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ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 1

Frankfurt, 5. Januar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Eine Erklaerung des Vereinigten Komitees fuer
Arbeitsnolitik - - - - - - - - - - - - - - - Prae3ident Truman l o b t zwei grosse amerikanische
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Z e i t fuer Lohnkontrollen in Amerika noch n i c h t
gekommen - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

6

Schulung der Experten des Punkt-Vier Programms

1

-

Franzoesische Studiengruppe fuer Zusammenarbeit
Gewerkschaften-Unternehmer - - - - - - - - - -

7
8

Wesen und Arbeitsweise der britischen "Anordnung
1305" - - - - - - -

- - _ - . _ - .

Gewerkschaftliche Erfolge in Neuseeland - - - - -

9
11

Zeit- und Bewegungsstudium kann westdeutsche
Produktion erhoehen - - - - - - - - - _ _ _ 12
Gewerkschaftlicher Beratungsausschuss fuer internationale Angelegenheiten - - - - - - - - - 13
Ein Jahr IBFG - - - - - - - - - - - - &gt; - - 15

EINE ERKLAERUNG DES VEREINIGTEN KOMITEES FUER ARBEITSPOLITIK
Das Vereinigte Komitee fuer Arbeitsgesetzgebung (United Labor
Policy Committee) hat dem Praesidenten der Vereinigten Staaten
folgende Erklaerung unterbreitet:
Die Gewerkschaftsbewegung Amerikas hat ein Komitee fuer Arbeitsgesetzgebung gebildet, das sich aus Vertretern der AFL, des
CIO, der Eisenbahnergewerkschaft und der Internationalen Gewerkschaft der Maschinisten zusammensetzt. Es verpflichtet sich,
die Nation und den Praesidenten in der gegenwaertigen Krise vor- 1-

�behaltlos zu unterstuetzen.
Es ist sein Ziel, gemeinsam die Probleme zu loesen, die sieb
mit dem Mobilisierungs- und Stabilisierungsprogramm ergeben haben.
All sein Streben gilt der Sicherheit und Wohlfahrt unseres Landes.
Die Sicherheit, die Menschenwuerde und das materielle Wohlergehen
der Arbeiterschaft Amerikas und darueberhinaus der ganzen Welt
haengen davon ab, ob die demokratische Lebensform erhalten werden
und sich ausbreiten kann. Es ist sich des Ernstes der Krise bewusst, vor der die Nation steht. Es verpflichtet sich, mitzuhelfen, das Land stark zu machen und diese Staerke so zu verwenden,
dass sie der Menschheit Frieden und Wohlstand bringt.
Es ist von groesster Bedeutung, dass der Gewerkschaftsbewegung eine aktive Teilnahme und eine wirklich fuehrende Stellung
in allen fuer die Mobilisierung des Landes wichtigen Behoerden geweehrt wird. Die Gewerkschaften bedauern, dass sie bisher nicht
die Moeglichkeit hatten, sich uneingeschraenkt an den Mobilisierungsbemuehungen zu beteiligen. Die freie Gewerkschaftsbewegung
kann ihren groesstmoeglichen Beitrag nur dann leisten, wenn sie
die Ermaechtigung hat, sich ueberall fuer die Mobilisierung zur
Verteidigung des Landes in Bezug auf die Politik und die Verwaltung einzusetzen. Keine Gruppe hat bei der Mobilisierung der
Hilfsquellen Anspruch auf ein Ideenmonopol. Jede Gruppe hat viel
zu bieten, und nur in gegenseitiger Zusammenarbeit kann die Kampfansage der Diktatur erfolgreich beantwortet werden.
Die Kontrolle der Preise aller taeglichen Lebensnotwendigkeiten des Arbeiters ist das Grundproblem der Lohnstabilisierung.
Es muss darauf hingewiesen werden, dass es nach den Bestimmungen
des Gesetzes fuer die Ruestungsproduktion, das im Jahre 1950
erlassen wurde, unmoeglich ist, diese Preise zu kontrollieren.
Unter diesem Gesetz sind grosse Preissteigerungen besonders
fuer Nahrungsmittel zulaessig, die etwa 40$ der Ausgaben fuer die
Lebenshaltungskosten der durchschnittlichen amerikanischen Familie darstellen. Ausserdem unterliegen die Mietpreise, die etwa
13% der Lebenshaltungskosten ausmachen, ebenfalls zur Zeit noch
keiner wirksamen Kontrolle.
Solange Lebenmittel- und Mietpreise rapiden und drastischen
Steigerungen ausgesetzt sind',, muessen ausgleichende Lohnanpassungen erlaubt bleiben. Das gegenwaertige Verbot der Lebensmittelund Mietpreiskontrolle macht jedes System der Preis- und Lohnkontrolle unmoeglich, und bevor eine durchfuehrbare Aktion zur Stabilisierung eingeleitet werden kann, muessen diese Verbote aufgehoben werden. Eine wirksame Kontrolle der Lebensmittelpreise des
Kleinhandels kann verwirklicht und den Landwirten koennen gleichzeitig gerechte Preise fuer ihre Erzeugnisse gesichert werden.
Das Gesetz fuer die Ruestungsproduktion muesste vom Kongress
sofort abgeaendert werden, damit es diesen Anforderungen genuegt.
Die amerikanischen Industrien bilden eine geschlossene Einheit, sodass keines ihrer Teile zum Zwecke der Einfuehrung von
Lohn- und Preiskontrollen auf sich selbst gestellt werden kann.
Wenn eine Preiskontrolle wirksam sein soll, muss sie allgemein
sein. Die noetigen Einrichtungen und durchgreifende Ausfuehrungsverfahren muessen ausgearbeitet-werden, andernfalls werden diese
Kontrollen unwirksam sein.
Die Regierung muss nach Gerechtigkeit streben und dafuer sorgen, dass ihre Stabilisierungsmassnahmen durchfuehrber sind. Diese Faktoren unterordnen zu wollen, um durch provisorische Messnah- 2 -

