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                  <text>AMERIKA-DIENST Sonderbeilagen 1957

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20.
20.

II.
II.

27.

II.

A.

27.

II.

A.
A.

Praesident Eisenhower berichtet ueber die
Lage der Nation
Botschafter Lodge legt dem UN-Abruestungsausschuss den neuen Abruestungsplan der USA vor.

6. I I I .

18. XII. 1956
5. I.
7» I.

10. I.
14» I»

''ortlaut der Ansprache Praesident Eisenhowers
bei Antritt seiner zweiten Amtsperiode

21. I.

Iraesident Eisenhower legt die Wirtschrftsbotscheft vor.

23. I.

General Lauris Norstad: NATO - Abschreckungsmittel und Schutzschild
29. I
Sonderbotschpft Praesident Eisenhowers ueber die
Revision der Einwenderungsgesetzgebung
31« I«

II. Botsch'fter Lodge antwortet den russischen Beschuldigungen gegen die USA in den Vereinten
Nationen

A.

A.

Wortlaut der Pressekonferenz von Aussenminister
Dulles
Eisenhower fordert Vollmachten zum Schutze der
Mittelost-Staaten (Eisenhower-Doktrin)
Aussenminister Dulles erleeutert den Plan des
Praesidenten
Vizepresident Nixon "berichtet ueber die Lage
der ungarischen Fluechtlinge

Jahresbericht Praesident Eisenhowers zu Fragen
betreffend die Revision der US-Handelsabkommen
Thurston V. Kalijaveri: Aufgaben und Stellung
der USA in der 'Weltwirtschaft

12. II.
11. II.
12. II.

Fraeädent Eisenhower: Israel muss sich den Beschluessen der Vereinten Nationen beugen.
20. II.
Praesident Eisenhower anlaesslich des 15« Jahrestages der Stimme Amerikas: "Amerika wird sich
immer fuer den Frieden einsetzen".
25. II.

Botschrfter L^dge: Amerika het Osteuropa nicht
v rgessen.
28. II.
6.
6. IIII.
I I . Botschefter Lodge: Die USA und die Raeumung des
Gaza-Streifens
1. III.
6.
6. :
I I II.
. V/alter S. Robertson auf der Konferenz der Kolombo-Plan-Maechte: "Gemeinsame Anstrengungen zum
Wohle aller"

1957

�Aussenminister Dulles auf der Tagung des SeatoRates in Canberra: "Die SEATO - ein Bollwerk
des Friedens".
Aussenminister Dulles in Canberra: "Die USA halten en ihrer bisherigen China-Politik fest"

12. III.

Kommuniquft zum Abschluss der SEATO Tagung

13. III.

Gordon Gray: Die NATO ist der Grundstein fuer
das Bündnissystem des Westens.
Vorwort yur Neuauflage des Buches von John foster
Dullesi Krieg oder Frieden
Dr. Gabriel Hauge: Konjunkturprobleme in den
USA
Botschrfter Perkins: Die Vereinigten Staften
und die Atlantische Allianz
Robert D. Murphy: Internationaler Kulturaustausch
und Passbeschraenkungen
Robert D. Murphy: Die Wiedervereinigung Deutschlands ist ein Eckpfeiler des Friedens.
Aussenminister Dulles fordert die Schaffung eines
Anleihefonds.

11. III.

4« IV.

11. III.
27. III.
4» IV.
4. IV.
8. IV.

,p

rancis 0. Wilcox: Die Vereinten Nationen haben
positive Arbeit geleistet.
Aussenminister Dulles: Die USA stehen fuer Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit ein.

12. IV.
22. IV.

Sonderbotscbeft PraesL&amp;ent Sisenhowers an den Congress ueber Plaene zur Verbesserung des Luftv rkehrswesens
Dr. Libby antwortet Dr. Sc weitzer euf seinen Appell zur Einstellung der Atomwaffenversuche

25. IV.

Harold S. Vance, AECi USA befuerworten internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Atomforschung

25. iv.

Thorston V. Kali^jarvi: Die kuenftige amerikanische
Aussenhandelspolitik

25. IV.

11. IV.

Fraesident Eisenhower: Das .'«uslandshilf eprogramm
dient der Sicherheit der USA
Aussenminister Dulles ersucht den Kongress um
Zustimmung zum Beitritt der USA in die Internationale Atombehoerde

10. V.

Willard F. Libbyl Kuenstliche Radioaktivitaet
als Folgen von Kernwaffenversuchen

26. IV.

1. V.

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A.

A.
A.

A.
A.
A.

A.

29. V.

Praesident ^isenhower ersucht den Kongress um
Bewilligung von $ 3f8 Milliarden fuer die Auslands hilfeprogramme

21. V.

5« Tl. Eleanor L. I*ulles$ Berlin und die Methoden der
Sowjets in Deutschland.

22. V.

19. VI. Ungarn-Ausschuss der Vereinten Nationen legt
Bericht ueber den ungarischen Freiheitskampf
vor.
J. VII. Aussenminister Dralles umreisst die China-Politik der USA

28. VI.

10. VII. Francis 0. Wilcox: Amerika strebt die Er' altung
des Weltfriedens an.

2J, VI.

17» VII. Christian A. Herter: Die Herrscheft des Rechts
muss an die Stelle der Herrschaft des Krieges
treten.

15. VII.

24. v i i . Aussenminister Mulles erleeutert die juengsten
Abru stungsvorschlaege der USA

A.
A.

7. V I I I . Aussenminister Dulles legt den westlichen Plan
eine Luft- und Bodeninspektion dar
7. V I I I . Iraesident ^isenhower: Die Uahost-Resolution hat
zur Verringerung der Spannungen Beigetragen.

A.

4.

ix.

A.

11.

IX.

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A.

18.

25.

25.
A.

20. VI.

2.

Die Abruestun~svorschlaege der ''estmaechte

Robert Murphy: Probleme der US Ausrenpolitik
*\Vuerdigung von Dr. Suhr*
I X . Die staatsrechtlichen Aspekte der Spannungen
in Little Rock
i x . Aussenminister Mulles fordert vertrauensvolle
Atmosphaere als Grundlage fuer ein Abruestunrsabkommen.

22. VII.
2. VIII.
5« VIII.
29. VIII.
9» IX.
18. 12 .

19. IX.

IX. Praesident Eisenhower: Zehn Jahre Gesetz ueber
die Nationale Sicherheit
'

23. IX.

X. Botschaft Praesident Eisenhowers und Ansprache
von Admiral Lewis L. Strauss zur Eroeffnung
der ersten Konferenz der Internationalen Atomenergiebehoerde

1. X.

�X. Botschrfter Lodge: USA wird an dem Problem der Veltreumkontrolle mitarbeiten
X« Vizepresident Nixonj ".Veitwirtschaftsprobleme
X. Arthur H. Compton: Die Zivilisation steht auf dem
Spiel.
X« Abschlusskoir.munique zu den Britisch-Amerikanischen Verhandlungen
XI. Jemes J. Y'adsworth: Auswirkungen atomarer Strahlung
XI. Praesident Eisenhower umreisst Verteidigungsaufgeben der freien Walt
XI. Praesident Eisenhower unterbreitet ein FuenfFunkte-Programm fuer Forschung und .'issenschsft

10. X.
15« X«
24. X.
25. X.
7. XI.
13« XI.
7« XI.

XI. Soziale Sicherheit in den USA
XII. Fraesident Eisenhower fordert gemeinsame Massnahmen zur Foerderung des Friedens

16. XII

�KULTUR

• POLITIK

• WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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ALLGEMEINES

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AMERIKADIENST

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FÜR DIE FRAU

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FÜR DIE JUGEND

�2. Janua
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFT
Rückschau und Ausblick auf die Außenhandelspolitik der USA 1956-1957
Von Guy Sims Pitch
(90 Zeilen)
Die amerikanische Wirtschaftshilfe
im Jahre 1956
(72 Zeilen)
Jahresbericht der amerikanischen
Atomindustrie
(65 Zeilen)
ERZIEHUNG

- WISSENSCHAFT

Seite

Seite

Seite

- KULTUR

Brücken des Wissens und der Verständigung
- Das Austauschprogramm der USA (70 Zeilen)
.
Die Internationale der Wissenschaft
An der Schwelle des Internationalen
Geophysikalischen Jahres
(93 Zeilen)
Amerikanische Literatur 1956
Die erfolgreichsten Bücher des Jahres
(100 Zeilen)
Amerikanische Wissenschaft und Forschung
im Jahre 1956
(100 Zeilen)
DIE TOTEN DES JAHRES 1956

Seite

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Seite

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* * * * *

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

RÜCKSCHAU UND AUSBLICK AUF DTE AUSSENHANDELSPOLITIK DER USA

1956/57
Von Guy Sims Fitch
(90 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Die Richtigkeit der liberalen Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten ist von der Entwicklung der letzten
Wochen voll bestätigt worden. Zunächst einmal hat Präsident Eisenhower
eine Empfehlung der US-Zollkommission bezüglich einer Erhöhung der Zölle
auf Fischfilets zurückgewiesen. Daraufhin hat die Kommission selbst
einen Vorschlag des Landwirtschaftsministeriums abgelehnt, eingeführte
Feigen und Feigenpasten mit Zoll zu belegen.
Bemerkenswert ist dabei, daß in beiden Fällen die Entscheidung
nicht in enger Anlehnung an den Buchstaben des Gesetzes getroffen wurde.
Sie gründete sich vielme.hr auf eine großzügige liberale Auslegung des
Gesetzes - eine Auslegung, die sowohl dem wirtschaftlichen Wohl der befreundeten exportierenden Länder als auch den Interessen der betreffenden amerikanischen Industriezweige voll Rechnung trug. Der Präsident
hat im Zusammenhang mit der Bekanntgabe seiner Entscheidung erneut betont, wie sehr es ihm widerstrebt, irgendwelche Zollbeschränkungen zu
verfügen, solange sie nicht von entscheidender Bedeutung für die Gesamtwirtschaft der Vereinigten Staaten sind oder bestimmten Wirtschaftszweigen, die eindeutig gerade einer derartigen Unterstützung bedürfen,
eine wesentliche Hilfe versprechen.
Auf Grund dieser beiden Entscheidungen sind Sachverständige zu
dem Schluß gelangt, daß Präsident Eisenhower in seiner zweiten Amtsperiode eine ebenso liberale Handelspolitik verfolgen werde wie in der
ersten. Wohl selten, wenn überhaupt jemals, wurde eine liberale Außenhandelspolitik mit einem derartigen Eifer verfochten wie dies in den
letzten vier Jahren der Fall war - eine Tatsache, die gelegentlich dadurch überschattet wurde, daß die wenigen Fälle, in denen der Präsident
einer Erhöhung der Zollsätze zustimmte, durch die Presse stark herausgestellt wurden.
Das Interesse der Vereinigten Staaten an einer Ausweitung ihrer
Handelsbeziehungen mit den übrigen Ländern der Welt war bereits in der
Tatsache zum Ausdruck gekommen, daß der Kongreß im Jahre 1956 einer vom
Präsidenten vorgeschlagenen umfassenden Vereinfachung der Zollverfahren

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 195?

Zollverfahren zugestimmt hat. Diese nach einem Jahr eingehender Debatten
ergriffene Maßnahme brachte eine gewisse Klärung und manche Erleichterungen hinsichtlich der Einfuhrbestimmungen für ausländische 7/aren. Im Endergebnis wird sie in vielen '.Varengattungen eine Senkung der bestehenden
Zölle mit Sich bringen - eine Tatsache, über die sich der Kongreß bei
Erlaß dieser gesetzlichen Bestimmung voll im klaren war.
Diesem Beschluß des Kongresses, der einen neuen Meilenstein in
der Außenhandelsgesetzgebung der Vereinigten Staaten darstellt, ging
eine Ausweitung des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen voraus,
mit dem der Präsident ermächtigt wurde, mit anderen Ländern Vereinbarungen über die allmähliche Beseitigung der Handelsschranken auf der Basis der
vegenseitigkeit zu treffen. Seit 1934 wurden die Handelsbeziehungen der Ver
einigten Staaten mit der übrigen Welt nach diesem Gesetz geregelt.

Es

hat den Kongreß der Notwendigkeit enthoben, für jede einzelne Warengattung
- und es gibt deren Tausende - auf gesetzlichem Wege eigene Zollsätze
festzulegen.
Dieses Gesetz hat die Aushandlung von Handelsabkommen mit anderen
Ländern erleichtert und die amerikanischen Zollvorschriften vor einem
allzu starken Druck protektionistischer Kreise geschützt. Im Laufe der
letzten 22 Jahre sind die amerikanischen Zölle für zollpflichtige Importe
von über 50fo auf durchschnittlich etwa 12$ gesenkt worden.
Das Verlängerungsgesetz von 1955 brachte einige recht bedeutsame zusätzliche Regelungen:

Die Verlängerung wurde auf einen Zeitraum von drei

Jahren ausgedehnt, um eine größere Kontinuität der amerikanischen Handelspolitik sicherzustellen, die Befugnisse des Präsidenten zur Senkung der
Zollsätze wurden erheblich erweitert. All dies ebnete den Weg für eine
umfassende Beteiligung der Vereinigten Staaten an den ZollSenkungen, die
Anfang dieses Jahres in Genf im Rahmen des GATT, dem die Vereinigten Staaten seit seiner Gründung im Jahre 1947 angehören, auf multilateraler Basis
ausgehandelt wurden.
Dieses Interesse dor Vereinigten Staaten an einer Verbesserung der
internationalen Handelsbeziehungen im Verein mit einem allgemeinen
Wirtschaftsaufschwung in der ganzen Welt war einer der Hauptfaktoren
für die bemerkenswerte Ausweitung des Welthandels. In den letzten vier
Jahren nahm sein Volumen - einschließlich der Länder dos kommunistischen
Blocks, aus dem zuverlässiges Unterlagenmaterial kaum zu erhalten ist Im

um über 15$ zu.
- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

Im gleichen Zeitraum hat der Außenhandel der Vereinigten Staaten
sogar eine noch stärkere Ausweitung erfahren. Die Einfuhr stieg um
17$» während die Ausfuhr - die Hilfslieferungen der Regierung nicht
eingerechnet - um etwa 35$ zugenommen hat. Im Jahre 1956 werden die
Einfuhren und Ausfuhren der Vereinigten Staaten die erstaunliche
Rekordsumme von insgesamt annähernd 13 Milliarden Dollar beziehungsweise 17 Milliarden Dollar erreichen.
An dieser Entwicklung des amerikanischen Außenhandels haben alle
Länder der Welt und praktisch alle Arten von Waren teil.

Seit 1953

sind die Einfuhren der USA aus Afrika auf 6$ gestiegen, aus Südamerika
auf 7$&gt; aus anderen Ländern des nordamerikanischen Kontinents auf 17$»
aus Asien und Ozeanien auf 23$ und aus Europa ebenfalls auf 23$.
Die Tatsache, daß die Einfuhr von Fertigwaren, die zu einem großen
Teil qualitativ mit den amerikanischen Erzeugnissen konkurrieren können,
seit 1953 um rund 40$ gestiegen ist, läßt darauf schließen, daß die
Amerikaner in zunehmendem Maße Erzeugnisse anderer Länder kaufen.
Die Einfuhr von Rohstoffen für die amerikanische Industrie beläuft
sich auf 18$.
Die Fachleute des amerikanischen Außenhandels rechnen in den
kommenden Jahren mit einer noch stärkeren Ausweitung des Außenhandels.
Sie stützen diese Ansicht nicht nur auf die zu erwartende weitere Intensivierung der Wirtschaft, sondern auch auf die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten, bei dem allmählichen Abbau der noch bestehenden
Handelsschranken beispielgebend voranzuschreiten.

* * * * *

- 3-

�'AMERIKA DIENST

2. Januar

1957

DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFTSHILFE IM JAHRE 1956

( 72 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Der Schwerpunkt der Programme des US-Amtes
für internationale Zusammenarbeit (iCA) , der für die amerikanische
Wirtschaftshilfe zuständigen Behörde, lag auch im Jahre 1956 wieder
auf der Wirtschaftshilfe für Asien und dem Nahen Osten. Während die
Wirtschaftshilfe für Asien in den vergangenen Jahren gewaltig gesteigert wurde, ist die wirtschaftliche Unterstützung, die die USA den
europäischen Ländern gewährten, auf Grund der wirtschaftlichen Erholung Europas auf rund 100 Millionen Dollar im Finanzjahr 1956 abgesunken, gegenüber 3»4 Milliarden Dollar im Jahre 1950. Im Augenblick
ist die US-Wirtschaftshilfe für Europa auf zwei Länder, Spanien und
Jugoslawien, beschränkt.
Zu den Ländern des Nahen und Fernen Ostens, die in erster Linie
mit amerikanischer Wirtschaftshilfe bedacht wurden, gehören Korea,
Vietnam, Pakistan, Formosa, Persien, die Türkei, Indien, Laos,
Kambodscha und Thailand. Zweidrittel dieser Hilfe entfielen auf Korea,
Vietnam, die Türkei, Pakistan, Formosa und Persien.
Neben der amerikanischen Wirtschaftshilfe, die im Rahmen des
gemeinsamen Sicherheitsprogrammes der USA gewährt wird, überwacht das
US-Amt für internationale Zusammenarbeit auch die militärische Phase
dieses Programms, für die an sich das US-Verteidigungsministerium zuständig ist. Nach den bisher vorliegenden Informationen belief sich
die Militärhilfe der USA im Rahmen des gemeinsamen Sicherheitsprogramms im Jahre 1956 auf insgesamt 1,9 Milliarden Dollar, von denen
der größte Teil an europäische Länder ging. An nächster Stelle stehen
Asien und der pazifische Raum, Nach den Angaben des US-Verteidigungsministeriums bestanden über 50 Prozent der militärischen Lieferungen
aus Flugzeugen sowie anderen militärischen Ausrüstungsgegenständen
für die Luftstreitkräfte. Weitere 40 Prozent der Gesamtsumme entfielen
auf Lieferungen von Munition, Panzern, gepanzerten Fahrzeugen, Artillerie und anderen Ausrüstungsgegenständen für die Bodentruppen. Der Rest
der Summe wurde für Kriegsschiffe, Marineflugzeuge sowie ähnliche Güter

- 4-

�'AMERIKA DIENST

2. Januar 1957

Güter aufgewendet.
Bis Mitte 1956 hatten die USA seit Anlaufen dieses Programmes im
Jahre 1950 militärische Ausrüstungsgegenstände sowie Nachschubgüter
im Werte von insgesamt 14»2 Milliarden Dollar an die mit ihnen befreundeten Länder geliefert.
Die Wirtschaftshilfe der USA gliedert sich in die Verteidigungsunterstützung (worunter Wirtschaftshilfe für Länder verstanden wird,
die ebenfalls militärische Hilfe der USA erhalten), Entwicklungsunterstützung (Wirtschaftshilfe für Länder, die keine Militärhilfe bekommen)
und die technische Unterstützung, in deren Rahmen den neu aufstrebenden
Ländern amerikanische Hilfe gewahrt wird. Ferner fallen unter die USWirtschaftshilfe auch die Beträge, die die USA für den Kinderhilfsfonds
der Vereinten Nationen, für den Zwischenstaatlichen Ausschuß für die
Auswanderung aus Europa sowie für andere ähnliche Projekte aufwenden.
Für das Finanzjahr 1957 stehen zur Verfügung:
1,16 Milliarden Dollar für die Verteidigungsunterstützung;
250 Millionen Dollar für die Entwicklungsunterstützung; 127 Millionen
Dollar für die technische Unterstützung; 193 Millionen Dollar für die
verschiedenen Fonds der Vereinten Nationen sowie für andere Hilfsprojekte .
Ferner verfügt Präsident Eisenhower über einen Sonderfonds, mit
dem besondere Vorhaben finanziert werden. So wurde dieser Fonds beispielsweise für die den Ungarnflüchtlingen gewährte amerikanische Hilfe
herangezogen.
V/ährend des vergangenen Jahres verfügte Präsident Eisenhower, daß
die amerikanische Wirtschaftshilfe für Jugoslawien fortgesetzt werden
soll; ferner wurde Ceylon auf die Liste derjenigen Länder gesetzt,
die Wirtschaftshilfe von den USA erhalten können.
Zu den Sonderprojekten des US-Amtes für internationale Zusammenarbeit gehörten im Kalenderjahr 1956 auch die zur Errichtung des asiatischen Atomforschungszentrums gewährte Hilfe, verschiedene Spezialvorhaben in Korea und auf Formosa sowie mehrere Anleihen für Pakistan und
Afghanistan, mit denen diese Länder Bewässerungs- sowie Transportprojekte

finanzieren wollen.

_ ..,
Darüber

- 5-

�"AMERIKA DIENST'

2. Januar

1957

Darüber hinaus wurden verschiedene wirtschaftliche und technische
Programme mit Indien abgewickelt, die das Ziel haben, die Durchführung
des neuen indischen Fünfjahresplanes zu fördern. Bis zum Juli 1956 betrug
die Gesamthilfe der USA für Indien seit 1951 rund 520 Millionen Dollar,
wovon 272 Millionen Dollar als Anleihen gewährt wurden.
Ferner verkaufte die amerikanische Regierung verschiedenen Ländern
größere Mengen aus ihren landwirtschaftlichen Überschußbeständen gegen
Landeswährung. Dieser Erlös wurde wiederum für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder aufgewendet. So wurden im Verlaufe der letzten
beiden Jahre landwirtschaftliche Güter im Gesamtwert von 1,5 Milliarden
Dollar verteilt.

* * * * *

- 6 -

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

JAHRESBERICHT DER AMERIKANISCHEN ATOMINDUSTRIE
( 65 Zeilen)
NEW YORK - (AD) - Das amerikanische Industriekuratorium für
Atomenergie (Atomic Industrial Forum) veröffentlichte einen Jahresrückblick über den Anteil der amerikanischen Privatindustrie und
-Wirtschaft an der Nutzbarmachung der Atomenergie für friedliche
Zwecke, aus dem die bedeutende Steigerung der wirtschaftlichen Aktivität in den USA auf allen Gebieten der Atomenergieentwicklungsprogramme während des vergangenen Jahres hervorgeht.
Der Bericht des Industriekuratoriums, dem über 270 amerikanische
Privatfirmen angehören, hebt hervor, daß die amerikanische Atomindustrie
während des Jahres 1956 Bauaufträge über 59 neue Atomreaktoren abgeschlossen hat und mit der Konstruktion eines Teils dieser Anlagen bereits begonnen wurde. Bei dreißig dieser Reaktoren handelt es sich um
Forschungs- oder Materialprüfungsanlagen, bei den übrigen 29 um Kraftreektoren.
Die Forschungs- und Materialprüfungsreaktoren wurden von privater
amerikanischer Seite, von der US-Regierung und ausländischen Käufern
bestellt. Die Kraftreaktoren sind für den Antrieb von Kriegs- und
Handelsschiffen sowie als Modellanlagen für die US-Atomenergie-Kommission
(AEC) und für kleinere Elektrizitätswerke in den Vereinigten Staaten
bestimmt.
Außer den 59 Bauaufträgen, so heißt es in dem Bericht weiter, hat
die amerikanische Atomindustrie im vergangenen Jahr den Bau von 17 anderen Reaktoren weitergeführt, die bereits früher in Auftrag gegeben
worden waren. Dazu gehören sieben Reaktoren oder Reaktormodelle für
den Antrieb von Kriegsschiffen; drei Kraftreaktoren, die von der USRegierung bestellt wurden - darunter die 65 OOO-Kilowatt-Anlage für
das Elektrizitätswerk in Shippingport, die bis 1958 fertiggestellt
werden soll; vier Kraftreaktoren, die von privater Seite in Auftrag gegeben worden waren; zwei Forschungsreaktoren für die AEC und ein weiterer für eine Universität.
Zwei von der "Armour Research Foundation" in Chicago und dem
"Battle Memorial Institute" in Columbus bestellte Forschungsreaktoren
für industrielle Aufgaben wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt.
Bis

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

Bis zum Jahre 1956, so geht aus dem Bericht hervor, hatte die
amerikanische Atomindustrie 28 von verschiedenen Stellen der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebene Reaktoren gebaut. In dieser Zahl
sind die von der AEC gebauten Atomkraftanlagen und -reaktoren nicht
enthalten.
Die im vergangenen Jahr von privater amerikanischer Seite erteilten Bauaufträge für Kraftreaktoren kommen zum Teil von kleineren
Elektrizitätsgesellschaften und Städten. So haben sich drei Elektrizitätsgesellschaften aus Florida zusammengeschlossen, um eine Atomkraftanlage von 200 000 Kilowatt zu bauen, die voraussichtlich bis
1963 fertiggestellt werden soll.
Die 14 ExTDortaufträge für Porschungs- und Testreaktoren wurden
der amerikanischen Atomindustrie von folgenden Ländern erteilt:
Italien, Holland, Schweden, Kanada, Bundesrepublik Deutschland, Japan,
Brasilien, Dänemark, Spanien und Venezuela.
".'eitere neun Forschungsreaktoren werden, wie der Bericht betont,
im Auftrage der amerikanischen Regierung getaut und sind für das Atomflugzeug-Entwicklungsprogramm und die medizinische Forschung bestimmt.
Außerdem hat die amerikanische Industrie im vergangenen Jahr Kontrakte für den Bau von acht Uranerzaufbereitungswerken, fünf Anlagen
für die Herstellung von Kernbrennstoffen und einer Reihe anderer für
die Grundstoffe der Atomindustrie notwendiger Werke abgeschlossen.
V/eitere 134 amerikanische Firmen haben, wie es in dem Bericht
heißt, im vergangenen Jahr zum ersten Mal Radioisotope für ihre experimentellen Entwicklungsarbeiten verwendet, womit die Gesamtzahl der
amerikanischen Firmen, die Abnehmer für Radioisotopen sind, sich auf
1121 erhöhte. Außerdem haben 20 US-Industriegesellschaften im vergangenen Jahr größere Strahlenforschungslaboratorien gebaut oder mit deren
Bau begonnen.
Der Bericht hebt außerdem als besonders bedeutungsvoll die Tatsache hervor, daß sich im vergangenen Jahr private amerikanische Versicherungsgesellschaften zu drei Syndikaten zusammengeschlossen haben,
die für die verschiedenen Atomanlagen und die in ihnen beschäftigten Arbeiter Versicherungen in der Gesamthöhe von über 110 Millionen Dollar
abgeschlossen haben.
* * * * *

8

�"AMERIKA DIENST'

2 . Januar 1957

BRÜCKEN DES WISSENS UND DER VERSTÄNDIGUNG
Über 10 500 Personen besuchten 1956 auf Einladung der USRegierung die Vereinigten Staaten
( 70 Zeilen)
VASHIJJGTOH - (AD) - Im Rah-nen der Austauschprogramme der Regierung der Vereinigten Staaten haben im Jahre 1956 über 10 500 Personen
die Vereinigten Staaten besucht. Sie kamen aus 77 Ländern der freien
Welt, auf welche die USA diese Programme zur Pflege der gegenseitigen
kulturellen Beziehungen und zum Austausch von wirtschaftlichen, technischen und pädagogischen Erfahrungen ausgedehnt haben. Im gleichen
Jahr finanzierte die amerikanische Regierung die Auslandsbesuche von
rund 4 600 amerikanischen Wissenschaftlern, Technikern und Studenten.
Seit dem Jahre 1943, in dem die Austauschprogramme im nennenswerten Maße anliefen, haben damit bisher insgesamt 82 000 Personen als
Gäste der amerikanischen Regierung die Vereinigten Staaten besucht.
Das Amt für internationale Zusammenarbeit (iCA), das für die
Durchführung des Programms für die gemeinsame Sicherheit und der
technischen Hilfe zuständig ist, hat bekanntgegeben, daß im Jahre 1956
ungefähr 6 500 Personen in die Vereinigten Staaten kamen, um hier ihre
Ausbildung zu vervollkommnen oder Einrichtungen der Industrie, der Erziehung und des Staates kennenzulernen. Im Rahmen derselben Aktion
reisten mehr als 2600 amerikanische Spezialisten in die diesem Programm
angeschlossenen Länder.
Das amerikanische Außenministerium, welches das kulturelle und
erzieherische Austauschprogramm durchführt, berichtet, daß 4050 Studenten, Wissenschaftler, Politiker, Vertreter der Y/irtschaft und des Sozialwesens im Jahre 1955 nach den Vereinigten Staaten eingeladen wurden,
während 2000 Amerikaner Studienreisen außerhalb Amerikas unternahmen.
Im Jahre 1956 studierten 36 494 Studenten aus rund 80 Ländern an
amerikanischen Colleges und Universitäten.

16 950 von ihnen taten dies

auf eigene Kosten, etwa 10 400 wurden von privaten Organisationen in
den Vereinigten Staaten oder in ihre-n Heimatlande unterstützt. Die
amerikanische Regierung finanzierte das Studium von 1800 dieser Studenten, das Studium von 1750 Studenten wurde mit öffentlichen Mitteln ihrer
Heimatländer durchgeführt.

Andere

�•'AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

Andere Studenten erhalten die Studiengelder aus mehreren Quellen,
so von der US-Regierung und privaten Organisationen innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten oder auch von ihren Heimatländern und privaten Organisationen.
Die US-Regierung kam im Jahre 1956 ferner für das Studium von 1200
Ausländern auf, die Äußerhalb der Vereinigten Staaten in anderen als ihren
Heimatländern ausgebildet werden. In diese Zahl nicht eingeschlossen sind
etwa 1000 Personen, die unter der Schirmherrschaft des Amtes für Internationale Zusammenarbeit (iCA) weniger als 30 Tage in anderen Ländern (ausschließlich USA) ausgebildet wurden. Hier handelte es sich meist um die
Teilnahme an Seminaren, Konferenzen, Diskussionen oder
Ausstellungen. Diese sogenannten "Dritten-Länder-Programme" ermöglichen
es '.Yisr-enschaftlern, Technikern und Regierungsbeamten, Studienreisen in
andere Länder (ausschließlich USA) zu unternehmen, und dort Einrichtungen
zu studieren, die in ihren eigenen Ländern übernommen werden könnten. So
gingen zum Beispiel Spezialisten aus Indien nach Japan und ein Beamter aus
Pakistan nach Belgien.
Eine der meistversprechenden Entwicklungen innerhalb des technischen
Hilfeprogramms ist die Bereitschaft der amerikanischen Universitäten und
Colleges, das ihre dazu beizutragen, in den sich neu entwickelnden Ländern
wertvolle Arbeit zu leisten. Bisher haben 50 amerikanische Universitäten
und andere pädagogische Einrichtungen mit entsprechenden Instituten in anderen Ländern 81 verschiedene Verträge abgeschlossen, die den Austausch von
Mitgliedern der Lehrkörper vorsehen und die heute bereits für beide Seiten
außerordentliche Ergebnisse gezeigt haben.
Die amerikanische Atomenergie-Kommission hat im vergangenen Jahr mehr
ihrer Mitglieder in andere Länder geschickt und mehr ausländische Techniker
in den USA ausgebildet als je r.uvor. Ungefähr 200 Wissenschaftler und Techniker aus den verschiedensten Ländern haben in Aufenthalten von drei Monaten bis zu einem Jahr die Anlagen und Einrichtungen studiert, die der USAtomenergie-Kommission unterstehen und sind dort ausgebildet worden. Des
weiteren haben über 700 Wissenschaftler, Politiker und Techniker aus anderen Ländern kürzere Besichtigungs- und Informationsreisen unternommen. Seit
dem Jahre 1953 hat die US-Atomenergie-Kommission 46 Bibliotheken mit Literatur über die Atomenergie an 43 Länder verteilt.
Unter den Auspizien des internationalen Austauschprogramms für die
bäuerliche Jugend, das von der Fordstift inj m d anderen privaten Organisationen getragen wird, kamen im Jahre I956 181 junge Bauern und Bäuerinnen in die Vereinigten Staaten, um hier mit amerikanischen Farmerfamilien
zu leben und zu arbeiten, während 125 amerikanische Jugendliche in 41
verschiedene Länder gingen.
* * * * *

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2. Januar

1957

DIE INTERNATIONALE DER WISSENSCHAFT
An der Schwelle zum Internationalen Geophysikalischen Jahr

( 93 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - über zwei Jahre lang sind außer den Vereinigten
Staaten auch einige wenige Länder der übrigen Welt dabei, die notwendigen Vorbereitungen für die Durchführung des Internationalen Geophysikalischen Jahrs (IGJ) zu treffen. Es ist in dieser Hinsicht schon außerordentlich viel getan worden, man braucht hierbei nur an solche Unternehmen wie die "Operation Deepfreeze" in der Antarktis und an all die
anderen Expeditionen und Vorkommandos zu erinnern, die im Norden und
Süden der Erde, auf Inseln im Pazifik und wo überall sonst eingesetzt
sind, um Stützpunkte, Beobachtungsstationen und Abschußbasen für Raketen
zu bauen, beziehungsweise auszurüsten.
Aber was bisher auch getan wurde, waren letztlich nur Vorarbeiten
fürr das IGJ, das am 1, Juli dieses Jahres beginnt und bis zum 31. Dezember 1958 währen soll. Wirklich wichtig ist darum weniger, was bis jetzt
in dieser Beziehung geschah, als das, was während dieses wissenschaftlichen Großunternehmens geschehen soll, an dem sich über 5000 Fachwissenschaftler und einige Tausend Mann technischen Personals von mehr als
50 Ländern beteiligen.
Es ist dies das erste Mal in der Geschichte, daß solche Forschungen ganz systematisch durchgeführt und mit Hilfe eines internationalen
Arbeitsprogramms auch tatsächlich koordiniert werden können, obgleich
man sie auf weltweiter Ebene betreibt und auch betreiben muß. Mit Rücksicht hierauf ist eben auch die strenge Koordinierung der Arbeiten erforderlich, da die zu untersuchenden Erscheinungen zu einem großen Teil
ja Beobachtungen voraussetzen, die sich nicht nur über den ganzen Erdball erstrecken, sondern auch gleichzeitig vorgenommen werden müssen.
Außerdem umfassen sie eine solche Menge von Einzeluntersuchungen, daß
es schon darum notwendig ist, sie nach genau bestimmten Gesichtspunkten
auszurichten, um sie überhaupt richtig auswerten zu können und zu wirklich brauchbaren Ergebnissen zu kommen.
"Des
11,

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1957

"Des Krieges und der Zwietracht müde, haben Menschen aller Nationen
gemeinsam sich wieder der Mutter Erde, das heißt einer Aufgabe zugewandt,
die es ihnen nicht schwer macht, sich zu einigen", sagte Dr. L.V.'
Berkner, der amerikanische Präsident des Internationalen Forschungsrates
in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Sonderausschusses für das IGJ.
Und tatsächlich dürfte die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern so
vieler Länder an der Lösung einer Aufgabe, die sich mit Fakten, Erscheinungen und Vorgängen nicht nur der Erde und ihrer Atmosphäre, sondern
auch des interplanetarischen Raumes befaßt\, die Menschen schneller zusammenbringen und bis zu einem gewissen Grade auch enger zusammenschließen,
als wenn das Objekt die Menschen selbst und den Ausgleich ihrer verschiedenen Interessen beträfe. Das IGJ aber stellt alle Forscher, gleich welcher Nationalität, vor Aufgaben, die für alle dieselben und vor allem
von ganz demselben Interesse sind.
Was sind beispielsweise die Ursachen des sich dauernd ändernden
Wetters? Diese und ähnliche Fragen, die wohl täglich gestellt werden,
kann man aber nur beantworten, wenn man die größeren Zusammenhänge kennt.
Diese wiederum werden bestimmt durch Faktoren wie Sonneneinstrahlung,
Luft- und Bodentemperaturen, Feuchtigkeit, Luftdruck in den verschiedenen atmosphärischen Schichten, Luftströmungen, Elektrizität und so
fort - alles Erscheinungen, die einzeln und insgesamt Gegenstand der
Untersuchungen im IGJ sein werden. Zu ihrer Durchführung werden außer
den arktischen, antarktischen Gebieten und der Äquatorlinie fünf Längengrade besonders dicht mit Stationen besetzt, die mit Hilfe von Spezialgeräten und hochempfindlichen Instrumenten alle wichtigen Daten über
die Bewegungen, Gesetzmäßigkeiten und Wechselwirkungen in den verschiedenen Höhen des Luftozeans sowie über Auftreten und Ablauf von solaren
und atmosphärischen Störungen samt den Einwirkungen kosmischer

Erschei-

nungen und den damit verbundenen unsichtbaren Strahlen sammeln sollen.
Es werden Tausende von Ballonen und Hunderte von Raketen aufgelassen,
die mit entsprechenden Instrumenten ausgerüstet sind und automatisch
die verschiedenen Meßwerte in Höhen zwischen 100 und 320 Kilometern
registrieren. Die USA verwenden zu diesem Zweck hauptsächlich "AerobeeHI"-Raketen, die bei einer Länge von rund sechs Metern etwa
gramm wiegen.

562,5 KiloEine

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1957

Eine besondere Rolle bei diesen Untersuchungen werden die künstlichen Erdsatelliten spielen, die - von Mehrstufenraketen in die äußeren
Schichten der Atmosphäre transportiert - eine gewisse Zeit den Erdball
mit einer Stundengeschwindigkeit von etwa 28 000 Stundenkilometern umkreisen und laufend wissenschaftlich wichtige Daten zur Erde funken.
Andere Studienobjekte von Bedeutung sind: Die Erdrinde, ihre Mächtigkeit und ihr Aufbau, Zusammensetzung und besondere Merkmale des Erdinnern, Erdbeben, Vereisung der Erde, Schwankungen des erdmagnetischen
Feldes, Tiefsee, Meeresbiologie und Klimaforschung. Eine überaus starke
Beachtung wird man außerdem der Physik und Chemie der Ionosphäre, das
heißt also den atmosphärischen Höhenlagen zwischen 80 und 400 Kilometern,
den Leuchtphänomenen der Luft und Polarlichtern sowie den damit verbundenen Störungen im internationalen Funkverkehr widmen. Als besonders praktisch für den Flugverkehr der Zukunft dürfte sich schließlich die genaue
Erforschung der sogenannten Jetstreams, also jener Strahlströme erweisen,
die in großen Höhen in einem verhältnismäßig schmalen Bereich Windgeschwindigkeiten von mehr als 500 Stundenkilometern erreichen. Man hofft,
durch die Ergebnisse all dieser Untersuchungen Unterlagen für wesentliche
Verbesserungen des Funkverkehrs auf große Entfernungen, der Wettervorhersage, Erdbebenwarnung und des internationalen Flugverkehrs zu erzielen.
Und da man in der Antarktis, dem größten Eis- und Kältereservoir
der Erde, einen der wichtigsten Faktoren für den Wetterablauf auf dem
gesamten Planeten sieht, machen vor allem die Vereinigten Staaten die
größten Anstrengungen, um den noch weitestgehend unbekannten weißen Kontinent selbst und das Ausmaß seiner klimatischen und atmosphärischen Auswirkungen zu erforschen. Die USA haben in den letzten Monaten in diesem
Raum neben einer Reihe von Stützpunkten allein sechs ständig besetzte
Beobachtungsstationen errichtet, von denen die eine direkt am Südpol liegt.
Das gigantische Unternehmen des IGJ, das Präsident Eisenhower ein
"überwältigendes Beispiel für die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Erde" bezeichnete, trägt in bedeutsamer Weise bei,
mit Hilfe der immer fortschreitenden Forschung nicht nur das Äußerliche
der Welt, in der wir leben, besser zu verstehen, sondern ebenso die materiellen wie immateriellen Werte der anderen Menschen vollauf würdigen zu
können.

# # #

_

„ „
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1957

AMERIKANISCHE LITERATUR 1 956
Die erfolgreichsten Bücher des Jahres

(

100 Zeilen)
(AD) - Fast gleichzeitig mit der immer stärkeren Verlagerung des

politischen und wirtschaftlichen Schwergewichts der westlichen Hemisphäre
nach den Vereinigten Staaten, hat sich auch auf dem Gebiete der Wissenschaft und - wenn auch in ungleich geringerem Umfange - auf dem der
Literatur eine ähnliche Entwicklung vollzogen. Man kann sagen, daß
seit etwa drei Jahrzehnten die amerikanische Literatur über ein Maß
an Weltgeltung verfügt, wie sie es niemals zuvor besessen hat, ungeachtet der Tatsache, daß bereits früher einzelne ihrer Autoren, wie
beispielsweise Cooper, Edgar Allan Poe, Hawthorne, Melville, Walt
Whitman, Emerson, Bret Harte, Mark Twain und andere, ihre begeisterten
Bewunderer und Leser in der ganzen Welt hatten. Der Wirkungsradius
englisch geschriebener Bücher ist sowieso dank der weiten Verbreitung
des Englischen als Weltsprache erheblich größer als der anderer; dazu
kommt, daß in allen in Frage stehenden Ländern ein Heer von Übersetzern
sich bereit hält, alles, was auch nur einigermaßen auf die Beachtung
ihrer Landsleute rechnen kann, diesen durch eine Übertragung in deren
Muttersprache zugänglich zu machen.
Auch im nun vergangenen Jahre wartete der amerikanische Büchermarkt mit einer Reihe von Neuerscheinungen auf, die im Ausland auf
starkes Interesse stießen und die zum Teil auch bereits ins Deutsche
übersetzt worden sind. Literarische Welterfolge von der Art, wie sie
in den vergangenen Jahren die Romane eines Hemingway, Faulkner, Thomas
Wolfe oder die dramatischen Schöpfungen eines O'Neill, Thornton Wilder,
Saroyan und Tennessee Williams darstellten, gab es allerdings nicht,
wenn man nicht etwa die mit dem Pulitzer-Ereis für das beste Theaterstück ausgezeichnete Dramatisierung des "Das Tagebuch

der Anne Frank"

durch das Schriftstellerehepaar Frances und Albert Hackett als solchen
rechnen will. Denn dieses auf den schlichten, ergreifenden Aufzeichnungen eines dreizehnjährigen jüdischen Mädchens aufgebaute Stück ist nicht

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nicht nur in den Vereinigten Staaten selbst, sondern auch in Deutschland
und anderen Ländern bereits über unzählige Bühnen gegangen und erobert
sich täglich neue, überall die Menschen aufs tiefste erschütternd.
In diesem Zusammenhang mögen gleich die übrigen Empfänger der
vorjährigen Pulitzer-Preise für Literatur und deren Werke genannt werden.
Den Preis für den besten Roman erhielt MacKinlay Kantor für seine im
amerikanischen Bürgerkrieg spielende Geschichte "Andersonville", deren
eigentlicher Wert vor allem in der geradezu minutiösen Wiedergabe des
historischen Details liegt, das Kantor in zwanzigjähriger mühseliger
Forschungsarbeit zusammengetragen hat. Der Preis für das beste Gedichtwerk wurde der Lyrikerin Elizabeth Bishop für ihre "Poems: "North and
South - Cold Spring" ("Gedichte: Nord und Süd - Kalter Frühling")
zuerkannt. Empfänger des Preises für ein "hervorragendes Werk über die
Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika" schließlich war der
Professor an der Columbia-Universität Richard Hofstadter mit seinem
Buche "The Age of Reform" ("Das Zeitalter der Reformen") das die einschlägigen politischen und sozialen Verhältnisse und Reformbestrebungen
in den USA in den Jahren zwischen 1890 und 1940 behandelt.
Überhaupt standen in dem verflossenen Jahre die zeitgeschichtlichen
und politischen Bücher in Amerika fast mehr im Vordergrund des Interesses
als die schöngeistigen. Allerdings befand sich unter diesen auch ein
posthumer O'Neill mit dem Titel "Long Day's Journey into Night" (Eines
langen Tages Reise in die Nacht").Aber auch an diesem nachgelassenen
Stück des großen amerikanischen Dramatikers, das bereits über einige
deutsche Bühnen gegangen ist, interessiert eigentlich mehr das Historische, Persönliche. Denn es ist im wesentlichen eine Autobiographie
des 1953 verstorbenen Dichters, in die Form eines Bühnenstückes gekleidet .
Unter den sonstigen Werken der amerikanischen Schönen Literatur
erwies sich im vergangenen Jahre Edwin O'Connors Roman "Last Hurrah"
("Das letzte Hurrah") als eines der erfolgreichsten. Es gibt die Geschichte eines amerikanischen Politikers irischer Abstammung wieder,
der jahrzehntelang als Bürgermeister mit Umsicht und Erfolg, zugleich
jedoch auch mit einer harten, aber sicheren Hand die Geschicke seiner
Heimatstadt lenkt und auch zweimal zum Gouverneur seines Staates gewählt

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gewählt wird, aber schließlich, als er sich noch einmal aufstellen läßt,
seinem jungen Gegenkandidaten, dem Repräsentanten einer neuen Zeit, unterliegt. Nicht unerheblich dürfte zu dem großen Erfolg des Buches in den
USA die im Mittelpunkt stehende spannungsreiche Schilderung einer amerikanischen Wahlkampagne beigetragen haben.
Ein sehr lustiges Buch, das in Amerika großen Anklang gefunden hat,
ist William Brinkleys "Don't go near the water" ("Gehe nicht zu nahe
ans Wasser heran"). Es ist echtes, rechtes Seemannsgarn, das in diesem
unterhaltenden, humoristischen und satirischen Roman gespannen wird, der
von amerikanischen Blättern als eines der drolligsten Bücher über die
Männer der US-Kriegsmarine im zweiten Weltkrieg bezeichnet wird.
Zu den meistgelesenen belletristischen Neuerscheinungen des vergangenen Jahres in Amerika gehörte ferner der Roman von John Hersey
"A Single Pebble" (Ein winziges Steinchen"). Er erzählt von einem jungen
amerikanischen Ingenieur, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Wasserkräfte des Yangtse-Stromes nutzbar zu machen, und zu diesem Zwecke in
einer Dschunke stromaufwärts fährt, um festzustellen, wo ein Staudamm
errichtet werden könnte. Auf dieser Reise findet er sich selbst. Der
Roman, mit seltenem Feingefühl und in einem ausgezeichneten Stil geschrieben, offenbart ein ungewöhnliches Verständnis für die Gefühle der
Menschen eines fremden Volkes, die nicht über die steilen felsigen Uferwände des Yangtse hinauszublicken vermögen.
Zum Biographischen, Historischen hinüber leiten die gegen Ende des
vergangenen Jahres von Elizabeth Nowell herausgegebenen Briefe des
verstorbenen großen amerikanischen Romanciers Thomas Wolfe. In diesen
Briefen, die von der Schulzeit des Dichters in Nord-Karolina bis zu
seinem letzten Aufenthalt im Krankenhaus reichen, tritt uns der glänzende Schriftsteller noch einmal in seiner ganzen Vielseitigkeit und
Liebenswürdigkeit entgegen.
Zu den Büchern, die stärkste Beachtung nicht nur in den interessierten militärischen Kreisen, sondern auch beim großen Publikum gefunden
haben, gehört General Bedell Smiths Buch "Eisenhower1s Six Great
Decisions: Europe, 1944-45" ("Eisenhowers sechs große Entscheidungen:
Europa 1944-45")- Bedell Smith, der Generalstabschef des alliierten
Expeditionskorps in Europa war, legt in dem Buch an Hand von Dokumenten

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Dokumenten die großen Entscheidungen von dem Befehl zur Invasion in der
Normandie bis zu den Kämpfen an der Elbe dar, die Eisenhower eine wahrhaft erdrückende Verantwortung auferlegten.
Neben dem Soldaten hat auch der Staatsmann und Politiker Eisenhower
seinen Historiographen gefunden in dem Buch von Robert J. Donovan
"Eisenhower: The Inside Story". Was die Darstellung Donovans, der Korrespondent der "New York Herald Tribüne" für das Weiße Haus ist, besonders
bemerkenswert macht, ist der Umstand, daß sie sich auf die Originaldokumente und Aufzeichnungen aus dem Weißen Hause selbst stützt, die dem
Korrespondenten für seine Arbeit zur Verfügung standen.
Die letzten sechs Jahre vor der Amtszeit Eisenhowers behandelt
der zu Anfang des verflossenen Jahres - auch in deutscher Übersetzung erschiedene zweite Band der "Memoirs by Harry S. Truman" ("Memoiren von
Harry S. Truman"), dem der frühere amerikanische Präsident den Untertitel "Years of Trial and Hope" ("Jahre der Prüfung und Hoffnung")
gegeben hat. Die Darstellungen Trumans liefern wertvolles Material
für die Beurteilung jener Nachkriegs jähre mit ihrer verwirrenden Fülle
von oft einander widersprechenden Einzelereignissen und werfen auf
viele Dinge ein ganz neues Licht.
Die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion, die durch
die Vorgänge in Ungarn und andere Ereignisse der letzten Zeit wieder
stark in den Vordergrund des Interesses gerückt sind, bilden das Thema
eines auf vier Bände berechneten historischen Werkes des ehemaligen
amerikanischen Botschafters in Moskau und Beraters im US-Außenministerium George F. Kennan. Der 1956 im Verlag der Princeton University
Press herausgekommene erste Band bietet eine Studie über die bolschewistische Machtergreifung im November 1917 bis zur Unterzeichnung des
Friedens von Brest-Litowsk im März 1 91 Q•
Als ein außerordentlich wertvolles Buch wurde von der amerikanischen
Kritik Samuel Lubells "Revolt of the Moderates" ("Aufruhr der Gemäßigten")
gerühmt. Es behandelt, vornehmlich vor dem Hintergrunde der Präsidentschaft General Eisenhowers, den Aufstieg der amerikanischen Mittelklasse
in der Politik seit dem zweiten Weltkrieg.
Einen

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Einen großen Leserkreis fanden auch John F. Kennedys "Profiles in
Courage". Der Autor, der die Lebensgeschichte bedeutender amerikanischer
Politiker von John Quincy Adams bis zu Robert A. Taft verfolgt, ist
beeindruckt von dem sittlichen Mut dieser Männer, mit dem sie sich
häufig gegen die größten Schwierigkeiten durchzusetzen hatten und den er
für die wesentlichste Tugend eines Politikers hält.
Zum Schluß dieser - naturgemäß nur sehr unvollständigen - Aufzählung wichtiger Neuerscheinungen des vergangenen Jahres möge noch ein
',Verk der Literaturkritik Erwähnung finden. Es handelt sich um die
"Essays in Literary Criticism" des im Jahre 1952 verstorbenen amerikanischen Philosophen George Santayana, die von Irving Singer herausgegeben wurden. Die Sammlung enthält unter anderem die großen Essays über
Dante und Goethes "Faust", daneben kleinere, aber ebenso bedeutende
Arbeiten über Cervantes, Shakespeares "Hamlet", Shelley, Leopardi,
Dickens, Emerson und Proust. In allen bewundert man den geistreichen
und glänzenden Stil, das ausgewogene Urteil des Philosophen und Literaturkritikers und freut sich seiner überall durchschimmernden, tief in seinem Wesen verwurzelten Humanität,.

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AMERIKANISCHE 'WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG IM JAHRE 1956

(100 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - In dieser Zeit wird soviel von Wundern auf allen
möglichen Gebieten gesprochen, daß sie selbst dort, wo sie wirklich geschehen, kaum noch als solche empfunden werden. Die Höhe der erreichten
technischen Zivilisation macht das Wunder alltäglich, indem sie jeden
daran teilhaben läßt und dadurch sogar das schöpferisch Große verkleinert. Es ist bezeichnend für diese Zeit, daß jeder in der Lage ist, durch
den Druck auf irgendeine Taste die verwickeisten und wahrhaft wunderbarsten Vorgänge auszulösen, ohne eine Vorstellung von dem zu haben, was
da geschieht. Die breite Masse der zivilisierten Völker ist Nutznießer,
gleichsam Konsument eines Geistes, der sie in Wirklichkeit gar nicht
oder nur wenig bewegt.
Die Presse eines Jahres bringt zahllose Berichte über Neuerungen,
wesentliche Verbesserungen oder sogar

Erfindungen, die nicht selten noch

vor kurzer Zeit als unmöglich erschienen. Sie wurden dadurch wirklich,
daß eines Menschen Geist neue Wsge ging oder zum mindesten sah, was
jedem anderen Auge verborgen blieb. Aber das berührt die Mehrzahl der
Menschen nicht, da sie es sowieso nicht begreift und ja auch nicht zu
verstehen braucht, was über kura oder lang Teil ihres Alltags wird.
Deshalb wird ja auch immer wieder die Überlegung angestellt,
ob die Neuerungen, die auf so vielen Gebieten "präsentiert" wurden, wirklich Erfindungen sind oder nicht bloß Früchte, die am Wege der ganzen
Entwicklung gelegen sind und geradezu darauf gewartet haben, aufgehoben
zu werden. Und dennoch! Wenn sie nämlich tatsächlich darauf "gewartet"
hätten, so mußte es auch noch Manschen geben, die sie fanden, aufnahmen
und den anderen in einer auch für sie brauchbaren Form weiterreichten.
Denn darauf kommt es ja an: einer Entwicklung, die - alles in allem vielleicht gar nicht einmal aufgehalten werden könnte, die für den
Menschen beste und ersprießlichste Form und Richtung zu geben. Selbst
wenn dies gewissermaßen nur am Rande geschieht, auch nur am Rande jenes
Weges, dessen Tiefen und Höhen durch Marksteine des Geistes gekennzeichnet sind. Und in dieser Beziehung ist im nun vergangenen Jahr, dem Jahre

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Jahre 1956, allein in den Vereinigten Staaten so viel geschehen, daß
es unmöglich ist, hier mehr als nur ein paar Beispiele anzuführen.
Im Bereich der Medizin und Physiologie drängen sich dem Rückschauenuen selbstverständlich sofort drei Namen auf, und zwar die Namen jener
drei Ärzte, die im vorigen Jahr für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur
Verbesserung der diagnostischen Technik bei Herzkrankheiten und krankhaften Veränderungen des Kreislaufsystems durch "Kathetisierung des Herzens"
mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden sind. Vielleicht werden die drei
Mediziner - es handelt sich um den Deutschen Dr. Werner Forssmann sowie
die beiden Amerikaner Dr. Andre

F. Cournand und Dr. Dickinson ff«

Richards, Professoren an der Columbia-Universität - im Rahmen solcher
Jahresrückschauen größtenteils überhaupt nicht genannt, da das, was
sie geleistet haben, ja nicht die "Erfindung" eines Jahres, sondern
die Arbeit vieler Jahre ist.
Aber das ist, besonders in der Medizin, ja eigentlich stets der
Fall, selbst dann, wenn es heißt, daß es durch Anwendung eines außerordentlich gewagten herzchirurgischen Verfahrens zum ersten Mal in der
Geschichte der Medizin gelungen ist ... beispielsweise durch Einführung eines konisch geformten Stöpsels aus gepreßtem Kunststoff in die
äußere Wand einer Herzkammer einen lebensgefährlichen Riß der Gefäßwand zu verstopfen und dadurch das sich ständig wiederholende Zurückströmen des Blutes in die rechte Herzkammer zu unterbinden. Die Ärzte,
die dieses Kunststück zuwege brachten, arbeiten in einer Klinik des
bekannten amerikanischen Instituts für Herzkrankheiten in Bethesda
in Maryland. Dieses Bravourstück wäre ihnen jedoch nicht geglückt,
wenn sie sich nicht einer schon vor Jahren entwickelten "Technik"
hätten bedienen können, nämlich der Operation des Patienten in einem
Kälteschlaf mit so starker Unterkühlung, daß der Blutbedarf des
Körpers weit genug vermindert ist, um eine Unterbrechung des Kreislaufs wenigstens für einige Minuten zu ermöglichen. Aber diese Herzoperationen im Kälteschlaf haben oder - wie man heut vielleicht schon
sagen darf - hatten bisher ihre besondere Gefahr, das sogenannte
schnelle Herzkammerflimmern, das bei Anwendung von Hypothermie häufig
auftritt und einen völligen Ausfall der normalen rhythmischen Herzmuskel-

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Herzmuskelbewegungen mit nachfolgendem Herzstillstand zur Folge hat.
Diese Gefahr scheint jetzt so gut wie behoben zu sein, und zwar "ganz
einfach" durch Novocain-Injektionen in den oberen Aurikularanhang - ein
Verfahren, das ebenfalls von zwei amerikanischen Ärzten entwickelt und,
nachdem es sich im Tierversuch bewährt hatte, im vorigen Jahr bei vielen
Herzoperationen angewendet worden war.
Warum aber kommt es überhaupt zu so vielen Schädigungen des Herzens
und des gesamten Kreislaufsystems? Nun, der Feind Nr. 1 ist nach systematisch durchgeführten und im Vorjahr beendeten Versuchen dreier Ärzte
eines Chicagoer Krankenhauses zweifellos eine komplexe Störung im
Hormon- und Ernährungsgleichgewicht durch Aufnahme von zuviel "leeren"
Kalorien, Fetten und Cholesterin gegenüber viel zu wenig Proteinen,
Vitaminen und Mineralien. Die Folge davon sind in der Hauptsache Koronarerkrankungen, Atherosklerose und Aortaschaeden aller Art.
Wohl das am meisten Aufsehen erregende Arbeitsergebnis amerikanischer
Forscher auf diesem Gebiet war die - ebenfalls in Bethesda - gelungene
"Dressur" bestimmter Viren mit tumorauflösender Wirkung auf Krebsgeschwülste. Diese Art der Krebsbekämpfung, die allerdings eine eingehende
Vorbehandlung der Viren erfordert, scheint nach allen Erfahrungen in
dieser Hinsicht die meistversprechende zu sein, obgleich sie systematisch bisher erst im Tierversuch erprobt wurde, aber eben mit Hilfe
von Krebsgeweben, die vom Menschen auf die Versuchstiere übertragen
worden sind.
Die Auseinandersetzung um den Salkschen Impfstoff gegen Kinderlähmung ist im Vorjahr zugunsten dieses Vakzins entschieden; es hat
alle Erwartungen erfüllt, die Zahl der Neuerkrankungen ist außerordentlich zurückgegangen. Und daraufhin haben auch eine ganze Reihe anderer
Staaten regelmäßige Impfungen mit dem ihnen von den Vereinigten Staaten überlassenen Salkschen Vakzin aufgenommen. Trotzdem ist - auch in
den USA - die Suche nach einem noch besseren, vor allem länger wirksamen Mittel gegen die Kinderlähmung weitergegangen. Und tatsächlich ist
es - wie Ausgang des Sommers aus der Medizinischen Hochschule in Cincinnatti gemeldet wurde - gelungen, einen Stoff zu entwickeln, der,
im Gegensatz zum Salkschen Vakzin, lebende Viren enthält und angeblich
eine vieljährige, möglichenfalls sogar lebenslängliche Immunität

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Immunität erzeugten;es braucht nicht injiziert zu werden, sondern wird
in flüssiger Form eingenommen. Ob es alle die ihm zugesprochenen Eigenschaften auch wirklich besitzt, kann jedoch erst die Erfahrung zeigen.
Verbesserte Augenlinsen für Starerkrankte, neue Brillensysteme,
die einem bestimmten Kreis von Teilerblindeten fast das volle Sehvermögen wiedergeben, und eine große Anzahl von Spezialgeräten, die den
Vollerblindeten Leben und Arbeit erleichtern - auch in dieser Hinsicht
ist im Vorjahr vieles entwickelt worden, was geeignet ist, den Schwerstbetroffenen unter uns zu helfen.
Aber mit diesen Neuerungen beziehungsweise Erfindungen befinden
wir uns schon mehr auf technischem Gebiet. Und gerade auf diesem ist so
viel geleistet worden, daß es unmöglich ist, hier mehr als ein paar
Beispiele zu geben von Neuerungen, die der großen Masse nur indirekt
dienstbar sind, aber angetan, auch ihre Phantasie zu erregen. Hierher
gehört etwa das Radioteleskop, das in Kalifornien errichtet wird und
der Bestimmung der von unbekannten Quellen ausgehenden elektromagnetischen Strahlungen aus großen Entfernungen, nämlich der Lokalisierung
von sogenannten Radiosternen, dient. Die beiden nach jeder Richtung
schwenkbaren Parabolspiegel dieses Geräts haben einen Durchmesser von
je JO Meter. Da sie fahrbar sind und nach Bedarf mehrere Hundert Meter
voneinander stationiert werden können, haben sie denselben Nutzeffekt
wie ein einziger Antennenspiegel von etwa 1200 Metern Durchmesser.
Das sogenannte "Lumicon" dagegen, das von zwei Wissenschaftlern
der Johns-Hopkins-Universität entwickelt wurde, kann, in die Apparatur
eines Teleskops eingebaut, alle auf die Kamera einwirkenden Lichtimpulse um das 50 OOOfache verstärken; dadurch werden Aufnahmen von
Objekten ermöglicht, die "normalerweise" überhaupt nicht sichtbar sind.
In diesen selben Bereich gehört ein Gerät, das von der V/estinghouse Electric Corporation konstruiert wurde. Es ist im Grunde genommen weiter nichts als ein Bildverstärker, nicht größer als eines
Menschen Faust und dennoch imstande, die Lichtstärke des größten Spiegelteleskops der Welt um das Hundertfache zu erhöhen. Man soll damit
Sternenhaufen Photographieren können, die drei bis sechs Milliarden
Lichtjahre von der Erde entfernt sind.
Unvorstellbare

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Unvorstellbare Weiten, unbegreifliche Welten - und dennoch vom
Menschengeist nicht nur entdeckt, sondern in gewisser Beziehung auch
bezwungen. Man denke nur an die sich geradezu überstürzende Entwicklung auf dem Gebiet der Atomforschung, als deren neuestes Ergebnis gerade
jetzt die Entdeckung eines neuen atomaren Fusionsprozessee gemeldet
wurde. Bei dem neuen Prozeß wird die Fusion von schweren und normalen
Wasserstoffkernen zu einem Heliumatom durch negative Mesonen ausgelöst;
dazu sollen keine solchen Auslösungsenergien beziehungsweise ungeheuere
Temperaturen erforderlich sein, wie sie für die bisher bekannten thermonuklearen Reaktionen unumgänglich sind. Sollte es möglich sein, den
neuen Prozeß auch wirtschaftlich nutzbar zu machen, was infolge der
unvorstellbaren "Kurzlebigkeit" der negativen Mesonen allerdings noch
sehr fraglich ist, so käme der Mensch dadurch vielleicht wirklich in die
Lage, den uralten Traum der Wissenschaftler von einer praktisch überhaupt nicht mehr zu erschöpfenden Energiequelle erfüllt zu sehen.

x * * * *

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DIE TOTEN DES JAHRES 1956

3.

Januar

5.

n

William S. Haas, 72, deutschbürtiger Orientalist,
in New York
Christopher LaFarge, 58, Dichter und Schriftsteller,
in Providence, R.I.

13.

11

Lyonel Feininger, 84, Maler und ehemaliger Professoram Bauhaus, in New York, N.Y.

24.

11

Oscar Karlweiss, 60, Österreich-gebürtiger Schauspieler,
in New York, N.Y.

29.

ti

Henry Louis Mencken, 75, Kritiker und Schriftsteller,
in Baltimore, Md.

28.

Februar

Harley M. Kilgore, 63, demokratischer Senator von
V/est-Virginia, in 7/ashington, D.C.

18.

März

Louis Bromfield, 59, Schriftsteller, in Columbus, Ohio.

30.

April

25.

Juni

Alben Barkley, Senator, ehemals Vizepräsident der USA,
78 Jahre
Admiral Ernest Joseph King, 77 Jahre, ehemals Befehlshaber der US-Kriegsmarine während des zweiten '.Veitkrieges

16.

August

Vizeadmiral Lynde D. McCormick, 1952-54 Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte der NATO

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES-PRESSEKONFERENZ YOM 18. DEZEMBER

1956

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut der Pressekonferenz, die der amerikanische Außenminister John Foster Dulles am 18. Dezember 1956 in'Washington
abgehalten hat.

Frage: Herr Außenminister, es sind eine Unmenge Spekulationen
angestellt worden über die Möglichkeiten einer positiven Reaktion
auf einen Punkt in der Abrüstungsnote, die Ministerpräsident Bulganin am 17« November über die Reduzierung der Streitkräfte in
Europa übersandte. Soviel ich weiß, sprach er erstens von einer
Reduzierung, zweitens von einem schließlichen Abzug aller Streitkräfte. Können Sie sagen, welche Art Antwort es auf diesen Vorschlag
geben könnte, oder welche Schritte überhaupt auf diesem Gebiet möglich sind?
Antwort: Nun, ich kann Ihnen heute natürlich nicht voraussagen,
wie die Antwort, die Präsident Eisenhower Ministerpräsident Bulganin
geben wird, im einzelnen ausfallen wird. Ich glaube, die vorgeschlagene Antwort wird gegenwärtig vom Ständigen Militärausschuß der NATO
erwogen, was unserer Politik des Meinungsaustausches mit den unmittelbar betroffenen Verbündeten Mächten entspricht. Ich glaube, soviel
sagen zu können, daß kein solcher Plan existiert, und ich glaube, die
Antwort wird nichts dahingehend enthalten, daß unsere Stärke in
Europa reduziert wird. Wir haben diese Angelegenheit ziemlich eingehend auf der NATO-Konferenz besprochen sowie in unserer Diskussion
über die an unsere Militärbehörden herauszugebende neue Direktive
behandelt. Dabei wird von der Voraussetzung ausgegangen, daß die
militärische Stärke der Vereinigten Staaten in Europa beibehalten
wird. Das bedeutet nicht, daß nicht etwa eine gewisse Angleichung oder
Anpassung der dort stationierten Divisionen vorgenommen werden könnte,
denn hier handelt es sich um ein Programm, das vom Verteidigungsministerium in bezug auf alle unsere Divisionen, wo sie auch stationiert
sein mögen, im Rahmen unserer Bemühungen um eine größere Beweglichkeit und bessere Anpassung unserer Truppen an die moderne Kriegführung und die neuen Waffen ausgearbeitet wird. Doch werden zur Zeit
keinerlei Pläne über eine Reduzierung der Stärke der Vereinigten
Staaten in Europa erwogen.
„
Frage:
- 1 -

�AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Frage: Herr Außenminister, könnte ich die Frage vielleicht folgendermaßen formulieren: Sie vertreten seit langen, den Standpunkt, daß
in der Sowjetunion sehr viel im Gange ist, una es gibt genügend Beweise
dafür, daß dies auch für die Satellitenstaaten zutrifft, anscheinend
hat sich auch die Einstellung hier insofern gewandelt, daß sich die
Situation in den Satellitenländern geändert hat - das militärische
Kräfteverhältnis -, da die Russen bei einem Konflikt mit dem Westen
nicht mehr mit den Truppen der Satellitenländ^r: rechnen können. Ist
dies vielleicht eine Gelegenheit, nach einem neuen Weg zu einer politischen Bereinigung der europäischen Frage zu suchen und, sofort) dies
zutrifft, wäre damit eine Änderung der militärischen Pos tion beide^.
Seiten verbunden?
Antwort: Ich sollte meinen, wenn die weitere Entwicklung innerhalb
der Satellitenländer so verläuft, daß sie wirklich unabhängige Nationen
werden, so würde das eine allgemeine Iberprüfu ig der Lage rechtfertigen.
Die Vereinigten Staaten haben keinen Zweifel darüber gelassen - ich
habe dies in meiner Rede in Dallas, ich glaube es war Ende Oktober,
zum Ausdruck gebracht, und Präsident Eisenhower Scg*e das gleiche kurz
darauf -, daß die Vereinigten Staaten in keiner .Veise die Abs cht habe.:,
diese Satellitenländer Z J ihren Verbündeten zu machen, das heißt, wir
haben nicht die Absicht, einen Ring feindlicher Staaten um die Sowjetunion zu schaffen und damit den sogenannten Cordon sanitaire wieder
ins Leben zu rufen, der nach dem ersten Weltkrieg hauptsächlich von
den Franzosen geschaffen wurde in der Absicht, die Sowjetunion d. rch
feindliche Mächte einzukreisen. Wir haben in dieser Beziehung unsere
Politik eindeutig klargelegt in der Hoffnung, auf diese Weise einer
Entwicklung der Satell tenländer - einer friedlichen Entwicklung - zu
echter Unabhängigkeit den Weg zu ebnen. Bisher lat es hierauf noch
keine Reaktion gegeben, die eine grundlegende Revidierung der militärischen Position gerechtfertigt hätte. Es ist natürlich absolut
richtig, daß die Situatxor sich geändert hat - da sich das militärische
Kräfteverhältnis geändert hat -.insofern anlich, als vor einer Reihe
von Jahren die Sowjetunion, und vielleicht auch wi selbst glaubten, die
UdSSR könne a^f 60 oder me r Divisionen aus den Satellitenländern rechnen, die auf ihrer Seite kämpfen werden, während es heute so aussieht,
als kennte die Sowjetunion nicht mehr darauf rechnen, daß sie an ihrer
Seite kämpfen.
S~e könnten womögLichdie Gewehre umkehren, man mußre also gewisse ibstriche an der Zahl der Streitkräfte der Sowjetunion vornehmen,
um diesen Fa tor auszugleichen. Immerhin ist selbst unter Berücksichtigung dieses Umstandes die potentielle militärische Stärke der Sowjets
in Saropa so groß, daß selbst unter Berücksichtigung dieses Umstandes,
wie ich schon sagte, das Problem des Gleichgewichts der militärischen
Kräfte es meiner Meinung nach - und auch nach Ansicht unserer militärischen Berater - noch nicht gestattet, irgendwelche Reduzierungen
in er Stärke der NATO-Streitkräfte in Europa vorzunehmen.
Frage:

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9. Januar 1957

Frage: Herr Außenminister, wollen Sie damit also sagen, daß die
Beibehaltung der Teilung Deutschlands und die vollständige Unabhängigkeit aller Satellitenländer die Vorbedingungen für die Annahme eines
alleuropäischen Sicherheitapaktes durch die Amerikaner ist?
Antwort: Nun, dazu möchte ich folgendes sagen: Wenn die Satellitenländer wirklich unabhängig wären, so würde das meiner Ansicht nach ganz
sicherlich eine Revidierung in der Art, wie sie angeregt wurde, erleichtern. Desgleichen würde ich sagen, daß wir nicht bereit sind, die
militärische Situation auf dem europäischen Kontinent auf der Basis
einer Trennungslinie mitten durch Deutschland und damit der Beibehaltung der Teilung Deutschlands einer Überprüfung zu unterziehen.
Frage: Herr Außenminister, haben Sie nach Ihrem Pariser Besuch
den Eindruck, daß wieder so etwas wie ein gutes Einvernehmen, das vor der
Suezkrise zwischen uns und unseren Verbündeten bestand, im Entstehen
begriffen ist?
Antwort: Ich glaube, es kann überhaupt kein Zweifel darüber bestehen, daß die Beziehungen wieder besser sind als vor meiner Reise
nach Paris zu den Besprechungen im NATO-Rat und mit anderen Stellen.
Ich würde allerdings nicht so weit gehen zu sagen, daß nicht noch gewisse Narben geblieben sind - daß keinerlei Differenzen mehr bestehen
über gewesene Dinge. Aber das beste Mittel, die Vergangenheit zu vergessen, ist das Planen in die Zukunft. Diese Regel gilt meiner Ansicht
nach für das Leben überhaupt, auch für die internationalen Beziehungen.
Wenn wir uns mit der Zukunft beschäftigen und gemeinsame Pläne für die
Zukunft machen, dann beginnen die alten Wunden zu heilen, und ich habe
den Eindruck, daß dieser Prozeß bereits im Gange ist.
Frage: Herr Außenminister, man spricht davon, daß der Amerikabesuch des Ministerpräsidenten Nehru vielleicht unter anderem eine Beilegung der Schwierigkeiten in Nahost mit sich bringen werde. Können Sie
uns irgend etwas darüber sagen oder einen Hinweis geben, in welcher
Richtung die Gespräche verlaufen dürften?
Antwort: Nein, leider bin ich nicht in der Lage, Ministerpräsident Nehrus Besuch in den Vereinigten Staaten zu kommentieren, solange
dieser Besuch noch nicht abgeschlossen ist. Ich habe bisher noch keine
Möglichkeit gehabt, den Präsidenten zu:sprechen, da er sich jetzt erst
auf dem Rückweg aus Gettysburg befindet und ich nicht weiß, was sich
dort ereignet hat. Am Sonntag nachmittag habe ich Ministerpräsident
Nehru selbst gesprochen. Da aber die Gespräche noch weitergehen, möchte
ich lieber keinen Kommentar dazu abgeben.
Frage: Herr Außenminister, in welchem Maße sind die Vereinigten
Staaten durch ihre in Paris eingegangenen Verpflichtungen gebunden,
ihre Verbündeten zu konsultieren, und inwieweit sind sie nicht verpflichtet, sich mit ihren Verbündeten über internationale Probleme
zu besprechen?
Antwort:

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9. Januar

1957

Antwort: Nun, ich habe in Paris deutlich zum Ausdruck gebracht,
daß wir, was die gegenseitige Konsultierung anbetrifft, bereit sind,
uns mit unseren Verbündeten über alle unsere Probleme und politischen
Maßnahmen in der gesamten Welt zu besprechen. Ich erklärte, daß unsere
Politik bekannt ist, daß es hierbei keine Geheimnisse gibt, und daß
wir sie gerne diskutieren, erklären würden, und daß wir gerne jeden
Vorschlag unserer Verbündeten in Erwägung ziehen. Und ich erklärte
ferner, daß dies für unsere Politik in bezug auf den Fernen Osten ebenso gelte wie für den Vorderen Orient oder die amerikanische Hemisphäre.
Ich brachte dann jedoch einen anderen Punkt zur Sprache, nämlich
den, daß wir in diesen Gebieten vertraglich verpflichtet sind, unter
bestimmten Voraussetzungen aktiv einzugreifen. Dasralles ist bereits
bekannt. Es ist zum Beispiel bekannt, und ich habe darauf auch in Paris
hingewiesen, daß wir gegenüber der nationalchinesischen Republik auf
Formosa vertraglich verpflichtet sind, sie im Falle eines Angriffs bei
der Verteidigung Formosas und der Pescadoren zu unterstützen. Falls
ein solcher Angriff erfolgen sollte, müssen wir unsere vertraglichen
Verpflichtungen einhalten. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt,
diese Politik zu erörtern, falls die andere Seite dies wünscht, und
ich habe sie vor einem Jahr mit dem Außenministerrat der NATO ja auch
tatsächlich schon erörtert. Wir sind daher bereit, mit den anderen
Staaten über unsere Politik in allen Teilen der V/elt zu diskutieren
und uns mit ihnen zu beraten. Doch wenn wir handeln müssen, können wir
uns nicht darauf einlassen, die Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen
gegenüber anderen Verbündeten auszusetzen. Wir können nicht im Rahmen
eines solchen Vertrages erforderliche Maßnahmen verschieben, um sie
dann in dieser Phase mit den NATO-Verbündeten zu diskutieren.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich hier noch etwas zur Sprache
bringen, da, wie ich in Paris feststellte, zur Frage der Konsultierung
erhebliche Mißverständnisse bestehen. Es wird allgemein angenommen,
daß unsere Kritik gegenüber der britischen und französischen Haltung
in erster Linie darin besteht, daß sie es unterließen.weder uns noch
den NATO-Rat zu konsultieren. Das ist nicht der Fall. Es stimmt wohl,
daß der eigentliche Angriff ohne unser Wissen erfolgte und daß er uns
vollkommen überraschte. Es wurdan allerdings seit nahezu drei Monaten
Konsultationen in dieser Angelegenheit gepflögen.
Die Auffassung der Vereinigten Staaten war hinreichend bekannt,
und es war auch bekannt, aus welchen Gründen wir ein solches Vorgehen
ablehnen. Wir haben dies während der drei Besuche erörtert, die ich
London abgestattet habe, und zwar bereits anlässlich meines ersten
Besuchs Ende Juli. Dies wurde auch bei unserem Zusammentreffen mit den
britischen und französischen Ministern anlässlich der Sitzung des
Sicherheitsrates diskutiert. Die ganze Frage ist gründlich erörtert
worden; unsere Meinung war ihnen bekannt; sie wußten, warum wir ein
solches Vorgehen ablehnten. Und unser Vorwurf geht nicht dahin, daß
keine Erörterungen über diese Frage gepflogen worden sind, auch nicht
dahin, daß wir keine Gelegenheit hatten, unsere Ansichten darzulegen es ging vielmehr darum, daß wir einen solchen Angriff unter den

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9. Januar 1957

den gegebenen Umständen als eine Verletzung der Charta der Vereinten
Nationen und einen Verstoß auch gegen Artikel 1 des Nordatlantikpaktes
ansahen, der alle Vertragspartner verpflichtet, auf die Anwendung von
Gewalt zu verzichten und Streitigkeiten auf friedlichem 7/ege zu regeln.
Unser Vorwurf richtete sich mithin dagegen, daß der Vertrag verletzt
wurde, nicht daß keine Konsultation stattgefunden hat. Und wir ließen
keinen Zweifel daran, daß wir für unseren Teil den vertraglichen
Verpflichtungen, wie wir sie verstehen, getreu nachzukommen wünschten.
-Vir sind bereit, diese Verpflichtungen im einzelnen auseinanderzusetzen
und unsere Auffassung dazu darzulegen, damit jedermann verstehen kann,
welche Politik wir betreiben. Wenn wir aber vertraglich verpflichtet
sind, etwas zu tun, oder wenn wir vertraglich verpflichtet sind, etwas
zu unterlassen, dann sind wir willens, uns an diese Verträge zu halten.
Diese Verträge an sich stehen nicht in dem Sinne zur Diskussion, daß
wir den Ministerrat der NATO anrufen müssen, ob wir unsere vertraglichen
Verpflichtungen erfüllen sollen oder nicht.
Frage: Herr Minister, es wird allgemein angenommen, daJ die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas proportional zur Dauer der Blockierung des Suezkanals für die Schiffahrt zunehmen werden. Es bestehen
gegenwärtig bestimmte Schwierigkeiten bezüglich der Räumung der Fahrrinne des Kanals, die besonders Ägypten, die Vereinten Nationen, Großbritannien und Frankreich angehen. Besteht eine von uns gesetzte Frist,
bis zu der der Kanal geräumt sein muß, und was geschieht seitens der
Vereinigten Staaten - gleichgültig ob nun eine solche Frist gesetzt
ist oder nicht -, um Herrn Nasser in dieser Angelegenheit zur Zusammenarbeit zu bewegen?
Antwort: Soweit mir bekannt ist, gibt es keine derartige Frist,
mit der ein bestimmter Zeitpunkt für den Abschluß der Räumungsarbeiten
im Kanal festgesetzt worden wäre. Es wäre ganz unmöglich, eine solche
Frist festzusetzen, weil die mit dem Studium dieser Probleme beschäftigten Techniker bisher selbst noch keine klare Vorstellung von
Art und Umfang der Hindernisse haben und deshalb auch nicht wissen
können, wieviel Zeit die Beseitigung der Hindernisse erfordern wird.
Eine Frist für den Abschluß der Räumungsarbeiten wäre daher praktisch
und technisch ein Unding. Nun sind wir natürlich stark daran interessiert, daß der Kanal sobald wie möglich wieder voll in Betrieb genommen
wird. Das ist eine Frage, an der die europäischen Nationen ebenso wie
die asiatischen Staaten wirtschaftlich und finanziell interessiert sind,
ebenso die Vereinigten Staaten, die einen Teil der finanziellen Lasten
dieser Unterbrechung des Verkehrs tragen. Es liegt daher in unserem
eigenen nationalen Interesse und auch im Interesse unserer Außenpolitik,
daß der Kanal so schnell wie möglich wieder in Betrieb- genommen wird.
Damit hängt eine große Zahl praktischer und psychologischer Probleme
zusammen, und wir sind überzeugt, daß wir dieses Ziel am ehesten erreichen, wenn wir den Generalsekretär der Vereinten Nationen unterstützen,
dem die oberste Verantwortung für diese Frage übertragen wurde. Ihm
stehen bewährte Ratgeber zur Seite. 7/ir stehen ihm mit unserem Rat
jederzeit zur Verfügung, wenn er ihn brauchen kann. Jedenfalls unterstützen wir Mr. Hamm«rskjöld in dieser Angelegenheit, da wir dies für

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für den besten Y/eg halten, die Aufgabe zu bewältigen.
Frage: Herr Außenminister, nach Berichten westlicher Korrespondenten und Diplomaten in Moskau läßt sich die sowjetische Regierung anscheinend erneut von dem Gedanken leiten, daß die amerikanische Regierung in
Y'/ashington ein Wiederaufleben des Kalten Krieges wünscht und beabsichtigt.
Y/ürden Sie bitte darlegen, welche Politik die amerikanische Regierung
in dieser Frage tatsächlich verfolgt?
Antwort: Nun, ich kann ganz entschieden erklären, daß die Vereinigten Staaten kein "Y/iederauf leben des Kalten Krieges" wünschen. Selbstverständlich hat dieser Ausdruck "Kalter Krieg" einen etwas zweideutigen
Sinn, und ich glaube nicht, daß Sie eine Definition des Begriffs im
Webster oder im Oxford Dictionary finden werden. Es kommt also immer
auf die Definition an, wenn unklare Ausdrücke dieser Art benutzt werden.
Jedenfalls ist die Veränderung der Atmosphäre, die nach der Genfer Konferenz eingetreten ist, nicht auf irgendeinen mir bekannten Schritt der
Vereinigten Staaten zurückzuführen; sicherlich nicht auf einen Wunsch
unsererseits. Sie ist allein auf die Politik der Sowjets zurückzuführen.
Die Sowjets haben versucht, im Vorderen Orient Unruhe zu stiften; bei
den Suez-Konferenzen haben sie versucht, eine Regelung der Nah-Ostprobleme zu verhindern. Das Vorgehen des sowjetischen Außenministers
zielte offensichtlich stets darauf ab, eine Einigung zwischen Ägypten
und den Engländern und Franzosen nach Möglichkeit zu hintertreiben^
Und immer wenn man anscheinend kurz vor einer Einigung schien, war es
die sowjetische Regierung, die in dön arabischen Ländern einen Propagandafeldzug startete, in dem sie das geplante Abkommen bekämpfte und
diskreditierte und es damit für die arabischen Länder tatsächlich sehr
schwer machte, die Regelung zu akzeptieren. Und dann kennen wir ja alle
die tragischen Ereignisse, die sich in Ungarn abspielten. Ich darf wohl
noch hinzufügen, daß auf der Gipfelkonferenz in Genf eine eindeutige
Einigung erzielt wurde, daß Deutschland auf der Grundlage freier ..ahlen
wiedervereinigt werden solle. Die Vereinbarung wurde gebrochen. All
dies hat der. Eindruck erweckt, daß die Politik der Sowjets mit de;.;,
sie in Genf glauben machten, nicht recht in Einklang zu bringen
ist. Wenn man sieht, was in bezug auf die Genfer Abmachungen über Deutschland getan wurde, und wenn man die Politik im Nahen Osten und das Vorgehen in Ungarn betrachtet, dann sieht es nicht so aus, als wünschten
die Sowjets wirklich die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen
mit der freien Welt. Die Verantwortung hierfür aber trägt meiner Meinung
nach die Sowjetunion, denn wir haben unsererseits dies weder gewünscht
noch durch irgendwelche Machenschaften zu erreichen versucht.
Frage: Herr Außenminister, hat Großbritannien den Vereinigten
Staaten erklärt, daß es beabsichtigt, seine Truppenverpflichtungen für
die NATO um etwa 50 Prozent zu kürzen?
Antwort: Sowohl auf der NATO-Konferenz in Paris als auch anläßlich
einiger Besprechungen in engerem Kreise, die in Zusammenhang mit der
Tagung des NATO-Rates stattfanden, war davon die Rede, daß die gegenwärtige Lage eine Überprüfung der Stärke der von Großbritannien auf

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auf dem europäischen Kontinent stationierten Streitkräfte erfordere,
Sie werden sich vielleicht erinnern, daß damals, als die Briten diese
Zusagen bezüglich jener Streitkräfte machten, das heißt zur Zeit der
Londoner und Pariser Abmachungen und des Abschlusses oder besser der
Revision des Brüsseler Paktös, die Zusicherungen der Briten einen Hinweis auf gewisse finanzielle Erwägungen enthielten,die eine Überprüfung
dieser Zusicherungen rechtfertigen könnten. Und mir scheint, es besteht
die Auffassung, daß die finanzielle Lage Großbritanniens im gegenwärtigen Augenblick eine gewisse Überprüfung seiner Verpflichtung durchaus
rechtfertige. Diese Überprüfung wird zur Zeit vorgenommen. Bisher ist
aber noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, was geschehen
wird.
Frage: Herr Außenminister, wir wissen, daß Frankreich und Großbritannien Roh- und Heizöl brauchen, und wir wissen, daß sie an Benzinmangel leiden. V/ir sind bereit, ihnen alles zu geben, was sie brauchen, und wir verfügen zur Zeit auch über überschüssigen Tankschiffräum
für den Transport. Warum haben sie nun unserer Regierung erklärt, daß
sie kein Benzin von uns nehmen wollen, obwohl bei ihnen Mangel daran
besteht?
Antwort: Nun, da kann ich ihnen sagen, daß Sie besser unterrichtet
sind als ich. ICh wußte bisher nicht, daß sie uns eine derartige Mitteilung gemacht haben.
Frage: Nun, wenn Sie nichts davon wissen, dann haben sie es vielleicht
auch nicht getan.
Antwort: Ich erhebe nicht den Anspruch, allwissend zu sein. Es geschehen eine Menge Dinge, von denen ich nichts weiß.
Frage: Man hat uns bei anderen Pressekonferenzen, die Vertreter
der Regierung abhielten, erklärt, Großbritannien und Frankreich wollten
kein Benzin.
Antwort: Es mag sein, daß sie in erster Linie Rohöl haben wollen.
Frage: Herr Außenminister, heute und vielleicht in diesem Augenblick soll Japan das 80. Mitglied der Vereinten Nationen werden.
Hätten Sie irgend etwas zu Japans künftiger Mitgliedschaft in der UNO
zu sagen?
Antwort: Ich erhielt eben die Mitteilung, daß Japan mit 77 Stimmen
bei keiner Gegenstimme Mitglied der Vereinten Nationen geworden ist.
Dies ist ein Ereignis, das die Vereinigten Staaten freudig begrüßen.
Wir haben dies seit einigen Jahren angestrebt. Der Weg war lang und
steinig, wegen des Vetos der Sowjetunion, das Japans Aufnahme lange
Zeit verhindert hat. Es ist Ihnen vielleicht bekannt, daß ich ein ganz
besonders reges Interesse für Japan hegej habe ich doch an der Aushandlung des Friedensvertrages mit Japan teilgenommen. Wir gaben damals
unserer Hoffnung Ausdruck, daß Japan schon bald in die Vereinten Nationen aufgenommen werde. Denn Japan hat ganz sicherlich ein Recht, seinen

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seinen Platz in dieser Institution der Völkerfamilie einzunehmen. Wir
sind zuversichtlich, daß Japan durch seine Anwesenheit die Vereinten
Nationen stärken und daß es einen konstruktiven Beitrag leisten wird.
Somit ist es nicht nur ein Gewinn, auf den die Japaner einen Anspruch
haben und über den wir uns von Herzen freuen; es ist auch ein Gewinn für
die Vereinten Nationen, auf den diese einen Anspruch haben, und auch dies
ist etwas, worüber wir uns freuen.
Frage: Herr Außenminister, was halten Sie von dem jüngsten Vorschlag der Sowjetunion bezüglich der Aufnahme Rotchinas in die Vereinten Nationen?
Antwort: Nun, ich wünschte, dies wäre eine rein akademische Frage.
Die Vereinigten Staaten lehnen eine Aufnahme Rotchinas in die Vereinten
Nationen strikt ab. Ich glaube, ich brauche hier nicht alle Gründe
für diese Haltung anzuführen, doch scheint mir, es gibt ihrer eine
ganze Menge. Sie wurden bereits in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebracht, und wir haben unsere Ansicht
zu diesem Punkt nicht geändert.
Frage: Herr Außenminister, können Sie uns etwas Bestimmtes darüber sagen, welche Art Auslandshilfeprogramm zur Zeit erwogen wird, und
darüber, welche Bewilligungsanträge in diesem Zusammenhang dem Kongreß in seiner kommenden Sitzungsperiode zugeleitet werden sollen zum Beispiel wird es irgendeine Möglichkeit einer 'tfirtichaftshilfe
für Polen geben? Ist eine Bewilligungsvorlage für eine Art kleinen
Marshallplan für Westeuropa geplant?
Antwort: Ich bin nicht in der Lage, irgend etwas über den in
Vorbereitung befindlichen künftigen Haushaltsplan zu sagen. Es besteht
für sämtliche Ministerien ein striktes Verbot, sich zum Haushaltsplan zu äußern, solange er nicht vom Präsidenten gebilligt wurde und
den Mitgliedern des Kongresses bekanntgegeben werden kann. Soviel sei
aber hier gesagt, daß - abgesehen von den Einzelheiten des Haushaltsplanes und der Ausgabenpolitik der Regierung - es meiner Ansicht nach
allgemein bekannt ist, daß die Vereinigten Staaten mit der neuen
polnischen Regierung Verbindung aufgenommen haben, um festzustellen,
ob es irgendein für beide Seiten annehmbares Programm gibt, mit dem
wir Polen Unterstützung gewähren können , die zur Erhaltung seiner
zunehmenden Unabhängigkeit beizutragen vermag. Doch ist es unwahrscheinlich, daß der hierfür in Frage kommende Betrag den zur Zeit
in Ausarbeitung befindlichen Haushalt besonders belasten wird. Soviel
ich weiß, gibt es keinen Plan, der zur Zeit ausgearbeitet wird und
der so etwas wie einen "kleiner Marshallplan" darstellt.
Frage: Herr Außenminister, wollen Sie bitte versuchen, einen
Punkt hinsichtlich der militärischen Stärke in Europa zu klären. Sie
sagten heute morgen, daß wir gegen eine Reduzierung unserer militärischen Stärke sind und eine derartige Reduzierung auch nicht in Betracht
ziehen und daß wir die Trennungslinie durch Deutschland nicht hinnehmen
werden, daß aber diese Dinge eine mögliche Angleichung oder Anpassung

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Anpassung der Streitkräfte nicht ausschließen. Bedeutet dies aber,
daß wir auch einen Absug der Streitkräfte beider Seiten aus Deutschland mit dem Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands nicht in Erwägung ziehen?
Antwort: Ich sehe zur Zeit nicht die geringste Wahrscheinlichkeit,
daß sich eine derartige Frage in der Praxis erheben könnte.
Frage: --Herr Außenminister, würden Sie einen Besuch Marschall Titos
in den Vereinigten Staaten in der nächsten Zukunft begrüßen?
Antwort: Nun, mir scheint, ein Besuch Marschall Titos wäre sehr
zweckdienlich. Es gibt Dinge, die dann mit Aussicht auf Erfolg besprochen
werden könnten. Wie Sie wissen, fuhr ich selbst im November vor einem
Jahr nach Brioni und sprach dort mit Marschall Tito, und wie ich feststellte, hat sich die Unterredung durchaus gelohnt. Es hat sich jjezeigt,
daß es sehr nützlich war, über manche Dinge zu sprechen und daß Marschall
Tito viele Probleme der Satellitenländer versteht, was dann durch die
folgenden Ereignisse bestätigt wurde. Meiner Ansicht nach war diese
Unterredung sehr nutzbringend, und ich glaube, daß sich solche Besprechungen auf höchster Ebene als ebenso nutzbringend erweisen würden.
Frage: Ist bereits eine Entscheidung über eine Einladung an Marschall Tito getroffen worden?
Antwort: Nun, eine derartige Einladung wird zur Zeit mit Wohlwollen erwogen, doch ist es bisher noch nicht zu einer formellen Einladung zu einem festen Zeitpunkt gekommen, und wir wissen auch nicht,
ob dieser Gedanke sich je verwirklichen wird. Im derzeitigen Stadium
ist, könnte man sagen, in bezug auf den Besuch Marschall Titos alles
noch im Fluß.
Frage: Herr Außenminister - in Europa scheint das Gefühl noch immer
nicht ganz geschwunden zu sein, wir hätten auf die Engländer, Franzosen
und Israelis einen sehr starken Drück ausgeübt, daß sie sich den Beschlüssen der Vereinten Nationen fügen, während wir die Ägypter nicht
ebenso unter Druck gesetzt hätten, damit sie an der Lösung des Kanalproblems auf weite Sicht und an der Frage der Beseitigung der Hindernisse im Kanal konstruktiv mitarbeiten. Was können äie speziell zu diesem Punkt sagen, und welchen Standpunkt nimmt die Regierung der Vereinigten Staaten in der Frage ein, ob die Räumungsarbeiten im Kanal
noch vor Beendigung des Abzugs fremder Truppen aus Ägypten in Angriff
genommen werden sollen?
Antwort: Nun, was den letzten Punkt betrifft, so würde ich sagen,
daß in gewissem Sinne die Aufräumungsarbeiten am Kanal bereits im
Gange sind. Sie sind natürlich schon seit einiger Zeit in jenem Teil
des Kanals im Gang, der unter britischer und französischer Kontrolle
steht beziehungsweise stand. Auch in dem anderen Teil des Kanals haben
sie begonnen, denn dort werden jetzt die technischen Vorarbeiten geleistet, die den eigentlichen Aufräumungsarbeiten vorausgehen müssen.
Man weiß jetzt, wo sich die Hindernisse befinden, welcher Art diese

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diese Hindernisse sind, man ist daran gegangen, Pläne auszuarbeiten,
wie man sie aus dem Wege zu räumen gedenk't, ob sie ganz zu entfernen
oder nur beiseite zu räumen sind, kurzum,was überhaupt geschehen soll.
Eine gewisse Planung muß unbedingt der praktischen Inangriffnahme des
Problems vorausgehen. In dieser Phase befinden wir uns jetzt, und die
Leitung hat General Wheeler. Und ich glaube, daß die Arbeit dann nach
Beendigung des Abzugs ddr- Engländer und Franzosen ohne Unterbrechung
weitergehen wird.
Die Frage, ob britische Einheiten dort eingesetzt werden oder
nicht, ist ein höchst kompliziertes Problem; aber ich glaube nicht,
daß es zu einer ernstlichen Unterbrechung der Arbeiten kommt, da, wie
ich schon sagte, zunächst einmal diese vorbereitenden technischen
Erkundungen und Planungen duröhgeführt werden müssen.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben heute vom militärischen Kräfteverhältnis gesprochen, von der geplanten Antwort der amerikanischen Regierung auf den Brief Bulganins sowie von den Beratungen mit unseren
NATO-Verbündeten in Paris. Werden, wir jetzt zu diesem nach Ansicht mancher Leute für die freie Welt günstigen Zeitpunkt die Initiative ergreifen oder sind irgendwelche aufsehenerregenden neuen Vorschläge in
Vorbereitung?
Antwort: Nun, ich möchte unsere Pläne nicht gerade als aufsehenerregend oder neu in diesem Sinne bezeichnen. Die Dinge nehmen ihren
Lauf. Wir sind sehr zuversichtlich, daß die Entwicklung zu einer bedeutsamen Veränderung der weltpolitischen Lage führen wird. Ich bezweifle, daß diese von uns erhoffte Änderung durch irgend etwas Aufsehenerregendes vorweggenommen werden könnte.
Ich habe schon angedeutet, daß die Vereinigten Staaten sehr aufgeschlossen allen Vorschlägen gegenüber stehen, die hinsichtlich der
Stellung der Satellitenländer - sei es nun deren Neutralisierung oder
etwas anderes - vorgebracht werden und die, so möchte ich hoffen, dazu
angetan sind, alle Befürchtungen der Sowjetunion zu zerstreuen, daß
sie sich selbst materiell oder militärisch gefährdet, wenn sie dieser
Entwicklung zur Unabhängigkeit Vorschub leistet.
Dies ist nun eine grundsätzliche politische Einstellung, zu der
sich Präsident Eisenhower und ich schon seit längerer Zeit bekennen.
Sie wurde nicht weiter entwickelt, da sie keinen besonderen Widerhall
gefunden hat. Aber ich hoffe doch, daß wir vielleicht durch diese
Gedankengänge irgendwann einmal dazu beitragen können, eine Situation
zu schaffen, die für alle, auch für die Sowjetunion, günstiger ist.
Ich glaube, es war vor etwa sechs Monaten, als ich mit einem der
führenden Männer in Europa sprach, der die Situation in den Satellitenländern sehr gut zu beurteilen vermochte. Und er sagte mir damals:
"Es ist sehr wichtig, daß sich die Lage in den Satellitenstaaten so
entwickelt, daß die Sowjetunion von ihr freundlich gesinnten Ländern
umgeben ist." Barauf erklärte ich: "Wir wollen durchaus nicht, daß die
Sowjetunion Länder zu Nachbarn hat, die ihr nicht freundlich gesinnt
sind". "Aber", so fuhr ich fort, "dies ist nicht eine Angelegenheit, die

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die wir entscheidend beeinflussen könnten, ebensowenig wie dies die
Sowjetunion kann". Weiter sagte ich: "Wenn sie nicht bald etwas tut,
wird sie feststellen müssen, daß sie von immer mehr ihnen unfreundlich gesonnenen Völkern und daher schließlich auch von ihnen unfreundlich gesonnenen Regierungen umgeben ist. Sie muß schnell handeln, andernfalls wird sie von den Ereignissen überrumpelt werden".
Das sagte ich vor sechs Monaten. Und so ist es dann auöh gekommen, aber nicht deshalb, weil die Vereinigten Staaten dies so gewollt hätten. Wir hätten lieber eine vollständigere und geordnetere
Entwicklung gesehen, und wir sind jederzeit bereit, so klar wie
irgend möglich zum Ausdruck zu bringen, daß die Vereinigten Staaten
nicht den Wunsch haben.aus dieser Situation im Rahmen irgendeines
gegen die Sowjetunion gerichteten Programms Kapital zu schlagen.
Frage: Darf man also aus Ihren Äußerungen bezüglich der Satellitenländerr schließen, Mr. Dulles, daß die Regierung der Vereinigten
Staaten der Ansicht ist, es handle sich hier im wesentlichen um ein
ausschließlich sowjetisches Problem, daß wir nicht bereit sind, #it
den Russen über die Stellung der Satellitenländer öder ihrer Streitkräfte in bezug auf die Streitkräfte der Westmächte in Westeuropa
zu sprechen?
Antwort: Die Sowjetunion hat immer die Meinung vertreten, daß
sie mit dieser Angelegenheit allein fertig werden könnte, und daß
dies keine Sache sei, die sie mit uns zu besprechen gedächte. Sie
werden sich erinnern, daß auf der Konferenz der Regierungschefs
Präsident Eisenhower dieses Problem in seiner Eröffnungsansprache
anschnitt, und Bulganin als Vorsitzender in seiner Antwort seinerseits
erklärte: "Dies ist eine Angelegenheit, mit der wir allein fertig
werden, und wir lassen uns darüber mit niemanden in irgendwelche
Diskussionen ein". So hat
sie sich selbst entschieden. Falls die
Sowjetunion einmal eine detailliertere offizielle Darlegung unserer
Ansichten wünschen sollte, so würden wir diese jederzeit gerne geben.
Frage: Aber in dem Bulganin-Brief, im letzten Brief Bulganins,
wurde doch auf die Möglichkeit eines Zusammenhanges zwischen dem System
des Warschauer Paktes und der NATO hingewiesen. Würden Sie darin eine
Verhandlungsgrundlage sehen?
Antwort: Nicht in dem Sinne, daß Warschauer Pakt und NATO gleicht
gesetzt werden, nein. Dies ist nicht der Rahmen, in dem meiner Ansicht
nach das Problem besprochen werden sollte; da der Warschauer Pakt etwas völlig anderes ist als die NATO, möchten wir diesen Warschauer
Pakt, der in Wirklichkeit gar kein Mittel zur Schaffung einer gemeinsamen Sicherheit für diese Länder, sondern vielmehr ein Mittel zur
Verewigung der sowjetischen Kontrolle über diese Länder ist, nicht
anerkennen oder den Anschein erwecken, daß wir ihn sanktionieren.

Fraget

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"AMERIKA DIENST"

,

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y

— ^ Frage: Herr Außenminister, besteht Ihrer Ansicht nach in absehbarer
Zeit "'fitaffnung auf -eine friedliche Regelung zwischen Israel und seinen
arabische^ Nachbarn, besonders Ägypten, angesichts der konstanten Weigerung dieser Nachbarstaaten, die Souveränität Israels anzuerkennen;
wenn ja, v'ie könnten die Vereinigten Staaten eine friedliche Entwicklung
fördern?
V

Antwort: Sicherlich hoffen die Vereinigten Staaten auf eine Lösung der
politischen Probleme, der wirtschaftlichen Probleme, der Flüchtlingsprobleme und ähnlicher Fragen in diesem Raum. Unsere Grundeinstellung
bleibt dasei im wesentlichen dieselbe - das heißt, ich glaube, ich
kann sagen, *%ie bleibt dieselbe - wie ich zu diesem Thema bereits in
meiner Rede 4n: 26. August vergangenen Jahres (1955) ausgeführt habe.
Natürlich fragen unsere Hoffnungen durch die Ereignisse in der Zwischenzeit eine ziemliche Dämpfung erfahren. Und im Augenblick ist die Atmosphäre,
so fürchte i0;h, auch nicht gerade dazu angetan, in Bälde eine derartige
Lösung zu ef3-eichen. Jedenfalls werden die Vereinigten Staaten ihre
Bemühungen i^rtsetzen, eine Lösung in der in meiner Erklärung vom 26.
August angedeuteten Richtung herbeizuführen.

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER FORDERT VOM KQKGRESS VOLLMACHTEN ZUM
SCHUTZ DER MITTELOSTSTAATEN

DULLES ERLÄUTERT MITTELOSTPLAN PRÄSIDENT EISENHÜ.

�V M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER FORDERT VOLLMACHTEN ZUM SCHUTZ DER MITTELOSTSTAATEN

Washington - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der
Mittelost-Botschaft, die Präsident
Eisenhower am 5 • Januar 1957 d-ern amerikanischen Kongreß in einer Sondersitzung unterbreitete.

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Zunächst darf ich Ihnen allen meinen tiefen Dank dafür zum
Ausdruck bringen, daß Sie mir trotz mancher für Sie entstehender Unbequemlichkeiten so entgegengekommen sind und mir eine
so baldige Gelegenheit geben, mich in einer Angelegenheit an
Sie zu wenden, die nach meiner Überzeugung von ernster Bedeutung für unser Land ist.
In meiner bevorstehenden Botschaft über die Lage der Nation
werde ich die internationale Situation im allgemeinen umreißen.
Wir dürfen mit einigem Recht große Hoffnungen haben; es gibt
aber auch eine weltweite Verantwortung, die wir übernehmen müssen,
um sicher zu gehen, daß die Freiheit - einschließlich der unsrigen - gesichert wird.
Im Mittleren Osten existiert jedoch eine besondere Situation, die ich Ihnen, wie ich glaube, gerade jetzt darlegen sollte.
Ehe ich dies jedoch tue, sollten wir uns daran erinnern,
daß das grundsätzliche Ziel, das wir in der Weltpolitik verfolgen, weiterhin der Friede bleibt - ein auf Gerechtigkeit gegründeter Weltfriede. Ein derartiger Friede muß alle Gebiete
und alle Völker der Welt umspannen, wenn er von Dauer sein soll.
Es gibt keine Nation, groß oder klein, mit der wir nicht in
beiderseitigem guten Glauben, mit Geduld und der Entschlossenheit,
ein besseres Verständnis zwischen uns zu gewährleisten, verhandeln würden. Aus einem solchen Verständnis heraus muß und wird
am Ende Zutrauen und Vertrauen erwachsen, die unerläßlich für
ein Programm df Friedens und für alle Pläne sind, die Last der
kostspieligen Rüstungen von uns allen zu nehmen. Um diesen Zielen
näher zu kommen, arbeitet unsere Regierung unermüdlich, Tag für
Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Aber bis unsere Bemühungen
von einem gewissen Maß an Erfolg gekrönt sind, das allen Nationen eine friedliche Existenz sichern wird, müssen wir im Interesse des Friedens selbst wachsam, auf der Hut und stark bleiben.
Der
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9. Januar 1957

Der Mittlere Osten hat in seiner langen und bedeutsamen Geschichte ganz plötzlich ein neues und kritisches Stadium erreicht.
Zahlreiche Länder in diesem Gebiet wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht völlig selbstregiert. Andere Nationen übten dort beachtliche Vollmachten in dieser Hinsicht aus, und die Sicherheit des Gebietes wurde weitgehend auf ihrer Stärke aufgebaut. Seit dem ersten
Weltkrieg jedoch fand eine stetige Evolution zur Selbstregierung und
Unabhängigkeit statt. Die Vereinigten Staaten haben diese Entwicklung
begrüßt und ermutigt. Unser Land unterstützt rückhaltlos die völlige
Souveränität und Unabhängigkeit jeder einzelnen Nation im Mittleren
Osten.
Die Evolution in Richtung auf die Unabhängigkeit wickelte sich
im wesentlichen als ein friedlicher Prozeß ab. Allerdings wurde dieses
Gebiet häufig von Unruhen heimgesucht. Ständiges gegenseitiges Mißtrauen und Furcht voreinander sowie Überfälle über die Landesgrenzen
hinaus haben in einem großen Teil des Mittleren Ostens zu einem hohen
Maß an Unsicherheit geführt. Erst vor kurzem kam es zu Feindseligkeiten, in die auch Westeuropäische Länder verwickelt waren, die einst
einen großen Einfluß in diesem Gebiet ausübten. Ferner hat der verhältnismäßig großangelegte Angriff Israels im Oktober die grundlegenden Differenzen zwischen diesem Land und seinen arabischen Nachbarn
verschärft. Diese ganze Unsicherheit wurde durch den internationalen
Kommunismus noch vergrößert und zeitweilig wesentlich genährt.
Seit langem haben die russischen Machthaber danach getrachtet,
den Mittleren Osten zu beherrschen. Das galt von den Zaren und trifft
ebenso auf die Bolschewisten zu. Die Gründe hierfür sind unschwer zu
finden. Sie betreffen nicht die Sicherheit Rußlands, da niemand die
Absicht hat, den Mittleren Osten als eine Basis für einen gegen Rußland gerichteten Angriff zu benutzen. Nicht einen Augenblick lang
haben die Vereinigten Staaten einen derartigen Gedanken gehegt.
Die Sowjetunion hat von den Vereinigten Staaten weder im Mittleren Osten noch sonstwo in der Welt überhaupt etv/as zu befürchten,
solange ihre Machthaber nicht als erste einen Angriff auslösen.
Ich gebe diese Erklärung mit aller Eindringlichkeit und Feierlichkeit ab. Der Wunsch Rußlands nach einer Beherrschung des Mittleren Ostens entspricht auch nicht seinem eigenen Wirtschaftsinteresse in diesem Gebiet. Rußland benutzt weder den Suezkanal in
nennenswertem Umfang noch hängt es von ihm ab. Im Jahre 1955 betrug
der sowjetische Anteil an dem gesamten Durchgangsverkehr durch den
Kanal nur drei Viertel Prozent. Die Sowjets Brauchen aber auch weder
die Erdölquellen, die den wichtigsten natürlichen Reichtum dieses
Gebietes darstellen, noch können sie dafür einen Absatzmarkt bieten.
Vielmehr ist die Sowjetunion selbst ein bedeutender Exporteur von
Erdölprodukten«
Der Grund für das Interesse Rußlands am Mittleren Osten liegt
vielmehr einzig in der Machtpolitik» Zieht man das von Moskau verkündete Ziel der kommunistischen Weltherrschaft in Betracht, so
ist seine Hoffnung auf eine Beherrschung des Mittleren Ostens leicht
zu verstehen.
Dieses
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�"AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

Dieses Gebiet ist immer der Knotenpunkt der Kontinente in der
östlichen Hemisphäre gewesen. Der Suezkanal ermöglicht den Nationen
Asiens und Europas, den Handel zu treiben, der notwendig ist, wenn
diese Länder eine wohlausgeglichene und florierende Wirtschaft aufrechterhalten wollen. Der Mittlere Osten schlägt eine Brücke zwischen
dem europäischen Kontinent und Afrika.
Er birgt rund zwei Drittel der gegenwärtig bekannten Erdölvorkommen in der Welt und befriedigt den normalen Erdölbedarf zahlreicher
Nationen in Europa, Asien und Afrika. Vor allem die europäischen
Länder sind von diesen Lieferungen abhängig, und diese Abhängigkeit
trifft sowohl auf den Transport wie auf die Produktion zu. Dies ist
seit der Schließung des Suezkanals und einiger Ölleitungen besonders
deutlich geworden. Wenn notwendig, können andere Transportwege und
sogar andere Energiequellen entwickelt werden. Aber diese Alternativen
lassen sich nicht in naher Zukunft verwirklichen.
Diese Dinge unterstreichen die ungeheuere Bedeutung des Mittleren
Ostens. Wenn die Nationen dieses Gebietes ihre Unabhängigkeit verlieren sollten, wenn sie von ausländischen, ihrer eigenen Freiheit
feindlich gegenüberstehenden Kräften beherrscht würden, so würde dies
sowohl für dieses Gebiet als auch für die zahlreichen anderen freien
Nationen eine Tragödie bedeuten, deren Wirtschaftsleben dann nahezu
abgewürgt werden könnte. Westeuropa wäre so gefährdet, als ob es
keinen Marshallplan, keine Nordatlantikpaktorganisation gegeben hätte.
Die freien Nationen in Asien und Afrika wären ebenfalls ernsthaft gefährdet. Und die Länder des Mittleren Ostens würden die Absatzmärkte verlieren, von denen ihre Volkswirtschaften abhängig sind. Alles dies
würde äußerst abträgliche, wenn nicht gar verheerende Auswirkungen
auf das Wirtschaftsleben unseres eigenen Landes und auf die politischen
Zukunftsaussichten haben.
Aber es gibt noch andere Faktoren, die über das Materielle hinausgehen. Der Mittlere Osten ist die Geburtsstätte dreier großer Religionen
- der mohammedanischen, der christlichen und der jüdischen. Mekka und
Jerusalem sind mehr als lediglich Orte auf der Landkarte. Sie symbolisieren Religionen, welche lehren, daß der Geist über der Materie
steht und daß das Individuum Würde besitzt und Rechte hat, die keine
despotische Regierung ihm unter irgendeinem Rechtsanspruch rauben
kann. Es wäre unerträglich, wenn die heiligen Stätten des Mittleren
Ostens einer Herrschaft unterworfen würden, die den atheistischen
Materialismus verherrlicht.
Natürlich

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9. Januar

1957

Natürlich versucht der internationale Kommunismus, seine Herrschaftsziele dadurch zu maskieren, daß er Erklärungen des guten Willens abgibt
und auf den ersten Blick verlockende Angebote auf politische, wirtschaftliche und militärische Hilfe macht. Aber jede freie Nation, die den
sowjetischen Verlockungen ausgesetzt ist, sollte in elementarer Klugheit sehen, was hinter dieser Maske steckt.
Erinnern wir uns an Estland, Lettland und Litauen. Im Jahre 1959
schloß die Sowjetunion gegenseitige Beistandspakte mit diesen unabhängigen Ländern ab, und im Oktober 1939 erklärte der sowjetische Außenminister auf der fünften Sondersitzung des Obersten Sowjet feierlich vor
aller Öffentlichkeit, daß 'wir für die gewissenhafte und genaue Einhaltung der Pakte auf der Grundlage völliger Gegenseitigkeit eintreten,
und wir erklären, daß das ganze unsinnige Gerede über die Sowjetisierung
der baltischen Staaten nur im Interesse unserer gemeinsamen Feinde
und aller antisowjetischen Provokateure liegt.1
Doch im Jahre 1940 wurden Estland, Lettland und Litauen mit Gewalt in die Sowjetunion eingegliedert.
Die sowjetische Kontrolle über die Satellitenstaaten Osteuropas
wurde trotz feierlicher gegenseitiger Versprechen, die während des
zweiten Weltkrieges gegeben wurden, weiterhin mit Zwang aufrechterhalten.
Stalins Tod gab Hoffnung, daß sich dieses Schema ändern würde.
Wir lasen das feierliche, im Warschauer Pakt vom Jahre 1955 gegebene
Versprechen, daß die Sowjetunion in den Satellitenstaaten ' Die Grundsätze der gegenseitigen Achtung ihrer Unabhängigkeit und Souveränität
und der Nichteinmischung in ihre inneren Angelegenheiten1 beachten
würde. Aber wir wurden gerade erst Zeuge der Unterjochung Ungarns
durch nackte Waffengewalt. Als Folge dieser ungarischen Tragödie
sind die Achtung der Welt für und ihr Glauben an die sowjetischen
Versprechen auf einen neuen Tiefstand gesunken. Der Weltkommunismus
braucht und sucht einen sichtbaren Erfolg.
Wir stehen also folgenden einfachen und unzweifelhaften Tatsachen gegenüber:
Erstens: Der Mittlere Osten, der immer von Rußland begehrt worden
ist, würde heute mehr denn je zu einer Beute des internationalen
Kommunismus werden.
Zweitens: Die sowjetischen Machthaber zeigen weiterhin, daß sie
keine Skrupel haben, jedes Mittel zur Erreichung dieses Ziels einzusetzen.
Drittens: Die freien Länder im Mittleren Osten benötigen zusätzliche Stärke, damit sie ihre Unabhängigkeit weiterhin sicherstellen
können, und die meisten von ihnen wollen dies auch.
Unsere

�9. Januar

"AMERIKA DIENST

1957

Unsere Gedanken wenden sich ganz folgerichtig den Vereinten
Nationen als einem Beschützer der kleinen Nationen zu. Ihre Charta
überträgt der Weltorganisation die Hauptverantwortung für die Erhaltung
des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Unser Land hat
den Vereinten Nationen, was die Feindseligkeiten in Ungarn und in
Ägypten anbetrifft, seine volle Unterstützung gegeben. Die Vereinten
Nationen konnten eine Feuereinstellung und einen Abzug der feindlichen
Truppen aus Ägypten erreichen, weil sie es hier mit Regierungen und
Völkern zu tun hatten, die der Weltmeinung, wie sie in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck kam, einen angemessenen
Respekt zollten. Im Falle Ungarns jedoch war die Lage anders. Die Sowjetunion legte gegen Beschlüsse des Sicherheitsrates, den Abzug der bewaffneten sowjetischen Streitkräfte zu fordern, ihr Veto ein. Und sie zeigte
sich den Empfehlungen der Generalversammlung, ja sogar ihrem Tadel gegenüber, empfindungslos und indifferent. Die Vereinten Nationen können
immer Hilfe bringen, sie können jedoch nicht ein völlig zuverlässiger
Beschützer der Freiheit sein, wenn die ehrgeizigen Zielsetzungen der
Sowjetunion im Spiele sind»
Aus all den Umständen, die ich Ihnen hier dargelegt habe, erwächst
jetzt eine größere Verantwortung für die Vereinigten Staaten. Wir haben
in unmissverstähdlicher Weise unser Eintreten für den Grundsatz deutlich gemacht, daß auf internationaler Ebene die Gewalt nicht für irgendeinen aggressiven Zweck angewandt werden darf und daß die Integrität
und die Unabhängigkeit der Staaten des Mittleren Ostens unverletzlich
sein müssen. Selten in der Geschichte ist die Hingabe einer Nation an
ein Prinzip so schweren Prüfungen unterzogen worden wie die unsrige
während der vergangenen Wochen.
Sowohl im Mittleren Osten als auch andorswo wird allgemein anerkannt, daß die Vereinigten Staaten weder eine politische noch eine
wirtschaftliche Beherrschung irgendeines Volkes anstreben.
Unser Wunsch ist eine Welt, die in Freiheit und nicht in Sklaverei
lebt. Andererseits sind viele - wenn nicht alle - Nationen des Mittleren Ostens sich über die Gefahr im klaren, die von dem internationalen Kommunismus ausgeht, und begrüßen eine engere Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten, damit für sie die von den Vereinten Nationen
proklamierten Ziele der Unabhängigkeit, des wirtschaftlichen Wohlstandes
und des geistigen Wachstums verwirklicht werden.
Wenn der Mittlere Osten seine geographische Rolle bewahren soll,
den Osten und Westen mehr zu einigen als zu trennen, wenn seine ungeheueren wirtschaftlichen Hilfsquellen der Wohlfahrt der dort lebenden
Völker wie der anderen Nationen dienen sollen, und wenn seine Kulturen
und Religionen sowie heiligen Stätten für die geistige Erbauung der
Völker erhalten werden sollen, dann müssen die Vereinigten Staaten ihre
Bereitschaft, die Unabhängigkeit der freiheitsliebenden Nationen in dem
Gebiet zu unterstützen, noch deutlicher formulieren. Unter diesen Umständen halte ich es für erforderlich, um die Mitarbeit des Kongresses
zu ersuchen. Denn nur durch diese Zusammenarbeit können wir die Zusicherungen geben, die für eine Abschreckung vor einer Aggression notwendig

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9. Januar

1957

notwendig sind, nur so können wir jenen Mut und Vertrauen einflößen,
die sich der Freiheit verschrieben haben, und nur so können wir daher
eine Kette von Ereignissen verhindern, die die gesamte freie Welt in
ernsthafte Gefahr bringen würden.
Die Vereinigten Staaten haben in bezug auf den Mittleren Osten
verschiedene Regierungserklärungen abgegeben. Da ist einmal die
Dreimächteerklärung vom 25. Mai 1950» der dann die Zusicherung des
Präsidenten an den König von Saudi-Arabien vom 31. Oktober 1950
folgte. Ferner ist zu nennen die am 9» April 1956 vom Präsidenten
abgegebene Erklärung, daß die Vereinigten Staaten im Rahmen ihrer
verfassungsmäßigen Bestimmungen jeder Aggression in diesem Gebiet
Widerstand entgegensetzen würden, außerdem unsere Erklärung vom
29. November 195^, daß eine Bedrohung der territorialen Integrität
oder der politischen Unabhängigkeit Persiens, des Irak, Pakistans
oder der Türkei von den Vereinigten Staaten als außerordentlich ernst
angesehen werden würde.
Trotzdem bringen die Schwächen in der derzeitigen Situation
und die wachsende Gefahr, die vom internationalen Kommunismus ausgeht, mich zu der Überzeugung, daß die grundsätzliche amerikanische
Politik nunmehr ihren Ausdruck in einer gemeinsamen Aktion des Kongresses und der Regierung finden sollte. Weiterhin sollte unser gemeinsamer Entschluß so formuliert werden, daß daraus klar hervorgeht,
daß hinter unseren Worten, wenn notwendig, auch Taten stehen werden.
Es ist nichts Neues, wenn der Präsident und der Kongreß gemeinsam
feststellen, daß die nationale Integrität der übrigen freien Nationen
in direktem Zusammenhang mit unserer eigenen Sicherheit steht.
Wir handelten gemeinsam, um das Sicherheitssystem der Vereinten
Nationen aufzubauen und zu unterstützen. Wir haben das kollektive Sicherheitssystem der Vereinten Nationen durch eine Reihe kollektiver
Verteidigungsvereinbarungen noch verstärkt. Wir haben heute Sicherheitspakte mit 42 anderen Nationen, die zur Einsicht gelangt sind, daß
Frieden und Sicherheit für sie und für uns untrennbar miteinander verbunden sind. Wir handelten gemeinsam, um entscheidende Maßnahmen in
bezug auf Griechenland und die Türkei und in bezug auf Formosa zu
ergreifen.
Auf diese Weise haben die Vereinigten Staaten durch gemeinsame
Maßnahmen des Präsidenten und des Kongresses oder im Falle von Verträgen des Senates in zahlreichen gefährdeten Gebieten ihre Ziele manifestiert, freie und unabhängige Regierungen - und den Frieden - gegen
die Bedrohung von außen, vor allem gegen die Bedrohung durch den inter
nationalen Kommunismus, zu unterstützen. Hierdurch haben wir mit dazu
beigetragen, in einer Zeit großer Gefahren Frieden und Sicherheit zu
erhalten. Es ist nunmehr unerlässlich, daß die Vereinigten Staaten
durch gemeinsame Maßnahmen des Präsidenten und des Kongresses ihre
Entschlossenheit zum Ausdruck bringen, den Nationen im Gebiet des
Mittleren Ostens zu helfen, die diese Hilfe begehren.
Die von mir vorgeschlagenen Maßnahmen würden auf folgendes hinauslaufen:
0.

�9* Januar 1957

"AMERIKA DIENS..

I
Sie würden in erster Linie die Vereinigten Staaten ermächtigen,
mit jedem einzelne:;. Lana una jeder Gruppe von Ländern im Gebiet des
Mittleren Ostens bt
Lern Aufbau ei ner wirtschaftlichen Stärke zusammen»
zuarbeiten, Wie sie für die Erhaltung der nationalen Unabhängigkeit
notwendig isi
Sie wür^ e n &amp;wei .os iie Regierung ermächtigen, in diesem Raum
Programme uer mili*
sehen UrteTstützung und Zusammenarbeit mit
jedem Staate ""i^r j j?r Star.tt ,'•• pe durchzuführen, di« eine : lche
Hixfe wünschen.
Sie würden dritten;; die E rn scitigung enthalten., daß eine solche
Unterstützung v.ind Zusammen,, bei t &lt;. en Einsatz der Streitkräfte der
Vereinigten ^ aaten zur Sicherung und zum Sc) M
.-jr territorialen Inten
grität und &lt;ier politischen Una • ht: igigkeit a ler ei . derartige Hilfe
anforderndem Nationen vor einem offenen bev,afj;r.
:i Angriff seitens
irgendeines vom internationalen Kommunisn o '
jllierten Staates
einschließt,
Diese Maßnahmen würden mit den vertraglichen Verpflichtungen
der Vereinigten S -aaten, einschließlich der Cnarta der Vereinten
Nationen, sowie mit den Beschlüssen oder Empfehlungen der Weltorganisation übereinstiiZimen müssen.
Sie würden außerdem im ISallt. sines bewaffneten Angriffs der
Zustimmung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen als oberster Autorität in Übereirts/timmung mit uer UN-Charta unterliegen.
Der gegenwärtige Vc&amp;rsohiag würde viertens den Präsidenten ermächtigen, für wirtschatftliche sowie auf die Verteidigung ausgerichtete militärische/Zwecke Geldmittel einzusetzen, die im Rahmen des
Gesetzes über die gemeinsame Sicherheit vom Jahre 1954 in seiner erweiterten Form zur Verfügung stehen, una zwar ohne Rücksicht auf bestehende Begrenzungen.
Die gesetzgeberische Maßnahme, um die hier ersucht wird, sollte
jedoch nicht die Ermächtigung oder Bewilligung von Mitteln einschließen,
da ich glaube, laß unter den von mir genannten Bedingungen die zur Zeit
bewilligten Geldmittel für den Rest des derzeitigen Haushaltsjahres,
das am 30. Juni endet, ausreichen. Ich werde jedoch in einer weiteren
Gesetzesvorlage um die Ermächtigung von 200 Millionen Dollar ersuchen,
die für jedes der beiden Haushaltsjahre 1958 und 1959 zur Verfügung
gestellt und nach Ermessen in diesem Gebiet verwendet werden sollen,
und zwar zusätzlich zu d.en anderen gemeinsamen Sicherheitsprogrammen
für das Mittelostgebiet, die vom Kongreß künftig vorgesehen werden.
Dieses Programm wird nicht alle Probleme des Mittleren Ostens
lösen. Es stellt auch nicht die Gesamtheit unserer Politik für jenen
Rau"i n a r. Da sind das Problem Palästinas und der Beziehungen zwischen
Tsra J und den arabischen Staaten sowie das Problem der Zukunft der
ar ,^i sehen Flüchtlinge und das Problem, welchen Status der Suezkanal
in Zukunft erhalten soll. Diese Schwierigkeiten werden durch den
internatiora^-u Kommunismus vergrößert, sie würden jedoch auch ohne
diese Bedrohung bestehen. Es ist nicht der Zweck des von mir vorgeschlagenen Gesetzes, sich mit diesen Problemen direkt auseinanderzusetzen. Die Vereinten Nationen haben sich in all diese Dinge aktiv

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"AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

aktiv eingeschaltet, und wir unterstützen die Vereinten Nationen.
Die Vereinigten Staaten haben vor allem in der Rede von Außenminister
Dulles am 26. August 1955 klargemacht, daß wir bereit sind, die
Vereinten Nationen 1 ei der Lösung der grundlegenden Probleme Palästinas
tatkräftig ?u unte - .ützei ,
Das vorgesc*-". ,.,. ,fe C-esetz soll sich in erster Linie mit der
Möglichkeit ei -1" ' -:L .istischen Aggression, der direkten wie auch
der indirekten, L-vj ..-srn. Es besteht die zwingende Notwendigkeit
für einen Ausgl ich j^der etwa fehlenden Stärke in diesem Gebiet,
nicht durch ausi ndische oder fremde Macht, sondern durch vermehrte
Stärke und Siehe. it der unabhängigen Nationen dieses Gebietes.
Die Erfahrung zeigt, daß eine indirekte Aggression selten, wenn
überhaupt jemals Erfolg hat, sofern eine annehmbare Sicherheit vor
einer direkten Aggression besteht, sofern die Regierung über loyale
Sicherheitsstreitkräfte verfügt und sofern die wirtschaftlichen Bc=
dingungen dergestalt sind&gt; daß sie den Kommunismus nicht zu einer
attraktiven Alternative- irachen. Das von mir vorgeschlagene Programm
befaßt sich mit allen drei Aspekten diec"r' Problems und somit auch
mit dem Problem der indirekten Aggr?ssior .
Ich glaube und ho ffe, gerade ^ e Ta;sache
.•
Jhse"rV ^ZTeTLSetzungen bekanntgemac;ht werden, wie die lia uese^tzesvorlage vor=
schlägt, wird dazu die/nen, jeder geplanter fu^gre-ssion Einhalt zu
gebieten. V/ir werden d
..ue Pai-ioten ermutigen, die sich der
Unabhängigkeit ihrer Nationen verschrieben ha"« ~n,,. Sie werden
nicht das Gefühl habe ., &gt;-^ _-;.-- angesichts dfx "jrohung einer
Großmacht alleinsteheu, fTipr r -v'- -oh hin z vi «gen, daß der Patriotismus
gerade in diesem ges£Q'ct'• •••^n;;, mächtigen Gefühlsfaktor darstellt. Es i
'«ihr, 3-*'ß i_~
häufig ein echtes patriotisches Gefühl
zu Fanatismus eulölö'Ht und a.Li- Möglichkeit ' egünstigt, von außen
kommenden gefährlichen Lockung n 7U erlieft » Wenn aber jene Furch*
gemildert werden ka&gt;ln&gt; dann wii..&lt;i e j. n Klima entstehen, das die Verwirklichung würdiger nationaler Zi&lt;yie begünrstigt.
Es wird ferner, wie ich bt&gt; reits --gedeutet
habe, für uns notwendig sein, wirtschaftlich z u r Stärkimg der Länder oder Ländergruppen beizutrage-., &lt;i»re^ ?Ag erunger sich eindeutig zur Erhaltung
der Cnabhäng kei' ur.j
_.,_ ,_i/ia ge gen eine Subversion bekannt
haben. Derartige Maßnahmen wjrde" die größte Sicherheit gegen
Übergriffe der K o i r m n n i s t e n b i e t
-\'crte allein sind nicht genug.
Lassen Sie m c ü h erneut auf o.ie beantragte Ermächtigung zurückkommen, die bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten dafür
einzusetzen, um iiv Verteidigung der territorialen Integrität
und der politischen Unabhängigkeit jedes einzelnen Landes in diesem
Gebiet gegen eine bewaffnete kommunistische Aggression zu unterstützen.
Von einer derartigen Ermächtigung würde nur Gebrauch gemacht werden,
w e m if angegrifft ,- r ,.i dies wünscht. Darüber hinaus hoffe ich zutief'
- ß v ü u a±e jer Ermächtigung überhaupt niemals Gebrauch gemacht
werden muß.
Um dies zu gfcwäi.rleio 1-fü .
. t-s unbedingt notwendig, daß unsere
Politik in be^.ug s,,f ^
if»i1i6iH.p-.,. g dieses Gebietes unverzüglich
. 8 -

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9. Januar 1957

unverzüglich und klar festgelegt und zum Ausdruck gebracht wird.
Auf diese Weise werden die Vereinten Nationen und alle befreundeten
Regierungen und natürlich auch die Regierungen, die nicht freundlich
gesonnen sind, wissen, wo wir stehen.
Wenn - entgegen der von mir gehegten Hoffnung und Erwartung sich eine Situation ergeben sollte, die eine militärische Anwendung
der Politik erforderlich machen sollte, die ich den Kongreß gemeinsam
mit mir su proklamieren ersuche, dann würde ich natürlich von Stunde
zu Stunde mit dem Kongreß, falls er tagt, in Kontakt bleiben. Wenn
der Kongreß jedoch gerade nicht tagen sollte und die Situation schwerwiegende Konsequenzen in sich trägt, dann würde ich selbstverständlich
den Kongreß sofort zu einer Sondersitzung einberufen.
Angesichts der gegenwärtigen Lage besteht das größte Risiko - wie
dies häufig der Fall ist - darin, daß sich ehrgeizige Despoten einer
Täuschung hingeben könnten. Wenn die machthungrigen Kommunisten entweder fälschlicherweise oder richtigerweise der Ansicht sein sollten,
daß der Mittlere Osten nicht ausreichend verteidigt ist, dann könnten
sie der Versuchung erliegen, zu Mitteln des offenen bewaffneten Angriffs
zu greifen. Wäre dies der Fall, dann würde es eine Kette von Umständen
auslösen, die fas«t mit Sicherheit militärische Maßnahmen der Vereinigten Staaten zur Folge haben würden. Meiner Überzeugung nach liegt die
beste Garantie für die Ausschaltung einer derartig gefährlichen Möglichkeit darin, schon jetzt unsere Bereitschaft klarzustellen, daß wir
mit unseren Freunden im Mittleren Osten voll und ganz auf Wegen zusammenarbeiten, die mit den Zielsetzungen und Grundsätzen der Vereinten Nationen in Einklang stehen. Ich habe die. Absicht, unverzüglich
eine Sondermission in den Mittleren Osten zu entsenden, um die Zusammenarbeit zu erläutern, die wir durchführen wollen.
Die von mir umrissene Politik bringt gewisse Lasten und Allerdings auch Risiken für die Vereinigten Staaten mit sich. Was ich vorgeschlagen habe, wird denen, die es nach diesem Gebiet gelüstet, nicht
gefallen. Aber auch schon früher haben Amerikaner die lebenswichtigen
Interessen unserer Nation und die menschliche Freiheit bedroht gesehen
und ihre Stärke und Entschlossenheit war der Krise stets gewachsen,
gleichgültig in welch feindseliger Weise unsere V/orte, unsere Motive
und Taten entstellt worden sind.
Ja schon die Opfer, die das amerikanische Volk seit Ende des
zweiten Weltkrieges für die Sache der Freiheit gebracht hat, zählen
nach vielen Milliarden Dollar und Tausenden der kostbaren Leben unserer Jugend. Diese Opfer, durch die große Gebiete der ".Veit für die
Freiheit erhalten blieben, dürfen nicht vergeblich gewesen sein.
In diesen bedeutsamen Epochen der Vergangenheit haben sich der
Präsident und der Kongreß ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit
zusammengeschlossen, um den lebenswichtigen Interessen der Vereinigten
Staaten und der freien Welt zu dienen.
Es

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�9. Januar 1957

"AMERIKA DIENST"

Es ist nunmehr der Zeitpunkt für uns gekommen, erneut unsere
nationale Einigkeit in der Unterstützung der Freiheit zu manifestieren
und unsere tiefe Achtung vor den Rechten und der Unabhängigkeit einer
jeden Nation, wie groß oder klein sie auch immer sein mag, zu zeigen.
Wir suchen nicht Gewalt, sondern Frieden. Diesem Ziele müssen wir jetzt
unsere Kräfte, unsere Entschlossenheit, ja uns selbst weihen.

gez.: Dwight D. Eisenhower
Im Weißen Haus, 5. Januar 1957."

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

DULLES ERLÄUTERT MITTELOSTPLAN PRÄSIDENT EISENHOWERS

Washington - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der
Erläuterungen des US-Außenministers
John Foster Dulles zum Mittelostplan
Präsident Eisenhowers. Dulles sprach
am 7 • Januar 1957 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen
Repräsentantenhauses•

I.
"Seit dem zweiten Weltkrieg mußten die Vereinigten Staaten
durch starke Maßnahmen, die sich auf die Einheit der Nation stützten, einer Anzahl kritischer Situationen entgegentreten.
Im Jahre 1947 verabschiedete der Kongreß ein großes militärisches und wirtschaftliches Hilfsprogramm für Griechenland und die
Türkei, die damals durch die kommunistische Aggression bedroht
wurden»
Im Jahre 1948 billigte der Kongreß das Wiederaufbauprogramm
für Europa (Marshallplan), um in Europa Freiheit und Unabhängigkeit zu erhalten.
1949 traten wir der Nordatlantikpakt-Organisation bei.
1950 kämpften die Vereinigten Staaten in Korea gegen die bewaffnete Aggression der Kommunisten.
1953 schlössen wir ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen
mit der Republik Korea ab.
1954 unterstützten wir die Deklaration von Caracas, die zu
Maßnahmen gegen den internationalen Kommunismus in der westlichen
Hemisphäre aufrief.
1954 unterzeichneten wir den südostasiatischen kollektiven
Verteidigungsvertrag.
1955 bevollmächtigte der Kongreß den Präsidenten, die Streitkräfte der Vereinigten Staaten zum Schutz Formosas und der Pescadores-Inseln sowie der dazugehörigen Gebiete einzusetzen, und später
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später in diesem Jahr ratifizierten wir einen gemeinsamen Verteidigungsvertrag mit der Republik China.
Dies sind einige der entscheidenden Maßnahmen, die aie Vereinigten
Staaten während der vergangenen zehn Jahre ergriffen haben, nachdem
ein Gebiet nach dem anderen durch direkte und indirekte Aggression der
Kräfte des internationalen Kommunismus bedroht wurde.

II.
Den Gefahren ist in verschiedener Weise entgegengetreten worden,
wie es die jeweiligen Umstände diktierten. In einigen Fällen geschah dies
durch Wirtschaftshilfe allein. In anderen Fällen trat zu der Wirtschaftshilfe die Militärhilfe hinzu. In noch anderen Fällen befaßten wir uns
nur mit dem militärischen Aspekt des Problems. In einigen Fällen verabschieuete der Kongreß auch entsprechende Gesetze. In einigen weiteren
Fällen wuraen entsprechende Verträge abgeschlossen, und in wieder anderen Fällen handelte die Regierung mit stillschweigendem Einverständnis
des Kongresses.
Aber obwohl die Erfordernisse und die verfassungsmäßigen Maßnahmen
verschieden waren, so waren doch die zugrunde liegenden Faktoren im
wesentlichen die gleichen.
In jedem Falle gingen wir von der Prämisse aus, daß, wie Präsident
Truman es in seiner Botschaft an Griechenland und die Türkei ausdrückte,
•totalitäre Regime, die freien Völker; durch direkte oder indirekte
Aggression aufgezwungen werden, die Grundlagen des Weltfriedens und
damit auch die Sicherheit der Vereinigten Staaten untergraben' .
Darüber hinaus zielten alle unsere Verträge und gesetzgeberischen
Maßnahmen darauf ab, den Frieden zu fördern, indem wir unsere Stellung
von vornherein klar zum Ausdruck brachten, um dadurch vor einer Aggression
abzuschrecken und gefährliche Fehlkalkulationen möglicher Aggressoren
auszuschalten.
In jedem dieser Fälle war die zum Ausdruck gebrachte Entschlossenheit auf Grund der dahinter stehenden nationalen Einheit eindrucksvoll.
Wir haben in jedem Falle, in dem wir so handelten, auch tatsächlich
die Freiheit gerettet.

III.
Heute befassen wir uns mit dem Mittleren Osten. Kaum jemand von
uns wird daran zweifeln, daß es eine gewaltige Katastrophe für die
Nationen und Völker des Mittleren Ostens, ja für die ganze Welt bedeuten würde, wenn dieses Gebiet dem Würgegriff des internationalen
Kommunismus anheimfallen würde.
Für die Nationen des Mittleren Ostens würde dies eine politische
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politische Katastrophe bedeuten, da diese Nationen dann wie uie
europäischen Satelliten ihre Unabhängigkeit verlieren würden, die
sie so glühend wünschen und uie sie jetzt gerade anfangen, in
vollem Maße auszuüben.
Dies würde auch eine wirtschaftliche Katastrophe für sie bedeuten, denn das wichtigste wirtschaftliche Kapital dieses Gebietes
ist das Erdöl, für das nur die freien Nationen einen aufnahmebereiten
Markt bieten können.
Es wäre für die Völker des Mittleren Ostens ein großes Unglück,
wenn sie das Schicksal anderer religiöser Völker erleiden würden,
die unter die Herrschaft des atheistischen materialistischen Kommunismus geraten sind, denn es handelt sich hier um tief religiös empfindende Völker und ihr seelisches Leid wäre entsetzlich.
Dieses Unheil würde sich weit über die Grenzen des Mittleren
Ostens hinaus ausbreiten. Die Volkswirtschaften zahlreicher Länder
der freien Welt sind direkt abhängig von den Rohstoffen des Mittleren
Ostens und von den Transportwegen durch den Mittleren Osten. Und indirekt ist die gesamte Wirtschaft der freien Welt betroffen. Westeuropa
ist in besonderem Maße abhängig vom Mittleren Osten. Die großen
Opfer, die die Vereinigten Staaten für den Wiederaufbau und die militärische Verteidigung Europas gebracht haben, würden praktisch umsonst gewesen sein, wenn der Mittlere Osten unter die Kontrolle des
internationalen Kommunismus fiele.

IV.
Schließlich würde ein kommunistischer Durchbruch im Mittleren
Osten die sowjetischen Machthaber ermutigen, überall zu einer aggressiv
veren Politik überzugehen. Er würde die innerhalb der sowjetischen
Welt bestehende Forderung nach einer liberaleren Politik wesentlich
abschwächen. Er würde einen schweren Schlag für die hart ringenden
Völker Ungarns und Polens beueuten, die so tapfer um eine größere Unabhängigkeit kämpfen. Er würde überall in der Welt viele der Vorteile
aufheben, die die hier angeführten früheren Maßnahmen für uns brachten.
Aus all diesen Gründen müssen die Vereinigten Staaten alles in
ihren Kräften Stehende tun, um die Nationen des Mittleren Ostens bei
der Aufrechterhaltung ihrer Unabhängigkeit zu unterstützen.
Die Frage, was zu tun ist, ist außerordentlich schwierig. Das
Gebiet ist in sich weitgehend unterteilt. Es besteht ein hohes Maß
an Uneinigkeit zwischen den arabischen Staaten und Israel - ein
Gegensatz, der durch die kürzlichen militärischen Aktionen Israels in
Ägypten nur noch verschärft wurde. Aber auch unter den arabischen
Staaten selbst existiert ein starkes Maß an Uneinigkeit. Weiter besteht gegenüber jeder von außen herantretenden Macht ein Mißtrauen, es
könnte sich um Versuche handeln, den Kolonialismus wieder einzuführen.
Dieses Mißtrauen wurde durch die jüngsten Ereignisse noch verstärkt die die gegenseitigen Beziehungen zwischen dca Mittleren Osten und

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und Europa in Frage stellten. Ferner existiert das Problem des Suezkanals .
Es ist wohl unmöglich, eine ganz einfache Antwort auf die Frage zu
finden, wie die Vereinigten Staaten dazu beitragen können, die Freiheit
dieses Gebietes zu erhalten. Es ist schwer, auf der einen Seite zu helfen, ohne auf aer anderen Mißtrauen hervorzurufen. All die Probleme des
Kittleren Ostens werden nicht mit Hilfe einer einzigen Formel gelöst
werden können. Diese Probleme werde.i auf verschiedenen Wegen angegangen
werden müssen, so wie wir dies schon immer versucht haben und auch
weiterhin tun werden. Aber der Verlauf der Ereignisse zwingt uns jetzt,
ein neues Element zum Tragen zu bringen, um unseren sonstigen Maßnahmen in diesem Gebiet mehr Gewicht zu verleihen.

V.
Nach der gründlichsten Prüfung ist Präsident Eisenhower zu der
Ansicht gelangt - und hat dem Kongreß empfohlen -, daß Maßnahmen ergriffen werden, die es zu allererst unmißverständlich klar machen, daß
es die vom Kongreß und vom Präsidenten erklärte Politik ist, mit den
Nationen des Mittleren Ostens zur Bewahrung ihrer Unabhängigkeit zusammenzuarbeiten .
Zweitens würden diese Maßnahmen den Präsidenten ermächtigen,
jedes Land oder jede Gruppe von Ländern in jenem Gebiet beim Aufbau der
wirtschaftlichen Stärke zu unterstützen, durch die die nationale Unabhängigkeit aufrechterhalten werden soll.
Drittens würden diese Maßnahmen den Präsidenten ermächtigen, mit
jedem Land oder mit jeder Gruppe von Ländern Programme der militärischen Unterstützung durchzuführen, wenn diese eine solche Hilfe wünschen.
Diese Maßnahmen würden den Präsidenten viertens ermächtigen, die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten zur Sicherheit und zum Schutz der
territorialen Integrität und politischen Unabhängigkeit aller eine derartige Hilfe anfordernden Länder oder Gruppen von Ländern vor einem
offenen bewaffneten Angriff seitens irgendeines vom internationalen
Kommunismus kontrollierten Staates einzusetzen.
Um den Präsidenten in die Lage zu versetzen, die wirtschaftlichen
und militärischen Hilfsprogramme besser durchzuführen, wird vorgeschlagen,
daß von den bereits im letzten gemeinsamen Sicherheitsgesetz bewilligten
Geldern bis zu 200 Millionen Dollar nach dem Ermessen des Präsidenten
für den Mittleren Osten verwendet werden können und daß diese Ermächtigung zusätzlich zu der ihm bereits auf Grund bestehender Gesetze übertragenen besonderen Vollmachten ausgesprochen werden soll. Dies schließt
nicht die Bewilligung oder Bereitstellung irgendwelcher zusätzlicher
Gelder ein. Wir streben vielmehr eine größere Flexibilität hinsichtlich
der schon bereitgestellten Mittel an, damit die vom Kongreß bereits zur
Verfügung gestellte 'Munition des Friedens1 freier und wirksamer in
einem Gebiet eingesetzt werden kann, das seit dem vergangenen Juni einen
größeren Bedarf an Hilfe hat, als ursprünglich angenommen worden war. Die

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Die Frage der Mittel für künftige Haushaltsjahre wird später behandelt
werden, wie uies in der Botschaft des Präsidenten dargelegt worden ist«
Die Vollmacht zum Einsatz der Streitkräfte der Vereinigten Staaten
soll in Fällen einer offenen bewaffneten Aggression zum Tragen kommen,
die von irgendeinem 'durch den internationalen Kommunismus kontrollierten Land'ausgeht. Dieser Begriff ist dem Gesetz über die gemeinsame Siehe
heit entnommen. Jeder Einsatz der Streitkräfte würde mit der Charta der
Vereinten Nationen sowie den anderen vertraglichen Verpflichtungen der
Vereinigten Staaten übereinstimmen, vor allem mit der in der Charta der
Vereinten Nationen und in unseren Sicherheitsverträgen festgelegten Bestimmung, wonach wir uns in unseren internationalen Beziehungen jeder
Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung gegen die territoriale Integrität
oder die politische Unabhängigkeit eines jeden Staates enthalten sollen.
Darüber hinaus würde eine derartige Anwendung von Gewalt unter Artikel
51 der Charta der Vereinten Nationen fallen, der das jedem zustehende
Recht auf kollektive Selbstverteidigung im Falle eines Angriffs anerkennt, der aber auch besagt, daß die Ausübung dieses Rechtes der Selbstverteidigung in keiner V/eise die Autorität und Verantwortlichkeit des
Sicherheitsrates berühren darf, solche Maßnahmen zu ergreifen, die der
Rat zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und
der internationalen Sicherheit für angebracht hält. Eine Koordinierung
mit den Vereinten Nationen würde ferner durch eine Bestimmung gewährleistet sein, welche besagt, daß jeder Einsatz der Streitkräfte der
Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit den Maßnahmen und Empfehlungen
der Vereinten Nationen stehen muß.
Die vorgeschlagene Gesetzgebung ist nach Auffassung unseres
Präsiuenten notwendig, um der Gefahr Herr zu werden.
Die Gefahr kann in dieser oder jener Form auftreten. Es besteht
die Möglichkeit einer bewaffneten Aggression. Es besteht die Möglichkeit der Subversion - eine Gefahr, die noch großer wird, wenn ein Gefühl der Unsicherheit vorhanden wäre. Es besteht weiter die Gefahr, daß
die existierenden wirtschaftlichen Verhältnisse den Kommunismus als
einen verlockenden Ausweg erscheinen lassen könnten. Jedes den Verhältnissen gerecht werdende Programm muß so ausgearbeitet sein, daß es
allen dreien dieser Gefahren sowie jeder Kombination dieser Gefahren
Rechnung trägt. Wir können diesen Anforderungen unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur dann gerecht werden, wenn wir jetzt in bezug auf
den Mittleren Osten klarstellen, was wir bezüglich so vieler anderer
Gebiete eindeutig dargelegt haben, daß nämlich einem bewaffneten
kommunistischen Angriff wenn notwendig mit den Streitkräften der Vereinigten Staaten entgegengetreten werden muß.
Besteht denn in der Tat irgendein Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten früher oder später mit Gewalt reagieren würden, wenn kommunistisch kontrollierte Regierungen offene Gewalt anwenden sollten, um den
Mittleren Osten zu erobern? Wäre es dann nicht offensichtlich, daß die
Vereinigten Staaten selbst in Gefahr zu geraten drohten? Aber wenn dem
so ist, dann ist es jetzt und heute an der Zeit, unsere Entschlossenheit
klarzumachen. Nur dadurch können wir wirklich der Sache der Freiheit
und des Friedens dienen.
Sie

�'AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Sie mögen ebenso wie ich der Überzeugung sein, daß in der Tat
kein Zweifel darüber bestehen kann, was der Kongreß unternähme, wenn
der internationale Kommunismus sich daran machen würde, die «Veit Stück
um Stück durch Krieg zu erobern. Aber solange der Kongreß nicht tatsächlich gesprochen hat, kann es im Mittleren Osten Zweifel geben,
und ebenso könnte man in der Sowjetunion Zweifel hegen. Wenn diese
Zweifel nicht zerstreut werden, dann dauert die Gefahr an und wird
nur noch größer. Wenn wir uns entschließen, abzuwarten, um uns zu
entscheiden, wenn es soweit ist, dann wird diese Wartezeit die Verletzbarkeit sowohl gegenüber einem direkten Angriff mit überlegenen
Kräften als auch gegenüber einer indirekten Aggression außerordentlich
vergrößern. Wir werden dann nicht vor einer Aggression abgeschreckt
haben.
Nur wenn der Kongreß alle diese Zweifel rasch zerstreut, nur
wenn er den Stempel der Bewilligung auf ein abgerundetes Programm
der wirtschaftlichen und militärischen Hilfe und der Versicherung
für den Mittleren Osten drückt, dann wird er das Maximum dessen getan
haben, -was er tun kann, um Frieden und Freiheit zu erhalten.
Der Zweck der vorgeschlagenen Resolution ist nicht der Krieg,
sondern der Friede. Der Zweck ist wie in den anderen Fällen, in
denen der Präsident und der Kongreß gemeinsam gehandelt haben, um
dem internationalen Kommunismus entgegenzutreten, den dritten .Veitkrieg zu beenden, noch bevor er überhaupt angefangen hat."

Dulles beantwortet Fragen der Ausschußmitglieder
Anschließend an seine Erklärung beantwortete der amerikanische
Außenminister Fragen der Ausschußmitglieder und gab dabei seiner
festen Überzeugung Ausdruck, daß praktisch alle Nationen des Mittleren Ostens die Politik Präsident Eisenhowers hinsichtlich dieses
Gebietes begrüßen werden. Gleichzeitig wandte sich Dulles gegen
Berichte, daß das Programm des Präsidenten den guten '.Villen und das
Ansehen zunichte machen würde, die die Vereinigten Staaten in den
Vereinten Nationen während der Suezkrise für sich aufbauen konnten.
Die vorgeschlagene Politik, so sagte der Außenminister, stelle praktisch lediglich eine Bekräftigung der amerikanischen Haltung in den
UN dar - daß nämlich der Anwendung von Gewalt gegen die territoriale
Integrität einer Nation entgegengetreten werden müsse.
Dulles erklärte wörtlich vor dem Ausschuß» "Vv'ir müssen dieses
Gebiet stärken. '.Vir wollen es keineswegs beherrschen und unser feierliches Versprechen, daß wir dies nicht wollen, liegt in der Charta
der Vereinten Nationen begründet."
Dulles gab in der Diskussien erneut seiner Überzeugung Ausdruck,
daß das kombinierte wirtschaftliche und militärische Hilfsprogramm
des Präsidenten die Nationen im Mittleren Osten in die Lage versetzen
werde, jeder Bedrohung durch den Kommunismus erfolgreich zu widerstehen.
Dulles

�"AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Dulles teilte weiter mit, die USA seien nur dann zum Einsatz
ihrer Streitkräfte in diesem Gebiet bereit, wenn einwandfrei feststehe,
daß die Vereinten Nationen und der Sicherheitsrat nicht mehr in der
Lage wären, mit einer etwa, entstehenden Situation fertig zu werden.
Er erinnerte den Ausschuß daran, daß die Sowjetunion möglicherweise
im Sicherheitsrat ihr Veto einlegen und damit die UN praktisch handlungsunfähig machen könnte.
Er sei überzeugt, so betonte Dulles, daß die Stellung der führenden Patrioten in den Mittelost-Staaten gestärkt, der Aufbau loyaler
Streitkräfte und Polizeitruppen in diesen Ländern gefördert und die
wirtschaftliche Lage der dortigen Völker verbessert würde, wenn die
USA durch die vorgeschlagene Resolution den Nationen im Mittleren
Osten die Gewißheit des Schutzes im Falle eines offenen bewaffneten
Angriffes geben. Die Schaffung einer solchen starken Position würde
jede Möglichkeit auf ein Minimum beschränken, daß der Kommunismus durch
einen offenen bewaffneten Angriff oder durch Subversion die Regierung
dieser Länder übernehmen könnte.
Im weiteren Verlauf der Diskussion hob Dulles hervor, daß die Regierung bei der Behandlung von Problemen, die zu einem Krieg führen
könnten, zum gegenwärtigen Zeitpunkt vor allem eine größere Freizügigkeit bei der Verwaltung von Mitteln und dem Einsatz bereits erteilter
Vollmachten brauche. In diesem Zusammenhang teilte der Außenminister
mit, daß die USA nicht beabsichtigen, im Rahmen der vorgeschlagenen
Programme den Assuan-Staudamm in Ägypten zu finanzieren.
Auf die Frage, ob er, Dulles, an den Einsatz der UN-Polizeistreitkräfte auf einer ausgedehnteren Basis im Mittleren Osten denke, erinnerte der Außenminister daran, daß sich die USA bereits vor einigen
Jahren in den Vereinten Nationen für die Schaffung einer ständigen
UN-Polizeitruppe eingesetzt haben. Dieser Vorschlag sei jedoch damals
nicht durchgeführt worden. Jetzt, da für einen Notfall eine solche
Streitmacht geschaffen worden sei, so fügte Dulles hinzu, hoffe er,
daß sie auch in anderem Zusammenhang und zur Lösung anderer Probleme
eingesetzt werden könne.
Dulles unterstrich weiter erneut, daß die USA niemals an eine
einseitige Maßnahme im Mittleren Osten dächten. Amerikanische Streitkräfte würden nur dann gegen eine Aggression eingesetzt, wenn das
Ersuchen eines anderen Landes gestellt werde.
Dulles bemerkte, daß der sowjetische Einfluß im Mittleren Osten
schon seit langem beobachtet worden sei, es sei jedoch nicht anzunehmen,
daß der internationale Kommunismus tatsächlich bereits die Kontrolle
in irgendeinem Land dieses Gebietes an sich gerissen habe.
"Dieses Programm", so unterstrich der Außenminister, "soll gerade
verhindern, daß dies geschieht, oder wenn es geschehen ist, daß irgendein andereB Land einer Aggression zum Opfer fällt".
Der

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�"AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Der US-Außenminister betonte nachdrücklich, daß die USA weder im
Mittleren Osten noch sonst irgendwo irgendwelche aggressiven Ziele
verfolgen und daß das vorliegende Programm ausschließlich darauf abziele, einen Krieg zu verhüten und die Sache des Friedens zu stärken.
"Kein Land der Welt", so sagte Dulles, "will vom internationalen
Kommunismus beherrscht werden". Die Länder des Mittleren Ostens seien
sich der kommunistischen Gefahr besonders bewußt, da die Völker dort
tief religiös seien und von jeder Beherrschung durch eine fremde
atheistische und materialistische Macht frei sein wollten.
Er nehme nicht an, so führte Dulles abschließend aus, daß die
Sowjetunion dem amerikanischen Programm durch Angebote einer ausgedehnten Wirtschaftshilfe für die Länder des Mittleren Ostens entgegenwirken werde. Im übrigen hätten die Sowjets in dieser Richtung "noch
nicht sehr viel getan".

* * * * *

- 8 -

�M E R I K A

NIXON ÜBER DIE LAGE DER UNGARNFLb'CHTLINGE

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut das Berichts, den Vizepräsident Nixon dem Präsidenten der Vereinigten Staaten über den Stand der Hilfsaktionen für die ungarischen Flüchtlinge unterbreitet hat.

Einführung
Dieser Bericht behandelt nur ein Symptom des Flüchtlingsproblems,
nicht das Problem selbst. Ungeachtet dessen, wie wir für die Opfer
der Unterdrückung sorgen mögen, die Schuld derjenigen, die sie von
Haus und Hof vertrieben, die ihre Landsleute ermordeten und heute
die Menschen ihrer Heimat in Sklaverei halten, darf darüber niemals
vergessen werden.
Der Aufstand des tapferen ungarischen Volkes gegen seine Unterdrücker ist eines der bedeutsamsten Ereignisse in der Geschichte der
Menschheit. Ohne daß dieser Aufstand geplant oder organisiert worden
war, erhob sich das Volk in äußerster Qual gegen die Unterjochung und
die an ihm verübten Grausamkeiten. Was diese Menschen taten und noch
immer tun, war nicht umsonst, denn mit ihren Taten haben sie, aller
Welt vernehmlich, die Totenglocken für den internationalen Kommunis- .
mus eingeläutet.
Wir sind uns darüber klar, daß wir in einem Bericht, der sich
wie dieser auf die gegenwärtige Not der ungarischen Flüchtlinge beschränkt, in keiner Weise die grundlegende Frage behandeln können,
wie Ungarn die Freiheit zu geben sei. Denn die einzig mögliche und
bleibende Lösung dieses Problems sowie aller Schwierigkeiten, mit
denen das ungarische Volk zu kämpfen hat, wäre die Anerkennung der
Resolution der Vereinten Nationen über den Abzug der sowjetischen
Truppein aus Ungarn seitens der UdSSR. Alle Lösungen, die diese
Forderung nicht erfüllen, müssen als zeitweiliger Notbehelf, als
im Grunde unbefriedigende Lösungen gelten.
Auf Grund von Erhebungen, die in direktem Kontakt mit den ungariseheji Flüchtlingen von dem Augenblick ihres Übertritts über die
Grenze1 nach Österreich bis zum Verlassen des Auffanglagers Camp
Kilmer angestellt wurden, unterbreite ich hiermit folgende Ergebnisse
und Empfehlungen.
Anzahl
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�"AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Anzahl und Art der Flüchtlinge
Zwischen dem 25« Oktober 1956 und dem 1. Januar 1957 haben annähernd 155 000 Flüchtlinge die österreichische Grenze überschritten.
Gegenwärtig kommen im Tag durchschnittlich etwa 800 Personen über die
Grenze.
Diese aus Ungarn geflohenen Menschen gehören zu den wertvollsten
des ungarischen Volkes. Zum größten Teil standen sie bei dem Kampf um
die Freiheit in vorderster Front und flohen erst, als sie nur noch
die Wahl hatten zwischen Tod oder Deportation durch die fremden Eindringlinge oder aber vorübergehende Flucht ins Ausland, um dort die
Befreiung Ungarns, die eines Tages kommen muß, abzuwarten. Es sind in
der großen Mehrheit junge Menschen - Studenten, Techniker, Handwerker
und Angehörige der freien Berufe. Auch zahlreiche Familien sind unter
den Flüchtlingen mit vielen Kindern,
Die" meisten der befragten Flüchtlinge erklärten, daß sie Ungarn
aus Furcht vor Liquidierung oder Deportation verlassen hätten. Die
Zahl derjenigen, die als "Treibsand" des Flüchtlingsstromes mitkommen
sowie derjenigen, die Ungarn aus rein wirtschaftlichen Gründen verlassen haben, ist verhältnismäßig gering.
Die Mehrheit der bisher Befragten hat den Wunsch geäußert, im
Falle eines Regierungswechsels nach Ungarn zurückzukehren, sofern sie
dies ohne Gefahr tun können.
Das Problem der Überprüfung der Flüchtlinge aus Gründen der politischen Sicherheit ist in diesen Fällen nicht so schwierig als sonst,
da neben dem vorliegenden Unterlagenmaterial auch andere Flüchtlinge,
die die Spitzel und Agenten in ihren Ortschaften genau kennen, bereitwillig diesbezügliche Aussagen und Angaben machen.
Ich bin überzeugt, daß bei Beibehaltung des derzeitig angewandten
Untersuchungsverfahrens die in die Vereinigten Staaten aufgenommenen
ungarischen Flüchtlinge kein irgendwie nennenswertes Risiko für die
innere Sicherheit unseres Landes darstellen werden.
Unter Berücksichtigung aller oben erwähnten Faktoren glaube ich
sagen zu dürfen, daß die Länder, die diese Flüchtlinge aufnehmen, feststellen werden, weniger eine Verpflichtung übernommen als vielmehr
einen Gewinn erzielt zu haben. Wie Mr. Herbert Hoover am 27« Dezember
vorigen Jahres erklärte, haben "die ungarischen Flüchtlinge durch ihren Mut und ihre Opferbereitschaft bewiesen, daß sie ganz und gar zu
jener Sorte Menschen gehören, die gute Amerikaner werden".
Die derzeitige Lage der Flüchtlinge
Bis zum 1. Januar 1957 wurden von den 155 000 Flüchtlingen 88 000
in Ländern außerhalb Österreichs aufgenommen. Von diesen 88 000 gingen
15 000 nach den Vereinigten Staaten, die restlichen 73 000 nach anderen

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�"AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

Von den 67 000 zur Zeit in Österreich sich aufhaltenden Flüchtlingen können, wie die österreichische Regierung andeutete, schätzungsweise 30 000 von der österreiehischen Wirtschaft assimiliert werden,
vorausgesetzt, daß Österreich für den Bau von Unterkünften und anderen
Anlagen für die Unterbringung der Flüchtlinge während der Übergangsperiode
eine gewisse Unterstützung erhält.
Das heißt, daß sich gegenwärtig mindestens 57 000 ungarische Flüchtlinge in Österreich "befinden, für die noch in anderen Ländern eine neue
Heimat gefunden werden muß.
Ausblick auf die weitere Entwicklung
Wie lange der Flüchtlingsstrom aus Ungarn nach Österreich noch anhalten wird, hängt von den weiteren Ereignissen in Ungarn ah. Falls es
zu Veränderungen in der ungarischen Regierung in der Weise kommt, daß dem
ungarischen Volk ein gewisses Maß an Freiheit gewährt wird, so dürfte es
keine Frage sein, daß die Zahl der Flüchtlinge aus Ungarn wesentlich zurückgehen und viele derjenigen, die Ungarn verlassen haben, in ihre Heimat zurückkehren würden.
Es besteht auch die Möglichkeit, daß die ungarische Regierung beschließt, noch schärfere Maßnahmen zur Sperre der Landesgrenzen zu ergreifen, und auch in diesem Falle würde die Zahl der Flüchtlinge aus
- Ungarn wesentlich zurückgehen.
Ein weiterer Faktor, den man bei einer Untersuchung des Gesamtproblems berücksichtigen muß, ist die Tatsache, daß ein Teil der 73 000
Ungarnflüchtlinge, die in andere Länder gegangen sind, dies in der Annahme taten, es handle sich nur um eine vorübergehende Unterbringung,
und sie letztlich doch die Möglichkeit erhielten, in die Vereinigten
Staaten einzuwandern.
Präsident Eisenhower hat erklärt, daß die Vereinigten Staaten
diejenigen, die in dieser Annahme in andere Länder gingen, aufnehmen
würden.
Die Gesamtzahl der Flüchtlinge in den oben erwähnten Kategorien
kenn man wohl überhaupt nicht mit Gewißheit abschätzen - aber in jedem
Fall gibt es nur eine einzige Schlußfolgerung. Die Vereinigten Staaten
wie auch die anderen freien Nationen müssen eine wesentlich größere
Anzahl von Ungarnflüchtlingen aufnehmen, als sie bisher zugestanden
haben.
Empfehlungen für künftige Maßnahmen der Vereinigten Staaten
betreffs der Aufnahme von mehr Flüchtlingen
Es wurde angeregt, die Vereinigten Staaten sollten bereits jetzt
bekanntgeben, daß sie eine bestimmte Anzahl zusätzlicher Flüchtlinge
aufnehmen werden.
Weiter

�"AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Weiter wurde angeregt, die Vereinigten Staaten sollten sich bereit
erklären, einen bestimmten Prozentsatz aller sich gegenwärtig noch in
Österreich befindlichen sowie der womöglich noch aus Ungarn nach Österreich einströmenden ungarischen Flüchtlinge aufzunehmen.
Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß es für die Vereinigten
Staaten nicht klug wäre, sich an einen festen Prozentsatz öder an eine
feste Zahl zu binden.
Unsere Politik sollte es sein, gemeinsam mit anderen Nationen der
freien Welt den der kommunistischen Gewaltherrschaft entronnenen Flüchtlingen ohne zahlenmäßige Einschränkung Aufnahme zu gewähren.
Im Rahmen der Maßnahmen, die wir in Erfüllung unserer traditionellen Mission, Opfern der Gewaltherrschaft eine Zufluchtsstätte zu geben,
treffen werden, sollten wir keine Höchstgrenze festsetzen. Infolge der
unklaren Lage in Ungarn ist es uns überdies gar nicht möglich, genaue
Angaben darüber zu machen, in welcher Höhe eine solche Zahl festzusetzen
sei.
Es wäre auch unrealistisch, wenn wir uns auf einen bestimmten Prozentsatz bei der Aufnahme der Flüchtlinge festlegen würden. Die Verhältnisse innerhalb der verschiedenen Länder, die den Flüchtlingen eine
Heimat bieten, können sich ändern, und unsere Politik muß elastisch
genug sein, um solchen Änderungen Rechnung zu tragen.
Unsere Politik sollte auf folgenden Grundsätzen fußen*
1) Sämtliche freien Nationen sollten sich im Rahmen der ihnen zu
Gebote stehenden Möglichkeiten in die Verantwortung teilen, die Flüchtlinge wieder anzusiedeln. Die Regierung der Vereinigten Staaten sollte
sich sowohl über die Vereinten Nationen wie über die normalen diplomatischen Beziehungen bemühen, dieses Ziel verwirklichen zu helfen. Im
Hinblick auf dieses Ziel sollten das amerikanis che Flüchtlingshilfsprogramm, der Zwischenstaatliche Ausschuß für die Auswanderung aus
Europa (iCEM) und der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für das
Flüchtlingswesen, die sich alle in der einen oder anderen Phase mit der
Umsiedlung von Flüchtlingen befassen, von uns unterstützt werden.
2) Bis zum Erlaß entsprechender Gesetze durch den Kongreß sollte
die Aufnahme von Ungarn in die Vereinigten Staaten weiterhin gemäß
den gegenwärtig in Kraft befindlichen Sondergenehmigungen erfolgen.
Die Mehrzahl dieser Aufnahmegenehmigungen müßten auch in Zukunft
solche Ungarn erhalten, die sich gegenwärtig in Österreich aufhalten,
um so den Druck von diesem Land etwas zu nehmen. Ein Teil der Genehmigungen jedoch sollte den Ungarn vorbehalten sein, die in westeuropäischen Ländern außerhalb Österreichs vorübergehend Asyl gefunden
haben, aber von vornherein überzeugt waren, schließlich die Einreise
nach den Vereinigten Staaten zu erhalten. Bei dieser letztgenannten
Gruppe sollten au* gegenwärtigen Zeitpunkt vor allem diejenigen bevorzugt behandelt werden, die Verwandte in den Vereinigten Staaten besitzen; mit diesem Ziel vor Augen sollten nun die Anträge von Flücht-

- 4-

�&gt;

"AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Flüchtlingen aus Ländern außerhalb Österreichs bearbeitet werden. Die
diplomatischen Vertreter der USA in Staaten, die Ungarnflüchtlingen
gegenwärtig Asyl gewähren, sollten wo immer möglich Abmachungen treffen,
denen zufolge an die Stelle derjenigen Flüchtlinge, die aus diesen
Ländern von den Vereinigten Staaten zur 'Viederansiedlung übernommen
werden, solche aus Österreich nachrücken können.
J&gt;) Dem Kongreß sollte zur sofortigen Beratung eine Abänderung des
Einwanderungs- und Naturalisierungsgesetzes (Immigration and Nationality
Act) vorgelegt werden, die
a) den Status der Ungarnflüchtlinge regelt, die auf Grund der Ausnahmegenehmigungen in die Vereinigten Staaten kamen, und die vorsieht,
daß
b) unter großzügiger Auslegung der Gesetze einer zusätzlichen Zahl
von Ungarn sowie von anderen vor der kommunistischen Verfolgung geflohenen Personen die Einwanderung durch die Ausgabe von Visa, die nicht
unter die Einwanderungsquoten fallen, im Rahmen eines jährlichen Höchstsatzes gestattet wird.
Derartige Bestimmungen sollten auch Flüchtlinge berücksichtigen,
die vor Oktober 1956 Ungarn verlassen haben, sowie solche Personen aus
anderen osteuropäischen Ländern, die eine Bevorzugung verdienen, jedoch
wegen des Ablaufs des Flüchtlingsprogramms und des Fehlens entsprechender
anderer gesetzlicher Bestimmungen für eine Einwanderung noch keine neue
Heimat in den Vereinigten Staaten finden konnten.
c) Ich befürworte dringend die Verabschiedung der vom Präsidenten
dem 84. Kongreß vorgeschlagenen Änderungen zum Einwanderungs- und Naturalisierungsgesetz. Solche Änderungen würden unserer Einwanderungspolitik
eine angemessene Elastizität verleihen und unserer Verantwortung der
Welt gegenüber besser Rechnung tragen. Beispielsweise würden Maßnahmen
dieser Art auch die Berücksichtigung von Personen gestatten, die zwar
ebenfalls vor dem Kommunismus geflohen sind, aber aus anderen als aus
osteuropäischen Ländern kommen; zu dieser Gruppe würden auch chinesische
Nationalisten gehören, die vor dem kommunistischen Regime in ihrer Heimat
flüchten müssen.
4.) Man hat behauptet, daß keine Änderung des Gesetzes notwendig
sei und das ganze Problem der Flüchtlinge aus kommunistischen Ländern
in hinreichendem Maße im Rahmen der Sonderbestimmungen des zur Zeit
geltenden Gesetzes behandelt werden könnte. Obwohl durch den Justizminister die Sonderbestimmungen in einer Weise ausgelegt wurden, daß
sie auf die bis jetzt aufgenommenen 15 000 Ungarn angewendet werden
konnten, und obwohl ich der Ansicht bin, daß die Einwanderungsanträge
zusätzlicher ungarischer Flüchtlinge auch weiterhin im Sinne dieser Bestimmungen bearbeitet werden sollten, bis sich der Kongreß mit Abänderungen zum Gesetz befassen kann, sollte der Kongreß doch die Umstände
und die Beschränkungen für die künftige Anwendung dieser Bestimmung genau
darlegen.
Wie

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�»

"AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Wie der Justizminister erklärte, sollte weder er selbst noch ein
anderer Verwaltungsbeamter unbeschränkte Vollmachten besitzen, um
Ausländern auf Grund von Ausnahmebestimmungen die Einwanderung in die
Vereinigten Staaten zu ermöglichen. Es liegt auf der Hand, daß solche
Befugnisse, wenn sie willkürlich angewandt werden, zu einer völligen
Umgehung des Einwanderungsgesetzes nach seinem eigentlichen Sinn und
Zweck führen können.
Wirtschaftliche Unterstützung durch die Vereinigten Staaten
Die Beiträge unserer Regierung zur Betreuung und zum Unterhalt
der ungarischen Flüchtlinge wurden zum Teil über die Vereinten Nationen
geleitet. Wir sollten uns auch weiterhin gemeinsam mit den übrigen freien
Nationen an der Hilfsaktion beteiligen, um eine möglichst wirksame
Kombination unserer Hilfsquellen zu gewährleisten. Doch wird es außerdem auch nötig sein, mit der österreichischen Regierung und den Hilfsorganisationen unmittelbar über die verschiedenen Maßnahmen zu verhandeln, so insbesondere über alle diejenigen, die eine Belastung der
österreichischen Wirtschaft darstellen.
Hinsichtlich einer etwaigen wirtschaftlichen Unterstützung an
Österreich muß darauf hingewiesen werden, daß die der österreichischen
Regierung bisher erwachsenen Kosten ganz beträchtlich sind. Österreich
ist ein verhältnismäßig kleines Land mit nur rund sieben Millionen
Einwohnern. Es herrscht dort Wohnungsnot. Sein wirtschaftlicher Wiederaufbau, so bemerkenswert er auch ist, war durch die lange Besetzung
des Landes, die erst 1955 endete, erheblich behindert. Der Staatshaushalt ist bereits reichlich belastet. Schon ehe dieser neue Flüchtlingsstrom aus Ungarn einsetzte, unterhielt Österreich ein umfassendes
Flüchtlingshilfeprogramm, und die hierfür zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten waren zum größten Teil überfüllt. Die Beköstigung eines
einzigem Flüchtlings kostet ungefähr einen Dollar täglich; daneben müssen beträchtliche Summen für die Verbesserung oder Renovierung der vorhandenen Unterkünfte und anderer Baulichkeiten, für Transporte, Einrichtungsgegenstände, ärztliche Betreuung und ähnliches aufgebracht
werden .
Die Flüchtlinge besitzen nichts außer dem, was sie auf dem Leibe
tragen, und sie müssen zunächst mit Kleidungsstücken und den lebensnotwendigsten Dingen versorgt werden. Obgleich die karitativen Organisationen, vor allem das Rote Kreuz, reichlich Geldmittel zur Verfügung
gestellt haben und noch viel mehr von ihnen zu erwarten ist, bleibt
doch die Tatsache bestehen, daß die gesamte restliche finanzielle
Last von der österreichischen Regierung zu tragen ist. Dies macht nun
wieder die Hilfe anderer Regierungen, einschließlich unserer eigenen,
dringend erforderlich.
Die Liga der Rot-Kreuz-Gesellschaften, der auch das Amerikanische
Rote Kreuz angehört, hat die Verantwortung für die Betreuung und den
Unterhalt von 35 000 Flüchtlingen in den großen Lagern in Österreich
übernommen. Die Gelder, die wir den Vereinten Nationen überwiesen

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�AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

überwiesen haben (fünf Millionen Dollar), wurden der österreichischen
Regierung und der Rot-Kreuz-Liga entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen zugeteilt. Doch "braucht die Rot-Kreuz-Liga weitere finanzielle
Unterstützung durch die Vereinten Nationen, die ihr unbedingt gegeben
werden sollte.
Weiter wird empfohlen, daß die in Präge kommenden amerikanischen
Regierungsstellen sich über die bestmögliche Verwendung überschüssiger
landwirtschaftlicher Erzeugnisse sowohl für die Ernährung der Flüchtlinge als auch zur Ansammlung von Gegenwertmitteln informieren; aus
letztwen könnten teilweise die erforderlichen Barmittel für die Flüchtlingshilfe aufgebracht werden.
Die von unserer Regierung zur Verfügung gestellten Bargeldmittel
wurden bisher zum größten Teil dem gemäß Paragraph 401 des Gesetzes über
die gemeinsame Sicherheit bereitgestellten Sonderfonds für Dringlichkeitsfälle entnommen. Nach den derzeitigen Schätzungen werden die zur
Zeit bewilligten Mittel ausreichen, um die im Rahmen des Ungarn-Hilfsprogramms in diesem Haushaltsjahr voraussichtlich entstehenden Kosten
bis zum 1. Juli 1957 zu decken.
Die freiwilligen Hilfsorganisationen der Vereinigten Staaten werden womöglich im gleichen Zeitraum in beschränktem Umfange eine finanzielle Unterstützung seitens der Regierung benötigen, um ihre Aufgaben
im Rahmen des Ansiedlungsprogramms für ungarische Flüchtlinge erfüllen
zu können. Unter gewöhnlichen Umständen wäre eine solche Unterstützung
nicht erforderlich; aber der plötzliche Zustrom ungarischer Flüchtlinge
stellt an manche dieser Organisationen besonders hohe finanzielle Anforderungen, denen sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden freiwilligen
Spenden nicht gerecht zu werden vermögen. Wo die freiwilligen Spenden
nicht ausreichen, bleibt kein anderer Weg, als diese Organisationen aus
staatlichen Mitteln zu unterstützen.
Die Koordinierung der Tätigkeit der freiwilligen Hilfsorganisationen
und der mit der Ansiedlung der Flüchtlinge befaßten Bundesdienststellen
sollte auch weiterhin Aufgabe des Ungarnhilfsausschusses des Präsidenten
bleiben. Dieser Ausschuß, der unter der bewährten Leitung von Mr. Tracy
Voorhees steht, hat hier bereits Hervorragendes geleistet.
Allgemeine Bemerkungen
In diesem Bericht sollen nicht alle Aspekte des Flüchtlingsproblems
behandelt werden. Ein ausführlicher Bericht wurde dem Präsidenten bereits mündlich vorgetragen, und weitere Unterlagen über die wirtschaftliche Hilfe werden von Mr. Hollister noch vorgelegt werden. Nach sorgfältiger Überprüfung der Maßnahmen zur Weiterleitung, der Flüchtlinge
vom Auffanglager Camp Kilmer bin ich überzeugt, daß die amerikanische
Wirtschaft die in den Vereinigten Staaten aufgenommenen ungarischen
Flüchtlinge ohne Frage leicht unterzubringen vermag, so daß diese für
sie sogar einen Gewinn darstellen.
Der

�"AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Der Vollständigkeit halber darf die Arbeit der freiwilligen Hilfsorganisationen, die ein leuchtendes Beispiel privater Hilfsbereitschaft
nach bester amerikanischer Tradition gegeben haben, nicht unerwähnt
bleiben. Sie waren sofort zur Stelle, als der Flüchtlingsstrom aus
Ungarn einsetzte. Sie sorgten in den ersten chaotischen Tagen für
Essen und Kleidung und kümmerten sich um die Flüchtlinge. Sie sorgen
für die V/eiterleitung dieser Menschen von Österreich aus nach anderen
Ländern, und wir erwarten von diesen Organisationen außerdem, daß sie
die Flüchtlinge aus Ungarn und anderen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang, die nach den Vereinigten Staaten und anderen Ländern gehen,
glücklich in ihrer neuen Heimat unterbringen. Sie haben daher ein
Recht auf eine laufende und großzügige finanzielle Unterstützung des
gesamten amerikanischen Volkes.
Ebenso möchte ich den Beamten der amerikanischen Regierungsstellen
meinen Dank aussprechen, die in den vergangenen zwei Monaten so bereitwillig und tatkräftig im Rahmen der Flüchtlingshilfe gearbeitet haben.
Der amerikanische Botschafter in Österreich und seine Mitarbeiter,
die Angestellten des Bundesamtes für Einwanderungs- und Naturalisierungsfragen, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und des Arbeitsministeriums sie alle haben in diesen Wochen Ausgezeichnetes geleistet. Auch die USStreitkräfte haben mit der Einrichtung und Durchführung der Luft- und
Seebrücke einen Beitrag geleistet, der mit der Tradition der Waffengattungen in bestem Einklang steht. Nirgends habe ich ein so eindrucksvolles Beispiel für die großzügige Hilfsbereitschaft Amerikas gesehen
als in der Arbeit der Frauen unserer Soldaten, die an den verschiedenen
Stationen, die die Flüchtlinge auf ihrem Wege nach den Vereinigten
Staaten passieren mußten, alles getan haben, um sie mit besonderer Sorgfalt zu betreuen.
Auch die von den Frauen der amerikanischen Regierungsstellen in
Wien eingerichtete Suppenküche, in der täglich 3000 bis 4000 Flüchtlinge beköstigt werden, ist ein schönes Beispiel tätiger Nächstenliebe.
Dies sind nur einige Beispiele für die Hilfsaktionen an den verschiedenen Stellen, wo amerikanische Angestellte und Angehörige der USStreitkräfte mit Aufgaben im Rahmen der Flüchtlingshilfe betraut wurden.
Abschließend möchte ich noch mit besonderem Nachdruck (darauf
hinweisen, daß wir in unserer notwendigen und verständlichen Sorge um
die Lösung des unmittelbaren Problems, nämlich der Linderung der
Flüchtlingsnot, nicht die historische Bedeutung dieser Massenauswanderung aus einer Welt der Sklaverei in die Welt der Freiheit übersehen dürfen. Die kommunistische Führung glaubte, eine neue Ordnung
in Ungarn zu errichten. Statt dessen hat sie lediglich dem völligen
Versagen des internationalen Kommunismus ein Monument gesetzt, das für
immer in der-Geschichte erhalten bleiben wird. Und die Menschen in
und außerhalb Ungarns, die den Mut besaßen, durch ihre Taten diese
Ideologie in ihrer ganzen Schändlichkeit bloßzustellen, verdienen alle
Dankbarkeit und Hilfe, die wir Menschen der freien Welt ihnen heute
von Herzen gerne gewähren.
* * * * *

- 8 -

�In der gegenwärtigen Wtlt wird die anwachsende und verständlicheff«11« des Nationalismus durch weitverbreitete Aufstände und
Revolten gegen die Tyrannei, die Ungerechtigkeit, die Ungleichheit
und die Armut gekennzeichnet. Als Einzelpersonen, denen die Sehnsucht nach Freiheit gemeinsam ist, stellen Männer, Frauen und sogar
Kinder Kanonen und Panzern ihren Geist entgegen. Auf breiterer
Basis lösen die Völker in einem vielleicht noch hartnäckigeren
Streben nach der von echter Souveränität und der für die nationale
Unabhängigkeit notwendigen wirtschaftlichen Grundlage ausgehenden
Selbstachtung ihre alten Bande, suchen neue Bündnisse und experimentieren in ihrem Kampfe - manchmal in gefährlicher Weise -, um
dieses menschliche Trachten zu erfüllen.
Diese Tendenz hat besonders im letzten Jahr die Haltung und
Einstellung von Millionen von Menschen verändert. Die bereits verwirklichten Änderungen lassen eine V/elt erahnen, die durch den
Geist der Freiheit verwandelt ist. Dies ist keine ferne und fromme
Hoffnung.' Die gegenwärtig in den Seelen und Herzen der Menschen

�AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

Menschen arbeitenden Kräfte werden in vielen Jahren nicht aufgezehrt sein. Im großen und ganzen sind die nationalen Gefühle, wie
sie sich heute manifestieren, in ihrem geistigen Fundament ein
Spiegelbild des Freiheitskampfes unserer Vorväter.
Unsere Republik kann sich von diesen Ereignissen nicht distanzieren, die von einer neuen Ära der Menschheitsgeschichte künden.
Unser feierlich verpfändetes '"'ort, unser vernünftiges Eigeninteresse, unser Charakter als Kation legen uns in der Außenpolitik
eine hohe Verpflichtung auf: Die Rolle einer energischen Führung,
einer immer einsatzbereiten Stärke, eines wohlwollenden Verständnisses .
Bei der Eröffnung des 85.Kongresses beweist die Lage der Nation
erneut die Klugheit und Richtigkeit der Grundsätze, auf denen unser
-taatsgefüge beruht. Niedergelegt in der Verfassung unseres Landes
und in zahlreichen historischen Dokumenten und in religiösen Über- .
Zeugungen demütig wurzelnd, verkünden diese Prinzipien:
eine wache Sorge um die menschliche Freiheit; ein kluges SichKümmern um das menschliche Wohlergehen; ein unermüdliches Streben
nach Forderung des menschlichen Fortschritts.
Unsere Treue diesen Grundsätzen gegenüber hat uns in unseren
Beziehungen zu den anderen Völkern neue Freundschaft gebracht und
damit unsere Chance vergrößert, der Völkerfamilie unsere Dienste angedeihen zu lassen. Der von diesen Grundsätzen ausgehende Ruf richtet
sich 8n alle, und läßt in den Herzen aller Menschen eine leuchtende
Flamme auflodern. Wir werden diese Grundsätze weiterhin aufrechterhalten gegen diejenigen, die sie negieren - und in gemeinsamem Rat
mit unseren Freunden.
In unserem eigenen Lande hat die Anwendung dieser Grundsätze
auf die verzweigten Probleme unseres staatlichen Lebens uns zu
einer einmaligen Höhe wirtschaftlichen Wohlstandes gebracht und
den unvergänglichen Werten des menschlichen Geistes und Herzens
exemplarisch in unserer amerikanischen Lebensform Ausdruck
verliehen.
Während der vergangenen vier Jahre haben diese Grundsätze das
Gesetzgebungsprogramm geleitet, das dem Kongreß von der Regierung
unterbreitet worden ist. Bei dem Versuch, diese Prinzipien auf die
gegenwärtigen Verhältnisse sowohl in innen- als auch in außenpolitischer Hinsicht anzuwenden, müssen wir das vielfältige Ganze in
Rechnung stellen, das die Vereinigten Staaten von Amerika bilden,
sowie berücksichtigen, was dieses Ganze gefährdet und was es stärker
machen kann.
Die sichtbare Struktur dieses Ganzen ist die amerikanische Wirtschaft selbst. Nach mehr als 150 Jahren der konstanten Expansion verfügt diese '.Virtschaft immer noch in reichhaltigem Maße über eine Vielfalt natürlicher Hilfsquellen. Was das fachtechnische Können der Bevölkerung anbetrifft, steht die amerikanische Wirtschaft an erster
Stelle unter den Ländern der Welt. Sie erzeugt weitaus mehr Lebens- 2 -

�AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

Lebensmittel und Industrieprodukte als wir benötigen. Sie gibt all
unseren Bürgern die lohnende Möglichkeit, zu verdienen, ihre Ziele
zu verwirklichen und sich frei zu entfalten. Wir sind reich gesegnet
mit Bildungsstätten sowie mit kulturellen und religiösen Einrichtungen. Unser Wirtschaftssystem ist von unerhörter Dynamik in seiner unbegrenzten Initiative und Bereitschaft, das zu wagen, was ein freies
Unternehmertum charakterisiert. Unsere Wirtschaft bringt einen Wohlstand hervor, an dem weiteste Kreise Anteil haben.
Unsere Wirtschaft ist stark, sie weitet sich ständig aus und
ist in ihren Fundamenten gesund. Aber bei einer realistischen Bewertung wird selbst der optimistische Analytiker anerkennen, daß in einer
Zeit der Prosperität die Hauptgefahr für ein wirksames Funktionieren
einer freien Unternehmerwirtschaft die Inflation ist. fix blicken auf
vier Jahre der Prosperität zurück,, in denen die Preise, die Lebenshaltungskosten relativ stabil blieben - das heißt, der Inflation wurde
Einhalt geboten. Es ist jedoch klar, daß die Gefahr stets gegenwärtig
ist, besonders wenn die Regierung in ihren Ausgaben verschwenderisch
werden sollte oder private Gruppen alle die möglichen Auswirkungen
ignorieren sollten, die unkluge Kämpfe um unmittelbare Gewinne auf
unsere Wirtschaft haben könnten.
Diese Gefahr erfordert den festen Entschluß, daß die Bundesregierung nur einen vernünftigen Teil der Hilfsquellen der Nation einsetzen
darf, daß sie sich im Rahmen ihrer verfügbaren Mittel bewegen soll,
wobei sie andere Vorschläge, die erneute Ausgaben vorsehen, sorgfältig
gegen die Bedürfnisse abwägen muß.
In den kommenden vier Jahren werde ich weiterhin darauf bestehen,
daß die Ministerien und Regierungsbehörden nach neuen Mitteln und Wegen
Ausschau halten, um Geld und Arbeitskräfte einzusparen. Ich ersuche den
Kongreß, ebenfalls sein Augenmerk auf diese Angelegenheit zu richten.
Wir verpflichten uns feierlich, daß die Regierung weiterhin das
Ihre dazu tun wird, um über die Integrität des Dollars zu wachen. Die
Bemühungen der Regierung allein reichen jedoch nicht aus, um den Feldzug gegen die Inflation zu führen. Die Inflation ist der Dieb, der den
einzelnen des Wertes seiner Renten und sozialen Sicherheit berauben kann,
welche er sich während seines Arbeitsreichen Lebens verdient hat. Um Erfolg zu haben, müssen die Anstrengungen der Regierung mit der Einstellung
und den Maßnahmen des Einzelbürgers Hand in Hand gehen.
Ich habe oft von de"? Ziel dieser Regierung - dem Dienst an dem
nationalen Interesse von 170 Millionen Menschen - gesprochen. Das
nationale Interesse muß über allen temporären Vorteilen stehen, die
von bestimmten Gruppen auf Kosten des ganzen Volkes erlangt werden
könnten.
In diesem Zusammenhang fordere ich von den führenden Vertretern
des Unternehmertums und der Arbeiterschaft, wirklich an ihre Verantwortung gegenüber dem amerikanischen Volk zu denken. Zusammen mit allen
anderen Teilen unserer Gesellschaft sind sie der Nation gegenüber zu ständiger Wachsamkeit gegen alle inflationistischen Tendenzen verpflichtet,
die in einer dynamischen Wirtschaft mit einem so hohen Stand wie dem gegenwärtigen stets am Werk sind. Sie können durch ihre Lohn- und Preis-

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�"AMERIKA DIENST"

t g. J a r m a r

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Preispolitik mit dazu beitragen, solchen Tendenzen machtvoll entgegenzuwirken oder sie zu verstärken.
Die Wirtschaft sollte in ihrer Preispolitik alle unnötigen Preiserhöhungen vermeiden, besonders zu einem Zeitpunkt wie dem gegenwärtigen, da die Nachfrage auf so vielen Gebieten zu einem starken Brück
auf die knappen Vorräte führt. Ein angemessener Gewinn ist für neue
Investitionen unbedingt notwendig, durch die in einer sich ständig ausweitenden* Wirtschaft mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Aber die
Maßgebenden Männer der 'Wirtschaft müssen im nationalen Interesse eifrig
bedacht sein, solche Preiserhöhungen zu vermeiden, die nur auf Grund
des lebenswichtigen oder ungewöhnlichen Bedarfs des gesamten Landes
möglich wären.
Wenn unsere Wirtschaft gesund bleiben soll, müssen Lohnerhöhungen
und die Verbesserung anderer Zuwendungen an die Arbeitnehmer, wie sie
zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden, zu dem
Produktivitätszuwachs in einem angemessenen Verhältnis stehen. Nur
solche Erhöhungen sind von Nutzen, denn sie bringen den Lohnempfängern
eine größere Kaufkraft ein. Mit Ausnahme der Fälle, in denen die Korrektur offensichtlicher Ungerechtigkeiten notwendig ist, sind alle Lohnerhöhungen, die über den Produktivitätszuwachs hinausgehen, inflationär.
Sie führen zu höheren Preisen für die Öffentlichkeit im allgemeinen und
zu besonderen Härten für diejenigen, deren Wohlergehen von der Kaufkraft
ihrer Pensionen und Ersparnisse abhängig ist. Lohnverhandlungen sollten
auch dem Recht der Öffentlichkeit im allgemeinen Rechnung tragen, an
den Segnungen der technischen Errungenschaften teilzuhaben.
Die Freiheit ist als die Gelegenheit zur Selbstdisziplin definiert
worden. Liese Definition ist in einer freien Wirtschaft im besonderen
auf die Gebiete der Lohn- und Preispolitik anzuwenden. Sollten wir ständig dabei versagen, Selbstdisziplin zu halten, so würde schließlich auf
die Regierung ein wachsender Druck ausgeübt werden, diesen Fehler auszu=
gleichen. Dadurch würde aber die Freiheit Schritt für Schritt verschwinden. Keinem Punkt auf dem Gebiet der Innenpolitik sollte die Besorgnis d
Freunde der arbeitenden amerikanischen Männer und Frauen und der freien
Wirtschaftsunternehmen mehr gelten als den Kräften, die zu einer ständigen Minderung des Wertes unseres Geldes zu führen drohen.
Was die Entwicklungen auf einem anderen entscheidend wichtigen
Sektor unserer Wirtschaft anbetrifft, nämlich der Landwirtschaft, so
bin ich dankbar, daß dem seit langem anhaltenden Rückgang fie* landwirtschaftlichen Einkommen Einhalt geboten worden ist und daß eine
weitere Verbesserung in Aussicht steht. Lies ist ein ermutigender
Fortschritt. Drei von uns entwickelte Maßnahmen - der stärkere Absatz
überschüssiger Agrarerzeugnisse, die verbesserten Preisstützungsgesetze
sowie die Bodenbank - tragen zum Abbau der auf die Preise drückenden
Regierungsbestände an Agrarprodukten bei. Unsere Fürsorge für das Wohlergehen unserer Farmerfamilien erfordert es, daß wir ständig nach neuen
Wegen suchen, wie diese in stärkerem Maße an unserer noch nie zuvor dagewesenen Prosperität teilhaben können. Gesetzesempfehlungen auf dem
Gebiet der Landwirtschaft werden in der Haushaltsbotschaft enthalten
sein .
Unsere natürlichen Hilfsquellen, wie landwirtschaftliche Nutzflächen, Wasserkräfte, Mineralvorkommen, der Wald- und Wildbestand und

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�'1AMERIKA DIENST"

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und das Fischereiwesen werden erhalten und in wirksamerer Weise verbessert. Die Erhaltung und Weiterentwicklung dieser Hilfsquellen ist
für die derzeitige und künftige Stärke der Nation von entscheidender
Bedeutung. Dies aber darf nicht nur eine der Bundesregierung obliegende
Aufgabe sein, sondern auch die Einzelstaaten und kommaer sollten ermutigt werden, an derartigen Projekten teilzunehmen.
Ich möchte vor allem die Programme für eine optimale Nutzung
der Wasserreserven erwähnen, die sich rasch zu unserer wertvollsten
natürlichen Hilfsquelle entwickeln und die - wenn sie vernachlässigt
werden - genauso rasch zu einem Zerstörer sowohl des Lebens wie des
Wohlstands werden können. Ein umfassender Bericht über die Wasserreserven, in dem alle Phasen dieses speziellen Problems Berücksichtigung
finden, ist von einem Kabinettsausschuß zusammengestellt und veröffentlicht worden.
Im Lichte dieses Berichtes gibt es meiner Meinung nach zwei Punkte,
die wir ständig im Auge behalten sollten. Der erste ist, daß jedes unserer großen Stromtäler als Ganzes betrachtet werden muß. Einzelmaßnahmen, die sich in dem engen Rahmen eines Kanalisationsgebietes von
geringerer Größenordnung bewegen, können zum Scheitern verurteilt sein
oder sich zumindest als unnötig kostspielig erweisen. Der zweite ist,
daß der inländische und industrielle Wasserbedarf bei weitem schneller
ansteigt als unsere Bevölkerung.
Das gesamte Problem besteht darin, wie man jeden Wassertropfen von
dem Augenblick an, wo er unseren Boden berührt bis er den Ozean erreicht,
am besten ausnutzt; solche Zwecke der Bewässerung, der Flußregulierung,
der Energieerzeugung sowie des inländischen und industriellen Bedarfs
machen die engste und umfassendste Zusammenarbeit und Partnerschaft
zwischen den Kommunen, Bundesstaaten und der Bundesregierung erforderlich. Durch die Mitarbeit der Behörden des Bundes der Staaten und
Gemeinden an diesen gewaltigen Vorhaben können wir eine sparsame und
wirkungsvolle Entwicklungsarbeit leisten, die sich aus einem wachen
Sinn für kommunales Verantwortungsgefühl ergibt.
Solange nicht eine ordentliche und vernünftige Basis für eine
solche Partnerschaft geschaffen ist, wobei Zuständigkeit, Verantwortung und Kosten geteilt werden, wird unser Lind weder einen vollen
produktiven Nutzen aus den Wasserkräften ziehen können, wie dies
offensichtlich notwendig ist, noch vor verheerenden Überschwemmungen
sicher sein.
Wenn wir hier versagen, können die zahlreichen Aufgaben, die in
Amerika getan werden müssen, nur unter großen zusätzlichen Kosten,
unter dem Wachsen einer erdrückenden Bürokratie und unter Umständen
unter einem gefährlichen Maß zentraler Kontrollen über unser nationales
Leben durchgeführt werden.
In allen innerpolitischen Fragen, so glaube ich, wird das amerikanische Volk von uns wirksame Maßnahmen erwarten, um vergangene Fehler
in entscheidend wichtigen Fragen wieder gut zu machen.
Das Gesetz über den Schulbau sollte mit Vorrang behandelt werden.
Es kommt den Kindern aller Rassen überall in den USA zugute - und die
Kinder aller Rassen benötigen diese Schulräume jetzt. Das Bauprogramm,

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�"AMERIKA LIEBST"

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Bauprogramm, das der großen Schulraumnot abhelfen soll, sollte ohne
Verzögerung verwirklicht werden. Ich hoffe, daß dieses Programm um
seiner selbst willen durchgeführt werddn kann und nicht durch Bestimmungen kompliziert wird, die sich mit den komplexen Problemen der
Integration befassen. Ich fordere daher die Bevölkerung in allen Teilen
des Landes auf, an diese Probleme mit Ruhe und Vernunft heranzugehen,
mit gegenseitigem Verständnis und gutem Willen sowie in der amerikanischen Tradition der tiefen Achtung vor dem ordnungsmäßigen Prozeß von
Recht und Gerechtigkeit.
Ich darf an dieser Stelle darauf hinweisen, daß wir guten Grund
haben, auf den Fortschritt stolz zu sein, den die amerikanische Bevölkerung im Hinblick auf ein gegenseitiges Verstehen - die Hauptstütze der Menschen- und Bürgerrechte - macht. Wir nähern uns beständig dem Ziel einer gerechten und gleichen Behandlung aller Bürger ohne Rücksicht auf Rasse oder Hautfarbe. Leider muß in dieser
Hinsicht jedoch noch vieles getan werden.
Die Regierung hat dem Kongreß im vergangenen Jahr ein Vierpunkteprogramm zur Stärkung der Bürgerrechte unterbreitet. Dieses Programm
sah vor:
Erstens: Die'.Bildung einer überparteilichen Kommission, die
engebliche Verstöße gegen die Bürgerrechte untersuchen und entsprechende Empfehlungen unterbreiten soll.
Zweitens: Die Bildung einer Abteilung für Bürgerrechte im
Justizministerium unter der Leitung eines Staatssekretärs.
Drittens: Die Verabschiedung von neuen Gesetzen durch den
Kongreß, die zur Sicherung der Ausübung des Stimmrechts beitragen
sollen.
Und viertens: Eine Änderung der Gesetze, die es der Bundesregierung gestattet, bei den zivilen Gerichtshöfen um eine vorbeugende Rechtshilfe in Bürgerrechtsfällen nachzusuchen.
Ich fordere den Kongreß dringend auf, diese Gesetzgebung zu
verabschieden.
Wichtig für das von uns angestrebte stabile Wachstum unserer
Wirtschaft ist ein System von änpassungs- und leistungsfähigen finanzinstituten. Meiner Ansicht nach ist der Zeitpunkt gekommen, auf
nationaler Basis eine umfassende Untersuchung über die Art, Leistung
und Zulänglichkeit unseres Finanzsystems durchzuführen, wobei sowohl
seine dienende Leitfunktion für die Gesamtwirtschaft als auch seine
Funktion als derjenige Mechanismus untersucht werden soll, durch den
die Geld- und Kreditpolitik verwirklicht wird. Ich glaube, der Kongreß sollte seine Ermächtigung für die Bildung einer Kommission von
befähigten und qualifizierten Bürgern erteilen, um diese lebenswichtige
Aufgabe durchzuführen. Auf Grund ihrer Untersuchungsergebnisse und
Empfehlungen würde die Regierung entsprechende gesetzgeberische Vorschläge ausarbeiten, die zur Verbesserung unseres Finanzierungsapparates vielleicht erforderlich sein könnten und würde diese dann dem
Kongreß unterbreiten.
Es_

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�,6.

"AMERIKA DIENST"

Januar 1957

Es erscheint mir nicht notwendig, in dieser Botschaft die unsere
innenpolitischen Angelegenheiten betreffenden Empfehlungen zu wiederholen, die dem Kongreß während der vergangenen vier Jahre zugeleitet
wurden, die aber in einigen Fällen nicht das Stadium einer vollkommen
zufriedenstellenden Gesetzgebung erreichten.
Die Regierung wird in künftigen Botschaften - entweder durch mich
direkt oder die Leiter der Ministerien und einzelnen Behörden - dem
Kongreß Empfehlungen über unsere finanziellen und fiskalischen Angelegenheiten, unsere militärische und zivile Verteidigung, die Justiz, unsere
Landwirtschaft, den Binnen- und Außenhandel, die dringend notwendige
Erhöhung unserer Postgebühren, die Entwicklung unserer natürlichen
Hilfsquellen, unsere Arbeitsgesetzgebung einschließlich der Gesetzgebung über die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern und die wichtigen Fragen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens unserer
Nation vorlegen. Weiterhin werden besondere Empfehlungen über Fragen
wie die der Atomenergie, der Förderung der öffentlichen Arbeiten und
der Fortführung der Bemühungen um Ausschaltung jeder Konkurrenz der
Regierung mit der Erwerbstätigkeit der steuerzahlenden Bürger unterbreitet werden.
Eine Reihe von gesetzgeberischen Empfehlungen wird im einzelnen
in meiner bevorstehenden Haushaltsbotschaft Erwähnung finden, die
Ihnen binnen einer Woche zugehen wird. In dieser Botschaft wird auch
die Bereitstellung der für die Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen notwendigen Finanzmittel empfohlen werden.
Die Existenz einer Waffenstarken imperialistischen Diktatur
stellt für die Sicherheit und den Frieden der freien Welt und damit
für die Sicherheit und den Frieden unserer eigenen Nation eine ständige Bedrohung dar. Man muß sich in diesem Zusammenhang gewisse Wahrheiten vergegenwärtigen.
Erstens, ein isoliertes Amerika kann allein und auf sich gestellt
nicht einmal seine eigene Sicherheit gewährleisten. Uns muß die Fähigkeit und Entschlossenheit der Nationen, die sich als zuverlässige Verteidiger der Freiheit erwiesen haben, zur Seite stehen. Sich von ihnen
zu isolieren, heißt einen Krieg herauszufordern. Unsere Sicherheit
wird außerdem durch das nicht meßbare Interesse vergrößert, das uns
mit all den Völkern verbindet, die daran glauben, daß der Friede in
Gerechtigkeit erhalten werden muß und daß Aggressionskriege Verbrechen
gegen die Menschlichkeit sind.
Eine weitere Wahrheit besteht darin, daß unser nationales Sein
oder Nichtsein in der heutigen Welt von einer modernen, ausreichenden
und verläßlichen militärischen Macht abhängt. Unsere Nation hat weitreichende Schritte unternommen, um eine moderne Verteidigung sicherzustellen, die so mit neuen Waffen ausgestattet, so eingesetzt und ausgerüstet ist, daß unsere Sicherheitsstreitmacht heute die mächtigste
darstellt, über die wir je in Friedenszeiten verfügt haben. Sie kann
Jeden Gegner, der uns anzugreifen wagt, schwer bestrafen. Sie stellt
eine wesentliche Abschreckung vor einem Krieg dar.
•
Durch unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten entstehen ständig
bessere Waffen - von denen einige eine erstaunliche Wirkung aufweisen.
Diese

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Diese lebenswichtigen Bemühungen werden wir fortsetzen. Wir dürfen
uns aber nicht der Selbsttäuschung hingeben, daß sich die Sicherheit
notwendigerweise verstärkt, wenn sich die Ausgaben für militärische
Forschungszwecke oder die Streitkräfte erhöhen. Ja, wenn über einen
gewissen vernünftigen und vertretbaren Rahmen hinaus - der sich ständig
ändert und laufend geprüft wird - Geld für Waffen ausgegeben wird, dann
kann der Fall eintreten, daß dieses Geld für totes Metall oder auf Grund
überhöhter Preise vergeudet und dadurch die Sicherheit und Stärke, die
wir anstreben, gerade geschwächt wird.
Die nationale Sicherheit erfordert weitaus mehr als lediglich
militärische Stärke. Wirtschaftliche und moralische Faktoren spielen
hier eine unerläßliche Rolle. Jedes Programm, das unsere Wirtschaft
gefährdet, kann uns eine Niederlage bereiten. Jede Schwächung des
Willens und der Entschlossenheit unserer Nation, jede Verminderung
der Kraft und Initiative unserer einzelnen Bürger würde einen Schlag
gegen des Herz unserer Verteidigung führen.
Die beste militärische Einrichtung, die wir schaffen können, muß
eng mit den Kräften unserer Freunde zusammenarbeiten. Unser System regionaler Pakte, das im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen entwickelt
wurde, dient gleichzeitig der Erhöhung unserer eigenen Sicherheit und
der Sicherheit der anderen Nationen iDieses System ist erst in jüngster Zeit in unserem '.Veitbild aufgetaucht. Es bringt zahlreiche und schwierige Probleme mit sich, da es
die Gleichheit zwischen seinen Mitgliedern fordert und einige Nationen
zueinander in Beziehungen bringt, die traditionelle Gegner waren. In
den vergangenen Moneten ist immer wieder der Zusammenbruch dieser regionalen Bündnisse vorausgesagt worden, In der Tat waren sie zeitweise
schweren Beanspruchungen unterworfen. Aber trotzdem haben sich unsere
regionalen Bündnisse als dauerhaft und stark und die düsteren Prognosen
in bezug auf ihre Auflösung als völlig falsch erwiesen.
Im Bunde mit anderen freien Nationen sollten wir mit Nachdruck
Maßnahmen treffen, die die gemeinsame Stärke, die gemeinsame Prosperität und das gemeinsame Wohlergehen innerhalb der freien Welt fördern
werden. Stärke ist zwangsläufig das Produkt einer gesunden Wirtschaft
und sozialen Wohlstandes. Infolgedessen müssen wir, auch während wir
unsere militärischen Hilfsprogramme fortführen, unsere Freunde beim
Aufbau noch produktiverer Volkswirtschaften und bei Maßnahmen, die die
natürlichen Forderungen ihrer Bevölkerung nach Fortschritt besser zufrieden stellen, tatkräftig unterstützen. Dabei werden wir auf dem
Wege zu einer friedlichen Welt ein großes Stück vorankommen.
Ein auf vernünftigen Prinzipien beruhendes und gesichertes Abkommen
der Offenen Himmel, unbewaffnete Luftpatrouillenflüge und eine verminderte Rüstung würden einen wertvollen Beitrag zu einem dauerhaften Frieden in den vor uns liegenden Jahren leisten. Wir haben in unseren auf die
Erreichung eines solchen Abkommens hinzielenden Bemühungen nicht nachgelassen. Wir sind bereit, weitere Vorschläge vor den Vereinten Nationen
zu unterbreiten. Wir sind gewillt, jedes verläßliche Abkommen einzugehen, das die Tendenz zur Entwicklung immer verheerenderer Kernwaffen
umkehrt, das gegenseitigen Schutz gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffes bietet, die Entwicklung von künstlichen Erdtrabanten
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�"AMERIKA TIEFST"

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Erdtrabanten und Raumraketen unter gemeinsame Kontrolle bringt, eine
Herabsetzung der Rüstung und der Stärke der Streitkräfte ermöglicht
und damit die Last der militärischen Ausgaben vermindert. Unsere andauernden Verhandlungen auf diesem Gebiet bilden einen wesentlichen
Bestandteil unseres Strebens nach Frieden und Vertrauen in diesem
Zeitalter des Atoms.
Dieses Streben setzt ebenso eine konstruktive Einstellung aller
Nationen der freien Veit gegenüber einer Ausweitung von Handel und
Investitionen voraus, die uns allen die Gelegenheit bietet, auf eine
wirtschaftliche Besserung hinzuarbeiten.
^in unerläßlicher Schritt auf diesem Gebiet ist die Schaffung
einer Verwaltungsorganisation, die eine ordnungsgemäße und reibungslose Durchführung der bestehenden Vereinbarungen gewährleistet, auf
Grund deren der multilaterale Handel gegenwärtig abgewickelt wird.
Aus diesem Grunde ersuche ich um eine Ermächtigung des Kongresses,
damit die Vereinigten Staaten der vorgeschlagenen Organisation für
eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Handels (OTC) beitreten können eine Maßnahme, die eine Beseitigung der Diskriminierungen unseres
Exporthandels beschleunigen würde.
Wir begrüßen die Bemühungen einer Anzahl unserer europäischen
Freunde, eine integrierte Gemeinschaft für die Schaffung eines gemeinsamen Marktes zu erreichen i Wir begrüßen in gleicher Weise ihre
Bemühungen um eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Atomenergie.
Um erneut unser unwandelbares Ziel zu demonstrieren, das Atom zu
einem friedlichen Diener der Menschheit zu machen, werde ich den Kongreß
in Kürze um die Ermächtigung für den Beitritt der USA als Vollmitglied
zu der Internationalen Atomenergiebehörde ersuchen.
Die internationalen Ereignisse haben sowohl die Aufgaben als
auch die Möglichkeiten des US-Informationsamtes (USIA) vergrößert.
Da gerade in den jüngsten Moneten die Stimme des Kommunismus in beträchtlichem Maß an Kraft verloren hat und unsicher geworden ist,
muß sich die Stimme der Wahrheit stärker Gehör verschaffen. Um es
unserem Informationsamt zu ermöglichen, diesen neuen Aufgaben und
Möglichkeiten Rechnung zu tragen, ersuche ich den Kongreß, die Zuwendungen für dieses Programm beträchtlich zu steigern und gesetzgeberische Maßnahmen zur Schaffung einer eigenen Laufbahn für die im
Auslandsdienst tätigen Beamten dieser Behörde zu treffen.
Die jüngsten geschichtlichen Ereignisse in Ungarn gebieten,
daß slle freien Nationen sich ihren Möglichkeiten entsprechend .
an der Aufgabe beteiligen, den Opfern der kommunistischen Verfolgung
Asyl zu gewähren.
Ich ersuche den Kongreß um unverzügliche Verabschiedung eines Gesetzes, das den Status der unter dem Paroleverfahren
nach den Vereinigten Staaten gebrachten Ungarn-Flüchtlinge regelt. Ich
werde in Kürze in einer Sonderbotschaft an den Kongreß Abänderungen
unserer Einwanderungsgesetze vorschlagen, die ich angesichts unserer
globalen Aufgaben und Verantwortungen für notwendig erachte.
Wir

�AMERIKA DIENST"

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'.Vir müssen den für den Frieden zu zahlenden Preis kühn und
furchtlos entrichten; abgesehen von den finanziellen Aufwendungen
gehören dazu Änderungen unserer gewohnten Einstellungen, das Aufgeben alter Vorurteile, ja sogar das Opfer eines gewissen Teils
scheinbaren Et#8»interesses•
Erst vor fünf Tagen habe ich Ihnen gegenüber die ernste Sorge
der Regierung über die Drohung einer sowjetischen Aggression im
Mittleren Osten zum Ausdruck gebracht. Ich habe den Kongreß um die
Ermächtigung ersucht, einen Beitrag für die Abwehr einer solchen
Drohung zu leisten. Ich erkläre erneut, daß diese Angelegenheit von
lebenswichtiger und unmittelbarer Bedeutung für die Sicherheit unserer Nation und der freien Welt sowie die Aufrechterhaltung des
Friedens ist. Durch unsere vorgeschlagenen Programme für den Mittleren
Osten hoffen wir zur Schaffung eines Klimas beizutragen, in dem konstruktive und dauerhafte Lösungen für die grundlegenden Probleme in
jenem Raum gefunden werden können.
Von Zeit zu Zeit werden dem Kongreß Gesuche für weitere gesetzgeberische Maßnahmen auf dem weiten Gebiet der Außenpolitik unterbreitet werden. Alle Gesuche werden das feste Ziel unserer Regierung
zum Ausdruck bringen, einen auf Gerechtigkeit basierenden Frieden anzustreben. Obwohl hierbei in einigen Fällen die Einzelheiten andere
sind, werden die zugrunde liegenden Absichten und Zielsetzungen dieselben bleiben.
Alle von der Regierung auf diesem Gebiet gemachten Vorschläge
gehen von der Einigkeit der freien Welt aus. Diese Einigkeit wird vielleicht nicht unmittelbar offensichtlich sein, sofern wir nicht Glied für
Glied die Kette der Beziehungen prüfen, die uns mit jedem einzelnen Gebiet und mit jedem einzelnen Land verbinden. Auf geistigem Gebiet ist
die freie Welt eins, weil ihre Völker das Recht aller Nationen auf
eine unabhängige Existenz bejahen. Ich habe bereits auf ihre gegenseitige Abhängigkeit in wirtschaftlicher Hinsicht hingewiesen.. Aber
ihre gegenseitige Abhängigkeit voneinander erstreckt sich auch auf
das Gebiet äer Sicherheit.
Zunächst einmal wird wohl kein klar denkender Mensch die absolute
Notwendigkeit in Zweifel stellen, daß unsere amerikanischen Nachbarn
Wohlstand und Sicherheit haben müssen. Ihre Sicherheit und ihr Wohlstand sind untrennbar mit den. unsrigen verbunden. Und wir sind tatsächlich bereits durch feierliche Versprechen mit diesen Nachbarn verbunden.
Kein klar denkender Mensch wird ferner ableugnen, daß Freiheit,
Wohlstand und Sicherheit Westeuropas von entscheidender Bedeutung für
unseren eigenen Wohlstand und unsere eigene Sicherheit sind. Sollten die
Institutionen, das technische Können, das Menschenpotential dieser Völker unter die Herrschaft eines aggressiven Imperialismus geraten, dann
würde diese gewaltsame Änderung im Gleichgewicht der Weltkräfte sowie
im Gefüge des Welthandels nicht völlig durch irgendwelche Maßnahmen
seitens der USA, sei es auf militärischem oder auf wirtschaftlichem
Gebiet, kompensiert werden können.
Aber diese Völker, deren wirtschaftliche Stärke in hohem Maße von
einem freien und unbehinderten Transport des Erdöls aus dem Mittleren
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�•AMERIKA DIENST"

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Mittleren Osten abhängig ist, können nicht blühen, ja ihre Volkswirtschaften würden sogar hart getroffen werden, wenn dieses Gebiet
von einem Gegner kontrolliert würde und der Transport des Erdöls
areinen Entscheidungen unterworfen wäre«
Und weiter im Osten haben asiatische und fernöstliche Völker in
jüngster Zeit die Unabhängige Kontrolle ihrer eigenen Angelegenheiten
wiedergewonnen oder befinden sich gegenwärtig in einem Stadium des Übergangs zu einem souveränen Staat. Ihre potentielle Stärke gibt neue
Gewißheit für Stabilität und Frieden in der Welt, sofern sie sich ihre
Unabhängigkeit erhalten können. Sollten sie die Freiheit verlieren und
von einem Aggressor beherrscht werden, dann würden die weltweiten Auswirkungen die Sicherheit der freien Welt gefährden.
Kurz gesagt, die 'Veit ist so zusammengeschrumpft, daß alle freien
Nationen unsere Nachbarn sind. Ohne Nachbarn, die mitarbeiten, können
die Vereinigten Staaten sich nicht ihre eigene Sicherheit und ihren
eigenen Wohlstand erhalten, weil»
erstens die lebenswichtigen Interessen Amerikas weltweiter
Natur sind und beide Hemisphären sowie jeden Kontinent umfassen;
zweitens wir mit jedem einzelnen Land innerhalb der freien Welt
eine Interessengemeinschaft haben;
Qrittens das gegenseitige Voneinanderabhängen der Interessen eine
angemessene Achtung der Rechte und des Friedens aller Völker voraussetzt.
Diese Grundsätze sind das Motiv für unsere Handlungen innerhalb
der Vereinten Nationen. Dort wollen wir durch unsere Loyalität ihnen
gegenüber und dadurch, daß wir diese in die Praxis umsetzen, voe aller
Welt danach streben, einen Maßstab zu schaffen, an den sich alle halten
können, die die Gerechtigkeit suchen und nach Frieden hungern.
Lassen Sie uns alle hier in unserem eigenen Land, in unserem
Regierungssitz, unseren großen und kleinen Städten und auf den Farmen
Amerikas diese Grundsätze durch persönliches Eintreten und persönliche
Hingabe unterstützen. Auf diese Weise kann jeder von uns an der Schaffung
einer sicheren Weltordnung mitwirken, in der allgemein günstigere Bedingungen für Freiheit und Gerechtigkeit herrschen und wo die jetzt für
Kriegsrüstungen vergeudeten Mittel für das Leben und Gedeihen der gesamten
Menschheit etgesetzt werden können.
Als unsere Vorväter das unsterbliche Dokument ausarbeiteten, das
unsere Unabhängigkeit proklamiert, haben sie den Standpunkt verfochten,
daß jeder einzelne von seinem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen
Rechten ausgestattet worden ist. Werfen wir unsere Blicke auf die Geschichte und auf jenes Datum zurück, so ist es klar, daß unsere Nation
danach gestrebt hat, gemäß dieser Deklaration zu leben, indem sie diese
gegenüber Nationen wie Einzelmenschen anwandte.
Heute weisen wir stolz darauf hin, daß sich die Regierung der
Vereinigten Staaten bei ihren Maßnahmen im In- und Ausland noch immer
diesen- Konzeption verschrieben hat.
-p.
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�"AMERIKA DIENST"

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Das Ziel ist göttlichen Ursprungs, seine Verwirklichung dem
Menschen anheimgestellt.
Unser Land und unsere Regierung haben Fehler, menschliche
Fehler begangen. Sie entsprangen unserem Denken, nicht unserem
Herzen. Und es ist noch immer wahr, daß die große Konzeption von
der Würde aller Menschen, die alle nach dem Bilde des Allmächtigen
geschaffen worden sind, der Kompaß gewesen ist, nach dem wir unseren
Kurs zu steuern suchten und auch heute steuern wollen.
Solange wir uns diesem Kompaß weiter envertrauen, werden wir
in den menschlichen Angelegenheiten bei uns und bei denen,mit denen
wir zusammenarbeiten, wirkliche Fortschritte machen.
Ein noch getreueres Festhalten an diesem Kurs ist, so glaube ich,
unseres Strebens wert, wenn wir in diesen Tagen zur ersten Sitzungsperiode des 85»Kongresses zusammenkommen."

