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• Sondertet lagen i960

8.

X«

Praeaident Eissnhoweri Betschaft ueber dl« Lagt dar Nation
Wortlaut dar dam US-Kongresa aa 7* Jan. i960 in Washington
unterbreiteten Boteohaft.

w 22.

I.

Eisenhowar lagt neuen US-Haushalt vor

1

22,

I.

Eisenhower lagt Wirtsohaftaberloht vor

V 19.

IX.

Eisenhowar unterbreitet Koagrees Aualandshilfeprogramm

A 26.

II.

Herten Amerikanisches Streben nach kontrollierter Abruostung

A 26.

II.

Risenhowen Gerechter Friede nur im Schutse militaerisoher
Staerke aa erhoffen

A

18,

XII.

Westmaechte veroeffentliehen gemeinsamen Abruestungsplan
US-Auseenminieteriuw veroeffentlichte aa 15* Haars i960
den Fuenf-Maechte-Arbeitsplan fuer Genf

A

8«

XV«

Herten Ziele der amerikanischen Auseenpolitik
Wortlaut der Bede des US-Aus^enoinistors vom 4.April i960
auf der in Chicago tagenden Jahresversammlung dss Rundfunk»
Verbandes der USA

A

15.

IT.

Abruestung-aber wie?
Die Vorschlaege des Westens und des Sowjetblocks
im vergleichenden TJeberblick

A

29«

IT.

Mllon: Die amerikanische Auseenpolitik von heute
Wortlaut der Ansprache das eteilvertretenden US-Auesenninisters
C. Douglas Dillen vom 20.Apr.i960 vor der AFL-CIO-Konfsrens
in New York

A

6.

7.

Weltraaa - Neuland der praktischen Forschung
Ergebnisse des slvilen Weltraunprograaas der Vereinigten Staaten

A

3.

Tl.

Eisenhowari Ziel der W3A weiterhin Frieden und Gerechtigkeit
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache voa 25« Wai i960

A

3.

FI,

u

A

5.

FI*

erter» Wortlaut der Auefuehrungen de« US-Aussenrainiuters
vor dem ausaenpclltischen Ausschuss des aaerikanischen Senats
aa 2?« M*i i960
Praeeldentschaftswahlen in den USA
Fragen und Antworten su Wahlrecht, Wahlverfahren und politischer
Tradition der USA

�A

1«

VII,

Ostblock "brach G*»ufer Abrüstungsverhandlungen ab«
1* Wortlaut der Krklaerung des aaerikaniechen Chefdelegierten
Frederiok 11« Eaton voa 27« Juni 19^0
2« Wortlaut de« Koasuniquds der Abruestungskonferens.
3« Wortlaut ä*r Erklasrung de« TO-Anssenminieteriuae,
4« der neue aaerlkanieehs Abrueetungsplan.
5« Chronologleone Zueaanenfaeeung der juengeten
Entwicklungen in Genf.

1

1«

VII«

Pra»eident Eieenhower berichtet «eher seine Fernoetrelee«
Wortlaut der Rundfunk- und Ferneehanapraehe de« aaerikanleohen
Praeaidenten roa ?7« Juni 19^0

A

29«

VII«

Trioden durch Abrueetung«
Der neue aaerlkanisohe ?oroehlag»

A

2»

IX«

Da« Goduldeaniel in Genf«
Seit 22 Sonaten Verhandlungen ueher Einstellung
von Atomversuchen»

A

?0«

IX«

Frieden und Gerechtigkeit fuer alle.
Wortlaut der ~ed« dosffS-PraesideiatenSisenhower -roa
22« Soptenber i960 vor dor 15« Vollvorsaaalung der
Vereinten Stationen in Her York.

W

2$«

XI«

Direktive Praeeidont Bleenhovers sur Verbesserung dor
aaarlkanlaßhen Sahlungebllans«
Wortlaut der Direktive dos tJS-Praesidenton voa 18« !fov« i960

W

2«

XII«

Praoeldent Eissnhovar su dem deutsoh*aaerikanisohen Finansverkandlungea*

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./8.1 .1960

PRÄSIDENT EI3ENH0WER: BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den V/ortlaut der "Botschaft über
die Lage der Nation" (State of the Union
Message), in der er am 7« Januar 196O das
außen- und innenpolitische Programm seiner
Regierung für das kommende Jahr umriß.

Herr Senatspräsident, Herr Sprecher des Repräsentantenhauses,
Mitglieder des 86. Kongresses, meine Mitbürger

Vor sieben Jahren habe ich mein jetziges Amt mit einem Entschluß
übernommen, den ich seit langem hegte und der über allem anderen stand.
Ich war damals und bin noch heute entschlossen, die Vereinigten Staaten zu einer immer stärkeren Quelle der Kraft für die Sache des Friedens zu machen, in der Erkenntnis, daß es den Frieden nicht nur für
uns allein geben kann, sondern daß er für alle Völker der Welt da
sein muß. Diese Entschlossenheit wird von dem gesamten Kongreß, ja
von allen Amerikanern geteilt.
Ich beabsichtige, heute einige Grundzüge der Position Amerikas in
der Innenpolitik wie auch in seinen auswärtigen Beziehungen zu erörtern.
Erstens möchte ich hervorheben, daß die alljährliche Selbstprüfung
für uns zu einer definitiven Notwendigkeit geworden ist, und zwar auf
Grund der Tatsache, daß wir heute in einer geteilten und in unsicherem
Gleichgewicht befindlichen Welt leben, wobei unsere Seite sich zu ihrem eigenen Schutz und gegen eine Aggression durch die andere Seite
verbunden hat.
Da beide Seiten dieser geteilten Welt im Besitz von Waffen mit
unvorstellbarer Zerstörungskraft sind, nähert sich die Welt einem Zustand, in dem die beiderseitige Vernichtung zu einer Möglichkeit wird.
Kein anderes Faktum unserer heutigen Welt kommt diesem an Bedeutung

�'AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Bedeutung gleich - alles, was wir sagen, planen und tun, wird dadurch beeinflußt.
Von uns wird Wachsamkeit und Entschlossenheit gefordert und
der Einsatz all der Hilfsmittel, die für eine angemessene Sicherheit notwendig sind - vor allem für eine wirkliche Abschreckung
gegen eine Aggression. Dies alles tun wir#
All diese Tatsachen unterstreichen, wie wichtig es ist, unablässig nach einem gerechten Frieden zu streben.
Nur durch die Stä.rkung der geistigen, intellektuellen, wirtschaftlichen und defensivem Hilfsquellen der freien Welt können wir
in Zuversicht einen Fortschritt in Richtung auf dieses Ziel machen.
Zweitens stellen wir fest, daß das Verhalten sowie die Erklärungen der Sowjets in jüngster Zeit auf den möglichen Beginn einer
etwas weniger spannungsgeladenen Periode in den Beziehungen zwischen
der Sowjetunion und der freien Welt schließen lassen. 'Wenn diese
Erklärungen aufrichtig gemeint sind, dann besteht eine größere
Hoffnung, die Schärfe der Rivalität der vergangenen Jahre zu verringern und schließlich an die Stelle des Zwangs die Überredung zu
setzen. Ob dies nun eine Ära von Verheißungen werden wird, die Bestand haben, muß erst durch Taten erhärtet werden.
Drittens stehen wir jetzt am Anfang eines großen neuen Zeitalters der Technik - eines Zeitalters, das trotz seiner Möglichkeiten zur Zerstörung der Menschheit gleich große Möglichkeiten bietet, um Armut und menschliches Elend zu beseitigen. Wenn unsere Bemühungen klug gelenkt und geleitet werden und wenn unsere unermüdlichen Anstrengungen um einen verläßlichen Frieden Früchte zu
tragen beginnen, dann werden wir zweifellos am Aufbau eines Zeitalters Anteil haben, das durch Gerechtigkeit und einen immer größer
werdenden Wohlstand der Menschheit gekennzeichnet ist.
Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich die Sowjetunion an
Maßnahmen zur Verminderung der allgemeinen Kriegsgefahr interessiert
gezeigt.
Wenn auch weder wir noch irgendeine andere Nation der freien
Welt es uns erlauben können, durch freundliche Versprechungen irregeführt zu werden, solange diese nicht durch Taten erhärtet sind,
so gehen wir doch an diese offenbar neue Möglichkeit mit dem
äußersten Ernst heran. 'Wir müssen uns darum bemühen, den unglückseligen Zyklus der Enttäuschungen und Krisen zu durchbrechen, der
sich - wenn wir nicht etwas gegen ihn unternehmen - zur nuklearen
Katastrophe, einem nicht mehr überbietbaren Wahnsinn, entwickeln
könnte .

Obgleich

2 -

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar

1S60

Obgleich die Notwendigkeit verläßlicher Abkommen gegen Gewaltanwendung zur Beilegung von Streitigkeiten auf beiden Seiten erkannt
wird, dürfen wir hier, wie in anderen Fragen, die die Menschen und Nationen spalten, keine plötzlichen und revolutionären Ergebnisse erwarten. Aber wir müssen irgendwo einen Punkt finden, an dem wir beginnen.
Zweifellos besteht ein Weg, auf dem man einen zweckmäßigen und nützlichen Anfang machen könnte, in der Ausweitung der Verbindungen zwischen
unseren beiden Völkern. Auf diesem Gebiet gibt es bei gutem Willen auf
beiden Seiten zahllose Möglichkeiten - von denen uns die meisten sehr gut
bekannt sind -, um gegenseitiges Verständnis, dieses wahre Fundament des
Friedens, zu entwickeln«
Ein anderer Weg mag in der Wiederaufnahme der Verhandlungen am
12. Januar bestehen, deren Ziel ein kontrolliertes Verbot der Erprobung von Kernwaffen ist. Unglücklicherweise hinterläßt die abschließende Erklärung der sowjetischen Wissenschaftler, die in Genf mit unseren Wissenschaftlern zu einem Srfolglosen Versuch, eine vereinbarte
Baois für ein Versuchsverbot zu schaffen, zusammengekommen waren, ganz
eindeutig den Eindruck, daß ihre Schlußfolgerungen politisch beeinflußt
sird. Die Schlußfolgerungen der wissenschaftlichen Vertreter Großbritanniens und der USA stellen dagegen ihre eigene, frei gebildete, individuelle urd kollektive Ansicht dar. Ich hoffe, daß jetzt, wenn neue
Verhandlungen beginnen, die Wanrheit - und nicht politischer Opportunismus - die Beratungen leiten wird.
Noch ein anderer Weg konnte auf dem Gebiet der Abrüstung gefunden
werden, auf dem die Sowjets eine Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen bekundet haben. Sie haben jedoch nicht die Pläne bekanntgegeben, die
sie - wenn überhaupt - für eine gegenseitige Inspektion und Verifizierung
haben, die die unerläßliche.. Bedingungen für jede umfassende Abrüstung
sind .
Es gibt.einen Fall, in dem unsere Initiative ^u^ den Frieden sich
kürzlich als erfolgreich erwiesen hat. Im vergangenen Monat wurd^ ein
multilateraler Vertrag unterzeichnet, der die ausschließliche friedliche
Nutzung der Antarktis vorsieht, die durch ein Syste.. iron Inspektionen
abgesichert wird. Er ermöglicht eine freie und auf Zusammenarbeit beruhende wissenschaftliche Forschung auf diesem Kontinent und verbietet dort
jegliche Kernexplosionen, bis ein allgemeines internationales Abkommen
über diese Frage erreicht worden ist. Dieser Vertrag stellt einen bedeutsamen Beitrag zum Frieden, zur internationalen Zusammenarbeit und
zur Förderung der Wissenschaft dar. Ich werde dem Senat in Kürze den
Vertragstext zur Begutachtung und Billigung zuleiten.
Die Vereinigten Staaten sind immer bereit, diese oder irgendwelche
anderen Fragen, die zu einem Frieden in Gerechtigkeit führen können,
mit der Sowjetunion ernsthaft zu erörtern.

Ihnen

7

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar 196O

Es braucht gewiß nicht wiederholt zu werden, daß die Vereinigten
Staaten nicht beabsichtigen, sich in die inneren Angelegenheiten irgendeines Staates einzumischen; in gleicher Weise weisen wir aber auch
jeden Versuch zurück, uns oder unseren Völkern durch Gewalt oder Subversion ein System aufzuzwingen.
Diese Besorgnis um die Freiheit anderer Völker ist das geistige
und ethische Band, das uns mit über vierzig anderen Staaten in einer
gemeinsamen Verteidigungsbemühung zusammenhält. Wir vergessen keinen
Augenblick, daß unser eigenes Schicksal eng mit dem dieser Länder
verknüpft ist; wir werden nichts tun, was unsere feierlichen Verpflichtungen ihnen gegenüber gefährden könnte.
Selbstverständlich sind wir und unsere Freunde um unsere eigene
Verteidigung besorgt. Aus dieser Sorge erwächst die Einsicht, daß für
alle Völker der freien Welt Großes bei dem Fortschritt in Freiheit
jener sich neu entwickelnden Staaten auf dem Spiel steht, die sich
nach keiner Seite gebunden haben. Diese Völker, die verzweifelt hoffen,
sich auf einen anständigen Lebensstandard erheben zu können, dürfen
nicht durch unser Versäumnis dazu gezwungen werden, bei denen Hilfe
zu suchen - und schließlich praktisch zu deren Satelliten zu werden -,
die ihre Feindseligkeit gegenüber der Freiheit immer wieder bekunden.
Ihr natürlicher Wunsch nach einem besseren Leben darf nicht dadurch
vereitelt werden, daß ihnen die notwendige technische und finanzielle
Hilfe vorenthalten wird. Dies ist ein Problem, das nicht von Amerika
allein, sondern von allen Nationen gelöst werden muß, die denselben
Idealen anhängen und in der Lage sind, Unterstützung zu gewähren.
In den letzten Jahren haben die Partner und Freunde Amerikas in
Westeuropa und in Japan große wirtschaftliche Fortschritte erzielt.
Ihre neuerlangte wirtschaftliche Stärke ist ein überzeugender Beweis
für den beachtlichen Erfolg der Politik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die wir und sie verfolgt haben.
Die Weltwirtschaft des Jahres i960 unterscheidet sich beträchtlich
von der der ersten Nachkriegs jähre. Die Vereinigten Staaten sind nicht
mehr das einzige wichtige Industrieland, das in der Lage ist, die in
den Entwicklungsländern so dringend benötigten erheblichen Mittel und
Hilfsquellen zur Verfügung zu stellen.
Um selbst Sicherheit und Wohlstand zu behalten, müssen die wohlhabenden Nationen die Art der Zusammenarbeit auf die weniger glücklichen
Mitglieder ausdehnen, die Hoffnung, Zuversicht und Fortschritt verheißt.
Ein reiches Volk kann ohne merklichen Schaden eine Zeitlang einen Weg de
Genußsucht verfolgen und sich als einziges Ziel materielle Erleichterungen und Komfort für seine eigenen Bürger setzen - und damit seine eigene
geistige und materielle Stellung in einer friedlichen und blühenden
Völkergemeinschaft entwerten. Aber die feindselige Einstellung, auf die
es stoßen, und die Isolierung, in die es geraten wird, und die daraus
sich ergebende innere moralische und physische Verweichlichung werden
es - auf lange Sicht gesehen - ins Unglück führen.
Amerika

�"AMERIKA DIENST"
8. Januar 196O
Amerika ist nicht durch Verweichlichung und Genußsucht groß geworden. Amerikas wunderbarer Fortschritt und seine Errungenschaften haben ihren Ursprung in anderen, weitaus wertvolleren und gediegeneren
Eigenschaften: nämlich in dem Festhalten an Grundsätzen und Methoden,
die mit unserer religiösen Denkungsart in Einklang stehen; der Freude
an harter Arbeit; der Bereitschaft, für wertvolle Ziele Opfer zu bringen;
und dem Mut, jedes Problem, das sich seinem Fortschritt in den Weg stellt,
anzupacken; der geistigen Redlichkeit und dem Vermögen, den für seine
eigenen besten Interessen richtigen Weg zu erkennen.
Diese Eigenschaften sind für uns wie für jede andere Nation der
freien Welt - arm oder reich - heute notwendiger
denn je, wenn wir
gemeinsam auf dem Weg zu größerer Sicherheit, größerem Wohlstand und
Frieden vorankommen wollen.
Ich glaube, daß die Industrieländer bereit sind, sich aktiv an einer
Unterstützung der Bemühungen der Entwicklungsländer um einen Fortschritt
zu beteiligen.
Die dringende Notwendigkeit dieser Art von Zusammenarbeit wird durch
die gegenwärtige Belastung unserer internationalen Zahlungsbilanz unterstrichen. Unser Überschuß aus wirtschaftlichen Transaktionen mit dem
Ausland ist in den letzten Jahren wesentlich hinter den Ausgaben zurückgeblieben, die wir im Ausland zur Unterhaltung unserer militärischen Einrichtungen in Übersee, zur Finanzierung privater Investitionen sowie
für die Hilfe an die Entwicklungsländer haben. Im Jahre 1959 belief sich
unser Defizit in der Zahlungsbilanz auf annähernd vier Milliarden Dollar.
Weitere Defizite von einer solchen Größenordnung würden auf die
Dauer unser eigenes wirtschaftliches Wachstum beeinträchtigen und dem
Fortschritt der freien Welt Einhalt gebieten.
Wir müssen dieser Situation begegnen, indem wir uns um eine Ausweitung der Exporte und des Welthandels bemühen. Wir müssen ferner alle
Industrieländer der freien Welt dazu bringen, in einem neuen gemeinsamen
Bemühen zusammenzuarbeiten, die Geißel der Armut in den weniger glücklichen Ländern beseitigen zu helfen. Dadurch wird eine bessere Aufteilung
dieser Lasten und ein noch nutzbringenderer Handel möglich gemacht.
Die neuen Nationen sowie andere Länder, die sich mit den Problemen
der Entwicklung auseinandersetzen müssen, können nur Fortschritte erzielen, wenn sie an ihr eigenes Schicksal glauben, den nötigen Willen haben
und ihre eigenen Möglichkeiten zur Verwirklichung dieses Willens einsetzen. Darüber hinaus können Fortschritte bei der Umwandlung zu einem
Staatswesen nur allmählich erzielt werden; es gibt keinen einfachen
und schnellen Weg vom Ochsenkarren zum Düsenflugzeug. Aber genauso, wie
wir einst von Europa Unterstützung erhielten, verdienen die neuen und
sich entwickelnden Länder, die diesen Glauben und diese Entschlossenheit
besitzen, unsere Hilfe.
Im Verlaufe der vergangenen 15 Jahre haben 20 Länder ihre politische
Unabhängigkeit erlangt. In jedem Jahr folgen ihnen weitere. Den meisten
von ihnen mangelt es in beklagenswerter Weise an technischen Möglichkeiten
und an Investitionskapital. Ohne die Unterstützung der freien Welt in
diesen Dingen könnten sie keine wirksamen Fortschritte in Freiheit erzielen.
Bezüglich

-

5 -

�"AMERIKA DIENST

8. Januar i960

Bezüglich dieser Erfordernisse richtet sich unser Hauptaugenmerk vor allem auf Südostasien. Hier haben wir allein in zwei
Ländern fast 500 Millionen Menschen, die sich alle darum bemühen und zwar mit allen Kräften bemühen -, ihren Lebensstandard zu
erhöhen und dadurch ihre Länder zu einem starken Bollwerk gegen
die Verbreitung einer Ideologie zu machen, die die Freiheit zerstören würde.
Ich kann Ihnen nicht sagen, wie tief ich davon überzeugt bin,
daß wir - in unserem eigenen wie im Interesse der freien Welt - in
Zusammenarbeit mit anderen mithelfen müssen, daß diese Völker
ihre legitimen Ziele und Ansprüche - wie sie in den verschiedenen
Mehrjahresplänen ihren Ausdruck finden - erreichen. '.Vir müssen uns
entschlossen an diese titanische Aufgabe heranmachen, sei es durch
die Weltbank und andere Einrichtungen, sei es durch Sinzelmaßnahmen
all der Nationen, die in der Lage sind, zu helfen.
Wir alle müssen natürlich erkennen, daß die Entwicklung dieser
jungen Nationen in Freiheit nicht lediglich eine Frage ist, wie sie
finanzielle Unterstützung von außen erhalten können. Ein unerläßliches Element bei diesem Prozeß ist die starke und nicht nachlassende Entschlossenheit ihrerseits, die nationale Disziplin zu
halten, die für eine längere und stetige Entwicklungsperiode erforderlich ist. Diese Fähigkeiten zur Entschlossenheit sind deshalb besonders wesentlich, weil der Prozeß der Verbesserung der
Lebensbedingungen notwendigerweise langsam vonstatten gehen und
eher mühsam als revolutionär sein wird. Außerdem aber sollte sich
jedermann darüber im klaren sein, daß ein Entwicklungsprozeß kein
kurzfristiges Phänomen ist. Selbst für die am günstigsten situierten Staaten wird er viele Jahre dauern.
Ich werde auch weiterhin das amerikanische Volk auffordern,
im Interesse seiner eigenen Sicherheit, seines Wohlstandes und
des Friedens dafür zu sorgen, daß seine eigene Beteiligung an
diesem großen Projekt eine starke und begeisterte Unterstützung
findet. Die Entscheidungen der freien Welt in dieser Frage werden
vielleicht den Unterschied zwischen einer Weltkatastrcphe und einem
Fortschritt der Welt in Freiheit bedeuten.
Andere Länder, von denen ich einige im letzten Monat besucht
habe, haben ähnliche Nöte.
Es ist wünschenswert, daß die Länder, die zu einer Unterstützung
der Bemühungen um eine Entwicklung bereit sind, eine gemeinsame Basis
haben. Während des vergangenen Jahres habe ich diese Frage mit den
führenden Männern mehrerer westlicher Länder erörtert.

Wegen

- 6-

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Wegen seines Reichtums an Erfahrung könnte der Europäische Wirtschaftsrat (OEEC) mit ersten vorbereitenden Studien helfen. Das Ziel
besteht in der Erfassung aller in den Industrieländern der freien Welt
verfügbaren wirtschaftlichen Hilfsquellen - vor allem des privaten Investitionskapitals. Aber ich betone nochmals, daß diese Hilfe, so groß
und bedeutend sie auch sein mag, nur dann von anhaltender Wirkung sein
kann, wenn sie als Ergänzung zu der Stärke des Geistes und des Willens
der Bevölkerung dieser aufstrebenden Länder tritt.
Wir hoffen, daß es durch Gewährung dieser Hilfe möglich sein wird,
die Völker dazu zu bringen, daß sie sich mit Begeisterung um das Banner
der Freiheit scharen. Kein stärkerer Kontrast zu einem System widerwilliger Satellitenstaaten ließe sich denken.
"Wenn wir diese Gelegenheit ergreifen, um ein Zeitalter der produktiven Partnerschaft zwischen den weniger vom Glück begünstigten Nationen
und denjenigen aufzubauen, die bereits einen hohen Stand des wirtschaftlichen Fortschritts erreicht haben, dann werden wir die Aussichten für
eine auf Sicherheit, Freiheit und Frieden beruhende Weltordnung verbessern. Andernfalls könnte der Ausblick wahrhaft düster sein. Wir stehen
an einem möglichen Wendepunkt der Geschichte, und wir müssen mit Entschlossenheit handeln."
Als Staat können wir diese Ziele nur von der Position einer auf
breiter Grundlage beruhenden Stärke aus verfolgen.
Wie aufrichtig und ernst unsere Bemühung um einen gesicherten Frieden auch immer sein mag, wir müssen zur selben Zeit, da wir über das
Problem der Abrüstung Verhandlungen führen, doch auch ein hohes Maß an
militärischer Stärke beibehalten. Solange nicht konkrete und auf beiden
Seiten durchsetzbare Abrüstungsmaßnahmen ausgearbeitet sind, werden wir
die Mittel zur Verteidigung unserer Institutionen nicht schwächen.
Amerika verfügt über eine gewaltige Verteidigungsmacht. Es ist
meine feste Überzeugung, daß kein Land jemals einen allgemeinen Krieg
gegen uns wagen wird, es sei denn, wir wären so töricht und vernachlässigten die Verteidigungskräfte, die wir gegenwärtig so machtvoll
ausstatten. Alle Welt weiß, daß jede Nation, die versucht sein könnte,
die Vereinigten Staaten anzugreifen - auch wenn unser Land vielleicht
große Verluste erleidet -, selbst sofort eine schreckliche Vernichtung
erfahren würde. Aber noch einmal versichere ich allen Völkern und allen
Nationen, daß die Vereinigten Staaten, außer zur Verteidigung, niemals
diese zerstörende Kraft entfesseln werden.
Während des vergangenen Jahres hat unser Fernwaffenpotential - hinsichtlich der bemannten Bomber heute unerreicht - dadurch eine weitere
Stärkung erfahren, daß die interkontinentale ballistische Rakete vom
Typ ATLAS jetzt für den' Einsatz zur Verfügung steht. In 14 kürzlich durchgeführten Erprobungen über Entfernungen von mehr als 8000 Kilometern hat
die ATLAS mit einer Streuung von nur drei Kilometern im Ziel gelegen.
Dies ist weniger als die Länge einer Startbahn für Düsenflugzeuge und
liegt absolut im Bereich der völligen Zerstörung. Eine solche Leistung
ist ein großer Erfolg für die amerikanischen Wissenschaftler und Ingenieure, die in den letzten fünf Jahren die Zeit und die Technik zusammenraffen mußten, um diese Langstreckenraketen zu entwickeln - wo Amerika
vorher derartiges nicht besessen hatte.
_ ...
ö
Darüber

�"AMERIKA DIENST

8. Januar 1 960

Darüber hinaus werden unsere aktiven Verbände dieses Jahr
immer mehr Atom-Unterseeboote zugeteilt bekommen, von denen einige
mit POLARIS-Raketen ausgerüstet sein werden. Diese bemerkenswerten Schiffe und Waffen mit einem Aktionsradius über die Ozeane
hinweg werden in der Lage sein, Ziele praktisch an jedem Punkt
der Erde unter genaues Feuer zu nehmen. Da es unmöglich ist, sie
durch einen Überraschungsangriff zu vernichten, werden diese
Schiffe zu unseren wirksamsten Wächtern und Hütern des Friedens
gehören.
Um Situationen begegnen zu können, in denen es nicht zu
einem allgemeinen Atomkrieg kommt, werden wir auch weiterhin unsere Flugzeugträgerverbände, unsere zahlreichen im Ausland stationierten Einheiten, unsere stets einsatzbereiten strategischen
Heeresverbände und Marinekorpsdivisionen sowie die dazugehörigen
zivilen Stellen aufrechterhalten. Die laufende Modernisierung
dieser Verbände ist ein kostspieliger, aber notwendiger Prozeß
und soll in einem Umfang durchgeführt werden, durch den unsere
Stärke ständig vergrößert wird.
Die Stationierung eines Teiles dieser Streitkräfte im Ausland
- und zwar zu Lande wie zur See - ist ein überzeugender Beweis für
unsere Entschlossenheit, Schulter an Schulter mit unseren Alliierten für die kollektive Sicherheit einzustehen. Darüber hinaus habe
ich angeordnet, daß Maßnahmen ergriffen werden, um die militärische Unterstützung für unsere Alliierten auf eine langfristigere
Basis zu stellen. Dies ist für ein wirksameres kollektives Verteidigungssystem notwendig.
Ich möchte'nunmehr auf unsere Bemühungen auf dem Gebiete der
Weltraumforschung eingehen, die oft fälschlicherweise für einen
integralen Teil der Verteidigungsforschung und -entwicklung gehalten wird.
Erstens: Amerika hat in den beiden letzten Jahren große
Beiträge zu dem Wissensschatz der Welt auf dem Gebiet der Astrophysik und der Weltraumkunde geleistet. Diese Entdeckungen sind
gegenwärtig in erster Linie für die Wissenschaftler von Interesse,
sie sind jedoch auch wichtige Grundsteine für eine extensivere
Erforschung des Weltraums zum letztlichen Nutzen und 7/ohle allen
Menschen.
Zweitens: Unser so erfolgreich voranschreitendes militärisches
Raketenprogramm leidet nicht unter dem zur Zeit bei uns bestehenden Mangel an sehr großen Raketenantriebsmotoren, wie sie für die
Erforschung ferner Räume so notwendig sind. Mir wurde von Fachleuten versichert, daß die Schubleistung unserer gegenwärtigen
Raketen für die Erfordernisse der Verteidigung voll ausreichend
ist •
Drittens: Die Vereinigten Staaten drängen bei der Entwicklung
von großen Raketenmotoren voran, um mit ihnen viel schwerere Flugkörper zu Forschungszwecken in den Raum zu senden.
Viertens:

�"AMERIKA DIENST

8. Januar 1960

Viertens* Man darf inzwischen nicht vergessen, daß wir«eben erst
begonnen haben, in die unmittelbare Umgebung unserer Erde vorzustoßen.
Unter Verwendung der zur Zeit verfügbaren Abschußsysteme entwickeln
wir Satelliten zur Welt-Wettererforschung; zum Aufbau von Relaisstationen, die die globale Nachrichtenverbindung erleichtern und erweitern sollen; als Navigationshilfe, um Schiffen und Plugzeugen genaue
Peilungen zu ermöglichenjund zur Vervollkommnung der für die Aufzeichnung und Übermittlung der von uns gesuchten Daten erforderlichen Instrumente. Es ist dies das erfolgversprechendste Gebiet für eine erste
und nutzbringende Anwendung der Weltraumtechnik.
Fünftens: Wir blicken jetzt auf das erste Jahr unserer Erfahrungen
mit dem neuen Weltraumgesetz zurück. Ich glaube, daß es in bezug auf
bestimmte Einzelheiten Mängel zeigt, und es werden daher in Kürze Verbesserungsvorschläge gemacht werden.
Die Erfüllung der zahlreichen Aufgaben, die ich hier angeführt
habe, erfordert die laufende Stärkung der geistigen, intellektuellen
und wirtschaftlichen Kräfte des amerikanischen Lebens. Das Ziel, das
unserer Gesellschaft ständig vor Augen schwebt, ist es, im Angesicht
Gottes jedem einzelnen Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Wir müssen
uns immer davor hüten, die Freiheit durch gedankenlose und allzuviele
restriktive Kontrollen oder dadurch zu ersticken, daß es uns an Mut
fehlt, die großen Aufgaben unserer Zeit kühn anzupacken.
Als ich vor einem Jahr vor Sie hintrat, erholte sich unser Land
gerade von einem wirtschaftlichen Rückschlag, obwohl die Zweifler die
Anzeichen der wiedererstarkenden Prosperität als nicht genügend überzeugend ansahen. Heute ist unsere ständig wachsende Stärke für jeden
ersichtlich. Das Jahr 1960 verspricht das Jahr der größten Prosperität
in unserer bisherigen Geschichte zu werden.
Und doch werden wir auch weiterhin störenden Einflüssen ausgesetzt
sein.
Zu den gegenwärtigen Problemen, die eine Lösung fordern, gehören:
die Notwendigkeit, die Interessen der Öffentlichkeit in Situationen
zu schützen, in denen es zu längeren Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern kommt; die hartnäckige Weigerung, ein
kritisches Problem in einem Sektor der amerikanischen Landwirtschaft
zu bereinigen; die anhaltende Inflationsgefahr im Verein mit der ständigen Tendenz zu einem verantwortungslosen Finanzgebaren; die Weigerung, in bestimmten Fällen einigen unserer Bürger gleichen Rechtsschutz zu
gewähren.
Jeder Amerikaner war über den langen Konflikt in der Stahlindustrie
sowie über seine so lange hinausgezogene Beilegung beunruhigt. Wir sind
alle froh, daß in diesem Industriezweig endlich eine Lösung erreicht wurde.
Prozentual gesehen ist die Erhöhung der Lohnkosten für die Stahlgesellschaften bei dieser Regelung niedriger als bei allen früheren Lohnabkommen seit dem zweiten Weltkrieg. Es ist ferner erfreulich, festzustellen, daß mehrere der großen Stahlproduzenten angekündigt haben, daß
es trotz der höheren Löhne und Sozialleistungen im gegenwärtigen Zeitpunkt keine Erhöhung der Stahlpreise geben wird. Das nationale Interesse
erfordert es, daß in der Zeit des industriellen Friedens, der durch den neuen
Kontrakt sichergestellt ist, sowohl die Unternehmer als auch die Gewerkschaften alle nur möglichen
n

�ALIERIKA DIENST,

8. Januar i960

möglichen Anstrengungen machen, um die Leistungen und die Produktivität in der Stahlindustrie so zu steigern, daß Preiserhöhungen
vermieden werden können.
Eine der hieraus zu ziehenden Lehren besteht darin, daß der
bei längeren und bedeutenderen Streiks für die gesamte Nation
erwachsenden potentiellen Gefahr begegnet werden muß. Bei der
Sicherung gegen derartige Möglichkeiten muß man sich allerdings
in erster Linie auf den gesunden Menschenverstand der verantwortungsbewußten einzelnen Bürger verlassen. Ich beabsichtige, die
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu regelmäßigen Besprechungen aufzufordern, die nicht am Verhandlungstisch geführt werden, damit sie
hierbei das Interesse der Öffentlichkeit genauso in Erwägung
ziehen wie ihr eigenes gegenseitiges Interesse bei der Aufrechterhaltung des industriellen Friedens, der Preisstabilität und des
wirtschaftlichen Wachstums.
Es erscheint mir gleichsam absurd, daß die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen den Nationen
erkennen und sich so aufrichtig darum bemühen, wenn sie nicht auch
zwischen den wichtigen Gruppen ihrer eigenen freien Gesellschaft
eine freiwillige, zuverlässige und dauerhafte Zusammenarbeit
erreichen können.
Wenn wir uns auf anderen Gebieten als den Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern den Grundproblemen nicht stellen, dann kann dies
zu einer ernsthaften Belastung der Freiheit führen, auf der unsere
Gesellschaft beruht.
Eines dieser Gebiete, von denen ich spreche, ist die Landwirtschaft .
Unsere grundlegende Landwirtschafts-Gesetzgebung wurde vor 27
Jahren formuliert, als wir aus einer Notlage heraus darangehen
mußten, die durch die weltweite Depression verursachten Härten
wieder auszugleichen. Sie wurde auch während des zweiten Weltkrieges
beibehalten - und ihre wirtschaftliche Diskrepanz noch verstärkt -,
um einen Anreiz für die Nahrungsmittelerzeugung zu bieten, die zur
Versorgung einer vom Krieg betroffenen freien Welt nötig war.
Heute ist unser Landwirtschaftsproblem völlig anders gelagert.
Es geht darum, sich den durch eine wissenschaftliche Revolution hervorgerufenen Veränderungen in wirksamer Form anzupassen. Als die
ursprünglichen Landwirtschaftsgesetze geschrieben wurden, wurde in
der Landwirtschaft in einer Arbeitsstunde nur ein Viertel der Menge
an Weizen geerntet wie heute. Die Landwirtschaftsgesetze sind
schrecklich veraltet, unwirksam und kostspielig.
Seit Jahren haben wir ein überholtes System beibehalten, das
nicht einmal in der Lage war, die Einkommen in der Landwirtschaft
zu schützen, und noch dazu immer größere, bedrohliche Überschüsse
hervorbrachte. Unsere Landwirtschaft blieb bei einer Kriegsproduktion stehen, während Amerika seit langem Frieden hatte.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

8 . Januar 1960

Ich ersuche den Kongreß erneut, Gesetze zu verabschieden, damit die Erzeugung in stärkerem Maße den Märkten angepaßt wird und
die kostspieligen üb erschüsse leichter gehandhabt werden können,
Gesetze, die in der Bewirtschaftung der Farmen größere Freiheit
lassen und durch die die Nettoeinkommen in der Landwirtschaft
stetig erhöht werden.
Ein weiteres Problem, mit dem wir uns ohne Umschweife befassen müssen, ist die Notwendigkeit, im Rahmen unserer Verhältnisse zu leben. Dies erfordert Maßhalten bei den Ausgaben, eine
ständige Überprüfung, welchen Dingen Vorrang einzuräumen ist, und
die Beibehaltung stabiler Preise.
Wir müssen eine Inflation verhindern. Hier stehen wir vor
einem Widersacher unter so vielerlei Masken, daß es zuweilen
schwerfällt, ihn zu erkennen. Aber es ist für uns absolut notwendig, einer kontinuierlichen und allgemeinen Preissteigerung
Einhalt zu gebieten - dies ist eine Notwendigkeit, die alle von
uns sehen und spüren können.
Das ständige Ansteigen der Kosten und Preise zu verhindern
erfordert eine strenge Selbstzucht von seiten jedes Bürgers.
Niemand, keine Stadt und kein Staat, keine organisierte Gruppe,
darf sich der Pflicht zum Widerstand gegen die Inflation entziehen, denn jeder Amerikaner müßte bitter dafür zahlen.
Die verheerenden Auswirkungen einer Inflation machen nicht
an einem bestimmten Punkte halt. Preissteigerungen bei den Gütern,
die wir an das Ausland verkaufen, beschwören die Gefahr herauf,
daß wir von den Märkten vertrieben werden, die uns einst sicher
waren. Cb nun so hoch ansteigende und damit nicht mehr wettbewerbsfähige einheimische Preise die Folge von Forderungen nach
zu großen Gewinnspannen oder die Folge höherer Lohnkosten sind,
die den Produktivitätszuwachs übersteigen, das Endergebnis ist
jedenfalls ein schwerer Schaden für die Nation.
Wir müssen die Inflation in der gleichen Weise bekämpfen, wie
ein Feuer, das unser Haus bedroht. Nur so können wir verhindern,
daß der Wert unserer Gehälter, Ersparnisse, Pensionen und .Versicherungen vernichtet wird und die Grundlagen einer freien, gesunden Wirtschaft sowie der Sicherheit des Landes zermürbt werden.
Eine wichtige Methode, wie die Bundesregierung der Inflation
und den steigenden Preisen begegnen kann, ist, sicherzustellen,
daß ihre Ausgaben unter den Einnahmen liegen. Die Staatsschuld,
der wir -ietzt gegenüberstehen, liegt bei 290 Milliarden Dollar.
Die Zinsleistungen allein kosten den Steuerzahler gegenwärtig rund
9,5 Milliarden Dollar, und es ist klar, daß der weiteren Erhöhung
der Staatsverschuldung ein Ende gemacht werden muß. Sie werden
froh sein, zu erfahren, daß unsere Konten trotz der noch nicht
bereinigten Auswirkungen des jüngsten Stahlstreiks nach unseren
Schätzungen mit dem 30. Juni dieses Jahres einen Überschuß von rund
200 Millionen Dollar aufweisen werden.
Ich

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�8. Januar

"AMERIKA DIENST

196O

Ich werde dem Kongreß für 1961 ein ausgewogenes Budget vorlegen.
Auf dem Gebiet der Verteidigung bleiben die Ausgaben weiterhin auf
dem Rekord-Friedenszeitenniveau der vergangenen letzten Jahre. Mit
einer einzigen Ausnahme werden auch die Ausgaben auf allen wichtigen
Sektoren des Gesundheits-, Erziehungs- und Wohlfahrtswesens gleich
oder größer als im vergangenen Jahr sein. Die Ausgaben für die Weltraumforschung sind praktisch auf das Doppelte gestiegen. Aber die über
allem stehende Richtlinie dieses Budgets wird durch den Bedarf der
Nation als Ganzes vorgezeichnet - nicht durch das Eingehen auf die
Forderungen bestimmter Gruppen oder auf lokale oder politische Forderungen .
Andere Ausgabenerhöhungen als die von mir soeben angedeuteten sind
weitgehend auf die erhöhten Kosten der früher bereits verabschiedeten
Gesetze zurückzuführen.
Ich wiederhole noch einmal, dieser Haushalt wird ausgeglichen sein.
Die Ausgaben werden 79&gt;8 Milliarden Dollar betragen. Der die Ausgaben
übersteigende Betrag der Einnahmen, der in dem Haushalt als Überschuß
ausgewiesen ist und gegen unsere Staatsschuld aufgerechnet werden soll,
beträgt 4»2 Milliarden Dollar. Ich persönlich bin der Ansicht, daß
kein Betrag mit Recht als Überschuß bezeichnet werden kann, solange
die Nation Schulden hat. Ich möchte lieber einen solchen Posten als
"Reduzierung der unseren Kindern vererbten Hypothek" nennen. Sobald
wir erst einmal solche Zahlungen als eine normale Praxis eingeführt
haben, können wir auch nutzbringende Verbesserungen in unserer Steuerstruktur vornehmen und damit wirklich die schweren Steuerlasten vermindern.
Auf jeden Fall wird diese Reduzierung dem Steuerzahler jedes Jahr
etwa 200 Millionen Dollar an Zinskosten einsparen.
Dieses Budget wird zu einer Verminderung des Druckes auf unsere
Kredit- und Kapitalmärkte beitragen. Es wird in aller Welt das Vertrauen
in die Stärke unserer Wirtschaft und unserer Währung sowie in unsere
individuelle und kollektive Fähigkeit für eine verantwortungsbewußte
Finanzgebarung fördern.
Bei der Verwaltung unserer großen öffentlichen Schuld hat das
Schatzamt unglücklicherweise keine freie Hand. Seine Möglichkeiten, sich
mit den schwierigen Problemen auf diesem Gebiet zu befassen, sind weitgehend dadurch eingeengt worden, daß der Kongreß nicht bereit ist, die
veralteten Restriktionen zu beseitigen. Die Notwendigkeit, bei der Verwaltung der Staatsschuld eine freiere Hand zu haben, ist heute sogar
noch dringlicher, weil die Kosten der unerwünschten Finanzpraktiken,
zu denen das Schatzamt gezwungen wurde, immer mehr anwachsen. Die
Beseitigung dieses Hindernisses hat unter meinen gesetzgeberischen
Empfehlungen großen Vorrang.
Ein weiteres Gebiet ist das der Bürgerrechte.
Bei all unseren Hoffnungen und Plänen für eine bessere Welt sind
wir uns darüber im klaren, daß provinzielle und rassische Vorurteile bekämpft werden müssen. Im langen Lauf der Geschichte ist das Wahlrecht einer
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�"AMERIKA DIENST"

8. Januar

196O

einer der stärksten Eckpfeiler einer freien Gesellschaft gewesen.
Unsere erste Pflicht ist es, dieses Recht gegen jeden Übergriff zu
schützen. Trotz der verfassungsmäßigen Garantien und ungeachtet des
großen Fortschritts der letzten Jahre sind einige Menschen in unserem
Lande durch Vorurteile immer noch des gleichen Schutzes durch das Gesetz beraubt.
Zu Anfang der letzten Sitzungsperiode des Kongresses empfahl ich
eine Gesetzgebung, die zur Beseitigung verschiedener diskriminierender
Praktiken hinsichtlich der Grundrechte der Amerikaner beitragen würde.
Die Bürgerrechtskommission hat zusätzliche konstruktive Empfehlungen
unterbreitet. Ich hoffe, daß diese Vorschläge zu den Fragen gehören
werden, die in der gegenwärtigen Sitzung ernsthaft erörtert werden.
Ich bin fest davon überzeugt, daß der Kongreß auf diese Weise der Welt
vor Augen führen wird, daß unsere Regierung sich für alle Menschen
um die Gleichheit vor dem Gesetz bemüht.
In jedem Jahr erlebt unser Land in vieler Hinsicht grundlegende
Veränderungen und weiteres Wachstum.
In den letzten 18 Monaten haben wir uns über die Aufnahme von zwei
weiteren Staaten - Alaska und Hawaii - in die Union freuen können. Wir
begrüßen die beiden neuen Sterne in unserer Flagge mit großem Stolz.
Unsere kraftvolle Weiterentwicklung, die wir alle als ein Zeichen
der Gesundheit und der Vitalität begrüßen, ist vielseitig. So erleben
wir zum Beispiel jetzt ein gewaltiges Wachstum unserer Großstädte.
Bis zum Jahre 1975 werden die Großstadtgebiete in den Vereinigten
Staaten etwa die doppelte Fläche einnehmen wie heute. Die Zahl der
daraus erwachsenden städtischen Probleme, mit denen man fertig werden
muß, ist bestürzend. Zu ihnen zählen die Frage der Wasserversorgung,
der Reinigung der Luft, die Anpassung der lokalen Steuersysteme, die
Bereitstellung der wesentlichen Schul-, Kultur- und Sozialinstitutionen
und die Ausmerzung solcher Verhältnisse, die zu Kriminalität und Verbrechen führen.
Bei der Lösung dieser Probleme müssen wir - wenn wir unsere historischen Freiheiten hochhalten - im traditionellen Rahmen unseres bundesstaatlichen Systems bleiben, bei dem die Macht zwischen der nationalen
Regierung und den einzelstaatlichen Regierungen geteilt ist. Die Einmaligkeit und Besonderheit dieses Systems mag den oberflächlichen Betrachter
verwirren, es hat sich jedoch seit fast 200 Jahren durchaus bewährt.
Ich zweifle nicht daran, daß unsere städtischen und anderen komplizierten Probleme auf die traditionelle amerikanische Weise gelöst werden
können. V/ir müssen uns jedoch hierbei darüber im klaren sein, daß nichts
wirklich gelöst ist und nur ruinöse Entwicklungen in Gang gesetzt werden,
wenn wir den verführerischen Verlockungen des "leichtverdienten" Steuerdollars nachgeben.
Unser Erziehungssystem ist ein gutes Beispiel hierfür. Alle erkennen die entscheidende Notwendigkeit an, daß wir moderne Schulen sowie
hochqualifizierte und ausreichend bezahlte Lehrer haben müssen und daß

�"AMERIKA DIENST

8. Januar

1960

daß die besten Lehrmethoden und Lehrpläne angewandt werden müssen.
Wir dürfen nicht selbstzufrieden auf die Erziehung unserer Jugend
blicken.
Aber der Weg zu einer besseren Erziehung läßt sich nicht durch
die schnelle Anwendung einer Kräftigungsspritze oder auch einer längeren finanziellen Transfusion seitens des Bundes bahnen. Der Erziehungsprozeß, der im wesentlichen eine lokale und persönliche Aufgabe ist,
läßt sich nicht durch gewaltsame, zentralgelenkte Aktion seitens der
Regierung sprunghaft beschleunigen.
Die Regierung hat ein sorgfältig begründetes Programm vorgeschlagen, das dazu beitragen soll, die derzeit vorhandenen Mängel abzustellen. Es soll den Bau von Schulen fördern, nicht indem es die Dollar
des Bundes an die Stelle der staatlichen oder lokalen Fonds treten
läßt, sondern durch Anreiz zur Erweiterung und Unterstützung der einzelstaatlichen oder lokalen Anstrengungen. Bei dieser Methode wird die
Idee einer Beherrschung oder Kontrolle durch den Bund ausgeschaltet.
Sie ist brauchbar und sollte jeden Amerikaner ansprechen, der an einem
Fortschritt unseres Erziehungssystems in der traditionellen amerikanischen Art interessiert ist. Ich fordere den Kongreß auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Es gibt noch einen weiteren Komplex, hinsichtlich dessen ich eine
Empfehlung erneuern möchte, die ich bereits in meiner Botschaft über
die Lage der Nation im Januar vergangenen Jahres gemacht habe. Ich setzte
damals den Kongreß von meiner Absicht in Kenntnis, unsere Anstrengungen,
an die Stelle der Gewalt die Herrschaft des Rechts unter den Völkern
zu setzen, zu intensivieren. Zahlreiche Gespräche im Ausland haben mich
davon überzeugt, daß dieses Ziel von anderen Völkern und Nationen in
der Welt weitgehend und mit großem Ernst geteilt wird.
In derselben Botschaft erklärte ich, daß unsere Bemühungen eine
Überprüfung des Verhältnisses der USA zum Internationalen Gerichtshof
einschließen würden. Der Gerichtshof wurde von den Vereinten Nationen
geschaffen, um über internationale juristische Streitfragen zwischen den
einzelnen Ländern zu entscheiden. Im Jahre 194-6 akzeptierten wir die
Jurisdiktion des Gerichtshofes, allerdings unter Vorbehalt des Rechtes,
einseitig entscheiden zu können, ob ein gegebener Fall in seinen wesentlichen Aspekten nicht eigentlich unter die Jurisdiktion der USA fällt.
Dem Senat liegt gegenwärtig eine Resolution vor, die diesen juristischen
Vorbehalt beseitigen würde. Ich unterstütze diese Resolution und ersuche
nachdrücklich um ihre baldige Verabschiedung. Wenn dies geschehen ist,
werde ich alle Mitglieder der Vereinten Nationen auffordern, in entsprechender Weise die Jurisdiktion des Gerichtshofes zu akzeptieren.

Und

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Und vielleicht ist es nicht verfehlt, wenn ich hier an dieser
Stelle, im letzten Jahr meiner Amtszeit, an die Hitglieder des
Kongresses ein Wort über die Institutionen richte, die wir jeweils
repräsentieren, sowie über die Bedeutung, die den Beziehungen
zwischen unseren beiden Zweigen der Regierung für die beverstehende
Zeit zukommt.
Ich bin nicht der einzige Präsident, der mit einem von der
Oppositionspartei kontrollierten Kongreß zusammengearbeitet hat nur hat kein anderer Präsident dies so lange Zeit getan. Und doch
haben wir sowohl in den persönlichen wie auch den offiziellen
Beziehungen die Stürme der vergangenen fünf Jahre gemeistert. Hierfür bin ich dankbar.
Meine tiefe Sorge in den kommenden 12 Monaten, bevor mein
Nachfolger sein Amt antritt, gilt unseren gemeinsam vom Kongreß
und der Exekutive gegenüber unserem eigenen Volke und gegenüber
den übrigen Völkern wahrzunehmenden Pflichten. Entsprechend den
von mir heute hier dargelegten Anschauungen werde ich meine ganze
Kraft den vorliegenden Aufgaben widmen, ob dies nun Reisen zur
Förderung einer besseren internationalen Verständigung, Verhandlungen zur Verminderung internationaler Unstimmigkeiten oder ständige Aussprachen und Fühlungnahmen mit dem Kongreß und dem amerikanischen Volk sowohl in innen- wie auch in außenpolitischen Fragen
erfordert„
Bei der Verfolgung dieser Ziele sehe ich einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Kongreß entgegen und werde mich
selbst hierfür einsetzen.
Jede Hillute, die mit belanglosem Streit zwischen den einzelnen
Regierungszweigen vergeudet wird, ist kostbare Zeit, die von der
klugen Ausarbeitung und Annahme in sich zusammenhängender politischer
Maßnahmen für den Fortbestand und den Fortschritt unserer Nation
abgeht.
Wir streben nach einem gemeinsamen Ziel - bessere Chancen für
unsere Bürger und einen Weltfrieden in Gerechtigkeit für alle zu
schaffen.
Wir und unsere Freunde sehen sich von einer Ideologie herausgefordert, die seit mehr als vier Jahrzehnten ihr Ziel des letztlichen
Sieges über alle Regierungsformen hinausposaunt, die nicht im Einklang mit ihrer eigenen stehen.
Wir sind uns darüber im klaren, daß - so sehr wir auch die
Lehren des imperialistischen Kommunismus ablehnen - dieser ein gewaltiges Vorhaben darstellt, das verbissen von Machthabern durchgeführt
wird, die ihre Untertanen dazu zwingen, die Freiheit des Geistes sowie die persönlichen Wünsche irgendwelchen erhofften und in der Zukunft liegenden Vorteilen unterzuordnen.
Die

�&lt;

"ALIERIKA DIENST"

8. Januar 1 960

Die Kommunisten können eine Menge materieller Leistungen
während der letzten 15 Jahre aufweisen, die ihren glitzernden
Versprechungen gegenüber den politisch nicht festgelegten Völkern
eine irreführende Überzeugungskraft verleihen.
Was jedoch die Reihenfolge der ffert« anbetrifft, so steht
für uns die Freiheit an oberster Stelle - unsere ganze Existenz
und unsere Entwicklung als Nation sind auf diese grundlegende
Konzeption ausgerichtet und haben bewirkt, daß wir die führende
Position innerhalb der freien Welt erlangt haben, zu der wir
emporgestiegen sind. Sie ist der höchste Preis, den irgendeine
Nation erlangen kannj sie ist ein Preis, den die Kommunisten
niemals bieten können. Und die Geschichte der von Amerika in Freiheit erzielten materiellen Leistungen ist nicht nur vor dem Hintergrund einer noch nie dagewesenen Prosperität unserer eigenen
Nation, sondern auch in den unzähligen Milliarden geschrieben,
die wir für den Wiederaufbau der durch den zweiten Weltkrieg zerstörten Volkswirtschaften der freien Welt gaben, sowie in der
wirksamen Hilfe durch zahlreiche weitere Milliarden, die wir
für die Rettung der Unabhängigkeit zahlreicher anderer von einer
ausländischen Macht bedrohten Länder ausgegeben haben. Und selbstverständlich verfügen wir auch über die Fähigkeit, mit den Problemen der neuen Epoche der Weltgeschichte fertig zu werden, in die
wir jetzt eintreten.
Aber wir müssen diese Fähigkeit klug und unermüdlich, ohne
Rücksicht auf persönliche Opfer, nutzen.
Die Kluft, die unseren Planeten in politischer Hinsicht teilt,
ist tief und weit.
Wir leben außerdem in einem Meer der Begriffsverwirrung, bei
dem alte Bezeichnungen nicht mehr länger stimmen:
Polizeistaaten werden "Volksdemokratien" genannt.
Die Unterjochung eines freien Volkes mi.t Waffengewalt heißt
"Befreiung" .
Solche verwirrende Schlagworte machen das Problem der Mitteilung von echtem Vertrauen, wahren Tatsachen und Ansichten noch
schwieriger.
Wir müssen unsere friedlichen Absichten und unser Streben nach
einer besseren Welt klarmachen. Hierfür müssen wir die Sprache benutzen, und zwar um den Verstand zu erhellen, nicht aber als ein
Mittel für bewußte Verfälschungen und zur Entstellung der V/ahrheit.
Und wir müssen zu unseren Worten stehen. Während meines kürzlichen Besuches in fernen Ländern erlebte ich immer wieder, wie
ein Staatsmann nach dem anderen bestrebt war, mir von den Faktoren
und Grundzügen zu berichten, die seine Regierung der amerikanischen
Verfassung entliehen habe, sowie von den unzerstörbaren Idealen, die
in unserer Unabhängigkeitserklärung niedergelegt sind.
Als

- 16 -

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Als Nation sind wir stolz darauf, daß unser Verf assungs syst ein
sowie die Ideale, die dieses System tragen, schon seit langem als
ein Urquell der Freiheit angesehen werden.
Mit jeder Maßnahme müssen wir bemüht sein, uns dieses Vertrauens würdig zu erweisen, und uns immer vor Augen halten, daß
eine Häufung scheinbar geringfügiger Eingriffe in die Freiheit
allmählich das gesamte Gebäude einer freien Gesellschaft zum
Einsturz bringen kann.
Wenn wir davon überzeugt sind, dann werden wir die vor uns
liegenden Aufgaben bewältigen. Wenn wir uns mit aller Kraft einr
setzen und an Gott glauben, dann wird die Menschheit eines Tages
die Einigkeit in Freiheit erreichen, nach der sich alle Menschen
seit Urzeiten gesehnt haben.
gez. Dwight L. Eisenhower

- 17 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Wic/2201 ,1960
EISENHOWER LEGT NEUEN US-HAUSHALT VOR

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower unterbreitete dem
amerikanischen Kongreß am 18. Januar i960 den neuen US-Haushalt für das am 1. Juli beginnende Haushaltsjahr 1960/61, der
bei Ausgaben von 79*816 Milliarden Dollar und Einnahmen von
84 Milliarden Dollar einen Überschuß von 4»184 Milliarden
Dollar aufweist.

Präsident Eisenhower forderte in seiner Haushaltsbotschaft den Kongreß auf, gemeinsam mit ihm einen entschlossenen Versuch zu unternehmen,
durch Erzielung eines wesentlichen Haushaltsüberschusses einen Abbau der
Staatsverschuldung zu ermöglichen. Die in seiner Botschaft enthaltenen
Vorschläge, so betont der Präsident, zeigten, daß dieses Ziel auch bei
Aufrechterhaltung der erforderlichen militärischen Stärke sowie e.iner
nationalen Wohlstandes durchaus erreichbar sei. Gleichzeitig sei'der
Haushalt auf eine weitere Stärkung der amerikanischen Wirtschaft sowie
eine Förderung des künftigen wirtschaftlichen Wachstums ohne Inflation
abgestellt.
Die wesentlichsten Punkte des neuen US-Hau^halts sind:
1. Haushaltsansätze, die einen Überschuß von rund 4,2 Milliarden
Dollar vorsehen. Dieser soll zur Schuldentilgung verwendet werden, die wie Eisenhower erklärt - "für die USA zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein
Hauptelement einer gesunden Finanzpolitik ist".
2. Neue Bewilligungen für die militärischen Aufgaben des Verteidigijngsministeriums, die sich auf 40»6 Milliarden Dollar belaufen, während
die veranschlagten Ausgaben während des neuen Haushaltsjahres etwa 41
Milliarden Dollar betragen werden. Sie werden damit etwas höher als im
laufenden Haushaltsjahr liegen und "eine starke und bewegliche Verteidigung gewährleisten, wie sie die gegenwärtige internationale Weltlage
erfordert".
3. Erhöhte Bewilligungen und praktisch eine Verdoppelung aar Ausgaben für die vom US-Bundesamt für Aeronautik und Raumfahrt (NASA) durchgeführten nichtmilitärischen Weltraumprojekte.
'
4. Neue

�"AMERIKA DIENST"

,

22. Januar 1960

4. Neue Bewilligungen in Höhe von 4,175 Milliarden Dollar für das
Gemeinsame Sicherheitsprogramm oder 949 Millionen Dollar mehr, als für
das laufende Haushaltsjahr bewilligt wurden, wobei die tatsächlichen Ausgaben im neuen Haushaltsjahr um rund 100 Millionen Dollar höher als im
Haushaltsjahr 1959/60 liegen werden. Diese Ausweitung des Programms sei
nötig, so betont der Präsident, um die wirtschaftliche und technische
Hilfe zu beschleunigen und die Streitkräfte der freien Welt, vor allem
der NATO-Staaten, verstärken und mit den neuesten Waffen ausrüsten zu
können.
5. Gesamtausgaben von 1,2 Milliarden Dollar für die Wasserwirtschaft.
6. Wesentlich höhere Ausgaben für die Bedienung der Staatsschuld, das
Landwirtschaftliche Stützprogramm, die Kriegsveteranenentschädigung und
Pensionen sowie für Zuschüsse zu den sozialen Programmen der einzelnen
Bundesstaaten.
7. Ausgaben für die Forschung und Entwicklung in Höhe von rund 8,4
Milliarden Dollar - etwas über die Hälfte der gesamten staatlichen und
privaten Ausgaben für diese Zwecke -, durch die eine starke und moderne
Verteidigung gewährleistet sowie die Grundlagenforschung und der technische
Fortschritt gefördert werden sollen.
8. Empfehlungen für eine Erhöhung der Straßensteuer und der Besteuerung
des Flugbenzins sowie eine Heraufsetzung der Postgebühren.
9. Beibehaltung der gegenwärtigen Körperschafts- und Verbrauchssteuersätze für ein weiteres Jahr.
10. Empfehlungen für ein konstruktives Gesetzgebungsprogramm, das den
Interessen der gesamten Bevölkerung Rechnung trägt.
59,9 Prozent für Sicherheit und internationale Aufgaben
Von den Gesamtausgaben des neuen Haushalts sind 59,9 Prozent oder
47,81 Milliarden Dollar für Programme, die direkt oder indirekt dem Schutz
der USA dienen, sowie für internationale Aufgaben bestimmt. Weitere 25,4
Prozent oder 20,51 Milliarden Dollar entfallen auf inneramerikanische Programme. Die Bedienung der Staatsschuld erfordert 12 Prozent der Gesamtausgaben oder 9,585 Milliarden Dollar, und für allgemeine Regierungsausgaben
sind 2,4 Prozent der Gesamtausgaben oder 1,911 Milliarden Dollar bestimmt.
Der Rest entfällt auf'verschiedene kleinere Posten.
HAUSHALTSAUSGABEN
(in Prozent)

n M i l l i a i•den D o l l a r )
Wationale Sicherheit
Internationale Aufgaben
Handel und Wohnungsbau
Landwirtschaft
Natürliche Hilfsquellen
Sozialprogramme

1958/59

1959/60

1960/61

1960/61

46,426
3,780
3,421
6,529
1,669
4,421

45,650
2,066
3,002
5,113
1,785
4,441

45,568
2,242
2,709
5,623
1,938
4,569

•57,1
2,8
3,4
7,0
2,4
5,7
KriegsVeteranen

2

-

�"AMERIKA DIENST"
Kriegsveteranen
Zinsendienst
Allgemeine Regierungsausgaben
Sonstige Posten

22. Januar 1960
5,174
7,671

5,157
9,385

5,471
9,585

6,9
12,0

1,606
-

1,711
0,073

1,911
0,200

2,4
0,3

80,6,9"

78,383

79,816

100,0

Ausweitung des Bruttosozialprodukts um 50 Milliarden Dollar
Bei der Aufstellung des Einnahmenvoranschlags geht der Haushalt davon aus, daß sich der derzeitige hohe Stand der Wirtschaftstätigkeit 1961
noch weiter erhöhen und das Bruttosozialprodukt im Kalenderjahr 196O um
rund 30 Milliarden Dollar auf 510 Milliarden Dollar ansteigen wird. Dementsprechend werden auch die Erträge der Einkommens- sowie der Körperschaftssteuer höher als im laufenden Haushaltsjahr veranschlagt.
HAUSHALTSEIHNAHMEN
(in Milliarden Dollar)

1959/60*

1960/61*

40,306
9,100
1,803
1,176

43,706
23,500
9,523
1,960
1,376

3,160

4,015

3,935

68,270

78,600

84,000

1958/59*
Einkommenssteuer;:
KörperSchaftssteuer
Verbrauchssteuern
Sonstige Steuern
Zölle
Sonstige Haushaltseinnahmen

36,719
17,309
8,504
1,653
0,925

22,200

*

1950/59 tatsächliche Einnahmen
1959/60 und 1960/61 veranschlagte Einnahmen.
Eisenhower mahnt zur Ausfcaberteinschränkung
Bei der Erläuterung seines neuen Haushaltes betont Eisenhower, daß
während des laufenden Haushaltsjahres ermutigende Fortschritte in Richtung
auf eine gesunde Finanzpolitik gemacht worden sind. Nach dem Haushaltsdefizit von 12,4 Milliarden Dollar des Haushaltsjahres 1958/59, das zu einem
großen Teil durch die damalige Rezession bedingt war, sei nunmehr für das
laufende Haushaltsjahr 1959/60 mit einem Überschuß von 217 Millionen Dollar
zu rechnen. In diesem Zusammenhang appelliert der Präsident an alle Bundesdienststellen, eine strenge Kontrolle über alle Ausgaben auszuüben, damit
wenigstens dieser kleine Überschuß erhalten bleibt, was ohnehin nur möglich sei, wenn der Expansionsprozeß in der Wirtschaft nicht unterbrochen
werde. Im neuen Haushaltsjahr, so unterstreicht der Präsident, sei es unbedingt notwendig, den erzielten Haushaltsüberschuß für die Abtragung dei

-

3 -

�"AMERIKA DIENST

22. Januar 1960

der Staatsschuld zu verwenden. Wenn dies in Zeiten des Wohlstands nicht
getan werde, dann müsse damit gerechnet werden, daß die Staatsverschuldung in künftigen Notzeiten oder Rezessionen noch weit über den derzeitigen Stand hinaus ansteigen werde. Wörtlich führte der Präsident aus:
"Sine gesunde Finanz- und Wirtschaftspolitik bedingt in Zeiten des Wohlstandes, wie wir sie für das kommende Jahr erwarten, daß ein Haushaltsüberschuß dazu verwendet wird, dem inflationären Druck entgegenzuwirken,
die Bedingungen auf dem Kapital- und Kreditmarkt zu erleichtern sowie
die für produktive Investitionen - wie sie für ein stetiges wirtschaftliches Wachstum unerläßlich sind - verfügbaren Spareinlagen weiter zu
vermehren. Die Haushaltsempfehlungen für 1960/61 legen die Grundlage
für eine gesunde und flexible Finanzpolitik in den kommenden Jahren. Es
ist damit zu rechnen, daß eine Fortdauer der wirtschaftlichen Prosperität
im Jahre 1962 und den darauffolgenden Jahren eine weitere Erhöhung der
Bundeseinnahmen zur Folge haben wird. Wenn die Ausgaben auf dem von mir
für 1960/61 vorgeschlagenen Stand gehalten werden und wenn in Zukunft
eine vernünftige Zurückhaltung geübt wird, dann werden die höheren Einnahmen die neue Regierung und den neuen Kongreß vor die Entscheidung
stellen, ob die Staatsschuld weiter abgebaut oder die Steuerbelastung
gemildert werden oder ob beides zugleich geschehen soll. Statt hier
und dort vereinzelte übereilte Änderungen vorzunehmen, kann dann eine
vernünftige Steuerrevision auf einer umfassenden und ordnungsgemäßen
Basis in Angriff genommen und im Rahmen einer wirtschaftlichen und fiskalischen Stabilität verwirklicht werden."
Frieden in Gerechtigkeit für alle Völker
Das Hauptziel der USA, so unterstreicht der Präsident in seiner Botschaft, sei auch weiterhin ein Frieden in Gerechtigkeit für alle Völker.
Dabei sei es die Hoffnung der USA, daß die auf der Welt ruhenden schweren
Rüstungslasten verringert werden mögen. Die Vereinigten Staaten dürften
sich jedoch keinen Illusionen hingeben. In der gegenwärtigen Zeit der
Atomwaffen und der Interkontinentalraketen müsse jede Abrüstung kontrollie
bar und verifizierbar sein. Es seien noch schwerste Probleme zu lösen,
wenn man zu einer Abrüstung gelangen wolle, die Sicherheit und Gerechtigkeit für alle Nationen mit sich bringe. Aber diese Probleme müßten gelöst werden, wenn die Welt nicht ständig an der Klippe des Unheils leben
soll.
Der Präsident hebt hervor, daß die Vereinigten Staaten stark bleiben
müßten, während sie sich um einen Weg bemühen, der zu Frieden und Abrüstung führt. Das derzeitige Ziel der Vereinigten Staaten sei es, einen
Grad militärischer Stärke zu besitzen, der zusammen mit der militärischen
Macht der Verbündeten Amerikas jeden Gegner von der Entfesselung eines
kleinen oder großen Krieges abschreckt, gleichzeitig aber,nach einem Weg
zur Verminderung der Kriegsgefahr zu suchen. Das vorliegende Budget, so
erklärt Eisenhower, erfülle seiner Ansicht nach diesen Zweck. Bei den
Ausgaben des Verteidigungsministeriums für das Jahr 1960/61 sei der Nachdruck weiterhin auf die Modernisierung der bewaffneten Streitkräfte der
Vereinigten Staaten gelegt worden. Auch in der Militärhilfe für die Verbündeten der Vereinigten Staaten und im Gemeinsamen Sicherheitsprogramm
werde die wachsende Bedeutung der modernen Waffen und Raketen für die
weitere Verstärkung der Verteidigungskräfte der freien Welt zum Ausdruck
kommen. Die Atomenergie-Kommission führe ihr Wa£fenentwicklungsprogramm

�"AMERIKA DIENST"

22. Januar 196O

Waffenentwicklungsprogramm mit aller Intensität fort und werde sich auch
auf dem Gebiet der friedlichen Anwendung der Atomenergie energisch um
die Förderung der Forschungs- und Entwicklungsprojekte bemühen. Die Ausgaben für die Auffüllung der Waffenarsenale und Material-Vorratsläger sowie
für die Erweiterung der Verteidigungsproduktion würden im Finanzjahr
1960/61 weiter sinken, da die meisten Ziele dieser Programme erfüllt seien.
Verteidigungsministerium
"Militärische Aufgaben: Für die militärischen Aufgaben des Verteidigungsministeriums im Haushaltsjahr 1960/61 werden neue Bewilligungen
in Höhe von 40,577 Milliarden Dollar empfohlen. Die Ausgaben für 1960/61
werden auf 40*995 Milliarden Dollar veranschlagt. Diese Beträge schließen
die Mittel für die Entwicklung des Saturn-Weltraumpro jokts n.i sht mit ein,
das nach meinem Vorschlag an das ÜS-Bundesamt für Aeronautik und Raumfahrt
(NASA) übert ragen werden soll.
Strategie und Taktik der amerikanischen Streitkräfte machen gegenwärtig eine der stärksten Wandlungen in der Geschichte durch. Die Verlagerung
des Nachdrucks von der konventionellen' zur ^Raketenkriegführung muß mit Sorgfalt vollzogen werden, wobei im Auge behalten werden muß, daß die eine Art
der Kriegführung nicht ohne Gefahr zugunsten der anderen vernachlässigt
werden darf. Unsere Streitkräfte müssen in .der Lage sein, erfolgreich mit
jedem Notfall fertig zu werden, der uns aufgezwungen werden könnte, angefangen von begrenzten Notständen bis- zu einem weltweiten, »allgemeinen Atomkrieg."
Von dem Gesamtetat des Verteidigungsministeriums entfallen auf die
US-Armee 9,3^3 Milliarden Dollar - 34 Millionen Dollar mehr als 195^/60 -,
auf die US-Marine 11,683 Milliarden Dollar - 112 Millionen Dollar mehr
als 1959/60 - und auf die Luftstreitkräfte•18,614 Milliarden Dollar 209 Millionen Dollar weniger als 1959/60. Dagegen werden die Mittel für
die Raketenprogramme um 16 Prozent oder fast 1 Milliarde Dollar erhöht.
Im einzelnen werden folgende Unterteilungen der Aufgaben vorgenommen:
Zahlenmäßige Stärke der Streitkräfte und des militärischen Personals:
"Dieses Budget wird für das Haushaltsjahr 1960/61 .die Mittel für die
weitere Aufrechterhaltung unserer Streitkräfte auf etwa dem gegenwärtigen
Stand beschaffen - einem Stand am Jahresende von 2 489 000 Männern und
Frauen im aktiven Dienst. Die zu unterhaltenden Streitkräfte schließen ein:
eine Armee von 14 Divisionen mit 870 000 Mann; eine Marine mit 817 Schiffen
im aktiven Dienst und 619 000 Mann; ein Marinekorps von 3 Divisionen und
3 Luftgeschwadern mit 175 000 Mann; und eine Luftwaffe von 91 Kampfgeschwadern und 825 000 Mann."
Bezüglich der Reserve betont Eisenhower in seiner Botschaft, daß Ausbildungsstand und Einsatzbereitschaft über die zahlenmäßige Stärke zu stellen
seien. "Ich habe", so heißt es in der Botschaft, "den Verteidigungsminister
ersucht, die Rolle und Aufgabe der Reserveeinheiten im Verhältnis zu den
aktiven Einheiten und im Lichte der sich wandelnden Erfordernisse der modernen Kriegführung zu überprüfen." Eisenhower wendet sich gegen eine

�"AMERIKA DIENST"

22. Januar 196O

eine gesetzliche Festlegung einer Mindeststärke der Armeereserve und
der Nationalgarde, um der Regierung eine elastische "Anpassung an die
militärischen Notwendigkeiten" zu ermöglichen. Der Präsident schlägt
dann eine weitere "Reduzierung der Nationalgarde und der Armeereserve von ihrem gegenwärtigen Stand von 400 000 bzw. 300 000 Mann auf 36O 000
bzw. 270 000 Mann bis Ende des Haushaltsjahres 1960/61 vor.
Beschaffung, Forschung und Bauprogramme:
"Rund 45 Prozent der Ausgaben des Verteidigungsministeriums entfallen auf Beschaffung, Forschung sowie Entwicklungs- und Bauprogramme.
Für das Haushaltsjahr 1960/61 werden diese Ausgaben mit 18,9 Milliarden
Dollar veranschlagt, gegenüber 19*3 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1960/61. Die Verringerung der Mittel, die hauptsächlich beim Bau und der
Beschaffung von Flugzeugen eintritt, wird teilweise durch eine Erhöhung
für die Forschung und Entwicklung sowie für die Beschaffung von anderen
militärischen Ausrüstungen - wie Panzer, Fahrzeuge, Kanonen und Hochfrequenzgeräte - ausgeglichen. Die Ausgaben für den Schiffbau werden etwa
in der gleichen Höhe wie im Haushaltsjahr 1959/60 angesetzt.
Die in diesem Haushalt für 1960/61 empfohlenen neuen Ausgabenermächtigungen für die Beschaffung von Flugzeugen (ausschließlich der Mittel für die diesbezügliche Forschung und Konstruktion) belaufen sich auf
insgesamt 4»753 Milliarden Dollar, was 1,390 Milliarden Dollar unter den
für 1959/60 bewilligten Mittel liegt. Auf der anderen Seite steht die
1960/61 für die Raketenbeschaffung (ausschließlich Forschung und Konstruktion) vorgeschlagene Ausgabeermächtigung von 3,825 Milliarden Dollar
um 581 Millionen Dollar über der Summe für 1959/60. Diese gegensätzliche
Entwicklung in der Beschaffung spiegelt die vorgesehene Umwandlung in
der Zusammensetzung und den Aufgaben unserer Streitkräfte in den kommenden
Jahren wieder."
Der Präsident wendet sich gegen die Ausschaltung ausländischer Firmen
bei der Ausschreibung bestimmter militärischer Versorgungsgüter und geht
dann auf die ungeheuer rasche technische Entwicklung auf dem Gebiet neuer
Waffen ein. Manche Waffen seien bereits im Stadium der Entwicklung, wieder
unmodern geworden. Weiter habe oft die rasche Entwicklung irgendeiner
Waffe die Bedeutung einer parallellaufenden Entwicklung vermindert. Dies
habe eine ständige Überprüfung und Neubewertung des Verteidigungsprogramms
notwendig gemacht. So sei zum Beispiel die Bedeutung der REGULU3 II - einer
von aufgetauchten Unterseebooten abzufeuernden Rakete - durch die P0LARISRakete in den Hintergrund gedrängt worden, die von getauchten Unterseebooten abgeschossen werden kann. Weiter habe der wesentliche Fortschritt auf
dem Gebiet ballistischer Raketen zur Einstellung der Produktion der Auffangjäger vom Typ F-108 geführt, die bei großer Reichweite mit dreifacher
Schallgeschwindigkeit gegen bemannte Bomber eingesetzt werden sollen.
Die Hauptgefahr bestehe heute nicht mehr in bemannten Bombern, sondern
in Fernraketen.
Weiter sei das Programm für die erfolgreich erprobten und in den
Truppendienst gestellten Raketen mittlerer Reichweite vom Typ JUPITER
und THOR reduziert worden, da die Interkontinentalrakete vom Typ ATLAS
in steigendem Maße zur Verfügung stehe. Ebenso sei die Entwicklung energiereicher Brennstoffe für Flugzeuge auf Grund anderer Entwicklungen

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22. Januar 196O

Entwicklungen scharf gebremst worden.
Strategische Streitkräfte;
Die Abschreckungswirkung unserer Streitkräfte beruht sowohl auf
ihrer Fähigkeit, mit Kernwaffen zurückzuschlagen, als auch auf ihrer
Fähigkeit, andere wesentliche und notwendige Operationen in jeder Form
eines Krieges durchzuführen. Diese erste Fähigkeit kommt in einer Kombination von bemannten Bombern, auf Flugzeugträgern stationierten Flugzeugen, Interkontinentalraketen sowie Raketen mittlerer Reichweite zum
Ausdruck, die zweite in den in wichtigen vorgeschobenen Gebieten stationierten Land-, See- und Luftstreitkräften zusammen mit einsatzbereiten
Reserven, die eine rasche Verstärkung im Notfalle ermöglichen."
Eisenhower bezeichnet hier das Strategische Luftkommando als "das
Eauptelement unserer nuklearen Kapazität mit großer Reichweite". Die
schwierigste Entscheidung in diesem Zusammenhang, so heißt es, betreffe den
Langstreckenbomber vom Typ B-70 mit Überschallgeschwindigkeit. Der strategische Wert dieses Bombers, der bis 19&amp;5 einsatzbereit sein soll, werde
angesichts der Entwicklung der Interkontinentalraketen bezweifelt. Die
Entwicklungsarbeit für die B-70 solle jedoch fortgesetzt werden, da die
letzte Entscheidung bezüglich ihrer Verwendung noch im Jahre 1963 nach
einem Flugtest mit Versuchsmaschinen getroffen werden könne.
Weiter empfiehlt der Präsident die weitere Beschaffung des Bombers
vom Typ B-52H sowie des mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Mittelstreckenbombers vom Typ B-58 sowie der dazugehörigen Tankflugzeuge. Die
modernen Bomber sollen zum Teil die Mittelstreckenbomber vom Typ B-47
ersetzen.
"Im kommenden Haushaltsjahr", so heißt es in der Botschaft weiter,
"werden weitere Mengen an Raketen vom Typ ATLAS, TITAN und POLARIS hergestellt werden. Ich empfehle die Bewilligung von Mitteln für drei weitere
POLARIS-Unterseeboote, deren Bau im kommenden Haushaltsjahr beginnen soll,
und für die Vorausbeschaffung von Bauteilen mit langer Herstellungsdauer
für drei weitere Boote - um damit die Gesamtzahl der POLARIS-Unterseeboote
auf 15» zuzüglich der notwendigen Raketen, zu erhöhen. Im Haushalt werden
ferner Mittel für die Entwicklung und Herstellung der Rakete vom Typ
MINUTEMAN aufgeführt.
Eisenhower berichtet in diesem Zusammenhang, daß der Aufbau und die
räumliche Aufgliederung der Einheiten des Strategischen Luftkommandos
sowie der Aufbau der Warn- und Alarmeinrichtungen im wesentlichen abgeschlossen sind, wodurch innerhalb von 15 Minuten nach Eingang der Warnung
die Bomber und Tankflugzeuge in der Luft sein können.
Weiter soll vom Verteidigungsministerium die Möglichkeit einer ständigen Alarmbereitschaft für die schweren Bomber geprüft werden. "Es ist
weder notwendig noch praktisch, zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine ständige
Alarmbereitschaft in der Luft aufrechtzuerhalten", so heißt es in der Botschaft,, Eine solche Maßnahme würde in relativ kurzer Zeit die Gesamtkapazität für die Abwehr eines Angriffs beeinträchtigen. Das Strategische Luftkommando soll nach den Empfehlungen Eisenhowers in die Lage versetzt
werden, im Notfall eine solche Alarmbsreitschaft in der Luft aufrechtzuerhalten, bis die Lage geklärt ist.
Luftverteidigungsstreitkräfte?