�men Zeit zu sparen, w^ere in Wirklichkeit keine Zeitersparnis,
sondern ein Kinauszoegern des Zeitpunkts, zu dem eine wirkliche
Stabilisierung erreicht werden kann.
Die dringendsten provisorischen Massnahmen sind zwar getroffen-, aber es mues3en weitere Phasen des Stabilisierungsprogramms
in Angriff genommen werden, um spaetere Fehler und Verzoegerungen
zu vermeiden. In Bezug auf die Lohnstabilisierung muessen drei
grundlegende Prinzipien beachtet werden, damit sie in die entsprechenden Bestimmungen aufgenommen werden koennen.
Der erste dieser Grundsaetze bezieht sich auf die Durchfuehrungsmethoden. Gegenwaertig ist die Lohnstabilisierung einer
Buerokratie unterworfen, die diese Arbeit unnoetigerweise behindert. Nach den jetzigen Bestimmungen muessen lohnpolitische Massnahmen zuerst-von einem Ausschuss gutgeheissen werden, in dem
Gewerkschaften, Unternehmer und die Oeffentlichkeit vertreten
sind. Die Empfehlungen dieses Ausschusses unterliegen sodann der
schiedsrichterlichen Entscheidung einer Einzelperson. Dadurch
ist ein schnelles und gerechtes Handeln unmoeglich gemacht.
Wenn diese Empfehlungen dann noch von einem einzelnen hohen
Verwaltungsbeamten ueberprueft werden, der auf Grund seiner allgemeinen verwaltungstechnischen Erfahrung und nicht wegen seiner
besonderen Erfahrungen auf dem Gebiet der Lohnpolitik hierzu ausersehen ist, so wird dadurch in den Prozess der Lohnstabilisierung
nur Ungewissheit, Verzoegerung und Willkuer gebracht. Die Verfahren der Lohnstabilisierung muessen revidiert werden, damit der
Lohlistabilisierungsausschuss das Statut und die Ermaechtigung erhaelt, ueber Angelegenheiten, die in seinen Zustaendigkeitsbereich
fallen, selbst zu entscheiden.
Die Lohnstabilisierungspolitik muss es ermoeglichen, die
Lohntarife den Lebenshaltungskosten anzupassen. Sie mu3s ausserdem die Erhoehung zu niedriger Loehne und die Beseitigung von
Verschiedenheiten in bestehenden Lohntarifen innerhalb oder zwischen den einzelnen Industrien vorsehen. Der jetzt allgemein anerkannte Grundsatz, dass die Arbeiter an den Gewinnen des industriellen Fortschritts und der gesteigerten Produktionsleistung,
die die Nation von ihren Industriearbeitern erwarten muss und kann,
muss in der Lohnstabilisierungspolitik besonders beruecksichtigt
werden. Eine Lohnstabilisierungspolitik muss bestehende Tarifvereinbarungen, die selbst die Stabilitaet garantieren, resnektieren. Das wuerde zum Beispiel fuer die Automobil- und andere Industrien zutreffen, wo in bestehende Vertraege "eine gerechte Anglelchung der Lohntarife vorgesehen ist. Wenn man auf dem Kollektivverhandlungsweg abgeschlossene Vertraege fuer ungueltig erklaeren wollte, wuerde man unweigerlich industrielle Unruhe stiften
und damit das Ziel der Lohnstabilisierungspolitik verfehlen.
Die Ueberstundenbezahlung, die jetzt durch Tarifvertraege oder
gueltige Gesetze gesichert ist, muss weiterhin bestehen bleiben.
Diese Bestimmungen setzen in keiner Weise voraus, dass die jetzt
als normal erachtete Arbeitszeit verlaengert wird. Sie sehen lediglich eine Belohnung fuer produktive Ueberstunden- und Feiertagsarbeit vor.
Ein gerechtes Programm zur Kontrolle der Steuern, Ersparnisse,
Preise und Rationen ist die Antwort auf das Problem der ueberschuessigen Kaufkraft. Erhoehte Steuern, die der Arbeiter zu zahlen hat, und die Erhoehung der Lebenshaltungskosten haben seine
Kaufkraft bereits vermindert. Ausserdem hat die Regierung ein Programm eingeleitet, das die freiwillige Anlage von Geldern aus lau3 -