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�nen können darauf vertrauen, daß er sich mit Nachdruck für die
Schaffung eines dauerhaften und gerechten Friedens einsetzen wird.
Er wird auch fortan unserem Lande vorangehen in seinem erneuten
Bemühen, einen ",'eg zu finden, um die Hilfsquellen der Menschheit
mehr für einen Frieden in Yohlstand als für Rüstungen und Streitkraft« einsetzen zu können ; um die Spannungen zu vermindern und
das Vertrauen unter den Völkern durch die Schaffung eines verläßlich kontrollierbaren niedrigen Rüstungsstandes zu heben, und um
die Gefahr eines Kriegsausbruches durch die Ausschaltung der Gefahr einer großen Überraschungsangriffes herabzusetzen.
In seinem kürzlichen Schreiben an Marschall 3ulganin vom
31.Dezember 1956 hat Präsident Eisenhower erneut seine Ansicht
zum Ausdruck gebracht, daß 'die Beratungen im Rahmen der Vereinten
Nationen in dem äußerst komplizierten Abrüstungsproblem soweit gediehen sind, daß ein Schritt vorwärts höchst wahrscheinlich' sei.
Ein
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�"A'^TKA DIENST"

16. Januar 195?

Ein Abkommen ohne eine -virksame Inspektion würde sich sofort
als Quelle von Zweifeln und Verdächtigungen, von Mißtrauen und
Schmähungen, von Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen erweisen.
Ein derart ungesundes Abkommen würde die Spannungen verschärfen
und die Kriegsgefahr vergrößern.
So fest, wie wir von der Wünschbarkeit eines verläßlichen
Abkommens und von den Gefahren bei dem Eehlen eines solchen Abkommens überzeugt sind, so sind wir nichtsdestoweniger zu dem
Schluß gekommen, daß ein schlechtes Abkommen der Sache des Friedens weniger dient als überhaupt kein Abkommen. Ein Abkommen ohne
Inspektionsmöglichkeit oder ein Abkommen ohne ausreichende Kontrollmsßnahmen oder ein einseitiges Abkommen würde ein schlechtes Abkommen darstellen. Es würde dem Ziel des Friedens nicht dienen.
'.Vir sind der Ansicht, daß erneute Verhandlungen die folgenden
Ziele anstreben sollten:
erstens, die Tendenz der Anlegung von größeren Vorratslagern
an Kernwaffen in ihr Gegenteil zu verkehren und die künftige Atoradrohung zu reduzieren;
zweitens, Vorkehrungen gegen einen umfassenden Überraschungsangriff zu treffen und dadurch die Gefahr eines Weltkrieges zu verringern ;
drittens, die Rüstungslasten zu reduzieren und einen erhöhten
Lebensstandard zu ermöglichen;
viertens sicherzustellen, daß die Forschung und Entwicklung
von Geschossen, die in den Weltenraum eindringen,ausschließlich
wissenschaftlichen und friedlichen Mitteln dienen;
fünftens, die Spannungen zu vermindern und die Regelung schwieriger politischer Fragen zu erleichtern.
Um diese Ziele zu erreichen, machen die Vereinigten Staaten die
folgenden Vorschläge. Spezifische Einzelheiten sind im Rahmen der Verhandlungen in dem Unterausschuß auszuarbeiten;
Erstens: Die Vereinigten Staaten schlagen ein Abkommen vor,
im Rahmen dessen unter einer wirksamen internationalen Inspektion
zu einem baldigen Zeitpunkt die gesamte künftige Produktion an
spaltbarem Material ausschließlich für unter internationaler Überwachung stehende., friedliche Zwecke verwendet oder eingelagert werden soll. Die Mitglieder dieser Versammlung sowie die Wissenschaftler in aller Welt wissen, daß es unmöglich ist, das gesamte in der
Vergangenheit produzierte spaltbare Material oder die gesamten bestehen
den Atomwaffenvorräte mit der notwendigen Sicherheit festzustellen oder
durch die der Wissenschaft bisher bekannten Mittel aufzuspüren. Es ist
nicht möglich,hinsichtlich der Entdeckung und Entwicklung des Atoms
die Uhr zurückzudrehen oder das Atomzeitalter rückgängig zu machen.
Etwas, was getan werden kann, und was daher die Vereinigten Staaten
zum Heil der Menschheit vorschlagen, ist die Errichtung einer wirk-

�'AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

wirksamen internationalen Kontrolle der künftigen Produktion spaltbaren Materials sowie die gegenseitige feste Zusicherung, die künftige Produktion ausschließlich für nichtkriegerische Zwecke einzusetzen .
'A'enn diese Verpflichtungen eingehalten würden, dann wäre es
uns möglich, auf verläßliche '.Veise an die Reduzierung der bestehenden
Kernwaffenvorräte heranzugehen. Wenn die künftige Erzeugung kontrolliert wird, sollte es leichter sein, die voraussichtliche Menge des
früher hergestellten spaltbaren Materials einigermaßen genau festzulegen, als dies auf Grund der jetzt verfügbaren Informationen möglich ist, so daß eine gerechte und angemessene Übertragung weiterer
aufgestockter Bestände aus der früheren Produktion für die Zwecke
der international überwachten nationalen oder internationalen friedlichen Verwendung derartigen Materials durchgeführt werden könnte.
Die Mitglieder dieser Versammlung werden erkennen, daß dieser Vorschlag die logische '.Veiterführung und Verwirklichung der von Präsident Eisenhower in seiner Botschaft vor der UN-Generalversammlung am
8.Dezember 1953 herausgearbeiteten Konzeption darstellt, als er das
"Atome-für-den-Frieden"-T"rogra-im vorschlug. Der Vorschlag wird von
denselben Motiven inspiriert, die durch die Mitarbeit der Nationen
der V/elt zur Schaffung der Internationalen Atomenergiebehörde führten.
Im Rahmen dieses Programms würden die Vereinigten Staaten ihrerseits großzügig und in zunehmendem Maße spaltbares Material solchen
Verbrauchern überlassen, die dieses für friedliche Zwecke verwenden,
genau wie sie bereits zu einem früheren Zeitpunkt ihre Absicht bekanntgegeben haben, zu der Internationalen Atomenergiebehörde beizusteuern.
Die USA werden euch weiterhin fortfahren, die einzelnen Nationen zu
ermutigen, ihren vollen Beitrag zu den konstruktiven Verwendungszwecken
der Atomenergie zu leisten.
Im Rahmen eines derartigen Programms könnte vielleicht die gesamte
künftige Entwicklung gewandelt werden. Die Entwicklung des Atoms wird
in ihrem weiteren Verlauf eine segensreiche Richtung einschlagen und
dann nicht zu einem bösen Ende führen.
Zweitens l Wenn eine derartige Vereinbarung zur Kontrolle der
künftigen Produktion ausgehandelt und in Kraft gesetzt werden kann,
dann würde es möglich sein, alle Atomwaffenversuche auf sichere Weis
Lse
zu begrenzen und schließlich einzustellen. Die Vereinigten Staaten
schlagen vor, daß dies geschieht. Unabhängig von den Verhandlungen
über ein derartiges Abkommen sind die Vereinigten Staaten ferner bereit, sofort Methoden auszuarbeiten, um im voraus Atomwaffenversuche
bekanntzugeben sowie diese zu registrieren, wie dies von der norwegischen Delegation vorgeschlagen worden ist. Derartige Methoden könnten
einen wirksamen Vorläufer für ein umfassendes Abkommen zum Banne der
Atomgefahr an sich und der Versuche im besonderen darstellen.
Drittens: Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß wir unter
angemessener Inspektion an die Verwirklichung der ersten Phase der Reduzierung der herkömmlichen '.Vaffen und Streitkräfte herangehen, wobei
für die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten als Bemessungsgrundlage
je 2,5 Millionen Mann und 750 000 Mann für Großbritannien vorgesehen

�AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

vorgesehen worden sind. Hierin scheinen die in dem Unterausschuß
vertretenen Länder übereinzustimmen. Die Vereinigten Staaten schlagen
vor, daß wir diesen Schritt vorwärts im Zuge eines schrittweisen Aufbaues eines wirksamen Inspektionssystems tun, der mit derartigen Reduzierungen einhergeht. Ein wirksames! Inspektionssystem würde angemessene Luftinspektiorrorgane sowie Bodentruppen erforderlich machen.
Die Vereinigten Staaten erkennen die Notwendigkeit an, über die Luftinspektion hinaus Beobachter an wichtigen Bodenpunkten zu stationieren,
wie dies von "arschall Bulganin allgemein vorgeschlagen wurde. Die
vorgeschlagene erste Phase der Reduzierung kann unter der Voraussetzung
verwirklicht werden, daß es alle Seiten mit der Schaffung eines Inspektionssjrstems, das faktisch verifizieren kann, daß alle ihren Verpflichtungen nachkommen, ehrlich meinen.
Es würde ferner auch für die übrigen Nationen angebracht erscheinen,
wenn sie sich für den Fall, daß die Durchführung solcher für die erste
Phase vorgesehener Reduzierungen in den kommenden Verhandlungen des
Unterausschusses sichergestellt werden kann, Gedanken über das Verhältnis zwischen ihren eigenen Streitkräften und den für die erste Phase
vorgesehenen Truppenstärken machen.
Die Vereinigten Staaten sind nicht der Ansicht, daß weitergehende
Reduzierungen, als sie für die erste Phase vereinbart sind, durchgeführt
werden kennen, solange nicht hinsichtlich einer Lösung der großen politischen Streitfragen, die gegenwärtig die Welt trennen, gewisse Fortschritte erzielt worden sind. Die Durchführung der für die erste Phase
vorgesehenen Reduzierungen würde jedoch unbedingt das Klima für die
Verhandlungen über derartige politische Lösungen verbessern.
Viertens: Die Wissenschaftler zahlreicher Nationen arbeiten gegenwärtig daran, Objekte in den Weltenraum zu schießen und in die weiten
Räume außerhalb der Erdatmosphäre vorzustoßen. Der Umfang dieser Experimente klingt in Begriffen 'Erdsatelliten', 'Interkontinentalraketen1,
'unbemannte Fernwaffen' und 'Weltraumstationen' in vielfältiger Weise
an. Niemand kann mit Sicherheit voraussagen, was sich aus dem Vorstoß
der Menschheit in dieses neue Gebiet ergeben wird. Es ist jedoch klar, daß
die Bemühungen aller Nationen in den Bereich eines verläßlichen Rüstungskontroll-Systems gerückt werden müssen, wenn dieser Vorstoß ins Unbekannte ein Segen und kein Fluch sein soll.
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß der erste Schritt in
Richtung auf die angestrebte Garantie, daß die künftigen Entwicklungen
in bezug auf den Weltenraum ausschließlich friedlichen und wissenschaftlichen Zielen dienen werden, sein müßte, die Erprobung solcher Objekte
unter internationale Inspektion und Beteiligung zu bringen. Der Erdsatellit der Vereinigten Staaten, dessen Auflassen gegenwärtig für
das Internationale Geophysikalische Jahr geplant ist, bietet ein Beispiel für ein offen durchgeführtes Projekt, das ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken dient und mit Wissen und Billigung der Wissenschaftler aller Nationen, die sich am Internationalen Geophysikalischen
Jahr beteiligen, entwickelt wird. In dieser Angelegenheit - wie auch
in anderen Fragen - sind wir zur Beteiligung an einem fairen, ausgewogenen und verläßlichen Kontrollsystem bereit.
Fünftens:

�16. Januar 1957
Fünftens: Die Vereinigten Staaten weisen erneut darauf hin,
•vie wichtig es ist, Maßnahmen gegen die MHglichkeit eines umfasser.den '.. berraschungsangrif fes zu treffen. Dies ist kein unwichtiger oder nebensächlicher Vorschlag. Die modernen Waffen sind so
beschaffen, daß, wenn sich alle vatior.en gegen einen umfassenden
'Jberraschungsangriff abgesichert haben, eine weit geringere Wahrscheinlichkeit besteht, da? im Atomzeitalter ein vorbereiteter
'"eltkrieg ausgelöst werden könnte. Tn ähnlicher V/eise würden derartige gegenseitige Zusicherungen, keinen umfassenden Überraschungsangriff zu beginnen, wesentlich dazu beitragen, alle Nationen in
bezug auf die gegenseitigen Absichten an einer falschen Einschätzung der Lage zu hindern.
Je großer das Tempo eines abglichen Angriffs und je vernichtender die Schläge sind, die ausgeteilt werden können, um so größer
ist die Gefahr, daß ängstliche Vorstellungen, die sich aus der Unkenntnis der Dläne und Absichten anderer Nationen ergeben, die Entscheidungen der Nationen nachteilig und gefährlich beeinflussen
könnten•
Es liegt im Interesse eines jeden einzelnen Landes, genau zu
wissen, daß andere Länder keinen großangelegten Überraschungsangriff auf es vorbereiten, und ebenso im Interesse dieser anderen
Länder, sicher zu sein, daß kein großangelegter Überraschungsangriff gegen sie geplant ist. Heute kennen zahlreiche Länder die
genaue Lage der Schlüsselpunkte, der strategisch wichtigen Gebiete
und der militärischen Konzentrationen in anderen Ländern. Diese
Informationen würden für die Führung eines Vernichtungskrieges ausreichen. Aber solange nicht ein zuverlässiges Inspektionssystem geschaffen ist, mit einer Überwachung der Himmel, der Häfen und der
Schlüsselpunkte, wird jedes einzelne Land nicht über ausreichende
genaue und zuverlässige Informationen verfügen, wie sie notwendig
sind, um eine sichere Basis für einen dauerhaften Frieden zu bilden. Die Vereinigten Staaten schlagen daher vor, schrittweise
Inspektionssysteae zu errichten, die Schutz gegen die Möglichkeit
eines großangelegten Überraschungsangriffes bieten. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, den gesamten von Präsident Eisenhower auf der
Genfer Konferenz auf höchster Ebene unterbreiteten Vorschlag durchzuführen .
Wie auch immer die ersten Schritte beschaffen sein mögen, so
ist es klar, daß eine Kontrollmethode, eine Organisation zur Überwachung und ein Mechanismus für die Durchführung erforderlich sein
werden. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die Schaffung
einer derartigen internationalen Behörde für die Regelung und Überwachung der Rüstungen mit dem Beginn des Programms Hand in Hand
gehen sollte. Diese kann inmitten der grausamen Auswirkungen, die
sich aus der Vernichtungsgewalt der modernen Waffentechnik ergeben,
ein Strahl der Hoffnung sein. D-?rf ich bei der Unterbreitung dieser
neuen Vorschläge noch einmal betonen, daß die Vereinigten Staaten
weiterhin zu den Vorschlägen und Plänen stehen, die sie auf der
Konferenz BUf höchster Ebene in Genf und auf den Sitzungen des Abrüstungsunterausschusses seit jener Zeit gemacht haben»
Sie

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�"A»«3PTKA DI3NST"

15. Januar 1957

Sie werden in dem Bericht des Unterausschusses Vorschläge
finden, die von den Vereinigten Staaten in London im Mai 1955
unterbreitet wurden und die die ersten Schritte für eine Demonstration der Uberwachungsmethoden, für gemeinsame technische
Studien sowie für die Festlegung eines Anfangsstandes der reduzierten Rüstungen vorsehen. Ich will Sie nicht mit einer '"iederholung der Einzelheiten belasten. Das Sitzungsprotokoll liegt
Ihnen vor. Wir haiton un*; daran und wir unterbreiten unsere neuen
Vorschläge im Geiste eifrigen Bemühens, den Ansichten der übrigen
Länder zu entsprechen. Wir versuchen ein Abkommen zu erreichen,
wobei wir lediglich voraussetzen, daß ein derartiges Abkommen entsprechend vertrauenswürdig und wirksam ist.
Wir sind uns voll und ganz über das Ausmaß der Zerstörungen
im klaren, die ein dritter Weltkrieg, sollte es zu einem solchen
Kriege kommen, über die Welt bringen würde. Wir sind der Ansicht,
daß es im Interesse aller Nationen ist, weitreichende Maßnahmen zur
Verringerung dieser Gefahr zu treffen. Wir sind überzeugt, daß ein
Abkommen über die Kontrolle der Rüstungen, das für beide Seiten
fair ist und das genau überwacht wird, so daß sich keinerlei Zweifel
hinsichtlich seiner Durchführung ergeben, praktisch wie theoretisch
möglich ist. Ein derartiges Übereinkommen sollte politisch erreichbar sein, wenn die Regierungen der Welt diesem Problem unverzüglich ihre aufrichtige und eingehende Aufmerksamkeit schenken.
Dies isl der Geisl, in dem ich heute im Namen der Vereinigten
Staaten sureche."

x x x * x

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�M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENT SISENHOWEB STELLT SEINE ZWEITE AMTS PERIODE
IN DEN DIENST DES FRIEDENS

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut der Rede
Präsident Eisenhowers vom 21.Januar 1957
zum Antritt seiner zweiten Amtsperiode.

"'.Vir eP'&lt; - heute, wie vor vier Jahren, wieder hier zusammen, und wie damals wurden Sie Zeuge meines feierlichen Eides,
Ihnen zu dienen. Und auch ich erscheine hier heute als Zeuge,
der sich in Ihrem Namen zu den Grundsätzen und Zielen bekennt,
denen wir uns als Volk verschrieben haben.
Vor allem anderen erbitten wir als Lohn unserer gemeinsamen Arbeit als Nation den Segen des allmächtigen Gottes, und
aus der Hoffnung unserer Herzen kommen die innigsten Gebete unseres Volkes.
Mögen wir dem Pfad des Rechtes folgen, ohne selbstgerecht
zu werden. Mögen wir Einigkeit gewinnen, ohne alles in eine Form
zu pressen.
Mögen wir in unserer Stärke wachsen, ohne hochmütig zu werden.
Mögen wir in unseren Verhandlungen mit allen Völkern der Erde
immer die Wahrheit sprechen und der Gerechtigkeit dienen.
Und so soll Amerika sich - vor allen Menschen guten Willens den ehrenhaften Zielsetzungen getreu erweisen, die uns als Volk
in dieser Zeit der Prüfungen, durch die wir schreiten, verbinden
und leit.en.
Wir leben in einem Lande der Fülle, aber die Erde hat wohl
kaum jemals solchen Gefahren gegenübergestanden wie heute.
In unserer Nation gibt es Arbeit und Wohlstand übergenug.
Unsere Bevölkerung ist im Wachsen. Handel und Wendel blühen auf
unseren Flüssen, Straßen und Schienenwegen, in den Lüften und in
unseren Häfen. Unser Boden ist fruchtbar, unsere Landwirtschaft
produktiv. Die Luft hallt von dem Gesang unserer Maschinen wider,
dem Lärm der Walzwerke, der Hochöfen, Dynamos und Fließbänder das Lied Amerikas ist vielstimmig.
Dies
1 -

�"AMERIKA DIENST"

25. Januar 1957

Dies ist unsere Heimat - es ist ober nicht unsere ganze Welt.
Denn unsere Walt ist dort, wo sich die Gesamtheit unseres Schicksals
erfüllt - im Zusammenleben mit den Menschen aller Völker und Nationen,
die frei sind oder frei sein wollen. Für sie wie für uns ist keine
Zeit, zu ruhen und zu rasten.
Zu viele Gebiete der Erde gibt es, wo Armut, Uneinigkeit und
Gefahren herrschen. Neue Kraft« und neue Nationen, die aufgetaucht
sind und auf der Erde um Einfluß ringen, haben die Macht, durch ihr
Schicksal für die Zukunft der freier. Welt viel Gutes oder viel Böses
zu bringen. Von den T.Yüsten Nordafrikas bis zu den Inseln des Südpazifik ist ein Drittel der gesamten Menschheit in die historische Phase
eingetreten, für eine neue Freiheit zu kämpfen; die Freiheit von bedrückender Armut, l'ber alle Kontinente hinweg suchen fast eine Milliarde Menschen bisweilen verzweifelt danach, sich die beruflichen Fertigkeiten und das Wissen anzueignen und die Hilfe zu erhalten, durch die
sie aus ihren eigenen Hilfsquellen Nutzen ziehen können und mit denen
sie ihre materiellen Bedürfnisse befriedigen können, die der gesamten
Menschheit gemeinsam sind.
Keine Nation, wie alt oder groß sie auch sein mag, kann sich
diesem '.Virbel der Veränderungen und Umwälzungen entziehen. Einige,
die verarmt aus dem letzten "Veitkrieg hervorgingen, versuchen, sich
die Mittel für ihre Existenz wieder zu schaffen. Im Herzen Europas
liegt Deutschland, das in tragischer Weise geteilt ist - und so ist
der gesamte Kontinent, ja sogar die gesamte Welt geteilt.
Die Kraft, die diese Teilung bewirkt, ist der internationale
Kommunismus und die Macht, über die er gebietet.
Das Vorgehen dieser Macht, so dunkel ihre Absichten im einzelnen
sind, ist in der Praxis ganz klar. Sie versucht das Schicksal der von
ihr Unterjochten ein für allemal zu besiegeln. Sie versucht die Bande,
die die freien Menschen miteinander verbinden, zu zerreißen. Sie versucht außerdem alle auf eine Veränderung der Welt zielenden Kräfte für
sich zu gewinnen - und sie für ihr eigenes Machtstreben auszunutzen -,
besonders aber die Nöte der Hungrigen und die Hoffnungen der Unterdrückten .
Und doch ist die Welt des internationalen Kommunismus in sich
selbst durch eine starke und mächtige Kraft erschüttert worden:
die Bereitschaft der Menschen, die die Freiheit lieben, ihr Leben
für sie einzusetzen. In der Nacht ihrer Knechtschaft hat der unbezwingbare Wille von Helden so schnell und scharf zugeschlagen wie
ein Blitz. Budapest ist nicht länger mehr lediglich der Name einer
Stadt ; von nun an ist es ein neues und strahlendes Symbol für das
Streben der Menschen nach Freiheit.
So weht überall auf dem Erdball gegenwärtig der scharfe Wind des
7/andels. Und wir - so gut es das Schicksal auch mit uns meinen mag wissen, daß wir nie-nals ihm unseren Rücken zukehren können.
Wir blickten auf diese in ihren Grundfesten erschütterte Welt
und erklären, daß es unser klares und festes Ziel ist, einen Frieden
in Gerechtigkeit in einer Welt aufzubauen, in der das Gesetz der Moral
herrscht.
Der

�"AMERIKA DIENST"

23. Januar 1957

Der Aufbau eines solchen Friedens ist ein kühnes und hohes Ziel.
Es zu proklamieren, ist leicht. Ihm zu dienen, ist schwer. Und um
ihn zu erhalten, müssen wir uns seiner vollen Bedeutung bewußt sowie bereit sein, den vollen Preis hierfür zu entrichten. Wir wissen
genau, was wir suchen und warum wir dies suchen. Wir suchen den Frieden und wir wissen - wie dies die Menschen in allen Jahrhunderten gewußt haben -, daß-Frieden eine Atmosphäre der Freiheit bedeutet. Heute
wie in keinem anderen Zeitalter suchen wir den Frieden, weil wir durch
die Gewalt moderner Waffen warnend darauf hingewiesen worden sind, daß
nur der Frieden das einzig mögliche Klima für das Leben der Menschheit
ist.
Dieser Friede, den wir suchen, kann jedoch nicht allein aus Furcht
geboren werden: er muß tief in dem Leben der Völker verwurzelt sein.
Ea muß eine Gerechtigkeit herrschen, die alle Völker verstehen und an
der alle teilhaben, denn ohne Gerechtigkeit kann auf der V/elt nur ein
gespannter und unsicherer Waffenstillstand herrschen. Es muß ein Gesetz
geben, das stets gleichmäßig angewandt und von allen Nationen respektiert
wird.
Denn ohne Gesetze verheißt die Welt nur wenig Gerechtigkeit, in dem
Maß nämlich, wie sie die Starken den Schwachen aus Mitleid zukommen lassen.
Das Gesetz jedoch, von dem wir sprechen, umfaßt die Werte der Freiheit
und bekräftigt die Gleichheit aller Nationen, ob groß oder klein.
So schön die Segnungen eines solchen Friedens sein können, so hoch
werden auch seine Kosten sein - wobei die Härten geduldig getragen, die
Hilfe ohne Hintergedanken gewährt und die Opfer ruhig gebracht werden
müssen.
Wir sind aufgerufen, den Preis für diesen Frieden zu entrichten.
Um der Bedrohung durch diejenigen zu begegnen, die mit Gewalt zu herrschen suchen, müssen wir die Kosten für unsere eigene notwendige militärische Stärke sowie die Hilfe tragen, die für den Aufbau der Sicherheit der anderen erforderlich ist.
Wir müssen unser Können und Wissen und manchmal unsere Substanz
einsetzen, um den enderen zu helfen, sich aus dem Elend zu erheben,
ganz gleich wie weit der Schauplatz ihres Leidens von unseren Grenzen
entfernt liegt. Denn wo immer in der Veit ein Volk verzweifelte Not
leidet, muß es zumindest einen Funken der Hoffnung geben, der Hoffnung
auf Fortschritt - oder es werden mit Sicherheit schließlich Konflikte
aufflammen.
"Vir wissen um unser eigenes tiefes Verbundensein mit dem Schicksal aller Menschen auf der Welt, und wir entziehen uns dem nicht. Wir
haben uns demgemäß feierlich verpflichtet, die Autorität der Vereinten
Nationen zu achten und anzuerkennen und alles zu tun, um sie zu stärken,
denn in dieser Körperschaft ruht die beste Hoffnung unserer Zeit, daß
das Gesetz, das allen Nationen die Möglichkeit gibt, in Würde zu leben,
Anerkennung findet.
Außer diesem allgemeinen Entschluß aber ergeht an uns die Forderung,
eine verantwortungsbewußte Holle in den großen, die Welt bewegenden Fragen oder Konflikten zu übernehmen - gleichgültig"ob es die Angelegen-

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�'AMERIKA DIENST"

23. Januar 1957

Angelegenheiten eines weiträumigen Gebietes betrifft oder das
Schicksal einer Insel im Pazifik oder die Benutzung eines Kanals
im Mittleren Osten. Nur indem wir die Hoffnungen und auch die Kulturen
der anderen respektieren, werden wir das Prinzip der Gleichheit aller
Nationen in die Tat umsetzen.
Nur wenn wir den '.Villen und die Klugheit besitzen, Ratschläge zu
erteilen und Ratschläge entgegenzunehmen, nur wenn '.vir bereit sind,
die Lasten mitzutragen, werden wir das Werk des Friedens weise durchführen .
Denn eine Wahrheit muß alles beherrschen, was wir glauben und tun.
Kein Volk kann auf sich allein gestellt leben. Die Einigkeit aller, die
in Freiheit leben, ist ihre einzige Sichere Verteidigung. Die wirtschaftlichen Bedürfnisse aller Nationen, die in gegenseitiger Abhängigkeit
leben, machen die Isolierung zu einer Unmöglichkeit: nicht einmal der
Wohlstand Amerikas könnte lange erhalten bleiben, wenn die anderen Nationen nicht auch blühen und gedeihen. Keine Nation kann länger eine
einsame, starke und sichere Festung sein. Und jedes Volk, das diesen
Schutz für sich allein sucht, wird heute nur sein eigenes Gefängnis
bauen.
Vir werden immer für diese Grundsätze eintreten und ihnen verschrieben bleiben, weil wir fest daran glauben, daß sie richtig sind.
Wir fürchten uns nicht vor dieser sich ändernden Welt. Amerika
ist vieles von dem Geist dieser Welt nicht fremd. Überall sehen wir
die Anfänge desselben Wachstums, das Amerika selbst durchgemacht hat.
Das amerikanische Experiment hat durch Generationen hindurch die Leidenschaft und den Mut von Millionen anderswo auf der Welt angeführt,
die nach Freiheit, Gleichheit und gleichen Chancen für alle gesucht
haben. Das amerikanische Beispiel des materiellen Fortschritts hat
mitgeholfen, daß das Sehnen aller notleidenden Völker nach Befriedigung ihrer menschlichen Wünsche Auftrieb erhielt. Wir können dazu beitragen, daß diese Hoffnungen, die wir inspirieren halfen, sich erfüllen.
Aus dieser Überzeugung heraus sprechen wir offen und klar zu allen
Völkern.
Wir pflegen unsere Freundschaft mit all den Nationen, die frei
sind oder frei sein wollen. .Vir respektieren genauso sehr ihre Unabhängigkeit. Und wenn sie in Zeiten der Not oder Gefahr uns um Hilfe
bitten, so werden sie diese ohne Hintergedanken erhalten; denn wir
versuchen genauso wenig ihre Souveränität zu kaufen wie wir selbst
unsere eigene verkaufen würden. Die Souveränität ist uniter freien
Menschen keine Sache eines Geschäfts.
Wir ehren die Hoffnungen und Bestrebungen aller der Nationen,
die jetzt noch unterdrückt sind und sich nach Freiheit sehnen. Wir
suchen weder ihre militärische Allianz noch wollen wir, daß sie unsere
Gesellschaftsform in irgendeiner künstlichen Weise imitieren. Sie dürfen
der Herzlichkeit und Wärme des sie erwartenden Willkommens gewiß sein,
wenn sie - wie es einmal der Fall sein muß - erneut in die Reihen der
freien Völker eintreten.
In

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�"AMERIKA DIENST"

23. Januar 1957

In dieser gespaltenen Welt achten wir das russische Volk nicht
weniger, als wenn wir in einer nicht so zerrissenen 7/elt lebten.
Wir fürchten die von dem russischen Volk gemachten Fortschritte auf
erzieherischem und industriellem Gebiet nicht, wir begrüßen sie sogar.
Wir wünschen ihm bei seiner Forderung nach größerer geistiger Freiheit,
nach größerer Sicherheit ihren eigenen Gesetzen gegenüber Erfolg, und
begrüßen es, wenn ihre Forderung nach besserem Lohn ihrer Mühen verwirklicht wird. Denn in dem Maße, wie jene Dinge verwirklicht werden,
wird um so gewisser jener Tag heraufdämmern, an dem sich unsere beiden
Völker in Freiheit und Freundschaft begegnen können.
So geben wir unserer Hoffnung und unserem Glauben Ausdruck, daß
wir mit dazu beitragen können, die Spaltung dieser Welt zu heilen.
Auf diese V/eise könnten die Nationen aufhören, zitternd und zagend
vor der Drohung der Gewalt zu leben. Dann könnten die Lasten der Furcht
und die Bürden der Rüstung von den gekrümmten Schultern der Menschheit
genommen werden.
Dies und nichts Geringeres ist das Werk, zu dem wir aufgerufen
werden und dem unsere Stärke geweiht ist.
Und so gehen die Gebete unseres Volke weit über unsere eigenen
Grenzen hinaus in die große Welt unserer Pflichten und unseres Schicksals. Möge das Licht der Freiheit in alle gegenwärtig dunkle» Lande
kommen und dort hell aufleuchten - bis es schließlich kein Dunkel
mehr gibt.
Mögen die Unruhen unseres Zeitalters zu einer wirklichen Zeit
des Friedens führen, in der Menschen und Völker so miteinander leben,
daß die Würde jedes einzelnen von ihnen und die brüderliche Gemeinschaft aller geachtet wird."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER LEGT WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT VOR
1) Wortl aut des Begleitbriefes Präsident
Eisenhowers zur Wirtschaftsbotschaft

2) Auszüge aus der Wirtschaftsbotschaft

* * *

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

PRÄSIDENT EISENHOWER LEGT WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT VOR

(AD) - Präsident Eisenhower hat dem amerikanischen Kongreß
am 23. Januar 1957 den Wirtschaftsbericht übersandt,
der einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der USA während des letzten Jahres
gibt. Dem Bericht ist als erster Teil ein Begleitschreiben (Letter of Transmittal) beigefügt, der
die wesentlichsten Aspekte des Berichts zusammenfassend herausstellt und der folgenden Wortlaut hat*

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Ich lege hiermit meinen Wirtschaftsbericht vor, wie dies auf
Grund des Paragraphen 3 (A) des Arbeitsgesetzes von 1946 gefordert wird.
Bei der Ausarbeitung dieses Berichtes hat mir der Wirtschaftsbeirat mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ferner haben mich die
Leiter der einzelnen Ministerien und unabhängigen Regierungsämter
beraten.
Nachstehend unterbreite ich - wobei im wesentlichen der Bericht
selbst zitiert wird -, was nach meiner Ansicht die wesentlichsten
Schlußfolgerungen und Empfehlungen dieses Dokumentes sind.
Gleiche Chancen und Verantwortung in einer freien Wirtschaft
Die gewaltige Produktionskapazität der amerikanischen Wirtschaft
wurde im Jahre 1956 erneut in Form eines Rekord-Bruttosozialproduktes
von 412 Milliarden Dollar unter Beweis gestellt.
Über die Schaffung dieser materiellen Basis für ein besseres
Leben hinaus gewährt unser freies Wirtschaftssystem unserer Form des
politischen Lebens eine gewaltige Unterstützung und bietet dem .einzelnen im Hinblick auf die persönliche Berufswahl und seine Entwicklung einmalige Möglichkeiten.
Hand in Hand mit diesen Möglichkeiten geht aber auch eine große
Verantwortung. Diese Verantwortung wird zum Teil von der Regierung
getragen. Aber auch der einzelne muß sie sowohl in seiner eigenen
wirtschaftlichen Tätigkeit als auch im Zusammenwirken mit anderen
auf sich nehmen.
Die Regierung muß alle geeigneten Mittel anwenden, um einen
hohen Produktions- und Beschäftigungsstand zu erreichen, und sie
muß ferner dazu beitragen, damit ein sich ausweitendes Nationaleinkommen gewährleistet wird, an dem viele teilhaben und das in
Dollar von stabiler Kaufkraft verdient wird. Die Regierung muß eine

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

eine Politik verfolgen, die den Unternehmergeist unseres Volkes fördert
und den Anreiz zur Arbeit, zum Sparen und zur Kapitalinvestierung
schützt v Sie muß hinsichtlich ihrer Ausgaben eine harte Disziplin üben
und es vermeiden, das Einkommen der Einzelpersonen sowie die Geschäftsgewinne zu stark zu besteuern. Sie muß danach streben, Wettbewerbsmärkte zu stärken und die in einer dynamischen Wirtschaft notwendigen
Änderungen und Anpassungen zu erleichtern.
Aber sogar noch dringender sind die Aufgaben und die Verantwortung
der Einzelpersonen und Wirtschaftsgruppen. Die Unternehmer sollten ihre
Pläne so ausarbeiten und durchführen, daß sie zu einem ständigen Wachstum unserer Wirtschaft beitragen. Sie müssen auch das große Interesse
der Öffentlichkeit an den für ihre Erzeugnisse und Dienstleistungen
festgesetzten Preisen in Rechnung stellen.
Sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer sollten die Restriktionen
in bezug auf die Betätigung auf Wettbewerbsmärkten fallen lassen und
damit die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft an wechselnde Verhältnisse
erhöhen. Von besonderer Bedeutung in einer florierenden Wirtschaft ist
die den führenden Vertretern der Industrie und der Arbeiterschaft obliegende Aufgabe, in bezug auf die Löhne und Sozialzuwendungen zu
tbereinkommen zu gelangen, die mit der Produktivitätsentwicklung und
der Erhaltung der Dollarstabilität in Einklang stehen.
Das Vertrauen in die Stabilität des wirtschaftlichen Wachstums
kann nicht allein auf die Finanz- und Währungspolitik der Regierung
gestützt werden. Eine erfolgreiche Erhöhung der Prosperität bei stabilen Preisen fordert eine gemeinsame Anstrengung, bei der die Maßnahmen der einzelnen und der Wirtschaftsgruppen und aller Regierungsstellen aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig stärken.
Wachstum und Fortschritte der Wirtschaft in den Jahren 1955/56
Die Möglichkeiten, die unsere freie Wirtschaft für die Hebung
des Wohlstandes bietet, werden durch die Entwicklungen der letzten
vier Jahre eindeutig aufgezeigt. Die zivile Beschäftigungsziffer
stieg um 3,7 Millionen an. Das Personaleinkommen pro Kopf der Bevölkerung und nach Abzug der Steuern nahm - in konstanter Währung gemessen - um zehn Prozent zu. Rund fünf Millionen Wohnungen wurden
neu gebaut,und die Zahl der Eigentumswohnungen und Eigenheime nahm
ständig zu. Die steigenden Einkommen ermöglichten es den Verbrauchern,
in immer stärkerem Maße Güter aller Art zu kaufen und somit hinsichtlich ihrer eigenen Vorsorge für eine finanzielle Sicherheit wesentliche Fortschritte zu erzielen. Die Teilnahme an und die Unterstützung
von religiösen, kulturellen, erzieherischen und anderen privaten Einrichtungen und Vorhaben nahm wesentlich zu.
Hinsichtlich der Expansion und Verbesserung der Produktionseinrichtungen des Landes wurden große Fortschritte gemacht. Wirtschaft
und Landwirtschaft wendeten über 150 Milliarden Dollar für diesen
Zweck auf. Diese Aufwendungen für Investitionszwecke verheißen ein
weiteres Ansteigen des Bruttosozialproduktes sowie eine höhere Lebenshaltung in den kommenden Jahren.
_.

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

Die Landwirtschaft sah sich während dieses Zeitraumes schwierigen
Problemen gegenüber, die im wesentlichen auf das Anhalten der Tendenz
zurückzuführen sind, daß die Produktion die Nachfrage auf den Absatzmärkten überstieg. Es wurden jedoch Fortschritte in Richtung auf einen
besseren Ausgleich der landwirtschaftlichen Erzeugung erzielt, und in
der letzten Zeit zeigte sich hinsichtlich der landwirtschaftlichen
Einkommen eine gewisse Verbesserung. Die Erfahrung zeigt, daß, um ein
Anhalten der Fortschritte in der Landwirtschaft zu ermöglichen, auch
weiterhin ein ständiger Nachdruck auf die Verwirklichung der grundlegenden Zielsetzungen der vergangenen vier Jahre gelegt werden muß unsere Farmer müssen in ihren Betriebsdispositionen, was die geschäftliche Seite anbetrifft, größere Freiheit haben; in bezug auf die Bestellung der landwirtschaftlichen Nutzfläche muß ein angemessener und
zweckentsprechender Wechsel erfolgen; das Stützpreissystem muß weiter
verbessert werden, und zur Entwicklung neuer Produkte und «ur Erschließung
neuer Absatzmärkte und neuer Verwendungsmöglichkeiten müssen Forschungsprogramme durchgeführt werden.
Dieser Zeitraum wurde durch einen wirtschaftlichen Aufschwung
in der freien Welt und durch eine bemerkenswerte Expansion des Welthandels und des internationalen 'Geldwesens, einschließlich unserer
eigenen Exporte und Importe, gekennzeichnet. Unsere Exporte nach
Industrieländern mit einem hohen Einkommen pro Kopf der Bevölkerung
sowie nach anderen Ländern, deren wirtschaftliche Expansionsrate
schnell wächst, sind stark angestiegen. Dies zeigt, daß eine Prosperität in anderen Teilen der Welt die Märkte für die Produkte unserer
eigenen Farmen, Bergwerke und Fabriken ausweitet.
Die Beiträge, die die Regierung zur Erreichung eines stabilen
wirtschaftlichen Wachstums leisten kann, sind während der letzten
vier Jahre evident geworden.
Das Experiment der Jahre 1953/54 bewies, daß - wenn das Vertrauen
des Verbrauchers und der Wirtschaft vorhanden ist - eine rechtzeitige
öffentliche Politik dazu beitragen kann, alle rückläufigen Tendenzen
aufzufangen. Die Politik, die die Regierung in den Jahren 1955 und 1956
verfolgt hat, trug mit dazu bei, daß die ansteigende Tendenz der Preise
abgeschwächt und eine Situation verhindert wurde, die die wirtschaftliche Stabilität gefährdet hätte.
Die Wirtschaft im Jahre 1956
Das Bruttosozialprodukt unseres Landes lag 1956 um 21,5 Milliarden Dollar höher als 1955» obwohl in einigen Sektoren unserer Wirtschaft, vor allem auf dem Gebiet der Autoproduktion und des Wohnungsbaus,eine verminderte Aktivität festzustellen war. Die hohen Ausgaben
der Wirtschaft für neue Anlagen und Ausrüstungen, die Steigerung des
Außenhandels und erhöhte Kapitalinvestierungen, die hohen Verbraucherausgaben und die erhöhten Ausgaben der Staats- und Kommunalbehörden
haben zu dieser Expansion beigetragen« Rund die Hälfte dieser Zunahme
war einer Erhöhung der tatsächlichen Gütererzeugung, der Rest den
mäßig gestiegenen Preisen zuzuschreiben.
. .

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

Auf wichtigen Gebieten unserer Wirtschaft wurde eine wesentliche
Erhöhung der Beschäftigtenzahl erreicht; für das Jahr im ganzen gesehen
war gegenüber dem Vorjahr in der Gesamtzahl der Beschäftigten ein Zuwachs
von 1,8 Millionen festzustellen. Bei allen wichtigen Gruppen der Gehaltsund Lohnempfänger stieg das Einkommen an.
Im Verlauf des Jahres haben sich auch die landwirtschaftlichen Einkommen verbessert. Ebenso ist der Wert des Farmlandes und der Nettowert
des landwirtschaftlichen Besitzes sowie der landwirtschaftlichen Exporte
weiter angestiegen. Die technische Entwicklung in der Landwirtschaft
ist weiter vorangeschritten.
Der Kapitalmarkt und die Preise waren einem ständigen Druck ausgesetzt. Die Zinssätze stiegen, da die Kreditnachfrage im Verhältnis
zu dem Kapitalangebot weiterhin sehr groß war. Die ungewöhnlich starke
Nachfrage der Wirtschaft führte zu einer Erhöhung der Preise für Kapitalgüter und damit in Beziehung stehender Waren. Die hohen Rohstoffpreise und die Lohnsteigerungen, die den kleinen Produktivitätszuwachs
des Jahres zu überflügeln drohten, waren entscheidende Faktoren für «ine
Erhöhung der Preise.
Der im Jahre 1956 auf den Preisen, Kosten und finanziellen Hilfsquellen lastende Druck machte eine Fortführung der auf die Abwehr inflationistischer Tendenzen abzielenden Politik erforderlich. Der Haushaltsüberschuß der Bundesregierung trug diesem Ziel genauso Rechnung
wie die von dem Federal Reserve-Bankensystem verfügten Kreditrestriktionen. Die Ereignisse des Jahres haben indessen gezeigt, daß bei einem
hohen Produktions- und Beschäftigtenstand die Erhöhungen im Lohn- und
Preisgefüge der wichtigen Industriezweige einen kostenerhöhenden und
preissteigernden Druck hervorrufen können, und daß die Finanz- und
Steuerpolitik der Regierung von entsprechenden Maßnahmen der Privathand unterstützt werden muß, um eine hohe Wirtschaftstätigkeit wie auch
stabile Preise zu gewährleisten.
Die Ausweitung des wirtschaftliche-n Fortschritts.
Dieser Bericht umreißt die gesetzgeberischen Vorschläge, mit deren
Hilfe die im Arbeitsgesetz zum Ausdruck gebrachten Zielsetzungen verwirklicht werden sollen. Diese Vorschläge enthalten Maßnahmen zur Stärkung unseres Wirtschaftssystems, zur Vergrößerung unserer nationalen
Hilfsquellen und zur Verbesserung unseres Lebensstandards.
Die Regierung kann unsere Wirtschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt
durch die Erhaltung eines ausgeglichenen Haushaltes stärken. Dementsprechend sollte der Kongreß an den Steuersätzen in ihrer gegenwärtigen
Höhe festhalten, und die Ausgaben des Bundes sollten genau begrenzt
sein.
Unser Wirtschaftssystem würde auch durch gesetzgeberische Maßnahmen
zur Unterstützung der Kleinbetriebe und zur Förderung des Wettbewerbs
eine Stärkung erfahren. Diese Maßnahmen, zu deren Prüfung der Kongreß
dringend aufgefordert wird, umfassen eine Erweiterung des Gesetzes zur

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

zur Förderung der Kleinbetriebe; einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt für die kleinen und mittleren Unternehmen; solche Steuerangleichungen, die mit einem Minimalverlust an Einnahmen erfolgen können,
sowie eine Reduzierung des von der Regierung eingeführten Verwaltungsaufwandes. Ferner wird der Kongreß dringend ersucht, Vorsorge für die
erforderlichen Verbesserungen der Antitrust-Gesetzgebung sowie der den
Durchführungsorganen zur Verfügung stehenden Mittel und Wege zu treffen.
Die jüngsten Veränderungen in unserer Finanzstruktur und unseren
Finanzpraktiken machen eine sorgfältige Untersuchung darüber erforderlich, ob die bestehenden Einrichtungen noch ausreichend sind, um dem
Kapital- und Kreditbedarf unseres Landes Rechnung zu tragen; weiter
sollen hierbei die Mittel und Wege zur Ausübung ausreichender Kreditkontrollen geprüft werden. Wie bereits in der Botschaft über die Lage
der Nation dargelegt wurde, sollte der Kongreß seine Zustimmung für
die Bildung einer Währungs- und Finanzkommission zur Durchführung
dieser wichtigen Aufgabe geten.
Unsere Wirtschaft würde ferner aus der Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in der Organisation für die Zusammenarbeit auf dem
Gebiete des Handels (OTC) und in der Internationalen Atomenergiebehörde
sowie aus der Weiterführung der Wirtschaftshilfe einschließlich der
Verteidigungsunterstützung im Rahmen des gemeinsamen Sicherheitsprogramms Nutzen ziehen.
Zum Ausbau und zur Verbesserung unserer nationalen Hilfsquellen
sind weitere zusätzliche Maßnahmen notwendig. Dem Prinzip der Partnerschaft, durch das die örtlichen Stellen ermutigt werden, die Initiative zu ergreifen und sich an der Entwicklung von Wasser- und Kraftquellen zu beteiligen, sollte auch weiterhin im Rahmen der laufenden
Ermächtigungen und Bewilligungen eingehende Beachtung geschenkt werden.
Um den Anpassungsprozeß in der Landwirtschaft zu unterstützen,
werden dem Kongreß Empfehlungen für eine verbesserte Landaufteilung
und ein Stützpreisprogramm für Mais sowie für Maßnahmen vorgelegt
werden, die sich mit den Problemen der Landbestellung und der Wasserverknappung befassen, die durch die jüngste Dürre noch vergrößert
wurden. Eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Absatzes 1 des
Gesetzes über die Entwicklung und Förderung des Handels mit Agrarprodukten um ein weiteres Jahr sowie eine begrenzte Erhöhung der
zulässigen Verluste würden eine nützliche kurzfristige Maßnahme darstellen, die zum Abbau der Überschußbestände an landwirtschaftlichen
Erzeugnissen beiträgt.
Der Kongreß wird erneut ersucht, ein Programm zu verabschieden.^
durch das die wirtschaftliche Grundlage jener örtlich begrenzten Gebiete mit Bundesunterstützung gestärkt werden soll, in denen ständige
Arbeitslosigkeit herrscht.

Von

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30. Januar 1957

Von all den Vorschlägen zur Vergrößerung unserer nationalen Hilfsquellen kommt wohl keinem größere Bedeutung zu als dem zur Beseitigung
der kritischen Schulraumnot mit Unterstützung des Bundes. Der Kongreß
wird um die Verabschiedung eines Programms gebeten, welches dazu beitragen würde, diesen Rückstand innerhalb von vier Jahren aufzuholen.
Danach soll die volle Verantwortung für den Bau von Schulen wieder den
Regierungen der Einzelstaaten und den Kommunalbehörden zufallen.
Weitere Portschritte in bezug auf den Lebensstandard sollen durch
Maßnahmen ermöglicht werden, um den Wohnungs- und Gesundheitsstand
unseres Volkes zu heben sowie die Existenzsicherheit defl einzelnen zu
stärken. Wohnungsbau und der Bau von Eigentumswohnungen und Eigenheimen
würden durch eine Anpassung gefördert werden, durch die der Höchstzinssatz der Wohnungsbaukredite den auf den freien Markt üblichen Sätzen
stärker angeglichen würde; sie sollten weiter durch eine Erhöhung der
Mittel für die Bundes-Hypotheken-Anstalt zur Vergebung zweitstelliger
Hypotheken sowie durch eine Ausweitung des freiwilligen Hypothekenprogramms für den Wohnungsbau unterstützt werden.
Die Volksgesundheit würde durch gesetzliche Maßnahmen zur Unterstützung freiwilliger Gesundheitspläne sowie durch ein Programm zur
Bereitstellung von Geldmitteln für den Bau medizinischer und zahnärztlicher Ausbildungsstätten gefördert werden.
Die Sicherheit des einzelnen würde ferner erhöht werden, wenn die
Arbeitslosenunterstützung auf die Angestellten kleiner Firmen und gewisse andere Gruppen erweitert würde, indem das Gesetz über den Mindestlohn so umfassend gemacht wird, daß es weitere Arbeiter, die dieses
Schutzes bedürfen, einschließt; sowie durch die Forderung, daß die
privaten Pensions- und Versicherungsfonds beim Bund registriert werden
und ihm Rechenschaft ablegen; und letztlich durch ein Programm der
technischen Hilfe und einer begrenzten finanziellen Unterstützung der
Einzelstaaten bei ihren Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze.
Schlußfolgerungen
Es besteht durchaus Grund zur Zuversicht, daß die Gesamtprosperität
des Landes in den kommenden Monaten weiter ansteigen wird. Eine mäßige
Zunahme der Kapitalaufwendungen der Wirtschaft zeichnet sich bereits
ab. Die Aufwendungen auf dem Bausektor sowie der Außenhandel und die
Investitionen werden auch weiterhin eine wirtschaftliche Expansion begünstigen. Die Gesamtausgaben der Bundesregierung, der Einzelstaaten
und der Kommunen werden höher sein. Die Verbraucherausgaben werden
durch die günstige Beschäftigungslage und die guten Einkommen weiterhin
eine Zunahme erfahren»
Die wirtschaftliche Lage weist jedoch stets Unsicherheitsfaktoren
und Probleme auf, die sorgfältige Beachtung erfordern. Hierunter fallen
die gegenwärtige internationale Lage, die steigende Tendenz der Kosten
und Preise, die die Kapitalaufwendungen der Wirtschaft beeinträchtigenden

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30. Januar 1957

beeinträchtigenden Faktoren sowie die Gewährleistung eines ausreichenden
Zuflusses neuer Spargelder, damit der voraussichtliche starke Geldbedarf gedeckt werden kann.
Diese und andere Unsicherheitsfaktoren und Probleme, die eine
dynamische Wirtschaft nun einmal mit sich bringt, machen es erforderlich, daß jeder einzelne, alle Wirtschaftagruppen und die Regierung
auf ihrem jeweiligen Gebiet die Verantwortung für die Aufrechterhaltung
eines stabilen wirtschaftlichen Wachstums tragen. Wenn alle die ihnen
zukommende Verantwortung auf sich nehmen, dann wird die Fähigkeit unserer
Wirtschaft, den hohen Beschäftigten- und Produktionsstand sowie die
Kaufkraft beizubehalten - wie es im Arbeitsgesetz vorgesehen ist und im
großen und ganzen im vergangenen Jahr auch erreicht wurde - auch weiterhin gestärkt."

* -.-.

AUSZÜGE AUS DER WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT
Rechte und Pflichten in einer freien Wirtschaft
Das Jahr 195&amp;» i n dem die Gesamterzeugung von Gütern und Dienstleistungen einen Wert von 412 Milliarden Dollar erreichte, zeigte erneut, über welche gewaltigen Produktivkräfte die amerikanische Wirtschaft verfügt. Diese ungeheure und ständig zunehmende Produktion gibt
uns die Mittel an die Hand, die Sicherheit unseres Landes zu wahren,
unseren derzeitigen Bedarf zu decken sowie unsere Produktionskapazität
auszuweiten. Darüber hinaus bringt diese hohe Produktion dem einzelnen
mehr Zeit und Muße, die er sowohl zu seiner Weiterbildung als auch zu
einem intensiveren Genuß der materiellen Güter verwerten kann. Somit
bietet unsere freie Wirtschaft dem amerikanischen Volk die Möglichkeiten für ein besseres Leben in jeglicher Hinsicht.
An diesen Erfolgen ist wohl abzulesen, welch brauchbares und wertvolles Instrument die freie Wirtschaft für die Organisierung und Ausweitung von Produktion und Konsum ist; doch sie offenbart an sich nicht
die Vorzüge, die eine freie Gesellschaft sowohl dem einzelnen als auch
der Gesamtheit in sozialer Hinsicht zu bieten vermag.
Da wären unter anderem zu nennen der unbehinderte Zugang zu Erziehung und Ausbildung, die freie Berufswahl aus einer Vielfalt von
Möglichkeiten in abhängiger oder selbständiger Position, das Recht auf
die Früchte der eigenen Arbeit und die vollkommene Freiheit, über den
eigenen Verbrauch und da.p Verwendung der Mittel nach eigenem Ermessen
zu verfügen. Darüber hinaus bildet unsere freie Wirtschaft eine unerlässliche Stütze für die von uns verfochtene Form des politischen Lebens.
Es

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30. Januar 1957

Es gibt sehr aufschlußreiche Parallelen zwischen unseren politischen
und wirtschaftlichen Institutionen. Keine andere Staatsform bietet dem
einzelnen mehr Möglichkeiten zur Mitsprache, und keine andere Staatsform beruht in so starkem Maße auf dem Vertrauen in die Führungsqualitäten und die Integrität des einzelnen. Und ebenso bietet kein anderes Wirtschaftssystem dem einzelnen größere Erfolgsmöglichkeiten
oder überträgt ihm ein so hohes Maß an Verantwortung. So klar die
durch ein solches Wirtschaftssystem gebotenen Möglichkeiten auch zutage liegen, die Verpflichtungen des einzelnen, auf denen es beruht,
sind weniger klar erkennbar, und so werden sie oftmals nicht restlos
richtig verstanden.
Diese Verpflichtungen, die in erster Linie die Notwendigkeit der
Erhaltung und Festigung der Institutionen der freien Wettbewerbswirtschaft betreffen, trägt zu einem Teil die Regierung. Erstens muß die
Regierung eine Politik verfolgen, die den Geist des freien Unternehmertums konstruktiv fördert, und die wesentlichen Anreizmittel zu
arbeiten, zu sparen und zu investieren, schützen. Bei Konzipierung
dieser Politik dürfen nicht nur ihre unmittelbaren Auswirkungen auf
die Lebenskraft und Elastizität der Wirtschaft in Betracht gezogen,
es muß auch ihre Wirkung auf lange Sicht berücksichtigt werden. Zweitens muß die Regierung in ihrer Haushaltspolitik strenge Disziplin
wahren und darf das Einkommen des einzelnen und der Unternehmen nicht
höher besteuern als unbedingt erforderlich. Drittens"muß die Regierung
alle monopolitischen Tendenzen eindämmen und Wirtschaftsverhältnisse
anstreben, die dem einzelnen und auch neuen Verfahren und Erzeugnissen
die Möglichkeit bieten, sich im freien Wettbewerb zu bewähren. So
wie unsere Vorväter vor der Aufgabe standen, eine vernünftige Aufteilung der politischen Macht sicherzustellen, so obliegt es heute unserer Regierung, eine ebenso vernünftige Aufteilung der wirtschaftlichen Macht zu garantieren. Viertens muß die Regierung eine Politik
verfolgen, die die für eine dynamische Wirtschaft so wesentliche Anpassung an die fortschreitende technische Entwicklung und die sich
ständig wandelnden Konsumentenwünsche erleichtert. Maßnahmen, die diese Angleichung erschweren, muß sie vermeiden. Schließlich muß sie eine
Politik verfolgen, die dazu beiträgt, einen hohen Produktions- und
Beschäftigungsstand sicherzustellen und die Wirtschaft dem Ziele näherbringt, das Volkseinkommen bei stabiler Kaufkraft des Dollars zu erhöhen und möglichst allen Bevölkerungskreisen einen gerechten Anteil
an dieser Erhöhung zukommen zu lassen.
Doch kann die Regierung weder die ausschließliche Verantwortung
für ein reibungsloses Funktionieren unseres freien Wettbewerbssystems
übernehmen noch eine ununterbrochene Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft
garantieren. Selbst ein Versuch in dieser Richtung würde ein Eingreifen des Staates in einem Ausmaße mit sich bringen, das mit dem grundsätzlichen Wesen unserer freien Wettbewerbswirtschaft unvereinbar ist;
denn diese beruht auf der Überzeugung, daß bei einem Mindestmaß an staatlicher Einmischung der einzelne seine Kräfte und Begabungen am besten
zu entfalten und dadurch zur wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen
vermag. In einer so gearteten Wirtschaft trägt der einzelne in seiner
eigenen Wirtschaftstätigkeit und in seinem Zusammenwirken mit anderen
große Verantwortung für ein erfolgreiches und gleichmäßiges, Funktionieren von Produktion und Absatz.
Eine

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30. Januar 1957

Eine besonders schwere Verantwortung fällt den leitenden Männern
der Großbetriebe zu, insbesondere wenn es sich um Firmen mit umfassendem Tätigkeitsbereich an den verschiedensten Orten handelt; sie
müssen mit ihrer Arbeit zur Vermeidung von Wirtschaftsschwankungen
und -Störungen beitragen. Daß die Privatwirtschaft sich in zunehmendem Maße dieser ihrer Verantwortung bewußt wird, geht daraus hervor, daß sie immer mehr zu einer Planung auf weite Sicht übergeht
und in ihrer Tätigkeit auf die Erfordernisse einer größeren Stabilität des Beschäftigtenstandes Rücksicht nimmt. Dennoch war unsere
Wirtschaft gelegentlich schweren Belastungsproben ausgesetzt, da die
Unternehmer hinsichtlich der Ausrüstung der Betriebe, dem Ausbau der
Anlagen und insbesondere der Aufnahme von Krediten gelegentlich nicht
genügend Maß zu halten verstanden. Die Unternehmer haben eindeutig
die Verpflichtung, in ihrem eigenen und im Interesse des Landes sich
jeder Maßlosigkeit zu enthalten und ihre Pläne so auszuarbeiten und in
die Praxis umzusetzen, daß damit zu einer ständigen und allmählichen
Wirtschaftsausweitung beigetragen wird.
Desgleichen haben die Arbeitgeber, ebenso wie die Arbeitnehmer
und Gewerkschaften die Verpflichtung, alle Beschränkungen des freien
Wettbewerbs zu beseitigen und für eine größere Anpassung der Wirtschaft
an die neuen technischen Errungenschaften und Markterfordernisse Sorge
zu tragen. Und einsichtige führende Männer der Landwirtschaft werden
nicht den Versuch machen, die wirtschaftliche Lage auf diesem Sektor
mit Mitteln zu verbessern, die die so wichtige Anpassung an die sich
verändernden Marktverhältnisse vereiteln würden. Wettbewerbsmärkte
und die Möglichkeit, sich innerhalb der durch die persönliche Veranlagung, technischen Erfordernisse und Marktbedürfnisse gesetzten
Grenzen auf jedem Wirtschaftsgebiet zu betätigen, sind wichtige Vorbedingungen einer starken freien Marktwirtschaft.
Eine weitere Verantwortung der leitenden Männer auf Seiten der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer erwächst aus der Tatsache, daß sie auf
Grund der Machtkonzentrationen in der Lage sind, Maßnahmen zu treffen,
die infolge der hohen Empfindlichkeit unseres Wirtschaftssystems die
Nation als Ganzes entscheidend beeinflussen.
Unternehmer und Gewerkschaftsführer haben insbesondere die
Pflicht, nur solche Vereinbarungen über Löhne und andere Sozialleistungen zu schließen, die sowohl den unmittelbar Beteiligten
als auch den übrigen Bürgern gerecht werden. Die ausgehandelten
Lohnerhöhungen und Sozialleistungen sollten auf die voraussichtliche Entwicklung der Produktivität und die Erhaltung einer stabilen
Dollarwährung abgestimmt sein. Und die Unternehmen müssen sich darüber im klaren sein, daß die breite Öffentlichkeit an den für ihre
Erzeugnisse und Dienstleistungen festgesetzten Preisen interessiert ist.
Eine Inflation der Preise zu verhüten, die in einer expandierenden
und an die Grenze ihrer Kapazität operierenden Wirtschaft eine stets,
gegenwärtige Gefahr bildet, läßt sich durch eine regulierende Finanzund Steuerpolitik der Regierung allein nicht bewerkstelligen. Wollte
man sich ausschließlich auf Regierungsmaßnahmen verlassen so würde man
das Risiko eingehen, daß im Gefüge unserer Wirtschaft und in unserem
Wirtschaftsleben Wirkungen hervorgerufen werden, die in den kommenden

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30. Januar 1957

kommenden Jahren den freien Wettbewerb daran hindern könnten, sich frei
zu entfalten. Und wollte man sich andererseits weigern, die Verantwortung zu übernehmen, die eine freie Wirtschaft mit sich bringt, so
würden bald schon Forderungen laut werden, diese Verantwortung der Regierung zu übertragen, was stärkere Eingriffe des Staates in das Wirtschaftsleben und den Verlust an Freiheit zur Folge haben würde die
ein solches Vorgehen zwangsläufig nach sich ziehen müßte. Die erfolgreiche Ausdehnung der Prosperität bei gleichzeitiger Erhaltung der
Preisstabilität muß das Ziel der vereinten Bemühungen jedes Amerikaners,
aller Wirtschaftsgruppen und sämtlicher Regierungsbehörden sein, wobei
alle Schritte aufeinander abgestimmt und so geartet sein sollten, daß
sie sich gegenseitig ergänzen ...
Verstärkte wirtschaftliche Beziehungen mit anderen Ländern
Es bleibt auch weiterhin eines der wichtigsten Ziele der Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten, den internationalen Güter- und
Kapitalaustausch auf einer Grundlage zu ermöglichen und zu verstärken,
die jede Diskriminierung gegenüber anderen ausschließt. Da unser Einfuhrvolumen und die Verfügbarkeit von Kapital für Auslandsinvestitionen
aus privaten Quellen von der Prosperität unserer Binnenwirtschaft abhängen, bildet eine stabile und expandierende amerikanische Wirtschaft
eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Welthandelsgefüge. Doch
sind positive Maßnahmen zur Unterstützung anderer Nationen erforderlich, damit diese an der wirtschaftlichen Expansion und der Prosperität der freien Welt teilnehmen können. In den vergangenen vier Jahren
sind beträchtliche Fortschritte in dieser Richtung erzielt worden, doch
bieten sich gerade auf diesem Gebiet immer noch große Möglichkeiten.
Durch den Abbau von Handelsschranken auf der Basis der Gegenseitigkeit haben die Vereinigten Staaten den internationalen Güteraustausch ohne diskriminierende Einschränkungen gefördert, ohne jedoch
dabei ihr Recht aufzugeben, die einheimische Industrie vor ernstlichem
Schaden zu bewahren. Die der Regierung ursprünglich im Gesetz über
Gegenseitige Handelsabkommen vom Jahre 1934 erteilten Befugnisse wurden,
mit bestimmten Abänderungen, durch das im Jahre 1955 erlassene Ergänzungsgesetz zum Gesetz über Gegenseitige Handelsabkommen bis zum 30«
Juni 1958 verlängert. Das Ergänzungsgesetz von 1955 erweiterte die
Befugnisse des Präsidenten in mancher Hinsicht. Insbesondere ermächtigte es ihn, auf der Basis der Gegenseitigkeit Zollsenkungen bis zu
fünf Prozent'jährlich für die Dauer von drei Jahren vorzunehmen und
es ermöglicht ferner die jahresweise zu staffelnde Senkung der über
50 Prozent des Wertzolls betragenden Zollsätze auf 50 Prozent. Auf
Grund dieses Gesetzes wurden im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) mit 21 Ländern Abmachungen über gegenseitige Zollzugeständnisse getroffen, von denen amerikanische Aus- und Einfuhren
im Werte von 1 Milliarde Dollar betroffen werden. Im Jahre 1955» noch
vor Annahme des Ergänzungsgesetzes, schlössen die Vereinigten Staaten
gemeinsam mit 16 weiteren Ländern im Rahmen des GATT mit Japan wichtige
Zollabkommen, die dieses Land wirtschaftlich enger an die freie Welt
banden. Die im Gesetz über Gegenseitige Handelsabkommen enthaltenen
"Rücktrittsklauseln" und "Gefahrenpunktbestimmungen", die den Zweck

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30. Januar 1957

Zweck haben, die einheimische Industrie gegenüber größeren Benachteiligungen zu schützen, wie sie aus Zollkonzessionen resultieren könnten,
bieten d«r amerikanischen Wirtschaft nach wie vor ausreichende Sicherheiten, ohne dabei die Liberalisierung des Handels im großen und ganzen
zu beeinträchtigen.
Beim Abbau von Handelsschranken und in der Beseitigung diskriminierender Beschränkungen gegenüber amerikanischen Exportfirmen haben die
im Rahmen des GATT geführten mehrseitigen Verhandlungen größere Erfolge
gezeitigt als die zweiseitigen Verhandlungen. Um GATT zu einem noch
wirksameren Instrument zur Beseitigung von Diskriminierungen gegenüber
unsere!" Exporthandel 'zu machen, ist eine Verwaltungsbehörde - die Organisation für Gemeinsamen Handel - notwendig. Um die von GATT heute
bereits gebotenen Vorteile noch zu erhöhen, wird der Kongreß ersucht,
ein Gesetz zu verabschieden, das den Beitritt der Vereinigten Staaten
zur Organisation für Gemeinsamen Handel genehmigt...
Die Vereinigten Staaten haben in Form staatlicher Zuwendungen
und Kredite sowie privater Investitionen beträchtliche Summen aufgebracht, um andere Länder bei der Entwicklung ihrer Wirtschaft zu unterstützen. In den drei letzten Wirtschaftsberichten ist bereits nachdrücklich darauf hingewiesen worden, wie wünschenswert die Förderung privater
Investitionen in Ländern sei, die sich um einen schnellen Aufbau ihrer
Wirtschaft bemühen. Private Investitionen sind im allgemeinen mit der
Bereitstellung von technischem und leitendem Personal verbunden, das
ebenso notwendig wie das Kapital selbst, aber oft schwerer zu beschaffen
ist. Gegenwärtig werden die in anderen Ländern gebotenen steuerlichen
Anreize für Investitionen mitunter dadurch wieder aufgehoben, daß die
von den Regierungen der Empfängerländer gewährten steuerlichen Erleichterungen bei der Berechnung der von den Firmen in den Vereinigten
Staaten zu zahlenden Einkommensteuer unberücksichtigt bleiben. Private
Auslandsinvestitionen würden durch'Steuerabkommen, in denen die Gesetze
anderer Länder zum Anreiz von Neuinvestitionen ausländischer Kapitalgeber unter Wahrung der als notwendig erachteten Sicherungsvorkehrungen
entsprechend berücksichtigt werden müßten, wesentlich gefördert werden.
Die von der amerikanischen Regierung gewährten Zuwendungen und
Kredite haben die wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern der
freien Welt erheblich begünstigt. Im Rahmen des Programms für Gemeinsame Sicherheit wurden im laufenden Haushaltsjahr 1,8 Milliarden
Dollar für nichtmilitärische Hilfsprogramme bewilligt, einschließlich wirtschaftlicher Verteidigungshilfe und Aufbauhilfe sowie des
Programmes bezüglich der technischen Zusammenarbeit und anderer Formen
der Unterstützung. Dem Kongreß werden Empfehlungen zugeleitet werden,
die die Weitergewährung dieser Unterstützung und Maßnahmen zum Gegenstand haben, die darauf abzielen, diese Programme elastischer zu gestalten, damit sie den Erfordernissen der sich schnell ändernden internationalen Situation angepaßt werden können.

Die

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30. Januar 1957

Die Export-Importbank hat beträchtliche Summen in Form von
Krediten zur Finanzierung amerikanischer Exporte und zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung anderer Länder zur Verfügung gestellt. An diesen Krediten war vielfach auch privates Kapital beteiligt, was eine verstärkte Tätigkeit der Bank ermöglichte.
Die bis 30.Juni 1958 befristete Befugnis der Export-Importbank zur
Gewährung von Krediten sollte daher verlängert werden.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, die beide
größtenteils aus Kapitaleinlagen und Garantien der amerikanischen
Regierung gespeist beziehungsweise gedeckt werden, haben ihre Dollartransaktionen im Jahre 1956 in bemerkenswerter Weise erweitert.
Die von der Weltbank vergebenen Kredite tragen zu einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Mitgliedstaaten bei. Der Internationale Währungsfonds unterstützt die ihm angehörenden Länder dabei,
vorübergehende Schwierigkeiten in den Zahlungsbilanzen zu beheben
und fördert eine gesunde internationale Finanzpolitik sowie den
freien Währungsaustausch. Vor kurzem erst stellte er Mittel zur
Stärkung der Währungsposition Großbritanniens zur Verfügung.
Die amerikanischen Zollverfahren wurden vereinfacht und bestehende
Härten durch die im Jahre 1953 und 1956 erlassenen Gesetze beseitigt.
Auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1953 wurden verschiedene Verwaltungsvorschriften erlassen, die die Rechnungslegung bei Einfuhren vereinfachten.
Das Gesetz über die Vereinfachung des Zollwesens vom Jahre 1956
verfolgt den Zweck, die für die Wertzollfestsetzung für Einfuhrgüter
angewandten Verfahren zu vereinfachen und lästige Verzögerungen und
bestehende Ungewißheiten zu beseitigen. Auf Grund weiterer Gesetze
werden zur Zeit von der Zollkommission Mittel und Wege geprüft, um das
gegenwärtige System der Warenkategorien und die Zolltarife zu verbessern.
Zwei vielversprechende Projekte, die gegenwärtig geprüft werden,
würden die wirtschaftliche Integration Westeuropas fördern. Das eine
ist die Schaffung eines gemeinsamen Marktes und die Beseitigung der
nationalen Zollschranken zwischen den sechs kontinentalen Ländern,
die zusammen die Montanunion bilden. Das andere ist ein Zusammengehen
Großbritanniens mit dieser Staatengruppe und anderen kontinentalen
Ländern zwecks Bildung eines gemeinsamen Freihandelsgebiets. Diese Projekte dürften, falls sie zu einem positiven Abschluß gebracht werden, wesentlich zum wachsenden wirtschaftlichen Aufschwung und zum politischen
Zusammenschluß Europas beitragen und würden sich sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für die gesamte freie Welt vorteilhaft auswirken.
Die fortschreitende Industrialisierung Westeuropas und eines großen
Teils der übrigen Welt erfordert den Ausbau wirtschaftlich rentabler Energiequellen. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft für Kohle
und Stahl planen zur Zeit gemeinsame Maßnahmen auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Der Kongreß sollte daher die erforderlichen
Schritte unternehmen, um die Vereinigten Staaten zur uneingeschränkten
Teilnahme an der Arbeit der Internationalen Atomenergiebehörde der Vereinten Nationen zu ermächtigen, damit wir unsere Bemühungen, auch andere
Nationen der freien'Welt an den Segnungen einer friedlichen Nutzung der
Atomenergie teilnehmen zu lassen, weiter verstärken können.
Die

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30. Januar 1957

Die gegenwärtige Wirtschaftslage
Die Wirtschaftstätigkeit hatte Ende 1956 einen hohen Stand erreicht.
Die Investitionen der Wirtschaft haben ständig an Umfang zugenommen.
Die Zahl der Beschäftigten und die tatsächlich gezahlten Löhne in den
nichtlandwirtschaftlichen Betrieben sind angestiegen; die Arbeitslosigkeit war gering. Der Umsatz im Einzelhandel hat während des letzten
Quartals des vergangenen Jahres zugenommen. Der Außenhandel sowie die
Auslandsinvestitionen hielten sich auf einem hohen Stand, und die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse war besonders hoch. Die Aufwendungen der einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltungen nahmen weiterhin stetig zu, und auch die Ausgaben der Bundesregierung haben in bescheidenem Umfang zugenommen.
Andererseits sanken die Ausgaben für den Wohnungsbau sowie der
Ausstoß einiger dafür erforderlichen Industrieerzeugnisse weiterhin
ab, obgleich die Zahl der in den letzten Monaten des Jahres in Angriff
genommenen Neubauten einer Jahresrate von mehr als 1 Million entspricht.
Durch den ständigen und heftigen Druck der Konkurrenz haben die Hersteller einiger der wichtigsten Haushaltsgeräte Produktionsanpassungen
vorgenommen. Auf dem Kapitalmarkt war die Nachfrage im Verhältnis zum
Angebot im allgemeinen sehr groß, und die Großunternehmen und Finanzinstitute waren auf Grund der hohen finanziellen Anforderungen während
des ganzen Jahres weniger liquide.
In den letzten Monaten des Jahres 1956 haben die Warenbestände
zugenommen, was sich vor allem in den erhöhten Lagerbeständen der
Automobilhändler und der Herstellerfirmen zeigt, in weiteren Anschaffungen seitens der Maschinenausrüstungsindustrie, deren Produktion
und Umsatz angestiegen sind, sowie schließlich in der Auffüllung der
Lagerbestände bei der stahlverarbeitenden Industrie im allgemeinen. Im
ganzen jedoch waren die Bestände im Verhältnis zum Absatz nicht übermäßig hoch.
Wie die Wirtschaftstätigkeit sich in den kommenden Monaten entwickeln wird, kann man nicht mit Sicherheit voraussehen; doch lassen
einige bereits bekannte Tatsachen Rückschlüsse auf die mögliche Entwicklung von Ausgaben iiuuiL-Nachfrage in gewissen wichtigem Kategorien
zu. Erstens deutet einiges darauf hin, daß die Kapitalaufwendungen in
den kommenden Monaten leicht ansteigen werden. Die Ordern für Anlagegüter sind seit einiger Zeit höher als das Produktionsvolumen, so daß
der Auftragsbestand,insbesondere für industrielle und elektrische
Maschinen, weiterhin zugenommen hat. Auch Untersuchungen über geplante
Kapitalaufwendungen der Wirtschaft im Jahre 1957 deuten auf ein weiteres Anwachsen über den derzeitigen Stand hinaus hin. Allerdings
dürfte die Zuwachsrate niedriger sein als im Jahre 1956. Einige der
außergewöhnlich umfangreichen Ausbauprogramme, die vor ein oder zwei
Jahren in Angriff genommen wurden, sollen in diesem Jahre abgeschlossen werden. Demgegenüber wurden andere Projekt« auf Grund finanzieller
Erwägungen zunächst zurückgestellt. Und ein weiteres Ansteigen der
Produktion von Anlagegütern wird zwangsläufig durch die Tatsache" begrenzt werden, daß einige der Herstellerfirmen selbst ihre Produktionskapazität bereits voll oder nahezu voll ausgenutzt haben.
Zweitens

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�•AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

Zweitens kann damit gerechnet werden, daß die bereits seit langer
Zeit ständig anwächsenden Ausgaben der einzelstaatlichen und kommunalen
Verwaltungen - rund 3 Milliarden Dollar jährlich - in den letzten Jahren
auch weiterhin ansteigen werden, da diese Stellen bestrebt sind, den
rasch ansteigenden Anforderungen durch Ausbau ihrer Einrichtungen und
Dienstleistungsbetriebe gerecht zu werden. Auch die Ausgaben der Bundesregierung dürften im Kalenderjahr 1957 auf Grund der Aufwendungen
für Verteidigungszwecke und der für wichtige zivile Dienstleistungen
sich ergebenden Verpflichtungen um einiges höher liegen.
Drittens dürften auf Grund der in Aussicht genommenen Projekte
der öffentlichen Hand im Verein mit den hohen Kapitalaufwendungen der Privatwirtschaft und der zunehmenden Zahl der Verwaltungsbauten die Gesamtaufwendungen für Neubauten in den kommenden Jahren beträchtlich
ansteigen. Im Wohnungsbau scheint sich hingegen die angespannte Lage
auf dem Hypothekenmarkt in der kommenden Bausaison eindämmend auszuwirken, obwohl die jüngst von der Regierung ergriffenen Maßnahmen
die Auswirkungen der angespannten Kreditlage im Wohnungsbauwesen etwas
mildern sollten. Das verminderte Angebot an neuen Wohnungen dürfte
Marktbedingungen schaffen, die einer zusätzlichen Bautätigkeit günstig
sind.
Viertens hat es den Anschein, daß trotz der äußerst komplexen und
mannigfaltigen Faktoren, die unsere Auslandsmärkte beeinflussen, die
Außenhandels- und die Investitionsvolumen weiterhin ihren derzeitig
hohen Stand beibehalten werden.
Schließlich künden die positiven Faktoren in der derzeitigen
Wirtschaftslage einen hohen Beschäftigtenstand an, was im Verein mit
gutem Verdienst eine Steigerung des Konsums in den kommenden Monaten
bewirken dürfte. Das Vertrauen des amerikanischen Volkes in die Stärke
unserer Wirtschaft ist unverändert groß und begünstigt auch in Zukunft
hohe Verbraucherausgaben. Das beharrliche Drängen unserer Bevölkerung
nach einer ständigen Steigerung des Lebensstandards und ihre Bereitschaft,
zur Erreichung dieses Zieles hart zu arbeiten, sind sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung in der allernächsten Zukunft als auch für die
Lebenskraft unseres Wirtschaftssystems auf weite Sicht von großer
Bedeutung.
Allerdings gibt es immer gewisse Unsicherheitsfaktoren, die wir
in Rechnung stellen müssen. Einer der bedeutsamsten dieser Faktoren
ist die gegenwärtige weltpolitische Lage. Ein anderer ergibt sich aus
den Preisbewegungen. Zwar dürfte die geringe Aufwärtstendenz der Preise
noch kaum ihr Ende erreicht haben, doch können der erhöhte Ausstoß, die
gesteigerte Produktivität und der lebhafte Wettbewerb, unterstützt durch
entsprechende öffentliche und private Maßnahmen, dieser Entwicklung
zu höheren Preisen entgegensteuern.
Ein drittes Element der Unsicherheit ergibt sich aus den verschiedenen Faktoren, die die Vornahme neuer Kapitalaufwendungen seitens
der Privatwirtschaft bestimmen. Obgleich gegen Ende des Jahres 1956
manches auf eine günstigere Entwicklung der Situation hindeutete, sind

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50. Januar 1957

sind sowohl die Gewinnspannen als auch die Gesamtgewinne in vielen Industriezweigen infolge der steigenden Herstellungskosten gesunken. In
manchen Fällen bewirken sinkende Gewinne eine Beschleunigung der Kapitalaufwendungen, da die Unternehmer versuchen, die Betriebskosten
durch die Anschaffung leistungsfähiger und produktiverer Anlagen und
Maschinen zu senken; in anderen Fällen wiederum zeigen sich gegenteilige Auswirkungen auf die Kapitalaufwendungen, da mit dem Rückgang
des Gewinns auch der Anreiz und die finanzielle Möglichkeit, die
Aufwendungen auf gleicher Höhe zu halten oder gar zu steigern, zurückgehen. Und obgleich schließlich der für Investitionszwecke verfügbare
Zustrom an neuen Spareinlagen auch weiterhin erheblich sein dürfte,
werden die zu erwartenden hohen Anforderungen der Privatwirtschaft
sowie der einzelstaatlichen Regierungen und Kommunalverwaltungen nach
wie vor Probleme hinsichtlich der zeitlichen Koordinierung und des
Gleichgewichts auf dem Kapitalmarkt stellen.
Diese und andere Faktoren der Unsicherheit und die sonstigen
Probleme, die zwangsläufig in einer dynamischen Wirtschaft auftauchen,
verpflichten die Regierung, den einzelnen und die verschiedenen Gruppen innerhalb der Wirtschaft, in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich
für eine stetige und gleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung zu sorgen.
Wenn alle diesen Verpflichtungen gerecht werden, dann dürfen wir mit
Recht darauf vertrauen, daß die Prosperität, deren unser Land sich
erfreut, auch in den kommenden Monaten anhält, und daß unsere Wirtschaft
in noch stärkerem Maße als bisher in der Lage sein wird, den mit dem
Employment Act in Aussicht genommenen hohen Stand der Beschäftigung,
der Produktion und der Kaufkraft zu fördern. Ein eingehendes und wohlwollendes Studium des im folgenden Abschnitt umrissenen Wirtschaftsprogramms durch den Kongreß dürfte uns diesem Ziele um ein wesentliches
näher bringen.
Künftige Aufgaben
Die unterbreiteten Vorschläge ... sind so formuliert worden, daß
in erster Linie die Erfordernisse der unmittelbaren Zukunft Berücksichtigung finden; die Regierung ist jedoch auch verpflichtet, für die
fernere Zukunft vorzusorgen, obgleich dies nur unvollkommen getan
werden kann. Selbst bereits seit langem klar ausgeprägte Trends können
sich ändern, und es gibt vieles, was sich überhaupt nicht voraussehen
läßt. Bestimmte Faktoren aber, die unsere Wirtschaft in den kommenden
Jahren beeinflussen werden, sind schon mit gewisser Deutlichkeit zu
erkennen. Zwei der wichtigsten davon sind die Zunahme unserer Bevölkerungszahl und die Veränderungen in der Alterspyramide.
Vor dem zweiten Weltkrieg und kurz danach hatten die Fachleute
errechnet, daß die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten immer langsamer wächst, in ein paar Jahrzehnten einen Gipfelpunkt erreichen und
dann allmählich abnehmen werde. Tatsächlich betrug der Faktor für die
Bevölkerungszunahme in den letzten zehn Jahren mehr als das Doppelte
dessen der dreißiger Jahre. Es sind auch merkliche und ganz unterschiedliche Veränderungen in der Zunahme der Bevölkerungszahl in den einzelnen Bevölkerungselementen unserer Nation vor sich gegangen. Diese
Veränderung und die Zunahme der Gesamtbevölkerungszahl haben unsere
Wirtschaft bereits nachhaltig beeinflußt. Neue Aufgaben ergeben sich

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30. Januar 1957

sich für die Zukunft, wenn der starke Anstieg der Geburtenziffer seit
den vierziger Jahren, besonders seit 1946, in den Zahlen für die
wichtigen Altersgruppen spürbar werden wird. Die Zahl der jungen
Menschen, die das 18. Lebensjahr vollenden,wird zwischen 1970 und
1980 fast doppelt so hoch sein wie im Jahr 1956. Es ist zu erwarten,
daß die Zahl der Jugendlichen im College-Alter 1970 etwa Sofo höher
liegt als heute; gleichzeitig erwartet man aber, daß im Jahr 1970
die Einschreibungen für die regulären Lehrgänge an den vorhandenen
Fach- und Hochschulen mehr als doppelt so hoch sein werden als heute.
Die Zahl erster Eheschließungen, die ihren Niederschlag auch in der
Zahl der Hausstandsgründungen findet, wird wahrscheinlich um 1965 höher
als jetzt und Ende der sechziger Jahre und in den siebziger Jahren
sogar erheblich höher sein. Die tatsächliche Höhe der Beschäftigtenzahl wird so sehr von der persönlichen Entscheidung des einzelnen
bestimmt, sich eine Arbeit zu suchen oder nicht zu suchen,
daß
hierüber keinerlei Voraussagen gemacht werden können. Obgleich über
die Zahl der Personen, die nur in den Arbeitsprozeß eingegliedert
werden, im voraus keine bestimmten Angaben gemacht werden können,
so läßt sich doch mit Sicherheit sagen, daß sie im Verhältnis zu
heute wesentlich höher sein wird.
Diese wenigen Beispiele für die zu erwartende Entwicklung aus
der Zunahme und der veränderten Alterspyramide unserer Bevölkerung
lassen zum Teil die Aufgaben erkennen, die in den kommenden Jahren
von öffentlicher und privater Seite gemeistert werden müssen ...
Das Ausmaß, in dem sich das Bruttosozialprodukt infolge der
wahrscheinlichen Erhöhung der Bevölkerungszahl vergrößern wird,
hängt im wesentlichen davon ab, ob es uns gelingt, einen hohen
Beschäftigungsstand und unsere Produktivitätszuwachsrate zu erhalten.
Der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde hat sich über lange Zeit hinweg durchschnittlich um etwa 2 % jährlich erhöht; seit dem zweiten
Weltkrieg beträgt (ier Steigerungsfaktor weit über 3 c/o im Jahr. Die
Produktivität dürfte sich auch weiterhin in dem gewohnten Umfang
oder in dem Ausmaß der jüngsten Zeit erhöhen, jedoch kann ein solcher Faktor nicht als automatisch vorhanden oder als sichere Größe
ohne Relation zu anderen Faktoren angesehen werden. Ein erheblich
größeres Angebot an fachlich geschulten Arbeitskräften, Energie,
Rohstoffen und Anlagegütern wird erforderlich sein, wenn die Chancen, die uns der technische Fortschritt bietet, wahrgenommen und
die Erfordernisse einer rasch anwachsenden Bevölkerung bei einem
verbesserten Lebensstandard befriedigt werden sollen. Eine solche
Aufwärtsentwicklung setzt eine gesteigerte Spar- und Investitionstätigkeit voraus. Die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für
unsere freie Wirtschaft sind für die nächsten 25 Jahre - selbst

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30. Januar 1957

selbst bei vorsichtiger Schätzung - außerordentlich groß. Ebenso
groß ist aber auch die Verantwortung, die Regierung und Staatsbürger tragen müssen. Hauptziel der Regierung muß es sein, ein ausgewogenes und fest fundiertes Wachstum der Wirtschaft zu fördern, und
zwar in einer Atmosphäre, die dem Geist des freien Unternehmertums
dienlich ist. Dieses Bemühen muß durch private Maßnahmen gestützt
werden, die ihrerseits mithelfen, die Lebenskraft der freien Wettbewerbswirtschaft und eine ständige Erweiterung des wirtschaftlichen
Volumens ohne Preisinflation zu gewährleisten. Gelingt es uns, dieser
Verantwortung gerecht zu werden, so haben wir damit viel dazu beigetragen, unserem Volk eine weitere gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung zu sichern,und dies wiederum kann sich außerordentlich segensreich auf den Frieden und den Fortschritt der ganzen Welt auswirken.

* * * * *

�Allg./6.2.1957
DIE NATO - ABSCHRECKUNGSMITTEL UND SGHUTZSCHILD

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut einer Rede, die General Lauris Norstad, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, am
29. Januar 1957 vor der Amerikanischen NATO-Gesellschaft
anlässlich eines Festessens im Waldorf-Astoria-Hotel in
New York gehalten hat.
Ich überbringe Ihnen die Grüße der in Europa stationierten
amerikanischen Streitkräfte. Diese Grüße sollen Sie daran erinnern,
daß sie dort zusammen mit ihren Kameraden aus anderen Ländern auf
Wache stehen, um den Frieden der Welt zu wahren. Ich sagte ausdrücklich "in Europa", weil Europa in meinen Verantwortungsbereich fällt.
Lassen Sie mich nachdrücklich feststellen, daß ich den Oberbefehl
lediglich über einen Teil der NATO-Streitkräfte innehabe. Admiral
Wright, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte im Atlantik
und Admiral Creasy, der Oberbefehlshaber im Kommandobereich Ärmelkanal, tragen eine ähnliche Verantwortung. Daneben gibt es noch die
Befehlshaber der nationalen Streitkräfte, deren Truppen gemeinsam
mit unseren das gewaltige Kräftereservoir ausmachen, das die Nordatlantikpakt-Organisation darstellt. Patrouillenboote unter griechischer Flagge, ein Zug der norwegischen Gebirgstruppen, ein französisches Pionier-Bataillon und eine kanadische Düsen-Staffel sie alle sind Teil der NATO und eng miteinander verbunden.
Ich wiederhole: eng miteinander verbunden. Das Bündnis ist
für jedes seiner 15 Mitglieder von lebenswichtiger Bedeutung, und
ebenso ist jedes Mitglied für das gesamte Bündnis von lebenswichtiger Bedeutung. Ob ein Mitgliedstaat soweit ab von der Sowjetunion
liegt wie die Vereinigten Staaten oder an sie angrenzt wie die
Türkei - sie alle sind gleichermaßen bedroht.
Schon oft haben Menschen Streitkräfte dazu benutzt, den Frieden wieder herzustellen; die NATO jedoch ist das schönste Beispiel
ihrer Verwendung um der Erhaltung des Friedens willen. Der Geist
dieses Unternehmens kommt in der Präambel des Nordatlantikpaktes,
der am 4« April 1949 unterzeichnet worden ist, zum Ausdruck.
"Die vertragschließenden Parteien ... sind zur Wahrung der
Freiheit, des gemeinsamen Kulturerbes ihrer Völker, entschlossen,
die auf die Prinzipien der Demokratie, die Freiheit des einzelnen
und die Grundsätze des Rechts gegründet ist ...
q.

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"AMERIKA DIENST

1957

Sie sind entschlossen, ihre Bemühungen um eine gemeinsame Verteidigung und zur Erhaltung von Frieden und Sicherheit zu vereinigen."
Diese Zielsetzungen, die so klar zum Ausdruck kommen und Zeichen
des Vertrauens sind, bilden die Grundlage der in der NATO vereinigten
militärischen Befehlsgewalt. Sie stellen eine Zusammenfassung alles
dessen dar, was den Sinn unseres Bündnisses ausmacht. Und was noch
wichtiger ist, diese Zielsetzungen werden auch in die Tat umgesetzt.
Die Prinzipien der NATO haben sich nicht nur als brauchbar erwiesen,
sondern auch bereits ganz unverkennbare Auswirkungen gezeigt. Die
Reaktion der Sowjets beweist das ganz deutlich. Gehört es doch zu
den augenfälligsten Zielen Rußlands, dieses Bündnis zu zerschlagen,
das ihm jenseits der empfindlichsten und der am schärfsten zutage
tretenden politischen Trennuhgslinien zwischen Ost und West gegenübersteht .
Man braucht kein Politiker und kein Stratege zu sein, um zu begreifen, warum sich die Sowjets so gewaltige Mühe geben, die NATO zu unterminieren. Man braucht sich nur der Atmosphäre der Furcht zu erinnern,
die das Frühjahr 1951 charakterisierte. In Korea tobte ein fürchterlicher Krieg. In Westeuropa, das sich eben erst vom zweiten Weltkrieg
zu erholen begann, lautete die Fragestellung damals: Welches Land wird
als nächstes unter die Herrschaft der Sowjetunion geraten und nicht ob,
sondern wann ein dritter Weltkrieg beginne.
Damals wurde General Eisenhower wieder zurückberufen, um in Paris
das Oberkommando der Alliierten Streitkräfte in Europa - SHAPE - aufzubauen, das uns heute allen ein fester Begriff ist. Die Berufung dieses Mannes mit seinem unerhörten Prestige gab der NATO Auftrieb. Die
Furcht begann zu schwinden und die Hoffnung stieg. Die Menschen in Westeuropa maßen selbst völlig beiläufigen Handlungen eine Bedeutung zu, die
ihnen oftmals gar nicht zukam. Als ich beispielsweise meine Dienstgeschäfte in Wiesbaden aufnahm, konnte ich so quasi Seufzer der Erleichterung hören und spüren, wie die Spannung nachließ. Warum? Einfach deshalb, so sagte man mir, weil ich meine Frau und meine kleine Tochter
mitgebracht hatte - für die Deutschen ein Beweis dafür, daß offizielle
Kreise der Auffassung waren, die Gefahr eines Krieges sei geringer geworden.
Als wir dann damit begannen, unsere Verteidigung zu organisieren,
nachgeordnete Befehlsstellen einrichteten, militärische Ausrüstungen
nach Europa brachten und die Ausbildung mit verstärkten Kräften betrieben, wuchs die Erkenntnis, daß sich der Westen verteidigen ließe
und auch verteidigt werden würde.
Die Gefahr schien für den Augenblick nachzulassen. Daß es offensichtlich gelungen war, der sowjetischen Bedrohung der Jahre 1951/52
Einhalt zu gebieten, war keineswegs der einzige Vorteil, der auf das
Konto des Kräftereservoirs der NATO kommt. Aus dem neugewonnenen Gefühl
eines gemeinsamen Zweckes und aus der Erfahrung einer Partnerschaft,
die sich in einer Zeit der Gefahr so erfolgreich aufgetan hatte, erwuchs

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erwuchs ein neuer Geist, der ganz Westeuropa verwandelte. Ein außergewöhnlich großer wirtschaftlicher Aufschwung folgte dem nach. Diese
Entwicklung wäre kaum so schnell vor sich gegangen und so weit fortgeschritten, wenn nicht jene Sicherheit gegeben gewesen wäre, die die
NATO bot.
Heute zeigt sich diese Gefahr wiederum in scharfen Umrissen. Die
Offensive des Lächelns, die Chruschtschow und Bulganin gestartet haben,
hat sich in Nichts aufgelöst. Und wieder hören wir aus dem Osten den
vertrauten Chor der Tatsachenverdrehung und Entstellungen. Der massive
Vorstoß sowjetischer Panzer in Ungarn hat den Beweis geliefert - sofern
es überhaupt eines weiteren Beweises bedurfte -, daß die Zielsetzungen
des Kreml die gleichen geblieben sind, und daß die Gewalt nach wie vor
das bevorzugte Mittel seiner Politik ist. Und wieder einmal wurde damit
für die Amerikaner und darüber hinaus für alle Völker der freien Welt
die Bedeutung der Stärke der NATO unterstrichen.
Nur wenn wir auf die Vergangenheit zurückblicken, können wir erfassen, was bereits geleistet worden ist. Es gab auch Augenblicke des
Zweifels. So im vergangenen Herbst, als die Ereignisse in Osteuropa und
im Mittelmeer einigen ein Durcheinandergeraten, wenn nicht sogar den
restlosen Zusammenbruch unseres Bündnisses anzukünden schien. Solche
düsteren Vorhersagen basierten ebenso wie ähnliche Prognosen aus der
Zeit vorher und nachher auf einer falschen Beurteilung der Stärke der
NATO. Ich habe das Vertrauen nie verloren. Dies erinnert mich an die
Geschichte jener beiden Männer, die jeder ein Glas Wein vor sich
stehen haben, und von denen der Melancholiker sagte: "Mein Glas ist
halb leer", während der andere sagt: "das meine ist noch halb voll".
Im Vergleich zu dem, was im NATO-Glas angesichts der gewaltigen Hilfsquellen der Atlantikpakt-Gemeinschaft sein sollte, kann man es in der
Tat als nur halb voll bezeichnen. Wir haben aber die Möglichkeit, noch
nachzugießen und es bis zum Rande anzufüllen.
Im Zeitpunkt der Planung der NATO, vor mehr als acht Jahren also,
wurde die Konzeption dessen entwickelt, was man später als AbschreckungsStrategie bezeichnen sollte. Diese Strategie - und einige der hier anwesenden hohen Gäste gehören mit zu ihren Vätern - konzentriert sich
auf die Schaffung von Streitkräften, die nicht so sehr auf die Erringung
eines Sieges im Kriegsfalle, als vielmehr auf die Verhinderung des
Ausbruchs eines Krieges überhaupt zugeschnitten sein sollten. Kurz gesagt, es sollte ihre Aufgabe sein, abzuschrecken, und dieses Abschrekkungsmittel müßte, um wirksam zu sein, mehrere eng miteinander verbundene Elemente einschließen.
Es mußte innerhalb der NATO militärische Streitkräfte von hinreichender Stärke und Vielseitigkeit geben, um sicherzustellen, daß
ein Angriff auf sie nicht erfolgreich sein könne.
Es mußte allenthalben innerhalb der NATO der Wille bestehen, diese
Streitkräfte immer dann zum Einsatz zu bringen, wenn dies notwendig
sein sollte.
Schließlich

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Schließlich mußte den potentiellen Aggressoren klar gemacht
werden, daß die NATO sowohl über diese Streitkräfte als auch über
den genannten Willen verfüge.
Das also waren die Grundelemente unserer Strategie der Abschrekkung. Wir erkannten von Anfang an, daß Stärke allein, so groß sie
auch immer sein mochte, nicht ausreicht, einen entschlossenen Gegner
einzuschüchtern. Sie würde ihn nur dann einschüchtern, wenn er zu
der Überzeugung gelangte, daß sein auserwähltes Opfer bereit ist,
sie immer dann einzusetzen, wenn man ihren Einsatz herausforderte.
Diese Strategie hat sich als wirksam erwiesen. Heute jedoch, wo
wir den Kragen hochschlagen gegen den eisigen Wind, der von neuem aus
dem Osten weht, mögen wir uns alle fragen, ob sich die NATO auch in
Zukunft bewähren wird. In den vergangenen Jahren sind wir Zeuge zahlreicher Veränderungen auf militärischem Gebiet und im Kräfteverhältnis der Nationen gewesen. Sind unsere Mittel ausreichend und ist
unsere Entschlossenheit stark genug? Und haben wir unsere Haltung
einem unbarmherzigen Gegner, dessen Ziel nach wie vor unsere Vernichtung ist, klar genug zu verstehen gegeben?
Ich bin überzeugt, daß sich die Russen bezüglich der Stärke und
der Entschlossenheit der Nordatlantik-Gemeinschaft keinen Illusionen
hingeben. Ich habe bereits erklärt, daß die in nordsüdlicher Richtung
verlaufende, rund 65OO km lange Linie, die die NATO von den Ländern
des Sowjetblockes trennt, die politisch empfindlichste Trennungslinie
auf diesem Erdball überhaupt ist. Niemals in der Geschichte der kollektiven Sicherheitsbemühungen hat eine Gruppe von Großmächten eine so
scharfe Trennungslinie gezogen. An keiner anderen Trennungslinie sind
die Partnerstaaten des Westens so feste und unzweideutige Verpflichtungen eingegangen. Das ist den Russen bekannt. Letzten Endes ist es
das Vorhandensein dieser Linie gewesen, das sie von Westeuropa ferngehalten hat.
Und wie steht es um die militärischen Machtmittel? Das Rückgrat
der westlichen militärischen Stärke bilden Streitkräfte, die für die
Führung eines VergeltungsSchlages ausgerüstet sind. Ihr stärkster
Arm ist das dem Gemeinsamen Stab der US-Streitkräfte unterstehende
Strategische Bomberkommando. Bei einer Verletzung dieser NATO-Trennungslinie, bei einem Angriff auf unsere Allianz, würde das mächtige Instrument des Strategischen Bomberkommandos ebenso wie das britische Bomberkommando sofort eingesetzt werden.
Hinzu kommen noch, unmittelbar unter meinem Kommando als Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, die von den Mitgliedstaaten der NATO zugeteilten Streitkräfte. Bei diesen handelt es sich
um Landstreitkräfte, die mit den modernsten Waffen, einschließlich
Raketen und Fernlenkwaffen, ausgerüstet sind, um Seestreitkräfte insbesondere die im Mittelmeer stationierte sechste Amerikanische
Flotte; und um Luftstreitkräfte, die sowohl für die Verteidigung als
auch für die Offensive ausgerüstet sind. Diese Streitkräfte sind umfangreich und stark - viel stärker, möchte ich meinen, als allgemein

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allgemein angenommen wird. Ihrer Zahl nach sind sie vier- bis fünfmal
stärker als noch vor fünf Jahren, auch ihre Kampfkraft hat sich vervielfacht.
Und diese Kampfkraft wird noch immer weiter gesteigert. Das Oberkommando der Alliierten Streitkräfte in Europa verfügt selbst über ein
beträchtliches Potential an Atomwaffen. Sollte es jemals notwendig werden, daß wir uns verteidigen, dann kann und wird das Oberkommando die
ihm übertragene Rolle bei der Vernichtung des Angreifers voll und ganz
erfüllen. Natürlich würden unsere Operationen mit denen des Strategischen Bomberkommandos und des britischen Bomberkommandos koordiniert
werden.
Bezüglich unserer Fähigkeit, einen Vernichtungsschlag zu führen,
hege ich keinerlei Zweifel. Die Gültigkeit des Prinzips der Abschrekkung hängt nicht von der Stärke der Luftflotte der Sowjets oder der
Zahl ihrer Fernlenkwaffen ab. Auch wenn die diesbezügliche Stärke des
Gegners 80, 90 oder sogar 100 Prozent unserer eigenen betragen sollte,
werden wir immer noch über genügend V/affen, genügend Flugzeuge, die diese
Waffen zum Einsatz bringen können, und genügend Stützpunkte für diese
Flugzeuge verfügen, um den Feind zu vernichten. Er könnte uns keineswegs daran hindern. Zudem wird die Wahrscheinlichkeit eines sowjetischen
Angr'ffes, in welcher Form er auch erfolgen mag, gleichgültig ob mit
Atomwaffen oder herkömmlichen Waffen, um ein vielfaches dadurch verringert, daß die Streitkräfte der NATO auf ihren vorgeschobenen Basen in
Europa stehen.
Diese unsere Fähigkeit zur Führung eines Vernichtungsschlages und diese Fähigkeit können wir erhalten, wenn wir die Einheit und
Stärke der NATO wahren - führt mich zu dem zweiten Element der Abschreckung, nämlich unserem Willen, diese Kräfte auch zum Einsatz zu
bringen, falls dies notwendig sein sollte. Heute besteht dieser Wille.
Er ist jedoch mehr als unser anderer Aktivposten der Gefahr ausgesetzt,
zu zerbröckeln. Er läßt sich nicht wie Waflen produzieren und stapeln.
Vielmehr bedarf er wie eine Pflanze oder ein Lebewesen ständiger
Pflege. Nichts könnte dem Geist, der die NATO bisher erfüllt hat,
mehr schaden, als der Verdacht, und sei er noch so schwach, daß sich
einige ihrer Mitglieder hinter ihre eigenen Grenzen zurückziehen und
sich zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte allein auf
ihre weittragenden "Waffen verlassen könnten.
Bündnisse gewinnen erst durch beispielgebende Vorbilder und
durch die Bereitschaft zur Übernahme eines gerechten Anteils an den
Risiken und nicht nur an den Vorteilen wirkliches Leben. Deshalb
ist es für die Stärkung dieses Bündnisses von größter Bedeutung,
daß die Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien Truppenkontingente in ausreichender Stärke auf dem europäischen Festland stationieren. Darüber hinaus wird die Anwesenheit dieser Truppen auf
europäischem Boden - ihre physische, sichtbare und spürbare Gegenwart
Seite an Seite mit den Land- und Luftstreitkräften der europäischen
Nationen - den Russen ständig vor Augen halten, daß jede Aggression
mit einem sofortigen Gegenschlag der gesamten verbündeten Streitkräfte
beantwortet werden würde.
.
m

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Trotz der für einen Vergeltungsschlag bereitstehenden Streitkräfte
besteht aber nach wie vor die Möglichkeit, daß es zu einem-Krieg kommt,
sei es weil der Gegner die Lage falsch beurteilt oder unbesonnen oder
opportunistisch handelt. Weil wir jederzeit mit einer solchen Möglichkeit - beziehungsweise einem solchen Unglück - rechnen müssen,
dürfen wir an keinem Punkt unserer östlichen Verteidigungslinie die
uns durch die sowjetische Bedrohung auferzwungene Verteidigungsfront
schwächen oder verdünnen. Denn wenn die Front nicht lückenlos verteidigt wird, dann könnte der Feind sehr leicht unter irgendeinem
Vorwand den Versuch machen, sie zu überschreiten. In einem solchen
Falle würden wir nicht nur vor vollendete Tatsachen gestellt werden,
sondern uns auch einem Dilemma gegenübersehen* Wenn wir nicht sofort
handeln, kommen wir unseren Bündnisverpflichtungen nicht nach; wenn
wir handeln, beginnen wir einen Krieg.
Wenn umgekehrt diese Trennungslinie mit genügend starken Kräften
besetzt ist, und der Gegner dies ganz zweifelsfrei weiß, dann würde
ihn ein eventuell beabsichtigtes Überschreiten dieser Trennungslinie
vor die furchtbare Entscheidung stellen, ob er den Funken in das Pulverfaß schleudern und damit den dritten Weltkrieg entfachen will, der
ihm die sichere Aussicht auf seine eigene Vernichtung bietet. Unsere
entlang der Ostgrenze aufgestellten Streitkräfte sind somit ein wichtiges Element unserer Abschreckungsmittel.
Ihrem eigentlichen Wesen nach ist es demnach Aufgabe der NATO,
jetzt und in Zukunft als Abschreckungsmittel zu wirken, und dies in
einer Belastungsprobe von unbekannter Dauer. Sollten wir dieses unser
erstes Ziel nicht erreichen, so müssen wir uns darauf einrichten, uns
zu verteidigen und den Feind zu schlagen. Ich bediene mich der beiden
Ausdrücke "verteidigen" und "schlagen", weil die Streitkräfte, die erforderlich sind, um den Feind zu schlagen, nicht notwendigerweise mit
denen identisch sind, die zur Verteidigung benötigt werden. Es ist
vorstellbar, daß wir dem Gegner von weit abliegenden Stützpunkten aus
einen vernichtenden Schlag beibringen können, allerdings niemals so
schnell, daß er nicht vorher weite Gebiete der NATO-Mitgliedstaaten
uberrannt hätte. Zwischen dem feindlichen Angriff und unserer Vergeltungsaktion würde eine gewisse Zeitdifferenz klaffen. Während dieser
Zeitspanne würde ein großer Teil der freien Welt in höchster Gefahr
schweben. Aus diesem Grunde müssen Streitkräfte zur Verteidigung
Europas zur Verfügung stehen.
Ich meine keine symbolischen Streitkräfte, sondern Streitkräfte,
die einen Schutzschild bilden, die zahlenmäßig stark sind und deren
entscheidende Mission darin besteht, das gesamte Gebiet der NATOMitgliedstaaten und ihre Bevölkerung zu verteidigen. Nur so kommen
wir den im Rahmen des Nordatlantikpaktes eingegangenen gegenseitigen
Verpflichtungen nach. Eine Verteidigung, die unsere europäischen Verbündeten nicht vor einer Invasion bewahren könnte, wäre überhaupt
keine Verteidigung.
Diese

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Diese Abschirmstreitkräfte haben noch eine weitere Aufgabe zu
erfüllen; sie müssen die Stützpunkte halten, von denen aus die Vergeltungsstreitkräfte operieren. Bei einem Verlust dieser Stützpunkte
würden die Luftoperationen der NATO in gefährlicher Weise an Durchschlagskraft einbüßen.
Solange also die sowjetische Bedrohung fortbesteht, so lange bedarf die NATO dieses festen Schildes. In Wirklichkeit ist dieser Schild
jedoch immer noch nicht ötark genüg. Unser Luftverteidigungssystem
weist immer noch eindeutige Schwächen auf. Auch unsere Landstreitkräfte sind nicht das, was sie sein sollten. Wir sind dabei, diese
Mängel zu beseitigen. Und ich bin in der glücklichen Lagef Ihnen
sagen zu können, daß die deutsche Regierung uns davon in Kenntnis
gesetzt hat, daß sie noch in diesem Jahr dem gesteckten Ziel - Seestreitkräfte, 12 Heeresdivisionen sowie eine Luftstreitmacht von 1500
Flugzeugen zur NATO beizutragen - einen großen Schritt näherkommen
wird.
Ich selbst bin Amerikaner, aber ich habe die Pflicht, als Befehlshaber einer internationalen Streitmacht zu denken. Und hier bereitet
mir etwas große Sorge. Es sind dies die Unterschiede, die zwischen
uns Amerikanern und unseren Verbündeten hinsichtlich der Bewaffung
bestehen. Ich denke dabei besonders an die Ausrüstung der Einheiten
für nukleare Waffen.
Daß die Vereinigten Staaten Waffen herstellen können, die die
Kampfkraft des einzelnen auf dem Schlachtfeld um ein vielfaches erhöhen,
mehrt die Gesamtstärke des Bündnisses. Denn was die Stärke eines der
NATO-Partner erhöht, erhöht die Stärke aller. Und wir Amerikaner sind
gut beraten, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, daß unsere
Allianz auch eine Partnerschaft von gleichberechtigten Menschen ist.
Und als solche fordert sie Achtung vor den elementaren Gesetzen von
Recht und Billigkeit, Die Soldaten, die an der NATO-Linie stehen, seien
sie nun Amerikaner, Franzosen, Türken, Deutsche oder Dänen, haben etwas ganz Wichtiges gemeinsam: jeder kann nur ein Leben für die Verteidigung der Freiheit hingeben.
Worin sich der europäische Soldat am augenfälligsten vom amerikanischen unterscheidet, ist die Schlagkraft der Waffen in seiner Hand.
Und ich spreche immer noch als Befehlshaber einer internationalen
Truppe, wenn ich sage, daß ich den Vereinigten Staaten für die Maßnahmen dankbar bin, mit denen sie diese Ungleichheit zu beseitigen
suchen.
Bis hierher habe ich mich ausschließlich mit den.militärischen
Aspekten des NATO-Bündnisses befaßt. Aber die NATO bedeutet heute
ein gut Teil mehr als nur einen Schlachtenplan, eine Strategie, eine
aus der Not geborene Mächtekoalition, die andernfalls uneins wäre.
Teil des NATO-Gedankens war auch die Konzeption von einem Sichfinden,
vieler Nationen,, die weitgehend die gleichen Ideale, die gleiche Geschichte und auch die gleichen politischen und wirtschaftlichen Interessen haben, in einem neuartigen und fruchtbaren Bündnis.
In

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In den letzten Monaten sind unsere Hoffnungen erheblich gedämpft
worden. Zweifel ergaben sich bezüglich vieler Dinge, die für selbstverständlich gehalten worden waren. Die Partnerschaft wurde einer harten
Belastungsprobe unterworfen, man sagte ihren Zusammenbruch voraus, ja
man verkündete ihren Tod.
Es ist dies nicht das erste Mal, daß die NATO ihre eigene Grabrede anhören mußte. Erst vor eineinhalb Jahren, als sich der Kreml
vom Stalinismus abzuwenden schien, fragten sich viele, ob unsere Allianz
überhaupt noch notwendig sei. Die Tage der jüngsten Zweifel gehen zu
Ende, aber ich wage zu behaupten, daß wir in ein oder zwei Jahren sicher
abermals Grabreden zu hören bekommen werden.
Die Allianz lebt. Und dennoch können wir diese immer wieder auftauchenden Zweifel nicht einfach mit einem Achselzucken abtun. Es ist
eben einfach eine Tatsache, daß es keine natürliche Geburt war, als
die NATO im Jahre 1949 das Licht der Welt erblickte. Es war kein höheres Gesetz, das ihr diesen Zeitpunkt bestimmt hatte. Sie war das Ergebnis unnatürlichen Drucks. Die NATO wurde geschaffen, weil sich
gleichgesinnte Nationen darin einig waren, daß durch sie ihr Land,
ihre Kultur und ihre Freiheit am besten zu schützen waren. Aber was
unter ("dem . Zwang der Furcht entstand, hat sich in acht Jahren zu einer
Gemeinschaft entwickelt, in deren Schutz 450 Millionen Menschen leben,
in einem Grade geeint und gelenkt von gemeinsamen Absichten, wie dies
in den Beziehungen moderner Völker zuvor noch niemals der Fall war.
Diese Situation ist ein Resultat der Unterstützung, die die NATO
durch ihre Mitglieder erfährt. Sie braucht diese Unterstützung heute
genauso wie bisher. Sie braucht sogar noch tatkräftigere Unterstützung.
Ja ich möchte sagen, vieles muß erst einmal wiedergutgemacht werden.
Wir müssen mit Geduld zu Werke gehen. Und da die NATO-Idee für uns
alle - ob wir nun Amerikaner oder Europäer sind - von so großer Bedeutung ist, verdient diese Aufgabe unsere ganze geistige Kraft und unsere
größten Anstrengungen.
Die ungarische Tragödie hat uns in. der Überzeugung bestärkt, daß
die NATO für uns der einzige Schutzwall ist. Wir müssen zusammenstehen
und fest stehen. In einer Allianz wahrhaft freier Nationen, wie wir es
sind, kann die Einheit - und der Wille, von dem ich so oft gesprochen
habe - nur erlangt werden, wenn ihrer Aufgabe bewußte Bürger gemeinsam
handeln.
Obgleich unser Bündnis die Basis für die Außen- und Verteidigungspolitik aller Partner ist, herrscht lunter "der 'Bevölkerung der einzelnen
NATO-Jiitgliedstaaten eine weitgehende Unkenntnis der Ziele und Fortschritte dieses Bündnisses. Es ist aber überaus wichtig, daß sie darüber
gut informiert ist. Aus diesem Grunde können freiwillige Organisationen
wie die Amerikanische NATO-Gesellschaft unermesslich wertvolle Dienste
leisten.
Herr

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Herr Vorsitzender, ich wünsche Ihrer Organisation allen nur erdenklichen Erfolg für ihre Arbeit. Sie sollen wissen, das wir im Obersten Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Europa dankbar für
das sind, was Sie geleistet haben, und große Hoffnungen in Ihre künftige Arbeit setzen. Mit unserem Bündnis ist bereits vieles erreicht
worden. Durch Ihre Hilfe können wir noch mehr erreichen. Denn wir sind
überzeugt, daß die NATO-Idee, wenn sie ständig genährt und aufrichtig
unterstützt wird, einen starken Einfluß zum Guten in der vor uns liegenden aufgabenreichen Zeit ausüben kann.
Abraham Lincoln sagte einmal von einer anderen großen Union zu
einem Zeitpunkt, der ebenfalls kritisch war:
"Die Welt ist sicher, daß wir wissen, wie sie zu retten ist.
Wir - und sogar wir hier - haben es in der Hand und tragen die Verantwortung. Der Weg ist einfach, friedvoll, fruchtbar, gerecht - ein Weg,
dem die Welt - wird er erst beschritten - immer Beifall zollen wird,
und ein Weg, den Gott immer segnen wird. "

* * * *• *

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�In bezug auf die Revision und Verbesserung des Gesetzes sind
unverzügliche Maßnahmen des Kongresses notwendig.
Im Oktober vergangenen Jahres hat sich das ungarische Volk
aus spontanem Antrieb heraus und gegen eine gewaltige Übermacht
ankämpfend erhoben und hat gegen die kommunistische Herrschaft revoltiert. Als es sich herausstellte, daß es erbarmungslosen Deportationsmaßnahmen oder seiner Vernichtung entgegengehen würde, setzte
eine Massenflucht nach Österreich ein. Um ihr Leben zu retten, haben
Zehntausende von Menschen die österreichische Grenze überschritten
und in jenem Land um Asyl nachgesucht. Trotz seiner eigenen großen
wirtschaftlichen Probleme hat Österreich selbstlos und ohne 2ögern
diese verzweifelten Flüchtlinge aufgenommen. Über zwanzig Nationen
haben ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, einen großen Teil
dieser Menschen bei sich aufzunehmen.
Am

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Am 8. November gab ich die Anweisung, außergewöhnliche Maßnahmen
zu ergreifen, um die Bearbeitung von 5000 ungarischen Visumanträgen
gemäß den Bestimmungen dec Flüchtlingsgesetzes zu beschleunigen. Am
19« November reisten die ersten dieser Gruppe von Wien nach den Vereinigten Staaten ab. Bis zum 29. November war es dann jedoch klar geworden, daß die Flucht der Männer, Frauen und Kinder aus Ungarn in die
Freiheit immer größere Ausmaße annahm.
Am 1. Dezember gab ich die Anweisung, daß über die nach dem
Flüchtlingshilfsgesetz zur Verfügung stehenden Visa hinaus ? es handelte sich um insgesamt rund 65OO - 15 000 weiteren Ungarn unter einer
Notstandsklausel Aufnahme in den USA gewährt werden sollte, indem der
Justizminister von der ihm gemäß Abschnitt 212 (ü) (5) des Einwanderungs- und Nationalitätengesetzes zustehenden Ermessensvollmacht Gebrauch machte, und daß nach Erschöpfung dieses Kontingents die Lage
einer erneuten Prüfung unterzogen würde.
Am 12. Dezember bat ich den Vizepräsidenten, Österreich zu besuchen, damit er an Ort und Stelle die tragische Lage prüfen möge, der
sich die Flüchtlinge dort gegenübergestellt sahen. Ich rief ferner einen
Ausschuß zur Koordinierung der ungarischen Flüchtlingshilfe ins Leben,
der die Arbeit der freiwilligen Hilfsorganisationen untereinander sowie
mit den zahlreichen zuständigen Regierungsorganen zusammenfassen sollte.
Am 1. Januar 1957 überzeugte sich der Vizepräsident nach seiner
Rückkehr in die USA persönlich von dem Zustand unseres Sammellagers
in Camp Kilmer und teilte mir anschließend]seine Resultate und Empfehlungen mit. Er berichtete, daß die aus Ungarn geflüchteten Personen
zum großen Teil zu jenem Kreis von Menschen gehörten, die in dem Kampf
um Freiheit in vorderster Reihe standen. Er erklärte zusammenfassend,
daß 'die Länder, welche diese Flüchtlinge aufnehmen, zu der Feststellung
kommen werden, daß sie damit eher einen wertvollen nationalen Zuwachs
erhalten haben als daß sie ein Risiko eingegangen sind'.
Die Mehrzahl der nach den Vereinigten Staaten gekommenen Flüchtlinge wurde nur vorübergehend und auf der Grundlage eines bestehenden
Notstandes aufgenommen. Einige von ihnen werden sich vielleicht dafür
entscheiden, daß sie sich einmal anderswo endgültig niederlassen möchten. Viele von ihnen jedoch werden für immer in den Vereinigten Staaten zu bleiben wünschen. Die Aufnahme in den USA im Rahmen des Paroleverfahrens erlaubt es ihnen jedoch nicht, einen festen Wohnsitz in
den USA zu nehmen oder die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erwerben.
Nach meiner Ansicht sollte ihnen diese Möglichkeit im Rahmen eines
Gesetzes gegeben werden, das sich sowohl auf das derzeitige Flüchtlingsproblem als auch auf jedes andere, ähnlich gelagerte Notstandsproblem anwenden läßt, dem die freie Welt sich später womöglich einmal
gegenübersehen könnte.
Ich empfehle erstens, daß der amerikanische Kongreß ein Gesetz erläßt, das dem Präsidenten das Recht gibt, den Justizminister zu ermächtigen, unter dem Paroleverfahren und unter von ihm festgesetzten Bedingungen Flüchtlinge für eine begrenzte Zeit in den Vereinigten Staaten

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Vereinigten Staaten aufzunehmen, die vom Außenminister ausgewählt wurden
und die vor der kommunistischen Tyrannei und Verfolgung geflohen sind
oder in Zukunft fliehen werden. Die Zahl derjenigen, denen ein solches
Paroleverfahren zugestanden werden kann, sollte in keinem einzelnen
Jahr die durchschnittliche Zahl der Ausländer überschreiten, denen
während der vergangenen acht Jahre durch Sondergesetze des Kongresses
die Erlaubnis zur Einreise nach den Vereinigten Staaten außerhalb des
allgemeinen Einwanderungssystems gegeben wurde.
Zweitens ersuche ich den Kongreß, unverzüglich gesetzgeberische
Maßnahmen zu verabschieden, die dem Justizminister die erforderliche
Ermessensvollmacht erteilen, den im Rahmen des Paroleverfahrens nach
den USA gekommenen Ausländern das Recht auf ständigen Wohnsitz zu gewähren, wenn diese in den USA bleiben wollen. In Übereinstimmung mit
den bestehenden Verfahren sollten Vorkehrungen getroffen werden, um diese
Fälle dem Kongreß zu unterbreiten, damit nicht solche Ausländer einen
ständigen Wohnsitz erwerben, bei denen nach Ansicht des Kongresses
ein solcher Status nicht angemessen ist. Gesetzgeberische Maßnahmen
dieser Art würden das Problem der bereits in den USA eingetroffenen
ungarischen Flüchtlinge wirksam lösen und darüber hinaus ein Mittel
an die Hand geben, um jene Fälle zu klären, unter die bestimmte koreanische Waisen, adoptierte Kinder und andere Ausländer fallen, welche im
Rahmen einer Notstandsklausel in den USA aufgenommen wurden und nun
hier in einem ungeklärten Status leben. Diese gesetzgeberischen Maßnahmen sollten für alle Zeit gültig sein, so daß es den Verwaltungsorganen
ermöglicht werde, bei der Behebung von Notständen, die sich in Zukunft
ergeben könnten, sofortige und zweckdienliche Schritte zu ergreifen.
Das Einwanderungs- und Nationalitätengesetz vom Jahre 1952, im
wesentlichen eine Kodifizierung des bestehenden Gesetzes, behielt das
für die enzelnen Nationalitäten im Jahre 1924 festgesetzte Quotensystem
bei. DieE rfahrungen des seitdem vergangenen ViertelJahrhunderts haben
jedoch gezeigt, daß die in dem Gesetz für die Aufnahme von Ausländern
niedergelegte Methode einer Überprüfung bedarf. Ich weiß, daß der Kongreß seine eigenen Untersuchungen der dargelegten Probleme weiterführen
und dabei die Bedürfnisse und die Aufgaben der Vereinigten Staaten
berücksichtigen wird. Es gibt jedoch bestimmte Interimsmaßnahmen, die
sofort ergriffen werden sollten, um die offensichtlichen Mängel des
derzeitigen Quotensystems zu beseitigen.
Erstens sollte für die Festlegung der Quoten die Volkszählung vom
Jahre 1950 und nicht die des Jahres 1920 zugrunde gelegt werden. Unter
Zugrundelegung der Volkszählung vom Jahre 1920 liegt das Maximum der
jährlichen Einwanderungsquote jetzt bei 154 857« Ich glaube, daß die
wirtschaftliche Entwicklung während der letzten dreißig Jahre und
die derzeitigen Wirtschaftsverhältnisse eine Erhöhung der Quoten um
rund 65 000 rechtfertigen.
Zweitens sollten die zusätzlichen Quoten gerecht verteilt werden.
Unter dem gegenwärtigen Quotensystem weisen zahlreiche Länder beträchtliche unausgenutzte Quoten auf, während andere Länder ihre Quoten in
der Regel überzogen haben. Ich empfehle, daß die Zusätzlichen Quoten auf

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6. Februar

1957

auf die verschiedenen Länder verteilt werden und zwar im Verhältnis
zur tatsächlichen Einwanderung in die Vereinigten Staaten seit Einführung des Quotensystems im Jahre 1924 und bis zum 1. Juli 1955«
Drittens sollten die im Verlauf eines Jahres unausgenutzten
Quoten auch im nächsten Jahre zur Verfügung stehen. Nach den bestehenden
gesetzlichen Vorschriften verliert eine während des Jahres nicht ausgenutzte Quote ihre Gültigkeit. Meiner Ansicht nach sollte der Kongreß
die nicht ausgenutzten Quoten gebietsweise für Europa, Afrika, Asien
und den Raum des Pazifischen Ozeans zusammenfassen. Jene Quoten sollten
innerhalb von zwölf Monaten auf der Basis des 'Wer zuerst kommt, wird
zuerst bedient' ohne Rücksicht auf das Heimatland innerhalb des betreffenden Gebietes ausgenutzt werden. Ich empfehle jedoch, daß diese
nicht ausgenutzten Quoten nur denjenigen Ausländern zugute kommen, die
auf Grund der bestehenden gesetzlichen Vorschriften einen bevorrechteten
Status genießeni- es sind solche Personen, die über berufliche Fachkenntnisse verfügen oder Verwandte in den USA haben.
Viertens sollte die sogenannte Anrechnung auf Quoten, die sich aus
der Ausstellung von Visa im Rahmen des Gesetzes über Verschleppte Personen und andere Sondergesetze ergibt, abgeschafft werden. Visa, die
unter diesen Gesetzen ausgegeben wurden, mußten bisher gegen die regulären Einwanderungsquoten verrechnet werden, was dazu führte, daß die
Quoten in einzelnen Fällen bis weit in die Zukunft hinein im voraus belastet sind. Ich empfehle, daß diese so geschaffenen Vorausbelastungen
gestrichen werden in Übereinstimmung mit der vom amerikanischen Kongreß
bei Verabschiedung des Flüchtlingshilfsgesetzes vom Jahre 1955» das
spzielle, nicht unter die Quoten fallende Visa vorsah, getroffenen
Maßnahme.
Fünftens sollte der Kongreß in unsere Einwanderungsgesetze Bestimmungen einarbeiten, um die alljährliche Aufnahme von Waisen zu
ermöglichen, die von amerikanischen Bürgern adoptiert wurden oder
adoptiert werden sollen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die unter einem
früheren Sondergesetz aufgenommenen Waisenkinder sich gut in das amerikanische Familienleben eingefügt haben. Sie hat ferner gezeigt, daß viele
Amerikaner gerne ausländische Kinder adoptieren möchten.
Die große und ständig anwachsende Zahl von Einwanderungsvorlagen
zur Beseitigung von Härtefällen für Ausländer stellt weiterhin eine
unnötige Belastung für den Kongreß und den Präsidenten dar. Die in den
letzten Jahren verabschiedeten Einwanderungsgesetze für Privatpersonen
haben über ein Drittel aller öffentlichen und privaten Gesetzesmaßnahmen
ausgemacht. Wie bei jeder anderen gesetzlichen Maßnahme muß jeder Einzelfall für sich durchgearbeitet und vom Kongreß und vom Präsidenten auf
seinen Wert hin geprüft werden. Das Problem besteht in der Regel darin,
darüber zu entscheiden, ob die in dem besonderen Fall vorliegenden
Härten,und-anderen Faktoren eine Ausnahme von den gewöhnlichen Vorschriften der Einwanderungsgesetze gestatten. Diese Entscheidungen könnten
auch ohne Zuhilfenahme gesetzgeberischer Prozeduren getroffen werden,
wenn die nötigen Verwaltungsvollmachten vorhanden sind. Ich empfehle,
daß der Justizminister die etwaigen Sicherheitsbestimmungen des Kongresses

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�I
"AMERIKA DIENST"

6. Februar 1957

Kongresses unterliegende Vollmacht erhält, den Ausschluß und die Ausweisung von solchen Ausländern aufzuheben, die nahe Verwandte in den
USA haben, Kriegsteilnehmer oder Beauftragte von religiösen Organisationen sind. Dies sind im allgemeinen die Fälle, die wegen der damit
verbundenen Härten eine wohlwollende Beurteilung durch den Kongreß
erfahren haben.
Die mit dem derzeit bestehenden Einwanderungsgesetz gemachten
Erfahrungen haben gezeigt, daß außer einer Revision der Quotenbestimmungen, eine Reihe von weiteren Abänderungen im Einwanderungs- und
Nationalitätengesetz von 1952 vorgenommen werden sollten. Einige der
Bestimmungen schaffen unnötige Einengungen und Beschränkungen bei
Reisen in die Vereinigten Staaten, während andere für die davon betroffenen Ausländer große Härten mit sich bringen. Ich habe eine Reihe
von Abänderungsvorschlägen gemacht. Ich unterbreite mit einigen kleineren
Modifikationen diese Empfehlungen erneut und ich verweise besonders auf
einige davon.
Eine der Schwierigkeiten für den Reiseverkehr und ein Hindernis
für den freien Ideenaustausch und die Freiheit des Handels ist die
unter dem gegenwärtigen Gesetz bestehende Bestimmung, daß von jedem
Ausländer, der ein Visum beantragt oder der nach den USA ohne Visum
kommt, aber sich länger als 30 Tage hier aufhalten will, Fingerabdrücke
genommen werden müssen. In einigen Ländern wird die Abnahme von Fingerabdrücken mißbilligt. Da diese Maßnahme nicht wesentlich zu der Erhöhung
der Sicherheit unseres Landes beiträgt, sollte das Gesetz dahingehend
abgeändert werden, daß auf das Erfordernis von Fingerabdrücken bei Ausländern, die vorübergehend nach den Vereinigten Staaten kommen, verzichtet wird.
Ich empfehle ferner eine Änderung des Gesetzes, die es Ausländern,
welche von einem Land in ein anderes reisen und dabei die Vereinigten
Staaten lediglich berühren, gestattet, unser Land zu passieren, ohne
daß sie sich einer Inspektion und Überprüfung unterziehen müssen und
die üblichen Zulassungsbestimmungen auf sie Anwendung finden. Dies würde
manche Härte für den Reisenden beseitigen, das gute Einvernehmen erhalten und den Verkehrsgesellschaften viele Ausgaben ersparen.
Das Gesetz sollte weiterhin geändert werden, damit für die Einwanderungsbehörden die Notwendigkeit entfällt, alle Gründe für die
Ablehnung des Wunsches von Ausländern, von Alaska und Hawaii aus den
Boden der Vereinigten Staaten zu betreten, zu prüfen und in Betracht
zu ziehen. Diese Territorien sind ein Teil der Vereinigten Staaten,
und die Ausländer, die in diese Gebiete eingereist sind und sich darin
aufhalten, fallen unter die gesamten Bestimmungen des Gesetzes. Wenn
bei dem Ausländer ein Grund für die Ausweisung bestanden hat, bevor
er den Boden des amerikanischen Festlandes betrat, dann bleibt dieser
Grund auch weiterhin bestehen.
Ich empfehle ferner die Aufhebung jener Vorschrift des Gesetzes,
wonach Ausländer bei der Beantragung eines Visums ihre rassische und
ethnische Zugehörigkeit angeben müssen.
Eine

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6. Februar 1957

Eine große Zahl von Flüchtlingen - wahrscheinlich Tausende - haben,
als sie vor einigen Jahren ihre Visa erhielten, falsche Angaben über
ihre Identität gemacht, um auf diese V/eise einer zwangsweisen Repatriierung
in die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs zu entgehen. Derartige
Fälschungen machen aber eine Ausweisung zur Pflicht. In bezug auf diese
unglücklichen Menschen sollte der Kongreß einigen Lockerungen der gesetzlichen Bestimmungen zustimmen. Auch die ungerechten Bestimmungen
des Einwanderungsgesetzes in bezug auf den Status von Ehegatten asiatischer Herkunft sowie von adoptierten und anderen Kindern sollten aufgehoben werden.
Ausländische Angehörige und Veteranen unserer Streitkräfte, die
zumindest eine dreijährige Dienstzeit hinter sich haben, können keinen
Naturalisierungsantrag stellen, wenn sie den Beweis eines ständigen
Wohnsitzes nicht erbringen können. Ich empfehle, daß diese Vorschrift
in derartigen Fällen wegfällt, und daß das für solche Personen anwendbare Naturalisierungsgesetz vollständig überholt wird.
Während das derzeitige Gesetz es bestimmten Ausländern ermöglicht,
einen Status zu erlangen, der zu dauerndem Wohnsitz in den USA berechtigt, wirkt es sich in unnötiger Weise beschränkend für mit amerikanischen
Staatsbürgern verheiratete Ausländer aus. Die Gewährung eines ständigen
Wohnsitzes ist dann untersagt, wenn der Ausländer sich vor der Heirat
weniger als ein Jahr in den USA aufgehalten hat. Dies führt zu einer
Trennung der Familie und bedeutet unnötige Ausgaben für den Ausländer,
der gezwungen wird, die USA zu verlassen, um ein Visum außerhalb der
Quote zu erhalten. Ich empfehle, daß die Forderung einer einjährigen
Anwesenheit in den USA vor der Heirat fallengelassen wird.
Ich habe die Aufmerksamkeit des Kongresses schon früher auf die
Notwendigkeit gelenkt, unsere Gesetzgebung in bezug auf diejenigen
Ausländer zu stärken, die zu wiederholten Anträgen auf Überprüfung
der rechtlichen Bestimmungen Zuflucht nehmen aus dem einzigen Grund,
um dadurch ihre gerechtfertigte Ausweisung aus den USA hinauszuzögern.
Welches auch immer der Grund für eine Deportation sein mag, so hat jeder
Ausländer das Recht, die von der Regierung getroffene Entscheidung
über seine Ausweisung durch legale Verfahren anzufechten. Dies sollte
auch so sein. Aber das starke Anwachsen der Fälle, in denen eine Verzögerungstaktik besonders von solchen Ausländern angewandt wird, die sich
als Verbrecher oder als Rauschgifthändler oder als subversive Elemente
erwiesen haben, macht die Notwendigkeit für eine Einschränkung der gesetzgeberischen Möglichkeiten und eine sorgfältige Definition der Prozessordnung dringlich.
Ich habe daher den Justizminister beauftragt, dem Kongreß gesetzgeberische Vorschläge zu unterbreiten, die diese Empfehlungen in die
Tat umsetzen werden."
* * * * *

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1) I

K N

S T

Allg./20.2.1957
HENRY CABOT LODGE ANTWORTET KUSNETZOW

NEW YORK -(AD)
Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Erklärung, die Botschafter Henry Cat&gt;ot Lodge, der Chefdelegierte der
Vereinigten Sta aten bei den Vereinten Nationen,
am 12. Februar 1957 vor dem Lenkungsausschuß der
UN-Generalversa mmlung zu dem sowjetischen Antrag
abgegeben hat, eine Debatte der von der Sowjetunion gegen die USA erhobenen Beschuldigungen
auf die Tagesor dnung der Generalversammlung zu
setzen.

Manches wäre zu den Umständen zu sagen, unter denen die
Sowjetunion die Aufnahme dieses Punktes vorgeschlagen hati
Etwa die einzigartige grobe Unhöflichkeit, mit der dies zunächst
der Weltpresse und erst später den Mitgliedern dieses Ausschusses
bekanntgemacht wurde, und andere Tatsachen, die über die Motive
des Antragstellers keinen Zweifel lassen. Vieles ließe sich darüber sagen, welch große Ähnlichkeit das alles mit den mitternächtlichen Propagandamanövern hat, die die Sowjetdelegation hier in der
Ära des inzwischen verstorbenen Herrn Wyschinski zu inszenieren
pflegte. Aber was diese Dinge betrifft, so will ich es damit bewenden lassen und nunmehr auf die Anwürfe in dem beigefügten Memorandum eingehen.
1. Als allererstes bitte ich zu beachten, wie der Punkt
überschrieben ist, nämlich: "Frage aggressiver Handlungen der
Vereinigten Staaten von Amerika", und so fort. Die Vereinigten
Staaten von Amerika sind in jedem großen Krieg, an dem sie irgendwie beteiligt waren, entweder selbst angegriffen worden oder
dem Opfer der Aggression zu Hilfe gekommen - selbst der Sowjetunion zu Hilfe gekommen, wenn ich das hier bemerken darf, und zwar
war dies erst vor 15 Jahren.
Unsere Tradition und unsere Regierungsform machen es uns Amerikanern praktisch unmöglich, aggressive Handlungen zu begehen. Niemals würde die öffentliche Meinung in unserem Land so etwas unterstützen, selbst wenn eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens
dies vorschlagen würde. Und wer in den Vereinigten Staaten im
öffentlichen Leben steht, ist - ebenso wie das amerikanische Volk aus dem ganz einfachen Grund dagegen, weil wir den Krieg hassen
und Frieden wollen.
2.
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20. Februar 1957

2. Die sowjetische Erklärung bezieht sich auf "herrschende
Kreise" in den Vereinigten Staaten. Es gibt überhaupt keine "herrschenden Kreise" in den Vereinigten Staaten. Niemand herrscht in
diesem Land, es sei denn, man meint die 62 Millionen Staatsbürger,
die bei unseren letzten Wahlen ihre Stimme abgegeben haben. Dies
ist ein Land einer permanenten friedlichen Revolution. Diejenigen,
die in der Regierung sind, herrschen nicht. Sie sind die Diener der
Allgemeinheit; das ist natürlich etwas - und dessen bin ich mir
völlig bewußt -, was ein sowjetischer Funktionär unmöglich verstehen
kann. In unserem Land ist die Regierung dazu da, dem Volk als Ganzem, •
ob arm oder reich, zu dienen, oder vielmehr weder reich noch arm,
denn die große Mehrheit unseres Volkes gehört nicht zu diesen Extremen. Es gibt bei uns nicht die Frage eines Superstaates, der die
Menschen reglementiert und als Kanonenfutter behandelt, wie es täglich in der Sowje union geschieht. Deshalb ist schon allein die
Formulierung, irgendeiner amerikanischen herrschenden Gruppe sei
der VolkswilZe gleichgültig, eine phantastische Verdrehung der Wahrheit, ein Gespenst der kommunistischen Ideologie, an das niemand
glaubt. Ich bezweifle sogar, ob die Urheber dieser Behauptung, die
Herren im Kreml, überhaupt selbst daran glauben, und ich bin ganz
sicher, daß Herr Kusnetzow nicht daran glaubt. Denn er ging hier in
Amerika zur S-hule und er arbeitete in diesem Land} und so weiß er
sehr wohl über die wahren Verhältnisse Bescheid.
5. In dem Antrag heißt es, die Vereinigten Staaten unternehmen Schritte, um die internationalen Beziehungen zu belasten. Dabei
waren es die Vereinigten Staaten von Amerika, die die Initiative ergriffen, um die Angelegenheit des Angriffs auf Ägypten vor den Sicherheitsrat zu bringen. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren es,
die, nachdem dagegen im Sicherheitsrat das Veto eingelegt worden war,
die Angelegenheit vor die UN-Generalversammlung brachten. In all diesen Monaten, in denen die Lage im Nahen Osten diskutiert wurde, haben
sich die Vereinigten Staaten immer wieder mit Kanada, mit Indien, mit
vielen anderen Mitgliedstaaten, die guten Willens sind, zusammengesetzt und immer wieder die Initiative ergriffen mit dem einen Ziel,
eine faire und friedliche Lösung zu finden. Und wir werden auch weiterhin alles tun, was wir nur irgend tun können, um den Krieg zu verhindern, um den Frieden herbeizuführen. Jedermann hier weiß, daß dies
die '.Yahrheit ist, einschließlich der streitenden Parteien.
Durch völlige Verdrehung der Wahrheit wird überhaupt nichts gewonnen - höchstens das eine, daß derjenige, der dies tut, seinem Ruf
als Verfechter der Wahrheit außerordentlich schadet.
Das Verhalten der Vereinigten Staaten war so, wie ich es hier
geschildert habe. Demgegenüber hat die Sowjetunion ein Verhalten an
den Tag gelegt, das nur zu sehr an die schlimmste Zeit in der Ära
Stalin erinnert.
Als die Vereinigten Staaten im Politischen Ausschuß der Vereinten
Nationen einen ernst gemeinten ehrlichen Vorschlag zur Abrüstung präsentierten, speiten die Sowjets Gift und Galle, und diese Ausbrüche
entmutigten die Vertreter aller Nationen, die anwesend waren.
A,
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20. Februar 1957

Als das erschreckende Verha'ten der Sowjets in Ungarn angeprangert wurde, setzten sich die Sow' s auch in diesem Fall darüber hinweg, und diese Mißachtung se v. s der Sowjetunion war derart
zügellos, daß die dadurch ausgelöste Empörung schließlich zu einer
Resolution in der UN-Generalversamm ng führte, in der der Sowjetunion formell die Schuld dafür u erantwortet wurde, was dem armen ungarischen Volk angetan worden war.
In all den vielen Monaten, in denen diese Frage erörtert wurde,
hat die Sowjetunion keinen einzigen konstruktiven Schritt untern mmen.
Der Sachverhalt ist völlig klar, /an möchte fast den Schluß ziehen
daß es ihr ganz gleichgültig ist, ob im Nahen Osten gekämpft wir , b
Soldaten ihr Leben lassen müssen and cue Zivilbevölkerung von Haus
und Hof vertrieben wird, wenn nur die Sowjetunion dabei gewinnt.
In der sowjetischen Erklärung heißt es "man hätte erwarten
müssen, daß im Anschluß an die Maßnahmen, die gegen die anglofranzösisch-israelische Aggression in Ägypten und die Beendigung
der Feindseligkeiten im Nahen Osten getroffen wurden, die Vereinigten Staaten von Amerika zusammen mit anderen Staaten weitere Schritte
unternehmen würden, um die Weltsituation zu normalisieren." Genau
das ist geschehen, und zwar ohne auch 'ur die geringste Hilfe seitens
der Sowjetunion.
Da wir schon einmal bei der Frage der Aggression sind, möchte ich
gegenüber den Konferenzteilnehmern hier u d gegenüber der Öffentlichkeit ganz allgemein darauf hinweise , daß die Sowjetunion es war, die
bisher den von der UN-Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit
unterstützten Plan zur Inspektion milit ri eher Einrichtungen mit
Hilfe von Luftaufnahmen abgelehnt hat. Di s st ein Plan, der einen
massiven Überraschungsangriff unmöglich mac en würde. Er vereinigt
Vernunft und Einfachheit. Welchen Grund K T n e wohl ein Land haben,
diesen Plan abzulehnen, außer den, daß es s lbst aggressive Handlungen
vorhat? Im Lichte dieser Erwägung möchte ich die Mitglieder des Lenkungsausschusses darauf aufmerksam machen, daß die Sowjetunion keine
reine Weste hat und wohl als allerletzte hier irgend jemanden anderen
beschuldigen darf, aggressive. Handlungenzu egehen oder aggressive Absichten zu haben. Und wenn sie keine Aggression plant, nun, so soll
sie doch, wie wir es getan haben, dem Plan der Luftinspektion für ihr
Land zustimmen.
4. Das sowjetische Schriftstück nim t da n Bezug auf die Botschaft Präsident Eisenhowers vom 5« Januar an den Kongreß und behauptet, daß diese Botschaft "dazu bestimmt ist, die direkte Einmischung der Vereinigten Staaten in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten im Nahen und Mittleren Osten zu bewirken."
Das ist genau das Gegenteil von dem, was die Nahost-Politik
Präsident Eisenhowers bezweckt. Seine Politik ist eine Politik zur
Verhinderung der Aggression. Es ist eine Politik, die auf den Frieden gerichtet ist. Es ist eine Politik, die nur mit der Zustimmung
der beteiligten Länder geführt werden kann. Es ist eine Politik, die
die Erhaltung der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit kleiner
Staaten bezweckt und eine Einmischung von außen in deren Angelegen-

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20. Februar 1957

Angelegenheiten verhindern soll. Sie ist darauf gerichtet, die
Wirtschaft, die militärische Verteidigung dieser Länder und die
Entschlossenheit der Patrioten dort zu stärken, sich kommunistischen Unterwanderungsversuchen zu widersetzen. Es ist eine Politik, die darauf abzielt, zu verhindern, daß souveränen Staaten im
Nahen Osten das gleiche Schicksal blüht wie Litauen, Estland, Lettland, der Tschechoslowakei, Polen, Bulgarien, Rumänien und Albanien,
von Nordkorea und Nordvietnam ganz zu schweigen. Dies ist zweifellos
der Grund, weshalb die Sowjetunion sich dagegen sträubt.
Die Nahost-Politik Präsident Eisenhowers ist ein Programm zur
Stärkung und Stützung der Vereinten Nationen.
Das, Herr Vorsitzender, ist die Wahrheit über die Botschaft
Präsident Eisenhowers. Die Beschuldigungen der Sowjetunion hinsieht
lieh einer Einmischung der Vereinigten Staaten in diesem Raum, h m
sichtlich sogenannter imperialistischer Pläne der Vereinigten Staaten,
geheimer Absichten der Vereinigten Staaten, den Nahen Osten als Ausgangspunkt für eine Aggression gegen die Sowjetunion zu benutzen
dies alles sind glatte Lügen. Die Sowjets wären es, die derart handeln würden, wenn sie könnten, und die deshalb solche Handlungswelsen uns zuschreiben.
5- Das Schriftstück nimmt ferner Bezug auf Stützpunkte, die in
Westeuropa, der Türkei, Persien, Japan und so weiter errichtet wurden.
Es gibt keinen einzigen der von den Vereinigten Staaten benutzten
Stützpunkte, der nicht mit dem Einverständnis des Landes, auf dessen
Territorium er sich befindet, benutzt wird. Es ist dies anders als
bei den sowjetischen Stützpunkten, die versklavten und unter Druck
leidenden Völkern einfach aufgezwungen werden. Unsere Stützpunkte
sind Teil der freien und freiwilligen gemeinsamen Maßnahmen der
Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten. Wäre dies nicht so, dann
würde die Bevölkerung dieser Länder mit Recht sehr rasch laut dagegen protestieren - sie kann das ohne weiteres, denn schließlich sind
diese Menschen ja Bürger der freien Welt und nicht Opfer kommanisti
scher Unterdrückung.
Ehe ich das Thema Stützpunkte verlasse, möchte ich noch bemerken,
daß die Sowjetunion in einer Reihe von Ländern militärische Stütz
punkte unterhält, und daß nach den letzten Schätzungen, die ich gesehen habe, die sowjetischen Truppen von sowjetischen Stützpunkten
in Ungarn aus 25 000 Ungarn im Verlauf der Wiederversklavung des ungarischen Volkes getötet haben. Amerikanische Truppen m überseeischen
Stützpunkten führen keinen Krieg gegen die Länder, in denen sie statio
niert sind, und der sowjetische Delegierte ist der letzte - oder sollte
vielmei» der letzte sein -, der moralisierende Reden über Stützpunkte
oder über Versklavung halten könnte.
6. In der sowjetischen Erklärung heißt es ferner, Ziel der Vereinigten Staaten sei, "im Fall des Ausbruches eines Atomkrieges, der
von den herrschenden Kreisen der Vereinigten Staaten vom Zaun gebrochen
wird, den Hauptvergeltungsschlag von den Vereinigten Staaten abzuhalten",
und so fort. Dies ist ein ganz charakteristisches Stück durchsichtigster

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durchsichtigster kommunistischer Demagogie. Es ist die ungeschminkte
Demagogie von Männern aus einem Land, in dem es keine Volksregierung
gibt, und die damit auch dem Volk die Denkfähigkeit absprechen. In
allen Ländern gibt es Demagogen, Herr Vorsitzender, aber sie treiben
keine so ungeschminkte Demagogie, wie es diese hier ist. Die ganze
Welt weiß, daß in Wahrheit der schrecklichste Krieg der letzten zehn
Jahre durch Befehl der Sowjetunion in Korea vom Zaun gebrochen worden
war, obgleich es Koreaner und Chinesen, aber nicht Russen waren, die
dort in den Tod geschickt wurden. Es ist eine Binsenwahrheit, daß für
den Fall, das Unheil eines dritten Weltkrieges bräche jemals über uns
herein, kein Land außerhalb der Reichweite der großen Bomber liegt,
insbesondere nicht die Vereinigten Staaten. Auf keinen Fall sind die Vereinigten Staaten mit von der Partie, wenn ein Atomkrieg oder irgendein
anderer Krieg vom Zaun gebrochen wird.
Der Hinweis auf Westdeutschland und die Erklärung, daß es zwangsweise militarisiert wird, ist gleicher-maßen absurd. Die NATO ist eine
Verteidigungsorganisation. Einzig und allein wegen der deutlich aggressiven Drohung der Sowjetunion wurde sie geschaffen. Wäre die Sowjetunion eine friedliebende Demokratie, dann wäre die NATO überhaupt nicht
erforderlich. Die Bundesrepublik Deutschland ist der NATO aus freiem
Entschluß beigetreten. Niemand hat sie dazu gezwungen. Der einzige
Zwang war der Zwang der Umstände, die Sie in der Sowjetunion geschaffen haben.
Die Bezugnahme auf den Verteidigungsetat der Vereinigten Staaten
steht auf der gleichen Stufe mit den anderen falschen Behauptungen.
Der Verteidigungsetat der USA würde sich sehr rasch verkleinern, wenn
der aggressive Druck seitens der Sowjetunion ein Ende nähme. Selbst
unser gegenwärtiger Verteidigungsetat ist wahrlich kfein im Vergleich
zu unserer gesamten Volkswirtschaft - wohingegen die ganzen sowjetischen Anstrengungen darauf abzielen, einen Militärstaat zu schaffen.
Sie sind nicht darauf gerichtet, das Los der breiten Masse in Rußland
zu verbessern. Sie machen nicht den Versuch, diese Menschen mehr an
den Annehmlichkeiten des Lebens teilhaben zu lassen. Sie versuchen,
die Stahlerzeugung auszubauen. Sie versuchen, die Schwerindustrie auszubauen. Und mit Hilfe dieser Schwerindustrie versuchen Sie, eine
große Militärmaschine auf die Beine zu stellen. Sie sind auch noch
stolz darauf. Sie brüsten sich damit. Ich habe es selbst gehört.
Was wir für militärische Zwecke aufwenden, tun wir mit Murren und
nur deshalb, weil wir bereit sind, Opfer zu bringen, um das freie
Leben und das freie Denken zu erhalten, das Sie uns nehmen wollen.
Sie wissen genau, daß dies die Wahrheit ist. Die Welt weiß, daß die
Dinge in Wahrheit so liegen.
Damit, Herr Vorsitzender, bringe ich Ihnen unsere Reaktion auf
dieses jüngste Bemühen, die internationalen Spannungen zu mildern,
zur Kenntnis. Es ist eine offenkundige und dumme Wortverdrehung
von A bis Z. Es ist eine gigantische Lügengeschichte.
Wir werden uns jedoch der Aufnahme dieses Punktes in die Tagesordnung nicht widersetzen, da wir dies stets so gehalten haben, wann
immer ein solches Ansinnen - und mag es noch so dumm und niederträchtig gewesen sein - gestellt wurde, speziell wenn es sich gegen die
Vereinigten Staaten richtet. Wir sind uns natürlich bewußt, daß andere

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andere hierüber vielleicht anders denken. Wir haben nichts dagegen,
wenn jemand dem Glauben nachhärgt, daß die Mitgliedschaft in den Ver
einten Nationen jeder Mitgliedregierung das Recht gibt sich selbst zum
Narren zu machen, wenn sie will und daß die Sowjetunion in diesem
Fall von diesem Recht im vollen Umfange Gebrauch gemacht hat.
Wenn wir wollten, könnten wir jetzt eine für die Sowjetunion
vernichtende Angelegenheit zur Diskussion stellen - nämlich die
Unterdrückung der Satellitenstaaten, die Diskriminierung der Christen,
'.'.amraedaner und Juden in der Sowjetunion, das Schüren der Aggression
in Korea und die blutigen Untaten in Lngarn. Wir halten jedoch nicht
viel davon, mit solchen Dingen zu argumentieren. Das Forum der Vereinten Nationen für die Propaganda des Kalten Krieges zu benutzen
ist eine sowjetische Spezialitat. Wir werden aber, Her* Vorsitzender
jederzeit solchen Argumenten, wenn sie gegen uns gerichtet sind, den
Garaus machen- Wir werden nicht zögern, das Iorum der Vereinten Na
tior.en zu benutzen, um sowjetische Verdrehungen richtigzustellen und
die 'Vahrheit in aller Öffentlichkeit zu verkünden.
Herr Präsident, ich will Ihnen sagen, was der sowjetische Vorschlag wirklich ist. Er ist ein schlecht getarnter Angriff zu einem
mit Vorbedacht gewählten Zeitpunkt auf die Nahost-Politik Präsident
Eisenhowers, da diese Politik eine sowjetische Unterminierung der
Souveränität all der kleinen Staaten im Nahen Osten verhindern würde.
Er zielt darauf ab, die Verwirklichung der Politik Präsident Lisenhowers
zu unterbinden. Mit seiner Erklärung hat nun der sowjetische Vertreter
die Katze aus dem Sack gelassen.
Nun, Herr Präsident, wir nehmen diese Herausforderung an. Wir be
fürworten es, daß diese Debatte stattfindet. Wir sind überzeugt daß die
Sowjets keine einzige Anschuldigung halten können.
Wir warten darauf, daß diese Angelegenheit debattiert wird, um
es mit all den vielen ritualistischen Plumpheiten und pathetischen
Lügen aufnehmen und sie als das entlarven zu können was sie in Wahrheit sind.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

W1./20.2.1957
JAHRESBERICHT DES AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN ZU FRAGEN DER
REVISION DER US-HANDELSABKOMMEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut des ersten Jahresberichts über das Handelsabkommen-Revisionsprogramm, den Präsident Eisenhower am 11. Februar 1957 dem Kongreß unterbreiten
ließ.

Be^lei tbrief
Dies ist mein ers ter Jahresbericht über die Durchführung des
Handelsabkommen-Revi sionsprogrammes. Ich unterbreite ihn dem Kongreß jjemäß Abschnitt 350 (E) (i) des Zollgesetzes vom Jahr 1930
in der durch Abschni tt 3 (D) des Ergänzungsgesetzes vom Jahr 1955
zum Gesetz über gege nseitige Handelsabkommen geänderten Fassung»
Das Handelsabkommen-Revisionsprogramm leitet sich aus den Bestimmungen, des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen vom Jahr
1934 und den verschi edenen Xnderungs- und Ergänzungsgesetzen hier«
zu ab.
Unsere gege nwärtigen Außenhandelsziele, die ich in meiner
Sonderbotschaft über die Außenhandelspolitik vom 30. März 1954
dargelegt habe, wurden auf Grund einer Untersuchung des von beiden Parteien bes chickten Ausschusses für Fragen der Außenhandelspolitik formulie rt, der im Jahr 1953 gemäß Public Law 215 (öffentlich-rechtliches Gesetz) des 83. Kongresses gebildet worden war.
Die meisten Empf ehlungen des Ausschusses wurden gebilligt und
in die Tat umgesetzt. Der vorliegende Bericht umreißt die Schritte,
die unternommen worden sind, um diese Ziele unserer Außenhandelspolitik zu verwi rklichen.
Der größte Teil unserer Bemühungen der letzten Jahre konzentrierte sich zunächst auf die Verbesserung des bestehenden Handelsvertragssystems und auf seine Handhabung. Die diesbezüglichen Maßnahmen sind in Abschnitt I des Berichtes aufgeführt. Sie richteten sich in erster Linie auf eine grundlegende Revision des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Diesq Überprüfung hatte
die Ausarbeitung von Vorschlägen für die Verbesserung wichtiger

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. Februar 1957

wichtiger Bestimmungen des Abkommens und eines Vertrags über die
Errichtung der Organisation für gemeinsamen Handel (OTC) zur Folge.
Ich habe den Kongreß ersucht, seine Zustimmung zum Beitritt der
Vereinigten Staaten zu dieser Organisation zu erteilen. Die Schaffung der Organisation für den gemeinsamen Handel ist eine der wich
tigsten Voraussetzungen dafür, daß unser Handelsabkommen-Revisionsprogramm im Interesse der amerikanischen Industrie und Landwirtschaft
sowie der arbeitenden Bevölkerung wirksam durchgeführt werden kann.
Die Regierung der Vereinigten Staaten war im Sinne der vom Kongreß erteilten Befugnisse bemüht, bestehende Handelsschranken durch
gegenseitige Zollabkommen Schritt für Schritt zu beseitigen. Di»
jüngsten derartigen Verhandlungen fanden im Einklang mit den neuen
Vollmachten statt, wie sie mit Public Law 86 des 84. Kongresses eteilt worden sind. Die zum Schutze der heimischen Industrie notwedigen Sicherungen sind in Form der Rücktrittsklausel und der Gefahrenpunktbestiramungen dieses Gesetzes sowie der auf Grund dieses
Gesetzes erlassenen Verwaltungsvorschriften gegeben. Eine detaillierte
Darstellung dieser Verhandlungen findet sich in Abschnitt II.
Die Vereinigten Staaten waren über das GATT mit Erfolg bemüht, .
eine Reduzierung oder völlige Beseitigung von Einfuhrquoten anderer
Länder zu erreichen, die den amerikanischen Ausfuhrhandel bisher
stark behinderten.
In Abschnitt IV dieses Berichtes werden die Maßnahmen dargelegt, die auf Grund einzelner Gesetzesbestimmungen getroffen worden
sind und die Durchführung des Handelsabkommen-Revisionsprogrammes
berühren» Die Rücktrittsklausel und die Änderungsbestimmung bezüglich der Gewährleistung der nationalen Sicherheit.
Im Schlußteil des Berichtes, in Abschnitt V, werden kurz alle
jene Entwicklungen zusammengefaßt, die unsere Handelsbeziehungen
mit Ländern betreffen, die selbst nicht Mitglied des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens sind, mit denen die Vereinigten Staaten
jedoch zweiseitige Handelsverträge geschlossen haben.
Da dies der erste Bericht des Präsidenten über ein Programm
ist, das bereits seit einer Reihe von Jahren läuft, beschränkt er
sich nicht auf das Kalenderjahr 19&amp;6, sondern schließt auch weiter
zurückliegende Entwicklungen ein, soweit sie dazu nötig sind, die
Ereignisse der jüngeren Zeit in der richtigen Perspektive erscheinen
zu lassen. Eine ins einzelne gehende Übersicht über die verschiedenen Schritte, die im Rahmen des Handelsabkommen-Revisionsprogramms
unternommen worden sind, enthält der Jahresbericht der Bundeszollkommission an den Kongreß.
Der Ausfuhr- und Einfuhrhandel ist für die wirtschaftliche Stärke
und die Wohlfahrt des gesamten Volkes sehr wichtig. Der internationale
Warenaustausch bringt der Gemeinschaft der Völker Nutzen und fördert
die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens in der Welt.
unsere Außenhandelspolitik, die darauf gerichtet ist, ein ständiges
Wachstum eines für alle Teile gewinnbringenden Welthandels zu begünstigen, liegt somit im doppelten Sinne im Eigeninteresse der

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- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. Februar

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der Vereinigten Staaten; sie fördert die Prosperität unseres Landes
und stärkt die nationale Sicherheit.

gez.: Dwight D. Eisenhower

Abschnitt I
Die Konsolidierung der Erfolge, die im Rahmen des
Handelsabkommen-RevisionsProgramms hinsichtlich
der Neugestaltung des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens erzielt worden sind

Im Jahre 1954 verfügten die Vereinigten Staaten und die anderen
Partnerstaaten des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) bereits
über eine mehr als sechsjährige Erfahrung im Umgang mit seinen Bestimmungen. Man war sich allgemein darüber einig, daß sich dieses Multilaterale System für die Behandlung von Außenhandelsfragen im großen und
ganzen gut bewährt hatte und jedem streng bilateralen System weit überlegen war. Man war sich aber auch darüber einig, daß das Abkommen im
Lichte der gesammelten Erfahrungen überprüft werden müßte. Die Vereinigten Staaten vertraten gleichfalls diese Auffassung. Der Präsident
hatte darüber hinaus auf eine Neufassung der rein organisatorischen
Bestimmungen des Abkommens gedrängt und angekündigt, daß er die in solchen Verhandlungen etwa ausgearbeiteten organisatorischen Vorschläge
dem Kongreß zur Billigung unterbreiten werde.
Demzufolge kam man überein, die 9« Arbeitstagung des GATT zu
einer Überprüfung des Abkommens zu benutzen. Sie fand vom 28. Oktober
1954 bis 7. März 1955 in Genf statt.
Die Ausarbeitung der Instruktionen für Delegationen der Vereinigten Staaten zu Tagungen der vertragschließenden Parteien war schon
immer Aufgabe des Interministeriellen Ausschusses für Handelsabkommen,
eines Ausschusses aus Vertretern des Außen-, Handels-, Landwirtschafts-,
Verteidigungs-, Finanz-, Innen- und Arbeitsministeriums sowie des Amtes
für Internationale Zusammenarbeit und einem Mitglied der Bundeszollkommission. Die Hinzuziehung dieser Behörden gibt die Gewähr, daß die
Interessen der amerikanischen Landwirtschaft, der Arbeitnehmerschaft
und der Wirtschaft bei der Festlegung einer Haltung, die den Interessen
unseres Landes am besten zu dienen geeignet scheint, gebührend berücksichtigt werden. Die von den einzelnen Regierungsorganen in den Aus- .
schuß für Handelsabkommen entsandten Mitglieder gelten als offizielle
Vertreter ihrer Behörden. In besonderen Fällen, so beispielsweise bei
den Vorbereitungen auf jenen Teil der $. Arbeitstagung, der einer
Überprüfung des GATT-Abkommens vorbehalten war, wird ein interministerieller Arbeitsstab aus Unterstaatssekretären oder sogar auf noch
höherer Ebene gebildet» d e r grundlegende Fragen bezüglich der einzu-

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20. Februar 1957

einzunehmenden Haltung erörtert. Ehe der Präsident den Chef der Vereinigten Staaten zur Unterzeichnung der auf der 9« Arbeitstagung zustande gekommenen Vereinbarungen ermächtigte, wurden diese Dokumente
von einem derartigen Sonderausschuß no.h einmal gründlich geprüft.
Alle interessierten privaten Gruppen und Personen wurden entweder
mündlich oder schriftlich aufgefordert, ihre Ansichten bezüglich der
am Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen vorzunehmenden Änderungen ;m
Verlauf einer Öffentlichen Informationssitzung, die im September 1954
stattfand, bekanntzugeben. Die bei dieser Gelegenheit vorgebrachten
Meinungen zeigten, daß der Gedanke eines multilateralen Vorgehens im
Sinne des amerikanischen Handelsabkommen-Revisionsprogramms und der
Schaffung eines wirksameren Allgemeinen Abkommens die Unterstützung
weiter Kreise besaß.
Der Delegation der Vereinigten Staaten zur 9« Arbeitstagung gehörten auch 6 beratende Mitglieder an, die nicht von Behörden der Exekutive bestellt worden waren. Es handelte sich um 4 Kongreßabgeordnete
und 2 Männer aus der Wirtschaft. Vom Senat wurden die Senatoren Frank
Carlson und Albert Gore und vom Repräsentantenhaus die Abgeordneten
Jere Cooper und Richard Simpson bestellt. Bei den beiden Mitgliedern,
die nicht im Dienste der Regierung stehen, handelte es sich um die
Aufsichtsratsvorsitzenden Lamar Fleming jun. der Anderson, Clayton
and Company, und Cola G. Parker von der Kimberly-Clark Corporation.
Mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes, das durch anderweitige Verpflichtungen in Washingtonfestgehalten wurde, verbrachten diese Berater mehrere Wochen in Genf, wo sie unmittelbar mit der amerikanischen Delegation zusammenarbeiteten. Sie trugen erheblich zu dem Erfolg bei, den
die Vereinigten Staaten bei diesen Verhandlungen erzielt haben.
Die wesentlichsten Ziele, die die Vereinigten Staaten auf der 9»
Arbeitstagung verfolgten, waren: Erstens, eine wirksamere Organisation
für die Durchführung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens zu
schaffen; zweitens, eine kontinuierliche Anwendung jener Zollkonzessionen sicherzustellen, die im Rahmen des Abkommens bereits ausgehandelt worden sind und gleichzeitig den Regierungen genügend Spielraum
für eine Modifizierung einzelner Konzessionen zuzusichern; drittens,
die Bestimmungen über die Anwendung von Einfuhrbeschränkungen, die
mit der Zahlungsbilanz gekoppelt sind, zu vereinfachen und zu verschärfen; viertens, gewisse Normen für die Gewährung von Ausfuhrbeihilfen im Sinne der von den Vereinigten Staaten geübten Praxis aufzustellen; und fünftens, die Bestimmungen, die gewisse Sondermaßnahmen
um der Entwicklung der eigenen Wirtschaft willen gestatten, zu revidieren.
Es war des weiteren unser Ziel, unsere Partnerstaaten zu dem Zugeständnis zu bewegen, daß Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten
auf Grund Abschnitt 22 des Gesetzes über die Angleichung der Landwirtschaft treffen, um eine Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Programme im eigenen Lande zu verhindern, nicht als den Verpflichtungen
dpr Vereinigten Staaten aus dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen
zuwiderlaufend angesehen werden. Bei den Verhandlungen über eine

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eine get" ennte Abmachung bezüglich einer 0 gan sati n für gern
samen
Ha el (OTC) suchten die Vereinigten Staaten zu e'ner . eremb r ng zu
ge angen die eine kontinuierliche und bessere Durchführu g de sub
sta tiellen Bestimmungen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens
gestatten würden.
Di-1 Ergebnisse der 9« GATT-Tagung waren für die Ver^ini^t n
Staaten höchst befriedigend. Abänderungen des Abkommens so len u
einer g ößeren Stabilität in den bereits existierenden V r inba ungen über Zolltarifkonzessionen führen. Es wurden w rksamere n
einfachere Bestimmungen über den Ausgleich der Z a h u gsbilanzen ausgear e tet darunter Sonderbestimmungen, die den spe iellen Bedirf
niss n junger Staaten Rechnung tragen. Diese revidiert n Be c t nmungen
treten in Kraft, sobald sie von den Partnerstaaten d^s GATT akzeptiert worden sind.
Darüber hinaus wurde ein Abkommen über die Organisa l
für
gemeinsamen Handel vorbereitet. Dieses Abkommen ist dem ong eß der
Vereinigten Staaten zur Billigung unterbreitet worden Ha ptzweck
der Organisation soll die Verwaltung d s Allgemeinen Z I - und Hände sabkommens sein. Die Funktionen der Organisation si d in hren
Statuten definiert.
Ausführliche Einzelheiten über die Ergebnisse der 9« Tagung
sowie der 8. Tagung, in deren Verlauf der Vorschlag z r Revidier ng
des GATT-Abkommens eingebracht worden war, finden sich in den Berichten
des Leiters der amerikanischen Delegation.
Abschnitt II
Zolltarifverhandlungen über die Beseitigung von Handelsschranken
sowie Angleichungen in den bestehenden Konzess onen
Zu den wichtigsten Ereignissen der jüngeren Ze t im nternati nalen Hände gehört die Aufnahme Japans in die Gemeinschaft der GATT-Länd
im September 1955. Japan hatte bereits bei der 8. Tagung der GATT-Lander hospitiert'., Die Aufnahme Japans war ein bedeutsamer Schritt auf
dem Wege zur Wiedereingliederung Japans in die Weitgemeinschaft de
handeltreibenden Völker.
Wenn Japan eine gesunde Wirtschaft haben und auf e genen Füßen
stehen soll, s muß ihm Gelegenheit für eine verst rkte Einschal+ung
in den internationalen Handel geboten werden, so w e dies durch d
Aufnahme in den GATT-Vertrag geschehen wird* Die B-teiligung an diesem
Abkommen mit den Aussichten auf größere Handelschan en für Japan verringert nicht nur d.e Gefahr, daß Japan immer mehr uf das von den
Kommunisten beherrschte asiatische Festland angewiesen ist, sondern
erweitert auch die Zahl der den Japanern offenstehe den Märkte der
freien Welt. Die Verhandlungen über die Aufnahme Jap ns begannen am
21. Februar 1955 in Genf, und am 7. Juni 1955 wurde -ch l-ßlich die
Urkunde zur Unterzeichnung aufgelegt. Siebzehn Lände , die alle Partnerstaaten des GATT sind, verhandelten mit Japan. Dies*- Länder waren

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20. Februar 1957

waren Burma, Chile, Dänemark, die Dominikanische Republik, Finnland,
Deuts hland, Griechenland, Indonesien, Italien, Kanada, Nikarag a.
Norwegen, Pakistan, Peru, Schweden, Uruguay und die Vereinigten Staaten. Die dabei ausgehandelten Konzessionen wurden im einzelnen vom
US Außenministerium am 1. Juni 1955 mit Drucksache Nr. 588 veröffentlicht .
Eine Anzahl von Ländern, die ebenfalls Mitgliedstaaten des GATT
sind, machten unter Berufung auf Artikel XXXV des GATT von hr-m Recht
Gebrauch nicht an den Verhandlungen teilzunehmen und gegenübe Japan
die GATT-Verpflichtungen, darunter auch die Bestimmung zur Einräumung
der Meistbegünstigungs-Klausel nicht anzuerkennen. Die Vereinig en
Staaten haben diese Länder immer wieder dazu zu bewegen versuch , ihre
Entscheidung zu revidieren und die Beziehungen mit Japan im vollen
Umfange der GATT-BeStimmungen aufzunehmen. Etwa die Hälfte dieser
Länder gesteht aber Japan jetzt schon de facto die Meistbegünstigung
zu, obgleich keine juristische Verpflichtung hierzu besteht.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wurde bei den Verhandlu
gen über die Handels- und Zollbestimmungen von folgenden Persönlichkeiten beraten:
Allan B. Kirne, Western Spring (Illinois), ehemaliger Präsident
des Amerikan sehen Bauernverbandes;
Bert Seidman, Washington D.C. Wirtschaftssachverständiger des
amerikanischen Gewerkschaftsverbandas AFL;
Russell G. Smith, San Francisco, Vizepräsident und Leiter der
Ausländsabteilung der Bank von Amerika;
Lawrence F. Whittemore, Concord (New Hampshire), Aufsichtsratsvorsi!zender der Brown Company (Holzschliff- und Papierfabrikation).
Die Genfer Zollkonferenz von 1956
In den ersten Monaten des Jahres 1956 nahmen die Vereinigten
Staaten an weiteren multilateralen Zollverhandlungen im Rahmen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens teil. Dieses Mal verhande ten
die Vereinigten Staaten auf Grund der Vollmachten, die dem Präsidenten
mit dem Ergänzungsgesetz von 1955 zum Gesetz über gegenseitige Handelsabkommenerteilt worden waren. Dieses Gesetz ermöglichte es dem Präsidenten, bestehende Zolltarife um insgesamt 15 Prozent in drei aufeinanderfolgenden Jahren zu senken. Ferner ermächtigte es den Präsidenten,
die über 50 Prozent des Warenwertes liegenden Zölle allmählich auf
50$ ad valorem zu reduzieren.
Die Verhandlungen, die auf dieser Ermächtigung basierten, führten zum Austausch von Zollkonzessionen auf der Basis der Gegenseitigkeit mit 21 Ländern (Australien, Belgien,
Bundesrepublik Deutschland, Chile, Dänemark, Dominikanische Republik, Finnland, Frankreich,
Haiti, Italien, Japan, Kanada, Kuba, Luxemburg, Niederlande, Norwegen,

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Norwegen, Österreich, Peru, Schweden, Türkei und Großbritannien). Die
Teilnahme der Hohen Behörde der Mortanunion an den Verhandlungen war
ein bemerkenswertes neues Charakteristikum. Hinsichtlich der Zölle
für Stahl und Eisen war die Köhe Behörde ermächtigt, als Vertreter
der sechs Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien,
Luxemburg und Niederlande) zu fungieren. Einzelheiten dieser Verhandlungen sind im Juni 1956 in Drucksache Nr. 63^8 des US-Außenministeriums
veröffentlicht worden.
Während dieser Zollverhandlungen fungierten als private Berater
der Delegation der Vereinigten Staaten:
Ellott V. Bell, Herausgeber und Verleger von "Business Week" lind
Generaldirektor der McGraw-Hill Publishing Company, Inc.;
Homer L. Brinkley, Vizepräsident des Nationalrates der Farmergenossenschaften ;
Bryant Essick, Präsident der Essick Manufacturing Company,, Los
Angeles, Kalifornien;
Stanley H. Ruttenberg, Leiter der Forschungsabteilung der Vereinigten Gewerkschaftsverbände AFL-CIO.
Angleichung bestehender Zollkonzessionen
Seit Anfang 1955 sind von den Vereinigten Staaten mit verschiedenen Ländern weitere Zollverhandlungen mit dem Ziel geführt worden,
bestehende Zollkonzessionen, die im Rahmen des GATT vereinbart worden
waren, zum Teil rückgängig zu machen. Diese Verhandlungen wurden auf
Grund der Bestimmungen von Artikel XXVITI des GATT und gemäß den in
der Deklaration vom 10.März 1955 festgelegten Verfahrensweisen geführt. Hierbei kamen die Partnerstaaten überein, auch in Zukunft die
bestehenden GATT-Tarife anzuwenden. Die Verhandlungen wurden so geführt, daß der allgemeine Stand der Zollkonzessionen durch Gewährung
neuer Konzessionen für abgeänderte Vereinbarungen erhalten wurde.
Im Rahmen dieser Bestimmungen haben die Vereinigten Staaten
Vereinbarungen mit 21 Ländern getroffen. Diese Länder sind Italien,
Peru, die Südafrikanische Union, die Türkei, Indien, die Niederländischen Antillen, Neuseeland, Nikaragua, Pakistan, Österreich; Ceylon,
Kuba, die Niederlande, Schweden, die Dominikanische Republik, Finnland,
Frankreich, Belgien, Kanada, Griechenland und die Bundesrepublik
Deutschland. Mit drei Ausnahmen (das heißt in den Verhandlungen
mit Kuba, den Niederländischen Antillen und Peru) stand in den Verhandlungen jeweils nur eine sehr geringe Anzahl von Artikeln zur Debatte. In jedem Fall wurde für eine zurückgezogene Konzession eine
andere gewährt.
Ein Widerruf bestehender Konzessionen erfolgte bei zirka 225 Artikeln, die für die Vereinigten Staaten von direktem Interesse sind.
Darüber hinaus waren die Vereinigten Staaten hinsichtlich eines Teiles der anderen Konzessionen, die in Verhandlungen zwischen anderen

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anderen Ländern abgeändert worden sind, auf Grund wesentlicher Handelsinteressen an den in Frage stehenden Artikeln indirekt betroffen.
Da die im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen vorgelegten Handelsstatistiken entsprechend dem Jahr, das den Verhandlungen zugrunde
gelegt wurde, variierten, kann hinsichtlich des Gesamt-Dollarwertes
des von den zurückgezogenen oder modifizierten Konzessionen betroffenen
Handelsvolumens keine exakte Angabe gemacht werden. Schätzungen ergeben,
daß der gesamte von den Abänderungen betroffene Handel - unter Zugrundelegung der Zahlen für 1954 - dreißig Millionen Dollar nicht übersteigt
und daß sich die neuausgehandelten Ausgleichskonzessionen in etwa der
gleichen Höhe bewegen. Am 1. Oktober 1956 machten die Vereinigten Staaten von einem Recht Gebrauch, das sie sich bei den ersten GATT-Verhandlungen von 1947 vorbehalten hatten, als sie die damals ausgehandelten
reduzierten Zollsätze für Wollgewebe in jedem Kalenderjahr auf eine
Importmenge beschränkten, die fünf Prozent der durchschnittlichen einheimischen Jahresproduktion entsprechender Gewebe, errechnet aus den
drei vorangegangenen Kalenderjahren, entspricht. Auf Grund des neuen
Verfahrens werden auch weiterhin in jedem Jahr Einfuhren bis zu einer
gewissen Menge (die nach der genannten Formel jährlich neu errechnet
und bekanntgegeben werden muß) nach den seit Anfang 1948 in Kraft befindlichen ermäßigten Tarifen importiert, während auf alle Einfuhren,
die über der genannten Menge liegen, die höheren, in der Vorbehaltsklausel spezifizierten Tarife erhoben werden. Für das vierte Quartal
1956 war die Quote auf 3,5 Millionen Ib. festgesetzt worden, den vierten Teil der Menge, die ihrerseits nicht weniger als fünf Prozent der
durchschnittlichen einheimischen Jahresproduktion entsprechender Gewebe
in den Vereinigten Staaten in den Jahren 1953 bis 1955 ausmacht. Innerhalb dieser Quote wurde keine weitere Kontingentierung etwa nach Jahreszeit, Ländern oder anderen Gesichtspunkten vorgenommen.
Abschnitt III
Reduzierung beziehungsweise Beseitigung von
Handelsschranken
Während der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre und in verstärktem Maße nach dem zweiten Weltkriege haben zahlreiche Länder zum Schutze
ihrer Zahlungsbilanz und aus verschiedenen anderen Gründen ihre Zuflucht
zu Devisenkontrollen und einer mengenmäßigen Einfuhrbeschränkung genommen. Als sich die Zahlungsbilanzen dieser Länder in den vergangenen
Jahren besserten, verstärkten die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen
um eine Reduzierung beziehungsweise Beseitigung dieser Handelsschranken.
Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen hat sich als ein brauchbares Instrument für diese Bemühungen erwiesen. Mit dem Beitritt zu
diesem Abkommen verpflichteten sich die einzelnen Länder, die zum Schutze
ihrer Zahlungsbilanz eingeführten Beschränkungen zu lockern und schließlich ganz aufzuheben, wenn sich ihre Zahlungsposition festigen sollte
und wenn ihre Gold- und Dollarreserven zunehmen würden. Diese internationalen Verpflichtungen bilden eine Diskussionsgrundlage bei den Tagungen
der im GATT zusammengeschlossenen Vertragsp'a'rtner. . Außerdem fallen sie

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�•&gt;

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sie ins Gewicht, wenn die Vereinigten Staaten über die traditionellen
diplomatischen Kanäle bei anderen Ländern in dieser Frage vorstellig
werden.
Das hatte zur Folge, daß die mengenmäßigen Beschränkungen für
amerikanische Güter erheblich reduziert wurden. Auch auf Seiten jener
Länder, die mit Schwierigkeiten im Hinblick auf den Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz zu kämpfen haben, ist die erfreuliche Tendenz zu beobachten,
ihre Außenhandelsbilanz nicht mehr allein durch mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen, sondern vornehmlich durch andere geeignete Maßnahmen ausgleichen zu wollen. So ergriff zum Beispiel Großbritannien in dem Bestreben, seine internationalen Zahlungsschwierigkeiten auszugleichen,
in den vergangenen Jahren zu inneren währungs- und finanzpolitischen
Maßnahmen, um den inflatorischen Druck zu verringern, der die Zahlungsbilanz und Devisenlage des Landes ungünstig beeinflußt hatte. Als der
Sterlingkurs infolge der Suezkrise erneut erschüttert zu werden drohte,
bewies Großbritannien wiederum seine Entschlossenheit, neue quantitative
Beschränkungen des Handels zu vermeiden. Im Dezember 1956 erhielt Großbritannien vom Internationalen Währungsfonds eine Kreditzusage mit
einem Limit von 1,5 Milliarden Dollar. Bei Bekanntgabe dieser Vereinbarung wies der Internationale Währungsfonds darauf hin, daß bei der
Einräumung eines Kredits in solcher Höhe der britische Entschluß,
keine neuen Handelsbeschränkungen einzuführen, eine wichtige Rolle
gespielt habe.
Die Arbeitstagungen des GATT als Mittel zur Reduzierung quantitativer
Einfuhrbeschränkungen
Drei verschiedene Verfahren stehen den Vereinigten Staaten bei
ihren Bemühungen, auf den Arbeitstagungen des GATT eine Reduzierung
oder gänzliche Beseitigung der den amerikanischen Handel behindernden
Restriktionen zu erreichen, zur Auswahl:
1. Formelle mehrseitige Konsultationen zwischen den Partnerstaaten mit dem Ziel, die Zahlungsposition eines Landes unter dem Gesichtspunkt seiner finanziellen Lage zu überprüfen und Mittel und
Wege zu finden, wie sich die dem Handel mit anderen Ländern auferlegten Beschränkungen am besten in ihren Auswirkungen mildern lassen.
Früher mußten nur diejenigen Länder, die auf Grund einer Ermessensbestimmung des Abkommens an den diskriminierenden Handelsrestriktionen
festhielten (im Jahre 1956 waren es Australien,Caiylon, Großbritannien,
Neuseeland und die Zentralafrikanische Union), einmal im Jahr an solchen Konsultationen teilnehmen, während sich die übrigen Länder nur
dann gegenseitig zu konsultieren brauchten, wenn sie irgendwelche
Handelsbeschränkungen zu verschärfen beabsichtigten. 'Wenn jedoch die
bereits fixierten Änderungen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens in Kraft treten, müssen alle Länder, die im Interesse ihrer
Zahlungsbilanz irgendwelche Beschränkungen beibehalten, sich gegenseitig regelmäßig konsultieren - und zwar die industriell entwickelten
Länder jährlich und die wirtschaftlich rückständigen Länder alle
zwei Jahre. In der Zwischenzeit wird als Überbrückungsmaßnahme im
Jahre 1957 ein erheblich erweitertes Programm gegenseitiger Konsultationen durchgeführt werden. Die Vertragspartner haben deshalb auf

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auf ihrer 11. Tagung einem amerikanischen Vorschlag zugestimmt, der
dahin geht, daß Länder, die aus finanziellen Gründen immer noch an
Einfuhrquoten festhalten, aufgefordert werden sollen, noch vor Beendigung der nächsten Tagung in Konsultationen einzutreten.
2. Die Vereinigten Staaten führen auf jeder dieser Tagungen aus
eigener Initiative zweiseitige Beratungen mit einer bestimmten Gruppe
von Ländern; solche Verhandlungen wurden durch die Anwesenheit von
Wirtschaftsexperten dieser Länder auf der Tagung und die dort allgemein herrschende günstige und wohlwollende Atmosphäre begünstigt.
Bei diesen zweiseitigen Konsultationen geht es nicht um generelle Fragen, wie etwa die Entwicklung auf finanziellem Gebiet. Vielmehr haben
sie das Ziel, die Auswirkungen solcher Restriktionen auf den Handel
mit bestimmten Erzeugnissen, an denen den Vereinigten Staaten besonders
gelegen ist, zu überprüfen und die Aussichten für einen verstärkten
Handel mit diesen Erzeugnissen zu bessern.
3. Das im GATT-Vertrag vorgesehene "Beschwerdeverfahren". Im
Rahmen dieses Verfahrens können die Vereinigten Staaten gegen ein Land,
das dem amerikanischen Handel unzulässige Beschränkungen auferlegt, Beschwerde führen und versuchen, von den Vertragspartnern eine Empfehlung
bezüglich eines Vorgehens zu erwirken, das dazu beitragen kann, diese
Beschränkungen zu lockern oder ganz zu beseitigen. Normalerweise werden
die Vereinigten Staaten sich erst dann dieses Verfahrens bedienen, wenn
diplomatische Vorstellungen oder die anderen vorstehend genannten Verfahren zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt haben.
Die Maßnahmen, die auf der 10. und 11. Tagung der GATT-Länder
(27. Oktober bis 3- Dezember 1955 beziehungsweise 11. Oktober bis 17.
November 1956) getroffen worden sind, um eine Lockerung der zum Schutze
einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz festgesetzten Einfuhrbeschränkungen
herbeizuführen, zeigen, wie diese drei Verfahren praktisch gehandhabt
werden.
Auf diesen Tagungen fanden multilaterale Beratungen mit Australien, Ceylon, Großbritannien, Neuseeland und der Zentralafrikanischen
Union statt, den fünf au jährlichen Konsultationen verpflichteten Ländern. Diese Beratungen wurden im Sinne der im Jahre 1955 niedergelegten
Richtlinien geführt, die sich als wesentlich geeigneter erwiesen, um
die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die den exportierenden Ländern aus den
Handelsbeschränkungen erwachsen und Klarheit darüber zu gewinnen, ob
eine vollständige Aufrechterhaltung der bestehenden Einfuhrbeschränkungen tatsächlich notwendig ist. Auf der 11. GATT-Tagung konnten sämtliche
Länder über gewisse Fortschritte hinsichtlich einer Lockerung der Restriktionen im Handel mit Dollarwaren berichten. Insbesondere Ceylon
hat praktisch sämtliche diskriminierenden Maßnahmen aufgehoben.
Während der 10. Tagung erörterte die amerikanische Delegation in
bilateralen Verhandlungen mit den Delegationen von neun anderen GATTLändern bestimmte Außenhandelsprobleme, die sich durch die Handhabung
der Einfuhrquoten ergeben hatten. Auf der 11. Tagung wurden mit 13
Ländern ähnliche Besprechungen geführt. Diese Diskussionen erwiesen
sich als äußerst nützlich, um die Aufmerksamkeit anderer Regierungen auf

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auf die Probleme zu lenken, die die Aufrechterhaltung der Einfuhrbeschränkungen für einzelne amerikanische Industrien mit sich bringt,
und um feste Zusicherungen zu erhalten, daß Maßnahmen zu einer Lockerung
dieser Beschränkungen getroffen oder erwogen werden.
Auf der 10. Tagung erörterten die Vertragspartner eine Beschwerde
der Vereinigten Staaten gegen die Bundesrepublik Deutschland, der vorgeworfen wurde, daß gewisse von ihr erlassene Vorschriften eine Beschränkung der amerikanischen Kohleneinfuhren bewirkt hätten. Die Beschwerde war bereits auf der 9» Tagung vorgebracht und dann bis zur
nächsten Tagung zurückgestellt worden, Schon kurz nach Beginn der
10. Tagung zogen die Vereinigten Staaten ihre Beschwerde zurück, nachdem Deutschland die Importrestriktionen auf amerikanische Kohle erheblich gelockert hatte. Im Juni 1956 wurde Kohle auf die DollarFreiliste gesetzt und kann seitdem nach Deutschland ohne jegliche Beschränkung eingeführt werden.
Eine wirksame Handhabung der sich bietenden Verfahren zusammen
mit einer Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in vielen Teilen
der Welt haben zu einer wesentlichen Lockerung der mengenmäßigen Beschränkungen amerikanischer Einfuhren geführt. Insbesondere gilt das
für die Zeit nach 1955»
Abschnitt IV
Besondere gesetzliche Vorschriften: "Rücktrittsklausel" und die
"Bedürfnisse unserer nationalen Sicherheit"
Unter den Fällen aus jener Zeit, bei denen es um die Anwendung
der Rücktrittsklausel ging, stand bei der Klage der Fahrradindustrie
am meisten auf dem Spiele. Die Zollkommission hatte in ihrer Mehrheit
festgestellt, daß die amerikanische Fahrradindustrie durch ausländische
Importe geschädigt werde; der Präsident schloß sich dieser Auffassung
an, setzte allerdings den Zoll nicht soweit herauf, wie dies beantragt
worden war. Der Präsident wies im Zusammenhang mit diesem Fall darauf
hin, daß neben den Feststellungen der Zollkommission und ihren Empfehlungen auch andere Faktoren zu berücksichtigen seien, es gelte auch
erstens den amerikanischen Konsumenten gegen unnötige und ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu schützen; zweitens den Erzeugnissen der
amerikanischen Landwirtschaft, unserer Industrie und dem Bergbau neue
Märkte zu erschließen; drittens das im Hinblick auf unsere eigene
nationale Sicherheit bestehende Interesse an der wirtschaftlichen
Stärke anderer Länder zu wahren und viertens den Verpflichtungen bezüglich der Kompensierung anderer Staaten im Falle der Annullierung
bestehender Konzessionen nachzukommen, die wir im Allgemeinen Zollund Handelsabkommen eingegangen sind.
Am 18. Januar 1956 legte die Zollkommission einen Bericht über
die Lage jener Betriebe vor, die Flußspat für Säuregewinmmg verarbeiten. In dem Bericht wurden gegenteilige Meinungen zum Ausdruck gebracht. Drei Mitglieder der Kommission vertraten die Ansicht, daß
die einheimische Industrie durch Einfuhren ernsthaft geschädigt werde,
und empfahlen eine Erhöhung der Zollsätze von 2,10 auf 5»6 Dollar pro
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pro Longton; die drei anderen Mitglieder der Kommission erblickten
dagegen in derartigen Einfuhren keine ernsthafte Schädigung der einheimischen Industrie. Bei Stimmengleichheit in der Zollkommission bestimmt das Gesetz, daß
der Präsident nach eigenem Ermessen jede
der beiden Feststellungen als Auffassung der gesamten Kommission ansehen kann. In diesem Falle entschied sich der Präsident für die Feststellung, daß die heimische Industrie zur Verarbeitung von hochwertigemFlußspat durch erhöhte Importe nicht ernsthaft geschädigt werde.
Der Antrag auf Anwendung der "Rücktrittsklausel" im Falle von Flußspat ist nicht identisch mit dem Ersuchen um Abhilfe, das die heimische
Industrie an das Amt für Verteidigungshilfe gemäß den Abänderungsbestimmungen bezüglich der Gewährleistung der nationalen Sicherheit aus
dem Jahre 1956 zum Ergänzungsgesetz zum Gesetz über gegenseitige Handelsabkommen gerichtet hat.
Im Falle von Leinendrell-Handtüchern kam die Bundeszollkommission
zu dem Schluß, daß die heimischen Herstellerfirmen durch Einfuhren gefährdet seien. Sie empfahl daher, daß der Zoll auf Handtücher aus
Flachs, Hanf und Nessel, die nach Absatz 1010 des Zollgesetzes vom
Jahr 1930 zollpflichtig sind, von 10 auf 40$ ad valorem erhöht wird,
um dieser Gefährdung der einheimischen Wirtschaft zu begegnen. Diese
Empfehlung wurde angenommen.
Am 14. Juni 1956 gab die Zollkommission einen Bericht bezüglich
der Paraaminosalizylsäure und deren Salze ab, in dem gegenteilige
Meinungen zum Ausdruck kamen. Drei der Mitglieder der Kommission vertraten die Auffassung, daß amerikanische Firmen durch Importe gefährdet seien und empfahlen, daß der Zoll von 3/5 Cent pro Pfund
plus 25&gt; ad valorem auf 5 Cent pro Pfund zuzüglich 35/° ad valorem
erhöht wird. Die anderen drei Mitglieder der Kommission sahen dagegen
eine Gefährdung der heimischen Industrie als nicht gegeben an. Der
Präsident schloß sich am 10. August 1956 der Auffassung an, daß die
heimische Industrie keine Schädigung erleide.
Am 13. November 1956 wies der Präsident eine Empfehlung der
Zollkommission zurück, mit der eine Erhöhung des Zolls auf Ferrocer
(für Feuerzeuge) und alle anderen metallischen Cerverbindungen um
]QQa/c angestrebt wurde. Der Präsident brachte in einem Schreiben an
die Vorsitzenden des Senatsausschusses für Haushalts- und Finanzfragen beziehungsweise des Ausschusses für Haushalts-, Steuer- und
Finanzfragen des Repräsentantenhauses zum Ausdruck, daß er keinerlei
hinreichende Beweise dafür als gegeben erachte, daß die Schwierigkeiten der einschlägigen amerikanischen Industrie auf Einfuhren zurückzuführen seien.
Am 12. Oktober 1956 empfahl die Zollkommission dem Präsidenten
die Zölle für Seefischfilet, soweit sie gegenwärtig 1 7/8 Cent pro
Pfund betragen,auf 2,8125 Cent pro Pfund und soweit sie 2 1/2 Cent
pro Pfund betragen,auf 3»75 Cent pro Pfund heraufzusetzen. Am 10.
Dezember 1956 wies der Präsident unter Hinweis auf die seitens der
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen zur Unterstützung der Fischfilet-Verarbeitungsbetriebe den Antrag der Zollkommission zurück und

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und gab seinen Zweifeln Ausdruck, daß eine Zollerhöhung die grundlegenden Probleme dieses Industriezweiges zu lösen vermöchte. Er verwies auch auf die Tatsache, daß die davon betroffenen Staaten eng mit
uns befreundet sind, und daß ihre wirtschaftliche Stärke für uns in
dem fortgesetzten Ringen gegen die Bedrohung des Weltkommunismus von
strategischer Bedeutung sei.
Am 24. Oktober 1956 traf die Kommission die Feststellung, daß die
Einfuhr an Baumwollsamt die heimische Industrie erheblich schädige.
Die Kommission empfahl, daß der Zoll auf ungemusterten Baumwollsamt
von 25% ad val'orem auf 46 7/8/0 erhöht und der Zoll auf gemusterten
Baumwollsamt von gegenwärtig 25 Cent pro Quadratyard bei mindestens
22 l/2%, aber höchstens 30% ad valorem auf 56 1 /A/e ad valorem erhöht
wird. Eines der Mitglieder der Kommission vertrat eine abweichende
Meinung und schlug eine Erhöhung auf 44% ad valorem für beide Baumwollsamtarten vor. Am 21. Dezember 1956 teilte der Präsident den
Vorsitzenden des Senatsausschusses für Haushalts- und Finanzfragen
beziehungsweise des Ausschusses für Haushalts-, Steuer- und Finanzfragen des Repräsentantenhauses mit, daß die Exekutive den Bericht
der Zollkommission eingehend überprüfen werde, daß hierzu jedoch im
Hinblick auf die besondere Lagerung dieses Falles der übliche Zeitraum
von 60 Tagen nicht ausreichen werde.*
Neben den vorstehend erwähnten Fällen sind gegenwärtig noch weitere 5 Anträge auf Anwendung der Rücktrittsklausel anhängig. Sie
beziehen sich auf Geigen und Bratschen, Gingham-Baumwollstoffe **,
Nadeln, Sicherheitsnadeln und bestimmte Juteerzeugnisse.
Das Gesetz sieht vor, daß Maßnahmen auf Grund der Rücktrittsklausel solange in Kraft bleiben sollen, als dies für die Vermeidung
beziehungsweise Beseitigung von Schwierigkeiten erforderlich ist.
Der Präsident hat die Zollkommission in einem Erlaß angewiesen, die
Entwicklung im Falle von Waren, bei denen Maßnahmen im Sinne der
Rücktrittsklausel verfügt worden sind, laufend zu beobachten und in
periodischen Abständen über sie zu berichten. Nach dem 1. Juli 1955
hat die Zollkommission solche Berichte über Damen-Felbelhüte und
Hutstumpen, Hutpelzbesatz, getrocknete Feigen sowie Uhren und Uhreneinzelteile vorgelegt. Die Kommission kam in jedem einzelnen Falle
zu der Feststellung, daß sich eine erneute Überprüfung der bezüglich dieser Waren getroffenen Maßnahmen nicht rechtfertige; der
Präsident schloß sich dieser Auffassung an.
Nationale
*

Am 22. Januar 1957 gab der Präsident bekannt, daß er sich im Hinblick
auf die Ankündigung Japans über eine zu errichtende eingehende Kontrolle der japanischen Ausfuhren an Baumwollstoffen nach den Vereinigten Staaten entschlossen habe, hinsichtlich der Empfehlung der
Zollkommission bezüglich der Anwendung der Rücktrittsklausel auf
Baumwollsamt weiter nichts mehr zu unternehmen.
**

Die Zollkommission gab am 29. Januar 1957 bekannt, daß sie ihre Erhebungen im Falle von Gingham-Baumwollstoffen auf Ersuchen der Antragsteller eingestellt habe.
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20. Februar 1957

Nationale Sicherheit und Expansion des Außenhandels
Abschnitt 7 des Ergänzungsgesetzes vom Jahr 1955 zum Gesetz über
gegenseitige Handelsabmachungen weist den Direktor des Amtes für
Verteidigungsmobilisierung an, dem ffräsidenten davon Mitteilung zu
machen, falls er zu der Auffassung gelangen sollte, daß irgendeine
Ware in Mengen nach den Vereinigten Staaten eingeführt wird, die geeignet scheinen, die nationale Sicherheit zu gefährden. Gelangt der
Präsident nach einer Untersuchung der Angelegenheit zu der Auffassung,
daß tatsächlich eine solche Bedrohung vorliegt, so ist er ermächtigt/
"ihm geeignet erscheinende Maßnahmen zu ergreifen, um die entsprechenden Einfuhren auf einen Stand zu bringen, der eine Gefährdung der nationalen Sicherheit ausschließt."
Am 26. Februar 1955» also vor dem Erlaß des Ergänzungsgesetzes
von 1955 zum Gesetz über gegenseitige Handelsabkommen, hatte der Beratungsausschuß des Präsidenten für Fragen der Energiewirtschaft,
dessen Vorsitz der Direktor des Amtes für Verteidigungsmobilisierung
führt, dem Präsidenten Vorschläge bezüglich der Einfuhren von Rohöl
und Schwerölen unterbreitet. Der Direktor des Amtes für Verteidigungsmobilisierung hatte damals angeregt, daß Ölimporteure von sich aus
ihre Einfuhren freiwillig auf der yom Ausschuß empfohlenen Höhe halten
sollen. Der Beratungsausschuß bestätigte am 17- Oktober 1956 die im
Jahr 1955 festgesetzten Einfuhrmengen.
Auf Grund eines Antrages, dem eine Gruppe von Erdölfirmen gemäß
Abschnitt 7 des Gesetzes gestellt hatte, hielt das Amt für Verteidigungsmobilisierung am 22. Oktober 1956 eine öffentliche Informationssitzung zur Frage der öleinfuhr ab. Am 4« Dezember 1956 teilte der
Direktor des Amtes für Verteidigungsmobilisierung mit, daß er angesichts der Lage im Nahen Osten die weitere Behandlung des Antrags der
Erdölindustrie ausgesetzt habe. Er wies in der diesbezüglichen Mitteilung darauf hin, daß die Einfuhrprogramme der Importfirmen, wie
sie dem Amt für Verteidigungsmobilisierung unterbreitet worden sind,
erkennen lassen, daß die Pläne, die die Importfirmen für das Jahr
1957 aufgestellt hatten, im Falle ihrer Durchführung als den Empfehlungen des Ausschusses zuwiderlaufend hätten angesehen werden müssen.
Sie hätten damit eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dargestellt,
so daß ihm keine andere Wahl geblieben wäre, als dem Präsidenten
gemäß Abschnitt 7 des Ergänzungsgesetzes vom Jahr 1955 zum Gesetz
über gegenseitige Handelsabmachungen hierüber Mitteilung zu machen.
Am Jahresende lagen dem Amt für Verteidigungsmobilisierung Anträge auf Einfuhrbeschränkungen vor, gemäß der Zusatzklausel über die
Gewährleistung der nationalen Sicherheit, von Seiten amerikanischer
Herstellerfirmen von Seilerwaren, steingelagerten Uhren, Weckern und
Wanduhren, körnergelagerten Uhren, Analysen-Waagen, Fieberthermometern, Wollfilz, Wollstoffen und Holzbooten. Im Falle der Seilererzeugnisse wurde eine öffentliche Informationssitzung abgehalten.
Zur Frage der Einfuhr von steingelagerten Uhren, Weckern und Wanduhren sowie körnergelagerten Uhren wurde eireInformations sitzung
auf den 7. Januar 1957 anberaumt. Eine Inlormationssitzung im Falle
von Flußspätwurde auf Ersuchen der einschlägigen Industrie abgesagt.
Abschnitt V
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�'AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. Februar 1957

Abschnitt V
Die Entwicklung auf Grund bilateraler Handelsverträge
Die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Argentinien, Honduras, Persien, Island, Paraguay, Salvador, Schweiz und
Venezuela, die sämtliche nicht der GATT angehören, wurden auch weiterhin über bilaterale Handelsverträge abgewickelt, die gemäß der Gesetzgebung über Handelsverträge abgeschlossen worden sind.
Am 8. Juni 1955 wurde mit der Schweiz ein Zusatzabkommen zum Handelsvertrag abgeschlossen. Es sah zusätzliche Zollkonzessionen seitens
der Vereinigten Staaten vor, um die Schweiz für die Erhöhung der Zollsätze auf die Einfuhren bestimmter Uhren und Uhrwerke nach den Vereinigten Staaten zu entschädigen. Diese Erhöhung der Zollsätze trat am
27. Juli 1954 in Kraft und geht auf eine Entscheidung des Präsidenten
bezüglich einer Empfehlung der Zollkommission über die Anwendung der
Rücktrittsklausel zurück.
Ein Notenwechsel mit Island vom 5« und 6. März 1956 hatte eine
Vereinbarung zum Inhalt, die Sparte "Büchsenthunfisch in Salzlauge"
von den amerikanischen Zollkonzessionen auf Fische in Dosen,die mit
dem Handelsabkommen zwischen den beiden Ländern vom Jahre 1943 eingeräumt worden waren, auszunehmen. In ähnlicher Weise machten die Vereinigten Staaten von dem Recht Gebrauch, das sie sich bei den Verhandlungen mit Japan zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Landes in die GATT
im Jahre 1955 ausbedungen hatten, den Zoll auf Einfuhren von Büchsenthunfisch in Salzlauge zu erhöhen, soweit diese 20$ der heimischen
Produktion an Thunfischen in Dosen überschreiten. In Zukunft wird
der Zolltarif auf Büchsenthunfisch in Salzlauge immer dann automatisch
von 12,5$ auf 25$ ad valorenr. erhöht werden, wenn die Einfuhren eines
Jahres 20$ der heimischen Produktion an Büchsenthunfisch aus dem Vorjahr erreichen.
Ein zweiseitiges Handelsabkommen mit Guatemala wurde am 14» Oktober 1955 in gegenseitigem Einverständnis aufgehoben. Guatemala hatte
größere Schwierigkeiten, den Verpflichtungen aus dem Abkommen voll
nachzukommen. Zum Zeitpunkt der Aufhebung erklärte die guatemaltekische Regierung, daß sie einen Anschluß an die GATT in Erwägung ziehe
und eine diesbezügliche Untersuchung einleiten werde.
Ein zweiseitiges Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und Ekuador wurde gleichfalls mit gegenseitigem Einverständnis zum
16. Juli 1956 außer Kraft gesetzt. Der Grund für die Kündigung dieses
Abkommens ist in der Tatsache zu sehen, daß Ekuador nicht in der Lage
war, die Zollsätze aufrechtzuerhalten, die es im Rahmen dieses Abkommens zugestanden hatte.
Gemäß Abschnitt 6 des Ergänzungsgesetzes von 1951 zum Gesetz
über gegenseitige Handelsabkommen führten die Vereinigten Staaten
Verhandlungen mit anderen Ländern mit dem Ziel, bestehende Handelsabkommen um Bestimmungen im Sinne der Rücktrittsklausel zu erweitern

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20. Februar 1957

erweitern und somit den Verpflichtungen aus dem genannten Abschnitt
des Gesetzes gerecht zu werden. Nach Kündigung des Handelsvertrags
mit Ekuador bestehen nur noch 2 amerikanische bilaterale Handelsabkommen, die keine Rücktrittsklausel beinhalten .Es sind dies die Handelsabkommen mit Honduras und Salvador. Wie in dem Bericht des Präsidenten über die Rücktrittsklauseln in Handelsverträgen an den Kongreß (10. Juli 1952) angekündigt, wurden im Hinblick auf die beiden
genannten zweiseitigen Handelsabkommen keine weiteren Schritte unternommen. Es wäre nämlich bei jedem diesbezüglichen Schritt damit zu
rechnen gewesen, daß der Versuch gemacht werden würde, die Handelsverträge voll neu auszuhandeln,' damit hätte man eine Situation heraufbeschworen, die noch weit weniger befriedigend wäre als die gegenwärtige.

