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                  <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILTJNGEN
Inhaltsverzeichnis
1962

Das Anciennitätsprinzip und seine
praktischen Auswirkungen
Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit
Präsident Kennedy vor dem amerikanischen
Gewerkschaftsverband

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA
Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer
drauf
Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau
um 85 Prozent seit 1949
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

.

Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern
Nachlese zum "APL.-CIO"-Kongreß
Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie
Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor
Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung
veröffentlicht

-

1

�Nr. 4
Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft
Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger
als höhere Löhne
Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 5
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den
Vereinigten Staaten
Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch
Neue Arbeitsplätze durch industrielle und
technische Fachausbildung
Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug
des amerikanischen Erziehungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 6
Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung
in der Industrie
435-Millionen-Dollar-Programm für die Umschulung
von Arbeitslosen
Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine
Wirtschaftspolitik
Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der
Stahlindustrie
*

Nr. 7
Die Auswirkungen der Automation auf den
ArbeitnehmerStatus
Feststellung der Beschäftigt*»- und Arbeitslosenzahl
in den USA
Die Gewerkschaften und die Angestellten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
«

- 2

�Hr. 8/9
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)
Anwendungstechniker als Wegbereiter der
Vollautomatisierung
Die "Stadt-in-der-Stadt"
Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Hr. 10
Frauenarbeit und Haushalteinkommen ( i l )
Fast 70 Millionen B e s c h ä f t i g t e i n den USA
AFL-CIO f o r d e r t 35-Stunden-Woche
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
»
Hr. 11

t
Urlaubsregelungen in den USA
Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
(und vier weitere Kurznachrichten)

Hr. 12

Das System der Lehrlingsausbildung in den USA
Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation
Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern
ein gemeinsames Problem
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

«

-

3 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar

1962

INHALTSVERZEICHNIS

Das Anciennitätsprinzip und seine
praktischen Auswirkungen

Seite

1

Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit

Seite

7

Präsident Kennedy vor dem amerikanischen
Gewerkschaftsverband

Seite

12

Das Anciennitätsprinzip und seine praktischen Auswirkungen
Aus "The American Federationist",
dem offiziellen Organ des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO.

Das Anciennitätsprinzip hat in der Nachkriegszeit in den Vereinigten Staaten zunehmende Bedeutung gewonnen. Die Dauer der Betriebszugehörigkeit eines Angestellten oder Arbeiters entscheidet
heute in vielen Fällen darüber, welche Rechte ihm im Verhältnis zu
anderen Mitarbeitern zustehen, und vielfach auch über die Höhe der
zusätzlichen betrieblichen Nebenleistungen.
Vor Jahren noch war die Frage umstritten, ob die Firmenleitung
bei notwendig werdenden Veränderungen im Betrieb den Belegschaftsangehörigen mit längerer Dienstzeit den Vorzug vor Mitarbeitern mit
größeren "Verdiensten" geben solle. Langsam aber sicher hat sich
unter dem.ständigen Druck der Gewerkschaften die Erkenntnis durchgesetzt, daß eine anständige Bezahlung den Unternehmer noch längst
nicht von allen Verpflichtungen gegenüber seinen Mitarbeitern entbindet und daß gewissen Rechten des arbeitenden Menschen, insbesondere
dem auf Arbeit, mit zunehmender Beschäftigungsdauer größerer Schutz
gebührt.
,

a
-

1

-

�Je länger ein Arbeitnehmer für ein Unternehmen arbeitet, um
so ;mehr "investiert" er von seinem Leben in diese Beschäftigung.
Sein Domizil, seine Freundschaften, seine Lebensgewohnheiten,
sein Benehmen und sein gesamtes psychisches und physisches Wohlbefinden sowie noch viele andere Aspekte seines Lebens werden von
seiner Tätigkeit am Arbeitsplatz beeinflußt.
Die Rechte der Arbeitnehmer, di« ihm aus dieser "Investition" erwachsen, schließen billigerweise die Sicherheit am Arbeitsplatz, Aufstiegschancen und das Anrecht auf zusätzliche Sozialleistungen ein, die sich mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit
erhöhen. Dies sind keine absoluten Rechte; sie setzen die Fähigkeit voraus, die geforderte Arbeit zu bewältigen, und hängen auch
von der Verfügbarkeit von Arbeit ab; sie unterliegen aber nicht
der Willkür oder der Laune des Arbeitgebers.
Der Druck der Gewerkschaften und die allgemein günstigen Erfahrungen mit dem Anciennitätsprinzip sind die wichtigsten Triebfedern für seine steigende Anerkennung. Die Vorteile, die seine
Anwendung bietet, haben dazu geführt, daß man es auch in Betrieben befolgt, deren Belegschaft nicht gewerkschaftlich organisiert
ist. Es ist aber das ausschließliche Verdienst der Gewerkschaften,
daß der Begriff der Anciennität klar definiert und zu einem gewissen Rechtsanspruch erweitert wurde.
Man sollte nicht übersehen, daß es keine allgemeinverbindlichen
gewerkschaftlichen Richtlinien bezüglich der Durchsetzung des
Prinzips der Anciennität gibt, obwohl natürlich fast alle Gewerkschaften auf seine Anerkennung drängen. Es gibt durchaus Fälle,
in denen die Gewerkschaften und ihre Mitglieder es als fairer und
praktischer erachten, nach anderen Gesichtspunkten zu verfahren. So
würde es beispielsweise der Gewerkschaft der Filmschaffenden niemals
einfallen, bei der Besetzung von Filmrollen auf der Anciennität
zu beharren.
Einer der wichtigsten Vorzüge des Anciennitätsprinzips besteht
darin, daß es den älteren Arbeitskräften einen relativ sicheren
Kündigungsschutz bietet. Seine Befolgung schafft die Gewähr, daß
langjährige und noch voll einsatzfähige Arbeitskräfte nicht einfach
beiseitegeschoben oder übergangen werden, nur um Platz für jüngere
Leute zu gewinnen. Eine solche Garantie gehört ohnehin mit zu den
selbstverständlichen Zielen der Gewerkschaften, die sich einmal
der Tatsache bewußt sind, daß die älteren Arbeitnehmer im Falle
einer Entlassung größere Schwierigkeiten haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, und zum anderen schon immer aus Gründen der
Fairness den Grundsatz vertreten, daß die Arbeiter und Angestellten,
die am längsten in einem Betrieb tätig sind, auch einen besseren
Kündigungsschutz verdienen und Anspruch auf erhöhte Sozialleistungen
haben . .
Das Eintreten der Gewerkschaften für das Anciennitätsprinzip
gründet sich des weiteren auf ihr Streben, Mißbräuche zu verhindern oder auf ein Mindestmaß zu beschränken, die bei Anwendung
anderer Auswahlmethoden im Falle notwendiger Entlassungen, bei der

-

2 _

�der Gewährung von betrieblichen Leistungen oder bei Beförderungen
nicht ausgeschlossen sind. Allein das Anciennitätsprinzip gibt
einen festen Maßstab ab und ist völlig objektiv zu handhaben.
Eine Untersuchung des US-Arbeitsministeriums aus den Jahren
1954/55 zeigt, daß die Anciennität bereits damals in fast 70 Prozent
aller Tarifverträge als das entscheidende Kriterium bei notwendig
werdenden Entlassungen akzeptiert wurde, wenn auch vielfach mit .der
Einschränkung, daß der dienstältere Mitarbeiter fähig sein muß, die
an dem umstrittenen Arbeitsplatz anfallenden Arbeiten auszuführen.
Der Grad der Sicherheit, den die Anciennität bietet, hängt weitgehend davon ab, in welcher Form die Rechte aus ihr geltend gemacht
werden können. Soll sie nur innerhalb einer Beschäftigungssparte,
einer Betriebsabteilung, eines Werks oder innerhalb der gesamten
Firma gelten? Kann ein Belegschaftsangehöriger unter Berufung auf
seine Anciennitätsrechte einen jüngeren Mitarbeiter von einem anderen
Arbeitsplatz auch innerhalb eines solchen größeren Rahmens verdrängen?
Dieser Rahmen, innerhalb dessen Anciennitätsrechte geltend gemacht werden können, ist je nach Firma und Wirtschaftszweig verschieden weit gespannt und hängt von dem Grad der Austauschbarkeit der
Arbeitskräfte und auch davon ab, inwieweit die fraglichen Arbeitskräfte in der Lage sind, die an einem anderen Arbeitsplatz geforderten Leistungen zu erbringen. Die Gewerkschaften drängen darauf, diesen
Rahmen möglichst weit zu stecken, um zu verhindern, daß ein langjähriger Mitarbeiter in einer Abteilung im Falle eines verringerten Arbeitsanfalls entlassen wird, während ein jüngeres Belegschaftsmitglied in
einer anderen Abteilung auf einem Arbeitsplatz beiaasen wird, den der
ältere Kollege übernehmen könnte.
Die Unternehmer wollen ^ihrerseits das Recht älterer Mitarbeiter
auf den Arbeitsplatz eines jüngeren Arbeitnehmers so weit wie möglich
einengen, um "übermäßige" innerbetriebliche Umstellungen mit den damit
verbundenen Schwierigkeiten und dem damit verbundenen Absinken der
Leistung zu vermeiden. Die Gewerkschaften halten dem entgegen, daß
die mit dem Verdrängen jüngerer Mitarbeiter verbundenen Schwierigkeiten ein angemessener Preis dafür sind, daß die älteren Mitarbeiter
und deren Erfahrungen dem Betrieb erhalten bleiben.
In vielen Firmen gibt die Anciennität heute auch bei Beförderungen und Versetzungen den Ausschlag. Das bedeutet natürlich nicht, daß
ein Mitarbeiter nur auf Grund seiner langjährigen Betriebszugehörigkeit aufrückt, wenn er nicht die erforderlichen Qualifikationen für
die fragliche Position mitbringt. Die vernünftige Auslegung des
Anciennitätsprinzips besagt vielmehr, daß man ihm eine Chance an
diesem Arbeitsplatz gibt und ihn, falls er diesen nach einer angemessenen Einarbeitungsperiode voll ausfüllen kann, dort beläßt.
Es gibt noch einige weitere Bereiche, in denen die Rechte eines
Arbeitnehmers von der Dauer der Betriebszugehörigkeit bestimmt werden:
Zu diesen zählen die Berücksichtigung seiner Wünsche bei der Einteilung des Urlaubs, der Arbeitszeit bei Schichtbetrieb und bei Überstunden sowie bei der Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der Abteilung

-

3 -

�Abteilung und der Zuteilung von Parkplatz, von Spinden usw.
Auch im Bereich der betrieblichen Sozial- und Nebenleistungen
spielt die Betriebszugehörigkeitsdauer eine wichtige Rolle. Urlaubsdauer und Rentenhöhe sind typische Beispiele hierfür: Die Urlaubsdauer hängt in den meisten Betrieben vom Dienstalter ab, ebenso wie
das Anrecht auf Alters- und Invaliditätsrente und deren Höhe. Neben
Lohn- und Gehaltserhöhungen werden auch verschiedene Sozialleistungen
nach Dienstalter gewährt, darunter Krankenurlaub, Entlassungsgeld
und verschiedene Sonderzuwendungen.
Auf seiten des Managements werden erhebliche Einwendungen dagegen erhoben, die Anciennität zu einem Kriterium für Beförderungen
zu machen. Die Gewerkschaften sind aber auch hier der Auffassung,
daß die Dauer der Betriebszugehörigkeit einen objektiveren Maßstab
für die Auswahl der Bewerber abgibt als etwa "Tüchtigkeit" oder
"Verdienste".
.
.
.
Gilt die Anciennität als Richtschnur, so weiß jeder Mitarbeiter,
wo er im Verhältnis zu anderen Kollegen steht. Die Auswahl hängt
dann nicht von der Beurteilung oder auch von der Laune eines Vorgesetzten ab. Bei der Auswahl nach "Tüchtigkeit" und "Verdienst" oder
nach anderen subjektiven Gesichtspunkten fehlen wirklich brauchbare
Maßstäbe und sind Mißbräuche nicht ausgeschlossen. Ja, in vielen
Fällen würde man das Alter eines Mitarbeiters sogar als einen Hinderungsgrund für eine Beförderung ansehen, selbst wenn er genauso tüchtig oder sogar tüchtiger ist als ein jüngerer Mitbewerber. Hinzu
kommt, daß das Urteil von Vorgesetzten beeinflußbar ist. Mitarbeiter
die sich selbst ins rechte Licht zu rücken verstehen, haben hier entschieden die größeren Aussichten.
Von Unternehmern wird verschiedentlich ins Feld geführt, daß das
Anciennitätsprinzip die Initiative der Arbeitnehmer hemmt, der Tüchtigkeit den ihr gebührenden Platz streitig.macht.und den jüngeren
und leistungsfähigeren Mitarbeiter nicht zum Zuge kommen läßt. Dieser Vorwurf verdient eine ernsthafte Prüfung. Man kann aber auch umgekehrt fragen, ob die Befolgung des Anciennitätsprinzips nicht den
Leistungswillen im allgemeinen in so hohem Maße anstachelt, daß das
etwaige Nachlassen der Einsatzfreudigkeit einzelner Benachteiligter
dadurch mehr als aufgewogen wird.
An vielen Arbeitsplätzen, die die Erledigung eines festen Pensums
in einer festgesetzten Zeit erfordern - das gilt vor allem für Arbeiten an automatisch vorrückenden Fließbändern - spielt die Tüchtigkeit
keine wesentliche Rolle. An Arbeitsplätzen aber, an denen es auf spezielle Fertigkeiten ankommt, ist Erfahrung - also längere Betriebszugehörigkeit - praktisch die Voraussetzung für hohe Leistungen. Hier
haben Mitarbeiter mit längerer Dienstzeit gewöhnlich die meiste Erfahrung und sind deshalb jüngeren Kollegen meist überlegen.
Vor einigen Jahren hat Professor James J. Healey von der HarvardUniversität 58 Streitfälle untersucht; in denen durch einen Schiedsmann die Beförderung eines jüngeren Mitarbeiters, den die Firmenleitung dem Klage führenden älteren Mitarbeiter vorgezogen hatte.

- 4 -

�hatte, rückgängig gemacht worden war. Frühestens drei Jahre nach
der auf Grund des Schiedsspruches erfolgten Einsetzung des älteren
Mitarbeiters bat Healey die Firmenleitung um Auskunft darüber, wie
sich der Betreffende in der Stellung bewährt habe-, die ihm vorher
verweigert worden war. Man darf unterstellen, daß die Firmen eher
geneigt sind, ihre frühere Entscheidung zu rechtfertigen; dennoch
berichtete die Mehrzahl, daß sich die älteren Mitarbeiter in ihrer
neuen Position entweder sofort oder nach kurzer Zeit bewährt hätten.
In 50 Prozent aller Fälle war der Betreffende in der Zwischenzeit schon
auf einen noch höheren Posten aufgerückt. Nur in einem knappen Viertel der Antworten wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Firmenleitung
noch immer die Beförderung des Bewerbers mit der längeren Dienstzeit
als eine Fehlentscheidung ansah.
Healay führte verschiedene Gründe dafür an, daß sich die älteren
Mitarbeiter der größeren Verantwortung gewachsen zeigten. Es mag
durchaus sein, daß die Unternehmensleitung mit ihrer Beurteilung des
jüngeren Mitarbeiters als dem fähigeren recht hatte; fraglich bleibt
nur, ob die besonderen Fertigkeiten des Betreffenden an dem fraglichen
Arbeitsplatz zum Tragen gekommen wären.
Wenn eine Firma ältere Arbeitskräfte entläßt und jüngere weiterbeschäftigt, dann belastet sie den Arbeitsmarkt damit besonders, da
diese Arbeitskräfte meist weniger anpassungsfähig sind und ihnen ein
Umzug in eine andere Stadt meist nicht zugemutet werden kann. Von der
Frage nach Recht und Billigkeit, der menschlichen Problematik und
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten älterer Arbeitnehmer in dieser
Lage einmal ganz abgesehen, werden diese selbst im Falle einer Neueinstellung in einer anderen Firma einen geringeren Beitrag zur
Volkswirtschaft leisten als bei ihrer Belassung an dem vertrauten
Arbeitsplatz, an dem sie im Laufe langer Dienstjahre eingehende
Erfahrungen gesammelt haben..
Es wird des weiteren behauptet, die Anwendung des Anciennitätsprinzips beeinträchtige die Mobilität der Arbeit und somit auch
die Leistungsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft. Die älteren
Arbeitskräfte, so wird argumentiert, seien wenig geneigt, eine selbst
besser dotierte neue Stelle anzutreten, weil sie die aus der Anciennität herrührende erhöhte soziale Sicherheit und höheren Ansprüche auf
betriebliche Nebenleistungen nicht aufgeben wollen. Somit binde die
Anciennität, so wird gefolgert, den Arbeitnehmer fest an das Unternehmen und schränkte damit die Arbeitsmobilität ein, die für eine
flexible und expandierende Wirtschaft unerläßlich sei.
Es mag zutreffen, daß langjährige Betriebszugehörigkeit die Arbeitskräfte gegenüber lockenden Stellenangeboten und der mit einem
Wechsel verbundenen Umstellung zu größerer Zurückhaltung veranlaßt.
Das gilt aber ganz allgemein für ältere Arbeitnehmer, gleichgültig,
ob sie Anciennitätsrechte geltend machen können oder nicht.
Die Motive, die einen Arbeitnehmer bewegen, über die Probezeit
hinaus bei einem Unternehmen zu bleiben, beherrschen ihn auch bei seinem weiteren Verbleib in der Firma über Jahre hinweg. Anciennitätsrechte

-

5 -

�Anciennitätsrechte mögen ihn in seinem Entschluß bestärken, den
Arbeitsplatz nicht zu wechseln, die primäre Ursache einer solchen
Haltung aber sind sie wohl nur selten.
Es waren immer die Jüngeren, die den größten Anteil an der
Arbeitsfluktuation hatten. Viele Jugendliche wechseln häufig den
Arbeitsplatz, nicht weil sie keine Anciennitätsrechte erworben haben,
sondern weil sie sich noch nicht fest für einen bestimmten Beruf
oder eine bestimmte Tätigkeit entschließen können.
Professor Arthur Ross von der Universität Kalifornien kam in
einer Untersuchung über den Rückgang der Fluktuation in den letzten
Jahrzehnten zu dem Schluß, daß die zunehmende Anerkennung des
Anciennitätsprinzips bei dieser Entwicklung nur eine geringe Rolle
gespielt hat. Seine Untersuchungen erbrachten den Beweis, daß Kündigungen seitens der Arbeitnehmer bei Beschäftigten mit auch nur einigen
Dienstjahren schon immer selten waren, auch in der Zeit vor dem ersten
Weltkrieg, als Anciennitätsrechte im heutigen Sinne überhaupt noch unbekannt waren. Der Rückgang der Fluktuation ist mithin auf ein Nachlassen der Bereitschaft zu einem häufigen Arbeitsplatzwechsel gerade
unter den jüngeren Beschäftigten zurückzuführen.

Aus "The American Federationist".

» * « * *

-

6 -

�Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit

Schon als das Rad erfunden wurde, fürchteten wahrscheinlich
bereits einige wenige, daß sie durch diese Erfindung ihre Arbeit
verlieren würden. Als dann die noch unförmigen Räder zu einem
Karren zusammengefügt und Ochsen als Zugtiere davorgespannt wurden, waren es sicherlich andere, die um ihre Arbeit bangten. Und
so ist es seither durch all die Jahrtausende bis in die Jahrhunderte der industriellen Revolution hinein gewesen: immer wieder
haben sich die Menschen über die Auswirkungen neuer Produktionsmethoden Gedanken und Sorgen gemacht und den Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchtet.
Auch jetzt wieder sind es die Wechselbeziehungen zwischen
technologischem Fortschritt und Arbeitslosigkeit, die im Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen stehen.
Die Atitomation, diese neue und dynamische Form des technischen
Fortschritts, ist inzwischen aus dem Versuchs- und Experimentierstadium auf das weite Feld der praktischen Anwendung hinübergewechselt. Ihr Vormarsch auf breitester Front in allen Zweigen der Wirtschaft erfolgte dabei zu einem Zeitpunkt, wo die vorhandenen Produktionskapazitäten in der amerikanischen Wirtschaft nicht voll ausgenutzt wurden - eine Tatsache, die allgemein mitssehr gemischten
Gefühlen registriert wurde.
Die Frage, die daher heute überall gestellt wird, ist die:
Bringt die Automation nun eigentlich schwerwiegende Arbeitsmarktprobleme und Arbeitslosigkeit mit sich oder aber eröffnet sie uns
neue Perspektiven des Wohlstandes?
Die Erfahrung hat uns gezeigt, daß der Schlüssel für einen
steigenden Lebensstandard die Produktivität ist und daß technologische Veränderungen den Hauptfaktor für eine Produktivitätssteigerung
darstellen•
Zwischen 1947 und 1959 hat sich die Arbeitsproduktivität in den
USA um 46 Prozent erhöht. Das bedeutet, daß die Produktionsleistung
von 1947 im Jahre 1959 mit rund einem Drittel weniger Arbeitnehmern das sind rund 17,5 Millionen - hätte erzielt werden können. Statt
aber Arbeitsplätze auszulöschen, hat die Produktivitätszunahme im
Gegenteil zu einer Erhöhung der Gesamtbeschäftigtenzahl um 10 Prozent, einem Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden um 5 Prozent
und einer Zunahme der Produktion um 53 Prozent geführt.
Damit wäre an sich nichts Neues über die Auswirkungen der
technologischen Veränderungen auf Produktion und Beschäftigung gesagt. Warum also dann diese Sorgen?
Die

7

�Die Automation ist mehr als eine bloße Verfeinerung der
Mechanisierung. In verschiedener Hinsicht stellt sie sogar einen
vollkommenen Bruch mit der Vergangenheit dar. Einmal erstreckt
sich ihr Anwendungsbereich über eine sehr breite Skala - denn
sie überdeckt praktisch alle Produktionszweige -, von der medizinischen Diagnose bis zur Buchübersetzung, von der Lohnbuchhaltung bis zur langfristigen Konjunkturprognose, von der Produktionsprogrammierung bis zur vollkommenen Kontrolle der gesamten Produktionsanlage,
Zum anderen jedoch erfolgt die Einführung der Automation
in einem weitaus größeren Tempo, als es bei anderen technologischen Veränderungen in früheren Zeiten der Fall war. Das bedingt
wiederum, daß die durch die Automation freigesetzten Arbeitskräfte
von der Wirtschaft schnell und zu einem Zeitpunkt absorbiert werden müssen, wo auf dem Arbeitsmarkt gleichzeitig ein großer Bedarf
an solchen Arbeitnehmern besteht, die über die für die neue Produktionstechnik erforderlichen Qualifikationen verfügen.
Schließlich aber rollt der Automationsprozeß in einer auf
hoher Stufe stehenden Volkswirtschaft ab, deren Hauptcharakteristikum der Massenkonsum ist. Wenn daher Arbeitskräfte auf Grund der
Einführung der Automation ihre Arbeitsplätze verlieren, so können
sie nur dann eine andere Beschäftigung finden, wenn die allgemeine
Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen gesteigert wird.
Zwei Elemente sind es vor allem, die die Automation von den
konventionellen Produktionsverfahren unterscheiden:
1. Die Herstellung eines Gegenstandes erfolgt hier im Rahmen
eines integrierten, kontinuierlichen Produktionsprozesses.
2. Quantität und Qualität der Produktion werden ständig kontrolliert, so daß das gesamte System jeweils mit maximaler
Leistung arbeitet.
Noch bis vor kurzem gab es zwei voneinander getrennte Entwicklungen auf dem Gebiet der Automation. Auf der einen Seite standen
die Datenverarbeitungsanlagen - wie z.B. die Elektronenrechner -,
auf der anderen die automatischen Kontrolleinrichtungen und -instrumente - etwa beim automatischen Transferprozeß in den Ölraffinerien.
Jetzt aber beginnen sich diese beiden Strömungen miteinander
zu verbinden: Durch die Verwendung von Ring-Kontrollsystemen wird
der Elektronenrechner mit den Instrumentenkontrollen verbunden, so
daß er praktisch den gesamten Produktionsprozeß überwachen kann.
Gegen Ende 196O belief sich der Wert der automatischen Produktionseinrichtungen in den Vereinigten Staaten auf mehr als 6 Mrd.
Dollar - das entspricht einem Wertzuwachs von 75 Prozent in den vergangenen sechs Jahren.
Obwohl

8

�O"bwohl sich aber die Automation immer schneller ausgebreitet
hat, so Ist sie andererseits doch auch durch zahlreiche Gegenkräfte in ihrer Entwicklung gehemmt worden: Die wichtigsten Faktoren bilden hier die hohen TJmrüstungskosten; eine große elektronische Rechenanlage kostet heute mehr als 1 Million Dollar - sowie
die langen Vorbereitungszeiten - in der Regel braucht man drei
Jahre, um die Pläne für die Installierung und Einrichtung eines
Elektronenrechnersystems in die Praxis zu übertragen. Hinzu
kommt noch, daß die Automation in vielen Fällen nicht auf Anhieb
die erwarteten Erfolge gebracht hat. Die letzten Jahre waren nämlich weitgehend Jahre der Versuche und Irrtümer.
Schließlich ist die volle Automatisierung eine in jeder Beziehung gewaltige Aufgabe. Nach zuverlässigen Schätzungen nämlich
wären rund 500 Mrd, Dollar und eine Zeit von 55 Jahren mit ebenso
hohen Kapitalinvestitionen wie in den letzten Jahren notwendig, um
die amerikanische Fertigungsindustrie voll automatisieren zu können.
Automation und Erwerbslosigkeit
Nachdem wir einige der Möglichkeiten für die Anwendung der
Automation sowie ihre Grenzen aufgezeigt haben, erhebt sich nun
also die Frage, welche Auswirkungen die Automation auf den Arbeitsmarkt hat. Inwieweit.hat die Automation zum derzeitigen Problem
der Arbeitslosigkeit beigetragen?
Innerhalb eines Betriebes werden sich die Auswirkungen im allgemeinen nur allmählich und graduell abzeichnen. Auf Grund der
langen Vorbereitungszeit ist es der Unternehmensführung meist möglich, die Arbeitnehmer auf die neuen Tätigkeiten umzuschulen und
größere Entlassungen durch eine Drosselung der Neueinstellungen
zu vermeiden. Hinsichtlich der Lösung des Personalproblems besteht
in den Büros heute allgemein die Tendenz, die besseren Transfermöglichkeiten für Arbeitskräfte in diesen Betrieben weitgehend auszunutzen und im übrigen auf den hohen Umschlag an Arbeitskräften
zu bauen. In den Industriebetrieben dagegen, die gegenüber Rückschlägen in der Wirtschaft weitaus empfindlicher sind, dürften
jedoch einige der in Rezessionszeiten entlassenen Arbeitnehmer bei
erneuter Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität nicht wieder eingestellt werden.
Wenn es auch sehr schwierig ist, die genaue Zahl jener Arbeitskräfte anzugeben, die auf Grund der Automation, von Veränderungen
in den Verbrauchergewohnheiten oder anderer Faktoren ihre Arbeitsplätze in den einzelnen Industriezweigen oder Berufsgruppen verloren
haben, so geben doch die.folgenden Ergebnisse einen gewissen Aufschluß darüber:
1. In einigen Industriezweigen, in denen die Produktion rückläufig war, ist die Zahl der entlassenen Arbeitskräfte im Verhältnis zum Produktionsrückgang allgemein größer gewesen. Die Steinkohlenförderung z.B. war 1959 im Vergleich zum Durchschnitt der
Jahre 1947-49 um 35 Prozent geringer, die Zahl der Beschäftigten
lag dagegen um 60 Prozent niedriger. Dennoch würde die Beschäftigten-

9

�Beschäftigtenzahl vielleicht noch stärker abgenommen haben, wenn
nicht die technischen Veränderungen dazu beigetragen hätten, die
Wettbewerbsfähigkeit des Bergbaus gegenüber den anderen Brennstofferzeugern zu erhalten.
2. In den Fabrikationsbetrieben stieg die Produktion seit
1953 um 17 Prozent an, während gleichzeitig die Zahl der Arbeitskräfte um 5 Prozent abnahm. In einigen Fabrikationszweigen ist
dieser Kontrast noch stärker ausgeprägt. Die Automobilproduktion
hatte in diesem Zeitraum bei einer gleichzeitigen Verminderung
der Zahl der Arbeitskräfte um 16 Prozent einen Anstieg von 26 Prozent zu verzeichnen.
3. In verschiedenen Fabrikationszweigen ist die Produktions zunähme so stark gewesen, daß sich der Bedarf an Arbeitskräften trotz
der Einführung der Automation weiter erhöhte. In der chemischen Industrie z.B. liegt die Beschäftigtenzahl im Vergleich zu 1955 um
8 Prozent, in der Elektromaschinenindustrie um 7 Prozent höher.
Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten im Handel um 11 Prozent, in den Dienstleistungszweigen um 20 Prozent und bei den Regierungsbehörden um 27 Prozent zu; und
4. schließlich hat sich die Beschäftigungsstruktur der Industrie auf Grund der Einführung der Automation und der veränderten
Bedarfsnachfrage erheblich gewandelt. So nahm in den vergangenen
zehn Jahren die Zahl der Beschäftigten in den akademischen und technischen Berufen um 55 Prozent zu, während sich auf Grund des größeren Arbeitsanfalls in den Büros - obwohl auch hier die Automation
ihren Einzug hielt - die Zahl der Angestellten um 32 Prozent erhöhte.
Die Zahl der Produktionsarbeiter nahm dagegen in diesem Zeitraum
nur um 5 Prozent zu.
Dennoch aber spielte die Automation (in ihrer tatsächlichen
Bedeutung verstanden) bei diesen strukturellen Veränderungen nur
ein« untergeordnete Rolle. Untersuchungen haben ergeben, daß pro
entlassenen Arbeitnehmer Investitionen in Höhe von schätzungsweise
35 000 Dollar erforderlich sind. Wenn sämtliche Investitionen für
Produktionsausrüstungen im Jahr 1 96O ausschließlich für automatische
Maschinen aufgewendet worden wären, dann hätten nämlich rund 500 000
Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren müssen. Tatsächlich waren
es aber nur rund 200 000.
Über all dem Gesagten drängen sich zwei Fragen auf: 1. Können
Methoden entwickelt werden, um die Umsetzung von Arbeitskräften in
Industriezweige mit steigender Nachfrage zu erleichtern? Einem
entlassenen Arbeiter ist nicht viel geholfen, wenn man i-hm sagt,
daß ein großer Bedarf an Physikern besteht. Das Problem einer angemessenen Umschulung auf solche Berufe und Tätigkeiten, die in Zukunft gefragt sind, wird sich immer stärker in den Vordergrund schieben.
Zwischen i960 und 1970 wird sich die Zahl der schulentlassenen
und neu zum Arbeitsmarkt drängenden jungen Arbeitnehmer, viele von
ihnen ohne eine berufliche Ausbildung und Vorbildung, ungemein stark

10

�stark erhöhen - in der Altersgruppe der 20- bis 24jährigen zum Beispiel rechnet man mit einer Zunahme um rund 50 Prozent. In der
Altersgruppe der 24- bis 45jährigen - also der erfahreneren Arbeitskräfte - dagegen ist nur ein Anstieg um 5 Prozent zu erwarten.
Außerdem ergeben sich noch ernste menschliche Probleme hinsichtlich
der Bereitstellung von Arbeitsplätzen für jene älteren Arbeitnehmer,
die auf Grund der technologischen Veränderungen möglicherweise
ihren angestammten Arbeitsplatz verlieren.
Die zweite Frage ist die: Können die Sektoren der Wirtschaft
mit expandierenden Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl jene neu auf
den Arbeitsmarkt strömenden Jugendlichen als auch jene älteren
Arbeitnehmer absorbieren, die ihren Arbeitsplatz auf Grund des
technischen Fortschritts verloren haben?
Die A.ntwort hierauf ist, daß eine stark expandierende und schnell
wachsende Volkswirtschaft durchaus in der Lage ist, allen ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern. Die Fortschritte auf dem
Gebiet der Produktivität, die weitgehend aus den technologischen
Veränderungen resultieren, können zu einem schnelleren Wachstum
der Realeinkommen beitragen. In der Folge können daher auch die
Märkte sowohl für die derzeitigen als auch die neuen Güter und
Dienstleistungen ausgeweitet werden.
Diese notwendige kräftige wirtschaftliche Expansion ergibt
sich allerdings nicht von selbst. Sie erfordert vielmehr eine Wirtschaftspolitik, durch die die Spar- und Investitionstätigkeit angeregt
wird, damit neue Methoden und Produktionsmittel entwickelt und eingeführt werden können; und sie verlangt ferne&lt;r eine ständige, sowohl
quantitative als auch qualitative Verbesserung unseres Erziehungssystems, damit der dynamischen Wirtschaft die erforderlichen Fachkräfte zugeführt werden können. Außerdem muß die Wirtschaftspolitik
darauf ausgerichtet sein, eine insgesamt ausreichende Bedarfsnachfrage zu sichern, damit ständig höhere Produktions- und Beschäftigungsniveaus erreicht werden können, ohne dabei jedoch inflationistische Strömungen auszulösen.
Unser Land braucht mehr Automation und mehr technologische Veränderungen jeglicher Art. Gleichzeitig müssen wir ein Wirtschaftsklima schaffen, das einem wirtschaftlichen Wachstum günstig ist.
Nur auf diese Weise wird es uns möglich sein, Arbeitsplätze für
jene jungen Menschen zu schaffen, die in den nächsten zehn Jahren
zum Arbeitsmarkt drängen werden.
(Aus "Business in Brief", dem zweimonatlich erscheinenden
Informationsbrief der "Chase Manhattan Bank", New York)

* * * * *

11

-

�Präsident Kennedy vor dem^amerikanischen Gewerkschaftsverband
Am 7» Dezember 1961 hielt Präsident Kennedy vor dem Kongreß
der "AFL-CIO" in Miami Beach eine Rede, in der er auf verschiedene aktuelle Probleme einging, die für die Gewerkschaften von
besonderer Bedeutung sind.
Auf den japanischen Überfall auf Pearl Harbor vor fast genau
20 Jahren anspielend, betonte der Präsident einleitend, daß sich
die USA heute einer im Grunde noch gefährlicheren Bedrohung ausgesetzt sähen als damals. Weltweite Herausforderungen und Probleme
gelte es heute zu meistern. Wörtlich fuhr er dann fort:
"Es ist kein Zufall, daß die Kommunisten dabei ihr besonderes
Augenmerk auf die Gewerkschaftsbewegung richten. Sie wissen, daß
die werktätige Bevölkerung häufig übergangen worden ist und in
vielen Teilen der Welt keine Fürsprecher hat; deshalb suchen die
Kommunisten diese Menschen zu verführen, indem sie sich als Hüter
ihrer Rechte aufspielen.
Doch weil wir in den Vereinigten Staaten schon lange eine
starke, freie Gewerkschaftsbewegung besitzen, haben die amerikanischen Arbeiter nicht das Gefühl, übergangen worden zu sein. Solange
die Gewerkschaftsbewegung stark und auf die Freiheit verpflichtet
bleibt, wird dies, wie ich glaube, die Freiheit unseres Landes
festigen.
Deshalb möchte ich hoffen, daß jeder Amerikaner, ganz gleich»
auf welcher Seite des Verhandlungstisches er sich befunden hat oder
ob er einem völlig- anderen Lebenskreis angehört, das eine erkennt!
daß die Stärke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung lebenswichtig
für die Bewahrung der Freiheit unseres Landes und auf dem ganzen Erdball ist.
Ganz besonders freut es mich zu hören, daß an der heutigen Tagung auch 150 Gewerkschaftsführer aus dem Ausland, und zwar aus 32
Ländern, teilnehmen. Ich glaube, und ich sage dies als Präsident, daß
einer der großen Aktivposten unseres Landes der Einfluß ist, den diese
Gewerkschaftsbewegung überall in der Welt geltend machen kann, indem
sie zeigt, was f;reie Gewerkschaften zu tun vermögen. Ich hoffe, sie
werden von dieser Tagung die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, daß
auf lange Sicht eine starke Gewerkschaftsbewegung für die Erhaltung
der Demokratie auch in ihren Heimatländern von wesentlicher Bedeutung
ist.
Es ist kein Zufall, daß es in der Sowjetunion seit 30, 35 oder
gar 40 Jahren keinen Streik mehr gegeben hat. Und die Kommunisten,
die in Lateinamerika, Afrika oder Asien die Belange des Volkes zu
vertreten vorgeben, können nach keiner Regel der Logik oder Diskussion behaupten, daß eine Gewerkschaftsbewegung frei sei, wenn
sie weder imstande ist, ihre Rechte gegenüber dein Arbeitgeber zum

12

�zum Ausdruck zu bringen, noch die Grenzen staatlicher Macht zu erkennen und anzusprechen.
Wir sind nicht allwissend. Wir sind nicht allmächtig. Wir
haben eine freie Gesellschaft, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer,
in der Bauern und Bürger ihre Rechte haben. Nicht wir haben ihnen
diese Rechte im Staat gegeben. Und ich hoffe, daß alle, die aus
diesem Saal wieder nach Lateinamerika, nach Europa, nach Afrika
zurückkehren werden, begriffen haben, daß wir hierzulande an Freiheit und Fortschritt glauben und auch daran, daß die Freiheit materielle Güter im Überfluß und Wohlstand hervorzubringen vermag.
Und Sie sollen auch wissen, daß ich dieser Tagung und dem
Gewerkschaftsparlament entscheidende Bedeutung für die Wahrnehmung
der Interessen unseres Landes und die Sache der Freiheit in der
kommenden Zeit beimesse.
Was die werktätige Bevölkerung, was dieses Land vereint, ist
weit wichtiger als alles, worüber wir Meinungsverschiedenheiten haben
könnten.
Denn Sie, meine Damen und Herren, sind nicht nur die Führer
ihrer Gewerkschaften, sondern Sie sind auch Bürger der Vereinigten
Staaten in verantwortungsvoller Position, und deshalb erschien es
mir durchaus angebracht, heute hierher zu kommen, um mit Ihnen zu
sprechen.
Zunächst möchte ich Ihnen meine Anerkennung für verschiedene
Dinge aussprechen. Dies gilt beispielsweise für die Bemühungen der
Interessenvertreter jener Männer und Frauen, die in unseren Raketenwerkstätten arbeiten. Ihre Bereitschaft, auf Streiks in der Raketenund Raumfahrtindustrie zu verzichten, und die Tatsache, daß die
dort tätigen Männer und Frauen diese Verpflichtung eingehalten haben,
hat unsere Fortschritte auf diesen Gebieten fühlbar beeinflußt, und
das Land weiß diese Ihre Bemühungen zu schätzen.
Zweitens haben wir erstmals einen Präsidialbeirat für Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Politik, der sich allmonatlich in dem Bestreben
zusammenfindet, wirtschaftspolitische Richtlinien auszuarbeiten
und zu entwickeln, die es dem Lande ermögliche», unter den Bedingungen der Vollbeschäftigung voranzuschreiten. Und ich möchte Ihnen
für Ihre Mitwirkung bei diesen Bemühungen danken.
Drittens möchte ich, wie bereits gesagt, der Gewerkschaftsbewegung danken für das, was sie im Ausland für die Stärkung der freien
Gewerkschaften tut, und Sie zugleich ersuchen, Ihre Anstrengungen zu
verdoppeln. Die Freiheitshoffnung stützt sich in diesen Ländern,
wie gesagt, vielfach auf die Gewerkschaftsbewegung.
Wir wollen nicht, daß den Menschen mancher Länder nur die Wahl
bleibt, ihr Schicksal entweder den wenigen, die den größten Teil
des Volksvermögens in Händen halten, oder andererseits der kommunistischen Bewegung zu überantworten.
Wir

13

�Wir stellen sie nicht vor diese Wahl. Wir wollen, daß sie
die Instrumente der Freiheit erhalten, mit denen sie sich schützen
und für den Fortschritt ihrer Länder sorgen können. Das kann eine
starke, freie Gewerkschaftsbewegung erreichen, und ich hoffe, daß
Sie Ihre Aufmerksamkeit in den nächsten zwölf Monaten auf dieses
Gebiet konzentrieren werden - in Lateinamerika und in allen Teilen
der Welt.
In der Tat kommt auch der Regierungschef des Kongo, Cyrille
Adoula, ein starker Verfechter der Freiheit, aus der Gewerkschaftsbewegung. Dasselbe geschieht in einem Land nach dem anderen. Und
das bedeutet für uns alle eine großartige Möglichkeit, aber auch
große Verantwortung hinsichtlich der Fortsetzung dieser Zusammenarbeit .
Schließlich möchte ich diese Gelegenheit wahrnehmen, um der
AFL-CIO meinen Dank für die Unterstützung auszusprechen, die sie
unserem nach langen Beratungen im Kongreß verabschiedeten Gesetzgebungsprogramm gewährt hat."
Dep Präsident ging dann in seiner Rede näher auf die derzeitige
Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage ein und wies insbesondere auf die
erhebliche Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität seit dem Frühjahr
dieses Jahres sowie auf die Tatsache hin, daß im November mit über
67,3 Millionen Beschäftigten ein neuer Rekordstand erzielt wurde,
während gleichzeitig der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl
der Arbeitskräfte,der jetzt bei 6,1 Prozent liegt, erstmalig in
der Amtszeit der neuen Regierung die 7-Prozent-Grenze unterschritt.
Dennoch könne man von einer vollständigen Erholung der Wirtschaft
noch nicht sprechen, da die Zahl der Erwerbslosen immer noch zu
hoch sei. Als weitere bedeutsame sozialpolitische Maßnahmen kündigte
der Präsident in diesem Zusammenhang u.a. die Einbringung einer
Gesetzesvorlage an, die die Umgestaltung des derzeitigen Arbeitslosenversicherungssystems zum Ziele hat. Vorgesehen sei dabei, wie
Kennedy erklärte, die Arbeitslosenversicherung auf eine nationale
Basis zu stellen und die Unterstützungssätze im ganzen Land einheitlich festzusetzen. Ebenso sei es unbedingt erforderlich, für
die Rentner ein Sozialversicherungssystem zu schaffen, das ihnen
einen angemessenen und weitgehend kostenlosen Krankenversicherungsschutz bietet.
Präsident Kennedy ging dann auf die wichtigsten Probleme des
Arbeitsma-rktes ein und erklärte u.a. folgendes:
"Wollen wir unser Arbeitskräftepotential vernünftig nützen,
so müssen wir, meiner Meinung nach, sechs Gebieten unsere Aufmerksamkeit verstärkt zuwenden.
Erstens: Wir müssen uns mehr um die Jugend kümmern. Das kürzlich erschienene Buch von Dr. Conant "Slums and Schools" (Slums
und Schulen) stellte eine Tatsache heraus, die Ihnen allen vertraut
ist: das Problem jener, die die Schule vor dem regulären Abschluß
verlassen - weil die Familienverhältnisse den weiteren Schulbesuch
nicht gestatten, weil es ihnen an Mut zum Durchhalten oder an sachdienlichem Rat fehlt, oder aus anderen Gründen - und sich dann treiben lassen, weil sie keine geregelte Arbeit finden können...
Millionen

14

�Millionen verlassen die Schule vorzeitig und gehören dann
ein Leben lang der Kategorie der Ungeschulten, Ungelernten und
häufig Arbeitslosen an. Aus diesem Grunde habe ich den Kongreß
ersucht, ein Jugendbeschäftigungsgesetz (Youth Employment Opportunities Act) zu erlassen, um solchen Jugendlichen mit Rat und
Tat beizustehen, damit sie in die Lage kommen, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
Wenn es unser Wunsch ist, daß unsere jungen Mitbürger in Anbetracht der Tatsache eine gute Ausbildung erhalten, daß in den
nächsten Jahren Fachkräfte in größerer Zahl gebraucht werden, und
die Jugend zu einem ordnungsgemäßen Abschluß ihrer Schulbildung
angehalten wird, dann muß auch die Bundesregierung ihrer Verantwortung im Bereich des Erziehungswesens gerecht werden.
Ich will es nicht damit genug sein lassen, daß etwa meine
Vaterstadt eine gute Schule besitzt. Ich möchte vielmehr sicherstellen, daß jedes Kind in diesem Lande eine vernünftige Chance
hat, eine gute Bildung zu erwerben...
Zweitens: Wir brauchen ein Umschulungsprogramm
Sie alle, die sie einen so engen Kontakt mit diesem
wissen, was passiert, wenn technische Veränderungen
Betriebe sich verlagern,während die Menschen an Ort
bleiben.

für Erwerbslose.
Problem haben,
eintreten und
und Stelle

Ich habe es in meinem eigenen Heimatstaat Massachusetts erlebt,
wo brotlos gewordene Textilarbeiter keine Stelle finden konnten,
obwohl vor ihren Augen neue Werke der elektronischen Industrie aus
dem Boden gestampft wurden...
Drittenst Die Mitbürger, die einer der Miraderheitengruppen angehören, erfordern unsere Sorge. Sie alle wissen, daß die Zahlenangaben über jene, die als erste entlassen und als letzte wieder eingestellt werden, allzuoft gerade jene Mitbürger betreffen, die unseren Minderheiten angehören.
Wir wünschen, daß ein jeder ohne Rücksicht auf Rassenzugehörigkeit oder Hautfarbe eine reelle Chance erhält, für sich und seine
Familie ein anständiges Leben aufzubauen und eine gute Bildung zu
erwerben, damit er eine echte Chance hat, mit anderen zu konkurrieren,
und nach dem beurteilt wird, was in ihm steckt, nicht aber nach seinem
Aussehen.
Die amerikanische Arbeiterbewegung hat sich schon immer mit diesen Bestrebungen identifiziert, und ich weiß, daß sie das auch in Zukunft tun wird.
Wir unternehmen größte Anstrengungen, um sicherzustellen, daß
alle mit Regierungsaufträgen bedachten Firmen - und es werden Jahr für
Jahr Milliardenbeträge durch die Bundesregierung verausgabt - allen
Bürgern eine faire Chance einräumen, an den betreffenden Vorhaben
mitzuarbeiten.
Viertens:

�viertens: Wir wollen den Firmen größere Möglichkeiten für
Reinvestitionen in ihre Betriebe bieten. Eine der Fragen, die uns
im Hinblick auf das weitere Gedeihen unserer Wirtschaft Sorge
bereiten, ist die Tatsache, daß wir keine so hohe Reinvestitionsrate haben wie z.B. in den Jahren 1955, 1956 und 1957...
Deshalb schlage ich die Gewährung von Steuerbegünstigungen vor,
die die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bisher noch nicht zu den
förderungswürdigen Dingen rechnet; ich hoffe aber, daß sie diesen
Vorschlag als einen Weg zur Belebung der Wirtschaft in Erwägung
ziehen wird, damit der derzeitigen Erholung nicht in zwölf oder
18 Monaten der Atem ausgeht, wie der Erholung von 1958/59 im Anschluß an die Rezession von 1958 dann im Jahre 196O der Atem ausging.
Fünftens: Um die Palette unserer Wirtschaftsstabilisatoren
zu erweitern und auf diese Weise die Aufwärtsentwicklung unserer
Wirtschaft sicherzustellen, beabsichtige ich den Kongreß in der
nächsten Sitzungsperiode um vorsorgliche Bewilligung von Abrufmitteln etwa im Sinne der von Senator Clark aus Pennsylvanien eingebrachten Vorlage zu ersuchen, damit den Gemeinden Beihilfen für
dringende öffentliche Vorhaben für den Fall gewährt werden können,
daß die Arbeitslosigkeit zunimmt und die Wirtschaftstätigkeit nachläßt.
Sechstens und letztens: Wir müssen die Arbeitsgelegenheiten
durch die Ausweitung unseres Außenhandels vermehren."
Kennedy appellierte in diesem Zusammenhang an die Gewerkschaftsführer, bei künftigen Lohnverhandlungen Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein zu zeigen und mit dafür zu sorgen, daß die
Lohnerhöhungen im Einklang mit der Produktivitätszunahme stehen.
Dies sei für die Erhaltung eines stabilen Preisniveaus wie auch
der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft im In- und
Ausland von größter Wichtigkeit. Die amerikanische Industrie müsse
auch weiterhin in der Lage sein, auf den Weltmärkten ihre Erzeugnisse abzusetzen, und es liege im ureigensten Interesse des amerikanischen Arbeiters, daß die USA auch in Zukunft eine aktive Handelsbilanz aufwiesen.
Wenn die Handelsüberschüsse nicht ständig erhöht würden, so
erklärte Kennedy, dann könnten sich die Vereinigten Staaten unter
Umständen sogar sehr ernsten Problemen gegenübersehen. Obwohl in den
letzten Jahren ein Außenhandelsüberschuß in Höhe von fünf Milliarden
Dollar erzielt worden sei, hätten die USA rund fünf Milliarden Dollar
an Gold verloren.
Wenn diese Entwicklung andauere, müßten unter Umständen eines
Tages Anpassungen vorgenommen werden, die sich eventuell äußerst
nachteilig für die Sache der Freiheit in der Welt auswirken würden.
Die einzige Lösung dieses Problems liege in einer verstärkten Ausweitung der US-Exporte. Dies bedinge, daß die amerikanischen Erzeugnisse wettbewerbsfähig seien und daß für sie immer neue Auslandsmärkte erschlossen würden.
Kennedy

�Kennedy wies weiter darauf hin, daß er bereits im Jahre 1954
als Senator im US-Kongreß eine Vorlage eingebracht habe, um den
durch eine Erhöhung des Imports am stärksten betroffenen Industrien
zu helfen. Er werde nunmehr dem US-Kongreß im kommenden Januar ein
Programm unterbreiten, von dem er hoffe, daß es die Zustimmung des
Kongresses finden werde, und das die Verantwortung der Regierung
während der Übergangszeit für solche Industrien und deren Arbeiter
feststellt, die durch den verstärkten Import ausländischer Erzeugnisse Schaden erleiden.
Er selbst, so betonte Kennedy, sei hinsichtlich der Zukunft
der USA optimistisch und glaube, daß das amerikanische Volk wie
auch die anderen Völker der Welt die Freiheit wünschen und selbst
über ihr Schicksal entscheiden wollen. Hier liege für die USA eine
große Chance, für die Sache der Freiheit - nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht - einen Beitrag zu leisten.

# « * # *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1962
INKALTSVERZEIGHNIS

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA
Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um
85 Prozent seit 1949
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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John M. Barry, Redakteur der AFL-CIO News:
Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung in den USA
Aus"The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO; November 1961 (gekürzt).
Die Bemühungen der amerikanischen Arbeiterbewegung um die Verkürzung der Arbeitszeit gewinnen in einer Zeit, in der sich die Arbeitslosenziffern trotz aller Anzeichen für eine weitere Zunahme der Wirtschaftstätigkeit auf etwa gleicher Höhe halten, immer größere Bedeutung.
Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und Volkswirtschaftler fühlen
sich durch den gleichbleibend hohen Anteil der "technischen Arbeitslosigkeit", der Verdrängung von Menschen durch Maschinen, beunruhigt.
Die Automation ist nicht mehr länger eine Möglichkeit der Zukunft,
sie ist Realität und fordert bereits einen schweren Tribut.
Schon

�Schon auf dem AFL-CIO-Konvent von 1959 kam die tiefe Besorgnis
der Gewerkschaften über die Verringerung der Arbeitsgelegenheiten
deutlich zum Ausdruck. In einer Resolution wurde beispielsweise festgestellt, daß der Ausstoß der Fertigungsindustrien von 1953 his zur
Jahresmitte 1959 um 16 Prozent angestiegen, die Zahl der in der Produktion und mit Wartungsarbeiten Beschäftigten in derselben Zeit
aber um 10 Prozent zurückgegangen sei. "Wenn die Früchte des immer
schnelleren technischen Fortschritts nicht in Form einer Verkürzung
der Arbeitszeit weitergegeben werden, sondern eine Verringerung der
Beschäftigtenzahlen bewirken," so betonten die Delegierten des Konvents, "wird die Arbeitslosigkeit ständig zunehmen. Der technische
Fortschritt macht die Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern notwendig."
Kein Wunder, daß immer mehr Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen auf die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
bestehen, nicht nur als einem Mittel, in Zeiten geringeren Arbeitsanfalls die Arbeit auf möglichst viele zu verteilen, sondern auch
als einem Schritt zur Stabilisierung der Beschäftigungslage auf lange
Sicht.
Die Fünftagewoche mit 40 Arbeitsstunden gilt gegenwärtig noch für
die Mehrzahl der Fabrikarbeiter; von den Büroangestellten wird sie
aber in immer größerer Zahl bereits unterschritten, und es mehren sich
nach Untersuchungen des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik die Bestrebungen, eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf sämtliche Angehörigen
der Angestelltenberufe auszudehnen.
In den Jahren 1952-53 arbeiteten beispielsweise 44 Prozent der
Büroangestellten und nur 6 Prozent der Fabrikarbeiter in 18 Beobachtungsgebieten, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik zur Ermittlung
der vorherrschenden Trends ausgewählt worden waren, weniger als 40
Stunden. In den Jahren 1958-59 aber - dem jüngsten Zeitraum, für den
vergleichbare statistische Unterlagen greifbar sind - war der Anteil
der weniger als 40 Stunden Arbeitenden bei den Büroangestellten auf
47 Prozent und bei den Fabrikarbeitern auf 10 Prozent angestiegen.
Noch größere Bedeutung kommt vielleicht der Tatsache zu, daß zwischen
1952 und 1959 die Zahl der Fabrikarbeiter, deren reguläre Arbeitszeit
mehr als 40 Stunden betrug, von 20 auf 7 Prozent zurückging.
Aus anderen Untersuchungen des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
geht hervor, daß die Vierzigstundenwoche besonders häufig im Nordosten
der USA unterschritten wird, wo die Arbeitsbedingungen in New York
das Bild der Statistik maßgeblich beeinflussen. Eine Umfrage in den
verschiedenen Großstadtzonen ergab für das Haushaltjahr 1959/60
(vom 1. Juli 1959 bis 30. Juni i960), daß rund 60 Prozent aller
Arbeitnehmer im Nordosten der USA eine reguläre Arbeitszeit von weniger
als 40 Stunden - zumeist 35 Stunden - hatten. Auch hier stellten die
Büroangestellten wiederum den größten Anteil.
Der Siebenstundentag und andere Formen der Arbeitszeitverkürzung
werden Zug um Zug, Berufszweig um Berufszweig und Gewerkschaft um
Gewerkschaft realisiert. Zu den Schrittmachern dieser Bewegung zählen:
Sie

�die Oberbekleidungsindustrie, wo heute praktisch sämtliche Mitglieder der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (Ladies'
Garment Workers Union) Kollektivverträgen unterliegen, die die Fünfunddreißigstundenwoche (bei 5 Arbeitstagen zu je 7 Stunden) vorsehen.
Die Wochenstundenzahl wurde in diesem Wirtschaftszweig in der Zeit
der Wirtschaftskrise um 1930 zwecks Aufteilung der anfallenden Arbeit
herabgesetzt. Nach der Depression wurde die Fünfunddreißigstundenwoche
in New York beibehalten und später auf andere Schwerpunkte der Oberbekleidungsindustrie ausgedehnt^
das Druckerei- und Verlagswesen, in dem im Haushaltjahr 1959/60
die durchschnittliche planmäßige Arbeitswoche 36,6 Stunden betrug,
wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik in einer Umfrage in Städten
mit mehr als 100 000 Einwohnern ermittelt hat. Im Juli 1955 wurde die
Stundenzahl noch mit 37*1 angegeben. Über zwei Drittel der Mitglieder
des Amerikanischen Journalistenverbandes (American Newspaper Guild)
haben eine Arbeitswoche von weniger als 40 Stunden; und die Hälfte
von diesen wiederum arbeitet 35 Wochenstunden;
das Baugewerbe, in dem etwa 12 Prozent der gelernten und ungelernten Arbeiter die Vierzigstundenwoche unterschreit«». Ungefähr
10 Prozent der Angestellten im Baugewerbe hatten am 1. Juli"1960
die Fünfunddreißigstundenwoche, wie eine Umfrage des Bundesamtes für
Arbeitsstatistik in den Großstädten ergab. Tarifverträge, die für
etwa ein Fünftel der Stukkateure und eis/Zehntel der Elektriker und
Stukkateurarbeiter gelten, brachten den Übergang zur Dreißigstundenwoche;
das Braugewerbe, in dem die normale Arbeitszeit für mehr als
50 Prozent der Beschäftigten bei 37»5 Stunden die Woche lieg-t;
die Gummiindustrie, in der die Sechsunddreißigstundenwoche bei
sechs Arbeitstagen in den Werken in Akrön seit den dreißiger Jahren
die Regel ist;
die privaten Telephongesellschaften, bei denen 100 000 bis
150 000 Angestellte, die der Amerikanischen Gewerkschaft des Fernmeldewesens (Communication Workers of America) angehören, weniger
als 40 Stunden die Woche arbeiten. Hierbei handelt es sich größtenteils um Frauen, die in geteiltem Schichtdienst und vielfach in Nachtschichten arbeiten.
•
Schichtzuschläge in Form verlängerter Freizeit anstelle eines
Aufgelds wurden auch in anderen Wirtschaftszweigen ausgehandelt, vor
allem im Druckerei- und Baugewerbe. Derartige Regelungen bildeten
in mehreren Fällen die Ausgangsbasis für die Durchsetzung genereller
Arbeitszeitverkürzungen bei Tarifverhandlungen. Eine Untersuchung
des Bundesamtes für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1958» in die
1736 größere Kollektivvertragswerke einbezogen worden waren, führte
zu dem Ergebnis, daß- 1317 Verträge die Gewährung von Schichtzuschlägen vorsahen. Etwa 10 Prozent der Vergütung für die zweite Schicht
und 20 Prozent der Vergütung für die dritte Schicht wurden in Form
einer Verkürzung der Arbeitszeit gewährt.
Die

�[
Die Verkürzung des regelmäßigen Arbeitstages ist keineswegs die
einzige Form der Verkürzung der Arbeitszeit. Seit der Depression
der dreißiger J'ahre haben die Bemühungen um die Erlangung freier
Tage mit einer Bezahlungsregelung wie bei Feiertagen und Urlaub sogar im Vordergrund gestanden. Sie spiegeln den Wunsch der arbeitenden
Menschen nach mehr Muße und Freizeit wider.
Vor dem zweiten Weltkrieg beschränkte sich die Bezahlung von
Feiertagen auf leitende und andere Angestellte. Die Einführung
der Lohnüberwachung im Kriege beschleunigte den Gang der Verhandlungen über die Gewährung anderer Sozialleistungen und brachte die
Aufnahme von Klauseln über die Bezahlung •on Feiertagen in eine wachsende
Zahl von Tarifverträgen. Im Jahre 1959 ergab eine Untersuchung des
Bundesamtes für Arbeitsstatistik, daß 91 Prozent aller Fabrikarbeiter
in 18 ausgewählten Gebieten Anspruch auf sechs oder mehr bezahlte
Feiertage hatten gegenüber 86 Prozent im Jahre 1953« 64 Prozent der
Arbeiter erhielten 1959 sogar sieben bezahlte Feiertage gegenüber nur
31 Prozent im Jahre 1953»
Ein ähnlicher Trend herrschte auch hinsichtlich der Gewährung von
bezahltem Urlaub vor. Im Jahre 1958 ergab eine Analyse von Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums durch die Wissenschaftliche Abteilung der AFL-CIO, daß 9? Prozent der vom Arbeitsministerium untersuchten bedeutenderen Tarifverträge Bestimmungen über die Gewährung von
bezahltem Urlaub enthielten, während im Jahre 1940 nur etwa ein Viertsl^jäer gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bezahlten Urlaub erhielt. Nach dieser Analyse sahen 84 Prozent der Tarifverträge, die
eine Urlaubsregelung nach Betriebszugehörigkeitsdauer zum Gegenstand
hatten, die Gewährung von drei Wochen und 20 Prozent die Gewährung
von vier Wochen Urlaub vor. Im Gegensatz hierzu hatte das Arbeitsministerium 1940 berichtet, daß drei Wochen Urlaub "äußerst selten"
seiend und noch 1952 wiesen lediglich 4 Prozent der größeren Tarifvertragswerke die Verpflichtung zur Gewährung von vier Wochen Urlaub
auf.
Die Analyse der Wissenschaftlichen Abteilung stellte ferner einen
Trend zur Herabsetzung der Mindestbetriebszugehörigkeitsdauer als
Voraussetzung für die Gewährung von bezahltem Urlaub fest. In älteren Tarifverträgen war eine 15&gt; 20- und sogar 25jährige Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung für einen dreiwöchigen Urlaub vereinbart worden. Bis zum Jahre 1957 hatte man diese Grenze in der Regel
bereits auf 15 Jahre herabgesetzt, und bei einem Viertel der wichtigeren Tarifverträge betrug sie sogar nur noch zehn Jahre und darunter.
Diese Entwicklungstendenzen zeigen eine Reihe von interessanten
Alternativen zur Verringerung der täglichen Arbeitszeit auf.
Die Viertagewoche ist keineswegs ein unrealistisches Ziel, wenn
sie allmählich angestrebt wird. Um etwas gegen die Arbeitslosigkeit
unter ihren Mitgliedern zu tun, handelte eine örtliche Gewerkschaft
an der Westküste kürzlich einen zusätzlichen freien Tag pro Monat
bei vollem Lohnausgleich aus, was 12 zusätzlichen bezahlten Feiertagen im Jahr gleichkommt. Der nächste Schritt kann durchaus ein freier

- 4 -

�freier Tag alle zwei Wochen und schließlich je Woche sein.
Eine weitere Möglichkeit wäre, als erster Schritt, auch die Forderung nach einer Viereinhalbtagewoche hei 36 Wochenstunden - wie
ja auch die Fünfeinhalbtagewoche der Fünftagewoche vorausging. Und
die Beschäftigten, die sich heute schon der Fünftagewoche mit 35
Stunden erfreuen, sind von der Fünftagewoche mit 30 Stunden oder
der Viertagewoche mit 32 Stunden gar nicht mehr so weit entfernt.
Als Übergangsregelung läßt sich auch die Viertagewoche für einen Teil
des Jahres denken, etwa den Sommer, wo der Arbeitsanfall in gewissen
Wirtschaftszweigen ohnehin geringer und der Wunsch nach mehr Freizeit
größer ist. Es wäre auch möglich, für langjährige Mitarbeiter als eine
Art Übergang zur späteren Pensionierung ein dreitägiges Wochenende
auszuhandeln.
Die Verlängerung des Urlaubs ist eine weitere sehr attraktive Form
der Verkürzung der Arbeitszeit, weil so gewonnene vermehrte Freizeit in
einem Stück genommen werden kann. Es ist allerdings eine sehr großzügige Urlaubsregelung notwendig, um auf diese Weise eine merkliche
Arbeitszeitverkürzung zu bewirken. Jede zusätzliche Urlaubswoche entspricht 40 Stunden und - auf das ganze Jahr umgelegt - einer Verkürzung
der Arbeitszeit um noch nicht einmal eine Stunde pro Woche.
Die jüngeren Tarifabkommen zeigen jedenfalls, daß sich der Trend
zu längerem bezahlten Urlaub allmählich immer deutlicher herausbildet.
Einige der Seeleutegewerkschaften haben einen Jahresurlaub von 30 his
60 Tagen durchgesetzt, der allerdings von gewissen Vorbedingungen
abhängig ist. Ein langer Urlaub ist für Seeleute natürlich eine gewisse
Entschädigung dafür, daß sie lange Zeit, fern von zu Hause und abgeschlossen von anderen Menschen, auf hoher See verbringen müssen. Eine
Höchstgrenze für die Urlaubsforderungen der einzelnen Gewerkschaften gibt
es nicht. Das Ortskartell einer großen amerikanisch-kanadischen Gewerkschaft hat beispielsweise einen einjährigen bezahlten Urlaub für Angestellte nach Beendigung des zehnten Dienstjahres ausgehandelt. Ein langfristiger, durchgehender Urlaub, sei er auch nur auf ein Vierteljahr beschränkt, würde dem arbeitenden Menschen eine Zeit des gründlichen Ausspannens sichern.
Die frühzeitige Pensionierung ist eine weitere Form der Verkürzung der Arbeitszeit, wenn man sie in Beziehung zu dem gesamten Arbeitsleben des Menschen sieht. Zahlreiche Altersversicherungspläne
gestalten bereits die vorzeitige Pensionierung im Alter von 55 Jahren,
wobei eine gewisse Kürzung der Bezüge in Kauf zu nehmen ist. Da eine
allgemeine Anhebung der Altersrenten aber eines der grundlegenden
Ziele bei praktisch allen Kollektivverhandlungen ist, werden sicher
immer mehr Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit des früheren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben Gebrauch machen. Diese Entwicklung wird
auch durch die kürzlichen Änderungen der Sozialversicherungsgesetze

-

5 -.