�fenden Lohnzahlungen in Kriegsanleihen der Regierung der Vereinigten Staaten anregt. Die Gewerkschaftsorganisationen sind bereit,
in jeder Weise an der Erreichtung dieses Zieles mitzuarbeiten.
Wirksame Preis- und Rationierungskontrollen werden dieses freiwillige Sparen nichtausgegebenen Einkommens foerdern. Diese Ersparnisse bilden eine Zusammenballung an Kaufkraft, die nach der gegenwaertigen Krise der Nation einen Auftrieb geben und die Produktion
ziviler Anschaffungsgueter ohne Risiko erweitern wird.
Die arbeitende Bevoelkerung ist das groesste Vermoegen einer
Nation. Es muessen Schritte unternommen werden, um das Reservoir
an Arbeitskraeften zu staerken und zu erweitern. Dabei muss die
Tatsache beruecksichtigt werden, dass die freie Arbeiterschaft dem
System der Sklavenarbeit produktionsmaessig ueberlegen ist. Die
freie Arbeiterschaft wird eine wesentlichere Rolle spielen, wenn
es darum geht, das Ziel der Hoechstproduktion zu erreichen. Die
Erfahrungen aus den Zweiten Weltkrieg haben gelehrt, dass eine
Politik der freiwilligen Verwendung der Arbeitskraefte ein Hoechstmass an Lsistungsfaehigkeit, Zusammenarbeit und Moral gewaehrleistet. Der zwangsmaessige Einsatz ziviler Arbeitskraefte wuerde
jedoch die Bemuehungen zum Scheitern bringen, das Ziel der Hoech3tnroduktion zu erreichen.
Die amerikanischen Arbeiter und Gewerkschaften unterbreiten
diese Vorschlaege,damit das Ruestungsnotprogramm so schnell und
so wirksam wie moeglich zur Ausfuehrung kommt. Sie halten es fuer
ihre Pflicht, nicht nur wörtliche Zusicherungen zu geben, sondern
auch auf die Schwierigkeiten und Probleme hinzuweisen, die geloest
werden muessen, wenn ein Hoechstmass an nationaler Sicherheit erreicht werden soll.
Die Mitglieder des Vereinigten Komitees fuer Arbeitsgesetzgebung sind:
Als Vertreter des CIO: Vorsitzender Fhilip Murray; Vizevorsitzender Walter Reuther; Vizevorsitzender Emil Rieve; Vizevorsitzender L. S. Buckmaster und Jacob Potofsky, Mitglied des Exekutivausschusses des CIO.
Als Vertreter der AFL: Vorsitzender William Green; Hauptkassierer George Meany; Vizevorsitzender George M. Harrison; Vizevorsitzender Dan V,". Tracy und Vizevorsitzender William C. Doherty.
Fuer den Internationalen Maschinistenverband:
A. J. Hayes und Vizevorsitzender Eimer Walker.
Fuer die Eisenbahnergewerkschaft:
und Hauptkassierer A. E. Lyon.