�AMERIKA DIENST"

22 . Januar i960

Luftverteidigungsstreitkräftei
"Ein großer Fortschritt ist bei der Erhöhung der Wirksamkeit des
nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos erzielt worden, das im
Jahre 1957 als integriertes Kommando der amerikanischen und kanadischen
Streitkräfte errichtet wurde. Die amerikanischen militärischen Elemente bestehend aus Teilen aller unserer Waffengattungen - sind mit dem kanadischen Luftverteidigungskommando integriert, um eine Luftverteidigungskapazität für den gesamten nordamerikanischen Kontinent aufrechtzuerhalten."
In der Botschaft wird auf die zunehmende Gefahr eines Raketenangriffs
hingewiesen. Jedoch dürfe, so heißt es, die Tatsache nicht übersehen werden, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die bemannten Bomber noch die Hauptdrohung bilden. Bisher seien 17 Milliarden Dollar in die Verteidigung
gegen bemannte Bomber investiert worden, jedoch seien noch einige Vervollständigungen des Luftabwehrprogramms notwendig. Die für das kommende
Haushaltsjahr angeforderten Mittel, so wird betont, sollten im wesentlichen für den Abschluß des Programms genügen. Dabei werden die NIKE-HERKULESRaketen und die BOMARC-Flugraketen als wichtige Abwehrwaffen herausgestellt. Ferner soll das gesamte Radar- und Funknetz weiter modernisiert
werden.
Die Warneinrichtungen vor einem Angriff mit ballistischen Raketen,
die sich seit zwei Jahren im Bau befinden, sollen zum Teil innerhalb eines
Jahren in Dienst gestellt werden. Eisenhower weist in diesem Zusammenhang
darauf hin, daß die Abwehr von ballistischen Raketen mit Hilfe des
NIKE-ZEUS-Systems eine ungeheure Aufgabe ist. Dieses System bedürfe einer
außerordentlich sorgfältigen Erprobung- Die im vergangenen Jahr bewilligten
137 Millionen Dollar für das Anlaufen des Beschaffungsprogramms sollen
vorläufig noch nicht genutzt werden.
Seekontrollstreitkräfte:
"Die Kontrolle der Seegebiete und Ozeane sowie der Seewege ist ein
integraler Bestandteil für die Aufrechterhaltung unserer nationalen Sicherheit. Die Seestreitkräfte, die die Hauptverantwortung für diese Aufgabe
tragen, werden aus 817 Kriegs- und Versorgungsschiffen, 16 auf Flugzeugträgern stationierten Jagdbombergruppen, 11 Fluggruppen für die Unterseebootabwehr und 41 Patrouillen- und Aufklärungsluftgeschwadern bestehen."
Im Haushaltsjahr 1960/61 werden die Seestreitkräfte, wie aus der Botschaft hervorgeht, den fünften und sechsten Flugzeugträger der ForrestalKlasse, den ersten atomgetriebenen Kreuzer, 9 Raketenzerstörer, 7 Raketenfregatten und 6 atomgetriebene Unterseeboote erhalten. Ferner sollen 3 weitere POLARIS-Unterseeboote und ein umgebauter Raketenkreuzer in Dienst gestellt werden. Weiter ist der Neubau von 20 Schiffen und der Umbau von 15
Schiffen geplant.
Militärhilfe
In dem der Militärhilfe gewidmeten Abschnitt weist Eisenhower darauf
hin, daß die Fähigkeit der freien Welt, einen potentiellen Feind von einer

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einer Aggression abzuschrecken, die 'kombinierte Stärke und Entschlossenheit vieler Staaten erfordert. Die Gesamtstreitmacht der Länder, die im
Rahmen des Militärhilfe-Programms von den Vereinigten Staaten unterstützt
werden, beläuft sich nach den Angaben des Präsidenten auf rund 5 Millionen Mann, 2200 Kriegsschiffe und 25 000 Flugzeuge, die Hälfte davon
Düsenmaschinen.
Die Ausgabeermächtigung von 2 Milliarden Dollar für das Militärhilfe-Programm im Jahre 1960/61, die Eisenhower in seiner Botschaft fordert, wird nach Ansicht des Präsidenten für die Ausbildung und das erforderliche Material zur Unterstützung der Streitkräfte ausreichen, die
von den Vereinigten Staaten Militärhilfe erhalten.
Auf die Militärhilfe für Westeuropa eingehend, erklärte Eisenhower
wörtlich: "Die Verteidigung Westeuropas in diesem Zeitalter der modernen
Waffen ist kostspielig und muß durch die gemeinsamen Anstrengungen aller
NATO-Staaten erreicht werden. Viele dieser Staaten haben jetzt die Verantwortung für die Produktion oder den Ankauf konventioneller Waffen und
Ausrüstungsgegenstände übernommen, die früher von den Vereinigten Staaten
geliefert worden waren. Das Militärhilfe-Programm 196O/61 sieht sich aber
zur gleichen Zeit einem dringenden Bedarf an neuen und kostspieligen Waffen gegenüber, bei denen die freie Welt immer noch eine Hilfe von seiten
der USA erwartet. Außerdem sieht die Militärhilfe intensivierte Ausbildungsprogramme vor, die eine wirksame Anwendung und eine entsprechende
Pflege des neuen Materials durch die Streitkräfte der Verbündeten gewährleisten."
Abschließend erklärt Eisenhower, daß sein Budget auch eine entsprechende Militärhilfe für Staaten in anderen Teilen der Welt vorsieht,
die eine Verteidigungskapazität gegen Aggression und Subversion aufbauen.
Bei diesen Staaten, die sich zum Teil bereits zu kollektiven Verteidigungsbündnissen wie SEAT0 oder CENT0 zusammengeschlossen hätten, werde
die Militärhilfe hauptsächlich in der Stärkung der konventionellen Streitkräfte bestehen, wie sie - je nach der Art der in den einzelnen Räumen
bestehenden Gefahren - zur Verhinderung von Aggressionen erforderlich sind.
Auslandshilfe
Für das Gemeinsame Sicherheitsprogramm der USA - die amerikanische
Auslandshilfe - fordert Präsident Eisenhower für das neue Haushaltsjahr
insgesamt 4,175 Milliarden Dollar an. Dieser Betrag liegt um 949 Millionen
Dollar über der Summe, die der amerikanische Kongreß für das gegenwärtig
laufende Haushaltsjahr bewilligt hat. Der größte Teil dieses Mehrbetrages - nämlich 700 Millionen Dollar - soll für die militärische Unterstützung ausgegeben werden. Die im Rahmen der Auslandshilfe im Haushaltsjahr 196O/61
.sächlich anfallenden Ausgaben werden auf 3,45 Milliarden
Dollar veranschlagt. Das sind 100 Millionen Dollar mehr als im gegenwärtigen Rechnungsjahr.
Im einzelnen teilt sich die Auslandshilfe - wie aus der -Haushaltsbotschaft ersichtlich wird - in 2 Milliarden Dollar für die militärische
Unterstützung und 2,175 Milliarden Dollar für die Wirtschaftshilfe auf.
Im Rahmen der wirtschaftlichen Hilfe sind unter anderem 724 Millionen Dollar

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Dollar für die sogenannte Verteidigungsunterstützung, 700 Millionen Dollar
für den Entwicklungsanleihefonds und 268 Millionen Dollar für Sonderhilfsprogramme vorgesehen. Diese Beträge liegen hei der Verteidigungsunterstützung um 29 Millionen Dollar, beim Entwicklungsanleihefonds um 150
Millionen Dollar und hei der Sonderhilfe um 23 Millionen Dollar über den
Summen, die für das gegenwärtige Rechnungsjahr jeweils vom Kongreß bewilligt
wurden.
Präsident Eisenhower weist in seiner Botschaft darauf hin, daß die USA
durch ihr Gemeinsames Sicherheitsprogramm wesentlich zur Förderung der Stabilität und des wirtschaftlichen Wachstums der Entwicklungsländer sowie zur
Stärkung der Verteidigung der freien Welt beitragen.
"Viele der Entwicklungsländer", so heißt es in dem Abschnitt über die
Verteidigungsunterstützung wörtlich, "die an der gemeinsamen Verteidigung
teilhaben, unterhalten große militärische Streitkräfte, deren Kosten eine
gewaltige Belastung für ihre begrenzten wirtschaftlichen Hilfsquellen darstellen. Um bei der Sicherung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität dieser Länder zu helfen sowie zu verhindern, daß die Kosten der notwendigen Verteidigungsstreitkräfte die wirtschaftliche Entwicklung über Gebühr beeinträchtigen, gewähren die USA wirtschaftliche Hilfe, und zwar in
erster Linie dadurch, daß Verbrauchsgüter sowie Rohmaterialien und Maschinen
für die industrielle Produktion geliefert werden."
Bei seinem Überblick über die Tätigkeit des Entwicklungsanleihefonds,
der im Jahre 1957 ins Leben gerufen wurde, um den Entwicklungsländern zu
günstigen Bedingungen Kapital zur Verfügung zu stellen, hebt Eisenhower hervor, daß bis Ende des Finanzjahres 1959/60 rund 148 Anleihezusagen in Gesamthöhe von etwa 1,4 Milliarden Dollar gemacht sein werden, Über 75 Prozent
der aus dem Fonds finanzierten Projekte entfallen auf den Bau von Straßen,
Eisenbahnen, Elektrizitätswerken sowie auf. industrielle Vorhaben und die
Schaffung von industriellen Entwicklungsbanken. Da sich die meisten dieser
Projekte über mehrere Jahre erstrecken, so heißt es in der Botschaft des
amerikanischen Präsidenten weiter, seien die tatsächlichen Auszahlungen
bisher relativ klein gewesen. Für das neue Haushaltsjahr würden diese jedoch auf rund 300 Millionen Dollar veranschlagt - 125 Millionen Dollar mehr
als im laufenden Haushaltsjahr. Die neu angeforderten Mittel würden die Anleihen sicherstellen, die für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer der freien Welt - eines der Ziele der amerikanischen Außenpolitik notwendig seien.
Unter die Sonderhilfsprogramme fällt in erster Linie die Wirtschaftshilfe an verschiedene Länder der freien Welt, deren militärische Streitkräfte die USA nicht direkt unterstützen. Weitere Programme, die unter dieser Rubrik rangieren, sind für die Verbesserung der Verhältnisse in Afrika,
vor allem auf dem Erziehungs-, Gesundheits- und Verwaltungssektor, gedacht.
AtomenergieProgramm
"Es wird damit gerechnet, daß die Ausgaben für die Atomenergie-Kommission
(AEG) im Jahre 1960/61 mit etwa 2,7 Milliarden Dollar auf der Höhe des Jahres.
1959/60 bleiben. Eine beträchtliche Steigerung der Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben wird durch Reduzierung der Ausgaben für
die Beschaffung von Uranerzkonzentraten von amerikanischen und kanadischen
Produzenten ausgeglichen werden. Durch diese Reduzierungen werden die Erzlieferungen in ein besser ausgewogenes Verhältnis zu den Produktionserfordernissen gelangen.

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Die Entwicklung und Produktion von Kernwaffen wird im Jahre 1960/61
a.uf der hohen Stufe der vergangenen Jahre bleiben. Die Entwicklung von
militärischen Reaktoren für eine Vielzahl von Antriebs- und Energieerzeugungszwecken wird weiterhin energisch vorangetrieben werden. Mit der
Inbetriebnahme des auf dem Lande aufgebauten Modellreaktors für einen
Zerstörer im Jahre 1961, zusammen mit den 4 anderen schon fertigen Modellreaktoren der Marine, werden Atomantriebsanlagen für größere Kriegsschiffe zur Verfügung stehen. Bei der Entwicklung von Kernreaktoren für die
Marine wird im Jahre 1960/61 der Nachdruck in erster Linie auf der Herstellung von verbessertem und länger verwendbarem Reaktorbrennstoff liegen.
Die Entwicklung von Atom-Düsenantriebsaggregaten für Raketen sowie die Entwicklungsarbeiten für Atomflugzeuge und Atomkraftanlagen zur Elektrizitätserzeugung auf weit abgelegenen Militärstützpunkten werden weiter fortgeführt werden."
Atomenergie für friedliche Zwecke
"Die Ausgaben für die Entwicklung von Atomkraftstrom auf dem zivilen
Sektor sind für das Jahr 1960/61 auf 250 Millionen Dollar veranschlagt.
Von diesem Betrage sind 185 Millionen Dollar für die eigentliche Forschung
und Entwicklung und 65 Millionen Dollar für den Bau von Kraftreaktoren und
den dazugehörigen Entwicklungsanlagen für den zivilen Bedarf vorgesehen.
In den veranschlagten Ausgaben sind die Beträge aus den vorgeschlagenen
neuen Bewilligungen in Höhe von 40 Millionen Dollar enthalten, die für
die Unterstützung privater oder öffentlicher Elektrizitätswerke zur Entwicklung und für den Bau von Probe-Atomkraftwerken vorgesehen sind oder
für solche direkt von der Regierung unternommenen Bauten, die sich als
notwendig erweisen könnten. Die Zahl, die Typen und die Größe der zu
bauenden Reaktoren und die Art der gewährten Unterstützung wird von der
AEC nach Überprüfung des technischen Standes und der von der Industrie
vorgeschlagenen Zusammenarbeit festgelegt werden."
Physikalische und physiologische Forschung
"Die Ausgaben der Atomenergie-Kommission für physikalische und
physiologische Forschungen werden im Jahre I96O/61 erneut beträchtlich
ansteigen und auf über 210 Millionen Dollar klettern. Eine derartig intensive Forschung wird mithelfen, den Vereinigten Staaten weiterhin die
führende Position beim Studium der Verhaltensweise der Grundbestandteile
der kosmischen Materie und der Auswirkungen energiereicher Strahlung auf
den Menschen und seine Umwelt zu erhalten. Der größte Teil der erhöhten
Finanzmittel wird dazu verwendet werden, innerhalb der nächsten 18 Monate
drei neue Teilchenbeschleuniger mit einem Energiebereich von mehreren
Milliarden Elektronenvolt in Betrieb zu nehmen, darunter das A-G-Synchrotron (Alternating Gradient Synchrotron) im Staatslaboratorium von Brookhaven."
Unterstützung des .Zivilen '.Veitraumprogramms
"Zur Unterstützung des Zivilen Weltraumprogramms wird die AEC die
Entwicklungsarbeiten an den atomgetriebenen Raketen und den kleinen Atomenergieaggregaten mit langer Betriebsdauer für Raumfahrzeuge weiterführen.
Auch die Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der thermonuklearen Energie- D1-

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22. Januar 1960

Energiegewinnung und der Anwendung von Atom-Explosivmitteln für eine ganze
Reihe von Aufgaben im zivilen Bereich werden im Jahre 1960/61 fortgesetzt
werden.
Erweiterung der Arsenalbestände und der Verteidigungsproduktion
Die meisten der Ziele, die in bezug auf die Einlagerung von strategisch und anderweitig wichtigem Material gesetzt worden waren, sind jetzt
erreicht. Weiteres Material - aus den Kontrakten zur Förderung der Erweiterung der Verteidigungsproduktion - kommt in reduziertem Maße herein,
da die Zahl der noch bestehenden Kontrakte abnimmt. Man rechnet daher mit
einem Absinken der für die Einlagerung von Material und für die Erweiterung
der Verteidigungsproduktion verausgabten Mittel von 230 Millionen Dollar
im Jahre 1959/60 auf 134 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1960/61.
Wo es möglich ist, verhandelt man zur Zeit über Zusätze zu den noch
laufenden Kontrakten, um die Auslieferung der für die Arsenale nicht länger benötigten Materialien, soweit es geht, zu drosseln. Außerdem werden
Vorkehrungen getroffen, um Materialvorräte, die über den für die Arsenale
festgesetzten Zielen liegen, abzustoßen, soweit der Markt dadurch nicht
ernsthaft gestört oder unsere internationalen Beziehungen nicht ungünstig
beeinflußt werden."
Nichtmilitärische Weltraumpro.jekte
Die Ausgaben für nichtmilitärische Weltraumprojekte werden im neuen
Finanzjahr "praktisch verdoppelt" werden. Dadurch soll ein energischer
und systematischer Ausbau der wissenschaftlichen Weltraum-Forschungsprogramme und die Entwicklung der für den Vorstoß in den Weltenraum so
wichtigen überstarken Raketen-Treibsätze möglich gemacht werden.
Eisenhower fordert zur Finanzierung der Programme des amerikanischen
Bundesamtes für Aeronautik und Raumfahrt (NASA) im Finanzjahr 1960/61 einen
Gesamtbetrag von 545 153 000 Dollar, während der NASA im laufenden Haushaltsjahr nur 320 350 000 Dollar zur Verfügung standen.
Bei dem Arbeitsprogramm der NASA soll der Nachdruck im Jahr 1960/61
vor allem auf das "Projekt Merkur" - Abschuß eines bemannten Weltraumflugkörpers - gelegt werden. Falls die Versuche und technischen Tests weiterhin so erfolgreich wie bisher verlaufen, könne vielleicht schon im Jahre
1960/61 der Versuch gemacht werden, einen bemannten Flugkörper in den
Weltraum zu schicken. Außerdem wird die NASA die "Saturn"-Raketenkombination weiter erproben, die Entwicklungsarbeiten an einem Einkamm«xtriebwerk mit hoher Schubleistung weiterführen und im Rahmen des Projekts
"Centaur" eine Raketenkombination erproben, bei der die letzten Stufen
einen neuartigen Treibstoff von besonders hohem Energiegrad benutzen.
Schließlich wird das Amt für Aeronautik und Raumfahrt weitere künstliche
Satelliten und "Raketensonden" zur Fortsetzung der wissenschaftlichen
Arbeiten in der Meteorologie, der Weltraumphysik, der Aerodynamik und
der Funktechnik in den Raum schießen.
Internationale Aufgaben
"Die Vereinigten Staaten", so heißt es hierzu in der Botschaft Präsident Eisenhowers wörtlich, "werden auch weiterhin Programme unterstützen.

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"AMERIKA DIENST"

22. Januar 1960

unterstützen, die den Weltfrieden fördern und die wirtschaftlichen Verhältnisse in der freien Welt verbessern sollen. Unserem Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen schließen sich in immer größerem Maße unsere Freunde in der freien Welt an, die nunmehr - nachdem
sie sich von den Zerstörungen des Krieges erholt haben - einen hohen
Grad an Prosperität erreicht haben. Daher werden die multilateralen
Programme entsprechend erweitert..."
Für die Durchführung internationaler Aufgaben wie für amerikanische
Beitragszahlungen an internationale Gremien sowie andere zwischenstaatliche Verpflichtungen der USA fordert Präsident Eisenhower im neuen Haushaltsjahr 2,2 Milliarden Dollar. Dieser Betrag liegt um 177 Millionen
Dollar über den geschätzten Ausgaben des gegenwärtigen Finanzjahres.
(Weitere Angaben siehe "Auslandshilfe")
Aufgaben des amerikanischen Außenministeriums
Zur Durchführung der Aufgaben des amerikanischen Außenministeriums
im Ausland wird eine Ausgabeermächtigung in Höhe von 205 Millionen Dollar
beantragt. Eisenhower weist im Zusammenhang mit dieser Forderung darauf
hin, daß der Stab der amerikanischen Abrüstungssachverständigen angesichts
der im März in Genf beginnenden Abrüstungsbesprechungen sowie der gegenwärtigen Atomverhandlungen erweitert werden müsse. Ferner würden die
USA neue diplomatische und konsularische Vertretungen in Afrika, Lateinamerika, Südasien und Osteuropa einrichten. Auch das Sprachenprogramm des
amerikanischen Außenministeriums soll im kommenden Finanzjahr intensiviert
werden.
Informations- und Austauschprogramme
Für Informations- und Austauschprogramme werden in dem neuen Haushalt
insgesamt 168 Millionen Dollar eingesetzt. Eisenhower begründet diesen
Posten vor allem mit der geplanten Erweiterung der Tätigkeit des amerikanischen Informationsamtes (USIA) in Afrika und Lateinamerika, wozu auch
die Errichtung eines neuen Senders für die ''Stimme Amerikas" in Afrika
gehört. Ferner sollen die Sendeeinrichtungen in den USA verbessert und
verstärkt werden, um einen besseren Empfang im Ausland zu gewährleisten.
Weiter will das amerikanische Informationsamt auch die Tätigkeit auf dem
Gebiete des Fernsehens im Ausland intensivieren. Das Austauschprogramm
der USA mit insgesamt 80 Ländern soll ebenfalls erweitert werden, wobei
in erster Linie an den Austausch von Erziehern und führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gedacht ist.

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./22.1 .1960
EISENHOWER LEGT WIRT SCHAFTSBERICHT VOR

WASHINGTON -- AD -- Als dritte große Botschaft
dieses Jahres unterbreitete Präsident Eisenhower dem amerikanischen Kongreß am 20. Januar
-196O seinen traditionellen Wirtschaftsbericht,
in dem er den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Wirtschaft aufzeigt und einen Ausblick auf die wirtschaftlichen Aussichten des
kommenden Jahres gibt. Nachstehend bringen wir
das Begleitschreiben des Präsidenten und eine
Zusammenfassung des Wirtschaftsberichts.

Wortlaut des Begleitschreibens
Weißes Ha„us, 20. Januar i960
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Ich unterbreite hiermit meinen Wirtschaftsbericht, wie
dies in Absatz JA des Beschäftigungsgesetzes (Employment Act)
von 1946 gefordert wird.
Bei der Ausarbeitung des Berichtes standen mir der Wirtschaftsbeirat sowie die Leiter der Ministerien und unabhängigen Bundesbehörden, die von den hier erörterten Fragen direkt
betroffen werden, mit Rat und Unterstützung zur Seite. Der
Bericht gibt einen Überblick über die wirtschaftlichen Entwicklungert des Jahres sowie über die Maßnahmen, die auf den
wichtigsten Gebieten der Wirtschaftspolitik ergriffen wurden,
um eine gesunde Expansion der Beschäftigung, der Produktion
und des Einkommens zu fördern. Er zeigt ferner ein Programm
für das Jahr 196O auf, das in Zusammenhang mit den gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen Verhältnissen und Bedingungen die Zielsetzungen des Beschäftigungsgesetzes in
wirksamer Weise realisieren wird.
Die wichtigsten Schlußfolgerungen und Empfehlungen des
Berichtes werden anschließend aufgeführt, zum Teil mit den
Worten des Berichtes selbst.
Im

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Januar i960

Im ersten Quartal des Jahres 1959 hatte die Anfang 1958 einsetzende wirtschaftliche Erholung Produktion und Einkommen "bereits
auf einen Stand gebracht, der höher war als jemals zuvor in der
amerikanischen Wirtschaft. Ein weit«rer beträchtlicher Fortechritt
konnte im Verlauf des Jahre» 1959 erzielt werden, und zwar trotz
der tiefgreifenden Auswirkungen des 1l6tägigen Streiks in der
Stahlindustrie.
Die Erzeugung an Gütern und Dienstleistungen der USA erreichte
im vierten Quartal 1959 eine Jahresrate von 482 Milliarden Dollar.
Nach Ausschaltung der inzwischen eingetretenen Preisänderungen lag
diese Produktionsrate um 3»5 Prozent höher als die im Vergleichszeitraum des Jahres 1958 erzielte Rate. Im Dezember 1959 erreichte
der Gesamtbeschäftigtenstand unter Berücksichtigung der saisonbedingten Einflüsse mit 66,2 Millionen «ine Rekordhöhe und das Personaleinkommen eine Jahresrate von 591 Milliarden Dollar - 24 Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Unter Berücksichtigung des
Preisanstiegs bedeutet diese Zunahme des gesamten Personaleinkommens
im Jahre 1959 eine Erhöhung der tatsächlichen Kaufkraft unserer
Nation um nahezu 5 Prozent.
Wir haben bei unserem Ausblick guten Grund, darauf zu vertrauen, daß dieser wirtschaftliche Fortschritt auch im Jahre i960
anhält. Darüber hinaus kann er sich bei angemessenen privaten Maßnahmen und einer entsprechenden Politik der öffentlichen Hand sehr
wohl auch über das laufende Jahr hinaus erstrecken.
Wie immer in Zeiten einer schnellen wirtschaftlichen Expansion
müssen wir jedoch spekulative Maßlosigkeit sowie alle Handlungen vermeiden, die die Erfolge auf einen so kurzen Zeitraum zusammendrängen
würden, daß diese Wachstumsrate dann nicht weiter aufrechterhalten
werden könnte. 'Wir müssen sowohl durch private Maßnahmen als auch
durch öffentliche Politik den inflationären Druck, der die Grundlage
einer hohen und anhaltenden Wachstumsrate unterminieren könnte, auf
ein Mindestmaß zu begrenzen und auf diesem Mindestmaß zu halten
suchen.
Drei Faktoren sind im Regierungsprogramm zur Verwirklichung
des Ziels einer hohen Produktion und Beschäftigung sowie eines
hohen Einkommens, wie dies im Beschäftigungsgesetz dargelegt ist,
von "besonderer Bedeutung!
1. Positive Maßnahmen zu den im Budget für das Finanzjahr 1960/61
niedergelegten Empfehlungen hinsichtlich der Bewilligungen und der
die Bundeseinnahmen betreffenden Ansätze durch den Kongreß.
2. Die Verwendung des erzielten Überschusses, der gegenwärtig
auf 4»2 Milliarden Dollar veranschlagt wird, für den Abbau der Staatsschuld.
3. Maßnahmen seitens des Kongresses zur Beseitigung der Zinssat zbegrenzungen, die gegenwärtig eine antiinflationär wirkende Handhabung der Bundesschuld verhindern.
Ferner

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Januar i960

Ferner werden zahlreiche weitere Vorschläge, von denen eine
ganze Reihe in Abschnitt 4 des Wirtschaftsberichtes aufgeführt wird,
unterbreitet werden, die die bereits bestehenden Wirtschafts- und
Finanzprogramme der Bundesregierung ergänzen sollen.
Nach dem Ausgleich des Budgets, mit dem für das Finanzjahr
1959/60 gerechnet werden kann, werden diese drei im Regierungsprogramm für i960 niedergelegten Faktoren die im Zuge der Politik des
unabhängigen Federal-Reserve-Bankensystems zur Aufrechterhaltung
eines wirtschaftlichen Wachstums geleisteten unerläßlichen Beiträge
fördern - und durch sie auch ihrerseits gefördert werden. Fiskalische und monetäre Maßnahmen, die machtvolle Instrumente zur Verhinderung der Weiterentwicklung eines inflationären Druckes darstellen, können einander überaus wirksam ergänzen.
Diese Regierungspolitik muß jedoch durch angemessene private
Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich der Gewinne und Löhne, ergänzt werden. In unserem System der freien Wettbewerbswirtschaft
und der geteilten Verantwortung verlassen wir uns bei dem Bemühen,
ein inflationsfreies Wachstum zu erreichen, nicht allein auf die
Regierung. Im Gegenteil, wenn ein solches Wachstum erreicht werden
soll, dann ist ein Zusammenwirken geeigneter privater Maßnahmen und
öffentlicher Politik unerläßlich. Die erfolgreiche Verwirklichung
der vor uns liegenden Möglichkeiten wird daher in großem Maße davon
abhängen, wie die Industrie, die Gewerkschaften und" die Verbraucher
ihre Aufgaben in der Wirtschaft erfüllen.
In unserer freien Gesellschaft ist eine gut informierte und
wachsame öffentliche Meinung zur Erreichung der für die Preisstabilität und ein kräftiges wirtschaftliches Wachstum notwendigen
Bedingungen unerläßlich. Eine solche öffentliche Meinung kann eine
wirksame Sicherung gegen Versuche sein, Preise und Löhne willkürlich auf eine Höhe zu bringen, die mit dem allgemeinen Wohl unvereinbar ist. Eine informierte öffentliche Meinung ist ebenfalls zur
Unterstützung der Gesetze und Bestimmungen notwendig, die den
Rahmen für die Führung unserer Wirtschaftspolitik bilden.
Ferner ist es erforderlich, in der breiten Öffentlichkeit ein
größeres verständnis dafür zu erreichen, daß zwischen Produktivität
und Gewinn sowie Kosten und Preisen ein fester Zusammenhang besteht.
Es wäre ein schwerer Fehler, würde man annehmen, daß wir mit Erfolg
an die Stelle eines solchen Verständnisses einfach entsprechende
Gesetze oder Kontrollen setzen könnten. Ja, der umfassende Zusammenhang, um den es hier geht, kann gar nicht durch Gesetze fixiert werden, und alle Versuche, diesen Zusammenhang durch restriktive Regierungsmaßnahmen festzulegen, würden unsere Freiheit und die übrigen für ein gesundes wirtschaftliches Wachstum notwendigen Bedingungen gefährden.
Unser System der freien Einrichtungen und der geteilten Verantwortung hat uns bei der Erreichung des wirtschaftlichen Wachstums und
der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse gute Dienste geleistet. Auf Grund unserer in der Vergangenheit gewonnenen Erfahrungen vertrauen wir darauf, daß wir in Zukunft den sich ändernden und

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Januar 196O

und vergrößernden Anforderungen im Rahmen dieses flexiblen Systems
gerecht werden können - eines Systems, das seine Stärke aus dem
Anreiz gewinnt, den es für den einzelnen bietet, aus dem Spielraum,
den es der Initiative und den Maßnahmen des einzelnen läßt, sowie
aus der sicheren Gewißheit, daß die Regierung dem Willen des Volkes
auch weiterhin entsprechen wird.
Dwight D. Eisenhower

Zusammenfassung der Wirtschaftsbotschaft
Gute Aussichten für 1960
In seinem zwei Tage nach der Vorlage des neuen amerikanischen
Haushalts dem Kongreß unterbreiteten Wirtschaftsbericht, der von
zahlreichen Tabellen und Statistiken untermauert wird, betont Eisenhower, daß auf Grund der vorliegenden Anzeichen die derzeitige wirtschaftliche Expansion auch über das Jahr i960 hinaus andauern dürfte
- vorausgesetzt, daß die Regierung und die Privatwirtschaft sich
entsprechend verhalten. Einschränkend fügt Eisenhower hinzu, daß es
allerdings in einer dynamischen freien Wirtschaft stets schwierig
sei, die genaue Entwicklung von Produktion, Beschäftigtenstand
und Einkommen über einen längeren Zeitraum hinweg vorauszusagen.
Die letzten Ereignisse und die gegenwärtige Wirtschaftslage ließen
jedoch eindeutig darauf schließen, daß die Nachfrage der Wirtschaft
nach Kapitalgütern sowie die Aufstockung der Lagerbestsnde sich im
kommenden Jahr als die entscheidenden Faktoren erweisen werden.
Vor allem in den nächsten Monaten werde diese Nachfrage besonders
stark sein, da zahlreiche infolge des Stahlstreiks hinausgeschobene
oder verzögerte Projekte nunmehr zur Ausführung kämen. Erhebungen
über die Absichten der Wirtschaft sowie die erhöhte Auftragsvergebung bestätigten diesen Trend. Auch in der Landwirtschaft sei
mit einer erheblichen Nachfrage nach Maschinen und Geräten zu
rechnen. Dagegen würden die Aufwendungen für den Wohnungsbau
nicht mehr ganz so hoch wie 1959 sein. Allerdings werde der Rückgang auf diesem Sektor nur begrenzt und die Bautätigkeit immer noch
höher als in den meisten letzten Jahren sein. Bei den Ausgaben der
Bundesregierung würden sich in der ersten Hälfte des Jahres kaum
Änderungen ergeben. Im weiteren Verlauf des Jahres sei allerdings
mit einer leichten Zunahme zu rechnen, sobald die in dem neuen
Bundeshaushalt für 1960/61 vorgesehene Entwicklung der Wasserwirtschaft» die anderen öffentlichen Aufträge sowie die Raumfahrtprogramme zum Tragen kommen. Dagegen sei eine weitere Ausgabenausweitung
auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene zu erwarten, vor allem
infolge der ständigen Bevölkerungszunahme und des hierdurch bedingten größeren Bedarfs an Dienstleistungen, Schulen und sonstigen
öffentlichen Einrichtungen.
Die erhöhten Aufwendungen der Wirtschaft, so betont der Bericht,
würden im Zusammenwirken mit den übrigen Trends zu einer starken
Ausweitung von Produktion, Beschäftigtenstand und Einkommen führen.
Damit werde die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen, und die Verbraucher-

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22. Januar 196O

Verbrauchereinkommen und -ausgaben dürften sich im Verlaufe des
Jahres wesentlich erhöhen. Der Bedarf an Investitionsmitteln
sowie ein beträchtliches Volumen an Konsumentenkrediten werde
zu einer erheblichen Nachfrage auf dem Kapitalmarkt führen. Auf
der anderen Seite dürften auf Grund der hohen Einkommen und Sparleistungen auch mehr Gelder für Investitionszwecke zur Verfügung
stehen. Hier dürfte der im Haushaltsjahr 1960/61 zu erwartende
beträchtliche Haushaltsüberschuß ausgleichend wirken.
Eisenhower unterstreicht weiter, daß die Bundesregierung einen
grundlegenden Beitrag zur Schaffung eines für ein wirtschaftliches
Wachstum günstigen Klimas leisten kann, und zwar durch eine konstruktive und vorausschauende Finanz- und Steuerpolitik. In Zeiten
der Prosperität und steigender Produktion, Beschäftigtenzahlen und
Einkommen bestehe die richtige Finanzpolitik darin, einen wesentlichen Einnahmenüberschuß zu erwirtschaften, und angesichts der für
die nächste Zukunft zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung
sollte dieser Überschuß zur Tilgung der Staatsschuld verwandt
werden. Auf diese Weise werde den inflationären Tendenzen entgegengewirkt und ein gesundes wirtschaftliches Wachstum gefördert.
Aber auch die Privatindustrie, so fährt Eisenhower fort,
könne durch richtige Handhabung der von ihr kontrollierten Hilfsquellen zur Stärkung der Gesamtwirtschaft beitragen. Sie könne unter
anderem den Produktivitätszuwachs auf dem privaten Sektor dadurch
beschleunigen, daß sie einen größeren Prozentsatz ihrer Mittel für
Investitionen und die Forschung bereitstellt. Weiter sollte die
Industrie eine für die Marktausweitung günstige Preispolitik verfolgen und durch Verbesserung des Ausbildungsstandes der Belegschaften
jegliches unrationelles Arbeiten ausschalten. Gleichzeitig appelliert
Eisenhower an Gewerkschaften und Arbeitgeber - die eine gemeinsame
Verantwortung für die Förderung des wirtschaftlichen Wachstums tragen
-»auftretende Unstimmigkeiten umgehend und ohne eine Unterbrechung
der Arbeit beizulegen. Solche Unstimmigkeiten sollten zu Bedingungen
beigelegt werden, die sowohl für die Allgemeinheit wie auch für die
direkt beteiligten Parteien fair sind... Gerade die Ereignisse des
vergangenen Jahres hätten gezeigt, welcher Schaden entstehen kann,
wenn die für die Beilegung von Streitigkeiten in der Industrie
festgelegten Methoden zusammenbrechen. Darüber hinaus, so betont
Eisenhower, sei eine wachsame und gutunterrichtete Öffentlichkeit
vonnöten, die zur Schaffung der für Preisstabilität und eine dynamische Wirtschaftsexpansion erforderlichen Bedingungen beitragt.
Wirtschaftliche Entwicklung im Jahre 1959
Der wirtschaftliche Wiederaufschwung in den Vereinigten Staaten,
der Anfang 1958 begann, brachte die Produktion und die Einkommen im
ersten Quartal 1959 erneut auf einen hohen Stand. Die Produktionsleistung;
der Nation überschritt, an der Menge der erzeugten Güter
und Dienstleistungen gemessen, die früheren Höchststände. Die Einkommen lagen ebenfalls über dem bisherigen Rekord und die Zahl der
in der zivilen Wirtschaft Beschäftigten war - wenn auch immer noch
unter dem im zweiten Quartal 1957 erreichten Höchststand liegend - unter

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22. Januar 196O

unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen um 1,2 Millionen
höher als Mitte 1958.
Diese Aufwärtsentwicklung setzte sich im ganzen Jahr 1959 fort, wenn
auch die Wirtschaftstätigkeit durch den 1l6tägigen Stahlstreik, der am
15« Juli begann, stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Entwicklungen
in der Stahlindustrie hatten zuerst einen expansiven, dann jedoch einen
zunehmend kontraktiven Einfluß. Vorgreifende Einkäufe von Stahl und Stahlerzeugnissen beschleunigten die Steigerung der Produktionsleistung der
Nation im ersten Halbjahr, führten jedoch zu einem Absinken des Bruttosozialprodukts im dritten Quartal, da etwa 85 Prozent der Stahlkapazität
still lag und die Produktion der stahlverarbeitenden Industrie im wesentlichen mit vorher produziertem Stahl aufrechterhalten werden mußte. Trotzdem belief sich die gesamte Produktionsleistung der Nation zum Jahresende auf Jahresbasis umgerechnet - auf 482 Milliarden Dollar; der Beschäftigtenstand war - unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen auf 66,2 Millionen angestiegen, was einen Höchststand in unserer Geschichte
bedeutet; und das Personaleinkommen erreichte zum Jahresende eine Jahresrate von 591 Milliarden Dollar und lag damit (nach Anpassung an preisliche
Verändei'ungen) um 5 Prozent höher als im letzten Monat des Jahres 1958..."
Beschäftigtenstand und Einkommen
"Das Ansteigen des Beschäftigtenstandes und der Einkommen, das sich
an die Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft im Jahre 1958 anschloß, erfuhr
im Jahre 1959 eine weitere rasche Beschleunigung, Im Januar erhöhte sich
die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in der Industrie auf 40,1
Stunden (unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen) gegenüber
einem Tiefstand von 38,7 Stunden während der Rezession. Der Gesamtbeschäftigtenstand in der zivilen Wirtschaft war um über 1 Million angestiegen (unter
Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen) gegenüber seinem zyklischen Tiefstand, und die Arbeitslosigkeit war von einem Höchststand während
der Rezession von 7»5 Prozent der zivilen Arbeitskräfte auf 6 Prozent zurückgegangen .
Im Laufe des Jahres brachte die wirtschaftliche Expansion einen immer
stärkeren Bedarf an Arbeitskräften. Die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in der Fertigungsindustrie stieg auf 40,7 Stunden im April - dem
Höchststand seit April 1956 - und die durchschnittliche Zahl der Überstunden in der Fertigungsindustrie stieg im Juni scharf auf fast 3 Stunden in
der Woche an. Längere Arbeitswochen und mehr Überstunden waren auch in den
meisten anderen Industrien die Regel.
Die Arbeitslosigkeit änderte sich während der ersten Monate des Jahres
1959 nur sehr wenig, da die Zunahme des Beschäftigtenstandes durch das Anwachsen des Arbeitskräftepotentials beinahe ausgeglichen wurde. Zu Beginn
des Frühjahres jedoch, als die Produktion Rekordstände erreichte, stieg die
Zahl der Beschäftigten rasch an, überschritt das Wachstum des Arbeitskräftepotentials, und die Arbeitslosigkeit ging zurück. Die Gesamtzahl der nicht
in der Landwirtschaft Beschäftigten stieg (unter Berücksichtigung der
saisonbedingten Schwankungen) in den vier Monaten von Februar bis Juni 1959
um fast 1,3 Millionen an, und die Zahl der Arbeitslosen ging um 75O 000
zurück. Bis Mitte des Jahres war die Zahl der Arbeitslosen auf etwa 5 Prozent

�"AMERIKA PIEKST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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196O

5 Prozent des Arbeitskräftepotentials gefallen; die langfristige Arbeitslosigkeit - die Zahl der Personen, die 15 Wochen oder länger Arbeit suchen lag um 1 Million unter dem Höchststand von fast 2 Millionen während der Rezession; die Arbeitslosigkeit unter Männern im Alter von 25 Jahren und •darüber war wesentlich niedriger als im Jahre 1958» und die Arbeitslosenrate
für verheiratete Männer lag im Juni 1959 mi~t 2,7 Prozent ebenfalls weit
unter dem Höchststand während der Rezession. Dessen ungeachtet lagen diese
Zahlen über denen, die vor der Rezession 1957/58 zu verzeichnen waren, und
die Arbeitslosenzahl blieb, besonders bei Personen ohne Arbeitserfahrung,
bei Bergleuten und bei Farbigen,verhältnismäßig hoch. Der Gesamtstand der
Arbeitslosen wurde jedoch in raschein Maße reduziert, bis diese Entwicklung
im Juli durch den Beginn des Stahlstreiks eine Umkehrung erfuhr...".
Internationale Entwicklungen
Unter dieser Überschrift wird in dem Wirtschaftsbericht eine kurze Darstellung der weltwirtschaftlichen Entwicklungen, insbesondere im Hinblick
auf den internationalen Zahlungsverkehr, gegeben. "Im Jahre 1959"» sc lwiß-t
es, "überstiegen im internationalen Zahlungsverkehr wie im Jahre 1958 die
Zahlungen der Vereinigten Staaten die Einnahmen bei weitem. Die Exporte
fielen - unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen - im ersten Quartal des Jahres auf einen Tiefstand, begannen sich dann zu erholen
und stiegen im dritten Quartal wieder rasch an." Trotz des Stahlstreiks, so
wird weiter berichtet, blieb der Wert der US-Exporte von Januar bis einschließlich November gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 1958
gleich. Die US-Importe, von der Rezession 1957/58 fast unbeeinflußt, nahmen
bis Mitte 1959 in außergewöhnlicher Weise zu und blieben dann auf einem sehr
viel höheren Stand als in den Vorjahren stehen.
Zu diesen Entwicklungen, so wird betont, kamen eine starke Kapitalabwanderung und hohe militärische Ausgaben, wenn auch, besonders auf dem Sektor des privaten Kapitals, im Jahre 1959 eine Abschwächung gegenüber 1958 zu
verzeichnen war. Die Transferierung von Gold und flüssigen Dollarguthaben,
die sich als Folge der Lücke zwischen den Gesamtzahlungen und Einnahmen ergab, erreichte im zweiten Quartal 1959 eine Jahresrate von 4»5 Milliarden
Dollar. Die Situation habe sich dann, so heißt es in dem Bericht, teilweise
)
dank einer vorzeitigen britischen Rückzahlung von 25O Millionen Dollar an
die Export-Import-Bank, verbessert.
Die Veränderungen in der amerikanischen Zahlungsbilanz werden in dem
Bericht zum Teil auf das wirtschaftliche Wiedererstarken anderer Länder
zurückgeführt. In einigen Fällen habe sich die neuaufgetretene internationale Disparität von Kosten und Preisen zugunsten der anderen Länder ausgewirkt.
Auch das Absinken der Seefrachtraten habe den Zustrom ausländischer Güter
nach den USA erleichtert. Diese Einflüsse, so heißt es weiter, hätten sich
jedoch nicht ausschließlich in einer Richtung ausgewirkt. Eine Studie des
Handelsministeriums über die jüngsten Veränderungen des amerikanischen Anteils
an den Exportmärkten habe sowohl Gewinne als auch Verluste aufgezeigt. Die
Exportrückgänge hätten sich auf wenige Warensorten, darunter vor allem Automobile und Stahl, bei denen der Import zunahm, beschränkt.
Weiter

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Januar

196O

V/eiter seien in diesem Zusammenhang die wirtschaftlichen Fluktuationen im eigenen Land sowie im Ausland in Rechnung zu stellen. So gehe ein
Rückgang der Ausfuhr mit einer Schwächung der Importkapazität der anderen
Länder Hand in Hand. Umgekehrt spiegele der Aufschwung im amerikanischen
Exportgeschäft im Jahre 1959 e i n Wiederaufleben der wirtschaftlichen Expansion im Ausland wider. Daher müsse die Expansion in den Hauptabnehmerländern der USA ständig beobachtet werden.
Änderungen der Weltmarktlage
In einem Überblick über die Weltmarktlage weist Eisenhower in seinem
Bericht darauf hin, daß "sich die Wirtschaftsbedingungen im Jahre 1959
in praktisch allen Industrieländern verbessert haben." In Kanada wie in
den Vereinigten Staaten habe die Produktionsbelebung bereits im Jahre 1958
eingesetzt. Auch in Japan sei ein scharfer Anstieg der Produktionskurve
seit 1958 zu verzeichnen gewesen. Die Expansionsrate der Produktion sei
gerade in diesem Lande seither außerordentlich gestiegen.
Auch in Westeuropa habe die Wirtschaft nach Überwindung gewisser rückläufiger Tendenzen, die sich auch auf den Exportbedarf im Jahre 1958 ausgewirkt hätten, dann zu Beginn des Jahres 1959 eine kräftige Belebung der
Produktion zu verzeichnen gehabt. Der hierbei aufgetretene Zeitunterschied von neun Monaten zwischen dem Produktionsaufschwung in Nordamerika
und in Westeuropa habe für die E fcwicklung des Handels- und Zahlungsverkehrs auf beiden Seiten eine gewisse Bedeutung gehabt.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1959 s e i ^ e i den meisten industriell
stärker entwickelten Ländern eine eindrucksvolle Belebung der Wirtschaftstätigkeit gegenüber dem Vorjahre festzustellen gewesen. Die Belebung habe
sich auf die meisten Industriezweige eistreckt, wobei die Kohlengruben aller
dings eine Ausnahme bildeten, was wiederum gewisse ungünstige Auswirkungen
auf die amerikanischen Kohlenverkäufe in Europa zur Folge hatte. Bei dem
Wirtschaftsaufschwung scheinen die Kapitalinvestitionen der Industrie eine
verhältnismäßig kleine Rolle gegenüber den Anforderungen auf anderen Sek- •
toren gespielt zu haben, der Kapitalmarkt habe sich zu Begihn des Jahres
auch im allgemeinen als recht schwach gezeigt. Dies habe sich dann aber
im Verlauf des Jahres in den meisten Industrieländern - vor allem aber in
Deutschland und Japan - geändert, als die Produktionsexpansion immer stärker
wurde.
Als einen der Gründe für die starke Ausweitung der Produktion in den
anderen Industrieländern führt der Bericht des Präsidenten die wachsende
Nachfrage nach Industrieerzeugnissen dieser Länder auf ihren Exportmärkten
an.
Die stärkste Exportnachfrage hätte sich anfänglich allerdings auf den
kanadischen Märkten gezeigt, während die Exporte nach den eigentlichen
Nicht-Industrieländern im ersten Quartal des Jahres 1959 noch 12 Prozent
unter den Exporten im gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen und auch im
zweiten Quartal noch nicht über die des Vorjahres hinausgegangen waren.
Die schwache Nachfrage nach Exportgütern auf den Märkten der NichtIndustrieländer zu Beginn des Jahres 1959 s e i a u f z u knappe Devisenbestände

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22. Januar 196O

Devisenbestände auf Grund einer nur langsamen Anpassung ihres Imports an
die seit Mitte 1957 ständig weiter gesunkenen Preise ihrer Exportgüter
zurückzuführen. So sei zum Beispiel in Lateinamerika während dieser zwei
Jahre ein Absinken der Exportpreise - mit Ausnahme des Erdöls - um 20 Prozent zu beobachten gewesen. Nachdem sich das Exportvolumen der Nicht-Industrieländer dann aber Ende 1958 erweitert habe, habe sich auch ihre Devisenlage gebessert. Die Länder des Sterling-Blocks hätten in dieser Hinsicht
besonders durch die Belebung der Woll- und Gummimärkte profitiert.
Der amerikanische Außenhandel
Der Bericht hebt hervor, daß sich in den Exporten der Vereinigten Staaten in den ersten Monaten des Jahres 1959 die relativ geringe Nachfrage auf
den Weltmärkten und gewisse andere ungünstige Umstände widerspiegelten. So
stießen die amerikanischen Kohlenexporte zum Beispiel, trotz des günstigen
Preisangebotes, infolge der übermäßigen Haldenbestände in Europa auf Schwierigkeiten. Im zweiten und vor allem aber im dritten Quartal seien diese
widrigen Umstände weitgehend durch die Wirtschaftsexpansion der industriell
hochentwickelten Länder ausgeglichen worden. Auch die amerikanischen Agrarexporte seien in den beiden letzten Quartalen des Jahres 1959 angestiegen.
Die amerikanischen Warenkäufe haben dem Bericht Eisenhowers zufolge
in knapp einem Jahr um etwa 25 Prozent gegenüber dem Rezessionstiefstand
im ersten Quartal 1958 zugenommen. Demgegenüber seien die Ausgaben der Vereinigten Staaten im Ausland - vor allem die Ausgaben für die Truppen - in
den ersten drei Quartalen etwas niedriger als im Vergleichszeitraum 1958 gewesen, während die Ausgaben der amerikanischen Touristen wiederum etwas
höher lagen. Die Einnahmen aus den amerikanischen Auslandsinvestitionen hätten sich zwar unter denen des Jahres 1958 gehalten, jedoch im Verlauf des
Jahres eine gewisse steigende Tendenz gezeigt. Durch den Anstieg des amerikanischen Zinssatzes bedingt, sei der Kapitalfluß ins Ausland während der
ersten drei Quartale des Jahres 1959 erheblich hinter dem des voraufgegangenen Jahres zurückgeblieben. Die für das vierte Quartal noch nicht vollständig
vorhandenen Unterlagen zeigten einen gewissen Abfall in der Rate des Goldund Dollartransfers, der zum Teil auf die großen Vorauszahlungen der Auslandsschuldner an die Vereinigten Staaten zurückzuführen sei.
Aussichten für die Zahlungsbilanz
"Für das Jahr 196O", so heißt es in dem Wirtschaftsbericht weiter,
"scheint sich eine leichte Verbesserung der internationalen Zahlungsbilanz
der Vereinigten Staaten abzuzeichnen." Die Einfuhren an Rohstoffen für die
Industrie könnten mit der weiteren Produktionssteigerung zwar noch zunehmen,
jedoch in geringerem Maße als bisher. Auch die Importe auf anderen Gebieten
würden voraussichtlich langsamer ansteigen, so daß die Zunahme der Gesamtimporte 196O geringer sein werde als in der Zeit von Anfang 1958 bis Mitte

1959In dem Bericht wird weiter auf Grund der wirtschaftlichen Expansion im
Ausland, wie schon vorher aufgezeigt, eine Ausweitung der Exporte erwartet.
Weiter wird mit einem stärkeren Anwachsen der Exporte als der Importe gerechnet sowie ebenso mit einem schnelleren Ansteigen der Einnahmen aus Dienstleistungen als der Zahlungen für Dienstleistungen und der militärischen Ausgaben
im Ausland. Insgesamt dürfte sich also bei Gütern und Dienstleistungen Ende
1960 ein positiver Saldo ergeben. Demgegenüber, so wird in dem Bericht ausgeführt, dürften sich die Kapitalausfuhren weiter erhöhen, so daß das Gesamtzahlungsdefizit auch 196O noch relativ hoch sein werde. Um eine Verbesserung dieser Situation zu erzielen, müsse also eine starke Ankurbelung des Exports vorg€

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./l9.2.1960
EISENHOWER UNTERBREITET KONGRESS AUSLANDSHILFEPROGRAMM

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower hat am 1£.
Februar i960 dem amerikanischen Kongreß seine jährliche
Botschaft über das Auslandshilfeprogramm der Vereinigten Staaten - das Programm für Gemeinsame Sicherheit unterbreitet. Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
In meiner Botschaft an den Kongreß über das Gemeinsame Sicherheitsprogramm im vergangenen Jahr habe ich das Programm sowohl als entscheidend wichtig für unsere Sicherheit als auch wichtig für unsere Prosperität beschrieben. Mit dem Hinweis, daß unsere Ausgaben für die Gemeinsame
Sicherheit genauso wichtig für unsere nationale Verteidigung sind wie die
Ausgaben für unsere eigenen; Streitkräfte, habe ich festgestellt, daß das
Gemeinsame Sicherheitsprogramm nicht nur in unserem eigensten Interesse
liegt, sondern auch dem Idealismus des amerikanischen Volkes entspringt,
der die wahre Grundlage unserer Größe ist. Das Programm beruht auf fünf
fundamentalen Erkenntnissen:
Erstens, daß der Friede eine Sache ist, die die ganze Menschheit zutiefst angeht;
Zweitens, daß zur Erhaltung des Friedens die freie V/elt in ihrer Verteidigung stark bleiben muß;
Drittens, daß die Erreichung eines gerechten Friedens von der Erzielung einer Entwicklungsrate des wirtschaftlichen Fortschritts in der
Welt - insbesondere bei den Völkern der weniger entwickelten Länder abhängt, der die Hoffnung auf die Erfüllung ihrer Wünsche in sich birgt;
Viertens, daß die Aufrechterhaltung der Verteidigungsstärke der freien
»Veit sowie die Unterstützung der weniger entwickelten, jedoch entschlossen und hart arbeitenden Völker, die nach einer vernünftigen Rate den
wirtschaftlichen Wachstums streben, eine gemeinsame Verpflichtung der
Gemeinschaft der freien Welt sind;
Fünftens, daß die Vereinigten Staaten ihre Verpflichtung, in dieser
Hinsicht mit allen anderen freien Nationen zusammenzuarbeiten, nicht abschütteln können.
*
Ich

1

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19. Februar i960

Die Völker Europas steuern in zunehmendem Maße ihren Anteil zu der
gemeinsamen Verteidigungsaufgabe bei. Keiner unserer NATO-Partner, außer
Griechenland, der Türkei und Island, fordert oder erhält noch irgendwelche
Wirtschaftshilfe. Vielmehr gewähren jetzt diese Länder in wachsendem Maße
anderen wirtschaftliche Hilfe. Unsere NATO-Verbündeten decken ebenfalls
in immer stärkerem Maße ihren militärischen Bedarf selbst; mehrere größere
Länder benötigen jetzt keine Hilfe mehr. Unsere militärischen Programme
in den NATO-Ländern sind heute in erster Linie Vereinbarungen über eine
Aufteilung der Kosten und werden in dieser Form abgewickelt, wobei wichtige
zusätzliche Verteidigungserfordernisse durch gemeinsame Anstrengungen befriedigt werden.
Während jede Möglichkeit zur Erreichung verläßlicher Abkommen ausgeschöpft werden muß, ist es doch klar, daß es völlig töricht wäre, unsere
Position einer gemeinsamen Abschreckungsstärke aufzugeben oder zu schwächen,
die eine so wichtige Vorbedingung dafür ist, solche Möglichkeiten prüfen
zu können. Es ist notwendig, daß wir standhaft, ohne Dramatik und gedulddg
in unseren Anstrengungen zur Erhaltung unserer gemeinsamen Verteidigung
fortfahren, während wir gleichzeitig darauf hinarbeiten, Lösungen für die
Probleme zu finden, die die Welt spalten und den Frieden bedrohen.
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm ist ein für den Fortschritt der
Welt in Freiheit unerläßliches Programm. Neben seinen gemeinsamen Verttidigungsaspekten stellt es ferner den amerikanischen Teil eines gemeinsamen Unterfangens seitens freier Menschen dar, den Lebensstandard von
Millionen von Menschen von einem untragbar niedrigen und mit der Menschenwürde und Freiheit nicht zu vereinbarenden Stand zu heben.
Hunderte von Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben erkannt, daß
es nicht ihr Schicksal zu sein braucht, in ewiger Armut und Krankheit am
Rande des Verhungerns leben zu müssen. Ihre maßgebenden Politiker führen
ihnen dies immer wieder eindringlich vor Augen. In vielen Fällen vollzieht
sich diese Bewegung nur ruckweise und ungleichmäßig und ist in ihrer Richtung unsicher. Manchmal fällt sie mit dem Kampf der freien Welt gegen den
Kommunismus zusammen, manchmal nicht. Es liegt ganz im Interesse der Vereinigten Staaten, daß wir diese Bewegung unterstützen, damit diese Länder
ihren Platz als freie, unabhängige, fortschrittliche und stabile Mitglieder der Völkergemeinschaft einnehmen können. In gleicher Weise ist es klar,
daß es gegen unsere Interessen wäre, wenn diese fortschrittliche Bewegung
unterdrückt oder behindert würde. Das Ergebnis wäre Enttäuschung sowie eine
gefährliche Bedrohung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität überall auf der Welt.
Genauso wie die militärische Sicherheit ist auch die wirtschaftliche
Entwicklung eine gemeinsame Notwendigkeit und eine gemeinsame Verpflichtung.
Eine Investition in die Entwicklung eines Teiles der freien Welt ist gleichzeitig eine Investition in die Entwicklung der gesamten freien Welt. Unser
Wohlergehen und das Wohlergehen aller freien Menschen können nicht geteilt
werden - wir sind alle voneinander abhängig. Wir alle - die Starken und
die Schwachen, die Entwickelten und die weniger Entwickelten - müssen uns
in dem großen Bemühen zusammenschließen, der gesamten Menschheit die Möglichkeit eines lohnenden Lebens in Freiheit und Frieden zu bieten. Eine
Expansion der Weltwirtschaft und ein Anwachsen des Handels wird auch eine
gesteigerte Prosperität für jedes Land der freien Welt mit sich bringen.
Neue

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19, Februar i960

Neue Aufgaben mit entsprechenden Gelegenheiten und Möglichkeiten zeichnen sich jetzt vor uns ab: der immer raschere Erfolg des Unabhängigkeitsstrebens der Völker in Afrika; die wachsende Unruhe in den weniger entwickelten Gebieten sowie als Folge des anhaltenden Wachstums der jetzt gesunden Wirtschaften der industrialisierten westeuropäischen Länder sowie
Japans, Kanadas und Australiens das zunehmende Vermögen dieser Länder, mit
diesen Gebieten als Partner zusammenzuarbeiten und ihnen zu helfen.
Das Zusammenwirken der freien Welt ist zum Losungswort für diese Bemühung geworden. Im vergangenen Jahr wurde das Kapital der Weltbank verdoppelt und das des Internationalen Währungsfonds um die Hälfte vermehrt.
Außerdem wurde ein Vorschlag der Vereinigten Staaten zur Schaffung einer
Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) als Tochtergesellschaft der
Weltbank im Prinzip angenommen, und ein entsprechender Charta-Entwurf vor
kurzem den Mitgliedstaaten unterbreitet. Ich werde dem Kongreß in Kürze
Empfehlungen in dieser Angelegenheit unterbreiten, Die Beteiligung der
Industrieländer Europas im Verein mit Japan und Kanada an den kooperativen Bemühungen untereinander und mit den weniger entwickelten Ländern zur
Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums hat in bemerkenswerter Weise zugenommen. Über ähnliche Wege und Methoden soll auf einer im März in Washington stattfindenden Konferenz, an der Vertreter einer Reihe von Staaten teilnehmen werden, verhandelt werden.
In unserer Gemeinschaft der Nationen der westlichen Hemisphäre haben
wir uns jetzt zu einem neuen großen Unterfangen zusammengeschlossen - der
Interamerikanischen Entwicklungsbank. Diese neue Institution, die in Partnerschaft mit unseren Nachbarländern gebildet wurde, dürfte sich für die
Förderung einer schnelleren Entwicklung der Mitgliedstaaten als von sehr
großem Wert erweisen. Unsere Teilnahme an diesem gemeinsamen Unterfangen
zeigt, welches besondere Interesse wir an der progressiven Entwicklung unserei
Nachbarn nehmen. Zusammen mit dem sehr beachtlichen Ausmaß an privaten und
staatlichen Investitionen in dieser Hemisphäre und der beiderseits nutzbringenden technischen Zusammenarbeit, wie wir sie so lange mit unseren
Nachbarn durchführen konnten, sollte dies zu einer Beschleunigung des
Fortschritts beitragen.
Auf diese Weise helfen die von uns im Rahmen des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms zur Verfügung gestellten militärischen und wirtschaftlichen
Hilfsquellen, Positionen der Stärke zu schaffen und zu erhalten, die als
das angesehen werden müssen, was sie sind, nämlich Investitionen für die
gemeinsame Verteidigung und das gemeinsame Wohl und damit für unsere eigene
Sicherheit und unser eigenes Wohl. Dies ist ein gemeinsames Sicherheitsprogramm.
Unsere Konzeptionen sind vernünftig, unsere Politik ist von erwiesenem
Wert, und unser Wille, unseren Verpflichtungen nachzukommen, ist unvermindert und fest.
Die Vorschläge für das Finanzjahr 1960/61
Die Form und die allgemeine Struktur des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms für das Finanzjahr 1960/61 bleiben im wesentlichen die gleichen,
wie sie sich in der Vergangenheit bewährt haben. Was die Verwaltung der
verschiedenen gemeinsamen Sicherheitsprogramme anbetrifft, so sind hinsichtlich der Organisation, der Programmgestaltung und der Durchführungs-

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar i960

Durchführungskontrollen Änderungen eingeführt worden. Wenn ich im vergangenen
Jahr eine Gruppe namhafter Bürger unter dem Vorsitz von General Draper
berufen habe, so ist dies zum Teil deshalb gesohehen, um die Verwaltung des
Programms zu analysieren und Empfehlungen für ihre Verbesserung auszuarbeiten. Viele dieser von ihnen gemachten Empfehlungen sind bereits verwirklicht
worden. Wir bemühen uns ständig um eine weitere Verbesserung der Verwaltung,
um den Erfordernissen des Programmes und den schwierigen Problemen bei der
Durchführung dieser verschiedenartigen Programme auf einer weltweiten Basis
gerecht zu werden. Die verschiedenen Kategorien von Programmen sind dieselben wie die, mit denen der Kongreß bereits vertraut ist. Es sind Anpassungen
hinsichtlich der Art und des Umfanges der Programme vorgeschlagen worden,
die die Veränderungen der Weltlage widerspiegeln und diesen Rechnung tragen,
und zwar in dem Ausmaß, wie die Notwendigkeit und die Fähigkeit zur Selbsthilfe gegeben sind. Diese vorausschauende Analyse erfolgte zum Teil im Einklang mit den gesetzlichen Erfordernissen, wonach Pläne für künftige Wirtschaftshilfe aufgestellt und dem Kongreß unterbreitet werden sollen. Die
detaillierten Pläne und Schlußfolgerungen werden dem Kongreß in Kürze vorgelegt werden.
Militärhilfe
Für die Militärhilfe fordere ich in dem noch nicht verabschiedeten Budget
des Verteidigungsministeriums die Bewilligung von 2 Milliarden Dollar. Dies
ist mehr, als für das Finanzjahr 1959/60 beantragt und aufgebracht wurde.
Die erhöhte Forderung erfolgt weder, um den proportionalen Anteil der Vereinigten Staaten an der gemeinsamen Verteidigung zu vergrößern, noch kommt
darin die Absicht zum Ausdruck, das Militärhilfeprogramm stark auszuweiten.
Der im Verteidigungsbudget geforderte Betrag für die Militärhilfe ist
nach meinem wohlüberlegten Urteil und dem der Stabschefs ein Erfordernis
unserer Verteidigung, das genauso zwingend und von der gleichen Bedeutung
wie die Bedürfnisse unserer eigenen Streitkräfte ist, für die im Verteidigungsbudget an anderer Stelle gesorgt ist.
Der angeforderte Betrag resultiert aus einer sorgfältigen und detaillierten Prüfung der Erfordernisse unserer Verbündeten, damit sie die durch frühere
militärische Unterstützung gewonnene Kampfstärke aufrechterhalten und - in den
meisten Fällen auf der Basis der Kostenteilung - an gewissen wichtigen Verbesserungsprojekten für die Streitkräfte teilhaben können. Ohne angemessene
Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung dieser Stärke wären die in der Vergangenheit ausgegebenen Gelder weitgehend verschwendet. Und ohne eine Verbesserung der Streitkräfte, ohne die Bereitstellung modernerer Waffen, würden die Streitkräfte der freien Welt in ihrer Fähigkeit, modernisierten Streitkräften eines Aggressors Widerstand zu leisten, unvermeidlich hintanbleiben.
Die Tatsache - wenn es überhaupt eine Tatsache ist -, daß die Sowjetunion
ihre militärische Mannschaftsstärke reduziert, ändert nichts an der Notwendigkeit, unsere kollektive Verteidigung aufrechtzuerhalten. Die militärische Macht
der Sowjetunion bleibt - wie dies Herr Chruschtschow in seinen Erklärungen
selbst klargestellt hat - weiterhin groß. Wir haben mit unseren Planungen
niemals versucht, der sowjetischen Mannschaftsstärke genau gleichzukommen.
Unsere Pläne waren und sind vielmehr darauf abgestellt, vor einer Aggression
abzuschrecken. Von besonderer Bedeutung ist die Aufrechterhaltung einer
starken und wirksamen Abschreckungsposition der NATO-Allianz. Wie ich bereits

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19. Februar i960

bereits vorhin angedeutet habe, wird es Europa auf Grund der sich ständig
bessernden wirtschaftlichen Lage Westeuropas als Gesamtheit möglich, sich
in gesteigertem Maße in die Kosten der gemeinsamen Verteidigung zu teilen,
und bestimmte wichtige europäische Länder sind in der Lage, ihre Verteidigungsanstrengungen ohne Unterstützung der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig haben die Modernisierungs- und Verbesserungserfordernisse ein solches Ausmaß, daß unsere Beteiligung an gemeinsamen
Projekten der Kostenteilung mit bestimmten europäischen Ländern in absehbarer Zukunft immer noch erforderlich ist. Für derartige Beiträge ist
in dem vorgeschlagenen Programm Vorsorge getroffen.
Der für das Finanzjahr 196O/61'geforderte Betrag steht im Einklang
mit den Empfehlungen des überparteilichen Ausschusses prominenter amerikanischer Bürger unter Leitung von General Draper, den ich im vergangenen
Jahr beauftragte, unsere einzelnen Maßnahmen und Programme zu überprüfen.
Dieser Ausschuß empfiehlt nachdrücklich die Beibehaltung eines Belieferungsprogramms in Höhe von etwa 2 Milliarden Dollar; jährlich. In den vergangenen
Jahren belief sich das jährliche Belieferungsprogramm im Durchschnitt auf
rund 2,2 Milliarden Dollar. Die Belieferungen im Finanzjahr 1959/60 jedoch,
in denen sich die reduzierten Bewilligungen der jüngsten Jahre abzeichnen,
werden auf 1,8 Milliarden Dollar oder noch weniger zurückfallen. Die Ausgabenüberhänge aus den früheren Jahren sind nunmehr auf ein Minimum reduziert, und die Belieferungen in den kommenden Jahren werden sich der Höhe
der jährlichen Bewilligungen eng annähern.
Nach meinem wohlüberlegten Urteil ist die Bewilligung von 2 Milliarden
Dollar für das Finanzjahr 1960/61 das Minimum, das sich mit der Aufrechterhai tung einer starken und angemessenen kollektiven Verteidigungsposition
vereinbaren läßt. Ein geringerer Betrag würde in der Tat die entscheidend
wichtige Modernisierung und Verbesserung der Streitmacht verhindern und
uns auf ein Programm beschränken, in dessen Rahmen lediglich das Vorhandene
erhalten bleibt.
Wirtschaftshilfe
VerteidigungsunterStützung

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Zwölf Ländern, mit denen wir in kollektiven oder gemeinsamen Sicherheitsabkommen zusammengeschlossen sind, haben wir seit Jahren nicht nur die
für die gemeinsame Verteidigung erforderlichen militärischen Hilfsquellen
zur Verfügung gestellt, sondern auch in dem Maße wirtschaftliche Hilfsquellen, wie diese benötigt wurden, um die Aufrechterhaltung einer solchen
Verteidigung zu ermöglichen, ohne daß dies zu politischer oder wirtschaftlicher Instabilität führt. Diese Art der Bereitstellung von Hilfsquellen
bezeichnen wir als Verteidigungsunterstützung - wirtschaftliche Hilfe zur
Gewährleistung einer Verteidigungsposition.
Diese

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�"AMERIKA DIEflST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar i960

Diese zwölf Länder unterhalten Streitkräfte in Stärke von über 3
Millionen Mann - mehr als die Gesamtstärke der amerikanischen Streitkräfte -, und jedes dieser Entwicklungsländer - mit Ausnahme Spaniens gehört zu dem Gürtel von besonders exponierten Ländern und dem Festland vorgelagerten Inseln, der die unmittelbare Süd- und Ostgrenze
des chinesisch-sowjetischen Machtbereichs bildet. Der Bedarf in dieser
Kategorie der Verteidigungsunterstützung ist etwas zurückgegangen.
Für das Finanzjahr 1960/61 habe ich für diese Programme 724
Millionen Dollar oder 111 Millionen Dollar weniger als im vergangenen
Jahr angefordert. Dieser geringere Bedarf spiegelt in gewissem Maße
eine allmähliche, aber merkliche Verbesserung der wirtschaftlichen
Lage in diesen Ländern wider. Mehr als die Hälfte - 56 Prozent - ist
für die drei fernöstlichen Länder Korea, die Republik China und Vietnam
bestimmt, deren gemeinsames Charakteristikum es ist, daß sie geteilte
Länder sind, denen überlegene kommunistische Streitkräfte an ihren
Grenzen gegenüberstehen - Streitkräfte, mit denen die Kommunisten
in der Vergangenheit bewiesen haben, da£ sie gewillt sind, sie einzusetzen, wodurch diese Grenzstaaten zur Unterhaltung von Streitkräften
gezwungen werden, deren Aufrechterhaltung ohne eine Unterstützung ihr
Vermögen übersteigen würde. Die für diese Zwecke angeforderten Mittel
stellen das-Minimum dar, das wir beitragen können, und stärken das
Vertrauen, daß eine ausreichende Verteidigung aufrechterhalten wird.
Sonderhilfe
Eine andere Kategorie der internationalen Zusammenarbeit in dem
Gemeinsamen Sicherheitsprogramm ist die Bereitstellung wirtschaftlicher Hilfsmittel für solche Staaten, für die diese Mittel zur Erhaltung ihrer Freiheit und Stabilität wesentlich sind. Wir bezeichnen
diese Kategorie der Zusammenarbeit als Sonderhilfe. Ich ersuche um
268 Millionen Dollar für diese Zwecke im Finanzjahr 1960/61. Die
Bereitstellung derartiger Mittel wird uns zum Beispiel die Möglichkeit geben, den jungen Staaten Marokko, Libyen und Tunis weiterhin
zu helfen, die Stabilität in Jordanien und dem Mittleren Osten zu
erhalten, die Ausbreitung des kommunistischen Einflusses in Afghanistan
zu bekämpfen und die Wirtschaft in Bolivien und Haiti zu festigen. Die
Sonderhilfe wird uns ferner in die Lage versetzen, an solchen lebenswichtigen Programmen wie dem weltweiten Feldzug gegen die Malaria
weiter teilzunehmen»
Entwicklungshilfe
Die Erreichung eines wirtschaftlichen Fortschritts und Wachstums
hängt von vielerlei Dingen ab. Durch kollektive Sicherheitsvorkehrungen,
durch Maßnahmen für die Verteidigung und durch die Gewährung militärischer Hilfe und wirtschaftlicher Verteidigungsunterstützung können
wir und andere Länder ein Maß an Sicherheit und Stabilität erreichen,
innerhalb dessen ein Entwicklungsprozeß möglich ist und gefördert
werden kann..*Sie erste und entscheidende interne Voraussetzung ist die
Entschlossenheit, Fortschritte zu machen, die erforderlichen Maßnahmen
zu ergreifen und die notwendigen Opfer zu bringen, Wie. groß aber auch
immer die Entschlossenheit sein mag, es wird immer noch ein gewaltiger
Bedarf an technischen Verbesserungen und Kenntnissen und an Entwicklung-

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar i960

Entwicklungskapital "bleiben. Wenn ein Tempo der Entwicklung erreicht
werden soll, das den wesentlichen Forderungen dieser Völker gerecht wird,
dann ist Unterstützung von außen unbedingt notwendig.
Technische Zusammenarbeit
Durch unser seit langem bestehendes Programm der Technischen Zusammenarbeit und durch unsere Beiträge zu den Programmen der Vereinten Nationen
auf dem Gebiet der technischen Unterstützung leisten wir einen bedeutenden
Beitrag zur Stillung dieses Durstes und Verlangens nach Erweiterung des
Wissens und der technischen Fähigkeiten. Das für das Finanzjahr 1960/61
vorgeschlagene Gemeinsame Sicherheitsprogramm führt diese entscheidend
wichtigen Projekte fort und sieht die Erweiterung und Ausdehnung unserer
technischen Hilfsprogramme in den neu entstehenden Nationen Afrikas vor.
Für die bilaterale technische Hilfe fordere ich 172,5 Millionen Dollar an;
für unsere Beteiligung an den technischen Unterstützungsprogrammen der
Vereinten Nationen ersuche ich um 33»5 Millionen Dollar, und zur Ergänzung
unseres viel umfangreicheren bilateralen Programmes mit unseren Nachbarn
im Süden ersuche ich um 1,5 Millionen Dollar für das Programm der technischen Unterstützung, das wir in Zusammenarbeit mit ihnen mittels der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) durchführen.
Afrika
In der Welt von heute ist es für die Vereinigten Staaten von unumgänglichem Interesse, daß die Völker des großen Afrikanischen Kontinents,
vor allem in dem Gebiet südlich der Sahara, in steigendem Maße die Selbstregierung übernehmen. Dieses gewaltige Gebiet verdient und erfordert die
volle Aufmerksamkeit und Unterstützung der freien Welt, wenn es seine Institutionen und seine Wirtschaft in Freiheit entwickeln soll. Zur gleichen
Zeit, da der Bedarf Afrikas südlich der Sahara an Entwicklungskapital real
ist und noch größer werden dürfte, besteht ein zwingendes und sofortiges
Bedürfnis für umfassendere Erziehung und Ausbildung. Das Ersuchen um die
Bewilligungen für die Sonderhilfe enthält den Betrag von 20 Millionen
Dollar für ein Sonderprogramm, das zur Verbesserung der Erziehung und
Ausbildung in Afrika südlich der Sahara eingerichtet werden soll, wobei
besonderer Nachdruck auf die Befriedigung der Bedürfnisse gelegt wird,
die alle Länder dieses Gebietes gemeinsam haben. Ich bin der Ansicht, daß •
dieses erste Bemühen in den vor uns liegenden Jahren wesentlich verstärkt
werden und ähnliche Anstrengungen von selten der anderen Länder der freien
Welt ergänzen muß, damit die Fähigkeit der neuen und weiteren Entwicklungsländer in Afrika, ihre Entwicklung in die Hand zu nehmen und zu lenken,
schnell und wirksam gefördert und gesteigert werden kann. Ohne eine solche
Stärkung und Förderung der Erziehung und Ausbildung können die Voraussetzungen für ein kräftiges wirtschaftliches Wachstum nicht geschaffen werden.