�Sozialversicherungsgesetze einen neuen Auftrieb erhalten, die sowohl weiblichen als auch männlichen Arbeitnehmern die vorzeitige
Pensionierung nach Erreichung des 62. Lebensjahres bei geringfügig verringerten Bezügen gestatten.
Angesichts dieser Alternativen wird jede Gewerkschaft den
Weg zur Verringerung der Arbeitszeit wählen, der den Bedürfnissen
und Wünschen ihrer Mitglieder am ehesten entspricht und der jeweiligen Situation in dem entsprechenden Wirtschafts- oder Beschäftigungszweig am besten gerecht wird. Die derzeitigen Verhältnisse
werden sich sicherlich nur ganz allmählich und Schritt für Schritt
ändern, wie dies auch in der Vergangenheit schon der Fall war. Die
Geschichte lehrt uns, daß solche Veränderungen unaufhaltsam sind.
Der diesbezügliche Druck bei Kollektivverhandlungen wird sich in
dem selben Maße verstärken, in dem immer neue Maschinen auf den Plan
treten.
Soll die Automatisierung der Menschheit zum Segen gereichen, dann
muß es uns gelingen, die Vorteile der steigenden Produktivität in
mehr Freizeit und mehr Arbeitsplätze umzumünzen.
(Aus "The American Federationist".)

* * * * *

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Mehr als ein Viertel seiner täglichen Arbeitszeit muß der
amerikanische Arbeitnehmer heute zur Begleichung seiner steuerlichen
und anderen fiskalischen Verpflichtungen aufwenden. Dies hat die
"Tax Foundation, Inc.", eine private Forschungsorganisation, auf
Grund einer kürzlich durchgeführten Analyse festgestellt.
Danach muß der Amerikaner täglich 1 Stunde und 39 Minuten allein
für die vom Bund eingezogenen Steuern (insbesondere die Einkommensteuer)
arbeiten, während er weitere 38 Minuten dafür aufwenden muß, die
Steuern der Bundesstaaten und Gemeinden aufzubringen. Alles in allem
arbeitet er also täglich 2 Stunden und 17 Minuten ausschließlich für
die Steuer.
Im Jahr 1960 brachten sämtliche Bundes-, bundesstaatlichen und
kommunalen Steuerarten der öffentlichen Hand insgesamt 131»7 Mrd.
Dollar ein; das sind 28,6 Prozent des Nettosozialprodukts (zu Marktpreisen). Gemessen am Wert der im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen liegen die Steuern heute im Vergleich zu 1949 um 27 Prozent
und gegenüber 1929 um 167 Prozent höher. Die steuerlichen Belastungen
waren dabei i960 - wenn man den reinen Dollarbetrag als Basis wählt rund 2 1/2 mal so hoch wie im Spitzenjahr des letzten Krieges.
Wie
-

6

.

�Wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht, sind die Steuereinnahmen seit Ende des zweiten Weltkrieges im gleichen Maße angestiegen wie das Nettosozialprodukt. Gegenüber der Steuerspitze des Jahres 1943» in dem der Anteil der Bundessteuern am Nettosozialprodukt
21,5 Prozent betrug (in der unmittelbaren Nachkriegszeit ging dann
der Anteil - bis zum Ausbruch des Koreakrieges - auf 16,1 Prozent
0 949) zurück), lagen die Steuern i960 nur unwesentlich niedriger
(Anteil 20,4 Prozent).
Inzwischen sind aber auch die bundesstaatlichen und kommunalen
Steuern erheblich angestiegen. Während sie 1945 nur knapp 5 Prozent
des Nettosozialprodukts ausmachten, belaufen sie sich heute auf 8,2
Prozent. In dieser Zunahme spiegeln sich in erster Linie die wachsenden finanziellen Bedürfnisse der Städte und Kommunen wider, wie sie
durch den Ausbau der zahlreichen kommunalen Einrichtungen - Straßen,
Schulen, Krankenhäuser, soziale Institutionen usw. - gegeben sind.
Während die Einnahmen aus diesen Steuern im Jahre 1945 lediglich
9,8 Mrd. Dollar ausmachten, betragen sie heute (i960) 37»6 Mrd. Dollar. Bei den Bundessteuern sieht die Entwicklung so aus: 1945 m 42,2
Mrd. Dollar; 196O • 94,1 Mrd. Dollar.
In der Analyse der "Tax Foundation" sind jedoch keine Angaben
über die Verwendung der einzelnen Steuergelder enthalten, sondern
lediglich Anhaltszahlen darüber, wieviel Geld der amerikanische Steuerzahler im Durchschnitt für die Aufgaben des Bundes aufbringen muß.
Nach dieser Übersicht sind es pro Jahr 1092 Dollar, die in die
Kassen des Bundes nach Washington fließen. Mehr als die Hälfte dieses
Betrages - nämlich 623 Dollar - wird dabei für die nationale Sicherheit aufgewendet; rund 11 Prozent (120 Dollar) für den Schuldendienst;
33 Dollar für die Auslandshilfe; 65 Dollar für die Unterstützung der
Kriegsteilnehmer. Alle diese - häufig zu einem Posten zusammengezogenen - Ausgaben belaufen sich auf 841 Dollar oder etwas über 75 Prozent
der jährlichen Steuersumme, die der Steuerzahler im Durchschnitt aufbringt. Der Rest fließt dem Farmstützungsprogramm, den zahlreichen Sozial- und Wohlfahrtsplänen, dem Raumfahrtprogramm usw. zu.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA
Der arbeitende Mensch hat den berechtigten Wunsch nach ausreichender Freizeit: einmal, um die Früchte der Arbeit genießen zu können, zum anderen, um Körper und Geist die nötige Erholung zu gewähren. In den Vereinigten Staaten gibt der steigende Lebensstandard - nicht zuletzt ein Verdienst des amerikanischen Wirtschaftsund Sozialsystems - dem Arbeiter die Möglichkeit, immer mehr Zeit
und auch Geld für die Freizeitgestaltung aufzuwenden. Eine Untersuchung, die vor einiger Zeit von der Chase Manhattan Bank in New York
veröffentlicht wurde, gibt hierüber bemerkenswerte Aufschlüsse.
Im Jahre 196O verdienten die Amerikaner insgesamt 123 Mrd. Dollar
mehr, als sie für Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft, ärztliche Versorgung, Steuern und andere feste Ausgaben ausgegeben haben.
Mithin konnten sie über fast ein Drittel des gesamten Personaleinkommens nach Abzug der Steuern frei verfügen. Ein Drittel hiervon rund 45 Mrd. Dollar oder mehr als 12 Prozent des Gesamteinkommens wurde für Erholung und Freizeit ausgegeben.
Erfreulich ist, daß der größte Teil dieser Summen für sinnvolle
Zwecke verwendet wurde, vor allem für Urlaubsreisen. Die Aufwendungen
für Reisen innerhalb der Vereinigten Staaten haben sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die für Auslandsreisen
sogar nahezu verdreifacht.
Eine erhebliche Zunahme ist auch bei den Ausgaben für kulturelle
Zwecke zu verzeichnen. Für Bücher haben die Amerikaner i960 um rund
zwei Drittel mehr ausgegeben als vor fünf Jahren. Die Einnahmen
der Theater aus dem Kartenverkauf sind seit 1946 um 115 Prozent gestiegen und lagen i960 um ein Drittel über den Kasseneinnahmen sämtlicher
öffentlicher Sportveranstaltungen.
Bezeichnend ist auch das zunehmende Interesse für Musik. 32 Millionen Amerikaner betrieben Musik als Liebhaberei; das entspricht einer
Zunahme von 40 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Über die
Hälfte aller Orchester aus Berufsmusikern entfallen heute auf die
USA. Die Besucherzahlen der Museen schnellten in den letzten Jahren
gewaltig in die Höhe.
Andererseits war in verschiedenen Bereichen der Freizeitbetätigung, die sich lange Jahre hindurch besonderer Beliebtheit erfreut
haben, ein Rückgang des Interesses zu beobachten. Die Besucherzahlen
der Filmtheater nahmen ebenso ab wie die VerkaufsZiffern der Fernsehgerätehersteller. Die Zunahme der Besucherzahlen von Sportveranstaltungen erreichte nur ein Viertel der Zuwachsrate der Gesamtausgaben
für Freizeitgestaltung. Um so bemerkenswerter ist es, daß vom aktiven
Sport eine absolute Rekordbeteiligung gemeldet wird. Hier sind es vor
allem die Sportarten, die im Freien betrieben werden, die eine überdurchschnittliche Steigerung der Zahl der Aktiven aufweisen: Rudern,
Schwimmen, Fischen und Jagd. Auch der Kegelsport sowie Baseball, Korbball, Tennis, Golf und Bogenschießen haben viele neue Freunde gewonnen.
Welche

�Welche Motive diesem Strukturwandel in der Freizeitbeschäftigung zugrunde liegen, ist schwer zu sagen. Mit ziemlicher Sicherheit wird er von den allgemeinen wirtschaftlichen und soziologischen
Entwicklungstendenzen beeinflußt. Hierzu nur zwei Beispiele: Die
rapide Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen auf
Kosten der Beschäftigung in der Landwirtschaft und in den Handarbeiterberufen hat im Verein mit der "Flucht" der städtischen Bevölkerung in die Vorstädte viele Energien frei gemacht, die das Interesse der arbeitenden Menschen an einer aktiven Freizeitbeschäftigung wachsen ließen. Und die Anhebung des Bildungsniveaus hat
sicherlich entscheidend mit zu der immer regeren Beteiligung auch
der arbeitenden Menschen am kulturellen Leben beigetragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent
seit 1949
Auf Grund der in der Zeit zwischen 1949 und 1959 i m amerikanischen Steinkohlebergbau vorgenommenen Mechanisierung und Modernisierung konnte die Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer in diesem Industriezweig um insgesamt 85 Prozent gesteigert werden, was einer jährlichen
Produktivitätssteigerung von im Durchschnitt über 6 Prozent entspricht.
Diese Angaben sind in einer umfassenden Analyse über die technologischen Veränderungen im amerikanischen Kohlebergbau und über
ihre zahlreichen Auswirkungen enthalten, die in der Oktober-Ausgabe
1961 von "Monthly Labor Review" erschienen ist.
Wie aus dieser Übersicht weiter hervorgeht, waren im US-Steinkohlebergbau im Jahr 196O nur noch 159 000 Arbeitnehmer beschäftigt,
was eine Abnahme der Beschäftigtenzahl gegenüber 1949 um 63 Prozent
bedeutet. Obwohl sich die langfristigen Aussichten des Steinkohlebergbaus in jüngster Zeit gebessert hätten, so heißt es in dem
Bericht, sei nicht damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Beschäftigten in Zukunft wesentlich über das derzeitige Niveau hinaus erhöhen werde.
Auf Grund langfristig abgeschlossener Lieferverträge und in
Anbetracht der steigenden Produktionskosten, hätten die Bergwerksleitungen mit Unterstützung der Gewerkschaften die Gruben verhältnismäßig schnell mechanisiert und modernisiert, heißt es in
dem Artikel weiter. Infolge des Einsatzes besonderer Schürf-.

- 9

�Schürf/, Beladungs- und Umschlageinrichtungen sowie von Förderbändern und speziellen Zubringerwagen werde die Kohle heute unter Tage
praktisch überhaupt nicht mehr von Hand bewegt. Einen sehr starken
Einfluß auf die Erhöhung der Produktionsleistung hätten vor allem
auch die Schrämlader gehabt, durch die der gesamte Abbauprozeß zu
einem kontinuierlichen Arbeitsgang zusammengefaßt worden sei. &gt;
Auch der Tagebau sowie die Kohleaufbereitung ist in den vergangenen zehn Jahren weitgehend mechanisiert und automatisiert worden.
Insgesamt erhöhten sich die Investitionen pro Arbeitsplatz im Kohlebergbau seit 1948 um rund 10 Prozen* jährlich und dürften 1958, wie
es in dem Artikel heißt, pro Arbeitsplatz etwa 15 000 Dollar ausgemacht haben.
Der sichtbare Erfolg all dieser Bemühungen der Zechenleitungen
in den vergangenen zehn Jahren kommt in dem unwahrscheinlich hohen
Anstieg der Arbeitsproduktivität in diesem Industriezweig zum Ausdruck, der rund 85 Prozent betrug und damit größer war als in den
vorangegangenen 50 Jahren zusammen. Auf Grund dieser starken Zunahme
der Arbeitsproduktivität konnten, wie in dem Artikel betont wird, die
Kosten pro Produktionseinheit fast auf dem gleichen Niveau wie 1947
gehalten werden - und das, obwohl die durchschnittlichen Stundenlöhne
der Bergleute in diesem Zeitraum von 1,64 Dollar auf 5,25 Dollar anstiegen und von den Bergwerksgesellschaften Sozialnebenleistungen in
Höhe von 184 Millionen Dollar aufgebracht wurden.
Durch die beträchtliche Mechanisierung und Automatisierung im
amerikanischen Kohlebergbau war es auch in den vergangenen zehn Jahren
möglich, den Kohlepreis weitgehend stabil zu halten und somit die
Wettbewerbsposition der Kohle gegenüber den anderen Brennstoffen zu
sichern. Da die Kraftwerke in der letzten Dekade ihren Kohleverbrauch
nahezu verdoppelten, wanderte praktisch die Hälfte aller in den USA geförderten Kohlen in die Heizkessel der Kraftwerke.
Mit der starken Erhöhung der Arbeitsproduktivität ergab sich bei
einem gleichzeitigen Rückgang der Bedarfsnachfrage zwangsläufig ein
geringerer Bedarf an Arbeitskräften im amerikanischen Steinkohlebergbau, wie in dem Artikel abschließend festgestellt wird. Hierdurch
sei ein starker Rückgang in der Gesamtbeschäftigtenzahl sowie erhöhte
Arbeitslosigkeit in den Kohlebergbaugebieten zu verzeichnen gewesen.

(Quelle: Eigenbericht)

* -x- * * *

_ 10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gehaltsanalyse für 68 Angestelltenberufe
Die durchschnittlichen monatlichen Einkommen für insgesamt
68 Angestellten- bzw. freie Berufe lagen in den Vereinigten Staaten
im Winter 1960/61 zwischen 252 Dollar für mit Routinearbeiten beschäftigte Registratoren und 1726 Dollar für Rechtsanwälte, wie
aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Gehalts- bzw. Einkommensanalyse hervorgeht, die sich auf das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten erstreckt.
Es ist dies die zweite umfassende Analyse dieser Art, die vom
US-Arbeitsministerium durchgeführt wurde. Im einzelnen wurden dabei
die Einkommen der wichtigsten Angestellten- und freien Berufe in den
Städten des gesamten Landes untersucht und die analysierten 68 Berufe
in erster Linie aus den folgenden Gruppen ausgewählt: Buchhalter,
Rechtsanwälte, Ingenieure, Chemiker, Zeichner, Personalsachbearbeiter,
Bürokräfte der Dienstleistungszweige und andere Büroangestellte.
Wie aus dieser Untersuchung weiter hervorgeht, beliefen sich die
monatlichen Einkommen bei 23 Berufsgruppen auf weniger als 500 Dollar;
bei 32 auf über 500, aber weniger als 1000 Dollar und bei 13 Gruppen
auf über 1000 Dollar.
Die Monatsgehälter für Ingenieure - die größte Gruppe der wissenschaftlichen Berufe in der Analyse - lagen zwischen 548 Dollar
Gruppe I, Anfangsgehalt für Hochschulabsolventen) und 1588 Dollar
Gruppe VIII, Chefingenieure). Die Anfangsgehälter für Chemiker dagegen betrugen im Durchschnitt 481 Dollar und lagen damit etwas unter
den Anfangsgehältern der Ingenieure. Mit steigendem Gehalt verringern
sich die prozentualen Unterschiede jedoch mehr und mehr. In der Gehaltsgruppe IV zum Beispiel beliefen sich die durchschnittlichen
Monatsgehälter für Ingenieure auf 832 Dollar und für Chemiker auf
792 Dollar.

[

Die durchschnittlichen Monatsgehälter der Bürokräfte lagen der
Untersuchung zufolge zwischen 252 Dollar für Registraturen mit Routinearbeiten und 457 Dollar für das Bedienungspersonal von Tabelliermaschinen. Die größte Gruppe dieser Angestellten, die Stenographen, bezog
im Durchschnitt ein Monatsgehalt von 341 Dollar. Sie lagen damit etwas
über dem Durchschnitt der insgesamt 17 von der Analyse erfaßten Büroangestelltenberufe.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * #

- 11

�52 278 Gewerkschaften legten US-Arbeitsministerium FinangBericht vor
Insgesamt 52 278 amerikanische Gewerkschaften haben nach Angaben
von US-Arbeitsminister Goldberg dem amerikanischen Arbeitsministerium
auf Grund des sogenannten "Labor-Management Reporting and Disclosure
Act of 1959" i m Jahre i960 detaillierte Geschäfts- und Finanzberichte
unterbreitet.
Eine komplette Liste all dieser Gewerkschaften, die neben der
genauen Namensbezeichnung jeder Gewerkschaft auch die Verbandszugehörigkeit sowie die genaue Anschrift enthält, ist in einem 512 Seiten
starken Register enthalten, das nach Meinung von Arbeitsminister Goldberg die umfassendste Übersicht darstellt, die je über amerikanische
Gewerkschaften veröffentlicht wurde. Diese Publikation ist durch das
U.S. Government Printing Office zu beziehen und kostet 1,75 Dollar.
Nicht enthalten in dieser übersieht sind alle jene Gewerkschaften
die auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 nicht zur
Offenlegung ihrer Finanzen und zur Abgabe von Tätigkeitsberichten
verpflichtet sind. Bei diesen Gewerkschaften handelt es sich in erster
Linie um Arbeitnehmerorganisationen für die Angestellten des öffentlichen Dienstes.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Löhne der Bauhandwerker leicht angestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Baufacharbeiter sind im
3. Quartal 1961 geringfügig - und zwar um 0,4 Prozent - angestiegen,
wie aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Statistik hervorgeht. Diese Lohnanalyse bezieht sich dabei auf die
sieben wichtigsten Baufacharbeiterberufe in 100 amerikanischen Städten.
Auf Grund der in diesem Zeitraum neu abgeschlossenen Tarifverträge
erhöhten sich die Durchschnittslöhne aller Baufachberufe um 1,4 Cent
und belaufen sich jetzt auf 3»83 Dollar. Am stärksten erhöht haben sich
die Löhne der Bauelektriker (6,3 Centl, der Maler (2,4 Cent) und der
Klempner und Installateure (2,2 Cent).
Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1947-49 lagen die Bauarbeiterlöhne am 2. Oktober 1961 um 85 Prozent, im Vergleich zum 3. Oktober i960 um 4,0 Prozent höher. Die Gesamtzunahme im Jahre 196O betrug
im Durchschnitt 14,7 Cent, wobei der größte Anstieg in den verschiedenen Berufszweigen 18,4 Cent und der geringste 9,4 Cent betrug.
(Quelle: Eigenbericht)
» * * * #
_
«

12

�Industriearbeiterlöhne zqpgen erneut an
Das durchschnittliche Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten hat gegenüber Oktober 1961
im November weiter zugenommen, wie aus der jüngsten Lohnübersicht
des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen ist. Im gleichen Zeitraum
ist auch die durchschnittliche Länge der wöchentlichen Arbeitszeit
weiter (um 2/10 Stunden) angestiegen und hat mit 40,6 Stunden den
höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht.
Nachdem das wöchentliche Nettoeinkommen mit 84,12 Dollar für
einen verheirateten industriellen Arbeitnehmer mit drei Familienangehörigen (76,50 Dollar für Alleinstehende) schon im Oktober einen
absoluten Höchststand erreicht hatte (5 fo mehr als im Oktober i960),
war im November ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Nach den bisher
veröffentlichten Ziffern lagen die durchschnittlichen Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter bei 95,82 Dollar (Oktober - 94,54 Dollar)
und damit um 6,61 Dollar höher als vor einem Jahr.
Wie der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium, Seymour L. Wolfbein, in diesem Zusammenhang zur derzeitigen Arbeitsmarktlage in den Vereinigten Staaten erklärte, hat sich
die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer seit dem Rezessionstief im Februar 1961 um 2,5 Millionen erhöht und im November
einen Stand von 55,077 Millionen erreicht. Die Gesamtbeschäftigtenzahl wurde vom amerikanischen Arbeitsministerium für November 1961
mit 67,3 Millionen angegeben. Das ist die höchste Beschäftigtenziffer,
die bisher in diesem Monat zu verzeichnen war«
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen betrug dagegen in diesem Zeitraum etwa 4 Millionen. Gegenüber dem Vormonat blieb diese Ziffer
unverändert, obwohl sie an sich auf Grund der jahreszeitlichen
Erwartungen hätte um 500 000 höher sein müssen.
Die von den jahreszeitlichen Einflüssen bereinigte Arbeitslosenrate (der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren
Arbeitskräfte) ging zwischen Oktober und November von 6,8 auf 6,0
Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang innerhalb von drei
Jahren.
(Quelle: Eigenbericht)
* • * * «

"

13

"

�Industriearbeiterlöhne stiegen in 50 Jahren von 10 auf 9Q Dollar an
Die durchschnittlichen Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen 50
Jahren von 10 Dollar auf 90 Dollar angestiegen, wie aus einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht, die sich
mit der Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten in den USA zwischen
1909 und 1959 befaßt.
Wie daraus weiter zu entnehmen ist, ging die normale durchschnittliche Arbeitswoche der Industriearbeiter (ohne Überstunden)
in diesem Zeitraum von insgesamt 51 Stunden auf weniger als 40 Stunden zurück.
Dagegen erhöhte sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitnehmer der amerikanischen Wirtschaft zwischen 1909 und 1959
von 27 Millionen auf 54 Millionen (November 1961 - 55»04 Mio).
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Günstige Streikbilanz im letzten Jahr
Nach vorläufigen Berechnungen des US-Amtes für Arbeitsstatistik
ging sowohl die Zahl der durchgeführten Streiks als auch die Zahl
der davon betroffenen Arbeitnehmer von September auf Oktober erheblich zurück.
Insgesamt begannen im Oktober 1961 rund 300 Streiks, durch die
223 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden. Zwei Drittel aller Streiks entfielen dabei auf die Fertigungsindustrie. Da weitere 210 im September
begonnene, im Oktober aber noch andauernde Streiks hinzukommen, belief sich die Gesamtzahl der im Ausstand befindlichen Arbeitnehmer
auf 2t7 000.
Durch diese Streiks gingen insgesamt 2,38 Millionen Arbeitstage
verloren, das sind 0,23 Prozent der in diesem Monat geleisteten Gesamt;
arbeitszeit (0,35 $ im September).
In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres gingen somit
15,3 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren, verglichen mit 17»9
Millionen im Jahre i960 und 63,3 Millionen im Jahre 1959« Der Anteil
der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitstage an der Gesamtarbeitszeit erreichte in der 1O-Monats-Periode 1961 mit 0,16 Prozent den 1957
zum ersten Mal erzielten Niedrigstwert der Nachkriegszeit.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1962
INRALTSVERZEICHNIS

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA

Seite

1

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf

Seite

6

Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um
85 Prozent seit 1949

Seite

8

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

11

John M. Barry, Redakteur der AFL-CIO News:
Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung in den USA
Aus"The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO; November 1961 (gekürzt).
Die Bemühungen der amerikanischen Arbeiterbewegung um die Verkürzung der Arbeitszeit gewinnen in einer Zeit, in der sich die Arbeitslosenziffern trotz aller Anzeichen für eine weitere Zunahme der V/irtschaftstätigkeit auf etwa gleicher Höhe halten, immer größere Bedeutung.
Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und Volkswirtschaftler fühlen
sich durch den gleichbleibend hohen Anteil der "technischen Arbeitslosigkeit", der Verdrängung von Menschen durch Maschinen, beunruhigt.
Die Automation ist nicht mehr länger eine Möglichkeit der Zukunft,
sie ist Realität und fordert bereits einen schweren Tribut.
Schon

�Schon auf dem AFL-CIO-Konvent von 1959 kam die tiefe Besorgnis
der Gewerkschaften über die Verringerung der Arbeitsgelegenheiten
deutlich zum Ausdruck. In einer Resolution wurde beispielsweise festgestellt, daß der Ausstoß der Fertigungsindustrien von 1955 bis zur
Jahresmitte 1959 um 16 Prozent angestiegen, die Zahl der in der Produktion und mit Wartungsarbeiten Beschäftigten in derselben Zeit
aber um 10 Prozent zurückgegangen sei. "Wenn die Früchte des immer
schnelleren technischen Fortschritts nicht in Form einer Verkürzung
der Arbeitszeit weitergegeben werden, sondern eine Verringerung der
Beschäftigtenzahlen bewirken," so betonten die Delegierten des Konvents, "wird die Arbeitslosigkeit ständig zunehmen. Der technische
Fortschritt macht die Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern notwendig."
Kein Wunder, daß immer mehr Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen auf die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
bestehen, nicht nur als einem Mittel, in Zeiten geringeren Arbeitsanfalls die Arbeit auf möglichst viele zu verteilen, sondern auch
als einem Schritt zur Stabilisierung der Beschäftigungslage auf lange
Sicht.
Die Fünftagewoche mit 40 Arbeitsstunden gilt gegenwärtig noch für
die Mehrzahl der Fabrikarbeiter; von den Büroangestellten wird sie
aber in immer größerer Zahl bereits unterschritten, und es mehren sich
nach Untersuchungen des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik die Bestrebungen, eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf sämtliche Angehörigen
der Angestelltenberufe auszudehnen.
In den Jahren 1952-55 arbeiteten beispielsweise 44 Prozent der
Büroangestellten und nur 6 Prozent der Fabrikarbeiter in 18 Beobachtungsgebieten, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik zur Ermittlung
der vorherrschenden Trends ausgewählt worden waren, weniger als 40
Stunden. In den Jahren 1958-59 aber - dem jüngsten Zeitraum, für den
vergleichbare statistische Unterlagen greifbar sind - war der Anteil
der weniger als 40 Stunden Arbeitenden bei den Büroangestellten auf
47 Prozent und bei den Fabrikarbeitern auf 10 Prozent angestiegen.
Noch größere Bedeutung kommt vielleicht der Tatsache zu, daß zwischen
1952 und 1959 die Zahl der Fabrikarbeiter, deren reguläre Arbeitszeit
mehr als 40 Stunden betrug, von 20 auf 7 Prozent zurückging.
Aus anderen Untersuchungen des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
geht hervor, daß die Vierzigstundenwoche besonders häufig im Nordosten
der USA unterschritten wird, wo die Arbeitsbedingungen in New York
das Bild der Statistik maßgeblich beeinflussen. Eine Umfrage in den
verschiedenen Großstadtzonen ergab für das Haushaltjähr 1959/60
(vom 1. Juli 1959 bis 50. Juni i960), daß rund 60 Prozent aller
Arbeitnehmer im Nordosten der USA eine reguläre Arbeitszeit von weniger
als 40 Stunden - zumeist 55 Stunden - hatten. Auch hier stellten die
Büroangestellten wiederum den größten Anteil.
Der Siebenstundentag und andere Formen der Arbeitszeitverkürzung
werden Zug um Zug, Berufszweig um Berufszweig und Gewerkschaft um
Gewerkschaft realisiert. Zu den Schrittmachern dieser Bewegung zählen:
flie

�die Oberbekleidungsindustrie, wo heute praktisch sämtliche Mitglieder der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (Ladies1
Garment Workers Union) Kollektivverträgen unterliegen, die die Fünfunddreißigstundenwoche (bei 5 Arbeitstagen zu je 7 Stunden) vorsehen.
Die Wochenstundenzahl wurde in diesem Wirtschaftszweig in der Zeit
der Wirtschaftskrise um 1930 zwecks Aufteilung der anfallenden Arbeit
herabgesetzt. Nach der Depression wurde die Fünfunddreißigstundenwoche
in New York beibehalten und später auf andere Schwerpunkte der Oberbekleidungsindustrie ausgedehnt^
das Druckerei- und Verlagswesen, in dem im Haushaltjahr 1959/60
die durchschnittliche planmäßige Arbeitswoche 36,6 Stunden betrug,
wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik in einer Umfrage in Städten
mit mehr als 100 000 Einwohnern ermittelt hat. Im Juli 1955 wurde die
Stundenzahl noch mit 37,1 angegeben. Über zwei Drittel der Mitglieder
des Amerikanischen Journalistenverbandes (American Newspaper Guild)
haben eine Arbeitswoche von weniger als 40 Stunden; und die Hälfte
von diesen wiederum arbeitet 35 Wochenstunden;
das Baugewerbe, in dem etwa 12 Prozent der gelernten und ungelernten Arbeiter die Vierzigstundenwoche unterschreit«». Ungefähr
10 Prozent der Angestellten im Baugewerbe hatten am 1. Juli'1960
die Fünfunddreißigstundenwoche, wie eine Umfrage des Bundesamtes für
Arbeitsstatistik in den Großstädten ergab. Tarifverträge, die für
etwa ein Fünftel der Stukkateure und «iE/Zehntel der Elektriker und
Stukkateurarbeiter gelten, brachten den Übergang zur Dreißigstundenwoche;
das Braugewerbe, in dem die normale Arbeitszeit für mehr als
50 Prozent der Beschäftigten bei 37»5 Stunden die Woche liegt;
die Gummiindustrie, in der die Sechsunddreißigstundenwoche bei
sechs Arbeitstagen in den Werken in Akrön seit den dreißiger Jahren
die Regel ist;
die privaten Telephongesellschaften, bei denen 100 000 bis
150 000 Angestellte, die der Amerikanischen Gewerkschaft des Fernmeldewesens (Coramunication Workers of America) angehören, weniger
als 40 Stunden die Woche arbeiten. Hierbei handelt es sich größtenteils um Frauen, die in geteiltem Schichtdienst und vielfach in Nachtschichten arbeiten.
Schichtzuschläge in Form verlängerter Freizeit anstelle eines
Aufgelds wurden auch in anderen Wirtschaftszweigen ausgehandelt, vor
allem im Druckerei- und Baugewerbe. Derartige Regelungen bildeten
in mehreren Fällen die Ausgangsbasis für die Durchsetzung genereller
Arbeitszeitverkürzungen bei Tarifverhandlungen. Eine Untersuchung
des Bundesamtes für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1958, in die
1736 größere Kollektivvertragswerke einbezogen worden waren, führte
zu dem Ergebnis, daß- 1317 Verträge die Gewährung von Schichtzuschlägen vorsahen. Etwa 10 Prozent der Vergütung für die zweite Schicht
und 20 Prozent der Vergütung für die dritte Schicht wurden in Form
einer Verkürzung der Arbeitszeit gewährt.
Die

-

3 -

�Die Verkürzung des regelmäßigen Arbeitstages ist keineswegs die
einzige Form der Verkürzung der Arbeitszeit. Seit der Depression
der dreißiger Jahre haben die Bemühungen um die Erlangung freier
Tage mit einer Bezahlungsregelung wie bei Feiertagen und Urlaub sogar im Vordergrund gestanden. Sie spiegeln den Wunsch der arbeitenden
Menschen nach mehr Muße und Freizeit wider.
Vor dem zweiten Weltkrieg beschränkte sich die Bezahlung von
Feiertagen auf leitende und andere Angestellte. Die Einführung
der Lohnüberwachung im Kriege beschleunigte den Gang der Verhandlungen über die Gewährung anderer Sozialleistungen und brachte die
Aufnahme von Klauseln über die Bezahlung ^on Feiertagen in eine wachsende
Zahl von Tarifverträgen. Im Jahre 1959 ergab eine Untersuchung des
Bundesamtes für Arbeitsstatistik, daß 91 Prozent aller Fabrikarbeiter
in 18 ausgewählten Gebieten Anspruch auf sechs oder mehr bezahlte
Feiertage hatten gegenüber 86 Prozent im Jahre 1953« 64 Prozent der
Arbeiter erhielten 1959 sogar sieben bezahlte Feiertage gegenüber nur
31 Prozent im Jahre 1953»
Ein ähnlicher Trend herrschte auch hinsichtlich der Gewährung von
bezahltem Urlaub vor. Im Jahre 1958 ergab eine Analyse von Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums durch die Wissenschaftliche Abteilung der AFL-CIO, daß 9? Prozent der vom Arbeitsministerium untersuchten bedeutenderen Tarifverträge Bestimmungen über die Gewährung von
bezahltem Urlaub enthielten, während im Jahre 1940 nur etwa ein Viert.el^jler gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bezahlten Urlaub erhielt. Nach dieser Analyse sahen 84 Prozent der Tarifverträge, die
eine Urlaubsregelung nach Betriebszugehörigkeitsdauer zum Gegenstand
hatten, die Gewährung von drei Wochen und 20 Prozent die Gewährung
von vier Wochen Urlaub vor. Im Gegensatz hierzu hatte das Arbeitsministerium 1940 berichtet, daß drei Wochen Urlaub "äußerst selten"
seien^ und noch 1952 wiesen lediglich 4 Prozent der größeren Tarifvertragswerke die Verpflichtung zur Gewährung von vier Wochen Urlaub
auf.
Die Analyse der Wissenschaftlichen Abteilung stellte ferner einen
Trend zur Herabsetzung der Mindestbetriebszugehörigkeitsdauer als
Voraussetzung für die Gewährung von bezahltem Urlaub fest. In älteren Tarifverträgen war eine 15, 20- und sogar 25jährige Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung für einen dreiwöchigen Urlaub vereinbart worden. Bis zum Jahre 1957 hatte man diese Grenze in der Regel
bereits auf 15 Jahre herabgesetzt, und bei einem Viertel der wichtigeren Tarifverträge betrug sie sogar nur noch zehn Jahre und darunter.
Diese Entwicklungstendenzen zeigen eine Reihe von interessanten
Alternativen zur Verringerung der täglichen Arbeitszeit auf.
Die Viertagewoche ist keineswegs ein unrealistisches Ziel, wenn
sie allmählich angestrebt wird. Um etwas gegen die Arbeitslosigkeit
unter ihren Mitgliedern zu tun, handelte eine örtliche Gewerkschaft
an der Westküste kürzlich einen zusätzlichen freien Tag pro Monat
bei vollem Lohnausgleich aus, was 12 zusätzlichen bezahlten Feiertagen im Jahr gleichkommt. Der nächste Schritt kann durchaus ein freier

-

4 -

�freier Tag alle zwei Wochen und schließlich je Woche sein.
Eine weitere Möglichkeit wäre, als erster Schritt, auch die Forderung nach einer Viereinhalbtagewoche bei ~}6 Wochenstunden - wie
ja auch die Fünfeinhalbtagewoche der Fünftagewoche vorausging. Und
die Beschäftigten, die sich heute schon der Fünftagewoche mit 35
Stunden erfreuen, sind von der Fünftagewoche mit 30 Stunden oder
der Viertagewoche mit 32 Stunden gar nicht mehr so weit entfernt.
Als Übergangsregelung läßt sich auch die Viertagewoche für einen Teil
des Jahres denken, etwa den Sommer, wo der Arbeitsanfall in gewissen
Wirtschaftszweigen ohnehin geringer und der Wunsch nach mehr Freizeit
größer ist. Es wäre auch möglich, für langjährige Mitarbeiter als eine
Art Übergang zur späteren Pensionierung ein dreitägiges Wochenende
auszuhandeln.
Die Verlängerung des Urlaubs ist eine weitere sehr attraktive Form
der Verkürzung der Arbeitszeit, weil so gewonnene vermehrte Freizeit in
einem Stück genommen werden kann. Es ist allerdings eine sehr großzügige Urlaubsregelung notwendig, um auf diese Weise eine merkliche
Arbeitszeitverkürzung zu bewirken. Jede zusätzliche Urlaubswoche entspricht 40 Stunden und - auf das ganze Jahr umgelegt - einer Verkürzung
der Arbeitszeit um noch nicht einmal eine Stunde pro Woche,
Die jüngeren Tarifabkommen zeigen jedenfalls, daß sich der Trend
zu längerem bezahlten Urlaub allmählich immer deutlicher herausbildet.
Einige der Seeleutegewerkschaften haben einen Jahresurlaub von 30 bis
60 Tagen durchgesetzt, der allerdings von gewissen Vorbedingungen
abhängig ist. Ein langer Urlaub ist für Seeleute natürlich eine gewisse
Entschädigung dafür, daß sie lange Zeit, fern von zu Hause und abgeschlossen von anderen Menschen, auf hoher See verbringen müssen. Eine
Höchstgrenze für die Urlaubsforderungen der einzelnen Gewerkschaften gibt
es nicht. Das Ortskartell einer großen amerikanisch-kanadischen Gewerkschaft hat beispielsweise einen einjährigen bezahlten Urlaub für Angestellte nach Beendigung des zehnten Dienstjahres ausgehandelt. Ein langfristiger, durchgehender Urlaub, sei er auch nur auf ein Vierteljahr beschränkt, würde dem arbeitenden Menschen eine Zeit des gründlichen Ausspannens sichern.
Die frühzeitige Pensionierung ist eine weitere Form der Verkürzung der Arbeitszeit, wenn man sie in Beziehung zu dem gesamten Arbeitsleben des Menschen sieht. Zahlreiche Altersversicherungspläne
gestalten bereits die vorzeitige Pensionierung im Alter von 55 Jahren,
wobei eine gewisse Kürzung der Bezüge in Kauf zu nehmen ist. Da eine
allgemeine Anhebung der Altersrenten aber eines der grundlegenden
Ziele bei praktisch allen Kollektivverhandlungen ist, werden sicher
immer mehr Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit des früheren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben Gebrauch machen. Diese Entwicklung wird
auch durch die kürzlichen Änderungen der Sozialversicherungsgesetze

-

5 -,

�•I

Sozialversicherungsgesetze einen neuen Auftrieb erhalten, die sowohl weihlichen als auch männlichen Arbeitnehmern die vorzeitige
Pensionierung nach Erreichung des 62. Lebensjahres bei geringfügig verringerten Bezügen gestatten.
Angesichts dieser Alternativen wird jede Gewerkschaft den
Weg zur Verringerung der Arbeitszeit wählen, der den Bedürfnissen
und Wünschen ihrer Mitglieder am ehesten entspricht und der jeweiligen Situation in dem entsprechenden Wirtschafts- oder Beschäftigungszweig am besten gerecht wird. Die derzeitigen Verhältnisse
werden sich sicherlich nur ganz allmählich und Schritt für Schritt
ändern, wie dies auch in der Vergangenheit schon der Fall war. Die
Geschichte lehrt uns, daß solche Veränderungen unaufhaltsam sind.
Der diesbezügliche Druck bei Kollektivverhandlungen wird sich in
dem selben Maße verstärken, in dem immer neue Maschinen auf den Plan
treten.
Soll die Automatisierung der Menschheit zum Segen gereichen, dann
muß es uns gelingen, die Vorteile der steigenden Produktivität in
mehr Freizeit und mehr Arbeitsplätze umzumünzen.
(Aus "The American Federationist".)

* * * * *

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Mehr als ein Viertel seiner täglichen Arbeitszeit muß der
amerikanische Arbeitnehmer heute zur Begleichung seiner steuerlichen
und anderen fiskalischen Verpflichtungen aufwenden. Dies hat die
"Tax Foundation, Inc.", eine private Forschungsorganisation, auf
Grund einer kürzlich durchgeführten Analyse festgestellt.
Danach muß der Amerikaner täglich 1 Stunde und 39 Minuten allein
für die vom Bund eingezogenen Steuern (insbesondere die Einkommensteuer)
arbeiten, während er weitere 38 Minuten dafür aufwenden muß, die
Steuern der Bundesstaaten und Gemeinden aufzubringen. Alles in allem
arbeitet er also täglich 2 Stunden und 17 Minuten ausschließlich für
die Steuer.
Im Jahr 1960 brachten sämtliche Bundes-, bundesstaatlichen und
kommunalen Steuerarten der öffentlichen Hand insgesamt 131»7 Mrd.
Dollar ein; das sind 28,6 Prozent des Nettosozialprodukts (zu Marktpreisen). Gemessen am Wert der im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen liegen die Steuern heute im Vergleich zu 1949 um 27 Prozent
und gegenüber 1929 um 167 Prozent höher. Die steuerlichen Belastungen
waren dabei 196O - wenn man den reinen Dollarbetrag als Basis wählt rund 2 1/2 mal so hoch wie im Spitzenjahr des letzten Krieges.
Wie

-

6 -

�Wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht, sind die Steuereinnahmen seit Ende des zweiten Weltkrieges im gleichen Maße angestiegen wie das Nettosozialprodukt. Gegenüber der Steuerspitze des Jahres 1943» in dem der Anteil der Bundessteuern am Nettosozialprodukt
21 ,5 Prozent betrug (in der unmittelbaren Nachkriegszeit ging dann
der Anteil - bis zum Ausbruch des Koreakrieges - auf 16,1 Prozent
1949) zurück), lagen die Steuern i960 nur unwesentlich niedriger
Anteil 20,4 Prozent),

[

Inzwischen sind aber auch die bundesstaatlichen und kommunalen
Steuern erheblich angestiegen. Während sie 1945 nur knapp 5 Prozent
des Nettosozialprodukts ausmachten, belaufen sie sich heute auf 8,2
Prozent. In dieser Zunahme spiegeln sich in erster Linie die wachsenden finanziellen Bedürfnisse der Städte und Kommunen wider, wie sie
durch den Ausbau der zahlreichen kommunalen Einrichtungen - Straßen,
Schulen, Krankenhäuser, soziale Institutionen usw. - gegeben sind.
Während die Einnahmen aus diesen Steuern im Jahre 1945 lediglich
9,8 Mrd. Dollar ausmachten, betragen sie heute (i960) 37&gt;6 Mrd. Dollar. Bei den Bundessteuern sieht die Entwicklung so aus: 1945 • 42,2
Mrd. Dollar; 196O = 94,1 Mrd. Dollar.
In der Analyse der "Tax Foundation" sind jedoch keine Angaben
über die Verwendung der einzelnen Steuergelder enthalten, sondern
lediglich Anhaltszahlen darüber, wieviel Geld der amerikanische Steuerzahler im Durchschnitt für die Aufgaben des Bundes aufbringen muß.
Nach dieser Übersicht sind es pro Jahr 1092 Dollar, die in die
Kassen des Bundes nach Washington fließen. Mehr als die Hälfte dieses
Betrages - nämlich 623 Dollar - wird dabei für die nationale Sicherheit aufgewendet; rund 11 Prozent (120 Dollar) für den Schuldendienst;
33 Dollar für die Auslandshilfe; 65 Dollar für die Unterstützung der
Kriegsteilnehmer. Alle diese - häufig zu einem Posten zusammengezogenen - Ausgaben belaufen sich auf 841 Dollar oder etwas über 75 Prozent
der jährlichen Steuersumme, die der Steuerzahler im Durchschnitt aufbringt. Der Rest fließt dem Farmstützungsprogramm, den zahlreichen Sozial- und Wohlfahrtsplänen, dem Raumfahrtprogramm usw. zu.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

- 7' -

�Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA
Der arbeitende Mensch hat den berechtigten Wunsch nach ausreichender Freizeit: einmal, um die Früchte der Arbeit genießen zu können, zum anderen, um Körper und Geist die nötige Erholung zu gewähren. In den Vereinigten Staaten gibt der steigende Lebensstandard - nicht zuletzt ein Verdienst des amerikanischen Wirtschaftsund Sozialsystems - dem Arbeiter die Möglichkeit, immer mehr Zeit
und auch Geld für die Freizeitgestaltung aufzuwenden. Eine Untersuchung, die vor einiger Zeit von der Chase Manhattan Bank in New York
veröffentlicht wurde, gibt hierüber bemerkenswerte Aufschlüsse.
Im Jahre i960 verdienten die Amerikaner insgesamt 123 Mrd. Dollar
mehr, als sie für Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft, ärztliche Versorgung, Steuern und andere feste Ausgaben ausgegeben haben.
Mithin konnten sie über fast ein Drittel des gesamten Personaleinkommens nach Abzug der Steuern frei verfügen. Ein Drittel hiervon rund 45 Mrd. Dollar oder mehr als 12 Prozent des Gesamteinkommens wurde für Erholung und Freizeit ausgegeben.
Erfreulich ist, daß der größte Teil dieser Summen für sinnvolle
Zwecke verwendet wurde, vor allem für Urlaubsreisen. Die Aufwendungen
für Reisen innerhalb der Vereinigten Staaten haben sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die für Auslandsreisen
sogar nahezu verdreifacht.
Eine erhebliche Zunahme ist auch bei den Ausgaben für kulturelle
Zwecke zu verzeichnen. Für Bücher haben die Amerikaner 196O um rund
zwei Drittel mehr ausgegeben als vor fünf Jahren. Die Einnahmen
der Theater aus dem Kartenverkauf sind seit 1946 um 115 Prozent gestiegen und lagen i960 um ein Drittel über den Kasseneinnahmen sämtlicher
öffentlicher Sportveranstaltungen.
Bezeichnend ist auch das zunehmende Interesse für Musik. 32 Millionen Amerikaner betrieben Musik als Liebhaberei; das entspricht einer
Zunahme von 40 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Über die
Hälfte aller Orchester aus Berufsmusikern entfallen heute auf die
USA. Die Besucherzahlen der Museen schnellten in den letzten Jahren
gewaltig in die Höhe.
Andererseits war in verschiedenen Bereichen der Freizeitbetätigung, die sich lange Jahre hindurch besonderer Beliebtheit erfreut
haben, ein Rückgang des Interesses zu beobachten. Die Besucherzahlen
der Filmtheater nahmen ebenso ab wie die Verkaufs Ziffern der Fernsehgerätehersteller. Die Zunahme der Besucherzahlen von Sportveranstaltungen erreichte nur ein Viertel der Zuwachsrate der Gesamtausgaben
für Freizeitgestaltung. Um so bemerkenswerter ist es, daß vom aktiven
Sport eine absolute Rekordbeteiligung gemeldet wird. Hier sind es vor
allem die Sportarten, die im Freien betrieben werden, die eine überdurchschnittliche Steigerung der Zahl der Aktiven aufweisen: Rudern,
Schwimmen, Fischen und Jagd. Auch der Kegelsport sowie Baseball, Korbball, Tennis, Golf und Bogenschießen haben viele neue Freunde gewonnen.
Welche

�v

Welche Motive diesem Strukturwandel in der Freizeitbeschäftigung zugrunde liegen, ist schwer zu sagen. Mit ziemlicher Sicherheit wird er von den allgemeinen wirtschaftlichen und soziologischen
Entwicklungstendenzen beeinflußt. Hierzu nur zwei Beispiele: Die
rapide Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen auf
Kosten der Beschäftigung in der Landwirtschaft und in den Handarbeiterberufen hat im Verein mit der "Flucht" der städtischen Bevölkerung in die Vorstädte viele Energien frei gemacht, die das Interesse der arbeitenden Menschen an einer aktiven Freizeitbeschäftigung wachsen ließen. Und die Anhebung des Bildungsniveaus hat
sicherlich entscheidend mit zu der immer regeren Beteiligung auch
der arbeitenden Menschen am kulturellen Leben beigetragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

*

Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent
seit 1949
Auf Grund der in der Zeit zwischen 1949 und 1959 i m amerikanischen Steinkohlebergbau vorgenommenen Mechanisierung und Modernisierung konnte die Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer in diesem Industriezweig um insgesamt 85 Prozent gesteigert werden, was einer jährlichen
Produktivitätssteigerung von im Durchschnitt über 6 Prozent entspricht.
Diese Angaben sind in einer umfassenden Analyse über die technologischen Veränderungen im amerikanischen Kohlebergbau und über
ihre zahlreichen Auswirkungen enthalten, die in der Oktober-Ausgabe
1961 von "Monthly Labor Review" erschienen ist.
Wie aus dieser Übersicht weiter hervorgeht, waren im US-Steinkohlebergbau im Jahr 196O nur noch 159 00° Arbeitnehmer beschäftigt,
was eine Abnahme der Beschäftigtenzahl gegenüber 1949 u m 63 Prozent
bedeutet. Obwohl sich die langfristigen Aussichten des Steinkohlebergbaus in jüngster Zeit gebessert hätten, so heißt es in dem
Bericht, sei nicht damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Beschäftigten in Zukunft wesentlich über das derzeitige Niveau hinaus erhöhen werde.
Auf Grund langfristig abgeschlossener Lieferverträge und in
Anbetracht der steigenden Produktionskosten, hätten die Bergwerksleitungen mit Unterstützung der Gewerkschaften die Gruben verhältnismäßig schnell mechanisiert und modernisiert, heißt es in
dem Artikel weiter. Infolge des Einsatzes besonderer Schürf-.

- 9

�Schürf/, Beladungs- und Umschlageinrichtungen sowie von Förderbändern und speziellen Zubringerwagen werde die Kohle heute unter Tage
praktisch überhaupt nicht mehr von Hand bewegt. Einen sehr starken
Einfluß auf die Erhöhung der Produktionsleistung hätten vor allem
auch die Schrämlader gehabt, durch die der gesamte Abbauprozeß zu
einem kontinuierlichen Arbeitsgang zusammengefaßt worden sei. &lt;
Auch der Tagebau sowie die Kohleaufbereitung ist in den vergangenen zehn Jahren weitgehend mechanisiert und automatisiert worden.
Insgesamt erhöhten sich die Investitionen pro Arbeitsplatz im Kohlebergbau seit 1948 um rund 10 Prozent jährlich und dürften 1958, wie
es in dem Artikel heißt, pro Arbeitsplatz etwa 13 000 Dollar ausgemacht haben.
Der sichtbare Erfolg all dieser Bemühungen der Zechenleitungen
in den vergangenen zehn Jahren kommt in dem unwahrscheinlich hohen
Anstieg der Arbeitsproduktivität in diesem Industriezweig zum Ausdruck, der rund 85 Prozent betrug und damit größer war als in den
vorangegangenen 30 Jahren zusammen. Auf Grund dieser starken Zunahme
der Arbeitsproduktivität konnten, wie in dem Artikel betont wird, die
Kosten pro Produktionseinheit fast auf dem gleichen Niveau wie 1947
gehalten werden - und das, obwohl die durchschnittlichen Stundenlöhne
der Bergleute in diesem Zeitraum von 1,64 Dollar auf 3»25 Dollar anstiegen und von den Bergwerksgesellschaften Sozialnebenleistungen in
Höhe von 184 Millionen Dollar aufgebracht wurden.
Durch die beträchtliche Mechanisierung und Automatisierung im
amerikanischen Kohlebergbau war es auch in den vergangenen zehn Jahren
möglich, den Kohlepreis weitgehend stabil zu halten und somit die
Wettbewerbsposition der Kohle gegenüber den anderen Brennstoffen zu
sichern. Da die Kraftwerke in der letzten Dekade ihren Kohleverbrauch
nahezu verdoppelten, wanderte praktisch die Hälfte aller in den USA geförderten Kohlen in die Heizkessel der Kraftwerke.
Mit der starken Erhöhung der Arbeitsproduktivität ergab sich bei
einem gleichzeitigen Rückgang der Bedarfsnachfrage zwangsläufig ein
geringerer Bedarf an Arbeitskräften im amerikanischen Steinkohlebergbau, wie in dem Artikel abschließend festgestellt wird. Hierdurch
sei ein starker Rückgang in der Gesamtbeschäftigtenzahl sowie erhöhte
Arbeitslosigkeit in den Kohlebergbaugebieten zu verzeichnen gewesen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

- 10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gehaltsanalyse für 68 Angestelltenberufe
Die durchschnittlichen monatlichen Einkommen für insgesamt
68 Angestellten- bzw. freie Berufe lagen in den Vereinigten Staaten
im Winter 1960/61 zwischen 252 Dollar für mit Routinearbeiten beschäftigte Registratoren und 1726 Dollar für Rechtsanwälte, wie
aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Gehalts- bzw. Einkommensanalyse hervorgeht, die sich auf das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten erstreckt.
Es ist dies die zweite umfassende Analyse dieser Art, die vom
US-Arbeitsministerium durchgeführt wurde. Im einzelnen wurden dabei
die Einkommen der wichtigsten Angestellten- und freien Berufe in den
Städten des gesamten Landes untersucht und die analysierten 68 Berufe
in erster Linie aus den folgenden Gruppen ausgewählt: Buchhalter,
Rechtsanwälte, Ingenieure, Chemiker, Zeichner, Personalsachbearbeiter,
Bürokräfte der Dienstleistungszweige und andere Büroangestellte.
Wie aus dieser Untersuchung weiter hervorgeht, beliefen sich die
monatlichen Einkommen bei 23 Berufsgruppen auf weniger als 500 Dollar;
bei 32 auf über 500, aber weniger als 1000 Dollar und bei 13 Gruppen
auf über 1000 Dollar.
Die Monatsgehälter für Ingenieure - die größte Gruppe der wissenschaftlichen Berufe in der Analyse - lagen zwischen 548 Dollar
Gruppe I, Anfangsgehalt für Hochschulabsolventen) und 1588 Dollar
Gruppe VIII, Chefingenieure). Die Anfangsgehälter für Chemiker dagegen betrugen im Durchschnitt 481 Dollar und lagen damit etwas unter
den Anfangsgehältern der Ingenieure. Mit steigendem Gehalt verringern
sich die prozentualen Unterschiede jedoch mehr und mehr. In der Gehaltsgruppe IV zum Beispiel beliefen sich die durchschnittlichen
Monatsgehälter für Ingenieure auf 832 Dollar und für Chemiker auf
792 Dollar.

