbst bei kleinsten Verletzungen den genauen Unfallursachen
nachgegangen wird. Dies ist insofern von großer Bedeutung, als ja
auch bei geringfügig erscheinenden Unfällen immer die Möglichkeit
der Wiederholung besteht bzw. ernsthaftere Verletzungen aus der Ursache resultieren können. Daher ist man in jedem Fall von vornherein
bemüht, das Übel abzustellen, ehe Schlimmeres passiert.
Das Ergebnis dieser vielseitigen Bemühungen des Unternehmens
spiegelt
sich in der niedrigen Unfallrate wider, die selbst in den
vollkommen neuen Produktionszweigen, wo nur relativ geringe Erfahrungen über den Umgang mit neuen Materialien und Energiequellen zur
Verfügung standen, weit unter dem industriellen Durchschnitt liegt.
Mit besonderem Stolz verweisen die Sicherheitsingenieure der "North
American Aviation" dabei auf die Tatsache, daß sie in der "Atomics
International", einem Zweigunternehmen, bisher keinen Fall von Strahlenschädigung, registrierten - ein bemerkenswerter Erfolg, der nur
durch eine enge Zusammenarbeit aller Angehörigen des Sicherheitsteams ermöglicht wurde.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
13,7 Mrd. Dollar an Sozialrenten 1962 ausgezahlt
An rund 17»3 Millionen bezugsberechtigte Männer, Frauen und
Kinder wurden im Haushaltjahr 1962 im Rahmen des amerikanischen Sozialversicherungsgesetzes Renten und andere Versorgungsleistungen
in Höhe von 13»7 Mrd. Dollar ausgezahlt, wie aus einer Übersicht des
Treuhänderausschusses der staatlichen Versicherungsfonds hervorgeht.
Bei einer Vergrößerung des Empfängerkreises um 1,5 Millionen haben
sich dabei die gesamten Auszahlungen im Vergleich zu 1960/61 um 1,8
Mrd. Dollar erhöht.
Mehr als die Hälfte der Mehrleistung resultiert aus den i960
und 1961 vorgenommenen Verbesserungen der Sozialgesetze. Während
723 000 Personen auf Grund der 1961 vom Kongreß gebilligten Rentenleistungen für versicherte Personen im Alter zwischen 62 und 64 Jahren

-

13

-

�Jahren und ihre Angehörigen (vorgezogener Eintritt des Versicherungsfalles bei verminderter Rentenleistung) in den Genuß von Rentenbezügen kamen, erhielten weitere 169 000 Personen erstmals Sozialrenten
auf Grund der Gesetzesänderungen aus den Jahren i960 und 1961, durch
die die Mindestversicherungsdauer herabgesetzt wurde.

(Quelle: Eigenbericht)

Tarifverträge folgten im 1. Quartal 1965 dem Yor.jahrstrend
Die im 1. Quartal 1963 abgeschlossenen Tarifverträge hielten sich
was die Höhe der Lohnaufbesserungen und der von den Unternehmern zugestandenen Sozialleistungen betrifft, weitgehend auf dem Niveau des ver
gangenen Jahres.
Dies ist einer Untersuchung des "Bureau of National Affairs"
zu entnehmen, einer privaten Forschungsorganisation, die insgesamt
67O Großtarifverträge analysierte, die zwischen Januar und Ende März
dieses Jahres abgeschlossen wurden.
Die durchschnittliche Lohnerhöhung im Rahmen dieser Verträge
betrug dabei 7»5 Cent pro Stunde gegenüber 7&gt;4 Cent im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der abgeschlossenen Tarifverträge, die
nicht eine sofortige, sondern eine spätere Lohnerhöhung vorsehen, hat
weiter zugenommen. Während im Vorjahr 48 Prozent aller abgeschlossenen
Tarifabkommen Lohnerhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt (in der Regel
ein Jahr nach Abschluß des Vertrages) vorsahen, waren es in den ersten
drei Monaten dieses Jahres 51 Prozent.
Auch die Zahl der Tarifverträge mit neuen oder verbesserten Sozialleistungen nahm im Vergleich zu 1962 zu. Seinerzeit waren es 58
Prozent aller Abkommen, in diesem Jahr dagegen 41 Prozent.

(Quelle: Eigenbericht)

Fast .jeder Industriearbeiter erhält Lohnnebenleistungen
Mit nur ganz wenigen Ausnahmen kommen heute praktisch sämtliche
in Industriebetrieben tätigen Arbeiter und Angestellten in den Genuß
einer oder mehrerer Lohnnebenleistungen wie bezahlte Feiertage, bezahlter Urlaub, Krankenversicherungs- oder Pensionsleistungen. Dies geht
aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums über die Gewährung
von freiwilligen Sozialleistungen in Großstadtbetrieben hervor.
Nach
-

14

-

�Nach dieser Statistik hatten die Angestellten der Industrieunternehmen im Erhebungszeitraum (1961/62) im Durchschnitt 7»8 bezahlte
Feiertage pro Jahr, die Arbeiter 7»0 Tage. Bezahlter Urlaub wurde
99 Prozent aller Arbeitnehmer gewährt; rund die Hälfte von ihnen
erhielt vier und mehr Wochen nach 25jähriger Dienstzeit.
Eine Anwartschaft auf Leistungen privater - und größtenteils
von den Unternehmern allein finanzierter - Y/ohlfahrts- und Pensionspläne wiesen 99 Prozent aller Angestellten und 97 Prozent aller Produktionsarbeiter auf. Ferner war von den Industrieunternehmen für 95
Prozent aller Angestellten und für 91 Prozent aller Arbeiter eine
Lebensversicherung und für 84 Prozent aller Angestellten und 88 Prozent aller Arbeiter eine Krankenversicherung abgeschlossen. Leistungen
aus privaten Pensionsplänen allein (zusätzlich zu der staatlichen Altersversicherung) haben schließlich 78 Prozent aller Angestellten und
68 Prozent aller Produktionsarbeiter bei ihrem Eintritt in den Ruhestand
zu erwarten.
(Quelle: Eigenbericht)

* # * * *

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbczichungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I s i s liinni r.dil Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die wirtschaftliche Situation der Farbigen in den USA

Seite 1

Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung
der Rassengleichheit

Seite 16

Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit

Seite 17

Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe

Seite 18

Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus

Seite 19

Matthew A. Kessler, Mitarbeiter des US-Bundesamtes für
Arbeitsstati stik:
Die wirtschaftliche Situation der Farbigen in den USA *
Eine Untersuchung über die Entwicklung in den Jahren 1955 bis 19^2
Das schrittweise Aufrücken der Farbigen in den USA
(von denen über 90 Prozent Neger sind) in höherqualifizierte und besser bezahlte Berufe hat sich in der
zweiten Hälfte der fünfziger Jahre ebenso wie in der
vorausgegangenen Zeit konsequent fortgesetzt. Die
Unterschiede aber zwischen Weiß und Schwarz hinsichtlich des erreichten sozialen Status sind nach wie vor
sehr groß, was offenbar wird, wenn man die üblichen
Kriterien zur Beurteilung des wirtschaftlichen Wohlergehens auf die beiden Bevölkerungsgruppen getrennt
anwendet. Die Entwicklungstendenzen aufzuspüren, ist
Zweck der nachstehenden Untersuchungen.

Vergleiche auch IAM, X - 4» "Beträchtliche Fortschritte der Negerbevölkerung auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet".

-

1 -

�Der Prozentsatz der Farbigen in den nur niedrige Qualifikationen erfordernden Berufen ist noch immer höher als der derM.Veißen. Das
gleiche gilt auch für den Anteil der Farbigen an der Arbeitslosigkeit, der in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern mindestens eineinhalbmal so hoch ist wie der weiße Anteil; in manchen
Altersgruppen beträgt er sogar das Dreifache. Farbige werden mithin,
gleich, welcher Beschäftigungssparte sie angehören, in unverhältnismäßig hohem Maße von Arbeitslosigkeit bedroht. Nicht nur, daß Farbige
eher und schneller entlassen werden als Weiße, sie sind dann auch in
der Regel länger arbeitslos als ihre weißen Kollegen.
Während die farbigen Familien in den ersten Nachkriegsjähren
recht erhebliche Einkommenssteigerungen zu erzielen vermochten,
konnten sie seit Mitte der fünfziger Jahre trotz des weiteren Vordringens der Farbigen in höher bezahlte Berufe mit dem Anstieg des
Durchschnittseinkommens weißer Haushalte nicht Schritt halten.
Im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte haben die Farbigen es
verstanden, die seit alters her zwischen ihnen und den Weißen bestehende "Erziehungslücke" einzuengen - eine Entwicklung, die in ihrem stetigen, wenn auch langsamen Vorrücken auf der Berufe-Leiter zum Ausdruck kommt. Seit Mitte der fünfziger Jahre aber ist der relative Bildungsstand von Farbigen und Weißen jedoch im wesentlichen unverändert
geblieben.
Veränderungen j n den einzelnen Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen
In der gesamten Nachkriegszeit war auf Seiten der Farbigen ein
deutlicher Trend sichtbar, aus den Landarbeiterberufen herauszukommen.
Im Jahr 1962 waren 12 Prozent aller farbigen Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig, 1955 dagegen noch 16 und 1948 sogar 21 Prozent (siehe
Tafel i) . Dieser rapide Rückgang ist das Ergebnis der vor allem im
Süden zu beobachtenden Abwanderung zahlreicher Farbiger, die vorher
als ertragsbeteiligte Pächter tätig waren oder als selbständige Bauern
hart an der Rentabilitätsgrenze liegende Farmen bewirtschaftet hatten,
in andere Berufe, einer Abwanderung, die durch die verbesserten Beschäftigungsaussichten in anderen Wirtschaftszweigen begünstigt wurde.
Dieses Streben nach einem höheren Einkommen mußten jedoch viele
Farbige, die ihren Platz in der Landwirtschaft aufgaben und in einen
anderen Beruf überwechselten, mit einer zunehmenden Unsicherheit des
Arbeitsplatzes bezahlen. Da ihnen häufig eine ausreichende schulische
und fachliche Vorbildung fehlt und sie durch die Einstellungs- und Ausstellungspraktiken vieler Betriebe noch immer vielfach benachteiligt
werden, sind ihre Beschäftigungsaussichten weitgehend auf ungelernte
und Anlernberufe beschränkt. Dies sind wiederum die Berufe, die
von Konjunkturschwankungen und Massenentlassungen auf Grund der fortschreitenden Automatisierung am meisten betroffen werden. Wenn sich
auch in den akademischen und Angestelltenberufen seit Mitte der fünfziger Jahre sowohl für Weiße als auch für Farbige zahlreiche neue
Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben haben, so ist doch der Anteil
der Farbigen unter den Hausangestellten, Arbeitern und angelernten
Maschinenarbeitern immer noch unverhältnismäßig hoch.
Angestelltenberufe:

2

-

�Tafel I
Beschäftigung, nach Wirt schaftszweigen und Hautfarbe g e g l i e d e r t .
i n den Jahren 1948, 1955 und '1 962 *
( i n Prozent)
Wirtschaftszweig

Weiße
1962

Gesamtbeschäftigung (Mio)
Prozent
Gütererzeugung
Landwirtschaft
Bergbau,Forstwirtsch. u.
Fischfang
Baugewerbe
Fertigung
D i e n s t l e i stungen
Transport u .
Versorgung
Handel
Haushalte
Erziehungswesen

Akadem.Berufe
(außer Lehrkräften)
Wirtschafts- u.
Wartungsdienste
Andere ( e i n s c h l •
Unterhaitungsgewerbe)
Finanz, Versicherungen ,Immobilien
Behörden

Farbige
1962

1948

1955

1948

1955

60,749

56,698

55,454

7,098

6,496

5,944

100

100

100

100

100

100

7,2

46,2
10,1

48,6
12,6

56,2
11,7

41,5
15,7

47,5
21,1

1,1
6,4

1,4
6,5

1,5
6,0

0,4
5,7

0,7
5,5

5,0
4,4

26,8

28,2

28,5

18,4

19,7

18,9

58,6

55,8

51,4

65,8

58,5

52,5

41,4

7,0

7,4

8,5

5,4

6,0

6,4

19,8

20,2

20,1

2,6

2,2

1,7

15,8
15,8

15,5
16,5

11,5
16,1

5,5

4,0

2,8

4,4

5,0

2,1

6,9

5,5

5,9

7,4

4,9

5,5

2,8

2,5

2,4

2,2

1,4

1,0

4,5

5,5

4,2

7,2

7,2

7,4

4,7
5,1

4,0
4,6

5,5
4,6

2,1
5,4

1,9
4,2

1,5
5,5

* Die Zahlenangaben für 1948 und 1955 sind nicht auf den im Jahre 1957
eingeführten Bewertungsmodus der Erwerbslosigkeit umgerechnet. Wegen
Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

�Angestelltenberufe: Zwischen 1955 und 1962 rückten Farbige
in wachsender Zahl und über ihren Anteil hinaus in höherqualifizierte
und besser bezahlte Angestelltenberufe auf. Dennoch waren 1962 nur 17
Prozent aller beschäftigten Farbigen in Angestelltenberufen tätig,
während die Vergleichszahl bei weißen Beschäftigten bei 47 Prozent
lag (siehe Tafel I I ) . Das Zahlenverhältnis von Weißen zu Farbigen betrug 28 zu 1, während es auf das Gesamtarbeitspotential bezogen bei
9 zu 1 lag. Die Zahl der Farbigen in den Angestelitenberufen hat seit
1955 um 50 Prozent zugenommen; das entspricht etwa dem Zuwachs in
der ersten Nachkriegszeit oder dem Zweieinhalbfachen der Zunahme bei
den weißen Beschäftigten. Wenn es aber nicht zu einer weiteren erheblichen Steigerung dieses Trends kommt, wird der Prozentsatz der
Farbigen in den Angestelltenberufen noch auf Jahre hinaus erheblich
unter dem der Weißen liegen.
Farbige haben in größerer Zahl Zugang zu den akademischen, technischen und Büroangestelltenberufen gefunden als zu anderen Angestelltenberufen. Seit Mitte der fünfziger Jahre ist bei diesen Berufen ein
Zuwachs um rund 60 Prozent zu verzeichnen, der vor allem die Zunahme
der Beschäftigungsmöglichkeiten bei Behörden widerspiegelt. Der Schwerpunkt der Beschäftigung von Farbigen in Angestelltenberufen liegt bei
den Bürokräften, ist doch fast jeder zweite als Buchhalter, Sekretärin),
Schreibkraft, Stenograph, Bediener von Büromaschinen oder in der Registratur beschäftigt.
Die größte relative Zunahme der Beschäftigung von Farbigen entfiel während des Zeitraums von 1955 bis 1962 auf akademische Berufszweige (wie Krankenhauswesen, ärztliche Versorgung, andere Gebiete
der Medizin, Sozialfürsorge und Kirchendienst) sowie Wirtschafts-,
Wartungs- und Reparaturdienste, die sämtlich im Verlauf der sieben
Berichtsjahre eine 70prozentige Zunahme verzeichneten. Diese Steigerung kommt in etwa der gleich, die schon in den ersten Nachkriegsjahren zu beobachten war; auf Seiten der Weißen steht ihr eine Zunahme um lediglich 35 Prozent seit 1955 gegenüber. Das Vorrücken der
Farbigen war auch im Bereich des in zügigem Ausbau befindlichen Erziehungswesens sehr auffällig, wo
einem 60prozentigen Zuwachs eine
Zunahme um nur 50 Prozent auf Seiten der Weißen gegenübersteht. Das
Bestreben der Regierung, die völlige Gleichstellung von Schwarz und
Weiß bei Neueinstellungen zu gewährleisten, dürfte die Ursache für
die fortgesetzte Zunahme der farbigen Beschäftigten im öffentlichen
Dienst seit Mitte der fünfziger Jahre sein, wo einer Steigerung
um 40 Prozent bei farbigen Beschäftigten eine Zunahme um 18 Prozent
bei den Weißen gegenübersteht.
Die Beschäftigung Farbiger in den akademischen und technischen
Berufen hat seit Mitte der fünfziger Jahre etwas rascher zugenommen
als die der Weißen. Dennoch waren 1962 nur rund 5 Prozent aller
berufstätigen Farbigen - gegenüber 12,5 Prozent aller berufstätigen
Weißen - in diesen Sparten beschäftigt.