Entwicklungs-Anleihefonds

8

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�"AMERIKA DIENST* - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19« Februar 1960

Entwicklungs-Anleihefonds
Auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe erweist sich der Entwicklungsanleihefonds als ein immer wirksameres Instrument, um die
Bedürfnisse zu befriedigen, die auf dem Wege über private Investitionen, die Weltbank oder andere entsprechende Stellen nicht gedeckt
werden können. Er hat den Aufbau grundlegender Wirtschaftszweige, wie
Energiewirtschaft und Verkehrswesen, unterstützt, die für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsgebiete unerläßlich sind. Besondere Bedeutung kommt der Ausweitung der Tätigkeit des EntwicklungsAnleihefonds auf das Gebiet der Privatwirtschaft zu. Der EntwicklungsAnleihefonds erschließt neue Möglichkeiten, um eine wirksame Partnerschaft mit privaten amerikanischen Firmen aufzubauen, so daß die privaten Hilfsquellen des Landes einen immer größeren Beitrag zum Aufschwung der Entwicklungsländer leisten können. Die Geschichte des
Entwicklungs-Anleihefonds während der beiden letzten Jahre zeigt, daß
der Fluß solchen Anleihekapitals dahin tendiert, sich dem Bedarf und
den Fähigkeiten anzupassen. Anders ausgedrückt, die Gebiete, in denen
die Entschlossenheit und der Wille zum Fortschritt sowie die Fähigkeit,
solche Hilfsquellen wirksam einzusetzen, am größten sind, standen
unter den Empfängern der Kredithilfe des Entwicklungs-Anleihefonds
an erster Stelle. Ich fordere für den Entwicklungs-Anleihefonds 700
Killionen Dollar an, die mit Beginn des Finanzjahres 1960/61 eingesetzt werden sollen.
Südasien
Ein bedeutender Teil der Kredite des Entwicklungs-Anleihefonds
wurde in den vergangenen beiden Jahren an die beiden großen Nationen
Südasiens - Indien und Pakistan - vergeben, wo eine halbe Milliarde
Menschen mit tiefer Hingabe und unwiderruflicher Entschlossenheit
darangehen, Institutionen nach ihrer eigenen Wahl zu entwickeln und
zu erhalten und ihren Lebensstandard auf ein angemessenes Niveau zu
heben. Die Kraft und Energie dieser gewaltigen Anstrengung ist unverkennbar, sie verdient die volle und wärmste Unterstützung seitens der
freien Welt. Wir haben uns mit anderen Staaten vereint, um diesen
Ländern zu helfen, wir glauben, daß die Anstrengungen öffentlicher
und privater Natur zur Unterstützung Südasiens nicht nur anhalten,
sondern noch zunehmen werden« Man rechnet damit, daß ein größerer
Betrag für diese bedeutende Aufgabe aus den Mitteln bereitgestellt
wird, die für den Entwicklungs-Anleihefonds für das Finanzjahr 1960/61
gefordert werden, wobei diese Länder zugleich ihre eigenen Selbsthilfeaktionen noch weiter steigern.

Die

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"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar

196O

Die wirtschaftliche Erschließung des Indus-Beckens
Eine Entwicklung von besonderer Bedeutung in Südasien ist der große
Fortschritt, der gegenwärtig unter den Auspizien der Weltbank in Richtung
auf eine Lösung des umfassenden und schwierigen Problems der wasserwirtschaftlichen Nutzung des Indus-Flußbeckens zwischen Indien und Pakistan
erzielt wird. Hier werden wichtige Interessen der beiden Länder berührt;
die Lösung erfordert einen Plan, in dessen Rahmen das Wasser des Indus,
von dem die Landwirtschaft, die Lebensmittelvorräte und die Wirtschaft
dieses Gebietes abhängen, gerecht genutzt und geteilt werden wird. Es
wird erwartet, daß ein Abkommen über einen solchen Entwicklungsplan in
naher Zukunft erreicht werden kann. Wesentlich für das Gelingen ist, daß
die Länder außerhalb Südasiens bereit sind, diesen Entwicklungsplan zu
unterstützen, dessen Kosten von den betroffenen Ländern allein nicht getragen werden können. Unter den Auspizien der Weltbank werden gegenwärtig
Pläne ausgearbeitet, wonach die Bank, Länder des britischen Commonwealth,
die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten einen Anteil
an den Kosten des Entwicklungsplans übernehmen und wonach die Weltbank
die Überwachung und Leitung dieses Projektes in Händen hat. Wir gedenken
dieses Vorhaben im Rahmen des Gemeinsamen Sicherheitsprogrammes für das
Finanzjahr 1960/61 und die nachfolgenden Jahre - wie sich dies als notwenig erweist - zu unterstützen. Um unsere wirksame Beteiligung an diesem
multilateralen Vorhaben zu gewährleisten, ersuche ich um die Ermächtigung,
die normalerweise für bilaterale Projekte gültigen Bestimmungen elastisch
anwenden zu können, falls eine solche außergewöhnliche Maßnahme für dieses
große Vorhaben erforderlich ist. Die Lösung dieser schwierigen internationalen Angelegenheit sollte wesentlich zur Förderung einer friedlichen und
kooperativen Regelung auch anderer Streitfragen und zu einer möglichst
großen Konzentration auf die Hauptziele des Friedens und Wohlstands beitragen.
Republik China
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm muß auch den Erfordernissen anderer
Gebiete und Länder Rechnung tragen, soweit deren Entschlossenheit und Fähigkeit, Entwicklungskapital zu gebrauchen, wächst. Wir haben von der Regierung
der Republik China Vorschläge für ein erweitertes und beschleunigtes Wirtschaftsreform- und -entwicklungsprogramm erhalten, dem wir genaue und sorgfältige Beachtung schenken. Die energische und tüchtige Bevölkerung Formosas,
die bisherige Zunahme der Investitionen und der Produktion sowie das durchaus
vorhandene Vermögen einer weiteren Beschleunigung bieten die Aussicht auf
eine überzeugende Demonstration, daß unter freien Institutionen ein Tempo
und Ausmaß an Leistungen erreicht werden kann, die weit über die aus einem
totalitären Regime entspringenden Leistungen hinausgehen. Zu diesem Zweck
sehen wir den vollen Einsatz sowohl der Hilfe in Form von nichtrückzahlbaren
Zuwendungen als auch von Anleihen vor, um die Herankunft des Tages zu beschleunigen, an dem die Republik schließlich aus eigenen Kräften wachsen und
sich erhalten kann.

Sonderfonds

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19 . Februar i960

Sonderfonds und sonstige Programme
Zusätzlich zu den von mir erwähnten Hauptformen der Zusammenarbeit, wie Militärhilfe und Verteidigungsunterstützung, Sonderhilfe,
technische Zusammenarbeit und Entwicklungs-Anleihefonds, ersuche ich
ferner um einen Sonderfonds in Höhe von 175 Millionen Dollar sowie um
101 Millionen Dollar, um eine Vielzahl kleiner, aber wichtiger Programme
fortzuführen.
Der Sonderfonds ist eine unerläßliche Rücklage für unvorhergesehene
und nicht ohne weiteres vorauszusagende Notfälle. Die Geschichte der
vergangenen Jahre beweist eindeutig seinen Wert insofern, als er sofortige und wirksame Gegenmaßnahmen bei einer Änderung des Ablaufs
der internationalen Ereignisse ermöglicht.
Die für andere Programme angeforderten 101 Millionen Dollar
werden es uns ermöglichen, weiter an der UNICEF, den Flüchtlingsprogrammen und den Auslandsprogrammen für eine friedliche Nutzung
der Atomenergie mitzuarbeiten. Ferner werden damit die administrativen Kosten bei der Verwaltung der wirtschaftlichen und technischen
Programme bestritten werden.
Für das gesamte Gemeinsame Sicherheitsprogramm fordere ich
4175 Millionen Dollar an. Die Notwendigkeit dieser Ausgabe ist von
der Regierung immer wieder mit großer Sorgfalt geprüft worden. Ich
bin voll und ganz überzeugt, daß Notfälle, für die diese Mittel
beantragt werden, wirkliche Notfälle sind, denen entsprochen werden
muß, und daß die beantragten Mittel der wohl realistischsten Einschätzung des Bedarfs entsprechen, die wir vornehmen können. Es
steht außer Zweifel, daß sich die Nation die Ausgaben, um die es
hier geht, leisten kann; ich bin sicher, daß wir es uns nicht
leisten können, die Notfälle zu ignorieren, für die sie angefordert
werden.
Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten sind eine privilegierte Nation. Ihre
Bürger erfreuen sich eines Maßes an Prosperität und Wohlergehen
sowie eines Ausmaßes an Freiheit unter freien Institutionen, wie
es in der Weltgeschichte einmalig ist. Unsere Ideale und unsere
Überzeugungen legen uns eine Verpflichtung zur Führerschaft und zur
Zusammenarbeit mit anderen Nationen und anderen Völkern auf, die
wir bereitwillig und mit Stolz auf uns nehmen.
Meine Reisen in jüngster Zeit brachten mir in noch stärkerem
Maße als bisher die Tatsache vor Augen, daß die freien Menschen
überall in der Welt auf uns blicken - nicht mit Neid oder Mißgunst,
sondern voller Hoffnung und Vertrauen, daß wir in Zukunft wie in der
Vergangenheit zur Vorhut jener gehören, die an das Recht des Einzelmenschen, die Früchte seiner Arbeit in Frieden und Freiheit zu genießen, glauben und es verteidigen werden. Zusammen mit unseren Mitmenschen werden wir es nicht daran fehlen lassen, unseren Verpflichtungen
nachzukommen.
gez. Dwight D. Eisenhower

�Allg./ 26 «2 • 1.9^0
EISENHOWER; GERECHTER FRIEDE NUR IM SCHUTZE MILITÄRISCHER
STÄRKE ZU ERHOFFEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den V/ortlaut einer Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten Dwight
D. Eisenhower, die er kurz vor seinem Abflug nach
Südamerika in Washington gehalten hat.

Morgen früh begebe ich mich auf eine Reise zu mehreren unserer
lateinamerikanischen Nachbarn, *?obei mir drei Hauptziele vor Augen
schweben. Diese Ziele sind 2
mehr über unsere Freunde im Süden zu lernenj ihnen erneut zu versichern, daß die Vereinigten Staaten um eine Zusammenarbeit mit ihnen
bei der Sicherung eines besseren Lebens für jeden in der westlichen
Hemisphäre bemüht sind, und den Wunsch der USA deutlich zu machen, mit
ihnen bei der Schaffung eines weltweiten Friedens in Gerechtigkeit eng
zusammenzuarbeiten.
Unser Interesse an unseren Schwesterrepubliken besteht seit vielen
Jahren und ist zutiefst verwurzelt. Dies allein schon ist'Grund genug
für diese Reise. Aber in diesen Tagen der internationalen Spannung, der
erwachenden Ambitionen und der durch die wachsende gegenseitige Abhängigkeit der Nationen hervorgerufenen Probleme ist es von entscheidender
Bedeutung für gute Partner, ein besseres gegenseitiges Verständnis zu
entwickeln und gemeinsame Programme zu verbessern.
Die Bande zwischen den amerikanischen Republiken sind nicht nur
geographischer Natur, sondern sie beruhen noch mehr auf gemeinsamen
Grundsätzen und Überzeugungen. Wir glauben alle an Gott, an die Würde
und die Rechte des Menschen, an Frieden in Gerechtigkeit und an das
Recht eines jeden Volkes, übersein eigenes Schicksal zu bestimmen. In
solchen Überzeugungen ist unsere Freundschaft verwurzelt.
Aber selbst unter guten Kameraden wird die Freundschaft allzuoft als
etwas Selbstverständliches angesehen. Wir dürfen unseren Nachbarn in
Lateinamerika keinen Grund zu der Annahme geben, daß dies bei uns genauso der Fall ist.

Ich

�"AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

Ich werde daher unseren Schwesterrepubliken erneut die Versicherung
geben, daß wir unverrückbar an unserem Ziel festhalten, mit ihnen Hand
in Hand an der Förderung der Sicherheit und des Wohlergehens für alle
Yölker dieser Hemisphäre zusammenzuarbeiten.
Dies aber erfordert eine ununterbrochene Anstrengung, die unglücklicherweise zuweilen durch Mißverständnisse beeinträchtigt wird.
Eines dieser Mißverständnisse, von dem hin und wieder in Lateinamerika
die Rede ist, besagt, wir seien mit der Drohung des kommunistischen Imperialismus und den sich daraus ergebenden Verteidigungsproblemen so sehr
beschäftig* gewesen, daß die Neigung bestand, unsere Nachbarn im Süden
darüber zu vergessen. Einige haben zu verstehen gegeben, daß unsere Aufmerksamkeit so sehr auf unsere eigene Sicherheit sowie auf die Probleme
zwischen West und Ost jenseits des Ozeans gerichtet gewesen sei, daß wir
die Zusammenarbeit und den Fortschritt innerhalb der westlichen Hemisphäre
deshalb vernachlässigt hätten.
Es stimmt, daß wir weltweiten Maßnahmen zum Schutze gegen eine mögliche militärische Aggression eine Hauptvorrangstellung eingeräumt haben.
Wir haben zahlreiche Opfer gebracht, um sicherzustellen, daß diese Sicherheit erhalten blieb und erhalten bleiben wird.
Ich hoffe, auf meiner Reise klarmachen zu können, daß unsere militärischen Programme hier im eigenen Lande und im Ausland nur einem einzigen Zweck gedient haben: der Aufrechterhaltung des Friedens, der für
Lateinamerika genauso wichtig ist wie für uns.
Daß die Notwendigkeit für diese Programme besteht, hat die Geschichte
nach dem zweiten Weltkrieg deutlich bewiesen.
In den ersten fünf Jahren nach dem zweiten Weltkrieg verfolgten wir
in Amerika in der Hoffnung auf einen weltumfassenden und dauerhaften Frieden die Politik einer praktisch einseitigen Abrüstung. Aber die Blockade
Berlins, die militärische Schwäche unserer direkt der kommunistischen Bedrohung gegenüber lebenden, befreundeten europäischen Nationen und schließlich der Krieg in Korea - zusammen mit den gegen andere Nationen gerichteten arroganten Drohungen - ließen uns in letzter Minute erkennen, daß die
freien Nationen nur unter dem Schutz militärischer Stärke hoffen konnten,
einen Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften und gerechten Frieden
zu machen.
Seither hat unsere Nation gewaltige Arsenale voller mächtiger Waffen
zur Erhaltung des Friedens geschaffen. Wir haben eine große Abschreckungsstärke aufgebaut - die so mächtig ist, daß sie jedem unvoreingenommenen
und aufgeschlossenen Beobachter Achtung gebieten muß.
Unsere vielen hundert Bomber, die über die ganze Welt verteilt sind jeder von ihnen in der Lage, furchtbare Verheerungen anzurichten -,
stellen eine Macht dar, die jeder anderen in Zahl, Qualität und strategischer Position ihrer Stützpunkte weitaus überlegen ist. Uns steht außerdem
eine starke Atommacht in unseren Flugzeugträgern und in den Geschwadern
unserer über weite Gebiete verteilten taktischen Luftwaffe zur Verfügung.
Zu diesen Kräften treten ständig neue Raketentypen hinzu, die die Waffen

-

2

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�"AMERIKA DIENST

26. Februar i960

Waffen al~! unserer Bodenstreitkräfte und anderer militärischer Einheiten
unablässig verstärken.
Was die ballistischen Fernraketen angeht, so haben wir, nachdem wir
praktisch erst vor fünf Jahren damit begonnen haben, im wahrsten Sinne
des Wortes in unseren Leistungen gewaltige Fortschritte erzielt - Fortschritte, die man nur als bemerkenswert bezeichnen kann. Unsere Rakete
vom Typ Atlas, die über eine erstaunliche Treffgenauigkeit verfügt, wurde
im vergangenen Jahr einsatzfähig. Mittelstreckenraketen befinden sich
auf vorgeschobenen Stützpunkten. Das erste mit Polaris-Raketen ausgerüstete Unterseeboot - eine nahezu unverletzliche Waffe - wird in Kürze
im Flottendienst stehen. Neue Typen von Fernraketen werden schnellstens
entwickelt.
Alles zusammengenommen, ist dies eine Macht, die nicht über Gebühr
von einer einzelnen Waffe oder einer einzelnen Waffengattung abhängig
ist, die nicht durch einen plötzlichen Angriff eliminiert werden kann,
hinter der ein auf Erden einzigartiges Industriesystem steht und die unbeirrt von einem kraftvollen Volk unterstützt wird, das entschlossen ist,
frei zu bleiben. Strategisch gesehen, ist sie weitaus besser stationiert
als irgendeine Macht, die uns gegenüber zum Tragen gebracht werden könnte.
In dem Maße, wie wir diese Verteidigung verstärkt haben, haben wir
auch dazu beigetragen, unsere eigene Sicherheit und die der freien Welt
zu festigen, indem wir die Rüstung von 42 anderen Ländern - unseren Verbündeten - bei der Verteidigung der freien Welt unterstützten. Unser Anteil
an dieser unerläßlichen Bemühung ist unser Gemeinsames Sicherheitsprogramm.
Dieses Programm macht eine nach vorne gerichtete Verteidigungsstrategie
zur besseren Sicherheit aller, auch unserer Nachbarn im Süden, möglich.
Ich bin sicher, daß unsere lateinamerikanischen Nachbarn genau so
wie Sie hier in der Heimat die 3edeutung all dieser Fakten erkennen.
•

Wir haben einen vertrauenswürdigen Schild des Friedens geschmiedet eine unzerstörbare Kraft von unmeßbarer Macht, völlig ausreichend für die
Aufgaben der Gegenwart und sich ständig weiter entwickelnd, -um den Erfordernissen der Zukunft gerecht zu werden. Alle von uns können Iveute angesichts der anhaltenden Bedrohung fest und entschlossen und ohne Furcht
sein und auf Amerikas Macht als Pfeiler der Sicherneit der freien Welt
vertrauen.
Aber wir alle sind uns darüber im klaren, daß Friede und Freiheit
nicht für immer durch Waffen allein gewahrt werden können. Es müssen in der
freien Welt ein Geist und eine Moral vorhanden sein, die sich auf die Überzeugung stützen, daß das Leben für freie Menschen mehr als nur reines Überleben und bloße Sicherheit bedeutet. Die Völker in aller Welt*müssen die
Gelegenheit haben, ihr Leben in geistiger,moralischer und wirtschaftlicher
Hinsicht verbessern zu können.
Wir sind ernsthaft bestrebt, unseren Nachba*rn in der westlichen
Hemisphäre bei der Erreichung des Fortschritts zu helfen, den sie sich aufrichtig wünschen. Wir haben uns um eine Stärkung der Organisation der
Amerikanischen Staaten sowie anderer kooperativer Institutionen bemüht, die

�"AMERIKA DIENST

26. Februar

196O

die den Fortschritt und die Solidarität der westlichen Hemisphäre fördern.
Wir haben eine Menge Kapital in lateinamerikanische Unternehmen investiert.
Neue Kredite, sowohl öffentliche als auch private, werden in einem Umfang
xur Verfügung gestellt, der größer ist als jemals zuvor. Im vergangenen
Jahr beliefen sich diese Kredite auf schätzungsweise 1 Milliarde Dollar,
Unsere nach Lateinamerika vergebenen Anleihen und Investitionen übersteigen gegenwärtig 11 Milliarden Dollar.
Wir haben zusammen mit unseren Schwesterrepubliken soeben die Interamerikanische Entwicklungsbank geschaffen. Wir hoffen mit ihnen, daß
diese neue, mit einem nach Milliarden Dollar zählenden Kapital arbeitende
Institution viel dazu beitragen wird, das wirtschaftliche Wachstum zu beschleunigen.
Außerdem haben wir die Programme für erweiterte technische Zusammenarbeit mit den amerikanischen Republiken.
Um unsere eigene Kenntnis der Bedürfnisse unserer Nachbarn zu verbessern, haben wir erst vor kurzem ein Gremium hervorragender privater
amerikanischer Bürger unter dem Torsitz des Außenministers zusammengerufen.
Dieser nationale Beratungsausschuß wird uns durch beständiges Studium
der interamerikanischen Angelegenheiten hier in den USA helfen, besser
mit unseren lateinamerikanischen Freunden zusammenzuarbeiten. Mitglieder
dieses Ausschusses werden mich auf meiner Reise begleiten.
Diese Reise wird ein reichhaltiges Programm bringen, denn die Probleme
unserer Nachbarn sind vielfältiger und schwieriger Natur: der Mangel an
Entwicklungskapital, große Preisschwankungen bei ihren Exportgütern, die
Notwendigkeit gemeinsamer regionaler Märkte zur Förderung der Leistungsfähigkeit und zum Anreiz neuer Kredite, die Notwendigkeit zur Verbesserung
des Gesundheits- und Erziehungswesens, des Wohnungsbaus und des Transportsystems .
Diese Probleme werden ohne Frage zu dem Kreis der Themen gehören,
die ich in jedem der von mir besuchten Länder erörtern werde. Und wohin
ich auch reise, da werde ich immer und immer wieder die Grundprinzipien
und die Grundeinstellung unterstreichen, die die Beziehungen unseres Landes
zu der westlichen Hemisphäre beherrschen. Zum Beispiel:
Unsere Politik der guten Partnerschaft ist eine ständige Richtlinie,
die die Nichteinmischung, die gegenseitige Hochachtung und die rechtliche
Gleichheit aller Staaten umfaßt.
Wir wünschen einer jeden amerikanischen Nation einen schnellen wirtschaftlichen Fortschritt mit seinem Nutzen und Segen für die gesamte Bevölkerung.
Wir sind ständig bemüht, an der Förderung einer gesunden Entwicklung
innerhalb der Grenzen unserer praktischen Möglichkeiten mitzuarbeiten,
und wir werden ferner auch in Zukunft jedes Land auffordern, an der Unterstützung der weniger vom Glück begünstigten Nationen mitzuwirken.
Wir

�'AMERIKA DIENST"

26. Februar

i960

Wir stehen fest zu unserer Verpflichtung, im Rahmen des Rio-Paktes
aus dem Jahre 1947 die Sicherheit der beiden Amerika aufrechtzuerhalten.
Wir erklären unseren Glauben an die Herrschaft des Rechts, unsere
Entschlossenschaft zur Erfüllung unserer vertraglichen Verpflichtungen
und unsere Forderung, daß andere Länder sich genauso verhalten.
Wir werden alles in unseren Kräften Stehende tun, um den Triumph
der menschlichen Freiheit überall in der westlichen Hemisphäre zu fördern.
Wir verurteilen alle Anstrengungen zur Unterhöhlung der demokratischen
Institutionen der amerikanischen Republiken durch Zwang oder Subversion,
und wir lehnen mit allem Nachdruck die Anwendung der Lüge und der Verdrehung in den Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern ab.
Erst kürzlich wurde in einem fernen Lande, das die Freiheit nie gekannt hat - einem Land, wo heute Millionen von Menschen unterjocht sind -,
mit leidenschaftlichen Worten behauptet, daß die Vereinigten Staaten
Lateinamerika in einem kolonialen Abhängigkeitsverhältnis gehalten hätten.
Das ist eine eklatante Lüge.
In der gesamten Geschichte kann kein anderes Land eine ehrenhaftere
Vergangenheit in bezug auf sein Verhältnis zu anderen Ländern aufweisen
als die Vereinigten Staaten.
Die Philippinen sind heute - auf Grund ihrer eigenen Entscheidung unabhängig.
Alaska und Hawaii sind nunmehr stolze Partner unseres in einem Bund
zusammengeschlossenen demokratischen Staatsgebildes - und sie sind es
durch ihre eigene Wahl.
Puerto Rico ist ein Commonwealth im Rahmen des Systems der Vereinigten
Staaten - und es ist dies ebenfalls aus eigener Wahl.
Nach den beiden Weltkriegen und dem Koreanischen Krieg haben die Vereinigten Staaten auch nicht einen einzigen Hektar fremden Landes annektiert
und keinerlei Vorteil auf Kosten anderer gesucht.
Und ich wiederhole, daß wir im Hinblick auf ganz Lateinamerika ehrenhaft und mit allem Nachdruck an einer Politik der Nichteinmischung festhalten.
Es ist völlig unsinnig, zu behaupten, daß wir irgendein Land in einem
Kolonialstatus halten oder es in diesem Status halten möchten.

Dies

�"AMERIKA PIEKST"

26. Februar

196O

Dies sind nur einige der Fragen, über die die miteinander befreundeten Staaten in der westlichen Eemisphäre sprechen müssen. I.iit großer
Freude sehe ich dem Meinungsaustausch mit den Präsidenten Brasiliens,
Argentiniens, Chiles und Uruguays sowie mit ihren Kollegen entgegen.
Ich hoffe zutiefst, daß ich Ihnen nach meiner Rückkehr berichten
kann, daß sich die historische Freundschaft und das Vertrauen zwischen
den Ländern der westlichen Hemisphäre verstärkt haben und daß unsere
gemeinsame Sache - Gerechtigkeit und Frieden in Freiheit - bekräftigt
worden ist und neues Leben erhalten hat.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

A11./26 .2.1960

HERTER» AMERIKANISCHES STREBEN NACH KONTROLLIERTER ABRÜSTUNG

WASHINGTON -- AD — Nachstehend übermitteln .wir Ihnen den Wortlaut der Rede,
die der amerikanische Außenminister
Christian A. Herter am 18. Februar i960
vor dem Nationalen Presseklub in Washington über die Ziele der Vereinigten
Staaten bei der bevorstehenden Genfer
Abrüstungskonferenz hielt.

Ich möchte heute über ein sehr wichtiges Element der amerikanischen Außenpolitik sprechen - über unsere Bemühungen um
eine gesicherte Rüstungsbegrenzung und um einen Fortschritt in
Richtung auf eine allgemeine Abrüstung. Wie Sie wissen, sind
wir im Begriff, einen neuen Versuch in dieser Richtung in dem
Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß zu unternehmen, der etwa Kitte
März in Genf zusammentreten wird.
Diese Bemü hungen sind darauf gerichtet, den Weltfrieden
zu festigen und die unsinnige Verschwendung der wirtschaftlichen
Hilfsquellen de r Veit zu verhindern, aber auch darauf, unsere
nationale Siehe rheit - im wahrsten Sinne des Wortes - zu fördern.
Sie stellen ein e Ergänzung zu unseren nationalen Militärprogrammen und kol lektiven Sicherheitsabkommen dar, die wir zu dem
gleichen Zwecke durchführen. Amerika hat sich seit langem aus
tiefer überzeug ung zu einer Politik der Rüstungsbegrenzung und
der Abrüstung b ekannt•
Im Jahre 1946,als die Vereinigten Staaten unmittelbar nach
Beendigung des Krieges noch das vollständige Monopol auf dem
Gebiet der Atomwaffen besaßen, schlugen wir eine volle internationale Kontrolle der Atomenergie vor. Es ist gewiß als einer
der tragischen Wendepunkte der Geschichte zu bezeichnen, daß die
Sowjetregierung diesen ungewöhnlichen Vorschlag zurückwies.
Im Jahre 1953 wurde dann die Sowjetunion im Rahmen des von
Präsident Eisenhower vorgelegten,.bedeutsamen "Atome für den
Frieden"-Vorschlags aufgefordert, mit uns zusammen einen Anfang
in der Überführung des Kernwaffenmaterials unter internationale
Kontrolle zu machen. Obwohl eine internationale AtomenergieBehörde geschaffen wurde, haben sich die Sowjets geweigert, dem
ursprunglichen Zweck dieses Vorschlags als einer Möglichkeit .zur
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�"AMERIKA SIEHST"

26 . Februar 1960

zur Verringerung der Kernwaffenbestände nachzukommen.
Präsident Eisenhower machte später, im Jahre 1955.auf der
Genfer Gipfelkonferenz den Vorschlag, die Vereinigten otaaten
und die Sowjetunion sollten eine gegenseitige Inspektion aus der
Luft akzeptieren. Wieder hielten sich die Sowjets zurück*ihre
Verschlossenheit war ein "Muß",
Im März 1956 schrieb Präsident Eisenhower an Bulganin und
schlug eine kontrollierte Einstellung der gesamten Produktion an
snaltbarem Material für Waffenzwecke sowie eine schrittweise Uber|?tllung so]chih Materialsaus den Waffenbeständen der einzelnen
Länder unter eine internationale Kontrolle vor. Dieser Vorschlag
fand taube Ohren»
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten arbeiteten dann
•ine Reihe von Teilabrüstungsmaßnahmen aus, wozu die Sicherung
gegen Überraschungsangriffe, die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für W&amp;ffenzwecke, Beschränkungen in der Iberstellung von Kernwaffen an andere Staaten, eine Reduzierung der
konventionellen Streitkräfte und Maßnahmen zur Gewährleistung einer
friedlichen Nutzung des Weltraums gehörten*. Alle diese Maßnahmen
wurden der Sowjetunion im August 1957 in London vorgeschlagen.
Wiederum zeigten die Sowjets wenig ernsthaftes Interesse, und die
Verhandlungen brachen zusammen»
Seit 1957 haben wir zweimal versucht, spezifisch begrenzte
Gebiete für eine Erörterung mit den Sowjets herauszugreifen!
1* Eine Aussetzung der Atomversuche, über die gegenwärtig in
Genf verhandelt wird» - Ich werde hierzu gleich noch mehr zu sagen
haben.
2» Technische Gespräche über den Schutz vor Überraschungsangriffen. • Diese Gespräche über Überraschungsangriffe blieben erfolglos, weil die Sowjetunion wenig Interesse an einer ernsthaften
technischen Arbeit zeigte, die vielleicht den Weg zu späteren
politischen Gesprächen hätte ebnen können.
Und an diesem Punkt standen unsere Bemühungen um eine Rüstungsbegrenzung, als im vergangenen Jahr vereinbart wurde, einen neuen
Zehn-Machte-iusschuß als erneuten Versuch einzusetzen.
Die Aussichten
, u !f r * l i c k e n a u f d i e s e neuen Verhandlungen in der Hoffnung, daß
sich die fuhrenden sowjetischen Politiker vielleicht darüber klar
werden, daß das Wettrüsten unannehmbare Risiken in sich birgt. Diese Erkenntnis könnte sie dazu veranlassen, einem Portschritt in der
Rüstungskontrolle als in ihrem eigenen nationalen Interesse liegend
eine Vorrangstellung einzuräumen.
Ein solcher Fortschritt ist wegen der neuen Gefahren, denen
wir uns bei einem anhaltenden Wettrüsten gegenübersehen, um so notwendiger. Lassen sie mich hier auf zwei dieser Gefahren eingehen*
1 . Ein sich gegenseitig hochtreibender Wettstreit in bezug auf

�AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

auf die strategischen Einsatzsysteme, wobei der Zeitraum für eine
Reaktion immer kürzer wird, könnte auf Grund reiner Fehleinschätzung
zu einem Krieg führen. Solche Fehlkalkulationen könnten beispielsweise eine internationale Krise hervorrufen, die sich zu einem allgemeinen Krieg ausweiten könnte, ohne daß irgendeine Seite wirklich
eine solche Entwicklung beabsichtigt hätte.
2. Die nicht abreißende Produktion von Kernwaffen könnte letzten
Endes fast jedes Land - auch die Verantwortungslosen - in die Lage
versetzen, sich derartige Waffen zu sichern. Wir sind nicht so sehr
besorgt hinsichtlich der freien Länder, die vielleicht als nächste
Kernwaffen herstellen könnten; doch machen wir uns Sorgen darüber,
daß die Ausbreitung einmal nicht mehr zu kontrollieren sein wird.
Je mehr Länder die Macht haben, einen nuklearen Krieg auszulösen,
desto größer ist die Möglichkeit, daß irgendein Land einmal überhastet oder in blinder Torheit von dieser Macht Gebrauch machen
könnte.
Diese Gefahren machen unsere Aufgabe so dringlich.
So groß diese Gefahren auch sein mögen, so sind sie dennoch
geringer als diejenigen, die entstehen würden, wenn wir ein unsicheres Rüstungskontrollabkommen eingingen.
Unter den bestehenden Verhältnissen hängt das V/eiterbestehen
der freien Welt von unserer gegenwärtigen relativen Stärke ab. Wir
sind uns über das Ausmaß und die Bedeutung dieser relativen Stärke
völlig im klaren. Wir werden sie nicht aufs Spiel setzen aus dem
Wunsche heraus, zu schnellen, jedoch illusorischen Ergebnissen in
bezug auf die Rüstungskontrolle zu gelangen.
Wenn in der Rüstungskontrolle wirklicher Fortschritt gemacht
werden soll, dann müssen die gewaltigen Waffensysteme, die während
der langen Jahre des Wettrüstens aufgebaut worden sind, sorgfältig
und auf beiden Seiten reduziert werden. Dies ist keine rasch zu lösende Aufgabe.
Maßnahmen der Vereinigten Staaten können sich nicht allein auf das
Versprechen einer anderen Nation gründen. Maßnahmen unsererseits werden
nur bei entsprechenden verifizierbaren Maßnahmen von Seiten der anderen
erfolgen. Wir werden auf Inspektionsverfahren bestehen, die eine Verifizierung gestatten.
Wir werden jedoch jedes als möglich anzusehende Abkommen nicht
an irgendeinem abstrakten Maßstab der Perfektion messen, sondern
lediglich nach dem praktischen Gesichtspunkt beurteilen: Würde die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und die der freien Welt unter dem
Abkommen größer oder geringer sein als ohne Rüstungsabkommen?
Wir werden uns keinem Abkommen anschließen, das diese Prüfung
nicht besteht.
Unsere

�26. Februar 1960

"AMERIKA DIENST" '
Unsere Vorbereitungen

Sollten die Sowjets in dem Zehn-Mächte-Ausschuß ernsthaft verhandeln wollen, so werden sie uns hierzu bereit finden. Unsere Regierung unternimmt umfassende Vorbereitungen hierfür.
Wir im Außenministerium haben eine umfassende Überprüfung
des Abrüstungsproblems durchgeführt. Das Amt für Abrüstungsfragen
im Verteidigungsministerium ist vergrößert worden, und es ist eine
besondere Arbeitsgruppe, die den gemeinsamen Stabschefs untersteht,
eingesetzt worden, um für die Studien über eine Rüstungskontrolle
sowie die Verhandlungen hierüber zur Verfügung zu stehen. Um die
fortlaufend für den Verteidigungsminister und mich von unseren
Stäben durchgeführten Studien noch zu ergänzen, hat ein Sonderausschuß unter dem Vorsitz von Charles Coolidge die Rüstungskontrollfrage untersucht. Und der Wissenschaftliche Beirat des Präsidenten hat ein besonderes Gremium unter der Führung seines ehemaligen
Vorsitzenden, Dr. Killian, mit einer ständigen Überprüfung der Abrüstungsprobleme betraut.
Mr. Fredrick Eaton, der heute hier anwesend ist, wird unsere Delegation in Genf leiten. Er und sein Stab arbeiten gegenwärtig mit
unseren Verbündeten in der Zehn-Mächte-Kommission - Kanada, Frankreich,
Italien und Großbritannien - einen gemeinsamen Kurs für diese Verhandlungen aus.
Diese Länder teilen sich in gleicher V/eise mit uns in die Aufgabe, für die kommenden Verhandlungen gemeinsam abgesprochene Vorschläge auszuarbeiten. Jedes von ihnen wird, dessen bin ich sicher,
einen wichtigen und hervorragenden Beitrag leisten.
Wir werden auch in enger Konsultation mit unseren NATO-Partnern
und einer Reihe anderer befreundeter, durch Verträge mit uns verbundener Staaten bleiben.
Wir werden ständig Fühlung mit dem Kongreß halten.
Und schließlich werden selbstverständlich die Vereinten Nationen ständig voll und ganz auf dem laufenden gehalten werden.
Die Ziele der USA
Ganz allgemein gesprochen, streben wir bei den bevorstehenden
Verhandlungen zwei Hauptziele an:
Einmal werden wir mit allem Nachdruck versuchen, stabilere
militärische Verhältnisse zu schaffen, die die Gefahr eines Krieges
vermindern und eine Reduzierung der nationalen Streitkräfte sowie
der Rüstungen gestatten. Und im Anschluß hieran werden wir eine
weitere Kürzung der nationalen Streitkräfte und Rüstungen sowie
die Schaffung eines internationalen Instrumentes zur Erhaltung des
Friedens zu erreichen suchen, wobei bis zu einem Punkt gegangen
werden soll, wo dann nicht mehr nationale, sondern internationale
Streitkräfte von einer Aggression abschrecken.
^.
&amp;ö
Diese

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�"AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

Diese beiden Ziele sind gleich wichtig. Ich möchte jetzt jedes
von ihnen näher erörtern:
Schaffung stabilerer militärischer Verhältnisse
Eine stabilere Lage auf dem Gebiet der Rüstungen erfordert
Maßnahmen zur Kontrolle der beiden Arten von Gefahren eines anhaltenden Wettrüstens, die ich vorhin erwähnte.
Erstens, um der Gefahr einer Fehlkalkulation zu begegnen, sind
Garantien gegen einen Überraschungsangriff notwendig.
Wenn diese Garantien zuverlässig sind, dann wird die Möglichkeit geringer werden, daß eine Seite zu einem Überraschungsangriff
getrieben wird,v;ei 1 sie fälschlicherweise glaubt, daß ein militärischer
Schritt der anderen Seite die Absicht eines solchen Angriffs berge.
Diese Gefahr könnte bei einer schweren internationalen Krise besonders akut werden, wenn die Spannung stark ist und beide Seiten in
erhöhter Alarmbereitschaft stehen.
Diese Garantien könnten Zonen für Luftinspektion und bewegliche
Inspektionsgruppen zu Lande einschließen. In der Vergangenheit haben
wir eine solche Inspektion in Europa, der Antarktis und jeweils entsprechenden Gebieten Nordamerikas und der UdSSR vorgeschlagen.
Auch Abkommen, die selektivere Inspektionsarten in größeren
Gebieten vorsehen, könnten möglich sein. Unsere Vorschläge vom August
1957 sahen vor, daß Inspektionsteams außerhalb wie auch innerhalb bestimmter vereinbarter Zonen für Luft- und bewegliche Bodeninspektion
stationiert werden. Solche Beobachter könnten sich während einer
etwaigen größeren Krise als nützlich erweisen, um bei dem Nachweis,
daß keine Seite einen Überraschungsangriff gegen die andere vorbereitet, mitzuhelfen.
Andere Vereinbarungen für den Austausch von Informationen könnten getroffen werden, um sicherzustellen, daß Geschehnisse im Weltraum nicht zu gefährlichen Mißverständnissen führen.
Diese verschiedenen Arten von Maßnahmen zur Vermehrung der jeder
Seite verfügbaren Informationen könnten, wo es sich als angebracht
erweist, durch Rüstungskontrollen ergänzt werden, die gleichfalls
dazu bestimmt sein würden, die Gefahr einer Fehlbeurteilung und eines
Überraschungsangriffes zu reduzieren.
Die zweite Gefahr - die Gefahr einer wahllosen Verbreitung der
Produktion von Kernwaffen - sollte von uns, unseren Hauptverbündeten
und der Sowjetunion mit größter Sorge betrachtet werden.
Um sich gegen diese Gefahr zu schützen, muß die Erprobung von
Kernwaffen und schließlich auch die Produktion von spaltbarem Material
für Waffenzwecke unter wirksamer Kontrolle verboten werden.

Wir

�"AMERIKA DIENST"

.

26. Februar i960

Wir bemühen uns, im Rahmen der Genfer Verhandlungen zur Einstellung der Kernwaffenversuche, einen ersten Schritt auf dieses
Ziel hin zu machen. Wir haben » und dies ist unser Ziel - eine Einstellung aller Kernwaffenversuche im Rahmen wirksamer internationaler Kontrollen vorgeschlagen.•
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es jedoch keine vereinbarte
technische Basis für die Errichtung wirksamer Kontrollen in bezug
auf die Kernwaffenversuche mit kleinerer Explosionswirkung. Daher
hat der Präsident am 11. Februar vorgeschlagen, daß wir uns über
ein Verbot solcher Kernwaffenversuche einigen, die im Rahmen der
gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und unter begrenzten
Inspektionsverfahren, zu deren Annahme die Sowjets bereit schienen,
kontrolliert werden könnten.
Die Sowjetunion hat jetzt einen Gegenvorschlag für eine umfassende Einstellung unterbreitet, der vielleicht eine Änderung des
für die sowjetische Regierung akzept^al-en Standpunktes in der Frage
der Inspektionsverfahren reflektiert. Wir werden diesen Vorschlag
sehr sorgfältig prüfen.
Eine überwachte Einstellung der Kernwaffenversuche wäre ein
nützlicher Schritt in Richtung auf das Ziel einer Beendigung der
unentwegten Vergrößerung der nationalen Kernwaffenarsenale. Um dieses
Ziel zu erreichen, würden wir an unserer letztlich angestrebten Absicht festhalten - der vollständigen Einstellung der Produktion von
spaltbarem Material für Kernwaffen.
Diese modernen Maßnahmen zur Begegnung der großen Gefahren
eines fortgesetzten Wettrüstens und damit zur Aufrechterhaltung
einer stabilen Lage auf dem Gebiet der Rüstungen unterscheiden sich
weitgehend von den Bemühungen, die in den Jahren zwischen den beiden
Weltkriegen unternommen wurden, um bestimmte Waffen auszuschalten
und die nationalen Rüstungen abzuschaffen. Die Probleme der Rüstungskontrolle im Atomzeitalter sind so verschieden von den Problemen vor
einem Vierteljahrhundert, wie jene Probleme wiederum verschieden waren
von den Bemühungen, die Schrecken des Krieges im Mittelalter zu verringern.
Wir können angesichts der Vielfalt der heutigen komplizierten
Waffen nicht zu einer Abrüstung gelangen, indem wir lediglich immer
wieder so abgenutzte Schlagworte wie "Verbot der Bombe", "Aufgabe
der ausländischen Stützpunkte" oder "Reduzierung der Streitkräfte
um
ein Drittel" gebrauchen oder gutheißen. Ein Maßstab für die
Ernsthaftigkeit der sowjetischen Bemühungen bei den bevorstehenden
Verhandlungen wird die Anerkennung dieser Tatsache durch Moskau sein.
Solange es keine Rüstungskontrolle gibt, sind die Bomben, die
Stützpunkte, die Streitkräfte alle nur das Ergebnis der dringenden
Notwendigkeit, von einer Aggression abzuschrecken. Das Ziel der ersten
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle sollte es sein, dafür Sorge zu tragen,
daß dieser Notwendigkeit in einer Weise begegnet wird, durch die das
bestehende Risiko eines Krieges reduziert und nicht vergrößert wird.
Wenn

�"AMERIKA DIENST"'

26. Februar 1960

Wenn wir uns so auf stabilere militärische Verhältnisse hinbewegen, können und sollten progressive, graduelle und wohlausgewogene
Reduzierungen der nationalen militärischen Streitkräfte erreicht
werden. Den nationalen Streitkräften sollten hinsichtlich der Mannschaftsstärke Höchstgrenzen auferlegt und bestimmte Mengen an her*
kömmlicher Ausrüstung unter internationaler Aufsicht gelagert werden.
Allgemeine Abrüstung
Diese Maßnahmen zur Schaffung stabiler militärischer Verhältnisse wären der erste Schritt auf unserem Wege zur Abrüstung. Sie
würden unsere nationale Sicherheit vergrößern und die Gefahr eines
Krieges verringern.
Sie vnirden uns auch grundsätzlich die Freiheit des nationalen
Handelns belassen und unsere relative nationale Kapazität nicht
beeinträchtigen, Da immer noch starke nationale Streitkräfte unter
Waffen stünden, bliebe die nationale Stärke - nicht das Völkerrecht immer noch die letzte Zuflucht.
Um eine Welt des friedlichen Wandels zu garantieren, würden
wir eine zweite Phase der allgemeinen Abrüstung vorsehen. Unsere
Zielsetzung in dieser zweiten Phase wäre zweierlei:
e inmal die Schaffung bestimmter, auf der ganzen Welt anerkannter Rechtsgrundsätze, die, wenn befolgt, alle Nationen davon abhalten
würden, andere Nationen anzugreifen. Hinter derartigen Rechtsgrundsätzen müßten ein Weltgerichtshof und wirksame Mittel zu ihrer Durchsetzung stehen - das heißt eine internationale bewaffnete Streitmachtj
zum anderen eine Reduzierung der nationalen Streitkräfte unter
gesicherten und auf ihre Einhaltung geprüften Abmachungen bis zu einem
Punkt, wo keine einzelne Nation oder Staatengruppe sich dieser Durchsetzung des Völkerrechts mittels einer internationalen Organisation
mehr wirkungsvoll widersetzen kann.
Wenn diese beiden Ziele nicht fest im Auge behalten werden, dann
könnte ein Abkommen über eine allgemeine Abrüstung die Welt leicht in
einen Zustand der Anarchie bringen. Solange es keine wirkungsvolle
internationale Organisation zur Erhaltung des Friedens gibt, könnten
die Staaten das Abrüstungsabkommen ungestraft verletzen und auf diese
Weise versuchen, einen entscheidenden Vorsprung beim Aufbau ihrer
Rüstungen zu erlangen. Da außerdem aber jedem Staat eine Pdlizeimacht
zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit bleibt, könnten Staaten
mit einer hohen Bevölkerungszahl ganz beachtliche Verbände unterhalten,
die sie k solange es eine solche den Frieden erhaltende Organisation
nicht gibt - wirksam gegen ihre kleineren Nachbarn einsetzen könnten.
Um uns gegen diese Gefahren zu schützen, sollten wir, was das
Thema der allgemeinen Abrüstung anbetrifft, auf wirksame internationale
Übereinkommen hinarbeiten, die den Frieden und die Sicherheit aufrechterhalten und das Recht gemäß dem Gesetz fördern würden. Wir sind bereit,
uns an entsprechenden Studien zu diesem Zwecke zu beteiligen. Ein

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�26. Februar 196O

"ALIERIKA DIENST"

Ein brauchbarer Rahmen und ein beachtliches Maß an Erfahrung stehen
uns in der Organisation der Vereinten Nationen hierfür bereits zur
Verfügung.
Diese Studien könnten sich auf zwei Formen grundlegender und
notwendiger Veränderungen konzentrieren:
1. Die Stärkung und der Ausbau eines internationalen Instruments
zur Verhinderung nationaler Aggressionen in einer Welt, die bis auf
die internen Sicherheitstruppen abgerüstet hat.
2. Die Stärkung und der Ausbau einer internationalen Organisation
zur Sicherung gerechter und friedlicher Lösungen von Streitfragen in
einer abgerüsteten Welt.
Ein Fortschritt in Richtung auf diese beiden Dinge ist notwendig,
wenn das Ziel einer allgemeinen Abrüstung erreicht werden soll.
V/ir brauchen - ja wir dürfen - jedoch nicht warten, einen Anfang
mit begrenzteren Maßnahmen zu machen, die unabhängig davon bei der
Förderung des Y/achstums von Institutionen zur Erhaltung des Friedens
von Wert wären und die den Fortschritt in der Abrüstung erleichtern
würden. Ich denke dabei an solche Maßnahmen wie die verstärkte Heranziehung der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen und die
Unterstützung der Bemühungen von UN-Generalsekretär Hammarskjöld,
Abmachungen über die Bereitstellung einer UN-Streitmacht und andere
Formen des Einsdireitens der Vereinten Nationen an Orten, wo die Gefahr
der Gewaltanwendung droht, auszuarbeiten. Wir planen, in den Vereinten Nationen Konsultationen über eine Reihe solcher spezifischer
Maßnahmen zu pflegen.
Zusammenfassung
Dieses also ist in groben Umrissen der erneute Versuch, den die
Regierung der Vereinigten Staaten zu unternehmen im Begriff ist, um
durch eine Rüstungskontrolle und eine schließliche allgemeine Abrüstung
die nationale Sicherheit zu stärken. Die einzelnen spezifischen Elemente dieser Bemühung werden sich natürlich erst aus den jetzt mit unseren
Verbündeten geführten Besprechungen und Konsultationen ergeben.
Wenn diese Initiative eine Erfolgschance haben soll, dann wird
sie das Verständnis und die Unterstützung des amerikanischen Volkes
und des amerikanischen Kongresses brauchen. Wir werden uns mit dem
Kongreß jeweils über die einzelnen Stadien beraten und dem amerikanischen Volk entsprechend Bericht erstatten.
Der Erfolg dieser Bemühung wird zu einem Teil auch davon abhängen,
welche Initiative die Sowjetunion zu gesicherten Rüstungsabkommen
sieht. Wenn die sowjetischen Führer glauben, daß die freie Welt wahrscheinlich auch einseitig abrüsten wird,dann werden sie kaum einen Grund
sehen, warum sie sich einem gesicherten Abkommen anschließen sollten.

Die

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�"AMERIKA DIENST"

26. Februar 1960

Die weitere und wirksame Durchführung unserer eigenen militärischen Programme und der der freien Welt sowie unseres Gemeinsamen Sicherheitsprogramms ist daher von entscheidender Bedeutung,
wenn Aussicht auf irgendeinen Fortschritt in der Rüstungskontrolle
bestehen soll.
Wenn die Sowjetunion einen solchen Fortschritt zustande zu
bringen wünscht - in dem Bestreben, einen besseren Weg als den des
sich gegenseitig hochtreibenden Wettrüstens zu finden -, um den
Frieden und die Sicherheit zu gewährleisten, dann wird sie unser
Entgegenkommen finden.
Die Gefahr, die jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in unserer
heutigen Welt bedroht, ist zu groß, als daß man etwas anderes tun
könnte und dürfte, als mit größter Anstrengung, Hingabe und Ausdauer
nach diesem Ziel zu streben.

f-tt • • «

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./l8«5.1960

WESTlvlACHTE VERÖFFENTLICHEN GEMEINSAMEN ABRUSTUNGSPLAN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium
veröffentlichte am 15« März "i960 den V/ortlaut des gemeinsamen Abrüstungsplanes, den die USA, Großbritannien,
Frankreich, Italien und Kanada für die am Dienstag beginnende Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz in Genf ausgearbeitet haben. Die Verlautbarung des State Department
hat folgenden Wortlaut:

Fünf-Mächte-Arbeitsplan über die allgemeine Abrüstung
"Die fünf westlichen Länder - die Vereinigten Staaten, Großbritannien,
Frankreich, Kanada und Italien -, die an der am 15» März 196O in Genf beginnenden Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz teilnehmen, haben heute folgendes zur Veröffentlichung freigegeben:
a) Das letztliche Ziel ist eine sichere, freie und friedliche Welt,
in der es eine allgemeine Abrüstung unter einer wirksamen internationalen
Kontrolle sowie vereinbarte Verfahren zur Lösung von Streitfällen in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen geben
wird.
b) Aufgabe der Zehn-Machte-Abrüstungskonferenz sollte es sein,
Maßnahmen für eine allgemeine Abrüstung auszuarbeiten, die nur durch
ausgewogene, phasenweise und gesicherte Abkommen erreicht werden kann.
c) Alle Abrüstungsmaßnahmen müssen durch eine geeignete internationale
Organisation beobachtet und verifiziert werden.

Die folgenden Maßnahmen v/erden mit der Empfehlung vorgeschlagen, sie
sofort zu ergreifen:
a) Schrittweiser Aufbau einer internationalen Abrüstungsorganisation
(IDO) im Anschluß an eine gemeinsame Studie über den Aufbau und die Funktionen einer derartigen Organisation und über ihre Beziehung zu den Vereinten Nationen (unter Berücksichtigung bereits früher gemachter Erfahrung
auf diesem Gebiet).

li

�"AMERIKA DIENST"

18. März 1960

b) Vorherige Unterrichtung der IDO über geplante Starts von Raumflugkörpern und Schaffung kooperativer Einrichtungen zur Übermittlung
von Daten, die aus verfügbaren Peil- und Ortungsanlagen gewonnen wurden.
c) Das Zusammentragen von Informationen über die derzeitigen Truppenstärken (Stärke des aktiven, uniformierten militärischen Personals) und
über die Rüstungen, was die Land-, See- und Luftstreitkräfte anbetrifft,
die von den verschiedenen Mächten unterhalten werden. Das Zusammentragen
von Informationen würde in erster Linie auf der Grundlage von Erklärungen erfolgen, die von den einzelnen Staaten auf Grund von im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien abgegeben würden.
d) Die koordinierte Reduzierung oder Begrenzung der Truppenstärken
und der konventionellen Rüstungen nach Festlegung vereinbarter Abmachungen und Verfahren für eine erste und dann fortlaufende Verifizierung durch
die internationale Abrüstungsorganisation (iDO) wie folgt:
1. Die anfänglichen Höchstgrenzen für die Truppenstärken sollen sein:
2,5 Millionen für die Sowjetunion
2,5 Millionen für die Vereinigten Staaten und
vereinbarte entsprechende Truppenstärken für bestimmte andere Staate
2. Jeder Staat, der Partner des Abkommens ist, soll in Vorratsdepots,
die innerhalb seines eigenen Territoriums gelegen sind und unter der "Überwachung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) stehen, vereinbarte
Arten und Mengen an konventionellen Waffen einlagern, die in den dem Abkommen beigefügten Listen festgelegt sind und in Zusammenhang mit den vereinbarten Truppenstärken stehen.
e) Die Vorlage von Informationen durch die verschiedenen Staaten bei
der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) bezüglich der Handhabung
der verschiedenen Finanzsysteme, soweit es die militärischen Ausgaben betrifft, der Höhe ihrer militärischen Ausgaben und des Prozentsatzes ihres
Bruttosozialprodukts, der für militärische Ausgaben vorgesehen ist. Die
vorzulegenden Informationen werden nach im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien zusammengestellt werden.
f) Unverzüglich werden gemeinsame Untersuchungen über folgende Themen
durchgeführt werden:

�"AMERIKA DIENST"

18. März 1960

b) Die vorherige Benachrichtigung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) nach im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien und Deklarierung der Abschußstellen und der Herstellungsorte solcher Raketen mit vereinbarter Verifizierung, einschließlich der
Inspektion der Abschußstellen für solche Raketen an Ort und Stelle.
c) Die Einstellung der Produktion von spaltbarem Material für Waffenzwecke, unmittelbar nachdem ein allgemein anerkanntes Kontrollsystem zur
Verifizierung dieser Maßnahme geschaffen worden und wirksam in Funktion
getreten ist - sofern ein befriedigender Portschritt auf dem Gebiet der
konventionellen Abrüstung zustande kommt.
d) Die Transferierung vereinbarter Mengen spaltbaren Materials aus
der früheren Produktion unter internationaler Überwachung und Kontrolle
zu nichtmilitärischer Verwendung, einschließlich ihrer Lagerung, unmittelbar nach der Errichtung und dem wirksamen Funktionieren eines allgemein
anerkannten Kontrollsystems zur Verifizierung der Produktionseinstellung
von spaltbarem Material für 7/aff enzwecke.
e) Die Einführung geeigneter Maßnahmen, die den Teilnehmerstaaten
größeren Schutz vor Überraschungsangriffen geben sollen, unter Einschluß
der Luftinspektion, Bodenbeobachtungsstellen an vereinbarten Punkten, mobiler Bodenbeobachtungsgruppen, ineinandergreifender Radarnetze, der Ankündigung von Flügen und angemessener Nachrichtenverbindungen.
f) Eine Abrüstungskonferenz mit anderen, über ein bedeutendes Militärpotential verfügenden Staaten, die einberufen wird, um deren Beitritt
zum Abrüstungsabkommen, einschließlich der Annahme angemessener Reduzierungen oder Begrenzungen der jeweiligen Mannschaftsstärken und Rüstungen,
zu erörtern.
g) Höchstgrenzen der Truppenstärken für alle militärisch bedeutenden
Staaten und entsprechende Inspektions- und Verifizierungsmaßnahmen, die
gleichzeitig mit der Festsetzung der Höchstgrenzen der Truppenstärken für
die USA und die UdSSR auf je 2,1 Millionen Mann in Kraft treten. Gleichzeitig soll jeder der beteiligten Staaten sich bereit erklären, in Vorratsdepots vereinbarte Arten und Mengen von Rüstungen einzubringen, die
in einem vereinbarten Zusammenhang mit den Höchstgrenzen für die Truppenstärken stehen.
h) Die Festsetzung von Maßnahmen zur Verifizierung der Haushaltsinformationen.
i) Eine weitere progressive Fortentwicklung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) .
j) Beginn der Errichtung der internationalen Organisation zur Erhal-'
tung des Weltfriedens.

III

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�"AMERIKA DIENST"

1 8 . März

196O

III
Im Vorangegangenen sind Maßnahmen umrissen, die durch Verhandlungen
festgelegt und so schnell wie möglich in Kraft gesetzt werden sollten.
Im Folgenden sind Maßnahmen aufgeführt, die für die Erreichung des Endzieles als notwendig betrachtet werden:
a) Die Reduzierung der nationalen Streitkräfte und Rüstungen durch
progressive und gesicherte Schritte (im Anschluß an solche weiteren gemeinsamen Studien, wie sie sich als notwendig erweisen mögen) bis auf Ebenen,
wie sie durch die innere Sicherheit und die Erfüllung der unter der Charta
der Vereinten Nationen übernommenen, dahin gehenden Verpflichtungen bedingt
werden, daß sich kein einzelnes Land und oder keine Gruppe von Ländern der
Durchsetzung des Völkerrechts in wirksamer Form widersetzen kann.
b) Die Maßnahmen zu diesem Ziel, die so abgestimmt sind, daß sie mit
dem Aufbau einer internationalen Rechtsvollstreckungseinrichtung zur Wahrung
des Weltfriedens sowie mit der Erweiterung der internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) zur Durchführung der notwendigen Inspektion und Kontrolle
gleichlaufen, werden einschließen:
1. das Verbot der Produktion nuklearer, chemischer, biologischer und
anderer Massenvernichtungsmittel;
2. eine weitere Reduzierung der bestehenden Vorräte an nuklearen, chemischen, biologischen und anderen Massenvernichtungsmitteln, eine Überstellung spaltbaren Materials für die friedliche Nutzung sowie weitere, den
jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechende Maßnahmen zur endgültigen Abschaffung dieser Waffen;
3. Maßnahmen, die sicherstellen, daß der Weltenraum ausschließlich
für friedliche Zwecke genutzt wird;
4. die Kontrolle der Produktion vereinbarter Kategorien von militärischen Raketengeschossen sowie der bestehenden Arsenale der Staaten und
ihre schließliche Beseitigung;
5. den Aufbau einer wirksamen internationalen Kontrolle über die Militärhaushalte;
6. die Vollendung des Aufbaus internationaler Organisationen und die
Schaffung von Abkommen zur Erhaltung des Weltfriedens;
7. die endgültige Reduzierung der militärischen Mannschaftsstärken und
Rüstungen auf einen Stand, wie er für die in Paragraph A angeführten Ziele
erforderlich ist, einschließlich der Verfügung über überschüssiges Rüstungsmaterial.
e

8. die Kontrolle der Produktion aller übrigen Rüstungsarten, um sicherzustellen, daß die Produktion auf die für die in Paragraph A spezifizierten
Zwecke erforderliche Höhe beschränkt bleibt."
* * * * *

-

5 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./8.4.60
HERTER» ZIELE DER AMERIKAMISCHEN AUSSENPOLITIK
CHICAGO — AD -- Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rede des US-Außenministers Christian A. Herter, die er am 4» April
i960 in Chicago auf der Jahresversammlung des
amerikanischen Rundfunkrates gehalten hat,
Herter gab darin einen Überblick über die
Außenpolitik der USA und deren Zielsetzungen.
Er ging im Laufe seiner Ansprache insbesondere
auf die bevorstehende Gipfelkonferenz, die
Deutschland- und die Berlin-Frage sowie auf
die Probleme der Abrüstung und der Kernwaffenversuche ein.

Der Rundfunk und das Fernsehen leisten den Vereinigten Staaten bei der Unterrichtung des amerikanischen Volkes über die
Ziele und die Entwicklung unserer Außenpolitik gute Dienste,
Darüber hinaus machen wir den umfassendsten Gebrauch von Rundfunk und Fernsehen bei unserem Bemühen, das Verständnis für die
USA im Ausland zu vergrößern. Die anhaltend gute Zusammenarbeit,
die uns von dem kommerziellen amerikanischen Rundfunkverband zuteil wurde, ist überaus beglückend.
Die Fernsehindustrie im Ausland erlebt gegenwärtig dieselbe
große Expansion, die sich hier bei uns vor fünf oder sechs Jahren
vollzog, Das amerikanische Informationsamt (USIA) ist im Begriff,
vollen Gebrauch von dem Medium Fernsehen zu machen, um das Verständnis der Welt für die USA zu steigern. Ich vertraue fest darauf,
daß uns von der Fernsehindustrie die gleiche großherzige und wertvolle Zusammenarbeit zuteil wird, wie wir sie vom Rundfunk erhielten, so daß die Welt sich ein besseres Bild darüber machen kann,
wie wir wirklich sind.
Wir sind uns auch der guten Zusammenarbeit bewußt, die der
Rundfunkverband privaten Organisationen wie dem "Feldzug für die
Freiheit" zuteil werden ließ und weiterhin zuteil werden läßt.
Ich möchte hier auch dankbar der großherzigen Unterstützung
gedenken, die uns Ihr Präsident, der verstorbene Harold Fellows,
gewährte. So groß wie sein Können und seine Fähigkeiten war auch
seine patriotische Bereitschaft, zu dienen, und wir teilen Ihre
- 1-

�"AMERIKA DIENST"

8. April i960

Ihre Trauer um diesen Verlust.
Es ist fast ein Jahr her, seit ich das Amt des Außenministers
antrat. Ich möchte daher einen Überblick über die Grundzüge der
amerikanischen Außenpolitik geben und einiges zu dem sagen, was vor
uns liegt .
Die Gewährleistung der Freiheit und Sicherheit des amerikanischen Volkes ist das Hauptziel der amerikanischen Politik. Um dies in
der heutigen Welt zu erreichen,müssen wir ein Problem lösen, das die
Menschheit bisher noch nicht zu meistern vermocht hat - das Problem
des friedlichen Wandels.
Wir müssen die Anwendung militärischer Macht zur Erreichung
eines Wandels verhindern und Mittel ersinnen, um notwendige Veränderungen auf friedlichem Wege zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten bemühen sich, die Möglichkeit von Gewaltmaßnahmen zu vermindern und sicherzustellen, daß die notwendigen Anpassungen in friedlicher Weise erfolgen - und zwar bemühen sie sich
darum in fünf grundsätzlichen Formen»
1. Verstärken wir die kollektiven Sicherheitsabkommen, die vor
einer Aggression abschrecken;
2. streben wir nach einem Abkommen über Maßnahmen zur Rüstungskontrolle, durch das die Gefahr eines Krieges verkleinert würde;
3. verhandeln wir mit der Sowjetunion, um die Lösung politischer
Fragen zu fördern, die uns trennen»
4. verstärken wir unser Programm zur Unterstützung der weniger
entwickelten Länder, um den hier notwendigen Fortschritt zu erreichen; und
5. unterstützen wir die Vereinten Nationen in den Bemühungen,
die ordnungsgemäße Lesung von Problemen zu fördern und damit die
Möglichkeit eines Konfliktes zu verringern.
Kollektive Sicherheit
Wenn es im vergangenen Jahr in Europa im Zusammenhang mit der
Berlin-Frage und im Fernen Osten im Zusammenhang mit Formosa und
dem Königreich Laos nicht zur Anwendung von Gewalt kam, so geschah
dies zum Teil auf Grund der defensiven Stärke der freien Welt und der
klar zutage getretenen Bereitschaft, diese Macht - sollte es notwendig
sein - einzusetzen. Diese Stärke wurde durch kürzliche Maßnahmen wie
die Unterzeichnung eines neuen Sicherheitsvertrages zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, eine verbesserte Koordinierung und Zusammenarbeit in der SEATO und der CENTO sowie die Stärkung des interamerikanischen Systems auf Grund der Außenministerkonferenz in Santiago bekräftigt und vergrößert.
Das

�8. April 196O

"AMERIKA DIENST

Das erste Bollwerk, das im Rahmen unseres kollektiven Sicherheitssystems errichtet wurde, war die Nordatlantische Allianz, die
heute den elften Jahrestag ihrer Gründung begeht.
Durch die Behandlung solcher wichtiger Fragen wie die Abrüstung,
die Zukunft Deutschlands und die Freiheit Berlins wurde der Zusammenhalt der Nordatlantischen Allianz gestärkt und durch die Konsultation
und Zusammenarbeit im Nordatlantikrat offenkundig gemacht. Niemals
zuvor in der Geschichte gab es zu Friedenszeiten ein System für die
politische Konsultation zwischen souveränen Ländern, das so erfolgreich war wie das System, welches wir heute in der NATO haben.
Auch wenn der Beitrag, den die Allianz hinsichtlich der Entwicklung neuer Methoden der Zusammenarbeit unter gleichgesinnten
Völkern leistet, immer größer wird, so bleibt die militärische
Stärke der NATO doch der Kern ihrer Existenz, der für die Verhandlungsposition des Westens entscheidend wichtig ist.
Diese militärische Stärke nimmt weiterhin zu. Die deutsche
Wiederbewaffnung zum Zwecke der Verteidigung macht zufriedenstellende Fortschritte} sie ist gänzlich für die von der Bundesrepublik im
Rahmen der NATO übernommenen Verpflichtungen zur kollektiven Selbstverteidigung bestimmt. Eine Reihe von europäischen NATO-Ländern haben
sich entschlossen oder planen, ihre Verteidigungsbudgets zu erhöhen.
Die Anwesenheit der amerikanischen Streitkräfte auf dem europäischen
Kontinent zusammen mit britischen und kanadischen Verbänden ist ein
sichtbarer Beweis dafür, daß Amerika erkennt, daß seine Sicherheit
von der Sicherheit Westeuropas nicht zu trennen ist. Ein bedeutender
Fortschritt wird bei der Ausrüstung der amerikanischen und europäischen
Streitkräfte des NATO-Verteidigungsschildes mit modernen Waffen gemacht,
die für die Sicherheit des Vertragsgebietes solange von entscheidender
Wichtigkeit sind, bis eine zuverlässige und kontrollierte Abrüstung
erreicht worden ist.
Aber obgleich der Fortschritt bedeutend gewesen ist, bleiben uns
weitere wichtige Aufgaben für die Zukunft. Die Land-, See- und Luftstreitkräfte der NATO müssen weiterhin .verstärkt werden. Wir und unsere Verbündeten bemühen uns außerdem, die Zusammenarbeit und Konsultation innerhalb der NATO weiterhin zu fördern, die für das weitere
Wohlergehen der Atlantischen Gemeinschaft von lebenswichtiger Bedeutung
und in diesem Zeitalter des Aufeinanderangewiesenseins unumgänglich
sind.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin mit ihren NATOPartnern intensiv zusammenarbeiten, um sowohl die militärischen als
auch die nichtmilitärischen Ziele zu erfüllen. Ich durfte auf der
Ministersitzung des Nordatlantikrates im Dezember vergangenen Jahres
ein Programm der langfristigen NATO-Planung für das gegenwärtige
Jahrzehnt vorschlagen. Der Rat stimmte diesem Vorschlag zu, und die
USA werden mit den anderen NATO-Mitgliedern eng zusammenarbeiten,
um seine erfolgreiche Durchführung zu unterstützen.
Wenn

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�8. April i960

"AMERIKA DIENST"

Wenn die Welt in eine Ära eintritt, in der die Drohung der
offenen Aggressionen abzunehmen scheint, ist man vielleicht versucht, die NATO sowie andere kollektive Sicherheitsvorkehrungen
als selbstverständlich hinzunehmen und zu glauben, daß Nachdruck
und Vorrang der Politik auf anderen Gebieten liegen. Ich kann nicht
genug unterstreichen, daß in künftigen Jahren wie auch in der Vergangenheit - solange bis eine kontrollierte allgemeine Abrüstung
erzielt und eine internationale Friedenstruppe geschaffen worden
ist - die militärische Stärke der NATO und unsere anderen kollektiven
Vorkehrungen ein Grundpfeiler der Politik der USA, das notwendige
Fundament für einen gerechten Frieden, bleiben werden,
Rüstungskontrolle
Während die Vereinigten Staaten daran arbeiten, durch kollektive
Sicherheit vor einer Aggression abzuschrecken, sind sie gleichzeitig
bemüht, die Kriegsgefahr sowie die Last der Rüstungsausgaben durch
eine gesicherte Rüstungskontrolle zu reduzieren.
Die Westlichen Nationen hoffen, daß, auf lange Sicht gesehen,
schließlich doch noch eine angemessene Ordnung des Völkerrechts
sowie die Maschinerie für die Durchsetzung dieses Rechts eine weltweite Billigung finden werden. Innerhalb dieses Rahmenß würde es
dann möglich sein, eine allgemeinere Abrüstung in Angriff zu nehmen.
Um unser Nahziel zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten und
Großbritannien während der vergangenen 17 Monate mit der Sowjetunion
ständig über die Aussetzung der Kernwaffenversuche verhandelt. Eine
solche Einstellung der Versuche würde nicht nur die Verbreitung der
Kernwaffen unterbinden und die weltweite Besorgnis über die radioaktiven Ausfälle vermindern, sondern würde auch, was die Kontrollen
anbetrifft, einen wichtigen Präzedenzfall für das umfangreichere
Problem der Abrüstung schaffen.
Beachtlicherweise ist jetzt ein Fortschritt in der Annäherung
der westlichen und der sowjetischen Position in der Frage der Kernwaffenversuche erzielt worden. In der vergangenen Woche haben Präsident Eisenhower und Premierminister MacMillan einen Vorschlag unterbreitet, der die Möglichkeit eines bedeutenden Schritts vorwärts in
Richtung auf das erstrebte Ziel einer kontrollierten, umfassenden
Einstellung aller Kernwaffenversuche eröffnet. Eine Annahme dieses
Vorschlages würde bedeuten, daß man zu einem gesicherten Vertrag
gelangen könnte, der die Versuche in der Atmosphäre, auf den Weltmeeren und in größeren Höhen sowie größere unterirdische Explosionen
beenden und ein temporäres, freiwilliges Moratorium für jene kleineren
Kernwaffenversuche in Kraft treten lassen würde, die - wie wir glauben zur Zeit noch nicht mit Zuverlässigkeit erkannt und identifiziert
werden können,
Durch diese gemeinsame Maßnahme haben die Vereinigten Staaten
und Großbritannien ein Abkommen in Reichweite treten lassen, das sehr
wohl ein historischer Wendepunkt in dem Bemühen um vereinbarte Maßnahmen zu einer Rüstungskontrolle sein könnte, die zu einem weitaus

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�"AMERIKA DIENST"

.