I

Die durchschnittlichen Monatsgehälter der Bürokräfte lagen der
Untersuchung zufolge zwischen 252 Dollar für Registraturen mit Routinearbeiten und 457 Dollar für das Bedienungspersonal von Tabelliermaschinen. Die größte Gruppe dieser Angestellten, die Stenographen, bezog
im Durchschnitt ein Monatsgehalt von 341 Dollar. Sie lagen damit etwas
über dem Durchschnitt der insgesamt 17 von der Analyse erfaßten Büroangestelltenberufe .
(Quelle: Eigenbericht)
* # * * *

1 1

�52 278 Gewerkschaften legten US-Arbeitsministerium Finangfrericht vor
Insgesamt 52 278 amerikanische Gewerkschaften haben nach Angaben
von US-Arbeitsminister Goldberg dem amerikanischen Arbeitsministerium
auf Grund des sogenannten "Labor-Management Reporting and Disclosure
Act of 1959" i m Jahre i960 detaillierte Geschäfts- und Finanzberichte
unterbreitet.
Eine komplette Liste all dieser Gewerkschaften, die neben der
genauen Namensbezeichnung jeder Gewerkschaft auch die Verbandszugehörigkeit sowie die genaue Anschrift enthält, ist in einem 512 Seiten
starken Register enthalten, das nach Meinung von Arbeitsminister Goldberg die umfassendste Übersicht darstellt, die je über amerikanische
Gewerkschaften veröffentlicht wurde. Diese Publikation ist durch das
U.S. Government Printing Office zu beziehen und kostet 1,75 Dollar.
Nicht enthalten in dieser übersieht sind alle jene Gewerkschaften,
die auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 nicht zur
Offenlegung ihrer Finanzen und zur Abgabe von Tätigkeitsberichten
verpflichtet sind. Bei diesen Gewerkschaften handelt es sich in erster
Linie um Arbeitnehmerorganisationen für die Angestellten des öffentlichen Dienstes.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Löhne der Bauhandwerker leicht angestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Baufacharbeiter sind im
3. Quartal 1961 geringfügig - und zwar um 0,4 Prozent - angestiegen,
wie aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Statistik hervorgeht. Diese Lohnanalyse bezieht sich dabei auf die
sieben wichtigsten Baufacharbeiterberufe in 100 amerikanischen Städten.
Auf Grund der in diesem Zeitraum neu abgeschlossenen Tarifverträge
erhöhten sich die Durchschnittslöhne aller Baufachberufe um 1,4 Cent
und belaufen sich jetzt auf 3,85 Dollar. Am stärksten erhöht haben sich
die Lohne der Bauelektriker (6,3 Cent}, der Maler (2,4 Cent) und der
Klempner und Installateure (2,2 Cent).
Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1947-49 lagen die Bauarbeitevlöhne am 2. Oktober 1961 um 85 Prozent, im Vergleich zum 3. Oktober i960 um 4,0 Prozent höher. Die Gesamtzunahme im Jahre 1 96O betrug
im Durch&amp;chritt 14,7 Cent, wobei der größte Anstieg in den verschiedenen Berufszweigen 18,4 Cent und der geringste 9,4 Cent betrug.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

.
t

12

�Industriearbeiterlöhne zcsgen erneut an
Das durchschnittliche Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten hat gegenüber Oktober 1961
im November weiter zugenommen, wie aus der jüngsten Lohnübersicht
des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen ist. Im gleichen Zeitraum
ist auch die durchschnittliche Länge der wöchentlichen Arbeitszeit
weiter (um 2/10 Stunden) angestiegen und hat mit 40,6 Stunden den
höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht.
Nachdem das wöchentliche Nettoeinkommen mit 84,12 Dollar für
einen verheirateten industriellen Arbeitnehmer mit drei Familienangehörigen (76,50 Dollar für Alleinstehende) schon im Oktober einen
absoluten Höchststand erreicht hatte (5 fo mehr als im Oktober i960),
war im November ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Nach den bisher
veröffentlichten Ziffern lagen die durchschnittlichen Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter bei 95»82 Dollar (Oktober = 94»54 Dollar)
und damit um 6,61 Dollar höher als vor einem Jahr.
Wie der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium, Seymour L. Wolfbein, in diesem Zusammenhang zur derzeitigen Arbeitsmarktlage in den Vereinigten Staaten erklärte, hat sich
die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer seit dem Rezessionstief im Februar 1961 um 2,5 Millionen erhöht und im November
einen Stand von 55»077 Millionen erreicht. Die Gesamtbeschäftigtenzahl wurde vom amerikanischen Arbeitsministerium für November 1961
mit 67,3 Millionen angegeben. Das ist die höchste Beschäftigtenziffer,
die bisher in diesem Monat zu verzeichnen war.
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen betrug dagegen in diesem Zeitraum etwa 4 Millionen. Gegenüber dem Vormonat blieb diese Ziffer
unverändert, obwohl sie an sich auf Grund der jahreszeitlichen
Erwartungen hätte um 500 000 höher sein müssen.
Die von den jahreszeitlichen Einflüssen bereinigte Arbeitslosenrate (der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren
Arbeitskräfte) ging zwischen Oktober und November von 6,8 auf 6,0
Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang innerhalb von drei
Jahren.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

�Industriearbeiterlöhne stiegen in 50 Jahren von IQ^aul 90 DoI3ar an
Die durchschnittlichen Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen 50
Jahren von 10 Dollar auf 90 Dollar angestiegen, wie aus einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht, die sich
mit der Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten in den USA zwischen
1909 und 1959 befaßt.
Wie daraus weiter zu entnehmen ist, ging die normale durchschnittliche Arbeitswoche der Industriearbeiter (ohne Überstunden)
in diesem Zeitraum von insgesamt 51 Stunden auf weniger als 40 Stunden zurück.
Dagegen erhöhte sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitnehmer der amerikanischen Wirtschaft zwischen 1909 und 1959
von 27 Millionen auf 54 Millionen (November 1961 = 55»04 Mio).
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Günstige Streikbilanz im letzten Jahr
Nach vorläufigen Berechnungen des US-Amtes für Arbeitsstatistik
ging sowohl die Zahl der durchgeführten Streiks als auch die Zahl
der davon betroffenen Arbeitnehmer von September auf Oktober erheblich zurück.
Insgesamt begannen im Oktober 1961 rund 500 Streiks, durch die
223 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden. Zwei Drittel aller Streiks entfielen dabei auf die Fertigungsindustrie. Da weitere 210 im September
begonnene, im Oktober aber noch andauernde Streiks hinzukommen, belief sich die Gesamtzahl der im Ausstand befindlichen Arbeitnehmer
auf 2t7 000.
Durch diese Streiks gingen insgesamt 2,38 Millionen Arbeitstage
verloren, das sind 0,23 Prozent der in diesem Monat geleisteten Gesamtarbeitszeit (0,35 $ im September).
In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres gingen somit
15,3 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren, verglichen mit 17,9
Millionen im Jahre 196O und 63,3 Millionen im Jahre 1959« Der Anteil
der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitstage an der Gesamtarbeitszeit erreichte in der 10-Monats-Periode 1961 mit 0,16 Prozent den 1957
zum ersten Mal erzielten Niedrigstwert der Nachkriegszeit.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1962
INHA LTSVERZEIC HNIS

Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern

Seite

1

Nachlese zum "AFL-ClO"-Kongreß

Seite

6

Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie

Seite

9

Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor

Seite

10

Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung
veröffentlicht

Seite

12

Ochola Ogaye Mak'Anyengo, 1. Sekretär der Ölarbeitergewerkschaft
von Kenia:
Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern
In dem folgenden Artikel, der dem vierteljährlich
erscheinenden "I.U.D. Digest" des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO entnommen ist, schildert Ochola Ogaye Mak'Anyengo seine Erfahrungen und
Eindrücke während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten, wo er an einem neunmonatigen
Portbildungskursus für Gewerkschaftsfunktionäre an
der Universität Chicago teilnahm. Dieser Artikel,
der gleichzeitig eine gute Vorstellung von der Mentalität, den Zielen und Erwartungen der jungen
afrikanischen Gewerkschafter vermittelt, enthält
auch zahlreiche praktische Vorschläge hinsichtlich
der Ausbildung von Gewerkschaftern der Entwicklungsländer in den Ländern der freien Welt.
_,,
-

1

-

�Ehe ich näher auf meine in den Vereinigten Staaten gesammelten
Erfahrungen sowie insbesondere auf das Gewerkschaftsführer-Programm
eingehe, möchte ich zuerst kurz auf meine gewerkschaftliche Eaufbahn
hinweisen und aufzeigen, warum ich an diesem Fortbildungskursus teilgenommen habe und wie diese Teilnahme zustande kam.
Wie dringend erforderlich eine umfassende gewerkschaftliche Ausbildung ist, wurde mir zum ersten Mal so richtig bewußt, als ich im
März 1958 als 1. Sekretär der ölarbeitergewerkschaft in Kenia für
unsere Mitglieder Tarifverträge auszuhandeln hatte. Es war dies damals meine erste Aufgabe dieser Art. Meine eigene Unerfahrenheit
sowie die Tatsache, daß es sich bei meiner Gewerkschaft noch um eine
sehr junge Arbeitnehmerorganisation handelt, bedeuteten für mich und
meine Kollegen ein sehr großes Hindernis, zumal wir es mit erfahrenen
internationalen ölgesellschaften zu tun hatten.
In Erkenntnis dieser Notwendigkeit begann ich damals nach Wegen
und Möglichkeiten zu forschen, mein Wissen über die Tätigkeiten und
Aufgaben von Gewerkschaften zu vervollständigen. Jedes Buch über Gewerkschaften, das mir seitdem in die Hand gekommen ist, habe ich von
vorn bis hinten studiert. Bei dieser Suche nach geeigneten Büchern
geriet ich dann auch an ein Buch aus der Bücherei des US-Informationsdienstes in Nairobi, das Namen und Adressen von Universitäten enthielt,
die gewerkschaftliche Förderkurse durchführen. Um herauszubekommen,
in welcher Weise sie für die Ausbildung von Funktionären meiner Gewerkschaft in Frage kamen, zögerte ich nicht, sie sofort anzuschreiben.
In meinen Briefen, die im Mai des gleichen Jahres an acht Universitäten abgeschickt wurden, umriß ich ganz klar, welcher Art unsere Bedürfnisse waren und welche Hilfe wir von ihnen erwarteten. Die
meisten Antworten waren positiv. Von denjenigen Universitäten, die
bereit waren, uns ein Stipendium für die Teilnahme an den gewerkschaftlichen Fortbildungskursen zu gewähren, bot uns die Universität
Chicago einen Kursus für die Dauer von neun Monaten an. Die Kurse,
die uns die anderen Universitäten offerierten, dauerten in der Regel
nur drei Monate. Auf Grund der Länge der Ausbildungsperiode wählte
ich daher die Universität Chicago.
Wegen der Aufbringung der Reisekosten und der anderen Ausgaben,
für die die Universität nicht aufkommen konnte, war es für uns nicht
möglich, die Vorbereitungen fristgemäß, d.h. vor Beginn des Schuljahres 1958/59 abzuschließen. Daraufhin kamen wir mit det Universität
Chicago überein, das Ausbildungsprogramm bis zum Schuljahr 1959/60 zu
verschieben. In der Zwischenzeit jedoch hatte ich Gelegenheit, an
dem ersten Kursus des Afrikanischen Gewerkschaftscollege in Kampala,
Ugc^d? (November 1958 - Februar 1959)» teilzunehmen. Die schon hier
von mir gesammelten Erfahrungen waren sowohl für mich als auch meine
Kollegen bei unserer gewerkschaftlichen Arbeit von großem Nut*en.
Schließlich aber waren alle notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen. Die "Union Research and Education Projects" der Universität
Chicago und der Internationale Verband der ölarbeitergewerkschaften
hatten sich bereit erklärt, für meine Studiengebühren aufzukommen, und

2

-

�und durch die Vermittlung einer halbtägigen Beschäftigung durch zahlreiche andere Stellen war es mir möglich, die Lebenshaltungs- und
anderen Kosten aufzubringen.
Mit großen Erwartungen reiste ich nach den Vereinigten Staaten.
Ich hatte mir vorgenommen, möglichst viel über die Struktur und die
Arbeit der Gewerkschaften in Erfahrung zu bringen und zu sehen, wie
dort die Tarifverhandlungen mit den Unternehmern durchgeführt werden.
Hinter diesen Bemühungen stand dabei die Absicht, die gesammelten
Erfahrungen nutzbringend für meine Tätigkeit einzusetzen. Meinen ersten Kontakt mit amerikanischen Gewerkschaften hatte ich auf dem
Kongreß der Gewerkschaft der "öl-, Chemie- und Atomarbeiter*' in Cleveland im Oktober 1959« Dies war ein bemerkenswertes Ereignis für mich.
Etwas später nahm ich dann auch an einer Tarifverhandlung teil, die
in jeder Beziehung vollkommen anders verlief, als ich es bis dahin
gewohnt war. Den größten Eindruck auf mich hinterließ dabei der große
Respekt, mit dem sich die beiden Tarifpartner begegneten - ganz im
Gegensatz zu einigen Lohnverhandlungen bei uns, wo die Unternehmer
häufig glauben, das Recht zu besitzen, uns ihre Vorschläge aufzuzwingen.
Der Gewerkschaftskongreß selbst war in verschiedener Hinsicht ein
großes Erlebnis für mich. Ich konnte dort viele wertvolle Erfahrungen
sammeln, zumal ich Gelegenheit hatte, mit zahlreichen Menschen zu
sprechen, die große gewerkschaftliche Erfahrungen hatten. Auf diesem
Kongreß wurde mir auch klar, daß eine Gewerkschaft nicht Ait einer
Handvoll ausgebildeter Funktionäre auskommen kann, wenn sie erfolgreich arbeiten will. Dies trifft insbesondere für die arbeitsrechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte der TarifVerhandlungen zu. Ebenso
kam ich dort zu der Überzeugung, daß der Erfolg einer Gewerkschaft
von einem guten Operationsplan und von der Art seiner Durchführung
abhängt. Dieser und zahlreiche andere Gewerkschaftskongresse, an
denen ich während meiner Ausbildungszeit in Chicago teilnahm, vermittelten mir ein sehr viel umfangreicheres Wissen über die Gewerkschaften
als alles andere davor. Ebenso wurde mir hier klar, wie wir unsere
Probleme behandeln müssen und wie wir sie lösen können.
Nun zu meiner Teilnahme an dem Fortbildungskursus für Gewerkschaftsfunktionäre. Die theoretische Ausbildung umfaßte zwei verschiedene Kurse, einen rein formal-wissenschaftlichen und einen gewerkschaftskundlichen. Die Teilnahme an dem ersten Kursus ging auf
meinen Wunsch zurück, die Grundzüge der Wirtschaftswissenschaften
kennenzulernen, insbesondere alle jene Aspekte, die eine enge Beziehung zur Gewerkschaftsarbeit haben. Wenn ich auch nicht viel über
diesen Kursus zu sagen habe, so kann ich doch feststellen, daß das
dort mir vermittelte Wissen nicht hoch genug eingeschätzt werden
kann. Jedenfalls habe ich jetzt das Gefühl, einiges über die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu wissen, das mir am Tarifverhandlungstisch
von sehr großem Nutzen sein wird.
Der in den Gewerkschaftsführer-Kursen vermittelte Lehrstoff war
sehr vielseitig und ungemein interessant. Was ich hier gelernt habe,
versetzt mich in die Lage, meine Grund- und Leitsätze künftig selbst

-

3 -

�seihst zu formulieren. Mir ist jetzt auch klar geworden, was Erziehung und Bildung heißt, wie ein gebildeter Mensch sein sollte
und was Wertmaßstäbe sind. Nach Professor Kermit Eby, einem von
mir hochverehrten Gelehrten, ist derjenige ein gebildeter Mensch,
der die Konsequenzen seines eigenen Handelns oder Nichthandeins in
der Gesamtheit ihrer Bezüge zu erkennen vermag.
Mit dieser Definition vor Augen enthalte ich mich einer Selbsteinschätzung, bis ich genau die Konsequenzen meines Handelns und
Nichthandeins zu erkennen vermag. Mit großen Hoffnungen und Erwartungen sehe ich dem Tag entgegen, an dem man mich in die Reihe derjenigen einreiht, die man allgemein als Gebildete bezeichnet«
In dieser Hinsicht verdanke ich der Universität Chicago sehr viel.
Es liegt jetzt an mir, meinen Teil hierzu beizutragen.
In diesem Zusammenhang darf ich nicht die Erfahrungen unerwähnt
lassen, die ich an meinem Arbeitsplatz bei der " C o m Products Corporation" in Argo, Illinois, gewonnen habe« Wenn es einen Ort gab,
an dem ich den einfachen Mann kennenlernte, so ist es dieser Betrieb gewesen. Während meiner Tätigkeit in Argo (bei Chicago),
hatte ich nämlich Gelegenheit,•mit Menschen aller Kreise zusammenzukommen, und zwar sowohl mit hochgebildeten als auch mit solchen,
die nur eine mangelhafte Bildung aufwiesen.
Und dort war es auch, wo ich die Erfahrung machte, daß man, wenn
man Land und Leute kennenlernen will, gerade von dem "Mann auf der
Straße" mehr lernt als von Intellektuellen. In Argo war es mir möglich, mit den Arbeitern im Betrieb einige jener Probleme zu diskutieren, die alle Arbeiter in aller Welt gemeinsam haben. Dabei konnte
ich die Feststellung machen, daß sowohl die Arbeiter als auch ihre
Probleme.in aller Welt einander ähnlich sind. Der Eindruck, den ich
gewann, und die Schlüsse, die ich hinsichtlich der Lösung der für den
Arbeiter wichtigen Probleme zog, waren die, daß gemeinsame, koordinierte und übereinstimmende Aktionen von Gewerkschaften und Arbeitnehmern in aller Welt erforderlich sind.
Ich darf hier auch nicht die Hilfe und den Geist der Zusammenarbeit unerwähnt lassen, die mir von dem Management des Unternehmens
zuteil bzw. der mir entgegengebracht wurde. Ohne dieses Unternehmen
und ohne die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung und dem Ortsverband der Gewerkschaft wäre mein Aufenthalt in den Vereinigten
Staaten nicht von Erfolg gekrönt worden.
Was geschieht nun, wenn ich den Fortbildungskursus beendet habe?
Diese Frage muß sowohl von mir als auch von all jenen beantwortet
werden, die es ermöglichten, daß das Programm, an dem ich teilnahm,
ein großer Erfolg wurde. Es stimmt, daß ich nach Kenia zurückgehen
und dort das Wissen an die Arbeiter weitergeben werde, das ich hier
erworben habe. Aber nicht nur das, ich werde auch bemüht sein, unseren
Kampf bis zum siegreichen Ende fortzusetzen. Dennoch wird meine
Situation nicht gerade leicht sein, denn wenn das eine Auge, das
noch Sehkraft besitzt, beschädigt wird, so wird keins mehr da sein,
das sehen kann.
_,

- 4 -

�Ich möchte mit diesem Vergleich besonders auf die Tatsache
hinweisen, daß ich der einzige ausgebildete und geschulte Gewerkschaftsfunktionär in meiner Gewerkschaft sein werde, und wenn ich
auf Grund widriger Umstände in unserem Kampf aus der Gewerkschaft
entfernt werden sollte, so würde ein Vakuum entstehen. Darüber
hinaus aber würden meine Bemühungen größeres Gewicht haben, und
mein Wissen würde sich erheblich stärker auswirken, wenn die Zahl
der Gewerkschaftsfunktionäre mit einer ähnlichen Ausbildung, wie
ich sie hatte, bei uns größer wäre.
Hinsichtlich des Portbildungsprogramms geht meine Meinung dahin,
daß es auf alle Fälle fortgesetzt werden sollte. Ich weiß, daß die
Fortsetzung des Programms große finanzielle Mittel erfordert, ich
glaube aber auch, daß mit dem großen Vertrauen, das seine Schöpfer
bisher in dieses Programm setzten, viel erreicht werden kann. Wenn
eine Fortsetzung möglich sein sollte, so bin ich gerne bereit, zu
helfen und alles zu tun, damit das Programm ein voller Erfolg wird.
In dieser Hinsicht möchte ich die folgenden Vorschläge und Empfehlungen unterbreiten!
1 . Mit Unterstützung der "Union Research and Education Projects"
der Universität Chicago sollte ein ähnliches GewerkschaftsfunktionärsProgramm in Kenia geschaffen werden, und zwar in Zusammenarbeit mit
den Gewerkschaften in Kenia und der Technischen Hochschule in Nairobi.
Dieses Programm würde dazu dienen, die örtlichen Gewerkschaftsführer und Betriebsratsvorsitzenden auszubilden. Es sollte daher folgende Unterrichtsfächer aufweisen: Gewerkschaftliche Verwaltungsarbeit;
Tarifverhandlungftwesen; Wirtschafts- und Arbeitsrecht (soweit es die
Gewerkschaften und Arbeitnehmer berührt); allgemeinbildende und auf
die verschiedenen betrieblichen und soziologischen Aspekte ausgerichtete
Fächer.
2. Auswahl einer Gruppe von Gewerkschaftsfunktionären mit einer
guten schulischen und Allgemeinbildung, die an der Universität Shicago
an Fortbildungskursen für höhere Gewerkschaftsfunktionäre teilnehmen.
Diese Funktionäre wären nach erfolgter Ausbildung und Rückkehr nach
Kenia dann praktisch die Schulungsleiter und Lehrer. Ihre Ausbildung
sollte sich jedoch über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken, und
der Lehrplan müßte die folgenden Programmpunkte einschließen:
a) eine umfassende Analyse der afrikanischen Gewerkschaftsbewegung;
b) die Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei
gleichzeitiger Herausstellung der Ähnlichkeiten und der Unterschiede zwischen den beiden Arbeitnehmerorganisationen;
c) die Rolle der Gewerkschaften im politischen Leben;
d) Einzelheiten über die Weltpolitik und die internationalen Beziehungen sowie über die Arbeit der internationalen Organisationen;
e) volkswirtschaftliche Grundbegriffe und die wirtschaftliche Entwicklung in den Entwicklungsländern;
f.

-

5 -

�f ) d i e Rolle der Gewerkschaften und des e i n z e l n e n Arbeitnehmers
bei der E r h a l t u n g der F r e i h e i t und Demokratie;
g) Vergleichsstudien von Regierungssystemen;
h) Besuche bei Gewerkschaften und Informationsreisen sowie die
Teilnahme an Kongressen, Tagungen und Tarifverhandlungen
zwecks Sammlung von Erfahrungen an Ort und Stelle.
Wenn ausreichende Mittel zur Durchführung eines solchen Programms zur Verfügung stehen, so würde ich vorschlagen, den Kursusteilnehmern keinen Halbtagsarbeitsplatz anzubieten. Obwohl der Teilnehmer gerade auf diese Weise in die Lage versetzt würde, engen
Kontakt mit den Arbeitnehmern zu pflegen, so weiß ich doch aus eigener Erfahrung, daß hierdurch viel Zeit verlorengeht, die sonst für
Studienzwecke zur Verfügung stünde.

* * * * *

Frederick C. Orr:
Nachlese zum "AFL-CIO"-Kongreß
Der 4« Zweijahreskongreß der "American Federation of Labor and
Congress of Industrial Organizations" (AFL-CIO) endete Mitte Dezember
vorigen Jahres in voller Harmonie und ohne die von zahlreichen Propheten vorhergesagten Reibungen und Spaltungserscheinungen, die nach ihrer
Meinung über kurz oder lang zu einem Auseinanderfallen des erst vor
sechs Jahren gegründeten Gesamtverbandes der amerikanischen Gewerkschaften führen würden.
Diese Ansicht gründete sich dabei in erster Linie auf die im vergangenen Jahr immer mehr sichtbar werdenden Spannungen und Reibungen
zwischen den sich organisatorisch auf die handwerklichen Zweige stützenden Arbeitnehmerorganisationen und den Industriegewerkschaften.
Diese Auseinandersetzungen, die sich insbesondere in den baugewerblichen Berufen und den Wartungszweigen abspielten und bei denen es
hauptsächlich um die Vertretungsrechte ging, hatten schon eine solche
Schärfe angenommen, daß Walter Reuther, der Vizepräsident und Leiter
der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO, ernstlich davor
warnte, durch eine Fortsetzung dieser Auseinandersetzungen das Fortbestehen des geeinten Gewerkschaftsverbandes in Frage zu stellen.
Bei der Ausarbeitung einer Kompromißformel für die Lösung dieser
organisatorischen Streitigkeiten, die für beide Gruppen akzeptabel
war, demonstrierte der Verband sowohl seine große innere Stärke als
auch seine Fähigkeit, jenen spaltenden Kräften zu widerstehen, die
durch die einander zuwiderlaufenden Interessen der einzelnen dem
Verband angeschlossenen Gewerkschaften erzeugt worden waren. Der aus
diesen Beratungen hervorgegangene sogenannte "Friedensplan", der
vielleicht das bedeutendste Ergebnis des 4« Kongresses darstellt, wurde
von US-Arbeitsminister Arthur J. GoLdberg als "ein Meilenstein gewerkschaftlicher Politik" bezeichnet.
_.

6 -

�Die neue Formel zur Beilegung dieser internen Streitigkeiten wurde
von dem Kongreß als Zusatz zu den Satzungen der AFL-CIO angenommen.
Sie sieht unter anderem vor, daß bei Kompetenzstreitigkeiten die
Angelegenheit zuerst von einem Schlichtungsausschuß zu behandeln ist,
der sich aus Funktionären des Verbandes oder aus den Vorstandsmitgliedern zusammensetzt. Kann dieser Schlichtungsausschuß keine Einigung erzielen, so wird der ganze Streitfall zwecks Entscheidung einem
unparteiischen Schiedsmann unterbreitet. Seine Entscheidung kann jedoch angefochten und in der Revision einem dreiköpfigen Ausschuß
vorgelegt werden, der sich aus Mitgliedern des Exekutivausschusses
des Verbandes zusammensetzt. Solche Gewerkschaften, die sich der
Entscheidung des Schlichters oder dem Spruch des Appellationsausschusses widersetzen und ihm nicht Rechnung tragen, können dabei
mit Geldstrafen belegt werden.
Durch diesen neuen Plan wird praktisch die zentrale Gewalt des
Verbandes erhöht und in gewisser Hinsicht die Autonomie der dem Verband angeschlossenen Gewerkschaften eingeschränkt. Und gerade dies die Einschränkung der Souveränität - war auch der Grund dafür, daß
die "International Typographical Union" (Druckereiarbeitergewerkschaft)
- ITU - als einziger Verband der AFL-CIO gegen diesen Plan stimmte.
Neben diesen rein innergewerkschaftlichen Problemen befaßte
sich der 4» Zweijahreskongreß der AFL-CIO auch noch mit verschiedenen
anderen "heißen Eisen" - so u.a. auch mit den immer wieder zu Spannungen Anlaß gebenden "Bürgerrechten". Hierbei geht es in erster Linie
um die gleiche Behandlung aller Gewerkschaftsmitglieder ohne Rücksicht
auf ihre Hautfarbe, Rasse oder Religion. Aber auch hier wurde ein sehr
wichtiger positiver Schritt getan. Auf Grund verschiedener Beschwerden
zahlreicher farbiger Gewerkschafter darüber, daß von einigen Gewerkschaften in dieser Hinsicht immer noch diskriminierende Praktiken
verfolgt werden, wurde von den Delegierten mit überwältigender Mehrheit eine Resolution angenommen, die die Erfüllung der in den Statuten der AFL-CIO verankerten Bestimmungen gegen Diskriminierung
durch die angeschlossenen Verbände zum Ziele hat.
Von jenert Gewerkschaften, die noch Ortsverbände mit nach Rassen
getrennten Sektionen besitzen, werden in der Resolution u.a. sofortige
Anstrengungen und Bemühungen gefordert, diesB so schnell wie möglich
zu integrieren. Außerdem werden darin sämtliche Ortsverbände mit
solchen getrennten Sektionen angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß
die Tarifverträge nicht den Antidiskriminierungsprinzipien widersprechen, daß die Senioritätsrechte ungeachtet der Rasse, der Hautfarbe
und des Glaubens durchgesetzt werden und die Lehrlingsausbildungsprogramme allen offenstehen. Verfahrensfragen hinsichtlich der Behandlung
von Beschwerden über solche Gewerkschaften, die diesen Anweisungen nicht
nachkommen, sind in der Resolution im Detail aufgeführt.
Außerdem werden in der Resolution noch legislative Schritte sowie
Regierungsmaßnahmen gefordert, um die Antidiskriminierungspolitik auf
dem Gebiet der Beschäftigung, der Erziehung, des Wohnungswesens usw. in
der Praxis durchzusetzen. A. Philip Randolph, der 1. Vorsitzende der
"Bruderschaft der Schlafwagenschaffner", bezeichnete diese Resolution
als die stärkste, die je von einem Gewerkschaftskongreß angenommen wurde.
Den

7 -

�Den Höhepunkt der Eröffnungssitzung des AFL-CIO-Kongresses
bildete eine Rede Präsident Kennedys, in der dieser die Gewerkschaften aufforderte, sein neues Außenhandelsprogramm zu unterstützen und auf dem lohnpolitischen Sektor mit ihren Forderungen
maßzuhalten, damit die Vereinigten Staaten ihre Wettbewerbsposition
auf den Weltmärkten behaupten können und der Wert des Dollar erhalten bleibe.
Die Delegierten, die dem Präsidenten einen herzlichen Empfang
bereiteten, sprachen sich allgemein für eine Unterstützung des Außenhandelsprogramms aus und forderten in einer Entschließung den
amerikanischen Kongreß auf, ein Gesetz zu verabschieden, das "maximale
Möglichkeiten für eine Ausweitung des Handels", der amerikanischen
Industrie aber gleichzeitig einen gewissen Schutia biete. Ebenso wurde
von dem Kongreß die Forderung Präsident Kennedys nach mehrjährigen
Zollsenkungsbefugnissen unterstützt.
Auf lohnpolitischem Gebiet wurde schließlich eine Entschließung
angenommen, in der eine Verbesserung der Löhne, Gehälter und Lohnnebenleistungen gefordert wird, um, wie es heißt, die Kaufkraft der
Arbeitnehmer zu erhöhen und den Werktätigen "einen fairen Anteil an
den Früchten einer steigenden Produktivität".zukommen zu lassen.
Zu den anderen tarifpolitischen Zielen gehören ferner Abkommen
über Arbeits- und Einkommensgarantien sowie angemessene Entschädigungen in Fällen, in denen die Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze verlieren; verbesserte private Krankenversicherungs-, Sozial- und Pensionspläne; Maßnahmen zur Minderung der nachteiligen wirtschaftlichen
und soziologischen Auswirkungen für den Arbeitnehmer im Falle der
Entlassung auf Grund der technischen Entwicklung oder der Verlegung
von Produktionsstätten und eine Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, um auf diese Weise die Zahl der
verfügbaren Arbeitsplätze zu erhöhen.
Als 1. Vorsitzender der AFL-CIO wurde der bisherige Verbandsvorsitzende, George Meany, für die nächsten zwei Jahre in seinem Amt
bestätigt, so daß sich auch in diesem Fall jene Gerüchte nicht bestätigten, die vor Beginn des Kongresses von einer starken Opposition
gegen Meany wissen wollten.

* * * * *

-

8

�Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie
In der dritten Februarwoche hat sich der Vorhang wieder zu
einem Schauspiel geöffnet, das in den Nachkriegsjähren bereits
15mal - mit jeweils unterschiedlichem Erfolg - über die amerikanische Bühne gegangen ist. Das Stück heißt "Die Tarifverhandlungen der Sozialpartner der amerikanischen Stahlindustrie". Die
Hauptdarsteller sind die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
(USA), die 800 000 Arbeitnehmer der Eisen- und Stahlindustrie vertritt, sowie ein gut eingespieltes Team von Unternehmensvertretern,
die die Interessen von 11 großen Stahlgesellschaften wahrnehmen. Vorläufig noch in der Kulisse, aber auf einen möglichen Auftritt vorbereitet ist die amerikanische Regierung, die dann die Szene beleben wird, wenn die Hauptakteure dieses Schauspiels vor Ende des
letzten Aktes steckenbleiben sollten.
Dennoch besteht in diesem Jahr aller Grund zu der Annahme, daß
alles glatt über die sozialpolitische Bühne gehen wird. Die Ursache
dieses Optimismus sind einmal das verhältnismäßig günstige Klima,
das die Verhandlungen bereits zu Beginn umgibt, und zum anderen die
allgemeinen wirtschafts- und sozialpolitischen Vorzeichen, unter denen diese TarifVerhandlungen stehen. Beide Tatsachen deuten jedenfalls darauf hin, daß 1962 alles schnell ablaufen wird und ein Abkommen zustande kommt, das keine inflationistischen Strömungen auslöst und sowohl den Gewerkschaften, den Unternehmen als auch der
Öffentlichkeit zum Vorteil gereicht. Allerdings wird dieser Optimismus durch die Erinnerung an die sechs großen Stahlarbeiterstreiks
nach 1946 ein wenig getrübt.
Ein Anzeichen für den Wunsch beider Parteien, eine ähnliche
Entwicklung zu vermeiden wie etwa 1959/^0, als sich die Stahlarbeiter 116 Tage lang im Ausstand befanden, ist darin zu sehen, daß
die Verhandlungen bereits am 14« Februar aufgenommen wurden, also
sehr viel früher als sonst. Diese frühzeitige Aufnahme der Verhandlungen bietet beiden Tarifpartnern ausreichende Möglichkeiten, die
Lohngespräche vor Auslaufen der derzeitig gültigen Verträge (30.Juni)
zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen.
Eine rechtzeitige Einigung würde zweifellos sehr wesentliche
Vorteile für die US-Wirtschaft mit sich bringen. Vor allem würde
dadurch die Spekulation im Hinblick auf die Möglichkeit eines
Streiks gedämpft und ein übermäßig starker Lageraufbau der Stahlverarbeiter verhindert werden. Die Auftragseingänge würden sich
dann über einen größeren Zeitraum verteilen, und die Produktion
Winnte auf einem gleichmäßigen Niveau gehalten werden. Dies wiederum
würde eine weitere stetige Expansion der Gesamtwirtschaft gewährleisten und die erneut auflebende Konjunktur nicht gefährden.
Gleichzeitig aber besteht auch begründete Hoffnung, daß das
neue Lohnabkommen in der Stahlindustrie keine inflationistischen
Züge aufweisen wird. Da die Stahlindustrie in der US-Wirtschaft
eine überragende Stellung einnimmt, ist gerade diese Tatsache von
großer Bedeutung. Denn jede überhöhte Lohnkonzession würde zwangsläufig einen entscheidenden Einfluß auf die Lohn-Preis-Spirale haben

9

�haben und Preiserhöhungen für eine ganze Skala von Erzeugnissen
nach sich ziehen.
Beide Sozialpartner haben bereits zu erkennen gegeben, daß
sie sich über die Vorteile im klaren sind, die sich aus einer
schnellen Einigung und einem nichtinflationistischen Abkommen
für alle Beteiligten ergeben. Ganz abgesehen von dem gesamtwirtschaftlichen Nutzen, durch den wiederum beide Partner auch indirekt
profitieren würden, geht es hier nämlich in erster Linie um die Wettbewerbsfähigkeit des Stahls selbst, und zwar sowohl gegenüber den
ausländischen Stählen als auch gegenüber den mit dem Stahl konkurrierenden Materialien wie Aluminium, Glas und Kunststoff.
Wenn die amerikanische Regierung auch keine gesetzliche Handhabe
besitzt, um auf die Löhne und Preise regulierend einzuwirken, so hat
sie aber dennoch die Möglichkeit, die Verhandlungen in gewisser Hinsicht zu beeinflussen. Und daß sie von dieser Möglichkeit intensiven
Gebrauch zu machen gedenkt, hat sie bereits in den vergangenen Wochen
zu erkennen gegeben. So haben sowohl Präsident Kennedy als auch führende Mitglieder der Regierung bei verschiedenen Anlässen deutlich
zum Ausdruck gebracht, daß die Stahlpreise auf keinen Fall in Bewe-,
gung geraten dürfen und daß die Lohnerhöhungen sich im Rahmen der
Produktivitätszunahmen halten müßten. Diese Appelle der KennedyAdministration an die Sozialpartner haben ihre Wirkung - wie die
frühzeitige Aufnahme der Verhandlungen zeigt - bislang nicht verfehlt, und es ist zu hoffen, daß sie auch während der Verhandlungen
von den Tarifpartnern der Stahlindustrie beherzigt werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor
Präsident Kennedy hat am 1. Februar eine Sonderbotschaft an den
amerikanischen Kongreß gerichtet, in der er die Billigung eines umfassenden öffentlichen Sozialprogramms fordert, das allen Amerikanern,
vor allem aber den weniger vom Glück begünstigten ein gutes Auskommen
sichern soll. In seiner Botschaft betonte Kennedy, daß den ärmeren
Menschen geholfen werden müsse, ein "produktives, glückliches und
unabhängiges Leben" zu führen. Die Hauptaufgabe in diesem Zusammenhang
sei es, wirtschaftliche und soziale Chancen für alle zu schaffen.
Das vom Präsidenten unterbreitete Programm soll im wesentlichen
von dem Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen
durchgeführt werden. Die sozialen Aufgaben werden von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten der USA durchgeführt,
wobei Washington zum Teil über die Hälfte der Kosten trägt; die Bundesregierung übt jedoch keine Kontrolle über die Programme aus. Insgesamt

10

�Insgesamt erhalten z.B. rund 7 250 000 Amerikaner Sozialunterstützung in irgendeiner Form.
In seiner Botschaft wies der Präsident darauf hin, daß die
soziale Fürsorge mehr sei als eine "Rettungsaktion für Trümmer
des menschlichen Lebens". Sie müsse vielmehr darauf abzielen, das
Scheitern der Existenz zu verhindern und dem Menschen eine neue
Existenz in der Gesellschaft zu geben. "Armut schwächt den einzelnen und die Nation", so schrieb der Präsident in seiner Botschaft. "Eine gesündere öffentliche Sozialpolitik dient der Nation,
ihrer Wirtschaft, ihrer Moral und, was am wichtigsten ist, ihren
Menschen."
Präsident Kennedy unterstrich, daß die heute gültigen öffentlichen Sozialprogramme vor rund 25 Jahren ausgearbeitet wurden und
daß eine tiefgreifende Reform notwendig sei.
"Die Ziele unseres öffentlichen Sozialprogramms", so heißt es
in der Botschaft, "müssen positiv und konstruktiv sein - um wirtschaftliche und soziale Chancen für die weniger Begünstigten zu
schaffen, um ihnen zu helfen, ein produktives, glückliches und
unabhängiges Leben zu finden. Es muß die Integrität und die Erhaltung der Einheit der Familie unterstreichen. Es muß dazu beitragen,
Abhängigkeit, Jugendkriminalität, Zerfall der Familie, Illegitimität,
Krankheit und Arbeitsunfähigkeit zu beseitigen."
Das Programm soll das Auftreten solcher Probleme verringern
und den sozial Schwachen schützen. Um diese Ziele zu erreichen,
schlug der Präsident vor:
daß die Einzelstaaten durch das Angebot größerer Bundesmittel
in ihren Bemühungen ermutigt werden, die sozial Schwachen so in
die Wirtschaft einzugliedern, daß sie auf eigenen Füßen stehen
können, wobei der Bund jetzt 75 Prozent der Kosten - statt wie bisher nur 50 Prozent - tragen würde;
daß die Bundesregierung Mittel für Kinderhorte zur Verfügung
stellt;
daß die gegenwärtige Höchstgrenze für Zuwendungen des Bundes an
Einzelstaaten für die Kinderfürsorge heraufgesetzt wird;
daß die bestehenden Gesetze geändert werden, um den Einzelstaaten mit Bundeshilfe Ausbildungsprogramme für arbeitslose Rentenempfänger zu ermöglichen;
daß der Bundeszuschuß für Kinderbeihilfen erhöht wird und
daß das gegenwärtige Gesetz über die soziale Sicherheit dahin
gehend geändert wird, daß Unterstützungsempfänger ohne Furcht vor
einem Entzug der Unterstützung eine neue Beschäftigung suchen können.
Der

11

�Der Präsident unterstrich in seiner Botschaft nachdrücklich,
daß diese Aufgaben von höchster Bedeutung für die amerikanische
Nation seien und so rasch wie möglich in Angriff genommen werden
müßten.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung, Veröffentlicht
Die Automation ist sowohl für die Verteidigung als auch für
den Wohlstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung.
Sie läßt sich in der amerikanischen Wirtschaft ohne die Preisgabe
menschlicher Werte durchführen.
Dies ist die Meinung des 21 köpfigen Beratungsausschusses des
US-Präsidenten für Arbeitnehmer-Arbeitgeberfragen nach einer umfangreichen Untersuchung sämtlicher durch die Automatisierung in
Industrie und Wirtschaft bewirkten Veränderungen.
In dem in der dritten Januarwoche veröffentlichten Bericht
heißt es ferner, daß ein Höchstmaß der technischen Entwicklung sich
nur dann ohne nachteilige Auswirkungen auf die Bevölkerung realisieren lasse, wenn gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft und Regierung
im Rahmen eines freien Wirtschaftssystems unternommen werden. Die
Automatisierung und die technischen Veränderungen hätten bereits dazu geführt, daß der amerikanische Arbeitnehmer von zahlreichen schweren körperlichen Arbeiten sowie gefährlichen oder sich ständig wiederholenden Tätigkeiten befreit wurde. Der einzelne Arbeiter in den USA
könne auf Grund des bisher erzielten technischen Fortschritts bei
einer weitaus geringeöBm Arbeitszeit sehr viel mehr Güter als früher
herstellen und hierfür einen viel höheren Lohn in Empfang nehmen.
Wenn auch die Automatisierung und die schnelle technologische
Entwicklung zur Beseitigung vieler Arbeitsplätze geführt hätten,
so würden doch andererseits, wenn es nicht gelänge, das bisherige
Tempo der Automatisierung beizubehalten und darüber hinaus sogar
noch zu steigern, weitaus schlimmere Beschäftigungs- und andere
Probleme ausgelöst werden, als sie heute die Automation stelle.
Zur Lösung der derzeitigen Arbeitsmarktprobleme und zur Milderung der Auswirkungen der Automatisierung werden in dem Bericht
eine Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate, ein stärkeres
Engagement der Regierung bei der Verbreitung von Arbeitsplatzinformationan als bisher, eine verstärkte, engere Zusammenarbeit zwischen
Regierungsstellen und privaten Organisationen hinsichtlich der Umschulung und Ausbildung von Arbeitskräften sowie ein besseres Handin-Hand-Arbeiten von Gewerkschaften und Unternehmen in Arbeitsplatzfragen für notwendig erachtet.
„,

12

�Ebenso wird in dem Bericht des 21köpfigen Präsidialausschusses
eine Verbesserung der Arbeitslosenversichung sowie die Gewährleistung der Pensions- und anderer Altersversorgungsansprüche der Arbeitnehmer bei Entlassungen gefordert.
Eine sofortige Verkürzung der normalen Arbeitswoche (40 Stunden)
als Mittel zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen wird dagegen von
den Ausschußmitgliedern zum gegenwärtigen Zeitpunkt für undurchführbar gehalten, jedoch als eine künftige Möglichkeit angesehen.
Bei der Überreichung des Berichts erklärte Präsident Kennedy:
"Wir müssen jede Möglichkeit des technischen Fortschritts nutzen,
aber wir können dabei nicht die menschlichen Werte völlig unbeachtet
lassen. Ihre Empfehlungen lassen genau die beiden Seiten dieses
Problems erkennen."
Der Bericht selbst wurde von den 21 Ausschußmitgliedern, die sich
zu gleichen Teilen aus Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften
und der Öffentlichkeit zusammensetzen, einstimmig gebilligt. Lediglich der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Professor Arthur P. Burns
versagte einigen Abschnitten seine Zustimmung, da in ihnen nach seiner
Ansicht die zahlreichen Ursachen der Erwerbslosigkeit, insbesondere
die saisonalen Paktoren, nicht stark genug herausgearbeitet worden
waren.
(Quelle: Eigenbericht)

##»#.#

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1962

INHALTSVERZEICHNIS
Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft

Seite

1

Seite

10

Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen

Seite

11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

12

Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger
als höhere Löhne

Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft

Aus "The American Federationist", dem
offiziellen Organ des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO
(Februar 1962) .

Wie sind die Aussichten auf Lohnerhöhungen im Jahre 19^2, und
inwieweit werden sich die Ergebnisse der diesjährigen Tarifverhandlungen von denen des Vorjahres unterscheiden?
Die auf Grund von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern
getroffenen Vereinbarungen weichen im Ergebnis stets beträchtlich voneinander ab, und zwar nicht nur unter den einzelnen Wirtschaftszweigen,
sondern auch innerhalb der einzelnen Branchen selbst. Auch das Jahr 1962
wird in dieser Hinsicht keine Ausnahme bilden. Jedenfalls deutet gegenwärtig nichts darauf hin, daß sich die in diesem Jahr zu erwartenden
Ergebnisse der Lohnverhandlungen wesentlich von den Ergebnissen der
Vorjahre unterscheiden werden.
Der sich weiter fortsetzende wirtschaftliche Aufschwung dürfte
dennoch zweifellos dazu beitragen, den allgemeinen Durchschnitt der
Lohnerhöhungen etwas anzuheben, wie überhaupt das Wirtschaftsklima
in den USA in diesem Jahr für Lohnaufbesserungen günstiger zu sein
scheint als etwa im Rezessionsjähr 196O oder in dem von einer hohen
Arbeitslosigkeitsrate (7»0$) gekennzeichneten Vorjahr.
Schon

�daß
den
all
der

Schon auf Grund dieser äußeren Vorzeichen ist damit zu rechnen,
die in diesem Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen zum überwiegenTeil zwischen 3 und 5 Prozent (7-12 Cent) liegen und wie auch in
den anderen Jahren von erheblichen Verbesserungen auf dem Gebiet
Lohnnebenleistungen begleitet sein werden.

In dieser Prognose kommt dabei nicht die offizielle Ansicht der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu lohnpolitischen Fragen zum
Ausdruck, noch spiegeln sich darin lohnpolitische Ziele wider. Es
handelt sich hierbei lediglich um das rein aachliche Ergebnis einer
allgemeinen lohnpolitischen Analyse. Nach Ansicht der AFL-CIO wären
jedoch in diesem Jahr größere Lohnerhöhungen in vielen Fällen durchaus
gerechtfertigt und darüber hinaus insofern auch sehr nützlich, als
sie die Verbrauchsgütermärkte weiter beleben, die wirtschaftliche
Wachstumsrate beschleunigen und die erforderlichen zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen helfen würden.
Die wirtschaftlichen Faktoren
Zahlreiche wirtschaftliche Faktoren, die schon in den letzten
Jahren einen mäßigenden Einfluß auf die Lohnpolitik ausübten, dürften
auch 1962 weiter wirksam sein. Zu diesen die Höhe der Lohnforderungen
begrenzenden Faktoren zählen u.a. die immer noch schwierige Arbeitslosensituation in zahlreichen Gebieten der USA, das Niveau der Lohnerhöhungen, die in diesem Jahr auf Grund langfristig abgeschlossener
Tarifverträge automatisch wirksam werden ,und der relativ geringe Anstieg der Lebenshaltungskosten.
Auch die Ermahnungen Präsident Kennedys und Arbeitsminister Goldbergs an die Gewerkschaften und Unternehmen, gesamtwirtschaftliches
"Verantwortungsbewußtsein" in den kommenden Tarifverhandlungen zu
zeigen, damit sich die ausgehandelten Lohnerhöhungen in den Rahmen
der Produktivitätszunahmen einfügen, dürften dazu beitragen, die Anstiege auf dem Niveau der letzten Jahre zu halten.
Durch all diese Tatsachen könnten verschiedene andere wirtschaftliche Faktoren weitgehend aufgewogen werden, die größere Lohnerhöhungen
rechtfertigen als in den vergangenen Jahren. Die wichtigsten dieser
Faktoren sind dabei die gegenwärtig auffallend hohe Wachstumsrate der
Produktivität sowie der bemerkenswerte Anstieg der Unternehmergewinne.
Der Anstieg der Produktivität von Anfang 19^1 bis zum Jahresbeginn 1962 war stärker als je zuvor. Die Zuwachsrate ist in diesem Zeitraum zumindest doppelt so hoch, wenn nicht sogar noch höher gewesen
als im Durchschnitt der Nachkriegsjähre. Diese erhebliche Zunahme der
Produktivität ist nicht nur in der Industrie festzustellen, sondern
auch in praktisch allen nichtindustriellen Sektoren der Wirtschaft.
In den verschiedenen bisher veröffentlichten Schätzungen über
die wahrscheinliche Höhe der Unternehmensgewinne im Jahre 1962, darunter
auch die offiziellen der US-Regierung, werden die Gewinne der Kapitalgesellschaften,- verglichen mit je 45 Mrd. in den Jahren i960 und 1961
und dem bisherigen Rekord von 47 Mrd. Dollar,auf 52-57 Mrd. Dollar
beziffert. Die Unternehmergewinne würden daher 1962 im Vergleich zum
Niveau der letzten Jahre um 15-25 Prozent höher liegen.
,
2

�In Anbetracht der wachsenden Unternehmergewinne, der Produktivitätszunahmen, der steigenden Lebenshaltungskosten sowie der
vergleichbaren Löhne in der Gesamtwirtschaft und anderer Paktoren
geht man wohl nicht fehl in der Annahme, daß die 1962 ausgehandelten Lohnerhöhungen letzten Endes etwas größer sein werdai als in den
vergangenen Jahren. Die meisten Abkommen dürften wohl eine Realzunahme der Löhne von 3-5 Prozent gewährleisten.
Für zahlreiche Arbeitnehmer sind d,ie Lohnerhöhungen für 1962
bereits auf Grund langfristiger, in den Vorjahren abgeschlossener
Tarifverträge im voraus festgelegt. Diese Zunahmen dürften sich
dabei zum überwiegenden Teil auf 2,5 bis 4 Prozent (plus Lebenshaltungskostenausgleich) oder 6-8 Cent pro Stunde belaufen - wobei
sich diese bereits feststehenden Größenordnungen als ein hemmender
Faktor für alle anderen Lohnforderungen erweisen, die von den Gewerkschaften eventuell in diesem Jahr in TarifVerhandlungen gestellt
werden.
Bei der Analyse der möglichen lohnpolitischen Entwicklungen
in diesem Jahr haben wir uns bisher nur mit den zu erwartenden "Durchschnittswerten" befaßt, so daß sehr leicht der Eindruck entstanden
sein könnte, als ob sich die diesjährigen Lohnverhandlungen sehr einheitlich und nach einem bestimmten "Muster" ausgerichtet vollziehen
würden. Das wird jedoch nicht der Fall sein. Im Gegenteil, wie in
all den anderen Jahren wird auch das Hauptmerkmal der diesjährigen
Verhandlungen die große Verschiedenartigkeit der Tausende von Abkommen sein.
Obwohl die verschiedenen bereits aufgezeigten grundlegenden Faktoren all diese Verhandlungen weitgehend beeinflussen werden, dürfte
doch jede einzelne Tarifverhandlung von besonderen und nur ihr eigenen
Faktoren bestimmt werden. Zu diesen Faktoren, durch die das Ergebnis
der Verhandlung,vor allem aber die Höhe der zugestandenen Löhne
weitgehend mitbestimmt wird, zählen unter anderen: Haltung der
Gewerkschaftsmitglieder; Stärke der Gewerkschaft; Einstellung des
Managements; wirtschaftliche Lage des jeweiligen Industriezweiges,
des Unternehmens selbst und am Standort des Betriebes; das jeweilige Lohnniveau; Art und Umfang der Lohnunterschiede; zusätzliche
Sozialleistungen und andere nicht in der Lohnsumme in Erscheinung
tretende Zulagen; Dauer des alten und des neuen Abkommens.
Zunahme langfristiger Abkommen
Auf Grund der zunehmenden Praxis, langfristige Tarifverträge
(mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr) abzuschließen, sind
viele Gewerkschaften heute nicht mehr gezwungen, Jahr für Jahr Tarifverhandlungen mit den Unternehmen zu führen. Daher stehen 1962 auch
keine Verhandlungen in solchen großen Industriezweigen wie der Automobil-, der Elektro-, der Gummi- und der Fleischkonservenindustrie an.
Auch in einigen anderen wichtigen Wirtschaftszweigen wie etwa dem
graphischen, dem Bau- und dem Straßentransportgewerbe kommt es in diesem
Jahr zu keinen neuen Verhandlungen.
Dennoch

�Dennoch werden die von diesen langfristigen Abkommen erfaßten
Arbeitnehmer 1962 Lohnerhöhungen auf Grund von 1961 oder noch früher
abgeschlossenen Verträgen erhalten. Nach einer Übersicht des USArbeitsministeriums, die sich auf Großtarifabkommen (mit mehr als
1000 Arbeitnehmern) bezieht, werden 1962 insgesamt 2,5 Millionen
Arbeitnehmer auf Grund solcher Verträge höhere Löhne empfangen,
Rund 45 Prozent davon können dabei mit Lohnaufbesserungen von 7
Cent und mehr rechnen, während bei weiteren 43 Prozent die Erhöhungen zwischen 6,0 und 6,9 Cent pro Stunde liegen werden. Die Tatsache,
daß der größte Teil dieser Arbeitnehmer Lohnaufbesserungen zwischen
6 und 7 Cent bekommt, ist darauf zurückzuführen, daß die großen Abkommen (Automobil-, Landmaschinen-, Gummi- und Fleischkonservenindustrie) eine durchschnittliche Anhebung der Löhne von 6-7 Cent vorsehen.

Tabelle 1
Auf Grund langfristiger Tarifverträge 1962 wirksam
werdende Lohnerhöhungen
Umfang der Lohnerhöhungen
Unter 5 Cent
Cent
5-5,9

Anteil an der Arbeitnehmerzahl

6-6,9

Cent

4 Prozent
6 Prozent
43 Prozent

7-7,9
8-8,9

Cent
Cent

11 Prozent
13 Prozent

9-9,9

Cent

7 Prozent
5 Prozent

10-10,9 Cent
11 Cent und mehr

10 Prozent

In den nichtindustriellen Zweigen(ohne Bauwirtschaft) liegt der
Durchschnittssatz höher, Über 80 Prozent der Arbeitnehmer erhalten hier
in diesem Jahr automatische Lohnerhöhungen von 8 Cent und mohr. AuSof«
dem besteht die Möglichkeit,_daß rund die Hälfte (54 Prozent) dieser
2 Millionen Arbeitnehmer noch eine zusätzliche Lohnerhöhung erhalten
werden, und zwar bei einem Anstieg der Lebenshaltungskosten (Lohnausgleichklausel) . Wenn also die Verbraucherpreise gegenüber dem
Vorjahr um 1 Prozent ansteigen sollten - wie das übrigens auch 1961
der Fall war -, dann würde sich die hierdurch ausgelöste Lohnerhöhung
auf 2 bis 3 Cent stellen. Die Lohngleitklausel kommt hauptsächlich in
solchen Verträgen zur Anwendung, in denen die allgemeinen Lohnerhöhungen verhältnismäßig niedrig sind. So wurden z.B. rund drei.Viertel
all jener Arbeitnehmer in den Genuß dieser Ausgleichsbeträge kommen,
die in diesem Jahr auf Grund bereits abgeschlossener Tarifverträge
nur Lohnaufbesserungen zwischen 6 und 7 Cent erhalten. In denjenigen
Verträgen, die keine Lohngleitklausel enthalten, sind die vereinbarten
Lohnerhöhungen dagegen gewöhnlich größer.
_

�Im Baugewerbe, wo die Tarifverträge im allgemeinen keine Lohngleitklauseln aufweisen, werden die 1962 wirksam werdenden Lohnerhöhungen 15 Cent und mehr ausmachen. Auf Grund langfristiger Tarifverträge werden 1962 insgesamt 400 000 Bauarbeiter Lohnaufbesserungen
bekommen. Wie dazu aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums
zu entnehmen ist, erhalten 60 Prozent der Bauarbeiter dabei Erhöhungen von 15 Cent und mehr pro Stunde, während 20 Prozent sogar Aufbesserungen von 25 Cent und mehr realisieren können. (Da die Löhne
im Baugewerbe verhältnismäßig hoch sind, sind die prozentualen Zunahmen dementsprechend auch geringer als in anderen Industriezweigen.)

Tabelle 2
Lohnerhöhungen auf Grund von Großtarifverträgen 1961 *
Lohnerhöhung pro Stunde

Anteil an der Arbeitnehmerzahl

Unter 5 Cent
unter 4 Cent
4-4,9
Cent

8 Prozent
4 Prozent
4 Prozent

5-6,9 Cent
.5-5,9
Cent
6-6,9
Cent

29 Prozent
18 Prozent
11 Prozent

7-8,9

18 Prozent

Cent

7-7,9

Cent

10 Prozent

8-8,9

Cent

8 Prozent

9-10,9 Cent
9T9,9
Cent
10-10,9 Cent

26 Prozent

11 Cent und mehr

20 Prozent

11-12,9

Cent

13 Cent und mehr

7 Prozent
19 Prozent

12 Prozent
8 Prozent

Diese Statistik ist das Ergebnis einer Untersuchung von Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer), die 1961 abgeschlossen wurden und durch die insgesamt 5,66 Millionen Arbeitnehmer erfaßt werden. Nicht darin enthalten sind die Verträge
der Bauwirtschaft.
- 5 -

�Die Veränderungen bei den Lebenshaltungskosten waren 1961
nur geringfügig. Am Verbraucherpreisindex des US-Arbeitsministeriums
gemessen, haben sich die Lebenshaltungskosten zwischen Januar und
Dezember 1961 nur um weniger als 1 Prozent erhöht. Auch in diesem
Jahr dürfte die Zunahme wiederum nur verhältnismäßig gering sein
und wahrscheinlich nicht mehr als 1-2 Prozent ausmachen. Veränderungen in dieser Größenordnung bilden allgemein keinen gewichtigen
Paktor in den TarifVerhandlungen. Die zum Ausgleich des Kaufkraftverlustes in diesem Falle erforderlichen Lohnzulagen belaufen sich
auf 2 bis 3 Cent pro Stunde. Wenn solchen Erhöhungen der Lebenshaltungskosten nicht durch Lohngleitklauseln in ihren Verträgen
Rechnung getragen ist, so muß eine Gewerkschaft, die Anfang 1962
über neue Verträge verhandelt, zuerst diesen Kaufkraftverlust ausgleichen, ehe sie ihre Forderung auf Erhöhung der Reallöhne stellt.
Durch Großtarifverträge (Verträge, die jeweils mehr als 1000
Arbeitnehmer betreffen) mit Lohngleitklausel werden gegenwärtig
etwa 2,5 Millionen Arbeitnehmer erfaßt; wie viele Arbeitnehmer dagegen die kleineren Verträge mit Lohngleitklausel umfassen, läßt
sich nicht genau feststellen.
Die Lohngleitklausel
Lohngleitklauseln sind hauptsächlich in den langfristigen Tarifabkommen enthalten. Die Gewerkschaften versuchen sich auf diese
Weise einen automatischen Schutz gegenüber steigenden Lebenshaltungskosten zu sichern. Auch im vergangenen Jahr bildeten die Lohngleitklauseln Hauptpunkte bei verschiedenen großen Tarifverhandlungen so vor allem mit der Automobil- und der Fleischkonservenindustrie,
wo das Management bestrebt war, bestehende Lohngleitklauseln aus
den Verträgen zu eliminieren oder einzuschränken. Dennoch wurden
diese Klauseln unverändert in die neuen Verträge übernommen, weil
die Gewerkschaften darauf bestanden, langfristige Tarifabkommen
nur dann abzuschließen, wenn ihren Mitgliedern ein automatischer
Schutz gegenüber möglichen Preiserhöhungen gewährt werde.
Die im vergangenen Jahr notwendig gewordenen Lohnaufbesserungen
auf Grund der Lohngleitklausel waren in Anbetracht der nur wenig
angestiegenen Verbraucherpreise allgemein etwas geringer als in den
Vorjahren. In der Automobilindustrie betrug die Erhöhung nur 1 Cent
pro Stunde. (Zwar hätte hier die Erhöhung 2 Cent ausmachen müssen,
aber die Gewerkschaft war damit einverstanden, daß der zweite Cent zur
Verbesserung der Pensionsleistungen verwendet wurde.) Im Vergleich
hierzu beliefen sich die automatischen Gehaltsaufbesserungen in der
Automobilindustrie im Jahre i960 auf 4 Cent, 1959 auf 3 Cent und
1958vund 1957 auf 6 Cent.
In der Fleischkonservenindustrie dagegen wurde 1961 auf Grund
der Lohngleitklausel eine Lohnerhöhung von 3 Cent fällig, wobei ein
Cent für künftige Anstiege der Lebenshaltungskosten allerdings
schon im voraus gewährt wurde. In diesem Industriezweig betrugen die
automatischen Lohnerhöhungen im Jahre 196O sowie 1959 ebenfalls

-

6

�ebenfalls 3 Cent, während sie 1958 insgesamt 8 Cent und 1957 5 Cent
betragen hatten.
In der stahl- und eisenschaffenden Industrie, in der die Lohnanstiege auf Grund der Lohngleitklausql auf maximal 3 Cent pro Jahr
begrenzt sind und die Ausgleichssumme sich um jene Beträge vermindert, die ein Unternehmen zur Deckung der erhöhten Krankenversicherungskosten autfwendeni muß, betrug die automatische Erhöhung
der Arbeitseinkommen 1961 insgesamt 1 1/2 Cent. Im Jahr i960 dagegen wurde v,die vorgesehene Erhöhung um 3 Cent durch die höheren
Aufwendungen der Unternehmen für Krankenversicherungskosten völlig
absorbiert. In den Jahren davor ergaben sich Erhöhungen um 1 Cent
(1959),9 Cent (1958) und 7 Cent (1957).
Umfang der Lohnerhöhungen 1961
Der Umfang der 1961 erfolgten Lohnerhöhungen ergibt sich aus
einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums von Großtarifverträgen, durch die insgesamt 5,6 Millionen Arbeitnehmer erfaßt wurden. In dieser Übersicht sind sowohl die automatischen als auch die
regulären Lohnerhöhungen berücksichtigt, die im Vorjahr ausgehandelt
wurden.
Danach beliefen sich die durchschnittlichen Erhöhungen auf
etwas über 8 Cent (oder etwa 3*5 bis 4 Prozent), wobei 37 Prozent
aller erfaßten Arbeitnehmer Lohnaufbesserungen unter 7 Cent pro
Stunde erhielten, 18 Prozent zwischen 7,0 und 8,9 Cent und fast
die Hälfte (46 Prozent) 9 Cent und mehr bekamen.