* * * * *

�WJ./20.2.1957
AUFGABE UND STELLUNG DER USA IN DER WELTWIRTSCHAFT

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der amtierende stellvertretende Staatssekretär für
Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium,Thorston
V. Kalijarvi, am 12. Februar 1957 vor der 4« Bundeskonferenz für Fragen der Internationalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Washington gehalten hat.

In unregelmäßigen Abständen flackert bald hier, bald da die
Flamme der Krisis auf und beleuchtet dann bald diese, bald jene gefährliche weltpolitische Situation. Und in ihrem hellen Licht begreifen dann wohl die meisten beobachtenden Zuschauer, daß sie nicht nur
Zeuge einer politischen, sondern auch einer wirtschaftlichen Entwicklung sind. Die Suezkrise zum Beispiel zeigt, welch -enger Zusammenhang
zwischen öl, Schiffahrtsrouten und Bewässerungsproblemen einerseits
und Fragen der nationalen Würde, des persönlichen Prestiges, der
nationalen Sicherheit und des Kolonialgeistes andererseits bestehen
kann.
Es ist sehr bedauerlich, daß manche Menschen wohl einen klaren
Blick für die wirtschaftlichen Aspekte großer Umwälzungen und Krisen
besitzen, daß ihr Blick aber immer dann unscharf wird, wenn es darum
geht, die in der Tagespraxis bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen beispielsweise den gegenseitigen Handelsaustausch und die technische
Hilfe - in ihrer Bedeutung richtig einzuschätzen.
Die feste Grundlage, die die Tagespraxis der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit und der damit verbundene segensreiche Wandel ohne das
lähmende Chaos der Zerstörung geschaffen hat, ist eine unabdingbare
Notwendigkeit für unsere Sicherheit und unsere Wohlfahrt in einer
Welt, die in atemberaubendem Tempo von einer Änderung zur anderen
hastet. In der Welt von heute ist eine wirtschaftliche "Festung
Amerika" ebenso wenig mit unseren nationalen Interessen vereinbar,
wie irgendeine andere Art "Festung Amerika". Unser Land kann sich
weder militärisch, noch politisch oder wirtschaftlich allein auf
sich selbst verlassen, denn wir haben heute eine völlig veränderte
Welt vor uns.
Wer

1

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20. Februar 1957

Wer unter Ihnen das Buch "The Education of Henry Adams" (Die Erziehung des Henry Adams), die Autobiographie eines Großenkels des Präsidenten John Adams, gelesen hat, wird sich vielleicht daran erinnern,
daß Henry Adams zu der Schlußfolgerung gelangt, der Westen sei in der
Zeit vom 12. Jahrhundert bis 1900 auf einem ununterbrochenen Weg und
mit sich ständig steigerndem Tempo von einer einheitlichen Gesellschaft
zu einer multiplen Gesellschaft übergegangen, Adams, der sein Buch im
ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts geschrieben hat, führte aus, daß
die Kohlenförderung der Welt beziehungsweise die aus ihr gewonnene
Energie sich von 1840 bis 1900 von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verdoppelt
habe. Eine ähnliche Entwicklung sei auf dem Sektor der Energiegewinnung
aus chemischen Umsetzungen, der elektrischen Energie und anderer Energiequellen zu verzeichnen. Sowohl die zur Verfügung stehenden Energiequellen als auch die Komplexität der geistigen Entwicklung übersteigen
jedes bisherige Maß. Adams vertrat die Überzeugung "je mehr die Natur
die verborgenen Energien entwickelt, je mehr zeigen sie die Tendenz,sich
zerstörend auszuwirken", und er fährt fort, daß der Mensch "hilflos
stöhnte, aufschrie und zurückschauderte und dennoch die Entwicklung
nicht eine Sekunde anhalten konnte."
Adams war überzeugt, daß sich die Schwierigkeiten im Erziehungsund Bildungswesen im Rhythmus des Anstiegs der Kohlenförderung verdoppelt haben. Er erklärte, daß die Entwicklung in Richtung auf eine multiple
Gesellschaft, sofern sie sich noch eine weitere Generation mit gleicher
Beschleunigung fortsetzt, "ein neues soziales Denken notwendig machen
werde". Und nun kommt das Entscheidende; die Entdeckung des Radiums veranlaßte Adams zu der Feststellung, daß der Mensch eine völlig neue
Energieform gefunden habe, daß die menschliche Erkenntnis" in eine neue
Phase eingetreten sei, die neuen Gesetzen unterliege", und daß das
Denken, sofern es erfolgreich auf diese Entwicklung reagieren soll,
"einen Sprung machen müsse".
Diese Worte, die uns so modern anmuten, wurden vor 50 Jahren geschrieben, Ich muß es den Philosophen und vielleicht auch den Theologen
überlassen, die Gültigkeit der Geschichtstheorie von Henry Adams zu beurteilen, und nur sie können eine Voraussage darüber machen, wohin uns
das Gesetz der Beschleunigung, sofern es hier gültig ist, eines Tages
noch führen wird. Wir müssen aber auf jeden Fall zugeben, daß diese Beschleunigung mit Bezug auf die
Entwicklung der Energiequellen und
hinsichtlich der wachsenden Vielschichtigkeit des Lebens im 20.Jahrhundert angehalten hat, und daß dadurch die politischen Probleme noch
verschärft worden sind. Wenn Adams schon die Entwicklung des 19.Jahrhunderts
mit Schrecken verfolgte, was würde er zu der Welt von 1957» zu Atomkraft,
Düsenflugzeugen und Elektronenrechenanlagen, sagen?
Ich habe Henry Adams erwähnt, um die Dynamik der modernen Geschichte
zu illustrieren. Wir können dem nationalen Interesse nicht damit dienen,
daß wir uns selbst glauben machen, das Leben auf diesem Planeten sei noch
das gleiche wie vor 100 Jahren oder auch nur wie vor 10 Jahren. Und wir
wissen ferner, daß der Wandel weitergehen wird und voraussichtlich sogar
noch schneller als gegenwärtig.
Es ist nicht damit getan, daß wir uns mit der Unvermeidbarkeit des
Wandels abfinden. Wir müssen uns in unserem Denken auf diesen Wandel
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Wandel einstellen. Wir verzweifeln nicht an ihm, denn wir vertrauen
auf die Fähigkeit des Menschen, den Gang des Wandels zu beeinflussen.
Es ist richtig, wir haben nicht denselben zweifelfreien Glauben an den
automatischen und unausweichlichen Fortschritt, den die meisten Amerikaner im 19«Jahrhundert besessen haben. Das heitere und rosige Bild,
das wir uns von der Zukunft gemacht hatten, wurde zerschlagen; und vielleicht ist das sogar gut, sofern wir uns unseren Mut,unsere Tatkraft und
unsere Prinzipien als unverlierbaren Besitz erhalten können. Wir wissen
heute, daß sich der Mensch den Fortschritt sauer verdienen muß - und
unter Fortschritt verstehe ich die Entwicklung des menschlichen Denkens
in einer Weise, die es uns gestattet, jener Kombination von physischen
und menschlichen Kräften Herr zu werden, die uns zu verschlingen droht.
Das ist sowohl die Aufgabe als auch das Risiko, denen sich die Völker
dieser Erde gegenübersehen.
Worin besteht nun die eigentliche Hoffnung des Menschen, dieser
Kräfte Herr zu werden? Wenngleich niemand eine vollständige Antwort
auf diese Frage zu geben vermag, so kann man doch wohl mit Sicherheit
sagen, daß Völker, die ihren Weg allein für sich gehen wollen, dieser
Kräfte nicht Herr werden können. Vielleicht hat das menschliche Denken
noch nicht jenen "Sprung" getan. Es hat aber wohl erfaßt, daß es notwendig ist, gemeinsam Hand an diese Aufgabe zu legen. Und so ist es auf
weltpolitischem Gebiet heute doch ein sehr ermutigender Tatbestand, daß
das stärkste Land der Erde seine Außenpolitik auf eine internationale
Zusammenarbeit abgestellt hat.
Wenn ich über die Wandlungen spreche, die sich in der uns umgebenden Welt vollziehen, dann darf ich wohl sicher sein, daß Sie meine,Zuhörer, wissen, daß ich mich nicht nur auf Dinge und Ereignisse in anderen Kontinenten beziehe, auch wenn die dortigen Ereignisse von größter
Tragweite sind. Auch unsere Welt ist im Wandel begriffen,und Sie, die
Sie hier versammelt sind, haben mit zu diesem Wandel beigetragen. Unter
den historischen Veränderungen globalen Ausmaßes unserer Zeit gehören die
sprunghafte Expansion der Wirtschaft der Vereinigten Staaten und das
daraus resultierende Vorrücken unseres Landes auf eine dominierende Position in der Weltpolitik mit zu den bedeutendsten Entwicklungen.
Während der letzten beiden Jahrzehnte haben die Amerikaner erkannt,
daß ihr Land eine Weltmacht geworden ist und damit auch die Verantwortung für die Welt mittragen muß. Und sie haben Zug um Zug einsehen gelernt, daß ein Land unserer Stärke angesichts seiner Tradition der Achtung vor dem einzelnen seinen großen Einfluß nur unter völliger Anerkennung des Grundsatzes geltend machen darf, daß alle Menschen mit den
gleichen Rechten und mit der gleichen Würde ausgestattet sind und den
gleichen Wert besitzen - unabhängig davon, ob sie in den Vereinigten
Staaten oder sonstwo auf dieser Erde leben. Die Amerikaner haben begriffen, daß ohne Anerkennung dieser Wahrheiten jede echte Zusammenarbeit unmöglich ist, und daß sich ohne sie die Probleme der Menschheit
nicht lösen lassen.
Die meisten unter uns gehensich aber mit diesen großen, festgefügten und unverpflichtenden Verallgemeinerungen zufrieden; die Schwierigkeiten setzen immer dann ein, wenn solche Verallgemeinerungen der harten

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harten Belastungsprobe der Realität ausgesetzt werden. Und unglücklicherweise gibt es unter uns viele, die in ihrem Denken auf halbem Wege
stehen geblieben sind und deshalb gelegentlich so handeln können, als
sei die Zusammenarbeit eine restlos einseitige Angelegenheit.
So befürworten sie beispielsweise eine Ausweitung unseres Exports
und sträuben sich gegen jede Erhöhung unserer Einfuhr.
Sie begreifen die lebenswichtige Bedeutung einer Expansion des
Handelsvolumens für die Sicherheit und das Wohlergehen unseres Landes,
aber sie gehen darin nicht so weit, die Schaffung eines leistungsfähigeren internationalen Apparates für den gemeinsamen Handel zu unterstützen.
Sie glauben, daß Freiindschafts-, Handels- und Schiffahrtsverträge
eine feine Sache sind, insofern als sie die Rechtstellung unserer Bürger
gewährleisten; sie scheinen aber der Auffassung zu sein, daß irgend
etwas nicht stimme, wenn solche Verträge die Waren eines anderen Landes
gegen jegliche Diskriminierungen auf unseren eigenen Märkten schützen.
Sie verlangen von anderen Ländern, daß sie das Klima für amerikanische private Auslandsinvestitionen günstiger gestalten, aber sie
stellen sich hinter Gesetze der Einzelstaaten, die ausländischen Privatfirmen das Recht untersagen können, auf amerikanischem Boden einen
Zweigbetrieb zu errichten«
Sie haben es versäumt, sich den Grundsatz zu eigen zu machen, daß
unser Programm zur gemeinsamen Sicherheit - einschließlich des wirtschaftlichen Teiles - sowohl unserer eigenen Sicherheit und Prosperität
als auch der Unabhängigkeit und dem Wohl anderer Staaten zu dienen habe.
Deshalb glauben sie, sobald sich irgendein Land als nicht besonders
dankbar erweist, dieses Programm sei ein völliger Fehlschlag und sollte
am besten restlos über Bord geworfen werden.
Wir alle pflichten der Auffassung bei, daß eine freie Wirtschaft
mehr produzieren und den Menschen einen höheren Lebensstandard verschaffen kann, als eine Wirtschaft, die monopolistischen Praktiken,
Handelsbeschränkungen und übermäßigen Regierungskontrollen unterliegt.
Deshalb ist es die Politik der Vereinigten Staaten, die freie Wirtschaft
überall in der freien Welt zu fördern. Aber andere Länder haben das
Recht, selbst darüber zu entscheiden, welche Wirtschaftsform sie sich
zu geben wünschen. Wir wollen lediglich die anderen Völker in ihrem
Vertrauen darauf bestärken, daß auch sie die Fähigkeit besitzen,über
freie eigene Institutionen am allgemeinen Fortschritt teilzuhaben.
Ich sage mit Absicht "eigene" Institutionen, weil es Leute gibt, die
diesen Unterschied noch nicht bemerkt haben, und die es als eine unverzeihliche Sünde ansehen, wenn andere Völker sich unser Wirtschaftssystem nicht von heute auf morgen und ohne jegliche Rücksichtnahme
auf ihre eigene politische und wirtschaftliche Situation zu eigen
machen.

Es

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Es ist gelegentlich so, daß Menschen die Realitäten einer internationalen Zusammenarbeit klar erkennen, mit Ausnahme der Realitäten in
jenem kleinen toten Gesichtswinkel, in dem ihre eigenen privaten Interessen liegen.
Aber all diese Privatinteressen, die in dem toten Gesichtswinkel
des einzelnen liegen, summieren sich zu einem gewaltigen Faktor, der
einen erheblichen Druck ausübt und geeignet ist, unsere Außenpolitik
zu schwächen und den Einfluß der Vereinigten Staaten auf das Weltgeschehen zu verringern.
Nun, es sind nicht nur wir in den Vereinigten Staaten, die einen
solchen toten Blickwinkel haben, auch in anderen Teilen der freien
Welt gibt es Menschen, die in ihrem Denken noch nicht jenen Sprung getan haben, der sie die Realitäten einer Zusammenarbeit auf der Basis
der Gegenseitigkeit voll begreifen ließe. Da gibt es Menschen im Ausland, die glauben, daß ihre Regierungen den Vereinigten Staaten einen
großen und einmaligen Gefallen damit tue, wenn sie uns Stützpunkte
innerhalb ihrer Grenzen einräumen - Stützpunkte, die sowohl sie als
auch uns schützen. Dann gibt es jene, die nur unsere große wirtschaftliche Stärke wahrhaben und einfach nicht einsehen wollen, daß auch wir
unsere Probleme haben. Und wieder glauben welche, in jeder kleinen Änderung unserer Zolltarife gleich einen Umschwung unserer gesamten Außenhandelspolitik, in unserer Prosperität einen hemmungslosen Materialismus und in einer unvermeidbaren Weigerung unsererseits, ihnen Hilfe
in jedem gewünschten Ausmaß zu gewähren, eine brutale Mißachtung ihrer
eigenen Rechte erblicken zu müssen. Wir wollen frank und frei zugeben,
daß wir hier im eigenen Lande auf genau die gleiche Einstellung treffen
können, wie sie sich auch in anderen Ländern findet. Die Existenz einer
solchen Auffassung ist aber noch lange kein gültiges Argument zur Rechtfertigung einer einseitigen Einstellung unsererseits.
Wir müssen beharrlich und geduldig am Prinzip der Gegenseitigkeit,
der Zusammenarbeit mit anderen festhalten; wir müssen inmitten einer
Welt, die von Krisen bedroht ist und in der sich Veränderungen in
immer rasdherer Geschwindigkeit abspielen, schon im eigenen nationalen
Interesse so handeln.
Glücklicherweise setzt sich aber die Erkenntnis durch, daß es
ebenso klug wie vorteilhaft ist, unbeirrbar für eine wirtschaftliche
Zusammenarbeit einzutreten. Das zeigt sich nirgendwo besser als bei
der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der technischen Hilfs- und Austauschprogramme r an denen die Länder der freien Welt beteiligt sind. Die
Vereinigten Staaten gehören auf Grund der Bemühungen der privaten Wirtschaft, ihrer bilateralen Abmachungen mit freien Partnerstaaten und
ihrer Mitarbeit an internationalen Organisationen zu den eifrigsten
Befürwortern eines Austausches von Informationen und technischen Erfahrungen.
In der Antrittsrede zu seiner zweiten Amtsperiode erklärte Präsident Eisenhower: "... das amerikanische Beispiel des materiellen
Fortschritts hat mitgeholfen, daß das Sehnen aller notleidenden Völker

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Völker nach Befriedigung ihrer menschlichen Wünsche Auftrieb erhielt.
Wir können dazu beitragen, daß sich diese Hoffnungen, die wir inspirieren halfen, erfüllen."
Beim Aufbau ihrer eigenen Wirtschaft haben sich die Vereinigten
Staaten ausländischer Erfindungen, Erzeugnisse, Verfahren und auch
Gelder bedient, Kapital aus Frankreich und später aus Großbritannien,
den Niöderlanden und verschiedenen anderen Herkunftsländern wurde dazu
benutzt, den imposanten Bau, den unsere Wirtschaft heute darstellt,
aufzurichten. Noch im 20. Jahrhundert wurden verschiedene ausländische
Vieh- und Pflanzenrassen in den Vereinigten Staaten heimisch gemacht.
Wissenschaftler und Forscher aus der Alten Welt haben einen unermesslichen
Beitrag zu unserem Erziehungs- und Bildungswesen sowie zu unserer Wissenschaft geleistet, nicht nur in der Weise, daß Leistungen der Vergangenheit mit unserem gemeinsamen Kulturerbe auf uns überkommen sind,
sondern auch durch immer neue Beiträge in jeder Generation bis auf den
heutigen Tag, Unsere gesamte Atomforschung, die fortschrittlichste der
ganzen Welt, ist das gemeinsame Werk amerikanischer und ausländischer
Wissenschaftler. Diese Tatsachen werden leider nur allzuoft vergessen.
In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg befanden sich die Vereinigten Staaten, deren Industrie gerade einen Aufschwung erlebte, und
deren Land von jeglichen Zerstörungen verschont geblieben war, in der
einzigartigen Lage, ihre Methoden anderen Völkern jenseits ihrer nationalen Grenzen anbieten zu können. Über die Beihilfen und Anleihen
hinaus, die wir anderen Ländern gewährt haben, führten wir auf Wunsch
fremder Regierungen mehrere technische Hilfsprogramme durch. Wir erklärten uns dazu in dem Bewußtsein bereit, daß technische Fertigkeiten
nicht von allen in dem gleichen raschen Tempo erworben werden können,
so dringend sie auch gebraucht werden.
Wenn wir Amerikaner unser technisches Wissen mit den Entwicklungsländern geteilt haben, so geschah dies aus humanitären Überlegungen
heraus. Man verwechsle dies nicht mit Wohltätigkeit, denn wir verfolgen
eine Politik, die auf der Überzeugung beruht, daß sich eine solche
Zusammenarbeit auf lange Sicht gesehen für uns als auch für die Empfängerländer als vorteilhaft erweisen wird.
Ich habe heute weder die Zeit noch die Absicht, einen umfassenden
Überblick über die weltweiten Programme zur technischen Zusammenarbeit
zu geben, ganz zu schweigen von einer Würdigung unseres gesamten Auslandshilfeprogramms und dem verdienstvollen Wirken verschiedener privater Organisationen und Stiftungen auf diesem Gebiet.
In der mir noch zur Verfügung stehenden Zeit möchte ich statt
dessen auf zwei Dinge näher eingehen.

Als

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Als erstes möchte ich die Tatsache hervorheben, daß die Vereinigten Staaten - auch unabhängig von dem lebenswichtigen politischen Problem der Bekämpfung des Kommunismus - ein grundlegendes,
tiefverwurzeltes und bleibendes Interesse am wirtschaftlichen Wachstum
anderer Länder haben. Es sind heute fast zehn Jahre vergangen, seit der
ehemalige amerikanische Außenminister Henry L. Stimson die folgenden
Sätze niederschrieb.
"Ich habe nicht die Absicht, die Aufgaben zu bagatellisieren, vor
die wir uns angesichts des Kommunismus gestellt hehen. Ich möchte vielmehr darlegen, daß wir es mit einem Problem von wesentlicher Bedeutung
zu tun haben, das wir auch dann lösen müßten, wenn es überhaupt keinen
Kommunismus gäbe« Können wir Freiheit und Wohlstand zu einer Realität
unserer Welt von heute machen? Gelingt uns dies, dann stellt der Kommunismus keine Bedrohung mehr dar. Gelingt uns dies nicht, dann würde unsere Zivilisation schließlich mit oder ohne Kommunismus untergehen."
Diese Sätze Außenminister Stimsons haben auch heute noch ihre Gültigkeit. Wir bemühen uns,die Lebensbedingungen der Menschen zu bessern,
nicht um irgend etwas zu bekämpfen, sondern um etwas Positives zu
leisten.
Die Besserung der Lebensbedingungen der Menschen ist nicht nur
für die betreffenden Menschen selbst etwas Positives, sondern auch
für uns und für die gesamte Menschheit. Sie hilft den sogenannten
unterentwickelten Ländern ebenso wie den industriell hochentwickelten. Sie fördert den friedlichen Handelsaustausch, erschließt die
von uns benötigten Rohstoffquellen und begünstigt das Zusammenleben
der-Völker und das so notwendige gegenseitige Verständnis zwischen
ihnen.
Die alte, in früheren Jahrhunderten vorherrschende Auffassung,
eine hochentwickelte Volkswirtschaft könne es sich nicht erlauben,
die Entstehung anderer hochentwickelter - und damit angeblich mit ihr
in Wettbewerb tretender - Volkswirtschaften zu fördern, ist ebenso überholt wie die alte Pferdebahn.
Als zweites möchte ich noch einiges zur Teilnahme der Vereinigten
Staaten an multilateralen Programmen zur Verbreitung des technischen
Wissens bemerken. Mit diesen meinen Ausführungen über den Geist multilateraler Abmachungen möchte ich jedoch keineswegs die konkrete Bedeutung unserer bilateralen Programme für wirtschaftliche und technische
Zusammenarbeit verkleinern. Ich spreche über die multilateralen Programme,
weil die zweiseitigen Programme von anderen Rednern Ihrer Tagung ohnehin
eingehend erörtert werden.
Ich tue das auch in dem Bewußtsein, daß
bestimmte multilaterale Programme gerade gegenwärtig von den Vereinten
Nationen erörtert werden. Ich möchte mich hier auch auf jene Gruppe
von Programmen beschränken, mit denen wir bereits langjährige Erfahrungen sammeln konnten: die multilateralen technischen Hilfsprogramme .
Die

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20. Februar 1957

Die Vereinigten Staaten haben sich an der Verbreitung des technischen Wissens beteiligt, wie sie von den Vereinten Nationen über Sonderorganisationen wie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation,
der Weltgesundheitsorganisation, des Internationalen Arbeitsamtes und
der Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur versucht wird.
Wir gehören ferner noch weiteren internationalen Organisationen an,
deren Tätigkeit hauptsächlich auf die Förderung der wirtschaftlichen
Entwicklung durch Zusammenarbeit auf technischem Gebiet gerichtet ist.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, die gleichfalls
Sonderorganisationen der Vereinten Nationen sind, entfalten auf diesem
Gebiet ebenfalls eine rege Tätigkeit. Die Organisation für die Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa, die Organisation der amerikanischen Staaten und der Colomboplan dienen gleichfalls dem Ziel, die
technische Zusammenarbeit zu fördern.
Niemals zuvor sind die Hilfsmittel so vieler Länder für ein
wirklich weltumspannendes Projekt internationaler Zusammenarbeit mobilisiert worden, wie im Falle des erweiterten technischen Hilfsprogramms der Vereinten Nationen. In den seit Anlaufen des Programms
verstrichenen sechs Jahren wurden Sachverständige aus 77 Ländern für
die Aufgabe gewonnen, technische Kenntnisse und Erfahrungen auf den
verschiedensten Gebieten zu vermitteln.
Ich glaube, daß die meisten unter Ihnen wissen werden, welche
außerordentliche! Leistungen im Rahmen dieser Programms in allen Teilen der Welt erzielt wurden. Viele unter Ihnen haben selbst jene Länder besucht, auf die äich~das-Programm erstreckt und konnten sich von
den Vorteilen überzeugen, die es den Völkern dort bringt.
Auf Grund Ihrer eigenen persönlichen Erfahrungen, werden Sie
selbst Beispiele für solche Leistungen anführen können: Ausrottung
von Seuchen, Verbesserung des Erziehungswesens, erfolgreiche. Bekämpfung
des Analphabetentums,
• Steigerung der landwirtschaftlichen und industriellen Produktivität sowie Verbesserang der Staatsverwaltung und
des Straßen-, Eisenbahn- und Lufttransportwesens.
Es dürfte sich wohl erübrigen, ein Programm zu rühmen, das
allgemein als eine der erfolgreichsten Leistungen der Vereinten Nationen gilt; ich will daher lieber auf verschiedene Aspekte eingehen,
die unsere eigene Teilnahme an diesem Programm betreffen.
In den ersten sechs Jahren des Bestehens des erweiterten technischen Hilfsprogramms haben die Vereinigten Staaten eine führende Rolle
gespielt und sich beharrlich für eine uneingeschränkte Weiterführung
eingesetzt. Wir haben in diesen Jahren etwa 55 Prozent der insgesamt
143 Millionen Dollar, die diesem Programm freiwilliger Beiträge zugeflossen sind, aufgebracht. Wir haben übrigens unseren Anteil allmählich von 60 auf 50 Prozent reduziert. Unsere Zusicherungen für das
Kalenderjahr 1957 betragen 15»5 Millionen Dollar unter der Voraussetzung, daß die übrigen Staaten ihren Verpflichtungen voll nachkommen; es ist damit zu rechnen, daß unser Anteil im Jahre 1957 etwas
unter 50 Prozent sinken wird.
T

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Im Bewilligungsgesetz zum Programm für gemeinsame Sicherheit vom
Jahre 1957 bestimmte der Kongreß, daß der amerikanische Beitrag zum
technischen Hilfsprogramm im Jahre 1958 nicht mehr als 35 1/5 Prozent
der Gesamtaufwendungen betragen dürfe. Die Frage, wie die einzelnen
Länderbeiträge zu bemessen sind, ist nicht leicht zu lösen. Natürlich war damit zu rechnen, daß die hohen Beiträge, die die Vereinigten
Staaten in der Anlaufzeit des Programms geleistet haben, allmählich
verringert und der Anteil der übrigen Länder etwas erhöht werden würden.
Doch darum geht es hier nicht. Es geht vielmehr um folgende Fragen:
Wie rasch läßt sich unser Beitrag reduzieren, ohne daß das Programm
einen Rückschlag erleidet? Wie hoch soll unser Beitrag schließlich sein?
Und welcher Schlüssel ist für die Bestimmung des angemessenen Anteils
eines jeden Landes anzuwenden? Auf diese Fragen ist bisher keine endgültige Antwort gefunden worden.
Ich freue mich, daß Sie noch im Laufe dieses Tages Fragen des wirtschaftlichen Fortschritts, also Fragen der Zukunft behandeln und das Urteil hervorragender Sachverständiger zu diesem Thema hören werden. In
diesem besonderen Zusammenhang möchte ich auf einen Untersuchungsbericht
verweisen, der im vergangenen Mai von der Aufsichtsbehörde für das
technische Hilfsprogramm herausgegeben und im letzten Sommer vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen erörtert worden ist. Der
Generalsekretär der Vereinten Nationen hat alle am erweiterten Programm
beteiligten Regierungen um Stellungnahme zu diesem Bericht gebeten, der
weitreichende Folgen für die künftige Entwicklung des Programms haben
kann. Wir sind daran interessiert, zu erfahren, zu welchen Folgerungen
Sie im Hinblick auf dieses unerquickliche Thema gelangen werden.
Ein anderer Aspekt des erweiterten UN-Programms, der unsere ständige Aufmerksamkeit verdient und mehr oder weniger auch erfährt, ist
der Aufbau des Programms und seine Durchführung. Wir betrachten das
Programm nicht als etwas Statisches, und wir sind jederzeit bereit, konstruktive Vorschläge über notwendig erscheinende Verbesserungen zu prüfen. Wir sind dabei der Auffassung, daß das gegenwärtige System der frei
willigen Beiträge die geeignetste und wirksamste Finanzierungsmethode
ist. Die jetzige Methode der Ausarbeitung des Programms auf Grund der
Anträge der Empfängerländer, die damit selbst bestimmen können, was
ihnen für ihre wirtschaftliche Entwicklung als vordringlich erscheint,
hat sich bewährt und dient den Interessen sowohl aller beteiligten
Länder als auch der zuständigen Sonderorganisationen der Vereinten
Nationen. Wenn wir auch nicht glauben, daß wir hier - oder auf irgendeinem anderen Gebiet - etwas Vollkommenes geschaffen haben, so müssen
wir doch Änderungsvorschläge sorgfältig prüfen, um sicherzustellen, daß
es sich um konstruktive Änderungen handelt.
Wie im Falle der Frage der bilateralen und multilateralen Abmachungen über die technische Zusammenarbeit handelt es sich auch hier
nicht um ein "Entweder-oder", sondern um ein "Sowohl-als-auch". Es
geht um die Fragen: Wem, wie, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt geholfen werden soll.
Ganz

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20. Februar

1957

Ganz davon abgesehen aber hat das Prinzip, unsere technischen
Fertigkeiten mit anderen zu teilen, einen festen Platz in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten gefunden.
Es liegt nicht in unserer Macht, dem Wandel Einhalt zu gebieten.
Die Welt verändert sich ganz von selbst. Es liegt jedoch in der Hand
des Menschen, ob wir im Laufe des sich vollziehenden Wandels in ein
Chaos gestürzt werden, oder ob wir begreifen, daß wir unseren Weg Hand
in Hand gehen müssen.
Hierin sehe ich das wichtigste Problem, das wir zu lösen haben,
und wir wollen unsererseits nach Kräften zu seiner Lösung beitragen.
* * * * *

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I

I) I E N S T

Allg./27.2.1957

EISENHOWERt ISRAELI MUSS BESCHLÜSSEN DER
VEREINTEN NATIONEN NACHKOMMEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers vom 20» Februar
1957»in der er zu der gegenwärtigen kritischen
Lage im Mittleren Osten Stellung nahm.

"Ich trete heute erneut vor Sie hin, um über die Situation im
Mittleren Osten zu sprechen. Die Zukunft der Vereinten Nationen und
der Friede im Mittleren Osten stehen vielleicht auf dem Spiel.
In den vier Monaten, seit ich zuletzt über die Krise in diesem
Raum zu Ihnen sprach, haben die Vereinten Nationen beträchtliche
Fortschritte bei der Lösung einiger dieser schwierigen Probleme gemacht. Wir sehen uns heute jedoch vor einem schicksalsschweren Augenblick, da Israel sich weigert, seine Streitkräfte hinter die Waffenstillstandslinien zurückzuziehen, wie dies in den Resolutionen der
Vereinten Nationen zu dieser Frage vorgesehen ist.
Ich habe heute bereits mit den führenden Vertretern beider
Parteien im Senat und im Repräsentantenhaus konferiert, und wir
hatten einen überaus nützlichen Meinungsaustausch. Auf dieser Konferenz herrschte allgemein die Ansicht vor, daß ich die Situation
vor dem amerikanischen Volk darlegen sollte.
Bevor ich nun zu Ihnen über einzelne spezifische Fragen, um
die es geht, spreche, möchte ich klarstellen, daß es sich dabei
nicht um etwas weit Abliegendes und Abstraktes handelt, sondern um
Fragen, die die Zukunft eines jeden von uns in entscheidender
Weise berühren.
Der Mittlere Osten stellt eine Landbrücke zwischen dem eurasischen und dem afrikanischen Kontinent dar. Millionen von Tonnen
an Handelswaren gehen jährlich durch dieses Gebiet. Seine eigenen
Produkte, insbesondere das Erdöl, sind für Europa und die westliche

-1

�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

westliche Welt von entscheidender Bedeutung.
Die Vereinigten Staaten haben keine Ambitionen oder Wünsche in
bezug auf dieses Gebiet, die über den Wunsch hinausgingen, daß jedes
der dortigen Länder seine Unabhängigkeit aufrechterhalten und im
Innern sowie mit seinen Nachbarn in Frieden leben und durch eine
friedliche Zusammenarbeit mit anderen seine eigenen geistigen und
materiellen Hilfsquellen erschließen kann. Aber daß dies geschieht,
ist für den Frieden und unser aller Wohlergehen unerlässlich, dies
ist unser heutiges Anliegen.
Soomöchte ich Ihnen heute abend über die schwebenden Streitfragen berichten und die nach meiner Ansicht notwendige Haltung der
Vereinigten Staaten darlegen.
Als ich Oktober vergangenen Jahres zu Ihnen sprach, habe ich betont, die Vereinigten Staaten hätten voll und ganz eingesehen
daß
die militärischen Maßnahmen gegen Ägypten schweren und
wiederholten Provokationen entsprangen. Ich habe aber auch gesagt,
daß die Anwendung von militärischer Gewalt zur Lösung internationaler
Streitfragen nicht mit den Grundsätzen und Zielen der Vereinten Nationen, denen wir alle angehören, in Einklang gebracht werden kann.
Ich fügte hinzu, unser Land könne nicht die Überzeugung teilen, daß
der Ausweg zur Gewalt und zum Krieg auf lange Sicht den dauernden
Interessen der angreifenden Nationen - Großbritannien, Frankreich
und Israel - dienen würde.
So versprach ich damals, daß die Vereinigten Staaten durch die
Vereinten Nationen den Konflikt beizulegen suchen würden, um dann
einen Abzug der Invasionsstreitkräfte zu bewirken und erneute und
ernsthafte Anstrengungen durch die Weltorganisation machen zu können,
um für alle Beteiligten im Rahmen des Völkerrechtes die Gerechtigkeit
sicherzustellen.
Seit jener Zeit ist viel erreicht worden, und viele der durch
die Lage bedingten Gefahren konnten gebannt werden. Die Regierungen
Großbritanniens und Frankreichs haben ihre Streitkräfte aus Ägypten
abgezogen. Sie bewiesen damit ihre Achtung vor der öffentlichen Meinung der Welt, wie sie fast einstimmig durch die 80 Mitglieder der
Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebracht worden war.
Ich möchte der Klugheit dieses Handelns unserer Freunde und Verbündeten meine Achtung zollen. Sie haben einen ungeheuren Beitrag zur
Ordnung der Welt geleistet. Sie haben damit auch die anderen Nationen
der Welt vor die ernste Verpflichtung gestellt, darauf zu achten,
daß diese beiden Länder auf Grund ihrer Befolgung der Resolutionen
der Vereinten Nationen keine Nachteile haben. Dies gilt meiner Ansicht nach insbesondere für ihre vertraglichen Rechte in bezug auf
die Durchfahrt durch den Suezkanal, der durch den Vertrag aus dem
Jahre 1888 zu einem internationalen Wasserweg gemacht wurde.
Der
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27. Februar

1957

Der israelische Ministerpräsident versicherte mir Anfang November
in Beantwortung eines persönlichen Schreibens, daß Israel seine Streitkräfte bereitwillig zurückziehen würde, falls eine Polizeitruppe der
Vereinten Nationen ins Leben gerufen und in das Suezkanalgebiet einrükken würde. Diese Streitmacht wurde geschaffen und ist in das Kanalgebiet
einmarschiert.
In der Folge wurden daher die israelischen Streitkräfte aus einem
großen Teil des von ihnen besetzten ägyptischen Gebietes zurückgezogen.
Aber es befinden sich immer noch israelische Truppen außerhalb der Waffenstillstandslinien - vor allem an der Einfahrt zum Golf von Akaba, die
ungefähr 160 Kilometer von dem amnächsten gelegenen israelischen Gebiet
entfernt ist, und im Gaza-Streifen, der laut Waffenstillstandsabkommen
von Ägypten besetzt werden sollte. Diese Tatsachen schaffen die gegenwärtige Krise.
Wir nähern uns dem schicksalsschweren Augenblick, wo wir entweder
anerkennen müssen, daß die Vereinten Nationen zur Wiederherstellung des
Friedens in diesem Raum nicht in der Lage sind, oder wo die Vereinten
Nationen mit vermehrter Kraft ihre Anstrengungen erneuern müssen, um
einen Rückzug Israels zustande zu bringen.
Es sind wiederholte - bisher allerdings erfolglose - Anstrengungen
gemacht worden, um Israel zu einem freiwilligen Rückzug zu bewegen.
Diese Anstrengungen wurden sowohl von den Vereinten Nationen als auch
von den Vereinigten Staaten und anderen Mitgliedstaaten unternommen.
Darüber hinaus wurden ebenso ernste Anstrengungen zur Schaffung
von Verhältnissen gemacht, die eine größere Sicherheit und Ruhe für
Israel gewährleisten sollen, falls Israel sich in Übereinstimmung mit
den wiederholten Aufforderungen der Vereinten Nationen zurückzieht.
Dies bedeutet, daß die Vereinten Nationen mit Entschlossenheit dafür
Sorge tragen würden, daß im Mittleren Osten mehr Gerechtigkeit herrscht
und das Völkerrecht in höherem Maße befolgt wird, als dies vor den Ereignissen vom Oktober und November des letzten Jahres der Fallvwar.
Die Polizeitruppe der Vereinten Nationen ist mit Ägyptens Zustimmung in ägyptisches Gebiet eingerückt, um zur Aufrechterhaltung der
Waffenruhe beizutragen, die die Vereinten Nationen am zweiten November
gefordert hatten. Der Generalsekretär, der in fähiger und hingebungsvoller Weise den Vereinten Nationen dient, hat eine Anzahl von Maßnahmen empfohlen, die von der Weltorganisation und ihrer Polizeitruppe
ergriffen werden könnten, um zukünftige kriegerische Handlungen von beiden
Seiten zu verhindern.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 2. Februar
mit überwältigender Mehrheit eine Resolution angenommen, in der es hieß,
daß nach dem völligen Rückzug Israels vom Golf von Akaba und dem GazaStreifen die Poliezeistreitmacht der Vereinten Nationen an die ägyptischisraelischen Waffenstillstandslinien verlegt werden sollte, um die genaue Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens sicherzustellen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen forderte ferner die Durchführung

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AMERIKA DIENST"

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Durchführung weiterer, vom Generalsekretär vorgeschlagener Maßnahmen.
Diese anderen Maßnahmen sahen unter anderem den Einsatz der UN-Polizeistreitkräfte am Eingang des Golfes von Akaba vor, um alle Feindseligkeiten in diesem Gebiet auszuschalten.
Die Vereinigten Staaten gehörten zu den Mächten, die diese Resolution in den Vereinten Nationen eingebracht haben. Damit suchten die
Vereinigten Staaten sicherzustellen, daß Israel in Zukunft seiner Rechte
im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens und des Völkerrechtes zuteil
würde.
Angesichts der hochgeschätzten freundschaftlichen Beziehungen,
die die Vereinigten Staaten zu Israel unterhalten haben, schrieb ich
am 3» Februar an Ministerpräsident Ben Gurion. Ich erinnerte ihn an
seine am 8. November mir gegenüber abgegebene Erklärung, daß die israelischen Streitkräfte unter bestimmten Bedingungen abgezogen würden,
und -forderte ihn dringend auf, daß Israel im Hinblici auf die Resolutionen der Generalversammlung vom 2. Februar diesen Abzug seiner
Truppen zum Abschluß bringen sollte.
Der Ministerpräsident vertrat in seiner Antwort jedoch den Standpunkt, daß Israel seine Streitkräfte nicht aus dem Gaza-Streifen zurückziehen würde, solange es nicht die zivile Verwaltung und die Polizeihoheit in diesem Gebiete übertragen bekäme. Dies würde im Widerspruch zu dem Waffenstillstandsabkommen stehen. In der Antwort hieß
es weiter, daß Israel seine Streitkräfte nicht aus dem Golf von Akaba
zurückziehen würde, solange die freie Durchfahrt durch die Meerenge
nicht gesichert sei.
Es war für uns eine schwere Enttäuschung, daß sich die israelische
Regierung trotz der Entscheidung der Vereinten Nationen weigerte, ihre
Truppen abzuziehen.
In einem weiteren Versuch, den Ansichten Israels in dieser Hinsicht entgegenzukommen, hat dann Außenminister Dulles auf meine Anweisung der israelischen Regierung am 11. Februar eine Erklärung über
die amerikanische Politik überreicht. Diese Erklärung ist jetzt veröffentlicht worden. In ihr wurde festgestellt, daß weder die Vereinigten
Staaten noch die Vereinten Nationen die Vollmacht haben, den Vertragschließenden eine wesentliche Änderung des Waffenstillstandsabkommens
aufzuzwingen, das von Israel und Ägypten freiwillig unterzeichnet wurde.
Die Vereinigten Staaten, so hieß es in der Erklärung, würden trotzdem
als Mitglied der Vereinten Nationen eine Stationierung der UN-Polizeistreitkräfte anstreben, die sicherstellen würde, daß der Gaza-Streifen
nicht länger als Ausgangsbasis für eine bewaffnete Infiltration und
Vergeltungsangriffe benutzt werden kann.
Der Außenminister hat den israelischen Botschafter in den Vereinigten Staaten mündlich davon in Kenntnis gesetzt, daß die Vereinigten Staaten, mit ägyptischer Zustimmung, gerne auch eine gewisse Beteiligung der Vereinten Nationen an der Verwaltung des Gaza-Streifens
fordern und unterstützen würden. Die Bevölkerung des Gaza-Streifens
besteht in der Hauptsache aus etwa 200 000 arabischen Flüchtlingen, die

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27. Februar 1957

die im wesentlichen von der Wohltätigkeit der Vereinten Nationen und
ihrer Mitglieder abhängen.
In bezug auf die Einfahrt in und die Durchfahrt durch den Golf
von Akaba haben wir die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß der
Golf ein internationales Gewässer darstellt und daß kein Land das
Recht hat, eine freie und friedliche Durchfahrt durch den Golf zu
verhindern. Wir haben erklärt, daß die Vereinigten Staaten bereit seien,
dieses Recht selbst auszuüben und gemeinsam mit anderen Ländern eine
allgemeine Anerkennung dieses Rechtes sicherzustellen. Die israelische
Regierung hat die weitgehende Resolution der Vereinten Nationen vom
zweiten Februar sowie die wichtige Erklärung über die Politik der Vereinigten Staaten, die unser Außenminister am elften Februar abgegeben
hat, noch nicht als angemessene Gewährleistung ihrer eigenen Sicherheit nach erfolgtem Rückzug anerkannt.
Israel will jedoch mehr. Es besteht auf festen Garantien als
einer Bedingung für den Rückzug seiner Invasionstruppen.
Damit erhebt sich eine grundlegende Prinzipienfrage: Sollte es
einer Nation, die trotz der Mißbilligung der Vereinten Nationen fremdes
Gebiet a.ngreift und besetzt, gestattet werden, Bedingungen für seinen
Rückzug aufzuzwingen?
Wenn wir zustimmen, daß durch einen bewaffneten Angriff die
Ziele des Angreifers zu Recht erreicht werden, dann, so fürchte ich,
stellen wir damit die Uhr der internationalen Ordnung zurück. Damit
hätten wir praktisch die Anwendung von Gewalt als ein Mittel zur Lösung internationaler Meinungsverschiedenheiten und zur Sicherung nationaler Vorteile gutgeheißen.
Ich für meine Person sehe nicht, wie dies mit der Charta der
Vereinten Nationen in Übereinstimmung gebracht werden könnte. Die
grundlegende Verpflichtung aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen besteht doch darin, daß sie ihre internationalen Streitfälle
durch friedliche Mittel beilegen und keine Gewalt gegen die territoriale Integrität eines anderen Staates anwenden.
Wenn die Vereinten Nationen auch nur einmal zugestehen, daß internationale Streitfälle durch die Anwendung von Gewalt gelöst werden
können, dann werden wir das Fundament der Organisation und damit unsere beste Hoffnung auf die Schaffung einer wahren Weltordnung zerstört haben. Das wäre eine Katastrophe für uns alle.
Ich glaube, ich würde den Anforderungen des hohen Amtes, für
das Sie mich gewählt haben, nicht gerecht, wenn ich den Einfluß der
Vereinigten Staaten zugunsten des Vorschlages in die Waagschale werfen würde, daß eine Nation, die in das Gebiet einer anderen eingedrungen ist, die Möglichkeit erhalten sollte, Bedingungen für ihren
Abzug zu stellen.
Selbstverständlich

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27. Februar 1957

Selbstverständlich müssen wir und alle anderen Mitglieder der
Vereinten Nationen die Gerechtigkeit und die Einhaltung des Völkerrechts
unterstützen. Der erste Artikel der Charta besagt, daß es Zweck und
Ziel der Vereinten Nationen ist, 'Aggressionshandlungen und andere Verletzungen des Friedens zu unterdrücken und mit friedlichen Mitteln sowie
in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und dem Völkerrecht eine Beilegung oder Lösung internationaler Streitfragen zu erreichen'. Aber dabei ist zu beachten, daß die Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und
dem Völkerrecht durch 'friedliche Mittel' herbeigeführt werden soll.
Wir können die bewaffnete Invasion und die Besetzung eines anderen
Landes nicht als 'friedliche Mittel' oder als geeignete Mittel ansehen,
um Gerechtigkeit und Übereinstimmung mit dem Völkerrecht herzustellen.
Wir sind jedoch der Überzeugung, daß die Vereinten Nationen und
ihre Mitglieder über die Unterdrückung der gegenwärtigen Aggressionshandlung und der Verletzung des Friedens hinaus umfassendere Bemühungen
anstellen sollten, um die Gerechtigkeit und die Übereinstimmung mit dem
Völkerrecht zu sichern. Friede und Gerechtigkeit sind die beiden Seiten
der gleichen Münze.
Die Völkergemeinschaft der Welt hat es vielleicht versäumt,
dieser Wahrheit genügend Beachtung zu schenken. Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden mit allen Kräften Lösungen für die Probleme dieses Gebietes anstreben, die in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit
und dem Völkerrecht stehen. Wir werden in diesem großen Bemühen die
Mitarbeit anderer gleichgesinnter Nationen suchen, die wie wir erkannt
haben, daß auf lange Sicht Frieden und Gerechtigkeit untrennbar sind.
Aber die Vereinten Nationen stehen jetzt vor dem Problem, was als
nächstes zu tun ist. Wenn sie nichts unternehmen, wenn sie die Ignorierung ihrer wiederholten Resolutionen, in denen der Rückzug der Invasionsstreitkräfte gefordert wurde, akzeptieren, dann geben sie damit
ihr Versagen zu. Dieses Versagen würde der Autorität und dem Einfluß
der Vereinten Nationen in der Welt und den Hoffnungen, die die Menschheit in die Vereinten Nationen als Mittel zur Erreichung eines Friedens
in Gerechtigkeit gesetzt haben, einen schweren Schlag versetzen.
Dieses Versagen würde auf lange Sicht gesehen auch Israel schädlich sein; es würde über den damit der Weltorganisation zugefügten Schaden hinaus die Aussichten für die friedliche Lösung der Probleme des
Mittleren Ostens in Frage stellen. Dies könnte unseren Freunden, ja,
auch selbst unserem Land unübersehbares Übel bringen. Es würde die
Verwirklichung der Ziele, die ich in meiner Mittelostbotschaft vom
fünften Januar an den Kongreß darlegte und die auf die Stärkung dieses
Gebietes gegen einen kommunistischen Angriff, sei er direkt oder indirekt,
abgestellt sind, unendlich schwieriger machen.
4

Die Vereinten Nationen dürfen nicht versagen. Ich bin der Überzeugung, daß die Vereinten Nationen im Interesse des Friedens keine andere
Wahl haben, als Druck auf Israel auszuüben, damit es den Resolutionen
über einen Abzug nachkommt. Natürlich hoffen wir immer noch, daß die
israelische Regierung einsehen wird, daß ihre besten Interessen .jetzt

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�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

jetzt und später darin liegen, den Vereinten Nationen zu entsprechen
und auf die Resolutionen der Weltorganisation sowie die Erklärung der
Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Zukunft zu vertrauen.
Ich bin nicht der Ansicht, daß Israels Weigerung ignoriert werden
sollte, weil die Vereinten Nationen nicht in der Lage waren, ihre Resolutionen, in denen die Sowjetunion für die bewaffnete Unterdrückung
des ungarischen Volkes verurteilt wurde, wirksam auszuführen. Vielleicht
ist dies ein Fall, auf den das Sprichwort: 'Neues Unrecht schafft kein
Recht' zutrifft.
Niemand bedauert die Tatsache, daß die Sowjetunion die Resolutionen der Vereinten Nationen ignoriert, mehr als ich. Die Vereinigten
Staaten sind mehr als jede andere Nation darauf bedacht, einen moralischen Druck auf die Sowjetunion auszuüben, die auf Grund ihrer Größe
und ihrer Macht sowie ihres Vetorechtes im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegenüber Sanktionen anderer Art r'.elativ unempfindlich
ist.
Die Vereinigten Staaten und andere freie Nationen stellen mit
allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Unrecht des sowjetischen
Verhaltens in Ungarn heraus. Es wäre in der Tat ein schwarzer Tag, wenn
die Vereinigten Staaten jemals zur Überzeugung gelangen müßten, daß sie
Israel dem gleichen moralischen Druck aussetzen müßten, wie er auf die
Sowjetunion ausgeübt wird.
Man kann natürlich eine Nation wie Israel nicht mit der Sowjetunion gleichstellen. Die Bevölkerung Israels gehört wie die Bevölkerung
in den Vereinigten Staaten einem religiösen Glauben an und ist von
moralischen Werten überzeugt. Wir dürfen von einem solchen Volk der
freien Welt einen Beitrag zur Weltordnung erwarten - und erwarten ihn
auch -,den wir von einer von atheistischen Despoten beherrschten Nation leider nicht erwarten können.
Es ist vorgeschlagen worden, daß kein Druck hinter die Maßnahmen
der Vereinten Nationen gegen Israel gesetzt werden sollte, da Ägypten
in der Vergangenheit das WaffenstilDs tandsabkommen und das Völkerrecht
verletzt hat. Es stimmt, daß sowohl Ägypten als auch Israel vor dem
Oktober vergangenen Jahres in Vergeltungsangriffe verwickelt waren,
die eine Verletzung des Waffenstills tandsabkommens darstellten, und
daß Ägypten durch Ausübung des Kriegsrechts in bezug auf die israelische
Schiffahrt im Suezkanal und im Golf von Akaba die Vereinten Nationen
ignoriert hat. Derartige Verletzungen stellen jedoch keine Rechtfertigung für die bewaffnete Invasion Ägyptens durch Israel dar, die die
Vereinten Nationen jetzt auszuheben suchen.
Ägypten hat sich durch die Annahme der im Oktober vergangenen Jahres vom Sicherheitsrat in bezug auf den Suezkanal gebilligten sechs
Grundsätze verpflichtet, den freien und ungehinderten Durchgangsverkehr durch den Kanal ohne Diskriminierung zu gestatten, und hat dem
Grundsatz zugestimmt, daß der Betrieb des Kanals von der Politik eines
jeden Landes isoliert werden soll.
„,.
0
Wir

�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Wir dürfen nicht annehmen, daß Ägypten nach dem Rückzug Israels
die israelische Schiffahrt im Suezkanal oder im Golf von Akaba verhindern wird. Wenn Ägypten danach unglückseligerweise das Waffenstillstandsabkommen oder andere internationale Verpflichtungen verletzt,
dann sollte sich die Gemeinschaft der Nationen entschlossen damit befassen.
Die gegenwärtigen Entwicklungen sind ernst, aber wir hoffen, daß
Vernunft und Recht die Oberhand behalten werden. Seit den Ereignissen
vom vergangenen Oktober und November ist in Einklang mit der Charta
der Vereinten Nationen ein solider Fortschritt erzielt worden. Die
Kampfhandlungen sind eingestellt, die britischen und französischen
Truppen abgezogen worden, die israelischen Streitkräfte haben sich
teilweise zurückgezogen, und die Räumung des Suezkanals steht vor dem
Abschluß. Wenn Israel seinen Rückzug beendet hat, wird damit ein entscheidendes Hindernis für einen weiteren Fortschritt beseitigt sein.
Ist dieses Hindernis beseitigt, dann werden die Vereinten Nationen
ernste und schöpferische Aufgaben zu bewältigen haben. Das Recht Israels
auf nationale Existenz und innere Entwicklung muß respektiert werden. Es
werden komplizierte Bestimmungen, die eine wirksame internationale Benutzung des Suezkanales, sicherstellen, in allen Einzelheiten ausgearbeitet werden müssen. Das Problem der arabischen Flüchtlinge muß gelöst werden. Wie ich bereits in meiner Sonderbotschaft an den Kongreß
vom 5« Januar sagte, muß sichergestellt werden, daß der gesamte Mittlere
Osten von jeder Aggression und Infiltration freigehalten wird.
Schließlich sollten alle, die die Freiheit lieben, darunter auch
wir, den Nationen des Mittleren Ostens helfen, ihr berechtigtes Streben nach Verbesserung des Wohlstandes ihrer Völker zu verwirklichen.
Worüber ich heute abend zu Ihnen gesprochen habe, ist lediglich
ein Schritt in einem langen Prozeß, der Geduld und Sorgfalt erfordert.
Aber im Augenblick ist dies die kritische Frage, von der ein künftiger
Fortschritt abhängt. Es ist eine Streitfrage, die nur gelöst werden
kann, wenn wir die Prinzipien der Vereinten Nationen zur Anwendung
bringen.
Und aus diesem Grunde, meine amerikanischen Mitbürger, weiß ich
auch, daß es Ihr Wunsch ist, wenn die Vereinigten Staaten auch weiterhin ihren größten Einfluß dafür zum Tragen bringen, daß diese Prinzipien als der Welt größte Hoffnung auf Frieden erhalten bleiben."

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

Allg./

27.2.1957

EISENHOWER; USA WERDEN SICH IMMER FÜR DEN FRIEDEN
EINSETZEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Ansprache,
die Präsident Eisenhower am 25. Februar 1957
aus Anlaß des 15jährigen Bestehens der
"Stimme Amerikas" gehalten hat.
"Fünfzehn Jahre lang hat die Stimme Amerikas nunmehr den Menschen in aller Welt die Tatsachen über internationale Ereignisse
und über die amerikanische Politik in bezug auf diese Ereignisse
übermittelt.
Dies ist daher eine passende Gelegenheit, um auf einige Aspekte
der amerikanischen Außenpolitik einzugehen. Der Leitgedanke unserer
Außenpolitik ist dieser: Wir sind der Überzeugung, daß unser Land
auf die Dauer nur blühen und gedeihen und sich eines dauerhaften
Friedens nur erfreuen kann, wenn alle Völker sich gedeihlich entwickeln und des Friedens erfreuen.
Wenn ich jetzt hierüber zu Ihnen spreche, so möchte ich dies
nicht in abstrakten Begriffen tun, sondern ich möchte lieber ein
klares Bild aufzeichnen. Und zwar handelt es sich im wesentlichen
um das Bild einer Welt, wie wir sie für uns und unsere Kinder gerne
sehen möchten und von der wir glauben, daß sie die meisten Menschen
für sich und für ihre Kinder wünschen.
Dieses Bild hat zwei Seiten. Die eine Seite betrifft den
Aufbau der einzelnen Länder und die Förderung ihrer Menschen.
Es ist die entscheidende Tatsache dieses Jahrhunderts, daß
Dutzende neuer Nationen in Erscheinung getreten sind. Diese Nationen führen gemeinsam mit den älteren Nationen - jede auf ihre
eigene Art - einen Kampf um die Verbesserung des Loses ihrer Menschen durch einen höheren Lebensstandard, durch eine vielseitigere
Industrie und eine rationeller arbeitende Landwirtschaft, durch
eine Erhöhung der politischen Stabilität und durch die Verwirklichung der kulturellen und religiösen Traditionen, die manchmal
Tausende von Jahren alt sind.
Die

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�AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Die erste Aufgabe dieses neuen Zeitalters besteht darin, sicherzustellen, daß sich der großartige Fortschritt zu einem besseren Leben - sowohl für den einzelnen wie für die Nationen - in allen diesen Ländern so rasch und sicher wie möglich vollzieht.
Die Vereinigten Staaten haben den meisten dieser Nationen zur
Seite gestanden, während sie ihre großen Fortschritte auf dem Gebiet
der Erziehung, der landwirtschaftlichen Methoden, der Kontrolle der
Krankheiten, der Errichtung von Krankenhäusern, Straßen, Schulen,
des Baues von Dämmen und Bewässerungsanlagen und der Verbesserung
des politischen Gefüges, der Gesetzgebung und der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern machten.
Aber dieses Bild hat noch eine andere Seite. Gesetzt den Fall,
es gelänge uns, eine Welt gesunder, freier und souveräner Nationen
zu schaffen, dann stünden wir immer noch vor dem Problem: Wie sollen
sie die zwischen ihnen bestehenden Interessenunterschiede ausgleichen?
Verschiedenheiten der Interessen aber wird es immer geben, und es muß
daher irgendein Prinzip der internationalen Ordnung bestehen.
Eine wichtige Stütze der Ordnung in.der Welt - und eine, die
einen allgemeinen Rahmen geben kann - sind die Vereinten Nationen.
Und so wie wir die lebendige und kraftvolle Unabhängigkeit
der zahlreichen einzelnen Nationen, die es heute gibt, unterstützen,
so treten wir auch mit dem gleichen Nachdruck für die Praxis ein, die
unvermeidlichen Streitigkeiten zwischen diesen Nationen gemäß den
Prinzipien und Verfahrensregeln der Vereinten Nationen beizulegen.
Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist die eines Kampfes
um das Recht der Selbstbestimmung und der menschlichen Würde. Unsere
Geschichte beginnt mit einer Deklaration, die einen weiten Widerhall
gefunden und Millionen freier Menschen in allen Teilen der Welt begeistert hat, daß 'alle Menschen ... von ihrem Schöpfer mit bestimmten
unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, zu denen Leben, Freiheit
und das Streben nach Glück gehören.' Aber diese gleiche Deklaration
erklärt auch, daß wir zusammen mit dieser Selbstbestimmung 'der Meinung
der Menschheit eine angemessene Achtung' entgegenbringen müssen.
In weltpolitischer Hinsicht hat unsere Nation stets danach gestrebt, diese edlen und hohen Begriffe zu bekräftigen und ihnen Bedeutung zu verleihen. Durch all die Jahre haben wir den neuen Staaten
geholfen, ihre politische und wirtschaftliche Stärke zu erlangen. Die
Art und Weise, wie wir die S uez krise und ihre Auswirkungen in den
Vereinten Nationen behandelten, stellte gleichfalls in der Praxis
unsere Überzeugung unter Beweis, daß jede internationale Harmonie mit
einer 'gebührenden Achtung vor der Meinung der Menschheit' beginnt.
Vor kurzem legte ich dem amerikanischen Kongreß Vorschläge in
bezug auf den Mittleren Osten vor, die dazu bestimmt sind, diesem
von Unruhen heimgesuchten Gebiet Stabilität zu geben. Ich möchte Ihnen

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�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Ihnen zeigen, wie diese Vorschläge mit dem übereinstimmen, was ich
soeben als unsere Ziele beschrieben habe.
Ich bin der Ansicht, daß das Wohlergehen der Völker des Mittleren
Ostens von den Ländern dieses Gebietes den Aufbau und die Stärkung ihrer Wirtschaften und ihrer Institutionen erfordert. Wir möchten einen
derartigen Portschritt gerne sehen. Meine Vorschläge werden diesem
Ziel völlig gerecht, denn sie sehen zwei Dinge vor.
Erstens: Damit sich eine solche konstruktive Arbeit in diesen
Ländern abwickeln kann, müssen sie frei von der Bedrohung durch den
internationalen Kommunismus sein, der ihre schwer errungenen Erfolge
über Nacht zunichtemachen könnte. Daher geben wir diesen Ländern die
Zusicherung,daß -wenn eine derartige Gefahr entsteht und die Vereinten
Nationen sich mit dieser Gefahr nicht befassen können und ein bedrohtes
Land uns um Hilfe anruft - dieses Land auf unsere Unterstützung rechnen kann. Hinter dem Schutzschild dieser Zusicherung kann also die
aufbauende Arbeit des Fortschrittes vorangetrieben werden, und um
diese schöpferische Arbeit zu beschleunigen, beinhalten meine Vorschläge zweitens ein besonderes Maß an wirtschaftlicher Unterstützung
für diesen Raum.
Wir müssen uns der Tatsache bewußt sein, daß - während wir versuchen, eine Welt der Freiheit und der Gerechtigkeit zwischen souveränen
Völkern mit aufzubauen - die Machthaber des internationalen Kommunismus sich ständig bemühen, eine solche Welt niederzureißen.
Der Kommunismus muß nach dem Zeugnis seiner eigenen Führer ein
System internationaler Kontrollen und des Konformismus sein. Damit
ist er aus seinem eigensten Wesen heraus der völlige Gegensatz und
der Feind jeder Art des Nationalismus. Sein erklärtes Programm besteht darin, die Religion, die Regierungen, die Institutionen und
Traditionen der christlichen Welt, der buddhistischen, der islamischen,
der jüdischen, ja, der Welt jeder Religion und Kultur gänzlich zu zerstören. Die kommunistischen Machthaber schlagen vor, dafür ein völlig
neues Gedanken- und Kontrollsystem an ihre Stelle zu setzen, das von
der kommunistischen Parteizentrale diktiert wird. Sie glauben, daß
einige wenige Theoretiker und Machthaber wissen, was für jeden einzelnen am besten ist, und sie sind entschlossen, jeden in diese Welt
hineinzutreiben.
Ein kleines Land nach dem anderen wurde von dem internationalen
Kommunismus verschluckt. Sie alle haben ihre Freiheit verloren, ihr
Nationalstolz wurde zerstört, ihre Religion zertreten, und ihre Wirtschaften werden von der Rußlands aufgesogen. Wenn sie aber etwa versuchen, ihre traditionelle Freiheit wieder zu erringen, dann wird ihr
Volk zu Tausenden hingemordet. Das Zeugnis liefert Ungarn.
Ich möchte gerne einige besondere V/orte an die Menschen richten,
die gegenwärtig unter der Tyrannei des internationalen Kommunismus
leben:
Wir

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�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Wir wollen Ihre Freundschaft. Wir halten an den Bindungen fest,
die uns in der Vergangenheit verbunden haben. Wir wünschen Ihnen bei
Ihrem Streben nach Freiheit alles Gute. Denn wir wissen, daß - welche
Ziele auch immer die machthungrigen Herrscher verfolgen mögen - tief
in dem Herzen jedes einzelnen diese gleiche von Gott gegebene Sehnsucht brennt, frei sein eigenes Schicksal zu bestimmen.
Und allen Menschen in aller Welt möchte ich feierlich das versichern: Gemeinsam mit Ihnen blicken wir einer Welt entgegen, die sich
auf Gerechtigkeit begründet, und wir werden niemals aufhören, darauf
hinzuarbeiten. Möge unser aller Gott Sie beschützen und diesen Tag schnell
herbeiführen."

* * * * *

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�Allg/ 6.5.1957

AMERIKA HAT OSTEUROPA NICHT VERGESSEN

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
den Wortlaut einer Erklärung, die der Chefdelegierte der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Henry Cabot Lodge, am
28.Februar 1957 vor der Generalversammlung der
Vereinten Nationen abgab und mit der er zu dem
Bericht des zweiten Politischen Ausschusses über
einen von der Sowjetunion eingebrachten Resolutionsentwurf Stellung nahm, in dem die Vereinigten Staaten der Einmischung und umstürzlerischen Tätigkeit
in kommunistischen Staaten beschuldigt wurden.

7/enn wir uns hier vor dem Forum der Vereinten Nationen auch
fast ausschließlich mit Fragen und Ereignissen beschäftigen, bei
denen große Schwierigkeiten auftreten, so dürfen wir doch die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, daß die Menschheit, auf ihrem
Weg in die Zukunft voranschreitet und daß alle Völker die Fähigkeit besitzen, ihr eigenes Los zu bessern.
Wenn ich von dieser Fähigkeit der Völker spreche, dann
schließe ich dabei selbstverständlich auch das russische Volk
ein, für das wir Amerikaner Gefühle aufrichtiger Freundschaft
hegen.
Es finden sich, Herr Präsident, allenthalben in der Welt
Anzeichen dafür, daß auch die Regierungen eine solche Fähigkeit
zu ihr»r eigenen Perfektionierung besitzen. Wenn wir nun aber
das zur Erörterung stehende Opus der Sowjetpropaganda betrachten,
dann kann man auf seiten der Sowjetregierung leider nicht viel
von dieser Fähigkeit zur eigenen Perfektionierung bemerken.
Es versteht sich meiner Meinung nach wohl von selbst, daß
sich dieser erfolglose Versuch, die Vereinigten Staaten zu verleumden, nicht auf die 7/ahrheit stützt und daß er nichts Neues
darstellt. Es sei hier ausdrücklich festgestellt, daß er noch nicht
einmal sehr geschickt ist. Und selbst seine Formulierungen entsprechen nicht dem angestrebten Zweck. Er ist noch nicht einmal
zur Verwendung eis unwahre kommunistische Propaganda geeignet.
Und wenn ich dies hier sage, so sage ich damit eine ganze Menge.
Wenn
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�AMERIKA DIENST"

6. März 1957

Wenn die Sowjets endlich damit aufhörten, sich vom Schwall
ihrer eigenen Reden umnebeln zu lassen und den nüchternen Tatsachen
ins Angesich.t sehen wollten, dann würden sie auch jene bedeutsame
Entwicklung erkennen, die sich gerade in dieser Sitzungsperiode der
Generalversammlung vollzogen hat, daß nämlich auch jene Völker, die
in der Vergangenheit die friedlichen Absichten der Sowjets nicht
bezweifelten, über die Berichte über das sowjetische Vorgehen in
Ungarn so bestürzt waren, daß sie heute in der Sowjetregierung den
meuchlerischen Mörder der Menschenrechte sehen. Die Haltung zahlreicher Länder gegenüber der Sowjetunion hat sich während der letzten vier bis fünf Monate hier vor den Vereinten Nationen geradezu
in das Gegenteil verkehrt - das ist eine weit wichtigere Tatsache
als all die alten Walzen, die man uns hier wieder vorgesetzt hat.
Und diese Länder werden darin no'ch durch ein natürliches Mißtrauen bestärkt, das eine Folge beispielsweise der Ablehnung des
Planes des offenen Himmels, der Luftüberwachung militärischer Einrichtungen, durch die Sowjetunion ist. So fragen sich diese Länder
selbst - und einige ihrer Vertreter fragten mich -, warum lehnt die
Sowjetunion diesen so segensreichen und den Frieden fördernden Plan
ab, wenn sie wirklich bereit ist, auf die Möglichkeit zur Führung
eines Überraschungsangriffs zu verzichten? Dies ist eine sehr vernünftige Frage, eine Frage, auf die bisher noch keiner der Sprecher
der Sowjetunion eine zufriedenstellende Antwort gegeben hat.
Herr Präsident, ich erwähne diese beiden Beispiele, denen ich
noch beliebig viele andere hinzufügen könnte, um klarzustellen, daß
die Vereinigten Staaten - wären wir nicht der Auffassung, daß die
Zeit zu schade hierzu ist - hier vor der Generalversammlung so schwere
Angriffe gegen die Sowjetunion führen könnten, daß Ihnen, auch wenn
wir uns restlos auf klar erwiesene Tatsachen beschränken, die Haare
zu Berge stehen würden. Sine solche Handlungsweise liegt uns aber fern.
Die sowjetische Vorlage wirft aber noch eine andere Frage auf,
eine sehr ernste Frage sogar, die ich hier kurz noch erläutern möchte.
Es ist dies die tragische Situation in Osteuropa. Wie sich diese
Situation entwickelt hat, ist eine sehr traurige Geschichte, die
allerdings für uns alle, gleichgültig aus welchem Land der Erde wir
kommen, höchst lehrreich ist.
Vor nahezu vierzig Jahren riß eine kleine Gruppe von Verschwörern
mit Gewalt und List die Macht im größten Staat Osteuropas an sich das ist eine in der Geschichte erwiesene Tatsache. Liese Verschwörer
nahmen dann sogleich ein auf lange Sicht bemessenes Programm in Angriff,
das darauf abzielt, die gesamte Welt unter ihre Herrschaft zu bringen.
Zu diesem Zweck schufen sie einen auf dieser Welt einmaligen Apparat
für direkte und indirekte Propaganda, für umstürzlerische Umtriebe und
Sabotage. Ich kenn mit vollem Recht behaupten, daß jedes einzelne der
in diesem Saal vertretenen Länder schon die Auswirkungen dieser Maschinerie des Weltkommunismus zu spüren bekommen hat.
Die Geschichte lehrte jedoch, daß dieser Apparat nicht ausreichte,
um den kommunistischen Verschwörern jenen Erfolg zu verschaffen, den sie

�"AMERIKA DIENST"

6. März 1957

sie sich so sehnlich wünschten. Sie haben lediglich dann Fortschritte
auf ihrem Weg erzielt, wenn sie ihre gewaltige Rote Armee ins Treffen
führen konnten. So gelang es der Sowjetunion unter Verletzung feierlich
bekräftigter Vereinbarungen, einschließlich der in der Charta der Vereinten Nationen niedergelegten Verpflichtungen, zehn kleinere Länder
in Europa in ihren Machtbereich einzubeziehen, wobei sie einige einfach
annektierten, anderen ein Marionettenregime aufzwangen.
Im Anschluß daran gingen sie zur systematischen Ausbeutung
ihrer Opfer über und zwar mit dem klar ersichtlichen Ziel, das Imperium
Moskaus aufzurichten. Um dieses Ziel zu erreichen, mußten sie ihre Zuflucht zu zügelloser Gewalt, Terror und Unterdrückung nehmen, die so oft
schon kennzeichnend für die russische Geschichte waren. Man kann ohne
Übertreibung sagen, daß die Machthaber der Sowjetunion seit Jahren in
einem erbitterten Kampf mit ihrem eigenen Volk und den Völkern der unterworfenen Länder liegen. Es ist diesen Völkern zu verdanken, das muß
hier gesagt werden, Herr Präsident, daß der Ausgang dieses Kampfes noch
immer offen ist.
Eines der unabdingbaren Elemente dieser Art Kampf ist, vom sowjetischen Standpunkt aus, die Kontrolle - die Kontrolle über das Denken der
unterjochten Völker. Jahrhundertealte Wurzeln des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens müssen herausgerissen und alte Bande der Freundschaft
zerschnitten werden. Der religiöse Glaube muß unterdrückt oder, sofern
dies nicht gelingt, gelenkt werden. An die Stelle jener Begriffe muß
eine mechanistische Weltanschauung des blinden Gehorsams gegenüber Befehlen von oben treten. Gerade dieses Bedürfnis der Kommunisten, eine
lückenlose psychische und physische Kontrolle über die Menschen im
Sinne einer im höchsten Maße materialistischen Denkweise zu errichten,
erklärt die Tatsache, daß die Sowjetunion in Osteuropa so unüberwindliche Schranken gegen die Gedanken- und Informationsfreiheit errichtet
hat: strenge Zensur, Störung von Rundfunksendungen, Überwachung des
Reiseverkehrs, Grenzkontrollen, das Umschreiben der Geschichtsbücher
und die Verfälschung von Nachrichten.
Das sind die Bedingungen, wie sie in Osteuropa im allgemeinen anzutreffen sind. Und diese Bedingungen sollte die übrige Welt, so wünschen es jedenfalls die Sowjets, übersehen und vergessen. Die vorliegende sowjetische Beschwerde richtet sich, ebenso wie alle vergleichbaren Beschwerden der Sowjets aus früheren Zeiten, in ihrem Kern dagegen, daß sich das amerikanische Volk und die übrigen Völker der freien
Welt weigern, diese Bedingungen zu vergessen und zu übersehen.
Das amerikanische Volk - das möchte ich hier ausdrücklich sagen,
Herr Präsident - kann die Lage, die die Sowjets in Osteuropa geschaffen
haben, nicht mit Gleichgültigkeit oder Apathie hinnehmen. Wir können uns
nicht mit diesen rücksichtslosen Angriffen auf die Würde und Freiheit
des Menschen abfinden. Ich hoffe, daß man sich darüber keinerlei Täuschungen hingibt.
Wie alle zivilisierten Länder haben auch die Vereinigten Staaten
Anteil an dem Kulturerbe Osteuropas. Zahlreiche Bürger unseres Landes
kommen aus diesem Gebiet. Es ist ganz natürlich, daß wir an Osteuropa
interessiert sind und uns um das Schicksal seiner Menschen kümmern.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

6. März 1957

'.Vir wünschen, daß sie sich frei und unabhängig fühlen und daß sie die
Möglichkeit nahen, ihr eigenes Leben zu führen und ihr Geschick selbst
in die Hand zu nehmen. Wenn ich unabhängig sage, so meine ich damit
unabhängig von der Kontrolle der Sowjets, unabhängig von der Kontrolle
der Amerikaner und unabhängig von jeglicher Kontrolle.
Solange sich diese Unabhängigkeit aber nicht herstellen läßt und
solange sich die Sowjetunion weiter in die Angelegenheiten dieser
Völker einmischt, können und werden wir weder schweigen noch unsere
Proteste einstellen. '.Vir haben gar keine Veranlassung hierzu. Wir
werden tun, was wir können, und zwar immer im Einklang mit den Zielen
und Grundsätzen der Vereinten Nationen, um diesen unglücklichen Opfern
der Sowjets zu zeigen, daß sie nicht vergessen und aufgegeben sind.
Wir werden gemeinsam mit anderen Völkern der freien Welt die Aufgabe
erfüllen, diesen Völkern dabei zu helfen, ihre geistigen und kulturellen
Traditionen zu wahren. Wir werden auch weiterhin diesen Menschen die
Wahrheit über unsere Welt und auch über ihre Welt sagen. Wir werden ihnen
bei jeder Gelegenheit versichern, daß die alten Bande des Blutes und
der Freundschaft, ungeachtet all dessen, was sie von ihren gegenwärtigen Machthabern hören, nicht zerschnitten sind und daß das, was sie
heute durchmachen, nur eine lange Nacht ist, an deren Ende die Morgendämmerung anbrechen wird.
Das, was ich hier sage, entspringt keinerlei dunklen Beweggründen
und hat nichts mit Umsturz zu tun. Wir rufen nicht nach Gewalt, wir
ermuntern nicht zum Umsturz, und wir hetzen nicht zur Sabotage. Noch
niemals wurde auch nur ein Mensch durch irgendeine Handlung der Vereinigten Staaten zur Anwendung von Gewalt bewogen. Wir planen keine
Aggression gegen die Sowjetunion oder gegen irgendein anderes Land.
Eine solche Handlung wäre unserer Natur zuwider und mit unserem demokratischen System unvereinbar. Wir haben keine territorialen Ambitionen, weder in Osteuropa noch anderswo. Und wir versuchen auch nicht,
anderen unsere Auffassungen zu wirtschaftlichen und sozialen Fragen
aufzuzwingen. In diesem Zusammenhang kann ich nichts Besseres tun als
die feierlichen Worte zu wiederholen, die Präsident. Eisenhower anläßlich des Antritts seiner zweiten Amtsperiode vor kurzer Zeit erst, im
Januar, gesprochen hat:
"'.Vir ehren die Hoffnungen und Bestrebungen aller der Nationen,
die jetzt noch unterdrückt sind und sich nach Freiheit sehnen. Wir
suchen weder ihre militärische Allianz noch wollen wir, daß sie unsere Gesellschaftsform in irgendeiner künstlichen Weise imitieren.
Sie dürfen der Herzlichkeit und Wärme des sie erwartenden Willkommens
gewiß sein, wenn sie - wie es einmal der Fall sein muß - erneut in die
Reihen der freien Völker eintreten."
Das also ist, Herr Präsident, die Politik, die alle unsere Handlunge
gegenüber Osteuropa bestimmt. Diese Politik ist alles andere als unvereinbar mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen, ja ganz im
Gegenteil, sie sucht diese Grundsätze in jeder möglichen Form zu fördern.
Denn wir sind überzeugt, daß in dem Augenblick, in dem Freiheit, Unabhängigkeit und Achtung vor den Menschenrechten wieder in diesem lebenswichtigen Teil Europas hergestellt worden sind, eine der wichtigsten
Quellen internationaler Spannungen zu bestehen aufgehört hat und daß die
Welt damit einen gewaltigen Fortschritt in Richtung auf den von uns allen
erstrebten Frieden gemacht haben wird.
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CABOT LODGE JR. ZUR RÄUMUNG DES GAZA^STREIFENS

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung
des amerikanischen Chefdelegierten Henry
Cabot Lodge jr., abgegeben am 1. März
1957 vor der UN-Generalversammlung in
New York.

Während der langen Wochen, in denen die Generalversammlung der
Vereinten Nationen sich mit der ernsten Situation im Nahen Osten beschäftigt hat, haben die Vereinigten Staaten sich um eine Lösung bemüht, die auf Gerechtigkeit beruht und die den legitimen Interessen
aller Parteien Rechnung trägt.
Die Haltung der Vereinigten Staaten wurde von Anfang an durch
ihre im Sicherheitsrat eingebrachte Entschließung offenbar, in der
Israel zum Rückzug aufgefordert wurde und die im Falle einer Weigerung Israels die Einstellung der Unterstützung an Israel verlangte.
Die Ansichten der Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit sind
unverändert. Sie wurden erst vor kurzer Zeit und von maßgeblicher
Stelle durch Präsident Eisenhower in seiner Rede vom 20. Februar
dargelegt. Wir haben festgestellt, daß es für ein Mitglied der UN
mit den Grundsätzen der Charta und mit der Mitgliedschaft bei den
Vereinten Nationen unvereinbar ist, politische' Vorteile durch die
Anwendung von Gewalt erlangen zu wollen oder etwas zum Handelsobjekt zu machen, das mit den Mitteln der Gewalt erlangt worden ist.
Es hat den Anschein, daß die Bemühungen der Generalversammlung, in diesem Gebiet nach den Feindseligkeiten vor vier Monaten
den friedlichen Zustand wiederherzustellen, nun Früchte tragen werden. In ihrem allerjüngsten Bestreben um eine Lösung hat die Generalversammlung am 2. Februar zwei Entschließungen angenommen. Die
erste wiederholte die früher an Israel ergangene Aufforderungen,
sich hinter die Waffenstillstandslinie zurückzuziehen. In der zweiten Entschließung wird der Generalsekretär aufgefordert, sobald
der Rückzug erfolgt ist, die Maßnahmen zu ergreifen, die in seinem
Bericht vom 24. Januar vorgeschlagen werden. Die Durchführung dieser
Maßnahmen wäre ein großer Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden in diesem Gebiet, und die Vereinigten Staaten sind der

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der Auffassung, daß alle diese Maßnahmen, die von der Generalversammlung gutgeheißen wurden, ohne Verzögerung ergriffen werden sollten.
Israel gibt nun bekannt, daß es sich in Übereinstimmung mit der
ersten Resolution vom 2. Februar 1957 vollständig und schnell hinter
die Waffenstillstandslinie zurückziehen will. Die Vereinigten Staaten
begrüßen diese Verlautbarung. Die Vereinigten Staaten interpretieren
diese Erklärung dahin, daß der Rückzug sofort erfolgen wird.
Die Vereinigten Staaten nehmen außerdem von den Feststellungen
Kenntnis, die in der Erklärung des Vertreters von Israel gemacht worden sind. Wir sind nicht der Meinung, daß diese Feststellungen den
Rückzug Israels von Bedingungen abhängig machen. Der größte Teil dieser Erklärung ist nach unserer Auffassung eine Wiederholung dessen,
was bereits von dieser Versammlung oder von dem Generalsekretär in
seinen Berichten gesagt wurde, oder es sind Hoffnungen und Erwartungen, die uns im Licht der vorhergegangenen Maßnahmen dieser Versammlung nicht unvernünftig erscheinen.
Hinsichtlich der Maßnahmen der Vereinten Nationen, die für den
Gaza-Streifen beabsichtigt sind, haben die Vereinigten Staaten von
der Erklärung des Generalsekretärs vom 22. Februar Kenntnis genommen.
Er sagte darin:
"Es ist der Wunsch der ägyptischen Regierung, daß die Übernahme
von Gaza aus der militärischen und zivilen Kontrolle Israels - wie
bereits früher zuerst ausschließlich durch die Polizeitruppe der Vereinten Nationen - ordnungsgemäß und sicher erfolgt, wie es an anderer
Stelle bereits geschehen ist. Mit gleicher Zuversicht kann hinzugefügt
werden, daß die ägyptische Regierung in Anerkennung der gegenwärtigen
besonderen Probleme und Schwierigkeiten im Gaza-Gebiet und im Hinblick
auf die seit langem bestehende Verantwortlichkeit der Vereinten Nationen
für die Unterstützung der arabischen Flüchtlinge sowie unter Berücksichtigung der Verpflichtungen und der Ziele des Waffenstillstandsabkommens, den Willen und die Bereitschaft hat, mit den Vereinten Nationen und einigen ihrer Hilfsorganisationen, wie der UN-Hilfsbehörde
für Palästina und der Polizeitruppe der UN, besondere und nützliche
Abmachungen zu treffen. So sollte zum Beispiel die Übereinkunft über
den Einsatz der Polizeitruppe der UN an der Waffenstillstandslinie am
Gaza-Streifen die wirkungsvolle Stellung dieser Truppe zwischen den
Armeen von Israel und Ägypten sicherstellen. In gleicher Weise würde
die Unterstützung der Vereinten Nationen und ihrer Hilfsorganisationen
zur endgültigen Beendigung aller Überfälle und Angriffe über die Grenze
hinaus und von jeder Seite beitragen.
Für die Übergangszeit können ferner mit den Vereinten Nationen
solche Vereinbarungen getroffen werden, die dazu beitragen, durch die
Stellung eines wirksamen und leistungsfähigen Polizeischutzes das Leben und das Eigentum in diesem Gebiet zu schützen, eine gute zivile
Verwaltung zu garantieren, ein Maximum von Unterstützung für das Flüchtlingsprogramm der Vereinten Nationen zu gewährleisten und die wirtschaftliche Entwicklung dieses Gebietes und seiner Bevölkerung _z_u

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zu begünstigen und zu schützen."

Es ist die Ansicht der Vereinigten Staaten, daß vom rechtlichen
Standpunkt aus die Zukunft des Gaza-Streifens im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens ausgearbeitet werden muß, wie der Generalsekretär sagte.
Natürlich sind diese Dinge nicht von den Vereinigten Staaten allein
zu entscheiden, aber ich glaube, die Vereinigten Staaten können mit
Recht die Hoffnung hegen, daß die Vereinten Nationen und ihre entsprechenden Nebenorganisationen, eine so segensreiche Rolle wie sie der
Generalsekretär beschrieben hat, nutzbringend fortsetzen könnten, bis
eine endgültige Lösung für den Gaza-Streifen gefunden oder irgendeine
endgültige allgemeine Übereinkunft zwischen den Parteien getroffen ist.
Bezugnehmend auf die Lage im Gebiet am Golf von Akaba und die
Straße von Tiran erklärte ich am 28. Januar und erneut am 2. Februar,
daß "es wesentlich ist, daß Einheiten der UN-Polizeitruppen an der
Straße von Tiran stationiert werden, um dort für eine Trennung der
ägyptischen und israelischen Land- und Seestreitkräfte zu sorgen. Diese
Trennung ist wichtig, bis erwiesen ist, daß die Nichtausübung jeglicher
von den kriegführenden Parteien beanspruchten Rechte die friedlichen
Bedingungen geschaffen hat, unter welchen die Schiffahrt auf Wasserstraßen von derartig internationalem Interesse vor sich gehen muß. All
dies würde natürlich nicht eine endgültige Entscheidung präjudizieren,
die über rechtliche Fragen hinsichtlich des Golfs von Akaba getroffen
werden mögen."
Es ist zu diesem Zeitpunkt angemessen, sich die Haltung der Vereinigten Staaten zu der Schiffahrt durch die Straße von Tiran und den
Golf von Akaba zu vergegenwärtigen. In einem am 17. Februar veröffentlichten Memorandum vom 11. Februar 1957 erklärte die amerikanische
Regierung:
"Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß der Golf internationale Gewässer umfaßt und daß keine Nation das Recht hat, die freie
und friedliche Schiffahrt im Golf und durch die den Eingang dazu bildende Straße zu verhindern. Wir denken dabei nicht nur an die kommerzielle Benutzung, sondern auch die Durchfahrt von Pilgern in religiösen
Missionen, die voll respektiert werden sollten.
Die Vereinigten Staaten erinnern, daß das ägyptische Außenministerium am 28. Januar die Vereinigten Staaten davon in Kenntnis gesetzt
hat, daß die Besetzung der beiden Inseln Tiran und Sanafir am Eingang
zum üolf von Akaba durch Ägypten nur den Zweck verfolge, die Inseln
vor möglichem Schaden oder Gewalt zu bewahren und daß diese Besetzung
in keiner Weise in einem Geiste erfolge, der die friedliche Schiffahrt
durch die Wasserstraße, die diese beiden Inseln von der ägyptischen
Küste von Sinai trennt, behindert. Es folgt, daß diese Durchfahrt die einzig möglich - in Übereinstimmung mit internationalen Praktiken
und den anerkannten Prinzipien des Völkerrechts, wie in der Vergangenheit frei sein wird.
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6. März 1957

Da vom Internationalen Gerichtshof keine gegenteilige Entscheidung getroffen worden ist, sind die Vereinigten Staaten bereit, für
Schiffe unter amerikanischer Plagge von dem Recht der freien und friedlichen Durchfahrt Gebrauch zu machen und sich mit anderen Staaten zu
verbinden, um diesem Recht allgemeine Anerkennung zu sichern."
Diese Ansichten sind im Sinne der hierauf anwendbaren Teile des
Berichts der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen über die
Arbeit der Kommission während ihrer 8. Sitzungsperiode - vom 23. April
bis 4« Juli 1956 - zu verstehen.
In Zusammenhang mit der Dauer des Einsatzes der UN-Polizeitruppen
in diesem Gebiet erhob sich die Frage, ob der Generalsekretär die
Generalversammlung über eine bevorstehende Zurückziehung der Polizeitruppen in Kenntnis setzen würde. Wir haben die Erklärung des Generalsekretärs in seinem Memorandum vom 26. Februar zur Kenntnis genommen,
derzufolge "das für den Generalsekretär angezeigte Verfahren es wäre,
den Beratungsausschuß der UN-Polizeitruppen zu informieren, der dann
entscheiden würde, ob die Angelegenheit vor die Versammlung gebracht
werden sollte" .
Ich möchte bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, wie außerordentlich notwendig es ist, daß sowohl Israel als auch Ägypten ihren
internationalen Verpflichtungen einschließlich des Waffenstillstandsabkommens unverzüglich und in vollem Umfange nachkommen. Eingedenk
ihrer Verpflichtungen durch die Charta der Vereinten Nationen, sollten
Israel und Ägypten die absolute Einhaltung der Waffenstillstandsbedingungen zur Grundlage ihrer Beziehungen machen. Die Generalversammlung hat in ihren verschiedenen Entschließungen, die sich mit diesem
Problem befassen, diese Notwendigkeit klar anerkannt. Ja, in ihrer
ersten Entschließung vom 2. November 195&amp; hat die Versammlung festgestellt, daß die so häufige Nichtbeachtung der Waffenstillstandsbedingungen seitens der beiden beteiligten Länder bereits die Feindseligkeiten vorbereitete, die dann Ende Oktober zum Ausbruch kamen.
Hat Israel erst einmal gemäß den Entschließungen der Generalversammlung den Abzug seiner Truppen beendet, so hat angesichts der von
den Vereinten Nationen zur Beilegung der Schwierigkeiten ergriffenen
Maßnahmen keine der beiden Parteien des Waffenstillstandsabkommens
mehr irgendeinen Anlaß, zu kriegerischem Vorgehen.
Die Vereinigten Staaten haben von Anfang an ihrer Überzeugung
eindeutig Ausdruck verliehen, daß nach dem Abzug der britischen, der
französischen und der israelischen Streitkräfte andere Verhältnisse
in diesem Raum zu schaffen seien. Wie Außenminister Dulles am 1. November 1956 vor der Generalversammlung erklärte: "Es muß etwas Besseres
an die Stelle der unsicheren V/affenstill Standsabkommen treten, auf die
sich in den letzten acht Jahren die Beziehungen Israels zu seinen arabischen Nachbarn gründeten" •
Die

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Die Vereinigten Staaten sähen es daher gerne, daß, sobald dies
irgend durchführbar erscheint, eine endgültige Regelung des PalästinaProblems vorgenommen wird - nämlich die Schaffung eines Friedens, wie
er in den Waffenstillstandsabkommen vorgesehen ist. In realistischer
Erkenntnis der Sachlage müssen wir uns mit der Tatsache abfinden, daß
dies im Augenblick nicht zu erreichen ist. Daher ist es eine unserer
vernehmlichsten Aufgaben, in diesem Gebiet friedliche Verhältnisse und
Ruhe zu schaffen, indem wir jede Art der Aggression verhindern. Wenn
auch im gegenwärtigen Zeitpunkt eine endgültige Regelung durch einen
formellen Friedensvertrag nicht zu erreichen ist, so sind wir doch
der Ansicht, daß wir uns mit allen Kräften bemühen sollten, Ruhe und
Sicherheit in diesem Gebiet herzustellen, um eine möglichst baldige
friedliche Regelung vorzubereiten; in der Zwischenzeit haben sowohl
Israel als auch Ägypten ihren internationalen Verpflichtungen strikt
nachzukommen.
Sofern nach dem Abzug der israelischen Streitkräfte erneut Feindseligkeiten aufflammen sollten oder eine der beiden Parteien ihre internationalen Verpflichtungen einschließlich des Waffenstillstandsabkommens verletzen sollte, so müßten die Vereinten Nationen sich
mit der dadurch entstandenen neuen Situation befassen. Die Vereinigten
Staaten würden sich mit anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen
dahingehend beraten, welche geeigneten Maßnahmen sie oder die Vereinten Nationen ergreifen könnten, um Frieden und harmonische Verhältnisse in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des internationalen Rechts wiederherzustellen.
In derartig schwierigen Fragen haben die Vereinten Nationen
die in unserer Charta niedergelegte fundamentale Verpflichtung, Aggressionsakte aller Art oder andere Verstöße gegen den Frieden im Keime
zu ersticken, um auf friedlichem Wege und in Übereinstimmung mit den
Grundsätzen der Gerechtigkeit und des internationalen Rechts Streitigkeiten zwischen verschiedenen Ländern und alles, was zum Bruch des
Friedens führen könnte, beizulegen und wieder einzurenken. Wir wissen
auch, daß nach Artikel 2 der Charta die Mitgliedstaaten, sofern sie
in den Genuß der ihnen aus der Mitgliedschaft erwachsenden Rechte und
Vorteile gelangen wollen, nach bestem Wissen und Gewissen die ihnen
durch die Charta auferlegten Verpflichtungen erfüllen müssen, und daß
zu diesen Verpflichtungen auch die friedliche Beilegung etwaiger Streitigkeiten untereinander gehört, und daß sie von jeder gewaltsamen
Verletzung der territorialen Integrität anderer Staaten Abstand zu
nehmen haben.
Wir stehen heute an einem Wendepunkt in den langjährigen Bemühungen der Vereinten Nationen, in diesem unruhvollen Gebiet in Nahost Ruhe
und Ordnung zu schaffen. Wir haben soeben alle Israels Erklärung zur
Kenntnis genommen, daß es der Aufforderung der Generalversammlung
zum Abzug seiner Truppen Folge leisten wird. Nunmehr obliegt es allen
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, und insbesondere den unmittelbar betroffenen, sich uneingeschränkt an der Durchführung der vom Generalsekretär in seinem Bericht vom 24. Januar vorgeschlagenen und
von der Generalversammlung am 2. Februar gebilligten Maßnahmen zu beteiligen.
Erlauben

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Erlauben Sie mir auch darauf hinzuweisen, daß Ägypten in diesen
aufreibenden Wochen eine vorbildliche Geduld in der Behandlung der
Streitfragen an den Tag gelegt hat, denen wir uns heute gegenübersehen.
Wir vertrauen darauf, daß Ägypten auch in Zukunft in diesem Geiste handeln wird.
Desgleichen geben die Vereinigten Staaten ihrer aufrichtigen
Hochachtung für die unermüdlichen Bemühungen des Generalsekretärs
und seiner unmittelbaren Mitarbeiter zur Erreichung der in den Entschließungen der Generalversammlung formulierten Ziele Ausdruck.
Unsere Organisation hat das große Glück', an ihrer Spitze einen
Staatsmann und Diplomaten zu haben, der seine große Tatkraft und seine
ganze Klugheit tagaus tagein in den Dienst des Friedens stellt.
Aber Mr. Hammarskjoeld wird noch größere Aufgaben zu bewältigen
haben. Doch sind wir dessen gewiß, daß seine Weisheit und seine Geduld
uns auch in Zukunft helfen werden.
Wenn wir guten Willens und entschlossen sind, den in der Charta
der UN niedergelegten Zielen zu dienen, dann können wir auf dem Wege
zu einer friedlicheren, reicheren und glücklicheren Welt bedeutsame
Fortschritte machen.

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GEMEINSAME ANSTRENGUNGEN ZUM WOHLE ALLER

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der Unterstaatssekretär für Fernost-Angelegenheiten im
US-Außenministerium, Walter S. Robertson, anlässlich einer Konferenz der Colombo-Plan-Staaten
ten gehalten hat.
Es ist mir eine Ehre und eine Freude, heute unter Ihnen weilen
zu können. Eine Ehre deshalb, weil meine Regierung stolz darauf ist,
mit dem Colombo-Plan schon seit den ersten Phasen des Aufbaus verbunden zu sein. Und ich freue mich, die Freunde wiederzusehen, die
ich und die übrigen Mitglieder meiner Delegation durch diese Verbindung nun schon seit geraumer Zeit Freunde nennen können.
Der Colombo-Plan ist eine bemerkenswerte Einrichtung. Seine Lebenskraft und Stärke ergeben sich, so glaube ich, aus der Einzigartigkeit des Zieles, das er verfolgt. Jedes Jahr kommen wir zusammen,
um miteinander zu beraten, Erfahrungen auszutauschen und Fortschritte
zu untersuchen, die in den dazwischenliegenden Monaten gemacht worden
sind.
Unsere Tagesordnung ist einfach und nicht mit Einzelproblemen
überlastet. Uns obliegen keine politischen oder militärischen Aufgaben in dieser unruhigen Zeit. Was uns zu enger Partnerschaft verbindet, ist die Tatsache, daß wir uns zum Ziele gesetzt haben, dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt den Weg zu ebnen und in den
betreffenden Ländern einen höheren Lebensstandard zu erreichen.
Sie alle sind sich der Probleme bewußt, denen wir uns gegenübersehen. Ich werde nicht versuchen, die Probleme hier im einzelnen
darzulegen. Ich.möchte vielmehr gemeinsam mit Ihnen die geistige
Einstellung und die Ideen meines Landes erörtern, die es für diese
Konferenz und für diese Partnerschaft mitbringt.
Präsident Eisenhower brachte im März vergangenen Jahres in seiner Kongreßbotschaft über die amerikanische Auslandshilfe deutlich
zum Ausdruck, wie sehr er sich diesem Programm verpflichtet fühlt;
er sagte damals wörtlich:

"Einer
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6. März 1957

"Einer noch weniger fortgeschrittenen Nation bei ihren ersten
Bemühungen um den Aufbau einer Wirtschaft zu helfen, die Freiheit
und Unabhängigkeit zu erhalten und eine Gelegenheit zu bieten, den
Lebensstandard zu erhöhen, kann für unser Land die Aufschiebung wünschenswerter Projekte bedeuten. Wir müssen auch weiterhin zu solchen
Opfern bereit sein, denn was wir dafür im Interesse des Friedens gewinnen, ist den Preis wert."
Das amerikanische Hilfeprogramm für das laufende Haushaltsjahr
beläuft sich auf annähernd eindreiviertel Milliarden Dollar. Von diesen
1,75 Milliarden gehen etwa zwei Drittel nach Asien. Diese Tatsache gibt
ebenso wie auch die Jahresberichte des Colombo-Plans seit seiner Gründung bis auf den heutigen Tag Zeugnis davon, daß die Stärkung der
Wirtschaft in Asien eines der Hauptziele der amerikanischen Politik
geworden ist. Außenminister Dulles hat nur den Gedanken und dem Verantwortungsbewußtsein aller Ausdruck gegeben, wenn er sagte:
"Die Zeit ist vorbei, in der die Völker Asiens eine Führung
dulden, die sie wirtschaftlich und sozial auf dem toten Punkt hält
und bei der jede Generation auf dem Existenzminimum ein kümmerliches
Dasein fristet, ein Dasein, in dem die Lebenserwartung niedrig ist
und in dem die nächste Generation nichts Besseres zu erwarten hat."
Unser eigener Wunsch, diese Lebensaussichten zu verbessern, hat
seinen Ursprung in einer der am tiefsten verwurzelten amerikanischen
Traditionen. Wir sehen in den Bestrebungen vieler asiatischer Völker
ein Spiegelbild unserer eigenen Hoffnungen und unserer eigenen Geschichte. Wir erkennen in ihren Problemen viele der gleichen Probleme
wieder, vor die wir uns selbst gestellt sahen und die wir in der Zeit
unserer Gründerväter und des Ringens um den Aufbau einer neuen Republik
überwunden haben.
Auch auf wirtschaftlichem Gebiet gibt es da eine Verbindung zu
der Vergangenheit unseres Volkes. Für lange Zeit in unserer Geschichte
hatten wir, ebenso wie die Länder Asiens, eine Wirtschaft, deren Hauptaufgabe in der Produktion von Nahrungsmitteln für den Verbrauch im
eigenen Land und im Export von Rohstoffen für die Industrieländer der
übrigen Welt bestand. Es gibt heute noch viele Amerikaner, die sich
sehr wohl an diese Epoche in unserer Geschichte erinnern können. So
ist es auch verständlich, weshalb Amerikaner fasziniert von der Aussicht für die Völker Asiens sind, die jetzt versuchen, für sich ein
besseres und lohnenderes Leben zu schaffen, wie auch wir uns darum
gemüht haben und noch immer mühen. Die Völker Asiens werden von den
gleichen Grundsätzen geleitet - mögen sie sich auch dem Wortlaut nach
in den verschiedenen Sprachen unterscheiden -, nämlich "Leben, Freiheit
und Streben nach Glück" - die das Fundament unserer Unabhängigkeit sind.
Wir erkennen gemeinsam die über allem stehende Würde und den Wert
des Individuums an, und wir sind bestrebt, ihm dabei zu helfen, diese
ihm von Gott gegebenen Rechte zu erlangen und zu erhalten.
Wir

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

Wir sehen ferner in den Bestrebungen der asiatischen Völker zur
Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage das Anbrechen eines neuen
Tages für alle Völker; denn wir wissen sehr wohl, daß eine stetig
wachsende Wirtschaft in einem Teil der Welt eine entsprechende Ausweitung in der übrigen Welt verlangt.
Oft wird die Frage gestellt: Welchen zwingenden Grund hat die
Regierung der Vereinigten Staaten, den Ländern Asiens wirtschaftliche
Hilfe anzubieten? Hierzu ist grundsätzlich folgendes zu sagen:
Bei der Durchführung unserer Programme setzen wir uns manchmal
Mißverständnissen aus. Im besonderen übt man manchmal an uns Kritik
für etwas, was als unnötige Komplizierung und Schwerfälligkeit in den
angewandten Verfahren betrachtet wird. Es heißt, diese Verfahren führten nicht nur zu Verzögerungen in der Durchführung, sondern könnten hie
und da sogar in die inneren Angelegenheiten des betreffenden Landes
eingreifen.
Manchmal werden diese Verfahren als "Gängelband" bezeichnet. Es
wäre viel einfacher für die betreffenden Regierungen, von allen Formularen und Berichten befreit zu werden. Aber es gehört nun einmal zu
den Aufgaben einer repräsentativen Demokratie, daß die Regierung für
die staatlichen Ausgaben verantwortlich zeichnet.
Das amerikanische Volk ist an den Ergebnissen dieser Programme
sehr interessiert. Eine Million Dollar mag in einer Zeit, in der Milliardenbeträge ausgegeben werden, eine verhältnismäßig kleine Summe sein.
Aber eine Million Dollar bedeutet eine Collegeausbildung für mehrere
Hundert Amerikaner oder die Anschaffung von Traktoren für 500 amerikanische Farmer. Die amerikanischen Bürger, die diese Million Dollar in
Form von Steuern aufbringen, bestehen darauf, daß die Verwendung dieser
Million Dollar für die vorgesehenen Zwecke gewährleistet wird. Dieser
Umstand macht die Verfahren erforderlich, die manchmal so kompliziert
erscheinen. Sie sind notwendig, um unseren Kongreß voll und ganz über
die Verwendung der von ihm bewilligten Gelder zu informieren.
Totalitäre Regierungen kümmern sich nicht um dieses Problem. Sie
haben ihrem Volk für keine ihrer Handlungen Rechenschaft abzulegen aus
dem einfachen Grund, weil ihr Volk nicht das geringste Mitspracherecht
besitzt.
Wir sind bemüht, unsere Verfahren zu vereinfachen und dennoch den
Forderungen des Kongresses nach allen wichtigen Informationen, die ihm
im Zusammenhang mit diesen Programmen zustehen, gerecht zu werden. Wir
wissen sehr wohl, daß ein Auslandshilfeprogramm, das zu Ressentiments
führt, falsch ist, gleichgültig, was damit sonst erreicht werden mag.
Lassen Sie mich dies noch etwas anders formulieren.
Die Art des Einvernehmens zwischen Asien und dem Westen, das ich
meine, umfaßt ganz speziell die Erkenntnis unsererseits, daß wir in
bezug auf irgendein Land gar nichtBanderes tun können als daß das, was

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6. März 1957

was wir zu tun versuchen, im Sinne der Bevölkerung des betreffenden
Landes liegt. Nur die Asiaten selbst können bestimmen, welche Art
Hilfe sie von uns und den anderen Nationen wünschen, deren Vertreter
hier an diesem Tisch sitzen. Nur die Asiaten selbst können uns in
die Lage versetzen, mehr Verständnis für ihre Erfordernisse aufzubringen.
Andererseits hoffen wir, daß auch die Asiaten unsere Absichten
und Motive verstehen. Wir erwarten nicht, daß alle unsere Freunde mit
uns einer Meinung sind, aber wir Amerikaner hoffen zutiefst, daß man
uns versteht.
Dies gilt für die Gemeinschaft ebenso wie für den einzelnen. Soll
der elementare Wunsch eines Menschen von seinen Mitmenschen verstanden
werden, dann gilt dies gewiß auch für ganze Nationen, die weiter nichts
sind als die Summe der Einzelmenschen, die ihnen angehören.
Hierin unterscheiden wir uns in keiner Weise von anderen.
Aber da gib^t es ein weiteres Gebiet, auf dem die Bande, die die
hier anwesenden Nationen miteinander verknüpfen, sehr fest und stark
sind. Es ist dies unsere gemeinsame Liebe zur Freiheit für den einzelnen wie für die Nationen. Und, als Gegenstück zu dieser Liebe, ein
tiefverwurzelter und ewiger Haß gegen die Tyrannei in jeder Form.
Das eine steht fest, daß, solange es die Tyrannei und ihren Blutsbruder, den Krieg - oder die Drohung des Krieges - in der Welt gibt,
es keine echte Stabilität, keine Prosperität von Dauer geben kann.
Auch noch so sorgfältig ausgearbeitete kollektive Pläne für eine neue
Welt von Nationen, die in Frieden und Prosperität leben, die ihre Waren
und Dienstleistungen zum Wohle aller untereinander austauschen, sind
zum Scheitern verdammt, wenn nicht die Integrität und Unabhängigkeit
aller Nationen, ob große oder kleine, gewährleistet werden kann.
Gewiß sind wir uns alle darüber einig, daß die edlen Absichten
und friedlichen Ziele solcher kollektiver Anstrengungen, zu denen beispielsweise der Colombo-Plan gehört, scheitern müssen, wenn der Welt
nicht die Schrecken eines neuen Weltkrieges erspart bleiben. Die Anwesenheit eines jeden einzelnen von uns hier ist Beweis genug für unsere Überzeugung, daß der Krieg verhindert werden kann und muß. Selbst
wenn wir hinsichtlich der Wirksamkeit der Mittel nicht immer einer Meinung sind , so sind wir uns doch über das Ziel und im Glauben einig.
Und so kommen wir fast unweigerlich zu einem Thema, bei dem sich
die schlimmsten Befürchtungen der Menschheit mit ihren hochfliegendsten
Träumen vereinen. Es ist dies das Thema Atomkraft.
Auf der Konferenz der Colombo-Plan-Staaten in Singapur vor einem
Jahr machte die Delegation der Vereinigten Staaten den Vorschlag, daß
die asiatischen Länder sich gemeinsam darum bemühen, die Fachkräfte
heranzubilden, die, für die volle Ausschöpfung der Möglichkeiten einer
friedlichen Nutzung der Atomenergie unerlässlich sind. Meine Regierung

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

Regierung wies darauf hin, daß die Errichtung einer Zentralstelle für
Kernforschung und Ausbildung mit Förderung des Colombo-Plans ein logischer Anfang wäre. Die Vereinigten Staaten deuteten an, daß sie bereit wären, einen wesentlichen Beitrag zur Errichtung eines solchen Zentrums zu leisten.
Ich möchte nunmehr einen kurzen Fortschrittsbericht über die Maßnahmen geben, die im vergangenen Jahr' zur Förderung dieses Projekts
unternommen worden sind. Gleichzeitig möchte ich über weitere Maßnahmen sprechen, die eventuell unternommen werden, um es sobald wie nur
irgend möglich Wirklichkeit werden zu lassen.
Sie werden sich erinnern, welch freundliche Aufnahme dieser Vorschlag im vergangenen Jahr erfahren hat. Die erste Entscheidung, die
nach der Konferenz getroffen werden mußte, betraf den Ort, an dem dieses
Forschungszentrum errichtet werden sollte. Nachdem die Vereinigten Staaten hatten wissen lassen, daß ein solches Projekt ihr Interesse fände,
erklärte man sich von verschiedener Seite zur Aufnahme dieses Zentrums
bereit. Sie alle werden verstehen, wie schwierig es ist, hier die endgültige Wahl zu treffen. Nach sorgfältigem Abwägen aller Faktoren wurde
schließlich Manila, die Hauptstadt der Philippinen, gewählt.
Es gab noch viele Fragen, für die eine Antwort gefunden werden
mußte. Dazu gehörten auch die Art des ganzen Aufbaus einer solchen Institution, ihre Ziele und Erfordernisse, wenn sie den Bedürfnissen
dieses Raumes in zufriedenstellender Weise Rechnung tragen sollte.
Das Verfahren der Finanzierung und die Probleme, mit denen in den
Phasen der Gründung und des Aufbaus gerechnet werden mußte, machten
ebenfalls vordringliche Untersuchungen notwendig. Man war sich von Anfang an darüber klar, daß das Forschungszentrum Wegbereiter für die
Anwendung der Kernenergie bei der Lösung regionaler Probleme in Landwirtschaft, Medizin und Industrie sein müsse.
"Wenn eine solche Institution Lebenskraft haben und den Bedürfnissen der asiatischen Welt auf diesem neuen Gebiet gerecht werden
soll", so erklärte im vergangenen Jahr Mr. John Hollister, der Direktor de» US-Amtes für Internationale Zusammenarbeit, "dann muß sie fest
in den Interessen und in der Unterstützung Asiens verankert sein. Das
Forschungszentrum, so wie wir es uns vorstellen, würde für Studenten
aus diesem Räume errichtet, an ihm würden in der Hauptsache Wissenschaftler aus diesem Räume unter der Direktion einer Easiatischen Verwaltung und mit Unterstützung von Regierungen aus dem asiatischen Raum
arbeiten. Den asiatischen Mitgliedstaaten des Colombo-Planes würde es
obliegen, das Zentrum aufzubauen und zu unterhalten und den Arbeitsstab zu stellen. Die Früchte dieser Bemühungen würden ebenfalls Asien
zufallen."
Als bester Weg, über die erste Reaktion Asiens auf dieses Programm Klarheit zu gewinnen und den Umfang der damit verbundenen Probleme
abzuschätzen, schien uns eine Untersuchung an Ort und Stelle. Die Regierung der Vereinigten Staaten veranlaßte daher das Brookhaven National

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�AMERIKA DIENST" :- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

National Laboratory, eine von neun bekannten amerikanischen Universitäten getragene nichtstaatliche Organisation, eine Gruppe führender
Kernwissenschaftler in die hier vertretenen asiatischen Länder zu entsenden. Ihre Aufgabe war es, mit einheimischen Wissenschaftlern und
Regierungsbeamten Fühlung zu nehmen und ein Gutachten über die Errichtung des geplanten Forschungszentrums auszuarbeiten.
Ein Bericht der Brookhaven-Gruppe ist inzwischen der amerikanischen
Regierung unterbreitet worden. Kopien davon sind nunmehr verfügbar und
wurden jeder Delegation zugeleitet.
Meine Regierung hofft, daß wir jetzt rasch zur Realisierung dieses
Planes schreiten können. Hinsichtlich der Bildung einer Arbeitsgruppe,
die die im Brookhaven-Bericht angeschnittenen Probleme erörtert und
allen beteiligten Regierungen besondere Empfehlungen zur Lösung dieser
Probleme unterbreitet, sind wir gerne bereit, in Konsultationen mit
jedem von Ihnen detailliertere Vorschläge zu machen.
Daß es noch eine Anzahl wichtiger Probleme gibt, für deren Lösung
Gruppe nempfehlungen erforderlich sind, ist aus dem Bericht klar ersichtlich.
In dem Bericht heißt es unter anderem wörtlich: "Um die gesteckten
Ziele erreichen zu können, muß das Forschungszentrum über bestqualifizierte Mitarbeiter der verschiedensten Fachrichtungen verfügen. Die
Verpflichtung qualifizierter Wissenschaftler wird eines der Hauptprobleme
sein, und es ist zu erwarten, daß der Mitarbeiterstab mit der Erweiterung des Programms wesentlich wächst. Wenn auch schließlich der wissenschaftliche Mitarbeiterstab sich aus den beteiligten asiatischen
Ländern rekrutieren soll, so wird man doch in der ersten Zeit auf Fachleute aus den westlichen Ländern zurückgreifen müssen.
Ein leistungsfähiges Forschungszentrum muß über Laboratorien und
Forschungseinrichtungen in den wichtigsten Wissenschaftszweigen ebenso
verfügen wie über allgemeine Einrichtungen der kernphysikalischen Forschung, beispielsweise über einen Forschungsreaktor, ein Strahlenlaboratorium, Strahlungsquellen und ein Isotopenlaboratorium, ferner über
umfangreiche Spezialanlagen für die angewandte Forschung in Medizin,
Landwirtschaft und Industrie.
Angesichts des überaus großen Mangels an geschultem Fachpersonal
muß ein Lehr- und Ausbildungsprogramm in Angriff genommen werden. In
den ersten Jahren würde das Schwergewicht auf die Ausbildung und die
unmittelbare Anwendung kernphysikalischer Verfahren zur Lösung regionaler Probleme gelegt werden. Es liegt der Plan für ein Studenten-Ausbildungsprogramm vor, mit dessen Durchführung unmittelbar nach Genehmigung des Forschungszentrums begonnen werden soll. Für eine Sonderausbildung der zur Mitarbeit vorgesehenen Wissenschaftler müßte ebenfalls
sobald wie möglich Sorge getragen werden.
Auf

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

Auf dieser Grundlage", so heißt es abschließend in diesem Bericht,
"wird die Schaffung eines asiatischen Kernforschungszentrums als durchaus möglich erachtet. Ein solches Zentrum dürfte auch in hohem Maße
zur wissenschaftlichen und technischen Entwicklung in diesem Gebiet
beitragen."
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist nach einer sorgfältigen
Untersuchung der finanziellen Implikationen des Brookhaven-Berichtes
bereit, etwa 20 Millionen Dollar für die Errichtung dieses Kernforschungszentrums zur Verfügung zu stellen. Diese Summe ist als Beitrag für die
Errichtung und den Betrieb der Anlagen in der Anlaufzeit gedacht. Dieser Beitrag wird unter der Voraussetzung gewährt, daß eine befriedigende Vereinbarung mit den übrigen Teilnehmerstaaten zustande kommt.
Der Bericht läßt auch erkennen, daß die Colombo-Plan-Staaten voraussichtlich auf Jahre hinaus nicht von sich aus in der Lage sind, die für
den Betrieb des Forschungszentrums benötigten wissenschaftlichen Fachleute und Verwaltungskräfte zu stellen. Deshalb, so wird in dem Bericht
gefolgert, müßten die Vereinigten Staaten bereit sein, dafür Sorge zu
tragen, daß die für die Besetzung der Spitzenpositionen benötigten Fachkräfte von außerasiatischen Ländern herangeholt werden. Besonders in
der Anfangsphase wird es von größter Bedeutung sein, ein erfolgreiches
und nutzbringendes Arbeiten des Forschungszentrums zu gewährleisten.
Meine Regierung, die während dieser Phase damit rechnet, einen erheblichen Beitrag in Form von Fachkräften, Geld, Material und technischem
Wissen leisten zu müssen, hat größtes Interesse daran, daß diese im
gemeinsamen Interesse so nutzbringend wie nur möglich eingesetzt werden.
Wir werden zur Lösung dieser Frage Vorschläge unterbreiten, die nach
unserer Ansicht alle Beteiligten zufriedenstellen, und wir werden sie
Ihren Regierungen zu gegebener Zeit zuleiten. Dann sind da weitere Fragen im Zusammenhang mit Personal, Finanzierung und Organisation, die
von gemeinsamem Interesse sind, über die aber unsere Meinungen noch
nicht in vollem Umfange festliegen. Überdies läßt die Vielschichtigkeit
dieser Angelegenheiten ratsam erscheinen, sie statt auf einer Konferenz
wie dieser im einzelnen zu erörtern.
Aus dem Studium des Brookhaven-Berichtes ergibt sich eindeutig,
daß dieses Projekt nur durch uneingeschränkt kooperative Maßnahmen
zu dem Erfolg gelangen kann, den es seiner Bedeutung nach erreichen
muß.
Meine Regierung ist überzeugt, daß dieser Gemeinschaftsplan für
die friedliche Nutzbarmachung der Kernenergie in Asien Möglichkeiten
ohne Grenzen eröffnet. Wir sehen in diesem ersten kernphysikalischen
Ausbildungszentrum in Asien einen Schrittmacher für Lehrstätten auf
dem Gebiet dieser technischen Wissenschaft, die von allen, die die
Menschheit bis jetzt kennt, am weitesten vorstößt und bisher bestehende
Grenzen einfach niederreißt.
Wenn das Forschungszentrum sein hohes Ziel zu erreichen vermag, wird
dies eine der wichtigsten Errungenschaften des Colombo-Plans überhaupt
sein. Kühn und konstruktiv wird es der Welt demonstrieren, aus welchem
Geist der Plan geboren wurde und seine wachsende Lebenskraft erhält:
den Geist des gemeinsamen Bemühens zum Wohl aller.
(Diese Rede wurde am 5« Dezember 195&amp; gehalten)
* * * * *

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DIE SEATO

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EIN BOLLWERK DER FREIEN WELT

CANBERRA - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der
amerikanische Außenminister, John Poster
Dulles, am 11.März 1957, anläßlich der Eröffnung der Tagung des SEATO-Rates in der
australischen Hauptstadt Canberra gehalten
hat.
Es ist mir eine große Genugtuung, daß ich heute zum dritten
Male als Vertreter der Vereinigten Staaten an einer Jahrestagung
des SEATO-Rates teilnehmen darf. Es ist durchaus angebracht, daß
wir uns hier versammeln, um uns Rechenschaft über unsere Stärke
im Bereich des Südostasien-Paktes zu geben, der von lebenswichtiger
Bedeutung für uns ist. Wir schätzen uns glücklich, daß diese Zusammenkunft in dem so gastfreundlichen Land Australien stattfindet.
Während der drei Jahre, die seit der Unterzeichnung unseres
Verteidigungsbündnisses verstrichen sind, hat sich die Südostasienpakt-Organisation als ein starkes Bollwerk erwiesen. Sie
hat in hohem Maße dezu beigetragen, daß alle Mitgliedstaaten
im wesentlichen in Frieden und Sicherheit leben konnten. Die
SEATO ist ein wirksames Instrument gegen Aggression und umstürzlerische Kräfte.
Diese Tatsache hat konstruktive Entwicklungen auf den verschiedensten Gebieten begünstigt. Die Verhältnisse im Bereich des
SEATO-Paktes haben sich, wie man überall sehen kann, sehr stabilisiert. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die Einheit und
Stärke, die ein Land wie die Republik Vietnam entwickelt hat. Ein
ernstes Problem stellt aber nach wie vor Laos dar, wo der Weltkommunismus in Mißachtung des Genfer Waffenstillstandsabkommens
nach wie vor die aufrührerischen Kräfte des Pathet-Lao unterstützt.
Die Republik Korea, Japan und die Republik China liegen zwar
außerhalb des Vertragsgebietes, es besteht jedoch eine enge Bindung
zu ihnen insofern, als die Vereinigten Staaten Kollektivverteidigungsverträge mit diesen anderen freien Nationen Asiens geschlossen haben.
Deshalb sei hier die Feststellung erlaubt, daß auch diese drei freien
Staaten zunehmend an Stärke gewinnen.
Der
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"AMERIKA DIENST"

,3. M ä r z

195?

Der politische Fortschritt im Bereich des SEATO-Paktes läßt
sich auch an der Tatsache ablesen, daß der Malaiische Staatenbund
bald seine völlige Unabhängigkeit erhalten wird. Bezüglich Singapur
sind gegenwärtig freundschaftliche und fruchtbringende Gespräche
im Gange.
In der Zeit des Bestehens der SEATO haben die freien Staaten in
diesem Gebiet ordnungsgemäße Wahlen auf Landesebene durchgeführt} es
war ihnen auch möglich, ihre Vorstellungen vom allgemeinen Wahlrecht
und von freien Wahlen in die Tat umzusetzen. Sämtliche Mitgliedstaaten
konnten erhebliche Fortschritte auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet erzielen.
Ein lebhafter Austausch offizieller Besuche zwischen den freien
asiatischen Staaten hat mit dazu beigetragen, daß neue Bande der
Freundschaft und des gegenseitigen Verständnisses geknüpft werden konnten. Ein nützlicher Austausch fand auch zwischen den freien asiatischen
Völkern und dem Westen statt. Erst kürzlich hatte ich das Vergnügen,
in meinen Diensträumen den tausendsten thailändischen Besucher zu
empfangen, der im Rahmen des technischen Ausbildungsprogrammes des
Amtes für internationale Zusammenarbeit (iCA) nach den Vereinigten
Staaten gekommen war.
Durch einen solchen Austausch zwischen den Ländern lernt das
amerikanische Volk die alte Kultur und die derzeitigen Aspirationen
der freien asiatischen Völker kennen. Ich hoffe, daß diese Menschen
umgekehrt auch wertvolles Wissen sammeln, das ihnen sowohl in ihrer
persönlichen Laufbahn zugute kommen als auch zum Glück und zur Wohlfahrt
ihrer Völker beitragen wird.
Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren
asiatischen Bündnispartnern wird auch weiterhin über bilaterale Abmachungen über wirtschaftliche Hilfe, technische Unterstützung und
einen Kulturaustausch fortgeführt. Hierzu rechnet auch das von uns
kürzlich in Angriff genommene Programm der SEATO-Kulturbeihilfen.
Von großem Nutzen sind auch unsere Teilnahme am Colombo-Plan und
der UN-Wirtschaftskommission für Asien und den Fernen Osten (ECAFE)
sowie unsere zweiseitigen Abkommen über den Austausch von Informationen und Materialien im Zusammenhang mit den Bemühungen um die friedliche Nutzung der Atomenergie.
Die Colombo-Plan-Staaten prüfen gegenwärtig die Pläne für die
Errichtung eines asiatischen Atomforschungszentrums in Manila, für
das die Vereinigten Staaten die Bereitstellung erheblicher technischer und finanzieller Hilfe zugesichert haben. Unsere gegenseitigen
Sicherheitspakte, zu denen auch der SEATO-Pakt gehört, sind weitere
Manifestationen derselben Absichten. Niemand, weder Freund noch
Feind, sollte daran zweifeln, daß sich das amerikanische Volk in
dem Entschluß einig ist, den aus diesen Verträgen erwachsenden Verpflich
tungen voll nachzukommen und daß entsprechende Machtmittel - an geeigneter Stelle postiert - hinter dieser Entschlossenheit stehen.
Wir
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�"AMERIKA DIENST"

15. M ärz 1957

Wir müssen aber unseren Blick noch über die Grenzen des Bereichs des
SEATO-Paktes hinaus schweifen lassen. Die Ereignisse in anderen Teilen
der Welt verliefen dramatisch und sind sehr lehrreich. Seit wir zum
letzten Mal zusammengekommen sind, wurde uns mit einer jeden Zweifel
ausschließenden Deutlichkeit demonstriert, daß die materialistische
Herrschaft des Kommunismus niemals die Ziele und Wünsche zu erfüllen
vermag, mit denen der Mensch von seinem Schöpfer ausgestattet worden
ist.
Die Machthaber in der Sowjetunion mußten dem Kommunismus Stalinscher Prägung abschwören. Sie sahen sich sogar genötigt, ihrem Volk,
wenn auch langsam, mehr persönliche Sicherheit, größere Gedanken- und
Gewissensfreiheit und einen höheren Anteil an den Früchten seiner
Arbeit zuzugestehen.
In Polen und Ungarn reichten 12 Jahre der geistigen Durchdringung
nicht aus, die Jugend glauben zu machen, daß das sowjetische System
ihren nationalen oder individuellen Wünschen entspreche. Im gesamten
Gebiet der Satellitenstaaten regt sich der Widerstand gegen den brutalen Kolonialimperialismus und die Ausbeutungspolitik der Sowjets.
Wir können daraus mit Sicherheit schließen, daß es sich beim
internationalen Kommunismus, dem gegenwärtig viele Völker Asiens
unterworfen sind, um eine vorübergehende und nicht um eine ständige
Erscheinung handelt. Auf der anderen Seite haben die Entwicklungen in
anderen Teilen der Welt einen Charakter angenommen, der es uns geraten
scheinen läßt, weiter auf der Hut zu bleiben. Als es den in Ungarn
stehenden Einheiten der Roten Armee nicht gelang, den Volksfiufstand
zu unterbinden, fielen sowjetische Divisionen einfach in das Land ein
und brachen jeden Widerstand. Unter dem Schutz von Panzern metzelten
sie das ungarische Volk brutal nieder, das seinem Verlangen nach Freiheit Ausdruck gegeben hatte.
Dieses Vorgehen der sowjetischen Machthaber erfolgte im Widerspruch zu den wiederholten Aufforderungen der Vereinten Nationen, sich
eines bewaffneten Angriffs gegen einen Mitgliedstaat zu enthalten.
In Verletzung der Charta der Vereinten Nationen haben die
sowjetischen Machthaber ständig versucht, im Nahen Osten Unruhe
zu stiften. Wenn immer es den Anschein hatte, daß sich die in diesem
Gebiet bestehenden-Schwierigkeiten auf friedlichem Wege würden lösen
lassen, haben sich die Sowjets eingemischt und durch eine hinterhältige Propaganda und große Waffenlieferungen versucht, die Völker
dieser Gebiete aufeinander zu hetzen. Diese Handlungen stehen ebenfalls im klaren Widerspruch zu den von ihnen eingegangenen Verpflichtungen, sich um eine Regelung internationaler Strei4
auf friedlichem Wege und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des Völkerrechts zu bemühen.
Wir müssen uns ein für allemal darüber klar sein, daß der WeltKommunismus keine Rücksicht auf Legalität oder Humanität oder auf die
moralischen Kräfte der Weltmeinung nimmt, wie sie in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck kommen. Aus diesen Gründen ist er bestenfalls nur eine vorübergehende, wenn auch schmerzliche
Episode in der Geschichte der Menschheit.
Die

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�"AMERIKA DIENST"

13• März 1957

Die offene Unterstützung, die Rotchina dem sowjetischen
Kolonialismus und Imperialismus gewährt und die Art, wie dieses
Land die sowjetische Herausforderung gegenüber den Vereinten
Nationen unterstützt, wirken sich für alle freien Nationen unheilvoll aus. Diese Politik ist eine ernste Warnung für uns und
zeigt den wahren Charakter des rotchinesischen Regimes.
Diese Politik unterstreicht auch, welch bleibende Bedeutung
der militärischen Seite der SEATO - der Arbeit unserer Militärberater und unseren gemeinsamen militärischen Planungen -, zukommt.
Diese haben sich insgesamt als sehr wirksam erwiesen.
Vor einem Jahr habe ich in Karatschi erklärt, daß die Erfolge
unserer Handelspolitik und unserer wirtschaftlichen uni kulturellen
Austauschprogramme Nachahmer finden würden. Diese Nachahmer, so
sagte ich, würden solche Programme für völlig andere Zwecke verwenden. Unsere Absicht ist, diese freien Völker im Aufbau zu unterstützen. Ihr Ziel dagegen ist die Vernichtung der Freiheit und
Unabhängigkeit der Völker.
Ich habe ferner vorausgesagt, daß die führenden Persönlichkeiten der freien asiatischen Länder, die bei der Gewinnung der Unabhängigkeit ihrer Länder so hohe politische Fähigkeiten entwickelt haben, ohne Schwierigkeit zwischen Freiheit und Unterdrückung zu unterscheiden vermögen. Sie würden die Unterdrücker
erkennen, selbst wenn sie sich in den gestohlenen Mantel der
Freiheit hüllen.
Ich glaube nicht, daß sich auch nur einer der Führer Asiens
hat täuschen lassen. Einige unter ihnen mögen sich nicht voll und
ganz der Gefahr bewußt sein, die ihnen von den zahlreichen dunklen
Kräften droht, deren sich die kommunistischen Verschwörer aus alter
Tradition zu bedienen pflegen.
Loch liegen bereits Beweise dafür vor, daß die Regierungen verschiedener freier Länder Asiens Maßnahmen ergreifen werden, um der
kommunistischen Durchsetzung der Schulen, der Gewerkschaften und
der Minderheiten zu begegnen. Damit ist ein hoffnungsvoller Anfang
gemacht, um einer großangelegten und ständig wachsenden Gefahr entgegenzutreten.
Wir als Mitglieder der SEATO können, wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen, über die gefährdeten Gebiete hinaus unsern Einfluß erweitern. Zuerst jedoch wollen wir einmal unser eigenes
Haus in Ordnung bringen. Wir wollen den Köder der Kommunisten
nicht schlucken und nicht in die Falle gehen, die sie uns mit
Handels- und Hilfsangeboten stellen. Lassen Sie uns gemeinsam
die kommunistische Technik der Unterminierung klar anprangern.
Lassen Sie uns gemeinsam auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet
fortschreiten. Lassen Sie uns unser Erziehungswesen ausbauen.
Lassen Sie uns unsere Minderheiten gerecht behandeln und ihnen
Schutz gewähren. Lassen Sie uns tüchtige Gewerkschaftsführer ausbilden. Auf solche Weise können wir viel tun, um anderen freien
Nationen zu beweisen, wie sich die traditionellen Kanäle kommunistischer Infiltration wirksam verstopfen lassen.
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�"AMERIKA DIENST"

13. März 1957

Von den verschiedenen Ausschüssen der SEATO sind großangelegte
Planungen durchgeführt worden, um ihre Mitgliedstaaten bei der
Erreichung dieses Zieles zu unterstützen. Ich beglückwünsche all
diejenigen, die dabei mitgeholfen haben, den Grundstein für diese
Aktivität der SEATO sowie die Zusammenarbeit auf zahlreichen anderen Gebieten zu legen. In den kommenden Monaten und Jahren werden
wir diese Pläne verwirklichen und erweitern müssen. Ich bin überzeugt, daß wir durch diese Konferenz hier in Canberra einen großen
Beitrag zur Verwirklichung dieser Zielsetzungen leisten werden.

* * * * *

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A1U./13.5.19-57

DULLES:

USA HALTEN AN BISHERIGER CHINA-POLITIK FEST

CANBERRA - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Erklärung des US-Außenministers John Foster Dulles vom 12.März 1957
auf der SEATO-Konferenz in Canberra zur amerikanischen Chinapolitik.

"Die Vereinigten Staaten halten weiterhin entschlossen an den
drei Hauptaspekten ihrer China-Politik fest, das heißt, sie erkennen die Republik China an, sie erkennen die sogenannte Volksrepublik China nicht an, und sie widersetzen sich der Aufnahme
dieser 'Volksrepublik' in die Vereinten Nationen als akkreditierten Repräsentant der - wie es in der Charta heißt - 'Republik
China'.
Diese Politik ist nicht allein ein Ausdruck der gefühlsmäßigen Abneigung gegenüber dem chinesischen Kommunismus; obwohl das Credo und die Praktiken der chinesischen Kommunisten
uns in der Tat widerwärtig sind.
Auch will unsere Politik nicht lediglich eine gefühlsmäßige Loyalität gegenüber der Republik China zum Ausdruck
bringen; obwohl wir gegenüber einer Regierung, die sich selbst
in den dunkelsten Tagen des zweiten Weltkrieges der Sache der
Alliierten gegenüber treu verhielt, eine Loyalität empfinden.
Unsere Politik wird in erster Linie durch Erwägungen von
nationalem und, wie wir glauben, von internationalem Interesse
bestimmt.
In erster Linie stellen wir uns die Frage: Wird den Interesse© der Vereinigten Staaten durch diplomatische Anerkennung
des kommunistischen Regimes in China gedient? Die Antwort hierauf
ist unserer Ansicht nach eindeutig negativ.
Die diplomatische Anerkennung: des kommunistischen Regimes
in China durch die Vereinigten Staaten würde keinen nationalen
Zwecken dienen, jedoch die gegen uns und unsere Verbündeten gerichteten feindseligen Einflüsse stärken und ermutigen sowie
weiter Länder gefährden, deren Unabhängigkeit in Beziehung zu
unserem eigenen Frieden ufid unserer eigenen Sicherheit steht.

In

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13. März 1957

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, daß Millionen
von ausgewanderten Chinesen aus allen Schichten der Bevölkerung
in den freien asiatischen Ländern leben. Auch heute noch stehen
viele, vielleicht sogar die meisten von ihnen, der Republik China
loyal gegenüber, die gegenwärtig ihren Sitz auf Pormosa hat und das
China symbolisiert, das sie kennen. Wir können nur Nachteile und
keinen Gewinn in Maßnahmen sehen, die diese im Ausland lebenden
Chinesen geneigter machen würden, der subversiven Politik des
kommunistischen Regimes in China zu dienen.
Wenn wir diese Frage vom Standpunkt der Vereinten Nationen
aus untersuchen, so kommen wir zu einem ähnlichen Schluß. Die
Vereinten Nationen würden nicht gestärkt werden, wenn die Kommunisten China dort repräsentieren würden, und wir können nicht einsehen, daß sie irgendein Recht hierzu haben.
Die UN-Charta will, daß sich die Mitglieder nur aus friedliebenden Regierungen zusammensetzen, die in der Lage und gewillt sind,
ihre unter der Charta übernommenen Verpflichtungen durchzuführen.
Es liegen keine Anzeichen .dafür vor, daß das chinesische kommunistische Regime China in einem Geiste vertreten würde, wie ihn die
Charta fordert.
Die chinesischen Kommunisten haben die Vereinten Nationen in
Korea bekämpft und stehen immer noch als Aggressor gegen die Vereinten Nationen verurteilt da. Sie haben Tibet mit Gewalt besetzt.
Sie haben den Krieg in Indochina gefördert. Sie haben sich geweigert, in bezug auf Formosa und die Pescadores jeglicher Zufluchtnahme zu einem Krieg als Instrument ihrer Politik zu entsagen.
Ihr Verhalten gegenüber anderen Nationen und deren Bürgern weist
nicht die Toleranz und die gutnachbarlichen Beziehungen auf, die
von Mitgliedern der Vereinten Nationen erwartet werden.
Wenn es dem kommunistischen Regime erlaubt würde, die Republik China in den Vereinten Nationen zu vertreten, so würde es
wahrscheinlich auch als Ständiges Mitglied und mit Vetorecht ausgestattet einen Sitz im Weltsicherheitsrat erhalten. Dieser
Sicherheitsrat ist das Gremium, dem die Charta die Hauptverantwortung
für die Erhaltung von Frieden und Sicherheit im Einklang mit den
Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechts übertragen hat.
Es würde grotesk sein, wenn diese hohe Verantwortung einem Regime
übertragen würde, das selbst als bewaffneter Aggressor gegen die
Vereinten Nationen verurteilt dasteht und das selbst am stärksten
gegen die Gerechtigkeit und das Völkerrecht verstoßen hat.
Die Vereinten Nationen sehen sich einer immer größer werdenden Verantwortung gegenüber. Wir können uns nicht sträflicher
dieser Verantwortung entziehen, als daß wir den chinesischen Kommunisten eine Gelegenheit einräumen, dort Unheil anzustellen.
Wir glauben, daß diese Politik der Vereinigten Staaten nicht nur
in unserem eigenen Interesse und im Interesse der freien Welt, sondern
daß sie auch im Interesse des chinesischen Volkes selbst ist, zu dem
das amerikanische Volk historische Bande der Freundschaft hat."
* * * # *
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Allg./15.3.57

KOMMUNIQUE DER SEATO-RAT-TAGUNG IN CANBERRA

CANBERRA - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut des Kommuniques über die
dritte Jahrestagung des Rates der SüdostasienOrganisation (SEATO), das am 13.März 1957 in
der australischen Hauptstadt Canberra veröffentlicht wurde.

Die Pläne zur Konsolidierung und weiteren Beschleunigung des
Portschrittes, der in der Wahrung der Freiheit aller Länder in Südostasien erzielt worden ist, wurden vom Rat der Südostasien-Organisation (SEATO) auf seiner dritten Tagung gebilligt, auf der
R.G. Casey, der Außenminister Australiens, den Vorsitz führte.
Diese Pläne sehen vorl
Die Aufrechterhaltung der Verteidigungskapazität der Mitgliedstaaten des Vertrages, um einer bewaffneten Aggression wirksam entgegentreten zu können.
Die Ausweitung der Bestrebungen, jede von außen gelenkte umstürzlerische Tätigkeit aufzudecken, in ihrem gesamten Ausmaß zu
erkennen, bloßzustellen und zu bekämpfen.
Die Entwicklung der wirtschaftlichen Hilfsquellen der Signatarmächte, insbesondere der asiatischen Mitgliedstaaten, durch
Maßnahmen innerhalb und außerhalb der SEATO.
Verteidigungspläne - Die Minister sind der Auffassung, daß
die Kräfte des Weltkommunismus nach wie vor auf ihr eigentliches
Ziel der Weltherrschaft hinarbeiten, auch wenn die unmittelbare Bedrohung des Friedens in Südostasien geringer geworden ist.
Der
Asien in
ist. Die
vietnams

Rat stellte fest, daß die sogenannte Friedensfront in
Wirklichkeit eine Front von Millionen bewaffneter Männer
militärische Stärke des kommunistischen Chinas und Nordwird fortlaufend erhöht.

Unter den gegebenen Umständen kam der Rat überein, daß die
SEATO nicht in ihrer Wachsamkeit nachlassen dürfe und ihre Kapazität zur Abschreckung vor einer Aggression und zu ihrer Abweisung
beibehalten müsse. Angesichts der Bedrohung, die ihrerseits nicht
statisch ist, mehren die SEATO-Mitgliedstaaten durch gemeinsame
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�AMERIKA DIENST"

13. März 1957

gemeinsame Anstrengungen fortlaufend und in Anpassung an die jeweiligen Umstände ihre Kapazität, um ihrer Herr zu werden. Wenn
sich die Kommunisten nunmehr aus taktischen Erwägungen heraus
dazu entschlossen haben, ihren Druck im gegenwärtigen Zeitpunkt
durch andere als militärische Mittel zur Geltung zu bringen, so
bedeutet das nicht, daß sie nicht versuchen werden, jede Schwäche in
der militärischen Bereitschaft der SEATO für sich auszubeuten, sofern sich ihnen eine Gelegenheit hierzu bieten sollte.
Als Ergebnis der Arbeit der militärischen Berater im Verlaufe
des vergangenen Jahres sind die SEATO-Regierungen einer Meinung
hinsichtlich der Natur der kommunistischen Drohung in dem von dem
Vertrag erfaßten Raum sowie der Art der militärischen Maßnahmen,
die zu seiner Verteidigung erforderlich wären.
Die militärische Planung ist ein kontinuierlicher Prozeß und
wird durch die Errichtung eines ständigen militärischen Planungsamtes in Bangkok, in dessen Stab alle Mitgliedstaaten vertreten sind,
unterstützt.
Die enge Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften der Mitgliedstaaten wird durch Ausbildungsübungen unter kriegsmäßigen Bedingungen gefördert, die von den militärischen Beratern der SEATO angesetzt werden.
Bekämpfung umstürzlerischer Tätigkeit - Der Rat ist der Ansicht,
daß die militärische Bedrohung des Raumes schon allein durch die
Existenz der SEATO und des kollektiven Verteidigungssystems, wie es
die Partnerstaaten der Organisation repräsentieren, in Schach gehalten wird. Das Schwergewicht kommunistischer und kommunistisch inspirierter Taktiken in dem betreffenden Gebiet muß sich deshalb weiterhin von offener Drohung mit Gewalt auf elastischere Taktiken der Infiltration ohne direkte Gewaltanwendung und der ünterminierung nichtkommunistischer Staaten verlagern, was in manchen Fällen mit bewaffneten Aufständen einhergeht.
Da der Rat der Auffassung ist, daß die Kenntnis dieser Tatsachen in der Öffentlichkeit - nämlich wie und wo der Tatbestand
umstürzlerischer Tätigkeit gegeben ist - eine wesentliche Voraussetzung für wirksame Gegenmaßnahmen darstellt, kam er überein, seine
zivile Organisation anzuweisen, die Arbeit hinsichtlich der Aufdeckung und Klarstellung aller Phasen umstürzlerischer Taktiken zu
intensivieren, die Ergebnisse dieser Arbeit den Mitgliedregierungen
bekanntzugeben und sie durch die öffentliche Meinung nachprüfen zu
lassen.
Damit hat der Rat ganz spezifische Projekte zur Entlarvung solcher Tätigkeit gutgeheißen. Das Unterlagenmaterial für diese Projekte
werden Analysen des Sachverständigenausschusses für Sicherheitsfragen
und Informationen bilden, die die Untersuchungszentrale der SEATO
sowie die Regierungen der Mitgliedstaaten zur Verfügung stellen.
Der Rat war sich bewußt, daß die Bekämpfung der Wühltätigkeit in
erster Linie Aufgabe jeder einzelnen Regierung ist, die dabei, wenn
nötig, von den befreundeten Staaten unterstützt wird. Die Arbeit der
SEATO kann aber in diesem Zusammenhang eine wichtige Ergänzung darstellen,
und Entscheidungen des Rates auf seiner gegenwärtigen Konferenz werden
diese Rolle noch wirksamer gestalten.
Wirtschaftlicher
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13- März 1957

Wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt - Der Rat befaßte
sich mit den Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet gemäß Artikel 3
des Vertrages. Die Vertreter Pakistans, der Philippinen und Thailands verwiesen auf die wirtschaftlichen Probleme ihrer Länder,
die ein gemeinschaftliches Vorgehen mit anderen Mitgliedstaaten
erforderlich machen, und der Rat suchte zu ergründen, welche Maßnahmen am geeignetsten sind, um diese Probleme zu lösen.
Die Sachverständigen-Ausschüsse der SEATO haben spezifische
Maßnahmen vorgeschlagen, die geeignet erscheinen, die wirtschaftliche Belastung durch die Verteidigung zu verringern und zu einer
Fortsetzung der wirtschaftlichen Entwicklung hinter dem Schutzschild der SEATO beizutragen. Die Mitglieder des Rates erklärten
sich bereit, die Ausführung dieser Empfehlungen zu erwägen.
Der Rat nahm mit Befriedigung von dem Fortschritt Kenntnis,
der hinsichtlich der Entwicklung der Wirtschaft in den asiatischen
Mitgliedstaaten erzielt worden ist. Der Rat nahm ferner zur Kenntnis, daß eine Reihe von Ländern, insbesondere die Vereinigten Staaten,
auf der Basis der Zweiseitigkeit erhebliche Wirtschaftshilfe als
direkten Beitrag zur Erreichung der Vertragsziele gewähren. Über
diese bilateralen Programme hinaus wird Unterstützung in kleinerem
Maße auch unmittelbar im Rahmen der SEATO gewährt. So stellt beispielsweise die australische Regierung in diesem Rahmen 2 Millionen
Pfund Sterling zur Verfügung.
Der Rat entschied, daß die Förderung und Intensivierung des
kulturellen Lebens in den einzelnen Mitgliedataaten in die kulturellen Maßnahmen einzubeziehen seien. Er forderte die Regierungen
der Migliedstaaten auf, den zweiseitigen Kulturaustausch innerhalb
der SEATO-Gemeinschaft zu fördern.
Der Rat billigte darüber hinaus eine Reihe von Multilateralen
Vorhaben auf dem Gebiet der kulturellen Beziehungen.
Dies ist eine neue und vielversprechende Entwicklung, die den
Geist der Freundschaft stärken wird, der die Beziehungen zwischen
den 8 Mitgliedstaaten ohnehin kennzeichnet. Eines der wichtigsten
Kulturprogramme, desseO Inangriffnahme gebilligt wurde, ist die Errichtung eines SEATO-Stipendiums, durch das Wissenschaftler aus den
SEATO-Staaten angeregt werden sollen, sich in einem Fachstudium jene
Kenntnisse zu erwerben, die für die SEATO von besonderer Wichtigkeit
sind.
Ein weiteres wichtiges Vorhaben, das auf der Tagung gebilligt
wurde, ist die Einberufung einer Round-Table-Konferenz zur Erörterung
von zivilisatorischen und kulturellen Problemen Asiens, die in einem
der asiatischen Mitgliedstaatten stattfinden und mit hervorragenden
Experten beschickt werden soll.
Der

�'AMERIKA DIENST"

13. März 1957

Der Rat nahm ferner einen französischen Vorschlag an, demzufolge die zuständigen Organe der SEATO das Problem der Unterstützung des Erziehungswesens im Geltungsbereich des Vertrages
erörtern und Maßnahman empfehlen sollen, die auf diesem Gebiet
im Rahmen der SEATO getroffen werden können.
Ständige Organisation und Finanzierung - Der Rat erörterte
die Stärkung der ständigen zivilen Organisation in Bangkok und entschied1 sich schließlich dafür, einen Generalsekretär und einen stellvertretenden Generalsekretär zu ernennen. Er wies die Ministervertreter an, die Kompetenzen dieser Beamten und den Zeitpunkt ihrer
Ernennung zu bestimmen sowie Nominierungen, die von den Regierungen
der Mitgliedstaaten für diese Ämter unterbreitet werden, zu erwägen
und darüber zu berichten.
Der Rat genehmigte einen Etat von 787 145 Dollar für die 15 mit
dem 30.Juni 1958 zu Ende gehenden Monate, um die für das ständige
zivile und militärische Hauptquartier in Bangkok erwachsenden Kosten
zu decken und gewisse gemeinsame Programme zu finanzieren.
Schlußbetrachtungen - Zu den Themen, die von dem Rat erörtert
worden siKä, gahöüfe äUöll älfi Frage des Neutralismus. Mit Besorgnis
wurde festgestellt, daß einige Regierungen mehr oder weniger ausgeprägt eine Linie aktiver Opposition gegenüber kollektiven Sicherheitsübereinkommen wie beispielsweise der SEATO, die mit der Charta
der Vereinten Nationen voll im Einklang steht, eingeschlagen haben.
Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß im Laufe der Zeit,
wenn der Wert der SEATO immer mehr erkannt würde, ihr schließlich
auch jene zustimmen, die sie heute kritisieren. Die SEATO ist keine
exklusive Organisation, sondern steht allen Ländern in Südostasien
offen, die bereit sind, die daraus erwachsenden Vorteile und Pflichten zu teilen. Die Mitglieder des Rates möchten betonen, daß echte
Besorgnis um die Sicherheit des Gebietes der Beweggrund für ihren
freiwilligen Zusammenschluß in der SEATO war und alle Völker in diesem Raum, ob sie nun Mitglied der SEATO sind oder nicht, von dem
Schutz profitieren, den die kollektive Stärke der SEATO gewährt.
Die Mitglieder des SEATO-Rates gaben ihrem Abscheu gegenüber
dem Einsatz sowjetischer Streitkräfte zur Erstickung des Kampfes des
ungarischen Volkes um seine Unabhängigkeit Ausdruck. Sie stellten fest
daß das sowjetische Vorgehen von Rotchina gebilligt und unterstützt
wurde. Sie nahmen ferner zur Kenntnis, in welch lebhaftem und bezeichnendem Gegensatz hierzu die politische Haltung mehrerer der Mitgliedstaaten der SEATO steht, die verschiedenen früher einmal abhängigen
Gebieten ihre volle Unabhängigkeit bereits eingebracht hat oder in
Kürze einbringen wird. Die Konferenz fand in einer Atmosphäre herzlicher Freundschaft, gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens statt
Angesichts des Eintretens der SEATO in eine neue Phase verstärkter
Aktivität sind die Mitglieder des Rates entschlossen, dafür Sorge zu
tragen, daß die Organisation in Übereinstimmung mit den Grundsätzen
und Zielen der Charta der Vereinten Nationen für die Bereicherung und
Verteidigung von Leben und Freiheit arbeitet.
Auf

�"AMERIKA DIENST"

13. März 1957

Auf der dritten Tagung des SEATO-Rates waren vertreten:
Australien durch R.G. Casey; Frankreich durch Pierre de
Nelice; Neuseeland durch T.L. MacDonald; Pakistan durch
S. Amjad Ali; die Philippinen durch den Vizepräsidenten
Carlos P. Garcia; Thailand durch Rak Panyarachun; Großbritannien durch den Earl of Home und die USA durch
John Foster Dulles.

* * * * *

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D I E N S T

A1U./27.5.1957
DIE NATO IST DER GRUNDSTEIN DER BÜNDNISSYSTEME
DES WESTENS

. BOSTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der
Leiter des US-Amtes für Verteidigungsmobilisierung, Gordon Gray, am 23.März 1957 anläßlich des NATO-Tages in Boston (Massachusetts)
gehalten hat. Der NATO-Tag wurde von der
Bostoner Regionalkonferenz für Fragen der
Nordatlantikpakt-Organisation, die am
4»April 1957 acht Jahre besteht, durchgeführt .

Gestatten Sie mir bitte, auch wenn es mir eigentlich nicht
zukommt, daß ich allen jenen meinen Glückwunsch ausspreche, die
am Zustandekommen dieser großen Veranstaltung zu Ehren der militärischen Vertreter der NATO Anteil haben. Diese Veranstaltung
ist von großer Wichtigkeit und ein sehr verdienstvoller Versuch.
Ich darf wohl zu Recht annehmen, daß Ihre Anwesenheit hier in
diesem Raum es unnötig macht, daß ich - und insbesondere zu so vorgerückter Stunde - meine eigenen Auffassungen von Freiheit und
kollektiver Sicherheit darlege. Man hat mich nun aber einmal aufgefordert, hier zu sprechen und so möchte ich hier zunächst zwei
Fragen aufwerfens Dürfen wir davon ausgehen, daß die Sowjetunion
und der Weltkommunismus in unserer Zeit eine Bedrohung aller jener
Dinge darstellen, die wir vor anderen als erstrebenswert ansehen?
Und was sehen wir eigentlich als erstrebenswert an?
Wünschen wir nicht für uns, unsere Familie, unsere Gemeinde,
unseren Staat, ja sogar für alle Völker der Erde Frieden und Freiheit, die in gewisser Hinsicht untrennbar voneinander sind? Sehnen
wir uns nicht alle wirklich nach echter Ruhe und nach einem gottgefälligen Leben?
Ich für meinen Teil möchte der Welt nur ein Rezept geben,
das sich in einem Wort zusammenfassen läßt: verantwortungsbewußte
Freiheit.
Das heißt: Recht, auf Selbstregierung; Freiheit der Rede
und Kritik - und selbst des Lobes, wenn wir es ernst meinen;
Freizügigkeit, Versammlungsfreiheit und das Recht, eingegangene
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�"AMERIKA DIENST"

27. März 1957

eingegangene Bindungen wieder zu lösen; das Recht, seinen Glauben
offen und freudig zu bekennen; Garantie des Besitzes und Schutz
vor Enteignung; das Recht auf den Ertrag des eigenen persönlichen
Fleißes - oder auf die zweifelhaften Früchte der eigenen Faulheit,
für den, dem dies der gegebene Weg scheint; Gewährleistung der Unantastbarkeit der Familie; und das Recht, unseren Nächsten zu lieben und von ihm geliebt zu werden.
Dies sind die Antithesen der Praktiken des sowjetischen
Kommunismus, was auch immer seine Wortführer predigen mögen. Diese
Begriffe umreißen einen Lebensstil - unseren Lebensstil. Wir können
aber nicht auf einfache Begriffe bauen, auch wenn wir nach ihnen
leben wollen.
Man ist versucht, die Feststellung zu treffen - auch wenn sie eine
allzu grobe Vereinfachung ist -, daß wir genau für jene Dinge eintreten, gegen die sich die Sowjetmachthaber wenden. Zweifellos wollen
auch sie den Frieden - aber nur zu den von ihnen diktierten Bedingungen. Wir tun gut daran, einmal die Frage zu untersuchen, welches die
besonderen Motive für ihr Handeln sein mögen.
Lassen Sie mich zunächst einmal die NATO herausgreifen« auch
hier stehen die Sowjets in der Opposition. Und dabei gibt es meiner
Meinung nach so etwas wie eine kollektive Verantwortung; ich darf
dafür die Senfer Konferenz der Regierungschefs als Beweis nennen,
die so viel dazu beitrug, einige der großen Fragen unserer Epoche
herauszustellen und in den Brennpunkt des Interesses zu rücken.
Das wichtigste außenpolitische Ziel, das die Sowjets auf den
Genfer Konferenzen verfochten haben, war die Auflösung der NATO und
der gleichzeitige Abzug der amerikanischen, britischen und kanadischen
Truppen vom europäischen Festland sowie die Aufgabe der US-Stützpunkte
in den der Sowjetunion benachbarten Gebieten. Es ist von besonderer
Bedeutung, daß die Sowjetunion eben diese Haltung gegenüber der
NATO einnimmt, denn die Stärke, die wir sowohl auf politischem als
auch militärischem Gebiet im Laufe der Jahre aufgebaut haben, ist
tatsächlich beachtlich. Zum ersten Mal seit Beginn der Geschichtsschreibung haben wir im Frieden eine brauchbare politische und militärische Organisation aufgebaut, die sich auf den Gedanken der
kollektiven Sicherheit und nicht ausschließlich auf die Leistungsfähigkeit einzelner Staaten gründet. Die NATO ist der Grundstein
unserer verschiedenen Verteidigungsbündnisse. Deshalb können wir
es nicht zulassen, daß diese Institution zerschlagen oder geschwächt
wird. Wir müssen vielmehr jede nur mögliche Anstrengung unternehmen,
ihre Stärke in allen Bereichen - im politischen, militärischen und
wirtschaftlichen Bereich - zu mehren.
Seit der Gründung der NATO hat die Sowjetunion eine ganze
Reihe verschiedener Vorschläge bezüglich der europäischen Sicherheit, der Wiedervereinigung Deutschlands und der Abrüstung gemacht,
von denen sie hoffte, daß sie, sofern sie angenommen werden sollten,
die Solidarität der NATO zerstören oder ihr doch erheblich Abbruch
tun würden. Sie haben - in verschiedenen Kombinationen - Vorschläge
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27» März 1957

Vorschläge über eine Beschränkung der Streitkräfte, entmilitarisierte Zonen, neutralisierte Gebiete und eine Inspektion und
Überwachung von Waffen vorgebracht.
Keiner ihrer Vorschläge hat aber eine Anerkennung jener Grundvoraussetzung gebracht, die der Westen als wesentlich erachtet i die
Wiedervereinigung Deutschlands. Die drei westlichen Regierungschefs
haben 1955 in Genf eine Reihe von militärischen Zusicherungen im Zusammenhang mit der Frage der europäischen Sicherheit und der Wiedervereinigung Deutschlands angeboten. Der Westen ging sogar so weit,
den Sowjets eine Zusicherung gegenseitigen Beistands im Falle eines
Angriffs auf die Sowjetunion anzubieten. Diese Verpflichtung sollte
dann in Kraft treten, wenn ein wiedervereinigtes Deutschland sich
der NATO anschließen sollte« Ich möchte ausdrücklich betonen, daß
das wiedervereinigte Deutschland die freie Wahl haben sollte, ob
es der NATO beitreten wolle oder nicht.
Die Sowjets aber zogen es vor, die Bemühungen des Westens,
ihren früheren Vorschlägen entgegenzukommen, zu bagatellisieren.
Es hat sich gezeigt, daß die Sowjetunion keine militärischen Zusicherungen und keine Vereinbarungen über die europäische Sicherheit in Verbindung mit der Wiedervereinigung Deutschlands durch
freie Wahlen wünschte:;
sie haben vielmehr den Fortschritt auf
diesem Gebiet aus rein politischen Erwägungen heraus - und nicht
aus Gründen der Sicherheit - gehemmt.
Wenn die NATO ihre Stärke aufrechterhalten und noch an Gewicht
gewinnen soll, dann müssen wir unablässig bemüht bleiben, eine echte
Lösung für jene beiden Probleme zu finden, die unserer Auffassung
nach bisher eher unzufriedenstellend gelöst und für die westliche
Welt besonders gefährlich sind. Neben der Frage der Wiedervereinigung
Deutschlands, ohne die es keine echte Stabilität in Europa geben kann,
steht die Frage der osteuropäischen Satellitenstaaten, die die Sowjetunion seit Ende des zweiten Weltkrieges in einem Abhängigkeitsverhältnis zu sich selbst hält. Im Verlauf der letzten zwei Jahre sind
viele Entwicklungen eingetreten, die uns Hoffnung auf einen günstigen Wandel der Verhältnisse in Osteuropa geben.
Es gibt zwei Theorien darüber, was sich seit 1955 in den Satellitenstaaten abgespielt hat. Die eine besagt, daß unter dem Druck der
sowjetischen Gesellschaft selbst eine Tendenz zur Liberalisierung der
sowjetischen Politik erzwungen wurde, die nicht mehr aufzuhalten ist.
Dieser Druck, so nimmt man an, geht vom Volk aus, in dem durch zunehmen
de Verbreitung der Bildung und die voranschreitende Industrialisierung
der Wunsch nach größerer Handlungsfreiheit in politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten geweckt wurde. In manchen Kreisen glaubt
man, daß diese augenscheinliche Liberalisierung dem Westen in zunehmendem Maße die Möglichkeit bieten wird, mit der Sowjetunion ins Gespräch zu kommen.
Die andere Theorie geht dahin, daß die Satellitenstaaten nach wie
vor der strengen Kontrolle der Sowjetführung unterliegen, die den politischen Kurs von einem Augenblick zum anderen ändern kann., Ich

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27. März 1957

Ich persönlich glaube, wir sollten von der Annahme ausgehen, daß
diese Theoria eher den Tatsachen entspricht und daß wir uns von
dieser Erwägung leiten lassen sollten, bis wir mehr Grund zu der
Auffassung haben, die sowjetische Kontrolle über die Satellitenstaaten habe sich tatsächlich gelockert und sei nicht mehr länger
durchführbar und aufrechtzuerhalten.
In den Satellitenstaaten ist es zu Ausbrüchen eines angestauten
Hasses gegen die Fremdherrschaft gekommen. Dieser Haß wurde noch
verstärkt durch den langsamen Portgang der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, die in keiner Weise geeignet war, der extremen
Armut und der Unterdrückung der bürgerlichen Rechte in diesem Gebiet ein Ende zu bereiten. Der Westen darf ferner nicht in seinen
Bemühungen nachlassen, die Sehnsucht dieser Völker nach Freiheit
durch die Pflege kultureller Beziehungen und durch wirtschaftliche
Durchdringung zu nähren. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir sicher
sein können, daß die Deutschen die Wiedervereinigung in Freiheit
vollziehen können und daß die östlichen Satellitenstaaten Gelegenheit erhalten, unter einer von ihnen selbst gewählten Regierungsform zu leben und damit alle jene Freiheiten zu genießen, die dies
impliziert, wird man uns kaum dazu bewegen können, eine Aufgabe
jener Stärke in Erwägung zu ziehen, die wir mit so großen Anstrengungen in der NATO aufgebaut haben. Wir dürfen in unseren Bemühungen, zu einer Verständigung mit den Sowjets zu gelangen, nicht nachlassen; wir können uns aber um eine solche Verständigung nicht um
einen Preis bemühen, der unseren demokratischen Lebensstil aufs
Spiel setzt.
Die NATO sah sich in den letzten Jahren manchen sehr realen
Problemen gegenüber. In der Zeit nach der Genfer Konferenz wurden
von den meisten NATO-Mitgliedstaaten manche Wunschvorstellungen genährt, die dann die Forderung nach einer Verringerung der Verteidigungslasten entstehen ließen. Die NATO-Streitkräfte wurden durch
eine Verlegung von französischen Einheiten in außerhalb des B reichs
der NATO gelegenes Gebiet reduziert. Großbritannien hat seine Absicht bekundet, seinen Beitrag zum NATO-Schutzschild etwas zu v rringern. Der deutsche Beitrag realisiert sich nur sehr sehr s'h'eppend.
Zu diesen Schwierigkeiten, denen sich die NATO gegenübersah ka^en
noch die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Su.zkrise,
die uns ernste Schwierigkeiten im Verhältnis zu unseren alten Freunden und hochgeschätzten Verbündeten eingebracht haben.
Außer diesen besondere?) Belastungen zeigen die Erfahrungen,
die wir mit unseren NATO-Verbündeten gemacht haben, daß ei.:ar erfolgreichen Politik der kollektiven Sicherheit bestimmte Grenzer
gesetzt sind. Verschiedene Nationen, die gegenüber der s^w -tischen
Bedrohung die gleiche Haltung wie wir selbst einnehmen, vertreten
anderen Problemen gegenüber Auffassungen, die sich von den unseren stark
unterscheiden. So ist es jederzeit möglich, daß unsere NAT' Verbündeten
im Interesse ihres Landes unsere gemeinsamen Probleme andere bewerten als
wir. Wenn die sowjetische Gefahr für manche Mitgliedstaater anscheinend
an Gewicht verliert, treten für sie andere Probleme in den Vordergrund,
die nicht für alle Verbündeten die gleiche Bedeutung haben.
während

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27. März 1957

Während diese Schwierigkeiten und auseinanderstrebenden Interessen
geeignet scheinen, das NATO-Bündnis zu schwächen, bewirken andere und
stärkere Kräfte wiederum einen engeren Zusammenschluß als jemals zuvor.
Vielleicht ist die stärkste bindende Kraft die so klar während der Suezkrise in Erscheinung getretene Erkenntnis, daß keine der NATO-Mächte von
sich aus allein handeln kann, ohne daß sich möglicherweise die ernstesten Konsequenzen daraus entwickeln könnten. Mit anderen Worten, wir sind
aufeinander angewiesen. Von unserem Standpunkt aus gesehen, verfügt
Europa über vieles, was wir benötigen. Wir benötigen zum Beispiel den
großen militärischen Beitrag unserer europäischen Verbündeten, den sie
in Höhe von 12 Milliarden Dollar jährlich für ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen leisten, das heißt sie selbst geben ungefähr 6
Dollar für jeden Dollar aus, den sie von uns in Form amerikanischer Unterstützung erhalten. Wir brauchen ferner ihre Landstreitkräfte und ihre
See- und Luftstützpunkte, die für uns unbedingt notwendig sind, um
unsere Abschreckungsstreitkräfte wirksam einsetzen zu können. Wir benötigen den materiellen Beitrag, den uns ihre Industrien und Bergwerke
liefern, und der es zusammen mit unserem eigenen Beitrag der atlantischen Gemeinschaft ermöglicht, über fast 70 Prozent der Industrieproduktion der Welt zu verfügen. Ihre Wissenschaft und ihre Technik sind
uns unentbehrlich. Unsere NATO-Verbündeten ihrerseits benötigen unsere
feste Zusicherung, daß wir sie unterstützen werden. Die grundlegende
strategische Konzeption des NATO-Bündnisses verlangt die Unterstützung
durch die starke Waffe unseres Strategischen Bomberkommandos. Innerhalb
der NATO sind unsere Bedürfnisse im wesentlichen die gleichen.
Diese Erkenntnis hatte zur Folge, daß eine beträchtliche Aktivität
entwickelt wurde, um die Solidarität innerhalb der NATO zu stärken. Im
Dezember 1956 stimmte der Nordatlantikrat den Empfehlungen der Drei
Weisen über gegenseitige politische Konsultationen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu. Wir sind gegenwärtig dabei, die durch die Suezkrise entstandenen Probleme zu überwinden und arbeiten auf eine engere Zusammenarbeit zwischen uns und unseren NATO-Verbündeten auch auf nichtmilitärischem Gebiet hin. Die
hoffnungsvollen Entwicklungen der jüngsten Zeit, so die Schaffung solcher
Einrichtungen wie Euratom und des Gemeinsamen Marktes, werden von uns
unterstützt und gefördert.
Auf militärischem Gebiet machen sämtliche in Technik und Wissenschaft eingetretenen Veränderungen eine Überprüfung der Strategie und
Taktik der NATO notwendig. Bei der NATO wird eine solche Überprüfung
zur Zeit vorgenommen, und es wird nach Mitteln und Wegen gesucht, um
die Streitkräfte der NATO den Bedingungen der Atomkriegführung anzupassen und dabei zugleich die als Schild benötigten konventionellen
Verteidigungsstreitkräfte beizubehalten. Beträchtliche Fortschritte
sind im Hinblick auf eine Integrierung der NATO-Luftverteidigung erzielt worden, die einen Teil der gesamten koordinierten Verteidigungsstruktur bildet und mit der sich die NATO-Kommandobehörden routinemäßig
beschäftigen. Im Zusammenhang damit verfügen wir über einen gemeinsamen
Oberbefehl, ein sich über ganz Europa erstreckendes, gemeinsam finanziertes Stützpunktsystem und den Vorteil der strategisch günstigen
geographischen Lage. Damit besitzen wir eine gemeinsame militärische

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27. März 1957

militärische Verteidigungsorganisation, wie sie keiner der in diesem
Bündnis zusammengeschlossenen Staaten für sich allein aus eigener Kraft
aufzubauen in der Lage wäre. Nach wie vor verfolgen die Vereinigten
Staaten eine Politik, die sich auf ihre eigene Kraft und auf Bündnisse
stützt.
Unsere Verbündeten haben beim Wiederaufbau ihrer vom Kriege zerstörten Wirtschaft, die die Sowjets so gerne für ihre eigenen Zwecke
ausgenutzt hätten, große Fortschritte erzielt. Gegen diese stets gegenwärtige Bedrohung müssen sie auch weiter gewappnet sein. Sie sowohl als
auch wir selbst dürfen uns nicht selbstgefällig in dem Glauben wiegen,
daß wir an einem Punkt angelangt sind, wo wir uns gehen lassen dürfen.
Es ist richtig, daß unsere vereinte militärische Stärke die Kommunisten
von einer Aggression abgeschreckt hat und daß die Sowjetunion seit
Gründung der NATO in deren Bereich keinerlei Gewinne mehr erzielen
konnte. Wirtschaftlich ist der Westen den Ländern des Sowjetblocks
immer noch weit überlegen, doch wenn wir in unserer ständigen Wachsamkeit gegenüber der wachsenden Herausforderung der Sowjetunion nachlassen, können wir sehr wohl in die Lage kommen, daß wir unzureichend
vorbereitet sind und die Freiheit nicht verteidigen können.
Ich möchte um Ihre Nachsicht bitten, wenn ich abschließend noch
einen Augenblick dabei verweile, ganz allgemein über moralische Grundsätze und über Waffen, über Gewissen und über Abrüstung zu sprechen.
Ich zitiere hier ein paar Worte, die ich noch vor den Ereignissen der
jüngsten Zeit in Ungarn niedergeschrieben habe.
Wir müssen, selbst auf die Gefahr hin, übermäßig zu vereinfachen,
uns die Fragen stellen: Ist die Entwicklung von Waffen etwas Amoralisches
Ist ständiges Rüsten gewissenlos? Ist die Aufrechterhaltung einer umfassenden militärischen Stärke unvereinbar mit den geistigen und ethischen Grundlagen gerade der Gesellschaft, die wir zu erhalten trachten zerstören wir sie nicht sogar damit? Auf diese Fragen kann eine Antwort
nur im Zusammenhang mit unseren Zielen und Absichten in einer vom Meinungsstreit zerrissenen und unheilschwangeren Welt gegeben werden.
Wir müssen mit der Möglichkeit einer aggressiven militärischen
Aktion der Sowjetunion und ihres Satellitenblocks rechnen. Wir wissen,
daß wir niemals Feindseligkeiten beginnen würden. Wir streben nach einer
Welt des Friedens, in der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Redhtschaffenheit herrschen und in der der Würde des Menschen der erste Platz
eingeräumt &lt;frlrd - sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch in den
Beziehungfen der Völker untereinander. Wir haben den Wunsch, diese Absicht durch friedliche Mittel zu verwirklichen. Aber während wir an
diesem Werk arbeiten, müssen wir gleichzeitig die militärische Überrumpelung der freien Welt durch ein feindliches System verhindern,
das die Vernichtung unserer elementaren Ideale und Konzeptionen anstrebt.
Deshalb bin ich überzeugt, daß die Wahrung unserer Verteidigungs- und
Abjschreckungsstärke mit den ethischen Werten, die wir zu erhalten suchen und die das moralische Fundament unserer Gesellschaft darstellen,
voll vereinbar ist.
Mit

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27- März 1957

Mit der überaus raschen Entwicklung der sowjetischen Industrie,
Technik, Wissenschaft und Wirtschaft schwinden die äußerlich greifbaren Unterschiede zwischen ihrem und unserem System immer mehr. Die
Sowjetunion scheint entschlossen zu sein, uns auf jedem Sektor der
Stärke und Überlegenheit in die Schranken zu fordern. Die wesentlichen Unterschiede in den Systemen bleiben jedoch bestehen. Sie sind
die geistige und moralische Grundlage unserer Gesellschaft - die
Quelle aller Freiheit« . Und diese Unterschiede im Geist und in der
Wahrheit sind es auch, die der freien Welt den Sieg einbringen werden.
Da sich die moralischen Kräfte, von denen ich gesprochen habe, behaupten werden, können wir der Abrüstung und Reduzierung von Streitkräften mit allen Folgerungen, die diese Maßnahmen haben werden, in
aller Ruhe entgegensehen. Denn wenn die Sowjets uns. die Gewähr geben,
daß wir uns auf die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen verlassen können - wenn also wirklich einmal Wahrheit und Integrität in
Erscheinung treten -,dann können wir uns den höchsten Zielsetzungen
der vQn Friedenssehnsucht erfüllten Menschen zuwenden. Schon die
Anerkennung der einfachen, ohne Schwierigkeit zu praktizierenden
Fairness, die Zustimmung zu einem System, das eine angemessene Inspektion und Kontrolle von Waffen und deren Entwicklung vorsieht,
wäre ein wichtiger Schritt in dieser Richtung - wahrlich, ein
Schritt mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Wege zum Frieden.
Wir erinnern uns an das Lied aus dem zweiten Weltkrieg! "Lobe
den Herrn - und reich die Munition". Ich hoffe nicht, daß Sie mich
für frivol oder kriegslüstern halten. Aber irgendwie charakterisiert
dieses Lied unsere Situation, unterstreicht und rechtfertigt unser
gegenwärtiges Dilemma in bezug auf Gewissen und Waffen. Wir können
und müssen auf der Würde und Bruderschaft der Menschen unter Gott
bestehen, sowohl in unseren Handlungen als auch in unserer Bereitschaft, diese Ideale und Ideen zu verteidigen.
Ich bin überzeugt, daß der moralische Kern unserer Außen- und
Militärpolitik klar und deutlich sichtbar ist. Wir sind weder
aggressiv noch wollen wir uns etwas erraffen. Wir leben in den
Freiheiten, die uns Gott gegeben und die zu bewahren er uns geholfen hat; und wir wollen weiter nichts als daß alle Völker
der Welt an diesen segensreichen Dingen teilhaben.
Meiner Ansicht nach müssen wir die NATO unterstützen. Meiner
Ansicht nach müssen wir Toleranz und Verständnis für einander aufbringen und zu Stärke und Einigkeit entschlossen sein. Wenn wir
das tun, dann wird, so bin ich überzeugt, die Geschichte zeigen,
daß wir uns der großen Aufgabe unserer Zeit würdig erwiesen haben.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./5.4.1957

FRIEDE UND GERECHTIGKEIT LASSEN SICH NUR IN
GEMEINSAMER ANSTRENGUNG ERRINGEN

WASHINGTON - (AD) - Im Vorwort zu einer Neuauflage
seineS Anfang 1950 erschienenen Buches "Krieg oder
Frieden" geht der amerikanische Außenminister John
Foster Dulles auf die internationale Entwicklung
der letzten sieben Jahre ein. Er kommt zu dem
Schluß, daß die Erfahrungen im großen und ganzen
seinen bereits damals vertretenen Ansichten Recht
gegeben haben. Die Aufgabe der Gegenwart und Zukunft aber, Frieden und Gerechtigkeit zu gewinnen,
erfordere die höchsten Anstrengungen und bedürfe
der Unterstützung nicht nur eines jeden Landes,
sondern jedes einzelnen von uns.

Das Vorwort zu der Neuauflage yon "Krieg oder Frieden" hat
folgenden Wortlaut:
Es erfüllt mich mit Genugtuung, daß "Krieg oder Frieden" weiterhin in verschiedenen Sprachen erscheint. Dieses Buch wurde in
den ersten Wochen des Jahres 1950 geschrieben. Es versuchte die
Gefahr des Krieges zu skizzieren und die politischen Maßnahmen wie
auch die geistige Haltung darzulegen, die für die Erringung des
Friedens notwendig sind. Während ich nun, sieben Jahre später,
dieses Vorwort schreibe, finde ich, daß nur wenig von dem damals
Gesagten an Aktualität verloren hat. Aber in der Zwischenzeit hat
sich manches ereignet, was einer Erörterung bedarf.
In Kapitel II, das den Titel trägt: "Erkenne deinen Feind",
werden in erster Linie die Schriften Stalins zitiert, vor allem
seine "Fragen des Leninismus". Stalin ist in den Ländern des sowjetischen Blocks in der Zwischenzeit etwas in Ungnade gefallen. Der
Sowjetkommunismus hält sich jedoch noch immer an die zitierte
Stalindoktrin.
Kapitel VI erörtert die von den Vereinten Nationen getroffenen
Maßnahmen zur Schaffung der Republik Korea. Es wird darauf hingewiesen, daß bis zu der Zeit, in der das Buch geschrieben wurde, das

�"AMERIKA DIENST"

3. April 1957

das heißt also bis Anfang 1950» der Einfluß" der Weltmeinung, wie sie
sich durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen repräsentierte, eine kommunistische Invasion vom Norden her wirksam verhindert hat. Aber "es wäre natürlich voreilig", so schrieb ich damals,
"zu prophezeien, daß diese Situation ewig andauern wird". Sie war
in der Tat nicht von Dauer. Im Juni 1950 holten die Kommunisten
unter Mißachtung der Vereinten Nationen mit einem bewaffneten Überfall zum Schlag gegen die Republik Korea aus.
Die Reaktion der Vereinten Nationen ist allgemein bekannt und"
ein historisches Faktum. Sie kennzeichnet eine wichtige Phase in
der Entwicklung dieser Weltorganisation. Denn welcher Art auch immer
die Gründe gewesen sein mochten, die die Kommunisten veranlassten,
zu glauben, sie könnten ihren Angriff ungestraft und ohne jegliche
Opposition führen - Tatsache ist, daß es sehr wohl eine Opposition
gab, eine wirksame Opposition, und daß die Aggressoren noch hinter
ihre Ausgangslinie zurückgeworfen wurden. Es ist dies das erste Mal
in der Geschichte, daß eine bereits bestehende Organisation der Völker mit vereinter Kraft der Aggression entgegengetreten ist und sie
geahndet hat.
Diese Episode wirft jedoch noch ein besonderes Licht auf das
Problem der Weltorganisation, das in Kapitel XVI behandelt wird. Die
rasche Reaktion der Vereinten Nationen auf die Aggression in Korea
war nur möglich, weil gerade zu diesem Zeitpunkt die Sowjetunion
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen "boykottierte" und so versäumte, von ihrem Vetorecht Gebrauch zu machen.
Die Lehre, die aus diesem Vorfall gezogen wurde, hat zu einer
bemerkenswerten Entwicklung des Systems regionaler Bündnisse geführt,
wie es in den Kapiteln VIII und XVI beschrieben wird. Zu Beginn des
Jahres 1950 existierten als einzige kollektive Verteidigungsmaßnahmen die Vereinbarungen aus dem 1947 geschlossenen Pakt von Rio de
Janeiro und dem 1949 geschlossenen Nordatlantikpakt. In der Zwischenzeit ist der Nordatlantikpakt durch den Beitritt Griechenlands,
der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland erweitert worden.
Außerdem sind in bezug auf Asien mehrere Sicherheitspakte neu zustandegekommen, nämlich der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten
und den Philippinen vom 30. August 1951» der Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten, Australien und Neuseeland (ANZUS-Pakt) vom
1. September 1951» das amerikanisch-japanische Sicherheitsabkommen
vom 8. September 1951» der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der Republik Korea vom 1. Oktober 1953» der am 8. September
1954 geschlossene südostasiatische Sicherheitspakt (SEATO) , dem
Australien, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Pakistan, die
Philippinen, Thailand und die Vereinigten Staaten angehören und der
dem Protokoll zufolge auch die Gebiete von Kambodscha, Laos und der
Republik Vietnam einbezieht, sowie der Sicherheitsvertrag zwischen
den Vereinigten Staaten und der Republik China vom 2. Dezember 1954«
Die

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3. April 1957

Die Vereinigten Staaten sind nunmehr mit 42 anderen Ländern
im Rahmen kollektiver Sicherheitsverträge gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen verbündet.
Die unerwartet rasche Entwicklung solcher Bündnisse, die inzwischen einen Schutz für die meisten Länder der Welt darstellen,
ist eine direkte Folge der kommunistischen bewaffneten Aggression
gegen die Republik Korea wie auch der Befürchtung, daß im Falle
einer weiteren derartigen Aggression infolge des sowjetischen Vetorechts eine wirksame Reaktion der Vereinten Nationen nicht mehr
möglich sein könnte.
Solche Verträge sind jedoch nicht die einzige Alternative
zum Veto im Sicherheitsrat. Die Generalversammlung der Vereinten
Nationen unternahm im Herbst 1950 entsprechende Schritte zur Annahme
von Resolutionen und Verfahren, die im Falle eines bewaffneten Angriffs, bei dem der Sicherheitsrat infolge des Vetos eines oder mehrerer seiner ständigen Mitglieder handlungsunfähig ist, eine schnelle
Reaktion erlauben. Dieses Vorgehen der Generalversammlung fand seinen Niederschlag in der Resolution "Einheit für den Frieden", die
auch bei dem bewaffneten Eingreifen im Nahen Osten im Oktober/November 1956 herangezogen wurde. Die Generalversammlung der Vereinten
Nationen hat damit eine neue Position gewonnen.
Kapitel XII, das die "Bilanz aus den letzten fünf Jahren" zieht,
hat einen etwas pessimistischen Ausklang. Es wird darin der Leitartikel der "Iswestija" vom 1. Januar 1950 zitiert, der all die Länder aufführt, die der Herrschaft des Sowjetkommunismus unterworfen
wurden; ausdrücklich wird auf den Schluß des Leitartikels verwiesen, der lautet: "Der Kommunismus wird triumphieren! Ein glückliches Neues Jahr, Genossen, ein recht glückliches Neues Jahr!"
Es ist jedoch zu beachten, daß seit der Zeit, in der jener
prahlerische Leitartikel geschrieben wurde, das "Lager der Demokratie und des Sozialismus", wie es die "Iswestija" nennt, nicht
wesentlich erweitert werden konnte. Tibet kam in die Gewalt der
chinesischen Kommunisten; und in Vietnam setzte eine kommunistische
Infiltration von Norden nach Süden ein. Aber der Süden Vietnams
ist von den kommunistischen Elementen gesäubert worden; die Republik
Vietnam scheint sich zu behaupten, obgleich der Norden unter dem
Regime der sogenannten "Volksrepublik" steht. Die von den freien
Nationen ergriffenen kollektiven Maßnahmen haben, allgemein gesehen,
wesentlich dazu beigetragen, dem weiteren Vordringen des Kommunismus,
wie er von der "Iswestija" am 1. Januar 1950 vorausgesagt wurde,
Einhalt zu gebieten. Und in Guatemala, Persien und Österreich ist
die kommunistische Macht weitgehend erloschen.
Abschnitt IV befaßt sich damit, "Was getan werden muß". Manches
davon ist bereits getan, und die Tatsache, daß es getan wurde, hat
einem großen Teil der Welt die Freiheit erhalten und manchen Gebieten die Freiheit gebracht. Die Weltorganisation ist bis zu einem

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�3. April 1957

"AMERIKA DIENST"

einem gewissen Grade so ausgebaut worden, wie es in Kapitel XVI befürwortet wird. Die Vereinten Nationen haben mit nunmehr 80 Mitgliedstaaten weiter an Einfluß in der Welt gewonnen.
In der ersten Ausgabe von "Krieg oder Frieden" wies ich darauf
hin, daß es wünschenswert sei, ein Stimmrecht nach der Art der Verhältniswahl einzuführen. Das Anwachsen der Mitgliederzahl in der Folgezeit unterstreicht nur noch die Unzulänglichkeit der Abstimmungsverfahren sowohl in der Generalversammlung als auch im Sicherheitsrat.
Unter den gegebenen Umständen ist eine Überprüfung der Stimmrechte
sogar noch dringlicher geworden.
Die Generalversammlung hat sich im Prinzip damit einverstanden
erklärt, eine Konferenz zur Revision der UN-Charta einzuberufen, wie
dies in Kapitel XVI empfohlen wird; aber es ist immer noch zweifelhaft, ob eine solche Konferenz tatsächlich Zustandekommen wird.
Nach wie vor bin ich von der Nützlichkeit einer Konferenz überzeugt, die auf eine Überprüfung der Charta abzielt. Vielleicht erlaubt zum Zeitpunkt des Zusammentretens einer solchen Konferenz die
internationale Atmosphäre eine formelle Abänderung und Anpassung
der Charta an die Erfordernisse des Atomzeitalters. Jedenfalls würde
eine Untersuchung der von den Vereinten Nationen erzielten Fortschritte
von Nutzen sein und die Frage klären helfen, auf welche Weise sich
die Charta zu einem wirksameren Instrument im Interesse des Weltfriedens entwickeln ließe.
In Kapitel XVI des Buches wird zwecks Erzielung einer größeren
"Universalität" die Möglichkeit einer Aufnahme Rotchinas in die Vereinten Nationen behandelt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß
"ein Regime, das den Anspruch erhebt, durch einen Bürgerkrieg an die
Macht gekommen zu sein, nicht anerkannt werden sollte, solange es nicht
über einen angemessenen Zeitraum hinweg der Prüfung und Beobachtung
unterzogen wurde."
Diese Prüfung und Beobachtung hat ergeben, daß sich das kommunistische Regime bisher an der Macht zu halten vermochte - allerdings
mit Hilfe rücksichtsloser polizeistaatlicher Methoden. Ebenso ist
erwiesen, daß das Regime nicht die Voraussetzungen erfüllt, um das
Recht für sich beanspruchen zu können, China in den Vereinten Nationen
zu vertreten, und zwar weder in der Generalversammlung und noch viel
weniger im Sicherheitsrat, der von sämtlichen Mitgliedstaaten ermächtigt ist, "die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung von
Frieden und Sicherheit in der Welt" zu tragen.
Seit der Zeit, in der das Buch "Krieg oder Frieden" geschrieben
wurde, hat das rotchinesische Regime eine Anzahl bezeichnender Aktionen
durchgeführt. Es hat an der bewaffneten Aggression gegen Korea teilgenommen. Auf Grund dieser Aktion wurde das rotchinesische Regime durch
die Vereinten Nationen verurteilt, und die Aktion selbst löste wirtschaftliche Sanktionen gegen dieses Regime aus. Diese Sanktionen sind

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�"AMERIKA DIENST"

5. April 1957

sind von der Generalversammlung der Vereinten Nationen bisher nicht
aufgehoben worden. Diese Maßnahme der Vereinten Nationen völlig
mißachtend, hält das rotchinesische Regime den nördlichen Teil Koreas
militärisch besetzt. Ferner hat es Tibet gewaltsam unterjocht. In
Indochina hat es den Krieg aktiv gefördert. Es drohte, sich Formosas
gewaltsam zu bemächtigen, und hat es abgelehnt, auf die Anwendung
von Gewalt in diesem Gebiet zu verzichten, dies steht im Widerspruch
zu dem in der Charta niedergelegten Prinzip, das von allen Mitgliedern fordert, sich der Anwendung von Gewalt zu enthalten, es sei
denn, sie würden damit nicht gegen die Prinzipien der Charta verstoßen. Es ist mit Truppen in Burma eingefallen. Es hat das koreanische Waffenstillstandsabkommen verletzt, indem es Militärpersonen
der Vereinten Nationen gefangen hält; und entgegen seinen eigenen
formellen Zusicherungen hat es amerikanische Zivilpersonen zu Gefängnisstrafen verurteilt«
Solange die UN-Charta als der Maßstab für die Mitgliedschaft
in den Vereinten Nationen gilt (vergl. Artikel 4»5 und 6 der Charta)
und solange das rotchinesische Regime die Charakteristika1 beibehält,
wie sie eben dargelegt wurden, sollte ihm nicht gestattet werden, in
den Vereinten Nationen vertreten zu sein.
Abschließend möchte ich die grundsätzliche These des Buches
"Krieg oder Frieden" nochmals hervorheben, daß der Friede nur dann
gewonnen werden kann, wenn man sich um seine Erhaltung ständig bemüht. Jedes Nachlassen in diesen Bemühungen ist gefährlich.
In seiner "Study of War" (Studie über den Krieg) führt Q,uincy
Wright aus, daß zwischen 1480 und 1941 insgesamt 278 Kriege geführt
worden sind. Das heißt durchschnittlich alle 5 Jahre 3 Kriege. Verschiedene dieser Kriege, darunter der zweite Weltkrieg, fanden statt,
nachdem der Völkerbund gegründet worden war und nachdem sich sämtliche Nationen im Kellogg-Pakt zur Abschaffung des Krieges verpflicht
hatten. Auch seit Gründung der Vereinten Nationen im Jahre 1945 sind
verschiedene Kriege geführt worden.
Unter diesen sind zu nennen der Koreakrieg, der Krieg in Indochina und die Kriege zwischen Israel und den arabischen Ländern.
Ferner haben Großbritannien und Frankreich gegen Ägypten militärische
Aktionen unternommen. Und heute besteht in verschiedenen Teilen der
Welt die Gefahr, daß ein Krieg ausbrechen könnte.
Tatsächlich stellt der Krieg eine ständig drohende Gefahr dar,
solange es keine besseren Institutionen gibt, um den Frieden zu sichern, was zum Beispiel durch einen anerkannten Kodex des internationalen Rechts, eine internationale Polizeimacht und die Beschränkung der nationalen Rüstungen geschehen könnte. »Vir leben heute im
Schatten des Krieges, und ich fürchte, das wird noch für lange Zeit
der Fall sein. Nur wenn wir uns dieser Tatsache voll und ganz bewußt
sind, werden wir die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um den
Krieg zu verhindern.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

3. April 1957

Wir müssen uns darüber klar sein, daß Kriege sich nicht lediglich dadurch verhindern lassen, daß man sie haßt und den Frieden liebt.
Seit Urbeginn haben die Völker den Krieg gehaßt und den Frieden geliebt. Das hat ihnen jedoch nicht den Frieden eingebracht. Selbst
eine aus so aufrichtiger Gesinnung heraus unternommene Bemühung wie
der Kellogg-Pakt hat bewiesen, daß alle Versuche, den Krieg abzuschaffen, fehlschlagen, wenn nicht gleichzeitig an seine Stelle geeignete und wirksame andere Einrichtungen treten.
Tatsächlich hat bloße Friedensliebe allein niemals genügt, um
einen Krieg zu verhindern.
Einer der großen Fortschritte unserer Zeit ist die Erkenntnis,
daß eine Möglichkeit, Kriege zu verhindern, darin besteht, den Angreifer abzuschrecken, indem man sich entschlossen und stark genug
zeigt, ihn zu bestrafen. Dazu gehört, daß sich die Völkergemeinschaft um die Anwendung des gleichen Prinzips bemüht, das die einzelnen Völker zur Verhinderung von Gewaltakten innerhalb ihrer
eigenen Gemeinschaft anwenden. Dort werden Gesetze angenommen, die
die Verbrechen und ihre entsprechende Bestrafung definieren. Es
wird eine Polizei und ein Justizsystem geschaffen. Auf diese V/eise
wird ein machtvolles Instrument der Abschreckung gegen Gewaltverbrechen geschaffen. Dieses Abschreckungsprinzip hat sich selbst in
den bestgeordnetsten Gemeinwesen nicht als hundertprozentig erfolgreich erwiesen. Doch wird im allgemeinen zugegeben, daß es seine
Wirkung nicht verfehlt und geeignet erscheint, auch auf die Gemeinschaft der Nationen ausgedehnt zu werden. Wie wir gesehen haben,
hat sich das Prinzip tatsächlich schon in eindrucksvoller Weise
erwiesen.
Daß ohne Recht und Gerechtigkeit auf die Dauer gesehen niemals
wirklicher Friede herrschen wird, ist ein weiterer Aspekt des Problems. Selbst während ich diese Zeilen niederschreibe, gibt es
große Ungerechtigkeiten in der Welt, beispielsweise die Versklavung
der sowjetischen Satellitenländer und die Teilung Deutschlands,
Koreas und Vietnams. Und selbst wenn es uns gelänge, diese Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen, würde die Lage, die daraus resultierte, auch nicht ewig währen. Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Es entstehen ständig neue Situationen, die nach Veränderung
verlangen, wenn dem Recht Genüge getan werden soll. Unrecht bewirkt,
daß die Völker schließlich zur Gewalt ihre Zuflucht nehmen, wenn es
keine anderen Möglichkeiten gibt, um Veränderungen herbeizuführen.
Wer den Frieden liebt und für friedliche Verhältnisse in der
Welt eintritt, muß begreifen, daß er weder den Frieden gewinnen
noch der Gerechtigkeit zum Siege verhelfen wird, wenn er nicht
selbst nach dem Frieden ebenso energisch strebt wie nach dem Sieg
und sich für die Gerechtigkeit nicht ebenso energisch einsetzt wie
für den Frieden. Er wird weder Frieden noch Gerechtigkeit verlangen.
Wie jede Münze hat auch der Friede seine zwei Seiten. Die eine Seite
ist der Verzicht auf Gewalt, die andere das Handeln im Geiste der

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�'AMERIKA DIENST"

3. April 1957

der Gerechtigkeit. Friede und Gerechtigkeit lassen sich nicht voneinander trennen. Das kommt auch in Artikel 1 der Charta der Verein+e.: Natio •: m Ausdruck.
D
A;fgabe, den Frieden zu gewinnen und der davon nicht zu trennenden
rechtigkeit zum Siege zu verhelfen, ist die höchste Aufgab ,
die ins allen gestellt wird. Jede einzelne Nation muß ihren Beitrag
dazu leisten, wie es auch unser Bemühen ist, den Frieden zu einer Art
Institution zv machen, ihn fest zu verankern. Der Friede hängt überdies -.o
e • stre-.gungen jedes einzelnen ab, der sich remüh", die
Politik se'n' • Nation mitzuformen, und der zu dem einen ode:1 anderen
der ?ahVose" Aspekte der internationalen Politik einen direkten Beitrag leistet«
Bisher hat es :i stetigen und opfervollen Bemühungen des einzelnen wip der Völker gemangelt, ohne die die Welt nicht v r Kriegen
zu bewahre- ist« Da- ist gewiß eine Unzulänglichkeit, die gerade
heute, angesichts der Tatsache, daß sich ein Krieg zu einer furchtbaren und 'unausdenkbaren Katastrophe ausweiten kann, beseitigt werden muß.

* * * * *

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D I E N S T

W1./3.4.1957
KONJÜNKTURPROBLEME IN DEN USA

DETROIT - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
Auszüge aus einer Rede, die der Wirtschaftsberater
des amerikanischen Präsidenten, Dr. Gabriel Hauge,
am 11. März 1957 vor dem Wirtschaftsklub in Detroit
zu Konjunkturfragen in den USA gehalten hat.

Kürzlich las ich das Protokoll einer öffentlichen Informationssitzung eines Unterausschusses des Ausschusses für Haushalt, Steuerund Finanzfragen des Repräsentantenhauses, die gegen Ende des vergangenen Jahres zu dem stets faszinierenden Thema "Geld" stattfand. Im
Verlaufe des lebhaften Wortgefechtes zwischen den Ausschußmitgliedern
und den geladenen Zeugen kamen viele Probleme zur Sprache: der Druck,
den die starke Nachfrage nach Kapital und Krediten auf das Warenangebot ausübt, der dadurch bedingte Anstieg der Zinssätze, die erfolglosen Bemühungen von Kreditsuchenden - Einzelpersonen, Privatfirmen sowie staatliche und kommunale Stellen - um Fremdkapital und natürlich
auch die Versuche des Zentralbankensystems, der Aufwärtsbewegung der
Preise durch Kreditrestriktionen entgegenzuwirkeno
Gegen Ende der J^formationssitzung rief ein Mitglied dem im
Saal anwesenden Vertreter des Zentralbankensystems mahnend zu, daß
ein gesundes Volk wichtiger sei als eine gesunde Währung.
Diese Mahnung ging mir lange nicht aus dem Kopf und ließ mir
keine Ruhe. Wenn wir wirklich schon so weit gekommen sein sollten,
daß wir zwischen einem gesunden Volk und einer gesunden Währung zu
wählen haben, wie es jener Kongreßabgeordnete ausdrückte, dann kann
bei uns in Amerika etwas nicht mehr stimmen.- Denn eines lehrt uns
die Geschichte ganz eindeutig - und die Geschichte hat einen noch

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3. April 1957

noch größeren Einfallsreichtum aufzuweisen als der Mensch -, daß eine
gesunde Wirtschaft, ein gesunder Staat und ein gesundes Volk den gleichen Weg gehen wie eine gesunde Währung - und nicht etwa einen anderen
Weg.
Je länger ich über den angeblichen Widerspruch zwischen einem gesunden Volk und einer gesunden Währung nachdachte, um so mehr scheint
er mir ein Ausdruck der Verwirrung zu sein, die uns angesichts der neuartigen Probleme befallen hat, vor die wir uns, wie die Untersuchung
verschiedener Aspekte der derzeitigen Prosperität durch den genahnten
Kongreßausschuß gezeigt hat, heute gestellt sehen.
Diese Fragen scheinen uns vor allem deshalb auch so seltsam und
verwickelt, weil wir uns seit mehr als einem Menschenalter mit gerade
entgegengesetzten Problemen befassen mußten: den Problemen einer Depression und Deflation.
Unsere derzeitige Konjunktur ist im wesentlichen Ausdruck der Prosperität unserer privaten Wirtschaft, die von den Ausgaben von Privatleüten für private Zwecke lebt, und zwar in einem allgemeinen Wirtschaftsklima, das durch eine ausgeglichene Haushaltspolitik der Regierung und
eine restriktive Kreditpolitik des Zentralbankensystems bestimmt wird.
Das ist also die Wirtschaft, von der ich spreche, wenn ich nunmehr
auf die Probleme unserer derzeitigen Hochkonjunktur eingehe...
Es ist eine bekannte Tatsache, daß heute in Amerika mehr Menschen
in Arbeit stehen und mehr produzieren und öauen als je zuvor in der Geschichte unseres Landes. Wir sind darüber sehr froh, denn auf diesen
Fels gründet sich unser Verteidigungssystem und von da stammen jene
Dinge, die wir alle als die Annehmlichkeiten des Lebens empfinden. Ich
brauche also wohl nicht erst extra zu betonen, daß wir diese Prosperität als das Instrument zu erhalten suchen, mit dessen Hilfe wir unserem
gesamten Volk immer bessere Lebensbedingungen schaffen können.
Wenn ich davon spreche, daß wir diese Prosperität aufrechterhalten
wollen, dann möchte ich aber ausdrücklich vorausschicken, daß ich nicht
in der Illusion befangen bin, unsere Wirtschaft ließe sich in eine Art
Förderband verwandeln, das ununterbrochen zu neuen Rekorden in Produktion und Beschäftigtenstand führt.
Gegenwärtig erleben wir beispielsweise ein Nachlassen des gewaltigen Drucks, der sich innerhalb unserer Wirtschaft gegen Ende des
vergangenen Jahres herausgebildet hatte. Solange die Entscheidung über
den Fortgang der Wirtschaft bei Millionen von Farmen und Betrieben liegt,
wie dies in unserer dem Zentralismus abholden Gesellschaft der Fall
ist, solange werden wir auch ein Auf und Ab in der Wirtschaft erleben.
In einer freien Wirtschaft ist es eben nicht möglich, den Konjjunkturzyklus zu umgehen. Wir können aber durchaus versuchen, unserer Prosperität durch vernünftiges Handeln sowohl seitens der privaten Wirtschaft
als auch des Staates ein kontinuierliches Wachstum zu sichern, das
Schwankungen, wie sie 1948-49 und 1953-54 auftraten, auszugleichen
vermag. Es besteht Grund zu der Annahme, daß man heute mehr Verständnis

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Verständnis für die Hintergründe wirtschaftlicher Veränderungen aufbringt als früher, daß somit weit mehr Möglichkeiten für eine Regulierung durch Vernunft bestehen - eine Regulierung, deren Notwendigkeit
allgemein anerkannt wird - und daß das Vertrauen in die Zukunft, das
für die weitere Expansion der Wirtschaft unerlässlich ist, wiederhergestellt ist.
Die beste Methode, unsere Prosperität in dem genannten Sinne aufrecht zu erhalten, ist meiner Meinung nach, unsere Wirtschaft gesund zu
erhalten. Um sie aber gesund erhalten zu können, müssen wir
1. die Gefahr bannen, daß die Konjunktur sich unter dem Druck inflatorischer Tendenzen selbst überschlägt und damit der Boden für einen
späteren ernsten Rückschlag bereitet wird;
2. der Versuchung widerstehen, im Namen einer Verbesserung ohnehin
guter Zeiten Eingriffe in das Marktgefüge vorzunehmen; und
3. die Notwendigkeit einsehen, den Sparwillen als Voraussetzung
einer gesunden Wirtschaftsexpansion zu heben.
Das erste Problem ist genau das gleiche, das der Präsident in
seinen beiden letzten Wirtschaftsberichten an den Kongreß meinte, als
er von der Aufrechterhaltung der Prosperität bei gleichzeitiger Stabilität der Preise sprach. Die Gefahr, die hinter diesem Problem lauert
ist gerade in jüngerer Zeit mehrmals deutlich in Erscheinung getreten.
Nach einer vier Jahre währenden bemerkenswerten Stabilität haben die
Großhandelspreise im vergangenen Jahr um tyfo angezogen, während die
Verbraucherpreise im Durchschnitt um yfo stiegen. Die Zinssätze - der
Preis des Geldes - sind gleichfalls gestiegen. Und die angespannte
Lage auf dem Arbeitsmarkt hat zu einer Erhöhung der Löhne um das
Doppelte der Produktivitätszuwachsrate geführt.
In den letzten 25 Jahren haben wir tatsächlich kaum irgendwelche
Erfahrungen in bezug auf die Schaffung einer Konjunktur bei gleichzeitiger Stabilität der Preise unter normalen Bedingungen sammeln können.
Diese Tatsache mag manche Kreise zu der Überzeugung geführt haben,
daß unsere Bemühungen um die Erreichung jenes Zieles zu einer Deflation, zu einer Unterbindung des wirtschaftlichen Wachstums und zu
Arbeitslosigkeit führen werden. Für Menschen dieser Denkart ist die
Prosperität noch immer ein vorübergehender und anomaler Zustand, ein
sehr angenehmes, aber eben doch zerbrechliches Ding - sie sind der
Auffassung, daß selbst die geringsten Versuche eines Eingreifens die
Gefahr in sich bergen, daß die gesamte Wirtschaft wieder in eine
Depression gestoßen wird.
Es ist richtig, in der Wirtschaft weiß man nie, was der nächste
Augenblick bringen wird. Aber jede Beibehaltung von Maßnahmen zur Bekämpfung inflatorischer Tendenzen,selbst nach dem Einsetzen einer entgegengesetzten Entwicklung wäre fehl am Platze, ebenso wie es falsch
wäre, aus Furcht vor einer Depression den inflatorischen Tendenzen
einfach freien Lauf zu lassen. Wir sollten weder im einen noch im

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im anderen Falle doktrinär handeln. Wir müssen vielmehr bereit und
willens sein, uns der deflatorischen Kälteschauer ebenso zu erwehren
wie des inflatorische,n Fiebers, Was die Gestaltung der Wirtschaftspolitik angeht, ergeben sich deshalb für die Regierung sehr ernste Probleme, deren Lösung viel Urteilskraft und auch Geschick in der Wahl
des Zeitpunktes für eventuelle Maßnahmen erfordert.
Ich bezweifle, daß eine planmäßig betriebene Politik der schleichenden Inflation Befürworter in nennenswerter Zahl findet. Kein Mensch
argumentiert heute, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war, daß
die Wirtschaft eben ohne "erhöhte Temperatur" nicht gesund sei. Manche
Kreise sehen dagegen in der schleichenden Inflation den unumgänglichen,
aber erträglichen Preis für die Vermeidung einer Arbeitslosigkeit und
anderer Schwierigkeiten,
Es ist mir bekannt, daß es in den Vereinigten Staaten mächtige
Wirtschaftskreise gibt, die die Auffassung zu vertreten scheinen, sie
könnten der schleichenden Inflation durch eine über die Erhöhung der
Gestehungskosten hinausgehende Erhöhung der Preise entgehen. Ich gebe
zu, daß ein Dollar in der Lohntüte von heute dem einzelnen weit mehr
als Realität vorkommen mag als der durch die inflatorische Entwicklung
bedingte Wertschwund der Ersparnisse von morgen. Ich weiß auch, daß
eine expansionistische Preispolitik den meisten Farmern als die einzig
vernünftige Lösung erscheint, während doch gerade die Landwirtschaft
heute mit am schwersten unter der Kosteninflation zu leiden hat und
eine Inflation in Zeiten eines Überangebotes mit Sicherheit die Gestehungskosten der Landwirtschaft mehr ansteigen läßt als ihre Verkaufspreise. Ich weiß ferner, daß auch in Industrie und Handel der
Glaube weit verbreitet ist, dieses Verhalten mit den Preisen gegenüber
den Gestehungskosten werfe höhere Gewinne ab.
Ich bin aber überzeugt, daß all diese Gruppen und auch alle anderen Amerikaner eine kontinuierliche Prosperität bei stabilen Preisen
noch viel lieber sähen. Arbeiter und Angestellte sind sich darüber im
klaren, daß Lohnerhöhungen parallel zu steigenden Lebenshaltungskosten
fiktiv und nicht echt sind. Die Bauern haben in den letzten Jahren die
Auswirkungen steigender Preise für Industrieprodukte am eigenen Leib
zu spüren bekommen. Und in der Wirtschaft spricht man mehr und mehr
von einer "profitlosen Prosperität" und dem Fehlen hinreichender Abschreibungsreserven im Angesicht der heutigen Preissituation. Die
Wirtschaft fürchtet also, mit anderen Worten, daß sie in dem Wettrennen zwischen Kosten und Preisen den kürzeren ziehen wird. Ich bin
der Auffassung, daß die meisten Amerikaner den negativen Auswirkungen
einer Inflation aus dem Weg gehen möchten, sofern sie dafür nicht
den Preis einer Depression entrichten müssen.
Im Hinblick auf unsere Konzeption von Prosperität scheint es
mit unsere Aufgabe zu sein, den engen Bereich zwischen Inflation und
Deflation auszuweiten. Wir dürfen die angestrebte Konjunktur nicht
so eng definieren, daß darin kein Platz mehr für gelegentliche Perioden
der Angleichung ist. Wenn wir jede Wirtschaftsbewegung, die keinen
inflatorischen Charakter hat, gleich als deflatorisch bezeichnen und

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und glauben wollten, daß alle Wirtschaftszweige ständig bis an die
Grenze ihrer Kapazität ausgelastet sein müssen und daß der Verkäufermarkt das unabänderliche Ziel zu sein habe, dann müßten wir die Inflation als Bestandteil unseres nationalen Lebens hinnehmen. Wir sollten
uns vielmehr zu der Erkenntnis durchringen, daß Hochkonjunktur und maxi»
male Expansion auf lange Sicht nicht identisch zu sein brauchen mit Hochkonjunktur und maximaler Expansion im Augenblick.
Da das vor uns liegende Jahrzehnt, so scheint es mir jedenfalls,
eher eine Überbeanspruchung denn eine Unterbeanspruchung unserer Wirtschaft und damit eher eine Verknappung denn ein Überangebot an Arbeitskräften mit sich bringen dürfte, müssen wir zur Erreichung des Zieles
einer Prosperität bei stabilen Preisen von Zeit zu Zeit vorsichtige Konjunkturbremsen entwickeln und anwenden, und zwar immer dann, wenn eine
Konjunkturüberhitzung zu einem allgemeinen Anstieg des Preisniveaus zu
führen droht. Diese Konjunkturbremsen, die unserem Wirtschaftssystem
angemessen sein müssen, sollten so allgemeiner Natur sein, daß dem
einzelnen noch ein Höchstmaß an freiem Spielraum gewährleistet bleibt.
Das heißt mit anderen Worten, sie sollten über den Marktmechanismus
zur Anwendung kommen. Zu diesen restriktiven Maßnahmen zählen die generelle Währungskontrolle, die die Kosten und das Angebot von Kapital
beeinflußt, und die staatliche Finanzpolitik, die sich über das Ausgaben-, Steuer- und Schuldengebaren der öffentlichen Hand auswirken. ...
Ich bin mir darüber klar, daß Kreditrestriktionen ihrerseits wieder besondere Probleme aufwerfen: es ist dann einfach nicht genügend
Geld verfügbar. Es ist bedauerlich» daß mancher Industriezweig darunter
zu leiden haben wird. Solche Maßnahmen werden zwangsläufig den einen mehr
und den anderen weniger treffen, wie dies bei allen Wirtschaftsbewegungen der Fall ist. Ich halte es" durchaus für angebracht, daß die Regierung, so wie dies ohnehin der Fall ist, durch besondere Maßnahmen die
Klein- und Mittelbetriebe, die Landwirtschaft und den Wohnungsbau unterstützt - allerdings nur unter der Voraussetzung, daß mit der Rationierung
des Geldmarktes nicht unzureichende Mittel eingesetzt und damit die gesamte restriktive Politik ausgehöhlt wird. Ich glaube auch, daß wir
ständig uns darum bemühen sollten, Mittel und Wege für eine Verbesserung
des Apparates zu finden, dem die Ausführung der Währungspolitik anvertraut ist. Hier könnte die vom Präsidenten vorgeschlagene nationale
Währungskommissianein dankbares Arbeitsgebiet finden.
Was die Finanzpolitik der öffentlichen Hand angeht, so ist es klar,
daß die Ausgaben und Käufe in Zeiten der Konjunkturüberhitzung, die sich
am Preisthermometer ablesen läßt, auf ein Maß reduziert werden müssen,
das von der Notwendigkeit der Gesunderhaltung der Gesamtwirtschaft diktiert wird; die Einnahmen sollten in solchen Zeiten die Ausgaben übersteigen, und die öffentliche Hand sollte die Lage auf dem Kapitalmarkt
nicht durch Aufnahmen von Anleihen weiter verschärfen und damit dem
Kapitalmarkt Investitionsmittel entziehen.
Eines der wichtigsten Ziele der gegenwärtigen Regierung bei Übernahme ihrer Funktionen vor vier Jahren war es deshalb auch, den Staatshaushalt wieder unter Kontrolle zu bringen. Im abgelaufenen Finanzjahr

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Finanzjahr wurde der Haushalt ausgeglichen. Er wird auch in diesem Finanzjahr ohne Defizit abschließen, und auch der Haushaltsvoranschlag
für das Finanzjahr 1958 ist in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen.
Die Regierung ist darüber hinaus um eine Verringerung der Steuerlast
bemüht, damit jeder einzelne einen größeren Anteil seines Einkommens
zur Deckung seines eigenen Bedarfes oder für Zwecke des Sparens übrigbehält .
Wenn diese Währungs- und Finanzkontrollen auch zur Schaffung eines
Wirtschaftsklimas geeignet scheinen, das die Erreichung des Zieles der
Prosperität bei stabilen Preisen begünstigt, so muß aus Gründen der
Fairness doch auch gesagt werden, daß hierzu auch noch einige Mithilfe
in Gestalt anderer Maßnahmen notwendig ist. Wie bereits erwähnt, sollte
man sich diese Hilfe nicht von Lohn-, Preis- und Rohstoffkontrollen erhoffen. Wollten wir von ihnen unser Heil erwarten, dann käme dies dem
Eingeständnis gleich, daß uns unser Wirtschaftssystem nicht zu dem erstrebtön Ziel zu bringen vermag. Wir sollten Hilfe vielmehr von jener
Seite erwarten, auf die der Präsident in seinen Kongreßbotschaften vom
Januar verwiesen hat.
Es sei daran erinnert, daß er die Unterstützung der Gewerkschaften
und des Unternehmertums für die Bemühungen zur Eindämmung des inflatorischen Druckes steigender Kosten zu gewinnen suchte. Er verwies die
führenden Männer unserer industrialisierten Wirtschaft auf die Auswirkungen ihres Verhaltens bei Lohnverhandlungen auf die gesamte Wirtschaft
und ermahnte sie, durch ihre Entscheidungen nicht die Lohn-Preisspirale
in Bewegung zu setzen. Er forderte sie auf, sich von ihren langfristigen
und nicht von ihren Tageszielen leiten zu lassen.
Dieser Appell des Präsidenten erhielt keinen ungeteilten Beifall.
Er wurde als naiv, praktisch undurchführbar und phantastisch bezeichnet.
Vielleicht ist das auch richtig, ich allerdings wage dies zu bezweifeln.
Immerhin wurden dadurch eine sehr nützliche Diskussion in der breiten
Öffentlichkeit sowie eingehende Untersuchungen über die Zusammenhänge
zwischen Produktivität und Löhnen, Gestehungskosten und Preisen ausgelöst. Die große Masse, die am Ende des Weges vom Rohstoff zum fertigen
Produkt steht und die Preise für es zu zahlen hat, dürfte in Zukunft
bei Lohnverhandlungen in den Schlüsselindustrien als stiller Partner
durchaus etwas besser vertreten sein. Und schließlich glaube ich auch,
daß der Präsident manchen Amerikaner dazu veranlaßt hat, sich etwas
mehr Gedanken darüber zu machen, daß nicht nur die Regierung, sondern
jeder' einzelne für die Entwicklung der Wirtschaft mitverantwortlich
ist. Wir können unser Ziel nur dann erreichen, wenn die Erkenntnis
Verbreitung findet, daß das Gesamtproblem der Stabilisierung der Wirtschaft nicht einfach der Regierung in die Schuhe geschoben werden kann«
Ein weiteres mit der Aufrechterhaltung der Konjunktur eng zusammenhängendes Problem ist die Tendenz, nach Regierungseingriffen in
das Marktgefüge zu rufen, um diesem oder jenem Industriezweig eine
Teilnahme an der allgemeinen konjunkturbedingten Aufwärtsentwicklung
der Wirtschaft zu sichern. Gerade der Wettbewerb aber ist eine der
wichtigsten Kräfte, auf die wir uns in unseren Bemühungen um die Fortdauer einer gesunden Konjunktur stützen können. Jeder Versuch, den

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den Wettbewerb irgendwie einzuschränken, ist daher für die Gesamtwirtschaft höchst gefährlich. Solche Tendenzen sind natürlich durchaus
verständlich, weil in einer Periode der Hochkonjunktur ein Nachhinken
eines Wirtschaftszweiges oder einer Firma hinter der Gesamtentwicklung
sehr leicht von den Betroffenen als Krisenzeichen und von Außenstehenden
als schwacher Punkt der Prosperität angesehen werden kann. Ich bin
tief beeindruckt davon, daß mir in meiner amtlichen Funktion in unserer
gegenwärtigen Zeit der Wirtschaftsblüte von allen möglichen Seiten recht
eigenartige Vorschläge gemacht werden, wie Senkung dieser oder jener
Steuer, Förderung des Kapitalmarktes durch die Bereitstellung von Mitteln oder Übernahme von Garantieverpflichtungen durch die Regierung,
Einschränkung des freien Wettbewerbs, Ankauf von Waren zu höheren als
den Marktpreisen durch die Regierung und andere, künstliche Stützmaßnahmen
für die von der Konjunktur weniger begünstigten Wirtschaftszweige. Bei
Betrachtung dieser Vorschläge gewinnt man fast den Eindruck, daß manche
Kreise glauben, die Regierung solle bei jeder auftretenden rückläufigen Tendenz auf irgendeinem Wirtschaftssektor gleich mit einer Bereitstellung zinsgünstiger Kredite reagieren. Eine derartige Einstellung
ist im Grunde genommen natürlich eine Negierung der Wirksamkeit des
Systems der freien Marktwirtschaft und sollte deshalb mit größter Vorsicht behandelt werden. Das gleiche gilt für die Auffassung, daß jedes
Wirtschaftsunternehmen, gleichgültig welcher Art und unabhängig von den
sonstigen Umständen ein Recht auf Erfolg habe.
Eine freie und dynamische Wirtschaft muß elastisch genug sein, um
konjunkturbedingte Schwankungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen
auszugleichen. Sie kann von sich aus die unterschiedlichen Belastungen,
die sich aus Verlagerungen in der Nachfrage und dem technischen Fortschritt ergeben, laufend auspendeln. Sollte die Regierung von ihrer
Aufgabe ablassen, die Voraussetzungen für einen gesunden Wandel und
eine laufende Anpassung an die jeweiligen Umstände zu schaffen und
statt dessen dazu übergehen, spanische Wände gegen den frischen Wind
eines echten Wettbewerbs zu errichten, dann leistet sie unseren Hoffnungen auf ein gesundes Wachstum der Wirtschaft sowohl im gegenwärtigen
Augenblick als auch in Zukunft einen sehr schlechten Dienst.
Das amerikanische Bruttosozialprodukt in konstanten Dollars stieg
im Jahre 1955 gegenüber dem Vorjahr um 27 Milliarden. In allen größeren Sparten - abgesehen von den Regierungskäufen - war eine entsprechende Zunahme zu verzeichnen, die bei den Aufwendungen für langlebige
Verbrauchsgüter und Neubauten prozentual am höchsten lag. Im Jahre
1956 dagegen gingen die Aufwendungen für langlebige Verbrauchsgüter
und Neubauten und hier insbesondere die Aufwendungen für den Erwerb
von Kraftfahrzeugen und im Wohnungsbau zurück. Trotz dieses Rückganges
war bei den Ausgaben für die Beschaffung von Produktionsmitteln eine
Verdoppelung der Zuwachsrate des Vorjahres zu verzeichnen, und so
stieg das Bruttosozialprodukt 1956 dennoch um weitere 2,5$. Dies ist
ein Beispiel für eine echte Elastizität der Wirtschaft, die die Möglichkeit schafft, ein Nachlassen der Geschäftstätigkeit in einem Wirtschaftssektor durch verstärkte Tätigkeit in einem anderen auszugleichen.
Sie bietet die Gewähr für ein ununterbrochenes starkes Wachstum der
Gesamtwirtschaft.
„.