,

8. April i960

weitaus größeren Maß an Frieden und Sicherheit in der Welt führen
würden.
Jetzt liegt es an der Sowjetunion; sie ist am Zuge.
Die Entwicklungen bei den Genfer Verhandlungen über ein Kernwaffenversuchsverbot sind von außerordentlicher Bedeutung; unser
größeres Ziel besteht jedoch in allgemeinen, kontrollierten Rüstungsbegrenzungen.
Im vergangenen Monat haben die Verbündeten dem Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß ein in drei Phasen gegliedertes Programm zur gesicherten Rüstungsreduzierung vorgelegt, das zu dem Ziel einer allgemeinen Abrüstung führen würde. Wir sind davon überzeugt, daß dieses
Programm eine realisierbare, praktische Methode bietet, während die
allgemein gehaltenen und vagen Bestimmungen des sowjetischen Vorschlages bisher ihre Durchführbarkeit noch nicht bewiesen haben.
Die erste und die zweite Phase des westlichen Programms enthalten Vorschläge, die unser Nahziel - das Risiko eines unbeabsichtigten Krieges zu vermindern - fördern würden. Die Vorschläge dieser
Phase sehen eine Vorankündigung des Abschusses von Flugkörpern in
den Weltraum sowie andere Garantien gegen einen Überraschungsangriff
•ör. Wir schlagen ferner eine Beendigung der Produktion spaltbaren
Materials für Waffenzwecke vor, wodurch der Verbreitung von Kernwaffen
Einhalt geboten würde.
Die dritte Phase des westlichen Programms würde unser letztliches
Ziel - eine allgemeine Abrüstung - verwirklichen. Sie sieht eine
außerordentlich drastische Reduzierung der Streitkräfte sowie gleichlaufend damit die Schaffung eines Systems für die wirksame Durchsetzung
des Völkerrechtes vor.
Wenn Fortschritte in Richtung auf diese Ziele erreicht werden,
sollen, dann ist eine größere Bereitschaft auf seiten der sowjetischen
Führung erforderlich, die für eine wirksame Rüstungsbegrenzung notwendigen praktischen Schritte zu akzeptieren. Die nukleare Zerstörung
kennt keinen Unterschied der Nationalität. Es gibt keine ideologische
Färbung, die den Fortbestand garantiert. Das intensive Bestreben der
Völker, ihre Hilfsquellen für die wirtschaftlichen Entwicklungen und
für den sozialen Fortschritt statt für die Produktion von Waffen einzusetzen, ist nicht clas Monopol der einen oder der anderen Seite. Ein
echter Fortschritt auf dem Wege zu einer gesicherten Rüstungskontrolle
würde den besten Interessen beider Seiten dienen, ohne daß dadurch von
der einen oder der anderen Seite Positionen oder Grundsätze geopfert
würden.
Es wird nicht einfach sein, irgendeine Form der Einigung zu erreichen. Aber es ist notwendig, und es wird jeden Tag notwendiger, und,
wie Außenminister Dulles zu sagen pflegte, "wir müssen als unsere
Arbeitshypothese akzeptieren, daß das, was notwendig ist, auch möglich
ist".
Die

- 5.;--«T^r&lt;

�8. April 196O

"AMERIKA DIENST'
Die politische Verhandlung

Wir bemühen uns ernsthaft darum, die Kriegsgefahr zu vermindern,
indem wir mit der Sowjetunion wie über die Rüstungskontrolle so auch
über politische Streitfragen verhandeln.
Unser unmittelbares Ziel bei diesen ständigen Verhandlungen ist
es, die Positionen beider Seiten zu klären und die Gefahr eines Konfliktes über die uns trennenden politischen Fragen zu vermindern»
Unser Fernziel ist es, die Grundlage für eine schließliche Lösung
dieser Streitfragen zu schaffen.
Zweifellos ist
eine der Hauptfragen, denen wir uns gegenübersehen, das Problem der Teilung Deutschlands« Diese unnatürliche Teilung stellt nicht nur eine schwere Ungerechtigkeit gegenüber dem
deutschen Volk dar, sondern - was genau so ernst ist - die anhaltende
Spaltung Deutschlands wird, wenn sie nicht beseitigt wird, unvermeidlicherweise zu einer Gefährdung des Vifeltfriedens führen»
In den vergangenen Monaten hat Herr Chruschtschow wiederholt in
öffentlichen Erklärungen zu verstehen gegeben, daß er unter Umständen
einseitig einen separaten Vertrag mit dem ostdeutschen Regime abschließen wird, wenn die Westmächte einer Regelung des deutschen
Problems nach seinen Bedingungen nicht zustimmen. Wenn er auch sorgfältig darauf achtete, in seinen Erklärungen zu diesem Thema nicht
zu präzise zu sein, so konnte die Wiederholung dieser Drohung die
Situation doch nur komplizieren und die internationale Atmosphäre
ungünstig beeinflussen.
Herr Chruschtschow hat ebenfalls vor kurzem in bezug auf Asien
erklärt, daß "jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung besitzt".
Aber ans der bisherigen sowjetischen Haltung hinsichtlich Deutschlands
wird klar, daß Herr Chruschtschow nicht bereit ist, dafür Sorge zu
tragen, daß dieser Grundsatz auf die unter kommunistischer Kontrolle
lebenden 17 Millionen Menschen in Ost-Berlin und Ostdeutschland angewandt wird.
Im Gegensatz dazu haben die Westmächte in einer langen Reihe von
Verhandlungen nach dem Kriege darauf bestanden, daß der Grundsatz der
Selbstbestimmung geachtet wird. Genauer ausgedrückt, wir sind der Überzeugung, daß die Wiedervereinigung auf der Grundlage freier Wahlen
zustande/kommen und daß eine endgültige Friedensregelung mit der deutschen Regierung getroffen werden sollte, die auf der Grundlage solcher
Wahlen gebildet wurde.
Man darf damit rechnen, daß auch die Berlin-Frage bei den bevorstehenden Pariser Besprechungen der Regierungschefs eine bedeutende
Rolle spielen wird. Die Teilung Berlins spiegelt lediglich das
größere Problem der Teilung Deutschlands wider.
Die Westmächte sind entschlossen, die Freiheit
der Westberliner Bevölkerung auf der bevorstehenden
zu verteidigen. Wir haben diese Einstellung auf der
konferenz in Genf klargemacht. Präsident Eisenhower

- 6-

und Sicherheit
Gipfelkonferenz
Außenministerhat sie erneut

�AMERIKA DIENST"

8. April 1960

erneut in Camp David bekräftigt. Wir und unsere Verbündeten haben
erst unlängst auf der Konferenz der Regierungschefs im Dezember in
Paris übereinstimmend erklärt, daß wir in bezug auf West-Berlin fest
bleiben werden« Indem wir auf diese Weise sicherstellen, daß die
sowjetischen Machthaber unsere Festigkeit nicht falsch beurteilen,
verringern wir die Möglichkeit unbesonnener Aktionen, durch die die
Spannungen gewaltig verstärkt werden würden.
Indem wir unsere fundamentalen Rechte und Verpflichtungen hinsichtlich Berlins erneut bekräftigen, sind wir zugleich ehrlich gewillt, Verhandlungen zur Lösung dieses Problems im Zusammenhang mit
dem Deutschlandprogramm als Ganzem aufzunehmen.
Wenn ich das deutsche Problem erörtere, dann möchte ich die Gelegenheit benutzen, um einige Worte über das neue Deutschland - die
Bundesrepublik Deutschland - zu sagen. Ich habe in den vergangenen
Monaten zahlreiche feindselige Angriffe seitens der Sowjetunion einige von Herrn Chruschtschow selbst - bemerkt, in denen die Regierung der Bundesrepublik als "militaristisch" hingestellt wurde.
Diese Beschuldigungen entbehren absolut jeder Grundlage. Sie sind
ganz klar darauf gerichtet, nioht nur die Regierung von Bundeskanzler
Adenauer in Mißkredit zu bringen, sondern auch den Samen des Argwohns
und der Uneinigkeit unter den Mitgliedern der Allianz der freien Welt
zu säen. Während der ersten zehn Jahre ihres Bestehens hat die Bundesrepublik unter der konstruktiven Führung von Bundeskanzler Adenauer
in Deutschland wieder eine demokratische Ordnung geschaffen, die den
Prinzipien der Freiheit und der Gerechtigkeit geweiht ist. Innerhalb
des Rahmens solcher Zusammenschlüsse wie die Europäische Gemeinschaft
und die NATO, die beide die uneingeschränkte deutsche Unterstützung
erhalten haben, hat die Bundesrepublik wirksam zu der Entwicklung
einer politischen und wirtschaftlichen Stabilität in Westeuropa und
zu der Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien Welt beigetragen.
Sie hat sich in jeder Hinsicht als ein wertvoller und geachteter Verbündeter erwiesen.
Auf der im kommenden Monat in Paris stattfindenden Gipfelkonferenz
wird der Westen weiterhin die Entschlossenheit der freien Welt, entscheidende Rechte zu verteidigen, klarstellen. Gleichzeitig wird er
sich weiter um eine Sondierung aller Möglichkeiten, insbesondere der
Rüstungskontrolle, bemühen, die die Kriegsgefahr vermindern würden.
Wir können jedoch bei der Verhandlung über neue Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion kaum auf Fortschritte vertrauen, wenn
unsere bestehenden Abkommen mit den Sowjets hinsichtlich Berlins inzwischen verletzt werden oder wenn mit Verletzungen gedroht wird» Es
gibt einen klaren Zusammenhang zwischen diesen beiden entscheidend
wichtigen FragertFDrei westliche Außenministerkonferenzen - und zwar in Washington,
in Istanbul und in Paris - werden dem Gipfeltreffen vorausgehen und
die Möglichkeit bieten, die in den Arbeitsgruppen geleistete Vorberei -tungsarbeit zu überprüfen, einander zu konsultieren und die Ansichten zu koordinieren.
Auf

�8. April 1960

"AMERIKA DIENST"

Auf der Grundlage dieser Vorbereitungen werden wir und unsere
Verbündeten sich auf der Gipfelkonferenz bemühen, das Ausmaß des
Mißverständnisses zwischen der Sowjetunion und uns sowie die Möglichkeit einer sowjetischen Fehlbeurteilung unserer Stärke und unserer Absichten zu verringern. Wir werden versuchen, einen Fortschritt
in Richtung auf praktisch realisierbare Abkommen für die Gebiete
größter Gefahr zu erzielen. Wir werden außerdem sorgfältig die Möglichkeit künftiger Verhandlungen sondieren.
Dies sind selbstverständlich begrenzte Zielsetzungen. Wenn jemand
dramatische Ergebnisse von der Gipfelkonferenz erwartet, so mag er
enttäuscht werden. Wenn die westlichen Verbündeten jedoch fest zu
ihren Überzeugungen und Verpflichtungen stehen, während sie gleichzeitig unverrückbar das Ziel verfolgen, den Streit zwischen Ost und
West nicht zu einem Krieg ausbrechen zu lassen, dann können wir auf
einen Fortschritt hoffen - und wir hoffen in der Tat auf einen Fortschritt.
Die Entwicklungsländer
Die Bemühungen, durch kollektive Sicherheitsvorkehrungen vor der
Anwendung von Gewalt abzuschrecken und die ungelösten Streitfragen
durch Verhandlungen beizulegen, werden allein den Frieden noch nicht
sichern. Wir müssen darüber hinaus bestrebt sein, einen konstruktiven
und friedlichen Wandel in denjenigen Gebieten zu fördern, wo er notwendig ist.
.Venn die Länder Afrikas und Asiens den von ihnen gewünschten
Fortschritt durch ordnungsgemäße Methoden nicht erreichen können,
dann wird die Verzweiflung ohne Frage Konfliktstoffe schaffen. Es
liegt in unserem eigenen Lebenswichtigen Interesse, daß diese Völker
in Freiheit wachsen und an Stärke zunehmen.
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm der Vereinigten Staaten hilft
ihnen, genau dies zu erreichen. Dieses Programm erfordert in jedem Jahr
weniger als ein halbes Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts.
Und dennoch könnte der große äfro-asiatische Raum mit seinen riesigen
Menschenmassen und Hilfsquellen ohne dieses Programm vielleicht nicht
vor den verkündeten Absichten Chruschtschows und Mao Tse-tungs, die
Welt durch alle möglichen Methoden außer dem Krieg selbst zu erobern,
bewahrt werden.
Wir sind in immer stärkerem Maße bemüht, die Gelder für die
wirtschaftliche Entwicklung nicht als Schenkungen, sondern als Anleihen zur Verfügung zu stellen. Die gegenwärtige Forderung des Präsidenten an den Kongreß, 700 Millionen Dollar an neuen Mitteln für den
Entwicklungsanleihefonds zu bewilligen, ist ein wichtiger Schritt auf
dieses Ziel hin. Diese Mittel werden benötigt, wenn der Fonds seine
Rolle als Hauptinstrument der amerikanischen Entwicklungsfinanzierung
im Ausland spielen soll.
In den vor uns liegenden Jahren werden die USA in immer stärkerem
Maße bestrebt sein, ihre Entwicklungsfinanzierung auf Länder zu konzentrieren, die die Fähigkeit zu entschlossener und disziplinierter

- 8-

�"AMERIKA DIENST"

0. April 1960

disziplinierter Selbsthilfe gezeigt haben. Diese Konzentration
unserer Anstrengungen führt allen aufstrebenden Ländern vor Augen,
daß ein schnelles Wachstum unter freiheitlichen Bedingungen erreicht werden kann. Dadurch wird ferner jenen Ländern,die Hilfe
von außen suchen, ein Anreiz geboten, zu zeigen, daß sie willens und
bereit sind, sich selbst zu helfen. Und dadurch rückt der Zeitpunkt
näher, zu dem die Nationen, die wir unterstützen, ihrerseits in der
Lage sein werden, ihren Nachbarn Hilfe zu gewähren.
Die Industrieländer Westeuropas sowie Japan sind auf Grund der
Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse, die sie mit Hilfe
unserer Unterstützung erreichen konnten, in immer stärkerem Maße in
der Lage und bereit, den Entwicklungsländern zu helfen. Dies ist
ein wesentlicher Beweis für die gegenwärtigen und zukünftigen Dividenden der in der Vergangenheit geleisteten wirtschaftlichen Unterstützung.
Die Energien der Privatwirtschaft sollten in immer stärkerem
Maße für die Entwicklungsaufgaben mobilisiert werden. Unsere Regierung sucht ständig nach Mitteln und Wegen, durch die dieses gewaltige Reservoir seinen vollen Beitrag für das Wachstum, die
Stabilität und die Stärke der freien Welt leisten kann.
Außer diesem Unterstützungsangebot bemüht sich Amerika darum,
eine Brücke des Verständnisses zu den neu aufstrebenden Nationen zu
schlagen. Die nichtigsten und dramatischsten Schritte, die in den
jüngst vergangenen Jahren in dieser Richtung getan wurden, waren die
Reisen des guten Willens, die Präsident Eisenhower nach Asien und
Lateinamerika unternahm. Diese Reisen haben das in diesen Ländern
vorhandene Potential des guten Willens gegenüber den Vereinigten
Staaten aktiviert und vermehrt. Sie haben eine begrüßenswerte Welle
latent vorhandener Freundschaft zu den Vereinigten Staaten ausgelöst.
Die Vereinigten Staaten sind ganz besonders bestrebt, engere
Beziehungen zu den neuen afrikanischen Staaten herzustellen. Das
Wohlergehen und die Sicherheit dieser Völker, die jetzt die mit der
Unabhängigkeit verbundenen Verantwortungen und Verpflichtungen
übernehmen, ist für uns von größtem Interesse. Wir hoffen, daß
sie zu regionalen Abmachungen gelangen können, die die friedliche
Beilegung von Streitigkeiten gewährleisten und sinnloses und gefährliches Wettrüsten vermeiden. Dies würde in der Tat einen Schritt
vorwärts zur Sicherung eines friedlichen Wandels darstellen.
Fortschritt zur Weltordnung
Große Anforderungen sind an die Vereinigten Staaten durch dieimmer wiederkehrenden Belastungen einer sich wandelnden Welt gestellt
worden und werden weiterhin gestellt werden. So notwendig die Beiträge der einzelnen Nationen auch sein mögen, so gibt es doch keinen
Ersatz für die Arbeit der internationalen Organisationen, wenn dieser
Prozeß des Wandels weiterhin in friedlichen Bahnen verlaufen soll.
Der Boitrag der Vereinten Nationen sowie ihrer Sonderorganisationen
und die Beiträge der Organisation der amerikanischen Staaten und des
Colombo-Planes werden genauso benötigt.
Auch

- 9-

�"AMERIKA DIENST"

9. April i960

Auch an die Vereinten Nationen wurden große Anforderungen gestellt und von ihnen in wachsendem Maße bewältigt. Die Vereinten
Nationen sind bei diesem Prozeß gewachsen. Die Autorität des UNGeneralsekretariats ist stärker geworden. Die Idee einer Bereitschaftstruppe der Vereinten Nationen für besondere Notfälle ist erfolgreich
erprobt worden. Bei verschiedenen Krisen hat die - wie man sie nennen
könnte - "Feuerwehr" der Vereinten Nationen sich durch Erfüllung der
an sie gestellten Aufgaben in organischer Weise weiterentwickelt.
Außerdem hat die Vollversammlung weiterhin als eine Art Ratsversammlung - ein Sicherheitsventil - für die Welt gedient«.
Die Vereinigten Staaten werden einen sich auf diesen Bahnen vollziehenden, anhaltenden Portschritt unterstützen. Wir werden die Bemühungen von UN-Generalsekretär Hammarskjöld fördern, Abmachungen
für eine ständige Bereitschaft der Streitkräfte der Vereinten Nationen
zu treffen oder andere Formen der Anwesenheit der Vereinten Nationen
zu verwirklichen, wie sie sich vielleicht in Krisengebieten als notwendig erweisen könnten. Wir werden auf der nächsten Sitzung der Vereinten Nationen über solche Maßnahmen beraten.
Unser dem Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß unterbreiteter Vorschlag,
daß die allmähliche Entwicklung einer angemesseneren Ordnung des Völkerrechts und einer Maschinerie zu ihrer Durchsetzung eine allgemeine
Reduzierung der internationalen Rüstung begleiten und auf diese Weise
ermöglichen solle, spiegelt unsere Hoffnungen auf und unseren Glauben
an die Vereinten Nationen wider.
Der Vorschlag für eine internationale Polizeitruppe ist einer
der wesentlichen Unterschiede zwischen unserem Abrüstungsplan und dem
der Sowjetunion. Vor allem die kleinen Länder haben ein lebenswichtiges
Interesse an diesem Unterschied .Eine allgemeine Abrüstung, wie sie von
der Sowjetunion vorgeschlagen wird, würde diese Länder sogar noch
schutzloser als vorher dastehen lassen - angesichts der beträchtlichen
Streitkräfte, die ihre größeren Nachbarn für die innere Sicherheit
aufrechterhalten dürften.
Die Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe ist in der
Charta der Vereinten Nationen vorgesehen. Alle Nationen, die den
Vereinten Nationen angehören, haben sich zu dieser Idee bekannt,
als sie die Verpflichtungen der Mitgliedschaft übernahmen. Die
Sowjetunion hat jedoch durch wiederholtes Einlegen ihres Vetos jeden
Fortschritt zur Verwirklichung dieser Idee verhindert. Wir werden
auch weiterhin auf Maßnahmen dringen, die diesen Teil der Charta zu
einer lebendigen 'Wirklichkeit werden lassen.
Die Zukunft
Ich behaupte nicht, daß die Leistungen der Vereinigten Staaten
auf allen diesen Gebieten der Außenpolitik notwendigerweise vollkommen waren. Ich versichere jedoch, daß wir gewichtige - ich sage
bedeutende - Fortschritte in unseren wesentlichen Bemühungen gemacht
haben.
Gewaltige
- 10 -

�"AMERIKA DIENST"
Gewaltige Hindernisse
Bemühungen liegen richtig,
sie gehen. Und wir sind in
unser Ziel des Friedens in

8. April 1960
bleiben noch zu überwinden. Aber unsere
und die freien Nationen wissen, wohin
jeder Hinsicht gewillt, weiterhin auf
Gerechtigkeit und Fortschritt zuzuschreiten.

Pas Ergebnis wird von der Stärke und Einheit der freien Welt abhängen. Je unmißverständlicher unsere Stärke in moralischer und
materieller Hinsicht ist und je klarer unsere nationale und internationale Einigkeit zutage tritt, um so unwahrscheinlicher wird eine
ernstliche Kriegsgefahr.
Solange die militärischen und wirtschaftlichen Faktoren unserer
Stärke dieser unserer Aufgabe entsprechen - und sie tun es und werden
es auch weiterhin tun -, wird alles übrige von unserem Mut und unserer
Entschlossenheit sowie unserem Eintreten für die Werte und Zielsetzungen der freien Menschen abhängen.
Es wird gut sein, wenn wir uns hier die Worte eines großen
Amerikaners - Theodore Roosevelt - ins Gedächtnis rufen, der vor
mehr als einem halben Jahrhundert erklärte; "Das zwanzigste Jahrhundert ragt vor uns auf, beladen mit dem Schicksal vieler Nationen.
Wenn wir müßig beiseite stehen ... wenn wir vor dem harten Kampf
zurückschrecken, den die Menschen, unter Einsatz ihres Lebens und
unter Gefahr, daß sie alles ihnen Teure verlieren, gewinnen müssen,
dann werden die kühneren und stä.rkeren Völker... für sich die Herrschaft der Welt gewinnen."
Ich weiß, daß unser Wille und unser Mut die Bewährungsproben der
kommenden und künftigen Monate bestehen werden.
* * * *

- 11 -

•

�A M E R I K A

D I E N S T

,

illg./l5.4.1960

ABRÜSTUNG - ABER WIE?
Die Vorschläge des Westens und des Sowjetblocks im
vergleichenden Überblick

VORBEMERKUNG
••

Die Augen der Weltöffentlichkeit bleiben trotz des Beschlusses der
Genfer Abrüstungskonferenz, ihre Sitzungen vom 29» April bis zum 7» Juni
zu unterbrechen, weiter auf den dort tagenden "Zehnerausschuß" gerichtet,
der es unternommen hat, alle Möglichkeiten zur Lösung des dornigen Abrüstungsproblems zu sondieren. Auf der einen Seite des Verhandlungstisches
sitzen die Vertreter der USA, Großbritanniens Frankreichs, Kanadas und
Italiens. Auf der anderen Seite nehmen Vertreter von fünf Ländern des
Sowjetblocks teil: Sowjetunion, Polen, die Tschechoslowakei, Bulgarien
und Rumänien.
Dem sowjetischen Plan für eine "allgemeine und vollständige" Abrüstung
binnen vier Jahren traten die verbündeten Westniächte mit einem Dreistufenpia
entgegen, der die wechselseitige Inspektion und Kontrolle jeder Etappe beton
um auf diese Weise die Durchführung der Abrüstungsvereinbarungen zu garantieren.
Dieser kurzgefaßte Überblick vergleicht die gegensätzlichen Ausgangspositionen zum Beginn der Zehnmächtekonferenz am 15« März i960 miteinander
und bringt sie so in einen perspektivischen Zusammenhang«

1

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
DIE ZIELE
Westmächte
"Das Endziel ist eine sichere, freie,
friedliche Weit, in der allgemeine
Abrüstung unter wirksamer internationaler Kontrolle herrschen soll nebst
einem vereinbarten Verfahren für die
Regelung von Streitfällen im Einklang
mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen."

KERNWAFFEN
Westmächte
1. Stufe:
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für die gesicherte
Durchführung von Vereinbarungen über
die Einstellung der Produktion von
Kernwaffen. Ein ebensolches Studium
ist nötig, um die Durchführung von
Vereinbarungen über die Überstellung vorhandener Kernwaffen zwecks
nichtmilitärischer Verwendung zu
gewährleisten.
2. Stufe:
Zu vereinbaren ist die sofortige
Einstellung der Kernwaffenproduktion,
sobald eine wirksame Durchführungskontrolle eingerichtet ist (vorausgesetzt, daß die Verminderung der
konventionellen Streitkräfte in befriedigender Weise voranschreitet).
Ebenso ist die Überstellung vorher
bestimmter Mengen spaltbaren Materials
aus den Rüstungsbeständen nach Einrichtung einer wirksamen Durchführungskontrolle zu vereinbaren.
3. Stufe:
Durch weitere Vereinbarungen über
ein Herstellungsverbot für nukleare,
chemische, biologische und andere Massenvernichtungswaffen und über den Abbau derartiger Y/aff enbestände ist die
endgültige Abschaffung solcher Waffen
zu gewährleisten«

Sow.jetblock
"Nach sorgfältiger Prüfung der
gegenwartigen internationalen
Situation und der bei früheren
Abrüstungsverhandlungen gesammelten Erfahrungen gelangte die Regierung der Sowjetunion zu dem
Schluß, daß das beste Mittel zur
Lösung des Abrüstungsproblems,
des wichtigsten internationalen
Problems der Gegenwart, die vollständige und allgemeine Abrüstung
aller Staaten ist."

Sow.jetblock
1. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

3. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Vernichtung von Kernwaffen aller Art
sowie ein Verbot-der Herstellung,
des Besitzes und der Einlagerung
von chemischen und bakteriologischen Waffen. Alle derartigen Vaf.
fenbestände sind unter internationaler Überwachung zu vernichte]

�15. April

"AMERIKA DIENST"

1960

KONVENTIONELLE WAFFEN UND STREITKRÄFTE
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Feststellung der Truppen- und Rüstungsbestände
auf Grund einseitiger Erklärung aller
Staaten gemäß besonderer Übereinkunft.

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Verminderung der Truppenstärke auf 1,7
Millionen Mann für USA, UdSSR und
Rotchina, auf 650 000 Mann für
Großbritannien und Frankreich.
Für andere Staaten sind entsprechende Truppenverminderungen durch
eine UN-Sondervollversammlung oder
eine Weltabrüstungskonferenz festzulegen.

Zu vereinbaren sind Ausgangsstärken von
2,5 Millionen Mann für
USA und UdSSR und angemessene Stärken
für bestimmte andere Staaten.
Zu vereinbaren ist die Einlagerung bestimmter Waffenmengen einzelner Typen in international kontrollierten Depots, und zwar so, daß ein vereinbartes Verhältnis zwischen den eingelagerten Waffen und den vereinbarten
Truppenstärken hergestellt wird.

Zu vereinbaren sind Rüstungsbeschränkungen, die den für die
Streitkräfte festgelegten Truppenstärken entsprechen.

2. Stufe:

2. Stufe:

Zu vereinbaren ist die Truppenver-,
minderung auf jeweils 2,1 Millionen Mann
für USA und UdSSR sowie auf angemessene
Stärken, die von einer Konferenz der beteiligten Staaten festzulegen sind,für
alle übrigen militärisch wichtigen Staaten. Die Truppenverminderung ist gleichzeitig mit der Einrichtung eines Inspektions- und Kontrollsystems durchzuführen.
Zu vereinbaren ist die Einlagerung
bestimmter Typen und Mengen von Waffen
gemäß Übereinkunft im Verhältnis der
Truppenstärken.

Zu vereinbaren ist die vollständige Auflösung aller noch vorhandenen Streitkräfte.
Zu vereinbaren ist die Aufhebung aller Militärstützpunkte
auf dem Gebiet fremder Staaten.

3. Stufe:
Zu vereinbaren ist eine weitere
sukzessive Verminderung der Truppenund Waffenbestände, die Zug um Zug
zu kontrollieren ist (auf der Basis
je nach Bedarf anzustellender Studien),
bis der zur Gewährleistung der inneren
Sicherheit und zur Erfüllung von
Verpflichtungen auf Grund der Charta
der Vereinten Nationen notwendige
Mindeststand erreicht ist und zwar
unter dem Gesichtspunkt, daß kein
Einzelstaat und keine Staatengruppe
imstande sein soll, sich der Exekution
des Völkerrechts ernstlich zu widersetzen.

5. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Abschaffung aller militärischen
Einrichtungen, Ausbildungslehrgänge und Organisationen.

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
WELTRAUM
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Voranmeldung jedes beabsichtigten Abschusses
von Raumflugkörpern bei einer internationalen Kontrollstelle.
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für die Ausschaltung
der Möglichkeit, daß irgendein Land
Erdsatelliten oder Weltraumstationen
mit Massenvernichtungswaffen ausstattet.

1. Stufe:
Kein« besonderen Maßnahmen«

2. Stufe:

2. Stufe:

Zu vereinbaren ist ein Verbot der
Keine besonderen Maßnahmen.
Entsendung von Raumflugkörpern, die als
Massenvernichtungsmittel eingesetzt werden könnten, auf eine Satellitenbahn um
die Erde oder ihrer Stationierung im Weltraum, sobald eine angemessene Durchführungskontrolle eingerichtet ist.
3. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

3. Stufe:
Zu vereinbaren sind weitere Maßnahmen, um die ausschließliche Beschränkung auf nichtmilitärische Vorhaben im
Weltraum sicherzustellen.
RAKETEN
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:

1. Stufe:

Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen, um sicherzustellen,
daß Raketenstarts der internationalen
Kontrollstelle vorher bekanntgegeben
werden und daß sie Mitteilungen über
die Lage der Montageplätze und Abschußrampen erhält.

Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe»

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen»

Zu vereinbaren ist die Anmeldepflicht für Raketenstarts und die
Meldepflicht für Montageplätze und
Abschußrampen sowie die Überprüfung
solcher Angaben gemäß Übereinkunft
unter Einschluß von Inspektionen
an Ort und Stelle.
-

4

-

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
3. Stufe:
Zu vereinbaren sind weitere Maßnahmen zur Kontrolle der Produktion
militärischer Raketen und der vorhandenen Bestände, sowie deren abschließende Beseitigung.

3. Stufes
Zu vereinbaren ist die
Vernichtung sämtlicher Raketen
aller Art.

ÜBERRA 3 C HUNGSANGRIFFE
Westmächte

Sow.jetblock

1 . Stufe:
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für vereinbarte Maßnahmen, die allen beteiligten Staaten
Schutz vor der Gefahr eines Überraschungsangriffs gewähren.

1. Stufe:

2. Stufe:
Zu vereinbaren sind geeignete
Maßnahmen, um die beteiligten Staaten
vor Überraschungsangriffen zu schützen,
darunter Luftinspektion, Bodenkontrollen, Radar-Überlappung, Meldung von
Flugzeugeinsätzen und zweckentsprechende Nachrichtenverbindungen.

Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

Anmerkung: Im sowjetischen Vorschlag heißt es, falls sich die Westmächte
nicht zu der von der Sowjetunion befürworteten vollständigen und allgemeinen Abrüstung bereit fänden, werde diese gewisse Teilmaßnahmen in Erwägung ziehen, darunter auch "den Abschluß eines Abkommens über die Verhütung von Überraschungsangriffen".
DURCHFUHRUNGS GARANTIEN

Westmächte
1. Stufe:

Sowjetblock

Zu vereinbaren ist die Schaffung
einer Internationalen AbrüstungsOrganisation (IDO), die im Zuge der Vereinbarung weiterer Abrüstungsmaßnahmen
ausgebaut werden kann.

Keine besonderen Maßnahmen.

1. Stufe:

Durch geeignete Vorkehrungen ist
eine Basis zu schaffen für die Entwicklung und Stärkung eines Systems internationaler Institutionen zur Wahrung
des Weltfriedens und der allgemeinen
Sicherheit im Rahmen der Vereinten
Nationen.

- 5

�^AMERIKA DIENST"

15. April 1960

2. Stufe:
Die vereinbarten Vorkehrungen für
die Stärkung der Internationalen Abrüstungsorganisation und der internationalen Institutionen zur Wahrung des
Weltfriedens und der allgemeinen Sicherheit im Rahmen der Vereinten Nationen
sind auszubauen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

5. Stufe:

3. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

Die Entwicklung und Stärkung der
internationalen Institutionen zur
Wahrung des Weltfriedens und der allgemeinen Sicherheit im Rahmen der Vereinten Nationen ist auf den endgültigen
Stand zu bringen.

Anmerkung: Im sowjetischen Vorschlag heiÄt es: "Zur Überwachung der Durchführung der Maßnahmen für die allgemeine und vollständige Abrüstung soll
ein internationales Kontrollorgan geschaffen werden. Das Ausmaß der auszuübenden Kontrolle und Inspektion soll jeweils der Stufe entsprechen, die
bei der abschnittsweisen Abrüstung der Staaten erreicht ist. Sobald die
allgemeine und vollständige Abrüstung abgeschlossen ist, wo zu die Auflösung sämtlicher Dienstzweige der Streitkräfte und die Vernichtung sämtlicher Waffen aller Art einschließlich der Massenvernichtungswaffen (der
nuklearen, Raketen-, chemischen, bakteriologischen Waffen) gehört, soll
das internationale Kontrollorgan freien Zugang zu allen Kontrollobjekten
haben. Die Kontrollorganisation soll auch ein System der Beobachtung und
photographischen Überwachung des Gebietes aller Staaten aus der Luft
einrichten können."
MILITÄRHAUSHALT
Sowjetblock
Der Plan sieht für die dritte
Stufe die Einstellung der "Zuweisung von Mitteln für militärische
Zwecke in jeglicher Form" vor,
gleichgültig ob über den Staatshaushalt oder über andere Einrichtungen. Die im Zuge der allgemeinen und vollständigen Abrüstung
eingesparten Mittel sollen zur
Verminderung oder Abschaffung
der Steuern, zur Förderung der
Volkswirtschaften und für die
Unterstützung der Entwicklungsländer benutzt werden.

Westmächte
Der Plan sieht für jede der drei
Stufen eine Überprüfung der Militärausgaben vor, beginnend mit einer
einseitigen Erklärung der Staaten
zur Höhe ihres Militäretats und abschließend auf der dritten Stufe mit
der Einrichtung einer wirksamen Kontrolle aller Militärausgaben.

*

* * * *

6

�Allg./29.4.1960

DILLONi DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK VOM HEUTE

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
der Ansprache, die der stellvertretende USAußenminister Douglas Dillon am 20, April i960
auf der Konferenz des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO in New York gehalten hat«

Die Konferenz, die Sie gerade beendet haben, bietet den
erneuten Beweis - wenn ein solcher Beweis überhaupt erforderlich ist -, daß sich die Gewerkschaften heute wie nie zuvor
der großen Anstrengungen bewußt sind, die unser Land in der
niemals endenden Suche nach dem Frieden unternehmen muß. Die
amerikanischen Gewerkschaften wissen sehr wohl, daß wir uns
unsere Sicherheit nicht mehr als etwas für sich Bestehendes,
in einer "Festung Amerika" Gehütetes vorstellen können« Die
amerikanischen Gewerkschaften erkennen, daß wir uns nicht für
alle Zeiten unseres materiellen Wohlergehene erfreuen können,
wenn nicht andere Völker - besonders die weniger vom Glück begünstigten in den neuaufstrebenden Gebieten - ebenfalls gedeihen. Die amerikanischen Gewerkschaften sind eine wahrhaft
einflußreiche Kraft, deren Verständnis und Unterstützung unserer
internationalen Ziele von Bedeutung für die Erreichung dieser
Ziele sind.
Ich begrüße daher diese passende Gelegenheit, um drei
Hauptaspekte unserer Außenpolitik zu erörtern!
erstens unsere Bemühungen, die Freiheit und Stärke der
freien Welt zu bewahren und dem sino-sowjetischen imperialistischen Druck Widerstand entgegenzusetzen;
zweitens unsere Bemühungen, dafür zu sorgen, daß die grimmige und unausweichliche Auseinandersetzung, zu der wir durch die
kommunistischen Politiker herausgefordert worden sind, nicht in
einen Krieg ausartet}
drittens unser umfassendes Streben nach einer Weltordnung,
in der der Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit gesichert werden kann.
Tl-a
- 1-

�"AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Die sowjetische Macht sowie die Entschlossenheit, den kommunistischen Einfluß auf die gesamte Welt auszudehnen, stellen eine ernste
und anhaltende (refahr für den Frieden dar» Trotz des ständigen Geredes
von der "friedlichen Koexistenz" gibt es keinen Beweis dafür, daß sich
die expansionistischen Ambitionen der Kommunisten auch nur im geringsten geändert haben. Es ist richtig, daß die sowjetischen Machthaber im Augenblick offenbar bestrebt sind, ihre unveränderten Ziele
durch nichtmilitärische Taktiken zu erreichen - durch Diplomatie,
Handel, Wirtschaftshilfe, Propaganda und innere Subversion. Sie sind
jedoch nach wie vor fest davon überzeugt, daß das totalitäre System
den Sieg davontragen wird. Die Tatsache, daß sie den Nachdruck gegenwärtig auf nichtmilitärische Maßnahmen legen, bedeutet keineswegs,
daß der Kampf weniger hart sein wird oder daß weniger Wichtiges auf
dem Spiele steht. Die Hauptfrage, um die es heute geht, ist nichts
Geringeres als das überleben freier Menschen in einer freien Zivilisation,
Währenddessen unterhält der sino-sowjetische Block eine enorme
militärische Macht, die ihren ständigen Druck auf die freie Welt verstärkt. Vor dem Risiko eines bewaffneten Konflikts stehen wir immer.
Wir müssen eine gewaltige und fortdauernde Anstrengung vollbringen,
um dieses Risiko zu begrenzen, wenn der Frieden erhalten werden soll.
Das erste zwingende Gebot besteht in der Aufrechterhaltung unserer militärischen Stärke auf einem Stand, der die Sicherheit gibt,
daß die sowjetischen Machthaber niemals in die Versuchung kommen
werden, einen thermonuklearen Krieg gegen die Vereinigten Staaten
oder ihre Verbündeten zu entfesseln. Wir haben heute diese Stärke,
und ich kann Ihnen versichern, daß unsere gegenwärtigen und geplanten Verteidigungsprogramme diese entscheidende Stärke aufrechterhalten und erhöhen werden.
Eine weitere zwingende Notwendigkeit ist die AufreUnterhaltung
und Verstärkung unseres kollektiven Systems von Verteidigungspakten
für die Sicherheit, dem fast ein halbes Hundert Nationen angehören,
und das bis in die entferntesten Winkel des Erdballs reicht. Diese
kollektive Stärke ist dringend erforderlich, um die Kommunisten
davor abzuschrecken, örtliche militärische Gewalt anzuwenden - wie
sie dies vor zehn Jahren in Korea taten -, um ihr Imperium auszuweiten. Die Notwendigkeit eines solchen Systems wird durch die Handlungen der chinesischen Kommunisten in der Formosa-Straße, ihr Verbrechen an Tibet und ihren kürzlichen militärischen Druck auf die
Grenzen Indiens deutlich«
Solange die Gefahr besteht und es kein allgemeines und wirksames
System der Rüstungskontrolle gibt, müssen wir und unsere Verbündeten
unsere Verteidigung aufrechterhalten. Wir dürfen uns nicht durch
irgendeinen oberflächlichen Anschein einer "Entspannung" zu einem
Nachlassen in unseren Bemühungen verleiten lassen.
Aber dies ist nicht genug. Um den Frieden zu erhalten, müssen
wir ebenfalls versuchen, vernünftige Kontakte mit der Sowjetunion
herzustellen. Trotz der unverminderten sowjetischen Bestrebungen gibt
es beträchtliche Anzeichen, daß sich die Sowjets genau wie wir der

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29. April i960

Aufgabe West-Berlins oder zur Auslöschung der Freiheit in diesem
Teil Deutschlands werden könnte - das ein freies, friedliches und
demokratisches Mitglied der '.Veitgemeinschaft ist.
Es wäre allzu optimistisch, vorzugeben, daß die Aussichten auf
ein baldiges Abkommen günstig seien. Herr Chruschtschow hat in letzter Zeit in bezug auf Berlin und Deutschland eine Menge zu sagen
gehabt, und seine Worte hinterlassen unausweichlich den Eindruck,
daß aer sowjetische Standpunkt zu Berlin von den eigentlichen Tatsachen weit entfernt ist. Lassen Sie uns einige seiner Ausführungen
prüfeni
Er beginnt mit der Behauptung, daß West-Berlin "auf dem Gebiet"
der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik liegt. Dies ist
nicht nur falsch, sondern diese Behauptung steht in völligem Gegensatz zu dem feierlich gegebenen Wort der sowjetischen Regierung. Es
stimmt zwar, daß der sowjetisch-besetzte Teil Deutschlands Berlin
umgibt, es ist jedoch genauso richtig, daß Berlin ein separater
Status im Rahmen des Besatzungsabkommens zuerkannt wurde, das die
Sowjets -. zusammen mit den Briten und uns - selbst formuliert haben.
Darüber hinaus ist die sogenannte Deutsche Demokratische Republik eine der größten Fiktionen in einem riesigen Netz phantastischer
kommunistischer Mythologie. Ihre Marionettenherrscher stehen völlig
unter der Kontrolle Moskaus. Trot* unermüdlicher Anstrengungen, einen
örtlichen kommunistischen Apparat in Ostdeutschland aufzubauen, ist
es zv/eifelhaf t, ob diese Machthaber ohne die Unterstützung durch die
sowjetischen Bajonette auch nur einen einzigen Tag im Sattel bleiben
könnten. Das ostdeutsche Regime ist von keiner einzigen nichtkommunistischen Nation als Regierung anerkannt worden. Was sowohl die rechtlichen1"' als auch die geographischen Gegebenheiten anbetrifft r so ist
West-Berlin von der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik
gänzlich unabhängig - und dies wird so bleiben.
Herr Chruschtschow besteht weiterhin darauf, daß die westlichen
Streitkräfte West-Berlin verlassen und daß es zu einer "Freien Stadt"
erklärt werde. Er ignoriert die Tatsache, daß West-Berlin bereits
eine freie Stadt ist - die einsame Insel der Freiheit innerhalb der
Grenzen des sich ausbreitenden kommunistischen Weltreiches. Wenn er
davon spricht, West-Berlin zu einer "Freien Stadt" zu machen, dann
ist seine Absicht nur zu klar ersichtlich! er wünscht Berlin frei
von Schutz, frei von Sicherheit, frei von seinen wirtschaftlichen
und kulturellen Bindung an Westdeutschland - er möchte es von der
Freiheit selbst befreien.
Herr Chruschtschow hat sich ebenfalls darüber beklagt, daß die
Situation in Berlin "anomal" sei* Dieser Behauptung können wir von
ganzem Herzen zustimmen. Es ist tatsächlich anomal, wenn eine Million
Ostberliner gewaltsam von den über zwei Millionen Mitbürgern in
West-Berlin getrennt sind} wenn sie gezwungen werden, unter einem
totalitären Regime zu leben, das ihnen durch eine fremde Macht unrechtmäßig auferlegt wurde; und wenn sogar Familien durch eine willkürliche, im Namen einer fremden Ideologie aufgezwungene Grenze getrennt werden.
Aho-r

�"AMSRIKA DIENST"

29. April 1960

A"ber die anomale Situation in Berlin ist nur eine Seite der
noch größeren Anomalie, die durch die künstliche Abtrennung der
Ostzone von dem übrigen Deutschland geschaffen wurde. Die Ungeheuerlichkeit dieser Anomalie ist in nicht zu übersehender Weise durch die
Tatsache unterstrichen worden, daß in den letzten zehn Jahren mehr
als 2 1/3 Millionen Ostdeutsche und Ostberliner von der einzigen
Ihnen noch möglichen Meinungsäußerung Gebrauch gemacht und sozusagen
mit ihren Füßen gegen die kommunistische Herrschaft gestimmt haben,
indem sie nach West-Berlin oder in die Bundesrepublik flüchteten.
Die Anomalie, von der Herr Chruschtschow spricht, kann nur beseitigt werden, wenn man die gesamte deutsche Nation über ihr eigenes
Leben entscheiden läßt. Die einzige praktische Möglichkeit zur Ausübung dieses Rechts sind freie Wahlen. Herr Chruschtschow und andere
sowjetische Sprecher haben oft ihr Eintreten für das Prinzip der
Selbstbestimmung verkündet. Diese Behauptung wird als leere Geste
entlarvt, wenn sie sich weigern, diesen Grundsatz auf Berlin und
Deutschland anzuwenden.
Herr Chruschtschow hat ebenfalls erklärt, daß wir mit größter
Eile die "Überbleibsel" des zweiten 'Weltkrieges beseitigen müßten zu denen er auch die "Besetzung" West-Berlins - wie er es nennt durch amerikanische, britische und französische Truppen zählt. Wir
sind in noch stärkerem Maße als Herr Chruschtschow bestrebt, die
Überbleibsel des zweiten Weltkrieges zu liquidieren. Aber Herr
Chruschtschow muß sich darüber im klaren sein, daß diese Überbleibsel
recht zahlreich sindl
Wir fragent Ist die Sowjetunion bereit, ihre Streitkräfte aus
Ostdeutschland und den osteuropäischen Ländern abzuziehen, denen
sie aufgezwungen worden sind?
Ist sie bereit, den Ostdeutschen die Selbstbestimmung zu gewähren und den Völkern der sowjetisch-beherrschten Staaten in Osteuropa zu gestatten, ihr Schicksal selbst zu bestimmen?
Ist die Sowjetunion bereit, die Fiktion eines getrennten Nordkorea aufzugeben und es dem gesamten koreanischen Volk zu gestatten,
sich im Rahmen freier, von den Vereinten Nationen überwachter Yi/ahlen
wiederzuvereinigen?
Und ist sie schließlich bereit, ihre Obstruktionspolitik gegen?
über der Charta der Vereinten Nationen aufzugeben, zu der sie sich in
San Francisco feierlich bekannt, deren Anwendung sie aber durch eine
Reihe von Vetos im Sicherheitsrat beständig vereitelt hat?
Die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten wären
wirklich glücklich, wenn diese Überbleibsel des zweiten Weltkrieges
beseitigt würden. Wir sind jedoch nicht bereit, diesen Prozeß damit
zu beginnen, daß wir die Isolierung und das Aufsaugen We3t-Berlins
gestatten.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

wir haben Herrn Chruschtschow wiederholt davon in Kenntnis gesetzt, daß wir nicht unter Druck verhandeln werden. Und doch begibt
er sich mit seinen jüngsten Erklärungen, daß er beabsichtige, einen
separaten Friedensvertrag mit der sogenannten Deutschen Demokratischen
Republik zu unterzeichnen, wenn keine Ost-West-Einigung über Berlin
erzielt wird, auf sehr dünnes Eis. Wir gehen mit der festen Absicht
auf die Gipfelkonferenz, nach einer gemeinsam akzeptierbaren Lösung
des deutschen Problems, einschließlich Berlins, zu suchen, gerechte
Regelungen für andere internationale Streitfragen zu finden und Mittel
und Wege für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der westlichen
Ä'elt und dem Sowjetblock zu erkunden. Unsere Standpunkte sind flexibel,
und wir sind bereit, jeden vernünftigen Weg zu prüfen, der zu einer
Einigung führen kann. Herr Chruschtschow und seine Mitarbeiter geben
sich aber einer großen Illusion hin, wenn sie glauben, daß wir uns
ihren Drohungen beugen oder daß wir ihr verzerrtes Bild des deutschen
Problems als eine konkrete Verhandlungsbasis akzeptieren werden.
Keine Organisation hat in dem Kampf für die Freiheit Berlins und
des gesamten Deutschland eine größere Entschlossenheit gezeigt und ist
von größerem Nutzen gewesen als der Gewerkschaftsverband AFL-CIO. Als
ausdrückliche Anerkennung dieser Tatsache hat Ihr Präsident am 7« Dezember vergangenen Jahres eine hohe Auszeichnung von Bundeskanzler
Adenauer erhalten. Wir sind als Regierung stolz darauf, uns der damals
von Mr. Meany abgegebenen Erklärung anzuschließen, und ich zitiere!
"Weder die Freiheit West-Berlins, noch die Freiheit der fünfzig Millionen Menschen in Westdeutschland können Gegenstand eines internationalen Schachers werden."
Ich habe bisher die Politik dargelegt, die wir zur Bewahrung des
Friedens verfolgen. Aber dies allein ist noch nicht genug. Wir sind
energisch darum bemüht, die Freiheit und das Wohlergehen aller Völker
der Welt zu fördern. Das ist unser "Programm für den Sieg" - für den
Sieg über Not und Elend in einer Zeit des verstärkten Konkurrenzkampfes, der uns bevorsteht«
Ihr Exekutivrat hat dies ausgezeichnet formuliertl "Hunderte
Millionen von Menschen auf der ganzen Welt leben in tiefster Armut
und kennen noch nicht einmal die Grundvoraussetzungen der politischen
und geistigen Freiheit. Der sowjetische Imperialismus intensiviert
und verstärkt weiterhin mit allem Nachdruck seine Versuche, diese
Armut und Ungerechtigkeit für seine Zwecke auszunutzen."
Es sind die benachteiligten und neuaufstrebenden Völker, die
in immer stärkerem Maße zum Ziel der sowjetischen Politik werden.
Die kommunistische Kampagne ist weit mehr als eine wirtschaftliche
Kampagne; sie schließt ebenfalls politische, psychologische und kulturelle Faktoren ein.
Als freie Menschen haben wir die kommunistische Herausforderung
V in den Entwicklungsländern angenommen - in dem Vertrauen und in der
Überzeugung, daß unsere Gesellschaft und unsere Prinzipien die revolutionäre Dynamik der Freiheit darstellen, die schließlich den Sieg
davontragen muß•
•Vir

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

'.'vir müssen auch in Zukunft die Botschaft der Freiheit v/eitertragen und ihre Segnungen mit den weniger bevorzugten Völkern teilen.
vVenn diere Völker nicht auf die Zukunft hoffen können, dann wird ihre
verzweifelte Armut sie unter Umständen zu kommunistischen Allheilmitteln hinführen. «Vir müssen auch weiterhin dazu beitragen, daß die
Freiheit für sio ein erstrebenswertes Ziel ist. &lt;Vir müssen mit diesen
Völkern beim Aufbau ihrer Länder auf der gleichen Basis der Gemeinsamkeit der Interessen zusammenarbeiten, die die verschiedenen Gruppen
in den Vereinigten Staaten zu einer Zusammenarbeit beim Aufbau unseres
großen Landes geführt hat.
Das Wohlergehen all der Entwicklungsländer ist eine Angelegenheit,
die uns zutiefst angeht. Die Position unserer Freunde und Nachbarn
in Latfiinamerika ist von besonderer Bedeutung, und ich kann Ihnen
versichern, daß wir unsere Nachbarn im Süden niemals als einfache
Gegebenheit ansehen werden. Wir sind ebenfalls aufrichtig an dem Fortschritt der jungen Völker in Afrika interessiert, und unser Interesse
ist keineswegs nur auf materiellen Fortschritt beschränkt. Wir stehen
der Sehnsucht der afrikanischen Völker nach Würde und Gleichheit mit
tiefster Anteilnahme gegenüber. Es ist unsere aufrichtige Hoffnung,
daß die Resolution des V/eltsicherhoitsrates vom 1. April, in der die
gegenwärtige Entwicklung in Südafrika bedauert und der Generalsekretär
der Vereinten Nationen aufgefordert wird, mit der südafrikanischen
Regierung Konsultationen zu führen, sich als wirksam erweisen wird.
Ich weiß, daß ich nicht an Sie um Unterstützung für unsere Bemühungen zu appellieren brauche, die Segnungen der Freiheit der gesamten Kenschheit zugute kommen zu lassen. In den von Ihrem Konvent
in San Francisco im September vergangenen Jahres angenommenen Resolutionen forderten Sie "ein erweitertes, langfristiges und voll wirksames Programm der Wirtschaftshilfe und der technischen Unterstützung
für die industriell weniger entwickelten Länder".
Wir begrüßen in hohem Maße die starke Unterstützung, die Sie
diesem Programm entgegenbringen. Ich weiß, daß Sie - wie die meisten
Amerikaner - unser Gemeinsames Sicherheitsprogramm als eine direkte
Investition für unsere eigene zukünftige Sicherheit und unser eigenes
Wohlergehen ansehen.
Die privaten amerikanischen Organisationen - vor allem die Gewerkschaftsbewegung - spielen bei der Weitergabe der Ideen und Werte
einer freien Gesellschaft eine wichtige Rolle. Die AFI.-CI0 hat, sowohl in eigener Arbeit als auch zusammen mit dem Internationalen Bund
freier Gewerkschaften, bei der Unterstützung der freien Gewerkschaftsorganisationen in vielen Teilen der Welt Hervorragendes geleistet.
Diese Arbeit war bereits ein entscheidender Beitrag zu der Entwicklung
der jungen Völker, die zur Freiheit und zur Staatwerdung hinstreben.
Wie wir alle wissen, ist die Gewerkschaftsbewegung immer ein
Hauptziel der kommunistischen Subversion gewesen. Bei dem verstärkten Nachdruck, den die Sowjetunion auf die wirtschaftliche Durchdringung zu legen begonnen hat, werden sich die AFL-CIO und die freien
Gewerkschaf tsorgariisationen im Ausland, mit denen sie verbunden ist,
in den vor ihnen liegenden Jahren einer immer größer werdenden Aufgabe

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"AMERIKA DIENST"

29. April i960

Aufgabe gegenübersehen. Das neue kommunistische Konkurrenzbestreben
ist sehr intensiv auf die Gewerkschaftsorganisationen in den Entwicklungsländern gerichtet. Die Rolle, die der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei dem Bemühen zukommt, ihre Erfahrungen in bczug auf
den wirtschaftlichen Fortschritt in einem demokratischen Rahmen den
Entwicklungsländern verständlich und wertvoll zu machen, ist in der
Tat eine Aufgabe, die in immer stärkerem Maße allen ihr zur Verfügung
stehenden Einfallsreichtum und alle Beharrlichkeit und Ausdauer beansprucht. Die freie Gewerkschaftsbewegung ist in einer besonders günstigen Position, um diese Botschaft den Arbeitern in den Entwicklungsländern nahezubringen und die illusorische Natur des kommunistischen
Arguments, eine wirtschaftliche Entwicklung auf Kosten der persönlichen
und nationalen Freiheit zu erreichen, aufzuzeigen.
Ich bin überzeugt, daß die freien Gewerkschaften weiterhin eine
sehr bedeutsame und konstruktive Rolle spielen werden, indem sie
geistige Führung und technische Anleitung geben und ihr reiches Wissen
um die Freiheit' in den Dienst der rechtmäßigen Bestrebungen der Arbeiter
in der gesamten freien Welt stellen.
In unserem Umgang mit den Völkern der Entwicklungsländer müssen
wir stets daran denken, daß alles, was wir hier Zuhause tun, eine
direkte Wirkung auf unseren Erfolg im Ausland hat. Alles, was unser
Volk tut - das Gute wie das Schlechte - wird von den anderen Völkern
genau verfolgt. Was bei diesen Völkern Eindruck macht, sind unsere
Taten und nicht so sehr unsere Y.'orte. Wenn sie sehen, daß wir mit unseren eigenen Problemen - wirtschaftlichen, pädagogischen, rassischen und
politischen - gut fertig v/erden, dann gibt ihnen das die beste Antwort
auf das kommunistische Argument, daß die jungen Staaten ihre wirtschaftliche Entwicklung und einen hohen Lebensstandard nur durch die Nachahmung der entwürdigenden totalitären Methoden des Kommunismus erreichen
können.
Wir können und müssen durch anhaltendes wirtschaftliches Wachstum
unter Beweis stellen, daß sich die Freiheit bewährt, daß sie - besser
als der Kommunismus - die menschlichen Energien mobilisieren und einen
gerechten Anteil an den Früchten der Arbeit zustande bringen kann. Wir
können und müssen den sowjetischen Mythos zerstören, daß unser System
dekadent, der Kommunismus dagegen die "Welle der Zukunft" sei.
Dies können wir erreichen - aber nur dann, wenn wir uns zutiefst
darüber im klaren sindf daß unsere Probleme die Probleme der Welt sind.
Wir müssen erkennen, daß alles, was wir hier im eigenen Lande tun oder
.lassen, eine weltweite Auswirkung hat und die Interessen Amerikas in
der ganzen Welt berührt.
W.ir wissen, was die Sowjets unter "friedlicher Koexistenz" verstehen. Die kommunistische Interpretation des Begriffes "Friedliche
Koexistenz" wird sowohl durch ihre Taten wie durch ihre Worte illustriert.
Im gleichen Atemzug, in dem sie ihre Doktrin verkünden, proklamieren
sie, daß das kommunistische System am Ende alle anderen Gesellschaftsformen absorbieren wird. Inzwischen überschwemmen sie weiterhin ihre
Nachbarstaaten mit einer Flut giftiger Propaganda und geben Erklärungen ab, die dazu bestimmt sind, Streitigkeiten im Inneren dieser Länder
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�'AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Länder aufzustacheln. Ihre Vsühlagenten und politischen Marionettenparteien sind beinahe in jedem Land der V/elt am Werk. Ihre Handelsund '.Virtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern sind nicht dazu bestimmt,
rechtmäßige Handelsinteressen zu fördern, sondern dienen als Mittel
zur Verstärkung des politischen Einflusses und der politischen Macht«
Das ist "friedliche Koexistenz" - nach sowjetischem Stil - in voller
Aktion. Wir wissen ferner, dal? "friedliche Koexistenz" für die Sowjetunion sogar die Anwendung von militärischer Gewalt einschließt, sofern
dies ihren Zielsetzungen dient - wie die brutale Unterdrückung der
Freiheit in Ungarn zeigte.
Ja der Begriff "Koexistenz" ist an sich schon sowohl verwirrend
als auch anmaßend. Bis zum Aufstieg solcher moderner totalitärer
Systeme wie Nazismus und Kommunismus war das Recht getrennter Staaten
und Systeme, zu existieren, niemals in Frage gestellt. Die Koexistenz
wurde immer als eine Mindestbedingung friedlicher internationaler Beziehungen angesehen.
Aber selbst diese Minimalkonzeption des ''-eben und leben lassen"
ist in der V/elt von Heute unzureichend. Wir müssen leben und zu leben
helfen. Was die Welt wirklich benötigt, ist die Zusammenarbeit - eine
positive und tatkräftige Zusammenarbeit, durch die alle Systeme und
Gesellschaftsformen gemeinsam nach Lösungen für die dringlichen Probleme der Menschheit suchen. Die Vereinigten Staatan glauben an das Recht
aller Menschen, ihre Überzeugungen und Systeme selbst zu wählen, bei
gegenseitiger Toleranz und gegenseitiger Achtung. '.Vir sind auf Grund
unserer eigenen nationalen Erfahrung fest davon überzeugt, daß die
Mannigfaltigkeit und die Verschiedenheit genauso nützlich wie unvermeidbar sind und daß die Verschiedenheiten der Manschen eine starke
Quelle für den menschlichen Fortschritt sind. Lassen Sie uns deshalb
die Konzeption einer vergänglichen und unsicheren Koexistenz auf den
Schutthaufen werfen und statt dessen versuchen, die verschiedenartigen Geisteshaltungen und Talente aller Menschen für die Lösung der
Jahrhundertealten Probleme der Armut, der Krankheit, der Unwissenheit,
der Unterdrückung und der Ungerechtigkeit einzusetzen. Lassen Sie uns
positiv zusammenarbeiten, um den Organismus einer echten '.Yeltgemoinschaft zu schaffen.
Welches ist nun das Ziel, nach dem wir streben? Wie sieht die Welt
aus, um deren schließliche Verwirklichung wir uns bemühen?
'.Vir erstreben eine geordnete Weltgemeinschaft, in der es keine
Gefahr eines Krieges mehr gibt und. in der die Herrschaft des Rechts
dem Menschen die Möglichkeit gibt, seine ganze Energie für friedliche
Aufgaben zu verwenden.
Der Abrüstungsplan des Westens, der im vergangenen Monat in Genf
vorgelegt worden war, macht dies in seiner Präambel klar. In ihm wird
eine sichere, freie und friedliche Welt als schließliches Ziel gesetzt,
die unter v/irksamen internationalen Kontrollmaßnahmen abgerüstet ist,
und in d»r Streitfälle in Übereinstimmung mit den in der UN-Charta aufgestellten Prinzipien beigelegt werden.
Zur

�"AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Zur Erreichung dieses Zieles dienen zwei im westlichen Plan
parallellaufende Bemühungen; die eine auf die Kontrolle und Reduzierung der Rüstung abzielend}, die andere auf die Verstärkung des den
Frieden schützenden Apparates gerichtet.
Der Plan sieht progressive Abrüstungsmaßnahmen vor, die für beide
Seiten bindend sein müssen und einer angemessenen Inspektion bedürfen.
Als einen praktischen Beginn streben wir Rüstungskontrollmaßnahmen
an, um das Risiko eines Krieges auf Grund von Fehlkalkulationen zu vermindern und die unkontrollierte Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.
Seit vielen Monaten sind Verhandlungen über eine dieser Maßnahmen - die
Einstellung der Kernwaffenversuche - im Gange. vVenn diese erfolgreich
abgeschlossen werden sollten, dann wäre ein bedeutender Schritt in
Richtung auf die Begrenzung der weiteren Ausbreitung der nuklearen
Kapazität getan worden. Aber dies ist noch nicht genug. Wir bemühen
uns ferner um ein baldiges Abkommen - und je früher desto besser über Maßnahmen zur Verringerung des Kriegsrisikos auf Grund von Fehlkalkulationen, über Garantien gegen einen Überraschungsangriff, über
Schritte zur Verhinderung eines Waffeneinsatzes im Äeltenraum und über
eine kontrollierte Beendigung der Produktion spaltbaren Materials für
Waffenzwecke. Wir sind uns darüber im klaren, daß derartige Maßnahmen
keine drastische Kürzung der bestehenden Streitkräfte bedeuten würden.
Sie würden jedoch den Rüstungsaufbau beenden und die Gefahr eines globalen Krieges reduzieren.
Wenn erst einmal das gegenwärtig immer schneller werdende Wettrüsten abgebremst worden ist, dann sollten wir auf weitreichende Maßnahmen der kontrollierten Abrüstung drängen. Die bewaffneten Streitkräfte sollten auf einen Stand gebracht werden, der lediglich für die
innere Sicherheit notwendig ist, und die Waffen der Massenvernichtung
sollten beseitigt werden. Keine Nation oder Gruppe von Kationen könnte
sich dann dem organisierten Willen und den Zielsetzungen der Vieltgemeinschaft entgegenstellen.
Parallel zu den Maßnahmen für eine gesicherte Rüstungsreduzierung
streben wir nach der Entwicklung eines im Rahmen der Vereinten Nationen
aufzubauenden Systems eines allgemein anerkannten Völkerrechts und dem
Aufbau eines internationalen Apparates zur Durchsetzung eines solchen
Rechts und zur Beilegung von Streitfällen, die unter ihm entstehen,
Daau wäre eine internationale Streitmacht erforderlich, die imstande
ist, einer Aggression Einhalt zu gebieten. Die Vereinigten Staaten
werden bestimmt nicht einfach abrüsten, solange nicht die Gewähr gegeben
ist, daß eine internationale Organisation zum Schutze des Friedens
existiert•
Dies sind also die Wege, auf denen wir dem Endziel einer besser
geordneten Welt entgegenstreben. Die Aufgabe wird nicht leicht sein.
Ein Blick auf den Abrüstungsplan von Ministerpräsident Chruschtschow,
der die Basis für die Position des Sowjetblocks auf der Zehn-MächteAbrüstungskonferenz bildet, macht dies klar. Eigentlich ist dies gar
kein Plan, sondern eine umfassende Darlegung von Zielsetzungen - kommunistischen Zielsetzungen. Rüstungskontrollen und Abrüstungsmaßnahmen
werden mit schwungvollen allgemeinen Redensarten abgetan. Konkrete
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�"AMERIKA DIENST"

29. April 196O

Konkrete Bestimmungen für die Verifizierung und für die Kontrollabmachungen gibt es keine. Genauso wenig findet sich irgendeine
Bestimmung darüber, wie der Friede in einer von Waffen freien Welt
gestaltet werden soll.
Wir Amerikaner sind ungeduldig. Wir möchten gerne schnelle und
vollständige Lösungen. Aber solche Lösungen gibt es für die nternationalen Probleme nicht. Nur eine Welt, in der eine vernünftige Stabilität sowie Ordnung und Gerechtigkeit unter dem Gesetz gesichert sind,
kann den Interessen unseres Landes und den Interessen aller Völker
dienen.
Eine solche Welt kann nicht über Nacht geschaffen werden* Doch
wenn wir keine Fortschritte in Richtung auf eine solche Welt machen,
dann erreichen wir vielleicht einen Punkt, von dem aus es keine Rückkehr gibt. Wir werden uns weiterhin um die Verwirklichung dieses
Zieles bemühen - durch die Vereinten Kationen, durch unsere Ab rüstungsverhandlungen, durch andere Verhandlungen mit der Sowjetunion und durch
all die weitgest--eckten Anstrengungen hier in den USA sowie im Ausland
auf dem Gebiete der Verteidigung, des Außenhandels und der Investitionen,
der Entwicklungshilfe, der kulturellen Beziehungen, der persönlichen
Kontakte und der Diplomatie,
Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir auf all diesen
Gebieten noch mehr leisten. Nur durch unsere gemeinsamen Anstrengungen
als Nation können wir hoffen, unsere besten Interessen in der vor uns
liegenden Zeit des scharfen Konkurrenzkampfes zu fördern.
Wir bemühen uns als Nation gegenwärtig bewußt darum, die geschieht*
liehen Kräfte auf einer weltweiten Basis zu beeinflussen. So hoch gesteckt und ehrgeizig eine solche Aufgabe sein mag, wir haben keine
Alternative, denn wenn die sich rapide ändernden Verhältnisse in der
Welt nicht in Richtung auf eine neue Ära der allgemeinen Freiheit und
Prosperität sowie auf eine universale Ordnung und ein universales Recht
gelenkt werden, dann können weder die Vereinigten Staaten noch irgendeine andere freie Nation in Sicherheit leben - vielleicht sogar nicht
einmal überleben.
Die Tatsache, daß wir uns dieser Wahrheiten bewußt sind, führt
uns in aller Nüchternheit vor Augen, was jeder von uns tun muß. Das,
was wir als Nation erreichen, kann nur die Gesamtsumme dessen sein, was
wir als Einzelmenschen leisten. Die Regierung in Washington verfügt über
keine Macht oder Fähigkeit, die unabhängig von dem Volk ist, das unsere
Nation ausmacht,
,
Es ist jetzt nicht die Zeit für ein leichtes Leben, für eine laxe
Haltung oder für eigennütziges Streben nach materiellen Vorteilen auf
Kosten der Interessen der Nation. Ich rufe alle Amerikaner auf, erneut
jenen revolutionären Eifer und jene Begeisterung zu zeigen, die uns
die Unabhängigkeit und nationale Einigkeit sicherten und die die Amerikaner vorantrieben, die Wildnis zu besiegen und eine große Zivilisation
zu schaffen. Wir sind heute alle im wahrs-ten Sinne des Wortes aufgerufen,
zur Schaffung einer neuen Welt beizutragen.
Dies ist eine Aufgabe, die alle Amerikaner begeistern und sie zu
einem Einsatz aller ihrer Kräfte veranlassen sollte, heute sowie in den
vor uns liegenden Jahren,
Ich danke Ihnen,

�A M E R I K A

D I E N S T

WELTRAUM - NEULAND DER PRAKTISCHEN FORSCHUNG

�Allg./6.5.1960
WELTRAUM - NEULAND DER PRAKTISCHEN FORSCHUNG

Die Geschichte hat keine Parallele zu den Ereignissen unserer Zeit,
in der Wissenschaft und Technik Fortschritt auf Fortschritt verzeichnen.
Der Mensch schickt sich an, dem Weltraum Geheimnisse zu entreißen, die
die Frage nach der Entstehung der Erde und vielleicht sogar des Universums beantworten helfen.
Nachdem es gelungen ist, die Erdanziehung, der alle Körper im Bereich der Erdgravitation unterworfen sind, durch die Gegenkraft der
Beschleunigung von Flugkörpern auf genügend hohe Geschwindigkeiten zu
überwinden, werden jetzt Satelliten und Raumsonden in Umlaufbahnen um
Erde, Mond und Sonne gebracht. Diese unbemannten Meßgeräte liefern erstmals wissenschaftliche Daten unmittelbar aus Räumen, die bisher nur der
"Fern"-Beobachtung von der Erdoberfläche aus oder - sehr kurzfristig aus dem Bereich jenseits der dichten Luftschichten bis zirka 200 km
Höhe durch Raketensonden zugänglich waren. Verglichen mit der Ausdehnung
unseres Sonnensystems - von der Ausdehnung der Milchstraße, zu der es
gehört und die allein etwa 200 Milliarden Sonnensysteme umfaßt, ganz zu
schweigen - nehmen sich zwar diese ersten praktischen Versuche recht
bescheiden aus. Der Anfang zur Verwirklichung eines uralten Menschheitstraums, die rätselhafte Welt der Sterne und die darin wirksamen Kräfte
unmittelbar zu erforschen, ist damit jedoch zweifellos gemacht.
In den Vereinigten Staaten wird heute ein erheblicher Anteil der
Wirtschaftskraft - Geld, Produktionskapazität, technisches Können und
Forschungsarbeit - dafür aufgeboten,
Meßsatelliten auf bestimmte Flugbahnen in den Weltraum zu entsenden, mitten unter die großen und kleinen
Himmelskörper und Gasmassen, die seit Jahrmilliarden das Universum füllen.
Mit Hilfe der Ergebnisse aus solchen Experimenten hofft man, auch die
Naturkräfte in unserem ureigensten Lebensbereich, auf der Erde, besser
erkennen, nutzen und möglicherweise auch kontrollieren zu können.
Das zivile Weltraumprogramm der Vereinigten Staaten, das dem US-Amt
für Aeronautik und Weltraumforschung (NASA) untersteht, umfaßt eine Vielzahl von Projekten aus ganz verschiedenen Gebieten. Sie reichen von der
Astronomie über die unmittelbare Erforschung des interplanetaren Raumes,
des "Vorfeldes" und der Lufthülle unserer Erde bis zu den technischen
Problemen, die Luftfahrt und Raumflug aufgeben; es bezieht ferner zahllose Fragen der Atom- und Elektronentechnik und, last not least, der Medizin und Biophysik ein. Dabei werden neben den Aufgaben der Grundla^en- 1

�'AMERIKA DIENST"

6. Mai

1960

Grundlagenforschung durchaus praktische Ziele verfolgt, die unter anderem
auf eine wesentliche Verbesserung der Beobachtung und Vorhersage des Wetters, auf die Verbesserung und Vereinfachung des Nachrichtenwesens auf
weltweiter Basis sowie der Navigation zur See und in der Luft gerichtet
sind.
Laboratorien zwischen Himmel und Erde
Die Hoffnungen, die die Wissenschaftler zu Beginn des Internationalen
Geophysikalischen Jahres auf die künstlichen Erdsatelliten als technische
Hilfsmittel zur Durchführung bestimmter Aufgaben der geophysikalischen
Forschung gesetzt hatten, waren gerechtfertigt. Die detaillierte Auswertung der Daten, die man mit diesen Meßgeräten seit etwa zweieinhalb Jahren
gewinnt, nimmt zwar meist Monate oder gar Jahre in Anspruch; jedoch können
wir jetzt schon sagen, daß dank den Satelliten und Weltraumsonden nicht
nur unser 'ffissen um die Beschaffenheit der physikalischen Umwelt der Erde
wesentlich bereichert, sondern auch eine Basis für die technische Vorbereitung des Raumflugs geschaffen wurde. Der Mensch weiß heute ungefähr, was
ihn "draußen" erwartet, und er kann sich darauf einrichten.
Die Vereinigten Staaten haben bisher (Stand von Ende April i960)
18 Erdsatelliten und 4 Raumsonden in den Weltraum geschickt. Zehn der
Satelliten - EXPLORER I, VI und VII, VANGUARD I, II und III, DISCOVERER V
und XI sowie TIROS I und TRANSIT I-B - umkreisen noch in stark elliptischen bis nahezu kreisförmigen Bahnen die Erde, während die übrigen acht
Satelliten - EXPLORER III und IV, ATLAS-SCORE, DISCOVERER I, II, VI, VII
und VIII - inzwischen in die dichteren Luftschichten abgesunken und verglüht sind. Das gleiche Schicksal ereilte die Raumsonden PIONIER I und
III; PIONIER IV und V dagegen haben die sogenannte zweite kosmische Geschwindigkeit erreicht und sind als künstliche Planeten in eine Umlaufbahn um die Sonne eingetreten.
Die wissenschaftlichen Probleme, an deren Klärung den Forschern bei
solchen Experimenten besonders gelegen ist, sind Dichte und Ausdehnung
der äußeren Atmosphäre, Auftreten und Intensität der kosmischen Strahlung,
Intensität der Sonnenstrahlung in verschiedenen Spektralbereichen, Stärke
und Ausdehnung des Erdmagnetfeldes, Stärke und Verteilung von Magnetfeldern sowie Gasdichte im interplanetaren Raum, Häufigkeit und Größe von
Meteoriten und kosmischen Staubpartikeln, Temperaturkontrolle in Raumflugkörpern und praktische Erforschung der Möglichkeiten für den Menschen,
sich in einem künstlichen Satelliten auf eine kürzere oder längere Flugreise um die Erde zu begeben. Wie sehr auch eine weltweite Wetterbeobachtung durch den Einsatz künstlicher Satelliten verbessert werden könnte,
beweisen bereits die Tausende von Aufnahmen, die TIROS I seit seinem Start
am 1. April 1960 geliefert hat.
Weltraumstrahlung
Die Intensität der kosmischen Strahlung im Weltraum ist ein wichtiger
Faktor bei Raumflugprojekten, die den Menschen aus der schützenden Lufthülle hinausführen. Die amerikanischen Erdsatelliten und Raumsonden wurden
daher mit Spezialgeräten ausgestattet, die automatisch Strahlungsmessungen
im Bereich der gesamten Flugbahn oberhalb der dichten Erdatmosphäre vor-

�AMERIKA DIEN3T"

6. Mai

1960

Schon bald nach dem Start von EXPLORER I stand für die Wissenschaftler, die gespannt die Signale des Geigerzählers beobachteten,fest, daß
etwa ab 900 km Höhe die Strahlung intensiver wurde und die Impulszählung durch irgendein Phänomen, dessen Natur man noch nicht kannte, sogar
gestört wurde. Die Bestätigung dieser Vermutung und eine Erklärung des
Phänomens brachte EXPLORER III. Als Ursache der Störungen wurde eine in
einer bestimmten Höhe beginnende Zone intensiver Strahlung festgestellt, c
die stellenweise so stark ist, daß die damals mitgeführten Zählgeräte
einfach blockiert wurden.
Dr. James Van Allen von der Staatsuniversität Iowa und seine Mitarbeiter, die als erste diese Erscheinung beobachtet und gedeutet hatten,
konnten durch eine weitere Verfeinerung der Strahlenmeßgeräte und ihre
Unterteilung in verschiedene Empfindlichkeitsstufen Art und Intensität
der Strahlung sowie die Ausdehnung dieser Zone ermitteln. EXPLORER IV,
der mit zwei Geiger-Mueller-Zählrohren und zwei Szintillationszählern
ausgerüstet war, "sortierte" die Strahlung nach Intensitätsstufen.
Dabei zeigte sich, daß pro Sekunde 25 000 bis 35 000 kosmische Strahlenpartikeln auf den Quadratzentimeter entfielen. Mindestens 60 Prozent
davon waren energiereich genug, um die Bleiabschirmung des einen der
beiden Geigerzähler zu durchdringen. Die Konzentration energieärmerer
Teilchen war sogar noch höher, nämlich etwa 1 000 000 qcm/sec. In 1900
km Höhe über Südamerika wurde ein Strahlungspegel von 10 Röntgen pro
Stunde gemessen - eine ungemein starke Strahlung, wenn man die Höchstbelastungsdosis für Atomarbeiter, die 5 Röntgen pro Jahr beträgt, als
Richtwert zugrunde legt.
Aber erst die Messungen der Weltraumsonden PIONIER III und IV und,
einige Monate später, des Erdsatelliten EXPLORER VI brachten die erwünschte
Aufklärung - und zugleich neue Überraschungen. Es stellte sich nämlich
heraus, daß der Van-Allen-Gürtel in Wirklichkeit aus zwei Zonen intensiver Strahlung besteht. An den inneren Gürtel, dessen Entfernung von
der Erde nach neueren Messungen zwischen 1000 und 10 000 km schwankt,
schließt sich zunächst eine Zone verhältnismäßig geringer Strahlung an,
bis einige tausend Kilometer weiter der äußere Strahlenring beginnt.
An seinem Innenrand wurden heftige Ausbrüche sporadisch auftretender
Strahlung verzeichnet, deren Ursache noch nicht geklärt ist. In etwa
14 000 km Höhe, also in der normalerweise strahlungsarmen Zwischenzone,
wurde von Zeit zu Zeit eine hohe Strahlungsintensität beobachtet; man
nimmt an, daß dieser Effekt mit Magnetstürmen in Zusammenhang steht, die
zur gleichen Zeit auf der Erde registriert wurden.
Den ersten Hinweis darauf, daß die Strahlungszonen, die in ihrem Verlauf offenbar den erdmagnetischen Linien folgen, als eine Reaktion auf
Sonneneruptionen "pulsieren" und sich "auffüllen" könnten, lieferten die
PIONIER-Weltraumsonden schon vor mehr als einem Jahr. Während PIONIER III
(6/7. Dezember 1958) die obere Grenze des äußeren Ringes bei 55 000 km
Abstand von der Erde gemeldet hatte, endete dieser nach den Messungen von
PIONIER IV (gestartet am 3• März 1959» sechs Tage nach einer starken Sonneneruption) erst in 83 600 km Höhe; außerdem war darin die Konzentration
elektrisch geladener Teilchen dreimal stärker als am 6. Dezember1958. Ihre
größte Stärke und ihren größten Erdabstand haben die beiden Strahlenzonen

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6. Kai

1960

Strahlenzonen über dem Äquator; sie ziehen sich bis zu den Polgebieten
hin, erreichen jedoch die Pole, nicht ganz.
Angesichts der hohen Energie der Strahlung im inneren Gürtel ist
zu vermuten, daß diese hauptsächlich aus Zerfallsprodukten von Neutronen
aus Luftatomen besteht, die energieärmere Strahlung des äußeren Ringes
dagegen ihren Ursprung im Sonnengas hat. Über ein interessantes Phänomen,
das allerdings eine Überprüfung der bisherigen Theorien von der Entstehung
der Polarlichter erforderlich macht, berichtete im April i960 Dr. Paul
J. Kellogg von der Universität Minnesota. Auf Grund der Meßergebnisse
von Höhenballons, die in der Arktis beim Auftreten von Polarlichtern aufgelassen worden waren, sowie der zur gleichen Zeit aufgefangenen Signale
von EXPLORER VI ist anzunehmen, daß beim Einsetzen eines magnetischen
Sturmes der äußere Strahlungsgürtel etwa zwei Drittel der eingefangenen
elektrischen Teilchen freigibt, sie "abschüttelt" wie ein Regenschirm.
Beim Abklingen der magnetischen Stürme und Erlöschen der Polarlichter
steigt die Teilchenkonzentration im Außenring plötzlich auf das Fünfzehnfache des vorhergehenden Wertes an. Ihre hohe Energie erhalten die Teilchen aber anscheinend erst durch das erdmagnetische Feld. Eine Erklärung
für diese Aufeinanderfolge der Ereignisse vermochte Dr. Kellogg nicht zu
geben.
Den von EXPLORER VI "entdeckten", in großer Höhe in westlicher Richtung fließenden elektrischen Ringstrom um die Erde von schätzungsweise
5 Millionen Ampere Stärke bestätigte jetzt auch PIONIER V bei etwa 64 000 km
Höhe. Jenseits der 00 OOO-km-Grenze stieß PIONIER V auf eine von PIONIER I
erstmals registrierte Zone mit starken magnetischen Turbulenzerscheinungen;
dieser Bereich, in dem das erdmagnetische Feld und Magnetfelder des 'Weltraums aufeinanderstoßen, ist doppelt so weit von der Erde entfernt als
nach den theoretischen Überlegungen angenommen worden war. In 5 Millionen
km Erdabstand geriet die Raumsonde in starke Elektronen- und Protonenströme,
die aus einer Sonneneruption stammten; kurze Zeit später sprachen auch die
Geräte von EXPLORER VII und Höhenballonen in der Arktis darauf an. Den Partikelströmen folgte eine riesige .Volke ionisierten Sonnengases, die auch
PIONIER V einhüllte. 25 Prozent der normalerweise von seinen Geräten registrierten kosmischen Strahlen aus Bereichen außerhalb unseres Sonnensystems
drangen plötzlich nicht mehr bis zu ihm durch. Diese Beobachtung bestätigt
die Theorie, mit der man den plötzlichen Abfall der Intensität dieser
Strahlung in den Polarzonen bei heftigen Magnetstürmen in der Erdatmosphäre
zu erklären suchte: als Ursache wird magnetische Ablenkung und Reflexion
der Partikeln in den Weltraum angenommen.
Luftdichte und Erdgestalt
Eine überraschende Feststellung ergab sich aus den laufenden Beobachtungen von VANGUARD I. Die Dichte der oberen Schichten der Atmosphäre ist
um ein Mehrfaches größer als angenommen worden war und verändert sich mit
den periodischen Schwankungen in der Ausstrahlung von Sonnenenergie. Analysen der Umlaufbahn dieses kleinen Satelliten zeigten ferner, daß die Erdgestalt nicht ganz den bisherigen Vorstellungen von einer an beiden Polen
gleichmäßig abgeplatteten Kugel mit dickem Äquatorwulst entspricht, sondern
eher der Form einer Birne ähnelt. Auf der südlichen Halbkugel mit der
größeren Masse ist die Abplattung stärker als auf der Nordhalbkugel.
Erdmagnetismus.

