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                  <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
1 9 6 1.

Nr. 1
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung
Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management
Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Nr. 2
Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden
Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 196O
1961 - Ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
*

Nr. 5

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 4
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

*

�Nr. 5
Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA
Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
*

Nr. 6
Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung
der Sicherheit am Arbeitsplatz

Nr. 7/8

Die Herausforderung der "zweiten
Revolution"

industriellen

"Gewerkschaftsfamilien" sind f i n a n z i e l l b e s s e r dran
Die Entwicklung des US-Personaleinkommens s e i t 1950
Sicherung der A r b e i t s p l ä t z e durch r e c h t z e i t i g e
Umschulung
Neue Formel für den A r b e i t s f r i e d e n
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 9
Wachsende Bedeutung der A n g e s t e l l t e n b e r u f e
in den USA ( i )

-

2

-

�Nr. 10
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in
den USA (il und Schluß)
Las erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Trends im Tarifverhandlungswesen

Nr. 11
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA
Gewerkschaftsschulung im Wandel
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften
#
Nr. 12
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre
Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

-

3 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung

Seite

1

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management

Seite

12

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Seite

14

Einar Hardin, Diätendozent an der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Staatsuniversität Michigan:
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung
In der nachstehenden Abhandlung wird der Versuch
unternommen, an Hand der Erfahrungen, die ein
mittelgroßes amerikanisches Versicherungsunternehmen im Zusammenhang mit der Aufstellung einer
elektronischen Datenverarbeitungsanlage vom Typ
IBM 650 zur Ausführung der Buchhaltungsarbeiten
gesammelt hat, die Einstellung der Angestellten
zur Automatisierung zu analysieren.
Das Unternehmen
Das Unternehmen, eine Versicherungsgesellschaft, besteht aus der Zentrale in einer Kleinstadt des amerikanischen Mittelwestens, einem Zweige
büro in einer Großstadt und mehreren Schadensregulierungsbüros an verschiedenen Plätzen. Die Beschäftigtenzahl betrug Jahre hindurch gleichbleibend rund 400. Als Folge der Verlegung eines Teils der Tätigkeit
nach dem Zweigbüro hat allerdings die Zahl der in der Zentrale beschäftigten Mitarbeiter abgenommen, während gleichzeitig die Angestelltenzahl
der Zweigstelle in etwa gleichem Umfang gestiegen ist. Die Ertragslage

1

�Ertragslage des Unternehmens war nicht besonders günstig; es galt jedoch als ein angenehmer Arbeitgeber.
Der Übergang zur automatischen Datenverarbeitung
Die Automatisierung eines Teils der Büroarbeiter erfolgte durch die
Aufstellung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage, dem Standard modeil IBM 65O mit Magnettrommelspeicher und Lochkarteneingabe und
-ausgäbe. Sie wurde im Dezember in Betrieb genommen. Nach zweiwöchigem
Probebetrieb wurden ihr nach einem Stufenplan zunächst die Überprüfung
der Prämienberechnung durch die Versicherungsagenten, später die Ausfertigung der Prämienzahlungsaufforderungen und die Zusammenstellung
der Angaben für die Ausstellung von Versicherungspolicen durch die Zentrale sowie die Auswertung von statistischen Angaben und die Bilanzierung
übertragen. Dieser Unistellungsprozeß zog sich bis zum Herbst 1958 hin.
Die Übertragung dieser Aufgaben auf die Anlage war bis Januar 1958 zu
15 Prozent, bis April 1958 aber immerhin schon zu 84 Prozent abgeschlossen.
Die Betriebsleitung informierte die Belegschaft über die bevorstehende Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage erst im Oktober 1957» u n negative Auswirkungen auf das Betriebsklima auszuschalten. Sie gab die Zusicherung, daß gemäß der langjährigen Praxis in der Personalpolitik des
Unternehmens niemand eine Entlassung zu befürchten habe. Sie sprach weder
eine Lohngarantie aus, noch stellte sie irgendwelche Umschulungsbeihilfen
in Aussicht. Anfang November 1957 wurden sämtliche Angestellten der Zentrale zu Besprechungen zusammengerufen und über die technischen Einzelheiten der bevorstehenden Umstellung informiert. Die Angestellten erhielten
dabei Gelegenheit, Fragen zur Umstellung vorzubringen. In der ersten Novemberwoche wurden alle Mitarbeiter, die im Zusammenhang mit der Aufstellung
der Datenverarbeitungsanlage für eine andersgeartete Tätigkeit in Aussicht
genommen waren, für ihre neuen Aufgaben geschult. Derartige Zusammenkünfte
wurden in der Zweigstelle erst im April 1958 durchgeführt, als man damit
begann, einen Teil ihrer Funktionen auf die Datenverarbeitungsanlage zu
übertragen.
Drei Betriebsgruppen
Die Auswirkungen der Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage auf die
einzelnen Abteilungen innerhalb des Betriebes waren unterschiedlich. Zum
Zwecke dieser Untersuchung wurden die verschiedenen Abteilungen drei Betriebsgruppen zugeordnet. Die am stärksten von der Automatisierung betroffenen Büros der Zentrale werden im folgenden unter dem Begriff
' Betriebsgruppe"Datenverarbeitung" aufgeführt; zu ihr gehört die eigentliche Abteilung Datenverarbeitung mit der IBM-Rechen- und Lochkartenanlage, die Programmierungsabteilung, die Buchhaltung, die Abteilung Betriebsorganisation und die PLechnungsprüfung.
Unter den Begriff Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen" wurden die Ki'z-VoiL icherungsabteilung der Zentrale, die Allgemeine Versicherungsabteilung der Zweigstelle und die Abteilungen Kodifizierung und Policen-Ausfertigung beider Stellen zusammengefaßt, deren Tätigkeit in
geringerem Umfang automatisiert worden ist.
Unter

�Unter der Betriebsgruppe "nicht betroffene Abteilungen" sind sämtliche übrigen Abteilungen der Zentrale und des Zweigbüros zusammengefaßt,
die zusammen den größten Anteil am Personal stellen. Die Schadensregulierungsbüros wurden in die Untersuchung nicht einbezogen.
Die vorliegende Abhandlung beschränkt sich auf die Veränderungen, die
unmittelbar auf die Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage zurückzuführen
sind, wenn auch in die beiden Umfragen sämtliche innerhalb des Umstellungszeitraums eingetretenen Veränderungen einbezogen worden waren.
Die beiden Umfragen
Es wurde der Versuch gemacht, die Reaktion der Angestellten auf die
Automatisierung mehrerer Betriebsvorgänge in zwei Fragebogen-Aktionen im
November 1957 un&lt;l im Mai 1958 zu ermitteln. In beiden Umfragen wurden
über 90 Prozent der Büroangestellten im engeren Sinne (also ausschließlich der Chefs, Angestellten im Außendienst usw.) angesprochen. An beiden
Umfragen beteiligten sich jeweils 246 Angestellte.
Es wurden den Angehörigen der drei Betriebsgruppen Prägen zu folgenden
Themenkreisen gestellt:
1. Beobachtete Veränderungen in der Tätigkeit und am Arbeitsplatz und
Einstellung zu diesen.
2. Generelle Einstellung zur Installierung einer Datenverarbeitungsanlage, d.h. zur Automatisierung.
3« Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
Auswirkung der Umstellung auf die Angestellten
Fast zwei Drittel der Angestellten erklärten bei der Umfrage im Mai
1958» daß sie von der Installierung der Datenverarbeitungsanlage unberührt
geblieben seien. Nur wenige machten die Anlage für Versetzungen oder Beförderungen verantwortlich (siehe Tafel i ) . Der Prozentsatz derjenigen,
die der neuen Anlage nachhaltige Auswirkungen auf ihre Tätigkeit zuschrieben, war in der Gruppe "Datenverarbeitung" am höchsten, in der Gruppe
"nicht betroffene Abteilungen" am geringsten.
In der zweiten Umfrage wurden die Arbeitnehmer um Auskunft gebeten,
inwiefern die Datenverarbeitungsanlage sich auf 14 spezifische Charakteristiken ihrer Tätigkeit und ihres Arbeitsplatzes ausgewirkt hat. Die Ergebnisse sind in Tafel III statistisch ausgewertet. Rund 20 Prozent der
Angestellten ließen die diesbezüglichen Fragen unbeantwortet oder wählten
die Antwort; "Ich habe keine Vorstellung davon." Sie sind in der Spalte
"keine Angaben" ausgewiesen. Die größten Auswirkungen wurden der Datenverarbeitung hinsichtlich Abwechslungsreichtum.3,geforderter Leistung und Genauigkeit zugeschrieben. Die geringsten Änderungen wurden von den Angestellten hinsichtlich Bezahlung, Beförderungsaussichten und Beaufsichtigung
registriert. Außer bei den Beförderungsaussichten und der Sicherheit des
Arbeitsplatzes wurden die meisten Veränderungen im Sinne einer Zunahme gedeutet, so im Falle der Vielseitigkeit, der Tätigkeit und des Arbeitsanfall

Tafel I

�Tafel
Veränderungen am Arbeitsplatz oder in der Tätigkeit auf Grund der
Aufstellung einer Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der
Arbeitnehmer« nach drei Betriebsgruppen '/aufgeschlüsselt

(in Prozent)
Art der Veränderung 2)

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Insgesamt

andere betroffene
Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen
100

Alle Betriebsgruppen
zusammen
100

100

100

1 . Beförderung

0

0

1

2 . Versetzung

4

2

2

a) .großen

52

21

3

12

b) merklichen

22
16

4
10

10

c) geringen

13
9

d) keinen
Veränderungen

22

34

76

60

0

5

5

3. Verbleib am alten
Arbeitsplatz bei

4. Auswirkungen
unbekannt

11

1)

Die Betriebsgruppe "Datenverarbeitung" hatte 23, die Gruppe "andere
betroffene Abteilungen" 62 und die Gruppe "nicht betroffene Abteilungen"
161 Angehörige, (im November 1957)

2)

Antworten auf die im Mai 1958 gestellte Frage: "Spielte die Datenverarbeitungsanlage eine Rolle bei Änderungen in Ihrer Tätigkeit, die seit
November 1957 eingetreten sind?" Die Antworten der Spalten 1 bis 3 c)
gingen dahin, daß die Anlage mehr oder weniger zu den eingetretenen
Veränderungen beigetragen hat. Die Spalte 3 d) betrifft die Antworten,
die besagten, daß seit November keinerlei Änderungen eingetreten seien
oder daß etwaige Änderungen nichts mit der Datenverarbeitung zu tun
hatten.

Die

�Die drei Betriebsgruppen unterschieden sich dabei merklich voneinander,
sowohl was die Häufigkeit als auch was die Richtung der beobachteten
Auswirkungen des Übergangs zur Datenverarbeitung angeht.
In den beigefügten Tabellen nicht ausgewiesen sind die Antworten
auf die Fragen nach den voraussichtlichen künftigen Auswirkungen der
Datenverarbeitung auf die Tätigkeit und dem Grad der Beeinträchtigung
der Tätigkeit durch die Umstellung. 83 Prozent der Mitarbeiter in der
Betriebsgruppe "Datenverarbeitung", 61 Prozent in der Betriebsgruppe
"andere betroffene Abteilungen" und 21 Prozent in der Gruppe "nicht
betroffene Abteilungen" hielten weitere Veränderungen in den nächsten
zwei Jahren für wahrscheinlich.
61 Prozent der Angestellten in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "andere betroffene Abteilungen" vertraten die Auffassung, daß die
Umstellung den Arbeitsablauf nur geringfügig oder überhaupt nicht beeinträchtigt hat; 20 Prozent empfanden den Übergang als ziemlich und
9 Prozent als sehr störend.
Die Antworten der ersten Fragebogenaktion vor der Installierung der
Datenverarbeitungsanlage ließen erkennen, daß die Mehrheit der Angestell
ten die Umstellung begrüßte oder sich ihr gegenüber neutral verhielt.
Die Angehörigen der Gruppe "Datenverarbeitung" waren restlos mit der Umstellung einverstanden; von den Mitarbeitern der "anderen betroffenen
Abteilungen" hatten 13 Prozent Einwendungen gemacht. Tafel II zeigt, daß
die Mehrzahl der Angestellten auch mehrere Monate nach der Umstellung,
nachdem sie schon gewisse Erfahrungen mit der Automatisierung und ihren
Auswirkungen auf den Betriebsablauf gesammelt hatten, eine positive
Einstellung zu ihr hatten. Bei der Umfrage vom Mai 1958 ergab sich, daß
41 Prozent der Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere
betroffene Abteilungen" ihre Einstellung gegenüber der Automatisierung
geändert hatten, wobei sich aber am Gesamtbild kaum etwas änderte, da
sich die Sinneswandlungen von positiver zu negativer Haltung und umgekehrt etwa die 'Waage hielten.
Auch die Antworten auf andere Fragen ließen keine negative Einstellung zur Datenverarbeitung erkennen. Die Angestellten in den "nicht betroffenen Abteilungen" hatten vielfach keine richtige Vorstellung davon,
ob die Datenverarbeitungsanlage für die Arbeitnehmer eine wünschenswerte
oder abzulehnende Sache sei. Für alle drei Betriebsgruppen gilt jedoch,
daß alle diejenigen, die eine feste Einstellung zu den diesbezüglichen
Fragen bekundeten, die Datenverarbeitung guthießen. Der größte Teil derjenigen, die eine bestimmte Meinung zum Ausdruck brachten, war auch für
eine weitergehende Verwendung der Anlage; dies trifft besonders für die
Angehörigen der Abteilung "Datenverarbeitung" zu (siehe Tafel II).

Tafel II

�Tafel II
Einstellung der Arbeitnehmer zur Datenverarbeitungsanlage nach
ihrer Inbetriebnahme, nach drei Betriebsgruppen aufgeschlüsselt 1 '
(in Prozent)
a) Grundeinstellung zur Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage ^)
Betriebsgruppe
Antwort

Datenverarbeitung

Sämtliche
Antworten
Halte ich für sehr
richtig
Halte ich für richtig
Ist mir gleichgültig
Mißfällt mir
Mißfällt mir sehr
Darüber habe ich mir noch
keine Gedanken gemacht
Keine Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

48
39
9
0
0

18

11
28
50

0
4

45
27
8
2

7
o
2

0
0

2

b) Ist die Datenverarbeitungsanlage gut oder schlecht für die
Arbeitnehmer? 3)
Betriebsgruppe
Antwort
Insgesamt
Sehr gut
Gut
Weder gut noch
schlecht
Schlecht
Sehr schlecht
Weiß ich nicht
Keine Antwort

Datenverarbeitung

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

44
44

31
40

15
36

12

10

0

13
0
0

0

13

1
30

0

3

4

0

4

�c) Wünschenswerter Grad des E i n s a t z e s der D a t e n v e r a r b e i t u n g s a n l a g e

IT

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffenc Abteilungen

100

100

100

30

13

9

44

34

20

Etwa im gleichen
Umfang wie bisher

9

21

20

In geringerem Umfang
als bisher

0

0

1

0

1

30

42

2

7

Insgesamt
In weit größerem
Umfang als bisher

l5sgDi"fnirm

Umfane

In weit geringerem
Umfang als bisher
Weiß ich nicht
Keine Antwort

4
13
0

1)

Stärke der einzelnen Gruppen, wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben

2)

Frage: "Welche generelle Einstellung haben Sie zu der Tatsache, daß
die Firma eine Datenverarbeitungsanlage installiert hat?" (Mai 1958)

3)

Frage: Glauben Sie, daß die Datenverarbeitungsanlage, alles in allem
genommen, eine gute oder schlechte Sache ist?" (Mai 1958)

4)

Frage: "Halten Sie es für vernünftig, die Datenverarbeitungsanlage
in größerem oder geringerem Umfang als bisher einzusetzen?" (Mai 1958)

Auswirkungen

-

7 -

�Auswirkungen der Veränderungen am Arbeitsplatz
Bei der Umfrage im Mai 1958 bekundeten zwei Drittel aller befragten
Arbeitnehmer, daß Änderungen an ihrem Arbeitsplatz - vornehmlich in der
Art der Tätigkeit, ohne Beförderung oder Versetzung - eingetreten seien.
Derartige Veränderungen wurden von Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene Abteilungen" in größerem Umfang berichtet
als von der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen". Einschneidendere Veränderungen in den Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika wurden besonders in den Betriebsgruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene
Abteilungen" beobachtet. 61 Prozent waren mit den eingetretenen Änderungen zufrieden, 18 Prozent waren damit unzufrieden. Das Zahlenverhältnis
war bei allen drei Betriebsgruppen ähnlich.
Eine Auswertung der Antworten bezüglich der 14 Arbeitscharakteristika
ergibt, daß in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "nicht betroffene
Abteilungen" die Zahl der Betriebsangehörigen, die mit den eingetretenen
Veränderungen in ihrer Tätigkeit einverstanden waren, das Zehnfache der
Zahl derjenigen betrug, die eine ablehnende Haltung einnahmen; in den
"anderen betroffenen Abteilungen" war das Zahlenverhältnis dagegen 3»1. In
der letzten Gruppe hielten sich die positiven und negativen Antworten bezüglich der Bedeutung der Tätigkeit für das Gesamtunternehmen, des Maßes der
Überwachung in der Tätigkeit, des Grades der geforderten Urteilsfähigkeit,
der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Beförderungschancen etwa die
Waage. In der Gruppe "Datenverarbeitung" ?mrden elf Änderungen der Arbeitsplatz- bzw. Tätigkeitscharakteristika von der Mehrzahl der Befragten begrüß t.
Die Antworten auf die Frage nach den eingetretenen Lohnbewegungen
fielen in der Gruppe "Datenverarbeitung" verschiedentlich nicht deshalb
negativ aus, weil Änderungen im Sinne einer Verschlechterung eingetreten
waren, sondern weil sich die Angestellten größere Erhöhungen erhofft
hatten. Umgekehrt kann man sagen, daß die positive Reaktion einiger Angestellten auf die Änderungen in den Tätigkeitscharakteristika wohl in
dem Sinne interpretiert werden muß, daß sie diese im Grunde genommen nicht
als wünschenswert, sondern lediglich als zu geringfügig ansahen, um
irgendwelche Einwendungen zu erheben»
Unterschiedliche Beurteilung der "Befriedigung aus der Tätigkeit" in den
drei Betriebsgruppen
Bei beiden Umfragen wurden über die 14 in Tafel III angeführten
Fragen nach den Änderungen der Arbeitscharakteristika hinaus noch 10
weitere Fragen gestellt, die dem Zweck dienten, den Grad der Zufriedenheit
mit den eingetretenen Veränderungen zu ermitteln. Da die Fragebogen namentlich gekennzeichnet waren, ließ sich auch feststellen, inwieweit sich die
Einstellung der einzelnen Angestellten zur Automatisierung während der
Monate der Umstellung geändert hatte. Eine Gesamtrechnung für alle drei
Betriebsgruppen ergibt, daß 33 Prozent der 246 Befragten nach der Umstellung
mit ihrer Tätigkeit zufriedener waren als vorher, 39 Prozent die Auffassung
vertraten, daß sich in dieser Hinsicht bei ihnen nichts geändert habe,
während 24 Prozent mit ihrer Tätigkeit nicht mehr so zufrieden waren wie
vorher; 4 Prozent der Befragten lehnten es ab, eine diesbezügliche Aussage
zu machen.
Tafel III

�Tafel III
Änderungen bei 14 Arbeitscharakteri sMka auf Grund der Aufstellung einer
Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der Arbeitnehmer, nach drei
Betriebsgruppen aufgeschlüsselt "• /

(in Prozent)
Betriebs^ruppe
Einteilungen)

1 .Vielseitigkeitmeiner
Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
37
17

2.Geforderte
Leistung

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
39

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
56

4.Mein Einfluß auf das
Arbeitstempo
an meinem
Arbeitsplatz

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48
21

5.Bedeutung
meines Arbeitsplatzes
f.d.Firma

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

6.Grad d.Überwachung in
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48

7.Geforderter Fertigkeitsgrad

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

8.Grad d .Ver- Datenverarantwortlich- beitung
keit
andere betrof.
nicht betrof.

5.Gefordertar
Genauigt
keitsgrad

Zus.

Zunahme^) Keinew Abnahme2/ keine
.
Angaben 2/

Arbeitscharakteristikum

19

12

26

37
55
22

34
53
35
37
63

0
20
2

0
6
26

4
24
2

0

0

3
26

0

0
2
25

5

43
64
63

9

0

10
2

26

39
65
68

0
8
0

4
6
2?

5
4

48.
87
68

4
6
2

0
2
26

100
100
100

74
34
9

26
61
66

0
3
0

0
2
25

100
100
100

70
39

30
55
65

0

0

9

57
21

5

12

5

5

3

0

23
9. Von mir

-

9 -

�Arbeitscharakterist ikum

Betriebsgruppe
(Abteilungen)

Zus.

Zunahme 2) Keine 2) Abnahme 2) Keine
Angaben 2)

9.Von mir geDatenverarforderte Pia- beitung
nungsarbeit
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

61
11

10.Von mir geJDatenverarfordertes Ur- beitung
teilsvermögen andere betrof.
nicht betrof.

11

39
78
62

0
6
0

0
5
27

100
100
100

70
24
11

30
68
65

0
3
0

0
5
24

11.Anregung aus
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
24
14

31
60
62

4
13
1

0
3
23

12 .Sicherheit
des Arbeitsplatzes

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

31

6

65
66
67

4
20
3

0
3
24

1 3 .Beförderungs- Datenveraraussichten
beitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

22
5
3

74
68
66

4
17
2

0
10
29

Datenverarbei tung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

30

70
77
68

0
2
1

0
11
25

14 .Bezahlung

11

10
6

1) Stärke der einzelnen Gruppen wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben
Die Betriebsangehörigen wurden gebeten, bei der Untersuchung bezüglich
2) Di
der Arbeitscharakteristika eine Antwort auf eine der folgenden Fragen
zu geben: "Für dieses Arbeitscharakteristikum brachte die Datenverarbeitungsanlage mit sich: 1. eine große Zunahme, 2. eine gewisse Zunahme,
3. keine Veränderung, 4» eine gewisse Abnahme, 5« eine große Abnahme,

Teilfragen 4-5» die Spalte "Keine Angaben'
Verweigerung jeder Antwort.
Bei 15 Fragen, darunter sämtliche der in Tafel III aufgeführten mit
Ausnahme der Frage nach den Beförderungschancen, überwog die Zunahme dee
Grades der Zufriedenheit eindeutig die Abnahme. Ein weniger günstiges
Bild ergab sich dagegen bei den Fragen nach der Handhabung der Umstellung,
der Haltung der Firma und der Menge, der Zuverlässigkeit, der Verständ-

-

10

-

�Verständlichkeit und der Promptheit der zur Umstellung erteilten Auskünfte sowie der Gesamttätigkeit. In keinem Falle aber überwog die Abnahme der Zufriedenheit die Zunahme wesentlich.
Es ergaben sich kaum irgendwelche ausgesprochenen Unterschiede in
der Häufigkeit von Veränderungen am Arbeitsplatz und in der Tätigkeit
sowie in der Beurteilung des Grades der Zufriedenheit mit Arbeitsplatz
und Tätigkeit unter den drei Betriebsgruppen. Gewisse, für die einzelnen
Gruppen typische Trends lassen sich aber doch aus den Antworten ablesen.
Bei den ersten 12 Fragen der Tafel III war die Häufigkeit von Veränderungen in der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" geringer als bei
den beiden anderen Betriebsgruppen, während das Verhältnis von Zunahme
zu Abnahme bei den "nicht betroffenen Abteilungen" am ausgeglichensten
war. Bei den in Tafel III nicht aufgeführten Arbeitscharakteristika - sie
betrafen vor allem die Bezahlung, die Einstellung zur Arbeit, das Verhältnis zur Betriebsleitung,, die Unterrichtung über die Umstellung und
die Gesamttätigkeit - war die durchschnittliche Häufigkeit von Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen etwa gleich; der Anteil der Zunahme
dagegen bei der Gruppe "Datenverarbeitung" am geringsten.
Der Gesamtdurchschnitt der 24 Antworten läßt erkennen, daß die Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung" insgesamt mit ihrer Tätigkeit
und ihrem Arbeitsplatz zufriedener waren als die übrigen Angestellten,
während die "anderen betroffenen Abteilungen" den größten Anteil an den
Antworten stellen, die eine nur geringe Zufriedenheit oder direkte Unzufriedenheit mit den eingetretenen Veränderungen zum Ausdruck brachten.
Folgerungen
Die Ergebnisse der Umfragen besagen in ihrer Gesamtheit, daß die
Installierung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage in dem fraglichen Versicherungsunternehmen die Arbeitsumwelt einer größeren Zahl von
Betriebsangehörigen in verschiedener Hinsicht verändert hat, daß die meisten
Auswirkungen der Umstellung so geartet waren, daß sie von den Mitarbeitern
als positiv gewertet wurden, und daß die Umstellung häufiger bejaht als
verneint wurde.
Was die Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika insgesamt angeht,
so waren generell hinsichtlich Häufigkeit und Richtung der eingetretenen
Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen keine allzu großen Unterschiede
feststellbar, wenn sich auch hinsichtlich einiger dieser Charakteristika
deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gezeigt hatte*». Die
Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung", die im Zusammenhang mit der Umstellung zahlreiche neue Aufgaben übertragen bekamen,und die Angehörigen
der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" waren im großen und ganzen mit
den Veränderungen mehr zufrieden als die Mitarbeiter der "anderen betroffenen Abteilungen", die durch die Automatisierung verschiedene Aufgaben
verloren hatten und sich teilweise auf neue Arbeitsmethoden umstellen mußten. Die Belegschaft der Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen"
bekundete eine geringere Zunahme der Zufriedenheit mit den Arbeitscharakteristika ia engeren Sinne als das Personal in den beiden anderen Gruppen.
In der Gruppe "Datenverarbeitung" ergab sich im Vergleich zu den anderen
Betriebsgruppen eine gewisse Abnahme der Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, der Bezahlung, dem Verhältnis zu den Vorgesetzten und dem

11 -

�dem Unternehmen und der Art der Unterrichtung der Angestellten. Die
Unterschiede der drei Betriebsgruppen untereinander in der Einstellung
zu diesen Fragen waren aber im allgemeinen geringfügig.
Die Tatsache, daß zwischen den von der Automatisierung mehr oder
weniger betroffenen Abteilungen und den völlig unberührt gebliebenen
Abteilungen keine größeren Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit
von" Veränderungen und der Einstellung der Belegschaft zu ihnen beobachtet wurden, deutet darauf hin, daß die Automatisierung nur verhältnismäßig unbedeutende Auswirkungen auf die Arbeitsverhältnisse und die
Zufriedenheit der Angestellten mit ihrer Tätigkeit hatte. Dies läßt
den Schluß zu, daß die Aufstellung einer Elektronenanlage vom Typ IBM
65O keinen Eingriff darstellt, der so radikal oder umfassend ist, daß er
eine Umkehrung oder Beschleunigung der bestehenden Trends im Arbeitsklima und in der Einstellung der Arbeitnehmer zu ihrer Tätigkeit bewirkt.
Der leichte Rückgang der Zufriedenheit mit der Art der Unterrichtung der
Belegschaft und der"Durchführung der Umstellung bei der Gruppe "Datenverarbeitung" ist jedoch als ein Hinweis darauf zu werten, daß die
Umstellung und Angleichung an die neuen Arbeitsmethoden und Betriebsverhältnisse merkliche, wenn auch voraussichtlich vorübergehende Unzufriedenheit unter der Belegschaft auslösen kann, wenn die Betriebsleitung die
Umstellung nicht mit dem entsprechenden Fingerspitzengefühl einleitet
und durchführt.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 9, September i960)

tt * # * *

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens
zwischen Arbeitnehmern und Management
Der Begriff "innerbetriebliche Kontaktpflege" wird in der PitneyBowes Company, einer Herstellerfirma von Einrichtungen zur Postbeförderung in Stamford (Connecticut), groß geschrieben. Unter innerbetrieblicher Kontaktpflege versteht man bei Pitney-Bowes eine ganze Reihe von
Maßnahmen, die den kontinuierlichen Gedankenaustausch zwischen Arbeitnehmern und Betriebsführung in dem Bemühen fördern, das gegenseitige
Einvernehmen und Vertrauen zu vertiefen, den Arbeitsfrieden durch die
Vermittlung des Gefühls der Befriedigung am Arbeitsplatz zu erhalten
und den Geist der Zusammenarbeit zur Erreichung der gemeinsamen Ziele
von Belegschaft und Betriebsführung zu entwickeln.
Eines der Mittel, mit deren Hilfe Pitney-Bowes diese Ziele zu erreichen sucht, ist die alljährliche "Arbeitnehmerkonferenz". So wie die
Betriebsführung in der Hauptversammlung den Aktionären Rechenschaft über
den Geschäftsgang gibt, so berichtet sie den Arbeitnehmern über die
innerbetrieblichen Vorgänge und beantwortet ihre Fragen bezüglich der
Löhne, des Umsatzes, der Gewinne, neuer Produkte und der Planung für
die Zukunft.
Die

�Die Arbeitnehmerkonferenz findet gewöhnlich etwa eine Woche nach der
Veröffentlichung des Geschäftsberichtes statt, der nicht nur den Aktionären,
sondern auch allen Betriebsangehörigen zugestellt wird. Auf diese Weise erhalten die Belegschaftsmitglieder Gelegenheit, sich eingehend über die Lage
des Unternehmens zu informieren» Um einen möglichst engen Kontakt zwischen
der Belegschaft und den Angehörigen des Management bei diesen Zusammenkünften zu gewährleisten, wird die Konferenz in mehreren Sitzungen kleinerer
Gruppen mit je 250 Teilnehmern in Anwesenheit von Vertretern der Betriebsführung abgehalten»
Das Management von Pitney-Bowes bedient sich in seinen Bemühungen
um enge Kontakte zu den Arbeitnehmern noch verschiedener anderer Methoden.
Hier wäre das sogenannte "Schwarze Brett" zu nennen, auf dem laufend Nachrichten über den Geschäftsgang und die Sozialarbeit innerhalb des Betriebs
bekanntgemacht werden» Die Firma unterhält eine sehr ansprechende Hauszeitschrift, die alle zwei Monate erscheint und den Interessen der Arbeitnehmer breiten Raum widmet» Die wichtigste Institution zur Pflege eines
regelmäßigen Gedankenaustausches zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
ist der Rat für innerbetriebliche Beziehungen.
Der Rat, der sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Arbeitnehmerschaft und der Betriebsleitung zusammensetzt, ist eine ständige Einrichtung.
An seiner Spitze stehen zwei Vorsitzer, von denen einer wiederum Vertreter
der Arbeitnehmerseite, der andere Angehöriger des Management ist - meist
sogar der Generaldirektor persönlich. Die Arbeitnehmervertreter werden in geheimen Wahlen von der Belegschaft gewählt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen hat beratende Funktionen.
Er befaßt sich mit Fragen der Geschäftsführung und insbesondere mit dem
Wohlergehen und der gerechten Behandlung aller Beschäftigungsgruppen innerhalb des Betriebes. Er ist dagegen nicht für Beschwerden und Arbeitsstreitigkeiten einzelner Betriebsangehörigerfcuständigund schaltet sich auch nicht
unmittelbar in TarifVerhandlungen ein.
Der Rat fördert vor allem den freimütigen Meinungsaustausch zwischen
den Arbeitnehmer- und Managementvertretern durch die offene Diskussion der
innerbetrieblichen Angelegenheiten. Diese Eiskussionen werden auf allen
betrieblichen Ebenen geführt, und zwar in der Weise, daß sich der Rat gegebenenfalls in Übereinstimmung mit der allgemeinen Gliederung des Betriebs
abteilungs- und selbst unterabteilungsweise aufgliedert und in getrennten
Gruppen jeweils unter den Mitvorsitzenden einmal im Monat tagt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen entstand aus dem im zweiten
Weltkrieg geschaffenen Produktionsausschuß aus Vertretern der Arbeitnehmer
und der Betriebsführung. In diesem Ausschuß wurde so hervorragende Arbeit
geleistet, daß auf beiden Seiten der 'Wunsch laut wurde, dieses Verbindungsglied zwischen Belegschaft und Betriebsführung beizubehalten. Das führte
1946 zur Umgründung in den Rat für innerbetriebliche Beziehungen im Anschluß
an eine von Betriebsführung und Belegschaft gemeinsam gefaßte Entschließung,
in der der Aufgabenbereich dieser Institution wie folgt umrissen wurdel
"Der Rat sucht der Belegschaft in der Weise zu dienen, daß er zur
Sicherung des Arbeitsplatzes und zur Mehrung der Zufriedenheit mit den
Arbeitsbedingungen und den Verdienstchancen beiträgt. Er sucht der Betriebsführung in der Weise zu dienen, daß er ein Forum für die Erörterung neuer
Ideen und die Unterrichtung der Mitarbeiter über die Probleme der Betriebsführung und den Geschäftsgang bietet. Er sucht beiden dadurch zu dienen,

- 15 -

�dienen, daß er die Zusammenarbeit zwischen ihnen in den Bemühungen
um die Herstellung immer besserer Produkte bei niedrigeren Kosten
und größerem Ausstoß vertiefen hilft und damit bei beiden das Verständnis für die gegenseitigen Interessen und für faire Maßstäbe in
ihrem Verhältnis zueinander wecken hilft«"

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik
Der 21 Tage dauernde Streik in insgesamt 55 Betrieben der
"General Electric Company" konnte mit dem Abschluß eines neuen Tarifvertrages zwischen dem Unternehmen und der Elektroarbeitergewerkschaft
(IUE) beendet werden, der weitgehend dem vor dem Streik unterbreiteten
Unternehmerangebot entsprach.
Der neue DreiJahresvertrag sieht eine sofortige Erhöhung der Löhne
und Gehälter um 3 Prozent vor und stellt der Gewerkschaft drei weitere
Möglichkeiten zur Verbesserung des letzten Vertrages zur Auswahl, über
die die "IUE" innerhalb von 30 Tagen zu entscheiden hat. Der erste
Vorschlag sieht dabei eine weitere 3prozentige Lohnerhöhung im April
1962, einen zusätzlichen bezahlten Feiertag und eine 4» Urlaubswoche
für alle jene Arbeitnehmer vor, die dem Betrieb länger als 25 Jahre angehören; der zweite sieht nur eine Lohnerhöhung um 4 Prozent im April
1962 vor, während der dritte nur eine Klausel über eine erneute Aufnahme
von Lohnverhandlungen im April 1962 enthält.
Die Gewerkschaft dagegen hatte den Abschluß eines Zweijahresvertrages sowie 3 1/2prozentige Lohnerhöhungen in beiden Jahren, verbesserte Wohlfahrts- und Pensionsleistungen und den "Union shop" gefordert.
Die Forderung nach Beibehaltung der Lohngleitklausel war dagegen von der
Gewerkschaft fallengelassen worden.
Die Durchschnittslöhne lagen vor Abschluß des neuen Vertrages zwischen 2,30 und 2,40 Dollar.
Zu der Streikbeilegung und dem Abschluß des neuen Tarifvertrages
zwischen der "GE" und der Elektroarbeitergewerkschaft schrieb A.H. Raskin,
der bekannte Redakteur der "New York Times" für Arbeitsfragen, unter anderem: "Die Lehre, die viele Unternehmer aus den Tarifverhandlungen
zogen... ist, daß der beste Weg für das Management darin besteht, die
Initiative am Verhandlungstisch zu ergreifen und sie, selbst auf die
Gefahr eines Streiks hin, zu behalten. Diese Haltung stellt eine klare
Abkehr von der alten Taktik des Feilschens in Lohntarifverhandlungen
dar, bei denen die Gewerkschaft an die Unternehmer zu Beginn eine ganze
Reihe von Forderungen stellt, die so extrem sind, daß ihre Verwirklichung
den Ruin der Unternehmen bedeuten würde, und auf die die Unternehmer
dann mit gleichermaßen unrealistischen Gegenvorschlägen antworten, die

-

14

-

�die praktisch die Arbeitnehmer vieler ihrer erworbenen Vorteile berauben
würden."
"Beide Seiten bemühen sich dann in einem "Pferdehandel-Verfahren",
einen Kompromiß zu erzielen, der auch gewöhnlich auf einer Ebene gefunden wird, die schon vor Beginn des Aushandelns mit ziemlicher Genauigkeit vorausgesagt werden konnte.'*
Die "General Electric Company" hat ihre Lohnverhandlungstaktik gegen Ende der 40ßr Jahre entwickelt und sie seitdem in allen Tarifverhandlungen mit Erfolg angewandt. Sie geht auf den damaligen Präsidenten
des Unternehmens, Lemuel R. Boulware, zurück. Der Verhandlungsplan des
Unternehmens besteht darin, sich des Vertrauens der Arbeitnehmer zum
Unternehmen zu versichern und der Gewerkschaft einen umfassenden Vertrag zu unterbreiten, der an Angeboten "alles das enthält, was nach Ansicht
des Management richtig ist", und sich dann - mit Ausnahme von Fragen
geringer Bedeutung - an dieses Angebot zu halten, selbst wenn es zu einem
Streik kommen sollte. Als Ergebnis dieser Verhandlungsführung hat man
in jüngster Zeit in der amerikanischen Industrie ein neues Wort geprägt "Boulwarismus" .
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden

Seite

1

Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre i960

Seite

11

1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen

Seite

13

Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
.

Seite
Seite

14
15

Richard W. Riche und William E. Alli, Abteilung für Produktivitätsfragen
und technische Entwicklungen, Bundesamt für Arbeitsstatistik im US-Arbeitsministerium:

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen
Regierungsbehörden
In nachstehendem Artikel bringen wir eine
Übersicht über die Ergebnisse einer Untersuchung über das Ausmaß der Automatisierung
der Büroarbeiten bei verschiedenen Regierungsstellen und ihre Auswirkungen auf die
Beschäftigung, die der Unterausschuß für
Volkszählung und Regierungsstatistik des
Ausschusses des Repräsentantenhauses für
das Postwesen und den Bundesdienst
(Subcommittee on Census and Government
Statistics of the House of Representatives
Committee on Post Office and Civil Service)
in den Jahren 1959/60 durchgeführt hat. Zu
den Informationssitzungen des Ausschusses
waren u.a. Vertreter der Abteilung Haushaltplanung im Präaidialamt, des Bundesrechnungshofes, des Bundesamtes für Kriegsteilnehmerversorgung sowie des Finanz* und
des Postministeriums geladen worden.
Da
-

1

-

�,,
Da der Arbeitsanfall bei den meisten Behörden zu einem großen
Teil aus bürotechnischen Routinevorgängen besteht, ist die amerikanische Regierung lebhaft an der Entwicklung elektronischer Datenverarbeitungsanlagen interessiert, die erhebliche Einsparungen an Personal,
Arbeitszeit und Kosten ermöglichen. Elektronische Rechen- und Buchungsanlagen werden deshalb in größerer Zahl für die Erledigung von Büroarbeiten und für Aufgaben der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt.
Stand der Automatisierung
Eine dem Unterausschuß vorliegende Untersuchung der Abteilung Haushaltplanung im Präsidialamt zeigt, daß die amerikanischen Bundesbehörden
bis zum Haushaltsjahr 1958/59 insgesamt 414 Datenverarbeitungsanlagen
aller Größen aufgestellt hatten. Mit einem weiteren raschen Voranschreiten der Automatisierung der Büroarbeiten ist zu rechnen. Nach den Informationen der Abteilung Haushaltplanung wird die Zahl der Datenverarbeitungsanlagen noch im Verlaufe des Jahres 19^1 auf 646 steigen.
Erzielte Einsparungen
Ein augenfälliges, wenn auch nicht notwendigerweise typisches
Beispiel für die erheblichen Einsparungen, die sich durch die Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen erzielen lassen, bietet die automatische Buchung von Schecks durch das Finanzministerium. Die Übertragung dieser Aufgabe auf elektronische Buchungsanlagen ermöglichte
die Zentralisierung der gesamten Buchungsarbeiten im Finanzministerium,
die bisher auf das Ministerium, den Bundesrechnungshof und verschiedene
Institute des Zentralbankensystems verteilt waren.
Tafel 1 zeigt das Ausmaß der dabei erzielten direkten Einsparungen.
Während der Arbeitsanfall um 14 Prozent zunahm, ging die Beschäftigtenzahl um 48 Prozent zurück - mit dem Erfolg, daß die Arbeitsproduktivität
pro Angestellten um 120 Prozent stieg. Die Arbeitskosten pro Buchungsvorgang verringerten sich um 44 Prozent, während die Maschinenmiete pro
Buchungsvorgang um 85 Prozent zunahm; die Gesamtkosten pro Buchungsvorgang gingen um 32 Prozent zurück.
Weitere, indirekte Einsparungen sind von einer weiteren Zentralisierung und Verbesserung in der Datenvorbereitung zu erwarten.
Nach einem Bericht des Bundesrechnungshofes werden gegenwärtig für
Beschaffungsaufgaben des Verteidigungsministeriums zahlreiche verschiedene
Datenverarbeitungssysteme verwendet, über die Vorräte und Lagerbestände
im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar verwaltet werden. Eine Verringerung der Lagerbestände um nur wenige Prozent, wie sie durch eine fortlaufende Berichterstattung über die vorhandenen Bestände mit Hilfe von
elektronischen Rechenanlagen möglich ist, kann zu Einsparungen führen,
die jährlich Millionen ausmachen.
Veränderungen in der Beschäftigung
Das Finanzministerium unterbreitete dem Untersuchungsausschuß aufschlußreiches Zahlenmaterial über die Veränderungen, die die Umstellung
der Einlösung und Verbuchung von Schecks und der Registrierung und

-

2

-

�Tafel 1
A r b e i t s p r o d u k t i v i t ä t und Kosten pro Buchungsvorgang im ÜS-Finanzministerium.
im Bundesrechnungshof und i n verschiedenen I n s t i t u t e n des Zentralbankensystems vor und nach der I n s t a l l i e r u n g e l e k t r o n i s c h e r Buchungsanlagen

Vor der
Installierung
Arbeitseinheiten
(Schecks)
Anzahl der zur B e a r b e i tung de» Schecks e i n g e setzten Angestellten
Gesamtkosten
(in Dollar)
Bearbeitungskosten
(einschl. Soziallastenanteile)
Maschinenmieten
Andere Kosten *)

~~X^Wi

Änderung in
Prozenten

CT9591

345 000 000

393 000 000

+ 13,9

1 552

803

- 48,3

7 188 000

5 569 000

- 22,5

6 101 000
579 000
508 000

3 891 000 1&gt;

- 36,2

Indizes

Produktivität pro
Angestellten
Angestellte pro
Arbeitseinheit

Nach der
Installierung

+ 111 ,1
- 10,2

(1956 - 100

100,0

220,2

+120,2

100,0

45,4

- 54,6

100,0

68,0

- 32,0

100,0

56,0

- 44,0

Maschinenmiete pro
Einheit

100,0

185,3

* 85,3

Andere Kosten pro
Einheit

100,0

78,8

- 21,2

Kosten pro
Arbeitseinheit
Arbeitskosten pro
Einheit

7 Einschließlich einer zehnprozentigen Gehaltserhöhung für qualifizierte
Mitarbeiter, die im Laufe des Jahres 1958 erfolgte.
-*' Einschließlich der Kosten für Porti, Fernmeldegebühren, Formblätter und
Bürobedarf und anderer indirekter Kosten.
3

-

�und des Zinaendienstes von Staatsobligationen auf elektronische Datenverarbeitungsanlagen hinsichtlich der Beschäftigungsstruktur innerhalb
des Ministeriums zur Folge hatte.
Von der Umstellung der Bearbeitung der Schecks, die im Juni 1957
nach 17monatigen Vorbereitungen erfolgte, wurden drei Dienststellen
betroffen: das Schatzamt, der Bundesrechnungshof und das Zentralbankensystem. Tafel 2 zeigt die Veränderungen in der Beschäftigung,
die im Zeitraum von Juni 1956 bis Juni 1959 i n Auswirkung der Umstellung im Schatzamt und im Bundesrechnungshof eingetreten sind.
Nur 174 der insgesamt 755 von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmer wurden innerhalb derselben Abteilung weiterbeschäftigt; das ist
noch nicht einmal ein Viertel, über die Hälfte wurden nach anderen Abteilungen innerhalb ihrer Behörde versetzt, wobei der größte Teil
neue Aufgaben übernehmen mußte. Nur 31 Angestellte, d.h. 4 Prozent der
Gesamtzahl, wurden in die neu geschaffenen Abteilungen für elektronische
Datenverarbeitung übernommen. Etwa 11 Prozent der frei gewordenen Angestellten konnten an andere Behörden vermittelt werden; 14 Prozent
ließen sich pensionieren oder kündigten von sich aus. Zwei Angestellte
wurden entlassen.
Die Automatisierung der Registrierung und des Zinsendienstes bei
den Staatsobligationen im US-Finanzministerium zeitigte erheblich ungünstigere Auswirkungen auf die Belegschaft. Trotz ernsthafter Anstrengungen war es nur in Einzelfällen möglich, neue Arbeitsplätze für
die nach der Umstellung nicht mehr benötigten Arbeitskräfte zu finden,
da es sich größtenteils um Bürokräfte handelte, deren Kenntnisse und
Fähigkeiten nicht mehr gefragt sind und die ihrerseits nicht bereit
waren, offene Stellen an anderen Orten anzunehmen.
Die Installierung der elektronischen Datenverarbeitungsanlage betraf 889 Angestellte in der Bundesschuldenverwaltung im Finanzministerium (Bureau of Public Debt). Sie machte die Schließung von Abrechnungsstellen in New York und Chicago möglich und verringerte den Arbeitsanfall in der Zweigstelle in Chicago. Die Bearbeitung von Lochkarten-Staatsobligationen durch elektronische Buchungsanlagen erfolgt
in dem neueingerichteten Büro in Parkersburg in West-Virginia, einem
Gebiet mit großen Arbeitskraftreserven. Andere Buchungsaufgaben, die im
Zusammenhang mit der Verwaltung von Staatsobligationen anfallen, wurden
dem Zweigbüro in Cincinnati (Ohio) übertragen.
Die Veränderung des Beschäftigtenstandes war einschneidend, wie
aus Tafel 3 ersichtlich ist. Von den insgesamt 889 betroffenen Angestellten wurde über ein Drittel, größtenteils Angestellte in untergeordneten Positionen, abgebaut. 16 Prozent kündigten ihrerseits aus
Gesundheits- und Familienrücksichtigen oder in der Absicht, ihre Ausbildung fortzusetzen. Drei Prozent wurden in andere Büros der Bundesschuldenverwaltung und 35 Prozent zu anderen Bundesbehörden versetzt.
Neun Prozent der Belegschaft, sämtlich Angehörige der Zweigstelle Chicago, kamen in der Privatwirtschaft unter.
Nach Angaben der Bundesschuldenverwaltung weigerten sich die meisten
Mitarbeiter der Zweigbüros in New Y-rk und Chicago, deren Arbeitsplätze
überflüssig geworden waren, die ihnen in Parkersburg angebotenen

- 4 -

�Tafel 2
Veränderungen in der Beschäftigung in den von der Umstellung auf elektronische
Datenverarbeitungsanlagen betroffenen Abteilungen des US-Schatzamtes
und des Bundesrechnungshofes von Juni 1956 bis Juni 1959

Zahl

Prozent

Gesamtpersonalstand im Juni 1956

755

100,0

Weit erbeschäftigt

174

23,0

70

9,3

399

52,8

31

4,1

244

32,3

zu anderen Dienststellen des Finanzministeriums

44

5,8

zu anderen Regierungsbehörden

80

10,6

104

13.8

Verstorben

6

0,8

Entlassen

2

0,3

Vorgang

Vorläufig weiterbeschäftigt

'

Versetzt
zu Datenverarbeitungsabteilungen
des Schatzamtes
zu anderen Abteilungen des Schatzamtes &lt;
oder des Bundesrechnungshofes

in den Ruhestand getreten oder auf Grund
eigener Kündigung ausgeschieden

1) Zur Aufarbeitung von Arbeitsrückständen aus der Zeit vor der Umstellung

vom Bundesrechnungshof bedingt weiterbeschäftigt. Von diesen 70 Angestellten wurden 59 später mit anderen Aufgaben innerhalb des Rechnungshofes betraut und 2 nach anderen Behörden versetzt; 4 kündigten ihrerseits oder traten in den Ruhestand; 5 wurden entlassen.

- 5

�Tafel 3
Abnahme der Beschäftigtenzahl in den Zwei.^stellen New York und Chicago dier
BundesschuldenverwaltunÄ in d&lt;;r Zeit vom 19. März 1957 bis zum 30• Juni 195.8

Zahl

Prozent 2)

Insgesamt betroffen

889

100,0

Versetzt

336

37,8

25

2,8

311

35»0

78

8,8

143
14
318

16,1

Vorgang

zu anderen Abteilungen der Bundesschuldenverwaltung
zu anderen Regierungsbehörden
In der Privatwirtschaft untergekommen (betr,
Zweigstelle Chicago)
Ausgeschieden auf Grund eigener Kündigung (aus
Gesundheits- und Familienrücksichten, wegen
Fortsetzung des Studiums u.a.)
In den Ruhestand getreten
Entlassen

1,6
35,8

' Weitere Entlassungen nach dem 30. Juni 1958 waren nicht notwendig und sind
audh nicht vorgesehen.
2}
' Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen Prozentangaben nicht genau 100»

�angebotenen Stellungen anzunehmen. Die für die Besetzung der Zweigstelle in Parkersburg benötigten 458 Angestellten wurden deshalb
vornehmlich über den örtlichen Arbeitsmarkt beschafft. Die Schuldenverwaltung mußte bei ihren Bemühungen um die Unterbringung der von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten Mitarbeiter die Peststellung machen,
daß die Nachfrage nach Angestellten, deren Erfahrungen sich lediglich auf routinemäßige Büroarbeiten wie Aktenablage und Lochkartenstanzen beschränken, sehr gering ist.
Die Planung der Umstellung auf die Datenverarbeitung
Die Dienststellenleiter taten ihr möglichstes, um negative Auswirkungen der Automatisierung auf die Angestellten zu verringern.
Das Schatzamt und die Zentralstelle für Rechnungsführung und Betriebsprüfung im Finanzministerium (Bureau of Accounts) informierten
ihre Angestellten fast ein Jahr im voraus über die bevorstehende Umstellung und gaben gleichzeitig allen betroffenen Angestellten die
Zusicherung, daß Härten nach Möglichkeit vermieden werden.
Als ein Beispiel sei hier auf das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung verwiesen, das sämtliche Mitarbeiter vom ersten Planungsstadium an im voraus laufend und über alle Phasen der Umstellung unterrichtete. Die Dienststellenleiter luden die Angestellten gruppenweise zu
Besprechungen ein, bei denen sie Auskünfte über die Arbeitsweise elektronischer Datenverarbeitungsanlagen, über die im Zusammenhang mit der
Umstellung neu zu schaffenden Positionen und die Zahl der von der Umstellung betroffenen Angestellten erteilten. Das Bundesamt richtete
Kurse für Probleme der elektronischen Datenverarbeitung ein, an denen
sich insgesamt 17 500 Angestellte beteiligten.
Der Leiter des Bundesamtes verpflichtete die Abteilungsleiter,
dem Personalbüro mindestens ein halbes Jahr vor der Umstellung je_der
einzelnen Abteilung mitzuteilen, welche Beschäftigungskategorien und
wieviel Angestellte von den geplanten Maßnahmen betroffen sein werden.
Er verfügte, daß allen Angestellten, die nach der Umstellung nicht mehr
weiterbeschäftigt werden können, die bevorstehende Entlassung mindestens
drei Monate im voraus bekanntgegeben werden müsse.
Sämtliche Regierungsbehörden nutzen den Vorteil, den ihnen die
zwangsläufig sehr lange Zeit der Planung der Umstellung bietet, um ihren
Personalstand durch natürlichen Schwund - Ausscheiden auf Grund eigener
Kündigung des Angestellten, Pensionierung, Versetzung, Vermeidung von
Neueinstellungen usw. - so weit zu reduzieren, daß sich Entlassungen
nach der Umstellung erübrigen. Die langfristige Vorausplanung bietet
vielfach auch die Möglichkeit, für die freiwerdenden Angestellten neue
Arbeitsplätze innerhalb der eigenen Behörde oder bei anderen Behörden
zu finden.
Das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung, um bei unserem Beispiel zu bleiben, hat ermittelt, daß in den Haushaltjähren 1960-62 voraussichtlich 1259 Positionen überflüssig werden. Das Bundesamt hofft, die
betroffenen Angestellten "innerhalb der eigenen Zweigstellen unterzubringen.
Die

�Die Versetzung frei werdender Angestellter wird in den meisten
Fällen eine Umschulung auf neue Aufgaben erforderlich machen. Aus
diesem Grunde haben verschiedene Behörden rechtzeitig vor der Umstellung Schulungskurse eingerichtet. Alles in allem haben sich diese
Maßnahmen als sehr erfolgreich erwiesen und wesentlich mit dazu beigetragen, daß die Umstellung auf die elektronische Datenverarbeitung
ohne größere Schwierigkeiten und Härten für das Personal vollzogen
werden konnte.
Personal für die elektronische Datenverarbeitung
Die Errichtung der für die elektronische Datenverarbeitung notwendigen Planstellen und ihre Besetzung warf erhebliche verwaltungstechnische Probleme auf. Tafel 4 gibt Aufschluß über den Personalatand der Datenverarbeitungsabteilungen sämtlicher Regierungsbehörden
im Jahre 1958, die zusammen über 236 Datenverarbeitungsanlagen verfügten. Zwei Drittel der Angestellten waren mit Planungs- und Programmierungsaufgaben befaßt, ein Viertel war zur Bedienung der Rechenanlagen
und Zubehörapparaturen eingeteilt, und nur 8 Prozent wurden für die
Verwaltungsaufgaben innerhalb der Abteilungen für elektronische Datenverarbeitung benötigt.
Die Regierungsbehörden haben es sich zum Grundsatz gemacht, das Bedienungspersonal für elektronische Datenverarbeitungsanlagen weitgehend
aus den Reihen ihrer eigenen Mitarbeiter zu rekrutieren. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1958 zeigt, daß fast zwei Drittel von 129 befragten
Militär- und Zivilbehörden das Personal für die elektronische Datenverarbeitung ausschließlich aus ihrem früheren Mitarbeiterstab rekrutiert haben; ein Zehntel besetzte diese Stellen mit neu angeworbenen
Arbeitskräften; und ein Viertel teils mit bisherigen Mitarbeitern, teils
mit neuen Kräften.
Die Bereitschaft, derartige Stellen aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter zu besetzen, wird damit begründet, daß diese auf Grund ihrer
Kenntnisse der Arbeitsweise ihrer Behörde eine kürzere Ausbildungszeit
benötigen als betriebsfremde Kräfte, Ein weiterer Grund ist die günstige
Auswirkung einer derartigen Beschäftigungspolitik, die vielen Mitarbeitern gute Aufstiegschancen bietet, auf die Arbeitsmoral. Andere Behörden wiederum berichteten, daß sie Nemeinstellungen vornehmen mußten, da
sich unter dem bisherigen Personal keine ausreichende Zahl von Mitarbeitern mit den geforderten Qualifikationen fanden.
Die Auswahl des Personals für die elektronischen Datenverarbeitungsanlagen erfolgte vielfach auf Grund der Ergebnisse schriftlicher Eignungsprüfungen und Intelligenztests. Von 129 Bundesbehörden, die diesbezügliche Angaben machten, hielten 70 Prozent derartige Prüfungen ab, zu
denen vor allem Bewerber für die neugeschaffenen Positionen, Programmierer und Bedienungspersonal, hinzugezogen wurden.
Die Schwierigkeiten, die die Auswahl geeigneter Kräfte bereiteten,
seien hier an Hand der Erfahrungen des Finanzministeriums und des Bundesrechnungshofes illustriert. Sämtliche Angestellten in den von der
Automatisierung betroffenen Abteilungen dieser beiden Behörden wurden
.