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3. April 1957

Ein Gegenbeispiel bildet die Landwirtschaft, die sich innerhalb
der letzten eineinhalb Jahrzehnte zweimal vor die Notwendigkeit gestellt
sah, einen kriegsbedingten erhöhten Bedarf an Nahrungsmitteln und Rohstoffen zu decken. Die anschließende Umstellung der Landwirtschaft auf
die normalen friedenswirtschaftlichen Marktverhältnisse war ein sehr
schmerzlicher Prozeß. Eine endgültige Anpassung wird sich aber nie vollziehen, wenn die Entwicklung auf diesem Sektor durch unrealistische
und umfassende Preisstützungsgesetze von den Einflüssen der Märkte isoliert wird, wo die Verbraucher ihre Wünsche zum Ausdruck bringen. Wir
müssen uns der marktregulierenden Kräfte bedienen und dürfen sie nicht
lahmlegen, wenn die Landwirtschaft einen Ausweg aus ihrer gegenwärtigen
Zwangslage finden soll.
Ein drittes Problem, das wir im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung unserer Prosperität lösen müssen, ist die Förderung der Spartätigkeit. Denn allein durch eine rege Spartätigkeit können die für
ein gesundes Wachstum der Wirtschaft erforderlichen finanziellen Mittel
beschafft werden. Voraussetzung hierzu ist aber das Abrücken von der
aus der Zeit der großen Wirtschaftskrise herrührenden Vorstellung, daß
die Schwierigkeiten unserer Wirtschaft auf eine zu lebhafte Spartätigkeit
und einen zu geringen Verbrauch zurückzuführen seien. Trotz des gegenwärtigen Rekordsparvolumens reichen in den Vereinigten Staaten die vorhandenen Ersparnisse nicht aus, um den Investitionsbedarf voll befriedigen zu können; dies läßt sich ganz deutlich an den steigenden Zinssätzen und an der Tatsache ablesen, daß viele kreditwürdige Firmen die
benötigten Mittel nicht erhalten können. Wir wollen aber dennoch die
zwischen Spareinlagen und Investitionsbedarf klaffende Lücke nicht durch
übermäßige Gewährung von Bankkrediten überbrücken.
Um eine Lösung für dieses Problem finden zu können, müssen wir zunächst einmal begreifen lernen, daß einige unserer Steuergesetze, die
in den dreißiger Jahren mit dem Ziel erlassen worden sind, den Verbrauch
zu fördern und die Spartätigkeit zu beschränken, inzwischen restlos
unzeitgemäß geworden sind. Wir sollten uns beim Erlaß neuer Steuergesetze darüber im klaren sein, daß die Zeiten vorüber sind, in denen man
ein Loch zustopfen konnte, indem man ein anderes aufriß. Wir müssen die
Spartätigkeit fördern, um die für das weitere Wachstum unserer Wirtschaft
benötigten Mittel zu beschaffen. Ich kann den Leuten, die die Rolle der
Spareinlagen für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft unterstreichen
nur recht geben, denn gerade die Ersparnisse sind von entscheidender
Bedeutung für die Mehrung unserer materiellen Hilfsquellen. Wir Amerikaner täten gut daran, uns das Motto der Sparbewegung in England zu eigen
zu machen: "Gib nicht in einer Woche das ganze Geld aus, das du in
einer Woche verdient hast."
Diese richtige Einschätzung der Bedeutung der Spartätigkeit macht
aber auch eine Rückkehr zur Vernunft bei den Erörterungen um die Zinssätze notwendig. Unter allen Preisen, die von unserer Wirtschaft gefordert und bezahlt werden, sehen manche Kreise gerade in den Zinssätzen etwas Schädliches. Trotz der Tatsache, daß die meisten Ersparnisse heute in Industrieaktien und Obligationen gesteckt werden und

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und die noch verbleibenden Beträge größtenteils vertraglich auf längere Zeit festgelegt werden und damit dem Einfluß von Zinsänderungen
nur in geringem Maße unterliegen, ist dennoch mit Sicherheit anzunehmen, daß eine höhere Verzinsung der Ersparnisse dem Sparwillen neuen
Auftrieb verleihen dürfte. Wer in den Zinsen lediglich Kosten erblickt,
sollte sich auch einmal überlegen, daß sie eben der Lohn für das Sparen
sind. Wenn wir uns zu keinem besseren Verständnis dieser Grundtatsache
durchringen, so schaffen wir damit ein sehr ernstes Hindernis für ein
weiteres gesundes Wachstum unserer Wirtschaft.
Unsere Generation steht vor neuen großen Aufgaben und Möglichkeiten. Es bietet sich uns die Chance, einen weiteren gewaltigen Schritt
auf dem Weg zu wirtschaftlichem Aufstieg aller Angehöriger unseres
Volkes vorwärts zu tun. Wir haben ein Produktions- und Verteilungssystem, das seinesgleichen sucht, ein System, das die Unterstützung
des gesamten amerikanischen Volkes genießt. Die breite Masse in Amerika
ist der Treuhänder dieses Wirtschaftssystems, und sie erntet die Früchte
der gegenwärtigen Prosperität. Wir müssen die Wirtschaft gesund erhalten,
damit sie unseren Bedürfnissen und denen nachfolgender Generationen
auch in Zukunft gerecht zu werden vermag. Wir müssen unsere freie Marktwirtschaft erhalten und das Wettbewerbssystem, auf das sie sich gründet. Wir müssen allen Wunderdoktoren und Kurpfuschern das Handwerk legen,
denn ihre noch so wohlmeinenden Bemühungen würden unsere Wirtschaft auf
den Weg der Mittelmäßigkeit drängen. Diese Aufgabe fordert von uns sowohl die Bereitschaft, unser System durch Beseitigung von Schwächen
immer mehr zu vervollkommnen als auch die Entwicklung des Gefühls dafür, wo seine Belastungsgrenze liegt. Welche große Forderungen aber
diese Aufgabe auch an uns stellen mag, es lohnt sich, sie auf sich
zu nehmen.

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Allg./3.4.1957
DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE
ATLANTISCHE ALLIANZ

PARIS - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Ansprache, die der Ständige
Vertreter der Vereinigten Staaten bei der Nordatlantik-Pakt-Organisation, Botschafter George
Perkins, am 27. März in Paris vor der französischen NATO-Gesellschaft in Anwesenheit ihres
Präsidenten, des ehemaligen französischen Außenministers George Bidault, gehalten hat.

Ich freue mich darüber, daß man mich gebeten hat, heute hier
vor Ihnen über das Thema "Die Vereinigten Staaten und die atlantische
Allianz" zu sprechen. Es ist immer ein Vergnügen, ein Thema zu behandeln, für das man selbst begeistert ist. Ich darf an den Beginn
meiner Rede das bemerkenswerte Ergebnis einer demoskopischen Umfrage in den Vereinigten Staaten stellen, bei der sich zeigte, daß
mehr als BOjk aller Amerikaner für eine Teilnahme der USA an der
NATO und für eine Unterstützung dieser Organisation eintreten. Sie
werden sich sicher darüber im klaren sein, daß dies ein sehr hoher
Prozentsatz für ein Land ist, das in seiner bisherigen Geschichte
einen isolationistischen Kurs verfolgt hat.
Um aber die gegenwärtige Einstellung der Vereinigten Staaten
zur NATO völlig verstehen zu können, muß man sich einmal überlegen,
wie sich diese Haltung herausgebildet hat. Ich sage dies, weil ich
restlos davon überzeugt bin, daß das gegenwärtige Interesse der
Vereinigten Staaten an der NATO weit über die ursprünglichen Absichten hinausgeht, die wir zur Zeit der Unterzeichnung des Nordatlantik-Paktes hatten.
Ich war zu dem Zeitpunkt, als der Nordatlantik-Pakt ausgehandelt wurde, nicht in Washington. Ich gehörte damals gerade zur USMission beim Europäischen Wirtschaftsrat (OEEC) hier in Paris, an
deren Spitze Mr. Harriman stand, und befaßte mich im Zusammenhang
mit der Durchführung des Marshall-Plans mit Fragen des industriellen Wiederaufbaus. Auf Grund meiner in der Folgezeit gesammelten
Erfahrungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Vereinigten Staaten vor allem an der in den Vertrag einbezogenen Erklärung

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Erklärung interessiert waren, die besagt: "Die vertragschließenden
Staaten kommen dahingehend überein, daß ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein
Angriff gegen alle anzusehen ist," In dem betreffenden Artikel heißt
es ferner, daß jeder Partnerstaat im Falle eines solchen Angriffs
dem Angegriffenen mit solchen Maßnahmen - unter Einschluß des Einsatzes bewaffneter Streitkräfte - zur Hilfe kommen wird, die er als
notwendig erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Raumes
wiederherzustellen und zu wahren. Ich bin sicher, daß die Vereinigten Staaten der Auffassung waren, diese Formulierung würde j§&lt;iem
möglichen Aggressor eindeutig zu verstehen geben, daß er sich im
Falle eines Angriffs der kombinierten Stärke sämtlicher Signatarmächte gegenübersehen werde. Um ganz klarzustellen, warum die Vereinigten Staaten dieser Erklärung soviel Gewicht beigemessen haben,
müssen Sie mir gestatten, noch etwas weiter in die Geschichte zurückzugehen. Ich brauche wohl nicht erst daran zu erinnern, daß die
Vereinigten Staaten erst spät in die beiden V/eltkriege eingegriffen
haben. In den Vereinigten Staaten setzte sich in der Zwischenzeit
allmählich die Überzeugung durch, daß es besser gewesen wäre, wir
hätten früher gehandelt. Man gewann ferner, so will es mir scheinen,
die Überzeugung, daß es im Falle eines solchen frühzeitigen Handelns
sogar möglich gewesen wäre, diese furchtbaren Konflikte überhaupt
zu vermeiden. Aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, so
hätte doch ein rascheres Handeln unsererseits diese Kriege viel frühzeitiger und unter geringeren Verlusten an Gut und Blut beenden können. Man war also, in kurzen Worten ausgedrückt, zu der Schlußfolgerung gelangt, daß eine Politik der Neutralität für ein Land, das
zwangsläufig früher oder später in einen etwaigen Krieg verwickelt
werden würde, nicht als eine konstruktive Politik gelten dürfe.
Diese Gedankengänge wurden in den Vereinigten Staaten erstmals im
ersten Weltkrieg vorgebracht. So kann ich mich selbst noch an einen
Vorfall erinnern, der sich zur Zeit des ersten Weltkrieges noch vor
dem Eingreifen der Vereinigten Staaten abspielte. Mein Vater nahm
mich eines Tages mit zu Ex-Präsident Theodore Roosevelt, der ihn
zum Essen eingeladen hatte. Theodore Roosevelt war, wie Sie sicher
alle wissen werden, ein Mann mit einer sehr festen Meinung und zögerte auch nicht, diese unverblümt auszusprechen. Während des Essens
vertrat Roosevelt die Auffassung, daß er den Krieg, falls er im Zeitpunkt seines Ausbruchs noch Präsident gewesen wäre, sicherlich hätte
verhindern können. Auf erstaunte Einwände erwiderte Roosevelt, er
hätte dem deutschen Kaiser mitteilen lassen, daß die Vereinigten
Staaten für den Fall, daß Deutschland einen Krieg beginne, den
Alliierten zur Hilfe eilen werden. Ob eine solche Erklärung einen
Krieg hätte verhindern können oder nicht, bleibt fraglich; es steht
aber meiner Meinung nach fest, daß das amerikanische Volk heute sehr
für jene Handlungsweise eintritt, für die sich Roosevelt bei jenem
Essen aussprach.
Solche Erwägungen ließen im Winter 1948/49 di e Vereinigten
Staaten zu der Einsicht gelangen, wie recht die Signatarstaaten des
Brüsseler Paktes gehandelt hatten, als sie sich für Zwecke der Verteidigung zusammenschlössen. Die Vereinigten Staaten kamen ferner

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3. April 1957

ferner zu dem Schluß, daß sie sich diesen Bestrebungen anschließen
sollten, und daß die entsprechenden Bemühungen womöglich noch erheblich verstärkt werden sollten. Das Ergebnis war der Abschluß des
Nordatlantik-Paktes, der am 4» April 1949 v ° n 12 Staaten in Washington unterzeichnet wurde.
Um meine These noch zu untermauern, daß Artikel V des Vertrags
für die Vereinigten Staaten von größtem Interesse war, darf ich hier
nochmals auf meine eigenen Erfahrungen zu sprechen kommen. Im Sommer
1949 wurde ich nach Washington beordert, um das Amt eines Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium zu
übernehmen. Die Ratifikationsurkunden des Nordatlantik-Paktes wurden
kurz darauf, Anfang September, in Washington hinterlegt, und die
erste Tagung des Nordatlantikrates wurde zum 17. September einberufen.
Es war einer meiner ersten Aufträge nach Antritt meines neuen Amtes
im Außenministerium, den Vorsitz in einem internationalen Arbeitsstab zu führen, der den im Nordatlantik-Pakt vorgesehenen Apparat
aufbauen sollte. Ich muß Ihnen offen gestehen, daß ich mir damals
als erstes zunächst den Vertragstext kommen lassen mußte, da ich
ihn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gelesen hatte. Inzwischen habe ich das aber mehr als nachgeholt.
Der internationale Arbeitsstab machte sich sogleich an seine
Aufgabe. Der Vertrag sah bestimmte, allerdings nicht genau umrissene
ständige Einrichtungen vor, vor allem auf militärischem Gebiet. Wir
stellten die diesbezüglichen Pläne fertig, einigten uns dabei aber
darauf, den Apparat so klein wie möglich zu halten. '.Vir kamen ferner
zu dem Ergebnis - und das wird sicherlich Herrn Bidault besonders
interessieren -, daß diese Probleme für die Außenminister zu schwierig und auch zu sehr technischer Natur seien, und daß wir deshalb
die von ihnen auf dieser Tagung zu fassenden Entschlüsse in allen
Einzelheiten vorbereiten sollten. Wir stellten ein Programm auf,
das man schon fast als eine vollständige Regieanweisung bezeichnen
kann, in der die Rolle eines jeden Ministers genau festgelegt war.
Das Ergebnis war eine Tagung, die man vielleicht als einen Triumph
der Organisationskunst bezeichnen könnte. Zwölf Außenminister kamen
zur Erörterung wichtiger Probleme zusammen und trafen alle notwendigen
Entscheidungen - einschließlich des Kommuniques - in einer knappen
Stunde. Wir haben niemals den Versuch gemacht, einen solchen Triumph
ein zweites Mal zu erringen, weil wir uns sehr schnell darüber klar
wurden, daß die Außenminister nicht nur selbst den Wunsch hatten,
sich frei untereinander auszusprechen, sondern es auch wünschenswert sei, daß eine solche Aussprache stattfindet.
Wie ich bereits ausführte, lag das Schwergewicht im organisatorischen Aufbau zunächst auf militärischem Gebiet. Aber auch hier gab
es keine wirklich internationale Organisation.
Es wurden Ausschüsse gebildet, aber auch diese setzten sich
wiederum aus Landesvertretern zusammen. Und im nichtmilitärischen
Bereich gab es überhaupt keinerlei Organisation. Man nahm es allgemein einfach als Tatsache hin, daß alle Funktionen, wie sie ein

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ein internationales Sekretariat normalerweise ausübt, von meiner
Dienststelle im US-Außenministerium ausgeübt werden. In praxi wurde
ein einziger Beamter mit der Ausführung dieser Aufgaben betraut,
und auch er verwandte nur die Hälfte seiner Zeit auf NATO-Fragen.
Heute haben wir in der Zivilorganisation im Palais Chaillot einen
internationalen Stab mit rund 600 Mitarbeitern, zu denen noch die
Angehörigen der Delegationen der Mitgliedstaaten hinzuzurechnen sind.
Die Vereinigten Staaten waren zunächst einmal mit diesem Mindestmaß an organisatorischem Aufbau einverstanden, während einige der Mitgliedstaaten die Auffassung vertraten, daß man damit nicht auskommen
könne. Ich erinnere mich, daß besonders Frankreich die Auffassung
vertrat, daß weit mehr getan werden müsse, wenn die Wiederaufrüstung
Europas Wirklichkeit werden solle. Die Vereinigten Staaten hatten
jedoch ihren Militärhaushalt drastisch gekürzt und waren wenig geneigt, ein rascheres Tempo einzuschlagen. Diese Darstellung dürfte
meiner Meinung nach ausreichen, unsere ursprünglichen Intentionen
verständlich zu machen.
Im Verlauf des Winters 1949/50 zeigte sich, daß die lockere Organisation, die ich eben geschildert habe, unzureichend war und daß
sie einer Stärkung bedurfte. So gehörten die Vereinigten Staaten auf
der Londoner Konferenz vom Mai 1950 zu den Ländern, die sich für die
Schaffung des Rates der Stellvertreter einsetzten. Die USA wurden
aufgefordert, den Vorsitzenden dieser Körperschaft zu bestellen, ein
Ersuchen, dem sie gerne nachkamen. Noch immer aber gab es keine
wirklich internationale Organisation. Die gesamte Arbeit wurde von
Vertretern der einzelnen Länder ausgeführt, die in den verschiedenen
Ausschüssen saßen. Dennoch hatten wir damit schon ein beachtliches
Stück Weges zurückgelegt; hatten die Vereinigten Staaten doch nunmehr statt jenes einen Beamten in meiner Dienststelle ebenso wie
andere Länder eine richtige Delegation in London bei der NATO.
Dann begann der Korea-Konflikt. Die Haltung sämtlicher NATOMitgliedstaaten erfuhr in diesem Augenblick eine ganz einschneidende
Veränderung. Militärische Fragen rückten stark in den Vordergrund.
Die Streitkräfte der einzelnen europäischen Mitgliedstaaten der NATO
waren damals noch sehr schwach. Sie mußten verstärkt, bewaffnet und
zu einer einheitlichen schlagkräftigen Streitmacht zusammengefaßt
werden. Das Gebiet, in dem Europa zu verteidigen war, zog sich entlang der Ostgrenzen Deutschlands hin. Wie hätte dieses Problem ohne
eine Beteiligung Deutschlands gelöst werden sollen? Die Wiederbewaffnung Deutschlands warf aber natürlich für Frankreich und viele andere
Staaten ein ernstes Problem auf. Wir alle hegen größte Bewunderung
für die Art und Weise, wie Frankreich sich auf dieses Problem eingestellt hat und auch dafür, wie es die Frage seiner Beziehungen zu
Deutschland gelöst hat.
Nach Beginn des Korea-Konfliktes verstärkten die Vereinigten
Staaten ihre Aktivität innerhalb der NATO weiter. Wir erhöhten das
militärische Potential in Europa. Wir stimmten im Dezember 1950 in

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in Brüssel der Schaffung einer internationalen Befehlsstruk^ur zu
und ernannten auf Ersuchen General Eisenhower zum Oberbefehlshaber.
Seit jener Zeit haben wir unsere Streitkräfte hier belassen und
große Mengen an Ausrüstungsmaterial nach Europa gesandt, um den europäischen Staaten bei der Aufrüstung zu helfen. Diese Hilfe wird noch
fortgesetzt.
Auf dem zivilen Sektor setzten wir uns auf der Lissabonner Konferenz Tom Februar 1951 tatkräftig für die Schaffung eines wirklich
internationalen Stabes ein, der in den vergangenen fünf Jahren von
Lord Ismay so hervorragend geleitet worden ist. Wir bedauern es, daß
er sich veranlaßt sieht, dieses Amt aufzugeben und freuen uns aufrichtig darüber, daß ein Mann wie Paul Henry Spaak sein Nachfolger sein
wird. Die Vereinigten Staaten haben auch hier, wie gesagt, bereitwillig
mitgearbeitet und sind auch weiterhin zur Mitarbeit bereit; wir erwarten, daß auch die anderen NATO-Mitgliedstaaten ihren vollen Beitrag
leisten. Nach dieser kurzen und zusammenfassenden Erörterung des
Interesses und der Beteiligung der Vereinigten Staaten an der NATO
werden Sie wohl, wie ich hoffe, verstehen, was ich damit meinte, als
ich erklärte, daß das gegenwärtige Interesse der USA an der NATO über
unsere ursprünglichen Intentionen hinausgeht.
Was die Vereinigten Staaten getan haben, kann man als Illustration
ihres Interesses an der NATO werten. Noch wichtiger für einen Ausblick
auf die künftige Entwicklung ist aber vielleicht das Warum. Es ist
nicht leicht, die Gründe für unser Handeln zu analysieren. Sie leiten
sich aus einer Vielzahl sehr verwickelter Motive und Erwägungen her.
Es dürfte aber ganz nützlich sein, einige der für unser Denken wichtigsten Faktoren hier zu erörtern.
Zunächst einmal ist sich das amerikanische Volk meiner Meinung
nach restlos darüber klar geworden, daß es nicht für sich allein auf
der Welt existieren kann, auch wenn unser Land noch so stark und kräftig ist. Die wissenschaftliche und technische Entwicklung hat uns im
Verein mit der Produktionskapazität unserer gewaltigen Industrie einen
Lebensstandard eingebracht, von dem man früher noch nicht einmal zu
träumen wagte. Dieselbe Entwicklung hat aber auch Zeit und Raum so
sehr zusammenschrumpfen lassen, daß sie aufgehört haben, eine Art
Schutzschild für unseren Kontinent zu bilden. Und in Auswirkung eben
dieser Entwicklung können wir den Rohstoffbedarf unserer Industrie
nicht mehr ausschließlich aus unserem eigenen Lande decken; wir
decken ihn vielmehr in zunehmendem Maße aus anderen Teilen der freien
Welt. Diese Dinge haben sehr dazu beigetragen, daß wir viel von unserer Unabhängigkeit von der übrigen Welt verloren haben.
Aber selbst wenn wir in keinem solchen Abhängigkeitsverhältnis
zu anderen stünden, würden wir uns doch wohl kaum von der übrigen
Welt zurückziehen. Wir glauben an Begriffe wie Demokratie, Freiheit
und Gerechtigkeit. Wir würden nicht zusehen wollen, wie andere Teile
der Welt, die frei sind, diese ihre Freiheit verlieren, während wir

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wir untätig dabeisitzen.
In diesem Gesamtzusammenhang wird unser besonderes Interesse an
der NATO sicherlich leicht verständlich. Fast alle Bewohner der Vereinigten Staaten sind europäischer Abstammung, und wir teilen uns in
das kulturelle und religiöse Erbe. Natürlich gibt es zwischen uns auch
einige Meinungsverschiedenheiten. Dabei handelt es sich aber um Unstimmigkeiten, wie sie im Familienkreis vorkommen; und wie bei allen
Familienstreitigkeiten ist es für Außenstehende unklug, sich einzumi sehen.
Auf der rein praktischen Seite verfügen die europäischen NATQMitgliedstaaten über eine große Produktionskapazität, ein Heer an
Facharbeitern und zahlreiche führende Köpfe in praktisch allen Lebensbereichen. Es ist undenkbar, daß sich die freie Welt ohne ein tatkräftiges Mitwirken Europas zusammenhalten ließe.
Die Vereinigten Staaten sind zu der Überzeugung gelangt, daß
der einzige mögliche Weg, einen weiteren Weltkrieg zu verhindern,
darin besteht, bereit zu sein und bereit zu bleiben. Wir wissen, was
mangelnde Bereitschaft bedeutet, und wir wissen auch, daß wir uns
nicht länger erst dann auf einen Krieg vorbereiten können, wenn dieser bereits angefangen hat. Obwohl wir über eine leistungsfähige Industrie verfügten und seit Jahren schon gewarnt waren, mußten unsere
Truppen im Jahre 1918 das hervorragende französische 7»5-cm-Geschütz'
benutzen, da wir nicht in der Lage waren, unsere Truppen rechtzeitig
mit geeigneten Geschützen auszustatten. Dies weiß ich aus eigener
Erfahrung, war ich doch in jenen Tagen selbst Artillerist hier in
Frankreich.
Die Entwicklung der modernen Waffen macht eine ganz andere Art
militärischer Bereitschaft erforderlich. Die Kernwaffen allein stellen
schon eine revolutionäre Entwicklung dar. Darüber hinaus werden beständig neue und immer schnellere Mittel entwickelt, diese Waffen
zum Einsatz zu bringen. Das bedeutet, daß wir ständig vorbereitet
sein müssen: die Männer müssen geschult und das Gerät stets bereit
und an Ort und Stelle verfügbar gehalten werden, damit sie von einem
zum anderen Augenblick eingesetzt werden können. Dieses Vorbereitetsein auf jederzeitiges blitzschnelles Handeln läßt keinen Raum mehr
für halbe Maßnahmen.
Noch sind die NATO-Streitkräfte nicht so stark, wie sie sein
sollten; wir sind aber alle ständig um die Erreichung des Ziels bemüht, an Ort und Stelle genügend Menschen und Waffen verfügbar zu
halten, die jederzeit bereit zum Einsatz sind. Wir haben auch Fortschritte auf unserem Weg zu diesem Ziel gemacht. Die Vereinigten
Staaten haben selbst große Anstrengungen unternommen und auch die
Bemühungen ihrer Alliierten unterstützt, entsprechende Streitkräfte
aufzustellen. Sie schlagen vor, daß diese Bemühungen fortgesetzt
werden.
Ein

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Ein weiterer Grund, der uns in unserem Glauben an die NATO
bestärkt, ist die Überzeugung, daß sie eine entwicklungsfähige
Organisation ist. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß vieles
noch geschehen muß, ehe wir uns in dem Gedanken zufrieden geben
können, wir wären nunmehr stark genug, den Ausbruch eines weiteren
Krieges zu verhindern; dies ist unser eigentliches Ziel. Ein Blick
auf die Vergangenheit zeigt uns, daß bereits beträchtliche Fortschritte in dieser Richtung erzielt worden sind. Zunächst verfügen
wir seit fünf Jahren über ein gut eingespieltes internationales
Kommandosystem; dergleichen hat es niemals zuvor in Friedenszeiten
gegeben. Dieses Kommandosystem wird noch ständig verbessert, und
auch die Schlagkraft der diesem Kommando unterstehenden Truppen
nimmt noch immer zu. Die Streitkräfte haben gelernt, gemeinsam^
zu operieren, und sie stellen heute tatsächlich eine internationale
Kampftruppe dar. Die Streitkräfte unterstehen aber nicht nur einem
internationalen Kommando - auch das Sekretariat der NATO ist international. Der internationale Stab arbeitet als ein einheitliches
Ganze auf das erfolgreichste.
Ferner ist auf die Erfolge zu verweisen, die hinsichtlich der
Infrastruktur erzielt wurden. Im Rahmen dieses Programms wurden
errichtet: 150 Flugplätze, ein noch im weiteren Ausbau befindliches
Netz von Nachrichtenmitteln und ein Radarfrühwarnsystem, das eng
mit dem Nachrichtennetz verbunden ist; ein Ölleitungssystem - von
9000 km Länge mit allen dazugehörigen Lageranlagen, das in diesem
Jahr seiner Vollendung entgegengeht sowie Befehlsstände, Marinestützpunkte und zahlreiche andere militärische Einrichtungen. Heute wurde
bekanntgegeben, daß weitere beträchtliche Summen bewilligt worden
sind, um diese Anlagen weiterzuentwickeln.
Alle diese Einrichtungen der Infrastruktur stehen allen Mitgliedern der NATO zur Verfügung und werden sämtlich aus einem gemeinsamen Fonds finanziert, zu dem jedes Land seinen entsprechenden Teil
beiträgt. Vielleicht sollte ich bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, daß jedes Land seinen Anteil für größer hält als er
tatsächlich ist und daß alle übrigen Länder ihn wiederum als für zu
niedrig erachten. Aber vielleicht muß das so sein. Hier zeigt sich
wiederum die einzigartige Form einer internationalen Zusammenarbeit
in Friedenszeiten.
Die Mitgliedstaaten der NATO haben sich in der Zusammenarbeit
hervorragend bewährt. Der Nordatlantik-Pakt sieht auch keir.e anderen
Methoden vor. Theoretisch ist wohl Einstimmigkeit für jede Beschlußfassung notwendig, praktisch jedoch benötigen wir nur Einstimmigkeit
in bestimmten Fragen. Über kleine und große Fragen sind ständig Entscheidungen zu treffen. Wir alle haben in der uns übertragenen Stellung gelernt, uns nicht gegenüber Vernunftsgründen zu verschließen,
so daß Entscheidungen leichter fallen. Ich glaube, das die in der
NATO vertretenen Länder ausnahmslos mitunter Zugeständnisse gemacht
haben, die mit ihren eigenen Interessen nicht mehr ganz im Einklang
standen. Die von uns in der NATO angewandten Verfahren bilden also
keinen Hemmschuh für den Fortschritt. Sie haben sich vielmehr zu

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zu einer
l.'ethodik entwickelt, die die Gewähr dafür bietet,
daß wir unseren Weg guten Willens jene ins am fortsetzen v/erden.
Die Entwicklung der NATO hat ferner gezeigt, daß sie eine ungewöhnliche Fähigkeit besitzt, Rückschläge zu überwinden. Es hat unter den NATO-IIitgliedern Unstimmigkeiten gegeben, die meistens Fragen
außerhalb der NATO betrafen, und verschiedene dieser Unstimmigkeiten
sind ernster Natur gev/er:en und konnten erst nach lan;;er Zeit überwunden werden. Doch hat keine dieser Unstimmigkeiten in irgendeiner
Weise die Arbeit des NATO-Rates, seiner zahlreichen Ausschüsse oder
des internationalen Stabes beeinträchtigt. Wir konnten stets in kameradschaftlichem Geiste zusammenarbeiten. Ich glaube, daß die Existenz
der NATO und die Tatsache, daß ihr alle so große Bedeutung beimessen,
uns wirklich dabei geholfen hat, auftretende Schwierigkeiten zu verringern und dem Gedanken Geltung zu verschaffen, daß sich die I.Iitglieder der NATO über gemeinsame Probleme öfter gegenseitig konsultieren.
In den im vergangenen Dezember veröffentlichten Bericht der drei Weisen wurde dieser Gedanke besonders hervorgehoben. Auch in der Frage
der gegenseitigen Konsultationen über politische Fragen sind Fortschritte erzielt worden, und die Zukunft wird sicher weitere Fortschritte bringen. Es ist jedoch klar, daß das von uns erstrebte Ziel
schwer zu erreichen ist und daß es zahlreiche Hindernisse zu überwinden gilt. Zeitliche Begrenzungen und anderweitige Verpflichtungen
innerhalb und außerhalb der NATO machen es äußerst schwierig, die
von den NATO-I.lit~liedern gewünschten Konsultationen auch immer ganz
durchzuführen. Wir müssen daher die mit dem Problem zusammenhängenden
Schwierigkeiten berücksichtigen und für die bisher erzielten Fortschritte dankbar sein.
Zum Schluß möchte ich noch ein 'Tort zu dem Verhältnis der Vereinigten Staaten zur NATO sagen. Ich weiß, daß unsere NATO-Partner,
oder wenigstens einige unter ihnen, mitunter den Eindruck haben, als
kümmerten sich die Vereinigten Staaten mehr um andere Teile der Welt
als um die NATO. Wenn es auch den Anschein haben mag, daß diese Ansicht
berechtigt ist, sind wir uns doch der Bedeutung bewußt, die die NATO
für uns besitzt, und ich kann Ihnen versichern, daß unsere Interessen
in anderen Teilen der Welt - Interessen, die mit der Verantwortung,
die wir übernehmen mußten, gewachsen sind - uns nicht von dem Bündnis abbringen werden, das den Eckpfeiler unserer westlichen Politik
bildet, wie Präsident Eisenhower es auf den Bermudas ausdrückte.
In dieser kurzen Zeit habe ich Ihnen einige persönliche und
sachliche Eindrücke skizziert - in einer Sprache, die nicht meine
Muttersprache ist -, die Amerikas Interesse an der NATO beweisen»
Ich hoffe, daß es mit meinen Ausführungen gelungen ist, Ihnen klar
zu machen, daß die Vereinigten Staaten ein echtes und bleibendes
Interesse sowohl an Europa als auch an der NATO haben. 'Venn ich
nicht deutlich L;enug herausgestellt haben sollte, wie notwendig und
von welch unersetzlichem Wert die NATO für die Vereinigten Staaten
ist, dann liegt das daran, daß ich mich schlecht ausgedrückt habe.

Die

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"AMERIKA DIENST"

Die von der NATO geleistete Arbeit habe ich sowohl in Washington
wie in Paris beobachtet. Besonders beeindruckt hat mich die bereitwillige Mitarbeit Frankreichs in der NATO, für die sich gerade Ihre
Gesellschaft so stark einsetzt. Mehr denn je bin ich davon überzeugt,
daß wir in der atlantischen Geneinschaft die gleichen Vorstellungen
von unserer Aufgabe haben, und wenn wir auch nicht die gleiche Sprache
sprechen, so sind doch unsere Ziele die gleichen.

* # * *

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Allg./ 10.4.57

MURPHY ZUR FRAGK

DER PASSBESCHRÄNKUNGEN UND DES

INTERNATIONALEN KULTURAUSTAUSCHES

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung, die Robert D. Murphy, der stellvertretende Staatssekretär im US-Außenministerium, am 4« April vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats abgegeben hat.

Es ist mir eine besondere Ehre, hier vor Ihnen erscheinen zu dürfen und mit Ihnen die Frage der Beschränkungen, die das
US-Außenministerium in bezug auf Auslandsreisen amerikanischer
Staatsbürger verhängt hat, sowie gewisse verwandte Probleme zu
überprüfen, die sich auf den Personenaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern auswirken.
Auf Ihren ausdrücklichen Wunsch hin, Herr Vorsitzender, werde ich die Frage des Reiseverbots für amerikanische Journalisten
nach Rotchina ebenfalls behandeln und michmitdan politischen Aspekten der Beschränkungen von Auslandsreisen amerikanischer Bürger
und eines Kulturaustausches im allgemeinen befassen.
Es ist eine lange Tradition, die maßgeblich und exakt bestimmt,
was ein Paß . ist und welche Rechte Bürger haben, die im Besitz eines
Passes sind. Das erste Paßgesetz geht auf das Jahr 1856 zurück,
obgleich Pässe bereits seit der Gründung des Landes vom Außenministerium ausgegeben wurden. Schon in den Jahren 1803 und 1815 wurde
in Gesetzen, die der Kongreß erließ, ausdrücklich die Tatsache festgestellt, daß dem Außenminister die Ausgabe von Pässen im Rahmen
seiner allgemeinen Vollmachten zur Pflege der auswärtigen Beziehungen obliegt.
Im Jahre 1856 wurde vom Kongreß ferner anerkannt, daß der
Präsident für den Schutz der amerikanischen Bürger im Ausland verantwortlich sei. Durch besonderen Kongreßbeschluß vom 27. Juli
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Juli 1868 wurde später diese Verantwortung dem Präsidenten offiziell
übertragen, wodurch der Präsident ermächtigt wurde, geeignete Maßnahmen
- "die nicht bis zu kriegerischen Handlungen gehen dürfen" - zu ergreifen, um die Freilassung jedes amerikanischen Bürgers zu gewährleisten,
der "auf Veranlassung oder kraft der Gerichtbarkeit der Behörden irgendeines fremden Landes unrechtmäßig seiner Freiheit beraubt ist".
Obgleich der Kongreß die Verantwortlichkeit des Präsidenten anerkennt,
amerikanische Bürger im Ausland zu schützen und ihre Freilassung zu
sichern, falls sie von fremden Regierungen unrechtmäßig in Haft gehalten
werden, hat der Kongreß immer wieder die Vollmacht des Außenministers zur
Ausgabe von Pässen gutgeheißen. Nicht zuletzt geht dies auch aus dem
Kongreßbeschluß vom 3» Juli 1926 hervor. Dieser sieht vor, daß der Außenminister oder sein offizieller Vertreter "unter solchen Bestimmungen,
wie sie der Präsident für die Vereinigten Staaten im Interesse dieses
Landes bestimmen und vorschreiben wird", Pässe genehmigen und ausgeben
kann .
Von jeher entschied also der Außenminister, welche Bürger einen
Paß bekommen und für welches Land dieser gelten soll. Nach Abschnitt
51.135 der Dienstvorschriften des Außenministeriums laut Abänderung
vom 1.0. Januar 1956 werden an Mitglieder der Kommunistischen Partei
und gewisse andere Bürger, die die kommunistische Bewegung unterstützen,
keine Pässe ausgegeben. Darüber hinaus behandelt Abschnitt 51*136 die
Ausgabe von Pässen an gewisse andere Personen. Diese Verfügung lautett
"Zum Schutze der Interessen der Vereinigten Staaten wird - die
direkte und sofortige Rückkehr nach den Vereinigten Staaten ausgenommen einer Person die Inanspruchnahme der mit dem Paßbesitz verbundenen Einrichtungen verweigert, wenn für den Außenminister hinreichend Grund zu
der Annahme besteht, daß das Verhalten und die Tätigkeit des oder der
Betreffenden 1) gegen die Gesetze der Vereinigten Staaten verstößt,
2) der ordnungsgemäßen Aufrechterhaltung von Auslandsbeziehungen oder
3) anderweitig den Interessen der Vereinigten Staaten abträglich sein
würde" .
Neben der in sein Ermessen gestellten Kontrolle darüber, an welche
Personen Pässe ausgegeben werden, kann der Außenminister auch entscheiden,
welche Länder besucht werden dürfen-. Dies wird mit dem Gültigkeitsstempel
im Paß zum Ausdruck gebracht, der genau anführt, welche Länder besucht
und welche nicht besucht werden dürfen. Verfahrensentscheidungen darüber,
welche Länder in das Verbot einbezogen werden sollen, unterliegen, entsprechend der laufenden Entwicklung, einer ständigen Überprüfung. In
Kriegszeiten gelten Pässe nur für verhältnismäßig wenig Länder, und es
wird ständig nachgeprüft, welche Gebiete von Amerikanern sicher bereist
werden können. Beispielsweise hatte der amerikanische Paß während des
zweiten Weltkrieges eine Gültigkeitsdauer von nur sechs Monaten, und
bei der Rückkehr in die Vereinigten Staaten mußte der Bürger seinen Paß
an der Grenze wieder abgeben.
Allgemein gesprochen werden die Vereinigten Staaten die Gültigkeit
eines Passes für den Besuch von Ländern, mit denen wir keine diplomatischen

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diplomatischen Beziehungen unterhalten, nicht anerkennen. Amerikaner,die
in solche Länder reisen, können nicht in den Genuß des für amerikanische
Bürger und amerikanisches Eigentum im Ausland von unseren ausländischen
Botschaften und Konsulaten gewährten Schutz kommen. Gegenwärtig trägt
jeder amerikanische Paß folgenden gedruckten Vermerk»
"Dieser Paß gilt nicht für Reisen nach Gebieten, die unter der Kontrolle oder Verwaltung von folgenden Ländern stehen, mit denen die
Vereinigten Staaten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten«
Albanien, Bulgarien und die kommunistischer Kontrolle unterliegenden
Teile Chinas, Koreas und Vietnams."
Neben der Ungültigkeitserklärung des Passes für Länder, mit denen wir
keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, kann der Außenminister von
Zeit zu Zeit darüber entscheiden, ob die Sicherheit amerikanischer Bürger
in gewissen Ländern noch voll gewährleistet ist. Dies ist einer der Gründe für das gegenwärtige Verbot von Reisen nach Ungarn und das kürzlich
verfügte Reiseverbot nach den vier Ländern Israel, Ägypten, Jordanien und
Syrien im Mittleren Osten. Der Außenminister behält sich, wenn er es für
ratsam hält, die Pässe beispielsweise für Reisen nach Ungarn für ungültig
zu erklären, dennoch das Recht vor, bestimmte Personengruppen, deren Reise
in die genannten Gebiete im Interesse der Vereinigten Staaten läge, von
dem Verbot auszunehmen.
Bei Angehörigen des Roten Kreuzes und von Wohlfahrtsverbäriden, bei
Geistlichen, Missionaren und Pressevertretern werden häufig derartige
Ausnahmen gemacht.
Wenn der Außenminister der Ansicht ist, daß in dem oder jenem Land
sich die Lage wieder stabilisiert hat, kann er das Reiseverbot entweder
für bestimmte Personengruppen oder für alle amerikanischen Staatsbürger
aufheben. Seit gestern - um hier das aktuellste diesbezügliche Ereignis
anzuführen - wird die Lage im Mittleren Osten als ausreichend stabil angesehen, so daß das Reiseverbot nach den vier Ländern wieder aufgehoben
werden konnte.
Neben Erwägungen, die der persönlichen Sicherheit des Reisenden gelten,
ist auch einer der Gründe, weshalb amerikanischen Staatsbürgern die Reise
nach bestimmten Ländern verwehrt wird, der auf ein bestimmtes Land möglicherweise auszuübende psychologische Druck, wenn Amerikaner von ihrer Regierung
nicht die Erlaubnis erhalten, es zu betreten. Beispielsweise unterbanden
die Vereinigten Staaten den Reiseverkehr nach der Tschechoslowakei, nachdem dort ein amerikanischer Journalist, William Oatis, inhaftiert worden
war. Der unfreundliche Ton, mit dem die Auslandspresse den Tschechen begegnete, und ihr Wunsch, daß amerikanische Presseleute und Touristen die
Tschechoslowakei besuchen, haben zweifellos zu der Freilassung von Mr.
Oatis beigetragen. Ein solcher Druck wäre nicht möglich gewesen, wenn
der Außenminister nicht die Befugnis besäße, Reisen nach der Tschechoslowakei zu unterbinden.
Vielleicht wünscht der Ausschuß als Beispiel eines besonderen Falles
eine kurze Analyse der politischen Gründe dafür, daß Amerikanern nicht

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nicht erlaubt wird, Rotchina zu bereisen - abgesehen davon, daß wir keine
diplomatischen Beziehungen zu Rotchina unterhalten. Die Aufmerksamkeit
der Öffentlichkeit konzentriert sich darauf, daß Journalisten die Reiseerlaubnis verweigert wurde, aber ich möchte hier klar herausstellen, daß
dies auch für alle anderen Staatsbürger gilt.
Vielen anderen Personengruppen - Missionaren, Gelehrten, Pädagogen,
Behördenvertretern, Angehörigen von in Haft gehaltenen Amerikanern wurde ebenfalls kein Paß für eine Reise nach Rotchina ausgestellt. Vielleicht darf ich dies so formulieren: Die besonderen, mit der Erteilung
der Reiseerlaubnis für irgendeine Personengruppe verbundenen Vorteile
oder Nachteile waren nicht maßgebend. Die getroffene Entscheidung - und
die Gründe hierfür - war gleichermaßen für alle Amerikaner bindend.
Und vielleicht darf ich hier noch einen Punkt herausstellen, ehe ich
auf die eigentlichen Gründe eingehe: Das Können und die Unparteilichkeit
amerikanischer Korrespondenten standen niemals zur Debatte. Man ist
sich sehr wohl bewußt, wie wichtig eine vollständige Informierung über
die Verhältnisse auf dem chinesischen Festland ist.
Der Grund für die Verweigerung der Reisegenehmigung, der sich aus
den allgemeinen Grundsätzen der amerikanischen Außenpolitik ergibt,
läßt sich etwa folgendermaßen skizzieren:
1) Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen einerseits und
Rotchina andererseits befinden sich im Stadium eines noch ungelösten
Konflikts. Der im Jahr 1953 unterzeichnete Waffenstillstand sollte bis zu
einer politischen Regelung Gültigkeit haben. Infolge der Weigerung der
chinesischen Kommunisten, irgendwelche für die Vereinten Nationen annehmbaren Bedingungen auch nur in Erwägung zu ziehen, ist es bisher noch zu
keiner derartigen Regelung gekommen. Der nationale Notstand, der vom
Präsidenten zum Zeitpunkt des ersten kommunistischen Angriffs in Korea
verkündet wurde, ist noch immer in Kraft. Nach amerikanischen Gesetzen
und Verfügungen sind alle Handelsgeschäfte und finanziellen Transaktionen
mit dem kommunistischen China verboten. In dem gegenwärtigen Stadium des
nationalen Notstandes ist eine Reise nach Rotchina ebenfalls untersagt.
2) Die rotchinesische Bedrohung der Republik China, mit der die
Vereinigten Staaten einen Beistandspakt geschlossen haben, ist weiterhin
eindeutig und akut. Die rotchinesischen Vorbereitungen auf dem Formosa
gegenüberliegenden Festland werden weitergeführt. Die Kommunisten haben
sich im besonderen geweigert, auf irgendeine Vereinbarung einzugehen, in
der sie auf die Anwendung von Gewalt im Raum von Formosa verzichten.
Unter derartigen Verhältnissen halten die Vereinigten Staaten es für
unklug, daß ihre Bürger das chinesische Festland bereisen.
3) Da die Vereinigten Staaten, wie ich schon sagte, das chinesische
kommunistische Regime nicht anerkennen, kann der übliche diplomatische
und konsularische Schutz nicht auf Reisen amerikanischer Staatsbürger in
dieses Gebiet ausgedehnt werden. Diese Situation wird noch durch die Tatsache in ein besonderes Licht gerückt, daß die chinesischen Kommunisten
politische Geiseln festgenommen haben und noch immer in Haft halten. Hier

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�AI.GRIKA DIENST"

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Hier dokumentiert sich ganz besonders die Notwendigkeit eines solchen
Schutzes. Selbst wenn ein amerikanischer Bürger, der einen Paß beantragt, auf sein Recht auf diesen Schutz verzichtet, ist die Regierung
doch verpflichtet, ihm diesen bis an die Grenzen des Möglichen angedeihen zu lassen.
4) Das rotchinesische Regime, das durch einen bewaffneten Aufstand
an die Macht gelangte, hat diese Macht durch eine Reihe ungesetzlicher
Aktionen konsolidiert. Zu diesen gehören der Einfall in Nordkorea und
der Angriff auf die Streitkräfte der Vereinten Nationen in diesem Gebiet
sowie die unrechtmäßige Inhaftierung amerikanischer Staatsbürger ohne
jegliches Gerichtsverfahren. Zu ihnen zählt ferner die flagrante Verletzung des koreanischen Waffenstillstandsabkommens durch die Einführung
neuer Waffen und Plugzeuge in Nordkorea und, wie wir gesehen haben, die
stetig fortschreitende Aufstellung von Truppenverbänden auf dem Formosa
gegenüberliegenden chinesischen Pestland. In allen diesen Fällen wurde
die Meinung der übrigen Welt zynisch mißachtet. Rotchina scheint es nunmehr für notwendig zu halten, von der Familie der Völker respektiert und
in diese aufgenommen zu werden. Eines der Erfordernisse einer solchen
Respektierung ist die Aufnahme von Handelsbeziehungen und eines kulturellen
Austausches mit den Vereinigten Staaten. Die Voraussetzung ist also eine
Lockerung der von der amerikanischen Regierung verhängten Reisebeschränkungen.
Der Wunsch der chinesischen Kommunisten nach größerer Respektierung
ist in einer Reihe von Konferenzen in Genf zwischen dem amerikanischen
Botschafter U. Alexis Johnson und dem rotchinesischen Botschafter Wang
Ping-nan, die am 1. August 1955 aufgenommen wurden, bestätigt worden.
In diesen Gesprächen erklärte man sich auf rotchinesischer Seite auch
einverstanden, allen amerikanischen Staatsbürgern in Rotchina, die den
Wunsch hätten, nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren, diese Rückkehr zu erlauben und Schritte zur Erleichterung der Rückkehr einzuleiten.
Trotz dieser eindeutigen Zusicherung vom 10. September 1955 werden noch
immer acht amerikanische Staatsbürger in Haft gehalten. Botschafter
Johnson steht auf dem Standpunkt, daß Kulturaustausch und Besuche von
Journalisten, wie dies jetzt von den chinesischen Kommunisten gewünscht
wird, nicht in Betracht gezogen werden können, solange amerikanische
Staatsbürger noch in Haft gehalten werden. Andernfalls würde man womöglich
die letzte Chance dieser Menschen, ihre Freiheit wiederzuerlangen, zerstören, und man würde höchstwahrscheinlich einer Art Erpressung nachgeben.
Natürlich ist außerdem zu prüfen, wie unsere Freunde und Verbündeten
reagieren würden, wenn die Vereinigten Staaten einem solchen Druck nachgäben.
Das Vertrauen in unsere Entschlossenheit, aggressiven Absichten des Kommunismus Widerstand entgegenzusetzen, würde geschwächt. Die Führerstellung,
die Amerika übernommen hat, würde ernstlich untergraben werden. Es wäre
äußerst schwierig für uns, andere Länder, von denen viele zum Teil auf
unsere Stärke angewiesen sind, zu veranlassen, sich furchtlos und energisch
gegen die kommunistische Bedrohung zur Wehr zu setzen. Es ist allgemein
bekannt, daß sich diese Bedrohung häufig in Form eines Vordringens in
den wirtschaftlichen und kulturellen Bereich äußert.
Wie Außenminister Dulles kürzlich auf einer seiner Pressekonferenzen erklärte, wird die gesamte Frage der Reisen von Pressevertretern nach Rotchina ständig überprüft. Falls sich Mittel und Wege

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"AMERDKA DIENST"

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Wege finden, die es gestatten, über die dort herrschenden Verhältnisse berichten zu können, ohne daß Amerikaner deshalb für ihr Leben
fürchten müssen und ohne daß man, nur um des lieben Friedens willen,
einer Art Erpressung nachgeben muß, würden wir das nur begrüßen.
Was die verwandte Frage des Kulturaustausches mit anderen kommunistischen Ländern und die Beschränkungen, dem dieser unterliegt, betrifft, so möchte ich einige Punkte klar herausstellen: Erstens bestehen keine Austauschprogramme irgendwelcher Art mit Ländern, die von
uns nicht anerkannt werden - d.h. mit Albanien, Bulgarien, Ostdeutschland, Nordvietnam und Nordkorea, ebensowenig wie mit Rotchina.
Sowohl offizielle als auch private Austauschvorhaben mit Ungarn
sind zur Zeit ausgesetzt. Amerikanische Pässe haben zur Zeit für Ungarn
keine Gültigkeit - von bestimmten Personengruppen abgesehen, wie wir
bereits wissen.
Seit geraumer Zeit hat das amerikanische Außenministerium keine
Initiative mehr entwickelt, um den Kultur- und Personenaustausch mit
der UdSSR zu fördern. Dagegen findet mit Polen ein lebhafter und umfangreicher Austausch statt, und in geringerem Maße auch mit der
Tschechoslowakei und mit Rumänien. Zwei polnische Delegationen, von
denen die eine über Kohlenlieferungen, die andere über Wirtschaftshilfe
verhandelt, befinden sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten. Eine
private amerikanische Gruppe, die sich über Fragen des Wohnungsbaus
informieren will, wird, hoffe ich, im Juni nach Polen reisen können,
um den Besuch einer polnischen Gruppe in den Vereinigten Staaten im
November vergangenen Jahres zu erwidern. Drei rumänische Beobachter
hielten sich, wie Sie wissen, im vergangenen November anläßlich der
Präsidentschaftswahlen in den USA auf, und wir hoffen, daß in Kürze
ein Gegenbesuch in Rumänien durch eine Gruppe amerikanischer politischer Sachverständiger und Wissenschaftler zustande kommen wird.
Die Weigerung der kommunistischen Länder, unsere Bestimmungen
betreffs der Erteilung von Visa anzuerkennen und die Vornahme von
Fingerabdrücken bei Staatsangehörigen dieser Länder zu gestatten,
hat den Kulturaustausch wesentlich eingeschränkt. Es ist klar, daß
wir eine Schauspielertruppe nicht als Vertreter der Regierung betrachten können. Die Erteilung von Einreisevisa ist daher zur Zeit
gewissermaßen blockiert. Falls die Bestimmung über die Abnahme von
Fingerabdrücken bei nicht-amtlichen Personen gesetzlich nicht aufgehoben wird, ist zu erwarten, daß der Sowjetblock diesen Umstand auch
weiter als Vorwand für seine Propaganda benutzen wird, daß wir einen
eigenen Eisernen Vorhang aufgerichtet hätten. Ferner gibt es ihnen
wegen des scheinbaren geringen Entgegenkommens unsererseits die Möglichkeit, Vertretern amerikanischer kultureller Institutionen die
Einreisevisa zu verweigern.
Dieser so bescheidene Kulturaustausch mit bestimmten kommunistischen Ländern, so hoffen wir, nur eine vorübergehende Erscheinung
ist.
Der

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Der Außenminister unterzieht dieses Problem gegenwärtig einer
Überprüfung,und zwar mit dem Gedanken an eine eventuelle Ausweitung
des Programms. Wir glauben, daß der Austausch von Menschen aus den
verschiedensten Berufen und Bevölkerungsschichten die Verständigungsbereitschaft und das gegenseitige Verständnis zu fördern vermag. Unser
eigenes internationales Austauschprogramm auf dem Gebiet des Erziehungswesens, das wir für Länder außerhalb des Eisernen und des Bambusvorhangs
entwickelt haben, ist zu einer blühenden und erfolgreichen Einrichtung
geworden, so daß wir den Eindruck haben, daß es bei unseren Verbündeten
und den übrigen Ländern der freien Welt ein stetig wachsendes Verständnis
für Amerika weckt, und wir haben allen Grund zu der Annahme, daß es dazu
beitragen wird, das Ausland mit unserem amerikanischen Lebensstil vertraut zu machen.
Ein aktuelles Beispiel dafür, wie dieses sich auf die ganze freie
Welt erstreckende Programm funktioniert, ist die erhebliche Ausweitung
der Austauschpläne für die afrikanischen Länder. Der Zug zur Erlangung
der politischen Unabhängigkeit bei früheren Kolonien und den unter Treuhänderverwaltung stehenden Gebieten dominiert auch weiterhin, sobald
diese für die Übernahme der Regierungsverantwortung reif geworden sind.
Die vorgesehene Erweiterung unseres Programmes für das Haushaltsjahr
1958 »zielt besonders auf ,den Ausbau der Erziehungs- und Bildungseinrichtungen für Afrika und eine Ausweitung des Sonderprogramms für führende
Persönlichkeiten und Spezialisten ab. So hoffen wir beispielsweise,
die Zahl der Studienplätze im Rahmen des Austauschprogramms für Angehörige des erst kürzlich unabhängig gewordenen Staates Ghana von 13
auf 40 erhöhen zu können.
Wenn darüber hinaus weitere Gründe für die Notwendigkeit eines verstärkten gegenseitigen Verstehens der Völker notwendig wären, so genügte
wohl der Hinweis, daß seitens der Kommunisten ein bemerkenswert großes
Interesse an diesen jungen Nationen besteht und in der Form einer Bereitstellung von Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten für die jetzigen und
künftigen Führerpersönlichkeiten Afrikas zum Ausdruck kommt . Und ebenso
ist auch das Interesse, das die Kommunisten an anderen Ländern nehmen,
nach wie vor das gleiche. Nach der Rückkehr von seiner kürzlichen Afrikareise unterstrich Vizepräsident Nixon z.B. die Bedeutung, die dem Austauschprogramm als solchem mit den afrikanischen Ländern wie auch den
Auswirkungen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet beizumessen ist.
Wenn wir daher überzeugt sind - und keiner von uns zweifelt daran -,
daß unsere Lebensform wahrhaftig, die der Kommunisten aber verlogen ist,
dann bin ich überzeugt, daß ein lebhaftes und erfolgreiches Austauschprogramm, das die amerikanische Lebensform und die der freien Welt zu
vermitteln vermag, in dem ständigen Ringen um Gefolgschaft eine absolute
Notwendigkeit ist.
* * * * *

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MURPHY: WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS, EIN
ECKPFEILER DES FRIEDENS

BOULDER (Colorado) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die
der stellvertretende Staatssekretär im USAußenministerium, Robert D. Murphy, anläßlich
der zehnten, von der Universität Colorado veranstalteten Jahrestagung über internationale
Angelegenheiten am 4» April in Boulder (Colorado)
gehalten hat.

Die Tagungen der Universität Colorado über internationale Angelegenheiten haben als Institution Berühmtheit erlangt. Hervorragende Vertreter des Auslandes weilen unter uns. Ich habe hier viele Bekannte getroffen, und ich freue mich besonders, daß es auch Botschafter Yang und
Botschafter Facio möglich war, von Washington hierher zu kommen, um an
diesen anregenden Gesprächen teilzunehmen und die Schönheiten von Boulder kennenzulernen.
Ich habe schon immer die US-Luftstreitkräfte um ihre strategische
"Stationierung" in Colorado Springs beneidet. Falls das Außenministerium
eines Tages eine Diplomatenschule einrichten sollte, könnte ich mir keinen schöneren Platz denken als diesen Teil Colorados. Und wir hätten
manche Gelegenheit zu lernen - durch den Kontakt mit den Lehrern dieser großen Universität ebenso wie aus deren Lehrplänen.
Als ich das Programm für diese einwöchige Konferenz überflog, war
ich beeindruckt von der Vielfalt und dem schöpferischen Geist, mit dem
hier aktuellen Problemen zu Leibe gegangen wird. Der Mittlere Osten,
Mitteleuropa und Asien sind Weingärten, in denen wir im Außenministerium uns redlich abmühen. Es wäre gewiß sehr anregend, an Ihren Arbeitsgruppen über "Wirkungsbereich und Aufgaben des schöpferischen Denkens in unserer Zeit" und "Die Krisis im amerikanischen Erziehungswesen"
teilnehmen zu können.

In
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10. April 1957

In Anbetracht des breitangelegten Programms für diese Tagung
halte ich es für nützlich, mit Ihnen einige Grundaspekte unserer
Außenpolitik und einige wichtige Probleme zu erörtern, denen wir
uns heute auf der internationalen Bühne gegenübersehen.
Die Welt steht am Beginn des zweiten Jahrzehnts seit Beendigung des zweiten Weltkrieges. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren eine Menge gelernt. In Europa, Asien und Afrika sind einschneidende Veränderungen vor sich gegangen. Unsere auswärtigen Beziehungen
haben zum mindesten drei wichtige Phasen durchlaufen: im Jahr 1947
war es der Marshall-Plan, in den Jahren 194ö/50 die Berliner Luftbrücke, der kommunistische Angriff in Korea und die Schaffung der
NATO, und im Jahr 1953 die Entscheidung, daß unser nationales Kräftereservoir in unserem Ringen mit dem Weltkommunismus auf einen großen
Zeitraum verteilt werden müsse.
In unseren Planungen für das kommende Jahrzehnt müssen wir die be
stimmenden Kräfte und Trends, die am Werke sind, klar erkennen und
verstehen. Dann müssen wir sicherstellen, daß unsere politischen Maßnahmen so berechnet sind, um mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln
diese Kräfte so sinnvoll wie nur irgend möglich ansetzen zu können.
Wir müssen uns darüber klar sein, daß unsere Mittel nicht ausreichen,
um diesen Kräften ein "Halt" entgegenzusetzen oder sie in ihr Gegenteil zu verkehren; unser Ziel muß es vielmehr sein, sie in bestimmte
Kanäle zu lenken, sie eventuell auch abzulenken und so zu dirigieren,
daß sie mit unseren Interessen vereinbar sind.
Zum mindesten drei dieser Kräfte und Trends sind von überragender
Bedeutung - die feindselige Sowjetmacht, die rasch voranschreitende
militärisch-technische Entwicklung und der Aufbruch der Völker Asiens
und Afrikas. Diese Kräfte verdienen in den kommenden Jahren unsere
allergrößte Aufmerksamkeit.
Die größte Bedrohung unserer Sicherheit wie auch der Sicherheit
der anderen freien Nationen liegt in der feindseligen Haltung und
Stärke des internationalen Kommunismus. Es ist unser Bestreben, dieser
Bedrohung zu begegnen, ohne fundamentale Werte und Institutionen der
amerikanischen Tradition zu zerstören oder der amerikanischen Wirtschaft zu schaden.
Der kommunistische Block verfügt über ein wohlausgewogenes militärisches Aufgebot, das von sehr umfangreichen bewaffneten Streitkräften bis zu einem beträchtlichen Arsenal an Kernwaffen und modernen
Abschußbasen reicht. Seine Ideologie ist kompromißlos feindselig. In
den Händen einiger weniger konzentriert sich die absolute politische
Macht. Er wendet auch weiterhin einen hohen Prozentsatz seiner Hilfsquellen für die Entwicklung militärischer Stärke und den Ausbau der
Schwerindustrie auf.
Gleichzeitig sehen sich die sowjetischen Machthaber sowohl innenals auch außenpolitisch einem starken Druck ausgesetzt, der nach Änderungen und einer Lockerung der straffen Kontrollen verlangt. Das

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10. April 1957

Das Entstalinisierungsprogramm - die gärende, treibende Kraft bei
der sowjetischen Intelligenz und den Repräsentanten der Kultur wie auch die Vorgänge in den Satellitenlähdern reflektieren alle
diesen Druck und die Bemühungen der sowjetischen Führung, ihm
nachzugeben.
Die erstaunliche Entwicklung der Kriegstechnik läßt sich durch
ein paar konkrete, harte Tatsachen aufzeigen. Fachleute haben eine
eingehende Untersuchung der Zunahme der Zerstörungskraft seit der
Erfindung des Schießpulvers vorgenommen. Der von ihnen als "Explosivkraft-Index" bezeichnete Faktor ist vom Wert eine im Mittelalter
auf den Wert acht am Vorabend von Hiroshima angewachsen. Dieses Verhältnis ist dann buchstäblich über Nacht auf 1 : 10 000 emporgeschnellt.
Mit der Entwicklung der Wasserstoffbombe erreichte es 10 000 000. Die
militärische Zerstörungskraft hat sich somit, vergleicht man sie mit
dem Stand-von 1945 vor dem Abwurf der ersten Atombombe, um den Faktor 1 000 000 vervielfacht. Mit der Entwicklung der Fernlenkwaffen
steht überdies die Möglichkeit, diese furchtbare zerstörerische Kraft
zur Anwendung zu bringen, an der Schwelle einer atemberaubenden Potenz ierung.
Der Aufbruch der jungen Staaten Asiens und Afrikas ist ein verheißungsvoller Zug in den Entwicklungen der Nachkriegszeit. Seit dem
Ende des Krieges haben 19 junge Staaten mit einer Gesamtbevölkerung
von über 700 Millionen Menschen ihre Unabhängigkeit erlangt. Und schon
in den nächsten Jahren werden es noch eine ganze Reihe mehr sein. Diese
Nationen sind durchdrungen von Patriotismus und dem Wunsch nach wirtschaftlichem Fortschritt. Sie möchten ihre Länder möglichst"schnell
in moderne Staatsgebilde umwandeln. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, sind tatsächlich ungewöhnlich
groß, da in den jungen Staaten - pro Kopf der Bevölkerung gerechnet durchschnittlich nur über etwa den zehnten Teil des Sozialproduktes
der fortgeschrittenen Länder verfügt wird. Moskau und Peking versuchen nun, diese jungen Nationen für ihre eigenen Interessen auszunutzen, sie auf falsche Ziele zu lenken und ihr Mißtrauen gegenüber
den sogenannten Kolonialmächten zu nähren.
In gewisser Hinsicht wird sich unser Staat in dem vor uns liegenden Jahrzehnt wesentlich anderen Aufgaben und Anforderungen gegenübersehen als in den vergangenen zehn Jahren. Doch die grundsätzlichen Gesichtspunkte der amerikanischen Politik werden auch in Zukunft die gleichen bleiben und auf die gleichen Ziele gerichtet sein.
Zunächst einmal müssen wir selbst stark bleiben, da unsere Stärke
für die freie Welt von wesentlicher Bedeutung ist.
Zweitens müssen wir unsere Bündnisse stark und einsatzfähig erhalten, und zwar aus Gründen, die sowohl mit den geistigen Zielen unseres Volkes als auch mit den strategischen Erfordernissen dieses
technischen Zeitalters im Einklang stehen.
Und

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10. April 1957

Und schließlich müssen wir auf eine enge Verbindung und Zusammenarbeit zwischen denjenigen Ländern, die sich keinem der beiden großen Machtblöcke angeschlossen haben, und den jungen Nationen
mit der aktiven Gemeinschaft der freien Welt hinwirken, damit der
Bereich der Freiheit größer, nicht aber kleiner werde.
Diese drei grundsätzlichen Aufgaben sind konstante Ziele der
amerikanischen Politik seit Ende des zweiten Weltkrieges gewesen.
Sie waren zehn Jahre lang die dominierende Kraft in all unseren Bemühungen seit jener kurzen Zeitspanne, in der wir große Hoffnungen
in eine ehrliche Zusammenarbeit mit der Sowjetunion setzten, die
dann an der ehrgeizigen stalinistischen Expansionspolitik scheiterten. Sie waren charakteristisch für die Zeit bis zum offenen Ausbruch des kalten Krieges - für das Programm zur Unterstützung Griechenlands, das Auslandshilfsprogramm und die Gründung der NATO. Sie
kennzeichneten die Jahre des heißen Krieges in Korea und Indochina
und die immer neuen Krisen im Fernen Osten. Sie lagen der weiten
Entwicklung der großen kollektiven Sicherheitssysteme ebenso zugrunde
wie unseren Verhandlungzielen mit den auf Stalin folgenden Führern
der kommunistischen Welt.
Unter dem Gesichtspunkt der Erfordernisse unserer nationalen
Strategie, auf die Kräfte und Entwicklungen, die in der Welt am Werke
sind, Einfluß zu nehmen, lohnt es sich vielleicht,einen Blick auf die
für die internationale Politik wichtigsten Räume zu werfen.
Europa ist der Raum, an den wir geschichtlich die engsten Bindungen haben. Die meisten unserer Grundkonzeptionen sind Produkte europäischen Geistes. Unsere sozialen Institutionen, die bei uns vorherrschenden Glaubensrichtungen und unser Kulturerbe haben Europäer nach
Amerika gebracht, deren Nachkommen heute den Großteil unserer Bevölkerung bilden.
Man kann wohl behaupten, daß die Vereinigten Staaten in Friedenszeiten noch nie enger mit Europa verbunden gewesen sind als heute.
Gemeinsam mit ihren Verbündeten stehen amerikanische Truppen bereit,
das freie Europa zu verteidigen. Die Handelsbeziehungen, die wir mit
Westeuropa unterhalten, haben einen noch nie dagewesenen Höchststand
erreicht. Wie nie zuvor in der Geschichte war der Gedankenaustausch
mit unseren europäischen Freunden über politische Fragen so lebhaft
wie in den letzten paar Jahren. Die kürzlich in Bermuda erfolgreich
abgeschlossene Konferenz bietet ein gutes Beispiel für diese Konsultationen mit einem unserer wichtigsten Verbündeten. Als Folge einer
vor kurzem getroffenen Entscheidung bildet der Nordatlantikrat für
seine 15 Mitgliedstaaten eines der wichtigsten Foren für den Gedankenaustausch über politische Probleme, wie er auch ein hervorragendes
Beispiel für kollektive Verteidigungsanstrengungen bietet. Es entspricht
ganz der Absicht der Vereinigten Staaten, ebenso wie ihrer Verbündeter,
die NATO in Zukunft als geeignetes Forum für eine fruchtbare Erörterung
internationaler Probleme weiter zu stärken.
In

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10. April 1957

In Westeuropa sind Schritte unternommen und Abkommen abgeschlossen worden, die noch vor zehn Jahren auf Ablehnung gestoßen und als
phantastisch abgetan worden wären. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Diese beiden Länder arbeiten heute in der Montanunion sowie als Mitglieder der NATO
im Interesse ihrer gemeinsamen Verteidigung zusammen, und es ist ihnen gelungen, auf freundschaftlicher Basis die äußerst schwierige
Saarfrage zu regeln. Vor kurzem erst haben sie sich zusammengetan, um
gemeinsam mit anderen Nationen ein Abkommen über die Europäische
Atomgemeinschaft und den Gemeinsamen Markt abzuschließen.
Diese beiden Abkommen, über die kürzlich viel in der Presse
berichtet wurde, möchte ich hier kurz erörtern.
Der Begriff "Gemeinsamer Markt" umfaßt ein Abkommen, das vor
kurzem zwischen Belgien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland,
Italien, Luxemburg und den Niederlanden abgeschlossen wurde. Damit
ist im wesentlichen die Beseitigung der zwischen diesen Ländern bestehenden Handelsschranken und die Errichtung eines gemeinsamen
Zollsystems gegenüber Ländern verbunden, die dem Gemeinsamen Markt
nicht angehören. Großbritannien hat dem Wunsch. Ausdruck gegeben, sich
im Rahmen einer Freihandelszone diesem Gemeinsamen Markt anzuschließen.
Die Unterstützung der europäischen Vorschläge über die Schaffung
eines Gemeinsamen Marktes und einer Freihandelszone seitens der Vereinigten Staaten beruht auf zwei Grundsätzen, von denen die amerikanische Politik seit jeher bestimmt wird} Förderung jeder Initiative
und Maßnahme zur Erhöhung der politischen und wirtschaftlichen Stärke
und der Integration Westeuropas innerhalb einer stetig sich ausweitenden atlantischen Gemeinschaft, und die traditionelle Bereitschaft
zur Förderung jeden Fortschritts in Richtung auf einen freien, multilateralen Handel ohne jegliche Diskriminierung sowie auf eine freie
Konvertierbarkeit der Währungen.
Die Europäische Atomgemeinschaft - Euratom - soll die technischen und industriellen Hilfsquellen Europas zur Erzeugung von Atomkraftstrom erschließen, um den steigenden Energiebedarf dieses Gebiets zu decken. Gleichzeitig würde diese Gemeinschaft eine politische
Einheit darstellen, die in der Lage und fähig ist, die erforderlichen
Sicherheitsmaßnahmen zu treffen und umfassende und praktisch durchführbare Abmachungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten zu
treffen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten begrüßt diese Initiative,
die eine kühne und mannigfaltige Anwendung der Kernenergie ermöglicht,.
und wir erwarten eine tätige Verbindung mit der Europäischen Atomgemeinschaft .
Was Osteuropa betrifft, so haben im letzten Jahr dort aufsehenerregende Ereignisse stattgefunden.
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"AMERIKA DIENST"

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Es kann gar kein' Zweifel darüber bestehen, daß die Geschehnisse
in Ungarn im Oktober und November vergangenen Jahres den Kreml vor
ernste und schwere Probleme stellten. Damit waren die sowjetischen
Herrscher vor die Wahl gestellt, entweder die von ihnen gegebenen
Versprechungen zu erfüllen oder mit brutalen Mitteln ihr Kolonialreich zu erhalten. Sie wählten das letztere. Eiligst wurden Truppenverstärkungen nach Ungarn geworfen, und innerhalb eines Monats blutiger Kämpfe wurden die Ungarn mit Zustimmung einer von Janos Kadar geführten Marionettenregierung wieder in die Knie gezwungen. Damit aber
waren sowohl die kommunistische Ideologie als auch die kommunistischen
Methoden in der ganzen Welt diskreditiert. Denn die Sowjets haben mit
ihrer Beschuldigung, daß es sich um "eine von amerikanischen und anderen westlichen Agenten angezettelte Konterrevolution" handle, außerhalb des sowjetischen Machtbereichs niemanden und innerhalb der Grenzen dieses Machtbereichs wohl nur sehr wenige irreleiten können.
Haben die Ereignisse in Ungarn nun zu einer Rückkehr der Sowjets
zu ihrer harten Politik geführt? Diese Frage läßt sich bisher noch
nicht mit Sicherheit beantworten. Immerhin gibt es einige Anhaltspunkte.
Dazu gehört die gegenüber Großbritannien, Norwegen und Dänemark ausgesprochene Drohung einer Vergeltung mit Atomwaffen. Weiter die zornigen
Ermahnungen gegenüber Schweden und Finnland, wie sie sich zu verhalten
haben, wenn sie es vermeiden wollen, mit den Sowjets in Feindschaft
zu geraten. Und drittens die Ablehnung der Theorie von "den vielen
Wegen zum Sozialismus" seitens der Sowjets und der Satellitenländer.
Hingegen hören wir in zunehmendem Maße, daß es nur einen einzigen
Weg gebe, daß so etwas wie "Nationalkommunismus" nicht existiere und
daß alle kommunistischen Länder (die gesamte kommunistische Bewegung)
"unter der großen Führung der Sowjetunion stehen müsse". Und schließlich erleben wir die immer schärfer werdenden Unterdrückungsmaßnahmen
in Ungarn ja in allen von den Sowjets besetzten Ländern. Jugoslawien,
die Geburtsstätte des "Nationalkommunismus", scheint abermals kurz vor
seiner Exkommunikation als Ketzer zu stehen.
Gomulka in Polen führt einen äußerst heiklen Balanceakt durch, der
vielleicht sein Bestreben veranschaulicht, seine Experimente durch das
nötige Maß an kommunistischer Orthodoxie auszugleichen. Polens wirtschaftliche Lage ist äußerst angespannt, und die polnische Regierung
bemüht sich um eine Milderung der Not, indem sie Verhandlungen mit verschiedenen westlichen Ländern aufgenommen hat.
Präsident Eisenhower hat die Haltung der Vereinigten Staaten wie
folgt umrissen:
"Wir ehren die Bemühungen jener Nationen, die unter dem Joch nach
Freiheit verlangen. Wir erstreben weder ein militärisches Bündnis mit
ihnen noch eine künstliche Nachahmung unserer Gesellschaftsform durch
sie. Und sie können einer herzlichen Aufnahme gewiß sein, wenn sie,
wie es eines Tages kommen muß, wieder in die Reihen der freien Völker
zurückkehren.
Und

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Und wir ehren auch in dieser geteilten Welt, nicht weniger als
wir dies in weniger schrecklichen Zeiten tun, das russische Volk. Wir
fürchten die Fortschritte nicht, die es auf den Gebieten des Wissens
und der industriellen Entwicklung macht - ja wir begrüßen sie vielmehr.
Wir wünschen ihm, daß seine Forderungen nach größerer geistiger Freiheit, größerer Rechtssicherheit, nach einem reicheren Genuß der Früchte
seiner Arbeit, von Erfolg gekrönt sein mögen. Denn je mehr diese Dinge
sich verwirklichen, um so sicherer wird auch der Tag kommen, an dem
unsere beiden Völker einander in Freundschaft entgegentreten."
In jeder Diskussion über die von den Sowjets besetzten Gebiete
gebührt Deutschland besondere Aufmerksamkeit. In der Ostzone werden
17 Millionen Deutsche immer noch gegen ihren Willen durch die sowjetische Armee und eine von Moskau gelenkte Marionettenregierung in Unfreiheit gehalten. So wie die Ungarn haben auch diese Deutschen ihre
bitteren Erfahrungen mit sowjetischen Panzern und Waffen gemacht. Sie
und ihre Brüder in der Bundesrepublik wünschen ein freies, wiedervereinigtes Deutschland mit einer auf freien Wahlen gegründeten Regierung.
Seit Jahren schon drängen die Vereinigten Staaten darauf, daß ihnen
diese Möglichkeit geboten werde. Gemeinsam mit den anderen unmittelbar
interessierten Ländern werden die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen
um die Wiedervereinigung Deutschlands weiterhin fortsetzen. Wir sind
überzeugt, daß dies einer der Eckpfeiler ist, auf dem der Friede in
Europa ruht.
Ein anderes Gebiet, das Anlaß zu ernster Besorgnis gibt, ist der
Mittlere Osten. Obgleich die Vereinten Nationen in der Beseitigung der
Gefahren, die den Weltfrieden bedrohten, erhebliche Fortschritte erzielten, ist in der Behebung der grundlegenden Ursachen, die zum Ausbruch der Feindseligkeiten führten, bisher nur wenig Positives erzielt
worden.
Die beiden ungelösten Probleme, die zu der Explosion im vergangenen Oktober und November geführt haben, sind die arabisch-israelische
Frage und das Problem des Suez-Kanals.
Die Geschichte der arabisch-israelischen Frage in den sieben Jahren
zwischen 1949 u nd 1956 ist ein trauriges Kapitel der Nichtbeachtung von
Beschlüssen der Vereinten Nationen und beiderseitigen Verletzungen des
Waffenstillstandsabkommens. Die Araber waren verstimmt und fühlten sich
betrogen, besonders im Hinblick auf die Tatsache, daß etwa 900 000 ihrer
arabischen Brüder Heimat und Eigentum verloren haben und als Flüchtlinge in Lagern entlang der Grenze des neuen Staates Israel ein erbärmliches Dasein fristen. Die Israelis andererseits waren enttäuscht und
verzweifelt darüber, daß es ihnen nicht gelang, die Anerkennung ihrer
Nachbarn zu erlangen oder mit ihnen die Handels- und Verkehrsverbindungen herzustellen, die allein ihnen eine sichere Zukunft garantieren
konnten.
Die

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Die Ereignisse im letzten Oktober und November ließen bei den
Mitgliedern der Vereinten Nationen die Entschlossenheit reifen, den
Ursachen, die eine Lösung des Problems bisher verhindert hatten, bis
an die Wurzel nachzugehen. Dieser Entschluß wurde ohne Zweifel irgendwie aus der Erkenntnis heraus geboren, daß die Bedrohung des Weltfriedens durch die mit Explosivstoff geladene Situation bisher nicht genügend beachtet und nicht fester auf die Befolgung der UN-Beschlüsse
bestanden worden sei.
In ähnlicher V/eise ist die Suezkanalfrage nach einer entmutigenden Geschichte von Provokationen und Gegenprovokationen, die die
Aussichten für eine Lösung verringert hatten, vor die Vereinten Nationen gebracht worden. Unter der Ägide der Vereinten Nationen einigte
man sich am 13« Oktober im Weltsicherheitsrat auf sechs Grundsätze,
die von den am meisten betroffenen Parteien, den Briten, Franzosen
und Ägyptern,als Basis für eine gerechte Lösung ausgearbeitet worden
waren. Die Ereignisse im November zerstörten gleichfalls den Versuch,
die Entwicklung in geordnete Bahnen zu lenken; zur Zeit aber ist die
Situation wieder so, daß wir annehmen, dieses Problem nunmehr auf
dem Verhandlungswege angehen zu können.
Im Laufe der Monate unmittelbar nach dem Ausbruch der Unruhen
im Oktober-November wurde klar, daß im ganzen gesehen im Hinblick
auf dieses Gebiet noch eine weitere Schwierigkeit besteht. Das unverantwortliche und rücksichtslose Verhalten der Sowjetunion, die in
diesem Streit um des politischen Vorteils willen mit einseitiger
Intervention drohte, ließ klar erkennen, daß die zersetzende und umstürzlerische Tätigkeit der Sowjetunion alle Bemühungen um Stabilität
und Ruhe in diesem Gebiet zunichte machen würde, wenn es nicht mit
einer Art Schutzschild versehen würde.
Da die Vereinten Nationen nicht in der Lage sind, sich mit diesem letzten Problem zu befassen, hat die Regierung der Vereinigten
Staaten eine Doktrin für den Mittleren Osten formuliert, die der
Präsident dem Kongreß am 5» Januar dieses Jahres vorgelegt hat. Ihr
Ziel ist, den Ländern dieses Gebiets, die es wünschen, wirtschaftliche
und militärische Hilfe zu gewähren, um so in Zusammenarbeit mit den
Vereinigten Staaten die sowjetischen Eingriffe abzuwehren und die
wirtschaftliche Stabilität und die innere Sicherheit sowie eine angemessene nationale Selbstverteidigung zu fördern, die diesen Staaten
mehr Selbstvertrauen und ein größeres Sicherheitsgefühl geben könnten.
Die Regierung der Vereinigten Staaten unterrichtete die Sowjetunion und die Welt davon, daß wir unsere militärische Kraft gebrauchen
würden, um eine offene Aggression gegen einen der Staaten in diesem
Gebiet der unsere Hilfe wünscht, zu verhindern oder abzuwehren. Dieses Programm wird von einer US-Mission durchgeführt, die unter der
fähigen Leitung von Botschafter Richards, dem früheren Kongreßabgeordneten aus Süd-Karolina und Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses im Repräsentantenhaus, steht, der nun die Länder in diesem
Gebiet besucht. Seine Bemühungen in diesem Gebiet Stabilität und
Ruhe einkehren zu lassen - von denen wir glauben, daß sie wesentliche

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wesentliche Friedensgarantien sind - machen gute Fortschritte.
In ihrem weiteren Bemühen, das Gebiet des Mittleren Ostens gegen
einen möglichen Angriff zu verteidigen, gaben die Vereinigten Staaten
kürzlich ihre Bereitschaft bekannt, sich an der Arbeit des Militärausschusses der fünf im Bagdad-Pakt zusammengeschlossenen Mächte zu
beteiligen. Diese Aktion findet statt im Rahmen einer vom Kongreß
am 9« März gebilligten gemeinsamen Resolution.
Unsere Erfahrungen, die wir im Fernen Osten gemacht haben, geben
uns weiteres Vertrauen in die kollektive Sicherheit als wirksames Mittel gegen Aggression und Krieg. Unter dem Druck der offenen Aggression
durch die chinesischen Kommunisten, die von der Sowjetunion unterstützt
wurden, hat sich die kollektive Verteidigungsmaschinerie in diesem Gebiet schnell und schlagkräftig entwickelt.
Die vor kurzem stattgefundene Konferenz der SEATO in Canberra stand
im Zeichen der kollektiven Verteidigung im Fernen Osten.
Die dort vertretenen acht Länder waren einstimmig der Ansicht, daß
ihre Verbindung zum Zwecke des Widerstandes gegen die kommunistische
Bedrohung sich sowohl als ein wirkungsvolles Abschreckungsmittel als
auch als eine wirkliche Kraft des Friedens und der Sicherheit in diesem
Gebiet erwiesen habe. So verbuchte der Rat zum Beispiel als Positivum
die nationale Entwicklung von neuen asiatischen Staaten, wie etwa die
Republik Vietnam, und die in Aussicht stehende Unabhängigkeit für Malaya.
Wie Außenminister Dulles feststellte, hat die zunehmende Stärke
und Einigkeit und der eindeutig bekundete Widerstandswille es den chinesischen Kommunisten nicht ratsam erscheinen lassen, weiterhin Gewaltmethoden zur Erreichung ihrer Ziele anzuwenden.
Wohl dürfen die Erfolge der SEATO und anderer kollektiver Sicherheitsabkommen wie des ANZUS-Paktes (durch den wir mit Australien und
Neuseeland verbündet sind) und unserer bilateralen Abkommen mit der
Republik Korea, mit Japan, Nationalchina und den Philippinen uns zuversichtlich stimmen, doch dürfen wir uns damit keinesfalls zufriedengeben.
Die Unterstützung des sowjetischen Vorgehens in Ungarn durch die
chinesischen Kommunisten und ihre ständige Herausforderung der Vereinten'
Nationen können ernste Folgen für die freien Nationen Asiens mit sich
bringen. Die Gefahr einer offenen Aggression liegt nach wie vor wie ein
Schatten über dem Fernen Osten, und die freien Nationen haben keine andere Wahl, als ihre militärische Stärke auf nationaler und kollektiver
Basis aufrechtzuerhalten.
Es steht außer Frage, daß die Kommunisten die Kontrolle über ganz
Asien weiterhin als eines ihrer vornehmlichsten Ziele auf dem Wege zur
Weltherrschaft betrachten, und an allen Fronten stoßen sie immer weiter
vor, indem sie mit einer Mischung aus subversiver Tätigkeit, Handelsund Hilfeangeboten, Kulturaustausch und Drohungen arbeiten^ wie immer
sind sie eifrig dabei den Mantel nach dem Wind zu drehen.
Während

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Während sie ihre Streitkräfte in Nordkorea unter Verletzung
ihrer Waffenstillstandsverpflichtungen verstärken, bemühen sie sich
mit lächelndem Gesicht und ausgestreckter Hand um Japan, das, wie
sie wissen, dringend darauf angewiesen ist, seinen Handel auszubauen
und der Versorgung des Landes eine breitere Grundlage zu geben.
Während sie die militärischen Kräfte der Vietminh in Nordvietnam
stärken und die Herausforderung der königlichen Regierung von Laos
durch die Pathet-Laos-Bewegung unterstützen, bieten sie dem benachbarten Kambodscha Hilfe und technische Unterstützung an. 'Während sie
immer wieder drohen, Formosa notfalls mit Gewalt zu nehmen, sprechen
sie behaglich von Frieden und Freundschaft.
Die Sicherheit unseres Landes hängt davon ab, daß wir dieser
Taktik gegenüber wachsam bleiben, wo immer sie angewandt wird, und
vor allem, daß wir geeint und stark bleiben. Wir unterstützen jene
Nationen Asiens, die unsere Hilfe wünschen, oder werden sie unterstützen.
Dies geschieht durch Stärkung ihrer Hilfsquellen und ihrer Stabilität,
so daß sie dem Ansturm des Kommunismus begegnen und die Abwehrkraft der
freien Welt stärken können.
Es ist klar, daß die Völker Asiens und Afrikas eine Zeit revolutionären Wandels durchmachen. Das Streben nach wirtschaftlicher Entwicklung und einem besseren Leben ist weit verbreitet und stark. Wohl
werden viele Elemente die Zukunft dieser Nationen beeinflussen, einer
der entscheidenden Faktoren ihrer Stabilität und gesicherten Freiheit
aber wird es sein, wieweit ihr Wunsch nach wirtschaftlicher Entwicklung
sich der Erfüllung nähert.
Es kann jedoch kein Zweifel darüber bestehen, daß die Förderung
des wirtschaftlichen Aufbaus in jenen Ländern, die Unterstützung brauchen, eine nützliche Verwendung amerikanischer Mittel im Interesse unseres eigenen Landes ist. Ich darf vielleicht auf Indien als prominentes Beispiel hinweisen, und zwar als Beispiel eines Landes, dessen Wettlauf mit Rotchina um die wirtschaftliche Entwicklung wichtige Folgerungen für uns hat.
Wir können insofern einen Anreiz für eine gesunde Entwicklung
bieten, daß die Geldmittel kontinuierlich und in Anpassung an die jeweilige Lage verfügbar gemacht werden. Wenn es möglich ist, unter den
von uns unterstützten Projekten eine schärfere Auswahl zu treffen und
die besten von ihnen laufend zu unterstützen, so können wir die um
Unterstützung Nachsuchenden dazu bringen, die bestmöglichen Projekte
zu entwerfen. Außerdem können wir den Empfängerländern bei der Entwicklung besserer Projekte behilflich sein und gleichzeitig die private
Investitionstätigkeit anregen, wenn wir nicht nur bei der Durchführung
von Programmen, sondern auch bei deren Ausarbeitung unsere technische
Unterstützung zur Verfügung stellen.
Wir

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Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß der Kongreß in diesem
Frühjahr die Auslandshilfe scharf unter die Lupe nehmen wird. Das ist
gut so, und wir hoffen, daß die gegenwärtig angestellten Untersuchungen
eine bessere Durchführung unserer Auslandshilfe ermöglichen werden.
Der kürzlich veröffentlichte Bericht des Beratungsausschusses des Präsidenten unter dem Vorsitz von Benjamin Pairless bestätigte weitgehendi
die Ansicht, daß unsere allgemeinen Auslandshilfeprogramme notwendig
und nutzbringend sind.
Hier in unserer westlichen Hemisphäre geben die amerikanischen
Republiken der übrigen Welt ein Vorbild für internationale Zusammenarbeit. Die Stärke und Kameradschaft der Organisation der Amerikanischen Republiken (OAS), die sich aus den Vereinigten Staaten und den
20 benachbarten Republiken zusammensetzt, ist nicht nur eine hemisphärische, sondern eine globale Macht. Die Unterstützung, die der freien
Welt von den amerikanischen Völkern und ihren Regierungen gewährt wird,
ist - das ist eine reale Tatsache - ein unerlässliches Bollwerk des
Friedens, das wir um keinen Preis mehr aufgeben.
Die Organisation der Amerikanischen Republiken bildet den Rahmen
unseres interamerikanischen Systems. Durch sie und in dem größeren Rahmen der Verßinten Nationen suchen die amerikanischen Republiken ihre
gemeinsamen Interessen zu fördern. Wie es in der Panama-Deklaration
heißt, die gemeinsam von den Präsidenten der amerikanischen Republiken
bei ihrem historischen Zusammentreffen im Juli vorigen Jahres herausgegeben wurde, ist es das Ziel der amerikanischen Völker, "eine Kultur
zu schaffen, die dem Begriff der Freiheit des Menschen einen greifbaren Inhalt geben wird."
Eines der unmittelbaren Ergebnisse der Panama-Konferenz war die
Bildung des Interamerikanischen Komitees aus Vertretern der Präsidenten, das Methoden zur Bekämpfung von Armut, Krankheit und Unwissenheit
in der gesamten Hemisphäre studieren und der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) auf wirtschaftlichem, finanziellem, sozialem und
technischem Gebiet Empfehlungen unterbreiten wird.
Geographie, Geschichte,und Wirtschaft haben die individuell unabhängigen Völker dieser Hemisphäre kollektiv voneinander abhängig gemacht. Unsere 21 Republiken haben eine Gesamtbevölkerung von über
380 Millionen Menschen in einem Gebiet von etwa 28 490 000 Quadratkilometer. Südamerika hat, übrigens, die am schnellsten wachsende Bevölkerung, der Erde: 2,5 Prozent jährlich gegenüber der durchschnittlichen Zuwachsrate der Erdbevölkerung von 1 Prozent.
Es liegt auf der Hand, daß unsere wirtschaftlichen Beziehungen
zu diesem Gebiet, das sowohl hinsichtlich seiner Bevölkerung als auch
territorial gewaltige Ausmaße besitzt, notwendigerweise einen der
Hauptfaktoren sowohl unserer als auch seiner Wirtschaft darstellen.
Etwa ein Fünftel unseres Exports geht nach Lateinamerika. Und wir
erhalten von Lateinamerika ungefähr ein Fünftel dessen, was wir insgesamt importieren. Wir versorgen die lateinamerikanischen Republiken
mit zirka 47 Prozent ihrer Importe und übernehmen 43$ ihres Exports.
In
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10. April 1957

In anderen Worten heißt das, daß rund 44$ des lateinamerikanischen
Handels über uns gehen. Das private Unternehmertum der Vereinigten
Staaten beweist gegenwärtig seinen Glauben an die Zukunft Lateinamerikas durch Direktinvestitionen von annähernd 7 Milliarden Dollar.
Die Auswirkungen dieses starken Kapitalzustroms spiegeln sich in der
gesamten Entwicklung der Hemisphäre wider: im höheren Lebensstandard,
in dem verbesserten Gesundheits- und Erziehungswesen, in der vielschichtigen Struktur der Landwirtschaft, in der erhöhten Industrialisierung und in den immer reicheraa Lebensmöglichkeiten.
Die jüngsten Monate haben eindringlich bewiesen, welch ein wertvolles Instrument zur Förderung des Rechtsgedankens in den Beziehungen
der Völker untereinander die Vereinten Nationen darstellen. Wir haben
erlebt, wie sehr dem Frieden gedient wird, wenn die Länder die Ansichten der Vereinten Nationen achten und stützen, besonders dann, wenn
eine überwältigende Übereinstimmung hinsichtlich konstruktiver Maßnahmen besteht. Meine Regierung verfolgt die Politik, die Vereinten
Nationen bei ihrer legitimen Aufgabe, den Weltfrieden durch Gerechtigkeit zu fördern, zu stärken.
In den jüngsten außerordentlichen Sitzungen der Generalversammlung und der regulären elften Sitzungsperiode haben sich neue Ausblicke für die Tätigkeit der Vereinten Nationen eröffnet und neue
Kraftquellen für sie erschlossen. Im Mittleren Osten wurde die Feuereinstellung und die Rückziehung der Truppen aus dem Kampfgebiet erreicht.
Die Aufstellung und der Einsatz der UN-Streitkräfte stellt ein in der
Geschichte der Menschheit bisher einmaliges Ereignis dar.

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W1./17.4.1957
AUSSENMINISTER DULLES. FORDERT SCHAFFUNG EINES ANLEIHEFONDS

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung, die
der US-Außenminister John Foster Dulles am
8. April 1957 vor dem Sonderausschuß des
amerikanischen Senats für das US-Auslandshilfeprogramm abgegeben hat und in der er
die Schaffung eines neuen Anleihefonds forderte, aus dem den Ländern der freien Welt
Mittel für den Aufbau ihrer Volkswirtschaften
zur Verfügung gestellt werden sollen.

Ich freue mich, der Aufforderung des Ausschusses nachzukommen,
um mit Ihnen gewisse Aspekte des Programms für gemeinsame Sicherheit
zu diskutieren.
Bevor ich mich den besonderen Fragen zuwende, möchte ich vorangehend den fundamentalen Zweck herausstellen, dem, wie ich glaube,
dieses Gesetz dienen soll. Diese Ziele geben dabei die beste Anleitung für die Entscheidung, welche Form das Gesetz haben sollte.
Diese Überlegungen sind!

Die Sicherheit und der Wohlstand der Vereinigten Staaten sind
auf das engste mit dem Fortbestand der Sicherheit und des Wohlergehens von anderen freien Völkern verbunden. Die Entwicklung in
internationalen politischen Angelegenheiten, im Wirtschaftsleben
und am meisten von allen in der militärischen Technik bindet unser
Schicksal noch enger an das der anderen Mitglieder in der Gemeinschaft der freien Völker. Unsere Politik muß diese fundamentale
Tatsache widerspiegeln. Wenn das nicht der Fall ist, dann werden
wir uns einer Gefahr gegenübersehen, wie wir sie noch niemals gekannt haben.
Zur

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

17. April 1957

Zur Begegnung dieser Gefahr haben wir zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die ineinandergreifen und sich gegenseitig stärken. Vielleicht
ist das auch die Ursache, daß sie etwas verwirrend geworden sind.
Man kann
Programms zur
Möglichkeiten
Ansichten des

vom Kongreß nur dann die Unterstützung eines ständigen
Schaffung von Sicherheit, Stärke und wirtschaftlichen
in Übersee erwarten, wenn dieses den grundsätzlichen
amerikanischen Volkes entspricht.

Ein Gesetz wie das vorliegende, das für das Wohlergehen des
amerikanischen Volkes so lebenswichtig ist, sollte eine Form haben,
die allen verständlich ist und vor allen mit Überzeugung unterstützt
werden kann.
II
Die Gewährleistung der Sicherheit des Volkes ist die erste Aufgabe der Regierung. Das ist ein Aspekt, und zwar ein Hauptaspekt,
unserer Außenpolitik.
Wir sind bemüht, unter den freien Völkern eine gemeinsame Verteidigung aufzubauen, die größere Sicherheit bieten wird, als sie
von einem Volk allein erlangt werden kann.
Der Begriff einer "gemeinsamen Verteidigung" ist unserem Volk
nicht fremd. Unser Staat wurde in der Hauptsache zu dem Zweck gegründet, eine gemeinsame Verteidigung zu schaffen, und unsere Verfassung
bezeichnet dieses als eines der Hauptziele.
Dieselben Überlegungen, die unsere Staaten im Jahre 1787 dazu
führten, die Notwendigkeit einer gemeinsamen Verteidigung anzuerkennen,
bewegen heute auch die Völker der freien Welt, eine gemeinsame Verteidigung zu suchen.
Der internationale Kommunismus kontrolliert heute fünfmal mehr
Menschen als in den Vereinigten Staaten leben. Er hat große Möglichkeiten, die modernsten Massenvernichtungsmittel zu schaffen. Er kontrolliert Gebiete, die als Bereitstellungsräume für den Angriff von
weit größerer Mannigfaltigkeit und von viel größerem strategischen
Wert sind als die Gebiete unter der Souveränität der Vereinigten Staaten.
Unter diesen Umständen wäre es eine Torheit, sich nicht um eine
gemeinsame Verteidigung mit anderen Völkern zu bemühen. Diese Torheit würde erlauben, daß immer mehr Menschen, immer mehr natürliche
Hilfsquellen und immer mehr strategisch wichtige Gebiete unter die
Herrschaft derjenigen fallen, die uns und unseren demokratischen
Einrichtungen so feindselig gesonnen sind.
Wir haben viele Verträge und Kongreßbeschlüsse, die proklamieren,
daß es für die Sicherheit und für den Frieden der Vereinigten Staaten
gefährlich wäre, wenn andere freie Völker dem Zugriff des internationalen

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

17. April 1957

internationalen Kommunismus erliegen würden. Wir haben kollektive Verteidigungsverträge mit 42 anderen Staaten geschlossen, und die vor kurzem gebilligte Resolution über den Mittleren Osten erlaubt eine weitere
Ausdehnung des Gebietes für eine gemeinsame Verteidigung.
Auf diesen politischen Grundlagen bauen wir die militärische Verteidigung auf. Andere tragen viel dazu bei. Aber auch wir müssen unseren
Beitrag leisten, wenn das Ganze ausreichend sein soll. Denn viele Staaten sind nicht in der Lage, diejenigen militärischen Einrichtungen zu
unterhalten, die im gemeinsamen Interesse auf ihrem Gebiet bestehen
sollten.
Die gemeinsame Verteidigung, die die Vereinigten Staaten mit anderen Ländern verbindet, nützt nicht nur diesen, sondern auch uns.
Ich darf in diesem Zusammenhang an die Ausführungen des Chefs des
gemeinsamen Stabes der US-Streitkräfte erinnern:
"Das militärische Hilfeprogramm ist ein wesentlicher Bestandteil
des Programms des US-Verteidigungsministeriums, Die Ausgaben in Übersee
zur Unterstützung unserer Bündnisse unterscheiden sich in Zweck, Ziel
und Möglichkeiten nicht von unseren eigenen militärischen Aufwendungen."
Es ist das wohlüberlegte Urteil des Präsidenten und seiner militärischen Berater, daß das System der gemeinsamen Verteidigung, für das
unser militärischer Beistand wichtig ist, gleichfalls das wirksamste
Mittel für die Verteidigung der Vereinigten Staaten darstellt. Dieses
System durch eine Kürzung unseres Beitrages zu schwächen, wäre keine
Ersparnis für die Vereinigten Staaten. Im Gegenteil, das würde ein
weit kos tspieligeres Verteidigungsprogramm hier bei uns daheim erfordern. Selbst dann wären wir weniger sicher.
Unser Volk trägt die militärischen Lasten als eine elementare
Notwendigkeit und nicht aus Machterweiterungsdrang. Ich zweifle nicht,
daß das amerikanische Volk damit fortfahren wird, aus dieser Notwendigkeit heraus das Verteidigungsprogramm der gemeinsamen Sicherheit zu
unterstützen.
III
Die Programme der militärischen Verteidigung allein jedoch können
noch keine Sicherheit dafür bieten, daß die freie Welt unversehrt bleibt.
Auch in Zukunft ist die Freiheit und Unabhängigkeit dort bedroht, wo
gemäßigte Staatsmänner verzweifeln, weil es ihnen nicht gelingt, ihre
Völker aus einer hoffnungslosen Armut und Stagnation herauszuführen.
Dazu sagte Präsident Eisenhower in seiner Rede anläßlich des
Antritts seiner zweiten Amtsperiode:
"Zu viele Gebiete der Erde gibt es, wo Armut, Uneinigkeit und
Gefahren herrschen. Neue Kräfte und neue Nationen, die aufgetaucht
sind und auf der Erde um Einfluß »ringen, haben die Macht, durch ihr

- 3-

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ihr Schicksal für die Zukunft der freien Welt viel Gutes oder viel
Böses zu bringen. Von den Wüsten Nordafrikas bis zu den Inseln des Südpazifiks ist ein Drittel der gesamten Menschheit in die historische Phase
getreten, für eine neue Freiheit zu kämpfen; die Freiheit von bedrükkender Armut. Über alle Kontinente hinweg suchen fast eine Milliarde
Menschen bisweilen verzweifelt danach, sich die beruflichen Fertigkeiten
und das Wissen anzueignen und die Hilfe zu erhalten, durch die sie aus
ihren eigenen Hilfsquellen Nutzen ziehen können und mit denen sie ihre
materiellen Bedürfnisse befriedigen können, die der gesamten Menschheit
gemeinsam sind."
Es liegt in unserem direkten Selbstinteresse, daß diese neuen Staaten in diesem historischen Daseinskampf den Erfolg haben werden, von
dem der Präsident sprach.
Unsere Anteilnahme resultiert aus der historischen Auffassung des
amerikanischen Volkes von seiner Rolle in der Welt.
Das amerikanische Volk glaubt an ein moralisches Gesetz und daran,
daß Menschen und Staaten an dieses Gesetz gebunden sind. George Washington sagte in seiner Abschiedsrede: "Religion und Moral sind unentbehrliche Gebote für unsere freie Regierung. Und von allen Geboten der Moral
und der Religion ist das der Brüderlichkeit eines der wichtigsten."
Daher hat unser Volk auch niemals den Versuch unternommen, Amerika
inmitten einer Weltwüste des menschlichen Elends zu einer Oase des
Wohlstands zu machen.
Ein anderer Punkt unseres Glaubensbekenntnisses ist das Vertrauen
in die Würde und den Wert jeden menschlichen Lebens. Alle Menschen, so
sagt unsere Unabhängigkeitserklärung, haben die unveräußerlichen Rechte
auf ein Leben in Freiheit und auf ein Streben nach Glück.
Aus diesem Grunde hassen wir ein System, das die Menschen lediglich wie Objekte behandelt, als ob sie Zahnräder einer überdimensionalen
Staatsmaschinerie wären. Daher fordern wir die Freiheit für alle Menschen, und deshalb sind wir bereit, die Freiheit zu verteidigen, wo sie
erhalten blieb, und darum wollen wir sie dort wiederhergestellt sehen,
wo sie verloren gegangen ist.
Die Gründer unseres Staates betrachteten ihre Aufgabe nicht als
selbstsüchtiges Unternehmen. Sie hatten den Mut, ihre Prinzipien in
die Welt zu tragen. Was sie taten, wurde in der Welt als das "große
amerikanische Experiment" bekannt. Abraham Lincoln sagte von unserer
Unabhängigkeitserklärung, sie bedeute "nicht nur Freiheit für unser
Volk, sondern auch Hoffnung für die Welt für alle Zukunft. Sie gibt
die Hoffnung, daß zu gegebener Zeit die Lasten von den Schultern aller
Menschen genommen werden."
Wir

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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Wir stehen immer noch zu dieser Interpretation unserer Aufgabe
und sind daher darauf bedacht, daß andere Länder und andere Völker
die Segnungen der Freiheit kennenlernen - sollen.

IV
Daraus sollten wir, so glaube ich, erkennen, daß das sogenannte
Programm für gemeinsame Sicherheit unter modernen Bedingungen der Ausdruck für zwei Notwendigkeiten ist:
1) Die Notwendigkeit für eine gemeinsame Verteidigung mit anderen
freien Völkern, die gewillt sind, mit uns die Lasten und die Vorteile
dieser Verbindungen zu teilen und 2) die Notwendigkeit für eine realistische Offenbarung des Glaubens, der unser Land seit Anbeginn erfüllt,
ein Glaube, der unser Land im besten Sinne dieses oft mißbrauchten Wortes groß gemacht hat.
Und lassen Sie mich hinzufügen, daß die Unterdrückung und die Beschränkung der Offenbarung dieses Glaubens uns schlecht bekommen würde.
Keine Gesellschaft kann lange ohne einen Geist bestehen, der dynamisch
und schöpferisch ist, und der auch andere erfaßt. Wenn jemals der Tag
kommen sollte, an dem unsere Nation nicht mehr für die lebensspendenden
Eigenschaften empfänglich ist, die sich in der fortschreitenden Entwicklung unseres Programms zeigen, dann wird das der Anfang von unserem Ende
sein.

I
Ich komme nun zu der Frage, welche größeren Änderungen in der
diesbezüglichen Gesetzgebung erforderlich sind, damit sie ihrem doppelten Zweck besser gerecht wird.
Es scheint, als stamme die Verwirrung wenigstens teilweise daher,
daß man alle Arten der wirtschaftlichen Beihilfen für Länder, deren
militärische Programme wir unterstützen, als"Verteidigungshilfe" bezeichnet. Eine solche Verwirrung kann und sollte man beenden.
Unsere Unterstützung für jene Länder besteht aus drei Grundformen:
1) Hilfe durch Lieferung tatsächlicher militärischer Güter, der sogenannten "Fertigfabrikate"; 2) Unterstützung der Volkswirtschaften
bis zu jenem Punkte, der erforderlich ist, um diese Länder zum Tragen
der wirtschaftlichen Lasten zu befähigen, die ihnen die Existenz der
bewaffneten Streitkräfte aufbürdet, welche für die allgemeine Verteidigung notwendig sind, worin sowohl sie als auch wir übereinstimmen.
Und dann 3) die Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung einschließlich der technischen Hilfe, in welchen wir uns ungeachtet unserer militärischen Bindungen engagiert haben.
Unserer

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Unserer Ansicht nach soll die sogenannte "Verteidigungshilfe"
künftig nur so hoch sein, daß sie jene durch die militärische Verteidigung entstehenden wirtschaftlichen Lasten, die das betreffende
Land selbst nicht tragen kann, aufwiegt. Bewilligungen für die Militärhilfe und für diese neu definierte Kategorie der Verteidigungshilfe
würden dann laufend gebilligt und in Zukunft jährlich vom Präsidenten
im Rahmen der Bewilligungen für das Verteidigungsministerium angefordert werden.
Wir glauben, daß die Behandlung der Militärhilfe auf eine solche
Weise, wie sie übrigens durch viele kürzlich vollendete Studien zu diesem Gegenstand empfohlen wird, das Mißverständnis draußen und zu Hause
weitgehend dadurch verhindern würde, daß wir zeigen, wie groß unser
Wunsch ist, durch unsere Hilfe der militärischen Verteidigung zu dienen.
II
Ich wende mich nunmehr dem Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung
innerhalb des Programms zu.
Wir sind der Ansicht, daß die gesamte wirtschaftliche Entwicklung
einschließlich jener, welche die Länder betrifft, mit denen uns ein
gemeinsames Verteidigungsprogramm verbindet, als Ganzes betrachtet
werden sollte. Wir sind weiter der Meinung, daß mehr Nachdruck auf eine
langfristige Entwicklungshilfe gelegt werden sollte.
Es ist wahr, daß unsere Wirtschaftshilfe nicht mehr sein kann
als ein kleiner Beitrag zu den Entwicklungsbemühungen irgendeines
Landes. Dennoch kann dieser Beitrag bedeutsam und unter Umständen
entscheidend sein. Er kann Zahlungsbilanzschwierigkeiten überwinden
helfen, und er kann für ein Land zum Stimulans für ein wirkungsvolleres eigenes Entwicklungsprogramm werden. Wenn unsere Entwicklungsbeihilfe diese Wirkung haben soll, müssen wir zwei Dinge tun:
1) Mit dem Zyklus der jährlichen Bewilligungen brechen und
2) die Vorausbewilligungen für die Einzelländer abschaffen.
Die wirtschaftliche Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozeß
und kein jährlich wiederkehrendes Ereignis. Die gegenwärtige Art der
jährlichen Bewilligungen hat zu Verfahren geführt, die es weder uns
noch den empfangenden Ländern erlauben, den wirkungsvollsten Gebrauch
von den Mitteln zu machen, die wir bereitstellen.
Der beste Weg zur Erreichung einer größeren Wirkung ist die
Errichtung eines wirtschaftlichen Entwicklungfonds aus dem Anleihen
unter günstigeren Bedingungen bereitgestellt werden können als es auf
Grund der bestehenden Einrichtungen möglich ist. Für solch einen Fonds
brauchte man, um ihn wirkungsvoll zu verwenden, eine sich über einen
längeren Zeitraum erstreckende Ermächtigung und Bereitstellung der
Mittel, die dann, wenn es notwendig wird, erneuert werden müssen.
Ein

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Ein solcher Fonds könnte für besondere Programme oder Projekte,
die von einem Bewerberland unterbreitet werden, eine erweiterte Hilfe
bedeuten. Jede Bitte um eine Anleihe aus diesem Fonds sollte von gewissen Bedingungen abhängig gemacht werden. Es müßte ausdrücklich klar
gemacht werden, daß 1) die Finanzierung aus anderen Quellen nicht möglich ist, 2) daß das fragliche Projekt technisch durchführbar ist,
3) daß es einen direkten oder indirekten Beitrag zur Erhöhung der Produktivität einer Nation zu leisten verspricht.
Der Fonds könnte bei der Finanzierung besonderer Projekte auf
nützliche Weise die Arbeit solcher Institutionen wie der Weltbank
oder der Export-Import-Bank ergänzen. Mit Hilfe dieses Fonds könnten
diese Banken in die Lage versetzt werden, ihre Tätigkeit durch Unterstützung von Projekten zu erweitern, die in ihrer Gesamtheit keine
Qualifikation für Anleihen hätten. Um nicht andere Kreditquellen auszuschalten, sollten Anleihen aus dem Entwicklungsfonds auf einer den
Ansprüchen der Weltbank, der Export-Import-Bank und privater Kreditinstitute untergeordneten Basis rückzahlbar sein.
Um die Entwicklungshilfe wirtschaftlich und hochwirksam einzusetzen, müssen wir geschäftsmäßig abwickeln. Und ich bin der Meinung,
daß der weiter oben erklärte Geschäftsgang diese Wirkung erreichen wird.
III
Zusätzlich zu den für die Auslandshilfe, die Militärprogramme und
die Anleihen zur wirtschaftlichen Entwicklung benötigten Mittel sind
ohne Zweifel noch weitere Mittel für nichtrückzahlbare Auslandsfinanzhilfen notwendig.
Der internationale Kommunismus führt gegen uns einen Kampf, den
man allgemein als "kalten Krieg" bezeichnet. Er kann ohne Rechenschaft
über seine Haushaltsmittel und ohne parlamentarische Billigung Gelegenheiten zu seinem Vorteil ausnutzen, die sich ihm durch seine eigene subversive Tätigkeit, durch die Fehler noch nicht auf solider Basis stehender, freier Regierungen oder durch Naturkatastrophen eröffnen.
Deswegen ist es notwendig, daß unsere Regierung ebenfalls beschränkte,
aber frei verfügbare Mittel besitzt, so daß wir und nicht nur der internationale Kommunismus allein in solchen entscheidenden Situationen beweglich sind. Ohne diese Fähigkeit würden wir dem Despotismus einen
Vorteil einräumen, aus welchem er großen Nutzen zu ziehen vermag.
Wir haben bereits einen besonderen Fonds zur Verfügung des Präsidenten durch Teil 401 des Gesetzes bewilligt, um mit seinen Mitteln
Dringlichkeits- und Notfällen begegnen zu können. Ein Fonds, der diesen
Zwecken dient, soll bestehen bleiben.

IV

- 7-

�»

'AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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IV
Technische Unterstützung ist ein erprobtes und außerordentlich
wirksames Verfahren, anderen Ländern die Erschließung ihrer Hilfsquellen
zu ermöglichen. Unserer Ansicht nach sollte die technische Unterstützung,
sowohl unmittelbar als auch im Rahmen des technischen Hilfsprogramms
der Vereinten Nationen, weitgehend auf der gegenwärtig gültigen Basis
fortgesetzt werden.
V
Was die Verwaltung des revidierten Programms anbelangt, so sollte
unserer Meinung nach die Militärhilfe durch Lieferung von Waffen und Geräten auch weiterhin der Überwachung durch das Verteidigungsministerium
unterstehen, während die Wirtschaftshilfe in den von mir beschriebenen
verschiedenen Formen nach wie vor durch das Amt für Internationale Zusammenarbeit verwaltet werden sollte.
Wir glauben nicht, daß es klug wäre, auch die Verwaltung der allgemeinen Militärhilfe dem Verteidigungsministerium zu übertragen. Dies
würde eine überflüssige Parallelarbeit innerhalb der Abteilung für Verteidigungshilfe in der so gut funktionierenden wirtschaftlichen Organisation der ICA erfordern. Außerdem würde damit die Verantwortung für die
Verwaltung der Wirtschaftsprogramme auf zwei verschiedene Dienststellen
aufgeteilt werden: diese Programme aber müssen eng koordiniert bleiben,
wenn sie erfolgreich und zufriedenstellend geleitet werden sollen.
Wir sind daher der Ansicht, das Amt für Internationale Zusammenarbeit sollte fortgeführt werden, und zwar in seiner derzeitigen Form,
nämlich als eine halbautonome Dienststelle.
Wir sind der Meinung, daß unser Programm für gemeinsame Sicherheit
in allen seinen Aspekten der erfolgreichen außenpolitischen Lenkung
durch den Präsidenten und den Außenminister unterstellt werden sollte.
Dies ist auf Grund der Machtbefugnisse des Präsidenten als Leiter der
Exekutive zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, brauchen dem Außenministerium nicht erst neue große Verpflichtungen auferlegt zu werden.
VI
Ich komme nunmehr zur Frage der Größenordnung unserer verschiedenen
Programme:
1. Vorausgesetzt, daß das derzeitige Klima in den internationalen
Beziehungen auch weiterhin anhält,, so würden sich meiner Schätzung nach
die Aufwendungen für militärische Zwecke im Rahmen der bewilligten Hilfeleistungen noch einige Jahre in etwa der derzeitigen Höhe halten müssen.
In einigen Fällen kann die Stärke der örtlichen Streitkräfte, die mit
Mitteln des Programms für gemeinsame Sicherheit unterstützt werden,
vielleicht .unne größeres politisches oder militärisches Risiko vermindert werden. Das wüjpele eine Senkung unserer Ausgaben bedeuten. Andererseits

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Andererseits könnte es nötig werden, die Streitkräfte unserer Verbündeten zu reorganisieren und mit moderneren Waffen auszurüsten. Das
würde wiederum steigende Kosten bedeuten. Vielleicht gleichen sich diese
beiden Posten einigermaßen aus.
2. Vorausgesetzt, daß in Zukunft die wirtschaftliche Entwicklung
mit Hilfe von Darlehen und nicht durch Zuwendungen ermöglicht wird, so
würde dies einen Entwicklungsfonds erfordern, aus dem Darlehen bis
zu einer Höhe von schätzungsweise 750 Millionen Dollar nicht nur für
das Haushaltsjahr 1958» sondern für die kommenden Jahre überhaupt geleistet werden können. Die von uns vorgeschlagenen Verfahren sollten
wesentliche Einsparungen in Form geringerer Verwaltungskosten mit
sich bringen und die Möglichkeit bieten, mit weniger Mitteln mehr zu
erreichen. Andererseits könnte die Notwendigkeit zu derartigen Aufwendungen noch zwingender werden.
3. Hinzu kommen die von mir bereits erwähnten laufenden Hilfsaufwendungen in begrenztem Umfange zur Deckung der durch unvorhergesehene
Ereignisse und zwingende Notwendigkeiten entstehenden Kosten, die durch
Darlehen nicht ausreichend befriedigt werden können. Außerdem laufen ja
noch die technischen Hilfsprogramme mit gegenwärtig 150 Millionen Dollar
jährlich.
VII
Abschließend möchte ich noch an den Bericht des Außenpolitischen
Senatsausschusses vom Juni vorigen Jahres hinsichtlich des Programms
für gemeinsame Sicherheit erinnern. In dem Bericht des Ausschusses
hieß es: "... Die kommenden Jahre dürften in mancher Beziehung schwieriger werden als die letzten. Die Probleme werden diffiziler und komplexer. Das Programm für gemeinsame Sicherheit muß den neuen Umständen
angepaßt werden."
Wir sind der Ansicht, daß die von mir heute Vormittag umrissenen
Vorschläge "den neuen Umständen angepaßt" sind. Sie fußen auf den von
Ihnen angeforderten eingehenden Untersuchungen sowie auf den von der
und für die Exekutive durchgeführten Studien.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stimmen vielfach weitgehend
nicht nur darin überein, daß unsere anderen Ländern gewährte militärische
und wirtschaftliche Hilfe auch für uns selbst von Nutzen ist, sondern
auch hinsichtlich der Änderungen unseres Programms für gemeinsame Sicher
heit, durch die es schon im Interesse unseres eigenen Landes noch wirksamer gestaltet werden soll.
Wir übernehmen wohl die volle Verantwortung für unsere Vorschläge,
beanspruchen jedoch nicht das alleinige Verdienst für ihre Ausarbeitung.
Wir betrachten sie vielmehr als das Ergebnis sowohl der Arbeit des Kongresses als auch der Bemühungen der Exekutive. Unserer Überzeugung nach
sind sie in ihren groben Umrissen vernünftig. Wir sind uns durchaus klar
darüber, daß es verschiedene Möglichkeiten gibt, diese grob umrissenen
Vorschläge im einzelnen zu formulieren. Wir bitten Sie daher um Ihre
Stellungnahme und eine eingehende Beratung über die besten Mittel und
Wege, diese Vorschläge so zu formulieren, daß sie zu einem möglichst
wirksamen Instrument unserer Politik werden.
* * * * *

- 9-

�A M E R I K A

1)1

Allg./

WILCOX:

I

S

T

24-4-1957

VEREINTE NATIONEN HABEN POSITIVE ARBEIT GELEISTET

PITTSBURGH (Pennsylvanien) - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede
von Francis 0. Wilcox, Unterstaatssekretär im
US-Außenministerium, die dieser am 12.April 1957
vor der Gesellschaft für Außenpolitik in
Pittsburgh gehalten hat.

Ich freue mich, wieder einmal in Pittsburgh zu sein und an dem
siebenten öffentlichen Jahresforum über Fragen der Weltpolitik teilnehmen zu können. Ich erinnere mich mit Vergnügen an den Besuch, den
ich dieser Stadt vor einigen Jahren als Mitglied des Außenpolitischen
Senatsausschusses abgestattet habe.
In meiner heutigen Rede möchte ich mir erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf die veränderte Zusammensetzung und Größe der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu lenken. Es ist nicht weiter erstaunlich, daß die Generalversammlung im Brennpunkt unseres Interesses
steht. Denn wenn v/ir die Ereignisse der letzten zehn Jahre kurz überblicken, so gewinnen wir den Eindruck, daß die Vereinten Nationen
heute eine etwas andere Organisation darstellen als sie einst in
San Francisco geplant wurde.
Im Jahre 1945 erhoffte man vom Sicherheitsrat, er werde den
Frieden wiederherstellen und erhalten. Dieses Gremium war eine geschickte Kombination von Macht und Verantwortung. Aber die zehn Jahre
kalten Krieges, scharfer Gegensätze zwischen dem sowjetischen Machtbereich und der freien Welt und insbesondere des immer wiederholten
Mißbrauchs des Vetorechts durch die UdSSR, haben den Sicherheitsrat
in eine Rolle von zweitrangiger Bedeutung gedrängt. Heute ist der
Sicherheitsrat, der ja nach wie vor existiert, vor allem in solchen
Situationen von größtem Wert, die die Möglichkeit in sich tragen,
daß Ost und West eine gemeinsame Plattform finden. In anders gelagerten Situationen jedoch wurde von dieser Institution immer
seltener Gebrauch gemacht.

Im

�"AMERIKA DIENST

24. April 1957

Im Gegensatz dazu ist die Generalversammlung in eine Rolle hineingewachsen, die alle von den Verfassern der UN-Charta in sie gesetzten
Erwartungen weit übertroffen hat. Denn ursprünglich sollte die Generalversammlung das mit geringeren Vollmachten ausgestattete Organ sein.
Es war vorgesehen, daß sie alljährlich zu regelmäßigen Sitzungen zusammentritt. Sie war nicht, wie der Sicherheitsrat, zu Entscheidungen, sondern
lediglich zu Empfehlungen befugt. Ihre Hauptwaffen waren Diskussion und
Aussprache. In diesem Gremium waren Macht und Verantwortung nicht den
wirklichen Verhältnissen entsprechend auf die einzelnen Mitglieder verteilt r- die Stimme eines kleinen Staates besaß das gleiche Gewicht wie
die einer Großmacht. Wenn die Entwicklung des Sicherheitsrates durch
seine immer seltenere Anrufung gekennzeichnet ist, so trifft für die
Generalversammlung genau das Gegenteil zu.
Wenn "das Gewesene erst der Anfang" ist, dann dürfte es wohl angebracht erscheinen, sich einmal zu vergegenwärtigen, welche Folgen für
die Zukunft aus der Tatsache erwachsen, daß die Generalversammlung soviel größer geworden ist und daß diese Körperschaft in den vergangenen
Jahren soviel umfassendere Verantwortlichkeiten übernommen hat. Es sind
dies Veränderungen, die den Vereinten Nationen ganz neue Dimensionen
verleihen und daher ihre Mitglieder vor ganz neue Probleme und, ich
glaube, auch vor ganz neue Möglichkeiten stellen.
In den letzten anderthalb Jahren ist die Zahl der Mitglieder der
UN von 60 auf 81 gestiegen. Dabei ist es interessant festzustellen,
daß diese Zunahme vorwiegend auf die Aufnahme neugeschaffener souveräner
Staaten in Afrika umd dem Nahen und Fernen Osten - gewöhnlich als
"Afro-Asien" bezeichnet - zurückzuführen ist.
Im letzten Halbjahr hat die Generalversammlung unter der im Jahre
1950 im Anschluß an die kommunistische Aggression in Korea gefaßten
Resolution "Einheit für den Frieden" bisher einmalige Aufgaben übernommen und erfüllt. Von der durch diese Resolution geschaffenen Möglichkeit wurde erstmals Gebrauch gemacht, als der Sicherheitsrat durch
das Veto einiger seiner ständigen Mitglieder nicht in der Lage war, sich
mit der Nah-Ost- und der Ungarn-Krise zu befassen.
Die immer bedeutsamere Rolle, die die Generalversammlung und ihre
um soviel größer gewordene Mitgliedschaft spielen, bereiten einigen
Mitgliedern der Vereinten Nationen und manchen erfahrenen Kennern und
Kritikern der Weltpolitik Sorgen. Einige unserer zuverlässigsten Verbündeten fragen sich, ob die Generalversammlung bedrohlichen Streitfällen, die den Frieden gefährden oder erschüttern, tatsächlich gewachsen sei.
Ich glaube, es wäre angebracht, auf einige dieser Befürchtungen
und Warnungen näher einzugehen. Vielleicht können wir uns dann ein Urteil bilden, ob die Generalversammlung tatsächlich Gefahr läuft, sich
zu einem Ungeheuer a la Frankenstein auszuwachsen, das drauf und dran
ist, sich selbst zu vernichten, wie manche uns glauben machen wollen.
Erstens,

- 2 -

�'AMERIKA DIENST"

24. April 1957

Erstens, so wird behauptet, wird es in der Generalversammlung
immer mehr Brauch, en bloc abzustimmen, wobei die Loyalität gegenüber
dem Block den Vorrang vor jedem echten Versuch hat, Streitfragen objektiv
und ihrem Wert entsprechend zu klären. Dies wird als eine unverantwortliche, ja gefährliche Entwicklung betrachtet, wenn der afro-asiatische
Block allein bei einer en-bloc! -Abstimmung über ein Drittel der Stimmen
für sich beanspruchen kann.
Zweitens wird der Vorwurf erhoben, es bestehe die wachsende Tendenz,
Resolutionen zu verwässern, um so eine Zweidrittel-Mehrheit für die Resolution zu gewinnen, wenn wichtige Streitfälle zur Diskussion stehen.
Durch diese Tendenz, so wird behauptet, entstehen blutleere Resolutionen,
die wenig Kraft und Wirksamkeit besitzen.
Drittens ist der Grundsatz der Gleichberechtigung souveräner Staaten,
demzufolge jeder Staat eine Stimme besitzt, erneut kritisiert worden,
da er der relativen Macht und dem Einfluß der verschiedenen Staaten in
internationalen Fragen nicht in realistischer und klarer Weise gerecht
werde. Ist es richtig, so fragt man, daß bei der Stimmenzählung ein
kleines, wirtschaftlich und politisch schwaches Land das gleiche Gewicht
besitzt wie ein großer und starker Staat; wird dadurch nicht die Tendenz
bestärkt, sich gegenüber den größeren Staaten "zu verbünden"?
Viertens wird geltend gemacht, daß die Generalversammlung eine
doppelte Moral und Rechtsprechung habe; eine für diejenigen Länder,
die sich an ihre Empfehlungen halten, eine andere für diejenigen
Staaten, die sich dem widersetzen. Damit erhebt sich gleichzeitig die
Frage, ob es nicht falsch sei, die UN in Streitfällen anzurufen, die
zu lösen sie nicht die Macht besitzen, was zu Enttäuschungen oder gar
zum Verlust des Glaubens an die Organisation selbst führen könnte.
Diese Anwürfe sind ernster Natur und verdienen unsere sorgfältige
Erwägung. Ich glaube, ein Blick in das Protokoll über die elfte Generalversammlung wird uns helfen, festzustellen wieweit sie berechtigt
sind. Ich möchte in bezug auf alle diese Anwürfe die allgemeine Feststellung treffen, daß sie eine größere Autorität und Macht voraussetzen,
als die Generalversammlung sie tatsächlich besitzt. Die Zusammensetzung
und die Rolle der Generalversammlung mag dem Wechsel unterworfen sein;
aber ihre in der Charta festgelegten Pflichten bleiben unverändert.
Sie ist eine Körperschaft, die Empfehlungen gibt und deren Einfluß von
der freiwilligen Mitarbeit ihrer Mitglieder abhängt.

Nehmen

�24. April 1957

"AMERIKA DIENST"

Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Blockbildung bei Abstimmungen.
Die einzig wirklich feste Blockbildung bei Abstimmungen in der Generalversammlung ist die durch die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten,
und sie wird mit monotoner Regelmäßigkeit durchgeführt. Aber dies ist
seit langem Brauch und daher kein neues Phänomen. Die derzeit geäußerten Befürchtungen gehen dahin, daß die afro-asiatische Nationengruppe
sich geeinigt haben könnte, geschlossen abzustimmen und damit das Vorgehen der Generalversammlung in wichtigen Angelegenheiten entgegen unserem Interesse zu bestimmen. Meiner Ansicht nach ist dies jedoch eher
eine mathematische Möglichkeit als eine logisch begründete Erwartung
oder Gewißheit. Die mathematischen Fakten sind folgende:
Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Generalversammlung sind
zur Beschlußfassung in Fragen, deren Entscheidung eine ZweidrittelMehrheit erfordert, 54 Stimmen nötig, sofern sich alle 81 Mitglieder
an der Abstimmung beteiligen. Ylenn sich alle afro-asiatischen Staaten
zusammenschlössen, brächten sie eine "blockierende Minderheit" von
28 Stimmen zusammen, die ausreicht, die Beschlußfassung in allen, eine
Zweidrittel-Mehrheit erfordernden Fragen zu verhindern und ihnen eine
wichtige Stimme bei der Entscheidung über alle bedeutsamen Angelegenheiten zu geben. Im Gegensatz dazu verfügen in der "neuen" Versammlung
die südamerikanischen Staaten nur über 24$» das nichtkommunistische
Europa über 19$* der Sowjetblock über 11$ und die Länder des alten
britischen Commonwealth über 5$ der Stimmen.
Wie dem auch sei, in der Praxis stimmt die afro-asiatische Gruppe
nicht regelmäßig als Block. Wenn sie es jedoch tut, geschieht dies
meist in solchen Fällen, in denen die überwiegende Mehrheit auch der
Staaten außerhalb des afro-asiatischen Gebiets sie unterstützt. Ich
glaube, wir sollten abermals einen Blick in die Protokolle der letzten
Generalversammlung werfen.
Nehmen wir zuerst die Abstimmung über die wichtigen Resolutionen
hinsichtlich der Nahostkrise. Hier hätte man mit Sicherheit ein solidarisches Vorgehen der afro-asiatischen Länder erwarten können. Dennoch
stimmte dieser Block geschlossen nur für zwei von den 11 der zwischen
dem I.November 1956 und dem 2.Februar 1957 angenommenen wichtigen Resolutionen. Und in diesen beiden Fällen stimmten ohnehin insgesamt 74 für
die Annahme, während bei zwei Stimmenthaltungen zwei Gegenstimmen abgegeben wurden. In der Tat konnte allgemein beobachtet werden, daß die
afro-asiatische Gruppe eine beachtliche Einigkeit bei der Zustimmung
zu den Resolutionen an den Tag legte, die von einer eindrucksvollen
oder überwältigenden Mehrheit angenommen wurden. Das heißt in anderen
Worten, sie traf nicht als verantwortungslose Splittergruppe in
Opposition zum Willen der Mehrheit auf.
Die Abstimmungsergebnisse in der Ungarnfrage zeigten weniger Einmütigkeit, obgleich sich unter allen Mitgliednationen, einschließlich
der des afrikanisch-asiatischen Raums, eine wachsende Tendenz bemerkbar
machte, das brutale Vorgehen der Sowjets um so schärfer zu kritisieren,
je mehr darüber bekannt wurde. Ich darf wohl bemerken, daß wir in dieser
Angelegenheit eine feste afro-asiatische Blockabstimmung-begrüßt hätten.
Aber nur drei von den zehn Resolutionen erhielten mehr als 20 afro-

4-

�'AMERIKA DIENST"

24. April 1957

20 afro-asiatische Stimmen, und diese Resolutionen betrafen die weniger strittigen Fragen der Hilfe für die ungarischen Flüchtlinge. Bei
den Abstimmungen über die sieben übrigen Resolutionen zeigte es sich,
daß innerhalb des Blocks große Divergenzen bestehen. Der Punkt, den
ich betonen möchte, ist die Tatsache, daß sich die afro-asiatische
Gruppe nicht als monolithischer Block darstellt.
Natürlich besteht bei Staaten mit gemeinsamen Interessen und Problemen die Tendenz, gemeinsam zu stimmen, wenn sie der Ansicht sind,
so diesen Interessen zu dienen. V/o immer derartige Tendenzen auftreten,
stellen sie Probleme für alle diejenigen dar, die wünschen, daß internationale Angelegenheiten ihren Werten entsprechend behandelt werden.
Gleichzeitig jedoch sollten wir weder die Bedeutung einer solchen Blockabstimmung noch die praktischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben,
übertreiben.
Lassen Sie mich nun die so häufig erwähnte "Verwässerung" von Resolutionen untersuchen. Nun, es ist richtig, daß eine Resolution im
Ausschuß selten in der Form angenommen wird, in der sie unterbreitet
worden ist. Würde dies so sein, wäre es nicht nur für die Generalversammlung, sondern für jede politische beratende Körperschaft eine bemerkenswertes Ereignis. Wir brauchen uns zum Beispiel nur den umständlichen
Gang einer Gesetzesvorlage oder der Verabschiedung einer einfachen Resolution in unserem eigenen Kongreß anzusehen.
Dieser Prozeß des Kompromisse-Schließens ist ganz gewiß ein demokratischer Prozeß. Er ist der Versuch, eine gemeinsame Basis zu finden und
der größtmöglichen Unterstützung sicher zu sein. Es ist eine Maßnahme
von entscheidender Bedeutung, wenn die Generalversammlung der Bestimmung
der Charta, die Meinungen und Handlungen der Nationen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, gerecht werden soll. Dadurch wird das Vorgehen
der einzelnen Nationen gemildert, während vernünftige Maßnahmen, die
nicht das Interesse kleiner Gruppen, sondern umfassenderer Kreise widerspiegeln, in den Vordergrund gerückt werden.
Ein gutes Beispiel für die Weisheit und Wirksamkeit dieses Prozesses ist die Behandlung der Algerienfrage durch die Generalversammlung. Sie werden sich erinnern, daß Frankreich vor einem Jahr, als die
Algerienfrage auf die Tagesordnung gesetzt wurde, seine Delegation zurückgezogen hat. In diesem Jahr, in der 11. Generalversammlung, bestritt Frankreich zwar nach wie vor die Zuständigkeit der Generalversammlung, widersetzte sich aber nicht länger der Aufnahme dieses Punktes auf die Tagesordnung. Dann, als diese Angelegenheit im Februar 1957
vor den Politischen Ausschuß kam, wurde eine von 18 afro-asiatischen
Mitgliedstaaten entworfene, scharf formulierte Resolution eingebracht.
Obwohl diese Resolution ohne Zweifel die Überzeugung ihrer Schöpfer
ausdrückte, war es doch von Anbeginn an klar, daß sie niemals die zu
ihrer Annahme notwendige Zweidrittel-Mehrheit hätte erreichen können.
Tatsächlich hat niemals eine Abstimmung über diese Resolution als Ganzes stattgefunden.
In

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24- April 1957

In dem Bestreben, wenigstens ein gewisses Maß von Übereinstimmung
zu erzielen, wurde am 11.Februar von Japan, den Philippinen und Thailand eine milder formulierte Entschließung eingebracht. Und am folgenden Tage machte auch eine Anzahl anderer Mächte den Versuch, eine annehmbare Resolution auszuarbeiten. Beide Entschließungen gelangten
im Ausschuß zur Abstimmung und wurden dort angenommen. Keine von
beiden erhielt jedoch eine Zweidrittel-Mehrheit.
Am 15»Februar nahm dann die Generalversammlung in ihrer Plenarsitzung den Bericht des Politischen Ausschusses entgegen, daß es nicht
gelungen sei, die Unterstützung einer Zweidrittel-Mehrheit für irgendwelche Resolution über Algerien zu erlangen. In diesem kritischen Augenblick brachten die Mächte, von denen die beiden Entschließungen ausgegangen waren, die im Ausschuß nur eine einfache Mehrheit gefunden hatten,
im Plenum eine gemäßigte Kompromißresolution ein. Diese Resolution, welche die Hoffnung zum Ausdruck brachte, daß eine friedliche, demokratische
und gerechte Lösung des algerischen Problems in Übereinstimmung mit den
Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen gefunden werden würde, wurde
einstimmig angenommen. Frankreich enthielt sich der Stimme, in Übereinstimmung mit dem von ihm vertretenen Standpunkt, daß die Generalversammlung nicht dafür zuständig sei, sich mit der Lage in Algerien zu befassen.
Dieses Ergebnis könnte, nach meinem Dafürhalten, als Beispiel einer
"verwässerten" Resolution bezeichnet werden. Ich bin jedoch der Meinung,
daß man es richtiger kennzeichnet, wenn man es als ein brauchbares Kompromiß ansieht, zu dem man nach einer erschöpfenden Aussprache gelangte,
in der alle Seiten Gelegenheit hatten, ihre Ansichten zum Ausdruck zu
bringen. Diese Aussprache reinigte die Atmosphäre, und es wurde dadurch
eine substantielle Aktion von Seiten der Versammlung vermieden, die eine
Lösung eher behindert als gefördert hätte. Aus dem einhelligen Abstimmungsergebnis geht klar hervor, daß im Verlauf dieser Aussprache die
hauptsächlich beteiligten Staaten zum Verständnis, wenn nicht sogar zu
einer Billigung der Haltung und Interessen jedes der anderen Staaten
gelangt waren. Sämtliche Mitglieder sahen sich unmißverständlich der
Tatsache gegenüber, daß die Generalversammlung von sich aus keine Lösung
der Algerienfrage herbeiführen konnte. Einen Fortschritt zu erzielen,
war jedoch möglich, und ein solcher Fortschritt wurde denn auch erreicht,
weil die Versammlung verantwortungsbewußt handelte, indem sie sich die
Aufrechterhaltung einer Atmosphäre angelegen sein ließ, die einer künftigen brauchbaren Lösung seitens der unmittelbar beteiligten Parteien
förderlich war. Auch bei der Betrachtung der Zypernfrage nahm sich die
Versammlung in sehr weitem Maße dasselbe Vorgehen zum Vorbild.
Ich bin der Ansicht, daß auch das Verfahren der Versammlung in der
Abrüstungsfrage ein Beispiel verantwortungsbewußten Handelns darstellte.
Die Versammlungsmitglieder erkannten in vollem Umfange an, daß, bevor
eine Abrüstung durchgeführt werden kann, die Hauptmächte in ruhig und
ungestört geführten Verhandlungen Übereinstimmung erzielen müssen. Die
Versammlung war sich bewußt, daß das Forum der 81 Nationen nicht der
richtige Ort sei, um den Versuch zu unternehmen, Übereinstimmung über
in höchstem Maße technische Einzelheiten zu erreichen, von denen die
Sicherheit vieler Völker und zahlreicher Länder abhängt. Aus diesen
Gründen beschloß die Generalversammlung einstimmig, sämtliche ihr vor- 6 -

�'AMERIKA DIENST"

24- April 1957

vorliegenden Abrüstungsvorschläge dein Abrüstungsausschuß und dessen
Unterausschuß zur unverzüglichen ruhigen und eingehenden Beratung zu
überweisen. Dies ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, daß die Versammlung sich klar bewußt ist, was sie in einer gegebenen Situation
zu tun oder nicht zu tun hat.
Selbstverständlich sind nun nicht alle von der Versammlung angenommenen Entschließungen, die auf einem Kompromiß beruhen, allgemein
als das beste erreichbare Ergebnis anzusehen. Beispielsweise betrachteten viele Delegationen die letzte Resolution der Versammlung über den
Einsatz der Polizeistreitkräfte der Vereinten Nationen in Ägypten als
wenig befriedigend. Es wäre unverkennbar vorzuziehen gewesen, wenn die
Versammlung die Rolle der UN-Polizeistreitkräfte im Gaza-Streifen oder
am Eingang zum Golf von Akaba von vornherein genauer umgrenzt hätte.
Iber hier, wie bei anderen Gelegenheiten, wurde das Ergebnis in der
Versammlung dadurch bestimmt, daß dort in erster Linie ein Ausgleich
der durch diesen Fall in Mitleidenschaft gezogenen Interessen seitens
derjenigen erstrebt wurde, die eine weniger bestimmte Formulierung
vorzogen. Nichtsdestoweniger ermöglichte das Ergebnis, wenn es auch
nicht ideal war, ein wirksames Dazwischenschieben der UN-Polizeitruppe
zwischen die Streitkräfte der Israeli und der Ägypter.
Ich bin mir nun durchaus klar darüber, daß solche, auf halbem
V/ege haltmachenden Maßnahmen niemals diejenigen befriedigen werden,
die erwarten, daß die Vereinten Nationen rasche, klar durchdachte und
durchsetzbare Entscheidungen treffen, die sich in einem gegebenen
Streitfall auf allgemein anerkannte Begriffe von Recht und Unrecht
stützen. Gleichwohl sind solche präzise und vollkommenen Lösungen
von irgendwelchen Problemen nicht immer möglich. Heutzutage lassen
sich bei internationalen Streitfragen häufig nur maßvolle Lösungen
in Anwendung bringen. Die Bereitwilligkeit der UN-Versammlung, in
konkreten Fällen stets sowohl ihre eigenen Möglichkeiten als auch
deren Grenzen klar im Auge zu behalten, bedeutet einen Schritt vorwärts in der Richtung auf eine noch erweiterte verantwortungsbewußte
Tätigkeit innerhalb der Versammlung.
Einer der allerersten Schritte, die ein eben souverän gewordener
Staat auf internationalem Gebiet unternimmt, besteht darin, daß er sich
um die Zulassung zu den Vereinten Nationen bewirbt. Die Mitgliedschaft
dieser Körperschaft wird als der endgültige Stempel der Anerkennung
durch die internationale Gemeinschaft angesehen. Einmal aufgenommen,
ist der neue Staat darauf bedacht, den Beweis zu erbringen, daß er die
Fähigkeit besitzt, zu den Zielen der Charta seinen Beitrag zu leisten;
gleichermaßen ist er, wie ich glaube, von dem Streben beseelt, seine
neu gewonnene Unabhängigkeit und Souveränität geltend zu machen und zu
behaupten. Der neue Staat neigt daher dazu, alle Handlungen zu vermeiden,
die den Anschein erwecken könnten, daß sein Votum, sein Stimmschein "in
irgendeines anderen Tasche stecke".
Ich bin der Meinung, daß, im großen und ganzen, diese neuen Staaten
sowie die sogenannten kleinen oder schwachen Staaten durchaus verantwortungsbewußt und dem gemeinsamen Interesse entsprechend gehandelt haben.
Selbstverständlich gibt es Gelegenheiten, bei denen ein Staat oder eine

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eine Gruppe von Staaten Vorschläge unterbreiten, die auszuführen
für die Vereinten Nationen unmöglich oder doch ganz außergewöhnlich
schwierig ist, und welche die größeren Mächte in erhebliche Verlegenheit bringen« Ganz besonders bei derartigen Anlässen mögen wir
wohl das Empfinden haben, daß die Formel: ein Staat - eine Stimme
de facto eine Unbilligkeit bedeutet, und man sollte vielleicht
Mittel zu einer Bewertung der Stimmen in Erwägung ziehen.
Aber es ist schwer, diese Staaten dafür zu tadeln, daß sie gelegentlich die Generalversammlung als günstige Gelegenheit benutzen,
um die größeren Staaten zu veranlassen, ihre Aufmerksamkeit auf sie
zu richten und von ihren Anliegen Kenntnis zu nehmen. Mitunter mag
dies einem durchaus entscheidenden und konstruktivem Zwecke dienen.
Die Generalversammlung ist einem Staatenparlament so nah gekommen
wie die Welt für dessen Schaffung reif ist. Als internationale Institution tendiert sie dazu die politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Strömungen der Welt genau zu reflektieren. Sie sollte - wie eine Demokratie - die Energie und geistigen Kräfte all ihrer Mitglieder heranziehen. Die Atmosphäre der Gleichheit, die hier herrscht, ermutigt sogar dazu. Wir sollten auch bedenken, daß die Versammlung als eine
Körperschaft, deren Aufgabe es ist, Empfehlungen auszuarbeiten, über
Sicherungen verfügt, die verhindern, daß die Mehrheit einer Minderheit
ihren Willen aufzwingt, selbst wenn diese Minderheit nur eine Stimme
hat. Ihre Empfehlungen können außer acht gelassen werden»
Wenn jedoch die Majorität überwältigend ist und die Billigkeit
oder Vernunft eines Vorschlages klar auf der Hand liegen, wird eine
oder werden mehrere der großen Nationen durch ihre Opposition oder
Weigerung, ihn zu unterstützen, Gefahr laufen, die öffentliche Meinung der Welt gegen sich zijl mobilisieren. Im Laufe der Zeit hat sich
dies als eine große ungeschriebene Macht der Generalversammlung erwiesen. Keine Nation kann sich leicht ihrer begrenzten Autorität
widersetzen.
Ich würde jetzt gern ein Wort über das sogenannte "zweierlei Maß"
sagen. Das Mißlingen des Versuchs der Generalversammlung, im Gegensatz
zu ihrem Erfolg in der Nahost-Krise einen Rückzug der sowjetischen
Streitkräfte aus Ungarn zu erreichen, hat Sorge erweckt.
Die Art und Weise, wie diese beiden Fragen vor der Versammlung behandelt worden sind, rechtfertigt nicht die gegen sie erhobenen Beschuldigungen. Die Resolutionen, die gegen die Sowjetunion und das
kommunistische Regime Ungarns gefaßt wurden, waren schärfer formuliert
als dies bei der Behandlung der Nahost-Angelegenheit der Fall war. Die
Versammlung krönte ihre Aktion mit einer vorbehaltlosen Verurteilung der
UdSSR - einem Schritt, der die Grundfesten der sowjetischen Propagandafeldzüge der letzten Jahre sprengte. Sich der Aktion der Vereinten Nationen widersetzt zu haben, ist die Sowjetunion teuer zu stehen gekommen.
Mit

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Bit der Bestimmung, daß für Entschließungen des Sicherheitsrates
die Einstimmigkeit der Großmächte erforderlich ist, war die Möglichkeit der Nichtbeachtung einer Aktion der UN bei der Abfassung der
Charta in Betracht gezogen worden. Man hoffte natürlich, daß Einstimmigkeit in Fragen der Aggression oder drohender Aggression herrschen würde, aber wir drängten wie die anderen darauf, daß diese
Klausel mit aufgenommen wurde. Es ist richtig, daß die Einheit-fürden-Frieden-Resolution die Generalversammlung ermächtigt, in Fällen
zu handeln, in denen der Sicherheitsrat versagt. Aber dies war eine
Entschließung, kein Zusatzartikel zur Charta. Die grundlegenden Verantwortlichkeiten und die Autorität des Sicherheitsrates und der
Generalversammlung bleiben unangetastet.
In der Gemeinde, im Staat und in der Welt gibt es und wird es
immer solche geben, die versuchen gegen das Gesetz zu verstoßen.
Wenn keine Möglichkeit besteht, die Befolgung des Gesetzes zu erzwingen, oder wenn es "am gebührlichen Respekt vor den Überzeugungen der
Menschheit" fehlt, dann können sie - wenigstens auf kurze Zeit - damit
durchkommen. Es ist richtig, daß dies eine Bedrohung für die Ordnung
des Gesetzes darstellt, aber es bedeutet nicht seine Aufhebung.
Die Sowjetunion bleibt vor der Menschheit mit der Schuld einer
brutalen und flagranten Verletzung der Charta im Falle Ungarns behaftet.
Was die Aktion der Generalversammlung anbelangt, so glaube icH., daß,
soweit es die Möglichkeiten dieser Körperschaft unter den obwaltenden
Umständen zuließen, der Sache der Freiheit gedient worden ist, und der
Sache des sowjetischen Kommunismus ein ernster und nicht mehr gut zu
machender Schlag versetzt worden ist.
Ich bin der Ansicht, daß wir die eindrucksvolle und anhaltende
Wirkung tage- und nächtelanger heißer Debatten und Prüfungen der ungarischen Frage durch die Generalversammlung auf die Regierungen und
Völker der Welt unterschätzen. Als Einzelheiten über die Härte, den
Zynismus und die Falschheit der Kommunisten enthüllt wurden, da wurden
vielen zum ersten Mal die Augen über den sowjetischen Imperialismus geöffnet. Dies trifft insbesondere zu auf die Vertreter von Staaten, die
sich aus verschiedenen Gründen bemüht haben, vor allem in Fragen, die
nach kaltem Krieg klangen, eine unverbindliche und neutrale Haltung
einzunehmen.
Zur Veranschaulichung würde ich gerne eine Episode aus der ^.Sitzungsperiode der Generalversammlung erzählen, nachdem die Ungarnfrage
seit fast einem Monat erörtert worden war. Die Versammlung behandelte
eine Resolution zur Verurteilung der Sowjetunion. Der Vertreter Burmas
bat um das Wort und sagte: "Meine Delegation hat mit Unvoreingenommenheit und Objektivität die.Argumente der sowjetischen Regierung und ihrer
Verbündeten zur Verteidigung der sowjetischen Aktion in Ungarn gehört.
Wir haben 0er. i I so sagte er, "daß die wirklich maßvollen Schritte, die
diese Generalversammlung vorschlug, einstimmig gutgeheißen werden würden.
Wir enthielten uns der Stimme und verhielten uns in der Woche vom 2.Dezember abwartend, alles in der Annahme, daß der Generalsekretär der Vereinten
Nationen selbstverständlich in jedem Mitgliedstaate zu jeder Zeit gebührend aufgenommen werde. Wir enthielten uns der Stimme und warteten ab,
während der Generalsekretär uns mitteilte, es bestünde eine Möglichkeit,
daß

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daß ihm der Besuch Ungarns zu einem verabredeten Zeitpunkt an einem
der nächsten Tage gestattet werde". Dann, als er der Versammlung erklärte, daß er nunmehr bereit sei, für die Verurteilung der UdSSR zu
stimmen, sagte der burmesische Delegierte: "Wir tun dies, um unsere
Selbstachtung zu bewahren. Verantwortungsbewußt haben wir auf eine
Aktion gewartet. Wir können nicht anders. Dies", und damit meinte er
Ungarn, "hätte nach Gottes Ratschluß jedem von uns geschehen können."
Am Ende dieser Debatte stimmte Burma mit 14 anderen Ländern Asiens
und Afrikas für die Verurteilung der Sowjets wegen ihrer Verletzung der
Charta. Meiner Ansicht nach hat diese Brandmarkung und Verurteilung des
kommunistischen Imperialismus dazu gedient, das Zusammengehörigkeitsgefühl der freien Welt zu stärken. Sie kann sich sehr wohl als einer der
größten Schläge erweisen, die die Sowjetunion und das Satellitensystem
im vergangenen Jahrzehnt erlitten haben. Bei jeder Betrachtung über ein
"zweierlei Maß" muß sie mit zu den positiven Errungenschaften der Generalversammlung gezählt werden. Denn jede Maßnahme, die Methoden des Despotismus und der Preiheitsunterdrückung aufdeckt, dient den Belangen beider,
den Belangen der Unterdrückten wie der Freien, die frei bleiben wollen.
Bei der Diskussion der veränderten Zusammensetzung und Aufgabe der
UN-Generalversammlung habe ich versucht, die sich ergebenden Probleme ins
Licht unserer gegenwärtigen Erfahrungen zu setzen. Wir werden uns noch
lange mit diesen Problemen beschäftigen müssen, und neue werden dazu
kommen, wenn die Hilfsmittel, die der Generalversammlung zur Verfügung
stehen, weiter ausgebaut werden.
Zusammenfassend möchte ich einige Richtlinien für zukünftige Entscheidungen vorschlagen:
Wir sollten im Rahmen der Generalversammlung en-bloc-Abstimmungen
und automatische Stimmenmehrheiten - ausgenommen die der Sowjetunion
und ihrer Satellitpn - als nicht gegeben annehmen.
Wir dürfen nicht vergessen, daß die Staaten im allgemeinen so
handeln, wie es ihren eigenen Interessen am besten dient, daß der Grad
des Interesses an den verschiedenen Problemen unterschiedlich groß ist,
daß ferner vieles im internationalen Verkehr zur Einigkeit drängt, aber
ebenso vieles zu Uneinigkeiten führt.
YÜT sollten uns vergegenwärtigen, daß immer dann, wenn eine Zweidrittelmehrheit bei einer Abstimmung erforderlich ist, dies oft Verhandlungen mit den regionalen Gruppen oder Staatenblöcken innerhalb
der Generalversammlung notwendig macht. Wenn wir jedoch unsere Führungseignung weiterhin auf konstruktive Weise demonstrieren und unser Bestes
tun, unsere Interessen mit den Interessen des Weltfriedens und des
Fortschritts zu identifizieren, dann glaube ich, ist die Generalversammlung keine Körperschaft, die man fürchten muß, nicht jetzt und nicht in
der Zukunft.
Wenn ich früher von abwägender Stimmenabgabe gesprochen habe, so
meinte ich nicht Beschluß oder Verfügung über die zur Abstimmung stehende Angelegenheit. Denn es mag schon etwas Wahres an der Behauptung sein,
daß
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daß die Generalversammlung ein AbstimmungsSystem eingeführt habe, das
dazu angetan sei die Macht und den internationalen Einfluß einzelner
UN-Mitgliedstaaten verzerrt zu reflektieren. Wie ich jedoch bereits
früher angedeutet habe, sind Beweise für eine verantwortungsbewußte
Zurückhaltung von Mitgliedern der Generalversammlung vorhanden. Dies
ist zum großen Teil auf die Erkenntnis zurückzuführen, daß eine" von a«x
Generalversammlung gebilligte Resolution immer nur eine Empfehlung sein
kann und ihre Wirksamkeit abhängig ist von dem Grad der ihr insbesondere
von den stärkeren und einflußreicheren Nationen gezollten Beachtung.
Die bloße Tatsache, daß ein Staatenblock die erforderliche ZweidrittelMehrheit in einer wichtigen Entscheidung aufbringen kann, bedeutet nicht,
daß die Nationen sich nun notwendigerweise auch entsprechend verhalten.
Ich erwähne als Beispiel das Verhalten der Generalversammlung in der
Frage der Verhängung von Sanktionen gegen Israel, als dieses sich weigerte,
seine Truppen zurückzunehmen. Einer der Nahoststaaten hatte
tatsächlich eine solche Resolution eingebracht. Es wäre zu diesem Zeitpunkt leicht möglich gewesen, diese Resolution mit der erforderlichen
Zweidrittel-Mehrheit durchzubringen. Aber diese mögliche Mehrheit legte
sich eine lobenswerte Zurückhaltung und Umsicht auf, sie wartete zunächst
die Stellungnahme jener Staaten ab, deren Stimme entscheidend sein konnte.
Wie ich schon ausführte, wurde über diese Resolution nicht abgestimmt, und
Israel hat seine Truppen schließlich zurückgenommen.
Derartig verantwortungsbewußtes Handeln ist ein Beispiel für die
Wirksamkeit der Generalversammlung als eine Einrichtung, durch welche
unsere aufeinander angewiesene Menschheit ihre gegenseitige Abhängigkeit
erkennt und akzeptiert.
Die einflußreicheren Staaten müssen begreifen, daß Macht und Verantwortung Hand in Hand gehen und daß ihre Führungsposition keine Selbstverständlichkeit ist.
Die weniger einflußreichen Nationen sollten dafür Sorge tragen, daß
der Wert der Organisation, die sie schützt und ihnen eine gleichwertige
Stimme im Rat der Nationen ermöglicht, durch ihre Handlungen weder herabgesetzt noch zerstört wird. Die Vereinten Nationen sollten akzeptiert werden
als das, was sie sind: ein Hilfsmittel im diplomatischen Bemühen der
Nationen um eine friedlichere Welt, ein Instrument, das die traditionellen
Gepflogenheiten der Diplomatie oder die verantwortungsbewußte internationale Führung ergänzt aber nicht ersetzt. Sie wird auf keinen Fall eine
Art politisches Elektronengehirn, bei den man die Rechenaufgabe auf der
einen Seite einstellt und auf der anderen die Lösung ablesen kann.
In diesem Zusammenhange haben wir oft festgestellt, daß bestimmte
internationale Angelegenheiten wirksamer außerhalb des Rahmens der Vereinten Nationen behandelt werden könnten. Wir haben ferner festgestellt,
daß die Vereinten Nationen niemals eine kühn, imaginativ und realistisch
geführte Außenpolitik und eigene Programme ersetzen können und wir viele
unserer nationalen Interessen und Ziele weiterhin auf dem Wege über unsere
verschiedenen regionalen Abkommen und bilateralen Beziehungen verfolgen
müssen.
Ich bin der Ansicht, daß kein Zweifel darüber besteht, daß die
Vereinten Nationen dazu übergehen sollten, einen wirksameren Druck auszu- 11 -

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"AMERIKA DIENST"

auszuüben, um die Mitglieder dazu zu bringen, dann, wenn der Frieden
bedroht ist, an ihren Entscheidungen und Empfehlungen festzuhalten.
Darum glaube ich auch, ist die Aufstellung und der Einsatz der UNPolizeitruppe ein Portschritt in der Entwicklung freiwillig unternommener und dem Frieden dienender Einrichtungen. Die hierbei gemachten Erfahrungen mögen sich als unschätzbar für die Zukunft erweisen.
Wir sind optimistisch im Hinblick auf die Vereinten Nationen und
die Rolle der Generalversammlung in diesem Forum. Sie hatte sich kürzlich mit schwierigen Fragen zu beschäftigen und ist daraus stärker und
gereifter hervorgegangen.
Wir und die anderen Mitgliedstaaten werden, damit die Institution
ihrem Ziele, um derentwillen sie gegründet worden, dienen kann, die
Aufgabe haben, innerhalb ihrer Möglichkeiten alle Hilfsquellen auszuschöpfen. Die Vereinigten Staaten v/erden auch weiterhin ihren vollen
Teil dazu beitragen.

* * * * #

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�Allg./24.4.1957
DULLESt USA FÜR FRIEDEN, FREIHEIT UND GERECHTIGKEIT

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Ansprache des
US-Außenministers John Foster Dulles vom
22. April 1957 anläßlich des traditionellen
Jahresessens der amerikanischen Nachrichtenagentur "Associated Press" in New York.

"Ich erinnere mich gerne an Ihr Essen vor einem Jahr. Es
ist eine große Auszeichnung für mich, daß Sie mich ein zweites
Mal gebeten haben, zu Ihnen zu sprechen. Da dies meine erste Rede
in der zweiten Amtsperiode Präsident Eisenhowers ist, mag es angebracht sein, die grundlegenden Konzeptionen zu umreißen, von denen unsere Außenpolitik geleitet wird. Es ist wichtig, daß sowohl
unsere Freunde als auch unsere Gegner die Grundsätze kennen, nach
denen wir unseren Kurs abstecken.
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges trafen sich die Staatsmänner der Welt in San Francisco, um eine bessere Zukunft für
eine vom Krieg heimgesuchte Welt auszuarbeiten. Sie schrieben die
Charta der Vereinten Nationen nieder, und in deren erstem Artikel
stellten sie drei grundlegende und miteinander eng zusammenhängende
Prinzipien auf. Es müssen Frieden und Gerechtigkeit herrschen,und
die Nationen und Menschen müssen frei sein.
Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit, dies sind die gleichen
Fundamente, auf denen auch die Außenpolitik der Vereinigten Staaten beruht. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Konzeption in einer
Welt zu realisieren, die einer schnellen und immer schneller werdenden Veränderung unterliegt.
Vor zwei Jahrzehnten schrieb ich, daß der Weltfrieden nicht
von der Erhaltung des Status quo abhängt, sondern daß er vielmehr
darauf beruht, Mittel und Wege einer friedlichen Veränderung zu
finden. Heute ist dieses Erfordernis dringlicher denn je zuvor.
Unsere

�'AMERIKA DIENST"

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Unsere Außenpolitik erkennt die Veränderung als Lebensgesetz
an. '.Vir wollen sicherstellen, daß diese Veränderung zum Guten ausschlägt und nicht zerstörerisch wirkt, damit wir nicht lediglich
überleben, sondern auch der Freiheit und dem allgemeinen Wohl dienen
können.
Dazu ist als erstes erforderlich, daß jede Veränderung durch
gewaltsame Aggressionen ausgeschlossen wird.
Die vornehmste Aufgabe jeder Regierung besteht darin, ihre Bürger gegen Gewalt zu schützen. Ein solcher Schutz kann nur dann wirksam
sein, wenn er durch eine kollektive Bemühung zustandekommt. So leisten
in jeder zivilisierten Gemeinschaft die Mitglieder ihren Beitrag zur
Unterhaltung einer Polizeimacht, die das Gesetz und die Ordnung schützt.
Nur die Gemeinschaft der Nationen hat es bisher versäumt, dieses
Urprinzip jedes zivilisierten Lebens zur Anwendung zu bringen.
Von den Vereinten Nationen wurde der Versuch gemacht, eine bewaffnete Streitmacht zu schaffen, die dem Sicherheitsrat zur Aufrechterhaltung der internationalen Ordnung unterstellt sein sollte. Aber
die Sowjetunion legte ihr Veto dagegen ein.
Die Mitgliedstaaten hatten jedoch immer noch die Möglichkeit,
auf kooperativer Basis gegen eine Aggression vorzugehen. Denn die UNCharta hatte mit kluger Voraussicht proklamiert, daß allen Nationen
das Recht zu kollektiver Selbstverteidigung zusteht.
Die freien Nationen haben von diesem Recht weitgehend Gebrauch
gemacht. Die Vereinigten Staaten schlössen mit 42 Nationen kollektive
Verteidigungsabkommen ab, und das Gebiet der gemeinsamen Verteidigung
kann nunmehr infolge der jüngsten Nahostresolution noch erweitert
werden.
Dieses kollektive Sicherheitssystem ist äußeren Angriffen und
inneren Unzulänglichkeiten ausgesetzt.
Die sowjetischen Machthaber ziehen es verständlicherweise vor,
daß die freien Nationen schwach und untereinander uneins sind wie
damals, als die Männer des Kreml nacheinander die Unabhängigkeit
von einem Dutzend Ländern vernichteten. Daher prangern die KremlMachthaber bei jeder Ausdehnung des kcf.ektiven Verteidigungssystems
die sogenannten 'militaristischen Gruppierungen1 scharf an. Und
sobald die freien Nationen Maßnahmen zur Stärkung ihrer gemeinsamen
Verteidigung treffen, stoßen die Sowjetherrscher Drohungen aus. W
können aber, so meine ich, zuversichtlich sein, daß solche sowjetischen Angriffe nicht die Einigkeit der freien Welt sprengen. Die
kollektiven Maßnahmen hier müssen bestehen bleiben.

Eine

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Eine größere Gefahr können internationale Verwicklungen heraufbeschwören. Ein kollektives Verteidigungssystem, in dessen Rah e jede
Mitgliednation völlig souver'"n ist, erfordert ein hohes Maß an freiwilliger Zusammenarbeit und Übereinstimmung. Glücklicherweis ha en
wir dies. Beispielsweise stimmen wir darin überein, daß die v dringlichste Aufgabe darin besteht, vor einem Krieg abzuschrecken. D"" € modernen Kampfmittel besitzen eine derartig ungeheure Zerstörungskraft,
daß es, sollte ein Weltkrieg jemals ausbrechen, keinen echten Sieger'
geben kann.
Wir sind uns ferner darin einig, daß das Hauptabschreci'ungpmittel
gegen einen Aggressionskrieg in einer beweglichen Vergeltungsstä 'ke
besteht. Diese Vergeltungsstärke muß - was ihr Potential angeht gewaltig sein. Aber das Ausmaß, in dem sie ange endet würde, hängt
natürlich von den Umständen ab. Entscheidend ist, daß ein eve tue 1er
Aggressor sich darüber im klaren sein muß, daß er einen Angriff nicht
zu öin-in lohnenden Geschäft machen kann.
Wir stimmen weiter darin überein, daß es unvorsichtig wäre, würden wir alles auf einen einzigen militärischen Machtaspekt abstellen.
Es muß Land-, See- und Luftstreitkräfte für örtlich begrenzte Maßnahmen sowie für eine Verteidigung geben, die es ermöglicht, daß die bewegliche Schlagkraft zum Tragen kommt.
Wir s'nd uns also über die allgemeinen Ziele der gemeinsamen Verteidigung weitgehe d einig. Ihre Anwendung im einzelnen wird natürlich
immer wieder Schwierigkeiten mit sich bringen. Auch die Aufteilung der
Lasten schuf Problem . Moderne Waffen sind außerordentlich kostspielig. Gewal 'ge Sumnen müssen für die Forschung und Entwicklung sowie
für die Herste lung von Waffen ausgegeben werden, die unter Umständen
schon wieder überholt sind, bevor ihre Serienproduktion anläuft.
Die Vere'mgt n Staaten sind das einzige Land der freien Welt,
das in der Lage ist, die Kosten für die Entwicklung einer Vergeltungskapazität zu t agi-n, die ausreicht, um einen etwaigen Aggressor abzuschrecken, der selbst über eine große und wachsende Aggressionsstärke verfügt.
Außerdem aber versorgen die Vereinigten Staaten andere Nationen
m t militärischen Ausrust ngsgegenständen und helfen in einigen Fällen mit, die Wirtschaft ihrer Verbündeten zu stabilisieren, da diese
s nst in dem gemeinsamen Verteidigungsschema nicht die ihnen entsprechende Rolle übernehmen können.
Es gibt für den Präsidenten wohl keine größere Aufgabe, als gerade
auf dem Gebiet der Verteidigung d e schwerwiegende Entscheidung zu
fällen, welche Summen für welche Zwecke aufgebracht werden müssen und
wie diese Ausgaben in ein Budget einzugliedern sind, das auch für ande e wichtige Aufgaben Geldmittel bere tstellt und dies alles tut,
o' ne zu einer Geldentwertung oder übermäßigen steuerlichen Belastung
zu führen.
Einige

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Einige möchten in ihrem Sparsamkeitseifer den Teil unseres
Budgets kürzen, der oft fälschlich' 'Auslandshilfe1 genannt wird,
gerade so als ob dies nicht auch eine Hilfe für uns selbst wäre.
Das aber wäre keine Sparsamkeit mehr, sondern Verschwendung.
Wenn die Streitkräfte und Einrichtungen, die die anderen Mitglieder zur Verfügung stellen, der gemeinsamen Verteidigung entzogen
wären, dann würde der gegenwärtige amerikanische Verteidigungshaushalt sehr beträchtlich erhöht werden müssen. Das ist die wohlerwogene
Auffassung des Präsidenten und seiner militärischen Berater.
•

Die kollektiven Verteidigungsmaßnahmen der freien Welt stellen
keinen Idealfall dar. Sie erfolgen 'auch nicht automatisch, sondern
erfordern eine dauernde und bewußte Anstrengung vieler Nationen in
der Zusammenarbeit und der Überwindung kleinlicher Selbstsucht und
des extremen Nationalismus, die ihre Beziehungen vergiften könnten.
Diese Beziehungen aber basieren hauptsächlich auf gutem Willen und
Vertrauen. Sie stellen einen bedeutenden Schritt in dem längst
überfälligen Prozeß dar, den die internationale Gesellschaft auf
dem Wege von der Anarchie zur Ordnung durchgemacht hat. Die Aufrechterhaltung und Fortentwicklung dieses Prozesses ist ein Fundament
unserer Außenpolitik.
Wir glauben jedoch nicht, daß der einzige Weg zur Sicherheit in
einer immer größeren Rüstung besteht. Wir halten Kontrollen und eine
Reduzierung der Rüstung für möglich, wünschenswert und letztlich für
unerläßlich. Es ist nicht unbedingt notwendig, daß die Kontrollen sofort alles einschließen. Vielmehr wird aller Wahrscheinlichkeit nach
erst durch sorgfältig abgewogene und in Angriff genommene Einzelmaßnahmen ein Fortschritt herbeigeführt werden. Bisher ist es nicht möglich gewesen, eine Überwachung und andere Garantien sicherzustellen,
die es für uns klug erscheinen lassen würden, unsere Effektivstärke
zu reduzieren. Aber wir werden dieses Ziel auch weiterhin anstreben.
Wir sehnen uns in keiner Weise, nach einer Rüstung. Die Rüstung
ist uns vielmehr durch die aggressiven und hinterhältigen Absichten
des internationalen Kommunismus aufgezwungen worden.
Ein Wettrüsten ist kostspielig, unfruchtbar und gefährlich.
Wir werden in unserem Streben nicht nachlassen, diesem Wettrüsten
ein Ende zu machen, auf das Verlaß ist.
Jedes Polizeisystem ist seinem Wesen nach negativ. Es soll die
Gewaltanwendung unterdrücken und ein Gefühl der Sicherheit geben.
Aber dieses Sicherheitsgefühl ist illusorisch, wenn hinter seinem
Schutz nicht Wachstum und Entwicklung steht. Eine militärische Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens wird zusammenbrechen, wenn
wir nicht genauso zusammenarbeiten, um die Segnungen der Freiheit zu
verbreiten.
Der

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Der Handel ist von den frühesten Tagen der Geschichte her immer
eine der großen Aufbaukräfte wirtschaftlichen Wohlstandes gewesen.
Aus diesem Grunde empfiehlt die derzeitige amerikanische Regierung
eine Handelspolitik, die den Güteraustausch zum gegenseitigen Nutzen
fördert.
Genauso helfen die Vereinigten Staaten als die ßroduktionsstärkste
und wohlhabendste Nation anderen Staaten, die noch auf einer früheren
Stufe ihrer Entwicklung stehen.
Es gibt doch zu denken, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält,
daß etwa zwei Drittel all der Völker, die der kommunistischen Herrschaft widerstehen, in einem Zustand stagnierender Armut leben. Der
Kommunismus rühmt sich, dies alles ändern zu können, und verweist auf
die industrielle Entwicklung, die er in Rußland mit furchtbaren - aber
weitgehend verborgengehaltenen - Opfern in Form von menschlicher Sklaverei und menschlichem Elend zustandegebracht hat. Es ist die Frage,
ob die freien, aber noch nicht entwickelten Länder die Stagnierung
ihrer Völker überwinden können, ohne einen so furchtbaren Preis zahlen
zu müssen. Die befreundeten Nationen rechnen damit, daß diejenigen,
denen die Segnungen der Freiheit in überreichem Maße zuteil geworden
sind, den anderen helfen, die auf diese Segnungen noch warten.
Natürlich muß sich jedes Land in erster Linie selbst um eine Verbesserung seines Geschickes bemühen. Aber andere können einen Ansporn
und den Ausschlag geben zwischen Hoffnung und Verzweiflung und vielleicht zwischen Erfolg und Fehlschlag. Sie können dies dadurch tun,
daß sie Interesse und Anteilnahme zeigen, daß sie technische Hilfe
gewähren und daß sie Kapital für Entwicklungsvorhaben zur Verfügung
stellen.
Vieles hiervon wird unter privaten Auspizien getan, und wir wünschten, daß alles in dieser Weise geschehen könnte. Aber manchmal sind die
Risiken größer als daß sie vom Privatkapital getragen werden können.
Daher stellt unsere Regierung Mittel für wirtschaftliche Entwicklungsprojekte zur Verfügung.
Wenn man die Absatzmärkte mit anderen teilt und anderen Entwicklungskapital zur Verfügung stellt, so ist das kein Verschenken. Dadurch
wird sichergestellt, daß die freie Welt, von der wir ein Teil sind,
zu einer kräftigen und hoffnungsvollen Gemeinschaft wird. Dies steht
in Einklang mit unseren Interessen und Idealen. Unser gemeinsames
Sicherheitsprogramm kann unsere Politik klarer und stabiler machen
und sollte dies auch tun. Vor zwei Wochen habe ich vor einem Sonderausschuß des Senats entsprechende Vorschläge unterbreitet. Mit Hilfe
des Kongresses und mit Unterstützung des amerikanischen Volkes kann
unsere Handels- und Wirtschaftspolitik in beträchtlichem Ausmaß mit
dazu beitragen, der Welt zu zeigen, daß der Friede freier Menschen
nicht der zum Scheitern verurteilte Friede menschlicher Stagnierung,
sondern ein Friede von fortdauernder Lebenskraft ist.
So

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�"AMERIKA DIENST"

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So wie sich unsere Politik mit der wirtschaftlichen Entwicklung
beschäftigt, befaßt sie sich auch mit den politischen Änderungen.
Im Lauf des vergangenen Jahrzehnts sind innerhalb der freien Welt
19 neue Nationen mit einer Bevölkerung von 700 Millionen Menschen
entstanden. Darüber hinaus haben viele Nationen, die nicht vollständig
souverän waren, die volle Souveränität erhalten. Innerhalb dieser kurzen
Zeitspanne hat fast ein Drittel der gesamten Menschheit die erregende
und bisweilen berauschende Erfahrung machen können, ihre volle Unabhängigkeit errungen zu haben.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß jedes Volk seine
eigene Regierungsform und Unabhängigkeit haben sollte, sofern es dies
wünscht und sie sich zu erhalten in der Lage ist. Wir freuen uns, daß
es Fortschritte auf dem Weg zu diesem Ziel gibt.
Freiheit aber ist mehr als das bloße Zerbrechen alter, inzwischen
unwillkommen gewordener politischer Bindungen.
Jene Patrioten, die für uns die Unabhängigkeit gewannen, wußten
und haben dies proklamiert, daß unsere freien Institutionen
und unsere Unabhängigkeit nur dann erhalten werden können, wenn
unsere Nation sich der durch Religion und Erziehung geschaffenen Zucht
unterwirft. Dies aber ist eine unerlässliche Vorbedingung für jede verantwortungsbewußte Führung, die in der Lage sein soll, eine junge Nation
durch die ihr begegnenden Gefahren zu führen.
Wenn heutzutage Nationen ihre Unabhängigkeit erlangen, dann werden sie in eine Welt hineingestellt, von der ein Teil durch Despotismus beherrscht wird und deren anderer Teil dadurch frei bleibt, daß er
die Konzeption des Aufeinanderangewiesenseins akzeptiert. Es gibt keinen
sicheren Mittelweg.
Der internationale Kommunismus wartet nur darauf, von jenen Ländern Besitz zu ergreifen, deren verantwortliche Staatsmänner der Ansicht
sind, die neuerworbenen Souveränitätsrechte müßten dadurch zur Geltung
gebracht werden, daß andere souveräne Staaten verunglimpft werden. Eine
solche Souveränität ist eine selbstmörderische Souveränität.
Die Vereinigten Staaten sind ein aufrichtiger und machtvoller
Verfechter der Grundsätze ihrer Unabhängigkeitserklärung. Und wir
möchten, daß die neuerlangte Unabhängigkeit anderer Staaten etwas
Besseres wird als eine zwielichtige Periode, die der völligen Uacht
des kommunistischen Despotismus vorangeht.
Nirgendwo ist der Drang nach einer Veränderung größer als im
sowjetischen Machtbereich. Denn dort werden die wesentlichsten menschlichen Aspirationen am-'meisten unterdrückt.

Vor

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24. April 1957

Vor einem Jahr brüstete sich Chruschtschow auf dem zwanzigsten
Kongreß der Kommunistischen Partei der UdSSR, daß der Kommunismus
auf Grund seiner Verdienste überall in der Welt als Ideengebäude
und Regierungsform triumphieren werde.
Wieviele Kommunisten konnten aber in dem angeblich kommunistischen
Ungarn im Oktober angetroffen werden? Es waren ein Paar Hundert Geheimpolizisten, die in die Verbrechen des Regimes hoffnungslos verstrickt waren, und es waren eine Handvoll Verräter, die bereit waren,
mit Hilfe der sowjetischen Panzer zu regieren.
In der Praxis hat sich der Kommunismus als tyrannisch, reaktionär
und phantasielos herausgestellt. Sein Despotismus, der alles andere als
revolutionär war, ist so alt wie die Geschichte. Die überwiegende Mehrheit seiner Untertanen haßt das System und sehnt sich nach einer freien
Gesellschaftsform. Die Frage, wie sich die Vereinigten Staaten gegenüber diesem Problem verhalten sollen, kann nicht leicht beantwortet
werden. Jedoch gibt uns unsere eigene Geschichte einen Hinweis. Die
Vereinigten Staaten sind als Nation zu einer Zeit entstanden, wo ein
großer Teil der Welt von fremden Despoten regiert wurde. Das war eine
Tatsache, die wir zu ändern hofften. Wir wollten mit unserem Beispiel die freiheitlichen Kräfte in der ganzen Welt fördern und ein
Klima schaffen, in welchem der Despotismus zurückgehen würde. Praktisch haben wir dies auch getan.
Ich bin der Ansicht, daß diese Konzeption von damals uns auch
heute auf nützliche Weise leiten kann.
Laßt uns ein Beispiel geben, das die Segnungen der Freiheit demonstriert. Laßt uns dies in aller Welt verkünden. Laßt uns dafür
Sorge tragen, daß die geteilten oder versklavten Völker wissen, daß
sie nicht vergessen sind, daß wir niemals eine politische Lösung
auf ihre Kosten zulassen werden und daß ein herzliches Willkommen
und neue Möglichkeiten ihrer warten, wenn sie mehr Freiheit erlangen.
Laßt uns auch den sowjetischen Machthabern gegenüber unsere
Ziele, so wie sie sind, klarstellen. Wir verurteilen ihren Imperialismus und treten ihm eintgegen. Wir streben die Befreiung der unterdrückten Völker an. Wir wollen dies jedoch nicht, um Rußland mit feindlichen Kräften zu umgeben, sondern weil der Friede solange gefährdet
ist und das Wort Freiheit solange ein Gespött bleibt, bis die geteilten
Nationen wiedervereinigt und die unterdrückten Länder frei geworden sind.
Wir würdigen und verehren diejenigen, die als Märtyrer ihr Blut
für die Freiheit gaben. Aber wir stachele unsererseits nicht zu einer
gewaltsamen Revolte auf, sondern ermutigen vielmehr eine Evolution der
Freiheit.
Die Stimme Amerikas, unsere Informations- und Kulturaustauschprogramme verbreiten in der ganzen Welt das Wissen um die Bedeutung und die
Wirkung* der Freiheit. Als Ungarn überfallen und die Freiheit vernichtet
wurde, traten wir für eine Verurteilung der Sowjetunion durch die Vereinten Nationen ein. Und sobald bestimmte Schritte zur Erlangung der Unabhängigkeit erfolgten, wie kürzlich im Falle Polen, zeigen wir uns bereit, .
mit freundschaftlichen Maßnahmen zu antworten.
Die

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24. April 1957

Die Ereignisse des vergangenen Jahres deuten darauf hin, daß
der Drang nach Freiheit im Wachsen ist.
Innerhalb der Sowjetunion sind die Forderung nach größerer persönlicher Sicherheit und größerer Geistesfreiheit sowie das Verlangen,
größeren Nutzen aus der geleisteten Arbeit zu ziehen, im ständigen
Wachsen.
Der Weltkommunismus hat sich mit doktrinären Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Und das grausame Verhalten des sowjetischen Kommunismus in
Ungarn hat viele veranlaßt, die kommunistischen Parteien in der ganzen
Welt zu verlassen. Nicht länger mehr stellen die Satellitenländer ein
willfähriges Element dar, das zur Stärkung der Sowjets beiträgt. In der
Tat muß nun die militärische und wirtschaftliche Stärke der Sowjets ausgeweitet werden, damit man jene unterdrücken kann, die ihre Unzufriedenheit gegen die Sowjetherrschaft offen zur Schau tragen.
Die Sowjetregierung zahlt mit ihrer moralischen Isolierung einen
hohen Preis.
Die sowjetischen Machthaber stehen in dem Rufe, nüchterne Rechner
zu sein. Wie lange noch, so dürfen wir fragen, werden sie dann ihre Möglichkeiten dafür einsetzen, die nach nationaler Einheit und Freiheit
strebenden historischen Kräfte zu bekämpfen, die letzten Endes doch die
Oberhand behalten werden?
Lassen Sie mich jetzt von den Vereinten Nationen sprechen. Die
Charta der Vereinten Nationen koppelt den Frieden mit der Gerechtigkeit
und stellt das bedeutsamste völkerrechtliche Gesetzeswerk dar, das bisher bekannt ist.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Grundsätzen zugestimmt und
bemühen sich, ihnen gerecht zu werden; und wir erwarten von den anderen
Signatarstaaten dasselbe. Von Zeit zu Zeit machen wir von den durch die
Vereinten Nationen gegebenen rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch, um
dazu beizutragen, daß die in der Charta niedergelegten Prinzipien wirksam
werden. Wir als ein mächtiges Land schämen uns nicht, der Weltmeinung
die gleiche schuldige Achtung entgegenzubringen, die wir für richtig
hielten, als wir, jung und schwach, unsere eigene Unabhängigkeit anstrebten.
Das ist kein Verzicht auf eine Außenpolitik. Es ist vielmehr die
Ausübung einer Außenpolitik, und^zwar in einer Form, die die beste Hoffnung für die Menschheit darstellt.
Unser Eintreten für die Prinzipien der UN-Charta wurde durch die
jüngste Krisis im Nahen Osten hart auf die Probe gestellt. Wir standen
damals in einem qualvollen und beispiellosen Konflikt der Gesinnungstreue. Die historischen Bande würden uns zu einer Duldung der begonnenen
gewaltsamen Aktion bewogen haben. Dies aber hätte einen Treuebruch gegenüber dem Gelöbnis der Vereinten Nationen bedeutet, daß alle UN-Mitglieder sich der Anwendung von Gewalt entsagen, es sei denn um einen bewaffneten Angriff abzuwehren. Diese gleiche feierliche Verpflichtung ist auch

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24. April 1957

auch in all unseren Bündnisverträgen niedergelegt. Wir entschlossen
uns, treu zu dieser Verpflichtung zu stehen.
Dies war eine schwere, wenn auch für die direkt Betroffenen nicht
unerwartete Entscheidung.
Die Entscheidung war wohl nicht populär, aber sie war unbedingt
erforderlich, wenn die Welt nicht wieder dahin gelangen sollte, wohin
sie trieb, als die Satzungen des Völkerbundes mißachtet wurden.
Die UN-Charta aber fordert nicht nur, wie wir gesehen haben, eine
friedliche Lösung, sondern auch eine Lösung in Übereinstimmung mit der
Gerechtigkeit und dem Völkerrecht.
Wir müssen danach trachten, jenem Ziel näherzukommen, und wir tun
dies auch. Beispielsweise streben wir jetzt danach, im Nahen Osten bessere als jene provokatorischen und gefährlichen Bedingungen zu schaffen,
die die kürzlichen Gewalttätigkeiten ausgelöst haben.
Dies kann nicht schnell oder auf einmal geschehen. Wo die Erregung hohe Wellen schlägt und ein tiefes Gefühl der Verbitterung besteht,
da sind die hauptsächlich Betroffenen mehr daran interessiert, Bundesgenossen zu gewinnen, als unparteiische Ratschläge zu befolgen. Wo immer
solche Situationen entstehen, so werden sie stets durch sowjetische Machenschaften noch verschlimmert. Der Kreml liebt trübe Gewässer, in denen
er fischt.
Bei innerpolitischen Problemen wissen wir, daß es schwierig ist,
gerechte Lösungen anzuwenden, wenn Rassen- oder Klassenleidenschaften
hohe Wellen schlagen. Genauso schwierig ist die Aufgabe auf außenpolitischem Gebiet, und manchmal scheint der Krieg eine Lösung anzubieten,
die zu dem gewünschten Ziel hinführen könnte. Aber dieser Schein ist
eine Illusion. Die einzig dauerhafte Lösung läßt sich nur so erzielen,
daß man mit Geduld, Entschlossenheit und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Gerechtigkeit und der Herrschaft des Rechts trachtet.
Dies zumindest ist der Glaube unserer Regierung, und diesem Grundsatz
hat sie sich verschrieben.
Ich habe versucht, die Prinzipien aufzuzeigen, die die Außenpolitik
der Vereinigten Staaten leiten. So wesentlich derartige Leitprinzipien
aber auch sind, so sind sie als solche doch nicht genug. Sie müssen
durch tägliche Aktionen gestärkt werden, in dem Maße wie überall in der
Welt unsere Stellungnahme gesucht und unser Einfluß zur Geltung gebracht
wird.
Dies ist eine Aufgabe, die zuweilen als 'Feldzug des Friedens1
bezeichnet wird. Es ist eine schwere Aufgabe, und sie ist meist nicht
mehr dramatisch. Viele, die an ihr mitwirken, werden vielleicht niemals
als Helden bekannt werden. Dennoch vollbringen sie Leistungen und in
manchen Fällen Opfer, die denjenigen gleichen, die in einem Krieg zum
Sieg erforderlich sind. Durch ihren Einsatz ersparen sie uns das unendlich größere Opfer des Krieges selbst.
Gewiß

�"AMERIKA DIENST"

24. April 1957

Gewiß rechtfertigt das, was auf dem Spiel steht, diese Anstrengung. Da ich über die Leistung der modernen Zerstörungswaffen unterrichtet bin, erkenne ich klar, daß es unmöglich ist, die ganze und
tatsächlich entsetzliche Bedeutung der hier verwandten Zahlen und Begriffe zu erfassen.
Und doch wäre es leichtsinnig, zu verkennen, daß eine
Katastrophe im Bereich des Möglichen liegt. Die Geschichte
sogar die Annahme nahe, daß ein so grundlegender Konflikt,
der die Welt der Freiheit und die Welt des internationalen
trennt, sich schließlich in einem Krieg Luft macht.

solche
legt
wie der,
Kommunismus

Diese Annahme lehnen wir ab. Eine Ablehnung durch Worte und Hoffnungen allein genügt jedoch nicht. Wir müssen darüber hinaus die äußersten Anstrengungen unternehmen, um dies zu verhindern. Hierfür muß
das amerikanische Volk in den kommenden Jahren unermüdlich sein ganzes
Sinnen und Trachten einsetzen.
Damit erwartet man nicht zuviel, denn die Amerikaner sind ein
gläubiges Volk. Sie haben stets ein Sendungsbewußtsein gehabt und waren
immer zu Opfern bereit, um große Ziele zu erreichen. Bestimmt hat unsere Nation nicht deshalb einen neuen Höhepunkt der Macht und der Verantwortung erreicht, um an der größten und vielleicht letzten aller
menschlichen Katastrophen teilzuhaben.
Wenn wir unserer Vergangenheit treu bleiben, dann werden wir um
unsere Zukunft nicht zu fürchten haben. Die Sache des Friedens, der
Gerechtigkeit und der Freiheit braucht nicht und darf nicht scheitern".

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

V/Wl.5.1957
USA PLANEN VERBESSERUNG DES LUFTVERKEHRSWESENS

V/ASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Botschaft Präsident
Eisenhowers an den US-Kongreß, in der er die
Schaffung einer Planungsstelle für die Llodernisierung des Verkehrswesens empfiehlt. Die Botschaft wurde dem Kongreß am 11.April unterbreitet .
An den Kongreß der Vereinigten Staaten,
Die Notwendigkeit, die Sicherheit und die reibungslose Abwicklung des Zivil- und Militärluftverkehrs durch energische Maßnahmen
zu gewährleisten,findet in der Öffentlichkeit starke Beachtung.
Am I.März 1956 habe ich einen Sonderbeauftragten für Fragen der
Luftverkehrsplanung ernannt und ihn angewiesen, detaillierte Vorschläge darüber auszuarbeiten, wie sich die im Interesse der Vereinigten Staaten erforderliche Ausweitung der Flugüberwachungs- und
Flugsicherungseinrichtungen am besten bewerkstelligen ließe.
Ich lege hiermit einen von meinem Sonderbeauftragten für Luftverkehrsplanung ausgearbeiteten Zwischenbericht vor. Dieser Bericht
verweist auf die ernsten Probleme, denen sich die amerikanische Luftfahrt bereits heute gegenübersieht und noch mehr in Zukunft gegenübersehen wird. In ihm wird ferner die Schaffung einer Planungsstelle
für die Modernisierung des Luftverkehrswesens empfohlen und deren
Arbeitsgebiet umrissen.
Der Direktor der Abteilung Bundeshaushaltsplanung wird dem Kongreß einen Gesetzentwurf über die Errichtung einer Planungsstelle
für die Modernisierung des Luftverkehrswesens unterbreiten. Die vorgeschlagene Maßnahme wird die Verbesserung der Flugüberwachungs- und
Flugsicherungseinrichtungen wesentlich beschleunigen, und so ersuche
ich den Kongreß um eine baldige Verabschiedung der Vorlage.

gez.: Dwight D. Sisenhower

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1. Mai 1957

Zwischenbericht des Sonderbeauftragten für Luftverkehrsplanung
Kurz nachdem ich im vergangenen Jahr mein Amt als Sonderbeauftragter für Luftverkehrsplanung übernommen hatte, gingen meiner Dienststelle
zahlreiche Informationen über die Luftverkehrsverhältnisse in den Vereinigten Staaten zu. Die in der Vergangenheit verschiedentlich geäußerten Befürchtungen wurden durch zahlreiche Anzeichen erhärtet, die darauf
hindeuten, daß unsere Luftverkehrswege und Großflughäfen immer mehr überlastet werden.
In den Vereinigten Staaten werden täglich 65 000 Flugstunden zurückgelegt. Mit Hilfe von Radargeräten wurden im Luftraum einer einzigen
Großstadt gleichzeitig 220 Flugzeuge registriert. Tausende von Düsenflugzeugen der amerikanischen Luftstreitkräfte tragen das Ihre zu einer
weiteren Überlastung der amerikanischen Luftverkehrswege bei und erhöhen
so die Gefahren des "Auf-Sicht-Fliegens". Ohne entsprechende technische
Hilfsmittel können die Piloten den Anforderungen der stark erhöhten Fluggeschwindigkeiten nicht mehr gerecht werden, so daß sich die Gefahr von
Zusammenstößen ständig erhöht.
Die gegenwärtige Situation ist vielleicht nicht minder erstaunlich
als die außerordentliche Zunahme des Luftverkehrs, wie sie von der
Öffentlichkeit gewünscht und von der Wirtschaft auch künftig getragen
und gefördert wird.
Im Jahre 194&amp; wurden von den Luftfahrtgesellschaften in den Vereinigten Staaten lediglich 10 Milliarden Passagierkilometer zurückgelegt. Im Jahre 1956 hatte sich diese Zahl bereits auf 32 Milliarden
erhöht. Nach den von mir angestellten Untersuchungen dürften es im Jahre
1975 112 Milliarden Passagierkilometer sein. Außerdem ist damit zu rechnen, daß sich auch die Zahl der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
vorhandenen 61 000 Privatf lugzeuge:-,' bis zum Jahre 1975 auf über 100 000
erhöhen wird.
Aus Gründen der Sicherheit und im gegenwärtigen und künftigen Interesse der Öffentlichkeit ist es erforderlich, mit Einfallsreichtum
und Tatkraft zu Werke zu gehen. Bei der Unterstützung dieser Bemühungen
kommt der Bundesregierung eine führende Rolle zu. Das von der Bundesanstalt für Flugsicherung gegenwärtig mit Nachdruck durchgeführte Programm des Ausbaus bestehenden? Einrichtungen unter Verwendung bereits
bekanntet Methoden, ist sehr zu begrüßen und verdient uneingeschränkte
Unterstützung. Diese Aufgabe erfordert den Einsatz aller ihr zu Gebote
stehenden Kräfte. Der diesem Bericht beigefügte Gesetzentwurf berührt
die von der Bundesanstalt für Flugsicherung geplanten technischen Verbesserungen in keiner Weise.
Ich habe mich eingehend darum bemüht, die tieferen Ursachen unserer
Luftverkehrsprobleme aufzuspüren und bin dabei zu dem Schluß gelangt,
daß den militärischen und zivilen Bundesbehörden, die mit der Überwachung
und Entwicklung der Luftfahrt betraut sind, keine als brauchbar anzusehenden technischen Systeme bekannt sind, mit deren Hilfe sich eine Modernisierung de?'.'Luftverkehrs bewerkstelligen ließe. Welche Systeme aber

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

aber als brauchbar anzusehen sind, ist nuK in Versuchen und Untersuchungen zu ermitteln, die von Militär- und Zivilfliegem in Zusammenarbeit mit Flugsicherungssachverständigen durchgeführt werden. Die
Bundesregierung kann bereits jetzt geeignete Schritte zur Lösung dieser Probleme unternehmen, und ich gestatte mir, meinem Bericht den
Entwurf zu einer diesbezüglichen Gesetzesvorlage beizuschließen. Aus
diesem Gründe möchte ich auf dieses Problem näher eingehen und seine
unerlässliche Lösung aufzeigen. Dies ist der Zweck des Zwischenberichts.
Meine Untersuchungen waren zunächst darauf gerichtet, einmal festzustellen, auf welchen Gebieten die in den vergangenen zehn Jahren
unternommenen Bemühungen um eine Modernisierung des Luftverkehrs, sowohl der technischen Systeme als auch der angewendeten Methoden, unzureichend waren. Ich habe festgestellt, daß es an Vorschlägen von
technischer Seite nicht gefehlt hat. Im Gegenteil, in unseren Laboratorien wurden bereits viel zu viele elektronengesteuerte Flug- und
Landesysteme mit dem Ziel entwickelt, die Abwicklung des Luftverkehrs
zu erleichtern. Die meisten dieser Vorschläge wurden nicht aufgegriffen
und somit auch niemals praktisch erprobt. Der Ausweg aus diesem Dilemma
dürfte in organisatorischen Maßnahmen innerhalb der Bundesregierung zu
suchen sein, die darauf abzielen, die Ziele klar abzustecken und Systeme und Methoden zu entwickeln und auszuwählen, mit deren Hilfe sich
diese Ziele erreichen lassen.
Bereits im Jahre 1948 hatte man klar erkannt, daß die Modernisierung des Luftverkehrs ein vordringliches Problem darstelle. Die seinerzeit ergriffenen Maßnahmen haben jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt. Die Regierung versuchte damals die auf dem Gebiet der
Flugüberwachung gegebenen technischen Schwierigkeiten durch Einsetzung
eines Ausschusses zur Entwicklung der Flugnavigation zu lösen. Dieser
Ausschuß wurde auf Grund einer interministeriellen Vereinbarung zwischen dem Verteidigungs- und dem Handelsministerium eingesetzt,und zahlreiche hervorragende Männer haben sich energisch bemüht, den Ausschuß
zu einem wirksamen Instrument zu machen. Doch die scharfe Abgrenzung
der gesetzlichen Befugnisse der beiden Ministerien gegeneinander und
die Überschattung der auf dem Gebiet der Flugüberwachung gegebenen
Probleme durch ein allerdings verständliches Beharren der beiden Ministerien auf die in ihre«|p jeweiligen Zuständigkeitsbereich fallenden
Aufgaben haben den Ausschuß^dm. seiner Tätigkeit mehr behindert als
anfangs angenommen worden waLr. j)a der Ausschuß nur aus zwei stimmberechtigten Mitgliedern bestand, jfnußten alle Maßnahmen mit Einstimmigkeit getroffen werden. Diesel? aus zwei Mitgliedern bestehende Ausschuß,
der keine gesetzlich verankertet Befugnisse hatte und über keine eigenen
Mittel verfügte, war nicht imstande, die Luftverkehrsprobleme mit
genügender Autorität zu behandeln, notwendige Entscheidungen zu treffen oder der Entwicklung klare Ziele zu setzen.
Darüber hinaus haben in den letzten zehn Jahren verschiedene Ausschüsse von Vertretern der Regierung und der Wirtschaft über Ziele
und Methoden der Flugüberwachung und Flugnavigation beraten. Trotz der
bei der Arbeit von Ausschüssen gewöhnlich auftretenden Schwierigkeiten
haben diese in der Vergangenheit doch mehrere brauchbare Ratschläge
erteilt. Doch es gab keine Behörde, die befugt und fähig gewesen wäre,
diese Vorschläge entgegenzunehmen.
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1. Mai 1957

Die Festsetzung unserer Ziele und die Auswahl von technischen
Systemen und Methoden für die Überwachung des Luftverkehrs erfolgte
in gefährlicher Langsamkeit. Sie läßt sich nicht durch eine Koordinierung der Arbeit der verschiedenen Ausschüsse und Regierungsbehörden beschleunigen. Dies hatte man vor zehn Jahren bei der Reorganisation übersehen, und so haben wir heute ein veraltetes und unzureichendes Luftverkehrswesen.
Die rasche und stetige Zunahme des Flugverkehrs läßt zukünftige
Verhältnisse ahnen, die bereits heute eine mit entsprechenden Entscheidungsbefugnissen ausgestattete Behörde notwendig machen, eine nach
neuzeitlichen Grundsätzen aufgebaute Organisation,um die für den Luftverkehr von Morgen notwendigen Anlagen zu prüfen und auszuwählen.
Diese Lücke ist inzwischen erkannt worden, und man hat gelernt,
diese Dinge getrennt von anderen Problemen der Luftfahrt zu sehen. Die
Suche nach einer Abhilfe und die Dringlichkeit der Angelegenheit haben
mich veranlaßt, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten und ihn mit den
interessierten Regierungsstellen abzustimmen. Diese Gesetzesvorlage
soll dem Kongreß die Schaffung einer fflanungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens erleichtern. Die Ernennung des Vorsitzenden der Planungsstelle, der keinerlei Weisungsbefugnissen von
anderen Regierungsbehörden unterstellt sein soll, erfolgt durch den
Präsidenten. D3? Handelsministerium und das Verteidigungsministerium
sollen im Hinblick auf ihr grundlegendes Interesse an der Arbeit der
Planungsstelle je einen Vertreter in sie entsenden.
Die Planungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens
hätte als selbständige Bundesbehörde die Aufgabe, die Erfordernisse
der Zukunft zu ermitteln und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen,
um sicherzustellen, daß die für die Abwicklung des künftigen Flugverkehrs in den Vereinigten Staaten benötigten Nachrichtenmittel, Navigationshilfen und Flugüberwachupgsanlagen jeweils vorhanden sind. Sie
wäre ferner für die technisch^ Durchführung der Entwicklungsarbeiten
solcher Systeme sowie für die Prüfung und Auswahl der für die Verwendung im Luftverkehr geeigneten Hilfsmittel verantwortlich.
In der Gesetzesvorlage wird von der Tatsache ausgegangen, daß
Militär- und Zivilluftfahrt sich in den vorhandenen Luftraum teilen
müssen. In ihr wird ferner der Grundsatz zum Ausdruck gebracht, daß
die Auswahl von künftigen Systemen und Methoden zur Regelung des
Flugverkehrs eine öffentliche Aufgabe im weitesten Sinne darstellt.
Die Planungsstelle wäre befugt, sowohl Militär- als auch Zivilluft~fährtsachverständige zur Erledigung der gestellten Aufgaben heranzuziehen. Sie soll sich in reichlichem Maße den unparteiischen Rat
der Benutzer des Flugnetzes und die technischen Fertigkeiten der Industrie zunutze machen. Sie soll also, mit anderen Worten, gemeinsam
mit anderen Stellen und Fachleuten eine Anämie der künftigen Erfordernisse vornehmen, Versuche anstellen und eine entsprechende Auswahl treffen, wobei sie sich von dem Gedanken leiten lassen muß, daß
das nationale Flugsicherungssystem zur Abwicklung der Zivil- und Militärluftfahrt in Krieg und Frieden geeignet sein muß.
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1. Mai 1957

Das Gesamtsystem ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Luftverteidigung. Es muß aber gleichzeitig auch den zunehmenden Anforderungen auf dem zivilen Sektor gerecht werden. Für diese offensichtlich
auseinandergehenden Erfordernisse konnte nach dex bisher angewandten
Verfahrensweise - der Verhandlung vor Ausschüssen - keine befriedigende
Lösung gefunden werden. Deshalb darf von der Planungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens erwartet werden, daß sie eingehende
Versuche und Tests auf diesem Gebiet durchführen wird, in deren Verlauf sich Verfahrensweisen sowie technische Anlagen erproben lassen
und Piloten und Flugsicherungssachverständige Gelegenheit zu gemeinsamen Experimenten erhalten. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß die
neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf die Lösung der gegebenen
Probleme angewandt werden. Die Planungsstelle, an deren Spitze ein
unparteiischer Mann stehen soll, gewinnt so die Möglichkeit, klare
Entscheidungen zu treffen und diejenigen Systeme zu ermitteln, die vom
Standpunkt der Wirtschaftlichkeit, der Betriebserfordernisse und der
technischen Leistungsfähigkeit am besten geeignet sind.
Es ist geplant, daß die Planungsstelle den interessierten militärischen und zivilen Stellen Systeme namhaft machen wird, die den
Bedürfnissen der Flugnavigation und der Flugsicherung voll gerecht
werden. Sie soll aber nach den gegenwärtigen Plänen nicht die Befugnis erhalten, die für den Flugbetrieb zu verwendenden Boden- und Bordeinrichtungen selbst zu entwickeln und zu beschaffen.
Die Planungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens
soll nur eine temporäre Institution sein und lediglich als Sammelpunkt
aller Bemühungen um die Entwicklung und Auswahl geeigneter Systeme
dienen. Gegenwärtig befassen sich zwei einschlägige Bundesbehörden
mit solchen Aufgaben. Die Gesetzesvorlage wird in der Absicht vorgelegt, die diesbezüglichen Anstrengungen zusammenzufassen und ein gemeinsames Vorgehen in bezug auf die Versuchsarbeiten und deren Auswertung in die Wege zu leiten. Dies ist eine gebieterische Notwendigkeit,
wenn hier in den Vereinigten Staaten eine ständig zunehmende Behinderung des Luftverkehrs und ein Anstieg der Unfallzahlen Termieden marden
soll.
Die Funktionen, die die Planungsstelle übernehmen soll, sind gänzlich auf die Überlegungen abgestimmt, die im Zusammenhang mit einer
weitergehenden Reorganisierung der für Luftfahrtfragen zuständigen Regierungsbehörden angestellt worden sind. In meinem Schlußbericht werde
ich voraussichtlich auf diesbezügliche Gesamtplanung näher eingehen.
Es ist jedoch heute bereits klar, daß noch sehr eingehende Untersuchungen notwendig sind, um eine leistungsfähige ständige Organisation aufbauen zu können. Eine als Dauerzustand gedachte Lösung vorschnell vorzuschlagen, würde sehr leicht zu improvisierten Maßnahmen führen, die
ihrerseits die für eine reibungslose Abwicklung des Flugverkehrs in
der Zukunft notwendigen Schritte noch komplizieren und verzögern könnten.