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�Die vier Flügel von PIONIER V sind mit 4800 Siliziumzellen besetzt,
die Sonnenlicht in Betriebsstrom für die zahlreichen Meßgeräte umwandeln. Man hofft, die Signale dieser Raumsonde noch aus 80
Millionen km empfangen zu können.

Donnernd hebt sich die dreistufige THORABLE-Rakete mit dem Erdsatelliten TIROS I
in der Spitze vom Starttisch.

Der am 1. April 1960 gestartete Wetterbeobachtungssatellit TIROS I
lieferte in 4 Wochen über 7000 Wolkenbilder. An der Unterseite ist
das Objektiv der Weitwinkelkamera sichtbar.

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6. Mai 196O

Erdmagnetismus. Energieau3tauach Weltraum - Erde. Sonnenstrahlung
VANGUARD III, der unter anderem mit einem Magnetometer ausgerüstet
wurde, gab beim "Abfragen" durch Bodenbeobachtungsstationen täglich etwa
50mal wichtige Hinweise auf Verlauf und Stärke des erdmagnetischen Feldes
zwischen 500 und 3700 km Höhe. Er registrierte außerdem solare Röntgenstrahlung, von deren Auswirkungen auf die Erdatmosphäre man noch sehr wenig
weiß.
Außerordentlich vielfältig waren auch die Aufgaben von EXPLORER VII,
der über die Intensität und die Energiestufen kosmischer Primärstrahlung,
die Ultraviolett-Strahlung und "weiche" Röntgenstrahlung der Sonne in ganz
bestimmten Wellenlängenbereichen, über das Strahlungsgleichgewicht zwischen
Erde und Weltraum, die Intensität energiereicher Strahlung im Van-AllenGürtel zwischen 5^0 und 1100 km Höhe, Größe und Häufigkeit von Mikrometeoriten, Temperaturen an zahlreichen Meßpunkten innen und außen am Satelliten
sowie über die Funktionsfähigkeit ungeschützter Siliziumzellen Auskunft gab.
Er gehört ebenso wie EXPLORER VI, VANGUARD III und PIONIER V zur "zweiten
Generation" von Meßsatelliten, die mit wahren Wunderwerken der Miniaturelektronik ausgerüstet sind.
EXPLORER VI, dessen augenfälligstes Merkmal - wie auch bei PIONIER V die vier flügelähnlichen Sonnenbatterie-Platten sind, vermochte übrigens
Meßdaten nicht nur zu speichern, sondern auch bereits zu verarbeiten. Dies
wurde durch das elektronische Fernmeßsystem TELEBIT ermöglicht, das noch
die Übermittlung von Signalen im interplanetaren Raum über Entfernungen
von mehr als 80 Millionen km erlaubt. Das Gerät sammelt und speichert Meßdaten von mehreren verschiedenen Geräten und setzt sie nach dem gleichen
Prinzip, nach dem elektronische Rechengeräte arbeiten, in eine Art Kode um.
Auf da3 Abrufsignal einer Bodenstation, das jeweils nach einer längeren
Erholungspause für die chemischen Batterien bzw. nach deren Wiederauffüllung durch die Sonnenenergie-Kollektoren gegeben wird, strahlt der Sender
innerhalb weniger Sekunden die in der Zwischenzeit gesammelten verschlüsselten Meßwerte aus.
Auch PIONIER V hat außer den Geräten zur Registrierung von Strahlung
verschiedener Energiestufen und Konzentration (und damit auch zur Untersuchung der von der Sonne ausgeschleuderten Partikelströme), von Mikrometeoriten, Magnetfeldern im Weltraum (einschließlich deren Stärke und Richtung)
und zur Angabe seiner "Blickrichtung" ein solches TELEBIT-Gerät an Bord.
Es lieferte seit dem Start der Raumsonde am 11. März 196O einwandfreie Meßwerte von zahlreichen Sensoren, bis plötzlich - PIONIER V befand sich inzwischen mehr als 8 Millionen km von der Erde entfernt - Störungen auftraten.
Die Angaben über Batterie Spannung, Batterietemperatur und Temperatur an den
vier Photozellen-Platten waren offensichtlich falsch. Nach dem ChiffreSignal war beispielsweise die Batteriespannung so niedrig, daß der Sender gar
nicht mehr hätte arbeiten können - aber die Signale kamen nach wie vor klar
an.
Robert Gottfried von den Space Technology Laboratories in Los Angeles,
wo PIONIER V zusammengebaut worden war, versuchte nun durch Prüfung jedes
einzelnen Bau-Elements an einem zweiten TELEBIT-Gerät im Laboratorium den
Fehler zu finden, eine sehr mühsame Aufgabe, da das 4»5 kg schwere Gerät
nicht weniger als 45O Transistoren, 1500 Dioden, 1600 Widerstände, 1000

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6. Mai

1960

1000 Kondensatoren und mehrere tausend Lötkontakte besitzt. Als Fehlerquelle wurde schließlich eine stecknadelkopfgroße Diode ermittelt. Daraufhin arbeitete Gottfried ein neues Dechiffriersystem für die PIONIER-Signale
aus - und seitdem liefert die Raumsonde wieder "vernünftige" Daten. Die
Falschmeldungen konnten überdies nachträglich richtig interpretiert werden,
so daß nichts an Meßdaten verloren ist.
Wetterbeobachtung
Der am 1. April 196O gestartete, 122 kg schwere TIROS I ist der erste
Erdsatellit einer neuen Versuchsserie, die der Erprobung solcher Flugkörper
als Hilfsmittel der meteorologischen Beobachtung dient. Das mit zwei Fernsehkameras, elektronischen BildaufZeichnern und zahlreichen anderen Spezialinstrumenten ausgerüstete Gerät hat inzwischen über 7000 Bilder aus etwa
700 km Höhe gesendet, deren Qualität die Fachleute überraschte. Mit Hilfe
dieses Satelliten wurde auch erstmals nachgewiesen, daß bei umfangreichen
Sturmgebieten außerhalb der Tropen die gleichen spiralförmigen Wolkenbänder
auftreten wie bei tropischen Taifunen oder Hurrikanen. Die Struktur der
Wolkenformationen zeigt allgemein einen unerwartet klaren Aufbau. Nach Ansicht Dr. F. W. Reichelderfers, des Direktors des US-Bundesamtes für Meteorologie, eröffnet TIROS I eine neue Ära der meteorologischen Beobachtungsverfahren; ein System von mehreren Wettersatelliten in Verbindung mit
Radar, Wetterflugzeugen, Raketen- und Ballonsonden dürfte es ermöglichen,
genaue Wettervorhersagen für zirka 30 Tage zu geben.
Ein Teil der Aufnahmen wird bis zum Abruf durch eine Bodenstation
im Satelliten gespeichert; in "Rufweite" einer Station können die Impulse
aber auch direkt vom Kamera-Bildwandler an den Sender gegeben werden. Damit
der mit der Auswertung betraute Meteorologe das Bild besser identifizieren
kann, führt TIROS I ein "Nordrichtungs-Anzeigesystem" mit, das automatisch
den Winkel der Sonne relativ zum Satelliten mißt. Das sich hieraus ergebende
Signal, das mit jedem Bild zur Bodenstation gesendet wird, wird dort mittels
eines "Sonnenwinkel-Rechners" interpretiert und erscheint, die Nordrichtung
anzeigend, neben dem betreffenden Bild auf dem Betrachtungsschirm. Durch
Funksignale läßt sich von der Erde aus vor jedem neuen Umlauf eine Art Uhr
im Satelliten stellen, damit die Kameras vor allem die für die Meteorologen
wirklich interessanten Gebiete aufnehmen.
Navigation
Am 13. April i960 folgte dem ersten Wetterbeobachtungs-Satelliten der
erste Navigations-Satellit. TRANSIT I-B gilt als Vorläufer eines Systems
von vier Satelliten, die auf Grund der von ihnen ausgestrahlten Funksignale
Schiffen und Flugzeugen die Positionsberechnung bei bedecktem Himmel und
unsichtigem Wetter erleichtern sollen. Die Umlaufbahn jedes dieser Satelliten
wird so gewählt, daß zum mindesten einer von ihnen von jedem beliebigen Punkt
der Erdoberfläche aus zu hören ist. Der 119 kg schwere TRANSIT I-B, der auf
vier Frequenzen sendet, hat den Beobachtungsstationen bereits Informationen
geliefert, die eine äußerst exakte Vorausberechnung seiner Umläufe ermöglichen.
Die Berechnungsgrundlage liefern die sogenannten Doppler-Verschiebungen der
Signalfrequenzen, die von der Geschwindigkeit, mit der sich der Satellit
der Beobachtungsstation nähert bzw. von ihr entfernt, abhängig sind. Das A
und 0 des neuen Systems ist die genaue Bestimmung und möglichst langfristige
Vorausberechnung der Umlaufbahnen der Navigationssatelliten, so daß man nach
Zeit und Richtung ihres Erscheinens über dem Horizont den eigenen Standort

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Die von den Vereinigten Staaten gestarteten Erdsatelliten sollen nicht nur eine Vielzahl von wissenschaftlichen
Fragen lösen helfen, sondern auch der Erfüllung praktischer Aufgaben (z. B. Wetterbeobachtung, Navigation)
dienen.
Wertvolle wissenschaftliche Daten liefern außerdem die Raumsonden
PIONIER I
PIONIER III
PIONIER IV
PIONIER V

(11. Oktober 1958, 113120 km)
(6. Dezember 1958, 102 728 km)
(3. März 1959, künstlicher Planet im Sonnensystem)
(11. März 1960, künstlicher Planet im Sonnensystem)

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6. Mai 1960

Standort mit viel größerer Genauigkeit als nach den bisherigen Verfahren
ermitteln kann.
Funkverkehr
Mit dem Projekt ECHO soll eine umfangreiche Versuchsserie zur Verwendung
von Erdsatelliten als Relaisstationen im transkontinentalen Nachrichtenwesen
einschließlich Fernsehen und Bildfunk eröffnet werden. Der erste dafür bestimmte Satellit wird ein Ballon von 30 m Durchmesser sein, dessen aluminiumüberzogene Hülle stark gebündelte Funksignale einer Erdstation reflektiert,
so daß sie von anderen, Tausende von Kilometern entfernten Stationen aufgefangen werden können. Die Umlaufbahn soll in etwa 1600 km Höhe liegen.
Im Gegensatz zu diesem passiven Relais-Satelliten, der Signale nur
reflektiert, sollen spätere, sogenannte aktive Relais-Satelliten fernmeldetechnische Nachrichten elektronisch aufnehmen, speichern, verstärken und an
die vorgesehene "Abnehmerstation" senden.
TRÄGERRAKETEN
Eine Voraussetzung für die Durchführung solcher Vorhaben ist das Vorhandensein von Flugkörpern, die geeignet sind, Satelliten und Raumsonden
in bestimmte Flugbahnen zu befördern. In den Vereinigten Staaten wurden
verschiedene Grundtypen von Raketen entwickelt und ständig weiter verbessert,
die einzeln oder in Kombinationen mit anderen als Trägerraketen dienen.
Zu den wichtigsten Startraketen zählen zur Zeit REDSTONE, VANGUARD, JUPITER,
THOR und ATLAS. Sie alle verbrennen flüssigen Treibstoff; ihre Schubkraft
liegt zwischen 35 000 und 160 000 kg. Feststoffraketen übernahmen bisher nur
als aufgestockte 2., 3« oder 4« Stufe die weitere Beschleunigung der mit den
wissenschaftlichen Geräten vollgepackten "Nutzlast" auf die Geschwindigkeit,
die für die vorgesehene Umlaufbahn um Erde oder Sonne erforderlich ist. Die
vierstufige SC0UT, mit der Mitte 1 96O die ersten Testflüge unternommen werden
sollen, wird die erste Trägerrakete sein, die auch als Startstufe (52 200 kg
Schub) eine Feststoffrakete hat. Sie kann etwa 90 kg schwere Nutzlasten in
Kreisbahnen in 500 km Höhe und 50 kg schwere Meßgeräte in 9000 km Höhe befördern.
Gegenüber Flüssigkeitsraketen haben Feststoffraketen den Vorzug, daß
sie keine Pumpwerke mit vielen beweglichen Teilen und andere: komplizierte.
Aggregate benötigen. Um sie zu starten, bedarf es nicht, wie bei den Flüssigkeitsraketen, zahlreicher Spezialisten und der umständlichen "Count down"Prozedur, bei der jedes Einzelteil auf seine Funktion überprüft wird. Die
Flüssigkeitsrakete muß nach einem genau festliegenden Zeitplan aufgetankt
und zur vorbestimmten Zeit abgefeuert werden, da sonst keine Gewähr für das
Gelingen des Versuchs gegeben ist. Feststoffraketen dagegen sind samt Treibstoff lange Zeit lagerfähig und lassen sich damit sogar transportieren. Außerdem sind sie in verschiedenen Größenordnungen leicht und einfach herzustellen
Ihr Nachteil: Bisher bereitete es immer wieder technische Schwierigkeiten, dii
Schubleistung während der Brenndauer zu steuern; auch die Kontrolle der Schub'
richtung und des Brennschlusses ließen zu wünschen übrig - alles Faktoren, di&lt;
beim Einsteuern eines Satelliten in die vorgesehene Bahn eine wichtige Rolle
spielen. NASA hat inzwischen ein Arbeitsprogramm vorgelegt, das die bestehenden Mängel überwinden helfen soll und das u.a. die Entwicklung von Triebwerke]
und Treibstoffen hoher Leistung für zuverlässig arbeitende Feststoffraketen _zj

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6. Mai 196O

zum Ziel hat, die im Flug auch abgeschaltet und wieder gestartet werden
können.
Daneben gehen die Vorbereitungen zum Bau von superstarken Flüssigkeitsraketen unter Verwendung und durch Verbesserung bewährter, seit Jahren in
Serie gebauter Typen weiter; die Zahl der Typen soll auf ein Minimum reduziert, die Leistung der Aggregate so weit wie nur irgend möglich gesteigert
werden. Ab 1962 beabsichtigt NASA, nur noch vier Typen von Raketen einzusetzen, und zwar SCOUT, THOR, ATLAS und SATURN. Im Rahmen des Projekts
SATURN werden durch Bündelung mehrerer Triebwerke der THOR- bzw. JUPITERKlasse Leistungen von zirka 680 000 kg Schub erreicht; außerdem arbeitet
man an der Entwicklung von Einkammer-Triebwerken der gleichen Leistung,
die wiederum zu noch stärkeren Flüssigkeitsraketen (Projekt NOVA, 2,7
Millionen kg Schub) gebündelt werden sollen. Zur SATURN-Familie werden zwei-,
drei- und vielleicht vierstufige Raketenkolosse gehören, deren Startstufe
nach jedem Versuch möglichst wieder geborgen werden soll. Das DreistufenProjektil, das über 45 m hoch ist und aufgetankt 580 Tonnen wiegt, vermag
mehrere Tonnen schwere Satelliten in Umlaufbahnen um die Erde oder etwa
eine Tonne schwere Nutzlasten mit wissenschaftlichen Geräten zur Mondoberfläche oder in den interplanetaren Raum zu befördern.
Diese Giganten für den Raumflug erfordern zunächst riesige Spezialanlagen für den Standversuch zur Erprobung der Triebwerke, später für die
Montage und den Start der Rakete auf den Versuchsplätzen. Für den Standversuch mit der aus acht Triebwerken bestehenden SATURN-3tartstufe steht
auf dem Gelände der Marshall-Forschungs- und Versuchsanstalt für Raumflug,
dem ehemaligen REDSTONE-Arsenal in Huntsville, ein 54 m hoher, stählerner
"Prüfstand" bereit. In Cape Canaveral ist der Montageturm für die Testraketen noch in Bau - er wird über 90 m hoch, ein bewegliches Monstergerüst
von den Ausmaßen eines 28stöckigen Hauses.
Antriebssysteme der Zukunft
Neben diesen Raumflugkörpern, die alle zu den "klassischen" chemischen
Verbrennungsraketen gehören, gewinnen allmählich auch die thermischen Atomraketen und die elektrischen Raketen an Bedeutung. Bei der thermischen Atomrakete wird der Treibstoff - vorzugsweise Wasserstoff, vielleicht auch Helium
oder Ammoniakgas in verflüssigter Form - in einem Atomreaktor von möglichst
geringem Eigengewicht auf extrem hohe Gastemperaturen aufgeheizt. Im Rahmen
des Projekts ROVER, eines gemeinsamen Forschungsprogramms von NASA und der
US-Atomenergie-Kommission, untersucht man zur Zeit an Experimentierreaktoren
(KIWI-Serie) tec hnis che Probleme des Nuklearantriebs; Anfang 196l steht in
Nevada eine neue Testzelle zur Verfügung, die außer dem Reaktor auch Raketentriebwerke aufzunehmen vermag. Bei dieser Nuklearrakete gibt es keine che, mische Verbrennung. Ihre Leistung wird vielmehr von der Ausströmgeschwindigkeit der Treibmasse, letzten Endes also von der im Reaktor erzielten Temperatur bestimmt. Da der spezifische Impuls einer solchen Rakete mindestens
dreimal so hoch wie der einer chemischen Rakete sein würde, könnte auch die
von ihr zu befördernde Nutzlast wesentlich schwerer sein.
Von den elektrischen Raketen werden gegenwärtig drei Typen untersucht:
1. die Ionen-Rakete, bei der ein ionisiertes Treibmittel durch elektrostatische Felder beschleunigt und unter hoher Geschwindigkeit ausgestoßen
wird; 2. die Plasma-Rakete, bei der ein Plasma - eine Mischung aus Ionen und

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�Die „anatomische Liegeschale" schützt den Astronauten
in der hermetisch abgeschlossenen MERKUR-Kabine
vor den Auswirkungen der ungeheuren Beschleunigungskräfte.

Eine ATLAS-Rakete mit dem 900 kg schweren Modell
einer MERKUR-Kabine w i r d für einen Flugtest in Cape
Canaveral vorbereitet.
Die Kabine wurde später 2400 km vom Startplatz entfernt aus dem Meer geborgen.

In 12 000 m Höhe hat sich die X-15 gerade vom Trägerflugzeug, einer B-52, gelöst und fliegt mit eigener Kraft.
Nach Abschluß der vorbereitenden Tests sollen mit dieser bemannten Rakete Höhen um 160 km erreicht werden.

III

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6. Mai 196O

und Elektronen - mittels elektromagnetischer Felder den Schub erzeugt; und
5. die elektrothermische Rakete, bei der das Treibgas elektrisch aufgeheizt
wird.
Elektrische Raketen, gleich welchen Typs, müssen jedoch durch chemische
Raketen erst auf eine Satellitenbahn oder zu einer Raumstation befördert
werden, ehe sie ihre eigene Reise beginnen können; der von ihnen erzeugte
Schub reicht nicht aus, um die Erdanziehung und den Luftwiderstand zu überwinden. Im Weltraum aber, wo.die Gravitationskräfte viel geringer sind, sind
die elektrischen Raketen den "konventionellen" Raketen überlegen, weil ihr
Treibstoffverbrauch minimal, Motor- und Treibstoffgewicht gering sind und
daher mit ihnen Expeditionen über Wochen, Monate oder Jahre durchgeführt
werden könnten.
Hilfsaprgregate
Die Verwendung elektrischer Antriebssysteme ist aber nur möglich, wenn
wartungsfreie und lange Zeit funktionsfähige Stromquellen von möglichst geringem Gewicht verfügbar sind. NASA und die AEC befassen sich zur Zeil in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Industrie mit der Entwicklung von Atomund Sonnenkraftgeneratoren, die mindestens ein Jahr lang Strom liefern.
Das Miniatur-Atomkraftwerk 3NAP-2, das kaum größer ist als ein 20-LiterGefäß, ohne Strahlenabschirmung etwa 100 kg wiegt und eine Leistung von 3000
Watt erreicht, wurde bereits erfolgreich erprobt; SNAP-8, ein 30 OOO-.VattAtomgenerator, soll in etwa 5 Jahren einsatzbereit sein. Das jüngste Projekt
ist der Sonnenkraf tgenerator SUNFLOiVER-I, der mittels eines faltbaren, parabolspiegelähnlichen .Värmesammlers von 9&gt;6 m Durchmesser Sonnenenergie einfängt und einen Boiler erwärmt, an den ein Turbogenerator angeschlossen ist;
die Leistung liegt bei 3000 Watt.
Bemannter Raumflug
Das Projekt MERKUR ist die erste Phase in den Bemühungen der Vereinigten
Staaten um den bemannten Raumflug. Das Hauptziel des Frojekts liegt in der Erforschung bzw. Abgrenzung der Möglichkeiten für den Menschen, unter '.Veitraumbedingungen zu existieren. Sieben "Astronauten", von denen einer als erster
Amerikaner den Flug um die Erde in einer Satellitenkapsel wagen wird, werden
zur Zeit in einem intensiven Training physisch und psychisch auf diese Expedition vorbereitet und mit den technischen Voraussetzungen dafür vertraut
gemacht. Der viereinhalbstündige Ausflug in den Weltraum wird bis in etwa
160 km Höhe führen. Nach dreimaliger Erdumkreisung mit 8000 m/sec, wobei
die Flugbahn über Afrika, Australien, Mexiko und die Vereinigten Staaten
führt, wird die Geschwindigkeit durch Bremsraketen, die von Bord der MSRKÜRKapsel oder durch das Funksignal einer Bodenstation gezündet werden, langsam
verringert. Dabei gelangt die Kapsel in immer tiefere Luftschichten, wo der
Luftwiderstand eine zusatzliche Bremswirkung ausübt. In 3000 m Höhe öffnet sich ein Fallschirm, der die Landegeschwindigkeit auf 10 m/sec reduziert. Als
"Landeplatz" ist der Atlantik in der Nähe der Bahama-Inseln vorgesehen; die
MERKUR-Raumkapsel, von der sich der Fallschirm nach dem Wassern löst, ist mit
Schwimmern ausgerüstet, die sie bis zur Bergung über Wasser halten.
Prüfungen

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�6. Mai 1960

"AMERIKA DIENST"

Prüfungen im Windkanal und zahlreiche Erprobungen der Raumkapsel
in ballistischen Testflügen (zu denen u.a. die Versuche BIG JOE und
LITTLE JOE im Herbst 1959 gehören), Lande- und Bergungsmanöver gehen
dem eigentlichen Experiment MERKUR voraus, bei dem das Risiko für den
Passagier nicht größer sein soll als es heute für den Testpiloten eines
Flugzeugwerkes ist. Der Astronaut kann während des Flugs über Sprechfunk
mit den zahlreichen Bodenbeobachtungsstationen, die automatisch laufend
Signale über das "Verhalten" des Fluggeräts und seines Passagiers empfangen, in Verbindung treten. Als Trägerrakete der MERKUR-Kapsel ist eine
ATLAS vorgesehen.
Forschungsflugzeug X-15
Mit der X-15 sollen der praktischen Flugforschung Bereiche erschlossen werden, die mit dem Flugzeug nicht mehr zu erreichen sihd, aber auch
noch nicht zum "Weltraum" gehören. Die Operationshöhe dieses 15 m langen,
zigarrenförmigen Flugkörpers mit kurzen Tragflächen und Raketenantrieb
wird oberhalb von 80 000 m liegen.
Ziele des Programms X-15, das von US-Luftwaffe, US-Marine und NASA
gemeinsam durchgeführt wird, sind 1 . Ermittlung der aerodynamischen Aufheizung bei HyperSchallgeschwindigkeit und ihrer Wirkung auf den Flugkörper; 2. Erprobung der Flugstabilität und der Steuerung in sehr dünner
Luft; und 3» Untersuchung der Auswirkung des gewichtslosen Zustandes auf
den Piloten.
Die X-15 kann .nicht vom Boden aus starten, sondern muß von einem Trägerflugzeug - einer B-52 - in etwa 12 000 m Höhe geschleppt werden.
Seit dem 17» September 1959 führte Scott Crossfield als Testpilot bereits
mehrere Motorflüge mit der X-15 aus, wobei 15 000 m Höhe und 2080 km/st
Geschwindigkeit erreicht wurden. Die maximale Leistung der X-15 dürfte
etwa 5800 km/st betragen.
Bildunterschrift; (Deckblatt)
Navigations-Satellit TRANSIT I-B, wie ihn der Zeichner sieht.
Das helle Spiralband auf der Außenseite des Satelliten dient als
Antenne; photoelektrische Zellen am Gürtelwulst laden durch Umsetzung von Sonnenenergie die chemischen Batterien ständig neu auf.
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�A M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENTSCHAFTSWAHIEN IN DEN USA

�"AMEMU

SIEHST"

3. Juni 1960
VORBEMERKUNG

In den Vereinigten Staaten von Amerika gipfelt das politische Leben
des Landes alle vier Jahre in der Neuwahl des Präsidenten, der zugleich
Staatsoberhaupt und Regierungschef ist. Die Wahlkampagne beginnt, sobald
die ersten Bewerber ihr Interesse für dieses Ant bekunden, und bie dauert
an, bis am späten Abend des ''Zahltages die ersten Teilergebnisse bekanntgegeben Verden. Das gesamte amerikanische Volk verfolgt ihrtn Verlauf mit
grö3ter Spannung und Anteilnahme.

Für die meisten Amerikaner ist dies eine erregende Zeit. Als Spitzenkandidaten werben profilierte Persönlichkeiten um ihre Stimme. Die Diskussion entzündet sich an nichtigen Problemen. Je näher der Wahltag heranrückt, desto temperamentvoller werden die Wahlreden. Argumente und Gegenargumente füllen die Zc i t-un^sspaiter und den Äther.

Wenn jedoch die Wahl entschieden ist, glätten sich alsbald wieder die
Wogen, und alle Beteiligten akzeptierer das Resultat al«* faire Kontrahenten und gute Staatsbürger. Der siegreiche Kandidat betrachtet sich nicht
länger in erster Linie als Führer seiner eigenen Partei, sondern als berufenen Sprecher des ganzen Landes, dem Glück und Wohlergehen des ganzen
Volkes am Herzen liegen.

Wahlrecht, Wahlverfahren und politische Tradition der USA unterscheiden sich in vielen Einzelheiten vor denen anderer Lander. Jiese Schrift
hat sich die Aufgabe gestellt, einige der häufigsten Fragen zu diesem Theaa
in knapper und übersichtlicher Form zu beantworten.

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni i960

Wann werden in den USA Präsidentschaftswahlen abgehalten?
Nach den gesetzlichen Bestimmungen finden die Präsidentschaftswahlen alle vier Jahre am eisten Dienstag nach dem ersten. Montag im November statt. Alljährlich v/erden außerdem in den USA viele Staats- und
Kommunalämter durch Wahlen neu "besetzt.

Wann finden in diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen statt?
Wahltag ist im Jahre 196O der 8. November.

Welche Ämter sind außer denen des Präsidenten und des Vizepräsidenten
am 8. November zur Wahl ausgeschrieben?
Zur Wahl stehen 27 Gouverneure von Einzelstaaten, 34 Senatoren,
alle 437 Mandate des Repräsentantenhauses und Hunderte von Staats- und
Kommunalämtern - Mandate der einzelstaatlichen Parlamente, Richter, Bürgermeister usw.

Nach welcher Regel werden die Senatoren neugewählt?
Dem Senat gehören zwei Vertreter für jeden der 50 Bundesstaaten,
also 100 Senatoren an. Ihre Mandate dauern jeweils sechs Jahre, doch
wird nach der Verfassung immer rund ein Drittel der Senatoren in Abständen von zwei Jahren neugewählt.

Nach welcher Regel werden die Mitglieder de3 Repräsentantenhauses neugewäh-It?
Dem Repräsentantenhaus gehörten bis zum Jahre 1959»in äem Alaska und
Hawaii als vollberechtigte Gliedstaaten in die Union aufgenommen wurden,
435 Abgeordnete an. Da jeder Staat Anspruch auf mindestens ein Abgeordnetenmandat hat, erhöhte sich diese Zahl auf 437 Mandate. Das ganze Repräsentantenhaus wird in Abständen von zwei Jahren, und zwar in den Jahren mit
gerader Jahreszahl»neugewählt,
Die Zahl der Mandate wurde im Jahre 192'9 "für immer" auf 435 festgesetzt. Alle zehn Jahre findet eine Volkszählung statt, damit die Zuteilung
der Mandate an die Einzelstaaten immer ihrem jeweiligen Bevölkerungsanteil
angepaßt werden kann. Gegenwärtig vertritt jeder Abgeordnete durchschnittlich rund 400 000 Landesbewohner, Nach der Volkszählung von 196O muß eine
Neuverteilung der Mandate vorgenommen werden, doch bleibt es dem Repräsentantenhaus selbst überlassen, ob es die Zahl seiner Mitglieder wieder auf 435
beschränken, den gegenwärtigen Stand beibehalten.oder sogar erhöhen will,
da die Verfassung keine Begrenzung vorschreibt. Die Einteilung der Wahlkreise
nach Maßgabe der zugeteilten Mandate ist Sache der einzelstaatlichen Parlamente .

Wer ist wahlberechtigt? •
Wählen darf jeder, der durch Geburt oder Einbürgerung die amerikanische Staatsangehörigkeit erworben und das durch einzelstaatliche Gesetze

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�"AMERIKA DIENST"

3. Juni 1960

Gesetze unterschiedlich bestimmte Mindestalter erreicht hat. In den meisten Staaten beginnt die Wahlberechtigung mit dem vollendeten 21. Lebensjahr, in einigen jedoch schon mit dem 19« oder 18. Lebensjahr.

Wie groß ist normalerweise die Wahlbeteiligung?
Bei den allgemeinen Wahlen im November 1956 wurden über 62 Millionen
Stimmen abgegeben, d.h. rund 60 Prozent aller Stimmberechtigten nahmen an
den Wahlen teil. Die Wahlbeteiligung hängt weitgehend davon ab, welche
Probleme zur Entscheidung anstehen, wie groß das persönliche Prestige
der jeweiligen Kandidaten und wie ausgeglichen das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien und ihrer Wählergefolgschaft ist. Die politischen Parteien, die Kandidaten selbst und Organisationen wie die League of Women
Yoters (Wählerinnen-Liga) unternehmen die größten Anstrengungen, um so
viele Frauen und Männer wie möglich zur Stimmabgabe zu bewegen. Es ist
jedoch völlig ins Ermessen des einzelnen Bürgers gestellt, ob er von seinem Wahlrecht Gebrauch machen will oder nicht.

Sind auch die Neger und andere Minderheiten wahlberechtigt?
Jeder Bürger der USA, der lesen und schreiben kann, die Ansässigkeitsbedingungen erfüllt, sich fristgemäß in die Wählerlisten eintragen läßt
und in den Staaten, wo das Wahlrecht allgemein von der Entrichtung einer
Wahlsteuer abhängig gemacht wird, diese Steuer bezahlt hat, ist wahlberechtigt und macht in der Regel von seinem Wahlrecht Gebrauch. Der im
Jahre 1870 ratifizierte Zusatzartikel 15 der Bundesverfassung bestimmt,
daß das Wahlrecht keinem Bürger "auf Grund der Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe oder vormaliger Dienstbarkeit vorenthalten oder eingeschränkt werden
darf". Im Jahre 1920 wurde durch den Zusatzartikel 19 auch das allgemeine
Frauenwahlrecht in der Verfassung verankert.

Was verlangen die Ansässigkeitsvorschriften?
Die einzelstaatlichen Gesetze legen unterschiedliche Bedingungen fest.
In den meisten Staaten wird die Wahlberechtigung von einjähriger Ansässigkeit im Staatsgebiet oder einer kürzer bemessenen Ansässigkeit in ein und
derselben Gemeinde abhängig gemacht. Außerdem muß sich der Wähler mehrere
Wochen vor dem Wahltermin in die Wählerliste eintragen lassen. Diese Vorschriften erschweren Personen, die häufig ihren Wohnsitz oder Aufenthaltsort wechseln, die Ausübung ihres Wahlrechts, doch wurden sie erlassen,
um Mißbräuchen vorzubeugen.

Wie gibt der Wähler seine Stimme ab?
Beim Wahlvorgang ist die geheime Stimmabgabe sichergestellt. Der Wähler begibt sich in das Wahllokal seines Wohnbezirks und kreuzt dort in
einer abgeschlossenen Kabine seinen Stimmzettel an. In vielen Gemeinden
sind bereits Wahlmaschinen vorhanden, bei denen der Wähler seine Stimme
abgibt, indem er bestimmte Tasten und Hebei betätigt. In der Umgebung
der Wahllokale ist keinerlei Wahlpropaganda gestattet. Vertreter der

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der einzelnen Parteien überwachen gemeinsam die strikte Beachtung der
Geheimhaltungsvorschriften.

Können Wahlberechtigte auch außerhalb ihrer Heimatgemeinde wählen?
Wahlberechtigte, die sich am 7/ahltag außerhalb ihres ständigen Wohnsitzes aufhalten, auf Reisen sind, wegen Krankheit oder ähnlicher Umstände
das Wahllokal ihres Wohnbezirks nicht aufsuchen können, haben in den meisten Staaten der USA die Möglichkeit, von der Briefwahl Gebrauch zu machen.
Auf Antrag erhalten sie einen Stimmzettel, den sie bereits einige Zeit
vor der Wahl ausgefüllt zurücksenden müssen. Dieses System wurde erstmals
während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865) eingeführt, um auch
den Soldaten die Teilnahme an den Wahlen zu ermöglichen.

Müssen die Wähler einer politischen Partei angehören?
Für die allgemeinen und lokalen Wahlen selbst gibt es keine solche
Verpflichtung. Anders verhält es sich jedoch mit den "Vorwahlen1 (primaries),
die in einigen Staaten abgehalten werden. Bei ihnen dürfen nur eingeschriebene Mitglieder anerkannter Parteien ihre Stimme abgeben. Sie wurden eingeführt, um die Auswahl der Kandidaten auf eine breitere Basis zu stellen
und die Einflußnahme der Parteifunktionäre auf diese Vorentscheidungen
einzuschränken.

Was veranlaßt die Wähler, der einen oder anderen Partei ihre Stimme zu geben?
Häufig spielen Familientraditionen oder Umweltfaktoren eine Rolle, in
gewissem Grade auch berufliche bzw. wirtschaftliche Interessen. Viele Amerikaner finden aber nichts dabei, gelegentlich die Parteizugehörigkeit zu
wechseln. Andere, die prinzipiell keiner Partei beitreten, treffen ihre
Wahl auf Grund der Stellungnahmen der Parteien zu aktuellen Problemen oder
nach ihrer persönlichen Einschätzung der Spitzenkandidaten.

Wie viele Parteien gibt 08 in den USA?
In den USA besitzt das Zweiparteiensystem eine ausgezeichnete Tradition, obwohl auch einige kleinere Parteien mit fester Gefolgschaft vorhanden sind. Gelegentlich entstehen im Zusammenhang mit öffentlichen Auseinandersetzungen über leben»wichtige Fragen "dritte" Parteien, die den beiden
Traditionsparteien - der Demokratischen Partei und der Republikanischen
Partei - größere Wählergruppen abspenstig machen. Unter den kleineren
Parteien mit mehr oder minder festem Wählerstamm sind zwei sozialistische
Parteien - die "Socialist Labor Party" und die "Socialist Workers Party" sowie die für gesetzliche Einschränkung des Alkoholkonsums eintretende
"Prohibition Party" zu erwähnen.

Wie ist das Zweiparteiensystem der USA entstanden?
Unmittelbar nach Annahme der Bundesverfassung im Jahre 1787 formierten sich in den USA zwei locker verbundene, aber deutlich gegeneinander
abgegrenzte politische Meinungsgruppen, die sich zum Ende der Amtszeit des

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des ersten Präsidenten, George Washington, zu regelrechten Parteien konsolidierten. Von diesen scharte sich die Demokratisch-Republikanische
Partei um Thomas Jefferson, den Verfasser der Unabhängigkeitserklärung,
während Alexander Hamilton, der erste Finanzminister der USA, die Föderalisten anführte. Von der Hamilton-Partei stammt die im Jahre 1854
neu organisierte heutige Republikanische Partei ab, während die heutige
Demokratische Partei auf die Jefferson-Partei zurückgeht.

Welche Vorteile hat das Zweiparteiensystem?
Als besonderer Vorzug des Zweiparteiensystems gilt, daß es eine kontinuierliche, stetige Führung der Regierungsgeschäfte gewährleistet, über
die sowohl die Regierungspartei als auch die Oppositionspartei mit gleicher Aufmerksamkeit wachen. Das Zweiparteiensystem gibt dem Wähler die
Möglichkeit der Wahl zwischen verschiedenen Kandidaten und politischen
Konzeptionen, schützt ihn jedoch vor Verwirrung durch eine übergroße
Vielzahl der ParteiProgramme und Kandidaten. Obwohl innerhalb der beiden Parteien im allgemeinen unterschiedliche Auffassungen herrschen, bietet das Zweiparteiensystem in der Regel die Möglichkeit, wichtige Gesetzes•vcrlagen mit klaren Mehrheiten zu verabschieden.

Bestehen zwischen den beiden großen Parteien grundlegende Unterschiede?
In bestimmten Perioden der amerikanischen Geschichte vaien zwischen
ihnen scharfe Gegensätze vorhanden, doch treten diese heute weniger stark
in Erscheinung. Die Unterschiede sind jetzt vornehmlich auf die Innenpolitik beschränkt. Jede der beiden Parteien will auf ihre Weise für wirtschaftliche Stabilität sorgen und Inflationstendenzen bekämpfen. In beiden
mischen sich unterschiedliche Elemente: Konservative und Liberale, Lohnarbeiter und Bankiers. Jeitgehende Übereinstimmung besteht in der außenpolitischen Zielsetzung, so daß sie sich auch über Einzelfragen der Auslandsbeziehungen normalerweise leicht zu einigen vermögen. Republikaner
und Demokraten unterstützen beide tatkräftig die Vereinten Nationen,
bejahen die Wirtschafts- und Verteidigungshilfe an befreundete Länder und
befürworten international« Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens.

Hat .jemals eine "dritte Partei" die amerikanische Politik beeinflußt?
Ja, aber immer nur für kurze Zeit. Verschiedentlich entstanden "dritte
Parteien" aus Protest gegen führende Persönlichkeiten einer der alten Traditionsparteien oder aus dem Wunsch nach einer Kursänderung der Regierungspartei. Der vormalige republikanische Präsident Theodore Roosevelt gründete beispielsweise für die Wahlen des Jahres 1912 eine dritte Partei mit
einem eigenen Programm, um mit Hilfe unabhängiger Wähler seinen Standpunkt
gegen die republikanische Parteiführung durchzusetzen. Seine Kandidatur
führte jedech zu einer Spaltan? der republikanischen Wählerschaft und
brachte somit den Demokrater Wocdrow Wilsor an die Regierung. Danach fiel
seine "dritte Partei" rasch auseinander, und deren Wähler gingen alsbald
wieder ins Lager einer der beiden großen Parteien über.
Ist

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Ist die Kommunistische Partei in den USA verboten?
Die KPdUSA ist weder vom Kongreß noch vom Obersten Bundesgerichtshof der USA für illegal erklärt vorden. Ihre politische Tätigkeit unterliegt nur gewissen Beschränkungen. Beispielsweise darf sie sich nicht mit
Kandidaten für politische Ämter an Wahlen beteiligen.
Werden bestimmte Parteien von Run.lfunk- oder Fernsehanstalten unterstützt?
Nein; das Gesetz schreibt vielmehr vor, daß den miteinander konkurrierenden Kandidaten politischer Parteien gleiche Sendezeit einzuräumen ist.
Welche Rolle spielt die Presse in der Wahlkampagne?
Im allgemeinen bildet sich der Amerikaner seine politische Meinung
auf Grund von Presse-, Rundfunk- und Fernsehberichten über ak'.. .eile politische Ereignisse und Probleme. Am genauesten kann er die laufende Entwicklung in den Tageszeitungen verfolgen, die in den Monaten vor dem Wahltag regelmäßig viele Spalten mit parteiamtlichen Erklärungen, Reden und
Interviews prominenter Kandidaten und Politiker sowie mit Reportagen
über Parteimanöver füllen. Diese Meldungen werden ergänzt durch sachkundige Kommentare und redaktionelle Leitartikel, die sich mit den Kandidaten
und den politischen Kernproblemen befassen.
Ist das F'-' tnsehen ei,. wichtiger '.Vahlkampf f aktor?
Ja, und zwar insofern, al3 es den Präsidentschaftskandidaten die Möglichkeit bittet, dtr ganzen Nation ihre Auffassungen von Angesicht zu Angesicht vorzutragen, andererseits vermittelt es vielen Millionen Wählern
einen persönlichen Eindruck auch von weniger bekannten Bewerbern,
Mit welchen Mitteln betreiben die Kandidaten ihre Wahlkampagne?
Außer den Fernsehansprachen halten sie zahlreiche Reden auf Wahlversammlungen, Wahlhelfertreffen, Wahlkampfdiners, Empfängen usw. Ferner besuchen sie Fabrikei, Landgemeinden und lokale Veranstaltungen. Ihre Wahlkampfleiter bringen Flugblätter und Broschüren zur Verteilung, setzen Lautsprecherwagen ein, placieren Zeitun^sinserate und Radioaufrufe. Einige Kandidaten und Wahlhelfer hallen unbeirrt an der bewährten alten Methode der
Hausbesuche in ihrem Wahlbezirk fest.
Unterscheidet sich der Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen von
anderen Kampagnen?
Vor Präsidentschaftswahlen werden die Wahlfeldzüge natürlich in wesentlich größerem Stil aufgezogen. Die Kandidaten für das Amt der Präsidenten oder des Vizepräsidenten sind bestrebt, möglichst viele Staaten
persönlich aufzusuchen und an möglichst vielen Orten ihre Ansichten über

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über die wichtigsten Fragen der Innen- und Außenpolitik zu erläutern.
Heute kann man in kurzer Zeit große Entfernungen mit dem Flugzeug überbrücken, doch haben auch Wahlreisen mit dem Sonderzug viel für 3ich.
Präsident Trumans Wiederwahl im Jahre 1948 wird nicht zuletzt auf die
vielen Ansprachen zurückgeführt, die er auf jeder der zahlreichen Zwischenstationen seiner Eisenbahnrundfahrt durch die USA vom Zuge aus zu
halten pflegte.
Wie lange dauert die Wahlkampagne?
Man kann sagen, daß sie für die meisten Bewerber mit dem Entschluß
zur Anmeldung der eigenen Kandidatur beginnt und bis zum Wählerentscheid
am Wahltag andauert, sofern sie ihre Kandidatur nicht schon vorher zugunsten eines aussichtsreicheren Kandidaten ihrer eigenen Partei zurückgezogen haben. Auf volle Touren kommt der Wahlkampf aber erst nach den
Landeskonventen, die die beiden großen Parteien im Juli abhalten.
In welchem Verhältnis steht der Präsident nach seinem Amtsantritt zu
seiner Partei?
Als höchster politischer Repräsentant seines Volkes hat der Präsident
nach allgemeiner Auffassung über den Parteien zu stehen. Mit seinem Amtseid verpflichtet er sich, seine Aufgaben zum Besten des ganzen Volkes zu
versehen. Nominell bleibt er jedoch der Führer seiner Partei, wird zur
Beratung aller wichtigen Parteiangelegenheiten hinzugezogen und tritt auch
bei späteren Wahlkampagnen während seiner Amtszeit für seine Partei ein.
Kann jeder Staatsbürger der USA Präsident werden?
Man sagt, jede amerikanische Mutter träume davon, daß ihr Sohn eines
Tao'es Präsident der USA werden könnte. Der reale Hintergrund dieser Behauptung ist, daß die früheren Präsidenten tatsächlich den verschiedensten
Schichten, Bevölkerungs- und Berufsgruppen entstammten. Nach den Verfassungsbestimmungen müssen die Kandidaten für das Präsidenten- und das Vizepräsidentenamt von Geburt an die Staatsbürgerschaft der USA besitzen, mindestens 35 Jahre alt sein und mindestens 14 Jahre lang in den USA ihren Wohnsitz gehabt haben.
Können sich naturalisierte Staatsbürger der USA um poli tische Xmter bewerben?
Jaj die einzigen Ausnahmen von der Regel sind die Präsidentschaft und
die Vizepräsidentschaft. Voraussetzung für die Wählbarkeit in den Senat ist
jedoch eine mindestens neunjährige Staatsangehörigkeit, für die Wählbarkeit
ins Repräsentantenhaus eine mindestens siebenjährige Staatsangehörigkeit.
Kann ein Kandidat gleichzeitig für mehrere Ämter kandidieren?
Die Gesetze verschiedener Einzelstaaten sehen diese Möglichkeit vor.
Beispielsweise könnte ein Senator, dessen Mandat im Jahr der Präsidentschaftswahlen abläuft, gleichzeitig seine Wiederwahl betreiben und die

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die Hominierung zum Präsidentschaftskandidaten annehmen. Sollte er aus beiden Konkurrenzen als Sieger hervorgehen, so würde er vor seiner Vereidigung
als neuer Präsident der USA auf das geringere Amt verzichten»
Von welchen Par^eigremien werden die Spitzenkandidaten aufgestellt?
Jede Partei hält einen Landeskonvent ah, auf dem die Nominierung der
Spitzenkandidaten erfolgt. Die Delegierten, die die Parteiorganisationen
der Einzel Staaten zu den Landeskonventen entsenden, wurden zuvor in den meisten Staaten auf Staatskonventen gewählt. In den übrigen Staaten wurden sie
durch "Vorwahlen" (primaries) ermittelt oder durch Parteikomitees beauftragt.
Wer legt die Delegiertenzahl der Landeskonvente fest?
Dies ist Aufgabe der Landeskomitees, der obersten Vollzugsorgane der
politischen Parteien. Bei ihren Zuteilungsbeschlüasen berücksichtigen diese
sowohl die Erfahrungen früherer Wahlkampagnen als auch Stärke und Bedeutung
der einzelstaatlichen Parteiorganisationen.
Wie viele Delegierte nehmen an den Landeskonventen teil?
Die Gesamtzahl weist alle vier Jahre gewisse Schwankungen auf. Zum
Republikanischen Landeskonvent im kommenden Juli werden 1331 und zun Demokratischen Landeskonvent 1521 Delegierte aufgeboten. Die Nominierung des
Präsidentschafts- und des Vizepräsidentschaftskandidaten muß jeweils von
der Mehrheit der Delegierten gebilligt werden.
Inwieweit hat der einfache Bürger ein Mitspracherecht bei der Kandidatenauswahl
In den 15 Einzelstaaten, die "Vorwahlen" (primaries) zur Ermittlung
der Delegierten für die Landeskonvente der großen Parteien abhalten, können
alle Teilnahmeberechtigten, d.h. alle Mitglieder der betreffenden Partei,
gleichzeitig den von ihnen bevorzugten Präsidentschaftskandidaten ankreuzen
oder den Namen eines nicht aufgeführten Vorzugskandidaten nachtragen. Solche
"Präferenzen" sind zwar für die Delegierten auf den Landeskonventen nicht
durchweg verbindlich, doch geben sie in der Regel einer breiteren Öffentlichkeit schon lange vor den Wahlen Aufschluß darüber, welche Kandidaten in
welchen Gebieten besonders populär sind.
Wie wichtig sind die "Vortrahlen" für die Präsidentschaftskandidaten?
Vielfach haben die "Vorwahlen" (primaries) die Bedeutung von Ausscheidungsstechen zwischen mehreren Kandidaten derselben Partei. Gewinnt ein Bewerber eine solche "Vorwahl" in. einem bestimmten Staat, so stärkt die3 sein
Prestige innerhalb der eigenen Partei und im ganzen Lande, da der Sieg als
Indiz seiner Zugkraft und Beliebtheit bei den Wählern bewertet wird. Andererseits kann eine schwere Niederlage bei einer "Vorwahl" zur Folge haben,
daß er für den Landeskonvent seiner Partei als ernsthafter Bewerber um die
Spitzenkandidatur ausscheidet. Obwohl einige Kandidaten dieses Risiko scheuen.

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scheuen, müssen sie sich doch häufig schon deshalb bei "Vorwahlen" aufstellen lassen, um ihre Erfolgsaussichten zu erproben und glaubhaft zu
machen.
Welche anderen Möglichkeiten besitzen die Bürger, um die Kandidatenauswahl
zu beeinflussen?
In vielen Einzelstaaten, die keine "Vorwahlen" (primaries) abhalten,
sind die Parteiorganisationen bestrebt, durch Meinungsumfragen und Situationsanalysen den Wählerwillen im voraus zu ergründen. Den Wählern steht es im
übrigen Trei, Aktionsgruppen und Wählergemeinschaften zur Unterstützung
bestimmter Kandidaten zu gründen. Für die Nominierung der Spitzenkandidaten
sind jedoch letztlich die Delegierten der Landeskonvente allein zuständig.
Durch welche Qualifikationen empfiehlt sich ein Bewerber normalerweise
dem Landeskonvent als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat?
Die meisten Kandidaten haben sich durch Bewährung in anderen Ämtern oder
durch hervorragende Verdienste um das Gemeinwohl im ganzen Lande einen guten
Ruf, eine breite Gefolgschaft oder beides erworben. Als gute Sprungbretter
für eine Präsidentschaftskandidatur gelten: das Gouverneursamt in volkreichen Einzelstaaten, Senats- oder Abgeordnetenmandate im Kongreß sowie andere
verantwortungsvolle Positionen und hohe Vertrauensstellungen,
Wann werden die großen Parteien im Jahre 1960 ihre Spitzenkandidater. nominieren?
Die Demokratische Partei hat ihren Landeskonvent zum 11. Juli nach
Los Angeles im Staate Kalifornien einberufen. Die Republikaner werden ihren
Landeskonvent zwei Wochen später, am 25. Juli, in Chicago im Staate Illinois
eröffnen. In der Regel geht der Bundeskongreß vor Beginn der Landeskonvente
in Sommerferien, damit seine Mitglieder an deren Sitzungen und anschließend
an der intensiven Kampagne für die Novemberwahlen teilnehmen können.
Waa verstfeht man unter einem "favorite-son"-Vorschlag bei der KandidatenNominierung?
Als "Lieblingssohn" (favorite son) bezeichnet man einen Kandidaten, dem
auf dem Landeskonvent alle Delegierten seines eigenen Staates^m ersten Durchgang ihre Stimme geben, um ihm ihre Anerkennung für seine Verdiente um die
Parteiorganisation des betreffenden Staates zu bekunden. Normalerweise stimmt
dann dieselbe Delegation bei den folgenden Durchgängen für einen der aussichtsreichsten Bewerber. Meist handelt es sich bei den "Lieblingssöhnen" um
Staatsgouverneure.
Stimmt es. daß die Staaten mit den meisten Einwohnern wie'New York.
Pennsylvanien und Kalifornien oft den Ausgang der Präsidentschaftswahlen
entscheiden?
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Dies trifft weitgehend zu, un" deshalb konzentrieren die Spitzenkandidaten ihre Anstrengungen während der Wahlkampagne hauptsächlich auf diese
und einige andere "Schlüsselstaaten". Im Rahmen des amerikanischen Systems besitzt jeder Einzelstaat einen seinem Bevölkerungsanteil entsprechenden Anteil der Wahlmännerstimmen. Das Wahlmännerkollegium, das den
Präsidenten wählt, verfügt zur Zeit über insgesamt 537 Stimmen (entsprechend der Zahl der Kongreßmitglieder), und derjenige Kandidat gilt als
gewählt, der die Mehrheit dieser Stimmen auf sich vereinigt. Die Wahlmänner jedes Einzelstaates stimmen geschlossen für den Kandidaten, der
zuvor in ihrem eigenen Staat die meisten Stimmen erhielt.
Ein Beispiel: In Kalifornien entfielen bei den Präsidentschaftswahlen
des Jahres 195^ auf den republikanischen Kandidaten rund 3 Millionen und
auf den demokratischen Kandidaten rund 2,4 Millionen Stimmen. Im Wahlmännerkollegium bekam demgemäß der republikanische Kandidat alle 32 kalifornischen Wahlmänner3timmen. Bei einem ziemlich ausgeglichenen Wahlergebnis kann es infolgedessen vorkommen, daß der Kandidat, dessen Partei
nach Gesamtstimmen im ganzen Lande knapp unterlag, im Wahlmännerkollegium obsiegt, wenn sein Gegner weniger Wahlmännerstimmen erhält. Dieser
Fall trat zurr, letzten Mal im Jahre 1888 ein.
Wer übernimmt die Präsidentschaft, falls der gewählte Präsident
amtsunfähig wird?
Der gesetzliche Nachfolger des Präsidenten ist, falls dieser stirbt,
zurücktritt oder aus anderen Gründen seine Amtszeit nicht zu Ende führen
kann, der Vizepräsident. Stößt dem Vizepräsidenten etwas zu, so treten
gemäß den Verfassungsbestimmungen die Inhaber anderer Ämter in der nachstehenden Reihenfolge an seine Stelle: der Sprecher des Repräsentantenhauses, der amtierende Senatapräsident, der Außenminister, dann andere
Kabinettsmitglieder.
Ist die Amtsdauer des Präsidenten gesetzlich befristet?
Ja; durch den 22. Verfassungszusatz wurde im Jahre 1951 bestimmt,
daß ein Präsidentschaftskandidat nur zweimal für eine vierjährige Amtsperiode gewählt werden darf. Diese Regelung entspricht der von dem ersten
Präsidenten der USA, George Washington, geschaffenen Tradition. Präsident Franklin D. Roosevolt wurde jedoch viermal nacheinander zum Präsidenten gewählt; er ~ Larb wenige Monate nach seiner dritten &lt;Viederwahl.
Zum ersten Mal gelangt die neue Verfassungsbestimmung auf Präsident
Eisenhower zur Anwendung.
Sind viele Vizepräsidenten später zu Präsidenten gewählt worden?
Dies war verhältnismäßig selten der Fall. Von den Anfangszeiten der
Republik ab£esehen, gelangten jene Vizepräsidenten, die später zu Präsidenten gewählt wurden, in der Regel zunächst durch den Tod des Präsidenten
in das höchste Amt und stellten sich dann zur Wahl, um es aus eigener Krafl
nochmals zu erringen.
Wie
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3. Juni i960

Wie konmt es, daP die USA gegenwärtig einer republikanischen Präsidenten
und einen Kongreß mit demokratischen Mehrheiten haben?
Da der 7/ähler nicht gezwungen ist, eine komplette Parteiliste zu
wähler, kann er seine Stimme spalten und beispielsweise den Präsidentschaftskandidaten der einen Partei und die Kongreßkandidaten der anderen
Partei wähljn. Möglicherweise wurde auch die Zusammensetzung des Kongresses bei früheren Wahlen deutlich zugunsten der einen Partei bestimmt,
während die andere Partei bei einer späteren '.Yahl ihren Präsidentschaftskandidaten durchbringt, wie es 1952 der Fall war. Der Senat hat beispielsweise eine klare demokratische Mehrheit} da bei den diesjährigen Wahlen
nur ein Drittel der Senatsmandate erneuert wird, dürften die Demokraten
auch weiterhin die Kontrolle des Senats behalten. Rascher können die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus wechseln, das im November - wie
in jedem zweiten Jahr - gänzlich neu gewählt wird.
Sind die Befugnisse des Präsiderten häufigen Änderungen ausgesetzt?
Die von der Verfassung ziemlich großzügig umschriebenen Befugnisse
des Präsidenten werden selten modifiziert. In augenfälliger V/eise ändern
können sich jedoch Stil und Konzeption ihrer Ausübung und Auslegung
durch den jeweiligen Präsidenten, und zwar von einem Regierungswechsel
zum andern.
Beteiligen sich die Frauen aktiv am Wahlkampf?
Ja; überall gibt es Frauen in den Parteikomitees der verschiedenen
Ebenen,.wo sie maßgeblich an der Formulierung der politischen Programme,
an der Planung des Wahlfeldzuges und an der Festlegung der Wahlkampftaktik
teilnehmen. Natürlich könren sie auch für jedes zur Wahl ausgeschriebene
Amt kandidieren. Zwar hat sich bisher ncch keine Frau um das Amt des Präsidenten oder Vizepräsidenten beworben, doch eroberten Frauen zahlreiche
andere wichtige Positionen, darunter Kongreßmandate, Gouverneursämter,
zahlreiche Sitze in einzelstaatlichen Parlamenten sowie Richterstellen.
Die Frauenverbände machen außerdem starken Einfluß geltend, um möglichst
viele wahlberechtigte Bürger zur Ausübung ihres Stimmrechts zu bewegen.
Können Minderheitsgruppen den Ausgang der Präsidentschafta'.vahlen
beeinflussen?
Jeder Staatsbürger hat dasselbe Mitbestimmungsrecht: er muß nur
Gebrauch davon machen. Insofern hat jeder Wähler, der einer Minderheit
angehört, durch seine Stimme denselben Einfluß auf den Wahlausgang wie
alle anderen Wähler auch. Die verschiedenen Rassen- und Nationalitätengruppen stellen in den USA keine politischen Minderheiten dar, da sie in
beiden großen Parteien mitwirken und vertreten sind. Einen gewichtigen
Einfluß können solche Minderheiten allerdings von Fall zu Fall geltend
machen, wenn Probleme zur Debatte stehen, die ihre Mitglieder in besonderem Maße berühren.
Wie

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J. Juni 196O

.7ie finanzieren die Parteien die Wahlkampagnen?
Die Mittel für den Wahlkampf v/erden ausschließlich durch freiwillige
Beitrage aufgebracht. Die Höhe solcher Spenden ist gesetzlich auf 500C
"Dollar (für die allgemeinen Wahlen) begrenzt, um einer ungebührlichen
Einflußnahme einzelner Förderer vorzubeugen. Normalerweise schwanken
die Beiträge jedoch zwischen einem und 500 Dollar; weitaus die meisten
liegen unter 100 Dollar. Als ebenso beliebtes wie wirksames Mittel zur
Füllung des Wahlkampffonds hat sich in letzter Zeit die Veransteltung
sogenannter "testimonial dinners" eingebürgert. Zu diesen Galadiners,
die vor den Wahlen in unzähligen Städten und Ortschaften des ganzen Landes stattfinden, werden einige prominente Gäste - Kandidaten und andere
führende Persönlichkeiten der Partei - eingeladen. Ein Gedeck kostet in
der Regel 100 Dollar. Bisweilen kommen bei solchen Wahlkampfbanketten
mehrere tausend Parteifreunde zusammen.
7/ann wird der neue Präsident sein Amt antreten?
Der nächste Präsident der USA wird am 20. Januar 1961 » um die Mittagszeit, in der Bundeshauptstadt Washington in sein Amt eingeführt.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./5.6.1960

WORTLAUT DER AUSFÜHRUNGEN DES AMERIKANISCHEM AUSSENMINISTERS
Christian A. Herter vor dem Außenpolitischen Ausschuß des
amerikanischen Senats am 27. Mai 196O

�WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Christian A. Herter nahm am Freitag, dem 27« Mai i960,
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats eingehend zu den jüngsten politischen Ereignissen Stellung
und gab einen detaillierten Bericht über die Pariser
Konferenz, ihre Vorbereitung sowie den "U-2"-Flugzeugzwischenfall. Herter betonte insbesondere, daß die USA
weiterhin mit den Sowjets verhandeln wollen, daß die
freie Welt jedoch wachsam bleiben müsse.

I. Die Vorgeschichte der Gipfelkonferenz
A. Die Bedrohung Berlins
Um verstehen zu können, was in Paris geschah, müssen wir auf die
vergangenen 13 Monate zurückblicken.
Im November 1958 entwickelte die UdSSR eine neue Strategie, die
darauf ausgerichtet war, die Lage in Berlin und in Ostdeutschland zu
ihren Gunsten zu ändern. Wenn die Westmächte sich weigern sollten,
ihre gegenwärtige Position in Berlin aufzugeben und der Umwandlung
West-Berlins in eine sogenannte "Freie Stadt" zuzustimmen, dann, so
teilten die Sowjets mit, hätten sie die Absicht, nach sechs Monaten
einseitig vorzugehen und der sogenannten Deutschen Demokratischen
Republik die volle Souveränität zu übertragen und damit die Alliierten
vor die Alternative der Kapitulation oder der Zuflucht zur Gewalt zu
stellen, der durch kommunistische Streitkräfte begegnet würde. Obgleich
sich diese Strategie in ihrem Verlauf als flexibler erwies, als in der
ursprünglichen Erklärung zu erkennen war, so ist sie doch noch immer die
offizielle Politik der UdSSR. Ihre Stärke liegt in dem Vermögen der
Sowjets, Berlin zu bedrohen, wo wir moralisch verpflichtet, aber physisch
exponiert sind.
Die Westmächte wiesen den sowjetischen Vorschlag selbstverständlich
sofort zurück und bekräftigten ihre Entschlossenheit, zu Berlin zu stehen.
In den darauffolgenden Monaten, in denen die UdSSR ihre Strategie
entfaltete und vorantrieb, stimmten die Westmächte ihre Pläne ab, um
ihr zu begegnen. Sie suchten die UdSSR zu Verhandlungen zu bewegen, um
dadurch ihre Absichten klarer zu erkennen und entweder für den Westen
annehmbare Lösungen zu erreichen oder zumindest die UdSSR zu überzeugen,
daß einseitige Maßnahmen gegen Berlin nicht rechtmäßig und klug wären.
B. Aufnahme von Verhandlungen mit der UdSSR
Es stand keineswegs von vornherein fest, ob die UdSSR auf einer
annehmbaren Basis verhandeln würde. Im Januar 1959 schlug die UdSSR
eine Konferenz vor, um einen Friedensvertrag mit den beiden Teilen
eines für immer geteilten Deutschland zustande zu bringen. Die Westmächte beharrten auf ihrem Standpunkt, daß ein Friedensvertrag nur mit

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�mit einem vereinigten Deutschland ausgehandelt und abgeschlossen werden
kann, daß also daher zuerst die Wiedervereinigung Deutschlands geregelt
werden muß. Sie hielten weiter daran fest, daß die einzige wirkliche
Lösung für Berlin darin liegt, daß es die Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschland wird, und sie waren daher nicht bereit, die BerlinFrage als isoliertes Problem zu behandeln. Die UdSSR hatte jedoch schon
seit einiger Zeit den Standpunkt vertreten, daß die Wiedervereinigung
die alleinige Angelegenheit der Deutschen sei, und weigerte sich daher,
über sie zu sprechen.
Der Westen ließ während der Monate Februar und März in seinen Bemühungen nicht nach, die Russen irgendwie zum Verhandeln zu bringen. Er
schlug eine Konferenz der Außenminister vor - mit der Aussicht auf eine
mögliche Gipfelkonferenz, wenn die entsprechenden notwendigen Vorbereitungen getroffen worden seien. Die UdSSR hatte schon seit dem Jahre 1956
wiederholt den Wunsch nach einer solchen Konferenz zu erkennen gegeben.
Schließlich wurde eine Kompromißtagesordnung, die die wesentlichen Ansichten beider Seiten nicht präjudizierte, für eine Außenministerkonferenz angenommen und ein Datum für eine solche im Mai festgelegt - kurz vor dem
Zeitpunkt, an dem die ursprünglich von der Sowjetunion für die Annahme ihrer
willkürlichen Forderungen in Berlin gesetzte Frist ablief.
C. Toter Punkt der Außenministerkonferenz
Während der intensiven Vorbereitungen für die Konferenz entwickelten
die Westmächte eine Version ihres grundsätzlichen Standpunktes in der
Deutschland-Frage, die in Genf als der westliche Friedensplan vorgelegt
wurde. Er bestand in der Inangriffnahme der Wiedervereinigung Deutschlands
in mehreren Phasen, wodurch der UdSSR eine Chance geboten wurde, ihren Standpunkt allmählich an den schließlichen Verlust ihres Griffes um Ostdeutschland anzupassen, den freie Wahlen wahrscheinlich bringen würden. Der Plan
zeigte Elastizität und Einfallsreichtum,er sprach in der Weltöffentlichkeit
an; aber die UdSSR lehnte ihn nichtsdestoweniger glatt ab. Die UdSSR blieb
unzugänglich und beharrte auf ihren vorher bekanntgegebenen Vorschlägen
für einen Friedensvertrag mit einem geteilten Deutschland. Damit blieben
die grundsätzlichen Standpunkte absolut unvereinbar.
Nachdem sie feststellten, daß in der Deutschland-Frage kein Fortschritt möglich war, prüften die Westmächte und die UdSSR die Möglichkeit
eines Interim-Abkommens über Berlin, das, ohne eine grundsätzliche Lösung
der Berlin-Frage als separates Problem ins Auge zu fassen, etwas dazu beitragen würde, die Schwierigkeiten zu mildern, die die UdSSR in Berlin vorzufinden vorgab. Wenn auch ein gewisser Fortschritt in dieser Richtung
erzielt wurde, so bestand die UdSSR doch auf Formulierungen, die die
schließliche Aushöhlung der westlichen Position in Berlin bedeutet haben
würden. Dementsprechend endete die Außenministerkonferenz trotz der Arbeit
von drei Monaten bei einer nur kurzen Pause auf einem toten Punkt.