8

.

�Tafel 4
Anzahl der vornehmlich mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßten Angestellten bei insgesamt 236 mit Datenverarbeitungsanlagen
ausgestatteten Dienststellen (Stand vom 31« März 1958)

Mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßt
Insgesamt

Arbeitsplätze
Zahl
Prozent
3 742

100,0

Verwaltungspersonal für die
elektronische Datenverarbeitung

301

8,0

Einsatzplaner für elektronische
Datenverarbeitungsanlagen

615

16,4

1 773

47,4

83

2,2

621

16,6

349

9,3

Programmierer
Hochfrequenztechniker
Bedienungspersonal
Bedienungspersonal für Zubehöranlagen

*

1)
Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen
Prozentangaben nicht genau 100.

-

9 -

�wurden zur Teilnahme an einem Eignungstest aufgefordert. Von den 470
Prüfungsteilnehmern wurden 77 zur Teilnahme an Ausbildungskursen
eingeladen und von diesen wiederum 23 für den Einsatz an den Elektronenanlagen ausgewählt. Hierbei wurden auch die schriftlichen Beurteilungen der Angestellten durch ihre Vorgesetzten und ihre Leisturlgen
während einer gewissen Probezeit an den neuen Anlagen berücksichtigt.
Die Ausbildung des Personals für Elektronenanlagen
Die Ausbildung von Personal für die Aufgaben der elektronischen
Datenverarbeitung war ein sehr vielschichtiges Unterfangen, da sehr
unterschiedliche Kenntnisse gelehrt werden mußten. Es handelte sich
nicht lediglich darum, Programmierer und Fachkräfte für die Bedienung
der Anlagen heranzubilden, sondern auch darum, die leitenden Angestellten der Behörden mit den Besonderheiten und Problemen der elektronischen Datenverarbeitung vertraut zu machen.
Eine Untersuchung der Abteilung für Haushaltplanung läßt erkennen,
daß die Behörden es im allgemeinen den Herstellerfirmen der Anlagen
überließen, die Programmierer und das Bedienungspersonal auszubilden.
Die Einführung der leitenden Angestellten in die Probleme der elektronischen Datenverarbeitung erfolgte m enger Zusammenarbeit zwischen
Herstellerfirmen und Regierungsstellen und unter Einschaltung von
Universitäten, Berufsverbänden und privaten Wirtschaftsberatern.
Die Regierung zahlte den Lehrgangsteilnehmern ihre regulären Gehälter weiter und übernahm etwaige Kursgebühren und Transportkosten.
Die Herstellerfirmen verlangten für die Mitarbeiter von Behörden, die
ihre Geräte benutzen, gewöhnlich keine Kursgebühren.
Das Ausmaß der geleisteten Ausbildungsarbeit sei am Beispiel der
Zweigstelle Philadelphia der Versicherungsabteilung des Bundesamtes
für Kriegsteilnehmerversorgung dokumentiert, wo nicht weniger als 2700
Angestellte von der Umstellung betroffen worden waren. Vertreter der
Herstellerfirmen hielten an Ort und Stelle Lehrgänge für die Mitarbeiter ab, die für den Einsatz an den Datenverarbeitungsanlagen vorgesehen
waren. Die Kursdauer schwankte zwischen 12 und 150 Stunden.
Zur Umschulung auf die im Zusammenhang mit der Aufstellung der
Datenverarbeitungsanlage neu geschaffenen bürotechnischen Arbeitsplätze
wurden mehrere hundert Angestellte im Gruppenunterricht in der Aufbereitung von Daten und im Umgang mit den von Elektronenanlagen erstellten
Unterlagen unterwiesen. Sämtliche 27OO Mitarbeiter wurden durch einen
zweistündigen generellen Aufklärungskurs über die Methoden der elektronischen Datenverarbeitung geschleust.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 83, Nr. 9, Sept. i960)
- stärker gekürzt * * * * *

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�Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960
Obwohl im abgelaufenen Jahr mehr Amerikaner beschäftigt waren
als je zuvor und der Wert der erzeugten Güter und Dienstleistungen
mit rund 505 Mrd. Dollar ebenfalls einen neuen Rekordstand erreichte,
stand die Zunahme der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer nicht im
gleichen Verhältnis zum Produktionsanstieg. Bezeichnend für die Lage
am gesamten Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr die Tatsache, daß
trotz einer allgemeinen hohen wirtschaftlichen Aktivität und Prosperität die Arbeitslosigkeit in einigen wichtigen Gebieten verhältnismäßig
hoch war.
Wenn auch die im vergangenen Jahr abgeschloss'enen Tarifverträge den
Arbeitnehmern weitere Lohnerhöhungen brachten, so waren doch die durchschnittlichen Zunahmen etwas geringer als in den Vorjahren. Im September belief sich das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Industriearbeiters mit drei Angehörigen auf wöchentlich 80,87 Dollar, was gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres einen Anstieg um nur 0,6 Prozent
bedeutet. Da sich aber im selben Zeitraum auch die Lebenshaltungskosten
erhöhten, ging die Kaufkraft der Einkommen zwischen September 1959
und September 1 96O um 0,6 Prozent zurück.
Auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen brachte
das Jahr 196O sichtbare Fortschritte in den Bemühungen der Sozialpartner, bestehende Gegensätze zu überbrücken und einen gemeinsamen Nenner
für die Lösung ihrer Probleme zu finden. Die Beilegung des sich über
Monate erstreckenden Stahlarbeiterstreiks im Januar auf Grund der
persönlichen Initiative Vizepräsident Nixons und Arbeitsminister
Mitchells war in dieser Beziehung insofern richtungweisend, als von
beiden Tarifpartnern die Rolle und das Interesse der Öffentlichkeit
bei der friedlichen Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten anerkannt
wurde. Das Ergebnis war die Bildung eines aus Vertretern der Unternehmer, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit bestehenden Ausschusses,
dessen Aufgabe es ist, langfristige Programme zu entwickeln, durch die
industrielle Konflikte weitgehend ausgeschaltet werden.
Auch in dem lange schwelenden Streit der Eisenbahnergewerkschaft
mit den Schienentransportunternehmen über die Arbeitsbedingungen, der
ebenfalls in einen umfassenden Streik einzumünden drohte, erklärten
sich beide Seiten schließlich bereit, ihre Streitpunkte einem Präsidentenausschuß zu unterbreiten, der sich aus Vertretern von Gewerkschaften, Unternehmen und Vertretern der Öffentlichkeit zusammensetzte und
der dem Präsidenten seine Untersuchungsergebnisse Anfang Dezember unterbreitete.
Bedeutende Fortschritte konnten im vergangenen Jahr auch bei der
Milderung der wirtschaftlichen und sozialen Härten für solche Arbeitnehmer erzielt werden, die durch die Einführung der-Automation und arbeitsparendem- Maschinen freigesetzt werden. So konnte u.a. die Hafenarbeitergewerkschaft der Westküste mit dem Verband der Hafenbetriebe ein Abkommen
schließen, wonach die Arbeitgeber jährlich rund 5 Millionen Dollar in
einen "Automationsfonds" einzahlen, aus dem dann Entlassungsgelder und
andere finanzielle Beihilfen an Arbeitnehmer gezahlt werden sollen, die

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�die ihren Arbeitsplatz auf Grund der Mechanisierung der Umschlageinrichtungen verlieren.
Das Abkommen, das vorläufig bis Juni 1966 gilt, sieht aber nicht
nur die Aufbringung einer Gesamtsumme von rund 27,5 Millionen Dollar
für den Automationsfonds vor, sondern garantiert den Hafenarbeitern
auch ein wöchentliches Mindesteinkommen sowie finanzielle Sicherungen
gegenüber Feierschichten. ALs Gegenleistung für diese Arbeitnehmerkonzessionen gab die Gewerkschaft ihrerseits die Zusage, auf ihre
"Arbeitsbedlngungsklausel" zu verzichten, die bisher die Einführung
leistungsfähigerer mechanischer Belade- und Entladungstechniken bei
den Hafenbetrieben verhinderte.
Auch einer der größten amerikanischen Fleischverarbeitungsbetriebe
schloß mit der Gewerkschaft der Fleischereiarbeiter ein ähnliches Abkommen, durch das insgesamt 15 000 Arbeitnehmer in sämtlichen Betrieben des Unternehmens erfaßt wurden. Ein Teil der Fondsgelder soll
hier für die Analyse der sich aus der'Automation ergebenden Arbeitsplatz- und Beschäftigungsprobleme und für die Ausarbeitung von Plänen
verwendet werden, durch die die Auswirkungen der Automation weitgehend gemildert werden können. Der Schwerpunkt all dieser Bemühungen soll dabei auf die Utaschulung der freigesetzten Arbeitnehmer und
die Schaffung neuer Arbeitsplätze gelegt werden.
Ebenso bemerkenswert wie die Errichtung zahlreicher "Automationsfonds" war im vergangenen Jahr auch die erhebliche Zunahme solcher
Tarifverträge, die Abmachungen zwischen'Gewerkschaft und Unternehmen
über die Zahlung von Entlassungsgeldern aus "technologischen Gründen"
enthalten. Das bedeutendste Abkommen dieser Art wurde von der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie mit den Unternehmen der Bekleidungsindustrie geschlossen, durch das die 400 000 Mitglieder,
in sämtlichem Betrieben des Landes erfaßt werden. Mit diesem Abkommen,
das sowohl die Zahlung von Entlassungsgeldern als auch wöchentliche
Unterstützungsleistungen für einen bestimmten Zeitraum vorsieht,
will die Gewerkschaft die Schließung amerikanischer Betriebe der Bekleidungsindustrie und ihre Verlagerung in lohngünstigere Länder verhindern. Die Maximalleistung für einen Arbeitnehmer beträgt 1600 Dollar; sie richtet sich nach der Länge der Dienstzeit, dem bisherigen
wöchentlichen Einkommen und einigen anderen Bemessungsfaktoren.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

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�1961 ,- ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Während das vergangene Jahr auf dem Gebiet des Tarifverhandlungswesens - von der im Januar erfolgten Beilegung des im Herbst
1959 begonnenen Konflikts in der Stahlindustrie abgesehen - ziemlich ruhig verlaufen ist und keine besonderen Ereignisse oder weitreichenden Entscheidungen brachte, dürfte für 1961 schon insofern
mit einer weitaus größeren Aktivität auf diesem Sektor zu rechnen
sein, als zahlreiche Tarifabkommen in wichtigen Industriezweigen
in diesem Jahr auslaufen oder Neuverhandlungen anstehen.
Die wichtigsten Lohnverhandlungen werden dabei zweifellos in
den Spätsommermonaten stattfinden, da im August die alten Verträge
der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) mit den Unternehmen der Autoindustrie sowie der "Meatpacker" mit den Fleischkonservenherstellern
auslaufen und im September neue Verhandlungen in der Maschinenbauindustrie - und möglicherweise auch im Steinkohlebergbau - vorgesehen
sind. In der ersten Jahreshälfte laufen dagegen einer Übersicht
des US-Arbeitsministeriums zufolge nur zwei größere Tarifabkommen
in wichtigen Wirtschaftszweigen aus. Im Januar müssen neue Verträge
für die Arbeitnehmer des Güterkraftverkehrsgewerbes (Lastwagenfahrer)
und von April bis Juni solche für die &amp;er Gümmiindu'strie ausgehandelt
werden.
Alles in allem stehen 1961 fast 120 Lohntarifverhandlungen an,
durch die insgesamt 2 Millionen Werktätige erfaßt werden. Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, für die neue Verträge abgeschlossen werden
müssen, liegt jedoch erheblich höher, da es sich hierbei nur um Abkommen handelt, die jeweils für mehr als 5000 Arbeitnehmer abgeschlossen
wurden. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, daß weitere 60 langfristige Tarifverträge mit Kündigungsklausel (Abkommen mit jeweils
über 1000 Arbeitnehmern) im Laufe des Jahres von den Gewerkschaften
aufgesagt werden. Durch diese 60 Abkommen werden weitere 1,7 Millionen
Arbeitnehmer ejf»ftt.
Wie aus der TarifVerhandlungsübersicht des Arbeitsministeriums
weiter hervorgeht, ist in diesem Jahr aber auch mit Lohnerhöhungen
für jene Arbeitnehmer zu rechnen, die von Verträgen erfaßt werden,
welche erst zu einem späteren Zeitpunkt auslaufen, aber automatische
'Lohnaufbesserungen für 1961 vorsehen. Es handelt sich hier um Verträge mit jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmern, die insgesamt 2,9
Millionen Werktätige erfassen und durchschnittliche Lohnerhöhungen
von 8 Cent pro Stunde vorsehen.
Für einen Teil dieser Arbeitnehmer (1,1 Millionen) kommen zu
den vorgesehenen Lohnerhöhungen noch sogenannte Teuerungszuschlage
hinzu, da ihre Verträge Lohngleitklauseln (Anstieg der Lebenshaltungskosten um einen Punkt = Erhöhung der Stundenlöhne um 1 Cent) aufweissen.
Nach einer Schätzung des US-Amtes für Arbeitsstatistik dürften gegenwärtig zwischen 2,5 Millionen und 2,8 Millionen amerikanische Arbeitnehmer von Tarifverträgen mit Lohngleitklauseln erfaßt werden.
(Quelle: Eigenbericht)
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�Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft
Die Aufwendungen der amerikanischen Wirtschafts- und Industrieunternehmen für die sogenannten freiwilligen Sozialleistungen - die
im Rahmen der Tarifverträge mit den Gewerkschaften ausgehandelten
Beiträge der Unternehmer für Pensionsfonds, Lebens-, Unfall- und
Krankenversicherungen - beliefen sich im Jahre 1959 auf durchschnittlich 328 Dollar pro Arbeitnehmer. Dies geht aus einer Erhebung der
US-Handelskammer hervor, die bei 1064 Kapitalgesellschaften des
Landes durchgeführt wurde.
Im Vergleich zur letzten Untersuchung, im Jahre 1957» ist damit
eine Erhöhung der "fringe benefits" um 15 Prozent (284 Dollar) eingetreten, während gegenüber 1950 sogar eine Zunahme um mehr als das
Doppelte festzustellen ist.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, hatten 86 Prozent der
überprüften Unternehmen zusätzliche private Pensionsfonds für ihre
Arbeitnehmer eingerichtet (1957 * 81 Prozent), aus denen diese bei
ihrem Eintritt in den Ruhestand - zusätzlich zu den staatlichen Leistungen aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung - Pensionen
erhalten. Die durchschnittliche Höhe der Beiträge der Unternehmen
an die Pensionsfonds belief sich auf 5 Prozent der Bruttoverdienste;
bei 67 Unternehmen machten die Abgaben sogar 10 Prozent der Gesamtlohnsumme aus.
Außerdem hatten 98 Prozent aller untersuchten Unternehmen (1957 •
97 Prozent) in irgendeiner Form Gruppenversicherungsverträge für ihre
Mitarbeiter abgeschlossen, so u,a. sämtliche Unternehmen der öl-,
Gummi-, Leder-, Metall-, Elektromaschinen-, Steine-, Erden- und
Glasindustrie sowie das Druckereigewerbe, das Verlagswesen, das
Bankgewerbe und das Versicherungswesen.
Private Pensionspläne wiesen dazu sämtliche überprüften Unternehmen def Ölindustrie auf, während von den 123 öffentlichen Versorgungsbetrieben lediglich zwei entweder keinen Pensions- oder keinen Gruppenversicherungsplan für ihre Arbeitnehmer unterhielten.
Bei den 692 Industriebetrieben war das Bild so: 586 Unternehmen
oder 85 Prozent führten ein privates Pensionsprogramm (1957 • 76 Prozent) durch; und 684 Unternehmen oder 99 Prozent hatten irgendeinen
Gruppenversicherungsvertrag (Unfall, Lebens-, Krankenversicherung usw.)
für ihre Mitarbeiter abgeschlossen.
Von den 372 nichtindustriellen Unternehmen unterhielten 328
(88 Prozent) private Pensionspläne (1957 " 84 Prozent) und 357
(96 Prozent) Gruppenversicherungen aller Art.

(Quelle« Eigenbericht)

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�Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
Wie aus einer im November 196O vom US-Amt für Arbeitsstatistik
im Gebiet der amerikanischen Bundeshauptstadt durchgeführten Erhebung über die durchschnittlichen wöchentlichen Einkommen der Büroangestellten hervorgeht, sind die Angestelltengehälter im Laufe des
vergangenen Jahres im Durchschnitttarn4»2 Prozent angestiegen.
Die Wochenverdienste der weiblichen Büroangestellten in den ein
zelnen Beschäftigungsgruppen betragen gegenwärtig bei:

Sekretärinnen

89,00 Dollar

Stenotypistinnen

80,50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen

79»50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen
(an Routinearbeitsplätzen)

66,50 Dollar

Helferinnen in der Registratur

54»00 Dollar

Registratorinnen

66,00 Dollar

Bei den männlichen Angestellten wurden folgende durchschnittlic
Wochenverdienste festgestellt:
Buchhalter in verantwortlichen Positionen 97»00 Dollar
Einkäufer
90,50 Dollar
Tabellierer (Klasse B)

85,60 Dollar

Büroboten

55»50 Dollar

Im Vergleich zu den Einkommen der Büroangestellten lagen die
durchschnittlichen Wochenverdienste der amerikanischen Industriearbeiter im Oktober vergangenen Jahres für einen Arbeitnehmer mit
drei Angehörigen bei 81,50 Dollar und für einen Ledigen bei 73»93
Dollar. Hierbei handelt es sich um die Nettoeinkommen.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. März 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften

Seite

1

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

10

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Die Gewerkschaftsbewegung steht in den Vereinigten Staaten vor
einer neuen gewaltigen Aufgabe: die wachsende Zahl der Büroangestellten und vor allem der festangestellten technischen und akademischen
Fachkräfte in die Gewerkschaftsbewegung einzugliedern. Von der Lösung
dieser Aufgabe wird es abhängen, ob die Gewerkschaften auch weiterhin
eine entscheidende Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes spielen
werden oder nicht.
Gegenwärtig beläuft sich der Anteil der Arbeiter an der Gesamtmitgliederzahl der amerikanischen Gewerkschaften auf schätzungsweise 85
Prozent. Wenn sich der Arbeitsmarkt weiterhin gemäß den derzeitigen Tendenzen fortentwickelt, wird sich die Zahl der Arbeitnehmer in den nächsten zehn Jahren um 9 bis 10 Millionen erhöhen. Nur ein relativ kleiner
Teil dieses Zuwachses wird auf die Sparte der Produktionsarbeiter entfallen, die am stärksten an der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung
interessiert sind. Gelingt es der Gewerkschaftsbewegung nicht, die wachsende Zahl der Angestellten für die Gewerkschaften zu gewinnen, dann wird
die Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer Interessenvertretung
einer Minderheit herabsinken.
Die strukturellen Umschichtungen
Im Jahre 1957 hat die Zahl der Angestellten - einschließlich der
Bürobediensteten und technischen und akademischen Fachkräfte - zum ersten
Mal in der Geschichte der USA die Zahl der in der Industrie beschäftigten
Arbeiter übertroffen. Dieser Umschwung vollzog sich größtenteils in den

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1 -

�den erstenlO Jahren nach Kriegsende, in denen die Zahl der Angestellten von 20 auf 25,5 Millionen stieg, während die Zahl der Arbeiter
lediglich um 1,5 Millionen zunahm und damit 25 Millionen erreichte.
Im gleichen Zeitraum kletterte der Anteil der Angestellten und nicht
in der Produktion stehenden Arbeitskräfte an der Gesamtbeschäftigung
in den Fertigungsindustrien von 16 auf 25 Prozent.
Eine Aufschlüsselung dieser Statistiken gibt noch weitere bemerkenswerte Aufschlüsse. Die Zahl der neu eingestellten Techniker
und Akademiker übertraf die der Büroangestellten bei weitem. In
den Jahren von 1947 °is 1957 war bei den festangestellten Technikern
und Akademikern ein Zuwachs von 60,6 Prozent zu verzeichnen gegenüber
einer Zunahme von nur 22,8 Prozent bei den Büroangestellten.
Diese Zahlen deuten auf eine Entwicklung hin, die sich für die
Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer großen Gefahr auswachsen
könnte. Sie wird verstärkt durch das Absinken des prozentualen Anteils der Produktionsarbeiter an der Gesamtbeschäftigung in den
wichtigsten Industriezweigen. In der chemischen Industrie beispielsweise verringerte sich der Anteil der Produktionsarbeiter von 74»6 auf
62,5 Prozent. Nach Schätzungen der kanadisch-amerikanischen Internationalen Chemiearbeitergewerkschaft (international Chemieal Workers
Union - ICWU) wird bis zum Jahre 19661 in der chemischen Industrie
auf jeden Produktionsarbeiter ein Angestellter entfallen.
Die auslösenden Faktoren
Das auslösende Moment dieser Entwicklung ist der technische Fortschritt: eine einzige Maschine verrichtet heute Arbeiten, für die früher
zahlreiche Handarbeiter notwendig waren. Die Automatisierung schließlich läßt, auch wenn sie keine Arbeitskräfte verdrängt, die Produktionsarbeiter zu Aufsehern, Wartungskräften und Technikern werden.
Professor Fred Harbison von der Universität Princeton erklärte
vor einem Seminar zu Problemen der Kollektiwerhandlungen bei Technikern und akademischen Fachkräften, das von der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO durchgeführt worden ist» "Das Tempo des
technischen Fortschritts bestimmt das Tempo der Umschichtung in der
Beschäftigungsstruktur... von der Arbeit im blauen Kittel bis zur Angestelltentätigkeit."
Erweist sich die Ansicht Harbisons als richtig, dann ist in verschiedenen Industrien mit einer überdurchschnittlichen Zunahme der
akademischen und technischen Angestellten und einem entsprechenden
scharfen Rückgang der Produktionsarbeiter zu rechnen. In dem Maße,
in dem diese Industrien ihren Stab an technischen Mitarbeitern vergrößern und wirkungsvoll einsetzen, werden Arbeiter von ihren bisherigen Arbeitsplätzen verdrängt werden.
Die einzelnen Firmen wetteifern geradezu miteinander, die Technisierung und Automatisierung immer weiter voranzutreiben. Dies hat auf
dem Arbeitsmarkt zu einer so großen Verknappung von Technikern und
Ingenieuren geführt, daß die Angehörigen dieser Berufe hinsichtlich

2

�hinsichtlich Bezahlung und Arbeitsbedingungen heute große Forderungen
stellen können. Die Arbeitsfluktuation ist in diesen Berufssparten
heute entsprechend hoch.
Trotz der für sie so günstigen Beschäftigungslage sind die Angehörigen dieser Berufe mit ihrem Arbeitsplatz und ihrer Firma im
allgemeinen nicht sehr zufrieden, wie eine Untersuchung der Opinion
Research Corporation, eines demoskopischen Instituts, ergab. Die
Wissenschaftler und Techniker behaupten vielfach, die Manager sehen
sämtliche Maßnahmen nur unter dem Gesichtspunkt des Ertrags, suchen
die Mitarbeiter zu beherrschen, vereinfachen alle Dinge zu sehr,
nutzen die Betriebsangehörigen für eigene Zwecke aus, haben meist
nur kurzfristige Ziele im Auge und seien meist ungebildet.
Von den befragten wissenschaftlichen Kräften beschuldigten 78
Prozent die Unternehmensleitung, daß sie ihre Fähigkeiten mißbrauche,
80 Prozent betrachteten sich im Vergleich zu den Angehörigen anderer
Berufssparten als unterbezahlt, 75 Prozent wünschten, dem Unternehmerdruck zu entgehen und "allein für sich zu arbeiten", und 67 Prozent
behaupteten, daß Beziehungen und nicht Können der entscheidende Faktor
für den Aufstieg innerhalb der Manager-Hierarchie seien.
Diese Unzufriedenheit ist Ausdruck des zwangsläufigen Gegensatzes
zwischen wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Denken. Die-Opinion
Research Corporation folgerte deshalb in ihrem Bericht: "Das Gewinnstreben des Unternehmertums steht in scharfem Widerspruch zu dem Streben des Wissenschaftlers nach Perfektion."
Der Akademiker findet sich heute in eine Arbeitsumwelt gestellt,
deren "Spielregeln" nahezu alles das negieren, was er in den Jahren
seiner wissenschaftlichen Schulung gelernt hat.
Zunehmende Abhängigkeit der Wissenschaftler
Um die Jahrhundertwende erwarb der angehende Wissenschaftler sein
akademisches Diplom, wählte sich ein Fachgebiet, begann mit eigenen
Forschungsarbeiten und publizierte deren Ergebnisse - ohne Anweisungen
anderer zu unterliegen. Im Jahre 1900 waren schätzungsweise 95 Prozent
aller Ingenieure und Chemiker Selbständige.
Heute dagegen sind nur noch 5 Prozent von ihmen freiberuflich
tätig; die übrigen sind gezwungen, ihre wissenschaftliche Tätigkeit
den nicht-wissenschaftlichen Forderungen einer Unternehmensleitung
unterzuordnen. Wenn der Akademiker auch den Wunsch des Unternehmers,
zu verdienen und zu verkaufen, als gegeben in Rechnung stellt, so bedeutet dies noch lange nicht, daß er ihn restlos billigt. Die Umfrage
der Opinion Research Corporation ergab, daß noch nicht einmal die Hälfte
der befragten akademisch geschulten Fachkräfte finanziellen Gewinn als
ein wesentliches Ziel ansehen.
Sie bezeichneten unzulängliche Geldmittel, Zeitpläne und das ständige
Drängen auf rasch sichtbare Erfolge als ein Hindernis in ihrer Forschungstätigkeit. 80 Prozent der Befragten erklärten, daß die Unternehmenslei*
tungen neuen, in den Laboratorien entwickelten Ideen häufig nicht die
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3 -

�die gebührende. Unterstützung angedeihen lassen. Wie ein Wissenschaftler es ausdrückte: "Ich habe noch keinen Manager getroffen,
der fähig wäre, eine abstrakte Idee zu erfassen."
Die in der Industrie beschäftigten Wissenschaftler beklagen sich
ferner über ungenügende Aufstiegsmöglichkeiten und zu geringes Ansehen
innerhalb der Gemeinschaft, sofern sie nicht die Tätigkeit in den
Laboratorien aufgeben und selbst in die Verwaltung eintreten.
Für wissenschaftlich geschulte Kräfte wie Ingenieure und Chemiker
ist dies natürlich eine völlig unbefriedigende Situation. Der Wissenschaftler ist überzeugt - und nach außen hin wird er in seiner Auffassung sogar durch das Management bestärkt -, daß seine Arbeit für
das Gedeihen der Firma von ausschlaggebender Bedeutung ist. Dennoch
sieht diese in ihm nur den Angestellten, während die Führungskräfte
in der Verwaltung das gleiche Ansehen wie die Unternehmer selbst genießen.
Einstellung auf die einzelnen Gruppen
Will die Gewerkschaftsbewegung den Wissenschaftlern bei der Lösung
ihrer Probleme innerhalb der Gesellschaft helfen, dann muß sie nicht nur
ihre Bedürfnisse kennen, sondern auch deren tiefere Ursachen.
Die wissenschaftlichen und technischen Angestellten moderner
Großbetriebe können, grob gesehen, in drei Gruppen unterteilt werden,
die es getrennt zu analysieren gilt, da sie sich in ihren Zielsetzungen
wesentlich voneinander unterscheiden.
An der Spitze stehen die mit Forschungsaufgaben beschäftigten
Wissenschaftler* Es handelt sich fast durchweg um Vollakademiker mit
dem Doktorgrad, Intellektuelle, die gewöhnlich ganz in ihrer Wissenschaft aufgehen und sich am wohlsten fühlen, wenn ihnen in ihrer Tätigkeit die an akademischen Instituten gegebene Freiheit gewährt wird.
Das Gewinnstreben der Unternehmer ist dem Wissenschaftler ein Dorn im
Auge, die Weisungsbefugnis nicht wissenschaftlich geschulter Verwaltungskräfte empfindet er als lästigen Zwang.
Auf gleicher Ebene mit dem "reinen" Forscher steht der mehr betrieblich orientierte Wissenschaftler. Auch er ist Vollakademiker mit Doktordiplom, hat aber den Ehrgeiz, innerhalb der Hierarchie des Unternehmens
aufzusteigen. Er ist bereit, die Forschung aufzugeben und dafür Verwaltungsaufgaben zu übernehmen aus der Überzeugung heraus, daß im Management
wissenschaftlich geschulte Spitzenkräfte sitzen sollten.
Nur wenig unterhalb der eindeutig forschungs- bzw. betriebsorientierten Wissenschaftler rangieren jene akademischen Mitarbeiter, die man
als die "Zwischenschicht" bezeichnen könnte. Die Angehörigen dieser
Schicht haben die gleichen Qualifikationen, fühlen sich aber weder als
Wissenschaftler noch als Manager. Ihnen geht es vor allem um volle berufliche Anerkennung,
Klar

�Klar geschieden von den Vollakademikern mit Doktorgrad und eine
Stufe unter diesen stehend sind die Kräfte mit geringerer akademischer
Vorbildung, die mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen haben. Auch hier
lassen sich ähnliche Kategorien bilden, wobei allerdings der größere
Teil dieser Angestellten der "Zwischenschicht" zuzuordnen ist; der Rest
dürfte mehr betriebs- als forschungsorientiert sein.
Die Soziologen behaupten, daß die der "Zwischenschicht" zugehörigen
Inhaber von Bachelor-Graden imch in ihrem Streben nach Erfolg im Beruf
im allgemeinen unbefriedigt fühlen. Sie begründen dies mit der mangelnden Anerkennung durch die übrigen Akademiker, dem Ausschluß von der Mitwirkung an den wichtigen Entscheidungen durch das Management, der Einschätzung als Angestellte durch die Gemeinschaft und dem Gefühl, nicht
an wirklich schwierige Aufgaben herangelassen zu werden, was einen
Ausgleich zur täglichen Routine bringen könnte.
Auf der untersten Stufenleiter des Ansehens - und der Beaahlung stehen die Techniker. Gerade diese Gruppe aber verzeichnet den stärksten
Zuwachs in der Gesamtbeschäftigung. Ihre Angehörigen sind strenggenommen
keine akademischen Fachkräfte, da ihnen hierzu die bildungsmäßigen Voraussetzungen fehlen. Der Techniker beneidet den Akademiker, ist aber vielfach auf dessen Rat angewiesen. Daß er mit dem Vollakademiker nicht auf
die gleiche Stufe gestellt wird,.ist für ihn ein Quell ständigen Ärgers. Die fehlende akademische Vorbildung erweist sich als ein Hemmschuh
im beruflichen Fortkommen, und sowohl das Management als auch die von
ihm bewunderten Akademiker schätzen den Techniker als einen Mitarbeiter
ein, der sich nur innerhalb eng gezogener Grenzen weiterentwickeln kann.
Die akademischen und technischen Angestellten erheben niccht nur grundlegende
Einwände gegen das Management sondern auch gegen die Gewerkschaftsbewegung. Schon der Gedanke an ein kollektives Vorgehen verstößt gegen
ihren Glauben an die Fähigkeit, aus eigener Kraft aufsteigen und mit
persönlichen Problemen selbst fertig werden zu können. Die meisten Akademiker haben keinerlei enge Kontakte zur Gewerkschaftsbewegung und
kennen sie lediglich aus den Tageszeitungen oder vom Betrieb her.
Angst vor der Gewerkschaft
Im Jahre 1951 führte die Staatsuniversität Michigan eine Befragung
unter Angehörigen der Ingenieurberufe durch, die ergab, daß 55 Prozent
die Macht der Gewerkschaften mehr fürchten als die der Industriekonzerne.
Heute, ein rundes Jahrzehnt später, ist mit gutem Grund.anzunehmen, daß
die Akademiker noch weit mehr Ressentiments gegen die Gewerkschaften
haben. Die Gewerkschaften werden demnach alle Mühe haben, Wissenschaftler und Techniker von der Zweckmäßigkeit der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung zu überzeugen. Soziologen wie S. M. Miller vom Brooklyn
College halten diese Aufgabe aber dennoch für lösbar.
In einem Vortrag vor den Teilnehmern des vorerwähnten Seminars
der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO erklärte Miller:
Das Interesse der festangestellten Akademiker an der Gewerkschaftsbewegung wird in dem Maße zunehmen, wie sich ihre Arbeitsbedingungen
immer mehr denen der Arbeiterschaft nähern. Die fissenschaftliche Arbeit

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5 -

�Arbeit in den großen Industriebetrieben, so führte er aus, wird der
Fließbandarbeit immer ähnlicher, bei der alle Funktionen vielfach
unterteilt werden und selbständiges und schöpferisches Arbeiten
kaum mehr möglich ist.
Miller nannte noch einen weiteren Grund der Unzufriedenheit der
Akademiker mit dem Management: Sie verwahren sich dagegen, daß wissenschaftlich nicht geschulte Vorgesetzte mit lediglich betriebswirtschaftlichen Kenntnissen die Arbeitsbedingungen festsetzen und sämtliche Entscheidungsbefugnisse für sich in Anspruch nehmen.
Trifft die vorstehend genannte Gruppeneinteilung der Akademiker
und Techniker zu, so folgt daraus, daß die Techniker am ehesten für
eine Mitarbeit in den Gewerkschaften zu gewinnen sein werden. Da die
Angehörigen dieser Berufe keine echte Chance zum Aufstieg in die Unternehmensleitung haben,auch von den Wissenschaftlern mit vollem akademischem Abschluß nicht voll anerkannt werden, finden sie sich in
einer Lage, die weitgehend der der Arbeiter gleichkommt. Und was
vielleicht noch wichtiger ist, man kann damit rechnen, daß der Techniker
schon gewisse Beziehungen zur Gewerkschaftsbewegung hat - sei es über
Familienangehörige, Berufskollegen oder sonstige Freunde.
Die Ähnlichkeit der Tätigkeits- und Arbeitsplatzcharakteristika
sowie der Arbeitsbedingungen im engeren Sinne läßt es im Verein mit
den bestehenden persönlichen Beziehungen zu Produktionsarbeitern ferner
wahrscheinlich werden, daß die Produktionstechniker eher für die Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen sind als die Forschungs- und Entwicklungstechniker, die mehr Umgang mit Akademikern und Wissenschaftlern
pflegen.
Die Gewerkschaften müssen aber streng zwischen dem Streben der
Angehörigen der akademischen Angestelltenberufe nach sozialem Prestige
und dem traditionellen Streben der Arbeiter nach Würde und Anerkennung
unterscheiden. Wenn auch beide eine bessere Stellung innerhalb der Gesellschaft zu erlangen suchen, so ist der Produktionsarbeiter vielleicht
doch eher bereit, die Achtung als Mensch einer besseren Bezahlung zu
opfern.
Der Wissenschaftler andererseits erstrebt persönliche Anerkennung
als tüchtiger Mensch: die Anerkennung durch andere Wissenschaftler, professionelles Ansehen, wie er es durch die PuTalizierung seiner Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften gewinnen kann.
Die Erfahrungen der amerikanischen Gewerkschaften, die sich bisher
um die Organisierung von Akademikern, meist Ingenieuren» und Technikern
bemüht haben, sind ein Beweis dafür, daß die Gewerkschaftsbewegung den
Erfordernissen und Befürfnissen dieser Kreise durchaus gerecht zu werden
vermag. Wo sich diese Bedürfnisse von denen der übrigen Berufstätigen
unterscheiden, wurden entsprechende Sonderbedingungen in. die Tarifverträge eingebaut. Die betreffenden Gewerkschaften haben ihre innere Struktur weitgehend verändert, um diesen neuen Mitgliedern und ihren Wünschen
entgegenzukommen.
Berücksichtigung

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�Berücksichtigung der Wünsche
Die für das Seminar ausgearbeiteten Modell-Tarifverträge
für Akademiker und Techniker zeigen, daß viele der üblichen Klauseln
hier als unangebracht aufgegeben oder in ihrem Inhalt drastisch
verändert werden sollten.
Die Bestimmung "gleicher Lohn für gleiche Arbeit", die sich
in fast sämtlichen Kontrakten für Arbeiter und Wartungspersonal
findet, wird beispielsweise von den Akademikern und Technikern nicht
gewünscht; für sie sind Bildungsgang und Tüchtigkeit ein weit wichtigeres Kriterium für die Bezahlung. Was eigentlich "gleiche Arbeit"
ist, läßt sich noch dazu kaum bestimmen, wenn die zu.leistende Arbeit wie die des Wissenschaftlers - keine "greifbaren" Ergebnisse liefert.
Aus ähnlichen Erwägungen heraus erfordert auch die Anciennitätsklausel bei Akademikern und Technikern eine Neufassung. Die
Anciennität wird im Falle notwendig werdender Entlassungen als ein
gewichtiges Moment anerkannt, nicht aber in der Frage des Aufrückens.
Auch hier werden Bildungsgang und Fähigkeiten mit Erfahrung auf die
gleiche Stufe gestellt.
Die Gewerkschaften haben ferner die Erfahrung gemacht, daß die
Durchführung von Tarifverträgen für akademische und technische Angestellte andere Methoden erfordert. Besonders erhebliche Unterschiede
ergeben sich hinsichtlich des Beschwerdeweges. Wissenschaftler und Techniker rufen nach den Erfahrungen der Gewerkschaften nur ungern einen
Schlichtungsausschuß an, da sie im allgemeinen ein kollektives Vorgehen
nicht als die geeignete Methode zur Lösung persönlicher Probleme ansehen. Für sie ist das Schlichtungsverfahren weit eher ein Mittel,
betriebliche Grundsatzentscheidungen anzufechten,, insbesondere Entscheidungen, -die von ihnen übergeordneten Nichtakademikem in der Verwaltung getroffen worden sind.
Soweit sich Akademiker und Techniker des Verfahrens zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten bedienen, um mit der Unternehmensleitung
zu verhandeln, wünschen sie auch ihre Stimme in der Gewerkschaftsleitung zur Geltung zu bringen. Diejenigen Industriegewerkschaften,
die akademische und technische Angestellte zu ihren Mitgliedern zählen und hierzu gehören die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft
(United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement Workers of
America - UAW), die kanadisch-amerikanische, amerikanisch-kanadische
Elektrikergewerkschaft (international Union of Electrical, Radio and
Machine Workers - IUE) und die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
(United Steelworkers of America) -»haben für diese eigene Abteilungen
und Beratungsausschüsse eingerichtet. Diese gesonderten Abteilungen
innerhalb der Industriegewerkschaften gestatten es den wissenschaftliche
Mitgliedern, eigene Vertreter zu benennen und einen eigenen Kurs für
die Lösung ihrer spezifischen Probleme festzusetzen, die die übrigen
Gewerkschaftsmitglieder nicht betreffen.
Gewerkschaften

�Gewerkschaften müssen neue Wege beschreiten
Ein weiterer Schritt, die Akademiker und Techniker für die
Gewerkschaften zu gewinnen, ist die Bildung von Berufsgruppen. Diesen Weg ging beispielsweise die AFL-CIO-Gewerkschaft der Verfahrensingenieure (Pederation of Technical Engineers), die damit dem Beispiel mehrerer ausländischer Gewerkschaften technisch-wissenschaft-.
licher Angestellter und einzelner unabhängiger amerikanischer Gewerkschaften folgte.
Wenn die amerikanischen Gewerkschaften demnach ihre Mitgliederwerbung unter diesen Angestellten verstärken wollen, so müssen sie
neue Wege gehen. Obwohl sich auch bisher schon vereinzelt Verbände
von Wissenschaftlern und Technikern für eine Mitarbeit in den Gewerkschaften ausgesprochen haben, sind doch im großen und ganzen alle bisherigen Bemühungen zur Gewinnung neuer Mitglieder aus diesen Kreisen
gescheitert. Eines ist offenkundig: Eine Zauberformel gibt es»wie bei
allen Aktionen zur Mitgliederwerbung auch hier nicht. Die Akademiker
und Techniker der einen Firma werden andere Probleme haben, als die
einer anderen, und selbst wenn ihre Probleme die gleichen sind, werden sie doch gelegentlich eine unterschiedliche Lösung anstreben.
Um diese Probleme von Fall zu Fall lösen zu können, müssen die
Gewerkschaften in ihrem Vorgehen flexibler werden. Standardlösungen,
die den Ansprüchen der Arbeiter genügen, bedürfen der Überprüfung und
sind in gewissen Fällen überhaupt unbrauchbar. Neue Lösungen werden
verschiedentlich Änderungen der traditionellen Gewerkschaftspolitik
oder Ausnahmeregelungen notwendig machen.
Die Gewerkschaften sollten sich auch in der Mitgliederwerbung
neuer Methoden bedienen. Die gewerkschaftlichen Publikationen müssen
beispielsweise mehr auf die in logischem Denken geschulten Akademiker
zugeschnitten werden, die es gewohnt sind, sich streng an Hand erwiesener Tatsachen zu orientieren. Der Appell an gefühlsmäßige Momente, der
für viele von den Gewerkschaften verteilte Handzettel typisch ist, verfängt wenig bei Menschen, die systematisch dazu erzogen worden sind,
sich in ihren Reaktionen nicht vom Gefühl leiten zu lassen.
Die Gewerkschaften werden größte Sorgfalt auf die Auswahl der
Funktionäre verwenden müssen, die sie mit der Durchführung von Werbekampagnen unter den akademischen und technischen Angestellten betrauen
wollen. Der Wissenschaftler, der sich gegen die Festsetzung der Unternehmenspolitik durch Nichtakademiker in der Verwaltung wehrt, wird mit
Sicherheit auch jede Mitgliederwerbung ablehnen, die von Gewerkschaftern ohne wissenschaftliche und technische Schulung an ihn herangetragen wird.
Die Gewerkschaften werden diese Angestellten ferner so akzeptieren
müssen, wie sie sind. Akademiker und Techniker sind natürlich auch nur
Menschen,und ihre Aspirationen unterscheiden sich im Grunde nicht von
denen der Arbeiter; dennoch können sie nicht unterschiedslos mit allen
übrigen Beschäftigten gleichgesetzt werden. Auf Grund ihrer Herkunft,
ihrer Lebensumstände und ihrer Schulung haben sie gewisse spezifische
Bedürfnisse - Bedürfnisse, denen die organisierte Arbeiterbewegung

8

-

�Arbeiterbewegung Rechnung tragen muß, wenn sie diese Menschen für
den Gewerkschaftsgedanken gewinnen will. Ihn«unter der wachsenden
Zahl der akademischen und technischen Angestellten zu popularisieren,
ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Sie ist aber durchaus lösbar,
denn die Gewerkschaftsbewegung hat zwei gewichtige Pluspunkte auf
ihrer Seite«
Erstens: In dem gleichen Maße, in dem der Anteil dieser Angestellten an der Gesamtbeschäftigung steigt, werden ihre Gehälter mit
Sicherheit von ihrem Arbeitgeber als ein Element der variablen Arbeitskosten angesehen werden. Folgt das Management erst einmal dieser
Praxis auch im Falle der wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter, dann bringt dies für diese zwangsläufig wirtschaftliche
Einbußen mit sich.
Zweitens: Die Gruppenbildung nach sozialen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten ist geradezu ein Charakteristikum der modernen Gesellschaft geworden. Ohne einen Zusammenschluß in der einen oder
anderen Form werden die akademischen und technischen Angestellten
in einer in raschem Wandel befindlichen Umwelt schütz- und führungslos
sein.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben die Notwendigkeit, die
Angehörigen der akademischen und technischen Berufe zu erfassen, klar
erkannt - aus Eigeninteresse und aus ethischen Erwägungen heraus. Sie
wenden deshalb diesen Fragen in Zukunft ihre verstärkte Aufmerksamkeit
zu. Sie sind entschlossen, für den Erfolg zu arbeiten. Die Aufgabe,
die den Gewerkschaften aus der Zunahme der Zahl der nichtorganisierten
hochqualifizierten Angestellten erwächst, ist noch längst nicht bewältigt; man hat sie aber - endlich - in ihrem gesamten Ausmaß erkannt.

Aus "I.U.D. Digest" mit Genehmigung
des Industrial Union Department,
AFL-CIO.

* * * * *

- 9 -

�Zunehmende Bedeutung der privaten Krankenversicherungspläne
Als eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des
Tarifverhandlungswesens in den Vereinigten Staaten ist die beträchtliche Zunahme der privaten Wohlfahrtsfonds und Sozialprogramme während
der letzten Jahre anzusehen. Neben den zwischen Gewerkschaften und
Unternehmen ausgehandelten Pensionsplänen sind es dabei in erster
Linie die privaten Krankenversicherungsprogramme, die in jüngster
Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen haben.
Auf Grund einer Untersuchung des US-Arbeitsministeriums über Art
und Inhalt der in den vergangenen Jahren neu abgeschlossenen oder
revidierten Krankenversicherungspläne sind dabei folgende wichtige
Trends festzustellen gewesen»
1. Die Krankenversicherungspläne wurden weiter liberalisiert und
auf neue Leistungsarten, insbesondere auf die Krankenversorgungsleistungen im Hause, ausgedehnt.
2. Die Leistungssätze der Versicherungspläne, die im Krankheitsfall eine Barabfindung vorsehen, wurden erhöht, die reinen
Krankendienstleistungsplane verbessert;
3- Das Verhältnis zwischen den Barleistungs- und Dienstleistungsplänen hat sich zugunsten der letzteren verschoben.
4. Die Beiträge zu den Krankenversicherungsplänen werden in einem
immer größeren Maße von den Unternehmern allein getragen. Rund
zwei Drittel aller überprüften Pläne wurden ausschließlich durch
die Arbeitgeber finanziert.
5» Die Zahl der Krankenversicherungspläne, die auch nach der Pensionierung des Arbeitnehmers den Leistungsanspruch sowohl für
ihn als auch für seine Familie aufrechterhalten, hat sich ebenfalls stark erhöht.
6. Der Versicherungsschutz erstreckt sich heute bei fast allen
Krankenversicherungsplänen sowohl auf den Arbeitnehmer selbst
als auch auf seine Familienmitglieder.
7« Der Versicherungsschutz für entlassene Arbeitnehmer wurde erweitert. Während bisher die Krankenversicherung nach Ablauf
eines Monats erlosch, bleibt die Deckung heute allgemein noch
für einen längeren Zeitraum bestehen.
8. Zahlreiche Einschränkungen der Leistungsansprüche wurden beseitigt oder modifiziert; die Wartezeiten wurden durchweg aufgehoben.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

10 -

�US-Arbeitsministerium gab neues "American Workers1 Fact Book" heraus
Das US-Arbeitsministerium hat kürzlich das neue "American Workers'
Fact Book" 196O herausgegeben, das einen umfassenden Überblick über
die Entwicklungen auf allen Gebieten der Wirtschaft während der
letzten Jahre gibt.
Hier einige der interessantesten Angaben:
Der Realwert der erzeugten Güter und Dienstleistungen (Bruttosozialprodukt) hat sich in den Vereinigten Staaten zwischen 1947 und 1958
jährlich um durchschnittlich 5 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum
stieg die durchschnittliche Produktionsleistung pro Arbeitsstunde
in der Privatindustrie um 43 Prozent an.
Der Anteil der Einkommen der unselbständigen Arbeitnehmer am gesamten Volkseinkommen betrug im Jahre 1959 rund 70 Prozent. Würde man
das Nettopersonaleinkommen (nach Abzug der Steuern) auf die Gesamtbevölkerungszahl umlegen, so ergäbe sich dabei ein durchschnittlicher
Anteil pro Kopf der Bevölkerung von 1891 Dollar. Unter Zugrundelegung
eines realen Dollarwertes wäre dies eine um 22 Prozent höhere Summe
als 1949.
Der durchschnittliche Wochenverdienst des amerikanischen Industriearbeiters ist in den vergangenen zehn Jahren so stark angestiegen, daß
die reale Kaufkraft im Jahre 1958 rund 22 Prozent größer war als 1948.
Gleichzeitig jedoch hat sich auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in diesem Zeitraum wesentlich verringert.
Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer ist in
der Nachkriegszeit ganz beträchtlich angestiegen. Während vor dem
Kriege lediglich 3 Millionen Amerikaner einer Gewerkschaft angehörten,
sind es heute etwa 18 Millionen.
Von der Gesamtzahl der gegenwärtig verfügbaren Arbeitskräfte
(Gesamtpotential = 71,2 Millionen) sind 42,2 Millionen im Rahmen
der staatlichen Sozialversicherung gegen Erwerbslosigkeit und für das
Alter versichert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Neue Ernennungen im US-Arbeitsministerium
Nach der Ernennung Dr. Arthur J. Goldbergs zum neuen US-Arbeitsminister hat Präsident Kennedy kurz vor seiner Amtsübernahme auch die
Besetzung anderer wichtiger Posten im US-Arbeitsministerium bekanntgegeben.
Zu

11

�Zu neuen Unterstaatssekretären wurden dabei James J. Reyno-lds
und Jerry R. Holleman nominiert, während das Amt für Frauenfragen
von Esther Peterson, das Sekretariat für auswärtige Angelegenheiten
von George L. Weaver und das Sekretariat für Rechtsfragen von Charles
Donahue übernommen werden wird.
James J. Reynolds (54)» der von Beruf Betriebsberater ist, war
bisher Vizepräsident der "Alcoa Products, Inc.". Schon zwischen 1946
und 1952 gehörte er dem "National Labor Relations Board" an.
Jerry R. Holleman (41) war bisher Vorsitzender der AFL-CIO im
Bundesstaat Texas; ehemals Elektriker, begann er seine Gewerkschaftskarriere in der "International Brotherhood of Electrical Workers".
Esther Peterson (54) gehörte bisher dem Industriedepartement der
AFL-CIO als Vertreterin für Rechtsfragen an. Bevor sie in die Gewerkschaftsbewegung eintrat, war sie Lehrerin. Sie studierte an der BrighamYoung-Universität und der Columbia-Universität. Zwischen 1945 und 1948
war sie Vertreterin der "Amalgamated Clothing Workers" für Rechtsfragen
in Washington sowie Mitglied des Beratungsausschusses im Amt für Frauenfragen.
George L. Weaver (48) war bisher Assistent des Präsidenten der
Elektrikergewerkschaft (IUE). Er hat an verschiedenen Tagungen internationaler Gewerkschaftsverbände teilgenommen und war drei Jahre lang
als Vertreter des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften und der
AFL-CIO in Asien tätig. Weaver ist Farbiger.
Charles Donahue (48) ist von Beruf Rechtsanwalt und war von 1953
an Forschungsdirektor der Installateurgewerkschaft.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Kongreßbibliothek erhielt Kopien der "America-At-Work"-Filmserie
Der Schatzmeister der AFL-CIO, William F. Schnitzler, hat der
Kongreßbibliothek in Washington kürzlich die erste Serie der 52 Fernsehfilme "America at Work" als Geschenk der amerikanischen Gewerkschaften überreicht.
Schnitzler sprach bei der Übergabe die Hoffnung aus, daß diese
Dokumentarfilme dazu dienen möchten, künftige Generationen mit jenen
Handwerksberufen und Arbeitstechniken vertraut zu machen, die heute
in Gefahr seien, durch die großen technologischen Veränderungen und
die Ausbreitung der Automation verlorenzugehen.
L. Quincy

-

12

-

�L. Quincy Mumford, der das Gaschenk der APL-CIO im Namen der
Kongreßbibliothek entgegennahm, wies in seiner kurzen Ansprache
darauf hin, daß viele Pionierwerke der Filmindustrie vielfach deshalb
verlorengegangen seien, weil man ihren historischen Wert zu spät
erkannte.
Die "Amerika-bei-d«r-Arbeit"-Filme wurden bisher über 161 amerikanische und 28 ausländische Fernsehstationen ausgestrahlt. Außerdem
wurden die Begleittexte in zahlreiche andere Sprachen übersetzt.
Jeder dieser 52 Filme der ersten Serie behandelt jeweils einen
handwerklichen oder industriellen Beruf, wobei die Aufnahmen direkt an
den Arbeitsplätzen gemacht werden, um so den Zuschauern einen genauen
Einblick in die handwerklichen Fähigkeiten der Arbeiter und in die
Arbeitsweise moderner Maschinen.zu geben.
Das im Januar 1959 angelaufene Projekt, das in diesem Jahr mit
einer weiteren Serie von 52 Filmen fortgesetzt werden soll, brachte u.a.
Filme über die Arbeit in der Zigarren-, Automobil-, Schiffsbau-, Schuh-,
Textil- und Bekleidungsindustrie sowie über die Tätigkeit der Glasbläser, Zeitungsdrucker und Buchbinder.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * *

•

Ausweitung und Verbesserung der Gewerkschaftspresse
Zur Förderung der Bemühungen um eine Ausweitung und Verbesserung
der Gewerkschaftspresse hat der Verband der Redakteure von Gewerkschaftspublikationen (international Labor Press Association) auf seiner letzten
Tagung in Detroit eine Neugestaltung der Beitragssätze beschlossen, um
auf diese Weise das Einkommen des Verbandes zu verdoppeln.
Diese in einen besonderen Fonds fließenden Mittel sollen insbesondere für die Unterstützung der Ortsvereine bei der Neuherausgabe von
Gewerkschaftszeitungen und -Zeitschriften sowie für die Verbesserung
bereits bestehender Publikationen verwendet werden. Außerdem will man
einen anderen Teil der erhöhten Beiträge für die Abhaltung von Spezialkursen und Erziehungsprogrammen von Redakteuren und Mitarbeitern einsetzen, um sich auch von dieser Seite her darum zu bemühen, das Niveau
der Gewerkschaftspresse zu heben«
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Regelungen über die Bezahlung von Arbeitspausen in US-Tarifverträgen
Abmachungen über die Bezahlung bestimmter Arbeitspausen während
der täglichen Normalarbeitszeit waren im Jahre 1959 in rund einem
Viertel aller Tarifverträge in den Vereinigten Staaten enthalten,
wie aus einer Analyse von 1700 bedeutenden Tarifverträgen hervorgeht,
die vom US-Amt für Arbeitsstatistik durchgeführt wurde.
Nach dieser Übersicht enthielten rund zwei Drittel aller Abkommen mit Arbeitspausenklausel derartige meist als "Erholungszeit",
"Kaffeepause" oder "Zigarettenpause" bezeichnete Vergünstigungen
für sämtliche Arbeitnehmer, während sich in den restlichen Abkommen
diese Vergünstigungen nur auf bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern,
insbesondere Frauen, bezogen. Allgemein wurden täglich zwei derartige
Arbeitspausen gewährt.
Zu denjenigen Industriezweigen, in denen bezahlte Arbeitspausen
am häufigsten anzutreffen waren, gehörten die Nahrungsmittel-, Elektromaschinen- und Waggonbauindustrie sowie die Unternehmen des Fernmeldewesens und des Einzelhandels.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaften unterstützen Bau von Pensionen für Rentner
Das sogenannte "Four-Freedoms-Hotels"-Projekt - ein von 20
amerikanischen Gewerkschaften entwickeltes Programm zum Bau von auf
gemeinnütziger Basis arbeitenden Hotels in allen Teilen des Landes hat mit der Eröffnung der ersten, an der Küste des Atlantiks in Miami
Beach gelegenen Hotelpension sichtbare Gestalt angenommen.
Wie der Leiter dieses Projekts, der 1. Vorsitzende der "American
Radio Association", William R. Steinberg, hierzu auf einer Pressekonferenz erklärte, haben die in diesem Unternehmen zusammengeschlossenen
Gewerkschaften schon seit langem die Überzeugung vertreten, daß über
die Pensionspläne hinaus noch etwas Entscheidendes für die im Ruhestand
lebenden Arbeitnehmer getan werden müsse. Aus diesem Grunde hätten sich
die betreffenden Gewerkschaften zu diesem Projekt zusammengeschlossen
und ihre Mittel zum Bau der Pensionen eingesetzt.
Alle "Four-Freedoms"-Hotels werden so eingerichtet sein, daß sie
pensionierten Arbeitnehmern einen dauernden Aufenthalt bei geringen
Kosten ermöglichen. Die Zimmer wurden von vornherein so angelegt,
daß sie den besonderen Bedürfnissen älterer Leute entsprechen. So erhielten sie u.a. rutschfeste Belage, Sicherheitsgriffe in den Badezimmern und besondere Fensterkonstruktionen, die ein leichtes Öffnen
und Schließen ermöglichen.
Neben

-

14

-

�Neben den Wohnräumen werden die einzelnen Pensionen auch noch
Gemeinschafts- sowie Werkräume enthalten, in denen die alten Leute
ihren Hobbies nachgehen können. Auch die besonderen Ernährungsbe- •
dürfnisse wurden weitgehend berücksichtigt, denn in der Küche werden
ausgebildete Diätköche beschäftigt werden.