Aus

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

Aus diesem Grunde wird die Schaffung einer Planungsstelle für
die Modernisierung des Luftverkehrswesens als der rascheste und wirksamste Schritt zur Inangriffnahme einer auf lange Sicht geplanten
Verbesserung des amerikanischen Luftverkehrs vorgeschlagen. Die Befristung der Befugnisse der Planungsstelle auf drei Jahre wird aus der
Erwägung heraus nahegelegt, daß diese Zeit ausreicht, ein Verfahren
zur Koordinierung aller Versuchsarbeiten sowie zur Prüfung nrui "jU^siräül
•von brauchbaren Flugsicherungssystemen zu entwickeln. Dieser Zeitraum
ist auch so bemessen, daß die Exekutive Gelegenheit hat, weiter Reorganisierungsmaßnahmen zu ergreifen, in die sich die Tätigkeit der Planungsstelle logisch einbauen läßt.
Mit der Bitte um wohlwollende Behandlung unterbreitet

gez.: Edward P. Curtis

*

* * *

*

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�A M E R I K A

D I E N S T

Alig./i»5.1957
DR. LIBBY ANTWORTET DR. SCHWEITZER

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut eines
Briefes, den Dr. W.F. Libby von der USAtomenergie-Kommission am 25«April 1957
an Dr. Albert Schweitzer gesandt hat, und
in dem er zur Frage von Strahlenschädigungen als Auswirkung der Atomwaffenversuche
Stellung nimmt.

Sehr verehrter Herr Dr. Schweitzer
Ich schreibe Ihnen als Wissenschaftler, um Ihnen Daten bezüglich eines wissenschaftlichen Faktums zur Kenntnis zu geben:
den Grad der Gefährdung der I.Ienschheit durch radioaktive Ausfällungsprodukte, die von Kernwaffenversuchen herrühren.
Ich las in den Zeitungen vom 24«April Ihre Osl oer Erklärung
über die Gefährdung durch Kernwaffenversuche, und i ch habe auf
diese Weise von Ihren Befürchtungen Kenntnis erhalt en, daß das gegenwärtige Versuchsprogramm gefährlich sein könnte, Da ich während
der letzten Jahre sehr viel Zeit auf das Studium di eser Frage verwendet habe, gestatte ich mir, Ihnen zu schreiben Da Ihre Erklärung über Rundfunk und Presse verbreitet worden ist und starke
Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden hat, mache ich auch diesen Brief publik und zwar in dem Glauben, daß alle nur möglichen
Schritte unternommen werden sollten, das Verständni s der Öffentlich.
keit für die bedeutsame Frage der Waffenversuche zu verbreitern.
Ihr Glaube an die Heiligkeit des Lebens, und die Hingabe, mit
der Sie Ihr Leben und Ihre Fähigkeiten in den Dienst selbstloser
Unternehmungen gestellt haben, machen einen tiefen Eindruck auf
zahlreiche Menschen in allen Teilen der Welt. Ihre Besorgnis um
die möglichen Auswirkungen von Kernwaffenversuchen ist bezeichnend für Ihre Menschlichkeit und Ihr Mitempfinden, die Sie schon
immer zu erkennen gegeben haben und für die man Sie mit Recht
so sehr verehrt. Darüber hinaus besitzen Sie, wie ich sehr wohl
weiß, die geistige Macht und Integrität, um die Wahrheit zu
suchen, wo immer sie liegt. Aus eben diesem Geist heraus schreibe
ich Ihnen, in dem Glauben auch, daß Sie Tatsachen, die ich Ihnen

�"AMERIKA DIENST"

1. Mai 1957

Ihnen vielleicht im Zusammenhang mit radioaktiven Ausfällungsprodukten auf Grund von Atomwaffenversuchen verfügbar machen kann,
gerne zur Kenntnis nehmen werden.
Ich weiß nicht, auf welches Material Sie sich bei Ihrem Studium
dieser Frage stützten, ich bezweifle allerdings im Hinblick auf die
in Ihrer Erklärung angeführten Beweisgründe ernsthaft, daß Ihnen
Informationen neuesten Datums zur Verfügung standen. Unmittelbar
nach Lektüre Ihrer Erklärung sandte ich Ihnen eine Kopie einer
Rede, die ich kürzlich über die Frage gehalten habe, was wir auf
Grund wissenschaftlicher Untersuchungen über radioaktive Ausfällung
beziehungsweise deren Auswirkungen wissen. Ich schließe diesem
Brief das Manuskript eines wissenschaftlichen Vortrags bei, den
ich am 26.April vor der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft
halten werde* Ich hoffe, daß Ihnen diese beiden Schriften von Nutzen
sein werden. Sie zeigen, daß eingehende Bemühungen unternommen worden
sind, die tatsächlichen radioaktiven Konzentrationen im Boden, im
V/asser, in den Nahrungsmitteln und im menschlichen Körper als Auswirkung der Kernwaffenversuche theoretisch zu berechnen und durch
Analysen von Proben nachzuweisen.
Falls Sie den Eindruck gewonnen haben sollten, daß in Erklärungen offizieller Sprecher der Vereinigten Staaten einer möglichen Gefährdung durch inkorporierte Strahlung nicht Rechnung getragen wird und ich fürchte auf Grund Ihrer Erklärung, daß Sie d'ies glauben -,
beeile ich mich, Ihnen zu versichern, daß dem nicht so ist. In
Erklärungen, die die Regierung abgegeben hat, wurde diese Frage
eingehend behandelt. Sie wurde auch in aller Ausführlichkeit erörtert, so in einem Bericht, der von einer großen Anzahl hervorragender Y,rissenschaftler im Auftrag der Nationalen Akademie der
Wissenschaften ausgearbeitet worden ist und in England in einem
Bericht des Britischen Medizinischen Forschungsrates; beide Berichte sind im Juni vergangenen Jahres erschienen.
Insbesondere seit dem Sommer des Jahres 1953 hat die Atomenergie-Kommission in aller Welt eingehende Untersuchungen von
Ausfällungen angestellt, auf die der größte Teil der gegenwärtig
zu dieser Frage verfügbaren Informationen zurückgeht. Diese Studien
schlössen Analysen von Boden-, Pflanzen-, Nahrungsmittel- und
Materialproben aus vielen Teilen der V.relt ein. Die Regierung der
Vereinigten Staaten hat die diesbezüglichen Unterlagen dem \7issenschaftlichen Ausschuß für Atomstrahlung der Vereinten Nationen
lückenlos zugängig gemacht, der auf Grund einer Empfehlung der Vereinigten Staaten geschaffen worden ist und auch die von anderen Ländern unterbreiteten Daten überprüft hat.
V/enngleich hinsichtlich der Untersuchungsergebnisse von Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten und aus dem Ausland einige
Abweichungen festzustellen waren, so herrscht doch allgemeine Übereinstimmung hinsichtlich der annähernden Größenordnung der Ausfällungen und der Geschwindigkeit, mit der sie aus der Stratosphäre herabregnen. Möglicherweise besteht hinsichtlich der Größenordnung der
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�"AMERIKA DIENST"

1. Hai 1957

der physiologischen Auswirkungen, die sich aus der Strahlung von
Ausfällungsprodukten ergeben können, keine so große Übereinstimmung.
Dennoch herrscht unter denjenigen, die sich mit dieser Frage befaßt
haben, ziemlich allgemein die Auffassung, daß die Strahlungsbelastung
durch Ausfällungen weit geringer ist als die Strahlungsbelastung,
die nötig wäre, um erkennbare Auswirkungen auf die Bevölkerung hervorzurufen. Die amerikanischen Regierungsstellen waren unablässig
bemüht, diesen Grad einer nur sehr geringen Strahlungsgefährdung
durch Kernwaffenversuche aufrechtzuerhalten und haben niemals in
ihren Untersuchungen und in ihren Vorkehrungen nachgelassen, eine
Verringerung zu erreichen.
Ich möchte nicht sagen, daß überhaupt kein Risiko besteht.
Was ich Ihnen darlegen möchte, ist vielmehr, daß das Risiko äußerst
gering im Vergleich zu anderen Risiken ist, die die Menschen allenthalben als normalen Teil des Lebens hinnehmen. Ich bitte Sie gleichzeitig, dieses Risiko gegen jenes meiner Meinung nach - für die freiheitsliebenden Völker in allen Teilen der Welt - weit größere Risiko
aufzuwägen, nämlich das Versäumnis, unsere Verteidigung gegen die
totalitären Kräfte, die in der Welt am Werke sind, bis zu jenem Zeitpunkt aufrechtzuerhalten, an dem eine Abrüstung bei gleichzeitiger
Gewährleistung der Sicherheit erreicht werden kann. Selbstverständlich stellt ein brauchbares und mit entsprechenden Sicherheiten ausgestattetes internationales Abrüstungssystem eines der vordringlichsten Ziele der Regierung der Vereinigten Staaten dar, ein Ziel, für
das wir arbeiten müssen und für das wir hoffen und beten, daß es erreicht werde.
Um auf die Frage der Gefährdung durch radioaktive Ausfällung
überall auf der Erde noch näher einzugehen, gibt es zwei mögliche
Formen der Gefährdung. Die erste ist die genetische Gefährdung,
die aus der Einwirkung durchdringender Gammastrahlen auf die Fortpflanzungsorgane resultiert; und die zweite, die Gefährdung, die
auf die Bestrahlung der Knochen durch absorbiertes Strontium-90
zurückzuführen ist, das größtenteils über die Nahrung aufgenommen wird.
Diese beiden möglichen Arten der Gefährdung sollte man nicht miteinander verwechseln; es besteht keinerlei Grund, irgendwelche
genetischen Schädigungen auf Grund von Strontium-90 zu befürchten,
da sich dieses in den Knochen ablagert und die Fortpflanzungsorgane
nicht in merklichem Maße bestrahlt.
Um den Grad solcher Gefährdungen verstehen zu können, ist es
notwendig, die Menge der Strahlungsdosen, die aus der Ausfällung
aufgenommen wird, mit der Menge der Strahlungsdosen zu vergleichen,
die normalerweise von allen lebenden Organismen auf Grund der natürlichen Radioaktivität der Umwelt aufgenommen wird. Auf diese Weise ist
es möglich, die Gefährdung, die sich aus Atomwaffenversuchen ergibt,
mit normalen menschlichen Erfahrungstatsachen in Verbindung zu bringen.
Wenn man diese Art von Vergleich anstellt, so zeigt sich, daß wir
alle in unserem Körper Mengen von Radioaktivität mit uns führen und auch
Mengen in unserer Umwelt begegnen, die weit größer sind als jene, die
aus radioaktiven Ausf ällungeprodukten herrühren.
KY&gt;=sm-i sehe

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�"AMERIKA DIENST"

1. Mai 1957

Kosmische Strahlen, die aus dem Raum kommen, werden in ihrer
Strahlungsintensität auf ihrem Weg durch die Atmosphäre allmählich
abgeschwächt. Auf diese V/eise wird ein Mensch, der in einer Höhe
von etwa 1700 Metern über dem Meeresspiegel lebt, einer doppelt
so intensiven Höhenstrahlung ausgesetzt sein, wie ein Mensch, der
in Meereshöhe wohnt. Es gibt auch noch andere Varianten der natürlichen Umweltstrahlung. So werden beispielsweise Menschen, die in
unmittelbarer Nachbarschaft von Uran- oder Thoriumvorkommen leben,
weit stärkerer Strahlung ausgesetzt sein als der Durchschnitt, und
ihre Torfahren haben diese weit höheren Strahlungsdosen in vielen
Teilen der Welt seit Jahrhunderten aufgenommen. Wer in einem Ziegelsteingebäude aus bestimmten Ziegeln in bestimmten Teilen der Erde
wohnt, wird im Vergleich zu dem Bewohner eines Holzhauses einer
Strahlungsmehrbelastung ausgesetzt sein, die die Strahlungsbelastung
aus Atomversuchen um ein vielfaches übertrifft.
Die zusätzliche Strahlung, die Menschen auf Grund von solchen
Ausfällungen aufnehmen, sind im Vergleich zur natürlichen Umweltstrahlung und selbst zu den Schwankungen in der Umweltstrahlung gering.
Um noch mehr ins einzelne zu gehen: die von Strontium-90 herrührende
Strahlungsdosis, im Aufbau befindliche Knochengewebe, beispielsweise
bei Kindern, ausgesetzt sind, ist gegenwärtig etwa ebenso groß wie die
zusätzliche Dosis, der ein Küstenbewohner im Falle eines Umzugs auf
einen kleinen Hügel auf Grund der kosmischen Strahlung ausgesetzt wäre.
Es ist keine Frage, daß übermäßige Strahlungsdosen von radioaktivem
Strontium bei Tieren Knochenkrebs und Leukämie hervorrufen können, und
somit dürfen wir die Möglichkeit schädlicher Auswirkungen der Ausfällungen, die von Kernwaffenversuchen herrühren, nicht als beiläufig abtun.
Wenn man jedoch bedenkt, daß die Menschheit einer natürlichen Umweltstrahlung ausgesetzt ist, die die Ausfällungsstrahlung weit übersteigt,
dann können wir den Versuch machen, festzustellen, ob diese irgendwelche feststellbaren Auswirkungen gezeitigt haben. Wir können beispielsweise untersuchen, ob bei Personen, die in höheren Regionen oder
in Gebieten mit Uranvorkommen wohnen, eine augenfällig größere Häufigkeit von Knochenkrebs und Leukämie zu verzeichnen ist.
Eine Überprüfung der verfügbaren Unterlagen läßt keine solche
Auswirkungen erkennen. Allerdings wurden die Lebensstatistiken nicht
immer sorgfältig geführt, und so werden im Auftrag des UN-Ausschusses
weitere Untersuchungen angestellt, um festzustellen, ob sich irgendwelche derartigen Auswirkungen nachweisen lassen. Eine Tatsache liegt
allerdings auf der Hand: Es entspricht sicherlich nicht unseren normalen Erfahrungen, daß bei Menschen, die in höhere.. Regionen umsiedeln,
ihren Wohnsitz von einem Ort auf Sedimentärgestein mit geringem Urangehalt nach einem Ort auf Eruptivgestein oder Granit mit weit höherem
Urangehalt verlegen oder von einem Holzhaus in ein Ziegel- oder
Zementbauwerk umziehen, die Häufigkeit dieser gefürchteten Krankheit steigt.
Eine

�"AMERIKA DIENST"

1 . Mai' 1957

Eine weitere Art
der Beurteilung der möglichen Gefährdung
durch die Bildung von Strontium-90 ergibt sich aus einem Vergleich
mit der zulässigen Konzentration an Strontium-90» wie sie von kompetenten Stellen errechnet worden ist. Die zulässige Menge von
Strontium-90 für Atomarbeiter in den Vereinigten Staaten beträgt etwa
das Zweitausendfache der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten auf
Ausfällung zurückzuführenden Menge von Strontium-90 bei im Aufbau begriffenem Knochengewebe, (Die Konzentration von Strontium-90 ist in der
übrigen Welt im allgemeinen geringer als in den Vereinigten Staaten.)
Kompetente,Stellen haben empfohlen, daß der zulässige Höchstwert für
Populationen aus Sicherheitsgründen ein Zehntel der für Atomarbeiter
zugestandenen Werte betragen solle. Auf dieser Grundlage beträgt die
gegenwärtige Menge in jungem Knochengewebe, das heißt also bei Kindern,
in den Vereinigten Staaten noch nicht einmal \f&gt; der für Populationen
höchsten zulässigen Konzentration.
Vielleicht sollte ich zu diesen höchst zulässigen Konzentrationen
noch ein Wort der Erklärung sagen. Wie Sie wissen, sprechen Wissenschaftler von Risiken und Gefährdungen nicht in dem Sinne, in dem diese Worte
gewöhnlich verwendet werden. Sie versuchen, die Möglichkeiten fast bis
an ihre letzten Grenzen durchzudenken; deshalb schließt "Risiko" die
Möglichkeit von Wirkungen ein, die weit über den Bereich-des Wahrscheinlichen oder Nachweisbaren hinausgehen. Die höchstzulässigen Konzentrationen sind keine Belastungsgrenzen, sie geben vielmehr an, daß bei
weit höherer Konzentration, bei zehnfacher Konzentration vielleicht,
eindeutig nachweisbare Auswirkungen auftreten können.
Im Vorausgehenden habe ich in erster Linie mögliche Gefährdungen
durch radioaktives Strontium behandelt. Radioaktive Ausfällungen enthalten auch andere Stoffe, die sich zwar nicht im Körper ablagern, aber
durchdringende Strahlen emittieren, die die Geschlechtsorgane und andere
Teile des Körpers von außen her bestrahlen. Eine derartige Bestrahlung
kann Mutationen hervorrufen^
&amp;
Wir sollten bei einer Beurteilung der Möglichkeit genetischer Wirkungen auf Grund von Ausfällungen wiederum versuchen, sie mit unseren
normalen Erfahrungen zu vergleichen. Die äußere Strahlung aus Ausfällungen, das heißt also die Strahlung, die genetische Wirkungen zeitigen
könnte, hielt sich in den Vereinigten Staaten während der letzten drei
oder vier Jahre im Durchschnitt zwischen 1 und 5 Tausendstel eines Röntgen pro Jahr. Diese.Zahl sollte man mit der Normaldosis von 150 Tausendstel eines Röntgen pro Jahr vergleichen, die von kosmischen Strahlen
und natürlichem radioaktiven Material aus der Umwelt herrührt. Mit anderen Worten betrug die äußere Ausfällungs-Strahlung zwischen 0,7 bis
yfo der natürlichen Strahlungsbelastung.

Als

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�r
"AMERIKA DIENST"

1. Mai 1957

Als weiteres Beispiel sei angeführt, daß die Wände eines Ziegelsteingebäudes in bestimmten Teilen der Welt oftmals so viel natürliches radioaktives Material enthalten, daß daraus gegenüber
einem Holzhaus eine Strahlungsmehrbelastung bis zu 40 Tausendstel
eines Höntgen im Jahr resultiert; ein Zementgebäude bewirkt sogar
rund 100 Tausendstel eines Röntgen mehr pro Jahr. Diese Dosen bewegen sich in der Größenordnung zwischen dem 8- und 100fachen der
Strahlung, die aus Ausfällungen von Atomversuchen herrührt.
Ganz offensichtlich müssen die genetischen Wirkungen der Ausfällungs-Strahlung im Vergleich zu den genetischen Wirkungen der
natürlichen Strahlung sehr gering sein.
Wie Sie in Ihrer Erklärung ausgeführt haben, ist Radioaktivität,
die von den bereits durchgeführten Versuchen herrührt, in der Stratosphäre vorhanden; und sie wird in Jahren hoch aus ihr
herabregnen. Die Radioaktivität dieser Stoffe verringert sich beständig auf Grund des normalen radioaktiven Zerfalls. Die winzigen
radioaktiven Partikel regnen so langsam aus der Stratosphäre herab,
daß die laufende Ausfällung in den Vereinigten Staaten in etwa gerade
dem radioaktiven Zerfall des bereits abgelagerten Radio-Strontium
gleichkommt. Somit hat die gegenwärtige Konzentration von RadioStrontium im Boden einen Stand erreicht, der im großen und ganzen
dem Höchststand entspricht, den wir je auf Grund der bereits durchgeführten Versuche erreichen werden. •
Eine Fortsetzung der Versuche würde die Radioaktivität nicht
nach der Gesetzmäßigkeit der Addition vermehren, da sich ein Gleichgewicht zwischen der hinzukommenden Radioaktivität und dem radioaktiven Zerfall einstellen würde. Wollte man die Versuche im gleichen
Ausmaß wie in den vergangenen fünf Jahren bis 1983 fortführen, dann
würden die Konzentrationen in den Vereinigten Staaten voraussichtlich
das 4fache des gegenwärtigen Standes erreichen. Und im Jahre 2011
würde das Sechsfache der gegenwärtigen Konzentrationen erreicht werden, sofern die Versuche bis zu diesem Zeitpunkt fortgesetzt werden
sollten.
Ich hoffe, daß ich genügend Material angeführt habe, um zu zeigen,
daß die Gefährdung durch Kernwaffenversuche im gegenwärtigen Ausmaß gering ist. Selbstverständlich ist eine Fülle weiteren detaillierten Materials verfügbar, und ich werde es Ihnen, falls Sie es wünschen, gerne
zugänglich machen. Kein Wissenschaftler behauptet, daß keinerlei Risiko
besteht. Wir akzeptieren ein Risiko als den Preis für die Annehmlichkeiten des Lebens und unseren materiellen Fortschritt. Hier scheint die
Wahl viel klarer zu sein: das entsetzliche Risiko eines Ablassens von
unseren Verteidigungsbemühungen, die angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse von so entscheidender Bedeutung für den Fortbestand der freien
Welt sind einerseits, und das geringe und kontrollierbare Risiko auf
Grund der Kernwaffenversuche andererseits.
Mit vorzüglicher Hochachtung,
gez: W.P. Libby
* * * * #
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�A M E R I K A

D I E N S T

'.Vi ./1 .5.1957
USA BEFÜRWORTEN ENGE INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
ZUM AUSBAU EINES WELTWEITEN KERNENERGIEPROGRAMMS
NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die Harold S.
Vance, Mitglied der US-Atomenergie-Kommission,
am 25. April 1957 auf einer internationalen
Problemen der Atomwirtschaft gewidmeten Tagung
des "Atomic Industrial Forum" in New York,
einer Arbeitsgemeinschaft der amerikanischen
Industrie, gehalten hat.
Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, heute an diesem Symposium
teilnehmen zu können, da Sie sich mit der Frage der internationalen
Entwicklung der Atomenergie, also einem Thema befassen, das. ich für
ein dringliches, wenn nicht sogar das wichtigste Problem in allen
Einzelphasen unseres Programms zur friedlichen Entwicklung der Atomenergie betrachte - aber das ist wohl mehr oder weniger Ansichtssache.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß mit der Zeit die Nutzbarmachung der Kernenergie für die Erzeugung von Wärme und Kraft für
praktisch alle Gebiete der Welt große Bedeutung erlangen wird. Aber
der Zeitplan ist nicht für alle Nationen einheitlich, ja nicht einmal
für alle Teile eines größeren Landes, da gewisse variable Größen, vor
allem die.Reserven und die Verfügbarkeit der herkömmlichen Brennstoffe,
die relativen Gestehungskosten für die daraus erzeugte Kraft und natürlich das Ausmaß des vorhandenen oder in Kürze zu erwartenden Energiemangels dabei eine große Rolle spielen.
Ich hoffe, daß wir unser Denken auf die Situation einstellen werden, die ich hier eben skizziert habe, und daß wir dabei die glückliche
Lage in Betracht ziehen, in der wir uns im Vergleich zu derjenigen der
Mehrzahl unserer ausländischen Freunde befinden, und daß wir deshalb
das Problem der Energieerzeugung aus Kernkraft für die 'Welt als Ganzes,
uns eingeschlossen, nicht mehr länger, generalisieren, sondern erkennen-,
daß die Förderung der Atomstromerzeugung im Ausland ein Problem für
sich ist, die Förderung der Atomstromerzeugung bei uns dagegen ein
völlig anderes, zweites Problem, und daß beide daher zwei verschiedene Wege der Lösung erfordern.
Noch

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai

1957

Noch vor wenigen Monaten verfolgten viele von uns, so glaube i®h,
mit Interesse die Entwicklung von Kernkraftanlagen im Ausland, die
sich in einem ganz normalen Rythmus vollzog und uns sehr viel Zeit
ließ, unsere eigene Position abzustecken und die erforderlichen Maßnahmen vorzubereiten, um die Vorhaben in einer Weise zu fördern, die
sowohl für unsere Freunde im Ausland als rauch für uns selbst vorteilhaft wäre. Dann hatten wir im Februar den Besuch der drei "Atomweisen" als Vertreter von EURATOM, der europäischen Atomgemeinschaft.
Sie legten uns ein Programm vor, das verblüffend in seinem Umfang
und von großer Dringlichkeit in bezug auf seine Natur war; und so
wurden wir gewissermaßen über Nacht vor ein großes Problem gestellt,
mit dem wir fertig zu werden hatten, das wichtige Entscheidungen verlangte, welche wichtige Folgerungen nach sich zogen. Ich werde mir
die Zeit nehmen, hier noch einmal die EURATOM-Situation zu umreißen,
denn sie hat keine geringe Auswirkung auf das Thema, unter dem Ihre
heutige Tagung steht.
In Westeuropa macht sich bereits ein empfindlicher Mangel an
einheimischen fossilen Brennstoffen bemerkbar. Gegenwärtig ist dieses
Gebiet gezwungen, das Äquivalent von hundert Millionen Tonnen Kohlen
bei einem Kostenaufwand von zwei Milliarden Dollar jährlich einzuführen.
Und in nicht einmal zwanzig Jahren wird der zunehmende Energiebedarf
den Import von dreihundert Millionen Tonnen Kohle bei einem Aufwand
von 6 Milliarden Dollar jährlich erfordern. Eine solche finanzielle
Belastung wäre nahezu untragbar, und fast ebenso schlimm wäre die
wirtschaftliche Gefahr einer so großen Abhängigkeit von importierten
Treibstoffen. Die Ereignisse im Zusammenhang mit Suez haben uns dies
hinreichend klargemacht.
Ein weiterer wichtiger Faktor in der EURATOM-Situation ist die
Tatsache, daß Importbrennstoffe in so großer Menge in Westeuropa
gestapelt werden müssen, daß der daraus produzierte elektrische Strom
über 50 Prozent mehr kostet als im Durchschnitt bei uns, das heißt
etwa 1,2 Cent pro Kilowattstunde,' aus -diesem Grunde ist der Aufwand
für die Gewinnung von Atomstrom im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung in Westeuropa - allerdings nur als Ersatz für Strom aus
Importbrennstoffen - relativ dem Punkt nahe, an dem dies wirtschaftlich vertretbar ist. Und es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit,
daß in nicht allzuferner Zeit Atomstrom in Europa billiger sein
wird als die aus Importbrennstoffen gewonnene Energie.
In dieser Situation haben nun die drei "Atomweisen" ein Programm
ausgearbeitet, das bis zum Jahr 1967 die Erzeugung von fünfzehn Millionen Kilowatt in Atomkraftwerken vorsieht; dies ist aber nur die erste
Phase eines noch viel ehrgeizigeren Programms, das bis zum Jahre 1975
laufen soll.
Die drei "Atomweisen" sprachen sich sehr klar darüber aus, daß
sie nicht um finanzielle Hilfe, sondern um technische Hilfe zu uns
gekommen seien, daß wir ihnen helfen sollten, angereichertes Uran als
Kernbrennstoff zu erhalten, verbrauchte Brennstoffelemente chemisch

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

chemisch wieder aufzubereiten und einen Absatzmarkt oder eine Verwendung für das Plutonium zu finden, das in ihren Kraftreaktoren anfällt,
und schließlich die Hilfe der amerikanischen Industrie in der Durchführung eines Programms in Anspruch nehmen zu können, das in seinem
Anfahgsstadium offensichtlich weit über die Möglichkeiten der einheimischen Industrie hinausgeht.
Um Ihnen einen besseren Begriff von dem Umfang des EURATOM-Projektes geben zu können, darf ich hier vielleicht folgendes erwähnen: Wenn
alle in Westeuropa geplanten Reaktoren, die bis 1367 in Betrieb genommen
sein sollen, mit angereichertem Uran arbeiten, was wir als den wirtschaftlichsten Reaktortyp vorziehen, würden allein die Aufwendungen
für den Kernbrennstoff 1,7 Milliarden Dollar erfordern; der zusätzliche
Aufwand für den Bau der Anlagen und die erforderlichen anderen Ausrüstungen wäre natürlich noch erheblich höher, er dürfte sich etwa in
der Größenordnung von 5 Milliarden Dollar bewegen.
Wir haben den drei "Atomweisen" versichert, daß wir bereit sind,
ihnen die erbetene Hilfe nach besten Kräften zu gewähren, natürlich
soweit sich dies mit unseren eigenen Verpflichtungen vereinbaren läßt.
An diesem Punkt muß vielleicht die Frage gestellt und eine entsprechende
Antwort gefunden werden: "Weshalb tun wir dies und jenes, und wenn wir
es tun, welchen Vorteil haben wir davon?"
Ich argumentiere hier weder für oder gegen die Auslandshilfe, aber
die Tatsache bleibt bestehen, daß wir viele Millionen Dollar investiert
haben, um Europa im Kreis der "freien Nationen" zu halten. Westeuropa
gehört noch immer zu diesem Kreis, und ich bin.überzeugt, auch die
schärfste Kritik an der Auslandshilfe muß einräumen, daß dies ein wesentlicher Pluspunkt ist^ denn die Verlagerung der industriellen Kapazität Westeuropas zur anderen Seite wäre einfach eine Katastrophe.
Energie ist lebenswichtig für die westeuropäische Wirtschaft.
Wenn wir unseren Freunden helfen können, das, was sie benötigen,
in erster Linie oder sogar ausschließlich durch eine Unterstützung zu
erlangen, die nicht den Charakter einer finanziellen Hilfe trägt, so
sollten wir das tun und sie damit politisch und wirtschaftlich stärken,
ihr Verhältnis zu uns festigen und die Stärke der freien Welt als
Ganzes damit weiter erhöhen.
Wir kommen dabei in den Genuß eines weiteren Vorteils, eines unpolitischen Vorteils, der uns wesentliche Aufwendungen ersparen könnte.
Dieser Vorteil liegt in den uns von der Gegenseite vermittelten Erfahrungstatsachen über Kosten und andere Einzelheiten des Reaktorbetriebs, was man uns bereits zugesagt hat. Die so gewonnenen Kenntnisse
können uns zur Erreichung unseres Zieles dienlich sein, Atomstrom so
wirtschaftlich zu produzieren, daß wir mit seiner Verwendung auf breitester Basis in unserem Land beginnen können. Ich werde hier nicht
versuchen, dieses Wissen.nach materiellen Vorteilen bewerten zu wollen,
die uns unsere Hilfe unter anderem einbringen würde; aber ich bin sicher,
daß bei Berücksichtigung auch der politischen Vorteile und der Möglichkeiten für die amerikanische Industrie die Unterstützung, die man von uns

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

uns erwartet, sehr wohl gerechtfertigt wäre.
Man hat mich gebeten, speziell darüber zu sprechen, welche Rolle
die amerikanische Atomenergie-Kommission übernehmen wird, um die EntWicklung einer Atomenergiewirtschaft im Ausland zu fördern. Statt des-*
sen möchte ich aber über die Rolle der Regierung samt aller zuständigen
Stellen sprechen, einschließlich der^ Rolle der Export-Import-Bank und,
was das Ausmaß der eventuell erforderlichen neuen Gesetze anbetrifft,
sogar der Rolle des Kongresses.
Meiner Meinung nach sind die,wichtigsten Schritte, die wir zur
Entwicklung einer Atomenergiewirtschaft im Ausland sofort zu unternehmen hätten, folgende:
1) '.Vir sollten, natürlich unter Aufhebung der Geheimhaltung,
alles technische Wissen, das wir über die Entwicklung von Leistungsreaktoren besitzen, zur Verfügung stellen. Und wir sollten Vorsorge
treffjjn, daß weitere Informationeh dieser Art leicht und prompt ausgetauscht Verden können.
v^-w-O 2 ^
2) Wir sollten bereit sein, feste Zugeständnisse zur Bereitstellung der jeweiligen für einen bestimmten Reaktortyp benötigten Menge
angereicherter Uranbrennstoffe zu machen, und zwar über einen bestimmte;! Zeitraum hinweg, der in manchen Fällen mit der errechneten
Amortisierungsspanne des Reaktors gleichbedeutend ist; denn wir sind
gegenwärtig für die freien Nationen die einzige Quelle zUr Beschaffung
solcher Brennstoffe. Diese Verpflichtungen-sollten uns die Möglichkeit
of,fTAlassen, plutoniumhalttge Brennstoffe zu liefern, sobald eine
brauchbare Methode für^ctie Verwendung von Plutonium als Kernbrennstoff
entwickelt worden ist.
3) Wir sollten bereit sein, Einrichtungen für die sofortige chemische Wiederaufbereitung von Brennstoffelementen solange, wie dies
erforderlich ist, zu angemessenen Preisen zur Verfügung zu stellen.
n o
4) Wir sollten uns einverstanden erklären, das in den ausländischen Reaktoren anfallendet Plutonium über einen angemessenen Zeitraum
hinwög-anzukaufen, wie wir es bereits mit dem in den amerikanischen
Reaktoren gewonnenen Plutonium tun, bis unser gegenwärtiges Forschungsprogramm eine brauchbare Möglichkeit ergibt, Plutonium in den Reaktorkreislauf einzuschalten und es in dem Reaktor, in dem es produziert wird,
unmittelbar als Kernbrennstoff zu verwenden.
__5-) Ü I sollten bereit sein, die Forschung auf bestimmten, genau
abgegrenzten Gebieten energisch weiter zu betreiben, beispielsweise
was die Beschaffenheit und Herstellung von Brennstoffelementen, verbesserte Verfahren der chemischen Aufbereitung, und wi."" bereits erwähnt,
die Einschaltung von Plutonium in den Reaktorprozeß anbetrifft.

il
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai

1957

6) In gewissen Fällen, in denen dies angebracht erscheint, sollten
wir bereit sein, kernreaktive Spezialstoffe und Reaktorbetriebsstoffe
wie schweres Wasser pachtweise zur Verfügung zu stellen, zu verkaufen
oder auf Ratenzahlungsbasis abzugeben.
7) Durch die Export-Import-Bank sollten wir Kapital in Form von
Krediten für Leistungsreaktoranlagen unter den gleichen Bedingungen
wie jene Kredite anbieten, die zur Finanzierung herkömmlicher Kraftwerksanlagen dienen.
8) Wir sollten uns eingehend mit dem Problem befassen, wie wir
am besten die versicherungstechnischen Verpflichtungen amerikanischer
Herstellerfirmen begrenzen können, die vollständige Einrichtungen,
Montageelemente und Einzelteile hierzu ins Ausland liefern.
Zu all dem kommt nun die wichtige Rolle hinzu, die zu übernehmen
nur die Industrie in der Lage ist, wenn unser internationales Programm
sich so entwickeln soll, wie wir sicherlich alle hoffen, daß es sich
entwickeln wird.
Die amerikanische Industrie muß sich, im Wettbewerb mit der britischen Industrie und später auch der Industrie anderer Länder, energisch
um die Möglichkeiten des Auslandsgeschäftes auf dem Sektor der Atomenergiewirtschaft kümmern. In dem Maße, in dem andere Industriegruppen
feste Verpflichtungen eingehen, müssen auch wir dies tun. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken, daß wir mit unserem Druckwasserreaktor
mehr Erfahrungen - und bessere Erfahrungen - haben sammeln können als
die Engländer mit dem gasgekühlten Reaktortyp.
Nach Ansicht vieler unserer maßgebenden Leute ist der Druckwasserreaktor mindestens ebenso aussichtsreich , wenn nicht noch aussichtsreicher, wie der britische Reaktortyp. Deshalb ist die amerikanische
Industrie im gegenwärtigen Wettbewerb keineswegs im Nachteil, ungeachtet der Tatsache, daß wir mit vielen Reaktortypen experimentieren
und ständig mit der Möglichkeit rechnen können, daß schließlich der
eine oder andere von ihnen selbst dem Druckwasserreaktor, der gegenwärtig in der Entwicklung am weitesten gediehen ist, noch überlegen
ist.
Obgleich ich bereits ausführlich über EURATOM gesprochen habe,
stellt dieses Projekt keineswegs das einzige auf dem internationalen
Sektor dar, das unsere Aufmerksamkeit verdient. Man schätzt, daß in
anderen Teilen der Welt ein Gesamtbedarf von mindestens 1,5 Millionen
Kilowatt.an Atomstrom besteht, der mit Hilfe kleiner Anlagen, etwa
zwischen 5000 und 10 000 Kilowatt, gedeckt werden könnte.
Die Notwendigkeit für die Errichtung von Anlagen dieser Größe
scheint besonders in Südamerika, Mittelamerika, Westindien und Teilen
von Afrika gegeben. Vom Standpunkt der amerikanischen Industrie aus
gesehen mag sich dieser Markt für Kleinanlagen auf die Dauer attraktiver erweisen als der Markt für Großanlagen in Ländern, die selbst
hoch industrialisiert sind.
•
_

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UTD ARBEIT

1 . Mai 1957

Dann und wann werden Befürchtungen geäußert, daß wir die Initiative
den Engländern oder dem Russen überlassen und in der Entwicklung von
Leistungsreaktoren unsere führende Stellung einbüßen könnten. Eine führende
Rolle in einer Situation wie der gegenwärtigen zu spielen, ergibt sich
jedoch aus der öffentlichen Meinung außerhalb der Vereinigten Staaten,
nicht aber innerhalb der USA. Wer um die Dinge Bescheid weif?., besonders
wer in einem Land lebt, .dem es an fossilen Brennstoffen mangelt und wo
die Stromkosten aus der Erzeugung nach herkömmlichen Verfahren hoch sind,
ist sich der günstigeren Situation der USA und der Tatsache wohl bewußt,
daß wir nicht, wie solche Länder unter wirtschaftlichem Druck stehen,
Atomkraftwerke zu bauen.
Deshalb scheint mir völlig klar zu sein, daß die Frage, ob wir unsere
führende Rolle behalten oder verlieren, viel stärker davon abhängt, was
wir im Ausland unternehmen, als was wir in den nächsten Jahren bei uns
unternehmen.
Zu Beginn sagte ich, daß die Frage, ob die Entwicklung von Atomkraftanlagen auf internationaler Basis die wichtigste Phase unseres Programms für die friedliche Nutzung der Kernenergie ist, Ansichtssache
sei. Was meine persönliche Meinung betrifft, so sehe ich darin tatsächlich die wichtigste Phase.

;***•**

•

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�A M E R I K A

D I E N S T

v/i./8.5.1957
DER KÜNFTIGE WEG DER AMERIKANISCHEN AUSSENHANDELSPOLITIK

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der
Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Thorsten
V. Kalijarvi, am 25»April in New York vor dem
Verband amerikanischer Importkaufleute gehalten hat.

Es ist mir ein Vergnügen, heute unter Ihnen zu weilen, die
Sie aktiv im Außenhandel tätig sind. Als Import-Exportkaufleute
gehören Sie zu den wagemutigsten unter den Llännern der Wirtschaft
unseres Landes. Sie helfen mit, unser Blickfeld zu weiten und unseren hohen Lebensstandard noch immer weiter zu erhöhen.
Wenn ich auch als Thema meiner Ansprache "Der künftige Weg
unserer Außenhandelspolitik" gewählt habe, so möchte ich mich doch
in erster Linie mit dem im Entstehen begriffenen europäischen
Gemeinsamen Markt und mit der damit verbundenen Freihandelszone
sowie mit der Verbesserung des internationalen Mechanismus zur
Abwicklung des Außenhandels befassen. Dort liegt, nach unserer
Auffassung, einer der Ansatzpunkte für eine maximale Ausweitung
des amerikanischen Außenhandels. Auf diesen Gebiet bestehen nach
unserer Auffassung Aussichten, die wirtschaftliche und politische
Stärke eines wichtigen Teils der freien Welt zu mehren. Und dort
liegen nach unserer Auffassung auch zahlreiche Chancen für den
amerikanischen Außenhandel.
Die Bedeutung des Außenhandels
Wir alle wissen, welche Bedeutung dem Außenhandel zukommt.
Wir wissen auch, daß der Außenhandel nicht nur im Austausch von
Waren und Dienstleistungen besteht, sondern daß er neue Kräfte
auf den Plan ruft, Wohlstand schafft und auch der nationalen
Sicherheit zugute kommt».
Ohne solide wirtschaftliche Grundlage würde die freie Welt
mit ihren Verteidigungsanstrengungen auf Sand gebaut haben. Wir
können unmöglich in wirtschaftlicher Isolation leben und von
anderen erwarten, daß sie dann, auf außenpolitischem Gebiet mit
uns zusammenarbeiten. Wollten wir den unklugen Versuch unternehmen, ausländische Unternehmen daran zu hindern, ihre Waren

�"ALIERIKA PIEKST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Mai 1957

Waren auf dem amerikanischen Markt abzusetzen, dann wäre das Ausland
seinerseits nicht in der Lage, amerikanische Produkte zu kaufen. Dies
ist eine Tatsache, die durch unser Absatzprogramm für überschüssige
landwirtschaftliche Produkte schlaglichtartig beleuchtet worden ist.
Das Absatzprogramm hat unsere Abhängigkeit von den Exportmärkten bei
vielen Waren klar hervortreten lassen. Für Sie als Außenhandelsfachleute ist es ebenso klar wie für uns, daß zwischen Ausfuhren und
Einfuhren eine enge Wechselbeziehung besteht. Selbstverständlich
zielen Warenimporte nicht lediglich darauf ab, den Export zu fördern.
Dennoch sind wir der grundsätzlichen Auffassung, daß unsere gesamte
Wirtschaft von den Einfuhren ebenso profitiert wie von den Ausfuhren.
Ein solcher Warenaustausch kommt allen 170 Millionen Amerikanern
zugute und nicht nur jenen, die unmittelbar an diesen Transaktionen
teilhaben.
Im Gegensatz zu weitverbreiteten Vorstellungen hat sich der
Außenhandel nicht nur als bedeutsamer, sondern auch verläßlicher
Beitrag zu unserer eigenen Volkswirtschaft erwiesen, von dem man
sich auch in Zukunft etwas versprechen darf. Sie werden sich sicher
daran erinnern, daß weite Kreise in der unmittelbaren Nachkriegszeit,
als der Marshall-Plan bereits angelaufen war, die Auffassung vertraten,
unsere Außenhandelsgewinne würden bald wieder aufhören. Ohne Auslandshilfe und ohne die Verwüstung so zahlreicher Produktionsstätten
in vielen Teilen der Welt - so argumentierte man damals -, würde
unser Export sehr rasch zurückgehen und unser Land seinerseits durch
Einfuhren aus Ländern mit niedrigerem Lohnniveau überschwemmt werden,
die unserer eigenen Produktion Konkurrenz maohen und in unserer
eigenen Wirtschaft eine Arbeitslosigkeit auslösen würden.
Die Tatsachen liegen aber nun doch ganz anders. Unsere Aufwendungen für Hilfslieferungen gingen zurück, und heute herrschen auf
den Y/eltmärkten einigermaßen normale Wettbewerbsbedingungen. Im Jahre
1956 erreichte der amerikanische Außenhandel den bisher höchsten
Stand in der Geschichte und übertraf damit selbst das Rekordjahr
1947« Auch unsere Einfuhren stiegen und mit ihnen stieg 1956 auch
der Ausfuhrüberschuß.
Vor uns liegende Probleme
Lassen Sie mich nun die Probleme des vor uns liegenden Weges
erörtern. Einige der wichtigsten Probleme und auch einige der größten Chancen, denen wir uns in den nächsten Jahren gegenübersehen
werden, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem im Aufbau begriffenen Gemeinsamen Markt in Europa und der damit verbundenen
Freihandelszone. Wenn auch dieser epochemachende Zusammenschluß
erst in Zukunft erfolgen wird, so zeichnet sich der Verlauf der
künftigen Entwicklung doch schon deutlich ab. Angesichts dieser
zeitlichen Ferne sind die Auswirkungen, die dieser Zusammenschluß
auf die Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten haben wird, in
vieler Hinsicht noch nicht klar zu erkennen. Wir sind aber ganz allgemein davon überzeugt, daß diese Entwicklung auch für uns von großer
Bedeutung sein wird.
...

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Hai 1957

Was den-Außenhandel angeht, nähert sich die Nachkriegszeit
ihrem Abschluß. Sie war durch die Schaffung gewisser Institutionen
zur Erleichterung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit gekennzeichnet, insbesondere des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens
(GATT).
Die Tätigkeit des Internationalen Währungsfonds erstreckt sich
auf das Gebiet der Finanz- und Währungspolitik. Er wurde mit dem
Ziel geschaffen, ger/issen Ländern durch Gewährleistung er Liquidität und Gewährung von Krediten über kurzfristige Schwierigkeiten im
Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz hinwegzuhelfen und es ihnen somit zu
ermöglichen, auf Restriktionen zu verzichten, die ihrerseits depressive
Auswirkungen auf den Welthandel hätten haben können.
Die Weltbank wurde geschaffen, um Investitionskredite für die
Finanzierung der Einfuhren von Maschinen -und anderen Ausrüstungen,
die für den Wiederaufbau in den vom Krieg heimgesuchten Ländern und
die Ausweitung der Produktion in wirtschaftlich unterentwickelten
Gebieten benötigt wurden, bereitzustellen.
Das Allgemeine Zoll- und H ndelsabkommen, das I m e n allen sehr
vertraut ist, wurde im Jahre 1947 abgeschlossen. Dieses Abkommen,
dem gegenwärtig 35 Länder angehören, brachte im Talle zahlreicher
Länder der Erde eine Verlagerung der Zollverhandlun^en von einer
bilateralen auf eine weit zweckmäßigere multilaterale Basis mit
sich. Durch das Abkommen wurde auch eine Art Ehrenkodex iur faires
Verhalten im internationalen Handel entwickelt sowie ein AD;.arnt
für eine gegenseitige Konsultation und die Austragung vun Zollund Handelsstreitigkeiten. Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens ist eine gütliche Bereinigung solcher S+reitigkeiten ohne die unglückseligen Konsequenzen von Wirtschaftskriegen
möglich geworden, von denen die Welt in der Zeit vor der Schaffung
des GATT oftmals heimgesucht war.
Diese Institutionen und Vereinbarungen, die die Ausv.eitung des
Bereiches wirtschaftlicher Freiheit und Verantwortlichkeit in den
internationalen Handelsbeziehungen bezweckten, erv.ucisen aus den
während der zwanziger Jahre und in den Anfängen der dreißiger J-ihre
gesammelten Erfahrungen und spiegeln diese demgemäß auch wider* In
diesen beiden Jahrzehnten versuchte jedes einzelne Land für sich
allein, sich durch Handelsrestriktionen, durch Drosselung der Einfuhren und dirch angestrengte Bemüh mgen um eine Ausweitung der
Ausfuhren gegen die Ausweitung der Weltwirtschaftskrise abzuschirmen.
Diese Hinwendung zur Autarkie, die begleitet war von einer strengen
zentralen Lenkung des Außenhandels, der Finanzwirtschaft und des
Devisenverkehrs, fand inren reinsten Ausdruck in den kommunistischen
und faschistischen Ländern. Das letzte Ergebnis dieser Hinwendung
zur Autarkie war eine Verschiebung- und Verzerrung des Welthandelsgefüges und der Verlust jener Frei leiten, die man gewöhnlich mit
dem Begriff der privaten Wirtschaft verbindet. Bald folgte eine ganze
Reihe von Währungsabwertungen, die aus Wettbewerbsgründen vorgenommen
wurden. Die Errichtung immer neuer Handelsschranken als Gegenmaßnahmen

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- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. iiai 1957

Gegenmaßnahmen gegen ähnliche Schritte anderer Staaten wurde zur
Regel.
Die genannten internationalen Institutionen stellten einen bewußten Versuch seitens der Siegermächte dar, dieser unerwünschten
Situation ein Ende zu setzen und eine Wiederholung einer solchen
Entwicklung in der Nachkriegszeit zu verhindern. Diese Organisationen haben in den letzten zehn Jahren eine sehr segensreiche Tätigkeit
entfaltet, wenn sie auch selbstverständlich nicht sämtliche Außenhandelsprobleme lösen konnten. Sicherlich werden sie auch nicht für
sämtliche der in Zukunft auftretenden Probleme eine Lösung anbieten
können. Immerhin sind Ziele wie ein expandierender Außenhandel, die
Ausweitung von Zollverhandlungen und die Anerkennung gewisser fester
Regeln im Außenhandel heute näher gerückt als je zuvor, \7enn diese
Bestrebungen mit Entschlossenheit weiter elührt werden, so können
die nach dem Krieg geschaffenen Institutionen in Zukunft noch mehr
als bisher einem stark expandierten Außenhandel Ziel und Richtung
geben.
In diesem größeren Zusammenhang möchte ich nunmehr auf den
Gemeinsamen Markt in Europa und auf die sich daraus ergebenden
Aufgaben näher eingehen.
Aufgaben, die sich aus den Gemeinsamen Harkt ergeben
Der vorgeschlagene Gemeinsame Markt und die Freihandelszone
stellen einen neuen wichtigen Faktor in der Wirtschaft von heute dar.
Wie Sie wissen, soll der geplante Gemeinsame Europäische Harkt eine
Einrichtung werden, der Belgien, die Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande angehören. Die
sechs Staaten unternehmen einen bisher einmaligen Schritt, indem sie
nämlich nahezu alle Beschränkungen, denen der gegenseitige Warenverkehr unterliegt, beseitigen. Zu den Schranken, die abgebaut werden
sollen, zählen die Zollrestriktionen und Quoten sowohl im staatlichen
als auch im privaten Warenverkehr. Deutsche Volkswagen werden beispielsweise eines Tages ohne irgendwelche mengenmäßigen Beschränkungen
und Zölle nach den übrigen fünf Ländern eingeführt werden können. Das
gleiche gilt für französische Parfüms, belgische Maschinen, italienische Lederwaren, holländische Tulpenzwiebeln und eine Vielzahl anderer
Produkte.
Der Gemeinsame Markt bringt aber nicht nur die Beseitigung nahezu
sämtlicher Handelsschranken zwischen den sechs Teilnehmerstaaten,
sondern auch die Schaffung eines gemeinsamen einheitlichen Zolltarifs
im Handel mit allen übrigen Ländern. Mit anderen Worten, amerikanische
Kraftfahrzeuge, Lederwaren und andere Exportartikel werden in allen
sechs Ländern den gleichen Zöllen unterworfen sein.
Es ist zu erwarten, daß der Trend zu einem wirtschaftlichen
Zusammenschluß über die sechs Länder hinausgehen wird« Großbritannien
und zehn weitere westeuropäische Staaten haben ihr Interesse bekundet,
sich mit den sechs Ländern in einer Freihandelszone zusammenzuschließen.
Auf Grund einer solchen Vereinbarung würden bei einer großen Zahl von

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Mai 1957

von Warengattungen die bisherigen Beschränkungen zwischen jenen elf
Ländern und den sechs Teilnehmerstaaten des Gemeinsamen Marktes fallen.
Die elf Länder würden allerdings ihre eigenen Zölle gegenüber Ländern
außerhalb der Freihandelszone beibehalten. Die sechs Länder würden
mit ihren einheitlichen Zolltarifen gleichermaßen verfahren.
Um Ihnen eine Vorstellung von der Größe und Bedeutung des zu
schaffenden Marktes zu geben, sei erwähnt, daß die Gesamtbevölkerung
der sechs Staaten im Jahre 1955 mehr als 162 Millionen, ihr gesamtes
Bruttosozialprodukt 126 Milliarden Dollar und ihr Anteil am Welthandel
22$ betrug. Die Gesamtbevölkerung der 17 voraussichtlichen Teilnehmerstaaten am Gemeinsamen Markt und an der Freihandelszone bezifferte sich
1955 auf rund 285 Millionen.
Einige Zahlen aus der amerikanischen Außenhandelsstatistik sind
vielleicht geeignet, Ihnen die Bedeutung klarzumachen, die dieses Gebiet für uns hat. Die Vereinigten Staaten exportierten im Jahre 1955
Waren und Dienstleistungen im Werte von 15 Milliarden Dollar. Von
diesem Gesamtexport entfielen nahezu 4»5 Milliarden Dollar oder rund
29% auf die 17 Staaten und von diesen wiederum mehr als 2 Milliarden
auf die sechs Länder des Gemeinsamen Marktes.
Ganz offensichtlich verspricht ein von inneren Handelsschranken
freier gemeinsamer Markt der Größenordnung, wie ihn das Gebiet dieser
sechs Länder darstellt, eine Entwicklung, die eine Leistungssteigerung
in der Produktion und eine Erhöhung des Lebensstandards in Europa mit
sich bringen wird.
Die Vereinigten Staaten begrüßen diese Entwicklung. Wir sind
überzeugt, daß die freie Welt nur gewinnen kann, wenn die wichtigsten
sechs Länder in Westeuropa durch einen wirtschaftlichen Zusammenschluß
zu dauerhafter Stärke gelangen. Politisch gesehen, könnte ein solches
Gebilde zu einem mächtigen Faktor in der Welt werden. Von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus betrachtet, könnte es zu einer Ausweitung
des Welthandels, ohnegleichen führen. In demselben Maße, in dem die
Handelsschranken abgebaut und der Wettbewerb innerhalb der Gemeinschaft
einer Leistungssteigerung und eine Erhöhung der Produktivität nach sich
zieht, wird auch der Lebensstandard steigen. Daraus wiederum dürfte sich
eine erhöhte Nachfrage nach amerikanischen Waren und auch nach Einfuhren
aus anderen Ländern ergeben.
Darin also liegen die Hoffnungen des Gemeinsamen Marktes und der
Freihandelszone begründet. Die teilweise oder restlose Erfüllung dieser
Hoffnungen hängt jedoch von der Art der Bindungen ab, die die sechs Länder
eingehen, um das gesteckte Ziel einer Ausweitung des Handels nicht nur
untereinander, sondern auch mit anderen Ländern zu erreichen. Das ist
eine Frage, die uns sehr, viel angeht; und nicht nur uns. Unser Nachbarland Kanada nimmt eine ähnliche Haltung ein. Das gleiche gilt für
Großbritannien und auch andere Staaten.
Die Idee des Gemeinsamen Marktes beginnt sich zu realisieren. Die
sechs Staaten haben einen Vertrag unterzeichnet, die seine Schaffung
vorsieht, und die zur Ratifizierung des Vertrages notwendigen Schritte
werden zur Zeit in den Parlamenten der sechs Staaten eingeleitet. Diese

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBBIT

8. Mai 1957

Diese stehen aber vor zahlreichen Problemen'. Wie Sie sich vorstellen können, v/erden sich sehr ernste Schwierigkeiten ergeben,
wenn sich die relativ stabile Industrie mancher Hitgliedstaaten
den gleichen Marktbedingungen wie die expandierenden Industrien
anderer Länder stellen soll, und auch im Zusammenhang mit der
Einbeziehung der überseeischen Gebiete einiger der sechs Länder
in den Gemeinsamen Markt, gilt es zahlreiche Probleme zu lösen.
Je größere Schwierigkeiten sich in den einzelnen Ländern der
Billigung der Beseitigung der Handelsschranken innerhalb des gemeinsamen Marktes, entgegenstellen, um so größer wird die Versuchung
sein, gemeinsame Schranken gegen Waren aus Ländern außerhalb des
Gemeinsamen Marktes zu errichten.
Der Kurs der Vereinigten Staaten
Sofern die Teilnehmerstaaten am Gemeinsamen Markt und der
Freihandelszone wirklich gewillt und entschlossen sind, einzeln
und gemeinsam tatkräftig auf eine Expansion nicht nur des gegenseitigen Handels, sondern auch des Handels mit der übrigen Welt
hinzuarbeiten, können sie sicher jede wohlwollende Unterstützung
von außen gut gebrauchen. Unter dieser Voraussetzung kann sich die
Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten im Verlauf der nächsten
Jahre sehr wohl als ein entscheidender Faktor erweisen» Wenn unser
Land seine Bereitwilligkeit zu erkennen gibt, seine liberale Außenhandelspolitik weiter fortzusetzen, so wird dies für die Mitgliedstaaten der westeuropäischen Gemeinschaft voraussichtlich einen gewaltigen Anreiz darstellen, auf dem eingeschlagenen Weg fortzuschreiten und ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Die Übergangszeit wird
für sie auf jeden Fall viele Schwierigkeiten mit sich bringen. Von
unserem Standpunkt aus betrachtet, ist es deshalb von größter Wichtigkeit, daß die sechs Länder auch in diesem Zeitraum ihren Blick
nach außen richten, auf die Weltmärkte und auf globale Handelsvereinbarungen. Sollten sich die sechs Länder umgekehrt in anderen
Teilen der Welt immer größeren Restriktionen gegenübersehen, so
dürfte dies auf ihrer Seite höchstwahrscheinlich die Tendenz auslösen, ihren Blick nach innen, auf ihren großen einheitlichen Markt,
zu richten und zum Schaden auch des amerikanischen Handels, Schranken
gegen Außenstehende zu errichten.
Mir haben damit einen Überblick sowohl über die Hoffnungen als
auch die Befürchtungen gewonnen, die im Zusammenhang mit dem eingeschlagenen Kurs auftauchen und auch über die Auswirkungen, die die
Politik der Vereinigten Staaten auf den weiteren Verlauf der Dinge
haben kann. Die Implikationen, die sich aus dieser neuen Entwicklung
für den amerikanischen Außenhandel ergeben, sollten weder übersehen
noch beschönigt werden. Der Wettbewerb sowohl auf den Weltmärkten als
auch auf dem amerikanischen Binnenmarkt dürfte sich voraussichtlich
verschärfen. Jeder Wettbewerb führt aber im allgemeinen in der freien
Welt zu einer Steigerung der Leistungskraft der einzelnen Volkswirtschaften, gleichgültig, ob es sich dabei um den Wettbewerb, auf ausländischen oder heimischen Märkten handelt. Der Wettbewerb ist die wichtigste Voraussetzung des Erfolgs der freien Wirtschaft»
Ea

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8. Hai 1957

Es darf von dieser neuen Entwicklung erwartet werden, daß sie
der amerikanischen Industrie neue Exportmöglichkeiten eröffnen wird
- Exportmöglichkeiten, wie sie von amerikanischen Außenhandelskaufleuten stets gewünscht und mit großem Eifer verfolgt worden sind.
In dem gleichen Maße, in dem sich die Zahlungsbilanz verschiedener
Länder verbessert, entfällt auch die Rechtfertigung für Einfuhrquoten
und andere restriktive Haßnahmen. Ein bedeutsamer Schritt in dieser
Richtung wird noch im Laufe dieses Jahres in Genf erfolgen, v/o die
Vereinigten Staaten mit 20 Ländern Besprechungen führen werden, die
aus Sorge um den Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz gegenwärtig noch
mengenmäßig Einfuhrbeschränkungen aufrechterhalten. Diese Beratungen
werden Gelegenheit bieten, das Ausmaß gegenwärtig noch bestehender
Restriktionen im Warenverkehr mit anderen Ländern zu erörtern sowie
die Aussichten für den weiteren Abbau und die schließliche Beseitigung
solcher Handelsschranken zu prüfen.
Erhöhung der Wirksamkeit des GATT
Was die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet des Außenhandels unternehmen, kann wesentlich dazu beitragen, die angeschlossenen Länder
zum Festhalten an einem Kurs zu bewegen, der zu einer weiteren Liberalisierung des Außenhandels und zur freien Konvertibilität der Währungen
führt. Die Schaffung des Gemeinsamen Marktes läßt aber noch einen
weiteren bedeutsamen Aspekt hervortreten. Diese neugeschaffene Wirtschaftseinheit macht - wenn wir mit der Entwicklung Schritt halten
wollen - einige tatkräftige Haßnahmen seitens der Vereinigten Staaten
und auch anderer Länder erforderlich.
Die sechs Länder haben die Absicht, einen neuen Apparat für die
Festlegung und Durchführung ihrer Handelspolitik zu schaffen. Dieser
Apparat schließt einen Rat, eine Kommission, einen Gerichtshof und
eine Vollversammlung ein, die als Meinungsforum dienen soll. Die
anderen elf assoziierten Staaten werden sicherlich viele geneinsame
Interessen mit einer solchen Organisation haben und dürften voraussichtlich weitgehend Hand in Hand mit ihr arbeiten.
Angesichts dieser im Fluß befindlichen Entwicklung benötigen
die übrigen, außerhalb des Geneinsamen Marktes stehenden 18 Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens, zu denen auch
die USA gehören, eine ständige Verwaltungsorganisation, um die Politik,
die Pläne und das Vorgehen der 17 Staaten, die sich voraussichtlich
der neuen Handelsvereinbarung anschließen werden, laufend zu beobachten.
Diese Organisation muß auch über die Organe verfügen, die nötig sind,
um solche Entwicklungen sämtlichen Regierungen der GATT-I.Iitgliedstaaten zur Kenntnis bringen zu können und gleichzeitig ein Forum
für eine alsbaldige Erörterung dieser Entwicklungen bieten. Es liegt
auf der Hand, daß die Schaffung einer derartigen Organisation im
Interesse der amerikanischen Wirtschaft - sowohl des Exports als auch
des Imports - liegt.
Angesichts der vor uns liegenden Entwicklung auf dem Gebiet des
Außenhandels müßten wir die Schaffung der Organisation für Gemeinsamen
Handel (OTC) heute noch vorschlagen, wenn diese nicht schon längst vorge-

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8. Mai 1957

vorgeschlagen worden wäre. Der Präsident hat dies klar erkannt.
Er hat den Kongreß gegenüber nachdrücklich betont, wie notwendig
seine baldige Zustimmung zur Schaffung der OTC ist, damit diese
sobald wie möglich eine erfolgreiche Tätigkeit entfalten kann.
Die OTC wird ein ständiges Forum für die laufende Beobachtung
und Erörterung der Pläne und Maßnahmen der 17 Hitgliedstaaten des
Gemeinsamen Marktes und der Freihandelszone abgeben. Sie wird den
Apparat darstellen, mit dessen Hilfe sich eine Abstimmung der Bestimmungen und allgemeinen Zielsetzungen des GATT mit denen des
Gemeinsamen Marktes und der Freihandelszone bewerkstelligen lassen
wird.
Wir dürfen nichts unversucht lassen, um den Gemeinsamen Markt
und die Freihandelszone mit der GATT abzustimmen. Andernfalls
besteht die große Gefahr, daß sich die angeschlossenen Staaten
als eine völlig selbständige regionale Gruppe absondern und mit
Zöllen und Einfuhrquoten ohne irgendwelche Verpflichtung gegenüber
den übrigen Ländern der Erde ihre eigenen Wege gehen werden.
Auf diese Weise also können wir unsere eigenen nationalen
Interessen am ehesten wahren.
Lassen Sie mich bitte zum Schluß die zwei wichtigsten Gesichtspunkte, die wir hier nun erörtert haben, noch einmal zusammenfassen.
Erstens: Der im Entstehen begriffene Geneinsame Harkt in Europa
und die Freihandelszone sind wichtige neue Faktoren in der Welt der
Wirtschaft. Der künftige Kurs der US-Außenhandelspolitik ist darauf
abgestellt, die sechs Länder und auch andere Staaten dazu zu ermutigen,
ihre Handelsschranken abzubauen und auf einen Welthandel hinzuarbeiten,
der frei von jeglicher Diskriminierung ist und auf multilateraler Basis
beruht.
Zweitens: Die Schaffung der Organisation für Gemeinsamen Handel
(OTC) ist angesichts der Ära, die durch den Gemeinsamen Markt eingeleitet wird, eine Notwendigkeit.
Wir stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters eines expandierenden Welthandels. Unser Anteil an ihm wird sich danach bemessen,
inwieweit Sie als Außenhandelskaufleute und wir als Regierungsbeamte
bei der Nutzung der sich bietenden Gelegenheiten mit Weitblick zu
Werke gehen.

* * * * *

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D I E N S T

Wi,/H5-5.1957

DIE AUSLANDSHILFE DIENT DER SICHERHEIT UND
STÄRKE DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die Präsident
Eisenhower am 1. Mai vor Mitgliedern der Amerikanischen Wählerinnenvereinigung gehalten hat. Präsident Eisenhower hat sich mit dieser Rede, in der
er auf die Gefahren einer Kürzung der Auslandshilfe
hinwies, in der gegenwärtigen Auseinandersetzung
zwischen Kongreß und Exekutive um den Haushaltsvorschlag für das Finanzjahr 1958 an die breite Öffentlichkeit gewandt.

Sollten Sie von mir einen Kommentar zur Außenpolitik und zu den
Methoden ihrer Verwirklichung erhoffen, so hieße das, daß Sie eine
Art Marathonveranstaltung erwarten, die sicherlich weit mehr Zeit in
Anspruch nehmen würde als Sie erübrigen können.
Zunächst einmal mö chte ich Ihnen meine aufrichtige Anerkennung
dafür aussprechen, daß Sie sich so sehr für diese Frage interessieren,
Die Außenpolitik übersc hattet praktisch alles, was wir hier im eigenen Lande an Argumenten in die Waagschale der Politik werfen und auch
alles das, was wir als innenpolitische Probleme ansehen. Entweder
ruft sie derartige Prob lerne erst hervor oder gibt ihnen zumindest
ihr besonderes Kolorit, Unsere Verteidigungsanstrengungen in ihren
verschiedensten Formen nehmen allein rund 63$ unseres Staatshaushaltes in Anspruch. Somit wirkt sich jede Steuersenkung und jede Einsparung in unseren Haus haltsausgaben letzten Endes - sofern es sich
um große Beträge handel t - auf unsere Außenpolitik aus und auf die
Problemstellung, der wi r uns auf diesem Gebiet gegenübersehen.
In diesem Zusammenhang muß man sich meiner Meinung nach erst
einmal über einige besondere Fragen klarwerden. Wir wollen den Frieden - ein für allemal und zwar aus sehr plausiblen Gründen. Wir wissen, daß Amerika nur in einer Atmosphäre des Friedens - und zwar
eines gerechten Friedens, auf den wir vertrauen können - eine gedeihliche Entwicklung zu nehmen vermag, so wie wir sie in der Vergangenheit genommen haben. Es ist dies der einzige Weg, der unserem

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Mai 1957

unserem Volk - auf lange Sicht betrachtet - die Befreiung von großen
Lasten und die Chance bringen kann, sich mit seiner ganzen Kraft konstruktiven Zielsetzungen zuzuwenden: dem Bau von Schulen und Krankenhäusern und der Förderung des Allgemeinwohls in jeder nur denkbaren
Weise.
Wir streben nach diesem Frieden aus einer Position der Stärke
heraus. Solange in der Welt noch eine räuberische Macht am Werke ist,
die unsere Regierungsform zu vernichten trachtet, müssen wir stark
bleiben. Das ist nichts anderes als eine Vorsichtsmaßnahme und wirklich der einzig mögliche Weg, uns erfolgreich zu behaupten. Wenn man
mit Menschen zu verhandeln hat, denen einzig Gewalt Respekt abnötigt,
dann muß man auch in der Lage sein, selbst Gewalt zu gebrauchen.
Wir sind uns aber dessen bewußt, daß diese unerlässlichen Anstrengungen
im Grunde negativ und unfruchtbar sind. Somit wird unser Wunsch, uns
dieser Bürde zu entledigen, nur um so verständlicher.
In Ausführung unserer Friedenspolitik haben wir - oder besser,
haben wir mit anderen - vor Jahren die Vereinten Nationen errichtet.
Die Vereinten Nationen waren selbstverständlich in ihren Bemühungen
nicht in jedem einzelnen Falle erfolgreich, das liegt an den Verhältnissen. Sie stellen aber, so wie wir die Dinge ansehen, die größte
Hoffnung auf die Schaffung eines Forums dar, vor dem gegensätzliche
Standpunkte vertreten, Argumente verfochten und notwendig gewordene
Regelungen getroffen werden können, sofern schließlich alle zu der
Einsicht gelangen, daß wir in Frieden miteinander leben müssen. Die
Vereinten Nationen können deshalb mit dazu beitragen, Frieden zu
stiften, und sie können noch mehr zur Aufrechterhaltung eines Friedens
der Gerechtigkeit beitragen, wenn wir erst zu einer praktisch durchführbaren Vereinbarung gelangt sind, die uns eine Verringerung unserer
Rüstungen gestattet.
Ergibt sich ein besonderes Problem, beispielsweise der Suezkonflikt vom vergangenen Herbst, so wird wohl niemand behaupten, daß die
Vereinten Nationen das denkbar wirksamste Instrument zur Beilegung
des betreffenden Streitfalles darstellen. Wollte aber ein Staat wie
der unsrige, der über große Machtmittel verfügt, bei dem Versuch der
Regelung eines derartigen Streitfalles die Vereinten Nationen übergehen, was sollte dann aus der größten Hoffnung der Menschheit auf
Frieden werden?
Man muß die Vereinten Nationen achten, und man muß sich ihrer bedienen, wenn immer dies möglich ist. Aber selbst die Charta der Vereinten Nationen untersagt es den Mitgliedern nicht, Frieden durch
selbständiges Vorgehen zu stiften, ihn zu retten oder wiederherzustellen. Ganz im Gegenteil, in der Charta heißt es ausdrücklich, daß sich
die streitenden Parteien bei Auseinandersetzungen als erste um einen
Ausgleich bemühen sollten. Das kann auch über regionale oder andere
organisierte Bemühungen geschehen, an denen die Vereinten Nationen
nicht teilhaben. Die Vereinten Nationen aber einfach übergehen, das

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Mai 1957

das hieße meiner Meinung nach die Zukunft gefährden.
Wir sollten uns aber noch einen weiteren Punkt vor Augen halten:
Die stärkste Kraft, die heute in der Welt und insbesondere in denjenigen Ländern am Werke ist, die wir als wirtschaftlich noch nicht voll
entwickelt bezeichnen, ist der Nationalismus. Ich will damit folgendes
sagen: Der Wunsch, frei zu sein und zu sagen, ich bin Bürger dieses
oder jenes Landes und wir sind ein unabhängiger Staat, ist seit der
berühmten Proklamierung des Selbstbestimmungsrechtes der kleinen Völker durch Präsident Wilson wie ein mächtiger Strom angeschwollen. Das
bedeutet: Sie wollen unabhängig bleiben und sie glauben, daß ihnen
das auch gelingen wird, gleichgültig, welche Mittel auch immer sie zur
Erreichung dieses Zieles anwenden müssen.
Eine der Vorbedingungen für die Wahrung der politischen Unabhängigkeit ist eine wirtschaftliche Basis, von der aus sich die Unabhängigkeit aufrechterhalten läßt. Die Entschlossenheit dieser Völker,
ihre Unabhängigkeit zu wahren, ist so stark, daß sie bereit sind, diese Wirtschaftshilfe und das notwendige Investitionskapital von jeder
möglichen Seite anzunehmen. Und wenn wir es nicht geben oder wenn wir
unseren Anteil an der Bereitstellung durch die freie Welt nicht übernehmen, dann werden sich andere finden.
Wir wissen, daß sie nicht mehr lange unabhängig sein werden, wenn
sie sich an andere wenden. Das wissen sie aber nicht.
Es ist erstaunlich, wie oft wir gerade von den Bürgern jener Länder, die wir zu den unterentwickelten Gebieten zählen, mit Rußland
verglichen werden, wobei sich diese Menschen fragen: Wer ist stärker,
wer hat recht, wer versucht, uns unter seine Herrschaft zu bringen,
wer versucht, Gewalt anzuwenden und wer versucht, einen Krieg vom
Zaun zu brechen?
Wir wissen, daß wir den Frieden wünschen. Wir wissen, daß in unserem Lande das Volk regiert. Eine Regierung, die nur mit Zustimmung
der Regierten regiert, bricht keinen Krieg vom Zaun, da ja eben diese
Menschen einen eventuellen Krieg auszufechten hätten, bei denen die
Entscheidung liegt.
Im Falle von Diktaturen trifft dies nicht zu. Aber die'Bewohner
anderer Staaten verstehen dies nicht. Ich wurde schon von sehr hochgestellten Regierungsvertretern aus solchen Ländern gefragt, warum
ich nicht so oder so handele, beispielsweise nicht einfach eine bestimmte Zeitschrift verbiete und warum ich dies oder jenes getan
oder nicht getan habe? Und meine Erklärungen - die meiner Meinung
nach sehr überzeugend sind - besagen für sie oftmals anscheinend
überhaupt nichts.
So sagte mir einmal ein Mann: "Wenn Sie unser Freund wären,
dann würden Sie so oder so handeln." Es fehlt solchen Menschen einfach das Verständnis für die Sachlage, und so begreifen sie auch
nicht, daß unsere Regierung ihrem Wesen nach immer um den Frieden

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Mai 1957

Frieden bemüht sein muß, und daß die Diktatur allein das wahnwitzige
Abenteuer eines Krieges wagen kann.
Alle diese Dinge gilt es zu berücksichtigen, wenn wir den Gegensatz erörtern, der zwischen der Sicherheit unseres Landes und dem
Wunsch besteht, mehr Geld in der eigenen Tasche zu behalten, um es
nach eigenem Gutdünken auszugeben, statt es dem Staat zur Bestreitung
seiner Ausgaben zu geben. Und gerade für diesen letzteren Wunsch habe
ich vollstes Verständnis und ich täte nichts lieber als dieses Amt
eines Tages aufzugeben, nachdem es mir gelungen ist, eine noch größere
Steuersenkung vorzunehmen als diejenige, die wir 1954 vornehmen konnten.
Neulich unternahm ich mit einigen Freunden einen Flug. Sie fingen
an, unsere Bemühungen auf außenpolitischem Gebiet zu kritisieren und
meinten, daß wir gerade dort eine Menge Geld einsparen könnten. Zunächst
sei noch daran erinnert, daß hinter der Auslandshilfe keinerlei Interessenvertretung in den Wahlbezirken steht. In dieser Frage hängt
alles von der Einsicht des amerikanischen Volkes ab, nicht aber von
selbstsüchtigen Interessen.
Und sie erklärten mir: "Sie sagen, daß Sie bemüht sind, sparsam
zu wirtschaften und Geld einzusparen, dabei geben Sie dieses Geld anderswo aus, während ein Farmer aus Texas, der von der Dürre schwer heimgesucht worden ist, noch nicht einmal genug Maismehl und auch sonst
keine richtige Unterstützung erhält."
"Lassen Sie mich das", so erwiderte ich, "mit einfachen Worten
klarlegen. Wir fliegen hier in diesem Flugzeug( und wir wollen einmal
annehmen, es gehöre uns. Wir haben uns über die Betriebskosten informiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß wir zuviel dafür aufwenden. Nun wollen wir also Geld sparen. Dabei fällt uns auf, daß wir zwei
Stewards an Bord haben. Wir überlegen uns, daß einer eigentlich genug
sein müsse, und so entlassen wir einen von beiden.
Dann einigen wir uns, daß wir mit der Maschine keine so weiten
Strecken mehr zurücklegen wollen. Somit braucht das Flugzeug auch
keinen so großen Brennstoffvorrat mehr, und wir können abermals Geld
sparen, indem wir einen Brennstofftank ausbauen und dafür mehr Nutzfracht mitnehmen. Wir wollen auch noch darauf verzichten, die Maschine
bei Schlechtwetter einzusetzen, und so können wir den Beobachter,
einen sehr erfahrenen Mann, entlassen und seine Aufgaben dem zweiten
Piloten übertragen. Und dann werden wir auch noch an der Ausstattung
einsparen. Wir werden die Bodenmatten herausnehmen und so weiter.
Bisher hatten wir auf alle diese Dinge Wert gelegt. Nunmehr aber,
seit wir herausgefunden haben, wieviel dies alles kostet, wollen wir
darauf verzichten. Dabei sind wir mit unseren Einsparungen längst nicht
zufrieden." Schließlich kommt einer auf die kluge Idee: "Bauen wir
doch einen der Motoren aus, dann brauchen wir nicht mehr so viel Brennstoff."
Und damit sind wir wieder bei der Auslandshilfe. Die Auslandshilfe ist eine der treibenden Kräfte unserer Politik, sie bringt uns

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15. Mai 1957

uns voran in dieser Welt und gibt der Entwicklung einen stetigen Kurs.
Und so.erklären die übrigen Passagiere: "Einen Motor auszubauen,ist
doch Wahnsinn. Fällt einmal ein weiterer Motor aus, wenn wir gerade
über dem Meere sind, so haben wir damit wahrscheinlich auch unsere gesamte Kraftreserve verloren und sacken dann ab. Damit sind wir in eine
Notlage geraten und haben keine Möglichkeit mehr, uns selbst zu helfen."
Die Auslandshilfe, meine Damen, wird mit dem Ziel durchgeführt,
die Sicherheit und Stärke der Vereinigten Staaten zu erhalten. Sie
verhindert die Isolierung der USA als eines prosperierenden, reichen
und mächtigen Landes. Wir würden in eine isolierte Position geraten,
wenn wir uns weigerten, den Entwicklungsländern bei der Durchsetzung
ihrer rechtmäßigen nationalen Ambitionen zu helfen, bei der Erreichung
ihrer nationalen Unabhängigkeit und der Schaffung einer wirtschaftlichen
Basis, die die Wahrung dieser nationalen Unabhängigkeit gestattet.
Darum und nur darum geht es.
Man kann meiner Meinung nach nicht in Freiheit leben und es gleichzeitig zulassen, daß die Freiheit bis auf unsere eigenen Küsten zurückgedrängt wird und dann lediglich noch in den Vereinigten Staaten fortbesteht. Das ist nicht möglich, dazu sind die Völker der Erde viel zu
sehr voneinander abhängig.
Nun möchte ich keineswegs auch nur eine Sekunde behaupten - und
das erinnert mich daran, daß meine Rede schon recht lang geworden ist -,
daß sämtliche dafür aufgewandten Mittel eine vernünftige Investition
darstellen. Ich weiß von jenen Zeitungsartikeln, in denen berichtet
wurde, daß in Persien oder irgendwo anders Waren gekauft worden sind,
für die, wie sich später erst herausstellte, überhaupt keine Verwendungsmöglichkeit bestand, weil die Menschen dort noch nicht einmal
wußten, wie man eine Hacke benutzt, und noch anderes mehr. Es ist nur
natürlich, daß auch Fehler begangen wurden, denn wo Menschen handeln,
wird es immer Fehler geben. Oftmals ist man mit zu großer Hast zu Werke
gegangen oder man war von der Vorstellung gepackt, man könne durch
Geld Freunde erkaufen und erhalten. So geht es natürlich nicht.
Wir können aber diesen Völkern sehr wohl durch unsere Haltung
und durch einige Investitionen helfen. Es ist gefährlich, eine allzu
enge Parallele zwischen unseren eigenen Erfahrungen und denen einiger
dieser Länder ziehen zu wollen. Sie müssen bedenken, daß wir, als wir
in der Zeit der Erschließung unseres Landes Investitionskapital in
Form von Krediten aus dem Ausland hereinnahmen, über reiche natürliche
Hilfsquellen verfügten. Jene Kredite waren praktisch nur eine Hypothek
auf unsere reichen Hilfsquellen. Unser Land war nur sehr dünn besiedelt.
In der Zwischenzeit hat unsere Bevölkerung in einem unseren Hilfsquellen entsprechenden Maße zugenommen. Diese Entwicklung vollzog sich unter Bedingungen, die uns die größte Wirtschaftsblüte eingebracht haben,
die je ein Staat mitgemacht hat.

Jene

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Mai 1957

Jene anderen Staaten sind zum Teil weit über das Maß hinaus bevölkert, das ihren natürlichen Hilfsquellen entspräche - und ohne
jegliche Finanzreserve. Wie soll man in jenen Ländern das Kapital
aufbringen, das zum Bau von Straßen, Eisenbahnlinien und Nachrichtenverbindungen benötigt wird, zur Beschaffung jener Dinge also, die die
Voraussetzung dafür bilden, daß ein Volk auf eigenen Füßen stehen kann?
Und gerade dazu wollen wir diesen Völkern verhelfen, da wir an den
Frieden glauben.
Wir glauben an den Frieden. Und wir glauben daran, daß es um so
weniger Kriege geben wird, ein je höheres Maß an Selbstregierung diese Völker erringen und'je mehr die Entscheidung über das Weltgeschehen
in die Hände jener Menschen gelegt wird, die gegebenenfalls einen Krieg
auszufechten hätten. Das ist unser fester Glaube.
Und damit komme ich. zu dem eingangs geäußerten Gedanken zurück,
wie sehr es mich freut, daß Sie hier so großen Anteil an diesen Fragen
nehmen. Wenn das amerikanische Volk diese einfachen Wahrheiten nicht .'versteht,
die ich heute morgen hier in so groben Umrissen aufgezeigt habe, und wenn
es nicht dazu beiträgt, ihnen zum Durchbruch zu verhelfen, dann ist die
Zukunft keineswegs so rosig wie sie sein sollte.
Wenn die Amerikaner diese Dinge aber wirklich
werden sie auch einsehen, daß es das kleinere Übel
wir heute Geld opfern; denn die Alternative könnte
sere Söhne auf dem Schlachtfeld opfern müssen. Und
wir verhindern.

begriffen haben, dann
wählen heißt, wenn
heißen, daß wir ungerade das wollen

Aus diesen Erwägungen heraus sollten wir bei unseren Bemühungen
um Einsparungen unser Augenmerk auf den äußeren Aufwand, eine etwaige
Erhöhung des Personalstandes und all jene anderen Dinge richten, die
v/ir gefordert haben, sofern wir glauben, ein solches Vorgehen sei ohne
Gefährdung der Sicherheit möglich und uns selbst gegenüber gerecht und
fair. Wir dürfen aber keineswegs die Motoren unseres Staatsschiffes
über Bord werfen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./15Q.1957
DAS PROGRAMM FÜR GEMEINSAME SICHERHEIT IN SEINER NEUEN FORM

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der stellvertretende Staatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im U.S.-Außenministerium, John
Dillon, am 2.Mai 1957 in Harriman (New York)
vor der "American Assembly" gehalten hat.
Im vergangenen Jahr sind unsere Programme für Geneinsame
Sicherheit von verschiedenen Seiten einer kritischen Überprüfung
unterzogen worden. Ihre gegenseitige Verflechtung machte es dem
amerikanischen Volke schwer, eine klare Vorstellung von diesen
Programmen zu gewinnen. Fälschlicherweise ist in verschiedenen
Kreisen der Eindruck entstanden, die Vereinigten Staaten seien
in dem Versuch, anderen Ländern einen Gefallen zu tun und unter
Außerachtlassung ihrer eigenen Interessen dabei, etwa 4 Milliarden
Dollar amerikanischer Steuergelder im Jahr wegzuschenken.
Selbstverständlich entspricht dies nicht den Tatsachen; es
ist aber keineswegs zu leugnen, daß dies heute viele Amerikaner
glauben.
Vielfach hat sich auch das Gefühl verbreitet, daß unsere
Wirtschaftshilfeprogramme nicht so wirksam durchgeführt werden,
wie es notwendig wäre, und daß staatliche Mittel im Ausland verschwendet worden sind.
Das alles hat Anlaß zu einer umfassenden und gründlichen
Überprüfung unserer Programme für Gemeinsame Sicherheit gegeben.
Das ist nur zu begrüßen, handelt es sich doch um komplizierte und
kostspielige Programme.
Solche Überprüfungen wurden vorgenommen von einer vom Präsidenten eingesetzten Kommission, einem Beratenden Ausschuß des
Präsidenten, dem außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses,
einem Sonderausschuß des Senats und den zuständigen Bundesbehörden.
Universitäten, Wirtschaftskreise und Forschungsinstitute haben sich
mit diesen Fragen beschäftigt und sie erörtert. Die heutige Sitzung
der American Assembly stellt nur einen der zahlreichen ernsthaften
Versuche seitens privater Gruppen dar, die richtige Antwort auf diese
für die Zukunft des amerikanischen Volkes so wichtige Frage zu finden»
Kurz

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15- Mai 1957

Kurz gesagt, solche Überprüfungen sind nicht nur durch amtliche Stellen in Washington erfolgt; es haben sich viel mehr auch
zahlreiche hervorragende private Bürger unseres Landes eingeschaltet,
von denen einige der klügsten heute hier unter uns weilen.
Wir hoffen gerade angesichts dieses regen Interesses von amtlicher
und privater Seite, daß sich ein Weg finden läßt, um das Programm neu
abzustecken, es klarzustellen und zu vereinfachen, damit das amerikanische Volk die Überzeugung gewinnen kann, daß wir die richtigen Ziele
mit den richtigen Methoden anstreben.
Gibt es nun irgendwelche allgemeinverbindliche Richtlinien, die
sich aus all diesen Überprüfungen und Überlegungen herleiten ließen?
Genießt es die generelle Unterstützung des Volkes? Diese Fragen sind
mit einem klaren Ja zu beantworten. Aus allen Berichten und Studien
ergeben sich zwei allgemeine Folgerungen; sie sind übereinstimmend
vorhanden, wenn auch einmal mehr, einmal weniger deutlich ausgedrückt.
Als erste und wichtigste Folgerung ergibt sich die Übereinstimmung
darüber, daß die Fortsetzung eines Programms der Gemeinsamen Sicherheit
im Interesse der Vereinigten Staaten liegt, und daß wir ein solches
Programm auf lange Zeit fortsetzen sollten. Solange es einen internationalen Kommunismus in seiner heutigen Form gibt und dieser unsere
Existenz gefährdet, sei es durch die direkte militärische Bedrohung,
sei es auf dem Wege der wirtschaftlichen Durchdringung oder umstürzlerischer Umtriebe, und solange die ungestümen Forderungen nach wirtschaftlichem Fortschritt in den unterentwickelten Gebieten die freien
und demokratischen Institutionen in diesen Ländern in ihrer Existenz
bedrohen, solange müssen wir das Programm für Gemeinsame Sicherheit
in der, einen oder anderen Form v/eiterführen.
Als zweite allgemeine Folgerung ergibt sich aus allen Überprüfungen die Notwendigkeit, mehr als bisher Klarheit über das Wesen des
Programms für Gemeinsame Sicherheit zu schaffen. Sowohl die Ziele des
Programms als auch die Methoden, die wir zur Erreichung dieser Ziele
anwenden, müssen des weitgehenden Verständnisses des amerikanischen
Volkes sicher sein, wenn die Unterstützung der breiten Masse gewonnen werden soll.
Worauf sind nun die Unklarheiten zurückzuführen, die über das
Programm für Gemeinsame Sicherheit bestehen? Die Antwort darauf ist
einfach. In der Vergangenheit haben wir unter der Bezeichnung Gemeinsame Sicherheit eine Anzahl der verschiedensten Programme zusammengefaßt, einen umfangreichen Komplex der unterschiedlichsten Vorhaben.
So hat man zum Beispiel in den vergangenen sechs Jahren unter
Gemein-ümer Sicherheit die Lieferung von 44 000 Geschützen, 40 000
Panzern und Sturmgeschützen und 7000 Flugzeugen an die Streitkräfte
unserer Verbündeten, als auch die Gewährung von Anleihen zum Bau von
Staudämmen, Straßen und Hafenanlagen verstanden.
Man hat darunter ferner die technische Unterstützung verstanden, in
deren Rahmen Aufklärungsaktionen über die beste Art des Pflügens oder die
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15. Mai 1957

die Moskitobekämpfung zur Eindämmung der Malaria durchgeführt
wurden.
Alle diese Projekte, die Ausgaben in Höhe von etwa 4 Milliarden
Dollar verursachen, sind in unserem Staatshaushalt unter einem
Titel zusammengefaßt. Es war für das amerikanische Volk sehr
schwierig, wenn nicht unmöglich, sich ein genaues Bild darüber
zu machen, welche Summen davon für militärische Zwecke, welche
für langfristige Investitionen und welche für technische Unterstützungen oder unvorhersehbare Ausgaben bestimmt waren.
Y/egen der Vielschichtigkeit des Programms ist die in der
Öffentlichkeit hervorgerufene Verwirrung leicht begreiflich.
Deshalb sind wir jetzt nach Kräften bemüht, bessere Methoden zu
entwickeln, um das Verständnis des amerikanischen Volkes für das
Programm zu wecken, ihm seine Ziele auseinanderzusetzen und gleichzeitig die Verantwortung für die verschiedenen Teile des Programms
denjenigen Stellen zuzuweisen, die ohnehin für die entsprechenden
Vorhaben zuständig sind.
Die Grundzüge dieses neuen Kurses wurden zuerst am 8.April
von Außenminister Dulles dargelegt, als er vor dem Sonderausschuß
des amerikanischen Senats aussagte. Noch im Laufe dieses Monats
wird der Präsident die betreffenden Vorschläge fertigstellen und dem
Kongreß unterbreiten.
Heute abend möchte ich Ihnen gern einen kurzen Überblick über
unsere Auffassungen geben.
Lassen Sie mich zunächst auf den militärischen Teil des Programms
für Gemeinsame Sicherheit eingehen. Er ist bei weiten der unfangreichste. Hinsichtlich der Aufwendungen sind hier zwei Kategorien zu unterscheiden.
Die erste schließt die militärische Ausrüstung - Geschütze,
Panzer, Flugzeuge und so weiter - ein, die von uns an Korea, Vietnam,
Nationalchina, die Türkei und andere militärische Verbündete geliefert wurden.
Die zweite umfaßt die Unterstützung an Länder, die in Interesse
unserer gemeinsamen Sicherheit Streitkräfte in einer Stärke unterhalten, die über das Maß hinausgeht, das sie aus eigener Kraft aufzubringen vermögen. Diese zweite Form der Unterstützung wird von
uns als Verteidigungshilfe bezeichnet. Ein gutes Beispiel für diese
Verteidigungshilfe ist die wirtschaftliche Unterstützung, die wir
der Republik Korea gewähren, um zum Unterhalt von 20 Divisionen koreanischer Truppen beizutragen, die einen so wichtigen Teil unserer gemeinsamen Verteidigung gegen die rotchinesische Bedrohung bilden.
Etwa 2 Milliarden Dollar oder die Hälfte der gegenwärtigen Bewilligungen für das Programm für Gemeinsame Sicherheit werden für
militärische Ausrüstung verv/endet • Eine knappe Milliarde Dollar wird
im Jahr für die Verteidigungshilfe benötigt. Von dieser 1 Milliarde

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15. Mai 1957

1 Milliarde erhalten unsere NATO-Verbündeten keinen einzigen Dollar.
Der gesamte Betrag fließt denjenigen Verbündeten zu, die größere
militärische Streitkräfte unterhalten, als sie sich selbst leisten
können. Etwa 3 Milliarden Dollar im Jahr, das sind drei Viertel der
Gesamtaufwendungen für unser Programm für Gemeinsame Sicherheit,
werden also für militärische Zwecke verwendet.
Diese militärische Unterstützung, die für die Ausrüstung und
den Unterhalt starker Streitkräfte benötigt wird, bildet einen unerläßlichen Bestandteil der Verteidigung der freien \7elt und dient zur
Abschreckung eines kommunistischen Angriffs. Der Chef des gemeinsamen
Stabes der US-Streitkräfte, Admiral Radford, umriß das Problem im vergangenen Jahr klar und deutlich, als er erklärte, daß das militärische
Hilfsprogramm ein wesentlicher Bestandteil des Programms des amerikanischen Verteidigungsministeriums sei. Die Aufwendungen zur Unterstützung
unserer Verbündeten unterscheiden sich weder hinsichtlich Zweck, Bedeutung oder Ziel von unseren eigenen militärischen Ausgaben. Die Tatsache,
daß dieser Teil unseres Programms nicht in den Haushalt des Verteidigungsninisteriums einbezogen wurde, erklärt sich aus Verfahrens- und
verwaltungstechnischen Erwägungen und hat keine grundsätzliche Bedeutung.
Wir beabsichtigen nun, das Verfahren zu ändern und von jetzt ab
sämtliche für die militärische Auslandshilfe bestimmten Mittel im Haushaltsplan des Verteidigungsministeriums aufzuführen, damit sie wirklich
als das in Erscheinung treten, was sie sind, nämlich ein Teil des
militärischen Sicherheitsprogramms der Vereinigten Staaten. Wir wollen
vorschlagen, diese Summe von etwa drei Milliarden Dollar aus der Bewilligungsvorlage für Gemeinsame Sicherheit zu streichen und diesen
Betrag dem Haushaltsvoranschlag des Verteidigungsministeriums für die
bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten hinzuzufügen.
Das Verteidigungsministerium hat darüber zu entscheiden, wieviel
mit amerikanischen \7affen ausgerüstete Divisionen notwendig sind,' um
die Republik Korea und andere Gebiete zu verteidigen, in denen wir und
unsere Verbündeten,kommunistischen Streitkräften gegenüberstehen. Es
ist nur logisch, daß das Verteidigungsministerium dem Kongreß und damit
auch dem amerikanischen Volke Rechenschaft über die Ausgaben für die
Ausrüstung und den Unterhalt dieser Divisionen abzulegen hat.
Andererseits ist das Verteidigungsministerium nicht auf die Bewältigung des routinemäßigen Arbeitsanfalls eingerichtet, den die Verwaltung der für den Unterhalt dieser Streitkräfte unserer Verbündeten
benötigten Mittel aus der Verteidigungshilfe mit sich bringt. Obwohl
sie rein militärischen Zwecken dienen, stellen diese Mittel eine Form
der wirtschaftlichen Unterstützung dar« Diese Unterstützung kann aber
am besten über die gleiche Organisation gewährt werden, die auch für die
übrigen Formen der Wirtschaftshilfe zuständig ist. Deshalb soll vorgeschlagen v/erden, die Verwaltung und Vergebung dieser für die Verteidigungshilfe bestimmten Mittel dem Amt für Internationale Zusammenarbeit
(ICA) ZU übertragen, das gegenwärtig die gesamte amerikanische Wirtschaftshilfe verwaltet.
Wenden

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15. llai 1957

V/enden wir uns nun dem rein wirtschaftlichen Teil des Programms
für Gemeinsame Sicherheit zu, der in erster Linie zur Unterstützung
der Entwicklungsländer bestimmt ist. Dabei erhebt sich die Frage,
warum sich die Vereinigten Staaten überhaupt um den wirtschaftlichen
Fortschritt in diesen Ländern kümmern sollen.
Sämtliche im vergangenen Jahr durchgeführten Untersuchungen
stimmen darin überein^ daß es für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung ist, am wirtschaftlichen Aufbau dieser Länder
mitzuwirken und ihnen dabei zu helfen, unabhängig davon, ob sie
militärisch mit uns verbündet sind oder nicht.
Angesichts der sich heute in Asien und Afrika vollziehenden revolutionären Veränderungen ist es leicht begreiflich, warum eine
solche Politik im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
In den Staaten, die seit Ende des 2.Weltkrieges neu entstanden sind,
leben heute 700 Millionen Menschen, angefangen bei Indien mit einer
Bevölkerung von 400 Millionen bis Libyen mit etwas über 1 Million.
Die meisten dieser Menschen und noch Millionen Menschen in älteren
Staaten leben in primitiven und rückständigen Verhältnissen, doch
haben ihnen moderne Nachrichtenmittel das Wissen um die Tatsache
vermittelt, daß andere Völker auf dem gleichen Planeten unter weit
günstigeren und glücklicheren wirtschaftlichen Bedingungen leben als
sie selbst.- Daher fordern diese Völker von ihren Regierungen eine
Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, und zwar möglichst rasch.
Y/enn es den unterentwickelten Ländern nicht gelingt, ihrem Ziel
der Verwirklichung ihrer wirtschaftlichen Aspirationen in Freiheit und
Demokratie näherzukommen, dann besteht die ernste Gefahr, daß sie
dem Totalitarismus dieser oder jenerPrägung verfallen, unter dem diese
Menschen in dem Versuch, die vom Staat gesteckten Ziele zu erreichen,
ihrer materiellen Güter und ihrer Freiheit beraubt werden würden.
Das ist also die Lösung, die die Kommunisten.überall in den unterentwickelten Gebieten feilbieten. Sie erklären, daß ihr und nur ihr
System die rasche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage bringen könne,
die sie so sehr wünschen* Und sie ergänzen diese Propagandakampagne
durch eine nachdrücklich betriebene Kampagne der wirtschaftlichen
Durchdringung und Unterwanderung, die eine ständige Bedrohung der
Stabilität und des Friedens in diesen weiten und stark bevölkerten
Gebieten der Erde darstellt.
Es dürfte auf der Hand liegen, daß das nationale Interesse der
Vereinigten Staaten am ehesten in einer Welt gewährleistet ist, in
der freie Institutionen den Gang der Ereignisse bestimmen und freie
und demokratische Regierungen das Sehnen des Volkes nach einer Verbesserung seiner wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ohne Anwendung von Zwang stillen können.
Deshalb sollten wir in unserem Interesse alles tun, was in unseren
Kräften steht, um den Völkern in den Entwicklungsländern zu helfen und
sie damit in die Lage zu versetzen, der kommunistischen Bedrängnis
zu widerstehen. Ein wirtschaftlicher Aufstieg würde es ihnen ferner

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15. Hai 1957

ferner gestatten, sich in stärkerem Maße und zum Nutzen aller - und
damit auch der Vereinigten Staaten - am Welthandel zu beteiligen.
Unser entscheidendes Motiv aber für die Gewährung dieser Art Unterstützung besteht meiner Meinung nach in der Verfolgung unseres wohlverstandenen Eigeninteresses, indem wir zur friedlichen Weiterentwicklung einer Welt beitragen, in der freie und demokratische Institutionen gedeihen können.
Wir glauben, daß die Entwicklung am ehesten durch privates
Kapital, sowohl aus dem eigenen Lande als auch aus dem Ausland, gefördert v/erden kann. Aber in dem Gebiet, über das wir hier sprechen,
ist einfach nicht genügend Kapital für die Verwirklichung all jener
Vorhaben vorhanden, deren Durchführung unerläßlich ist. Auch fehlt
es an Arbeitskräften mit einer ausreichenden technischen Ausbildung.
Uns kommt die Aufgabe zu, das mangelnde Kapital und Wissen beizusteuern. Ganz zwangsläufig wird unser Beitrag gegenüber den Anstrengungen der betreffenden Länder klein sein; wir können aber den
Wachstumsprozeß bis zu jenem Zeitpunkt fördern, an dem diese Völker
über genügend eigenes privates Kapital und über entsprechende Hilfsquellen verfügen, um auf eigenen Füßen stehen zu können. Das wird
natürlich lange Zeit dauern. Aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus
müssen wir uns somit solcher Methoden bedienen, die ein Arbeiten auf
lange Sicht ermöglichen.
Deshalb beabsichtigt die Regierung,die Schaffung eines Fonds
für wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Verwaltung für Internationale Zusammenarbeit (ICA) vorzuschlagen, der eine Institution
von der Art der Export-Import-Bank darstellen würde.
Statt wie bisher jährlich im voraus Dollarbeträge für die Unterstützung der einzelnen Länder festzusetzen und hier in Washington
Pläne für Projekte in aller Welt auszuarbeiten, würden die Regierungen
der fraglichen Länder von sich aus gesunde Pläne ausarbeiten und dann
einen Antrag auf Gewährung von Krediten zur Deckung der Kosten stellen.
Wir würden auf diese Weise genügend Zeit zur sorgfältigen Überprüfung
und Begutachtung der Pläne für die einzelnen Vorhaben gewinnen, da
wir unsere Entscheidung nicht mehr nur von Jahr zu Jahr treffen müßten.

Wir könnten in jedem einzeten Fall je nach Lage der Dinge frei entscheiden.
Wir würden Kredite nur in jenen Fällen gewähren, in denen die Gewähr dafür gegeben ist, daß die betreffenden Vorhaben mit hinreichender
Sachkenntnis angepackt werden und in denen die berechtigte Hoffnung
besteht, daß sie mittelbar oder unmittelbar zur Steigerung der Produktionskapazität des Empfängerlandes beitragen.
Die Aufgaben des Fonds für wirtschaftliche Entwicklung werden
sich nicht mit denen der Weltbank, der Export-Import-Bank und der
privaten Kreditinstitute überschneiden. Es ist vielmehr geplant, daß
er Kredite nur für Vorhaben gewährt, die sieh nachweislich nicht über
andere staatliche Stellen'oder private Geldgeber finanzieren lassen.
Der Fonds für wirtschaftliche Entwicklung würde sich von der Weltbank auch insofern unterscheiden, als die entsprechenden Projekte nicht

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15. Mai 1957

nicht notwendigerweise so geartet sein aussen, daß ihre Verwirklichung
zu einer Steigerung des Außenhandels führen muß, die eine prompte
Rückzahlung der Dollaranleihen sicherstellt. Es wäre damit zu rechnen,
daß bei den meisten der vom Fonds zu gewährenden Kredite Rückzahlbarkeit des größten Teils der Kreditsumme in der Währung des Empfängerlandes vereinbart werden würde. So würde beispielsweise ein an
Indien vergebener Kredit in Rupien zurückbezahlt.
Eine solche Rückzahlbarkeit in Landeswährung würde natürlich
eine Rückzahlung in Dollars nicht ausschließen. So wäre der Fall
denkbar, daß der Fonds einem wirtschaftlich unterentwickelten Land
einen in Landeswährung rückzahlbaren Kredit mit einer Laufzeit von
15 oder 20 Jahren einräumt. Nach Rückzahlung des Kredites könnte man
dieses Geld eventuell abermals demselben Land kreditieren, und es
bestünde dann wohl die berechtigte Hoffnung, daß sich die wirtschaftliche
Situation des Empfängerstaates inzwischen so weitgehend gebessert hat,
daß er diesen zweiten Kredit mindestens zum Teil in Dollars zurückzuzahlen vermag. Auf diese V/eise würde der größte Teil dieser auf Devisenbasis vereinbarten Kredite schließlich in Dollars zurückbezahlt werden.
Das entscheidende Charakteristikum des Fonds für wirtschaftliche
Entwicklung, in dem er sich von den gegenwärtigen Praktiken unterscheidet
besteht darin, daß er - ähnlich wie die Export-Import-Bank - eine ständige und nicht zu eng gefaßte Vollmacht zur Betätigung in aller Welt
hätte. Es entfiele für ihn die Verlängerung seiner Befugnisse von
Jahr zu Jahr. Damit wäre der Fonds in der Lage, genau wie ein Unternehmer, ein Bankier, der Präsident einer Universität oder ein Farmer,
in die Zukunft zu planen. Das Ergebnis müßte eine weit v/irksamere und
zweckmäßigere Verwendung der von den Vereinigten Staaten für derartige
Vorhaben bereitgestellten Mittel sein.
Die Export-Import-Bank kann Kredite nur dann gewähren, wenn damit
eine Förderung der amerikanischen Ausfuhren bewirkt wird« Ihre Kredite
sind nur in Dollars rückzahlbar. Der neue Fonds würde die Tätigkeit
der Export-Import-Bank und der Weltbank ergänzen.Er würde auch ermächtigt sein, Zusatzkredite zu Vorhaben zu gewähren, an deren Verwirklichung die genannten Institute beteiligt sind.
Wie Außenminister Dulles bereits gesagt hat, ist damit zu rechnen,
daß der neue Fonds Kredite von jährlich rund 750 Millionen Dollar vergeben wird« Im kommenden Finanzjahr, in dem der Fonds seine Tätigkeit
aufnehmen soll, werden sie voraussichtlich weit hinter dieser Zahl
zurückbleiben.
Neben^den Mitteln für militärische Aufgaben und für Zwecke der
wirtschaftlichen Entwicklung enthält das Budget des Programms für
Gemeinsame Sicherheit in Höhe von rund 4 Milliarden Dollar noch weitere 500 Millionen Dollar» Diese Mittel würden für die Deckung der
Ausgaben für Verwaltung sowie für das technische Hilfeprogramm und
unsere Beiträge zu internationalen Institutionen und Vorhaben wie das
Internationale Kinderhilfswerk und die Flüchtlingshilfe verwendet werden.
Sie würden es uns ferner gestatten, bei Auftreten irgendwelcher Notstände, die eine solche Unterstützung angebracht erscheinen lassen,
nichtrückzahlbare Zuwendungen zu gewähren und unterstützungsbedürftigen

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Hai 1957

unterstützungsbedürftigen Ländern, denen eine anderweitige Beschaffung
von Krediten nicht möglich ist, eine eng begrenzte Finanzhilfe zukommen zu lassen.
Das wichtigste an allen diesen Dingen ist, daß das amerikanische
Volk erfährt, daß der Betrag, den wir für technische Hilfe und für jene
Fälle vorschlagen, in denen noch immer Beihilfen notwendig sind, unter
500 Millionen Dollar im Jahr liegt und damit nur einen geringen Prozentsatz unseres Gesamtbudgets ausmacht.
Durch dieses neue Programm, das ich hier in seinen Grundzügen
umrissen habe, hoffen wir drei Dinge zu erreichen:
Erstens: Durch eine Zusammenfassung der Verantwortung für die
Ausgabenpolitik auf dem militärischen Sektor des Programms im Verteidigungsministerium, wo sie ohnehin hingehört, werden wir sicherstellen, daß unsere militärischen Programme bei gebührender Rücksichtnahme auf die Erfordernisse unserer nationalen Sicherheit mit größtmöglicher Sparsamkeit durchgeführt werden.
Zweitens: Durch die Überführung unserer Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung auf eine Kreditbasis durch eine Planung auf lange
Sicht und durch die Verwaltung nach streng wirtschaftlichen Grundsätzen
werden wir eine wirksamere und zweckmäßigere Verwendung dieser Mittel
sicherstellen, so daß das amerikanische Volk das Bewußtsein haben kann,
es werden keine Gelder verschwendet.
Drittens: Wir werden - und das ist das wichtigste - unserem Volk
zeigen können, wofür und warum sein Geld ausgegeben wird.
Durch derartige und, meiner Meinung nach, nur derartige Methoden
können wir hoffen, ein vernünftiges Programm für Gemeinsame Sicherheit mit einem maximalen Wirkungsgrad fortzuführen. Zum Schluß
möchte ich schnell noch an eines erinnern: Dieses Programm ist
ein unerläßlicher Bestandteil unserer Sicherheitsbestrebungen, aus
denen uns eines Tages ein echter Friede erwachsen soll.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Alle./15.5.1957
DULLES ERSUCHT KONGRESS Uli ZUSTIMMUNG ZUM BEITRITT
DER USA ZUR INTERNATIONALEN ATOMBEHÖRDE
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Y/ortlaut einer Erklärung, die
US-Außenminister John Poster Dulles am 10.
Mai 1957 vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß abgegeben hat.

Vor dreieinhalb Jahren, am 8.Dezember 1953* hat Präsident
Eisenhower seinen aufrüttelnden Appell zur Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecke an die V/elt gerichtet. In seiner
Ansprache vor der Generalversamulung der Vereinten Nationen
schlug der Präsident vor, "einen V/eg zu suchen, auf dem des
Menschen wunderbare Erfindergabe nicht zu seiner Vernichtung
gebraucht, sondern seinem Leben geweiht wird." Zu diesem
Zwecke regte er die Schaffung einer internationalen Behörde
zur Zusammenfassung spaltbaren Materials und einschlägiger
technischer Kenntnisse an, deren Aufgabe es sein sollte, die
Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecce zu fördern.
Sein Vorschlag war eine tatkräftige Inangriffnahme der
Probleme, die sich im Zusammenhang mit der Freisetzung der
Kernenergie ergeben hatten. Im Jahre 1946, als die Vereinigten
Staaten das Atom-Monopol hatten, machten wir den ersten Versuch,
das Atom unter Kontrolle zu bringen. Der Baruch-Plan war geeignet, der Herstellung von Atomwaffen in der Ueise ein Ende zu
setzen, daß die gesamte Freisetzung ..von Kernenergie unter internationale Kontrolle gestellt worden wäre. Dieser Plan hatte das
Ziel, die Völker dieser Erde vor der Vernichtung durch einen
Krieg mit Atomwaffen zu bewahren. Sieben Jahre lang hat die
Sowjetunion jeden Fortschritt auf diesem V,rege verhindert, indem sie sich weigerte, ihre Zustimmung zu einer Inspektion
und Kontrolle in diesem Bereich zu geben. Es ließ sich bis jetzt
noch kein Ausweg aus dieser Sackgasse finden. Angesichts dieses
geradezu niederdrückenden Verhandlungsklimas kam Präsident Eisenhowers Vorschlag über die Schaffung einer Atombehörde für friedliche Aufgaben wie ein Hoffnungsstrahl. Er wurde deshalb von aller
V/elt mit Beifall aufgenommen.
In

�"AMERIKA DIENST"

15' Hai 1957

In der seit der Bekanntgabe dieses Vorschlags verstrichenen
Zeit hat sich nur noch eindeutiger gezeigt, wie notwendig eine solche
Behörde ist. Die Bemühungen um die Erzeugung von elektrischem Strom
durch Umwandlung von Atomenergie haben große Erfolge gezeitigt. Das
eigentliche Experimentierstadium ist abgeschlossen. Atomkraftwerke
werden morgen eine Realität sein, ja, einige befinden sich bereits
im Bau. Der Energiebedarf steigt sprunghaft. Immer mehr Menschen
wenden ihre Aufmerksamkeit der Erforschung der Gewinnung von
Energie aus dem Atom zu.
Gleichzeitig wächst aber auch das Bewußtsein für einige der
Gefahren, die dieser Portschritt in sich birgt. Bei der Gewinnung
von Strom durch die Freisetzung von Kernenergie wird meines Wissens
bei Anwendung der derzeitigen Verfahren für Kernwaffen verwendbares
Spaltmaterial gewonnen, das bei Fehlen einer Kontrolle und Inspektion
auf diesem Gebiet sehr leicht seinen Weg in die Kriegsarsenale
nehmen könnte. Die Erzeugung von Atomstrom bedingt auch den Anfall
von Abfallprodukten, die die Gesundheit und die allgemeine Sicherheit zu gefährden geeignet sind. Heute ist der Schutz gegen die unvermeidlichen Begleiterscheinungen des Atomzeitalters noch weit
wichtiger geworden.
Die Satzungen der Internationalen Atomenergiebehörde sind so
gehalten, daß diesem Schutzbedürfnis Rechnung getragen wird. Ausgangspunkt ist der Vorschlag des Präsidenten. An der eigentlichen
Ausarbeitung der Statuten beteiligten sich rund 80 Staaten. Unter
ihnen waren Länder auf jeder Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung
und jeder politischen und kulturellen Schattierung. Trotz der Notwendigkeit, diese unterschiedlichen Interessen miteinander in Einklang zu bringen, wurden, in den Statuten sämtliche Elemente des
Vorschlags des Präsidenten dem Geist und Buchstaben nach ohne eigentliche Abstriche beibehalten.
Die Tatsache, daß so viele Staaten den Text der Statuten auf der
New Yorker Konferenz vom vergangenen Herbst einstimmig gebilligt haben, legt Zeugnis für die Richtigkeit der ursprünglichen Konzeption
ab. Zunächst einmal reagierte die Sowjetunion auf diese Vorschläge
negativ. Angesichts des offenkundigen V/unsches der ganzen Welt aber
hat die Sowjetunion inzwischen ihre Bereitwilligkeit zur Hitarbeit
in der Atombehörde bekundet. Sie versucht sogar, mit uns in einen
Wettstreit um die führende Rolle in diesen Bestrebungen einzutreten.
Bei der Ausarbeitung des Vertragstextes und bei den Verhandlungen
hielten sich die Vereinigten Staaten an ihre große Tradition, ihr
Eigeninteresse mit dem V/ohl der gesamten Menschheit auf einfallsreiche V/eise zu identifizieren.
Nunmehr wende ich mich den konkreteren Aspekten dieser Angelegenheit zu.
II

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�J3IKA DIENST"

15» Hai 1957
II

Welche Vorteile bietet diese Behörde den Vereinigten Staaten
und anderen Ländern?
Erstens: Die Atombehörde wird die Erschließung der Atomkraft
für friedliche Zwecke beschleunigen. Die Geschichte der Atomphysik
zeigt eindeutig, daß Menschen aus vielen Ländern zur Erreichung des
gegenwärtigen Standes der Entwicklung beigetragen haben. Ein Forum,
wie es die Internationale Atombehörde darstellen wird, für den gegenseitigen Austausch von Informationen über neue Entdeckungen und Erfindungen unter den Völkern wird der Erschließung der Atomkräfte für
friedliche Zwecke einen gewaltigen Auftrieb geben.
Zweitens: Die Internationale Atombehörde wird ein wirksames
System von Sicherungen aufweisen, die die Erschließung der Atomkraft
unter gebührender Rücksichtnahme auf die allgemeine Sicherheit gewährleisten.
Eine weitere Verbreitung der Kerntechnik und entsprechender Anlagen liegt auch in unserem eigenen Interesse. Eine rasche und unkontrollierte Erschließung der Atomenergie in allen Teilen der Y/elt
beschv/ört aber das Schreckgespenst von Kernwaffen herauf, die schließlich einmal allenthalben als Nebenprodukte der Atomkraftwerke hergestellt werden können. Soll dies verhütet werden, so ist ein wirksames Sicherungssystem erforderlich. Die Atomkraftwerke werden gebaut
werden. Die Frage ist lediglich, ob ihre Verbreitung überall auf der
Erde im Interesse aller überwacht wird oder nicht.
Kein Land kann allein von sich aus die Verbreitung von Atomkraftwerken kontrollieren. In unseren zweiseitigen Abkommen bauen wir nunmehr auch Sicherheitsbestimmungen ein, einschließlich einer Inspektion
durch amerikanische Beobachter, um eine mißbräuchliche Verwendung von
Kernmaterial auszuschließen. Das ist aber nur eine kurzfristige Lösung.
Souveräne Staaten sind wohl bereit, ein internationales Sj^stem mit
breiter Anwendbarkeit zu akzeptieren; sie werden aber sicher nicht
lange willens sein, ihre Elektrizitätsversorgung unter eine ständige
Überwachung von Technikern zu stellen, die ausschließlich den Interessen eines anderen Staates dienen. Y/enn wir auf lange Sicht einen
sicheren Auslandsmarkt für unser Kernmaterial und unsere Kerntechnik
wünschen, dann muß ein internationales Sicherheitssystem geschaffen
werden, das die Gewähr dafür bietet, daß unsere diesbezüglichen Exporte
nicht neue militärische Gefahren heraufbeschwören.
Das Sicherungssystem, das der Vertrag über die Schaffung der Internationalen Atombehörde aufweist, ist das gleiche wie das amerikanische
Sicherungssystem, das in unseren zweiseitigen Abkommen vereinbart wird«
Bei der Aushandlung des Vertrages wurden keinerlei Kompromisse bezüglich
der Substanz dieser Sicherungen geschlossen. Tatsächlich ist das in der
Endfassung des Vertrages enthaltene Sicherungssystem noch umfassender
als das der ursprünglichen Vertragsentwürfe.
Dieser Vertrag wird den amerikanischen System von Sicherheiten

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15. Hai 1957

Sicherheiten weltweite Bedeutung verschaffen. Wir dürfen mit einigen
Recht hoffen, daß das amerikanische System eines Tages von der ganzen
Welt akzeptiert wird. Auf jeden Fall wird es für sämtliche Länder bezüglich aller Projekte bindend sein, die eine Unterstützung durch
die Atombehörde erfahren sollen.
Drittens: Die Frage des Gesundheitsschutzes und der Betriebssicherheit. 'Vir wissen, daß mit der Nutzung der Atomkraft bei unsachgemäßem Verhalten Risiken und Gefahren verbunden sind. Die
Atombehörde ist auch die geeignete Institution, internationale
Normen für die ständig steigende Zahl von Menschen, die in Atomanlagen arbeiten oder in ihrer Umgebung wohnen, aufzustellen und
zu überwachen.
Viertens: Die Atombehörde wird die Möglichkeit zur Beseitigung
von Engpässen in der Beschaffung von geeigneten Arbeitskräften bieten,
die andernfalls der friedlichen Nutzung der Atomkräfte Grenzen setzen
würden. Technisches Personal ist knapp. Sollte man eine Lösung auf
rein bilateraler Basis anstreben, so würde dies eine sehr ernste Belastung des amerikanischen Arbeitsmarktes bedeuten. Die Atombehörde
kann dafür Sorge tragen, daß die gegenwärtig verfügbaren Fachkräfte
in möglichst zweckmäßiger Form eingesetzt werden und daß durch eine
Koordinierung der Ausbildung der Bestand an technischen Kräften und
\7issenschaftlern laufend zunimmt.
Fünftens: Die Atonbehörde kann dazu beitragen, uns dem Ziel
einer Kontrolle über die Kernwaffen näherzubringen. Wir haben seit
Jahren versucht, in dieser schwierigen Frage zu einer Übereinkunft
zu gelangen. Der springende Punkt war stets die Frage der Kontrollen.
Im Falle der Atombehörde hat sich die überwältigende Mehrheit der
Staaten erstmals in der Geschichte auf ein weitreichendes System von
Kontrollen und Sicherungen geeinigt, w'ir hoffen, daß es die praktische
Durchführbarkeit einer Kontrolle in einer '.Teise demonstrieren wird,
die sich auch auf die Verhandlungen bezüglich der Regulierung und
Verringerung der Rüstungen günstig auswirken wird»
Sechstens:

Die Offenheit, die dieses System mit sich bringen

wird, kann erheblich zu einer Einstellung der weiteren Anhäufung

von Kernwaffen, die ihrerseits eine Rüstungskontrolle stark behindern könnte, beitragen. Es ist ohne weiteres denkbar, daß die
Staaten vielleicht Atomwaffen nur deshalb entwickeln, v/eil sie den
in V/ahrheit sogar unbegründeten Verdacht hegen, daß ihre Nachbarn
ein gleiches tun. Auf Grund dieses Vertrages aber würde die Entwicklung der Atomkraft für friedliche Zwecke ohne Geheimhaltung
und unter internationaler Überwachung vollzogen. Auf diese V/eise
würden sich die einzelnen Staaten weniger stark gezwungen fühlen,
aus Furcht vor Unbekannten Kernwaffen zu entwickeln.
Und schließlich: Die internationale Zusannenarbeit auf einem
neuen Gebiet, das in seiner Bedeutung der industriellen Revolution
vergleichbar ist, kann Auswirkungen zeitigen, die ihr eigenes Gebiet weit übersteigt. Wir sind uns alle der Schwierigkeiten und
Hindernisse bewußt, die einer Einigung mit der Sowjetunion über

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über praktisch jede Frage entgegenstehen. Die Atonbehörde aber stellt
den Beginn einer Zusammenarbeit dar, die sich auch auf das Klima der
internationalen Beziehungen günstig auswirken könnte. Die Spaltung
des Atoms könnte so vielleicht zu einer Einigung der gegenwärtig geteilten Welt führen.
III
Die Verpflichtungen, die die Vereinigten Staaten als Mitglied
der Internationalen Atombehörde auf Grund ihrer Statuten zu übernehmen hätten, sind weder sehr zahlreich noch sehr schwer.
Erstens: Die Statuten besagen nichts darüber, daß die Atombehörde eine "Wohltätigkeitsinstitution" werden solle. Die Länder,
die Material und andere Dinge von der Atombehörde zu erhalten wünschen, müssen dafür einen Preis entrichten, der es ihr gestattet,
das Lieferland voll zu entschädigen. Was die Lieferländer ihrerseits
verfügbar machen wollen - an Material, Dienstleistungen oder Ausrüstungen -, bleibt völlig ihnen überlassen. Die Atombehörde ist nicht
befugt, von irgendeinem Land zu fordern, daß es dieses oder jenes
liefert; sie kann es lediglich dadurch zu Lieferungen bewegen, daß
sie entsprechende Gegenleistungen bietet.
Zweitens: Die Vereinigten Staaten wären verpflichtet, sich anteilig an den Verwaltungskosten der Atombehörde zu beteiligen. Alle
anderen Ausgaben der Behörde müßten aus ihren sonstigen Einkünften
bestritten werden.
Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was dies für die
Vereinigten Staaten in der Praxis bedeuten kann, sei erwähnt, daß
die Verwaltungsausgaben im ersten Jahr der Tätigkeit der Atombehörde
voraussichtlich sechs Millionen Dollar nicht übersteigen dürften.
Der Anteil, den die Vereinigten Staaten davon zu tragen hätten,
würde sich höchstens auf ein Drittel oder zwei Millionen Dollar
belaufen.
Drittens: Ebensowenig wie die Atombehörde zu einer Wohltätigkeitsinstitution zur Verteilung von Geldern und Material ihrer I'itgliedsstaaten werden kann, wird sie zur Ausgabestelle für Atomgeheimnisse werden. Die Atombehörde wird nicht
als Verteilerstelle
für geheime Informationen fungieren, sondern nur solche Informationen
über die Nutzung der Atomkräfte für friedliche Zwecke verfügbar machen,
die sich auch in Publikationen finden oder bezüglich derer keinerlei
von Sicherheitserwägungen diktierte Einschränkungen bestehen.
Viertens: Der Kernbrennstoff, der über die Atombehörde verteilt werden soll, ist nicht von der Art, wie sie für Kernwaffen
gebraucht wird. Meines Wissens wären eingehende Verarbeitungs- und
Aufbereitungsprozesse nötig, um diesen Kernbrennstoff in die für eine
Verwendung als Explosivstoff von Atomwaffen geeignete Form überzuführen
oder die in ihm enthaltenen Nebenprodukte der für Atomwaffen geeigneten
Form zu extrahieren. Keiner der voraussichtlichen Empfängerstaaten von
Kernbrennstoff aus dem Besitz der Atombehörde verfügt gegenwärtig über

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15. Mai 1957

über die ausgedehnten Anlagen, die für eine derartige Umwandlung oder
Extraktion von Nebenprodukten notwendig wären. Und falls sie diese anschaffen wollten, so könnte dies keinesfalls der Aufmerksamkeit der
Atombehörde entgehen.
IV
Ich habe bereits versucht, die großen Möglichkeiten aufzuzeigen,
die sich dieser Atombehörde bieten: die wirtschaftliche Entwicklung
großer Gebiete der Erde; die Zusammenarbeit mit anderen Staaten, einschließlich der Sowjetunion, und zwar dergestalt, daß damit ein,e Lockerung der internationalen Spannungen eintritt und sich eine Praxis der
friedlichen und konstruktiven Zusammenarbeit herausbildet; die Förderung
der friedlichen Nutzung der Atomkräfte und die Unterbindung einer Ausweitung des Potentials an Kernwaffen auf weitere Staaten; und das Sammeln von Erfahrungen durch die einzelnen Völker im Umgang mit einem System internationaler Sicherungen, die ihrerseits zu einer Stärkung des
Vertrauens beizutragen und die Aussichten auf eine mit entsprechenden
Sicherungsvereinbarungen verbundene Abrüstung zu verbessern vermöge-.
Wir haben die Initiative zur Schaffung der Atombehörde mit Billigung des Kongresses ergriffen. Im Jahre 1954» also noch bevor der Präsident darum ersucht hatte, hat der Kongreß in seine eingehende Revision des Atomenergiegesetzes eine Bestimmung einbezogen, die die Regierung der Vereinigten Staaten ausdrücklich ermächtigt, eine Abmachung
bezüglich der Zusammenarbeit mit einer internationalen Behörde zu
treffen, sobald eine solche mit entsprechender Billigung des Kongresses
geschaffen werden sollte. Nunmehr haben sich tatsächlich 80 Länder unsere
Konzeption zu eigen gemacht. Das ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Diplomatie. Die Ratifizierung der Statuten wird den Vereinigten Staaten die Möglichkeit bieten, auch weiterhin die Führung in
den Bestrebungen zu behalten, die Welt - um mit den Worten des Präsidenten zu sprechen - "von der Furcht hinweg zum Frieden zu führen".

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./22.5.1957
KÜNSTLICHE RADIOAKTIVITÄT IN DER ATMOSPHÄRE
ALS FOLGE VON KERNWAFFENVERSUCHEN
Von Willard F. Libby
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut eines Vortrags von
Dr. Libby, Mitglied der US-AtomenergieKommission, den dieser an 26.April 1957
in Washington vor der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft gehalten hat.
I. Einführung
Die durch die Spaltungsreaktion nach der Explosion einer
Kernwaffe erzeugte Radioaktivität verändert laufend und sehr
rasch ihre besonderen Merkmale, und die Bedingungen, unter denen
die Waffe zur Explosion gebracht wird, sind von größter Bedeutung
für die Errechnung der I.Iengen, in denen die strahlungsaktiven
Stoffe zur Erdoberfläche gelangen. Es entstehen im allgemeinen
drei verschiedene Arten radioaktiven Ausfalls, deren relative
Bedeutung von der Art der Waffen, hauptsächlich deren Wirkungsgrad,
und den Bedingungen, unter denen sie abgefeuert wurden, bestimmt
wird. Diese drei Arten sind: erstens die lokal ausfallende Radioaktivität , die keine große Rolle spielt, wenn der Feuerball nicht
den Erdboden berührt oder diesem sehr nahe kommt, die jedoch für
den Fall, daß der Erdboden doch berührt wird, einen großen Anteil in manchen Fällen sogar bis zu 80 Prozent - an der Gesamtmasse der
Explosionsmaterie hat. Diese Art Radioaktivität gelangt durch die
größeren Materieteilchen in immer tiefere Regionen. Sie wird vor
allem von Materie getragen, die in teilweise oder völlig gasförmigem Zustand durch Sogwirkung von der Erdoberfläche in den Feuerball emporgerissen wurde. Unter diesen Bedingungen wird soviel
Materi.e durch die Berührung des Feuerballs mit dem Erdboden verdampft, daß in den unmittelbar darauf abgekühlten Zonen der Gaswolke große Partikel gebildet werden.
Die zweite und dritte Art der ausfallenden Radioaktivität
wird über die ganze Erde getragen; sie besteht aus feinen Teilchen und wird danach unterschieden, ob die Materie in Schichten
der unteren Zone der Atmosphäre, das heißt in die Troposphäre, in der
sich die Niederschlags- und Wettervorgänge abspielen, oder aber in
die höheren atmosphärischen Zonen - die Stratosphäre - gelangt, _i_n_
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in der keine Niederschlagsmechanismen wirksam sind. Der troposphärische Ausfall vollzieht sich in Zeiträumen von zwei, drei
Wochen oder auch einen Monat, und zwar hauptsächlich als Folge von
Niederschlägen-in Form von Regen und Schnee und Feuehtigkeitsniederschlag in-allgemeinen; er geht gewöhnlich in den geographischen Breiten nieder, in denen der Versuch stattgefunden hat. In Gegensatz hierzu zieht sich der stratosphärische Ausfall über Jahre hin. Wir
wissen es nicht-genau, aber es scheint, daß nan hierbei durchschnittlich mit einen Zeitraum von 10 Jahren oder vielleicht etwas weniger zu
rechnen hat; während dieser Zeit verteilen sich die radioaktiven Aerosolteilchen praktisch über die ganze Erde. Wenn es den stratosphärischen Ausfallprodukten schließlich gelingt, in die Troposphäre abzusinken, werden sie sehr rasch durch den gleichen Mechanisnus ausgefiltert, der auch die um die ganze Erde verteilten troposphärischen
Ausfallprodukte niederschlägt - nänlich durch Regen und Feuchtigkeit.
Der Niederschlagsnechanisnus ergibt sich in allgeneinen aus den
Zusannentreffen der winzigen Partikel nit Wassertröpfchen in Wolken
und den Mitreißen dieser Partikel durch fallende Regentropfen. Der
erstgenannte Mechanisnus wurde kürzlich von Dr. Greenfie]d im Zusammenhang mit den sogenannten "Sunshine"-Problenen behandelt - das Studiun
der über die ganze Welt verbreiteten Ausfall-Radioaktivität läuft
unter dem Manen "Projekt Sunshine"* Neben der ausfilternden Wirkung
von Regen und Nebel existieren eindeutige Nachweise dafür, daß eine
Inkorporation durch die Oberflächen von Gräsern und Blättern in direkten Kontakt nit der Luft sehr wahrscheinlich ist. Häufig ergeben die
Strontiun-Analysen von Gräsern einen höheren Sr-90-Gehalt als dem
Analysenergebnis des Bodens, auf dem sie gewachsen sind, entspräche;
dies ist zweifellos eine Folge der direkten Inkorporation.
Die Verbreitung von Strontium-90 und der gesamten Explosionsaktivität hängt weitgehend von den Bedingungen ab, unter denen die
Waffe zur Explosion gebracht wurde. Alle Anzeichen deuten darauf hin,
daß zu den naßgeblichen Faktoren nicht nur der Kontakt des Feuerballs
nit der Erdoberfläche gehört, sondern auch, ob es sich un Land oder
Wasser oder bestinnte Boden- und Y/asserarten (Süß- oder Salzwasser)
handelt. Auch die Höhe, bis zu der der Feuerball enporreicht, ist
wichtig, insbesondere die Höhe in Relation zur Tropopause, der Grenzschicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre. Der Y/irkungsgrad fällt
hier wohl an neisten ins Gewicht. Es gibt eine Faustregel, dcrzufolge
Yfaffen nit einen Äquivalent von Megatonnen TNT durch die Tropopause
hindurch in die Stratosphäre wirken, der Wirkungsbereich von Kilotonnen-Waffen jedoch auf die Troposphäre unterhalb der Tropopause
beschränkt bleibt.
Daraus ist sofort zu ersehen, daß die Spaltprodukte von Kilotonnen-Y.'affen viel rascher niedergeschlagen werden als von MegatonnenWaffen. Natürlich ist dies weniger von Bedeutung, sofern es die langlebigen Spaltprodukte wie Strontiun-90 und Caesium-137 betrifft, aber
bei den kurzlebigen Spaltprodukten spielt dieser Umstand eine nicht
unwesentliche Rolle.
Man
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Man kann allgemein als gegeben annehmen, daß die Radioaktivität einer
über dem Erdboden zur Explosion gebrachten Kilotonnen-Waffe durchschnittlich zwischen zwei Wochen und einem Monat nach dem Zeitpunkt der Explosion niedergeschlagen wird, während die radioaktiven Produkte einer
ebenfalls über dem Erdboden zur Explosion gebrachten Megatonnen-Waffe
über viele Jahre hinweg - durchschnittlich über 10 Jahre - abgelagert
werden. So sind die Auswirkungen der kurzlebigen Spaltprodukte bei
einer bestimmten durch Kilotonnen-Waffen freigesetzten Menge Spaltungsenergie größer als bei den über dem Erdboden zur Explosion gebrachten
Sprengkörpern mit Megatonnen-Wirkung. Nimmt man als das "Durchschnittsalter" der Kilotonnen-Spaltprodukte einen Monat an, dann wäre der äußere
Gammastrahleneffekt von einer Megatonne Spaltungsenergie aus beispielsweise 50 Bomben von je 20 Kilotonnen etwa 30mal. so groß wie bei einer
einzigen Bombe von einer Megatonne Spaltungsenergie - wenn beide Arten
weit genug über dem Erdboden zur Explosion gebracht worden sind. Die
Spaltprodukte aus den kleinen in Nevada abgefeuerten Bomben würden im
Verlauf von etwa einem Monat in dem Gebiet etwa zwischen dem 10. und
60. Grad nördlicher Breite niedergehen, während die der größeren Bomben
sich im Verlauf von 10 Jahren praktisch auf der ganzen Erde niederschlagen. Hinsichtlich der Effekte von Strontium-90 besteht nur ein relativ
geringer Unterschied pro Einheit Wirkungsgrad, da selbst die Zeit des
Verbleibs in der Stratosphäre gering ist im Vergleich zu der Halbwertzeit, die bei radioaktivem Strontium 28, bei radioaktivem Caesium 27
Jahre beträgt; das letztgenannte Isotop entsteht in etwas größerer Menge
als Strontium-90 und scheint auf die gleiche Weise verbreitet zu werden.
Der Radiostrontium- und Radiocaesium-Gehalt der Atmosphäre ist,
wie direkte Messungen zeigen, ziemlich gleich groß, wenn auch der Gehalt
an Cs-137 wahrscheinlich infolge der etwas größeren Spaltungsausbeute
um ein geringes höher sein dürfte. Der Radiocaesium-Gehalt des Regenwassers ist dem Strontium-90-Gehalt vergleichbar; auch die RadiocaesiumKonzentration im menschlichen Körper stimmt - jedenfalls nach den von
Marinelli in Argonne und von Anderson und Langham in Los Alamos ermittelten Werten - mit der Tatsache gut überein, daß dieses durchschnittlich etwa 5 Monate im menschlichen Körper verbleibt, Strontium-90 dagegen viele Jahre. Die für Radiocaesium ermittelten Werte sind deshalb
außerordentlich interessant, weil sie über den Verteilungsmechanismus
der Ausfallaktivität und die Zuverlässigkeit Aufschluß geben, mit der
wir das zu erwartende künftige Verhalten von radioaktivem Strontium
berechnen können. Sie bestätigen bereits früher geäußerte Ansichten
zur Frage des Verteilungsmechanismus ,\ das heißt, wir finden bestätigt,
daß der Radiocaesium-Ausfall mit Ausnahme des lokalen Ausfalls meistenteils in Form von Feuchtigkeitströpfchen nach unten getragen und
bis zu einem gewissen Grade von der Gras- und Blattoberfläche der Grünpflanzen direkt aufgenommen wird. Er wird in vielen Böden in der obersten Schicht bis zu etwa 5 cm Tiefe abgelagert, so daß das Wasser, das
als Niederschlag zur Erde gelangt und in Flüssen abläuft, schon nach
kurzer Sickerstrecke im Boden gereinigt ist. Dieses ganze Verhalten
ist dem des Radiostrontiums sehr ähnlich.
Das

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Das Strontium-90 - und in geringerem Maße auch das Radiocaesium entziehen die Pflanzen dem Boden und ihrem Blattwerk und führen es
dem eigenen Stoffwechsel zu. Bei den meisten Pflanzen scheint hier ein
Selektionsmechanismus in Aktion zu treten, durch den der Strontium-90Gehalt der Pflanze - gemessen an der Bodenkonzentration - verhältnismäßig viel niedriger ist als ihr Calcium-Gehalt. Im Durchschnitt scheint
der Trennfaktor für Strontium relativ zum Calcium zwischen der oberen
Bodenschicht und den Pflanzen etwa 1,4 zu betragen. Bei den Kühen, denen
solche Pflanzen als Futter dienen, erfolgt bei der Milchbildung eine weitere
"Filterung" um etwa den Faktor 7» so daß der allgemeine Schutzfaktor gegen Strontium-90 von der oberen Bodenschicht bis zur Kuhmilch
mit 1,4 x 7
9»8»also etwa 10 anzunehmen ist. Ein weiterer Trennfaktor für das Verhältnis Strontium/Calcium existiert darüber hinaus in
bezug auf den menschlichen Körper. Über diesen Faktor ist noch nicht
allzu viel bekannt, man weiß aber definitiv, daß er zum mindesten 2,
möglicherweise aber sogar 8 beträgt. Die Forscher sind jetzt dabei, diese
Frage zu klären. Es gibt also eine ganze Reihe von Schutzfaktoren, die
die Konzentration von Radiostrontium aus der Milch im Verhältnis zum
Calcium im menschlichen Knochengewebe auf höchstens 1/20, wahrscheinlich
aber sogar auf 1/80 der Konzentration der oberen Bodenschicht begrenzen.
Natürlich muß auch darauf hingewiesen werden, daß ein beträchtlicher Anteil des radioaktiven Ausfalls direkt an den Blättern aufgenommen wird;
in diesem Fall gilt#der Faktor 1,4 allerdings nicht, und somit würde
für diesen Prozentsatz des radioaktiven Ausfalls der Schutzfaktor vielleicht auf 14 reduziert. Da die Milch die Hauptquelle für das vom menschlichen Körper aufgenommene Calcium ist, bedeutet dies, daß das tatsächliche Verhältnis der Radiostrontiumkonzentration in jungem menschlichen
Knochengewebe zu der Konzentration in der oberen Bodenschicht den genannten Zahlen etwa entsprechen dürfte.
Man muß sich darüber im klaren sein, daß für Gemüse und Fleisch
eine ähnliche Berechnung in bezug auf den daraus sich ergebenden Anteil
und das Gesamtdurchschnittsverhältnis angestellt werden muß, obgleich
nur eine kleine Menge des Calciums auf dem Weg über diese Nahrungsstoffe
in den Körper gelangt. Es scheint, daß der allgemeine Schutzfaktor bei
Fleisbh und Gemüse etwa 10 beträgt, so daß im Fall einer Calciumzuführung von 20 Prozent aus diesen Quellen der allgemeine Schutzfaktor
im Durchschnitt zwischen 1/l3 und 1/3O liegen dürfte. Die Versuchsergebnisse bei jungem Knochengewebe, zum Beispiel bei Kindern, deuten auf
einen geringeren Wert, nämlich auf 1/60, auf diesen Sachverhalt wird
später noch näher eingegangen werden.

Eine

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Eine wichtige Angelegenheit in Zusammenhang mit den Mengen von
Strontium-90, die sich erwartungsgemäß in den menschlichen Knochen
als Folge von Atomwaffenversuchen ablagern dürften, ist die Calciumkonzentration der oberen Bodenschicht. Da Calcium dem Strontium so
ähnlich ist, besteht die Möglichkeit - und wir haben dafür auch bereits Beweise -•&gt; daß ein höherer nutzbarer Calciumgehalt des Bodens
die Wahrscheinlichkeit für die Aufnahme von Strontium-90 durch Pflanzen verringert. Natürlich hat diese Wahrscheinlichkeit eine nicht annähernd so starke Auswirkung auf die Absorption der Stoffe, die direkt
an den Blättern aufgenommen werden. Wir können daher wohl erwarten, daß
Böden mit besonders niedrigem Calciumgehalt einen höheren Strontium-90Gehalt für die darauf wachsenden Pflanzen ergeben können. Dies ist
tatsächlich so: Schafe, Ziegen und Rinder, die auf solchen Weiden
grasen, haben in ihrem Knochengewebe eine höhere Strontium-90Konzentration.
Es ist eine höchst wichtige Frage, auf welche './eise ein derartiger Calciummangel im Boden die Aufnahme von Strontium-90 durch den
Menschen wohl zu beeinflussen vermag. Eindeutig ist ja die Nahrungsmittelverteilung so organisiert, daß der Bedarf aus verhältnismäßig großen geographischen Räumen gedeckt wird und daß deshalb die
menschliche Bevölkerung auch erheblich geringer auf Calciummangel entsprechend der örtlichen Bodenbeschaffenheit reagiert. Dies wird besonders deutlich aus den Angaben über den Radiumgehalt menschlichen
Knochengewebes und aus dem Fehlen einer besonderen Abhängigkeit von
dem jeweiligen Radiumgehalt des Trinkwassers. Aber für Personen, die
ständig Milch von Kühen trinken, welche auf calciumarmen Weiden grasen, dürfte das schon einen bestimmten Effekt in bezug auf die Menge
des aufgenommenen Radiostrontiums haben, und zwar müßte der Effekt
dem Radiostrontium-Gehalt der Milch proportional sein. So löst sich
das Problem mehr oder weniger in die Frage auf: "Wie hoch ist der
Strontium-90-Gehalt der Nahrungsmittel, die Menschen in solchen Gebieten tatsächlich zu sich nehmen?" Bei der Untersuchung der Eßgewohnheiten und der Errechnung der Strontium-90-Aufnahme relativ
zum Calcium finden wir, daß die Erhöhung der durchschnittlichen
Strontium-90-Konzentration in den Nahrungsmitteln infolge des geringen Calciumgehalts bestimmter Böden bei einer Calciuraminderung um
das Fünfzigfache kaum mehr als das Fünffache betragen kann. Das
heißt also, daß gegenüber normalen Böden, die in der oberen Bodenschicht bis in zirka 6 cm Tiefe 20 Gramm Calcium enthalten, in Gebieten mit Böden von nur 0,4 Gramm pro Quadratfuß ein etwa um das
Fünffache höheres Gleichgewicht der Strahlenbelastung für den menschlichen Körper auftritt.
Um die Gefahr des Radiostrontiums, das allgemein als das gefährlichste der langlebigen Spaltprodukte betrachtet wird, verstehen zu können, versuchen wir höchste zulässige Konzentrationen
sowohl für die berufliche Strahlenbelastung als auch für die Bevölkerung im allgemeinen festzusetzen. Diese Werte sind mit 1 Mikrocurie
(1 millionstel Curie) beziehungsweise 0,1 Mikrocurie (1 zehnmillionstel
Curie) angenommen worden. Das heißt, ein Arbeiter in einen Kernenergiebetrieb darf bis zu 1 Mikrocurie Strontium-90 im Körper haben, die
übrige Bevölkerung (pro erwachsene Person) jedoch nicht mehr als 0,1

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0,1 Mikrocurie. Diese letztgenannte Zahl entspricht einer Konzentration
von 100 millionstel Mikrocurie pro Gramm Körpercalcium oder 100 "Sunshine"Einheiten, wie wir sie nennen, das heißt, 1 millionstel Mikrocurie
(10-12} strontium-90 pro Gramm Körpercalcium wird als 1 Sunshine-Einheit
definiert.
Wir müssen nunmehr auf andere Weise versuchen, wie unsere üblichen
Erfahrungen auf die Frage: "Wie gefährlich sind Kernwaffenversuche in Anbetracht der ausfallenden Radioaktivität?" angewandt werden können. Unser
Körper hat jetzt etwa 0,1 oder 0,2 Sunshine-Einheiten aufgenommen, Kinder
etwa 0,5 Sunshine-Einheiten. Auf die Frage der Abweichungen von diesen
Durchschnittswerten werde ich noch zu sprechen kommen. Aber angenommen,
zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien dies die '.Verte - wie groß ist dann die
Bedrohung oder die Gefahr aus diesen Mengen? Offenbar sind sie doch viel
geringer als der oben genannte Toleranzwert von 100 Sunshine-Einheiten.
Um einen Vergleich mit der allgemeinen Erfahrung zu erhalten, wollen wir
uns einmal näher mit den allgemein bekannten Größenordnungen der Strahlungsniveaus befassen, denen wir normalerweise durch die kosmischen Strahlen, das schwach aktive Kaliumisotop im menschlichen Körper sowie durch
das Uran, Thorium und Kalium im Boden und in unserer gesamten Umwelt ausgesetzt sind. Wir wissen,daß in unseren Breitengraden diese Mengen pro Person bei etwa 150 Milliröntgen (1 Röntgen = Dosiseinheit für Röntgen- und
Gammastrahlen) jährlich liegen. Aber wir wissen auch, daß es beträchtliche
Abweichungen von diesen Normalbedingungen gibt.
Beispielsweise kann jemand, der in einem Ziegelhaus wohnt, infolge
der natürlichen Radioaktivität des Mauerwerks jährlich 25 bis 30 Milliröntgen (mr) mehr erhalten als jemand, der in einem Holzhaus wohnt. Ebenso ist bekannt, daß im Unterschied zu den 37 mr Jahresdosis an Höhenstrahlung in Meereshöhe dieser Wert hier in unseren Breitengraden in
1500 Meter Höhe, etwa in Denver, Colorado, 60 mr - also 23 Milliröntgen
zusätzlich - beträgt. Was bedeutet dies umgerechnet auf die Strahlenbelastung des Körpers mit Strontium-90?
Zunächst müssen wir uns darüber klar werden, ob irgendeine Art der
natürlichen Strahlung - und wenn ja, welche Art - in bezug auf die biologischen Effekte denen des Strontium-90 ähnlich ist, so daß wir ohne Bedenken sagen können, die physiologischen Effekte sind, wie immer diese
auch geartet sein mögen, bei der gleichen Menge absorbierter Energie ebenfalls gleich. Glücklicherweise scheinen die kosmischen Strahlen in diese
Rechnung zu passen. Das heißt, daß es uns frei steht, die Strahlungsdosen
der kosmischen Strahlen mit den Strahlungsdosen von Radiostrontium in unserem Knochengewebe gleichzusetzen.

Dies

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Dies ist möglich, weil die Ionisationsdichte entlang der Bahn der
My-Mesonen, den wichtigsten Komponenten der kosmischen Strahlung,
in Meereshöhe und in 1500 Meter Höhe nahezu die gleiche ist wie
die der Betastrahlung von Yttrium-90 (Betastrahlen stellen den
Hauptanteil der von Radiostrontiun emittierten Strahlen)• Radiostrontium hat nämlich ein radioaktives Tochterprodukt, eben
Yttrium-90, das eine sehr energiereiche Betastrahlung aussendet,
und die Ionisationsdichte entlang der Bahn dieser Strahlen ist sehr
ähnlich derjenigen der My-Mesonen der kosmisnlien' Strahlen und ihrer
Zerfallselektronen. Von Strahlenschutzphysikern und Bio-Strahlenphysikern wird allgemein angenommen, daß Strahlungen der gleichen
Ionisationsdichte sehr ähnliche, wenn nicht sogar die gleichen biologischen Effekte für die gleiche Menge absorbierter Energie bewirken. Die hohe Energie von Yttrium-90 verleiht ihm eine durchschnittliche Gewebe-Eindringtiefe von 2 mm, so daß jede Ungleichmäßigkeit in der Ablagerung von Strontium-90 im Knochengewebe ausgemittelt wird. Die Exposition gegenüber kosmischen Strahlen ist
natürlich für das ganze Knochengewebe einheitlich. Deshalb können
wir die Belastung durch kosmische Strahlung mit der Strontium-90Belastung gleichsetzen, und wir können ferner sagen, daß der
Effekt des Unterschieds zwischen der einen und der anderen Höhenlage - wie auch im Fall anderer Effekte - einer gewissen Anzahl
von Sunshine-Einheiten in Knochengewebe äquivalent ist. Denkt man
diesen Gedanken weiter, so ergeben sich als das Äquivalent von
1 Sunshine-Einheit 3 Milliröntgen (3 mr) pro Jahr. Sonr t e t
spricht der Unterschied in der Jahresdosis kosmischer Strahlung
zwischen Washington oder einem anderen in unserer geographischen
Breite in Meereshöhe gelegenen Ort einerseits und Denver in Colorado
andererseits 8 Sunshine-Einheiten, das heißt, dem 16facher. der gegenwärtigen Strahlenbelastung für den menschlichen Organismus durch
im Gleichgewicht befindliches Knochengewebe oder ein nahezu im
Gleichgewicht befindliches Knochengewebe, wie wir es bei den jetzt
heranwachsenden Kindern beobachten.
Deshalb müssen wir prüfen,ob irgend etwas in unserer Erfahrung
darauf hindeutet, daß diese Unterschiede in bezug auf die von Radiostrontium erwarteten Haupteffekte, nämlich das Auftreten von Leukämie
und Knochenkrebs, bemerkenswert sind. Nun ist natürlich gerade an
Lebensstatistiken über diese besonderen Fälle schwer heranzukommen.
Das amerikanische Bundesgesundheitsamt und das Ministerium für das
Gesundheits-, Erziehun-s- und Fürsorgewesen haben uns Statistiken
über das Auftreten von Leukämie und Knochenkrebs in drei Städten New Orleans, San Francisco und Denver - zur Verfügung gestellt, die
folgendes Bild ergeben:
_ . ,.. .
u
ö
Tabelle 1
•
Auftreten von Knochenkrebs und Leukämie
(neue Fälle pro Jahr auf 100 000 der Bevölkerung)
Knochenkrebs
Leukämie
Denver
New Orleans
San Francisco

2,4
2,8
2,9

6»4
6,9
10,3
Aus

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Aus dieser Tabelle geht deutlich hervor, daß die Höhenlage offenbar keinen Einfluß hat, und so ist auch klar, daß es noch andere Paktoren gibt, die merklich wichtiger sind als die Dosis der Höhenstrahlung. Natürlich kann dennoch ein erheblicher durch die Höhenlage bedingter Effekt auftreten, der sich hinter großen, durch andere Faktoren verursachten, in großen und ganzen aber unbekannten Verschiebungen
verbirgt, und wir können nicht behaupten, daß dies irgend etwas
beweist. Aus der üblichen Erfahrung heraus sind wir jedoch einigermaßen sicher, daß der Effekt von 8 Sunshine-Einheiten kein feststellbares Ansteigen von Knochenkrebs und Leukämie verursacht.
Dies stimmt auch gut nit den Ergebnissen der Tierversuche und den
begrenzten Erfahrungen beim Menschen mit Radium überein. Das heißt,
daß 1 Kikrocurie - also 1000 Sunshine-Einheiten - auf der Basis der im
Laboratorium ermittelten Resultate als unbedenklich angesehen werden
kann. Es ist als Toleranzdosis für die berufliche Strahlenbelastung
festgesetzt, und deshalb ist es nur ein vernünftiger Schluß, daß acht
Sunshine-Einheiten einen so geringen Effekt haben dürften, daß dieser
nur sehr, sehr schwer feststellbar ist. ".einer Ansicht nach hilft uns
dies jedoch, zu erkennen, daß die gegenwärtige Strahlenbelastung in
jungem Knochengewebe durch Strontiun-90, das aus den bisherigen Kernwaffenversuchen stammt» der zusätzlichen Höhenstrahlungsintensität.bei
120 I.Ietern Höhenunterschied entspricht, einem Bruchteil des Unterschieds
in der Höhenstrahlungsintensität zwischen Meereshöhe (null Meter) und
Denver (1500 I.Ieter Höhe). Deshalb können wir zur gleichen Zeit, in der
wir die möglichen Effekte von Strontium-90 aus solchen Konzentrationen
erörtern, aus unseren alltäglichen Erfahrungen heraus Werte für die
Grenzen der zu erwartenden Auswirkungen ableiten. Keine der Unterlagen
über das Auftreten von Knochenkrebs und Leukämie in Abhängigkeit von
der Höhenlage gibt uns irgendwelchen Grund zu der Annahme, daß die gegenwärtigen Toleranzwerte falsch seien. Die gegenwärtigen Strahlungsbelastungen des Körpers, wie sie für noch im Aufbau befindliches Knochengewebe auftreten, sind im Vergleich zu diesen Grenzwerten gering.
Unabhängig von den Strontiura-90-Effekten sind die Effekte der allgemeinen Gammastrahlung; damit ist jene Strahlung gemeint, die von außen
auf den menschlichen Körper einwirkt und die hauptsächlich von frischen
Spaltprodukten im Bereich der lokalen Ausfällung, in ganz geringer I.Ienge
jedoch auch aus der Akkumulierung von Radiocaesium am Boden bei stratosphärischem Ausfall oder, was bedeutungsvoller ist, aus den kurzlebigen Spaltproduktenf welche durch den troposphärischen Ausfall niedergeschlagen
werden, kommen kann. Natürlich werden die Kernwaffenversuche so durchgeführt, daß eine durch die lokal ausfallende Radioaktivität verursachte
Exponierung vermieden wird, so daß unsere gegenwärtige Diskussion über
die Auswirkungen von Kernwaffenversuchen auf die viel kleineren GammaDosen als Folge des troposphärischen und stratosphärischen Ausfalls
außerhalb des Explosionsbereichs beschränkt ist. Im Kriegsfalle wäre es
natürlich der lokale Ausfall, der neben den Explosions- und Hitzewirkungen
zu bedenken ist, und diesem Aspekt wendet die FCDA (amerikanische Bundesbehörde für die Zivilverteidigung) ihre größte Aufmerksamkeit zu. Im Zusammenhang mit den Kernwaffenversuchen müssen wir jedoch die Frage der
genetischen Effekte beim Menschen und die möglichen Effekte solcher Strahlendosen auf die Gesundheit untersuchen. Wollen wir doch noch einmal das
Kriterium der üblichen Erfahrungen in dieser Hinsicht heranziehen. Messungen
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Messungen haben gezeigt, daß die allgemeine durchschnittliche Intensität von Ganmastrahlung aus Kernwaffenversuchen 1 bis 5 Ililliröntgen
(mr) pro Jahr beträgt. Bei Gegenüberstellung der allgemeinen Größenordnung der daraus zu erwartenden Effekte mit der Intensität der
natürlichen Strahlung finden wir beispielsweise - wie bereits erwähnt -, daß das Wohnen in einem Ziegelhaus statt in einem Holzhaus
eine zusätzliche jährliche Strahlungsdosis von 25 bis 50 Ililliröntgen
(mr) bedeuten kann, daß es ferner gewisse Gebiete auf der Erde gibt,
wo die in den Vereinigten Staaten gemessene Durchschnittsdosis von
150 ililliröntgen (mr) um das Zehnfache höher liegt, daß Menschen,
die in Gebieten mit Granituntergrund leben, infolge des Uran- und
Thoriumgehalts im Gestein jährlich etwa 70 mr mehr ausgesetzt sind als
Menschen in Gebieten mit Sedimentgestein-Untergrund, und daß Menschen
in größeren Höhenlagen auch eine größere Dosis an natürlicher Höhenstrahlung erhalten. Natürlich wissen wir ferner, daß die medizinische
Anwendung von Röntgenstrahlen erheblich höheren Dosen als allen diesen
durch Kernwaffenversuche verursachten Dosen äquivalent sein kann.
Und wir verfügen über Erfahrungen und maßgebliche Unterlagen
darüber, daß die allgemeinen somatischen Effekte ohne besondere Berücksichtigung von Krebs und Leukämie, das heißt, die Effekte von
Strahlung in bezug auf die normale Gesundheit des Menschen, weitaus
höhere Dosen erfordern. Es handelt sich hier um Dosen in der Größenordnung von 25 bis 50 Röntgen (r), um feststellbare Veränderungen im
Blutbild hervorzurufen, und von 100 bis 200 r, um schwerwiegende gesundheitliche Schäden zu bewirken, während die Dosen aus der durch
Kernwaffenversuche verursachten Aktivität etwa um das Ilunderttausendfache kleiner sind.
Die Frage der genetischen Effekte ist dagegen äußerst schwierig
zu beurteilen, da über die Genetik beim Menschen noch so wenig bekannt
ist. Aus den Erfahrungen mit Pflanzen, Insekten, Versuchstieren und
niedrigen Organismen zu schließen, müssen wir jedoch annehmen, daß
Strahlen tatsächlich genetische Effekte haben. Die Frage ist nur,
welche Strahlenmenge einen bestimmten Effekt zur Folge hat. In jeder
neuen Generation gibt es beim Menschen eine gewisse Anzahl von Mutationen. Sind diese nun hauptsächlich auf die natürliche Strahlung
oder aber auf chemische oder biochemische Vorgänge oder auf beides
zurückzuführen?
Chemisch gesehen dürfte es wahrscheinlich sein, daß nicht alle
Spontanmutationen beim Menschen oder irgendeinem anderen Lebewesen
durch Strahleneffekte ausgelöst werden, da die Strahlung wahrscheinlich Mutationen meist auf dem Wag über Moleküle, also chemische Verbindungen, induziert, deren Bildung in den menschlichen Zellen sie
anregt, und daß dann die Mutationen erst durch diese chemischen Stoffe
verursacht werden und so in gewissem Sinne chemischer Natur sind. Wenn
dies nun tatsächlich so wäre und die strahleninduzierten Mutationen
fast immer durch chemische Stoffe verursacht werden, die sich in erster Linie infolge Strahleneinwirkung bilden, dann könnten auch chemische Stoffe, die nicht durch Strahleneinwirkung entstehen, sondern
anderen Ursprungs sind, von sich aus ebenfalls Mutationen verursachen. Jj£

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Es wäre also wahrscheinlich, daß ein wesentlicher Prozentsatz der
natürlichen oder spontanen Mutationen bei den Lebewesen im allgemeinen
nicht durch Strahlung hervorgerufen wird. Es ist wichtig, diesen Punkt
schon deshalb einmal zu klären, um Vergleichsmöglichkeiten für die Effekte
der Ausfallsaktivität und den Anteil der auf die normale Strahleneinwirkung zurückzuführenden natürlichen Spontanmutationen zu bekommen.
In anderen Worten: Falls die normalen Mutationen alle auf Strahlung
zurückzuführen sind, müssen die Effekte der zusätzlichen Strahlung aus
Kernwaffenversuchen allgemein oder aus anderen Strahlungsquellen, beispielsweise Atomkraftwerken, oder auch der Verwendung von Röntgenstrahlen und Radioisotopen in der Medizin größer sein. Wahrscheinlich ist und dieser Ansicht schließen sich viele maßgebliche Genetiker auf Grund
ihres Fachwissens an -, daß ein wesentlicher Prozentsatz der Spontanmutationen beim Menschen nicht auf Strahlung zurückzuführen ist, sondern
andere Ursachen hat. Deshalb wird nur ein bestimmter Anteil der Spontanmutationen beim Menschen als durch Strahlung verursacht angenommen;
wie groß dieser Anteil ist, läßt sich schwer sagen, aber nach einer
Schätzung von Prof. H. J. Muller dürfte er bei etwa 10 Prozent liegen.
Man nimmt daher an, daß die Jahresdosis von 150 Milliröntgen (mr) aus
der natürlichen Strahlung etwa 10 Prozent der spontanen Mutationen verursacht, und daß die Ausfallsaktivität von Kernwaffenversuchen, wenn
diese unbegrenzt weiter fortgeführt werden, beim gegenwärtigen Jahresniveau von etwa 1 bis 5 m*" diesen Wert um zirka 0,2 Prozent erhöht. Im
ganz extremen Fall, das heißt, wenn sich herausstellen sollte, daß trotz
der Möglichkeiten chemischer Einwirkung alle Spontanmutationen durch
Strahlung ausgelöst werden, wäre der Effekt zehnmal so groß, betrüge
also 2 Prozent. Dr. Dunning von der Abteilung Biologie und Medizin der
amerikanischen Atomenergie-Kommission kam im Jahr 1955 bei ähnlichen
Überlegungen auf 1,4 Prozent ("The Scientific Monthly" 91, Dezember
1955» S. 265). Dieser Effekt entspräche etwa dem, der bei Verlegung
des Wohnsitzes in eine etwas andere Gegend auftritt, und wäre viel weniger einschneidend als beispielsweise der Umzug von einem Haus in ein
anderes oder die Folgen irgendwelcher anderen Veränderungen. Der einzig
wichtige Punkt in diesem Zusammenhang ist, daß genetische Effekte nur
zutage treten, wenn ihnen eine große Anzahl von Menschen gleichzeitig
unterworfen ist. Deshalb könnten wir auch erwarten, daß die Effekte bei
großen Bevölkerungsgruppen, deren Umwelt eine Veränderung erfährt, die
beispielsweise ihren Wohnsitz in höhergelegene Orte oder in Gebiete mit
höherer natürlicher Radioaktivität verlegen, auch die Erbmasse beeinflussen müßten, wenn die Radioaktivität aus Kernwaffenversuchen dies
vermag. Die Lebensstatistiken müßten alle auf solche Effekte hin geprüft
werden; die AEC jedenfalls bemüht sich in dieser Hinsicht nach besten
Kräften um eine Klärung. Der wissenschaftliche Beirat der Vereinten
Nationen zur Frage der Effekte atomarer Strahlung vergleicht zur Zeit
die Angaben über die Dosen der natürlichen Umweltstrahlung; man hofft,
daß diese Studie weitergeführt und dabei besonderes Augenmerk auf beobachtbare Effekte von Schwankungen in der Dosis der natürlichen Umweltstrahlung gerichtet wird, denn es steht fest, daß alle Gammastrahlungseffekte der Ausfallsaktivität von Kernwaffenversuchen in Anbetracht der
natürlichen Strahlungsdosis in viel größerem Umfang bereits vorhanden
sein müssen.
II.

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22. Hai 1957

II. Schwankungen in der individuellen Strontium-90-Belastung
Wie groß ist die Y/ahrscheinlichkeit, daß bei einzelnen Personen
die Toleranzgrenzen überschritten werden, obgleich die durchschnittliche Strontium-90-Konzentration v,reit darunter liegt? Wir wollen hier
zunächst einmal den Fall erörtern, der letzten Endes maßgebend ist nämlich die Situation eines völligen Gleichgewichts mit der Umwelt,
sofern es die Strahlenbelastung durch Strontium-90 betrifft. Die einzige Möglichkeit für uns, die erwarteten individuellen Abweichungen
von der mittleren Konzentration überhaupt beurteilen zu können, sind
Gewebeanalysen am Llenschen, bei denen nicht nur Strontium-90, sondern
auch andere analoge Komponenten bestimmt v/erden. Die jüngsten Angaben
über die Strahlenbelastung durch Strontium-90 sind meist Analysenergebnisse von Knochenteilen, die auf operativem Weg entfernt wurden;
sie geben also kein umfassendes Bild von den Konzentrationen im gesamten Körpergewebe. Aber wir können jetzt Ergebnisse über den Strontium90-Gehalt im gesamten Körper auf Grund von Untersuchungen einer ganzen
Anzahl von Totgeburten (1*) heranziehen, die im Jahr 1953 i n Chicago
vorgenommen wurden. Im Rahmen des Sunshine-Projekts werden jetzt große
Anstrengungen unternommen, diese Untersuchungsserien fortzusetzen und
auch die vorhandenen Ergebnisse von Analysen des menschlichen Knochengewebes durch vollständige Skelettanalysen nachzukontrollieren. Die Verteilung der Werte für Strontium-90 bei den Totgeburten geben wir in
Schaubild 1 wieder. Angaben über das Auftreten gewöhnlichen nichtradioaktiven Strontiums im menschlichen Knochengewebe sind ebenfalls veröffentlicht worden (2*). Sie beziehen sich offenbar auf den endgültigen Zustand, und sie kommen offenbar auch dem Gleichgewicht mit der
Umwelt zumindest ebenso nahe, wie es bei dem radioaktiven Ausfallstrontium je der Fall sein kann. Die entsprechenden Resultate sind in Schaubild 2 zu finden. Auch das Auftreten von Radium im menschlichen Körper
wurde herangezogen, da dieses Element dem Calcium und Strontium ähnlich
ist, sich auch vorzugsweise im Skelett ablagert und offenbar ebenfalls
sich in einem endgültigen radioaktiven Gleichgewicht befindet. In Schaubild 3 wurden die von Palmer und Queen (3*) gefundenen Resultate verwendet. Und schließlich ziehen wir die jüngsten Angaben über das Auftreten von normalem Kalium im menschlichen Körper heran, wie sie von
Anderson und Langham (4*) ini wissenschaftlichen Institut Los Alamos
ermittelt wurden. (siehe Schaubild 4)
Alle
1*) V/.F. Libby "Radioactive Strontium Fallout" (Der Ausfall von
radioaktivem Strontium), Protok.Kationale Akademie der Wissen«
Schäften, Nr. 6, 365-390, 1956; Universität Chicago, Bulletin
Hr. 12 v. I.August 1956 zu "Project Sunshine".
2*) K.K. Turekian und J.L. Kulp, in "Science" 124, 405 (1956).
3») Hanford-Bericht, HW-31242
4*) E.C. Anderson, R.L. Schuck, V.R. Fisher und W. Langham
"Potassium and Cesium Radioactivity in People and Foodstuffs"
(Kalium- und Caesiumradioaktivität in Menschen und Hahrungsmitteln), in der Presse veröffentlicht.

- 11 -

�"AI.IERIKA SIEHST"

22. Mai 1957

Alle diese Resultate zeigen, wie die theoretischen Kurven andeuten, eine normale Häufigkeitsverteilung. Die jeweiligen Schwankungsbreiten der Kurven (mittlere Fehler) betragen für Radiostrontium
36 Prozent, für gewöhnliches Strontium /r0 Prozent, für Radium 40 Prozent und für natürliches Radiokalium 16 Prozent. Es ist klar ersichtlich, daß sie im allgemeinen Verlauf miteinander übereinstimmen, und
daß der Strontium-90-Gehalt in seiner Verteilung bei den Chicagoer
Totgeburten in keiner \7eise anomal war. Deshalb werden wir die Verteilungskurve für Radiostrontium mit derjenigen für gewöhnliches
Strontium gleichsetzen. Das Auftreten nichtradioaktiven, gewöhnlichen Strontiums im Skelett dürfte uns sicher Aufschluß über die Verteilung radioaktiven Strontiums im Zustand des Gleichgewichts geben,
und es sollte uns möglich sein, hieraus die wichtigsten Punkte mbezig aui
die Verteilung zu ergänzen, die wir in den bisherigen Untersuchungen
von Radiostrontium im einzelnen noch nicht zu klären vermochten.
Turekian und Kulp beobachteten im Verlauf ihrer Untersuchungen zur
Präge der Verteilung gewöhnlichen Strontiums im menschlichen Skelett,
daß in einem gegebenen geographischen Raum die Abweichung vom Durchschnitt etwa 34 Prozent des Ilittelwerts betrug - Gegenstand der Untersuchungen war menschliches Knochengewebe aus den Gebieten Colorado,
Texas, Köln, Bonn,Venezuela, Chile, Vancouver, China und Indien. Es
wurde jeweils das Verhältnis von Kormalabweichung zum Mittelwert gebildet und der Durchschnitt errechnet, um zu der Zahl 34 zu gelangen.
Deshalb nehmen wir 34 Prozent als die zu erwartende Normalabweichung
vom Mittel für einen gegebenen Ort zur Bestimmung des Gleichgewichts
für die Strontium-90-Belastung im menschlichen Skelett an.
Mit diesem Ergebnis können wir unter der Annahme einer normalen
Fehlerverteilung die direkte Frage beantworten, die lautet: "*.7ie
groß ist bei einem Individuum die Wahrscheinlichkeit der Überschreitung
des Toleranzwertes, wenn der Mittelwert selbst nicht überschritten ist?"
Auf Grund der vorliegenden Analyse finden wir, daß bei endgültigem Zustand und Gleichgewicht die Abweichung vom Mittelwert eine mittlere
Fehlerkurve ergibt, die der Kormalabweichung - ein Drittel des Ilittelwerts - entspricht. Deshalb wird bei Erreichung des endgültigen Zustandes unter der Bevölkerung eines bestimmten Gebietes nur eine Person
unter etwa 700 mehr als der doppelten durchschnittlichen Strontium-90Belastung ausgesetzt sein, und die Chancen dafür, daß jemand mehr als
der dreifachen normalen Belastung ausgesetzt wird, stehen etwa 1:20
Millionen.
Wie steht es nun mit einer nicht im Gleichgewicht befindlichen
Verteilung, wenn das Strontium-90 seinen !7eg in den biologischen Stoffwechsel findet? Offenbar ist die Belastung in diesem Fall viel geringer, aber die Abweichung vom Mittel wird prozentual wahrscheinlich viel
höher liegen, vor allem bei Erwachsenen, bei denen die Knochenbildung
bereits vor der Zeit der Entstehung von Strontium-90 weitgehend abgeschlossen war. Die gegenwärtige Strontium-90-Konzentration bei Erwachsenen hängt sehr stark von den Wachstums- und Stoffwechselvorgängen in
den verschiedenen Knochenpartien der Person ab, bei der zufällig Gewebeproben entnommen werden. Die spezifische Konzentration des abgelagerten
Strontium —90 wird jedoch nicht höher sein als diejenige in jungem
Knochengewebe, das vollständig unter den gegenwärtigen biologischen Bedingun- 12 -

�"AMERIKA DIENST"

22. Hai 1957

Bedingungen aufgebaut wird - das heißt, die lokale Konzentration im
ausgewachsenen Knochen wird nicht höher sein als die durchschnittliche Konzentration im Skelett von Kindern, in derem ganzen Körper
die Mischung aus Strontium-90 und Calcium zu finden ist, die wir
jetzt mit der Nahrung aufnehmen. Da gegenwärtig die \7erte für die
durchschnittliche Gesamtkonzentration von Strontium-90 bei Kindern
einerseits und Erwachsenen andererseits dem Verhältnis 4:1 entsprechen,
kann der Paktor für die Konzentration in den aktiven Knochenpartien
von Erwachsenen bis um das Vierfache größer sein als der Durchschnittswert für den ganzen Körper. Daher müßte die scheinbare Streuung bei
den ja nicht systematisch zu entnehmenden Gewebeproben aus Knochenpartien von Erwachsenen sehr groß sein im Vergleich zu dem wahren
Gleichgewicht, das aus diesen Gründen eine gewisse Schwankungsbreite
aufweist. Bei zunehmender Annäherung an das Gleichgewicht muß jedoch die Schwankungsbreite ganz merkbar abnehmen.
Die für menschliches Knochengewebe ermittelten Y.rerte lassen
eine außerordentlich große Streuung erkennen-,- aber es scheint sich
doch in der Abweichungiganz deutlich die Tatsache widerzuspiegeln,
daß bei Erwachsenen das Skelett mit der gegenwärtigen Nahrungseu»••
führung nicht im Gleichgewicht steht, und daß die Abweichungen die
Grade reflektieren, in denen die verschiedenen Knochenpartien im
Körper der einzelnen Personen mit der in der allgemeinen biologischen
Umwelt zur Verfügung stehenden Nahrung ins Gleichgewicht kommen.
Untersuchungen an ganzen Skeletten aus einem jeweils gegebenen geographischen Raum, die zur Zeit im Rahmen des Projekts Sunshine durchgeführt v/erden, dürften den Fragenkomplex der Abweichungen bei den
einzelnen Individuen hinsichtlich des Grades klären helfen, in dem
sie mit der allgemeinen biologischen Umwelt ins Gleichgewicht kommen.
Diese Studie wird im Institut von Dr. Kulp gemacht.
Aus all diesen Untersuchungen müßte eigentlich ersichtlich sein,
daß bei Erwachsenen der Abweichungsfaktor vom Hittelwert größer sein wird
als der Paktor '3&gt; der offenbar für jene Arten von gleichgewichtsgemäßen Schwankungen normal ist, die oben bereits erörtert wurden.
Es ist natürlich sehr wichtig, eine eindeutige Beweisführung für
diese Voraussage zu geben. Die allgemeine Übereinstimmung im Verlauf
der Ve -r.eilungskurven bei so weitgehend verschiedenen Substanzen, wie
es gewöhnliches Kalium als Bestandteil des Körpers, Radium und gewöhnliches Strontium als Bestandteil von Teilen menschlicher Knochen
und eindeutig als Ausfallprodukt identifiziertes radioaktives Strontium
im Körper von totgeborenen Kindern sind, gibt uns allen Grund zu der
Annahme, daß es in cezug auf die Schwankungsbreiten von Radiostrontium
im menschlichen Skelett nichts Außergewöhnliches auf sich hat.

III. Örtliche Abweichungen in der Strahlenbelastung durch Strontium-90
Von größter Bedeutung als Ursache der örtlichen Abweichungen in bezug
auf die Strahlenbelastung durch Strontium-90 bei Einzelpersonen ist natürlich die Menge der ausgefallenen Radioaktivität in einem gegebenen geographischen Raum. Die allgemeinen Regeln für die Intensität der Ausfallaktivität wurden bereits umrissen. Für in der Luft zur Explosion gebrachte
- 13 -

�"AICRIKA DIENST"

22. Hai 1957

gebrachte LIegatonnen-l/aff en können wir nach den gegenwärtigen Stand
unseres Y/issens annehmen, daß die dabei ausgefallene Radioaktivität
sich nahezu um den ganzen Erdball zieht; der Einfachheit halber und
mangels besserer Informationen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nehmen
wir als gegeben an, es handle sich dabei um eine über die ganze Erde
einheitliche Verteilung von Aerosolteilchen, die aus der Stratosphäre
in tiefere Zonen absinken. Es werden zur Zeit umfassende Unterlagen
und Daten zu diesem Punkt gesammelt, die zweifellos die Frage der
horizontalen Austauschvorgänge in der Stratosphäre klären helfen.
Die Gebiete der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 10. und
60.Grad nördlicher Breite weisen den höchsten Gehalt an Strontium-90
auf. In den Vereinigten Staaten, die den Versuchsplätzen in Nevada
am nächsten gelegen sind und daher auch einen ungewöhnlich hohen
Grad an Ausfällungsaktivität aufweisen, beträgt die Aktivität durch
Strontium-90 zur Zeit etwa 25 Hillicurie (mC) pro Quadratmeile.
Für einen normalen Boden ergibt sich hieraus eine Konzentration
von etwa 50 Sunshine-Einheiten in der oberen Bodenschicht. Unter
Berücksichtigung der bereits erwähnten Trennfaktoren bedeutet dies,
daß im Gleichgewichtszustand eine Strahlenbelastung des Körpers
von 1,7 bis 3,9 Sunshine-Einheiten zu erwarten ist. Tatsächlich
läßt die gegenwärtige Belastung bei Kleinkindern auch darauf schließen, daß der niedrigere Wert dem wahren Sachverhalt näher kommt.
Die gegenwärtige Strahlenbelastung bei Kindern - etwa 0,5 SunshineEinheiten - stammt wahrscheinlich aus einem durchschnittlichen
Strontium-90-Gehalt in der oberen Bodenschicht, der einer Aktivität
von zirca 15 Hillicurie (mC) pro Quadratmeile beziehungsweise etwa
25 bis 30 Sunshine-Einheiten zum Zeitpunkt der Aufnahme des Strontium-90
entspricht. Somit finden wir, daß der experimentelle Wert für das Verhältnis zwischen Strahlenbelastung für Kleinkinder und durchschnittlicher Konzentration in der oberen Bodenschicht etwa 1:50 beträgt;
es liegt also den oberen Grenzwerten der Laboratoriumsergebnisse näher
als den unteren Grenzwerten.
Tabelle II enthält die neuesten Meßwerte über den Gesamtausfall
an Strontium-90 nach Analysen von Bodenproben aus dem Gebiet der
Vereinigten Staaten, und Schaubild 5 zeigt diese Angaben in graphischer Darstellung.
Der nördliche Teil der USA weist eine Aktivität aus Strontium-90
von etwa 20 bis 30 mC pro Quadratmeile auf, der südliche Teil etwas
weniger. Der niedrige Wart von 7 mC/Quadratmeile für Grand Junction
im Staat Colorado ist wahrscheinlich auf die örtlichen klimatischen
Bedingungen und die spezifische Beschaffenheit der Stelle zurückzuführen,
an der die Bodenprobe entnommen wurde.

Tabelle II

14

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai

1957

Tabelle II
Überwachung des Gebietes der Vereinigten Staaten auf den Strontium-90-Gehalt des Bodens durch das Institut für Gesundheits- und Gefahrenschutz. Die Probenentnahme erfolgte zwischen dem 8. und 13« Oktober 1956. Strontium-Extraktion mit 6n-HCl bei Raumtemperatur. Die angegebenen Werte entstammen Vollanalysen nach Entnahme der Proben und
Trocknung an der Luft. Jeder Toleranzwert repräsentiert eine Normalabweichung unter Berücksichtigung von Zählfehlern.
Ort der Probenentnahme :

Albuquerque,
N.M.

Bod e n t i e f e
D/m// ? Boden
( i r Zol] •
(Zerfallsdichte
1 Zoll= 2 , 5 4 cm)
p.Minute p . g .
0 - 2
2 -

Atlanta,

Ga.

10 1 / f

0 - 2
2 - 6

Binghamton,
N.Y.

0 - 2

Idaho

0 - 2
2 - 6

Des M o i n e s , Iowa

0 - 2
2 - 6

Detroit,

Mich.

-

Grand J u n c t i o n ,
Colorado

0 - 2
2 - 6
0 - 2

2 -

Jacksonville,
Fla.

10 1

0 - 2
2 - 6

0,078
0,075
0,008
0,005

+
+
+
±

0,001
0,001
0,002
0,002

7,5
7,2
4,4
2,4

0,55
0,42
0,018
0,021

+
±
+
±

0,007
0,009
0,004
0,003

14
±0,3
16
+ 0,4
2,8 + 0,6

+
+
+
+
0,23 +
0,26 +
0,012 +
0,015 ±
0,31 +
+
0,31
0,028 +
0,024 7

0,007
0,007
0,003
0,005
0,006
0,006
0,002
0,002

17
±0,4
18
+ 0,4
4,4 + 0,8
5 , 2 ± 1,1

18

20
23
5,1
4,0

0,6
0,6
0,6
0,6

22

0,007
0,007
0,002
0,003

25
+ 0,5
23
• 0,5
7,6 ± 0 , 7
6,6 ± 0,7

23

0,26
0,27
0,038
0,044

0,006
0,006
0,003
0,003

20
+ 0,5
20
+0,5
7,5 ± 0 , 5
8,4 ± 0,6

20

0,32
0,35
0,019
0,023

2 - 6

Boise,

Boden)

mC/Qu.M.
mC/ftu.M X.
( M i l l i c u r i e Durch- i n s p.Quadrat- s c h n i t t ges.
meile)

u

+
+
+'
±

±
+
±
±

0,1
0,1
0,9
0,8

7,3
5,4
15
3,®

5,5 ± 0 , 5

+
+
±
_+_

0 , 1 0 + 0,001
0,091 + 0,001
0,11
+ 0,019
0,070 + 0,013
&lt;0,&lt; DQ2
_ &lt; 0 t ! 302

7,8 +
7.1 +
8.2 +
5,1 +
£0,45
30,51

0,1
0,1
1,4
1,0

0,11
+ 0,009
0,013 + 0,004
0,020 + 0,005

7,3 + 0,6
2,7 ± 0 , 9
4 , 0 ± 1,0

4,8

5,5

7,1

7,8

15

-

ia

23

26

30

28

7,0

SO,48

1

7,3

M

Los A n g e l e s
-

11

11

�"AIIERIKA DIENST"
Los Angeles,
Calif.

22

0-2
2 - 7

I'enphis, Tenn.

0-2
2-6

New Orleans,
La.

0-2
2 - 6

New York, 1T.Y.

0-2
2-6

Philadelphia,
Pa.

0-2
2-6

Rapid City, S.D.O - 2
2-6
Rochest'er, N.Y.

0-2
2-6

Salt Lake City, 0 - 2
Utah
2 - 8

S e a t t l e , Y/ash.

0 - 2
2 - 6

0 , 1 2 _+ 0 , 0 0 8
0 , 1 4 _+ 0 , 0 0 9
0,009 7 0,002
0 , 0 0 6 £ 0,002
0,27 ± 0,006
0,26 ± 0,006
0,023 + 0,003
0 , 0 2 9 _+ 0 , 0 0 3
0,24
0,22
0,009
0,006

+_
_+
_+
_+

0,006
0,006
0,002
0,002

6 , 9 _+ 0 , 5
0,0 + 0,5
3,3 _+ 0 , 9
2,2 ± 0,7

15
15
6,5
6,6
8,0
0,3

3,3

±
±
±
±
±
±

_+
2 , 2 _+

0,4
0,4
0,7
0,7

. Hai 1957
7,5
2,0

15
6,6

0,2
0,2

0,6

o,9
o,7

2,0

0,21 ± 0,006
0 , 2 9 _+ 0 , 0 0 7
0 , 0 7 2 +. 0 , 0 0 4
0 , 0 6 0 _+ 0 , 0 0 4

10
14
14
14

+ 0,3
+ 0,3
± 00 ,, 06
±

12

0,17
0,16
0,029
0,026

_+
_+
_+
+_

0,005
0,005
0,003
0,003

12
11

j_ 0,4
+_0 , 4
0,0
±
_+ 0 , 7

12

0,29
0,34
0,053
0,045

_+
_+
_+
_+

0,006
0,006
0,004
0,003

20
23
12
10

_+
_+
_+
_+

22

0,22 + 0,006
0 , 0 1 3 _+ 0 , 0 0 4
0 , 0 1 3 _+ 0 , 0 0 2

7,3
6,4

16
+ 0,4
_+
0,4
2,5
_+
2,5
0,4

_+ 0 , 0 0 7
_+ 0 , 0 0 7
_+ 0 , 0 0 7
_+ 0 , 0 0 2
+_0 , 0 0 2

22
23
22

0 , 4 6 _+ 0 , 0 1 1
0,44 ± 0,010
0 , 0 5 1 _+ 0 , 0 0 7
0 , 0 5 2 +_ 0 , 0 0 4

17
16

0,32
0,33
0,31
0,016
0,016

- 16 -

0,4
0,4
1,0
0,7

5,7
5,9
9,4
9,6

10

14

6,0

22

11

26

19

11

33

16
2,5

19

_+ 0 , 5
+_ 0 , 5
_+ 0 , 5
_+ 0 , 7
+_ 0 , 0

22

_+ 0 , 4
0,4
1,2
±
_+ 0 , 7

17

5,0

28

_J_

9,5

27

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai

1957

Die verschieden starke Ausfallsaktivität wird wohl am besten mit
Hilfe des sogenannten "Topfsammeiverfahrens" gemessen. Ein Eimer mit
gerade abfallenden Wänden von angemessener Höhe wird ins Freie gestellt,
mit dem die gesamten Ausfallsprodukte innerhalb eines bestimmten Zeitraums zusammen mit Regen, Schnee, Staub usw. gesammelt werden. Man läßt
den Eimer im Freien stehen, gleichgültig, ob es regnet oder nicht, und
erfaßt so die Ausfallsaktivität in einer bestimmten Periode. Die Schaubilder 6 und 7 zeigen - unter Berücksichtigung eventueller Meßfehler die auf diese V/eise erhaltenen Kurven für das Gebiet von New York und
Pittsburgh. Man beachte die unterschiedlichen Neigungswinkel der Kurve;
es ist interessant, sie mit den Testperioden und dem relativ kurzlebigen troposphärischen Ausfall in Beziehung zu setzen. Die flachsten
Kurvenabschnitte, die für Zeiten der Testruhe charakteristisch sind,
ergeben sich aus der bereits erwähnten stratosphärischen Ausfallsaktivität; sie dürften, wenn genügend Stichproben aus den verschiedensten
Teilen der Welt zur Verfügung stehen und zusammen mit den Meßresultaten
über die Mengen von Radiostrontium und Radiocaesium in der Stratosphäre
ausgewertet werden, exakte Angaben über die Zeit des Verbleibs in der
Stratosphäre und damit auch eine Lösung der Frage des atmosphärischen
Austauschs ermöglichen.
Neben der Intensität des radioaktiven Ausfalls ist auch die Frage
des Anteils von Hadiostrontium und, was die troposphärische Ausfallsaktivität betrifft, von Radiojod mit achttägiger Halbwertzeit, das in
assimilierbarer Form auftritt, von großer Bedeutung. So weit sich dies
bisher übersehen läßt, scheint das Ausfallstrontium größtenteils in
Wasser völlig löslich und somit assimilierbar zu sein; aber die Experimente speziell in bezug auf dieses Problem sollten doch fortgeführt
werden. Die direkte Inkorporation an der Blatt- und Grasoberfläche fördert natürlich die Assimilation von Strontium, da in diesem Fall der
Selektionsmechanismus, wie er bei der Aufnahme von Strontium über das
Wurzelwerk der Pflanze in Aktion tritt, umgangen wird. Ein weiterer
Faktor ist natürlich die Konzentration des nutzbaren Calciums im Boden,
Unter nutzbarem Calcium verstehen wir jenes Calcium, das von den Pflanzen aufgenommen werden kann, nicht jedoch das gesamte im Boden enthaltene Calcium. Es ist bekannt, daß Pflanzen, die auf Böden mit einem
hohen Gehalt an nutzbarem Calcium wachsen, einen geringeren Radiostrontium-Gehalt haben; das heißt, der Anteil von radioaktivem Strontium im
Verhältnis zum Calcium in der Pflanze ist infolge der geringeren Konzentration von Radiostrontium im Bodencalcium niedriger. Darüber hinaus
neigen, wie bereits ausgeführt, die Pflanzen dazu, das Calcium dem Strontium vorzuziehen, und zwar geschieht dies mit einem Trennfaktor von 1,4»
Schafe, die in gewissen Gegenden von Wales gezüchtet wurden, hatten in
ihrem Skelett Konzentrationen bis zu 150 Sunshine-Einheiten, während
bei Schafen und Rindern in den USA kaum mehr als ein Fünftel dieser
Konzentration festgestellt wurde. Stellenweise ist der Boden in Wales
sehr calciumarm, und folglich haben die Weidegräser dort einen hohen
Radiostrontium-Gehalt. Es ist natürlich klar, daß eine Düngung mit
Calcium diese Schwierigkeit sofort beheben würde; geschieht das aber
nicht, so ist zu fragen: Inwieweit fördert Calciummangel die Aufnahme
von Strontium-90 über den biologischen Kreislauf?
»Vi e

�"AMERIKA DIENST

22. Mai 1957

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ergibt sich über die Nahrungsverteilung eine gewisse Nivellierung, und überdies sind calciumarme
Böden naturgemäß nur wenig ergiebig; folglich kommt auch der darauf
erzeugten Nahrung weit weniger Bedeutung zu als den Produkten von einem
gut gedüngten, wohl ausbalancierten Boden. Durch diesen Umstand wird
der Anteil von Nahrung mit übermäßig hohem Gehalt an Strontium-90 in
der großen Masse der zur Verteilung gelangenden Nahrungsmittel reduziert. Zur Prüfung des Radiostrontium-Gehalts der Nahrung in bestimmten
Gebieten dürfte es daher genügen, wenn wir uns mit dem RadiostrontiumGehalt der Milch näher befassen, da Milch die wichtigste Quelle für die
Calciumaufnähme ist. Direkte Messungen haben gezeigt, daß mit dem Faktor 5 alle Abweichungen, die aus den verschiedensten Einzelfaktoren einschließlich des Calciummangels in sauren Böden - resultieren, erfaßt
werden.
Die allgemeine Inkorporation muß vom Schema der Nahrungsverteilung abhängig sein, und die relativ geringen Schwankungen im Gehalt
der Milch müssen dies erkennen lassen. Die Anzahl der Individuen, die
vollständig auf die Produkte von sehr calciumarmen Böden angewiesen
sind, ist sehr klein, aber es muß auch in diesem Fall nachzuweisen
sein, daß diese Personen,falls sie beispielsweise auf einem völlig
isolierten Bauernhof in einer solchen Gegend aufwachsen, die 10 bis
50fache Menge des durchschnittlichen Gehalts an Strontium-90 i m Körper haben. Die normale Calciumkonzentration in Böden auf dem Gebiet
der Vereinigten Staaten beträgt etwa 20 Gramm pro Quadratfuß für die
oberste Bodenschicht bis in etwa 6 cm Tiefe, bei den calciumärmsten
Böden dagegen nur 0,4 Gramm - der Mangelfaktor beträgt hier also 50»
Aus eingehenden Untersuchungen des Verfassers an Menschen, die in
Gebieten mit calciumarmen Böden leben, jedoch in die normalen Verteilungs-Schemata für Nahrungsmittel einbezogen sind, geht hervor, daß
hinsichtlich der Aufnahme von Strontium-90 ein Faktor der Größenordnung 5 etwa dem Effekt entspricht, der von einem calciumarmen Boden mit dem Mangelfaktor 50 erwartet werden kann. Die Nahrung aus Gebieten außerhalb der calciumarmen Böden reduziert auf etwa den zehnten
Teil die verstärkte Aufnahme von Strontium-90, die infolge eines
Calciummangels im Boden zu erwarten wäre, wenn die Bevölkerung für
die Dauer des Körperaufbaus, also etwa bis zum 20. Lebensjahr, ausschließlich von den Produkten des Bodens der betreffenden Gegend lebte.
Den geringsten Strontium-90-Gehalt hat Fischfleisch; der Grund
hierfür ist in der starken Abschwächung zu suchen, die die Ausfallsaktivität im Bereich der hundert Meter Seewasser über der Wärmegrenzschicht erfährt, wo sich die Ausfallsprodukte in wenigen Tagen oder
Stunden rasch mit dem Wasser vermischen. Das bedeutet, daß die spezifische Konzentration von radioaktivem Strontium oder irgendeinem
anderen Ausfallsprodukt in Seewasser relativ viel niedriger ist als
dies im Boden der Fall sein würde. So sind beispielsweise in einer Seewassersäule von 100 Metern Höhe und 1 Quadratfuß Querschnitt 570 Gramm
Calcium gelöst, in einem nur 6 cm dicken Ausschnitt der Bodenschicht
gleichen Querschnitts jedoch, wo das Radiostrontium abgelagert und festgehalten wird, bereits 20 Gramm. Deshalb weisen grundsätzlich Nahrungsstoffe aus dem Meer und Fische im Vergleich zu allen anderen Nahrungsstoffen den geringsten Radiostrontiumgehalt aus dem radioaktiven Ausfall auf.
T.r

�"AIIURIIi;. DICKST"

22. Hai 1 &gt; 57

IV. Wirkungen fortdauernder Kernwaffenversuche und allgemeine
Schlußfolgerungen
Alles in allem sehen wir also, daß die gegenwärtige Strahlenbelastung des Körpers durch Strontium-90 aus den Kernwaffenversuchen in
den Vereinigten Staaten der Strahlendosis für das Knochengewehe entspricht, die sich aus ein paar hundert Iletern Höhenunterschied ergeben
würde; und im übrigen lassen die vorliegenden Lebensstatistiken keine
beobachtbare Wirkung auf das Auftreten von Knochenkrebs oder Leukämie
im Zusammenhang mit viel größeren Höhenunterschieden erkennen. Der
Toleranzwert von 100 Sunshine-Einheiten, oder 0,1 ""ikrocurie pro
Person, beziehungsweise 100 millionstel I.Iikrocurie pro Gramm Körpercalcium, der jetzt als Unbedenklichkeitsgrenze festgesetzt ist,
ist etwa 200mal höher als das gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
festgestellte Niveau für junges Knochengewebe; unter keinen irgendwie voraussehbaren Umständen wird dieser Wert infolge Ausfallaktivität durch Kernwaffenversuche überschritten werden.
Die Verteilung der Strahlenbelastung durch Strontium-90 unter der
in einem bestimmten Gebiet lebenden Bevölkerung wird eine normale
Fehlerkurve mit einer mittleren Abweichung von etwa einem Drittel der
Durchschnittskonzentration ergeben. Das bedeutet, daß etwa 1 Person
unter 500 mehr als der doppelten durchschnittlichen Belastung für das
betreffende Gebiet, und etwa 1 unter mehreren Ilillionen mehr als der
dreifachen durchschnittlichen Belastung ausgesetzt sein wird.
Der Wirkung im lokalen Bereich kommt jedoch größere Bedeutung zu,
insbesondere der Wirkung von Calciummangel im Boden. Sine sorgfältige
Überprüfung dieser Frage läßt den Schluß zu, daß nur bei sehr.wenig
Individuen ein Strontium-90-Gehalt auftreten wird, der der nutzbaren
Calciumkonzentration des Bodens in dem betreffenden Gebiet umgekehrt
proportional ist. Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß die Schemata
der Nahrungsverteilung automatisch einen Querschnitt durch einen sehr
großen geographischen Raum darstellen und die Bevölkerung eines gegebenen Gebietes das Calcium des betreffenden Bodens nur langsam assimiliert. Die meisten Menschen trinken i.Iilch und essen Käse und andere
calciumhaltige Nahrungsmittel aus einem verhältnismäßig großen "Einzugsgebiet", und dieser Umstand dürfte die mögliche Wirkung eines
Calciummangels in den verschiedenen Böden um etwa den Faktor 10 ver-

Auf der Basis von Laboratoriumsversuchen in hezug auf Strontium-90'
Konzentrationen im menschlichen Körper bei radioaktivem Gleichgewicht
ergeben sich Werte, die um das 13 bis JOfache niedriger liegen als die
Werte für die obere Bodenschicht. Die gegenwärtig vorliegenden Daten
weisen darauf hin, daß die höhere Zahl den tatsächlichen Gegebenheiten
näher kommt, so daß man selbst bei Annahme eines Y.'ertes von 20 für
dieses Verhältnis noch sehr vorsichtig verfährt. Die gegenwärtige Belastung durch 50 Sunshine-Einheiten in der oberen Bodenschicht in den
Vereinigten Staaten dürfte somit schließlich zu einer Belastung von
2,5 Sunshine-Einheiten, wahrscheinlich aber nur von 1,7 SunshineEinheiten in menschlichem Knochengewebe führen.
Natürlich

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai 1957

Natürlich wird dieses Niveau bei Portführung der Kernwaffenversuche und einem damit verbundenen größeren Anfall von Spaltprodukten
steigen. Das gegenwärtig noch in der Stratosphäre gebundene Strontium-90 wird nach unseren Erwartungen in Mengen niedergeschlagen
werden, die mit dem Zerfall der bereits niedergeschlagenen Produkte
ziemlich im Gleichgewicht stehen dürften, so daß von dieser Seite
keine große zusätzliche Erhöhung aus den bereits vorgenommenen Kernwaffenversuchen zu erwarten ist. Sollten die Versuche in etwa dem
gleichen Umfang weitergeführt werden wie in den letzten fünf Jahren,
dann müßten wir bei radioaktivem Gleichgewicht nach langer, kaum
vorausberechenbarer Zeit das Achtfache des gegenwärtigen Niveaus
erreichen, da die durchschnittliche Lebensdauer von Strontium-90
40 Jahre beträgt. Dieser Berechnung liegt die Annahme zugrunde,
daß bei künftigen Kernwaffenversuchen in einem Zeitraum von jeweils
fünf Jahren die gleichen Mengen Aunfallprodukte wie in den vorausgegangenen fünf neu hinzukommen. Und so könnten wir dann in den Vereinigten Staaten eine durchschnittliche Strontium-90-Konzentration
in menschlichen Körper von 20 Sunshine-Einheiten erwarten, wenn wir
den vorsichtig geschätzten Trennfaktor 20 für den Unterschied der
Konzentration in der oberen Bodenschicht und im menschlichen Knochengewebe zugrundelegen, beziehungsweise von 5 Sunshine-Einheiten, wenn
wir den Faktor 00 verwenden. Das heißt mit anderen V/orten, daß bei
Portführung der Versuche auf unabsehbare Zeit in dem gleichen Umfang
wie in den vergangenen fünf Jahren im Geoiet der Vereinigten Staaten
ein Wert zwischen 5 u n d 20 Sunshine-Einheiten als Gleichgewichtskonzentration für das menschliche Knochengerüst auftreten würde.
Dieses Niveau würde erst nach einigen Jahrzehnten erreicht. In 28 Jahren - von 1952 an gerechnet - betrüge es die Hälfte, und nach weiteren
28 Jahren, also im Jahr 2008, drei Viertel dieses Gleichgewichtswertes•
So dürften sich also für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten 4 bis
15 Sunshine-Einheiten Strahlenbelastung durch Strontium-90 im menschlichen Knochengewebe ergeben, wenn die Kernwaffenversuche in der jetzt
üblichen Art über 50 Jahre weitergeführt werden.
In den calciumarmen Gebieten der Erde kann dieses Niveau sich bis
auf das Fünffache erhöhen. Unter der Voraussetzung des gegenwärtigen
Versuchsumfangs ist damit zu rechnen, daß zu Beginn des 21.Jahrhunderts
in diesen bestimmten, räumlich begrenzten Gebieten der V,rert von
100 Sunshine-Einheiten, also der Toleranzgrenze für die Bevölkerung
im allgemeinen, annähernd erreicht wird. Die für diese Gebiete zutreffenden Bedingungen könnten jedoch durch eine Düngung des Bodens
mit Calcium entweder als Nitrat oder als Kalk - das hängt davon ab,
was nach anderen notwendigen Erwägungen vorteilhafter ist - gemildert
werden.
Im Rahmen des Projekts "Sunshine" werden die Probleme einer über
die ganze Erde verbreiteten Ausfallsaktivität weiter gründlich untersucht - vor allem der Gehalt der Stratosphäre an Radiostrontium und
Radiocaesium, das Auftreten dieser Isotope speziell in Boden und
V/asser und ganz allgemein in der Biosphäre, die biologischen Effekte
bei bestimmten Graden der Verseuchung mit Strontium-90 und in einem
geringeren Ausmaß auch mit Caesium-157 sowie die möglichen genetischen
Wirkungen der niedrigen Gammastrahlendosen, wie sie sich aus der welt- 20 -

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai

1957

weltweiten Strahlungsaktivität als einer Folge von Kernwaffenversuchen
ergeben. All dieye Dinge werden nicht nur mit dem Ziel untersucht,
Schutzmaßnahmen für den Fall eines Atomkrieges zu entwickeln, sondern
ebenso für eine Anwendung in dem allerdings kaum wahrscheinlichen Fall
von Katastrophen in der Industrie, die sich im Zusammenhang mit verschiedenen Prozessen im Zuge der friedlichen Nutzanwendung der Kernenergie, vor allein in Atomkraftwerken, ereignen könnten. Ganz gewiß
ist die Kenntnis der IVirkungaweis« einer die gesamte Erde erfassenden
Ausfallsaktivität auch für die Kontrolle u id sichere Handhabung von
Isotopen von Nutzen. Alle de.:nit zusammenhängenden Studien werden in
enger Zusammenarbeit mjt dem Wissenschaftlichsn Eoirat der Vereinten
Nationen für Fragen der Effekte atomarer Strahlung durchgeführt, und
es ist zu hoffen,daß mit zune mender Vervollständigung der Daten sich
im Laufe der Zeit alle Länder an diesen internationalen Bemühungen
beteiligen, die Auswirkungen der großen, neuen Gegebenheit in uriserem
Leben, des Atoms und seiner Kräfte, besser zu verstehen.
7.Schaubilder

- 21 -

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Allg./29.5.1957

EISENHOWER ERSUCHT KONGRESS UM BEWILLIGUNG
VON 3,8 MILLIARDEN DOLLAR
FÜR DIE AUSLANDSHILFSPROGRAMME

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Botschaft Präsident Eisenhowers an den amerikanischen
Kongreß, in der er am 21.Mai 1957 U M die
Billigung der Auslandshilfsprogramme in
Höhe von 3,8 Milliarden Dollar ersuchte.