Tafel II

�Tafel II
Beschäftigung, nach Berufsgruppen und Hautfarbe gegliedert,
in den Jahren 1948. 1955 und 1962 *
(in Prozent)

Beschäftigungsgruppe

Weiße

Farbige

1962

1955

1948

Gesamtbeschäftiu n g (Mio)
Prozent

6 0 , 749
100

56,698
100

53,454
100

Angestelltenberufe

47,5

42,1

39,1

16,7

12,0

9,0

12,6

9,8

7,2

5,3

3,5

2,4

11,9
15,8
7,0

11,1
14,2
6,9

11 , 6
13,6
6,7

2,6
7,2
1,6

2,3
4,9
1,3

2,3
5,5
1,1

35,4

39,0

40,5

39,5

41,8

59,7

13,6

14,1

14,6

6,0

5,2

5,5

17,5

20,2

21 , 0

19,9

20,9

20,1

4,3

4,7

4,9

15,6

15,8

14,5

10,6

9,0

7,9

52,8

31,6

50,3

Hausangest.
Andere

2,1
8,5

1,8
7,2

1,5
6,4

14,7
18,1

14,8
16,8

15,6
14,7

Landarbeiter
Farmer u.
Verwalter
Vorleute u.
Arbeiter

6,8

9,9

12,4

1 1 ,0

14,5

21 , 0

4,0

6,0

7,8

2,7

5,0

8,5

2,8

3,9

4,6

8,3

9,5

12,5

Akademische u .
techn.Berufe
Manager,Führungskräfte u.Selbständige**
Büroangest.
Verkaufsangest.
Arbeiterberufe
Facharbeiter
u. Meister
Maschinenarbeiter
Ungel. Arbeiter***
Dienstleistungsberufe

*' Siehe Fußnote Tafel I
** Außer Landwirtschaft
*** Außer Landwirtschaft und Bergbau

-

5 -

1962

7,098
100

1955

6,496
100

1948

5,944
100

�Bei guten B e s c h ä f t i g u n g s a u s s i c h t e n auf dem E r z i e h u n g s s e k t o r war
ein höherer P r o z e n t s a t z der f a r b i g e n Akademiker a l s Grund- und
M i t t e l s c h u l l e h r e r (meist Frauen und Mädchen) e i n g e s e t z t a l s bei
den Weißen: nahezu zwei F ü n f t e l gegenüber einem F ü n f t e l . Bezeichnend für den s o z i a l e n A u f s t i e g der Farbigen in der jüngsten Z e i t
i s t auch i h r e zunehmende Beschäftigung i n den expandierenden t e c h nischen Berufen: einem A n s t i e g der Beschäftigung der Farbigen um
das Fünffache im Verlauf der fünfziger J a h r e i s t eine Zunahme der
Gesamtbeschäftigung in d i e s e n Berufen um" zwei D r i t t e l zuzuordnen.
A l l e r d i n g s b e t r ä g t der A n t e i l der Farbigen an der Gesamtbeschäftigung in den akademischen und technischen Berufen immer noch e r s t
1 ,5 P r o z e n t .
Nur v i e r vom Hundert a l l e r farbigen B e r u f s t ä t i g e n waren 1962
a l s Manager, Führungskräfte und S e l b s t ä n d i g e sowie a l s Verkaufsa n g e s t e l l t e t ä t i g , was e i n e r l e i c h t e n Zunahme gegenüber den Jahren
1948 und 1955 gleichkommt. Der A n t e i l der i n d i e s e Kategorie e i n zureihenden weißen B e s c h ä f t i g t e n war mit 19 Prozent w e s e n t l i c h höher.

A r b e i t e r b e r u f e : Hier war nach e i n e r l e i c h t e n Zunahme der Bes c h ä f t i g u n g von Farbigen während der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t zwischen
1955 und 1962 e i n l e i c h t e r Rückgang i h r e s A n t e i l s auf den Stand von
1948 zu b e o b a c h t e n . Der A n t e i l der Angehörigen der A r b e i t e r b e r u f e
an der Gesamtbeschäftigung F a r b i g e r b e t r u g dabei f a s t während der
ganzen N a c h k r i e g s z e i t rund zwei F ü n f t e l . In den l e t z t e n sieben Jahren
ging aber auch der A n t e i l der weißen B e s c h ä f t i g t e n in diesen Berufen
etwas zurück.
Mehr a l s a c h t von zehn f a r b i g e n Angehörigen der A r b e i t e r b e r u f e
und sechs von zehn weißen A r b e i t e r n v e r b l i e b e n i n der Kategorie der
u n g e l e r n t e n oder a n g e l e r n t e n A r b e i t e r . Die Beschäftigungsmöglichkeiten in den f r a g l i c h e n Berufen k o n z e n t r i e r e n s i c h auf jene g ü t e r erzeugenden I n d u s t r i e n und die ihnen nahestehenden Wirtschaftszweige
(wie das Transportgewerbe), d i e gegen Konjunkturschwankungen besonders
s t a r k a n f ä l l i g s i n d . Hinzu kommt, daß die Nachfrage nach u n g e l e r n t e n
A r b e i t e r n in der N a c h k r i e g s z e i t i n f o l g e der f o r t s c h r e i t e n d e n Automat i s i e r u n g und a n d e r e r t e c h n i s c h e r Entwicklungen s t ä n d i g zurückgegangen i s t .
Dienstleistung;sberufe:Der A n t e i l der Farbigen u n t e r den Hausanges t e llTe^nH^eTnirchlielin^h. Hausmädchen, B a b y s i t t e r ,
Haushälterinnen,
Chauffeure, Wäscherinnen usw.) i s t siebenmal so hoch wie der der
Weißen. Während der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t b l i e b die Zahl der f a r b i g e n
H a u s a n g e s t e l l t e n p r a k t i s c h u n v e r ä n d e r t auf dem g l e i c h e n Stand, während
d i e Beschäftigung von Farbigen in anderen D i e n s t l e i s t u n g s b e r u f e n wie
K r a n k e n p f l e g e r , F r i s e u r und Koch um 25 Prozent zunahm. Dieser Trend
hat s i c h i n den Jahren von 1955 b i s 1962 mit nur geringen Veränderungen bei Hausangestellten und e i n e r mit 18 P r o z e n t s e h r bemerkenswerten Zunahme der f a r b i g e n Neuzugänge in anderen D i e n s t l e i s t u n g s berufen f o r t g e s e t z t . Ein s t e t i g e r Anstieg der Beschäftigung i n den
D i e n s t l e i s t u n g s b e r u f e n (außer H a u s a n g e s t e l l t e n ) war i n der Nachkriegsz e i t auch bei weißen A r b e i t s k r ä f t e n e i n g e t r e t e n , der sich i n den b e i den B e r i c h t s z e i t r ä u m e n j e w e i l s auf 20 b i s 25 Prozent b e l i e f . Im Jahre
1962 waren wie in der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t p r o z e n t u a l doppelt sovielc^
-

6

-

�Tafel III
Die Arbeitslosigkeitsrate f, nach Hautfarbe gegliedert.
in den Jahren 19A7-1962*

Jahr

1962
1961
196O
1959
1958
1957
1956
1955

*
**

Weiße

Farbige

4,9
6,0
5,0
4,9
6,1
3,9
3,3
3,6

11,0
12,5
10,2
10,7
12,6
8,0
7,5
7,9

Prozentanteil d.
Farbigen**

224
208
204
218
207
205
227
219

Jahr

Weiße

Farbige

1954
1953
1952
1951
1950
1949
1948
1947

4,5
2,3
2,4
2,8
4,6
5,2
3,2
3,3

8,9
4,1
4,6
4,8
8,5
8,2
5,2
5,4

Prozentänteild.
Farbigen**

198
178
192
171

185
158
163

164

Siehe Anm. Tafel I
Weiße «* 100 Prozent

soviel.farbige wie weiße Arbeitnehmer in diesen rasch expandierenden, aber
noch immer relativ schlecht bezahlten und nur geringe bis mäßige Qualifikationen erfordernden Dienstleistungsberufen beschäftigt.
Arbeitslosigkeit und Teilzeitarbeit
Arbeitslosigkeit; Die Hauptlast der Arbeitslosigkeit hatten während
der gesamten Nachkriegszeit jeweils die Farbigen zu tragen. Obwohl der
Anteil der Farbigen am Arbeitspotential 1962 lediglich 10 Prozent betrug,
belief sich ihr Anteil an der Arbeitslosenziffer auf rund 20 Prozent.
Dieses Mißverhältnis bestand bei männlichen und weiblichen Arbeitskräften
gleichermaßen .
Die Arbeitslo-sigkeitsrate der Farbigen erreichte 1962 mit 11,0 den
dritthöchsten Wert in der gesamten Nachkriegszeit (siehe Tafel III) und
war damit doppelt so hoch wie die der Weißen. Dieses Zahlenverhältnis bestand praktisch die ganze Nachkriegszeit hindurch und zeigte in jüngerer
Zeit eher die Tendenz, sich weiter zu verschlechtern. In den Jahren 19471949 lag die Arbeitslosigkeitsrate der Farbigen im Durchschnitt um 60 Prozent über der der weißen Arbeitnehmer, während sie in den Jahren 1954-19^2
konstant rund doppelt so hoch war.
Farbige Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 19 Jahren wiesen fortgesetzt eine der höchsten Arbeitslosigkeitsraten unter allen Altersgruppen
beider Hautfarben auf (siehe Tafel IV). Im Jahre 1962 hielt sich die Arbeitslosigkeitsrate der Farbigen dieser Altersgruppen auf nahezu 25 Prozent,
verglichen mit etwa 12 Prozent bei weißen Jugendlichen. Seit 1955 ist ferner ein rascherer Anstieg der Arbeitslosigkeitsrate bei der farbigen Jugend
Tafel IV

�Tafel IV
Die Arbeitslosigkeitsrate^ nach Hautfarbe, Alter und Geschlecht
gegliedert, in den Jahren 1948. 1955 und 1962*
(in Prozent)
Alter u. Geschlecht

Männer insgesamt
14
20
25
35
45
54

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
Jahre u.darüber
Frauen insgesamt

14
20
25
35
45
55

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
Jahre u.darüber

Weiße

Farbige

1962

1955

1948

1962

1955

1948

4,6

5,4

3,1

11,0

8,2

12,3
8,0
3,8
3,1
3,5
4,1

9,6
6,3
2,5
2,4

8,3
5,8
2,4
1,9

13,2

2,8

3,7

2,2
2,8

20 %7
14,6
10,5
8,6
8,3
10,1

7,4
5,8
7,8

5,1
7,,6
10,6
4,2
4,5
3,1
3,5

5,5

3,9

3,4

11,1

7,5

5,2

11 ,5
7,7
5,4
4,5
3,7
3,5

8,2

6,9
3,6
3,2
2,3
2,5
2,6

28,2
18,2

16,2
11,4

11,5
8,9
7,1
3,6

9,1
4,9
4,6
4,4

10,4
8,9
6,1
3,3
2,4

4,5
3,8
3,4
2,9
2,8

11,2
8,0

2,2

* Siehe Fußnote Tafel I
Jugend aufgetreten, erhöhte sie sich doch um rund 60 Prozent gegenüber
30 Prozent bei weißen Jungen und Mädchen,*
Bei männlichen farbigen Arbeitnehmern der Altersgruppen von 25 bis
34 und von 35 bis 44 (denen der größte Teil der Haupternährer der Familien
angehört) war die Arbeitslosigkeitsrate 1962 mit 9 Prozent fast dreimal
so hoch wie bei ihren weißen Altersgenossen. Ein ähnliches Zahlenverhältnis bestand auch schon 1955«
Selbst innerhalb der einzelnen Beschäftigungskategorien bestehen
große Unterschiede in den Arbeitslosigkeitsraten von Farbigen und Weißen,
wobei die Rate dar Farbigen die der Weißen im allgemeinen wesentlich übersteigt.
Bei' '.'eißen und Farbigen haben die Berufe an der Basis der Berufspyramide,
die Arbeiter in nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigungszweigen und die
Maschinenarbeiter, gewöhnlich eine hohe Arbeitslosigkeitsrate aufzuweisen,
und hier waren und sind die Unterschiede zwischen Weiß und Schwarz auch
nicht so groß wie in den meisten anderen Beschäftigungssparten (siehe
Tafel V ) . Dies dürfte auf die zahlenmäßig starke Vertretung dieser Berufe
in den weitgehend gewerkschaftlich organisierten Massengüterindustrien
zurückzuführen sein, wo die von den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträge zum Teil Bestimmungen über die gleiche Behandlung von Weißen und
Farbigen bei der Einstellung enthalten. Die Unterschiede in den

-

8

�Tafel V
Arbeitslosigkeitsrate in einzelnen Beschäftigungsgruppen« nach
Hautfarbe gegliedert, in den Jahren 1955 und 1962*

Beschäftigungsgruppe

Sämtl.Gruppen**
Büro u.Verkaufsangestellte
Facharbeiter u.
Meister
Maschinenarbeiter
Hausangestellte
Andere Dienstleistungsberufe
Landarbeiter u.
Aufseher
Ungelernte
Arbeiter (außer
Land- u.Bergarb.)

*
**

***

Weiße

Farbige

Prozentanteil
d.Farbigen***

1962

1955

1962

1955

1962

1955

4,9

3,5

11,0

7,7

224

208

5,8

3,2

7,7

7,0

203

219

4,8
6,9
3,1

3,9
5,5
3,0

9,7
12,0
7,1

8,8
8,4
5,6

202
174
229

226
153
187

5,3

5,2

10,8

8,8

204

169

3,9

3,0

5,8

6,3

149

210

11,0

9,8

15,8

12,1

144

123

Berücksichtigt wurden nur Arbeitslose mit echter Berufserfahrung
Einschließlich der hier nicht gesondert ausgewiesenen Berufsgruppen:
akademische und technische Berufe; Manager, Führungskräfte und Selbständige; und Farmer und Farmverwalter
Weiße = 100 Prozent

den Gesamtarbeitslosigkeitsraten von Weißen und Farbigen erklären sich
aber zum Teil aus eben dieser höheren Konzentration der Farbigen in den
Berufsgruppen an der Basis der Pyramide.
Die Farbigen weisen nicht nur höhere Arbeitslosigkeitsraten auf, sie
sind auch viel häufiger von Entlassung bedroht als ihre weißen Kollegen.
Etwa drei von zehn Farbigen, die zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahre 1961
ausgestellt wurden, waren dreimal oder noch öfter im Verlauf dieses Jahres arbeitslos geworden, während dieses Schicksal bei den Weißen nur zwei
von zehn traf. Hinzu kommt, daß die Dauer der vorübergehenden Arbeitslosigkeit bei Farbigen länger war,oder daß diese oft weit länger brauchten, um eine neue Stelle zu finden. Seit Beginn der statistischen Erfassung der Arbeitslosigkeitsdauer unter Berücksichtigung der Hautfarbe
im Jahre 1954 bezifferte sich der Anteil der Farbigen an der mittelund langfristigen Arbeitslosigkeit mit einer Dauer von 15 bzw. 27 Wochen und mehr all die Jahre über auf 20 bis 30 Prozent (siehe Tafel V i ) .
Tafel VI

�Tafel VI
Anteil der Farbigen an der mittel- und langfristigen Arbeitslosigkeit
in den Jahren von 1934 bis 1962
(in Prozent)
Jahr

1962
1961
1960
1959
1958
1957
1956
1955
1954

15 Wochen und darüber

27 Wochen und darüber

28,4
23,6
26,0
26,2
23,0
23,8
21,6
21,5
24,0

25,9
22,5
24,9
24,3
22,0
22,4
21 ,8
20,0
20,4

Teilzeitbeschäftigung: In der Zeit nach 1956 war der Prozentsatz
der farbigen Teilzeitbeschäftigten ständig hö&amp;er als der der weißen.
Im Jahre 1P62 arbeiteten 21 Prozent sämtlicher in einem Beschäftigungsverhältnis stehenden Farbigen und 14 Prozent aller berufstätigen Weißen
weniger als 35 Stunden; der Anteil der aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten (mangelnde Aufträge, Materialknappheit und dergleichen) zur
Teilzeitarbeit gezwungenen Farbigen lag bei etwa dem Dreifachen des für
Weiße ermittelten Satzes von 3 Prozent, d.h. bei 10 Prozent der Gesamtbeschä:f tigtenzif fer der Farbigen (siehe Tafel VII) . 1962 stellte der
farbige Bevölkerungsteil wie in den vorausgegangenen Jahren ein Viertel
aller außerhalb der Landwirtschaft aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeitarbeit Leistenden, während sein Anteil an der nichtlandwirtschaftlichen Gesamtbeschäftigung bei lediglich 10 Prozent lag.
Der Anteil der Farbigen an der Gesaratziffer der Teilzeitarbeiter
aus wirtschaftlichen Gründen bezifferte sich auf 16 Prozent, ihr Anteil
an der Zahl der Teilzeitbeschäftigten, die eine solche Beschäftigung
nur in Ermangelung eines ganztägigen Arbeitsplatzes angenommen hatten,
dagegen auf 35 Prozent. In der letzten Gruppe stellen Jugendliche und
ältere Frauen den Hauptanteil, die vielfach als Hausangestellte oder
in anderen Dienstleistungsberufen tätig sind, (fahrend der Prozentsatz
der aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeitbeschäftigten bei farbigen
Arbeitnehmern in den letzten sechs Jahren erheblich gestiegen ist, hat er
sich bei weißen Arbeitnehmern ungefähr auf gleicher Höhe gehalten. Umgekehrt war eine Zunahme der freiwillig Teilzeitbeschäftigten nur unter
den weißen Arbeitnehmern zu verzeichnen.

1

-

10

Tafel VII

�Tafel VII
Nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung, nach ganztägiger Arbeit,
Teilzeitarbeit und Hautfarbe gegliedert, in den Jahren 1936 und 19^2
(in Prozent)
Beschäftigung

1956

1962

56,388
100

52,661
100

6,267
100

85,7

88,4

78,6

79,5

3,2

3,0

10,3

9,0

davon in der
Regel vollbesch.

1,6

1,8

2,8

3,3

davon in der
Regel teilzeitbeschäftigt

1,6

1,2

7,5

5,7

11,1

8,6

11,0

11,5

Vollbeschäftigt*
Teilzeitbeschäftigt
aus w i r t s c h a f t l .
,nden**

Teilzeitbeschäftigt
aus anderen Gründen
in der Regel
teilzeitbesch.

**

Farbige

1962
Sämtl. Beschäftigte:
Zahl ( i n Mio)
Prozent

*

Weiße

1956

5,733
100

Die Ziffer schließt sämtliche Arbeitnehmer ein, die während der
Erhebungswoche 35 und mehr Stunden gearbeitet haben, sowie alle,
die nur wegen Krankheit, Urlaub oder schlechtem Wetter daran
gehindert waren, ganztägig zu arbeiten.
Die Ziffer schliefit sämtliche Arbeitnehmer ein, die wegen Arbeitsverlangsamung, Materialknappheit, Arbeitsplatzwechsel, Fehlen
eines ganztägigen Arbeitsplatzes usw. weniger als 35 Wochenstunden
gearbeitet haben.