(Qualle: Eigenbericht)
* * * * *

Bekleidungsindustrie billigt "Entlassungsgeldfonds"
Die Unternehmen der Damenoberbekleidungs- und Kinderbekleidungsindustrie haben jetzt einem industrieweiten Plan zugestimmt, der den
Arbeitnehmern dieses Wirtschaftszweiges in Zukunft Unterstützungsleistungen für den Fall sichert, daß ein Arbeitgeber seinen Betrieb schließen muß.
Dieser allgemein als "zusätzlicher Entlassungsgeldfonds" bekanntgewordene Plan geht auf die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie
(ILGWU) zirück, die den Unternehmern vor einigen Monaten entsprechende
Vorschläge unterbreitet hatte. Insgesamt werden durch den Plan mehr als
450 000 Arbeitnehmer in diesem Wirtschaftszweig erfaßt»
Im einzelnen sieht er die Errichtung eines 10-Millionen-Dollar-Fonds
vor, aus dem später in den vorgesehenen Fällen wöchentliche Unterstützungsbeiträge an entlassene Arbeitnehmer in Höhe von 12,50 bis 25,00 Dollar
für die Dauer von 48 Wochen gezahlt werden sollen. Außerdem erhält jeder
Arbeitnehmer 25 Prozent seiner gesamten Ansprüche in Form eines Entlassungsgeldes ausgezahlt. Der Aufbau des Fonds erfolgt durch finanzielle
Beiträge der Unternehmer, die 1/2 Prozent der Lohnsumme in Zukunft an
den Fonds abführen werden. Gegenwärtig sind es.12 000 Unternehmen, mit
denen die "ILGWU"-Gewerkschaft Tarifverträge abgeschlossen hat.
Den Arbeitnehmern stehen Unterstützungsleistungen aus dem Fonds zu,
wenn ihre Arbeitgeber zwei Jahre lang Beiträge an den Fonds abgeführt
haben. Eine sofortige Anwartschaft auf die vorgesehenen Leistungen haben
bereits die 110 000 Arbeitnehmer, die in Oberbekleidungsbetrieben in 9
Bundesstaaten arbeiten und deren Arbeitgeber schon seit zwei Jahren Beiträge an solche Fonds leisteten, sowie die 290 000 anderen Bekleidungsarbeiter, für die ebenfalls seit 1958 1 Prozent der Lohnsumme an ähnliche
Fonds abgeführt wurde.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 4

Bad Godesberg, den 1. April

1961

INHALTSVERZEICHNIS
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

Seite 1
Seite 14
Seite 15

Gertruds Bancroft, Mitarbeiterin des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
im US-Arbeitsministerium:
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Der Anteil der Arbeitnehmer mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ist
in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren im allgemeinen ziemlich konstant geblieben, ungeachtet wechselnder Perioden der Hochkonjunktur und der Rezession und jahreszeitlich bedingter Schwankungen
in der Gesamtbeschäftigung. Der kürzlich bekanntgewordene Fall einer
Krankenschwester in Washington, die in einem Hospital in der Spätschicht
arbeitet und tagsüber in Schwesterntracht und mit ihrem kleinen Kind an
der Seite ein Taxi chauffiert, ist bemerkenswert, aber doch wohl nicht
typisch. Bei den Postbediensteten dagegen ist der Prozentsatz der Doppelverdiener schon immer relativ hoch, ebenso wie bei Lehrern und bei
Wachmännern, Feuerwehrleuten und Angehörigen ähnlicher Berufe. In manchen Berufen ist es geradezu üblich, für mehr als einen Arbeitgeber tätig zu sein. Das gilt beispielsweise für Bauarbeiter und landwirtschaftliche Arbeitskräfte, die sich mehreren Arbeitgebern verdingen, um auf
eine volle 40-Stunden-Woche zu kommen. Auch im Unterhaltungsgewerbe ist
das Eingehen mehrerer Engagements Brauch. Das bekannteste Beispiel aber
dürften die Tagwerker sein, die eine kleine Farm betreiben und gleichzeitig' einen Arbeitsplatz in der Industrie oder in einem gewerblichen
Betrieb innehaben, auf den sie den größeren Teil ihrejr Zeit verwenden.
Für die Arbeitnehmer, die in einem festen ganztägigen Arbeitsverhältnis stehen und in den Abendstunden oder an Wochenenden für einen anderen Arbeitgeber tätig sind, hat man den Begriff "moonlighters"
(Mondschein- oder Feierabendarbeiter) geprägt. Im allgemeinen glaubt
man, daß es sich dabei um Fabrikarbeiter handelt, die sich auf Grund
-

1 -

�Grund der von ihrer Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge einer
kurzen Arbeitswoche erfreuen und einen weiteren Job der verlängerten
Freizeit vorziehen. In Wirklichkeit aber waren im Dezember 1959 von
den 3 Millionen Mehrfachbeschäftigten nur 700 000 hauptberuflich
Fabrikarbeiter - das entspricht 4 Prozent aller Fabrikarbeiter. 25
Prozent der "moonlighters" unter den Fabrikarbeitern waren Farmer,
weitere 20 Prozent besaßen einen eigenen, nichtlandwirtschaftlichen
Betrieb als zusätzliche Einnahmequelle. Der Rest bekleidete eine
Zweitstelle im Dienstleistungsgewerbe, im Einzelhandel oder in den
Fertigungsindustrien. Rund 100 000 der "moonlighters" unter den
Fabrikarbeitern waren nebenberuflich wiederum in einem Fertigungsbetrieb beschäftigt.
Die Zahlenangaben für Dezember 1959 sind das Ergebnis einer Untersuchung, die das Statistische Bundesamt im Auftrag des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im Rahmen seiner monatlichen Erhebungen
zur Erfassung der Beschäftigung angestellt hat. Derartige Untersuchungen wurden schon mehrfach durchgeführt, um eine Übersicht über
das Ausmaß und die Bedeutung der Doppelbeschäftigung in den USA zu
gewinnen. Erfaßt wurden alle gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigten,
die mehr als einem Arbeitgeber dienen oder neben ihrem Beruf als
Selbständige oder Mitarbeiter in einem Familienbetrieb tätig sind.
Eingetretene Veränderungen
Wie eingangs erwähnt, ist der Anteil der Zweitstelleninhaber an
der Gesamtbeschäftigtenzahl ziemlich gleichbleibend. Die jüngste Untersuchung vom Dezember 1959 fiel in die Zeit des Jahreszeitlich bedingten Beschäftigungstiefstandes in der Landwirtschaft und des vorweihnachtlichen Höchststandes in den übrigen Wirtschaftszweigen. Die beiden
vorhergehenden Erhebungen - im Juli 1957 (dem als zyklisch angesehenen
Wendepunkt im Beschäftigungsjähr) und im Juli 1958 (kurz nachdem die
Rezession ihren Tiefpunkt überschritten hatte). Die Mehrfachbeschäfigten
stellten 1957 einen Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl von 5»3 Prozent,
1958 von 4,8 Prozent und 1959 von 4,5 Prozent. Die Zahl der Arbeitnehmer
mit zwei Stellen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben wurde bei allen
drei Untersuchungen mit rund 2 Millionen (oder 3,5 Prozent der Gesamtzahl) ermittelt»
Tafel

I

Mehrfachbeschäftigte in der Landwirtschaft und in der übrigen Wirtschaft
Dezember 1959
Sämtliche Mehrfachbeschäftigte»
Zahl (in Millionen)
Prozent der Gesamtbeschäftigung
Mehrfachbeschäftigte mit
mindestens einer Stelle in
der Landwirtschaft!
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich
in der Landwirtschaft
Beschäftigten

Juli 1958

Juli 1957

2,966

3,099

3,570

4,5

4,8

5,3

0,829

1,122

1,414

17,2
_ 2 -

16,7

18,2

�Mehrfachbeschäftigte mit zwei
Arbeitsplätzen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben:
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufen Beschäftigten

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

2,137

1,977

2,156

3,5

3,4

3,6

Diese Untersuchungen würden wahrscheinlich größere und aufschlußreichere saisonbedingte oder zyklische Schwankungen in den Ergebnissen aufweisen, wären sie in anderen Monaten vorgenommen worden. Die Tatsache
aber, daß vielfach eine selbständige Tätigkeit als Erst- oder Zweitbeschäftigung angegeben wird, deutet auf eine gewisse Stabilität der Verhältnisse auf diesem Sektor hin. Mindestens 40 Prozent der Mehrfachbeschäftigten betrieben haupt- oder nebenberuflich eine eigene Farm oder
ein eigenes Geschäft oder übten einen freien Beruf aus (siehe Tafel II).
Die Hälfte davon waren Farmer, die gleichzeitig gegen Lohn oder Gehalt
in einem nichtlandwirtschaftlichen Betrieb arbeiteten. Im allgemeinen
werden Arbeitsplätze im Handel und im Dienstleistungsgewerbe als Zweitstellen bevorzugt, wo sich die Schwankungen der letzten Jahre in der
Wirtschaftstätigkeit nicht so stark auf die Beschäftigung ausgewirkt
haben. Auch bei den Selbständigen und Angehörigen der freien Berufe entfällt die Zweitstelle vornehmlich auf das Dienstleistungsgewerbe und die
Staats- und Kommunalverwaltung. In der Vorweihnachtszeit erwartet man
im allgemeinen eine relativ starke Zunahme der Doppelbeschäftigung im
Einzelhandel. Im Dezember 1959 lag jedoch der Anteil der Zweitstellen
im Handel mit rund 14 Prozent praktisch genau so hoch wie im Juli 1957
und 1958. Vielleicht liegt es daran, daß die Werte für 1959 in der Woche
vom 6. zum 12. Dezember ermittelt wurden, zu einem Zeitpunkt also, an
dem die vorübergehende vorweihnachtliche Doppelbeschäftigung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hatte.
7/eitere Hinweise auf die Stabilität auf diesem Beschäftigungssektor
gibt eine Untersuchung des Anteils der Mehrfachbeschäftigung in den einzelnen Wirtschaftszweigen während der drei Berichtsjahre. Außerhalb der
Landwirtschaft lag die Quote der Mehrfachbeschäftigung in folgenden Berufssparten am höchsten: öffentlicher Dienst (Post, Bundesdienst und einzelstaatliche und kommunale Verwaltung); Unterhaltung und Erholung; Erziehungswesen; Baugewerbe; Forst- und Fischereiwesen und Bergbau (siehe Tafel III).
Dabei handelt es sich um Wirtschaftszweige mit hohen und niedrigen Löhnen,
mit hohen und geringen Sozialleistungen. Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten (rund 10 Prozent) bei den Postbediensteten dürfte zum Teil
auf die Arbeitszeiteinteilung zurückzuführen sein, fällt doch die Freizeit
vielfach auf Tageszeiten, in denen sich zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten
bieten. Die anderen Mehrfachbeschäftigten im öffentlichen Dienst verteilen sich in erster Linie auf das Wach- und Aufsichtspersonal mit entsprechend günstiger Arbeitszeiteinteilung und die Angehörigen akademischer
Berufe, deren besondere Erfahrungen und Fähigkeiten vielfach gefragt sind.
Der

�Tafel

II

Anteil der Selbständigen an der Mehrfachbeschäftigung in den Jahren von
1957 bis 1959. nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

Mehrfachbeschäftigte Selbständige }):
Zahl (in Millionen)
Prozent d. Mehrfachbeschäftigten

1,310
44,2

1,294
41,8

1,499
42,0

Zahl (Millionen)

Selbständige in der Landwirtsch,
Erstbeschäftigung
Zweitbeschäftigung

0,718
0,199
0,519

0,752
0,264
0,488

0,914
0,385
0,529

Selbständige inanderen
Wirtschaftszweigen
Erstbeschäftigung
Zwei tbeschäftigung

0,592

0,542

0,585

0,182
0,410

0,198
0,344

0,237
0,348

Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten im Erziehungswesen - er
beträgt 6 bis 7 Prozent - dürfte auf verschiedene Paktoren zurückzuführen
sein: die Gepflogenheit der Lehrer, an mehr als einer Schule zu lehren;
die relativ geringe Wochenstundenzahl; und das Streben nach einem standesgemäßen Lebensstandard.
Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer
Die Mehrfachbeschäftigung ist unter den männlichen Arbeitnehmern weiter
verbreitet als unter den weiblichen: im Dezember 1959 waren 5,8 Prozent der
männlichen und 2,0 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer als Mehrfachbeschäf*

11

Selbständige mit einem landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betrieb
als Zweitbeschäftigung (aber nicht in einem festen Arbeitsverhältnis
gegen Entgelt stehend) wurden nicht als Mehrfachbeschäftigte gezählt.
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben wurden gleichfalls nicht
als Mehrfachbeschäftigte gewertet, sofern sie nicht gleichzeitig anderweitig gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt waren.

.

4 -

�Tafel III
Mehrfachbeschäftigte in den Jahren 1957-1959. nach Wirtschaftszweigen
ihrer Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Dezember 1959

Juli 1958

Zahl ( in
Prozent
Millionen) der Beschäftigten

Juli 1957

Prozent Prozent
der Be- der BeschäfSchäftigten
tigten

Gesamtwirtschaft

2,966

4,5

4,8

5,3

Landwirtschaft

0,321

6,7

9,5

0,104
0,199

7,7
7,2

15,2
8,1

11,0
12,1
10,7

0,018

2,5

6,9

10,0

2,645
2,451

4,3

4,2

4,6

4,6

4,4

4,7

0,052
0,186
0,718

7,7
5,7
4,3

5,4
6,6
3,9

6,7
5,9
4,3

0,190
0,345

4,4
3,2

4,2
3,9

4,2
3,9

0,690

4,6

3,9

4.6

3,8

3,3

Arbeiter U.Angestellte
Selbständige
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
Arbeiter U.Angestellte
Porst- und Fischereiwesen u. Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Transportgewerbe u.
Versorgungsbetriebe
Groß- und Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft

Banken,Versicherungen
u. Immobilienhandel
0,098
Beratungs- und Kundendienste
0,050
Private Haushalte
0,054
Persönl.Dienstlei stungen
(auter Haushaltdienste)0,035
Unterhaltungsgewerbe u.
Erholung
0,059
Erziehungswesen
0,229
Akademische Berufe
0,184
0,272
ö f f e n t l i c h e r Dienst
Post
0,078
Andere
0,194
Selbständige
0,182
Unbezahlte Arbeitskräfte
in Familienbetrieben
0,012

4,5
,

4,2
2,1

5,3
1,4

4,7
2,3

2,6

2,4

4,0

7,5
7,0
5,2

10,5
5,9
3,9

9,7
6,1
4,7

8,6
7,6
2,8

7,1
8,5
6,8
3,1

8,4
9,6
8,2
3,7

2,0

2,2

3,9

12,6

�Tafel IV

•

Mehrfachbes chäfti^un« nach Alters gruppen . Geschlecht. Fa milienstand und
Rassenzu&amp;ehörißkeit aufgeschl üsselt

1)

(Stand Dezember 1959)
Gesamtbeschäft igung Mehrfachbeschäft ifirte
Zahl
(Millionen)
rr ü z e ü t
insg. männl. weibl. insg. männl« w e i b l .

Prozent
insg. männl . weibl.

Alterserupper 1
Sämtliche "

65,7

43,9

14-17 Jahre
18-19 Jahre
20-24 Jahre
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55-64 Jahre
65 Jahre u.
älter

2,40
2,13
6,06
13,58
15,56
14,06
8,86

1,36
1,13
3,68
9,78
10,51
9,10
6,06

1,03
1,00
2,38
3,79

3,02

2,22

Durchschnitts alter
40,6

21,8

2,9

2,5

0,4

4,5

5,8

2,0

2,79

0,06
0,05
0,22
0,71
0,84
0,63
0,35

0,04
0,03
0,17
0,64
0,71
0,55
0,31

0,02
0,02
0,04
0,07
0,12
0,08
0,04

2,8
2,5
3,6
5,2
5,4
4,5
4,1

3,4
2,7
4,8
6,6
6,8
6,1
5,2

2,0
2,4
1,8
1,9
2,5
1,6
1,5

0,79

0,07

0,05

0,02

2,6

2,3

3,4

-

-

-

5,05
4,96

40,7

40,3

40,2

40,1

39,6

Familienstand L
Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Ledig
Verheiratet
Verwitwet u.
getrennt leb.

12,08
46,91

6,91
34,70

5,16
12,20

0,30
2,47

0,19
2,26

0,10
0,21

2,5
5,3

2,9
6,5

2,1
1,8

6,70

2,24

4,45

0,18

0,07

0,11

2,8

3,2

2,6

Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Weiss
Farbig

59,07
6,62

39,83
4,03

19,23
2,58

2,68
0,27

2,31
0,21

0,37
0,06

4,6
4,2

5,8
5,3

1,9
2,4

RassenzugehöriÄkeit

1) Wegen Ab- und Aufrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht genau zu
den angegebenen Gesamtwerten.

-

6 -

�Mehrfachbeschäftigte gemeldet (siehe Tafel IV). Bei den Männern
stellten die Angehörigen der Altersgruppen von 25 bis 54 Jahren, meist
Familienväter, den größten Anteil (über 6 Prozent) an den Mehrfachbeschäftigten. Bei den Umfragen im Hochsommer 1957 und 1958 ergab sich
ein sehr hoher Prozentsatz bei Jungen unter zwanzig Jahren, nicht
aber bei der Umfrage im Dezember 1959« Offenbar nehmen viele Jungen
in den Ferien mehr als eine Stellung an, während die eigentlichen
Werkstudenten weit weniger Zeit haben und meist einen festen Arbeitsplatz bevorzugen.
Der Prozentsatz der mehrfachbeschäftigten weiblichen Arbeitnehmer
von 2 Prozent im Dezember 1959 trifft für ledige und verheiratete Frauen
gleichermaßen zu. Bei den verheirateten Männern lag der Anteil der Mehrfachbeschäftigten mit 6,5 Prozent fast doppelt so hoch wie bei den unverheirateten.
Merkliche Unterschiede in der anteilmäßigen Verteilung der Mehrfachbeschäftigung zwischen Weißen und Farbigen waren nicht zu verzeichnen.
Sofern sich irgendwelche Abweichungen von den normalen Trends innerhalb
eine» Industriezweiges oder einer Beschäftigungskategorie ergaben, wurden
sie durch die unterschiedliche Aufteilung der weißen und farbigen Arbeitnehmer auf die einzelnen Industriezweige und Beschäftigungsarten wieder
ausgeglichen.
Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf die einzelnen Berufsgruppen
Die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe rangieren
zusammen mit den Farmern und Landarbeitern hinsichtlich der prozentualen
Mehrfachbeschäftigung an der Spitze, (siehe Tafel V ) . Von den rund
500 000 männlichen Lehrkräften an den Grund- und Oberschulen waren etwa
20 Prozent noch anderweitig berufstätig; bei den weiblichen Lehrkräften
betrug der Anteil der Mehrfachbeschäftigten dagegen nur 2,5 Prozent.
Der Anteil der Mehrfachbeschäftigten unter den Angehörigen der Angestelltenberufe, zu denen hier auch die Postboten, die sonstigen Postbediensteten und die Bürokräfte aller Art gerechnet werden, betrug bei
Männern 7»9 Prozent, bei Frauen dagegen nur 1,6 Prozent.
Die Bauhandwerker arbeiten häufig für mehr als einen Arbeitgeber
oder sind Selbständige mit Nebenberuf. Von ihnen sind - wie bei den männlichen Lehrkräften - 20 Prozent Doppelbeschäftigte.
Die Mehrfachbeschäftigten wählen sich als Zweitberuf im allgemeinen
eine Tätigkeit, die außerhalb ihrer normalen Berufserfahrungen liegt. Bei
den Angehörigen der akademischen und technischen Berufe dagegen sind rund
50 Prozent in beiden Arbeitsverhältnissen im gleichen Beruf tätig. Die
übrigen arbeiten vornehmlich für Handelshäuser oder als Verkäufer. Die
Farmer sind größtenteils im Zweitberuf Fabrikarbeiter und Handwerker;
nur sehr wenige sind im Nebenberuf wiederum Farmarbeiter oder Büroangestellte. Umgekehrt bevorzugen gelernte Handwerker, Fabrikarbeiter und
ungelernte Arbeitskräfte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben als
Zweitstelle einen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft. Die Verkaufer wiederum
wählen als Zweitberuf - sofern sie nicht wiederum eine Verkäuferstelle
annehmen - zu gleichen Teilen die Landwirtschaft oder das Büro.

- 7 -

�Tafel V
Mehrfachbeschäftigte nach Berufsgruppen der Erstbeschäftigung und
Geschlecht aufgeschlüsselt

Berufsgruppe der
Erstbeschäftigung

Zahl
(Millionen)

Prozent

Beide Beschäftigungen im
gleichen
insg. männl. weihl. insg. männl. weibL Beruf
(Prozent)
2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

29,8

0,45

0,08

7,2

9,2

3,3

57,5

0,19

0,01

7,1

7,2

-

3,0

0,20

0,01

3,1

3,4

26,0

Büroangestellte u.a. 0 , 3 5
0,16
Verkäufer
Handwerker u. Vor0,42
arbeiter

0,24

0,10

7,9

0,12

0,04

3,7
3,6

1,4
1,6

4,4

2,3

23,2

0,42

0,002

5,1

5,2

0,9

21 ,2

Fabrikarbeiter

0,49

0,45

0,03

4,1

5,3

1,0

23,1

Haushaltbedienstete
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
Hilfsarbeiter
außer Landwirtschaft u.Bergbau

0,05

-

0,05

2,1

Sämtliche

2,96

Akademische u.
tech. Fachkräfte
0,53
Farmer u. Farmverwalter
0,19
Manager,lei tende
Angestellte u. Inhaber (außer Farmern ) 0 , 2 1

J

32,7

2,2

-

0,23

0,15

0,07

3,9

5,6

2,4

30,2

0,10

0,09

0,01

5,9

7,3

2,7

-

0,18

0,17

0,003

5,3

5,3

17,1

An und für sich dürfen einige Kombinationen verschiedener Tätigkeiten
als unwahrscheinlich gelten. Es ist kaum zu erwarten, daß Arbeiter nebenberuflich eine Tätigkeit ausüben, für die akademische Qualifikationen erforderlich sind, oder daß Bürokräfte sich in ihrer Freizeit als Fabrikarbeiter verdingen. Erstaunlicherweise fanden sich aber bei der Umfrage im
Dezember 1959 nahezu sämtliche nur denkbaren Kombinationen. Bei den Zweitbeschäftigungen entfiel der unverhältnismäßig hohe Anteil von 46,3 Prozent
auf die Sparten Farmer und Farmverwalter, Manager und Inhaber, Verkäufer
und Dienstleistungsgewerbe (ohne private Haushalte), während deren Anteil

-

8 -

�Anteil an den Erstbeschäftigungen nur 27,6 Prozent betrug. Die guten
Möglichkeiten, Stundenarbeit in diesen Berufen zu erhalten, dürfte die
Erklärung für ihre relative Häufigkeit als Zweitbeschäftigung bieten.
Bei der Beurteilung des Grades der Ausschöpfung unserer Arbeitskraftreserven gehen- wir gewöhnlich von der Beschäftigung in den einzelnen
Berufsgruppen aus. Die entsprechenden statistischen Angaben berücksichtigen jedoch nur die Erstbeschäftigung, denn nur diese wird regelmäßig
statistisch erfaßt. In Wirklichkeit wird das Arbeitskraftpotential in
den einzelnen Beschäftigungszweigen aber durch die von den Mehrfachbeschäftigten geleistete Arbeitszeit nicht unerheblich vermehrt. In folgenden Berufsgruppen kommt dieser Ausweitung des Arbeitskraftpotentials
bei den männlichen Berufstätigen die größte Bedeutung zu:

Tafel VI
Anteil der Zweitstellen an der Gesamtstellenzahl in einzelnen Berufszweigen

Prozent
Farmer
Bauhandwerker
Kellner
Verkäufer
Akademische Fachkräfte (außer medizinischem Personal
und Lehrkräften)
-. -J
' -werbe (außer V/achpersonal und Kellnern)
Landarbeiter
Großhandel
Lehrkräfte (an Grund- und Oberschulen)

19 ,3
14,.8
12, ,6
12, .1
8, .3
7, ,3
6, ,3
6, ,5
6, ,4

Die vorstehenden Angaben bleiben etwas hinter den eigentlichen Werten
zurück, da rund 100 000 Arbeitskräfte sogar mehr als zwei Arbeitsstellen
innehatten.
Die Statistiken über die Zweitbeschäftigung lassen auch die Paradoxie
verständlich werden, daß es im Dezember 1959 in den USA 2,2 Millionen
männliche Arbeitslose mit vorheriger Berufserfahrung und gleichzeitig
2,5 Millionen Mehrfachbeschäftigte gab. Rund 60 Prozent der Zweitarbeiteplätze wurden von Angehörigen der Angestelltenberufe (Akademiker, Manager,
Büroangestellte und Verkäufer) und Farmern ausgefüllt. Nur 15 Prozent der
männlichen Arbeitsuchenden hatten vorher in diesen Berufen gearbeitet,
wie die folgende Aufstellung erkennen läßt:

- 9 -

�Tafel VII

Berufsgruppenzugehörigkeit der männlichen Arbeitslosen und
Mehrfachbeschäftigten

Arbeitslose

Gesamtzahl (Millionen)
Prozent

Mehrfachbeschäftigte

2,21
100,0

2,53
100,0

Akademische u. techa. Fachkräfte

3,4

15,1

Farmer und Farrnverwalter

0,5

20,3

2,9
4,9
3,3
21 ,2

10,1

26,5

13,3

6,5
5,8

8,6

Manager, leitende Angestellte

u . Inhaber (außer Farmern)

Angestellte
auf er
Eand«erker ( V o r a r b e i t e r
Fabrikarbei ter
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
H i l f s a r b e i t e r (außer Land-

5,2
9,6
9,8

3,5
&gt;

Wirtschaft u. Bergbau)

25,0

4,5

Etwa ein Drittel der im Dezember 1959 gemeldeten Zweitbeschäftigungen liefen mehr oder weniger auf eine Tätigkeit als Selbständige
hinaus, auf eine Tätigkeit also, die dem normalen Arbeitslosen nicht
-lieh ist. Es besteht im übrigen kein Grund zu der Annahme, daß die
Arbeitsuchenden den Einstellungsbedingungen für die von Mehrfachbeschäffcigten eingenommenen Arbeitsplätzen genügt hätten, auch wenn sie der
iierufsgruppe nach als geeignet gelten könnten und die Betriebe in Reichweite gelegen wären.
Nebenberufliche selbständige
Es wurde bereits weiter oben auf die hohe Quote der Selbständigen
unter den Mehrfachbeschäftigten hingewiesen. Etwa 400 000 Arbeiter oder
Angestellte in nichtlandwirtsohaftllchen Berufen betrieben im Dezember
nebenberuflich ein eigenes Geschäft oder waren in einem akademischen
.ieruf tätig, und 500 000 bewirtschafteten eine Farm. Über ein Drittel
aller mehrfachbeschäftigten Lehn- und Gehaltsempfänger fallen in diese
Kategorie (siehe Tafel VIIl). Unter den Arbeitern im Baugewerbe und i_n_

-

10

�in den-Fertigungsindustrien war die Nebenbeschäftigung als Selbständige
(meist in der Landwirtschaft) 1959 am weitesten verbreitet. Rund ein
Drittel der Mehrfachbeschäftigten im Handel und im öffentlichen Dienst
betrieben nebenher eine Farm oder waren in ihrer Freizeit als Selbständige tätig. Die verfügbaren Zahlenangaben geben keine Aufschlüsse darüber, wie viele dieser Lohn- und Gehaltsempfänger, die als Selbständige
außerhalb der Landwirtschaft tätig waren, ein eigenes Geschäft oder einen
Betrieb besaßen oder einen freien Beruf ausübten.
Tafel VIIX
Anteil der nebenberuflich als Selbständige tätigen Mehrfachbeschäftigten an
der Gesamtbeschäftigung in verschiedenen nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen
(Prozent)
Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Zweitbeschäftigung als Selbständige
nach Wirtschaftszweigen
Landwirtschaft

Insg.

Mehrfachbeschäftigte in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufszweigen insges.'/
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
langlebige Verbrauchsgüter
kurzlebige Verbrauchsguter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe und
Geldwirtschaft
öffentlicher Dienst
1)

Übrige
Wirtschaft

56,2

19,5

16,7

54,5
45,5
46,5
42,8

40,9
25,5
26,7
23,0

15,4
19,8
19,8
19,8

25,5
54,7

12,1
19,5

15,2
15,2

24,1
32,0

7,4
14,7

16,7
17,5

Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau.

Geleistete Wochenstunden der Mehrfachbeschäftigten
Da bei der Umfrage im Dezember 1959 von einem großen Teil der Mehrfachbeschäftigten die Zahl der auf der Erststelle geleisteten Wochenstunden
als die Gesamtwochenstundenzahl angegeben worden ist, läßt sich ein Vergleich mit den von Arbeitskräften mit nur einer Stelle geleisteten Wochenstunden nicht durchführen. Fest steht aber, daß der Prozentsatz derjenigen,
die mehr als 40 Wochenstunden arbeiteten, unter den Mehrfachbeschäftigten
zwei bis dreimal so hoch war wie bei den übrigen Berufstätigen. Dies gilt

-

11

-

�gilt insbesondere wieder für die Lohn- und Gehaltsempfänger im Baugewerbe, in den Fertigungsindustrien, im Transportgewerbe, in den Versorgungsbetrieben und im öffentlichen Dienst. Die selbständigen Farmer
und Geschäftsleute arbeiteten ia jedem Falle, gleichgültig ob Mehrfachbeschäftigte oder nicht, weit über die normale Stundenzahl.
Zwei Drittel der Mehrfachbeschäftigten waren an ihrer Erststelle
ganztägig (d.h. 35 u*id mehr Wochenstunden) und an ihrer Zweitstelle
stundenweise (weniger als 35 Wochenstunden)beschäftigt (siehe Tafel
IX) . Ein Drittel dieser Arbeiter und Angestellten war nebenberuflich
als Selbständige oder in einem freien Beruf tätig. Der größte Teil
der übrigen Mehrfachbeschäftigten war in beiden Berufen nur halbtags
tätig. Diese Form der Mehrfacharbeit ist vor allem in der Landwirtschaft (52 $,),im Handel (38 $) und im Baugewerbe (34 f°) weitverbreitet} am seltensten ist sie in den Fertigungsindustrien, wo nur 17 Prozent der Mehrfachbeschäftigten zwei Berufe jeweils halbtags ausübten.
Die hier genannten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Beschäftigte, deren Erst- und Zweitstellen sich auf verschiedene Wirtschaftszweige oder Berufsgruppen verteilen.
Aufgaben künftiger Untersuchungen
Der relativ kleine, dabei aber sehr vielschichtige und volkswirtschaftlich bedeutsame Bereich der Mehrfachbeschäftigung ist längst noch
nicht hinreichend statistisch erfaßt. Es wäre interessant zu erfahren,
wie viele dieser Arbeiter und Angestellten echte Mehrfachbeschäftigte
sind, und wie viele nur als solche geführt werden, weil sie gerade
den Arbeitgeber gewechselt und deshalb in der Berichtswoche zwei Stellen
bekleidet haben. Ältere Statistiken (aus dem Jahre 194&amp;) deuten darauf
hin, daß weitaus die meisten tatsächlich zwei Arbeitsplätze gleichzeitig
innehatten. Eingehendere Informationen über die Einkünfte der Einfachbeschäftigten im Vergleich zu denen der Mehrfachbeschäftigten und über
die von beiden geleisteten Wochenstunden könnten Klarheit darüber schaffen, ob die Arbeitnehmer aus Not oder eigenem Antrieb zwei und mehr
Stellungen annehmen. Die Durchführung einer zusätzlichen Zählung der
Mehrfachbeschäftigten zu einer anderen Jahreszeit könnte gleichfalls
wichtige Aufschlüsse erbringen.

Tafel IX

�N

Tafel IX
1

Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf Ganztags- und Halbtagsarbe i t '
nach Wirtschafts zweigen der Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt3)
(Stand Dezember 1959
(Prozent)
Wirtschaftszweig oder
Berufssparte der Erstbeschäftigung

insg. Ganztägig
an beiden
Arbeitsstellen

Ganttägjg lalbtags an
an Erst- beiden Arstelle
Beitsstellen
halbtags
an Zweitstelle

Sämtliche Mehrfachbeschäftigte

100,0

3,7

66,5

29,8

Landwirtschaft
Lohn- u. Gehaltsempfänger
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
.2)
Lohn- u* Gehaltsempfänger'
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Langlebige Verbrauchsgüter
Kurzlebige Verbrauchsgüter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft
Öffentlicher Dienst
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben

100,0
100,0

3,9

44,2

51,9

100,0
100,0
100,0
100,0
100,0
100,0

5,1

5,5
5,7

42,9
68,9
69,6
66,2
77,9
78,0

52,0
27,4
26,8
33,8
16,6
16,3

100,0

5,1

77,7

17,3

100,0
100,0

5,0
2,9

71,4
59,2

100,0
100,0

4,1
0,5

64,2
72,8

31,7

100,0

4,4

60,8

34,8

-

3,7
3,6
•»

.

23,6

37,9
26,7

1 ) Als Ganztagsarbeit wurde jede Tätigkeit mit 35 u. mehr Wochenstunden ge-

zählt, als Halbtagsarbeit jede Tätigkeit mit weniger als 35 Wochenstunden.
2) Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau

3) Die Angaben beschränken sich auf Mehrfachbeschäftigte mit unterschiedlicher Tätigkeit im Haupt- und Nebenberuf.

• # * * «

�Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause

Die Zahl der Betriebsunfälle in der amerikanischen Industrie hat
in den letzten Jahren stetig abgenommen. Seit 1952 ist dabei die Unfallhäufigkeitsrate um rund 20 Prozent zurückgegangen. Im allgemeinen ist
der amerikanische Arbeiter an seinem Arbeitsplatz heute sicherer als
in seinem Heim,
Wesentlichen Anteil an diesem eindrucksvollen Erfolg auf dem Gebiet der betrieblichen Sicherheit und der Unfallverhütung haben dabei
sowohl die Unternehmen als auch die Gewerkschaften gehabt. Insbesondere
durch ihre in enger Zusammenarbeit entstandenen Sicherheitsprogramme,
die in der Praxis meist von einem gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmerausschuß überwacht werden, haben sie es im Laufe der Zeit zuwege gebracht, den Arbeitnehmern ein gewisses "Sicherheitsbewußtsein" einzuhämmern und ihnen den Wert der betrieblichen Sicherheitseinrichtungen
klarzumachen.
Ein gutes Beispiel dafür, welch große Erfolge mit einem wohldurchdachten und ständig verbesserten Sicherheitsprogramm in einem Industriebetrieb erzielt werden können, bietet die North American Aviation, Inc.,
die seit 1941 ein koordiniertes Programm in all ihren Zweigwerken durchführt und in dieser Zeit die Unfallhäufigkeitsrate so weit senken konnte,
daß sie heute rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt der amerikanischen
Flugzeugindustrie liegt.
Zu diesem Sicherheitsprogramm, das von den Betriebsingenieuren zusammen mit den Werkshygienikern ständig weiter ausgebaut und überwacht
wird, gehört neben der Entwicklung und dem Einbau von Sicherheitsvorrichtungen an den Produktionsmaschinen und der Ausrüstung der Mitarbeiter mit den jeweils erforderlichen Schutzvorrichtungen (Sicherheitsbekleidung,
,j Schutzbrillen, feuerfeste Schuhe, Schutzmasken und
-Schilde, Sicherheitshelme usw.) insbesondere die theoretische Ausbildung sämtlicher Betriebsangehörigen in Fragen der Unfallverhütung.
Die Unterweisung der Mitarbeiter - insbesondere aber der neu eingestellten - in Fragen der Sicherheit und der Unfallverhütung obliegt
in den Betrieben der North American Aviation, Inc. den Mitgliedern des
Unfallverhütungsausschufises, die jeweils für die Durchführung und Überwachung der Sicherheitsmaßnahmen einer Abteilung verantwortlich sind.
Sie werden aus dem Kreis jener Mitarbeiter ausgewählt, die einerseits
die produktionstechnischen Einrichtungen der Abteilung genau kennen und
die zum anderen als umsichtig gelten und noch keine Unfälle aufzuweisen
hatten. Die Ennennung zum "Sicherheitsobmann" erfolgt auf Zeit, um
auf diese Weise möglichst viele Mitarbeiter durch Übertragung dieser
verantwortungsvollen Funktionen mit den Aufgaben der Unfallverhütung
vertraut zu machen. Seit der Einführung des betrieblichen Unfallverhütungsprogramms wurden bei diesem Unternehmen bisher 13 500 Mitarbeiter zu Sicherheitsausschußmitgliedern ernannt.

Die

- 14 -

�Die Hauptaufgabe der "Sicherheitsobmänner" besteht einmal in der
Überwachung und Kontrolle der unfallgefährdeten Arbeitsplätze sowie
der eingebauten Sicherheitseinrichtungen und zum anderen in der Unterweisung sämtlicher Arbeitnehmer in Fragen der Betriebssicherheit und
der Unfallverhütung. Dies geschieht in der Regel in persönlichen Gesprächen und an Hand praktischer Beispiele, um so das "Unfallbewußtsein" der Mitarbeiter zu wecken und sie zur aktiven Mitarbeit bei der
Unfallverhütung zu erziehen.
Diese Bemühungen zur Steigerung der betrieblichen Sicherheit auf
der unteren Ebene werden dann noch im gesamtbetrieblichen Rahmen durch
verschiedene andere Aufklärungskampagnen ergänzt, wie etwa durch Anzeigen in der 7/erkzeitschrif t, Veröffentlichung besonderer Erfahrungsberichte einzelner Mitarbeiter über die Wirksamkeit bestimmter Schutzvorrichtungen sowie durch das Aushängen von Warnplakaten oder die Verteilung von Merkblättern. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Mitarbeiter immer wieder an die Gebote der betrieblichen Sicherheit und des
Unfallschutzes zu erinnern.
Sind trotz des Vorhandenseins von Schutzvorrichtungen irgendwelche
Unfälle eingetreten, so werden die Unfallursachen eingehend von den
Sicherheitsingenieuren analysiert, nicht etwa, um einen "Schuldigen"
zu finden, sondern um die bestehenden Einrichtungen so zu verbessern,
daß eine Wiederholung unmöglich ist, oder aber neue zu entwickeln.
Jede Abteilung der "North American Aviation", Inc." besitzt
außerdem noch einen Betriebshygieniker, dessen Aufgabe darin besteht,
dem Management Vorschläge darüber zu unterbreiten, welche Maßnahmen
getroffen werden können, um gesundheitliche Schäden bei den Mitarbeitern
zu verhindern, die etwa durch Gase, Rauch, Lärm, Strahlungswärme oder
die sanitären Einrichtungen entstehen können.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * * *
flewerkschaftli che Kurzmeldungen
Industriearbeiterlöhne im Januar unverändert
Sowohl die Industriearbeiterlöhne als auch die Lebenshaltungskostenwiesen im Januar gegenüber dem Vormonat keinerlei Veränderungen auf, wie
aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.
Für einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen belief sich die durchschnittliche Höhe des Nettolohnes auf 79»97 Dollar pro Woche, während
Arbeitnehmer ohne Angehörige 72,44 Dollar erhielten.
Da

�Da sich der Lebenshaltungskostenindex in den Monaten Dezember
und Januar nur unwesentlich veränderte, blieb demzufolge auch der
Reallohn unverändert. Im Vergleich zu November 1960 ist jedoch ein
Rückgang der Kaufkraft um rund 1 Prozent festzustellen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

5 Millionen Dollar für Verbesserungsvorschläge bei "GM"
Für die 111 203 im Laufe des vergangenen Jahres von den Mitarbeitern der "General Motors Corporation" eingereichten betrieblichen Verbesserungsvorschläge wurden von dem Unternehmen mehr als 5 Millionen
Dollar an Prämien ausgeschüttet.
Wie der Verwaltungsdirektor, Louis G. Seaton, weiter bekanntgab,
hat sowohl die Zahl der eingereichten Vorschläge als auch die Prämiensumme gegenüber 1959 beträchtlich zugenommen. 1959 wurden 87 264 Vorschläge abgegeben und 4 Millionen Dollar an Prämien verteilt. Von den
i960 von den Arbeitnehmern eingereichten 111 203 Verbesserungsvorschlägen wurde jeder vierte angenommen. Seit Einführung des betrieblichen
Vorschlagsprogramms hat General Motors damit bisher 46 Millionen Dollar
für Prämien aufgewendet.
(Quelle: Eigenbericht)
* -x- * -x- *
Leo Bamberger gestorben
Leo Bamberger, einer der ältesten amerikanischen Gewerkschafter,
der im Jahre 1882 zusammen mit 20 anderen bekannten Gewerkschaftsführern den "Labor Day", den amerikanischen "Tag der Arbeit", proklamierte, ist jetzt im Alter von 92 Jahren in Philadelphia gestorben.
Bamberger, der damals die von ihm mitgegründete Gewerkschaft der
Photograveure vertrat, gehörte zusammen mit Samuel Gompers und Peter
McGuire zu den eifrigsten Befürwortern eines "Feiertages zu Ehren der
schaffenden Menschen". Diese Bemühungen der alten Garde der amerikanischen Gewerkschaften wurden im Jahre 1894 mit der Unterzeichnung des
"Labor-Day"-Gesetzes durch Präsident Grover Cleveland gekrönt, wodurch
der jeweils erste Montag im September zum offiziellen Feiertag erhoben
wurde.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * « *-

-

16

-

�Neuer 5-Jahres-Vertrag in der Damenoberbekleidungsindustrie
Von den Unternehmen der Damenoberbekleidungsindustrie in neun
amerikanischen Bundesstaaten und der ILGWU-Gewerkschaft wurde jetzt
ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet, der eine Erhöhung der Löhne
von rund 90 000 Arbeitnehmern um 5 1/2 Prozent vorsieht und der eine
Laufzeit von 3 Jahren hat.
Auf Grund dieses neuen Tarifvertrages werden die Mindestlöhne
für Zuschneider auf 85 Dollar, für Bügler auf 72»50 Dollar und für
Hilfskräfte auf 61 Dollar pro Woche angehoben. Die bisherigen Durchschnittslöhne für Zuschneider beliefen sich jedoch auf 125 Dollar pro
Woche, die für Hilfskräfte auf 65 Dollar.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Wiederholung von Funktionärswahl auf Grund des neuen Gewerkschaftsgesetzes
Die erste Wiederholung einer gewerkschaftlichen Funktionärswahl
auf Grund einer Anfechtungsklage, der von einem amerikanischen Bezirksgericht unter Berufung auf den "Labor-Management Reporting «and
Disclosure Act of 1959" stattgegeben wurde, fand jetzt unter Aufsicht
de3 US-Arbeitsminis teriuims in Jacksonville (Florida) statt.
Die Wiederholung der Funktionärswahl war deshalb erforderlich
geworden, w-eil über die im Januar 196O durchgeführte Wahl beim USArbeitsministerium eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 eingegangen war.
Auf Grund der durchgeführten Untersuchungen hatte dann der US-Arbeitsminister am 28. September i960 eine Anfechtungsklage beim Bezirksgericht in Jacksonville eingereicht, in der er die Annullierung der Wahl
forderte.
Nach Feststellung des Untersuchungsausschusses des Arbeitsministeriums, so hieß es dabei in der Klageschrift, seien drei Verstöße
gegen das Gesetz bei der Abhaltung der Funktionärswahl festgestellt
worden: 1. seien die Geheimhaltungsvorschriften nicht beachtet worden;
2. habe es die Gewerkschaft versäumt", einen Wahlausschuß zur Auszählung
der Stimmen und zur Bekanntgabe des Ergebnisses zu nominieren; und
3. sei die Gewerkschaft den Gesetzesvorschriften insofern nicht nachgekommen,, als sie den Mitgliedern das Wahlergebnis nicht innerhalb von
15 Tagen schriftlich zugestellt habe.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

17

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner

Seite

1

Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA

Seite

6

Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
.

Seite

12

Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten

Seite

14

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner
Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der Quelle
gestattet.
Das Sozialversicherungsgesetz für die
Eisenbahnbediensteten, das im Jahre 1935
vom US-Kongreß erlassen worden ist, wurde
zum Vorbild für die gesamte Sozialgesetzgebung in den Vereinigten Staaten.
Die Zeitschrift der amerikanischen Eisenbahner, "The Railway Clerk", gedachte
in der Septembernummer vom vergangenen
Jahr des 25« Jahrestags des Erlasses
dieses wichtigen Gesetzes mit einem
Artikel, den wir nachstehend im vollen
Wortlaut wiedergeben.