Die Sicherheit unseres Landes, die Erhaltung und Stärkung des
Weltfriedens und die Eindämmung der Gefährdung des Lebens und der
materiellen Hilfsquellen Amerikas in künftigen Jahren fordern gebieterisch, daß wir unsere weltweiten kollektiven Sicherheitsbemühungen fortführen.
Als eine Ergänzung unserer Landesverteidigung gewähren die
erprobten und bewährten Programme für Gemeinsame Sicherheit dem
amerikanischen Volk ein größeres Maß an Sicherheit pro investiertem Dollar als irgendeine andere Haushaltausgabe.
Für unsere wichtigste Aufgabe - den Kampf um den Frieden bilden diese Programme eine festere Grundlage als jede andere Bestrebung unseres Landes.
Seit fast einem Jahrzehnt hat noch jede objektive Analyse diese Auffassung bekräftigt, und auch im vergangenen Jahr wurde ihre
Richtigkeit in überzeugender Weis« bestätigt. Mehrere Kongreßausschüsse, die Exekutive selbst und viele hervorragende Bürger haben
diese Programme abermals einer Prüfung unterzogen. Bezüglich zweier
Grundtatsachen kamen alle diese Gruppen übereinstimmend zu dem Ergebnis:
Erstens: Daß sowohl die militärischen als auch die Wirtschaft«
liehen Seiten unserer Programme für Gemeinsame Sicherheit für die
Sicherheit des amerikanischen Volkes und den Weltfrieden von großer
Bedeutung sind.
Zweitens:

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

Zweitenst Daß diese Programme noch einige Jahre lang für die
Erreichung der Ziele unseres Landes in der Welt unerläßlich sein
werden.
Diese Untersuchungen der jüngsten Zeit bestätigen erneut, daß
diese Programme
unsere eigene Verteidigung stärken;
durch die Förderung und Ausweitung der Wirtschaft der weniger
entwickelten Länder unseren eigenen Interessen dienen; und
die notwendige mächtige Wehr schaffen, mit deren Hilfe wir
politischen und wirtschaftlichen Krisen im Ausland, die unsere eigenen Lebensinteressen gefährden, begegnen können.
Deshalb tragen wir während dieser Sitzungsperiode des Kongresses
nicht nur die Verantwortung für eine einfache Weiterführung dieser Programme, sondern für ihre Fortführung in dem von den uns bedrohenden Gefahren und von den Möglichkeiten, diesen zu begegnen, diktiertem Ausmaß.
Analysen aus der jüngsten Zeit stimmen auch darin ganz allgemein
überein, daß diese Programme durch eine klare gegenseitige Abgrenzung
ihrer wesentlichen Elemente und deren jeweiliger Zielsetzung sehr gestärkt werden könnten. Ich möchte hier zunächst auf die einzelnen
Elemente der Programme eingehen und dann die spezifischen Änderungen
erörtern, um deren Billigung ich den Kongreß zur Erhöhung der Wirksamkeit der Programme ersuche.
Das erste Element ist die militärische Verteidigungshilfe - die
gemeinsamen Bemühungen, die wir und andere freie Länder unternehmen,
um ein Gegengewicht für die sowjetisch-chinesische Militärmacht und
ihr Streben nach der Weltherrschaft zu schaffen. Jene Macht nimmt
ständig zu: an Waffen, an verfügbarer Atomkraft und an wirtschaftlichem Potential. Denn das Ziel der Kommunisten, die Welt zu erobern,
hat sich nicht gewandelt.
Wollte es unser Land allein auf sich nehmen, dem kommunistischen
Imperialismus Widerstand zu leisten und entgegenzuwirken, so würde
dies unserem Volk ungeheure Verteidigungsausgaben aufbürden und uns
schließlich die Freiheit kosten.
Auch den anderen freien Völkern wäre es nicht möglich, einzeln
zu versuchen, diese Bedrohung abzuwehren.
Deshalb haben wir uns mit anderen freien Völkern in unserem eigenen
Interesse zusammengefunden, um gemeinsam ein System der kollektiven
Sicherheit aufzubauen und zu unterhalten, in dem die Bemühungen jedes
einzelnen Volkes die Stärke aller mehren. Inzwischen ist dieses System
zum Grundpfeiler sowohl unserer als auch ihrer Sicherheit in einer von
Spannung und Ungewißheit erfüllten Welt geworden.
Dieses System der kollektiven Sicherheit kann nur dann erfolgreich
sein, wenn es wirklich auf gemeinsamer Basis beruht und auf gemeinsamem
- 2-

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

gemeinsamem Handeln zum Aufbau der gemeinsamen Stärket
Wir liefern, abgesehen vom Unterhalt unserer eigenen Streitkräfte
hier und im Ausland, zahlreichen Ländern militärische Ausrüstungen und
gewähren ihnen Ausbildungshilfe und einigen von ihnen auch noch wirtschaftliche Hilfe, um ihnen den Unterhalt von starken Streitkräften,
wie sie für die gemeinsame Verteidigung erforderlich sind, zu erleichtern.
Die uns befreundeten Völker ihrerseits stellen eigene Streitkräfte auf und tragen in den meisten Fällen auch den größten Teil
der daraus erwachsenden direkten finanziellen Lasten. Sie stellen
ferner ihren und unseren Luft-, Land- und Seestreitkräften strategisch wichtige Positionen zur Verfügung - Positionen, die für uns
von entscheidender Bedeutung sind und uns befähigen, andere vor einer
Aggression abzuschrecken und unsere Heimatländer zu verteidigen.
Die Vereinigten Staaten haben in den letzten acht Jahren direkte
Militärhilfe an die Streitkräfte solcher Länder in Höhe von rund 17
Milliarden Dollar geleistet. Im gleichen Zeitraum haben die Völker der
freien Welt 107 Milliarden Dollar in ihre eigene und in die gemeinsame
Verteidigung gesteckt.
Mit diesen 17 Milliarden Dollar haben wir dazu beigetragen, in
der freien Welt eine Streitmacht von 200 Divisionen uns befreundeter
Streitkräfte aufzubauen und auszurüsten.
Sie verfügen über rund 27 000 Plugzeuge.
Sie unterhalten rund 2500 für den Kriegseinsatz verwendungsfähige Marineeinheiten im aktiven Dienst.
Die Hilfe, die wir unseren Freunden geleistet haben und noch
leisten, mehrt ihre Möglichkeiten, sich selbst gegen Umsturzversuche
im Inneren und gegen eine etwaige Aggression von außen zu verteidigen.
Sie mehrt die Sicherheit der bereinigten Staaten ganz erheblich.
Durch ihre stabilisierenden Auswirkungen auf die internationale
Lage erhöht sie die Aussichten auf einen gerechten und dauerhaften
Frieden.
Der Wert dieser Bemühungen um ein kollektives Sicherheitssystem
für den Schutz Amerikas und die Verhütung eines Krieges hat sich bereits erwiesen. Ich zähle im folgenden einige historische Ereignisse
auf, in deren Fall eine Verweigerung von Hilfe schlimmste Folgen für
unser Land und den Weltfrieden hätte haben können.
Ohne amerikanische Hilfe wären Griechenland und die Türkei 1947
der Macht der Kommunisten erlegen.
Ohne unsere Hilfe wäre die Entschlossenheit der jugoslawischen
Führung und des jugoslawischen Volkes, die Unabhängigkeit ihres Staates

. 3-

�"AMERIKA PIEKST"

29. Mai 1957

Staates von Moskau durchzusetzen, nach 1948 wohl .kaum wach geblieben.
Ohne unsere Hilfe vom Jahre 1954 wäre das strategisch v/ichtige
Gebiet Vietnam und Südostasien heute wahrscheinlich der freien Welt
verloren.
Unsere Hilfe ermöglicht es Korea und dem freien China heute,
ihre nationalen Bestrebungen und ihre Unabhängigkeit unmittelbar
unter den Mündungen der kommunistischen Kanonen aufrechtzuerhalten.
Unsere Hilfe trägt heute im Nahen Osten dazu bei, die Integrität dieses äußerst wichtigen Gebietes der Erde und die Unabhängigkeit
einiger der dort gelegenen Länder zu wahren.
Zu einem Zeitpunkt, in dem unsere früheren Anstrengungen Früchte
tragen und in dem die Sowjets durch Intrigen und mit ihrer Macht in
allen umstrittenen Gebieten der Erde Fuß zu fassen suchen und alle
möglichen Druckmittel anwenden, wäre es in höchstem Grade unklug,
wenn unser Land diese Bemühungen einstellen oder sie durch einen
kurzsichtigen Spareifer auf ihre Kosten lahmlegen wollte.
Das zweite wichtige Element unserer Programme für Gemeinsame
Sicherheit ist die wirtschaftliche Entwicklungshilfe und die technische Zusammenarbeit.
Dieser Teil der Programme ermöglicht es den weniger entwickelten
Ländern, die zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit unerläßlichen sozialen
und politischen Fortschritte zu machen. Sofern diese Völker nicht
auf einen gesicherten wirtschaftlichen Fortschritt hoffen können,
besteht die akute Gefahr, daß ihre Regierungen vom Kommunismus gestürzt werden.
Für Millionen Menschen in der Nachbarschaft der sowjetischen
und rotchinesischen Grenzen ist die politische Freiheit noch etwas
Neues. Für viele muß sie ihren Wert erst beweisen. Um fortbestehen
zu können, muß die politische Freiheit erst noch den Weg zu einer
anderen und nicht weniger wichtigen Freiheit weisen - der Freiheit
von jener Armut und Hoffnungslosigkeit, in der diese Völker jahrhundertelang gelebt haben. Diese ihre neue Freiheit bestärkt sie in
dem Wunsch und Entschluß, ihre Wirtschaft zu entwickeln. Sie sind
bestrebt, ihren Lebensstandard zu erhöhen. Dabei fehlt es ihnen aber an
hinreichenden Hilfsquellen, und so benötigen sie dringend Hilfe - sowohl was technisches Können als auch was Kapital angeht.
Wenn diese Länder keine Hilfe von außen erhalten, so können sie
ihren wirtschaftlichen Aufbau nicht soweit vorantreiben, wie dies
zur Erhaltung ihrer Unabhängigkeit notwendig ist. Die führenden
Männer dieser Länder, die einen gemäßigten Kurs verfolgen, müssen
von der freien Welt Hilfe in einem Maß erhalten können, daß sie
ihren Völkern die begründete Aussicht auf einen entsprechenden Fortschritt bieten können. In jedem anderen Fall würden sich ihre Völker
mit Sicherheit von ihnen abwenden. Extreme Elemente würden in den Besitz der Macht gelangen, den nationalen Haß schüren und Uneinigkeit
und Streit im Innern hervorrufen. Damit wäre die große Gefahr gegeben,
daß

�"ALIERIKA DIENST"

29. Hai 1957

daß jene freien Regierungen beseitigt würden. Unbeständigkeit und
eine Bedrohung des Friedens wären das Ergebnis. In unserer so eng
miteinander verflochtenen Welt würde ein solcher Verlauf der Dinge
unser eigenes Volk mit Besorgnis erfüllen und sogar selbst in Gefahr bringen.
Die Hilfe, die wir jenen Ländern zum Zweck der Entwicklung
ihrer Wirtschaft gewähren, ist ein Vorbeugungsmittel gegen solche
Krisen. Unsere Hilfe ist somit eine Art Versicherung gegen zunehmende
Spannungen und erhöhte Kriegsgefahr sowie gegen Verteidigungskosten,
die hier in unserem Lande raketenartig emporschnellen würden, sollte
jenen um ihre Existenz ringenden Völkern eine solche Tragödie widerfahren.
Diese revolutionären Entwicklungen in weit abgelegenen Teilen
der Welt kamen auf dem Rücken jener Welle, die vor eineinhalb Jahrhunderten von dem Beispiel unseres eigenen erfolgreichen Kampfes um
unsere Freiheit ausging. Die Entschlossenheit jener Völker, ihr Los
zu verbessern und ihre neugewonnene Freiheit zu wahren, erweckt Erinnerungen an unsere eigenen erhabenen Traditionen. Wenn wir ihnen
in ihrem Ringen eine helfende Hand bieten, so geschieht dies aber
nicht nur in unserem eigenen Interesse. In einer solchen Haltung
spiegeln sich auch der Charakter und die höchsten Ideale jener Menschen, die unseren Staat aufgebaut und erhalten haben.
Las dritte bedeutsame Element unseres Programms für Gemeinsame
Sicherheit ist die Sonder- oder auch Notstandshilfe, die wir befreundeten Staaten in kritischen Zeiten gewähren, wenn heftige politische
Umwälzungen, Naturkatastrophen oder andere Umstände sowohl die Stabilität jener Länder als auch unsere eigenen nationalen Interessen gefährden.
Im Jahre 1953 hat Persien, ein strategisch sehr wichtiges Gebiet,
unter einem hin und her lavierenden Führer mit dem Kommunismus und
dem Chaos geliebäugelt. Es gelang dem persischen Volk aber, eine Regierung einzusetzen, die uns und der Freiheit aufgeschlossen gegenübersteht. Unsere Hilfe gab ihm jene zusätzliche Stärke, deren es
bedurfte, um wieder stabilere Verhältnisse im Lande zu schaffen und
den Sieg über Gewalt und Umsturz zu konsolidieren.
Eine ähnliche Hilfe an Guatemala sicherte den Fortbestand der
dortigen republikanischen Regierung, nachdem ein prokommunistisches
Regime im Jahre 1954 gestürzt worden war.
In vielen Gebieten der Erde, in denen keine stabilen politischen
Verhältnisse herrschen, versuchen die Kommunisten heute mit ihrer Macht
Fuß zu fassen. Sie schlachten jede etwaige Schwäche der freien Völker
in jeder nur möglichen V/eise für sich aus. Ganz zwangsläufig werden
wir auch in Zukunft mit solchen kritischen Situationen rechnen müssen.
Im Interesse Amerikas müssen wir bereit sein, Sonderhilfe immer dann
zu gewähren, wenn sich aus einem unheilvollen Ereignis in einem anderen
Teil der Welt eine Gefahr für unsere eigenen Lebensinteressen zu ergeben
droht.
Diese

�29. Mai 1957

"AMERIKA DIENST"

Diese wichtigsten Elemente unserer Programme für Gemeinsame
Sicherheit sind deshalb im Interesse unserer eigenen Sicherheit so
notwendig wie je zuvor. Ich glaube aber - und auch andere haben in
jüngster Zeit die gleichen Forderungen erhoben -, daß diese Elemente
klarer gegeneinander abgegrenzt werden sollten, um eine wirksamere und
wirtschaftlichere Verwaltung zu ermöglichen. Ich empfehle vier Änderungen an den bestehenden Programmen:
Erstens: Die Militärischen Verteidigungshilfsprogramme sollen von
den Programmen für Wirtschaftliche Entwicklung getrennt werden.
Zweitens: Die Militärische Verteidigungshilfe soll reorganisiert
und als ein integrierender Bestandteil unserer eigenen weltweiten
Verteidigungsanstrengungen behandelt werden.
Drittens: Wirtschaftliche Entwicklungshilfe soll in erster
Linie in Form von Krediten auf kontinuierlicher Basis und in engem
Zusammenwirken mit der technischen Hilfe gewährt werden.
Viertens: Der Bedarf an wirtschaftlicher Sonderhilfe sollte aus
Mitteln bestritten werden, die eigens für diesen Zweck zu billigen
und bereitzustellen sind.
Um diese Zielsetzungen erreichen zu können, schlage ich folgende
gesetzgeberische Maßnahmen vor:
Erstens: Ich empfehle, daß die Verteidigungshilfe, sowohl die
militärische Hilfe als auch die damit verbundene Wirtschaft liehe Unterstützung, von der Wirtschaftlichen Entwicklungshilfe getrennt wird.
Wir wenden den größten Teil unserer Ausgaben für Gemeinsame
Sicherheit dafür auf, die Streitkräfte befreundeter Staaten durch Gewährung
von zweierlei Formen der Verteidigungshilfe zu stärken:
Im einen Fall handelt es sich um die militärische Hilfe - das sind
Lieferungen von Geschützen, Munition, Panzern, Flugzeugen, Schiffen und
anderen Waffen an unsere militärischen Verbündeten, sowie unsere Mitwirkung bei der Ausbildung an diesen Waffen.
Im anderen Fall handelt es sich um die wirtschaftliche Verteidigungshilfe. Obwohl sie zunächst einmal ihrer Zielsetzung nach eine
reine Wirtschaftshilfe darstellt, so versetzt sie doch die uns befreundeten Nationen in die Lage, Streitkräfte und militärische Einrichtungen
in einem Ausmaß zu unterhalten, das andernfalls ihre Kräfte übersteigen
würde.
Bei der gegenwärtigen Regelung für unsere Programme für Gemeinsame
Sicherheit wird nicht klar zwischen wirtschaftlicher Verteidigungshilfe
und wirtschaftlicher Entwicklungshilfe unterschieden. Bisher bildeten
die militärische Verteidigungshilfe und die wirtschaftliche Verteidigungshilfe zusammen mit der wirtschaftlichen Entwicklungshilfe einen
Haushaltposten. Bei diesem Verfahren bestand im Falle von Ländern, mit
denen wir Abkommen über die Gewährung von militärischer Verteidigungshilfe geschlossen haben, die Gefahr, daß die Grenzen zwischen Wirtschaft» - 6 -

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

wirtschaftlicher Entwicklungshilfe und militärischer Verteidigungshilfe verwischt wurden.
Um Unklarheiten über Charakter und Zielsetzung unserer Hilfe zu
beseitigen, empfehle ich eine klare Trennung zwischen militärischer
und wirtschaftlicher Verteidigungshilfe einerseits und wirtschaftlicher Entwicklungshilfe andererseits. Das Programm, das ich dem Kongreß
unterbreite, sieht eine solche Trennung vor.
Die zweite gesetzgeberische Maßnahme, die ich vorschlage, geht
dahin, daß die Bewilligungen für die militärische Verteidigungshilfe
als selbständige Position in den regulären Haushalt des Verteidigungsministeriums einbezogen werden.
Unsere Aufwendungen für die militärische Verteidigungshilfe unterscheiden sich weder in ihrer grundsätzlichen Zielsetzung noch in ihrem
Charakter von denen für unsere eigenen Streitkräfte. Sobald sie in unseren eigenen Verteidigungshaushalt einbezogen sind, wird man sie hier
und im Ausland - s o , wie es tatsächlich sein sollte - als Teil der
militärischen Anstrengungen der Vereinigten Staaten betrachten. Um
eine kontinuierliche enge Koordinierung aller Elemente des Gesamtprogramms sicherzustellen, schlage ich ferner vor, daß diese Mittel zur
Verfügung des Präsidenten gestellt werden.
Ich empfehle ferner, daß die Bewilligungen sowohl für das militärische als auch für das wirtschaftliche Verteidigungshilfsprogramm fortan
gemäß einer vom Kongreß zu billigenden ständigen Vollmacht erfolgen. Dies
würde in gebührender 7/eise der Tatsache Rechnung tragen, daß unsere eigene Sicherheit die Fortführung dieser Teile unserer eigenen militärischen
Anstrengungen bis zu dem Zeitpunkt notwendig macht, an dem der kommunistische Imperialismus aufhört, die freien Völker zu bedrohen. Der Kongreß
hätte damit auch die Möglichkeit, die Bewilligungen für unsere eigenen
bewaffneten Streitkräfte und für die Hilfe an die Streitkräfte befreundeter Staaten gleichzeitig zu behandeln. Auf diese Weise lassen sich
diese beiden eng miteinander verflochtenen Elemente unseres Militärhaushaltes besser aufeinander abstimmen und ausbalancieren, so daß
sie beide in ihrer Wirksamkeit noch gesteigert werden. Ich empfehle
des weiteren, daß die Mittel für die militärische Verteidigungshilfe
in gleicher Weise genehmigt werden wie die Mittel für unsere eigenen
militärischen Beschaffungsvorhaben, gleichgültig ob dies auf der gegenwärtigen Basis - Verfügbarhaltung bis auf Abruf - oder auf einer anderen
noch zu findenden Basis geschieht. Die politischen Richtlinien für die
militärische und wirtschaftliche Verteidigungshilfe wären natürlich vom
Präsidenten in Zusammenarbeit mit dem Außenminister festzulegen.
Für diese beiden Formen von Verteidigungshilfsprogrammen empfehle
ich für das Haushaltjähr 1958 die Bewilligung von insgesamt 2,8 Milliarden Dollar als einer selbständigen Position innerhalb der Bewilligungen
für das Verteidigungsministerium. Von diesem Betrag sind 1,9 Milliarden
Dollar für militärische Ausrüstungen und Dienste bestimmt, die verbleibenden 900 Millionen Dollar für die wirtschaftliche Verteidigungshilfe.
Als dritte größere gesetzgeberische Maßnahme empfehle ich, daß
langfristige Entwicklungshilfe aus einem Fonds für Entwicklungskredite
gewährt werde.
Unsere

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

Unsere Hilfe für die weniger entwickelten Gebiete vermag deren
eigene Hilfsquellen nur in beschränktem Maße zu ergänzen. Dennoch
kann sie, wenn sie in einer Form geleistet wird, die jene Völker dazu
ermutigt, sich in größerem Maße als bisher selbst zu helfen, den entscheidenden Unterschied ausmachen.
Diese Zielsetzung macht - schon in unserem eigenen Interesse eine eindeutige Klarstellung unserer Absicht notwendig, die Menschen
in den weniger entwickelten Gebieten in ihren Bemühungen um den Aufbau
ihrer Volkswirtschaften zu unterstützen. Sie setzt ferner eine gewisse
Gewähr für die Kontinuität dieser Hilfe voraus.
Die Entwicklungshilfsprogramme werden unter dem gegenwärtigen
System bereits so wirksam und wirtschaftlich wie nur möglich durchgeführt; sie leiden aber unter einigen ernsten Schwierigkeiten. Die
eine besteht darin, daß nach dem gegenwärtigen Gesetz die Mittel nur
von Jahr zu Jahr und ohne eine Garantie der Kontinuität bereitgestellt
werden. Eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung ist aber ganz offensichtlich nicht mit einer Planung von Jahr zu Jahr zu bewerkstelligen,
sondern nur in einem kontinuierlichen Prozeß. Damit steht auch noch
eine weitere Schwierigkeit in engem Zusammenhang. Nach der gegenwärtigen
Gesetzgebung werden die Mittel jedes Jahr auf der Grundlage von Kostenschätzungen der Empfängerländer für die geplanten Vorhaben beantragt.
Das führt zur Schaffung von Quoten für die Hilfe an die einzelnen Länder,
die verfrüht festgesetzt werden müssen. Sie später zu ändern, bereitet
einige Schwierigkeiten, da auf Seiten der Empfängerländer die Gefahr besteht, daß sie unsere Absichten mißverstehen.
Darüber hinaus kann selbst dem für die Verwaltung dieser Programme
benötigte Personal, zum größten Teil hochqualifizierten Fachkräften,
lediglich eine jeweils kurz befristete Beschäftigung geboten werden. "Pies
macht es immer schwieriger, qualifizierte Kräfte zu bekommen und zu
halten.
Die Länder, die unsere Hilfe suchen und verdienen, sollten einen
größeren Anteil an der Verantwortung für die sorgfältige Planung der
Projekte übernehmen, die sie für notwendig und vertretbar halten.
Nicht weniger wichtig ist es, daß unsere Hilfe auf diese Projekte abgestimmt wird und daß sie künftig im Einklang mit dem Fortschritt gewährt wird, der bei ihrer Ausführung erzielt wird.
Um ein höheres Maß an Kontinuität, Wirksamkeit und Y/irtschaf tlichkeit sicherzustellen und andere Länder zu größerer Selbsthilfe zu ermutigen, empfehle ich dem Kongreß die Schaffung eines Fonds für Entwicklungskredite, der die Finanzierung besonderer Projekte und Programme
übernehmen soll, die zu einer gesunden Entwicklung beizutragen versprechen. Dieser Fonds würde nicht für eine kurzfristige Notstands- oder
Überbrückungshilfe, sondern nur für wirtschaftliche Entwicklungsvorhaben
verwendet werden, die sich auf lange Sicht segensreich für das Empfängerland auswirken.
Ich gehe dabei von der Vorstellung aus, daß die aus diesem Fonds zu
gewährende Hilfe größtenteils in Form von Krediten geleistet werden würde.
Diese

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

Diese Kredite sollten nicht mit den Mitteln aus anderen
Kreditquellen - private Geldgeber, die Weltbank oder die ExportImport-Bank - konkurrieren oder diese ersetzen.
Die Kredite sollten auf der Grundlage einer nach menschlichem
Ermessen gewährleisteten Rückzahlfähigkeit in Dollar oder Landeswährung zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollten wir uns allerdings darüber klar sein, daß sich diese Erwartung mehr auf das Vertrauen in die allmähliche Entwicklung des Empfängerlandes und die
Hoffnung auf eine Verbesserung des weltpolitischen Klimas als auf
eine gegenwärtig bereits gegebene gesunde Finanzlage stützen würde.
Der Fonds würde seine Tätigkeit eng mit anderen Kreditinstituten
koordinieren. Er könnte sowohl allein von sich aus als auch im Wegein
mit anderen derartigen Institutionen Finanzierungen übernehmen.
Eine seiner wichtigsten Aufgaben wäre es, den Strom privater Investitionen zu fördern - und nicht etwa zu behindern. Zu diesem Zwecke
sollte er Vollmacht zur Abwicklung entsprechender Finanzgeschäfte
erhalten. Bei richtiger Geschäftsführung dürfte er zu einer Steigerung
der Geschäftstätigkeit auch der anderen Institutionen beitragen, die
sich mit der Bereitstellung von Kredit- und Investitionsmitteln befassen.
Um unnötigen administrativen Leerlauf zu vermeiden und eine
Koordinierung mit den Zielsetzungen unserer Außenpolitik sicherzustellen, sollte der Fonds meiner Auffassung nach im Rahmen des Amtes
für Internationale Zusammenarbeit (ICA) errichtet und von diesem verwaltet werden.
Um seine Zielsetzungen verwirklichen zu können, sollte der Fonds
gleich zu Anfang über so viel Kapital verfügen, wie er zur Finanzierung
seiner Tätigkeit während der nächsten drei Haushaltsjahre braucht.
Nur auf diese Weise können wir von der Vorplanung für jedes einzelne
Land und von anderen Verwaltungspraktiken abgehen, die gegenwärtig
die Verwaltung der Entwicklungshilfe erschweren und komplizieren.
Ohne die Sicherheit einer solchen Kontinuität wäre der Fonds kaum
etwas anderes als die Fortführung der gegenwärtigen geübten Praxis,
wenn auch vielleicht mit einigen Verbesserungen, unter einem neuen
Namen.
Ich ersuche den Kongreß deshalb um eine erste Bewilligung für das
Haushaltjahr 1958 und die Vollmacht für den Fonds, in den folgenden Jahren vom Finanzministerium innerhalb der festgesetzten Grenzen Kredite
aufzunehmen. Derartige Vollmachten sind schon verschiedentlich für
andere Kreditaktionen der Vereinigten Staaten gewährt worden. Ich
glaube, daß dieses Finanzierungsschema am ehesten dem Charakter des
Fonds entspricht.
Für das erste Jahr - für die eigentliche Anlaufzeit also - sollten
auf keinen Fall weniger als 500 Millionen Dollar für den Fonds bewilligt
werden - ein Betrag, der in der Gesamtsumme der Anforderung neuer Mittel
eingeschlossen ist, die in dieser Botschaft noch unterbreitet wird.
Ich rechne mit einer erheblichen Zunahme von Anträgen auf Unterstützung
innerhalb der nächsten zwei Jahre, wenn die Entwicklungsvorhaben der

-9

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

der verschiedenen Länder voranschreiten. Ich nehme deshalb an, daß
der Fonds in den Haushaltjähren 1959 und i960 jeweils ein Kapital
von 750 Millionen Dollar benötigen wird.
Um die Ziele des Fonds erreichen zu können, muß bereits jetzt
eine ausreichende Kapitalausstattung bereitgestellt werden. Einen
Fonds für langfristige wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen, ihm
aber gleichzeitig die Mittel zu versagen, die für ein erfolgreiches
Arbeiten erforderlich sind, käme einer Selbsttäuschung gleich und
würde sowohl unsere Freunde entmutigen als auch eine Verschwendung
unseres Geldes bedeuten.
Das Programm für technische Zusammenarbeit ist eines der wertvollsten Elemente unserer gesamten Bemühungen um gemeinsame Sicher«
heit. Es sollte gleichfalls auf langfristiger Basis fortgeführt werden und
müßte eng mit dem Fonds verbunden sein. Ich schlage deshalb vor, daß
der Kongreß seine Zustimmung zum Programm für technische Zusammenarbeit
auf einer kontinuierlichen Basis unter Beibehaltung der bisherigen Form
der Bewilligung der Mittel auf Jahresbasis erteilen möge. Für das Haushaltjahr 1959 ersuche ich um die Bewilligung von 152 Millionen Dollar
für dieses Programm.
Die Schaffung einer "Sonderhilfe" als einer getrennten Kategorie
der Hilfeleistung empfehle ich zur Erreichung eines dreifachen Zweckes:
1) um Wirtschaftshilfe, und zwar in erster Linie in Form nichtrückzahlbarer Zuwendungen, bereitzustellen und damit Erfordernissen
Rechnung zu tragen, die für unser Land wichtig sind und im Rahmen der
anderen Hilfeprojekte nicht befriedigt werden könnten;
2) um unvorhergesehenen militärischen oder anderen Anforderungen
gerecht werden zu können, die über die eingeplanten und beantragten
Mittel hinausgehen; dies wird meiner Voraussicht nach in dem ersten
Jahr, in dem das revidierte Programm läuft, von besonderer Wichtigkeit sein;
3) um auf eventuelle Notfälle oder andere unvorhergesehene
Ereignisse vorbereitet zu sein, die zum Schutz der Sicherheit des
Landes einen Verzicht auf gewisse restriktive Gesetzesbestimmungen
notwendig machen. Ich ersuche um die Ermächtigung, auf Beschränkungen
bezüglich der Verwendung bewilligter Geldmittel im gleichen Umfang
wie gegenwärtig verzichten zu können. Ein Teil der zusätzlichen Erfordernisse des Nahen Ostens, die ich dem Kongreß im Januar erläuterte,
wird aus einer solchen Sonderhilfe bestritten wefden.
Für diese drei Zwecke der Sonderhilfe - für die eine Bewilligung
von Jahr zu Jahr vorgesehen ist - ersuche ich um die Bewilligung von
300 Millionen Dollar an neuen Etatmitteln für das Haushaltjähr 1958«
Dieser Betrag schließt 100 Millionen Dollar zur Abdeckung bereits
voraussehbarer Erfordernisse und 200 Millionen Dollar als Reserve
und für unvorhergesehene Ausgaben ein.
Unter den vorauszusehenden Erfordernissen möchte ich eines besonders hervorheben. Ich meine ein Programm - die Malariabekämpfung -,
das
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das in der dem Kongreß unterbreiteten Vorlage gesondert ausgewiesen
ist, das aber aus den Mitteln der Sonderhilfe finanziert werden soll.
Die Malariabekämpfung ist heute das vordringlichste hygienische
Problem in der Welt überhaupt. Diese Krankheit, die jedes Jahr rund
200 Millionen Menschen befällt, fordert Jahr für Jahr zwei Millionen
Menschenleben und bringt entsetzliche Leiden und schwere wirtschaftliche Not in viele Gegenden. Es ist heute durchaus möglich, diese
Geißel in großen Gebieten der Erde auszurotten. Ich schlage vor, daß
sich die Vereinigten Staaten mit anderen Ländern und Organisationen
vereinen, die jährlich bereits -über 50 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Malaria aufwenden. Es ist zu hoffen, daß diese Maßnahmen
in fünf Jahren zur völligen Ausrottung dieser Krankheit führen werden.
über die bereits genannten Programme hinaus sind 113 Millionen
Dollar für multilaterale Programme, das Programm für die Nutzung der
Atomenergie für friedliche Zwecke und die Verwaltung der nichtmilitärischen Programme erforderlich.
Es ist besonders wichtig, daß wir unseren Beitrag zu den Programmen auf dem Gebiet der technischen Zusammenarbeit, die von den Vereinten Nationen und anderen internationalen Körperschaften durchgeführt
werden, sowie auch zur Flüchtlings- und Umsiedlerhilfe und zum Kinderhilfsfonds auch weiterhin leisten. Diese Beiträge, die sich noch um die
Beiträge anderer Staaten erhöhen, werden diese Organisationen in die
Lage versetzen, ihre segensreiche Tätigkeit fortzuführen. Ich bin der
Auffassung, daß die Beteiligung der Vereinigten Staaten an diesen Bestrebungen in etwa dem gleichen Ausmaß wie im gegenwärtigen Zeitpunkt
beibehalten werden soll. Ich ersuche ferner um die Fortführung unseres
Programms zur Unterstützung von Flüchtlingen vor der kommunistischen
Despotie.
Die Vereinigten Staaten haben vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 1953 erstmals das Angebot gestellt, anderen
Ländern bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu helfen und sie
an ihrem technischen V/issen auf diesem Gebiet teilhaben zu lassen.
Unsere Programme für Gemeinsame Sicherheit für das Haushalt jähr 1958
schließen zusätzliche Mittel ein, die eine Verwirklichung dieses Angebots durch die Gewährung von Unterstützung zur Finanzierung von Forschungsreaktoren, anderen Ausrüstungen und der damit verbundenen Dienste
an eine zunehmende Zahl von Staaten gestatten, die an der Erschließung
der Atomenergie für friedliche Zwecke mitarbeiten.
Der Gesamtantrag für die Gewährung neuer Mittel im Haushaltjahr
1958 lautet auf 3,865 Milliarden Dollar, eine Summe, die um 535 Millionen hinter dem in meiner Haushaltbotschaft vom Januar angegebenen
Schätzbetrag zurückbleibt. Fast die gesamte Reduzierung wird.durch
Einsparungen im militärischen Hilfsprogramm in Höhe von 500 Millionen
ermöglicht, die, sofern sie in den neuen Haushalt überführt werden,
zur Deckung der Anforderungen für das Programm herangezogen werden
können. Bei diesem Betrag handelt es sich nicht um aufgeschobene

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29. Mai 1957

aufgeschobene Zahlungsverpflichtungen, sondern um echte Einsparungen.
Diese Einsparungen erklären sich zu einem großen Teil aus dem verringerten Bedarf an Ersatzteilen,der auf die zunehmende Erfahrung der von uns
unterstützten Streitkräfte im Umgang mit unseren Ausrüstungen zurückzuführen ist, sowie aus der Verringerung des allgemeinen Bedarfs, die aus
einer verbesserten Planung und Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
resultiert und der fortgesetzten Verbesserung der Verwaltung unseres
Programms. Ich ersuche darum, diese 500 Millionen in den Haushalt 1958
zu überführen.
Wir alle sind bestrebt, die Regierungsausgaben zu reduzieren. Und
wir alle begrüßen Steuersenkungen, wenn sie sich ohne Schaden für unser
Land vornehmen lassen.
Es gibt aber nur einen gesunden Weg für uns, eine einschneidende
Steuersenkung zu erzielen. Dieser Weg besteht darin, unseren Kampf für
den Frieden mit Erfolg zu bestehen und damit die Voraussetzungen für
eine erhebliche Senkung unserer Militärausgaben zu schaffen. Eine einschneidende Kürzung dieser Ausgaben wäre aber angesichts der derzeitigen Weltlage ein Vabanquespiel.
In ähnlicher Weise und aus genau demselben Grund wäre die Verweigerung einer ausreichenden Unterstützung für unsere so ungeheuer wichtigen Programme für Gemeinsame Sicherheit äußerst unklug und auch in
der Wahl des Zeitpunktes sehr ungeschickt. Ein solches Verhalten würde
nicht nur die Erreichung jener erheblichen Einsparungen bei den Militärausgaben aufs Spiel setzen, die wir alle so sehr erstreben, es würde
vielmehr auch durch eine Ermutigung möglicher Aggressoren und die Entmutigung unserer Freunde das Risiko heraufbeschwören, daß unsere Ausgaben für Verteidigungszwecke eines Tages auf einen weit höheren Stand
emporschnellen als heute. Der Einsatz in diesem Spiel wäre nicht nur
amerikanische DollaB, sondern das Leben amerikanischer Bürger,
Der Kongreß sollte des weiteren noch folgende Tatsachen in Erwägung ziehen:
Erstens: Eine einschneidende Kürzung der Militärischen Verteidigungshilfe würde eine Verringerung der Stärke der Streitkräfte unserer
Verbündeten nach sich ziehen. Dadurch würde die Gefahr einer kommunistischen Aggression in einzelnen Gebieten erhöht. Um dies zu verhindern,
müßten wir unsere eigenen Streitkräfte weiter ausbauen und noch mehr
unserer jungen Leute im Ausland stationieren, wenn wir die kommunistische Expansion auf Kosten der freien Welt nicht untätig hinnehmen
wollen. Ich brauche wohl nicht erst darauf hinzuweisen, daß eine solche
Entwicklung der Dinge früher oder später die verstärkte Einberufung
junger Männer zu den Streitkräften sowie eine erhebliche Steigerung
unserer eigenen Verteidigungskosten notwendig machen würde.
Und zweitens: Y/ir können es uns einfach nicht leisten, die Hoffnungen jener Völker zu enttäuschen, die eben erst ihre Unabhängigkeit
gewonnen haben und die in ihrem Ringen um ihre wirtschaftliche Existenz
Hilfe bei der freien Welt suchen. Wollten wir so handelnf dann werden

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29. Mai 1957

werden diese Völker zwangsweise in das Fahrwasser des Kommunismus geraten oder andere totalitäre Lösungen für ihre Probleme annehmen müssen»
Ich weiß nicht, ob eine eindeutige Relation zwischen wirtschaftlichem Wohlergehen und einer von Verantwortungsbewußtsein getragenen
Politik besteht. Auf jeden Fall aber würden fortgesetzte Armut und
Verzweiflung in diesen Ländern Verhältnisse schaffen, die die Herausbildung eines gemäßigten politischen Klimas von vornherein ausschließen. Wenn die freien Regierungen dieser Länder ihren Völkern lediglich nicht enden wollende Hoffnungslosigkeit und bittere Armut bieten
können, dann werden sie mit Sicherheit bald gestürzt werden. Es steht
fest, daß unser Friede, unsere politische Freiheit und unsere Prosperität dem gegen diese jungen Völker gerichteten Ansturm des kommunistischen
Despotismus nicht lange standhalten könnten.
Sollten wir es heute versäumen, ausreichende Mittel zur Unterstützung dieser schwer ringenden Völker bereitzustellen, um ihnen auf
ihrem Weg in die Zukunft voranzuhelfen, so könnte dies jedem einzelnen
Bürger unseres Landes eines Tages in tragischer Weise teuer zu stehen
kommen.
Unsere Programme für Gemeinsame Sicherheit sind in den vergangenen zehn Jahren erwiesenermaßen zu mächtigen Waffen in unserem Ringen
um den Frieden geworden. Die Vorschläge, die ich für ihre Verbesserung
gemacht habe, gehen zu gleichen Teilen auf Anregungen aus Kreisen der
Regierung und des Kongresses zurück. Ich ersuche den Kongreß in aller
Dringlichkeit, gemeinsam mit mir diesen Programmen jene Stärke zu geben,
die die gegenwärtige und künftige Sicherheit unserer Republik erheischen.

* * * * #

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�Allg./5.6.57
BERLIN UND DIE METHODEN DER SOWJETS IN DEUTSCHLAND

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die Mrs. Eleanor
L. Dulles, Sonderberaterin des Leiters der
Deutschland-Abteilung im US-Außenministerium,
am 22. Mai 1957 in New York vor der Frauenvereinigung der Republikanischen Partei gehalten hat.
Die Bedeutung Berlins für das Studium der sowjetischen Politik
In einer Zeit, in der das Schicksal unseres Staates von dem
richtigen Verständnis der Absichten und Möglichkeiten der Sowjets
abhängt, ist es wichtig, jeden Hinweis auf das Wesen ihrer Politik
und ihrer Pläne genauestens zu prüfen, ganz gleichgültig, wo sich
dieser Hinweis findet. In der Geschichte ihres Verhaltens bei der
militärischen Besetzung Ostdeutschlands und Ostberlins während der
vergangenen zehn Jahre finden sich viele interessante Hinweise auf
eine Unsicherheit des Kurses und ein Hin- und Herlavieren in der
Taktik.
Bei einer solchen Analyse, die sich auf Berlin und Deutschland
konzentriert, werden drei Dinge ganz klar. Erstens: Das grundlegende
Ziel der Sowjets war und ist es, die Unterwerfung unter die kommunistische Herrschaft um jeden Preis zu erzwingen. Zweitens: Die
Methoden der Sowjets ändern sich, je nachdem ob sie in ihren Beziehungen zu Europa gerade sanfte oder rauhe Töne anschlagen. Drittens: Jedes Anzeichen, das dahingehend ausgelegt werden könnte, daß
die westlichen Verbündeten einschließlich der Bundesrepublik Deutschland in ihren Bemühungen um Berlin nachlassen könnten, löst auf Seiten der Sowjets prompt Versuche eines Übergreifens auf Positionen
aus, die der Westen bisher unter erheblichen Kosten gehalten hatte.
Umgekehrt haben die häufigen Demonstrationen, daß die freie Welt
fest zu West-Berlin steht und daß der Widerstandswille der Berliner
Bevölkerung nicht zu brechen ist, fast jedesmal zu einer Politik
größerer Nachgiebigkeit und zu einer Verringerung der Drohungen und
des Drucks geführt.
Wenn sich auch die Lage in Deutschland sehr deutlich von der
Lage in Gebieten unterscheidet, wo die Sowjets einen starken Druck
ausüben wie im Nahen und Fernen Osten, so ist sie doch für eine
Beurteilung der Absichten der Sowjets ein wichtiges Studienobjekt.
Die

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5. Juni 1957

Die aggressiven Gesten der Sowjets in Berlin und ihre gegen die Bevölkerung der Stadt gerichteten Schikanen verdienen eine eingehende Erörterung und lassen eine grundlegende Unsicherheit der Sowjets bezüglich ihrer Stellung in Europa und der Zukunft Deutschlands erkennen.
Diese Unsicherheit ist in nicht geringem Maße das Ergebnis der Erkenntnis auf Seiten der Russen, daß die Deutschen ihre Diktatur und ihr
polizeistaatliches System ablehnen und daß die Menschen sowohl in Ostais auch in Westdeutschland entschlossen sind, dem Druck von außen
zu trotzen.
Niemand bezweifelt die Bedeutung, die die Sowjets ihrer Deutschlandpolitik beimessen, ebensowenig wie die Tatsache, daß ihre Haltung
gegenüber der Stadt Berlin ein Wesentliches dieser Politik darstellt.
Somit verdient Berlin eine sorgfältige Analyse, lassen sich doch aus
ihr wichtige Schlüsse auf das Verhalten der Sowjets in anderen Teilen
Europas ziehen. Ja, die vergangenen und künftigen Ereignisse in diesem
zentral gelegenen Punkt Europas sind sehr wohl geeignet, die Fragen
aufzuzeigen, die die Aufmerksamkeit von Staatsmännern auch in anderen
Teilen der freien Welt erfordern.
Frühe Hoffnungen und Pläne
Im November 1944f also einige Monate vor Kriegsende, wurde auf
dem Wege der gegenseitigen Konsultation eine Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion über eine
Verwaltung und den Status von Berlin erzielt. Es wurde die Schaffung
einer Regierungsbehörde, der Kommandatura, beschlossen, in der die
Sowjets und die westlichen Besatzungsmächte vertreten sein sollten.
Diese Vereinbarungen waren mit der Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen verbunden, und von 1945 an wurden auch die Franzosen in diese Regelung mit einbezogen. Sie basierten auf der Annahme, daß man einen
Weg finden müsse, in konstruktiver Weise mit den Sowjets zusammenzuarbeiten.
Erst nachdem die Kommunisten im Jahre 1948 die Macht in der Tschechoslowakei an sich gerissen hatten und sich die Anzeichen für die
sowjetische Aggression nach Westen häuften, wurden die Schwierigkeiten
der Lage voll erkannt. Um diese Zeit waren die Sowjets, ermutigt durch
ihren Erfolg in Prag,bestrebt, die Alliierten aus Berlin herauszudrängen, indem sie versuchten, die Stadt von Westeuropa abzuschneiden.
Es ist klar, daß die ersten Pläne, die wohl das Ausmaß der Nachkriegszerstörungen, denen die Stadt sich gegenübersehen würde, berücksichtigten, nicht in Betracht gezogen haben, daß diese gewaltige Aufgabe des Wiederaufbaus zusätzlich erschwert würde durch beschränkten
Zugang und ständige Schikanen. Diese materiellen und psychologischen
Probleme ergaben sich aus der Entfernung der Stadt vom Gebiet der Bundesrepublik.
Während es in der Zeit von 1945 bis 1948, also vor der Blockade
Berlins durch die Sowjets, noch möglich war, auf einen freien Wirtschaftsverkehr zwischen Berlin und seinem normalen Hinterland und

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5. Juni 1957

und zwischen der Ostzone und den westlichen Zonen zu hoffen, zeichnete
sich nunmehr die kommende Schwierigkeit des wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbaus immer drohender ab. Es herrschte verhältnismäßig
wenig Besorgnis über die Haltung und Zielsetzungen der Sowjets auf
lange Sicht, da man von der Annahme ausging, daß sich die Leidenschaften, die durch den deutschen Angriff auf Rußland aufgepeitscht worden
waren, allmählich wieder abkühlen würden und damit eine vernünftige Anpassung an die Erfordernisse der Nachkriegszeit in Europa erfolgen könne.
In dieser Atmosphäre des Krieges und der ersten Besatzungszeit
nach dem Krieg hatte man sich auf die Schaffung von Korridoren für den
Straßen-, Eisenbahn-, Wasserstraßen- und Luftverkehr geeinigt, die so
geartet waren, daß sie zunächst als ausreichend angesehen wurden. Man
erwog auch Möglichkeiten der Versorgung der Stadt und der Sicherstellung des Nachschubs der drei westlichen Besatzungsmächte, deren Ausgangsbasen nicht wie im Falle der Sowjets in unmittelbar angrenzenden
Gebieten gelegen waren. Es ist bemerkenswert, daß sich ähnliche Vereinbarungen im Falle Wien als zufriedenstellend erwiesen haben. Mit
der sowjetischen Blockade Berlins aber im Frühjahr 1948 traten die
künftigen Schwierigkeiten plötzlich klar hervor, so daß sich die Berliner und die übrige nichtkommunistische Welt mit ihnen auseinandersetzen mußten.
Die brutale Demonstration der sowjetischen Taktik im Jahre 1949
wirkte auf die gesamte zivilisierte Welt wie ein Schock. Der Tod des
tschechischen Staatsmannes Masaryk wurde zu einem Symbol. Die Berliner
Blockade war ein Augenblick schicksalhafter Entscheidung. Die Forderungen der Sowjets an die Deutschen und die zwangsweise Einstellung
des Reise-und Güterverkehrs auf Land-und Wasserwegen nach Berlin waren
einer der wichtigsten Wendepunkte in den Beziehungen der gesamten westlichen Welt zum Sowjetblock. Diese Entscheidung mußte darüber hinaus
nicht nur von den westlichen Alliierten, sondern auch von den Berlinern und der übrigen an dieser Frage interessierten freien Welt getroffen werden. Die Wahl, die damals die Berliner trafen, nämlich den
gleisnerischen Versprechungen der Kommunisten und insbesondere dem
Angebot an Lebensmitteln und Brennstoffen in reichlichen Mengen zu
widerstehen,
' wie auch die Bereitschaft des Volkes, freiwillig
das Risiko einer Bindung an die drei westlichen Besatzungsmächte auf
sich zu nehmen, haben entscheidend zum Erstarken der Bundesrepublik
Deutschland beigetragen und waren auch für die künftige Entwicklung
in Deutschland bestimmend - für seine Orientierung nach demokratischen
Idealen und für seine Hoffnung auf eine Vereinigung von Ost und West.
Die ersten Jahre der Besetzung Berlins waren somit von Überraschung und Enttäuschung erfüllt sowie von der wachsenden Erkenntnis
der ernsten Gefahren, die die Berliner Position für die westliche
Welt barg. Die dort von den Alliierten eingegangenen Verpflichtungen
konnte man auf keinen Fall aufgeben. Die Bedeutung, die das Festhalten an unserer Position für den gesamten Bereich der Satellitenstaaten und für die Menschen hatte, die jenseits des Eisernen Vorhangs
in Knechtschaft lebten, wurde mit der Dreimächte-Erklärung vom 27.Mai
1952 bezüglich der Sicherheit und des Wohls der Stadt Berlin anerkannt.
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5. Juni 1957

In dieser Erklärung, auf die man bei verschiedenen Gelegenheiten wiederholt verwies, wurde zum Ausdruck gebracht, daß jeder Angriff auf
Berlin oder die dort stationierten alliierten Streitkräfte, von welcher
Seite er auch erfolgen möge, einem Angriff gegen die drei Westmächte
gleichkommen würde. Von dieser Erklärung kann es kein Abrücken geben.
AllfleAeine politische Haltung der Sow.jets nach der Blpckade
Nach Beendigung der Blockade im Jahre 1949 und dem in der ganzen
Welt anerkannten Erfolg der Luftbrücke wurde das Hin und Her der sowjetischen Politik immer rätselhafter. Seit fast zehn Jahren halten nun
die Sowjets an ihrer Sonderstellung in der Stadt fest. Sie sind der
alliierten Kommandatura ferngeblieben, die, obwohl sie nach dem Wiederaufbau Westberlins praktisch an Bedeutung verloren hat, ebenso wie
im Jahre 1946 auch heute noch Sitzungen abhält, auf denen die Probleme
Berlins erörtert werden.
Die Sowjets, die bisher nirgends Anklang zu finden vermochten,
haben die Stadt mit starken militärischen Verbänden eingekreist und
fahren fort, ihre Stärke zu demonstrieren. Ihre Divisionen halten häufig innerhalb und in der Nähe der Stadt. - Manöver ab, die bedrohlichen Charakter haben. Sie haben ein JflKrtenhaus errichtet, das dazu
dienen soll, das System ihrer politischen Marionetten zu stützen und
ihnen künstlich eine Bedeutung zu verleihen, die angesichts des weitverbreiteten Widerwillens der Deutschen gegen ihre hohle Autorität
wenig überzeugend ist. Sie betreiben eine ständig wechselnde und nie
vorherzusehende Politik mit dem Ziel, einzelne zu schikanieren. Sie
stören das Leben in'der Stadt auf die verschiedenste Weise.
Für den einzelnen hat das oft tragische Konsequenzen, doch hat
es den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau der Stadt als Ganzes nur vorübergehend beeinflußt und hat ihn verhältnismäßig wenig beeinträchtigt .
Keine dieser Maßnahmen konnte das starke Wachstum der Industrie,
die durch amerikanische Hilfe unterstützt wurde und von der Bundesregierung in Bonn Subventionen erhielt, verhindern. Keine kommunistische Aktion konnte den Geist der Bevölkerung lähmen, die,nachdem
sie im Jahre 1948 die für sie lebenswichtige Entscheidung getroffen
hatte, in ihrer Treue zum Westen niemals wankend geworden ist. Die
Sowjets tasten ständig alle Möglichkeiten ab, um nach Westen vorzudringen, doch haben sie feststellen müssen, daß die Alliierten nach
wie vor der Stadt Unterstützung gewähren, und die politische Rückendeckung,
die ihr von den NAfO-Ländern und der freien Welt im all^
gemeinen gegeben wird, nichts an Stärke eingebüßt hat.
Die sowjetische Politik gegenüber der Stadt wurde seit 1949 v o n
drei Hauptfaktoren bestimmt: dem wiederholten Versuch,durch klar
ausgesprochene oder verschleierte Drohungen die Bevölkerung einzuschüchtern, ferner durch Bemühungen, den Wiederaufbau der Stadt zu
verhindern und in verschiedenster Weise durch Beschränkungen und Einmischung»« auf dem Gebiet des Verkehrs und des Gütertransports die

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die Gemüter in Aufregung zu versetzen, und schließlich durch die Anwendung von Terrormaßnahmen und Repressalien gegenüber einzelnen
Personen, welche die Bevölkerung ständig in Atem hielten, die aber
im Grunde weder die Politik des Senats noch die einzelnen Programme
der Bundesrepublik für Berlin beeinflußten. Diese Taktik veranlaßte
im Gegenteil den Westen, seine der Stadt gewährte Unterstützung nur
noch zu verstärken. Es sind Anstrengungen gemacht worden, Berlin einerseits durch Drohungen und durch eine Zermürbungstaktik vom Westen zu
lösen, und die Vereinigten Staaten und Europa andererseits davon zu
überzeugen, daß der Preis dafür, Berlin dem Westen zu erhalten, unangemessen hoch sei. Beide Versuche haben bisher zu keinem Erfolg geführt,
noch werden sie in Zukunft Erfolg haben.
Von Zeit zu Zeit haben die Sowjets ihre Taktik geändert. Bei wichtigen Entscheidungen der Alliierten haben sie den Druck mitunter verstärkt. Die wichtigste Folgerung, die sich aus einer Prüfung der Politik
ergibt, ist die, daß es den Russen weder gelungen ist, die Berliner
mürbe zu machen, noch unter den Alliierten Uneinigkeit über die deutsche
Frage zu säen. Die Bemühungen der Sowjets haben vielmehr ihre Unfähigkeit bewiesen, diesen Teil der Welt für den Kommunismus zu gewinnen
und gezeigt, daß ihre Politik der letzten zehn Jahre nahezu völlig
gescheitert ist.
Polizei- und Terrormethoden
Die Phase des Terrors in der sowjetischen Politik ist vielleicht
am klarsten ersichtlich, wenn man sich ihre • extremen taktischen
Methoden, die sie so oft anwandten,, und das regelwidrige und gewöhnlich überraschende.! Vorgehen-, ihrer Truppen und der unter ihrer Kontrolle stehenden Volkspolizei ins Gedächtnis zurückruft. Ein typischer
und doch besonders augenfälliger und tragischer Fall war die Verschleppung Dr. Linses, ein Ereignis, das sich im Jahre.1952 abspielte.
Der wegen seines Eintretens für die Menschenrechte allgemein bekannte Rechtsanwalt Dr. Linse wurde am hellichten Tage vor seinem, im
amerikanischen Sektor Berlins gelegenen Hause auf offener Straße
überfallen. Vier Gangster, die von dreizehn weiteren Komplicen nach
einem sorgfältig ausgearbeiteten Plan vorgingen und vpn den kommunistischen Behörden unterstützt wurden, führten die Verschleppung aus.
Sie hielten ein Taxi an, umringten Dr. Linse und zerrten ihn in den
Wagen. Mit höchster Geschwindigkeit.fuhren sie darauf mit ihrem Opfer
zur Sektorengrenze, wo ein kommunistischer Posten, der in das Komplott
eingeweiht war, die Schranke hob, damit sie beim Passieren ihre Geschwindigkeit nicht zu verringern brauchten. Noch vor der Sektorengrenze verlor Dr. Linse einen Schuh, während sein Fuß aus der halboffenen Tür hing.
Zahlreiche Zeugen mußten der Entführung machtlos zusehen. Die
Verbrecher gaben verschiedene Schüsse ab, doch besaßen die Zeugen des
Vorfalls ebensowenig wie die Westberliner Polizei Waffen und vermochten
daher nicht, das Verbrechen zu verhindern. Im Verlaufe der sorgfältig
durchgeführten Untersuchung gaben verschiedene in das Komplott
verwickelte Personen ihre Mittäterschaft zu; das Bekanntwerden der Bemühungen amtlicher ostzonaler Stellen, diejenigen einzuschüchtern, die

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5. Juni 1957

vorzugehen und eine Atmosphäre der Unruhe zu schaffen, ist es unwahrscheinlich, daß sie besondere Befehle erlassen haben, um Verschleppungen in größerem Maßstab durchzuführen. Doch selbst der
politische Kurs, den sie gegenwärtig verfolgen, genügt, um die
bitteren Gefühle der Westdeutschen und der Berliner gegenüber den
östlichen Besatzungstruppen wachzuhalten.
Ihre Terrormaßnahmen bieten einen weiteren Beweis für die Unsicherheit der russischen Haltung und lassen das Fehlen einer konstruktiven Planung in bezug auf ihr Verhältnis zu der Stadt Berlin
und auf ihre Politik gegenüber der Bundesrepublik oder selbst gegenüber ihren Satelliten im allgemeinen erkennen. Während sich deutlich
wahrnehmbare Bemühungen abzeichnen, Widerstände niederzuschlagen und
durch die Verhaftung einiger führender Persönlichkeiten, die eine
hervorragende Rolle im Kampfe um die Freiheit spielten, ±ie Kritik
zum Schweigen zu bringen, zeigten die Störmanöver der letzten Zeit
nicht diese Form, sondern waren vielmehr isolierte Terrorakte, was
auf kommunistischer Seite einen bestimmten Grad von Unsicherheit in
der hohen Politik gegenüber Berlin vermuten läßt.
Androhung von Vergeltungsmaßnahmen
Bezüglich der Stadt Berlin und der deutschen Politik im allgemeinen
sind bei verschiedenen Gelegenheiten Drohungen geäußert worden. Meistens
richteten sie sich nur indirekt gegen Berlin,in erster Linie aber gegen
das deutsche Volk, mit dem Zweck, es daran zu hindern, sich um Unterstützung an den Westen zu wenden. Verschiedene dieser Drohungen jedoch
richteten sich auch gegen die Stadt selbst. Diesen Drohungen lag die
Absicht zugrunde, Westdeutschland klarzumachen, daß ein Bündnis mit
der freien Welt des Westens die Möglichkeit einer Wiedervereinigung
Deutschlands und die schließliche Befreiung der Stadt Berlin von dem
harten Griff der Umklammerung ausschalten würde. Gleichzeitig mit diesen Drohungen sind keine Wiedervereinigungsversprechungen auf der Basis freier Wahlen gemacht worden. So haben sich sowohl alle Einschüchterungs- als auch alle Überredungsversuche als Fehlschlag erwiesen.
Es ist unmöglich, zwischen diesen Warnungen und den gelegentlichen
Wiedervereinigungsvorschlägen der Sowjets eine klare Gedankenverbindung
herzustellen.
Die Errichtung der Bizone und später der Trizone als Phasen in den
westlichen Bemühungen, ein freies und souveränes Deutschland zu schaffen,
wurde im Jahre 1948 zum Anlaß für scharfe Erklärungen von Seiten Moskaus
genommen. Die Errichtung der Bundesrepublik im Jahre 1949, die Gewährung
der Souveränität und der Beitritt Westdeutschlands zur NATO wurden ebenfalls benutzt, um scharfe Erklärungen abzugeben in der Absicht, die
Deutschen zur Abkehr vom Westen und zum Anschluß an den Osten zu zwingen.
Eine der letzten Drohungen dieser Art war im Zusammenhang mit der
Entscheidung über den Aufbau einer militärischen Streitmacht in Westdeutschland geäußert worden. Nachdem einmal feststand, daß Deutschland
einen wichtigen Faktor in der NATO bilden würde, und nachdem die Durchführung des militärischen Programms einmal geklärt worden war, machte
sich plötzlich ein überraschend freundschaftlicher Ton in Bulganins

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Bulganins Briefen an den Bundeskanzler bemerkbar. Bisher ist es in
bezug auf den Status der Stadt Berlin zu keinerlei tiefgreifenden
Beschränkungen gekommen. Tatsächlich ist die Produktion und der Handel
der Stadt mit der übrigen Welt im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen und hat sich in den letzten vier Jahren mehr als verdreifacht.
Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Russen zu der Ansicht gelangt, daß ihre Politik gegenüber Berlin ihnen nicht viel eingebracht
hat. Man könnte meinen, sie halten ihre Stellung in der Hoffnung, zu
einem späteren Zeitpunkt einmal die Position der Alliierten zu erschüttern und Kapital daraus zu schlagen, wenn deren Unterstützung
einmal nachlassen sollte. Wenn sie miterleben, wie in den westlichen
Sektoren der Stadt die Wirtschaft sich in einem Zustand einer wohlausgewogenen und äußerst lebhaften Expansion befindet, und wenn sie die
kulturellen Errungenschaften zur Kenntnis nehmen, die aus einer gesunden Lebenskraft erwachsen, dann dürfte ihnen wohl die Stärke dieser
Insel inmitten ihres kommunistischen Machtbereichs wie auch die Erfolglosigkeit ihrer eigenen Methoden nicht ganz geheuer sein.
Schikanen gegen die Stadt
Interessant sind verschiedene Versuche, die von den Sowjets in
der Vergangenheit unternommen wurden, um den Wiederaufbau Berlins zu
hintertreiben. In vielen Fällen wurde Druck ausgeübt, der aber dann
wieder wegen des ständigen Dilemmas gelockert werden mußte, in dem
sich gerade diejenigen befanden, die sich durch Propaganda oder Zwang
Gehorsam verschaffen wollten, jedoch nicht das Risiko eines Aufstandes
verzweifelter Menschen in der Zone, in der sie sich festgesetzt haben,
eingehen können. Die Notwendigkeit, zwischen Propaganda und Terror
zu wählen, um Menschen gegen deren Willen zu etwas zu zwingen - was
sich auch durch Beispiele aus anderen Ländern beweisen läßt -,erklärt
die sowjetische Schaukelpolitik gegenüber Berlin. Seit sich die Bürger dieser Stadt für den Westen entschieden haben, war die sowjetische
Politik darauf ausgerichtet, die Wiederherstellung normaler Verhältnisse zu verhindern und die Schwierigkeiten zu verstärken. Ich möchte
hier ein paar Beispiele von Schikanen aufzeigen, die damals einsetzten,
später aber eingestellt oder abgeschwächt wurden. Der Zeitpunkt, der
jeweils für eine Änderung des Verhaltens gewählt wurde, zeigt, wie
willkürlich die Sowjets in ihrer Politik verfahren.
Eine solche Schikane, die 1952 und 1953 ernstliche Besorgnis
erregte, waren die Schwierigkeiten, die bei der Abstempelung der von
den sowjetischen Behörden verlangten Warenbegleitscheine für den
Transport von Gütern aus Westberlin gemacht wurden. Unsere Wirtschaftssachverständigen sahen in dieser Einmischung in den Export von Fertigwaren einen Versuch, den Aufschwung des Berliner Wirtschaftslebens zu
drosseln. Als dann aber von 1953 ab die Warenbegleitscheine prompt
bearbeitet wurden, hat es keine nennenswerten Schwierigkeiten mehr gegeben.
Im Jahre 1953 wurde im Osten damit begonnen, zur Drosselung des
Verkehrs an den Zonenübergangsstellen Straßensperren zu errichten.
Gleichzeitig wurde die Zahl der Schlagbäume entlang der Zonengrenze

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Zonengrenze erhöht, und die Sperren wurden verstärkt. Diese ungewöhnlichen Maßnahmen interpretierte damals die amerikanische Hochkommission als die einleitenden Manöver zu dem eventuellen Versuch, die Stadt
endgültig zu spalten. Der weitere Verlauf der Ereignisse zeigte, daß
die Kommunisten diese Politik nicht weiter verfolgten, und in den letzten
beiden Jahren wurden die Straßensperren wieder beseitigt.
In den Jahren 1953-54 wurde mit der Begründung, daß das Schiffshebewerk Rothensee reparaturbedürftig sei und die Wiederherstellung
einige Monate in Anspruch nehme, einer der wichtigsten Kanäle für den
Lastkahntransport geschlossen. Wieder erhob sich die Frage, ob etwa
eine "schleichende Blockade" im Gange sei. Diese Art Schikane wurde
dann nicht mehr fortgesetzt und hat sich bis 1955 auch nicht wiederholt.
Wohl kam es noch zu Unterbrechungen, hauptsächlich wegen ungünstiger
Wetterverhältnisse, aber dann nur für eine angemessene Zeit.
Eine weitere störende Verkehrseinschränkung ergab sich 1955« Damals liefen über 1000 Genehmigungen für den Lastschiffahrtsverkehr ab.
Eine Zeitlang wagten die Kapitäne nicht, ihre Boote nach Berlin zu
schicken, weil sie befürchteten, daß sie beschlagnahmt würden oder
daß der Transport kostspieligen Verzögerungen ausgesetzt werde. Verschiedentlich wurden Anträge gestellt, die Gültigkeit der Genehmigungen
zu verlängern oder die alten Genehmigungen auch weiter für gültig zu
erklären. Eine Zeitlang ruhte der Lastschiffahrtsverkehr völlig. Die
Anträge wurden von Zeit zu Zeit erneut gestellt, und im Dezember 1956
wurde überraschend das gesamte Bündel von mehr als 100 Genehmigungen
für den Transitverkehr von und nach Berlin für gültig erklärt.
Seit 1956 hat es dann keine weiteren Schwierigkeiten im Lastschiffahrtsverkehr mehr gegeben.
Ende März 1955 zeichnete sich eine sogar noch ernstlichere Bedrohung des wirtschaftlichen Lebens der Stadt ab. Die kommunistischen
Behörden setzten neue außerordentlich hohe Autobahngebühren für die
zwischen Berlin und der Bundesrepublik verkehrenden Lastkraftwagen
fest. Sofort wurde dies erneut von verschiedenen Beobachtern als
"schleichende Blockade" bezeichnet, die vermutlich ernste Ausmaße
annehmen werde. Nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen erklärte
sich die Bundesrepublik bereit, die Zahlung der erhöhten Gebühren zu
übernehmen. Man befürchtete nun, daß die Gebühren nochmals erhöht
werden würden, wenn die Regierung einmal für diese Zahlungen aufkäme.
Glücklicherweise ist diese Art von Erpressung nicht mehr wiederholt
worden, und der Verkehr hat sich normal abgespielt. Tatsächlich ist er
heute um 30 Prozent höher als Anfang des Jahres 1955«
Die Verzögerungen bei der Abfertigung westdeutscher Lastkraftwagen
an den Kontrollpunkten schienen ebenfalls mitunter die Vermutung zu
rechtfertigen, daß eine Blockade der Stadt beabsichtigt sei. Die immer
wiederkehrenden Verzögerungen sind jedoch jedesmal nach kurzer Zeit
behoben worden.
Alle diese Erfahrungen wie auch die anderen Aspekte des kommunistischen Drucks auf Berlin scheinen meiner Ansicht nach nicht auf
ein planmäßiges, beharrliches Vorgehen der Sowjets hinzudeuten. Ihre

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Ihre ständig wechselnde Politik ist weder klar ausgerichtet gewesen,
noch hat sie irgendwelchen Einfluß gehabt, den Wiederaufbau der Stadt
zu verhindern. Sie hat bis zu einem gewissen Grade bewirkt, daß außerordentliche Anstrengungen gemacht wurden, und daß Berlin häufige Unterstützung von außen erhielt. Es liegen keine Beweise dafür vor, daß die
Stadt auf Grund dieser Vorkommnisse irgendwelche wesentlichen Nachteile
erlitten hat.
In den letzten Monaten hat sich der Verkehr von und nach Berlin
ohne Störungen abgewickelt. Weder die Stellung der Alliierten in der
Stadt noch die Interessen der Bundesrepublik an Berlin als künftiger
Bundeshauptstadt sind ernstlich bedroht worden.
Trotz der Tatsache, daß die Sowjets Berlin als eine Quelle ständiger Störungen und als ein Mittel der Alliierten betrachten, das sowjetische Vordringen im Westen aufzuhalten, ist es offensichtlich, daß sie
mit diesen Methoden weder den Geist noch die Lebenskraft der Stadt vernichten können. Selbst wenn sie mit ihren zahlreichen Versuchen,die
Entschlossenheit des Westens auf die Probe zu stellen, fortfahren, besteht kein Grund zu der Annahme, daß sie bereit sind, große Risiken in
diesem Gebiet einzugehen. Tatsächlich haben sie seit 1949 die Reöhte
der Alliierten bezüglich der Stellung der Stadt Berlin nicht angetastet.
Schlußbemerkungen
Die seltsame Geschichte Berlins in den letzten zehn Jahren rechtfertigt den Schluß, daß die Moral der Stadt durch nichts ernsthaft zu
erschüttern ist.
Ein Überblick über die Folge der Geschehnisse kann allen übrigen
Nationen zur Ermutigung dienen und ihnen zeigen, welchen Spielraum die
Freiheit haben kann. Er kann ein Bild von den positiven Wirkungen
geben - nicht nur der Entschlossenheit des Volkes, der Tyrannei Widerstand zu leisten, sondern auch der Bedeutung, die in einer solchen
Situation selbst symbolische militärische Kräfte haben, wenn sie an
Gefahrenpunkten wie Berlin gehalten werden. In Berlin haben wir es
mit Menschen zu tun, die Zeiten größter Not durchgemacht und ihr Leben
auf die Notwendigkeiten der Zeit eingestellt haben, mit einer Bürgerschaft, die klug und mutig sich den Gegebenheiten anzupassen versteht.
Diese Bürger verwalten eine Stadt, die vielen anderen Hauptstädten
Europas zu vergleichen ist, und man kann darauf vertrauen, daß sie ihre
eigenen Hilfsquellen weiter ausbauen und ihre Lage in den kommenden
Jahren noch verbessern werden. Man darf sich der Einsicht nicht verschließen, daß langandauernde und ständige Kämpfe allmählich müde machen.
Doch wirkt dieser Ermüdung die heftige Reaktion auf die Herausforderungen durch die kommunistischen Besatzungsbehörden entgegen. Gerade die
aus der Situation bedingten Ärgernisse und Gefahren bewirken leidenschaftliche Reaktionen und geben die Gewähr, daß die Anstrengungen der
Berliner auf politischem Gebiet auch in Zukunft von größter Bedeutung
sind und daß der Schwung des wirtschaftlichen Lebens anhalten wird, bis
der Lebensstandard Berlins dem Westdeutschlands entspricht. Berlin bildet,
wenn.auch geographisch gesehen in kleinen Grenzen, einen Modellfall für
das Versagen der sowjetischen Methoden. Und solche Fehlschläge werden die
Sowjets auch künftig sowohl in Berlin wie anderswo erleiden, solange
sie ihren Irrtum nicht einsehen.
* * • * *
- 10 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Aiig./19.6.1957

UNGARN-AUSSCHUSS DER VEREINTEN NATIONEN LEGT BERICHT
ÜBER UNGARISCHEN FREIHEITSKAMPF VOR

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) - Nach sechsmonatiger
intensiver Arbeit legte der Sonderausschuß der Vereinten
Nationen zur Untersuchung des ungarischen Freiheitskampfes
am 20.Juni 1957 der Weltöffentlichkeit einen umfassenden
Bericht über die Vorgänge in Ungarn im Oktober und November
vergangenen Jahres vor. In dem insgesamt 509 Seiten langen
Bericht v/erden die Aussagen von 111 Zeugen des Freiheitskampfes zusammengefaßt sowie die Hauptpunkte aus zahlreichen
offiziellen und inoffiziellen Dokumenten zur Freiheitsrevolte
wiedergegeben.
Der Sonderausschuß, der sich aus Vertretern Australiens,
Ceylons, Dänemarks, Tunesiens und Uruguays zusammensetzt
und von der Generalversammlung die Weisung erhalten hat,
die durch "die sowjetische Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ungarns entstandene Situation zu überprüfen",
kam zu folgenden drei Ilauptschlußfolgerungen:
1) Die ungarische Revolte war eine spontane nationale
Erhebung, die aus einer seit langem bestehenden Unzufriedenheit entstand und von außen nicht unterstützt wurde.
Sie stellte in keiner Weise eine Gegenrevolution dar.
2) Die massive Intervention der Sowjetunion erfolgte
zu dem Zweck, einen Volksaufstand niederzuwerfen und eine
legale ungarische Regierung zu stürzen.
3) Das gegenwärtige Kadar-Regime hat nicht die Unterstützung des Volkes.
Der 150 000 Worte umfassende Bericht wird der Weltöffentlichkeit Anfang Juli m vollem Umfang zur Verfügung stehen.
Bisher sind 50 000 Exemplare in Druck gegeben.
Der Teil des Berichts, in dem der Ungarn-Sonderausschuß
seine Ilauptschlußfolgerungen zieht, hat folgenden Wortlaut:
"Erstens: Der Aufgabenbereich des Sonderausschusses umfaßte
ein breites Gebiet, nämlich der Generalversammlung der Vereinten
Nationen nach einer umfassenden und objektiven Untersuchung die
von dem Ausschuß gewonnenen Ergebnisse in bezug auf alle Aspekte
der Frage der mit Waffengewalt oder mit anderen Mitteln erfolgten
sowjetischen Intervention in Ungarn sowie über die Auswirkungen
dieser Intervention auf die politische Entwicklung Ungarns _zu_

�"AMERIKA DIENST"

19. Juni 1957

zu berichten. Die Untersuchung des Ausschusses umfaßte, wie bereits
dargelegt, das Studium eines umfangreichen, in mehreren Sprachen abgefaßten Dokumentenmaterials der verschiedensten Herkunft, einschließlich der Vernehmung von über hundert Zeugen, deren Aussageprotokolle
ein zweitausend Seiten umfassendes Dokument bilden. Der Ausschuß bedauert, daß die Haltung der ungarischen Regierung eine auf direkter
Beobachtung in Ungarn basierende Untersuchung - wie sie durch die
Resolution der Generalversammlung gefordert wurde - verhindert hat.
Zweitens: Die Resultate der Untersuchungen des Ausschusses beziehen
sich auf viele Aspekte der Geschehnisse in Ungarn und befassen sich mit zahlreichen Einzelfragen, die für den Ursprung und das
Wesen jener Ereignisse von Belang sind. Der Bericht selbst enthält
die Schlußfolgerungen, zu denen der Ausschuß gelangte, und diese
Schlußfolgerungen lassen sich nicht leicht von dem dort zusammengetragenen Beweismaterial trennen. Eine Zusammenfassung der von dem
Ausschuß gewonnenen Ergebnisse in bezug auf einzelne Aspekte der Situation in Ungarn ist bestimmten Abschnitten als Anhang beigegeben.
Es erscheint jedoch in diesem Stadium angemessen, wenn eine Zusammenfassung einer Reihe von Schlußfolgerungen gegeben wird, zu denen der
Ausschuß bei seinem Studium des Beweismaterials als Ganzem gelangte.
Diese Schlußfolgerungen stellen nach bestem Wissen des Ausschusses die
wesentlichen Tatsachen über den ungarischen Aufstand heraus, wie sie
für ein Verständnis seines Wesens und seines Ausgangs notwendig sind.
Es sind die folgenden:
I
Was im Oktober und November 1956 in Ungarn vor sich ging, war ein
spontane^ auf eine seit langem bestehende Unzufriedenheit zurückzuführender Aufstand der Nation. Zu den Ursachen der Unzufriedenheit
zählte auch der untergeordnete und benachteiligte Status, den Ungarn
in bezug auf die Sowjetunion einnahm. Das ungarische Regierungssystem
wurde zum Teil durch die Waffe des Terrors aufrechterhalten, die durch
die AVH oder politische Polizei geführt wurde, deren Macht mindestens
bis Ende 1955 durch ein verwickeltes Netz von Agenten und Spitzeln
ausgeübt wurde, das das gesamte ungarische Gemeinwesen durchdrang.
Aber auch in anderer Hinsicht schürte der von den Sowjets ausgeübte
Druck den Haß. Von der Unterdrückung jeder freien Meinungsäußerung
bis zur Einführung einer nach sowjetischem Muster gestalteten Uniform
für die ungarische Armee herrschte auf allen Gebieten des Lebens in
Ungarn ein fremder Einfluß. Die Ungarn hegten gegen den einzelnen auf
ungarischem Boden stationierten Sowjetsoldaten keine persönliche Feindschaft, doch waren diese Truppen gleichsam das Symbol für etwas, das
einem stolzen Volk lästig wurde und den Wunsch nach Freiheit nährte.

II

- 2-

�"AMERIKA DIENST"

19. Juni 1957
II

Die These, daß der Aufstand von reaktionären Kreisen in
Ungarn angestiftet wurde, und daß er seine Stärke aus diesen
Kreisen sowie von westlichen 'Imperialisten' herbezog, hielt
der Untersuchung des Ausschusses vom Anfang bis zum Ende nicht
stand. An der Spitze des Aufstandes standen Studenten, Arbeiter,
Soldaten und Intellektuelle, von denen viele Kommunisten oder
ehemalige Kommunisten waren. Die meisten politischen Forderungen,
die während der Revolution unterbreitet wurden, enthielten die
Bedingung, daß ein demokratischer Sozialismus die Grundlage für
die politische Struktur Ungarns sein solle und daß solche sozialen
Errungenschaften wie die Landreform gesichert werden sollten.
Zu keinem Zeitpunkt wurde irgendein Vorschlag unterbreitet,
der die Rückkehr irgendeines Politikers aus den Vorkriegstagen an
die Macht oder in die Regierung vorsah. Schwer bewaffnete
'Faschisten' und 'Saboteure' hätten nicht auf den unter sowjetischer Überwachung stehenden ungarischen Flugplätzen landen oder
die österreichische Grenze überschreiten können, wo die österreichischen Behörden den Militärattaches Frankreichs, Großbritanniens,
der USA und der Sowjetunion die Existenz einer Sperrzone vor Augen
führten.
III
Der Aufstand wurde nicht in voraus geplant. Übereinstimmend
wurde von den Zeugen, die der Ausschuß hörte, ausgesagt, daß die
Ereignisse für alle Beteiligten überraschend kamen. Es gibt keine
genaue Erklärung dafür, warum der Aufstand gerade zu diesem Augenblick losbrach. Kommunistische Sprecher, darunter Herr Kadar und
die Mitglieder der gegenwärtigen Regierung, haben die große Unzufriedenheit des ungarischen Volkes vor dem 23.Oktober anerkannt.
Sie haben von einer 'breiten Volksbewegung' gesprochen, die durch
die 'Bitterkeit und Entrüstung' der Massen hervorgerufen wurde.
Offensichtlich haben zwei Faktoren dieses Ressentiment auf die Spit
getrieben: Der eine dieser Faktoren war die am 19»0ktober verbreitete Nachricht von erfolgreichen polnischen Maßnahnen zur Erlangung
einer größeren Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Diese Nachricht
war in erster Linie ausschlaggebend dafür, daß die ungarischen
Studenten am 22.Oktober zu Versammlungen zusammenkamen. Der zweite
Faktor war die akute Enttäuschung, die die Bevölkerung erfaßte,
als Herr Ernö Gero, der erste Sekretär des Zentralkomitees der
ungarischen Arbeiter (Kommunistischen)-Partei in einer Rede am
Abend des 22.Oktober keiner der von der Bevölkerung erhobenen
Forderungen entsprach, und sich eines Tones bediente, der von
seinen Zuhörern als grob empfunden wurde.
IV

�19. Juni 1957

"ALIERIKA DIENST"
IV

Obwohl es keinen Beweis für eine Vorausplanung gibt, und obwohl
der gesamte Verlauf des Aufstandes den Stempel einer fortgesetzten
Improvisation trägt, hat es dennoch den Anschein, daß von den sowjetischen Stellen bereits am 20.Oktober Schritte unternommen wurden, um
eine bewaffnete Intervention in Ungarn zu ermöglichen. Beweise für
Truppenbewegungen und geplante Truppenverschiebungen liegen von diesem
Zeitpunkt an vor. Es scheint, daß Aktionspläne bereits einige Zeit,
bevor die Studenten zur Erörterung ihrer Forderungen zusammentraten,
ausgearbeitet worden waren. Der Ausschuß ist nicht in der Lage, zu
sagen, ob die sowjetischen Stellen voraussahen, daß die Unzufriedenheit im ungarischen Volk, die durch die Ereignisse in Polen noch verstärkt wurde, nicht länger eingedämmt werden konnte. Während das vorliegende Beweismaterial auf der einen Seite zeigt, daß sowjetische
Truppen außerhalb Ungarns schon bei der ersten Intervention eingesetzt
wurden, gibt es doch keine Bestimmung des Warschauer Vertrages, die
eine Intervention durch bewaffnete sowjetische Streitkräfte vorsieht,
um politische Entwicklungen innerhalb der Grenzen eines der Signatarstaaten gewaltsam zu beeinflussen. Anzeichen einer Opposition gab es
schon vor dem 23.Oktober. Die ungarische Regierung mußte voraussehen,
daß Unruhen im Entstehen waren.
V
Die Demonstrationen des 23«Oktober waren zunächst völlig friedfertiger Natur. Keiner der Demonstranten scheint bewaffnet gewesen
zu sein. Und es ergaben sich keine Beweise dafür, daß irgendeiner der
Leute, die politische Forderungen stellten oder sich den Demonstranten
anschlössen, die Absicht hatte, zur Gewalt Zuflucht zu nehmen. Wenn
die Enttäuschung über die Rede Herrn Geros die Menge auch verärgert
haben mag, so dürfte dies allein doch kaum genügt haben, um die Demonstration zu einem bewaffneten Aufstand auszuweiten. Daß dies geschah, ist auf
die Maßnahmen der AVH zurückzuführen, die auf die Menschen vor dem Rundfunkgebäude das Feuer eröffnete. Innerhalb weniger Stunden waren sowjetische Panzer gegen die ungarische Bevölkerung eingesetzt. Dieses Auftreten russischer Soldaten unter der Bevölkerung, und zwar nicht als
befreundete Alliierte, sondern als im Kampf stehende Feinde, führte
zu einem noch festeren Zusammenschluß der Bevölkerung.
VI
Dunkelheit umgibt die Aufforderung, die angeblich von der ungarischen Regierung an die sowjetischen Stellen gerichtet wurde und in der
um Unterstützung ersucht wurde, um den Aufstand mit Gewalt zu unterdrücken.
Herr Nagy hat geleugnet, daß von ihm eine solche Aufforderung ergangen
ist oder daß er auch nur Kenntnis von ihr hätte - und alles spricht für
die Wahrheit seiner Behauptung. Nachdem am 24«0ktober gegen zwei Uhr morgens sowjetische Panzer auf den Straßen Budapests erschienen waren, wäre
es für Herrn Nagy unmöglich gewesen, irgendeine offizielle Botschaft an
die sowjetischen Stellen zu richten, da er zu der Zeit, als die Panzer
ihre Befehle erhalten haben müssen, kein Regierungsamt bekleidet hatte.
Eine

�"AMERIKA DIENST"

19. Juni 1957

Eine solche Aufforderung mag privat von Herrn Gero, dem ersten Sekretär
des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, oder von Herrn Hegedüs,
dem Ministerpräsidenten,ausgegangen sein. Der Ausschuß hatte jedoch keine
Gelegenheit, den Text einer derartigen Aufforderung einzusehen oder die
genauen Umstände in Betracht zu ziehen, unter denen sie erfolgt sein
könnte. Ein Urteil darüber, ob eine solche Aufforderung überhaupt ergangen ist, sollte daher billigerweise nicht eher gefällt werden als bis
weitere Informationen ans Licht gelangt sind»
Ähnliche Überlegungen gelten in bezug auf die Aufforderung, die angeblich an die sowjetischen Stellen vor der zweiten Intervention am
vierten November gerichtet wurde. Herr Kadar war weiterhin Mitglied der
Regierung Nagy geblieben, nachdem dieser am dritten November wieder eingesetzt worden war. Dem Ausschuß ist nicht bekannt, daß er irgendeinen nachweisbaren Hinweis auf die Ablehnung der Politik Herrn Nagys gegeben hat.
Über das Verhalten Herrn Kadars in dieser Zeit herrscht keine volle Klarheit, und seine eigene Behauptung, im Namen der Regierung um sowjetische
Hilfe nachgesucht zy. haben, kann nicht als erwiesen gelten. Auf jeden Fall
gibt es genügend Beweise dafür, daß die sowjetischen Vorbereitungen für
eine weitere Intervention einschließlich der Heranziehung von Truppen und
Bewaffnung aus dem Ausland seit den letzten Oktobertagen im Gange gewesen
sind. Herr Kadar und seine Minister waren während der ersten Tage nach
Bildung seiner Regierung nicht in Budapest, und die administrativen Anweisungen an die ungarische Bevölkerung ergingen von den Befehlshabern
der sowjetischen Truppen.
VII
Als Herr Nagy Ministerpräsident wurde, war er zunächst nicht in der
Lage, die vollen Machtbefugnisse dieses Amtes auszuüben. Erst nachdem der
Griff der AVH auf Grund des Sieges der Aufständischen gelockert war,
konnte er einen unabhängigen Standpunkt einnehmen. Zu diesem Zeitpunkt lag
die wahre Macht in Ungarn bei den Revolutions- und Arbeiterräten, die sich
in den verschiedenen Teilen des Landes spontan gebildet hatten und die an
die Stelle des zusammenbrechenden Gebäudes der Kommunistischen Partei traten.
Herr Nagy - obwohl selbst seit langem Kommunist, der viele Jahre in der
Sowjetunion zugebracht hatte - forderte Nichtkommunisten zur Teilnahme an
seiner neuen Regierung auf und schenkte den Forderungen der Revolutionsund Arbeiterräte Gehör. Es hat den Anschein, als ob Herr Nagy, wie überhaupt das ganze Land, durch den Gang der Ereignisse etwas überrascht gewesen ist. Nachdem er sah, daß seine Landsleute einig waren in dem V/unsch
nach anderen Regierungsformen und dem Abzug der sowjetischen Truppen, stellte er sich ganz auf die Seite der Aufständischen. Durch diesen Schritt verwischte er den Eindruck, den er hervorgerufen hatte, als er noch unter der
Herrschaft der AVH stand, und wurde somit zu einer symbolhaften Persönlichkeit des Aufstandes, obwohl dieser nicht auf sein Betreiben zurückging und Herr Nagy niemals der tatsächliche Führer der Erhebung war.

VIII

�"AMERIKA DIENST"

19. Juni 1957

VIII
Die wenigen Tage, in denen sich das ungarische Volk der Freiheit
erfreute, bringen eine Fülle von Beweisen für die Volkstümlichkeit der
Aufstandsbewegung. Eine freie Presse und freie Rundfunksendungen entstanden im ganzen Land und die Auflösung der Geheimpolizei wurde zum
Signal einer allgemeinen Freude, die das Ausmaß der im ungarischen
Volk erreichten Einheit enthüllte, nachdem der Druck der Furcht einmal
von ihm genommen war.
IX
Es gab eine Reihe von Lynchakten und körperliche Züchtigungen durch
die Volksmasse. Aber in fast allen Fällen waren diese auf Mitglieder
der Geheimpolizei oder Personen beschränkt, von denen man annahm, daß
sie mit der Geheimpolizei zusammengearbeitet hatten.

Während dieser Zeit wurden von den Arbeiterräten Schritte unternommen, um den Arbeitern wirklich die Kontrolle über die verstaatlichten Industriebetriebe zu geben und solche unpopulären Maßnahmen; wie
die Produktionsnormen aufzuheben. Diese wurden weitgehend abgelehnt,
weil man sie als unfair den Arbeitern gegenüber und auch als einen Ausdruck der vom Volk- mit Mißtrauen betrachteten geheimen Handelsabkommen
mit der UdSSR ansah, die der ungarischen Wirtschaft zugunsten der Sowjetunion, wie man meinte, schwere Lasten auferlegten. Während die Verhandlungen über den Abzug der russischen Truppen mit den sowjetischen Stellen weitergeführt wurden, begann man die Straßen Budapests aufzuräumen,
und das Leben nahm allmählich wieder seinen normalen Gang. Die Aufständischen hatten sich bereit erklärt, sich unter Beibehaltung ihrer besonderen Stellung in einer Nationalgarde zusammenzuschließen, die mit
Polizei und Heer für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich
sein sollte.
XI
Im Gegensatz zu der Forderung auf Wiederherstellung der politischen
Rechte, die während des Aufstandes erhoben wurde, steht die Tatsache,
daß die Grundrechte des ungarischen Volkes vor dem 23. Oktober, besonders bis zum Herbst 1955»durch die ungarischen Regierungen verletzt
wurden und daß solche Verletzungen seit dem 4» November wieder auftraten. Der Ausschuß ist überzeugt, daß die zahlreichen Berichte über die
unmenschliche Behandlung und die Folterungen von Seiten der AVH als wahr
zu akzeptieren sind. Auf Grund des Beweismaterials ist der Ausschuß ebenfalls überzeugt, daß zahlreiche Ungarn, darunter auch einige Frauen,
nach der Sowjetunion deportiert worden sind und daß einige vielleicht
noch nicht in ihre Heimat zurückgeschickt wurden. Diese Deportationen
sollten das Rückgrat der Revolution brechen. Durch die vom ungarischen

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"AMERIKA DIENST"

ungarischen Volk während seines spontanen Aufstandes ergriffenen Maßnahmen konnte für einige Tage der Apparat des Polizeiterrors abgeschafft werden. Diese demokratische Errungenschaft eines Volkes wurde
in der Tat durch eine Form der 'Gegenrevolution' bedroht, der sie dann
auch erlang. Diese 'Gegenrevolution' bestand jedoch darin, daß die
sowjetischen Streitkräfte Herrn Kadar und seine Kollegen an die Stelle
einer Regierung einsetzten, die sich der überwältigenden Unterstützung
des ungarischen Volkes erfreute.

XII
Seit der zweiten sowjetischen Intervention am vierten November
gibt es keinen Beweis dafür, daß die Regierung Kadar die Unterstützung
des Volkes hat. Herr Kadar hat nach .und nach die meisten Punkte vom
Revolutionsprogramm gestrichen, die er dem ungarischen Volk zunächst
versprochen hatte. In der Frage des Rückzuges der sowjetischen Truppen
hat er eine Wendung vollzogen, die von der völligen Annahme der Wünsche
der Nation bis zu der Weigerung reicht, diese Frage unter den gegenwärtigen Umständen zu erörtern. Schritt um Schritt hat er die Macht der
Arbeiter und die der Arbeiterräte zerstört. Streiks werden mit der
Höchststrafe geahndet. Recht und Gerechtigkeit wurden durch die Schaffung einer Sonderpolizei und durch die Bildung von Sonderger' chten sowie
dadurch verzerrt, daß die Rechte der Angeklagten ignoriert werden.
Die Sozialdemokratische Partei ist erneut unter Zwang aufgelöst worden.
Allgemeine Wahlen wurden um zwei Jahre verschoben. Schriftsteller und
Intellektuelle wurden Unterdrückungsmaßnahmen unterworfen. Die Arbeiterschaft Ungarns hat kein Zeichen dafür zu erkennen gegeben, daß sie die
Regierung Kadar unterstützt oder die Aussicht auf eine anhaltende sowjetische Besetzung begrüßt. Nur ein kleiner Bruchteil der 190 000 zum größten Teil jungen Ungarn, die aus dem Land geflohen sind, haben die Aufforderung Kadars, nach Ungarn zurückzukehren, angenommen. Die Landbevölkerung hat Grund, Herrn Nagy für seine Einstellung gegenüber der Kollektivierung der Landwirtschaft und der Zwangsabgaben an Agrarprodukten
dankbar zu sein.
XIII
Angesichts des Ausmaßes der ausländischen Intervention war die
Behandlung der ungarischen Frage durch die Vereinten Nationen rechtlich begründet; sie wurde darüber hinaus von einer legalen ungarischen
Regierung gefordert. Was die Menschenrechte angeht, so hat Ungarn im
Rahmen des Friedensvertrages spezifische internationale Verpfl'chtungen
übernommen. Daher ist der Ausschuß nicht der Ansicht, daß die Einwände,
die sich auf Paragraph 7, Artikel 2 der Charta stützen, im vorliegenden
Fall Gültigkeit haben. Ein massiver bewaffneter Übergriff eines Landes
auf das Gebiet eines anderen mit der offen eingestandenen Absicht,
sich in die inneren Angelegenheiten dieses Landes einzumischen, muß
auch nach der sowjetischen Definition einer Aggression zu einem internationalen Anliegen werden."
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./3.7.1957

DULLES UMREISST CHINA-POLITIK DER USA

SAN FRANCISCO - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der USAußenminister John Poster Dulles am 28.Juni 1957
auf einer Veranstaltung der "Lions, International",
einer internationalen Vereinigung von Geschäftsleuten und Vertretern akademischer Berufe, in
San Francisco gehalten hat.
"Es ist angebracht, daß wir uns hier in San Francisco, dieser
großen Stadt, die zum Fernen Osten blickt, mit der amerikanischen
Politik gegenüber dem Kommunismus in Chine befassen. Auf dem chinesischen Festland werden sechshundert Millionen Menschen von der
Chinesischen Kommunistischen Partei beherrscht. Diese Partei kam
durch Gewalt an die Macht und hat sich bisher durch Gewalt am Leben
gehalten. Sie bezieht ihre Macht nicht durch den Willen des chinesischen Volkes, sondern durch massive und gewaltsame Unterdrückung.
Sie bekämpfte die Vereinten Nationen in Korea, unterstützte den
kommunistischen Krieg in Indochina und eroberte Tibet mit Gewalt.
Sie stiftete die kommunistische Huk-Rebellion auf den Philippinen
und die kommunistischen Aufstände in Malaya an. Die Chinesische
Kommunistische Partei verhehlt nicht ihre expansionistischen Ziele.
Sie bringt den Vereinigten Staaten bitteren Haß entgegen, die sie
als Haupthindernis auf ihrem Eroberungsweg ansieht.
Angesichts dieser Bedingungen haben die Vereinigten Staaten
moralisch und materiell die freien Länder im westlichen Pazifik
und in Südostasien unterstützt. Unsere Sicherheitsverträge stellen
klar, daß ein Angriff auf die Nationen von Seiten des internationalen Kommunismus als eine Gefährdung unseres eigenen Friedens und
unserer eigenen Sicherheit angesehen würde und daß wir entsprechende Maßnahmen ergreifen würden.
Zusammen stellen wir eine recht ansehnliche Gemeinschaft und
ein festes Bollwerk gegen e'ine Aggression dar.
In bezug auf China haben wir uns jeder Maßnahme enthalten,
die das kommunistische Regime in moralischer, politischer und
materieller Hinsicht fördern würde. Daher haben wir unsere diplomatische Anerkennung nicht auf das Regime der chinesischen Kommunisten ausgedehnt; wir haben mit dem kommunistischen China keinen
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�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

keinen Handel getrieben und keinen Kulturaustausch mit ihm sanktioniert.
Dies war und ist unsere Politik. So wie wir dies überall tun,
unterliegt auch diese Politik von Zeit zu Zeit einer Überprüfung.
Wenn wir unsere Chinapolitik überblicken, so rufen wir uns - und
dies ist ganz natürlich und angemessen - unsere Politik in bezug
auf die Anerkennung des, kommunistischen Rußlands ins Gedächtnis
zurück.
Im Jahre 1917 übernahmen die Bolschewisten von Kerenski die
Macht. Nichtsdestoweniger haben wir 16 Jahre lang die Vertreter der im
Exil lebenden Kerenski-Regierung als die gesetzliche Regierung Rußlands anerkannt. Um 1933 hatte es den Anschein, daß das kommunistische Regime als ein friedliches Mitglied der Völkergemeinschaft angesehen werden könnte. Seit über einem Jahrzehnt hatte es keine bewaffnete Aggression begangen. Es hatte die Unabhängigkeit von Estland,
Lettland, Litauen und von Polen anerkannt. Es hat amerikanische
Staatsbürger nachweislich nicht schlecht behandelt. Es versprach,
die Wühltätigkeit in den USA abzustoppen, amerikanische Rechte in
Rußland zu respektieren und die öffentlichen und privaten Schulden
Rußlands gegenüber den USA zu begleichen.
Um 1933 hatten wir auch den Wunsch, das sowjetische Regime in
seinem Widerstand gegen die aggressive Pernost-Politik Japans zu
bestärken. Durch den gleichen Beweggrund inspiriert, hatte die
Republik China die sowjetische Regierung im Dezember 1932 anerkannt,
und nach kurzer Zeit folgten wir nach.
Wir brauchen die Richtigkeit dieser Anerkennung im Lichte der
damaligen Umstände nicht in Frage zu stellen. Auf Grund fast aller
Überprüfungen schien eine Anerkennung angezeigt, und die Zukunft
konnten wir nicht lesen.
Es kann, so meine ich, jedoch mit Überzeugung gesagt werden,
daß eine Anerkennung der Sowjetunion selbst 1933 noch nicht erfolgt
wäre, hätte es irgendwelche klaren Warnungen gegeben, daß die sowjetischen Versprechungen in diesem Zusammenhang völlig unzuverlässig
seien, daß Aggressionskriege schon sehr bald ein Instrument der
Sowjetpolitik würden, und daß sich die Sowjetunion gegenüber der
japanischen Aggression in Asien neutral Verhalten würde.
Im Falle des kommunistischen China sind wir vorgewarnt. Dieses
Regime besteht nicht einmal jene Prüfungen, die das sowjetische
Regime nach 16 Jahren zu bestehen schien.
Erstens: 1933 hatte Sowjetrußland über ein Jahrzehnt lang mit
seinen Nachbarländern in friedlichen und nichtaggressiven Beziehungen
gelebt, die Geschichte des kommunistischen China ist eine Geschichte
der bewaffneten Aggression.
Zweitens: Das sowjetische Regime schien für die Zukunft den
Frieden zu wünschen. Im Falle des kommunistischen China ist die

�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

die Situation völlig ungeklärt. Zur Zeit der Bandung-Konferenz erklärte Tschu En-lai, daß das 'chinesische Volk keinen Krieg mit
den Vereinigten Staaten wünscht und bereit ist, internationale
Streitfälle auf friedlichem Wege beizulegen'. Als die USA ihn jedoch beim Wort nahmen und eine ausdrückliche gegenseitige Verzichterklärung über die Anwendung von Gewalt anstrebten,, teilte sein
Botschafter, nachdem er zunächst verschiedene ausweichende Formulierungen vorgebracht hatte, schließlich offen mit, sein Regime
beabsichtige, bewaffnete Gewalt anzuwenden, um Formosa in die
Hand zu bekommen, sofern dies nicht auf andere Weise erreicht
werden könne.
Drittens: 1933 verletzte die Sowjetunion nicht in flagranter
Weise ihre internationalen Verpflichtungen. Das kommunistische
Regime Chinas verletzt laufend den koreanischen Waffenstillstand aus
dem Jahre 1953 und den Waffenstillstand für Indochina aus dem Jahre 1954»
Viertens: Es bestand Grund zur Hoffnung, daß das Sowjetregime
unsere Staatsbürger mit Achtung behandelt. Das kommunistische Regime
Chinas tritt unter Mißachtung der Grundregeln des internationalen Anstands die Rechte unserer Bürger mit den Füßen und hat seine 1955 gegebene Zusage gebrochen, sie freizulassen«
Fünftens: Im Jahre 1933 schien es, als ob das Sowjetregime und
die USA in bezug auf die Abwehr der japanischen Aggression im Fernen
Osten gemeinsame Interessen hätten. Heute stoßen die politischen
Zielsetzungen des kommunistischen China überall mit den unsrigen
zusammen.
Eine diplomatische Anerkennung des kommunistischen China durch die
USA würde die folgenden Konsequenzen haben:
Erstens: Die vielen auf dem chinesischen Festland lebenden
Chinesen, die,wie Mao Tse-tung kürzlich zugegeben hat, den Charakter
ihrer Regierung ändern wollen, würden sehr stark entmutigt werden.
Zweitens: Die Millionen in Übersee lebenden Chinesen würden
den Eindruck bekommen, daß es kein freies China mehr gibt, auf das
sie blicken könnten. Heute geht eine immer größere Anzahl dieser im
Ausland lebenden Chinesen nach dem freien China, um dort zu studieren.
Vor sechs Jahren studierten weniger als hundert Chinesen aus Südostasien und Hongkong auf Formosa. Jetzt beträgt ihre Zahl fast fünftausend.
Die Zahl der chinesischen Studenten, die aus Übersee nach dem freien
China kommen, hat sich von Jahr zu Jahr vergrößert. Die Zahl derer, die
nach dem kommunistischen China gehen, ist gesunken, und Hunderte von
enttäuschten Studenten sind in den vergangenen zwei Jahren von dem
chinesischen Festland geflohen.
Wenn die Vereinigten Staaten das kommunistische Regime Chinas
anerkennen würden, dann würden Millionen von in den freien asiatischen
Ländern lebenden Chinesen nach und nach die Richtlinien des kommunistischen Regimes akzeptieren. Dies wäre eine Tragödie für sie, und es würde

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�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

würde die mit uns befreundeten Regierungen, die bereits durch die chinesische kommunistische Subversion bedroht sind, noch mehr gefährden.
Drittens: Die Republik China würde das Gefühl haben, von ihrem
Freund im Stich gelassen zu sein. Diese Regierung war im zweiten Weltkrieg unser Verbündeter und hatte lange davor die Hauptlast des fernöstlichen Krieges getragen. Sie hatte zahlreiche verlockende Gelegenheiten, einen Kompromiß mit den Japanern abzuschließen, der für die USA recht
schädliche Konsequenzen gehabt haben würde. Sie hat dies niemals getan.
Wir verurteilen die Sowjets, weil sie 1945 ihre im Rahmen eines zwanzigjährigen Vertrages enthaltene Zusage nicht eingelöst haben, die chinesische Nationalregierung als die Zentralregierung anzuerkennen. Wir sind
es unserer Ehre schuldig, unserem Verbündeten gegenüber, dem wir uns
auf Grund eines gemeinsamen Verteidigungspaktes verpflichtet fühlen,
die Treue zu bewahren.
Viertens: Die freien asiatischen Regierungen im pazifischen Raum
und in Südostasien würden außerordentlich verwirrt sein. Sie befinden
sich nahe der riesigen chinesischen Landmasse. Geographisch und in gewissem Ausmaß auch in politischer Hinsicht unterscheiden sie sich voneinander. Der Geist und die Entschlossenheit der USA üben einen bedeutsamen
einigenden und stärkenden Einfluß aus, lenn wir uns den Anschein geben,
unentschlossen zu sein und mit dem chinesischen Kommunismus einen Kompromiß abzuschließen, dann würde dies seinerseits den Widerstand im
freien Asien gegenüber dem Kommunismus schwächen und dem internationalen
Kommunismus in seinen Bemühungen, uns einzukreisen, zu einem großen Sieg
verhelfen.
Eine Anerkennung des kommunistischen China durch die Vereinigten
Staaten würde es wahrscheinlich machen, daß das kommunistische Regime
den Sitz Chinas in den Vereinten Nationen erhält. Das wäre weder im Interesse der Vereinigten Staaten noch in Interesse der Vereinten Nationen.
Die Vereinten Nationen sind keine Besserungsanstalt für böse Regierungen.
Sie sollen vielmehr eine Gemeinschaft solcher Nationen sein, die 'friedliebend sowie bereit und willens sind, den Verpflichtungen der UN-!-Charta
nachzukommen'. Und die grundlegende Verpflichtung ist, der internationalen Anwendung von Gewalt zu entsagen, es sei denn, man verteidigt sich
gegen einen bewaffneten Angriff«
Das chinesische kommunistische Regime blickt auf eine Vergangenheit
unablässiger bewaffneter Aggressionen zurück, darunter auch einen Krieg
gegen die Vereinten Nationen selbst. Ein Krieg, der zwar noch nicht politisch gelöst, aber doch durch einen Waffenstillstand beendet worden
ist. Das Regime behauptet nicht nur ein Recht zu haben, sondern bezeichnet es geradezu als sein Ziel, nötigenfalls unter Gewaltanwendung Formosa
unter seine Herrschaft zu bringen.
Die Republik China hat Anspruch auf einen permanenten Sitz und ein
•Vetorecht' im Weltsicherheitsrat. Sollte nun ein Regime, das in sieben
Jahren fünf Kriege auf ausländischem Boden und im eigenen Lande - in
Korea, Indochina, Tibet, den Philippinen und Malaya - angestiftet hat.

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�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

hat, das selbst gegen die Vereinten Nationen gekämpft hat und von diesen
als Aggressor gebrandmarkt wurde, und das offen seine Absicht proklamiert, weiterhin Gewalt anzuwenden - sollte dieses Regime einen ständigen Sitz mit Vetorecht in einer Organisation erhalten, die gemäß ihrer
Charta "die Hauptverantwortung für die Erhaltung des Weltfriedens und
der Sicherheit auf der Welt trägt'?
Das kommunistische Rußland beeinträchtigt mit seinem Vetorecht bereits sehr ernsthaft die Fähigkeit der Vereinten Nationen, diesen ihren
gesetzten Zielen zu dienen. Würde das kommunistische China nt^n auch noch
ein permanentes Mitglied des Weltsicherheitsrates mit Vetorecht werden,
so würde das - wie ich fürchte - in die Vereinten Nationen den Keim zu
ihrer eigenen Zerstörung tragen.
Ich möchte mich nun der Frage der Handels- und Kulturbeziehungen
zuwenden, die bis zu einem begrenzten Ausmaß auch ohne Anerkennung bestehen könnten. Ein normaler friedlicher Handel mit China, aus dem sowohl das amerikanische als auch das chinesische Volk Nutzen ziehen würde,
könnte im gemeinsamen Interesse liegen. Aber es hat den Anschein, als
ob diese Art von Handel in einem nennenswerten Ausmaß nicht möglich ist.
Der Handel mit dem kommunistischen China ist kein freier Handel.
Er bietet dem jeweiligen Land nicht das, was seine Bevölkerung wünscht,
aber selbst nicht produzieren kann im Austausch für das, was andere
Länder wünschen, aber wiederum nicht selbst herstellen können. Der
Handel mit dem kommunistischen China steht unter der absoluten Kontrolle
eines staatlichen Apparates, und die begrenzten Devisenbeträge des
kommunistischen China werden dazu verwendet, so schnell wie möglich eine
ungeheure Militärmaschine sowie eine Schwerindustrie aufzubauen, die
diese unterstützt. Der Hauptwunsch dieses Regimes richtet sich auf Werkzeugmaschinen, elektronische Ausrüstungen und ganz allgemein auf solche
Dinge, mit deren Hilfe man Panzer, LKWs, Flugzeuge, Munition sowie andere
militärische Ausrüstungsgegenstände herstellen kann.
Was andere auch immer tun mögen, so sollten die USA, die in dem
chinesischen Raum schwerwiegende Sicherheitsverpflichtungen eingegangen
sind, nicht die militärische Stärke ihres möglichen Feindes aufbauen.
Wir zweifeln auch den Wert eines Kulturaustausches an, den zu verwirklichen die chinesischen Kommunisten so begierig sind. Sie wollen
diese Beziehungen zu den USA hauptsächlich deshalb aufnehmen, weil es
dann für die nächsten Nachbarn Chinas schwierig sein würde, diesem einmal gegebenen Beispiel nicht zu folgen. Diese freien Nationen, die bereits einer intensiven Wühlarbeit der chinesischen Kommunisten ausgesetzt sind, könnten den von den Kommunisten gewünschten kulturellen
Austausch nicht durchführen, ohne dadurch die für diese Länder vorhandenen Gefahren wesentlich zu erhöhen.
Dies sind die Erwägungen, die für eine Beibehaltung unserer gegenwärtigen Politik sprechen. Was sind die Argumente der anderen Seite?
Es

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�"AMERIKA DIENST"

5. Juli 1957

Es gibt einige, die sagen, daß wir das kommunistische Regime diplomatisch anerkennen sollten, weil es jetzt so lange an der Macht ist,
so daß es ein Recht auf Anerkennung hat.
Dies ist kein gesundes Völkerrecht. Eine diplomatische Anerkennung
ist immer ein Privileg, niemals ein Recht.
Natürlich erkennen die Vereinigten Staaten an, daß das chinesische
kommunistische Regime existiert. Wir wissen sehr gut, daß es existiert,
denn es hat in Korea gekämpft. Wir geben auch zu, daß wir mit den chinesischen Kommunisten in bestimmten Sonderfällen, wo es unseren Interessen dienen könnte, verhandeln. Wir haben mit ihnen bei den koreanischen
und indochinesischen Waffenstillstandsabkommen verhandelt. Seit fast
zwei Jahren haben wir mit ihnen verhandelt, um unsere Staatsbürger freizubekommen und eine gemeinsame Erklärung über die Ablehnung von Gewaltanwendung zu erreichen, und diese Verhandlungen dauern immer noch an.
Eine diplomatische Anerkennung jedoch gibt dem auf diese Weise
anerkannten Regime wertvolle Rechte und Privilegien, und in der heutigen Welt bedeutet eine Anerkennung durch die Vereinigten Staaten
für eine Regierung einen großen Prestigegewinn und eine Steigerung
des Einflusses im eigenen Lande und im Ausland.
Natürlich kann man eine diplomatische Anerkennung nicht nach Laune,
und Willkür einem Lande vorenthalten. In dieser Frage wie auch in anderen bemühen sich die Vereinigten Staaten in Einklang mit den Prinzipien zu handeln, die zu einer Weltgemeinschaft der Ordnung und des
Rechts führen.
Ein Maßstab, der oft angelegt wird, ist, ob ein Regime wirklich
fähig ist, zu regieren. Dies ist jedoch in keiner Weise ein ausschlaggebender Faktor. Oft unterhalten Länder mit Exilregierungen diplomatisch
Beziehungen. Und sie verweigern häufig denen, die~*die wirkliche Macht
haben, die Anerkennung«
Andere Maßstäbe, die normalerweise angelegt werden, sind, um mit
Thomas Jefferson zu sprechen, ob die anerkannte Regierung den von der
Mehrheit getragenen Willen der Nation zum Ausdruck bringt, ob die Regierung dem Kodex zivilisierter Nationen Rechnung trägt, ob sie in
Frieden lebt und ihren internationalen Verpflichtungen nachkommt.
Immer ist die Anerkennung jedoch zugegebenermaßen ein Instrument
der nationalen Politik, das dem vernünftigen Eigeninteresse dienen soll.
Etwas ist ohne Zweifel erwiesen. Es besteht hinsichtlich der Anerkennung kein Automatismus. Nichts wird durch einen bloßen Zeitablauf
erzwungen.
Ein weiteres Argument geht dahin, daß eine diplomatische Anerkennung unvermeidlich ist, warum also nicht jetzt?
Lassen

�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

Lassen Sie mich zunächst mit allem Nachdruck betonen, daß sich
die USA niemals dem Argument der 'Unvermeidlichkeit1 unterworfen haben.
Wir sind der Ansicht, daß wir gemeinsam mit unseren Freunden unser
eigenes Schicksal meistern können. Wir erkennen die Oberherrschaft der
kommunistischen Streitkräfte nicht an.
Und nun lassen Sie mich weiter betonen, daß der Despotismus kommunistischen Typs nicht so unveränderlich ist, wie dies manchmal den Anschein hat. Zeit und Umstände wirken sich auch auf ihn aus.
Es entsteht oft ein täuschendes Bild aus der Tatsache, daß die
Polizeistaaten durch Unterdrückung der in ihnen herrschenden Differenzen den Eindruck der Beständigkeit und Festigkeit machen, während die
Demokratien mit ihren Oppositionsparteien und ihren verschiedenen und
dissonanten Meinungsäußerungen als instabile, nachgiebige Mitglieder
der Weltgemeinschaft erscheinen.
In Wirklichkeit jedoch hat ein Regierungssystem, das die Verschiedenheit und Vielfalt toleriert, Aussicht auf eine lange Lebensdauer,
während ein System, das die Konformität aufzuzwingen sucht, stets
in Gefahr schwebt. Das ergibt sich aus der Grundnatur des Menschen. Von
allen Argumenten, die für eine Anerkennung des kommunistischen China
vorgetragen werden, ist das Argument der -'Zwangsläufigkeit1 das am wenigsten zwingende.
Es gibt einige, die der Ansicht sind, daß die chinesischen Kommunisten schließlich mit Sowjetrußland brechen, wenn wir zu ihrer Stärkung beitragen, und daß darin unsere beste Hoffnung für die Zukunft
liege.
Ohne Zweifel gibt es in Asien grundlegende Machtstreitigkeiten
zwischen Rußland und China. Auf der anderen Seite sind die kommunistischen Parteien Rußlands und Chinas durch enge ideologische Bande
verbunden.
Vielleicht werden die chinesischen Kommunisten, wenn ihre Ambitionen von Erfolg gekrönt sind, schließlich einmal mit Sowjetrußland
zusammenstoßen. Vielleicht würden auch die Achsenmächte, hätten sie den
zweiten Weltkrieg gewonnen, einmal auseinandergefallen sein.
Aber niemand hat vorgeschlagen, daß wir einen Sieg der Achsenmächte tolerieren und sie sogar unterstützen sollten, damit sie sich
am Ende wegen der Beute in den Haaren liegen - einer Beute, zu der
auch wir gehört hätten v
Wir.streben eine Überprüfung unserer Chinapolitik - von einer gewissen Entrüstung über die immer noch andauernde schimpfliche Behandlung der amerikanischen Bürger in China abgesehen - offenen Sinnes und
ohne Gefühlsaufwallungen an. Wir sind auch in keiner Weise der Ansicht,
daß eine Änderung lediglich im Interesse der Beständigkeit oder nur
deshalb vermieden werden soll, weil dies frühere Fehler implizieren

�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

Wir behalten stets die Möglichkeit im Auge, daß das kommunistische
Regime günstig beeinflußt und auf einen besseren Weg gebracht werden
könnte, wenn wir mit ihm diplomatische Beziehungen unterhielten, oder
wenn wir ohne solche Beziehungen Handels- und Kulturkontakte mit ihm
hätten. Die Erfahrungen jdoch, die diejenigen hatten, die jetzt das
rotchinesische Regime anerkannt und mit ihm zu tun haben, überzeugt
uns, daß angesichts der gegenwärtigen Lage weder eine Anerkennung noch
Handels- oder Kulturbeziehungen oder alle drei den Gang der Dinge in
China beeinflussen werden. Auf innerpolitischem Gebiet würde das Ergebnis wahrscheinlich das Gegenteil dessen sein, was wir anstreben.
International gesehen entspricht das kommunistische Regime Chinas
nicht den Praktiken zivilisierter Länder; es kommt seinen internationalen Verpflichtungen nicht nach, hat sich in der Vergangenheit keineswegs friedfertig verhalten und läßt kein Anzeichen eines friedfertigen
Verhaltens für die Zukunft erkennen. Es treibt eine feindliche Politik
gegenüber den USA und gegenüber unseren asiatischen Verbündeten. Unter
diesen Umständen wäre es geradezu töricht, wenn wir zu den chinesischen
Kommunisten Beziehungen herstellen würden, die ihre Fähigkeit, uns und
unsere Freunde zu verletzen, noch fördern würden.
Sie mögen fragen: Und was in Zukunft? Ist unsere Politik rein
negativ? Haben wir irgendeine Aussicht, die.zahlreichen freundschaftlichen Verbindungen wieder aufzunehmen, die das amerikanische Volk seit
vielen Generationen zum chinesischen Volk unterhalten hat und die wir
gerne wieder unterhalten möchten?
Sehen wir irgendeine Möglichkeit, daß die potentiell große chinesische Nation mit ihrer reichen, alten Kultur und Weisheit jemals wieder in der Lage sein wird, eine konstruktive Rolle im Rat der Völker zu
spielen?
Mit ganzer Zuversicht bejahen wir diese Fragen, diese Zuversicht
basiert auf gewissen fundamentalen Glaubenssätzen. Einer ist, daß wir
an die Zukurvft der menschlichen Freiheit glauben. Wir wissen, daß die
materialistische Herrschaft des internationalen Kommunismus niemals
in dauerhafter Weise den Hoffnungen und Wünschen dienen wird, die
unser Schöpfer in uns hineingelegt hat.
In der
stalinscher
sogar zwölf
überzeugen,
dividuellen

Sowjetunion mußten sich die Herrscher von dem Kommunismus
Prägung distanzieren. In den Satellitenstaaten konnten
Jahre weltanschaulicher Schulung die Völker nicht davon
daß das sowjetische System ihre nationalen oder ihre inWünsche zufriedenstellt.

Dem chinesischen Volk ist der Kommunismus in gleicher Weise zuwider. Wir lesen die tapferen Worte, die ein Universitätslehrer jüngst
in Rotchina gesprochen hat: 'Euch Kommunisten zu stürzen, kann nicht
unpatriotisch genannt werden, weil, ihr Kommunisten nicht mehr länger
dem Volk dient 1 .
Das

�3. Juli 1957

"AMERIKA DIENST

Das chinesische Volk setzt sich letzten Endes auch aus Einzelmenschen mit einem persönlichen Willen zusammen. Wir können in unserer
Politik vertrauensvoll von der Grundannahme ausgehen, daß das Prinzip
der strikten Konformität des internationalen Kommunismus in China wie
auch sonst in der Welt eine vorübergehende Phase und kein Dauerzustand
sein wird. Wir sind es uns selbst, unseren Verbündeten und auch dem
chinesischen Volk schuldig, alles in unseren Kräften Stehende zu tun,
um das Zuendegehen dieser Phase zu beschleunigen.
Wenn wir der Ansicht wären, daß durch Handels- und Kulturbeziehungen dieser Prozeß beschleunigt werden könnte, dann würden wir solche
Beziehungen haben.
Wenn wir der Ansicht wären, daß mit der Herstellung von diplomatischen Beziehungen zu dem derzeitigen Regime dieser Prozeß beschleunigt
würde, dann würden wir solche Beziehungen haben.
Und wir würden uns auch nicht der Beteiligung des derzeitigen
chinesischen Regimes an der Arbeit der Vereinten Nationen widersetzen,
wenn wir der Meinung wären, daß damit das Ende dieser Phase schneller
herbeigeführt werden könnte.
Wir sollten unsere Politik ständig prüfen, und wir tun dies auch,
um so gewiß wie möglich darüber zu sein, daß unsere Politik angesichts
der Bedingungen, wie sie von Zeit zu Zeit herrschen, den großen Zielsetzungen dientf
denen sich unsere Nation seit ihrer Gründung verschrieben hat - der Sache des Friedens, der Gerechtigkeit und der
menschlichen Freiheit.
Unsere Politik ist stets anpassungsfähig, um den Erfordernissen
der wechselnden Bedingungen Rechnung zu tragen. Es gibt aber Gegebenheiten, wo die anderen und nicht wir die Änderung herbeiführen sollten.
Nichts könnte für die USA gefährlicher sein als wenn sie bei ihren
Handlungen sich von der Theorie leiten lassen, daß falls feindliche
und böse Kräfte sich nicht schnell und bereitwillig ändern, sie sich
selber ändern müssen, um diesen Kräften zu begegnen.
Die Vereinigten Staaten üben in der Welt von Heute einen gewaltigen Einfluß aus. Nicht nur, weil sie mächtig sind, sondern, weil sie für
den Frieden, für die nationale Unabhängigkeit und für die persönliche
Freiheit eintreten. Zahlreiche freie Nationen bemühen sich, ihre Außenpolitik mit der unsrigen zu koordinieren. Eine solche Koordinierung
ist in der Tat unerlässlich, wenn die freie Welt den Zusammenhalt
haben soll, der nötig ist, um sie zu sichern. Die Politik der Vereinigten Staaten würde aber niemals als ein Kristallisationspunkt für
freie Völker dienen, wenn der Eindruck entstünde, daß unsere Polit'k
sich ändert, um den kommunistischen Wünschen zu entsprechen, und zwar
aus keinem anderen Gründe als dem, daß der Kommunismus sich nicht zu
ändern wünscht. Wenn der Kommunismus starrköpfig an dem Falschen

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�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

Falschen festhält, dann wollen wir standhaft im Guten und Richtigen
bleiben.
Die Fähigkeit zum Wandel ist eine unerlässliche Fähigkeit. Gleichermaßen unerlässlich ist die Fähigkeit, an dem festzuhalten, was gut
ist. Wenn diese Qualitäten gegeben sind, dann können wir hoffnungsvoll
den Tag erwarten, wo jene Menschen in Asien, die noch frei sind, zuversichtlich frei bleiben werden und wo das chinesische Volk und das
amerikanische Volk ihre lange Geschichte der kooperativen Freundschaft
fortsetzen können".

* » * * *

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�A M E R I K A

D I

N S T

Allg./l0.7.i957
AMERIKAS ZIEL: DIE ERHALTUNG DES WELTFRIEDENS

BOSTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede von Francis 0.
Wilcox, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, die dieser am 27» Juni 1957 auf der
Biennale des Amerikanischen Akademikerinnenverbandes in Boston gehalten hat.
Wenn ich an diesem Nachmittag zu Ihnen über die Verantwortung des
Staatsbürgers an der Weltpolitik Spree he, werde ich zu Problemen Stellung nehmen, denen Sie persönlich - d ais Organisation ein gut Teil
ihrer Aufmerksamkeit widmen. Als Akade mikerinnen sind Sie für die
Übernahme von Verantwortu igen in ei:.e/ freien Gesellschaft erzogen
worden. Auch jene, die vo: auswärtigen Universitäten gekommen sind,
sind Repräsenta-.te.., die nicht weniger auf ein Loben der Vernunft,
der Toleranz und des Vers Lehens in ein er Gesellschaft vorbereitet
wurden, die ihre A. fgäbe meho im Wohle eh i des einzelnen als in
der Glorifizierung deo Staates sieht.
In dieser modernen Welt hat die ge enseitlg... Abhängigkeit voneinander uns alle zu Internationalisten gemacht. Die Welt ist so zusammengeschrumpft, daß uns k-,ine andere Wahl bleibt. Wir müssen zusammenstehen oder wir werden einzeln ntergehen.
Vor etwa einem halben Jahr mndeot sagte Präsident Theodore
Roosevelt einmal, d ß "die Vereinigter Staaten es sich nicht aussuchen können, ob sie in der Welt eine große Rolle spielen wollen. Sie
müssen ihre Rolle spielen. Alles, was zu entschoiden in Ihrer Macht
liegt, ist,ob sie sie gut oder schl-cht spielen wollen."
Die Wahl, die wir heute haben, wird u s von der Notwendigkeit
des Überleben-Müssens der Menschheit zudiktiert. Die Gefahr des
Atomkrieges, die über unseren Köpfen schwebt, läßt uns keine andere
Alternative als die, unseren Part gut und w_is- zu spielen.
Die beste Gewähr dafür ist eine, den Kurs der Weltereignisse
sorgfältig verfolgende, wohlinformierte Öffentlichkeit.

Amerikas

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�"AMERIKA DIENST"

10. Juli 1957

Amerikas führende Rolle
Ich wage zu sagen, daß die bemerkenswerteste Entwicklung in diesem
Jahrhundert die Rolle der verantwortlichen Führerschaft ist, die die Vereinigten Staaten in den vergangenen 17 Jahren in der Welt übernommen haben.
Die Vereinigten Staaten haben seit 1941 in der Tat eine umwälzende
Periode hinsichtlich ihrer Beziehungen zu anderen Nationen durchgemacht.
In dieser kurzen Zeitspanne sind wir aus unserer Isolierung herausgegangen und eine internationale Macht geworden; unsere Politik ohne
hindernde Bindungen ist einem komplexen System der Wirtschafts-, Verteidigungs- und politischen Bündnisse mit über 40 Nationen gewichen. Um klar
herauszustellen, wie die Zeiten sich geändert haben, brauchen wir nur
daran zu erinnern, daß wir an den Konferenzen des Völkerbundes, selbst in
der bescheidenen Rolle eines Beobachters, nur äußerst widerwillig teilgenommen haben.
Es war die Wahrung unserer nationalen Interessen, die uns zu dieser
dramatischen Wandlung gezwungen hat. Es wird oft vergessen, daß jeder bedeutende außenpolitische Zug auf der alles überschattenden Frage basiert,
inwieweit er das Wohlergehen und die Sicherheit des amerikanischen Volkes
fördert. Die Wirksamkeit unserer Politik muß danach beurteilt werden, wie
gut sie diesen Zwecken dient.
In keinem Land unterliegt die Außenpolitik einer so permanenten
Kontrolle wie in den USA. Und in keinem Land hat das Volk in außenpolitischen Fragen so viel mitzureden. Schon unser Haushaltsystera sorgt für
diese jährliche Überprüfung.
Es ist richtig, daß dieses Vorgehen unsere Freunde und Verbündeten,
die unser System der checks and balances, der Kontrollen und Ausgleichsmaßnahmen,vielleicht nicht verstehen, zuweilen bestürzen mag. Aber es
hat den großen Vorteil, daß unsere politischen Entscheidungen, wenn sie
gefallen sind, von der Mehrheit einer gutinformierten Führerschaft im
Kongreß, in der Exekutive und im Volke gestützt werden. Ein Tatbestand,
der auch dafür bürgt, daß diese Entscheidungen kraftvoll und zuverlässig
durchgeführt werden. Er verbürgt ferner ihre moralische Vertretbarkeit,
denn andere würde unser Volk nicht dulden.
Ich möchte ein Wort sagen über die einzigartige Weise, in der Amerika
seine führende Aufgabe in der Weltpolitik erfüllt. Andere Länder haben
im Laufe der Jahrhunderte ihren Einfluß verstärkt, ihre Grenzen geweitet; sie haben aus persönlichem Ehrgeiz ihrer Führer, aus religiösen
Gründen,um den Handel zu fördern und Reichtümer anzuhäufen oder um anderer zwingender Ursachen willen, ganze Imperien aufgebaut. Die meisten
von ihnen, die im Verfolg solcher Politik erfolgreich oder zumindest zeitweilig erfolgreich waren, konnten dies im Hinblick auf ihre fügsamen
Bürger tun, fügsam, weil die Regierungen entweder unumschränkte Herrschaft
ausübten oder die Völker von irgendeinem besonderen Welterlösungsgedanken
erfüllt waren.
Die

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�"AMERIKA DIENST"

10. Juli 1957

Die neue Führerrolle Amerikas ist von ihm nicht angestrebt worden,
sie wurde den LSA von einer kranken und verängstigten Welt gewissermaßen aufgedrängt. Ihr Ziel ist weder Eroberung noch territoriale
Ausweitung, sondern ist allein die Erhaltung des Weltfriedens.
Im Grunde genommen will Amerika für andere Völker all die Segnungen, die seinem eigenen Volke zuteil werden, vie große Menge
Hilfsg'ter, die es in andere Länder hineinpumpt, und die oft als
Edelmut von der "Tue-Gutes"-A-.'t oder als Glauben daran, daß alle
Probleme sie', auf wirtschaftlicher Basis lösen ließen, mißdeutet
werden| sine. Ausdruck dieses Wollens . Es wäre eine falsche Auslegung
unserer Überzeugung, die wir seit der Erlangung unserer Unabhängigkeit
immer wied.-.r unter Beweis gestellt haben, nämlich, daß alle Menschen
gleich geschaffen sind; daß das Recht auf Leben, Freiheit und das
Streben nach Glück auf alle Menschen anzuwenden ist und nicht nur auf
ein einziges Land, wenn wir alle ein gedeihliches Leben in Frieden
führen wollen.
Trotz oberflächlicher Schwankungen
schaft, seit einer Reihe vor. Jahren eine
Unterstützung. Diese Unterstützung galt
die auf Grund amerikanischer Initiative

fand Amerikas Rolle der Führerstarke und ständige öffentliche
besonders den Vereinten Nationen,
geschaffen wurden.

Ich glaube, es ist unser aller Verantwortung, das Wesen, den hohen
Zweck und die praktische Anwendung des amerikanischen Führungsbegriffs
zu wahren, damit er sich nicht zu einem neuen Isolationismus verfälsche
oder versucht werde, zu beherrschen, wo er nicht überzeugen kann.
Die Verantwortung des Staatsbürgers
Ich hoffe, Sie glauben nicht, ich schmeichle Ihnen, wenn ich sage,
daß das Maß und die Reife des Verständnisses für die Ziele unserer Außenpolitik in hohem Grade von Organisationen wie der Ihren abhängen. Sie
vertreten die gebildete Elite einer hochgebildeten Gesellschaft. So wie
unsere Zahl wächst, nimmt auch unsere Verantwortlichkeit zu. Wir müssen
Amerikas neue Stellung in der Welt besser verstehen, wie es dazu kam,
wohin es führt und warum. Aus diesem Grunde hat der Akademiker eine ganz
besondere Verantwortlichkeit.
Man hat mir gesagt, daß die Frauen Amerikas den größten Teil der
Güter unseres Landes kontrollieren. Wenn das so ist, dann sind diese
Güter, glaube ich, in guten Händen. Aber es steht Ihnen noch mehr zur
Verfügung. Sie sind auch die Mit-Treuhänder - denn ich finde, den Männern
muß diese Verantwortlichkeit auch zugestanden werden - der Grundlagen
der Demokratie, die unser Land groß gemacht hat. Sie haben eine Erziehung
erhalten, die Sie auf das Leben in einer freien Gesellschaft vorbereitet
hat. Dies sind Errungenschaften, die nicht nur dazu verwendet werden
sollten, Leben und Kultur unserer Nation zu bereichern, sondern auch
eine richtige und kluge Außenpolitik zu unterstützen.

Ich

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�10. Juli 1957

"AMERIKA DIENST

Ich erinnere mich dabei an die kürzlich angestellten Beobachtungen
eines der maßgeblichen Männer im Außenministerium. Er wies eine Gruppe
von Kollegen darauf hin, daß er jeden Tag gezwungen sei, Entscheidungen
von mehr oder weniger großer Bedeutung für unsere auswärtigen Beziehungen zu treffen. Es fiel ihm, wie er sagte, besonders schwer, diese Entscheidungen zu treffen, ohne die häufig entgegengesetzten Ansichten und
Gesichtspunkte seiner Umgebung zu hören. Diese verschafften ihm nämlich die für ein wohlfundiertes Urteil notwendigen Perspektiven und
Alternativen.
Seine Beobachtung läßt sich, glaube ich, ebenso gut auf die Herausbildung einer politischen Linie auf nationaler Grundlage anwenden. Während der Präsident und der Außenminister die amerikanische Außenpolitik
formulieren und praktizieren, sorgt der Kongreß für die erforderlichen
Gesetze und Mittel; er kann sich allerdings auch ablehnend verhalten.
Wenn uns die Mittel oder Gesetzesgrundlagen nicht zugebilligt werden,
so müssen wir meiner Ansicht nach auf die eine oder andere Art einen
Fehler gemacht haben. Entweder haben wir es unterlassen, das Verständnis der Öffentlichkeit für unsere Politik zu erringen, oder aber die
Öffentlichkeit versteht sie, ist jedoch nicht bereit, sie zu unterstützen. Es gibt natürlich noch eine dritte Möglichkeit: Apathie oder
Gleichgültigkeit auf Seiten der Tonangebenden. Dies ist meiner Meinung
nach die schmerzlichste von allen.
Ich werde von Organisationen wie der Ihren oft gefragt, ob ihre
formellen Resolutionen und Petitionen über außenpolitische Angelegenheiten viel Einfluß haben. Ich kann sie dessen versichern» sie üben
diesen Einfluß sowohl auf die Legislative wie auf die Exekutive aus.
Wenn sie sich auch nicht immer in einer von Ihnen empfohlenen Handlung
ausdrücken, so sind sie doch ein unerläßlicher Teil der die Politik bestimmenden Faktoren in einer Demokratie.
Mißverständnisse über die Außenpolitik
Unsere führende Rolle in der Welt ist und kann keine leichte Aufgabe sein. Das Verständnis für die vielen Seiten der Außenpolitik setzt
daher Anstrengungen voraus - ein Bemühen, das auf lange Sicht den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Politik bestimmt.
Außerdem haben sich gewisse falsche Auffassungen in unser Denken über
die auswärtigen Beziehungen eingeschlichen, die meiner Meinung nach
weitgehend auf einer unrichtigen Informierung oder einer unrichtigen
Auslegung der Tatsachen beruhen. Ich würde gerne einige dieser Mißverständnisse an Hand von Beispielen untersuchen. Mißverständnisse
über außenpolitische Angelegenheiten können Schlimmes anrichten.
Die Vereinten Nationen
Ich habe gesagt, daß die amerikanische Bevölkerung die Vereinten
Nationen weitgehend stützt. Und zwar in der Demokratischen wie in der
Republikanischen Partei und in allen Teilen des Landes. Aber ein
großer Teil meiner Aufmerksamkeit wie der meiner Kollegen im Außenministerium wird jedoch dadurch in Anspruch genommen, daß wir die

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�10. Juli 1957

"AMERIKA DIENST"

die Vereinten Nationen gegen Anwürfe verteidigen müssen, die auf einer
falschen Auffassung ihrer Verantwortlichkeiten und Befugnisse beruhen.
Manche Menschen neigen dazu, sie dafür verantwortlich zu machen,
wenn irgend etwas in der Welt schief geht. Als ob die reine Existenz
einer internationalen Organisation der Uneinigkeit und Unordnung ein
Ende setzen könnte! Andere verurteilen sie, weil sie die Hauptprobleme
des Nahen Ostens nicht in kürzester Frist beigelegt haben. Sie werden
oft angegriffen, v/eil sie ihren Willen in Ungarn nicht durchgesetzt
haben. Und sie werden kritisiert, weil das atomare Wettrüsten zwischen
der freien Welt und der Sowjetunion unvermindert weitergeht.
Nichts könnte irriger sein, als die Vereinten Nationen wegen der
Schwächen ihrer Mitgliedstaaten zu verurteilen. Wir würden gut daran
tun, uns ihre Grenzen wie ihre Möglichkeiten ins Gedächtnis zu rufen.
Sie sind keine übergeordnete Regierung. Sie setzen sich aus 81 souveränen, unabhängigen Nationen zusammen. Sie können nur das tun, was ihre
Mitglieder bereit sind, sie zu irgendeiner gegebenen Zeit tun zu lassen.
Wir sollten von den Vereinten Nationen nicht erwarten, daß sie all
unsere Weltprobleme lösen, nicht mehr, als wir vom Kongreß eine Lösung
unserer inneren Probleme erwarten. Jedes Jahr ungefähr verabschiedet der
Kongreß neue Gesetze über Wohnungsbau, Erziehungswesen, Arbeitsfragen,
Gesundheitswesen und andere wichtige Dinge. Aber die Probleme selbst
werden selten endgültig und vollständig geregelt. Sie werden erleichtert oder einer Lösung nähergebracht; niemand aber würde behaupten,
daß sie gelöst werden.
Der Nahe Osten
So ist es mit den Vereinten Nationen. Wir sollten den Maßnahmen
dieser vielschichtigen Körperschaft gegenüber sicherlich ebensoviel
Geduld aufbringen, wie wir sie mit unserem eigenen Kongreß üben.
Und doch geschieht dies manchmal nicht, wie zum Beispiel im Falle der
Suez-Krise. Manche Leute, die zunächst das sofortige Eingreifen der
Generalversammlung zur Erreichung der Waffenruhe begrüßten, waren ein
wenig bestürzt, als die nächsten Schritte zur Überwachung der Waffenruhe und zur Erhaltung einer friedlichen Atmosphäre nicht in dem gleichen
Tempo getan wurden.
Gewiß, es handelte sich hierbei um bescheidene Maßnahmen; und doch
wollen wir ihre Bedeutung nicht unterschätzen. Die Waffenruhe, die Zurückziehung fremder Streitkräfte aus Ägypten, die Aufstellung einer
Bereitschaftstruppe der Vereinten Nationen, die rasche Räumung des
Suezkanals, der Einsatz der UN-Bereitschaftstruppen in Gaza und SharmEl-Sheikh - all dies waren bemerkenswerte positive Maßnahmen, die innerhalb weniger Monate durchgeführt wurden. Diejenigen, die etwa den Eindruck hatten, daß diese Maßnahmen zu lange auf sich warten ließen, haben
vielleicht die Macht der Generalversammlung überschätzt.
Die Versammlung kann keinerlei Bedingungen vorschreiben. Ihre Verfahrensweise muß in vielen Fällen langsam, ja sogar schwerfällig sein.
Aber die Ergebnisse, die sie im Laufe der letzten paar Monate im Nahen
Osten erzielt hat, sind ein eindeutiger Beweis für die Kraft der Welt-

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�"AMERIKA DIENST"

10. Juli 1957

Weltmeinung. Die Mobilisierung der Weltmeinung, verbunden mit einer
geduldigen Diplomatie, unter dem Banner der Vereinten Nationen hat
die Durchführung all dieser Maßnahmen ermöglicht. Gewiß, unter dem
Aspekt der Dauer betrachtet, ist das Nahost-Problem nicht gelöst.
Doch wurde die Ausweitung dieses Konflikts in einen möglichen großen
Krieg vermieden, und langsam wird wieder eine Grundlage für den Frieden
geschaffen.
Es ist dies nicht der Augenblick, uns selbstgefällig in den
mäßigen Erfolgen, die im Nahen Osten erreicht wurden, zu sonnen.
Das Schießen ist beendet, aber die grundlegenden Ursachen, die überhaupt zur Eröffnung des Feuers geführt haben, müssen bereinigt werden,
wenn der Friede erhalten bleiben soll.
Hier könnten die Kritiker nun wiederum einwenden, daß wir rascher
vorgehen sollten, ehe die Lage sich verschlechtert. Ein wesentliches
Element zur Erhaltung des Friedens im Nahen Osten ist die Lösung des
Problems, das die über 900 000 palästinensischen Flüchtlinge darstellen,
die für ihren Unterhalt und ihre Unterbringung auf die Hilfe der Vereinten Nationen angewiesen sind. Zugegeben, es handelt sich hier um
eine dringende Angelegenheit. Aber das Problem der palästinensischen
Flüchtlinge ist so komplexer Natur und in politischer Hinsicht ein so
hochexplosiver Zündstoff, daß etwaige Schritte sorgsam erwogen werden
müssen, wenn sie zur Besserung und nicht womöglich noch zur Verschlechterung der Lage beitragen sollen. Ebenso wenig können die Grenzen zwischen Israel und seinen Nachbarländern - eine nunmehr seit zehn Jahren
schwärende Wunde - über Nacht in zufriedenstellender Weise geregelt
werden.
Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfaß, und jede übereilte und unbedachte Maßnahme könnte dort schwerwiegende Folgen haben. Wir können
sicher sein, daß die Sowjetunion auch weiterhin im Trüben fischen wird.
Der jüngste erfolgte Verkauf sowjetischer Unterseeboote an Ägypten ist
nur ein weiteres Vorkommnis in einer langen Kette von Ereignissen, die
offensichtlich darauf abzielen, die Spannungen in diesem Gebiet zu
verschärfen.
Eine Wolke der Furcht hängt nach wie vor über den Häuptern der
arabischen Völker wie über Israel. Wir müssen daher mit geduldiger
Kraft weiter vorstoßen. Wir.müssen alles nur irgend Mögliche tun,
um im Nahen Osten den Willen zum Frieden zu pflegen. Ohne diesen
Willen ist eine Beilegung der langfristigen Probleme nicht zu erreichen.
Der Fall Ungarn
Der ungarische Aufstand ist ein weiteres Beispiel. Nun, ich bedauere
die Weigerung der UdSSR und des ungarischen Regimes, sich den Beschlüssen
der Generalversammlung auf sofortige Zurückziehung der sowjetischen
Truppen aus Ungarn zu fügen, auf das tiefste. Doch kann ich mich nicht
jenen Leuten anschließen, die dafür die Vereinten Nationen verantwortlich machen. Wer das tut, hat kein Verständnis für die Geschichte, für
die politischen Tatsachen der gegenwärtigen internationalen Beziehungen

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�10. Juli 1957

"AMERIKA DIENST"

Beziehungen und die Charta der Vereinten Nationen selbst.
Es war vorauszusehen, daß die Vereinten Nationen nicht die Macht
besitzen würden, einer Aggression Einhalt zu gebieten, sofern die Großmächte im Sicherheitsrat in ihren Ansichten nicht übereinstimmen. Nunmehr ist es klar geworden, daß, wenn die UdSSR oder die Vereinigten
Staaten sich den Beschlüssen der Vereinten Nationen widersetzen, ohne
Einsatz von Waffengewalt keiner von beiden gezwungen werden kann, sich
den Beschlüssen zu beugen. In unserem Atomzeitalter jedoch ist es
äußerst unwahrscheinlich, daß die Generalversammlung von ihren begrenzten Vollmachten jemals in einer Form Gebrauch machen würde, die einen
Weltkrieg provozieren könnte.
Im Falle Ungarns wollen wir die Schuld demjenigen aufbürden, der
sie zu tragen hat - rieht den Vereinten Nationen, sondern in ihrer ganzen Schwere auf die Schultern der Männer im Kreml, die beschlossen
hatten, Gewalt einzusetzen um zu verhindern, daß das sowjetische Satellitensystem sich in seine einzelnen Bestandteile auflöse.
Die Geschichte wird vielleicht eines Tages erweisen, daß der Aufstand in Ungarn eines der bedeutsamsten Ereignisse seit Ende des zweiten Weltkrieges war. Er hat dem System der sowjetischen Satellitenstaaten nicht wieder gut zu machenden Schaden zugefügt. Er hat in weit
stärkerem Maße als die freie Welt dies zu hoffen wagt, gezeigt, wie
sehr die Völker der von den Sowjets beherrschten Ländern die Herrschaft
ihrer kommunistischen Herren ablehnen.
Der Bericht des UN-Sonderausschusses ist erst vorige Woche bekanntgegeben worden. Der Bericht des Ausschusses spricht beredt genug
für sich selbst. Es ist eine unanfechtbare, objektive Anklage gegen
die sowjetische Tyrannei und Unterdrückung. Die jeden Punkt sorgfältig behandelnde Analyse der Ereignisse ist eine eindeutige Widerlegung
der sowjetischen Version über die Vorgänge in Ungarn. Nach umfangreichen Zeugenvernehmungen und auf Grund der Überprüfung von einschlägiges Dokumentenmaterial bestätigt der Ausschuß in einer über allen
Zweifel erhabenen Weise die teuflische Absicht der Sowjets bei ihrem
Vorgehen in Ungarn. Diese Absicht war, die legitime Forderung des ungarischen Volkes nach Freiheit und nationaler Unabhängigkeit zu unterdrücken.
Kurz gesagt, der Bericht zerstört das phantastische Lügengebäude,
das die Sowjets aufgebaut haben, um ihre grausamen und barbarischen
Verbrechen am ungarischen Volk wegzuargumentieren.
Der Ausschuß fand keinen Beweis für ein Eingreifen in den Aufstand
von außen her. Damit werden die sowjetischen Beschuldigungen von einer
amerikanischen Intervention als glatte Verleumdungen entlarvt. Weiterhin fand der Ausschuß keinen Anhaltspunkt dafür, daß irgendwelche Politiker, die mit dem Vorkriegsregime in Ungarn verbunden waren, einen
Einfluß auf die Ereignisse ausgeübt haben. Im Gegenteil, der Bericht
macht den spontanen Charakter der Demonstrationen in Budapest offenbar,
die aus dem Volke kamen und vom Volk getragen wurden. Er betont den

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�10. Juli 1957

"AMERIKA DIENST"

den leidenschaftlichen und weittragenden Widerhall, den die Auflehnung
gegen das Unterdrückungssystem eines sowjetischen Polizeistaates bei
der Masse des Volkes gefunden hat.
Im Hinblick auf die sowjetische Behauptung, es habe sich bei den
Ereignissen in Ungarn um rein ungarische Angelegenheiten gehandelt, hat
der Ausschuß festgestellt, daß die Vereinten Nationen sich in der gegebenen Situation richtig verhalten hätten. Er hat festgestellt, daß
die schwere bewaffnete Intervention eines Staates in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates sogar nach der eigenen Interpretation
der Sowjetunion von einer Aggression ein internationales Anliegen sein
muß.
Der Bericht stellt klar heraus, daß die Sowjetunion erbarmungslos
ihre eigenen Ziele verfolgte und dabei weder Rücksicht auf die Wünsche
des ungarischen Volkes noch auf ihre Verpflichtungen im Rahmen der
Charta der Vereinten Nationen genommen hat.
Die Vereinten Nationen können es für sich in Anspruch nehmen,
die wahre Natur des sowjetischen Imperialismus,der sich im kommunistischen Dogma verbirgt,wieder einmal enthüllt zu haben. Das Forum
der Vereinten Nationen hat sich als ein brauchbares Medium erwiesen,
um sowjetische Forderungen sofort klar und wirkungsvoll zu beantworten. Die Möglichkeit, dieser Art von Propaganda in den Vereinten Nationen entgegen zu treten und sie zu demaskieren, gibt der Sache der
freien Welt Kraft und Halt.
Angesichts dieser ernsten Anklagen müssen wir uns fragen, welche

weiteren Maßnahmen die Vereinten Nationen ergreifen können. Es ist
klar, daß diese Angelegenheit für die UN von ^großer Wichtigkeit ist.
Ich kann Ihnen versichern, daß der Bericht nicht in den Archiven
verstauben wird. Der Kongreß hat bereits einstimmig für eine schnelle
Behandlung dieser Frage in der Generalversammlung der UN gestimmt.
Das ist ein Beweis für das tiefe Mitgefühl und die Sympathie, die das
amerikanische Volk dem ungarischen Volke in seiner schrecklichen Lage
entgegenbringt. Die amerikanische Regierung fordert eine Behandlung
dieses Berichtes durch die Generalversammlung zu einem möglichst frühen
Termin, und wir verhandeln deshalb auch mit anderen Mitgliedstaaten
der Vereinten Nationen.
Was die Erweiterung der Mitgliedzahl in den Vereinten Nationen
anlangt, so hahe ich festgestellt, daß einige Leute sich darüber Gedanken machen, daß die Vereinten Nationen eine Art Superstaat oder
Weltregierung sind. Sie sind alarmiert durch die große Zahl von neuen
Staaten in Afrika und Asien, die unlängst UN-Mitglieder wurden. Sie
fürchten offenbar, daß diese Staaten in wichtigen Fragen als fester
Block gegen die Vereinigten Staaten stimmen und der westlichen Welt
ihren Willen aufzwingen werden. Davon sind wir jedoch weit entfernt.
Zu

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Zu allererst dürfen wir niemals vergessen, daß die 28 souveränen
Staaten, die Afrika und Asien repräsentieren, sich in ihren Traditionen
und Kulturen stark voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede sind
oftmals größer als ihre Gleichartigkeit.
Außerdem haben diese Staaten nicht en bloc abgestimmt. Ohne Zweifel bestand in der Suez-Frage weitgehende Übereinstimmung, aber selbst
hierbei gab es keine Einmütigkeit. Im Hinblick auf Ungarn waren ihre
Stimmen am Anfang geteilt, die späteren Resolutionen jedoch, die das
sowjetische Vorgehen verdammten, wurden von den asiatischen und afrikanischen Ländern stark unterstützt. In der Algerien- und in der Zypernfrage führte die asiatische Initiative in der letzten Generalversammlung
zu Kompromissen, die in Resolutionen mit großer Zustimmung Ausdruck
fanden.Dabei ist es wichtig, festzustellen, daß diese Staaten in allen
diesen Fällen mit den Vereinigten Staaten stimmten.
Schließlich sollte man sich daran erinnern, daß die Generalversammlung nur Empfehlungen geben kann, sie kann aber ihre Wünsche, selbst
bei Stimmenmehrheit, nicht durchsetzen. Ich vermag daher nicht einzusehen, wie die neue Stärke der afrikanischen und asiatischen Staaten
in den Vereinten Nationen für uns bedrohlich sein könnte. In Wirklichkeit ist sie eine Aufforderung an und eine neue Gelegenheit für die
amerikanische Führungsaufgabe.
Die Regierung der Vereinigten Staaten und die große Mehrheit des
amerikanischen Volkes haben die Aufnahme dieser Staaten in die Vereinten Nationen aus ganzem Herzen begrüßt. Wir glauben aufrichtig an das
Selbstbestimmungsrecht der Völker, und wir haben ihre Unabhängigkeit
begrüßt. Jetzt sind sie Mitglieder der UN, und wir müssen versuchen,
ihren Standpunkt zu verstehen, genauso wie wir erwarten, daß sie den
unsrigen anerkennen.
Die Völker der jungen Staaten in Asien und Afrika wollen drei Dinge.
Sie wollen Freiheit und Unabhängigkeit. Sie fordern die Anerkennung als
vollwertige Bürger in der Weltgemeinschaft. Sie wollen ihre Länder entwickeln und ein besseres Leben führen.
Das alles sind auch amerikanische Konzeptionen. Das sind Ziele,
die wir alle unterstützen können. Wenn den Völkern dieser großen und
menschenreichen Gebiete genügend Hilfe und Ermutigung zuteil wird,
damit sie diese Ziele erreichen, dann können wir damit rechnen, daß
ihr Platz auch weiterhin auf der Seite der Freiheit sein wird.
Vor allen Dingen dürfen wir in den Vereinten Nationen nicht einfach
den Schluß ziehen, daß einige Staaten gegen uns seien, nur weil sie dann
und wann nicht zu den gleichen Schlußfolgerungen wie wir gelangen. Damit
würden wir weiter nichts tun, als nur ein Lippenbekenntnis zu dem Grundprinzip der Unabhängigkeit ablegen, das uns doch so teuer ist. Die Vereinten Nationen haben genug Raum für ehrlich verfochtene unterschiedliche Meinungen.
Auch

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Auch in anderer Hinsicht»nämlich in bezug auf die Auslandshilfeprogramme »bestehen hier bei uns manche bedenklich falsche Auffassungen.
Am meisten verbreitet ist wohl die Argumentation, daß wir mit der Fortführung der Unterstützung fremder Länder uns auf ein Programm einlassen würden, das ein Faß ohne Boden sei, daß wir eine bestimmte Gruppe
undankbarer Verbündeter verhätschelten, und daß wir den amerikanischen
Steuerzahler unnötig belasteten.
Wollen wir doch kurz einmal Betrachtungen dazu anstellen, was
Sie vielleicht die "Anatomie" der sogenannten Auslandshilfe nennen
würden. Schon allein der Begriff "Auslandshilfe" ist außerordentlich
irreführend. Denn diese Programme dienen auch unseren ureigensten
Interessen, sowohl in bezug auf das ganze Volk, als auch auf jeden
einzelnen. Die Mittel, die wir dem Ausland für wirtschaftliche und
militärische Unterstützung zur Verfügung stellen, sind im Grunde eine
Investition, die dazu bestimmt ist, in der Form größerer Sicherheit
für die Vereinigten Staaten Dividende zu bringen.
Zweitens ist die Unterstützung "gegenseitig" und "kooperativ".
In den meisten Fällen erfordert sie hohe Aufwendungen an Geldmitteln,
Dienstleistungen und Einsatz von Arbeitskraft seitens der "Empfänger"Länder. Einige Länder mit beschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten
sind im wahrsten Sinne des Wortes sogar gezwungen, die amerikanische
Hilfe abzulehnen, weil sie es sich einfach nicht leisten können, sie
anzunehmen.
Wir wollen hier den einen grundlegenden Punkt einmal klären. Die
Hilfe der Vereinigten Staaten ist keine einseitige Angelegenheit. Die
Vereinigten Staaten brauchen ihre Alliierten genauso wie sie uns brauchen. Sie stellen uns Stützpunkte zur Verfügung, die für die Schlagkraft der strategischen Einheiten unserer Luftstreitkräfte von großer
Bedeutung sind. Sie unterhalten ihre eigenen militärischen Streitkräfte
für die gemeinsame Verteidigung der freien Welt. Hätten wir sie nicht,
müßten viele Tausende amerikanischer Soldaten in Übersee stationiert
werden - und dies würde für die USA jährlich einen Aufwand erfordern,
der sieben- bis fünfunddreißigmäl größer ist als die Kosten, die wir
im Jahr für einen nichtamerikanischen Soldaten aufbringen müssen.
Was die wirtschaftliche Seite anbetrifft, so würden wir sehr langsam treten müssen, wenn die Zufuhren an strategischem Material - an
Zinn, Kautschuk, Industriediamanten, Mangan und zahlreichen anderen
Rohstoffen - nachließen, die nicht zuletzt auf Grund der von uns gewährten Unterstützung in unseren Häfen landen.
Hilfe an Länder, die keinem der beiden Machtblöcke angehören
Es besteht ein Mißverständnis, das sich aus einer falschen Auffassung über den tatsächlichen Zweck gegenseitiger Unterstützung ergibt. Dieses Mißverständnis beruht auf der Behauptung, die sogenannten
neutralen Nationen, und besondere die kommunistischen Länder,sollten
aufgefordert werden, sich jetzt eindeutig für die freie Welt zu entscheiden, wenn sie der amerikanischen Hilfe nicht verlustig gehen

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gehen wollten. Man sollte ihnen, so wird argumentiert, nicht die Rolle
des Zuschauers gestatten; entweder seien sie für oder aber gegen uns.
Nehmen wir den Fall derjenigen Staaten, die sich an eine Politik
der Bindungslosigkeit nach allen Seiten halten. Der internationale Kommunismus versucht beständig, die Völker und Regierungen solcher "ungebundener" Länder zu überzeugen, daß der Kommunismus der billigste und
schnellste Weg für die wirtschaftlich weniger entwickelten Völker sei,
sich einen hohen Lebensstandard zu sichern und ihren Ländern politischen
und wirtschaftlichen Einfluß zu verschaffen. Vielfach unterstützen sie
diese Propaganda durch Anleihen, Zuwendungen und andere Formen materieller Hilfe.
Unsere Unterstützung
Die von uns den Entwicklungsländern gewährte Unterstützung, besonders die Hilfe an Länder, die an den sowjetisch-rotchinesischen
Block grenzen, ist von der allergrößten Bedeutung. Sie sollte nicht
sporadisch sein. Wenn sie den Regierungen dieser Länder so weit wie
möglich helfen soll, ihre Unabhängigkeit zu erhalten, muß die Kontinuität in verantwortungsbewußter Weise gewährleistet werden.
Die Ergebnisse des Wettbewerbs zwischen der freien und der kommunistischen Welt werden zum Beispiel von Indien, das sich den liberalen,
sozialen und politischen Idealen des Westens verbunden fühlt, wachsam
beobachtet, und sie werden jenen gegenübergestellt, wie sie unter der
rücksichtslosen Diktatur auf dem chinesischen Festland zu finden sind.
Die relative Höhe des Wohlstandes, die in einem bestimmten Zeitraum
von den Völkern dieser beiden Gebiete erreicht wird, kann in den Ländern ganz Asiens und Afrikas bestimmend dafür sein, zwischen dem
Kommunismus und einer freien demokratischen Regierungsform zu wählen.
Ohne Zweifel kann bei dieser Wahl die Indien und anderen Ländern,
welche sich in einer ähnlichen Lage befinden, von Amerika und der
freien Welt, gewährte Unterstützung schwer ins Gewicht fallen.
Außerdem ist die Hilfe, die die Vereinigten Staaten in den letzten
kritischen Jahren Jugoslawien gewährten, für die freie Welt von unschätzbarem Wert gewesen. Sie hat dazu beigetragen,diesem strategisch
so wichtigen Lande die Unabhängigkeit gegenüber einer Beherrschung von
außen, von welcher Seite diese auch kommen mag, zu sichern.
Ich glaube auch, wir leben unter
falschen Vorstellungen,
wenn wir annehmen, daß andere Länder, die wir unterstützen, relativ
wenig tun, sich selbst und anderen zu helfen. Wir wissen, daß viele
Staaten rigorose Kontrollen über ihre Verbrauchsgüter ausüben, die alles ,
was wir gewöhnt sind^n den Schatten stellen. Sie tun das, um mehr
exportieren zu können, um auf diese Weise ihren Dollarbestand zu erhöhen, um ihre Wirtschaft zu stabilisieren. Viele von ihnen geben jährlich große Summen zur Unterstützung und zum Wohle abhängiger Gebiete
aus, die unter ihrer Obhut stehen. Sämtliche Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen entrichten je nach ihrem Vermögen Beiträge zur Unterstützung derjenigen Sonderorganisationen der UN, deren Mitglieder sie
sind. Andere spenden großzügig für die vielen freiwilligen Programme

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Programme der Vereinten Nationen.
Großzügigkeit ist etwas Relatives. Der Dollar, den ein armer Mann
spendet, kann eine großzügige Gabe sein. Zehn Dollar von einem Reichen
können ein Zeichen von Knauserei sein. Nun, die Vereinigten Staaten sind
reich; und wir sind nicht knauserig. Aber ich glaube, das Bild des wohlhabenden Onkel Sam, der große Summen an seine ärmlichen Nachbarn verteilt, entspricht keinesfalls den Tatsachen. Es ist zum Beispiel aufschlußreich, die Höhe unserer Beiträge für das erweiterte technische
Hilfsprogramm der Vereinten Nationen kennenzulernen. Wenn man den Beitrag auf den Kopf der Bevölkerung umrechnet, rangieren wir an fünfter
Stelle. Kanada, Dänemark, Norwegen und Schweden sind in der genannten
Reihenfolge großzügiger als wir.
Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß wir auf Grund unserer Hilfsprogramme weder Dankbarkeit noch widerspruchslose Gefügigkeit gegenüber
unseren Wünschen erwarten können. Die Loyalität eines Menschen oder
eines Landes, die käuflich ist, ist ohnehin nicht viel wert. Es ist
bekannt, daß die Empfänger von Wohltaten manchmal dazu neigen, Ressentiments gegen ihre Wohltäter zu hegen. Ich glaube, es war Mark Twain,
der das kluge Wort prägte: "Ich weiß nicht, weshalb dieser Mann mich
nicht mögen sollte. Ich habe ihm noch nie einen Gefallen getan."
Das eigentliche Ziel unseres Auslandshilfeprogramms ist es, die freie
Welt zu stärken. Wir sind daher Partner in einem gemeinsamen Unternehmen,
zu dem wir alle beisteuern und von dem alle profitieren sollten.
Schlußbemerkungen
Ich habe einige der Mißverständnisse oder Irrtümer untersucht, die
unser außenpolitisches Denken so komplizieren. Es gibt noch viele andere.
Wir als gebildete Frauen und Männer müssen tun, was wir können, um diese
Hindernisse zu beseitigen, die einem richtigen Verständnis der Führerrolle Amerikas auf dem Gebiet der internationalen Politik im Wege stehen.
Wir haben eine große und dauernde Verpflichtung übernommen und müssen
uns dieser Verantwortung gewachsen erweisen.
Wir sind ein ungeduldiges»praktisches Volk. Wir wollen alle Probleme
kurzerhand beim Schöpfe packen und lösen. Das mag für uns in unserem
persönlichen und nationalen Bereich möglich sein. Bei jenen Angelegenheiten jedoch, die über unsere Grenzen hinausgehen, läßt sich das nicht
immer verwirklichen. Wir müssen die berechtigten und vielschichtigen
Interessen und Rechte jener Länder berücksichtigen, deren Mitarbeit,
Verständnis und Hilfsquellen wir brauchen. Wahre Führerschaft bedeutet
nicht, dem andern seinen Willen aufzuzwingen, sondern ihn für die eigene
Position zu gewinnen. Wie man gelegentlich im Scherz sagt, ist Diplomatie
"die Kunst, den anderen tun lassen, was man selber will".
Die eiserne Entschlossenheit der Kommunisten, die Welt nach ihrer
Vorstellung umzubauen, bedeutet für uns eine ständige Bedrohung. Die
Führer des Kommunismus haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie
zu einem langen wirtschaftlichen, politischen und propagandistischen
Kampf bereit sind. Mit dem Erkennen dieser Gefahr allein ist sie aber

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aber noch nicht gebannt. Wir müssen die gefährliche Verlockung des
KommuniSinuc, für manche Menschen begreifen. Wir müssen Unzulänglichkeiten
in unsere.' eigenen Gesellschaft und in unserer Diplomatie vermeiden,
die dem Kommunismus in die Hände spielen könnten. Im Atomzeitalter
müssen wir unsere Absichten unmißverständlich klar machen. Unsere Stärke
ist der Schild und nicht das Schwert. Wir haben uns dem Frieden verschrieben, nicht d_m Kriege. Ei e falsche Beurteilung unserer Haltung
in dieser Frage seitens der Kommunisten könnte zu einem nicht wieder
gut zu machenden Unglück für alle, für die freie und die kommunistische
Welt, führen.
Der Staatsbürger trägt,was die internationalen Fragen anbelangt,
eine ganz persönliche Verantwortung. Wenn jeder von uns sich entschlossen bemühen würde, in bezug auf die Entwicklung der Weltpolitik auf dem
laufenden zu bleiben und entweder ganz persönlich oder in den verschiedenen Organisationen, denen wir angehören, zur rechten Zeit das Richtige
zu tun, dann würde dies unserer Außenpolitik sehr zum Nutzen gereichen.
Der Amerikanische Akademikerinnenverband geht den Organisationen
führend voran, die ihre Vera wortung erkennen und individuell, auf
lokaler und nationaler Ebe e, etwas dafür tun.
In der Mitte dts 20. Jahrhunderts haben wir hinsichtlich unserer
Position in der freien Welt ke'ne Wahl mehr. Es geht nur noch darum,
wie gut und wie wirkungsvoll unsere Führung zu sein vermag. Und das
hängt zu einem nicht geringen Grade davon ab, wieweit Sie, die Sie zur
Führerschaft erzogen sind, die d ingenden Probleme unserer Zeit erkennen.
Um zusammenzufassen: Wenn wir verstehen, daß die kommunistische
Gefahr ihrem Wesen nach von Dauer ist und unser Bestes tun, um ihr zu
begegnen, wenn wir nach wie v. • die Vereinten Nationen und ihre Sac'. e
unterstützen, wenn wir eng mit unseren Alliierten zusammenarbeiten
und jeden Alleingang vermeiden, wenn wir den bisher nicht gefundenen
Nationen der Welt die bleibenden Werte von Demokratie und Freiheit
aufzeigen, wenn wir stets die Haltung einer Nation mit hohen ethischen
Grundsätzen einnehmen - dann können wir der Zukunft entgegensehen
in dem vollen Vertrauen, daß die Sache der freien Menschen den Sieg
davontragen wird.

* * * ••. *

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�A M E R I K A

D I E

Allg./17.7-1957
DIE HERRSCHAFT DES RECHTS MUSS AN DIE STELLE
DER HERRSCHAFT DES KRIEGES TRETEN

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der
stellvertretende US-Außenminister, Staatssekretär Christian A. Herter, am 15« Juli
1957 auf einem Festessen anläßlich der
Jahrestagung der Amerikanischen Anwaltskarrr.r.er (American Bar Association) in
New York gehalten hat.

Lassen Sie mich Ihnen bitte gleich eingangs ein "Gute Reise"
zurufen, denn ich habe mir sagen lassen, daß 3000 Angehörige Ihrer
Vereinigung nach England reisen werden, um am 24. Juli in London
einer Tagung beizuwohnen. Ich darf Ihnen meine besten Wünsche für
ein Gelingen Ihrer Mission mit uf :en Weg geben. Ich bin sicher,
daß überall dort, wo Anwälte zusammenkommen! ganz zwangsläufig ein
gegenseitiges Verstehen eintritt - wobei man durchaus nicht einer
Meinung zu sein braucht. Jeder Beitrag aber zu gegenseitigem Verständnis ist uns bei der Pflege der Beziehungen zum Ausland von
großer Hilfe.
Man sagt, es sei bedauerlich, daß die Jugend auf junge Menschen
verschwendet werde, und ich glaube, man kann in ähnlicher Weise sagen,
es ist bedauerlich, daß die einzigen Zeugen großer Ereignisse oftmals
nur jene sind, die unmittelbar an ihnen teilhaben. Ebenso wie junge
Menschen sich erst in späteren Jahr-n .es Segens des Jungseins bewußt werden, so werden Mensche.. ..ie wir reibst, die wir in die Verwicklungen einer sich wandelnden Well .mittelbar hineingezogen werden, von unserem eigenen Befreie' der Auseinandersetzungen so sehr in
Anspruch genommen, daß wir darüb r das große Welttheater, in dem wir
unsere Rollen zu spielen haben, a. den Augen verlieren.
In dem Bestreben also, ein*-n Bei tr g zu einer Zusammenschau der
Dinge zu leisten, möchte ich heute abend meine Zeit darauf verwenden,
einmal darzulegen, welche Auswertungen ich von Ihrem Arbeitsbereich dem Rechtswesen al o - auf mein Tätigkeitsfeld - die Diplomatie ergeben und inwieweit umgekehn die Diplomatie zur Entwicklung aes
internationalen Rechts beiträgt. Die Ereignisse der jüng.ten Monate
im Nahen Osten sind in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung und
so möchte ich ihnen meine besondere Aufmerksamkeit zuwenden.
Da
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17. Juli 1957

Da ich kein Jurist bin, spreche ich natürlich als Laie zu Ihnen.
Meiner Meinung nach gehört es mit zu den grundlegenden Fakten unseres
Zeitalters thermonuklearer Waffen, daß das Recht einen höheren Platz
einnehmen muß als in früheren Zeiten. Noch bis vor kurzem war der Krieg
sowohl ein legales als auch ein durchaus übliches Mittel zur Bereinigung internationaler Streitfälle. Der Kellogg-Pakt allerdings, der vor
rund 30 Jahren geschlossen worden ist, erklärte den Krieg zu einem
ungesetzlichen Instrument der Politik. Und dann kam die Charta der
Vereinten Nationen, die die Zufluchtnahme zur Gewalt verbot, es sei
denn bei Vorliegen einer ausdrücklichen Ermächtigung seitens der Vereinten Nationen oder im Falle der Verteidigung gegen eine bewaffnete
Aggression.
Und heute, da thermonukleare Waffen das Bild beherrschen, ist der
Krieg zu einem so großen Verhängnis selbst für den Sieger geworden,
daß es einfach undenkbar ist, daß ein Krieg für andere als Verteidigungszwecke geführt wird.
Die Herrschaft des Rechts muß deshalb weitgehend an die Stelle
der Herrschaft des Krieges als des letzten Schiedsrichters im Zusammenleben der Völker treten, wenn ein solches Zusammenleben überhaupt noch
fortbestehen soll.
Das Gefüge der sozialen Ordnung stützt sich auf eine ganze Reihe
von tragenden Elementen. Erstens stellen Recht und Sitte, gleichgültig
ob geschrieben oder ungeschrieben, eine Übereinkunft der Gemeinschaft
dar, welche Handlungsweise als richtig und vernünftig anzusehen ist.
Zweitens gibt es ein allgemein anerkanntes und gebilligtes Mittel,
diese Handlungsvorschriften zu ändern, damit sie auch neu entstandenen
Bedürfnissen und Verhältnissen Rechnung tragen. Drittens gibt es irgendwelche Personen oder Organe, die von der Gemeinschaft dazu ermächtigt
sind, das Recht zu verwalten. Viertens gibt es richterliche Organe,
die zur Regelung von Streitfragen, die sich aus dem Gesetz ergeben
können, bestellt sind. Fünftens müßte es eine Macht geben, die durch
ihre Fähigkeit, Verstöße gegen das Gesetz zu bestrafen, von der Anwendung von Gewalt abhält. Und schließlich bedarf die Gemeinschaft der
physischen und geistigen Gesundheit, damit sich die Menschen veranlaßt
fühlen, auf vernünftige und friedfertige Weise zu handeln und sich nicht
durch Not oder Furcht zu Gewaltakten hinreißen lassen.
Bauelemente für den Aufbau einer sozialen Weltordnung sind vorhanden. Sie sind aber noch unvollständig oder noch unzureichend oder
wurden noch nicht völlig in das Gefüge des internationalen Lebens eingebaut. Es gibt bereits ein umfassendes internationales Recht - in Form
der Charta der Vereinten Nationen, im sogenannten Vertragsrecht und in
der Summe jener Bräuche und Praktiken, die den Status fester Regeln
des internationalen Rechts erlangt haben. Aber selbst zusammengenommen
bleiben sie noch weit hinter dem zurück, was notwendig ist, um die Herrschaft des Rechts unter den Völkern aufzurichten.
Selbstverständlich

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17. Juli 1957

Selbstverständlich sieht die Charta der Vereinten Nationen die Möglichkeit zur Änderung des Rechts vor. Sie ergibt sich darüber hinaus
ja auch aus der Weiterentwicklung des Vertragsrechts. Aber noch immer
ist dieser Prozeß des Wandels nicht in so sichere und ordnungsgemäße
Bahnen gelenkt worden, daß eine Gewähr dafür besteht, daß er sich
in friedlicher Form vollzieht.
Die Verwaltung und die Durchsetzung des Rechts wurde in der Charta
dem Sicherheitsrat übertragen und die Charta sieht auch vor, daß der Sicherheitsrat über die zur Wahrung des Friedens erforderlichen Streitkräfte verfügen soll. Leider hat die unnachgiebige Haltung der Sowjets
für den Augenblick diese ursprüngliche Zielsetzung zunichte gemacht;
und so sahen sich die freien Völker vor die Notwendigkeit gestellt,
regionale gegenseitige Beistandspakte für ihre gemeinsame Verteidigung
zu schließen, wie sie nach der Charta der Vereinten Nationen zulässig
sind. Sie sahen sich ferner vor die Notwendigkeit gestellt, auf freiwilliger Basis militärische Kollektivmaßnahmen zu ergreifen, um besonderen Situationen, wie sie sich beispielsweise im Falle Koreas ergeben
haben, gerecht zu werden.
Der Internationale Gerichtshof wurde geschaffen, um die richterlichen Funktionen auszuüben; bis zum heutigen Tage aber haben die Staaten gezögert, Streitigkeiten vor diesen Gerichtshof zu bringen. Im
übrigen bestehen auch gewisse Einschränkungen hinsichtlich der Art der
Streitfälle, die ordnungsgemäß vor den Gerichtshof gebracht werden
können.
Wir können die wichtige Tatsache nicht übersehen, daß der Gerichtshof nur dann erfolgreich arbeitet, wenn ihm die Streitfragen durch
eine gemeinsame Vereinbarung der Parteien unterbreitet werden, die sich
mit ihren Streitfragen nicht nur an ihn wenden, sondern auch an seine
Entscheidungen halten. Versuche, scharfe politische Auseinandersetzungen
vor dem Gerichtshof auszutragen und auf diesen einen Druck auszuüben,
können dazu führen, daß seine Entscheidungen nicht beachtet werden und
sie könnten selbst das Ende des Internationalen Gerichtshofs bedeuten.
In vielen Teilen der Welt bedeutet der Mangel an den lebensnotwendigen Dingen, oder die Tatsache oder die Erinnerung an erlittenes Unrecht oder Unterdrückung oder die Tatsache, daß die Machthaber aggressive
Absichten verfolgen, daß der Friede auf unsicherer Grundlage ruht.
Wenn wir hoffen dürfen, daß in der Welt die Herrschaft des Rechts
an die Stelle der Herrschaft der Gewalt tritt, dann liegt unser Weg
klar vor uns. Wir müssen Recht und Gesetz weiter entwickeln, die Institutionen unserer gesellschaftlichen Ordnung festigen, die Achtung
der Allgemeinheit vor Recht und Gesetz stärken und auf sozialem, wirtschaftlichem und politischem Gebiet eine gesunde Entwicklung fördern,
die für eine Gemeinschaft, die das Gesetz achtet, die fundamentale
Grundlage ist. Um mit dem griechischen Philosophen Heraklit zu sprechen,
muß das Volk ebenso für sein Recht, wie für seine Stadt kämpfen. Dem
möchte ich hinzufügen, daß das Volk erst einmal sein Recht schaffen
muß, ehe es verteidigt werden kann.
„.. „.

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Häufig finden gerade in schweren Krisenzeiten, wenn Recht und
Ordnung am meisten bedroht sind und ihre Probe bestehen sollen, neue
Methoden im Recht Eingang und Anwendung, und die Herrschaft des Rechts
wird dadurch gestärkt. Das heißt, sie wird nur dann gestärkt, wenn
der Bedrohung entgegengetreten und die Probe bestanden wird. Wenn man
sich allzusehr mit dem Recht brüstet oder ihm keine Beachtung schenkt,
dann kann das Gefüge der Ordnung Schaden erleiden oder es kann gänzlich vernichtet werden. Die Krise im Nahen Osten stellte die Fähigkeit der freien Nationen, erfolgreich mit einem großen Streitfall
fertig zu werden, auf eine schwierige Probe. Wenn in diesem Gebiet
auch heute die wichtigsten Fragen noch nicht gelöst werden konnten,
so sind doch wichtige Fortschritte sowohl im Hinblick auf die Behandlung der Fragen als auch in der Entwicklung unserer Methoden, der
Krise Herr zu werden, erzielt worden.
Lassen Sie mich einen Überblick über die Entwicklung geben und
dabei auf die Tat- und Rechtsfragen insoweit eingehen als sie von
Bedeutung sind:
Die Nationalisierung des Suezkanals
Die Enteignung der Suezkanalgesellschaft durch Ägypten warf
selbst wichtige Rechtsfragen auf. Die Vereinigten Staaten behielten
sich bezüglich der Frage der Rechtmäßigkeit eben dieser Nationalisierung
ihre Stellungnahme vor und zeigten ihre Bereitwilligkeit zu dem Versuch, an einer praktischen Lösung des Kanalproblems zu arbeiten, die
die berechtigten Interessen aller Beteiligten schützen würde. Es ist
jedoch zu hoffen, daß das durch die Suezkrise an diesen Fragen entstandene Interesse schließlich sowohl zu einer Klärung als auch zu
einer Ergänzung des Völkerrechts führen wird.
Die Zeit der Verhandlungen
Die internationalen Auseinandersetzungen vor Ausbruch der Feindseligkeiten in Ägypten im vergangenen Herbst zielten auf den Abschluß
eii.es Abkommens, das sowohl die Frage der Entschäd' gu..g, wie auch die
der Verpflichtungen bezüglich des künftigen Betriebs des Kanals lösen
sollte. Anschließend an die Ablehnung der in London von einer Gruppe
von Kanalbenutzerstaaten au gearbeiteten Vorschläge durch Ägypten,
das seinerseits keinen Alternativvorschlag machte, nahm der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 13• Oktober des vergangenen Jahres
- mit Zustimmung Ägyptens - einstimmig eine Entschl'eßung an, die
sechs anerkannte Forderungen für die Regelung aufstellte, unter die
der Kanal gestellt werden sollte. Diese Grundsätze umfaßten den Betrieb des Kanals ohne jede Diskriminierung, die Achtung &gt;ror der
Souveränität Ägyptens, die strenge Trennung des Kanalbetriebs von
jeglicher politischen Einflußnahme eines Landes, die Regelung der
Durchfahrtgebühren, die Unterhaltung des Kanals und die Be-legung von
Streitigkeiten zwischen Ägypten und der Suezkanalgesellschaft.
Vor

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17. Juli 1957

Vor einigen Monaten ist der Kanal für den normalen Verkehr wieder
eröffnet worden. Eine Reihe von Nationen, einschließlich die Vereinigten
Staaten und andere Seemächte, sind übereingekommen, es auf einer Defacto-Basis mit der ägyptischen Kanalverwaltung zu versuchen. Es bleibt
abzuwarten, welch eine Art von ständiger Verwaltung sich einmal für
den Kanal entwickeln wird und ob die bestehenden Organe tatsächlich
für die Regelung des Kanalbetriebs benutzt werden.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen
Die Verhandlungen über eine Regelung der Suezkanalfrage wurden
Ende Oktober des vergangenen Jahres durch den Ausbruch von Feindseligkeiten im Nahen Osten unterbrochen.
Bei dem Ausbruch eines bewaffneten Konfliktes erhebt sich unverzüglich die Frage, ob sich die Anwendung von Gewalt rechtfertigen
läßt oder nicht. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte seinerzeit eine kollektive militärische Aktion empfohlen,um eine Niederwerfung der Republik Korea durch kommunistische Angreifer zu.verhindern.
Bezüglich der damaligen Ereignisse im Nahen Osten hatte Präsident
Eisenhower am 31. Oktober erklärt, daß sich das Vorgehen gegen Ägypten
kaum mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen vereinbaren
ließe und seine Stellungnahme gewann die überwältigende Unterstützung
der UN-Vollversammlung, als diese die Resolution faßte, daß die Feindseligkeiten eingestellt werden sollten.
Bei der Anwendung von Gewalt erhebt sich heute nicht nur die Frage,
ob sie sich rechtfertigen läßt oder nicht, sondern auch die weitere
Frage, ob die Feindseligkeiten auf andere Länder übergreifen können
und durch dieses Übergreifen ein allgemeiner Krieg entstehen kann.
Feuereinstellung
Vielleicht wird erst die Zeit zeigen, daß einige der wertvollsten
Entwicklungen, die sich in den letzten Jahren innerhalb der Vereinten
Nationen als Institution gezeigt haben, den erfolgreichen Bemühungen
entstammen, den Feindseligkeiten in Ägypten ein Ende zu bereiten.
Feindseligkeiten in Ägypten
Der Sicherheitsrat war durch Vetos verhindert, der Situation
durch wirksame Maßnahmen zu begegnen. Unter Anwendung der "Einheitfür-den-Frieden-Resolution" wurde eine Sondersitzung der Generalversammlung anberaumt. Zum ersten Mal wurde dieses Verfahren angewandt ein Markstein in der Geschichte der Vereinten Nationen. Diese Aktion
hat die Machtlosigkeit der UN, die durch die Anwendung des Vetos im
Sicherheitsrat verursacht worden war, in gewisser Weise ausgeglichen.
Die Generalversammlung griff zu drei Maßnahmen:
1) Wie bereits bemerkt, verlangte sie die Einstellung der Feindseligkeiten und Zurückziehung der bewaffneten Streitkräfte;

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2) stellte sie eigene Hilfsstreitkräfte auf, um die Einstellung
der Feindseligkeiten zu sichern und zu überwachen;
3) schließlich sorgte sie für verschiedene Maßnahmen, die dazu
geeignet waren, ein Wiederaufleben alter Konflikte und eine Verletzung
des Waffenstillstands nach Abschluß der Truppenzurücknahme zu verhindern,
Die Aufstellung der UN-Schutztruppe war ein weiterer Markstein
in der Entwicklung der Vereinten Nationen. Wie die Streitkräfte der
Vereinten Nationen in Korea setzte sich diese neue Streitmacht aus
Einheiten zusammen, die von Mitgliedstaaten freiwillig gestellt wurden,
wobei jedoch Streitkräfte der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates ausdrücklich ausgeschlossen waren. Damit erschöpfte sich
auch ihre Ähnlichkeit weitgehend. Während nämlich die UN-Streitkräfte
in Korea im Zuge der Vollstreckungsvorschriften der Charta (Kapitel
VII) operierten, ist es die Aufgabe der UN-Hilfstruppe in Ägypten,
Bedingungen aufrechtzuerhalten, die zu einer friedlichen Beilegung
führen. Mit dem Oberbefehl über die UN-Streitkräfte in Korea waren
die Vereinigten Staaten beauftragt worden; die UN-Streitkräfte in
Ägypten hingegen wurden einem von der Generalversammlung gewählten
Offizier unterstellt. Weiter wurden die Kosten für die Truppen in
Korea von jenen, die sie stellten, getragen, während die UN-Streitkräfte in Ägypten aus dem Budget der Vereinten Nationen und aus Beiträgen finanziert werden, die sowohl von nichtbeteiligten Ländern geleistet werden wie von den Ländern, die Truppen zur Verfügung stellen.
Schließlich sollten die UN-Truppen in Ägypten - im Gegensatz zu den
UN-Streitkräften in Korea - keine militärische Gewalt anwenden, um
die Feuereinstellung oder die Zurückziehung der Truppen zu erzwingen,
sondern nach der Zurückziehung der Kriegführenden lediglich als Polizeimacht dienen.
Es bleibt noch viel zu tun, wenn eine Streitmacht wie jene, die
augenblicklich den Frieden in Gaza und Sharm el Sheikh garantiert,
als eine nützliche Erfahrung und als Präzedenzfall zur Stärkung der
UN beitragen oder in einer ähnlichen künftigen Situation eingreifen
soll. Ohne Frage jedoch ist ein weiterer bedeutsamer Schritt getan
worden, um die Vereinten Nationen mit den Mitteln zu versehen, die
ihren Entschlüssen Nachdruck verleihen können. Die Tatsache, daß
Frankreich und Großbritannien sich sofort bereit erklärten, der
Resolution der Generalversammlung nachzukommen und sich den Zielen
der UN-Streitkräfte unterzuordnen, so daß keine Gewalt notwendig
sein würde, um die Feuereinstellung zu erzwingen, unterstreicht die
Bedeutung dieses Schritts.
Zurückziehung
Die Schritte, die zur Feuereinstellung führten, hatten wichtige
Entwicklungen der Vereinten Nationen als internationale Institution
zur Folge. Die Schritte, die eine Zurückziehung der britischen und
französischen und schließlich auch der Israeli-Truppen zur Folge
hatten, waren ein vielversprechendes Beispiel für die praktische
Anwendung des internationalen Rechts.
T

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In den Debatten der Generalversammlung sprach sich die Mehrheit
für die Stützung der Charta aus. Diese Ansicht fand ihren Ausdruck in
den Resolutionen der Versammlung, die eine Feuereinstellung und Zurückziehung der Truppen forderten. Hinter diesen Resolutionen stand die
Möglichkeit, Sanktionen zu verhängen. Sie steht der Generalversammlung
gemäß Artikel 10 und 11 der Charta zu und ist auch in der Einheit-fürden-Frieden-Resolution vorgesehen. Frankreich und Großbritannien in
gewissem Grade und noch mehr Israel wurden von anderen Ländern starkem
Druck ausgesetzt, dem Ruf der Versammlung nachzukommen, so verschieden
und gegensätzlich die Ziele dieser anderen Länder auch sein mochten.
So einigten sich also die Nationen in einer überaus heiklen Situation,
die die Gefahr einer Ausweitung des Konfliktes in sich barg, im Endergebnis dahin, die Rechtsgrundsätze der Charta anzuwenden. Ihr Vorgehen beruhte dabei, wie Sie erkennen werden, nicht etwa darauf, daß
von einer mit Regierungsgewalt versehenen internationalen Behörde
ganz bestimmte Rechtsvorschriften unmittelbar angewendet wurden, wie
wir es im innerstaatlichen Recht kennen. Vielmehr waren erst langwierige
Verhandlungen erforderlich, und zwar sowohl innerhalb und außerhalb der
Vereinten Nationen, um festzulegen, mit welchen Mitteln die grundsätzliche Forderung einer Zurückziehung der Streitkräfte hinter die Waffenstillstandslinien verwirklicht werden solle.
Dies geschah, um den berechtigten Bedenken und Interessen beider
Seiten hinsichtlich Recht und Sicherheit Rechnung zu tragen. Schließlich erreichte man gemeinsamen Boden, und das Gesetz hatte pragmatische
Wirkung.
Das Forum der Vereinten Nationen und Dienste des Generalsekretärs
erwiesen sich in diesem Prozeß als außerordentlich wertvoller Katalysator. Von einem praktischen, wenn nicht verfassungsrechtlichen Gesichtspunkt aus, entwickelten sich Reichweite und Einfluß von Amt und Funktionen des Generalsekretärs während der Krise ganz erheblich. Es ist
möglich, daß das eigentliche richterliche Organ der Vereinten Nationen,
der Internationale Gerichtshof, in Zukunft auch eine größere Rolle
spielen wird.
Seerechte
Der Bericht des Generalsekretärs vom 24. Januar schlägt unter anderem
die Stationierung von Streitkräften der Vereinten Nationen an der Straße
von Tiran, die den Zugang zum Golf von Akaba kontrolliert, vor. Der
Bericht erinnert auch an eine Resolution des Sicherheitsrates aus dem
Jahre 1951» in der festgestellt wird, daß Ägypten keine Ansprüche und
das Recht ihrer kriegerischen Durchsetzung gegenüber Israel geltend
machen kann.
Mehrere Jahre lang hatte Ägypten israelischen Handelsschiffen die
Durchfahrt durch den Suezkanal verweigert und Israel den Zugang zum
Golf von Akaba in der Meerenge von Tiran unter Hinweis auf das Recht
kriegführender Staaten verwehrt.
Am

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�"AMERIKA DIENST"

17. Juli 1957

Am 25. Februar deutete Mr. Harnmarskjöld in einem Memorandum an
die Generalversammlung an, daß die Streitkräfte der Vereinten Nationen
nur nach vorheriger Informierung des Beratenden Ausschusses der Generalversammlung aus der Meerenge von Tiran zurückgezogen werden würden.
Der Ausschuß seinerseits könne dann entscheiden, ob die Versammlung
zu Rate gezogen werden solle. Die am 1. März im Anschluß an Besprechungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Israel abgegebene Verlautbarung über den Rückzug enthielt eine Bemerkung, die
sich offensichtlich auf gewisse Voraussetzungen hinsichtlich des
Zugangs zum Golf von Akaba bezog. Schließlich brachte Präsident Eisenhower in seinem Schreiben vom 2. März an den israelischen Ministerpräsidenten die Ansicht zum Ausdruck, daß die von der israelischen und
anderen Delegationen der UN-Generalversammlung geäußerten Hoffnungen
und Erwartungen durchaus vernünftig seien.
Recht kann auf verschiedene Weise zustande kommen. So ist das
Seerecht bis zu einem gewissen Grade durch die Erfahrungen und Maßnahmen von Regierungen und internationalen Organisationen anläßlich
der Suezkrise und ihrer Folgen gefestigt worden. Und es dürfte eine
weitere Entwicklung erfahren, wenn eines Tages die Frage der Durchfahrt durch den Suezkanal und den Golf von Akaba Gegenstand der
Untersuchung durch den Internationalen Gerichtshof werden sollte.
Darüber hinaus werden, wie ich fest glaube, das Seerecht durch
die Bemühungen der UN-Konferenz über das Seerecht, die im kommenden
Jahr in Europa abgehalten werden soll, weiter gefestigt und etwaige
Unklarheiten beseitigt werden. In diesem Fall werden sich die Vertreter der verschiedenen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen und
ihrer Sonderorganisationen ganz bewußt und unmittelbar darum bemühen,
das Recht zu kodifizieren und schriftlich niederzulegen.
Ich darf in diesem Zusammenhang wohl daran erinnern, daß die Vereinigten Staaten ganz besonders an der Frage der Hoheitsgewässer
interessiert sind, die auf dieser Konferenz behandelt werden soll.
Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Staaten nach dem Völkerrecht
nicht gehalten sind, Hoheitsgewässer über eine Breite von 3 Meilen
(4,8 km) anzuerkennen, denn unserer Überzeugung nach ist die Freiheit
der Meere, im weitesten Sinne des Wortes, ein Grundsatz, der allen Nationen, großen wie kleinen, am besten gerecht wird.
Souveränität
Wenn die Freiheit der Meere und alle damit zusammenhängenden Fragen in der Suezkrise für alle Nationen, die den Kanal benutzen, von
grundsätzlicher Bedeutung ist, so ist auch die Frage der Souveränität
mit allen sich daraus ergebenden Folgen von grundsätzlicher Bedeutung
für alle Nationen in Asien und Afrika, die stolz auf ihre nationale
Unabhängigkeit sind und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung
ihrer Länder entsprechend ihrer politischen Unabhängigkeit anstreben.
Wir Amerikaner können nicht gut die Berechtigung dieses Stolzes und
solcher Bestrebungen in Zweifel ziehen, denn erst vor wenigen Generationen, als wir unsere Freiheit errangen, um in den Kreis selbständiger Nationen einzutreten, haben wir uns in der gleichen Lage wie
jene Länder befunden.
_.
u
Einer
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�17. Juli 1957

'AMERIKA DIENST

Einer der heikelsten Punkte, der selbst bei der vorliegenden
begrenzten Lösung der Nahost-Krise zu berücksichtigen war, war die
Tatsache, daß einerseits Ägyptens Souveränität zu respektieren und
andererseits gleichzeitig der Wunsch anderer Nationen nach Wahrung
ihrer Rechte und der Freiheit der Meere zu erfüllen war. Wenn die
Befugnisse der Vereinten Nationen zur Behandlung internationaler
Streitfälle weiter ausgebaut werden sollen, dann muß zunächst gewährleistet werden, daß sie ihre Punktionen erfolgreich ausüben können unter
gleichzeitiger Achtung der Souveränität der einzelnen Nationen.
Die Vorkommnisse der letzten so bewegten Zeit veranschaulichen
erneut, daß die Souveränität, ebenso wie die Staatsbürgerschaft, sowohl
Verpflichtungen als auch Rechte mit sich bringt. Freiheit wurde als
die Möglichkeit zur Selbstdisziplin definiert, und die Erfahrung zeigt,
daß dies sowohl auf die Freiheit der Nationen wie auf die der Menschen
zutrifft. Eine Herrschaft des Rechts kann es nur unter denen geben,
die das Recht auch respektieren.
Außenminister Dulles hat dies kürzlich i m einer Rede kurz und
bündig zusammengefaßt. "Der Weltkommunismus", so sagte er, "duckt sich
zum Sprung,um jene Nationen zu unterwerfen, deren führende Männer glauben,
ihre jüngst erworbenen Souveränitätsrechte durch Verhöhnung anderer
unabhängiger Nationen herausstellen zu.müssen. Solcherart Souveränität
ist selbstmörderische Souveränität ... Wir wollen, daß die neu erworbene Unabhängigkeit anderer Völker etwas Besseres sei als ein kurzes
Dämmern vor der totalen Finsternis kommunistischer Despotie".
Ich habe heute mit Ihnen einige Gedanken über die Stellung des Rechts
in unserer Welt verfolgt, habe kurz erwogen, welches die zur Entfaltung
der Herrschaft des Rechts erforderlichen Elemente sind und habe einige
wichtige Ereignisse der jüngsten Zeit auf dem Gebiet des Völkerrechts
berührt.
Wenn wir die Notwendigkeit des Rechts dartun, müssen wir uns jedoch in aller Deutlichkeit über die Grenzen des Rechts im klaren sein.
Es kann keine Herrschaft des Rechts geben ohne die zur Abschreckung
gewaltsamer Verstöße gegen dieses Recht erforderlichen und ausreichenden
äußeren Zwangsmittel. Und die uns auf Grund unserer führenden Stellung
in der Welt auferlegte Verantwortlichkeit macht es zur zwingenden
Notwendigkeit, daß wir gemeinsam mit jenen Nationen, die den gleichen
Überzeugungen anhängen wie wir, unsere kollektive Stärke aufrechterhalten und den Mut und die Entschlossenheit bewahren, diese Stärke auch
da, wo sie zum Schutze von Frieden und Ordnung erforderlich ist, einzusetzen .
Aber so wie wir Waffen brauchen, um die Herrschaft des Rechts zu
sichern, ebenso brauchen wir das Recht, um die Rüstung innerhalb vernünftiger und wünschenswerter Grenzen zu halten. Es heißt, übermäßige
Tugend könne leicht in Laster ausarten.
üb ermäßige Bewaffnung kann ein Fehler sein. Die übermäßige Rüstung
zehxt am Wohlstand der Völker, sie lenkt ihr Denken in ungesunde Bahnen

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�" AMERI K A M E N S T "

17. Juli 1957

Bahnen kann eine Art "Finger am Abzug"-Spannung verursachen, die durch
jedes zufällige Ereignis ausgelöst werden kann.
Innerhalb des Gefüges der Stärke, welches das unumgänglich wichtigste Element - ich wiederhole, das unumgänglich wichtigste Element einer friedlichen Welt ist, wird eine kluge und vorsichtige Begrenzung
unserer Rüstung unsere Stärke nicht verringern, sondern wirkungsvoller
machen. Sie könnte in sehr großem Maße zur Aufrechterhaltung eines dauerhaften und ehrenvollen Friedens beitragen. In der Frage der Fortentwicklung des Rechts und der Rechtanwendung bleibt auf diesem Gebiet jedoch noch viel zu tun.
Ich habe mich heute in der Hauptsache mit dem Recht in seiner negativen oder vorbeugenden Wirkung beschäftigt - der Ächtung des Krieges
und der Begrenzung der Rüstung. Lassen Sie mich abschließend jedoch
sagen, daß die positiven Seiten des Rechts in ihrem Beitrag für die Zukunft der Welt mindestens ebenso wichtig sein werden wie die negativen.
Die Völker Europas beraten zur Zeit über Verträge für einen gemeinsamen Markt und eine friedliche Nutzung der Atomenergie. In dieser Entwicklung liegt das Versprechen für die wachsende Stärke und Unabhängigkeit dieser Völker und für ihr Gebiet als Ganzes. Solche Entwicklungen
müssen zwangsläufig zur Erschließung von Neuland auf dem Gebiet des
internationalen Rechts führen. Die Geschicklichkeit, mit der dieses Recht
geformt wird, kann im wesentlichen Maße den Erfolg dieser Entwicklungen
bestimmen.
Die Geschichte kennt beides, glänzende Erfolge und tragische Fehlschläge in dem Bemühen der Menschheit, die Herrschaft des Rechts auf
den verschiedenen Ebenen ihrer sozialen Beziehungen zu verwirklichen.
Ich glaube, daß die weitere Entfaltung der Herrschaft des Rechts
unter den Völkern durch einen langsamen Evolutionsprozeß erfolgen muß.
Er wird in erster Linie von der wachsenden Einsicht unter allen Völkern
abhängen, zwischen der Notwendigkeit einer friedlichen Funktion des
Rechts und den Schrecken eines Krieges zu wählen. Später wird er von
der Ausbreitung des Vertrauens abhängig sein, das aus der Erfahrung
geboren wird und durch die praktische Anwendung des Rechts langsam
wächst.
Letzten Endes freilich kann diese Entwicklung nur dann vorankommen,
wenn die ganze Menschheit gewillt ist, zum allgemeinen Wohl der Welt
auf einen Teil ihrer persönlichen und bestimmten Vorrechte zu verzichten.
Diesen Geist können Sie als Juristen durch die Achtung pflegen helfen,
die Sie in Ihren Gemeinden genießen. Damit können Sie zur Stärkung des
internationalen Rechts beitragen und' unseren Nachkommen größere Hoffnung
auf Frieden, Wohlstand und - was am wichtigsten ist - auf Überleben,
geben.
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./24.7.1957

DULLES ERLÄUTERT US-ABRÜSTUNGSVORSCHLÄGE

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede des USAußenministers John Foster Dulles vom 22.
Juli 1957» die v n allen amerikanischen
Rundfunk- und Fernsehstatione übertragen
worden ist.

"Ich möchte über die Abrüstung sprechen. Wir benutzen dieses
V/ort natürlich nicht in seinem buchstäblichen Sinne. Niemand denkt
daran, die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion oder irgendein
anderes Land zu entwaffnen. Was wir anstreben, ist eine Maßnahme
auf dem Gebiet der Rüstungen, durch die die Gefahr eines bewaffneten
Angriffs herabgemindert wird. Es ist eine zwingende Notwendigkeit,
daß wir dieses Ziel zu erreichen trachten.
Es gibt bereits eine so große Zahl stärkster Atomwaffen, daß
ihr Einsatz in einem totalen Krieg das Leben überall auf der Erde
bedrohen könnte. Und so wie die Dinge stehen, wird die Zeit kommen,
da die kleinste und verantwortungsloseste Diktatur in den Besitz
von Waffen gelangen könnte, von denen unendliches Leid droht.
Weiter v/erden die Kosten für die Erhaltung voi miteinander
konkurrierenden militärischen Einrichtungen so groß, daß kein Land
diese Kosten tragen kann, ohne daß sie zu einer drückenden Last für
seine Wirtschaft werden.
Die amerikanische Regierung ist der Auffassung, daß diese Situation gebessert werden kann und gebessert werden müßte.
Wir glauben, daß es jeder Nation schwer - wenn nicht unmöglich gemacht werden kann, einen massiven Überraschungsangriff zu beginnen,
Wenn dies der Fall ist, so würde dadurch die Kriegsgefahr wesentlich
verringert werden, weil ein etwaiger Aggressor in der Regel damit
rechnet, einen überraschenden, vernichtenden Schlag führen zu können.

Wir

1 -

�24. Juli 1957

"AMERIKA DIENST"

Wir glauben, daß es möglich ist, eine unkontrollierte Verbreitung
der Kernwaffen über die ganze Welt zu verhindern.
Und wir glauben ferner, daß die Kosten für die Rüstung ohne Gefahr reduziert werden könnten, wenn die Gefahr eines Überraschungsangriffs wirklich verringert wird.
Die Vereinigten Staaten kämpfen, wie Sie wissen, an vielen Fronten für den Frieden.
Als Mitglied der Vereinten Nationen unterstützen wir deren Ziel,
internationale Streitfälle durch friedliche Mittel und in Übereinstimmung mit Recht und Gesetz zu lösen.
Gleichermaßen bemühen wir uns darum,auf friedlichem Wege der ungerechtfertigten und unmenschlichen Teilung Deutschlands ein Ende zu
setzen und die Unabhängigkeit jener Nationen wiederherzustellen, die
jetzt dem sowjetischen Kolonialismus unterworfen sind.
Wir streben nach kollektiver Sicherheit, so daß die kleineren
und schwächeren Nationen nicht eine nach der anderen angegriffen
und überrannt werden können und die Vereinigten Staaten am Ende
isoliert und von überwältigend großen feindlichen Kräften eingekreist dastehen.
Wir fördern und unterstützen die politische Unabhängigkeit
aller Völker, die nach einer solchen streben und die die Fähigkeit
zeigen, die damit verbundenen Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen.
Wir bemühen uns darum, den Völkern weniger entwickelter Länder
zu helfen, einen Weg aus der stagnierenden Armut zu finden und in
den Genuß der Segnungen der politischen Freiheit zu gelangen.
Und ebenso führen wir an der Rüstungsfront unseren Feldzug für
den Frieden.
Ehe ich nun unser Programm erläutere, möchte ich noch etwas
über die Art unseres Vorgehens und unsere Verfahrensweisen sagen.
Die Abrüstungsbesprechungen werden in London unter den Auspizien
der Vereinten Nationen geführt. Dort tagt ein Abrüstungsunterausschuß,
der sich aus Vertretern der Vereinigten Staaten, Großbritanniens,
Frankreichs, Kanadas und der Sowjetunion zusammensetzt. Dieser Unterausschuß arbeitet bereits seit 1954« Noch bis vor kurzem erschien
sein Vorgehen recht unrealistisch. Die Sowjetunion benutzte die
Sitzungen als Sprachrohr für ihre Propaganda, über dieses Sprachrohr
wurden völlig inhaltlose Vorschläge ausposaunt, mit denen die Sowjetunion sich den Anschein eines friedliebenden Landes zu geben suchte.
In

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�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

In jüngster Zeit hat sich die Atmosphäre etwas gewandelt. Wir
hoffen, die sowjetischen Machthaber betrachten mit Besorgnis die Aussicht, daß sich die Produktion von Atomwaffen auf alle Teile der Welt
ausdehnen könnte. Sie finden es sicher schwer, ihr Rüstungsprogramm
mit der wachsenden Forderung ihrer Bevölkerung nach einem besseren
Leben in Einklang zu bringen.
"Was auch immer die Gründe sein mögen, so hat die sowjetische Delegation doch etwas realistischer und weniger bombastisch geredet.
Die amerikanische Delegation wird von dem ehemaligen Gouverneur
Stassen angeführt und umfaßt diplomatische, militärische und technische
Berater. Die Delegation selbst macht jedoch nicht amerikanische Politik.
Ihre Aufgabe ist es, die Politik der Vereinigten Staaten im Einklang
mit den ihr von dem Außenministerium gegebenen Anweisungen darzulegen.
Die wesentlichen Entscheidungen werden von Präsident Eisenhower getroffen, nachdem er den im nationalen Sicherheitsrat vorgebrachten
Ansichten Rechnung getragen hat.
Da die Verhandlungen zu einem Vertrag führen können, ist der
Abrüstungsunterausschuß des Senats, dessen Vorsitzender Senator
Humphrey ist, laufend genauestens unterrichtet worden.
Wir arbeiten außerdem eng mit der Nordatlantikpaktorganisation
zusammen. Europa ist ein Gebiet, in dem sich starke Kräfte ganz nahe
gegenüberstehen. Es ist ferner ein Gebiet voller gefährlicher und ungelöster politischer Probleme, wie zum Beispiel der Teilung Deutschlands oder der Unterdrückung jeder politischen Unabhängigkeit, wie
sie uns erst kürzlich in Ungarn vorgeführt wurde. Wir sind fest entschlossen, nichts zu tun, was die Sicherheit Westeuropas gefährden
oder den Anschein erwecken könnte, daß wir im Namen der Abrüstung
die Teilung Deutschlands und die Unterdrückung der menschlichen
Freiheit und nationalen Unabhängigkeit sanktionierten. So bleiben
wir auch im Einklang mit den Ansichten derjenigen europäischen Alliierten, die selbst nicht an den Londoner Besprechungen teilnehmen.
Wie Sie sehen, ist die Art unseres Vorgehens etwas kompliziert.
Die Sowjets beklagen sich, daß wir 'langsam' seien. Aber wir handeln
nicht nach sowjetischen Maßstäben. Sie haben keine parlamentarischen
Verfahrensweisen, und die Satellitenregierungen braachen nicht befragt
zu werden. Ihnen wird nur mitgeteilt.
Die Maßnahmen einer Koalition demokratischer Nationen scheinen
oft langsam, Aber - wie ich im April bereits sagte - ein zuverlässiger
Fortschritt kann nur durch 'sorgsam abgemessene und sorgsam gesetzte
Schritte' erzielt werden. Die freien Nationen haben es mit Angelegenheiten zu tun, die schwerwiegende Auswirkungen auf ihre Existenz
selbst haben. Und wenn es auf der einen Seite wichtig ist, daß wir
Fortschritte machen, so ist es doch gleichermaßen wichtig, daß wir
vorsichtig sind.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

24. Juli I957

Ich wende mich nunmehr dem amerikanischen Programm zu, das ständig
mit den übrigen freien Nationen abgestimmt wird.
Unser Programm unterscheidet scharf zwischen dem, was undurchführbar ist - zumindest heute - und dem, was durchführbar ist, auch heute
schon. Zum Beispiels
Erstens» Es ist praktisch unmöglich, sich lediglich auf Versprechungen zu verlassen. Die Charta der Vereinten Natioren enthält bereits Versprechungen. Alle Mitglieder - und dies schließt auch die Sowjetunion
ein - haben der Anwendung von Gewalt entsagt, ausgenommen bei individueller oder kollektiver Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff.
Wenn wir dieses Versprechen für genügend zuverlässig erachteten , würden wir
nicht unseren gegenwärtigen kostspieligen, rein defensiven und als Abschreckung dienenden militärischen Apparat aufrechterhalten. Aber die
sowjetischen Versprechungen haben sich nicht als zuverlässig erwiesen.
Wir werden unsere militärische Position nicht ändern, nur weil wir uns
auf papierne Versprechungen verlassen.
Zweitens: Es ist nicht möglich, die Abschaffung der nuklearen Waffen
sicherzustellen. Die Wissenschaftler erklären uns, daß es keine bekannte Methode gibt, die bereits hergestellten spaltbaren Materialien aufzuspüren und genau zu melden.
Daher müssen wir bei der Ausarbeitung unserer Pläne von der Annahme
ausgehen, daß die Länder, die jetzt über Atomwaffen verfügen, diese in
einem Kriege einsetzen würden.
Drittens: Es ist nicht möglich, irgendeine Formel zu finden, wie man
die militärische Stärke des Sowjetblocks auf der einen Seite und der
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten auf der anderen Seite genau
feststellen kann. Die Washingtoner Konferenz über die Begrenzung der
Seestreitkräfte (1921) setzte für die fünf wichtigsten Seemächte gewisse
Stärken für die Seestreitkräfte fest. Aber diesem noch verhältnismäßig einfacher: Unterfangen war ein unglückliches Ende beschieden.
In der Zeit von 1926 bis 1935 haben die Alliierten des ersten Weltkrieges ehrlich aber vergeblich nach einer Formel zur Rüstungsbegrenzung
der Landstreitkräfte gesucht.
Die Rüstung und das militärische "Potential" sind so komplexe Gebilde, daß man in bezug auf sie unmöglich zu einer zuverlässigen Gleichung gelangen kann.
Y/ir sprechen zuweilen aus Bequemlichkeit bei den bewaffneten Streitkräften eines Landes in Begriffen rein zahlenmäßiger Mannschaftsstärke.
Das führt jedoch zu falschen Vorstellungen, wenn der Eindruck erweckt
würde, daß - wenn die Streitkräfte der Sowjetunion und die der Vereinigten Staaten zahlenmäßig gleich wären - auch unsere militärische Stärke
gleich sei. Die zahlenmäßige Stärke der Streitkräfte einer Nation zu
einer bestimmten Zeit gibt keinen schlüssigen Index für die relative
Stärke. Es kann daneben lokale Polizei- und andere halbmilitärische

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�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

halbmilitärische Verbände geben, die die nationale Stärke verschleiern.
Es können ausgebildete Reserven vorhanden sein, die eine rasche Verstärkung der aktiven Truppen gestatten. Eine solche Möglichkeit ist in einer
Gesellschaftsform immer gegeben, die, wie die Sowjetunion, alle ihre
waffenfähigen Männer zu jeder Zeit unter absoluter Kontrolle hat.
Wir wissen, daß wir keine Formel finden können, die ein zuverlässiges Gleichgewicht der militärischen Stärke gewährleistet.
Dies ist einiges von dem, was sich nicht verwirklichen läßt. Auf der
anderen Seite gibt es auch Dinge, die sich verwirklichen lassen. Zum
Beispiel:
Erstens: Es ist möglich, durch eine sich gegenseitig ergänzende
Kombination von Luftüberwachung und Bodenkontrolle einen massiven Überraschungsangriff zu verhindern oder zumindest das Risiko und Ausmaß der
Überraschung zu vermindern.
Dies ist von größter Bedeutung. Es ist unwahrscheinlich, daß irgendein Land, das selbst für Zerstörungen anfällig ist, einen totalen Krieg
vom Zaume brechen wird, sofern es nicht glaubt, daß es seinen Hauptgegner unvorbereitet treffen und so durch Überraschung eine entscheidende
Überlegenheit gewinnen könnte.
Dies war auch der Gedanke, der dem von Präsident Eisenhower auf der
Gipfel-Konferenz im Juli 1955 gemachten Vorschlag der 'Offenen Himmel*
zugrunde lag. Seitdem ist kein anderer Vorschlag unterbreitet worden,
der in so wirksamer Weise die Gefahr vermindern und auch bei Aufrechterhaltung einer weniger kostspieligen Verteidigung gegen eine Aggression
Sicherheit geben würde.
Zweitens: Es ist technisch möglich, die Verwendung des neu produzierten spaltbaren Materials zu kontrollieren und dabei sicherzustellen,
daß dieses nicht für die Waffenproduktion benutzt wird. Lassen Sie mich
an dieser Stelle auf den Unterschied hinweisen, der zwischen einer Überprüfung oder einer Bestandsaufnahme des in der Vergangenheit produzierten
Materials und einer Bestandsaufnahme der neuen Produktion nach Errichtung
eines Überwachungssystems besteht. Die Vergangenheit kann heute nicht mehr
überprüft werden; man kann jedoch die Zukunft kontrollieren.
Drittens: Es ist technisch möglich, ein Überwachungssystem auszuarbeiten, mit dessen Hilfe starke Atomwaffenversuche größeren Ausmaßes festJgestellt werden können und das das Umgehen eines Testverbotes zu einer
höchst riskanten Angelegenheit machen würde. Da aber Möglichkeiten für
eine Verheimlichung solcher Versuche bestehen, müssen die Beobachtungsgruppen zahlreich sein und in der Nähe möglicher Versuchsgelände stationiert werden. Das Problem ist nicht so einfach, wie manche geglaubt haben.
Viertens: Es ist möglich, daß man die künftige Entwicklung der wichtigsten Mittel, mit deren Hilfe die Zerstörungswaffen zu ihren Zielräumen gebracht werden können, wirksam kontrollieren kann. In diesem
Zusammenhang verdienen neue Waffentypen, wie beispielsweise die interkontinentalen Fernlenkwaffen, besondere Aufmerksamkeit.
Fünftens: Die zahlenmäßige Höchststärke der aktiven Streitkräfte
kann begrenzt werden. Dies würde von keiner tiefgehenden militärischen
Bedeutung sein, könnte sich jedoch als ein Barometer nützlich erweisen,
wenn mit dieser Reduzierung ausreichende Informationen Hand in Hand gehen,
so daß weitgehende Verletzungen entdeckt werden können, und wenn eine
solche Kürzung von einigen Begrenzungen in bezug auf die den militärischen
Streitkräften zur Verfügung stehenden Waffen begleitet wird.
_ c. _.
Sechstens:

�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

Sechstens; Es ist möglich, die gegenwärtig in den Arsenalen der
Sowjetunion und der USA befindlichen herkömmlichen Waffen in einem
gewissen Ausmaß zu reduzieren; hierzu gehören dio wichtigen Beförderungsmittel für Atomwaffen. Und es ist ferner möglich, eine ungefähre
Gleichheit hinsichtlich der Bestände zu erzielen, die jeder von uns
vernichten oder die jeder von uns international überwachten Depots
übergeben würde. Diese Reduzierung könnte in bezug auf die Zahl derjenigen, die bewaffnet werden könnten, von praktischer Bedeutung sein.
Siebentens« Spaltbares Material kann aus bestehenden Atomwaffenbeständen in solche Arsenale übergeführt werden, die definitiv für
friedliche Verwendungszwecke ausersehen sind. Es wäre nicht möglich,
das für Waffenzwecke verbleibende Material zu registrieren oder in
diesem Zusammenhang eine Angleichung untereinander herbeizuführen.
Solche Überführung in Lager, die für eine friedliche Nutzung vorgesehen
sind, könnte, wenn sie mit einer NichtVerwendung des neu produzierten
spaltbaren Materials für Waffenzwecke Hand in Hand geht, sicherstellen,
daß sich das vorhandene Kernwaffenpotential verringert.
Die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, die ich hier umrissen habe,
formen die Abrüstungsvorschläge der Vereinigten Staaten. Bei diesen
Vorschlägen handelt es sich zugestandenermaßen nur um Teilpläne. Sie
stellen, • so hoffen wir, einen Anfang und nicht ein Ende dar. Wir wollen
jetzt nichts unternehmen, was zur Stunde undurchführbar erscheint. Wir
versuchen allerdings, im Rahmen des Notwendigsten das Mögliche zu erreichen, um einen bedeutsamen Anfang zu machen. Das Wesentliche sju
diesem Zeitpunkt der Geschichte ist, wirklich anzufangen und aus der
Phase des ermüdenden und endlosen Gesprächs in die Phase der Aktivität zu gelangen. Dies sind nun unsere Vorschläge»
Erstens! Wir schlagen vor, da.ß sich uns die Sowjetunion bei der
Schaffung eines Inspektionssystems anschließt, das verläßliche Sicherheiten gegen einen umfassenden Überraschungsangriff bietet» Die Vereinigten Staaten sind bereit, der Überwachung ihres gesamten Gebietes
in Nordamerika zuzustimmen, wenn die Sowjetunion eine Inspektion ihres
Gebietes zuläßt. Wir stehen in enger Beratung mit unseren kanadischen
Freunden bezüglich der Möglichkeit, diese nordamerikanische Zone so
zu vergrößern, daß sie auch Kanada einschließt.
Wir sind ferner bereit, begrenztere Zonen in Betracht zu ziehen,
die dann allmählich erweitert werden könnten. Als Anfangszone könnte
ein nördlicher Raum in Frage kommen, der das Gebiet des Polarkreises,
Alaska und die Aleuten sowie entsprechende Teile des östlichen Sibiriens,
Kamtschatka und die Kurilen umfaßt. Dazu ist natürlich die Zustimmung
anderer Länder erforderlich. Wir stehen in dieser Frage in enger Beratung mit Kanada, mit Dänemark, soweit Grönland betroffen ist, und mit
Norwegen. Wir wissen, daß diese Verbündeten der USA genauso bestrebt
sind wie wir selbst, dazu beizutragen, daß ein Beginn bei der Suche
nach Sicherheit gegen einen Überraschungsangriff gemacht wird.
Diese nördliche Zone wäre keineswegs ohne wesentliche Bedeutung.
Zahlreiche Wege, auf denen möglicherweise ein Überraschungsangriff
vorgetragen werden könnte, führen über diese Polarregion. Zur gleichen

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24» Juli 1957

gleichen Zeit bieten diese Gebiete relativ wenig komplizierte Probleme, so daß hier ein schneller Beginn gemacht und hinsichtlich der
technischen Probleme entsprechende Erfahrungen gesammelt werden könnten. Diese technischen Probleme sind beträchtlich, da sie die Koordinierung einer Luft- und Bodeninspektion sowie ein verläßliches Meldesystem einschließen.
Auch eine europäische Zone wird eingehend erwogen. In dieser Angelegenheit arbeiten die Vereinigten Staaten eng mit ihren NATOAlliierten zusammen. Es ist allgemein der von uns geteilte Wunsch
vorhanden, daß eine solche Zone geschaffen wird. Aber alle sind sich
darüber im klaren, daß sie zahlreiche spezielle Komplikationen in sich
birgt. Es wird wesentlich länger dauern, eine europäische Zone auszuarbeiten, als eine nördliche Zone festzulegen, die nicht so viele
Schwierigkeiten bietet.
Wenn mit einem Anfangsschritt ein Verfahren, das greifbare Sicherheiten gegen Überwachungsangriffe bietet, entwickelt werden kann, dann
kann dieser Anfang allmählich auch auf all die wichtigen Gebiete ausgedehnt werden, aus denen ein massiver Überraschungsangriff erwachsen
könnte. Auf diese Weise würde ein entscheidender Schritt getan worden
sein, um die Kriegsgefahr zu vermindern. Dann könnten die Sicherheitsausgaben ohne Gefahr reduziert werden.
Zweitens: Hinsichtlich der Atomwaffen schlagen wir ein drei Punkte umfassendes Programm vor. Wir machen nicht den Vorschlag, die Atomwaffen zu vernichten oder die Möglichkeit ihrer Anwendung auszuschalten, da dies, wie wir gesehen haben, nicht gewährleistet werden kann.
Jedoch ist es möglich und angebracht, das Ausmaß des Atomwaffenproblems
zu reduzieren und eine weltweite Verteilung solcher Kampfmittel in der
ganzen Welt zu verhindern.
Wir machen uns keine Sorgen in bezug auf die freien Nationen, die
vielleicht als nächste Kernwaffen herstellen könnten. Und wir bezweifeln, ob die Sowjetunion ihren Alliierten Atomwaffen gestatten würde.
Wenn jedoch jetzt keine internationalen Verfahren ausgearbeitet werden können, um die Atomwaffen unter Kontrolle zu bringen, dann könnte
dieses Problem bald völlig unlösbar werden, und wir müßten damit rechnen, daß eine ungeheure Zerstörungsgewalt in die Hände derer geraten
könnte, die unter Umständen völlig verantwortungslos handeln würden.
Unser Programm enthält folgende drei Punkte:
a) Wir schlagen vor, daß alle Nationen sich damit einverstanden
erklären, von einem bestimmten Zeitpunkt an keine spaltbaren Materialien mehr für Waffenzwecke herzustellen. Der Zeitpunkt würde von der
vorherigen Errichtung eines wirkungsvollen Kontrollsystems abhängig
gemacht werden.
Alle

�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

Alle Länder würden sich von jenem Zeitpunkt an damit einverstanden erklären, daß ihre gesamte Produktion an spaltbarem Material friedlichen
Zwecken zugeführt werden würde. Dies würde der Auffüllung kostspieliger und sich ständig vermehrender Arsenale von Atomwaffen ein Ende setzen
Nach Angaben unserer Atomwissenschaftler ist dies ein erreichbares
Ziel.
b) Wir schlagen die Schaffung eines Systems vor, mit dessen Hilfe
die vorhandenen Bestände an Atomwaffen reduziert werden könnten, indem
man sie vielleicht unter den Auspizien der internationalen Atombehörde,
die zur Zeit im Entstehen begriffen ist, friedlichen Verwendungszwecken
zuführt. Dies hat Präsident Eisenhower im Jahre 1953 in seiner Rede
vor den Vereinten Nationen vorgeschlagen. Die geplanten Reduzierungen
würden anfänglich in einem bescheidenen Rahmen vorgenommen werden und
würden die vorhandenen Atomwaffenbestände nicht wesentlich beeinträchtigen. Es würden für unsere Zwecke und die unserer Alliierten noch
Atomwaffenbestände in ausreichender Menge zur Verfügung stehen für
den Fall, daß uns ein Krieg aufgezwungen werden sollte. Wenn jedoch
die Lösung politischer Fragen sowie weitere Maßnahmen auf dem Gebiet
der Rüstungsreduzierung es klug erscheinen lassen, die Waffenbestände
stärker zu verringern, würden wir für diesen Zweck ein internationales
Instrument zur Verfügung haben.
c) Zusammen mit den Schritten a und b schlagen wir eine vorübergehende Einstellung der Kernwaffenversuche,und zwar für den Zeitraum von
etwa zehn Monaten vor. Dieser Zeitraum ist keineswegs willkürlich gewählt. Es wäre ein Zeitraum, der nicht zur Auflösung der bestehenden
wissenschaftlichen Arbeitsgruppen der USA führen würde. Während dieser
zehn Monate könnte gleichzeitig ein Fortschritt hinsichtlich der Schaffung eines Inspektionssystems gemacht werden, um zu garantieren, daß falls die Aussetzung der Versuche verlängert w«rden sollte - dies in
ausreichender Weise überwacht und kontrolliert werden kann. Während
dieses Zeitraums könnte ebenfalls mit der Inspektion begonnen werden,
die notwendig ist, um sicherzustellen, daß eine zukünftige Produktion
spaltbaren Materials lediglich für friedliche Zwecke Verwendung findet.
Bis wir überzeugende Beweise dafür haben, daß es die Sowjets mit
einer Rüstungsbegrenzung ernst meinen, hängt unsere Sicherheit davon ab,
daß wir über die besten Waffen verfügen - sowohl große als auch kleine -,
die wir entwickeln können. Dies bedeutet eine fortlaufende Erprobung.
Durch eine solche Erprobung ist es möglich, noch kleinere Waffen zu
entwickeln, sowie sicherzustellen, daß größere Waffen geringere radioaktive Ausfällungen haben werden. Präsident Eisenhower hat die Möglichkeit angedeutet, daß die Ausfällungen großer Waffen auf weniger als
ein Prozent ihrer Wirkung reduziert werden können. Auf diese Weise kann
sichergestellt werden, daß Kernwaffen, wenn sie eingesetzt werden müssen,
genauer auf bestimmte militärische Ziele begrenzt werden können. Deshalb ^rennen wir das Problem der Versuche nicht von umfassenderen Fragen.