Vorsitzender

Vorsitzender George Leighty

An dem Besuch beim Praesidenten nahmen teil: Green, Harrison,
Tracy, Murray, Reuther, Potofsky, Hayes und Leighty.
Mitteilung des CIO
XII/20/50
PRAESIDENT TRUMAN LOBT ZWEI GROSSE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN
Praesident Truman sprach unlaengst zwei grossen internationalen
Gewerkschaften des CIO seine Anerkennung fuer die grossen Siege
aus, die sie innerhalb der Gewerkschaftsbewegung im Kampf gegen
die Kommunisten errungen hatten. Gleichzeitig gab er der Hoffnung
Ausdruck, dass die Arbeiter in beiden Organisationen auch weiterhin
- 4 -

�den Totalitarismus bekaempfen, indem sie sich mit allen Kraeften
dem gegenwaertigen Wiederaufruestungsprogramm zur Verfuegung stellen.
Es handelt sich um die Internationale Gewerkschaft der Elektroarbeiter, die seit einem Jahr dem CIO angehoert und die die von
Moskau beherrschte Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter
ersetzt, sowie um die Transportarbeitergewerkschaft, die vor zwei
Jahren alle Kommunisten aus ihren fuehrenden Positionen entfernt
hat.
Der Praesident lobte insbesondere den Hauptkassierer des CIO,
•James B. Carey, fuer seine "aufopfernde Arbelt im Interesse der
amerikanischen «rbeiter" und "seinen entschlossenen Widerstand
gegen die Kraefte des Totalitarismus, die die Gewerkschaftsbewegung stuerzen und zerstoeren wollen." Die Botschaft des Presidenten, die auf dem Jahreskongress in Milwaukee verlesen wurde,
schloss, indem sie den mehr als 500 Delegierten "in ihrem Kampf
gasen die unmoralischen Einfluesse des amerikanischen und internationalen Kommunismus Glueck wuenschte."
An die Transportarbeitergewerkschaft, die sich zu einer Tagung in New York ruestet, richtete Praesident Truman eine weitere
Botschaft, in der er erklaert, dass diese Organisation in den
zwei Jahren seit der Entfernung der Kommunisten aus den Aemtern
"die bedeutendsten Erfolge in ihrer Geschichte erzielt hat."
Der Praesident forderte die Mitglieder der beiden Gewerkschaften auf, sich mit allen Mitteln an den Wiederaufruestungsbemuehungen zu beteiligen.
In der Botschaft an die Elektroarbeitergewerkschaft heisst es, dass sich "eine Moeglichkeit bietet, nicht nur
den Glauben an die Demokratie und die Ablehnung der totalitaeren
Philosophie unter Beweis zu stellen, sondern auch mitzuhelfen,
unsere Industrieproduktion so zu steigern, wie es erforderlich
ist, um den Sieg zu sichern."
"Die schwere Zeit, die uns bevorsteht," heisst es in der Botschaft weiter, "wird die hoechste Pflichterfuellung eines jeden
Amerikaners erfordern. Die Freiheit der Arbeiterschaft steht in
der ganzen Welt auf dem Spiel. Ich bin gewiss, dass die Mitglieder der Internationalen Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und
Maschinenarbeiter einen wertvollen und patriotischen Beitrag im
Kampf zur Beschuetzung unserer Freiheiten leisten werden."
Die Transportarbeiter forderte der Praesident auf, in kritischen Kriegszeiten von jedem Streik abzusehen.
"In einer Zeit, in der wir zusammenarbeiten, um die Interessen
unserer Nation zu schuetzen und schneller zum Frieden fuer die
ganze Welt zu kommen, muessen sich die vielen Millionen Industriearbeiter unseres Landes darauf verlassen koennen, dass.ihnen die
Transoortarbeiter ohne Unterbrechung dienen."
Besonders anerkennend aeusserte sich der Praesident ueber
das Abkommen, das im Sommer vorigen Jahres zwischen den Transportarbeitern und der Transportbehoerde der Stadt New York zustandegekommen war. Dieser Vertrag weicht von dem ueblichen Standpunkt
der Regierung ab, dass es den bundesstaatlichen, einzelstaatlichen oder kommunalen Behoerden verboten waere, Vertreege mit den
Gewerkschaften einzugehen.
Truman bemerkte, dass dieses Abkommen der Gewerkschaft ihre
seit langem begehrte Anerkennung seitens der Kocmunalbehoerden ge- 5-