-

1 -

�Vor 25 Jahren wurde die Sozialversicherung der amerikanischen
Eisenbahner geschaffen. Anfangs eine reine Altersversicherung, entwickelte sie sich im Laufe der Jahre zu einem umfassenden Sozialwerk, das den Bahnbediensteten in allen ernsteren Notlagen Schutz
gewährt, in die sie im Laufe eines Lebens geraten können.
Die Eisenbahner und ihre Familienangehörigen haben im Falle der
Erreichung der Altersgrenze, der Invalidität, des Todes, der Arbeitslosigkeit und Erkrankung keine ernsthaften Geldeinbußen mehr zu gewärtigen.
Die Eisenbahner-Altersversicherung sichert den Pensionären und
ihren Angehörigen sowie den Vollinvaliden eine feste Grundrente zu.
Im Todesfall erhält die Familie des Verstorbenen Hinterbliebenenrente.
Im Falle der Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit hat der Bahnbedienstete Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.
Rund eine Million Arbeiter und Angestellte der Bahnen und ihrer
Zulieferbetriebe werden vom Eisenbahner-Sozialwerk erfaßt, von denen
800 000 länger als zehn Jahre als Eisenbahnbedienstete im Sinne des
Gesetzes beschäftigt sind. Die Berufseisenbahner sind es auch, die
unter dem Sozialwerk den größten Schutz genießen.
Zehn Jahre Dienstzeit sind die Mindestvoraussetzung für die Gewährung von Alters- oder Hinterbliebenenrente. Nach zehn Dienstjähren
besteht ein lebenslänglicher Anspruch auf Invalidenrente und auf
Altersrente nach Erreichung des 65. Lebensjahres.
Im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder des Todes noch vor
dem Ablauf der ersten zehn Dienstjahre werden die erworbenen Rechte
an die allgemeine gesetzliche Sozialversicherung übertragen, deren
Leistungsnormen dann zur Anwendung gelangen. Arbeitslosenunterstützung
und Krankengeld werden ohne Wartezeiten an alle Versicherten gezahlt,
wobei die Berufseisenbahner bei der Arbeitslosenversicherung wiederum
bessergestellt sind.
Bisher wurden Leistungen in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Dollar
an Eisenbahnbedienstete und deren Angehörige gezahlt. Allein im Haushaltsjahr 1959/60 bezogen 1,25 Millionen Berechtigte Versicherungsleistungen
in Höhe von über einer Milliarde Dollar. Die Steigerung der Leistungen
und die Verbesserung des Versicherungsschutzes haben das EisenbahnerSozialwerk in den 25 Jahren seines Bestehens gekennzeichnet.
Durch eine ganze Reihe von Gesetzesänderungen wurden der Kreis der
Versicherten laufend vergrößert und die Leistungssätze verbessert. Das
hat dazu geführt, daß die jährlichen Versicherungsleistungen inzwischen
auf über eine Milliarde Dollar gestiegen sind, während in den ersten
neun Jahren nach der Gründung des Sozialwerkes insgesamt nur eine
Milliarde ausgezahlt wurde. Die Zahl der Empfänger von Alters- oder
Hinterbliebenenrente ist heute doppelt so hoch wie vor zehn und fünfmal so hoch wie vor 20 Jahren. Im Jahre 1938 lag die Durchschnittsaltersrente bei 62 Dollar gegenüber heute 131 Dollar.
Die

�Die Sozialversicherung der Eisenbahner bietet viele besondere
Vorteile, von denen hier kurz die wichtigsten angeführt seien:
hohe Leistungen im Verhältnis zum früheren Arbeitseinkommen,
Anrechnung der vor der Schaffung des Sozialwerks geleisteten
Dienst jähre,
feste Anwartschaft nach zehn Dienst jähren,
Möglichkeit der Gewährung von Altersrente bereits nach Erreichung des 60. Lebensjahres,
großzügige Handhabung der_ Gewährung von Invalidenrenten,
Gewährung von Altersrente, auch wenn der Empfänger noch in
einem anderen Betrieb - nicht in einem Eisenbahnbetrieb weiterarbeitet,
Altersrentner des Eisenbahner-Sozialwerkes können auch Leistungen aus anderen Versicherungen beziehen,
Witwen sind mit Erreichung des 60. Lebensjahres zum Bezug
von Leistungen berechtigt, und
die Leistungen liegen höher als die Beiträge.
Für die Zukunft ist eine weitere Steigerung der Versicherungsleistungen geplant. Als das Sozialwerk seine Tätigkeit aufnahm, betrug der
Höchstsatz für die Altersrente 120 Dollar pro Monat; heute liegt er bei
205 Dollar. Seine weitere Anhebung ist sicher; in zehn Jahren wird er
242 Dollar und in 20 Jahren voraussichtlich 325 Dollar pro Monat betrage
Eine der auf das Eisenbahner-Sozialwerk beschränkten Bestimmungen die Gewährung von Hinterbliebenenrente im Falle des Todes des Ernährers der
Familie - sieht für die Berechtigten beachtliche Leistungen vor. Wenn
das Sozialwerk auch in erster Linie eine Altersversicherung darstellt,
so sind doch etwa ein Drittel aller Leistungsempfänger Hinterbliebene.•
Der Witwensatz beträgt im Durchschnitt 75 Dollar pro Monat; für Witwen
mit einem Kind erhöht er sich auf 150, für Witwen mit zwei und mehr
Kindern auf 200 Dollar. Eltern verstorbener Eisenbahnbediensteter erhalten im Durchschnitt 80 Dollar im Monat.
Sofern im Falle des Ablebens eines Versicherten keine Rente fällig
ist, wird ein einmaliges Sterbegeld von durchschnittlich 570 Dollar gewährt. Sind die Voraussetzungen für eine Hinterbliebenenrente nicht erfüllt, kann eine Abfindung geleistet werden; diese beträgt im Durchschnitt 1700 Dollar.
Arbeitslose, erkrankte oder verletzte Eisenbahner erhalten Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung. Im Falle der Arbeitslosigkeit richten sich die Zahlungen nach dem Jahresverdienst, oder es wird
eine Unterstützung in Höhe von 60 Prozent des täglichen Grundlohns,
höchstens aber 10,20 Dollar pro Tag gewährt. Die Leistungsdauer ist
normalerweise auf 26 Wochen beschränkt. Versicherte mit langer Dienstzeit können derartige Leistungen 13 bzw. 26 Wochen über die normale
Zeit hinaus erhalten. Für Kranke und Verletzte werden Leistungen in
gleicher Höhe gewährt, allerdings nur bis zur Höchstdauer von 26 Wochen.
Das

�Das Eisenbahner-Sozialwerk unterstützt arbeitslose Versicherte
auch bei der Arbeitssuche. Ein eigener Stellenvermittlungsdienst
weist auf Antrag offene Stellen nach und trägt auf diese Weise dazu
bei, den Eisenbahnbediensteten einen lohnenden Arbeitsplatz zu gewährleisten und gleichzeitig die Aufwendungen für die Arbeitslosenunterstützung so niedrig wie möglich zu halten.
Im Rahmen eines "Partnerschaftsprogrammes" arbeiten das Management
der Eisenbahngesellschaften, die Eisenbahnergewerkschaften und das
Sozialwerk eng zusammen, um stellenlosen erfahrenen Bahnbediensteten
einen neuen Arbeitsplatz zu beschaffen. Die Eisenbahnen ihrerseits
haben außerdem noch Arbeitsvermittlungsberater, die ihre Dienste
jedem stellensuchenden Eisenbahner zur Verfügung stellen.
Das Bundesamt für Eisenbahnerversorgung (Railroad Retirement
Board) ist für die Durchführung des Eisenbahner-Pensionsgesetzes(Railroad Retirement Act) und des Eisenbahner-Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Railroad Unemployment Insurance Act) verantwortlich. An der
Spitze des Bundesamtes steht ein Aufsichtsrat aus drei Mitgliedern,
die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Zustimmung des Senats
ernannt werden. Der Vorsitzer ist mit der Wahrung des öffentlichen
Interesses beauftragt; die beiden anderen Mitglieder werden von den
Eisenbahngesellschaften bzw. den Eisenbahnergewerkschaften vorgeschlagen. Horace W. Harper, der gegenwärtig als Gewerkschaftsvertreter im
Aufsichtsrat sitzt, gehört der Gewerkschaft der Angestellten der Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften (Brotherhood of Railway and Steamship Clerks, Freight Handlers, Express and Station Employees) an.
Die Beiträge zum Eisenbahner-Sozialwerk werden von Arbeitnehmern
und Arbeitgebern gemeinsam und zu gleichen Teilen aufgebracht; sie
betragen gegenwärtig 6 3/4 Prozent des Bruttoverdienstes bis zu einer
Höhe von 400 Dollar pro Monat, Erwirtschaftete Überschüsse werden in
Obligationen des US-Schatzamtes angelegt; die Zinserträge aus den gegenwärtigen Rücklagen in Höhe von 4 Milliarden Dollar stellen ihrerseits
wieder einen wesentlichen Einnahmeposten dar.
Die Finanzlage des Sozialwerks wird im Augenblick als befriedigend
angesehen. Das unter versicherungsmathematischen Gesichtspunkten gegebene Defizit ist nicht so groß, daß es die Leistungsfähigkeit gefährdet. Allerdings ist eine weitere Leistungssteigerung, soll die
Rentabilität nicht weiter verschlechtert werden, nur durch die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen möglich.
Die im Falle des Eisenbahner-Sozialwerks angewandte Finanzierungsmethode setzt die Ansammlung größerer Reserven voraus, deren Zinserträge
im Verein mit dem Beitragsaufkommen und anderen Einkünften die Gewährung
der vorgesehenen Leistungen unter Beibehaltung unveränderter oder im
wesentlichen unveränderter Beitragssätze gestatten. Dieses Verfahren
läßt sich als Finanzierung auf der Basis einer Durchschnittsprämie
in Verbindung mit der Schaffung entsprechender Rücklagen in Form von
Deckungskapital bezeichnen. Auf diese Weise wird eine relative Stabilität der Beitragssätze, eine gerechte Verteilung der Lasten auf die
jüngeren und älteren Mitglieder, die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der Versicherung und eiie laufende Übersicht über die derzeitigen und künftigen Aufwendungen gewährleistet.
Wollte

�Wollte das Sozialwerk ohne Reserven auskommen, d.h. wollte es
seine Leistungen lediglich aus den laufenden Einnahmen bestreiten,
so müßten die Beiträge mehrere Jahrzehnte lang Jahr für Jahr erhöht
werden und damit schon "bald einen weit über der im Gesetz vorgesehenen Höhe liegenden Stand erreichen.
Die Verwaltungskosten liegen gegenwärtig bei 1 Prozent der
gezahlten Leistungen. Für die Arbeitslosen- und Krankengeldversicherung liegen sie bei 3 Prozent. Dieser relativ hohe Anteil erklärt sich aus der Tatsache, daß im Falle der Arbeitslosigkeit oder
Erkrankung alle zwei Wochen ein neuer Antrag auf Unterstützung gestellt werden muß.
Sitz des Eisenbahner-Sozialwerkes ist Chicago. Über das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten verstreut, gibt es rund 100 Zweigbüros,be
denen sich-diei Eisenbahnbediensteten in Versicherungsfragen Auskunft
holen können und die ihnen bei der Stellung von Anträgen auf Gewährung
von Versicherungsleistungen behilflich sind.
Während der 25 Jahre, die das Sozialwerk nunmehr tätig ist, haben
die Eisenbahner es als ihren sichersten Schutz vor wirtschaftlicher
Not kennen und schätzen gelernt. Form und Leistungen haben sich im
Laufe der verflossenen zweieinhalb Jahrzehnte in Anpassung an die
jeweiligen Erfordernisse geändert. Die tatsächlichen Leistungen
des Sozialwerkes - sowohl was die Größe des erfaßten Personenkreises als auch was die Höhe der gewährten Unterstützung angeht - haben
die ursprünglichen gesetzlichen Zielsetzungen bereits weit überschritten. Die in der Vergangenheit erzielten Fortschritte lassen
den Schluß zu, daß das Eisenbahner-Sozialwerk auch in Zukunft eine
wichtige Rolle bei der Sicherung des Wohlergehens der aus dem aktiven Berufsleben ausgeschiedenen Eisenbahner und ihrer Angehörigen
spielen wird.

Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der
Quelle gestattet.

* * * * *

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5 -

�N. Arnold Tolles:
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

Die Mindestlohngesetzgebung in den Vereinigten Staaten dient
im großen und ganzen dem begrenzten Ziel, die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer anzuheben. Wurde dieses begrenzte Ziel erreicht?
Vor einem halben Jahrhundert prophezeiten viele führende Wirtschaftler,
daß Regierungsmaßnahmen nicht geeignet seien, das Arbeitseinkommen
ungelernter Kräfte zu verbessern. Sie begründeten ihren Standpunkt
mit dem Argument, das "spezifische Arbeitsprodukt" (heute als Grenzprodukt bezeichnet) bestimme die Reallöhne und jede "willkürliche
Maßnahme", die den Arbeitgeber zur Erhöhung der Löhne zwinge, werde
lediglich zur Entlassung jener Arbeitskräfte führen, die bis dahin
weniger als das vorgeschriebene Minimum verdient hatten.
Wir wissen heute aus Erfahrung, daß die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter durch staatliche Maßnahmen sehr wohl erhöht werden
können. In den Vereinigten Staaten ist dies in den letzten 40 Jahren
vielfach mit Erfolg getan worden.
Ein weiterer Einwand gegen staatlich festgesetzte Mindestlöhne
besagte, daß der gesetzliche Mindestlohn zum tatsächlichen Mindestlohn werde. Der Arbeitgeber habe, so wurde bei diesem Argument impliziert, mit einem festen Lohnkostenanteil zu rechnen und zahle seinen Arbeitern und Angestellten insgesamt ohne-hin so viel aus, wie der
Betrieb gerade noch zu tragen vermag. Wird der Lohn der niedrigbezahlten Arbeitskräfte erhöht, behauptete man damals, so wird eine
Kürzung der Bezüge der höherbezahlten Mitarbeiter die zwangsläufige
Folge sein. Die tatsächlichen Erfahrungen haben meines Wissens diese
Behauptungen in keinem Falle erhärtet.
Die "direkten" Auswirkungen einer Neufestsetzung der Mindestlöhne auf die Lohnkosten eines Unternehmers sind sehr einfach zu
errechnen. Um aber möglichst alle Auswirkungen eines neuen Mindestsatzes im voraus zu bestimmen, müssen wir darüber hinaus auch die
indirekten Wirkungen auf die Löhne oberhalb des Mindestsatzes, den
sogenannten "Stoßeffekt", in unsere Untersuchungen einbeziehen.
Das Ausmaß des Einflusses von erhöhten Mindestlohnsätzen auf die
Löhne hängt von zahlreichen, vielschichtigen Faktoren ab. Altere
Untersuchungen der Auswirkungen der ersten einzel3taatlichen Mindestlohngesetze stützten sich vielfach auf sehr lückenhafte Statistiken
und waren im allgemeinen nicht differenziert genug. Die Analysen der
dreißiger und vierziger Jahre, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik
(Bureau of Labor Statistics) im US-Arbeitsministerium durchgeführt
wurden und die Auswirkungen der Bundes-Mindestlohngesetze auf verschiedene Industriezweige zum Gegenstand hatten, waren bereits viel

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6 -

�viel tiefschürfender. Noch wesentlich aufschlußreicher sind aber
die jüngsten Untersuchungen der Auswirkungen der im Jahre 195&amp; durch
Bundesgesetz verfügten Heraufsetzung des Minde-stlohnes auf einen
Dollar, die von den Abteilungen Löhne und Arbeitszeit und Öffentliche
Arbeiten im Bundesamt für Arbeitsstatistik gemeinsam durchgeführt
worden sind.
Ich möchte hier aber nicht weiter auf das Material eingehen,
das bereits publiziert worden ist oder demnächst veröffentlicht
werden wird, sondern vor allem auf die Ergebnisse der jüngsten
Untersuchungen der Auswirkungen des Gesetzes des Staates New York
über die Erhöhung des Mindestlohnes auf einen Dollar. Hier wird
der Versuch unternommen, eingehendere Aufschlüsse über die möglichen
Auswirkungen einer Erhöhung der Mindestlohnsätze unter den verschiedensten Verhältnissen zu erlangen und vor allem herauszufinden,
warum die Entwicklung diesen oder jenen Verlauf nimmt. In Ergänzung
dieser Erhebungen, die von der Hauptabteilung Arbeitsfragen des
Staates New York eingeleitet wurden, haben Wissenschaftler der
Cornell-Universitat eine größere Zahl von Einzelhandelsgeschäften
befragt. Ich denke hier vor allem an eine bisher unveröffentlichte
Arbeit von Miae Marian Stever, eine Dissertation zur Erlangung der
Doktorwürde am Institut für Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
(School of Industrial and Labor Relations) der Cornell-Universität
in Ithaca im Staat New York, und die darin mitgeteilten ersten Ergebnisse,
Miss Stever sah bewußt davon ab, einen repräsentativen Querschnitt
auszuwählen; sie wandte sich vielmehr an 42 Einzelhandelsgeschäfte
in Syracuse und Auburn (New York) mit jeweils wenigstens einem Mitarbeiter, dessen Lohn bisher unter dem neuen Minimum im Einzelhandel
lag. Auf diese Weise gewann sie eine Gruppe von Arbeitgebern, die die
Auswirkungen des neuen Mindestlohnes in jedem Fall stärker zu spüren
bekommen hatten als der übrige Einzelhandel im Staat New York. Ein
Viertel dieser Ladengeschäfte mußte seine Lohnaufwendungen bei sonst
gleichbleibenden Betriebsverhältnissen um durchschnittlich 16 Prozent
erhöhen, um dem Gesetz nachzukommen. Der Gesamtdurchschnitt für sämtliche 42 Läden lag dagegen bei 7»7 Prozent. Der prozentuale Anteil
dieser direkten Auswirkungen an der Gesamtlohnsumme sämtlicher Läden
war noch wesentlich geringer als es anhand des rechnerischen Gesamtdu'rchschnitts scheint, da die größeren Geschäfte unterdurchschnittlich
betroffen worden sind.
Wie groß waren nun die indirekten Auswirkungen, d.h. der Lohnkostenanstieg aus Lohnerhöhungen auf eine über dem Mindestlohn liegende Höhe? Nach vier Monaten ergab sich eine durchschnittliche Zunahme
pro Geschäft um 2,7 Prozent. In der Hälfte aller Läden wurden innerhalb
jener vier Monate keine über die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe von einem Dollar hinausgehenden Lohnerhöhungen vorgenommen. Man
sollte annehmen, daß man die direkten und indirekten Auswirkungen zu
addieren hat und somit eine der Neufestsetzung des Mindestlohnes zuzuschreibende Lohnkostensteigerung von 10,4 Prozent erhält. Dies ist
aber seltsamerweise nicht der Fall. Die Gesamtsteigerung pro Geschäft
wurde mit durchschnittlich nur 7»8 Prozent ausgewiesen und liegt somit

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7 -

�somit nur knapp über der direkten Lohnkostenzunahme. Dies erklärt
sich aus der Tatsache, daß die Arbeitgeber, deren Lohnaufwendungen
sich durch die Anhebung des Mindestlohns auf einen Dollar am stärksten erhöhten, nicht mit denjenigen identisch waren, deren Lohnaufwendungen auf Grund der Erhöhung von Löhnen auf beliebige andere
Sätze über einem Dollar am stärksten gestiegen sind.
Nachdem wir nun die Dimensionen der Lohnkostensteigerungen in
der ausgewählten Gruppe von Einzelhandelsgeschäften kennen, erhebt sich
die Frage, wie sich die Arbeitgeber in dieser Situation verhalten haben.
Das ist eine wahrhaft verwickelte Frage, was die Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung angeht; und es ist dazu noch eine sehr wichtige
Frage, wenn man ein sachkundiges Urteil über künftige Neufestsetzungen
von Mindestlöhnen abgeben soll.
Die weitaus wichtigste unmittelbare Auswirkung auf die von Miss
Stever befragten Arbeitgeber war das Auffangen von 60 Prozent der Lohnkostensteigerung aus der Erhöhung des Mindestlohnes durch diese selbst.
Sie fanden die verschiedensten Möglichkeiten, um einen Ausgleich für
die übrigen 40 Prozent zu schaffen. Ganz offensichtlich handelt es sich
aber hier nicht um eine allgemeine Gesetzmäßigkeit, und so müßte man
die hier angeführten Ergebnisse in Relation zu dem Zeitpunkt der Heraufsetzung des Mindestlohnes und allen sonstigen Umständen noch eingehender
untersuchen, um Rückschlüsse auf künftige Neufestsetzungen zu einem-anderen Zeitpunkt und unter anderen Umständen ziehen zu können. Aber
allein schon die Möglichkeit, daß eine nahezu achtprozentige Lohnkostensteigerung in einem unter starkem Wettbewerbsdruck stehenden Wirtschaftszweig innerhalb von vier Monaten nach Inkrafttreten des Lohnerhöhungsgesetzes zu 60 Prozent aufgefangen werden konnte, ist gewissermaßen
eine Antwort an alle jene, die die Vertretbarkeit der Heraufsetzung
der gesetzlichen Mindestlöhne negieren. Die Arbeitgeber behielten
allerdings mit ihrem Argument im wesentlichen recht, daß sie es seien,
die den größten Anteil an der unmittelbaren Kostensteigerung zu tragen
hätten.
Welche Maßnahmen haben nun die Arbeitnehmer getroffen, um die verbliebenen 40 Prozent der Lohnkostensteigerung auszugleichen? In den
meisten Fällen griffen sie zu einer Verkürzung der Arbeitszeit. Einzelhandelsgeschäfte können in dieser Hinsicht allerdings nicht als repräsentativ für die Wirtschaft gelten, da sie einen unverhältnismäßig hohen
Prozentsatz an Halbtagskräften beschäftigen. Das hier in Rede stehende
Gesetz enthielt auch Bestimmungen über die Gewährleistung eines Mindestwochenlohns und die Überstundensätze im Einzelhandel. Die Arbeitgeber suchten in einigen Fällen durch die Verlängerung der Arbeitszeit
und in anderen durch ihre Verkürzung die kostensteigernde Wirkung des
Gesetzes soweit wie möglich zu verringern. Diese Angleichungen der
Arbeitszeit führten, auch das sei vermerkt, zum Teil dazu, daß sich
die auf Grund des Gesetzes erwarteten Mehreinnahmen der Arbeitnehmer
etwas verringerten.
Die zweithäufigste Form des Ausgleichs bestätigt in gewissem
Umfang die Vorhersagen der orthodoxesten Gegner der Mindestlohngesetzgebung. Es wurden tatsächlich verschiedentlich Entlassungen vorgenommen.
Sie
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8

-

�Sie betrafen natürlich gerade jene Mitarbeiter, bei denen ein solcher
Schritt ohnehin nahelag: die relativ Leistungsschwachen, ältere
Arbeiter und Halbtagsbeschäftigte, darunter auch Mitarbeiter, die
auf Grund ihres Aussehens als wenig geeignet für den Verkäuferberuf
galten. Wie viele wurden entlassen? Von den in die Untersuchung
einbezogenen Geschäften mit insgesamt 4300 Beschäftigten nur insgesamt ein Prozent und von denen, die zuvor weniger als einen Dollar
Stundenlohn hatten, 4»$ Prozent. In diesem Falle bestand also
tatsächlich ein negativer Zusammenhang zwischen Beschäftigung und
Mindestlohn.
Neben der Anpassung der Arbeitszeit und der Entlassung von
Arbeitskräften haben die von Miss Stever befragten Einzelhändler
noch eine ganze Reihe von innerbetrieblichen Umstellungen vorgenommen,
um die Ertragskraft zu erhöhen. Einige verkürzten die Verkaufszeiten,
andere trafen eine neue Arbeitseinteilung, legten strengere Maßstäbe
bei Neueinstellungen an, verstärkten die innerbetriebliche Schulung
oder revidierten ihre Lohntabellen. Durch diese und andere Methoden
suchten die Arbeitgeber ihre Nettoerträge pro aufgewandtem Dollar
an Lohnkosten gegenüber der Zeit vor der Erhöhung der Mindestlöhne
zu verbessern - was ihnen in beachtlichem Maße gelang. Keiner der
42 Läden machte bankerott; die Firmen aber, die die größte Lohnkostensteigerung hinnehmen mußten, hatten im ganzen auch den geringsten Erfolg
in dem Bemühen, einen Ausgleich durch Leistungssteigerung herbeizuführen. Hinzu kommt, daß die kleineren Läden weit weniger als die Großbetriebe in der Lage waren, die Kostensteigerung durch Leistungssteigerungen wettzumachen. Eine allmähliche Anhebung der Mindestlöhne um
geringfügige Beträge dürfte aber voraussichtlich in jedem Falle anregend wirken; es bestehen jedoch gute Gründe dafür, bei der Anwendung
dieser "Kur" vorsichtig und nur schrittweise vorzugehen.
Einer der häufigsten Einwände gegen Lohnerhöhungen fand praktisch
so gut wie keine Bestätigung. Nur fünf der 42 Ladeninhaber berichteten
von einer Heraufsetzung der Verkaufspreise, obschon sie sämtlich ausdrücklich danach gefragt worden waren. Dieses negative Ergebnis ist
bedeutsam, erfordert allerdings eine sorgfältige Interpretation. Es
ist richtig, daß sich an den Erlaß dieser spezifischen Mindestlohnverordnung eine Zeit der Hochkonjunktur i» Einzelhandel anschloß, von
der fast alle befragten Firmen profitierten; man sollte annehmen, daß
Preiserhöhungen in dieser Lage das nächstliegende Ergebnis eine.r erforderlich werdenden Lohnkostensteigerung sein würden. Und doch fanden
sich hier keine Anzeichen dafür, daß die Lohnerhöhung einePreiserhöhung
nach sich zog. Man sollte jedoch die Dinge nicht allzusehr verallgemeinern. Der Einzelhandel steht - zumindest in dem untersuchten Gebiet - unter starkem Wettbewerbsdruck. Angesichts einer solchen Sachlage läßt sich eine* Lohnkostensteigerung nicht ohne weiteres an die
Käufer weitergeben. Ganz unabhängig von seinen Betriebskosten muß
der Verkäufer in erster Linie von der Überlegung ausgehen, wie viele
Kunden wohl bereit sein werden, den höheren Preis zu zahlen.
Man sollte ferner nicht übersehen, daß sich die Mehrkosten der
Mindestlohnerhöhung nicht bei allen Läden gleichermaßen in Form einer
einheitlichen Kostensteigerung niederschlugen. Diejenigen Geschäfte,
die die größte Kostensteigerung in Kauf nehmen mußten, hatten

-

9 .

�hatten tatsächlich keine Handhabe, ihre Preise zu erhöhen.- angesichts der Konkurrenten,deren Lohnkosten nur wenig oder überhaupt
nicht gestiegen waren.
Im Staat New York insgesamt waren die Auswirkungen der Neufestsetzung auf den Einzelhandel zweifellos wesentlich geringer
als in der Gruppe von Geschäften, die Miß Stever für ihre Untersuchung ausgewählt hatte. Doch gerade die Analyse von Extremfällen Fällen wie jenen, die ihren Niederschlag in den Untersuchungen über
die Auswirkungen des Bundesgesetzes über die Heraufsetzung des Mindestlohnes auf einen Dollar auf die Industrie und die Verbraucher gefunden haben - gewährt uns Aufschlüsse, die als Richtschnur für zukünftige Neufestsetzungen von Mindestlöhnen dienen können. Wir müssen
vor allem zu erfahren suchen, wann und unter welchen Umständen eine
Neufestsetzung eine wirklich wesentliche Erhöhung der allgemeinen Lohnkosten nach sich ziehen kann. Die Untersuchungsergebnisse verlieren
sofort ihren Wert als Richtschnur, wenn wir in die Untersuchung auch
Unternehmen einbeziehen, die ohnehin bereits fast allen Beschäftigten
Löhne zahlen, die die neuen Höchstsätze erreichen oder überschreiten.
Konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit aber auf die Extremfälle,
so zeichnen sich an Hand der bisherigen Erfahrungen mit der Mindestlohngesetzgebung einige generelle Möglichkeiten ab:
1. Die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter lassen sich
heraufsetzen, sofern die gesetzlich vorgeschriebenen Erhöhungen nicht
allzu groß sind und schrittweise vorgenommen werdeil.
2. Die höherbezahlten Arbeitnehmer erleiden auf Grund der Lohnerhöhungen der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer keine Lohnkürzungen.
Nach einer gewissen Zeit können die höherbezahlten Arbeitnehmer vielmehr mit Lohnerhöhungen rechnen, die teilweise auf die Wiederherstellung der früheren Lohnstruktur des Betriebes zurückzuführen sind.
5. Während des Zeitraums unmittelbar nach der Neufestsetzung
machen die Kosten für die Lohnanhebung über das gesetzliche Minimum
hinaus voraussichtlich nur einen kleinen Bruchteil der direkten Kosten
aus, die die Anhebung der Löhne auf das neue gesetzliche Minimum selbst
verursacht.
4. Die direkte und indirekte Lohnkostensteigerung wird voraussichtlich größtenteils vom Arbeitgeber aufgefangen, zum mindesten in der
ersten Zeit unmittelbar nach der Festsetzung der neuen Mindestlöhne.
5. Eines der wichtigsten Ergebnisse einer Heraufsetzung der Mindestlöhne ist vielfach der rationellere Einsatz der Arbeitskräfte.
Die von den einzelnen Unternehmern angewandten Methoden unterscheiden
sich stark voneinander und können die Neuregelung der Arbeitszeit, Erhöhung der Arbeitsnormen, Verschärfung der Ausstellungsbedingungen und
den Ausbau der innerbetrieblichen Schulung einschließen. Die Möglichkeiten zur Durchführung derartiger Verbesserungen sind von Betrieb
zu Betrieb verschieden. Die Betriebe, die den größten Anstieg der
Lohnkosten auf Grund einer Neufestsetzung der Mindestlöhne in Kauf
nehmen müssen, sind nicht notwendigerweise diejenigen, die die größten

10

-

�größten Möglichkeiten zu einem rationelleren Einsatz ihrer Arbeitskräfte haben.
6. Die von den Betrieben vom Konsumenten geforderten Preise
werden in den meisten Fällen von der Erhöhung der Mindestlohnsätze
nicht berührt, es sei denn, daß die Lohnkostensteigerung auf Grund
der Neufestsetzung sehr hoch ist, sich ziemlich einheitlich auf
die gesamte Branche auswirkt oder daß die Verkäufer eine Preisabsprache
treffen.
7« Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes zieht im allgemeinen eine gewisse Verringerung der Be-schäftigung solcher Arbeitskräfte nach sich, auf die die neue Mindesthöhe anzuwenden wäre. Eine
absolute Verringerung der Belegschaften oder der Arbeitszeit tritt
nicht ein, wenn nach den Vorausberechnungen der Unternehmer eine
hinreichende Zunahme der Nachfrage zu erwarten ist. Die prozentuale
Verringerung des Beschäftigtenstandes gegenüber dem Stand vor Erhöhung
der Mindestlohnsätze liegt voraussichtlich unter der prozentualen
Steigerung des Mindestsatzes. Aus diesem Grund ist die Anhebung der
gesetzlichen Mindestlöhne als eine Möglichkeit zur Verbesserung des
Arbeitseinkommens der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer zu bejahen.
8. Die von den Arbeitgebern als leistungsschwach angeseheneren Belegschaftsangehörigen werden am stärksten von der Verringerung der
Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund einer Erhöhung der Mindestlöhne
betroffen. Diese Nebenwirkung gerade auf jene Beschäftigten, die
ohnehin die geringste Aussicht auf einen Arbeitsplatz haben, ist sehr
problemati seh.
Abschließend möchte ich noch zwei persönliche Meinungen äußern,
die nicht notwendigerweise durch das bisher Gesagte erhärtet werden.
Erstens ist nach meinem Dafürhalten die Methode des Aushandelns von
spezifischen Mindestlohnsätzen wesentlich besser als deren Festsetzung
durch Gesetz. Da die absehbaren Auswirkungen von Wirtschaftszweig zu
Wirtschaftszweig verschieden sind, ist eine ins einzelne gehende Untersuchung aller Möglichkeiten durch einen Ausschuß einer generellen
Festsetzung durch Gesetz vorzuziehen.
Meine zweite Anmerkung geht dahin, daß die Mindestlohngesetzgebung eine sehr nützliche Nebenwirkung gezeitigt hat, die von ihren
Verfechtern gar nicht beabsichtigt war. Die gesetzlichen Mindestlöhne
gehören mit zu den vielzitierten "eingebauten Stabilisierungsfaktoren"
in unserem Wirtschaf tsgefüge. Wenn die Gesamtnachfrage r.uf dem Geldmarkt, aus welchem Grunde auch immer, nachläßt, so stehen die Arbeitgeber vor der Frage, ob sich eine weitere Expansion ihres Geschäftes
oder auch nur die Beibehaltung der derzeitigen Investitionsrate noch
lohnt. Einer der wichtigsten Gründe für die Hinauszögerung beabsichtigter Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt könnte die Spekulation auf eine Verbilligung der Arbeit sein. Auf diese Weise hilft
die Festsetzung von Mindestlöhnen mit, eine Rezession,wie wir sie
1953/54 und 1957/58 hatten, da ran zu hindern, sich zu einer großen
Depression wie der der dreißiger Jahre auszuwachsen. Das eigentliche

-11

-

�eigentliche Ziel der Mindestlohngesetzgebung ist ein humanitäres die Anhebung der Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitskräfte.
Selbst wenn sie nicht geeignet wäre, eine tatsächliche Erhöhung
dieser Löhne herbeizuführen, wäre sie noch immer als ein stabilisierendes Moment der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von großer
Wichtigkeit.

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

* * * * *

Private Pensionspläie gewinnen immer größere Bedeutung
Einen aufschlußreichen "überblick über dia jüngsten Entwicklungen
auf dem Gebiet der privaten Pensionspläne In den USA sowie über die
Bedeutung, die diese auf Grund von tarifvertraglichen Vereinbarungen
gewährten zusätzlichen Pensionsleistungen für die im Ruhestand lebenden Arbeitnehmer haben, vermittelt eine jetzt vom US-Arbeitsministerium
veröffentlichte Analyse, die sich auf die Ergebnisse von 500 überprüften Pensions planen stützt.
Als die wichtigsten Trends der vergangenen Jahre sind dabei nach
dieser Übersicht die folgenden anzusehen:
1. Die Höhe der Pensionsleistungen wurde weiter heraufgesetzt,
einerseits, um die durch den Anstieg der Lebenshaltungskosten bedingte
Kaui'kraf tmi nderung auszugleichen, und zum anderen, um die Pensionen
den früneien Einkommen der Arbeitnehmer stärker anzugleichen.
Wenn auch im einzelnen die Höhe der Pensionsleistungen der privater Pläne sehr unterschiedlich ist, sc kann man doch eine monatliche
Pension von mindestens 70 Dollar als Richtsatz für einen Arbeitnehmer
annehmen, der nach 50jähriger Dienstzeit im 65. Lebensjahr in den
Ruhestand tri"tt. Bei etwa einem Viertel aller Pläne betrugen die Pensionen sogar 1CC Dollar und mehr.
Rechnet man zu den zusätzlichen Privatpensionen noch die Leistungen aus der staatlichen Sozialversicherung, so ergeben sicn für die
einzelnen Arbeitnehmer monatliche Pensionen zwischen 180 und 220 Dollar.
2. In die meisten privaten Pensicnspläne wurden inzwischen Klauseln aufgenommen, die eine Pensionierung vor Erreichung des gesetzlich
vorgeschriebenen Pe . sionsalteis (65 Jahre) ermöglichen. Eine Pensionierung mit Beginn des 55« oder 60. Lebensjahres ist nach diesen Plänen
bei verminderten Fensionsleistungen vorgesehen.

12

-

�3.
3- Die Gewährung einer Pension bei Eintritt der Vollinvalidität
ist bei den meisten privaten Pensionsplänen ebenfalls vorgesehen. Dabei wurden gleichzeitig die Pensionsleistungen weiter heraufgesetzt
und die Anwartschaftsbedingungen liberali siert.
4. Die allgemeinen Anwartschaftsbedingungen für die Gewährung
einer Pension wurden weiter erleichtert. So wurde bei den meisten
Plänen die Zahl der für die Gewährung einer Pension erforderlichen
Dienstjahre herabgesetzt und die für die Errechnung der Höchstpension
festgelegte Grenze beseitigt, so daß die Arbeitnehmer durch Anrechnung
weiterer Dienstjähre in den Genuß höherer Pensionen kommen können.
5. Die Anwartschaftsrechte auf den Bezug einer Pension bleiben in
der Regel auch dann erhalten, wenn der pensionsberechtigte Arbeitnehmer
den Betrieb vor Erreichung des Pensionsalters verläßt.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Höhe der privaten Pensionsleistungen nach Erreichung von 20 bzw. 30 Dienst jähren.
Zu diesen Leistungen sind die aus der staatlichen Sozialversicherung
gewährten Pensionen noch hinzuzurechnen, die sich bei einem Jahreseinkommen von 4000 Dollar z.B. auf 112 Dollar stellen.
MONATLICHE PENSIONSLEISTUNGEN
Durchschnitt für 100 private Pensionspläne 1)
Arbeitnehmer mit
20 Dienstjahren
Höhe der monatlichen
Pension
( in Dollar )

Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

Arbeitnehmer mit
30 Dienstjahren
Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

4000

4800

5600

100

100

100

Pläne (in Prozent)
100
100

100

unter 50
unter 40
von 40 bis 49

37
22
15

34
21
13

32
20
12

16
9
7

15
9
6

14
8
6

von 50 bis 69

45
36
9

40

24
11
13

23

18

36
4
26

39
36
3

11
12

9
9

29

60

62

67

3
5
5
10
2
-2)

4
2
2
11
8
2

32
3
3
12
7
4

30
2
4
10
6
10

32
3
2
8
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von 50 bis 59
von 60 bis 69
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von 70
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1) Ergebnis aus 300 untersuchten Plänen, durch die 4»7 Millionen Arbeitnehmer erfaßt wurden
2) weniger als 1 Prozent
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(Quelle: Eigenbericht;
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13

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-

�Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
Das Rückgrat der amerikanischen Berufsschulausbildung bildet
auch heute noch die "American Vocational Association" (AVA), die in
diesem Jahr auf eine 55jährige erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken
kann. Aufgabe dieser Institution ist es, die technischen und geistigen Fähigkeiten des beruflichen Nachwuchses in Industrie, Handwerk und
Handel zu fördern.
Die Anfänge des Berufsschulwesens in den Vereinigten Staaten
gehen bis auf das Jahr 1906 zurück. In Erkenntnis des sich ständig
ausweitenden Bedarfs der Wirtschaft an guten und ausgebildeten Fachkräften kam damals in New York eine Gruppe von Geschäftsleuten und
Erziehern in der Absicht zusammen, eine Organisation ins Leben zu rufen, die sich mit der Heranbildung des Nachwuchses befaßte. Sie gründeten damals die "National Society for the Promotion of Industrial Education", die Vorläuferorganisation der heuten "AVA".
Während sich die Organisation in den ersten Jahren hauptsächlich
darum bemühte, in den öffentlichen Schulen den Werkunterricht als erste
Stufe zur praktischen Berufsausbildung zu fördern, konzentrierte sie
in späteren Jahren ihre Bemühungen darauf, in Zusammenarbeit mit Unternehmern, Gewerkschaften und anderen ähnliche Ziele verfolgenden privaten Gruppen und mit Hilfe öffentlicher Mittel.ein umfassendes Netz
von Gewerbeschulen im ganzen Land zu errichten.
Dennoch gingen elf Jahre ins Land, ehe im Jahre 1917 der sogenannte
"Smith-Hughes Act" vom Kongreß verabschiedet wurde, durch den das Berufsschulwesen in den USA einen nationalen Status in Form eines gemeinsamen
Programms von Bund und Einzelstaaten erhielt. Durch das Gesetz wurde
der Rahmen der Berufsausbildung abgesteckt sowie die kontinuierliche
Bereitstellung von Bundesmitteln für die Einzelstaaten zur Förderung
der Berufserziehung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im Handwerk
und in der Industrie gewährleistet.
Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes hat das Berufsschulwesen
in den Vereinigten Staaten einen steilen Aufstieg genommen. Über eine
Million junger Amerikaner werden heute jährlich neu in die Berufsschulen
aufgenommen, die im Jahre 1959 eine Gesamtschülerzahl von 3»7 Millionen
aufwiesen.
Während im Jahre 1917 nur wenige und dazu schlecht ausgestattete
Schulen im Lande vorhanden waren, gibt es heute in fast allen Distrikten
und Städten der USA mit einer Einwohnerzahl von über 25 000 eine moderne
Berufsschule. In den dünnbesiedelten Gebieten dagegen werden die Berufsschüler auch heute noch in sogenannten Distriktsklassen zusammengefaßt.
Die umfassendsten Programme des amerikanischen Berufsschulwesens
stellen heute die sogenannten "Vorbeschäftigungsklassen" und "Förderungsklassen" dar. Während in den Vorbeschäftigungsklassen die jungen Menschen
für den ins Auge gefaßten Beruf ausgebildet werden, können bereits im
Berufsleben Stehende in den Förderungsklassen ihre praktischen und
theoretischen Kenntnisse erweitern. Die gesamten Aufwendungen für diese

-

14

-

�diese industriellen BerufsförderungsProgramme beliefen sich im Jahre
1959 auf mehr als 73 Millionen Dollar. Rund 11 Millionen davon
stellte der Bund als Zuschüsse zur Verfügung, während die restlichen
62 Millionen Dollar von den Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht
wurden.
Die Lehrpläne der amerikanischen Berufsschulen sind heute genauso
umfangreich und verschiedenartig wie die industriellen Berufe selbst.
Nach dem Grundsatz, den Schüler mit all dem erforderlichen Wissen und
praktischen Können auszustatten, sind die Ausbildungsprogramme nicht
starr, sondern beweglich und so gestaltet, daß sie jederzeit den
wechselnden Bedürfnissen von Industrie und Wirtschaft angepaßt werden
können.
Dem jungen, noch nicht im Berufsleben stehenden Menschen geben
sie die Möglichkeit, sich auf einen Beruf - unter mehreren hundert
verschiedenen - vorzubereiten; dem bereits einen praktischen Beruf
Ausübenden die Gelegenheit, sich fortzubilden und im Beruf aufzusteigen.
Was die Lehrkräfte der heutigen Berufsschulen angeht, so halten sie
jeden Vergleich mit anderen Erziehern aus. Während man sich in den Anfängen des Berufsschulwesens noch damit behalf, Facharbeiter und Handwerker als Ausbilder heranzuziehen, beschäftigt man heute durchweg
ausgebildete Berufsschulkräfte. Viele Universitäten und Colleges der
USA verfügen zudem über besondere Fakultäten, die sich ausschließlich
mit der Ausbildung von Berufsschullehrkräften befassen und den Absolventen ein Abschlußdiplom als Berufsschullehrer erteilen.

(Quelle: Eigenbericht)
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-

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-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Fresse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht 'als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der
Sicherheit am Arbeitsplatz

•

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1

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14

Donald II. Landay, Abteilung Löhne und industrielle Beziehungen
im US-Arbeitsministerium»
Zusätzliche Krankenkostenversicherung als tarifliche Leistung
Die zusätzliche Krankenversicherung zur Deckung der Kosten bei
langwierigen, ernsten Erkrankungen als Teil der tarifvertraglich vereinbarten betrieblichen Sozialleistungen hat seit ihrer Einführung
vor rund zehn Jahren den größten Aufschwung im Bereich des gesamten
Krankenversicherungswesens in den Vereinigten Staaten erlebt. Bei
einer Untersuchung der Lohnverhältnisse, die das US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik um die Jahreswende 1959/60 in einzelnen' Gemeinden
angestellt hat, ergab sich, daß rund ein Fünftel aller von der Untersuchung erfaßten Arbeitnehmer in den Großstädten einer Krankenkostenzusatzversicherung angehörten, die normalerweise eine Ergänzung
zur Krankenhaus-, Operations- und allgemeinen Krankenkostenversicherung
als der Grundversicherung darstellt.
Trotz der offensichtlich steigenden Beliebtheit der Form der Zusatzversicherung wird diese von verschiedenen Krankenversicherungsexperten der Gewerkschaften abgelehnt. Manche Anzeichen deuten allerdings darauf hin, daß der Widerstand der Gewerkschaften gegen eine
derartige Zusatzversicherung abzunehmen beginnt, insbesondere was
die echte Mehrkostenversicherung - nicht die Ersatzversicherung für
die normale Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkostenversicherung - angeht.
Die nachstehenden Ausführungen stützen sich auf die Ergebnisse
einer Analyse der Leistungen der Krankenzusatzversicherung, die von
1

�von 43 der insgesamt 300 untersuchten betrieblichen Krankenversicherungen,die auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarung bestehen, gewährt werden. Da es sich hierbei um die erste eingehende Untersuchung
der Krankenkostenzusatzversicherung als Bestandteil der tariflichen
Sozialleistungen des Arbeitgebers handelt, scheint es angebracht,
zunächst einmal die wesentlichen Merkmale derartiger Versicherungen
sowie ihre wichtigsten Vor- und Nachteile kurz zu erläutern.
Die Zusatzversicherung gewährt Leistungen zur Abdeckung
der Aufwendungen für fast sämtliche Gesundheitsmaßnahmen, die von
Ärzten ausgeführt oder angeordnet werden. Im Gegensatz zur normalen
Krankenversicherung, die sich in den Vereinigten Staaten größtenteils keineswegs aber ausschließlich - auf die Kosten beschränkt, die durch
eine stationäre Krankenhausbehandlung entstehen, deckt die Zusatzversicherung die Kosten für nahezu sämtliche Gesundheitsmaßnahmen,
gleichgültig, wo sie vorgenommen werden. Ausgeschlossen sind dagegen
zumeist die Entbindungs- und Zahnbehandlungskosten sowie alle Kosten,
die durch die normale Krankenversicherung getragen werden.
Der Schutz durch die Zusatzversicherung ist allerdings nicht hundertprozentig. Bei sämtlichen Versicherungen ist eine Selbstbeteiligungsklausel zu finden, der zufolge die Versicherung 75-80 Prozent der
Kosten zu tragen und der Versicherte den Rest zu bestreiten hat. Bei
den meisten Versicherungen ist auch' eine Franchise vereinbart, das
heißt, der Versicherte muß für einen festen Betrag selbst aufkommen,
ehe die Leistungspflicht der Versicherung einsetzt. Gehört der Versicherungsnehmer auch einer normalen Krankenkasse an, so sind die Selbstbeteiligung und die Franchise meist auf die Aufwendungen beschränkt,
die nicht von der Krankenversicherung abgedeckt werden. Der Versicherungsnehmer muß ferner für alle Kosten selbst aufkommen, die den Leistungshöchstsatz überschreiten, der zumeist zwischen 5000 und 10 000 Dollar
liegt und jeweils für ein bestimmtes 'Leiden gilt, teils innerhalb eines
begrenzten Verrechnungszeitraums, teils auf Lebensdauer.
Man hat zwei Arten der KrankenkaBbenzusatzversicherung zu unterscheiden: 1. die Mehrkostenversicherung, die für die Aufwendungen aufkommt,
die die Franchise und den von der Grundversicherung abgedeckten Betrag
übersteigen; 2. die Gesamtversicherung, die an die Stelle der normalen Krankenversicherung tritt, bis auf eine Franchise, alle Kosten für
Gesundheitsmaßnahmen einschließt. Bei beiden Versicherungsformen gelten
Höchstsätze für die jedem einzelnen Versicherten zu erstattenden Beträge .
Die nachstehende Aufstellung zeigt, wie sich versicherte Krankenkes ten in Höhe von 5000 Dollar bei den einzelnen Versicherungsarten auf
die Versicherung und den Versicherten verteilen;(siehe Tabelle):

2

�Grund- und
MehrkostenVersicherung
(Dollar)
Höhe der Krankenkosten
Von der Versicherung zu
erstattender Betrag
aus der GrundVersicherung
aus der Mehrkostenversicherung
(bei 80 Prozent Deckung)
Vom Versicherten zu tragender
Kostenanteil
Franchise
Selhstbeteiligung an den Mehrkosten
(20 Prozent)

GesamtVersicherung
(Dollar)

5000

5000

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2240

3960

660

1040

100

50

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Trotz Franchise, Selbstbeteiligung und Leistungsgrenze bietet die
Zusatzversicherung mehrere Vorteile:
1. Die Zusatzversichefung ist insofern umfassend, als sie nicht
einzelne, genau spezifizierte Aufwendungen, sondern sämtliche Krankenkosten (mit den wenigen vorstehend erwähnten Ausnahmen) deckt, ohne
Rücksicht auf die speziellen Behandlungsmethoden des zugezogenen Arztes, den Ort der Behandlung, die verordneten Arzneimittel oder die
angewandten diagnostischen Hilfsmittel. Eine gewisse Ausnahme wird
von einzelnen Versicherungen bei Geisteskrankheiten und nervösen Leiden gemacht. Die Zusatzversicherung, 30 wird vielfach argumentiert,
verhindert im Gegensatz zur Grundversicherung die Verfälschung des Behandlungsablaufs und vermeidet unnötige oder übermäßige Krankenhausbehandlung, indem sie auch die Kosten für die Behandlung trägt, die
nicht stationär vorgenommen wird.
2. Der Leistungssatz ist viel höher als in der Grundversicherung,
insbesondere was Arzt- und Operationskosten angeht. Wie aus früheren
Untersuchungen der Leistungen der tariflichen Krankenversicherungen durch
das Bundesamt hervorgeht, bezifferten sich die Erstattungssätze der
Grundversicherung pro Leiden im Durchschnitt bei Pflegekosten auf
1000 Dollar, bei Krankenhausnebenkosten auf 300 Dollar,bei schweren Operationen auf 307 Dollar und bei Behandlungskosten auf 517 Dollar - das
ergibt insgesamt für alle Aufwendungen zusammen einen Höchstbetrag von
2124 Dollar. Wie bereits erwähnt, liegt der Höchstbetrag bei den meisten
*

Etwa der höchste Anteil, der von der normalen Krankenhaus-, Operations- und Krankenkostenversicherung erstattet wird.

-

3 -

�meisten Zusatzversicherungen bei 5000 Dollar und mehr,
3. Die Versicherungsgesellschaften und verschiedene Experten
vertreten die Auffassung, daß eine lediglich teilweise Erstattung das Ergebnis der Franchise und der Selbstbeteiligung - gegenüber
einer restlosen Kostendeckung, wie sie die Grundversicherung teilweise gewährt, drei Vorteile habe;
a. Sie dämme die nicht notwendige Inanspruchnahme von ärztlichen
Dienstleistungen, teueren Heilbehandlungen und kostspieligen
Einrichtungen ein.
b. Sie rege die Patienten zu einer kritischen Kontrolle der ihnen
verrechneten Gebühren und Sätze an, was selbst nach Ansicht
der Ärzteschaft notwendig ist.
c. Sie verhindere die Erstattung von kleinen Aufwendungen und
trage somit zur Senkung der Verwaltungskosten bei, die andernfalls auf die Beiträge abgewälzt werden müßten.
Diese Vorteile werden von Sprechern der'Gewerkschaften geleugnet
oder doch als unerheblich abgetan, die den Standpunkt vertreten, die
Zusatzversicherung gewähre dem Arbeiter und Angestellten keinen Ausgleich für die normalerweise anfallenden (kleineren) Krankenkosten.
Sie weisen ferner darauf hin, daß bei Vorliegen eines mit hohen Krankenkosten verbundenen Leidens - des typischen Versicherungsfalls der
Zusatzversicherung also - "der Arbeitnehmer auf Grund der vereinbarten
Franchise und Selbstbeteiligung einen hohen Anteil an den anfallenden
Rechnungen zu tragen hat. und daß, wenn man kein Geld hat, ein- oder
zweitausend Dollar Schulden ebenso drückend sind wie eine noch höhere
Summe". *)
Neben dem begrenzten Schutz vor Vermögensverlusten führen die
Gewerkschaftler noch zwei weitere Nachteile der Zusatzversicherung an.
Der erste besteht darin, daß "die Franchise den Arbeitnehmer vielfach
davon abhält, rechtzeitig zum Arzt zu gehen" (*ebenda). Dieses Argument trifft wohl für die Gesaratversicherung (bei der die Leistungen
der Grundversicherung wegfallen) und die meisten Mehrkostenversicherungen zu, nicht aber für eine kleine Zahl von Mehrkostenversicherungen, die die Grundversicherung ergänzen und mit ihren Leistungen einsetzen, nachdem die Kosten für eine ganze Reihe von Gesundheitsmaßnahmen in der ersten Behandlungsphase von der Grundversicherung abgedeckt sind.
Ein weiterer Einwand besagt^ "die Mehrkostenversicherung inflationiert die Krankenkosten. Die Arzte richten sich in ihren Honorarforderungen nach dem Einkommen des Patienten. Diese Versicherung aber
erhöht in den Augen des Arztes die Zahlungsfähigkeit der Klienten
und kann ihn deshalb sehr leicht veranlassen, seine Rechnung weit höher
^u stellen als bei Fehlen eines solchen Versicherungsschutzes" (*ebenda).
*

"Catastrophic Illness Insurance: A Barrier on the Road to Health"
(Die Versicherung schwerer Krankheiten - ein Hindernis auf dem
Weg zur Gesundheit), AFL-CIO Publication 51 , 1957 -

�Zu dieser Frage wurde von Versicherungsgesellschaften, Ärzteverbänden, Gewerkschaften und Versicherungsexperten umfassendes
statistisches Material vorgelegt. Um derartigen inflatorischen
Tendenzen entgegenzuwirken, haben die meisten Versicherungen einen
Passus, der die Erstattung auf "vertretbare" und übliche" Aufwendungen beschränkt. Manche Gesellschaften sind deshalb auch zu der
Gepflogenheit der normalen Krankenversicherungen zurückgekehrt,
Höchstsätze für einzelne Leistungen in die Verträge einzubauen.
So wurde beispielsweise von verschiedenen Versicherungen der Pflege-,
satz auf 20 bis 25 Dollar pro Tag und der Höchstsatz für einen Hausbesuch des Arztes auf 10 Dollar festgesetzt.
Für die inflatorischen Auswirkungen der Zusatzversicherung werden vor allem zwei Erklärungen genannt: 1. Der nicht gedeckte Anteil
an den Krankenkosten (20 oder 25 Prozent) ist zu gering, um die Wahl
der Behandlungsart durch den Patienten zu beeinflussen. 2. Das Wissen
des Patienten um die Einsparungsmöglichkeiten bei den verschiedenen
Behandlungsarten reicht nicht aus, um eine sachkundige Wahl zu treffen. Um die erstgenannte Schwierigkeit wenigstens teilweise zu überwinden, erstatten einige Gesellschaften bei gewissen Leistungen, bei
denen eine Kontrolle des Kostenanfalls durch den Patienten besonders
wichtig ist, nur einen relativ kleinen Teil der Kosten. So decken sieben der in die Untersuchung einbezogenen 43 Zusatzversicherungen bei
der ambulanten Behandlung von Geisteskrankheiten und nervösem Leiden
nur 50 Prozent der Aufwendungen gegenüber dem bei anderen Erkrankungen
üblichen Anteil von 75 oder 80 Prozent.
Verbreitung der Zusatzversicherung
Von den 300 auf Grund tarifvertraglicher Regelungen bestehenden
betrieblichen Krankenversicherungen,dieindie Untersuchung des Bundesamtes
für Arbeitsstatistik einbezogen wurden, erstreckten sich 43» die insgesamt 1,2 Millionen Arbeitnehmer als Mitglieder hatten, auch auf die
Zusatzversicherung. 37 von ihnen waren Mehrkostenversicherungen, d.h.
sie ergänzten die Leistungen einer bestehenden Grundversicherung für
Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkosten. Bis auf vier
Versicherungen schlössen sie sämtlich die Familienangehörigen der
Arbeitnehmer ein. Bei neun Versicherungen erstreckten sich die Leistungen auch auf pensionierte Arbeitnehmer und bei acht auch auf
deren Angehörige.
Die Zahl der betrieblichen Gruppenversicherungen hat sich seit
der letzten Untersuchung des Bundesamtes im Jahre 1955 verdreifacht.
Die Zusatzversicherung hat im gleichen Zeitraum eine Zunahme aufzuweisen, die sogar noch weit höher liegt. Dennoch ist diese Versicherungsart auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen im Rahmen der betrieblichen Sozialleistungen noch nicht sehr weit verbreitet. Lediglich
in den Erdölraffinerien, in der Elektroindustrie und im Transportgewerbe sind 50 Prozent oder mehr der Arbeitnehmer, die einer in die
Untersuchung des Bundesamtes einbezogenen betrieblichen Krankenversicherung angehören, auch in der Zusatzversicherung. Von den 3»3
Millionen Arbeitern und Angestellten, die Mitglieder der 300 untersuchten Versicherungen sind, gehören nur 18 Prozent auch einer Zusatzversicherung an. Der Anteil der bei den untersuchten betrieblichen

-

5 -

�betrieblichen Krankenversicherungen zusatzversicherten Arbeitnehmer
aus der nichtindustriellen Wirtschaft lag mit 36 Prozent doppelt
so hoch; dies ist vor allem der Mehrkostenversicherung des nichtbetriebstechnischen Eisenbahnpersonals zuzuschreiben. Da diese
Versicherung allein fast die Hälfte aller mehrkostenversicherten
Arbeitnehmer umfaßt, macht sie sich in der Statistik natürlich
ganz einschneidend bemerkbar. Von ihr und vier weiteren Zusatzversicherungen abgesehen, handelte es sich ausschließlich um geschlossene Betriebsversicherungen. Andererseits sind viele der auf
mehrere Betriebe ausgedehnten Gruppenversicherungen in ihren Leistungen so gut, daß sich eine Zusatzversicherung erübrigt oder zumindestens nicht dringend notwendig ist.
Die Finanzierung der Zusatzversicherung
Der Beitrag für die Zusatzversicherung wird bei knapp einem
Drittel der Versicherungen ausschließlich vom Arbeitgeber bestritten,
für die Grundversicherung dagegen bei zwei Dritteln. 7/ährend die Grundversicherung in keinem Falle ausschließlich vom Arbeitgeber getragen
wird, ist dies bei fünf der 43 Zusatzversicherungen der Fall. Nimmt
man noch die Kosten für die Mitversicherung der Angehörigen dazu, so
wurde die Gesamtlast für die Grundversicherung bei der Hälfte der
Betriebskrankenkassen vom Arbeitgeber getragen, für die Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Fünftel. Andererseits werden die Beiträge zur Grundversicherung der pensionierten Arbeitnehmer bei einem
Drittel der Versicherungen von den Pensionären allein aufgebracht,
zur Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Neuntel.
Die Mehrkostenversicherung
Die Franchise; Fast sämtliche Mehrkostenversicherungen haben eine
"Zonenfranchise" eingeführt, das heißt, es besteht zwischen der oberen
Leistungsgrenze der Grundversicherung und dem Einsetzen der Leistungspflicht der Mehrkostenversicherung ein nicht gedeckter Bereich. Zwei
Versicherungen kennen eine "integrierte Franchise", bei- der die Leistungen der Grundversicherung von der Franchise abgerechnet werden;
das heißt, die Leistungen der Mehrkostenversicherung werden für alle
Aufwendungen gewährt, die die Leistung der Grundversicherung bzw.
die Höhe der Franchise übersteigen, wobei jeweils von dem größeren
Betrag auszugehen ist.
. Bei sämtlichen Versicherungen weist die Franchise die folgenden
drei Charakteristika auf: 1. Ein fester Dollarsatz. 2. Eine Frist, innerhalb welcher anfallende Kosten gegen die Franchise aufzurechnen sind.
3. Die Spezifikation der Leiden, die bei der Erstattung gegen ein
und denselben Franchisensatz aufzurechnen sind. Der Dollarsatz war im
allgemeinen für sämtliche Mitglieder einer Versicherung gleich, bei
sechs Versicherungen aber, die als Familienversicherungen operieren,
richtet er sich nach dem Einkommen des Hauptversicherten.
Die Zahl der Versicherungen, die die Franchise bei jedem einzelnen
Leiden in Ansatz bringen, ist etwa ebenso hoch wie die Zahl derjenigen,
die sie auf sämtliche innerhalb eines bestimmten Zeitraums behandelten
Krankheiten anwenden. Bei letzterem Typ herrschte eine 100-DollarZonenfranchise vor, wobei das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde gelegt wird. Um die Härten zu mildern, die sich aus der