Tabelle 3
Lohnerhöhungen im Baugewerbe 1961

Erhöhung pro Stunde

Anteil an der Arbeitnehmerzahl
1 Prozent

Unter 5 Cent
5-9,9 Cent

15 Prozent

10-14,9 Cent

39 Prozent

15-19,9 Cent

,

20 Cent urd nohr

30 Prozent
15 Prozent

Zu

�Zu denjenigen Arbeitnehmern, die Lohnerhöhungen unter 7 Cent
erhielten, gehörten auch die der Automobilindustrie; zwar konnten
sie nur einen Anstieg von durchschnittlich 5,5 Cent verzeichnen,
praktisch jedoch betrug diese Aufbesserung 8,5 Cent, da 3 Cent
aus der Gesamtlohnerhöhung an die verschiedenen Sozialfonds (Krankenversicherung, Pensionen usw.O abgeführt wurden, weil sich die
Unternehmer ihrerseits verpflichtet hatten, gleichfalls pro Arbeitsstunde fast 7 Cent an diese Fonds abzuführen und auf die
Arbeitnehmerbeiträge in Zukunft überhaupt zu verzichten. Tatsächlich machten also hier die Lohnaufbesserungen rund 12 Cent aus.
In der Übersicht des US-Arbeitsministeriums sind die Tarifabkommen der Bauwirtschaft nicht enthalten. Berücksichtigt man diese
Tarifabkommen, so erhöht sich der Durchschnitt nicht unbeträchtlich.
Lohnnebenleistungen
Der größte Teil der 1961 abgeschlossenen Tarifverträge (75 Prozent) sah neben den Lohnerhöhungen ferner Verbesserungen bei mindestens
einer freiwilligen Lohnnebenleistungsart vor. Wenn auch Art und Zahl
der Leistungsverbesserungen sehr verschiedenartig sind, so haben sich
doch auch hier einige Trends herausgebildet. So hat zum Beispiel
die Zahl der Tarifverträge erheblich zugenommen, in die Arbeitspiatzund Einkommenssicherungsklauseln aufgenommen wurden. Dies war vor
allem in jenen Unternehmen und Industriezweigen der Fall, deren Arbeitsplätze durch die technologischen Veränderungen und die Umsiedlung von Produktionsanlagen bedroht werden. Die wichtigsten Abmachunge
dieser Art sind dabei:
1 . Zahlung von Unterstützungen bei vorübergehender Entlassung
oder einer zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung; Gewährung von Entlassungsgeldern; Beibehaltung der Anwartschaft auf die Leistungen aus
den verschiedenen Sozialfonds während der Arbeitslosigkeit; Zahlung
von Umschulungsbeihilfen und anderen finanziellen Hilfen für die
entlassenen Arbeitnehmer.
2. Schriftliche Fixierung besonderer Verfahren für die Einführung
neuer Produktionstechniken oder für die Umsiedlung eines Unternehmens,
um die Zahl der zu Entlassenden auf ein Minimum zu beschränken.
Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang noch die Einführung einer neuen Leistungsart: die Einkommenssicherung bei verkürzter Arbeitswoche (Automobilindustrie). Die entsprechenden Abmachungen
sehen vor, daß alle Arbeitnehmer, die in einer beliebigen Woche zur
Arbeitsableistung aufgefordert werden, aber nicht die tariflich festgelegte 3 Anzahl an Mindestarbeitsstunden erreichen, 65 Prozent ihres
Normallohnes für die nicht abgeleisteten Stunden erhalten sollen,
wenn die verkürzte Arbeitswoche im voraus eingeplant war, und 50 Prozent, wenn die Kurzarbeitszeit nicht eingeplant war, aber durch Auftragsmangel, technische Störungen usw. ausgelöst wurde.
Sozialpläne

�Sozialpläne
Zu denjenigen freiwilligen Sozialleistungen, die im vergangenen
Jahr auf Grund neuer Tarifverträge überausiert wurden, gehören
vor allem die Krankenversicherungs- und Sozialpläne. Über die Hälfte
aller Abkommen sahen hier erhöhte Leistungen bei Erkrankung oder
Krankenhausaufenthalt sowie bei Betriebsabwesenheit auf Grund von
Krankheit vor. Ebenso wurden die Lebensversicherungssummen heraufgesetzt.
Bei den privaten Pensionsplänen zeichneten sich folgende Entwicklungen im Vorjahr ab:
1 . Erhöhung der Pensionsleistungen;
2. Erleichterung der Anwartschaftsbedingungen;
3. Liberalisierung der Anwartschaftsbestimmungen. In vielen Fällen bleiben den anspruchsberechtigten Arbeitnehmern auch dann
die Leistungen erhalten, wenn sie ihre Arbeit vor Erreichen
der Altersgrenze aufgeben.
4. Lockerung der Bestimmungen im Falle der vorzeitigen Pensionierung
und der Vollinvalidität.
Auch solche zusätzlichen Sozialleistungen wie bezahlte Feiertage
und bezahlter Urlaub wurden in den meisten 1961 abgeschlossenen Tarifverträgen verbessert. Bei bezahltem Urlaub geht die Tendenz dahin,
die Zahl der für die Gewährung des Maximalutrlaubs erforderlichen
Dienstjahre weiter herabzusetzen. Die häufigste Form des bezahlten
Urlaubs sind 2 Wochen nach ein bis zwei Dienst jähren; 7, Urlaubswochen
erhalten Arbeitnehmer mit zehn, fünf oder noch weniger dienstjähren,
während der vierwöchige Urlaub allen Arbeitnehmern mit 20 und teilweise
auch weniger Dienst jähren gewährt wird. Besonders bemerkenswert ist
in diesem Zusammenhang noch, daß im Vorjahr schon vereinzelt Abkommen
abgeschlossen wurden,die den Arbeitnehmern sogar einen fünfwöchigen
Urlaub sichern.
Bei den bezahlten Feiertagen schließlich ergibt sich für 1962
folgendes Bild: in der Regel werden jetzt statt der allgemein üblichen
sieben zunehmend acht bis neun Feiertage voll vergütet.

Aus "The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO (Februar 1962).

* * * * *

-

9 "

�Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger als höhere Löhne
Die Tarifverhandlungen sind in den letzten Jahren nicht nur
schwieriger, sondern auch langwieriger geworden. Zum Teil ist dies
mit auf die Tatsache zurückzuführen, daß sich der Verhandlungsschwerpunkt immer mehr von den reinen Lohn- und Arbeitszeitfragen auf die
komplizierteren Probleme der Arbeits- und Einkommensgarantie verlagert hat. Gleichzeitig kann aber auch festgestellt werden, daß
von den Gewerkschaften heute allgemein eine friedliche Beilegung
von Arbeitskonflikten angestrebt wird und die Tarifverhandlungen
häufig noch nach Auslaufen des gültigen Vertrages weitergeführt werden, ohne daß ein Streik ausgerufen wird. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Gewerkschafter mehr und mehr erkannt haben, daß der
Streik nicht immer das geeignete Mittel ist, um die heutigen Arbeitsprobleme in den USA zu lösen.
Zu diesen Feststellungen kommt der Direktor des "US-Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienstes", William E. Simkin, auf Grund einer
Analyse der gegenwärtigen Tarifverhandlungsprobleme der amerikanischen
Wirtschaft. Die Grundlage dieser Analyse bildeten entsprechende Berichte
von insgesamt 215 Schlichtern in allen Bundesstaaten der USA.
Als die ausgeprägtesten derzeitigen Trends im amerikanischen Tarifverhandlungswesen, die in deutlichem Gegensatz zu denen von fünf
oder zehn Jahren stünden, bezeichnete Simkin folgende:
1. Rückläufiges Interesse an allgemeinen Lohnerhöhungen und an
Lohnangleichungen generell;
2. steigendes Interesse an Fragen der Sicherung der Arbeitsplätze
und der Einkommen sowie an Fragen der Arbeitsbedingungen;
3. Rückgang der Zahl der Tarifverträge, die nach einem "Musterabkommen" abgeschlossen werden;
4. Zunahme der Firmenforderungen auf Vertragsänderung;
5. häufigere Ablehnung der von den Sozialpartnern ausgehandelten
Tarifverträge durch die Gewerkschaftsmitglieder;
6. geringere wirtschaftliche Auswirkungen der Streiks.
Simkin unterscheidet in seiner Analyse zwei verschiedene Gruppen
von gewerkschaftlichen Forderungen, die sich auf die wirtschaftliche
und soziale Sicherheit der Arbeitnehmer beziehen und die von den
Arbeitnehmerverbänden in jüngster Zeit in verstärktem Maße zu Hauptpunkten der TarifVerhandlungen erhoben wurden: die Gruppe der Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze und die zur Sicherung der Einkommen der Arbeitnehmer.
Zur ersten Gruppe zählen dabei alle Bemühungen der Gewerkschaften,
die darauf abzielen, die vorhandene Arbeit zu "strecken", und zwar
durch die Aufnahme von Klauseln in den Tarifvertrag -- daß keine

-

10

-

�keine Aufträge an andere Unternehmen weitervergeben werden; die
Vorarbeiter nicht voll mitarbeiten dürfen; die Arbeitsgruppen zahlenmäßig begrenzt und die Anreizpläne eingeschränkt werden und die durchschnittliche Arbeitswoche verkürzt wird.
Die Forderungen nach wirtschaftlicher Sicherung der Arbeitnehmer
beziehen sich auf folgende Punkte: zusätzliche (private und vom Unternehmer getragene:) Versicherungsleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit; höhere Pensionen, Unfallrenten, Krankenversicherungsleistungen
sowie Urlaubs- und Feiertagszuschüsse.

(Quelle: Eigenbericht)

******

Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen
Nach einer Erhebung des US-Amtes für Arbeitsstatistik hat sich
die Zahl der Mitglieder sämtlicher amerikanischer Gewerkschaften zwischen 1958 und i960 geringfügig, und zwar um 36 000 auf Insgesamt
18,117 Millionen, erhöht. In dieser Ziffer sind auch all jene Mitglieder amerikanischer Gewerkschaften enthalten, die ihren Wohnsitz außerhalb der USA (in erster Linie in Kanada) haben.
Wie aus der Untersuchung, die sich auf die Jahre 1959 un(i 1960
erstreckt, weiter hervorgeht, gehörten von den 18,1 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern rund 15»1 Millionen Gewerkschaften an, die im Zentralverband der "AFL-CIO" zusammengeschlossen sind, während etwa 3
Millionen auf unabhängige Arbeitnehmerorganisationen entfielen. Die
Zahl der organisierten Arbeitnehmer, die amerikanischen Gewerkschaften
angehören, aber Bürger anderer Staaten sind, wird in der Untersuchung
mit 1 Million angegeben.

v

Auf Grund dieser neuen Ziffern ergibt sich, daß rund ein Viertel
aller Arbeitnehmer der USA einer Gewerkschaft angehören, während in
den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen jeder dritte Mitglied einer Arbeitnehmerorganisation ist. Das Verhältnis zwischen organisierten und
nichtorganisierten Arbeitnehmern hat sich damit gegenüber der letzten
Erhebung im Jahre 1958 nicht verändert und ist während der gesamten
Nachkriegszeit konstant geblieben.
i

Die Zahl der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder wird in der Untersuchung mit 3»3 Millionen angegeben, was einer Zunahme gegenüber
1958 um rund 30 000 entspricht. Auch hier hat sich das Verhältnis der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder mit 1:6 nicht verändert. Berücksichtigt wurden in dieser Erhebung

-

11

�Erhebung sämtliche 184 nationalen und internationalen amerikanischen
Gewerkschaften, die ihren Hauptsitz in den USA haben und die als
Tarifpartner in zwei oder mehr Bundesstaaten in Erscheinung treten.
Von diesen 184 Gewerkschaften gehörten 134 der "American Federation
of Labor - Congress of Industrial Organizations" an.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
US-Arbeitsministerium analysierte 145 000 private Sozialpläne
Gegenwärtig werden 89 Prozent aller privaten Sozial- und Pensionspläne in den Vereinigten Staaten von den Unternehmern oder von
Unternehmergruppen finanziell unterstützt, wobei die Arbeitgeber bei
44 Prozent aller Pläne die Beiträge sogar allein aufbringen.
Dieses Ergebnis stützt sich auf eine umfassende Analyse von
145 000 privaten Sozial- und Pensionsplänen, die dem US-Arbeitsministerium auf Grund des "Weifare and Pension Plans Disclosure Act"
(Gesetz über die Ausweispflicht der privaten Sozial- und Pensionspläne)
jährlich von den Treuhändern dieser Fonds einzureichen sind.
Bei 116 000 Sozialplänen handelt es sich dabei um sogenannte "Wohlfahrtspläne", die in erster Linie solche Leistungen wie Lebens-, Kranken-, Krankenhaus- und ähnliche Versicherungen vorsehen, während
29 000 Pläne ausgesprochene Altersversorgungs- und Pensionspläne sind.
Die 116 000 Wohlfahrtspläne bieten insgesamt 362 000 verschiedene Leistungen, wobei die meisten Pläne (80 Prozent) mehr als eine Versicherungsart für die anspruchsberechtigten Arbeitnehmer vorsehen.
Bei den Altersversorgungs- und Pensionsplänen sehen 98 Prozent
regelmäßige Bezüge bei Erreichung einer bestimmten Altersgrenze oder
nach einer gewissen Gesamtdienstzeit vor. Ein geringer Prozentsatz der
Pläne umfaßt auch finanzielle Leistungen im Todesfall sowie bei Eintritt der Invalidität.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, war rund die Hälfte aller
von diesen privaten Sozialplänen erfaßten Personen in den Fertigungsindustrien beschäftigt, während 18 Prozent im Groß- und Einzelhandel
und 9 Prozent in den Dienstleistungszweigen tätig waren.

(Quelle: Eigenbericht)
*

-

12

-

�Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds erreichte 2,1 Mrd. Dollar
Die 1644 Mitarbeiter des größten amerikanischen Versandhauses,
"Sears, Roebuck and Company", im Bezirk Washington konnten am 31. Dezember 1961 eine Gutschrift des Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds der
Firma in Höhe von 3»135 Hillionen Dollar quittieren, so daß ihr Gesamtanteil am Fonds jetzt 18,533 Millionen Dollar ausmacht.
Die Summe von 3»135 Millionen Dollar stellt dabei den Wert der
Aktien des Unternehmens sowie anderer Wertpapiere dar, die mit der
Gewinnbeteiligungssumme erworben wurden. Der aus verschiedenen Anlagepapieren bestehende Gesamtfonds des Versandhauses, das gegenwärtig
rund 150 000 gewinnberechtigte Mitarbeiter beschäftigt, belief sich
am Jahresende auf insgesamt 2,1 Mrd. Dollar.
Der 1916 geschaffene Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds, der einen
Teil der jährlich ausgeschütteten Gewinne in Aktien des Unternehmens
anlegt, ist heute der größte Aktionär von "Sears, Roebuck and Company".
Rund 26 Prozent der ausgegebenen Aktien des Unternehmens gehören heute
dem Pensionsfonds. Neben den Aktien des eigenen Unternehmens befinden
sich im Portefeuille des Fonds auch noch Aktien von 130 anderen Unternehmen sowie zahlreiche weitere Wertpapiere.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Industriearbeiterlöhne erreichten neue Spitze
Sowohl die Durchschnittslöhne der amerikanischen Industriearbeiter
als auch die Kaufkraft ihrer Einkommen erreichten im Dezember vorigen
Jahres neue Spitzen, wie aus einer Übersicht des US-Amtes für Arbeitsstatistik über die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft hervorgeht.
Nach Abzug der Lohnsteuer und der gesetzlichen Sozialabgaben stellten sich die durchschnittlichen Wochenlöhne für Industriearbeiter mit
drei Angehörigen im Dezember 1961 auf 85,17 Dollar, während Alleinstehende
7,'ocnenlöhne von 77,52 Dollar erhielten. Wenn auch die Zunahmen gegenüber
November nur unerheblich waren, so lagen die Durchschnittslöhne doch
gegenüber Dezember i960 um 5,80 Dollar höher. Hierbei ist jedoch zu
berücksichtigen, daß die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche im
Dezember i960 um 1,8 Stunden geringer war. .
Da sich die Verbraucherpreise zwischen November und Ende Dezember
nicht veränderten, erreichte die Kaufkraft der Arbeitnehmereinkommen
gleichfalls einen neuen Höchststand. Gegenüber Dezember i960 wiesen
die Industriearbeiterlöhne dabei eine um 7 Prozent höhere Kaufkraft
auf.
Für

-

13

-

�Für das Gesamtjahr 1961 ergibt sich auf Grund der Entwicklung
im Dezember somit ein Durchschnittswochenlohn von 82,18 Dollar für
einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen und von 74&gt;60 Dollar für
einen Alleinstehenden. Diese Werte liegen um rund 3 Prozent über
denen des Jahres i960.

(Quelle: Eigenbericht)
*

Wochenlöhne der Automobilarbeiter 121 Dollar
Wie die "General Motors Corporation" bekanntgab, belief sich
das durchschnittliche Wocheneinkommen der Lohnempfänger des Unternehmens im vergangenen Jahr auf insgesamt 121,22 Dollar; das sind
nur 52 Cent weniger als es 196O, im bisherigen Spitzenjahr, waren.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne lagen 1961 mit 3,15 Dollar
dabei erheblich über dem allgemeinen Durchschnitt (2,28 Dollar) der
industriellen Arbeitnehmer.
Die Gesamtzahl der im Stundenlohn beschäftigten Arbeitnehmer des
größten amerikanischen Automobilproduzenten belief sich im Dezember
1961 auf 342 108 - gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 300 485 und
einem Durchschnitt von 345 929 i m Dezember i960.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai

1962

INHALTSVERZEICHNIS
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den
Vereinigten Staaten
Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch
Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische
Fachausbildung
Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen Erziehungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

1

Seite

5

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9

Seite 10
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John Herling:
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten
Im Jahr 1961 lag in den Vereinigten Staaten die Zahl der Beschäftigten bei durchschnittlich 66,796 Millionen, die Zahl der Arbeitslosen bei
durchschnittlich 4&gt;806 Millionen. Diese beiden Ziffern schwankten während des Jahres, und zwar bei den Arbeitslosen zwischen 5»705 Millionen
im Februar und 3*934 Millionen im Oktober, während der Beschäftigtenstand im Juni mit 68,706 Millionen eine Rekordhöhe erreichte. Für Industriearbeiter lag der durchschnittliche Wochenlohn bei 92,34 Dollar. Doch
wie ist die Lage für den Arbeitslosen? Welche Gründe führen zu einer
Arbeitslosigkeit, und was sind die Einkommensquellen während der Zeit
der Arbeitslosigkeit?,
Wichtigster Punkt, auf den im Zusammenhang mit amerikanischen Arbeitslosenziffern hingewiesen werden muß, ist die Tatsache, daß sie verschiedene Arten von Arbeitslosigkeit - freiwillige und unfreiwillige,
langfristige und kurzfristige - zusammenfassen. Wirtschaftswissenschaftler haben die umfassende Kategorie der Arbeitslosigkeit in drei Haupttypen, je nach der Ursache der Arbeitslosigkeit, eingeteilt.
Erster Typ ist die sogenannte vorübergehende Arbeitslosigkeit.
Vorübergehend arbeitslos sind Arbeitnehmer während eines Arbeitsplatzwechsels oder auf der Suche nach Arbeit unter günstigeren Klimabedingungen. Die Tradition kurzentschlossener und häufiger Wohnorts- und Arbeitsplatzwechsel geht auf die Grenzerzeit der amerikanischen Geschichte

-

1

-

�Geschichte zurück, in der man ohne weiteres nach Westen ziehen und
einen wirtschaftlichen Neubeginn versuchen konnte. In den Vereinigten Staaten gibt es keine Binnenpässe, und jeder kann ohne amtliche
Genehmigung oder Registrierung von einem Bundesstaat in den anderen
umziehen. Diese Freizügigkeit ist eines der nie in Frage gestellten
Prinzipien des amerikanischen Lebens.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der USA verlegen
jährlich annähernd 13 Millionen Amerikaner ihren Wohnsitz von einem
Kreis (county) in einen anderen innerhalb der Grenzen ein und desselben Bundesstaates, während 5 Millionen in einen anderen Bundesstaat
(state) überwechseln. Statistisch werden solche fluktuierenden Arbeitskräfte während ihres Wohnungs- und Arbeitsplatzwechsels als
"arbeitslos" geführt. Ebenfalls zur Gruppe der vorübergehend oder
freiwillig Arbeitslosen rechnen Minderjährige sowie erwachsene Frauen,
die keiner ständigen Beschäftigung nachgehen wollen oder nachzugehen
brauchen. In einem Durchschnittsmonat kommen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes drei bis vier Millionen Personen neu auf dem
Arbeitsmarkt hinzu; etwa die gleiche Zahl scheidet im selben Zeitraum
aus. Darunter befinden sich vor allem Frauen und Studenten, die
während der Hauptgeschäftszeit um Weihnachten Saisonarbeiten in der
Bekleidungs- und Konservenindustrie oder in den Kaufhäusern übernehmen.
Zweiter Typ ist die sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit.
Ihre Ursachen liegen in beruflichen, industriellen oder geographischen
Umschichtungen innerhalb eines Wirtschaftsgebietes. Sie sind unvermeidliche Nebenprodukte des wirtschaftlichen Fortschritts nicht nur
in den Vereinigten Staaten, sondern auch in jeder anderen Industriegesellschaft. Neue Berufszweige entwickeln sich, während alte Berufe
und Fertigkeiten mehr oder weniger schnell verschwinden.
Von solchen Wandlungen können ganze Regionen betroffen werden.
In einigen Gegenden Kentuckys und West-Virginias zum Beispiel, wo
sich die Kohlenflöze erschöpft haben, oder in den Nutzholzgebieten
im Norden Michigans, die vollkommen abgeholzt wurden, blieb es nicht
aus, daß die wirtschaftliche Aktivität - und mit ihr die Nachfrage
nach bestimmten Fachberufen - zurückging. Sanierungsprogramme, in
deren Rahmen durch Ansiedlung neuer Industrien in solchen Gebieten
neue Arbeitsplätze geschaffen werden, brauchen selbstverständlich
ihre Zeit.
In anderen Fällen haben Betriebe und sogar ganze Industrien aus
Gründen der Leistungsfähigkeit oder der günstigen Lage von natürlichen
Hilfsquellen oder Transportwegen ihren Sitz in ein anderes Gebiet verlegt. Oder technische Verbesserungen führten zum Abbau alter Werke
und zur Einrichtung neuer automatisierter Betriebe, für die weniger
Arbeiter der alten Fachrichtungen, dagegen mehr Arbeiter mit neuer
Spezialausbildung benötigt werden.
Oft verlassen Arbeitslose nur ungern ihren alten Wohnort, wo
sie und ihre Familien schon ein Leben lang ansässig sind, um anderswo einen Arbeitsplatz zu finden. Niemand kann sie gegen ihren Willen

-

2

-

�Willen zum Verkauf ihrer Häuser oder zu einem Umzug zwingen. Sie
bleiben daher unter Umständen länger arbeitslos, als wenn sie sich
anderswo einen neuen Arbeitsplatz gesucht hätten.
Dritter und letzter Typ ist die sogenannte konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Gemeint ist vor allem eine durch Konjunkturschwankungen innerhalb der Volkswirtschaft erzeugte unfreiwillige Arbeitslosigkeit.
In früheren Perioden der amerikanischen Geschichte waren solche Konjunkturzyklen oft abrupt und verheerend in ihren Polgen. Während der
vergangenen 30 Jahre wurden jedoch Gesetze erlassen, die als Sicherungen
gegen extreme Konjunkturrückgänge in den USA wirken.
Beispielsweise existiert eine Spareinlagenversicherung sowie eine
ganze Reihe von Sozialversicherungen, die Arbeitnehmer gegen schwerwiegende Lohnverluste infolge Erwerbslosigkeit, Invalidität, Alters und
Krankheit schützen. Außerdem haben die Gewerkschaften nach Kräften und
mit Erfolg dafür gesorgt, daß das Lohnniveau der Arbeitnehmer selbst
in Zeiten überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit gehalten wird. Diese
und andere wirtschaftlichen Sicherungen stützen die Kaufkraft der
arbeitenden Bevölkerung - mit dem Ergebnis, daß Konjunkturrückgänge
abgedämpft werden und ein wirtschaftliches Elend, wie es im Gefolge
der Depression in den dreißiger Jahren auftrat, sich bisher nicht wiederholt hat.
So bleibt die Frage: Was hat ein Arbeitsloser zu erwarten? Was sind
seine Einkommensquellen?
Vielleicht die wichtigste Einkommensquelle ist die Arbeitslosenunterstützung. Drei Viertel der Lohnempfänger werden von der Arbeitslosenversicherung erfaßt, die in den Händen der einzelnen Bundesstaaten
liegt. Ihre Gelder schöpft sie aus Beiträgen der Arbeitgeber und der
Bundesregierung. Ihre Leistungen sind von Staat zu Staat verschieden
und bewegen sich zwischen wöchentlich maximal 26 Dollar in Südkarolina
und 55 Dollar in Kalifornien. Diese Beträge entsprechen etwa dem halben
Durchschnitts-Arbeitsentgelt in den einzelnen Staaten.
Arbeitslose haben Anspruch auf Unterstützung für einen Zeitraum
von 20 Wochen in Alabama bis 39 Wochen in Oklahoma. Die Mehrzahl der
Arbeitslosen findet jedoch vor Erreichen dieser Grenze einen neuen
Arbeitsplatz. Die Durchschnittsdauer von Unterstützungszahlungen lag
1959tod-nur 13 Wochen. Im selben Jahr erhielten insgesamt sechs Millionen Personen eine Arbeitslosenunterstützung; im Wochendurchschnitt
waren es jedoch nicht mehr als 1,7 Millionen Unterstützungsempfänger
bei einer Gesamtbevölkerung von rund 180 Millionen. Da diese Unterstützungszahlungen einkommensteuerfrei sind, entsprechen sie zudem noch
einem höheren Bruttoeinkommen.
Arbeitslosenunterstützung stellt einen Rechtsanspruch dar und hängt
nicht von der Bedürftigkeit des Empfängers ab. Solange jemand zu arbeiten bereit ist, jedoch keinen Arbeitsplatz hat, besitzt er einen rechtlichen Anspruch auf diese Unterstützung; ein Bedürftigkeitsnachweis
ist nicht erforderlich. Es gibt kommunale Wohlfahrtsprogramme, jji

-

3 -

�in deren Rahmen Familien finanzielle Beihilfen erhalten, wenn sie
die Notwendigkeit einer solchen Hilfe in ihrem Fall nachweisen.
Programme dieser Art laufen aber getrennt von jeder Arbeitslosenunterstützung; sie werden in einem späteren Abschnitt besprochen.
Ein weiterer interessanter Aspekt der Arbeitslosenunterstützung in
den Vereinigten Staaten ist die Tatsache, daß ein Arbeitnehmer auch
Anspruch auf sie haben kann, wenn er eine Arbeit ablehnt, die seiner
früheren Tätigkeit nicht angemessen ist. Ebenfalls zurückweisen kann
er einen Arbeitsplatz, bei dem Lohnniveau und Arbeitsbedingungen
gewisse Voraussetzungen nicht erfüllen.
Eine zweite wichtige Einkommensquelle für Arbeitslose sind
private Ersparnisse. Natürlich ist die Höhe solcher Sparguthaben
bei jedem einzelnen verschieden. Infolge beständiger Einkommenszunahmen, insbesondere bei der Gruppe der ungelernten Arbeiter, deren
Löhne schneller geklettert sind als die der übrigen Berufsgruppen,
sind sie im 20. Jahrhundert stetig angestiegen. 1907 zum Beispiel
erhielt ein ungelernter Arbeiter einen Stundenlohn von 21 Cent, ein
Geselle im Bauhandwerk 42 Cent, d.h. doppelt soviel. Fünfzig Jahre
später lag der Stundenlohn eines ungelernten Arbeiters bei 2,45 Dollar,
das sind mehr als 70 Prozent des Gesellenlohnes von 3»40 Dollar.
Mitte 1959 betrugen die Durchschnitts-Familienersparnisse 5500 Dollar
gegenüber 4000 Dollar im Jahr 1950 und 1700 Dollar im Jahr 1940.
Diese Beträge schließen Sparguthaben, Staatspapiere und Lebensversicherungspolicen ein. Einen weiteren Sparanreiz bildet die zunehmende
Zahl von Lohnnebenleistungen, die Arbeitnehmern im Rahmen zahlreicher
Kollektivverträge zustehen. Vielfach sehen solche Verträge bezahlten
Jahresurlaub, bezahlten Krankenurlaub, bezahlte Feiertage, den Abschluß von Lebens- und Krankenversicherungen durch den Arbeitgeber
und Entlassungsgelder vor. Da diese Auslagen vom Arbeitgeber übernommen werden, ist ein größerer Teil der Einkünfte zum Sparen übrig.
Eine dritte Einkommensquelle ergibt sich aus zusätzlichen Arbeitslosenunterstützungen. Etliche Tarifverträge sehen zusätzlich
zur staatlichen Arbeitslosenversicherung, zu der die Arbeitgeber
ja ebenfalls ihre Beiträge leisten, Zahlungen an Arbeitslose vor,
die voll von den Arbeitgebern übernommen werden. Gegenwärtig gewähren hauptsächlich die Automobil-, Stahl-, Aluminium-, Gummi-, Landmaschinen- und Konservenindustrie eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung. Ein Automobil- oder Stahlarbeiter, dessen Wochenlohn sich
auf 80 Dollar belief, kann bei Arbeitslosigkeit neben seinen 50 Dollar
pro Woche an staatlicher Unterstützung auf diese Weise zusätzlich
22 Dollar von seinem früheren Arbeitgeber beziehen, so daß seine
wöchentlichen Einkünfte auf insgesamt 52 Dollar oder 65 Prozent des
üblichen Arbeitsentgelts ansteigen.
Eine vierte Einkommensquelle sind Beihilfen, die aus Wohlfahrtsfonds der Kommunal-, Stadt- oder Kreisverwaltungen gewährt werden.
Solche Beihilfen werden voll und ganz von der Bedürftigkeit des Antragstellers abhängig gemacht. Ihre Höhe ist von Gemeinde zu Gemeinde
verschieden, sie decken jedoch die Grundkosten, die eine Familie für
Nahrung, Kleidung und Wohnung aufzuwenden hat.
Neben

- 4 -

�Neben diesen vier Haupteinkommensquellen für Erwerbslose
existieren noch zahlreiche Arbeitsschutzprogramme. Eine Arbeitsvermittlung durch die einzelstaatlichenArbeitsämter, die Arbeitsuchenden Arbeitsplätze in großer Auswahl anzubieten haben, ist
in jedem Falle gebührenfrei. Gewerkschaften haben in zunehmendem
Maße Arbeitsplatz-Schutzklauseln in ihren Kollektivverträgen durchgesetzt, denen zufolge der Arbeitgeber zur Beachtung des Anciennitätsprinzips verpflichtet ist und keine willkürlichen Entlassungen
mehr vornehmen kann. Aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung
der Bundesregierung empfangen Arbeitnehmer nach ihrem 65. Lebensjahr
sowie ihre Frauen, hinterbliebene Witwen und versorgungsberechtigte
Waisen ansehnliche Monatsrenten. Schließlich existiert ein umfassendes, in die Zuständigkeit der Einzelstaaten fallendes System von Invalidenversicherungen .
Trotz der großen Fortschritte im Sozialversicherungswesen und
Arbeitslosenschutz, wie sie sich in diesem ausgedehnten Netz von
Versicherungsleistungen manifestieren, bemühen sich die Vereinigten
Staaten um weitere Verbesserungen auf diesem Gebiet. Gewerkschaften
und andere interessierte Gruppen drängen auf einen höheren Leistungsstand der Bundesarbeitslosenversicherung, um einem vorübergehend
Arbeitslosen die Aufrechterhaltung seines gewohnten Lebensstandards
zu ermöglichen. Arbeitslosigkeit und Sozialversicherung werden in
Amerika als Probleme eines Gemeinwesens betrachtet, deren Lösung auf
den verschiedensten Ebenen in Angriff genommen werden muß, ohne Beeinträchtigung des Rechts auf Freizügigkeit und freie Arbeitsplatzwahl.

**•**-*

Die"dritte Kraff'am Verhandlungstisch
Die Aspekte im amerikanischen Tarifverhandlungswesen haben sich
in jüngster Zeit insofern nicht unerheblich gewandelt, als beide Sozialpartner in zunehmendem Maße geneigt sind, die Öffentlichkeit als
dritte Kraft im lohnpolitischen Spiel anzuerkennen und ihre Interessen
beim Aushandeln neuer Tarifverträge zu berücksichtigen.
Die Bedeutung dieser Entwicklung, auf die US-Arbeitsminister Goldberg kürzlich vor dem Jahreskongreß der Druckergewerkschaft mit Nachdruck hinwies ("an jedem Verhandlungstisch ist heute auch eine dritte
Partei vertreten - das amerikanische Volk"), läßt sich im Moment noch
nicht voll abschätzen, wenngleich schon jetzt festgestellt werden kann,
daß hierdurch die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern auf eine
vollkommen neue Grundlage gestellt werden dürften - auf die Grundlage
der wirtschafts- und sozialpolitischen Mitverantwortung.
Sichtbarer

�Sichtbarer Ausdruck dieses neuen Trends sind u.a. die
zahlreichen in letzter Zeit von Unternehmern und Gewerkschaften
gebildeten gemeinsamen Untersuchungs- oder Studienausschüsse, denen
Vertreter der Öffentlichkeit als gleichberechtigte Partner angehören
und deren Aufgabe es ist, wirtschafts- und sozialpolitische Probleme
zu analysieren und sie zu einer Lösung zu führen, ehe sie in kostspielige Streiks einmünden.
Beispielgebend in dieser Hinsicht war der aus Vertretern der
Unternehmer, der Gewerkschaft und der Öffentlichkeit bestehende
Dreierausschuß, der 1959 nach der Beilegung des Streiks von der
Stahlarbeitergewerkschaft (USA) und der "Kaiser Steel Corporation"
gebildet wurde. Aufgabe dieses Ausschusses sollte es nach dem Willen
der Sozialpartner sein, eine allgemein gültige langfristige Formel
zu finden, damit die aus der Tätigkeit des Unternehmens erwachsenden
Früchte gleichmäßig und gerecht verteilt werden können, sowie Wege
und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die periodisch immer wieder sich
ergebenden Spannungen zwischen den Sozialpartnern ausgeschaltet und
harmonische Beziehungen geschaffen werden können. Durch eingehende
Beratung, Diskutierung sowie Klärung der jeweils sich ergebenden
Probleme in diesem Ausschuß sollte dabei verhindert werden, daß währen
der Tarifverhandlungen selbst schwerwiegende und die Verhandlungsatmosphäre vergiftende Probleme diskutiert und geklärt werden müssen.
Vor einigen Wochen hat dieser Ausschuß einen Tätigkeitsbericht
veröffentlicht. In ihm wird betont, daß im Hinblick auf die angestrebten Ziele bisher gute Fortschritte erzielt worden seien und daß der
Ausschuß zu einer permanenten Einrichtung gemacht werden sollte. Seine
Hauptaufgabe solle darin bestehen, den Ablauf von TarifVerhandlungen
eingehend zu verfolgen und die dort angesprochenen Probleme und Forderungen zu analysieren sowie Vorschläge dahin gehend auszuarbeiten,
wie die strittigen Punkte auf friedlichem Wege und ohne Zufluchtnahme
zum Streik beigelegt werden können.
Als einen hervorragenden Beitrag zum industriellen Frieden und
zur sozialen Gerechtigkeit bezeichnete kürzlich das "Catholic Labor
Institute of Los Angeles" jene Schritte und Maßnahmen, die bisher von
der Stahlarbeitergewerkschaft und der "Kaiser Steel Corporation" auf
dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen unternommen worden
sind. John B. Geagon, der Präsident des Instituts, bezeichnete die
Errichtung des gemischten Ausschusses dabei als ein Beispiel für
"Weitsicht ,gegenseitigen Respekt und die Sorge um das allgemeine
Wohl". "Wir glauben, daß dieser Ausschuß eines der hoffnungsvollsten
Zeichen auf dem Gebiet der industriellen Beziehungen in den USA ist."
Ein anderes Beispiel 'für diesen neuen Trend ist der von "Armour. a
Company" und der Fleischpackergewerkschaft ebenfalls im Jahre 1959 gegründete Automationsausschuß, dem als Vertreter der Öffentlichkeit
der Präsident der University of California, Clark Kerr, als unparteiischer Vorsitzer angehört.

Die

�Die Gründung dieses Ausschusses erfolgte seinerzeit, um einen
vollständigen Abbruch der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
zu verhindern. Die Spannungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft
waren wegen der durchgreifenden Mechanisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen des Unternehmens entstanden, durch die zahlreiche Arbeitsplätze beseitigt worden waren. Das zur Bildung dieses Ausschusses
führende Abkommen sah außerdem vor, daß ein vom Unternehmen finanzierter Fonds dafür verwendet werden sollte, die sich aus der Umstellung
auf die Automation ergebenden betriebstechnischen, wirtschaftlichen
und sozialen Probleme zu untersuchen und Vorschläge und Programme
zu deren Lösung auszuarbeiten.
Wie wertvoll die von dem Ausschuß durchgeführten Studien waren,
bewies das im September vorigen Jahres neu abgeschlossene Tarifabkommen, das sich in seiner Fassung weitgehend an die Empfehlungen
des Ausschusses anlehnte und den Arbeitnehmern einen erhöhten Schutz
gegenüber der Automatisierung brachte. So ist es jetzt z.B. auf Grund
dieses Abkommens unter anderem möglich, solche Arbeitnehmer an andere
Arbeitsplätze innerhalb des Unternehmens umzusetzen, die infolge technologischer Veränderungen ihre alten Arbeitsplätze verloren haben.
Außerdem sichert es allen von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmern
ein sogenanntes "technologisches Umstellungsgeld" zu, das für die
Dauer von 39 Wochen gewährt wird und 65 Dollar pro Woche ausmacht;
desgleichen Umzugs- und Umschulungsbeihilfen.Auch durch die ebenfalls gegebene Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung werden
die Auswirkungen von Betriebsumstellungen oder Betriebsschließungen
weitgehend gemildert.
Auf nationaler Ebene kommt dieser neue Trend der ArbeitgeberArbeitnehmerbeziehungen in den USA vor allem in dem im vergangenen
Jahr von Präsident Kennedy ins Leben gerufenen 2lköpfigen PräsidialBeratungsausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmerpolitik (Presidential
Advisory Committee on Labor-Management Policy) zum Ausdruck, der sich
aus je sieben Vertretern des Managements, der Gewerkschaften und der
Öffentlichkeit zusammensetzt. Hauptaufgabe dieses neuartigen Ausschusses ist es, Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, durch die das freie
Tarifverhandlungswesen gefördert, der industrielle Friede gesichert,
eine gesunde Preis- und Lohnpolitik aufrechterhalten, die Produktivität gesteigert und der Lebensstandard erhöht wird. Außerdem ist der
Ausschuß angewiesen, Lösungen für die Beseitigung der strukturellen
Arbeitslosigkeit auszuarbeiten, die eine direkte Folge der technologischen Veränderungen ist.
In einem im Januar'dieses Jahres veröffentlichten Bericht über
die Auswirkungen der Automation betonen die Mitglieder dieses Ausschusses, daß die Automation sowohl für die Verteidigung als auch für den
Wohlstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung sei
und sich in der amerikanischen Wirtschaft ohne die Preisgabe menschlicher Werte realisieren lasse.
Wenn auch die Automatisierung und die schnelle technische Entwicklung zur Beseitigung vieler Arbeitsplätze geführt hätten, so würden doch andererseits, wenn es nicht gelänge, das bisherige Tempo der

- 7 -

�der Automatisierung beizubehalten und darüber hinaus sogar noch zu
steigern, weitaus schlimmere Beschäftigungs- und andere Probleme ausgelöst werden als sie heute die Automation stelle.
Zur Lösung der derzeitigen Arbeitsmarktprobleme und zur Milderung
der Auswirkungen der Automatisierung werden in dem Bericht eine Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate, ein stärkeres Engagement
der Regierung bei der Verbreitung von Arbeitsplatzinformationen als
bisher, eine verstärkte, engere Zusammenarbeit zwischen Regierungsstellen und privaten Organisationen hinsichtlich der Umschulung und
Ausbildung von Arbeitskräften sowie ein besseres Hand-in-Hand-Arbeiten
von Gewerkschaften und Unternehmen in Arbeitsplatzfragen für notwendig
erachtet.
Die Notwendigkeit für einen derartigen unter dem Schutz der
Regierung stehenden Beratungsausschuß ist in den letzten Jahren von
zahlreichen amerikanischen Gewerkschaftsführern immer wieder herausgestellt worden. Arthur J. Goldberg z.B. schlug vor seiner Ernennung
zum Arbeitsminister in der Regierung Kennedy in seiner Eigenschaft
als Rechtsberater der AFL.-CIO die Schaffung eines "Nationalen Rates
von Beratern in Arbeitgeber-Arbeitnehmerfragen" vor."Der Hauptzweck
eines solchen Ausschusses sollte es sein", so erklärte Goldberg
damals, "die große Erfahrung und das Wissen von Gewerkschaften,
Management und Experten der Öffentlichkeit gemeinsam auf die großen
Probleme anzusetzen, die sich auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, auf Grund ihrer Tätigkeiten und Interessen, ergeben'•!
Der neue Paktor in dieser Entwicklung ist die zunehmende Betonung der Rolle der "Neutralen" oder der Vertreter der Öffentlichkeit
bei der Lösung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerprobleme. George H. Hildebrand, Professor für Wirtschafts- und Arbeitswissenschaft an der
Cornell-Universität, meint, daß die Vorteile einer solchen aktiven
Teilnahme dieser Vertreter besonders dann sichtbar würden, wenn die
Meinungen und Ansichten der Sozialpartner in bestimmten Fragen weit
auseinandergehen. In solchen Fällen könnten die "Neutralen" nach seiner Ansicht "als Katalysatoren wirken, indem sie ständig um eine
Schlichtung, im weitesten Sinne, bemüht sind - die Aufmerksamkeit der
Parteien auf die einzelnen Probleme und die aus den Analysen sich ergebenden Tatsachen lenken und sie ständig auf die Notwendigkeit lebensfähiger Lösungen aufmerksam machen - und dabei taktvoll darauf hinweisen, daß auch die Öffentlichkeit ein Interesse zu vertreten hat".
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

�Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische Fachausbildung
Ein hervorragendes Beispiel kommunaler Initiative, durch die
neue Industrieunternehmen herbeigezogen, mehr Arbeitsplätze geschaffen
und die benötigten Fachkräfte herangebildet werden, ist das neue
Industrieausbildungszentrum (industrial Education Center) von Burlington, einer Mittelstadt im amerikanischen Bundesstaat Nordkarolina.
Es bildet den Höhepunkt von Bemühungen, Schülern der Oberklassen höherer Schulen und Erwachsenen in immer stärkerem Maße Gelegenheit
zu industrieller und technischer Fachausbildung zu bieten und gleichzeitig Industriebetrieben höherqualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.
Das Ausbildungszentrum wurde 1959 mit Hilfe kommunaler, einzelstaatlicher und bundesstaatlicher Zuschüsse errichtet; die Kosten
beliefen sich auf annähernd 1,5 Millionen Dollar. Bei einer Nutzfläche
von 4929 Quadratmeter verfügt es über eigens für den Lehrbetrieb ausgestaltete Unterrichtsräume. Seine großen, hellen Werkstätten, Laboratorien und Klassenzimmer wurden nach modernsten Gesichtspunkten eingerichtet. Die Leitung des Projektes liegt in den Händen der städtischen Schulbehörde und geschieht in Zusammenarbeit mit den Berufsschulämtern des Kreises und des Bundesstaates Nordkarolina sowie unter Mitwirkung eines Beirates, in dem die ansässigen Unternehmen vertreten
sind. Dem Lehrerkollegium gehören 30 hauptamtliche und 73 nebenamtliche
Dozenten an, von denen viele in Abendkursen, nach ihrer Arbeit in den
einzelnen Industriebetrieben, Unterricht erteilen. Eine Unterrichtsgebühr wird nicht erhoben; Kosten entstehen den Kursteilnehmern nur
durch die Anschaffung von Lehrbüchern und Unterrichtsmaterial.
Hauptlehrfächer des Ausbildungszentrums sind Klima- und Kühltechnik, Automechanik, technisches Zeichnen und Konstruktion, Industriechemie, Maschinenbau, Blechverarbeitung, Werkzeugmaschinenpflege und -reparatur sowie Kurse für technische Sekretärinnen. Für
Mechaniker, die bereits in einem Betrieb arbeiten und sich höher
qualifizieren möchten, sind Lehrgänge in V/erkzeugbau und Werkzeugkonstruktion vorgesehen. Jedes Fach wird in Dreistunden- oder Sechsstunden-Tageskursen an fünf Tagen in der Woche geboten. Abendkurse
finden zwei-, drei- oder fünfmal wöchentlich statt. Die meisten Lehrfächer erfordern 2000 Unterrichtsstunden bis zum Lehrgangsabschluß.
Fünfundzwanzig Prozent der Unterrichtszeit verbringen die Kursteilnehmer im Laboratorium, wo sie sich die notwendigen Handfertigkeiten
aneignen, während die restlichen 75 Prozent theoretischen Fächern wie
Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen sowie Abfassen von Arbeitsberichten usw. gewidmet sind. Kurzkurse von 12 bis 188 Unterrichtsstunden werden ebenfalls geboten, und zwar in angewandter Hydraulik,
Betriebswirtschaft, Werkstoffkunde, Betriebselektrotechnik, Rundfunkund Fernsehgerätereparatur, Tankstellenwartung, Kraftfahrzeugreparatur sowie Garn- und Gewebeprüfung.
Die Zulassungsbedingungen richten sich nach Alter und Unterrichtsfach. Wer an einem Lehrgang teilnehmen will, muß mindestens 16 Jahre
alt und zum Besuch der dritten Oberschulklasse (etwa der Obertertia

-

9 -

�Obertertia entsprechend) berechtigt sein. Besonders gute Leistungen
sind in Mathematik nachzuweisen. Für Kurse in Elektronik und Industriechemie ist die Absolvierung von zwei Jahren Mathematik (davon
ein Jahr Algebra) sowie Physik oder Chemie als Hauptfächer Voraussetzung.
In den letzten zehn Jahren war im Kreisgebiet um Burlington
ein stetiger Zuzug von Industrieunternehmen zu verzeichnen. Die Zahl
der Industriearbeiter hat sich in Burlington selbst um 80 Prozent
erhöht. Ein Großteil ist in Strumpffabriken und Textilwerken beschäftigt. Andere haben einen Arbeitsplatz in Unternehmen der Elektround Möbelindustrie gefunden. Burlington gibt sich allerdings mit dem
bisher Erreichten nicht zufrieden. Mit der Ausweitung der Industrie
in diesem Gebiet wird auch die Nachfrage nach Fachkräften steigen.
Um dem zu begegnen, plant die Stadt eine Erweiterung ihres Industrieausbildungszentrums um 1581 Quadratmeter, so daß Platz für zehn neue
Klassenräume und Laboratorien mit der Möglichkeit zu Spezialkursen
in Datenverarbeitung, Elektrotechnik und Gebrauchskunst geschaffen
wird.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen
Erziehungswesens
Betriebliche Schulungsprogramme haben sich während der letzten
zwei Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten in solchem Maße ausgeweitet, daß sie heute als wichtiger Bestandteil des amerikanischen Erziehungswesens gelten. Wandlungen in den Produktionsmethoden, Automation und Nutzbarmachung neuer Energiequellen haben Unternehmensleitungen dazu gezwungen, für ihre Belegschaftsmitglieder Sonderfortbildungskurse, die über den Lehrstoff technischer Fach- und Hochschulen
hinausführen, einzurichten. Heute bieten die meisten amerikanischen
Großfirmen ihren Angestellten Bildungsprogramme, die auf Sonderaufgaben vorbereiten oder Gelegenheit zu persönlicher Weiterbildung geben.
In einigen Fällen stehen dazu firmeneigene technische Institute zur
Verfügung; in anderen werden Belegschaftsmitgliedern Ausbildungsbeihilfen für berufsfördernde Lehrgänge an Fachschulen gewährt. Häufiger
jedoch liegen solche Programme in den Händen der Betriebsausbildungsabteilungen, die sie als innerbetriebliche Schulung in Unterrichtsräumen oder am Arbeitsplatz selbst durchführen.
Vielfältige Programme, von den Ausbildungs- und Personalabteilungen der "Eastman Kodak Company" veranstaltet, laufen in den acht Werken der Gesellschaft in Rochester (New York), Kinsport (Tennessee),

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10

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�(TennesseeJ), Longview (Texas) und Peabody (Massachusetts). Sie sind
darauf ausgerichtet, in zwangloser Form Angestellte in ihrem Bestreben nach Selbstentfaltung im Rahmen ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Die Betonung liegt dabei auf der eigenen Leistung und der
täglichen Arbeit. James S. Bruce, Ausbildungsdirektor der "Eastman
Kodak Company", erläuterte hierzu: "Ausbildung ist nach unserer
Ansicht am wirkungsvollsten, wenn sie in enger Verbindung mit dem
Arbeitsplatz vorgenommen wird. Jeder einzelne ist für seine Ausbildung
verantwortlich. Letztlich ist jede Entwicklung Selbstentwicklung."
Zahlreiche Lehrgänge sehen im Zusammenhang mit besonderen Ausbildungszielen auch Klassenunterricht vor. Ein willkürlich herausgegriffener Tagesplan zeigt beispielsweise einen Kurs in MatrizenAlgebra an, einen 32stündigen Lehrgang, zu dem sich Wissenschaftler
der angewandten Forschung einmal wöchentlich in den Kodak-Park-Werken
für Film- und Fotopapierherstellung in Rochester zusammenfinden. Gleichzeitig treffen sich Mitarbeiter der Abteilung Apparatebau und Optik
zu der ersten von vier Unterrichtsstunden der Arbeitsgemeinschaft
"Wirkungsvoller Stil". Nur acht Teilnehmer sind zu diesem Kurs zugelassen, der zu Klarheit und Einfachheit im Aufsatzstil hinführt. Eine
Betriebsausbildungsabteilung koordiniert sämtliche Schulungsprogramme
der "Eastman Kodak Company". Sie stellt den Zweigwerken Lehrpersonal
und Anschauungsmaterial zur Verfügung.
Auch die "Republic Steel Company" hat ihre Bildungsarbeit auf die
speziellen Bedingungen ihres Unternehmens zugeschnitten. Ihre Programme
zielen auf eine Höherqualifizierung ihrer Arbeiter ab, die mit den
verwickelten Bedienungs- und Wartungsproblemen moderner automatisierter
Werkseinrichtungen vertraut gemacht werden. Die Lehrgänge finden jedoch außerhalb der Werke im "Human Engineering Institute" bei Warren
im Bundesstaat Ohio statt. Das Institut ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung, zu deren Aufbau die "Republic Steel Company" ,
jetzt ihr größter "Kunde", den wesentlichsten Beitrag geleistet hat.
Es ist in der Lage, eine Vielzahl von betrieblichen Fortbildungsprogrammen durchzuführen.
Einen weiteren Weg zur betrieblichen Schulung stellt der Ausbildungsbeihilfenplan der Firma "Chas. Pfizer and Company", eines bedeutenden amerikanischen Arzneimittelherstellers, dar. In seinem Rahmen erhalten Angestellte, die berufsfördernde Kurse an anerkannten
Colleges und Universitäten belegen, Studiengelder bis zu einer Höhe
von 300 Dollar jährlich und Laboratoriumsgebühren bis zu 40 Dollar
von der Firma ersetzt. Seit 1957» dem Beginn dieses Plane-s, wurden
fast 100 000 Dollar an rund 700 Mitarbeiter ausgezahlt. Gegenwärtig
nehmen über 200 Angestellte Ausbildungsbeihilfen dieser A.it in Anspruch«
Die beschriebenen Beispiele sind typisch für die Bildungsprogramme,
die von vielen amerikanischen Industrieunternehmen heute geboten werden.
Es gibt zahlreiche Varianten, je nach den besonderen Erfordernissen
der einzelnen Betriebe. Doch in ihrer Gesamtheit bilden sie einen neuen
Stein im Mosaik des amerikanischen Erziehungswesens.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * -x- *
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11

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Weitere Entspannung am amerikanischen Arbeitsmarkt
Wie von den meisten Experten vorausgesagt, hat sich - nach der
kurzen Stagnation im Januar - die wirtschaftliche Aktivität in den
USA im Laufe des Februars erneut erhöht, wobei zum Teil nicht unerhebliche Anstiege in der Beschäftigtenzahl, der industriellen
Produktion und bei den Einkommen registriert wurden.
Von besonderer Bedeutung war zweifellos die Entwicklung auf dem
Arbeitsmarkt, wo die über dem jahreszeitlichen Durchschnitt liegende
Zunahme der Beschäftigtenzahl den wohl wichtigsten Aspekt bildete.
Mit insgesamt 65,8 Millionen lag dabei die Zahl der Beschäftigten
gegenüber dem Vormonat um 731 000 höher, während normalerweise nur
eine Zunahme um 130 000 zu erwarten gewesen wäre. Auch die Zahl der
Arbeitslosen nahm in diesem Monat ab, in dem in der Regel noch mit
einer Zunahme gerechnet werden muß. Da die Gesamtabnahme zwischen
Januar und Februar 120 000 betrug, stellte sich die Gesamtzahl der
registrierten Erwerbslosen somit am Ende des Monats auf 4 543 000.
Auf Grund dieser beiden Entwicklungen ging auch die von den
saisonalen Einflüssen bereinigte Erwerbslosenrate - der Anteil der
Erwerbslosen an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte - weiter, und zwar
von 5,8 auf 5,6 Prozent, zurück. Das ist der niedrigste Stand seit
Juli 196O. Im Vergleich hierzu: im Februar 1961 belief sich die
Erwerbslosenrate auf 6,8 Prozent und im Mai vorigen Jahres sogar
auf rund 7*0 Prozent.
Unterzieht man einmal die verschiedenen Beschäftigungsziffern
einer näheren Betrachtung, so zeigt es sich, daß die jüngsten Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt doch eine sehr breite Basis haben.
Während nämlich normalerweise die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitsplätze in den V/intermonaten allgemein rückläufig ist, war
sie in diesem Jahr nicht nur stark expansiv, sondern erreichte sogar
im Februar einen absoluten Spitzenstand für diesen Monat.
Ein anderes untrügliches Zeichen für eine allgemein gute Konjunkturlage ist auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche,
die im Laufe des Februar mit 40 Stunden das höchste Niveau seit fünf
Jahren aufwies. Der Entwicklung der Arbeitswoche entsprechend, erhöhten
sich auch die wöchentlichen Durchschnittseinkommen der industriellen
Arbeitnehmer, die im Februar mit 95,20 Dollar um 6 Dollar größer
waren als vor einem Jahr.
Die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen
Wochen darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kernprobleme der Arbeitslosigkeit damit noch nicht beseitigt sind. Denn
wenn man die Rückgänge auf dem Erwerbslosensektor einmal näher betrachtet, so zeigt
sich, daß die meisten der wieder in den Arbeitsprozeß eingegliederten Personen nur weniger als fünf Wochen beschäftigungslos waren. Ebenso verdient die Tatsache besondere Beachtung,
daß weiterhin 1,5 Millionen Arbeitslose in der US-Wirtschaft vorhanden

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12

�vorhanden sind, die bereits länger als 15 Wochen arbeitslos sind
und damit statistisch zu den "langfristigen Erwerbslosen" zählen.
Rund 700 000 von diesen 1,5 Millionen Dauerarbeitslosen sind überdies mehr als 27 Wochen ohne Arbeit und zählen somit zu den
"strukturellen" oder "hartnäckigen" Fällen.
Diese bedrückenden Tatsachen, die von den Arbeitnehmerverbänden
in jüngster Zeit in der Öffentlichkeit mit besonderem Nachdruck
herausgestellt wurden, können auch nicht mit dem Hinweis vertuscht
werden, daß das amerikanische Erhebungssystem für Erwerbslose sehr
liberal ist und selbst all diejenigen Personen registriert, die,
wenn überhaupt, nur am Rande an einer ganztägigen Beschäftigung
interessiert sind, und daß ein großer Prozentsatz dieser Arbeitslosen ihren Arbeitsplatz durch die fortschreitende Automatisierung
verloren haben.
Allerdings muß in diesem Zusammenhang auch noch darauf hingewiesen werden, daß es sich bei diesen langfristigen Erwerbslosen
größtenteils um ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte handelt, die es natürlich besonders schwer haben, einen neuen
Arbeitsplatz zu finden. Hinzu kommt noch, daß die meisten neuen
Arbeitsplätze nicht in den industriellen Betrieben geschaffen werden,
sondern in den Dienstleistungszweigen, hauptsächlich im Handel und
in der Finanzwirtschafti Bezeichnenderweise haben solche ehemals
arbeitsintensiven Industriezweige wie die Fe:rtigungsindustrie, die
Bauwirtschaft, das Transportgewerbe und der Bergbau ihre früheren
Beschäftigungsziffern nicht wieder erreichen können.
Hieraus ergibt sich also, daß es sich bei dem Arbeitsmarktproblem in den USA gegenwärtig in erster Linie darum dreht, die
langfristigen Erwerbslosen auf die neuen Tätigkeiten umzuschulen,
denn es ist ebenso eine feststehende Tatsache, daß sich auf Grund
der technologischen Veränderungen viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben haben und daß in vielen Branchen die Zahl der
offenen Stellen ganz beträchtlich ist.
Daß auch die amerikanische Regierung diese Notwendigkeit ganz
klar erkannt hat, zeigt das in der vergangenen Woche vom Kongreß
verabschiedete Umschulungsprogramm für strukturelle Arbeitslose,
für das während der nächsten drei Jahre insgesamt 435 Millionen
Dollar zur Verfügung stehen und mit dessen Hilfe bis zu eine Million
Erwerbslose auf neue Berufe umgeschult werden können.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Lohnnebenleistungen stiegen stärker als Löhne
Wie aus verschiedenen Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht, sind die Lohnnebenleistungen in der amerikanischen Wirtschaft auch im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Nach den bisher
vorliegenden Unterlagen wurden von den amerikanischen Arbeitgebern
1961 insgesamt über 18 Mrd. Dollar für die diversen "fringe benefits"
aufgewendet. Das sind 11,5 Mrd. Dollar mehr als 1950. Im Vergleich
hierzu: 1935 betrugen die gesamten Lohnnebenleistungen der amerikanischen Wirtschaft lediglich 500 000 Dollar.
Auch der Anteil der "fringe benefits" an den gesamten Lohnkosten
hat sich im vergangenen Jahr weiter erhöht. Während dieser Anteil im
Jahre 1929 weniger als ein Prozent ausmachte und 1950 noch rund fünf
Prozent betrug, lag er 1961 bei 7»5 Prozent. Insgesamt sind die Lohnnebenkosten in der US-Wirtschaft in den letzten Jahren doppelt so
schnell angestiegen als Löhne und Gehälter.
Als "fringe benefits" gelten in den USA sämtliche gesetzlichen und
privaten Sozialleistungen, wie die Unternehmerbeiträge zu den privaten
Pensions- und Wohlfahrtsfonds, zu Unfall-, Kranken- und Erwerbslosenund anderen Sozialversicherungen sowie die Aufwendungen für Urlaubsgelder und die Feiertagsbezahlung.
(Quelle: Eigenbericht)

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Elektrikergewerkschaft erreichte 25-Stunden-Woche
Ein beachtenswertes neues Tarifabkommen, das den organisierten
Arbeitnehmern nicht nur höhere Löhne und Sozialleistungen, sondern auch
eine 25-Stunden-Woche ab 1. Juli dieses Jahres sichert, hat kürzlich
der Ortsverein Nr. 3 der Elektrikergewerkschaft in New York mit den
Vertretern von 120 Unternehmern abgeschlossen. Ursprünglich hatte die
Gewerkschaft den 4-Stunden-Tag gefordert.
Auf Grund des neuen Tarifabkommens werden die Stundenlöhne der
Elektriker von gegenwärtig 4&gt;40 Dollar auf 4&gt;9&amp; Dollar angehoben,
während gleichzeitig die Arbeitszeit von täglich sechs auf fünf Stunden
herabgesetzt wird. Da sich die Arbeitnehmer jedoch gleichzeitig bereit
erklärt haben, täglich eine zusätzliche sechste Stunde gegen Überstundenbezahlung (7,44 Dollar) abzuleisten, wird sich die Gesamtarbeitswoche
praktisch jedoch auf 30 Stunden stellen. Die bisherige Regelung sah
eine 30-Stunden-Normalarbeitswoche und täglich eine zusätzliche Arbeitsstunde mit Überstundenbezahlung, also insgesamt 35 Wochenstunden vor.
Trotz der neuen Lohnerhöhungen werden die New Yorker Elektriker ab
1. Juli dieses Jahres pro Woche jedoch 3,80 Dollar weniger in ihrer

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�i h r e r Lohntüte v o r f i n d e n , denn während s i e nach dem d e r z e i t g ü l t i g e n
V e r t r a g b e i 30 Normal- und 5 Überstunden pro Woche 165,00 D o l l a r e r h a l t e n , bekommen s i e dann - bei a l l e r d i n g s nur insgesamt 30 Wochenstunden - nur 161,20 D o l l a r .
,Der ab 1 . J u l i 19^2 g ü l t i g e neue V e r t r a g hat e i n e
von 2 Jahren und wird am 3 0 . Juni 19^4 a u s l a u f e n .