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�D. Reisen auf höchster Ebene
Der Fehlschlag der Außenministerkonferenz führte jedoch zu keiner
kriegsgefährlichen Krise, da mittlerweile parallellaufende Ereignisse
in einer anderen Richtung Hoffnung erweckten. Wir nahmen die Gelegenheit
des Besuches Mikojans in der sowjetischen Botschaft in Washington wahr,
um einen informellen Meinungsaustausch zwischen dem führenden sowjetischen Vertreter und hohen amerikanischen Regierungsvertretern zu arrangieren. Diesem folgten im Juni und Juli weitere Besuche und Besprechungen einmal kam Koslow nach den USA, und zum andern besuchte der Vizepräsident
die UdSSR. Die Tatsache, daß diese Besuche ohne öffentliche Zwischenfälle
verliefen und ein etwas realistischeres Gespräch mit der sowjetischen
Führung ermöglichten als sonst üblich, schien eine Möglichkeit - nur
eine Möglichkeit selbstverständlich - zu bieten, daß die Mittel und Wege,
einen Krieg zu verhüten und die sowjetisch-westlichen Beziehungen mit
der Zeit in etwas weniger gefährliche Bahnen zu lenken, durch den Ausbau dieser informellen Kontakte gefunden werden könnten.
Dementsprechend entschloß sich der Präsident, einen Schritt zu tun,
den er und seine Berater schon lange für den richtigen Zeitpunkt ins
Auge gefaßt hatten. Er lud Ministerpräsident Chruschtschow ein, die Vereinigten Staaten zu besuchen, und der Besuch wurde bekanntgegeben, noch
ehe die Außenminister ihre Genfer Konferenz beendeten.
Während des Besuches wurde kein Fortschritt in der Lösung offenstehender Probleme erzielt - und auch gar nicht erwartet -, aber es
wurde doch offensichtlich ein etwas größeres Maß an gegenseitigem Verständnis erzielt, insbesondere über die Notwendigkeit, internationale
Fragen durch friedliche Mittel und nicht etwa durch Gewalt zu lösen.
Weiter kam eine - später öffentlich bestätigte - Aufhebung dessen zustande, was noch von dem sowjetischen Berlin-Ultimatum übriggeblieben war.
E. Vorbereitungen für die Gipfelkonferenz
Nach dem Chruschtschow-Besuch wurde es von den Westmächten als angebracht und wünschenswert erachtet, auf neue Gespräche, dieses Mal auf
höchster Ebene, hinzuarbeiten. Ein Schimmer von Hoffnung auf einen Fortschritt in der Berlin-Frage hatte sich in Camp David gezeigt, während
Genf auf einem toten Punkt geendet hatte. Während seines Amerika-Besuches
hatte Chruschtschow ebenfalls ein Interesse an dem in gleicher Weise
entscheidend wichtigen Gebiet der Abrüstung bekundet; und wenn auch die Abrüstungsgespräche in dem Zehner-Ausschuß in Genf beginnen sollten, so
glaubte man doch, daß Chruschtschow seine konstruktiven Schritte - wenn
überhaupt zu erwarten - für die Gipfelkonferenz aufsparen würde.
Daher wurde nach entsprechenden Konsultationen zwischen den westlichen Regierungschefs eine Einladung zu einer Gipfelkonferenz an
Chruschtschow übersandt und von diesem angenommen und schließlich, nachdem
es erst Schwierigkeiten wegen früherer Termine gegeben hatte, der 16. Mai
als Zeitpunkt festgesetzt. Dieser Schritt fand in der westlichen Öffentlichkeit eine weitgehende Unterstützung.
Darauf
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�Darauf folgte auf westlicher Seite eine intensive und sich über
einen längeren Zeitraum erstreckende Serie von Vorbereitungen, darunter
auch wiederholte Konferenzen nicht nur der Außenminister und der NATO,
sondern auch der Regierungschefs. Innerhalb unserer eigenen Regierung
wurden die Möglichkeiten, Fortschritte nicht nur in der Berlin- und der
Deutschland-Frage, sondern vor allem auch auf dem Gebiet der Abrüstung
sowie auf anderen Gebieten der allgemeinen sowjetisch-westlichen Beziehungen zu erzielen, ebenfalls äußerst sorgfältig geprüft.
Auf der Dezember-Tagung der westlichen Regierungschefs gelangte
man übereinstimmend zu der Ansicht,daßdieGipfelkonferenz im Llei nur
eine in einer Serie von solchen Konferenzen sein würde und daß diese erste
weitgehend einen sondierenden Charakter haben würde. Man erhoffte sich
einige bescheidene Fortschritte, aber keine großen Lösungen auf irgendeinem Gebiet. Wenn jedoch ein Anfang gemacht werden könnte, dann würde
diese Serie von Gesprächen, die sich wahrscheinlich in einer sich im
Laufe der Jahre allmählich verbessernden Atmosphäre abwickeln würden,
vielleicht doch zu wesentlich mehr führen.
F. Aussichten für Gipfelkonferenz getrübt
In den ersten Wochen nach dem USA-Besuch Chruschtschows war eine
allgemeine Verbesserung der Atmosphäre festzustellen, und die Leute begannen - zum Teil hoffnungsvoll, zum Teil etwas verwirrt - von "Entspannung" zu sprechen. Auf beiden Seiten gab es relativ versöhnliche
Reden, bei den Genfer Verhandlungen über ein Atomversuche-Verbot waren
Fortschritte zu vermerken, am 21. November wurde ein neues sowjetischamerikanisches Kulturabkommen unterzeichnet, und am 1. Dezember setzten
die Sowjetunion und andere Mächte ihre Unterschriften unter den Antarktis-Vertrag.
Aber schon damals begannen sich die Wolken zusammenzuziehen.
Eines der ersten Anzeichen war der scharfe sowjetische Protest vom 11,
November gegen die westdeutschen Pläne, in West-Berlin eine Rundfunkstation zu errichten. Ein weiteres Anzeichen war die Rede Chruschtschows
vom 14» November, die härter im Ton war, in der erneut mit der sowjetischen
Raketenstärke geprahlt und mit der ein konzentrierter Angriff auf Adenauer
und die Bundesrepublik Deutschland gestartet wurde, der später dann noch
intensiviert wurde und ein zentrales Merkmal der sowjetischen Taktik vor
der Gipfelkonferenz zu sein schien. Über den Grund für diese Angriffe kann
man, auch heute noch, nur Spekulationen anstellen. Vielleicht glaubten die
Sowjets, sie könnten den westlichen Standpunkt in der Berlin-Frage unterminieren,, indem sie zu einer Spaltung der westlichen Alliierten beitrügen. Eine solche Wirkung blieb selbstverständlich aus, vielmehr
schlössen wir uns naturgemäß noch fester zusammen, um für unseren
deutschen Verbündeten einzustehen.

Schon

�Schon am 1. Dezember begann Chruschtschow auch bereits wieder
damit zu drohen, einen separaten Friedensvertrag mit Ostdeutschland
abzuschließen. Er wiederholte diese Drohungen in seiner Rede vor dem
Obersten Sowjet am 14. Januar und in seinen Erklärungen während seines
Besuches in Indonesien und anderen Ländern im Januar. Am 4« Februar
sprachen die Mächte des Warschauer Paktes die erste offizielle und
den ganzen Ostblock umfassende Verpflichtung aus, einen separaten
Friedensvertrag mit der sogenannten DDR zu unterzeichnen. Somit war
die drohende Rede Chruschtschows in Baku vom 25. April, obwohl sie
die schärfste seit Februar 1959 war, lediglich eine noch schroffere
Version dessen, was er bereits seit Monaten gesagt hatte. Ich werde
dem Ausschuß umfassende Unterlagen über diese Reden zur Verfügung
stellen.
Erst im April antworteten wir ausführlich auf die immer lautstärker werdenden sowjetischen Erklärungen. Wir taten dies, um die
Dinge richtigzustellen - vor allem in den Reden vom 4. und vom 20.
April, die Chruschtschow dann angriff, weil sie angeblich Streitfragen
aufwarfen, die doch in Wirklichkeit von ihm selbst ausgegangen waren.
Die Einigkeit der vier 'Westmächte in der Berlin-Frage hatte es
inzwischen der Sowjetunion vermutlich deutlich gemacht, daß die Aussichten auf eine Aushöhlung des westlichen Standpunktes oder die Durchsetzung der sowjetischen Berlin-Bedingungen gering waren. Staatspräsident de Gaulle und andere Staatsmänner zeigten große Festigkeit, als
es galt, diese sowjetischen Erwartungen zu entmutigen. Der NATO-Rat
bekräftigte auf seiner Sitzung vom 2. bis 4. Mai ebenfalls den Standpunkt des Westens in der Frage der deutschen Wiedervereinigung und
bedauerte die sowjetische Weigerung, spezifische und praktische Abrüstungsmaßnahmen zu erörtern. Somit schienen beim Näherrücken der
Gipfelkonferenz die Aussichten auf wichtige Abkommen gering, solange
die Sowjetunion daran festhielt, die Westmächte aus Berlin zu vertreiben und bezüglich der Abrüstung nur über allgemeine Grundsätze statt
über konkrete Maßnahmen zu sprechen.
Die westliche Beurteilung lief jedoch weiterhin darauf hinaus, daß
eine Gipfelkonferenz nützlich sein würde. Sie würde die Gelegenheit für
einen Meinungsaustausch bieten, der den Standpunkt beider Seiten klären
könnte; sie würde vielleicht zu einer Verminderung der Spannungen wegen
Berlin beitragen und einige der Meinungsverschiedenheiten in der Abrüstungsfrage beseitigen können. Sie könnte zumindest ein kleiner erster
Schritt auf dem langen Weg einer Verbesserung der sowjetisch-westlichen
Beziehungen sein.
II. Der ü-2-Zwischenfall
Am 1. Mai schlug unglücklicherweise eine Geheimdienst-Mission fehl.
Die Sowjetunion benutzte diesen Zwischenfall sofort, um den Weg zu der
Gipfelkonferenz zu erschweren. Was die Rolle der amerikanischen Regierung
in dieser Angelegenheit betrifft, so glaube ich nicht, dem eindeutigen

- 5 -

�eindeutigen und offenen Bericht des Präsidenten, den dieser der Ilation
am Mittwochabend vorlegte, etwas besseres hinzufügen zu können.
Ich will daher nicht versuchen, auf Einzelheiten einzugehen, obwohl
ich natürlich bereit bin, Fragen hinsichtlich meiner Verantwortlichkeit
zu beantworten.
Ich möchte hier lediglich noch einmal vier Hauptpunkte herausstellen, die auch in dem Bericht des Präsidenten unterstrichen wurden:
1. Bei dem U-2-Programm handelte es sich um ein wichtiges und
wirksames Geheimdienst-Projekt. Wir wußten, daß das Fehlschlagen
irgendeiner der im Rahmen dieses Programms durchgeführten Missionen
schwerwiegende Folgen haben würde, aber wir waren der Ansicht, daß der
große Nutzen dieses Programms die damit verbundenen Risiken rechtfertigte.
2. Die Entscheidung, das Programm dieser Flüge nicht auszusetzen,
als die Gipfelkonferenz näher rückte, war vernünftig. Die Bedingungen
zu einem späteren Zeitpunkt würden es verhindert haben, sehr wichtige
Informationen zu erhalten. Es gibt niemals "eine günstige Zeit" für
das Fehlschlagen einer Geheimdienst-Mission. /Vir erachteten es für
unklug, unsere Wachsamkeit auf Grund dieser politischen Verhandlungen
zu verringern.
3. Die ersten Erklärungen der US-Regierung suchten natürlich
vor allem einmal den Piloten, seine Ceheimdienst-I'ission sowie alles
in Zusammenhang hiermit Stehende, das noch hätte geheimgehalten werden
können, zu decken. Als jedoch klar wurde, daß sich Flugzeug und Pilot
in sowjetischen Händen befanden, glaubten wir, daß dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk die Tatsachen bekanntgegeben werden sollten. Daher
folgten die von amerikanischer Seite herausgegebenen Mitteilungen bis
zum 7« Mai der allgemeinen Linie der abschirmenden Erklärung und wurden
danach der Situation angepaßt, so wie sie sich weiter entwickelte,
4. Da das U-2-System bloßgestellt worden war, wurde es - wie jede
andere Geheimdienst-Mission in einem solchen Falle - eingestellt. Die
Bekanntgabe seiner Einstellung wurde zurückgehalten, damit der Präsident
diese Tatsache persönlich in Paris mitteilen konnte.
Ich glaube, die meisten Amerikaner werden auf der Grundlage dieser
vier Punkte zustimmen, daß der allgemeine Kurs unserer Maßnahmen angesichts
dessen, was wir zu dem jeweiligen Zeitpunkt wußten, vernünftig war. Im
besonderen zweifle ich daran, daß irgendeine andere Formulierung der
amerikanischen Erklärungen irgend etwas an den folgenden willkürlichen
sowjetischen Forderungen geändert hätte.

III.

�III. Die Ereignisse in Paris
A. Darstellung des Ablaufs
Ich möchte Ihnen einen Bericht über die wichtigen Entwicklungen in
Paris geben. Ich möchte mich dabei so kurz wie möglich fassen, da die
Einzelheiten überall veröffentlicht worden sind. Ich möchte Ihnen jedoch
die Ereignisse schildern, die meiner Auffassung nach dort (in Paris)
einen entscheidenden Einfluß hatten, und insbesondere jene, die die Entschlüsse des Präsidenten beeinfluSten.
Bei meiner Ankunft in Paris am Freitag, dem 13» Mai, wurden bereits
allerhand Spekulationen über die Nachricht angestellt, daß Herr
Chruschtschow bereits am Sonnabend in Paris ankommen wollte und nicht
am Sonntag, am Tag, an dem der Präsident und Herr Macmillan eintreffen
sollten.
Die Erklärung Herrn Chruschtschows bei seiner Ankunft auf dem
Flughafen von Orly enthielt keinen Hinweis auf seinen späteren Standpunkt. Sie war ihrem Inhalt nach gemäßigt und vermittelte unbedingt
den Eindruck, daß er trotz des U-2-Zwischenfalls mit der Gipfelkonferenz
voranschreiten wollte. Die folgenden Ereignisse zeigten, daß dies bewußt
geschehen war, um seine wirklichen Absichten zu verschleiern.
Am Sonntag um elf Uhr vormittags stattete auf sein eigenes Verlangen hin Herr Chruschtschow in Begleitung von Außenminister Gromyko
und Marschall Malinowski - was an sich schon ein ungewöhnliches Vorgehen
war, auf das ich später noch zurückkommen möchte - Staatspräsident de
Gaulle einen Besuch im Elysee-Palast ab. Während dieser Zusammenkunft
übergab er Präsident de Gaulle ein Memorandum, in dem die Bedingungen
dargelegt wurden, die von den Vereinigten Staaten erfüllt werden müßten,
bevor Chruschtschow bereit sei, an einer Gipfelkonferenz teilzunehmen.
Die französische Delegation übermittelte am frühen Nachmittag desselben
Tages der amerikanischen Delegation eine Kopie dieses Memorandums. Das
Memorandum wurde dann ohne Änderung von Herrn Chruschtschow als Anfang
seiner Erklärung auf dem Viermächtetreffen am Montag vormitt.ag - dem
16. Mai - benutzt.
Nach seinem Besuch bei Staatspräsident de Gaulle am Sonntag vormittag suchte Chruschtschow um 16.J0 Uhr desselben Tages Premierminister Macmillan auf und verlas diesem die gleiche Erklärung seines
Standpunktes.
Das von der französischen Delegation übermittelte Exemplar der
Erklärung war selbstverständlich Gegenstand sofortiger Beratungen mit
dem Präsidenten und Mitgliedern der amerikanischen Delegation, was die
Bedeutung und Vichtigkeit anging.
Wir kamen allgemein zu dem Schluß - der später durch die Tatsachen
bestätigt wurde -, daß der Standpunkt und die absolut unannehmbaren

-7

�unannehmbaren Forderungen, die in diesem Dokument zum Ausdruck gebracht
wurden, bereits vor der Abreise Herrn Chruschtschows in Moskau ausgearbeitet gewesen sein mußten. In diesem Sinne stellte dies einen festgelegten Standpunkt der sowjetischen Regierung dar, von dem abzugehen
nicht einmal Herr Chruschtschow selbst während seines Aufenthaltes in
Paris die Vollmacht haben würde.
Ich möchte hier etwas abschweifen, um zu bemerken, daß wir bei
früheren Konferenzen mit den Sowjets die Erfahrung gemacht hatten zumindest seit dem Tode Stalins -, daß jeder sowjetische Vertreter, mag
er eine noch so hohe Position einnehmen, an die kollektiven Entscheidungen
in grundsätzlichen politischen Fragen gebunden ist, die vor seiner Abreise
aus Moskau getroffen werden. Jede wesentliche Änderung dieser Standpunkte
bedurfte offensichtlich der Rückfrage in Moskau, bevor sie vorgenommen
wurde.
Ich möchte diese Auffassung unterstreichen, zu der man dann innerhalb der amerikanischen Delegation einstimmig gelangte, da sie sich
direkt auf den. Standpunkt auswirkte, den der Präsident auf der Zusammenkunft am Montag_^vormittag einnahm.
Es stand selbstverständlich außer Frage, daß der Präsident die demütigenden und arroganten Bedingungen Herrn Chruschtschows etwa hätte annehmen können oder sollen. Es war uns jedoch sehr viel daran gelegen und
es schien uns sehr wichtig, zu zeigen, daß es Herr Chruschtschow und
niemand anderes war, der diese Gipfelkonferenz gefährdete.
Der Präsident kam deshalb vor dem Zusammentreffen am Montag zu dem
Entschluß, daß die gegebene Richtung des Handelns - in Übereinstimmung
mit der großen Verantwortung, die er trug, der Ernsthaftigkeit der Probleme,
die auf der Konferenz erörtert werden sollten - für ihn darin bestehen
mußte, sich nicht auf Beschimpfungen mit Herrn Chruschtschow einzulassen,
sondern die Zurückhaltung und Würde zu üben, die dem von ihm bekleideten
Amt innewohnen und die dem führenden Vertreter eines großen Landes anstehen.
Im Zusammenhang mit dieser Entscheidung beschloß der Präsident, auf
der Konferenz seinen vorher getroffenen Beschluß bekanntzugeben, weitere
Flüge mit Flugzeugen vom Typ U-2 über der Sowjetunion einzustellen.
Obgleich die ursprüngliche Absicht gewesen war, die erste Zusammenkunft im Rahmen der Gipfelkonferenz auf die Regierungschefs und Staatsoberhäupter und ihre Dolmetscher zu beschränken, ersuchte der Präsident,
nachdem er erfahren hatte, daß Herr Chruschtschow seinen Außenminister
Gromyko und Marschall Malinowski mitzubringen wünschte, Verteidigungsminister Gates und mich, ihn zu der Zusammenkunft zu begleiten.

Ich

�Ich brauche diese Zusammenkunft nicht im einzelnen zu beschreiben
und möchte lediglich sagen, daß Herr Chruschtschow eine Erklärung verlas,
die mit der Übersetzung eine volle Stunde dauerte. Er las diese ganze
Erklärung von einem vorbereiteten Manuskript ab. Der erste Teil der
Erklärung bestand aus dem Memorandum, das er Staatspräsident de Gaulle
überreicht hatte, plus gewissen Zusätzen, die in der gleichen Richtung
lagen - was die Vereinigten Staaten angeht - und in denen von der
sowjetischen Bereitschaft gesprochen wurde, in sechs bis acht Monaten
eine Gipfelkonferenz abzuhalten. Der weitere Teil bestand im wesentlichen aus der Zurückziehung der Einladung an den Präsidenten, die
Sowjetunion zu besuchen.
Der Präsident beteiligte sich - abgesehen von seiner Erklärung,
die veröffentlicht wurde - nur einmal an der sich ergebenden Diskussion,
um Herrn Chruschtschow und seinen Kollegen klarzumachen, daß die Einstellung der D-2-Flüge nicht nur für die Dauer der Konferenz, sondern
solange gelte, wie er im Amt sei.
Die übrige Diskussion auf dieser Sitzung - die, wie ich hervorheben möchte, während der ganzen Zeit in Paris die einzige war, an der
sich die Sowjets beteiligten - bestand im wesentlichen aus den Versuchen von Staatspräsident de Gaulle und Premierminister Macuiillan,
Herrn Chruschtschow von dem nicht wieder gutzumachenden Schritt der
Veröffentlichung seiner beleidigenden Erklärung abzubringen, deren
unannehmbare Bedingungen die Gipfelkonferenz einfach unmöglich machen
mußten, und dem unnachgiebigen Beharren Chruschtschows darauf, daß
er diese Erklärung veröffentlichen werde, und zwar zu einem Zeitpunkt
nach seiner Wahl. Die Zusammenkunft endete auf der Grundlage eines Vorschlages von Staatspräsident de Gaulle, daß sich die Verhandlungsteilnehmer die ganze Angelegenheit noch einmal 24 Stunden überlegen und
dann die Situation prüfen sollten.
Die Zusammenkunft bestätigte unsere Schlußfolgerung vom Vorabend
voll und ganz, daß Herr Chruschtschow innerhalb der festen Grenzen
einer Politik operierte, die vor seiner Abreise aus Moskau festgelegt
worden war. Es ist in diesem Zusammenhang bedeutsam, daß die später
an diesem Tag - Montag, dem 16. Mai - von ihm veröffentlichte Erklärung,
die mit der auf der Konferenz abgegebenen identisch war, keinerlei Bezug
auf die Diskussion auf der Konferenz und insbesondere auf die Erklärung
des Präsidenten hinsichtlich der Einstellung der U-2-Plüge nahm.
Der weitere Verlauf der Verhandlungen in Paris ging immer mehr
abwärts. Es war allen westlichen Vertretern klar, daß es keine Möglichkeit einer Gipfelkonferenz mehr gab, es sei denn, Herr Chruschtschow
seinerseits hätte seinen Standpunkt geändert. Am Montag suchte Herr
Macmillan Herrn Chruschtschow in einem - ergebnislosen - Versuch auf,
ihn zur Zurückziehung seiner unmöglichen Forderungen zu bewegen.
Am

�Am gleichen Tag entschloß sich Staatspräsident de Gaulle mit der Zustimmung des Präsidenten und Premierminister Macraillans für Dienstag, den 17. Mai, um 15 Uhr eine Sitzung der Gipfelkonferenz
einzuberufen, also nach der 24stündigen Pause, die er am Montag vorgeschlagen hatte. Er sandte schriftliche Einladungen an die drei anderen Teilnehmer.
Der Präsident, der die Einladung annahm, legte seine Auffassung
dar, daß die Annahme durch den sowjetischen Vertreter bedeuten würde,
daß die Sowjets die Forderungen aufgegeben hätten, die der Präsident
vorher als absolut unannehmbar bezeichnet hatte.
Herr Chruschtschow erschien nicht zu der festgesetzten Zeit für
das Treffen am Dienstag.' Nach langem Telefonieren zwischen der sowjetischen Botschaft und dem französischen Außenministerium wurde klar,
daß er sich weigerte, an einer Gipfelkonferenz teilzunehmen,-und nur
zu einer Zusammenkunft erscheinen würde, die, wie er es nannte, eine
vorbereitende Sitzung wäre, um festzustellen, ob die Bedingungen für
eine Gipfelkonferenz geschaffen werden könnten. Wenn er hier von "Bedingungen" sprach, dann meinte er offentlichtlich die Annahme all der
Bedingungen durch die Vereinigten Staaten, die er vorher gestellt
hatte - und tatsächlich erklärte er dies dann auch später, am selben
Tag, in einem Schreiben an Staatspräsident de Gaulle.
Angesichts der Weigerung von Herrn Chruschtschow, an der Gipfelkonferenz teilzunehmen, außer unter Bedingungen, die von allen drei
westlichen Vertretern als unannehmbar angesehen wurden, kamen die
drei westlichen Regierungschefs am 17« Mai um 21 .50 Uhr kurz zusammen,
um das Drei-Mächte-Abschlußkommunique zu billigen - von dem ich hier
eine Abschrift zu den Akten geben möchte.
Damit war die Gipfelkonferenz auf Grund der sowjetischen Unnachgiebigkeit zu Ende, bevor sie begonnen hatte, ohne sich den großen
internationalen Problemen zugewandt zu haben, mit denen sie sich befassen sollte.
Der folgende Tag - Mittwoch, der 18. Mai - war durch Drei-MächteZusammenkünfte der westlichen Regierungschefs und ihrer Außenminister
zur Erörterung der Lage gekennzeichnet. In diesen Sitzungen versuchten
wir, die Gründe für die sowjetische Haltung, die Aussichten für die
Zukunft und die Maßnahmen zu analysieren, die die drei Westmächte
ergreifen könnten.

Dieser

10 -

�Dieser Tag war außerdem durch die Pressekonferenz von Herrn
Chruschtschow gekennzeichnet, über die Presse, Fernsehen und Rundfunk
ausgiebig berichteten. Es handelte sich dabei offensichtlich um eine
noch nie dagewesene Darbietung von Beschimpfungen, Beleidigungen und
ungezügelten Gefühlsausbrüchen. Man darf jedoch nicht übersehen, daß
Herr Chruschtschow es trotz der offensichtlich unkontrollierten Art
seiner Bemerkungen und seines Gebarens auf dieser Pressekonferenz peinlich vermied, sich auf irgend eine spezifische Linie des Handelns auf
internationalem Gebiet festzulegen.
B. Analyse
Wir haben uns natürlich eingehend mit den Gründen für dieses
außergewöhnliche Verhalten der Sowjets beschäftigt, die den weiten
Weg von Moskau nach Paris zu dem einzigen Zweck gemacht haben, die
Konferenz zu sabotieren.
Ich möchte zunächst einmal darauf hinweisen, daß es viele dunkle
Punkte in dem Verhalten der Sowjets gibt und daß wir nicht alle Erwägungen und Faktoren kennen, die zu ihrem Entschluß geführt haben.
Wir werden sie wahrscheinlich auch niemals erfahren. Ich brauche hier
vor den Mitgliedern dieses Ausschusses wohl kaum zu betonen, unter
welcher völligen Geheimhaltung innerhalb der sowjetischen Regierung und
der Hierarchie der Kommunistischen Partei, die in diesem Lande wirklich
herrscht, Entscheidungen getroffen werden. Es ist lediglich möglich zu
versuchen, aus den sowjetischen Maßnahmen, sobald sie erfolgt sind, auf
die Erwägungen zu schließen, die zu ihnen geführt haben. '«Vas ich hier
vor Ihnen daher jetzt tun kann, ist bestenfalls zu versuchen, Schlüsse
zu ziehen, warum die Sowjetunion sich so verhalten hat, wie dies der
Fall war - Schlüsse, die vielleicht im Lichte späterer Informationen
und Ereignisse zu revidieren sein werden.
Etwas kann jedoch als sicher angesehen werden, nämlich daß der
Beschluß, die Konferenz zu torpedieren, vor der Abreise Chruschtschows
aus Moskau gefaßt wurde« . Zu keinem Augenblick während seines Aufenthaltes in Paris - weder am Sonntag, dem 15» Mai, 11 Uhr vormittags, als
er General de Gaulle seine wahren Absichten offenbarte, noch später wich Chruschtschow einen Zoll von seinen Forderungen ab, daß die Vereinigten Staaten 1. die Oberfliegungen verurteilen, 2. sich bei der
Sowjetunion entschuldigen, 5» die "direkt dafür Verantwortlichen" bestrafen und 4. versprechen sollten, diese Flüge nicht zu wiederholen.
A'eder die vom Präsidenten auf der Montagssitzung abgegebene Erklärung
noch die ernsthaften und verantwortungsbewußten Bemühungen, die von
General de Gaulle und Herrn Macmillan in zweiseitigen Gesprächen mit
Herrn Chruschtschow vor und nach der Erklärung des Präsidenten über
die Einstellung der Flüge unternommen wurden, konnten ihn dazu bringen,
diese unannehmbaren Forderungen zurückzuziehen. Tatsächlich kann man
aus seinem Verhalten in Paris den logischen Schluß ziehen, daß er
keine Vollmacht hatte, seinen Standpunkt wesentlich zu modifizieren.
Die
- 11 -

�Die Tatsache, daß er überall, und wirklioh überall, von Außenminister Gromyko und Marschall Malinowski begleitet wurde, ist eine
interessante Begleiterscheinung zu diesem Punkt. Es werden viele Spekulationen über diese Änderung gegenüber seiner früheren Haltung bei
seinen Besuchen sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in Frankreich angestellt, als er darauf bestand, allein mit dem Präsidenten
und Staatspräsident de Gaulle zusammenzukommen, wobei nur Dolmetscher
zugegen waren. Was die Bedeutung dieses neuen Faktors anbetrifft, so
kann man bestenfalls vermuten, daß es erstens in Anbetracht der von
ihm in Paris eingenommenen brutalen und drohenden Haltung als wünschenswert erachtet wurde, einen greifbaren Beweis der bewaffneten Stärke der
Sowjetunion in der Person von Marschall Malinowski zur Hand zu haben,
und daß, zweitens, Gromyko und Malinowski nach der Rückkehr nach Moskau
bestätigen sollten, daß er sich streng an den vereinbarten Standpunkt
gehalten habe.
Es erscheint ferner als sicher, daß die Entscheidung, die Einladung an den Präsidenten zurückzuziehen, noch vor der Abreise Chruschtschows
aus Moskau getroffen wurde.
Was die Gründe anbetrifft, die die Sowjets zu dieser extremen Haltung bezüglich der Gipfelkonferenz führten, die vorher von Herrn Chruschtschow doch so sehr herbeigewünscht worden war, so betreten wir hier das
Gebiet der reinen Spekulation, wie ich es bereits zuvor angedeutet habe.
Das 3este, das wir hoffen können zu tun, solange zuverlässige Informationen
fehlen, ist, die Elemente und Faktoren auszuwerten, die augenscheinlich
zu diesem Beschluß geführt haben mögen. Ich werde versuchen, sie kurz
aufzuzählen.
1) Es lagen beträchtliche Anzeichen - besonders im April - dafür
vor, daß Herr Chruschtschow zu dem Schluß gekommen war, daß nur eine
geringe Wahrscheinlichkeit für ihn bestand, auf der Gipfelkonferenz
seinen Standpunkt, besonders in bezug auf Berlin, durchzusetzen. Die
Beweise der westlichen Entschlossenheit und Einigkeit in diesem Punkte
in den Reden und Erklärungen westlicher Staatsmänner scheinen ihn zu
diesem Schluß gebracht zu haben. So umriß er in seiner Rede in Baku
am 25. April nicht nur mit größter Bestimmtheit erneut seinen Standpunkt
zu Berlin sowie seine Absicht, einen separaten Friedensvertrag mit dem
ostdeutschen Regime abzuschließen, sondern er begann auch erstmalig ernsthafte Zweifel hinsichtlich des Erfolges der Gipfelkonferenz zu äußern.
Damit meinte er natürlich einen Erfolg im Sinne der sowjetischen Bedingungen.
2) Wenn die Beweise auch nicht sehr schlüssig sind, so liegen doch
eine Anzahl Anzeichen dafür vor, daß Herrn Chruschtschows Außenpolitik und im besonderen die zu starke Hervorhebung seiner Person und die nach
kommunistischer Ansicht zu großen Zugeständnisse durch seine Besuche
in den USA und Frankreich - zumindest ernste Zweifel, wenn nicht sogar
Opposition innerhalb der sowjetischen Hierarchie ausgelöst hat. Es würde
als ein logischer Schluß erscheinen, daß eine gewisse von Seiten der
chinesischen Kommunisten gegen seine Außenpolitik offen zum Ausdruck gebrachte Opposition bei einigen seiner Mitarbeiter - und sehr wahrscheinlich
unter den sowjetischen Militärs - eine wohlwollende Aufnahme gefunden hat»

II
12 -

�3) Vor diesem Hintergrund ereignete sich der U-2-Zwischenfall.
Eine Kombination dieser drei Faktoren hat unseres Erachtens zu dem
entschiedenen und brutalen Beschluß geführt, die Paris-Konferenz zu
torpedieren. Festzustellen, wie jeder dieser Faktoren zu bewerten ist,geht
Augenblick über unsere Möglichkeiten hinaus.
Der U-2-Zwischenfall ist höchstwahrscheinlich zur Rechtfertigung
dieses Beschlusses sofort aufgegriffen und über seine wirklichen Proportionen hinaus aufgebauscht worden. Es ist umstritten, ob es für Herrn
Chruschtschow möglich gewesen wäre, einen anderen Vorwand für eine so
radikale und heftige Haltung zu finden.
Es wäre durchaus möglich, daß ein mangelnder Erfolg auf der Gipfelkonferenz Chruschtschow - von seinem Standpunkt aus gesehen - vor eine weit
schwierigere Wahl gestellt haben würde als überhaupt keine Konferenz.
Er und seine Mitarbeiter haben es daher vielleicht vorgezogen, indem sie
die Konferenz einfach sofort torpedierten,es zu vermeiden, vor die Konsequenzen eines Fehlschiagens d e r Verhandlungen gestellt zu wenden.
Es mag für Sie unfaßbar erscheinen, daß ein verantwortungsbewußter
Staatsmann einer Großmacht den weiten Weg nach Paris nur zu dem Zweck
gemacht haben könnte, die Konferenz zu torpedieren, wodurch er eine weltweite Verurteilung der Sowjetunion auf sich lädt sowie das Gefühl der
Einigkeit und gemeinsamen Zielsetzung nicht nur bei den dort vertretenen
Westmächten, sondern auch bei der Nordatlantikpakt-Crganisation und den
freien Nationen in aller Welt festigt.
Ich glaube, die Antwort liegt in einer grundlegenden Fehlkalkulation
in den Überlegungen Herrn Chruschtschows und der Sowjets.
Herr Chruschtschow hoffte zweifellos - und dies erklärt seine frühe
Ankunft in Paris -, die Alliierten zu spalten und die Vereinigten Staaten
zu isolieren. Er erwartete, daß die Vereinigten Staaten die von ihm gestellten Forderungen zurückweisen würden und daß die Konferenz dann
zusammenbrechen würde, wobei den Vereinigten Staaten vor der Weltmeinung
die Verantwortung für den Zusammenbruch zufiele.
Seine Pläne schlugen fehl, da unsere beiden Alliierten fest und
loyal zu den Vereinigten Staaten standen und es ablehnten, als Partner
in Herrn Chruschtschows Plan mitzuwirken. Die Folge hiervon war, wie die
gesamte '.Veit weiß, daß der Standpunkt, mit dem Herr Chruschtschow nach
Paris kam, zu der völligen Isolierung der Sowjetunion und nicht der
Vereinigten Staaten führte und die Verantwortung für den Zusammenbruch
der Konferenz eindeutig - wo sie auch hingehört - auf seine eigenen
Schultern geladen wurde.
Diese

�Diese Einschätzung der Gründe für Chruschtschows Verhalten wird noch
wesentlich durch den Angriff untermauert, den er auf seiner Pressekonferenz
gegen General de Gaulle und Premierminister Macmillan wegen ihres - wie er
es nannte - Mangels an Objektivität, ihres Mangels an gutem Willen und
ihrer Hörigkeit gegenüber den alliierten Beziehungen richtete - mit anderen
Worten und in klarem Englisch, wegen ihrer Solidarität mit den Vereinigten
Staaten, ihrer Loyalität gegenüber unserem gemeinsamen Ziel und ihrer
Weigerung, das sowjetische Spiel mitzuspielen.
IV. Die Zukunft
Welche Schlußfolgerungen sollten wir für die Zukunft ziehen? Meiner
Ansicht nach deuten die Anzeichen darauf hin, daß es bisher keine radikale
Xnderung in der sowjetischen Politik gegeben hat, wenn wir auch mLt der
Fortsetzung der Propagandakampagne rechnen können, die einen Keil zwischen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten treiben soll. Diese Folgerung
wird durch die Paris-Erklärungen Herrn Chruschtschows einschließlich seiner
Bemerkungen auf der Pressekonferenz gestützt. Und sie wird auch, etwas
spezifischer und definitiver, durch die Erklärungen erhärtet, die er auf
seinem Rückflug in Berlin abgegeben hat.
Wir müssen uns jedoch immer vor Augen halten, daß die sowjetischen
Machthaber auf Grund der Natur des sowjetischen Staates jederzeit geheim
zusammenkommen und die bestehende Politik ändern können, ohne daß eine
öffentliche Debatte stattfindet oder eine solche Änderung sich vorher, ankündigt. Aus diesem Grunde muß jede Erklärung über eine bestimmte Phase
der sowjetischen Politik als bedingt angesehen werden, wobei keine Sicherheit gegeben ist, daß sie auch für die Zukunft Gültigkeit haben wird»
Obwohl also die Hoffnungen der Welt durch die Tatsache, daß die
Gipfelkonferenz nicht wie vorgesehen zustande kam, sehr enttäuscht worden
sind, deuten die Anzeichen bisher darauf hin, daß die Grundrealitäten der
internationalen Situation nicht wesentlich verändert worden sind. Ob
dies auch in Zukunft so bleiben wird, hängt - wie ich ausgeführt habe von den Maßnahmen der führenden kommunistischen Länder ab.
Vorläufig bin ich jedoch der Ansicht, daß die Schlußfolgerung für
die amerikanische Politik die ist, daß die wesentlichen Grundzüge
unserer Politik weiterhin wohlfundiert und vernünftig sind und beibehalten
werden sollten.
Die

- 14 -

�Die Lehre von Paris besteht darin, daß wir diese Grundzüje mit
verstärkten Anstrengungen weiterverfolgen sollten. Die Verfechter eines
aggressiven Kurses innerhalb des kommunistischen Blocks dürfen nicht
durch Zeichen der Schwäche auf unserer Seite ermutigt werden. Die Verfechter eines friedlichen-Kurses sollten dagegen durch unsere Bereitschaft
ermutigt werden die ungelösten weltpolitischen Fragen in nüchterner und
vernünftiger -Veise anzupacken.
Wir müssen weiterhin bereit sein, jedem aggressiven Druck entgegenzutreten, nicht nur in Berlin, sondern auch überall anderswo.
Ich bin überzeugt, daß unsere offenkundige Bereitschaft vor,einem solchen
Druck zurückschrecken lassen wird.
Unter den Lehren von Paris ist die wichtigste für die freie Welt
und für uns, so scheint mir, die neue Erkenntnis der Gefahren, denen
wir uns gegenübersehen, und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit,
daß wir uns fester zusammenschließen und unsere eigenen Programme sowie
die unserer Alliierten für die Stärkung der freien Welt vorantreiben.
Wir sind aus Paris zurückgekehrt mit einer noch klareren Erkenntnis
dessen, was es heißt, Alliierte zu haben, und ichbin sicher,daß unsere
Bündnisse durch diese Erfahrung neu gestärkt werden.
Gleichzeitig möchte ich genauso die Notwendigkeit unterstreichen,
die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern in einfallsreicher und
großzügiger Weise zu erweitern. Ich hoffe, daß der Kongreß im Zusammenhang
mit diesen beiden Punkten unsere Programme der Gemeinsamen Sicherheit, wie
sie von diesem Ausschuß genehmigt wurden und jetzt wichtiger sind als jemals zuvor, voll und ganz unterstützen wird.
Wir müssen uns - wie Präsident Eisenhower erklärt hat - weiterhin
darum bemühen, in einer nüchternen Atmosphäre Portschritte bei der Lösung
offenstehender Probleme mit der Sowjetunion zu erzielen. Wir beabsichtigen,
die gegenwärtigen Verhandlungen fortzusetzen, unsere Verpflichtungen zu
erfüllen und Verbindungen offenzuhalten sowie einen friedlichen Austausch
zu fördern. Und vor allem werden wir nicht von dem entschlossensten geduldigsten und durchdachtesten Bemühen ablassen, Mittel und Wege zu finden,
um das Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und damit der nuklearen Gefahr zu begegnen, die über der Menschheit schwebt»
Ich glaube, daß es in dieser Zeit die Pflicht von uns allen ist, die
internationale Entwicklung ruhig und aufmerksam zu beobachten und Maßnahmen, Erklärungen und Haltungen zu vermeiden, die unnötigerweise zu
einer Verschärfung der internationalen Spannungen führen könnten. Falls
es zu einer solchen Verschärfung kommt, dann sollte es klar die Schuld der
Sowjets sein, und wir sollten ihnen nicht den Gefallen tun, einen Vorwand
für Maßnahmen ihrerseits zu liefern, die eine solche Auswirkung haben würden.
Wir sollten unsere Haltung oder unsere Politik gegenüber der Sowjetunion weder als "hart" noch als "weich" definieren. Täten wir dies, dann
würde das nicht nur unseren Blick von der bitteren Realität ablenken, der
wir uns gegenübersehen, sondern uns vielmehr unvermeidlicherweise in nutzlose und schädliche innenpolitische Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen

- 15

-

�Segenbeschuldigungen stürzen, Wir müssen jetzt und in Zukunft eine
wachsame, ruhige und entschlossene Haltung an den Tag legen und soweit dies in unserer Macht liegt - in unserer Beurteilung der Dinge
genau und in unseren Handlungen wirksam sein.
Ich möchte meine Ausführungen abschließen, indem ich die Hoffnung
zum Ausdruck bringe, daß wir uns nicht so von der Beschäftigung mit der
kommunistischen Gefahr gefangennehmen lassen, daß wir unsere eigenen
konstruktiven Zielsetzungen aus dem Auge verlieren, die größer und
wichtiger sind, als lediglich den Drohungen von außen entgegenzutreten
oder auf sie zu reagieren. Wir haben unsere eigene Vorstellung von der
Zukunft, auf die hin wir die Welt sich entwickeln sehen möchten. Wir
haben unsere eigenen Programme, um zu einer Verwirklichung dieser Zukunft beizutragen - um das Licht der Freiheit hochzuhalten, um ihre
Botschaft und ihren Lohn mit den aufstrebenden Ländern zu teilen und
um eine internationale Gemeinschaft zu schaffen zu suchen, in der die
Herrschaft des Rechtes an die Stelle der Herrschaft der Gewalt tritt.
Diese Programme sind es, auf die wir in den vor uns liegenden unsicheren
Zeiten unser Können und unsere Energien von neuem verwenden sollten.

* * * * *

- 16 -

�Allg./3.6.1960

EISENHOY/ER: ZIEL DER USA WEITERHIN FRIEDEN IN GERECHTIGKEIT

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers vom 25. Mai i960,
in der er dem amerikanischen Volk über die Ereignisse in Paris berichtete und den Kurs der
USA für die Zukunft aufzeigte.

Meine amerikanischen Mitbürger!
Ich möchte heute abend mit Ihnen über die bemerkenswerten Ereignisse der vergangenen Woche in Paris und über ihre Bedeutung für unsere
Zukunft sprechen.
Zunächst einmal bin ich den vielen Tausenden von Ihnen und den
Vertretern im Kongreß zutiefst dankbar, die mir Botschaften der Ermutigung und der Unterstützung zusandten, während ich in Paris war und auch
später, nach meiner Rückkehr nach Washington. Ihre Botschaften zeigten
klar Ihre unerschütterliche Loyalität gegenüber Amerikas großer Zielsetzung - von einer Position der geistigen, moralischen und materiellen
Stärke aus nach einem dauerhaften Frieden in Gerechtigkeit zu streben.
Sie werden sich selbstverständlich erinnern, warum ich vor zehn
Tagen nach Paris ging. Im vergangenen Sommer und Herbst hatte ich zahlreiche Unterredungen mit führenden Staatsmännern der Welt, einige davon auch mit Ministerpräsident Chruschtschow hier in Amerika. Im Verlauf jener Monate schien sich eine kleine Verbesserung in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion und dem Westen abzuzeichnen. Eine Möglichkeit schien sich aufzutun, daß die sowjetischen Führer schließlich doch
zu ernsthaften Gesprächen über unsere wichtigsten Probleme - wie die Abrüstung, gegenseitige Inspektion, Atomkontrolle und Deutschland einschließlich Berlins - bereit sein würden.
Unsere führenden Staatsmänner trafen sich mit den britischen und
französischen, um diese Möglichkeit zu prüfen, und wir kamen dann später mit den führenden sowjetischen Vertretern überein, am 16. Mai in
Paris zusammenzukommen.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

5. J u n i

1960

Wir hatten natürlich keinen Hinweis und auch keine Ahnung, daß sich
die Politik der Sowjets in ihren Grundlagen völlig geändert hatte. Aber
wenn sich eben auch nur die geringste Chance für eine Stärkung des Friedens bietet, dann kann es keine vornehmere Pflicht geben, als diese wahrzunehmen.
Auch hatte sich unsere Politik nicht geändert. 7/ir hofften wirklich,
auf einem Gipfeltreffen einen gewissen Fortschritt zu erzielen, so wenig
verheißungsvoll früher gemachte Erfahrungen in dieser Hinsicht auch waren.
Indem wir aber die Vorbereitungen für diese Konferenz trafen, haben wir
es weder an Aufmerksamkeit fehlen lassen noch in unserer Wachsamkeit nachgelassen.
Unsere Sicherheit und die der freien Welt erfordern selbstverständlich
wirksame Systeme, um Informationen über das militärische Potential der
übrigen mächtigen Länder und im besonderen derjenigen zu sammeln, die aus
der Geheimhaltung einen Kult machen. Dabei werden viele Techniken und
Methoden angewandt. In den heutigen Zeiten riesiger militärischer Apparate
und mit Atomsprengköpfen ausgerüsteter Raketen ist das Aufspüren solcher
Informationen für die Sicherheit der freien Welt unerläßlich.
Ich habe mich lange sehr ernsthaft hiermit beschäftigt. Es ist Teil
meiner schweren Verantwortung im Rahmen des Gesamtproblems, das amerikanische Volk zu schützen und uns und unsere Verbündeten vor einem Überraschungsangriff zu bewahren. In der Zeit, die dem zweiten Weltkrieg voranging, haben
wir aus bitterer Erfahrung die zwingende Notwendigkeit erkannt, ständig
Geheimdienstinformationen zusammenzutragen, militärische Verbindungen und
Kontakte aufrechtzuerhalten und ständig auf der Hut zu sein.
Es ist vielleicht angebracht, hier noch ein Wort zu der Frage der
Nachrichtenübermittlung und des Kommandos zu sagen. Während unseres Aufenthalts in Paris waren natürlich der Verteidigungsminister und ich selbst
von unseren normalen Kommandoposten abwesend. Der Verteidigungsminister
empfahl, daß wir unter diesen Umständen die ständige Bereitschaft unserer
militärischen Befehlsübermittlung erproben sollten. Ich habe dies persönlich gebilligt. Solche Erprobungen sind wertvoll und werden in Zukunft
häufig wiederholt werden.
Darüber hinaus trage ich als Präsident, der durch die Verfassung mit
der Pflege der außenpolitischen Beziehungen Amerikas beauftragt ist, und
als Oberbefehlshaber, dem die Leitung der Operationen und Tätigkeiten unserer Streitkräfte und ihrer Versorgung obliegt, die volle Verantwortung
für die Billigung der verschiedensten Programme, die von unserer Regierung durchgeführt werden, um das Funktionieren des militärischen Geheimdienstes zu gewährleisten und seine Ergebnisse auszuwerten.
Im Zuge eines dieser Geheimdienstprogramme kam es dann zu dem so stark
publizierten U-2-Zwischenfall.
Eine der zahlreichen von uns angewandten Methoden, um uns und die
freie Welt über die wichtigen militärischen Entwicklungen bei den Sowjets
auf dem laufenden zu halten waren Luftaufnahmen. In den vier Jahren dieser
Bemühungen hat sich die Nützlichkeit dieser Arbeit deutlich gezeigt. Die

�"AMERIKA DIENST"

5. Juni 1960

Hie Sowjets waren sich hierüber vollkommen im klaren. Ministerpräsident
Chruschtschow hat erklärt, daß er von diesen Flügen schon vor mehreren
Jahren Kenntnis hatte. Erst in der vergangenen Woche, auf seiner Pariser
Pressekonferenz, bestätigte Ministerpräsident Chruschtschow, daß er
bereits von diesen Flügen wußte, als er im vergangenen September die
Vereinigten Staaten besuchte.
Ganz beiläufig erhebt sich damit die natürliche Frage: Warum all
dieser Aufruhr wegen eines bestimmten Fluges? Chruschtschow hat, als er
im vergangenen September in Amerika war, keine Beschuldigungen erhoben,
daß diese Flüge eine Bedrohung für die Sicherheit der Sowjetunion darstellten. Er sah damals keinerlei Grund, es abzulehnen, mit amerikanischen Vertretern zu sprechen.
Dies tat er erst wegen des Fluges, der unglücklicherweise am 1. Mai,
weit innerhalb Rußlands, mißglückte.
Im Zusammenhang mit diesem speziellen Flug sind nun zwei Fragen
aufgeworfen worden:
Erstens in bezug auf den gewählten Zeitpunkt, angesichts der unmittelbar bevorstehenden Gipfelkonferenz; und zweitens in bezug auf die anfänglich abgegebenen Erklärungen, als wir erfahren hatten, daß das Unternehmen gescheitert war.
Was den Zeitpunkt anbetrifft, so ergab sich einfach die Frage, ob
das Programm gestoppt werden und damit auf das Zusammentragen wichtiger
Informationen verzichtet werden sollte, die von wesentlicher Bedeutung
waren und wahrscheinlich zu einer späteren Zeit nicht mehr zu erhalten
gewesen wären. Das Programm wurde weitergeführt.
Die offene Wahrheit sieht so aus: Wenn ein Staat einen Geheimnachrichtendienst braucht, dann gibt es keinen Augenblick, in dem man in
der Wachsamkeit nachlassen darf. Wir lernten es ja übrigens von Pearl
Earbor, daß sogar Verhandlungen dazu benutzt werden können, um die Vorbereitungen für einen Überraschungsangriff zu verschleiern.
Was dann die anfänglich von unserer Regierung zu diesem Flug abgegebene Erklärung anbetrifft, so sollte sie den Piloten, seine Mission
und unsere Geheimdienstverfahren in einem Augenblick schützen, in dem
über die genauen Fakten noch Ungewißheit bestand.
Unsere ersten Informationen darüber, daß diese Mission fehlgeschlagen
war, sagten nicht, ob der Pilot noch am Leben war, ob er zu entkommen
suchte, ob er einer Befragung auswich oder ob sowohl das Flugzeug wie
auch der Pilot der Vernichtung anheimgefallen waren. Der Schutz unseres
Geheimdienstsy3tems und des Piloten und die Verheimlichung der Mission
des Flugzeuges schienen noch eine zwingende Notwendigkeit zu sein. Man
muß bedenken, daß diese Flüge uns über einen langen Zeitraum hinweg
Informationen von größter Wichtigkeit für die Sicherheit unseres Landes
erbracht haben. Ihr Erfolg war durchaus bemerkenswert.
Aus

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni 1960

Aus diesen Gründen wurde, wie es in Geheimdienstkreisen heißt,
eine "abschirmende Erklärung" herausgegeben. Sie wurde auf Grund von
Annahmen abgegeben, die sich später als unrichtig herausstellten. Infolgedessen wurden dann, als später das Schicksal des Piloten endgültig
feststand und es keinerlei weitere Möglichkeiten mehr gab, um eine Aufdeckung des Projektes zu verhindern, die tatsächlichen Details bekanntgegeben.
Ich machte der Öffentlichkeit daraufhin zwei Tatsachen klar:
Erstens, unser Luftaufklärungsprogramm war mit meiner Billigung unternommen worden; zweitens, unsere Regierung ist gezwungen, sich auf die
eine oder andere Weise über die militärischen Tätigkeiten der Sowjets
auf dem laufenden zu halten, genauso wie die sowjetische Regierung seit
Jahren in unserem Lande und in der ganzen Welt Spionage betrieben hat.
Die für uns bestehende Notwendigkeit, diese Tätigkeiten fortzuführen,
wurde auch von unserem Außenminister bekräftigt, der jedoch - genau wie
ich - bedacht war, nicht zu erklären, daß diese besonderen Flüge weiter
durchgeführt werden würden.
Ja, ehe ich von Washington abflog, hatte ich Anweisung erteilt,
diese U-2-Flüge einzustellen. Zweifellos war ihr Nutzen nun nicht mehr
so groß. Außerdem aber mußte eine Portsetzung dieser besonderen Aktion
unter den neugeschaffenen Umständen lediglich die Beziehungen einiger
unserer Verbündeten zu den Sowjets komplizieren. Außerdem aber werden
ständig neue Techniken entwickelt, die anders als das Flugzeug arbeiten.
Ich wollte nicht, daß diese Entscheidung veröffentlicht wurde, bevor
ich sie persönlich auf der Gipfelkonferenz in Verbindung mit bestimmten
von mir für die Konferenz vorbereiteten Vorschlägen bekanntgeben konnte.
Auf meiner ersten Zusammenkunft mit Herrn Chruschtschow in Paris und
noch bevor seine lange Rede veröffentlicht wurde, unterrichtete ich ihn
über die Einstellung dieser Flüge sowie den Charakter der konstruktiven
Vorschläge, die ich vorzubringen gedachte. Diese sahen die Errichtung
eines von den Vereinten Nationen durchgeführten Luftüberwachungssystems
vor.
An dem Tage vor der ersten angesetzten Konferenz hat Herr Chruschtschow Staatspräsident de Gaulle und Premierminister MacMillan davon unterrichtet, daß er an die Vereinigten Staaten bestimmte Forderungen als Vorbedingung für den Beginn einer Gipfelkonferenz richten würde.
Obwohl die Vereinigten Staaten die einzige Macht waren, gegen die
er sein Mißfallen zum Ausdruck brachte, hat er mir dies nicht mitgeteilt.
Ich war selbstverständlich von unseren Verbündeten darüber unterrichtet
worden.
Am Montagmorgen forderte er auf dem Treffen der vier Mächte von den
Vereinigten Staaten viererlei: erstens, die Verurteilung der U-2-Flüge
als Spionagemethode; zweitens, die Zusicherung, daß diese Flüge nicht
fortgesetzt werden würden; drittens, eine öffentliche Entschuldigung seitens der Vereinigten Staaten; und viertens»die Bestrafung all derjenigen.

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3. Juni

i960

derjenigen, die irgendwie für diese besondere Mission verantwortlich waren.
Meine Antwort "bestand darin, daß ich den führenden sowjetischen Staatsmann wissen ließ, daß ich während der vergangenen Woche diese Flüge hatte
einstellen lassen und daß sie nicht wieder aufgenommen werden sollten.
Ich bot ferner an, die Angelegenheit mit ihm in persönlichen Zusammenkünften zu besprechen, während die reguläre Arbeit der Konferenz hätte
fortgeführt werden können. Verständlicherweise konnte ich nicht auf seine
extremen Forderungen eingehen. Er wußte natürlich, daß die Sowjetunion
durch das Festhalten an gerade diesen Forderungen die Gipfelkonferenz zum
Scheitern brachte.
Als Herr Chruschtschow die Konferenz torpedierte, hat er behauptet,
daß er auf Grund seines eigenen starken moralischen Ekels vor den angeblichen amerikanischen Aggressionsakten so handele. Wie ich bereits zuvor
sagte, hat er von diesen Flügen schon seit langer Zeit gewußt. Es ist ganz
offensichtlich, daß die Sowjets, noch bevor die sowjetische Delegation
Moskau verließ, bereits beschlossen hatten, daß meine Reise nach der Sowjetunion abgesagt werden sollte und daß die Gipfelkonferenz, von ihrem Standpunkt aus gesehen, nichts Konstruktives erbringen werde.
Bei der Auswertung der Ergebnisse, so glaube ich, dürfen wir nicht
alles mit roter Tinte eintragen. Es gibt auch verschiedene Dinge, die wir
in Schwarz in die Bilanz eintragen können. Vielleicht hat dieses Verhalten
der Sowjets die Uhr etwas zurückgedreht, es sollte aber beachtet werden,
daß Herr Chruschtschow nicht über Schmähungen hinausging - ein ziemlich
abgenutztes sowjetisches Mittel, um ein Sofortziel zu erreichen.
Wir haben unsererseits in Paris erneut die Bereitschaft Amerikas und
seiner Verbündeten unter Beweis gestellt, um des Friedens willen stets
noch einen Schritt weiter zu gehen. Wieder einmal hat die schroffe Unnachgiebigkeit der Sowjets uns allen die Unberechenbarkeit despotischer Herrschaft vor Augen geführt und die Notwendigkeit für diejenigen gezeigt, die
für die Freiheit wirken, entschlossen und fest zusammenzustehen.
Das Verhalten unserer Verbündeten war großartig. Meine Kollegen und
Freunde - Präsident de Gaulle und Premierminister MacMillan - standen fest
zu der amerikanischen Delegation trotz der beharrlichen sowjetischen Versuche, die westliche Gruppe zu spalten. Das NATO-Treffen im Anschluß an die
Pariser Konferenz zeigte eine Einigkeit und ein Eintreten für die Allianz
und die auf dem Gipfeltreffen eingenommene Haltung wie nie zuvor. Ich
danke dafür den Verbündeten in unser aller Namen.
Was soll in Zukunft werden?
Und nun - und das ist wohl das Wichtigste - was soll in Zukunft werden?
Wir alle wissen, daß ein Weltkrieg, ob er nun vorsätzlich begonnen wird oder
zufällig ausbricht, die Zivilisation zu einem Trümmerfeld machen würde. Dies
gilt für das sowjetische System genauso wie für alle übrigen. In einem Atomkrieg kann es keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben. Selbst Despoten
wissen dies. Herr Chruschtschow erklärte in der vergangenen Woche, er sei
sich völlig darüber im klaren, daß ein Atomkrieg für beide Seiten eine
Katastrophe heraufbeschwören würde. Die Anerkennung dieses beiderseitigen

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3. Juni

i960

beiderseitigen Vernichtungspotentials ist die grundlegende Realität unserer
gegenwärtigen Beziehungen. Dies bedeutet jedoch ganz sicher nicht, daß wir
jemals den Versuch aufgeben werden, eine vernünftigere und hoffnungsvollere
Realität zu schaffen - eine bessere Grundlage für unsere geraeinsamen Beziehungen.
Um dies zu erreichen, müssen wir folgende Wege einschlagen, und ich
bin zuversichtlich, daß die große Mehrheit unseres Volkes ohne Unterschied
der Parteien ihnen seine Unterstützung geben wird:
Erstens, wir müssen unsere Stärke bewahren und sie für die kommenden
Zeiten aufrechterhalten - eine Stärke, die weder in Selbstgefälligkeit vernachlässigt noch in Hysterie übertrieben werden darf. Auf diese V/eise können wir es jedem klarmachen, daß die Anwendung von Erpressungstaktiken oder
einer Aggression gegen uns oder unsere Verbündeten keinen Gewinn bringen
kann.
Zweitens, wir müssen mit den führenden sowjetischen Politikern weiterhin in sachlicher Weise über die offenstehenden Probleme verhandeln und die
Kontakte zwischen unserem und dem sowjetischen Volk verbessern, um auf
diese Weise deutlich zu machen, daß der Weg der Vernunft und des gesunden
Menschenverstandes immer noch offen ist, sofern die Sowjets ihn nur benutzen
wollen.
Drittens, um die Bedingungen, unter denen die menschliche Freiheit gedeihen kann, in der Welt zu verbessern, müssen wir weiterhin mit positiven
Programmen im eigenen Land und im Ausland voranschreiten und mit den freien
Nationen auf der ganzen Welt eng zusammenarbeiten. Hierbei werden wir den
Vereinten Nationen und den großen Prinzipien, für die sie einstehen, weiterhin unsere stärkste Unterstützung zuteil werden lassen.
Was nun die erste dieser Zielsetzungen anbetrifft - unsere Verteidigung
ist wohlfundiert. Sie ist genau auf die Situation zugeschnitten, der wir
gegenwärtig gegenüberstehen. Daß sie ausreicht, war meine Hauptsorge in
diesen letzten sieben Jahren - ja praktisch mein ganzes Leben lang.
Die Zusammensetzung und die Stärke unserer Streitkräfte ist niemals
in irgendeiner Weise durch schmeichlerische Worte der Sowjets bestimmt
oder beeinflußt worden. Lies wird auch niemals der Fall sein. Wir werden
damit fortfahren, die bereits für diese Streitkräfte geplanten großen Verbesserungen durchzuführen. Sie werden weiterhin einsatzbereit gehalten
werden - und einer ständigen Überprüfung unterliegen. Für alle infolge technischer Fortschritte oder internationaler Ereignisse erforderlich werdenden
Änderungen werden sofort Empfehlungen vorgelegt werden.
Diese Stärke - bei weitem die mächtigste auf Erden - dient, ich unterstreiche dies, ausschließlich zur Abschreckung, Verteidigung und für Vergeltungszwecke und enthält keinerlei Drohung oder aggressive Absicht gegen
irgend jemand.
Was den zweiten Teil unserer Politik anbetrifft - die Beziehungen zu
den Sowjets - so sind wir und die gesamte Welt uns darüber im klaren, daß
trotz unserer jüngsten Enttäuschung ein Fortschritt in Richtung auf das Ziel

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3. Juni i960

Ziel eines gegenseitigen Verstehens, einer Verringerung der Ursachen der
Spannungen und einer Reduzierung der Rüstungen so notwendig ist wie
je zuvor.
'.Vir werden diese friedlichen Bemühungen einschließlich der Teilnahme
an den derzeit laufenden Verhandlungen mit der Sowjetunion fortsetzen.
Bei diesen Verhandlungen haben wir einen gewissen Fortschritt erzielt.
Wir sind bereit, ihn zu erhalten und darauf aufzubauen. Das alliierte
Kommunique in Paris und meine eigene Erklärung bei meiner Rückkehr nach
den Vereinigten Staaten sollten dies der sowjetischen Regierung zur Genüge
klargemacht haben.
Wir führen diese Verhandlungen nicht auf der Grundlage einer Harmonie an der Oberfläche noch werden wir durch schlechtes Betragen abgeschreckt. Vielmehr betrachten wir sie als ein sorgfältiges Suchen nach
gemeinsamen Interessen in bestimmten Fragen zwischen den westlichen
Alliierten und der Sowjetunion.
Ich denke dabei im besonderen an die Verhandlungen über die Atomversuche und die Abrüstung. Wir werden nicht auf Grund der jüngsten Ereignisse in diesen Anstrengungen nachlassen oder von den von uns eingegangenen Verpflichtungen abgehen. Ebensowenig werden wir in unserer Suche
nach neuen Mitteln und Wegen zur Reduzierung des Kriegsrisikos infolge
fääscher Einschätzung der Lage sowie zur Verwirklichung einer verifizierbaren Abrüstung nachlassen.
Ein großes Ziel Amerikas ist eine Welt "offener Gesellschaften".
Hier in unserem Lande kann jedermann Karten und Luftaufnahmen kaufen,
auf denen unsere Städte, unsere Dämme, unsere Gemeinden, unsere Autostraßen
ja der ganze Industrie- und Wirtschaftskomplex zu sehen sind. Die sowjetischen Attaches sammeln regelmäßig diese Unterlagen. Im vergangenen Herbst
fuhr der Zug des Ministerpräsidenten Chruschtschow knapp hundert Meter
von einer Interkontinentalrakete vorbei, die von seinem Abteilfenster
aus klar zu sehen war. Unsere vielen tausend Bücher und wissenschaftlichen
Zeitschriften, unsere Magazine, Zeitungen und offiziellen Publikationen,
unser Rundfunk und das Fernsehen - sie alle geben der ganzen Welt ganz
offen eine Beschreibung aller Aspekte unserer Gesellschaft.
Dies ist alles so, wie es sein sollte. Wir sind stolz auf unsere
Freiheit. Dennoch bleibt das sowjetische Mißtrauen bestehen. Um diese
Befürchtungen und Zweifel zu zerstreuen, machte ich vor fünf Jahren das
Angebot, unseren Luftraum für sowjetische Aufklärungsflüge - auf einer
Basis der Gegenseitigkeit - freizugeben. Die Sowjets lehnten ab. Das Angebot aber besteht noch. Zu einem geeigneten Zeitpunkt wird Amerika ein.
derartiges Programm den Vereinten Nationen zusammen mit der Empfehlung
vorlegen, daß die Vereinten Nationen ihrerseits diese Aufklärungsflüge
durchführen. Sollte dieser Vorschlag von den Vereinten Nationen angenommen
werden, so bin ich zu dem Angebot bereit, daß Amerika einen Teil der
Flugzeuge und der erforderlichen Ausrüstung stellt.
Ich habe hier eine Aufnahme der North-Island-Marinestation in
San Diego in Kalifornien. Sie wurde aus einer Höhe von über 70 000 Fuß
(rund 21 000 Meter) gemacht. Sie mögen es vielleicht an ihren Fernseh-

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�AMERIKA DIENST"

3. Juni 196O

Fernsehschirmen nicht erkennen können, aber die weißen Streifen der
Parkplätze rund um den Flugplatz sind aus 13 Meilen Höhe klar erkennbar.
Diese Linien sind nur etwa 15 Zentimeter breit. Offensichtlich sind die
meisten Details, die für eine militärische Auswertung des Flugplatzes
und seiner Flugzeuge notwendig sind, deutlich zu unterscheiden.
Ich zeige Ihnen diese Aufnahme als ein Beispiel dafür, was durch
eine Luftüberwachung durch die Vereinten Nationen erreicht werden könnte.
Wenn die Vereinten Nationen diese Politik, dieses Programm, durchführen
sollten und die großen Nationen der Welt es akzeptieren würden, dann
würde, davon bin ich fest überzeugt, nicht nur die ganze Menschheit
in der Gewißheit leben, daß sie vor jedem Überraschungsangriff aus jeder
Richtung sicher ist, sondern auch die größte Spannung, nämlich die Furcht
vor dem Kriege, in der ganzen Welt beseitigt sein. Ich hoffe ernsthaft,
daß die Vereinten Nationen ein solches Programm in Angriff nehmen.
Was uns Amerikaner anbetrifft, so werden unsere Programme zur Verstärkung der Kontakte zwischen allen Völkern fortgesetzt werden. Trotz
der von den Männern im Kreml plötzlich zum Ausdruck gebrachten Feindseligkeiten, bleibe ich davon überzeugt, daß das sowjetische Volk im Grunde
von den gleichen Wünschen und dem gleichen Verlangen beseelt ist wie das
unsrige. Ich glaube, daß die Sowjetbürger dem amerikanischen Volk eine aufrichtige Freundschaft entgegenbringen. Ich bin zutiefst davon überzeugt,
daß sie vor allem aber einen beständigen Frieden wünschen und anstelle von
immer mehr Kriegsgerät lieber eine Möglichkeit für ein reicheres Leben
sähen.
Ich wende mich jetzt dem dritten Teil der amerikanischen Politik der Stärkung der Freiheit - zu. Wir müssen noch weit mehr tun, als uns
lediglich mit der militärischen Verteidigung gegen den kommunistischen
Block und unseren Beziehungen zu ihm zu befassen. Wir müssen darüber
hinaus überall in der Welt konstruktive Programme fördern, um das Los
der Menschen in den Entwicklungsländern zu bessern. Es darf nicht zugelassen werden, daß der Zickzackkurs des Kreml unsere weltweiten Programme
und Zielsetzungen stört. In der vor uns liegenden Zeit können diese Programme sehr wohl zum entscheidenden Faktor in unserem ständigen Suchen
nach einem Frieden in Freiheit werden.
Die Völker der Entwicklungsländer werden die dringend benötigte Hilfe
bestimmt erhalten. Wenn diese Hilfe nicht von uns und unseren Freunden
kommt, dann werden diese Völker dazu getrieben werden, sie bei den Feinden
der Freiheit zu suchen. Darüber hinaus blicken diejenigen, die sich mit
uns zu einer Partnerschaft in der Verteidigung zusammengeschlossen haben,
auf uns und erwarten von uns Beweise unserer Standhaftigkeit. Wir dürfen
in unseren gemeinsamen Sicherheitsanstrengungen nicht nachlassen.
Dazu kann jeder von uns etwas Spezifisches tun, und zwar sofort. Es
ist dringend erforderlich, daß keine einschneidenden Kürzungen bei den für
die gemeinsame Sicherheit empfohlenen Ermächtigungen - sei es für militärische oder wirtschaftliche Zwecke - vorgenommen werden. Wir müssen
mit unserer ganzen Klugheit und all unserer Stärke dieses Programm unterstützen. Wir sind stolz darauf, daß wir Amerika einen Staat des Volkes
nennen können. Wenn sich das Volk über die Bedeutung dieses Programms klar

-

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5. Juni

196O

klar ist und im ganzen Land seine Stimme dafür erhebt, dann kann an seinem
anhaltenden Erfolg keinerlei Zweifel bestehen.
Meine amerikanischen Mitbürger, vor langer Zeit habe ich Ihnen das
Versprechen gegeben, daß ich überall hinreisen würde, um die Sache des
Friedens zu fördern. Ich halte an diesem Versprechen fest, nach einem
Frieden in Würde, Freundschaft, in Ehre und Gerechtigkeit zu trachten.
Von der festen Grundlage unserer geistigen und materiellen Stärke
ausgehend und den Allmächtigen um Rat bittend, werden wir und unsere Verbündeten weiterhin für das Überleben der Menschheit in Freiheit und für
die Ziele gegenseitiger Achtung, gegenseitigen Verständnisses und der Aufgeschlossenheit aller Nationen füreinander arbeiten.
Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen eine gute Nacht.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

All?