Während

�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

Während des Zeitraums der versuchsweisen Einstellung der Kernwaffenversuche, so meinen wir, könnten gute Fortschritte auf dem Wege
zur Schaffung eines Systems gemacht werden, mit dessen Hilfe vor
Überraschungsangriffen gewarnt, eine spätere Versuchsreihe festgestellt
sowie gewährleistet werden kann, daß eine zukünftige Produktion spaltbaren Materials nicht für eine Vergrößerung der bestehenden Vorräte
oder für eine weltweite Verteilung der Kernwaffen Verwendung findet.
Dann, und nur dann, würden wir das Gefühl haben, daß der Sicherheit
in ausreichendem Maße Genüge geleistet worden sei, um eine weitere
Aussetzung der Versuche in Erwägung zu ziehen.
Drittens: Wir sind bereit, einen Anfang hinsichtlich der Reduzierung und Regulierung der nicht-atomaren Rüstungen und der Streitkräfte zu machen. Diese Anfangskürzungen können weder tiefgehend
noch drastisch noch theoretisch vollkommen sein. Wir haben daher
vorgeschlagen, daß wir und die Sowjetunion in einem ersten Schritt
der Begrenzung unserer militärischen Mannschaftsstärke in der Weise
zustimmen, daß sie nicht 2,5 Millionen Mann für jeden von uns übersteigt. Ferner sind wir - um einen Anfang mit der Reduzierung der uns
zur Verfügung stehenden Waffen zu machen - bereit, gemeinsam mit der
Sowjetunion gewisse Waffenmengen und -typen - über die man eine Absprache treffen könnte - international überwachten Depots innerhalb
unserer Landesgrenzen zu überstellen.
Viertens: Wir sind bereit, bei der Ausarbeitung eines Systems
mitzuwirken, das die Gewähr dafür bieten würde, Raumraketen ausschließlich für friedliche und wissenschaftliche Zwecke zu verwenden. Der
Vorstoß in den Weltraum steckt noch so im Anfangsstadium, daß es
möglich sein müßte, die künftigen Entwicklungen auf diesem neuen
Wissens- und Versuchsgebiet so zu lenken, daß sie dem Wohle der
Menschen und nicht ihrem Verderben dienen.
Der von uns vorgeschlagene Anfang ist begrenzt, aber er ist
realistisch. Und wenn die ersten Schritte erfolgreich sind, dann
werden weitere möglich sein. Wenn wir jedoch in die Zukunft blicken,
so sind wir uns dabei der Tatsache bewußt, daß Maßnahmen auf dem
Gebiet der Abrüstung keinen Ersatz für die Regelung politischer
Probleme darstellen, die notwendig ist, um große Ungerechtigkeiten
aus dem Wege zu räumen. Die Suche nach einer Rüstungsbegrenzung und
die Suche nach politischen Lösungen müssen miteinander Hand in Hand
gehen.
Und lassen Sie mich hinzufügen: solange wir keinen Beweis in
Händen haben, daß es die Sowjets mit einer Rüstungsreduzierung ernst
meinen, müssen wir aus dem reinen Selbsterhaltungstrieb heraus alles
tun, damit die Kraft und die Stärke unserer Sicherheitsvorkehrungen,
einschließlich unserer Verteidigungsbündnisse, aufrechterhalten werden.
Wenn wir in unseren Bemühungen hinsichtlich dieser großen und
konstruktiven Sicherheitsvorkehrungen nachlassen, würden wir unsere
nackte Existenz aufs Spiel setzen und darüber hinaus so gut wie
sicherstellen, daß sich die Sowjetunion unseren Abrüstungsvorschlägen
gegenüber gleichgültig verhält.
w.

�"ALIERIKA DIENST"

24. Juli 1957

Wir glauben, daß unsere Pläne eine Grundlage schaffen, um
einen wichtigen Anfang mit der Bändigung der zerstörerischen
Kräfte zu machen. Wir hoffen, daß die Sowjetunion sie akzeptieren
wird. Gewisse Fortschritte sind bereits erzielt worden.
Die Sowjetunion scheint mit der Errichtung eines Luft- und
Bodeninspektionssystems als einem ersten Schritt in der Abrüstungsfrage einverstanden zu sein. Wir haben aber keine Einigung darüber
erzielt, wo ein derartiges Inspektionssystem errichtet v/erden und wie
es beschaffen sein soll.
Die Sowjets scheinen zum gegenwärtigen Augenblick zu zögern, sich
mit einer Einstellung der Produktion von spaltbarem Material für Rüstungszwecke einverstanden zu erklären, die verhindern soll, daß sich die Herstellung von Atomwaffen auf die ganze Welt ausdehnt. Die Sowjets streben
noch immer eine Einstellung der Atomwaffenversuche unabhängig von anderen
Maßnahmen und für einen Zeitraum an, der in keinerlei Beziehungen zu
Fortschritten auf anderen Gebieten steht.
Unsere Alliierten haben unsere Vorschläge unabhängig und intensiv geprüft, wobei ihre Reaktion darauf im allgemeinen günstig gewesen ist. Dadurch ermutigt, werden wir gemeinsam mit ihnen in unseren Bestrebungen beharren, die Zustimmung der Sowjetunion für ein
Anfangsprogramm zu erhalten. Dieses Programm geht so weit, wie dies
heute ohne Gefährdung unserer eigenen Sicherheit und die unserer
Alliierten möglich ist. Bei dem Bestreben nach theoretischer Vollkommenheit schiebt es den unumgänglich notwendigen Beginn seiner
Verwirklichung keineswegs auf unbestimmte Zeit hinaus. Unserer
Meinung nach muß sich ein derartiger Standpunkt durchsetzen.
Es könnte die Frage gestellt v/erden, ob die von uns jetzt
vorgeschlagenen Schritte, ohne jedes Risiko, daß die gegnerischen
Kräfte daraus Vorteil ziehen, ergriffen werden können. In aller
Offenheit muß ich einräumen, daß es nach Berücksichtigung aller
vorhersehbaren Risiken durchaus andere Gefahren geben kann, die
wir jetzt nicht voraussehen können. Aber dies kann mit Sicherheit
gesagt werden: Die Risiken, die mit dem Bemühen, voranzukommen,
verbunden sind, sind weitaus geringer als die Gefahren, die entstehen, wenn man sich aus Angst oder Furcht untätig verhält.
Die gesamte Welt geht einer düsteren Zukunft entgegen, wenn die
Kriegsgefahr nicht unter irgendeine internationale Kontrolle gebracht wird. Die Menschheit kann nicht lange unter der belastenden
Vorstellung möglicher Zerstörung leben, ohne daß sich ein Wandel
der materiellen, sozialen, politischen und moralischen Werte vollzieht.
Wünschen wir eine Zukunft, in der die Menschen glauben, daß
sie - um überleben zu können - lernen müssen, wie Höhlenbewohner
unter der Erdoberfläche zu leben, um Schutz vor den Explosionen, der
Hitze und den radioaktiven Ausfällungen nuklearer Waffen zu haben?
Wünschen wir eine Welt, in der die Menschheit ein Sklave der rapide
anwachsenden Kosten der Erhaltung ihrer nackten Existenz sein muß?
Wollen wir, daß die persönliche Freiheit ein historisches; Relikt

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�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

Wir leben in einem entscheidenden Abschnitt der Geschichte. Es
ist ein Augenblick, in dem sich diejenigen, die die Freiheit lieben;
und die sich der Segnungen der Freiheit erfreuen und sie der Nachwelt
erhalten möchten, zusammenschließen müssen, um die neuen Kräfte der
Materie zu beherrschen, die die Menschheit wieder auf den Ausganspunkt
ihrer Entwicklung zurückwerfen würden. In solch einem Augenblick darf
es keine lähmende Furcht und keinen gleichgültigen Neutralismus geben.
Alle, die sich eine Welt wünschen, in der die Menschen ihre geistigen
Bestrebungen verwirklichen können, müssen einig sein und Mut haben.
Risiken am Rande müssen akzeptiert werden, wenn wir dadurch weitaus
größere Gefahren ausschalten können.
Wir müssen es zu unserer Arbeitshypothese machen, daß das, was
notwendig ist, möglich ist und dies auch verwirklichen. Wir müssen
von der Voraussetzung ausgehen, daß sie das, was die Menschheit durch
ihre Erfindungsgabe geschaffen hat, auch durch ihre Klugheit, ihre
Fähigkeit und ihre Disziplin bändigen und kontrollieren kann.
Wir haben nicht unbegrenzt Zeit. Jedes Jahr, das ohne Abkommen
vergeht, macht die Schwierigkeiten für eine angemessene Begrenzung
und Kontrolle nur noch größer.
Aber wir haben Grund zu hoffen. Die immer größer werdende Dringlichkeit, zu einem Abkommen zu gelangen, hat in den vergangenen Monaten
zu einem größeren Realismus und zu einer größeren Ernsthaftigkeit der
Verhandlungen geführt und damit die Aussichten auf eine gewisse Annäherung der gegenwärtigen Standpunkte verbessert.
Wenn die Menschheit die über Jahrhunderte geschaffene und unter
großen Risiken und Kosten erhaltene Kultur bewahren will, dann muß
sie einen Weg finden, um die Welt von der dauernden Drohung der
Zerstörung durch die Waffen, die sie gebaut hat, zu befreien.
Ich weiß, daß sie dies kann, und glaube fest daran, daß sie dies
tun wird."

* * * * *

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�A M E R I K A

E N S T

Allg./7.8.1957

AUSSENMINISTER DULLES LEGT V/ESTLICHEN INSPEKTIONSPLAN VOR

LONDON -(AD)- Der amerikanische Außenminister
John Foster Dulles hat am 2. August 1957 vor
dem Abrüstungsunterausschuß der Vereinten Nationen in London die Vorschläge der vier westlichen Verhandlungspartner für die Schaffung
von Luft- und Bodeninspektionszonen zu beiden
Seiten des Eisernen Vorhangs dargelegt. Der
Inspektionsplan der vier Westmächte hat folgenden Wortlaut:

"Nach dem Inkrafttreten eines Abrüstungsabkommens der ersten
Phase werden die beteiligten Staaten bei der Schaffung und Aufrechterhaltung von Inspektionssystemen zusammenarbeiten, um eine Sicherung
gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs zu schaffen:
Erstens: In bezug auf eine Inspektion der westlichen Hemisphäre
und der UdSSR schlagen die Regierungen Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten folgendes vor.
a) Daß das gesamte kontinentale Gebiet der Vereinigten Staaten,
ganz Alaska ei s •hließlich der Aleuten-Inseln, das gesamte Gebiet
Kanadas und das gesamte Gebiet der Sowjetunion für eine Inspektion
offen sein sollen.
b) Wenn d.'.e Reg'erung der Sowjetunion diesen umfassenden Vorschlag ablehnt, mit dem der Vorschlag für die Inspektion in Europa,
auf den unten B zug genommen wird, verbunden ist, schlagen d"e vier
Mächte mit Zustimmung der Regierungen von Dänemark und Norwegen vor,
daß das gesamte nörd ich des Polarkreises liegende Gebiet der Sowjetunion, Kanadas, der Vereinigten Staaten (Alaska), Dänemarks (Grönland)
und Norwegens; das gesamte Gebiet Kanadas, der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion westlich des 140. Grades westlicher Länge, östlich des 160. Grades östlicher Länge und nördlich des 50« Grades
nördlicher Breite; der gesamte Rest Alaskas und die gesamten Inseln
der Aleuten und der Kurilen für die Inspektion offen sein sollten.
Zweitens:

�"AMERIKA DIENST"

7. August

1957

Zweitens: Unter der Voraussetzung, daß sich die Sowjetunion für
einen der beiden vorgenannten Vorschläge verpflichtet, wird hinsichtlich einer Inspektion in Europa von den Regierungen Kanadas, Frankreichs,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten mit der grundsätzlichen
Zustimmung ihrer europäischen Alliierten und in ständigen Beratungen
mit ihnen, vorbehaltlich der unerlässlichen Zustimmung der beteiligten
Länder und vorbehaltlich irgendwelcher gegenseitig vereinbarter Ausnahmen, vorgeschlagen, daß ein Gebiet, welches ganz Europa im Süden
vom 40. Grad nördlicher Breite und im Westen vom 10. Grad westlicher
Länge und im Osten vom 60. Grad östlicher Länge umfaßt, für die Inspektion offen sein soll.
Drittens: Wenn die Regierung der Sowjetunion diesen umfassenden
Vorschlag ablehnt, dann könnte unter der gleichen Bedingung, wie oben
angegeben, über eine begrenztere Inspektionszone in Eur pa verhandelt
werden, dies aber nur unter der Voraussetzung, daß diese einen wichtigen Teil des Gebietes der Sowjetunion ebenso wie der anderen Länder
Osteuropas einschließen würde.
Viertens: Im Hinblick auf den Charakter der Inspektion als Sicherung gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs wird es als notwendig erachtet, daß diese auf jeden Fall eine Luftinspektion mit Bodenbeobachtungsstellen in wichtigen Häfen, an Eisenbahnknotenpunkten,
Hauptstraßen und auf wichtigen Flugplätzen und so weiter einschließen
soll, über die ein Übereinkommen zu treffen ist. Weiter sollen übereinkommensgemäß bewegliche Bodeninspektionsgruppen mit genau festgelegten Vollmachten eingesetzt werden. Es wird von der Annahme ausgegangen,
daß durch Übereinkunft Bodenkontrollposten an Punkten auf dem Gebiet
der beteiligten Staaten errichtet werden können, ohne daß auf die Begrenzung der oben genannten Gebiete Rücksicht genommen zu werden braucht.
Die der Bodeninspektion offenen Gebiete sollen jedoch nicht kleiner
sein als die Gebiete der Luftinspektion. Die Beweglichkeit der Bodeninspektionsgruppen würde durch das Abkommen entsprechend genau festgelegt werden, in jedem Falle jedoch mit Zustimmung des direkt betroffenen
Landes. Ebenso würden alle notwendigen nachrichtentechnischen Einrichtungen geschaffen.
Fünftens: Da die Errichtung eines jeden Inspektionssystems von der
Einigung über die Einzelheiten seiner Einrichtung, Aufrechterhaltung
und Inbetriebnahme abhängt, wird als dringlich vorgeschlagen, daß sofort eine Arbeitsgruppe von Sachverständigen gebildet wird, die die
technischen Probleme prüfen und über ihre Erg-bnisse berichten soll,
welche die Grundlage für einen Zusatz zu dem Abkommen bilden könnten.
Sechstens: Es besteht Übereinstimmung, daß ein anfängliches Inspektionssystem, das dazu bestimmt ist, eine Garantie gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs zu bieten, durch ein Abkommen
aller beteiligten Nationen dahingehend erweitert werden kann, daß
das System schließlich die Gefahr eines Überraschungsangriffs von jeder Seite ausschließt."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./7.8U957
EISENHOWERt US-NAHOSTDOKTRIN HAT ZUR VERRINGERUNG DER
SPANNUNGEN BEIGETRAGEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut eines Berichts Präsident Eisenhowers an den US-Kongreß über die
Auswirkungen seiner im Januar dieses Jahres
erläuterten Nahostdoktrin sowie seines dem
Bericht beigegebenen Begleitschreibens vom
5. August 1957»

Begleitschreiben
''Ich übermittle hiermit dem Kongreß den ersten Bericht über
die bis zum 30. Juni 1957 erfolgten Maßnahmen in Verfolgung der
Ziele der gemeinsamen Resolution zur Förderung des Friedens und
der Stabilität im Nahen .Osten.
Die Resolution bildet, soweit sie den Nahen Osten betrefft,
einen wichtigen Markstein in unserer Außenpolitik. Seit ihrer Billigung am 5• März 1957 hat die Resolution eine bedeutende Rolle in
unserer Zusammenarbeit mit den Staaten dieses Gebietes beim Aufbau
der Stärke gegen die Bedrohung des internationalen Kommunismus gespielt. Darüber hinaus hat sie als eine an den internationalen
Kommunismus gerichtete unmißverständliche Warnung gegen alle Formen der Aggression gedient. Der Beitrag, den die Resolution zum
internationalen Frieden und zur Stabilität im Nahen Osten leistet,
wird ständig größer werden, solange die Ziele und Grundsätze, die
in ihr zum Ausdruck kommen»beibehalten werden.
gez. Dwight D. Eisenhower."
Bericht
'Fortschritte auf Grund der Resolution
Am 5« März 1957 hat der Präsident die gemeinsame Resolution
No . 117 unterzeichnet, die der Förderung des Friedens und der Stabilität im Nahen Osten dienen soll. Abschnitt fünf der Resolution
sieht vor, daß dem Kongreß durch den Präsidenten in den Monaten

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�"AMERIKA DIENST"

7. August 1957

Monaten Januar und Juli jeder. Jahres Berichte vorzulegen sind.
Die Resolution bringt die Bereitschaft der Regierung der Vereinigten Staaten durch die Erklärungen der Legislative wie der Exekutive zum
Ausdruck, die Nationen in dem Gebiet des Nahen Ostens bei der Erhaltung
ihrer Unabhängigkeit gegen die Bedrohung durch den internationalen
Kommunismus zu unterstützen. Sie ermächtigt zu gewissen Maßnahmen, die
der Förderung der Stabilität sowie der Stärke und Unabhängigkeit der
Nationen dieses Gebietes dienen sollen. Es wird in ihr ausdrücklich erklärt,
daß die amerikanische Unterstützung nur denjenigen Nationen gewährt werden wird, die solche Unterstützung wünschen. Mit diesem Angebot haben
die Vereinigten Staaten eine neue Verantwortung gegenüber den Nationen
des Nahen Ostens übernommen.
Eine Deklaration dieser Art erreicht bereits durch ihre Inkraftsetzung sowie dadurch, daß die Welt ihre Bedeutung erkennt, einen wichtigen Teil der beabsichtigten Zielsetzungen. Erstens ist der internationale Kommunismus damit über die Konsequenzen, die eine aggressive Handlung haben würde, in Kenntnis gesetzt w rden. Wie Außenminister Dulles
erklärt hat, 'läßt sie einem etwaigen bewaffneten Aggressor keine Möglichkeit mehr zu Fehlkalkulationen'. Zweitens werden die Länder dieses
Gebietes durch die Gewißheit, daß sie nicht alleine einer überwältigenden Stärke gegenüberzustehen brauchen, sowie durch das Angebot einer
materiellen Unterstützung, die ihre eigenen Anstrengungen ergänzen soll,
ermutigt, sich selbst zu helfen.
Um den Ländern des Nahen Ostens die Auswirkungen der Resolution
zu erläutern, hat der Präsident Botschafter James P. Richards, der am
7. Januar 1957 zum Sonderbeauftragten des Präsidenten ernannt worden
war, beauftragt, eine Mission in diesem Gebiet durchzuführen. Botschafter Richards war ermächtigt worden, Abkommen in bezug auf wirtschaftliche und militärische Unterstützung zur Förderung der Absichten und
Zielsetzungen der Resolution im Prinzip abzuschließen. Botschafter
Richards reiste am 12. März ab, um die Länder des Nahen Ostens zu besuchen. Seiner Begleitung gehörten maßgebende Beamte des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums, des US-Amtes für internationale
Zusammenarbeit und des US-Informationsamtes an. Vor seiner Abreise hatte
Botschafter Richards seine Bereitschaft unterstrichen, jedes Land in
dem allgemeinen Gebiet des Nahen Ostens zu besuchen, das mit ihm diese
amerikanische Doktrin zu erörtern wünscht. In den darauffolgenden
beiden Monaten hat Botschafter Richards Mission rund 48 270 Kilometer
zurückgelegt und auf Grund besonderer Einladungen die folgenden
fünfzehn Länder besucht«
Afghanistan, Äthiopien, Persien, den Irak, den Libanon, Libyen, Pakistan, Saudisch-Arabien, die Türkei, den Jemen, den Sudan, Griechenland, Israel, Tunesien und Marokko.
Botschafter

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�"AMERIKA DIENST"

7. August 1957

Botschafter Richards Mission hat sich insofern als besonders erfolgreich erwiesen, als sie den Ländern des Nahen Ostens und dem
internationalen Kcmmunif-mus die Bedeutung der Resolution vermittelt
hat. Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß dreizehr der besuchten
Länder öff entliche Erklärungen herausgegeben haben, in denen die
Absichten und Zie Setzungen der Resolution unterstützt werden.
Im Einklang mit den ihm durch den Präsidenten übertragenen
Vollmachten und im Einklang mit den Bestimmungen der Resolution
hat Botschafter Richards im Prinzip Abkommen, die eine Unterstützung
im Gesamtbetrag von 118,7 Millionen Dollar vorsehen.abgeschlossen.
Von diesem BeLrafae waren 67,7 Millionen Dollar dazu bestimmt, diesen
Ländern bei der Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Stärke zu helfen;
51 Millionen Dollar dienten der Stärkung der militärischen Streitkräfte.
Beide Kategorien von Unterstützung tragen zur Verbesserung der inneren
Sicherheit bei. Weitere Einzelheiten über diese Vereinbarungen sowie
darüber, wie anderweitig von den Ermächtigungen der Resolution Gebrauch
gemacht wurde, werden in Abschnitt II dieses Berichtes aufgeführt.
So wurden spezifische und unverzügliche Maßnahmen ergriffen.
Zusätzliche Informationen in bezug auf die Durchführung der Resolution
und ihre Auswirkungen im Nahen Osten, die notwendigerweise geheim
bleiben müssen, wurden den entsprechenden Kongreßausschüssen in detaillierten Berichten gemäß Abschnitt drei der Resolution zugeleitet.
Botschafter Richards und andere haben vor den Kongreßausschüssen über
die Ergebnisse ihrer Reise und die Bedeutung des von ihnen Erreichten
Bericht erstattet.
Abschnitt zwei der Resolution besagt, daß - falls der Präsident
eine entsprechende Notwendigkeit als gegeben erachtet - die Vereinigten
Staaten bereit sind, militärische Streitkräfte einzusetzen, um einer
jeden Nation oder Gruppe von Nationen des Nahen Ostens Beistand zu
leisten, sofern sie um Hilfe gegen eine bewaffnete Aggression seitens
eines durch den internationalen Kommunismus kontrollierten Landes nachsucht, vorausgesetzt, daß eine derartige Aktion mit den vertraglichen
Verpflichtungen und der Verfassung der Vereinigten Staaten in Einklang
steht. Die Bedeutung dieser Bestimmung liegt in ihrer klar ausgesprochenen Warnung, daß die Vereinigten Staaten in Aktion treten würden,
und der abschreckenden Wirkung dieser Warnung. Um eine solche Maßnahme
auf Grund der mit dieser Bestimmung gegebenen Ermächtigung ist während
des von diesem Bericht erfaßten Zeitraums nicht ersucht worden. Die
aus dieser Bestimmung sich ergebenden Konsequenzen sind jedoch sorgfältig herausgestellt worden. Den ausländischen Regierungen wurde, vor
allem durch Botschafter Richards, versichert, daß diese Bestimmung die
Absicht der Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringt, ihnen im Falle
einer Aggression durch den internationalen Kommunismus auf ihr Ersuchen
hin zu Hilfe zu eilen. Gleichzeitig aber wurde klargestellt, daß die
Resolution es ausdrücklich der Entscheidung des Präsidenten überläßt, über die von den Vereinigten Staaten unter gegebenen Umständen
zu ergreifende Maßnahme zu bestimmen, und daß die Resolution keine
Vorausverpflichtungen seitens der Vereinigten Staaten bedeutet, einen
bestimmten Aktionskurs einzuschlagen.
Eine

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�"AMERIKA DIENST

7. August 1957

Eine richtige Bewertung einer wichtigen politischen Erklärung
kann nur nach Ablauf eines gewissen Zeitraums erfolgen. Außerdem
aber ergeben sich die Resultate in bezug auf die Verwirklichung der
von den Vereinigten Staaten erstrebten Ziele aus der amerikanischen
Politik in ihrer Gesamtheit, die als ein aufeinander abgestimmtes
Ganzes konzipier! und durchgeführt wird. Der gemeinsamen Nahostresolu-ion kommt eine zentrale Bedeut' ng in bezug auf die Verbesserung
der Verhältnisse in diesem Gebiet in jüngster Zeit zu. Für die Völker
dieses Gebietes hat sich eine neue Möglichkeit eröffnt, die vielfältigen Probleme, denen sie sich gegenübersehen, in Angriff zu nehmen.
Trotz des erzielten Fortschritts besteht kein Gru..d zur Selbstgefälligkeit. Die Vereinigten Staaten müssen den von ihnen einmal
eingeschlagenen Kurs weiter verfolgen, wenn die in der Resolution niedergelegten hohen Zielsetzungen verw rklicht werden sollen. Jede andere
Handlungsweise würde einen Vertrauensbruch gegenüber den Völkern des
Nahen Ostens bedeuten und unserer eigenen nationalen Sicherheit und
der Sache des Weltfriedens schaden.
In seiner Botschaft vom 5» Januar 1957 an den Kongreß erklärte
der Präsident, daß er um die Bereitstellung von Mitteln sowohl im
Finanzjahr 1958 wie auch 1959 zur Verfolgung der in der Resolution
aufgezeigten Ziele nachsuchen werde. Was das Finanzjahr 1 95;': anbetrifft, so sind die für diesen Zweck bestimmten Mittel in den entsprechenden Abschnitten des gemeinsamen Sicherheitsprogrammes mit
enthalten, das dem Kongreß zur Zeit vorliegt.
Wirtschafts- und Militärhilfe, die zur Förderung der Zielsetzung
der Resolution gewährt wurde
Zur Unterstützung ihres großen Zieles, 'Frieden und Stabilität
im Nahen Osten1 zu fördern, ermächtigte die Resolution den Präsidenten,
den Ländern des Nahen Ostens wirtschaftliche und militärische Unterstützung im Rahmen der bestehenden Bewilligungen zu gewähren, die für
die Durchführung der Bestimmungen des gemeinsamen Sicherheit.gesetzes
aus dem Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form zur Verfügung stehen.
Abschnitt drei erteilt die Ermächtigung, gewisse bestehende gesetzliche
Bestimmungen außer Kraft zu setzen, sofern davon nicht mehr als 200
Millionen Dollar an verfügbaren Mitteln betroffen werden.
Die Bestimmungen der Resolution über wirtschaftliche und militärische Unterstützung waren von besonderer Wichtigkeit. Sie haben
die Absicht der Vereinigten Staaten demonstriert, der Deklaration mit
sofortigen greifbaren Taten zu folgen. Sie haben eine bedeutende
psychologische Wirkung gehabt. Abschnitt dr:i hat die Exekutive in
die Lage versetzt, die bereits bewilligten Mittel in der wirkungsvollsten Form einzusetzen. Auf Grund der Se ie von Krisen im Nah. n
Osten während des abgelaufenen Haushaltjahres war eine Überarboit
der ursprünglichen Pläne unverme:dbar, die eine Außerkraftsetzung gewisser Einschränkungen des gemeinsamen Sicherheitsgesetzes aus dem
Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form sowie des Bewilligungsgesetzes
zum gemeinsamen Sicherheitsprogramm für das Jahr 1957 erforderlich
machte.
„
Zur

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�AMERIKA DIENST"

7. August 1957

Zur Förderung der Zielsetzungen der Resolution wurden im Prinzip
Abkommen ausgehandelt, die wirtschaftliche und militärische Unterstützung im Gesamtbetrag von 174,2 Millionen Dollar vorsehen. Etwas
über zwei Drittel dieses Betrages entfallen auf Abkommen für wirtschaftliche und militärische Unterstützung, die Botschafter Richards in den
Verhandlungen mit neun der besuchten Länder abgeschlossen hat. Das restliche Drittel entfällt auf Abkommen für Wirtschaftsprogramme im Nahen
Osten, die die Zielsetzungen der gemeinsamen Resolution unterstützen
und die von der ICA ausgehandelt worden sind. Die zuständigen Kongreßausschüsse sind über alle Unterstützungsvorhaben laufend voll unterrichtet worden, die zur Förderung der Zielsetzungen der gemeinsamen
Resolution vorgeschlagen wurden. Es ist kein wesentlicher Einwand
seitens der Ausschüsse in bezug auf die vorgeschlagenen Veränderungen

eingegangen.
I. Abkqmmen für wirtschaftliche Unterstützung, die von Botschafter
Richards ausgehandelt wurden
Programme für wirtschaftliche Unterstützung wurden von Botschafter
Richards gemäß den in der Resolution niedergelegten Bestimmungen in den
folgenden Ländern befürwortet! Dem Libanon, Libyen, Afghanistan, Pakistan,
dem Irak, Saudisch-Arabien und Äthiopien. Darüber hinaus wurde ein regionales Programm für wirtschaftliche Unterstützung gebilligt, das unter der
Schirmherrschaft des Bagdadpaktes durchgeführt wird und die Zusammenarbeit
zwischen Persien, dem Irak, Pakistan und der Türkei erfordert.
Mit jedem einzelnen Lande wurde Einvernehmen über die durchzuführenden Projekte erzielt. Beispiele für die Art der Projekte für wirtschaftliche und technische Unterstützung, für die Mittel zugesagt wurden, sindt
Errichtung billiger Wohnungen und Beseitigung von Elendsvierteln, Verbesserung der Wasserversorgungssysteme in Städten und Ortschaften, Elektrifizierung der Landwirtschaft, Bewässerungsprojekte, Bau und Verbesserung von Straßen und hiermit in Zusammenhang stehender Einrichtungen, Verbesserung der Lufttransporteinrichtungen, allgemeine wirtschaftliche Erhebungen für eine Verbesserung der Entwicklungsplanung, Entwicklung des
Rundfunks, Unterstützung bei der Verbesserung der Schulsysteme, Verbesserung der Fernmeldeverbindungen, Schaffung der grundlegenden'industriellen
Einrichtungen, Verbesserung der örtlichen Fernmelde-, Eisenbahn- und
Straßensysteme.
Der Gesamtbetrag der Mittel für wirtschaftliche Unterstützung, wie
sie in den von Botschafter Richards ausgehandelten Abkommen vorgesehen
waren, betrug 67,7 Millionen Dol ar, von aenen 52,7 Millionen Dollar in
Form nichtrückzahlbarer Zuwendungen und 15 Millionen Dollar auf An1 ih basis zur Verfügung gestellt werden sollten. (Diese Beträge wurden
später um 188 000 Dollar auf 67,9 Mio Dollar respektive 52,9 Millionen Dollar erhöht, um den erhöhten Kosten bei der Beschaffung von Ausrüstungen Rechnung zu tr gen, die für die jeweiligen Aufgaben bess r geeignt sind.)
Auf Grund der von Botschafter Richards ausgehandelter. Abkommen wurden
47»9 Millionen Dollar scnließlich für diese Zwecke ausgegeben. Hiervon
wurden 23,4 Millionen Dollar auf Grund der a]lgemeinen Ermächtigung des
gemeinsamen Sicherheitsgesetzes verausgabt. Die Differenzen zwischen

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�"AMERIKA DIENST"

7. August

1957

zwischen den im Prinzip von Botschafter Richards zugesagten Beträgen
und der Höhe der schließlich kassenmäßig verausgabten Mittel sind au:
die Tatsache zurückzuführen, daß gewisse technische und rech liehe
Probleme nicht vor Abschluß des Haushaltjahres 1957 zu lösen waren.
Nach Ländern unterteilte Aufstellungen der vorgeschlagenen Unterstützung wurden dem Kongreß zwischen dem 29. März 1957 und dem 14« Mai
1957 übergeben. Diese schlössen alle von Botschafter Richard8 getroffenen Vereinbarungen ein und enthielten in jedem Falle erstens eine kurze
Beschreibung des Projektes, zweitens einen Kostenvoranschlag und drittens
Angabe der jew i".'gen Bewilligung, die in Anspruch genommen werden sollte
Jedem der mitarbeitenden Länder war klargemacht worden, daß die
amerikanische Regierung, sobald im Prinzip ein Übereinkommen darüber
erzielt worden war, welche wirtschaftlichen Maßnahmen durchgeführt
werden sollten, umgehend die für die Inangriffnahme jedes einzelnen
Projektes erforderlichen gesetzlichen und technischen Schritte unternehmen würde. Fe 'ner war klargestellt worden, daß die wirtschaftliche
Unterstützung aus Mitteln gewährt werden würde, die vom Kongreß bereits
für das Haushaltjähr 1957 bewil igt worden waren, und daß Botschafter
Richards nicht ermächtigt war, 'rgendwelche rechtlichen oder moralischen
Verpflichtungen in bezug auf die in späteren Haushalt jähren verfügbaren
Mittel einzugehen.
II. Militärische Unterstützungsabkommen, die von Botschafter
Richards ausgehandelt wurden.
Botschafter Richards hat grundsätzliche militärische Unterstützungsabn.achungen getroffen, die einen Gesamtwert von 51 Millionen Dollar
haben und sich auf die Lieferung von zusätzlichen militärischen Ausrüstungsgegenständen (Panzern, Fahrzeugen, Hochfrequenzgeräten und so
weiter), sonstiger Güter wie Munition sowie militärische Bauten erstrecken. (Dieser Betrag wurde später um 87 000 Dollar auf 51»1 Millionen
Dollar erhöht, um der Lieferung zusätzlicher notwendiger Güter gerecht
zu werden.)
Von diesem Betrag wurden 24,1 Millionen Dollar im Rahmen der normalen Vollmachten angewiesen, wie sie in dem Gesetz über die gemeinsame
Sicherheit aus dem Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form vorgesehen
sind, und 23,2 Millionen Dollar sind schätzungsweise gemäß Abschnitt
drei der Resolution angewiesen worden. Von dem letzteren Betrag liegt
die genaue Anweisung von 7»4 Millionen Dollar zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vor, da es sich im wesentlichen um Lieferungen im
Rahmen des Off-Shore-Programmes handelt, für die eine kassenmäßige Belastung noch nicht vorliegt.
Ein fehlender Betrag von 3»75 Millionen Dollar konnte auf Grund
gesetzlicher Schwierigkeiten nicht vor eti 30. Juni 1957 angewiesen
werden. Das Verteidigungsministerium plant jedoch dieoen Betrag zu
Beginn des Haushaltjahres 1958 aus Fonds nzuweisen, die vom Kongreß
bewilligt werden.
III.

�"AMERIKA DIENST"

7. August 1957

III« Verwendung von Fonds für die Sicherheit gemäß den Bestimmungen
der Resolution über wirtschaftliche Hilfsprogramme für den Nahen
Osten, die nicht von Botschafter Richards in die Wege geleitet wurden
Für die Wirtschaftshilfe hat die Verwaltung für internationale Zusammenarbeit (ICA) einen Betrag von 55»1 Millionen Dollar für Programme
im Nahen Osten angewiesen, die nicht von Botschafter Richards in die
Wege geleitet wurden, deren Durchführung jedoch gemäß Abschnitt drei
der gemeinsamen Resolution bewilligt werden mußte.. Die entsprechenden
Ausschüsse des Kongresses wurden fünfzehn Tage vor Anweisung der Mittel
in Kenntnis gesetzt. Wenn diese Vollmachten nicht ausgenutzt worden
wären, hätten die meisten der Nah-Ostprogramme nicht in die Wege geleitet werden können. Die Art der wirtschaftlichen Hilfspreg ramme, die in
diesem Abschnitt beschrieben werden, entspricht der jener Programme,
die in Abschnitt eins, Absatz zwei, diesee Berichtes aufgeführt sind.
Die wirtschaftliche Unterstützung für den Nahen Osten macht die
Anwendung der Resolution erforderlich, damit die Erfordernisse gemäß
Abschnitt 105 des Bewilligungsgesetzes von 1957 außer Kraft gesetzt
werden können, wonach nicht mehr als 20 Prozent der für das Haushaltjähr
verfügbaren Mittel nach dem 50. April 1957 kassenmäßig verausgabt werden dürfen. Diese Unterstützung konnte nicht vor dem 50. April 1957 kassenmäßig angewiesen werden, weil erstens zwei der Länderprogramme neue
zweiseitige Abkommen erfordern, die nicht rechtzeitig abgeschlossen
werden konnten, um eine ordnungsgemäße Ausarbeitung der Programme bis
zum 50« April 1957 zu gewährleisten; zweitens die Erfordernisse für eine
ordnungsgemäße und kluge Programmausarbeitung eine frühere kassenmäßige
Anweisung solcher Beträge ausschloß, die für Programme anderer Länder
vorgesehen waren; drittens die Erfordernisse für eine Programmausarbeitung auf Grund unvorhergesehener Entwicklungen in den unmittelbar vorausgegangenen Monaten einem beträchtlichen Wandel unterworfen waren und
viertens einige der Programme, die zwar nicht im Zusammenhang mit der
Richards-Mission standen, bis zu dem Besuch von Richards zurückgestellt
wurden, um die Gewähr für einen umfassenden Ausgleich des Gesamtprogramms
zu bieten. Damit gewisse Beträge im Rahmen der Unterstützung in Form von
Schenkungen freigegeben werden konnten, wurde die Ermächtigung der Resolution ebenfalls benutzt, um die Erfordernisse des Gesetzes für die
gemeinsame Sicherheit außer Kraft zu setzen, wonach 80 Prozent der
unter Absatz 11 des Gesetzes bestimmten Beträge in Form von Anleihen
zur Verfügung gestellt werden sollen.
Maßnahmen gemäß Abschnitt vier
Abschnitt vier der Resolution stellt fest, daß der Präsident der
Polizeitruppe der Vereinten Nationen im Nahen Osten im Hinblick auf die
Aufrechterhaltung des Friedens in diesem Gebiet weiterhin Einrichtungen
und militärische Unterstützung zukommen lassen soll. Diese Unterstützung
ist gewährt worden.
Die Vereinigten Staaten haben sich nicht nur nachdrücklich für die
Errichtung der Polizeitruppe der Vereinten Nationen durch die UN-Generalversammlung im November 1956 eingesetzt, sondern haben auch angeboten,
die Streitmacht mit notwendig werdenden Transportmitteln und sonstigem

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�7. August 1957

"AMERIKA DIENST"

sonstigem Nachschub auszustatten, soweit dies zur Ausübung ihrer Pflichten notwendig war.
Dementsprechend haben die Vereinigten Staaten eine Luftbrücke für
3657 Mann der UN-Polizeitruppe aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland,
Indien, Indonesien, Brasilien und Kolumbien nach Italien und dem Libanon
zur Verfügung gestellt, deren Kosten von 1,2 Millionen Dollar nicht ersetzt zu werden brauchen. Die Vereinigten Staaten haben die Streitmacht
mit großen Mengen an Nachschub und Ausrüstungen ausgestattet, für die
eine Entschädigung geleistet werden muß. Die Kosten für die im ersten
Quartal 1957 gelieferten Güter dieser Art beliefen sich auf insgesamt
2,5 Millionen Dollar. In allen Fällen wurden Fonds benützt, die für das
Verteidigungsministerium bewilligt worden sind.
Die Vereinigten Staaten haben bereits eine Zahlung von 3»3 Millionen
Dollar als Beitrag für die Kosten der Polizeitruppe der Vereinten Nationen
in Gesamthöhe von 10 Millionen Dollar geleistet. Die Mittel wurden aus
Fonds entnommen, die dem Außenministerium für Beiträge an internationale
Organisationen zugewiesen wurden. Die USA sind bereit, auf der Basis
der entsprechenden Leistungen anderer, die Hälfte der Kosten für die
UN-Polizeistreitkräfte im Jahre 1957 in Höhe von 6,5 Millionen Dollar
zu tragen, wobei Fonds gemäß Absatz 401 (ß) des Gesetzes über die gemeinsame Sicherheit aus dem Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form herangezogen werden. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat zu Beiträgen zu diesem Zweck aufgerufen.
Diese Unterstützung der Polizeistreitkräfte der Vereinten Nationen
hat dazu beigetragen, die Lage im Nahen Osten in dem Gebiet, in dem im
vergangenen Jahr Feindseligkeiten ausgebrochen waren, zu stabilisieren."

* * * * *

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�b) Während dieses gleichen Zeitraums werden diese Staaten bestimmte Mengen von festgesetzten Waffentypen, über die eine Übereinkunft zu erzielen ist und die in der Konvention beigefügten Listen
aufgeführt werden, in Vorratsdepots einbringen, die auf ihrem eigenen Territorium liegen und unter der Überwachung einer internationalen Kontrollorganisation stehen.
c) Das Verhältnis anderer Staaten zu der Konvention, einschließlich der vereinbarten Stärke ihrer bewaffneten Streitkräfte, wird
später festgelegt werden.
d) Die in Paragraph I a) aufgeführten Staaten werden bereit
sein, über eine weitere Begrenzung ihrer bewaffneten Streitkräfte
und Rüstungen unter folgenden Bedingungen zu verhandeln:
1. Die Einhaltung der Bestimmungen der Konvention ist zu
ihrer Zufriedenheit verifiziert worden;
2. Bei der Lösung politischer Fragen sind Fortschritte erzielt worden. Andere wichtige Staaten haben sich der Konvention angeschlossen und für ihre bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen

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�"AMERIKA DIENST"

4. September

1957

Rüstungen Begrenzungen akzeptiert, die entsprechend den in den vorangegangenen Paragraphen a) und b) gesetzten Grenzen festgelegt wurden.
e) Unter den oben angeführten Bedingungen könnten zwischen Prankreich, der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten Verhandlungen über eine weitere Begrenzung ihrer bewaffneten Streitkräfte
eingeleitet werden, die die vereinbarte Reduzierung der Streitkräfte
der USA und der Sowjetunion auf nicht weniger als 2,1 Millionen Mann für
jedes der beiden Länder betreffen würden. Die vereinbarte Begrenzung
der Truppenstärken für Prankreich und Großbritannien würde jeweils
700 000 Mann betragen. Gleichzeitig würden die Grenzen der Truppenstärken für andere wichtige Staaten durch Verhandlungen mit diesen Ländern
spezifiziert werden,
f) Danach könnten unter den gleichen Bedingungen Verhandlungen
über weitere Begrenzungen aufgenommen werden, die für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion nicht weniger als 1,7 Millionen Mann betragen würden. Die vereinbarte Begrenzung der Truppenstärken für Frankreich und Großbritannien würde jeweils 65O 000 Mann betragen. Die Grenzen für andere wichtige Länder würden gleichzeitig auf dem Verhandlungswege festgelegt werden.
g) Unter Berücksichtigung der unter d) angeführten Bedingungen
werden diese Staaten ebenfalls zu Verhandlungen über eine weitere Begrenzung der Rüstungen bereit sein. Die Festsetzung derartiger Rüstungsbegrenzungen wird in vereinbarter Relation zu den bewaffneten Streitkräften stehen, wie sie unter e) und f) festgelegt sind, und wird vor
Anwendung weiterer Begrenzungen.der bewaffneten Streitkräfte durchgeführt sein. Die Partner müssen, bevor solche weiteren Rüstungsbegrenzungen in Angriff genommen werden, und zu allen Zeiten danach, überzeugt
sein, daß die jedem Vertragspartner zur Verfügung stehenden Rüstungen
nicht die somit in jeder Kategorie erlaubten Mengen überschreiten.
h) Für die Reduzierung und Begrenzung der bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen über den unter a) und b) festgelegten Rahmen
hinaus werden keine Maßnahmen in Kraft treten, solange nicht das Kontrollsystem in angemessener Weise erweitert worden ist und mit Hilfe
dieses Systems derartige Maßnahmen verifiziert werden können.
II. Militärische Ausgaben
Um die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Paragraphen I zu unterstützen und im Hinblick auf die Reduzierung der militärischen Ausgaben vereinbaren Frankreich/ die Sowjetunion, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, der internationalen Kontrollorganisation Informationen über ihre Militärhaushalte und Ausgaben für das
dem Inkrafttreten der Konvention vorangehende Jahr und dann jedes darauf
folgende Jahr zur Verfügung zu stellen. Die Art der vorzulegenden Informationen wird im voraus vereinbart und in einem Anhang zu der Konvention aufgeführt.
III.

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4. September 1957

III. Kernwaffen
Jeder Vertragspartner übernimmt die Verpflichtung, keine Kernwaffen
anzuwenden, sofern ihn nicht ein bewaffneter Angriff in die Situation
der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung gebracht hat.
IV. 2i&lt;£ Kontrolle des spaltbaren Materials
a) Die F^rtner der Konvention beschließen ferner:
1 . Daß äLle kiiiftige Produktion von spaltbarem Material unter internationaler Überwachung im eigenen Lande oder im Auslande ausschließlich für
nichtkriegerische Zwecke verwandt wird. Dies schließt auch die Aufspeicherung ein, die einen Monat später beginnt, nachdem der in Paragraph
VIII beschriebene internationale Kontrollausschuß bestätigt hat, daß
die Schaffung eines wirksamen Inspektionssystems zur Verifizierung der
Verpflichtungen abgeschlossen ist.
2. Daß sie bei der sofortigen Schaffung und bei der Aufrechterhaltung
eines derartigen Inspektionssystems zusammenarbeiten werden.
3. Daß die fünf im Unterausschuß vertretenen Regierungen mit dem Ziel,
das obige Vorhaben durchzuführen, eine Gruppe technischer Experten einsetzen werden, die sobald wie möglich zusammentreten soll, um das geforderte Inspektionssystem auszuarbeiten und um innerhalb der ersten zehn
Monate nach Inkrafttreten der Konvention den betroffenen Regierungen
einen Bericht über den Fortschritt ihrer Arbeit zur Annahme zu unterbreiten.
b) Die Partner, die zum Zeitpunkt des Produktionsstops für Waffenzwecke spaltbares Material für V/affenzwecke produzieren, verpflichten
sich, dafür Sorge zu tragen, daß der bereits vorhandenen friedlichen
Produktion im Inland oder im Ausland, einschließlich der Aufspeicherung,
unter internationaler Überwachung und bei kontinuierlicher Steigerung
in fairer Weise spaltbares Material zugeführt wird. Und sie verpflichten
sich in diesem Zusammenhang ferner
1. Das spezifische Mengenverhältnis an spaltbarem Material vergleichbarer Güte, das jeder von ihnen zu liefern hat, festzusetzen, sowie
2. nach dem für die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials
für Waffenzwecke festgesetzten Datum mit der Überstellung dieses Materials zu den vorher besprochenen Zeitpunkten und in den vorher gemäß
dem festgelegten Verhältnis vereinbarten Mengen zu beginnen.
c) Vom Datum der Einstellung der Produktion spaltbaren Materials
für Waffenzwecke an, wie in Paragraph IV-1 festgelegt, verpflichtet sich
jeder Vertragspartner:
1. Keine Kernwaffen aus seinem Kontrollbereich zu transferieren oder
einen Transfer solcher Waffen in diesen Bereich zu akzeptieren, ausgenommen wenn ihre Verwendung auf Grund von Vereinbarungen zwischen dem
übertragenden Teil und dem empfangenden Teil in Übereinstimmung mit
Paragraph III stehen wird;
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"AMERIKA DIENST"

2. Keinen•Transfer irgendwelchen spaltbaren Materials aus seinem
Kontrollbereich vorzunehmen oder einen Transfer derartigen Materials
in diesen Bereich zu akzeptieren, es sei denn daß es sich um spaltbares Material für ausschließlich friedliche Zwecke handelt.
V. Kernwaffenversuche
a) Alle Vertragspartner der Konvention verpflichten sich, keine
Kernwaffenversuchsexplosionen für die Dauer von zwölf Monaten vom Datum des Inkrafttretens der Konvention an gerechnet zur Auslösung zu
bringen unter der Voraussetzung, daß ein Übereinkommen über die Einrichtung und Unterhaltung der notwendigen Kontrollen erreicht worden
ist. Hierzu gehören auch mit wissenschaftlichen Apparaturen ausgerüstete Inspektionsposten innerhalb des Territoriums der Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten sowie in dem Gebiet des Pazifischen Ozpans
und - mit Zustimmung der betreffenden Regierungen - an anderen sich
als notwendig erweisenden Punkten.
b) Eine Gruppe von technischen Fachleuten, die von den im Unterausschuß vertretenen fünf Regierungen bestimmt werden, wird sobald
als möglich zusammentreten, um ein Inspektionssystem zur Verifizierung
der Versuche zu entwerfen.
c) Nach Beendigung der Zeitdauer von zwölf Monaten
Vertragspartner frei, die Versuche weiterzuführen, es sei
sie übereingekommen sind, die Aussetzung der Versuche für
teren Zeitraum unter wirksamer internationaler Inspektion
halten.

sind die
denn, daß
einen wei*»
beizube-

d) Falls das in Paragraph V-a) angeführte Inspektionssystem
zur Zufriedenheit aller betroffenen Partner arbeitet, und falls ein
alle betroffenen Partner befriedigender Fortschritt bei der Vorbereitung eines Inspektionssystems für die Einstellung der Produktion
spaltbaren Materials für Waffenzwecke erzielt wird, wie in Paragraph
IV-a)-1 .
vereinbart, verpflichten sich alle Vertragspartner, in
einem Zeitraum von weiteren zwölf Monaten keine Kernwaffenversuche
durchzuführen. Eine solche Verlängerung wird nur unter dem Vorbehalt
erfolgen, daß Kernwaffenversuche nach dem Ermessen eines jeden Vertragspartners 24 Monate nach Inkrafttreten der Konvention durchgeführt werden können, falls das Inspektionssystem für die Einstellung
der Produktion für Waffenzwecke nicht zur Zufriedenheit aller betroffenen Partner vor Ende des Zeitraums von 24 Monaten errichtet worden
ist und falls die Einstellung der Produktion für Waffenzwecke nicht
verwirklicht worden ist.
e) Falls die Versuche wieder aufgenommen werden, verpflichtet
sich jeder Vertragspartner, im voraus die Zeitpunkte für jede Versuchsreihe und das Ausmaß der dabei freiwerdenden Gesamtenergie anzukündigen und zu registrieren, für eine begrenzte Beobachtung dieser
Versuche Sorge zu tragen und die Menge des in die Atmosphäre gebrachten radioaktiven Materials zu begrenzen.
VT

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4- September 1957

VI. Die Kontrolle der in die äußeren Raumschichten vordringenden
Objekte
Alle Vertragspartner der Konvention stimmen überein, daß sie
innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten der Konvention sich
gemeinsam um die Gründung eines technischen Ausschusses bemühen werden, der den Entwurf eines Inspektionssystems prüfen soll, durch das
die Gewähr gegeben wird, daß die Entsendung von Objekten durch den
äußeren Raum ausschließlich für friedliche und wissenschaftliche
Zwecke erfolgt.
VII. Sicherheiten gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs
a) Vom Inkrafttreten der Konvention an werden alle betroffenen
la.rtner bei der Errichtung und Aufrechterhaltung von Inspektionssystemen zusammenarbeiten, die Sicherheit gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffes bieten sollen.
b) Die Schaffung solcher Systeme wird von der Einigung über die
Detailfragen der Errichtung, der Aufrechterhaltung und der Arbeitsweise
abhängig gemacht. Aus Gründen der Dringlichkeit wird vorgeschlagen, daß
eine Arbeitsgruppe von Experten, die von den fünf im Unterausschuß vertretenen Regierungen ernannt werden, unverzüglich eingesetzt wird, um
die technischen Probleme zu prüfen und über ihre Feststellungen zu berichten, die die Grundlage für einen Anhang zu dem Vertragswerk bilden
könnten.
c) Hinsichtlich der Inspektion in der westlichen Hemisphäre
und in der Sowjetunion schlagen die Regierungen Kanadas, Frankreichs,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten folgendes vor:
1. Daß das gesamte Festlandgebiet der Vereinigten Staaten, ganz
Alaska einschließlich der Aleuten, das gesamte Gebiet Kanadas und das
gesamte Gebiet der Sowjetunion für die Inspektion freigegeben wird.
2. Falls die Regierung der Sowjetunion diesen weitgefaßten Vorschlag
ablehnt, mit dem der Vorschlag für die Inspektion in Europa, wie er in
Absatz d) unten angeführt wird, verbunden ist, schlagen die Regierungen
Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten mit Zustimmung der Regierungen Dänemarks und Norwegens - vor, daß:
das gesamte Gebiet der Sowjetunion, Kanadas, der Vereinigten
Staaten (Alaska), Dänemarks (Grönland) und Norwegens nördlich des
Polarkreises; das gesamte Gebiet Kanadas, der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion westlich des 140. Grades westlicher Länge, östlich
des 160. Grades östlicher Länge und nördlich des 50. Grades nördlicher
Breite; das gesamte restliche Gebiet von Alaska; das restliche Gebiet
der Kamtschatkahalbinsel sowie die Aleuten und die Kurilen für die
Inspektion freigegeben werden.
d) Hinsichtlich der Inspektion in Europa schlagen die Regierungen Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten

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Vereinigten Staaten unter der Voraussetzung, daß eine verbindliche
Zusage seitens der Sowjetunion zu einem der oben erwähnten Vorschläge
vorliegt, mit der prinzipiellen Übereinstimmung ihrer europäischen
Verbündeten und bei ständiger Konsultation mit ihnen - die unerlässliche Zustimmung der betroffenen Länder hierzu sowie zu allen gemeinsam Vereinbarten Ausnahmen vorausgesetzt - vor, daßrein Gebiet der
Inspektion unterworfen wird, das ganz Europa zwischen dem 40« Grad
nördlicher Breite im Süden, dem 10. Grad westlicher Länge im Westen
und dem 60. Grad östlicher Länge im Osten einschließt.
e) Wenn die Regierung der Sowjetunion diesen umfassenden Vorschlag ablehnt, dann könnte unter dem gleichen bereits oben zum Ausdruck gebrachten Vorbehalt eine begrenzte Inspektionszone in Europa
zur Diskussion gestellt werden, jedoch nur unter der Voraussetzung,
daß hierin ein beträchtlicher Teil des Territoriums der Sowjetunion
wie auch der anderen-osteuropäischen Länder einbezogen würde.
f) Das Inspektionssystem zum Schutz gegen einen Überraschungsangriff wird in jedem Falle eine Luftinspektion umfassen mit Bodenbeobachtungsposten an den Haupthäfen, Eisenbahnknotenpunkten, wichtigsten Verbindungsstraßen, bedeutdendsten Flughäfen und so weiter,
wie vereinbart. Außerdem würde es, wie vereinbart, bewegliche Bodeninspektionsgruppen mit im einzelnen festgelegten Vollmachten geben.
g) Bodenposten können nach Übereinkunft auf dem Territorium
der betreffenden Staaten stationiert werden, ohne daß sie auf die
Begrenzungen der in c) 1. und 2. beschriebenen Zonen beschränkt
bleiben. Die für die Bodeninspektion offenen Gebiete werden jedoch
nicht kleiner als die für die Luftinspektion vorgesehenen sein. Die
Beweglichkeit der Bodeninspektion würde in einem Abkommen spezifisch
definiert werden, und zwar in jedem Falle mit Zustimmung aller direkt
davon betroffenen Länder. Es würde außerdem für alle notwendigen Mittel der Nachrichtenverbindung gesorgt werden.
h) Innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten der Konvention werden die Partner des Kontrollausschusses eine Bestandsliste
über ihre ständigen militärischen Einrichtungen vorlegen sowie über
die zahlenmäßige Stärke und die Standorte ihrer militärischen Streitkräfte und die festgelegten Rüstungen, einschließlich der Einsatzmittel für Atomwaffen, die innerhalb der vereinbarten Inspektionszone oder -zonen oder eines solchen weiteren Gebietes oder weiterer
Gebiete liegen, über die eine Vereinbarung getroffen ist.
i) Jedes anfängliche Inspektionssystem, das gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs schützen soll, kann im Einvernehmen
aller Betroffenen dahingehend erweitert werden, daß dieses System
sich schließlich auch mit der Gefahr eines Überraschungsangriffs
von überall befaßt.
VIII« Die internationale Kontrollorganisation
a) Alle in der Konvention enthaltenen Verpflichtungen werden
von der Bedingung abhängen, daß ein wirksames internationales Kontroll-

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"AMERIKA DIENST"

Kontroll- und Inspektionssystem zur Verifizierung der Einhaltung der
Bestimmungen durch-alle Partner kontinuierlich durchgeführt wird.
b) Sämtliche Kontroll- und•Inspektionseinrichtungen, wie sie
in der Konvention beschrieben werden, sowie diejenigen, die im Zuge
ihrer Anwendung geschaffen werden mögen, werden im Rahmen einer internationalen, • unter der Ägide des Sicherheitsrates ins Leben gerufenen
Kontrollorganisation arbeiten, zu der als ihr Exekutivorgan ein Kontrollausschuß gehören wird, in dem bei wichtigen Entscheidungen die
Zustimmung der Vertreter der im Unterausschuß vertretenen Regierungen
und solcher Vertragspartner, über die eine Übereinstimmung erzielt
worden ist, notwendig sein wird.
c) Alle Vertragspartner der Konvention sind gehalten, dem Kontrollausschuß freizügig und laufend Informationen zukommen zu lassen,
um ihn bei der Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen der Konvention zu unterstützen, und zwar in dem Umfange, wie dies in einem
Anhang zur Konvention festgelegt wird.
d) Die Funktionen der internationalen Kontrollorganisation
werden durch Übereinkunft der beteiligten Parteien in dem Maße ausgeweitet werden, wie die in der Konvention vorgesehenen Maßnahmen
progressiv Anwendung finden»
e) Andere Fragen bezüglich der Organisation werden in Anhängen
zu der Konvention definiert werden. Zu diesen Fragen v/erden die Aufgaben gehören, die die Organisation durchführen soll, die Methode, nach
der sie arbeiten soll, ihre Zusammensetzung, ihr Verhältnis zur Generalversammlung und zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, ihr Abstimmungsmodus, ihre Arbeitsbedingungen, ihre Rechtsprechung, ihre
Immunitätsrechte sowie ihre Vorrechte.
IX. Waffenlieferungen
Neben anderen Rechten und Pflichten wird der Kontrollausschuß
die Vollmacht haben, ein System zur Regulierung der Ausfuhr und Einfuhr bestimmter Rüstungen zu prüfen.
X. Suspendierung von der Konvention
a) Jeder Vertragspartner wird im Falle eines schweren Verstoßes
durch einen anderen Vertragsschließenden oder der Maßnahme irgendeines
Staates, die die Sicherheit des anmeldenden Vertragspartners in dem
Maße beeinträchtigt, daß eine teilweise, oder völlige Suspendierung erforderlich wird,.das Recht haben, sich von seinen Verpflichtungen durch
schriftliche Bekanntgabe an die internationale Kontrollorganisation
teilweise oder ganz zu suspendieren.
b) Auf seinen Wunsch kann ein Vertragspartner seine Absicht, sich
von seinen Verpflichtungen zu suspendieren, im voraus mitteilen, um
Gelegenheit zu einer Korrektur der Verstöße oder beeinträchtigenden
Handlung zu geben.
XI.

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"AMERIKA DIENST"

XI. Dieses Dokument wird als Verhandlungsgegenstand vorgelegt
unter der Maßgabe, daß seine Bestimmungen nicht voneinander getrennt
werden können. Die Nichterfüllung einer dieser Bestimmungen der Konvention würde eine Situation schaffen, die auf Wunsch eines jeden
Vertragspartners eine Untersuchung erforderlich macht.

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./l1.9.57
ROBERT MURPHY; PROBLEME DER US-AUSSENPOLITIK
Ehrende Würdigung Suhrs

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Rede von Robert Murphy, des stellvertretenden Staatssekretärs im US-Außenministerium,
gehalten in New York am 9« September 1957 anlässlich
der Jahreskonferenz der amerikanischen Bürgermeister«

Im vergangenen Jahre waren Sie so liebenswürdig, mir zu gestatten, auf Ihrer Tagung im Februar in Washington zu erscheinen. Ich
empfinde es wirklich als eine Ehre, auch in diesem Jahre wiederum
bei Ihnen weilen zu dürfen, da ich sehr wohl das aktive und konstruktive Interesse kenne, das Ihre Mitglieder so konsequent an allen
Angelegenheiten bekunden, die sich auf die amerikanische Außenpolitik

beziehen. Häufig - wie das auch bei den Außenministerien in anderen
Ländern der Fall ist — wird ja die Abteilung unserer Zentralregierung, deren Aufgabe es ist, die auswärtigen Angelegenheiten zu behandeln, zeitweilig vielleicht ein wenig isoliert von der im eigenen
Lande gerade herrschenden öffentlichen Meinung, und zwar weitgehend
deshalb, weil es nun einmal die Verpflichtung dieser Regierungsstelle
ist, mit den Entwicklungen und der öffentlichen Meinung in den Weltgebieten außerhalb der Vereinigten Staaten so eng wie möglich in
Kontakt zu bleiben. Ich kenne keine Personengruppe, die mit der
öffentlichen Meinung in unserem Lande mehr vertraut ist als die
Bürgermeister unserer Großstädte sowie mittleren und kleineren
Städte. Ihr Verständnis für unsere Politik und unsere Ziele im Ausland kann und sollte daher von außerordentlichem praktischen Wert
für unser Land sein.
Wie Ihnen allen bekannt ist, ist unsere Außenpolitik, seitdem
in nicht allzu ferner Vergangenheit unser Land die Verantwortlichkeiten einer mächtigen Weltmacht auf sich nehmen mußte, zu einer
Angelegenheit geworden, die uns alle unmittelbar betrifft, ob uns
das nun lieb ist oder nicht. Das ist der Grund, warum wir im Außenministerium Wert darauf legen, in enger Verbindung mit Ihnen zu
bleiben und Gelegenheit zu haben, mit Ihnen die Probleme zu erörtern,
die von gemeinschaftlichem Interesse sind.
Ehe

�"AMERIKA DIENST"

11. September 1957

Ehe ich jedoch mit Ihnen über einige der Fragen unserer Außenpolitik diskutiere, gestatten Sie mir, der Persönlichkeit von Otto
Suhr, einem hervorragenden Bürgermeister und Kommunalpolitiker, meine
persönliche Hochachtung zu bezeugen. Seit Januar 1955 ist Otto Suhr
Oberbürgermeister der Stadt Berlin gewesen. Als Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses gehörte er seit 1946 der Stadtverwaltung
an. Sein beklagenswerter Tod vor einigen Tagen hat die Herzen aller,
die ihn kannten und mit ihm, besonders während der dramatischen Tage
nach dem Kriege, zusammengearbeitet haben, mit Trauer erfüllt. Die
Verantwortung, die schon normalerweise dem Bürgermeister jeder Großstadt zufällt, ist gewaltig. Im Falle von Berlin, das die ungeheure
Zerstörung und unsagbares Elend im zweiten Weltkrieg erlitten hat,
war sie erdrückend. Ich möchte Otto Suhr und dessen Amtskollegen, die
Jahre hindurch einen so großen Teil dieser Bürde zu tragen hatten,
hier - wenn auch in unzulänglicher Weise - die verdiente Anerkennung
zum Ausdruck bringen.
Unsere Regierung, unter der Leitung eines tüchtigen Außenministers, unterhält jetzt diplomatische Beziehungen zu 82 fremden Staaten, und das Außenministerium hat in diesen 82 ausländischen Staaten rund 250 Amtsstellen. Las Grundziel seiner Außenpolitik besteht
selbstverständlich darin, die Wohlfahrt und Sicherheit des amerikanischen Volkes zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist entsprechendes Handeln in einer Vielzahl von Situationen - politischen, wirtschaftlichen, militärischen und psychologischen - erforderlich. Unser
Freund, Staatssekretär Quarles, hat gerade für unsere nationale Sicherheit Vorsorge getragen. Ohne den Schutz einer tatsächlich bestehenden militärischen Stärke und die abschreckende Macht bewaffneter
Streitkräfte würde unser Land bei der gegenwärtigen Weltlage wenig
Hoffnung haben, eine Politik betreiben zu können, die für das amerikanische Volk von Vorteil ist. Der Grund dafür liegt darin, daß die
fundamentale Bedrohung der Vereinigten Staaten und anderer freier
Nationen von der um den Vorrang ringenden Macht und Gegnerschaft
gewisser kommunistischer Länder ausgeht.
Diese Bedrohung steht im Zusammenhang mit der Existenz eines
ungeheuren stehenden Heeres, der uneingeschränkten Entwicklung nuklearer Waffen, gewissen Schwächemomenten und unbeständigen Verhältnissen in einigen kritischen Gebieten der Welt, in denen ein starker
Druck in Richtung auf einen wirtschaftlichen oder politischen Umschwung
sich geltend macht, sowie durch die Aktivität eines weitreichenden
und zersetzenden Partei- und Propagandaapparates. Daher sehen wir
uns vor die Notwendigkeit gestellt, dieser anormalen Lage die Spitze
zu bieten, um die Bedrohung unserer nationalen Sicherheit auf ein
Mindestmaß herabzudrücken und eine internationale Atmosphäre zu
entwickeln, in der die Vereinigten Staaten in der Lage sein werden,
ihre grundlegenden Werte und Institutionen aufrechtzuerhalten.

Unsere

�11 . September 1957

"AMERIKA DIENST"

Unsere Politik ist von der Absicht bestimmt, die Führung und Haltung
der kommunistischen Regime in einer Weise zu beeinflussen, die unsere
eigenen Sicherheitsinteressen und die unserer Verbündeten fördert, sowie
Tendenzen zu begünstigen, welche die Kommunisten dazu veranlassen könnten,
ihre expansionistische Politik aufzugeben oder wenigstens abzuschwächen.
Bei der Verfolgung dieser Ziele stehen uns mancherlei Vorteile zur Seite,
dabei nicht zuletzt die Tatsache, daß wir die stärkste und lebenskräftigste Nation besitzen, welche die Welt bisher gesehen hat. Wir haben sowohl
außerordentliche Möglichkeiten als auch Verpflichtungen für die Übernahme
der Führerschaft.
Im vergangenen Jahr erweckte Herrn Nikita Chruschtschows öffentliche
Verurteilung des Stalinismus in zahlreichen Gebieten Hoffnungen auf grössere Freiheiten des Volkes. Wir sind darüber unterrichtet, daß innerhalb
der Sowjetunion und in anderen kommunistischen Gebieten es zu Bekundungen der Unzufriedenheit, hauptsächlich in studentischen und intellektuellen Kreisen, gekommen ist. Die sowjetische Wirtschaft ist weitläufiger
und komplexer geworden, und die veralteten stalinistischen Methoden des
Zwangs und straffer zentraler Kontrolle haben sich als unzulänglich erwiesen. Eine Randklasse ist in der Sowjetunion herangewachsen. Es handelt
sich um eine zahlenmäßig starke und wichtige Gruppe mit altüberkommenen
Interessen. Sie ist meiner Ansicht nach mehr auf materiellen Fortschritt
als auf revolutionäre Ziele bedacht.
Die Bande, welche die verschiedenen Angehörigen des kommunistischen
Blocks zusammenhalten, sind mancherlei Druck und mancherlei Spannungen
unterworfen. Ich weiß, Sie alle sind über die empfindliche Situation im
Bilde, die in Ungarn und Polen besteht. Der Aufstand in Ungarn hat erneut die wahre Natur des Kommunismus und den tiefen Haß offenbart, dem
er beim Volk begegnet. Es erwies sich auch, daß die Sowjetunion nicht
zögert, zur Anwendung nackter Gewalt ihre Zuflucht zu nehmen, wo sie
ihre Lebensinteressen ernsthaft bedroht fühlt. Wo immer es ihrem Zwecke
dient, und besonders im Nahen Osten, beschuldigt die Sowjetunion heuchlerisch die Westmächte des Imperialismus und Kolonialismus. Mehr in der
Nähe ihres Heimatlandes jedoch, in Osteuropa, werden wir Zeugen des
russischen Kolonialismus in seiner ältesten und brutalsten Form.
In der freien Welt ist ein ungeheuer großes Maß an gutwilligem Verständnis für das Leid und die Unterdrückung,
die von den befreundeten
Völkern Polens und Ungarns wie Osteuropas im allgemeinen erduldet wurden, vorhanden. Wir bemühen uns weiter um ihre größere Unabhängigkeit
und wollen hoffen, daß der Drang der Satelliten nach Freiheit sich dem
anpaßt. Das soll nicht bedeuten, daß die freie Welt versuchen wird,
der Sowjetunion feindliche Nachbarn längs ihrer Grenzen zu schaffen.
Im Innern der Sowjetunion scheint Chruschtschow, im Gegensatz zu
Stalin, nicht persönlich den Apparat der Geheimpolizei zu kontrollieren.
Seine Macht scheint, zumindesten im Augenblick, in wechselndem und unsicherem Maße auf der Armee, dem Zentralkomitee der Partei und der Dynamik einiger seiner politischen Bestrebungen zu beruhen. Einige der
Schwankungen der jüngsten Sowjetpolitik sind wahrscheinlich, mindestens
teilweise, auf die Veränderungen in diesem Gleichgewicht der Macht im
Innern zurückzuführen. Die gegenwärtige Linie scheint darauf abgestellt

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11. September 1957

abgestellt zu sein, aus der sowjetischen Industrieorganisation durch
Dezentralisation mehr herauszuholen und eine bessere Ernährung der
Sowjetbevölkerung durch neue landwirtschaftliche Methoden zu erreichen. Der Erfolg oder Mißerfolg dieser Politik kann sehr wohl über
das Schicksal der gegenwärtigen Machthaber entscheiden.
Auf dem Gebiete der sowjetischen Außenpolitik hat es deutlich
erkennbare Veränderungen in der Taktik gegeben. Von der stalinistischen Politik der Isolierung und des Stalten Krieges ist die Sowjetunion zu einer energischen und beredten Befürwortung der "friedlichen
Koexistenz" und der Ausweitung "freundschaftlicher Beziehungen" übergegangen. Während der militärische Apparat rücksichtslos weiter ausgebaut wird, ist in der Öffentlichkeit weniger von militärischer Gewalt
die Rede, und man nimmt erneut Zuflucht zu politischen Umsturz- und
wirtschaftlichen Durchdringungsversuchen in Gebieten, die dafür anfällig sind.
Wir haben also eigentlich keinen Grund zu der Annahme, daß sich
an den Zielen der sowjetischen Außenpolitik irgend etwas geändert hätte,
die auf die Erhaltung des sowjetischen Regimes und der Sicherheit des
"sozialistischen Vaterlandes", die Aufrechterhaltung der Stärke des
chinesisch-sowjetischen Blocks mit Unterstützung gewisser Regierungssysteme in Osteuropa, die Schwächung der Allianzen des Westens und
Isolierung der Vereinigten Staaten und schließlich die Erringung der
Weltherrschaft abgestellt sind.
Im Fernen Osten legen die chinesischen Kommunisten weiterhin großen Wert auf die Verstärkung ihrer Streitkräfte, was durch eine enorme
finanzielle Beanspruchung der bereits mit hohen Abgaben belasteten
und von Armut geplagten Bevölkerung erreicht werden soll. Sie sind
dabei, eine Rüstungsindustrie aufzubauen, werden weitgehend mit sowjetischen Ausrüstungen versorgt und legen strategisch wichtige Eisenbahnlinien, Straßen und Plugplätze, insbesondere im Räume gegenüber
der Insel Formosa,an« Das Peking-Regime lehnt auch weiterhin in bezug
auf das Gebiet von Formosa einen Verzicht auf Gewalt ab. Es hält noch
immer Amerikaner in Haft, trotz des vor zwei Jahren gegebenen Versprechens, alle in seinem Gewahrsam befindlichen amerikanischen Gefangenen freizulassen.
Bis jetzt hat es in Rotchina noch keine Schwierigkeiten innerhalb
der Führung ähnlich jener gegeben, wie sie die Sowjetunion zu verzeichnen hatte. Jedoch haben wirtschaftliche Probleme, schlechte Lebensbedingungen und die moralische Wirkung des ungarischen Aufstandes
offenbar zu erheblicher Unruhe unter einigen Schichten der chinesischen Bevölkerung geführt. Um die ideologische Kontrolle zu verstärken,
verfiel das Peking-Regime auf den Trick der Förderung offener Kritik
unter dem Motto: "Laßt hundert Blumen blühen". Dies bewirkte zum Teil
eine erstaunlich offene Kritik, die anschaulich vor Augen führte, wie
tief die Unzufriedenheit des Volkes ist. Die kommunistische Parteiführung parierte mit einem Gegenangriff auf die Kritiker, die prompt
als "Rechtsabweichler" bezeichnet wurden.
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Seit

A

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11i. September 1957

Seit kurzem wenden die Sowjets dem Nahen Osten ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Die sowjetischen Bemühungen um eine Dur- chdringung dieses
wichtigen Raumes vollziehen sich auf verschiedenen Ebenen - wirtschaftlich, kulturell und politisch, und, was noch bezeichnender ist, durch
die Lieferung von Waffen. Ägypten, Syrien und der Jemen haben alle beträchtliche Lieferungen von militärischen Ausrüstungen aus dem Sowjetblock erhalten, gefolgt von einer Invasion sowjetischer Techniker zur
Unterweisung in der Bedienung dieser Ausrüstungen.
Die wenig glücklichen Ereignisse der jüngsten Zeit in Syrien lassen
es zweifelhaft erscheinen, ob die syrische Regierung an dem von ihr erhobenen Anspruch, eine Politik positiver Neutralität zu verfolgen, festhalten kann. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem Nahen Osten berichtete am Mittwoch vergangener Woche der stellvertretende Staatssekretär
im Außenministerium, Loy Henderson, man hege in diesem Gebiet tiefe Besorgnis, daß Syrien doch noch dem internationalen Kommunismus zum Opfer
fallen und dann zu einer Ausgangsbasis für eine weitere Bedrohung der
Unabhängigkeit und Integrität dieses Raumes werden könnte. Auch vom
Standpunkt der Vereinigten Staaten aus gibt diese Situation Anlaß zu
großer Besorgnis, da sie die schon seit langem bestehende Bedrohung der
arabischen Interessen seitens der Sowjets deutlich verschärft hat.
Durch die Nahost-Doktrin sind die Vereinigten Staaten in die Lage
versetzt, das Hauptproblem der Sicherheit dieses Raumes wirksam angehen
zu können. Diese Doktrin, die die Grundlage der Politik der Vereinigten
Staaten gegenüber dem Nahen Osten bildet, tritt nur auf Ersuchen der
betreffenden Länder in Kraft und ist dazu bestimmt, ihre Unabhängigkeit
gegenüber den Drohungen des internationalen Kommunismus zu stärken.
Die sowjetische Politik sucht das arabisch-israelische Problem, das
in seiner Hartnäckigkeit eine der Hauptursachen für die Unruhe im Nahen
Osten darstellt, zum eigenen Vorteil auszuschlachten. Seitens der Nationen, die Kontingente für die Polizeitruppen der Vereinten Nationen stellen,
besteht jedoch ein zunehmendes Interesse an einer Lösung des Problems,
und innerhalb der Vereinten Nationen wird man sich immer mehr bewußt,
wie notwendig es ist, daß ihre Entscheidungen strikt durchgesetzt werden.
Sich mit besonderem Nachdruck für Frieden und Abrüstung einzusetzen,
war von jeher charakteristisch für unser Land. Manche sind sogar überzeugt, daß unsere Regierung in ihrem Einsatz für Frieden und Abrüstung
zuviel des Guten getan hat. Wenn ja, so geschah es in dem aufrichtigen
Wunsch, unser Volk und andere Völker von einer überschweren Last zu befreien. Die Geschichte unseres Landes ist der überzeugendste Beweis für
die - friedlichen Absichten unseres Volkes. Mit Ausnahme einiger Vorkehrungen bei der Kriegsmarine traf uns der zweite Weltkrieg im allgemeinen
unvorbereitet. Unmittelbar nachdem dieser Krieg zu Ende war, rüsteten
wir mit einem Eifer ab, der schon fast an Leichtsinn grenzte. Während
wir unsere friedlichen Absichten unter Beweis stellten, unterbrachen
die Machthaber der Sowjetunion keinen Augenblick ihren aggressiven
Aufbau von Land-, See- und Luftstreitkräften sowie ihrer militärischen
Ausrüstung.
In

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�"AMERIKA DIENST"

11. September 1957

In all den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg hat die Sowjetunion
nach Möglichkeiten Ausschau gehalten, die ihr eventuell Vorteile
hätten bringen können. Sie tat dies bei der Blockade Berlins, und sie
tat es in Korea. Nur sofortiges und energisches Handeln hielt die
sowjetischen Machthaber davon ab, in Berlin und Korea die Freiheit
auszulöschen. Erst als sie sich vergewissert hatten, daß Gewalt mit
Gewalt vergolten werden würde, zogen sie sich zurück. Sie reagierten
auf energisches und entschlossenes Handeln. Wenn sie schon zu Beginn
sicher gewesen wären, daß wir in der Lage und entschlossen waren,
eine Aggression in Korea zu verhindern, wären dort vielleicht die
tragischen Verluste an Menschenleben erspart geblieben.
Da wir um die Gefahren des modernen Krieges und seine Bedrohung
des Fortbestehens der Zivilisation in der Welt wissen, haben wir immer
wieder die Initiative ergriffen, um ein umfassendes Abrüstungsabkommen
mit Vorkehrungen für die Gewährleistung der Sicherheit zustande zu
bringen. Es ist durchaus möglich, daß diese Initiative mancherorts
fälschlicherweise als ein Nachlassen der Kräfte Amerikas interpretiert
worden ist. Wir sind eben erst Zeuge einer Reihe prahlerischer sowjetischer Verlautbarungen über Fortschritte in der Schlagkraft, im Bau
interkontinentaler Raketen, in der Stärke der See- und Luftstreitkräfte geworden. Sie haben unsere aufrichtigen Abrüstungsvorschläge
verächtlich abgetan. Friedliebende. Menschen versuchen sie durch die
trügerische Phrase von der "Ächtung der Bombe" zu beeindrucken, während
sie gleichzeitig gewissen Ländern mit militärischen Ambitionen überreiche Waffenangebote zu Spottpreisen machen. Ich glaube, man sollte
jenen Ländern, die sich durch die sowjetische Machtpolitik und die
Möglichkeit des Erwerbs sowjetischer Waffen beeindrucken lassen, klar
machen, daß sie angesichts der kommunistischen Methoden, die sich ja
nicht geändert haben, ernstlich Gefahr laufen, einfach geschluckt zu
werden und ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Auch wäre es unklug, die
industrielle und militärische Potenz unseres Landes zu unterschätzen
und unsere Ziele falsch zu deuten.
Unverblümte Drohungen mit Gewalt entsprechen bester sowjetischer
Tradition. Aber auch die Versuche wirtschaftlicher Durchdringung werden von den Sowjetmachthabern dort verstärkt betrieben, wo sie sich
größten Gewinn versprechen. Eine flexible Kombination von Maßnahmen
ist notwendig, um dieser weitgespannten kommunistischen Drohung begegnen zu können.
Einer der flexibelsten und wirksamsten Bestandteile unserer nationalen Verteidigung ist das Programm für gemeinsame Sicherheit. Dieses Programm hat mehrfach in bedeutsamer Weise zur Erreichung unserer
nationalen Ziele beigetragen. Es hat dazu beigetragen, daß freie Länder ihre militärischen Streitkräfte aufrechterhalten und so die kommunistische Aggression abwehren oder verhindern konnten} es hat freien
Ländern die Möglichkeit gegeben, mit inneren Unruhen, die ihre Unabhängigkeit und Stabilität gefährdeten, fertig zu werden. Es hat dazu
beigetragen, freie Länder weniger abhängig von der Hilfe des Sowjetblocks zu machen und ihnen so Situationen zu ersparen, in denen die Abhängigkeit von solcher Hilfe sie ganz in den Machtbereich des inter-

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�"AMERIKA DIENST"

11. September 1957

internationalen Kommunismus bringen konnte. Und schließlich hat es
den Satellitenstaaten eine größere Möglichkeit gegeben, ihre Bindungen an Moskau zu lockern oder ganz zu lösen.
Dieses gesamte Programm zielt jedoch, wie Präsident Eisenhower
erklärt hat, nicht darauf ab, abhängige Verbündete zu gewinnen. Wir
wollen anderen Ländern dabei helfen, stark zu werden und frei zu
bleiben und durch ein Leben in Freiheit zu lernen, wie man Armut überwinden und die Segnungen von Frieden und Fortschritt erfahren kann.
Diese Ziele dienen unseren eigenen nationalen Interessen.
Vor einem Gremium wie diesem, mit großer Erfahrung in kommunalen Fragen und staatspolitischer Führerschaft, brauche ich die Bedeutung und Verflochtenheit unserer auswärtigen Angelegenheiten nicht
besonders zu betonen.
Sie haben, wenn auswärtige Besucher in ihre Städte und Verwaltungen kamen, uns bei vielen Gelegenheiten großzügige Unterstützung
gewährt. Viele Ihrer Städte beteiligen sich am Schwesterstadtprogramm, einer wirksamen Form diplomatischer Beziehungen auf der Menschzu-Mensch-Ebene, die amerikanische und ausländische Städte mit Banden
der Freundschaft und Anteilnahme verbinden. Ihr Verständnis und Ihre
Unterstützung wird auch in Zukunft von größtem Wert für Ihre Regierung
sein.

* * * * *

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D I E N S T

Allg./18.9.57
DIE STAATSRECHTLICHEN ASPEKTE DER SPANNUNGEN IN LITTLE ROCK
Einzelstaat kontra Bundesregierung

WASHINGTON - (AD) - Die Frage der Rassenintegration an den
öffentlichen Schulen im Süden der USA, die gegenwärtig die Gemüter
der amerikanischen Öffentlichkeit erhitzt, ist durch die Weigerung
des Gouverneurs des Staates Arkansas, Orval Faubus, der Entscheidung
eines Bundesgerichtes Folge zu leisten, auf eine neue Ebene gerückt
worden. Es geht hier nicht mehr allein um gefühlsmäßige Regungen
der weißen und farbigen Bevölkerung oder um rein bürgerrechtliche
Fragen, sondern um das alte dornige Problem der einzelstaatlichen
Autorität gegenüber den Befugnissen der Bundesregierung der Vereinigten Staaten. Die USA sind gemäß ihrer Verfassung kein Zentralstaat, sondern eine Föderation in mancher Beziehung recht selbständiger Einzelstaaten, und die staatsrechtlichen Aspekte der Raesenintegration sind keineswegs einfach.
Dieses Problem der Machtabgrenzung zwischen den Einzelstaaten
und dem Bund, wie es in Little Rock aufgetreten ist, greift zurück
bis auf die langen und heißen Debatten in der verfassunggebenden
Versammlung im Jahre 1787 und die später immer wieder auftretenden
staatsrechtlichen Konflikte, die sich aus dem amerikanischen System
der Machtverteilung zwischen den Einzelstaaten und der Bundesregierung ergeben haben.
Der föderative Charakter der amerikanischen Staatsform bringt
eine Teilung der politischen Macht zwischen einer Zentralregierung
mit gesamtnationalen Befugnissen auf bestimmten Gebieten und den
Regierungen der 48 Einzelstaaten mit sich, die jeweils innerhalb
ihrer Grenzen ganz bestimmte Rechte und Machtbefugnisse haben. Dieses föderative System steht im Gegensatz zu einem Staat, in dem Provinzregierungen in fast allen Fragen der Entscheidung einer Zentralregierung unterworfen sind.
Das föderative System, wie es in der Verfassung der Vereinigten
Staaten niedergelegt ist, ersetzte die ziemlich lose und kaum praktisch wirksame Konföderation von Staaten, die nach dem Ende der
amerikanischen Revolution bis zum Inkrafttreten der Verfassung im
Jahre 1789 existierte, Mit der Annahme der Verfassung gaben die einzelnen Staaten ihre Souveränität zum größten Teil zugunsten der

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18. September 1957

der Zentralregierung auf, behielten sich jedoch noch viele Machtbefugnisse vor. Die Einzelstaaten der USA sind seither immer sehr darauf
bedacht gewesen, ihre Rechte gegenüber jeder Bevormundung durch die
Bundesregierung zu bewahren und zu schützen.
Bezüglich der Abgrenzung der nationalen und der einzelstaatlichen
Machtbefugnisse im Rahmen der amerikanischen Verfassung heißt es in
dieser lediglich:
"Diese Verfassung, die in ihrem Verfolg zu ablassenden Gesetze
der Vereinigten Staaten sowie alle im Namen der Vereinigten Staaten
abgeschlossenen oder künftig abzuschließenden Verträge sind oberstes
Gesetz des Landes; und die Richter in jedem Einzelstaat sind daran
gebunden, auch wenn ihnen in der Verfassung oder den Gesetzen eines
Einzelstaates Bestimmungen entgegenstehen.
Die obengenannten Senatoren und Abgeordneten, die Mitglieder der
gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten und alle Verwaltungsund Justizbeamten sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Einzelstaaten haben sich durch Eid oder Gelöbnis zu verpflichten, dieser
Verfassung zu dienen..."
Diese Abschnitte des Artikels 6 der Verfassung vereinen die
nationale Regierung und die Einzelstaaten in einer Regierungsorganisation, in einem Bundesstaat.
Die Abgrenzung der Machtbefugnisse zwischen Einzelstaat und Bundesregierung wird weiter im zehnten Zusatzartikel zur Verfassung definiert, wo es heißt: "Die Machtbefugnisse, die von der Verfassung weder den Vereinigten Staaten übertragen noch den Einzelstaaten entzogen werden, bleiben den Einzelstaaten oder dem Volke vorbehalten."
In Abschnitt 8 des Artikels 1 der Verfassung wird festgelegt,
daß der Kongreß das Recht hat, "alle zur Ausübung der vorstehenden
Befugnisse und aller anderen Rechte, die der Regierung der Vereinigten Staaten, einem ihrer Zweige oder einem einzelnen Beamten auf Grund
dieser Verfassung übertragen sind, notwendigen und zweckdienlichen
Gesetze zu erlassen."
*
Die Auslegung dieser Bestimmungen über die Verteilung der einzelstaatlichen und nationalen Machtbefugnisse ist jedoch für den Staatsrechtler nicht immer leicht gewesen. Die Tatsache, daß bestimmte Machtbefugnisse gleichzeitig sowohl von der Bundesregierung als auch einer
einzelstaatlichen Regierung ausgeübt werden können, hat manchmal zu
einer gewissen Unsicherheit und zu Meinungsverschiedenheiten darüber
geführt, wo nun die Trennungslinie zwischen beiden Regierungen verlaufe. So ist zum Beispiel die Befugnis, den Handel zwischen den Einzelstaaten gesetzlich zu regeln, oft als das ausschließliche Recht
der Einzelstaaten angesehen worden, während sich in der Praxis jedoch gezeigt hat, daß es sich hier um eine sich überschneidende Befugnis handelt, die oft auch von der Bundesregierung ausgeübt wird.
Weiter

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Weiter ist dem Kongreß der Vereinigten Staaten das Recht zugestanden,
Steuern zu erheben, während auf der anderen Seite diese gleiche Befugnis den Einzelstaaten nicht vorenthalten ist.
Im Falle der öffentlichen Schulen gibt die Verfassung dem Kongreß
keine Vollmacht, Einrichtungen der öffentlichen Erziehung zu unterhalten oder gesetzlich zu beeinflussen, woraus sich der Sachverhalt zu
ergeben scheint, daß, wie aus dem zehnten Verfassungszusatz zu ersehen
wäre, dies ausschließlich unter die Jurisdiktion der einzelstaatlichen
Regierungen fallen würde.
Ganz so klar liegen jedoch auch auf dem Gebiet des Schulwesens
die Verhältnisse nicht. Auch hier kommen Befugnisse der Bundesregierung
zum Tragen und auf Grund des 14» Verfassungszusatzes, der es der
Zentralregierung zur Pflicht macht, die Rechte aller Bürger zu schützen,
fällt die gesetzliche Regelung für die öffentlichen Schulen unter die
Jurisdiktion sowohl der einzelstaatlichen als auch der Bundesbehörden.
In dem Zusatzartikel XIV der Verfassung heißt es nämlich:
"Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert und ihrer Regierungsgewalt unterworfen sind, sind Bürger der
Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie ihren Wohnsitz
haben. Keiner der Einzelstaaten darf Gesetze erlassen oder durchführen,
die die Vorrechte von Bürgern der Vereinigten Staaten beschränken, und
kein Staat darf irgend jemandem Leben, Freiheit oder Eigentum nehmen,
es sei denn, durch ordentliches Gerichtsverfahren nach Recht und Gesetz, oder irgend jemandem innerhalb seines Gebietes den gleichen
Schutz durch das Gesetz versagen."
Gerade diese Frage der Beschränkung von Vorrechten und des gleichen gesetzlichen Schutzes für alle war es nun, die farbige Bürger
im Süden der USA auf den Plan rief. Vor einigen Jahren reichten farbige Bürger bei Gerichten die Klage ein, daß ihnen ihre verfassungsmäßigen Rechte unter Zusatzartikel XIV der Verfassung von den Bezirksschulbehörden verwehrt würden, die die Aufnahme farbiger Schüler an
weißen Schülern vorbehaltenen öffentlichen Schulen ablehnten.
Diese Fälle durchliefen den gerichtlichen Instanzenweg und kamen
schließlich vor das oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten,
das daraufhin seine berühmte Entscheidung aus dem Jahre 1954 fällte,
nach der die zwangsweise Trennung von farbigen und weißen Schülern an
öffentlichen Schulen als verfassungswidrig bezeichnet wurde. Der
Oberste Gerichtshof ordnete weiter an, daß diese Rassentrennung möglichst rasch zu beseitigen sei. Dabei überließ es das Oberste Bundesgericht den einzelnen Bezirksbundesgerichten der betroffenen Gebiete,
unter Berücksichtigung der örtlichen Begebenheiten einen Zeitplan für
die Aufhebung der Rassentrennung auszuarbeiten.
In sehr vielen Fällen gelang es, einen Modus vivendi zu finden
und das Problem ohne größere Schwierigkeiten und ohne das Auftreten
staatsrechtlicher Fragen zu lösen.
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In Little Rock, wo es jetzt zu den sattsam bekannten Spannungen
und Mißhelligkeiten kam, hatte eine Gruppe von farbigen Eltern bei
einem staatlichen Gerichtshof darauf geklagt, daß die Schulbehörde
von Little Rock angewiesen werde, farbige Kinder in die bisher nur
weißen Schülern vorbehaltene Oberschule aufzunehmen.
Das einzelstaatliche Gericht gab diesem Antrag nicht statt. Der
Richter des Bundesdistriktgerichtes, Ronald Davies, revidierte jedoch
auf Grund des Artikels 6 der Verfassung - aus dem hervorgeht, daß
Bundesgerichte die Befugnis und die Pflicht haben, alle Entscheidungen einzelstaatlicher Gerichte, bei denen es sich um Fragen der Bundesverfassung handelt, zu überprüfen - die Entscheidung des fraglichen
einzelstaatlichen Gerichtes und wies die Schulbehörde der Stadt an,
die farbigen Schüler im Rahmen eines geplanten Programms zur Aufhebung der Rassentrennung zuzulassen.
Als die farbigen Schüler versuchten, das Gebäude der Oberschule
in Little Rock zu betreten, rief der Gouverneur des Staates Arkansas,
Orval Faubus, die Nationalgarde auf und hinderte die Neger am Schulbesuch. Der Gouverneur erklärte, er handle im Rahmen seiner Befugnis,
die. Nationalgarde zur Aufrechterhaltung von Ruhe'und Ordnung einzusetzen. Er habe Grund anzunehmen, so sagte er, daß es zu Gewalttätigkeiten und Auseinandersetzungen kommen würde.
Durch diesen Einsatz der Nationalgarde kam nun das Problem der
Abgrenzung der Machtbefugnisse zwischen Einzelstaat und Bundesregierung erst richtig zum Tragen, da diese Nationalgarde von der Bundesregierung ausgebildet und ausgerüstet wird. In Friedenszeiten sind
die Gouverneure der verschiedenen Staaten gleichzeitig die Befehlshaber der jeweiligen Einheiten der Nationalgarde. Die Nationalgarde
kann jedoch in Zeiten des Krieges von dem Präsidenten zum Bundesdienst aufgerufen werden und hat damit einen nicht eindeutigen Status.
Nachdem Bundesrichter Davies erneut die Weiterführung der Rassenintegration angeordnet hatte, zog der Gouverneur die Nationalgarde
nicht ab, sondern postierte sie weiterhin außerhalb der Schule und
hinderte die fartigen Schüler am Betreten dee Gebäudes. Am 9« September ersuchte nun Bundesrichter Davies den amerikanischen Generalstaatsanwalt - gleichzeitig Justizminister - als "Freund des Gerichtes" den Fall in die erste Instanz zu bringen. Auf Grund der Darlegungen des Richters ersuchte Generalstaatsanwalt Brownell diesen, eine
einstweilige Verfügung gegen Gouverneur Faubus und zwei Offiziere
der Nationalgarde von Arkansas zu erlassen. Am 10. September wurden
der Gouverneur und die beiden Offiziere aufgefordert, am 20. September zu einer Verhandlung vor dem Bundesgericht zu erscheinen, auf
der über das Erlassen einer einstweiligen Verfügung beschlossen werden soll, durch die ihnen eine weitere Einmischung in die Aufnahme
von farbigen Schülern an der Oberschule von Little Rock untersagt wird.
Gouverneur Faubus hat erklärt, daß er sich einer Rassenintegration in den Schulen seines Staates keineswegs widersetze. Er wies dabei auf die Städte Ozark, Van Buren und Fort Smith hin, wo mit dem

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dem Beginn des neuen Schuljahres auch die Aufhebung der Rassentrennung
angelaufen sei. Er bestand darauf, daß er im Rahmen seiner Amtspflichten handele, wenn er Gewalttätigkeit und Unordnung innerhalb seines
Staates verhindere und stützte sich dabei auf die ihm zustehenden
einzelstaatlichen Rechte. In einem Interview mit der Presse unterstrich Faubus, daß "bestimmte unveräußerliche Rechte des Staates
existieren, die vielleicht das Bollwerk und die Stärke der Union
gewesen sind." Solange jeder Staat das Gefühl habe, daß er an Recht
und Gesetz glauben könne, könne er auch etwas für die Regelung seiner
eigenen Angelegenheiten tun. Gerade dieses Gefühl des Rechtes und
der Sicherheit mache die Stärke der Union um so größer.
Gouverneur Faubus hat auf jeden Fall die Aufforderung zum Erscheinen vor dem Bundesgericht angenommen und erklärt, er werde wohl
auch die Entscheidung des Gerichtes akzeptieren. Sein Zusammentreffen
mit Präsident Eisenhower zu einer Aussprache über die ganzen anstehenden Probleme wird weiter dazu beitragen, die Lage zu klären und eine
für alle Teile befriedigende Lösung zu finden. Der Gouverneur selbst
hat in einem Telegramm an Eisenhower ausdrücklich erklärt, daß "alle
guten Bürger selbstverständlich alle ordentlichen Entscheidungen unserer Gerichte befolgen müssen" und daß es sein Wunsch sei, der Anordnung des Bundesgerichtes in Übereinstimmung mit seinen Pflichten
im Rahmen der Verfassung der Vereinigten Staaten und der des Staates
Arkansas nachzukommen.

* * * * *

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Allg./25.9.1957

JOHN FOSTER DULLES FORDERT "ATMOSPHÄRE DES VERTRAUENS"
ALS GRUNDLAGE FÜR EIN ABRÜSTUNGSABKOMMEN

NEW YORK - (AD) - Nachsteh end übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut einer Rede des US-Außenministers John Foster
Dulles, die er am 19» September 1957 vor der 12. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York gehalten
hat. Hauptthemen der Rede waren die Abrüstung und die
Lage im Nahen Osten.

"Es ist für mich eine große Auszeichnung gewesen, an der Arbeit
der Vereinten Nationen seit ihrem Beginn teilnehmen zu dürfen. Ich
schätze mich glücklich, daß ich heute diese Verbindung fortsetzen
kann, indem ich an der allgemeinen Debatte dieser zwölften Vollversammlung teilnehme.
Die Internationale Atomenergiebehörde
Das vergangene Jahr hat die Errichtung einer wichtigen neuen
internationalen Behörde - der Internationalen Atomenergiebehörde gebracht.
Genauso wie Sie alle, die am 8. Dezember 1955 hier anweseni waren, erinnere ich mich an die begeisternden Worte Präsident Eisenhowers. 'Wir müssen', so sagte er, 'einen Weg finden, auf dem die
wunderbare Erfindungsgabe des Menschen nicht zu seiner Vernichtung
gebraucht, sondern seinem Leben geweiht wird.1 Zu diesem Zweck schlug
er die Schaffung einer Internationalen Atomenergiebehörde vor.
Es war nicht einfach, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.
Große Hindernisse türmten sich zu Anfang auf. Vier Jahre der Geduld,
der Festigkeit und der Diplomatie waren nötig, um dieses unser Ziel
zu erreichen. Aber jetzt ist dieses Ziel endlich doch erreicht worden.
Recht und Gerechtigkeit
Andere wesentliche Maßnahmen der Vereinten Nationen während des
vergangenen Jahres bezogen sich auf Ägypten und Ungarn. Ich will auf

�25. September 1957

"AMERIKA DIENST

auf diese Dinge jetzt nicht im einzelnen eingehen, da sie uns allen
noch frisch im Gedächtnis sind. Dennoch möchte ich daran erinnern,
daß ich mich - als ich auf diese Frage im Verlaufe der ersten Sondersitzung der Vereinten Nationen einging - auf den Artikel 1 unserer
Charta bezog, der friedliche Lösungen 'in Übereinstimmung mit den
Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechtes' fordert. Ich
habe hier an dieser Stelle die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß
wir in Zukunft vielleicht mehr tun könnten, um diesem Grundsatz
Nachdruck zu verleihen.
Leider gibt es heute auf der Welt sehr viel Ungerechtigkeit.
Die gewaltsame Teilung Deutschlands ist ein Unrecht, an das man
sofort denken muß.
Viele Mitgliedstaaten scheinen auch nur zögernd dem Artikel 36
nachzukommen, der besagt, daß 'rechtliche Streitfragen als allgemeine
Regel von den Parteien an den Internationalen Gerichtshof verwiesen
werden sollten.1
Wenn die Geschichte etwas bewiesen hat, dann ist es die Tatsache,
daß die Erhaltung eines dauerhaften Friedens nicht möglich ist, wenn
dieser Friede nicht auf Gerechtigkeit und Recht basiert.
Abrüstung
Ich möchte jetzt von der Begrenzung der Rüstung sprechen. Sie
ist eine der wichtigsten Aufgaben, die die Charta den Vereinten Nationen auferlegt.
Eine Begrenzung der Rüstung ist in jedem Fall bereits eine
schwierige Aufgabe. Die an sich schon damit verbundenen Schwierigkeiten werden heute noch durch das akute Mißtrauen vergrößert.
Was die Dinge noch schwieriger macht, ist das Vorhandensein
neuer Waffen, deren Kontrolle nicht durch irgendwelche wissenschaftlichen Mittel sichergestellt werden kann. Die Sowjetunion hat in
ihrer Note vom 10. Mai 1955 darauf hingewiesen, daß es unmöglich
sei, die 'geheime Produktion von Atom- und Wasserstoffbomben' zu
verhindern.
Deshalb, so folgerten die Sowjets, 'kann » solange in den Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten nicht eine Atmosphäre des
Vertrauens geschaffen worden ist - ein Abkommen über die Errichtung
einer internationalen Kontrolle nur dazu dienen, die Wachsamkeit
der Völker einzuschläfern. Ein solches Abkommen wird ein falsches
Gefühl der Sicherheit hervorrufen, während in Wirklichkeit immer
die Drohung eines Überraschungsangriffs vorhanden ist.*
Wir stimmen darin überei'n, daß eine 'Atmosphäre des Vertrauens'
notwendig ist. Wie sollen wir sie schaffen? Ein Weg besteht für die
großen Militärmächte darin, durch ihr Verhalten zu beweisen, daß

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daß sie ihren in der Charta der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebrachten Verpflichtungen nachkommen werden. Leider fehlt diese Basis
des Vertrauens. Ich brauche nur an die jüngste Resolution der Vollversammlung zu erinnern, die sich mit dem tragischen Schicksal Ungarns befaßt, Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit, ein solches Vertrauen zu schaffen, und diese besteht darin, daß die großen Militärmächte eine gegenseitige Inspektion akzeptieren, die in
der Praxis einen 'Überraschungsangriff, von dem die sowjetische
Note sprach, unwahrscheinlich machen wird. Bann sind wir nicht mehr
auf die Worte des anderen oder seine Beteuerungen angewiesen. Irgendwelche bösen Absichten wären dann so leicht zu entdecken, daß
dies keine nutzbringende Taktik wäre, selbst nicht für diejenigen,
die zu solchen neigen^
Biese Konzeption, steht hinter dem Vorschlag der 'Offenen Himmel'
Präsident Eisenhowers, den er auf der Konferenz auf höchster Ebene
in Genf im Juli 1955 machte. Diese Konzeption hat sofort weltweiten
Beifall gefunden und ist von der Vollversammlung unterstützt worden.
Sie ist das Kernstück der gemeinsamen Vorschläge, über die vier der
fünf Mitglieder unseres Abrüstungsunterausschusses im vergangenen
Monat Einigung erzielten.
Die "gemeinsamen Vorschläge"
'Ich werde Ihnen kurz diese Vorschläge umreißen, denn sie werden
zweifellos in den Beratungen dieser zwölften Vollversammlung eine
bedeutende Rolle spielen.
1. Die gemeinsamen Vorschläge würden eine gegenseitige Inspektion
als Schutz gegen einen Überraschungsangriff gewährleisten. Präsident
Eisenhower hat vorgeschlagen, dies auf dem Wege der Luftinspektion
zu erreichen. Die Herren Bulganin und Chruschtschow hatten eine Bodeninspektion vorgeschlagen. Die gemeinsamen Vorschläge Vereinen diese
beiden Arten der Inspektion und stimmen sie aufeinander ab.
Hinsichtlich der Anfangszonen für eine Luftinspektion lassen
die Vorschläge den Sowjets eine große Auswahl. Wenn sie eine Inspektion in der Sowjetunion und in Osteuropa zulassen, so können sie
eine Inspektion in all den Gebieten haben, von denen her die Sowjetunion einen Angriff befürchten zu müssen behauptet, zum Beispiel Westeuropa, die Vereinigten Staaten und Kanada. Es gibt nur wenige amerikanische Stützpunkte in anderen Gebieten, aber, wie ich bereits 1955
in Genf erklärte, würden die Vereinigten Staaten nichts dagegen einzuwenden haben, diese für eine Inspektion freizugeben.
Sollte die Sowjetunion es vorziehen, zunächst nur auf einer bescheidenen und versuchsweisen Basis zu beginnen, so bieten Kanada,
Dänemark, Norwegen und die Vereinigten Staaten ein solches Gebiet
im Norden an. Es ist ferner der Bereitschaft Ausdruck gegeben worden,
eine kleine Anfangszone in Europa festzulegen.
So

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So werden die gemeinsamen Vorschläge, was alle zugestehen, der
grundlegenden Schwierigkeit gerecht: dem Mangel an Vertrauen und der
Gefahr eines Überraschungsangriffes.
2. Die gemeinsamen Vorschläge befassen sich dann mit dem Problem
der nuklearen Waffen. Sie sehen vor, daß a) kein spaltbares Material
mehr für Waffenzwecke hergestellt wird, sobald ein ausreichendes Kontrollsystem errichtet ist, und daß b) das vorhandene und für Waffenzwecke verfügbare spaltbare Material gleichmäßig reduziert wird, indem
es für friedliche Zwecke Verwendung findet.
Die meisten Experten, die sowjetischen eingeschlossen, stimmen
darin überein, daß es keinen zuverlässigen Weg gibt, um die vorhandenen Vorräte an spaltbarem Material zu kontrollieren und ihre heimliche
Verwendung auszuschließen. Aber wir glauben, es kann sichergestellt
werden, daß die künftige Produktion von spaltbarem Material nicht
mehr für Waffenzwecke Verwendung findet. Dies haben wir vorgeschlagen,
und zweifellos wäre es Wert, dies zu tun.
5. Die gemeinsamen Vorschläge fordern eine Aussetzung der Versuche mit nuklearen Waffen für zwei Jahre und länger, wenn die anderen
Aspekte des Programms wie vereinbart voranschreiten.
4» Die gemeinsamen Vorschläge würden zu einer Erforschung des
Weltraums mit dem Ziele führen, daß dieser lediglich für friedliche,
nichtmilitärische Zwecke benutzt wird. Die Sowjetunion hat bekanntgegeben, daß sie Wege gefunden hat, um unter Benutzung der äußeren
Atmosphäre eine unvorstellbare Zerstörung nach allen Teilen der Erde
zu tragen. Die Vereinigten Staaten wissen ebenfalls, wie dies bewerkstelligt werden kann. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß dies
nicht geschieht.
5. Die gemeinsamen Vorschläge sehen ferner einen Anfang in der
Reduzierung der Stärke der bewaffneten Streitkräfte sowie die Überführung eines Teiles der gegenwärtigen Waffenvorräte in international
überwachte Depots vor.
' Versuche'
Ich möchte hier noch einige Worte über das vieldiskutierte Problem der 'Versuche' sagen. Wir streben danach, durch heute genau kontrollierte Versuche herauszufinden, wie die gefährlichen radioaktiven
Stoffe, die jetzt bei der Explosion thermonuklearer Waffen auftreten,
ausgeschaltet werden können. Wir streben weiter an, die Kernwaffen zu
sauberen Waffen zu entwickeln, die für die Verteidigung gegen angreifende Truppen, Unterseeboote und Bomber sowie für die Abwehr interkontinentaler Raketen geeignet sind.
Die Sowjetunion scheint nicht zu wünschen, daß die Eigenschaften
der Kernwaffen derart verbessert und gewandelt werden. Sie scheint
es gerne zu sehen, daß Kernwaffen als 'Schreckenswaffen' gebrandmarkt
werden können.
Rechnet

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Rechnet die Sowjetunion damit, daß Regierungen, die moralischen
und religiösen Einflüssen unterworfen sind, diese Waffen unter diesen
Umständen nicht anwenden können? Und würde die sowjetische Regierung,
die keinen moralischen oder religiösen Beschränkungen unterliegt, dadurch vielleicht eine besondere Handlungsfreiheit und Initiative bezüglich solcher Waffen gewinnen?
Wünscht die Sowjetunion denn nicht, daß die Kernwaffen zu wirksamen Verteidigungswaffen weiterentwickelt werden, mit denen man einen
Angriff derjenigen abwehren könnte, die über die größte Truppenstärke
verfügen?
Wir wollen die Gefahr eines Überraschungsangriffs und damit die
Gefahr eines Krieges überhaupt so weit wie möglich ausschalten. Wir
wollen die künftige Verwendung von spaltbarem Material für die Herstellung von Waffen so weit wie möglich aufhalten. Wir wollen das
Risiko vermeiden, daß die Kernwaffen wahllos über die Welt verstreut
werden. Verantwortungslosen Menschen die Macht zum Bösen zu geben, wäre
etwas so Fürchterliches, daß man es sich gar nicht vorstellen kann.
Wenn die Sowjetunion jedoch eine Inspektion zur Ausschaltung von
Überraschungsangriffen ablehnt, wenn sie ein weltweites System zur
Beendigung der Herstellung von spaltbarem Material für Waffenzwecke
ablehnt, wenn sie die Zusammenarbeit zur Verhütung einer wahllosen
Verbreitung der Kernwaffen über die ganze Welt ablehnt, wenn sie sich
weigert, auf der Basis der Gegenseitigkeit mit einem Abbau der bestehenden Waffenvorräte zu beginnen, dann müssen wir daran zweifeln,
ob es klug wäre, die Anstrengungen aufzugeben, um die Kernwaffen zu
sauberen Verteidigungswaffen weiterzuentwickeln, die keinen wesentlichen radioaktiven Ausfall hervorrufen.
Die Versuche mit Kernwaffen dürfen natürlich keine Bedrohung des
menschlichen Lebens mit sich bringen. Die Vereinigten Staaten sind an
diesem Anliegen mehr als an irgend etwas anderem interessiert.
Wir werden die Vereinten Nationen einladen, zu einem unserer nächsten Versuche Beobachter zu entsenden, damit diese sich selbst ein
Bild von der Durchführung unserer Versuche machen können.
Im vergangenen März haben die Vereinigten Staaten und Großbritannien gemeinsam die Absicht erklärt, Atomversuche nur noch in einer Weise
durchzuführen, daß ein Anwachsen der radioaktiven Strahlung in der
Welt auf mehr als einen Bruchteil dessen verhindert wird, was gefährlich sein könnte. Da in jedem Jahr praktisch ein gewisser Prozentsatz
an Radioaktivität verschwindet, haben wir Grund zu der Hoffnung, daß
in Zukunft alle erforderlichen Versuche ohne eine wesentliche quantitative Zunahme der Radioaktivität in der Welt durchgeführt werden
können.
Die

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25. September 1957

Die Haltung der Sowjetunion
Die gemeinsamen Vorschläge, die ich soeben erläutert habe, sind
aus monatelanger, ja sogar jahrelanger Arbeit und Erörterung heraus
entstanden. Sie wurden formell am 29« August unterbreitet. Der sowjetische Delegierte wies sie sofort zurück. Er erklärte, sie seien nichts
als eine Täuschung. Er bestand ferner darauf, daß die Sitzungen des
Unterausschusses vertagt werden sollten, und er weigerte sich, einem
genauen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Arbeit zuzustimmen.
Wir können nicht glauben, daß diese weittragende und fast schon
verächtliche sowjetische Ablehnung endgültig ist. Noch niemals zuvor
haben sich so viele Nationen mit so großer militärischer Macht zusammengeschlossen, um so weitreichende Vorschläge zu machen. Jede Regierung, die diese Vorschläge in Bausch und Bogen ablehnt, würde eine
furchtbare Verantwortung vor der gesamten Welt auf sich laden.
Die Menschheit sieht einer tragischen Zukunft entgegen, wenn die
Kriegsgefahr nicht unter Kontrolle gebracht wird. Dies würde bedeuten,
daß die Menschen, um zu überleben, es lernen messen, wie Höhlenbewohner
unter der Erde zu leben, um Schutz vor dem Tod zu finden. Dies würde
bedeuten, daß die Menschen zu Sklaven der schnell ansteigenden Kosten
des Rüstungswettlaufes würden. Dies würde ferner bedeuten, daß die
Freiheit des einzelnen den Erfordernissen eines reinen Überlebens
untergeordnet werden müßte.
Die Mitglieder der freien Welt im Abrüstungsunterausschuß lehnen
eine solche Zukunft ab. Sie akzeptieren, was einigen von ihnen als Opfer
und anderen als Risiko erscheint, um einen Kurs abzustecken, der die
Gefahr eines Krieges - nicht nur eines Atomkrieges, sondern eines jeden
Krieges - reduziert. Gleichgültig ob die Sowjetunion sich heute weigert,
diesem Kurs zu folgen oder nicht, können wir doch zuversichtlich sein,
daß dieser einsichtige Versuch, der zu diesen Vorschlägen führt, nicht
vergebens gewesen ist. Selbst wenn die Sowjetunion nunmehr die gemeinsamen Vorschläge zurückweist, so sollten diese doch nicht damit als
tot betrachtet werden. Ihre Prinzipien bleiben gültig und werden fortbestehen«
Die Suche nach einer Rüstungsbegrenzung darf nicht in der Schwebe
gehalten werden. Allein schon wirtschaftliche Erwägungen verlangen
nach Bemühungen, die Völker von der schrecklichen Last der Rüstungen
zu befreien. Weiter besteht die Notwendigkeit, in besserem Maße sicherzustellen, daß die gewaltige Macht, die den Rüstungen heute innewohnt,
nur der Sicherheit dient und niemals als Instrument einer rein nationalistischen Politik verwandt wird.
Heute sind es etwa 50 Nationen, die kollektive Verteidigungsbündnisse geschlossen haben, wie sie in unserer Charta (in Artikel 51)
autorisiert werden. Ein solches Netz ist der Anwendung und Entwicklung
dieser Prinzipien dienlich, denn es ist gerade der Zweck kollektiver
Sicherheit, jedem Partner mehr Sicherheit bei geringerer Rüstung zu
gewähren. In Westeuropa besteht bereits auf der einen Seite die Nord-

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Nordatlantikpaktorganisation, die Beiträge zu einer gemeinsamen Verteidigung verlangt, und. auf der anderen Seite der 1954 geschlossene Vertrag über die Westeuropäische Union, der eine Begrenzung der nationalen
Rüstungen vorsieht.
Wenn es uns nicht möglich ist, auf weltweiter Basis vorzugehen,
dann laßt die Nationen wo immer möglich enger zusammenrücken, damit
wir innerhalb der Grenzen der Sicherheit die Last der Rüstungen erleichtern und das Risiko der Rüstung verringern können.
Aber wir wollen es auch nicht einfach fatalistisch akzeptieren,
daß die sowjetische Antwort vom vergangenen Monat das letzte Wort gewesen ist. Die Sowjets haben zuerst auch den Vorschlag für eine Internationale Atomenergiebehörde abgelehnt und sie als ein Schema bezeichnet, das nur 'aggressiven Kräften' dienen würde (sowjetisches Aide
Memoire vom 27. April 1954)« Wir gaben damals unsere Anstrengungen
nicht auf. Laßt uns auch jetzt unsere Anstrengungen nicht aufgeben.
Wenn diese Organisation das Gewicht ihres Einflusses zugunsten der
in den gemeinsamen Vorschlägen niedergelegten Grundsätze in die Waagschale wirft, dann ist es nicht ausgeschlossen, daß diese Prinzipien
einmal allgemeine Annahme finden. Da es um so viel geht, darf keine
Chance, so klein sie auch sein mag, verpaßt werden.
Der Nahe Osten
Ich wende mich jetzt dem Nahen Osten zu und spreche zunächst von
einer Vergangenheit, die wir alle lieber vergessen möchten. Wir
dürfen sie jedoch nicht vergessen, weil die Gegenwart aus der Vergangenheit verständlich wird.
Die sowjetischen Machthaber haben sich seit langem um eine Beherrschung des Nahen Ostens bemüht. Im Jahre 1940, als die Sowjets
eine Teilung der Welt mit Hitler anstrebten, machten sie es zur Bedingung, daß 'das Gebiet südlich von Batum und Baku in der allgemeinen
Richtung auf den Persischen Golf als Zentrum der Bestrebungen der
Sowjetunion anerkannt wird.' (Molotow an den deutschen Botschafter
am ?5 • November 1940.)
Unmittelbar nach Kriegsende zogen die Sowjets die militärische
Besetzung Persiens hinaus, sie bemühten sich um die Treuhänderschaft
über Libyen,und sie schürten die Unterwanderung Griechenlands. Aber
zwischen 1945 und 1949 wurde Mitteleuropa zum Hauptschauplatz der
sowjetischen Aktivität»
Im

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25. September 1957

Im Jahre 1949, nachdem der Marshallplan und der Nordatlantikpakt
ins Leben gerufen waren, verlagerten die Sowjets ihre Hauptanstrengung nach dem Fernen Osten. Dort unterstützten sie die kommunistische
Revolution in China, den Krieg in Korea und den Krieg in Indochina.
Nach der erfolgreichen Verteidigung Koreas durch die Vereinten Nationen
und nach dem Abschluß des südostasiatischen Verteidigungspaktes sowie
anderer Verteidigungsabkommen machten die Sowjets 1955 den Nahen Osten
erneut zum Mittelpunkt ihrer außenpolitischen Bemühungen. Dieses Mal
versuchten sie in den arabischen Ländern jene Technik anzuwenden, die
Stalin und Lenin für die 'Einbeziehung' der sogenannten 'kolonialen
und abhängigen' Völker in die sowjetische Machtsphäre empfohlen hatten. Diese Technik schließt, wie Lenin spezifiziert hatte, das Schüren
der nationalistischen Gefühle ein, um auf diese Weise alle Verbindungen
mit dem Westen abzubrechen und eine so völlige Abhängigkeit von der
Sowjetunion herzustellen, daß diese die völlige Kontrolle übernehmen
kann.
So begannen die sowjetischen Machthaber im Jahre 1955 mit einer
intensiven Propaganda, die darauf abzielte, die arabischen Länder
in dem Glauben zu bestärken, daß sie mit sowjetischen Waffen, sowjetischen Technikern und der politischen Unterstützung der Sowjetunion
extreme nationalistische Ambitionen verwirklichen könnten.
Diese s ow jet-kommunistisc'hen Bemühungen sind in Syrien fortgeschritten, wo die Waffen aus dem Sowjetblock mit überschwenglicher
Freude empfangen wurden und wo die politische Macht in immer stärkerem Maße von solchen Leuten übernommen wurde, die von Moskau abhängen.
Wahre Patrioten sind durch Verhaftungen oder durch Einschüchterung
aus ihren Machtpositionen verdrängt worden.
Eine Folge dieser Entwicklung ist, daß sich die Türkei auf Grund
der großen Ansammlung sowjetischer Waffen in Syrien jetzt an ihrer
Südgrenze einer wachsenden militärischen Gefahr gegenübersieht einer Ansammlung, die auf die sowjetische Militärmacht an der Nordgrenze der Türkei abgestimmt ist. In der vergangenen Woche versuchte
die Sowjetunion, die Türkei durch Einschüchterungsversuche davon abzuhalten, interne Umgruppierungen ihrer Sicherheitskräfte vorzunehmen.
Die 'Grundlagen des Friedens'
Ich möchte an dieser Stelle auf die Haltung hinweisen, die die
Weltorganisation in bezug auf die 'indirekte Aggression' eingenommen
hat. Die Vollversammlung verabschiedete 1949 eine Resolution, die den
Titel 'Grundlagen des Friedens' trug. Die Resolution fordert jedes
Land auf, sich 'aller direkten oder indirekten Drohungen oder Schritte
zu enthalten, die auf eine Gefährdung der Freiheit, der Unabhängigkeit
oder der Integrität irgendeines Staates abzielen'. Als über diese Resolution abgestimmt wurde, waren es nur die fünf Länder des Sowjetblocks, die mit 'Nein' stimmten.
Die Vereinigten Staaten haben immer wieder diese Grundlagen des
Friedens unterstützt, und sie haben dies vor allem in bezug auf den
Nahen Osten getan.
Als

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25. September 1957

Als der internationale Kommunismus 1947 versuchte, Griechenland
unter seine Kontrolle zu bringen und die Türkei bedrohte, erklärte
Präsident Truman: 'Totalitäre Regime, die freien Völkern durch direkte
oder indirekte Aggression aufgezwungen wurden, unterminieren die
Grundlagen des Weltfriedens.1
Als die sowjetische Bedrohung im Nahen Osten kürzlich erneut in
Erscheinung trat, erklärte der Kongreß der Vereinigten Staaten in
einer gemeinsamen Resolution (vom 9» März 1957)» daß 'die Vereinigten
Staaten es als lebenswichtig für die nationalen Interessen und den
Weltfrieden ansehen, daß die Unabhängigkeit und Integrität der Nationen
des Nahen Ostens gewahrt wird.' Die Resolution ermächtigte den Präsidenten, wirtschaftliche und militärische Unterstützung zu gewähren,
um den Nationen des Nahen Ostens bei der Aufrechterhaltung ihrer Unabhängigkeit zu helfen. Sie besagt weiter, daß die 'Vereinigten Staaten .... bereit sind, ihre Streitkräfte zur Unterstützung einer jeden
solchen Nation oder Staatengruppe einzusetzen, die um Beistand gegen
eine bewaffnete Aggression seitens eines vom internationalen Kommunismus kontrollierten Landes ersuchen.'
Am 7» September 1957 machte Präsident Eisenhower auf die Gefahr
in Syrien aufmerksam und unterstrich erneut seine Absicht, soweit notwendig von den ihm durch diese Kongreßresolution übertragenen Vollmachten Gebrauch zu machen.
Die sowjetischen Kommunisten scheinen Handlungen vorzunehmen, die
•direkt oder indirekt darauf abzielen, die Freiheit, Unabhängigkeit
.oder Integrität' bestimmter Nationen im Nahen Osten zu gefährden, und
zwar unter Verletzung der Resolution der Vereinten Nationen über die
'Grundlagen des Friedens'. Wir sind weiter der Auffassung, daß diese
sowjetischen Handlungen vielleicht unbeabsichtigt die Empfänger der
sowjetischen Waffen zu direkten Aggressionshandlungen verleiten könnten.
Diejenigen, die sich auf Grund dessen, daß ihnen in jüngster Zeit große
Mengen von Waffen au,s Ländern des Sowjetblocks in die Hand gegeben wurden, außergewöhnlich stark fühlen, werden durch eine heftige Propaganda gegen ihre Nachbarn aufgestachelt. Dies ist, so möchte ich sagen,
eine riskante Angelegenheit.
In einer solchen Situation ruht die Hauptverantwortung natürlich
auf den Mitgliedstaaten selbst. Sie selbst sollten sich aller direkten
oder indirekten Aggressionsmaßnahmen enthalten. Aber gerade diese Mitgliedstaaten haben auch ein angestammtes Recht auf individuelle und
kollektive Selbstverteidigung. Nichts, was die Vereinten Nationen tun
können, sollte auch nur für einen Augenblick zu einem Nachlassen in
der Wachsamkeit und in den Bemühungen eines jeden freien Landes führen,
seine eigene wahre Integrität und Unabhängigkeit und die aller anderen
freien Länder aufrechtzuerhalten.
Dennoch sollte die Vollversammlung - wenn eine Situation entsteht,
wie sie jetzt im Nahen Osten existiert - diese Lage zumindest prüfen
und erörtern. Eine Diskussion, wie sie unsere Charta vorschlägt (Artikel 11, Absatz 2 ) , ist vielleicht an sich schon heilsam, und die

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^k

�"AME RIKA DIENST"

25. September 1957

die Vereinigten Staaten behalten sich das Recht vor, im Verlauf dieser Debatte konkrete Vorschläge zu unterbreiten.
Es ist eine Tragödie, daß der Nahe Osten, der so reich an Kultur
und Tradition ist und in so hervorragender Weise zu dem materiellen
und geistigen Wohlergehen der ganzen Welt beiträgt, so zerrüttet werden soll, wie dies heute der Fall ist. Die Vereinigten Staaten sind
bereit, großzügig zur wirtschaftlichen Entwicklung dieses Gebietes
beizutragen, und zwar unter Bedingungen, die die Freiheit und Unabhängigkeit der dortigen Nationen fördern und stärken werden. Diese
Aussichten auf eine größere Freiheit und einen größeren Wohlstand werden jedoch niemals verwirklicht werden können, solange dieses Gebiet
als ein Objekt der Eroberung und als eine potentielle Ausgangsbasis
für die Beherrschung Europas, Asiens und Afrikas angesehen wird.
Die Vereinten Nationen werden bei aller materiellen Macht,
sie aufbringen können, nicht in der Lage sein, die Verhältnisse
stabilisieren. Aber wir können unseren Einfluß ausüben, und wir
dies zumindest tun und damit erneut der Sache des Friedens, der
nung und dem Glück dienen."

* * * * *

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die
zu
sollen
Hoff-

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./25.9.1957
10 JAHRE GESETZ ÜBER DIE NATIONALE SICHERHEIT DER USA

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir den Wortlaut einer Erklärung des US-Präsidenten vom 23. September 1957» in derer die
zehnte Wiederkehr des Tages, an dem das Gesetz
über die Nationale Sicherheit in Kraft trat,
würdigte.
In diesem Monat jährt es sich zum zehnten Male, daß das Gesetz
vom Jahr 1947 über die Nationale Sicherheit in Kraft getreten ist.
Das von einem republikanischen Kongreß erlassene und von einem
demokratischen Präsidenten gebilligte, von beiden Parteien erarbeitete Gesetz hat gezeigt, wie eine freie Nation Vorkehrungen zur Wahrung ihrer nationalen Sicherheit treffen und gleichzeitig ihre demokratischen Werte und Institutionen erhalten und stärken kann. Die
kraft dieses Gesetzes errichtete Organisation hat zu den Anstrengungen beigetragen, die die Vereinigten Staaten seit dem Ende des zweiten Weltkrieges um die Erzielung eines gerechten und dauerhaften
Friedens in der Welt unternommen haben.
Das Gesetz über die Nationale Sicherheit gewährleistete durch
die Zusammenlegung der obersten Kommandostellen unserer Waffengattungen und die Koordinierung der im Interesse der nationalen Sicherheit verfolgten Politik, der Tätigkeit der Abwehr und den Aufgaben
der Verteidigungsmobilisierung auf nationaler Ebene zum ersten Mal
ein umfassendes Programm für die Sicherheit der Vereinigten Staaten.
In dem vergangenen Jahrzehnt erfuhr das Gesetz mehrfach eine weitere Erhöhung seiner Wirksamkeit, und vieles ist dank der darin enthaltenen Bestimmungen bereit jrreicht worden. In den kommenden Jahren wird das Gerüst, das durch dieses Gesetz geschaffen wurde, durch
weitere Anstrengungen noch mehr gefestigt werden, und die laufend
gesammelten Erfahrungen dürften die Grundlage für eine weitere Verbesserung des Gesetzeswerkes als solchem darstellen.
Ein Grundziel des Gesetzes über die Nationale Sicherheit war
die Gewährleistung einer "autoritativen Koordinierung und einheitlichen Leitung der Waffengattungen unter ziviler Verwaltung durch
den Verteidigungsminister". Dank dieser gesetzlich verankerten Konzeption, daß die letzte Entscheidung bei einer Zivilperson liegt.

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�AMERIKA DIENST"

25. September 1957

liegt, unterhalten die Vereinigten Staaten mit Erfolg die mächtigste
Armee, die sie in Friedenszeiten in ihrer ganzen Geschichte je gehabt
haben.
Auf Grund dieses Gesetzes präsidiert ein Vorsitzender im Gemeinsamen Rat der Stabschefs, die die berufenen militärischen Berater des
Präsidenten, des Nationalen Sicherheitsrates und des Verteidigungsministers in Fragen der nationalen Sicherheit sind.
In Erkenntnis der wachsenden Bedeutung der Luftmacht wurde im
Rahmen des Nationalen Sicherheitsgesetzes (National Security Act)
das Staatssekretariat für die Luftstreitkräfte geschaffen. Heute
sind die US-Luftstreitkräfte in der Verteidigung unseres Landes
gleichberechtigter Partner des Heeres und der Marine.
Durch den National Security Act wurde ebenfalls das Gefüge des
Nationalen Sicherheitsrates festgelegt - ein gänzlich neues Konzept
in unserer Regierung -, ein vom Präsidenten ernanntes Gremium, das
den Präsidenten bei der Koordinierung nationaler, auswärtiger und
militärischer Angelegenheiten in Fragen der nationalen Sicherheit
zu beraten hat. Die dem Rat untergeordneten Dienststellen, wie der
Planungs-, der Koordinationsausschuß und die beiden internen Sicherheitskomitees, ermöglichen es den für die Durchführung verantwortlichen Ministerien und Behörden, bei der Entwicklung und Durchführung
der für die nationale Sicherheit notwendigen Maßnahmen wirksam zusammenzuarbeiten.
Dem überparteilichen Beamtenstab des Nationalen Sicherheitsrats,
der unter ziviler Leitung steht, obliegt die Ausarbeitung objektiver
Analysen, der Verwaltungsdienst und die Sorge für die Kontinuität
der Arbeit im Rat.
Das Gesetz sieht ferner vor, daß der Leiter des Zentralamtes
für Nachrichten und Abwehr auf Weisung des Nationalen Sicherheitsrates, den Präsidenten und den Sicherheitsrat auf im Wege des Abwehrdienstes zugegangene Informationen über Entwicklungen im Ausland,
die die nationale Sicherheit berühren, aufmerksam macht. Das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr ist in Zusammenarbeit mit den Abwehrorganisationen anderer Ministerien und Behörden in der Errichtung
eines weitgreifenden auswärtigen Nachrichten- und Abwehrsystems, das
der Verantwortung der USA in der heutigen Welt gerecht wird, gut
vorangekommen.
Das Nationale Sicherheitsgesetz ermöglichte die Organisierung
eines Apparates für die Planung und Vorbereitung der Aufgaben für eine
Mobilisierung unserer militärischen, industriellen und zivilen Hilfsquellen, so.wie die Weltsituation es erfordert. Dem Leiter des Amtes
für Verteidigungsmobilisierung obliegt es, die für eine Mobilisierung
gemachten Pläne und Vorbereitungen mit Hilfe der anderen, damit befaßten Ministerien und Behörden, die im Direktorium des Amtes für

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25. September 1957

für Verteidigungsmobilisierung vertreten sind, zu koordinieren.
Wir begrüßen heute die Voraussicht jener, die 1947 im Gesetz
für die Nationale Sicherheit diese Ziele niedergelegt haben. Wir
sollten auch jenen zahllosen Personen danken, die mitgeholfen haben
bei dem Versuch, diese Direktiven in die Tat umzusetzen.
Die diesem Gesetz gesteckten Ziele lassen sich nur erreichen,
wenn alle, die es angeht, weiterhin entschlossen sind, alle unsere
Hilfsquellen und besonderen Fähigkeiten zusammenzunehmen,
und ihre
Meinungsverschiedenheiten auf vernünftige Weise beizulegen, um damit
dem einen gemeinsamen Anliegen zu dienen - der nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten in einer freien und friedlichen Gemeinschaft
der Nationen. Dieser zehnte Jahrestag der Schaffung des Gesetzes
für die Nationale Sicherheit ist ein Appell an die amerikanische
Staatsführung, diese Ziele zu erreichen.

* * * # *

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D I E N S T

Allg./2.10.57

ZUR ERÖFFNUNG DER ERSTEN KONFERENZ DER
INTERNATIONALEN ATOMENERGIEBEHÖRDE
IN WIEN AM 1. OKTOBER 1957

BOTSCHAFT PRESIDENT EISENHOWERS
ANSPRACHE VON LEWIS L. STRAUSS,
VORSITZENDER DER AMERIKANISCHEN ATOMENERGIEKOMMISSION

�EISENEOWER: FRIEDLICHES ATOM SOLL GETEILTE WELT
WIEDER ZUSAMMENFÜHREN
WIEN - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Botschaft Präsident Eisenhowers
an die erste Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien vom 1. Oktober 1957•
"Die Gebete und Hoffnungen von Millionen Menschen jeder Rasse und
jeden Glaubens begleiten die Beratungen, mit denen Sie heute in Wien beginnen. Ihnen ist die historische Verantwortung übertragen worden, eine
neue Konzeption in positive Maßnahmen zum Wohle der gesamten Menschheit
umzusetzen.
Noch nie zuvor ist irgendeine Konferenz in der Geschichte aussichtsreicher und hoffnungsvoller begonnen worden. Das Statut der Internationalen Atoraenergiebehörde, das Sie zu verwirklichen im Begriffe stehen, repräsentiert den Willen und die Bestrebungen von mehr Nationen als jemals
zuvor einen internationalen Vertrag unterzeichneten.
Ihnen ist daher ein heiliges Vertrauen geschenkt worden. Ihrer Obhut ist das Gewissen der Völker der Welt anvertraut worden. Diese Völker
schauen in der Hoffnung auf Sie, daß das praktische Programm gefördert
wird, durch das das gespaltene Atom aufhört, ein Symbol der Furcht zu.
sein, und statt dessen zu einer Möglichkeit wird, die der Menschheit
ein reicheres, gesünderes und nützlicheres Leben verheißt.
Während der vergangenen Jahre hat sich die Bevölkerung der Vereinigten Staaten mit ganzem Herzen und aller Kraft für den Erfolg dieses Unternehmens eingesetzt. Indem ich im Namen der amerikanischen Bevölkerung spreche, lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit erneut nachdrücklich und ernsthaft die Hingabe an diese unsere Anstrengungen bekräftigen. Es ist unsere glühende Hoffnung, daß die Atomenergiebehörde
zu einem Zentrum für die Bemühungen wird, die Segnungen der Atomenergie
zu fördern und sie allen Ländern der Welt, großen wie kleinen, zugute
kommen zu lassen.
Die Möglichkeiten, die jetzt vor Ihnen liegen, sind vielfältig.
Die Aufgaben, denen Sie sich gegenübersehen werden und die Sie lösen
müssen, sind groß. Aber mit Vertrauen und anhaltender freundschaftlicher Zusammenarbeit, wie Sie für die Schaffung dieser Behörde charakteristisch waren, kann unsere Generation die Atomenergie zu einer
Gabe werden lassen, für die die Menschheit immer dankbar sein wird.
Möge diese Konferenz in die Geschichte eingehen als ein Wendepunkt,
an dem die Furcht der Menschen vor dem Atom der Hoffnung und der umfassenden Zusammenarbeit Raum gibt, die zur Schaffung des von allen Menschen gewünschten Friedens notwendig ist.
Ich bete dafür, daß die Spaltung des Atoms unter der klugen Leitung der Internationalen Atomenergiebehörde eines Tages eine geteilte
Welt wieder zusammenführen wird."

* * * * *

�STRAUSS: WENDEPUNKT IN DER GESCHICHTE DER MENSCHHEIT

WIEN - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut der Erklärung, die Lewis L. Strauss, der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergie-Kommission
(AEC), am 1. Oktober 1957 in seiner Eigenschaft als
Leiter der amerikanischen Delegation für die erste
Konferenz der Internationalen Atomenergie-Behörde
(IAEA) in Wien abgegeben hat.

"Als erstes möchte ich bei diesem Anlaß zum Ausdruck bringen, wie
glücklich ich mich schätze, hier in Wien zu sein. Es sind jetzt 38
Jahre her, seit ich zum letzten Mal hier war; ich war damals mitverantwortlich für die Verteilung amerikanischer Lebensmittel im Rahmen
der Hoover-Spende an österreichische Kinder. Und ich freue mich ganz
besonders über die Gelegenheit, die ich seit meiner Ankunft hatte,
um die Freundschaft mit so vielen alten Bekannten unter den Mitgliedern der hier versammelten zahlreichen Delegationen zu erneuern. Es
ist mir als dem Leiter der Delegation der Vereinigten Staaten eine
große Befriedigung, daß diese erste Konferenz der Internationalen
Atomenergie-Behörde in dieser schönen Stadt an der Donau stattfinden
soll, in der Hauptstadt eines Landes, das wir vor noch nicht allzu
langer Zeit wieder als souveränes Mitglied in der Familie der Völker begrüßen konnten, in einer Rolle also, die ihm die Geschichte
in so eindeutiger Weise zuerkennt.
Das amerikanische Volk empfindet einen natürlichen Stolz auf
Präsident Eisenhowers Konzeption der "Atome für den Frieden", die
diese Behörde ins Leben rief, und erblickt deshalb in dieser Konferenz das Zeichen für einen hoffnungsvollen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit.
Meine Landsleute teilen mit Millionen von Menschen in großen und
kleinen Nationen die Erwartung, daß das, was wir hier in Wien unternehmen, sie auf einen neuen Weg bringt, der von Krieg und Mißtrauen
fort zur friedlichen Zusammenarbeit für Frieden und Fortschritt
führt.
Der Vorschlag, auf den sich diese Behörde gründet - ja überhaupt
die Grundlage für das Statut der Behörde, das nun hier in die Tat umgesetzt werden soll«..-, wurde von Präsident Eisenhower vor fast vier
Jahren in seiner historischen Botschaft an die Vollversammlung der
Vereinten Nationen zum ersten Mal vorgebracht.
Seitdem erstrebt das amerikanische Volk mit Herz und Hand die
Verwirklichung des Gedankens: Atome für den Frieden.
Die Phase der Verhandlungen in der Schaffung dieser Behörde endete vor 11 Monaten, als sich die Vertreter von 81. Nationen auf
einer Konferenz in New York für das Statut aussprachen. Nun treten

�2. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST

treten wir in eine neue Phase ein - es beginnt die Zeit der Tat.
Wir sind mit der Verantwortung betraut, den Apparat zu schaffen,
der die Hoffnungen verwirklicht, welche die Menschheit in uns setzt.
Um mit Präsident Eisenhower zu sprechen, müssen wir jetzt "das Atom
seiner militärischen Hülle entreißen und es den Künsten des Friedens
anpassen."
Nie zuvor ist, soweit ich denken kann, ein internationales Vorhaben von so verbreiteter Unterstützung und Begeisterung getragen
worden. Es gab keines, das mit mehr gutem Willen und der Bereitschaft
zur Zusammenarbeit seitens der Verhandlungspartner unternommen worden war. Das ist ein seltenes, ein gutes Omen.
Vor einem Jahr, am 26. Oktober 1956, hatte ich anlässlich der
Beendigung der Konferenz über die Statuten der Internationalen Atomenergiebehörde die Ehre, eine Botschaft Präsident Eisenhowers zu
verlesen, die das Vertrauen des amerikanischen Volkes in diese Weltorganisation und seine Entschlossenheit, mit seiner ganzen Kraft
ihren Erfolg zu sichern, klar zum Ausdruck brachte.
Der Präsident kündigte bei dieser Gelegenheit an, daß die Vereinigten Staaten der Behörde, sobald sie bestehe, 5000 Kilogramm
Kernbrennstoff - Uran-235 - unter noch abzusprechenden Bedingungen
zur Verfügung stellen würden, damit sie ohne unnötige Verzögerung
damit beginnen könne, die Wohltaten des friedlichen Atoms auf einer
breiteren Ebene wirken zu lassen. Darüber hinaus stellte der Präsident fest, daß die Vereinigten Staaten zusätzlich zu jenen ersten
5000 Kilogramm Uran-235 weiteren Kernbrennstoff für die Behörde
in Mengen reservieren würden, die der gesamten von anderen Nationen
bis zum 1. Juli 196O bereitgestellten Menge entspricht.
Mit überwältigender Mehrheit hat der Kongreß der Vereinigten
Staaten diese Verpflichtung in Übereinstimmung mit der Ankündigung
des Präsidenten gebilligt. Ich bin nach Wien gekommen, um dieses
Angebot meiner Regierung offiziell zu unterbreiten und Verhandlungen
zur Klärung der Frage einzuleiten, in welcher Weise der Kernbrennstoff Uran-235 der Behörde zur Verfügung gestellt werden soll.
Ich möchte an dieser Stelle von der vorbereiteten Erklärung
abgehen, um noch zu erwähnen, daß als einen weiteren Beweis des
Interesses meines Landes an der Behörde und dem für ihren Sitz
gewählten Ort die Atomenergie-Kommission gegenwärtig ein detailliertes Programm über Unterstützungsmaßnahmen und die Zusammenarbeit
mit ihr ausarbeitet.
Die übliche Erörterung und Billigung durch den Kongreß vorausgesetzt, beabsichtigen wir, der Behörde einen Forschungsreaktor, ein
Isotopenlaboratorium und eine umfassende technisch-wissenschaftliche
Bibliothek über die Möglichkeiten der friedlichen Verwendung der Atomenergie anzubieten.
Insbesondere

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�}

"AMERIKA DIENST"

2. Oktober 1957

Insbesondere sind wir darauf bedacht, nach bestem Können dazu
beizutragen, daß die Anwendung von Radioisotopen auf medizinischem
Gebiet gerade hier in dieser berühmten Stadt, die so lange Zeit eine
Hochburg der medizinischen Forschung und ärztlichen Kunst gewesen
ist, einen möglichst hohen Stand erreicht.
Das Volk der Vereinigten Staaten ist überzeugt, daß die internationale Behörde an ihrem Hauptsitz hier in Wien zu einem Zentrum
für die Verbreitung der Erkenntnisse der Kernwissenschaft und der
nuklearen Technik im Dienste des Friedens werden kann. Der Friede
ist das große Ziel, dem sich der Präsident und das Volk der Vereinigten Staaten verschrieben haben. In aller Demut glauben wir, daß die
materiellen Segnungen, deren wir uns erfreuen, uns zuteil wurden, damit wir sie zur Förderung des Friedens für die gesamte Menschheit
nutzen.

* * * * *

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�Aber wir suchen mehr als das, Herr Vorsitzender. Wir bemühen
uns darum, durch ein sicheres Abrüstungsprogramm eine Welt aufzubauen, in der alle Nationen - die großen wie die kleinen - von der
Gefahr eines Krieges und Überraschungsangriffes befreit sein werden
und sich vertrauensvoll den Aufgaben des Friedens zuwenden können.
Jede Nation, Herr Vorsitzender, versteht, wie entscheidend
wichtig dies in unserer so gefährlichen Zeit ist.
Wir haben dieses Ziel bei all unserer Arbeit auf dem Gebiet
der Abrüstung - auch bei den Konferenzen des Abrüstungsunterausschusses in London in diesem Jahr - stets im Auge gehabt. Die
Arbeit des Unterausschusses in den fünfeinhalb Monaten hat etwas
Wertvolles erbracht, obgleich er sich in einer Atmosphäre der
Enttäuschung vertagte. Während der 71 Sitzungen wurden Fortschritte bei der Annäherung der gegensätzlichen Meinungen erzielt und
der Welt neue Vorschläge von größter Bedeutung vorgelegt. Sowohl
der Außenminister Großbritanniens wie auch der Außenminister der

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�"AMERIKA DIENST"

16. Oktober 1957

der Vereinigten Staaten nahmen persönlich an den Konferenzen teil, und
der französische Außenminister kam nach London, um Beratungen zu führen,
die im Zusammenhang mit den Abrüstungsverhandlungen standen. Dies ist
seit Bestehen des Unterausschusses noch nie dagewesen.
Wir haben mit Interesse den Vorschlag des belgischen Delegierten
zur Kenntnis genommen, in dem Maßnahmen zur Unterrichtung und Aufklärung
der Völker der Welt über die Gefahren vorgesehen sind, vor denen wir
vielleicht stehen, falls keine Lösung für das Abrüstungsproblem gefunden
wird. Es ist richtig, daß alle Völker die furchtbaren Tatsachen über die
moderne Kriegführung kennen sollten. Diese Fakten sind der Bevölkerung
meines Landes praktisch durch jedes Informationsmittel nachdrücklich
vor Augen geführt worden. Wir hoffen, daß dies auch in allen anderen
hier vertretenen Ländern der Fall sein möge. Vielleicht wird sich das
kollektive Gewissen der Vereinten Nationen auf diese Weise auf den Fortschritt der Abrüstungsverhandlungen auswirken.
Die Abrüstungsgespräche sind so schwierig, daß man leicht Gefahr
läuft, der Verzweiflung anheimzufallen-* Glücklicherweise haben wir es
jetzt nicht nötig, solche Befürchtungen zu hegen.
Natürlich waren wir enttäuscht - ja, viele waren sogar bestürzt -,
als der sowjetische Vertreter zu den neuen Viermächtevorschlägen vom
?9. August "Nein" sagte, ohne sie auch nur geprüft zu haben. Aber diese
Tatsache ist,worauf immer sie auch sonst hindeuten mag, sicherlich kein
Grund zur Verzweiflung. Ja, die Tatsache, daß uns bisher noch keine
genau formulierte und durchdachte Antwort der Sowjetunion auf diese Vorschläge in ihrer Gesamtheit vorliegt, läßt Raum für weitere Fortschritte
im Verlaufe der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung.

Die Londoner Verhandlungen
Da hin und wieder Zweifel hinsichtlich des Wertes der Arbeit im
Unterausschuß laut werden, halten es die Vereinigten Staaten für wichtig,
daß die Vollversammlung ein Bild von der in London geleisteten Arbeit
erhält. Die genauen und vollständigen Unterlagen sind verfügbar. Lassen
Sie mich einige der wichtigen Punkte aufzeigen, in denen es dem Unterausschuß gelang, die Meinungsverschiedenheiten zu vermindern, denen wir
uns im vergangenen Jahr in der Vollversammlung gegenübersahen.
Hier sind zunächst einmal einige positive Schritte, die der sowjetische Vertreter während der Sitzungen des Unterausschusses ergriff:
Erstens bekräftigte er, daß er den Gedanken eines begrenzten Abkommens für eine "erste Phase", die verschiedene Aspekte des Abrüstungsproblems umfaßt, akzeptiere, statt darauf zu bestehen, daß sofort ein
Abkommen über ein vollständiges Abrüstungsprogramm erzielt werden muß,
bevor irgendwelche Schritte ergriffen werden.
Zweitens schien er den Wert des Planes für eine Luft- und Bodeninspektion der "Offenen Himmel" als Schutz gegen einen Überraschungsangriff zu erkennen. Er akzeptierte weiter den Gedanken, mit vereinbarten

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"AMERIKA DIENST"

' Oktober 1957

vereinbarten Inspektionszonen zu beginnen - obv/ohl diese Zonen noch
genau festgelegt werden müssen.
Drittens schien er zu einem Abkommen für eine erste Phase bereit
zu sein, ohne auf der sowjetischen Forderung nach einer sogenannten
"völligen Abschaffung" der nuklearen Waffen zu bestehen, die, wie er
zugestand, unmöglich zu verifizieren wäre.
Viertens stimmte er zu, daß im Falle einer Aussetzung der Kernwaffenversuche ein Meldesystem geschaffen werden sollte, und zwar mit
Inspektionsposten innerhalb unserer Länder, um die Einhaltung zu überwachen.
Fünftens deutete er an, da£ die Sowjetunion den Gedanken internationaler Abrüstungsdepots zur Einlagerung von Waffen akzeptieren würde.
Dies, Herr Vorsitzender, sind fünf konkrete Punkte, bei denen die
Sowjetunion gegenüber ihrem früheren Standpunkt Fortschritte gemacht hat.
Es ist wohl angebracht, es zu würdigen, daß die Sowjetunion zumindest
in den Anfangsstadien der Besprechungen einen solchen Geist des Entgegenkommens gezeigt hat. Wir glauben, daß die negative Haltung des sowjetischen Delegierten gegen Ende der Besprechungen nicht bedeutet, daß seine
Regierung ihre Politik hinsichtlich dieser anfänglichen Fortschritte geändert hat •
Die übrigen vier Mitglieder des Unterausschusses zeigten einen entsprechenden oder sogar noch größeren Geist des Entgegenkommens. Wir
nahmen in bezug auf unseren Standpunkt verschiedene Änderungen vor, um
den sowjetischen Einwendungen entgegenzukommen. Alle diese Änderungen
sind in dem Viermächte-Arbeitsdokument vom 29» August niedergelegt. Die
wichtigsten neuen Punkte in unseren Vorschlägen sindt
1. Wir kamen überein, über die Erörterungen eines Abkommens, das
lediglich die "erste Phase" betraf, hinauszugehen und schlugen bestimmte
zu erreichende Ziele für eine weitere Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte während der zweiten und dritten Phase des Abrüstungsprogramms vor.
2. Als Alternative zu einem vollständigen ersten Inspektionsplan
schlugen wir als Anfang des vorgeschlagenen Inspektionsplans der "Offenen
Himmel" begrenzte Inspektionszonen vor, um es dadurch der Sowjetunion
leichter zu machen, ihre Zustimmung zu geben.
3. Um der zum Ausdruck gebrachten Besorgnis über die bestehenden
Kernwaffenvorräte zu begegnen, spezifizierten wir unseren Vorschlag dahingehend, daß nicht nur die Vermehrung dieser Waffenvorräte eingestellt,
sondern sofort mit ihrer Reduzierung begonnen werden sollte, indem laufend
Mengen von spaltbarem Material aus den militärischen Arsenalen friedlichen
Verwendungszwecken, und zwar unter internationaler Überwachung ^zugewiesen
werden.
4. Wir kamen überein, größere Mengen dieses Materials der friedlichen
Verwendung zuzuführen, als die Sowjets es tun würden. Wir stimmten darin
überein, über diese Mengen auf einer Basis zu verhandeln, die fair und
gerecht ist. Das, Herr Vorsitzender, ist ein Vorschlag von großer Bedeutung.
5. Wir stimmten darin überein, daß die Kernwaffenversuche unmittelbar nach der Ratifizierung des Programms der ersten Abrüstungsphase für
einen Anfangszeitraum ausgesetzt werden können, ohne daß darauf gewartet
werden muß, daß die anderen Teile des Programmes in die Praxis umgesetzt

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umgesetzt sind. Darüber hinaus einigten wir uns, dem von der Sowjetunion
vorgeschlagenen Zeitraum von 24 Monaten zuzustimmen, nachdem die Sowjets
eingewandt hatten, daß die ursprünglichen westlichen Vorschläge für ein
Versuchsmoratorium von 10 Monaten nicht ausreichend genug seien.
Das ist ein überaus wichtiger Punkt, Herr Vorsitzender, und ich
werde im Laufe meiner Erklärung noch auf ihn zurückkommen.
Diese Fortschritte sind wesentlich und beweisen den Wert des Unterausschusses. Er ist ein Gremium, in dem ernsthafte Verhandlungen geführt
werden können und auch geführt wurden. Natürlich ist er nicht vollkommen
gegen die Versuchungen gefeit, reine Propagandapunkte zu sammeln, aber im
Grunde ist wohl niemand dagegen gefeit. Wir geben offen und ehrlich zu,
daß wir - wie wohl der größte Teil_ der Welt - über die a.brupte Änderung
in der sowjetischen Einstellung gegen Ende der Verhandlungen konsterniert
und überrascht waren, und der schwerste Schlag war die abrupte Ablehnung
unserer sehr ernstgemeinten gemeinsamen Vorschläge durch Herrn Sorin,
bevor er oder seine Regierung sie überhaupt geprüft hatten. Diese Maßnahme,
so seltsam sie auch war, bringt jedoch auf keinen Fall den Unterausschuß
in Mißkredit. Der sowjetische Vertreter hat, als er sich Vernunftgründen
noch zugänglicher zeigte, selbst den Beweis geliefert, daß in diesem
Gremium wirklich praktisch verhandelt werden kann. Alles, was nötig ist,
ist ein Geist der Vernunft,
Die Vereinigten Staaten sind nicht der Ansicht, daß die Aussichten
für Fortschritte in der Abrüstungsfrage, wie manche sagen, verbessert
werden können, wenn lediglich die gegenwärtig existierenden Gremien, die
sich mit dieser Frage befassen, erweitert werden. Diesbezügliche Vorschläge sind auf dieser wie auf der letzten Vollversammlung gemacht worden.
Wir sind der Ansicht, daß die Vollversammlung klug entschieden hat,
als sie im Jahre 1955 die Einsetzung eines Unterausschusses der "hauptsächlich beteiligten" Länder anregte. Dieses Prinzip gilt heute noch genauso wie damals. Ein Abrüstungsabkommen kann nur in Verhandlungen
zwischen den Vertragspartnern ausgearbeitet werden, die sich in erster
Linie der Inspektion und Kontrolle zu unterwerfen sowie die Reduzierungen
und Begrenzungen zu akzeptieren haben. Dies ist ein unumgängliches erstes
Erfordernis. Es geht hier um grundlegende Fragen der nationalen Sicherheit. Eine Anpassung muß von und zwischen diesen Mächten erreicht werden.
Dies soll nicht heißen, daß die Abrüstung ausschließlich den "großen
Mächten" vorbehalten ist. Dies ist nicht der Fall. Wenn auch die Länder,
die über Rüstungen verfügen - um in der Sprache der Resolution aus dem
Jahre 1953 zu reden -,"in erster Linie betroffen" sind, so wird doch im
weiteren Sinne die gesamte Welt zutiefst davon berührt. Die Abrüstung
ist für jeden hier vertretenen Staat von großem und berechtigtem Interesse. Alle werden davon berührt, und viele werden sich in irgendeiner Weise
daran beteiligen müssen.
Die Art und Weise, in der die Abrüstungsfrage von den Vereinten
Nationen behandelt wird, spiegelt diesen immer größer werdenden Interessenkreis wider.
Zusätzlich

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�"AMERIKA DIENST"

16.

Oktober 1957

Zusätzlich zum Unterausschuß haben wir die Vollversammlung, in
der alle Mitglieder gehört werden und ausreichende Gelegenheit haben, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen.
Die Vollversammlung selbst hat die Abrüstungskommission mit
ihrer kleineren Mitgliederzahl geschaffen, die sich eingehender mit
den einzelnen Fragen befassen und die Verhandlungen intensiver führen kann. Darüber hinaus hat jederzeit für jeden Mitgliedstaat die
Möglichkeit bestanden, falls er dies wünscht, vor der Abrüstungskommission zu erscheinen und eine Stellungnahme abzugeben - ein Recht,
von dem während des vergangenen Jahres Gebrauch gemacht wurde.
Die Frage der Kernwaffenversuche
Lassen Sie mich nunmehr über das Problem der Kernwaffenversuche
sprechen. Die Vereinigten Staaten glauben, daß eine Lösung dieses
Problems gefunden werden kann.
Unsere Versuche werden aus Verteidigungsgründen weitergeführt.
Wir würden sie nicht durchführen, wenn wir nicht zutiefst überzeugt
wären, daß sie unter den gegenwärtigen Umständen für die Sicherheit
der freien Welt und der Vereinigten Staaten notwendig sind. Die Gefahr eines Krieges wird lediglich zunehmen, wenn zugelassen wird,
daß das Angriffspotential weiterhin das Verteidigungspotential übersteigt .
Es erscheint mir durchaus fair zu sagen, ohne dabei in eine
Diskussion politischer Fragen einzutreten, daß die Regierung der
Vereinigten Staaten nicht nur von dem amerikanischen Volk, sondern
auch von der Bevölkerung zahlreicher anderer freier Länder als der
Garant ihrer Sicherheit gegen einen möglichen militärischen Angriff
betrachtet wird. Wir können dieser uns zugefallenen Verantwortung
nicht gerecht werden, wenn wir nicht so stark sind wie der mögliche
Angreifer. Dies ist der Hauptgrund für alle unsere Vorhaben auf dem
Gebiet der militärischen Verteidigung - und zwar für alle, Herr Vorsitzender, auch die, die Versuche mit nuklearen Waffen einschließen.
Wenn wir auch die Besorgnisse anderer Länder hinsichtlich der
Atomwaffenversuche teilen, so sind wir doch der Ansicht, daß diese
Frage im großen Zusammenhang - einschließlich der Gefahren auf militärischem und technischem Gebiet, denen wir gegenüberstehen - gesehen werden muß. Und in diesem Zusammenhang erscheinen einige Bemerkungen über Atomwaffen angebracht.
1 . Wegen der Besorgnis über die Strahlungsauswirk,ungen der Kernwaffenversuche, so gering diese Vielleicht auch sein mögen, und auch
wegen der Bedeutung, die einer Erkenntnis der Atomstrahlung in dem
Maße,wie die Atomenergie immer stärker für friedliche Zwecke entwickelt wird, zukommt, haben die Vereinigten Staaten vor zwei Jahren
in der Vollversammlung den Vorschlag gemacht, daß ein Ausschuß der
Vereinten Nationen zur Untersuchung der Strahlung geschaffen wird, i
um der Welt über das Problem Bericht zu erstatten. Der Bericht dieses

�"AMERIKA DIENST"

16. Oktober 1957

dieses Komitees ist im nächsten Jahre fällig. Auf Grund des bisher
bekanntgewordenen und veröffentlichten Materials kann man erwarten,
daß der volle Bericht des Ausschusses auf viele der Befürchtungen
eine Antwort geben wird, die jetzt in bezug auf die von den Kernwaffenversuchen herrührende Strahlung geäußert werden.
Keine schädigenden Umwelteinflüsse oder Wirkungen anderer Substanzen, denen die Menschen ausgesetzt sind, wurden so gründlich untersucht wie die radioaktive Strahlung und die radioaktiven Materialien.
Wenn einzelne führende Autoritäten auf dem Gebiet der Medizin und Genetik auch in ihren Ansichten über die Wirkungen der radioaktiven Ausfällungen geringer Stärke auseinandergehen, so sind doch alle darin
einig, daß diese Effekte im Verhältnis zu den Auswirkungen der aus
anderen Quellen stammenden Strahlung klein sind.
Die Intensität der Strahlungsexposition aus dem radioaktiven
Ausfall nach Waffenversuchen ist außerordentlich niedrig. Sie beträgt nur einen Bruchteil der in der Natur vorhandenen Strahlung,
der der Mensch seit jeher ausgesetzt war und ist weitaus geringer
als die Strahlungsquanten, die wir gewöhnlich freiwillig aus anderen
vom Menschen geschaffenen Strahlenquellen, wie beispielsweise durch
die Röntgenanlagen in der Medizin und Zahnheilkunde, ja durch die
Leuchtziffern unserer Armbanduhren, auf uns nehmen. Die für die Welt
bestehende Gefahr liegt in der möglichen Anwendung der Kernwaffen und
nicht in irgendeiner geringen Vermehrung der natürlichen Umweltstrahlung auf Grund der Waffenversuche.
2. Was selten erkannt wird, ist die Tatsache, daß diese Versuche
es uns ermöglichen, Waffen mit reduziertem Ausfall zu entwickeln, so
daß die Strahlungschäden im Falle von Feindseligkeiten auf militärische
Ziele beschränkt werden können. V/enn daher unser Versuchsprogramm in
dem gegenwärtigen Ausmaß fortgesetzt wird, dann wird die Strahlungsmenge, die in die Atmosphäre gelangt, in den kommenden Jahren geringer 3ein. Ja, wie Außenminister Dulles am 19« September vor der Vollversammlung ausgeführt hat, haben wir, da ein gewisser Prozentsatz
von Radioaktivität in jedem Jahr verschwindet, Grund zu der Hoffnung,
daß in Zukunft alle notwendigen Versuche durchgeführt werden können,
ohne daß dadurch die Mengen an Radioaktivität in der Welt wesentlich
vergrößert werden. Unser Plan, Beobachter der Vereinten Nationen
einzuladen, einer Kernwaffenexplosion beizuwohnen, soll zu einer
praktischen Demonstration des in dieser Hinsicht Erreichten führen.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten haben sich mit dieser
Frage lange und ernsthaft beschäftigt. Wir nehmen unsere Verantwortung in bezug auf die Furage der Kernwaffenversuche durchaus nicht
leicht. Vielmehr habe,»' wir, wie die Juristen zu sagen pflegen, in
dieser Frage ein "Übermaß an Vorsicht" gezeigt.
Aber wir gehen noch weiter, Herr Vorsitzender. Wir wissen, welche
Furcht die Menschen vor dieser unbekannten Kraft empfinden. Der
schnellste und augenfälligste Weg, diese Furcht zu überwinden, würde
darin bestehen, die Kernwaffenversuche auf einer gesunden Basis

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AMERIKA DIENST''

Basis auszusetzen. Tatsächlich haben wir zusammen mit unseren britischen, französischen und kanadischen Kollegen in dem Unterausschuß
vorgeschlagen, daß dies auf dem Wege über ein sofortiges Moratorium
geschieht, das in Kraft tritt, sobald ein Vertrag über die ersten
Abrüstungsmaßnahmen existiert»
Wie können die Versuche ausgesetzt werden?
Da allerseits Einigkeit darüber herrscht, daß mit den Kernwaffenversuchen ausgesetzt werden kann, ist die Frage, wie wir das zustandebringen können. Es gibt zwei Möglichkeiten, di'eses Problem anzupacken,, Die eine besteht darin, daß man sich auf diesen Punkt allein
konzentriert und versucht, andere Fragen auf dem Gebiete der Abrüstung zu umgehen, in der Hoffnung, daß durch diesen einen Schritt
das internationale Vertrauen so gestärkt würde, daß andere Maßnahmen
folgen würdenc Wer diese Möglichkeit in Betracht zieht, wird die
folgenden Punkte beachten müssen«
1» Selbst wenn alle Betroffenen sich an dieses Abkommen halten
und alle Versuchsexplosionen unterbunden würden, könnten die Bemühungen, immer mehr Atom- und Wasserstoffbombenvorräte anzulegen, ohne
weiteres fortgesetzt werden»
2, Darüber hinaus würden unter solchen Bedingungen die Anstrengungen, den radioaktiven Ausfall derartiger Waffen zu reduzieren, ebenfalls unterbrochen, so daß folglich die Waffen, die den Vorräten hinzugefügt würden, eine größere Menge radioaktiven Ausfalls enthalten,
als es sonst der Fall wäre.
3. Schließlich könnten weitere Länder - und würden dies wahrscheinlich auch tun - selbst chne Kernwaffenversuche eigene Atomwaffen herstellen und erwerben, wobei sie auf heute bekannte Techniken
zurückgreifen könnten»
Schon diese Punkte, Herr Vorsitzender, genügen, um die volle
Tragweite der Tatsache aufzuzeigen, daß ein getrenntes Vorgehen in
bezug auf das Problem der Kernwaffenversuche nicht den eigentlichen
Sinn der Frage erfaßt» Das Entscheidende hier in dieser Welt voller
Konflikte und Mißtrauen ist die Gefahr eines Krieges und des Masseneinsatzes von Waffen aller Art. Um dieser Gefahr in wirksamer Form
zu begegnen, ist ein mutigeres und umfassenderes Vorgehen unerlässlich»
Es ist eine tragische Wahrheit, daß die Gefahr eines Krieges dem
Verteidiger den gleichen eisernen militärischen Zwang auferlegt wie
einem etwaigen Aggressor»
So wie der Angreifer muß auch der Verteidiger über Waffen verfügen. So wie der Angreifer muß auch der Verteidiger junge Menschen
zum Militärdienst einziehen» So wie der Angreifer muß auch der Verteidiger seiner zivilen Wirtschaft große Mengen wertvoller Rohmaterialien, wie Eisen, Stahl, Aluminium, Kautschuk und Textilien, sowie

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16. Oktober

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sowie Produktionsstätten, wissenschaftliche Forschungslaboratorien
und große Flächen nutzbaren Landes entziehen.
Wir in den Vereinigten Staaten kennen diese Dinge sehr gut, weil
wir bei der Verteidigung gegen die Aggression in dieser Hinsicht unsere Erfahrungen gesammelt haben.
Glauben Sie mir, Herr Vorsitzender, das amerikanische Volk würde
niemals einer weiteren Belastung unseres nationalen Lebens durch diese
gewaltige Bürde zustimmen, wenn nicht die Gefahr eines großen Krieges
bestünde. Das amerikanische Volk und seine in Freiheit gewählten Vertreter im Kongreß werden nicht müde, uns aufzufordern, irgendeine
Möglichkeit zu finden, durch die wir uns dieser Bürde sicher entledigen können. In der Zwischenzeit erkennt es genau wie andere freie
Völker die Notwendigkeit an, diese Bürde zu tragen, weil es weiß, daß
dies der Preis der Freiheit ist.
Wir würden keine Kernwaffenversuche durchführen, wenn wir es
nicht müßten. Lassen Sie uns die Notwendigkeit der Kernwaffenversuche
beseitigen und gleichzeitig die Versuche unterbrechen. Das heißt,
daß zumindest ein Beginn bei der Beseitigung der Gefahr eines umfassenden Atomkrieges gemacht wird. Und das, Herr Vorsitzender, ist
das A und das 0 der Vorschläge, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion am 29. August in London zusammen mit anderen unterbreitet haben.
Die Londoner Vorschläge
Gestatten Sie mir, daß ich im Augenblick, wo wir der Sowjetunion
unser Angebot erneut vorlegen, kurz den Inhalt der Londoner Vorschläge
resümiere. Diese Vorschläge sind nicht so kompliziert, wie man sie
manchmal hingestellt hat. Ich werde versuchen, sie unter fünf Hauptpunkten in einfachen Worten zusammenzufassen.
1. Atome für den Frieden und nicht für den Krieg. Wir wollen
der Produktion von spaltbarem Material für Waffenzwecke ein Ende
setzen. Wir schlagen vor, daß kein Land künftig weiteres spaltbares
Material für Waffen herstellt und daß alle weitere Produktion von
spaltbarem Material ausschließlich für friedliche Zwecke bestimmt
wird. Dieses Programm würde beginnen, sobald ein Inspektionssystem
existiert, das für seine Durchführung sorgt. Wir schlagen ferner vor,
daß mit der Überführung von spaltbarem Material aus den Waffenarsenalen für friedliche Aufgaben begonnen wird, und zwar wieder unter
internationaler Überwachung. Herr Vorsitzender, das ist die Vision,
die Präsident Eisenhower hier aufzeigte, als er forderte, "daß die
wunderbare Erfindergabe des Menschen nicht zu seiner Vernichtung
gebraucht, sondern seinem Leben geweiht wird." Wir konnten keinen
größeren Schritt für den Frieden tun als diesen. Dies ist der praktische und einzige realistische Weg, zuerst einmal der Entwicklung
zu immer größeren Kernwaffenvorräten Einhalt zu gebieten und sie
dann umzukehren. Wenn wir dieses Problem nicht bald unter Kontrolle
bringen, dann könnte es sich schließlich in dem Maße, in dem mehr
und mehr Staaten die Produktion von Kernwaffen aufnehmen, als völlig
unlösbar &gt;. erweisen.
0

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"AMERIKA DIENST"

2. Aussetzung der Kernwaffenversuche. Dies würde sofort nach
Inkrafttreten eines Vertrages geschehen,und hierauf würde umgehend
die Errichtung eines vereinbarten Meldesysteras mit Inspektionsposten
innerhalb unserer Länder erfolgen.
3. Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen. Zu
diesem unerlässlichen Teil des Abrüstungsproblems haben wir definitive
Vorschläge, und zwar nicht nur für die erste Phase eines Abrüstungsprogramms, sondern auch für die zweite und dritte Phase unterbreitet.
Die von uns für die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten für die
erste Abrüstungsphase vorgeschlagene Begrenzung der Streitkräfte
beträgt 2,5 Millionen Mann; in der zweiten Phase würden wir unter
der Voraussetzung einer zufriedenstellenden Lösung der Probleme,
die die Spannungen auf der Welt verursachen, unsere Truppenstärke
auf 2,1 Millionen Mann reduzieren und dann in der dritten Phase auf
1,7 Millionen Mann.
Was die Rüstungen anbetrifft, so schlagen wir eine praktische
Methode der Reduzierung vor - nämlich die Errichtung von Depots, in
die nach Vereinbarung bestimmte moderne Waffen zu Lande, zur See und in der Luft unter internationaler Überwachung eingelagert würden.
Dieser Plan würde die Notwendigkeit einer Inspektion auf ein Minimum
reduzieren. Wir sind bereit, zu jeder Zeit über die Arten und die
Mengen der Waffen zu verhandeln, die in diese Depots eingelagert werden sollen.
4« Die Verhinderung eines Überraschungsangriffes. Wir fordern
auch weiterhin die Annahme eines Boden- und Luftinspektionssystems
der 'Offenen Himmel', um einen massiven Überraschungsangriff auszuschalten. Unter einem solchen System würde die Furcht vor einem Krieg
vermindert und der Anstoß zu weiteren Rüstungsreduzierungen gegeben
sein. Danach streben wir. Wir sind bereit, auf einer progressiven
Basis mit der Inspektion anzufangen, wobei in Gebieten begonnen würde,
in denen eine Sicherung gegen einen Überraschungsangriff von größter
Wichtigkeit ist. Darüber hinaus haben wir den Vorschlag bekräftigt,
den Präsident Eisenhower ursprünglich im Jahre 1954 in Genf unterbreitet hat. Dieser Vorschlag würde das gesamte Gebiet der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion umfassen. Unter Zustimmung der betroffenen
Länder sind wir ferner übereingekommen, Kanada sowie wichtige Gebiete
in Europa einzubeziehen. Wir sind weiter bereit, auch solche Gebiete
in der freien Welt einzuschließen, wo Militärstützpunkte vorhanden
sind, vorausgesetzt, daß die betroffenen Länder ebenfalls zustimmen.
Somit haben wir der Sowjetunion beträchtliche Auswahlmöglichkeiten
geboten, um mit diesem entscheidenden Prozeß der Inspektion zum Schutze
vor einem Überraschungsangriff zu beginnen. Wir sind bereit, bescheiden anzufangen und die Ziele später weiter zu stecken.
5. Kontrolle der Weltraumgeschosse. Und schließlich, Herr Vorsitzender, streben wir ein Abkommen an, durch das die jüngste Schöpfung
der Wissenschaft - das Weltraumgeschoß - kontrolliert werden kann.
Ähnlich wie die Atomenergie können diese friedlichen Zwecken dienen oder

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oder aber sie können dazu &gt;benutzt werden, um uns alle zu vernichten.
Wir haben eben erst angefangen, diese Möglichkeiten kennenzulernen,
aber wir wissen bereits, daß die Möglichkeit, daß Weltraumraketen
mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, viel zu große Gefahren
in sich birgt, als daß sie ignoriert werden kann.
Herr Vorsitzender, im Jahre 1946, als die Vereinigten Staaten
allein Atomwaffen besaßen, legten sie den Vereinten Nationen einen
Plan vor, der die friedliche Verwendung der neuen und gewaltigen
Kraft der Atomenergie dadurch gewährleisten sollte, daß sie internationaler Kontrolle unterstellt würde. Die Welt weiß, daß ein Jahrzent der Furcht und Not hätte vermieden werden können, wenn dieser
Plan angenommen worden wäre. Wir haben nunmehr eine ähnliche Gelegenheit, die neuen Pioniertaten der Menschen im Weltenraum für den Frieden nutzbar zu machen. Wir dürfen diese Chance nicht verpassen. Wir
haben daher vorgeschlagen, daß ein technischer Ausschuß eingesetzt
wird, der ein Inspektionssystem ausarbeiten soll, das die Nutzung
des Weltraums für ausschließlich friedliche und wissenschaftliche
Zwecke sicherstellt. Im Falle einer allgemeinen Zustimmung zu einer
Fortführung dieser Untersuchung auf multilateraler Basis sind die
Vereinigten Staaten bereit, sich dieser Initiative anzuschließen,
ohne den Abschluß der Verhandlungen über die anderen vier wichtigen
Vorschläge abzuwarten.
Dieses, Herr Vorsitzender, sind die wesentlichen Punkte der
Londoner Vorschläge.
Lassen Sie mich, ehe ich zum Abschluß gelange, klarstellen, daß
wir bereit sind, ohne irgendwelche politischen Bedingungen und ohne
irgendwelche Forderungen nach Erfüllung irgendeiner politischen
Voraussetzung mit der gesamten ersten Phase des Abrüstungsprogrammes
zu beginnen. Dies betrifft alle fünf Hauptpunkte, die ich soeben in
zusammengefaßter Form dargelegt habe. Wir behandeln hier ein Abrüstungsprogramm, mit dessen Durchführung die Vereinigten Staaten und
seine drei anderen Initiatoren unverzüglich zu beginnen bereit sind.
Wir beabsichtigen ferner, daß als allererster Teil dieses
Programmes die Aussetzung der Kernwaffenversuche in die Praxis umgesetzt werden soll. Das für das Waffenversuchsverbot notwendige
Inspektionssystem sollte vor Ende des ersten Jahres des Versuchsmoratoriums zur Durchführung gelangt sein.
Schlußfolgerung
Es gibt wohl keinen Teil in diesem Abkommen, das uns vorschwebt,
der nicht von jedem Land begrüßt werden könnte, das wirklich auf den
Frieden hinarbeitet. Ich habe die Hauptteile eines solchen Abkommens
umrissen - Atomproduktion für den Frieden und nicht für den Krieg}
umgehende Aussetzung der Atombombenversuche; Reduzierung der Truppenstärken und Rüstungen; Beginn einer Inspektion zum Schutze gegen einen
Überraschungsangriff; und ein Beginn auf dem Wege zur Kontrolle der

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der Weltraumgeschosse. Wer kann Einwendungen gegen irgendeinen dieser
Punkte erheben?
Die Frage einer sofortigen Aussetzung der Kernwaffenversuche
liegt heute in der Hand der Sowjetunion. Sie kann eine Einstellung
der Versuche herbeiführen, wenn sie dies will. Sie kann noch mehr
als nur dies tun. Sie kann von der Welt die Furcht vor den unaussprechlich größeren Gefahren eines Überraschungsangriffes und eines
Atomkrieges nehmen, bei dem die fürchterlichsten Waffen eingesetzt
würden, die die Erfindungsgabe der Wissenschaft geschaffen hat.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten haben immer sehnlichst
eine Welt herbeigewünscht - und sie tun dies auch heute noch -, in
der sich alle Nationen, einschließlich der Sowjetunion, ohne Gefahr
von außen sicher fühlen können. Wir würden unseren eigenen Zielen
zuwiderhandeln, wenn wir einen Vorschlag machten, der auf die Gefährdung der Sicherheit der Sowjetunion abzielte, da unser Ziel genau
das Gegenteil davon ist. Wir bauen darauf, daß die Sowjetunion uns
dies glaubt. Ohne Frage liegt es im Interesse der Sowjetunion, auch
das Mißtrauen hinsichtlich ihrer eigenen Motive zu beseitigen. Ja,
dies nicht zu tun, hieße, die Welt einem Schicksal zu überlassen,
wie es Präsident Eisenhower 1953 hier vor den Vereinten Nationen beschrieb, als er von den "beiden Atomgiganten" sprach, die sich "in
einer zitternden Welt mißtrauisch beobachten". Wenn sich diese
zitternde Welt in einen Krieg hineinstürzte, dann würden die Bomben,
die dann fielen, weder vor irgendeiner Person noch vor irgendeiner
Ideologie haltmachen.
Nicht nur das amerikanische Volk allein, Herr Vorsitzender,
sondern die Völker der gesamten Welt fordern heute, daß die Sowjetunion die Alternativen abwägt, denen wir alle uns gegenübersehen.
Im besonderen wird diese Forderung von den kleinen Nationen der
Welt erhoben, deren Aussicht, ein friedliches Leben zu führen, nicht
in ihrer eigenen bewaffneten Macht, sondern in ihrer Hoffnung auf
eine geordnete Welt liegt - einer Welt der Offenheit und des Vertrauens, die frei von Furcht vor einem plötzlichen und mit überwältigender Stärke geführten Angriff ist.
Es besteht für uns durchaus kein Grund, daran zu zweifeln, daß
die Sowjetunion ihre Ansicht ändern wird. Zu ihren Gunsten kann gesagt werden, daß wir schon früher erlebt haben, wie sie ihre Ansicht
geändert hat. Sie hat ihre Ansicht in bezug auf die "Atome für den
Frieden" geändert. Sie hat, was die Prüfung des Planes der "Offenen
Himmel".anbetrifft, ihre Ansicht geändert.' Sicher kann sie ihre
Ansicht erneut ändern, wenn ihre Sicherheit und ihr Eigeninteresse
wie auch das unsrige dies so eindeutig fordern.
Im wesentlichenfya"benwir, das heißt Kanada, Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, der Sowjetunion folgendes
Angebot gemacht und halten es auch weiterhin aufrecht:
Wir

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Wir werden die Kernwaffenversuche für eine Anfangsperiode aussetzen, die sich auf zwei Jahre belaufen wird, die aber auch weiter
verlängert werden kann, vorausgesetzt, daß die Sowjetunion der Errichtung eines wirksamen Inspektionssystems in der Luft und zu Lande zustimmt; daß sie der Einstellung der Produktion von spaltbarem Material
für Waffenzwecke und der Reduzierung der gegenwärtigen Vorräte zustimmt; daß sie dem Beginn einer Kontrolle der Weltraumgeschosse und
einer Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte zustimmt.
Wir bestehen nicht darauf, daß alle diese Dinge auf einmal getan
werden. Ein Abkommen darüber, daß dies in annehmbaren Phasen geschieht,
genügt, um dieses Programm anlaufen zu lassen, und die Aussetzung
der Kernwaffenversuche würde das erste sein.
Herr Vorsitzender, ich schließe mit den Worten: Wir glauben,
daß unsere Einstellung fair und weitblickend ist und daß sie, wenn
sie von dieser Vollversammlung unterstützt wird, dazu beitragen wird,
die Welt auf eine breite Basis des Friedens zu stellen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./"|6.10.57
VIZEPRÄSIDENT NIXON ZU WELTWIRTSCHAFTSPROBLEMEN

SAN FRANCISCO - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die der amerikanische Vizepräsident Nixon am 15« Oktober 1957
vor der Internationalen Konferenz über industrielle Entwicklung in San Francisco gehalten hat.

Ich habe die Ehre, Ihnen, den Vertretern von 57 Nationen, die
an dieser historischen Konferenz teilnehmen, die Grüße des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu übermitteln, und als gebürtiger Kalifornier bin ich stolz darauf, daß Sie die Stadt San Francisco, den
Geburtsort der Vereinten Nationen und eines der größten Zentren des
internationalen Handels als Tagungsort ausgewählt haben. Zusammen
mit Ihnen beglückwünsche ich jene, die diese Konferenz planten, dafür, daß es ihnen gelungen ist, das wahrscheinlich hervorragendste
Gremium von Experten auf dem Gebiet der internationalen Investitionen zusammenzubringen, das je zusammengekommen ist.
Vor solch einer erlauchten Versammlung bin ich daher auch nicht
so vermessen zu versuchen, autoritativ über die technischen Dinge zu
sprechen, die Sie, wie ich mir vorstelle, in erster Linie interessieren. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich mich daher heute abend mit
einigen Gegenwartsentwicklungen in Washington befassen, die direkt
oder indirekt auf diejenigen Probleme Bezug haben, mit denen Sie
sich hier auseinandersetzen.
Es wird Sie sicherlich nicht überraschen, daß das Hauptgesprächsthema in Washington, genauso wie in San Francisco, Moskau
und den anderen Städten, aus denen Sie kommen, der sowjetische Satellit ist, der jetzt die Erde umkreist.
Lassen Sie uns zuerst darauf eingehen, was der Start dieses
Satelliten in militärischer Hinsicht bedeutet.
Es hat insofern viel leichtfertiges Gerede gegeben,ale behauptet wurde, daß durch dieses Ereignis das militärische Kräfteverhältnis in der Welt von Heute verändert worden sei. Es ist an der Zeit,
daß diese Ansicht korrigiert wird, denn militärisch gesehen ist die
Sowjetunion dadurch heute um nichts stärker als vor dem Start des
Erdsatelliten. Die freie Welt bleibt auch weiterhin militärisch

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16. Oktober 1957

militärisch stärker als die kommunistische. Und wir können jedem
potentiellen Feind entgegentreten und jeden schlagen,der es wagen sollte,
einen Angriff zu starten. Die einzige militärische Bedeutung dieses
Ereignisses liegt darin, daß die Sowjetunion nur das erneut demonstriert hat, was wir schon vorher wußten, nämlich, daß sie die
Fähigkeit entwickelte, eine Rakete über eine große Anzahl Meilen
abzuschießen.
Gleichzeitig könnten wir aber keinen größeren Fehler begehen,
als dieses Ereignis als eine verblüffende Wissenschaft]iche Leistung
abzutun, die von größerer Bedeutung für den Mann im Mond ist als für
die Menschen auf der Erde.
Wir haben eine finstere und rechtzeitige Erinnerung an eine
Wahrheit erhalten, die wir nie übersehen sollten, nämlich, daß die
Sowjetunion eine wissenschaftliche und industrielle Kapazität von
einer beträchtlichen Größenordnung entwickelt hat.
Wenn die freie Welt weiter bestehen soll, dann können wir nicht
auf unseren bisherigen Erfolgen ausruhen oder uns mit unserer gegenwärtigen Position der militärischen Überlegenheit zufrieden geben.
Wir müssen ständig alle Fronten - seien es die militärischen, wirtschaftlichen oder moralischen - weiter vorantreiben, wenn wir die
sehr reale Gefahr beseitigen wollen, die heute allen freien Menschen
überall durch das kommunistische Imperium droht.
Das Auflassen des Satelliten dürfte dann aber nur eine Warnung
für die gerechte Sache der Freiheit ausgelöst haben, wenn wir in
starker und kluger Weise auf die daraus zu ziehenden Folgerungen
reagieren. Lassen Sie uns noch einmal und für alle den Beschluß fassen,
daß die absolute Notwendigkeit, unsere Überlegenheit in der militärischen Stärke aufrechtzuerhalten, immer den Vorrang vor dem verständlichen Wunsch nach Verringerung unserer Steuern haben muß.
Darf ich nun auf die unmittelbare Bedeutung zu sprechen kommen,
die, wie ich glaube, dieses aufregende Ereignis im Hinblick auf die
von dieser Tagung zu erörternden Fragen besitzt. Kein dramatischerer
Blickwinkel hätte sich ergeben können, um sowohl die Kommunisten
als auch die freie Welt an die ständig schrecklicher werdenden Aspekte der modernen Kriegführung zu erinnern. In dem Maße, in dem
diese Hinsicht zunimmt, wird die Wahrscheinlichkeit, daß irgendeine
Nation durch das Beginnen eines Angriffskrieges nationalen Selbstmord begehen wird, geringer.
Aber wenn die furchteinflößende Natur der modernen Waffen ein
Abschreckungsmittel gegen das Zustandekommen eines uneingeschränkten Atomkrieges ist, ist sie mit ebensolcher Gewissheit ein Stimulus
des kalten Krieges. Chruschtschow selbst hat erklärt, daß es die
Kommunisten vorziehen würden, das Ziel der Weltbeherrschung mit
anderen Mitteln als mit militärischen Konflikten zu erreichen. Dies
bedeutet nicht, daß wir die ungeheure militärische Bedrohung ignorieren sollten, die die Macht Rußlands darstellt. Es bedeutet aber,
daß wir auf eine uneingeschränkte kommunistische Wi rtschaftsoffensive

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16. Oktober 1957

Wirtschaftsoffensive vorbereitet sein müssen, die dazu beitragen soll,
die Ergebenheit von Hunderten von Millionen Menschen in der nach keiner
Seite verpflichteten Welt und sogar von solchen in der freien Welt zu
gewinnen.
Der Kreml hat uns in direkter Weise herausgefordert. Er verkündet
vor der ganzen Welt, daß eine Sklavenwirtschaft einer freien Wirtschaft
überlegen sei.
Er verspricht den Entwicklungsländern in der Welt, daß das kommunistische System für sie mehr tun kann als das freie Wirtschaftssystem,
das die wirtschaftliche Basis der freien Welt ist. Und der sichtbare
Erfolg des Satellitenprojekts wird als Beweis für die Überlegenheit des
kommunistischen Systems gehalten.
Soweit es den Durchschnittsbürger betrifft, ist der Erfolg glücklicherweise eindeutig auf unserer und nicht auf der Seite des Kremls«
Der Kontrast zwischen der Rekordprosperität in der Bundesrepublik
Deutschland und die traurige Armut der sowjetisch besetzten Zone ist
wohl der eindeutigste Beweis f4ir die Überlegenheit der freien Gesellschaftsordnung über das kommunistische System bei der Schaffung des
materiellen Wohlstandes, das die Kommunisten so lange als ihre ureigenste Aufgabe beanspruchten.
Wir glauben, daß, auf lange Sicht betrachtet, die freie Wirtschaft
ein Zwangswirtschaftssystem sowohl in der Planung als auch in der
Produktion weit übertreffen wird« Dennoch können wir aber nicht die
Tatsache übersehen, daß ein diktatorischer Staat - wie es auch die
kürzlichen Ereignisse beweisen - durch die Konzentration aller
Kräfte in eine bestimmte Richtung beachtliche, aber zeitlich begrenzte
Erfolge erringen kann.
Und aus diesem Grunde wäre es auch unklug, die Herausforderung zu
unterschätzen, der wir uns auf wirtschaftlichem Gebiet gegenübersehen.
Dies trifft besonders in Anbetracht der Tatsache zu, daß die Kommunisten ihre Hauptanstrengungen auf die Entwicklungsländer in Asien und
Afrika richten. Diese Völker befinden sich gegenwärtig in einer Revolution, zwar keiner politischen, aber einer Weltrevolution der menschlichen Erwartungen - die Anmeldung ihrer Ansprüche auf einen größeren
Anteil an den Gütern der Welt. Der Geist dieser Revolution wurde durch
zwei Worte, Wachstum und Industrialisierung, entflammt, wobei der fast
universelle Glaube dahinter stand, daß die Industrialisierung der
Schlüssel zum Wachstum ist.
Im

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16. Oktober

1957

Im Verlauf dieser Revolution sind das Stahlwalzwerk und das Wasserkraftwerk zu mehr als einer nur wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Sie wurden zu Symbolen des Stolzes und der Hoffnung ganzer
Nationen. Und für nachdenkliche Menschen in der ganzen freien Welt
heißt die unausweichliche Frage: Wie können diese Hoffnungen zufriedenstellend erfüllt werden?
Die kommunistische Welt ist bereit zu versprechen, daß sie helfen werde, diese Hoffnungen zu erfüllen. Sie wird dies tun, trotz
ihres eigenen hoffnungslos niedrigen Lebensstandards. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die kommunistischen Führer in ihrem Streben nach
der Weltherrschaft ihrem eigenen Volke jedes Opfer auferlegen. Und
ihr kürzlicher wissenschaftlicher Erfolg zeigt, daß sie, auf kurze
Sicht gesehen, das Können und die Hilfsquellen haben, um zu tun,
was sie für wichtig erachten.
Wir wissen natürlich, daß eine solche Hilfe kurzlebig und trügerisch sein wird. Aber wenn sie dazu beiträgt, die kommunistische
Herrschaft auf ganz Afrika und Asien auszudehnen, dann hat der Kreml
seinen Sieg in der Schlacht um die Welt sichergestellt. Er kann Polizeikräfte einsetzen, um diese Völker in Abhängigkeit zu halten. Er
wird dann ihre ungeheuren Reichtümer an öl, Uran, Kupfer und vielen
anderen Materialien, die für das wirtschaftliche Leben der freien
Welt wichtig sind, kontrollieren. Die westliche Welt wird gezwungen
sein, sich zu ergeben, ohne daß ein Schuß gefallen ist.
Lies ist die wirkliche Bedrohung - zwar nicht so dramatisch
oder großartig wie Sputnik oder die interkontinentale Rakete, aber
meiner Meinung nach auf lange Sicht gesehen gefährlicher. Wir erkühnen uns nicht, die militärische Bedrohung, die diese Ereignisse
darstellen, zu ignorieren, aber es wäre in gleicher Weise unsinnig,
die wirtschaftlichen Waffen zu ignorieren, die gegen uns gerichtet
sind. Die ersteren mögen niemals gebraucht werden; die letzteren
werden bestimmt zur Anwendung gelangen.
Ich bin zuversichtlich, daß wir diese Herausforderung parieren
und abschlagen können, vorausgesetzt, unsere Maßnahmen basieren auf
jenem Grundprinzip, das auch die treibende Kraft dieser Konferenz
ist - die Erkenntnis, daß das private Unternehmertum und nicht der
Staat die produktivste Quelle wirtschaftlichen Fortschritts ist.
Die Privatinitiative, die private Verantwortung und das Privatkapital, die Sie repräsentieren, sind der Motor des wirtschaftlichen
Fortschritts. Die von Ihnen ausgehende Stärkung der Wirtschaftskraft
ist lebenswichtig für die Zukunft der ganzen freien Welt.
Ich sage dies in voller Anerkennung der Tatsache, daß den Regierungsmaßnahmen ein wichtiger Platz zugekommen ist und auch noch
zukommt.
Seit

�"AMERIKA DIENST"

16. Oktober

1957

Im Verlauf dieser Revolution sind das Stahlwalzwerk und das Wasserkraftwerk zu mehr als einer nur wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Sie wurden zu Symbolen des Stolzes und der Hoffnung ganzer
Nationen. Und für nachdenkliche Menschen in der ganzen freien Welt
heißt die unausweichliche Frage: Wie können diese Hoffnungen zufriedenstellend erfüllt werden?
Die kommunistische Welt ist bereit zu versprechen, daß sie helfen werde, diese Hoffnungen zu erfüllen. Sie wird dies tun, trotz
ihres eigenen hoffnungslos niedrigen Lebensstandards. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die kommunistischen Führer in ihrem Streben nach
der Weltherrschaft ihrem eigenen Volke jedes Opfer auferlegen. Und
ihr kürzlicher wissenschaftlicher Erfolg zeigt, daß sie, auf kurze
Sicht gesehen, das Können und die Hilfsquellen haben, um zu tun,
was sie für wichtig erachten.
Wir wissen natürlich, daß eine solche Hilfe kurzlebig und trügerisch sein wird. Aber wenn sie dazu beiträgt, die kommunistische
Herrschaft auf ganz Afrika und Asien auszudehnen, dann hat der Kreml
seinen Sieg in der Schlacht um die Welt sichergestellt. Er kann Polizeikräfte einsetzen, um diese Völker in Abhängigkeit zu halten. Er
wird dann ihre ungeheuren Reichtümer an öl, Uran, Kupfer und vielen
anderen Materialien, die für das wirtschaftliche Leben der freien
Welt wichtig sind, kontrollieren. Die westliche Welt wird gezwungen
sein, sich zu ergeben, ohne daß ein Schuß gefallen ist.
Dies ist die wirkliche Bedrohung - zwar nicht so dramatisch
oder großartig wie Sputnik oder die interkontinentale Rakete, aber
meiner Meinung nach auf lange Sicht gesehen gefährlicher. Wir erkühnen uns nicht, die militärische Bedrohung, die diese Ereignisse
darstellen, zu ignorieren, aber es wäre in gleicher Weise unsinnig,
die wirtschaftlichen Waffen zu ignorieren, die gegen uns gerichtet
sind. Die ersteren mögen niemals gebraucht werden; die letzteren
werden bestimmt zur Anwendung gelangen.
Ich bin zuversichtlich, daß wir diese Herausforderung parieren
und abschlagen können, vorausgesetzt, unsere Maßnahmen basieren auf
jenem Grundprinzip, das auch die treibende Kraft dieser Konferenz
ist - die Erkenntnis, daß das private Unternehmertum und nicht der
Staat die produktivste Quelle wirtschaftlichen Fortschritts ist.
Die Privatinitiative, die private Verantwortung und das Privatkapital, die Sie repräsentieren, sind der Motor des wirtschaftlichen
Fortschritts. Die von Ihnen ausgehende Stärkung der Wirtschaftskraft
ist lebenswichtig für die Zukunft der ganzen freien Welt.
Ich sage dies in voller Anerkennung der Tatsache, daß den Regierungsmaßnahmen ein wichtiger Platz zugekommen ist und auch noch
zukommt.
Seit

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16. Oktober 1957

Seit dem Kriege hat die US-Regierung die bedeutendsten Friedenszeit-Operationen in der staatlichen Finanzierung durchgeführt. Die
Gesamtsumme an Auslandszuschüssen und -krediten beläuft sich in diesem Zeitraum auf fast 60 Mrd. Dollar. Es ist unvermeidbar, daß bei
der Verteilung einer so gewaltigen Summe eine gewisse Vergeudung
der Gelder auftritt. Doch, zieht man Bilanz, so waren sie alles andere als verschwendet. Dieses Geld hat in einer Zeit kostspieliger
Wiederaufrüstung den Lebensstandard geschützt und verbessert. Es
schuf die Grundlage für eine ungeheure Ausweitung unseres Handels
in einer Zeit, da die Märkte durch kommunistische Gewaltaktionen
aus ihrem traditionellen Gefüge gesprengt worden sind; und es hat
dazu beigetragen, die freie Welt zusammenzuhalten, als die Kommunisten ihr Bestes taten, sie aufzuspalten. Es war und ist eine Leistung,auf die die Amerikaner stolz sein können.
Regierungskapital ist jedoch in gewissem Sinne Krisenkapital.
Es wird eine lebenswichtige Rolle zu spielen haben solange die Weltkrise existiert und wo immer es eine Gelegenheit gibt, die freie
Wirtschaft gegen die erbärmlichen Versuchungen des kommunistischen
Handels oder gegen die Drohung kommunistischer Unterwerfung zu stärken. Ich glaube, wir sollten diese Waffe der Regierungsfinanzierungen
so freizügig, wie der Kongreß es uns zubilligt, einsetzen.
Wir müssen jedoch einsehen, daß die Regierungshilfe nicht das
ganze Problem lösen kann, dem wir uns gegenübersehen. Die Investitionssumme, die von kapitalkräftigen Ländern wie den Vereinigten
Staaten in den nächsten Jahren in kapitalarme Länder fließen muß,
muß eher größer als geringer sein. Das Privatkapital ist die einzige
Investitionsquelle, die sich noch weiter entwickeln läßt. Und es
ist deshalb die einzige Quelle, die den Anforderungen gerecht werden
kann.
Die Möglichkeiten der Regierungsmaßnahmen sind begrenzt. Zum
Teil sind es die Grenzen, die der Staatshaushalt setzt. Vor allem
aber ist es die Beschränkung, die unsere Überzeugung uns auferlegt,
wonach das freie Unternehmertum das von uns bevorzugte Medium einer
Hilfeleistung an die jetzt in der Wirtschaftsentwicklung stehenden
Länder darstellt.
In vielen Ländern wird heute die Struktur der Wirtschaftsentwicklung auf ein Jahrhundert im voraus festgelegt. Ist diese Struktur ein Staatsgebilde, dann ist die menschliche Freiheit dabei der
Verlierer. Machtkonzentration ist eines der großen Probleme unserer
Zeit.
Freiheit ist etwas wesentlich Persönliches. Sie wird von unpersönlichen Gruppen nur mit großen Schwierigkeiten ausgeübt. Es ist
lebenswichtig, daß die Struktur der Wirtschaftssysteme in neuentwickelten Ländern soweit wie möglich die menschliche Freiheit fördert
und nicht einschränkt.
Das

�16. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST"

Das Privatkapital hat die Verdienste, die dem Regierungskapital
fehlen. Es ist jenes Geld, das, in der Sprache der alten Römer ausgedrückt, nicht stinkt. Die Regierung kann nicht anordnen, daß es in
diesem und nicht in jenem Lande ausgegeben werden soll, und sie kann
keine politischen oder diplomatischen Bedingungen an seine Verwendung
knüpfen.
Es ist mit keiner Ideologie belastet, außer der verständlichen
Erwartung, sicher und gewinnbringend angelegt zu sein. Aber es bringt
etwas anderes mit: Verstand. Die geschickte Handhabung und Imaginationsstärke der privaten Geldwirtschaft sind die beste Sicherheit
dafür, daß in der Tat ein neuer Reichtum geschaffen wird, den beide
Schuldner und Geldgeber anstreben.
Wir bedürfen einer außerordentlichen Zunahme der Investierungen
durch amerikanische und andere Geschäftsleute, die besonders auf
die Wirtschaftsentwicklung der Länder ausgerichtet sind.
Welche Ziele sollte die private Geldwirtschaft in den Vereinigten
Staaten auf diesem Gebiete haben? Im vergangenen Jahre erreichten
die amerikanischen Privatinvestitionen nahezu vier Milliarden Dollar.
Der Betrag erscheint hoch; wenn die Vereinigten Staaten jedoch denselben Prozentsatz ihres Nationaleinkommens im Ausland investieren würden
wie Großbritannien dies im Jahre 1910 tat, dann betrüge die Investierungssumme nicht 4» sondern 30 Mrd. Dollar.
Ich will damit nicht sagen, daß wir, selbst wenn wir es wollten,
die Welt von 1910 wiederherstellen könnten. Aber es ist gewiß nicht
unvernünftig, sich eine Verdoppelung oder Verdreifachung der amerikanischen Auslandsinvestitionen in den nächsten zehn Jahren zum Ziel
zu setzen. Wir können jedoch nicht erwarten, daß sich dies automatisch
vollzieht.
Es gibt verschiedene Schritte, die die Vereinigten Staaten unternehmen könnten, um die Regierungen der Investitionskapital suchenden Länder und die amerikanischen Geschäftsleute im Ausland in die Lage
zu versetzen, das von der Welt benötigte Kapital für Auslandsinvestitionen in erhöhtem Maß bereitzustellen.
Als erstes wollen wir untersuchen, welche Schritte die kapitalschwachen Staaten unternehmen können, um private Investitionen aus
anderen Ländern hereinzuholen. Allem voran müssen sie die Tatsache
begreifen lernen, daß der Kapitalmangel in aller Welt, wie er sich
auch im Steigen der Zinssätze manifestiert, einen scharfen Wettbewerb auf dem Kapitalmarkt ausgelöst hat, der sich auf die für Auslandsinvestitionen verfügbaren Geldmittel auswirkt. Jede Regierung,
die ernsthaft an Investitionskapital aus privaten Quellen interessiert
ist, wird sich notwendigerweise an diesem Wettbewerb beteiligen müssen.
Sie kann Bedingungen festsetzen, die den Zustrom solchen Kapitals auszulösen oder völlig zu unterbinden in der Lage sind, Sie kann ausländisches Kapital wie etwas behandeln, das zwischen Staatsfeind und
notwendigem Übel rangiert, und sie vermag jene Art von Bestimmungen zu
erlassen, auf Grund derer das private Kapital wirklich zu positiven
Leistungen gebracht werden kann.
T
Lassen

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Lassen Sie mich ein Beispiel geben. Was man auch immer von
Premier Nassers Recht zur "Ägyptisierung" des Suezkanals halten
mag - und unsere Regierung hat dieses Recht nicht bestritten -,
so kann man doch nicht leugnen, daß Nasser Ägypten für neue Kapitalinvestitionen weniger anziehend machte als es zuvor war. Umgekehrte Ergebnisse sehen wir im Falle der Niederlande, Nordirlands,
Mexikos oder unseres eigenen unabhängigen Commonwealth von Puerto
Rico, wo die Regierungen jeweils zupackende und wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen haben, um ein günstiges Klima für ausländisches
Investitionskapital zu schaffen und damit zu Auslandsinvestitionen
zu ermutigen. Als Ergebnis dieser Maßnahmen erhalten sie heute mehr
ausländisches Kapital als je zuvor.
Die Regierung der Vereinigten Staaten würde nie irgendeinem
anderen Lande einzureden versuchen, welche Politik es gegenüber
Auslandsinvestitionen einschlagen sollte; wer aber als Privatmann
über Kapital verfügt, wird sich, ehe er Geld im Ausland anlegt, erst
über das dortige Investitionsklima unterrichten.
Wir wollen nun untersuchen, was die Regierung der Vereinigten
Staaten tun kann und sollte, um Privatinvestitionen im Ausland zu
fördern. Ich möchte die folgenden Punkte als das allermindeste vorschlagen, was geschehen sollte:
Die Wirtschaftsabteilungen unserer Botschaften bei anderen Ländern sollten eine größere Bedeutung zugesprochencerhalten und sowohl
in ihrer qualitativen als auch quantitativen Besetzung verstärkt
werden. Jede amerikanische Botschaft sollte mit qualifizierten
Kräften ausgestattet werden, die einen ausreichenden Teil ihrer
Zeit und Energie der tatkräftigen Förderung von Bestrebungen widmen,
die zu einer Ermutigung von Auslandsinvestitionen beizutragen geeignet sind.
Sobald sich eine Revision der Steuersätze praktisch durchführen läßt, sollte der Kongreß eine Steuerreform vornehmen, wie
sie der Präsident schon zweimal gefordert hat. Er schlug vor, die
sogenannte 14-Punkte-Vergünstigung *, die Handelsgesellschaften zusteht, die sich innerhalb der westlichen Hemisphäre betätigen, auch
auf Investitionen in anderen Teilen der Welt auszudehnen.
Der Kongreß sollte ferner erwägen, inwieweit sich eine Steuerreform im Sinne der vor einigen Monaten in Großbritannien vorgenommenen Steuerreform auch hier durchführen läßt. Dies würde eine
Stundung von Steuern auf Einkommen und Gewinnen, die ausschließlich
aus dem Ausland herrühren, bis zu dem Zeitpunkt gestatten, bis sie
tatsächlich in Form von Dividenden an die Aktionäre oder an die Stammgesellschaft ausbezahlt werden. Eine solche Regelung würde den in
Übersee tätigen amerikanischen Handelsgesellschaften und Geldgebern

Anmerkung der Redaktion: Bei der 14-Punkte-Vergünstigung handelt es
sich um eine Freigrenze bei der Besteuerung amerikanischer Gesellschaften, die in einer Reihe von Ländern der westlichen Welt tätig
sind. Solchen Firmen kann das Recht zugestanden werden, bei der Ermittlung ihres zu versteuernden Einkommens 14 Prozent abzusetzen.

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Geldgebern die gleichen Vorteile bieten, die sich manche von ihnen
zur Zeit durch Errichtung von Zweigunternehmen im Ausland sichern.
Sie würde auf eine sofortige Erhöhung der diesen Gesellschaften für
weitere Auslandsinvestitionen zur Verfügung stehenden Mittel hinauslaufen, und auf lange Sicht würden sowohl der amerikanische Fiskus
als auch die Finanz- und Steuerverwaltungen der anderen Staaten auf
Grund der Steuern aus den erweiterten Investitionen ebenfalls gewinnen.
Wir sollten ferner einen größeren Teil der Finanzmanipulationen
unserer Regierung über private Geldgeber und Unternehmer, sowohl
amerikanische als auch ausländische, abwickeln. Insbesondere könnte
der Kongreß in Zukunft verlangen (und nicht nur, wie bisher, es dulden),
daß mindestens 25% der Devisen, die wir gegenwärtig im Zusammenhang
mit dem landwirtschaftlichen Hilfsprogramm vereinnahmen, für Kredite
an US-Firmen zur Verfügung gestellt werden, die in jenen Ländern tätig
sind.
Der neue, mit 300 Millionen Dollar ausgestattete Entwicklungsfonds sollte so organisiert werden, daß er, was seine Verwaltung und
seine Tätigkeit betrifft, nicht lediglich zu einer farblosen Kopie
entweder der Weltbank oder des Amtes für Internationale Zusammenarbeit (iCA) wird. Regierung und Kongreß waren von dem Gedanken ausgegangen, dieser Fonds werde eine Funktion übernehmen, die völlig neu
ist und die sich klar von jenen unterscheidet, die bereits bestehende
Organe ausüben. Sein Hauptzweck wird es sein, privaten Unternehmen
Geldmittel zugängig zu machen, die die Voraussetzungen für eine
Kreditgewährung durch die Export-Import-Bank nicht erfüllen.
Wir sollten mit Hilfe von internationalen Organisationen wie der
Weltbank die Möglichkeiten zur Schaffung eines privaten Internationalen Fonds für Investitionsgarantien prüfen» Seine Aufgabe wäre es,
die Kapitalgeber von heute und morgen gegen die Risiken der Enteignung., der Entwertung, der Einfrierung von Devisen und ähnlicher Maßnahmen zu schützen.
Da es nun einmal der Handel ist, der das Kapital schafft und
über die Mittel verfügt, die die Welt so dringend benötigt, so
sollten wir das Gesetz über Gegenseitige Handelsabmachungen um mindestens weitere 5 Jahre verlängern, wenn die Frage seiner Erneuerung
in der nächsten Sitzungsperiode des Kongresses zur Debatte stehen wird.
Ein derartiges Verhalten würde das ständige und sich weiter vertiefende Interesse der Vereinigten Staaten a» Welthandel demonstrieren.
Gleichgültig, ob es uns um die Bezahlung für unsere Exporte zu tun
ist, um die Erträge unserer Investitionen oder um die Sicherung der
wirtschaftlich günstigsten Rohstoffquellen - die Vereinigten Staaten
müssen immer mehr importieren. Das Gesetz über Gegenseitige Handelsabmachungen ist die beste Gewähr, daß uns diese Einfuhren auf einer fairen
und jede Diskriminierung vermeidenden Basis zur Verfügung stehen werden.

Aus

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Aus dem gleichen Grund sollten wir die Frage unserer Mitgliedschaft
in der Organisation für Gemeinsamen Handel endlich positiv klären. Diese Organisation, die die Vereinigten Staaten mit gründen halfen, ist die
geeignete Stelle, um das bereits geschaffene System der multilateralen
Zollverhandlungen und die Regelungen bezüglich der Wechselseitigkeit
des Handels zu sammeln und zu einem größeren Ganzen zusammenzufassen.
Dies fordert nichts von uns, was wir nicht ohnehin schon tun. Dieser
Organisation nicht beizutreten, wäre ein Akt grober Selbsttäuschung;
ein solches Handeln würde die übrige Welt bezüglich unserer wirklichen
Interessen und unserer Zielsetzungen zu falschen Schlußfolgerungen
veranlassen.
Wir sollten die seit langem schon vom Präsidenten vorgeschlagene
gesetzliche Regelung treffen, die eine Vereinfachung veralteter und
ungerechter Methoden der Wertfestsetzung bei unserem Zollverfahren
gestatten würde..
Soviel über Maßnahmen, die die Regierung treffen könnte. Daneben
bestehen aber auch noch bestimmte Verpflichtungen, die die privaten
Geldgeber auf sich nehmen sollten, wenn sie in den Genuß steigender
Möglichkeiten auf dem Gebiet der Auslandsinvestitionen gelangen wollen.
Sie müssen ihre Tätigkeit vor allem erst einmal auf den ,1m 20.
Jahrhundert entwickelten Grundsatz ausrichten, daß es das erste Ziel
von Auslandsinvestitionen sein müsse, neuen Wohlstand zu schaffen und
nicht ein eben erst in der Entwicklung begriffenes Land auszubeuten.
Im Ausland wirkende Amerikaner sollten eigens für die Aufgabe geschult sein, als Botschafter des guten Willens und nicht nur als sachkundige Fachleute zu fungieren.
Die Ausbildung von Angehörigen anderer Staaten für Aufgaben des
Managements und auch für nachgeordnete verantwortliche Stellen muß
mit größter Vordringlichkeit betrieben werden.
Ich bin keineswegs der Auffassung, daß die von mir hier aufgeführten Vorschläge Anspruch auf Vollständigkeit haben. Die Ausführung
eines solchen Programms aber könnte den notwendigen Impuls für eine
starke Ausweitung der privaten Investitions- und Handelstätigkeit in
allen Teilen der Welt liefern.
An uns liegt es, die Welt von Morgen zu gestalten.
Wir können eine Welt des Friedens mit politischer Freiheit, wirtschaftlichem Wachstum und der endgültigen Verbannung der Armut schaffen.
Es kann aber auch eine Welt des Hasses und des Mißtrauens werden, die
ewig am Rande des Krieges steht.
Es kann eine freie Welt sein oder eine Welt, die von einem Erstarren der Entwicklung oder von totalitären Bestrebungen vergiftet
ist, S-ie kann den Bedarf der Familien und sie kann den Bedarf von
Armeen produzieren.
Die

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"AMERIKA DIENST"

Die Wahl zwischen diesen beiden möglichen Welten fällt unserer
Generation zu. Ist die Freiheit der Verlierer, so kann ein Jahrhundert
vergehen, ehe sie wieder Besitz des Menschen wird. Wir selbst können
aus Mangel an lebenswichtigen Rohstoffen zugrundegehen, und das, ohne
daß auch nur eine einzige Kriegshandlung stattfindet.
Amerika kann nie und nimmer in völliger Isolation leben. Entweder
marschieren wir gemeinsam mit den anderen freien Völkern in die Zukunft, in eine Welt des Friedens und der Prosperität, oder wir gehen
unter, geraten in Vergessenheit und gelten als Gescheiterte, als ein
Volk, das nicht jenen Weitblick besaß, die Welt so zu sehen, wie sie
ist, oder das nicht den Mut aufbrachte, seine Pflicht zu tun.
Allein die Tatsache, daß diese gegenwärtige Konferenz abgehalten
wird, mag der Welt als ein deutliches Zeichen gelten, daß die Kräfte
der Freiheit jene Stärke, jene Lebenskraft und jene Entschlossenheit
aufweisen, das große Ringen um die Welt zu bestehen.

* * # * *

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D I E N S T

lllg./30.10.57
DIE ZIVILISATION STEHT AUF DEM SPIELE
Nur internationale Zusammenarbeit gewährleistet allen Menschen größere
Entfaltungsmöglichkeiten

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die der
amerikanische Physiker und Nobelpreisträger
Dr. Arthur H. Compton am 24. Oktober 1957
anlässlich der Überreichung des ersten Atomfriedenspreises an Prof. Niels Bohr in
Washington gehalten hat.