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen ergänzen sich die Prozentangabe nicht
notwendigerweise zu 100.
Die Prozentzahlen der ganz jjährj.g ganz tägi,g beschäftigten weißen
und farbigen Arbeitnehmer differieren sehr stark. Bei den männlichen
farbigen Arbeitnehmern mit Berufserfahrung waren im Jahr 1961 die
Hälfte und bei den weißen zwei Drittel als das ganze Jahr über ganztägig tätig gemeldet. Dieser Unterschied besteht schon seit Ende der
vierziger Jahre, d.h. seitdem derartige Statistiken geführt werden. _In

-

11

�In der Nachkriegszeit stieg der Prozentsatz der Frauen und Mädchen, die das ganze Jahr über ganztägig beschäftigt sind, bei
farbigen beträchtlich an, während er sich bei weißen Frauen etwa
konstant hielt. Dieser Anstieg ist teilweise auf die Tatsache
zurückzuführen, daß farbige Frauen und Mädchen nicht mehr in dem
bisherigen Ausmaß in der Landwirtschaft beschäftigt werden, wo
die Beschäftigungslage starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist. Im Jahre 1961 waren im Verhältnis fast ebenso viele
farbige wie weiße Frauen und Mädchen ganzjährig ganztägig beschäftigt, nämlich 32 bzw. 38 Prozent.
Beteiligung am Erwerbsleben: Eine der augenfälligsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt stellte während der letzten Jahre der
scharfe Rückgang der Neuzugänge bei den farbigen männlichen Jugendlichen und das geringe Interesse älterer farbiger Männer an einem
Arbeitsplatz dar (siehe Tafel VIII) . Im Jahre 1962 lagen die Beteiligungsraten der Farbigen in diesen Altersgruppen unter denen der
Weißen. Der besonders starke Rückgang bei den Farbigen entspricht
einem seit langem sichtbaren Trend. Er wurde durch den langfristigen
Rückgang der landwirtschaftlichen Beschäftigung, den Wunsch nach
längerer Schulbildung und die Verbesserung der Pensionsregelung ausgelöst - Entwicklungen, die auch bei den Weißen in den letzten Jahren
eine große Rolle gespielt haben.
In den fünfziger Jahren waren an der Landflucht 70 Prozent Jugendliche beteiligt, die noch keine 20 Jahre alt waren oder das
zwanzigste Lebensjahr im Verlauf dieser Dekade erreichten. Im allgemeinen sind die Jugendlichen auf dem Lande, gleichgültig, ob sie
noch zur Schule gehen oder nicht, als in der Landwirtschaft tätig
anzusehen. Ihre Beteiligungsrate liegt gewöhnlich höher als die der
städtischen Jugend der gleichen Altersklassen. Angesichts des ständigen
Rückgangs des Anteils der farbigen Beschäftigten in der Landwirtschaft
in der Zeit von 1955 bis 1962 darf man mit ziemlicher Sicherheit folgern, daß ein großer Teil der aus den ländlichen Bezirken abgewanderten
Jugendlichen nicht der weißen Rasse, angehörte. Des weiteren dürften
der starke Anstieg der Zahl der Schüler und Studenten und die in den
letzten Jahren ungewöhnlich hohe Arbeitslosigkeitsrate unter der
farbigen Jugend zu diesem Absinken der Beteiligung der Jugendlichen
am Erwerbsleben beigetragen haben.
Sowohl die Beteiligungsrate der weißen als auch die der farbigen
Männer der Gruppe im Alter von 65 und darüber gingen von 1955 bis 1962
ganz erheblich zurück, nämlich um 9 bzw. 13 Prozent. Der verstärkt
laut werdende Wunsch nach frühzeitiger Pensionierung scheint mit
zu den Ursachen zu zählen, daß es auch in der Gruppe der 55- bis
64jährigen zu einem - wenn auch nicht so eindeutigen - Rückgang
der Beteiligungsrate kam, wobei der Rückgang wiederum bei den Farbigen ausgeprägter war als bei den Weißen.
In der Hauptgruppe der 25- bis 64jährigen, in der die Beteiligungsraten ohnehin immer am höchsten liegen, blieben die Farbigen
weiterhin leicht hinter den Weißen zurück. Das ist unter Umständen
darauf zurückzuführen, daß die Rate der Invalidität auf Grund von
Krankheit und Unfall bei männlichen Farbigen höher ist, da die
Tafel VIII

�Tafel VIII
Rate der Beteiligung am Erwerbsleben der Altersgruppen, nach Hautfarbe
und Geschlecht gegliedert, in den Jahren 194^*

1955 und 1962

Altersgruppe
und
Geschlecht

1962

1955

1948

196?

1955

1948

Männer u.Frauen

56,1

57,1

56,7

60,0

61,9

63,5

Manner

7R,£

82,8

84,2

76,4

81 , 8

84,8

14
20
25
35
45
55
65

40,8
86,5
97,4
97,9
96,0
86,7
30,6

45,6
86,5
97,8
98,3
96,7
88,4
39,5

50,7
84,4
96,0
98,0
95,9
89, &amp;
46,6

38,4
89,3
95,3
94,5
92,2
81,5
27,2

48,8
89,7
95,8
96,2
94,2
83,1
40,0

58,4
85,6
95,3
97,2
94,6
88,4
50,3

Frauen

35,6

33,7

30,6

45,6

44,4

44,4

14
20
25
35
45
55
65

29,7
47,1
34,1
42,2
48,9
38,0
9,8

30,5
45,8
32,8
39,9
42,7
31,8
10,5

32,8
45,1
31,3
35,1
33,3
23,3
8,6

24,0
48,6
52,0
59,7
60,5
46,1
12,2

25,3
46,7
51,3
56,0
54,8
40,7
12,1

30,4
47,1
50,6
53,2
51,1
37,6
17,3

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
bis 64 Jahre
Jahre u.darüber

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
bis 64 Jahre
Jahre u.darüber

Weiße

Farbige

die Farbigen einen relativ hohen Anteil an den gefahrvolleren Handarbeiterberufen stellen.
Farbige Frauen und Mädchen nehmen schon immer proportional stärker
am Erwerbsleben teil als ihre weißen Schwestern. Der in der Nachkriegszeit eingetretene Anstieg der Beteiligungsrate erwachsener Frauen e±faßte Weiße und Farbige gleichermaßen. Trotz dieses Wandels standen
1962 nur etwa zwei Fünftel aller weißen Frauen und Mädchen der Altersgruppen zwischen 25 und 64 Jahren im Erwerbsleben gegenüber drei Fünfteln aller farbigen.
Einkommen und Erziehung
Einkommen; Bei den Farbigen entfällt häufig auf die einzelne Familie eine größere Zahl von Erwerbspersonen und somit eine höhere Rate
der Beteiligung am Erwerbsleben(pro Familie)als bei den Familien Weißer. Dieser Sachverhalt ist dazu angetan, die bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Farbigen und Weißen zu verwischen. Eine gegenteilige Wirkung haben dagegen die nicht zum Einkommen gerechneten
rrallöhne in der Landwirtschaft, in der relativ viele Farbj ge

13

�Farbige tätig sind. Dennoch ist das Haushalteinkommen ein recht
brauchbares Kriterium zur Beurteilung des wirtschaftlichen und sozialen Status, da viele Ausgabegepflogenheiten eng mit der Familie
als selbständige Einheit verknüpft sind.
Das Durchschnittseinkommen sowohl der weißen wie der farbigen
Haushalte ist in den beiden letzten Jahrzehnten ganz beträchtlich
gestiegen. Die Farbigen konnten - insbesondere während des zweiten
Weltkrieges und in den Jahren unmittelbar danach - auf Grund der
kriegsbedingten Verknappung von ungelernten Arbeitskräften und der
staatlichen Maßnahmen zur Anhebung der Einkommen der am schlechtesten bezahlten Arbeiter sehr beachtliche Einkommenssteigerungen
erzielen. Das Haushalteinkommen der Farbigen stieg von weniger als
40 Prozent des Haushalteinkommens der weißen Familien im Jahre 1959
auf nahezu 60 Prozent zu Anfang der fünfziger Jahre. Wenngleich die
Einkommen der Farbigenhaushalte auch in der Folgezeit weiter angestiegen sind, so kam es doch zu keiner weiteren Verringerung des
Abstands zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.

Tafel IX
Haushaiteinkomment nach Hautfarbe gegliedert, in den Jahren
1948. 1955 und 1961
(Prozent der Haushaltungen)
Haushalteinkomrnen
(in Dollar)
Alle Einkommensklassen
weniger als 5000
3000 bis 4999
5000 bis 9999
10 000 u.darüber

1961
Weiße

100,0
18,6
19,4
44,7
17,1

1955

Farbige

100,0
47,5
24,4
22,8
5,6

Weiße

100,0
25,7
30,5
36,6
6,5

1948

Farbige

100,0
57,3
28,3
15,7
0,6

Weiße

100,0
42,6
55,2
19,1
5,1

Farbige

100,0
78,1
16,5
5,5
0,4

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Prozentangaben nicht
notwendigerweise zu 100.
Dieses Phänomen ist sohl der Tatsache zuzuschreiben, daß im letzten
Jahrzehnt die akademischen, technischen und Managerberufe, in denen die
Farbigen noch immer nur schwach vertreten sind, einen weit größeren
Einkommenszuwachs (bis zu nahezu 70 Prozent) zu verzeichnen hatten als
die an der Basis der Beschäftigungspyramide zu findenden Berufsgruppen,
in denen der Anteil der Farbigen hinwiederum besonders hoch ist. Das
Einkommen der angelernten Arbeiter und der Angehörigen der Dienstleistungsberufe stieg im selben Zeitraum um lediglich 40 Prozent, während
es in den vierziger Jahren einen Zuwachs von rund 180 Prozent aufzuweisen hatte.
Im

�Im Jahre 1948 hatten nahezu 8 von 1C farbigen Haushalten ein
Bareinkommen von weniger als 3000 Dollar (siehe Tafel I X ) . Dieser
Satz fiel bis 1955 auf 6 von 10 und bis 1961 auf 5 von 10; dennoch
war der Anteil an Familien mit so geringem Einkommen bei den Farbigen
etwa zweieinhalbmal so groß wie bei den Weißen. Seit 1955 hat der
Anteil der Farbigenhaushalte in der Einkommensklasse von 5000 bis
10 000 Dollar eine 50prozentige Zunahme erfahren und kletterte auf
23 Prozent der Gesamtzahl sämtlicher Farbigenhaushalte, lag dabei aber
noch immer unter dem mit 45 Prozent ausgewiesenen Anteil bei den weißen
Haushalten. Am oberen Ende der Einkommensskala, in der Klasse der Haushalte mit einem Einkommen von 10 000 Dollar und darüber, rangierten 1961
immerhin 6 Prozent der farbigen Haushalte gegenüber lediglich 0,5 Prozent in den Jahren 1948 und 1955« Trotz des in den letzten Jahren zu
beobachtenden Aufstiegs vieler Farbiger in höher bezahlte Berufe und
damit höhere Einkommensklassen besteht noch immer eine große Kluft
zwischen den Haushalteinkommen weißer und farbiger Familien, fallen
doch anteilmäßig dreimal soviel weiße Haushalte in die Einkommensklasse
von 10 000 Dollar und darüber.
Bildung; Sehr beachtliche Erfolge zeitigten die Bemühungen, die
seit langem bestehende Lücke zwischen dem Bildungsstand der Weißen
und dem der Farbigen zu schließen. Im Jahre 1962 hatten die Angehörigen
der Altersklasse von 25 bis 29 Jahren bei den Weißen eine durchschnittliche schulische Ausbildung von 12,5, bei den Farbigen von 11,2 Jahren
aufzuweisen. Bei den Farbigen entspricht dies einer Verlängerung der
Schulzeit um rund 4 1/2 Jahre, gegenüber 1940, bei den Weißen einer
Verlängerung um nur 2 Jahre. Diese in der Nachkriegszeit eingetretene
weitgehende Angleichung ist größtenteils auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Kinder der Farbigen von den gebotenen schulischen Bildungsmöglichkeiten mehr Gebrauch machen als früher. An der Grundschule
sind die Unterschiede in den Einschulungsraten so gut wie ausgeglichen,
während sich in den höheren Schulen die Unterschiede nur wenig verringert
haben, so daß der Prozentsatz der farbigen Oberschüler noch immer merklich hinter dem der Weißen zurückbleibt.
Seit Mitte der fünfziger Jahre aber haben sich die Unterschiede
im Bildungsstand kaum mehr verringert, wenn auch beide Gruppen eine
Verlängerung des durchschnittlichen Schulbesuchs um ein Jahr aufzuweisen haben. Jüngst verfügbar gewordene Einkommensstatistiken, die nach
Hautfarbe und Bildungsstand des Haushaltvorstandes gegliedert sind,
untermauern die schon in anderen Untersuchungen erarbeitete Folgerung,
daß sich die Einkommenslücke zwischen Weißen und Farbigen selbst mit
steigenden Bildungsniveau nicht von selbst schließt. Immerhin ist sie •
bei Personen mit College-Ausbildung schon viel schmäler geworden, bezifferte sich doch das Haushalteinkomraen farbiger College-Absolventen
auf rund 85 Prozent des Einkommens ihrer weißen Kollegen.

(Quelle:"Monthly Labor Review",
Juli 1963, Vol. 86, Nr. 7)

* * * * *

-

15

-

�Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung
der Rassengleichheit
Sowohl durch Aufklärung als auch mit Hilfe wirtschaftlicher
Druckmittel will das amerikanische Postministerium jetzt versuchen,
die von ihm erlassenen Antidiskriminierungsbestimmungen bei all jenen
Wirtschaftsunternehmen durchzusetzen, die mit der Postverwaltung in
geschäftlichen Beziehungen stehen oder aber postalische Dienste übernommen haben.
So wurde kürzlich eine neue Klausel in sämtliche Dienstleistungsverträge aufgenommen, die die Postverwaltung mit rund 10 000 Inhabern
von Drugstores und anderen Geschäften mit Postschaltern abgeschlossen
hat, nach der die Unternehmen in Zukunft gehalten sind, jeden Kunden
ohne Rücksicht auf seine Hautfarbe zu bedienen und auch bei der Einstellung von Personal das Gleichheitsprinzip in Anwendung zu bringen.
Diese Vertragsklausel ist besonders für die Posthalter in den Südstaaten von großer Bedeutung, da hier die rassische Diskriminierung am
stärksten ausgeprägt ist.
Außerdem sind künftig sämtliche Personen, die Büroräume an die
US-Bundespost vermieten, vertraglich verpflichtet, auch in den übrigen
Teilen des Bürogebäudes die gleichen Antidiskriminierungsbestimmungen
durchzusetzen.
Diesen neuen Maßnahmen voraus gingen zahlreiche andere Anordnungen des US-Postministers, J. Edward Day, die in erster Linie auf die
Durchsetzung des Prinzips der Rassengleichheit im Postdienst selbst
abzielen wie unter anderen die Bestimmung, daß Beförderungen ohne
Rücksicht auf die Hautfarbe des Vorgeschlagenen zu erfolgen haben.
Inzwischen sind sechs Postamtsvorsteher des Rechts, Untergebene zu
befördern, verlustig gegangen, weil sie gegen diese Anordnung verstoßen
haben.
Außerdem wurden in den vergangenen Wochen insgesamt 27 Postamtsvorsteher aus den Südstaaten zu Aussprachen mit dem Postminister und
leitenden Angestellten des Postministeriums nach Washington beordert,
um ihnen nachdrücklich klarzumachen, daß die "Desegregation" im Postdienst heute eine Realität ist. Die US-Bundespost kann dabei bereits
auf sehr eindrucksvolle Erfolge hinweisen: Von den insgesamt 585 000
Postangestellten sind rund 117 000 oder 20 Prozent Farbige; während
sich vor zwei Jahren der Anteil der Neger in AufSichtspositionen lediglich auf 5 Prozent belief, beträgt er heute 10 Prozent; in der Bundeshauptstadt Washington sind von den insgesamt 9000 Postangestellten über
7000 Farbige, von denen auch etwa die Hälfte aller AufSichtspositionen
bekleidet wird; das Hauptpostamt von Los Angeles, das drittgrößte der
USA, hat seit kurzem einen Farbigen als Amtsvorsteher.
(Quelle: Eigenbericht)

-

16

-

�Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit
Obwohl die gute Konjunktur nun schon über zwei Jahre andauert,
die Wirtschaft in den vergangenen Monaten zahlreiche bemerkenswerte
Erfolge erzielen konnte und auch die Aussichten für die nächste Zukunft allgemein als sehr gut bezeichnet werden, ist man sowohl in
Kreisen der Wirtschaft als auch der Regierung und in der Öffentlichkeit mit der Gesamtentwicklung nicht ganz zufrieden. Der Grund hierfür ist die immer noch relativ ungünstige Lage am Arbeitsmarkt. Denn
obwohl die Beschäftigtenzahl in letzter Zeit stetig angestiegen ist,
im Juni ein Zugang von 1,3 Millionen verzeichnet wurde und im gleichen Monat zum ersten Mal in der Geschichte der USA über 70 Millionen
Werktätige registriert werden konnten, sind 4»ö Millionen Amerikaner
oder 5»7 Prozent des Arbeitspotentials arbeitslos.
Große Sorge bereiten Regierung und Öffentlichkeit in dieser Hinsicht insbesondere zwei Arbeitnehmergruppen: die Jugendlichen und die
Farbigen. Der Anteil der erwerbslosen Teenager an der Gesamtzahl der
Arbeitskräfte z.B. beträgt gegenwärtig rund 1,6 Prozent. Zwar ist dieser hohe Prozentsatz zum Teil darauf zurückzuführen, daß während der
langen Sommer-Schulferien sich sehr viele Jugendliche um einen temporären Arbeitsplatz bemühen - dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Erwerbslosenrate unter den Teenagern in den letzten
Jahren ständig extrem hoch gewesen ist, noch die Tatsache erklären,
daß die Gesamtzunahme der Arbeitslosenziffer im Juni (plus 800 000)
allein durch den Zugang Jugendlicher bedingt war. In krassem Gegensatz
hierzu steht die Entwicklung der Arbeitslosenrate bei den verheirateten
Männern, die im Juni auf 3»1 Prozent absank und damit erheblich unter
dem Stand des Vorjahres lag.
Wesentlich verschärft wird das Problem der Jugendarbeitslosigkeit noch durch den allgemeinen Bevölkerungstrend, der für die nächsten Jahre einen erheblich größeren Zustrom von Jugendlichen zum.
Arbeitsmarkt erwarten läßt. In diesem Jahr z.B. werden rund 1 Million
Jugendliche mehr als im vergangenen Jahr das 16. Lebensjahr erreichen
und zum Teil aller Wahrscheinlichkeit nach nicht weiter die Schule
besuchen, sondern sich um einen Arbeitsplatz bemühen.
Ein ähnliches schwieriges wirtschaftliches und soziales Problem
bilden in dieser Hinsicht auch die Farbigen, deren Erwerbslosenrate
um das Doppelte über dem nationalen Durchschnitt liegt und besonders
hoch unter den Teenagern ist.
Wenn man auch nicht gerade behaupten kann, daß die zunehmenden
Spannungen zwischen der weißen und der farbigen Bevölkerung und die
verstärkten Bemühungen der Regierung zur Durchsetzung der Bürgerrechte
allein den mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten zuzuschreiben sind,
so trägt doch andererseits die starke Arbeitslosigkeit, insbesondere
unter der farbigen Bevölkerung, erheblich zur allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Unrast bei, ganz gleich, wie gut die allgemeine
wirtschaftliche Lage auch sein mag.
Die Regierung Kennedy hat bisher zahlreiche energische Schritte
zur Lösung dieser eng miteinander verwobenen Probleme - Arbeitslosigkeit und Bürgerrechte - unternommen und mit den kürzlich dem