(Quelle:

•

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*

*

•

#

Gesamtlaufzeit

Eigenbericht)

*

Vollbeschäftigung auch in den USA erreichbar
Die Vollbeschäftigung sei auch in den Vereinigten Staaten realisierbar, wenn in dieser Hinsicht gezielte Anstrengungen von Regierung und
Wirtschaft unternommen würden, erklärte der amerikanische Arbeitsminister, Arthur J. Goldberg, kürzlich vor der "Association of Public .
Affairs Institutes" der US-Handelskammer in Washington.
Nach Goldbergs Ansicht läßt sich die Vollbeschäftigung durch
das folgende 5-Punkte-Programm erreichen:
1. Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate durch Modernisierung
der Produktionsanlagen, Ausweitung der Kapazitäten sowie Liberalisierung der amerikanischen Handelspolitik zwecks Gewinnung
neuer Auslandsmärkte.
2. Angemessener, wirtschaftlicher und sozialer Schutz für die erwerbslosen Arbeitnehmer im Rahmen eines umfassenderen Arbeitslosenversicherungssystems .
3« Bundesstaatliche Maßnahmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.
4. Steuervergünstigungen für die Wirtschaft - als Anreiz für die
Unternehmen, ihre Betriebe zu modernisieren und ihre Absatzmärkte
auszuweiten.
5. Liberalisierung des Handels.
Der US-Arbeitsminister wies in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß diesen fünf Punkten entsprechende Gesetzesvorlagen bereits dem
Kongreß zugeleitet worden sind.
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung
in der Industrie

Seite

1

435-Millicmen-Dollar-Programm für die Umschulung
von Arbeitslosen

Seite

10

Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine
Wirtschaftspolitik

Seite

11

Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der
Stahlindustrie

Seite

15

Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung in der Industrie
Die neue als "Computer process control" (CPC) bekannt gewordene
Verfahrenstechnik, bei der die elektronischen Rechen- und Kontrollgeräte die zu treffenden Produktionsentscheidungen selbst auf Grund
der verschiedenen Paktoren analysieren und selbsttätig die folgerichtigen Maßnahmen auslösen, beginnt sich immer mehr durchzusetzen. Zwar
sind vollautomatische Produktionsanlagen immer noch verhältnismäßig
selten, aber die Unternehmen der Stahl-, Kunststoff-, Erdöl-, Zement-,
der chemischen Industrie und Kraftwerkindustrie befassen sich gegenwärtig sehr ernsthaft damit, inwieweit und in welcher Form sie die
aus dieser Produktionskontrolle mittels elektronischer Geräte resultierenden Vorteile für ihre speziellen Aufgaben auswerten können.
Als vor rund zwölf Jahren die ersten Digitalrechner in größeren
Mengen auf den Markt kamen, behauptete man allgemein, daß diese neuen
Maschinen über kurz oder lang die vollständige Kontrolle über die

-1

�die industriellen Produktionsverfahren übernehmen und den Menschen aus
der Produktion vollkommen ausschalten würden. Trotz ihrer unverkennbaren Vorteile in puncto Zeit und Genauigkeit jedoch waren diese ersten
Steuerungs- und Kontrollautomaten den ihnen zugewiesenen Aufgaben nicht
gewachsen: sie arbeiteten unzuverlässig, sobald sie einmal für mehrere
Stunden ständig in Betrieb waren.
Der Durchbruch
Dann jedoch wurden die Transistoren und anderen Zubehörteile entwickelt, die im Gegensatz zu den bis dahin verwendeten Vakuumröhren
nicht durchbrannten oder - wie die ersten Relais - schnell verschlissen.
Diejenigen, die schon damals fest an die Möglichkeiten der Automatisierung glaubten, konnten nun darangehen, ihre bis dahin nicht zu verwirklichenden hervorragenden Theorien in die Praxis umzusetzen.
Vor etwa vier Jahren war es dann möglich, Elektronenrechner zu
einem vernünftigen Preis herzustellen, die Tag und Nacht in Betrieb
gehalten werden konnten und dabei eine Zuverlässigkeitsrate von mehr
als 99 Prozent entwickelten. Die heutigen Elektronenrechner übertreffen
diese Zuverlässigkeitsrate nicht nur, sondern stehen für die Produktion
- selbst wenn man die Wartungszeit als unproduktive Zeit abrechnet zu 99 Prozent der Gesamtzeit zur Verfügung.
Zahllose Anwendungsbereiche
Natürlich ist die Automatisierung nicht allein auf die vollautomatische Fabrik anwendbar; auch in den Büros und Industriebetrieben
führen heute bereits viele Hunderte Elektronenrechner sehr arbeitsintensive und ungewöhnliche Tätigkeiten weitaus besser durch als menschliche Arbeitskräfte! sie erstellen Mischungsformeln für Viehfutter;
bearbeiten, errechnen und saldieren riesenlange Lohnlisten und Bankauszüge; sie registrieren laufend den Bestand der Warenhausläger oder
buchen etwa die Plätze in Verkehrsflugzeugen. Automatische Werkzeugmaschinen, die von elektronischen Rechnern gesteuert werden, vollbringen
in amerikanischen Fabriken seit Jahren außerordentliche Leistungen.
In der Baustoffindustrie z.B. wurde ein automatisches Herstellungsverfahren für Betonplatten und -blocke eingeführt, das doppelt soviel
leistet wie die bisherigen Verfahren und außerdem auch noch billiger
ist. Von elektronischen Geräten gesteuert und kontrolliert, können
hier mit nur wenigen Arbeitskräften alle 15 Sekunden neun Betonblöcke
hergestellt werden, wobei diese Anlage sogar noch in der Lage ist, die
Blöcke in verschiedenen Formen und Größen, als hohle oder feste, leichte
oder schwere Körper herzustellen.
Die Anwendungsmöglichkeiten für die Automation sind tatsächlich
so vielfältig geworden, daß der Begriff "Automation" heute mitunter
auch schon bei zahlreichen mechanischen Verbesserungen Anwendung findet, bei denen es sich praktisch lediglich um Verbesserungen älterer
Produktionsverfahren handelt. Das Grundprinzip der "automatischen Fabrik" - d.h. für ein sich selbst regulierendes und auf dem "Feedback"System beruhendes Produktionsverfahren - gewann erst mit der Entwicklung des ersten Digitalrechners, des Vorläufers der heutigen Großrechentanlagen, Form und Gestalt.
_. „
'
Einfachere

2

�Einfachere und schon seit langem verwendete Formen des "Feedback"
waren z.B. die Thermostate zur Regulierung der Zimmertemperatur, die
Spannungsregler zur Kontrolle des Energieflusses im elektrischen System
von Automobilen und die Regler in den Dieselmotoren und Dampfturbinen.
In der Vakuum-Radioröhre erhielt das "Feedback" schon eine präzisere
Bedeutung, denn das Ausstrahlen und Verstärken von Radiowellen beruht
darauf, daß ein Teil des von der Röhre ausgesandten Signals zwecks
Kontrolle der Schwingungs- und Verstärkungsenergien in den Stromkreis
zurückgeführt wird. Und dies ist auch das "Feedback"-Prinzip, das die
Automation von den früheren Schritten auf dem Wege zur Mechanisierung
unterscheidet.
Aber auch ohne Elektronenrechner sind kleine Gruppen von Arbeitern
beispielsweise durchaus in der Lage, eine große Anzahl von Standardkontrollgeräten zu überwachen, die etwa die Temperatur, den Druck, die
Durchsatzmengen und andere Faktoren eines Produktionsprozesses registrieren.
Die technische Entwicklung
Der erste Schritt bei der Einbeziehung der Elektronenrechner in
die Verfahrenskontrolle bestand darin, daß der Operateur die Daten
von thermostat-ähnlichen Instrumenten abzulesen und sie dem Rechner
"einzugeben" hatte. Auf Grund dieser Informationen ermittelte dann
der Rechner die besten Einstellungskombinationen für die Kontrollinstrumente und Regler. Der nächste Schritt war dann, die einzelnen
Registriergeräte direkt mit dem Rechner zu verbinden. In beiden Fällen
jedoch mußte der Operateur jeweils die Kontrollgeräte auf die vom
Rechner ermittelten Werte einstellen.
Bei dem neuesten CPC-Verfahren sind aber sowohl die Registrierais auch die Kontrollinstrumente direkt mit dem Rechner verbunden.
Ein Fachmann beschrieb die Wirkungsweise dieses Kontrollsystems
wie folgt: "Da das Gerät über ein eigenes Kommunikationsnetz mit Hunderten von Instrumenten verbunden ist, kann es auch in sehr schneller
Folge die kritischen Werte des Produktionsprozesses erfassen. Diese
Werte werden anschließend von dem Rechner daraufhin analysiert, wie
der gesamte Prozeß abläuft, und nur die unheimliche Arbeitsgeschwindigkeit des Gerätes macht es erst möglich, genau zu analysieren, was
gerade während eines Produktionsprozesses hier oder dort vor sich
geht, etwa in einem Walzwerk, wo die Stahlplatten mit einer Geschwindigkeit von über 50 Kilometern durch die Walzstraße laufen, oder in
einem chemischen Werk, wo Tausende von Kalkulationen gemacht werden
müssen, um den exakten Stand des Herstellungsprozesses zu ermitteln."
"Nach erfolgter Analyse der einzelnen Faktoren stellt dann der
Rechner seine 'Überlegungen'1 an und ermittelt, welches Ventil oder
Lager, welcher Brenner oder sonst ein Maschinenteil nachgestellt oder
gewartet werden muß. Daraufhin trifft er dann seine Entscheidung, die
er auch gleichzeitig selbst in die Tat umsetzt. Über das Nachrichtennetz schickt er seine 'Anordnungen' an die jeweiligen Regler, die ihrerseits selbsttätig die entsprechenden Korrekturen an den Produktionsmaschinen vornehmen oder diese abschalten. Und das Erstaunliche dabei

-

3 -

�dabei ist, daß der Elektronenrechner diese Operationen Hunderte Male
täglich, Tag für Tag, Woche für Woche, ohne Pause und ohne menschliche
Überwachung ausführen kann. In den kurzen Arbeitspausen fertigt er
dann sogar noch ein vollständiges und lückenloses Logbuch über den
Produktionsablauf an."
Die technischen und wirtschaftlichen Probleme
Obwohl die Automatisierung einerseits viele neue Möglichkeiten
schafft, so bringt sie doch auch andererseits zahlreiche Probleme mit
sich. Die von ihr in der Industrie heute ausgelöste technologische
Umwälzung vollzieht sich nämlich weitaus schneller als die technischen
Entwicklungen früherer Zeiten. Umfassende Studien über die Auswirkungen
der Automatisierung auf die Gesamtwirtschaft und das Arbeitspotential
wurden und werden von zahlreichen Stellen und Ämtern der amerikanischen
Regierung mit dem Ziel durchgeführt, eine Lösung sowohl des menschlichen
als auch des technischen Problems zu finden. Überall dort, wo die
Automation eingeführt wurde, ob in Fabriken oder in Büros, fanden zunächst vielfach zwischen Management und Gewerkschaften eingehende
Beratungen statt, die meist auch zur Aufstellung von detaillierten
Umstellungsprogrammen führten, um unnötige menschliche und wirtschaftliche Härten zu vermeiden.
Wie schnell andere Industrien dazu übergehen können, ihre Produktionsanlagen voll zu automatisieren, hängt in großem Maße davon
ab, bis zu welchem Grade die entsprechenden Unternehmen ihre Pro*»
duktionsverfahren im Detail kennen. Denn weil die Programmierung des
Elektronenrechners den Angelpunkt des gesamten Kontrollsystems bildet,
ist es nämlich erforderlich, den gesamten Produktionsablauf in allen
technischen Einzelheiten genau zu analysieren und ihn im Rahmen eines
komplizierten Programms festzulegen.
Dennoch, die Kosten umfassender und detaillierter Verfahrensanalysen machen sich letzten Endes insofern bezahlt, als gerade diese
technischen Untersuchungen erstaunlich oft zahlreiche neue Erkenntnisse
über die angewendeten Produktionsverfahren bringen. Auf Grund solcher
Analysen ist es dann vielfach sogar möglich, den Gesamtablauf des
Produktionsverfahrens so entscheidend zu verbessern, daß die Installierung des kostspieligen Kontrollsystems unnötig wird.
Auch dann, wenn das Kontrollsystem installiert worden ist, dürfen
die Verfahrensanalysen niemals eingestellt werden. Die wissenschaftliche Theorie besagt nämlich, daß ein Elektronenrechner seine Leistung
immer wieder verbessern kann. Und alle Korrekturen oder Justierungen,
die er vornimmt, sind ja insofern "Experimente", als sie unter den
tatsächlichen Betriebsbedingungen erfolgen. Die Ingenieure und Techniker können die Resultate dazu verwenden, das Programm des Rechners
noch zu verfeinern, und - auf lange Sicht - drastischere Verbesserungen
im Herstellungsverfahren selbst in Betracht ziehen.
Zukunftsmusik ist dagegen noch ein technisoh weiter verfeinertes
System, die dynamische Kontrolle mittels eines geschlossenen Stromkreises (closed loop control), bei dem der Elektronenrechner seine

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�seine Befehle direkt an die Ventile oder Regler gibt und damit die
Notwendigkeit für thermostat-ähnliche Geräte entfällt. Obwohl diese
Stufe der Automatisierung erst in etwa fünf Jahren erreicht werden
dürfte, erscheint das derzeitige Interesse an Elektronenrechnerkontrollen durchaus gerechtfertigt, vor allem in den vier Grundindustrien: Stahl, Erdöl, Chemie sowie Kraftwerke. Die in diesen Industriezweigen angewendeten Verfahren ähneln sich nämlich in verschiedener Hinsicht, insofern als hier die Energie und das Material ständig
und fast ohne Unterbrechung fließen. Aus diesem Grunde können die
kontinuierlichen Produktionsverfahren auch nach einer mathematischen
Formel aufgebaut und die Rechner so programmiert werden, daß sie die
gesamte Produktionskontrolle übernehmen.
Im Gegensatz hierzu lassen sich die durch verschiedene Produktionsstufen oder -phasen charakterisierten Herstellungsverfahren, wie etwa
die Gesamtmontage von Automobilen, nur sehr schwer auf eine mathematische Formel bringen. Sie sind daher auch für eine Vollautomatisierung
nicht so gut geeignet. Trotzdem aber sind auch hier automatische Maschinen und teilautomatische Verfahren heute allgemein üblich.
Was hat nun die Elektronenrechner-Verfahrenskontrolle solchen
Unternehmen zu bieten, die bereits einen sehr hohen Mechanisierungsgrad aufweisen?
Maximale Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit sind immer
schon durch bessere und schnellere Entscheidungen zu erreichen gewesen.
Andere Vorteile sind: erhöhte Sicherheit und Zuverlässigkeit, genauere
Produktionsplanung, bessere Lagerkontrolle.
Dennoch muß das Management trotz dieser wesentlichen Vorteile sich
mit der Frage auseinandersetzen: Lohnt es sich wirklich, soviel Zeit
und Arbeitskraft für die mathematische Kodifizierung eines Produktionsverfahrens in der Absicht aufzuwenden, einem Elektronenrechner die
Verantwortung für die Produktion zu übertragen? Werden die sich hieraus
ergebenden Produktivitätsgewinne groß genug sein, um sowohl die erforderlichen qualifizierten Wissenschaftler und Ingenlwure als auch die
teueren Maschinen bezahlen zu können? Die Antwort hierauf wird in
jedem Industriezweig - und selbst von Betrieb zu Betrieb - anders
lauten. Eines steht jedenfalls fest, nämlich - daß die Elektronenrechnerkontrolle da ist und sich auch durchsetzen wird.
Praktische Beispiele für die Anwendung der "CPC" in der Industrie
Da es sich bei der Verfahrenskontrolle mittels Elektronenrechner
um die technisch fortschrittlichste Anwendung der Automation handelt,
sei hier im folgenden auf einige praktische Beispiele in verschiedenen
Industriezweigen eingegangen.
1. Kraftwerke: Mitte vorigen Jahres {^^6^) wurden zwei CPC-Kraftwerke in den Vereinigten Staaten in Betrieb genommen. Zwei weitere
befanden sich damals in Bau, während für acht weitere bereits die Baukontrakte abgeschlossen waren.
In

�In einem Industriezweig, in dem von den Maschinen und Betriebsausrüstungen ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit verlangt wird, ist die
Verwendung von elektronischen Kontrolleinrichtungen einfach eine
zwingende Notwendigkeit. Die Betriebsingenieure, die ständig selbst
der geringsten Möglichkeit für eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit
der Produktionsanlagen nachspüren, haben sich deshalb auch sehr schnell
für die Elektronenrechner entschieden. Ihre Argumentes Kraftwerke weisen
bereits heute ein sehr hohes Produktivitätsniveau auf, wobei ihre Gewinnmarge sehr gering, die Menge der erzeugten Energie jedoch sehr groß
ist. Ein anderer Grund dafür, warum gerade die Kraftwerkindustrie sich
so hervorragend für die Umstellung auf Elektronenrechnerkontrollen eignet,
ist die Tatsache, daß sie bereits jetzt eine große Zahl von Elektround Hochfrequenztechnikern beschäftigt. Außerdem sind sich die Kraftwerke im technischen Aufbau viel ähnlicher als etwa die Werke der Stahl-,
Erdöl- oder chemischen Industrie. Daher ist es auch sehr viel leichter,
ein Kraftwerk nach dem anderen mit elektronischen Kontrolleinrichtungen
auszustatten.
Die Probleme der Verfahrenskontrolle in einem Kraftwerk sind praktisch die einer umfassenden Detailanalyse. In Kalifornien z.B. wurden
zwei 21O-Megawatt-Generatorenanlagen neu in einem Dampfkraftwerk installiert, die weitgehend von zwei Großrechenanlagen gesteuert werden.
Durch die CPC-Kontrolle ist es hier dem Betriebsingenieur jetzt möglich, eine abgeschaltete Generatorenanlage durch Betätigung eines
einzigen Kontrollknopfes wieder in Gang zu setzen. Normalerweise erfordert das Anfahren einer Generatorenanlage 6 1/2 Stunden; durch die
Verwendung einer Kontrollautomatik konnte diese Anlaufzeit um zwei
Stunden verkürzt werden. Während der viereinhalbstündigen Vorbereitungszeit führt das Gerät eine Sequenz von rund 1000 Punktionskontrollen durch, wie etwa die Überprüfung des Wasserstandes in den
Dampfkesseln, der Durchflußmengen an Kühlmitteln oder das Anzünden
der Brenner. Ist die gesamte Generatorenanlage angelaufen, so überwacht das Kontrollgerät mittels 15^0 Instrumenten den gesamten Betriebsablauf, d.h. es registriert die Temperaturen, Drücke, Durchflußraten, Umdrehungszahlen der Turbinen usw. Sollte sich einmal
ein Brennstoffmangel ergeben (diese Anlage in Kalifornien wird in
erster Linie mit Naturgas betrieben), so löst das Kontrollgerät automatisch 50 verschiedene Tätigkeiten aus, die erforderlich sind, um die
Brenner auf einen anderen Brennstoff - in diesem Falle Öl - umzustellen.
Im Falle einer Gefahr für die ganze Betriebsanlage ist der Elektronenrechner sogar imstande, Teile eines Aggregats oder die gesamte Anlage
innerhalb weniger Minuten abzuschalten.
Diese Fähigkeit des Kontrollsystems, drohende technische Pannen
rechtzeitig zu erkennen, ist gerade in den Kraftwerken von größter
Bedeutung: ein heißgelaufuius Lager oder ein durchgebrannter Kessel
können hier insofern Millionenschäden verursachen, als die Anlage
bei den erforderlich werdeüden Reparaturarbeiten für Wochen ausfällt.
Nach Ansicht zahlreicher Kraftwerkingenieure wird - in Anbetracht
der großen Zuverlässigkeit &lt;icr elektronischen Kontrollsysteme - dieser
Industriezweig wohl auch der erste sein, in dem Elektronenrechner die
Kontrolle allein und ohne zwischengeschaltete Instrumente durchführen
werden. Gerade die Kraftwerke stehen heute der Einführung des absoluten

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�absoluten elektronischen Kontrollsystems sehr viel aufgeschlossener
gegenüber als alle anderen Industriezweige.
2. Stahlindustrie; Die Verfahren zur Herstellung und Verarbeitung
von Stahl und Eisen sind für elektronische Kontrollsysteme technisch
gesehen gut geeignet. Zahlreiche Werke dieses Industriezweigs sind
daher auch seit einiger Zeit intensiv damit beschäftigt, ihre Anlagen,
vor allem ihre Walzstraßen, auf die Kontrollautomatik umzustellen.
Im Gegensatz zu den Kraftwerken, erfordern diese Verfahrensabläufe
hier keine so riesige Zahl von detaillierten Informationen, wenngleich
auch hier die Produktionsantscheidungen sehr schnell getroffen werden
müssen.
Das modernste und gleichzeitig auch größte und schnellste Walzwerk der USA wird gegenwärtig von der "Great Lakes Steel Corporation"
in Detroit erstellt - eine Anlage, die von einem Spezial-Elektronenrechner kontrolliert werden wird. Rund 50 Zentimeter dicke Rohblöcke
sollen hier später auf der aus 12 Walzen bestellenden Straße zu dünnen
Blechen ausgewalzt werden. Beim Durchlaufen der Walzstraße wird die
Geschwindigkeit des immer länger werdenden Stanlbandes ständig erhöht,
so daß es schließlich an der letzten Walze ei*»e Geschwindigkeit von
900 Metern in der Minute (54 km/st) erreicht. Verschiedene entlang
der Walzstraße angebrachte Meßlehren melden da/bei fortwährend die
genaue Stärke des Bandes sowie die Spannungen des Stahls während der
verschiedenen Bearbeitungsphasen an das Elektnpnengehirn, so daß der
Rechner sofort ermitteln und entscheiden kann,, wie etwa die Geschwindigkeit oder der Walzendruck korrigiert werden müssen, damit am Ende
der Straße ein gleichmäßig dickes, genau den Normen entsprechendes
Produkt herauskommt. Nach Ansicht der Werksleitung wird dieses Werk
in der Lage sein, Stahl in einer bisher nicht erreichten Uniformität
zu erzeugen. "Qualität ist der hauptsächliche Vorteil, der sich für uns
aus der CPC-Kontrolle ergibt. Während normalerweise die Abweichungen
der Walzprodukte in der Stärke 0,15 Millimeter betragen, werden sie
bei der neuen Anlage nur 0,076 Millimeter ausmachen - d.h. fast nur
noch die Hälfte."
In einem Weißblechwerk der "Jones &amp; Laughlin Corporation" ist
ein Durchlauf-Glühofen seit mehr als einem Jahr in Betrieb. Gerade
in diesem Werk werden die große Arbeitsgeschwindigkeit und die Anpassungsfähigkeit dieser Kontrollsysteme besonders deutlich. Die Stahlbänder laufen hier mit einer Geschwindigkeit von 600 Metern in der
Minute durch den Glühofen. Der Elektronenrechner kontrolliert dabei
nicht nur die Zonentemperatur-Regulatoren im Glühofen, sondern registriert auch laufend die Veränderungen im Material während der Verarbeitung und regelt die Ofentemperatur, wenn eine neue Charge eingesetzt wird.
Noch nicht gelöst, aber bereits Gegenstand umfangreicher Forschungen und Untersuchungen ist das Problem, wie man einen Elektronenrechner für die Verfahrenskontrolle bei einem Hochofen einsetzen
kann. So hat ein Unternehmen kürzlich mittels einer Großrechenanlage
den gesamten Produktionsablauf in einem Hochofen simuliert. Innerhalb
von drei Minuten bewältigte der Rechner dabei die Auswertung von verschiedenen Produktionsabläufen unter Zugrundelegung variabler Größen

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�Größen wie Blastemperatur, Sauerstoff- und Brennstoffgehalt usw. eine Analyse, für die in der Praxis, d.h. unter Verwendung eines
richtigen Hochofens, 24 Jahre erforderlich wären. Die Auswertung
der Ergebnisse des Elektronenrechners zeigte, daß sich die Hochofenleistung bis zu 30 Prozent steigern läßt, wenn die verschiedenen
Faktoren in ein optimales Verhältnis zueinander gebracht werden
können.
3« Ölindustrie: Auch die Ölgesellschaften, die sich gegenüber
den Elektronenrechnern von Anfang an aufgeschlossen zeigten, haben
inzwischen zahlreiche Anwendungsbereiche für die '*CPC" erschlossen.
Das erste integrierte System einer Elektronenrechiterkontrolle Elektronenrechner, Kontrollgeräte, Instrumente - *»urde von der "Universal Oil Products Company" für die Destillierung vun Paraffin aus Benzin
eingeführt, und die erste von einem Elektronenrechner kontrollierte
Produktionsanlage für die Erzeugung eines kommerzueilen Produkts in
den Vereinigten Staaten war die Polymerisationsan^ge der Texaco in
Texas, die seit mehr als einem Jahr in Betrieb ist.
Aber selbst ohne den Ausbau der Elektronenrechnerkontrollen zu
geschlossenen Kontrollsystemen für ihre Produktionsverfahren haben
die Ölgesellschaften erfolgversprechende Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. Auch die theoretische Analyse von Produktionsabläufen und
Vertriebsproblemen mittels Elektronenrechner hat sich als äußerst
fruchtbar erwiesen.
Der bisher wohl ehrgeizigste Test zur CPC wird gegenwärtig von
der "American Oil Company" in ihren Raffinerieanlagen in Whiting
(Indiana) durchgeführt. Seit zwei Jahren werden hier von einer RöhrenDestillationsanlage täglich 140 000 Fass Rohöl durchgesetzt und dabei zehn verschiedene Produkte erzeugt. Die Produktionsmenge hängt
zwar von weit über einhundert variablen Faktoren ab, wie aber eine
eingehende Verfahrensanalyse ergab, sind nur 19 dieser Faktoren von
solcher Bedeutung, daß sie eine Elektronenrechnerkontrolle rechtfertigen. Diese 19 Faktoren mußten jedoch mit rund 160 anderen, die
physische Leistungsgrenze der Anlage bestimmenden Werten in Beziehung
gebracht werden. Andere mit in die Analyse einzubeziehende Werte waren
das Wetter, die Zuflußgeschwindigkeit, Zusammensetzung der Einsatzstoffe sowie die Produktionspläne. Zu diesem Wust von Details wurden
dann noch die veränderlichen wirtschaftlichen Größen hinzugefügt:
Preise, Kosten, Rohmaterialmengen, Verbrauch an Energie und Rohstoffen.
Aus dieser Unsumme von Einzelinformationen wurde ein Produktionsprogramm für eine Elektronenrechnerkontrolle mit insgesamt 75 000
Anweisungen entwickelt. Und obwohl hier nur 196 Instrumente laufend
abgelesen und die Ergebnisse ausgewertet werden müssen, ist dieser
Produktionsprozeß so kompliziert, daß selbst der ungemein schnell arbeitende Elektronenrechner fünf Minuten benötigt, um alle Details
nacheinander einmal zu erfassen und auszuwerten.
Über die bisherigen Ergebnisse sind die Techniker dieses Unternehmens sehr befriedigt; sie planen jetzt, ein CPC-System für den

-

8

�den Produktionsprozeß, durch den der Oktangehalt des Ben ins
erhöht wird, und später auch ein System für die katalytischen
Crackanlagen und die Alkylationsverfahren einzuführen.
Ein Kontrollsystem, das noch komplizierter ist als das eben
beschriebene, wird in einer Raffinerie in der Nähe von Los Angeles
angewendet. Sehr ungewöhnlich ist in diesem Falle auch, daß der
Elektronenrechner, der die gesamte Anlage kontrolliert und überwacht,
sich nicht in der Raffinerie selbst befindet, sondern 64O km nördlich davon in San Francisco aufgestellt wurde. Die Kapazität dieses
Elektronenrechners ist so groß, daß es möglich ist, noch andere
Raffinerien mit ähnlichen Produktionsprogrammen an dieses Kontrollsystem anzuschließen.
4. Chemische Industrie: Die chemische Industrie benötigt in
erster Linie Elektronenrechner, die in der Lage sind, eine enorm
große Anzahl von Berechnungen laufend durchzuführen. Da es sich
aber bei chemischen Produktionsverfahren um verhältnismäßig langsam
ablaufende Prozesse handelt, sind entsprechende Korrekturen auch
nicht so häufig erforderlich. Ein großes Werk in Kentucky verwendet
einen Elektronenrechner für zwei verschiedene Aufgaben: einmal
kontrolliert er die Erzeugung von Vinylchlorid, einem Ausgangsprodukt
für Kunststoffe, und zum anderen registriert und analysiert er kontrolliert aber nicht - einen anderen Produktionsprozeß, die Herstellung von Acrylnitril. Das einzige von einem Elektronenrechner
gesteuerte amerikanische Chemiewerk, in dem Grundchemikalien erzeugt
werden, befindet sich in der Nähe von New Orleans. Es handelt sich
um das Barton-Werk der Monsanto Chemical Company, das synthetisches
Ammoniak erzeugt.
Bei der Einrichtung dieser Anlage spielten sowohl wissenschaftliche als auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. Eine neue,
in hohem Grade mechanisierte Anlage eignet sich besonders gut für
die Automation. Da es sich hierbei um einen kontinuierlichen Prozeß
handelt, ist die Produktionskapazität der Anlage weitgehend von
der Gasmenge abhängig, die die großen Kompressoren in die Reaktionsbehälter pumpen. Die Kompressorenleistung wiederum hängt aber ganz
vom Wetter ab, denn an heißen und trockenen Tagen ist sie weitaus
geringer als an kühlen und feuchten Tagen. Aber auch für den Produktionsprozeß selbst ist der Feuchtigkeitsgehalt ein wichtiger
Faktor, denn das Produktionsergebnis wird weitgehend durch den Feuchtigkeitsgehalt der Luft bestimmt, die von außen her in die Kessel
gepumpt wird.
Das elektronische Kontrollgerät in dem Ammoniakwerk kann deshalb die Produktion auf einer Maximalhöhe halten, weil es sehr schnell
die jeweils erforderlichen Korrekturen vornehmen kann. In einer Anlage
in der täglich 500 Tonnen Ammoniak hergestellt werden, schlägt sich
eine höhere Produktionsleistung im Laufe eines Jahres schon in einer
beträchtlichen Menge Kunstdünger nieder.
Verschiedene ölfirmen überprüfen gegenwärtig auch die Vorteile,
die sich durch eine vollkommene Umstellung der Produktion auf elektronische Kontrollen ergeben würden, wenngleich sie sich völlig

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�völlig darüber im klaren sind, daß es auch noch andere Möglichkeiten
für sie gibt, mittels Elektronenrechner die Leistungsfähigkeit ihrer
Anlagen zu erhöhen. Elektronenrechner, ganz gleich, ob sie aktiv an
der Produktionskontrolle beteiligt sind oder nur "überwachende"
Funktionen ausüben, können immer zum Vorteil eingesetzt werden.
Die Ingenieure der chemischen Industrie haben festgestellt, daß sich
mit Hilfe der Elektronenrechner leistungsfähige Kontrollpläne für
die verschiedenen Produktionsphasen entwickeln lassen. Neben Kompressorenanlagen wurden auch Destillationskolonnen und Wärmeaustauscher mit
Erfolg analysiert.
Aus diesem Grunde sind die Verfahrenskontrollen mittels Elektronenrechner nur der letzte, markanteste Schritt in Richtung auf die
Vollautomatisierung - aber Dutzende anderer Anwendungsmöglichkeiten
werden ihren Spuren folgen,
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

455-Mi'llionen-Dollar-Programm für die Umschulung von Arbeitslosen
Mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes über die Umschulung
von Arbeitskräften durch den Kongreß ist die amerikanische Regierung jetzt in der Lage, ein umfassendes Umschulungs- und Fortbildungsprogramm für all diejenigen Arbeitskräfte durchzuführen, die
ihre Arbeitsplätze auf Grund der Automatisierung in den vergangenen
Jahren verloren haben.
Gleichzeitig wird der US-Arbeitsminister durch das neue Gesetz
ermächtigt, in Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten eingehende Studien über die Auswirkungen der Automatisierung auf die Beschäftigungsstruktur und den Arbeitsmarkt durchzuführen sowie entsprechende Umschulungsprogramme auszuarbeiten, in deren Rahmen die "technologischen
Arbeitslosen" auf neue Berufe umgeschult und vorbereitet werden
können. Insgesamt stehen der amerikanischen Regierung 435 Millionen Dollar
während der nächsten drei Jahre für diese Zwecke zur Verfügung,
Ein sehr erheblicher Teil dieser Mittel ist dabei für die staatlichen Umschulungsbeihilfen vorgesehen, die das Gesetz all jenen
Arbeitnehmern zusichert, die an derartigen Umschulungsprogrammen
teilnehmen. Die Höhe dieser Beihilfen wird sich in der Regel mit
den Unterstützungssätzen der Arbeitslosenversicherung in den einzelnen Bundesstaaten decken und dürfte zwischen 55 Dollar (Hawaii), 50
Dollar (New York) und 30 Dollar wöchentlich (in vielen der anderen
Bundesstaaten) liegen. Ausgenommen von dieser Regelung sind lediglich
die Altersgruppen zwischen 19 und 21 Jahren, für die wöchentliche
Beihilfen von nur 20 Dollar vorgesehen sind. Diese Ausnahmeregelung
wurde deshalb in das Gesetz aufgenommen, weil sonst viele der 19- bis

10 -

�bis 21jährigen, die auf Grund ihres vorzeitigen Schulabgangs bisher
nicht in der Lage waren, einen festen Arbeitsplatz zu erhaltta, überhaupt keine Unterstützung bekämen. Das Gesetz schreibt nämlich vor,
daß nur solche Arbeitnehmer umschulungsberechtigt sein sollen, die
u.a. eine dreijährige berufliche Tätigkeit nachweisen können.
Die hauptsächlichen Nutznießer des neuen Programms werden vor
allem die verheirateten Arbeitnehmer sein, die ihren Arbeitsplatz
deshalb verloren, weil ihre handwerklichen oder beruflichen Fähigkeiten durch die technische Entwicklung überholt wurden. Das gleiche
trifft auch für die Farmerfamilien der unteren Einkommensgruppe zu, die
ebenfalls Anträge auf Umschulung stellen können.
Um an den staatlichen Umschulungsprogrammen teilnehmen zu können,
müssen sämtliche Personen über 21 Jahre entweder verheiratet oder
aber Haushaltsvorstand sein und mindestens eine dreijährige Berufspraxis nachweisen können. Alle, die diese Voraussetzungen erfüllen,
können sich auf den Arbeitsämtern, wo sie vor Fachleuten eine Eignungsprüfung ablegen müssen, für die Umschulung einschreiben lassen. Damit
soll sichergestellt werden, daß die Umschüler auch wirklich auf Berufe
vorbereitet werden, die ihren Fähigkeiten entsprechen.
Die Umschulung selbst erfolgt entweder in den bundesstaatlichen
Berufsschulen oder an industriellen Arbeitsplätzen unter Aufsicht von
geeigneten Meistern und Facharbeitern.
Das neue Ausbildungs- und Umschulungsprogramm wird am 1 . Juli
dieses Jahres beginnen und vorläufig bis zum 30. Juni 19^5 (Ende
eines Haushaltsjahres) durchgeführt werden. Während im ersten Jahr
insgesamt 100 Millionen Dollar für die Durchführung des Programms
bereitstehen, werden es in den beiden folgenden Jahren je 165 Millionen Dollar sein* Fünf Millionen Dollar wurden außerdem für die Vorbereitungsarbeiten zur Verfügung gestellt.
Das neue Gesetz über die Umschulung von Arbeitskräften, die
auf Grund der Automatisierung freigesetzt wurden, ist Teil des Gesamtprogramms der amerikanischen Regierung für die Beseitigung der
Arbeitslosigkeit und zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums.
(Quellet Eigenbericht)
* * * * *

Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine Wirtschaftspolitik
Nachdem Präsident Kennedy kürzlich seine wirtschaftspolitischen
Konzeptionen den Vertretern der Wirtschaft mit aller Offenheit und
Eindringlichkeit vorgetragen hatte, nahm er jetzt den Jahreskongreß
der Automobilarbeitergewerkschaft zum Anlaß, um vor den Vertretern
der Arbeitnehmerorganisationen die wirtschaftspolitischen Ziele
seiner Regierung zu umreißen und auch ihnen klarzumachen, welch eine

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�eine "große Verantwortung Unternehmer und Gewerkschaften gegenüber
der öffentlichkeifhaben.
Kennedy dokumentierte mit dieser Rede erneut, daß seine Regierung nicht geneigt ist, wirtschaftspolitische Rücksichten auf
irgendeine Interessengruppe zu nehmen, und daß seine Wirtschaftspolitik
ganz klar darauf ausgerichtet ist, dem Ganzen zu dienern "Was
den Vereinigten Staaten als Gesamtheit zum Vorteil gereicht, wird
auch letztlich jedem amerikanischen Unternehmen und jeder amerikanischen Gewerkschaft von Nutzen sein,"
Was dem Lande unbedingt zum Vorteil gereicht, ist nach Kennedys
•Worten ein im wesentlichen nichtinflationäres wirtschaftliches
Wachstum - eine Expansion, die die Vollbeschäftigung und technischen
Portschritt gewährleistet und durch die die Vereinigten Staaten in
die Lage versetzt werden, ihren Verpflichtungen auf wirtschaftsund sozialpolitischem Gebiet im In- und Ausland nachzukommen. Dieses
angestrebte Wachstum, das Kennedy als "die größte Herausforderung
der sechziger Jahre" bezeichnete, sei nur über eine steigende Produktivität zu erreichen, durch die allein die einzelnen Segmente
der Wirtschaft profitieren würden - die Unternehmer in Form höherer
Gewinne, die Arbeitnehmer in Form höherer Löhne, die Verbraucher
durch stabile und niedrigere Preise und die Exporteure schließlich
in Form vermehrter Absatzchancen auf den Weltmärkten.
Nach Ansicht der Kennedy-Administration laufen daher ungerechtfertigte, die Grenzen der Produktivitätszunahmen sprengende und die
Preise erhöhende Lohnforderungen den nationalen Interessen genauso
zuwider wie die sich ebenfalls in höheren Preisen niederschlagenden
höheren Profitforderungen.
Während Kennedy vor den Vertretern der amerikanischen Handelskammern die Notwendigkeit stabiler Preise von der Gewinnseite her
beleuchtete, waren es auf dem Gewerkschaftskongreß die Lohnseite
und die lohnpolitischen Konsequenzen, die er den Gewerkschaftern
eindringlich vor Augen führte. Aber auch hier betonte der Präsident mit allem Nachdruck, daß seine Regierung nicht die Absicht
habe, in Friedenszeiten Zuflucht zu einer Lohn- und Preisbindung
zu nehmen. Die Regierung könne zwar gewisse Richtlinien für die
Wirtschaft umreißen, aber keine allgemeingültige Formel für jeden
einzelnen Betrieb und jeden Industriezweig aufstellen. Ebenso
könne sie Ziele und Punkte des nationalen Interesses ansprechen,
sie habe aber nicht die Macht - und beanspruche sie auch nicht -,
Zwangsmaßnahmen auf dem Gebiet der Löhne und Preise durchzusetzen.
Die Festsetzung der Preise und Löhne sei Sache der Unternehmer
und Gewerkschaften, die in den TarifVerhandlungen die notwendigen
und den nationalen Interessen dienenden Entscheidungen freiwillig
vorzunehmen hätten. Hierbei könnte als Richtwert - aber nicht notwendigerweise als starre Formel - die dreiprozentige jährliche
Produktivitätszunahme dienen, die der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten als Durchschnittswert für die gesamte Wirtschaft errechnet
hat.
Kennedy

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�Kennedy hatte vor dem UAW-Kongreß im Vergleich zur Tagung der
Amerikanischen Handelskammer schon insofern eine leichtere Aufgabe,
als er hier vor einer Organisation sprach, die ihn bereits in der
Vergangenheit unterstützte und die sich zudem überraschenderweise
noch am Tage zuvor in einer Erklärung dafür ausgesprochen hatte,
die Bemühungen der Regierung auch weiterhin zu unterstützen, "eine
Erhöhung der Löhne und Lohnnebenleistungen über die steigende Produktivität und nicht über Preiserhöhungen zu erreichen". Präsident
Kennedy bescheinigte der Gewerkschaft denn auch ihren "hohen Verantwortungssinn gegenüber der Öffentlichkeit".
Lieser Verantwortungssinn kann aber schon in den nächsten
Wochen auf eine sehr ernste Probe gestellt werden, und zwar sowohl
in der Automobilarbeitergewerkschaft als auch in anderen Arbeitnehmerorganisationen. Lenn die UAW-Gewerkschaft z.B. wird bei den kommenden
TarifVerhandlungen in der Flugzeug- und Raketenbauindustrie eine bedeutende Rolle spielen, und auch bei den Eisenbahnern kündigen sich
schwerwiegende l.ohnpolitische Auseinandersetzungen an.
(Quellet Eigenbericht)
* * * * *

Lie Bedeutung des neuen Tarifvertrages der Stahlindustrie
Als einen großen wirtschaftlichen Erfolg für die gesamte Nation
bezeichneten die amerikanischen Zeitungen in ihren Kommentaren allgemein das zwischen den Tarifpartnern der Stahlindustrie abgeschlossene
neue Abkommen. Man sprach dabei von einem Musterbeispiel im amerikanischen TarifVerhandlungswesen, denn keine Seite habe das bekommen, was
sie gefordert habe. Was schließlich in den Verhandlungen konkretisiert
wurde, sei insofern ein begrüßenswerter Kompromiß, als nicht nur das
Management und die Gewerkschaft daraus Vorteile ziehe, sondern auch
die Gesamtwirtschaft.
Und gerade die gesamtwirtschaftlichen Belange sind es denn auch,
die den bedeutendsten Aspekt des neuen Abkommens darstellen. Lenn mit
diesem am 1. Juli dieses Jahres in Kraft tretenden Lohnabkommen der
US-Stahlindustrie wird zum ersten Mal seit zehn Jahren der verhängnisvolle Zyklus der jährlichen Lohn- und Preiserhöhungen in diesem wichtigen Industriezweig durchbrochen - verhängnisvoll insofern, als gerade
die Lohn- und Preiserhöhungen der Stahlindustrie in all den Jahren
einen sehr wesentlichen Einfluß sowohl auf die gesamte industrielle
Lohnstruktur als auch auf das allgemeine Preisniveau hatten.
Auch die konjunkturelle Entwicklung in diesem Jahr wird durch das
neue Abkommen sehr günstig beeinflußt werden, und da die Verhandlungen
bereits ein Vierteljahr vor Auslaufen des derzeitig gültigen Vertrages
abgeschlossen wurden, wird es in diesem Jahr auch zu keinen unkontrollierbaren und das gesamte Wirtschaftsbild verzerrenden Hortungskäufen der
Stahlverarbeiter kommen, so, wie es zum Beispiel vor zwei Jahren der
Fall war, als die gesamte wirtschaftliche Entwicklung durch den 116
Tage dauernden Stahlarbeiterstreik außer Tritt gebracht und ein

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�ein wirtschaftlicher Rückgang eingeleitet wurde. Allein schon aus
diesen Gründen dürfte das neue Stahlabkommen zu einer Stabilisierung
und Erhaltung der Konjunktur beitragen.
Was hat aber die beiden Sozialpartner, insbesondere jedoch die
Gewerkschaft, nun veranlaßt, ihre Forderungen - vor allem auf lohnpolitischem Gebiet - zurückzustecken und einen Tarifvertrag abzuschließen, der nach Ansicht sowohl der Regierung als auch der -Wirtschaftsexperten in seinem Charakter nichtinflatoricch ist?
Hierfür gibt es drei Gründe« 1. den zunehmenden ausländischen
Wettbewerb; 2. die fortschreitende Automatisierung der Betriebsanlagen der Stahlindustrie; und 3» die immer stärker werdende öffentliche
Kritik an den das allgemeine Preisniveau beeinflussenden Lohnerhöhungen.
Hinzu kommt noch, daß auch unter den Stahlarbeitern selbst der Ruf
nach Einkommens- und Preisstabilität immer lauter wurde.
Die tarifpolitischen Forderungen der Stahlarbeitergewerkschaft
konzentrierten sich in diesem Jahr auch nicht so sehr auf Lohnerhöhungen als vielmehr auf Garantien für eine Sicherung der Arbeitsplätze und Erhöhung der wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit ihrer
Mitglieder. So sind z.B. im ersten Jahr keine Lohnerhöhungen vorgesehen - lediglich ein Passus für eine mögliche Aufnahme von Lohnverhandlungen im zweiten Jahr wurde in den Vertrag aufgenommen -,
und die Belastungen, die sich für die Unternehmer auf Grund höherer
Lohnnebenleistungen ergeb en, belaufen sich lediglich auf rund 10 Cent
pro Stunde. Das sind die geringsten Belastungen seit langer Zeit. Sie
machen etwa 3 Prozent aus und liegen damit im Rahmen des in diesem
Jahr'zu erwartenden Produktivitätsanstiegs.
Trotz dieses bescheidenen Rahmens bringt das neue Tarifabkommen
den 430 000 Arbeitnehmern der Stahlindustrie, die gegenwärtig im
Durchschnitt 3,28 Dollar pro Stunde (plus 80 Cent an "fringe
benefits") verdienen und damit die industrielle Lohnskala mit anführen, einige sehr wesentliche Vorteile: mehr Urlaub, höheres Urlaubsgeld} Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung; Verbesserung
der Vergütungen bei Kurzarbeit; liberalisierte Senioritätsklauseln
sowie höhere private Pensionsleistungen.
Einige noch offen gebliebene Arbeitsfragen sollen später im
Rahmen eines gemeinsamen, aus Vertretern des Managements und der
Gewerkschaften gebildeten "Industrieausschusses" beraten werden, der
die Arbeit des "Human-Relations"-Ausschusses im erweiterten Rahmen
fortführen soll, welcher nach Vertragsabschluß des letzten Abkommens
gebildet wurde, seine Tätigkeit aber mit dem Auslaufen des Vertrages
am 30. Juni einstellt. Diese Abmachung ist insofern von großer Bedeutung, weil es nach Ansicht der Stahlarbeitergewerkschaft gerade der
gemeinsame Ausschuß war, der den neuen Vertragsabschluß sehr erleichtert und mit dazu beigetragen hat, daß seit 1954 zum ersten Mal wieder
in der Stahlindustrie ein Tarifabkommen ohne Streikanwendung abgeschlossen werden konnte.
(Quelle» Eigenbericht)
* * * * •

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung; der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 7

Bad Godesberg, den 1. Juli 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Die Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitnehmerstatus

Seite

1

Seite

7,

Die Gewerkschaften und die Angestellten

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

11

Feststellung der Beschä.f ti gten- und Arbeitslosenzahl
in den USA

Thomas R. Brooks:
Die Auswirkungen der Automation auf den Arbeitnehmerstatus
Aus'Dun-s Review and Modern Industry"
Nachdruck mit Angabe des Verfassers
und dem Vermerk "(c) 1962 Dun and
Bradstreet Publications Corporation"
gestattet.

In der amerikanischen Industrie ist in den letzten Jahren ein
neuer Arbeitnefemertyp immer stärker in den Vordergrund getreten:
die Schaltpultoperateure in den automatisierten Produktionsanlagen.
Zuerst trat dieser neue Arbeitnehmertyp in den Ölraffinerien, Chemiewerken und den öffentlichen Versorgungsbetrieben in Erscheinung; heute
ist er auch in den Stahl-, Automobil- und metallverarbeitenden Werken
anzutreffen. Für alle Kreise des Wirtschaftslebens - Management und
Gewerkschaften - und darüber hinaus für die ganze amerikanische Gesellschaft wird er bald ein großes Problem darstellen.
Oberflächlich betrachtet mag dieses Problem ziemlich unbedeutend
erscheinen; denn mehr oder weniger dreht es sich zunächst lediglich
darum, welchen "Arbeitskittel" dieser neue Arbeitnehmertyp bekommen
soll.
•
^
-

1

-

�In den Färbereien sind die Schaltpultoperateure aufgestufte
"blue collar workers" - Arbeiter mit nur rund acht Jahren schulischer
Ausbildung. In den Ölraffinerien dagegen werden die gleichen Tätigkeiten an den automatischen Bedienungs- und Kontrollgeräten nur von
Technikern ausgeführt, die eine College-Ausbildung aufzuweisen haben.
Wer nun sind diese Arbeitnehmer von morgen? Sind es "Arbeiter"
(blue collar workers) mit der gleichen Haltung, den gleichen Arbeitsgewohnheiten und der gleichen Loyalität gegenüber den Gewerkschaften,
wie sie der Industriearbeiterschaft von heute eignen? Oder sind es
Angestellte, Menschen mit ganz anderer Einstellung und den dieser
Beschäftigtengruppe eigenen Gewohnheiten und Sorgen? Wird die Automation den "bläuen Kragen" ausbleichen? Erhält der "weiße Kragen" eine
bläuliche Tönung? Oder werden sich in der Praxis überhaupt Unterschiede herausbilden? •
Die Antworten auf diese Fragen werden darüber entscheiden, wie der
Arbeitnehmer des kommenden Automationszeitalters entlohnt werden wird ob auf Stunden-, Tages- oder Wochenbasis. Und die Tatsache, ob das Heer
der Arbeitnehmer in den USA aus Menschen mit "weißen" oder "blauen"
Kragen besteht, wird letztlich auch die Arbeitsbedingungen und Vergütungen bestimmen, die die Industriearbeiter von morgen suchen und fordern.
Bereits heute sind verschiedene Unterscheidungsmerkmale von "blauen"
und "weißen" Arbeitsplätzen weitgehend verblaßt. Einst war die physische
Erschöpfung die unvermeidliche Folge der Fabrikarbeit, während die geistige
Abgespanntheit allein Merkmal des Angestellten war. Heute jedoch, im Zuge
der verstärkten Automatisierung der Produktionsverfahren, ist auch dem
Industriearbeiter die geistige Abgespanntheit nicht mehr unbekannt.
Las Management hat das alte Problem der Fabrikarbeit, die schnelle
Ermüdung der Muskeln, schon seit langem erkannt und den Arbeitnehmern
durch die Festlegung von Arbeitspausen eine Möglichkeit zur physischen
Erholung gegeben. Daraus ergibt sich die Frage: Muß das Management jetzt
- als Folge der Automatisierung - für seine Schaltpultoperateure ähnliche
Pausen für die geistige Erholung einführen?
Dies ist nur das sichtbarste all jener Probleme, die sich in dem
Maße ergeben, wie sich der Charakter der Arbeitnehmerstruktur verändert.
Noch umfassendere Umwälzungen, die eine Änderung in der Haltung von
Gewerkschaften und Management erzwingen werden, zeichnen sich ab. Hierfür zwei Beispiele, die in etwa einen Eindruck von ihrem Umfang vermitteln.
Hoch über der Walzstraße des 120-Millionen-Dollar-Walzwerks der
"U.S. Steel" in Chicago thront ein mit einem grauen Jackett und mit
einer leichten Stoffmütze bekleideter Arbeiter in einer mit Klimaanlage
versehenen Kabine. Es ist der Walzmeister. Vor Einführung der Automation
bediente er. mit großem Fingerspitzengefühl zahlreiche Hebel und kontrollierte damit den Walzdruck der riesigen Walzen. Heute dagegen braucht
er lediglich noch zu entscheiden, in welcher Reihenfolge die einzelnen
Walzen benutzt werden sollen. Diese Information locht er in eine Karte,
die er dem programmierten Elektronenrechner zuführt, der dann vollkommen
selbständig Druck und Durchlaufgeschwindigkeit des Stahls durch die Walzen regelt.
_

�Der Walzmeister ist immer noch ein "blue collar worker", der
stolz auf seine handwerklichen Fähigkeiten ist und der loyal zu seiner Gewerkschaft steht. Seine Arbeit hat sich zwar verändert, aber
sein Arbeitsplatz wurde nicht neu eingestuft, und auch sein Lohn
und seine Stellung im Betrieb sind noch immer die gleichen.
Was aber, wenn er pensioniert wird? Wird sein Nachfolger noch
über die gleichen handwerklichen Fähigkeiten verfügen - wird er sie
überhaupt noch brauchen? Mit größter Wahrscheinlichkeit wird sein
Nachfolger Angehöriger der neuen Klasse der "angelernten Ingenieure"
sein.
In dem großen Wichita-Werk der "Boeing Airplane Company" arbeiten
Dutzende Arbeitnehmer nebeneinander, um Produktionsprogramme auf Lochstreifen für die Batterien von Werkzeugmaschinen zusammenzustellen,
die nach dem numerischen Kontrollsystem arbeiten. Diese Arbeit setzt
keine Kenntnisse der höheren Mathematik voraus; in der Regel ist das
auf den höheren Schulen vermittelte mathematische Wissen ausreichend.
Dennoch müssen diese Programmierer die technischen Eigenheiten der
verschiedenen Typen dieser Werkzeugmaschinen genau kennen oder kennenlernen.
In diesem Werk hat man die Erfahrung gemacht, daß Maschinenwarte
mit einer Oberschulbildung zu guten Programmierern ausgebildet werden
können. Aber auch College-Absolventen sind hier unter den Programmierern
vertreten. Arbeitnehmer mit "blauen" und "weißen" Kragen" arbeiten also
nebeneinander, und ihre Tätigkeiten unterscheiden sich nicht voneinander.
Nur die Art der Bezahlung - Stundenlohn gegenüber Monatsgehalt - zieht
noch den Trennstrich zwischen ihnen.
Der Professor für Soziologie der Columbia-Universität Daniel Bell
ist der Ansicht, daß in dem Maße, wie durch die automatischen Verfahren
die Zahl der für die Produktion erforderlichen Arbeitskräfte zurückgeht, eine neue Gruppe der Gehaltsempfänger an die Stelle der Lohnempfänger rücken wird. Ein Meister in einem Eöhrenwerk sagte: "Als
Schlüsselkräfte in unserem halbautomatischen Werk sind meine Männer
tatsächlich Techniker - nicht mehr Arbeiter im alten Sinne'i"
Und jetzt beginnen die alten Unterscheidungsmerkmale bei Löhnen
und Gehältern immer mehr zu verblassen. Die International Business
Machines Corporation zum Beispiel, die ihrerseits sehr viel zur Automatisierung der Industrie beigetragen hat, hat sämtliche Stundenlöhne
abgeschafft und alle Mitarbeiter auf die Gehaltslisten gesetzt.
Einige wenige Unternehmen sind inzwischen dem Beispiel der IBM
gefolgt, aber schon bald wird der Unterschied zwischen Lohn und Gehalt
nur noch von semantischer Bedeutung sein. Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft beispielsweise hatte bei den TarifVerhandlungen
des vergangenen Jahres die Zahlung von Gehältern statt Löhnen zum
Gegenstand der lohnpolitischen Forderungen gemacht. Dies veranlaßte
nicht wenige von den Führungskräften der Automobilindustrie zu der
Äußerungs"Die Automobilarbeiter erhalten ja praktisch jetzt schon
Gehälter."
Dieser

�Dieser Hinweis bezieht sich auf die Garantie für eine zusätzliche
Arbeitslosenunterstützung, die der entlassene A'utomobilarbeiter erhält und die ihm 75 Prozent seines bisherigen Wocheneinkommens im
Falle der Arbeitslosigkeit sichert. Wenn er Kurzarbeit leistet, so
bekommt er 65 Prozent seines Grundlohns für jede Stunde, die er innerhalb 40 Wochenstunden nicht gearbeitet hat.
"Tatsächlich", sagen die Leute der Industrie, "ist dies ein
Gehalt." Inwieweit dieser gewerkschaftliche Erfolg der harten Verhandlungsführung der Gewerkschaft zuzuschreiben ist und in welchem
Maße die Auswirkungen der Automation daran beteiligt sind, läßt sich
natürlich schwer sagen. Es dürfte aber allgemein feststehen, daß,
je mehr sich die Automobilindustrie der Vollautomatisierung nähert,
sie sich um so mehr auch dem Gehaltssystem nähert.
Die Verästelungen dieser Veränderungen reichen aber weit über
die bloßen Details von Tarifabkommen hinaus. Bereits jetzt gibt es
in einigen Gewerkschaften gewisse Auseinandersetzungen über die altbewährten Anciennitätsbestimmungen. Zahlreiche Ortsverbände haben
bereits beantragt, im Falle kurzfristiger Entlassungen diese Bestimmungen außer Kraft zu setzen. Nach ihrer Meinung sollten die älteren
Arbeitnehmer frei darüber entscheiden, ob sie die volle Arbeitszeit
bei vollen Bezügen ableisten oder aber lieber vorübergehend bei 75
Prozent ihrer bisherigen Bezüge ausscheiden wollen. Diese Arbeitnehmer
mit langer Dienstzeit, die meist Endfünfziger und Sechziger sind, würden,
wie die Jüngeren behaupten, wahrscheinlich die vorübergehende Entlassung
bevorzugen, da ihre Kinder erwachsen, ihre Ausgaben geringer sind und
sie die freie Zeit mehr zu schätzen wissen als ihre jüngeren Kollegen,
die auf den vollen, Verdienst angewiesen sind. Bisher allerdings hat
es in dieser Hinsicht noch keine Entschließungen gegeben, und wahrscheinlich wird es in den Ortsverbänden darüber noch ein stärkeres
Tauziehen geben.
Die Produktivität der neuen Produktionsausrüstungen der Industrie
ist heute praktisch als ein konstanter, in die Anlagen selbst von vornherein eingeplanter Faktor zu betrachten. Der Grund hierfür liegt darin,
daß ein Betriebsleiter es nicht gerne sieht, wenn das Bedienungspersonal
die Arbeitsgeschwindigkeit dieser Maschinen beeinflussen kann, weil jede
derartige Einflußnahme auf den Produktionsprozeß letztlich zu einer
verminderten Produktionsleistung führen muß. Der Schaltpultoperateur
in einem automatisierten Betrieb hat daher auch keine Möglichkeit, den
Produktionsablauf von sich aus zu beschleunigen.
Dennoch ist es gerade wegen der Kosten, des Leistungsvermögens
und der Kompliziertheit der automatisierten Produktionssysteme, daß man
heute weitaus mehr Gewicht auf die sorgfältige Wartung und eine schnelle
Reparatur der neuen Ausrüstungen legt als je zuvor. Wenn die Anschaffungskosten für ein automatisiertes Produktionssystem schon mehrere Millionen
Dollar betragen, so bringt jede unvorhergesehene Minute des Stillstands
der Anlage dem Produzenten unwahrscheinlich hohe Kosten. Um die volle
Leistung aus einer automatisierten Maschinengruppe herausholen zu können,
bedarf es eines hohen Verantwortungsgefühls sowohl des Wartungs- als
auch eres Bedienungspersonals.