�sichert und ihren Mitgliedern wesentliche Vorteile gebracht hat.
Eine Gewerkschaft, die fuer den 1. Januar mit einem Streik
mehrere privater Autobuslinien in New York gedroht hatte, veroeffentlichte die Botschaft ohne jeden Kommentar.
In Milwaukee eroeffnete Carey, der gleichzeitig Ortsvorsitzender der Elektroarbeiter ist, den Kongress dieser Gewerkschaft, indem er die Aufforderung aussprach, einen langen und
besseren Kampf zu fuehren, um die kommunistischen Funktionaere
aus der Gewerkschaft zu entfernen und die "Marionettenfuehrung"
zu beseitigen.
Die
muessten
der Lohn
naehmen,

Bemuehungen zur Organisierung einer freien Gewerkschaft
vorlaeufig zurueckgestellt werden, fuehrte Carey aus;
fuer die Anstrengungen, die die Arbeiter jetzt auf sich
sei die Freiheit.

"Wir haben hier Menschen," sagte er, "die wir in dieser chaotischen Welt dringend benoetigen, Menschen, die den Mut haben,
fuer eine Ueberzeugung auch mit allen Kraeften einzutreten.
Mitteilung des U.S. Aussenministeriums
XI1/6/50
ZSIT FUER LOENKCFTROLIEN IN AMERIKA NOCH NICHT GEKOMMEN
Das beschleunigte Verteidigungsprogramm, das Amerika du'rchfuehren muss, erfordert "strenge und bindende Kontrollen" der
Rohstoffe und Verbraucherpreise, "die Zeit ist jedoch noch nicht
gekommen, um Lohnkontrollen aufzuerlegen."
Diese Meinung vertrat der Praesident der Internationalen Maschini
3tengewerkschaft, AI Hayes, vor dem Nationalen Lohnstabilisierungsausschuss. Er erklaerte in allen Einzelheiten, warum Lohnkontrollen abzulehnen seien, und gab seiner üebErzeugung Ausdruck, dass
das Preisniveau der Zeit nach dem Kriegsausbruch in Korea eindeutig das Ergebnis der Profitmacherei und nicht der Lohnerhoehung
ist.
Hayes hob hervor, dass sich die Internationale Maschinistengewerkschaft des Ernstes der Weltlage und der Notwendigkeit energischer Massnahmen vollauf bewusst ist. Den Vereinigten Staaten
stuende ein "Kampf auf Leben und Tod" mit dem Kommunismus bevor,
der die groesste Bedrohung ihrer Regierungsform und Lebensweise im
Verlauf ihrer gesamten Geschichte darstelle.
"Deshalb," fuhr Hayes fort, "muessen wir unverzueglich unsere
eigene Verteidigung aufbauen und anderen freien Voelkern der '^elt,
besonders in Europa, helfen, die ihrige aufzubauen; und wir muessen alles Notwendige tun, um unser Land stark zu machen, selbst
wenn dies "wesentliche Veraenderungen und Opfer" in unserem eigenen Zivilleben bedeutet.
Auf Loehne und Preise zurueckkonmend, erklaerte Hayes vor
dem Lohnstabilisierungsausschuss, dass das Gesetz fuer die Verteidigungsproduktion Praesident Truman vorschreibe, Hoechstgrenzen
fuer "Preise festzusetzen, die Loehne jedoch nur zu stabilisieren.
"Damit," fuehrte er weiter aus, "gab der Kongress dem Presidenten groessere Handlungsfreiheit in Bezug auf Loehne als auf Preise."
In Kreisen der Industrie hatte man behauptet und darauf bestanden,
dass das Gesetz fuer jede Industrie, in der Preiskontrollen einge- 6 -