OSTBLOCK BRACH GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AB
ABRÜSTUNGSKONFERENZ VERÖFFENTLICHTE KOMMUNIQUE
ERKLÄRUNGEN DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZUM
KOMMUNISTISCHEN SCHRITT IN GENF
DER NEUE AMERIKANISCHE ABRUSTUNG3PLAN
DIE LETZTEN JÜCHEN DER GENFER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ

* » * * *

�"AMERIKA DIENST"

1. Juli.,1960

OSTBLOCK BRACH GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AB
GENF - (AD) - Die Sowjets haben am 2J. Juni i960 die ZehnMächte-Abrüstungsverhandlungen in Genf abgebrochen. Die
von dem amerikanischen Chefdelegierten Eaton dazu abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender!
Dies ist ein trauriger Augenblick. Die Sowjets haben die Diskussion
abgebrochen. Trotz unserer Aufforderung, hierzubleiben und uns bis zu
Ende anzuhören - in der Hoffnung, daß sie ihre Ansicht vielleicht ändern
würden -,haben sie den Konferenzraum verlassen. Kurz nachdem wir unsere
Gespräche wieder aufgenommen haben, entschlossen sie sich, sie abzubrechen. Diese entmutigende Mißachtung der Hoffnungen der Menschheit versuchen sie damit zu rechtfertigen, daß sie den verbündeten Mächten die
Schuld an dem mangelnden Fortschritt bei unseren Verhandlungen geben.
Der sowjetische Delegierte behauptet, daß die Regierungen der verbündeten Mächte nicht wirklich für eine allgemeine und vollständige Abrüstung - ja überhaupt für eine Abrüstung - eintreten. Diese Behauptung
glaubt er selbst nicht, noch glaubt sie irgend jemand hier am Konferenztisch,und auch die Welt glaubt sie nicht. Mit falschen und dürftigen
Gründen hat Herr Sorin die für die Welt so entscheidend wichtigen Verhandlungen in Bausch und Bogen zum Stillstand gebracht. Auch für die
Bevölkerung der Sowjetunion und des kommunistischen Blocks waren sie von
entscheidender Wichtigkeit._
Welche Absicht verfolgen die Sowjets mit der Torpedierung dieser
Konferenz? Die Absicht liegt jetzt klar auf der Hand. Die Sowjets sandten
ihre Delegation wieder zurück nach Genf - genauso wie die Sowjets nach
Paris gingen -, nicht entschlossen, zu verhandeln, sondern die Verhandlungen zunichte zu machen, nicht Abkommen zu erreichen, sondern Abkommen
zu verhindern. Genauso wie Herr Chruschtschow die Gipfelkonferenz torpediert hat, so haben die Sowjets jetzt die Zehn-Mächte-Konferenz torpediert.
Es ist jetzt ganz klar, daß sie entschlossen zu sein scheinen, jedes ernsthafte Gespräch zu hintertreiben, bei dem Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden könnten.
Diese sowjetische Handlungsweise heute, diese Weigerung, die Gespräche fortzusetzen, ist ein überzeugender Beweis dafür, daß die derzeitige sowjetische Begründung Propaganda ist, reine Propaganda. Ich
habe niemals zuvor diese Anschuldigung erhoben; ich habe bis jetzt gezögert, das zu tun. Ich trat an diese Aufgabe in dem Glauben heran, daß
die Sowjets ein Abrüstungsabkommen zu erreichen wünschten. Ich hatte gehofft, wir könnten irgendein Gebiet gemeinsamer Interessen finden, auf dem
die Sowjets und wir auf der alliierten Seite ein Abkommen erreichen könnten,
Es ist jetzt hinreichend klar geworden, daß meine Auffassung falsch war.
Die Sowjets hatten von allem Anfang an gar nicht die Absicht, ein Abrüstungsabkommen zu erreichen.
Wir

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�"ALERlx'.A DIENST"

1 . Juli 196O

,ir haben heute von dem sowjetischen Delegierten harte und verletzende Worte gehört, die pflichtgemäß von jedem Vertreter der anderen
Sov. Jetblockstaaten wiederholt ./urden. .Vir haben Verdrehungen unseres
Standpunktes und unwahre Behauptungen über unsere Motive gehört. Ich
will Herrn Sorin nicht mit der gleichen Mißachtung für die Tatsachen
des internationalen Lebens und die Hoffnungen der Menschheit antworten,
die er heute auf Anweisung demonstriert hat.
Die Vereinigten Staaten, eine reife und mächtige Nation, sind der
Ansicht, daß die Verantwortung, die die großen Mächte der Welt tragen,
um die Kriegsgefahr durch eine kontrollierte Abrüstung zu verringern,
zu gro? ist, als daß man sich wo verhalten könnte.
Ich werde daher in demselben Geist sprechen, von dem unsere Teilnahme
an dieser Konferenz getragen war, nämlich von dem ernsthaften Wunsch, in
realistische Verhandlungen einzutreten. Aus diesem Geist heraus haben wir
am 7« Juni unsere Sitzungen wieder aufgenommen und haben die Unfreundlichkeiten der Pariser Konferenz nicht in unsere Diskussionen hineingetragen,
sondern vielmehr versucht, die revidierten sov/jetischen Vorschläge vom
2. Juni genau zu prüfen. '.Vir taten dies, weil wir entschlossen waren, jede
Möglichkeit, die vielleicht Fortschritte in der Abrüstungsfrage versprach,
zu nutzen. Aus diesem Grunde brachte die Delegation der Vereinigten Staaten
ihre Bereitschaft zum Ausdruck, die sowjetischen Vorschläge zu prüfen,
in der Hoffnung, daß sie einen echten Verhandlungswunsch der Sowjets
repräsentierten. Diese Hoffnung hat sieb als trügerisch erwiesen.
Was wir im Rahmen der uns gebotenen begrenzten Möglichkeiten herausfanden, war in erster Linie eine Änderung der Form statt der Substanz.
Der Schritt in Richtung auf die praktische! alliierten Vorschläge, den die Sowjets behaupteten getan zu haben, war entweder illusorisch oder an unmögliche Bedingungen geknüpft.
Die Sowjets schienen die Notwendigkeit, sich mit dem Problem der modernen Möglichkeiten des Einsatzes nuklearer .Yaffen zu befassen, in größerem
Maße anzuerkennen. Waa die Sowjets jedoch tatsächlich vorschlugen, war etwas,
von dem sie wußten, daß die freie Veit es nicht akzeptieren konnte - nämlich,
als einem ersten Schritt, sich dazu zu verpflichten, innerhalb eines Zeitraumes von Monaten ihre entscheidenden Mittel der kollektiven Selbstverteidigung zu zerstören. Die Sowjets wollten uns dazu veranlassen, unsere
vorhandenen Möglichkeiten der Selbstverteidigung aufzugeben und unsere
Alliierten gegenüber der kommunistischen Aggression im Stich zu lassen.
Die Sowjets setzten sich für diese radikale Maßnahme ein, statt progressive
und kontrollierte Reduzierungen der Rüstungen und der Streitkräfte zu unterstützen.
Wie stand es mit der kritischen Frage der Kontrolle? Wenn die Sowjetunion auch in ihrem Dokument vom 2. Juni den Kontrollen mehr Raum widmete
als in ihren früheren Vorschlägen, so haben unsere Gespräche hier doch gezeigt, daß die sowjetische Delegation nicht bereit war, auch nur im Prinzip
zu akzeptieren, daß die internationalen Inspektoren das Recht haben müssen,
festzustellen, ob verborgene Einrichtungen oder geheimgehaltene Streitkräfte
noch vorhanden sind. Zum Beispiel wurden die Sowjets uns nicht gestatten, die
Stärke der Truppen vor und nach Reduzierungen festzustellen. Das Konferenzprotokoll wird dies zeigen.
•*•
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�'AMERIKA DIENST"

1. Juli 196O

Die Sowjets haben darauf bestanden, daß keinerlei spezifische Kontrollmaßnahmen erörtert werden können, bevor nicht alle Elemente eines
Abrüstungsprogramms ausgearbeitet worden sind und Übereinstimmung hierüber
erzielt worden ist. Dies dient ihnen zu dem Zweck, jede wirkliche Probe
aufs Exempel dessen zu vermeiden, was auf dem entscheidend wichtigen
Gebiet der Verifizierung gestattet sein würde. Die Sowjets bezeichnen
Kontrollen - zweiseitige Kontrollen, die uns genauso betreffen wie sie als Spionage. Die Anschuldigung der Spionage ist für sie der Deckmantel,
hinter dem sie sich verstecken. Sie nennen es Spionage, wenn wir nach
Mitteln zur Verifizierung von Abrüstungsabkommen suchen. Wir haben festgestellt, daß sich die grundlegende Einstellung, mit der die sowjetische
Regierung an die Abrüstungsfrage herantritt, seit der Unterbrechung nicht
um ein Jota geändert hat.
Die sowjetische Forderung, als ersten Schritt alle kollektiven Sicherheitsabkommen der Verbündeten zu liquidieren, zeigt, daß die sowjetische
Regierung immer noch nicht die allgemein anerkannte Konzeption akzeptiert,
daß die Abrüstung in einer Weise vor sich gehen sollte, die die Sicherheit
keines Staates und keiner Staatengruppe gefährdet.
Die Sowjets bestehen darauf, daß die Abrüstung im einzelnen an diesem
Konferenztisch ausgehandelt und von allen Staaten der Welt auf einer
irgendwann in ferner Zukunft einzuberufenden Konferenz gebilligt werden
müsse, ehe eine reale Abrüstungsmaßnahme getroffen wird. Die derzeitigen
Waffen, die wir unter Kontrolle zu bringen versuchen, würden, ehe dieser
ganze Prozeß abgewickelt werden könnte, so veraltet sein, wie es die
Tomahawks heute sind.
Mit anderen Worten - die Sowjets wollen jede nützliche Aktion auf dem
Gebiet der Abrüstung in die unbestimmte Zukunft verschieben. Dies ist eine
betrügerische Methode, und wir sind nicht gewillt, dabei mitzumachen.
Heute nun beschuldigt die sowjetische Delegation die verbündeten Nationen, daß es ihnen an ehrlichem Y/illen fehle, weil sie diese sowjetischen
Vorschläge nicht ohne weiteres annehmen wollen. V/er wird dem Glauben
schenken? Als wir zu dem sowjetischen Plan Fragen stellten, wurde uns sofort Mangel an gutem Willen, ehrlichen Absichten und fehlende Anpassungsfähigkeit vorgeworfen. Es gibt unter solchen Bedingungen keine Möglichkeit, ernsthafte Diskussionen zu führen.
In dem Augenblick, wo wir irgend etwas an dem sowjetischen Plan in
Frage stellten, wurden wir - und dies werden die von den Vereinten Nationen
geführten Protokolle erweisen - beschuldigt, an der Abrüstung nicht interessiert zu sein. Wenn dies eine Methode der ernsthaften Verhandlung
ist, dann ist es eine Methode, die der gesamten freien Welt völlig fremd
ist.
Auf der anderen Seite haben sich die Vereinigten Staaten und ihre"
Partner erfolglos darum bemüht, die Sowjetunion und ihre Verbündeten dazu
zu bewegen, die gleiche Bereitschaft zur Erörterung der westlichen Vorschläge
zu zeigen, wie wir sie hinsichtlich der kommunistischen Pläne an den Tag
gelegt haben. Wir haben immer wieder versucht, dafür zu sorgen, daß diese
Konferenz zur eigentlichen Sache kommt, daß sie sich nicht in Allgemeinplätzen über utopische Dinge ergeht, sondern sich um Abkommen über spezifische

�'AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

spezifische und kontrollierte Abrüstungsmaßnahmen bemüht. Dies würde es
uns ermöglichen, einen Anfang in Richtung auf das Ziel einer allgemeinen
und völligen Abrüstung zu machen, während wir dann unsere Verhandlungen
über spätere Phasen fortsetzen könnten, um ein Abkommen über einen schließlichen Vertrag zu erreichen, der eine internationale Friedensmacht zur
dauernden Wahrung des Friedens in der Welt schaffen und somit verhindern
würde, daß Meinungsverschiedenheiten, die es immer geben wird, den Frieden
der Welt bedrohten.
Das Programm, das die alliierten Delegationen hier vorlegten, war ein
Programm des Handelns, nicht der Worte - ein Programm der Maßnahmen, die
jetzt getroffen werden können und nicht in ferner Zukunft.
Wir haben eine Reduzierung der Mannschaftsstärken und der Rüstungen
vorgeschlagen. Wir haben uns um ein Abkommen bemüht, das den Aufbau
nuklearer Waffenvorräte beenden und das mit der Reduzierung der vorhandenen
Bestände beginnen würde.
Man gab uns niemals die Gelegenheit, unsere Ansichten über die Mengen
an nuklearem Material zu erörtern, die sofort aus den Waffenvorräten herausgezogen werden sollten, um damit den Abrüstungsprozeß wirklich zu beginnen.
Wir haben freiwillig angeboten, unsere Bestände zu verringern, aber
die Sowjets wollten nicht einmal über die Einstellung der Produktion sprechen. Wir haben uns darum bemüht, durch ein kontrolliertes Abkommen zu
verhindern, daß Massenvernichtungsmittel jemals in den Weltenraum gebracht
werden.
Wir wollten uns heute hier darum bemühen, daß keine Kernwaffen in den
Weltenraum gelangen, damit nicht der "Punkt erreicht wird, von dem es kein
Zurück mehr gibt" - ein Satz, den Herr Moch im Jahre 1951 prägte. Dies ist
ein überaus wichtiger Satz, und wir sollten ihn uns immer vor Augen halten.
Derartigen Waffen sollte Einhalt geboten werden, bevor sie starten.
Wir haben ein Abkommen angestrebt, daß das Auflassen von Raumkörpern
im voraus bekanntgegeben wird, und um sicherzustellen, daß eine vorherige
Benachrichtigung über den Abschuß von Raketen erfolgt, damit Fehlkalkulationen ausgeschaltet werden und dadurch die Gefahr eines Krieges verringert
wird.
Wir haben Abkommen über Maßnahmen angestrebt, um den Schutz vor einem
Überraschungsangriff zu erhöhen und dadurch das Vertrauen und die Sicherheit
überall in der Welt zu stärken.
Wir haben ein Abkommen über einen Austausch von Informationen über
militärische Einrichtungen und militärische Ausgaben angestrebt, um die
Verifizierung zu erleichtern.
Wir haben ein Abkommen angestrebt, um mit der Verbesserung des internationalen Apparates zur Erhaltung des Friedens zu beginnen, damit Bedingungen geschaffen werden, die die Durchführung einer umfassenden Abrüstung
erleichtern würden.
Wir

�"AVSRIKA DIENST"

1 . Juli

1960

Ziv haben die Sowjetunion ersucht, irgendeinen dieser Vorschläge
als Basis für erste Gespräch« und Verhandlungen auszuwählen.
Bei all dem sind wir auf die gleiche starre Ablehnung gestoßen,
die die Sowjetunion fast stets zeigt, wenn ihr Denken auf Propaganda
und nicht auf ernsthafte Verhandlungen gerichtet ist. Die Antwort war,
daß kein Anfang gemacht werden könne, bevor wir nicht einem vollständigen
uro detaillierten Vortrag über eine allgemeine und umfassende Abrüstung
zus i immer. - und dies trotz der Tatsache, daß sich die Völker in den
'15jährigen Verhandlungen seit dem Kriege nicht einmal über erste Maßnahmen
einigen kennten.
Trotz des Ausbleibens von Fortschritten, das für unsere bisherigen
Verhandlungen charakteristisch war, haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten ar diesem Konferenztisch die Hoffnung nicht aufgegeben,
da 12 v eitere Gespräche vielleicht mögliche Gebiete der Übereinstimmung
erschließen könnten, a e ich bereits zuvor gesagt habe, betrachtet mein
Land seine Verantwortung gegenüber der Menschheit als zu schwer, um es
meiner Delegation zu [es matten, ihre Bemühungen um die Erreichung eines
Abkommens einzustellen. Ter Schritt der sowjetischen Delegation heute
jedoch ist nicht der Schritt einer Delegation, deren Land ernsthaft an
Verhandlungen interessiert ist.
Trotzdem hatten .vir die Hoffnung hier an diesem Konferenztisch nicht
aufgegeben. Freitag morgen vor einer Woche ging ich hinüber zu Herrn
Sorin, der damals am Kcnfererztisch mir gegenüber saß. Ich erklärte Herrn
Sorin privat, ich rürde ajf sein Lrsuchen hin, die uns von ihm gestellten
Fragen doch bald zu beantworten, nach Washington reisen, um die hier zum
Ausdruck gebrachten Vnsichten zu erörtern - die Ansichten unserer Alliierten hier an diesem Aonferenztisch und die Ansichten unserer eigenen Delegation. Ich war ^.er Meinung;, daß der Stand dieser Verhandlungen sowie die
Größe der Probleme, denen wir uns gegeni'bersahen, meine Rückkehr nach
Washington rechtfertigten, um meiner Regierung einen Bericht aus erster
Hand über die Atmosphäre in Genf zu geben. Es war mein Ziel, meiner Regierung die Ansichten unserer Alliierten zu übermitteln und zum frühestmöglichen Zeitpunkt einen Standpunkt zu erlangen, der sowohl diese Ansichten als auch unsere eigenen widerspiegeln würde.
Gestern bin ich nach Genf zurückgekehrt. Ich traf mit unseren
Alliierten zusammen und unterbreitete ihnen das Dokument, das von meiner
Regierung in Washington vorbereitet worden war. Ich konnte eine sehr positive Reaktion auf dieses Dokument feststellen. Wir machten uns sofort
dar' n, diese Unterlagen so zu formulieren, daß wir sie noch in dieser Woche
als einen vereinbarten westlichen Standpunkt am Verhandlungstisch präsentierer konnten.
Als ich heute morgen in diese Sitzung kam, ging ich su Herrn Sorin
und erklärte ihm privat, daß meine Erörterungen in Washington sehr nützlich gewesen seien und daß ich mit eirer positiven Einstellung zurückgekehrt sei, die meiner Meinung nach sicherlich unsere Erörterungen hier
fördern würde und die ich in einigen Tagen hier in Genf unterbreiten könnte.
Die einzige Stellungnahme von Herrn Sori;: bestand darin, de ß er mir erklärte,
die Erörterungen hätten hier in den letzten Tagen keinen guten Verlauf genommen. Vor zehn Tagen, als ich Herrn Sorin über meine Reiao nach WashiriKton

-

5 -

�AMERIKA EIEMST"

1 . Juli 1960

Washington informierte, erwiderte er mir darauf, daß er sich freuen
würde, wenn meine Reise zu einer Förderung unserer Diskussionen hier
in Genf beitragen würde.
Doch selbst mit dem Flugzeug ist dies eine lange Reise und vor
allem dam , w e m man R.-at einholen muß. Ich war in praktisch einer Woche
wieder zurück. Statt nun darüber erfreut zu sein, daß ich aus der Vereinigten Staaten mit einem bestimmten Standpunkt zurückgekehrt war ich hatte Herrn Sorin davo.i unterrichtet -, brach dieser die Konferenz
ab. Herr Vorsitzender, ich lete dieses Dokument, das ich mit mir zurückbrachte, jetzt vor, damit die Sowjets urd die 'Veit ciesen Standpunkt
kerinei.le-.nfcn mögen.Ich lege dieses Dokument als einen Plan der Vereinigten Staaten vor, weil keiner meiner westlichen Kollegen Zeit gehabt hat,
sich mit seiner Regierung zu beraten.
DarT ich hervorheben, daß es sich hier nicht um einen glänzenden
utopischer. Weg zur Abrüstung handelt. Der Plan, den wir in März dieses
Jahres vorlegten, beruhte auf soliden Grundsätzen.
Dieser Plan sollte eine gediegene Grundlage für ernsthafte Verhandlungen abgeben. Zugrunde lag das Prinzip, daß wir mit ersten Maßnahmen
voranschreiten würden, um danu die Einzelheiten späterer und schwierigerer
Stufen der allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu erörtern. Dies ist
auch das Grundprinzip des Planes, den ich soeben vorgelegt habe.
In gewissen Kreisen hat meine Reise nach Washington betrachtliche
Spekulationen darum ausgelöst, daß ich mit einen Plan zu -üokkehren würde,
der die Veit elektrisieren würde. Dies ist jedoch nicht der Zweck des von
mir vorgelegten Dokuments. Sein Zweck ist es, in klaren und unmißverständlichen Worten den vernünftigen westlichen Weg in Richtung auf das Ziel
einer vollständigen und allgemeiner Abrüstung aufzuzeigen. Sein Zweck
ist es, als eine neue Basis zur Förderung ernsthafter Verhandlungen in
dieser entscheidend wichtigen Abrüstungsfrage zu dienen.
Das neue Dokument klärt und erweitert einige der von den westlichen
Delegationen am 16. März vorgelegten Vorschläge. Es enthält ferner neue
Gedanken, die die Ansichten unserer Verbündeten wie auch unsere eigenen
wiedergeben und die den hier -von der sowjetischen Seite zum Ausdruck gebrachten Ansichten in wichtigen Punkten Rechnung tragen.
Abschließend möchte ich betonen, daß ich überzeugt bin, daß die 'Welt
die Verhöhnung erkennen wird, die sich die Sowjetunion heute vormittag hier
geleistet hat. Ich bin ebenso überzeugt, daß die Welt anerkennen wird,
daß wir auf der alliierten Seite, die wir die Ansichten der freien V/elt
vertreten, ernsthafte Anstrengungen gemacht haben und weiterhin machen
werden, um die Hoffnungen der Menschheit auf eine sichere und freiere Welt
durch ein vernünftiges und gesichertes Abrüstungsprograram zu erfüllen.
Ich bin sicher, daß die Welt die Klugheit unserer Einstellung und das
Unrealistische der sowjetischen Haltung erkennen wird. Wenn dies der Fall
ist, dann wird unsere Konferenz nicht völlig umsonst gewesen sein.
# * # -x *

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6 -

�AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

ABRÜSTUNGSKONFERENZ VERÖFFENTLICHTE KOMMUNIQUE

GENF - (AD) - Im Anschluß an die 47. seit Beginn der
Gespräche am 15« März abgehaltene. Sitzung der ZehnMächte-Ahrüstungskonferenz wurde in Genf ein Kommunique
veröffentlicht, das folgendem Wortlaut hat:

Die 47« Sitzung der Konferenz des Zehn-Mächte-Abrüstungsausschusses
wurde am 27. Juni 196O im Völkerbundspalast in Genf unter dem Vorsitz
des Vertreters Polens und im Anschluß daran unter dem Vorsitz des
Vertreters Großbritanniens abgehalten. Die Delegierten der Sowjetunion,
Bulgariens, der Tschechoslowakei, Rumäniens und Polens teilten die Absicht ihrer jeweiligen Regierungen mit, sich von der Arbeit der Konferenz zurückzuziehen. Der Vorsitzende (der Vertreter Polens) wurde,
nachdem er den Vertretern der westlichen Mächte, die auf seiner Liste
standen, das Recht zu reden verweigert hatte, als Vorsitzender durch
den Vertreter Großbritanniens ersetzt. Die Delegierten Bulgariens, der
Tschechoslowakei, Polens, Rumäniens und der Sowjetunion zogen sich von
der Konferenz zurück.

Auf einmütigen Beschluß wurden die Vertreter der Presse dann zur
Konferenz zugelassen. Es wurden Erklärungen von den Vertretern der USA,
Frankreichs, Kanadas, Italiens und Großbritanniens abgegeben. Von den
Delegierten der USA wurde ein Dokument mit dem Titel "Programm für eine
allgemeine und vollständige Abrüstung unter wirksamer internationaler
Kontrolle" mit dem Ersuchen unterbreitet, daß es vom Sekretariat der
Vereinten Nationen als Konferenzdokument in Umlauf gebracht wird. Die
Konferenz beschloß, daß das wörtliche Protokoll der 47« Sitzung so bald
wie möglich veröffentlicht v/erden sollte. Der Ausschuß vertagte sich
um 12.30 Uhr. Die nächste Sitzung findet am Dienstag, dem 28. Juni, um
10.30 Uhr vormittags statt.

* * * * *

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7 -

�"AIjERIKA DIENST"

1 . Juli 1960

ERKLÄRUNGEN DES US-AUSSENMINISTERIUM3 ZUM
KOMMUNISTISCHEN SCHRITT IN GENF

V/AS HINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium
bezeichnete es am Montag als "bedauerlich und enttäuschend",
daß die fünf kommunistischen Länder die Genfer Abrüstungskonferenz verlassen haben. Demgegenüber würden die fünf
westlichen Nationen auch weiterhin am Konferenztisch verharren in der Hoffnung, daß die sowjetische Seite ihren
unverantwortlichen Schritt überprüfen werde.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Das Verlassen der Konferenz durch den Sowjetblock zeigt den Wunsch
dieser Länder, jede weitere Erörterung des Problems einer kontrollierten
Abrüstung im Rahmen der Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz zu umgehen. Dieser Schritt der kommunistischen Delegationen ist sowohl bedauerlich wie
auch enttäuschend. Er ist bedauerlich, weil er die Hoffnungen all der
Völker zerstört, die ernsthaft nach einem Fortschritt auf dem Wege zum
Frieden suchen. Er ist enttäuschend, weil er ernste Zweifel an der Aufrichtigkeit des Wunsches der Kommunisten nach einer Lösung des Abrüstungsproblems aufkommen läßt.

Wie der Sowjetblock sehr gut weiß, bereiteten die westlichen Verbündeten gerade Modifizierungen des westlichen Planes vom 1. März vor,
die innerhalb des Zehn-Mächte-Verhandlungsforums vorgelegt werden sollten.
Diese Initiative des Westens beruhte auf einem Bemühen, bestimmten Aspekte]
des Vorschlages des Sowjetblocks vom 2. Juni entgegenzukommen, und wurde
unternommen, um gemeinsame Gebiete zu finden, durch die die Verhandlungen
gefördert werden könnten.
Das Verlassen der Konferenz angesichts der Bereitschaft der westlichen Regierungen, die Verhandlungen weiterzuführen, läßt den Wunsch
des Sowjetblocks in aller Klarheit hervortreten, die Verhandlungen mit
einem völligen Fehlschlag enden zu sehen.
Die fünf verbündeten Mächte haben die Absicht, vorerst weiter am
Verhandlungstisch zu bleiben.
Wenn die kommunistische Seite bereit ist, eine Lösung de:j Abrüstungsproblems zu suchen, dann ist der Weg immer noch offen.
Wir hoffen ehrlich, daß der Sowjetblock seine unverantwortliche
Maßnahme noch einmal überdenken wird und sich den verbündeten Nationen
bei der entschlossenen und ununterbrochenen Bemühung um einen gerechten
und dauerhaften Frieden anschließt.
Dies wäre nichts anderes als eine Erfüllung der beiden Seiten auferlegten Verpflichtung gegenüber der Menschheit.
* * * * *

-

8

�"AMERIKA DIENST"

1-. Juli 1 96O

DER NEUE AMERIKANISCHE ABRÜSTUNGSPLAN

GENF - (AD) - Der neue amerikanische Abrüstungsplan enthält bereits
in der ersten Phase einen Vorschlag für die Kontrolle der atomaren Einsatz Systeme .
Dieser am Montag, dem 27. Juni, auf der Genfer Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz in dem Augenblick, in dem die fünf kommunistischen Länder die Konferenz verließen, vorgelegte Plan, stellt einen ernsthaften
Versuch dar, die alliierten und die kommunistischen Ansichten über eine
Beseitigung der atomaren Bedrohung einander anzugleichen.
Der revidierte sowjetische Plan hatte für die erste Phase eine Bestimmung über die Auflösung aller atomaren Einsatzsysteme innerhalb von
12-18 Monaten enthalten, diese Bestimmung jedoch gleichzeitig mit der
Auflösung aller alliierten Stützpunkte im Ausland verknüpft. Da der sowjetische Plan auf gewissen Gebieten eine Abwandlung von ursprünglich von
Frankreich vorgebrachten Gedanken darstellt, hatte der französische Delegierte Jules Hoch nochmals dargelegt, daß sein Land eine methodische,
schrittweise Beseitigung der atomarem Einsatzsysteme vorsieht, mit der
ein Abbau der konventionellen Rüstungen gleichlaufend erfolgen soll.
Die fünf westlichen Delegationen waren noch mit der Prüfung des
von dem amerikanischen Delegierten Frederick M. Eaton am Wochenende
aus Washington mitgebrachten Planes beschäftigt, als die Kommunisten
die Konferenz verließen. Die westlichen Alliierten hatten ursprünglich
beabsichtigt, diesen Plan, unter Umständen nach kleineren Abänderungen,
als ein gemeinsames Dokument im Verlauf dieser Woche auf der Konferenz
vorzulegen.
Der neue amerikanische Plan sieht für die erste Phase acht Punkte vor:
1 . Die Errichtung einer internationalen Abrüstungskontrollorgani«sation (IDCO) im Rahmen der Vereinten Nationen.
2. Ein Verbot des Auflassens von Flugkörpern mit Massenvernichtungswaffen in den Weltenraum.
3. Maßnahmen gegen einen Überraschungsangriff, darunter die Bekanntgabe aller Starts von Flugkörpern und Raketen in den Weltenraum, die Schaffung vereinbarter Luft- und Bodeninspektionszonen unter Einbeziehung des
Gebiets der USA und der Sowjetunion sowie eine gegenseitige Beobachtung
vereinbarter militärischer Stützpunkte im In- und Ausland.
4. Eine Inspektion an Ort und Stelle in bestimmten, beiderseits vereinbarten Luftstützpiinkten, Raketenabschußbasen, Unterseeboot- und Marinestützpunkten, um damit eine Grundlage für eine Kontrolle der atomaren Einsatzsysteme in den folgenden Phasen zu schaffen.

5. Die

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�1 . Juli 1960

"AMERIKA DIENST"

5« Die Festsetzung von Höchstgrenzen für die Truppenstärken, und
zwar für die USA und die Sowjetunion auf zunächst 2,5 Millionen Mann
und später auf 2,1 Millionen Mann, und von entsprechenden vereinbarten
Höchstgrenzen für die übrigen militärisch wichtigen Länder.
6. Die Einbringung vereinbarter Arten und Mengen von Waffen in
Vorratsdepots, die unter der Überwachung der IDCO stehen, bis die Waffen
schließlich endgültig vernichtet oder für andere Zwecke verwendet werden.
7. Die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für
militärische Zwecke und Überführung vereinbarter Mengen zu nichtmilitärischer Verwendung, unter der Voraussetzung, daß beim Abbau der konventionellen Rüstungen ein zufriedenstellender Fortschritt erzielt worden
ist.
8. Die Vorlage von Informationen über die militärischen Ausgaben
bei der IDCO.
Für die zweite Phase führt der Plan folgende Punkte an:
1. Eine weitere Reduzierung der amerikanischen und der sowjetischen
Truppenstärke auf 1,7 Millionen Mann und entsprechende vereinbarte Höchstgrenzen für die übrigen Länder.
2. Die Reduzierung aller Arten von Rüstungen, einschließlich
atomarer, chemischer, biologischer und konventioneller Waffen sowie ihrer
Einsatzmittel,in allen Ländern auf vereinbarte Höchstmengen und die Vernichtung der über diese Höchstraengen hinausgehenden Bestände oder ihre
Verwertung für friedliche Zwecke. Unter diesen Punkt würden vereinbarte
Arten von Raketen, Flugzeugen, Schiffen, Unterseebooten und Geschützen
für den Abschuß von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen fallen.
J. Die Senkung der militärischen Ausgaben auf Sätze, die der vereinbarten Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen entsprechen.
4. Die Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe im Rahmen
der Vereinten Nationen, die ausreicht, um den Weltfrieden zu erhalten,
sobald eine allgemeine und vollständige Abrüstung erreicht ist.
Für die dritte und letzte Phase sieht der Plan vor:
1. Die endgültige Reduzierung der Truppen und militärischen Einrichtungen auf Grenzen, die für die Erhaltung der inneren Ordnung erforderlich
sind, sowie die Abstellung vereinbarter Kontingente für die internationale
Friedenstruppe.
2. Die Ausrüstung der internationalen Friedenstruppe ausschließlich
mit vereinbarten Waffenarten und -mengen, während alle anderen Waffen konventionelle wie atomare - und ihre Einsatzmittel vernichtet oder einer
friedlichen Verwendung zugeführt werden.
5. Die

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10

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�"AMERIKA DIENST

1 . Juli 196O

3« Die weitere Senkung der militärischen Ausgaben im Einklang
mit der vereinbarten Reduzierung der Truppenstärken und Rüstungen.
4» Die Einstellung der Waffenproduktion mit Ausnahme bestimmter
Arten und Kengen für die internationale Friedenstruppe und die vereinbarten noch verbliebenen nationalen Kontingente.
Bereits während der drei Phasen dieses Planes wie auch nach seiner
Verwirklichung würden strenge und wirksame internationale Kontrollen
eine Verletzung des Abrüstungsabkommens verhindern, wobei folgende
sieben Prinzipien maßgebend sein würden:
1. Zu keinem Zeitpunkt während des Abrüstens darf irgend ein Staat
einen militärischen Vorteil gegenüber anderen erlangen.
2. Während der drei Abrüstungsphasen würde jede der ausgewogenen,
schrittweisen und abgesicherten Maßnahmen innerhalb einer genau umrissenen
Zeitspanne unter der Überwachung der IDCO durchgeführt werden.
3. Jede Maßnahme würde in jedem der Teilnehmerstaaten gleichzeitig
- nach Schaffung der erforderlichen Verifizierungsmaßnahmen - durchgeführt
werden.
4. Der Übergang von einer Phase zur nächsten soll erst dann erfolgen,
wenn der Weltsicherheitsrat zustimmt, daß alle Maßnahmen der vorangehenden
Phase voll durchgeführt sind und eine wirksame Verifizierung gegeben ist.
5. Die Abrüstungsverträge sollen auf unbegrenzte Zeit in Kraft bleiben, wobei jeder Staat das Recht zum Rücktritt hat, falls erwiesen ist,
daß ein anderes Land die Vertragsbedingungen nicht einhält.
6. Die IDCO soll sich aus allen Teilnehmerstaaten zusammensetzen;
daneben soll eine Kontrollkommission geschaffen und ein Generaldirektor
ernannt werden, dessen Pflichten in dem Vertrag im einzelnen umrissen
werden sollen.
7. Der Vertrag soll ferner die Arbeitsweise der IDCO genau festlegen,
die die Vollmacht haben soll, noch über Verifizierungserklärungen der
einzelnen Staaten hinaus sicherzustellen, daß die beibehaltenen Truppenstärken und Rüstungen nicht in irgendeiner Phase die vereinbarten Höchstgrenzen übersteigen.

* * * * *

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�"AMERIKA DIENST"

1 . Juli

196O

DIE LETZTEN WOCHEN DER GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Übersicht über die jüngsten Entwicklungen bis zur Torpedierung der
Konferenz durch die Kommunisten

GENF - (AD) - Im folgenden geben wir eine
chronologische Zusammenstellung der Entwicklungen
auf der Genfer Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz
von der Wiederaufnahme der Gespräche am 7» Juni
i960 bis zum Verlassen des Konferenzsaales durch
die kommunistischen Delegationen am 27. Juni i960.

10,

Juni

Die Sowjetunion verkündet einen revidierten Drei-Phasen-Abrüstungsplan, der sich über eine Zeitspanne von vier Jahren erstrecken soll und der nach Ansicht alliierter Beobachter immer
noch ein "Paket" darstellt, das heißt, daß er nur verwirklicht
werden kann, wenn über alle Punkte eine Einigung erzielt worden
ist.

Juni

Die Konferenz tritt nach einer mehrwöchigen Verhandlungspause,
die für die Dauer der von den Kommunisten torpedierten Pariser
Gipfelkonferenz eingelegt worden war, erneut zusammen. Die
alliierten Delegationen hoffen, daß die von den Sowjets in
Paris gezeigte harte Haltung die Arbeit der Konferenz nicht
behindern wird. So erklärt der amerikanische Delegierte
Frederick M. Eaton: "Wir hatten gehofft, daß wir bei unserem
'Wiederzusammentreten einige nützliche Richtlinien und einen
Ansporn für unsere Arbeit erhalten würden. Dies ist nicht
geschehen. Das Entscheidende ist jetzt jedoch, uns auf unsere
künftige Arbeit zu konzentrieren." Der italienische Delegierte
Gaetano Martine- betont, das Fehlschlagen der Gipfelkonferenz
mache die Aufgabe der Konferenz "noch schwieriger, aber auch
noch dringlicher". Die Sowjetunion legt offiziell ihren revidierten Abrüstungsplan vor.

Juni

Die alliierten Delegationen beginnen damit, Fragen vorzubereiten,
um eine Klärung des sowjetischen Planes zu erreichen.

Juni

Die kommunistischen Delegierten schlagen in ihren Ausführungen
erstmalig einen, nach den Worten der amerikanischen Delegierten
Eaton, "scharfen" Ton an. Eaton stellt die Frage, ob der Sowjetblock gewillt ist, ernsthaft über den revidierten sowjetischen
Entwurf zu verhandeln.

Juni

Eaton erklärt, einige der Änderungen in der sowjetischen Haltung schienen eine positive Annäherung in Richtung auf die
Standpunkte der alliierten Delegationen zu bedeuten. Der

-

12

-

�"AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

Der revidierte sowjetische Entwurf werfe jedoch noch einige
Probleme auf, die durch ernsthafte Verhandlungen geklärt
werden müßten. Eaton fordert, daß mit der Erörterung von
Maßnahmen des alliierten oder des sowjetischen Planes begonnen werden soll, die sofort verwirklicht werden können, ohne
daß hierdurch die lebenswichtigen Interessen einer der beiden
Parteien betroffen werden.
13.

Juni

Der französische Delegierte Jules Moch und der britische Delegierte Ormsby-Gore stellen zahlreiche Fragen zu dem sowjetischen Plan.

14«

Juni

Die Bemühungen der Alliierten werden fortgesetzt, um eine
Klärung des revidierten sowjetischen Planes zu erreichen.
Die Sowjets fordern, daß die Alliierten zu ihren bisherigen
mageren Erläuterungen Stellung nehmen sollen. Moch unterstreicht erneut, daß die Verwirklichung echter Abrüstungsmaßnahmen nur erfolgen kann, wenn die Gewißheit besteht,
daß gleichzeitig ein entsprechendes Kontrollsystem geschaffen
wird, das auch wirklich funktioniert. Der sowjetische Delegierte Sorin gibt eine Erklärung ab, von der Eaton sagt,
daß sie "hitziger" als seine früheren Reden war. Sorin, so
betont Eaton, habe den Eindruck hinterlassen, daß die Sowjetunion keinen Grund sieht, die Abrüstungskontrollen zu erörtern,
bevor nicht die USA ihre Stützpunkte in anderen Ländern aufgeben.

15«

Juni

Eaton erklärt, das der sowjetische Vorschlag für eine sofortige
Auflösung der ausländischen Stützpunkte bereits in der ersten
Phase das Prinzip verletze, keiner Seite zu irgendeinem Zeitpunkt während der Durchführung der Abrüstungsmaßnahmen einen
militärischen Vorteil einzuräumen. Wenn zürn Beispiel die
amerikanischen NATO-Streitkräfte in Europa abgezogen würden,
dann würden sie mehrere tausend Kilometer über den Atlantik
zurückgezogen werden, während die sowjetischen Truppen bei
einem Abzug aus Mitteleuropa lediglich einige hundert Kilometer
auf das Gebiet der Sowjetunion zurückgenommen würden.

1b.

Juni

Der polnische Delegierte Marjan Naszkowski wiederholt die Angriffe gegen die alliierten Stützpunkte in anderen Ländern.
Ormsby-Gore erklärt, daß diese Stützpunkte in Europa eine
echte Abschreckung vor einer Aggression bildeten und daß
der Sowjetblock dies wisse.

17«

Juni

Der amerikanische, der britische und der italienische Delegationsführer kehren zu Konsultationen mit ihren Regierungen in
die Hauptstädte ihrer Länder zurück. Sorin versucht, einen
Keil zwischen die USA und Frankreich zu treiben, und behauptet,
zwischen beiden bestehe offensichtlich eine Meinungsverschiedenheit in der Frage der Kontrolle atomarer Einsatzsysteme. Moch
wiederholt seine frühere Erklärung, daß nichts die Solidarität
des Westens erschüttern könne. Wenn hinter dem revidierten
sowjetischen Plan das Motiv stehe, die westliche Allianz zu
sprengen, so betont Moch, dann befänden sich die Sowjets in
einem schweren Irrtum.
20. Juni

�"AMERIKA DIENST"

1 . Juli 1960

20.

Juni

Moch drängt erneut auf Beantwortung seiner Fragen zu einzelnen Punkten des sowjetischen Planes.

21.

Juni

Die Konferenz beschäftigte sich weiter mit den Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Kontrollverfahren. Der
französische Delegierte Michel Le Gendre stellt erneut die
Frage, ob die Kommunisten wirklich wirksame Kontrollen
wünschen, durch die geheime Rüstungen festgestellt werden
können. Der rumänische Delegierte Edouard Mezincescu bezweifelt, ob die Kommunisten den Vereinigten Staaten trauen
können.

22.

Juni

Eine Presseverlautbarung der Sowjetblock-Delegationen beschuldigt die alliierten Delegationen, einer wirklichen
Erörterung auszuweichen.

23.

Juni

Der amerikanische Delegierte Charles C. Stelle betont, daß
die kommunistischen Delegationen bei einem echten Wunsch
nach Fortschritt aus der sorgfältigen Prüfung, der die
Verhandlungsvorschläge von den Vereinigten Staaten und
anderen westlichen Ländern unterzogen werden, Mut schöpfen
und nicht ungeduldig werden sollten.

24.

Juni

Der tschechoslowakische Delegierte Juri Nosek wirft den
Alliierten Heuchelei und Doppelzüngigkeit vor. Ormsby-Gore
und Moch erwidern, daß solche Worte nicht dazu beitragen,
die Probleme zu lösen, mit denen sich die Konferenz zu
beschäftigen hat. Stelle erklärt, die unbegründeten kommunistischen Anschuldigungen behinderten nur die Arbeit der
Konferenz.

25.

Juni

Eaton kehrt nach Besprechungen über die neuen alliierten Vorschläge in Washington, London und Paris nach Genf zurück.

26.

Juni

Die alliierten Delegierten treten zu einer Prüfung der
neuen Vorschläge zusammen, um sich auf ihre Vorlage am
nächsten Tage durch Eaton vorzubereiten.

27.

Juni

Sorin, der sich als erster Sprecher das Wort erteilen läßt,
gibt bekannt, daß seine Regierung in einer Fortführung der
Gespräche keinen Sinn mehr sieht und die Absicht hat, das
Abrüstungsproblem auf der nächsten Sitzung der UN-Vollversammlung vorzubringen. Er und die übrigen kommunistischen Delegierten verlassen die Konferenz. Eaton erklärt, es sei jetzt offensichtlich, daß die Kommunisten nicht nach Genf gekommen sind
in der ernsten Absicht, zu verhandeln, sondern lediglich, um die
Abrüstungskonferenz genauso wie die Pariser Gipfelkonferenz zu
torpedieren. Moch betont, daß der sowjetische Plan praktisch
eine Art Ultimatum gewesen sei, das der Westen nicht akzeptieren könne. Ziel der Sowjets sei nicht die Abrüstung,
sondern die Auflösung der alliierten Stützpunkte gewesen, um
so einen militärischen Vorteil für die Sowjetunion zu erlangen.
* * * * *

-

14 -

�Kann sich angesichts dieses schrecklichen Bildes überhaupt ein
Mensch, der guten Willens ist, den Bemühungen, eine solche Katastrophe
zu verhindern, verschließen?
Es liegt also ganz eindeutig auf der Hand, daß die Aussicht auf
einen Atomkrieg eine Gefahr für die gesamte Menschheit bedeutet und
die Abrüstung daher im Interesse der gesamten Menschheit ist. Seit
Ende des zweiten Weltkrieges haben sich die Staatsmänner zahlreicher
Länder ständig mit größter Dringlichkeit für eine Abrüstung eingesetzt. Wenn auch die Fortschritte nur sehr langsam erfolgten, so ist
doch zumindest ein entscheidend wichtiges Ziel erreicht worden: es
ist geklärt worden, welche praktisch durchführbaren Kontrollen für
eine realistische Abrüstung notwendig sind. Damit konnte eine große
Kluft überbrückt werden, nämlich die durch das mangelnde Vertrauen
zwischen den Völkern entstandene Kluft, die für zahlreiche Völker
eine Abrüstung unerreichbar erscheinen ließ. Man war der Ansicht,
daß jeder wirkliche Fortschritt in Richtung auf eine 7/elt ohne Rüstungen so lange zurückgestellt werden müsse, bis die politischen
Lösungen erfolgt und die Spannungen gemindert sind. Nunmehr gewinnt
jedoch in immer stärkerem Maße die Erkenntnis Raum, daß wirksame
Kontrollen das Vertrauen ersetzen kennen, und zwar in Form von Abkommen,

1

�"AMERI KADI SIS T "

29. Juli i960

Abkommen, die in sich bereits die Gewähr dafür bieten, daß sie auch
eingehalten werden. Damit ist es möglich geworden, mit den Abrüstungsgesprächon und mit den politischen Verhandlungen fortzufahren, wobei
beide ineinandergreifen müssen.
Die Klugheit der Staatsmänner der freien Welt und die von ihnen
in all den Jahren auf dem Gebiet der Abrüstung gewonnenen Erfahrungen
haben ihren Niederschlag in dem Fünf-Mächte-Vorschlag gefunden, den
die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien
am 15. März beim Zusammentreten der Genfer Konferenz vorgelegt hatten.
Der neue sowjetische Vorschlag ließ dann am 2. Juni eine gewisse Hoffnung aufkommen, da er nämlich verschiedene Gedankengänge der Alliierten
aufzugreifen schien - vor allem französische Anregungen - und die Aufmerksamkeit auf die Einsatzmittel für nukleare Waffen lenkte wie Raketen,
Flugzeuge, Flugplätze, Unterseeboote. Rur wenige Wochen später wurde
ein neuer amerikanischer Plan unterbreitet, der auf den sowjetischen
Standpunkt in verschiedenen wichtigen Punkten einging. Dieses amerikanische Dokument basierte weitgehend auf dem alliierten Fünf-MächtePlan, kam jedoch den Sowjets in mehreren Punkten entgegen, indem es
nämlich im Prinzip die von den Sowjets aufgegriffene Frage der "Einsatzmittel" übernahm, die Konzeption einer "allgemeinen und völligen Abrüstung" schärfer umriß und die Bereitschaft bekundete, alle Abrüstungsvorschläge zu prüfen.
So hatte also jede Seite gewisse Veränderungen an ihren ursprünglichen
Plänen vorgenommen, und damit sah die Lage recht hoffnungsvoll aus. Es
schien, als würden die beiden Seiten schließlich doch miteinander übereinkommen .
Plötzlich aber - ehe noch der amerikanische Vorschlag vor der ganzen
Welt offen erörtert werden konnte - verließen die Delegierten des Sowjetblocks den Genfer Konferenzsaal. Die Diskussion des neuen Vorschlags wurde
durch diesen Schritt vereitelt, die leeren Sitze der Ostblock-Delegierten
brachten alle Verhandlungen zun Stillstand, und dem Vorsitzenden blieb
nichts weiter übrig, als die Konferenz zu beenden.
Die Stühle der'Delegierten stehen im Augenblick immer noch leer,
aber die Idee, durch eine gesicherte Abrüstung einen dritten Krieg zu
verhindern, wird von vielen Völkern und Regierungen energisch weiterverfolgt. Durch den drohenden Schatten der Atombombe erhält diese Aufgabe eine unumgängliche Dringlichkeit.
Ein Plan zur Verhinderung des Krieges
Der neue Vorschlag - wie er von den Vereinigten Staaten ausgearbeitet wurde - befaßt sich nicht nur mit der Reduzierung der Rüstung als
solcher, sondern bietet ein spezifisches Programm zur Verhinderung des
Krieges. Er zielt vor allem darauf ab, einem Angreifer die Vorbereitung
eines Krieges immer mehr zu erschweren. Er bietet ferner Sicherheiten
gegen oberraschungsangriffe, durch die sofortige "Blockierung^ maßnahmen"

-

2

�"AMERIKA DIENST"

29. Juli 196O

zu erzwingen. Dem Kellog-Briand-Pakt folgten unmittelbar die Londoner
Flottenkonferenzen, die Weltabrüstungskonferenz in Genf und im Jahre
1957 die englisch-deutsch-sowjetischen Flottenabkommen, durch die die
Größen der Schlachtschiffe und Flugzeugträger begrenzt wurden. Immer
noch gab es jedoch keinerlei Garantien - böswillige Regierungen konnten
hinter dem Schleier ihrer Staatsgrenzen im geheimen aufrüsten. Man sprach
jedoch vom "Frieden in unserem Zeitalter".
Innerhalb von zwei Jahren schlug dann Hitler zu, und im Dröhnen der
Kriegstrommeln zerbrach erneut ein unechter Friede.
Die Welt hatte eine kostspielige Lehre erhalten. Es zeigte sich, daß
unsichere und unzureichend gestützte Abrüstungsabkommen viel gefährlicher
sein konnten als gar keine derartige Vereinbarungen, denn die Gefahr
des Krieges nimmt zu, wenn ein Angreifer die Überzeugung gewinnt, daß
er über einen militärischen Vorteil verfügt. Diese Gefahr wird noch
stärker, wenn der Aggressor überzeugt ist - und sei es auch zu Unrecht -,
daß ihm ein entscheidender Sieg gelingen könnte. Und die Gefahr wächst
ungeheuer, wenn er eine Gelegenheit zu sehen glaubt, sein Opfer mit einem
vernichtenden Überraschungsangriff schlagen zu können.
Das Ausschalten von Überraschungsangriffen
Aber als Präsident Eisenhower im Juli 1955 vorschlug, das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einer gegenseitigen
Luftinspektion zu unterwerfen, lebte erneut die Hoffnung auf, daß die
Gefahr eines Überraschungsangriffs gebannt werden könnte. Nahezu in der
gesamten Welt herrschte Übereinstimmung darüber, daß dieser Vorschlag
des "offenen Himmels" die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs wesentlich verringern würde, da die Vorbereitungen für einen solchen Angriff
so rechtzeitig entdeckt werden könnten, daß genügend Zeit für Verteidigungsmaßnahmen bleiben würde. Und, was noch wichtiger ist, ein Aggressor würde
ohne den Vorteil des Überraschungsmoments viel weniger der Versuchung
erliegen, einen Angriffsschlag zu führen.
Die Vereinigung der Pläne für eine Luftüberwachung mit einem umfassenden Plan für eine Bodeninspektion in der ersten Phase des amerikanischen
Vorschlags unterstreicht erneut die Bereitschaft der Vereinigten Staaten,
ein völlig offenes Inspektionssystem aufzubauen, um dadurch sicherzustellen,
daß die eingegangenen Verpflichtungen auch wirklich eingehalten werden.
An einen festen Standort gebundene wie auch bewegliche Inspektionsgruppen könnten eine Vielzahl von wichtigen Funktionen übernehmen. Durch
Ergänzen dar Luftaufnahmen würden sie z.B. in der Lage sein, Diskrepanzen
zwischen diesen Aufnahmen und den Angaben auf den ausgetauschten militärischen Listen aufzudecken. Durch ihre Beobachtungen könnten nicht gemeldete Truppenbewegungen oder Versorgungslieferungen, eine ungewöhnlich
intensive Ausbildung oder die allmähliche Konzentration von militärischen
Verbänden an wichtigen Punkten festgestellt werden.
Die

�"AMERIKA DIENST"

29. Juli 196O

Die Kernwaffen
Im Jahre 194&amp; erboten sich die Vereinigten Staaten - damals die
einzige Atommacht -, auf ihr Atomwaffen-Monopol zu verzichten. Amerika
war bereit, die Produktion von Atombomben einzustellen, seine Atomwaffenvorräte zu vernichten und ein weitreichendes Programm für die internationale Verwaltung und den internationalen Besitz von spaltbarem Material und
von Anlagen zur Herstellung dieses Materials aufzustellen. Dieser als
"Baruch-Plan" bekanntgewordene Vorschlag hätte unter einem zuverlässigen
internationalen Kontrollsystem durchgeführt werden können. Die Kontrollbehörde sollte die Aufsicht über alle Arbeiten auf dem Gebiet der Atomenergie haben, die möglicherweise gefährlich werden konnten, und sie
verbieten können. Die Sowjetunion lehnte dieses Angebot ab; sie verlangte
für sich ein Vetorecht innerhalb eines solchen Kontrollsystems. Heute
besitzen mehrere Staaten Waffen mit einer Explosivkraft von wenigen Kilotonnen bis zu vielen Megatonnen. (Eine Megatonne entspricht der Sprengkraft von einer Million Tonnen Trinitrotoluol.)
Der neue amerikanische Plan stimmt voll und ganz mit den von vielen
Staaten gestellten Forderungen überein, daß die gesamte Produktion von
Atommaterial ausschließlich friedlichen Zwecken dienen sollte. Der neue
Vorschlag sieht in der ersten Phase einen vollständigen Produktionsstopp
für alle Kernwaffen vor. In der zweiten Phase würde man dann damit beginnen, die Atomwaffenarsenale friedlichen Zwecken nutzbar zu machen - ein
entscheidend wichtiger Schritt, um die Drohung eines Atomkrieges zu vermindern.
Der Weltenraum
Gleich der Atomenergie hat die Eroberung des Weltenraumes die Menschen
schon seit langem fasziniert. Die ersten von Menschen gebauten Erdsatelliten
haben den Erdball bereits viele Male umkreist. So gut hat die wissenschaftliche Forschung gearbeitet, und so schnell waren die Fortschritte, daß
die Welt heute eine Aktivität entwickelt, die weit über die den Erdball
umgebende atmosphärische Hülle hinausgreift. Und genauso wie die Atomenergie kann auch der Weltenraum entweder als ein Werkzeug des Krieges
oder als Mittler des Friedens dienen.
Die Raumfahrttechnik und die Raumflugkörper könnten zur Entwicklung
von Waffensystemen von tödlicher Vernichtungskraft benutzt werden.
Zum Beispiel könnte es eines Tages möglich sein, Interkontinentalraketen
mit Wasserstoffbomben in eine Kreisbahn um die Erde zu bringen, die über
genügend Brennstoff verfügen und eine so feine Steuerungseinrichtung
haben, daß sie jedes beliebige Ziel auf der Erde erreichen könnten.
Eine andere Möglichkeit wäre, bemannte Raumflugkörper aufzulassen, deren
Besatzung dann thermonukleare Sprengköpfe nach jedem Punkt der Erde abschießen könnte.
Wenn also die militärische Bedrohung durch Weltraumwaffen gebannt
werden soll, bevor es hierfür zu spät ist, dann muß die Weltraumforschung
ausschließlich auf friedliche Zwecke ausgerichtet werden, und die Bemühungen aller Länder auf dem Gebiet der Weltraumforschung müssen beschleunigt in den Rahmen eines zuverlässigen internationalen Rüstungskontrollsystems gebracht werden.
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�"AMERIKA DIENST

29. Juli 1960

Der Vorschlag der Vereinigten Staaten enthält sofort durchführbare Schritte, um das Auflassen oder die Stationierung im
Weltraum von solchen Raumflugkörpern zu verbieten, die Massenvernichtungswaffen mit sich führen könnten« Ferner würden zur Erhöhung des Schutzes vor Überraschungsangriffen die Starts von Raum4
flugkörpern und Raketen der internationalen Abrüstungskontrollorganisation g emeldet werden, und ihre vorgesehene Umlaufbahn
würde schon lange Zeit vor dem eigentlichen Start registriert v/erden.
Herkömmliche Rüstungen
Die besonders ins Auge fallenden Erfolge auf dem Gebiet der
Weltraumforschung und die schnelle Entwicklung immer furchtbarerer
Atomwaffen haben in den letzten Jahren das unheilvolle Anwachsen
der herkömmlichen Rüstungen und Heere etwas in den Schatten treten
lassen. Aber alle großen Mächte der Erde unterhalten heute in
Friedenszeiten größere Heere als je zuvor in der Geschichte. Diese
großen stehenden Heere mit ihren riesigen Waffenarsenalen rufen
nicht nur Angst und Argwohn hervor, sondern sie stellen auch für
alle Länder eine schwere Belastung dar. Das amerikanische Volk ist
gleich den übrigen Völkern der Ansicht, daß den ständigen Forderungen der Rüstungsproduktion Einhalt geboten werden muß.
Mit diesem Ziel vor Augen wurde ein Programm für den schrittweisen Abbau der Rüstungen und der Truppenstärken als integraler
Bestandteil in den amerikanischen Vorschlag einbezogen.
Die erste Phase des Programms sieht vor, daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion die Stärke ihrer bewaffneten Streitkräfte auf jeweils 2,5 Millionen Mann reduzieren und daß die
Truppenstärken nach einer Verifizierung weiter auf jeweils 2,1
Millionen Mann gesenkt werden. Entsprechend der Reduzierung der
Truppenstärken würden Kanonen, Panzer, Flugzeuge und andere Waffen
in Depots eingelagert werden, die unter der Aufsicht der internationalen Abrüstungskontrollorganisation stehen.
Die Reduzierungen in der zweiten Phase würden die Streitkräfte
beider Länder weiterhin bis auf je 1,7 Millionen Mann herabsetzen
und eine proportionale internationale Beseitigung weiterer Rüstungen
vorsehen. Hierbei würde der Beseitigung sämtlicher Raketen, Flugzeuge, Kriegsschiffe, Unterseeboote und Artillerie, rait deren Kilfe
Massenvernichtungswaffen wie Atombomben eingesetzt werden können,
besondere Aufmerksamkeit zuteil werden.
Der Vorschlag sieht schließlich vor, daß in der dritten und
abschließenden Phase die Armeen der einzelnen Staaten auf die Stärke
einer Polizeitruppe reduziert werden. So würde also als einziges
stehendes Heer in der Welt eine internationale Friedenstruppe
übrigbleiben, die die Ordnung in der Welt aufrechterhalten soll.
Sorgfältige Inspektionsverfahren würden die Sicherheit geben, daß
die Reduzierungen auch wirklich durchgeführt werden, während
gleichzeitig durch strikte Kontrollen für die Aufrechterhaltung
eines ordnungsgemäßen Gleichgewichts Sorge getragen würde, um
keiner Nation die Möglichkeit zu geben, während des Abrüstungsprozesses einen unfairen Vorteil vor einer anderen zu erlangen.
Friede

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29. Juli i960

Friede ohne Furcht
Wie aus dem bisher gesagten hervorgeht, spiegelt sich in
den Zielen des neuen amerikanischen Vorschlags eine realistische
Bewertung der vielen Probleme wider, die sich bei der Bemühung,
einen Krieg durch eine gesicherte Abrüstung zu verhindern, ergeben. Der Vorschlag berücksichtigt vor allem auch die kleineren
Staaten in der Welt, deren eigentliche Hoffnung auf ein friedliches Leben nicht in ihrer eigenen Waffenstärke, sondern in
einer geordneten Welt liegt - einer Welt, die frei von der Furcht
vor einem plötzlichen und überwältigenden Angriff ist. Internationale Kontrollen und gründliche Inspektionen sind für diese
Staaten die einzige wirkliche Garantie.
Die USA sind der Ansicht, daß Staaten, die nichts vor einer
unbehinderten Inspektion zu verbergen und von einer kontrollierten
Abrüstung auszuschließen haben, genausowenig durch sie etwas verlieren
würden. Die Vereinigten Staaten sind außerdem bereit, jederzeit Verhandlungen über ihre Vorschläge im einzelnen oder als Ganzes aufzunehmen.
Weder die Vereinigten Staaten noch die anderen Nationen der freien
Welt können jedoch die Lehre, die Korea und Ungarn gaben, unberücksichtigt lassen. Solange die Bedrohung anhält, die sich in diesen Namen symbolisiert, und solange andere sich weigern, Abrüstungsverhandlungen zu
führen, gibt es keine andere Wahl, als darauf vorbereitet zu sein, einer
Aggression zu begegnen und sie zurückzuweisen. Schwäche kann den Frieden
nicht garantieren - sie kann sich statt dessen als indirekte Ursache des
Krieges erweisen.
Trotz dieses warnenden Hinweises ist die amerikanische Regierung
der festen Ansicht, daß die gesicherten Phasen ihres neuen Vorschlags
die Welt von der drohenden Gefahr eines Atomkrieges befreien und den
Weg zu §inem Frieden ohne Furcht öffnen können.
Die gesamte Welt betet für ein durchführbares Abrüstungsabkommen.
Daß die Vereinigten Staaten, was sie selbst anbetrifft, sich auch weiterhin für diese Aufgabe einsetzen werden, ist von Präsident Eisenhower
eindeutig dargelegt worden. Wörtlich hat Präsident Eisenhower erklärt:
"Die Schaffung eines Friedens in Gerechtigkeit ist ein kühnes und
hohes Ziel. Es zu verkünden, ist leicht, es zu verwirklichen, wird schwer
sein. Und um es zu erreichen, müssen wir uns seiner vollen Bedeutung bewußt sowie bereit sein, den vollen Preis hierfür zu zahlen. So herrlich
die Segnungen eines solchen Friedens sein werden, so hoch wird auch sein
Preis sein - in mühevoller und geduldiger Arbeit, in redlich gewährter
Hilfe und in bereitwillig getragenen Opfern.
Wir hoffen und glauben zutiefst, daß wir mithelfen können, diese
gespaltene Welt zu heilen. Dann werden die Völker vielleicht nicht mehr
vor der Drohung der Gewalt zittern. Dann wird die Last der Furcht und die
Last der Rüstungen von den Schultern der Menschheit genommen werden können."
Die leeren Stühle in Genf warten.
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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./2.9.1960
DAS GEDULDSSPIEL IN GENF
Seit 22 Monaten Verhandlungen über Einstellung von Atomversuchen
Nachstehend übermitteln wir Ihnen eine
chronologische Übersicht über die Vorschläge
und die Bemühungen der Vereinigten Staaten,
in der Frage der Beendigung der Kernwaffenversuche eine Einigung zu erzielen.

22. August 1956
Präsident Eieenhower schlägt die Aufnahme von Verhandlungen zwisehen den Vereinigten Sta aten, dem Vereinigten Königreich und der
Sowjetunion zum Zwecke ei nes Abkommens über da« Verbot von Kernwaffenversuchen unter internati onaler Kontrolle vor und erklärt, daß die
Vereinigten Staaten mit B eginn der Verhandlungen; ihre Kernwaffenversuche für ein Jahr aussetzen würden, falls die Sowjetunion bereit sei,
dasselbe zu tun. Der Vors chlag des Präsidenten kam einen Tag nach
dem erfolgreichen Abschlu ß der Genfer Expertentagung - die ebenfalls
auf Initiative der USA zu stände gekommen war. Di3 Experten waren zu
dem Schluß gekommen, daß eine kontrollierte Einstellung der Kernwaffenversuche technisch und praktisch durchführbar sei.
30. Ausist 1958
Den Vorschlägen der Vereinigten Staaten, im Rahmen einer
amerikanisch-britisch-sowjetischen DreimächteVonferenz über eine
international kontrollierte Einstellung von Kernwaffenversuchen zu
beraten, stimmt der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow in
Noten an die USA und das Vereinigte Königreich zu.
51. Oktober 1958
Die Gespräche in Genf zeigen von Anfang an eine deutliche Scheidung
der westlichen'und sowjetischen Auffassungen. Der sowjetische Delegierte
drängt auf eine sofortige und universale Einstellung der Kernwaffentests
"für alle Zeit", während die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit der
Schaffung von Rüstungskontrollmaßnahmen unterstreichen, gleichzeitig

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�"AMERIKA DIENST

2. September i960

gleichzeitig aber die Einstellung der amerikanischen Versuche und ihre
Absicht bekanntgeben, diese Einstellung von Jahr zu Jahr zu verlängern.
5.-11 . November 1958
Die Genfer Verhandlungen haben sich festgefahren. Der Sowjetdelegierte erklärt sich allerdings bereit, über die Versuchskontrolle und
ein Ortungssystem "diskutieren zu wollen", vorausgesetzt, daß der WeBten die sowjetischen Vorschläge für ein Testverbot versuchsweise
billige.
16. November 1958
Die USA und Großbritannien lassen ihre Forderung auf ein einziges
Vertragswerk fallen, das auch Bestimmungen über eine Einstellung der
Kernwaffenversuche und die Schaffung eines wirksamen Kontrollsystems
enthalten würde. Die Verhandlungen beginnen nunmehr auf der Grundlage
von zwei Vertragsentwürfen, einem russischen und einem amerikanischen,
wobei in dem letzteren die Notwendigkeit für die stufenweise Einrichtung eines Kontrollsystems erneut betont wird.
13. Januar 1959
Außenminister Dulles weist in einem Bericht darauf hin, daß sich
das von den Experten 1958 in Genf vorgeschlagene Ortungssystem zur Aufdeckung kleinerer Atomexplosionen, die unter Verletzung des Abkommens
durchgeführt werden, als unzulänglich erweisen könnte. Sein Bericht
stützt sich auf unterirdische Kernexplosionen, die die amerikanische
Atomenergiekommission 1958 noch vor dem amerikanischen Versuchsstopp
in der Wüste von Nevada vorgenommen hatte.
19. Januar 1959
Den Forderungen der Sowjetunion in einem Hauptpunkt nachgebend,
verzichten die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich auf
ihre frühere Forderung, die Dauer eines Abkommens zur Einstellung der
Kernwaffenversuche von den auf anderen Gebieten der allgemeinen Abrüstung erzielten Fortschritten abhängig zu machen.
20. Januar 1959
Die drei Atommächte beginnen mit der Besprechung detaillierter
Pläne für ein internationales Inspektions- und Kontrollsystem zur
Aufdeckung von Vertragsverletzungen.

�2. September 196O

"AMERIKA DIENST
22. Januar 1959

Die Vereinigten Staaten weisen die sowjetische Beschuldigung
zurück, daß der Westen "nach einem Grund sucht, die Gespräche über
einen Versuchsstopp zu torpedieren", und fordern die UdSSR auf, sich
klar dazu zu äußern, ob sie einem System zustimmen wolle, das
1. eine Inspektion ohne Veto,
2. international zusammengesetzte Beobachterteams und
3. deren freien Zugang zu mutmaßlichen Versuchsgebieten zu beiden
Seiten des Eisernen Vorhangs garantiere.
26. Januar 1959
Der Sowjetdelegierte erklärt, die Sowjetunion würde sich mit der
Stationierung von 4 oder 5 ausländischen "Inspektoren" auf sowjetischem
Boden als Teil eines Versuchs-Kontrollsystems einverstanden erklären.
Der Westen lehnt ab und verlangt die Stationierung von Kontrollposten
in den vertragschließenden Ländern, wobei die Beobachter zu 50 Prozent
Angehörige des Partnerstaates sein sollen - d.h., westliche Kontrollstationen würden zu 50 Prozent mit russischen, sowjetrussische Kontrollstationen dagegen zu 50 Prozent mit westlichen Beobachtern besetzt
sein.
24. Februar 1959
Der amerikanische Delegierte Wadsworth kommentiert die in eine
Sackgasse geratenen Verhandlungen und nennt als Ursache dafür das Beharren der Sowjets auf ihrer Forderung, daß die Kontrollposten mit
einheimischen Beobachtern, denen 4 oder 5 ausländische "Kontrolleure"
beigegeben würden, zu besetzen seien. Der russische Delegierte Zarapkin
erklärte dazu am 13. Februar, daß die Sowjets kein Vertrauen zu nichtsowjetischen Kontrollstäben haben würden.
15. April 1959
Unterstützt von dem Vereinigten Königreich, erklären sich die Vereinigten Staaten bereit, einem Abkommen über ein Verbot aller in der
unteren Atmosphäre und unter Wasser ausgelösten Atomversuchsexplosionen
zustimmen zu wollen - einem Verbot, das die Versuche mit dem stärksten
radioaktiven Niederschlag beenden würde und ohne die Anwendung von Kontrollmaßnahmen, die für die UdSSR unannehmbar seien, durchgeführt werden
könnte. Der Russe Zarapkin rügt den Plan, verspricht aber, ihn zu prüfen.

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�2. September 196O

"AMERIKA DIENST'

20. April 1959
Das Weiße Haus veröffentlicht ein persönliches Schreiben Präsident Eiaenhowers an Premierminister Chruschtschow (13« April), worin
er ihm die Einwilligung zu einem begrenzten Abkommen über die Einstellung von Kernwaffenversuchen auf der Erdoberfläche und in der Atmosphäre
bis zu einer Höhe von 50 Kilometern (j1 Meilen) nahelegt. Chruschtschow
lehnt den Vorschlag ab und bietet dafür Verhandlungen über ein Verbotsabkommen auf Grund von festzusetzenden jährlichen Inspektionen auf
amerikanischem, britischem und sowjetischem Territorium an.
6.-9. Mai 1959
Präsident Eisenhower und Premierminister Macmillan verlangen
in persönlichen Briefen an Chruschtschow zusätzliche Informationen
zum Vorschlag der festgesetzten Quoten. Eisenhower dringt auf eine
Vereinbarung über die Beendigung von Atomversuchen in der Luft, solange
keine umfassendere Vereinbarung existiert.
12. Mai 1959
Die Verhandlungen werden wegen des Ost-West-Außenministertreffens
bis zum 8. Juni vertagt. Der am 6. Mai angenommene 15« Artikel des Vertragsentwurfs garantiert den Mitgliedern der für die Überwachung des
geplanten Testverbot-Abkommens bestellten Kontrollorgane diplomatische
Immunität.
15. Mai 1959
In seiner Antwort an Eisenhower und Macmillan fordert Chruschtschow
eine technische Diskussion "von kurzer Dauer" über Maßnahmen zur Peststellung von Kernexplosionen in großen Höhen.
22. Mai 1959
Der Plan einer technischen Diskussion wird aufgegeben, nachdem es
klar ist, daß die Sowjetunion nur über allgemeine Richtlinien zur Feststellung von Kernexplosionen, aber nicht über das zur Durchführung notwendige wissenschaftliche Instrumentarium diskutieren will.
8. Juni 1959
Die Vereinigten Staaten und Großbritannien erneuern ihre Einladung an die Sowjetunion, an Expertengesprächen über das Problem der
Feststellung von Kernexplosionen in großen Höhen teilzunehmen. Man
nimmt an, daß die Sowjetunion jetzt zum Eintritt in begrenzte Diskussionen

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�2. September 1 96O

"AMERIKA DIENST'

Diskussionen bereit ist. Die Sowjetunion lehnt es auch ab, zum gegenwärtigen Zeitpunkt die amerikanischen Ergebnisse der im Anschluß
an die technischen Untersuchungen von 1958 durchgeführten unterirdischen Versuche in Betracht zu ziehen.

50. Juni 1959
Der sowjetische Delegierte Zarapkin teilt dem amerikanischen
und dem englischen Delegierten mit, daß er in eine detaillierte
Erörterung des russischen Vorschlags einer festgesetzten Jahresquote
von Inspektionen zur Feststellung von At-omversuchen nicht eintreten
könne, da dies eine politische Frage sei, die mit wissenschaftlichen
Überlegungen nichts zu tun habe.

20. Juli 1956
Der Westen erklärt sich bereit, den Vorschlag zu akzeptieren,
nach dem ein Drittel des Personals einer Kontrollstation in der Sowjet
union von sowjetischer Seite gestellt werden darf. Die UdSSR besteht
darauf, daß nicht mehr als ein Drittel des Personals einer Kontrollstation "Ausländer" sein dürfen.

1 • August 1959
Drei-lIächte-Gremium schlägt den Einsatz von Satelliten zur Feststellung von Kernexplosionen in Höhen von über 50 Kilometern (31 Meile
vor.

26. August 1959
Die Vereinigten Staaten geben bekannt, daß sie ihre Kernwaffentests für den Rest des Jahres 1959» im Anschluß an die sechswöchige
Unterbrechung der Genfer Gespräche, einstellen v/erden. (Bevorstehendes
Treffen Eisenhower-Chruschtschow)

25 . November 1959
Eine Arbeitsgruppe technischer Experten der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und der Sowjetunion tritt zusammen, um Wege zur Verbesserung der Verfahren zur Feststellung geheimer unterirdischer Atomversuche zu erwägen, die unter Umgehung des Vertrags über das Verbot
von Atomversuchen unternommen werden könnten. Diese Konferenz hat
endlich die Zustimmung der Sowjetunion gefunden, nachdem sie fast ein
Jahr lang die Erörterung der Grundtatsache, daß unterirdische Versuche
wesentlich schwerer festzustellen sind als Explosionen über der Erdoberfläche, verweigert hatte.

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�"AMERIKA PIEKST"

2. September i960

14. Dezember 1959
Ler Westen begrüßt das sowjetische Angebot, den westlichen Verschlag über die Zusammensetzung des Personals der Kontrollstaticnen
als Gegenleistung für die Annahme der sovjetijchen Forderung einer
Ost-West-Parität innerhalb der internationalen Kontrollkommission (drei
kommunistische, drei westliche und ein neutrales Mitglied) zu akzeptieren .

18. Dezember 1959
Die Gespräche erreichen einen Tiefpunkt, als die Expertenkonferenz
über unterirdische Atomversuche wegen Uneinigkeit abgebrochen wird.
Anlaß ist ein Kaltungswechsel der sowjetischen Delegation, die ihre
bisherige verhältnismäßig objektiv-wissenschaftliche Haltur.g aufgegeben
hat, um sich n^n in ablehnender und stark politisch gefärbter Weise
mit den Problemen auseinanderzusetzen.

20. Dezember 1°59
Der lTS-Delegierte Wadsworth kehrt während der Konferenzpause(vom
19. Dezember bis zum 12. Januar) nach den Vereinigten Staaten zurück
und macht die sowjetische Haltung dafür verantwortlich, daß es im Rahmen
der Gespräche bisher nicht zu einer Vereinbarung kam.

29. Dezerabb-r 1959
Präsident Eisenhower weist darauf hin, daß sich die Gespräche
14 Monate lang ohne eine Einigung hingezogen haben und erklärt, daß
es den USA freistünde, ihre Atomversuche wiederaufzunehmen; dies werde
jedoch nicht ohne vorherige Ankündigung geschehen. Er bezeichnet die
sowjetischen Experten als Männer am "politischen Gängelband" und charakterisiert ihre Erklärungen auf der kürzlich beendeten technischen Konferenz als "unmäßig und technisch unhaltbar".

11. Februar 1960
Die Vereinigten Staaten erklären sich zum Beitritt zu einem OstWest-Vertrag bereit, der alle kontrollierbaren und feststellbaren Atomversuche verbietet. Sie erklären sich ferner bereit, sich an einem Forschungsprogramm zu beteiligen, dessen Ziel eine systematische Ausweitung
des Verbots auf unterirdische Versuche ist, die möglicherweise noch
nicht feststellbar sind. Der sowjetische Delegierte Zarapkin v/eist den
amerikanischen Plan zurück, schlägt aber statt dessen einen Plan vor,
nach dem sich die Sowjetunion einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von
Inspektionen dann öffnen wolle, wenn eine seismographisch erfaßte Erschütterung nach westlichen Maßstäben verdächtig erscheine. Gekoppelt
damit wäre eine Vereinbarung über ein Gesamtverbot.

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2. September 1 96O

19. März 1960
Die Sowjetunion akzeptiert Eisenhowers Plan eines Verbots nicht
feststellbarer Kernwaffenexplosionen auf der Grundlage eines geraeinsamen Versprechens (ohne Kontrollinspektionen), vier bi3 fünf Jahre
lang keine Kernexplosionen auszulösen. Der Westen verspricht, das
russische Gegenangebot zu prüfen.

29. März 1960
Eisenhower und Macmillan akzeptieren in einer gemeinsamen Erklärung nach ihren Gesprächen in Camp David das sowjetische Gegenangebot
unter der Bedingung, daß die UdSSR im voraus strenge Bestimmungen
eines Inspektions- und Kontrollabkommens akzeptiert und sich an einem
gemeinsamen Forschungsprogramm mit dem Ziel einer Verbesserung der
Verfahren zur Feststellung vor unterirdischen Versuchen beteiligt.
Beide versprechen die einseitige, freiwillige Einstellung von unterirdischen Versuchen urterhalb eines seismischen Meßwertes von 4»75»
sobald das Abkommen unterzeichnet ist.

14. April 1960
Die Sowjetunion akzeptiert das Eisenhower-Macmillan-Angebot und
bezeichnet es als einen "ermutigenden Schritt". Beide Seiten vereinbaren
die Ausarbeitung eines gemeinsamen Forschungsprogramms zur Verbesserung der Verfahren zur Feststellung unterirdischer Versuche, und
Zarapkin erklärt, daß beide Seiten offenbar einer Vereinbarung über
das Verbot von Atomversuchen näherkämen.

5. Mai 1960
Die UdSSR akzeptiert westliche Vorschläge über gemeinsame unterirdische Detonationen als Teil eines gemeinsamen wissenschaftlichen
Programms von Ost und West, das die Feststellungsmethoden verbessern soll;
Zarapkin wiederholt jedoch die sowjetische Forderung eines vier- bis
fünfjährigen Moratoriums für andere Atomversuche, solange das Forschungsprogramm noch nicht abgeschlossen ist. Er wiederholt den Standpunkt der
UdSSR, daß nur eine niedrige, nach "politischen Erwägungen festgesetzte"
Jahresquote von Inspektionen an Ort und Stelle im Rahmen eines Abkommens
über das Verbot von Atomversuchen akzeptiert würde.

9. Mai 19SO
Die Sowjetdelegation lehnt den Plan der Vereinigten Staaten, nukleare
Detonationskörper (keine Waffen) im Rahmen des Projekts VELA zur Explosion
zu bringen, ab und behauptet, daß die amerikanischen unterirdischen
Versuche unangebracht seien, solange die amerikanischen und sowjetischen
Delegierten über eine Einigungsformel zur Abhaltung ähnlicher

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2. September 1960

ähnlicher Versuche unter gemeinsamer Kontrolle verhandelten. Premierminister Macmillan ist überzeugt, daß er, Präsident Eisenhower und
der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow die noch bestehenden
Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich einer Übereinkunft zur Frage
der Atomversuche auf der bevorstehenden Gipfelkonferenz in P^ris
würden bereinigen können.

18. Mai 1960
Nach der gescheiterten Konferenz von Paris erklärte Chruschtschow
vor den Journalisten, daß die Verhandlungen über die Versuche weitergehen werden. "Falls aber Eisenhower droht, daß er die versuche fortsetzen werde, dann werden wir das gleiche tun.M

27. Mai 1960
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fordert die drei Atommächte auf, die Verhandlungen über eine Abrüstung und die Einstellung
von Kernwaffenversuchen wieder aufzunehmen.

2. Juni 1960
Die Sowjets weisen das amerikanische Angebot zurück, eine Gewähr
dafür zu schaffen, daß ihre 12 Versuche (im Rahmen des Projekts VELA)
nicht für Waffenzwecke benutzt werden; sie bestehen darauf, daß ihren
Beobachtern das volle Recht zuerkannt wird, die in Versuchsserien verwendeten Sprengsätze zu untersuchen.

27. Juni 1960
Eine amerikanische Einladung an sowjetische wissenschaftliche
Beobachter zur Teilnahme an einem unterirdischen nichtnuklearen Detonationstest, der dazu bestimmt ist, die friedliche Nutzung nuklearer
Detonationen zu erforschen, wird von der UdSSR zurückgewiesen. Am 27.
Mai wurden die Besprechungen nach zweiwöchiger Pause wieder aufgenommen,
vor der die Vereinigten Staaten einen Dreistufenplan für die Errichtung
eines nuklearen Kontroll- und Inspektionssystems vorgelegt hatten, das
innerhalb von sechs Jahren auf die ganze Welt ausgedehnt werden sollte.
Im Gegensatz zu ihrem früheren Standpunkt (11.-30. Hai) gab die UdSSR
bekannt, daß sie keine Versuche zum Zwecke der Erprobung von Feststellungsmethoden plane.