-

17

-

�dem Kongreß unterbreiteten Bürgerrechtsvorlagen einen entscheidenden
Vorstoß gewagt. Die meisten der vorgeschlagenen gesetzlichen Maßnahmen haben dabei einen ausgesprochen wirtschaftspolitischen Charakter.
Sie sollen all jene Bemühungen ergänzen, die bisher zur Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums und zur stärkerem Nutzung des
Arbeitspotentials unternommen wurden - wie die Programme zur Verbesserung der schulischen und beruflichen Ausbildung, zur Ausweitung
der Beschäftigungs- und Bildungsmöglichkeiten, zur Beseitigung der
Diskriminierung bei der Einstellung von Arbeitskräften oder zur speziellen Förderung der Jugend.
Die stärkste Wirkung bei all den wirtschaftlichen Förderungsmaßnahmen könnte jedoch von dem vorgeschlagenen Steuersenkungsprogramm ausgehen, das jetzt dem Kongreß zur Beratung vorliegt. Dieses
Programm, das eine erhebliche Senkung der Einkommensteuer zwecks
Erreichung eines langfristigen, größeren wirtschaftlichen Wachstums
vorsieht, stellt wohl die wirkungsvollste Ergänzung zu all den anderen
Maßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit dar. Denn es wäre, wie
US-Arbeitsminister Wirtz erst kürzlich erklärte, völlig sinnlos,
Arbeitnehmer auf produktive Zukunftsberufe umzuschulen oder diskriminierende Einstellungspraktiken gesetzlich zu beseitigen, wenn es
in der Wirtschaft einfach nicht genügend Arbeitsplätze gibt.
Es wäre daher auch verkehrt, alle diese in eine Richtung zielenden Maßnahmen nach gewissen Prioritäten einzustufen, denn sowohl
das Steuersenkungsprogramm als auch die Erziehungs-, Förderungsund Bürgerrechts-Programme stellen ein Ganzes dar und sind auch
als solches zu behandeln, wenn eine maximale Wirkung von ihnen ausgehen, soll.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe
Der Unfallschutz am Arbeitsplatz ist eines der Hauptanliegen
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Immer neue Verfahren, Maschinen und Produkte bringen für den arbeitenden Menschen immer neue
Gefahren mit sich, denen es rechtzeitig durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu begegnen gilt.
Insgesamt wurden im Jahr 1962 in den Vereinigten Staaten 1,99
Millionen Betriebs- und Arbeitsunfälle registriert, von denen 13 700
tödlich verliefen und 83 300 bleibende Gesundheitsschäden zur Folge
hatten. Anders ausgedrückt entfielen auf je 100 000 Arbeitskräfte
21 Todesfälle. Diese Zahl dürfte mehr als ausreichen, um die Bedeutung der Unfallverhütungsmaßnahmen zu unterstreichen.
Die Gewerkschaften schalten sich aktiv in die Planung und Entwicklung von Sicherheitsmaßnahmen in den Betrieben ein und suchen
durch die Ausarbeitung von Gesetzgebungsvorschlägen zu Fragen der

-

18

�der Unfallverhütung und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz und
durch den Einbau entsprechender Vorschriften in die Tarifverträge
den Arbeitsschutz zu verbessern. Sie beteiligen sich darüber hinaus
in immer stärkerem Maße an Fachtagungen, die von Unfallschutzorganisationen und staatlichen Stellen mit dem Ziel abgehalten werden,
den Erfahrungsaustausch unter allen Beteiligten zu fördern. Die
Fortschritte auf dem Gebiet des betrieblichen Unfallschutzes sind
zu einem guten Teil den von den Unternehmensleitungen und Gewerkschaften gemeinsam erarbeiteten Sicherheitsvorschriften zu danken.
Ein Beispiel für die Früchte einer solchen Zusammenarbeit bietet
die Papier- und Holzschliffindustrie in den waldreichen Pazifikstaaten Washington, Oregon und Kalifornien. Eine 1946 eingeleitete
Kampagne zur Verbesserung des Arbeitsschutzes in den Papiermühlen
führte dazu, daß die Unfallrate pro 1 Killion geleistete Arbeitsstunden von 38,9° im Jahre 1945 auf 4*66 im Jahr i960 zurückging. Den
Kern des Sicherheitsprogramms bilden persönliche Schutzmaßnahmen wie
das Tragen von Sicherheitshelmen, Schutzbrillen, Plastikgesichtsmasken, rutschfestem Schuhwerk, feuerfester Kleidung, Arbeitshandschuhen
und dergleichen.
Die Unfallverhütung beginnt im Grunde mit der Analyse der Unfallgefahren; die Beschaffung geeigneter Schutzkleidung und -einrichtungen ist der nächste Schritt. Die größte Schwierigkeit besteht leider
sehr häufig darin, die Arbeiter von der Notwendigkeit des ständigen
Gebrauchs der Schutzeinrichtungen und der konsequenten Beachtung der
Sicherheitsvorschriften zu überzeugen. Der arbeitende Mensch selbst
ist es schließlich, der am meisten zur Vermeidung von Unfällen und
Gesundheitsschädigungen am Arbeitsplatz beitragen kann. Von seiner
Einstellung zur Frage des Unfallschutzes hängt der Erfolg aller
Sicherheitsmaßnahmen - und unter Umständen sein Leben - ab.
Hier setzt deshalb auch die erzieherische Arbeit der Gewerkschaften ein. In der Gewerkschaftspresse und durch Aufklärungsschriften wirken sie auf ihre Mitglieder ein. Die Bedeutung dieser Aufklärungsarbeit wird in ihrem ganzen Umfang erst klar, wenn man sich
vergegenwärtigt, daß die am Arbeitsplatz anerzogene Vorsicht den
Menschen ja auch auf der Straße und zu Hause vielfach davor bewahren
wird, sich unnötigerweise Gefahren auszusetzen.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus
Einen Streikverzicht für mindestens sechs Jahre vereinbarte die
amerikanische Seeleutegewerkschaft (National Maritime Union) mit dem
Verband der amerikanischen Reeder (American Merchant Marine Institute)
im Rahmen eines neuen Tarifvertrages, der sich auf rund 25 000 Seeleute im Dienst von 34 Passagier- und Frachtschiffahrtsgesellschaften
erstreckt.
Der

19

�Der neue Tarifvertrag, der vorläufig bis Juni 19&amp;9 gelten soll,
sieht für Matrosen u.a. die Gewährung von 60 Tagen bezahltem Urlaub
pro Jahr nach einjähriger Fahrenszeit, erhöhte Arbeitgeberbeiträge
zur Altersversicherung sowie die Abführung eines Betrags von zunächst
25 Cent und später 50 Cent pro Mann und Arbeitstag an einen neu zu
errichtenden Sozialfonds vor. Die höheren Versicherungsbeiträge werden zur Finanzierung eines Ruhegeldes von monatlich 150 Dollar verwendet werden, auf das künftig alle Seeleute nach 20jähriger Fahrenszeit
ohne Rücksicht auf ihr jeweiliges Lebensalter Anspruch haben. Die Mittel
des Sozialfonds sollen vor allem zur Milderung von Härten verwendet
werden, die sich aus der fortschreitenden Automatisierung ergeben.
Der Vertrag sieht des weiteren die Neuaufnahme von Verhandlungen
über Löhne, Überstundenzuschläge und Sozialnebenleistungen in gewissen
Abständen vor und verpflichtet beide Tarifpartner für den Fall, daß
bei derartigen Verhandlungen eine Einigung nicht innerhalb 30 Tagen
erreicht wird, sich der Zwangsschlichtung durch einen unabhängigen
ständigen Schiedsmann zu unterwerfen.
Der Vertragsentwurf war um die Jahresmitte in Form eines FünfPunkte-Plans 74 Reedereien mit zusammen 40 000 Beschäftigten unterbreitet worden. Er sah neben den vorstehend genannten Bestimmungen
auch die Einführung des sogenannten " agency shop", d.h. die Abführung
eines Solidaritätsbeitrags an die Gewerkschaft durch die nichtorganisierten Arbeitnehmer vor.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

20

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Diese» Bulletin enthalt Material über Arbeitsbezichungcn, Gewcrkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Information*! Operations Unit
l'SlS-Doiin r&gt;;ul Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen- ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 11

Bad Godesberg, deri 1. November 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die amerikanische Sozialversicherung

Seite

1

Seite

5

Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start

Seite

10

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen
Akzenten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite
Seite

10
12

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen
in den USA

.

Robert M. Ball, Leiter des US-Bundesamtes für die Sozialversicherung:
Die amerikanische Sozialversicherung
Konzeption und Gliederung - Beiträge und Leistungen
Die Vereinigten Staaten waren in den ersten Jahrzehnten ihres
Bestehens ein überwiegend agrarwirtschaftlich orientiertes Land, dessen
"Grenze" - hier als Grenzbereich zwischen Wildnis und Kulturlandschaft,
zwischen dem "Fernen Westen" und den zivilisierten Regionen an der
Ostküste des amerikanischen Kontinents verstanden - jedem strebsamen
Menschen Aufstiegschancen und sogar die Aussicht,, auf einen gewissen
Wohlstand bot. Eine der frühesten Formen der "sozialen Sicherheit"
oder "Sozialversicherung"war das vom Staat jedem Bürger zugestandene
Recht, sich bis zu 64 ha Land kostenlos anzueignen, sofern er es produktiv zu nutzen vermochte. Die Amerikaner sind es auf Grund solcher
historischer Entwicklungen seit Generationen gewohnt, sich für sich
und ihr Schicksal selbst verantwortlich zu fühlen, für sich und ihre
Familie selbst aufzukommen, sich vor Not und Abhängigkeit selbst zu
schützen und darüber hinaus zum Wachstum und Gedeihen des Gemeinwesens
beizutragen.
Die

-

1 -

�Die Vorstellung, daß jedermann für sich selbst zu sorgen habe,
ist auch heute noch fester Bestandteil des amerikanischen Denkens.
Andererseits hat der Staat heute wie damals die Aufgabe, seine Bürger dazu in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen - heute
natürlich in einer Form, die einer hochindustrialisierten Gesellschaft angemessen ist. Diese Gesellschaftsform, die den Amerikanern
einerseits einen ständig steigenden Lebensstandard brachte, führte
andererseits zu einer in früheren Zeiten unbekannten Abhängigkeit
von einem laufenden Geldeinkommen.
Aus diesen Erwägungen heraus erließ der amerikanische Kongreß
1935 das Gesetz über die Schaffung eines Bundessozialversicherungssystems, das den einzelnen vor jenen Risiken schützen soll, gegen
die er sich anderweitig kaum selbst zu schützen vermag. Mit anderen
Worten, die Sozialversicherung verbürgt allen arbeitenden Menschen
ein Recht auf Rente nach Erreichung der Altersgrenze oder bei vorzeitiger Arbeitsunfähigkeit und, für den Fall des Ablebens, dejn.
Hinterbliebenen einen Anspruch auf Witwen- oder Waisenrente.
Ergänzt wird die Bundessozialversicherung durch die einzelstaatlichen Arbeitsunfall- und Arbeitslosen-Versicherungen, die bei
gewissen Leistungen Bundeszuschüsse erhalten. Eng mit der Sozialversicherung verknüpft sind ferner die Maßnahmen zur Rehabilitation
Behinderter'und die Tätigkeit der Gesundheits- und WohlfahrtsbehÖrden, insbesondere auch die Programme für Mutter und Kind.
Die Alters-, Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung, die
Sozialversicherung im engeren Sinne, zeichnet sich durch drei Hauptcharakteristika aus:
1. Allgemeiner Geltungsbereich. Die amerikanische Sozialversicherung erstreckt sich,im Gegensatz zur Regelung in manchen anderen
Ländern,auf fast sämtliche Erwerbspersonen, gleichgültig, ob sie als
Selbständige tätig sind oder gegen Lohn oder Gehalt für andere arbeiten, ob sie in der Landwirtschaft, in der Fabrik oder im Büro be-»
schäftigt sind oder ob sie den Streitkräften angehören. Sie erfaßt
rund neun Zehntel sämtlicher Erwerbspersonen. Nur zwei größere Personenkreise fallen nicht unter die Beitragspflicht: die Bundesbediensteten, für die ein eigenes Sozialversicherungswerk besteht, und die
freischaffenden Arzte.
Der Beitrag wird in Form einer "Sozialversicherungssteuer" auf
das Einkommen erhoben und je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgebracht. Ausgehend von je drei Prozent für das Jahr 1961,
wird er bis 1968 auf je 4 5/8 Prozent angehoben werden. Der Einkommensteil, der jährlich 4800 Dollar übersteigt, unterliegt dabei nicht
der "Besteuerung". Selbständige zahlten - ebenfalls bis zu einer
Einkommenshöhe von 4800 Dollar pro Jahr - 1961 noch 4,5 Prozent und
werden ab 1968 dann 6,9 Prozent abzuführen haben.
2. Rechtsanspruch auf Leistungen. Die Leistungen aus der Sozialversicherung basieren auf einem gesetzlich festgelegten Rechtsanspruch,
der sich auf die einkommensabhängigen Beiträge gründet.

1t
-

2

-

�3. Schutz vor drei Risiken. Die Sozialversicherung umfaßt die
Alters-, die Hinterbliebenen- und die Invaliditätsversicherung, die
als ein einheitliches Ganzes verwaltet werden. Ihr Zweck ist ein
umfassender Schutz gegen Einkommensverlust bei Invalidität, Erreichung der Altersgrenze oder Tod des Hauptverdieners. Die Wartezeit
für Hinterbliebenenrente ist im günstigsten Fall nach rund eineinhalbjähriger Berufsausübung erfüllt. Nach dem Gesetz gilt als versichert, wer für j.edes Jahr nach 1950 - das Jahr des Eintritts des
Versicherungsfalles ausgenommen - eine abgedeckte Versicherungszeit
von jeweils mindestens einem Quartal nachweisen kann. Bei der Altersund Invaliditätsrente, die frühestens nach zehnjähriger Versicherungsdauer wirksam wird, ist zusätzlich Voraussetzung, daß fünf von den
zehn Jahren bei Eintritt des Versicherungsfalles entsprechend abgedeckt sind.
Ende Juni 1963 wurden Renten aus der Sozialversicherung an über
18fc5 Millionen Personen gezahlt; das entspricht einer Zunahme um
nahezu zwei Millionen gegenüber Juni 1962. In dem am 30. Juni zu Ende
gegangenen Haushaltjahr 1962/63 wurden Leistungen in Höhe von über
15 Milliarden Dollar gezahlt, d.h. zehn Prozent mehr als im vorigen
Haushaltjähr.
a) Altersrente . Nach den derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen
wird Altersrente dem Versicherten im Falle des Ausscheidens aus dem
Beruf nach Vollendung des 65. Lebensjahres gewährt. Sie liegt je nach
dem früheren Einkommen zwischen 40 Dollar und 127 Dollar pro Monat.
Für die Ehefrau wird ein Zuschuß in Höhe von 50 Prozent der Grundrente
gezahlt, sofern sie ebenfalls das 65. Lebensjahr vollendet oder mindestens ein Kind zu versorgen hat. Sowohl der Versicherte als auch seine
Ehefrau können die Rente schon nach Vollendung des 62. Lebensjahres zu
einem verminderten Satz beziehen. Im Gegensatz zur Rentenregelung in
vielen anderen Ländern ist auch der wirtschaftlich von der Ehefrau
abhängige Ehemann bezugsberechtigt, wenn die Ehefrau als vollversichert
gilt. Es wird ferner ein Zuschlag für bis zu zwei Kinder unter 18 Jahren
gewährt, denen auch ältere Kinder gleichzusetzen sind, bei denen die
Vollinvalidität vor Vollendung des 18. Lebensjahres eingetreten ist.
b) Hinterbliebenenrente.Beim Tod des versicherten Arbeitnehmers (oder Selbständigen) wird Hinterbliebenenrente an die Witwe
(oder den abhängigen Witwer)frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres und an Witwen jeden Alters mit mindestens einem bezugsberechtigten Kind, Waisenrente an Kinder unter 18 Jahren (oder vollinvalide
Kinder) und Elternrent« an abhängige Eltern gezahlt. Die Witwenrei
ist ab Vollendung des 62. Lebensjahres in voller Höhe zahlbar und beträgt für die alleinstehende Witwe 40 Dollar bis zu 104,80 Dollar.
Bei Witwen jeden Alters mit einem bezugsberechtigten Kind liegt sie
zwischen 60 Dollar und 190,60 Dollar, bei einer Witwe mit zwei Kindern
zwischen 60 Dollar und 254 Dollar. Die Waisenrente für ein Kind beträgt 40 Dollar bis zu 95,30 Dollar und für zwei Kinder 60 Dollar bis
zu 190,60 Dollar. Die Versicherung gewährt ferner ein Sterbegeld in
Höhe von 120 Dollar bis 255 Dollar.