In Einklang mit der Absicht, die der Schaffung des Preises
"Atome für den Frieden" zugrunde liegt, hat man mich gebeten, über
die weitreichenden Auswirkungen der Energie des Atomkerns für die
Menschheit zu sprechen. Es ist mir eine Freude, dieser Bitte nachzukommen, besonders vor so berühmten und einflußreichen Zuhörern und
in Anwesenheit unseres Ehrengastes, dem diese Frage selbst sehr am
Herzen liegt.
Meine gegenwärtige Hauptsorge ist die Dringlichkeit, die die Verwendung von Kernenergie für eine weltweite Zusammenarbeit im Interesse
der ganzen Menschheit fordert. Um aber eine solche Zusammenarbeit zu
erreichen, müssen wir uns zunächst um die Weiterentwicklung des Menschen selbst kümmern.
In dem Programm "Atome für den Frieden" wird das Schwergewicht
auf die Nützlichkeit der Kernenergie gelegt. Das ist auch richtig so.
Wir verwenden diese Energie in der Form von Strahlung, um Krankheiten
zu diagnostizieren und zu heilen. Wir gebrauchen Isotope als Hilfsmittel in Wissenschaft und Industrie. Dank der inzwischen gemachten bedeutenden Fortschritte können wir bereits jetzt sagen, daß elektrischer Strom au3 dem Kernreaktor einen großen Bedarf des Menschen für
lange Zeit zu decken vermag.
Oder man denke beispielsweise an die Verwendung von Kernstrahlen
in der Heilkunst. Diese Art der Verwendung begann schon mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung und des Radiums etwa um die Zeit der
.Jahrhundertwende. Über die Bedeutung dieser Strahlen für Diagnose

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�50. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST"

Diagnose und Therapie sind Schätzungen angestellt worden, die zwangsläufig nur annähernd sein konnten. Aber sie zeigten doch, daß durch
die Verwendung dieser Strahlen in der ganzen Welt viele Millionen
Menschenleben gerettet worden sind. Die Zahl ist ungefähr dieselbe
wie die der Opfer der V/eltkriege in diesem Zeitraum. Schon allein
hierdurch hat unsere Beschäftigung mit Atomen und Atomvvrnen vielen,
vielen Männern und Frauen eine bessere Gesundheit und ein vollkommeneres Dasein gegeben.
Aber so wichtig dies auch sein mag, liegt doch hierauf nicht das
Schwergewicht, wenn wir die Kernenergie und die Entfaltung des Menschen
miteinander in Beziehung setzen.
Dor Hauptpunkt ist vielleicht, daß uns Wissenschaft und Technik
völlig neue Kräfte an die Hand gegeben haben. Wir sind uns voll und
ganz bewußt, daß uns diese Kräfte entweder größere Möglichkeiten oder
aber Zerstörung und Tod bringen. In dieser Hinsicht bedeutet die Kernenergie nur ein erregendes Beispiel für die neuen Möglichkeiten, die
die Wissenschaft für uns bereit hält, Möglichkeiten zum Guten oder
zum Bösen in wahrlich bestürzendem Umfang. Und das Ausmaß, in dem die
Wissenschaft den Menschen mit diesen bis dahin unbekannten Kräften
konfrontiert, wächst in einzigartiger Geschwindigkeit an. Darüber hinaus
vervielfacht jede derartige technische Entwicklung die Wirksamkeit
der vorausgegangenen Entwicklungen. Dies ist ein Zustand, der dem
wissenschaftlichen Begriff der dynamischen Instabilität sehr ähnlich
ist. Wir müssen damit rechnen, daß sich infolge neuer technischer Portschritte, die in den verschiedenen Teilen der Welt gemacht werden und
die den Gebrauch der dem Menschen bereits an die Hand gegebenen Macht
noch wirksamer werden lassen, das Kräftegleichgewicht in der Welt ständig verschiebt. Damit steht letzten Endes auch die Zivilisation seibat
auf dem Spiel.
Vollauf beschäftigt mit der unmittelbar vor uns liegenden Aufgabe,
den Frieden zu erhalten, dürfen wir doch nicht versäumen, auch die
Zukunft im Auge zu behalten. Wohl dürfen wir für eine begrenzte Zeit
hoffen, durch die Aufrechterhaltung einer starken und zuverlässigen
Verteidigung den Krieg zu verhindern. Und zu keiner Zeit war eine
wachsame Verteidigung notwendiger denn heute. Um aber souveränen Nationen Stabilität zu bringen, gibt es nur einen Weg. Sie müssen durch
ein menschliches Ziel geeint werden, das ihrer Stärke ebenbürtig ist.
Es gibt keine andere Hoffnung, zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen.
Wenn die Menschheit blühen soll, ja wenn die Zivilisation überhaupt
erhalten bleiben soll, ist es notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, die
gewährleisten, daß die neuen Kräfte in unserer Hand nicht für Zwecke
der Zerstörung gebraucht werden. Wir müssen sie dafür einsetzen, daß
sie dem Menschen helfen, sich ständig weiter zu entwickeln. Die Zeit
ist da, in der wir gewiß sein müssen, daß die Kräfte der Technik zum
Wohl der Menschen gebraucht werden. Jeder Tag, den wir zögern, bedeutet einen erfaßbaren, bedeutsamen Verlust in den Möglichkeiten der
Menschheit, zu überleben.

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Ich übertreibe nicht. Den Ernst der Gefahren und die Größe der
entsprechenden Möglichkeiten haben alle erkannt, die sich ir.it der in
der Wandlung begriffenen Situation befassen, in der sich die Menschheit befindet.
Was ist zu tun, daß diese neue Stärke des Menschen für den Aufbau,
nicht für die Zerstörung unserer Zivilisation gebraucht wird? Dies ist
eine Frage, die alles andere überragt.
Lassen Sie mich noch einmal darauf hinweisen: Wenn an die Stelle
der Feindschaft Zusammenarbeit unter den Nationen treten soll, dann wird
dies jedoch nur möglich sein, wenn sie sich über ein gemeinsames Ziel,
das die volle Unterstützung der Völker zu finden vermag, einigen können.
Es kann kein Ziel sein, das die Interessen der einen Nation höher wertet
als die d£r anderen. Um von allen Nationen gutgeheißen zu werden, muß
es auf die Bedürfnisse und Nöte aller Menschen Bezug haben.
Es gibt ein solches Ziel, das sich während der vergangenen fünfzig
Jahre in der ganzen Welt als eine Hoffnung in die Herzen der Menschen
eingegraben hat. In den Vereinigten Staaten kannten wir diese Hoffnung
schon, noch ehe wir überhaupt ein Volk im politischen Sinne waren.
Wir nennen sie "den amerikanischen Traum". Wir träumen von einer Welt,
in der sich jeder Mann und jede Frau zu ihrer vollen Persönlichkeit
im besten Sinne des Wortes entfalten können und danach gewertet werden,
was sie tun, um anderen zu helfen, dieser Chance teilhaftig zu werden.
Vor einigen Jahren zeigte ich Madame Pandit eine Beschreibung dieses
Traumes, wie sie der Historiker James Truslow Adams einmal gegeben hat.
"Sie nennen das den amerikanischen Traum", rief sie aus, "es ist der
Traum der ganzen Welt geworden!".
Wir wollen nun einmal die Antwort auf unsere zentrale Frage untersuchen, die dieser Traum uns nahelegt. Präzise formuliert lautet diese
Antwort: Jede Nation hätte sich zu folgendem Prinzip, das ihrer ganzen Politik zugrunde liegen müßte, zu bekennen - nämlich alles in ihrer Macht Stehende zu tun, jedermann unter ihrer Rechtshoheit den Weg
dafür zu öffnen, daß er sich zu seiner vollen Persönlichkeit entfalten
kann, und mit Nationen zusammenzuarbeiten, die dieses Prinzip ebenfalls
vertreten und sich daran halten, indem sie sich gegenseitig dabei
helfen, ihren Völkern solche Chancen zu eröffnen.
Im Einklang mit diesem Grundsatz würde jedes Land, das diese
Verpflichtung auf sich nimmt, sein eigenes Vorgehen so gestalten, daß
er den Maßnahmen der anderen, zur Zusammenarbeit bereiten Staaten, die
diese im Interessse ihres eigenen Volkes treffen, nicht zuwiderläuft.
Jedes Land würde im voraus Verhandlungen anknüpfen, noch ehe es irgendwelche Schritte unternimmt, die sich abträglich auf die Pläne anderer
teilnehmender Länder auswirken könnten. Es würde vielmehr gemeinsam
mit anderen solchen Ländern jede Bedrohung abwehren, die sich gegen
irgendwelche Maßnahmen eines der Länder erheben könnte, die dieses
im Innern im Interesse seiner eigenen Bürger trifft.
Zweck

�"AMERIKA DIENST

30. Oktober 1957

Zweck dieses Vorschlages ist es, darauf hinzuwirken, daß die
Kraftreserven der Welt mit dem Ziel eingesetzt werden, alle Menschen
in die Lage zu versetzen, sich zu verantwortungsbewußten Bürgern
ihres Landes zu entwickeln. Jedes Land, das an einer diesbezüglichen
Zusammenarbeit teilnimmt, würde sein souveränes Recht behalten,
selbBt den Weg zu wählen, auf dem es seinen Bürgern vermehrte Entfaltungsmöglichkeiten verschaffen will. Jedes Volk kann auf die Hilfe
der anderen rechnen, wenn es darum geht, solche Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen und gegebenenfalls zu verteidigen.
Kann eine Regierung, deren vordringlichste Aufgabe es ist, die
Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Bürger zu gewährleisten, nun aber
eine Politik gutheißen, die soviel Altruismus beinhaltet?
Bei einer Erwiderung hierauf werden wir zu der Feststellung gelangen, daß die Sicherheit und die Wohlfahrt jedes Landes die Zusicherung der Zusammenarbeit seitens anderer Staaten voraussetzt. Nur
bei einer so weitreichenden Zielsetzung, wie sie die Eröffnung des
Weges zu größerer Entfaltung für alle Menschen darstellt, kann ein
Land darauf rechnen, daß es andere freie Länder zur Zusammenarbeit zu
gewinnen vermag. Bei einer Annahme dieser Zielsetzung als der Alternative zur nationalen Machterweiterung wären die Sicherheit und die
Wohlfahrt der Bürger eines Landes in dem angesichts der gegenwärtigen
Weltlage höchstmöglichen Maße gewährleistet.
Daß eine solche Politik tatkräftige Unterstützung erfahren würde,
darf als sicher gelten. Die führenden Männer jedes Volkes müssen einsehen lernen, daß ein Staat nur dann seine Stärke voll entfalten kann,
wenn der Gesundheitszustand seiner Bürger besser ist als heute, wenn
diese zu einem tieferen Verständnis der Zusammenhänge durchgedrungen
sind und wenn sie sich mit ganzem Herzen für die Zielsetzungen des
Staates einsetzen. Eine solche Entfaltung ist aber nur durch die Zusammenarbeit sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene zu
erreichen.
Jede Organisation, von der sich Menschen einen Ansporn erwarten.,, muß
danach trachten, daß jedem einzelnen der Weg zu einem sinnvollen Leben
offensteht. Ob man sich in erster Linie seinem ewigen Gott, der Rechtschaffenheit im Umgang mit seinen Mitmenschen oder seinem Regierungssystem verpflichtet fühlt, den höchsten Ausdruck findet diese Bindung
in der Hebung des Gesundheitszustandes und in der Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit. Die Verbundenheit mit solchen hohen humanitären
Idealen ist genau das, was der Mensch braucht, um ihn zu höchsten Leistungen anzuspornen und seinem Leben einen tieferen Sinn zu geben.
Die Gesellschaft geht in zunehmendem Maße dazu über, die Verdienste
jener zu belobigen, die der Menschheit neue Möglichkeiten eröffnen, von
denen alle profitieren können. Der Atomfriedenspreis, der heute zum
ersten Mal verliehen wird, ist ein Beispiel für diese Bereitschaft zur
öffentlichen Auszeichnung. Wirtschaftliche Notwendigkeiten und die
öffentliche Meinung fördern jeden Schritt, der geeignet scheint,
Männern und Frauen größere Entwicklungsmöglichkeiten im Menschlichen zu
verschaffen.
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"AMERIKA DIENST"

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Im Herbst 1945 verabredete sich Niels Bohr auf einer Reise nach
Washington mit mir zu einer Aussprache. Ein halbes Jahr vorher hatten
wir in Los Alamos stundenlang das Problem diskutiert, inwieweit der
Einsatz der Atombombe, die eben fertiggestellt, aber noch nicht erprobt
worden war, zur Schaffung eines harmonischen und dauernden Friedens
beitragen könne . Im Anschluß an diese Gespräche beschäftigte ihn eine
große Frage. "Ist es den Vereinigten Staaten nicht möglich" ,''so führte
er aus, "eine große moralische Tat zu vollbringen, die der Welt neue
Hoffnung einzuflößen vermag?" Ich schlug ein Vorgehen vor, das dem
vergleichbar war, was später der Marshallplan bringen sollte, nämlich
eine Wirtschaftshilfe an die hilfsbedürftigen Länder. "Gut", entgegnete er, "aber das ist nicht der grundlegende Schritt, der notwendig
ist." Wir versäumten es in unserem Gespräch, genau festzulegen, welche
moralische Tat unseres Landes jenen Effekt zeitigen könnte, den Bohr
im Sinne hatte. Vielleicht war damals einfach die Zeit noch nicht reif
dafür.
Die Erfahrungen des letzten Jahrzehnts haben uns die Augen geöffnet.
Der Traum Amerikas ist inzwischen zum Traum der ganzen Welt geworden.
Dieser Traum muß nunmehr zum gemeinsamen und für alle bindenden Traum
der Menschheit werden.
Das Zeitalter der Kernenergie, das vor 15 Jahren begann, ist die
Frucht einer internationalen Zusammenarbeit bisher nie dagewesenen
Ausmaßes. Die Männer und Frauen, deren Anstrengungen dieses Zeitalter
herbeiführten, und insbesondere die Wissenschaftler unter ihnen, waren
von der Hoffnung erfüllt, daß die neuerschlossene Energiequelle das
Leben der gesamten Menschheit bereichern werde. Der Atomfriedenspreis
ist ein Symbol dafür, daß unser Volk diese Hoffnung teilt und sich
für ihre Verwirklichung einsetzt. Niels Bohr, den wir heute hier ehren,
hat Amerika aufgefordert, die Welt in einem anderen großen und wagemutigen Unternehmen der Zusammenarbeit anzuführen. Dieses wagemutige
Unternehmen besteht darin, die vereinigten Anstrengungen der .Völker
in den Dienst der Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit zu stellen.
Wenn wir den ernsthaften Versuch unternehmen, die Anstrengungen unseres
Volkes in erster Linie auf dieses Ziel zu lenken und wenn wir die
Welt auf diese Weise dazu bewegen könnten, die Kräfte der Wissenschaft
und der Technik voll auszuschöpfen, dann würden die Hoffnungen, die
die Erschließung der Kernenergie geweckt hat, reiche Früchte tragen.
So wollen wir, die Vereinigten Staaten von Amerika, uns kühn zu
dem Grundsatz bekennen, daß das, was wir seit langem schon als kostbaren Traum in unseren Herzen hegen, fortan den Grundstein unserer
nationalen Politik bilden solle. Wir wollen alle Völker auffordern,
sich gemeinsam mit uns dieser Politik zu verpflichten, auf daß die
Welt als ein Ganzes darauf hinarbeiten möge, jedem Manne und jeder
Frau die Chance einzuräumen, sich im Menschlichen zur höchstmöglichen
Stufe emporzuentwickeln. Wir wollen diese unsere Politik in der Weise
in die Praxis umsetzen, daß wir allen Staaten, die diese Verpflichtung
gleichfalls auf sich nehmen, die Zusicherung geben, fortan alle von
uns vorgesehenen Schritte von internationaler Bedeutung gemeinsam mit
ihnen zu beraten und mit ihnen in dem Bemühen zusammenzuarbeiten, ihren

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ihren Völkern und unserem eigenen Volke die Voraussetzungen für eine
gesunde Weiterentwicklung zu schaffen.
Bei einem solch beispielgebenden Vorgehen inmitten unserer von
Unruhe erfüllten Welt können wir vertrauend auf eine starke Gefolgschaft
hoffen. Wir dürfen auch hoffen, daß unsere ersten diesbezüglichen
Schritte zu einer Zusammenarbeit auf noch weit breiterex' Basis anregen.
Wir dürfen die berechtigte Erwartung hegen, daß der derzeitige Antagonismus allmählich dem gegenseitigen Vertrauen weichen wird und daß der
Friede, der sich auf Harmonie gründet, sich über die Welt ausbreiten
wird.
Nein, Wettbewerb und Rivalität werden damit nicht aufhören, sie
werden aber in einem neuen Geist ausgetragen werden. V/irddieser Traum
der Welt erst zur gemeinsamen Zielsetzung, dann werden Menschen und
Völker bestrebt sein, sich gegenseitig in der Förderung des Wertvollen
im Menschen zu übertreffen. Und weil das Leben dann einen neuen Sinn
bekommt, wird auch unsere Zivilisation einen neuen Aufschwung nehmen.
Angesichts der Tatsache, daß wir über Kraftquellen wie die Kernenergie verfügen, besteht die dringende und für den Fortbestand der
Menschheit entscheidende Notwendigkeit, sich hinter diese gemeinsame
Zielsetzung zu stellen. Wenn die Vereinigten Staaten es versäumten,
diese Verpflichtung auf sich zu nehmen und andere Länder gleichfalls
zu ihrer Übernahme aufzufordern, dann bliebe die derzeitige Gefährdung
der Welt weiterhin bestehen. Übernehmen wir diese Führungsaufgabe,
dann erwächst der Welt eine neue Hoffnung, dann wird sie von neuem
Leben erfüllt sein. Sind wir aber nicht bereit, mit gutem Beispiel
voranzugehen, auf wen sollen wir dann blicken?

* *

* * *

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Allg./30.10.57
ABSCHLUSSKOMMUNIQUE DER BRITISCH-AMERIKANISCHEN BESPRECHUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut des Abschlußkommuniques,
das Präsident Eisenhower und der britische Premierminister Macmillan zum Abschluß ihrer dreitägigen Gespräche in Washington am 25. Oktober
1957 veröffentlichten und in dem mit Nachdruck
die gemeinsame Absicht der USA und Großbritanniens zum Ausdruck gebracht wiijd, die zur Verteidigung der Freiheit notwendige Stärke aufrechtzuerhalten.

"Der Präsident der Vereinigten Staaten und der Premierminister
Großbritanniens haben zum Abschluß ihrer dreitägigen Gespräche, bei
denen sie von dem amerikanischen Außenminister und dem britischen
Außenminister sowie anderen Beratern unterstützt wurden, die Folgende Erklärung veröffentlicht:
Wir sind als vertraute, langjährige Freunde zusammengekommen,
die an der Spitze der Regierungex ihrer jeweiligen Länder stehen.
Diese beiden Staaten sind durch enge und geschichtliche Bande verbunden, wie auch jedes unserer Länder zu anderen freien Nationen
enge und unlösliche Bindungen hat. In der Erkenntnis, daß nur durch
die Schaffung eines gerechten Friedens die tiefsten Hoffnungen und
Wünsche freier Menschen verwirklicht werden können, war der unsere
Überlegungen bestimmende Leitgedanke die Entschlossenheit, die moralische, geistige und materielle Stärke unserer beiden Länder in
der besten V/eise einzusetzen, um unseren vollen Anteil bei der Durchführung jener Aufgaben zu leisten, durch die sicherer und schneller
Bedingungen geschaffen werden, unter denen der Frieden gedeihen kann.
Eine dieser Aufgaben besteht darin, der freien Welt eine ausreichende
Sicherheit zu bieten.
Die freien Nationen besitzen große Aktiva, sowohl materiell als
auch moralisch. Diese sind zusammengefaßt viel größer als jene der
kommunistischen Welt. Wir übersehen nicht die Tatsache, daß die
sowjetischen Machthaber durch die Konzentration auf bestimmte Entwicklungen und wissenschaftliche Aufgaben und dadurch, daß.sie ihre

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ihre Völker zu diesen Anstrengungen zwingen, beachtliche materielle
Erfolge erzielen können. Der Despotismus war oft in der Lage, aufsehenerregende Werke zu schaffen. Aber der Preis ist immer hoch gewesen,
denn alle Völker sehnen sich nach geistiger und wirtschaftlicher Freiheit, um so mehr, wenn sie in ihrer Knechtschaft andere das Glück der
Freiheit genießen sehen. Selbst Despoten sind gezwungen, ein Wachstum
der Freiheit in einem evolutionären Prozeß zu erlaulen^ 'der es wird
zur gegebenen Zeit eine heftige Revolution geben. Dxöoer Grundsatz
ist in seinem Ablauf unausweichlich. Dies hat sich selbst schon im
sowjetischen Machtbereich bemerkbar gemacht. Wenn die freien Nationen
standhaft bleiben und wenn sie ihre Hilfsquellen in harmonischer Zusammenarbeit ausschöpfen, dann wird die totalitäre Bedrohung, der sie
heute gegenüberstehen, bald nachlassen.
Damit jedoch die Freiheit gesichert sein möge und sie ihre guten
Früchte zeitigen kann, ist es als erstes notwendig, daß die kollektive
militärische Stärke der freien Nationen ausreicht, um der gegen sie
gerichteten Bedrohung entgegentreten zu können. Gleichzeitig muß das
Gesamtvolumen der militärischen Ausgaben der freien Welt innerhalb
von Grenzen gehalten werden, die mit der Freiheit des einzelnen vereinbar sind. Andernfalls laufen wir Gefahr, gerade die Freiheiten
zu verlieren, die wir verteidigen wollen.
Diese Gedanken waren das zentrale Thema unserer Gespräche,
an denen zum Teil der Generalsekretär der NATO, M. Spaak, teilnahm.
Unter Zugrundelegung dieser Gedanken und als ein Beispiel, das
nach unserer Ansicht unter den Nationen der freien Welt Schule machen
kann und sollte, erreichten wir das folgende Übereinkommen:
1) Die Vorkehrungen, die die Länder der freien Welt für die
kollektive Verteidigung und die gemeinsame Unterstützung getroffen
haben, basieren auf der Erkenntnis, daß die Konzeption der nationalen
Autarkie überholt ist. Die Länder der freien Welt sind voneinander
abhängig, und nur in der echten Partnerschaft, durch die Zusammenfassung der Hilfsquellen und durch die gemeinsame Lösung der Aufgaben
auf vielen Gebieten kann es zu Fortschritten kommen und kann Sicherheit
gefunden werden. Wir, für unseren Teil, sind zu der Übereinstimmung
gelangt, daß unsere beiden Länder in Zukunft diesem Grundsatz entsprechend handeln werden-.
2) Unsere Vertreter im Nordatlantikrat werden für ein intensiviertes atlantisches Bemühen auf dem Gebiet der wissenschaftlichen
Forschung und Entwicklung eintreten, in Unterstützung einer größeren
kollektiven Sicherheit und einer Ausweitung der gegenwärtigen Tätigkeit der Expertengruppe, die auf Grund der Entscheidung des Rates vom
Dezember vergangenen Jahres auf diesem Gebiet arbeitet.
3) Der Präsident der Vereinigten Staaten wird den Kongreß um
eine Änderung des Atomenergiegesetzes ersuchen, wie es notwendig
und wünschenswert wäre,' um eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaftlern und Technikern aus Großbritannien, den

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den Vereinigten Staaten und anderen befreundeten Ländern zu ermöglichen.
4) Die Abrüstungsvorschläge, die von den westlichen Vertretern
im Abrüstungsunterausschuß in London unterbreitet und von allen NATOMitgliedstaaten gebilligt wurden, bilden eine gesunde und faire Grundlage für ein Abkommen, das die Kriegsgefahr und die Rüstungslasten
vermindern würde. Die unbegrenzte Ansammlung von Kernwaffen sowie
die wahllose Verbreitung der Möglichkeiten, diese Waffen herzustellen,
sollten verhindert werden. Eine wirksame und verlässliche Inspektion
muß ein integraler Teil aller Anfangsmaßnahmen zur Kontrolle und Reduzierung der Rüstungen sein.
5) Solange eine solche Abrüstung, wie wir sie anstreben, nicht
zustandegekommen ist, hängt die internationale Sicherheit heute nicht
nur von örtlichen Schutzschilden, sondern davon ab, diese mit der
abschreckenden und vergeltenden Macht der Kernwaffen zu verstärken.
Solange die Drohung des internationalen Kommunismus besteht, müssen
die freien Nationen darauf vorbereitet sein, für ihre eigene Sicherheit
sorgen zu können. Da die Maßnahmen der freien Welt rein defensiver
Natur sind und der Sicherheit vor einer Bedrohung von außen dienen,
kann die Zeitspanne, während der aie durchgeführt werden müssen, nicht
vorausgesehen werden. Die einzelnen Nationen sind nicht in der Lage,
für sich allein ihre Sicherheit voll zu gewährleisten. Hier werden
nur kollektive Maßnahmen ausreichend sein. Diese sollten vorzugsweise
in der Anwendung der Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen
bestehen, die die Schaffung von Streitkräften vorsehen, die zur Verfügung des Sicherheitsrates stehen. Wenn die Sowjetunion jedoch daran
festhält, diese Bestimmungen durch ihr Veto zu annullieren, muß auf
andere Weise ein stärkeres Gefühl der gemeinsamen Sicherheit entwickelt
werden. Der Rahmen dafür ist durch die kollektiven Verteidigungsabmachungen gegeben, die heute, wie dies in der Charta gebilligt wird,
von fast 50 freien Nationen getroffen worden sind. Alle Mitglieder
dieser Gemeinschaft und auch andere freie Nationen, die den Wunsch
danach hegen, sollten mehr über die gesamten Möglichkeiten der Sicherheit wissen, die gegenwärtig bestehen und die ins Auge gefaßt sind.
Weiter sollte in größerem Maße die Gewähr geboten werden, daß diese
Macht im Notfalle für ihre gemeinsame Sicherheit auch wirklich zur
Verfügung steht und daß sie von keiner Nation mißbraucht und zu anderen
Zwecken angewandt werden kann als zur individuellen und kollektiven
Selbstverteidigung, wie dies in der Charta der Vereinten Nationen
gebilligt wird. Wir unsererseits betrachten die Tatsache, daß wir
über die Macht von Kernwaffen verfügen, als eine vertrauensvolle Grundlage für die Verteidigung der freien Welt.
6) Unsere beiden Länder beabsichtigen, diese Gedanken mit allen
ihren Sicherheitspartnern zu erörtern. Soweit die nordatlantische
Allianz betroffen ist, wird die Dezember-Sitzung des Nordatlantikrates in dieser Beziehung vielleicht einen besonderen Charakter erhalten. Dies wurde mit dem Generalsekretär der NATO, M. Spaak, erörtert.

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�30. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST

7) Zusätzlich zum Nordatlantikpakt bilden der südostasiatische
kollektive Verteidigungspakt, der Bagdadpakt sowie andere Sicherheitsabmachungen ein starkes Bollwerk gegen die Aggression in den verschiedenen Vertragsgebieten. Weiter gibt es entscheidend wichtige
Verbindungen von etwas anderem Charakter. Wir haben das Commonwealth,
und in der westlichen Hemisphäre die Organisation der amerikanischen
Staaten. Darüber hinaus wurden einzelne gemeinsame Verteidigungsabkommen getroffen, denen die USA als Partner angehören.
8) Wir sind uns darüber im klaren, daß unsere kollektiven Sicherheitsbemühungen durch kollektive Wirtschaftsmaßnahmen unterstützt und verstärkt werden müssen. Die Gegenwart bietet eine nicht
zu übersehende Gelegenheit zur Verbesserung der Handelsbedingungen
und zur Ausweitung des Handels in der ganzen freien Welt. Es ist
ermutigend, daß Pläne für eine europäische Freihandelszone in Verbindung mit dem gemeinsamen europäischen Markt entwickelt werden.
Wir sind uns klar darüber, daß besonders in den weniger entwickelten
Ländern eine stetige und wesentliche Hebung des Lebensstandards und
der wirtschaftlichen Entwicklung vor sich gehen sollte.
9) Wir beachteten die besonderen Faktoren in dem ideologischen
Kampf, in dem wir gegenwärtig stehen. Insbesondere stimmten wir voll
und ganz überein, daß:
die gegen die Türkei gerichteten sowjetischem Drohungen der
Verpflichtung im Rahmen des Artikel fünf des Nordatlantikpaktes,
einen bewaffneten Angriff gegen einen Mitgliedstaat des Bündnisses
als einen Angriff gegen alle zu betrachten, ernste Bedeutung verleihen)
die Wiedervereinigung Deutschlands durch freie Wahlen dringend
notwendig ist. Auf der Genfer Konferenz des Jahres 1955 stimmten die
Herren Chruschtschow und Bulganin mit uns und unserem französischen
Alliierten darin überein. Die ständige Nichtanerkennung dieser Abmachung
und die dauernde Unterdrückung der Freiheit in Osteuropa untergraben das
internationale Vertrauen und verewigen eine Ungerechtigkeit, eine
Torheit und eine Gefahr.
Der Präsident und der Premierminister sind der Überzeugung, daß
das Einvernehmen, zu dem sie gelangten, in immer stärkerem Maße wirksam wird, wenn es unter den freien Nationen immer weitere Verbreitung
findet. Durch die Koordinierung der Stärke aller freien Völker kann
die Sicherheit gewährleistet werden, die Gefahr des kommunistischen
Despotismus wird in angemessener Zeit gebannt und ein gerechter und
dauerhafter Frieden erreicht sein."

* * * * *

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�AM

E R I K A

D I E N S T

Allg./8.11 .57
EISSNHOWER UNTERBREITET FÜNFPUNKTE-AKTIONSPROGRAMM FÜR
FORSCHUNG UND VERTEIDIGUNG

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den V/ortlaut der am 7« November 1957 über
alle Rundfunk- und Fernsehsender der Vereinigten
Staaten übertragenen Rede des US-Präsidenten
Dwight D. Eisenhower.
"Mein Thema heute abend ist Wissenschaft und nationale Sicherheit.
Ursprünglich sollte diese Rede ein Teil einer Ansprache sein, die
ich kommende Woche in Oklahoma City halten will. Ich stellte jedoch
fest, daß ich dieses Thema in einer Rede nicht erschöpfend behandeln
könnte. So will ich mich heute abend auf die unmittelbarsten Aspekte
der Frage der Beziehungen zwischen der Wissenschaft und der Verteidigung unseres Landes konzentrieren.
Lassen Sie mich klar zum Ausdruck bringen, was ich in dieser Rede
und in den folgenden Ansprachen tun will.
Ich will Ihnen die Tatsachen unterbreiten - die unangenehmen
wie die angenehmen. Einige dieser Tatsachen auf de.ü Gebiet der Sicherheit sind ermutigend, andere nicht - sie stellen nachdrückliche
Forderungen. Einige erfordern, daß wir entschlossen in der Richtung
weiterarbeiten, in der ein guter Anfang gemacht wurde. Andere erfordern neue Maßnahmen und wieder andere ein ganz neues Ausmaß an Anstrengungen. Nachdem ich Ihnen diese Tatsachen und Erfordernisse
dargelegt habe, werde ich ein Aktionsprogramm unterbreiten - ein Programm, das die energische Unterstützung nicht nur der Regierung, sondern jedes Amerikaners erfordert, wenn wir es erfolgreich gestalten
wollen.
Zunächst einige Fakten über den gegenwärtigen Stand unserer Sicherheit. Er zeugt von großer Stärke, aber mit dieser Gewißheit sollten wir
uns auf keinen Fall zufriedengeben. Unsere Verteidigungskräfte müssen
nicht nur heute, sondern auch morgen und in allen kommenden Jahren
ausreichend und angemessen sein, bis wir unter dem Schutz und der
Sicherheit dieser Verteidigungskräfte einen dauerhaften und gerechten

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�8. November 1957

"AMERIKA DIENST

gerechten Frieden für die gesamte Welt erreicht haben.
Die Vereinigten Staaten sind heute
heute - und schon seit einigen Jahren gischen Vergeltungskräfte über genügend
Kapazität eines jeden anderen Landes so

stark. Unser Land verfügt
hinsichtlich seiner strateMacht, um die kriegerische
gut wie vernichten zu können.

Wir haben diese Position unserer gegenwärtigen Stacke nicht durch
Zufall erreicht. Der Krieg in Korea führte zu einer starken Ausweitung unserer Verteidigungskräfte in Friedenszeiten. Als wir mit einer
Teildemobilisierung dieser Kräfte begannen, nahmen wir gleichzeitig
ein beschleunigtes Modernisierungsprogramm in Angriff.
Als ersten Schritt begannen wir gleich nach dem Waffenstillstand
in Korea mit wissenschaftlichen Untersuchungen. Das Ergebnis dieser
Maßnahme war die Entscheidung, unserer Verteidigung ein neues Gesicht zu geben, wobei wir uns - um eine größere Wirksamkeit zu erreichen - mehr auf die moderne Wissenschaft und weniger auf die rein
zahlenmäßige Stärke unserer Streitkräfte stützten.
In den darauffolgenden Jahren führten wir ein umfassendes Programm mit dem Ziel durch, alle Einheiten unserer Verteidigungskräfte
auf die Möglichkeiten der modernen Technik hin auszurichten. Ferner
stellten wir große Mittel für die Forschung und die Entwicklung der
Verteidigung zur Verfügung, die sich gegenwärtig insgesamt auf über
fünf Milliarden Dollar jährlich belaufen.
Später konzentrierten sich unsere wissenschaftlichen Untersuchungen mit Nachdruck auf die ferngelenkten ballistischen Geschosse.
Die Entwicklung auf diesem Gebiet läuft seit mehr als zwei Jahren
auf Hochtouren. Wir haben seither mehr als eine Milliarde Dollar
jährlich allein für diesen Zweck ausgegeben.
Bevor ich mich nun einer Erörterung der Dinge zuwende, die dringend getan werden müssen, möchte ich Ihnen einige Beispiele dafür
geben, was in den letzten Jahren seitens unserer Streitkräfte, unserer Wissenschaftler und unserer Techniker geleistet worden ist,
um die modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Entdeckungen
in den Dienst unserer Verteidigung zu stellen.
Im Rahmen der Vielfalt unserer Raketen haben wir Waffen für
jede Entfernung, jede Art des Abschusses und der Verwendung entwickelt. Wir haben gegenwärtig 38 verschiedene Typen, die entweder
fertiggestellt oder in der Entwicklung sind.
Alle Kriegsschiffe unserer Marine, die seit 1955 gebaut wurden,
verfügen anstelle der Geschütze - oder zusätzlich zu den Geschützen über ferngelenkte Geschosse. Unsere Marine hat in beiden Ozeanen Unterseeboote, die auftauchen, in wenigen Minuten eine Rakete mit
einem Atomsprengkopf abschießen und sofort wieder untertauchen können,
während die Rakete zu einem Hunderte von Meilen entfernten Ziel gesteuert wird.
Unsere

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Unsere Marine besitzt Atomwasserbomben. Seit dem Krieg in Korea
sind die Flugabwehrgeschütze der Armee und der Marine weitgehend durch
Boden-Lufti-Raketen ersetzt worden. Alle neuen Zerstörerflugzeuge sind
mit Luftkampfraketen ausgerüstet.
Viele der traditionellen Funktionen der Artillerie und der
Beobachtungsflugzeuge sind auf lenkbare Raketen übertragen worden.
So haben wir beispielsweise in den verschiedenen Entfernungsbereichen
Hunderte von Raketen vom Typ Matador, Honest John und Corporal fertiggestellt. Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was dies in bezug
auf die Explosivkraft bedeutet: Allein vier mit Raketen vom Typ Corporal ausgerüstete Bataillone entsprechen in der Feuerkraft der gesamten Artillerie, die im zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde.
Einige dieser Raketen haben einen eingebauten Mechanismus, mit
dessen Hilfe sie ein viele Meilen entferntes Ziel selbst ansteuern und
zerstören. So hat erst vor einigen Tagen eine' Rakete vom Typ Bomarc
von sich aus in 45 Meilen (60 Kilometer) Entfernung über dem Meer ein
schnellfliegendes unbemanntes Flugzeug angesteuert und voll getroffen.
Mit Ausnahme einer immer kleiner werdenden Zahl von B-36 gibt
es in den Kampfverbänden unserer Luftstreitkräfte kaum ein Flugzeug,
das noch aus den Jahren des Korea-Konflikts stammt. Der B-52-Düsenbomber mit seinen zugehörigen Düsentankern bildet den Standardtyp
unseres strategischen Luftkommandos, Und um Ihnen wieder zu zeigen,
was dies bedeutet: Eine B-52 kann so viel an Vernichtungsstärke mit
sichf'ihren wie alle Bombenflugzeuge in all den Jahren des zweiten
Weltkrieges zusammengenommen. Aber die B-52 wiederum wird durch die
B-58, einen mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Bomber, ersetzt
werden.
Es sind Atom-U-Boote entwickelt worden. Eines von ihnen fuhr
fast 16 Tage unter Wasser, ohne ein einziges Mal aufzutauchen! ein
anderes kreuzte fünf Tage lang unter der Polareisdecke.
Wir verfügen über eine Anzahl großer Flugzeugträger, die mit
den gewaltigsten Atomwaffen sowie mit Bombern von großer Reichweite,
die diese Atomwaffen zum Einsatz bringen, ausgerüstet sind. Mit dem
Bau eines atomkraftgetriebenen Flugzeugträgers ist begonnen worden.
Seit 1956 haben wir Kernwaffen mit einem radioaktiven Ausfall
entwickelt, der weniger als vier Prozent des Ausfalls früherer großer
Waffen beträgt. Dies ist von offensichtlicher Bedeutung für die Entwicklung atomarer Verteidigungswaffen, die über unserem eigenen Gebiet eingesetzt werden können.
Zahlenmäßig ist unser Vorrat an Kernwaffen so groß und so
rasch zunehmend, daß wir sie ohne Gefährdung unserer Sicherheit auf
Orte verteilen können, die die Gewähr bieten, daß sie im Falle eines
Angriffs sofort zur Verfügung stehen, und dabei können wir noch
starke Reserven halten. Unsere Wissenschaftler haben mir versichert,
daß wir auf dem Gebiet der Kernwaffen den Sowjets sowohl in Quantität

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Quantität als auch in Qualität durchaus überlegen sind. Wir beabsichtigen, diesen Vorsprung zu halten.
Wir haben bereits gezeigt, daß wir eine ballistische Rakete sehr
wohl tausend Meilen schießen können, und zwar mit der für eine wirklich
brauchbare militärische "/äffe erforderlichen Präzision. Unsere ballistischen Versuchsraketen haben erfolgreiche Flüge über Entfernungen
bis zu 3500 Meilen (56QO Kilometer) zurückgelegt. '.Vir brauchen eine
interkontinentale Rakete, und wir haben einige dieser Art, die sich in
einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung befinden. Da wir jedoch über viele vorgeschobene Positionen verfügen, ist für uns eine
Rakete von mittlerer Reichweite für manche Zwecke ebenso gut wie eine
Interkontinentalrakete.
Ein anderer Raketentyp, der sich noch innerhalb der Atmosphäre
biegende Snark, wurde vor kurzem über eine Entfernung von 5000 Heilen (8000 Kilometer) gesteuert und genau ins Ziel gelenkt.
Wir haben drei Raketen bis in eine Höhe zwischen 2000 und 4000
Meilen (3200 und 64OO Kilometer) geschickt und dadurch sehr wertvolle
Informationen über den Weltraum erhalten.
Ein großes Hindernis bei der Herstellung von brauchbaren Fernwaffen ist das Problem, eine Rakete aus dem Weltraum zurückzubringen,
ohne daß sie auf Grund der Reibung mit der Erdatmosphäre wie ein Meteor
verbrennt.
Unsere Wissenschaftler und Techniker haben das Problem gelöst.
Dieser Gegenstand hier in meinem Büro ist eine Versuchsrakete - die
Spitze dieser Rakete. Sie war Hunderte von Meilen im Weltraum und
kam zurück. Hier ist sie, völlig unversehrt.
Ich habe Ihnen diese Erläuterungen - es sind natürlich nur
einige wenige Beispiele für die Leistungen und Erfolge unserer Wissenschaftler - nur gegeben, um aufzuzeigen, daß unsere Stärke nicht
statisch ist, sondern sich im Zuge der technischen Verbesserungen
ständig weiterentwickelt.
Die ballistischen Fernwaffen, wie sie heute vorhanden sind,
heben die Zerstörungs- und Abschreckungskraft unserer strategischen
Luftwaffe nicht auf.
Der Start der sowjetischen Erdsatelliten ist eine Leistung von
größter Bedeutung, und die Wissenschaftler, die sie zustandegebracht
haben, verdienen volle Anerkennung und Würdigung. Schon jetzt sind neue
Erkenntnisse über den Weltraum gesammelt worden und weitere werden
folgen, wenn neue Satelliten mit zusätzlichen Instrumenten aufgelassen
werden.
Die

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Die Erdsatelliten selbst haben zur Zeit keine direkte Auswirkung auf die Sicherheit der Nation. Die Auflassung dieser Erdsatelliten ist' jedoch militärisch gesehen wirklich von Bedeutung, worauf ich
bereits früher öffentlich hingewiesen habe. Ihre gegenwärtige militärische Bedeutung liegt in den fortgeschrittenen Techniken sowie dem
hohen Stand der militärischen Technologie, den sie voraussetzen und der
zum Beispiel durch die gewaltigen Antriebseinrichtungen, die bei der
Auflassung notwendigerweise benutzt werden, unter Beweis gestellt
wird.
Die Sowjets konzentrieren sich auch weiterhin in der Hauptsache
auf die Entwicklung von für Kriege bestimmte Waffen und die hierfür
benötigten Industrien. Dies wie auch ihre politische Haltung in allen
internationalen Fragen dient uns als Warnung, daß die expansionistischen Ziele der Sowjets sich nicht geändert haben. Die Welt hat die
sowjetischen militärischen Invasionen in Ländern wie Finnland und
Polen, ihre Unterstützung des Krieges in Korea oder ihre Gewaltanwendung -bei der brutalen Unterdrückung der ungarischen Freiheit nicht
vergessen.
Eine ständige Wachsamkeit und eine verstärkte militärische Macht
der freien Welt, die sich auf unsere zusammengefaßte wirtschaftliche
und geistige Stärke stützt, ist die einzige Antwort auf diese Drohung,
bis die sowjetischen Machthaber von sich aus aufhören, ihre Hilfsquellen für kriegerische und expansionistische Zwecke aufzubrauchen,
und sie statt dessen zum Segen und für das Wohlergehen ihrer eigenen
Völker einsetzen.
Wir räumen ohne weiteres ein, daß die Sowjets Machtmittel aufbauen, die uns - würden wir angegriffen - ernsthaften Schaden zufügen
könnten, weil es wahrscheinlich heute kein Verteidigungssystem gibt,
das so hermetisch abgesichert ist, daß alle Ein- und Durchbrüche
von Flugzeugen und Waffen verhindert werden können.
Um unseren Schutz dagegen zu verstärken, haben wir zusammen mit
Kanada seit vielen Jahren ein kontinentales Verteidigungssystem aufgebaut, das weit vom Pazifik über.den nördlichen Teil unseres Kontinents bis zum Atlantik reicht. Dies ist ein umfassendes System mit
frühzeitigen Radar-Warnungen, Nachrichtenverbindungen, elektronischen
Rechenanlagen, Flugzeugen mit Überschallgeschwindigkeit und BodenLuft-Raketen, einige davon mit Atomsprengköpfen. Dieses System sowie
die in seinem Rahmen verwendeten Ausrüstungen werden ständig verbessert} der Nachdruck, mit dem wir an diesen Verbesserungen arbeiten,
muß verstärkt werden.
Über die Streitkräfte für Vergeltung und Heimatverteidigung
hinaus unterhalten wir und unsere Verbündeten starke Land- und Seestreitkräfte in strategisch wichtigen Gebieten der Welt. Auf der
Stärke und der Einsatzbereitschaft all dieser militärischen Kräfte der Vergeltungs-, Verteidigungs- und lokalen Kräfte -, die zweckmäßig verteilt und ausgerüstet sind, beruht die eigentliche Abschrekkungswirkung, um den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Diese

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Diese Tatsache läßt allen von uns die ungeheure Bedeutung unserer
Verbündeten für unser Land (die USA) klar werden. Sie unterhalten
nicht nur große militärische Streitkräfte als Teil unserer gemeinsamen Sicherheit, sondern sie stellen auch entscheidend wichtige
Stützpunkte und Gebiete zur Verfügung, die die wirksame Gruppierung
aller unserer Verteidigungsstreitkräfte ermöglichen.
Es ist meine feste, durch vertrauenswürdige wissenschaftliche
und militärische Berater untermauerte Überzeugung, daß - mögen die
Sowjets aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf einigen Gebieten der
Raketenforschung und sonstigen Spezialgebieten weiter und bei der
Entwicklung von Satelliten offensichtlich im Vorsprung sein - die gesamte militärische Stärke der freien Welt heute entschieden größer
ist als die der kommunistischen Länder.
Wir müssen darauf bedacht sein, daß die Vorteile, die sie auch
immer haben mögen, nur zeitweilige Vorteile sein werden.
Die nächste Frage ist: -Wie steht es mit der Zukunft?
Ich muß Ihnen mit allem Ernst sagen, daß es trotz unserer gegenwärtigen Gesamtstärke sowie des mitreißenden Schwungs unserer Verteidigung durchaus möglich ist, daß wir in den kommenden Jahren zurückfallen könnten. Ich wiederhole: Wir könnten zurückfallen - sofern wir
nicht jetzt bestimmte zwingende Erfordernisse erkennen und ihnen sofort entsprechen.
Ich greife dieses Problem auf, da ich weiß, daß es für jeden
einzelnen Amerikaner über allen etwaigen Gegensätzen, gleichgültig
welcher Art, steht. Es erinnert uns erneut daran, daß wir nicht irgendeiner Partei zugehören, sondern daß wir Amerikaner sind} Wir
werden uns als Amerikaner fest zusammenschließen und mit der Arbeit
fortfahren, die getan werden muß.
Wie meine wissenschaftlichen Freunde berichten, besteht eineunserer größten und augenfälligsten Unzulänglichkeiten darin, daß
es uns in diesem Lande nicht gelungen ist, der wissenschaftlichen
Ausbildung sowie dem.Platz, den die Wissenschaften in unserem nationalen Leben einnehmen, genügend Vorrang einzuräumen.
Diese Wissenschaftler nehmen selbstverständlich zu Recht an,
daß wir weiterhin die modernsten Waffen in ausreichender Zahl so
rasch erwerben werden wie sie hergestellt sind. Diese ihre Überzeugung läßt jedoch eine große Gefahr für die Zukunft erkennen, die
durch keinen Betrag an Geld oder Beitrag an Hilfsmitteln und Materialien, die heute darauf verwendet werden, gebannt werden kann. Die
wissenschaftliche Ausbildung erfordert Zeit, Initiative und fähige
Lehrer.
Sie sind der Überzeugung, daß ein zweites kritisches Problem in
der Notwendigkeit liegt, der Grundlagenforschung sowohl vo*' öffentlicher als auch privater Seite stärkeren Vorrang zu geben. Was diese

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diese Erfordernisse auf lange Sicht anbetrifft, so werde ich in der
kommenden Woche einiges zu sagen haben.
Heute abend möchte ich zwei andere Probleme behandeln, bei denen
sofortige Maßnahmen möglich sind.
Das erste ist das tragische Versäumnis, die großen Vorteile
sicherzustellen, die sich aus einem gegenseitigen Austausch der
zweckmäßigen wissenschaftlichen Informationen und einer Vereinigung
der Anstrengungen zwischen befreundeten Nationen ergeben würden.
Die meisten großen wissenschaftlichen Fortschritte der Welt
waren das Ergebnis eines freien internationalen Gedankenaustausches.
Es gibt wohl kaum ein Land, das nicht irgendeinen bedeutenden Beitrag
zur modernen Wissenschaft geleistet hat. In diesem Zusammenhang muß
man sofort an den Beitrag Großbritanniens auf dem Gebiet des Düsenantriebs, des Radar und der infraroten Strahlen, an den Beitrag Deutschlands auf dem Gebiet des Raketenwesens, der Röntgenstrahlen und der
Sulfonamide, an den Beitrag Italiens auf dem Gebiet der drahtlosen
Telegraphie, Frankreichs auf dem Gebiet der Radioaktivität und Japans
auf dem Gebiet des Magnetismus denken.
Durch die Koordinierung der wissenschaftlichen Bemühungen können
wir in der freien Welt einander eine Menge geben und eine Menge für
unsere Sicherheit gewinnen. Warum sollten wir unseren Freunden Informationen verweigern, von denen wir genau wissen, daß sie die Sowjets
schon haben - Informationen, die unsere Freunde zum Zwecke unserer
gemeinsamen Sicherheit verwerten könnten?
Warum sollten wir - nur weil es an dem möglichst umfassenden
gegenseitigen Austausch mangelt - amerikanische Forschungsgelder und
unser Können damit vergeuden, daß wir mit Problemen ringen, die von
unseren Freunden bereits gelöst worden sind?
Hier ist ein Weg, auf dem wir - ohne daß Kosten entstehen in dramatischer und schneller Weise die der freien Welt zur Verfügung
stehenden wissenschaftlichen Möglichkeiten wesentlich vergrößern
können.
Das zweite unmittelbare Erfordernis ist eine größere Konzentrierung innerhalb der Regierung auf Bemühungen und verbesserte Vorkehrungen
auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Technik und des Raketenwesens wozu auch eine kontinuierliche, möglichst enge Zusammenarbeit zwischen
der Exekutive und der Legislative gehört.
Was die realen Schritte anbetrifft, so kann ich Ihnen heute
abend das Folgende berichten.
Die erste meiner Maßnahmen bestand darin, sicherzustellen, daß
die wirklich besten Ideen und Anregungen, die die Gemeinschaft der
Wissenschaftler geben kann und die mir bisher rein informatorisch zugeleitet wurden, nunmehr voll erfaßt und auf einen Nenner gebracht

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gebracht werden, so daß keine Lücke mehr entstehen kann. Diese Maßnahme
soll es mir persönlich ermöglichen, wenn immer sich irgendwelche unnötigen Verzögerungen in unseren Entwicklungsarbeiten ergeben sollten,
schnell und entscheidend einzugreifen.
Zu diesem Zweck habe ich das Amt eines Sonderbeauftragten des Präsidenten für Wissenschaft und Technik geschaffen. Dieser Mann, dem ein
Stab von Wissenschaftlern und eine zahlenmäßig starke Beratergruppe hervorragender Experten zur Seite stehen wird, die ihm und mir berichten,
wird die aktive Verantwortung dafür tragen, mich bei der zügigen Durchführung des Programmes, das ich zum Teil heute abend und in der kommenden Woche umreißen werde, zu unterstützen.
Ich bin erfreut, Ihnen mitteilen zu können, daß der Präsident des
Technologischen Instituts von Massachusetts, Dr. James R. Killian,
diesen Posten angenommen hat. Er ist ein Mann, der mein Vertrauen und
das seiner Kollegen auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik und
im Regierungsdienst genießt.
Es ist meine Absicht, durch ihn sicherstellen zu lassen, daß das
gesamte Programm in enger Zusammenarbeit durchgeführt und nicht geduldet wird, daß solche Dinge wie angebliche Rivalität unter den Waffengattungen oder unnütze Überstundenarbeit auch nur den Verdacht einer
Schädigung unserer Forschungs- und Entwicklungsprogramme entstehen
lassen. Darüber hinaus wird Dr. Killian dafür sorgen, daß diejenigen
Projekte, die die Fachleute für die vielversprechendsten erachten, mit
größtmöglicher Schnelligkeit vorangetrieben werden. Er wird sicherstellen,daß für bestimmte Projekte der höchsten Dringlichkeits- und
Geheimhaltungsstufe, die ich, wie Sie verstehen, aus Sicherheitsgründen nicht aufzählen kann, unsere fähigsten Köpfe und alle notwendigen
Hilfsquellen zur Verfügung stehen.
Wenn ich nunmehr von Dr. Killian die Lösung dieser Aufgabe erwarte,
so rechne ich damit, daß er hierzu das volle Können der Wissenschaftler und Techniker unseres Landes heranzieht.
Zweitens wird im Verteidigungsministerium ein Beamter, der dem
Verteidigungsminister direkt verantwortlich ist, für die Raketenentwicklung zuständig sein. Ich habe den Verteidigungsminister angewiesen,
sicherzustellen, daß der Leiter des Fernlenkwaffenprogramms mit all den
Vollmachten ausgestattet wird, die der Verteidigungsminister selbst
auf diesem Gebiet besitzt, so daß keine administrativen oder innerdienstlichen Hindernisse auftreten können. Dr. Killian wird natürlich
eng mit diesem Beamten zusammenarbeiten.
Drittens sind der Verteidigungsminister und ich übereingekommen,
daß jedes neue Raketen- oder hiermit zusammenhängende Programm, das
später in Angriff genommen wird, wenn immer möglich einem einzigen
Leiter unterstellt und ohne Rücksicht auf die einzelnen Waffengattungen
verwaltet wird.
Viertens

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Viertens wird dem Kongreß ein Gesetzesvorschlag unterbreitet
werden, um die gesetzlichen Hindernisse für einen Austausch geeigneter technischer Informationen mit befreundeten Ländern zu beseitigen.
Fünftens: Falls die erforderliche Vollmacht erteilt wird, werde
ich auf der Linie des mit Premierminister Macmillan erreichten Übereinkommens ein wissenschaftliches Komitee unterstützen, das innerhalb
der NATO gebildet wird und mit weitgesteckten Forschungsaufgaben im
Rahmen der atlantischen Gemeinschaft betraut werden soll. Ähnliche
Maßnahmen in bezug auf die SEATO und andere vergleichbare Organisationen
werden geprüft, und um die Durchführung dieser-gemeinsamen Anstrengungen
zu erleichtern, wird der Außenminister einen eigenen wissenschaftlichen
Berater sowie an geeigneten Orten im Ausland Wissenschaftsatt*ches ernennen.
Wo immer sich bei diesen Maßnahmen zusätzliche legale Vollmachten
als notwendig erweisen, wird der Kongreß zu Beginn seiner nächsten
Sitzungsperiode darum ersucht werden. Ich werde diese Fragen auf der
bevorstehenden überparteilichen Konferenz mit den führenden Kongreßvertretern erörtern. Ich werde sie ersuchen, jeden nur möglichen Schritt
in Erwägung zu ziehen, um die erforderlichen legislativen Maßnahmen zu
beschleunigen.
Dies, meine Freunde, sind die vordringlichsten Schritte, die auf
den für die Sicherheit wichtigen wissenschaftlichen Gebieten ergriffen
werden.
Selbst in zwei Reden kann ich unmöglich das gesamte Thema der
Verteidigung erschöpfend behandeln, sondern nur einzelne dringende
Fragen, die gegenwärtig von Bedeutung sind. Deshalb kann ich dieses
Mal eine Reihe von entscheidend wichtigen Punkten, die von großer Bedeutung für die Verteidigung sind, wie die Auslandshilfe und die Zivilverteidigung, nicht einmal streifen. Ebenso habe ich mich nicht zu der
dringenden Notwendigkeit geäußert, das strategische Luftkommando räumlich stärker aufzugliedern oder alle Mittel bereitzustellen, die die
Flugzeuge in die Lage versetzen, nach Eingang einer Warnung in kürzester Zeit zu starten.
Bei diesem gesamten Bemühen ist es wichtig, darauf zu achten, daß
nichts für unwichtige Zwecke verschwendet wird. Die Verteidigung ist
heute kostspielig und wird es immer mehr sein. Wir können uns keine
Verschwendung leisten.
Es hieße an den Dingen vorbeireden, wenn wir sagen würden, wir
müssen jetzt unsere Ausgaben für alle Arten militärischer Güter und
Verteidigungsprojekte erhöhen - also zum Beispiel den kürzlich erhobenen Forderungen nach einer Aufhebung aller Reduzierungen der Mannschaftsstärke der Streitkräfte nachgeben.
Ohne Frage müssen wir uns der Dringlichkeit der Sache bewußt
sein. Dies heißt jedoch nicht, daß wir uns auf das Schlachtroß schwingen
und versuchen sollten, gleichzeitig nach allen Richtungen davon zu
galoppieren»
V/i r

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8. November 1957

Wir müssen die Erfordernisse, denen es gerecht zu werden gilt,
nach Ausmaß und Dringlichkeit klar bestimmen. Und dann müssen wir unsere Hilfsquellen auf dieses Ziel in dem Maße konzentrieren, wie es den
Erfordernissen entspricht. Dies bedingt sorgfältiges Abwägen bei der
Verteilung unserer nationalen Ausgaben. Wir können nicht in unbegrenztem Ausmaß gleichzeitig das haben, was wir haben müssen und das, was
wir gerne haben möchten.
Wir können sowohl über eine gesunde Verteidigung als auch über eine
gesunde Wirtschaft, auf die die Verteidigung sich stützt, verfügen, wenn
wir die Vorranggebiete festlegen, wenn wir uns unbedingt daran halten
und wenn jeder von uns bereit ist, seinen Teil der Bürde zu tragen.
Zusammenfassend möchte ich sagen: Obwohl ich heute abend bewußt
den Einfluß der Wissenschaften auf die Verteidigung herausstelle, so
vergesse ich doch nicht, daß die Wissenschaft noch weit mehr Aufgaben
als nur die Stärkung unserer Verteidigung hat und
unsere Verteidigung in noch viel mehr besteht als lediglich in dem Teil,
den die Wissenschaft ausmacht. Die friedlichen Beiträge der Wissenschaft
zum Beispiel für die Medizin, die Bereicherung des Lebens, die Freiheit
des Geistes sind die wichtigsten Ergebnisse bei der Erschließung der
Geheimnisse der Natur. Und die geistigen Kräfte einer Nation - der
ihnen zugrundeliegende religiöse Glaube, ihr Selbstvertrauen, ihre Fähigkeit, verständnisvoll Opfer zu bringen - sind die wichtigsten Bausteine
einer jeden Verteidigungsstruktur.
Vor allem aber lassen Sie mich allen, die dies hören, sagen, daß
soweit es uns anbetrifft, die Massierung militärischer Stärke niemals
zu irgendeinem anderen Zweck als für die Verteidigung und die Erhaltung
eines gerechten Friedens bestimmt war und auch niemals sein wird.
Was die Welt heute noch mehr braucht als einen gigantischen Sprung
in den Weltraum, ist ein gigantischer Schritt zum Frieden hin. Immer
und immer wieder haben wir unsere Bereitschaft demonstriert, einen solchen Schritt zu tun. Als einen Beginn in dieser Richtung fordere ich
die Sowjets jetzt auf, sich den.praktischen und durchführbaren Abrüstungsvorschlägen anzuschließen, die gestern von einer großen Mehrheit der
Vereinten Nationen gebilligt wurden.
Wir werden niemals aufhören, auf den Anbruch des Tages zu hoffen
und hinzuarbeiten, an dem ein dauerhafter Friede diese militärischen
Lasten von den Schuitern der Menschheit nehmen wird und an dem der
Wissenschaftler sein Hauptaugenmerk nicht auf die Zerstörung des
Menschen zu richten braucht, sondern auf das Glück und die Erfüllung
des Menschen lenken kann."

* * * * *

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D I E N S T

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DIE AUSWIRKUNGEN ATOMARER STRAHLUNG

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
V/ortlaut der Erklärung, die Botschafter James J. Wadsworth,
der stellvertretende Leiter der amerikanischen Delegation
bei den Vereinten Nationen, am 7« November 1957 vor dem
Politischen Ausschuß der UN abgegeben hat.

Die Auswirkungen atomarer Strahlung auf den Menschen und seine
Umwelt beschäftigen seit langem die Vereinigten Staaten, ebenso wie
andere Nationen. Wir begrüßen daher die Gelegenheit, diese Frage in
den Vereinten Nationen zu erörtern.
Jede Diskussion sollte willkommen sein, falls sie dazu beiträgt,
die Menschheit über die Gegebenheiten des Atomzeitalters aufzuklären,
und es ihr ermöglicht, diesem V/issen entsprechend zu handeln. Wir sind
der Meinung, daß diese Diskussion diesem Zweck dienlich sein kann.
Zunächst einmal ist es erforderlich, einige der wichtigsten Schritte, die auf diesem Gebiet insbesondere von den Vereinten Nationen unternommen wurden, zu überprüfen. Das am 26. August von der tschechoslowakischen Delegation unterbreitete Memorandum enthält eine Erklärung, die
besagt, daß "die Organisation der Vereinten Nationen angesichts der
fortgesetzten und wachsenden Gefahr radioaktiver Strahlung nicht untätig bleiben kann." Diese Bemerkung ist ziemlich verwirrend, da die
Vereinten Nationen schon seit zwei Jahren in zweckdienlicher und konstruktiver Weise Maßnahmen in dieser Angelegenheit unternehmen und die
Vereinigten Staaten energisch daran mitarbeiten.
I.

Der Strahlenausschuß der Vereinten Nationen

Der Politische Ausschuß wird sich erinnern, daß die Vollversammlung im Jahre 1955» i'n Verlauf der zehnten Sitzungsperiode, einen
Wissenschaftlichen Ausschuß zur Frage der Auswirkungen von atomarer
Strahlung schuf. Es dürfte angebracht sein, wenn ich hier kurz auf
die Geschichte dieses Komitees eingehe.
Am

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�"AMERIKA DIENST"

1J. November 1957

Am 22. Juni 1955 gaben die Vereinigten Staaten bekannt, daß sie die
Absicht hätten, auf der nächsten Sitzung der UN-Vollversammlung die
Sammlung aller in der Welt bekannten Einzeldaten über die Auswirkungen
atomarer Strahlung auf die menschliche Gesundheit durch die Vereinten
Nationen vorzuschlagen. Als wir diesen Vorschlag unterbreiteten, wiesen wir darauf hin, daß in verschiedenen Ländern, auch in den Vereinigten Staaten, bereits viele Unterlagen zu diesem Thema vorhanden seien,
und daß durch die Zusammenfassung dieser Unterlagen an einem Ort die
Vereinten Nationen auf konstruktive Weise auf eine Sorge reagieren
würden, die in bezug auf dieses Problem in der Welt weitverbreitet war.
Als die Frage in die.em Ausschuß zur Debatte stand, unterbreiteten
die Vereinigten Staaten zusammen mit Australien, Dänemark, Großbritannien, Island, Kanada, Norwegen und Schweden einen Entschließungsentwurf
über die Schaffung eines wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten
Nationen zu dieser Angelegenheit. Diese Resolution wurde eine Woche
lang erörtert und erfuhr noch verschiedentliche Abänderungen und Verbesserungen, in denen die intensiven Beratungen, die die Befürworter
untereinander und mit vi«len anderen Delegationen, insbesondere mit
Indien,gepflogen hatten^ zum Ausdruck kamen. Die Billigung der Resolution sowohl in diesem Ausschuß als in der Vollversammlung erfolgte
einstimmig. Es ist ungewöhnlich, daß über eine Frage von solcher Bedeutung einstimmig beschlossen wird.
Der Strahlenausschuß ist jetzt zwei Jahre alt. Er besteht aus Wissenschaftlern von 15 Ländern - Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien- Frankreich, Großbritannien, Indien, Japan, Kanada,
Mexiko, Schweden, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Vereinigte Staaten.
Die dem Ausschuß übertragene Aufgabe ist die Sammlung, Prüfung,
Auswertung und Veröffentlichung der Berichte von Regierungen über beobachtete Pegel ionisierender Strahlen und über die Auswirkungen dieser Strahlung auf den Menschen und seine Umwelt. Bis zum 1. Juli 1958» also in
weniger als sieben Monaten, soll er seinen ersten umfassenden Bericht
der Vollversammlung vorlegen. In Anbetracht der großen Schwierigkeit
dieser Aufgabe und der Notwendigkeit, große Mengen neuer wissenschaftlicher Informationen zu sammeln und zu analysieren, konnte die Vollversammlung von dem Komitee kaum verlangen, zu einem früheren als dem genannten Zeitpunkt einen sinnvollen Aufschluß gebenden Bericht vorzulegen.
Dieses Projekt wird seit nunmehr zwei Jahren mit fachmännischer Genauigkeit ausgeführt. Das Komitee hat von den Regierungen der Mitgliedstaaten und den Sonderorganisationen zahlreiche Berichte erhalten. Für
die verschiedenen Bereiche der ihm übertragenen Aufgabe hat es besondere Arbeitsgruppen von Spezialisten gebildet. Der Ausschuß selbst hielt
drei Sitzungen ab - im März 1956, im Oktober/November 1956 und im April
^1957« Die Ausarbeitung des Berichts an die Vollversammlung, den es zum
1. Juli nächsten Jahres vorleg-en soll, macht gute Fortschritte. Es seien
hier nur einige hervorstechende Tatsachen über die bis jetzt geleistete
Arbeit angeführt:

1t
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"AMERIKA DIENST"

1 . Der Ausschuß konnte sich der Mitarbeit vieler Mitgliedstaaten
und drei der Sonderorganisationen versichern, und zwar der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, des Internationalen Arbeitsamtes und des V/eltwetterdienstes. Im Verein mit der wissenschaftlichen
Autorität der dem Ausschuß angehörenden Fachleute stellt dies eine echte
Mobilisierung der internationalen wissenschaftlichen Kräfte dar.
2. Die vom Ausschuß erörterten Themen umfassen einen sehr weiten
Bereich - es werden unter anderem die Auswirkungen von Strahlung sowohl
auf das Individuum als auch auf die Vererbung, die Pegel der natürlichen
Umweltstrahlung, die Stärke der Einwirkung von Strahlung durch ihre
industrielle Verwertung, die Verseuchung der Umwelt durch künstlich erzeugte Radioaktivität, einschließlich der Kernwaffenversuche und der
radioaktiven Industrieabfälle, sowie die Verantwortung der Ärzte in
der Verwendung von Röntgenstrahlen behandelt.
3. Als ein Charakteristikum seiner Arbeit hat der Ausschuß dazu
beigetragen, daß ein erweitertes, weltumfassendes Programm zur Sammlung
und Analysierung von Proben radioaktiven Ausfalls in der Erdatmosphäre
gestartet worden ist. Im Rahmen dieses Programms haben 13 Länder insgesamt 41 neue Beobachtungsstationen eingerichtet, die Proben von Staubpartikeln aus der Luft sammeln. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist nunmehr eine regelmäßige Probenentnahme zur Überwachung von Ausfallprodukten überall auf der Erde.
Herr Vorsitzender, dies also sind einige der wichtigsten Leistungen
des Ausschusses. Sie zeigen, wie umfassend diese Arbeit ist und mit welchem Ernst der Ausschuß an sie herangegangen ist. Es handelt sich hier
um eine internationale wissenschaftliche Großtat im Sinne bester wissenschaftlicher Tradition, und die Vereinigten Staaten sind stolz darauf,
an ihr beteiligt zu sein.
II.

Der Beitrag der Vereinigten Staaten

Lassen Sie mich nun kurz auf den Beitrag zu sprechen kommen, den
die Vereinigten Staaten zu diesen Bestrebungen geleistet haben.
Allem voran haben wir dem Ausschuß über 30 Berichte unterbreitet und sie auch der gesamten Welt zugängig gemacht -, die größtenteils
Zusammenfassungen von detaillierten Berichten über die Forschungsergebnisse unserer eigenen Wissenschaftler darstellen. Der erste dieser Berichte war eine eingehende Untersuchung mit dem Titel "Die biologischen Auswirkungen atomarer Strahlung", den die Amerikanische Akademie der Wissenschaften ausgearbeitet hatte. Die übrigen Berichte
behandeln Themen wie radioaktiven Ausfall, natürliche Umweltstrahlung,
genetische Auswirkungen von Strahlung, Strahlungsgefahren bei verschiedenen Berufsgruppen und die Beseitigung von radioaktiven Abfallstoffen
durch Versenkung im Meer. Einer unserer jüngsten Beiträge stützt sich
auf Material des Gemeinsamen Atomenergie-Ausschusses des amerikanischen
Senats und Repräsentantenhauses, das er im Verlauf von Informationssitzungen in diesem Jahr gesammelt hatte. Mehr als 50 hervorragende

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hervorragende Wissenschaftler und Sachverständige hatten in den öffentlichen Informationssitzungen dieses Ausschusses ausgesagt. Das Ergebnis
ist wahrscheinlich die umfassendste Sammlung von Informationen über
radioaktiven Ausfall, die bisher in einem einzigen Dokument enthalten
ist. Alle diese Informationen wurden dem Wissenschaftlichen Ausschuß
übergeben.
Eine zweite Form der Mitarbeit, mit der die Vereinigten Staaten
dieses Unternehmen der Vereinten Nationen unterstützen, steht im Zusammenhang mit der laufenden Überwachung der künstlichen Radioaktivität
der Atmosphäre. Auf der ersten Tagung des Wissenschaftlichen Ausschusses im März 1956 richteten wir über den Generalsekretär an die Mitgliedstaaten das Angebot einer technischen Hilfeleistung in der Form,
ihnen bei der Errichtung von Probensammelstellen und der Ausarbeitung
von Analysenmethoden für die gesammelten Proben behilflich,zu sein.
Wir boten ferner die Benutzung der Einrichtungen amerikanischer Laboratorien für die Untersuchung der in anderen Ländern gesammelten
Proben an.
Seitdem haben verschiedene Staaten amerikanische Hilfe für derartige Zwecke beantragt und auch erhalten. Wir haben bereits auf die 41
Beobachtungsstationen verwiesen, die jene Länder als Ergebnis der
Arbeit des Ausschusses errichtet haben. Viele dieser Stationen haben
die benötigten Materialien und Ausrüstungen aus den Vereinigten Staaten erhalten. Mehrere Länder, die ihre Proben selbst untersuchen, senden oftmals zusätzlich Duplikate der täglich entnommenen Proben zum
Zwecke der Analysierung durch unsere Fachleute nach den Vereinigten
Staaten. Diese Methode gewährleistet eine Kontrolle der Richtigkeit
der ermittelten Ergebnisse. Auf ein Ersuchen des Wissenschaftlichen
Ausschusses haben die Vereinigten Staaten den Vereinten Nationen Standardproben von Strontium-90 für Vergleichsuntersuchungen zur Verwendung durch andere Länder zur Verfügung gestellt.
Herr Vorsitzender, in diesem Zusammenhang bekräftigen die Vereinigten Staaten erneut ihre Bereitschaft, alle Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen oder ihrer Sonderorganisationen bei der Sammlung
und Analyse von Staubproben aus der Luft zur Bestimmung ihres Radioaktivitätsgrades zu unterstützen.
Diese laufende Analysierung des radioaktiven Ausfalls sollte mit
größtem Nachdruck betrieben werden, Herr Vorsitzender, da sich dieser
Teil der Untersuchungen unmittelbar auf die Ausfallradioaktivität
bezieht, die von Kernwaffenversuchen herrührt, über die in der ganzen
Welt so eifrig debattiert wurde und die so viele Besorgnisse hervorgerufen hat. Unsere nachdrücklichen Bemühungen auf diesem höchstkomplizierten Forschungsgebiet und das nachhaltige Interesse des Wissenschaftlichen Ausschusses an ihm sollten der Welt klar zu erkennen
geben, daß wir uns dieser Besorgnisse in höchstem Maße bewußt sind
und nichts unversucht lassen, unser Wissen um die diesbezüglichen
Fakten auszuweiten, um so zu immer exakteren Folgerungen gelangen
zu können.
Gerade

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Gerade die Vereinigten Staaten haben in den letzten Jahren besonders eingehende Untersuchungen über radioaktiven Ausfall angestellt. Es gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben der US-Atomenergiekommission, dafür zu sorgen, daß durch die Verwendung yon nuklearen
Stoffen Gesundheit und Sicherheit der Allgemeinheit nicht gefährdet
werden. Daraus leitet sich die ebenso große Verantwortung ab, sicherzustellen, daß alle verfügbaren Informationen über die Atomenergie,
die von irgendwelcher Bedeutung für Gesundheit und Sicherheit sind,
der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Aus diesen Erwägungen heraus hat die amerikanische Atomenergiekommission seit 1953 ein Projekt gefördert, das in erster Linie auf
ein weltweites Studium gerade jener Fragen abzielt, die wir eben hier
erörtert haben; radioaktiver Ausfall und seine Auswirkungen auf den
Menschen und seine Umwelt. Im Rahmen dieses Projekts wurden in allen
Teilen der Welt insgesamt 120 Beobachtungsstationen eingerichtet mit
dem Ziel, Luftstaubproben zu sammeln und zu analysieren; diese Stationen haben ihre Arbeit inzwischen voll aufgenommen.
Ursprünglich beschränkte sich dieses Projekt der Vereinigten
Staaten auf das Studium von Strontium-90-Ausfall und dessen Auswirkungen. Es wurde jedoch erweitert und umfaßt nunmehr sämtliche Tätigkeitsbereiche der US-Atomenergiekommission, die in irgendwelchem
Zusammenhang mit dem Studium der Frage des radioaktiven Ausfalls
stehen. In Ergänzung der Arbeiten der Laboratorien der Atomenergiekommission sind mehr als 50 private Laboratorien vertraglich zur
Mitarbeit an diesen Aufgaben herangezogen worden.
Alle im Rahmen dieses Programms erarbeiteten Fakten und Zahlen
über radioaktive Ausfallprodukte sind veröffentlicht und dem Wissenschaftlichen Ausschuß der UN für radioaktive Strahlung unterbreitet
worden. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre hat die AEC elf detaillierte
und umfassende Berichte zum Thema des radioaktiven Ausfalls herausgegeben, die sich alle in Händen des wissenschaftlichen Ausschusses
befinden.
Herr Vorsitzender, diesem Bemühen der Wissenschaftler auf dem Gebiet der radioaktiven Strahlung liegt dasselbe Motiv zugrunde, aus
dem wir uns vor zwei Jahren veranlaßt sahen, die Schaffung eines wissenschaftlichen Ausschusses vorzuschlagen. Wir sind der Ansicht, daß,
sobald eine Gefahr auftritt, es weder richtig ist, sie zu ignorieren
und darauf zu hoffen, daß sie vorübergehe, noch zuzulassen, daß sie
aus kopfloser Furcht heraus übertrieben dargestellt wird. Richtig
ist es, vielmehr, die Fakten so klar als möglich herauszustellen und
zweckentsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Als der Wissenschaftliche Ausschuß im vergangenen Jahre zu seiner
ersten Sitzung zusammentrat, sprach UN-Generalsekretär Hammarskjöld
die Überzeugung aus, daß die Heranziehung konkreten wissenschaftlichen
Materials dazu beitragen werde, die Angelegenheit aus dem Bereich aufregender Sensationsmacherei herauszunehmen und sie fest auf den Boden

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Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse zu stellen, so daß dadurch unbesonnene Furcht in nüchterne Vorsicht verwandelt wird.
Bas Ziel unseres Ausschusses ist niemals besser formuliert worden.
III.

Strahlung und Kernwaffenversuche

Lassen Sie mich nun kurz zu den Ausführungen des tschechoslowakischen Vertreters Stellung nehmen. Mein erster Punkt betrifft die Kernwaffenversuche .
Allem, was der Vertreter der Tschechoslowakei hierzu gesagt hat es ist eine fast erschreckende Aneinanderreihung von Zitaten und wissenschaftlichen Baten -, mußte man entnehmen, daß die von Ausfallprodukten ausgehende radioaktive Strahlung eine unmittelbare Gefahr für
die Menschheit und die einzige schädliche Strahlungsquelle in der Welt
sei. Bas ist der Hauptpunkt des Erläuternden Memorandums, mit dem eine
Inskription dieses Punktes gefordert wird. Es ist der Leitgedanke
dessen, was die Antragsteller in ihren Erklärungen sowohl im Hauptausschuß und heute hier wieder zum Ausdruck gebracht haben, und es
geht auch aus dem eingebrachten Resolutionsentwurf klar hervor.
1

Es dürfte genügen festzustellen, daß dieses Thema als Punkt der
vorherigen Tagesordnung in diesem Ausschuß, nämlich im Rahmen der Abrüstung, hinreichend diskutiert worden ist, und daß der Ausschuß mit
einer überwältigenden Stimmenmehrheit die Ergreifung zweckmäßiger und
konstruktiver Maßnahmen für das 'Zustandekommen eines Abkommens über die
Einstellung von Kernwaffenversuchen empfohlen hat. Die Vereinigten
Staaten haben diese Empfehlung befürwortet und auch in diesem Sinne
abgestimmt. Wir haben im Rahmen der Bebatte unseren Standpunkt hinsichtlich dieser Frage klar dargelegt, und andere Belegationen, einschließlich die der Tschechoslowakei, taten dasselbe. Somit scheint doch wohl
die Frage, wie die Einstellung der Kernwaffenversuche sicher zu gewährleisten sei, in diesem Komitee bereits behandelt werden zu sein,und
mit einer sofortigen Neueröffnung der Bebatte unter einem neuen Programmpunkt dürfte nichts gewonnen werden.
Ba die Frage jedoch erneut gestellt worden ist, lassen Sie mich
unseren Standpunkt in fünf Punkten kurz zusammenfassen:
1) Bie Vereinigten Staaten müssen,um eine nicht nur den USA selbst,
sondern auch anderen Ländern dienende starke Verteidigungsmacht erstellen zu können, Kernwaffenversuche durchführen, zumal in einer Welt, von
der wir aus Erfahrung wissen, daß Schwäche die Aggression geradezu
herausfordert.
2) Wir wissen sehr wohl, daß Kernwaffenversuche eine gewisse
Verseuchung der Atmosphäre zur Folge haben, nicht nur unsere Tests, sondern
alle, auch die der Sowjetunion.

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3) Wir streben, weil die Welt sich darüber besorgt zeigt, eine
Einstellung dieser Versuche an. Und zwar eine Einstellung in der einzigen
nicht auf Kosten der Verteidigung der freien Welt gehenden Art und Weise nämlich als erste Phase eines allgemeinen Abrüstungsprogrammes.
4) Unsere zur Zeit in den USA laufenden Versuche gelten der Entwicklung von Kernwaffen mit geringerem radioaktivem Ausfall als es bei
den bisherigen der Fall war.
5) Schließlich und endlich stellen wir fest, daß Kernwaffentests
nur eine unbedeutende Quelle für ionisierende Strahlen darstellen, die
dem Menschen gefährlich sind.
Ich möchte bei diesem letzten Punkte noch etwas verweilen und folgende kurze Erklärung abgeben, die, obgleich in der Sprache des Laien
vorgetragen, mir von den hervorragendsten Experten als wissenschaftlich
korrekt bestätigt worden ist.
Seit undenklichen Zeiten sind die Menschen einer ziemlich gleichbleibenden Menge atomarer, für die Vererbung schädlicher Strahlung aus
der natürlichen Umwelt ausgesetzt - aus dem Weltenraum, der Erdrinde
und sogar aus dem eigenen Körper. Soweit Wissenschaftler es feststellen
konnten, war dies schon immer und ist auch jetzt eine wichtige Ursache
für erbliche körperliche Defekte. Schätzungen der nationalen Akademie
der Wissenschaften aus dem Jahre 195&amp; zufolge haben in den vorangegangenen fünf Jahren die in der ganzen Welt vorgenommenen Kernwaffenversuche den natürlichen Strahlungspegel für Amerikas Bevölkerung um weniger als 1/8, wahrscheinlicher aber um nicht mehr als 1/40 erhöht.
Durch die für medizinische Zwecke angewandten Röntgenstrahlen erhöhte
sich nach Schätzungen derselben Akademie die Strahlungseinwirkung um
zwei Drittel.
Es ist sogar fraglich, ob in den nächsten Jahren ein meßbares Absinken der für die Vererbung schädlichen radioaktiven Strahlung zu verzeichnen wäre, wenn alle Kernwaffenversuche auf der Welt bereits morgen
eingestellt würden. Die Kernwaffenversuche spielen heute in dem ständig
wechselnden Bild der radioaktiven Strahlung eine untergeordnete Rolle.
Die geringe Verminderung der radioaktiven Strahlung durch den Versuchsstop könnte zum Beispiel durch die weitverbreitete Anwendung der Röntgenstrahlen in der Medizin mehr als nur wettgemacht werden, wenn deren
Anwendung nicht sorgfältig kontrolliert wirdj das gleiche gälte für
eine unzulängliche Kontrolle bei der Verwendung von Strahlung durch
die Industrie.
Herr Vorsitzender, das ist ein wissenschaftlich fundierter Bericht
über die Situation im Hinblick auf die Kernwaffenversuche und die
menschliche Vererbung insoweit die Wissenschaft bisher in der Lage ist,
die wahren Zusammenhänge zu erkennen. Das gibt uns Veranlassung zu
einigsnh' Nachdenken. Man darf den Schluß ziehen, daß wir keinen Grund
zur Beunruhigung haben; daß wir das Problem vielmehr mit wissenschaftlicher
Methodik beobachten und studieren sollten, so daß wir uns bei allen Handlungen durch feststehende wissenschaftliche Erkenntnisse leiten lassen
können.
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Das ist die Auffassung der Regierung der Vereinigten Staaten in
bezug auf die Kernwaffenversuche, soweit sie mit dem vorliegenden Thema
in Zusammenhang steht.
IV.

Der nächste Schritt

Nun kommen wir zu der Frage, welche nächsten Schritte in Zusammenhang mit dem Problem der radioaktiven Strahlung zu tun sind. Wir haben
hier besonders den mit der tschechoslowakischen Resolution unterbreiteten Vorschlag im Auge, eine neue wissenschaftliche Konferenz über die
radioaktive Strahlung einzuberufen. Lassen Sie mich, Herr Vorsitzender,
zu Beginn sagen, daß die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit für
eine umfangreiche künftige Arbeit der Wissenschaftler zur Frage der
Strahlung voraussehen, wenn im nächsten Frühjahr der Bericht des Strahlenausschusses vorliegen wird.
Tatsächlich ist dieser Ausschuß auf Grund der Bestimmungen der
ursprünglichen Resolution, durch die er geschaffen wurde, verpflichtet,
in seinem Bericht von 1958 anzugeben, welche Forschungsprojekte auf
diesem Gebiet weiterverfolgt werden müssen. Als der Ausschuß gegründet
wurde, waren wir der Ansicht - und wir sind es heute noch -,daß der
gegebene Zeitpunkt, zu dem die Vollversammlung über weitere Maßnahmen
auf diesem Gebiet entscheiden soll, das Jahr 1958 ist, nachdem ihr der
zusammengefaßte Bericht des Ausschusses für radioaktive Strahlung vorgelegen und sie ihn studiert hat.
In der tschechoslowakischen Resolution wird die Versammlung aufgefordert, eine wissenschaftliche Konferenz mit der Begründung einzuberufen, daß diese Frage der radioaktiven Strahlungsgefahren - und ich
zitiere jetzt aus dem letzten Absatz der Präambel zu dieser Resolution - "die weitestgehende Untersuchung und die umfangreichste Sammlung
der Meinungen so vieler Wissenschaftler wie nur irgend möglich erfordert."
Wer behauptet, daß solch eine Notwendigkeit besteht, während sich
der Strahlenausschuß noch inmitten seiner Arbeit befindet, läßt den
ausgezeichneten Wissenschaftlern aus aller Welt, die zu der Arbeit des
Ausschusses beitragen, wohl kaum Gerechtigkeit widerfahren. Ich verweise
nicht hur auf die Wissenschaftler aus fünfzehn Ländern, die in diesem
Ausschuß vertreten sind - einschließlich der Wissenschaftler aus der
Tschechoslowakei und der Sowjetunion -, ich verweise auch auf die
Wissenschaftler aus vielen anderen Ländern, deren Berichte bereits
in großer Zahl beim Ausschuß vorliegen. Wenn wir die ungeheure Arbeit
des Ausschusses betrachten, dann ist es kaum denkbar, daß eine umfassendere Studie angefertigt werden könnte, oder wie es möglich sein sollte,
eine noch breiter angelegte und systematischere Sammlung der Meinungen
und Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Experten auf der ganzen Welt zu diesem Thema durchzuführen als die, an der der Ausschuß
für radioaktive Strahlung bereits seit zwanzig Monaten arbeitet.
Diese

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Diese Tatsache, Herr Vorsitzender, wird voll durch den Zwischenbericht,
Dokument Kr. A/5659, bestätigt, den der Strahlenausschuß am 31. Oktober
vorgelegt hat. Er nennt die Titel von 89 Berichten, die von 27 Regierunger, und zwei Sonierorgarisatiouen eingereicht wurden. Mir ist gesagt
worden, daß viele dieser Berichte eine große Anzahl wissenschaftlicher
Ansichten oder Untersuchungsergebnisse zusammenfassen, so daß damit
Tauserde von verschiedenen Untersuchungen und Experimenten ausgewertet
wu rden .
Es ist wirklich einigermaßen ungewöhnlich, daß man bereits jetzt
an uns herantritt, den Schluß zu ziehen, der Ausschuß für radioaktive
Strahlung, der all diese Arbeit leistet, tue nicht genug und bedürfe der
Ergänzung durch eine andere Institution. Das ist alles andere als ein
Kompliment für die große Zahl der betroffenen Wissenschaftler, es ist
auch kein Kompliment für die Vollversammlung selbst, die diesen Ausschuß ins Leben gerufen und aufgefordert hat, im Jahre 1958 den Bericht
vorzulegen. Nach unserer Ansicht wäre nichts sinnwidriger, als den Ausschuß zu beschränken, den wir selbst geschaffen haben.
Noch eine letzte Bemerkung zu der tschechoslowakischen Resolution.
Sie verweist, wie ich erwähnte, auf die Notwendigkeit für "die umfassendste Sammlung der Meinungen so vieler Wissenschaftler wie nur irgend möglich." Wenn damit gemeint ist, die Ansichten der Experten und die Ergebnisse der Forschungen von Wissenschaftlern auf Gebieten einzuholen, die
mit der radioaktiven Strahlung und deren Auswirkungen auf die Menschheit
zusammenhängen, wenn dieses die Sammlung dieser Ansichten und Forschungsergebnisse auf ordentliche und organisierte Weise bedeutet - gut und
schön. Gerade das tut der Strahlenausschuß der Vereinten Nationen. Aber
wenn damit eine Art Schauspiel veranstaltet werden soll, bei dem Wissenschaftler aufgefordert werden, ihre Meinungen kundzutun, ihre Meinungen
über Dinge, die außerhalb ihres Spezialgebietes liegen, dann ist das ein
Vorschlag, der mit Wissenschaft nichts zu tun hat und, würde er ausgeführt,
eine riesige Vergeudung wissenschaftlichen Könnens bedeutete.
Die Suche nach wissenschaftlicher Wahrheit darf nicht mit einem Wettbewerb um Popularität verwechselt werden. Die Wissenschaft hat die Welt
nicht mit all diesen erstaunlichen und revolutionären Entdeckungen des
letzten halben Jahrhunderts beschenkt, indem sie die "Ansichten so vieler
Wissenschaftler als nur irgend möglich" über jede Frage einholte. Die
wissenschaftliche Wahrheit hat mit politischen Streitfragen nicht das
geringste zu tun und kann nicht erforscht werden, indem man die Meinung
der Mehrheit einholt oder Meinungsumfragen unter Wissenschaftlern oder irgendeiner anderen Gruppe veranstaltet.
Die Fragen der wissenschaftlichen Wahrheit werden nicht auf der
politischen Plattform oder in der Wahlzelle, sondern im Laboratorium
entschieden.
Es hat in der Geschichte Zeiten gegeben, wo die Wissenschaftler, die
der Welt neue und revolutionäre Wahrheiten geschenkt haben, sich selbst
unter ihren Kollegen in einer kleinen Minderheit befanden. Sie erhalten
keine wissenschaftliche Wahrheit, indem Sie eine große Anzahl von Wissenschaftlern zusammenbringen. Sie können sie erhalten, indem Sie an die

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die richtigen Wissenschaftler die richtige Frage richten und sie dann
allein lassen, bis sie die Antwort gefunden haben. Das hat die Vollversammlung in der Frage der Strahlung bisher getan.
Schlußfolgerung
Herr Vorsitzender, lassen Sie mich zum Abschluß noch einen Gedanken
vorschlagen, der einigen von uns in der Erregung über die mehr in der
Öffentlichkeit behandelten und sensationellen Aspekte der atomaren
Strahlung vielleicht entgangen sein könnte. Der Gedanke ist ganz einfach dieser: Der Wissenschaftliche Ausschuß kann, wie jedes andere ehrliche wissenschaftliche Unternehmen, zu positiven Ergebnissen führen, von
denen wir kaum zu träumen wagen. Dies ist keine müßige Beobachtung. Dieser Gedanke basiert auf zwei definitiven Tatsachen.
Die erste Tatsache ist die, daß, je mehr wir in das Atomzeitalter
hineingeraten und je umfassender die Anwendung der Atomenergie für
friedliche Zwecke wird, die Probleme des Schutzes vor atomarer Strahlung
immer vordringlicher werden. Die Internationale Atombehörde ist nun eine
Realität. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Aufstellung von Sicherheitsnormen zum Schutz der Gesundheit unu zur Zurückführung der Gefahr für
Leben und Eigentum auf ein Mindestmaß. Die Atomkraftwerke sind ebenfalls .
eine Realität, und in nur wenigen Jahren werden sie mehr und mehr in der
Lage sein, mit den konventionellen Kraftquellen in einen wirtschaftlichen
Wettbewerb zu treten. In der Zwischenzeit werden die Radiotherapie in der
Medizin und Strahlenverfahren in der Landwirtschaft mehr und mehr Allgemeingut und ständig neuen Verwendungszwecken angepaßt werden. All diese nutz- und segenbringenden Verwendungszwecke der Atomkräfte machen
spezielle Maßnahmen zur Kontrolle der Gefährdung des Menschen und zur
Verhinderung von Schäden erforderlich; und wenn diese Maßnahmen wirksam
sein sollen, müssen sie auf der größtmöglichen Kenntnis der Atomstrahlung
und ihrer Auswirkungen beruhen.
Die zweite Tatsache ist die, daß die Ergebnisse aller Grundlagenforschung, wie sie auch Angelegenheit des Strahlenausschusses ist, nur
teilweise vorausgesagt werden können. Wir können aber mit ziemlicher
Sicherheit voraussagen, daß der Ausschuß außerordentlich brauchbare
Antworten auf einige sehr praktische Fragen geben wird, die wir an ihn
gerichtet haben. Doch was er sonst noch entdecken wird, kann nicht vorausgesagt werden.
Wenn Sie an einen Wissenschaftler eine spezielle Frage richten, sagen
wir über das Verhalten gewisser Arten von Kernpartikeln unter gewissen
Bedingungen, mag er die richtige Antwort für Sie finden - oder er mag neue
Fakten und neue Ideen finden, die niemals vermutet wurden und die ganz
neue Gebiete der Forschung erschließen helfen. Seine Arbeit mag so spezialisiert sein, daß sie für Sie und für mich völlig bedeutungslos ist, daß
sie dessenungeachtet aber zu umfassenden Resultaten führen kann, an die
er selbst nicht geglaubt hatte und die möglicherweise der Menschheit in
spürbarer Weise dienen werden.
Lassen Sie uns deshalb den Strahlenausschuß, den wir geschaffen
haben, in seiner Arbeit ermutigen. Anstatt über neue Einrichtungen nachzu-

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nachzudenken, die ihn ersetzen sollen oder die seine Arbeit duplizieren
oder verwirren, lassen Sie uns die wissenschaftliche Integrität der
Arbeit, die wir bereits in Händen haben, respektieren, und lassen Sie
dieser Arbeit von jedem Mitgliedstaat soviel wissenschaftliche Unterstützung zuteil werden, wie er zu geben vermag. Wenn wir in dieser
Richtung vorwärtsschreiten, kann die Welt nur davon profitieren.
Indem ich schließe, möchte ich Ihnen sagen, daß die Vereinigten
Staaten, zusammen mit einer Anzahl anderer Staaten, in Kürze einen Entwurf zu einer Resolution vorlegen werden, der einen neuen Gesichtspunkt
zu dieser Frage enthält.
* * * * *

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�In diesem wunderbaren Zeitalter haben wir Amerikaner eine besondere Verantwortung. Uns stand ein unverbrauchter Kontinent zur
Verfügung, und wir hatten die Gelegenheit, einen Traum dieser Zeit
zu verwirklichen, wie nämlich die Menschen zusammenarbeiten, miteinander leben und sich selbst regieren sollten.
Gestützt auf die Kulturen der Vergangenheit und auf den rapiden
Fortschritt der Wissenschaft haben wir jedem die Möglichkeit geboten,
im Lebenskampf für sich selbst zu bestehen und gleichzeitig ein hingebungsvolles Mitglied einer harmonischen Gemeinschaft zu sein.
In dieser Woche feiern die Sowjets den 40« Jahrestag ihrer Revolution. Während dieser 40 Jahre hat die Welt erlebt, daß sich die
Sowjets von einer landwirtschaftlichen zu einer industriellen Nation
entwickelt haben. Wir kennen ihr rigoroses Erziehungssystem und ihre
technologischen Leistungen.
.,
B
Aber
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Aber wir erleben, wie sich dies alles unter einer politischen
Lehre vollzieht, die die Einlösung des Versprechens, daß jeder sein
eigenes Leben leben und sich - so wie er es wünscht - der Früchte
seiner eigenen Arbeit erfreuen kann, immer wieder hinausschiebt.
Wir haben seit langem die Beweise gehabt - und in jüngster Zeit
sehr dramatische Beweise -, daß es selbst unter einem solchen System
möglich ist, einige bemerkenswerte materielle Leistungen zu vollbringen. Wenn diese Fähigkeiten und Möglichkeiten in materiellen
Dingen Politikern zur Verfügung stehen, die so wenig Sinn für menschliche Belange haben und die die Macht über ein ganzes Weltreich ausüben, dann ergibt sich eine Gefahr für alle freien Menschen. Das,
meine Freunde, ist der Grund, warum das amerikanische Volk durch die
Erdsatelliten so aufgerüttelt wurde. Selbstverständlich begegnet die
freie Welt dieser Herausforderung und wird mit ihr fertig werden.
Bis zu einem gewissen Punkt muß man die Kommunisten mit ihren
eigenen Waffen schlagen - man muß sie im Hinblick auf die militärische
Macht, den allgemeinen technischen Fortschritt sowie die Fachausbildung und Forschung überbieten.
Aber dies ist nicht alles. Die wahre Stärke, mit der die sich
selbst regierenden Demokratien den Prüfungen der Geschichte begegnet
sind, liegt in Werten, die die Diktaturen ablehnen.
Diese Stärke besteht in dem Wert unseres Lebens, der Kraft unserer Ideale sowie in der immer von neuem überraschenden Fähigkeit
freier Menschen, freiwilliges Heldentum zu zeigen, Opfer zu bringen
und Erfolge zu erringen, wenn es ums Ganze geht.
Dies ist die Waffe, die den schließlichen Sturz eines jeden
Diktators bedeutet, der den bekannten Fehler machte, zu glauben,
alle Demokratien seien 'weich'.
Heute hören wir wieder einmal ein expansionistisches Regime
sagen: 'Wir werden euch begraben'.
Es wäre ein folgenschwerer Irrtum, diese Art von Drohung nicht
wörtlich zu nehmen. Diese These ist seit hundert Jahren ein kommunistischer Lehrsatz gewesen.
Sie werden sich
lebte, der erklärte,
dickes, langweiliges
stellen wolle. Viele

erinnern, daß einmal ein Diktator namens Hitler
er werde uns zu Grabe tragen. Er schrieb ein
Buch, in dem er genau darlegte, wie er dies anLeute haben ihn nicht ernst genommen.

Wir werden diesen Fehler nicht noch einmal machen.

Der

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Der internationale Kommunismus hat wiederholt demonstriert, daß
seine Führer ohne weiteres bereit sind, eine gewaltsame Aggression
gegen die Gebiete; und Völker anderer Länder vorzutragen. Und sie
sind noch eher dazu bereit, ihre Expansion durch Propaganda und Subversion, wirtschaftliche Durchdringung und Ausbeutung oder durch eine
Kombination all dieser Methoden voranzutreiben.
Die freie Welt muß demgegenüber immer wachsam bleiben.
Unsere militärische Verteidigung ist in den Jahren seit dem
zweiten V/eltkrieg weitgehend reorganisiert worden. Ich versichere
Ihnen,wie ich dies bereits in der vergangenen Woche getan habe, daß
sie, was die gegenwärtigen Bedingungen anbetrifft, sowohl wirksam
wie auch ausreichend ist. Wenn sie dies aber auch in der Zukunft
bleiben soll, so muß ihr Aufbau und ihre Stärke mit den immer größer
werdenden Möglichkeiten Schritt halten, die die Wissenschaft sowohl
einem Angreifer wie auch einem Verteidiger bietet. Sie muß weiterhin
vier Hauptaufgaben gerecht werden: nämlich
1) als ein Hauptabschreckungsmittel gegen einen Krieg eine
atomare Vergeltungsstärke von solcher Kapazität aufrecht erhalten,
damit die Sowjets überzeugt werden, daß jeder Angriff auf uns und
unsere Verbündeten ohne Rücksicht auf den bei uns entstehenden Schaden zur Vernichtung ihrer eigenen Nationen führen würde;
2) in Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten eine so flexible
Struktur der Streitkräfte gewährleisten, daß sie schnell mit jeder
Form der Aggression gegen die freie Welt fertig werden kann;
3) unsere Heimatverteidigung in einem Stand hoher Einsatzbereitschaft halten; und
4) über ausreichende Reservestreitkräfte verfügen, um in einem
Notfalle auch unvorhergesehenen Anforderungen gerecht werden zu können.
Um diese Art von Verteidigung aufzubauen, sind Steuergelder erforderlich - große Steuergelder. Während der letzten fünf Finanzjahre
haben wir 211 Milliarden Dollar für unsere Sicherheit ausgegeben, das
sind durchschnittlich über 42 Milliarden Dollar im Jahr, worin unsere
Streitkräfte, die gemeinsame Verteidigungshilfe und die Atomenergiekommission einbegriffen sind.
Nach meiner Meinung haben die Streitkräfte und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter diese Mittel im allgemeinen klug und vernünftig
verwendet. Ein großer Betrag wurde und wird für bessere und stärkere
Waffen aufgewendet. Ein einziger Bomber vom Typ B-52 kostet acht
Millionen Dollar. Ein Geschwader vom Typ B-52 kostet viermal soviel
wie ein Geschwader von B-36 Bombern, die es ersetzt.
Die Rakete vom Typ Nike, die weitgehend an die Stelle der Flugabwehrgeschütze getreten ist, kostet pro Abteilung dreimal soviel.
Ein

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Ein neues Unterseeboot kostet 47*5 Millionen Dollar und ist damit
zehnmal so teuer wie ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg.
Und in diese Aufzählung könnte ich die ganze Vielfalt unserer
Waffen einbeziehen.
Seit einigen Jahren richtete sich das Augenmerk in zunehmendem
Maße auf die Erfindung, Entwicklung und Erprobung noch modernerer
Waffen für einen künftigen Einsatz. Das Verteidigungsministerium hat
für diese Porschungs- und Entwicklungsaufgaben über fünf Milliarden
Dollar pro Jahr ausgegeben.
Es ist in letzter Zeit viel darüber geredet worden, ob der
technologische Durchbruch der Sowjets auf einigen besonderen Gebieten
uns plötzlich einer größeren unmittelbaren Gefahr ausgesetzt haben
könnte.
Wie ich schon in der vergangenen Woche aufgezeigt habe, ist dies
nicht der Fall. Diese Errungenschaften haben uns jedoch einen erneuten
Beweis der sowjetischen Fähigkeiten und Möglichkeiten auf dem Gebiet
der Wissenschaft und Technik, soweit sie für die moderne Kriegführung
wichtig sind, geliefert. Wir müssen und werden dies als eine Zeit für
eine erneute kritische Überprüfung unserer gesamten Verteidigungsposition betrachten.
Die Sputniks haben eine große Zahl von Vorschlägen ausgelöst,
angefangen von der Beschleunigung des Raketenprogramms bis zum Abschuß einer um den Mond kreisenden Rakete und einer wahllosen Erhöhung
aller möglichen wissenschaftlichen und militärischen Ausgaben.
Der gesunde Menschenverstand erfordert, daß wir die Dinge der
Reihe nach anpacken.
An allererster Stelle steht die Sicherheit unseres Landes.
Während der kommenden drei Wochen werde ich wie alljährlich
persönlich zusammen mit den militärischen und zivilen Stellen unsere
Maßnahmen auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit im kommenden Jahr
überprüfen. Dann werde ich mit den maßgebenden Kongreßmitgliedern
aus beiden Häusern und aus beiden Parteien zusammentreffen und mit
ihnen über die Regierungspolitik, die praktischen Maßnahmen und die
Ausgaben konferieren.
In der Zwischenzeit ersuche ich Sie, einige der Maßnahmen, denen
wir vordringlichst unsere Aufmerksamkeit schenken müssen, sorgfältig
zu überdenken.
Heute liegt unser Hauptabschreckungsmittel gegen einen Krieg in
der atomaren Vergeltungsstärke unseres strategischen Luftkommandos
und unserer Marine. Diesen Waffengattungen wie auch der Armee verleihen wir jetzt so schnell wie möglich noch weitere Stärke durch
Raketenwaffen. Es wird jedoch geraume Zeit vergehen, bevor wir oder

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oder die sowjetischen Streitkräfte über ein Potential auf dem Gebiet
der Fernraketen verfügen, das auch nur zu einem Bruchteil der Gesamtvernichtungskraft unserer gegenwärtigen Bomberflotte entspricht.
Wenn wir in den vor uns liegenden Jahren das strategische Luftkommando auf einem Höchststand von Sicherheit, Stärke und Alarmbereitschaft halten wollen - in dem Maße, wie neue Gefahren auftauchen -,
wird dies zusätzliche Kosten mit sich bringen.
Das heißt, daß die Aufgliederung des strategischen Luftkommandos
auf zusätzliche Flugplätze beschleunigt durchgeführt werden muß. Dieses Vorhaben, das seit einigen Jahren im Gange ist, sollte jetzt beschleunigt werden.
Mit den Raketen und schnelleren Bombern werden auch die Warnzeiten kürzer. Wir haben daher Möglichkeiten und Einrichtungen geschaffen, die eine schnellere Reaktion auf einen Alarm gestatten.
Auch auf diesem Gebiet sollten die Maßnahmen beschleunigt v/erden
durch in Einsatzbereitschaft stehende Kampfgruppen, durch weitere
Rollbahnen, weitere Tankanlagen und mehr Unterkünfte.
Um eine möglichst schnelle und umfassende Warnung vor jedem
zukünftigen Angriff sicherzustellen, müssen wir in unser Warnsystem
alle zusätzlichen Verbesserungen einbauen, die jetzt wissenschaftlich
möglich sind.
Es ist weiterhin notwendig, daß wir ein aktives Raketenverteidigungsprogramm gegen ferngelenkte Geschosse entwickeln.
Um die Verteidigungsstärke aufrecht zu erhalten und zu vermehren,
werden wir unsere Sicherheitsstreitkräfte durch Fernraketen, die von
Landbasen und von Kriegsschiffen abgefeuert werden können, ergänzen.
Die technischen Experten haben mir erklärt, daß die Entwicklung von
ballistischen Geschossen großer Reichweite nicht durch Bereitstellung
weiterer Geldmittel merklich beschleunigt werden kann. Wir geben zur
Zeit über eine Milliarde Dollar für die Forschungsarbeiten und die
Erprobung dieser Waffen aus. Natürlich werden wir zusätzliche Mittel
bereitstellen, wo sich dies als notwendig erweisen sollte. Es ist
außerdem selbstverständlich, daß die Produktion, die Verteilung und
der Einbau der Raketen in den vor uns liegenden Jahren kostspielig
sein wird.
Die Soldaten sind unterbezahlt. Wir müssen ihnen gegenüber fair
sein, das erfordert die Gerechtigkeit. Genauso wichtig aber ist der
Faktor des Könnens und der Tüchtigkeit in unseren Verteidigungsstreitkräften. Wir können den erforderlichen Grad technischer Leistung
nicht erlangen und bewahren, wenn wir nicht über genügend Offiziere und
Mannschaften verfügen, die die militärische Laufbahn zu ihrem Beruf
machen.
Nun

�13. November 1957

'AMERIKA DIENST

Nun lassen Sie mich kurz auf unser Satellitenprogramm eingehen.
Es erscheint nur logisch, daß wir angesichts der von mir aufgezeigten Grunderfordernisse der Verteidigung eine klare Formel finden
müssen, die uns bei der Entscheidung über die auf dem Gebiet der
Satelliten und Weltraumprojekte zu ergreifenden Maßnahmen als Richtschnur dient.
Zwei Kriterien sollten bei dieser Formel beachtet werden:
Ist das Projekt für wissenschaftliche Zwecke konzipiert, dann
müssen sein Ausmaß und seine Kosten auf die wissenschaftliche Aufgabe
zugeschnitten sein, der es dienen soll; hat es dagegen letztlich
einen Wert für die Verteidigung , dann muß seine Bedeutung für diesen
Zweck in ihrer Dringlichkeit mit dem voraussichtlichen Wert der
konkurrierenden Verteidigungsprojekte in Vergleich gesetzt werden.
Wir werden unsere Programme in einer Form weiterführen, die
unserer wissenschaftlichen Tradition gerecht wird und unsere Sicherheit in den kommenden Jahren gewährleistet. Dies wird allerdings
wiederum erhebliche Kosten mit sich bringen.
All diese neuen Kosten, die insgesamt eine sehr beträchtliche
Höhe erreichen, müssen den derzeitigen jährlichen Ausgaben für die
Sicherheit hinzugefügt werden. Es besteht gegenwärtig keine Aussicht
auf irgendeine'wesentliche Reduzierung dieser immer wiederkehrenden
Kosten. Daher müssen wir als erstes versuchen, an anderer Stelle
die Ausgaben zu senken. Wir müssen noch einmal mit doppelter Entschlossenheit alle anderen militärischen Ausgaben überprüfen, um jeden
nur möglichen Pfennig zu sparen. Wir müssen sicherstellen, daß es
keine unnötige Überschneidungen, keine überholten Programme oder veralteten Einrichtungen gibt.
Die Antwort liegt nicht in irgendeinem verfehlten Versuch, die
konventionellen Streitkräfte abzuschaffen und sich ausschließlich auf
die Vergeltung zu verlassen. Dieser Kurs würde zur völligen Selbstvernichtung führen.
Und ganz gewiß liegt die Antwort nicht in einer Kürzung der Mittel für die gemeinsame Verteidigung im Ausland, die einen weiteren
wichtigen Bestandteil unserer nationalen Sicherheit darstellt. Wir
sind mit 42 Ländern durch militärische Beistandspakte verbündet. Es
ist nicht möglich, unsere Truppen über die ganze Welt verteilt zu
stationieren, um die Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern. Es
ist weitaus wirtschaftlicher und wesentlich wirksamer, an unserem
System der kollektiven Sicherheit festzuhalten und es zu stärken.
Das gleiche gilt auch für die Wirtschaftshilfe. Diese Art der
Unterstützung bewahrt andere davor, in eine Abhängigkeit von der
sowjetischen Hilfe zu geraten, die nur zu oft das Vorspiel einer

6 -

�"AMERIKA DIENST

13. November 1957

einer sowjetischen Herrschaft ist. Sie beweist die Fähigkeit der
freien Welt, ihre Hilfsquellen zu erschließen und ihren Lebensstandard zu erhöhen. Sie unterstützt die verbündeten Volkswirtschaften
dabei, die erforderlichen militärischen Einheiten zu unterhalten
und standhafte Partner in diesem weltweiten Kampfe- zu bleiben.
Bei den zivilen Aufgaben, die der Bundesregierung obliegen,
werden wir verschiedentlich vor eine harte Wahl gestellt werden.
Einige Programme sind zwar erwünscht, aber nicht absolut notwendig. In dieser Beziehung bin ich zu einem klaren Entschluß gekommen.
7/enn sich auch einige Einsparungen noch durch ein Zusammenstreichen
erzielen lassen, so können die Einsparungen, wie wir sie brauchen,
doch nur durch völliges Streichen oder Hinausschieben ganzer Kategorien von Programmen erreicht werden. Dies wird eine der schwersten
und unangenehmsten Aufgaben sein, mit denen sich der Kongreß in der
kommenden Sitzungsperiode befassen muß.
Unsere Gesamtausgaben werden sich um den Differenzbetrag zwischen den erzielten Einsparungen und den zusätzlichen Sicherheitskosten erhöhen. Unser Volk wird dies mit Recht fordern. Es wird das
Streben nach Sicherheit nicht einem ausgeglichenen Haushalt opfern.
Aber wir vergessen darüber auch nicht, daß auf lange Sicht ein ausgeglichener Haushalt ein unerlässliches Hilfsmittel dafür ist, unsere
Wirtschaft und damit auch unsere gesamte Sicherheit stark zu erhalten.
Zur Sicherheit gehört jedoch noch weit mehr als lediglich das
Ausgeben von Geld. Es gehören auch Dinge dazu wie das fachliche Können
unserer militärischen Führer, die Gesundheit und Produktivität unserer Wirtschaft und an allererster Stelle die geistige Stärke unseres
Volkes .
Etwas, was man nicht mit Geld kaufen kann, ist Zeit. Sie ist oft
wertvoller als Geld. Ein Baum braucht Zeit zum Wachsen, ein Gedanke
braucht Zeit, bis er verwirklicht werden kann, und es dauert seine
Zeit, bis aus einem Studenten ein Wissenschaftler geworden ist.
Die Zeit ist auch ein entscheidender Faktor bei zwei langfristigen Problemen, nämlich der Intensivierung unserer wissenschaftlichen
Ausbildung und unserer Grundlagenforschung.
Die Sowjetunion verfügt - wenn man Wissenschaftler und Techniker
zusammennimmt - gegenwärtig über eine größere Anzahl solcher Fachkräfte als die Vereinigten Staaten. Die Sowjets bringen Leute mit
abgeschlossener"Ausbildung auf diesen Gebieten in einem wesentlich
schnelleren Tempo hervor als wir.
Die jüngsten Untersuchungen über den Ausbildungsstand in der
Sowjetunion zeigen, daß man nicht glauben darf, dieser quantitative
Zuwachs werde durch einen Mangel an Qualität in Frage gestellt.
Diese

�"AMERIKA DIENST"

13. November 1957

Diese Tendenz ist beunruhigend. Ja, nach Ansicht meiner wissenschaftlichen Berater ist dies für das amerikanische Volk das kritischste Problem von allen.
Die Bundesregierung kann sich nur mit einem Teil dieses Problems
befassen, und sie muß ihren Teil dazu beitragen. Es handelt sich hier
jedoch um eine Aufgabe der Zusammenarbeit. Die Regierungsstellen des
Bundes, der Staaten und der Gemeinden sowie unsere gesamte Bürgerschaft müssen sich daran beteiligen.
Wir sollten unter anderem ein alle Einzelstaaten umfassendes
System für die Prüfung der Oberschüler schaffen, sowie ein Förderungssystem, das hochbegabten Studenten einen Anreiz für die Fortsetzung
ihrer naturwissenschaftlichen oder geisteswissenschaftlichen Studien
bietet; ein Programm zur Förderung eines guten mathematischen und
naturwissenschaftlichen Unterrichts; Vorkehrungen für die Erweiterung
der Laboratorien und andere Maßnahmen, wie zum Beispiel Stipendien zur
Ausbildung einer größeren Zahl qualifizierter Lehrer.
Der Hauptteil dieser Aufgabe liegt in Ihren Händen als Bürger.
Wir halten gegenwärtig die nationale Erziehungswoche ab. Ganz gleichgültig wie gut Ihre Schule ist - und wir haben viele ausgezeichnete
Schulen -,möchte ich doch, daß jeder Schulausschuß und jede Schulpflegschaft sich diese Woche und dieses Jahr eines bestimmten Projektes
ganz besonders annimmt, nämlich den Lehrplan und den Leistungsstand
Ihrer Schule genauestens daraufhin zu überprüfen und festzustellen,
ob sie noch den hohen Anforderungen des Zeitalters entsprechen, in
das wir jetzt eintreten.
Sie wissen sicherlich, daß ein sowjetischer Schüler, der nach
bestandenem Abschlußexamen die Oberschule verläßt, fünf Jahre Physikunterricht, vier Jahre Chemieunterricht, ein Jahr Unterricht in
Astronomie, fünf Jahre Biologieunterricht, zehn Jahre Mathematikunterricht bis einschließlich Trigonometrie und fünf Jahre fremdsprachlichen
Unterricht erhalten hat.
Meiner Meinung nach haben viele von uns zu langsam erkannt, daß
es fast jedem möglich ist, an der Wissenschaft und Technik wie an einem
Abenteuer teilzuhaben. Wenn wir früh genug in der Schule mit Mathematik, Chemie, Physik und Botanik beginnen, und wenn unsere Lehrer die
jungen Schüler dazu bringen, daß sie eine wahre Befriedigung in der
wissenschaftlichen Arbeit empfinden, dann werden unsere jungen Menschen - selbst wenn sie keine Wissenschaftler oder Techniker werden von dem Wachstum Amerikas wirklich ergriffen und gepackt werden.
Die jungen Menschen, die jetzt auf dem College sind, müssen das
Rüstzeug erhalten, in dem Zeitalter der interkontinentalen Raketen leben
zu können. Was aber weiter nötig ist, sind nicht nur Techniker und
Wissenschaftler, sondern Menschen, die nicht den Kopf verlieren, und
Führer, die in der Lage sind, schwierige menschliche Probleme mit Klugheit und Mut anzupacken. Kurz gesagt, wir brauchen nicht nur Männer
wie Einstein, sondern auch Männer wie Washington und Emerson.
„

- 8 -

�"AMERIKA DIENST"

13» November 1957

Auf lange Sicht gesehen gilt eine weitere Sorge der noch stärkeren
Konzentration auf die Grundlagenforschung - das heißt, die Forschung,
die die Geheimnisse der Natur erschließt und die den Weg für solche
großen Durchbrüche wie die Atomspaltung, die Hochfrequenztechnik
und die Antibiotika vorbereitet.
Unsere Grundlagenforschung ist, verglichen mit der jedes anderen
Landes, gegenwärtig weit umfangreicher und, was die Qualität anbetrifft,
bestimmt gleich gut. Die Gefahr liegt in der schnellen Zuwachsrate der
sowjetischen Anstrengungen und der offensichtlichen Entschlossenheit
der Sowjets, sich mit Nachdruck auf die Grundlagenforschung zu konzentrieren. Die Welt wird Zeuge künftiger Entdeckungen seih, die noch
weit dramatischer sind als die Entdeckung der Atomspaltung. Werden
wir es sein, die diese Entdeckungen machen?
Hier wiederum kann Geld allein nicht alles tun. Man kann nicht
zu einem Forscher sagen: 'Wir verdreifachen Ihr Gehalt, nun liefern
Sie uns dreimal soviel Entdeckungen in der Grundlagenforschung'.
Aber durch eine kluge Kapitalinvestierung in Laboratorien und
Akzeleratoren von hoher Energiestufe kann man die Leistungen unserer
Wissenschaftler wesentlich steigern.
Die Regierung ist dabei, ihre Grundlagenforschungsprogramme zu
intensivieren.
Aber mit einem 70prozentigen Anteil der Industrie und der privaten Organisationen an unserer Forschung, liegt der Hauptanteil an
dieser Aufgabe in den Händen dieser Gruppen.
Gerade hier in Oklahoma besitzen Sie eine ausgezeichnete Einrichtung für die Mobilisierung der notwendigen Hilfsquellen zur Intensivierung unseres Strebens nach wissenschaftlicher Grundlagenerkenntnis. Ich
meine die Stiftung für wissenschaftliche Grenzgebiete. Sie können mit
Recht stolz darauf sein. Ich hoffe, daß andere Staaten Ihrem Beispiel
folgen werden.
Lassen Sie mich ein abschließendes Wort sagen: Das Ziel, das wir
anstreben, ist ein Frieden in Gerechtigkeit. Unser Land kann dieses
Ziel nur erreichen, wenn auch alle anderen Völker es erreichen. Die
Welt hofft inständig, daß die Sowjets mit all den anderen Ländern
zusammenarbeiten werden, damit dieses Ziel verwirklicht wird. Unsere
Verteidigungsanstrengungen, so groß sie auch sind, gehen nur soweit, um
vor einem Angriff abzuschrecken und diesen zunichte zu machen. Wir
werden niemals ein Aggressor sein. Wir wollen ausreichende Sicherheit,
und nicht mehr. Wir werden uns aber auch nicht mit weniger zufriedengeben.
Ich bin immer zutiefst davon überzeugt gewesen, daß der Triumph
der Anständigkeit und der Freiheit auf dieser Welt zwangsläufig kommen
wird. Aber - wie ein kluger Amerikaner einmal festgestellt hat - es sind
harte Arbeit und große Opfer von vielen nötig, damit das 'Zwangsläufige' fcustandegebracht wird."
* * * * *

- 9-

�A M E R I K A

D I E N S T

SOZIALE SICHERHEIT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

�SOZIALE SICHERHEIT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

I.

DIE AMERIKANISCHE SOZIALVERSICHERUNG

Seite

1

Seite

7

Seite

13

Seite

18

Seite

25

Der Sozialversicherungsgedanke
Die amerikanische Einstellung
Auswirkungen der Depression
Alters-, Hinterbliebenen- und
Invaliditätsversicherung
Begünstigung der Lohnempfänger mit
geringem Einkommen
Invaliditätsversicherung
II.

ZUSATZLICHE SOZIALE SICHERHEIT AUS
LEISTUNGEN DER EINZELSTAATLICHEN UND
KOMMUNALEN SOZIALPROGRAMME
Unterstützung aus öffentlichen
Mitteln
Arbeitslosenversicherung
ArbeitsunfallentSchädigung
Krankenversicherung
Hilfsprogramme für Kinder
öffentlicher Gesundheitsdienst

III.

SONDERREGELUNGEN
Kriegsteilnehmerversorgung
Regierungsbedienstete
Eisenbahner

IV.

DAS FUNDAMENT DER SICHERHEIT
Die private Wirtschaft
Der garantierte Jahreslohn
Lebensversicherungen
Freiwillige Krankenversicherung
Private Wohlfahrtspflege
ZUSAMMENFASSUNG

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

SOZIALE SICHERHEIT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

Vorwort
Gemeinsam haben Regierung, Privatindustrie und der einzelne
amerikanische Bürger daran gearbeitet, für die Bevölkerung
der Vereinigten Staaten das hohe Maß von sozialer Sicherheit zu erreichen, dessen sie sich heute erfreut. So wurde
ein Sozialversicherungssystem geschaffen, in dem die allgemeinen Grundsätze des privaten Versicherungswesens auf die
Altersversorgung und viele andere soziale Einrichtungen
angewendet werden. Das Anrecht auf eine Versorgung erwirkt
der einzelne, indem er eine bestimmte Anzahl von Jahren
hindurch Beiträge einzahlt; die Leistungen der Sozialversicherung werden ihm dann ohne Rücksicht auf seine Bedürftigkeit und seinen Besitzstand gewährt.

I.

DIE AMERIKANISCHE SOZIALVERSICHERUNG

Der Sozialversicherungsgedanke

Armut und Arbeitslosigkeit sind, wenn man von ganz primitiven
Gesellschaftssystemen absieht, stets ernste Probleme gewesen, die
mit dem Fortschreiten der Zivilisation nichts von ihrer Schärfe verloren. Im Gegenteil: die Industrialisierung führte zu tiefgreifenden
Veränderungen in der Gesellschaftsordnung und ließ viele neue Probleme
in Erscheinung treten. So führte die Entwicklung der Geldwirtschaft
zu einer Lohnabhängigkeit, wie sie in der früheren Geschichte unbekannt war. Der Zug in die Städte und die zunehmende örtliche Beweglichkeit der Arbeitskräfte tragen dazu bei, die Familien zu isolieren
und ihre Bindungen zur lernemschaft
zu schwächen. Der einzelne Mensch
war deshalb gezwungen, sich in erster Linie auf sich selbst und seine
Erwerbsfähigkeit zu verlassen. Für die große Masse wurde ein beständiges Arbeitsverhältnis zur Notwendigkeit, und nur mit ernster Sorge
sah man dem Alter und dem Verlust der
Erwerbtfähigkeit entgegen.
Die großen sozialen Ungerechtigkeiten, die sich im Frühkapitalismus gezeigt hatten, führten einige Wirtschaftstheoretiker zu der
Auffassung, daß das System des Kapitalismus für diese Zustände verantwortlich wäre. Einige führende Politiker zogen daraus den Schluß,
daß die soziale Gerechtigkeit nur in einer auf der Lehre von Karl
Marx beruhenden Gesellschaftsordnung sichergestellt werden könnte.
Diese

- 1 -

�"ALIERIKA DIENST"

20. November

1957

Diese Ansicht fand in den Vereinigten Staaten aber niemals allgemeine Zustimmung. Die Regierung, die zur Beibehaltung des kapitalistischen Systems einer freien Wirtschaft entschlossen war, vertrat die
Meinung, daß eine Sozialgesetzgebung durchaus mit diesem System im
Einklang zu bringen sei und daß sie zu seiner Festigung beitragen
könne, indem sie die Auswirkungen der ständigen Schwankungen im 7/irtschaftsablauf mildern werde.
Die Pionierarbeit auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung wurde in
Europa geleistet. Bereits 1889 hatte man in Deutschland eine umfassende
Altersversicherung eingeführt; ähnliche Ein ichtungen wurden in den
folgenden Jahrzehnten in vielen anderen europäischen Ländern und in
Lateinamerika geschaffen. Verantwortliche Regierungsbeamte dieser Länder hatten erkannt, daß eine chronische Armut der Bevölkerung zu Lasten
der Wirtschaft geht und eine politische Gefahr für den Staat darstellt.
Politische Parteien fanden ein wichtiges und populäres Aufgabengebiet in der Behebung der Armut, die weite Kreise der Bevölkerung
beherrschte und der auf der anderen Seite ein immenser Reichtum gegenüberstand. Bismarck stimmte dem Erlaß von Sozialgesetzen zu. Er ließ
sich dabei unter anderen Gesichtspunkten von der Hoffnung leiten, daß
diese Gesetze zur Erhöhung der wirtschaftlichen Stabilität und zur Verminderung der Verwundbarkeit seiner Regierung durch Angriffe von der
Linken beitragen werden. Das deutsche Sozialversicherungswesen überlebte
nicht nur zwei Weltkriege, sondern auch eine katastrophale Inflation ...
und es besteht heute noch.
Das erste Land, das Arbeiter gegen die Risiken der Arbeitslosigkeit versicherte, war Großbritannien. Es führte 1911 die Arbeitslosenversicherungspflicht ein. Ursprünglich erfaßte das betreffende Gesetz
nur die Arbeiter von sechs Industriezweigen. Aber durch Ergänzungsgesetze, die in den Jahren 1916 und 1920 erlassen wurden, bezog man in dieses Versicherungssystem praktisch alle Lohnempfänger (außer Landarbeiter und Hausangestellte) ein. Im folgenden Viertel Jahrhundert erließen
die meisten großen europäischen Länder ähnliche Gesetze.
Die amerikanische Einstellung
Weshalb hat die amerikanische Regierung mit der Einrichtung einer
Sozialversicherung bis zum Jahre 1935 gewartet? Verschiedene Gründe
waren hierfür maßgebend. In einem jungen Staat, dessen Gebiet sich
ständig ausdehnte, herrschte eine Geisteshaltung, in der die Vorstellung, daß jedermann selbst für seine Sicherheit zu sorgen habe, einen
günstigen Nährboden fand. Den meisten Ansiedlern standen die Zwangsmaßnahmen ihrer
früheren Regierungen noch so lebendig vor Augen,
daß sie die Ansicht vertraten, die Regierung der Vereinigten Staaten
dürfe in das Leben der Bürger nur so wenig wie möglich eingreifen.
Begünstigt wurde diese Einstellung durch den Reichtum an natürlichen Hilfsquellen sowie durch die vielen wirtschaftlichen Möglichkeiten,
die sich dank dem rapiden Anwachsen der Bevölkerung boten. Außerdem hatte

- 2 -

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20. November 1957

hatte bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts jedermann die Möglichkeit, Neuland zu erwerben. Zur Ausbildung einer individualistischen
Einstellung trug ferner die Tatsache bei, daß in der Frühzeit der
amerikanischen Geschichte die landwirtschaftliche Tätigkeit der Haupterwerbszweig der Bevölkerung war. Maßnahmen zur Sicherung eines festen
Einkommens waren damals weniger wichtig als in der heutigen industrialisierten Geldwirtschaft.
Vor 1935 lag die Fürsorge für alte, bedürftige und arbeitsunfähige
Personen bei staatlichen und örtlichen Verwaltungsstellen. Dieses System
befriedigte aber nicht. Man fand sich nur widerstrebend mit dem Gedanken ab, daß die Sicherung des Allgemeinwohls Aufgabe des Staates
und der Gemeindeverwaltungen sei. Infolgedessen waren die für Zwecke
der Fürsorge zur Verfügung gestellten Mittel oftmals unzureichend.
In vielen Bundesstaaten gab es als einzige ständige Fürsorgeeinrichtung für bedürftige alte Personen die sogenannten "Armenhäuser".
Die Hilfe für die Armen bestand gewöhnlich in der Ausgabe von Nahrungsmitteln und Bekleidungsstücken oder Gutscheinen für die Anschaffung
dieser lebensnotwendigen Dinge. Diese Handhabung stempelte die in Not
geratenen alten Menschen zu Almosenempfängern und untergrub ihre Selbstachtung. Das führte dann leicht dazu, daß ihrer Abhängigkeit von der
Hilfe anderer zu einem Dauerzustand wurde.
Auswirkungen der Depression
Die Depression des Jahres 1929 verschärfte alle sozialen Probleme,
die in der Vergangenheit aufgetreten waren. Man erkannte bald, daß
weder die Gemeinden noch die Regierungen der Einzelstaaten mit einer
Massenarbeitslosigkeit fertig werden konnten. Was war also zu tun?
Viele im Gemeindeleben an führender Stelle tätige Persönlichkeiten
gelangten zu der Überzeugung, daß dieses Problem von der Bundesregierung aufgegriffen werden müsse. Als eine erste Maßnahme, in dieser
Richtung bevollmächtigte der Kongreß die Bundesregierung, den Einzelstaaten durch die Vergabe von öffentlichen Arbeiten verschiedener
Art oder durch direkte Zahlungen für die Arbeitslosenunterstützung
zu helfen. Dies waren befristete Maßnahmen, die zur Behebung der unmittelbaren Not dienen sollten.
Gleichzeitig befaßte man sich aber auch mit langfristigen Plänen.
Im Jahre 1934 ließ der damalige Präsident Roosevelt dem Kongreß eine
Sonderbotschaft zugehen, in der er auf gesetzliche Maßnahmen für die
wirtschaftliche Sicherstellung drängte, und er ordnete ferner eine eingehende Untersuchung des gesamten Problems der sozialen Sicherheit an.
Die Experten, die die Gesetzesvorschläge ausarbeiteten, konnten sich die
Erfahrungen zunutze machen, die man in europäischen und anderen Ländern mit entsprechenden Gesetzen gesammelt hatte. Im Jahre 1935 wurde
das Sozialversicherungsgesetz geltendes Recht. In der folgenden Zeit
sind die einzelnen Bestimmungen mehrfach großzügig erweitert worden.
(Siehe Schaubildl)

�Schaubild 1

Die steigende Mitgliederzahl
der staatlichen amerikanischen

Sozialversicherung

Millionen Mitglieder

-70-

1937

1940

1945

1950

Quelle: Statistical Abstract of the United States, p. 261

-4-

1955

�"AMEulKA DIEHSi"

&lt;?C. November 19t&gt;7

Alters-, Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung
Mit dem Gesetz von 1935 wurde ein Altersversorgungssyv t&lt;_.ni geschaffen, das von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Industrie und
Handel finanziert und von der Bundesregierung verwaltet wird, .ine
im Jahre 1939 vorgenommene Ergänzung dieses Gesetzes dehnte die
Versorgungsansprüche auch auf die Ehefrauen und Kinder oder wirtschaftlich abhängigen Verwandten von versicherten Arbeitnehmern aus,
die vor oder nach Erreichen des Pensionierungsalters sterben. Gleichzeitig sah man zusätzliche Unterstützungen für die Ehefrauen und Kinder von pensionierten Arbeitern vor. Bestimmungen über Unterstützungszahlungen bei Arbeitsunfähigkeit wurden 1956 in das Gesetz aufgenommen.
Die früher nicht unter dieses Gesetz fallenden Angehörigen zahlreicher Berufsgruppen, wie regelmäßig in der Landwirtschaft tätige
Arbeiter, Hausangestellte und nichtbäuerliche selbständige Personen,
bei denen man erst Erfahrungen über die Einkommencfeststellung und
Beitragserhebung sammeln mußte, wurden 1950 in die Versicherung einbezogen. V/eitere Ergänzungen des Gesetzes aus den Jahren 1954 und 1956
dehnten die Versicherung auf die Farmer und die meisten selbständig
Berufstätigen sowie die Angehörigen der Streitkräfte aus. Nanezu die
gesamte berufstätige Bevölkerung der Vereinigten Staaten wird jetzt von
diesem Gesetz erfaßt. Eine Ausnahme bilden einige Regierungsbedienstete,
für die es eine besondere Altersversorgung gibt, und die Ärzte.
Die Alters- und Hinterbliebenenversicherung wird dadurch finanziert, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zwei Prozent des zu versteuernden Arbeitnehmereinkommens bis zu einer Höchstgrenze von 4-2QO
Dollar pro Jahr entrichten; selbständige Personen zahlen drei Prozent
Bis zum Jahre 1975 sollen diese Beiträge schrittweise auf je vier Pro
zent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und auf sechs Prozent für
Selbständige erhöht werden. Ende 1956 wurden an etwa 9 Millionen Per
sonen Renten in einer Gesamthöhe von monatlich 485 Millionen Dollar
gezahlt. Fast 7»5 Millionen der Rentenempfänger waren alte Leute.
Männer .können ab 65 Jahren Renten erhalten, für Frauen liegt diese
Altersgrenze seit der am 1. November 1956 rechtswirksam gewordenen Gesetzesänderung bei 62 Jahren. Die Auszahlung der Renten erfolgt jedoch
nicht automatisch ab Erreichung dieser Altersgrenzen, sondern erst nachdem der Betreffende seine hauptberufliche Tätigkeit aufgegeben hat. Tatsächlich scheiden nur fünf Prozent der gesunden männlichen Berufstätigen freiwillig mit 65 Jahren aus dem Beruf. Im Durchschnitt begannen die
Rentenzahlungen deshalb bisher bei einem Alter von 68 bis 69 Jahren. Die
Formel für die Rentenberechnung, die sich nach dem früheren Verdienst
des Betreffenden richtet, wurde inzwischen großzügiger gestaltet,und
auch die bereits laufenden monatlichen Rentenzahlungen wurden den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt. Die Höchstgrenze der monatlichen
Rentenzahlung liegt gegenwärtig bei 108,50 Dollar für eine Einzelperson;
bei verheirateten Rentnern kommt noch ein Zuschlag von 50 Prozent hinzu,
so daß die monatliche Rente in diesem Fall 162,80 Dollar beträgt. Witwen,
Kinder oder ein überlebender Elternteil des Versicherten erhalten im

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

im Höchstfall 81,50 Dollar, eine Witwe mit einem Kind 162,80 und mit
zwei Kindern 200 Dollar. Kinder erhalten Zahlungen bis zum Alter von
18 Jahren und im Falle ihrer völligen Erwerbsunfähigkeit auch noch
darüber hinaus.
Begünstigung der Lohnempfänger mit geringem Einkommen
Bei der Rentenfestsetzung schneiden die schlecht bezahlten Arbeiter am günstigsten ab. Die Grundrente beträgt 55 Prozent des monatlichen Durchschnittsverdienstes bis zu 110 Dollar zuzüglich 20 Prozent
bei Arbeitsentgelten zwischen 110 und 350 Dollar. Der über der letztgenannten Summe liegende Verdienst bleibt sowohl bei der Berechnung des
Versicherungsbeitrages als auch der späteren Rente unberücksichtigt.
Die Erfahrung hat gelehrt, daß viele Leute noch nach Erreichen
der Altersgrenze stundenweise oder ganztägig weiterarbeiten wollen.
Deshalb hat der amerikanische Kongreß das Gesetz vor einiger Zeit
dahingehend abgeändert, daß Personen bis zum Alter von 72 Jahren
1200 Dollar im Jahr ohne Kürzung ihrer Rente verdienen können. Personen, die 72 Jahre oder noch älter sind, können jeden beliebigen
Betrag ohne Beeinträchtigung ihrer Rentenansprüche verdienen.
Die Renten, für die ihre Empfänger Zahlungen wie für jede andere
Art von Versicherung geleistet haben, sind Rechtsansprüche und keine
Vergünstigungen. Infolgedessen kann der einzelne in beliebiger Höhe
Vermögen besitzen oder Einkommen aus angelegten Geldern beziehen, ohne
seine Rentenansprüche zu verlieren.
Zur Erlangung des Anspruchs auf eine Altersrente muß der Betreffende in einem vom Sozialversicherungsgesetz erfaßten Beruf eine bestimmte Zeit lang (mindestens eineinhalb Jahre, in gewissen Fällen
auch zehn Jahre) gearbeitet haben. Die zur Begründung eines Rentenanspruchs erforderliche Wartezeit wurde im Interesse der Personen, die
erst kurz vor der Erreichung der Altersgrenze in die Versicherung einbezogen worden sind, bewußt niedrig gehalten.
Invaliditätsversicherung
Nach einer im Juli 1957 rechtskräftig gewordenen weiteren Gecotzesänderung erhalten auch Arbeitnehmer im Alter von 50 bis 65 Jahren
bei schwerer und anhaltender Arbeitsunfähigkeit Leistungen aus der
Sozialversicherung. Die Invaliditätsrente entspricht der Altersrente,
jedoch werden für Angehörige keine zusätzlichen Leistungen gewährt.
Das Gesetz enthält auch besondere Bestimmungen zur Förderung der baldigen Wiederherstellung von arbeitsunfähigen Personen.

II.

�"AMERIKA PIEKST1'

II.

^Q, loveabei

1^7

ZuSAT/.LI^iE SOZIALE ÖICililEhEIT AUS LLISilSGEK pi£R
El Nv &amp;I STAATLI C iijSS INI) KÜLIMÜHAIFN Sl/ZIALPUGGRAiäKE

Unterotützung cu- öffentlichen Mitteln
Im Soziulversicherungsgesetz von 1955 -ind ferner ünterstützungszahlungen f^o öffentlichen Mitteln für drei PeTöOnengru^pen vorgesehen: 1. bedürftige alte Personen (beispielsweise nicht mehr berufstätige Pei^oricn, die nxcht in der Laye sind, Rentenansprüche aus- de-r
Altersversicherung zu eiworbtn); 2. Kinder, die durch Tod, Arbeitsunfähigkeit oder Abwesenheit ihrer Eltern unterstützungs- und fürsorgebedürftig sind; 3« notleidende Blinde . In dieses Unterstützungsprogranim wurden 1950 als vi exte Gruppe ständig und total arbeitsunfähige Bedürftige einbezogen. Dieses Unterstützungsprogramm für notleidende P^rhonen wird von den Einzelstaaten mit finanzieller Kilfe
de© Bundes verwaltet. Ende 1956 erhielten im Rahmen dieses Programms
5 Millionen Personen Unterstützungszahlungen. Etwa 2,5 Millionen dieser Unterstützungsempfänger waren alte Leute, von denen eine halbe
Million dio Zahlungen als Zuschuß zu ihren Versicherungsrenten erhielten. Die Aufwendungen der Bundesregierung und der Einzelstaaten
für dieses Programm stiegen von 217»7 Millionen Dollar im Jahre 1936
auf 2,6 Milliarden Dollar im Jahre 195^- Bestimmte Teile dieses Programms können allmählich abgebaut werden, und zwar in dem Maße, in
dem die in höherem Alter stehenden Unterstützungsempfänger im Laufe
der Zeit durch Tod ausscheiden und ein ständig zunehmender Prozentsatz der Bevölkerung im Rahmen der normalen Alters-, Hinterbliebenenund Invaliditätsversicherung versorgt wird. Staatliche Hilfe wird
künftig in erster Linie in Form von Zusatzleistungen in Fällen besonderer Bedürftigkeit ge»?ährt werden.
Zur Sicherstellung einer gerechten und unpa rteiischen Verteilung
der Hilfe aus öffentlichen Mitteln wurden im Bundesgesetz verschiedene
Sonderbestimmungen verankert; eine von ihnen besagt, daß die mit der
Verwaltung des Programms betrauten Angestellten der einzelstaatlichen
Behörden nach einem besonderen Eignungsprüfungsverfahren ausgewählt
werden. Außerdem erhalten sie eine Spezialausbildung, die ihnen die
notwendigen Grundlagen und Kenntnisse für die sorgfältige Erledigung
ihrer Arbeit vermittelt.
Die Einzelstaaten und die Gemeinden haben darüber hinaus noch
eigene allgemeine Unterstützungsmaßnahmen für andere bedürftige Personen vorgesehen. An diesen Aufwendungen ist die Bundesregierung jedoeh nicht beteiligt.

(Siehe Schaubild 2)

- 7-

�Schaubild 2

Die Entwicklung der Arbeitslosenversicherung
in den Vereinigten Staaten

50

42,0'

1938

1945

1950

1955

1956

* Einschliesslich
der Zivilbediensteten
des
die auf Grund des Gesetzes von 1954 in die
losenversicherung
einbezogen
worden sind.

-8-

Bundes,
Arbeits-

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

Arbeits losenverSicherung
Die große Depression im Jahre 1929» während der Millionen von
Amerikanern ihren Arbeitsplatz verloren und keine neue Arbeit finden
konnten, hat die Notwendigkeit einer Arbeitslosenversicherung deutlich
gezeigt. Das Sozialversicherungsgesetz von 1935 schloß deshalb auch
eine Arbeitslosenversicherung ein, die aus Beiträgen der Arbeitgeber
finanziert wird. Die allgemeinen Richtlinien hierfür wurden von der
Bundesregierung festgelegt; die Ausarbeitung der näheren Bestimmungen
blieb den Einzelstaaten überlassen. Bis zum Jahre 1937 hatten alle
Staaten die für die praktische Durchführung des Gesetzes erforderlichen legislativen Maßnahmen getroffen.
Alle Arbeitgeber in Industrie und Handel, die mindestens zwanzig
Wochen im Jahr vier oder mehr Arbeitnehmer beschäftigen, müssen Beiträge zu dem Arbeitslosenversicherungsfonds entrichten. Heute werden
von dieser Versicherung etwa zwei Drittel aller unselbständig arbeitenden Personen in den Vereinigten Staaten erfaßt. Nicht zu diesem
Personenkreis gehören im wesentlichen die landwirtschaftlichen Arbeiter, die Hausangestellten und die selbständig Berufstätigen.
Die Leistungen der Arbeitslosenunterstützung variieren in den
einzelnen Staaten bezüglich ihrer Höhe und der Zahlungsdauer. Im
allgemeinen belaufen sie sich bis zu einer festen Höchstgrenze auf
rund die Hälfte des Arbeitsentgeltes. In einigen Staaten werden je
nach Anzahl der unterhaltspflichtigen Angehörigen höhere Zahlungen
geleistet. Die Dauer der Unterstützungsleistungen schwankt zwischen
sechs und 30 Wochen.
Die Arbeitslosenversicherung soll nicht nur den Arbeitslosen
und seine Familie vor wirtschaftlicher Not schützen, sondern ihm auch
genügend Zeit geben, sich nach einem seinen Berufserfahrungen und Fähigkeiten entsprechenden neuen Arbeitsplatz umzusehen. Er soll nicht
mehr gezwungen sein, unter dem Druck einer wirtschaftlichen Notlage
die nächstbeste freie Stelle anzunehmen. Außerdem aber trägt die Arbeitslosenversicherung zur Stabilisierung der Wirtschaft dadurch bei,
daß sie in Zeiten eines wirtschaftlichen Rückganges die Kaufkraft
erhält.
Langfristige Arbeitslosigkeit konnte in dieses Gesetz nicht mit
einbezogen werden, weil es nicht möglich ist, eine Entschädigung für
jahrelangen Lohnausfall unter Wahrung des Versicherungscharakters zu
gewährleisten. Eine lange andauernde Arbeitslosigkeit, wie sie in Zeiten einer allgemeinen Depression vorkommt, überschreitet den Rahmen
dieses Gesetzes; sie wird als eine Angelegenheit der Bundespolitik
angesehen. In England war der Gesetzgeber der gleichen Meinung und
nahm die langfristige Arbeitslosigkeit nicht mit in die Gesetze über
die Arbeitslosenversicherung hinein.
Arbeitsunfallentschädigung

- 9-

�20. November

AMERIKA DIENST"

1957

ArbeitsunfallentSchädigung
Zweck der Gesetze über Entschädigungszahlungen bei Arbeitsunfällen ist die Sicherstellung einer sofortigen und angemessenen Entschädigung für Arbeitnehmer, die am Arbeitsplatz einen Unfall erlitten haben; ist der Arbeitnehmer tödlich verunglückt, dann sollen seine
Hinterbliebenen unverzüglich -eine Unterstützung erhalten. Gesetze über
die Arbeitsunfallentschädigung wurden 1911 von zehn Staaten erlassen;
bis 1920 folgten weitere J2 Staaten. Seit 1948 werden in allen Staaten
der USA gesetzlich geregelte Arbeitsunfallentschädigungen gezahlt.
Früher, als es diese Gesetze noch nicht gab, mußten Arbeitnehmer,
die einen Arbeitsunfall erlitten hatten, ihre Entschädigungsforderungen auf dem Klagewege durchzudrücken versuchen. Dazu war es notwendig,
ein Verschulden des Arbeitgebers nachzuweisen. Der Arbeitgeber konnte
nach amerikanischem Recht - dem Common Law - in drei Fällen Einreden
vorbringen, um eine Schadensersatzforderung abzuwehren, nämlich wenn
er nachweisen konnte, daß der erlittene Schaden im Rahmen der üblichen
Arbeitsgefährdung lag, daß eine Fahrlässigkeit eines anderen Arbeiters
für den Unfall verantwortlich war, oder daß uein Mitverschulden des
verletzten Arbeiters vorlag.
Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitsunfallentschädigung sind die Schadenskosten als Teil der gesamten Produktionskosten anzusehen. In ihren einzelnen Vorschriften weichen die Gesetze
in den verschiedenen Staaten zwar erheblich voneinander ab, aber die
meisten von ihnen stellen die Arbeitgeber vor die Wahl, entweder eine
Versicherung abzuschließen, die die Entschädigungszahlungen übernimmt,
oder den Nachweis zu erbringen, daß sie selbst in der Lage sind, entsprechende Entschädigungen zu zahlen.
In 23 Staaten sind diese Gesetze obligatorisch, in 25 Staaten
fakultativ. Unter den obligatorischen Gesetzen sind die Arbeitgeber und gewöhnlich auch die Arbeitnehmer - gezwungen, genau nach den
betreffenden Bestimmungen zu verfahren. Unter den fakultativen Gesetzen steht es dem Arbeitgeber, frei, ob er nach diesen Bestimmungen
verfahren will oder nicht. Verfährt er nicht nach diesen Bestimmungen,
so kann er allerdings auch nicht die nach dem Common Law üblichen
Einreden vorbringen.
Viele der Entschädigungsgesetze sind noch nicht so umfassend, wie
es wünschenswert wäre. Revisionen, die von den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten immer wieder vorgenommen werden, tragen
aber zur allmählichen Verbesserung dieser Gesetze bei. Mehr als 25 Prozent der amerikanischen Lohn- und Gehaltsempfänger werden von ihnen
noch nicht erfaßt. Manche Gesetze beschränken sich auf gewisse, als
gefährlich angesehene Beschäftigungszweige.
Auch die für eine zeitweilige oder dauernde Arbeitsunfähigkeit
oder bei Todesfall zahlbaren Beträge weisen beträchtliche Unterschiede
auf. Die meisten Gesetze begrenzen die für eine zeitweilige Arbeits-

- 10 -

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

Arbeitsunfähigkeit zu zahlende Entschädigung auf zwei Drittel des Durchschnittlohns bis zu einer bestimmten Höchstgrenze. Die Dauer in den
einzelnen Staaten, in denen eine zeitlich begrenzte Zahlungspflicht
besteht, ist unterschiedlich; sie beträgt in einigen Staaten 104 und
in anderen 700 Wochen. In zehn Staaten werden jetzt aber Unfallentschädigungen während der ganzen Dauer der Arbeitsunfähigkeit bezahlt.
In 21 Staaten werden Leistungen im Falle dauernder totaler Arbeitsunfähigkeit auf Lebenszeit gewährt. Andere Staaten haben für die
Zahlungsdauer oder die Höhe der zu zahlenden Summen oder für beides
bestimmte Grenzen festgelegt; diese reichen von 260 bis zu 800 Wochen
beziehungsweise von 6500 bis zu 20 000 Dollar.
Auch die bei Unfalltod geltenden Bestimmungen weichen in den einzelnen Staaten voneinander ab. In einigen Staaten erhält die Witwe
die Unterstützung auf Lebenszeit oder bis zu ihrer Wiederverheiratung;
für Kinder werden die Zahlungen bis zu einem bestimmten Alter geleistet. Die wöchentlich an die Witwe zu leistenden Zahlungen entsprechen einem bestimmten Prozentsatz des Arbeitsentgeltes ihres verstorbenen Mannes; sie können entsprechend der Kinderzahl erhöht werden.
Soweit von den einzelnen Staaten Höchstgrenzen für die insgesamt zahlbare Summe gesetzlich festgesetzt wurden, liegen diese zwischen 6000
und 20 000 Dollar.
Allgemein anerkannt ist der Standpunkt, daß eine durch Berufskrankheit herbeigeführte Arbeitsunfähigkeit einer Körperbeschädigung
gleichzusetzen und deshalb in gleicher Weise zu behandeln ist. Entsprechende Gesetze gibt es in 46 Staaten. Einige dieser Gesetze
führen die unter diese Regelung fallenden Krankheiten auf, andere
erstrecken sich auf sämtliche Berufskrankheiten.
Im Jahre 1955 wurden im Rahmen der verschiedenen Arbeitaunfallentschädigungsgesetze 920 Millionen Dollar für Entschädigung wegen
Arbeitsunfähigkeit oder für Krankenkosten gezahlt.

Krankenversicherung
In vier Staaten (und auf Grund des Bundesgesetzes für die
Eisenbahner, das im folgenden noch behandelt werden wird) sind bei
kurzfristigen oder in der Anfangszeit von langfristigen Krankheiten
Unterstützungszahlungen gesetzlich festgelegt. Diese Bestimmungen
sehen im allgemeinen Leistungen in Höhe eines halben Arbeitsverdienstes für die Dauer von 20 bis 26 Wochen vor. Im Rahmen von drei dieser Versorgungsprogramme kann die vom Gesetz geforderte Versicherung
bei privaten Versicherungsunternehmen abgeschlossen werden. In sehr
vielen Fällen wird dies so gehandhabt. In den übrigen Staaten liegt
das gesamte Programm in den Händen der staatlichen Verwaltung.

Hilfsprogramme

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�"AMERIKA DIENST"

20. November

1957

Hilfsprogramme für Kinder
Über die Abschnitte des Sozialversicherungsgesetzes, die die
Versicharungsleistungen anc Beihilfen für Kinder regeln, haben wir
bereits gesprochen.
Das Sozialversicherun^sgesetz von 1935 sieht aber auch die Bereitstellung von Bundesmitteln vor, die den Einzelstaaten als Zuochüsse
zur Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind oder für körperbehinderte
Kinder und andere Maßnahmen der Jugendwohlfahrt gewährt werden. Die
Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind erstreckt sich auf die ärztliche
Betreuung der. Mütter, ärztliche Untersuchungen von Schulkindern, Impfungen gegen verschiedene Krankheiten und die Einrichtung von Säugl.'ngsund Kinderpflegestätten. Alle diese Maßnahmen haben mit dazu beigetragen, daß die Mütter- und Kindersterblichkeit beträchtlich abgenommen hat. In der Zeit von 1935 bis 1955 ging die Kindersterblichkeit
um die Hälfte (auf 26,5 Todesfälle bei 1000 Lebendgeburten im Jahre
1955) zurück. Die Müttersterblichkeit verringerte sich sogar auf ein
Zehntel (0,48 Todesfälle bei 1000 Lebendgeburten im Jahre 1955).
Im Jahre 1955 wurden etwa 278 000 körperbehinderte und an angeborenen Krankheiten leidende Kinder im Rahmen dieses Programms ärztlich
betreut. Weitere Hilfsprogramme erstrecken sich auf schwererziehbare
un'i verwahrloste Kinder sowie auf Maßnahmen zur Verhinderung der Jugendkriminalität. Sozialfürsorger studieren die Fälle von schwererziehbaren Kindern und versuchen, ihnen die Einordnung in die Gemeinschaft zu erleichtern. Wenn erforderlich, bringen sie verwahrloste
Kinder in Pflegeheimen unter oder ermöglichen ihre Adoption durch
Familien, die die weitere Sorge für sie übernehmen. Die Erziehung
solcher Kinder durch Pflegeeltern tritt mehr und mehr an die Stelle
einer Unterbringung in Heimen.
öffentlicher Gesundheitsdienst
Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit obliegen in erster Linie
den Einzelstaaten und Gemeinden. Sie v/erden dabei aber von der Bundesregierung unterstützt, die ihnen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst beträchtliche Mittel und technische Hilfe zur Verfügung
stellt. Dieser Gesundheitsdienst, der in neun Großstädten Bezirksdienststellen unterhält, führt die oberste Aufsicht über die Lebensmittel- und Trinkwasserüberwachung, Maßnahmen der Indus trithygiene,
die Bekämpfung der wichtigsten Krankheiten und die Erstellung allgemeiner sanitärer Einrichtungen und Krankenhäuser. Der Gesundheitsdienst betreibt ferner über die Nationalen Gesundheitsinstitute
die Erforschung der Ursachen und Behandlung von Krebs, Herz-, Infektions- und Geisteskrankheiten sowie der zur Erblindung führenden
Leiden und so weiter. In Zusammenarbeit mit den Regierungen nderer
Länder und mit internationalen Organisationen beteiligt er sich an
der Lösung der verschiedensten Probleme des Gesundheitswesens.
III.

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�"i&gt;MVRTKA DIENST"

20. November
III.

1957

SONDERREGELUNGEN

KriegsteilnehmerVersorgung
Für die ehemaligen Soldaten wurden Gesetze erlassen, die ihnen
als Ertschädigung für wirtschaftliche Verluste, die sie durch den Militärdienst erlitten haben, weitgehende Hilfe gewähren. Weitere Gesetze
sorgen für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen. Allen
Solda en steht eine Lebensversicherung zur Verfügung, deren Beiträge
niedrig sind und die sie auch nach ihrer Rückkehr ins Zivilleben weiter
führen können.
Verletzungen oder Krankheiten, die sie sich während ihres Militärdienstes zugezogen haben, werden in Krankenhäusern, die speziell
für Kriegsteilnehmer eingerichtet wurden, kostenlos behandelt. Total
oder teilschwerbeschädigte ehemalige Soldaten erhalten Renten.
Den Männern und Frauen, die in den Streitkräften der Vereinigten
Staaten gedient haben, werden darüber hinaus noch viele weitere Vergünstigungen gewährt. Bei ihrer Rückkehr ins Zivilleben erhalten sie
Barvergütungen, die nach Art und Dauer des Dienstes von 100 bis 300
Dollar gestaffelt sind. Diese Zahlungen sollen ihnen die Rückkehr ins
Zivilleben erleichtern. Diejenigen, die nicht sofort eine neue Beschäftigung finden, erhalten außerdem eine wöchentlich zahlbare Unterstützung; Teilnehmer des zweiten Weltkrieges konnten sie bis zur
Höchstdauer von einem Jahr beziehen. In den ersten zehn Jahren nach
Ende des zweiten Weltkrieges "haben aber nur zehn Prozent der Kriegsteilnehmer ihren vollen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung geltend gemacht. Im Durchschnitt nutzten sie diese Versorgung nur sechs
Wochen lang aus.
Besondere Vergünstigungen werden ihnen auch beim Erwerb von Farmen , Häusern und Geschäften beziehungsweise Beteiligungen gewährt.
Niedrig verzinsliche Darlehen, die für derartige Zwecke aufgenommen
werden, werden durch die Regierung rückversichert. Insgesamt wurden
in den ersten zehn Jahren nach Kriegsende derartige Darlehen in einer
Hb e von etwa 30,5 Milliarden Dollar gewährt. Zu 90 Prozent wurde diese
Suiime zum Kauf von Häusern verwendet.
Bei der Einstellung durch staatliche Behörden werden ehemalige
Kriegsteilnehmer bevorzugt, wobei Kriegsbeschädigte wiederum Vorrang
gegeiüber den übrigen Kriegsteilnehmern genießen.
Alle Männer und Frauen, die in den Streitkräften Dienst geleistet
haben, haben ein Anrecht auf kostenlose Ausbildung. Die sogenannte
"GJ-Bill of Rights" ermöglichte den ehemaligen Soldaten des zweiten
Weltkrieges ein kostenloses Studium beziehungsweise eine kostenlose
berufliche Ausbildung für eine Dauer bis zu vier Jahren. Im Rahmen
dieses Gesetzes werden ihnen die Studiengebühren und Beihilfen zur
Deckung der Lebenshaltungskosten gezahlt, die bei Kriegsteilnehmern
mit unterhaltspflichtigen Angehörigen bis zu 120 Dollar im Monat
betragen.
Mehr

- 13 -

�20. November 1957

"AMERIKA DIENST"

Mehr als 7»8 Millionen ehemalige Soldaten erhielten
dieses Gesetzes kostenlos eine allgemeine oder spezielle
Die nachstehende - keineswegs vollständige - Aufstellung
viel ehemalige Kriegsteilnehmer in einigen Berufszweigen
wurden:
Arzte und Pflegepersonal

180 000

Ingenieure und Techniker

450 000

Wissenschaftler
Rechtsanwälte

113 000
107 000

Metallarbeiter

288 000

Elektriker

138 000

im Rahmen
Ausbildung.
zeigt, wieausgebildet

ooc

Drucker und Setzer

61

Polizisten und Feuerwehrleute

83 000

Regierungsbedienstete
Für die Bediensteten der Bundesregierung wurden besondere Gesetze
erlassen, die ihnen große wirtschaftliche Sicherheit geben. Nach den
Gesetzen über den zivilen Staatsdienst haben alle Regierungsbediensteten, abgesehen von einer verhältnismäßig kleinen Gruppe hoher politischer Beamter die Möglichkeit, in den ständigen Dienst übernommen
zu werden, aus dem sie nicht ohne besonderen Grund entlassen werden
können. Für die Bundesbediensteten gibt es ein eigenes Altersversorgungsprogramm, das durch Beiträge der Angestellten und der Regierung
zu einem besonderen Fonds finanziert wird. Die Pensionen, die den
Bundesbediensteten bei Erreichung der Altergrenze oder im Falle der
Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise ihren Hinterbliebenen gezahlt werden, richten sich nach der Höhe der Bezüge und dem Dienstalter.
Ein Altersrentenanspruch besteht für Bundesbedienstete mit mindestens fünfjähriger Dienstzeit bei Erreichung des 62. Lebensjahres
oder bei dreißigjähriger Dienstzeit nach Erreichung des 60. Lebensjahres.
Bundesbedienstete mit 30 Dienstjahren können sich sogar bereits mit
55 Jahren pensionieren lassen; ihre Versorgungsbezüge sind dann aber
geringer. Nach mindestens fünfjähriger Dienstzeit besteht ein vom Lebensalter anabhängiger Rentenanspruch im Falle der Arbeitsunfähigkeit.
Eine Pflicht,der Versetzung in den Ruhestand zuzustimmen, besteht erst
bei einem Alter von 70 Jahren und einer mehr als fünfzehnjährigen
Dienstzeit.
Angehörige des Bundesdienstes, die mit weniger als fünf Dienst.-iahren
ausscheiden, erhalten die von ihnen in den Versorgungsfonds eingezahlten
Gelder mit Zinsen zurück. Haben sie fünf oder mehr Jahre im Staats ienst
gearbeitet, dann können sie ihre Einlagen entweder zurückfordern ouer
aber im Fonds belassen. Im letzteren Falle sind sie mit 62 Jahren
pensionsberechtigt.
Die

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�''AMERIKA DIENST

20. November 1957

Die Bundesbediensteten erhalten außerdem bezahlten Urlaub und
Krankheitsurlaub. Beide richten sich nach der Länge ihrer Dienstzeit.
Sie sind außerdem in einer Arbeitslosen- und Arbeitsunfallversicherung
und können ohne große Kosten eine Gruppen-Lebensversicherung eingehen.
Der im Todesfall zur Auszahlung kommende Betrag entspricht etwa einem
Jahresgehalt.
Die Altersversorgung der Bediensteten der Einzelstaaten und Gemeinden ist unterschiedlich geregelt. In den meisten Fällen besagen die
Bestimmungen aber, daß sowohl die Angestellten als auch die beschäftigende Behörde Beiträge zu leisten haben. Dieses System entspricht dem
der Bundesregierung. Die Mehrheit der einzelnen Versorgungswerke gestattet eine Pensionierung nicht nur aus Altersgründen, sondern auch
wegen Arbeitsunfähigkeit.
Durch Ergänzungen des grundlegenden Sozialversicherungsgesetzes,
die im Jahre 1950 vorgenommen wurden, konnten bestimmte Gruppen von
Angestellten der Einzelstaaten und örtlichen Verwaltungen, die nicht
von ihren eigenen Versorgungseinrichtungen erfaßt werden, in die allgemeine Alters- und Hinterbliebenenversicherung einbezogen werden. Weitere
Änderungen des Gesetzes dehnten 1954 die Bestimmungen für einen freiwilligen Beitritt zur Sozialversicherung auch auf die Mitglieder
der einzelstaatlichen und kommunalen Versorgungseinrichtungen aus.
Nur etwa zehn Prozent aller Bediensteten der Einzelstaaten und Gemeinden besitzen keine Altersversicherung durch besondere Versorgungseinrichtungen, die Bundes-Sozialversicherung oder durch eine Kombination
beider Sozialwerke.
Eisenbahner
Für die Alters- und Arbeitslosenversicherung der Eisenbahner wurden in den Vereinigten Staaten besondere Gesetze erlassen. Altersrenten werden den Eisenbahnern im Alter von 65 Jahren bei zehn Dienstjahren oder zwischen 60 und 64 Jahren bei dreißig Dienstjähren gezahlt.
Ihre Witwen und Kinder oder die von ihnen wirtschaftlich abhängigen
Eltern können als Hinterbliebene entweder Renten oder eine Abfindungszahlung erhalten. Dauernd arbeitsunfähige Eisenbahner sind bereits
nach zehn. Dienstjahren rentenberechtigt. Für diejenigen, die nicht nur
bei der Eisenbahn, sondern auch in anderen Wirtschaftszweigen gearbeitet
haben, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer Verbindung der Eisenbahneraltersversorgung mit der allgemeinen staatlichen Altersversicherung
vor.
Arbeitslosenunterstützung wird den Eisenbahnern für höchstens
130 Tage pro Jahr gewährt. Ferner sind die Eisenbahner in einer Krankengeldversicherung; weibliche Eisenbahnangestellte können darüber hinaus
besondere Mütterbeihilfen in Anspruch nehmen.

(Siehe Schaubild 3 und 4)

- 15 -

�Schaubild 3

Welche

Mittel

stehen

der Regierung

der Vereinigten

zur Stabilisierung
der Wirtschaft
und Aufrechterhaltung
Kaufkraft
der Bevölkerung
zu Gebote ?

9

Staaten
der

Ein System von Versicherungsleistungen hilft vorübergehend beschäftigungslosen Arbeitnehmern.

9 Tarifverträge zwischen Gewerkschaften und Unternehmern schützen
die Arbeitnehmer vor Lohnkürzungen und der Verschlechterung der
übrigen Arbeitsbedingungen im F a l l e e i n e s Rückgangs in der
Wirtschaft.
9 Die Lohngesetzgebung s e t z t Mindestzahlungen an die Arbeitnehmer
fest.
9 Öffentliche Bauvorhaben, die dann in Angriff genommen werden,
wenn e s gilt, einem wirtschaftlichen Rückgang entgegenzuwirken.
9 Überwachung der Börsenta'tigkeit.
• Stüzung der P r e i s e für landwirtschaftliche Produkte.
0 Das Notenbanksystem der Regierung wirkt heftigen Schwankungen
im Volumen der Wirtschaftstätigkeit durch die Verteuerung oder
Verbilligung der Bankkredite entgegen und verstärkt im Anfangsstadium einer F l a u t e den Zahlungsmittelumlauf bzw. beschränkt
ihn im F a l l e e i n e s sich anbahnenden Booms.
9 Bankeinlagen sind bis zu einer Höhe von 10 000 Dollar durch die
Bundesregierung rflckversichert.
9 Ein Wirtschaftsbeirat berät den P r ä s i d e n t e n in allen Wirtschaft liehen Angelegenheiten und warnt die Wirtschaft vor eventuell
aufkommenden Schwierigkeiten.
9 Verschiedene s t a t i s t i s c h e Behörden versorgen die gesamte
Öffentlichkeit laufend mit allen verfügbaren Informationen über die
jeweilige wirtschaftliche Entwicklung.

-16-

�Schaubild 4

Eigentumsbildung auf
breitester

Grundlage

Gesamtbevölkerung der USA (1956)
168 M i l l i o n e n
Gesamtbeschäftigtenzahl
69 M i l l i o n e n

(19.56)

H a u s b e s i t z - 5 9 % aller nichtlandwirtschaftlichen Familien
leben in Wohnungen, die bereits ihr Eigentum sind oder
die auf Grund eines Ratenzahlungsvertrages allmählich
in ihr Eigentum übergehen.
Farmbesitz - 7 5 , 6 % aller amerikanischen Farmen sind
Eigentum oder t e i l w e i s e s Eigentum der Landwirte,
von denen sie bewirtschaftet werden.
Bank- und Sparguthaben - Über 130 Millionen Amerikaner Männer, Frauen und Kinder - haben ein Bank- oder
Sparkassen guthaben.
Staats- und Kommunalpapiere - Über 46 Millionen Amerikaner
sind im B e s i t z von Obligationen d e s Bundes, der
E i n z e l s t a a t e n oder der Gemeindeverwaltungen.
Aktien - Etwa zehn Millionen Amerikaner besitzen Industrieaktien.
Lebensversicherungen - 8 6 % aller amerikanischen Familien
haben eine Lebensversicherung der einen oder anderen
Form a b g e s c h l o s s e n . Ihr Gesamtwert beziffert sich
auf 415 Milliarden Dollar, die durchschnittliche Höhe
pro Familie beträgt 9000 Dollar.
Kraftfahrzeuge - Über 70 % aller Familien haben ein oder
mehrere Kraftfahrzeuge.
Kreditgenossenschaften - Über vier Millionen Amerikaner
haben Anteile von Kreditgenossenschaften erworben.

-17-

�AMERIKA DIENST"

20. November 1957
IV.

DAS FUNDAMENT DER SICHERHEIT

Die private Wirtschaft
Bisher haben wir über die Rolle gesprochen, die der Staat auf dem
Gebiet der sozialen Sicherheit spielt. Das sichere Fundament aber, das
alle diese Sozialleistungen erst ermöglicht, ist die Stärke und Gesundheit der freien Privatwirtschaft. Das amerikanische Wirtschaftssystem
hat zu einer weiten Streuung des Eigentums geführt und die Amerikaner
in die Lage versetzt, durch Ersparnisse, Versicherungen, Haus- und
anderen Besitz selbst für ihre wirtschaftliche Sicherheit zu sorgen.
Darüber hinaus hat man auf privater Basis weitere Einrichtungen
für die Altersversorgung geschaffen. Ende 1956 hatten etwa 23 000
amerikanische Firmen eigene Pensionskassen mit 14 Millionen Mitgliedern»
Im Jahre 1955 wurden ungefähr 585 Millionen Dollar an mehr als 920 000
Pensionäre ausgezahlt, von denen die meisten außerdem noch Renten aus
der Bundes-Sozialversicherung bezogen. Als Anreiz zur Eildung von privaten Pensionskassen wurden besondere Gesetze erlassen, die den Unternehmen, die solche Versorgungswerke unter Einhaltung bestimmter Richtlinien schaffen, Steuervergünstigungen für die aufgewandten Mittel
gewähren.
Es gibt noch viele andere freiwillige Versicherungspläne und private Einrichtungen und Vereinbarungen, die zur allgemeinen Wohlfahrt
des amerikanischen Volkes beitragen. Einige von ihnen sollen auf den
folgenden Seiten besprochen werden.

Der garantierte Jahreslohn
Die wirtschaftliche Unsicherheit, die ihre Ursache in dem ständigen Auf und Ab bestimmter Wirtschaftszweige hat, bereitete den Arbeitern
in aller Welt seit langem Sorge. Eines der Mittel, mit denen man dieses
Problem angeht, ist der garantierte Jahreslohn. Vertragliche Vereinbarungen über die Bezahlung eines garantierten Jahreslchnes wurden 1955 zwischen
den Gewerkschaften und den Arbeitgebern in den wichtigsten Automobil-,
Stahl-, Gummi- und Aluminiumwerken ausgehandelt.
Diese Abmachungen unterscheiden sich zwar in ihren einzelnen Bestimmungen, aber in allen ist ein Firmenfonds vorgesehen, aus dem unbeschäftigte Arbeitei zusätzliche Beihilfen zur staatlichen Arbeitslosenunterstützung erhalten.
In der diesbezüglichen Vereinbarung mit der Ford Motor Company
ist zum Beispiel festgelegt, daß die Gesellschaft einem arbeitslosen
Betriebsangehörigen zusätzlich zur staatlichen Arbeitslosenunterstützung bis zu sechs Monate lang Beihilfen zahlt, die seiner- Gesamtunterstützung auf mehr als 60 Prozent seines normalen Lohnes erhöhen.
(Siehe Schaubild 5)

- 18 -

�Schaubild 5

Art und Höhe der von Amerikanern abgeschlossenen
G E S A M T W E R T : 415 M I L L I A R D E N D O L L A R

Wert in Milliarden Dollar
Normale Lebensversicherungen
Gruppen-Lebensversicherungen
Sterbegeld-Versicherungen
Kredit-Lebensversicherungen
86 % AULER F A M I L I E N IN D E N
V E R E I N I G T E N STAATEN HABEN
EINE LEBENSVERSICHERUNG
DER E I N E N O D E R A N D E R E N ART
ABGESCHLOSSEN
DURCHSCHNITTLICHE VERSICHERUNGSSUMME P R O F A M I L I E (isee)
»000 DOLLAR

Quelle: Institute of Life Insurance,
1956 Life Insurance Fact Book

-19-

Lebensversicherungen
(geschätzt)

239
119
40
17

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

Lebensversicherungen
Eine in den USA besonders weit verbreitete Form der wirtschaftlicher. Sicherung ist die Lebensversicherung. Im Jahre 1955 waren mehr
als 103 Millionen Amerikaner, also über 60 Prozent der Bevölkerung,
Inhaber von Lebensversicherungspolicen; im gleichen Jahre wurden an
die Hinterbliebenen von Versicherten insgesamt 2 240 731 000 Dollar
ausgezahlt.
Der vorherrschende Versicherungstyp ist der normale Lebensversicherungsvertrag, der zwischen dem Versicherungsnehmer und einer Versicherungsgesellschaft abgeschlossen wird. Die im Jahre 1955 laufenden
Versicherungsverträge dieser Art lauteten insgesamt über 216,6 Milliarden Dollar.
Private Arbeitgeber oder Behörden schließen oft auch GruppenLebensversicherungsverträge für ihre Arbeitnehmer ab. Diese Art der
Versicherung ist beträchtlich billiger als eine individuelle Lebensversicherung} außerdem ist im Normalfall für die Aufnahme keine ärztliche Untersuchung erforderlich. Im Jahre 1955 liefen solche Gruppenlebensversicherungsverträge über insgesamt 101,3 Milliarden Dollar.
In vielen Versicherungsverträgen ist bei Unfalltod die Auszahlung
der doppelten Versicherungssumme vorgesehen. Andere Verträge enthalten
Bestimmungen über Versicherungsleistungen bei Arbeitsunfähigkeit.
Die Möglichkeit eines Versicherungsschutzes besteht für so gut
wie jeden Unglücksfall oder Notstand. So haben sich in den letzten
Jahren viele Leute, die ein Haus gekauft haben, für den Fall versichert,
daß sie die restlichen Raten nicht aufbringen können. Bei dieser Art
Versicherung übernimmt der Versicherungsträger die Bezahlung der
Schulden, wenn der Versicherungsnehmer stirbt oder wegen Arbeitsunfähigkeit seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann.

(Siehe Schaubild 6)

- 20 -

�Schaubild 6

Der Anstieg der Zahl der Freiwilligversicherten in der privaten
Kranken- und Krankenhausaufenthaltsversicherung

110

100

91,9

90

80

70

60

55,5
50

Operationskosten Versicherung:
Die Versicherungsgesellschaft
bezahlt dem Chirurgen bezie hungsweise dem Kranken die für
die Vornahme bestimmter
Operationen vereinbarten Beträge.

Krankenkostenversicherung:
D i e s e Versicherung verfolgt
den Zweck, die wichtigsten
Kosten bei ernsten Erkrankungen
oder Unfällen abzudecken.

40

30

20

10

1941 43

Krankenhausaufenthaltsver Sicherung: Die Versicherungsgesellschaft bezahlt die Krankenhauspflegekosten sowie die
damit verbundenen Nebenkosten
für eine bestimmte Anzahl von
Tagen.

45 47 49

51 53

55

-21-

�"AMERIKA DIENST

20. November 1957

Freiwillige Krankenversicherung
Für diejenigen, die die Prämien selbst bezahlen oder deren Arbeitgeber die Prämienzahlung t llweise oder ganz übernehmen, stehen in
den USA verschiedene Arten von Kranken- oder Kranke 'geldversicherungen
auf freiwilliger Basis zur Auswahl. Die ersten Krank nversicherungen
bildeten sich bereits vor fast einhundert Ja ren heraus. Einige
dieser Versicherungen hatten genossenschaftlichen Charakter; die
meisten beschränkten sich auf bestimmte Berufsgiuppen wie Eisenbahner, Holzfäller oder Bergleute. Diese sorgten aber nur für die
Arbeiter selbst, nicht für deren Familien. Sie deckten den größten
Teil der Kosten der ärztlichen Betreuung und ines notwendigen Krankenhausaufenthalts .
Im Unterschied zur Praxis in vielen anderen Ländern gehört in
den privaten Krankenhäusern der Vereinigten Staaten die ärztliche Betreuung nicht zur Krankenhausbehandlung. Seit den dreißiger Jahren
dieses Jahrhunderts und in zunehmendem Maße in der Zeit nach dem
zweiten Weltkrieg bildete sich ein Versicherungstyp heraus, der nur
einige genau festgelegte Teile der Behandlungskosten erfaßt. Der
Patient bezahlt Arzt und Krankenhaus getrennt. Bei der ersten Form,
die diese neue Versicherungsart annahm, wurde vom Versicherungsträger
die Bezahlung eines Teiles oder aller Krankenhauskosten für Unterbringung, Verköstigung, Pflege und andere Krankenhausleistungen übernommen. In einer Krankenhauskosten-Versicherung sind heute etwa 108
Millionen Menschen.
Bei der sich später herausbildenden Versicherungsart deckt die
Gesellschaft(&lt;fceilweise oder ganz) die Arztrechnung im Falle einer
im Krankenhaus vorgenommenen Operation. Insgesamt 92 Millionen Menschen genießen heute den Schutz einer solchen Operationskostenversicherung.
Zahlreiche andere Versicherungen zahlen heute einen Teil der Behandlung während eines Krankenhausaufenthalts, bei dem keine Operation
erforderlich ist. Einen solchen Teilschutz haben 56 Millionen Versiehe rungsnehmer.
Seit dem zweiten Weltkrieg besteht die Tendenz zu einer Art von
Vorauszahlung der Heilkosten in Fällen, in denen kein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist. Solche Abmachungen haben verschiedene
Gestalt angenommen. Einige Versicherungen lassen die ärztliche Behandlung selbst vornehmen, und zwar von einer ärztlichen Arbeitsgemeinschaft; andere ersetzen dem Patienten die Kosten, die ihm für
den Besuch beim Arzt oder für dessen Besuch in der Wohnung des Patienten entstanden sind. Nur knapp 10 Millionen Personen sind in
irgendeiner Form für Arzt- und Behandlungskosten versichert, die
außerhalb eines Krankenhauses entstehen. Aber einige Millionen dieser
Verträge über die Vorauszahlungen von Heilkosten sind sehr umfassend
und schließen sowohl vorbeugende und diagnostische Leistungen als
auch Heilbehandlung ein.
Eine

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20. November

1957

Eine andere Art der Krankenversicherung, die in den Vereinigten
Staaten anzutreffen ist, ersetzt teilweise den Lchnverlust, den ein
kranker Arbeitnehmer durch zeitweilige Arbeitsunfähigkeit erleidet.
Etwa 52 Millionen Personen haben eine derartige Versicherung abgeschlossen, die ihnen im Falle einer länger als drei bis sieben Tage
dauernden Krankheit den Lohnausfall teilweise vergütet. Weitere 8
Millionen, die zum überwiegenden Teil im öffentlichen Dienst stehen,
erhalten bezahlten Krankenurlaubj ihre Bezüge werden im Krankheitsfalle für eine im einzelnen unterschiedliche Dauer weitergezahlt.
Die Kosten für einen Lohnausfallschutz müssen in gewissen Fällen vom
Arbeitgeber getragen werden.
Private Wohlfahrtspflege
Die soziale Fürsorgetätigkeit wird in den Vereinigten Staaten
zum Teil aus Steuermitteln, zum Teil aber von zahlreichen privaten
philanthropischen Institutionen finanziert. Mehrere Milliarden
Dollar werden alljährlich von Millionen Amerikanern in Form von Spenden für soziale Zwecke aufgebracht. Die einzelnen Beträge sind oft
größer als die Steuerzahlungen der Spender. Im Jahre 1955 gingen für
religiöse Zwecke, für Gesundhe'ts- und Wohlfahrtseinrichtungen, Schulen,
Krankenhäuser und für Auslandshilfsprogramme 5 Milliarden Dollar ein.
Etwa 450 Millionen Dollar kamen durch freiwillige Spenden amerikanischer Unternehmen und Organisationen zusammen; in testamentarischen
Verfügungen wurden etwa 350 Millionen Dollar für philanthropische Zwecke
gestiftet.
Die Gesamtsumme der für wohltätige Zwecke im In- und Ausland bestimmten Spenden belief sich auf nahezu 6 Milliarden Dollar, das sind
zwei Prozent des amerikanischen Nationaleinkommens. Private Wohlfahrtsorganisationen sorgen für viele Kranke und Arme in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern, sie geben außerdem Gelder für Schulen und
Krankenhäuser und unterstützen di s medizinische Forschung.
Von besonderem Wert für kranke und arme Menschen in aller Welt
Bind die Hilfsmaßnahmen, die von den freiwilligen Auslandshilfsorganisationen durchgeführt werden. Diese Organisationen, wie beispielsweise die Amerikanisch-Koreanische Stiftung und die CARE (Cooperative
for American Remittances to Everywhere), beteiligen sich maßgeblich an
der Verteilung von landwirtschaftlichen Produkten, die vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium als Überbestände zur Verfügung gestellt
werden, sowie vcn Kleider- und Arzneimittelspenden und von finanziellen
Beihilfen für bedürftige Personen in mehr als 75 anderen Ländern. Im
Jahre 1956 wurden durch Hilfsorganisationen aus solchen Überbeständen
fast 520 000 t Lebensmittel im Werte von 180 Millionen Dollar im Ausland verteilt; dazu kamen noch Arzneimittel, Kleidung und so weiter im
Werte von 50 Millionen Dollar und etwa der gleiche Betrag in Gestalt
von finanziellen Beihilfen.
Auf

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Auf dem Gebiete des Gesundheitswesens haben gemeinsinnige Amerikaner
durch ihre jährlichen Spenden für die Hilfstätigkeit des Roten Kreuzes
una vieler amerikanischer Organisationen, die auf dem Gebiet der Gesundheitspflege tätig sind, eine bedeutsame Rolle gespielt. Da«* Rote Kreuz,
das allein in d-n Vereinigten Staaten 7000 Dienststellen anterhält und
über die ganze Welt verbreitet ist, erhielt 1955 vom amerikanischer, Volk
Spenden in Hohe von insgesamt 94»5 Millionen Dollar. Mit diesem Geld
wurden Hilfsmaßnahmen für die Opfer vcn Katastrophen, Bl .tspe.ndeakt ionen,
Maßnahmen zir Gesunderhaltung des amerikanischen Volkes und Aus]andshi3fsprogramme finanziert. Bei einem Spendenaufruf des Roten Kreuzes
im Herbst 1956 für die ungarischen Flüchtlinge gingen 5 Millionen Dollar
ein .
Andere nationale Vereinigungen widmen ihre Tätigkeit besonderen
Gesundheitsproblemen. So unterstützt beispielsweise die Amerikanische
Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose zahlreiche einschlägige
Forachungsprojekte. Sie finanziert die Tätigkeit ihrer mehr als 5000
staatlich und örtlich gegliederten Organisationen durch den Verkauf von
Sondermarken zur Weihnachtszeit. Fast 25,8 Millionen Dollar kamen 1955
durch diesen Markenverkauf ein.
Unschätzbare Dienste leistete die Amerikanische Vereinigung zur Bekämpfung der Kinderlähmung, die 1938 von dem verstorbenen Präsidenten
Roosevelt una einigen seiner Freunde gegründet wurde, bei der Erforschung
der Ursachen dieses Leidens, in der Entwicklung prophylaktischer Schutzmaßnahmen und in der Fürsorge für seine Opfer. Sie beteiligte sich maßgeblich an der Finanzierung der im ganzen Lande durchgeführten Kampagnen
für die Polioimpfung der Kinder. Der neue, von dem amerikanischen Arzt
Dr. Jonas E. Salk entdeckte Impfstoff wurde 1954 bei mehr als 400 000
Kindern sorgfältig erprobt. Im darauffolgenden Jahre begann man im ganzen Lande mit der Massenimpfung der Kinder. An der Finanzierung dieser
vorbeugenden Maßnahmen sowie der Erforschung und Behandlung der Krankheit
beteiligte sich die Vereinigung in Zusammenarbeit mit dem Öffentlichen
Gesundheitsdienst.
Eine andere Organisation, die Amerikanische Gesellschaft für Eerzforschung, hat seit 1948 für die Bekämpfung von Herzkrankheiten und
Kreislaufstörungen über 13 Millionen Dollar ausgegeben.
Die Amerikanische Gesellschaft zur Krebsbekämpfung st'ftet große
Summen für die Erforschung und Diagnostizierung von Krebs sowie für die
al gemeine Verbreitung von Kenntnissen über dieses Leiden und seine Verhinderung. Im Jahre 1955 brachte diese Gesellschaft 26 Million-n Dollar
auf.
Außer den wohltätigen Organisationen, zu denen die amerikanische
Bevölkerung alljährlich finanzielle Beiträge leistet, gibt es in den
Vereinigten Staaten etwa 5000 Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von
etwa 7 Milliarden Dollar, die.1955 für philanthropische Zwecke im Injnu Ausland schätzungsweise 400 Millionen Dollar ausgegeben haben. Einige
der größten Stiftungen sind durch die Hilfe, die sie karitativen, wissenschaftlichen und bildungsfordernden Projekten in vielen Ländern zuteil

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�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

zuteil werden ließen, in der ganzen V/elt bekannt geworden. Die FordStiftung, die von dem Automobilproduzenten Henry Ford gegründet wurde
und von seiner Familie weiterhin unterstützt wird, verfügt über ein
Vermögen von mehr als 2 Milliarden Dollar. Im Jahre 1955 gab sie für
die Förderung des Erziehungswesens und der Wissenschaft sowie für
wirtschaftliche Entwicklungsvorhaben in amerikanischen, europäischen,
asiatischen und afrikanischen Ländern 70 Millionen Dollar aus. Die
Rockefeller-Stiftung, deren Vermögen 300 Millionen Dollar übersteigt,
wurde "zur Förderung des Wohlergehens der Menschheit in aller Welt"
ins Leben gerufen. Sie nimmt sich vor allem der Ausbildung von Medizinern an und fördert das öffentliche Gesundheitswesen, die biologische und medizinische Forschung sowie die Landwirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Carnegie Corporation of New York, deren Vermögen nahezu 200 Millionen Dollar beträgt, gibt ihre Hilfe vor allem
für Bildungs- und Forschungszwecke in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Eine verwandte Organisation, die Carnegie Endowment for
International Peace (Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden)
verwendet ihren Fonds in Höhe von 20 Millionen Dollar für die Forderung
der internationalen Verständigung durch Unterstützung des Erziehungswesens und der Tätigkeit der Vereinten Nationen.

ZU SAMMENFASSUNG
Die soziale Sicherheit, die heute die Amerikaner genießen, ist
das Ergebnis von staatlichen und privaten Maßnahmen, d e in gegenseitiger Ergänzung einen weitgehenden Schutz gegen die Unbilden und
Wechselfälle des Lebens geben. Letzten Endes hängen natürlich alle
diese Maßnahmen von der Stabilität der amerikanischen Wirtschaft ab.
Die führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft und der "-'egierung richten deshalb ihre Bemühungen darauf, den besten Weg für die Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung und eines hohen Grade= der Kapazitätsausnutzung
zu finden.
Wenn es auch stimmt, daß man bisher noch kein absolut stabiles
Wirtschaftssystem entwickeln konnte, so ist es andererseits ebenfalls
Tatsache, daß das kapitalistische System in den Vereinigten Ctasten einen
so weitgehenden Wandel erfahren hat, daß eine ernsthafte Depression
äußerst unwahrscheinlich geworden ist.
In nicht ferner Zukunft werden alle alten Menschen, die sich aus
dem Berufsleben zurückziehen, in den Genuß der von der Regierung geförderten Altersversorgung kommen, auf die sie auf Grund ihrer jahrelangen Beiträge einen Rechtsanspruch erworben haben. Als zusätzliche
Sicherung werden eigene Ersparnisse, private Versicherungsverträge
oder selbsterworbener Besitz dienen. Auf der anderen Seite wird das
staatliche Hilfsprogramm Schritt für Schritt soweit eingeschränkt werden, daß es sich nur noch mit ganz besonders gelagerten Fällen zu
befassen hat, die auf andere Weise nicht gelöst werden können.

* * * * *

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�A M E R I K A

E N S T

Allg./l8.12.1957
EISENHO'.VER FORDERT GEMEINSAME MASSNAHMEN ZUR STÄRKUNG
DES FRIEDENS

PARIS - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower vom 16. Dezember 1957» in der er die Regierungschefs
der NATO-Mitgliedstaaten in Paris auffordert,
gemeinsame Maßnahmen zur Stärkung und Festigung des Friedens zu erörtern.

"Ich bin hier, um mit Ihnen die Arbeit der NATO für einen gerechten Frieden fortzuführen, Ich bin mit Ihnen in Paris zusammengekommen mit Ihnen,meine langjährigen Freunde und Kollegen, die Sie alle mit an
der schweren Verantwortung tragen, aber auch an den hoffnungsvollen
Möglichkeiten teilhaben.
Diese Konferenz steht in der Geschichte der NATO einzig irtig da.
Zum ersten Mal nehmen an ihr die Regierungschefs teil.
Unser Treffen hier steht nicht unter der bedrückenden Furchti, daß
jeder der hier vertretenen Staatem einzeln und für sich handelnd, nicht
in der Lage wäre, der aggressiven Macht zu begegnen, die gegen ihn aufgebracht werden könnte.
Dies gehört der Vergangenheit an.
Unsere Konferenz wird auch nicht von so furchtbaren Gedanken überschattet, daß unsere Städte wiederum durch Zwietracht zerstört und schwer
gezeichnet, unsere Wirtschaft aufs äußerste angespannt und unsere Völker vom Krieg gegen den Totalitarismus erschöpft wären.
Auch dies gehört der Vergangenheit an.
Und ganz gewiß auch treffen wir hier nicht in einer Atmosphäre
nationalistischen Stolzes zusammen, der auf Kosten unserer Bruderstaaten eigennützige Interessen verfolgt.
Dies ist bei der NATO niemals der Fall gewesen.
Wir sind hier zusammengekommen, um uns erneut mit all unseren
Kräften darum zu bemühen, die dunklen Schatten zu bannen, die auf

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"AMERIKA DIENST

auf die freie Welt fallen. Wir sind hier, um den Bestand unserer großen
Aktivposten an Menschen, Geist und Material aufzunehmen. Wir sind hier,
um Mittel und Wege zu finden, um unsere unbestrittene Stärke für den
Aufbau einer großen und sicheren Heimstatt für die Menschheit hier auf
Erden einzusetzen.
Dies ist eine Zeit, in der wir Größe zeigen müssen.
Wir beten um Größe unseres Mutes und Willens, um jede Möglichkeit
des gemeinsamen Handelns auszuschöpfen, die der Sache der Gerechtigkeit
und des Friedens dienlich sein könnte.
Wir beten um Größe unseres Mitgefühls und Verständnisses und unserer Kameradschaft, so daß wir zusammenwirken und die zwischen uns
bestehenden Differenzen überwinden können, die unseren Weg in die
gemeinsame Zukunft behindern.
Wir beten um Größe unserer Opferbereitschaft, so daß wir unwichtige Ziele und Interessen außer acht lassen, um uns voll und ganz für
unser aller Wohlergehen einzusetzen.
Wir beten um Größe der Weisheit und des Glaubens, so daß in uns
allen die Entschlossenheit geweckt wird, alle Maßnahmen, die wir ergreifen, zu Maßnahmen für den Frieden werden zu lassen.
Mit Frieden meine ich nicht die unfruchtbare, leere Idee einer
Welt, in der ein offener Krieg eine Zeitlang ausgeschaltet ist, weil
die von den Menschen erbauten, miteinander konkurrierenden Kriegsmaschinerien dazu neigen, den durch sie hervorgerufenen Schrecken wechselseitig zu neutralisieren.
Ich meine mit Frieden auch nicht das im Grunde Unbehagen bereitende Fehlen von Konflikten, das durch die Aufgabe von Prinzipien
erkauft wird.
Wir können keinen Frieden haben und dabei die berechtigten Hoffnungen und Erwartungen sowie unser großes Erbe aufgeben.
Der Frieden, den wir anstreben, ist ein Frieden, in dem Gerechtigkeit und gegenseitiges Verstehen sich ständig weiter ausbreiten
- ein Frieden, unter dem Männer und Frauen ihr ihnen angeborenes Recht
auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück frei ausüben können. In
einem solchen Frieden können die Menschen frei produzieren, frei Handel
treiben, frei reisen, frei denken, frei beten. Wir streben einen
schöpferischen und dynamischen Frieden an mit erfolgreich arbeitenden
Institutionen, aufblühenden Volkswirtschaften und einem tieferen geistigen Verstehen für alle Nationen und alle Menschen.
Die NATO wurde vor fast zehn Jahren ins Leben gerufen. Bis dahin
waren acht europäische Nationen unter sowjetische Herrschaft gekommen,
und es bestand ganz offensichtlich die Gefahr, daß das übrige Europa

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Europa Land um Land dem mächtigen militärischen und politischen Einfluß der Sowjetunion unterliegen könnte.
Die NATO hat bewiesen, daß sie eine Organisation des Friedens
ist. Seit ihrem Bestehen ist kein weiteres Land in Europa durch die
kommunistische Aggression verlorengegangen. Hinter dem Schutzschild
der Abschreckungsstärke der NATO, sowohl konventioneller wie auch
atomarer Art, haben die Völker des Westens große Fortschritte erzielt.
Hier auf dem europäischen Kontinent ist ein Fortschritt auf dem
Wege zur Einheit erreicht worden, wie er sich in der Montanunion, dem
Euratom und dem Gemeinsamen Markt manifestiert.
Somit ist die Vision der Staatsmänner gerechtfertigt und ein neuer
Ansporn für die großen schöpferischen Kräfte gegeben, die so lange Zeit
durch unsinnige Spaltung geschwächt waren. Überall haben die Völker
des Westens ein neues Stadium wirtschaftlichen Wohlstandes erreicht.
Wir sehen in Europa und in Amerika das pulsierende Leben in unseren Fabriken und Stahlwerken und im Transportwesen, in den Zentren
unseres Handels, in unserer Landwirtschaft, in unseren Kleinbetrieben
und unseren riesigen industriellen Unternehmungen. Und über diesen
materiellen Werten steht noch die moralische und geistige Stärke, die
nicht in festen Begriffen gemessen werden kann.
Wir dürfen auf die Vergangenheit mit Genugtuung, auf die Gegenwart jedoch nicht mit Selbstgefälligkeit blicken. Der sowjetische Staat
verstärkt seine militärische und wirtschaftliche Macht täglich, und
seine Machthaber machen ihre Absicht offenkundig, diese Macht zur Beherrschung der Welt einzusetzen.
Zur Erreichung dieses Zieles legt das sowjetische System den
großen Massen seiner Arbeiter eine eiserne Disziplin auf. Ihr Los
ist das von Zwangsairbeitern in einer gelenkten Produktion, was sowohl
zu verabscheuen ist als auch eine Gefahr darstellt, denn damit werden
einem despotischen Staat die ungeheuren Hilfsquellen in die Hand gegeben, die von Leibeigenen geschaffen wurden.
So wird dort die Produktion neuer Waffen forciert, einschließlich
von Atomsprengköpfen und Raketen. Die Kommunisten haben in gleicher
Weise ihre industrielle Kapazität ausgeweitet. Sie fordern uns auf
wirtschaftlichem Gebiet zu einem internationalen Wettstreit heraus,
wobei sie auf dem Wege über eine wirtschaftliche Durchdringung die
Herrschaft über weitere menschliche und materielle Hilfsquellen zu
erreichen suchen.
Dies sind einige der Probleme, denen wir uns gegenübersehen.
Die Anwesenheit der Regierungschefs hier zeigt, daß wir uns des
Ausmaßes der Herausforderung bewußt sind.
Auf einer späteren Sitzung wird der NATO-Rat Vorschläge für besondere Maßnahmen zur Stärkung unserer kollektiven Anstrengungen erörtern. Aber ich wiederhole, gleichgültig welche Maßnahmen wir auch

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auch immer ergreifen werden, es werden immer Maßnahmen für den Frieden
sein.
Der Frieden, den wir erstreben, ist'nicht umsonst zu haben; sein
Preis wird vielmehr hoch sein. Aber das braucht uns nicht zu erschrekken. Unsere freien Völker verfügen über reiche Hilfsquellen, um jeder
Bedrohung begegnen zu können.
Die Frage ist einzig und allein, ob wir das tun wollen, ob wir in Freiheit - den Preis zahlen wollen, der für die Erhaltung der Freiheit gefordert wird.
Lassen Sie uns einen Blick auf die uns zur Verfügung stehenden
Hilfsquellen werfen. Die 15 NATO-Staaten umfassen eine Bevölkerung von
fast 500 Millionen Menschen. Diese Bevölkerung hat eine per capitaProduktion, die etwa dreimal so groß wie die der Sowjetunion ist.
Unsere Wissenschaftler und Techniker waren die Erfinder alles dessen,
was unser derzeitiges Kriegs- und Friedenshandwerk revolutioniert. Wir
verfügen über den zur Zeit stärksten Militärapparat der Welt.
Dies sind einige unserer Aktivposten in materieller Hinsicht.
Wichtiger aber noch sind unsere politischen und moralischen Werte, die
unser nationales Erbe darstellen.
Wir haben unseren ehrlichen Willen für eine weltweite Abrüstung
und den von der ganzen Menschheit ersehnten Frieden unter Beweis gestellt .
Nach dem zweiten Weltkrieg haben die freien Nationen, ohne auf
Abrüstungsabkommen zu warten, freiwillig und von sich aus abgerüstet.
Zu einer Zeit, als der Westen das Atommonopol besaß, erboten wir
uns, es einer internationalen Kontrolle zu unterstellen, damit diese
furchtbare Kraft niemals für einen Krieg verwandt würde.
Wir formulierten und entwickelten die Konzeption der 'Atome-fürden-Frieden'. Die Internationale Atomenergiebehörde, die nunmehr in
Wien arbeitet, ist ein Ergebnis unseres Ideenreichtums und unserer
Standhaftigkeit.
Die westlichen Nationen haben den Plan der 'Offenen Himmel'
unterbreitet, auf daß keine Nation mehr einen massiven Überraschungsangriff gegen ein anderes Land führen könnte.
Wir haben im vergangenen Sommer in London vorgeschlagen, daß die
Herstellung spaltbaren Materials für Waffenzwecke eingestellt werden
sollte, daß Kernwaffen daher nicht länger mehr erprobt werden sollten
und daß vorhandene Kernwaffenbestände durch Überstellung für friedliche Zwecke reduziert werden sollten.
Wir haben den Willen demonstriert, die Segnungen der Freiheit zu
verbreiten. Innerhalb der letzten 15 Jahre haben unsere Nationen

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Nationen freiwillig zwanzig Ländern mit einer Bevölkerung von zusammen
achthundert Millionen Menschen die politische Unabhängigkeit gewährt.
Innerhalb unserer Gemeinschaft manifestieren wir, so daß dies
alle sehen können, die Segnungen der Freiheit. Diese Segnungen bestehen nicht aus materialistischen Monumenten, die die Despoten stets
vorzuweisen hatten. Sie bestehen vielmehr darin, daß man allen Menschen die einfachen Dinge gibt, die sie wollen - die Gelegenheit, zu
denken und zu beten, wie es ihnen ihr Gewissen und ihre Vernunft vorschreiben; die Möglichkeit, ohne Furcht in ihren Wohnungen zu leben;
die Möglichkeit, sich in engstem Familienkreise zu versammeln; die
Möglichkeit, nach eigener Wahl einer angemessenen.Arbeit nachzugehen,
sowie die Möglichkeit, sich der Früchte ihrer Arbeit zu erfreuen. Dies
sind die wertvollsten Manifestationen der Freiheit. Und wir verfügen
über die Stärke, um diese Freiheit zu verteidigen und weiter auszubreiten.
Die Freiheit hat uns nicht im Stich gelassen. Und wir werden ganz
gewiß die Freiheit nicht im Stich lassen. Wir werden Erfolg haben.
Aber die Aufgabe wird nicht leicht oder schnell zu bewältigen sein.
Ihre Verwirklichung wird erweisen, daß wir einen langen Weg und nicht
ein Nahziel vor uns haben.
Wir, die wir das menschliche und religiöse Gedankengut Europas
geerbt haben und miteinander teilen, müssen gemeinsam unser Gewissen
erforschen und entscheiden, ob wir wirklich unser Bestes tun, um der
ernsten Gefahr für unsere freien Institutionen zu begegnen.
Ich glaube, daß wir uns von gewissen falschen Denkgewohnheiten
frei machen müssen, deren wir alle uns mehr oder minder schuldig gemacht haben. Zu diesen falschen Vorstellungen gehörte zum Beispiel
die Ansicht, daß unser freies System von sich aus auf allen Gebieten
produktiver sei als das totalitäre System. Eine andere ist die, daß
die Zeit stets für uns arbeitet, ganz gleich, was wir mit dieser Zeit
anfangen. Wieder eine andere bestand darin, daß unsere Nationen, nur
weil sie souverän sind, jede für sich ein getrenntes, eigensüchtiges
nationales Leben ohne jede Koordinierung der Planung und der Anstrengungen führen könnten.
Eine weitere falsche Vorstellung war die, daß der Triumph der
Freiheit über den Despotismus zwangsläufig erfolgen würde. Wie ein
Landsmann von mir es einst ausdrückte: 'Es sind harte Arbeit und
große Opfer von vielen nötig, um das Zwangsläufige zustandezubringen.'
Wir müssen unbedingt sicherstellen - solange wir noch über diesen
Machtvorsprung verfügen -, daß unsere Politik und unser Handeln diesen
Vorsprung stets erhalten.
Wir treten in eine Ära ein, in der gewaltige physikalische Kräfte
einen drohenden Schatten über unsere Welt werfen. Ich glaube, daß
die Regierungen unserer NATO-Staaten bereit sind, ihre Anstrengungen
hier miteinander - und auch mit anderen Nationen - natürlich auch

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auch der Sowjetunion, sofern sie dazu gewillt ist - zu vereinen, um
diese Kräfte im Interesse der gesamten Menschheit unter die Kontrolle
der Vernunft zu bringen. Bis dies getan werden kann, müssen wir weiterhin innerhalb der freien Welt die notwendige Stärke schaffen und
aufrechterhalten, um die gemeinsame Sicherheit zu gewährleisten. Und
wir alle müssen die Sicherheit haben, daß diese Stärke für die Erhaltung des Friedens und der Freiheit genutzt wird.
Wir befinden uns in einer reißenden Strömung des gewaltigen Flusses der Geschichte. Auf lange Zeit hin werden heroische Anstrengungen
notwendig sein, um die Welt auf das Ziel eines wahren Friedens hinzusteuern .
Dies ist ein hohes Ziel, aber es ist ein Ziel, das die freien
Nationen der Welt erreichen können.
Wir Völker der atlantischen Gemeinschaft stehen nicht allein. Auch
in anderen Teilen der Welt haben sich viele freie Nationen in der Ausübung des ihnen zustehenden Rechtes auf kollektive Sicherheit zusammengeschlossen. Andere freie Nationen, die sich lieber auf individuelle
anstatt kollektive Sicherheitsmaßnahmen verlassen, haben mit uns dennoch unsere Absichten und Zielsetzungen der Freiheit gemein. Eine besondere Verantwortung liegt jedoch auf der atlantischen Gemeinschaft.
In unseren Ländern wurde die Freiheit geboren, und sie gedeiht hier
immer noch in aller Stärke.
Die Mitglieder unserer Gemeinschaft müssen eine immer größere Verantwortung empfinden, andere freie Völker dabei zu unterstützen, daß
ihnen die jahrhundertealte Last der schlimmsten Armut genommen wird.
Wir haben, wie ich bereits betont habe, mit dazu beigetragen, daß
Hunderte Millionen von Menschen die politische Freiheit erhielten.
Aber dies könnte sich als ein armseliges Geschenk erweisen, das sich
praktisch einmal gegen uns auswirken könnte, wenn nicht Wege gefunden
werden, um den weniger entwickelten Ländern dabei zu helfen, einen stetig
wachsenden Wohlstand zu erreichen.
Für alle von uns hängt von dieser wachsenden Opferbereitschaft
Entscheidendes ab. Keiner von uns darf vor irgendwelchen etwa notwendig werdenden Opfern zurückschrecken, um dies möglich zu machen.
Die Kräfte, die gegen uns aufmarschiert sind, sind gewaltig, aber
nicht unüberwindlich. Die unterdrückten Völker Osteuropas haben gezeigt, daß der Patriotismus noch lebt und daß sie auch weiterhin die
Hoffnung hegen, ihre stolzen und ehrenhaften Traditionen nationaler
Unabhängigkeit wieder aufzurichten.
Der Kreml hat öffentlich die 'Widersprüche' anerkannt, die zwischen
dem V/unsch der Arbeiter nach einem höheren Lebensstandard und der Verwendung der ungeheuren Beträge für militärische Zwecke und Kapitalinvestitionen durch den Staat bestehen; Der derzeitige sowjetische Fünfjahresplan mußte aufgegeben werden. Der gegenwärtig sich vollziehende
Prozeß der Dezentralisierung der Industrie wird zwangsläufig auch eine

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eine Dezentralisierung der Macht und der Anschauungen mit sich bringen.
Der innere Zerfall despotischer Regierungen, den die Zeit mit sich
bringt, ist, wie die Geschichte zeigt, immer schon im Gange gewesen,
bevor er an der Oberfläche sichtbar wurde. Hinter einer nach außen
hin eisernen Regierungsfassade erhält sich noch immer bei allen Völkern die Liebe zur Freiheit. Dies ist eine Kraft, die noch niemals
auf die Dauer unterdrückt werden konnte.
Die industriellen Pläne der sowjetischen Machthaber erfordern
eine ständig wachsende Zahl gut ausgebildeter Kräfte. Derartige Kräfte
können nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus der Gedankenkontrolle und der
Konformität durch die Kommunisten oder irgendeine andere Partei unterworfen werden.
Der freiere Zugang zum Wissen und zu einem umfassenderen Verstehen
sind die inneren Kräfte, die mehr und mehr Anerkennung verlangen
werden. Ihre Wirkung wird sich um so mehr bemerkbar machen, wenn die
bestehende Ordnung sich nicht auf scheinbare äußere Erfolge stützen
und damit die Aufmerksamkeit der Massen von den offensichtlichen
Fehlschlägen der despotischen Herrschaft ablenken kann. Hier bietet
sich für die freien Nationen eine klare Chance für einen friedlichen
Triumph. Hier bietet sich eine noble Strategie für einen Sieg - nicht
für einen Sieg über irgendein einzelnes Volk, sondern einen Sieg für
alle Völker.
Dies ist kein Grund zur Selbstgefälligkeit, es ist aber ein Grund,
um Vertrauens- und hoffnungsvoll das für die Durchführung dieser
Strategie Notwendige zu tun.
Ich habe die Kameradschaft der Soldaten vieler Nationen, die
sich in der Verteidigung der Freiheit zusammengeschlossen hatten,
kennengelernt.
Das Gefühl, Augenblicke der Krise und der Entscheidung gemeinsam zu erleben, ist ergreifend und unvergesslich. Diese Augenblicke
ergeben sich jedoch allzuoft nur in Kriegszeiten. Es wäre tatsächlich
eine Tragödie, wenn wir in unserem Ringen um den Frieden nicht auch
die Freude der gemeinsamen Entscheidung (der gemeinsamen Anstrengung
und des gemeinsamen Opfers teilen könnten. Keine Aufgabe ist so
schwierig, aber andererseits auch so gebieterisch und so ehrenvoll.
In diesem Geist sind wir hier zusammengekommen, um durch Angleichung und Zusammenfassung unseres Strebens unsere Stärke zu erneuern und in Freiheit auf den Frieden hinzuwirken, der unser
rechtmäßiges Erbe ist."

* * * * *

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              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A. 9. I.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Pressekonferenz von Außenminister Dulles&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 9. I.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower fordert Vollmachten zum Schutze der Mittelost-Staaten (Eisenhower-Doktrin)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles erläutert den Plan des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 9. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Nixon berichtet über die Lage der ungarischen Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower berichtet über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge legt dem UN-Abrüstungsausschuss den neuen Abrüstungsplan der USA vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 23. I.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Ansprache Präsident Eisenhowers bei Antritt seiner zweiten Amtsperiode&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 30. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower legt die Wirtschaftsbotschaft vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;General Lauris Norstad: NATO - Abschreckungsmittel und Schutzschild&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Eisenhowers über die Revision der Einwanderungsgesetzgebung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 20. II. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge antwortet den russischen Beschuldigungen gegen die USA in den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 20. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jahresbericht Präsident Eisenhowers zu Fragen betreffend die Revision der US-Handelsabkommen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 20. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thurston V. Kalijaveri: Aufgaben und Stellung der USA in der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Israel muss sich den Beschlüssen der Vereinten Nationen beugen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower anlässlich des 15. Jahrestages der Stimme Amerikas: "Amerika wird sich immer für den Frieden einsetzen"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge: Amerika hat Osteuropa vergessen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter S. Robertson auf der Konferenz der Kolombo-Plan-Mächte: "Gemeinsame Anstrengungen zum Wohle aller"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles auf der Tagung des Seato-Rates in Canberra: "Die SEATO - ein Bollwerk des Friedens"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles in Canberra: "Die USA halten an ihrer bisherigen China-Politik fest"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommuniqué zum Abschluss der SEATO Tagung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gordon Gray: Die NATO ist der Grundstein für das Bündnissystem des Westens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorwort zur Neuaflage des Buches von John Foster Dulles: Krieg oder Frieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dr. Gabriel Hauge: Konjunkturprobleme in den USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A. 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Perkins: Die Vereinigten Staaten und die Atlantische Allianz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 10. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert D. Murphy: Internationaler Kulturaustausch und Passbeschränkungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 10. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert D. Murphy: Die Wiedervereinigung Deutschlands ist ein Eckpfeiler des Friedens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 17. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles fordert die Schaffung eines Anleihefonds&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Francis 0. Wilcox: Die Vereinten Nationen haben positive Arbeit geleistet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles: Die USA stehen für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 1. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Eisenhowers an den Congress über Pläne zur Verbesserung des Luftverkehrwesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 1. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dr. Libb antwortet Dr. Schweitzer auf seinen Appell zur Einstellung der Atomwaffenversuche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 1. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Harold S. Vance, AEC: USA befürworten internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Atomforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 8. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thorston V. Kalijarvi: Die künftige amerikanische Außenhandelspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 15. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Das Auslandshilfeprogramm dient der Sicherheit der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;W. 15. V.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles ersucht den Kongress um Zustimmung zum Beitritt der USA in die Internationale Atombehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 22. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Willard P. Libby Künstliche Radioaktivität als Folgen von Kernwaffenversuchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 29. V.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower ersucht den Kongress um Bewilligung von 3,8 Milliarden für die Auslandshilfeprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 5. VI.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eleanor L. Dulles: Berlin und die Methoden der Sowjets in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 19. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungarn-Ausschuss der Vereinten Nationen legt Bericht über den ungarischen Freiheitskampf vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 3. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles umreißt die China-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 10. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Francis O. Wilcox: Amerika strebt die Erhaltung des Weltfriedens an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 17. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christian A. Herter: Die Herrschaft des Rechts muss an die Stelle der Herrschaft des Krieges treten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außeminister Dulles erläutert die jüngsten Abrüstungsvorschläge der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 7. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles legt den westlichen Plan für eine Luft- und Bodeninspektion dar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 7. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Die Nahost-Resolution hat zur Verringerung der Spannungen beigetragen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 4. IX. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Abrüstungsvorschläge der Westmächte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 11. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert Murphy: Probleme der US-Außenpolitik "Würdigung von Dr. Suhr"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 18. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die staatsrechtlichen Aspekte der Spannungen in Little Rock&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 25. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles fordert vertrauensvolle Atmosphäre als Grundlage für ein Abrüstungsabkommen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 25. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Zehn Jahre Gesetz über die Nationale Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 2. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschaft Präsident Eisenhowers und Ansprache von Admiral Lewis L. Strauss zur Eröffnung der ersten Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge: USA wird an dem Problem der Weltraumkontrolle mitarbeiten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Nixon: Weltwirtschaftsprobleme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 30. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arthur H. Compton: Die Zivilisation steht auf den Spiel&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 30. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abschlusskommunique zu den Britisch-Amerikanischen Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. XI.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James J. Wadsworth: Auswirkungen atomarer Strahlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower umreißt Verteidigungsaufgeben der freien Welt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 8. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterbreitet ein Fünf-Punkte-Programm für Forschung und Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 20. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Soziale Sicherheit in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 18. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower fordert gemeinsame Maßnahmen zur Förderung des Friedens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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