-

6

-

�der willkürlichen Festsetzung des Jahreszeitraums ergehen können,
gestatteten die meisten Versicherungen die Aufrechnung nicht erstatteter Beträge aus den letzten drei Monaten des Vorjahres auf die
Franchise, auch wenn sie bereits in jenem Jahr zur Abdeckung der
Franchise jenes Jahres aufgerechnet worden waren. Bei den Versicherungen, die die Franchise für jedes einzelne Leiden in Anwendung bringen,
beginnt der Verrechnungszeitraum mit dem Tag des Behandlungsbeginns
und währt zwei bis 24 Monate. Sechs der neun Versicherungen mit einer
Franchise von 100 Dollar haben einen Verrechnungszeitraum von zwei
Jahren, während vier, der insgesamt sechs Versicherungen mit einer
Franchise von 150 Dollar und darüber einen Verrechnungszeitraum
von einem halben Jahr und darunter zugrunde legen. Statt also eine
hohe Franchise durch einen langen Verrechnungszeitraum wettzumachen,
setzen die Versicherungen mit hoher Franchise sogar noch einen kürzeren Verrechnungszeitraum fest.
Die Selbstbeteiligung; Etwa die Hälfte dieser Versicherungen erstatten die Krankenkosten des Versicherten und seiner Angehörigen, soweit
sie die Leistungen der Grundversicherung und die Franchise übersteigen,
zu 75 Prozent, die andere Hälfte zu 80 Prozent. Eine Versicherung gewährt
sogar 90 Prozent. Zwei Drittel der Versicherungen, die die Aufrechnung
der Kosten für die Behandlung sämtlicher Leiden auf die Franchise gestatten, vergüten 80 Prozent, während andererseits zwei Drittel der
Gesellschaften, die die Franchise bei jedem einzelnen Leiden anwenden,
lediglich 75 Prozent erstatten. Bestimmte Aufwendungen, wie beispielsweise die ambulante psychiatrische Behandlung, werden nur zu einem
geringeren Prozentsatz - im allgemeinen 50 Prozent - durch die Versicherung abgedeckt; in einem Fall besteht sogar ein Leistungsausschluß.
Auswirkungen der Festsetzung eines bestimmten Verrechnungszeiträumst
20 Versicherungen, das ist etwas mehr als die Hälfte, decken die Aufwendungen der Arbeitnehmer für sämtliche Leiden während eines bestimmten
Zeitraums - gewöhnlich des Kalenderjahrs. Zieht sich eine Krankheit
bis ins folgende Kalenderjahr hin, so wird für dieses wiederum die
Franchise abgezogen, ehe die Leistungspflicht der Gesellschaft beginnt;
das gleiche gilt für jedes weitere Jahr. Um Härten zu mildern, die sich
aus den willkürlich festgesetzten Anfangs- und Enddaten des Verrechnungszeitraums ergeben können, weisen die Verträge von 11 der 16 Gesellschaften,
die das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde legen, eine Bestimmung auf, die besagt, daß die in den letzten drei Monaten eines Kalenderjahres anfallenden Aufwendungen sowohl auf die Franchisen dieses
als auch des nächsten Jahres aufgerechnet werden können.
Nicht ganz die Hälfte der Zusatzversicherungen, 17 insgesamt, stimmen den Leistungszeitraum auf die Krankheitsdauer ab. Die meisten
decken die Krankenkosten, die während der ersten zwei Jahre nach Krankheitsbeginn anfallen, fünf sämtliche Kosten, acht die Kosten nach Abzug
der Franchise. Eine Leistungspflicht über zwei Jahre hinaus besteht nicht.
Die Länge und Handhabung des Verrechnungszeitraums bei der Familienversicherung zeigt im allgemeinen dieselben Y/esensmerkmale wie bei der
Versicherung des Arbeitnehmers selbst, schon weil sämtliche Versicherungen
bis auf vier ohnehin die Angehörigen mitversichern. Pensionierte

- 7 -

�Pensionierte Arbeitnehmer und deren Familienangehörige werden jedoch
nur von fünf Gruppenversicherungen mit erfaßt; bei diesen gilt, mit
einer Ausnahme, daß das Kalenderjahr für sämtliche in ihm behandelten
Leiden als VerrechnungsZeitraum anzusehen ist, für den eine Franchise
in Anwendung zu bringen ist.
Die Leistungshöchstsätze: Unter den 20 Versicherungen, die die Aufrechnung der Aufwendungen für sämtliche behandelte Leiden innerhalb eines
Verrechnungszeitraums von 12 bis 24 Monaten gestatten, besteht bei 17
keine Erstattungsgrenze innerhalb des Verrechnungszeitraums. Bei neun gilt
vielmehr eine. - auf Lebensdauer bemessene - Leistungsgrenze von 10 000
Dollar, bei einer eine von 7500 Dollar und bei sieben eine von 5000
Dollar (siehe Tabelle I und II). Zehn der 17 Versicherungen, die ihre
Leistungen pro Erkrankung auf Höchstsätze beschränken, erstatten Aufwendungen bis zur Höhe von 5000 Dollar pro Leiden und haben, mit einer
Ausnahme, keine auf Lebenszeit bemessenen Höchstsätze. Die restlichen
Versicherungen arbeiten entweder mit einer Höchstgrenze auf Lebensdauer von 5000 Dollar (in einem Fall 10 000 Dollar) oder einem Höchstsatz von 5000 Dollar während eines Verrechnungszeitraums.
Während Aufwendungen von über 5000 Dollar für ein Leiden selten
erforderlich werden dürften, kann sich die Leistungsgrenze von 5000 oder
10 000 Dollar auf Lebensdauer, das sind für junge Menschen gegebenenfalls 45 und mehr Jahre, als ein großer Nachteil erweisen. Zwei Drittel
der Versicherungen haben sich eine solche Leistungsgrenze von 10 000
oder weniger Dollar für den Arbeitnehmer ausbedungen. Der abträgliche
Effekt einer derartigen Beschränkung wird durch eine in fast allen
Verträgen zu findende Klausel etwas gemildert, derzufolge die Wiederherstellung des Höchstsatzes bei Mitgliedern möglich ist, die sich
einer guten Gesundheit erfreuen ("bei genügendem Nachweis der Versicherungswürdigkeit"). Diese Bestimmung schließt allerdings die Versicherten mit wiederholt auftretenden oder chronischen Erkrankungen
aus, mit anderen Worten gerade jene, die eines erweiterten Versicherungsschutzes am ehesten bedürfen.
Die Gesamtversicherung
Sechs der in Rede stehenden betrieblichen Zusatzversicherungen waren
sogenannte Gesamtkostenversicherungen, d.h., sie ersetzten die Grundversicherung, statt sie zu ergänzen. Von dieser Versicherung wurden insgesamt rund 200 000 Arbeitnehmer in Form von Gruppenversicherungen mit.
2400 bis 120 000 Mitgliedern erfaßt. Fünf der Versicherungen erstreckten
sich auch auf die Angehörigen der Arbeitnehmer, vier auch auf die pensionierten Arbeitnehmer und drei auch auf deren Familienangehörige.
Diese Versicherungen haben höhere Leistungen aufzubringen als die
Mehrkostenversicherungen, da die Franchise rascher aufgebraucht wird.
Sie ist niedriger - im allgemeinen beträgt sie 25 oder 50 Dollar gegenüber 100 Dollar und mehr bei der Zusatzversicherung - und wird, von
einer Versicherung abgesehen, gegen die Aufwendungen für sämtliche
im Laufe eines Jahres (und darüber) behandelten Krankheiten aufgerechnet und nicht - wie bei fast der Hälfte der Mehrkostenversicherungen bei jedem einzelnen Leiden neu angerechnet. Bei der Mehrkostenversicherung

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziebungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht -als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 7/8

Bad Godesberg, den 1. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Herausforderung der "zweiten industriellen
Revolution"

Seite

1

"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran

Seite

8

Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950

Seite

11

Seite

11

Seite

12

Seite

14

Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige
Umschulung
Neue Formel für den Arbeitsfrieden

«

Gewerkschaftliche 'Kurznachrichten

Arthur J. Goldberg, Arbeitsminister der Vereinigten Staaten von Amerikai
Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"
In dem nachstehenden Artikel behandelt US-Arbeitsminister Arthur J. Goldberg die Frage, wie sich
eine notwendige fortgesetzte Steigerung der Produktivität durch Einführung arbeitsparender Maschinen realisieren läßt, ohne daß dadurch unnötige
wirtschaftliche und soziale Härten für den einzelnen entstehen und ohne daß daraus eine größere
Arbeitslosigkeit resultiert.
Der Artikel wurde dem "New York Times Magazine"
entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers,
der Quelle und dem Vermerk "(c) 1961 by The New
York Times Company" gestattet.
Präsident Kennedy hat eine aus sieben prominenten Vertretern des
Managements, sieben Spitzenfunktionären der Gewerkschaften, fünf bekannten Privatpersonen und dem Handelsminister Hodges und mir bestehende Gruppe mit der Aufgabe betraut, allgemeine Richtlinien auszuarbeiten,
die von den Gewerkschaften, dem Management und der Öffentlichkeit im
Hinblick auf solche wirtschaftspolitische Fragen beherzigt werden
sollten wie der Wettbewerb auf dem Weltmarkt oder "die Segnungen und
Probleme, die sich aus der Einführung der Automation ergeben".

Wir

�Wir haben diesen Auftrag zu einem Zeitpunkt übernommen, der durch
stark kontrastierende Wirtschaftstrends gekennzeichnet war. Die Gesamtzahl der Beschäftigten lag z.B. im Februar dieses Jahres mit 64,7 Millio-.
nen auf einem Rekordniveau, während gleichzeitig die Erwerbslosenziffer
bis auf 5»705 Millionen angestiegen war und damit den höchsten Stand
seit 1941 erreichte.
Ich habe mit Hunderten von Arbeitslosen in den Industriegebieten
von Chicago, Gary, South Bend, Detroit, Pittsburgh und in den Erzbergbaugebieten von Minnesota gesprochen. In jenen Gebieten drückt sich der
Wirtschaftstrend in seinen lebenden Komponenten aus - Männer und Frauen
mit Namen und Schicksalen, mit Familien und Problemen, mit Vergangenheit
und Zukunft. Einige von ihnen waren Maschinenwärter, andere Zimmerer
oder Maler, dritte Bergleute oder Fließbandarbeiter und so fort - ein
vollkommener Querschnitt durch die gesamte Berufsskala. Alle hatten
nur einen Gedanken: Was soll werden? Für viele von ihnen ist eine
wirtschaftliche Erholung gleichbedeutend mit einer Beschäftigung. Sie
würden an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und versuchen dort fortzufahren, wo sie aufgehört haben. Für andere jedoch ist der Arbeitsplatz
ein Opfer der durchgreifenden Veränderungen im Wirtschaftsleben, insbesondere in den Industriebetrieben, geworden.
Diese allgemein sehr vage durch den Gattungsnamen "Automation" umrissenen Veränderungen sind inzwischen so deutlich geworden, daß einige
Wirtschaftler sie als "eine zweite industrielle Revolution" bezeichnet
haben.
Die Automation ist die jüngste Phase in der jahrhundertelangen
Suche nach Möglichkeiten, die menschliche Arbeitskraft durch mechanische oder andere Formen der Energie zu ersetzen. In der industriellen
Revolution des 19» Jahrhunderts befreiten die kraftangetriebenen Maschinen den Menschen zum ersten Mal in der Geschichte von gewissen
Formen körperlicher Arbeit. Dieser Prozeß hat sich weiter fortgesetzt.
In den ersten Entwicklungen auf diesem Gebiet wie der Getreidemühle
Oliver Evans1 mit ihren Förderbändern und Rutschen, den automatischen
Kontrollen James Watts für seine Dampfmaschine und der Rechenmaschine
von Charles Babbage sind dabei die Anfänge der heutigen automatischen
Mammutproduktionsverfahren zu erblicken, in denen Erdöl raffiniert
wird, Artilleriegeschosse, Bäckereiwaren, Chemikalien, Motorblöcke
hergestellt und Elektrizität, Atommaterial und viele andere Dinge
erzeugt werden.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat die Automation durch
ein neues Element weiteren Auftrieb erhalten: das zunehmende Wissen
in der Bearbeitung von Informationen, wie es in den elektronischen
Rechensystemen und Rechnern seinen Ausdruck findet. Mit dem Elektronengehirn, das eine Kontrolle der "mechanischen Muskeln" ermöglichte, wurde
zwar die Vollautomation der Büros und Fabriken möglich, aber gleichzeitig damit zeichnete sich auch das Gespenst schwerer Dislozierungen
auf dem amerikanischen Arb,eitsmarkt ab.
Das Kernproblem, das sich der amerikanischen Wirtschaft heute
stellt - und das bei allen bedeutenden industriellen Verhandlungen in
irgendeiner Form gegenwärtig ist - heißt, auf einen einfachen Nenner
gebracht: Wie läßt sich die notwendige fortgesetzte Steigerung der

- 2 -

�der Produktivität mittels Einführung arbeitsparender Maschinen ohne
Härten für den einzelnen und ohne weitverbreitete Arbeitslosigkeit
realis ieren?
Dieses Problem ist allen westlichen Volkswirtschaften bekannt.
In Samuel Gompers' Selbstbiographie z.B. ist eine ergreifende Erinnerung
aus dem London der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts enthalten!
"Eine meiner ersten, stärksten Erinnerungen ist die große Not, die über
die Seidenweber hereinbrach, als Maschinen erfunden worden waren, durch
die ihre handwerklichen Fähigkeiten überflüssig wurden und die sie von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten. Mit keinem Gedanken dachte man damals
an jene Menschen, deren Handwerk ausgelöscht worden war. Elend und Ungewißheit erfüllten die Nachbarschaft mit einer Atmosphäre der Furcht.
In den engen Gassen hallten die Schritte der Menschen wider, die, ohne
Arbeit, in Gruppen auf und ab gingen."
Solche schweren Zerrüttungen mit schwerem menschlichen Leid im
Gefolge sind historische Phänomene.
Heute sind die Auswirkungen solcher technischen Veränderungen
durch ein Wirtschaftssystem gemildert, dessen allgemeine Charakteristika
die zahlreichen Arbeitsmöglichkeiten, die Entstehung neuer Arbeitsplätze
in den Dienstleistungszweigen und im Handel, die Regierungsprogramme,
wie etwa die Arbeitslosenversicherung.sind sowie die durch Privatinitiative ausgehandelten "Stabilisatoren" wie die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, die in einigen Fällen dem Arbeitnehmer sogar dann noch
gezahlt wird, wenn er in einem anderen Industriezweig auf eine neue
Tätigkeit umgeschult wird.
Die großen technischen Veränderungen haben sich in der Vergangenheit über Zeiträume von vielen Jahren erstreckt. Wenn sie sich in dem
kurzen Zeitraum von nur fünf Jahren vollzogen hätten, wären die Auswirkungen sowohl auf die Wirtschaft als auch auf das soziale Gefüge weit
aus stärker gewesen. Heute jedoch wird das Tempo der Automation noch
durch den Druck zahlreicher Faktoren beschleunigt. Der wichtigste dieser
Faktoren ist zweifellos die Überalterung der amerikanischen Industrieanlagen. Wie eine zuverlässige Schätzung zeigt, würde es rund 95 Milliar
den Dollar kosten, die veralteten Produktionsanlagen und den Maschinenpark zu modernisieren bzw. die Maschinen durch neue zu ersetzen.
Gleichzeitig aber erleben wir, wie sich in Europa aus den Trümmern
des letzten Krieges eine neue industrielle Struktur - moderne Anlagen
mit automatisierten Maschinen - entwickelt. Die Erzeugnisse aus diesen
Anlagen bedeuten heute für uns eine schwerwiegende Konkurrenz auf jenen
Märkten, die einstmals unsere ureigenste Domäne waren. Diese beiden
Faktoren - die Überalterung im Lande selbst und der wachsende Wettbewerb im Ausland - sind es denn auch, die dem Wunsch, zu verbessern und
zu modernisieren, Auftrieb verleihen. Hinzu kommt noch der Impuls, der
durch den ständigen Wunsch nach einem höheren Lebensstandard ausgelöst
wird. Dem erfolgreichen amerikanischen Beispiel, bessere Güter und Diens
leis'tungen einer stetig wachsenden Bevölkerung zugänglich zu machen,
liegt eine hochentwickelte Technik zugrunde.
•
Wir sind bereits Zeugen der Auswirkungen der Automation geworden.
Zwischen 1947 und 196O z.B. erhöhte sich die Arbeitsproduktivität in der

�der Privatwirtschaft jährlich im Durchschnitt um 3,5 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Durchschnitt von 2,4 Prozent.
Selbst wenn man die Produktivitätsziffern der Landwirtschaft - die
ja von allen Wirtschaftszweigen durch die technologischen Veränderungen
am stärksten berührt wurde - ausklammert, beläuft sich der jährliche
Durchschnitt der Produktivitätssteigerung in der Nachkriegszeit immer
noch auf 2,7 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Mittel des
nichtlandwirtschaftlichen Sektors von 2,1 Prozent.
Im Zuge dieser Produktivitätszunahme hat sich in verschiedenen
Industriezweigen ein Rückgang in der Beschäftigtenzahl vollzogen. Im
Steinkohlenbergbau z.B. stieg die Produktivität in der Nachkriegsperiode
um erstaunli-che 96 Prozent an, während gleichzeitig die Zahl der Bergleute um 262 700 abnahm. Bei den Eisenbahnen erhöhte sich die Produktivität im selben Zeitraum um 65 Prozent bei gleichzeitigem Rückgang der
Beschäftigtenzahl um 540 000.
•
Es gibt kein geeignetes Mittel, um den genauen Anteil derjenigen
Erwerbslosen 'an der Gesamtarbeitslosenziffer festzustellen, die ihren
Arbeitsplatz auf Grund der technischen Veränderungen verloren haben.
Wir wissen zwar genau, daß die industrielle Beschäftigung im Jahre
i960 um 900 000 zurückging, obwohl in jedem der ersten zehn Monate
jeweils neue Rekordstände in der Gesamtbeschäftigung erzielt wurden,
aber uns ist nicht bekannt, wie groß die Zahl der Arbeitsplätze ist,
die für immer verlorengegangen sind, wenn auch vieles darauf hindeutet,
daß der Anteil der technologischen Erwerbslosigkeit an der Gesamtarbeitslosigkeit immer größer wird. So wies die US-Wirtschaft z.B. zu
Beginn jeder der vier wirtschaftlichen Erholungsperioden der Nachkriegszeit, die den Rezessionen folgten, eine höhere Arbeitslosenrate auf. Genauso betrüblich ist die Tatsache, daß es sich bei einem
großen Teil der Erwerbslosen um langfristige Erwerbslose handelt. Im
Januar dieses Jahres z.B. waren 6^7 000 der Unbeschäftigten bereits
länger als 27 Wochen auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.
Der Schatten der technologischen Arbeitslosigkeit lastet heute
sowohl über den Stahl- und Bergarbeiterstädten als auch über den
Produktionszentren der Textil- und Fertigungsindustrie. Im vergangenen
Winter gruppierten sich die Arbeiter in West-Virginia um an den Straßenecken angezündete offene Feuer, um dort Nachrichten über Arbeitsmöglichkeiten auszutauschen. Mit dem Herannahen des Frühlings verstärken sich
zwar wieder die Hoffnungen, aber leider ist es ebenso eine Tatsache,
daß in jedem Frühjahr, von Jahr zu Jahr in verschiedenen Industriezweigen immer weniger Arbeitnehmer anzutreffen sind. Das Vermächtnis
des industriellen Fortschritts ist, auf lange Sicht betrachtet, ein
gutes gewesen. Wenn man jedoch das Problem definieren will, so muß man
auch die Verheißungen aufzeigen, und um sich den Fortschritt auszumalen, ist es erforderlich, das Problem zu umreißen. Durch die Automation
z.B. werden die beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der gesamten
Arbeitskräfte auf Grund der höheren Anforderungen an Erziehung und Ausbildung angehoben. Sie verheißt handwerkliehen Fähigkeiten und Intelligenz eine Belohnung. Aber sind wir überhaupt gerüstet, den Erziehungsund Ausbildungserfordernissen nachzukommen, die sich aus solchen Veränderungen ergeben?
Die

�Die Automation befreit den Menschen von der harten körperlichen
Arbeit und nimmt ihm die Produktionslast von den Schultern. Aber sind
wir - als Volk - darauf vorbereitet, die so gewonnene Freizeit konstruktiv für die Erholung im wahrsten Sinne des Wortes, für die "Neuschöpfung"
unseres Lebens einzusetzen?
Das allgemeine Ziel, die Verheißungen zu realisieren und die Probleme
zu lösen, wird von allen Amerikanern anerkannt. Die Wahl der hierfür
einzusetzenden Mittel jedoch mag umstritten sein.
Die Gewerkschaften und das Management haben in den vergangenen
zwei bis drei Jahren eine besondere Technik der Problemannäherung entwickelt: sie bemühen sich, die durch die Automation geschaffenen Probleme
vom TarifVerhandlungstisch fernzuhalten, anstatt sie vor diesem Forum
zu diskutieren. Dies geschieht meist durch die Einsetzung von Sonderausschüssen, zu denen häufig auch Vertreter der Öffentlichkeit gehören,
Ausschüsse, die außerhalb der Tarifverhandlungsarena arbeiten, fern
vom Verhandlungsdruck, von der Terminnot und den Gegenströmen. Derartige Ausschüsse sind gegenwärtig in zahlreichen Industriezweigen tätig,
so in der Stahl-, der fleischverarbeitenden und der Bauindustrie.
Auch der durch Regierungsbeschluß geschaffene Präsidialausschuß für
die Eisenbahnen, dem Vertreter der Gewerkschaften, des Managements und
der Öffentlichkeit angehören, befaßt sich mit dem komplizierten Problem
der Arbeitsfragen und Arbeitspraktiken.
Kann diese Technik des Problemstudiums und der Ausarbeitung von
Lösungen funktionieren? "Wenn sie auch ein Beispiel des "good will" und
des gesunden Menschenverstandes ist, so ist sie doch auch gleichzeitig
ein Zeichen der Unfähigkeit in der Vergangenheit, die Auswirkungen der
Automation im voraus richtig einzuschätzen. Alle diese Ausschüsse sind
praktisch ex post facto Gremien, von denen einige nach Streiks gebildet,
andere schnell zusammengestellt wurden, als ihre Notwendigkeit offenbar
wurde. Ich glaube, daß sie in der Lage sind, Lösungen zu finden. Gleichzeitig aber zeigen die vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchungen mit aller Deutlichkeit, daß - wenn Gewerkschaften und Unternehmen in bestimmten Industriezweigen die technischen Veränderungen im
voraus durchplanen und die möglichen Auswirkungen analysieren, bevor
die Veränderungen durchgeführt werden - die Auswirkungen der Automation
beträchtlich abgeschwächt und häufig sogar aufgehoben werden können,
während sich gleichzeitig der Gesamtnutzen für die betreffende Industrie
erhöht.
Eine der großen Produktionsfirmen in Radio-, Fernseh- und Phonogeräten in den USA stellte z.B. ihren Betrieb vor einigen Jahren auf
vollautomatische Fertigung um. Die Gewerkschaftsvertreter wurden rechtzeitig darüber informiert, und Umstellung^- und Verfahrensregeln für
die Weiterbeschäftigung einiger Arbeiter, die Transferierung anderer
und die Aufstufung dritter wurden festgelegt. Nicht ein einziger Arbeitsplatz ging hier verloren. Der Lohn für einige der neuen, automatisierten
Arbeitsplätze erhöhte sich um 5 bis 15 Prozent. Lohnanreizsysteme wurden
für andere, ältere Arbeitsplätze eingeführt, deren Charakter sich geändert
hatte. Der gesamte Übergang vollzog sich geora.net und wirkungsvoll.
Ähnlich günstige Erfahrungen machte auch eine Lebensversicherungsgesellschaft. In einer ihrer Abteilungen wurden monatlich 850 000 Policenveränderungen bearbeitet und dafür 125 Lochkartenmaschinen und 198

- 5-

�198 Angestellte eingesetzt. Das Unternehmen entschloß sich, einen Elektronenrechner aufzustellen, der nach seiner Schätzung die Betriebskosten
pro Jahr um 200 000 Dollar senken, die Zahl der Lochkartenmaschinen auf
21 verringern und uie Zahl der Angestellten auf 85 .-Grabsetzen würae .
Nachdem die Entscheidung für die Umstellung gefallen war, ging das Unternehmen daran, uie personellen Veränderungen sorgfältig durchzuplanen.
die von der Umstellung betroffenen Angestellten wurden rechtzeitig informiert, und jeder wurde in längeren Interviews darüber befragt,
welchen anderen Arbeitsplatz im Betrieb er gerne übernehmen möchte.
Alle Befragten, die entsprechende Wünsche äußerten, konnten erfolgreich
an neue Arbeitsplätze transferiert werden.
Das gleiche traf auch für eine Großbäckerei, eine Ölraffinerie
sowie für andere vom Arbeitsministerium untersuchte Betriebe zu.
Aus all den Betriebsuntersuchungen schälten sich einige sehr bedeutsame Faktoren heraus, deren Vorhandensein die Umstellung auf die Automation sowohl *u einem menschlichen als auch zu einem technischen Erfolg
machte. Hierzu gehörtem
1. eine ausreichende Zeitspanne zwischen der Entscheidung, zu automatisieren, und dem tatsächlichen Beginn der Umstellung;
2. gründliche Beratungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmensführung
über die zu erwartenden Arbeitsplatzveränderungen und Arbeitsplatzverlustej
J. eine offene und ehrliche Aufklärung der unmittelbar Betroffenen und
4. der vielleicht wichtigste Faktors die zeitliche Festlegung der Umstellung
auf eine Periode der Beschäftigungs- und Marktexpansion.
Die Erfahrungen der Unternehmen, die ihre Betriebe erfolgreich auf
die Automation umgestellt haben, zeigen, daß - wenn die Umstellung auf
die Automation in einer Periode der Beschäftigungszunahme und des wirtschaftlichen Wachstums vorgenommen wird - sie nur wenige Probleme bietet,
die nicht durch angemessene und offene Planung gelöst werden können.
Auf der anderen Seite jedoch kann die Automation, wenn sie in Perioden
abnehmender Beschäftigungsmöglichkeiten und rückläufiger wirtschaftlicher
Aktivität vorgenommen wird, schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte
Arbeitspotential haben.
Wenn z.B. die Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund absinkender
wirtschaftlicher Aktivität abnehmen, so hat derjenige Arbeitnehmer,
der seinen Arbeitplatz auf Grund technologischer Veränderungen verliert,
nur begrenzte Alternativen, una zwar sowohl an seinem Wohnsitz als auch
an anderen Plätzen. Auch in Perioden geringen wirtschaftlichen Wachstums
sind die Möglichkeiten eines Betriebes, den freigesetzten Arbeitskräften
im Rahmen des gleichen Unternehmens einen Ausweicharbeitsplatz anzubieten,
häufig sehr begrenzt.
Eines der wichtigsten bisherigen Erkenntnisse ist es, daß die Notwendigkeit einer Ausbildung und Umschulung der Arbeitskräfte auf allen
Gebieten des amerikanischen Lebens besteht. Kein Unternehmer oder
Arbeitnehmer ist hiervon ausgeschlossen, und jeder, der diese Notwendigkeit ignoriert, tut dies zu seinem eigenen Schaden.
Ebenso

�Ebenso klar ist es jedoch auch, daß man keinen allgemeingültigen
Plan für die Anhebung der beruflichen Fähigkeiten einer Arbeitnehmerschaft
aufstellen kann, die so vielschichtig und verschiedenartig ist wie die
unsrige. Die Situation in jeder Gemeinde und innerhalb eines jeden Industriezweiges ist so, daß sie ihre eigenen Mittel und Wege erfordert.
Alle setzen jedoch die Notwendigkeit für eine maximale Zusammenarbeit
zwischen den einzelnen Segmenten der Gemeinde voraus - Erziehungswesen,
Geschäftswelt und Gewerkschaften, um nur drei zu nennen.
Die Entwicklungen in Hazleton (Pennsylvanien) und Phoenix (Arizona)
sind solche richtungweisenden Beispiele hierfürt Auf Grund des Rückgangs
in der Steinkohlenproduktion war die Erwerbslosensituation in Hazleton
sehr kritisch geworden. Im Jahre 1958 erklärte sich ein Unternehmen bereit, ein stillgelegtes Eisenbahnbetriebswerk zu übernehmen, das von der
Hazleton Industrial Development Corporation erworben und für industrielle
Zwecke umgebaut worden war. Im letzten Frühjahr nun hatte dieses Unternehmen großen Bedarf an gelernten Maschinisten« jedoch nur zwei der 40
Bewerber entsprachen den an sie gestellten handwerklichen Ansprüchen.
Das Unternehmen trug sich daraufhin mit Abwanderungsplänen.
In dieser kritischen Situation kamen dann Vertreter der Entwicklungsgesellschaft, der Handelskammer, des staatlichen Arbeitsvermittlungsdienstes und der Abteilung Lehrlingsausbildung und berufliche Fortbildung
des Arbeitsministeriums zusammen, um die Lage zu erörtern. Das Ergebnis
dieser Zusammenkunft war, daß ein kommunales Ausbildungsprogramm für
Maschinenwärter aufgestellt wurde. Der Kursus wurde an der Berufsschule
in Hazleton durchgeführt, und zu den Teilnehmern zählten sowohl Arbeitnehmer des Unternehmens als auch Arbeitslose aus anderen Gebieten.Der Bundesstaat Pennsylvanien stellte außerdem zusätzliche Gelder
für die Anschaffung der erforderlichen Lehrmittel bereit, und ein sechsköpfiger, aus Vertretern der Gewerkschaft' und.des Managements bestehender
Ausschuß wurde mit der praktischen Durchführung des Programms beauftragt.
Die Handelskammer führte außerdem eine Analyse über die beruflichen
Fähigkeiten der in diesem Bezirk registrierten Arbeitskräfte durch, und
als Ergebnis dieser Untersuchung wurden kürzlich zwei Förderklassen
für Aufsichtskräfte an der Staatsuniversität Pennsylvanien eingerichtet.
Später kamen dann noch Klassen für Maschinenbau, technisches Zeichnen
und angewandte Mathematik hinzu. Dies ist die Hazleton-Story, eine
Story von der umfassenden kommunalen Zusammenarbeit zur Deckung des
Bedarfs an speziell geschulten Arbeitskräften. Ihren Hintergrund bildete eine starke Arbeitslosigkeit, die durch den Rückgang der Kohleproduktion bedingt war.
In Phoenix dagegen waren die wirtschaftlichen Zusammenhänge andere,
wenn auch die Umstände und die Reaktion die gleichen waren. Nachdem hier
vor einigen Jahren eine umfassende Analyse über die Qualifikationen der
Arbeitnehmer durchgeführt worden war, taten sich weitsichtige Unternehmen
und Gewerkschaften mit anderen zivilen und Schulgruppen zusammen, um ein
Programm zu entwickeln, durch das sichergestellt werden sollte, daß die
beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der Arbeitnehmer den künftigen.Bedürfnissen angepaßt werden. Diese Fortbildungsprogramme werden
heute durchgeführt und von all jenen Kreisen der Stadt unterstützt,
denen das Interesse ihrer Stadt und im weiteren Sinne auch das des gesamten Landes genauso am Herzen liegt wie ihr eigenes.
Viele andere Städte und Gemeinden haben mit ähnlichen gemeinsamen
Attacken auf das berufliche Fortbildungsproblem begonnen. Dennoch werden
sie, von einigen Bundesprogrammen unterstützt, nur dann Erfolg haben,
wenn ihnen die Gesamtwirtschaft Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten

- 7-

�Geschäftsmöglichkeiten zu bieten vermag.
Das Kernproblem, dem sich der Beratungsausschuß des -Präsidenten
für Arbeitgeber—Arbeitnehmerfragen gegenüber sieht, erstreckt sich daher
auch nicht nur auf die Wege und Mittel oder auf die Möglichkeiten des Informationsaustausches, sondern darüber hinaus auch auf die allgemeinen
Überlegungen, die darauf ausgerichtet sind, eine Volkswirtschaft zu schaffen, in der die Automation ungehindert und ohne Schaden anzurichten funktionieren kann.
Die Untersuchung des Automationsproblems macht eines möglicherweise
zu einem wesentlichen Element des amerikanischen Lebens« die Verantwortung
gegenüber dem öffentlichen Wohl, die den privaten Entscheidungen einer
freien Wirtschaft innewohnt. Sie führt dem Geschäftsmann die Tatsache vor
Augen, daß sein Geschäftsgebaren nicht nur das Leben und die Wohlfahrt
seiner Angestellten beeinflußt, sondern auch das nationale Wohlergehen.
Sie erinnert die Gewerkschaftsführer daran, daß konstruktives und schöpferisches Planen jene Opposition ersetzen muß, die sich auf kurzfristige
Erwägungen stützt. Und sie macht der öffentlichkeit klar, daß der Preis
der Freiheit im Wirtschaftsleben Verantwortung heißt.
Aufgeschlossene Geschäftsleute, weitsichtige Gewerkschaftsführer
und eine verantwortungsbewußte Öffentlichkeit können zusammen die Automation zu einem allgemeinen Segen machen. Die von den industriellen und
nationalen Ausschüssen entwickelten Richtlinien und Programme sollten
daher auch von allen Amerikanern sorgfältig studiert werden, denn es
kann sich dabei durchaus um die Blaupausen für eine bessere Welt handeln.
Aus "The New York Times Magazine". Nachdruck
nur mit Angabe des Verfassers, der Quelle und
dem Vermerk "(c) 1961 by The New Xork Times
Company" gestattet.
* * * * *

Peter Henle, Stellvertretender Forschungsdirektor der AFL-CIO:
"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran
Aufbauend auf der letzten der jährlich vom Forschungszentrum der
Universität Michigan durchgeführten Untersuchungen über die Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Status amerikanischer
Familien, hat die Forschungsabteilung der AFL-CIO kürzlich eine
Vergleichsanalyse über gewerkschaftlich organisierte und solche
Familien durchgeführt, deren Haupternährer keiner Arbeitnehmerorganisation angehört.
Die wichtigsten Ergebnisse dieser ersten Untersuchung dieser Art
werden in folgendem Artikel von dem stellvertretenden Forschungsdirektor der AFL-CIO Peter Henle kommentiert und erläutert. Der
Artikel wurde - stark gekürzt - der Gewerkschaftspublikation "The
American Federationist" entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.
Die neuesten Ergebnisse lassen erkennen, daß sich der Status des
größten Teils der "Gewerkschaftsfamilien" in den letzten Jahren erheblich
verändert hat! die Einkommen sind angestiegen; sowohl die Spareinlagen
als auch die Summe der Gesamtschulden haben sich etwas erhöht; die
Zahl der Eigenheimbesitzer ist größer geworden; viele haben ihren
Wohnsitz aus den Stadtkernen in die Vororte verlegt, und gleichzeitig
sind zahlreiche Gewerkschaftsfamilien aus der unteren in
- 8 -

�in die mittlere Einkommensklasse aufgerückt. Die Vergleichsziffern
lassen ferner erkennen, daß die finanzielle Lage der gewerkschaftlichen
Familien im allgemeinen besser ist als die der nichtgewerkschaftlichen.
Das Porträt der gewerkschaftlichen "Durchschnittsfamilie" - das sich
übrigens weitgehend mit dem der amerikanischen Durchschnittsfamilie
deckt - sieht dabei wie folgt aus: Der Ernährer ist etwa 35 bis 44
Jahre alt, mehr als 10 Jahre verheiratet und hat zumindest 2 oder 3
Jahre eine höhere Schule besucht. Fast 3/4 dieser Familien wohnen in
den Städten oder in den Vororten - das ist ein höherer Prozentsatz
als bei den anderen Familien - und geben monatlich 25 bis 100 Dollar
für Miete aus, genausoviel wie die anderen Familien. Rund die Hälfte
der Gewerkschaftefamilien zahlt dabei Mieten'^ die zwischen 50 und 75
Dollar liegen.
Zur Ermittlung der Einkommenshöhe wurden drei verschiedene EinkommPiBnngaben verwendet: das Arbeitseinkommen des Haupternährers; die
Arbeitseinkommen aller Familienmitglieder sowie das gesamte Familieneinkommen einschließlich der Einkommen aus Mieten, Zinsen, Dividenden
usw.
Ganz gleich, welchen Maßstab man anlegt, in allen Fällen zeigt
sich, daß die Gewerkschaftsfamilien im Durchschnitt ein höheres Einkommen aufweisen als die gewerkschaftlich nicht organisierten, selbst
wenn man berücksichtigt, daß es verhältnismäßig mehr nichtgewerkschaftliche Familien gibt, die mit ihrem Einkommen in der höchsten
Einkommensgruppe liegen.
Betrachten wir zuerst einmal das Arbeitseinkommen des Familienvorstandes. Hier zeigt sich, daß mehr als 1/3 der nichtgewerkschaftlichen Familien in der unteren Einkommensgruppe liegt (Jahreseinkommen
unter 3000 Dollar), während andererseits nur 12 Prozent der Gewerkschaftsfamilien in diese Gruppe fallen. Mehr als 3/4 der letztgenannten
Familien verdienen 3000 bis 7500 Dollar pro Jahr, wobei die häufigste
Einkommenshöhe 5000 Dollar und mehr beträgt.
Bei rund einem Viertel aller Gewerkschaftsfamilien ist noch ein
zweites Familienmitglied tätig - das ist ein etwas höherer Prozentsatz
als bei den Normalfamilien. Das Einkommen dieses Mitverdieners ist in
der Regel nicht unerheblich höher als bei den Zweitverdienern anderer
Familien und liegt im Durchschnitt über 2000 Dollar im Jahr. Rechnet
man diese zusätzlichen Arbeitseinkommen zu den Haupteinkommen der
Familien hinzu, so zeigt sich, daß die Gesamteinkommen bei den Gewerkschaftsfamilien höher sind als bei den anderen..
Während rund 1/3 aller 'nichtgewerkschaftlichen Familien selbst
mit ihrem Doppeleinkommen noch unter der 3000-Dollar-Grenze bleiben,
fällt von den Gewerkschaftsfamilien nur jede zehnte in diese Einkommensgruppe. Andererseits beläuft sich dieses doppelte Arbeitseinkommen bei
rund 60 Prozent aller Gewerkschaftsfamilien auf über 5900 Dollar pro
Jahr.
Legen wir das gesamte Familieneinkommen als Basis an, so zeigt
sich, daß auch hier die Gewerkschaftsfamilien besser abschneiden, obwohl
die Einkommen aus Mieten, Dividenden, Zinsen usw. der gewerkschaftlich
nicht organisierten Familien beträchtlich höher sind.
Es

- 9-

�Es ist in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert, daß noch
ein Viertel aller nichtgewerkschaftlichen Familien ein Jahreseinkommen
von weniger als 3000 Dollar aufweisen und daß die Zahl der Gewerkschaftsfamilien mit einem Gesamteinkommen von über 4000 Dollar weitaus größer
ist als die der anderen Familien.
Rund die Hälfte der Gewerkschaftsfamilien hat ein Jahreseinkommen
von über 6000 Dollar und liegt damit in der mittleren Einkommensklasse.
Etwa 7 Prozent beider Familiengruppen verfügen über Einkommen von über
10 000 Dollar, während bei den Einkommen über 15 000 Dollar pro Jahr die
Zahl der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien relativ größer ist«
Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung des finanziellen Familienstatus besteht darin, die gesamten verfügbaren Geld- und Kapitalreserven aufzurechnen. In der Untersuchung der University of Michigan wurden in dieser
Hinsicht folgende Posten erfaßt:: Bankkonten, Savings Bonds, Lebensversicherungen, Aktien und Grundbesitz. Ebenso wurden Hypotheken- und Abzahlungsschulden erfaßt.
Nach dieser Übersicht ergibt sich, daß 3/4 aller Gewerkschaftsfamilien über flüssige Mittel in irgendeiner Form verfügten, deren Höhe
sich zwischen 500 und 1000 Dollar bewegte. Die am meisten bevorzugte Form
der Kapitalansammlung war das Kontensparen (50 Prozent aller verfügbaren
Mittel), während 90 Prozent eine Lebensversicherung abgeschlossen hatten
und 8 Prozent (13 /° bei den anderen Familien) Aktien besaßen.
Genauso wie die Gesamtguthaben sind auch die Verbindlichkeiten der
Gewerkschaftsfamilien etwas höher. Rund 2/3 dieser Familien hatten
Teilzahlungsschulden, gegenüber nur rund 50 Prozent der nichtgewerkschaftlichen. Auch die durchschnittliche Schuldensumme" lag mit 500
Dollar etwas über der der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien,

Stark gekürzt aus "The American
Federationist".
Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers
und der Quelle gestattet.
* * * * *

- 10 -

�Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950
Zu den herausragendsten Entwicklungen der amerikanischen Wirtschaft
während der vergangenen 10 Jahre gehört ohne Zweifel auch die beträchtliche Zunahme des Personaleinkommens, das gegenwärtig eine Jahresrate
von 410 Mrd. Dollar erreicht hat und damit gegenüber 1950 (230 Mrd.
Dollar) um 180 Mrd. Dollar oder um 80 Prozent angestiegen ist.
Das Phänomen dieser stetigen Aufwärtsentwicklung der persönlichen
Einkommen war dabei wohl die Tatsache, daß sogar in den verschiedenen
Rezessionsperioden dieser Trend nicht eingedämmt wurde. Selbst im vergangenen Jahr wurde - obwohl seit Mitte des Jahres ein Rückgang in der
wirtschaftlichen Aktivität eingetreten war - mit 402 Mrd. Dollar eine
neue Spitze erzielt, die um 21 Mrd. Dollar oder um rund 5 Prozent über
dem Ergebnis von 1959 lag. Das Pro-Kopf-Bruttoeinkommen, erhöhte sich dabei
um etwas mehr als 4 Prozent auf 224 2 Dollar. Aber selbst nach Abzug
der Steuern ergibt sich für i960 noch ein Pro-Kopf-Einkommen von 19^9
Dollar (1959 = 1905 Dollar), was gegenüber 1950' eine Zunahme um 600
Dollar darstellt.
Den größten Anteil am Personaleinkommen haben die Arbeitseinkommen
(Löhne und Gehälter), durch die mehr als 2/3 der Gesamtsumme (196O =
285 Mrd. Dollar) aufgebracht werden. Das restliche Drittel setzt sich
aus den Einkommen der Selbständigen, Farmer und Freiberuflichen (196O =
36 Mrd. Dollar) sowie den Miet-, Dividenden- und Zinseinnahmen, den
Renten-, Erwerbslosenunterstüt.zungen usw. zusammen.
Wie unterschiedlich übrigens die Entwicklung dieser Einkommensarten seit 1951 gewesen ist, zeigt eine kürzlich veröffentlichte [Übersicht, aus der u.a. hervorgeht, daß sich die Einkommen der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen in den vergangenen neun Jahren lediglich um
14»8 Prozent erhöhten, während die Arbeitseinkommen in diesem Zeitraum
um fast 60 Prozent zunahmen. Außerdem stammten 1951 mehr als 16 Prozent
des gesamten Personaleinkommens aus den Einkünften der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen - heute sind es dagegen nur noch 12 Prozent.
(Quelle: Eigenbericht)

Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung
Wie für viele Arbeitnehmer in anderen traditionellen Berufen
haben die technologischen Veränderungen der jüngsten Zeit auch für die
Setzer, Metteure, Drucker und andere Facharbeiter des typographischen
Gewerbes zahlreiche neue Berufsprobleme mit sich gebracht - Probleme,
die insofern schwerwiegender Natur sind, als sie direkt die berufliche
Existenz dieser Fachkräfte bedrohen.
In Erkenntnis der Tatsache, daß sich durch die Einführung neuer
Maschinen und Arbeitstechniken im Druckereigewerbe auch die handwerklichen Anforderungen ändern, zahlreiche erlernte Tätigkeiten überholt
und viele neue technische Kenntnisse verlangt werden, hat die amerikanische

- 11 -

�amerikanische Druckergewerkschaft (iTU) schon im Jahre 1956 ein gewerkschaftliches Fortbildungszentrum mit dem Ziel eingerichtet, ihre Mitglieder in Fachkursen mit den neuesten Techniken vertraut zu machen
und ihnen dadurch ihren Arbeitsplatz sichern zu helfen.
Die Situation im amerikanischen Druckereigewerbe ist gegenwärtig
durch die Umstellung von den konventionellen Setz- und Umbruchverfahren
mit Bleitypen auf die sogenannten "photocomposition"- und "paste makeup"Ivlethoden gekennzeichnet. Und gerade diese beiden neuen Techniken - die
Bedienung- der Photosetzmaschinen und der Umbruch im Klebeverfahren sind es, mit denen die Mitglieder der ITU in den letzten,Jahren hauptsächlich vertraut gemacht wurden.
Insgesamt haben bisher über 1000 Mitglieder an den kostenlosen
Umschulungs- und Fortbildungskursen teilgenommen, die sich in der Regel über 3 Wochen erstrecken und 12 verschiedene Arbeitsgebiete umfassen. Dazu gehört neben der Unterweisung an den Photosetzmaschinen,
im Klebeumbruchverfahren, Layout und in der Kamerabedienung und Filmentwicklung u.a. auch die Unterrichtung über die Grundlagen der Elektrotechnik, der Farb-Werktechnik und der Farbentrennung.
Heben diesen reinen Fortbildungskursen werden außerdem noch Seminare für ehemalige Kursusteilnehmer sowie für gewerkschaftliche Lehrkräfte durchgeführt, die in den Ortsverbänden die Mitglieder theoretisch
mit den neusten technischen Entwicklungen vertraut machen. Die Dauer
dieser Kurse, die den Teilnehmern jeweils einen Überblick über den
neuesten Stand der Technik im Druckereigewerbe vermitteln sollen, beträgt 2 w ocheh. Der Lehrkörper des "ITU Training Center" besteht ausschließlich aus kompetenten Fachleuten, die Experten auf dem Gebiet
der neuen Drucktechniken sind.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Eeue Formel für den Arbeitsfrieden
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) und die "Kaiser
Steel Corporation" haben kürz]ich eine bemerkenswerte Vereinbarung
getroffen, die auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
insofern einen vollkommen neuen und für die Zukunft sehr bedeutsamen
Aspekt schafft, als darin vorgesehen ist, daß bei künftigen Lohnverhandlungen neben den beiden Tarifpartnern auch Vertreter der öffentlichkeit gehört werden sollen.
Die Grundlage dieses Abkommens bilden dabei die Empfehlungen, die
ein anläßlich des Stahlstreiks im Jahre 1959 gebildeter und aus Vertretern des Managements, der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit
bestehender Dreierausschuß ausgearbeitet hat, der seinerzeit mit der
Aufgabe betraut wurde, langfristige Pläne zu entwickeln, die gewährleisten, daß Aktionäre, Arbeitnehmer und Öffentlichkeit gleichermaßen
vom Wachstum der Wirtschaft profitieren.