ol
-

3 -

�c) Invaliditätsrente. Bei völliger Erwerbsunfähigkeit besteht
Anspruch auf Invaliditätsrente in Höhe der den bezahlten Beiträgen
entsprechenden ungekürzten Altersrente; für abhängige Familienangehörige gilt dieselbe Regelung wie vorstehend unter "Altersrenten"
dargelegt.
Bei sämtlichen Rentenformen ist noch die Bestimmung zu beachten,
daß der Höchstbetrag, der an eine Familie ausgezahlt werden kann,
jeweils auf das Doppelte der Grundrente des Versicherten beschränkt
ist. Für Erwerbsunfähige sieht das Sozialversicherungsgesetz Bundeszuschüsse bei Gesundheitsmaßnahmen vor, die im Rahmen des von Bund
und Einzelstaaten gemeinsam getragenen Rehabilitationsprogramms durchgeführt werden.
4. Einkommensabhängigkeit der Leistungen. Die Rentenleistungen
richten sich bis zur Höchstgrenze von 48OO Dollar nach dem Durchschnittseinkommen und nur bedingt nach der Länge der Mitgliedschaft.
Aus diesem Grund war es auch schon in den ersten Jahren nach Errichtung der Versicherung möglich, Renten in ungekürzter Höhe auszuzahlen.
Da der Versicherte durch sein Einkommen die Höhe seiner späteren Pension selbst bestimmt, bleibt der Anreiz zu beruflicher Leistung und
schnellem Fortkommen erhalten. Die späteren Rentenbezüge stehen in
einer direkten Relation zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und dem
Lebensstandard des Versicherten. Dabei wird den Angehörigen der unteren Einkommensgruppen ein höherer Prozentsatz ihres Arbeitseinkommens als Rente gewährt als denjenigen in den besser verdienenden
Gruppen.
5« Rente und zusätzliches Einkommen. Leistungen der Sozialversicherung werden, das ist die Grundkonzeption, zum Ausgleich des Einkommensverlustes durch Alter, Tod des Hauptverdieners oder Arbeitsunfähigkeit gewährt. Ein unbedingtes Recht auf Rente besteht erst nach
Vollendung des 72. Lebensjahres. Das heißt, in der Praxis werden Versicherte im Alter von 65 bis J2 Jahren, die voll berufstätig sind,
keine Rente erhalten, während Versicherte von 65 und darüber, die nur
noch gelegentlich oder z.B. halbtags beschäftigt sind, Leistungen beziehen können. Die Gewährung von Leistungen ohne Rücksicht auf zusätzliche Arbeitseinkommen - bzw. auf Einkünfte bei Selbständigen würde zwangsläufig die Abführung höherer Beiträge erforderlich machen.
Ohne rentenmindernde Wirkung sind dagegen Einkünfte aus Vermögen,
Ersparnissen und Wertpapierbesitz.
6. Ein beitragsgespeistes Kassensystem. Die Sozialversicherung
wird ausschließlich aus den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen
bzw. den Beiträgen der selbständigen Gewerbetreibenden, Angehörigen
der freien Berufe und Farmer und aus den Einkünften aus der langfristigen Anlage der Rückstellungen gespeist.
Die Beitragsabhängigkeit der Leistungen der Sozialve- Lcherung
ist ein Faktor, der das Verantwortungsbewußtsein der Mitglieder gegenüber der Versicherung stärkt. Der Beitragspflichtige ist sich darüber im klaren, daß die Leistungen, die er bzw. seine Familienangehörigen zu erwarten haben, durch seine eigenen Beiträge mitfinanziert
werden, - was sein persönliches Interesse an der Gesunderhaltung
der Finanzierungsbasis des gesamten Systems wachhält.

Ix
-

4 -

�7. Aufsichtsorgane . Das Sozialversicherungssystem untersteht
dem Bundesamt für die Sozialversicherung im Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen. Ein Verwaltungsrat ist
verpflichtet, dem Kongreß jedes Jahr über die Höhe der Rückstellungen, die versicherungstechnische Lage und die voraussichtliche Einnahmen- und Ausgabenentwicklung in den nächsten fünf Jahren Bericht
zu erstatten. Nach dem Sozialversicherungsgesetz ist in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der Beitragssätze, der versicherungstechnischen Bilanz, der Anlagepolitik und des gesamten übrigen Finanzgebarens durch einen Beratungsausschuß aus Vertretern der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Öffentlichkeit vorzunehmen. Der Ausschuß
kann auf Grund seiner Feststellungen etwaige Änderungen zur Sicherung
einer gesunden Finanzbasis vorschlagen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen in den USA
Eine Übersicht über die Jahre 1954 bis 1962

Die Lohnveränderungen auf Grund von Tarifverträgen zeigten in den
letzten Jahren eine deutliche Verflachungstendenz, wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik Anfang Oktober bekanntgab.
Im Rezessionsjähr 1954 waren die ausgehandelten Lohnerhöhungen
mit (durchschnittlich) 5 1/2 Cent pro Stunde relativ niedrig, während
sie in den drei folgenden Jahren auf über zehn Cent anstiegen. In
den darauf folgenden drei Jahren, von 1958 bis 1960, variierten die
durchschnittlichen Steigerungsbeträge zwischen 8 1/2 und 9 Cent pro
Stunde, um 1961 auf durchschnittlich 7 Cent abzusinken. Im Jahr 1962
war ein leichter Anstieg auf 8 Cent zu verzeichnen (siehe Tafel i ) •
Legt man die 1961 und 1962 erzielten Lohnerhöhungen auf sämtliche
Beschäftigte um, die in diesem Zeitraum in irgendeiner Form von Tarifverhandlungen berührt wurden - unter Einschluß also auch der Arbeiter
und Angestellten, deren Löhne unverändert gleichgeblieben sind -, so
errechnet sich für die beiden Jahre ein Durchschnitt von 7 Cent.
Verflachungstendenzen auch bei stufenweisen Lohnerhöhungen
Auch die Lohnveränderungen, die auf Grund älterer Tarifverträge
wirksam wurden - Erhöhungen in Anpassung an den steigenden Lebenshaltungskostenindex auf Grund einer Lohngleitklausel und inzwischen in
Kraft getretene stufenweise Lohnerhöhungen -, sind geringer ausgefallen. Soweit Arbeiter und Angestellte tatsächliche Lohnaufbesserungen
erhielten, bewegten sie sich in Üen Jahren von 1956 bis 1958 zwischen
Tafel I

�Tafel

I

G e n e r e l l e Lohnerhöhungen a u f Grund t a r i f v e r t r a g l i c h e r

Vereinbarungen

i n den J a h r e n 1954 h i s 1962

Gesamtwirtschaft

1962
1961
1960

1959
1958
1957
1956
1955
1954

Fertigungsindustrien

Ausgewählte
andere Wirtschaftszweige

durchschn. durchschn.
Anpassung E r h ö h u n g

durchschn.durchschn.
A n p a s s u n g Erhöhung

durchschn.
Anpassung

durchschn.
Erhöhung

Cent

Cent

&lt;fo

Cent

&lt;$&gt;

Cent

#

A u s g e h a n d e l t im J a h r
5,0
2,4 6,8
2,9
6,0
6,5
2,5
2,4
3,2
5,2
8,9
8,7
7,4
5,7
7,5
5,5
7,2
7,1
10,4
9,9
- 10,7
10,7
9,4
9,5
5,6
5,7

10,2
9,0
7,4
8,8
9,7
10,4
10,5
15,5
5,6

4,0
5,6
5,5
4,0
-

10,2
10,0
7,5
8,9
9,8
10,4
10,6
15,9
5,6

4,1
5,6
5,5
4,0
-

3,5
2,6
3,2
3,1
-

10,2
9,0
8,5
7,6
14,0
-

3,8

7,0
6,9
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8,8
8,6
10,1
10,7
10,1
5,6

io

2,9
2,8
5,2
5,9
-

Cent

8,0
7,0
8,7
8,8
8,8
10,4
10,7
10,5
5,7

&lt;/o

5,6
2,9
5,2
5,9
-

&lt;fo

Cent

in Kraft g e t r e t e n im Jahr
1962
1961
1960

1959
1958
1957
1956
1955
1954

7,5
6,2
8,5
7,8
12,5
-

2,8
2,7
5,5
5,5
-

9,0
8,0
9,4
8,8
12,6
12,7
10,8
-

3,4
5,1
5,6
5,6
-

6,5
6,9
9,0
8,4
-

2,6 8,0
2,7 8,0
5,2 9,4
5,5 9,1
- 11,5
-

3,0
5,0
5,7
5,7
-

10,0
5,7
7,0
7,0
-

5,0

5,7
5,4
-

1) E r f a ß t sind sämtliche T a r i f v e r t r ä g e , die auf 1000 und mehr A r b e i t e r
und A n g e s t e l l t e Anwendung f i n d e n : Daten für d i e J a h r e 1954 b i s 1958
sind nur zum T e i l v e r f ü g b a r .
Anm.s In der Rubrik "Anpassung" sind sämtliche Verträge b e r ü c k s i c h t i g t ,
g l e i c h g ü l t i g , ob d i e Löhne g l e i c h b l i e b e n oder Lohnerhöhungen
oder Kürzungen e i n t r a t e n . Unter "Erhöhungen" sind nur Verträge
a n g e f ü h r t , die t a t s ä c h l i c h eine Lohnerhöhung b r a c h t e n .

6

-

�zwischen 11 und 13 Cent die Stunde, von 1959 bis 1962 zwischen
8 und 9 1/4 Cent.
Dieser Verflachungstrend war in den Fertigungsindustrien ausgeprägter als in der übrigen Wirtschaft. Langfristige Tarifverträge,
die Lohnverhandlungen in manchen Industriezweigen nur alle zwei oder
drei Jahre zulassen, und die unterschiedliche Höhe der ausgehandelten Lohnaufschläge in den einzelnen Jahren beeinflussen diese Entwicklung.
Ähnliche Entwicklung im Baugewerbe
Parallel zur Entwicklung in der übrigen Wirtschaft verlief die
Lohnentwicklung im Bau- und Bauhilfsgewerbe (siehe Tafel I I ) . Während
die Erhöhungen in der Zeit vor 1954 zwischen 3 und 10 Prozent schwankten, beliefen sie sich 1954 und 1955 auf durchschnittlich 3,5 Prozent,
stiegen dann in der Zeit von 1956 bis 1959 vorübergehend auf 4,5 bis
4,9 Prozent an, um in den folgenden Jahren auf 4 Prozent und darunter
abzusinken.
Tafel II
Durchschnittliche Lohnanpassungen in 7 Beschäftigungssparten des

ll

2~1

Bau- und Bauhilfsgewerbes ' in Großstädten ' von 1948

bis

1962

Anpassungen in Kraft getreten im Jahr

Cent

Prozent

1962
1961
1960
1959
1958
1957
1956
1955
1954
1953
1952
1951
1950
1949
1948

14,2
14,2
14,8
15,6
14,5
15,0
13,6
9,9
11,0
11,0
15,0
10,0
15,0
5,0
20,0

5,8
5,9
4,2
4,7
4,5
4,9
4,7
5,5
5,5
4,6
6,4
4,5
7,0
5,0
10,0

1) Maurer, Zimmerleute, Elektriker, Maler, Stukkateure, Installateure
und Bauhilfsarbeiter
2) Die Angaben für die Jahre 1956 bis 1962 basieren auf Untersuchungen
in 100 Großstädten, die für die Zeit bis zum 4. Quartal des Jahres
1955 auf Erhebungen in 85 Großstädten.
Wei terer

�Weiterer Ausbau der Lohnnebenleistungen
Neben reinen Lohnerhöhungen konnten die Arbeitnehmer auch wesentliche Verbesserungen der Lohnnebenleistungen aushandeln. Die ohnehin
sehr ausgeprägte Tendenz der Gewerkschaften, bei Tarifverhandlungen auf
Verbesserungen der Lohnnebenleistungen zu dringen, findet in der Tatsache
ihren Niederschlag, daß eine oder mehrere derartige Verbesserungen in
den Jahren 1954 und 1955 in rund zwei Dritteln und 1962 in fast drei
Vierteln aller Verträge vereinbart worden sind (siehe Tafel III).
Tafel III
Prozentsatz der in den Jahren 1954 bis 1962 ausgehandelten Tarifverträge
mit Klauseln über die Gewährung bzw. Verbesserung von Lohnnebenleistungen

Art d. Lohnnebenleistung
Tarifverträge mit
positiven Veränd.
Schichtzulagen
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage
Leistungsprämien
Pensionen
Kranken- und
Sozialkassen
Arbeitsl.-Zusatzvers.
Entlassungsgeld
Geschworenen-Vergütung
Bez.Urlaub bei
Trauerfall
Bez. Krankenurlaub

1962

1961

196O

1959

1958

1957

1956

1955

1954

74,8

70,7

72,0

72,5

75,1

77,7

65,9

67,0

9,4

8,7
51,2
18,5
5,1
29,2

9,2
54,8
25,8
8,5
28,2

7,9

55,8
15,4
5,5
52,8

72,7
8,6
27,5
20,6
6,5
52,0

26,5
22,4
7,5
20,7

15,2
55,9
51,5
12,5
18,2

21,5
38,6
52,4
14,1
25,5

8,5
29,7
25,4
6,0
25,0

8,0
20,0
25,0
4,0
20,0

44,4
10,6
6,4

46,1
5,9
8,7

50,1
0,5
7,9

55,6
2,5
4,5

56,4
0,6
4,0

59,9
1,1
2,7

44,9
8,1
3,0

59,2
6,0
1,9

58,0
-

4,5

7,4

4,2

4,6

5,7

5,4

9,7

5,9

2,0

7,9
5,1

6,5
4,5

5,5
2,7

5,6
3,4

5,5
3,1

6,9
2,5

4,4
5,9

4,-5
5,5

5,0
2,0

17,0

10,2

10,0

-

29,2

21,2

27,7

27,5

Andere Lohnnebenleistungen
16,4
Tarifverträge ohne
Veränderungen
25,2
Tarifvertr. m. negativen Veränderungen
Lohnändernde Tarifvertr. insgesamt
1106

9,0
24,9

0,1

-

0,3

0,2

-

1088

1054

1015

875

828

22,2
1191

33,8

32,0

0,4

1,0

1545

1215

Tafel IV

�Tafel IV
Prozentsatz der Produktionsarbeitqy, die von 1959 bis 1962 ausgehandalten Tarifverträgen mit Klauseln über die Gewährung oder Verbesserung
von Lohnnebenleistungjen betroffen wurden

Art d. Lohnnebenleistungen
Tarifverträge mit positiven
Veränderungen
Schichtzulagen
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage
Lei stungsprämien
Pensionen
Kranken- u . S o z i a l k a s s e n
Arbeitslosen-Zusatzvers.
Entlassungsgeld
Geschworenen-Vergütung
Bez. Urlaub b . T r a u e r f a l l
Bez. Krankenurlaub
Andere Lohnnebenleistungen
T a r i f v e r t r ä g e O.Veränderungen
T a r i f v e r t r ä g e m. n e g a t i v e n
Veränderungen
E r f a ß t e Arbeitnehmer
insgesamt ( i n Tausend)

1962

1961

1960

1959

62,5
6,6
58,1
10,9
2,9
54,9
35,1
17,3
5,3
4,5
7,4
4,2

76,7

85,5

81 ,0

6,4
59,6
16,8
4,1
48,1
58,4
18,8
21,5
19,5
5,8
5,5

5,0
40,2
30,1
6,5
40,8
70,7
0,5
10,8
2,8
2,6
2,7

9,5
45,8
29,9
8,7
42,0
42,1
5,4
6,2
5,8
5,9
5,5

25,8
57,5

54,0
25,2

10,1
14,5

12,7
18 c 7
0,3

4037

4035

4508

5545

Kranken- und Altersversicherung im Vordergrund
Bei den Verbesserungen dieser Leistungen stand fast in jedem
Jahr der Ausbau der Krankenversicherungs- und Pensionskassen im
Vordergrund. Mindestens ein Drittel aller abgeschlossenen Tarifverträge enthielt diesbezügliche Bestimmungen; 1960 waren es sogar 50
Prozent. Eine günstigere Pensionsregelung brachten 1957 etwa ein Sechstel der Tarifverträge und 1962 etwa ein Drittel. Mehr Urlaub wurde,
von 1954 abgesehen, jeweils in mindestens einem Viertel aller Tarifverträge vereinbart.
(Quelle: U.S, Department
of Labor-News)