12. Juli 1960
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die Parteien des vorgesehenen Vertrages veraltete nukleare Detonationskörper einer Zentralstelle als Basis für ein koordiniertes Forschungsprogramm zur Verfügung
stellen, das der Verbesserung von Feststellungsmethoder für unterirdische
Nukleardetonationen niedriger Sprengkraft dient.

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2. September 196O

25. Juli 1960
Die USA warten noch immer auf die russische Antwort auf ihr Angebot vom 12. Juli. John McCone, der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergiekommission, erklärt, daß die Vereinigten Staaten möglicherweise
gezwungen seien, von sich aus unterirdische Versuchsatomexplosionen
wiederaufzunehmen.
26. Juli 1960
Die Sowjetunion erklärt sich bereit, im Rahmen des vorgeschlagenen
Versuchsverbots auf ihrem Gebiet drei Inspektionen zuzulassen, vorausgesetzt, daß jährlich drei Inspektionen in England und drei in den Vereinigten Staaten durchgeführt werden dürfen. Der Westen lehnt das Angebot als völlig unrealistisch ab. Zuvor hatten die USA vorgeschlagen,
jährlich etwa 20 Inspektionen größerer vexdächtiger seismographisch
erfaßter Erschütterungen im sowjetischen Bereich sowie eine Anzahl
von Inspektionen, wie sie für kleinere Explosionen mit einem geringeren
seismischen Meßwert als 4»75 erforderlich sind, durchzuführen.
2. August 1960
Die Sowjets lehnen den von den Vereinigten Staaten am 12. Juli
vorgelegten Plan ab und erklären sich nicht bereit, nukleare Detonationskörper einer Forschungszentrale zur Verfügung zu stellen; sie
begründen dies damit, daß sie nicht beabsichtigten, sich an einem
Forschungsprogramm, wie vorgeschlagen, zu beteiligen.
4. August 1960
Die USA und Rußland sind hinsichtlich der Formulierung der Klausel
über die Mitgliedschaft verschiedener Meinung; die USA erklären, der
sowjetische Vorschlag verlange, daß die Kontrollkommission entscheide,
ob der Antragsteller ein "Staat" sei oder nicht. Die USA sind gewillt,
einem Antragsteller die Mitgliedschaft zuzuerkennen, gleichgültig,
ob dieser ein "Staat" oder eine "Obrigkeit" ist, und ermöglichen damit
jedem de facto bestehenden Regime die Mitgliedschaft.
9. August 1960
Außenminister Herter erklärt auf einer Pressekonferenz, daß die
Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Verhandlungsblockierung
in Genf das Recht hätten, unterirdische Kernversuche durchzuführen. Die
Konferenz sei so lange hingezogen worden, daß sie praktisch einem Moratorium zugunsten der UdSSR gleichkomme.

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"AMERIKA DIENST"

2. September 196O

17. August 1960
Präsident Eisenhower erklärt auf einer Pressekonferenz: "Nichts
wäre für mich eine größere Befriedigung als eine Einigung in bezug auf
die Einstellung von Kernwaffenversuchen." Er wies jedoch darauf hin,
daß sich die Sowjets nach mehr als 240 Besprechungen wichtigen Vorschlägen zur Regelung von Inspektionen an Ort und Stelle und zur Besetzung von Kontrollposten widersetzten.
22. August 1960
Die Verhandlungen werden für 5 Wochen (bis zum 27. September)
ausgesetzt. "Die Vereinigten Staaten bezeichnen als Haupthindernis
für den Abschluß eines Vertrages nach 22 Monaten Verhandlungen die
Tatsache, daß eine Einigung über ein angemessenes und wirksames
System von Kontrollen und Inspektionen nicht zustande kam. Der sowjetische Delegierte gibt "militaristischen Kreisen" die Schuld.

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D I E N S T

Allg./30.9.1960
FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT FÜR ALLE

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Dwight D.
Eisenhower vom 22. September i960 vor der 15» Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Mitglieder der Vollversammlung
und Gäste

Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten begrüßt mit mir jene
Länder, die auf der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung zum
ersten Male vertreten sind. Mit der Aufnahme von neuen Mitgliedern,
in der Hauptsache aus dem riesigen afrikanischen Kontinent, stehen
jetzt fast einhundert Nationen vereint in dem gemeinsamen Bemühen,
in einer schwergeprüften Welt einen dauerhaften Frieden in Gerechtigkeit zu schaffen.
Das Streben nach Selbstbestimmung und die immer größer werdenden Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen schaffen eine neue Welt
unabhängiger Nationen in Afrika, so wie sie eine neue Welt des Umbruchs und der Gärung wie auch der Verheißungen für die Zukunft in
allen Entwicklungsgebieten hervorrufen. Die erwachende Menschheit in
diesen Gebieten fordert von uns wie niemals zuvor einen neuen Angriff
auf Armut, Unwissenheit und Krankheit.
Gleichlaufend mit diesen überraschenden Veränderungen vollzieht
sich auch auf dem Gebiet der Technik eine Revolution. - Sie hat
furchtbare Vernichtungswaffen gezeitigt, die zur Sicherung der Zukunft der Zivilisation auf dem Wege über ein wirklich durchführbares
Abrüstungssystem einer Kontrolle unterworfen werden müssen. Und sie
hat ebenfalls eine neue Welt im All eröffnet - eine himmlische Welt
mit geradezu verwirrenden Problemen und ungeahnten Verheißungen.
Dies ist in der Tat der rechte Augenblick für eine ehrliche
Überprüfung und eine historische Entscheidung. Wir können danach
streben, diese Probleme um engherziger nationaler Vorteile willen
zu meistern, oder wir können sofort in eine Epoche konstruktiver Maßnahmen eintreten, bei denen unsere selbstsüchtigen Interessen dem
allgemeinen Wohl der internationalen Völkergemeinschaft untergeordnet
werden. Die Entscheidung ist wahrhaft eine ungeheure.
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�"AMERIKA DIENST"

30. September 196O

Ich trete heute vor Sie hin, weil unsere menschliche Gemeinschaft
wieder einmal in einem Zustand der Angst und der Unruhe schwebt.
Dringende Probleme bedrängen uns.
Die erste These, die ich Ihnen vortrage, besagt, daß die Menschheit nur mit Hilfe der Organisation der Vereinten Nationen einen wirklichen und universalen Fortschritt auf dem Wege zum Frieden in Gerechtigkeit zu erzielen vermag. Ich glaube, daß die Unterstützung der Organisation der Vereinten Nationen, ' ihrer ordnungsgemäß gebildeten
Organe und berufenen Amtsträger der Weg ist, auf dem wir mit größter Wahrscheinlichkeit zu friedlichem Fortschritt gelangen. Wer versucht, die Vereinten Nationen zu behindern, zum Narren zu halten oder
aber ihre Bedeutung zu schmälern, trägt mit dazu bei, die Welt in Unruhe zu halten und nachgerade die Krisen heraufzubeschwören, die von
Zeit zu Zeit alle Menschen so sehr bedrücken. Die Vereinigten Staaten
setzen sich unmißverständlich, voll und ganz für die Vereinten Nationen
und ihre Vertreter ein, die in ihrem Auftrag für den Frieden wirken.
Nirgendwo ist die Aufgabe, die der Völkergemeinschaft, dem Frieden und geregelten Fortschritt gestellt ist, offenkundiger als in Afrika,
diesem an Menschen und Naturschätzen reichen Kontinent mit vielversprechender Zukunft. Die jüngsten Ereignisse haben ihn praktisch in einen
riesigen Kontinent nunmehr unabhängiger Nationen verwandelt.
Die Einmischung
strebenden Nationen,
nisierung in Angriff
derung der Autorität

von außen in die Angelegenheiten dieser neu aufdie alle darauf drängen, die Aufgaben der Moderr
zu nehmen, hat zu einer ernstlichen Herausforder Vereinten Nationen geführt.

Diese Autorität ist in den 15 Jahren, seit sich die Vereinten Nationen mit den Worten ihrer Charta verpflichteten, "durch friedliche
Mittel und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des Völkerrechts die Ordnung und Regelung internationaler Streitfälle oder solcher Situationen zu erzielen, die zu einem Friedensbruch
führen könnten", ständig gewachsen.
In diesen Jahren unterstützten die Vereinten Nationen Persien
erfolgreich bei seinen Bemühungen, den Abzug ausländischer Streitkräfte
zu erwirken; sie spielten eine bedeutsame Rolle bei der Erhaltung der
Unabhängigkeit Griechenlands; sie mobilisierten die Welt zur Abwehr der
Aggression gegen die Republik Korea; sie halfen, die Sues-Krise zu
bereinigen; sie traten der Bedrohung der Integrität des Libanon entgegen; und in jüngster Zeit haben sie eine noch wichtigere Aufgabe
übernommen.
Einem Ersuchen der Kongorepublik Folge leistend, leiteten die
Vereinten Nationen kürzlich unter ihrem hervorragenden Generalsekretär
eine großangelegte Hilfsaktion für diese neue Republik ein. Dieses
Unternehmen ist von einigen Nationen in flagranter Weise attackiert
worden, die im Interesse ihrer eigenen selbstsüchtigen Absichten die
Auseinandersetzungen im Kongo verlängern möchten. Die Kritik, die diese

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diese Nationen gegen den Generalsekretär richteten, der ehrenvoll und
wirksam den von den Vereinten Nationen erhaltenen Auftrag durchführte,
ist nichts anderes als ein direkter Angriff auf die Vereinten Nationen
selbst. Der Generalsekretär hat sich die Unterstützung jeder friedliebenden Nation verdient.
Die Bevölkerung des Kongo hat ein Anrecht darauf, ihr Land in Frieden und Freiheit aufzubauen. Die Einmischung fremder Nationen in ihre
inneren Angelegenheiten würde ihr dieses Recht verweigern und einen
Konfliktherd im Herzen Afrikas schaffen.
Das dadurch im Kongo aufgeworfene Problem könnte genausogut an
anderer Stelle in Afrika akut werden. Die Lösung dieses Problems wird
darüber entscheiden, ob die Vereinten Nationen imstande sind, nicht nur
die neuen afrikanischen Nationen, sondern auch andere Länder vor jedem
Druck von außen zu schützen.
Was das wirkungsvolle Funktionieren der Vereinten Nationen betrifft,
so steht hier gerade für die kleineren Nationen am meisten auf dem Spiel.
Wenn es gelingen sollte, das System der Vereinten Nationen in Afrika
zu stürzen, dann wird sich die Welt auf dem Weg zurück zu der traditionellen Machtpolitik befinden, bei der die kleinen Länder als Strohmänner
der aggressiven Großmächte benutzt werden. Jedes Land, daß sich durch
gleißende Versprechungen dazu verleiten läßt, zum Handlanger einer imperialistischen Macht zu werden, unterminiert damit die Vereinten Nationen und gefährdet seine eigene Unabhängigkeit wie auch die aller
übrigen Länder.
Es ist unbedingt erforderlich, daß die internationale Gemeinschaft
die jungen, aufstrebenden Länder in Afrika vor jedem Druck von außen
schützt, der ihre Unabhängigkeit und ihre souveränen Rechte gefährdet.
Zu diesem Zwecke schlage ich ein Programm vor, das fünf Hauptelemente
enthält:
1 . Eine feierliche Versicherung aller in dieser Versammlung vertretenen Länder, das Recht der afrikanischen Völker zu respektieren, ihre
eigene Lebensform zu wählen und selbst den Weg zu bestimmen, den sie
einschlagen möchten. Diese feierliche Versicherung würde bestimmte Bedingungen einschließen, nämlich
sich jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser jungen
Nationen - sei es durch Subversion, Gewalt, Propaganda oder irgendwelche anderen Mittel - zu enthalten;
keinerlei Streitigkeiten zwischen den Staaten dieses Gebietes zu
schüren und sie nicht zu einem unnützen und gefährlichen Wettrüsten
zu ermutigen; und schließlich
sich jeder Maßnahme zu enthalten, die zur Zeit noch nicht bereinigten Verhältnisse im Kongo zu verschlimmern oder auszubeuten - sei es
durch Entsendung von Waffen oder Truppen in dieses unruhige Gebiet
oder durch Aufhetzung seiner Führer und Völker zu Gewalttaten gegeneinander.
Mein

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Mein Land und viele andere Länder enthalten sich derartiger Maßnahmen. Ich hoffe, daß diese Vollversammlung alle ihre Mitglieder auffordern wird, dies ebenfalls zu tun, und daß jeder Redner, der nach mir
dieses Podium betritt, für sein Land das feierliche Versprechen abgibt,
dieser Aufforderung voll und ganz nachzukommen.
2. Die Vereinten Nationen sollten darauf vorbereitet sein, den
afrikanischen Ländern bei der Aufrechterhaltung ihrer Sicherheit so zu
helfen, daß kein kostspieliger und gefährlicher Rüstungswettlauf entsteht.
Experten der Vereinten Nationen werden gegenwärtig aufgefordert, die
Sicherheitsstreitkräfte des Kongo auszubilden. Wenn der Generalsekretär
es für nützlich erachten sollte, vermehrte Aktivität zu entwickeln, um Ersuchen dieser Art anderswo nachzukommen, so würde sich mein Land gerne
anderen Mitgliedstaaten bei der Leistung wesentlicher Beiträge zu derartigen Maßnahmen der Vereinten Nationen anschließen.
Und was noch wichtiger ist: Ich hoffe, daß sich die afrikanischen
Staaten der bestehenden Organisation bedienen oder eine neue regionale
Maschinerie schaffen werden, um ein Wettrüsten in diesem Gebiet zu verhindern. Dadurch würden sie dazu beitragen, daß ihrem Kontinent die Verwüstungen erspart bleiben, zu denen die Auswüchse des Chauvinismus in der
Vergangenheit geführt haben. Wenn diese Länder durch gemeinsame Bemühungen
einen Rüstungswettlauf unterbinden können, dann können sie der gesamten
Welt eine willkommene Lehre in internationalen Beziehungen erteilen.
Die bemerkenswerte Schnelligkeit und der Erfolg der Vereinten Nationen
bei der Entsendung starker Truppenkontingente nach dem Kongo sollte diesen
Staaten die Gewißheit geben, daß sie sich darauf verlassen können, daß die
Vereinten Nationen wirksam reagieren, wenn die Sicherheit dieser Länder
bedroht ist. Dies sollte diese Länder von jedem Druck befreien, größere
Streitkräfte aufzustellen als zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit
erforderlich sind. Auf diese Weise könnten sie selbst dazu beitragen,
ihre Hilfsquellen und Möglichkeiten für konstruktivere Ziele einzusetzen.
3. Wir sollten alle Aktionen der Vereinten Nationen im Zusammenhang
mit den dringenden Erfordernissen in der Kongorepublik unterstützen, die
der Generalsekretär mit so großer Umsicht und Klugheit organisiert hat.
Ich hoffe, daß die hier vertretenen Staaten beträchtliche Hilfsmittel
für dieses internationale Programm zur Verfügung stellen und darin übereinstimmen, daß dieses Programm das bevorzugte Mittel sein sollte, den
dringenden Anforderungen im Kongo gerecht zu werden. Die Vereinigten
Staaten unterstützen die Schaffung eines Fonds der Vereinten Nationen
für den Kongo. Wir sind bereit, gemeinsam mit anderen Ländern einen wesentlichen Beitrag für die dringendsten und unmittelbaren Bedürfnisse
zu dem 100-Millionen-Dollar-Programm zu leisten, das der Generalsekretär
vorschlägt.
4. Die Vereinten Nationen sollten den neu entstehenden afrikanischen
Ländern bei der Aufstellung ihrer langfristigen Modernisierungsprogramme
helfen. Zu diesem Zweck sollte der Sonderfonds und das erweiterte Technische Hilfsprogramm der Vereinten Nationen vergrößert werden, so daß sie

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sie zusammengenommen im Jahre 1961 ein Jahresziel von 100 Millionen
Dollar erreichen. Die Funktionen des Sonderfonds sollten erweitert
werden, so daß er die einzelnen Länder hei ihrer wirtschaftlichen
Entwicklungsplanung unterstützen kann.
Das Programm der Vereinten Nationen für mittlere und leitende
Beamte, durch das den jungen Entwicklungsländern ausreichend geschultes Verwaltungspersonal verfügbar gemacht werden soll, sollte erweitert und auf einer ständigen Basis durchgeführt werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, zusammen mit den übrigen Ländern erhöhte Mittel für dieses Programm, für den Sonderfonds und für das Technische
Hilfsprogramm der Vereinten Nationen zur Verfügung zu stellen.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds sollten ermutigt
werden, den Entwicklungsländern in Afrika durch Vertretungen und ortsansässige Berater in vermehrtem Maße ihren Rat zuteil werden zu lassen.
Wir sollten ferner mit einer angemessenen und rechtzeitigen finanziellen
Unterstützung seitens dieser beiden multilateralen Finanzierungsquellen rechnen dürfen, sobald sich die aufstrebenden Länder für, solche
Hilfe qualifiziert haben.
Selbstverständlich sind zahlreiche Formen der Hilfe notwendig:
sowohl staatliche als auch private Unterstützung auf einer bilateralen
und multilateralen Basis. Damit diese Hilfe auch so wirksam wie nur
irgend möglich ist, muß sie den grundlegenden Problemen und den sich
ändernden Bedürfnissen der afrikanischen Länder selbst entsprechend
gehalten sein.
5. Als letztes Element dieses Programms schlage ich eine umfassende
Anstrengung der Vereinten Nationen vor, die den afrikanischen Staaten
dabei helfen soll, solche Maßnahmen auf dem Gebiet des Erziehungswesens
zu ergreifen, die sie für richtig halten.
Es genügt nicht, daß die Lautsprecher auf öffentlichen Plätzen
die Leute zur Freiheit aufrufen. Es ist ebenso wichtig, daß diese Leute
mit dem geistigen Rüstzeug ausgestattet werden, ihre Freiheit zu bewahren
und zu stärken.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, zu einem von den Organisationen
der Vereinten Nationen aufgestellten erweiterten Erziehungsprogramm beizutragen, das nach dem Dafürhalten des Generalsekretärs und gemäß den
Anforderungen der afrikanischen Länder selbst durchgeführt wird.
Eines der ersten Ziele dieser Unterstützung - nach Beratung und mit
Genehmigung der betroffenen Regierungen - könnte escsein, Institute für
die Gesundheitserziehung, die Berufsfortbildung, die öffentliche Verwaltung und Statistik, vielleicht auch für andere Zwecke zu schaffen, sie
mit dem nötigen Personal auszustatten und so lange weiterzuführen, bis J
diese Regierungen oder private Stellen diese Aufgaben übernehmen können.
Jedes

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Jedes Institut würde an einem geeigneten Ort errichtet werden und
speziell darauf abgestellt sein, die jungen Männer und Frauen dieses
riesigen Gebietes auszubilden, die jetzt aufgerufen werden, die unglaublich komplexen und wichtigen Verantwortungen auf sich zu nehmen,
welche eine plötzliche Staatwerdung mit sich bringt.
Sollten die afrikanischen Staaten wünschen, im Rahmen dieses
Programmes eine größere Zahl ihrer Bürger ins Ausland zu entsenden,
so würde mein Land gerne eine Sonderkommission schaffen, die mit den
Vereinten Nationen zusammenarbeiten würde, um Vorkehrungen für die
Aufnahme noch vieler solcher Studenten an unseren Bildungsstätten zu
treffen.
Dies sind also die fünf Punkte des Programmes, das ich für Afrika
vorschlage:
Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der afrikanischen
Länder;
Unterstützung bei der Gewährleistung ihrer Sicherheit ohne kostspieligen und gefährlichen Rüstungswettlauf;
Nothilfe für den Kongo;
Internationale Unterstützung bei der Aufstellung langfristiger
afrikanischer Entwicklungsprogramme;
UN-Hilfe für die Erziehung.
Ein solches Programm könnte wesentlich dazu beitragen, den afrikanischen Staaten die klaren Chancen auf die Freiheit, die Ruhe im Innern
und den Fortschritt zu sichern, die sie verdienen.
Die Veränderungen, die sich gegenwärtig in Afrika vollziehen, sind
auch in anderen Gebieten erkennbar. In der Tat ist Afrika nur ein Teil
einer neuen Welt der Veränderungen und des Fortschritts, die sich gegenwärtig in allen aufstrebenden Gebieten vollziehen. Wir müssen unsere
Hilfsprogramme zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung anderer
Gebiete in Freiheit,besonders in Lateinamerika, Asien und dem Mittleren
Osten, fortführen und intensivieren. Darüber hinaus dürfen wir nicht
vergessen, daß hunderte Millionen von Menschen vor allem in den weniger
entwickelten Gebieten der Welt an Hunger und Unterernährung leiden, auch
wenn eine Anzahl von Ländern, darunter mein eigenes, Nahrungsmittel im
Überschuß produzieren. Dieses Paradoxon darf nicht andauern.
Die Vereinigten Staaten führen bereits bedeutende Programme durch,
um ihre Überschüsse solchen Ländern zur Verfügung zu stellen, in denen
die Not am größten ist. Mein Land ist ferner bereit, zusammen mit anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen ein durchführbares Schema zu
entwerfen, um den Mitgliedstaaten über die Organe der Vereinten Nationen
Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen, wobei wir auf den Rat und die
Unterstützung der Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation zählen.
Ich

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Ich hoffe, daß diese Vollversammlung ernsthaft ein Sonderprogramm
erwägen wird, um das verheißungsvolle "Nahrungsmittel-für-den-Frieden"Programm weiterzuführen.
Wir müssen bestrebt sein, in den Entwicklungsländern friedliche
Veränderungen zu fördern und ihnen bei ihrem wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt zu helfen. Zu diesem Zweck - nämlich den friedlichen Wandel zu unterstützen - muß die Völkergemeinschaft befähigt
sein, im Bedarfsfall ihre Anwesenheit durch Beobachter oder Streitkräfte der Vereinten Nationen zu manifestieren.
Ich würde es begrüßen, wenn die Mitgliedstaaten die im Bericht
des Generalsekretärs enthaltenen Anregungen zum Anlaß für konkrete
Beschlüsse nehmen und dafür sorgen würden, daß innerhalb des Sekretariats ein geeigneter Stab gebildet wird, der ihm hilft, künftigen
Anforderungen von UN-Streitkräften Rechnung zu tragen.
Um die Polizeitruppe der Vereinten Nationen auf eine reguläre
Basis zu stellen, schlug ich im Jahre 1958 vor, Vorkehrungen für die
ständige Bereitstellung von UN-Truppen zu treffen. Seither sind zwar
einige Fortschritte gemacht worden, aber es bleibt noch viel zu tun
übrig.
Jetzt hat der Generalsekretär vorgeschlagen, die Mitgliedstaaten
sollten sich bereit halten, um eventuellen künftigen Ersuchen der Vereinten Nationen um Gestellung solcher Truppen Folge leisten zu können.
Alle hier vertretenen Länder sollten dieser Notwendigkeit entsprechen
und Landeskontingente auswählen, die im Notfall den UN-Truppen zugeführt
werden könnten.
Der Zeitpunkt dafür ist jetzt gekommen - auf dieser Vollversammlung.
Ich kann den Ländern, die gegenwärtig von den Vereinigten Staaten
unterstützt werden, versichern, daß es uns recht ist, wenn diese Unterstützung dazu benutzt wird und ihnen hilft, solche Kontingente gemäß der
Anregung des Generalsekretärs einsatzbereit zu halten. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, zur Unterstützung der Bemühungen des Generalsekretärs Luft- und Seetransportmittel in bedeutendem Umfang laufend bereitzustellen, damit die in künftigen Bedarfsfällen von den Vereinten Nationen
angeforderten Kontingente leichter befördert werden können.
Auf lange Sicht ist es sicherlich möglich, weitere Fortschritte in
dieser Richtung zu erzielen, um die Fähigkeit der Vereinten Nationen
zu steigern, sich künftigen Anforderungen gewachsen zu zeigen. Die Aussichten auf solche Fortschritte werden jedoch nur bloße Aussichten bleiben, wenn wir jetzt nicht etwas unternehmen, um die gegebenen Möglichkeiten für praktische Maßnahmen auszunutzen, auf die der Generalsekretär
hingewiesen hat.
Ein weiteres Problem, dem wir uns gegenübersehen, betrifft den Weltenraum. Das Auftauchen dieser neuen Welt wirft eine entscheidende Frage

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Frage auf: Bleibt der Weltenraum für friedliche Zwecke erhalten, und
wird er zum Wohle der gesamten Menschheit genutzt? Oder wird er zu
einem weiteren Brennpunkt des Rüstungswettlaufs - und damit zu einem
Gebiet gefährlicher und fruchtloser Konkurrenz? Die Entscheidung ist
dringend. Es ist an uns, sie jetzt zu fällen.
Die Nationen der Welt haben sich vor kurzem darauf geeinigt, auf
dem antarktischen Kontinent alle militärischen Vorbereitungen zu
verbieten. Wir könnten diesen Grundsatz auf einen sogar noch wichtigeren Raum anwenden. Bisher sind weder im Weltenraum noch auf Himmelskörpern nationalgebundene Interessen angemeldet worden. Die Hindernisse,
die einem Abkommen hier entgegenstehen, sind jetzt geringer, als sie
es jemals wieder sein werden.
Diese Gelegenheit kann schnell -vorüber sein. Schon in wenigen Jahren kann der Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt, überschritten
sein.
Führen wir uns vor Augen, daß wir im Jahre 1946 eine Gelegenheit
hatten, sicherzustellen, daß die Atomenergie ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet werde. Diese Gelegenheit wurde versäumt, als die
Sowjetunion den umfassenden Plan, die Atomenergie unter internationale
Kontrolle zu stellen, zurückwies, den die Vereinigten Staaten unterbreitet hatten.
Wir dürfen die Chance nicht verpassen, die wir noch haben, die
Zukunft des Weltenraumes zu kontrollieren.
Ich schlage vor, daß wir
erstens beschließen, daß Himmelskörper nicht Gegenstand einer
nationalen Besitzergreifung oder nationaler Souveränitätsansprüche
werden dürfen;
zweitens vereinbaren, daß sich die Völker der Welt nicht in kriegerische Tätigkeiten auf diesen Körpern einlassen;
drittens übereinkommen, daß - unter der Voraussetzung einer entsprechenden Verifizierung - kein Land Massenvernichtungswaffen in eine
Kreisbahn um die Erde oder auf eine Weltraumstation bringen darf. Alle
Starts von Raumflugkörpern sollten im voraus den Vereinten Nationen
mitgeteilt werden;
viertens nachdrücklich auf ein Programm der internationalen Zusammenarbeit für eine konstruktive, friedliche Nutzung des Weltenraumes
im Rahmen der Vereinten Nationen hinarbeiten. Eine bessere Wettervorhersage, verbesserte weltweite Nachrichtenverbindungen sowie eine wirksamere
Erforschung nicht nur des Weltenraumes, sondern auch unserer eigenen
Erde wären nur einige der Vorteile einer solchen Zusammenarbeit.
Eine Übereinkunft über diese Vorschläge würde künftige Generationen
bei der Erforschung des Universums friedlichen, wissenschaftlichen Fortschritt vorfinden lassen und nicht eine weitere Schrecken einflößende
Dimension des Wettrüstens.
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Aber
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Aber die Rüstungen müssen auch hier auf Erden kontrolliert werden, wenn die Zivilisation weiterbestehen soll. Diese Bemühungen müssen sich sowohl auf die konventionellen als auch auf die nichtkonventionellen Rüstungen erstrecken.
Mein Land hat zu diesem Zweck während des vergangenen Jahres spezifische Vorschläge unterbreitet. Am 27. Juni wurden neue amerikanische
Vorschläge gemacht in der Hoffnung, daß sie als Grundlage für Verhandlungen zur Erreichung einer allgemeinen Abrüstung dienen könnten.
Die Vereinigten Staaten stehen immer noch zu diesen Vorschlägen.
Der Ausmarsch der kommunistischen Länder in Genf - als sie erfuhren,
daß wirim Begriffe standen, diese Vorschläge zu unterbreiten - brachte
die Verhandlungen zu einem jähen Ende. Diese ihre unmotivierte Maßnahme
vermindert jedoch nicht die dringende Notwendigkeit für eine Rüstungskontrolle .
Mein Land ist der Ansicht, daß die Verhandlungen bald wieder aufgenommen werden können und sollten.
Unser Ziel besteht darin, ein Abkommen über all die verschiedenen
Maßnahmen zu erreichen, die eine allgemeine und umfassende Abrüstung
herbeiführen werden. Jeder aufrichtig denkende Mensch muß jedoch anerkennen, daß dies eine riesige Aufgabe ist. Sie wird viel Zeit erfordern.
Es sollte nicht notwendig sein, zu warten, bis wir über all die
detaillierten Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles Übereinstimmung
erzielt haben, bevor wir mit den Abrüstungsmaßnahmen beginnen. Spezifische und vielversprechende Schritte in dieser Richtung wurden in unseren Vorschlägen vom 27. Juni aufgezeigt.
Wenn die Verhandlungen wieder aufgenommen werden können, dann dürfte
es vielleicht möglich sein, sich im besonderen mit zwei drängenden Gefahren zu befassen - der Gefahr eines Krieges auf Grund einer Fehlkalkulation und der Gefahr, die in den sich ständig vergrößernden Atomwaffenlagern liegt.
Die Entwicklung der Raketen, durch die die Zeit für eine Reaktion
immer kürzer wird, macht Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines
Krieges auf Grund einer Fehlkalkulation immer notwendiger. Die einzelnen Staaten müssen in der Lage sein, sich rasch gegenseitig die Zusicherung zu geben, daß sie keinerlei aggressive Schritte vorbereiten insbesondere bei internationalen Krisen, wenn jede Seite Schritte zur
Verbesserung ihrer eigenen Verteidigung unternimmt, die von der anderen
Seite leicht falsch ausgelegt werden könnten. Eine solche falsche Beurteilung könnte, solange es noch keine Einrichtung gibt, um zu verifizieren, daß keiner einen Angriff auf den anderen vorbereitet, leicht zu
einem Krieg führen, den keiner wollte.
Heute könnte in Krisenzeiten die Gefahr eines Krieges auf Grund
von Fehlkalkulationen durch die Intervention eines geeigneten Überwachungsgremiums der Vereinten Nationen vermindert werden, wenn diese

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diese Intervention von irgendeinem Land gefordert wird, das seine
eigenen friedlichen Absichten zu beweisen sucht. Die Frage der Methoden können wir den Experten überlassen.
Das Entscheidende ist also nicht eine Frage der technischen
Durchführbarkeit, sondern der politischen Bereitschaft der einzelnen
Länder, sich einer Inspektion zu unterwerfen. Die Vereinigten Staaten
stehen in dieser Hinsicht an erster Stelle.
Ich erkläre heute .'feierlich im Namen der Vereinigten Staaten, daß
wir bereit sind, uns jeder internationalen Inspektion zu unterziehen,
unter der einzigen Voraussetzung, daß diese Inspektion wirksam ist und
tatsächlich auf der Basis der Gegenseitigkeit erfolgt. Diese Maßnahme
treffen wir bereitwillig, als Ausdruck unserer Entschlossenheit, die
Präambel der UN-Charta zu verwirklichen - "kommende Geschlechter vor
der Geißel des Krieges, die zweimal in unserer Generation unsagbares
Leid über die Menschheit gebracht hat, zu bewahren..."
Die Vereinigten Staaten möchten, daß die Sowjetunion und alle Länder der Welt genug über die amerikanischen Verteidigungsvorbereitungen
wissen, um versichert sein zu können, daß die Streitkräfte der USA lediglich für die Abschreckung und Verteidigung da sind und nicht für einen
Überraschungsangriff. Ich hoffe, daß auch die Sowjetunion in ähnlicher
Weise den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die Gewißheit zu geben
wünscht, daß ihre Sicherheitsvorbereitungen keinen aggressiven Charakter
haben.
Es gibt einen noch grundlegenderen Punkt: In einem Zeitalter der
sich rapide entwickelnden Technik ist Geheimhaltung nicht nur ein Anachronismus, sie ist auch ausgesprochen gefährlich. Eine Gesellschaft
aufrechterhalten zu wollen, in der ein militärischer Schritt in völliger Geheimhaltung erfolgen kann, während man sich gleichzeitig zu dem
Wunsch bekennt, die Kriegsgefahr durch eine Rüstungskontrolle zu reduzieren, ist ein Widerspruch.
Eine zweite Gefahr, mit der wir uns gleich zu Beginn der Verhandlungen befassen müssen, liegt in dem Anwachsen und der möglichen Ausbreitung der Atomwaffenlager.
Damit diese Entwicklung umgekehrt wird, schlage ich vor, daß die
Länder mit einer Atomwaffenproduktion umgehend Experten zusammenkommen
lassen, um - im Rahmen von Verifizierungsmaßnahmen - ein System zur
Einstellung der gesamten Produktion an spaltbarem Material für Waffenzwecke auszuarbeiten.
Diese Produktionseinstellung würde in Kraft treten, sobald das
vereinbarte Inspektionssystem errichtet ist und wirksam arbeitet, während
gleichzeitig Fortschritte auf anderen Abrüstungsgebieten angestrebt
werden.
Die

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Die Vereinigten Staaten sind bereit, im Falle einer Produktionseinstellung zusammen mit der Sowjetunion bedeutende Mengen spaltbaren
Materials in internationale Sammellager zu überführen. Die Abrüstungskommission der Vereinten Nationen hat bereits den Vorschlag von Botschafter Lodge gehört, nicht - wie von den Vereinigten Staaten 1954
vorgeschlagen - pfundweise, sondern tonnenweise spaltbares Material für
friedliche Zwecke abzustellen. Die Überstellung weiteren spaltbaren
Materials könnte erfolgen, sobald Fortschritte auf anderen Abrüstungsgebieten erreicht sind.
Wenn die Sowjetunion einer Einstellung der Produktion spaltbaren
Materials für Waffenzwecke zustimmt, dann könnten einige Produktionsstätten unverzüglich geschlossen werden. Die Vereinigten Staaten würden
bereit sein, genau die gleiche Zahl großer Fabriken zur Produktion spaltbaren Materials zu schließen wie die Sowjetunion, Fabrik um Fabrik, unter
einer internationalen Inspektion und Verifizierung.
Die Vorgeschlagene Arbeitsgruppe von Experten könnte ferner prüfen,
auf welche Weise die völlige Beseitigung der Atomwaffen verifiziert
werden kann, die Teil der dritten Phase unseres vorgeschlagenen Abrüstungsprogramms ist. Bis jetzt sind noch keine Mittel bekannt, durch
die dies wirklich erreicht werden kann; wir hoffen, daß die Experten ein
System entwickeln können.
Vertreter der Vereinigten Staaten sind bereit, umgehend mit Vertretern der übrigen Länder zu einem ersten Gedankenaustausch über diese
Vorschläge zusammenzutreffen. Wer die zahlreichen fruchtlosen Abrüstungsgespräche seit dem Kriege genau verfolgt hat, könnte vielleicht zynisch
werden und behaupten, daß die Aufgabe hoffnungslos ist. Dies ist nicht
der Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Überall auf der Welt wollen die Menschen die Abrüstung. Sie wünschen,
daß ihr Besitz und ihre Arbeit nicht für den Krieg, sondern für Lebensmittel, Kleidung, Wohnung, für die Gesundheit und für Schulen verwendet
werden.
Immer und immer wieder hat das amerikanische Volk diese seine Sehnsucht zum Ausdruck gebracht: sich mit Menschen guten Willens überall auf
der Welt zusammenzuschließen, um eine bessere Welt aufzubauen. Wir waren
immer jederzeit bereit, jeden nur möglichen Vorschlag auf dieses Ziel
hin zu prüfen. Wir fordern nur eins - daß ein solches Programm nicht
irgendeinem Land militärische Vorteile bringt und daß es die Inspektion
der Rüstungen anderer Länder gestattet. Ein Abrüstungsprogramm, das nicht
einer Inspektion unterliegt und das nicht garantiert wird, würde die Kriegs
gefahr nicht reduzieren, sondern sie noch vergrößern. Die internationale
Kontrolle der Atomenergie sowie eine allgemeine und völlige Abrüstung
können genauso wenig durch Reden erreicht werden wie die wirtschaftliche
Entwicklung der neuen unabhängigen Länder. Diese beiden gewaltigen Aufgaben, vor denen die Menschheit steht, erfordern ernsthafte, sorgfältige,
kostspielige, mühevolle und unpropagandistische Maßnahmen.
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Ich habe es ausdrücklich vermieden, in .dieser Ansprache mehrere brennende Probleme zu erwähnen, die die Vereinigten Staaten und andere Länder
beunruhigen. Wenn ich dies nicht getan habe, so bedeutet dies keinesfalls,
daß diese für die Vereinigten Staaten und die gesamte internationale
Völkergemeinschaft nicht eine große Sorge darstellen.
Zum Beispiel beunruhigen uns die sich häufenden Anzeichen drohender
Eingriffe in die Freiheit der Bevölkerung West-Berlins weiterhin zutiefst.
Besondere Sorge bereitet den USA ebenfalls der Abschuß eines amerikanischen Flugzeuges am 1. Juli dieses Jahres über internationalen Gewässern
sowie der augenscheinliche Tod von vier seiner Besatzungsmitglieder und
die Gefangensetzung der beiden anderen Besatzungsmitglieder auf Grund abgekarteter Spionageanschuldigungen. Dies ist auch ein empörender Affront
gegen das Recht aller Länder auf friedliche Benutzung der offenen See.
Durch ihr Veto im Sicherheitsrat hat die Sowjetunion eine umfassende Untersuchung der Tatsachen bei diesem Vorfall verhindert. Diese Tatsachen
fordern eine Anhörung - als eine Angelegenheit, die von einem unparteiischen Gericht geprüft werden sollte.
Die von mir soeben erwähnten besonderen Probleme sind nicht lediglich isoliert dastehende Fälle von Meinungsverschiedenheiten zwischen
einigen wenigen Nationen. Sie sind Kernstück der Frage des Friedens selbst
und zeigen das Zusammenhängende und Ineinanderverwobene der Natur unserer
jeweiligen nationalen Belange. Ihnen muß mit dem Ernst und der Sorgfalt
begegnet werden, die ihre Bereinigung erfordert.
Die grundlegende Tatsache aller Veränderungen im Bereich der internationalen Angelegenheiten ist heute die Notwendigkeit, die Bande und
das Gebäude einer echten Weltgemeinschaft zu schaffen und zu festigen.
Die Vereinten Nationen stehen der Menschheit bei dem Vorhaben zur Verfügung, genau diese Gemeinschaft zu schaffen. Sie haben zustande gebracht,
was keine Nation allein und auch keine begrenzte Gruppe von Nationen
hätte zustande bringen können. Die Weltorganisation ist zum Forum aller
Völker geworden und zu einem tragenden Gerüst, um das sich ihre gemeinsamen
Bemühungen um die Schaffung einer besseren Zukunft für unsere Welt kristallisieren können.
Wir müssen überaus wachsam sein gegenüber denjenigen, die je nach
Stimmung in den Vereinten Nationen entweder ein Werkzeug zu ihrem Nutzen
oder zum Mißbrauch sehen. Die Vereinten Nationen sind nicht als eine Art
Olympische Fanfare zur Verstärkung der Propagandatöne einzelner Nationen
gedacht.
Die treibende Kraft hinter einer erfolgreichen UN muß der hehre Gedanke
sein, daß eine echte internationale Gemeinschaft einen Frieden in Gerechtigkeit schaffen kann, wenn die Völker nur geduldig in einer Atmosphäre offenen
Vertrauens zusammenarbeiten.
Wenn ich einen Fortschritt in Richtung auf eine Weltgemeinschaft forder
so möchte ich auf die amerikanische Konzeption von der Schicksalhaftigkeit
einer progressiven Gesellschaft verweisen. Hier, wo einst eine Wildnis war,
haben wir eine Gesellschaft und eine Zivilisation aufgebaut, die sich von
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von zahlreichen Ursprüngen herleitet* Und aus dieser Mischung zahlreicher Völkerschaften und Glaubensrichtungen haben wir eine Einheit
in Freiheit geschaffen - eine Einheit mit dem Ziel, die Rechte jedes
einzelnen zu schützen, während die Freiheit und der Wohlstand aller
vergrößert wird.
Diese Konzeption der Einheit in Freiheit, die auf eine Vielzahl
rassischer und kultureller Ursprünge zurückgeht, möchten wir gerne zu
einer Realität für die gesamte Menschheit werden lassen. Diese Konzeption sollte in jedem Volke wie auch unter den Völkern Geltung haben.
Wir glauben, daß das Recht jedes einzelnen, durch seine Stimme an der
Selbstregierung teilzunehmen, genauso wertvoll ist wie das Recht jedes
einzelnen hier vertretenen Landes, in dieser Vollversammlung für seine
eigenen Überzeugungen zu stimmen. Ich würde gerne eine weltweite
Volksabstimmung erleben, die jedem einzelnen auf der Welt die Gelegenheit geben würde, frei und geheim auf folgende Frage zu antworten:
"Wollen Sie dieses Recht für sich?"
Wir lehnen den Gedanken zweier feindlicher, in einem ewigen erbitterten Konflikt stehenden Welten ab; uns schwebt eine einzige Weltgemeinschaft vor, die zwar bisher noch nicht verwirklicht ist, aber auf Grund
unserer Pläne, unserer Bemühungen und unserer gemeinsamen Schritte ihrer
Verwirklichung stetig entgegengeht.
Das betrachten wir als unser Ziel, nicht einen Superstaat, der über
den Nationen steht, sondern eine Weltgemeinschaft, die sie alle umfaßt,
in der Gesetz und Recht fest verwurzelt sind und die die Möglichkeiten und
gemeinsamen Ziele aller Völker fördert.
Lassen Sie uns nun, da wir in das neue Jahrzehnt eintreten, darangehen, diese internationale Gemeinschaft erneut zu stärken und neue Bande
der Freundschaft zwischen ihren Mitgliedern zu knüpfen, indem wir neue
Wagnisse zum Wohle der gesamten Menschheit unternehmen.
Und wenn wir an diese Aufgabe herangehen, wollen wir uns nicht der
Täuschung hingeben, daß das Nichtvorhandensein eines Krieges allein schon
eine ausreichende Grundlage für eine friedliche Welt darstellt . Ich wiederhole noch einmal: Wir müssen ebenfalls eine Welt der Gerechtigkeit
unter dem Gesetz aufbauen, und wir müssen Armut, Unwissenheit und Krankheit besiegen.
Wir aus den Vereinigten Staaten werden uns gemeinsam mit Ihnen noch
mehr dafür einsetzen, die Grundlage eines wahren Friedens zu schaffen eines Friedens, in dem alle Völker ständig Fortschritte zu höheren Stufen
menschlicher Leistung erzielen. Die Mittel dafür haben wir an der Hand.
Wir müssen sie nur mit der Klugheit und der Energie einsetzen, die dieser
unserer Sache wert sind.
Ich lege Ihnen diese große Aufgabe ans Herz, ich stelle sie Ihrem
Geist und lege sie in Ihre bereiten Hände. Lassen Sie uns gemeinsam voranschreiten und niemand zurücklassen.
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./25.11.60
DIREKTIVE PRÄSIDENT EISENHOWERS ZUR VERBESSERUNG DER
AMERIKANISCHEN ZAHLUNGSBILANZ

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower hat am
Mittwoch, dem 18. November 1960,eine Direktive
erlassen, in der Maßnahmen zur Verbesserung der
Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten angeordnet
werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Dollarausgaben der Regierung im Ausland zu reduzieren und
den Goldabfluß nach anderen Ländern einzudämmen.
Die vom Präsidenten erlassene Direktive hat folgenden
Wortlaut:

Direktive des Präsidenten bezüglich der Schritte, die im Hinblick auf
die amerikanische Zahlungsbilanz ergriffen werden sollen

Die Vereinigten Staaten haben nach dem zweiten Weltkrieg durch den
Marshall-Plan und andere Programme eine bisher nie dagewesene Reihe von
Maßnahmen eingeleitet und aufrechterhalten, die darauf abzielten, den vom
Kriege verwüsteten Staaten in Europa und Asien beim Wiederaufbau zu helfei
Während der Jahre des Wiederaufbaus haben die Vereinigten Staaten
diesen Nationen auf verschiedene Weise Dollarbeträge zur Verfügung gestellt, um sie in die Lage zu versetzen, im Zuge ihres Wiederaufbaus
Dienstleistungen und Güter zu kaufen, die in der ersten Zeit nach dem
Kriege nur die Vereinigten Staaten liefern konnten/
Wir waren uns völlig darüber im klaren, daß diese Länder eine
Steigerung ihrer Exporte brauchten, um nicht mehr von den Vereinigten
Staaten abhängig zu sein, und daß dies einen 'Wettbewerb mit den amerikanischen Exporten auf den Weltmärkten mit sich bringen würde.
Die Auswirkungen dieser Politik auf unsere Zahlungsbilanz begannen
sich etwa seit 1950 bemerkbar zu machenj sie führten in jedem Jahr außer 1957 wegen der Suezkrise - zu leichten Defiziten in der Zahlungsbilanz. Vor nunmehr zwei Jahren wurden jedoch die Auswirkungen des Wiederaufbaus und der Wiedergesundung der europäischen Volkswirtschaften
- und auch der Wirtschaft Japans - mit aller Wucht und in nahezu dramatischer Plötzlichkeit deutlich. Diese ehemals durch den Krieg zerstörten
Länder sind jetzt auf den Märkten der freien Welt mit den Vereinigten
Staaten voll im Wettbewerb getreten.
_.
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Die
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Die Vereinigten Staaten haben auch die militärische Sicherheit
der befreundeten Länder gestärkt, um auf diese Weise zur gemeinsamen
Sicherheit beizutragen und vor Aggressionsdrohungen von außen abzuschrekken. Die Programme, durch die dies« Ziele verwirklicht werden, haben»
weitgehend als Ergebnis der Stationierung unserer Truppen in fremden
Ländern,gl eichfalls zu einem Abfluß des Dollars ins Ausland geführt.
Zur gleichen Zeit haben die Vereinigten Staaten in dem Bemühen
um die Schaffung der für einen dauerhaften Frieden in der gesamten
Welt notwendigen wirtschaftlichen Vorbedingungen bedeutende Anstrengungen
unternommen, um den wirtschaftlichen Fortschritt der Entwicklungsländer
zu fördern. Insofern als diese Programme nicht zu einer Exportsteigerung
amerikanischer Güter und Dienstleistungen führen, haben auch sie einen
Dollarabfluß nach den mit uns konkurrierenden Staaten in Europa und nach
Japan verursacht.
Das Problem der Zahlungsbilanz
Infolge dieser soeben erwähnten und anderer Faktoren sahen sich die
Vereinigten Staaten einem anhaltenden Defizit in ihrer Zahlungsbilanz
gegenüber. In den letzten drei Jahren wurden insgesamt rund 10 Milliarden
Dollar mehr verausgabt als eingenommen. Die entsprechenden Defizite brachten beachtliche Goldabflüsse und das Anwachsen unserer Dollarpassiva. Ein
bedeutender Teil unseres Defizits wurde in Gold beglichen, was zu einer
Abnahme der Goldvorräte des Schatzamtes um rund 4»5 Milliarden Dollar
seit Ende 1957 geführt hat.
Was ist hinsichtlich dieses Problems getan worden?
Die Regierung hat dieses Problem frühzeitig erkannt, genauso wie die
Finanzinstitute der freien Welt. Die Regierung hat ihm große Aufmerksamkeit geschenkt und Maßnahmen ausgearbeitet und in Kraft gesetzt, die zur
Verbesserung der Zahlungsbilanz sowie zur Erhaltung des Vertrauens in den
Dollar beitragen sollen.
Hier in den USA haben wir uns ständig um eine vorsichtige Führung
unserer eigenen Finanz- und Währungspolitik bemüht in der Erkenntnis,
daß eine solche Politik unbedingt notwendig ist, wenn die Wirtschaft
nicht nur der USA, sondern auch der freien Welt gesund bleiben soll. Wir
haben die Inflation im wesentlichen zum Stillstand gebracht und Überschüsse in unserem Bundeshaushalt erzielt.
Ohne ein derartiges vorsichtiges Vorgehen auf fiskalischem Gebiet
könnten wir nicht hoffen, die Stabilität der Preise zu gewährleisten;
und ohne eine vernünftige Preisstabilität und die Ausschaltung der gefährlichen Auswirkungen inflatorischer Tendenzen könnten wir eine Kürzung unserer Ausfuhren nicht umgehen und auch .nicht hoffen, daß wir uns weiterhin
des Vertrauens erfreuen, dessen wir im Hinblick auf unsere Rolle als Banki
der Welt bedürfen.
Auf

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Auf internationaler Ebene haben wir eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Zahlungsbilanz gegenüber der übrigen Welt auszugleichen.
Um weitere Fortschritte zu erzielen und neue Methoden zur Verbesserung
der Zahlungsbilanz zu entwickeln, habe ich im vergangenen Jahr einen
Kabinetisbeschluß gebilligt, in dem der Finanzminister als Vorsitzender
des Nationalen Beirats für Internationale V/ährungs- und Finanzfragen
angewiesen wird, die erforderlichen Schritte zur Ausarbeitung und Koordinierung von Maßnahmen der mit Fragen der Zahlungsbilanz befaßten Ministerien und Regierungsämter zu ergreifen.
Als Folge dieser Koordinierung sowie anderer Tätigkeiten haben wir
z.B. weiter auf die Beseitigung der von anderen Ländern errichteten
Handelsschranken gedrängt, die den Absatz amerikanischer Güter behindern.
Wir haben die Gründung der Internationalen Entwicklungsgemeinschaft als
einer Tochtergesellschaft der Weltbank geplant und gefördert, über die
andere Länder mit uns die Last der Hilfe für die Entwicklungsländer teilen. Wir haben ferner die Führung bei der Gründung der Entwicklungshilfegruppe (DAG) ergriffen - einer anderen Körperschaft, über die wir andere
wirtschaftlich hochentwickelte Länder drängen, einen größeren Teil der
Hilfe für die neuen Entwicklungsgebiete der Welt zu übernehmen. Wir haben
zur Förderung des Exports amerikanischer Waren ein Exportfinanzierungsund Garantieprogramm eingeführt. Und der Entwicklungsanleihefonds hat im
Oktober 1959 seine Politik geändert, um den Nachdruck auf die Finanzierung
von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs zu legen.
Warum mehr getan werden muß
Wären diese vernünftigen Maßnahmen, von denen ich gesprochen habe,
nicht ergriffen worden, dann würde das Problem unserer Zahlungsbilanz
heute noch schwieriger sein als es ohnehin ist. Aber trotz des erzielten
Fortschritts bleibt noch sehr viel zu tun.
Es ist richtig, daß wir während dieses Jahres eine bemerkenswerte
und ermutigende Steigerung im Export unserer Güter zu verzeichnen haben.
Im Jahre 1959 erreichte unser Außenhandelsüberschuß einen Nachkriegstiefstand von rund 1 Milliarde Dollar, während wir in diesem Jahr wahrscheinlich eine Jahresrate von über 4 Milliarden Dollar erreichen werden.
Wenn wir die auf Grund unserer militärischen Ausgaben im Ausland geleisteten Zahlungen ausklammern, dann erreichte unser Exportüberschuß an Gütern
und Dienstleistungen im Jahre 1959 einen Tiefstand von 3 Milliarden Dollar,
während wir in diesem Jahr - auf der gleichen Basis berechnet - voraussichtlich einen Überschuß von rund 6,5 Milliarden Dollar verzeichnen können.
Für unsere militärischen Aufwendungen im Ausland, für die von der
Regierung durchgeführten Wirtschaftshilfsprogramme, für private langfristige Kapitalinvestitionen im Ausland und für den Erwerb kurzfristiger
Auslandskapitalien geben wir pro Jahr rund 8,5 Milliarden Dollar aus.
Selbst nach Aufrechnung dieser Zahl gegen unseren Überschuß aus dem Export
von Gütern und Dienstleistungen von fast 6,5 Milliarden Dollar haben wir
bei diesen Positionen einen Auszahlungs üb erhäng von rund 2 Milliarden
Dollar.
Aber

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Aber auf Grund der Nettobewegungen bei anderen Positionen haben wir
noch ein weit größeres Gesamtdefizit in der Zahlungsbilanz zu gewärtigen,
das gegenwärtig eine Jahresrate von über 5 Milliarden Dollar erreicht und
vielleicht sogar nicht weit hinter dem Defizit des Jahres 1959 "von fast
4 Milliarden Dollar zurückbleibt. Dies hat zu einer Anhäufung von Gold
und liquiden Dollarguthaben vor allem bei den Industrieländern geführt.
Wir haben in diesem Jahr eine starke Abwanderung von kurzfristigem
Kapital zu verzeichnen gehabt, die sich zum Teil auf die höheren Zinssätze
und das begrenzte Kapitalangebot in den anderen Industriestaaten zurückführen läßt. Diese Bewegung ist ein bedeutender Faktor in unserem Gesamtdefizit gewesen. Das Ausmaß und die Richtung dieses Auf und Ab eines derartigen Kapitalstroms lassen sich unmöglich voraussagen; es ist jedoch klar,
daß wir - ganz allgemein gesprochen - heute mit internationalen Kapitalbewegungen in einem größeren Umfang rechnen müssen als in den ersten Nachkriegsjahren. Das Volumen dieser Kapitalbewegungen in der jüngsten Zeit und
die umfangreichen Goldkäufe durch ausländische Währungsbehörden während der
vergangenen vier Monate machen es erforderlich, daß wir unsere Anstrengungen
verdoppeln, um eine weitere Verbesserung unserer Zahlungsbilanz zu erzielen.
Dieses Problem betrifft nicht nur die amerikanische Bundesregierung,
sondern auch alle Bürger, die mit dem internationalen Handel zu tun haben.
Deshalb muß eine Steigerung unserer kommerziellen Exporte auch weiterhin
das Ziel einer intensivierten und gemeinsamen Kampagne der staatlichen
Stellen und der privaten Gruppen sein. Da wir uns aber in der Welt Wettbewerbsbedingungen gegenübersehen, die es schwierig machen, sich ausschließlich auf eine Vergrößerung der Bareinnahmen aus Exporten zu verlassen, müsse
wir in unsere Bemühungen auch eine Reduzierung gewisser Dollarzahlungen der
Regierung an fremde Länder einschließen.
Eine definitive Verbesserung in unserer Zahlungsbilanzsituation ist
nicht nur dringend erforderlich, um unser wirtschaftliches Wohlergehen
und unsere militärische Sicherheit hier in den USA zu gewährleisten,
sondern ebenso, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten auch
in Zukunft als ein starker Partner am wirtschaftlichen Wachstum und an
der militärischen Stärke der freien Welt partizipieren können. Wir suchen
diese Verbesserung mit einer Politik zu erreichen, die unsere militärische
Stärke nicht vermindert und unsere internationalen Wirtschaftsprogramme
nicht beeinträchtigt und die es uns ermöglicht, unser Ziel - eine Ausweitung
des Welthandels und des damit verbundenen freien Zahlungsverkehrs - weiterhi
zu verfolgen.
Das Währungssystem der Vereinigten!Staaten hat eine doppelte Aufgabe.
Es dient einmal den Bedürfnissen unseres Landes; zum anderen ist der Dollar
zu einem wesentlichen Stützpfeiler im internationalen Finanzsystem der freie
Welt geworden. Es ist deshalb ein dring endesGebot, daß die Vereinigten
Staaten der Erzielung eines vernünftigen Gleichgewichts in ihrer internationalen Zahlungsbilanz eine dem entsprechende hohe Vorrangstellung einräumen.

Zu

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Zu diesem Zwecke müssen wir alle diejenigen im Bereich des Tätigkeitsfeldes der amerikanischen Regierung liegenden Schritte unternehmen, die unverzüglich dazu beitragen, das Defizit in unseren internationalen Zahlungen zu verringern. Darüber hinaus müssen wir u.a.
diejenigen Maßnahmen der Regierung fortführen und verstärken, die, auf
längere Sicht gesehen,zu diesem Ziel beitragen werden.
1. Auf dem Gebiet des Welthandels müssen wir
a) bei anderen Ländern - und insbesondere bei denen, die wirtschaftlich
und finanziell stark sind - mit Nachdruck auf eine Reduzierung der Zölle,
eine Lockerung der Quoten und einen Abbau der Handelsrestriktionen drängen,
die die Exporte der Vereinigten Staaten behindern, und diese Länder auffordern, die internen Abgaben sowie andere Maßnahmen, die sich auf die
Käufe amerikanischer Waren und Dienstleistungen besonders einschränkend
auswirken, zu reduzieren oder zu beseitigen;
b) weiterhin alle vernünftigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Exporte
zu steigern, einschließlich der Erleichterung der Exportfinanzierung, wo
dies zur Erhöhung unseres Absatzes sowohl an Verbrauchsgütern als auch an
Kapitalgütern notwendig ist.
2. Auf dem Gebiet der internationalen Finanz müssen wir
a) darauf bestehen, daß unsere Freunde und Verbündeten ihren vollen
Anteil an den Kosten für die Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien
Welt tragen;
b) weiterhin dringend darauf bestehen, daß die anderen wirtschaftlich
hochentwickelten Länder der freien Welt ihren Anteil an jener langfristigen und wahrhaft aufbaufördernden Art der Finanzierung übernehmen, die den
Entwicklungsländern zuteil wird;
c) die internationalen Institutionen drängen, soweit wie möglich andere
ihnen zur Verfügung stehende Währungen als den Dollar zu benutzen, wann
und wo immer dies möglich ist;
d) die anderen starken Länder dazu ermutigen, die Aufnahme von Krediten
durch diese Institutionen und andere Kreditnehmer auf ihren Kapitalmärkten
zu gestatten, wo dies angebracht ist;
e) fortfahren, unsere gesamte Regierungstätigkeit - sowohl im eigenen
Lande wie im Ausland - zu überprüfen, um ihre Auswirkungen auf unsere Zahlungsbilanz zu verringern.
3V Gleichermaßen wichtig sind Maßnahmen in bezug auf unsere einheimische
Wirtschaft.
Auf diesem Gebiet müssen wir
a) die Steuer-, Finanz-, Währungs- und Schuldenpolitik der Regierung
und des Zentralbankensystems fortführen, die darauf abzielt, eine Inflatior
in den Vereinigten Staaten zu vermeiden;
,\

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b) den Unternehmern und den Gewerkschaften weiterhin nahelegen,
alle zumutbaren Schritte zu unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit
der in den USA erzeugten Güter auf den Exportmärkten sicherzustellen,
und aktiv nach Möglichkeiten auf diesen Märkten forschen.
Während diese und andere Maßnahmen und Verfahren einer kritischen
Prüfung unterzogen werden, können und müssen meines Erachtens bestimmte
Maßnahmen jetzt durch die Regierung unternommen werden, und ich ordne
daher folgendes an:
1. Der Verteidigungsminister soll, ohne unsere effektive militärische
Stärke zu verringern und unter Rücksichtnahme darauf, daß die unten angeführten Maßnahmen Anpassungen im Haushalt zur Folge haben können^
a) die Zahl der gleichzeitig im Ausland lebenden Familienangehörigen
des Militär- und Zivilpersonals auf eine Höchstzahl von 200 000 verringern
und fortan auf diesen Stand beschränkt halten, wobei diese Höchstzahl
einer jährlichen Überprüfung durch den Präsidenten unterliegen soll.
Diese Reduzierung soll, beginnend mit dem 1. Januar 1961, gemäß den Richtlinien und Bestimmungen vorgenommen werden, die der Verteidigungsminister
erläßt, und so weitgehend wie möglich die in den hochindustrialisierten
Ländern mit harter Währung lebenden Familienangehörigen erfassen. Ausnahmen bei den obigen Einschränkungen bedürfen der persönlichen Genehmigung
durch den Verteidigungsminister oder den stellvertretenden Verteidigungsminister;
b) umgehend alle möglichen Schritte unternehmen, um die Ausgaben aus
den Bewilligungen für die Streitkräfte und das militärische Hilfsprogramm,
die im Kalenderjahr 1961 für Beschaffungen im Ausland geplant sind, um
einen sehr wesentlichen Betrag dadurch zu reduzieren, daß er einen Mindestbetrag festsetzt, um den solche Beschaffungen zu kürzen sind;
c) den Ankauf ausländischer Waren im Rahmen der aus nichtzugewiesenen
Geldern finanzierten Einkaufstätigkeit der Militärstellen untersagen,
wobei Ausnahmen von diesem Verbot auf Grund einer persönlichen Genehmigung
des Verteidigungsministers oder des stellvertretenden Verteidigungsministers möglich sind.
2. Der Finanzminister soll
jfür den Küstenwachdienst der Vereinigten Staaten dieselben Maßnahmen
ergreifen, wie sie unter Abschnitt 1 (a), (b) und (c) oben dargelegt sind.
3» Der Außenminister soll
a) den Direktor der Verwaltung für Internationale Zusammenarbeit (ICA) eine amerikanische Behörde für Auslandshilfe, die öffentliche Gelder verwendet - anweisen, eine Politik zu verfolgen, in deren Rahmen bei allen
ihren Maßnahmen der Nachdruck auf die Finanzierung von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs gelegt wird. Außerdem soll allen Transaktionen, die nicht der Finanzierung der Direktbeschaffung amerikanischer
Güter und Dienstleistungen dienen, ein Limit gesetzt und jede Anstrengung

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Anstrengung gemacht werden, um die Auswirkungen dieser Transaktionen
auf die Zahlungsbilanz auf ein Mindestmaß zu verringern. Der Umfang der
jetzt mit ICA-Mitteln im Ausland getätigten Käufe soll auf den geringstmöglichen Stand reduziert werden. Es ist klar, daß eine solche Reduzierung
- durch maximale Beschaffung amerikanischer Güter und Dienstleistungen
mit Mitteln der US-Auslandshilfe - unter Umständen Anpassungen im Haushalt erforderlich machen kann;
b) zusammen mit den anderen betroffenen Behörden, das Gebiet der amerikanischen Handelsbeziehungen und -besprechungen mit dem Ziel überprüfen,
die gegenwärtigen Einkünfte der USA aus Auslandsverkäufen zu verbessern.
Besondere Aufmerksamkeit soll dabei im Rahmen der gegenwärtigen Zollverhandlungen auf die größtmögliche Gewährung von Zollvergünstigungen durch
andere Länder und auf die Garantie verwendet werden, daß diese wie auch
bereits früher den USA eingeräumte Konzessionen zum Vorteil der amerikanischen Exporte voll wirksam werden. Selbst wo keine formellen Verpflichtungen bestehen, sollen die wirtschaftlich starken Länder aufgefordert
werden, damit fortzufahren, ihre mengenmäßigen Beschränkungen abzubauen,
überhöhte Zölle zu senken und diskriminierende Maßnahmen sowie andere
Hindernisse für eine Steigerung der Ausfuhr amerikanischer Waren und
Dienstleistungen, vor allen amerikanischer Agrarprodukte, zu beseitigen.
Ferner sollen verstärkte Anstrengungen unternommen werden, andere Staaten
dazu zu veranlassen, ihre Staatsbürger durch eine liberalere Behandlung
bei Reisen nach den Vereinigten Staaten, einschließlich weitgehender Zollbefreiungen heimkehrender Touristen, zu solchen Reisen zu ermutigen, so,
wie die Vereinigten Staaten Auslandsreisen ihrer Bürger gefördert haben;
c) wirksame Schritte unternehmen, um den Ankauf von ausländischen Waren
durch Verkaufsstellen und Läden zu unterbinden, die unter der Aufsicht
des amerikanischen Außenministeriums oder amerikanischer Botschaften betrieben werden, wobei Ausnahmen auf Grund einer persönlichen Genehmigung
des Außenministers oder des Staatssekretärs möglich sind.
4. Der Landwirtschaftsminister soll
bei der Durchführung von Verkäufen im Rahmen der Abstoßung überschüssiger Produkte und anderer auf Konzessionen beruhender Programme,
einschließlich Tauschaktionen, verstärkte Anstrengungen unternehmen, um
sicherzustellen, daß derartige Verkäufe nicht zu einer Verringerung der
Dollar-Barverkäufe amerikanischer Produkte führen.
5- Das Direktorium des Entwicklungsanleihefonds als eine Behörde, die Entwicklungsanleihen im Ausland aus öffentlichen Geldern gewährt,soll
nachdrücklich die für den Entwicklungsanleihefonds geltenden Richtlinien vom Oktober 1959 befolgen, denen zufolge größter Nachdruck auf die
Finanzierung von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs zu
legen ist. Um eine anderweitige Finanzierung auf den niedrigstmöglichen
Stand zu reduzieren, sollte für Transaktionen des Entwicklungsanleihefonds
die nicht zur Finanzierung der direkten Beschaffung amerikanischer Güter
und Dienstleistungen dienen, ein Limit gesetzt und Anstrengungen gemacht
werden, die Auswirkung dieser Transaktionen auf die Zahlungsbilanz auf ein
Minimum zu beschränken.
6. Die

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6. Die Leiter aller Ministerien und Behörden, die Personal im Ausland
stationiert haben, sollen
alle angängigen Maßnahmen ergreifen, um die Zahl ihres im Ausland
stationierten Personals und der Angehörigen zu verringern, soweit derartige Kürzungen ohne eine Beeinträchtigung der Erfüllung wesentlicher
Zielsetzungen der amerikanischen Politik vorgenommen werden können.
In gleicher V/eise sollen alle Ministerien und Behörden,die sich mit der
Beschaffung im Ausland "befassen, ihre Tätigkeit mit dem Ziel überprüfen,
wo immer möglich Schritte zur Reduzierung dieser Beschaffungen zu unternehmen.
7. Jeder der vorstehend angeführten Regierungsangehörigen und jeder
Leiter eines Ministeriums und einer Behörde, auf den der oben angeführte
Absatz 6 zutrifft, soll
mir bis spätestens 15» Dezember i960 einen Bericht erstatten und
darin die Schritte anführen, die in Durchführung der hiermit erlassenen
Direktive unternommen worden sind. Darüber hinaus sollen die oben angeführten Regierungsangehörigen und alle anderen zuständigen Personen zu
Beratungen zusammentreffen, um den Stand der Zahlungsbilanz zu erörtern
und festzustellen, ob weitere zusätzliche Maßnahmen getroffen werden
sollten; diese Beratungen sollen unter dem Vorsitz des Finanzministers
und im Rahmen des Nationalen Beirates für Internationale Währungs- und
Finanzfragen beibehalten werden.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./2.12.1960
PRÄSIDENT EISENHOWER ZU DEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
FINANZVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister Robert
B. Anderson und Staatssekretär C. Douglas Dillon haben am
Montag, dem 28. November 1960, Präsident Eisenhower über ihre
jüngste Reise nach Europa und im besonderen über ihre Besprechungen mit Vertretern der Bundesrepublik in Bonn Bericht
erstattet. In einer anschließend vom Weißen Haus herausgegebenen Erklärung gab Präsident Eisenhower seiner Überzeugung
Ausdruck, daß die Mission der beiden amerikanischen Politiker
im Ausland zu einem größeren Verständnis für den amerikanischen Standpunkt geführt hat, daß eine grundlegende Verbesserung
der amerikanischen Zahlungsbilanz für die Erhaltung des Finanzsystems der freien Welt unerläßlich ist. Eisenhower betonte
weiter, daß die Besprechungen in Bonn "äußerst nützlich" gewesen seien und daß man sich hinsichtlich der Notwendigkeit
der Erhaltung eines gesunden internationalen Währungssystems
einig sei.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:

Der Finanzminister und der Staatssekretär haben mir heute morgen
persönlich über die Gespräche Bericht erstattet, die sie in der vergangenen Woche mit Vertretern der Bundesrepublik Deutschland hatten
und die von den Delegationen beider Seiten in einem Geiste der Zusammenarbeit- und der Freundschaft geführt wurden, wobei beiderseits die
volle Bereitschaft zu einer Prüfung der Vorschläge bestand.
Ich glaube, daß diese Gespräche äußerst nützlich waren. Sie
führten zu einer Übereinstimmung der beiden Länder darüber, daß die
Erhaltung eines gesunden internationalen Finanzsystems notwendig ist,
und zwar nicht nur für den wirtschaftlichen Wohlstand der beiden Länder, sondern auch in der Weise, daß jedes Land weiterhin Hilfsquellen
zur Verfügung stellen kann, die die Grundlage für die gemeinsame Sicherheit der Länder der freien Welt bilden. Als Folge dieser Gespräche
besteht ein größeres Verständnis für den amerikanischen Standpunkt, daßl
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�"AMERIKA DIENST

2 . Dezember 196O

daß eine grundlegende Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz
unerläßlich ist für die Erhaltung des Finanzsystems der freien Welt, das
auf dem Dollar als Grundlage beruht.
Finanzminister Anderson und Staatssekretär Dillon haben, was Möglichkeiten und Vorschläge anbetrifft, meine Anweisungen ausgeführt.
Diese sind mit dem Außenminister und dem Verteidigungsminister voll und
ganz abgesprochen und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland im
voraus zur Kenntnis gebracht worden. Obwohl die Frage einer Aufteilung
eines Teiles der Gesamtkosten der amerikanischen Truppen in Westdeutschland, entsprechend der am 15• November in Augusta abgegebenen Erklärung,
erörtert wurde, konnte hier keine Übereinstimmung erzielt werden. Die
Aussprache trug jedoch wesentlich zu einem wachsenden Verständnis für
dieses Problem bei.
Es wurde mit der Bundesrepublik Deutschland vereinbart, daß die
Besprechungen über eine Reihe anderer Punkte fortgesetzt werden sollen,
die bei der kurzen Zusammenkunft nicht eingehend genug geprüft werden
konnten und die zu einer Besserung der amerikanischen Zahlungsbilanz
führen sollen. Über diese verschiedenen Vorschläge, von denen einige
von den deutschen und einige von den amerikanischen Vertretern als mögliche Teillösungen zu unserem gemeinsamen Problem vorgebracht wurden,
werden weitere Verhandlungen in Bonn und Washington stattfinden.
Die amerikanische Delegation brachte ihre Anerkennung über die beschlossene Beschleunigung und die größere Flexibilität des vorgeschlagenen deutschen Entwicklungshilfe-Programms für die Entwicklungsländer
zum Ausdruck, wobei die große Bedeutung dieses neuen, erst in jüngster
Zeit von der Bundesrepublik Deutschland aufgenommenen Programms voll
und ganz anerkannt wurde.
Zu den anderen Problemen, über die weitere Besprechungen stattfinden
sollen, gehören der Abbau der noch bestehenden Beschränkungen für den Import
von Agrarerzeugnissen aus den USA, die Steigerung der militärischen Beschaffungskäufe der Bundesrepublik Deutschland für ihre eigenen Streitkräfte sowie die Erörterung einer Beschaffung militärischer Güter für
die Versorgung anderer Länder der NATO-Allianz.
Auf dem Rückweg von Bonn haben Finanzminister Anderson und Staatssekretär Dillon mit französischen und britischen Vertretern sowie amerikanischen Stellen in Paris und London einen inoffiziellen Gedankenaustausch
über Fragen gemeinsamen Interesses und im besonderen über das Finanzsystem
der Welt geführt. Ich bin zuversichtlich, daß diese Gespräche zu einem
größeren Verständnis in der Welt führen und sowohl unseren nationalen wie
auch unseren internationalen Interessen dienen werden, indem sie zu einer
erneuten Stärkung des Finanzsystems der freien Welt beitragen. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, alle Maßnahmen zu treffen, die im Zusammenhang mit ihrem Eintreten für eine freie Wirtschaft notwendig und
angebracht und für den Schutz der Integrität des Dollars erforderlich sind,
* * * * *

2

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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 8.I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;Wortlaut der dem US-Kongress am 7. Jan. 1960 in Washington unterbreiteten Botschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower legt Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 19. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower unterbreitet Kongress Auslandshilfeprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. II.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Herter: Amerikanisches Streben nach kontrollierter Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Gerechter Frieden nur im Schutze militärischer Stärke zu erhoffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 18. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westmächte veröffentlichen gemeinsamen Abrüstungsplan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;US-Außenministerium veröffentlichte am 15. März 1960 den Fünf-Mächte-Arbeitsplan für Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herter: Ziele der amerikanischen Außenpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers vom 4. April 1960 auf der in Chicago tangenden Jahresversammlung des Rundfunkverbandes der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 15. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abrüstung - aber wie?&lt;br /&gt;Die Vorschläge des Westens und des Sowjetblocks im vergleichenden Überblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dillon: Die amerikanische Außenpolitik von heute&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Ansprache des stellvertretenden US-Außenministers C. Douglas Dillon vom 20. Apr. 1960 vor der AFL-CIO-Konferenz in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 6. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraum - Neuland der praktischen Forschung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Ergebnisse des zivilen Weltraumprogramms der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Ziel der USA weiterhin Frieden und Gerechtigkeit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 25. Mai 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herter: Wortlaut der Ausführungen des US-Außenministers vor dem außenpolitischen Ausschuss des amerikanischen Senats am 27. Mai 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsidentschaftswahlen in den USA&lt;br /&gt;Fragen und Antworten zu Wahlrecht, Wahlverfahren und politischer Tradition der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 1. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ostblock brach Genfer Abrüstungsverhandlungen ab&lt;br /&gt;1. Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten Frederick M. Eston vom 27. Juni 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Wortlaut des Kommuniqués der Abrüstungskonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wortlaut der Erklärung des US-Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Der neue amerikanische Abrüstungsplan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Chronologische Zusammenfassung der jüngsten Entwicklung in Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 1. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower berichtet über seine Fernostreise&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten vom 27. Juni 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden durch Abrüstung&lt;br /&gt;Der neue amerikanische Verschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 2. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Geduldsspiel in Genf&lt;br /&gt;Seit 22 Monaten Verhandlungen über Einwilligung von Atomversuchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 30. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden und Gerechtigkeit für alle&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Eisenhower vom 22. September 1960 vor der 15. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 25. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Direktive Präsident Eisenhowers zur Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Direktive des US-Präsidenten vom 18. Nov. 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 2. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower zu den deutsch-amerikanischen Finanzverhandlungen&lt;/p&gt;</text>
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