Zu

12 -

�Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören dabei die Erweiterung
der ursprünglichen Funktionen des Ausschusses mit dem Ziel, diesen
als permanente Einrichtung in die Lage zu versetzen, auf harmonische
Arbeitsbeziehungen hinzuwirken, den Ablauf der Tarifverhandlungen zu
verfolgen, und, wenn nötig, die Vertreter der Öffentlichkeit im
Ausschuß zu ermächtigen, an den TarifVerhandlungen teilzunehmen,
damit sie entsprechende Empfehlungen zur friedlichen Beilegung von
Arbeitskonflikten unterbreiten können.
In der gemeinsamen Erklärung der beiden Tarifpartner wird
insbesondere auf die Tatsache verwiesen, daß die letzten Arbeitskonflikte in der amerikanischen Stahlindustrie gezeigt haben, daß
es konstruktiver Neuerungen im TarifVerhandlungswesen bedarf, damit
bestehende Differenzen auf friedliche Weise beigelegt werden können.
Bisher habe die einzige Alternative zu den zweiseitigen Verhandlungen
lediglich in der Intervention des Staates bestanden. Die Einmischung
der Regierung bringe aber insofern große Gefahren mit sich, als durch
sie die Autonomie des TarifVerhandlungswesens gefährdet werde. Da die
Maßnahmen der Regierung zudem in der Regel nicht den Vorstellungen
der Tarifpartner entsprächen, lösten sie auch häufig Verstimmungen aus.
Was beide Tarifpartner anstreben, sind Verhandlungshilfen, die
ihnen nicht aufgezwungen, sondern freiwillig von ihnen anerkannt werden.
Wenn man solche Personen als Mittler in die Verhandlungen einschalte,
die das volle Vertrauen beider Partner genießen, dann könne auf diese
Weise wesentlich zum erfolgreichen Abschluß von Kollektivverhandlungen
beigetragen und gleichzeitig die volle Handlungsfreiheit sowohl der
Gewerkschaft als auch der Unternehmensführung aufrechterhalten werden.
Aus diesem Grunde, so heißt es in der gemeinsamen Erklärung der
USA-Gewerkschaft und der "Kaiser Steel Corporation", seien beide Parteien zu dem Schluß gekommen, den dem Ausschuß ursprünglich zugewiesenen Aufgabenkreis zu erweitern, um dadurch das Kollektivverhandlungswesen zu stärken, die Voraussetzungen für eine friedliche Beilegung
von Arbeitskonflikten zu verbessern und so zum Wohle sowohl der "Kaiser
Steel Corporation", der Stahlarbeitergewerkschaft als auch der Öffentlichkeit beizutragen.
Damit der Ausschuß die von den beiden Sozialpartnern angestrebten
Ziele verfolgen kann, ist u.a. folgendes vorgesehen::
1. Die Tätigkeit des "Long-Range Committee" sind auf solche Gebiete
auszudehnen, die zur Schaffung permanent harmonischer Beziehungen zwischen den Sozialpartnern wesentlich beitragen können. Die Sitzungen
des Ausschusses sollen in regelmäßigen Abständen abgehalten werden;
sich während der Laufzeit des Tarifvertrages neu ergebende Probleme
sollen mit den Sozialpartnern rechtzeitig durchgesprochen werden,
damit die späteren Tarifverhandlungen nicht in Zeitnot geraten.
2. Die beiden Tarifpartner sollen spätestens 60 Tage vor Ablauf des
alten Vertrages zu neuen Verhandlungen zusammentreten und alle Anstrengungen unternehmen, damit ein neuer Vertrag vor Ablauf dieser
Frist unterzeichnet werden kann}

- 13 -

�3». Wenn erforderlich, soll das "Long-Range Committee" nicht später als
30 Tage vor Ablauf des alten Tarifvertrages zusammentreten und den Stand
der Verhandlungen überprüfen. Nach dieser Situationsanalyse sollen dann
die Vertreter der Öffentlichkeit im Ausschuß gegebenenfalls ermächtigt
werden, folgende Schritte zu unternehmen»
a) beschließen, ob bestimmte Maßnahmen sofort oder später bzw.
erst nach einem erneuten Zusammentreffen der Tarifpartner
getroffen werden sollen oder nicht;
b) entscheiden, ob sie an den Verhandlungen als Beobachter teilnehmen sollen}
c) sich um eine Schlichtung bemühen}
d) einen privaten (nur für die Verhandlungspartner bestimmten)
Bericht abfassen, in dem die Standpunkte der beiden Parteien
herausgearbeitet sind, der Gegenstand der Meinungsverschiedenheiten klar herausgestellt ist und in dem Einigungsvorschläge
enthalten sind;
e) einen öffentlichen Bericht entweder unmittelbar vor oder nach
dem Termin veröffentlichen, an dem der alte Vertrag ausläuft.
Dieser Bericht soll allerdings nicht eher der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden, als beide Verhandlungspartner
sämtliche Möglichkeiten für eine friedliche Beilegung des
Konfliktes ausgeschöpft haben.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Löhne im Baugewerbe weiter angestiegen
Die Durchschnittsstundenlöhne der gewerkschaftlich organisierten
Bauarbeiter sind nach einer Übersicht des "Amts für Arbeitsstatistik"
im 1. Quartal 1961 um 1 ,2 Cent (oder ö., 3 Prozent) auf 3»72 Dollar angestiegen.
Die stärksten Zunahmen verzeichneten dabei die Zimmerer (1,8 Cent)
und Maler (1,5 Cent), während sich die Steinsetzer und Bauhilfsarbeiter
um 1,1 Cent und die anderen Bauhandwerker um 0,5 Cent verbessern
konnten.
Gegenüber dem Vorjahr hat der durchschnittliche Stundenlohn im
Baugewerbe sich damit um 4»3 Prozent und im Vergleich zum Durchschnitt
der Jahre 1947-49 sogar um 80 Prozent erhöht. Die durchschnittlichen
Lohnerhöhungen zwischen April i960 und April 1961 für alle Baufachberufe beliefern sich auf 15,2 Cent.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Beträchtliche Erhöhung; der Fondsreserven der kommunalen
Altersversi cherungen
Das Gesamtvermögen des Altersversicherungssystems der bundesstaatlichen und kommunalen Arbeitnehmer hat sich im vergangenen
Finanzjahr um 2,2 Mrd. Dollar auf insgesamt 18,539 HrcL. Dollar
erhöht, wie aus einem Bericht des US-Zensusbüros hervorgeht.
Die Gesamteinnahmen des Fonds beliefen sich dabei im abgelaufenen
Jahr auf 3,393 Mrd. Dollar, wovon 1,14 Mrd. Dollar von den Versicherten
und 1,652 Mrd. Dollar von den Arbeitgebern eingezahlt wurden, während
601 Millionen Dollar aus Investitionsgewinnen resultieren.
Die Gesamtauszahlungen des Versicherungsfonds betrugen dagegen
1,3 Mrd. Dollar - 1,01 Mrd. Dollar an Pensionen, 254 Millionen Dollar
an Rückzahlungen an ausgeschiedene Versicherte und 35 Millionen Dollar
an Verwaltungskosten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
Konstituierende Sitzung des Labor-Management-Beratungsausschusses
Der kürzlich von Präsident Kennedy ernannte Ausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmerfragen, der sich aus je 7 Vertretern des Managements,
der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit zusammensetzt, befaßte sich
auf seiner ersten Sitzung in erster Linie mit den Auswirkungen der
Automation auf die Gesamtwirtschaft und den Arbeitsmarkt.
Die Ausschußmitglieder waren sich dabei weitgehend darüber einig,
daß die Automation für das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft von
großer Bedeutung sein kann, warnten aber auch gleichzeitig vor einer
überhasteten Einführung der neuen Arbeitstechniken, weil diese schwerwiegende Folgen für den Arbeitsmarkt und den einzelnen Arbeitnehmer
haben könnte. Eine strukturelle Arbeitslosigkeit auf Grund der verstärkten Anwendung der Automation müsse auf alle Fälle verhindert
werden.
Zwecks Vermeidung von wirtschaftlichen Härten gegenüber den durch
die Automation freigesetzten Arbeitskräften sollten nach Ansicht des
Ausschusses die UmschulungsProgramme sowie solche Programme entscheidend verbessert werden, durch die die Mobilität der Arbeitnehmer bei
geringsten negativen Auswirkungen auf das Privatleben erhöht wird. Ebenso sollten die Personalabteilungen der Regierungsbehörden und der Unternehmen der Privatwirtschaft im verstärkten Maße der Tatsache größere
Aufmerksamkeit schenken, daß in Zukunft immer mehr Arbeitskräfte gezwungen sein werden, ihren erlernten Beruf und ihren Wohnort aufzugeben,
um in anderen Wirtschaftszweigen und an anderen Orten ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
(Quelle» Eigenbericht)
* * * * *

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS Bonn HacJ Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 9

Bad Godesberg, den 1. September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe
in den USA (i)

Seite 1

Carol A. Barry, US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (i)
Entwicklungstendenzen und derzeitige Struktur

Die Angestelltenberufe gewinnen eine immer größere Bedeutung,
für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten, sowohl was die seit Beginn dieses Jahrhunderts zu beobachtende Zunahme der Zahl der in
diesen Berufen tätigen Arbeitnehmer als auch was die ständige Vergrößerung ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung angeht. In der
Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war diese Zunahme besonders augenfällig, und im Jahre 1956 überstieg die Zahl der Angestellten erstmalig die der Arbeiter.
Die Angestelltenschaft umfaßt die Angehörigen einer stattlichen
Reihe von Berufen, von einfachen Schreibkräften und Verkäufern über
leitende Angestellte großer Kapitalgesellschaften bis zu Kernwissenschaftlern. Der Großteil der Selbständigen in den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen (eine Besonderheit der amerikanischen Arbeitsstatistik) und die meisten Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen rechnen zu den Angestellten. Die vier Hauptkategorien der Angestelltenberufe sind! akademische, technische und
verwandte Berufe; Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige (außer Landwirten); Bürokräfte; Verkäufer.
Trotz der Verschiedenartigkeit der Tätigkeit gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, die zusammengenommen das Wesensmerkmal der Angestelltenberufe ausmachen.
Ursprünglich
-

1 -

�Ursprünglich verstand man unter den Angestelltenberufen,
(den Stehkragenberufen, wie es im Amerikanischen heißt) alle jene
Berufe, zu deren Ausübung keine besondere Arbeitskleidung erforderlich ist. Im-praktischen Sprachgebrauch entwickelte sich dieser Begriff dahin gehend, daß er jede Arbeit einschloß, die in Büros statt
in Fabriken ausgeführt wird, die eher eine geistige als eine körperliche Betätigung erfordert und somit eine gewisse formelle Bildung
voraussetzt. In diesem Sinne wird der Begriff auch heute noch weitgehend verstanden»
Die Bildung der Angestellten ist im allgemeinen umfassender,
die Löhne sind höher als die der Angehörigen anderer Beschäftigungskategorien, und der Kündigungsschutz ist besser ausgebaut. Die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten ist verhältnismäßig gering;
sie beziehen ein festes Gehalt, werden mithin nicht nach Stunden
entlohnt und stellen sich auch hinsichtlich der Urlaubs-, Feier tagsund Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfalle besser als Arbeiter. Sie
sind zumeist mit Führungs-, Verwaltungs-, Entwicklungs- oder Aufsichtsauf gaben betraut.
Im Zusammenhang mit der Erörterung der Entwicklungstendenzen in
den Angestelltenberufen dürften auch Vergleiche mit den beiden anderen großen Gruppen nichtlandwirtschaftlicher Arbeitskräfte von
Interesse sein: den Arbeitern und den Angehörigen des Dienstleistungsgewerbes. Die Arbeiter - hierzu zählen im Sinne dieser Untersuchung
Facharbeiter, Vorarbeiter, Maschinenarbeiter und Handarbeiter stellen den zweitgrößten Anteil an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung; sie sind generell mit der Produktion oder dem
Transport von Gütern, dem Betrieb von Maschinen sowie mit Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten befaßt. Wenn auch einige Arbeiterberufe große Fachkenntnisse erfordern, so steht doch im allgemeinen
die Ausbildung am Arbeitsplatz im Vordergrund, und es wird keine
vorhergehende umfassende schulische Vorbereitung auf den Beruf verlangt.
Den drittstäjfkateiiKAnteil an der Beschäftigung hat das Dienstleistungsgewerbe: die Hausangestellten einschließlich der Reinmachefrauen, Hausdiener, Babysitter und des anderen Wirtschaftspersonals
und das allgemeine Dienstleistungspersonal, zu dem man auch Polizeikräfte, Friseure und Liftboys rechnet, das zum Schutze der Allgemeinheit und für persönliche und öffentliche Dienste bereitsteht.
Entwicklungstendenzen der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
1900 bis 1950. Die wichtigste Quelle für statistische Angaben
über die Beschäftigungsverhältnisse in der Zeit vor 1940 sind die
alle zehn Jahre durchgeführten Volkszählungen. Es wurde viel Mühe
darauf verwandt, die Berufstätigen nach Beschäftigungsgruppen zu
klassifizieren, um von 1900 an laufend eine Übersicht über die Beschäftigungsverhältnisse in den USA zu gewinnen, wobei allerdings
die Angaben über das Ausgangsjahr 1900 nur Näherungswerte darstellen.
Die Veränderungen in der Zeit von 1900 bis 1930 können somit nur als

2

�als Hinweise auf die allgemeinen Trends, nicht aber als genaue Meßwerte angesehen werden«
Im Jahr 1900 gab es rund 5 Millionen Angestellte, deren Anteil
an der Gesamtbeschäftigung etwa 28 Prozent ausmachte (Tafel i ) .
Tafel

I

Aufgliederung der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung in den
Jahren von 1900 bis 1950 nach Berufsgruppen

Prozentuale Zu- bzw,
Abnahme des Anteils
an der Gesamtbeschäftigung von 1900 bis
1950

Berufsgruppe

Prozent
1900
1950

Sämtliche Berufsgruppen

100

100

187

28

42

322

7

10

312

9
5
7

10
14
8

204
725
216

57

47

133

17
21
20

16
23
8

173
223
7

15

12

9

3

135
-2

6

9

343

Angestelltenberufe
Akademische, technische und
verwandte Berufe
Manager, leitende Angestellte,
öffentl. Bedienstete und
Selbständige
Bürokräfte u. ä.
Verkäufer
Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.ä,
Maschinenarbeiter u.ä.
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne
private Haushaltungen)

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.
Quellet Historical Statistics of the TJnited States, Colonial Times to
1957 (U.S. Bureau of the Census, i960), pp. 69 and 74.

-

3 -

�Die Zahl der Arbeiter, deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung
fast 57 Prozent betrug, war mehr als doppelt so groß. Die restlichen 15 Prozent entfielen auf die Angehörigen der Dienstleistungsberufe (Siehe Schaubild I,Seite 10). Die Bürokräfte stellten damals
die kleinste Gruppe unter den Angestellten, und die Zahl der akademischen Fachkräfte war etwas niedriger als die Gesamtzahl der
Angestellten in den privaten Haushaltungen.
Zwischen 1900 und 1950 nahm die Zahl der Angestellten um rund
300 Prozent zu, die der Arbeiter und Beschäftigten in den Dienstleistungsberui'en dagegen um noch nicht einmal 150 Prozent. Somit
stieg der Anteil der Angestelltenberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung auf zwei Fünftel, während der Anteil der Arbeiter und der Beschäftigten in den Dienstleistungsberufen auf weniger
als die Hälfte bzw. ein Achtel zurückging.
Der größte Zuwachs in den Angestelltenberufen entfiel auf die
Bürokräfte, die innerhalb der Angestelltenschaft von der kleinsten
zur größten Gruppe aufrückten} 1950 war jeder dritte Angestellte
mit Büroarbeiten beschäftigt. Der Anteil der Bürokräfte an der
gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung kletterte im Zuge
dieser Entwicklung von 5 Prozent im Jahre 1900 auf 14 Prozent im
Jahre 1950. Die Zahl der Stenographen, Stenotypistinnen und Sekretärinnen stieg innerhalb der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf das
Elffache. Die Zunahme in diesen Beschäftigungszweigen ist zum Teil
der in allen Industriezweigen beobachteten Ausweitung der Verwaltungsarbeit, zum Teil aber auch der Ausweitung der Gesamttätigkeit
in fast allen Industriezweigen sowie im Bank- und Versicherungsgewerbe und in der öffentlichen Verwaltung zuzuschreiben, die die Anlage und laufende Führung umfangreicher Akten notwendig machte.
Die Zuwachsrate der akademischen und technischen Fachkräfte
wurde lediglich von der der Bürokräfte übertroffen. Im Jahre 1900
entfiel auf die akademischen Berufe nur ein Anteil von 7 Prozent
an der Gesamtbeschäftigung; 1950 betrug ihr Anteil 10 Prozent und
ihre Zahl entsprach damit der Gesamtzahl der Angestellten im Jahre
1900.
Die verfügbaren Angaben über die Beschäftigung lassen erkennen,
daß der stärkste Zuwachs nicht in den traditionellen Angestelltenberufen eintrat. Während die Angestelltenschaft insgesamt von 1900
bis 1950 um 300 Prozent zunahm, stieg die Zahl der Arzte und Anwälte
um noch nicht einmal 80 Prozent. Die Zahl der Volks- und Oberschullehrer stieg trotz des erheblichen Ausbaus des Schulwesens nicht
im gleichen Verhältnis wie die Zahl der Angehörigen der akademischen
und technischen Berufe insgesamt. Andererseits verzeichneten die
Ingenieurberufe gegenüber den akademischen und technischen Berufen
eine mehr als vierfache zahlenmäßige Zunahme. Die Zahl der Buchhalter
und Rechnungsprüfer, deren Bedeutung sich angesichts des bereits
erwähnten verstärkten Rechnungsanfalls gleichfalls erhöhte, nahm
gegenüber der gesamten Gruppe der akademischen und technischen Berufe,
zu denen sie in der Arbeitsstatistik gerechnet werden, um mehr als
das Fünffache zu. Hinzu kommt, daß zahlreiche Berufe wie Psychiater,
Sozialhelfer, Luftfahrttechniker usw., die maßgeblichen Einfluß
auf das Anschwellen der Beschäftigung in dieser Sparte hatten, um die
Jahrhundertwende noch unbekannt waren.
-

4 -

�Die beiden verbleibenden Gruppen der Angestelltenberufe die Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen sowie die Verkäufer - hatten eine nur um
ein geringes höhere Zuwachsrate aufzuweisen als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung. Die Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen, die als Ganzes nicht so stark wie die gesamte Angestelltenschaft zunahm, erfuhr einen bedeutsamen inneren Strukturwandel.
Die in der gesamten Wirtschaft fühlbare Tendenz, sich der Vorteile der Form der Kapitalgesellschaft - beschränkte Haftung
und Steuerbegünstigungen - zu bedienen, beeinträchtigte die Zunahme der selbständigen Unternehmer; gleichzeitig trug der Trend
zur Schaffung immer größerer Organisationen in der Wirtschaft und
in der öffentlichen Verwaltung zu dem erheblichen Anstieg der
Zahl der festangestellten Manager und leitenden Angestellten bei.
Die Zunahme der Verkäufer blieb hinter der allgemeinen Zunahme
im Bereich der Angestelltenberufe zurück. Die Entstehung von Einzelhandelskettenläden, die Ausweitung des Geschäftsvolumens der Versandhäuser und die Einführung der Selbstbedienung haben bewirkt,
daß der einzelne Verkäufer heute mehr Kunden abfertigt und größere
Umsätze erzielt als früher. Hinzu kommt, daß ein nicht unerheblicher
Teil der Arbeiten, die früher von Verkäufern geleistet wurden, heute
von Aufsichtskräften, Kassierern und anderen Bürokräften ausgeführt
werden.
1950 bis 1960. Im letzten Jahrzehnt hielten die langfristigen
Beschäftigungstendenzen in den Angestelltenberufen durchgehend an*
Die Gesamtbeschäftigung in der nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaft
erhöhte sich um 17 Prozent, von 52,2 Millionen auf 61,1 Millionen.
Die Beschäftigung in den Angestelltenberufen stieg dagegen um 27 Prozent, von 22,4 Millionen auf 28,5 Millionen, und erreichte 47 Prozent
der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung (Tafel II).

-

5 -

�Tafel II
Zahlenmäßige und prozentuale Verteilung der nichtlandwirtschaftlichen
Beschäftigung. 1950 und 1960

Beschäftigung
(in Tausenden)
Beschäftigungsgruppe

1960

1950

Prozentanteil
Prozent u a l e Zubzw .Ab«
nähme,
1950-60

1950

1960

52 244

61 122

17

100,0

100,0

22 373

28 507

27

42,6

46,6

Akademische, t e c h n i s c h e
u .verwandte Berufe

4 782

7 418

55

9,2

12,1

M a n a g e r , l e i t e n d e Anges t e l l t e , Ö f f e n t l . Bed i e n s t e t e und S e l b ständige

6 429

7 032

7 340

9 710

3 822

4 347

9
32
14

12,3
14,0
7,3

11,5
15,$
7,1

23 336

24 280

44,7

39,7

7 670
12 146

8 606
11 988

12
-1

14,7

14,1

3 5'20

3 686

5

23,2
6,7

19,6
6,0

6 535
1 883

8 335
2 201

28
17

12,5
3,6

13,6
3,6

4 652

6 134

32

8,9

10,0

Sämtliche

Berufsgruppen

Angestelltenberufe

Bürokräfte u .
Verkäufer

ä.

Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.
Maschinenarbeiter u . a .
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne p r i v a t e
Haushaltungen)

Anm.J Wegen Auf- und Abrundungen a d d i e r e n s i c h d i e Einzelangaben n i c h t
notwendigerweise zu den G e s a m t z i f f e r n .
Q u e l l e : H i s t o r i c a l S t a t i s t i c s of the United Sta.tes, C o l o n i a l Times to
1957 ( U . S . Bureau of the Census, i 9 6 0 ) , p p . 69 and 7 4 .

-

6

-

�Im Gegensatz zu den vorausgegangenen 50 Jahren, in denen die
Gruppe der Büroangestellten rascher als alle anderen Gruppen zunahm,
waren die Jahre von 1950 bis 1960 von einem erheblichen Anstieg der
Zahl der akademischen und technischen Angestellten gekennzeichnet
(siehe Schaubild II Seite 10). Fast die ganze Zeit hindurch, einschließlich kürzerer Rezessionsperioden, war in diesem Beschäftigungsbereich eine Zunahme zu beobachten; im Jahre i960 waren dann
schließlich 7*4 Millionen Arbeitskräfte in akademischen und technischen Berufen tätig, die Zuwachsrate betrug in diesem Jahrzehnt
das Dreifache der Zuwachsrate in der Gesamtbeschäftigung.
Die Zahl der Bürokräfte stieg zwischen 1950 und 196O um 32 Prozent und erreichte die Gesamtzahl von 9»7 Millionen. Obwohl die Zuwachsrate fast das Doppelte der der Gesamtbeschäftigung erreichte,
lag sie doch erheblich unter dem Durchschnitt der vorausgegangenen
Jahrzehnte. Die wesentlich verstärkte Verwendung von Hollerithmaschinen, Rechenanlagen und anderen Büromaschinen wie Kopiergeräten
durften für diesen Umschwung verantwortlich sein.
In anderen Angestelltenberufen war die Zunahme noch geringer. In
den 50er Jahren entsprach die Zuwachsrate der Beschäftigung in den
Verkaufsberufen etwa der der Gesamtbeschäftigung. Die Zuwachsrate
für Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und
Selbständige war dagegen nur ungefähr halb so hoch wie der Zuwachs
in der Gesamtbeschäftigung. Die Zunahme bei den letztgenannten Gruppen
erfolgte auch nicht so stetig wie in den akademischen und technischen
Berufen oder bei den Bürokräften.
Im Gegensatz zu dem 27prozentigen Anstieg der Beschäftigung in
den Angestelltenberufen nahm die Beschäftigung in den Arbeiterberufen
nur um 4 Prozent oder um 1 Million zu, wobei der Zuwachs fast restlos auf die Gruppe der Facharbeiter und Vorarbeiter entfällt.
Der Zuwachs in den Dienstleistungsberufen dagegen entspricht in
der Gesamtheit dem der Angestelltenberufe. Dies ist vor allem auf die
starke Zunahme im eigentlichen Dienstleistungsgewerbe zurückzuführen,
die sich in den 50er Jahren auf 31 Prozent belief.
Nach den Prognosen, die das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik für
das Jahr 1970 aufgestellt hat, wird die Angestelltenbeschäftigung auch
weiterhin stärker zunehmen als die Gesamtbeschäftigung. Man rechnet
für 1970 mit 37 Millionen Angestellten, das entspricht einem Anteil
von 48 Prozent an der Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen
Betrieben. Den stärksten Zuwachs erwartet man bei den akademischen
und technischen Berufen, deren Zahl sich auf 10,5 Millionen und deren
Anteil an der Gesamtbeschäftigung sich auf 13*5 Prozent erhöhen dürfte.
Struktur der Angestelltenbeschäftigung
In den einzelnen Industriezweigen. In den nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen war der größte Beschäftigungszuwachs bei den Angestellten auf dem Dienstleistungssektor zu verzeichnen: im Handel, jjn

7 -

�im Oeld- und Versicherungswesen und im Immobilienhandel; im Transportgewerbe, im Fernmeldewesen und in den Versorgungsbetrieben in
den übrigen Dienstleistungsgewerben; im öffentlichen Dienst. 1)
Diese Entwicklung steht in einem eindeutigen Gegensatz zu der relativen Stabilität, die in den produktiven Wirtschaftszweigen vorherrschte i in den Fertigungsindustrien, im Bergbau und im Baugewerbe. Seit Anfang der 50er Jahre sind die Vereinigten Staaten das
einzige große Industrieland, in dem mehr Arbeitskräfte mit Dienstleistungen als mit der Erzeugung von Gütern (einschließlich Landwirtschaft) beschäftigt sind«
Der Anstieg der Zahl der Angestellten hängt eng mit der Ausweitung des Dienstleistungsgewerbes zusammen, in dem die Angestellten
einen besonders hohen Beschäftigungsanteil stellen. Im Jahre 1952,
dem ersten Jahr, in dem auf der Basis monatlicher Untersuchungen
Statistiken über die Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt erstellt wurden, waren fast 80 Prozent aller Angestellten
im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt. Zwischen 1952 und 1960 entfielen rund 70 Prozent des Zuwachses in den Angestelltenberufen
auf diesen Wirtschaftssektor (Siehe Schaubild III, Seite 11).
Die Arbeiterbeschäftigung, deren Schwerpunkt in der Produktionswirtschaft liegt, ging in der Zeit von 1952 bis 196O trotz ihrer
bedeutenden Zunahme im Bankwesen, im Handel und in den Dienstleistungsbetrieben zurück. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal, dessen größte Massierung natürlich im Dienstleistungsgewerbe
zu verzeichnen ist, nahm etwas stärker zu als die Angestelltenbeschäftigung, obwohl sie in den Fertigungsindustrien und im Baugewerbe etwas abnahm.
Es ist bemerkenswert, daß sich die Zunahme der Angestelltenbeschäftigung seit 1952 auf sämtliche Wirtschaftszweige erstreckte und
in der Produktionswirtschaft prozentual ebenso groß war wie im Dienstleistungsgewerbe. Zwischen 1952 und i960 nahm die Angestelltenzahl
im Baugewerbe und in den Fertigungsindustrien um 36 Prozent zu, d.h.
um den gleichen Prozentsatz wie in der Geldwirtschaft, im Dienstleistungsgewerbe und im Erziehungswesen zusammengenommen. Im Handel,
Transportgewerbe und öffentlichen Dienst war die Zunahme wesentlich
geringer.
Die akademischen und technischen Angestellten, die Gruppe mit
dem stärksten Zuwachs seit 1952, konzentrieren sich vor allem auf
das Bankgewerbe, das Erziehungswesen, die Medizin und in anderen
Fachberufen. Fast drei Fünftel aller derartigen Angestellten sind
in diesen Wirtschaftszweigen tätig; ein weiteres Fünftel in der
Fertigung.
lg£n
1) In diesem Zusammenhang ist es wichtig zwischen Dienstleistungspersonal und Dienstleistungsgewerben zu unterscheiden. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal ist selbstverständlich
nicht auf das Dienstleistungsgewerbe beschränkt.

8
•

�Wenn die Beschäftigung in den akademischen Berufen auch eindeutige Schwerpunkte in gewissen Wirtschaftszweigen aufweist, so
erstreckte sich die Zunahme zwischen 1952 und 19^0 doch auf die
Gesamtwirtschaft. Der größte Zuwachs wurde in den Fertigungsindustrien
für langlebige Güter erzielt, wo die Zahl in den acht Jahren um 75
Prozent anstieg«
Etwa die Hälfte aller Manager, leitenden Angestellten und Selbständigen entfällt auf den Handelj der größte Teil von ihnen wiederum
ist im Einzelhandel tätig, obwohl sich hier eine Tendenz zu einer
Verringerung der Konzentration bemerkbar machte. Während die Beschäftigung in dieser Berufssparte zwischen 1952 und 196O um etwa
12 Prozent anstieg, blieb sie im Handel praktisch unverändert. Die
größte Zuwachsrate hatten das Baugewerbe, die Fertigungsindustrien
langlebiger Güter und das Dienstleistungsgewerbe zu verzeichnen*
Bei den Bürokräften ist die Verteilung über alle Wirtschaftszweige (außer Landwirtschaft) gleichmäßiger als bei allen anderen Angestelltenberufen. Der Bedarf an Registraturpersonal, Schreibkräften,
Sekretärinnen usw. ist in allen Wirtschaftszweigen, wenn auch in unterschiedlichem Maße, gegeben. Die Zahl der Büroangestellten stieg deshalb zwischen 1952 und 196O in allen Wirtschaftszweigen, mit Ausnahme
des Transportgewerbes und der Versorgungsbetriebe, wo ein leichter
Rückgang eintrat. Den größten Zuwachs hatte das Dienstleistungsgewerbe, den geringsten der Groß- und Einzelhandel.
Sieben Zehntel der im Verkauf tätigen Angestellten stehen im
Dienst des Handels. Der nächstgrößte Anteil der Verkäufer, 15 Prozent,
wurde vom Bank- und Versicherungsgewerbe und vom Immobilienhandel beschäftigt; 13 Prozent sind in den Fertigungsindustrien angestellt.
Trotz der Häufung der Verkäufer im Handel hatte diese Berufsgruppe
zwischen 1952 und 196O nur eine relativ geringe Zunahme aufzuweisen,
was zu einer Verringerung ihres Anteils an der Beschäftigung im
Handel führte.
Beschäftigung der nichtproduktiven Arbeitskräfte. Wichtige Aufschlüsse über die Wirtschaftszweige, die den größten Zuwachs in den
Angestelltenberufen zu verzeichnen hatten, bringt eine Untersuchung
des Beschäftigungsanstiegs bei den nichtproduktiven Arbeitskräften.
In allen drei Zweigen der nichtlandwirtschaftlichen Produktionswirtschaft (Fertigungsindustrien, Bergbau und Baugewerbe) wird die Beschäftigung nach Produktionskräften (Beschäftigte, die tatsächlich
mit der Produktion materieller Güter befaßt sind) und nichtproduktiven Arbeitskräften ausgewiesen. Mit einigen wesentlichen Ausnahmen und Überschneidungen sind die nichtproduktiven Arbeitskräfte
in diesen Wirtschaftszweigen mit den Angestellten identisch.
Etwa 83 Prozent des Zuwachses der Beschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben in den Jahren von 1947 bis 1959 entfallen
auf die Dienstleistungsgewerbe. Der restliche Zuwachs entfällt auf
die Fertigungsindustrien, den Bergbau und das Baugewerbe und ist
eine Auswirkung der Neueinstellung von nichtproduktiven Arbeitskräften bei einem gleichzeitigen leichten Rückgang der Zahl der

- 9 -

�SCHAUBILD I

ZUSAMMENSETZUNG DER NICHTLANDWIRTSCHAFTLICHEN
GESAMTBESCHÄFTIGUNG NACH BERUFSGRUPPEN 1900 UND 1960
—28.2X~_

.-4S.7X^

1960

1900

SCHAUBILD II

VERÄNDERUNGEN IN DER ANGESTELLTEN
BESCHÄFTIGUNG VON 1950 BIS 19ÖO
(1950-100)

AKADEMISCHE UND
TECHNISCHE ANGESTELLTE

100

J ? \

1950 '51

52

i

^ M A N A G E R , LEITENDE
ANGESTELLTE UND i
SELBSTÄNDIGE
90
i

53 '54

i

^55

i

56

i

57

- 10 -

1

'58

1

1 *

59 1960

w

�der beschäftigten Produktionsarbeiter. Im Jahre 1947 betrug der
Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der Beschäftigung
im Bergbau und im Baugewerbe 10 Prozent und in den Fertigungsindustrien 16 Prozent. Bis 1959 war dieser Anteil im Baugewerbe
auf 14 Prozent, im Bergbau auf 21 Prozent und in den Fertigungsindustrien auf 24 Prozent gestiegen.
Wenn auch der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte in
den 21 Zweigen der Fertigungsindustrie starken Schwankungen unterliegt, so ist er doch von 1947 bis 1959 in jedem einzelnen von
ihnen gestiegen (siehe Tafel III). Er ist im allgemeinen in den
Fertigungsindustrien langlebiger Güter höher und hat dort auch
am raschesten zugenommen.
Der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte wird in den einzelnen Industriezweigen von verschiedenen Faktoren bedingt, beispielsweise dem Grad der Mechanisierung und Automatisierung, den
Absatzmethoden und dem Umfang der betrieblichen Fürsorgeeinrichtungen. Die Entwicklung in den letzten Jahren scheint darauf hinzudeuten, daß die Ausweitung der Forschung eine der Hauptursachen
für die zunehmende Bedeutung der nichtproduktiven Arbeitskräfte ist,

PcicTi E i!S&gt; H c^ F JJSy^ ,N D E R PRODUKTIONSWIRTSCHAFT UND IM DIENSTLEISTUNGSGEWERBE IN DER ZEIT VON 1952-1960 NACH BERUFSGRUPPEN
AUFGESCHLÜSSELT
PRODUKTIONSWIRTSCHAFT

MILLIONEN

DIENSTLEISTUNGSGEWERBE

MILLIONEN
24

124

|.
-

,20

20

1«
I
16

12

12

—wM,
T2

.0
»952

t*»6Ü

ANGESTELLTE ARBEITER

910

DIENSTLEISTUNGPERSONAL!

ANGESTELLTE

ARBEITER

DIENSTLEISTUN0SPERS0NAL i

1 OHNE HAUSANGESTELLTE

-

11

-

�Tafel

{•

III

Prozentualer Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der
Beschäftigung in den güterproduzierenden Industriezweigen
(außer Landwirtschaft'). 1947. 1952 und 1959

Industriezweig

1947

1952

1959

Sämtliche güterproduzierende Industrien

15»4

18,2

22,8

Bergbau

10,4

12,8

21,3

Baugewerbe

11,0

11,5

14,3

Fertigungsindustrien

16,3

19,5

24,3

Dauergüter
Verteidigungsproduktion
Holz- und Holzwaren
Möbel und Einrichtungen
Steine, Erden und Glas
Hüttenindustrie
Metallverarbeitende Industrie
Maschinenbau (außer elektrische Geräte)
Elektrogerätebau
Transportmittel
Instrumenten- und Apparatebau
Andere Fertigungsindustrien

16,3
15,4
7,2
11 , 8
12,5
12,8
15,9
20,7
23,1
17,8
21,9
14,7

19,3
24,5
8,9
14,4
15,2
15,3
18,6
23,1
24,6
21,2
26,5
17,3

25,1
48,6
10,2
16,4
18,4
19,5
22,2
29,6
32,4
28,8
34,4
20,5

Kurzlebige Güter
Nahrungsmittel und ä. Waren
Tabakwaren
Spinnereiprodukte
Konfektion und a.Textilfertigwaren
Papier und Papierwaren
Druck- und Verlagswesen
Chemische Produkte u.dergleichen
Erdöl- und Kohleprodukte
Gummiwaren
Leder- und Lederwaren

16,4
21,7
6,8
6,2
9,0
12,7
32,8
24,4
23,0
18,5
9,0

19,9
26,6
8,5
7,9
10,4
16,5
34,9
30,3
28,0
20,6
10,0

23,2
30,3
11,5
9,5
10,8
19,9
35,8
37,4
33,4
23,2
10,9

-

12

-

�Die technischen Anforderungen des Raumzeitalters und das Verteidigungsprogramm begünstigten die Einstellung einer wachsenden Zahl
von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern und trugen somit
in den Dauergüterindustrien zu dem Anstieg der Beschäftigung in
den akademischen Berufen bei. Gleichzeitig haben die von diesen
Fachkräften entwickelten technischen Neuerungen einen höheren
Warenausstoß ohne Neueinstellungen von Produktionsarbeitern möglich gemacht. Diese Einflüsse sind besonders in der Verteidigungsproduktion spürbar, wo das Verhältnis von Produktionsarbeitern
zu nichtproduktiven Arbeitskräften etwa 1 zu 1 ist, und im Elektrogerätebau, im Apparate- und Instrumentenbau und in der chemischen
Industrie, wo jeder dritte Beschäftigte nicht produktiv tätig ist.
Der in der Nachkriegszeit zu beobachtende Trend in der Beschäftigung von nichtproduktiven Arbeitskräften scheint in den letzten
Jahren noch eine Verschärfung erfahren zu haben. Es zeichnet sich
ganz eindeutig ab, daß der Hauptanteil an einem künftigen Beschäftigungsanstieg auf den Dienstleistungssektor der Wirtschaft und
der überwiegende Teil der Neuzugänge in der Produktionswirtschaft
(außer Landwirtschaft) auf die Angestelltenberufe entfallen wird.
Klassifizierung der Arbeitskräfte in der Statistik
In den Untersuchungen über die Beschäftigungsverhältnisse wird
unter der Rubrik "Art der Beschäftigung" zwischen Lohn- und Gehaltsempfängern in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst, Selbständigen und unbezahlten Mitarbeitern in Familienbetrieben differenziert.
Häufig wird der Terminus "Angestellter" für "gegen Gehalt Beschäftigte"
verwendet.
Die Mehrzahl der unter den Angestellten geführten Selbständigen
sind Eigentümer kleinerer nicht vergesellschafteter Firmen. Im April
1960 betrug der Anteil der Selbständigen in der Kategorie "Manager",
leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige"
50 Prozent; im April 1950 dagegen 60 Prozent. Dieser Rückgang in der
relativen Bedeutung der Selbständigen in der Beschäftigungsstatistik
spiegelt sowohl die tatsächliche zahlenmäßige Abnahme als auch die
etwa 40prozentige Zunahme der Manager, leitenden Angestellten und
öffentlichen Bediensteten wider (siehe Tafel IV).
In der Gruppe der akademischen Berufe waren im April 196O etwa
12 Prozent, zehn Jahre davor dagegen 15 Prozent selbständig. Die meisten Selbständigen in dieser Gruppe sind Ärzte, Zahnärzte und Anwälte,
obwohl zu ihr auch Schriftsteller, Künstler und Artisten und Spezialisten aller Art mit beratender Tätigkeit gehören. Im Verlauf des in
Rede stehenden Jahrzehnts stieg ihre Zahl nur um 200 000 (oder 30 Prozent) auf 900 000; die Zahl der Gehaltsempfänger in dieser Gruppe stieg
dagegen von 3,9 Millionen auf 6,7 Millionen (um 70 Prozent).

Tafel

-

13 -

IV

�Tafel

IV

P r o z e n t u a l e r Ant e i 1 der e i n z e l nen Beschäftigungskatego r i e n an d e r
gesamten n i c h t l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Beschäftigun,ff»
A p r i l 1950 und A p r i l 1960

Beschäftigungskategorie

Angestellte
1950
1960
Arbeiter
1950
1960
Dienstleistungspersonal
1950
1960

Sämtliche
Beschäftigungskategorien

Lohn- u .
Gehaltsempfänger
i n der
Wirtschaft

Beschäft i g t e im
öffentl.
Dienst

Selbständige

Unbezahlte Mitarbeiter
i n Familienbetrieben

1,2
1,4

100,0
100,0

60,3
63,8

17,1
17,8

21,5
17,0

100,0
100,0

90,3
89,5

5,8
6,1

3,6
4,0

100,0
100,0

76,8
75,0

15,5
17,4

6,8
6,4

100,0
100,0

44,3
51,3

39,9
36,9

15,2
11,7

5
2

100,0
100,0

32,3
43,8

6,3
5,6

61 ,2
50,5

1
1

100,0
100,0

77,2
77,8

21,3
19,6

5
5

1,0
2 ,0

100,0
100,0

91,2
86,0

2
3

4,7
9,3

3 ,9
4 ,5

3
4

1,2
1,3

Angestelltenberufe
Akademische, technische u.ä.Angest.

1950
1960
Manager,leitende
Angestellte,
öffentl.Bedienstete
u.Selbständige
1950
1960
Bürokräfte
1950
1960
Verkäufer
1950
1960

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

- 14

�Die Verkaufsangestellten sind die einzige Angestelltengruppe,
die einen Zuwachs des Anteils der Selbständigen im Verlauf dieses
Jahrzehnts melden konnte. Im April 196O betrug der Anteil der Selbständigen unter den Verkäufern knapp 10 Prozent, gegenüber 5 Prozent
im Jahre 1950. Die Expansion der Geschäftstätigkeit im Bereich der
Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie im Immobilienhandel dürfte
in erster Linie für diese Zunahme verantwortlich sein.
Auf die Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Gemeinden entfallen rund 40 Prozent der akademischen Fachkräfte;
das entspricht dem höchsten Prozentsatz in allen Angestelltengruppen
überhaupt. Die Hälfte der Personen sind Lehrer an staatlichen Schulen
und einzelstaatlichen und örtlichen Colleges und Universitäten in
allen Teilen des Landes. Etwa 20 Prozent aller Bürokräfte und 6 Prozent aller Manager stehen im öffentlichen Dienst. In den Gruppen der
akademischen Fachkräfte und Büroangestellten verliert die Beschäftigung im öffentlichen Dienst heute auf Grund des rascheren Wachstums
der Beschäftigung in der Privatwirtschaft allmählich etwas an Bedeutung,
Obwohl die Zahl der Beschäftigten in akademischen Berufen in der
Privatwirtschaft rascher wuchs als die der Beschäftigten in den übrigen Angestellten-Berufsgruppen, stehen nur 50 Prozent von ihnen im
Dienst der Wirtschaft. Die Privatwirtschaft beschäftigt andererseits
90 Prozent aller Manager und leitenden Angestellten (außer Selbständigen), etwas mehr als 85 Prozent aller Verkäufer und 80 Prozent aller
Bürokräfte.
Auswirkungen der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
Wenn auch eine eingehende Erörterung vieler Auswirkungen der
Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, so drängen sich bei der Untersuchung der
jüngsten Beschäftigungstrends doch einige Fragen geradezu auf. Wird
sich der steigende Anteil der Angestellten in verschiedenen, relativ
krisenfesten Berufs- und Wirtschaftszweigen als ein stabilisierender
Wirtschaftsfaktor erweisen, oder werden die Angestelltenberufe mit
dem Wachsen ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung den Gefahren
einer eventuellen Massenarbeitslosigkeit stärker als bisher ausgesetzt
sein? Werden die Arbeiter, besonders in den ungelernten Berufen im
Falle einer Arbeitslosigkeit mehr als bisher die Möglichkeit haben,
auf einen der Angestelltenberufe umzusatteln? Inwieweit wird die
Nachfrage in den Angestelltenberufen durch Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt gedeckt werden? In welchem Maße hängt das rasche Wachstum der
Zahl der Angehörigen -der akademischen Berufe von der Fortsetzung der
Ausgabenprogramme, der Regierung für Ver"teidigungszwecke und für die
Raumforschung ab? Inwieweit wird der zunehmende Anteil der nichtorganisierten Arbeitskräfte das Verhältnis der Sozialpartner untereinander
beeinflussen? Die 60er Jahre werden die Antwort mindestens auf einen
Teil dieser Fragen bringen. (wird fortgesetzt)
(Aus" Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 2, Februar 1961)
* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthalt Material über Arbeitebeziehungen, Gewerkschafteprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitemitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienstetelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA
(II und Schluß)

Seite

1

Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet

Seite 15

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"

Seite 16

Trends im Tarifverhandlungswesen

Seite 18

Carol A. Barry,US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluß)
Zusammensetzung -

Umfang und Regelmäßigkeit der Beschäftigung -

Arbeitslosigkeit - Bildungsstand - Einkommensvergleiche
Die große Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
während des letzten Jahrzehnts rückte die Frage nach der Zusammensetzung dieses Segments des Arbeitspotentials in den Blickpunkt des
Interesses der Arbeitsstatistik. Eine Untersuchung der Zusammensetzung
der Angestelltenschaft verdeutlicht die wirtschaftliche Bedeutung
dieser Zunahme. Die in den sechziger Jahren zu erwartende Zunahme
der Anteile der jugendlichen, der älteren und der weiblichen Angestellten an der Gesamtbeschäftigung läßt es wünschenswert erscheinen,
Aufschlüsse darüber zu erhalten, welche Beschäftigungsmöglichkeiten
sich für die Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppen in den Angestelltenberufen bieten. Der derzeitige Bildungsstand der Angestellten gibt
beispielsweise gewisse Hinweise auf das Maß an Bildung, das man von
den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft erwarten wird, und
die Erfahrungen der Angestellten auf der Arbeitsuche zeigen, inwieweit sich in diesen Berufen Gelegenheit für Halbtagsarbeit oder eine
vorübergehende Beschäftigung bietet, wie sie von den Neuzugängen auf
dem Arbeitsmarkt voraussichtlich in erhöhtem Maße angestrebt werden.
Zusammensetzung der Angestelltenschaft nach Geschlecht. Alter und
Hautfarbe
Nach Geschlecht: Zwischen April 1950 und April i960 stieg die
Zahl der in nicht landwirtschaftlichen Berufen beschäftigten Frauen um
rund 31 Prozent auf 21,2 Millionen (siehe Tafel I ) . Die Zahl der
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sich um jeweils 37 Prozent, obwohl in den ersteren Berufen mehr als
doppelt so viele Frauen tätig sind wie in den letzteren. Die Zahl
der Frauen in den Arbeitsberufen erhöhte sich dagegen nur um etwa
6 Prozent.
Zu einer besonders starken zahlenmäßigen Zunahme der weiblichen
Angestellten kam es in den Gruppen der akademischen Berufe und der
Bürokräfte. Die Zahl der Verkäuferinnen und der weiblichen Beschäftigten in den Managerberufen stieg in erheblich geringerem Maße als
die gesamte weibliche Beschäftigung.
In den akademischen Berufen belief sich die Zunahme bei den Frauen
von April 1950 bis April 196Q auf nahezu 49 Prozent. Wenn auch eine
noch weitergehende Spezifizierung der Untergruppen, auf die sich der
Zuwachs vornehmlich konzentrierte, auf Grund des vorhandenen statistischen Materials nicht möglich ist, so scheint doch ein großer Teil
der Zunahme auf Lehrkräfte an den Grund- und Oberschulen zu entfallen,
deren Anteil an der weiblichen Beschäftigung in dieser Berufsgruppe
sich im April i960 auf 45 Prozent bezifferte, sowie auf Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal, dessen Anteil 27 Prozent
betrug.
Der Großteil der in den fünfziger Jahren neu geschaffenen Bürostellen wurde mit Frauen besetzt. Ihre Zahl erhöhte sich im Verlauf
dieses Jahrzehnts um 46 Prozent, wodurch die Bürokräfte bis April i960
ihren Anteil an der weiblichen Angestelltenbeschäftigung auf rund die
Hälfte erhöhen konnten.
Die Zunahme der männlichen Arbeitskräfte in den nicht landwirtschaftlichen Beschäftigungszweigen zwischen April 1950 und April i960
war mit nur 13 Prozent wesentlich geringer als bei den Frauen und
bewirkte einen Anstieg der männlichen Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben auf 39»8 Millionen. Die größte Zunahme etwa 22 Prozent - entfiel wiederum auf die Angestelltenberufe; bei den
Arbeitern betrug die Zunahme nur etwas mehr als 7 Prozent, in den
Dienstleistungsberufen nur 5 Prozent.
Den Hauptanteil an der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
bei den Männern bestritten die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe mit einer Zuwachsrate von fast 60 Prozent während der
letzten zehn Jahre. Drei Fünftel aller neu hinzugekommenen Angestellten übten im April i960 einen derartigen Beruf aus. Der Zuwachs in
den Gruppen der Büro- und Verkaufsangestellten entsprach im wesentlichen dem durchschnittlichen Zuwachs der gesamten nichtlandwirtschaftlichen männlichen Beschäftigung. Die Gruppe der Manager hatte mit
9 Prozent eine etwas geringere Zunahme zu melden. D**-r rasche Aufschwung
der Beschäftigung in den akademischen Berufen ist vor allem auf die
starke Zunahme der Zahl der festangestellten Wissenschaftler, Ingenieure
und Techniker zurückzuführen - Berufe, in denen die Männer dominieren.
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�Nach Altersgruppeni Die Angestellten konnten ihren Beschäftigungsanteil in sämtlichen Altersgruppen während der fünfziger Jahre
erhöhen. Im seihen Zeitraum ging der Anteil der Arbeiter an der Gesamtbeschäftigung in allen Altersgruppen und bei Männern und Frauen
gleichermaßen erheblich zurück. Obwohl der Anteil der Dienstleistungsberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung als Ganzes
gestiegen ist, blieb er in der Altersgruppe der über 45jährigen bei
den Männern nahezu unverändert und ging bei den Frauen sogar zurück.
Die größte Zuwachsrate unter den Angestellten der Altersgruppe
unter 25 Jahren entfiel auf die Angehörigen der akademischen, technischen und verwandten Berufe. In der Gruppe der Manager, leitenden
Angestellten, öffentlichen Bediensteten und Selbständigen hatte diese
Altersklasse dagegen keine nennenswerte Zunahme zu verzeichnen, da
hier Erfahrung und angesammeltes Kapital entscheidende Voraussetzungen
sind.
In der wichtigsten Altersgruppe, der von 25 bis 44 Jahren, lag
die prozentuale Zunahme bei Männern und Frauen in den Angestelltenund Dienstleistungsberufen auf vergleichbarer Höhe, während die Beschäftigung in den Arbeiterberufen hier bei den Männern um 5 Prozent,
bei den Frauen sogar um fast 15 Prozent zurückging. Die Zahl der
männlichen Angestellten in akademischen Berufen stieg in dieser Altersgruppe um 56 Prozent, während die Zahl der männlichen Verkäufer nur
unwesentlich zunahm. Abgesehen von der Gruppe der Verkaufsangestellten
beiderlei Geschlechts und von den Frauen in Managerstellungen, nahm
die Zahl der männlichen und weiblichen Angestellten im Alter von 25 bis
44 Jahren in allen übrigen Angestelltenberufen wesentlich stärker zu
als die nichtlandwirtschaftliche; Gesamtbeschäftigung.
Bei den Männern und Frauen über 45 Jahren stieg die Zahl der in
akademischen Berufen Tätigen sehr stark an. Auch in den Büro- und
Verkäuferberufen erhöhte sich die Beschäftigung in dieser Altersgruppe
weit stärker als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung,
Die relative Zunahme der Zahl der Frauen über 45 Jahren in den akademischen Berufen, unter den Bürokräften und Verkäufern übertraf die
Zunahme bei Männern und Frauen in allen anderen Alters- und Berufsgruppen ganz beträchtlich.
Nach Hautfarbet Wenn auch die Zahl der farbigen Arbeitnehmer - zu
annähernd 95 Prozent Neger - in den Angestelltenberufen allmählich
steigt, ist ihr Anteil von 3,7 Prozent an der Angestelltenbeschäftigung
gegenüber einem Anteil von 10 Prozent an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung noch immer verhältnismäßig gering. Der
Anteil der farbigen weiblichen Angestellten erhöhte sich prozentual
stärker als der der farbigen männlichen Angestellten, ist aber gegenüber der Gesamtbeschäftigung noch immer sehr niedrig.
Nur ein Fünftel der berufstätigen farbigen Frauen sind Angestellte
während dies beiden berufstätigen weißen Frauen für drei Fünftel zutrifft; in den Dienstleistungsberufen liegen die Verhältnisse dagegen
fast genau umgekehrt, (siehe Tafel i)

Bei

�Bei den männlichen Arbeitnehmern waren im April 196O nur 16
Prozent der Farbigen, aber fast 44 Prozent der Weißen in Angestelltenberufen tätig. Umgekehrt war ein viel größerer Prozentsatz von Farbigen in den Dienstleistungs- und Arbeiterberufen beschäftigt. Die
Hälfte sämtlicher männlichen farbigen Angestellten, gegenüber zwei
Drittel aller weißen Angestellten, entfiel auf die Berufsgruppen
der Akademiker und Manager.
Während der letzten zehn Jahre nahm die Zahl sowohl der farbigen
als auch der weißen männlichen Arbeitnehmer in den Angestelltenberufen
schneller zu als in den übrigen Beschäftigungszweigen. Obwohl die Beschäftigungszuwachsrate der Farbigen in den Angestelltenberufen im
Jahre i960 höher war als bei den Weißen, lag ihr Anteil an der
Angestelltenbeschäftigung noch immer unter 4 Prozent, gegenüber einem
Anteil von 9 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. In ähnlicher Weise erzielten auch unter den weiblichen Angehörigen der Angestelltenschaft
die Farbigen eine erheblich größere Zuwachsrate als die Weißen, insbesondere unter den Büroangestellten. Dennoch betrug der Anteil der
farbigen weiblichen Büroangestellten im April 196O nur knapp 5 Prozent
der gesamten weiblichen Angestelltenbeschäftigung, obwohl der Anteil der
Farbigen an der weiblichen Gesamtbeschäftigung 13 Prozent ausmachte.
Nach wie vor trat die Disparität zwischen den Anteilen der weißen
und farbigen Arbeitskräfte an der Angestelltenbeschäftigung bei den
Männern am deutlichsten in der Gruppe der Manager zutage, bei den Frauen
unter den Verkaufsangestellten. In diesen beiden Gruppen hat sich im
letzten Jahrzehnt kein merklicher Wandel vollzogen.
Umfang der Beschäftigung
Zusätzliche Gradmesser der Beschäftigungslage - wie das Ausmaß
der Ganatags- und Halbtagsbeschäftigung, der ganzjährigen und vorübergehenden Beschäftigung und der durchschnittlichen Zahl der geleisteten
Arbeitsstunden - zeigen ebenso wie die reinen Beschäftigungsziffern,
daß der männliche Bevölkerungsteil in wesentlich stärkerem Umfang am
Erwerbsleben teilnimmt als der weibliche. Die unterschiedliche Beschäftigungsdauer unter den Angehörigen der Angestellten-, Arbeiterund Dienstleistungsberufe ist weit mehr der unterschiedlichen anteilsmäßigen Verteilung der Beschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer zuzuschreiben als den wirtschaftlichen Charakteristika der
einzelnen Berufe. Dasselbe gilt in hohem Maße auch für die Abweichungen
in den verschiedenen Angestelltenberufen. In den Berufsgruppen mit vornehmlich weiblichen Beschäftigten ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im allgemeinen geringer, die Halbtagsarbeit weiter verbreitet
und die vorübergehende Beschäftigung häufiger,
Regelmäßigkeit der Beschäftigung: Die Angeslelltenbeschäftigung
weist im allgemeinen eine größere Regelmäßigkeit auf, als die Beschäftigung in anderen Berufsgruppen. Angestellte sind in größerem Maße ganzjährig ganztägig beschäftigt und leisten mehr Arbeitsstunden als die
Arbeiter und Angehörigen der Dienstleistungsberufe. Die Halbtagsbeschäftigung ist unter der Angeatelltenschaft weit weniger häufig als
in den Dienstleistungsberufen. Andererseits ist die Halbtagsbeschäftigung unter den Angestellten weiter verbreitet als unter den Arbeitern,

-

5 -

�Arbeitern, was jedoch weitgehend auf ihre Beliebtheit hei den weiblichen Angestellten zurückzuführen ist. Hinzu kommt, daß die halbtagsbeschäftigten Angestellten, wie an untrüglichen Zeichen abzulesen
ist, zu einem großen Teil ohne eigentliche wirtschaftliche Notwendigkeit einer solchen Tätigkeit nachgehen, während viele halbtagsbeschäftigte Arbeiter angesichts der Lage axif dem Arbeitsmarkt keine
Ganztagsbeschäftigung finden können, .
Die Angehörigen der Managerberufe leisten unter allen Angestellten die meisten Arbeitsstunden, sind mit der größten Wahrscheinlichkeit das ganze Jahr über beschäftigt und arbeiten am seltensten halbtags. Die Hälfte der Angehörigen dieser Berufsgruppe sind Selbständige,
von dener viele auch abends und am Wochenende arbeiten. Die Verkäuferinnen dagegen arbeiten sehr häufig halbtags und erreichen somit eine
verhältnismäßig geringe Wochenstundenzahl. Dies ist zum größten Teil
auf die Konzentration weiblicher Verkaufsangestellter im Einzelhandel
zurückzuführen, wo die Geschäftszeiten und saisonbedingte Verkaufsspitzen Halbtagsarbeit und vorübergehende Beschäftigung in größerem Umfang
gestatten als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen.
Seit 1950 ist in allen Beschäftigungssparten ein Trend zu vermehrter Halbtagsbeschäftigung zu verzeichnen, der unter den weiblichen
Angestellten stärker ausgeprägt ist als unter den männlichen. Unter
den weiblichen Angehörigen der akademischen und Büroberufe nahm die
Halbtagsbeschäftigung erheblich zu und erreichte bis 1959 nahezu
20 Prozent der Gesamtbeschäftigung in diesen Berufen. Unter den Arbeitern und in den Dienstleistungsberufen war^1959 der Prozentsatz
der Arbeitskräfte, die das ganze Jahr über ganztägig beschäftigt sind,
gegenüber 1950 leicht zurückgegangen; unter der Angestelltenschaft
trifft dies nur für Bürokräfte zu,
Arbeitslosigkeit. Im Auf und Ab der Geschäftstätigkeit hat sich
die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten während der vergangenen
elf Jahre mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit auf etwa ^er',', ,
gleichen Höhe gehalten. In Zeiten steigender Geschäftstätigkeit lag
die Arbeitslosenrate der Angestellten niedriger als die der Arbeiter
und Dienstleistungsbeschäftigten. Umgekehrt nahm die Arbeitslosigkeitauch
in Zeiten abflauender Wirtschaftstätigkeit unter den Angestellten im
allgemeinen weniger zu als in den beiden anderen Beschäftigungsgruppen,
Im April 1953 brachte die Verstärkung der Verteidigungsanstrengungen
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit unter den Arbeitern auf 3»3 Prozent
und unter den Angehörigen der Dienstleistungsberufe auf 3,5 Prozent, was
dem tiefsten Stand innerhalb der elf Jahre von 1950 bis i960 entspricht
(siehe Tafel II). Bei den Angestellten erreichte die Arbeitslosigkeit
in den fünfziger Jahren ihren tiefsten Stand, 1952 mit 1,1 Prozent,
Im April i960 waren dagegen ft6 Prozent der Arbeiter, 5,1 Prozent der
Dienstleistungsbeschäftigten und 2,5 Prozent der Angestellten arbeitslos .
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�Die geringste Anfälligkeit gegen Arbeitslosigkeit ist unter
allen Angehörigen der Angestelltenberufe bei den Managern und Selbständigen zu beobachten. In den letzten elf Jahren hatte die Arbeitslosenquote in dieser Berufsgruppe, wenn man die Ziffern für April
zugrunde legt, im Jahre 1952 mit 0,4 Prozent ihren tiefsten Stand und
im Jahre 1958 mit 2,1 Prozent ihren Höchststand erreicht; im April
1960 waren nur 1,2 Prozent der Angehörigen dieser Berufssparte ohne
Arbeit. Die Hinzurechnung der Selbständigen zu dieser Gruppe trägt
entscheidend zu der geringen Arbeitslosigkeitsrate bei, da Selbständige
nur im Falle eines Bankrotts unfreiwillig arbeitslos werden können.
Andererseits ist aber auch die Arbeitslosenrate bei den eigentlichen
Managern recht gering.
Die Arbeitslosenquote der Angehörigen der akademischen Berufe liegt
nur um ein geringes über dem Satz der Manager. Die höchste Rate wurde
(wiederum mit April als Bezugsmonat) im Jahre 1950 mit 2,2 Prozent,
die niedrigste 1952 mit 0,7 Prozent ermittelt; 196O waren 1,5 Prozent
der akademischen Fachkräfte beschäftigungslos. Die durchweg günstige
Beschäftigungslage in diesen Berufen ist auf die Stabilität im Bereich
der Dienstleistungswirtschaft zurückzuführen, die besonders viele akademische Fachkräfte beschäftigt, sowie auf den hohen Anteil der freiberuflich Tätigen, die spezifische Eigenart dieser Berufe und die. große
Nachfrage nach hochqualifizierten Fachleuten.
In den Fertigungsindustrien sind beispielsweise zahlreiche akademische Kräfte mit Aufgaben betraut, die kaum etwas mit der laufenden
Produktion zu tun haben. Eine typische Illustration liefert die Grundlagenforschung: Entwicklungsarbeiten wird man kaum wegen eines geringen
vorübergehenden Nachlassens der Wirtschaftstätigkeit einstellen. Die
im Dienste der Industrie stehenden Wissenschaftler, die an der Verbesserung der derzeitigen Produkte oder der Entwicklung neuer Produktionsverfahren arbeiten, kommen nicht so sehr der laufenden als vielmehr der
künftigen Produktion zugute und werden dwshalb auch von Absatz Schwankungen kaum ernstlich berührt.
Bei den Büro- und Yerkaufsangestellten wurde die niedrigste Arbeitslosigkeitsquote im April 1952 mit 1,6 bzw. 1,7 Prozent registriert. Der
Anteil der Arbeitslosen unter den Verkäufern betrug im April 1954» 1958
und 1959 dagegen 4»1 Prozent und im April 196O rund 5,4 Prozent. Bei den
Büroangestellten betrug der Arbeitslosenanteil im April 195.8 etwa 4,8
Prozent und ging bis April i960 auf 3»6 Prozent zurück.
Tritt in den Fertigungsindustrien, im Bergbau, im Baugewerbe oder
im Transportwesen ein schärferer Beschäftigungsrückgang ein, so sind
die dort tätigen Bürokräfte mit großer Wahrscheinlichkeit die ersten
(wenn nicht sogar die einzigen) Angestellten, die mit ihrer Entlassung
zu rechnen haben. Im allgemeinen ist ihr Anteiir'an der Gesamtbeschäftigung in diesen Wirtschaftszweigen höher als der aller anderen Angestelltengruppen und ihre Tätigkeit steht in einem engeren Zusammenhang
mit der laufenden Produktion.
Die