* * * * *

9

-

�Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start
Der im vergangenen Jahr vom Kongreß zur Eingliederung der langfristigen, meist durch die Automation aus ihren angestammten Berufen
verdrängten erwerbslosen Arbeitnehmer verabschiedete sogenannte
"Manpower Training and Development Act" hat sich nach Meinung von
US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz bisher als ein wirksames Instrument zur Beseitigung der Ursachen der Dauerarbeitslosigkeit erwiesen.
Wie der Minister auf einer Pressekonferenz ausführte, wurden
seit dem 1. August vorigen Jahres insgesamt 1800 Umschulungsprojekte
für rund 66 000 Erwerbslose von der Aufsichtsbehörde gebilligt, die
länger als 15 Wochen arbeitslos waren. Unter den Umschulungsteilnehmern
haben bereits 43 000 ihren Kursus beginnen bzw. schon beenden können,
während der Rest in Kürze die für ihn vorgesehenen Fachkurse besuchen
wird.
Von dtn im ersten Jahr des staatlichen Umschulungsprogramms, 1962,
umgeschulten 800 000 Arbeitnehmern sind rund 70 Prozent bereits in
neue Dauerarbeitsplätze vermittelt worden, wobei in fast allen Fällen
die Umschüler in Berufen untergebracht werden konnten, die das in der
Ausbildung erlernte Fachwissen erfordern.
Wie der US-Arbeitsminister weiter bekanntgab, wurden inzwischen
auch zahlreiche Versuchs- und Spezialprogramme entwickelt, an denen
insgesamt 27 000 Dauerarbeitslose teilnehmen können. Ziel dieser Projekt« ist es, neuartige Umschulungsmethodan zu entwickeln, um auch
den hartnäckigen Fällen von Dauerarbeitslosigkeit zu Leibe zu rücken.
In erster Linie handelt es sich dabei um jene Arbeitslosen in den
Slums der großen Städte, um die älteren Arbeitnehmer, Schulentlassenen, Körperbehinderten, Angehörigen der Minderheitengruppen oder um
solche mit unzureichender Schulbildung.
Der Schwerpunkt der derzeitigen Umschulungsprogramme liegt nach
Angaben von Arbeitsminister Wirtz auf folgenden Berufen: Maschinenwärter, Automechaniker, Schweißer, Karosserieschlosser, Elektromechaniker, Flugzeugbaumonteur, Stenograph, Stenotypistin, Kontoristin,
Kranken-Vollschwester und Schwesternhelfefin.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten
Die Schulungs- und Bildungsarbeit der amerikanischen Gewerkschaften hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Diese
Feststellung gilt sowohl für den Lehrstoff und die Art der Programmdurchführung als auch hinsichtlich des Umfanges der gesamten Arbeit.
Während

�Während in früheren Jahren die Gewerk»chaften in erster Linie
bemüht waren, in Nachfeierabendkursen ihren Mitgliedern all das
praktische Wissen näherzubringen, das sie für eine aktive Betätigung
in der Gewerkschaft oder als Vertrauensleute benötigten, so versuchen
sie heute, ihnen darüber hinaus in Spezial- und Sonderkursen sowie
in längeren Sommerseminaren auch das geistige Rüstzeug zu vermitteln,
das für eine erfolgreiche Behauptung in unserer modernen Industriegesellschaft erforderlich ist.
Ein Vergleich früherer und heutiger Lehr- und Unterrichtspläne
zeigt, welch ein großer Wandel sich hier in relativ kurzer Zeit vollzogen hat. Die Grundlage eines jeden Schulungsprogramms vergangener
Jahre bildeten hauptsächlich solche Fächer wie Gewerkschaftsgeschichte,
Arbeits- und Gewerkschaftsgesetze, Beschwerdeführung, wirtschaftliche
Grundbegriffe, freie Rede. Zwar werden diese Themen auch heute noch
in den "Anfängerkursen" behandelt, aber der Schwerpunkt der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit liegt doch in der Regel auf einer weit
höheren Ebene. Die "höhere Schule" hat auch hier die "Grundschule" und das Seminar den Abendkurs - weitgehend abgelöst. Themen wie allgemeine Wirtschaftstrends, Konjunktur- und Finanzpolitik, die Automation und ihre Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, den Arbeitsmarkt
und die Beschäftigungsstruktur oder Betriebspsychologie und Verhaltensforschung sind heute in vielen Lehrplänen enthalten. Hinzu treten nun
noch zahlreiche allgemeinbildende Kurse wie etwa Außenpolitik, die Aufgaben der Gewerkschaft im Entwicklungszeitalter oder sogar rein
künstlerische oder geisteswissenschaftliche Themen.
Hier einige Beispiele für die praktische Schulungsarbeit, wie
sie in den USA heute von einigen großen Industriegewerkschaften durchgeführt wird:
Die Elektroarbeitergewerkschaft (IBE'.V) hat für die Ausbildung
ihrer Funktionäre und Mitglieder vor einigen Jahren in Bayberry (Long
Island) auf einem 125 Hektar großen Grundstück ein sogenanntes "Erziehungszentrum" gebaut, wo Woche für Woche JQ Mitglieder des Ortsvereins Nr. 3 zu einem siebentägigen Kursus - der Lohnausfall wird
ihnen von der Gewerkschaft voll vergütet - zusammenkommen, um im
"kritischen Denken" geschult zu werden.
Aktuelle Themen werden dabei in Fachvorträgen behandelt und anschließend zur Diskussion gestellt, so daß jeder seine eigenen Gedanken zu den angesprochenen Problemen kritisch entwickeln kann. Zur Vertiefung des neu gewonnenen Wissens steht den Kursusteilnehmern eine
große Bibliothek mit politischen, wirtschaftswissenschaftlichen, philosophischen, geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Werkti
Verfügung.
Ein Thema, das in den Schulungskursen der Gewerkschaften eine
immer größere Bedeutung gewonnen hat, ist die Außen- und Weltpolitik.
Eine besondere Aktivität in dieser Hinsicht hat dabei die Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) entwickelt, die z.B. im letzten Jahr 30
Funktionäre von Ortsverbänden auf eine Informationstour nach Europa
schickte, damit sie sich aus erster Hand über die politische Lage in
der Alten fe]' und die politischen Probleme in den einzelnen Ländern
informieren konnten. Nach ihrer Rückkehr in die USA, haben sie dann

-

11

-

�dann in Verträgen vor UAW-Mitgliedern ihre gewonnenen Eindrücke und
Erkenntnisse einem weiten Kreis zugänglich gemacht.
Auch die alljährlich von dieser Gewerkschaft abgehaltene Inf^rmationstagung "Appointment United Nations" - ''Treffpunkt Vereinte Nationen" - soll die Funktionäre und Mitglieder mit den Problemen der
Weltpolitik vertraut machen. In diesem Jahr kamen z.B. 300 Mitglieder
nach dem Hauptquartier der UN in New York, um an Sitzungen der Vollversammlung teilzunehmen, Gespräche mit UN-Vertretern aus aller Welt
zu führen und die Arbeit der UN kennenzulernen.
Welch eine große Bedeutung die gewerkschaftliche Schulungsarbeit
in den USA gewonnen und wie sehr das Interesse unter den Funktionären
und Mitgliedern in jüngster Zeit zugenommen hat, beweisen nicht nur
die Tatsache, daß zahlreiche Gewerkschaften neben ihren traditionellen
mehrwöchigen Sommerkursen inzwischen auch Herbst- und Winterkurse eingeführt haben, sondern auch die steigenden Teilnehmerziffern. In diesem
Jahr z.B. haben allein 20 000 Betriebsobmänner und Gewerkschaftsmitglieder an den von der MAFL-CIQW durchgeführten sogenannten "labor
institutes" teilgenommen, Schulungskursen auf höherer Ebene, die an
den Universitäten und Colleges - vielfach in enger Zusammenarbeit mit
ihnen - abgehalten werden. Hinzu kommen noch rund 8000 Gewerkschafter,
die in diesem Jahr Fortbildungskurse besuchten, die in Sommerlagern, Hotels und anderen Einrichtungen durchgeführt wurden.
(Quelle« Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Streiflichter aus dem Tarifverhandlungssektor
Der schon seit einigen Jahren im amerikanischen Tarifverhandlungswesen sichtbare Trend zum Abschluß von Tarifverträgen mit mehrjähriger
Laufzeit hat sich in jüngster Zeit weiter verstärkt. Wr'hrend noch in
den 50er Jahren der Tarifvertrag mit einjähriger Laufzeit die allgemeine Norm war und in den folgenden Jahren der Zweijahresvertrag immer
mehr in den Vordergrund rückte, scheint sich jetzt der Übergang zu
längerfristigen Verträgen mit drei- bis fünfjähriger Laufzeit zu vollziehen.
Zu den großen amerikanischen Gewerkschaften, die sich in jüngster
Zeit diesem Trend angeschlossen haben, zählen auch die Gewerkschaften
der Elektroarbeiter (IUE) und der Telephon- und Telegraphenarbeiter
(CWA), Der von der "IUE" mit der "Fedders Corporation" ausgehandelte
Vertrag z.B., der in den nächsten drei Jahren jährlich Lohnerhöhungen
von 5 Cent pro Arbeitsstunde und höhere Urlaubsgelder (2,25$ der JaLreslohnsumme pro Woche) vorsieht, wurde für 36 Monate abgeschlossen;
das Abkommen der "CWA" mit der "Bell Telephone Company" dagegen hat
sogar eine Laufzeit von 38 Monaten. Dieser Vertrag, der den rund
20 000 Beschäftigten des Unternehmens sofortige Lohnerhöhungen u_m

-

12

�um 20 Cent pro Stunde und zahlreiche verbesserte Sozialleistungen
bringt, sieht zwar keine fixierten Lohnerhöhungen für die nächsten
zwei Jahre vor, enthält aber eine sogenannte "reopening clause" - die
Möglichkeit zur Aufnahme neuer Lohnverhandlungen in den Jahren 19^4
und 1965.
#

Nachdem schon die Produktionsarbeiter der amerikanischen Stahlindustrie seit einigen Monaten auf Grund des neuen Tarifvertrags alle
fünf Jahre zusätzlich 13 Wochen bezahlten Urlaub erhalten, wurde eine
ähnliche Regelung jetzt auch für sämtliche Angestellten der "U.S. Steel
Corporation" und der "Bethlehem Steel Company" getroffen.
Der Angestellten-Urlaubsplan der "U.S. Steel", der auch sämtliche
leitenden Angestellten (lediglich die Positionen vom Vizepräsidenten
aufwärts wurden ausgenommen ) mit einschließt, sieht - im Gegensatz
zu der Regelung bei den Lohnempfängern - einen nach Länge der Dienstzeit gestaffelten Sonderurlaub für alle Mitarbeiter vor. Dieser Mitarbeiterkreis hat dabei die Wahl, den zusätzlichen Urlaub alle fünf
Jahre tatsächlich zu nehmen oder aber sich das Urlaubsgeld auszahlen
zu lassen, das dann allerdings in Schuldverschreibungen der Regierung
oder in Aktien des Unternehums anzulegen ist.
Im einzelnen sieht der Sonderurlaubsplan dieses Großunternehmens
der Stahlindustrie vor, daß Angestellten mit mehr als 20 Dienstjahren
alle 5 Jahre neben dem ihnen sowieso zustehenden vierwöchigen Jahresurlaub weitere 8 Wochen bezahlter Urlaub zu gewähren ist, während
Mitarbeiter mit 6 Dienstjahren zusätzlich sechs Wochen und solche mit
weniger als 6 Dienstjahren vier Wochen Sonderurlaub erhalten sollen.
Die "Bethlehem Steel Company" gibt dagegen ihren sämtlichen
Angestellten pro Jahr zwei Wochen Sonderurlaub, wobei allerdings
die eine Urlaubswoche in Form einer Urlaubsgeldzahlung in Anrechnung
gebracht wird, während es bei der zweiten Woche dem Mitarbeiter freigestellt ist, ob er sich das Geld auszahlen läßt oder sie tatsächlich
für einen Urlaub verwendet,
*
Die auf Grund des Gewinnbeteiligungsplans der "Kaiser Steel
Corporation" monatlich an die Mitarbeiter zur Auszahlung kommenden
Bonus sind nach einer Mitteilung des Unternehmens im August stark
zurückgegangen. Sie beliefen sich in diesem Monat im Durchschnitt
auf 39 Dollar, während in den Vormonaten durchschnittlich folgende
Beträge zur Auszahlung kamen», März 79 Dollar; April 95 Dollar; Mai
77 Dollar; Juni 100 Dollar; und Juli 65 Dollar. Nach Angaben der Unternehmensleitung ist der Rückgang der Bonuszahlungen auf die geringere
Produktion in den Urlaubsmonaten zurückzuführen.

(Quelle! Eigenbericht)
» * * # *

-

13

-

�Erwerbslosenziffer auf 5.5 Millionen abgesunken
Die derzeitige gute Wirtschaftslage in den USA kommt auch in
den soeben vom US-Arbeitsministerium veröffentlichten Beschäftigungsund Erwerbslosenziffern für den Monat September zum Ausdruck.
Die Beschäftigtenzahl lag dabei nach uen Berechnungen des "Amts
für Arbeitsstatistik" mit 69 546 000 um rund 1 Million höher als im
gleichen Monat des Vorjahres, während die Zahl der Arbeitslosen um
541 000 auf 3 516 000 zurückging und damit etwa so hoch war wie im
Jahr 1962.
Im Vergleich zum August ist jedoch die Gesamtbeschäftigtenziffer
um rund 1 Million abgesunken, was in erster Linie darauf zurückzuführen
ist, daß rund 2 Millionen schulpflichtige Teenager mit Schulbeginn ihre
Ferienarbeitsplätze aufgegeben haben.
Die Erwerbslosenrate betrug im September 5t6 Prozent; das bedeutet
einen Anstieg um l/lO Prozent gegenüber August. Die Erwerbslosenrate
für verheiratete Männer ging dagegen - wie in allen Monaten in den
letzten zwei Jahren - weiter zurück und belief sich auf 2,9 Prozent.

(Quellei Eigenbericht)

* * * * *

14

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen. Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI _ 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in
Umschulungskursen

Seite

1

New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule

Seite

9

Seite

10

E.A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt

Seite

12

Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen

Seite

13

Betrachtliche Verschiebungen in der

US-Einkommen»struktur

Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in Umschulungskursen
Die Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz auf Grund technologischer Veränderungen verloren haben, ist ein Problem, das in den Vereinigten Staaten
in den vergangenen Jahren immer stärkere Beachtung gefunden hat. Während sich die US-Regierung seit mehr als zwei Jahren mittels eines umfassenden und großzügigen Umschulungsprogramms ("Manpower Training and
Development Act") auf nationaler Ebene bemüht, dem Problem der technologischen Arbeitslosigkeit beizukommen, haben zahlreiche Industrieunternehmen von sich aus den Versuch unternommen, die aus ihren angestammten
Arbeitsplätzen verdrängten Mitarbeiter in Sonderkursen mit den neuen
Arbeitstechniken vertraut zu machen und sie innerbetrieblich umzusetzen,
Der nachfolgende Bericht faßt die Ergebnisse einer Untersuchung
über die Leistungen und das Leistungsvermögen älterer Arbeitnehmer im
Rahmen industrieller Umschulungskurse zusammen, und zwar am Beispiel
von vier Industrieunternehmen verschiedener Branchen, in denen die Auswirkungen der Automation besonders groß waren.
Umfang und Art der Untersuchung
Bei den vier für diese Untersuchung ausgewählten Firmen handelt
es sich um Betriebe, in denen die technische Umstellung die Umschulung
einer größeren Zahl von Mitarbeitern erforderlich machte. Insgesamt
werden mehr als 2000 Umschüler der verschiedensten Berufe durch diese

�diese Studie erfaßt: Produktionsarbeiter in einer Ölraffinerie; Wartungsmechaniker einer Luftfahrtgesellschaft; Techniker und Facharbeiter in einem Flugzeugwerk, sowie Operateure einer Telefongesellschaft.
Diese vier Firmen waren die einzigen von rund 100 angeschriebenen,
die geeignete objektive Unterlagen über die Leistung der einzelnen
Arbeitnehmer während des Umschulungslehrganges besaßen. Bei diesen
Umschülern handelt es sich sowohl um ältere (über 40 Jahre) als auch
um jüngere Facharbeiter, für die außerdem die Personalbogen mit allen
erforderlichen Angaben wie Alter, Schulbildung, beruflicher Werdegang
usw. zur Auswertung zur Verfügung standen. Die Angaben über die Leistungen der einzelnen Umschüler wurden aus den Unterlagen dejr Unternehmen sowie auf Grund von Interviews mit den Ausbildungsleitern zusammengestellt.
Bei den Umschulungskursen handelte es sich in der Regel um Speziallehrgänge, bei denen der Teilnehmerkreis in der Regel sehr klein
gehalten wurde. Die Auswertung der Ausbildungsergebnisse erfolgte in
den meisten Fällen nach zwei Altersgruppen. Wegen der Verschiedenartigkeit der Kurse war es aber nicht möglich, das Gesamtergebnis zusammenzufassen. Vergleiche zwischen den Leistungen älterer und jüngerer
Umschüler wurden daher nur für individuelle Kurse angestellt. Obwohl
jede Analyse nur relativ wenige Umschüler umfaßte, so war deren Zahl
doch groß genug, um zu einigermaßen fundierten Schlußfolgerungen zu
gelangen.
Die Aspekte der Ausbildung
a) Technologische Veränderungen. Die Umschulungsprogramme waren
bei den hier untersuchten Unternehmen ein fester Bestandteil des gesamten technischen Umstellungsprogramms. Obwohl sich durch die Einführung der neuen Maschinen und Geräte die Verrichtungen und Tätigkeiten
an den einzelnen Arbeitsplätzen wesentlich veränderten, hielt man es
in den Firmenleitungen für zweckmäßiger und praktischer, die von der
Umstellung betroffenen Mitarbeiter umzuschulen statt sie zu entlassen
oder neue Kräfte einzustellen, die das erforderliche Fachwissen bereits
besaßen.
b) Ältere und jüngere Arbeitnehmer. Obwohl aus den Untersuchungsergebnissen vielfach hervorgeht, daß die Gruppe der jüngeren Umschüler im allgemeinen bessere Leistungen in den Kursen zeigte, so gab
es doch einige bemerkenswerte Ausnahmen, die eine Erfolgsbeurteilung
ausschließlich nach Altersgesichtspunkten unzweckmäßig erscheinen lassen. In Fällen nämlich, in denen sich der Ausbildungskursus über eine
längere Periode erstreckte, zeigten die älteren Arbeitnehmer vielfach
bessere Leistungen als die jüngeren. Außerdem wurde festgestellt,
daß in den meisten Kursen ein gewisser Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer - bis zu 40 Prozent - bessere Leistungen aufwies als ein großer Teil der jüngeren Umschüler. Die jüngeren Umschüler scheinen im
allgemeinen schneller zu lernen, wenn die Ausbildungskurse relativ
kurz sind oder wenn es sich bei den zu erlernenden neuen Tätigkeiten
um schnell einprägbare Maschinenarbeiten handelt. Tafel I und II
geben einen Überblick über die Leistungen von jüngeren und älteren
Arbeitern in Umschulungskursen.
Tafel I