In

�In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie und in welcher Weise das alte Lohnanreizsystem den neuen industriellen Methoden angepaßt werden kann. Einige Industrieberater sind dabei der
Absicht, daß es hierauf überhaupt keine Antwort gibt. Einer von
ihnen sagte es offen heraus: "Die Automatisierung macht es unmöglich,
die Produktionsleistung eines einzelnen Arbeitnehmers zu ermitteln und aus diesem Grunde ist eben auch ein Lohnanreizsystem nicht d«nkbar."
In automatisierten Betrieben Lohnanreizsysteme einzuführen ist
außerordentlich schwierig und kompliziert. Aus diesem Grunde haben
verschiedene Betrieb« sich in letzter Zeit wieder einmal näher mit
dem sogenannten Scanlon-Plan befaßt. Dieses Leistungslohnsystem wurde
bekanntlich in den 30er Jahren von dem Professor für Betriebsführung
am Massachusetts Institute of Technology Joseph Scanion in der amerikanischen Stahlindustrie eingeführt. Es zielt darauf ab, den Arbeitnehmern auf die folgende Weise einen Produktionsanreiz zu bieten: Die
Unternehmensführung ermittelt den Anteil der Arbeitskosten an den gesamten Produktionskosten; sinkt der prozentuale Anteil der Arbeitskosten
unter die Norm, so teilt das Unternehmen den hieraus resultierenden
Gewinn gleichmäßig zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber auf. Hierdurch
wird der Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften
und Management gelegt, und gleichzeitig wird den Mitarbeitern eine Möglichkeit gegeben, bei der Lösung der Produktionsprobleme mitzuhelfen.
Nach Ansicht der derzeitigen Befürworter eines solchen Planes liegt
sein größter Vorteil darin, daß er sowohl den Arbeitern als auch den
Angestellten ein gemeinsames Anreizsystem bietet und dadurch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen beiden Arbeitnehmergruppen
verwischt.
"In dem Maße, wie die Industrie automatisiert", so erklärte ein
Betriebswirt, "wird sich auch das Bonussystem für die Mitarbeiter mehr
und mehr dem der leitenden Mitarbeiter anpassen."
Es hat also ganz den Anschein, als ob die Arbeiter, an solchen
Vorrechten ständig mehr und mehr teilhaben, Vorrechten, die bisher
nur der Betriebsführung und den Angestellten eingeräumt wurden.
Diese Entwicklung hat natürlich schon vor einigen Jahrzehnten
eingesetzt, und zwar in den 30er Jahren, als die Arbeiter in den Vereinigten Staaten nach und nach in den Genuß eines bezahlten Urlaubs,
von Krankenversicherungsleistungen und Pensionen gelangten. Jetzt aber
erzwingt die Automation einen neuen Einbruch der "blue collar workers"
in die Domäne der Angestellten.
Auch auf die Struktur der Gewerkschaften wird die Automatisierung
einen starken Einfluß ausüben. Sie wird zu einer Schrumpfung der Mitgliederzahlen führen, und wenn der derzeitige Trend andauert, werden
die Gewerkschaften von morgen zahlenmäßig kleiner sein (wenngleich sich
ihre Mitgliedschaft aus höherbezahlten - und in einigen Fällen auch
höherqualifizierten - Mitgliedern zusammensetzen dürfte).
Der Rückgang in der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ist bereits
sehr groß gewesen. Die Automobilarbeitergewerkschaft z.B. erreichte
im Jahre 1953 ihren Mitgliederhöchststand mit 1,4 Millionen. Heute dagegen sind es nur noch rund eine Million. Die Zahl der Mitglieder der

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5 -

�der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft ging von rund einer Million
im Jahre 1953 auf 843 000 im vergangenen Jahr zurück. Die Maschinistengewerkschaft rutschte mit ihrer Mitgliederzahl sogar von 992 000 im
Jahre 1959 a uf gegenwärtig 646 000 ab.
Diese starken Mitgliederrückgänge haben innerhalb der AFL-CIO zu
Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der grundsätzlichen Frage geführt, welche Haltung die Arbeitnehmerverbände gegenüber der Automatisierung einnehmen sollen. Ob sie darum kämpfen sollen, die vorhandene Arbeit unter ihren Mitgliedern aufzuteilen, oder aber sich für
höhere Löhne und Lohnnebenleistungen für eine geringere Anzahl Mitglieder einsetzen sollen.
Die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft dürfte der Prototyp für
zahlreiche andere Gewerkschaften im Automationszeitalter sein. Die UMWGewerkschaft ging mit der Automation, und das Ergebnis ist sehr eindrucksvoll gewesen. Zwar ging die Zahl ihrer Mitglieder zwischen 1948
und 1961 von 400 000 auf 125 000 zurück, aber die United Mine Workers
sind auch heute noch eine mächtige Gewerkschaft. Die Schichtlöhne
ihrer Mitglieder kletterten von 14 Dollar im Jahre 1948 auf 24 Dollar
heute; und 40 Cent je Tonne geförderte Kohle werden von den Unternehmen
an den bedeutendsten Wohlfahrtsfond der USA, den der UMW-Gewerkschaft,
abgeführt. Das Reinvermögen der Gewerkschaft ist mit 110,3 Millionen
Dollar fast ebenso groß wie das der Automobilarbeiter-, der Stahlarbeiter- und der Maschinisten-Gewerkschaft zusammen. Zwar gibt es in
den Kohlenrevieren eine Arbeitslosigkeit, aber die Gewerkschaftsführung
ist der Ansicht, daß ihre Einstellung gegenüber der Automatisierung
die einzig richtige ist.
Natürlich dürfte es für die Gewerkschaften auch noch einen anderen
Weg geben. In dem Maße, wie durch die Automation die weißen und blauen
"Kragen"-Farben miteinander veimischt werden, könnten sich einige Gewerkschaften verstärkt darum bemühen, durch Organisationskampagnen zur
Gewinnung der Angestellten ihre gewerkschaftliche Macht zu erhalten.
Und die Gruppe der "white collar workers" dürfte für derartige Bemühungen sogar noch empfänglich sein, denn mit der fortschreitenden Automatisierung der Büroarbeit sehen sich viele dieser Arbeitnehmer vor die
gleichen Probleme gestellt - Entlassung und Unsicherheit -, die die
"blue collar workers" bereits kennengelernt haben. Auch hier wieder
beginnen die Unterschiede sich zu verwischen.
Der Walzmeister der Stahlindustrie thront jetzt in einer klimatisierten Kabine, wo sein Vorgänger noch an den heißen Stahlbändern
schmorte. Der Schaltpultoperateur der automatisierten Produktionsanlagen in den Textilfärbereien sitzt heute in einem büroähnlichen Raum,
während er noch bis vor kurzem im Schweiße seines Angesichts zwischen
den dampfenden Farbwannen tätig war. Immer mehr werden die alten
Trennungslinien zwischen Büro und Betrieb verwischt. Der weiße Laborkittel, mehr noch als die verwaschenen blauen und weißen "Kragen" von
heute, dürfte das Symbol der Arbeitnehmerschaft von morgen sein.
Gekürzt aus "Dun's Review and Modern Industry" (Januar 1962).

* * # * *

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6

�Feststellung der Beschäftigten- und Arbeitslosenzahl in den USA
Vergleiche der Arbeitslosenziffern und der Prozentanteile der
Arbeitslosen an der Gesamtzahl der arbeitsfähigen Bevölkerung zwischen den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern geben vielfach
ein schiefes Bild, weil man auf beiden Seiten des Atlantiks oftmals
mit ein und demselben Wort zw«i recht verschiedene Sachverhalte umschreibt. Die Schwierigkeiten beginnen mit der "Zählung" und erstrecken sich bis zu der Definition von Begriffen wie "Arbeitspotential"
und der Antwort auf die Frage, wer überhaupt als arbeitslos anzusehen
ist.
Die Arbeitsstatistik der USA wird nicht wie in Europa auf Grund
amtlicher Unterlagen über die Zahl der Beschäftigten und der Arbeitsuchenden und Arbeitslosenunterstützungsempfänger aufgestellt, sondern
aus den Ergebnissen einer Repräsentativumfrage bei 35 000 privaten
Haushaltungen abgeleitet. Wir haben es somit nicht mit einer Zählung
im eigentlichen Sinne, sondern mit errechneten Zahlenwerten zu tun.
Die Umfrage wird im Auftrag des US-Arbeitsministeriums vom Statistischen
Bundesamt monatlich jeweils in der Woche vorgenommen, in die der zwölfte
Tag des Monats fällt. Sie gibt angesichts der sorgfältigen Auswahl der
zu befragenden Haushaltungen nach den Erfahrungswerten der Demoskopie
ein durchaus zutreffendes Bild vom Beschäftigungsstatus sämtlicher Personen im Alter von 14 Jahren und darüber zum Zeitpunkt der Befragung,
die zusammen unter Ausklammerung der Erwerbsunfähigen und der wegen
Erreichung der Altersgrenze ausgeschiedenen Kräfte das "Arbeitspotential" bilden. Dieser Begriff wird in Übersetzungen gewöhnlich als
"Gesamtzahl der Beschäftigten und Arbeitslosen" umschrieben.
Als Beschäftigte gelten alle Personen, die während der Befragungswoche mindestens eine Stunde gegen Lohn oder Gehalt im eigenen gewerblichen oder landwirtschaftlichen Betrieb oder als unbezahlte Kraft
mehr als 15 Stunden in einem gewerblichen oder landwirtschaftlichen
Betrieb tätig waren, der von einem Familienangehörigen geleitet wird.
Als Beschäftigter wird ferner angesehen, wer nicht arbeitet, aber einen
festen Arbeitsplatz hat bzw. einen eigenen Betrieb führt und nur
vorübergehend wegen Krankheit, Wetterverhältnissen, Urlaubs, Arbeitgeber-Arbeitnehmerstreitigkeiten oder aus anderen Gründen frei genommen hat, unabhängig davon, ob er für die Zeit der Untätigkeit bezahlt wird oder nicht.
Der wichtigste Unterschied zwischen der amerikanischen und der
europäischen Arbeitsstatistik besteht wohl in der in den USA üblichen
Hinzurechnung der Selbständigen und der unentgeltlich im Familienbetrieb mitarbeitenden Familienangehörigen zum "Arbeitspotential";
sie werden als "Beschäftigte", und,falls sie auf Arbeitssuche sind,,
als "Arbeitslose" geführt.
Als. Arbeitslose gelten in der US-Arbeitsstatistik alle Personen,
die in der Befragungswoche überhaupt nicht gearbeitet haben und auf
Arbeitssuche waren, unabhängig davon, ob Anspruch auf Leistung aus der
Arbeitslosenversicherung besteht oder nicht. Wer lediglich von sich
behauptet, er wünsche Arbeit und werde einen ihm angetragenen Arbeitsplatz unter dieser oder jener Bedingung annehmen, wird dagegen nicht

- 7 -

�nicht als arbeitslos gewertet. Als arbeitslos gilt ferner, wer in
der Befragungswoche beschäftigungslos ist und normalerweise auf
Arbeitssuche wäre, würde er nicht a) als nur vorübergehend Entlassener darauf warten, an seinen früheren Arbeitsplatz zurückgeholt zu
werden; b) eine feste Zusage in Händen haben, innerhalb der nächsten
30 Tage einen festen Arbeitsplatz zu bekommen; oder c) vorübergehend
krank feiern bzw. mit Sicherheit damit rechnen müssen, in seinem
Beruf oder an seinem Wohnort und in dessen näherer Umgebung keine
Arbeit zu finden. Nicht als arbeitslos werden dagegen beschäftigungslose Personen betrachtet, die zu alt oder zu jung zur Arbeit sind
oder nach ihren Angaben so schwer körperbehindert sind, daß sie
keine Arbeit annehmen können; sie werden selbstverständlich auch bei
der Errechnung des "Arbeitspotentials" nicht berücksichtigt.
Im letzten Jahrzehnt erreichte die Arbeitslosigkeit in den USA
zur Zeit des Koreakrieges mit 3 Prozent ihren tiefsten Stand. Hierin
spiegelt sich sowohl die rasche Verstärkung der US-Streitkräfte um
rund 2 Millionen Mann als auch die 1953 erfolgte Ausweitung der
Verteidigungsausgaben auf 50 Milliarden Dollar - das Dreifache des
Betrags von 1950 - wider. Diese Faktoren führten zusammen zu einer
Überbeschäftigung. Andere Zeiten mit sehr hohem Beschäftigungsstand
waren die Jahre 1947-48' und 1955-57» a ls die Arbeitslosenziffer
bis auf rund 4 Prozent absank, jenen Prozentsatz, den die Regierung
Kennedy gegenwärtig als vernehmlichstes Nahziel ihrer Wirtschaftspolitik ansieht. Am Rande sei vermerkt, daß^ein Absinken der Arbeitslosigkeit auf weniger als 1,5 Prozent nur in Zeiten eines
sehr engen Arbeitsmarktes und der damit verbundenen allgemeinen Verknappung an Arbeitskräften auftritt.

(Eigenbericht)

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8

�John W. Livingston, Direktor der Organisationsabteilung der AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und die Angestellten
Der relativ geringe Erfolg der amerikanischen Gewerkschaften
bei der Organisierung der sogenannten "white collar workers" - derjenigen Arbeitnehmer, die weder direkt mit dem Produktionsprozeß
zu tun haben, noch Angehörige der industriellen Fachberufe sind ist bislang eines der Hauptprobleme der amerikanischen Gewerkschaften gewesen.
Zu dieser '"»hite collar workerv-'-Gruppe gehören in erster Linie
die Angestellten im Einzelhandel; die verschiedenen Bürofachkräfte;
die sogenannten "Techniker", eine Berufsbezeichnung, die sich in
den Vereinigten Staaten auf jene Gruppe von Arbeitnehmern bezieht,
die eine gehobene, jedoch unter der Universitätaebene liegende
berufliche Ausbildung aufzuweisen haben;, sowie jene Kräfte schließlich, die als "Professionals ("Studierte") bezeichnet werden und als
Lehrer, Volkswirtschaftler, Ingenieure, usw. ein Studium absolviert
haben.
Natürlich gibt es auch heute schon unter den Angestelltenberufen
einige wenige, die als Schwerpunkte der gewerkschaftlichen Organisation gelten. Bei den Nachrichtendiensten und Zeitungen z.B. sind
durchweg alle Angestellten, Reporter, Redakteure, Anzeigenfachleute
sowie alle jene gewerkschaftlich organisiert und Mitglieder der
"American Newspaper Guild", die nicht leitende Funktionen innehaben.
Das gleiche trifft für den Theater- und Unterhaltungssektor zu. Auch
hier sind die Gagen und Arbeitsbedingungen der Bühnen-, Film-,
Fernseh- und Radiokünstler (Sprache und Musik) größtenteils tarifvertraglich festgelegt.
Aber diese beiden sowie einige andere Beispiele sind nur die
Ausnahmen, die die Regel bestätigen; die überwiegende Mehrheit der
gewerkschaftlich nicht organisierten Arbeitnehmer ist immer noch
in den nichtindustriellen Zweigen der Wirtschaft konzentriert.
Für die amerikanischen Gewerkschaften war es daher besonders
ermutigend, als sich zum Jahresende 1961 mehr als 40 000 New Yorker
Lehrer mit überwältigender Mehrheit für eine Vertretung durch die
Lehrergewerkschaft der "AFL-CIO" aussprachen. Dies war der bei
weitem größte gewerkschaftliche Erfolg bei einer Angestelltengruppe
und in der Tat wohl der überwältigendste Sieg dieser Art, den die
amerikanischen Gewerkschaften auf diesem Sektor je errungen haben.
Deutet dieser Erfolg nun auf einen sich anbahnenden Einbruch
der Gewerkschaften auf dem Angestelltensektor hin? Wir möchten es
glauben. Mit Bestimmtheit wissen wir, daß die wissenschaftlichen
Fortschritte und die technischen Veränderungen unweigerlich zu einer
Erhöhung des Anteils der Angestellten an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte führen werden. Schon heute beträgt der Anteil der sogenannten
"blue collar"-Arbeitsplätze weniger als die Hälfte der Gesamtarbeitsplätze, und dieser Anteil wird ständig weiter absinken. Es ist daher
klar, daß die Erfassung der allgemein als "white collar workers"
bezeichneten Arbeitnehmer eine Frage von Leben oder Tod für die
Gewerkschaften ist.
_.

�I

Ich bin zu vorsichtig, mit aller Bestimmtheit behaupten zu wollen,
daß der Sieg der New Yorker Lehrer notwendigerweise für die Zukunft
sehr bedeutungsvoll sein wird. Es handelt sich hier um eine Gruppe
in einer Stadt, deren Administration seit je liberal war. Zum anderen
stand hier eine starke, gut funktionierende Gewerkschaftsbewegung hinter
der Organisationskampagne.
Dennoch war die New Yorker Abstimmung insofern von größter Bedeutung, als sie eindeutig den Beweis erbrachte, daß diese Arbeitnehmergruppen bei einer Abstimmung für eine gewerkschaftliche Vertretung
stimmen und notfalls sogar das Mittel des Streiks dafür einsetzen
würden. Die Abstimmung selbst war nämlich das Ergebnis eines kurzen
Streiks der New Yorker Lehrer. In dieser Hinsicht kann sie als ein
Durchbruch bezeichnet werden; sie beweist ganz eindeutig, daß die
Organisierung der Angestellten nicht unmöglich ist.
Auf alle Fälle jedoch werden wir unsere Anstrengungen verstärken
und das, was wir bei der Abstimmung in New York gelernt haben, für
andere Organisationskampagnen nutzbringend einsetzen. Das Ergebnis
der Abstimmung selbst dürfte dabei auf andere Lehrergruppen großen Einfluß haben.
Allerdings muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden,
daß die Arbeitsverhältnisse der meisten Akademiker und Angestellten
sehr verschiedenartig sind. Sie sind in Privatunternehmen und nicht bei
Regierungsbehörden tätig. Nicht nur durch ihre Arbeitgeber, sondern
auch durch ihre soziale Stellung wird ihnen immer wieder vor Augen
geführt, daß sie sich als etwas Besseres als die Gewerkschaftsmitglieder zu betrachten haben. Diese Einstellung ist vielfach bei jenen
am stärksten ausgeprägt, die ihrem Arbeitnehmerstatus nach den Lohnempfängern am nächsten stehen.
Dies alles sind wirkliche Hindernisse, wenngleich sie vielen als
läppisch erscheinen mögen. In unseren Bemühungen zur Erfassung der
Angestellten ist es daher auch nicht unsere vordringlichste Aufgabe,
auf die aus der Zugehörigkeit zur Gewerkschaft sich ergebenden Vorteile auf dem Gebiet der Einkommen, Arbeitsbedingungen und der Sicherheit des Arbeitsplatzes hinzuweisen, sondern die betreffenden Kreise
davon zu überzeugen, daß die Mitgliedschaft in einer Arbeitnehmerorganisation kein soziales Stigma ist und sich durchaus mit dem vereinbaren
läßt, was sie als ihre Lebensstellung ansehen.
In dieser Hinsicht sollte sich die New Yorker Abstimmung von
großem Nutzen erweisen, denn es ist für eine Stenotypistin weitaus
schwieriger, auf eine Gewerkschaft von oben herabzusehen, wenn sich die
Lehrer bereits zur Gewerkschaft bekannt haben.
Schließlich möchte ich noch in einer Hinsicht an die Stelle der
Zurückhaltung einen vorsichtigen Optimismus setzen. Das Ergebnis von
New York hat meine wachsende Überzeugung gestärkt, daß die feindselige
Einstellung der Angestellten und Akademiker gegenüber den gewerkschaftlichen Organisationen im Schwinden begriffen ist. Allein durch das
bloße Gewicht der Erfahrung werden alle jene Vorurteile fortgeschwemmt,
die dem Selbstinteresse all jener entgegenstehen, die sich bisher an

-

10

�an sie geklammert haben. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch,
daß Gewerkschaften nicht nur notwendige Einrichtungen für die Ungebildeten und Ungelernten sind, sondern auch ebenso nützlich für
Piloten, Schiffsoffiziere, Filmstars und Schriftsteller sein können.
Ich bin der Überzeugung, daß wir in der "AFL-CIO" dazu beitragen
können, diesen Prozeß zu beschleunigen und die Vorteile der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft auf alle Gebiete auszudehnen, auf denen
sie den Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer dienen können.

(Quelle: Eigenbericht)

*

* * *

*

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Audio-Visuelle "Anlernmaschinen"
Wenn auch die automatisierten Produktionsmaschinen immer mehr
Tätigkeiten übernommen haben, die sonst speziell mit der Hand ausgeführt werden, so gibt es doch in verschiedenen Industriezweigen
noch zahlreiche Betriebe, wo die handwerklichen Fähigkeiten des
Arbeitnehmers im Produktionsprozeß von ausschlaggebender Bedeutung
sind. In erster Linie handelt es sich hier um solche Tätigkeiten
und Arbeitsabläufe, die ein großes "Fingerspitzengefühl" und ein
gewisses Mitdenken erfordern, da sie meist aus mehreren Teilabläufen
bestehen.
Eine besondere Schwierigkeit für Unternehmen mit vielen derartigen Arbeitsplätzen besteht heute allgemein darin, die Arbeitnehmer
auf diese Produktionsabläufe und die dabei auszuführenden Tätigkeiten
vorzubereiten, ohne daß viel Zeit und Material (Ausschuß) verlorengeht. Die bisher allgemein üblichen mündlichen und schriftlichen Einweisungsverfahren sind hier insofern nicht immer geeignet, /als sich
das Ablaufschema dem Arbeitnehmer nur sehr langsam einprägt und häufig
Fehlleistungen die Folge sind.
Um diesem Mangel abzuhelfen und den Arbeitern das Ablaufschema
schneller und wirksamer einzuprägen, ist jetzt die "Hughes Aircraft
Company" dazu übergegangen, audio-visuelle "Lehrmaschinen" einzusetzen.
Diese wie Kofferfernsehempfänger aussehenden und wie ein Tonbandgerät
zu bedienenden Apparate vermitteln dabei den Arbeitnehmern durch Bild
und Ton den gesamten Arbeitsvorgang in Einzelphasen. Durch einen Druck
auf den Einstellknopf erscheint auf dem Bildschirm das gleiche Werkstück, das der Arbeiter vor sich hat, während gleichzeitig ein Tonband
mit erklärendem Kommentar abläuft. An Hand seines Werkstückes kann der
Arbeiter jetzt die vorgeschriebenen Tätigkeiten den Anweisungen entsprechend ausführen oder, wenn er die Erklärungen nicht verstanden
hat, das Gerät abstoppen, das Band zurücklaufen lassen und die

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-

�die betreffende Stelle noch einmal abspielen - so lange, bis ihm
die auszuführenden Tätigkeiten 100prozentig klargeworden sind. Dem
Einweisungstext entsprechend, wechseln die Bilder (Dias) auf dem
Schirm von Phase zu Phase.
Nach Angaben des Personalchefs des Unternehmens soll sich
dieses System bisher sehr gut bewährt haben. Die Einarbeitungszeit
für neue Arbeitnehmer konnte ganz erheblich herabgesetzt, die Arbeitsproduktivität beträchtlich gesteigert werden, wobei es gleichzeitig
gelang, die Produktionskosten - bei verbesserter Qualität der Erzeugnisse - erheblich zu senken. Auch von den Gewerkschaften wurden diese
neuartigen "Anlernmaschinen" als ein großer Fortschritt bei der Ausbildung neuer Arbeitskräfte bezeichnet.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Die Schulbank im Betrieb
Betriebliche SchulungsProgramme haben sich während der letzten
zwei Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten in solchem Maße ausgeweitet, daß sie heute als wichtiger Bestandteil des amerikanischen Erziehungswesens gelten.
Wandlungen in den Produktionsmethoden, Automation und Nutzbarmachung neuer Energiequellen haben die Unternehmensleitungen dazu
gezwungen, für ihre Belegschaftsmitglieder Sonderfortbildungskurse,
die über den Lehrstoff technischer Fach- und Hochschulen hinausführen,
einzurichten.
Heute bieten die meisten amerikanischen Großfirmen ihren Angestellten Bildungsprogramme, die auf Sonderaufgaben vorbereiten oder
Gelegenheit zu persönlicher Weiterbildung geben. In einigen Fällen
stehen dazu firmeneigene technische Institute zur Verfügung; in
anderen werden Belegschaftsmitgliedern Ausbildungsbeihilfen für
berufsfördernde Lehrgänge an Fachschulen gewährt. Häufiger jedoch
liegen solche Programme in den Händen der Betriebsausbildungsabteilungen, die sie als innerbetriebliche Schulung in Unterrichtsräumen
oder am Arbeitsplatz selbst durchführen.
Programme einzelner Firmen
Vielfältige Programme, von den Ausbildungs- und Personalabteilungen der "Eastman Kodak Company" veranstaltet, laufen in den acht
Werken der Gesellschaft in Rochester (New York), Kinsport (Tennessee),
Longview (Texas) und Peabody (Massachusetts). Sie sind darauf ausgerichtet, in zwangloser Form Angestellte in ihrem Bestreben nach
Selbstentfaltung im Rahmen ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen.
Die Betonung liegt dabei auf der eigenen Leistung und der täglichen
Arbeit. James S. Bruce, Ausbildungsdirektor der "Eastman Kodak

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�Kodak Company", erläuterte hierzu: "Ausbildung ist nach unserer
Ansicht am wirkungsvollsten, wenn sie in enger Verbindung mit dem
Arbeitsplatz vorgenommen wird. Jeder einzelne ist für seine Ausbildung
verantwortlich. Letztlich ist jede Entwicklung Selbstentwicklung."
Zahlreiche Lehrgänge sehen im Zusammenhang mit besonderen Ausbildungszielen auch Klassenunterricht vor. Ein willkürlich herausgegriffener Tagesplan zeigt beispielsweise einen Kurs in MatrizenAlgebra an, einen J2stündigen Lehrgang, zu dem sich Wissenschaftler
der angewandten Forschung einmal wöchentlich in den Kodak-Park-Werken
für Film-aimd Fotopapierherstellung in Rochester zusammenfinden. Gleichzeitig treffen sich Mitarbeiter der Abteilung Apparatebau und Optik
zu der ersten von vier Unterrichtsstunden der Arbeitsgemeinschaft
"Wirkungsvoller Stil" . Nur acht Teilnehmer sind zu diesem Kurs zugelassen, der zu Klarheit und Einfachheit im Aufsatzstil hinführt.
Eine Betriebsausbildungsabteilung koordiniert sämtliche Schulungsprogramme der "Eastman Kodak Company". Sie stellt den Zweigwerken
Lehrpersonal und Anschauungsmaterial zur Verfügung.
Gezielte Programme
Auch die "Republic Steel Company" hat ihre Bildungsarbeit auf die
speziellen Bedingungen ihres Unternehmens zugeschnitten. Ihre Programme
zielen auf eine Höherqualifizierung ihrer Arbeiter ab, die mit den
verwickelten Bedienungs- und Wartungsproblemen moderner automatisierter Werkseinrichtungen vertraut gemacht werden. Die Lehrgänge finden
jedoch außerhalb der Werke im "Human Engineering Institute" bei Warren
im Bundesstaat Ohio statt. Das Institut ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung, zu deren Aufbau die "Republic Steel Company",
jetzt ihr größter "Kunde", den wesentlichsten Beitrag geleistet hat.
Es ist in der Lage, eine Vielzahl von betrieblichen Fortbildungsprogrammen durchzuführen.
Einen weiteren Weg zur betrieblichen Schulung stellt der Ausbildungsbeihilfenplan der Firma "Chas. Pfizer and Company", eines
bedeutenden amerikanischen Arzneimittelherstellers, dar. In seinem Rahmen erhalten Angestellte, die berufsfördernde Kurse an anerkannten
Colleges und Universitäten belegen, Studiengelder bis zu einer Höhe
von 300 Dollar jährlich und Laboratoriums gebühren bis zu 40 Dollar
von der Firma ersetzt. Seit 1957, dem Beginn dieses Planes, wurden
fast 100 000 Dollar an rund 700 Mitarbeiter ausgezahlt. Gegenwärtig
nehmen über 200 Angestellte Ausbildungsbeihilfen dieser Art in Anspruch.
Die beschriebenen Beispiele sind typisch für die Bildungsprogramme,
die von vielen amerikanischen Industrieunternehmen heute geboten werden.
Es gibt zahlreiche Varianten, je nach den besonderen Erfordernissen
der einzelnen Betriebe. Doch in ihrer Gesamtheit bilden sie einen
neuen Stein im Mosaik des amerikanischen Erziehungswesens.

(Quelle: Eigenbericht)
* • * * •

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�&gt;

Arbeitnehmereinkommen erneut angestiegen
Sowohl die Nettolöhne der amerikanischen Industriearbeiter als
auch die Kaufkraft ihrer Einkommen sind im März mit zunehmender
Länge der durchschnittlichen Arbeitswoche erneut angestiegen, wie
aus der jüngsten Übersicht des US-Arbeitsministeriums über die Entwicklung der Löhne und Einkommen hervorgeht.
Mit 85,00 Dollar für einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen
und 77»34 Dollar für einen Alleinstehenden lagen die durchschnittlichen Wocheneinkommen der amerikanischen Industriearbeiter nach Abzug der Steuern und anderer regelmäßiger Abgaben im März um 60 Cent
höher als im Vormonat und damit nur geringfügig unter dem im November
und Dezember 1961 erreichten Spitzenniveau.
Da die Lebenshaltungskosten zwischen Februar und Ende März nur
geringfügig anstiegen, konnten die industriellen Arbeitnehmer in diesem Zeitraum eine Reallohnerhöhung von 41 Cent realisieren.
Im Vergleich zum März 1961 lagen die durchschnittlichen Industriearbeiterlöhne um rund 5 Dollar höher. Dies stellt (mit Ausnahme von
1959) die größte Zunahme innerhalb von zwölf Monaten während der vergangenen zehn Jahre dar. Unter Berücksichtigung der gestiegenen
Lebenshaltungskosten in diesem Zeitraum (1,1 Prozent) erhöhte sich
somit das Realeinkommen des industriellen Arbeitnehmers in den USA
zwischen März 1 9&amp;1 und März 19^2 um 4 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vermögen der ILGWU-Gewerkschaft
Das gesamte flüssige Vermögen der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie beläuft sich gegenwärtig nach Angaben des 1.
Vorsitzenden der Gewerkschaft, David Dubinsky, auf 76 674 952 Dollar.
In dieser Summe sind die Einlagen der Krankenversicherungs-, Pensionsund Wohlfahrtsfonds nicht enthalten. Sie umschließt lediglich die der
Zentralverwaltung, den Orts- und Regionalverbänden sowie den verschiedenen Sonderabteilungen der Gewerkschaft zur Verfügung stehenden Mittel.
Zu den anderen Vermögenswerten, über die die Gewerkschaft verfügt, gehören außerdem noch 36 024 64O Dollar, die den Sterbegeldfond für Mitglieder und den Pensionsfond für Angestellte der Gewerkschaft bilden. Weitere 311 738 473 Dollar sind nach dem letzten Finanzausweis der Gewerkschaft in den gemeinsam mit den Unternehmern verwalteten Pensions- und Entlassungsgeldfonds angelegt.
Wie von dem 1. Vorsitzenden der ILGWU weiter mitgeteilt wurde,
hat die Gewerkschaft allein in den vergangenen drei Jahren insgesamt
5,2 Millionen Dollar für philanthropische und gewerkschaftsfordernde

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-

�/

gewerkschaftsfordernde Zwecke sowie für Beiträge an ausländische
Arbeitnehmerorganisationen ausgegeben. Damit erhöht sich die Gesamtsumme dieser Aufwendungen, die seit 1940 geleistet wurden, auf mehr
als 33 Millionen Dollar.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

ILGWU will 100 Millionen Dollar in Farmanleihen anlegen
Die ILGWU-Gewerkschaft will in den nächsten vier Jahren insgesamt
100 Millionen Dollar für Familienfarmen in den USA bereitstellen, wie
der 1. Vorsitzende der Gewerkschaft, David Dubinsky, und der US-Landwirtschaftsminister, Orville Freeman, auf einer Pressekonferenz in
Washington bekanntgaben.
Die 100 Millionen Dollar sollen nach den Worten Dubinskys in Farmanleihen angelegt werden, die von der amerikanischen Regierung verbürgt
und über die Farmers Home Administration (FHA) abgewickelt werden.
Die FHA vermittelt an amerikanische Farmer Kredite bis zu 15 000
Dollar, die sie für die Modernisierung ihrer Farmen benötigen, aber
auf dem Kapitalmarkt zu normalen Bedingungen nicht erhalten können.
Während die Farmer diese Kredite mit 5 Prozent zu verzinsen haben,
erhalten die Geldgeber von der FHA 4 1/2 Prozent an Zinsen. Die restlichen 0,5 Prozent werden für Prämienzahlungen für eine Risikoversicherung zugunsten des Investors verwendet.
Die Investitionsmittel der Gewerkschaft sollen aus den verschiedenen Pensions- und Wohlfahrtsfonds aufgebracht werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
TJSIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 8/9

Bad Godesberg,August/September 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)

Seite 1

Anwendungstechniker als Wegbereiter der
Vollautomatisierung

Seite 8

Die "Stadt-in-der-Stadt"

Seite 10

Vorbereitungskuse für angehende Pensionäre

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 13

Margaret S. Carroll, Abteilung Preise und Lebenshaltungskosten im
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)
Aus früheren Untersuchungen über die Zusammensetzung des Heers
der Berufstätigen haben wir manches über die beruflichen Qualifikationen und die Einkommensverhältnisse verheirateter Frauen in Relation
zu denen der Gesamtzahl der Berufstätigen und Arbeitslosen und dem
beruflichen Status und Einkommen ihrer Ehemänner und sonstigen Familienangehörigen erfahren. Sie haben aber keine Aufschlüsse über die
Zusammenhänge zwischen beruflichem Status und Einkommen der arbeitende
Ehefrauen und den übrigen Familienverhältnissen erbracht. Sie waren
insbesondere nicht darauf gerichtet, die Zusammenhänge zwischen Haushalteinkommen und Haushaltkosten als einem Schlüssel zur Klärung der
Frage zu durchleuchten, inwieweit wirtschaftliche Notwendigkeiten die
verheirateten Frauen dazu zwingen können, sich eine Arbeit außerhalb
des eigenen Haushalts zu suchen.

Etwas

�Etwas Licht in diese Verhältnisse bringen die bisher unveröffentlichten Ergebnisse einer 1950 vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik (Bureau of Labor Statistics) durchgeführten Untersuchung
der Verbraucherausgaben und ein Vergleich der damaligen Einkommensverhältnisse mit den Richtwerten für die Haushaltkosten, wie sie sich
für Haushalte verschiedener Größe aus der 1950 durchgeführten Umfrage
zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien ergeben. Die Daten aus dem Jahre 1950 lassen sich nicht mit den Ergebnissen der regelmäßigen allgemeinen Umfragen zur Feststellung des
Beschäftigtenstandes vergleichen, gestatten aber sehr wohl Vergleiche
mit den Ergebnissen der Verbraucherausgabenumfrage 196O-61, die gegenwärtig ausgewertet werden.
Arbeitseinkünfte verheirateter Frauen und Haushalteinkommen 1950
Von der Verbraucherausgabenumfrage 1950 wurden 12 489 städtische
Mehrpersonen- und Einzelhaushalte erfaßt, von denen 10 791 Familienhaushalte mit zwei und mehr Personen und 9421 Haushalte mit einem
oder mehreren Ehepaaren waren. Den befragten Haushalten gehörten 9507
verheiratete Frauen an, von denen 3077 zu irgendeinem Zeitpunkt im
Lauf des Jahres berufstätig waren. Die Umfrage läßt erkennen, daß 86
Prozent aller städtischen Verbraucherhaushalte aus Familien mit zwei
oder mehr Personen und 76 Prozent aus mindestens einem Ehepaar bestanden; zu 24 Prozent der Haushalte gehörte eine berufstätige Ehefrau.
In 32 Prozent der Familienhaushalte mit Ehepaar arbeiteten die Ehefrauen zu irgendeinem Zeitpunkt des Jahres, aber in nur 12 Prozent
das ganze Jahr über.
Das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen der städtischen
Haushalte betrug für:
Sämtliche Haushalte

Dollar

Familien mit zwei und mehr
Personen
Familien mit berufstätiger
Ehefrau

11

4574

11

4773
5482
4327

...ganzjährig beschäftigt

11

...zeitweilig beschäftigt

11

Haushalte ohne berufstätige
Ehefrau

4240

"

4O67

Ohne den Beitrag der Ehefrau hätte das Durchschnittseinkommen
der Haushalte mit berufstätigen verheirateten Frauen unter dem Durchschnitt aller Haushalte gelegen. Mit den Einkünften der verheirateten
Frauen war es höher, um ein weniges bei einer nur zeitweiligen beträchtlich bei ganzjähriger Berufstätigkeit der Ehefrau, (siehe Tafel
i ) . Die Kluft zwischen den Einkommen der Haushalte mit berufstätigen
Ehefrauen ohne die Arbeitsentgelte letzterer und den Einkommen sämtlicher
Haushalte war je größer, je höher der Beschäftigungsstatus des Haushaltvorstandes war. So belief sich beispielsweise das Durchschnittseinkommen
der Haushalte von Selbständigen mit ganzjährig arbeitenden Ehefrauen

-

2

-

�Tafel

I

Durchschni ttsbruttoeinkommen aller Haushalte und der Haushalte mit
berufstätiger Ehefrau, nach dem Beschäft igungsmodus der Frau und dem
Beruf des Hau shaltvors tandes aufgegliedert (Stand 1950)
(in Dollar bzw . Prozent des Durchsc hnitts a!Ller Haushalte)
Beruf d .Haushaltvorstandes

Sämtl.
Haushai
tungen

Einkommen ohne
Arbeitsentgelt der
Ehefrau

Einkommen mit
Arbei tse:ntgelt der
Ehefrau

ganzjährig beschäftigte
Ehefrau

zeitweilig
beschäftigte
Ehefrau

ganzjährig beschäftigte
Ehefrau

zeitweilig beschäftigte
Ehefrau

4240
(100)

5599
(80)

5561
(84)

5482
(129)

4527
(102)

6045
(100)

4514
(71)

4552
(75)

6699
(111)

5458
(90)

4434
(100)

5524
(80)

5657
(82)

5796
(151)

4587
(99)

1)
Gelernte Arbeiter ' 4562
(100)

5624
(79)

5745
(82)

5689
(125)

4488
(98)

5924
(100)

5284
(84)

5500
(89)

5514
(135)

4265
(109)

2989
(100)

2512
(84)

2720
(91)

4201
(140)

5558
(112)

5972
(100)

3751
(65)

5794
(64)

5955
(99)

4684
(78)

1685
(72)

184Q
(78)

5712
(158)

2659
(113)

Sämtliche Berufe

Festangestellte
akadem.Fach- und
Führungskräfte
Büro- und Verkauf sänge st eilte

2)
Angel. Arbeiter '
Ungel. Arbeiter 5)
'
Selbständige

Nicht Erwerbstätige 2555
(100)
1)

einschl. Facharbeiter, Meister, Vorarbeiter u. dergl.

2)

einschl. Maschinenarbeiter u. dergl.

5)

einschl. Hausangestellte und Beschäftigte in Dienstleistungsberufen

-

5 -

�Ehefrauen unter Ausklammerung des Arbeitsentgelts letzterer auf nur
63 Prozent des relativ hohen Durchschnittseinkommens der Selbständigen-Haushalte, während die Vergleichsziffer für Haushalte ungelernter Arbeiter und Angehöriger des Dienstleistungspersonals bei
85 Prozent lag. Demzufolge waren die gesamten Einkünfte der Haushalte
mit berufstätigen Ehefrauen in Relation zu dem Durchschnittseinkommen
der Haushalte des entsprechenden Berufszweigs um so höher, je niedriger
der soziale und wirtschaftliche Status war. Bei den Selbständigen-Haushalten mit berufstätigen Ehefrauen brachte weder eine zeitweilige noch
eine ganzjährige Beschäftigung der Ehefrau das Haushalteinkommen auf
die Durchschnittshöhe aller Haushaltungen Selbständiger. Im Gegenea'ts
hierzu hatte die Familie eines durchschnittlich verdiendenden ungelernten Arbeiters mit berufstätiger Ehefrau ein Einkommen, das bei
ganzjähriger Beschäftigung um 40 Prozent und bei nur vorübergehender
Tätigkeit um 12 Prozent über dem für Haushalte ungelernter Arbeiter
ermittelten Gesamtdurchschnitt lag.
Der Beitrag der verheirateten berufstätigen Frauen zu dem Gesamteinkommen der Haushalte belief sich auf 27 Prozent. Ganzjährig beschäftigte Ehefrauen trugen durchschnittlich 38 Prozent, zeitweilig
arbeitende 18 Prozent bei (Tafel II). Der Anteil des Beitrags zum
Haushalteinkommen schwankte bei den ganzjährig beschäftigten Ehefrauen
je nach Beruf der Haushaltvorstände (unter Nichtansetzung der nicht
Erwerbstätigen) zwischen 36 und 40 Prozent und damit weit weniger
als die durchschnittlichen Haushalteinnahmen in den verschiedenen
Berufssparten. Auch gebietsweise und nach Ortsklassen ausgewiesen
schwankte der Anteil des Beitrags der berufstätigen Ehefrauen zum
Haushaltseinkommen nur zwischen 37 und 40 Prozent bzw. zwischen 37
und 38 Prozent, obwohl das durchschnittliche Haushalteinkommen die
regionalen und örtlichen Unterschiede hinsichtlich Einkommenshöhe
und Lohnniveau durchaus widerspiegelte.
In Zwei-Personen-Haushalten, in denen beide Eheleute das ganze
Jahr über beschäftigt waren, schwankte der Beitrag der Frau zum
Haushalteinkommen zwischen 43 Prozent (wenn der Mann weniger als
2000 Dollar pro Jahr verdiente) und 34 Prozent (wenn er 5000 Dollar
und mehr verdiente). Bei größeren Haushalten verringert sich mit
der Hinzurechnung anderer verdienender Familienangehöriger der prozentuale Beitrag der berufstätigen Ehefrau. Bei den Zwei-PersonenHaushalten belief sich der Beitrag der Ehefrau auf rund 42 Prozent,
bei größeren Haushalten mit weiteren erwachsenen Angehörigen betrug
er nur 31 Prozent und bei Familien mit mindestens einem Kind über 18
Jahren 32 Prozent.
Obwohl die Beschäftigungsdauer der zeitweilig berufstätigen verheirateten Frauen zwischen wenigen Stunden und 47 Wochen im Jahr
schwanken kann, hielt sich ihr Anteil am Haushalteinkommen, nach dem
Beruf des Mannes, gebietsweise und ortsklassenmäßig aufgeschlüsselt,
ebenso stabil wie der Beitrag der ganzjährig (also mehr als 47 Wochen)
arbeitenden Ehefrauen. Der Beitrag der nur zeitweilig beschäftigten
Ehefrauen wies, nach der Zusammensetzung der Haushalte klassifiziert,
größere Schwankungen auf. Hier kommen nicht nur andere Haushaltangehörige

�Tafel II
Durchschnittliche Arbeitsentgelte berufstätiger Ehefrauen und deren
Anteil am Haushalteinkommen« nach dem Beschäftigungsmodus der Ehefrau
und der Haushaltzu3ammensetzung aufgeschlüsselt (stand 1950)

Beruf des Haushaltvorstandes bzw.
HaushaltZusammensetzung

Ganzjährig beschäftigte
Ehefrau
Durchschnittsverdienst
Dollar

Sämtliche

Prozent des
Haushalteinkommens

Zeitweilig beschäftigte
Ehefrau
DurchSchnittsverdienst
Dollar

Prozent des
Haushalteinkommens

208J

38

766

18

2385

36

906

17

Beruf des Haushaltvorstandes
Pestangestellte akadem.
Fach- und Führungskräfte
Büro- und Verkaufsangestellte
Gelernte Arbeiter 1')

2272

59

745

17

2065

36

745

17

2)
Angel. Arbeiter '

2030

58

765

18

Ungel. Arbeiter '

1689

40

658

19

Selbständige

2184

57

890

19

Nicht Erwerbstätige

2027

55

81 9

31

2152

42

888

23

2274

57

844

20

18 Jahre und
darüber

2005

52

847

16

16 bis 17 Jahre

1867

55

782

18

6 bis 15 Jahre

1957

57

716

16

2071

40

555

14

Haushaltart
Haushalt ohne Kinder
mit
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsenen
Haushalt mit Kindern,
davon das älteste

.4)
unter 6 Jahren*
Haushalt mit Kindern
unter 18 u.a.
Erwachsenen

1869

15
755
51
(Anm. 1 - 3 wie bei Tafel i) 4) weniger als 50 Haushalte von der Befragung
erfaßt,
- 5 -

�Haushaltangehörige als Verdiener hinzu, die jährliche Beschäftigungsdauer wird auch durch steigende Verpflichtungen im Haushalt einger
schränkt. Die zeitweilig beschäftigten Mütter von Kindern im Vorschulalter trugen beispielsweise nur 14 Prozent zum Haushalteinkommen bei,
obwohl in diesen Haushalten lediglich Vater und Mutter als Verdiener
in Frage kamen. Die zeitweilig beschäftigten Ehefrauen aus Zwei-Personen-Haushalten trugen dagegen im Durchschnitt mit 23 Prozent zum
Haushalteinkommen bei.
Um die Gründe für die mehr oder weniger gleichbleibende Relation
zwischen dem Arbeitsverdienst der Ehefrau und dem Haushalteinkommen
in den verschiedenen Beschäftigungssparten der Ehemänner herauszufinden, wurden die diesbezüglichen Angaben auch nach dem Beruf der beiden
Partner aufgeschlüsselt. Dabei zeigte sich, daß nur 30 Prozent von 238
bei einer besonderen Befragung erfaßten berufstätigen Ehefrauen derselben Berufssparte angehörten wie ihre Ehemänner; bei den ganzjährig
tätigen Ehefrauen waren es 35 Prozent. Diese Statistik wurde vor allem
durch die relativ geringe Übereinstimmung mit dem Beruf des Mannes bei
Ehefrauen in den Büro- und Verkaufsangestelltenberufen bestimmt; die
Frauen im Angestelltenverhältnis waren in leicht überwiegender Zahl
mit Lohnempfängern verheiratet. Die Übereinstimmung zwischen dem Beruf
des Mannes und dem der Frau war somit wesentlich seltener als die Übereinstimmung der respektiven Arbeitsverdienste. Dies läßt den Schluß zu,
daß die Verdienstaussichten der Ehefrauen in einer festen Beziehung zum
Haushalteinkommen stehen, unabhängig von der Zugehörigkeit der Frau zu
einer bestimmten Berufssparte, und daß die wichtigen Variablen dieser
Statistik - Alter, Bildungsgrad und Beschäftigungsaussichten der Frau von denen des Mannes beeinflußt werden.
Die Übereinstimmung des durchschnittlichen Prozentsatzes des Beitrags der ganzjährig beschäftigten Ehefrauen zum Haushalteinkommen, die
sich bei den Untersuchungen im Jahre 1950 und bei späteren Untersuchungen auch im Ausland ergab, deutet darauf hin, daß die Ehefrauen vielfach
rund 35 bis 40 Prozent des Haushalteinkommens beisteuern, unabhängig
davon, wie hoch dieses ist. Bei Zwei-Personen-Haushalten, bei denen
beide Ehepartner ganzjährig beschäftigt waren, hatte die Hälfte der
Frauen zwischen 33 und 44 Prozent zum Haushalteinkommen beigetragen,
was einem Mittelwert von 39 Prozent entspricht. Dem steht ein Durchschnitt aller Zwei-Personen-Haushalte von 42 Prozent gegenüber.
Um weitere Aufschlüsse über die Zusammenhänge zwischen dem Arbeitseinkommen der Ehefrau und dem des Mannes zu gewinnen, wurden im
Falle der Zwei-Personen-Haushalte mit ganzjährig beschäftigten Ehepartnern das Einkommen der Frau in Beziehung zu dem des Mannes gesetzt.
Dabei zeigte sich, daß ganz generell das Einkommen der Frau mit dem des
Mannes steigt. Der Einkommensmittelwert der Ehefrauen von Männern der
höchsten Einkommensstufe belief sich auf mehr als das Doppelte des Mittelwertes bei Ehefrauen von Männern aus der untersten Einkommensschicht.
Über drei Viertel der Ehefrauen mit Männern in der Einkommensklasse zwischen 4000 und 4500 Dollar verdienten mehr als 75 Prozent der Frauen
von Männern mit weniger als 2000 Dollar Einkommen. Das Einkommen der Ehefrau war bei den Zwei-Peraonen-Haushälten aller Einkömmensschichten nur
in" 5 Prozent der Fälle höher als das des Ehemannes.
Frauenarbeit

�Frauenarbeit und Familienunterhalt
Bei der Erörterung der Frage nach der Notwendigkeit der Frauenarbeit als Beitrag zum Familienunterhalt wird als Kriterium des
Vorliegens dieser "Notwendigkeit" vom Verdienst des Mannes oder von
dem gesamten Haushalteinkommen ausgegangen, meist ohne irgendwelche
Berücksichtigung der tatsächlichen Unterhaltskosten der Familie. Ein
objektives Maß für das Vorliegen dieser "Notwendigkeit" gab es bisher
nicht. Es galt als hinreichend klar, daß eine Zunahme der Frauenarbeit
in Zeiten rückläufiger Arbeitsverdienste der Männer als ein Gradmesser
dafür anzusehen sei, daß die Frauen gezwungenermaßen arbeiten gehen.
Der sichtliche Zusammenhang zwischen dem Einkommen des Mannes und der
Berufstätigkeit der Frau sollte allein schon deshalb geklärt werden,
weil Familien mit niedrigem Einkommen zumeist jünger und kleiner sind
als Familien mit höherem Einkommen und somit geringere Haushaltausgaben haben.
Die Ergebnisse der 1950 vom Bundesamt für Arbeitsstatistik durchgeführten Untersuchung der Verbraucherausgaben und der Umfrage zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien geben uns ein
sehr klar umrissenes Kriterium für die Beurteilung der "Notwendigkeit"
der Berufstätigkeit der verheirateten Frau an die Hand. Bei der Feststellung der Haushaltungskosten ging man 1950 von einem "bescheidenen
aber ausreichenden" Lebensstandard aus, der beträchtlich über dem Lebensminimum lag. Ziel der Untersuchung war es, die Kosten zu ermitteln,
die eine allein auf sich gestellte Familie aufwenden mußte, um vertretbare Ansprüche hinsichtlich der Erhaltung der Leistungsstärke, der
medizinischen Betreuung, der Ernährung der Kinder und der Teilnahme
am Leben der Gemeinschaft zu befriedigen. Die im Verlauf der Untersuchung befragten Haushalte wurden in zwei Gruppen unterteilt, eine,deren
Einkommen ausreichte, die nach diesem Richtsatz errechneten Haushaltkosten für eine Familie der entsprechenden Größe aufzubringen, und eine,
deren Einkommen darunter lag. War die Ehefrau berufstätig, so wurde auch
festgestellt, ob das Haushalteinkommen abzüglich des Verdienstes der
Ehefrau ausgereicht hätte, den vorgesehenen Lebensstandard zu bestreiten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden nicht nur dazu verwendet, den Einfluß des Geldbedarfs der Familie auf die Beschäftigung der
Frau zum damaligen Zeitpunkt festzustellen, sondern auch, um eventuellen
Wechselwirkungen mit anderen Faktoren, wie Familienzusammensetzung,
Beruf des Mannes und Alter der Ehefrau, auf die Spur zu kommen. Der
Begriff "Notwendigkeit" bedeutet hier und im folgenden ein Einkommen
unter dem Richtsatz, der zur Aufrechterhaltung des bei der Umfrage
zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien
zugrunde gelegten Lebensstandards nicht ausreicht. Die Familien, bei denen
das Vorliegen der "Notwendigkeit" bejaht wurde, lebten nicht notwendigerweise in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen, (wird fortgesetzt)

Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 4. April 1962)

* * * * *

- 7 -

�Anwendungstechniker als V/egbereiter der Vollautomatisierung
Das Gesicht moderner Industriebetriebe beginnt sich immer rascher
und immer drastischer zu verändern: In einer Erdölraffinerie liest
eine elektronische Datenverarbeitungsanlage regelmäßig alle vier Minuten 196 Instrumente ab und fertigt ohne jedes menschliche Zutun alle
20 Minuten eine Dienstanweisung für den Mann im Kontrollraum aus, auf
der genau spezifiziert ist, wie er 19 verschiedene Ventile einzustellen
hat. Und in einigen Jahren schon wird die Datenverarbeitungsanlage auch
diese Regelvorgänge durch elektrische Impulse automatisch korrigieren.
Man kann also ohne Übertreibung sagen, daß wir an der Schwelle
eines neuen industriellen Zeitalters stehen. Es ist zu einem guten
Teil das Werk der Vertreter eines neuen Zweiges der Elektronik, der
Anwendungstechnik oder "application science", die die Kluft zwischen
Laboratorium und Fertigungsstraße zu überbrücken sucht.
Ein typischer Repräsentant dieser neuen Kategorie von Wissenschaftlern ist Dr. Cuthbert C. Hurd, Direktor der Abteilung "Reglersysteme"
der International Business Machines Corporation (IBM) und Planer der
eingangs erwähnten Erdölraffinerie, die im Staat Indiana gelegen ist.
Die Vorarbeiten
Die IBM hat vor Jahren in Ergänzung ihrer Produktion von elektronischen Buchungs- und Rechenanlagen auch die Entwicklung von Steuergeräten nach dem Prinzip der Datenverarbeitungsanlagen aufgenommen. Die
Benutzung solcher Geräte für die Kontrolle des Ablaufs von Fertigungsprozessen bereitete anfangs sehr große Schwierigkeiten, da man sich auf
keinerlei frühere Erfahrungen stützen konnte. So war es notwendig, jede
solche Steuerungsanlage von Grund auf neu zu planen und ihr die vorgesehenen Aufgaben Schritt für Schritt zu übertragen, um einen entsprechenden Erfahrungsschatz aufzubauen.
Die Arbeit des Anwendungstechnikers beginnt mit monatelangen Vorstudien des Betriebs- und Fertigungsablaufs an Ort und Stelle. In enger
Zusammenarbeit mit dem technischen Personal des betreffenden Betriebs
müssen sämtliche Phasen des Produktionsablaufs genauestens analysiert
und gewissermaßen in eine mathematische Formelsprache umgesetzt werden.
Diese Formeln werden dann einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage
zugeführt, um auf diese Weise zunächst einmal den gesamten Betriebsablauf zu simulieren.
Die Planung
Nach diesen Vorstudien beginnt die eigentliche Planung des automatischen Produktionsprozesses, die unter dem Gesichtspunkt erfolgt,
durch laufende Produktionskontrollen und eventuell mögliche Vereinfachungen des Produktionsprozesses den Ausstoß pro Zeiteinheit zu erhöhen, die
allgemeinen Herstellungskosten zu senken oder durch die Verringerung des
Abfalls und Vermeidung von Ausschuß Rohstoffe einzusparen. Die Unternehmensleitung wird sich mit Sicherheit nur dann zur Vollautomatisierung
entschließen, wenn derartig einleuchtende Vorteile für sie sprechen.
Der

-

8

-

�Der nächste Schritt ist die Auswahl geeigneter Maschinen und
Anlagen und die Programmierung der als Steuergerät fungierenden
Datenverarbeitungsanlage, die an Hand der Meßwerte an Ventilen, Zählgeräten und Kontrollpunkten die Anweisungen für das Bedienungspersonal
ausdruckt.
In der letzten Phase schließlich wird der Datenverarbeitungsanlage auch noch die Ausführung der letztgenannten Befehle übertragen,
d.h. von ihr ausgehende und über Fernbedienungseinrichtungen weitergeleitete Impulse steuern sämtliche Regelmechanismen an allen wichtigen
Punkten des Produktionsablaufs. Damit ist der eigentliche vollautomatische Betrieb erreicht.
Die Erkenntnisse
Dr. Hurd ist schon durch seine Vergangenheit für seine verantwortungsvolle Tätigkeit wie kaum ein anderer qualifiziert. Die US-Atomenergie-Kommission (AEC) forderte den damaligen College-Professor 1947
auf, die Leitung der technischen Forschungsabteilung im Oak Ridge Laboratory zu übernehmen, einer Atomforschungsanstalt der AEC. Hier kam Hurd
erstmals mit der elektronischen Datenverarbeitung in Berührung, die
damals noch in den Kinderschuhen steckte.
1949 trat Hurd, der sehr schnell die ungeheuren Möglichkeiten des
Einsatzes solcher Rechenanlagen für die wissenschaftliche und technische
Forschung erkannt hatte, zur IBM über, um dort eine Arbeitsgruppe
"Anwendungstechnik" aufzubauen. Er nahm direkten Kontakt mit wissenschaftlichen und technischen Vereinigungen auf, um sich einerseits über
ihre Tätigkeit zu informieren und sie andererseits auf die Leistungsfähigkeit elektronischer Datenverarbeitungsanlagen gerade in der Forschung
hinzuweisen.
In langwierigen Untersuchungen war Dr. Hurd zu der Überzeugung gelangt, daß sich Datenverarbeitungsanlagen nicht nur für Buchungs- und
Rechenaufgaben eigneten, sondern mit Erfolg auch zur Steuerung ganzer
Fabrikanlagen zu verwenden waren. Das war der Anfang der Anwendungstechnik, der Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen zur Steuerung des
Produktionsablaufs.
Die Schwierigkeiten
Die Schwierigkeit der Vollautomatisierung eines Produktionsablaufs
liegt in der Tatsache begründet, daß man nicht nur mit einigen wenigen
veränderlichen Größen, sondern mit 30 und 40 Variablen zu rechnen hat:
Temperaturen, Drücken, Durchsatzgeschwindigkeiten, Siedepunkten usw. Eine
optimale Kontrolle über ein derart kompliziertes System allein mit Hilfe
der Mathematik zu erreichen, ist bei dem heutigen Stand dieser Wissenschaft
noch nicht möglich. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Theorie und
praktische Erfahrung miteinander zu kombinieren, um eine Lösung für die
jeweiligen Probleme zu finden. Schwierigkeiten und Enttäuschungen lassen
sich bei einem solchen'Vorgehen nicht ausschließen. Umgekehrt bieten
sich dem Anwendungstechniker so fesselnde Aufgaben, wie sie sich ein
wißbegieriger Wissenschaftler nur wünschen kann.
q ,

�Schon heute können Dr. Hurd und seine Kollegen auf stolze Erfolge
verweisen, vor allem bei der Automatisierung kontinuierlicher Prozesse,
wie sie etwa in Ölraffinerien ablaufen. Inzwischen haben die Anwendungstechniker bereits 40 kontinuierliche Produktionsprozesse durchautomatisiert. Ihr nächstes Ziel ist die Automatisierung von diskontinuierlichen Prozessen, die natürlich noch weit schwieriger auf eine mathematische Formel zu bringen sind. Auch hier zeigt sich wiederum, daß der
Erfolg nicht so sehr von der Leistungsfähigkeit der Datenverarbeitungsanlagen als vielmehr von dem Einfallsreichtum der Anwendungstechniker
abhängt. Die Maschinen vermögen die auftretenden Probleme durchaus zu
lösen, sofern sie in geeigneter Form darauf angesetzt, d.h. programmiert
werden. Hurd und seine Mitarbeiter sind überzeugt, daß ihnen das in nicht
zu ferner Zukunft gelingen wird.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Die "Stadt-in-der-Stadt"
"Marina City" - auch die "Stadt-in-der-Stadt" genannt - ist ein
großes und wohl einzigartiges gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt, das
gegenwärtig seiner Vollendung entgegengeht und künftig der "Skyline" von
Chicago, • Metropole des amerikanischen Nordwestens,mit das Gepräge geben
wi rd.
.
Das für Familien der mittleren Einkommensgruppen bestimmte Wohnungsbauprojekt wird aus zwei 60 Stockwerke und 166 Meter hohen, wie überdimensionale Getreidesilos aussehenden runden Hochhäusern bestehen und u.a. ein
Kino, große Geschäftsräume, eine Eisbahn, ein Restaurant und einen Bootsund Jachtklub enthalten. Die Gesamtbaukosten werden von der "BuildingService"-Gewerkschaft, dem Bauherrn, mit rund 36 Millionen Dollar veranschlagt; und bereits im Sommer dieses Jahres sollen die ersten Familien
einziehen können.
Um die Mieter der künftigen Hochhäuser vom Straßenlärm weitgehend
abzuschirmen, beginnen die Wohntrakte erst im 20. Stockwerk, während die
18 anderen Etagen als Parkräume für Automobile eingerichtet werden, so daß
jeder Einwohner seine eigene Garage im Hause haben wird. Die Auffahrt zu
den Park- und Abstellräumen erfolgt dabei über kreisförmige Auffahrtsrampen.
Insgesamt werden in den beiden "Wohntürmen" 900 Wohnungen und Parkmöglichkeiten für 900 Automobile geschaffen werden. Als Wohnungstypen sind
dabei sowohl kleine, komfortable Einheiten, die aus einem kombinierten Wohnund Schlafzimmer, Küche, Bad und kleinem Ankleideraum bestehen, als auch
mehrräumige Appartements mit getrennten oder auch zwei Schlafzimmern
vorgesehen. Jede Wohnung wird eine eigene Heiz- und Kühlanlage erhalten
und jedes Zimmer einen Balkon haben.
Der