�Die relativ größere Arbeitslosigkeit unter den Büro- und Verkauf sangestellten hängt auch mit der Tatsache zusammen, daß in diesen
Berufen der Anteil der Jugendlichen an der Beschäftigung höher ist
als in anderen Sparten. Bei erwachsenen Frauen kann die Suche nach
einer Arbeitsstelle sowohl durch ihre Kündigung am bisherigen Arbeitsplatz als auch durch den Wunsch bedingt sein, nach längerer Zeit der
Haushaltstätigkeit wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Unter den
Jugendlichen ist der Wechsel zwischen Berufstätigkeit und Schule häufig.
Eine Untersuchung der Häufigkeit einer langfristigen Arbeitslosigkeit und der durchschnittlichen Dauer der Beschäftigungslosigkeit ergibt
weniger Unterschiede zwischen den Angestellten und den Angehörigen der
übrigen Beschäftigungssparten als erwartet. Wenn auch manches darauf
hinweist, daß die durchschnittliche Arbeitslosigkeitsdauer bei den Angestellten etwas kürzer und die langfristige Arbeitslosigkeit - vor
allem in Zeiten wirtschaftlicher Erholung - nicht so häufig ist wie bei
Arbeitern und Angehörigen der Dienstleistungsberufe, so sind doch die
Unterschiede keinesfalls so augenfällig wie bei den durchschnittlichen
Arbeitslosenraten. Das ist einmal darauf zurückzuführen, daß angesichts
der relativ geringen Arbeitslosigkeit unter den Angestellten meist nur
solche Arbeitskräfte beschäftigungslos werden, die ohnehin schwer unterzubringen sind. Zum anderen lassen sich Menschen mit der Ausbildung und
Erfahrung, wie sie Angehörige der akademischen Berufe, Manager und Verkäufer vielfach besitzen, nicht so leicht in andere Stellungen vermitteln wie Menschen mit Fertigkeiten, wie sie in weniger spezialisierten
Berufen gefordert werden.
Bildungsstand
Ein relativ hoher Bildungsstand ist charakteristisch für die Angehörigen der Angestelltenberufe. Im Jahre 1959 ergab sich für die gesamte Angestelltenschaft im Durchschnitt eine zwölfjährige schulische
Ausbildung. Von den Angehörigen der Arbeiter- und Dienstleistungsberufe
erreichten nur die Facharbeiter mit einer durchschnittlichen Schulzeit
von 11 Jahren einen vergleichbaren Stand. Arbeiter und Hausangestellte
hatten größtenteils noch nicht einmal ein Jahr Oberschulbildung aufzuweisen.
Trotz des hohen Durchschnitts des Schulbesuchs bei den Angestellten insgesamt bestanden in den einzelnen Angestelltenberufen erhebliche
Unterschiede hinsichtlich des Anteils derjenigen, die die Grundschule,
die Oberschule oder ein College bis zum Abschluß durchlaufen hatten. Im
allgemeinen haben selbstverständlich die Angehörigen der akademischen
Berufe die längste schulische Ausbildung absolviert (wenn auch in gewissen freien Berufen - bei Künstlern, Schauspielern, Berufssportlern
usw. - eine formale Bildung nicht als unerläßliche Voraussetzung anzusehen ist). Nur 6 Prozent in dieser Gruppe haben keine abgeschlossene
Oberschulbildung, 55 Prozent dagegen hatten 4 Jahre oder länger ein
College besucht.
Dv3 Unterschiede hinsichtlich des Grades der schulischen Vorbildung
sind innerhalb der Gruppe der Manager größer als in jeder anderen AngestelilUngruppe. 21 Prozent der Angehörigen dieser Gruppe hatten im Jahr

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- 9 -

�Jahr 1959 überhaupt keine Oberschulbildung aufzuweisen, und 13 Prozent
hatten mindestens 4 Jahre College absolviert. Auch hier treten wiederum
deutliche Unterschiede zwischen den eigentlichen Managern und den
Selbständigen in Erscheinung. Während nur etwa ein Viertel aller Manager keine Oberschule besucht hatten, betrug der Anteil der Selbständigen mit reiner Grundschulbildung nahezu 50 Prozent»
Unter den Bürokräften ist der Anteil der Angestellten mit besonders kurzer oder besonders langer Schulbildung geringer als in den anderen Angestelltenberufen. Nicht ganz 8 Prozent der Büroangestellten
haben weniger als acht Klassen besucht, aber nur 5 Prozent haben einen
Coliege-AbSchluß.
Zwischen den männlichen und weiblichen Angestellten bestanden übrigens vielfach sehr augenfällige Unterschiede bezüglich des Bildungsstandes, insbesondere bei den Büro- und Verkaufskräften (siehe Tafel IIl).
Im allgemeinen ist der Anteil der Frauen mit Oberschul-Abschluß größer
als der Anteil der Männer. Was jedoch die akademische Bildung angeht,
so ist hier ein umgekehrter Trend zu beobachten: die Zahl der Männer,
die ein College besucht und auch den regulären Abschluß erlangt haben,
ist größer als die der Frauen. Von den weiblichen Büroangestellten haben
5 Prozent überhaupt keine Oberschule besucht. 80 Prozent dagegen das
Abschlußexamen gemacht. Auf der anderen Seite hatten 13 Prozent der
männlichen Büroangestellten keine Oberschule besucht und nur 70 Prozent
ihr Abschlußexamen abgelegt; 9 Prozent - gegenüber 3 Prozent bei den
Frauen - hatten jedoch ein College absolviert.
Bei den Verkäufern ergibt sich hinsichtlich des Bildungsstandes bei
Männern und Frauen dagegen ein ganz anderes Bild. Im Jahre 1959 hatten
20 Prozent der Verkäuferinnen keine Oberschule besucht; bei den Männern
waren es 13 Prozent. Etwa 72 Prozent der männlichen und 55 Prozent der
weiblichen Verkaufsangestellten hatten die Oberschule absolviert. Während
15 Prozent der Verkäufer einen College-Abschluß besaßen,traf dies
bei den Verkäuferinnen nur für 5 Prozent zu. Diese ungewöhnliche Diskrepanz erklärt sich aus der Tatsache, daß die große Mehrzahl der weiblichen Verkaufsangestellten im Einzelhandel beschäftigt ist, während
etwa die Hälfte aller in Verkaufsberufen arbeitenden Männer beispielsweise als Versicherungsagenten oder im Grundstücks- und Wertpapierhandel tätig sind, wo eine bessere Bildung Berufsvoraussetzung ist.
Seit 1952 hat sich das Bildungsniveau der gesamten Angestelltenschaft laufend erhöht. Die eingetretenen Veränderungen zeigen sich am
deutlichsten an den Extremfällen: der Anteil der Angestellten ohne
Oberschulbildung ist stark zurückgegangen, während der der Angestellten
mit vierjähriger und längerer Collegebildung zugenommen hat.
Einkommensvergleiche
Die Einkünfte der Angestellten sind erheblich größer als die der
meisten Arbeiter und Dienstleistungsbeschäftigten. Dennoch bestehen
innerhalb der Angestelltenschaft und besonders zwischen männlichen und
weiblichen Beschäftigten innerhalb der einzelnen Beschäftigungsgruppen
große Unterschiede hinsichtlich der Höhe des Arbeitseinkommens. Das

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bei den männlichen akademischen Fachkräften mit einem Mittelwert
von 7252 Dollar am höchsten, gefolgt von den Einkommen der männlichen Angehörigen der Managergruppe mit 6663 Dollar. Das mittlere
Einkommen der männlichen Büro- und Verkaufsangestellten lag mit
5713 bzw. 5259 Dollar noch wesentlich höher als das der weiblichen
Angehörigen der akademischen Berufe mit 4420 Dollar.
Die Diskrepanz zwischen den Einkommensmittelwerten bei Männern
und Frauen mit ganzjähriger Beschäftigung erklärt sich zum Teil aus
der Tatsache, daß die Frauen praktisch in allen Berufsgruppen vornehmlich in den schlechter bezahlten Stellungen beschäftigt.werden. Bei
den weiblichen akademischen Fachkräften handelt es sich beispielsweise vielfach um Lehrerinnen oder Krankenschwestern, während die
männlichen Akademiker in großer Zahl als Ärzte, Zahnärzte, Anwälte,
Ingenieure usw. tätig sind.
Im großen und ganzen trifft für die männlichen Angehörigen der
akademischen und Managerberufe nicht nur ein höherer Einkommensmittelwert zu als für die Büro- und Verkaufsangestellten; sie gehören ohnehin
größtenteils zu den oberen Einkommensklassen. Es bestehen jedoch ausgeprägte Unterschiede in der Einkommenshöhe zwischen den festangestellten und den selbständigen Angehörigen der akademischen und Managerberufe. Während sich freiberuflich tätige Akademiker wesentlich
besser stellen als ihre festangestellten Fachkolle gen, liegen die Verhältnisse in der Gruppe der Manager gerade umgekehrt. Das mittlere
Einkommen sämtlicher freiberuflich tätigen männlichen Akademiker
(einschließlich der nicht ganzjährig oder nur halbtags tätigen) betrug 1959
10 941 Dollar; von den festangestellten Angehörigen der
akademischen Berufe konnten dagegen nur 15 Prozent ein Einkommen von
10 0C0 Dollar und darüber erzielen (siehe Tafel IV). Der Einkommensmittelwert der männlichen Manager und leitenden Angestellten betrug
7080 Dollar; bei den Selbständigen in dieser Kategorie lag er bei
5299 Dollar.
Die große Vielfalt der Tätigkeiten der Verkaufsangestellten spiegelt sich auch in der Einkommenshöhe wider. Während sich das Einkommensmittel 1P59 für alle männlichen Verkäufer auf 4892 Dollar bezifferte, lag das Jahreseinkommen von 22 Prozent der Verkaufsangestellten unter 2500 Dollar. Dies ist ein höherer Prozentsatz als in allen
anderen Angestelltengruppen. Diese Ziffern sind in erster Linie der
großen Zahl der im Einzelhandel beschäftigten kleinen Verkaufsangestellten und anderer Verkäufer in niedrig dotierten Stellungen zuzuschreiben, lassen aber auch erkennen, daß eine große Zahl männlicher
Verkäufer nur halbtags in diesem Beruf tätig ist.
Die höchsten Einkommen in dem Personenkreis, der in der amerikanischen Statistik zu den Angestellten gerechnet wird, beziehen die
selbständigen Angehörigen der freien Berufe: Ä'rzte, Zahnärzte, Anwälte
usw. Die niedrigsten Einkommen entfallen größtenteils auf die Verkäufer und die selbständigen Gewerbetreibenden. Trotz aller Einkommensschwankungen zwischen den verschiedenen Beschäftigungskategorien und
zwitjchei: männlichen und weiblichen Beschäftigten sind die Angehörigen
der Angestelltenberufe im allgemeinen doch wesentlich besser bezahlt

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13

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�bezahlt als die Arbeiter und die Dienstleistungabeschäf tigten,.'
Ein Überblick über die Einkommensentwicklung in den einzelnen
Berufszweigen während der letzten zehn Jahre läßt keine Verringerung
der Kluft zwischen den Angestelltengehältern und den Arbeiterlöhnen
erkennen. Im Gegenteil, unter Zugrundelegung eines festen Dollarwertes hat sich, wie aus verschiedenen Anzeichen zu ersehen ist, die
Differenz zwischen den Einkommensmittelwerten in diesem Zeitraum
sogar vergrößert,
*

Im Laufe der fünfziger Jahre nahm die Beschäftigung in den Angestelltenberufen ständig zu; das gilt sowohl für Männer und Frauen
als auch für Weiße und Farbige. Der Zuwachs bei den männlichen Angehörigen die ser Kategorie war in den akademischen und technischen
Berufen besonders, stark. Das gleiche gilt für ältere Frauen in akademischen Berufen und in Büro- und Verkaufsstellen sowie für die
Farbigen in akademischen Berufen und in Bürostellen. Die Zahl der
halbtagsbeschäftigten weiblichen Angestellten stieg in den fünfziger
Jahren ganz erheblich, insbesondere die der Angehörigen der akademischen Berufe und der Büroangestellten. Der während der sechziger Jahre
zu erwartende Beschäftigungszuwachs, in diesen Berufszweigen wird mit
Sicherheit zahlreiche neue Arbeitsmöglichkeiten für die Angehörigen
dieser Berufsgruppen schaffen; für die Jugendlichen, die in großer
Zahl neu in das Berufsleben eintreten werden, bieten sich vor allem
als Büro- und Verkaufsangestellte gute Beschäftigungsmöglichkeiten.
Die erhöhten Anforderungen an die Qualifikationen in den akademischen
Berufen werden sich auf dem Beschäftigungsanstieg bei den Jugendlichen insofern hemmend auswirken, als sie eine längere Vorbereitung
auf den Beruf erforderlich machen und damit einen späteren Eintritt
ins Berufsleben erzwingen; dadurch wird wiederum die Nachfrage nach
erfahrenen akademischen Fachkräften aller Art, einschließlich Lehrer,
weiter steigen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol.84, Nr.2, Februar 1961)

* * * * *

- 14

�Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Luxus, Geborgenheit und Erquickung - für 125 Dollar im Monat"
- dieses Versprechen, das mehrere amerikanische Gewerkschaften vor
rund einem Jahr ihren Mitgliedern gaben, konnten sie jetzt mit der
Eröffnung ihres ersten "Altershotels" im bekannten amerikanischen
Badeort Miami Beach in Florida einlösen. Hier, direkt am Atlantik,
können von nun an einige hundert Pensionäre im "Präsident-MadisonHotel" einen geruhsamen, sorglosen und ausgefüllten Lebensabend verbringen und manche Freuden genießen, die ihnen das Leben bisher
vielleicht nur spärlich beschert hatte.
Im Preis sind sämtliche Unkosten für Unterbringung, Verpflegung
und die Benutzung aller Einrichtungen inbegriffen. Die Renten aus
der staatlichen Sozialversicherung im Verein mit den Leistungen der
betrieblichen Pensionskassen geben - von der finanziellen Seite
her gesehen - einem Großteil der Altersrentner die Möglichkeit, den
Lebensabend in einem derartigen Heim zu verbringen.
Die Ausstattung der Zimmer und Nebenräume im "Präsident Madison"
kann sich mit der benachbarter Hotels durchaus messen, in denen aller
dings allein die wöchentlichen Kosten für das Zimmer den Monatssatz
für Vollpension im "Präsident Madison" übersteigen. Sämtliche Zimmer
sind mit freundlichen Möbeln eingerichtet und werden durch Klimaanlagen ständig auf einer angenehmen Temperatur gehalten. Das Haus hat
mehrere große Gesellschaftsräume, einen Fernsehsaal und ein eigenes
Schwimmbad. Die Mahlzeiten werden nach den neuesten Erkenntnissen
der Ernährungswissenschaft zubereitet.
Mit Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Menschen wurden beispielsweise sämtliche Badewannen mit rutschfesten Böden und Handgriffen versehen; Rampen angelegt, um Gehbehinderten das Treppensteigen zu ersparen; wurde ein Untersuchungszimmer eingerichtet,
das Ärzten bei Hausbesuchen zur Verfügung steht.
Die Lieblingsbeschäftigung der meisten Gäste des Hauses besteht darin, kleine Spaziergänge zu machen, einen Schwatz in den
Gesellschaftsräumen zu halten oder dem Treiben im Schwimmbad oder
am Strand von überdachten Wandelgängen aus zuzusehen. Wer Lust zu
aktiverer Betätigung verspürt, kann schwimmen gehen, an Tanzkursen
teilnehmen oder aber, gegebenenfalls unter Anleitung, Basteleien
ausführen oder sich als Künstler in Farbe oder Ton versuchen.
Besucher des "Präsident Madison" berichten immer wieder erfreut,
daß man dort kaum etwas von der typischen "Anstaltsatmosphäre" verspüre, die Altersheime so oft charakterisiert. Die Gewerkschaften
fordern ihre Mitglieder, die zu Tagungen oder zur Erholung nach
Miami Beach kommen, zu einem Besuch des Altershotels auf, schon um
den Alten den Kontakt mit jungen Menschen und dem Leben außerhalb
des Heims zu erhalten.
Das "Präsident-Madison-Hotel" wird vo'n der Four Freedoms Hotels,
Inc., einer Gemeinschaftsgründung mehrerer Gewerkschaften, betrieben.
Die
15

�Die Gesellschaft beabsichtigt, in Kürze weitere Hotels in New York,
Chicago, Los Angeles und Atlantic City aufzukaufen und in Heime umzuwandeln. Die Pensionäre haben dann die Möglichkeit, zwischen mehreren Alterssitzen zu wählen und gegebenenfalls auch von Zeit zu
Zeit in ein anderes Heim überzuwechseln.
Die Schaffung der Four-Freedoms-Hotels-Gesellschaft ist in erster
Linie das Verdienst des Präsidenten der Amerikanischen RundfunkGewerkschaft, William R. Steinberg, der auch ihre Geschäftsführung
übernahm. An der Spitze des Kuratoriums steht Joseph Curran, der
Präsident der Seeleute-Gewerkschaft. Im übrigen wird die Gesellschaft
von den Gewerkschaften der Automobilarbeiter, der Beschäftigten in
der Damenoberbekleidungsindustrie, der Elektriker und anderen getragen.
Alle beteiligten Gewerkschaften und ihre Mitglieder sehen in diesem neuen Projekt den Ausdruck einer neuen Funktion der Arbeiterbewegung: im Bewußtsein der Verantwortung für den arbeitenden Menschen
über die Zeit seiner aktiven Tätigkeit hinaus nicht nur für seine
materielle Sicherheit und Gesundheit, sondern auch für seine Achtung
als Mensch zu sorgen.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * # *

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAVV) hat sich mit
der "American Motors Corporation" im Prinzip über einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der - ein Novum in der amerikanischen Automobilindustrie - eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer vorsieht.
Die zehn Tage vor dem Auslaufen des letzten Abkommens erfolgte
Einigung zwischen den beiden Sozialpartnern gewährleistet außerdem
die Beibehaltung des sogenannten "Verbesserungsfaktors" (Aufbesserung
der Löhne auf Grund der angestiegenen Produktivität) und der derzeitigen Lohngleitklausel (automatische Erhöhung der Löhne bei Anstieg
der Lebenshaltungskosten) im neuen Tarifvertrag.
Was die Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer betrifft, so ist dabei
vorgesehen, daß an die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter des
Unternehmens 10 Prozent des Reingewinns (vor Abzug der Steuern) in Form
von Barleistungen oder anderen Leistungen zur Verteilung kommen, nachdem vorher von der gesamten Gewinnsumme 10 Prozent für die Aktionäre
abgezweigt wurden, und daß weitere 5 Prozent des Gewinns in Form von
Aktien des Unternehmens an die Arbeitnehmer verteilt werden. Gemessen
an dem Gewinn des Unternehmens im letzten Finanzjahr, würde das eine
Summe von 360 Dollar pro Arbeitnehmer und Jahr bedeutet haben.
Von

-

16

�Von ebenso großer Bedeutung sind auch die verbesserten Lei- '
stungen auf dem Gebiet der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung.
Während bisher die vorübergehend entlassenen Arbeitnehmer der
Automobilindustrie neben ihrer staatlichen Arbeitslosenunterstützung
noch einen Ausgleichsbetrag aus den aus Unternehmerbeiträgen gespeisten Unterstützungsfonds erhielten, der ihnen ein Einkommen in Höhe
von 65 Prozent ihres bisherigen Verdienstes sicherte, ist im neuen
Abkommen zwar nur ein Maximum von 62 Prozent vorgesehen, dafür aber
noch zusätzlich 1,50 Dollar pro Woche und Familienmitglied. Die Bezugsdauer dieser Ausgleichsbeträge wurde dabei gleichzeitig auf maximal 52 Wochen heraufgesetzt (bisher 34 Wochen).
Andere Abmachungen in dem neuen Tarifvertrag sehen außerdem folgende Verbesserungen vor: Liberalisierung der derzeitigen Pensionspläne; erhöhte Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung oder Vollinvalidität; Übertragung der Pensionsrechte auf den überlebenden Ehepartner bei reduzierten Leistungen; Erhöhung der Lebensversicherungssumme und Verbesserung der Krankenhausversicherung (Zahlung der gesamten Beiträge aus dem neuen Gewinnbeteiligungsfonds).
Wie der 1 . Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft,
Walter P. Reuther» und der Vizepräsident der American Motors Corporation, Edward L. Cushman, auf einer Pressekonferenz erklärten, müssen
noch einige Details des neuen Vertrages ausgearbeitet werden. In den
Hauptpunkten sei dagegen bereits volle Einigung erzielt worden.
In einem Kommentar zu dem neuen Tarifabkommen in der amerikanischen Automobilindustrie schrieb der "Washington Star" u.a.! "Walter
Reuther und die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft haben der
American Motors nach den Worten des 1. Vorsitzenden der Gewerkschaft
"das historisch bedeutendste Tarifabkommen in der Geschichte der
amerikanischen Arbeiterbewegung abgerungen... und es wurde verhältnismäßig leicht erreicht, weil das "Unternehmen und nicht die Gewerkschaft... den Gewinnbeteiligungsplan am Verhandlungstisch ins Gespräch brachte..."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Trends

17

_

�Trends im Tarifverhandlungswesen
1 . Regelungen der Bezahlung von Wasch- und ReinigungsZeiten
Wie aus einer kürzlich vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchung hervorgeht, enthalten gegenwärtig mehr als 1/6
aller in den USA gültigen Großtarifverträge - das sind solche, die
jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmer umfassen - Klauseln über die
Bezahlung von Wasch- und Reinigungszeiten.
«

Insgesamt sehen 278 Großtarifverträge, das sind 17 Prozent
aller Verträge, feste Abmachungen über die Bezahlung jener nichtproduktiven Arbeitszeit vor, die von den Arbeitnehmern für das
Kleiderwechseln, das Waschen und Säubern im Durchschnitt aufgewendet werden muß. Y/ährend die meisten Verträge hierfür eine Zeit von
10 Minuten vorsehen, gewähren einige auch Zeiten von 15 Minuten und
darüber. Häufig wird in den diesbezüglichen Klauseln der Verträge,
auch nur von "einer angemessenen Zeit" gesprochen.
Obwohl noch in den meisten Kontrakten für die Waschnigungszeit eine Periode festgesetzt ist, die am Ende der
zeit liegt, ist in jüngster Zeit hier insofern ein Wandel
ten, als in immer mehr Verträgen zwei Perioden - eine vor
tagspause und eine nach Arbeitsschluß - gewährt werden.

und ReiArbeitseingetreder Mit-

Zu denjenigen Industriezweigen, in denen solche tarifvertraglichen Abmachungen allgemein vorherrschend sind, gehören die
Nahrungsmittel-, Erdöl-, Transport-, die Maschinen- und die chemische Industrie.
*

2. 98 Prozent aller privaten Sozialpläne schließen
Lebensversicherungen ein
über 98 Prozent aller in der amerikanischen Industrie zwischen
Gewerkschaft und Unternehmen ausgehandelten privaten Sozialpläne
sehen heute eine Lebensversicherung für noch im Berufsleben stehende
Arbeitnehmer vor, während in rund 2/3 dieser Verträge diese Leistungen auch auf die bereits im Ruhestand Lebenden ausgedehnt werden.
Dies geht aus einer Untersuchung des Amtes.für Arbeitsstatistik des
amerikanischen Arbeitsministeriums hervor, die sich auf JOO derartige
Pläne erstreckte.
Die untersuchten Sozialpläne, durch die im einzelnen zwischen
1000 und 500 000 Arbeitnehmer erfaßt werden, sehen für insgesamt
4,9 Millionen Arbeitnehmer Kranken- und Lebensversicherungsleistungen
vor. Fast 5/4 dieser Arbeitnehmer waren dabei in Fabrikationsbetrieben beschäftigt, der Rest verteilte sich auf andere Wirtschaftszweige,
Bei

-

18

�Bei rund 3/5 a H dieser Sozialpläne werden ferner die Lebensversicherungsprämien ausschließlich von den Unternehmern finanziert,
während bei den restlichen Plänen die Beiträge zu gleichen Teilen
von Arbeitnehmer und Unternehmer aufgebracht werden. Versicherungsleistungen bei Unfalltod oder Invalidität werden außerdem von rund
der Hälfte dieser Pläne gewährt, wobei die Unternehmer bei "JQ Prozent
aller Pläne die Kosten allein tragen.
Die Höhe der für die einzelnen Arbeitnehmer vorgesehenen
Lebensversicherungssummen belief sich auf 500 bis 15 000 Dollar,
wobei rund ein Viertel aller Policen auf Summen von mindestens
4000 Dollar lauteten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

19

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 11

Bad Godesberg, den 1 . November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA

Seite

1

Gewerkschaftsschulung im Wandel

Seite

4

Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe
der amerikanischen Gewerkschaften

Seite

10

J. J. Jehring, Mitarbeiter des Instituts für Produktivitätsfragen
der Universität Wisconsin:
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA
Zwei Formen der Gewinnbeteiligung sind heute in der amerikanischen Industrie weitverbreitet: die Barausschüttung und die feste .
Anlage mit Ertragsbeteiligung.
Bei der ersteren Form wird der Gewinnanteil an gewissen Fälligkeitsterminen dem Betriebsangehörigen direkt ausgezahlt, bei der
letzteren einem Treuhandfonds zugewiesen, der die Mittel investiert
und zusammen mit den angesammelten Erträgen auf den Namen des Betriebsangehörigen bis zur späteren Auszahlung verwaltet.
Auszahlungen erfolgen gewöhnlich im Falle des Todes, der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses oder bei Versetzung in den Ruhestand. In vielen Fällen jedoch werden diese Gelder den Betriebsangehörigen auch für andere Zwecke zur Verfügung gestellt, z.B. für die
Ausbildung der Kinder, als Arbeitslosengeld oder zum Erwerb eines
Eigenheims. Einige Firmen nehmen die Gewinnausschüttung nach einem
sogenannten kombinierten Gewinnbeteiligungsplan vor, der sowohl die
Barauszahlung als auch die Anlage gestattet.
Die Größe und Art des Betriebes spielt für die erfolgreiche
Verwirklichung von Gewinnbeteiligungsplänen keine Rolle.
Ausreichende

�Ausreichende statistische Daten, aus denen sich exakte Schlüsse
auf die Zahl der Betriebe mit Gewinnausschüttung in bar ziehen ließen,
fehlen leider. Nach Schätzungen von Fachleuten dürften es aber gegenwärtig rund 8000 sein.
Weit besseres Zahlenmaterial liegt über die Gewinnbeteiligungspläne mit späterer Ausschüttung vor, da die Treuhandfonds der Genehmigung des Finanzministeriums bedürfen, um in den Genuß der vorgesehenen Steuervergünstigungen zu gelangen. Aus den Unterlagen geht hervor, daß diese Pläne während der letzten 20 Jahre ständig an Bedeutung
gewonnen haben. Ihre Gesamtzahl betrug Ende des Jahres 196O etwa 24 800,
die der betrieblichen Pensionspläne vergleichsweise 38 800.
Die Zahl der Gewinnbeteiligungspläne späterer Ausschüttung ist
in den letzten Jahren viel schneller gewachsen als die Zahl der Pensionspläne. Das Forschungsinstitut für Gewinnbeteiligung ton Evanston
in Illinois berichtet, daß sich die Zahl der Pensionspläne im Jahre
1960 gegenüber 1959 u m 32,6 Prozent vergrößerte, während'die Zahl der
Gewinnbeteiligungspläne in derselben Zeit um 46,4 Prozent zunahm.
Die schnelle Zunahme der Pläne mit späterer Auszahlung der Gewinnanteile in den beiden letzten Jahrzehnten ist vor allem auf zwei
Faktoren zurückzuführen:
1. Die solchen Treuhandfonds von der Regierung gewährten Steuervergünstigungen. Sie sind das Ergebnis der positiven Beurteilung, zu der der Vandenberg-Herring-Ausschuß des amerikanischen
Senats im Jahre 1939 i-n einer Studie über die sozialen Auswirkungen der Gewinnbeteiligungspläne gekommen war.
2. Die guten Erfahrungen, die eine Anzahl bekannter Firmen im
Laufe der Jahre mit der Gewährung von Gewinnanteilen gemacht
haben«
Wenn sich auch die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, die eine Gewinnbeteiligung erhalten, kaum ermitteln läßt, möchte ich doch auf Grund
des mir zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials annehmen, daß zur Zeit
etwa vier bis fünf Millionen Beschäftigte eine Gewinnbeteiligung in
der einen oder anderen Form erhalten.
Die weitverbreitete Annahme, daß die Gewerkschaften gegen jede
Art der Gewinnbeteiligung seien, hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Aus der Literatur über die Gewinnbeteiligung geht hervor, daß
zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder von Gewinnbeteiligungsplänen profitieren und daß solche Programme in vielen Fällen mit großem Erfolg
durchgeführt werden.
Während der letzten Jahre ist von zwei großen amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen, der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
und der Vereinigten Elektrikergewerkschaft, bekannt geworden, daß sie
sich bei Kollektivverhandlungen für eine Gewinnbeteiligung eingesetzt
haben. Obwohl die Forderung der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft nach Gewinnbeteiligung von der Automobilindustrie im Jahre 1958
abgelehnt wurde, benutzte die American Motors Company in diesem Jahr die

2

�die Gewinnbeteiligung als Gegenangebot auf die Gewerkschaftsforderungen. Es gibt auch anderswo Anzeichen, die auf eine Meinungsänderung in der Frage der Gewinnbeteiligung schließen lassen. Eine
konservative Zeitung des Mittelwestens, das Wisconsin State Journal,
schrieb in einem Leitartikel am 16. August 196t hierzu:
"Der Romeny(Gewinnbeteiligungs-)-Plan ist. natürlich gar nicht
so revolutionär. Die Gewinnbeteiligung ist in diesem Lande weder
etwas Neues noch ein Verstoß gegen das kapitalistische System
der freien Wirtschaft. In der Tat ist es doch so, daß Ersparnisse
(oder Gewinne) den Unternehmern, Arbeitnehmern und Verbrauchern
gleichermaßen zugute kommen müssen, damit Erfindungsgabe und
Arbeitsersparnis, die für eine wettbewerbsfähige freie Wirtschaft
typisch sein sollten, voll zum Tragen kommen«"
In unserer Gesellschaft entwickeln sich gegenwärtig in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Probleme, als deren
logische Lösung immer mehr Menschen die Gewinnbeteiligung in irgendeiner Form ansehen. Einige dieser Probleme und die Rolle, die der Gewinnbeteiligung bei ihrer Lösung zugedacht ist, wurden vor einigen
Jahren von Harold G. Moulton im Auftrag der Brookings Institution in
seinem Buch "Einkommen und wirtschaftlicher Fortschritt" näher untersucht. Darin heißt es im Hinblick auf Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung:
"Da die Höhe der Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer zum Teil von
den Erträgen abhängt, ergibt sich ein zusätzlicher Anreiz zur Leistungssteigerung. Gleichzeitig liegt darin ein geeignetes Mittel
zur Besserung des Betriebsklimas."
über das Inflationsproblem sagt Moulton folgendes«
"Ein bedeutender Vorteil der Gewinnbeteiligung besteht darin, daß
das zusätzliche Einkommen der Arbeitnehmer nicht als Teil der
Produktionskosten in Erscheinung tritt und deshalb keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt. Wie die Dividende der Aktionäre
wird auch der in Form von Zusatzlöhnen auszuzahlende Gewinnanteil aus dem Reingewinn bestritten. Weil die Gewinnbeteiligung
somit keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt, lassen sich
durch sie auch einige der Ungleichheiten in den Einkommen der
verschiedenen Gruppen der Gesellschaft vermeiden, die vielfach
die Folge von Lohnerhöhungen'sind."
Sumner Slichter, einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler
in den Vereinigten Staaten, schrieb vor einigen Jahren in einem Artikel
über "Neue Ziele für die Gewerkschaften" zu dem Problem streitorientierter Kollektivverhandlungen:
"Der nächste Schritt vorwärts im Bereich der Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern wird darauf gerichtet sein, den gegenwärtigen Kampf
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch organisierte Zusammenarbeit zu ersetzen - ein Wandel, der so epochemachend sein wird wie die
Arbeiterschutzgesetze. Die dringende Notwendigkeit der Zusammenarbeit
hat bereits zu einem beträchtlichen Experimentieren mit Plänen geführt,
die darauf abzielen, den Arbeitnehmern die Möglichkeit zur Mitwirkung
am technischen Fortschritt zu bieten und auch den Wunsch zur Mitarbeit

�Mitarbeit zu wecken... Erstaunliche Dinge geschehen, wenn auch die
einfachen Arbeiter darauf ausgehen, ihre Löhne durch Senken der
Arbeitskosten aufzubessern."
Zur Zeit findet die Idee der Gewinnbeteiligung in den Vereinigten
Staaten soviel Anklang wie in keinem anderen Lande der freien Welt.
Es entwickelt sich ein allgemeines Klima, das einer weiteren Verbreitung solcher Programme sehr förderlich ist.
In der Einstellung verschiedener Gruppen zur Gewinnbeteiligung
zeichnet sich deutlich ein Wandel ab. Bei der Arbeiterbewegung kommt
dies in gewissen Entwicklungen innerhalb der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft zum Ausdruck, und bei den Arbeitgebern in den
ständigen Zunahme der Zahl der Pläne für eine Gewinnbeteiligung mit
späterer Auszahlung und zur Förderung des Erwerbs von Belegschaftßaktien.
*»

* * *

Lawrence Rogin:
Gewerkschaftsschulung im Wandel

Leicht gekürzt aus "The American
Pederationist", dem offiziellen
Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und der Quelle gestattet.
i

Im Sommer 1961 diskutierten rund 50 Funktionäre der amerikanischen
Gewerkschaften an drei amerikanischen Universitäten 10 Wochen lang die
Rolle der Gewerkschaften in der amerikanischen Gesellschaft.
Veranstalter dieser Seminare war das Amerikanische Institut für
gewerkschaftliche Schulung, das von Gewerkschaften und Universitäten
zur Vertiefung der gegenseitigen Zusammenarbeit gegründet worden ist.
Bei den genannten Universitäten handelt es sich um das Institut für
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen an der Cornell-Universität des
Staates New York in Ithaca, um die Universität Kalifornien in Berkeley
und die Staatsuniversität von Michigan in East Lansing. Die Diskussionen
an der Staatsuniversität von Michigan wurden in Zusammenarbeit mit der
Universität Michigan in Ann Arbor und der Wayne-Staatsuniversität in
Detroit ausgerichtet.
Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Gewerkschaften der Fertigungsindustrie, des Baugewerbes, der Metallindustrie, des Einzelhandels
und des öffentlichen Dienstes. Als Lehrkräfte fungierten Angehörige
der Institute, die sich mit Gewerkschaftsfragen beschäftigen. Im

- 4 I

�Im Mittelpunkt des Programms, das in Zusammenarbeit mit Schulungskräften der Gewerkschaften aufgestellt wurde, standen Fragen der
Wirtschaft, der amerikanischen Politik und Regierung, der Soziologie
und Sozialpsychologie sowie der Geschichte und Ideologie der Gewerkschaften.
Fragen der Mitgliederwerbung, des Aushandelns von Tarifverträgen
und der Führung von Ortsverbänden wurden nicht behandelt. Es darf
erwartet werden, daß diese IOwöchige Schulung die Teilnehmer in die
Lage versetzt, mit größerem Wissen und Können und größerem Verständnis an die gewerkschaftlichen Aufgaben heranzugehen.
Die Seminare des Instituts für gewerkschaftliche Schulung berücksichtigen drei Trends, die in der erzieherischen Arbeit der amerikanischen Gewerkschaften immer mehr hervortreten: die Konzentration auf
die Schulung der hauptamtlichen Mitarbeiter der zentralen und lokalen
Gewerkschaftsführung, die Vertiefung des Wissens und das Bestreben,
das Verständnis für die grundlegenden Sozialprobleme zu wecken und
die Schulung in den Haupttätigkeitsbereichen der Gewerkschaften
auszubauen.
Keiner dieser drei Aspekte ist neu. Viele Gewerkschaften führen
seit langem Funktionärslehrgänge durch, manchmal über Einzelthemen
wie die Schlichtung oder Mitgliederwerbung, manchmal über ganze Themenkreise. Betriebswirtschaftliche Lehrgänge der Forschungsabteilung des
amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO haben Funktionäre mehrerer Gewerkschaften zu einem Sonderstudium zusammengeführt, ähnlich
wie dies auch bei Kursen der Abteilung Industriegewerkschaften der
AFL-CIO der Fall war. Seit Jahren schon schicken die Gewerkschaften
Mitarbeiter zu den von der Harvard-Universität veranstalteten ^wöchigen Seminaren über Gewerkschaftsfragen, in deren Rahmen vornehmlich
praktische Aspekte der Gewerkschaftstätigkeit behandelt werden.
Die Gewerkschaften haben seit jeher soziale und politische Probleme
in ihre Schulungsprogramme einbezogen. Das "Warum" und "Wozu" politischer
Aktionen hat dabei mitgeholfen das "Wie" zu untermauern. Das Studium
der Wirtschaftswissenschaften ist auch für das Verständnis des Wesens
der Kollektivverhandlungen und der Arbeitslosigkeit von großer Bedeutung. Es ist nur natürlich, daß eine bessere Bildung längere Studienzeiten erforderlich macht und daß man dabei mehr in die Tiefe schürft.
Die Erfahrungen der Universität Chicago, der Universität Kalifornien
in Los Angeles und auch anderer Institute haben gezeigt, daß die Gewerkschafter bereit sind, mehr Zeit auf intensivere Studien zu verwenden.
Gleichzeitig sollte man auch beachten , daß eine wachsende Zahl
von Gewerkschaften ihr Augenmerk auf die Ausbildung richtet. In den
meisten Fällen gehen die Programme über die Entwicklung bestimmter
Fähigkeiten hinaus, mit der gewöhnlich begonnen wird. Dies trifft im
gleichen Maße für die Programme der Schulungsabteilungen der großen
internationalen Gewerkschaften und die der kleinen lokalen Gewerkschaftsgruppen zu. Es gilt sowohl für Programme, die die Gewerkschaften in alleiniger Regie, als auch für jene, die sie mit Unterstützung
der Universitäten durchführen. Es gilt des weiteren sowohl für die

-

5 -

�die Lehrgänge an Sommerschulen als auch für die Jahreskurse in den
Heimatgemeinden der Arbeiter. Die üblichen sechs- oder achtwöchigen
Kurse werden jetzt oft schon auf 10 oder 16 Wochen ausgedehnt. Wenn
auch Rhetorik und die Behandlung von Beschwerden immer populäre Kursustitel sein werden, so wurden nach den vorliegenden Berichten doch
auch Themen wie Bürgerrechte, Gesundheitsfürsorge und Probleme der
städtischen Ballungszentren behandelt.
Verantwortlich für diese Tendenzen ist eine Reihe von Entwicklungen, und es lohnt sich, einige davon näher zu betrachten. Die Schulung der Arbeiterschaft hat sic-h bewährt. Wir können nun, vom Beginn
des großen Aufschwungs der Gewerkschaftsbewegung anfangs der dreißiger
Jahre an gerechnet, auf eine mehr als 25jährige Erfahrung zurückblicken.
Diese Zeit war ebenso eine Periode der Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung. Wer an solchen Lehrgängen und Konferenzen teilgenommen
hat, ist fähig, einen ganz spezifischen Beitrag zur Gewerkschaftsarbeit
zu leisten, sei es in Form einer besonderen Loyalität und Einsatzbereitschaft, sei es durch gesteigerte Initiative und Verantwortungsfreude.
Gewöhnlich waren es diese - im Verein mit dem Verständnis der Probleme
der Arbeiter und der Rolle der Gewerkschaften bei deren Lösung - sowie
einige Fähigkeiten auf speziellen Gebieten, die den Gewerkschaften am
meisten fehlten.
Sowohl die Teilnehmer an solchen Programmen als auch die verantwortlichen Gewerkschaftsführer haben inzwischen gelernt, daß die Gewerkschaftsschulung nicht um ihrer selbst willen betrieben wird, sondern
für sie ein wertvolles Hilfsmittel zur Lösung ihrer Probleme darstellt.
Das zeigt sich beispielsweise, wenn ein neuer Vorsitzender lernt, wie
man eine Versammlung leitet, oder wenn ein neuer Betriebsobmann Fähigkeiten erwirktj;, die er sofort in seinem Tätigkeitsbereich einsetzen
kann. Kurse über die geschichtliche Entwicklung 'der Gewerkschaftsbewegung oder Fragen der Arbeitsgesetzgebung haben sich ebenfalls sehr
förderlich auf die Gewerkschaftstätigkeit ausgewirkt.
Als sich die Gewerkschaften vor eine Fülle neuer Probleme gestellt sahen, war es nur natürlich, daß sie in der gewerkschaftlichen
Schulung, die sich in einer Periode des Wachstums so sehr bewährt hatte,
den Schlüssel zu deren erfolgreiche® Lösung erblickten. In einer Zeit,
in der immer mehr Beschwerden vor die Schlichtungsgremien gebradht werden, bedarf es größerer geistiger Anstrengung, sie durchzufechten.
Wenn die Mitgliederwerbung schwieriger wird, müssen die Werkzeuge
des V/erbers verfeinert und neue Methoden gelehrt werden, um neuen
Situationen begegnen zu können. Wie läßt sich z.B. die Gewerkschaftsidee in das "Standesdenken" einbauen, dem sich die Angestellten angeblich so sehr verbunden fühlen? Welche Argumente muß man vorbringen, um
die heute vielfach verschleierte, aber immer noch vorhandene gewerkschaftsfeindliche Haltung der Arbeitgeber zu überwinden?
In demselben Maße, in dem die Erkenntnisse der Betriebswissenschaft
in die Praxis umgesetzt werden, müssen auch die Gewerkschaftsfunktionäre
darauf vorbereitet sein, dieser Entwicklung gerecht zu werden. Je

-

6 -

�Je komplizierter und einengender die Arbeitsgesetzgebung wird, um so
wichtiger ist es, mit den Gesetzen und den Vollzugsorganen umgehen
zu können. Wenn die Gewerkschaften mehr Zeit der Politik, der Gesetzgebung und der Gemeindearbeit widmen, so ist es besser, den
Umgang mit diesen Fragen zu lehren, als aus Versuchen und Fehlern
lernen zu wollen.
Wenn Massenarbeitslosigkeit und Betriebsstillegungen die Gewerkschaftsführung vor neue Probleme stellen, müssen auch neue Methoden für deren Lösung entwickelt werden. Der Textilarbeiter, der seinen
Arbeitsplatz durch Betriebsverlagerung verloren hat, und der Metallarbeiter, der auf den Schrotthaufen "automatisiert" wurde, müssen
begreifen, daß die Lösung ihrer Probleme sehr wohl die Kräfte der zuständigen örtlichen Gewerkschaft oder sogar der betreffenden Industrie
übersteigen kann; sie müssen vielmehr die Wichtigkeit der Bundesgesetzgebung für die Lösung ihrer Arbeitsplatzprobleme erkennen.
Viele dieser Probleme sind nicht so einfach, daß zu ihrer Lösung
die Erfahrung aus der täglichen Praxis oder ein paar Reden auf einer
Konferenz genügen. Das ist einer der Gründe für die längeren Kurse
und die Vertiefung des Unterrichts. Eine wirksame Betätigung der
Gewerkschaften im Bereich der Politik setzt die Kenntnis der in
der politischen Tagespraxis üblichen Methoden, aber auch der Struktur der amerikanischen Politik und womöglich des Wesens der politischen
Meinungsbildung voraus. Den Problemen der Automation und des wirtschaftlichen Wandels kann man mit Kontraktklauseln allein ebensowenig
beikommen., wie der durch Umschichtungen im Außenhandel bewirkten
Arbeitslosigkeit.
Da die Arbeiterbewegung ihre gesetzgeberischen und sozialen
Ziele erweitert hat, ist das Verständnis auch auf diese Bereiche
auszudehnen. Ein Gewerkschafter, der sich mit der einzelstaatlichen
Steuergesetzgebung befaßt, muß seine persönlichen Erfahrungen ebenso
ergänzen wie einer, der Fragen der Verteidigung der freien Welt behandelt. Keines dieser Probleme darf ignoriert werden, dazu sind die
Probleme unserer Zeit zu komplex und lasten zu schwer auf uns allen.
Durch Kollektivverhandlungen allein wird man sie nicht lösen, und
seien die Gewerkschaften auch noch so stark.
Schließlich sei auch erwähnt, daß eine ganz neue Generation von
Gewerkschaftern in die Führungsschicht der örtlichen Gewerkschaften
und der Zentralgewerkschaften vorstößt. Einer der erregendsten Aspekte
der Gewerkschaftsschulung ist der große Andrang der jungen Leute, die
ihren Beitrag zum Wachstum der Arbeiterbewegung leisten wollen. Diejenigen unter uns, die das alles hinter sich haben, wünschen, daß die
Jungen die Geschichte und Tradition der Arbeiterbewegung verstehen,
damit ihnen klar wird, warum die Dinge so sind wie sie sind.
Wir halten es für richtig, unsere Erfahrung im Aufbau der Gewerkschaften auf irgendeine Art an diejenigen weiterzugeben, die die
Gewerkschaftsarbeit aufnehmen, nachdem die härtesten Kämpfe bereits
ausgetragen sind, und die noch nie ohne Gewerkschaftsschutz gearbeitet
haben. Wir hoffen, daß wir in ihnen die Bereitschaft zu Hingabe und
Opfer und den militanten Geist wecken können, die so charakteristisch

- 7 -

�charakteristisch für die Anfänge der Gewerkschaften zu sein schienen
und die zur Lösung der heutigen komplexen Probleme nicht weniger
dringend benötigt werden.
Die neue Führnngsschicht beschäftigt sich ebenfalls stark mit
diesen Dingen. Aber sie möchte die Anwendbarkeit der traditionellen
Methoden auf die Lösung der heutigen Probleme erst ausprobieren.
Es ist durchaus möglich, daß die Methoden, die sich in den JÜer und
40er Jahren beim Organisieren der Fließbandarbeiter bewährt haben,
geändert werden müssen, um auch bei den Angestellten, den technischen
und anderen akademischen Fachkräften erfolgreich zu sein, die nie dieselbe Art von Ausbeutung verspürt haben.
Die meisten dieser Nachwuchskräfte in der Gewerkschaftsführung
haben eine höhere Schule besucht, viele sogar ein College. Sie sind
mehr an das Lesen und Studieren gewöhnt, und sie erkennen den Wert
der Bildung für den Umgang mit Gewerkschaftsproblemen. Sie vertrauen
nicht unkritisch auf anerkannte Methoden und glauben, im Verständnis
der Dinge eine Hilfe zur Lösung der Probleme gefunden zu haben.
Dies sind einige der Gründe für die zu erwartende Verstärkung
der Gewerkschaftsschulung, die Konzentration auf die Ausbildung hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionäre, die Tendenz zur Verlängerung der
Abendkurse und ganztägigen Seminare und die Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung zu einem Studium unserer ganzen Gesellschaft. Diese
neuen Interessen und Methoden fanden ihren Niederschlag in den.mehr
als 150 gewerkschaftlichen Wochenkursen, die in diesem Sommer überall
in den Vereinigten Staaten abgehalten wurden. Im Laufe der Jahre sind
diese Sommerkurse in einem gewissen Sinne zum Symbol der Gewerkschaftsschulung in diesem Lande geworden.
Es ist richtig, daß eine noch weit größere Zahl von Gewerkschaftern an den Abendkursen und den ein- oder zweitägigen Tagungen und Lehrgängen teilnehmen, die das ganze Jahr hindurch stattfinden. Aber der
Höhepunkt ist - und das gilt für Studierende und Ausbilder gleichermaßen - nach wie vor die intensive Seminarausbildung, die den Arbeiter
für eine Woche des konzentrierten Studiums, der Diskussion, des Gedankenaustausches und der Entspannung aus dem Alltag herausführt.
In diesem Jahr nehmen etwa 7500 bis 10 000 Gewerkschafter an solchen Seminaren teil, die größtenteils an Universitäten im Rahmen ihrer
Sonderprogramme über Gewerkschafts- und Arbeiterfragen abgehalten werden.
Einige aber laufen auch in gewerkschaftseigenen Institutionen wie dem
AFL-CIO-Lager bei Port Huron im Staate Michigan und dem Lager der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft bei Ottawa im Staat Illinois}
andere wieder finden in Hotels statt, in Privatlagern, in Heimen des
Christlichen Vereins Junger Männer und wo immer Gewerkschafter gern
gesehene Gäste sind.
Wie auf Grund der Struktur der amerikanischen Arbeiterbewegung
zu erwarten, werden die meisten dieser Wochenlehrgänge von den großen
nationalen und internationalen Gewerkschaften oder deren regionalen
Organisationen veranstaltet. Aber die AFL-CIO-Organisationen in deri

�den einzelnen Bundesstaaten haben sich ebenfalls eingeschaltet, und
in zwei Landesteilen werden unter den Auspizien mehrerer einzelstaatlicher Organisationen Regionalkurse durchgeführt. Die Forschungsabteilung der AFL-CIO richtete beispielsweise einen Sonderkurs für
Zeitstudien und Arbeitsplatzbewertung tvSj
Für diejenigen, die schon eine Ausbildung hinter sich haben oder
Positionen mit größerer Verantwortung bekleiden, werden Lehrgänge
für Fortgeschrittene durchgeführt. In einem Fall ist die Weiterbildung vorhandener Fähigkeiten das Ziel, in einem anderen die Konzentration während der ganzen Woche auf ein spezielles Gebiet, wie z.B.
Zeitstudien, Journalismus, Gewerkschaftsverwaltung und Gemeinschaftsarbeit. In wieder anderen Fällen wird die gesamte Zeit auf die Erweiterung des Verständnisses der Probleme der gesamten Arbeiterbewegung
sowie der einzelnen Gewerkschaften verwendet. Es gibt ferner allgemeinbildende Kurse, in de^en das Hauptgewicht auf die geisteswissenschaftlichen Fächer-- Philosophie, Literatur und Kunst - gelegt wird.
Die Lehrpläne variieren sehr stark, sogar innerhalb der einzelnen
Gewerkschaften, da die Ausbilder bemüht sind, im Rahmen der besonderen
Probleme der die Lehrgänge beschickenden Gewerkschaften auf die Erfordernisse der Kursteilnehmer einzugehen. Aber in jedem Fall wird man
bestrebt sein, die Schulung zu einem wirksamen Werkzeug amerikanischer
Gewerkschaftsarbeit zu machen, indem man die Gewerkschafter in den
Stand setzt, mit den auftauchenden Problemen erfolgreich fertig zu
werden.

Leicht gekürzt aus "The American
Federationist'*', dem offiziellen Organ
des amerikanischen Gewerkschaftsver—
bandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit
Angabe des Verfassers und der Quelle
gestattet.