�Tafel I
Ausbildungskursus für Meßgeräte-Mechaniker in einer Ölraffinerie
Leistungsvergleich zwischen älteren und .jüngeren Umschülern

Jüngere Umschüler
(unter 40 Jahre)

Art des Kursus

Teilnehmerzahl

Grundrechnungs.
arten

Ältere Umschüler
(über 40 Jahre)

Prozent
über
unter
dem Durchschn,

29

71

Teilnehmerzahl

Prozent
über
unter
dem Durchschn,

67

33

Bruch-, Dezimalrechnen

8

47

53

7

71

29

Kontrollventile

8

50

50

7

43

57

Kontrollgeräte
u. Ventile

8

50

50

6

67

33

Flüssigkei tsstandsmesser

8

50

50

6

50

50

Generatoren
u.AC-Stromkreise

7

43

57

6

50

50

Durch

�Durch die Ergebnisse dieser Untersuchung wird erneut die große
Bedeutung unterstrichen , die einer individuellen - statt altersmäßigen - Bewertung der Anpassungsfähigkeit eines Arbeitnehmers auf
Grund seiner spezifischen Leistungen und seiner natürlichen Fähigkeiten zukommt. Willkürlich gezogene Altersgrenzen bei Ausbildungsund Umschulungsprogrammen würden zwangsläufig zum Ausschluß vieler
älterer Arbeitnehmer führen, die durchaus in der Lage sind, ein hohes
Leistungsniveau zu halten.
c) Vorherige Beratung. Die Untersuchung ergab ferner, daß die Auswahl der Umschüler bis zu einem gewissen Grade nach keinem besonderen
System erfolgte. Nur wenige mußten sich einer Vorprüfung oder einem
Interview unterziehen oder beraten lassen. Die Tatsache jedoch, daß
die Leistungen der vorher geprüften Umschüler eindeutig besser waren
als die der nicht geprüften, deutet darauf hin, daß es auf Grund solcher Ausleseverfahren möglich ist, ein besseres Verhältnis zwischen
den natürlichen Fähigkeiten des Umschülers und den Kursusanforderungen
herzustellen und die Programme auf die speziellen Erfordernisse der
Kursusteilnehmer abzustellen. Die eingehende Beratung trägt ferner dazu
bei, die besonders bei älteren Arbeitnehmern bestehenden Vorurteile
hinsichtlich der Umschulung abzubauen. Viele widersetzen sich nämlich
einer Umschulung nur deshalb, weil diese Kurse für sie "etwas Neues"
sind, oder weil sie keinerlei Erfahrungen in dieser Hinsicht besitzen.
d) Schulische Ausbildung. Die Untersuchungsergebnisse deuten ferner
darauf hin, daß eine mangelhafte schulische und berufliche Ausbildung
ein ernstes Handikap für den Umschüler darstellen kann. Die Gruppe der
Älteren wies im Durchschnitt ein niedrigeres Bildungsniveau auf als
die der Jüngeren; ältere und jüngere Arbeitnehmer mit gleichem Bildungsniveau dagegen wichen in der Leistung nur unwesentlich voneinander ab.
In der Ölraffinerie z.B.,wo bei der Auswahl der Umschüler für einige
Kurse das Bildungsniveau stärker berücksichtigt wurde, erzielten alle
älteren Arbeitnehmer in fünf von den sechs Kursen höhere Bewertungen
als der Gruppendurchschnitt.
e) Notwendigkeit für weitere Forschungen. Die Ergebnisse der ersten Studie dieser Art lassen eindeutig erkennen, daß weitere Untersuchungen über die Möglichkeiten und die Probleme der Umschulung älterer
Arbeitnehmer notwendig sind. Da die ständigen technologischen Veränderungen zweifellos die Notwendigkeit einer Umschulung von Arbeitnehmern
noch vergrößern werden, würde es sehr nützlich sein, mehr über die
Methoden zu wissen, mit denen sich die besten Ergebnisse bei älteren
Umschülern erzielen lassen.
Eine umfassendere Verbreitung des Wissens über die Fähigkeiten
älterer Arbeitnehmer, neue berufliche Qualifikationen zu erwerben und
das erreichte Niveau durch ständige Weiterbildung aufrechtzuerhalten,
sollte wesentlich dazu beitragen, die Anpassung des Arbeitspotentials
an die zu erwartenden technischen Veränderungen zu erleichtern.
Grenzen der Untersuchung
Bei der Beurteilung der Untersuchungsergebnisse ist es wichtig,
sich die Grenzen der Studie vor Augen zu halten. Wenn auch zum Beispiel
die Leistungen der älteren Arbeitnehmer mit den Leistungen der jüngeren

-

4 -

�jüngeren in den verschiedenen Kursen verglichen werden, so wird doch
in der Studie die Frage nicht direkt behandelt, ob die Leistung den
Mindesterwartungen der Arbeitgeber entsprochen hat. Andererseits
konnte aber auch nicht nachgewiesen werden, daß irgendein Umschüler
auf Grund der Testergebnisse entlassen wurde. Anscheinend zogen die
Unternehmen es vor, als Maßstab für die Bewertung des einzelnen die
Leistungen am Arbeitsplatz zu nehmen.
Ebenso beschränkte sich die Untersuchung ausschließlich auf jene
Leistungsaspekte der Umschüler, die aus den Unternehmensunterlagen ersichtlich waren. Für eine Gesamtbeurteilung sollten aber vergleichbare
Unterlagen wie Anwesenheitslisten, die Stetigkeit in der Arbeitsableistung und die Höhe der Arbeitsproduktivität des Umschülers nach seinem
Einsatz am neuen Arbeitsplatz mit herangezogen werden. Das Interesse
des Umschülers an den ArbeitsplatzVeränderungen und der Umschulung und
seine Einstellung dazu sowie die Ansichten und Meinungen der Kursusleiter und Lehrer über die Leistung des Umschülers wurden in der Untersuchung ebenfalls nicht berücksichtigt.
Schließlich sollte auch nicht erwartet werden, daß die Ergebnisse
der Untersuchung sich mit den Erfahrungen solcher Umschulungsprogramme
decken, für die sämtliche Umschüler vorher sorgfältig geprüft und
nur solche zugelassen werden, bei denen auf Grund des Tests die Erfolgsaussichten am größten sind.
Ein praktisches Beispiel der Umschulung
Um seinen Facharbeiterstamm mit den sich aus der Einführung neuer
Fertigungsmethoden und neuartiger Maschinen und Geräte ergebenden neuen^
arbeitstechnischen Fertigkeiten vertraut zu machen, hat eines der vier
untersuchten Unternehmen - ein großes Flugzeugwerk an der Westküste in den vergangenen Jahren zahlreiche Umschulungsprogramme durchgeführt.
Von den insgesamt mehr als 2C0 Umschulungskursen wurden für diese Untersuchung sechs ausgewählt, die als repräsentativer Querschnitt gelten
können und für die umfassende Unterlagen für jüngere sowohl als auch
ältere Umschüler vorhanden waren. In den folgenden Absätzen wird die
Art der Kurse kurz beschrieben.
Optische Meß- und Ausfluchtgeräte. Die hohen Geschwindigkeiten der
modernen Flugzeuge und die dadurch bedingte größere Materialbeanspruch,ung machen es erforderlich, daß heute im Flugzeugbau die Einzelteile
mit sehr viel größerer Präzision und viel geringste Toleranzen zusammengefügt werden. Da die herkömmlichen Meß- und Justiergeräte den Anforderungen nicht mehr entsprachen, mußte die Flugzeugindustrie eine ganze
Reihe neuartiger optischer Meß- und Ausfluchtgeräte einführen. Diese
Umstellung in der Fertigung machte es dabei notwendig, eine große Anzahl von Betriebsangehörigen mit den neuen Meßtechniken vertraut zu
machen.
Zu diesem Zweck wurden bei den untersuchten Unternehmen insgesamt
46 Arbeiter in Sonderkursen an diesen neuen Geräten ausgebildet. 24 Umschüler waren jüngere, 22 ältere Facharbeiter. Die Ausbildungsgruppen
wurden dabei sehr klein gehalten. Sie umfaßten jeweils nur 4 bis 5
Umschüler. Die theoretische Ausbildung, einschließlich der Einweisung

-

5 -

�Einweisung in die Bedienung der Geräte, wurde durch praktische
Arbeit im Betrieb ergänzt, wobei die Umschüler die Geräte selbst aufzustellen und zu bedienen hatten.
Elektronik. Wegen der zunehmenden Verwendung von elektronischen
Ausrüstungen - sowohl bei den Planungsarbeiten als auch im Flugzeugbau selbst - wurden von dem Unternehmen zahlreiche längere Ausbildungslehrgänge für Ingenieure, technische Schreibkräfte sowie für das Wartungspersonal durchgeführt.
Ingenieure. Ein Einführungskursus in Elektronik wurde für insgesamt 53 Ingenieure in der Absicht durchgeführt, diesen Fachkräften
einen allgemeinen Überblick über die spezifischen Anwendungstechniken
zu vermitteln. Bei rund 1/3 dieser Gruppe handelte es sich um ältere
Arbeitnehmer. Der Kursus erstreckte sich - bei jeweils 2 mal 2 1/2
Unterrichtsstunden pro Woche (nach Feierabend) - über einen Zeitraum
von 23 Monaten. Die Gesamtstundenzahl betrug 300. Rund die Hälfte der
Zeit wurde für theoretische Unterweisungen und diesbezügliche Diskussionen aufgewendet, der Rest für praktische Arbeiten im Laboratorium.
Die Umschüler wurden aus allen technischen Abteilungen des Unternehmens ausgewählt. Obwohl alle Kursusteilnehmer als "Ingenieure" eingestuft waren, besaß etwa 1/3 von ihnen kein Ingenieursdiplom, Alle jedoch wiesen, zumindest eine Oberschulbildung auf.
Technische Schreibkräfte. Ein Kursus über die Grundlagen der
Elektronik wurde von dem Unternehmen für 38 Mitarbeiter - technische
Schreibkräfte - in der Absicht durchgeführt, sie mit der Terminologie
vertraut zu machen, die bei der Beschreibung von elektronischen Geräten
heute verwendet wird. Abgehalten wurde dieser Unterricht nach Betriebsschluß zweimal wöchentlich für die Dauer von zwei Stunden während
eines Zeitraumes von fünf Monaten. Der Kursus bestand nur aus theoretischen Unterweisungen und Diskussionen zwischen Lehrern und Lehrgangsteilnehmern. Von den 38 Umschülern waren 19 über 40 Jahre alt.
Wartungspersonal für elektronische Anlagen. Der dritte Kursus
- ebenfalls über Elektronik - zielte darauf ab, das Wartungspersonal
auf neue Tätigkeiten vorzubereiten, hauptsächlich in bezug auf die
Wartung und Reparatur technisch weiterentwickelter elektronischer Geräte
und Anlagen. Im Gegensatz zu den anderen Fortbildungskursen fanden
diese Unterweisungen während der Arbeitszeit statt, und zwar an fünf
Tagen der Woche (jeweils 3 1/2 Stunden). Die Gesamtdauer betrug vier
Monate. Neben einer theoretischen Einweisung in die Elektronik wurden
umfangreiche Laboratoriumsversuche mit Testgeräten und elektronischen
Einzelteilen durchgeführt. Obwohl hier die Anforderungen in erster Linie
geistiger Art waren, wurden doch auch an die manuelle Geschicklichkeit
und die Kombinationsgabe der Umschüler erhebliche Ansprüche gestellt.
Nach Beendigung des Kursus wurden die Teilnehmer höher eingestuft und
erhielten (im Gegensatz zu den Umschülern in den vorher beschriebenen
Kursen) eine bessere Bezahlung. Gleichzeitig wurde ihnen der Titel
" Industrie-Elektronik-Mechaniker" zuerkannt.
Die

-

6

-

�Die 18 Umschuler, die den Kursus beendeten, waren aus einer
Gruppe von 50 Wartungstechnikern sorgfältig ausgewlhlt. Bei neun
dieser 18 Teilnehmer handelte es sich um ältere Arbeitnehmer.
Zugelassen aus dieser Prüfungsgruppe wurden nur 20 Arbeitnehmer,
und zwar die mit den höchsten Bewertungsziffern. Die meisten von
ihnen verfügten bereits über gewisse Erfahrungen in der Wartung
weniger komplizierter elektronischer Geräte, Von diesen 20 verließ
einer vorzeitig den Kursus, um eine besser bezahlte Position zu
übernehmen, während ein anderer wegen Krankheit ausschied.
Maschinenbauer. Mit der Einführung neuer Waffensysteme ergaben
sich für zahlreiche Maschinenbauer erhebliche Schwierigkeiten bei
der Analysierung und Interpretation gewisser auf den Konstruktionszeichnungen verwendeter Symbole. Die Meister dieser Abteilung ersuchten daraufhin die Betriebsführung, einen Fortbildungskursus für Konstruktionszeichnungslesen durchzuführen. Nach einer ersten Überprüfung der in Frage kommenden Mitarbeiter wurden schließlich 17 Umschüler ausgewählt, von denen acht über 50 Jahre alt waren. Der siebentägige Kursus wurde während der Betriebsstunden abgehalten (täglich
2 Stunden) und umfaßte das Erlernen der Symbole und ihre Übertragung
auf das Werkstück.
Schweißer. Die zahlrei chen Verbesserungen und Veränderungen auf
dem Gebiet der Schweißtechnik machten die Durchführung zahlreicher
Fortbildungs- und Uraschulungskurse erforderlich. Viele neue Metalle Legierungen mit Titan und Zirkon - lassen sich nach den konventionellen Schweißverfahren nicht zusammenfügen. Außerdem sind die technische
Anforderungen, die an den Schweißer gestellt werden (winzige Nähte,
schwierigere Montage),heute erheblich größer.
Die eingetretenen technischen Veränderungen machen es ferner erforderlich, daß die Schweißer über gewisse metallurgische Kenntnisse
verfügen und die Ursachen von MetallVerformungen kennen. Außerdem sind
die Schwe_ißgeräte selbst sehr viel komplizierter geworden, was bedingt, daß die Schweißer genau wissen müssen, wie sie etwa die Temperatur, den Gasstrom und die Schweißgeschwindigkeit regeln können.
Der durchgeführte Kursus war ursprünglich nur für solche Schweiße
vorgesehen, die bereits mit den neuen Geräten und Techniken vertraut
waren. Im Gegensatz zu den anderen erwähnten Kursen lag dabei der
Schwerpunkt nicht im Theoretischen (nur 20$ der Gesamtzeit), sondern
im Praktischen. Die Umschüler bekamen dabei Standard-Prüfungsaufgaben
zugewiesen, und die Leistungen der einzelnen wurden genau registriert
und bewertet. Jeder Kursusteilnehmer erhielt nach Abschluß der Ausbildung eine Endbewertung. Grundlage hierfür war die Anzahl der Stunden, die jeder einzelne brauchte, um die von der "U.S. Air Force" vorgeschriebenen Leistungsnormen zu erreichen.
Die Umschüler hatten sich entweder selbst um die Teilnahme beworben oder waren von ihren Meistern empfohlen worden. Rund 200 wurden
auf Grund ihrer Leistungen ausgewählt, die sie bei einem Testschweißen
zeigten. Die Gewerkschaft setzte bei der Unternehmensführung die
Klassifizierung der Absolventen als "Schweißer" sowie höhere Löhne
für alle durch, die den Kursus mit Erfolg bestanden hatten.
Die

�Die Leistungen in den Umschulungskursen
Zur Beurteilung der Umschüler in dem Flugzeugwerk wurden sowohl
die theoretischen als auch die praktischen Leistungen zugrunde gelegt.
Tafel II gibt einen Überblick über die Leistungen der jüngeren und
älteren Umschüler in den sechs Kursen.