10

-

/

�Der Kern der Hochhäuser "besteht aus einer 10,5 Meter dicken Betonröhre, in der sowohl die Versorgungsleitungen als auch die Aufzüge untergebracht sind und die praktisch das Skelett bildet. Um diesen Kern herum
zieht sich in jedem Stockwerk ein kreisrunder Wandelgang, von dem fächerförmig die einzelnen Wohnungen ausgehen. Die Wohnungen selbst wiederum
sind so angelegt, daß sie - gewissermaßen wie ein Tortenstück - sich von
innen nach außen verbreitern.
Das gesamte Projekt wird auf einem rund 1,3 Hektar großen Gelände
errichtet, das die Gewerkschaft für 3 Millionen Dollar von der "Chicago
and North Western Railroad" erwarb. Finanziert wurde der Bau durch 5prozentige Schuldverschreibungen, die von der Gewerkschaft aufgelegt wurden
und von der Bundesverwaltung für den Wohnungsbau garantiert sind. Nach
Fertigstellung von "Marina City" will die Gewerkschaft nach den Angaben
ihres 1. Vorsitzenden, William L. McFetridge, nach und nach ähnliche Projekte in anderen amerikanischen Städten verwirklichen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre
In Erkenntnis der Tatsache, daß der Übergang in den Ruhestand wohl
die kritischste Periode im Leben des Menschen darstellt, ist der Ortsverband 65 der Einzel- und Großhandels-Gewerkschaft im vergangenen Jahr
dazu übergegangen, seine Mitglieder auf die Zeit nach der Pensionierung
im Rahmen von Sonderkursen vorzubereiten, um ihrem Lebensabend auf diese
Weise einen neuen Inhalt zu geben.
Das Interesse unter den zur Pensionierung anstehenden Gewerkschaftsmitgliedern war dabei so über Erwarten groß - mehr als 100 nahmen an dem
ersten Kursus teil -, daß sich der Ortsverband nun entschlossen hat, auch
in diesem Jahr wieder einen "Vorbereitungskursus für angehende Pensionäre"
durchzuführen.
Diese Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Wohlfahrtsprogramms
der Gewerkschaft durchgeführt werden, machen die angehenden Pensionäre
mit sämtlichen für sie wesentlichen Aspekten des Ruhestandes vertraut.
Neben rein wirtschaftlichen Themen wie etwa Einkommensquellen, Rentenberechnung und Nebenverdienstmöglichkeiten sind es vor allem medizinische,
psychologische, soziologische Probleme, die in den Abendkursen eingehend
behandelt werden. Hinzu kommen noch Fragen der produktiven, sinnvollen
Gestaltung der vermehrten Freizeit der Pensionäre sowie Wohnungs- und
Familienprobleme.
Die

11

�Die Vorträge zu den speziellen Themen werden teils von qualifizierten Gewerkschaftsfunktionären, teils von Ärzten, Psychologen und
anderen Fachkräften gehalten, die sich insbesondere mit den Problemen
älterer Menschen befassen. Die Gesamtdauer des Kursus beträgt 8 Wochen;
pro Woche findet dabei ein Vortragsabend - mit anschließender Diskussion
- statt.
Zum Abschluß des Vorbereitungslehrgangs führt dann der Kursusleiter die Lehrgangsteilnehmer mit schon im Ruhestand lebenden Gewerkschaftsmitgliedern zusammen, die hier über ihre eigenen Erfahrungen
berichten und den Pensionärsaspiranten wertvolle praktische Hinweise
darauf geben können, wie sie ihren Lebensabend "genießen" und sinnvoll
ausfüllen können.
Praktisch jedoch sind diese Vorbereitungskurse erst nur der Anfang
in der gewerkschaftlichen Betreuungsarbeit für ältere Mitglieder. Denn
auch nach der erfolgten Pensionierung ist die "Retail, Wholesale and
Department Store Union" weiter intensiv darum bemüht, den engen Kontakt
zu ihren Pensionären aufrechtzuerhalten und ihnen das Gefühl der
Dazugehörigkeit zu geben. So bleibt der Pensionär u.a. Vollmitglied
seiner Gewerkschaft, nimmt an allen offiziellen Veranstaltungen teil
und behält auch seine sämtlichen Rechte als Mitglied, wie etwa das
Stimmrecht und andere Privilegien. Innerhalb des Ortsvereins bilden
die Pensionäre eine geschlossene Gruppe mit eigenem Exekutivausschuß
und eigenen Fachreferenten.
Daß gerade das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Pensionären
sehr ausgeprägt ist, liegt nicht zu]e tzt auch daran, daß die Gewerkschaft schon seit Jahren gezielte Freizeitprogramme durchführt und zu
diesem Zweck in ihrem Verbandshaus verschiedene Räume eingerichtet hat,
die den älteren Mitgliedern als Aufenthalts-, Lese-, Bastei- und Musikzimmer täglich zur Verfügung stehen. Der Pensionär ist also immer beschäftigt, hat immer etwas vor, ist immer vor eine Aufgabe gestellt.
Und es ist erstaunlich, mit welcher Begeisterung diese gebotenen Möglichkeiten von den Pensionären genutzt werden: Einige erlernen Fremdsprachen,
andere befassen sich mit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, dritte
wiederum leben ganz ihrem Hobby, lesen, basteln, musizieren oder diskutieren, ganz so, wie es ihnen Spaß macht.
Und daß es ihnen Freude bereitet, zu gewissen Zerstreuungs- und
Betätigungsmöglichkeiten hingeführt zu werden, beweist wohl am besten
die Tatsache, daß rund 90 Prozent aller pensionierten Mitglieder dieser
Gewerkschaft aktiv an diesen Programmen teilnehmen.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

12

-

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neuer Tarifvertrag in der Aluminiumindustrie
Zwischen fünf Firmen der amerikanischen Aluminiumindustrie und der
Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft ist jetzt ein neuer Tarifvertrag
abgeschlossen worden, der zwar keine Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmer
dieses wichtigen Industriezweiges bringt, aber doch sehr weitreichende
neue Lohnnebenleistungen und soziale Verbesserungen.
Der sich in den Grundzügen weitgehend mit dem kürzlich getroffenen
Abkommen in der Stahlindustrie deckende neue Tarifvertrag trat am 1. August
in Kraft und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Zu denjenigen Großunternehmen der Aluminiumindustrie, die den neuen Vertrag unterzeichnet haben,
gehören: "Aluminum Company of America" (ALCOA), Kaiser Aluminum and
Chemical Corporation, Reynolds Metals Company, Olin Mathieson Corporation
und Ormet Corporation.
Zu den bedeutendsten Verbesserungen, die die Gewerkschaft für ihre
Mitglieder aushandeln konnte, zählt vor allem der neue zusätzliche Urlaubsplan. Auf Grund dieser Abmachungen werden die Unternehmer in Zukunft pro Arbeitsstunde und Arbeitnehmer 3 Cent an einen Sonderfonds
abführen, aus dem die Mittel für 7 zusätzliche bezahlte Urlaubstage
für Arbeitnehmer mit längerer Betriebszugehörigkeit aufgebracht werden
sollen. Auf diese Weise hofft man pro Jahr etwa 50 Prozent aller Arbeitnehmer eine zusätzliche Urlaubswoche zu verschaffen. Wenn der Sonderfonds
darüber hinaus noch Überschüsse aufweisen sollte, so wird auf Grund
des Abkommens auch allen anderen Mitarbeitern eine zusätzliche bezahlte
Urlaubswoche gewährt werden.
Eine Zusatzklausel des neuen Urlaubsplans sieht außerdem vor, daß
es allen Arbeitnehmern über 57 freigestellt sein soll, den Urlaub im
jeweiligen Urlaubsjahr zu nehmen oder aber ihn bis zu ihrer Pensionierung anzusammeln, so daß sie dann in den Genuß des Urlaubsgeldes
einschließlich der bis dahin aufgelaufenen Zinsen kämen. Jüngere Arbeitnehmer sind dagegen gehalten, ihren Urlaub zu nehmen, um auf diese
Weise die Zahl der Urlaubsvertretungen (Einstellung arbeitsloser Aluminiumarbeiter) zu erhöhen.
Auch die Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung, die
den entlassenen Aluminiumarbeitern zusammen mit der staatlichen Unterstützung gezahlt wird, bedeutet für die Stahlarbeitergewerkschaft einen
großen Verhandlungserfolg. Auf Grund dieser Vereinbarungen führen die
Unternehmen ab 1. August pro geleistete Arbeitsstunde 9 1/1 Cent an
den Sonderfonds für zusätzliche Arbeitslosenunterstützung ab. Alle
Arbeitnehmer mit mindestens zweijähriger Betriebszugehörigkeit
erhalten im Falle der Erwerbslosigkeit aus diesem Fonds eine wöchentliche Unterstützung, die dem Grundlohn von 24 Wochenstunden (bisher
von 22 Stunden) entspricht. Außerdem können den Empfangsberechtigten
pro Woche noch bis zu 6 Dollar als Familienzulage gewährt werden. Die
Bezugsdauer dieser zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung wurde auf
52 Wochen ausgedehnt.
Aus

�Aus dem alten Tarifvertrag übernommen, aber "eingefroren" wurde
die sogenannte "escalator clause" - die laufende Angleichung der
Löhne an die Lebenshaltungskosten - die den Arbeitnehmern in Zukunft
konstant pro Stunde 23 Cent als Ausgleichsbetrag sichern wird.
Neue Tarifverhandlungen über Löhne und Sozialleistungen können
erstmalig wieder ab 1. Juni 1963 zwischen den Tarifpartnern aufgenommen werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gesamtvermögen der US-Gewerkschaften: 1,5 Mrd. Dollar
Das Gesamtvermögen der amerikanischen Gewerkschaften - Zentral-,
Regional- und Ortsverbände - belief sich im Jahre 196O auf insgesamt
1,5 Mrd. Dollar, während die gesamten Verbindlichkeiten 224 Millionen
Dollar betrugen.
Diese Ziffern sind in der jetzt vom amerikanischen Arbeitsministerium herausgegebenen Publikation "Union Financial Statistics" enthalten, die sich auf die Finanzberichte der US-Gewerkschaften stützt,
die diese auf Grund des "Labor-Management Reporting and Disclosure Act
of 1959" jährlich dem Arbeitsministerium einzureichen haben.
Wie aus dieser Übersicht weiter zu entnehmen war, verzeichneten
75 Prozent der insgesamt 260 amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen
(ohne die sogenannten "International Unions", US-Gewerkschaften mit
Vertretungen außerhalb der USA) Jahreseinnahmen von weniger als
1 000 000 Dollar. Von diesen Verbänden wiesen 16 Prozent Einnahmen von
weniger als 10 000 Dollar auf, während 27 Prozent Einnahmen zwischen
100 000 und '1'000 000 Dollar verbuchen konnten.
Von den 41 796 Ortsverbänden hatten nur 4 Prozent Jahreseinnahmen
von mehr -als 100 000 Dollar aufzuweisen, während 'JO Prozent pro Jahr
weniger als 10 000 Dollar an Einnahmen zu verzeichnen hatten. Fast
55 Prozent der Ortsverbände wiesen in dem Berichtszeitraum (Finanzjahr
1959/60) sogar nur jährliche Einnahmen von weniger" als 5000 Dollar auf,
während bei 15 Prozent die Eingänge zwischen 5000 und 10 000 Dollar lagen.
Zu den reichsten amerikanischen Gewerkschaften gehören laut Übersicht die Gewerkschaft der Elektroarbeiter (international Brotherhood
of Electrical Workers), die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft (UM**) ,
die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (iLGWU), die Teamster- sowie die Stahlarbeiter (USA) -, die Automobilarbeiter (UAW) - und
die Lokomotivführergewerkschaft.
Die

14

-

�Die einzelnen Angaben in der Übersicht sind den Finanzberichten
von insgesamt 44 530 selbständigen Gewerkschaften entnommen - 41 796
Orts-, 260 Gesamtverbänden und 2474 anderen Organisationsformen -, die
im ersten Berichtsjahr zur Abgabe solcher "Reports" verpflichtet waren.
Gegenwärtig beträgt die Zahl der berichterstattungspflichtigen
Gewerkschaften 52 000. In dieser ersten statistischen Auswertung der
Finanzberichte sind die Berichte von rund 8000 kleineren Organisationen
nicht enthalten, die ihre Erklärung entweder zu spät eingereicht oder
aber nicht den Vorschriften entsprechend ausgefüllt hatten.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Arbeitnehmereinkommen auf Rekordniveau
Das durchschnittliche Nettoeinkommen der amerikanischen Industriearbeiter hat sich nach Angaben des US-Amtes für Arbeitsstatistik im Mai
weiter erhöht und damit eine neue Spitze erreicht. Nach Abzug der Steuern
und Sozialabgaben belief sich das Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers ohne
Familie auf 78?37 Dollar pro Woche, während ein verheirateter Industriearbeiter mit drei Angehörigen im Durchschnitt 86,05 Dollar verdiente. Gegenüber dem Vormonat liegen diese.Einkommenssätze um rund 0,50 Dollar,
gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres (Mai) um etwas über 4 Dollar
höher.
Die Kaufkraft des durchschnittlichen Einkommens des amerikanischen
Industriearbeiters lag im Mai wieder auf der Rekordhöhe, die erstmals
im Dezember 1961 erreicht wurde. Im Vergleich zum Mai 1961 ergibt sich
so eine Zunahme um 4 Prozent, obwohl die Verbraucherpreise in den vergangenen zwölf Monaten um 1,3 Prozent angestiegen .sind.
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regiecung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 10

• Bad Godesberg, den 1. Oktober 1962INHALTSVERZEICHNIS '

Frauenarbeit und Baushalteinkommen,(il)

Seite 1

Fast 70 Killionen Beschäftigte in den USA

Seite 10

AFL-CIO fordert 35-°)tunden-1..'oche

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Margaret S. Carroll, Abteilung Preise und Lebenshaltungskosten im
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (il)
Frauenarbeit als Nebenverdienst
Es hat sich gezeigt, daß 42 Prozent der zu irgendeinem Zeitpunkt
im Jahre 1950 beschäftigten Ehefrauen und 32 Prozent der nicht berufstätigen Ehefrauen Haushalten angehörten, deren Einkommen ohne Einkünfte
der Ehefrau unter dem genannten Richtsatz gelegen hätten (siehe Tafel
III). Manche Zeichen deuten darauf hin, daß die Berufstätigkeit der
Ehefrau mit der "Notwendigkeit" zunahm, allerdings nicht in sehr
starkem Maße. Von sämtlichen in die Untersuchung einbezogenen Frauen
(gleichgültig, ob berufstätig oder nicht), deren Haushalteinkommen
ohne ihren Beitrag nicht für einen angemessenen Lebensstandard ausgereicht hätte, haben 38 Prozent gearbeitet (siehe Tafel IV). Von
allen Frauen, die unter diesem Gesichtspunkt nicht hätten arbeiten
müssen, waren dennoch 28 Prozent berufstätig.
Tafel III

�Tafel

III

Anteil der Ehefrauen mit einem Haushalteinkommen unter dem für Stadthaushalte ermittelten Richtsatz bei Ausklammerung des Arbeitsentgelts der Frau,
nach dem Beschäftigungsmodus der Ehefrau und der Familienzusammensetzung
aufgegliedert (Stand 1950)

HaushaltZusammensetzung

Zahl der Prozent mit Haushalteinkommen unter dem
erfaßten Richtsatz bei Ausklammerung des ArHaushalte beitseinkommens der Frau
Sämtliche
Haushalte

Sämtliche Familienhaushalte

Frau ganzFrau
Frau
nicht
berufs- jährig' beberufs- tätig
schäftigt
tätig

9421

35

32

42

43

ohne Kinder
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsene

2914

30

28

34

35

378

32

29

59

35

mit Kindern, davon
das älteste
18 Jahre u.darüber
1 6 bis- 17 Jahre
6 bis 15 Jahre
unter 6 Jahren

1259

2153
1759

25
45
44
36

20
42
40
35

37
52
55
39

36
49
66

565

46

40

62

72

mit Kindern unter 18
Jahren und anderen
Erwachsenen

393

48

Familienzusammensetzung
Mütter aus Haushalten mit einem weiteren erwachsenen Mitglied und
Kindern im Schulalter und darüber scheinen eher auf den wirtschaftlichen
Zwang zu verdienen zu reagieren als kinderlose Ehefrauen. Von den Ehefrauen
aus Zwei-Personen-Haushalten mit einem Einkommen unter dem Richtsatz waren
46 Prozent berufstätig, bei den Frauen aus Haushaltungen mit höherem Einkommen waren es 38 Prozent - das entspricht einer um ein Fünftel größeren
Häufigkeit der Berufstätigkeit unter den ersteren. Von den Müttern aus
Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren sowie weiteren erwachsenen Mitgliedern arbeiteten nur 23 Prozent, sofern das Haushalteinkommen über dem Richtsatz lag, aber 43 Prozent, wenn es darunter lag. Mütter aus Haushaltungen
mit geringerem Einkommen, aber mindestens einem Kind über 18 Jahren oder
einem weiteren erwachsenen Haushaltangehörigen waren etwa im gleichen Maße
berufstätig wie kinderlose Ehefrauen aus solchen Haushalten. Umgekehrt war
Tafel IV

�Tafel IV
Umfang der Beschäftigung von Ehefrauen, nach Haushalteinkommen und
Familienzusammensetzung aufgeschlüsselt (Stand 1950)

Haushaltzusammensetzung

Prozentanteil der beschäftigten Ehefrauen

Prozentanteil der ganzjährig
beschäftigten Ehefrauen

Sämtl.
Familien, deren Ein- S'ämü.
Familien- kommen ohne Arbeits- Famihaushalte verdienst der Ehefrau lienüber dem unter dem - raushalte
Rieht!satz
Rieht
satz lag lag

Sämtliche
Familienhaushalte

Familien, deren Einkommen ohne Arbeitsverdienst der Ehefrau

über dem
Richtsa tz lag

unt er dem
Ric!htsatz

lag

32

28

38

12

11

15

40

38

46

20

19

23

41

36

49

21

20

23

mit Kindern,
davon d .altes te
18 Jahre u.
darüber
30
16 b.17 Jahre 38
6 b .1 5 Jahre 28
unter 6 Jahrarr 21

25
34
22
20

44
43
34
23

14
12
7
2

12
12
4
2

20
13
11
3

mit Kindern
unter 18 Jahren
und anderen Erwachsenen

23

43

11

6

18

ohne Kinder
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsene

32

war die Beschäftigungsrate solcher Mütter aus Haushaltungen mit einem über
dem Satz liegenden Einkommen erheblich niedriger als die Rate der kinderlosen Ehefrauen.
Mütter mit Kindern unter 16 Jahren aus Haushalten ohne anderweitiges
zur Haushaltführung fähiges Mitglied waren weniger geneigt, eine Arbeit
anzunehmen, als andere Ehefrauen, auch wenn die "Notwendigkeit" hierzu
bestand. Lag diese "Notwendigkeit" nicht vor und war das älteste Kind
zwischen 6 und 16 Jahre alt, so betrug der Anteil der Berufstätigen unter
den Müttern 22 Prozent, lag sie vor, lediglich 34 Prozent; gehörte dem
Haushalt aber noch ein weiterer Erwachsener oder ein Kind im höherem
Alter an, so belief sich dieser Anteil auf 43 bzw. 44 Prozent.
Sofern

�Sofern das älteste Kind jünger als 6 Jahre war, hatte die "Notwendigkeit" nur geringen Einfluß auf den Prozentsatz der Ehefrauen,
die zu irgendeinem Zeitpunkt im Verlauf des Jahres arbeiten gingen.
Da man bei diesen Untersuchungen alle Familien als Haushalte mit
einem Kind unter 6 Jahren klassifizierte, wenn dieser Sachverhalt
zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr zutraf, darf man davon ausgehen,
daß etwa ein Sechstel dieser Eamilien ihr erstes Kind im Verlauf des
Jahres bekommen hatten und daß ein Teil dieser Mütter vor ihrer
Niederkunft zu arbeiten aufgehört hatte. Klammern wir die Eamilien
aus, nach deren Größe man darauf schließen kann, daß das erste Kind
im Verlauf des Untersuchungsjahres zur Welt kam, so betrug die Beschäftigungsrate aller Mütter, deren ältestes Kind jünger als 6
Jahre war, nicht 18 sondern 21 Prozent.
Die Rate der ganzjährigen Beschäftigung unter den verheirateten
Frauen nahm mit vorliegender "Notwendigkeit" in etv/a demselben Llaße
zu v.ie der Anteil dieser Frauen an aer Gesamtbeschäftigung der Frauen.
Die Steigerung war allerdings bei Müttern mit Kindern unter 16 Jahren
deutlicher als bei ^en übrigen verheirateten Frauen. Der Prozentsatz
der ganzjährig beschäftigten Mütter, deren ältestes nind zwischen 6
und 16 Jahre alt war, lag bei den Fällen, in denen uie "Notwendigkeit"
zum Verdienen gegeben war, dreimal so hoch wie bei den Fällen, in
denen sie nicht bestand. Mütter mit Kindern unter 18 Jahren aus Haushalten mit einem weiteren Erwachsenen waren dreimal so häufig ganzjährig beschäftigt, wenn die "Notwendigkeit" bestand als wenn sie
nicht bestand.
Beruf des Heushaltvorstandes
Da die "Notwenaigkeit" eine gewisse Rolle bei der Entscheidung
spielt, ob eine Ehefrau eine Stellung annehmen soll oder nicht, steht
zu erwarten, daß Frauen weniger gut verdienender Männer eher geneigt
sind, eine Stelle anzunehmen, als Frauen von Männern in höherbezahlten
Positionen. Generell traf dies 1950 auch zu. Wenn r;.an die Haushalte
jedoch nach dem Beruf aes Haushaltvorstandes klassifiziert, aann hatten
nur 15 Prozent aller Familien aus der Sparte der festangestellten akademischen Jach- und Fährungskräfte bei Ausklammerung des Arbeitsverdienstes
der Ehefrau ein Einkommen, das unter dem Richtsatz lag, und dennoch
naren 28 Prozent der fraglichen Frauen berufstätig. Umgekehrt lag das
Einkommen von 55 Prozent der Haushalte aus der Kategorie ungelernte
Arbeiter unter dem Richtsatz, und nur 38 Prozent der Ehefrauen gingen
zur Arbeit (siehe Tafel V ) .
Wenn auch uie Häufigkeit der BerufStetigkeit der Ehefrauen im
allgemeinen mit dem Grau der "Notwendigkeit" ihres Mitverdienens zunahm, so war uieser Trend doch nicht in allen Beschäftigungskategorien
gleichmäßig ausgebiluet. Die Bereitwilligkeit, im Sinne dieser
"Notwendigkeit" zu handeln, war generell bei den sozial und wirtschaftlich höher einzustufenden Klassen starker. Ein nahezu konstanter Prozentsatz der Ehefrauen von angelernten Arbeitern (Maschinenarbeitern usw.)
ging zur Arbeit, unabhängig davon, ob das Haushalteinkommen über oder
unter dem Richtsatz lag. Die Berufstätigkeit unter den Frauen der gelernten Arbeiter (Facharbeiter, Meister usw.) und der ungelernten Arbeiter
stieg mit vorliegender "Notwendigkeit" um etwa ein Viertel; bei den
Tafel V

�Tafel

V

Haushalteinkommen und Beschäftigungsrate der Ehefrauen, nach dem Beruf
des Haushaltvorstandes und der Haushaltzusammensetzung aufgeschlüsselt
(Stand 1950)

HaushaltZusammensetzung, Haushalteinkommen und Beschäftigungsrate
der Ehefrauen

Beschäftigungsrate der Ehefrauen, deren Mann in
einem der folgenden Berufe tätig ist
Sämtl.
Berufe
1)

akadem.
u.Führungskräfte

35

15

29

.28

40

55

32

28

37

31

55

58

28
38

26
42

34
46

29
37

34
35

34
42

42

51

41

48

45

46
75

59
55

44
62

40
55

Sämtliche Familienhaushalte
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne
ihren Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne
Einkünfte der
Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz

Bürogelern- angeu.Ver- te Ar- lernte
kaufs- beiter Arbeiter
angest.

ungelernte
Arbeiter

Zwei-Personen-Haushalte
Sämtl&gt; Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem Richtsatz ohne ihren Verdienst
30
Sämtl. beru:Fstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne
Einkünfte der
Ehefrau )
über dem ]Richtsatz
unter dem Richtsatz

40

,

58
46

40
2)

-

5 -

�Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste 16 Jahrff und
darüber
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst

25

Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz
Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste zwischen
6 und 15 Jahren
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz
Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste unter 6 Jahren
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz

18

17

23

48

30

22

38

29

37

33

25
44

21
2)

32
2)

25

34
2)

27
45

44

20

38

41

57

76

28

22

29

26

32

39

22

19

34

34

22
42

23
30

32
32

30
42

36

18

35

31

42

65

21

20

26

21

21

28

20
23

17

26
28

20
23

22
20

30
24

35

-

6 -

2)

�Durchschnittswerte
für s ä m t l i c h e e r f a ß t e n Verbraucherhaushalte
Brutto-Haushalteinkommen
Schuljahre des
Haushaltvorstandes
A l t e r des H a u s h a l t vorstandes

$ 4240

$ 6045

3 4434

$ 4562

$ 5924

$ 2989

10

13

12

10

9

9

47
3,0

42
3,0

42
2,9

43
3,4

Familienstärke

41
3,4

48
2,9

1)
" einschließlich Heushaltvorstände, die als selbständig oder nicht
erwerbstätig geführt werden

2)
weniger als 50 Fälle
den Ehefrauen der Büro- und Verkaufsangestellten um fast zwei Fünftel,
der festangestellten Fach- und Führungskräfte um etwa drei Fünftel.
Diese Schwankungen spiegeln u.a. die Tatsache wider, daß ein Lebensstandard im Sinne des Richtsatzes von den Familien mit überdurchschnittlichem Einkommen als unzureichend empfunden wurde.
Das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Kindern wirkte sich
in den verschiedenen Berufskategorien unterschiedlich a^us . Relativ geringfügige Abweichungen in der Beschäftigungshäufigkeit traten in den
einzelnen Berufskategorien bei vorliegender "Notwendigkeit" bei kinderlosen Ehefrauen auf, große dagegen bei Müttern. In Zwei-Personen-Haushalten mit einem Einkommen unter dem Richtsatz lag die Beschäftigungsrate der Ehefrauen in allen fünf Eeschäftigungskategorien um zwei bis
drei Fünftel höher als in Haushalten mit einem Einkommen über dem Richtsatz. In Familien mit Kindern, von denen das älteste zwischen 6 und 15
Jahre alt war, traten größere Schwankungen auf. Unter derartigen Familien
der angelernten Arbeiter (Maschinenarbeiter usw.) waren 32 Prozent der
Ehefrauen berufstätig, wobei der Prozentsatz bei Familien, die auf einen
Zusatzverdienst der Frau angewiesen waren, und Familien, bei denen eine
solche "Notwendigkeit" nicht bestand, gleich hoch lag. Die Rate der
Berufstätigkeit der Mütter war jedoch in den einschlägigen Haushalten
der gelernten und ungelernten Arbeiter in Falle des Vorliegens der"Notwendigkeit" etwas höher und bei den Familien der festangestellten akademischen Fach- und Führungskräfte sogar wesentlich höher als bei Nichtvorliegen. In Familien letzterer Art mit einem Einkommen über dem Richtsatz, deren ältestes Kind zwischen 6 und 15 Jahro alt war, arbeiteten
um so mehr Enefrauen, je niedriger der Mann seiner Beschäftigung nach
auf der sozialen und wirtschaftlichen Stufenleiter stand; der Satz betrug
19 Prozent bei den festangestellten akademischen Fach- unü Führungskräften und 52 Prozent in der Gruppe der angelernten Arbeiter.
Alter

. 7.

�Alter der Ehefrau
Die hier aufgezeigten Zusammenhänge zwischen Alter und Beschäftigungsrate der Ehefrauen lassen sich nicht generell als Maßstab
für die Gesamtheit der befragten Haushalte werten, da man fast durchweg versäumt hatte, nach dem Alter der nicht berufstätigen Frauen zu
fragen. Lediglich bei Haushaltungen, die aus einem Ehepaar und weiteren Erwachsenen bestanden, wurde das Alter der Haushaltmitglieder
registriert; dabei zeigte sich, daß die Beschäftigungsrate bei Frauen
unter 50 Jahren 75 Prozent betrug und mit fortschreitendem Alter sank,
um schließlich in der Gruppe der Frauen von 50 bis 59 Jahren 25 Prozent
und in der der Frauen über sechzig 10 Prozent zu erreichen. Unterteilt
man diese Haushalte noch nach solchen mit einem Einkommen über und
unter dem Richtsatz, so zeigt sich, daß bei den Frauen unter 50 Jahren
der Anteil der Berufstätigen in den Haushalten mit einem unter dem
Richtsatz liegenden Einkommen mit 72 Prozent um ein gutes Viertel höher
lag als in den Haushalten mit höherem Einkommen, wo er lediglich 57
Prozent betrug. Bei Frauen über 50 war die Häufigkeit der Berufstätige
keit bei Vorliegen der "Notwendigkeit" 28 Prozent und somit mehr
als doppelt so groß wie in den Fällen, in denen dieser Zwang zur Arbeit
nicht bestand und die Rate bei 13 Prozent lag.
Bei den Zwei-Personen-Haushalten dagegen erweist sich das Vorliegen der "Notwendigkeit" auch bei zunehmendem Alter der Ehefrau weit
seltener als treibende Kraft, eine Stellung anzunehmen. Der Anteil
der berufstätigen Ehefrauen aus der Gruppe der Haushaltungen mit
einem Einkommen unter dem Richtsatz, die auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen waren, nahm erst vom 40. Lebensjahr an merklich zu.
Der Prozentsatz der berufstätigen Ehefrauen über 60, bei denen die
"Notwendigkeit" zu bejahen war, lag mit 61 Prozent mehr als doppelt
so hoch wie der der betreffenden Ehefrauen unter 40, dej) zwischen 24
und 29 Prozent schwankte.
Ergänzend sei noch hinzugefügt, daß bei den Haushaltungen der
nicht Erwerbstätigen, die im Vergleich zu den Haushalten mit berufstätigen Vorständen meist aus älteren Menschen bestanden, nur 10 Prozent
der Ehefrauen bei einem höheren Einkommen, als es dem Richtsatz entspricht, und 28 Prozent bei einem geringeren zur Arbeit gingen.
Der Beitrag der Ehefrau zum Haushalteinkommen
Von den 42 Prozent der Haushalte mit berufstätigen Ehefrauen,
deren Einkommen unterhalb des Richtsatzes lag, verdienten 23 Prozent
oder mehr als die Hälfte nicht genug, um das Haushalteinkommen soweit
aufzubessern, daß es den Richtsatz überstieg. Von den Frauen, die
das ganze Jahr über gearbeitet hatten, gehörten aber nur 14 Prozent
Haushaltungen an, deren Einkommen unter Hinzurechnung des Arbeitseinkommens der Ehefrau immer noch unter dem Richtsatz lag. Der Richtwert
wurde für den folgenden Vergleich nicht nach oben berichtigt, um die
durch die Berufstätigkeit der Ehefrau bedingten höheren Haushaltausgaben abzudecken.

�Haushaltzusammensetzung

Prozent der Haushalte mit einem unter dem
Richtwert liegenden Einkommen im Jahr 1950
Sämtl. berufstätigen Ehefrauen

Sämtliche Familienhaushalte
Ohne Kinder
ohne weitere Erwachsene
mit weiteren Erwachsenen

Ganzjährig
beschäftigte
Ehefrauen

Zeitweilig
beschäftigte
Ehefrauen

23

14

29

16
20

11
11

21
30

21
31
31
26

12
13
22
18

28
39
34
27

39

32

43

Mit Kindern, davon das
älteste
18 Jahre und darüber
16 bis 17 Jahre
6 bis 15 Jahre
unter 6 Jahren
Mit Kindern unter
18 Jahren und anderen
Erwachsenen

Der Prozentsatz der arbeitenden Mütter jüngerer Kinder, die mit ihrem
Arbeitsverdienst das Haushalteinkommen auf die Höhe des Richtsatzes und
darüber brachten, war geringer als der der übrigen berufstätigen verheirateten Frauen. Dies ist zum Teil der Tatsache zuzuschreiben, daß die
Berufstätigkeit dieser Frauen in einer größeren Anzahl von Fällen das
Ergebnis eines ohne einen Beitrag ihrerseits sehr viel niedrigeren
Haushalteinkommens war als bei den übrigen arbeitenden Frauen. Bei den
ganzjährig beschäftigten Müttern mit Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren
belief sich in 22 Prozent der Fälle das Gesamthaushalteinkommen auf eine
noch unter dem Richtsatz liegende Höhe; hätten sie nicht gearbeitet,
so wäre das Haushalteinkommen bei 66 Prozent von ihnen hinter dem Richtsatz zurückgeblieben (siehe Tafel III).
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 4, April
1962)
* * * * *

-

9

-

�Fast 70 Millionen Beschäftigte in den USA
Auch während der Sommermonate, die allgemein auf Grund der
Betriebsferien in den großen Industrieunternehmen durch eine gewisse Flaute in der wirtschaftlichen Aktivität gekennzeichnet
sind, hat sich die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt weiter
günstig entwickelt.
Wie aus dem jüngsten Bericht des US-Arbeitsministeriums über
die allgemeine Beschäftigungssituation im August hervorgeht, nahm
die Zahl der Beschäftigten in diesem Monat um 200 000 zu und erreichte
mit 69,8 Millionen damit fast die 70-Millionen-Grenze. Diese Entwicklung ist dabei insofern ermutigend, als auf Grund der saisonalen
Erwartungen normalerweise ein Rückgang in der Beschäftigtenziffer
um rund 300 000 hätte eintreten müssen.
Während jedoch die Entwicklung auf dem Beschäftigungssektor
die jahreszeitlichen Erwartungen übertraf, waren die Erwerbslosenziffern optisch insofern ein wenig enttäuschend, als sich der
Rückgang um 86 000 auf insgesamt 3»9 Millionen nicht im saisonüblichen Rahmen (450 000} hielt. Daher stieg auch die Erwerbslosenrate
gegenüber Juli (5, ~bi°) auf 5»8 Prozent der Gesamtbeschäf tigtenzahl an.
Beschäftigt man sich aber einmal näher mit den Hintergründen
der Erwerbslosenziffer für August, so zeigt sich, daß gerade in diesem Monat verschiedene ungünstige Faktoren das allgemeine Bild trübten. Einmal fiel der Zeitpunkt der Erhebung in die Umrüstungsperiode
der Automobilindustrie für die 6jer Modelle (vorübergehende Entlassung zahlreicher Arbeitnehmer), und zum anderen wies der August einen
ungewöhnlich starken Zustrom von Frauen zum Arbeitsmarkt auf. Bei dem
größten Teil dieser Frauen scheint es sich aber um Lehrerinnen zu
handeln, die ihre Ausbildung jetzt abgeschlossen haben und auf ihre
erste Anstellung warten - also im September wieder aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden werden.

\

Es ist also zu erwarten, daß mit der vollen Aufnahme der Arbeit
in der Automobilindustrie, dem Eintritt der jungen Lehrerinnen ins
Berufsleben und der Rückkehr der vielen Teenager zur Schule, die
sich in den Ferien um einen Arbeitsplatz bemüht hatten, die Erwerbslosenziffer im September wieder erheblich absinken wird.
Was die Dauer der Erwerbslosigkeit betrifft, so handelt es sich
bei der großen Masse der Arbeitsuchenden um solche Personen, die
ihren alten Arbeitsplatz aufgegeben haben, um sich etwa anderes zu
suchen, oder um kurzfristig Erwerbslose. Denn nach der jüngsten
Statistik war in den USA im August nur etwa ein Viertel der 3,9
Millionen Erwerbslosen bereits länger als 15 Wochen ohne Arbeit.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch noch eine Untersuchung des "Wall Street Journal" über die Zahl der offenen Stellen in
der Wirtschaft, die kürzlich veröffentlicht wurde. Danach gibt es in
allen größeren Städten der USA eine erhebliche Anzahl offener Stellen,
die in der Regel nur deshalb unbesetzt blieben, weil die Arbeitsuchenden "sehr wählerisch" seien, wie das Blatt betont. Die Hoffnung, einen
besseren als den angebotenen Arbeitsplatz zu finden, die relative

-

10

�relative wirtschaftliche Sicherheit auf Grund der Arbeitslosenunterstützung, des erhaltenen Entlassungsgeldes sowie der vorhandenen Ersparnisse und einer Reihe anderer Paktoren versetzen solche
Arbeitslose in die Lage, sich in Ruhe um einen neuen Arbeitsplatz
zu bemühen, der ihren Vorstellungen weitgehend entspricht.
Diese Tatsache kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß
es zahlreichen Erwerbslosen durchaus nicht rosig geht. In erster
Linie handelt es sich bei ihnen jedoch um langfristige Arbeitslose,
die ihren Arbeitsplatz wegen technologischer Veränderungen verloren
haben und wegen ihrer unzureichenden beruflichen Qualifikationen
nur sehr schwer einen neuen Arbeitsplatz finden können. Im Zuge umfangreicher Umschulungsprogramine und anderer Hilfsmaßnahmen bemüht sich
die US-Regierung, auch diese "strukturellen" Arbeitslosen wieder in
den Arbeitsprozeß einzugliedern.
(Quelle: Eigenbericht)

*

*

*

•

*

*

AFL-CIO fordert 35-S tunden-Woche,
Die Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden bei vollem
Lohnausgleich wurde auf einer Tagung des Vorstands des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO vom 12. bis 16. August in Chicago
gefordert, um zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.
In einer diesbezüglichen Resolution kündigte die AFL-CIO ein
umfassendes Programm zur Verwirklichung dieser Forderung an, das ein
gleichzeitiges Vorgehen in zwei getrennten Bereichen vorsieht. Einmal wollen die Gewerkschaften eine Abänderung des Fair Labor Standards
Act erreichen - des Gesetzes über die Regelung der Arbeitsbedingungen
und Löhne aus dem Jahre 1938, das die Einführung der 40-StundenWoche brachte -, um die 35-Stunden-',7oche und einen Überstundenzuschlag
von 100 Prozent auf gesetzlichem "J'ege durchzusetzen. Zum anderen werden die Gewerkschaften fortan bei Tarifverhandlungen mit größtem Nachdruck auf die Verkürzung der Arbeitszeit drängen.
Der Vorstand hat einen besonderen Ausschuß zur Durchsetzung einer
kürzeren gesetzlichen Arbeitszeit ins Leben gerufen, der u.a. Entwürfe für Abänderungsgesetze zu don bestehenden Arbeitszeit- und Lohngesetzen ausarbeiten soll, um die Verabschiedung einer gesetzlichen
Neuregelung zu beschleunigen. Ein besonderer Arbeitsstab in der
AFL-CIO-Zentrale in Washington wird die angeschlossenen Gewerkschaften
bei TarifVerhandlungen in Fragen der Arbeitszeitverkürzung beraten.
Wie George Meany, der Präsident der AFL-CIO, auf der Tagung in
Chicago erklärte, halten die Gewerkschaften die Befürchtung für unberechtigt, die 35-Stunden-Woche werde inflationistische Tendenzen
auslösen, sie glauben vielmehr, daß sie zahlreiche neue Arbeitsmöglichkeiten mit sich bringen werde.
Präsident

�Präsident Kennedy und Arbeitsminister Goldberg haben sich jedoch
gegen eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit in den Vereinigten
Staaten ausgesprochen. Goldberg wies darauf hin, daß die USA im
gegenwärtigen Augenblick ihre gesamte Produktionskraft aufbieten
müßten und daß solche gewerkschaftlichen Forderungen dazu angetan
seien, die Zahl der Streiks zu erhöhen.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
US-Lohnerhöhungen im ersten Halbjahr 1962 nicht inflatorisch
Die Mehrzahl der im ersten Halbjahr 1962 in den Vereinigten
Staaten ausgehandelten Tarifverträge brachte über 2 Millionen Arbeitnehmern Lohnerhöhungen, die sich in volkswirtschaftlich vertretbaren
Grenzen hielten.
Arbeitsminister Arthur J. Goldberg wies in diesem Zusammenhang
kürzlich darauf hin, daß sich die Lohnerhöhungen für sämtliche von
neuausgehandelten Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer im Mittel auf
3,2 Prozent, diejenigen für Arbeitnehmer, die unter Tarifverträge
mit sofort wirksam werdender Lohnerhöhungsklausel fallen, im Durchschnitt auf 3,8 Prozent beliefen.
Über ein Fünftel der erfaßten Arbeitnehmer gehörte dem nichtfahrenden Eisenbahnpersonal an, für das Lohnerhöhungen von etwas über 10 Cent
pro Stunde ausgehandelt wurden. Das entspricht theoretisch einer Steigerung um etwa 4,1 Prozent; wegen des verspäteten Inkrafttretens des
Tarifvertrages ergibt sich aber auf Jahresbasis eine Zunahme um lediglich knapp 3 Prozent.
Eine fast.ebenso große Zahl von Arbeitnehmern war in der Stahlund Aluminiumindustrie beschäftigt, wo die neuen Tarifverträge für
dieses Jahr keine Lohnerhöhungen vorsehen, dafür aber eine Erhöhung
der sozialen Aufwendungen der Unternehmer um 10 bis 11 Cent pro Stunde
oder rund 2,5 Prozent der Lohnkosten.
Der Arbeitsminister erklärte, er schätze sich glücklich, daß
"die Lohnentwicklung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in
den wichtigsten Industriezweigen ihrem Wesen nach nicht inflationistisch war und somit in Einklang mit dem Allgemeininteresse stand".

(Quelle: Eigenbericht)

*

- 12

-

�Beträchtliche Zunahme der Zahl der Ingenieure
Die Zahl der in der amerikanischen Wirtschaft tätigen Ingenieure hat sich zwischen 1950 und i960 um-64 Prozent erhöht, wie aus
einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht. Als Gründe für die beträchtliche Zunahme der technischen
Fachkräfte in der letzten Dekade werden von dem Ministerium u.a.
die verstärkte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, die weitgehenden
technischen Veränderungen in der Industrie sowie die Erhöhung der Verteidigungsausgaben angeführt.
Wie aus der Untersuchung weiter zu entnehmen ist, erhöhte sich
die Zahl der technischen Arbeitsplätze in den USA während der letzten
10 Jahre rund viermal so schnell wie die Gesamtzahl aller Arbeitsplätze, während die Zuwachsrate für farbige Ingenieur* im Vergleich
zur Gesamtzuwachsrate in diesem Zeitraum rund achtmal so hoch war.
Während 1950 lediglich 258O Farbige solche technischen Arbeitsplätze
ausfüllten, waren es i960 insgesamt 11 636.
(Quelle: Eigenbericht)

Durchschnittsgehalt von Büroangestellten 77 Dollar pro Woche
Das durchschnittliche Wochengehalt eines Büroangestellten in den
Vereinigten Staaten beträgt gegenwärtig nach Angaben der "National
Office Management Association" 77 Dollar; das sind 2 Dollar mehr als
1961 .
Nach der neuesten jetzt veröffentlichten Gehaltsübersicht des
Verbandes schwankt das Durchschnittsgehalt für Bürokräfte zwischen
60 Dollar für eine in der Registratur beschäftigte männliche Arbeitskraft und 100 Dollar für erfahrene Buchhalter. Während der höchste
wöchentliche Durchschnitt mit 82 Dollar in den westlichen Teilen
der USA registriert wurde, belief sich das wöchentliche Durchschnittsgehalt in den Oststaaten auf 75 und in den Südstaaten auf 72 Dollar.
Die Gehaltsübersicht stellt das Ergebnis einer umfassenden Analyse
in allen Teilen der USA und in insgesamt 9400 verschiedenen Unternehmen
dar; sie umfaßt insgesamt 64O 000 Büroangestellte und 23 verschiedene
Bürotätigkeiten.

(Quelle: Eigenbericht)

*

-

13

-

�Automatische Lohnerhöhung in der Automobilindustrie
Die rund 500 000 Arbeitnehmer der amerikanischen Automobilindustrie
erhalten seit dem 3. September 1962 um 6 bis 9 Cent höhere Löhne, und
zwar auf Grund des 1948 in die Tarifverträge aufgenommenen sogenannten
"annual improvement factor".
Diese Produktivitätsklauseln, die von der Annahme ausgehen, daß
die jährliche Zunahme der Arbeitsproduktivität in der Automobilindustrie
im Durchschnitt 2,5 Prozent beträgt, sehen vor, daß die Leistungssteigerung den Arbeitnehmern jährlich automatisch in Form höherer Löhne
zugute kommt. Die Erhöhung muß dabei entweder 2,5 Prozent oder 6 Cent
pro Arbeitsstunde betragen, je nachdem welcher Betrag höher ist.
Auch die Hunderttausende Arbeitnehmer der Zulieferbetriebe kamen dabei
in den Genuß dieser Lohnerhöhung.
Wie die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) im Zusammenhang mit der neuen Lohnerhöhung bekanntgab, haben sich die Automobilarbeiterlöhne auf Grund dieser Kontraktklauseln seit 1948 allein
um 77 Cent erhöht.

(Quelle: Eigenbericht)

-

14

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 1 1

Bad Godesberg, den 1. November 1962
INHA LTSVERZEICHNIS

Urlaubsregelungen in den USA

Seite

1

Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
(und vier weitere Kurznachrichten)

Seite

13

Frank W. Merrit, Abteilung Löhn«' und Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen im US-Bundesamt für Arbeitsstatistikl
Urlaubsregelungen in den USA
Die Bestimmungen bezüglich der Gewährung von bezahltem Urlaub in
den bedeutenderen Tarifverträgen im Jahr 1961
Der Trend zu einer großzügigeren Urlaubsregelung hat sich bei
den im Jahre 1961 zwischen Unternehmern und Gewerkschaften ausgehandelten bedeutenderen Tarifverträgen deutlich fortgesetzt, wie aus
einer kürzlich abgeschlossenen diesbezüglichen Untersuchung des USBundesamtes für Arbeitsstatistik hervorgeht. Seit 1957» dem Jahr
der letzten derartigen Untersuchungen des Bundesamtes, hat sich der
Anteil der betrieblichen Urlaubsordnungen, die die Gewährung von
4 Wochen bezahltem Urlaub und mehr vorsehen, von 20 auf 43 Prozent
erhöht (siehe Tafel i). Die Urlaubsbestimmungen der 1961 geschlossenen Tarifverträge sahen bei 49 Prozent aller Lohnvereinbarungen für
Belegschaftsmitglieder mit langjähriger Betriebszugehörigkeit einen
Urlaub von 3 bis 3 1/2 Wochen vor. Eine Höchsturlaubsdauer von 2 Wochen, die im Jahre 1949 noch vorherrschend war, fand sich 1961 nur
noch bei einem Zehntel der Verträge«
Tafel I

�Tafel I
Urlaubshöchstgrenzen gemäß einer Anzahl von ausgewählten Tarifverträgen
in den Jahren 1949. 1952. 1957 und 1961
(in Prozent)
Dauer i n Wochen
1949*

bis
1

6

1952**

über
2

2

61

33

,

1957***

.
1 2

2

48

* 1314 Tarifverträge;

3

4

46

4

bis 2 _
und
2

2 1/2

1

15

** 951 Tarifverträge

1961 * * * *

3
und

4 2
1 /2 3
und
und
und

4
und

3 1/2

mehr

mehr

64

20

w e n i - 3 1/2
ger

8

49

43

*** 1529 Tarifverträge

**** 1428 Tarifverträge

Mehc Urlaub bei niedrigerem Dienstalter
Die Verlängerung der Urlaubszeit ging Hand in Hand mit einer Verkürzung der als Voraussetzung für die Gewährung des Höchsturlaubs erforderlichen Betriebszugehörigkeitsdauer. Der Anteil der Tarifverträge,
denen zufolge 15 und 25 Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung
für einen drei- bzw. vierwöchigen Urlaub nachgewiesen werden mußten,
ging in den vier Jahren zwischen der Erstellung der beiden Berichte
von 65 auf knapp 40 Prozent bzw. von 69 auf rund 53 Prozent zurück
(siehe Tafel II). Im Jahr 1961 hatten 26 Prozent der von den untersuchten Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer - gegenüber nur 11 Prozent
im Jahr 1957 - Anspruch auf 3 Wochen bezahlten Urlaub nach einer Betriebszugehörigkeitsdauer von 10 Jahren,
Zum Zwecke der Untersuchung verschiedener Aspekte der Urlaubsregelung in den Betrieben (Art und Dauer des Urlaubs, Voraussetzungen
und Ermittlung des Anspruchs) analysierte das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik 1698 größere Lohnvereinbarungen, die für jeweils mehr als
1000 Arbeitnehmer gültig waren. Daibei handelte es sich,mit anderen
Worten,um sämtliche bedeutenderen Tarifabkommen mit Ausnahme der Abkommen im Bereich des Schienen- und Luftverkehrs. Die Untersuchung
wurde noch vor dem Inkrafttreten des neuen Stahlarbeiter-Tarifvertrags am 1. Juli 1962 abgeschlossen, der weitere Verbesserungen der
Urlaubsregelung in diesem großen Industriezweig mit sich brachte.
Die von den untersuchten Tarifverträgen erfaßten 7»4 Millionen
Arbeiter und Angestellten machten fast die Hälfte aller unter gewerkschaftlichen Tarifverträgen beschäftigten Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten aus, wiederum unter Ausklammerung der Beschäftigten im Schienen- und Luftverkehr. Von den 1698 erfaßten

2 -

�Tafel II
Anteil einer Anzahl von ausgewählten Tarifverträgen mit Bestimmungen
über die Gewährung von bezahltem Urlaub nach Betriebszugehörigkeitsdauer. 1957 und 1961
(in Prozent)

2 Wochen Urlaub nach
Betriebszugehörigkeit von
1957
1961
1
2
3
5

Jahr
Jahren
Jahren
Jahren

16
20
21
36

3 Wochen Urlaub nach
Betriebszugehörigkeit von
1957
1961

15 unter 5
22
Jahren
24 10 Jahren
30 15 Jahren

5
18
65

4 Wochen Urlaub
nach BetriebsZugehörigkeit v.
1957 1961~

unter 20
7
Jahren
36 20 Jahren
40 25 Jahren

5
20
69

9
31
53

erfaßten Tarifverträgen entfielen 1030 auf die Fertigungsindustrien,
668 auf die übrige Wirtschaft; von den ersteren wurden 4»29 Millionen und von den letzteren 3»07 Millionen Arbeitnehmer betroffen.
Sämtliche in die Untersuchung einbezogenen Abkommen waren zu
Beginn des Jahres 1961 in Kraft, bei 30 Prozent standen neue Verhandlungen im Laufe des Jahres zu erwarten.
Urlaubsregelung durch Tarifverträge vorherrschend
Die betriebliche Urlaubsregelung war bei 92 Prozent der Lohnabkommen unmittelbarer Vertragsbestandteil. Im Bereich der Fertigungsindustrien war die Gewährung von bezahltem Urlaub in fast allen
Fällen im Tarifvertrag geregelt, in den übrigen Wirtschaftszweigen
in vier Fünfteln der Fälle. Von insgesamt 142 Tarifverträgen ohne
direkte Urlaubsklausel entfielen 124 auf das Baugewerbe.
Mehr als 90 Prozent der Tarifverträge mit Urlaubsklauseln regelten die Gewährung von Urlaub nach der Betriebszugehörigkeitsdauer.
Von den 142 Tarifverträgen, in denen eine Urlaubsiregelung nur mittelbar getroffen wurde, verfügten 75 die Abführung eines Unternehmerbeitrags an einen zentralen Fonds, aus dem die Arbeitnehmer die Lohnfortzahlung für die
Urlaubsdauer erhalten. Die restlichen 67 Verträge,
von denen 462 900 Arbeitnehmer betroffen wurden, sahen folgende Regelungen vor.^Tafel III) t

Tafel III

�Tafel III

Art der Urlaubsregelung

Zahl
der Verträge der Betroffenen

Einheitlicher Urlaubsanspruch

18

245 950

Urlaubsanspruch nach Arbeitsstunden

15

93 900

Andere Urlaubsregelungen

34

123 050

Urlaub nach Beschäftigungsdauer-Kategorien
Im Jahre 1961 enthielten mehr als ein Drittel der wichtigeren
Tarifverträge in den Fertigungsindustrien und über die Hälfte der
Abmachungen in den übrigen Wirtschaftszweigen Bestimmungen über die Gewährung von bezahltem Urlaub bis zu vier Wochen, gegenüber einem
Sechstel bzw. einem Viertel im Jahr 1957» In der Mineralölwirtschaft,
in der Gummiindustrie und im Nachrichtenwesen (vergleiche Tafel IV)
sahen sogar über 90 Prozent aller Tarifverträge die Gewährung von
vier Wochen Urlaub vor.
Mit der Verlängerung der Urlaubsdauer einher ging in der Zeit von
1957 bis 1961 eine Verkürzung der als„Voraussetzung für die Urlaubsgewährung geforderten Betriebszugehörigkeitsdauer. Der Anteil der
Verträge, die einen zweiwöchigen Urlaub erst nach 5 Jahren Betriebszugehörigkeit zugestanden, ging von 36 auf 30 Prozent zurück, während
im Falle der Forderung einer zwei- und dreijährigen Betriebszugehörig- '
keit als Voraussetzung für einen zweiwöchigen Urlaub eine leichte
Zunahme zu verzeichnen war. Als Voraussetzung für einen dreiwöchigen
Urlaub wurden von Fall zu Fall 1 bis 25 Jahre vereinbart (siehe Tafel V ) .
Im Jahre 1961 wurden in 40 Prozent der Verträge 15 Jahre und in 36 Prozent 10 Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung für 3 Wochen
Urlaub genannt, gegenüber 65 bzw. 18 Prozent im Jahr 1957»
Bei etwas über der Hälfte der Verträge, die vier Wochen Urlaub
vorsahen, wurden 25 Jahre Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung gefordert; 1957 traf dies noch für mehr als zwei Drittel aller derartigen Verträge zu.
Die Jrlaubsansprüche von Belegschaftsangehörigen mit kürzerer
Betriebszugehörigkeit entwickelten sich 1961 in den Industriezweigen,
in denen ohnehin eine großzügige Urlaubsregelung vorherrscht, ebenfalls günstig weiter. So wurde z.B. in der Mineralölindustrie, in der
die Höchstdauer generell bei vier, lochen liegt, ein zweiwöchiger Urlaub schon nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit und ein dreiwöchiger
Urlaub nach zehn Dienstjähren gewährt. In der Nahrungsmittel-, Papierund Gummiindustrie sowie auch in der chemischen Industrie und in den
Versorgungsbetrieben, wo die Höchstdauer ebenfalls vier Wochen betrug,
wurden zwei oder drei Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung
für einen zweiwöchigen Urlaub und zehn Jahre für einen dreiwöchigen
Urlaub gefordert. Noch im Jahre 1957 wurde ein dreiwöchiger Urlaub
in fast allen diesen Wirtschaftszweigen frühestens nach 15jähriger
Betriebszugehörigkeit gewährt.
Tafel IV

�Tafel IV
Zahl der Arbeitnehmer
gestaffeltem

mit t a r i :f v e r t r a g l ich

nach

b e z a h l t e n U r l a u b :Im J a h r e 1 9 6 1 ,

B e s c h ä f t i g u n g :ä d a u e r

nach

Wirtschaftszweigen

!a u f g e s c h l ü s s e l t
(in
I n d u s t r i e - oder
Wirtschaftszweig

Tausend)

insgesamt

Höchsturlau bsdauer
1

2

2

1/2

5

5

1/2

(Wochen )
4

über

4
6,0

465,8

58,7

2126,7

694,0

2569,5

57,9

3888,1
Fertigungsind.
Rüstung
59,9
Nahrungsmittel
342,5
Tabak
25,8
65,8
Textil
176,1
Bekleidung
Holz
25,2
29,2
Möbel
155,2
Papier
29,6
Druck
86,0
Chemie
Mineralöl
46,5
111,2
Gummi
Leder
61,4
106,1
Steine
641 , 8
Hüttenwesen
Metallverarbeitung
155,7
500,2
Maschinenbau
Elektrogeräte
424,9
1018,6
Transportm.
Feinmechanik
49,9
Verschiedene
21,5

6,0
2,3
-

520,1

56,9
1,1
-

1692,0
46,4
77,1
21 , 2
4,5
1,7
11,6
25,7
15,5
17,9
18,4
4,7
51,8
69,9
61,3

676,2
11,1
—
1,5
1,2
-

15,8
-

8,0
557,9

1141,5
10,0
244,8
1,0
1,1
4,0
117,5
11,7
64,5
46,5
106,6
1,5
21,5
41,6
54,1
122,7
228,2
42,1
17,4

5,5

4,2
—

Übrige W i r t s c h a f t 1848,5
Bergbau u.Erd«53,2
ölförderung
Transport
498,5
Fernmeldewesen
510,4
Versorgungsbetr.1 77,5
20,1
Großhandel
Einzelhandel
280,3
H o t e l - u n d G a s 't 160,5
stättengewerbe
144,0
Dienstleistung
24,1
Baugewerbe
—
Verschiedene

Gesamtwirtsch.