9 -

�John w. Livingston, Leiter der Abteilung Mitgliederwerbung
der AFL-CIO:
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgäbe
der amerikanischen Gewerkschaften
/

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

Zum ersten Male in der Geschichte gibt es in den Vereinigten
Staaten mehr Angestellte als Arbeiter. Seit der Jahrhundertwende stieg
der Anteil der Angestellten an der Gesamtbeschäftigung von rund 17
Prozent auf ungefähr 45 Prozent, hat sich also mehr als verdoppelt.
Der Anteil der Arbeiter hielt sich dagegen in diesem Zeitraum fast
auf dem gleichen Stand.
Die technischen Fortschritte des vergangenen Jahrzehnts haben
das relative Anwachsen der Zahl der Angestellten beschleunigt. Für
die Zukunft ist mit weiteren technischen Fortschritten und damit
einem entsprechenden Anschwellen der relativen und absoluten Zahl
der Angestellten zu rechnen.
Vor Ablauf der sechziger Jahre wird z.B. der Prozentsatz der
Arbeitnehmer in der chemischen Industrie, die nicht in der Produktion
beschäftigt sind, auf 50 Prozent steigen; anfangs der fünfziger Jahre
betrug ihr Anteil noch nicht einmal 25 Prozent. Von 1947 bis 1959 stieg
die Produktion von Chemikalien um ungefähr 112 Prozent, während die
Zahl der in der Produktion und Instandhaltung Beschäftigten im selben
Zeitraum nur um 1 Prozent zunahm. Man erwartet, daß in der Stahlindustrie der Anteil der Büro- und technischen Fachkräfte an der Beschäftigung bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts auf ein Drittel steigen
wird.
Was die Beschäftigungslage überhaupt betrifft, so dürfte die
Gruppe der Angestellten'die der Arbeiter bis 1975 um mindestens 10
Prozent übertreffen. Da gegenwärtig noch mehr als 80 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder aus den Reihen der Arbeiter kommen, sieht sich
die Arbeiterbewegung vor die Notwendigkeit gestellt, die Angestellten
zu organisieren.
Der Erfolg der Organisierung der Angestellten hängt von zwei Faktoren ab. Der eine, die allgemeine Umwelt, liegt weitgehend außerhalb
der Einflußnahme des Werbers, der sich in die Umstände schicken muß,
die er vorfindet. Der zweite, die Technik oder die Methodik des Werbens, unterliegt der Auswahl und Prüfung.
Die

�Die Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, Werbemethoden zu
entwickeln, die ganz bestimmten Gegebenheiten Rechnung tragen. Auf
die Mitgliederwerbung unter der Angestelltenschaft angewendet,
bedeutet dies zuallererst, ein klares Verständnis der damit zusammenhängenden Probleme und der betreffenden Menschen zu gewinnen. Bei
der Analyse des Wesens der Angestellten trifft man auf sehr unterschiedliche Meinungen. Einige Beobachter behaupten, daß Angestellte
nicht anders seien als Arbeiter. Andere meinen, Angestellte wären
"eine besondere Sorte Menschen".
Die erste Auffassung gestattet den Schluß, daß ein Webhsel der
Werbungsmethoden nicht vonnöten sei; die zweite deutet darauf hin,
daß völlig neue Wege beschritten werden müßten. Beides ist richtig.
Man kann mit gleicher Gültigkeit sagen, daß Angestellte genau so
sind wie andere Arbeitnehmer, und daß es viele Unterschiede gibt.
Angestellte sind insofern genau so wie andere Arbeitnehmer, als
ihre allgemeinen Probleme in demselben gemeinsamer Rahmen liegen.
Beide arbeiten für einen Änderen, eine Gesellschaft oder eine Person.
Sie unterliegen der Betriebsdisziplin. Die Lebenshaltungskosten plagen
sie beide. Die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Die Arbeiter haben in viel größerem Maße als die Angestellten Zuflucht zu den Gewerkschaften genommen, um diese und andere Probleme
zu lösen. Man schätzt, daß in den Fertigungsindustrien 60 Prozent
der in Frage kommenden Arbeiter organisiert sind. In gewissen Fabrikationszweigen ist die Mitgliederdichte noch viel größer; in der
Fahrzeugindustrie erreicht sie sogar 90 Prozent. Eine ähnliche Mitgliederdichte nimmt man für das Baugewerbe, das Transportwesen, den
Bergbau und die Industrie der Steine und Erden an. Im Gegensatz dazu
liegt die höchste Schätzung der Mitgliederdichte bei den Angestellten
bei 13 Prozent.
Als Folge der Gewerkschaftstätigkeit genießen die organisierten
Arbeitnehmer größere Vorteile als die nicht organisierten. Das gilt
nicht nur für Löhne und Sozialleistungen, sondern auch für die Arbeitsbedingungen. Seit Jahren schon sind der Öffentlichkeit amtliche Statistiken zugänglich, die dies belegen, und die Ergebnisse privater Untersuchungen erhärten diese Schlußfolgerungen.
Eine Umfrage über die Finanzlage der Verbraucher, die 1 960 vom
Institut für Demoskopische Forschung der Universität Michigan durchgeführt wurde, hat ergeben, daß die Familien von Gewerkschaftsmitgliedern insgesamt höhere Einkommen beziehen als die vergleichbaren
Familien von Nichtgewerkschaftern, daß sie über mehr flüssige Mittel
verfügen, daß sie höhere Teilzahlungsverpflichtungen eingehen können
und daß unter ihnen relativ mehr Hausbesitzer zu finden sind.
Vor 70 Jahren war das Einkommen des Angestellten fast doppelt so
hoch wie das des Arbeiters. Vor 30 Jahren verdienten die Gehaltsempfänger 30 Prozent mehr als die Lohnempfänger. Heutzutage hat der Fabrikarbeiter einen klaren Vorteil gegenüber dem Angestellten. Die Zeitschrift "Business Week" schrieb im November 1 954: "In den Fabriken ist
der Einkommensvorsprung des Angestellten verschwunden - vielleicht für
Vor
-

11

-

�Vor dem Entstehen starker Gewerkschaften konnte ein Teil der
nichtorganisierten Angestellten auf größere Vorteile in Gestalt von
bezahlten Feiertagen und bezahltem Urlaub, Renten, Krankheitsurlaub,
einer Krankenhauskostenversicherung und anderer Sozialleistungen verweisen. Heutzutage haben auch die Gewerkschaftsmitglieder einen
vertraglich garantierten Anspruch auf diese Vergünstigungen«
Es gab eine Zeit, da viele Angestellte auf die relativ hohe Sicherheit des Arbeitsplatzes und die größeren Aussichten auf langfristige
Beschäftigung hinweisen konnten. Aber die Gewerkschaften konnten auf
dem Wege über Tarifverträge Lohngarantien und zusätzliche Unterstützungsleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit durchsetzen, die
jene Vorteile wettmachen.
In anderer Hinsicht aber haben die Angestellten heute ebenso
große Sorgen um ihren Arbeitsplatz wie die Fabrikarbeiter: sie fühlen sich durch die Automation bedroht. Doch hier besteht ein entscheidender Unterschied insofern, als sie dieser Entwicklung ohne
den Schutz entgegensehen, den die gewerkschaftlichen Tarifverträge
bieten.
'
Trotz der offensichtlichen Vorteile, die die Mitgliedschaft in
einer Gewerkschaft bietet, sind Angestellte nicht in dem gleichen Maße
für den Gewerkschaftsgedanken empfänglich wie Arbeiter. Diese Tatsache
ist Ausdruck sowohl der Verschiedenartigkeit als auch der Ähnlichkeit
beider Gruppen. Der bedeutendste Unterschied findet sich im Bereich
der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Distanz zwischen Vorgesetzten
und Untergebenen ist beim Angestellten geringer. Das Gefühl der Verbundenheit mit der Betriebsführung ist traditionsgemäß stärker. Aber
die Veränderungen, die die zahlenmäßige und prozentuale Zunahme der
Angestelltenbeschäftigung mit sich brachte, haben auch die Verhältnisse im Betrieb geändert. Die Distanz ist größer geworden.
Die Mechanisierung des ganzen Büroapparates und die Zunahme der
Bürobetriebe verwandeln die Bürotätigkeit fast in Fließbandarbeit.
Einige Versicherungsgesellschaften bauten Bürohäuser, die wie Fabriken
aussehen, fast keine Trennwände haben und ein Heer von Büroangestellten
aufnehmen, die Routineaufgaben unter unpersönlicher Aufsicht erledigen.
Einige Firmen, die zahlreiche Bürokräfte mit vielfältigen Vorgängen
beschäftigen, installierten Fließbänder, um Papiere und Akten von einem
Schreibtisch zum andern zu befördern. Die Ähnlichkeit mit den Montagebändern in Betrieben der Massenfertigung ist verblüffend.
Die Abkehr von ehemaligen Verhältnissen zeigt sich auch bei den
technischen Fachkräften, die heute sehr hoch auf der Prestige-Skala
rangieren. Sie werden oft wie irgendeine Gruppe von Lohnarbeitern behandelt, besonders in Firmen, die solche Kräfte in großer Zahl beschäftigen.
Das Erkennen der eingetretenen Veränderungen durch viele der von
ihnen Betroffenen hinkt jedoch hinter der tatsächlichen Entwicklung
her. Obgleich Industrie und Handel im allgemeinen der Form, Struktur
und Tätigkeit nach bis ins kleinste durchorganisiert wurden und damit

-

12

-

�damit höchst unpersönlich geworden sind, denkt die Mehrzahl der Anstellten immer noch in Begriffen der Vergangenheit statt der Gegenwart. Ein Beobachter bemerkt, daß "das Dilemma des Angestellten aus
seinem starken Wunsche erwächst, den Weg der Einzelaktionen in einer
Situation zu beschreiten, in der nur Gruppenaktionen wirkungsvoll
sind" .
Alle Arten der modernen Massenbeeinflussungsmittel wirken auf
den Angestellten ein, um ihn in seinem Glauben zu bestärken, daß
seine Interessen in einer Angestelltenwelt am besten durch individuelle
Bemühungen gefördert werden können. Das ist eines der Hindernisse
dabei, ihn gewerkschaftlich zu organisieren. Solange das Gewerkschaftswesen unwidersprochen als nivellierende Kraft und Hemmschuh für das
persönliche Fortkommen auf Grund individueller Verdienste geschildert
wird, muß der uneinsichtige Angestellte es als Bedrohung empfinden.
Außerdem führt die Betriebsstruktur oft zur Bildung von Gruppen,
die so manipuliert werden können, daß sie Organisierungsvorschlägen
entgegenwirken. Wie bei jeder Betriebsform entwickeln sich auch im
Büro, im Laboratorium und im Zeichensaal starke gesellschaftliche
Bindungen und das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit. Die Arbeitgeber haben
das erkannt und profitieren davon. Sie setzen die Gewerkschaft einer
außenstehenden Kraft gleich, die andersgeartete Vorstellungen, Ideale
und Werte vertritt. Ihr Eindringen bedeutet die Bildung einer neuen
Gruppe, die die alte verdrängt. Tendenzen dieser Art können leicht
in Richtung auf "unabhängige Organisationen" oder Berufsverbände
gelenkt werden, um die legitime gewerkschaftliche Zusammenschließung
zu vereiteln.
Die Gewerkschaften müssen all denen, die ihre Arbeitswelt nicht
realistisch sehen können, klarzumachen suchen, daß der Wandel der Verhältnisse die denkbar größte Nivellierung bewirkt hat und daß die Veränderungen im Arbeitsablauf viele Büroarbeiten zu geisttötenden Routinearbeiten herabgemindert haben. Die Gewerkschaft muß sie zu der Erkenntnis bringen, daß die Interessen des einzelnen in der heutigen
komplexen Gesellschaft am besten durch Gruppenaktionen gewahrt werden
können.
Dem Angestellten geht es um persönlichen Respekt, um Würde und
um Anerkennung. Er glaubt - und manchmal hängt er mit verzweifelter
Hartnäckigkeit an diesem Glauben -, daß die Welt des Angestellten noch
so sei, wie Tradition und Angestelltenmythos vorgeben. Wenn man ihm
Beweise vorlegt, daß viele Arbeiter, organisierte Arbeiter,heute wirtschaftlich besser und sicherer dastehen, dann wird er vielfach fadenscheinige Gründe vorbringen, um sein Ausharren in einer Stellung zu
rechtfertigen, die ihm sonst minderwertig vorkommen müßte.
Zumindest, so glaubt er, hat er .ein großes Prestige. Er wird wie
eine wichtige Person behandelt. Sein Aufstieg ist eine Angelegenheit zwischen ihm und seinem Arbeitgeber und hängt von seinen Fähigkeiten und
seiner Initiative ab. Er wird respektiert, er ist wer. Auf wen wird sein
Zorn fallen, wenn er zu der Erkenntnis gelangt, daß sein Prestige, sein
Einkommen und seine persönliche Bedeutung für das Unternehmen ebenso
wie seine Sicherheit - abgewertet worden sind? Wird er auf die Firma

13

�II

Firma böse sein? Auf unser Wirtschaftssystem? Oder auf die Gewerkschaft wegen ihres Angriffs auf geheiligte Illusionen? Seine Unzufriedenheit in die richtigen Bahnen zu lenken, ist eine der Hauptaufgaben bei der Organisierung der Angestellten.
Obgleich das Bestehen einer durch gemeinsame Erfahrungen und
Arbeit zusammengehaltenen Gruppe die Werbung von Mitgliedern sehr
zu erschweren vermag, kann es auch eine Hilfe sein, beweist doch schon
das Bestehen solcher Gruppen Möglichkeiten des Organisierens; Gruppenloyalität ist eine der Vorbedingungen für das Organisieren. Es
ist Aufgabe der Gewerkschaft, die Angestellten zu der Einsicht zu
bringen, daß sie durch viele gemeinsame Bande verbunden sind und daß
sie nur logisch und in ihrem eigenen besten Interesse handeln, wenn
sie der Gruppe, zu der sie ohnehin gehören, durch die Gründung einer
neuen Gewerkschaft oder durch ihren Beitritt zu einer bestehenden Gewerkschaft eine feste Form geben.
Das Verfahren, die Angestellten zum Verständnis dieser Tatsache
zu führen, ist das gleiche wie hei jeder anderen Arbeitnehmergruppe.
Es ist die Summe aller Methoden, die den Arbeitnehmer, wo, wie und
für wen er auch arbeitet, in die Lage versetzen, seine eigenen Bedürfnisse zu analysieren und die wirkungsvollsten Mittel und Wege für
ihre Befriedigung wahrzunehmen.
Es gibt keine allein richtige Art des Organisierens. Jede Organi- *
sierungsaufgäbe liegt anders. Ein Vorgehen, das in einem Falle erfolgreich ist, mag in einem anderen fehlschlagen; eine erfolglose Taktik
kann sich unter anderen Umständen als die einzig richtige erweisen. Das
gilt für die Organisierung von Facharbeitern,Produktionsarbeitern, Wartungspersonal, Dienstpersonal und Angestellten gleichermaßen. Da aber
Angestellte einerseits anderen Kategorien von Arbeitnehmern gleichen
und andererseits verschieden yon ihnen sind, muß man sich darüber im
klaren sein, daß eine gewisse Differenzierung in den Methoden des
Organisierens der Angestellten angezeigt ist.
Die Mitgliederwerbung unter den Angestellten erfordert ein stärkeres Eingehen auf den einzelnen Menschen, als es das Organisieren von
Industriearbeitern in der Vergangenheit verlangte. Allgemeine Apelle
oder Ermahnungen sind wahrscheinlich weniger wirkungsvoll;Appelle,
die sich auf bestimmte Probleme beziehen, haben größere Aufsicht, eine
günstige Reaktion hervorzurufen.
Wer sich mit der Organisierung von Angestellten befaßt, muß fähig
sein, den Gewerkschaftsgedanken in der Sprache der Angestellten zu vertreten; er muß den Bedürfnissen der Angestellten in gewerkschaftlichen
Begriffen Ausdruck verleihen können. Dies bedeutet, daß die bei
Kollektivverhandlungen zu verfolgenden Ziele auf die besonderen Probleme
und Ansichten bestimmter Angestelltengruppen zugeschnitten werden müssen.
Die Mutter und Hausfrau, die auf vier oder fünf Jajhre ins Berufsleben zurückkehrt, um zur Abzahlung einiger Schulden oder Ansammlung
von Kapital für die Anzahlung auf ein Eigenheim beizutragen, wird sich
bei Tarifverhandlungen kaum für Gewerkschaftsforderungen erwärmen, die

-

14

-

�die die Gewahrung von Altersrenten zum Ziele haben. Sie wird aber an
einem Entlassungsgeld interessiert sein.
Ein Diplomingenieur für Hochfrequenztechnik mag an der Durchsetzung des Anciennitätsprinzips desinteressiert sein, er wird aber
wahrscheinlich leicht für einen Plan zu gewinnen sein, der ihm
bezahlten Urlaub zum Besuch von Fachtagungen» zur Vorbereitung auf
ein Abschlußexamen oder zur Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten
sichert.
Die Möglichkeiten zum Organisieren sind so groß und das Bedürfnis nach gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen ist so stark, daß jetzt
weder Zeit noch Raum für uns ist, selbst Abschreckungsmittel gegen
das Organisieren zu erfinden. Die verschiedenen Gewerkschaften sollten
sich verpflichten, hinderliche Kompetenzkonflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen und zu diesem Zweck Organe entwickeln, um alle diesbezüglichen Faktoren auszuschalten.
Die Angestellten werden sich erst dann organisieren, wenn sie
die Realitäten ihrer augenblicklichen Lage und die Notwendigkeit
für gewerkschaftliche Zusammenschlüsse als
zweckmäßigste Lösung
für ihre»Probleme erkennen.

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

******

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 12

Bad Godesberg, den 1 . Dezember 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten

Seite

1

Gutes Betriebsklima durch sinnvolle
Freizeitprogramme

Seite

9

"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem

Seite

10

Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre

Seite

12

Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

Seite

14

Edward M. Gordon: Abteilung Berichtswesen der Sozial- und Pensionskassen im US -Bundesamt für Arbeitsrecht und
Arbeitsschutz
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und
Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Eine erste zusammenfassende Übersicht über die Vermögenslage
und die Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
oder -plane wurde kürzlich vom US-Bundesamt für Arbeitsrecht und

�und Arbeitsschutz veröffentlicht. Sie stützt sich auf die Finanzberichte der 118 660 betrieblichen Sozial- und Pensionskassen, die
erstmalig für das Jahr 1959 auf Grund des Gesetzes über die Ausweispflicht der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen (Weifare
and Pension Plans Disclosure Act) dem Arbeitsministerium unterbreitet wurden. Aus der genannten Übersicht geht hervor, daß sich
das Gesamtvermögen dieser Einrichtungen auf 30,2 Milliarden Dollar beziffert. In diesen Berichten sind solche über Deckungsmittel in Höhe von 17»5 Milliarden Dollar nicht enthalten, die bei
kommerziellen Rentenversicherungen angesammelt wurden, so daß
sich die Gesamthöhe der Rücklagen auf über 47&gt;7 Milliarden Dollar
beläuft. Nach vorliegenden Schätzungen werden von 24 130 Pensionskassen über 17 Millionen Arbeitnehmer und von 94 530 Sozialkassen,
die Leistungen der Lebens-, Unfall-, Krankengeld-, Krankenhauskosten-, Operationskosten-, allgemeinen Krankenkosten- und Zahnbehandlungskostenversicherung sowie auch Verdienstausfallentschädigungen im Krankheitsfalle gewähren, über 27 Millionen Beschäftigte erfaßt.

Tätigkeitsbereich der Kassen und Finanzierung der Leistungen
Der Umfang, der Tätigkeitsbereich und die Zahl der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen haben in den letzten Jahren
eine starke Ausweitung erfahren. Der amerikanische Kongreß hat
im Hinblick auf die Bedeutung der Kassen für die gesamte Volkswirtschaft und in dem Wunsch, die Interessen der Kassenmitglieder und ihrer Angehörigen zu wahren und den amerikanischen Binnenhandel vor abträglichen Rückwirkungen zu schützen, mit Wirkung vom 1 . Januar 1959 das Gesetz über die Ausweispflicht der
betrieblichen Sozial- und Pensionskassen erlassen, durch das
diese Kassen verpflichtet wurden, den Mitgliedern und Leistungsberechtigten Rechenschaft über die Finanzlage abzulegen, andere
wichtige Informationen bekanntzugeben und dem Arbeitsministerium
entsprechende Berichte zu unterbreiten. Das Gesetz erstreckt sich
auf alle Kassen, die von Arbeitgebern (oder Arbeitnehmerorganisationen in Vertretung von Arbeitnehmern) unterhalten werden, die
im Handel, in der Industrie oder in einem anderen, mit dem Handel in Berührung stehenden Bereiche tätig sind. Ausgenommen sind
Kassen, die weniger als 25 Beschäftigte erfassen, die von staatlichen, einzelstaatlichen oder kommunalen Behörden unterhalten
werden, die in Ausführung der Gesetze über die Invaliditäts- und
Arbeitslosenversicherung errichtet wurden, sowie Kassen, die durch
die Finanz- und Steuerverwaltung von der Steuer befreit worden sin

Das

�II

Das Gesetz schreibt vor, daß die Verwaltungsorgane der der
Berichterstattungspflicht unterliegenden Sozial- und Pensionskassen
dem Arbeitsministerium einreichen: a) eine Beschreibung der Tätigkeit
der Kasse, die u.a. Aufschlüsse über die Art der Verwaltung, der
gewährten Leistungen und der Finanzierung enthalten muß; und b) eine
Abschrift des Kollektiv-, des Treuhand- oder eines anderen Vertrages
bzw. Dokumentes, auf Grund dessen die Kasse errichtet wurde und tätig
ist. Das Gesetz bestimmt ferner, daß jede derartige Kasse innerhalb
von 120 Tagen nach Ablauf des Geschäfts-, des Versicherungs- oder
Vertragsjahres einen Jahresbericht zu unterbreiten habe, in dem die
Höhe der vom Arbeitgeber und von den Arbeitnehmern geleisteten Beiträge, der gewährten Leistungen und der Rücklagen sowie die Zahl der
erfaßten Arbeitnehmer auszuweisen sind.
Die Arbeitnehmer-Zusatzversicherungen unterscheiden sich hinsichtlich der Aufbringung der Leistungen ganz erheblich. Zum Zwecke dieser
Untersuchung wurden die Kassen nach der Art der Aufbringung der Leistungen in fünf Kategorien unterteilt.
Premdversicherte Kassen* Alle Leistungen werden über einen Versicherungsträger (Gesellschaft oder andere Organisation) gewährt. Hierunter fallen auch Kassen, die einen Treuhand- oder einen anderen Sonderfonds unterhalten, aus dem die Beiträge und Gebühren an einen Versicherungsträger abgeführt werden, der seinerseits die Leistungen gewährt.
Selbstversichernde Kassen: Alle Leistungen werden aus einem Treuhand- oder einem anderen Sonderfonds gewährt.
Teilversicherte Kassen: Die Leistungen werden zum Teil von einem
Versicherungsträger aufgebracht und zum Teil aus einem Treuhand- oder
Sonderfonds gewährt.
Nichtfundierte Pläne: Alle Leistungen werden aus dem allgemeinen
Vermögen der Firma oder der Arbeitnehmerorganisation bestritten.
Mischformen: Beliebige Kombinationen aus den vier vorstehend aufgeführten Formen.
Finanzlage und Mitgliederzahl im Jahre 1959
Beitragsaufkommen: Insgesamt führten Arbeitgeber und Arbeitnehmer
10,257 Milliarden Dollar an die 118 660 Kassen ab. Den 94 530 Sozialkassen, flössen 4,766 Milliarden Dollar zu; an die 24 130 Pensionskassen,
deren Zahl mithin nur ein Viertel der Zahl der Sozialkassen beträgt,
wurden 5,491 Milliarden Dollar abgeführt (Siehe Tafel i ) .

Tafel I

�Tafel I
Vermögenslage und Finanz,gebaren der betrieblichen Sozisil- un i Pensionskassen im Jahre 1959. nach Ar t der Kassen , Aufbringung der L ei stungen
und Wirtschaft szweigen aufgeschlüsselt

Art der Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung nach
Wirtschaftszweigen
Sämtliche Kassen

Sozia lkassen
Zahl

Leistun- Rückgen
lagen
(fclDoILa^ (inMlar)

5 556

1 410

5 841

1 955

3 649
404
169
397
147

2 420
266
159
597
114

1 229
158
10
0
55

2 892
275
141
597
156

185
1 555
370
0

340
400
720
480

92
201
2 891
365

64
185
2 015
276

28
18
676
87

85
171
2 254
544

12
218
1 346
110

550
990

293
571

185

108
117

258
516

140

890
300
860

247
208
100

88
61
27

191
162
80

12
75
17

94 530

Art der Aufbringung d.
Leistungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte Pläne
Mischformen

Beiti äge (:in De&gt;llar)
Insges. Arb eit- Arbeitgeb er
ne hmer
4 766

_ .
85 850
2 070
660
5 460
490

27

Aufgliederung
n.Wirtschaf tszweigen
1
Bergbau
Baugewerbe
3
Fertigungsindustrien 45
Transportgewerbe
3
Fernmeldewesen u.a.
öf f .Versorgungsbetr'. 2
Groß- U.Einzelhandel 15
Bank- u.Versicherungsgewerbe u.Immobilienhandel
7
Dienstieis tungsgewerbf3 8
Andere
5

-

254
159
147
73

3

-

5

�A r t d. Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung
nach W i r t s c h a f t s zweigen
Sämtliche

Kassen

Pensionskassen
Beiträge (in Dollar)
Insges. ArbeitArbeitgeber
nehmer

Leistungen ( i n
Dollar)

Rücklagen
(in
Dollar)

24 150

5 491

4 576

915

1 672

28 502

7 130
15 090
2 260

1 232
3 049
794

998
2 550

657

234
519
137

294
995
216

165
22 303
3 557

1 470
180

92
324

92
299

0
25

92
75

0
2 277

360
730
880
880

105
112
3 147
328

83
108
2 572
262

22
4
575
66

39
23
850
99

451
400
16 389
1 125

930
350

530
341

485
275

45
66

157
196

3 709
2 484

910
490
600

548
186

481

67
22
48

190
51
67

2 512
904
328

Zahl

Art d. Aufbringung d .
Lei stungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte
Pläne
Mischformen
Aufgliederung
n .Wirtschaftszweigen
Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
11
Transportgewerbe
Fernmeldewesen u.a.
öff.Versorgungsbetr.
Groß- U.Einzelhandel 3
Bank- u .Versieherungs
gewerbe u .Immobilien~2
handel
1
Dienstleistungsgew.
1
Andere

f94

164
146

�Eine 1959 durchgeführte Untersuchung der Finanzierung der Sozial- und Pensionspläne zeigte, daß über 98 Prozent aller Pensionskassen Beiträge von Unternehmern oder Unternehmergruppen erhalten
und 73 Prozent sogar ausschließlich von diesen finanziert werden.
Die von Unternehmern aufgebrachten Beiträge zu den Pensionskassen
betrugen insgesamt 4» 576 Milliarden Dollar, das entspricht 83 Prozent
des Gesamtaufkommens. Im Gegensatz hierzu finanzierten die Unternehmer nur 38 Prozent der Sozialkassen ausschließlich, wobei sich
ihre Aufwendungen auf 3»356 Milliarden Dollar oder 70 Prozent des
Gesamtaufkommens bezifferten.Weit über die Hälfte des Beitragsaufkommens - 61 Prozent bei
den Sozial- und 57 Prozent bei den Pensionskassen - entfiel auf
Pläne, die Arbeitnehmern in den Fertigungsindustrien zugute kommen.
An nächster Stelle rangieren die Kassen, die Arbeitnehmer im Fernmeldewesen und in den anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben
erfassen, gefolgt von Kassen im Finanz- und Versicherungswesen,
im Immobilienhandel sowie im Groß- und Einzelhandel.
Die von den Kassenverwaltungen gemeldeten Beitragaeingänge
lagen-etwas höher als nach Schätzungen des US-Handelsministeriums
und des Bundesamtes für die Sozialversicherung (Social Security
Administration) zu erwarten war. Die Unterschiede sind zum Teil
darauf zurückzuführen, daß sich das Handelsministerium dabei auf
Kassen beschränkte, die den Mitgliedern bzw. deren Angehörigen
Leistungen der Kranken-, Operations- und Krankenhauskostenversicherung
sowie Zahlungen bei Krankheit, Unfall, Invalidität, Tod oder Arbeitslosigkeit gewähren, während das Bundesamt für die Sozialversicherung
Kassen erfaßte, die ihren Mitgliedern bzw. deren Angehörigen Altersrenten gewähren, sowie auch Gewinnbeteiligungsfonds mit späterer
Ausschüttung im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder danach
(Deferred profit-sharing plans; siehe Internationale Arbeitsmitteilungen, XIV-11, 1. November 1961s "Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA")* Die Gesamthöhe der Arbeitgeberbeiträge
zu den betrieblichen Sozial- und Pensionskassen betrug den eingereichten Berichten zufolge 7»952 Milliarden Dollar und übertraf damit nur
geringfügig den yvom US-Handelsministerium geschätzten Betrag von
7,877 Milliarden^Dollar. Die von den Pensionskassen ausgewiesenen
Beitragseinnahmen.in Höhe.von 5»491 Milliarden Dollar lagen um rund
300 Millionen höher als die vom Bundesamt für die Sozialversicherung
errechneten Einnahmen der betrieblichen Pensionskassen und der Gewinnbeteiligungs-Treuhandfonds mit späterer Ausschüttung.
Leistungen; Von den im Jahre 1959 erfolgten Auszahlungen in Höhe von
5»513 Milliarden Dollar entfielen 70 Prozent auf Sozialleistungen.
75 Prozent dieser Leistungen in Höhe von 3,841 Milliarden'Dollar wurde
über Versicherungsunternehmen bereitgestellt. Auf die nichtfundierten Versorgungspläne entfiel nur ein Zehntel der gezahlten Sozialleistungen, auf die Mischformen der Rest. Im Gegensatz hierzu wurden
60 Prozent der'Leistungen der Pensionskassen in Höhe von 1 ,672 Milliarden von den selbstversichernden Kassen aufgebracht, das heißt, die
Leistungen wurden aus einem Treuhand- oder Sonderfonds bezahlt. Die
fremdversicherten Kassen waren die einzige Form, die mit 18 Prozent
einen weiteren nennenswerten Anteil an den Gesamtleistungen erreichte.
Von

�II

Von den Sozialleistungen kamen 59 Prozent oder 2,254 Milliarden Dollar und von den Pensionszahlungen 51 Prozent oder 850 Millionen Dollar Beschäftigten der Fertigungsindustrien oder deren Angehörigen zugute. An nächster Stelle kam der Groß- und Einzelhandel,
gefolgt von dem Transportgewerbe, dem Fernmeldewesen und anderen l
öffentlichen Versorgungsbetrieben.
Vermögen: Das Gesamtvermögen aller betrieblichen Sozial- und Pensionskassen beläuft sich auf 47,7 Milliarden Dollar. Nach den Berichten
der Verwaltungsorgane der Kassen an das US-Arbeitsministerium beträgt
das Vermögen 30,2 Milliarden Dollar, da die Deckungsmittel der Versicherungsträger der fremdversicherten Kassen in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar darin nicht enthalten sind.
Die 28 130 Pensionskassen wiesen ein Vermögen von 28,3 Milliarden
Dollar aus. Da 91 Prozent der Sozialkassen ihre Leistungen über Versicherungsträger gewähren und somit der größte Teil von ihnen überhaupt kein eigenes Vermögen gebildet hat, bezifferte sich das Gesamtvermögen der Sozialkassen nur auf 1,9 Milliarden Dollar. Von diesem
Betrag entfielen 70 Prozent auf die 2070 selbstversichernden Kassen,
die die Leistungen aus den Mitteln eines Treuhand- oder eines anderen
Sonderfonds bestreiten.
Über die Hälfte aller angezeigten Vermögensbestände gehörten Kassen,
die für Arbeitnehmer in den Fertigungsindustrien errichtet worden sind.
An zweiter Stelle folgen Kassen für Beschäftigte im Fernmeldewesen und
in anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben, gefolgt vom Groß- und
Einzelhandel, dem Bank- und Versicherungsgewerbe und dem Immobilienhandel.
Mitgliederzahl: Nach den Bestimmungen des Meldegesetzes bleibt es den
Verwaltungsorganen der Kassen überlassen, darüber zu bestimmen, ob
eine "Kas;se" vorliegt. Das führte dazu, daß die Verwaltungsorgane zum
Teil sämtliche gewährten Leistungen ohne nähere Spezifikation insgesamt als Leistungen "der Kassen"anführten, während andere wiederum
für jede Leistung oder Gruppe verwandter Leistungen eine getrennte
"Kassel* annahmen, wobei jede dieser Kassen natürlich im wesentlichen
dieselben Beschäftigten erfaßt. Wegen dieser mehrfachen Mitgliedschaft
in verschiedenen Kassen ist es nicht möglich, die genaue Zahl der 1959
gemeldeten Mitglieder der insgesamt 118 660 Kassen zu benennen. Bei
Ausklammerung der mehrfachen Mitgliedschaft (soweit dies möglich war)
ergibt sich, daß die 24 130 Pensionskassen schätzungsweise 17 Millionen
Arbeitnehmer erfassen und die 94 530 Sozialkassen rund 27 Millionen.
Rechnet man nun noch hinzu, daß die meisten Sozialkassen auch noch Leistungen für die Angehörigen der Arbeitnehmer vorsehen, so kann man .
mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß heute rund 65 bis 70 Millionen
Amerikaner von den Sozialkassen erfaßt werden.
Sowohl bei den Sozial- als auch bei den Pensionskassen bestanden
hinsichtlich der Mitgliederzahlen große Schwankungen. Die Tatsache, daß
die meisten Klein- und Mittelbetriebe heute ihrer Belegschaft Sozialund Pensionsleistungen der einen oder anderen Form bieten, erklärt, warum
über ein Viertel der, Kassen weniger als 50 Mitglieder und fast die
Hälfte weniger als 100 Mitglieder hat (siehe Tafel I I ) .
Tafel II

6

�Tafel II
Mitgliederstand der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
im Jahre 1959

Größenordnung

Sämtl.
Kassen

Zahl
Sozialkassen

Sämtl.
Kassen

118 660

94 550

24 130

100,0

100,0

9 920

7 660

2 260

8,4

8,1

9,4

19,3
27,2
35,4
38,6
42,7
46,0
48,9
65,8
73,4
77,8
80,6
83,0
84,6
85,9
86,9
87,7
92,2
93,9
94,9
95,5
98,6
100,0

19,2
27,1
33,5
38,3
42,5
45,9
48,9
66,1
73,7
78,1
80,8
83,2
84,7
85,9
86,9
87,7
92,1
93,7
94,7
95,3
98,3
100,0

19,6
27,5
53,6
39,4
43,1
46,1
48,8
64,5
71,9
76,5
79,2
81,5
83,2
84,5
85,6
86,4
91,4
93,2
94,1
94,7
98,1
100,0

Pensionskassen

Prozent
Sämtl.
SozialKassen
kassen

Pensionskassen

100,0

Weniger a l s
50

50-59
40-49
50-59
»
60-69
70-79
80-89
90-99
100-199
200-299
500-399
400-499
500-599
600-699
700-799
800-899
900-999
1000-1999
2000-2999
3000-5999
4000-4999
5000 u . m e h r
ohne Angaben

12
9
7
6
4
5
5
20
9
5
5
2
1
1
1
5
1
1
5
1

920
590
340
160
860
930
440
950
000
230
280
790
870
500
230
990
380
970
170
69O
620
930

10
7
5
4
3
5
2
16
7
4
2
2
1
1

4
1

2
1

470
480
880
770
960
210
790
300
170
170
590
240
450
180
970
790
180
540
950
540
800
440

2
1
1
1

5
1
1

1

450
910
460
590
900
720
650
750
830
060
69O
550
420
320
260
200
200
430
220
150
820
490

�Besonders häufig sind auch Kassen mit 100 bis 199 Mitgliedern,
fielen doch 17 Prozent der Sozialkassen und 16 Prozent der Pensionskassen in diese Kategorie. Nur 11 Prozent der Sozialkassen und 12
Prozent der Pensionskasaen hatten mehr als 1000 Mitglieder. Nach
den vorliegenden Schätzungen gehörten aber rund 75 Prozent aller
Arbeitnehmer Sozialkassen und 80 Prozent Pensionskassen dieser Größenordnungen,_ai. Der Anteil der eigentlichen Großkassen mit 5000 und
mehr Mitgliedern betrug sowohl bei den Sozial- als auch den Pensionskassen 3 Prozent; auf sie entfielen aber schätzungsweise 49 Prozent
der von den Sozialkassen und 58 Prozent aller von den Pensionskassen
erfaßten Arbeitnehmer.
Künftige Berichte
Das Arbeitsministerium ist gegenwärtig dabei, das Zahlenmaterial
der zweiten Jahresberichte (für i960) auszuwerten. Mit Sicherheit ist
damit zu rechnen, daß diese Statistiken ein weiteres Wachstum der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen ausweisen werden; das gilt nicht
nur für ihre Zahl und die Zahl der erfaßten Arbeitnehmer, sondern auch
für die gewährten Leistungen und die angesammelten Rücklagen für später
fällig werdende Leistungen. Stehen erst einmal entsprechende Unterlagen
für einen Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung, dann dürfte es nicht
mehr schwer fallen, eine zutreffende Analyse dieses gesamten Fragenkomplexes vorzunehmen und die bisherigen diesbezüglichen Schätzungen zu
untermauern oder gegebenenfalls zu berichtigen.

(Quelle: Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 9, September 1961)

* * * * *

8

-

�Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
Zufriedenheit und Harmonie sind zwei Begriffe, die sich in
unserer modernen industriellen Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund geschoben haben. Von den Betriebspsychologen werden sie sogar als die entscheidenden Faktoren für ein gutes Betriebsklima und
damit auch für ein erfolgreiches Arbeiten des Unternehmens angesehen.
Es nimmt daher auch nicht wunder, daß in den vergangenen Jahren
immer mehr Wirtschaftsunternehmen dazu übergegangen sind, all jene
Faktoren und Programme stärker als bisher zu entwickeln, die zur Befriedigung der Mitarbeiter in dieser Hinsicht beitragen. Besonders
in der amerikanischen Wirtschaft haben sich dabei Entwicklungen abgezeichnet, die weit über den Rahmen dessen hinausgehen, was bisher
auf dem Gebiet der "Schaffung eines gesunden Betriebsklimas" als unbedingt notwendig erachtet wurde.
Familie und Gemeinde wichtige Faktoren
Während nämlich die meisten dieser innerbetrieblichen Maßnahmen
und Programme bisher hauptsächlich auf die Mitarbeiter selbst zugeschnitten waren, umschließen sie heute in zunehmendem Maße auch die
Familien und Wohngemeinden der Betreffenden. Dies geschieht aus der
Erkenntnis heraus, daß innerbetriebliche "Harmonisierungsmaßnahmen"
allein unwirksam bleiben müssen, wenn sie nicht auch auf die weitere
"Umwelt" der Mitarbeiter ausgedehnt werden. Was man anstrebt, ist
also die Verbindung von innerer (betrieblicher) und äußerer (Familie,
Gemeinde) Harmonie und Zufriedenheit. Welcher Mittel und Programme
man sich dabei heute bedient, mag ein kurzer Überblick über die verschiedenen sogenannten "Recreation Programs" der amerikanischen Industrie zeigen.
Sportparks und Clubhäuser
"Die größeren und finanziell starken Unternehmen haben den Schwerpunkt ihrer Programme in jüngster Zeit in erster Linie auf die Schaffung von sor^ältig geplanten Erholungsparks und Clubhäusern konzentriert, die, mit allen erforderlichen Einrichtungen ausgestattet, die
Ausübung der verschiedensten Sportarten (im Freien wie in der Halle)
ermöglichen und von den Mitarbeitern und deren Familien in ihrer Freizeit kostenlos in Anspruch genommen werden können.
Die kleineren Betriebe dagegen, die finanziell nicht ganz so
großzügig verfahren können, beschränken sich in der Regel darauf,
die Gründung von betrieblichen Sport-, Kultur- und ähnlichen Gruppen
durch Bereitstellung der entsprechenden Mittel, Geräte und Räume zu
fördern und tatkräftig zu unterstützen.
In den meisten Betrieben liegt die Durchführung dieser Sozialund Freizeitprogramme in den Händen eines Betriebskomitees, das jährlich von allen Mitarbeitern des Unternehmens gewählt wird. Zu den
beliebtesten individuellen Freizeitbetätigungen gehören heute in erster Linie Kegeln, Basketball, Volleyball und Tischtennis, während

9

-

�während Volkstanz, Picknicks, Musikveranstaltungen, Wanderungen
und Besichtigungsfahrten die hevorzugtesten Massenveranstaltungen
darstellen.
Für die Individualisten und "Hobbyisten" unter den Arbeitnehmern
sind es hauptsächlich die Schach-, Photographier-, Briefmarkensammler, Chor-, Malerei- und Kunsthandwerksgruppen, die die stärkste
Anziehungskraft ausüben.
Auch das Sporttauchen, das Fechten und Bogenschießen gehören
mit zu jenen von den Industriebetrieben geförderten Freizeitbeschäftigungen, die sich in jüngster Zeit immer größerer Beliebtheit erfreuen und eine große Anziehungskraft auf die Arbeitnehmer und ihre
Familien ausüben. Auch hier sorgen die Unternehmen für die Anschaffung der entsprechenden Ausrüstungen bzw. Waffen sowie für die Bereitstellung der erforderlichen Übungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

"Co-Op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Der auf Grund der schnellen technologischen Veränderungen ständig wachsende Bedarf an Arbeitskräften, die sowohl über ein gutes
Allgemeinwissen als auch über die entsprechenden fachlichen Qualifikationen verfügen, stellt gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
eines der Hauptprobleme auf dem Beschäftigungssektor dar. Während
auf der einen Seite Industrie und Gewerkschaften bestrebt sind, durch
Schaffung gemeinsamer beruflicher Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme das allgemeine fachliche Niveau der bereits im Berufsleben
stehenden Arbeitskräfte zu heben, bemühen sich auf der anderen die
staatlichen Schulbehörden in verstärktem Maße darum, den jungen Menschen bereits auf der Schule durch eine intensive praktische Ausbildung das nötige Rüstzeug für das spätere Berufsleben mitzugeben.
Richtungweisend sind in dieser Hinsicht die sogenannten "Cooperative-education"-Programme des Staates New York gewesen, die, 1915 zum
ersten Mal auf Versuchsbasis gestartet, heute pro Jahr rund 4000 Jungen und Mädchen die Möglichkeit bieten, auf der Oberschule all jene
Dinge zu erlernen, die sie in ihrem erwählten Beruf brauchen. Es handelt sich dabei um ein kombiniertes, mit Unterstützung von 200 Wirtschaftsunternehmen entwickeltes Schulsystem, das den normalen wissenschaftlichen Unterricht mit einem bezahlten Praktikum in Industrieoder Handwerksbetrieben koppelt. Insgesamt werden mit Beginn des
neuen Schuljahres 46 (bisher 40) derartige Oberschulen im Gebiet von

10

.

�von New York jungen Menschen die Möglichkeit einer kombinierten
wissenschaftlich-praktischen Ausbildung bieten.
Der unmittelbare soziologische und gesamtwirtschaftliche
Vorteil dieses Systems dürfte darin liegen, daß es zahlreichen Oberschülern die Möglichkeit eines ausreichenden Verdienstes bietet,
die andernfalls die Schule eher verlassen und somit nicht die Qualifikationen mit ins Berufsleben bringen würden, die sie benötigen.
Da die Entlohnung der Schüler nach den jeweiligen Richtsätzen in
den einzelnen Industrie- oder Handwerkszweigen erfolgt, reicht der
Verdienst gut aus, um den Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Im
Schuljahr 1959/60 zum Beispiel belief sich das Gesamteinkommen dieser Oberschüler in New York auf über 3 Millionen Dollar.
Der Lehtplan dieser kombinierten Oberschulen setzt sich - neben
den wissenschaftlichen Fächern, die auch in den normalen Klassen gegeben werden - aus zahlreichen praktischen Wahlfächern, wie Buchhaltung, Büromaachinen, Einzelhandel, Automobilfachhandwerk, technisches
Zeichnen, Da&amp;enschneiderei, Werkzeugmaschinen, Nadelarbeiten, Krankenpflege, Photographie, Druckereitechnik usw., zusammen.
Während die Schüler in den beiden ersten Oberschuljahren ausschließlich in Normalfächern unterwiesen werden, gliedert sich ihre
Unterrichtszeit vom dritten Jahr an in eine theoretische und eine
praktische Ausbildung. Im wöchentlichen, monatlichen oder auch sechswöchigen Wechsel - je nach Schule und Art des Lehrplanes - pendeln
sie dann zwischen Schule und Arbeitsplatz. Die Schüler werden dabei
immer in Paare eingeteilt, so daß einer stets die Schulbank drückt,
während der andere den Arbeitsplatz ausfüllt, der so das ganze Jahr
über besetzt ist. Dieser rotierende Unterricht wird dann bis zum Erwerb des Abschlußzeugnisses der Oberschule beibehalten.
Wenn auch eines der Hauptziele dieser "Gooperative education"
die Sicherung eines angemessenen Lehrarbeitsplatzes für Schüler ist,
so stellt doch dieses System nach Ansicht der Pädagogen auch die beste
Form dar, die vorhandenen latenten Fähigkeiten eines jeden einzelnen
voll zur Entwicklung zu bringen. Die Tätigkeit im Betrieb wird dabei
als Teil der schulischen Ausbildung betrachtet, wobei der Lehrherr
gehalten ist, die Leistung des Schülers in Form von Beurteilungen
zu charakterisieren - Beurteilungen, die in dem allgemeinen Zeugnis
volle Berücksichtigung finden.
Die bisher mit diesem Erziehungssystem gemachten Erfahrungen
sind durchweg sehr ermutigend, denn wie aus den Berichten der einzelnen Schulen hervorgeht, beenden rund 98 Prozent aller Oberschüler, die von Industrie und Wirtschaft allgemein mit Vorzug eingestellt
werden, diese "Co-op"-Kurse.
Wie ferner aus verschiedenen Statistiken zu ersehen ist, bleiben rund 80-90 Prozent dieser Oberschüler auch nach ihrem Abgang
von der Schule bei jenen Firmen, wo sie ihre Schul-Lehrjähre absolvierten. In den meisten Fällen war es ihnen dabei möglich, sehr schnell
in höhere Positionen aufzurücken oder solche Posten zu bekleiden, die
für sie während der Lehrzeit auf Grund der Teilbeschäftigung unerreichbar waren.
*# # * *
(Quelle: Eigenbericht)
11 -

�Stahlarbeitergewerkschaft besteht .jetzt 25 Jahre
Eine der einflußreichsten, gleichzeitig auch aber eine der
jüngsten amerikanischen Gewerkschaften kann in diesem Jahr auf
eine 25jährige Tätigkeit und auf "ein Vierteljahrhundert des
menschlichen Fortschritts" zurückblicken: die "United Steelworkers
of America" - die 1936 gegründete Stahlarbeitergewerkschaft.
Die Grüiidungsversammlung, die von einigen eng mit der Gewerkschaftsbewegung verbundenen Männern einberufen worden war, fand
am 17- Juni 1936 in einem kleinen Büroraum im Zentrum der amerikanischen "Stahlstadt" Pittsburgh statt. Das Ergebnis dieser ersten
Zusammenkunft war die Gründung des "Organisationskomitees der
Stahlarbeiter", des Vorläufers der einige Monate später ins Leben
gerufenen "Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft". In einer Erklärung des Organisationskomitees hieß es damals, daß es die Absicht
der neuen Gewerkschaft sei, das Kollektivverhandlungswesen auch in
der Stahlindustrie einzuführen, und daß man an diese gewaltige Aufgabe "im Geiste der Verantwortlichkeit gegenüber der Gewerkschaftsbewegung und der Nation" herangehen wolle.
Schon neun Monate nach der Gründungsversammlung gelang es der
Stahlarbeitergewerkschaft, den ersten Tarifvertrag mit einem der
größten amerikanischen Stahlunternehmen, der "U.S. Steel Corporation", abzuschließen und ihren Mitgliedern neben einem täglichen
Mindestlohn von 5 Dollar und der 40-Stunden-Woche auch Überstundenvergütungen, bezahlten Urlaub und Senioritätsschutz zu sichern.
Damit war praktisch der Einbruch in die Stahlindustrie gelungen,
und bereits vier Wochen nach dem ersten Vertragsabschluß konnten
Tarifverhandlungen mit 41 weiteren Stahlerzeugern aufgenommen werden. Die Zahl der Ortsvereine erhöhte sich in kürzester Zeit auf
492, die Zahl der Mitglieder allein in einer Woche um 37 000.
Die Organisationskampagne der Stahlarbeitergewerkschaft stellte
in den dreißiger Jahren eine der herausragenden Entwicklungen auf
dem Gebiet der Industriegewerkschaften dar, die sich bekanntlich
in dieser Zeit (mit der Gründung der CIO) zu dem großen Antipoden
der in der "AFL" zusammengeschlossenen berufsständischen Gewerkschaften entwickelten. Schon gegen Ende der dreißiger Jahre war
die Stahlarbeitergewerkschaft, die heute über 1 Million Mitglieder
besitzt, eine der stärksten und größten Gewerkschaften der Vereinigten Staaten.
Auch in den folgenden Jahren büßten die "United Steelworkers"
nichts von ihrer ursprünglichen Dynamik und ihrem organisatorischen
Schwung ein. In all den TarifVerhandlungen seit 1936 gelang es der
zielbewußten Gewerkschaftsführung immer wieder, neue wirtschaftliche
und soziale Verbesserungen für ihre Mitglieder auszuhandeln - meist
auf gütlichem Wege, vielfach aber auch erst durch Einsatz ihres
letzten Mittels, des Streiks,
Welch

�Welch große Erfolge die Stahlarbeitergewerkschaft, die das
industrielle Lohnniveau in den USA insbesondere in der Nachkriegszeit weitgehend mitbestimmte, für ihre Mitglieder in den vergangenen
25 Jahren erringen konnte, mag aus der folgenden Gegenüberstellung
deutlich werden:

±2l£

Grundlohn in der Stahlindustrie = 47 Cent pro
Stunde; Durchschnittslohn in der Stahlindustrie =
66 Cent pro Stunde;Lohnnebenleistungen = keine

1961

Grundlohn in der Stahlindustrie = 2,10 Dollar;
Durchschnittslohn in der Stahlindustrie = 3,20
Dollar; Lohnnebenleistungen = 7 bezahlte Feiertage;
bezahlter Urlaub; Lebens- und Krankenversicherung
(Beiträge werden allein vom Arbeitgeber bezahlt);
zusätzliche Arbeitslosenversicherung; Überstundenbezahlung; erhöhter Satz für Sonn- und Feiertagsarbeit; vollständiger Senioritäts- und Beschwerdeschutz; Entlassungsgelder; Lohngleitklausel.

Alle diese Erfolge sind dabei fast ausschließlich zwei Männern
zuzuschreiben, die die Stahlarbeitergewerkschaft mit Energie und
Weitblick durch die vergangenen 25 Jahre geführt haben: Philip
Murray, dem 1952 verstorbenen ersten Präsidenten sowie David J.
McDonald, der das Amt des 1. Vorsitzenden nach dem Tode Murrays
übernahm.
"Wir haben in den ersten 25 Jahren unseres Bestehens einen
langen Weg zurückgelegt", erklärte McDonald kürzlich anläßlich
des 25jährigen Jubiläums seiner Gewerkschaft. "Wir können stolz
auf unsere Erfolge sein, die wir am Tarifverhandlungstisch erzielt
haben. Dennoch bleibt vieles zu tun übrig, und wir werden auch weite
hin in den Tarifverhandlungen bemüht sein, Verbesserungen für unsere
Mitglieder zu erreichen."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen
Im bekannten West-Side-Viertel von Manhattan soll nach den Plänen der Vereinigten Lithographengewerkschaft eines der größten gewerkschaftlichen Wohnungsbauprojekte der USA im kommenden Frühjahr
entstehen - eine in sich geschlossene, insgesamt neun Hochhäuser
mit Wohnraum für 25 000 Menschen umfassende Stadtkernsiedlung mit
all den dazugehörenden Versorgungseinrichtungen.
In Anbetracht der hohen Grundstückspreise in New York City und um die Gesamtkosten möglichst niedrig zu halten - wird das gesamte Wohnungsbauprojekt über den Gleisen des Güterbahnhofs der
"New York Central Railroad" errichtet werden, und zwar auf einer
riesigen, von Stützpfeilern getragenen dicken Betonplatte, die den
gesamten Bahnkörper überspannt. Auf der insgesamt 148 000 Quadratmeter großen Fläche sollen dabei drei 41 Stockwerke und sechs 47 Stockwerke hohe Wolkenkratzer entstehen, die weit über den Hudson River
ragen und die schmälsten Wohnhochhäuser im Stadtgebiet von New York
sein werden. Die Gesamtbaukosten, einschließlich der Kosten für die
erforderlichen Schulen, Kirchenräume, Geschäfte usw., werden von der
Gewerkschaft auf rund 250 Millionen Dollar beziffert.
Da jedoch die gesamten Vorarbeiten für das Projekt sehr sorgfältig geplant und durchgeführt wurden und jede sich bietende
Kosteneinsparung (wie die Überbauung des Eisenbahngeländes) ausgenutzt wurde, wird es der Gewerkschaft möglich sein, selbst in diesem
mietungünstigen Stadtteil von New York ihren Mitgliedern kostengünstige Wohnräume zur Verfügung zu stellen. Neben großen Wohnungen
für Familien der mittleren Einkommensgruppen mit Kindern werden überübrigens auch Spezial-Wohnungen für ältere Einzelpersonen und Ehepaare in dem Projekt geschaffen werden.
Die Finanzierung des gesamten Vorhabens erfolgt einmal durch
die Bereitstellung von Mitteln aus dem Wohlfahrts- und Pensionsfonds
der "Amalgamated Lithographers of America", zum anderen durch Zuschüsse der Bundesregierung, des Staates und der Stadt New York.
Wie der 1 . Vorsitzende der Lithographengewerkschaft, Edward
Swaybuck, ergänzend zu dem Bauvorhaben erklärte, sieht seine Gewerkschaft in diesem Wohnungsbauprojekt eine natürliche Ergänzung des
in diesem Stadtteil im Entstehen begriffenen Kulturzentrums von
New York, des Lincoln Center - Daher auch die Absicht der Gewerkschaft,
neben einem Ausstellungszentrum für graphische Kunst Ateliers für
bildende Künstler in dem Projekt zu erstellen. Man hofft, damit all
jenen Künstlern wieder eine neue Heimat zu geben, die bei der Sanierung des West-Side-Stadtteils ihre Ateliers und Wohnungen verloren
haben. "Auf diese Weise hoffen wir dieses Gebiet kulturell weiter
auszudehnen und abzurunden. Das ist unser Traum."

(Quelle: Eigenbericht)
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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen Regierungsbehörden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durchschnittseinkommen der Büroangestellten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurzmeldungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Private Pensionspläne gewinnen immer größere Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche Leistung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der Sicherheit am Arbeitsplatz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7/8&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Formel für den Arbeitsfrieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluss)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Trends im Tarifverhandlungswesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftsschulung im Wandel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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