Tafel II
Umschulungskurs in einem Flugzeugwerki
Leistungsvergleich zwischen älteren und jüngeren Umschülern

Ältere Umschüler

Jüngere Umschüler

Prozent

Prozent
Art des Kursus

Teilnehmerzahl

über
unter
dem Durchschn

Teilnehmerzahl

über unter
dem Durchschn

Optische
Hilfsgeräte
b .Werkzeugmaschinen

24

79

21

22

36

64

Einführung
in die Elektronik f.Ingenieure

36

53

47

17

47

53

Grundlagen d.
Elektronik für
techn .Schreibkräfte

19

53

47

19

42

58

Allgem.Fortbildung f.Elektronik-Mechaniker

67

33

33

67

Konstruktionszeichnungslesen I
f.Maschinenbauer

78

22

25

75

44

56

50

50

Konstruktionszeichnungslesen
II f.Maschinenbauer
Nur
dem
ein
dem

n
7

8

in einem der sechs Kurse wies die Hälfte der älteren Umschüler über
Durchschnitt liegende Noten auf. In zwei weiteren Kursen lag noch
erheblicher Teil der älteren Umschüler (40 Prozent und mehr) über
Durchschnitt. Bei den jüngeren Teilnehmern dagegen lag die Mehrzahl

-

8

�Mehrzahl mit ihren Leistungen in fünf Kursen über dem Durchschnitt.
Am schlechtesten schnitten die Jüngeren in dem zweiten Kursus für
Konstruktionszeichnungslesen ab. Nur geringe Leistungsunterschiede
bestehen zwischen den beiden Gruppen, wenn man die Schulbildung als
Bewertungsbasis heranzieht.
(Aus "Monthly Labor Review",
August 1963, Vol. 86, Nr. 8)

* * * * *

New Y'orks einzigartige berufsbildende Oberschule
Eine der bemerkenswertesten Oberschulen in den Vereinigten
Staaten ist die sogenannte "Aviation High School" in New York City.
Sie ist die einzige höhere Lehranstalt des Landes, an der die Schüler neben ihrer normalen schulischen Ausbildung auch gleichzeitig
eine umfassende berufliche Vorbereitung erhalten.
Die jetzt 25 Jahre bestehende öffentliche Oberschule wird gegenwärtig von rund 2200 Schülern besucht und hat einen Lehrkörper von 130
Fach- und Speziallehrern. Sie -verfügt über modernste technische Einrichtungen - im Werte von mehreren Millionen Dollar - für die Heranbildung von qualifizierten jungen Flugzeugmechanikern. Etwa 55 Prozent
der Lehrer unterrichten in den traditionellen Oberschulfächern wie
Englisch, Mathematik, Geschichte, Fremdsprachen usw., die etwa die
Hälfte des Gesamtlehrplanes ausmachen; bei den restlichen Lehrern handelt es sich um ausgesprochene Fachkräfte, von denen 80 Prozent Spezialprüfungen im Flugzeugbau abgelegt haben.
Strenge Aufnahmeprüfung
Die Auswahl der Schüler erfolgt nach einer strengen Prüfungsordnung, die sowohl zahlreiche schriftliche Arbeiten als auch ein persönliches Interview für die Bewerber vorsieht, in denen ihre beruflichen Interessen und ihre Einstellung zur Ausbildung als Flugzeugmechaniker getestet werden..Diese scharfe Auslese ist nötig, denn von den
rund 25OO Bewerbern jährlich können in der Regel nicht mehr als 830
aufgenommen werden.
Der sich über vier Jahre erstreckende Lehrplan ist in wissenschaftliche, praktische und technische Fächer aufgeteilt. Dem Schüler stehen
dabei zwei Bildungswege offen: 1. Vorbereitung auf den späteren CollegeBesuch; 2. Vorbereitung auf den künftigen Beruf durch eine gewerblichschulische Fachausbildung. Nach dem ersten Schuljahr erfolgt eine Zwischenprüfung, um alle diejenigen Schüler aus dem gewerblichen Zweig
zu entfernen, die sich für eine technische Ausbildung als ungeeignet
erwiesen.

-

9

�1/3 seht zum College
Der von den Schülern nach bestandener Abschlußprüfung eingeschlagene weitere Bildungs- -oder Berufsweg sieht in der Regel so aus:
etwa 29 Prozent von ihnen beginnen ein Studium, hauptsächlich an höhren technischen Lehranstalten oder Technischen Hochschulen; einige
wenige besuchen die verschiedenen Militärakademien; rund 27 Prozent
suchen sich einen ihrer Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz in der
Industrie; 10 Prozent wenden sich anderen industriellen Tätigkeiten
zu; während der Rest zunächst seine Militärzeit ableistet.
Da die New Yorker "Aviation High School" eine der insgesamt 68
vom Bundesaufsichtsamt für die Luftfahrt (FAA) anerkannten Schulen
des Landes zur Ausbildung von Flugzeugmechanikern ist, erhalten die
Absolventen neben ihrem Reifezeugnis auch ein Berufszertifikat der
FAA mit auf den Weg. Welche Bedeutung diese Abschlußzeugnisse für den
beruflichen Werdegang haben, zeigt die Tatsache, daß bisher mehr als
8000 Absolventen dieser Schule Arbeitsplätze in der Flugzeugindustrie
oder bei Luftfahrtgesellschaften als Piloten oder Chefmechaniker erhalten haben.
Der Schulkomplex in New York umfaßt insgesamt fünf große Gebäude,
darunter zwei jeweils 7 Stockwerke hohe Haupttrakte. In einem Trakt
sind die Klassen untergebracht, in denen der wissenschaftliche Unterricht durchgeführt wird, sowie fünf Laboratorien, vier Säle für das
technische Zeichnen und die Kunsterziehung, ferner die Bibiothek,
Verwaltungsräume, eine Cafeteria und Ambulanzräume. Das andere Hauptgebäude beherbergt 32 Werkräume für die praktische und technische
Ausbildung der angehenden Flmgzeugmechaniker.
Der praktische Unterricht umfaßt u.a. folgende Fächer: FlugzeugRumpf- und Flügelbau; Wartung und Überholung von einfachen und technisch komplizierten Antriebsaggregaten; Metallverarbeitung; Hydraulik;
Zusatzbauteile (Vergaser, Magnete usw.); Elektrizität; Bedienung von
Arbeits- und Werkzeugmaschinen; Propellerreparatur; und Schweißen.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Beträchtliche Verschiebungen in der US-Einkommensstruktur
Die Einkommensverteilung in den USA hat sich auch in den vergangenen Jahren weiter zugunsten der unselbständigen Arbeitnehmer
(Lohn- und Gehaltsempfänger) entwickelt und diesem Personenkreis
mit 71 Prozent den bisher höchsten Anteil am Volkseinkommen gesichert.
Wie aus einer jetzt vom US-Handelsministerium veröffentlichten
Übersicht hervorgeht, entfielen 1962 vom Volkseinkommen in Höhe von
453,7 Mrd. Dollar allein 322,9 Mrd. Dollar auf Löhne und Gehälter (einschließlich der verschiedenen Sozialleistungen). Die nächstkleineren
Posten bildeten die Gewinne der Kapitalgesellschaften (vor Abzug der

-

10

-

�der Steuern) mit 47,0 Mrd..Dollar und die Einkommen der selbständigen
Berufe und der nichteingetragenen Wirtschaftsunternehmen mit 36,5 Mrd.
Dollar. Relativ unbedeutend waren dagegen die Farmereinkünfte und die
Einkünfte aus Kapitalanlagen und Mieten.
Bei einem Vergleich mit dem Jahre 1948 zeigt sich, daß nicht
nur das US-Volkseinkommen seither von 223,5 auf 453,7 Mrd. Dollar angewachsen ist - und sich damit mehr als verdoppelt hat -, sondern daß
auch erhebliche Verschiebungen in der Einkommensstruktur eingetreten
sind. Hauptnutznießer dieser Entwicklung waren vor allem die Unselbständigen, die ihren Anteil von 63 auf 71 Prozent erhöhen konnten, Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß der
Anteil der Sozial- und Lohnnebenleistungen am Gesamteinkommen seit 1948
um mehr als das Doppelte zugenommen hat - er stieg von 2,6 auf 5,9 Prozent an.
Beträchtliche Anstiege verzeichneten auch die Einkünfte aus Spareinlagen, Savings Bonds und anderen Geldanlagen (Zunahme von 1,9 auf
rund 5 Prozent), geringere die Erträge aus Dividenden (von 3,2 auf 3,7
Prozent).
Demgegenüber ist der Anteil der Gesellschaftsgewinne am Volkseinkommen nach 1949 nicht unerheblich - von 14,7 auf 10,4 Prozent zurückgegangen, obwohl nach dem "Tief" des Jahres 1958 inzwischen wieder eine kräftige Erholung eingetreten ist. Auch die Mieteinkommen
waren 1962 mit 2,6 Prozent anteilmäßig geringer als 1948 (3,3 L Ä)» desgleichen die Einkommen der freien Berufe und der Selbständigen, deren
Anteil am Volkseinkommen im vergangenen Jahr nur noch 8 Prozent
(1948 - 10%) betrug.
Den relativ stärksten Rückgang allerdings verzeichneten die Farraereinkommen, die 1948 noch 8 Prozent des Volkseinkommens auf sich vereinigt
hatten, im Vorjahr aber nur noch über einen Anteil von 2,9 Prozent verfügten. Selbst wenn man berücksichtigt, daß immer mehr landwirtschaftliche
Arbeiter und Farmer den .Yeg in die Stadt und damit in andere Wirtschaftszweige gefunden haben und die Zahl der Farmen ständig abgenommen hat, so
zeigt doch die Einkommensentwicklung der Landwirtschaft in den vergangenen 14 Jahren recht deutlich, daß dieser Wirtschaftszweig dem allgemeinen Aufwärtstrend der Einkommen nicht hat folgen können.
Wie stark sich die gesamte Einkommensstruktur in den USA während
der Nachkriegsjähre verschoben hat, zeigt übrigens auch eine andere,
kürzlich vom US-Zensusbüro veröffentlichte Übersicht. Danach haben die
Gehaltsempfänger im Jahre 196O die bisher stärkste Gruppe in der obersten Einkommensklasse der USA (mehr als 15 000 Dollar im Jahr), die
Selbständigen, zum ersten Mal überflügeln können. Mit einem Anteil von
rund 50 Prozent sind sie dabei zur weitaus stärksten Gruppe der "Oberklasse" der US-Einkommensskala avanciert.
, sie zweite Einkommensklasse (lO 000 - 15 000 Dollar) hat sich
in rund zehn Jahren ganz erheblich verstärkt. Zwischen 1951 und 196O hat
sich die Zahl ihrer Einkommensträger - bei Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes - fast verdreifacht. Während 1951 lediglich 5 Prozent
aller amerikanischen Familien Einkommen von über 10 000 Dollar aufwiesen,
waren es i960 bereits 14 Prozent.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
1 1

�E. A. Willis - ein. Arbei.tne hmerporträt
Edward A. Willis, Warenprüfer einer W$inkellerei und Spirituosenfabrik in Fresno im Staat Kalifornien Und in seiner Freizeit Zahlkellner eines Restaurationsbetriebs, ist mit seinen 46 Jahren noch zu
einem der größten Abenteuer unserer Zeit bereit: "Tony" Willis träumt
davon, im Rahmen des amerikanischen Friedenskorps als Entwicklungshelfer nach Afrika, Asien oder Südamerika geschickt zu werden, um
dort beim Aufbau des Jugendsports mitzuwirken.
Aus kinderreicher Familie
Nun, Tonys Leben ist auch so schon abwechslungsreich genug, ob
sein Wunsch in Erfüllung geht oder nicht. Er wurde 1917 in Phoenix,
der Hauptstadt Arizonas, geboren. Er hat es in seiner Jugend nicht
ganz einfach gehabt. Er ist Neger und stammt aus einer Familie mit
neun Kindern, alles Jungen. Nach Abschluß der Oberschule besuchte er
zunächst das Junior College in Phoenix und später die dortige Lehrerbildungsanstalt. Das Geld für das Studium verdiente er sich in den
unterrichtsfreien Stunden als Hausmeister beim Gouverneur des Staates
Arizona. Nach dem Abschlußexamen in Geschichte und Staatswissenschaften trat er in den Dienst der Polizei von Phoenix. Doch inzwischen war
der zweite Weltkrieg ausgebrochen, und Willis wurde für fünf Jahre
Soldat. Auf einen kürzeren Einsatz in Nordafrika folgte die Abkommandierung nach Burma, wo er als Zugführer einen Bautrupp befehligte,
der am Bau der Burma-Straße mitwirkte. Willis gehörte später dem
ersten Konvoi an, der über diese im Krieg berühmt gewordene Militärstraße rollte.
Vom Ausfahrer zum Prüfer
Einer seiner Brüder verschaffte ihm nach Kriegsende dann eine
Stellung in einer Weinhandlung im kalifornischen Fresno. Er fand
Gefallen am Wein- und Spirituosenhandel und ging deshalb später zu
einer größeren Weinkellerei, die auch noch eine Schnapsbrennerei unterhielt. "Ich fing als Ausfahrer an und legte auch sonst überall im
Betrieb mit Hand an", berichtet er heute rückschauend. "Ich habe die
Traubenpresse bedient und den Kran, mit dem die Mostbehälter in die
Gärbottiche geleert werden."
Heute aber arbeitet Tony als Prüfer, überwacht den Verschnitt
von Whiskysorten, probiert die Destillate und kontrolliert den Warenausgang. Sein Betrieb hat seit langem schon die Fünftagewoche bei
täglich achtstündiger Arbeitszeit eingeführt. An den Wochenenden hilft
Tony als Zahlkellner im Restaurationsbetrieb eines Motels aus.
Sehr aktiv im Gemeinschaftsleben
Arbeit und "weekend Job" hindern ihn aber nicht daran, auch im
Gemeinschaftsleben eine recht aktive Rolle zu spielen. Da ist einmal
der Kriegsteilnehmerverband, die "Veterans of Foreign Wars", dessen
Ortsverein er seit 1962 als Commander vorsteht, zum andern die Mitgliedschaft in einer Loge und im Schulverein zu nennen. Daß Willis
Gewerkschafter ist, versteht sich für ihn von selbst, und er ist
stolz darauf, schon mehrfach an TarifVerhandlungen mit den Arbeitgebern

-

12

-

�Arbeitgebern im Weinbau teilgenommen zu haben. "Wir kamen bisher
immer ohne Streik aus", weiß er hierüber zu berichten. Mir macht das
'Geben und Nehmen' solcher Verhandlungen direkt Spaß. Heute geht es
uns weniger um höhere Löhne als um die Verbesserung von Lohnnebenleistungen wie Kranken- und Lebensversicherung."
Eigenheim mit fünf Zimmern und allem Komfort
Das also ist der Hintergrund, vor dem sich Tony Willis' berufliches und "gesellschaftliches" Leben abspielt. Den Rahmen für sein
Privatleben bildet ein weiß verputztes Häuschen in einem bescheidenen
Wohnviertel von Fresno. Das Eigenheim hat neben einem Wohn- und einem
Eßzimmer noch drei Schlafräume sowie Küche und Bad. Es ist mit dem
für einigermaßen wohlsituierte Leute üblichen Komfort ausgestattet,
und es fehlen weder der Kühlschrank, noch die Waschmaschine und der
Geschirrspülautomat.
Willis' Frau fühlt sich mit ihren zwei Töchtern Patricia Diane
(13) und Valencie Yvonne (10) und dem Haushalt keineswegs voll ausgelastet und arbeitet deshalb vormittags noch in einer Schulküche, wo
die Mahlzeiten für die Schulspeisung bereitet werden. Die Hausarbeit
macht sie, von den beiden Töchtern schon ein wenig unterstützt, ganz
allein. Lediglich zum Bügeln hat sie eine Hilfe. Mrs. Willis scheint
den Ehrgeiz zu haben, es ihrem Manne gleichzutun, ist sie doch laufend
für die Baptistenkirche und mehrere Frauenvereine tätig.
Neue Berufschancen für Farbige
Aber immer alle Hände voll zu tun und immer Betrieb und Abwechslung zu haben, das scheint genau das zu sein, was Mr. und Mrs. Willis
bei guter Laune hält. Seine Hautfarbe macht Tony Willis kaum irgendwelchen Kummer, und er ist, was die Rassenfrage angeht, ein Optimist.
Warum, das hat er mit wenigen Worten recht überzeugend zum Ausdruck
gebracht: "Seit dem letzten Krieg haben sich uns Farbigen viele neue
Arbeitsgebiete aufgetan. Unsere Aufgabe ist es nun, uns die notwendige
Kenntnisse anzueignen."
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen
Die Schaffung einheitlicher internationaler Beschäftigungsstandards als einer wesentlichen Voraussetzung für die Ausweitung des
Welthandels und der Exportmärkte für amerikanische Erzeugnisse hat ein
gemischter Gewerkschafts-Industrieausschuß gefordert, dessen Vorsitzer
der Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO",
George Meany, ist.
Der

�Der Ausschuß h a t j e t z t einen umfassenden B e r i c h t über s e i n e Beratungen v e r ö f f e n t l i c h t , die er a n l ä ß l i c h der White-House-Konferenz
über die Ausweitung der US-Exporte k ü r z l i c h in der amerikanischen
Bundeshauptstadt f ü h r t e . Darin wird b e t o n t , daß, sobald einmal die
u n t e r dem allgemeinen Niveau liegenden Beschäftigungsbedingungen
a l s Faktor im i n t e r n a t i o n a l e n Wettbewerb a u s g e s c h a l t e t s e i e n , der
Lebensstandard und d i e Kaufkraft i n den Ländern mit einem Substandard
erhöht und dadurch neue Exportmärkte geschaffen würden.
In dem B e r i c h t wird w e i t e r f e s t g e s t e l l t , daß die b e t r ä c h t l i c h e n
Unterschiede zwischen den USA und i h r e n w i c h t i g s t e n Konkurrenten auf
den '.Veitmärkten h i n s i c h t l i c h der Löhne in l e t z t e r Zeit etwas g e r i n g e r
geworden s i n d . Dies s e i darauf zurückzuführen, daß die d u r c h s c h n i t t l i c h e n Lohnerhöhungen i n den I n d u s t r i e l ä n d e r n in den vergangenen Jahren
größer waren a l s in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n s e l b s t . Durch die umfassende Einführung moderner, k o s t e n s p a r e n d e r Maschinen und P r o d u k t i o n s a u s rüstungen h ä t t e n d i e USA f e r n e r die F e r t i g u n g s k o s t e n t r o t z weiter s t e i gender Löhne r e l a t i v n i e d r i g h a l t e n können.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

-

14

*

-

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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung der Gewerkschaften für das amerikanische Wirtschaftsleben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rehabilitation Behinderter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Modellvertrag der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterbreitete Kongress umfassendes Sozialprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (II)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aktuelle Arbeitsmarktprobleme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Filmore LaDeaux &amp;nbsp;- ein Arbeitnehmerporträt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Erfolgsbeteiligungsplan &amp;nbsp;der Kaiser-Stahlwerke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maschinistengewerkschaft feiert 75jähriges Bestehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA in den Jahren 1960-75 (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen technischen Veränderungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA in den Jahren 1960-1975 (II)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleiche Berufschancen für die Farbigen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Situationen der Farbigen in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung der Rassengleichheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Sozialversicherung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwicklung der Löhne und Lohnebenleistungen in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in Umschulungskursen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beträchtliche Verschiebungen in der US-Einkommensstruktur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;E. A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen&lt;/p&gt;</text>
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