5756,5*

5,5

-

1,5
59,4
170,7
9,6
4,0
28,5
6,7
-

-

8,2
6,0
7,0
15,5
2,1

2,5
50,0
-

42,7
152,6
180,2
868,5
51,4
1 3,3

28,7
18,9
2,9
64,9
1,1

-

145,8

1,8

454,7

17,8

1228,5

22,2

-

4,2
4,6
18,5

1,8
-

11,4
90,1

4,7

5,9
596,7
504,6
144,4
9,6
154,1

1,5
2,5

16,1
10,5
125,1

12,5
2,9
2,7

—

54,7

-

105,8
68,2
5,0

—
-

3,7

40,7
21,1
""

5,4
-

•

-

—

55,1
—

"

* Wegen Auf- und Abrundungen stimmt die Summe der Einzelangaben nicht
notvuendi gerweise restlos mit der Gesamtsumme überein.
Tafel V

9,4
1,2
1,0

l'li

17,0
—
—
—
—
—

�Tafel V
Z a h l d e r Arb&lt;e i t n e h m e r i n den U r l a u b s k a t e g o r i e n
kei tsdauer

gemä .ß den b e d e u t e n d e r e n T a r i f v e r t r ä g e n
(in

Betriebs zugeh ö r i g k e i tsdauer

bis 1

I n s g e s a n it

5953, 4

b i s zu 1/2 Jahr
1/2 b i s 1 J a h r
1 Jahr
1 bis 2 Jahre
2 Jahre
2 bis 3 Jahre
3 Jahre
4 Jahre
5 Jahre
6 Jahre
7 Jahre
8 Jahre
9 Jahre
10 J a h r e
11 J a h r e
12 J a h r e
13 J a h r e
14 J a h r e
15 J a h r e
16 J a h r e
17 J a h r e
18 J a h r e
19 J a h r e
20 Jahre
21 J a h r e
22 J a h r e
23 J a h r e
24 J a h r e
25 J a h r e
26 J a h r e
30 J a h r e
andere*

nach B e t r i e b s z u g e h ö r i g im Jah r 1961

Tause n d )
Woche n U r l a u b s a n s p r u c h

413, 4
1 3 4 8 , .9
4105, 5
64, 6
1

mm

_
_
m

m

2 1 ,• 1

1

1/2

2258,3
2,6

122,8
66,1
141,8
135,6

2 1/2

2

5637,9
13,4
130,6
877,4
63,4
1^65 +'J

8,2

6,6

1763,2

1102,8

6,3
-

94,4

*m

*
_
_
_
_
_

11,7

2244,7

3,5

4,4
1,3
_

2139,0

14,8
13,7
11,5
7,2
-

10,0
26,7
69,5
14,4
53,9
45,0
21,7
1631,9
8,1

210,0
3,5
-

11 ,6
2,1
_
_
3,8

o»

—
—
—

30,6

5042,4

-

17,2
4,3
-

29,1
-

234,1
1,1

23,3
16,4
10,9
1123,5
284,0
351,0
15,5
18,5
2671,9
5,0
1,2
2,1

14,8
_

6 -

über 4

842,1

2404,8

57,9

1,5
5,0
2,7
6,9
-

_
_
-

_
_
.
-

m

m

52,7

13,3
9,7
5,0

13,1
-

11,2
-

99,1

41,9

2,3

3,5

1,2

10,2

249,1

4,0

4,5

47,2

571,9

5,3

10,0
1,5

10,4 639,5

* einschließlich der Fälle, in denen die Betrieoszugehörigkeitsdauer .in Bruchteilen des Kalenderjahres, meist in Halbjahren, ausgedrückt ist, oder
andere, nicht spezifizierte Vorschriften bezüglich
des Dienstalters maßgebpnd sind .

-

4

5 1/2

3

_
3,8

,
1,5
1,2
-

10,5

-

-

88,9
48,6
11,9
1279,5

10,2

5,0

_
8,7

51,0
1,2

-

5,9

Urlaub

�Urlaub nach Dienst.jahren
Bei fast zwei Fünfteln der betrieblichen Urlaubsregelungen
nach Beschäftigungsdauer erhöhte sich die tatsächliche Urlaubszeit über einen Grundurlaub hinaus in einer festen Relation zum
Dienstalter um halbe Wochen oder Tage. Häufig sieht die Urlaubsordnung nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit einen einwöchigen
Grundurlaub und einen zusätzlichen Urlaubstag für jedes weitere
Dienstjahr zwischen dem ersten und fünften vor; ein Arbeiter hätte
in diesem Falle nach 3 Jahren somit einen Anspruch auf eine Woche
und zwei Tage. Die Gewährung solchen zusätzlichen Urlaubs erfolgt
vielfach unter Anrechnung von Jahren und selbst Monaten der Betriebszugehörigkeit. Ein halbwöchiger Urlaub kann bereits vor Beendigung
des ersten Dienstjahres genommen werden. Bei der Mehrzahl der Tarifverträge mit Klauseln über die Gewährung eines eineinhalbwöchigen
Urlaubs wurden drei Jahre Dienstzeit vorausgesetzt, bei einem Viertel sogar nur 2 Jahre,
Die häufigsten Formen der Urlaubsregelung
Die Einzelvorschriften bezüglich der Urlaubsdauer und der
Voraussetzungen unterschieden sich bei den untersuchten Tarifverträgen erheblich voneinander. Es wurden insgesamt 500 verschiedene
Kombinationen in den 1414 tarifvertraglich verankerten Urlaubsordnungen festgestellt^.B. eine Woche Urlaub für ein Jahr Betriebszugehörigkeit, 2 Wochen für 5 Jahre, 3 Wochen für 15 Jahre). Diese
Abweichungen sind nicht zuletzt auf die Praxis der Gewährung von
Urlaub nach Wochen oder Tagen zurückzuführen.
Über die Hälfte der Arbeitnehmer mit tarifvertraglich festgelegtem Urlaub fiel unter 25 Regelungen, von denen jede Bestandteil
von mindestens zehn Tarifverträgen war (Tafel V i ) , die zusammen zwei
Fünftel aller Tarifabkommen mit Urlaubsklauseln ausmachten. Die
zahlenmäßig stärkste Konzentration von Arbeitnehmern findet sich
in der Kategorie "1 Woche bei; 1 Jahr, 1 1 /2 Wochen bei 3 Jahren
und 2 Wochen bei 5 Jahren Dienstzeit"; sie ist in erster Linie
auf 16 größere Lohnabkommen in der Automobilindustrie zurückzuführen.
Die gleiche Regelung, ergänzt durch eine zusätzliche halbe Woche
Urlaub nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit, fand sich in 79 Tarifverträgen und war somit auch in dieser Hinsicht der häufigste Typ.
Über 80 Prozent der Arbeitnehmer, die dieser Form der Urlaubsregelung im Jahre 1961 unterlagen, verteilten sich auf 52 Tarifabkommen
der Stahlindustrie.
-"
Nebenformen der Urlaubsregelung
Der Typ der Urlaubsfinanzieruhg über eine aus regelmäßigen
Beiträgen gespeiste Urlaubskasse findet sich fast nur in Wirtschaftszweigen, die durch saisonbedingte und anderweitige Schwankungen in
der Beschäftigung sowie durch eine starke Arbeitsfluktuation gekennzeichnet sind, wie z.B. die Schiffahrt, die Bekleidungsindustrie
und das Baugewerbe.
Drei

-

7 -

�Tafel VI
Urlaubsregelungen, die sich im Jahre 1961 in .jeweils mindestens zehn
Tarifverträgen fanden

Zahl

Urlaubsgewährung nach Betriebszugehörigkeitsdauer

der

Tarifver- betroffeträge
nen Arbei tnehmer
Insgesamt

18

2 931 600

17
12
19

60 450
32 050
66 750

13
14

21 900
73 000

20

60 650

40

113 650

10

55 700

25

44 400

12

19 050

17

22 300

47

116 900

10

27 500

46

709 050

79

463 550

23

75 150

19

139 150

23

190 950

Zwei Wochen
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 5 Jahren
Drei Wochen
2 Wochen n. 1 Jahr, 3 Wochen n. 10 Jahren
2 Wochen n. 1 Jahr, 3 Wochen n. 12 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 5 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 10 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n. 10 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n . 12 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 5 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1, 1 1/2 Wochen n. 3, 2 Wochen n.
5 u. 3 Wochen n. 15 Jahren
1 Woche n. 1, 1 1/2 Woche n. 3, 2 Wochen n. 5,
2 1/2 Wochen n. 10 u. 3 Wochen n. 15 Jahren
Dreieinhalb Wochen
1 Woche n. 1, 1 1/2 Wochen n. 3, 2 Wochen n. 5»
2 1/2 Wochen n. 10, 3 Wochen n.
15 u. 3 1/2 Wochen n. 25 Jahren
Vier Wochen
2 Wochen n. 1, 3 nach 10 u. 4 n. 20 Jahren
1 Woche n. 6 b. 12 Monaten, 2 Wochen n. 1, 3 n. 15
u. 4 n. 25 Jahren
1 Woche n. 6 b. 12 Monaten, 2 Wochen n. 2, 3 n. 15 u.
4 n. 25 Jahren

-

8

-

1 Woche

�Urlaubsgewährung nach Betriebszugehörigkeitsdauer

1
1
1
1
1
1
1

Woche
Woche
Woche
Woche
Woche
Woche
Woche

n. &gt; » 2
n.
2
n. * » 2
n. ' » 2
n.
2
n. ' » 2
n. 1» 2
•

*

•

»

n.
n.
n.
n.
n.
n.
n.

2,
2,
2,
3,
3,
3,
3,

3
3
3
3
3
3
3

n.
n.
n.
n.
n.
n.
n.

10. u . 4 n. 20 Jahren
10 u. 4 n. 25 Jahren
15 u. 4 n. 25 Jahren
10 u. 4 n. 20 Jahren
10 u. 4 n. 25 Jahren
11 u. 4 n. 18 Jahren
12 u. 4 n. 25 Jahren

Zahl der
Tarifver- betroffeträge
nen Arbeitnehmer

25
20
22
29
49
14
T5

57 900
50 250
76 050
87 600
110 800
224 850
32 000

Drei Fünftel aller derartigen Urlaubskassen in der Bekleidungsindustrie basieren auf einer von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften
gemeinsam getroffenen Regelung, derzufolge der Unternehmer einen bestimmten Prozentsatz des Wochenlohns an einen Fonds abführt, der Krankenversicherungsplan, Sozialkasse oder anders benannt ist. Diese Kassen
gewähren größtenteils neben dem Urlaubsgeld auch Leistungen im Bereich
der Lebens-, Kranken-, Krankenhauspflege- und Altersversicherung. In
den seltensten Fällen wird jedoch der Anteil am Arbeitgeberbeitrag, der
auf die Aufbringung von Urlaubsgeld entfällt, getrennt ausgewiesen«
Die meisten der 29 Urlaubskassen in der Bekleidungsindustrie stehen
unter ausschließlicher Verwaltung der Gewerkschaft, und da3 im Gesetz
über die Regelung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen (LaborManagement Relations Act^j ausgesprochene generelle Verbot der Abführung
von Unternehmerbeiträgen an ausschließlich gewerkschaftlich verwaltete
Treuhandfonds trifft auf sie nicht zu, da sie unter die Ausnahmebestimmungen des Gesetzes fallen. Eine kleinere Zahl von Urlaubskassen
wird von Unternehmer- und Gewerkschaftsseite gemeinsam verwaltet, mit
einem Aufsichtsrat aus Gewerkschafts- und Unternehmervertretern und
einem unparteiischen Vorsitzenden an der Spitze.
Die Sozialkassen im Wassertransportwesen gewähren Beschäftigten,
die ein Jahr ununterbrochen tätig waren, Urlaubszahlungen gemäß den
im folgenden wörtlich zitierten Bestimmungen:
"Ein Beschäftigter hat Anspruch auf Urlaubszahlung gemäß nachstehender Tabelle:

Zahl

�Zahl der Monate, die der betreffende
Arbeitnehmer bei einer Mitgliedfirma
der Kasse innerhalb eines Zeitraums
•on 720 Tagen beschäftigt war

5
4
5
6
7
8

9
10
11
12

Zahl der Urlaubst a g e , für d i e Zah
lungen t g e l e i s t e t
werden
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
45 Tage

11 1/4
15
18 5/4
22 1/2
26 1/4
3t&gt; 50
55 5 / 8
37 1/2
44 1/4

Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate

Die Höhe deit Urlaubsgeldes errechnet sich aus dem durchschnittlichen Grundgehalt oder -lohn des Arbeitnehmers während des Beschäftigungszeitraums, der bei der Feststellung seines Urlaubsanspruchs zugrunde zu legen ist.
Zusätzlich zu den vorstehenden Leistungen hat ein Arbeitnehmer,
der bei ein und demselben Arbeitgeber mindestens 36O Tage lang ununterbrochen beschäftigt war, Anspruch auf Urlaubsgeld für weitere 18
Tage.
Mit Wirkung vom 16. Juni 1959 hat ein Arbeitnehmer, der bei ein
und demselben Arbeitgeber mindestens 36O Tage lang ununterbrochen
beschäftigt war, Anspruch auf Urlaubsgeld für weitere 30 Tage statt
der eben genannten 18 Tage. "
Im Baugewerbe wird in den meisten Fällen ein bestimmter Betrag
pro Arbeitsstunde oder ein fester Prozentsatz der Wochenlohnsumme
an einen unter gemeinsamer Verwaltung stehenden Fonds abgeführt. Einzelheiten der Verwaltung werden vom Kuratorium der Kasse festgesetzt,
wie das nachfolgende Beispiel zeigt:
"Die Urlaubskasse... wird weiterhin durch ein gemeinsames Kuratorium verwaltet, das sich aus einer gleichen Zahl von Vertretern der
Gewerkschaft und ... der Arbeitgeber zusammensetzt, die ihre Kuratoren
benennen und den Modus für deren Ersatz innerhalb 30 Tagen vom Datum
des Inkrafttretens dieses Vertrags festsetzen.
Jeder Arbeitgeber hat an das Kuratorium zum Betrieb der Urlaubskasse spätestens bis zum 20. eines jeden Monats für jede von seinen
Arbeitnehmern... im Vormonat geleistete Arbeitsstunde einen Betrag
von 10 Cent pro Stunde bis zum 1. Juli 1959 abzuführen, von wo an der
Betrag auf insgesamt 4 Prozent des Bruttolohnes eines jeden Arbeitnehmers ... für den Rest der Laufzeit dieses Vertrags heraufgesetzt
werden soll.
Die

10 -

�Die Urlaubsregelung ist so zu handhaben, daß der Urlaub im
gegenseitigen Einverständnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber
genommen wird... Der Arbeitnehmer muß seinen Urlaub jedes Jahr
nehmen, und der Urlaubsanspruch darf, außer bei Vorliegen ungewöhnlicher Umstände und nach Einholung der Zustimmung der Gewerkschaft,
nicht durch eine Zahlung an den Arbeitnehmer abgegolten werden...
Die Urlaubskasse wird gemäß einem Treuhandvertrag betrieben, und
das Kuratorium wählt im Zusammenhang mit demselben eine geeignete
Hinterlegungsstelle aus.
Sämtliche Einzelheiten bezüglich Verwaltung,... Urlaubszeiten
usw. werden von besagten Kuratoren festgelegt,"
Die Form der Urlaubsregelung auf der Basis der geleisteten
Arbeitsstunden findet sich in 15 Tarifverträgen, von denen T«fi das
Druck- und Verlagswesen entfallen. In den betroffenen Betrieben
richtet sich der Urlaub nach der Zahl der im Jahr geleisteten Arbeitstage oder -stunden, wodurch sich im Regelfall ein dreiwöchiger
Urlaub ergibt:
"Die Arbeitnehmer haben Anrecht auf Gutschrift eines ^fierzehntel
Urlaubstages mit Bezahlung für jeden bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber geleisteten Arbeitstag mit der Maßgabe, daß innerhalb eines
Jahres nicht mehr als 5 Wochen Urlaub angesammelt werden können."
Rund 79 Prozent der Arbeitnehmer, deren Urlaub sich nach der
geleisteten Arbeitszeit richtet, unterlagen sieben Tarifabkommen im
Bereich des Transportwesens (Hafenarbeiter und Kraftfahrer). Als
typisch für eine derartige Regelung, bei der sich der Urlaub aus
der Zahl der im Laufe eines Jahres geleisteten Arbeitsstunden errechnet, sei aus einem dieser Tarifverträge zitiert:
"Jedem Arbeitnehmer, der während des Geschäftsjahres... von Mitgliedfirmen der Kasse Lohn oder Gehalt für 1200 geleistete Arbeitsstunden oder mehr erhalten hat, steht Urlaubsgeld für 2 Wochen zu,
gleichgültig, ob die geleisteten Stunden nach dem normalen oder dem
Uberstundentarif abgegolten worden sind. Das Urlaubsgeld für zwei
Wochen ist gleich dem Arbeitsentgelt von 80 Arbeitsstunden zum normalen Tarif.
Anmerkung: Es wird ein kleiner gemeinsamer Ausschuß eingesetzt,
um die Möglichkeit der Gewährung von Urlaub an Arbeitnehmer zu prüfen,
die zwischen 650 und 700 Arbeitsstunden (eine Woche Urlaub) oder 1150
und 1200 Arbeitsstunden (zwei Wochen Urlaub) geleistet haben. Der gemischte Ausschuß prüft die bisherige Leistung und Führung des Antragstellers am Arbeitsplatz; seine Entscheidungen sind unanfechtbar.
Jedem Arbeitnehmer, der während des Geschäftsjahrs... von Mitgliedfirmen der Kasse Lohn oder Gehalt für 1500 geleistete Arbeitsstunden oder mehr erhalten hat - gleichgültig, ob die geleisteten
Stunden nach dem normalen oder dem Uberstundentarif abgegolten werden steht Urlaubsgeld für drei Wochen zu, sofern er während fünf der
letzten sechs Jahre 700 Jahresstunden gearbeitet hat. Das Urlaubsgeld

11

�Urlaubsgeld für drei Wochen ist gleich dem Arbeitsentgelt von 120
Arbeitsstunden zum normalen Tarif»"
Eine Urlaubsregelung in Form der Gewährung eines einheitlichen
Urlaubsgeldes, das im allgemeinen dem Arbeitsentgelt von 1 bis 3 1/2
Wochen entspricht, wurde in 8 Tarifverträgen in der Fertigungsindustrie und in zehn der übrigen Wirtschaft vereinbart. Zwei dieser
Verträge, die sich auf 200 000 Beschäftigte erstreckten, sahen die
Gewährung eines Urlaubsgeldes von 200 bzw. 160 Dollar für einen
Urlaub von 14 Kalendertagen vor.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 8*August
1962)

* * * * *

-

12

�Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
Bei rund drei Fünfteln aller gegenwärtig in Kraft befindlichen
privaten Pensionspläne in den USA dürften die Leistungen während
der vergangenen fünf Jahre zweimal erhöht worden sein. Dies geht aus
einer Untersuchung des US-Amtes für Arbeitsstatistik von insgesamt
99 größeren Pensionsplänen hervor, die zwar keinen repräsentativen
Querschnitt für sämtliche Pläne darstellen, nach Ansicht des Amtes
aber die allgemeine Entwicklung auf diesem Gebiet während der letzten
Jahre ziemlich genau widerspiegeln.
Nach dieser Analyse wurden die Leistungen bei 3/5 der insgesamt
99 untersuchten Pensionspläne das eine Mal im Winterhalbjahr 1957/58
und das andere Mal im Frühjahr 1961 erhöht. Durch diese Pläne wurden
im einzelnen jeweils 1000 bis 300 000 Arbeitnehmer (insgesamt 3 Millionen) der wichtigsten Industriezweige erfaßt.
Was die Verbesserungen der einzelnen Pensionspläne betrifft, so
wurden bei 59 der 99 Pläne die normalen Pensionsleistungen erhöht,
bei 23 bestimmte zusätzliche Leistungen (früheres Pensionsalter, Pensionierung auf Grund eingetretener Invalidität, Übertragbarkeit der
Pensionsansprüche) aufgenommen und bei 39 die eine oder die andere
Leistungsart liberalisiert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Beträchtliche Ausweitung der gewerkschaftlichen
KrankenVersicherungspläne
Die Zahl der amerikanischen Arbeitnehmer, die einen Krankenversicherungsschutz auf Grund der zwischen Gewerkschaften und Unternehmern ausgehandelten sogenannten "Gesundheitsversicherungspläne"
genießen, ist von 600 000 im Jahre 1945 auf 7 Millionen im Jahre 1950
und 14»5 Millionen Ende des Jahres i960 angewachsen, wie aus einer
Untersuchung des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht.
Die Zahl der von privaten Pensionsplänen erfaßten Arbeitnehmer
ist im gleichen Zeitraum "von einer unbedeutenden Anzahl" auf 5 Millionen im Jahre 1950 und 11 Millionen Ende i960 angestiegen.
Allein auf Grund erfolgreicher Tarifverhandlungen in der Automobil- und Stahlindustrie erhöhte sich die Zahl der von Krankenversicherungsplänen erfaßten Arbeitnehmer zwischen 1948 und 1950 um 4»4
Millionen, während gleichzeitig die Zahl der von privaten Pensionsplänen erfaßten Arbeitnehmer um 3»4 Millionen zunahm. Ende i960 kamen,
wie aus der Übersicht des Arbeitsministeriums weiter zu entnehmen ist,
rund 78 Prozent aller auf Grund von Tarifverträgen beschäftigten Arbeitnehmer in den Genuß von privaten Krankenversicherungsleistungen und
etwa 60 Prozent zu zusätzlichen Pensionen.
/
..
_.
, . , .\
^Quelle: Eigenbericht;
* * * * *

-

13

-

�Stahlarbeiter-Gewerkschaft billigte Aktionsprogramm
Die 3000 Delegierten der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft
billigten auf dem kürzlich in Miami Beach abgehaltenen Zweijahreskongreß ein umfassendes Aktionsprogramm, in dem die verschiedenen
gewerkschaftspolitischen Ziele, insbesondere auf dem Gebiet der
Sicherung der Arbeitsplätze, näher umrissen werden.
Danach will die Stahlarbeiter-Gewerkschaft in Verhandlungen mit
den Unternehmern und durch verstärkte Bemühungen um die Verabschiedung von Arbeitsgesetzen versuchen, die Zahl der Arbeitsplätze in
der Industrie durch eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit
zu erhöhen. "Wenn die Vereinigten Staaten wirtschaftlich stark und
unsere Werktätigen beschäftigt bleiben sollen, so ist die Herabsetzung
der Arbeitszeit ein Ziel, das wir schnell erreichen müssen", heißt es
in der Resolution.
David J. McDonald, der 1. Vorsitzende der USA-Gewerkschaft, kündigte
an, daß seine Gewerkschaft bei den im nächsten Jahr anstehenden Tarifverhandlungen mit den Unternehmen der Stahlindustrie die Einführung
einer Viertagewoche und verlängerten bezahlten Urlaub fordern werde.
Nach seiner Ansicht ist eine 32-Stunden-Woche in der Stahlindustrie
der von der AFL-CIO geforderten 35-Stunden-Woche wegen der durchgehenden Arbeitszeit und der drei 8-Stunden-Schichten pro Tag vorzuziehen.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Mehr als 1/3 aller amerikanischen Frauen werktätig
Mehr als ein Drittel aller amerikanischen Frauen im arbeitsfähigen
Alter sind heute entweder beschäftigt oder aber intensiv um einen Arbeitsplatz bemüht; während es 1890 nur ein Fünftel aller Frauen in
den entsprechenden Altersgruppen waren.
Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse des bekannten
amerikanischen Bevölkerungsstatistikers Professor Dr. Hauser auf der
Grundlage der Zensuszahlen aus dem Jahre i960.
Als die Ursache dieses bedeutenden Wandels in der Einstellung
zur Arbeit bei den Frauen führt der Chicagoer Universitätsprofessor die
Tatsache an, daß das Wirtschaftsleben in den Vereinigten Staaten heute
"weniger von der Muskelkraft als von den geistigen sowie den allgemeinen technischen und bürotechnischen Fähigkeiten bestimmt wird". Diese
Schwerpunktverlagerung von der rohen Muskelkraft zu Geist, Beweglichkeit und Erziehung habe dabei den Frauen den Weg zum Arbeitsmarkt geöffnet, resümiert Professor Hauser in der Oktober-Ausgabe des "Scientific American".
Der

-

14

-

�Der Anteil der Büroangestellten an der Gesamtzahl der weiblichen
Arbeitskräfte habe sich, wie Prof. Hauser weiter ausführt, fast um
das Achtfache erhöht, der Anteil der Verkaufsberufe um das Doppelte
zugenommen; der Prozentsatz der führenden Angestellten und Selbständigen sei um mehr als das Doppelte und der Anteil der akademischen
und technischen Arbeitnehmer um fast 50 Prozent gestiegen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Umschulungsprogramm hatte guten Start
Seit der Verabschiedung des neuen Arbeitskräfte-Ausbildungsund Umschulungsgesetzes durch den Kongreß in diesem Frühjahr sind
bereits 8113 Arbeitnehmer in 30 amerikanischen Bundesstaaten zu den
Umschulungskursen zugelassen worden. Das vorläufig für eine Dauer
von drei Jahren bewilligte und mit 435 Millionen Dollar aus Bundesmitteln ausgestattete Programm ist das erste dieser Art in den USA,
das auf nationaler Ebene durchgeführt wird.
Ziel dieses Ausbildungsprogrammsist es, alle jene Arbeitskräfte
auf einen neuen Beruf umzuschulen, die ihren alten Arbeitsplatz auf
Grund der Automatisierung oder anderer technologischer Veränderungen
verloren haben. Sie werden in erster Linie auf solche neuen Berufe
vorbereitet, für die sich ein immer größerer Bedarf an qualifizierten
Arbeitskräften ergibt.
Sowohl die Kosten für die gesamte Ausbildung als auch die anstelle
der Arbeitslosenunterstützung an die Umschüler gewährten wöchentlichen
Unterhaltsbeihilfen werden während der beiden ersten Jahre ausschließlich
vom Bund getragen, während im dritten Jahr die Kosten zu gleichen Teilen
von Bund und Bundesstaaten aufgebracht werden sollen. Die Unterstützungsbeihilfen werden jeweils für maximal 52 Wochen gewährt.
Wie der amtierende US-Arbeitsminister, W. Willard Wirtz, auf
einer Pressekonferenz erklärte, liegen dem US-Arbeitsministerium zur
Zeit bereits 237 Anträge auf Durchführung von Umschulungskursen für
insgesamt 12 221 Arbeitnehmer in 34 Bundesstaaten vor. Mit der Durchführung von 70 Projekten würde sofort begonnen werden, während 107 Kurse,
die schon genehmigt worden seien, in Kürze beginnen könnten. Die Überwachung all dieser Umschuluhgskurse obliegt dem US-Amt für Erziehung.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1962

INHA LTSVERZEICHNIS

Das System der Lehrlingsausbildung in den USA

Seite

1

Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation

Seite

6

Pacharbeiterschulung in den Entwicklungsländern
ein gemeinsames Problem

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seit©

9

Edward E. Goshen, Direktor des "Amtes für Lehrlingsfragen und
Ausbildung" im US-Arbeitsministerium:
Das System der Lehrlingsausbildung in den USA
Vor nunmehr 25 Jahren wurde in den USA das erste Lehrlingsausbdldungsgesetz vom Kongreß verabschiedet.' Damit wurden zum ersten Mal allgemeine, auf nationaler Ebene verbindliche Richtlinien für die bis dahin weitgehend informelle Heranbildung
des Facharbeiternachwuchses aufgestellt. In dem folgenden Artikel gibt der Direktor des "Amtes für Lehrlingsfragen und Ausbildung", Edward E. Goshen, einen allgemeinen Überblick über
die Praktiken der Lehrlingsausbildung in den Vereinigten Staaten.
Das altbewährte System der Lehrlingsausbildung als ein Mittel
zur gründlichen Erlernung der schwierigen handwerklichen Techniken
eines Pachberufs ist in den USA während der vergangenen Jahre ganz
auf die neuen Erfordernisse der Industrie und des Arbeitsraarktes
abgestellt worden. Das war schon deshalb notwendig, weil wir in einer
Zeit leben, in der schneller und umfassender als je zuvor neue

-

1

-

�neue Materialien,Tertigungsverfahren und Maschinen entwickelt und
eingeführt werden, die alle einen anhaltenden und starken Einfluß
auf die Industrie und die Ausbildung all jener Personen ausüben,
welche die Güter produzieren, bedienen und warten, die zur Bedarfsbefriedigung unserer ständig wachsenden Bevölkerung erforderlich sind.
In den Vereinigten Staaten ist der Lehrling kein "Lernender",
sondern ein produktiv tätiger Arbeiter, der seine handwerklichen
Fähigkeiten am Arbeitsplatz erwirbt. Während seiner Ausbildungszeit
schafft er schon im Betrieb mit. Er erhält dafür eine Bezahlung, und
die von ihm hergestellten Produkte werden verkauft.
Unser Lehrlingsausbildungssystem zielt, kurz gesagt, darauf abf
Jugendliche eingehend auf jene Berufe vorzubereiten, die allgemein
als "Fachberufe" bezeichnet werden und die neben einem vielseitigen
technischen Können und umfangreichem Wissen auch eine gewisse Reife
und Urteilsvermögen verlangen. Seine theoretischen und technischen
Unterweisungen erhält der Lehrling dabei sowohl am Arbeitsplatz als
auch in der Berufsschule.
Gegenwärtig werd«n in den USA rund 160 000 Lehrlinge durch die
vom "Amt für Lehrlingsfragen und Ausbildung" anerkannten Programme erfaßt. Hinzu kommen noch etwa 200 000 Lehrlinge, die ihre Ausbildung
im Rahmen von Lehrverträgen erhalten, die dem Amt nicht gemeldet sind.
Das Bestreben des "Amtes für Lehrlingsfragen und Ausbildung" ist es
in erster Linie, sämtliche Lehrlingsausbildungsprogramme in den einzelnen Industriezweigen einheitlich auszurichten und sie laufend zu
verbessern.
Die Lehrlingsausbildung, wie sie in den Vereinigten Staaten gehandhabt wird, erfolgt auf einer vollkommen freiwilligen Basis. Sie wird
von den örtlichen Industrieverbänden getragen, denen auch die Verantwortung für die Durchführung und Verwaltung der Programme obliegt.
Die Ausbildungsprogramme werden dabei von den Betrieben selbst finanziert, in denen der Lehrling seine Ausbildung erhält. Neben dem Arbeitsentgelt für ihn tragen sie auch die Kosten für die in der Lehrlingsausbildung tätigen Gesellen und Meister. Die theoretische Ausbildung des Lehrlings hingegen, die in der Regel in Form von Abendklassen an den Berufsschulen erfolgt, wird aus öffentlichen Mitteln
finanziert.
Die besten und erfolgreichsten Lehrlingsausbildungsprogramme in
den USA sind meist diejenigen, die von sogenannten Gemischten Lehrlingsausschüssen verantwortlich geplant und durchgeführt werden. Sie
setzen sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Gewerkschaften und
Unternehmen zusammen und haben u.a. die Aufgabe, den Lehrstoff für
die Ausbildung zusammenzustellen, die geeigneten Fachkräfte für die
Durchführung zu nominieren und vielfach auch die Lehrlinge aus der
Masse der Bewerber nach bestimmten Richtlinien auszuwählen,
Zu den Voraussetzungen, die der Lehrlingsbewerber zu erfüllen
hat, gehören neben dem Abschlußzeugnis einer Oberschule (12jährige
Schulausbildung) - bei besonderen Begabungen oder unter bestimmten
Bedingungen sind jedoch Ausnahmen möglich - auch gewisse körperliche

2

�körperliche und andere Voraussetzungen, die meist von den örtlichen
Lehrlingsausschüssen im einzelnen festgelegt werden. Die Richtlinien
über die Lehrlingsausbildung umfassen außerdem folgende Punkte* Arbeitsbedingungen, Zahl der zu leistenden wöchentlichen Arbeitsstunden,
jeweilige Höhe des Lohnes, Zahl der für die Lehrlinge abzustellenden
Gesellen und Meister,- Dauer der Ausbildung usw. Die durchschnittliche
Lehrzeit liegt heute in den USA zwischen drei und fünf Jahren; nur
in einigen wenigen Fachberufen ist eine zweijährige Lehrzeit vorgeschrieben.
Eine Förderung der Lehrlingsausbildung durch die Bundesregierung
besteht in den USA erst seit dem Jahre 1937» Bis dahin gab es nur
bundesstaatliche Programme. Seinerzeit wurde auch der "National Apprenticeship Act" vom Kongreß verabschiedet. Vorausgegangen war im Jahre
1934 die Bildung des Bundesausschusses für das Lehrlingswesen auf
Grund einer Verordnung des US-Arbeitsministers. Aufgabe dieses Ausschusses war es, als Beratungsgremium bei der Ausarbeitung einer entsprechenden Gesetzgebung zu fungieren. Dieser "Mköpfige Ausschuß setzt
sich auch heute noch aus je fünf Vertretern des Managements und der Gewerkschaften sowie aus einem Vertreter des Bundesamtes für Erziehung
zusammen und hat weiterhin beratende Funktionen.
In dem Lehrlingsausbildungsgesetz aus dem Jahre 1937 wird dem
US-Arbeitsminister vor allem die Aufgabe übertragen, "Unternehmer und
Gewerkschaften bei der Ausarbeitung von Lehrlingsausbildungsprogrammen
zusammenzuführen". Als Verwaltungsbehörde mit der Aufgabe der Durchführung und Verwirklichung der im Gesetz niedergelegten Ziele wurde
seinerzeit der "Apprentice Training Service" geschaffen, das heutige
"Amt für Lehrlingsfragen und Ausbildung".
Seit dem Inkrafttreten des Lehrlingsausbildungsgesetzes hat das
Amt stets eng mit den Unternehmen, den Gewerkschaften, Berufsschulen
und anderen an den Lehrlingsausbildungsprogrammen interessierten oder
von ihnen berührten Kreisen und Organisationen zusammengearbeitet. Sehr
erleichtert wurde diese Zusammenarbeit dabei durch die z.Zt. 50 Außenstellen (in jedem Bundesstaat eine) des "Amtes für Lehrlingsfragen
und Ausbildung".
Alle jene Ausbildungsprogramme, die die neun vom Amt festgelegten
Grundvoraussetzungen erfüllen, können dem Amt zur offiziellen Anerkennung und Eintragung vorgelegt werden - was bedeutet, daß sie volle
staatliche Unterstützung genießen, und daß die im Rahmen dieser Programme ausgebildeten Lehrlinge nach Absolvierung ihrer Lehrzeit einen
"Lehrbrief" erhalten.
Die vom Bundesausschuß für Lehrlingsausbildung empfohlenen und
vom Bundesamt vertretenen Richtlinien für derartige Programme setzen
Normen bezüglich
1. des Mindestalters für den Beginn der Lehrlingsausbildung, das
16 Jahre betragen soll;
2. der Verrichtungen, in denen die Lehrlinge zu unterweisen sind
und die sie in der Praxis am Arbeitsplatz kennenlernen sollen;

- , -

3 -

�3. der Gruppenausbildung, die den Lehrling mit technischen
Fragen vertraut machen soll, die in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit stehen;
4« der progressiven Erhöhung des Lohnes der Lehrlinge;
5. der ordnungsgemäßen Überwachung der Ausbildung am Arbeitsplatz;
6. der periodischen Überprüfung des Ausbildungsstandes der Lehrlinge;
7. der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern;
8. der Anerkennung gezeigter Leistungen; und
9- der Auswahl von Bewerbern um Lehrstellen ohne Rücksicht auf
Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe, Religion oder nationale Herkunft voraus

Ein praktisches Beispiel für die Ausbildung von Lehrlingen
Ein typisches Beispiel für ein Lehrlingsausbildungswesen, das
auf den von der Regierung befürworteten Prinzipien beruht, bieten die
Lockheed-Plugzeugwerke in Georgia. Das Schulungsprogramm wurde von
Vertretern der Firma und des 33» Distrikts der amerikanisch-kanadischen
Maschinenbauergewerksc haft (IAM) in enger Fühlungnahme mit der Abteilung Lehrlingsausbildung und Schulung aufgestellt; es wird von einem
gemischten Lehrlingsausbildungsausschuß geleitet, der sich aus je fünf
Vertretern der Lockheed-Werke und der Gewerkschaft zusammensetzt.
Der Ausschuß erläßt die Richtlinien für die Lehrlingsausbildung in
folgenden Berufsgruppen: Maschinenbauer, Werkzeugmacher und Former,
Einrichter, Funk- und Radartechniker und Flugzeugmechaniker.
Die Bewerber um Lehrstellen müssen 18 bis 23 Jahre alt sein. Die
Lehrzeit beträgt vier Jahre, wobei frühere Berufserfahrungen angerechnet
werden können. Mit der praktischen Ausbildung am Arbeitsplatz einher
geht der theoretische Gruppenunterricht im Betrieb oder an einer Berufsschule; er umfaßt mindestens 144 Unterrichtsstunden, die als Arbeitszeit gelten und bezahlt werden.
Der Lehrling arbeitet unter der Aufsicht eines Ausbildungsleiters
und eines erfahrenen Meisters. Der theoretische Unterricht erstreckt
sich auf Fächer wie technisches Zeichnen, Physik und andere Bereiche
der Naturwissenschaften sowie auf Fragen der im Betrieb angewandten
Herstellungsverfahren und der allgemeinen Betriebsführung.
Die Lehrlingstarife.sehen halbjährlich nach jeweils 1040 Arbeitsoder Unterrichtsstunden eine Lohnerhöhung vor. Die Lehrlingslöhne
stehen in einer festen Relation zu den Gesellenlöhnen im ersten Jahr
und steigen von 60 Prozent im ersten Halbjahr auf 92 Prozent im
letzten. Nach Abschluß der Lehre besteht Anspruch auf Zuweisung eines

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�eines festen Arbeitsplatzes in dem erlernten Beruf bei einem Lohn,
der dem Mittelwert der Facharbeiterlöhne in dem entsprechenden Berufszweig entspricht.
Der Vorstand der Maschinenbauergewerks;chaft, AI Hayes , ist ein
eifriger Verfechter einer geregelten Lehrlingsausbildung als der
soliden Grundlage fürs ganze Lehen. In einer Informationssitzung
eines Kongreßausschusses, der über Gesetzesvorschläge zur Lehrlingsausbildung beriet, erklärte er kürzlich:
"Seit Hunderten von Jahren ist die Lehre die traditionelle
Methode, das Können der Facharbeiter von einer Generation an die
andere weiterzugeben. Und wenn auch die Technik Inhalt und Form vieler
Berufe von Grund auf gewandelt hat, so blieb die Lehre doch immer
die gründlichste und umfassendste Methode der Nachwuchsschulung."
Die guten Erfahrungen, die man in Amerika mit der strengen Lehrlingsausbildung gemacht hat, kommen seit Jahren schon im Rahmen der
technischen Hilfsprogramme und der Entwicklungshilfe auch anderen Ländern zugute. Amerikanische Spezialisten beraten ausländische Regierungen und Unternehmen bereitwillig in Fragen der Lehrlingsausbildung,
und eine ganze Reihe amerikanischer Großfirmen stellt laufend eine
bestimmte Zahl von Lehrstellen für Ausländer zur Verfügung.

(Quelle: Eigenbericht)

-

5 -

�Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation
Für elektronische Rechen- und Datenverarbeitungsanlagen, aus
Hilfsgeräten zur Erleichterung schwieriger : mathematischer Berechnungen entwickelt und im Laufe der le tzten Jahre auf nahezu imaginäre
Leistungen gebracht, werden Spezialisten gebraucht, die sie zu bedienen
verstehen. In der amerikanischen Industrie und im Bankwesen, in
Regierungsbehörden, Universitäten und privaten Forschungsinstituten
kommen die "Elektronengehirne", wie man sie früher nannte, in zunehmendem
Haßt zur Anwendung. Man schätzt, daß bis zum Jahr 1970 in den Vereinigten Staaten mindestens 200 000 ausgebildete Kräfte zusätzlich zu den
bereits vorhandenen für die Programmierung und Überwachung derartiger
Automaten benötigt werden.
Die "Konsumenten", d.h. diejenigen Stellen, die die Apparate
benutzen, geben sich ebenso wie die elektronische Industrie große
Mühe, junge Menschen für die relativ neuen Berufe des IngenieurMathematikers, Programmierers, Wartungsingenieurs oder Schaltwerktechnikers zu interessieren. Daneben stellt aber auch die Ausbildung
als solche noch ein relativ schwieriges Problem dar. Man sucht dem
jetzt dadurch zu begegnen, daß man für mathematisch besonders begabte
Oberschüler Arbeitsgemeinschaften und Lehrgänge einrichtet. In einer
Reihe von Städten, in denen es eine Datenverarbeitungsmaschine gibt,
sind unter der Anleitung bewährter Fachkräfte Oberschüler der beiden
letzten Klassen eifrig dabei, in die Geheimnisse der programmgesteuerten Maschinen tiefer einzudringen. Meist sind einigt";Abendstunden in
der Woche dafür reserviert, denn nicht nur die Schüler, sondern auch
die ehrenamtlich tätigen Lehrer opfern für die Kurse ihre Freiz.eit.
Im Räume Washington, wo der erste "Modell"-Lehrgang dieser Art in den
USA kürzlich abgeschlossen wurde, haben fast alle von den 368 Teilnehmern das Unterrichtsziel erreicht.
Der Lehrstoff umfaßt eine Einführung in die Geschichte, die Anwendungsmöglichkeiten und Aufgaben sowie die wichtigsten technischen
Einzelheiten wie Bauelemente, Schaltwerke und Schaltkreise von programmgesteuerten Maschinen. Die Schüler müssen die Funktionsweise solcher
Automaten, von denen manche eine Million und mehr Informationen, d.h.
Zeichen in Form von Buchstaben oder Zahlen, in der Sekunde verarbeiten,
wirklich begriffen haben, um sie später einmal in eigener Verantwortung für die Lösung dieser und jener Aufgabe sinnvoll einzusetzen. Sie
müssen vor allem die Arbeitsweise der Schaltkreise verstehen, die die
Grundelemente der Elektronenrechner darstellen; die dafür benötigten
Baugruppen sind in der jüngsten Zeit so verkleinert worden, daß Tausende auf einen Kubikzentimeter gehen.
Die Lehrgangsteilnehmer sind durchschnittlich 17 Jahre alt. Nach
einiger Zeit sind sie in der Lage, selbst Analysen und Arbeitsprogramme
auszuarbeiten, die dann auch tatsächlich in die am Ort befindliche Maschine eingegeben werden. Dabei stellt sich sehr bald heraus, ob die
Eingabe als Programm überhaupt zu verwerten und für die Lösung dieses
oder jenes Problems geeignet ist.
Dieser Vorbereitung auf das Studium und den künftigen Beruf folgen
die jungen Herren - gelegentlich nehmen auch junge Damen an diesem
Praktikum teil - mit großer Begeisterung. Allerdings stellen die

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�die Lehrgänge für die mei&amp;ten von ihnen im wesentlichen nur eine
Intensivierung der Arbeit dar, die in naturwissenschaftlichen Bastelund Experimentiergruppen außerhalb des Unterrichts bereits geleistet
wird und die einmal im Jahr auch für die Öffentlichkeit in den naturwissenschaftlichen Schülerausstellungen sichtbar zum Ausdruck kommt.
Der dabei behandelte Problemkreis umfaßt alle erdenklichen Gebiete
der modernen Naturwissenschaft, einschließlich der Biologie und Medizin.
So manches junge Talent wird auf diese Weise frühzeitig entdeckt
und außerordentlich gefördert. Eine besondere Begabung für die Programmierung von Rechenautomaten bewies der jetzt 17jährige David Malin
aus Bethesda (Maryland) schon als 14jähriger, als er für den alljährlich an seiner Schule durchgeführten naturwissenschaftlichen Wettbewerb eine kleine elektronische Datenverarbeitungsmaschine bastelte,
die einfacheenglische Worte ins Russische und Lateinische übersetzte.
Das Geräit wurde sogar eine Zeitlang im Smithsonian-Museum in Washington ausgestellt.
David, der an dem Computer-Lehrgang in Washington teilnahm, arbeitete im vergangenen Jahr ein selbst für Experten hochinteressantes
Rechner-Programm aus. Ihm liegen u.a. Paktoren zugrunde, die die menschlichen Verhaltensweisen mitbestimmen - Biologie des Gehirns und Nervensystems sowie psychologische Reaktionen -, und es ist ein Versuch,
einen Rechenautomaten so zu programmieren, daß dieser - wie ein Mensch "vernünftig denkt und reagiert". David nennt seine Methode CONTRANS-Verfahren (CONTRANS ist dabei eine Abkürzung aus "Conceptual Thought,
Random Net Simulation"). Es ist im wesentlichen ein Versuch zur mathematischen Darstellung begrifflichen Denkens und dessen Nachahmung durch
den Automaten.
David schrieb einen ausgezeichneten Bericht über seine Untersuchungen, der von der U.S. Association for Computing Machinery zusammen
mit 28 anderen aus insgesamt 243 Arbeiten ausgewählt wurde, um auf
einer Tagung von Spezialisten in Washington vorgetragen zu werden.
David war mit Abstand der jüngste unter den 4000 Konferenzteilnehmern,
die seinen mit komplizierten Schaubildern und Berechnungen gespickten
Vortrag mit großem Beifall quittierten. Im September 1962 hat der
junge Mann das Studium der Mathematik begonnen, das ihm durch Stipendien, von amerikanischen Firmen bereitgestellt, außerordentlich erleichtert wird.

(Quelle: Eigenbericht)
\
# » # # #

�Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern ein gemeinsames Problem
Die dreitägige internationale Konferenz über die Schulung und
Ausbildung von Arbeitskräften in der "Dekade der Entwicklung", die
im Oktober in San Juan auf Puerto Rico zu Ende ging und an der hohe
Regierungsvertreter aus insgesamt 40 Ländern teilgenommen hatten,
kann als ein großer Erfolg gewertet werden. Dies gilt sowohl für
die Beratungen der Konferenz selbst als für die von ihr gefaßten
Beschlüsse.
Ziel dieser Konferenz, zu der die Regierung der Vereinigten
Staaten eingeladen hatte, war es, Wege und Möglichkeiten zu erörtern
und aufzuzeigen, wie und in welcher Form die Heranbildung von Facharbeitern in den Entwicklungsländern vorangetrieben werden kann. Welch
große Bedeutung gerade diesem Aspekt der gesamten Entwicklungshilfe
beizumessen ist, zeigt wohl am besten die Tatsache, daß für die Aufrechterhaltung einer bestimmten wirtschaftlichen Wachstumsrate in
den Entwicklungsländern jeweils eine rund }-6mal größere Ausbildungsrate für Facharbeiter erforderlich ist. Bei einer jährlichen Wachstumsrate von 10 Prozent beispielsweise würde das bedeuten, daß die
Facharbeiterausbildung jährlich um 50 bis 60 Prozent gesteigert werden müßte, wenn die Kapitalinvestitionen in diesen Ländern wirklich
auf fruchtbaren Boden fallen sollen.
Der wichtigste Beschluß der Konferenz von San Juan war zweifellos
die Errichtung eines vorläufigen Sekretariats in Washington, dessen
erste Aufgabe es sein wird, allen interessierten Ländern die Ergebnisse
d,er Konferenz zu übermitteln. Das Sekretariat soll das InformationsBindeglied zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern bilden und
allen beteiligten Kreisen die gesammelten Erfahrungen im Einsatz von
Entwicklungshelfern und bei der Durchführung der Facharbeiterausbildung
in den Entwicklungsländern zugänglich machen.
Von ähnlicher weittragender Bedeutung ist auch der Appell der
Konferenz an die ILO und andere auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe
tätige internationale Organisationen, diesen angestrebten Ideenund Erfahrungsaustausch im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Nachdruck
zu unterstützen und eng mit dem Sekretariat in Washington zusammenzuarbeiten.
Wie bei jedem neuen Unternehmen auf internationaler Ebene, so läßt
sich natürlich auch hier noch nicht sagen, wie weit es letzten Endes
möglich sein wird, die von den Delegierten gefaßten Beschlüsse in die
Tat umzusetzen. Dennoch dürfte - auch nach der Überzeugung der Konferenzteilnehmer - eines feststehen: nämlich, daß durch die Konferenz und
mit der Bildung einer gemeinsamen Zentralstelle eine solide Ausgangsbasis geschaffen wurde, von der aus die verschiedenen Probleme auf
dem Sektor der Facharbeiterausbildung im internationalen Rahmen erforscht und angepackt werden können.
Natürlich wird auch weiterhin jedes einzelne Land im Einklang
mit seinen ureigensten Bedürfnissen seinen eigenen Weg abstecken müssen,
denn eine allgemeingültige Marschroute in dieser Hinsicht gibt es
nicht - ebensowenig wie ein Dniversalrezept für die Schaffung eines
Facharbeiterpotentials in den Entwicklungsländern, das von allen Konferenzteilnehmern als die wichtigste Voraussetzung für einen schnellen
8

-

�schnellen und bedeutsamen wirtschaftlichen und sozialen Portschritt
angesehen wird.
Kein Land kann aber für sich in Anspruch nehmen, der Hüter allen
Wissens und aller Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sein. Selbst die
Vereinigten Staaten nicht, die von allen Ländern - auf Grund ihrer
fast 15jährigen Tätigkeit in den Entwickluhgsgebieten - ja wohl über
den größten Erfahrungsschatz verfügen. Auch sie sind noch nicht im
Besitz all jener wichtigen Informationen und Kenntnisse, die erforderlich sind, um die von der Konferenz gesteckten Ziele zu erreichen.
Und gerade diese Tatsache beweist sicherlich mit am besten, wie wichtig
es für alle in der Entwicklungshilfe tätigen Länder ist, sich gegenseitig über ihre gemachten Erfahrungen zu informieren und ihre gewonnenen Erkenntnisse einander mitzuteilen. Die Konferenz von Puerto Rico
hat dies erneut klargemacht.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

GEWERKSCHAFTLICHE KURZNACHRICHTEN
15 Wochen Sonderurlaub alle fünf Jahre
Jeder Arbeitnehmer, der mehr als 15 Jahre bei der "American
Can Company" oder bei der "Continental Can Company" beschäftigt ist,
wird neben seinem normalen Jahresurlaub in Zukunft alle fünf Jahre
noch einen Sonderurlaub von 13 Wochen auf Grund eines neuen Tarifvertrages erhalten, der jetzt zwischen der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft und den beiden genannten Unternehmen abgeschlossen
wurde•
Der neue Tarifvertrag, der eine Laufzeit von zwei Jahren hat und
rund 15 000 Arbeitnehmer in den Genuß der ausgehandelten Vergünstigungen bringen wird, sieht außerdem eine allgemeine Verlängerung des
Jahresurlaubs sowie die Zahlung eines erhöhten "Ausscheidungsbonus" an
Arbeitnehmer vor, die sich pensionieren lassen. Ziel dieser tarifvertraglichen Vereinbarungen ist es, eine größere Arbeitsplatzsicherheit
für die Beschäftigten in diesem Industriezweig zu schaffen und die
älteren Arbeitnehmer anzuregen, sich früher pensionieren zu lassen.
Was

9 -

�Was die neue Regelung des Jahresurlaubs betrifft, so erhalten
jetzt sämtliche Arbeitnehmer mit mehr als 10 Dienstjahren drei
Wochen (bisher zwei) und solche mit 25jähriger Dienstzeit vier
(bisher drei) Wochen bezahlten Urlaub.
Der bei der Pensionierung von älteren Arbeitnehmern zur Auszahlung kommende Bonus entspricht auf Grund des neuen Vertrages, dem
Betrag von 22-23 (bisher 13) Wochenlöhnen.
Der neue, bis zum 3« September 1964 gültige Tarifvertrag, der
rund 31 000 Arbeitnehmer umfaßt, enthält weder eine Klausel zur vorzeitigen Kündigung noch sieht er irgendwelche Lohnerhöhungen während
der Laufzeit des Abkommens vor.
David J. McDonald, der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft,
bezeichnete das neue Tarifabkommen als einen "beispiellosen Durchbruch...
in Richtung auf eine für das wirtschaftliche Wachstum der USA notwendige
vertragliche Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen". Er rlobte in
diesem Zusammenhang das Management der beiden Unternehmen dafür, daß
es die Gewerkschaft in ihren Bemühungen unterstützt habe, "eine neue
Phase der industriellen Pionierarbeit" einzuleiten.
Der derzeitige Durchschnittsstundenlohn in der amerikanischen
Blechbehälterindustrie beträgt 3»01 Dollar; die untere Lohngrenze
liegt bei 2,17 Dollar, die obere bei 3&gt;56 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Internationaler Ausschuß für Ford-Arbeiter
Die Bildung eines Internationalen Ausschusses der Ford-Arbeiter",
der sich mit sämtlichen sozial- und wirtschaftspolitischen Problemen
zu befassen hätte, die sich durch die Ausdehnung dieses großen amerikanischen Automobilkonzerns in 32 Ländern der Erde für die Mitarbeiter
ergeben, wurde von Gewerkschaftsvertretern der amerikanischen Ford-Betriebe vorgeschlagen.
Dieser Vorschlag ist Teil einer Resolution, die von dem "National
Ford Council" der "Vereinigten Aütomobilarbeitergewerkschaft" anläßlich
der letzten Tagung einstimmig angenommen wurde. Der "National Ford
Council" setzt sich aus Vertretern sämtlicher Werke des Unternehmens in
den USA zusammen.
Wie es in der Resolution heißt, wäre es sämtlichen Mitarbeitern
des Unternehmens in aller Welt über den "Internationalen Ausschuß der
Ford-Arbeiter" möglich, auf zahlreichen Gebieten Hand in Hand mit dem
amerikanischen Ausschuß zusammenzuarbeiten: so im Hinblick auf die Harmonisierung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, den Informationsaustausch,
die Förderung von Ausbildungsprogrammen, die Koordinierung der tarifpolitischen Ziele und andere Maßnahmen.
(Quelle: Eigenbericht)
-

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�Aktive Entwicklungshilfe der US-Gewerkschaften
In Erkenntnis der großen Bedeutung, die gerade der Gewerkschaftsbewegung in den unterentwickelten Ländern heim Aufbau einer soliden
demokratischen wirtschaftlichen und sozialen Ordnung zukommt, hat
der amerikanische Gewerkschaftsverband "AFL-CIO" mit Unterstützung
zahlreicher Institutionen und Wirtschaftsgruppen in Washington
ein "American Institute for Free Labor Development" gegründet.
In diesem auch anderen Gewerkschaftsverbänden als Vorbild dienenden Institut sollen Gewerkschafter aus den lateinamerikanischen Staaten
in jeweils vierteljährigen Kursen mit dem geistigen Rüstzeug versehen
werden, das sie zur Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben benötigen
und das sie sich in Ermangelung entsprechender Schulungseinrichtungen
in ihren eigenen Ländern bisher nicht aneignen konnten.
Hauptziel dieses neuen Instituts ist es daher auch nicht, die Kursusteilnehmer lediglich mit den gewerkschaftspolitischen Tagesaufgaben
- Durchführung von TarifVerhandlungen, administrativen Aufgaben, Organisationskampagnen usw. - vertraut zu machen, sondern ihnen einen allgemeinen tiberblick über die gesamtwirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge zu verschaffen.
Nachdem der erste Kursus, an dem 45 Gewerkschaftsführer aus dem
lateinamerikanischen Raum teilgenommen haben, jetzt zu Ende gegangen
ist und die ersten praktischen Erfahrungen gesammelt und ausgewertet
werden konnten, sollen vom nächsten Jahr an jeweils 100 bis 120 Gewerkschaftsführer und gewerkschaftliche Nachwuchskräfte an diesen internationalen Kursen in den Vereinigten Staaten teilnehmen.
Im Anschluß an ihre theoretische Ausbildung am "Amerikanischen Institut für die Entwicklung Freier Gewerkschaften" werden die Kursusteilnehmer dann 9 Monate in ihren Heimatländern in der praktischen Arbeit eingesetzt und während dieser Zeit von Vertretern des Instituts
und der eigenen Gewerkschaft betreut und beraten werden.
Wie aus Kreisen der Institutsleitung weiter zu erfahren war,
trägt man sich auch mit der Absicht, in den verschiedenen lateinamerikanischen Ländern regionale und nationale Ausbildungszentren einzurichten, um dort Kurzlehrgänge sowohl für "Anfänger" als auch für
'•"Fortgeschrittene" durchzuführen. In erster Linie jedoch sollen hierbei
die Funktionäre der unteren Verwaltungsebenen geschult werden.
Zu den Teilnehmern der ersten Gruppe, die in einem dreimonatigen
Kursus an dem neuen Gewerkschaftsinstitut in Washington auf ihre gewerkschaftliche Tätigkeit - in einer englisch und einer spanisch sprechenden Klasse - vorbereitet wurden, gehörten Gewerkschafter aus Honduras, Costa Rica, El Salvador, Panama, Venezuela und der Dominikanischen Republik (spanische Gruppe) sowie aus Surinam, Britisch-Guayana,
Trinidad, Jamaica, Britisch-Honduras, Barbados, St. Vincent, Santa
Lucia und Antigua (englische Gruppe). Zum nächsten Kursus, der bis
Ende Dezember läuft, werden Gewerkschafter aus Mexiko und Ländern
der Westküste Lateinamerikas erwartet.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
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-

�Die Entwicklung der Löhne im US-Baugewerbe
Zu denjenigen Fachberufen in den USA, die mit an der Spitze
der allgemeinen Lohnskala stehen, gehören auch die Bauarbeiterberufe,
für die nach der neuesten Lohnübersicht des US-Amtes für Arbeitsstatistik ein durchschnittlicher Stundenlohn von 3»85 Dollar (industriearbeiterdurchschnitt 2,33 Dollar) ermittelt wurde.
Dieser jährlich durchgeführten und in der August-Ausgabe der
"Monthly Labor Review" veröffentlichten Analyse der Löhne gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer liegen die Durchschnittseinkommen von
insgesamt 24 Facharbeiter- und 9 Hilfsarbeiterkategorien (Stichtag
1. Juli 1961) zugrunde.
Nach dieser Übersicht bewegten sich die durchschnittlichen Stundenlöhne in den verschiedenen Facharbeiterberufen zwischen 3&gt;68 Dollar
(Maler) und 4» 54 Dollar (Maurer), wobei der Durchschnitt bei sieben
Berufen 4 Dollar und mehr betrug. Bei den Bauhilfsarbeitern dagegen
lagen die durchschnittlichen Stundenlöhne zwischen 2,98 Dollar (Arbeitsmänner) und 3,35 Dollar (Verputzergehilfen).
Zwischen dem 1. Juli 196O und dem 1. Juli 1961 erhöhten sich
die Durchschnittslöhne für sämtliche Bauarbeiter (die regionalen
Unterschiede waren verhältnismäßig gering) im allgemeinen um 4 Prozent. Lohnerhöhungen bei den Facharbeitern um durchschnittlich 3»8 Prozent standen dabei Anhebungen um 4»8 Prozent bei den Bauhilfsarbeitern gegenüber.
Lohnaufbesserungen von 4 bis 6 Prozent erhielten etwa die Hälfte
aller Facharbeiter und Bauhilfskräfte; 6-8prozentige Erhöhungen dagegen
verzeichneten 1/10 der Facharbeiter und 3/10 aller Hilfsarbeiter.
Regional betrachtet, lagen die durchschnittlichen Bauarbeiterlöhne zwischen 5»22 Dollar in den südöstlichen Bundesstaaten und 4»20
Dollar in den Mittelatlantikstaaten. Bei den Facharbeitern ergaben
sich dabei Unterschiede bis zu 90 Cent (5&gt;50 - 4»40 Dollar), bei den
ungelernten Arbeitern bis zu 1,45 Dollar (2,00 - 3»45 Dollar).
Die folgende Tabelle gibt einen tiberblick über die durchschnittlichen Stundenlöhne in den wichtigsten Bauarbeiter-Fachberufen (Stand
vom 1 . Juli 1961 ):
Fach- und Hilfsarbeiter (nationaler Durchschnitt)

5,85 Dollar

Facharbeiter (Durchschnitt)

4,02 Dollar

Maurer
Zimmerleute
Zementmischer
Bauelektriker
Anstreicher
Verputzer
Klempner
Eisenflechter
Fliesenleger

4»34
5*94
3»90
4»16
3»68
4»14
4,18
4,00
4,03

Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar

Arbeitsmänner

-

12

-

�Arbeitsmänner und Hilfskräfte (Durchschnitt)

3,06 Dollar

Maurergehilfen
Arbeitsmänner
Verputzergehilfen
Fliesenlegergehilfen

3,23
2,98
3»35
3,24

Dollar
Dollar
Dollar
Dollar

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Anciennitätsprinzip und seine praktischen Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Automation in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy vor dem amerikanischen Gewerkschaftsverband&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Möglichkeiten einer Arbeitsverkürzung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf&lt;br /&gt;Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent seit 1949&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachlese zum "AFL-CIO"-Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy legte Kongress Sozialbotschaft vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung veröffentlicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger als höhere Löhne&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische Fachausbildung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen Erziehungswesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 6&lt;br /&gt;Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung in der Industrie&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;435-Millionen-Dollar-Programm für die Umschulung von Arbeitslosen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der Stahlindustrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 7&lt;br /&gt;Die Auswirkungen der Automation auf den Arbeitnehmerstatus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feststellung der Beschäftigten- und Arbeitslosenzahl in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und die Angestellten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenarbeit und Haushalteinkommen (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anwendungstechniker als Wegbereiter der Vollautomatisierung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die "Stadt-in-der-Stadt"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenarbeit und Haushalteinkommen (II)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Fast 70 Millionen Beschäftigte in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;AFL-CIO fordert 35-Stunden-Woche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Urlaubsregelungen in den USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(und vier weitere Kurznachrichten)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das System der Lehrlingsausbildung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern ein gemeinsames Problem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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