�fuehrt sind, auch Lohnbegrenzungen vorsehe.
Was sich nach Ausbruch des Krieges in Korea wirklich ereignete, schilderte Heyes mit folgenden Worten:
Die durchschnittlichen Stundenloehne sind in der gesamten
Industrie geringfuegig in die Hoehe gegangen, und zwar von 1,453
Dollar im Juni auf 1,430 Dollar drei Monate spaeter, eine Steigerung von 1,8$. Im gleichen Zeitraum ist der Verbraucherpreisindex um 2,1$ gestiegen. Diese Aufwaertsbewegung hielt auch in
der letzten Zeit weiter an. Gemessen an den Preisen und Loehnen
ist die Kaufkraft tatsaechlich zurueckgegangen, und die hoehere
Sinkommenssteuer hat die Kaufkraft des Einzelnen noch weiter gesenkt.
Der Grosseinkaufspreisindex stand im Juni auf 157,3. In der
letzten Woche des Monats Oktober hatte er 169.4 erreicht. Die
Grosshandelspreise fuer landwirtschaftliche Gueter waren um 8,5$
angestiegen. Die Lebensmittelpreise gingen um 7,3$ in die Hoehe.
Die Preise fuer Kupfer stiegen um 8,9$, fuer Wolle um 35$, fuer
Blockeisen um 6,5$ , fuer Gummi um 124$ und fuer Zinn um 44$.
(Gummi, Zinn und Wolle werden auf internationalen Maerkten gekauft) .
"Welche logischen Entschuldigungen oder Gruende gibt es fuer
diese ungerechtfertigten Erhoehungen der Grosshandelspreise?"
fragte Hayes. "Sicherlich nicht die Lohnerhoehungen. Die Arbeitskosten fuer den groessten Teil dieser Erzeugnisse sind verhaeltnismaessig gering, und die durch Lohnaufbesserungen verursachten
Mehrkosten (weniger als zwei Prozent) sind nicht der Rede wert.
Vir brauchen nicht weiterzusuchen, wenn wir aufrichtig bestrebt
sind, die Inflation zu verhindern. Hier haben wir die Ursache
fuer die inflationistischen Kraefte, die nun im Aufstieg begriffen sind. Lohnstops oder -beschraenkungen werden sie nicht aufhalten, weil diese Kraefte nicht durch Lohnerhoehungen in Bewegung
gesetzt wurden. Wenn es noch eines weiteren Beweises dafuer bedarf, dass wir zu dieser Zeit keine Lohnkontrollen benoetigen, so
erlauben Sie mir, dass ich auf die Unternehmergewinne hinweise.
"Dem Steueraufkommen zufolge sind die jaehrlichen Gewinne
der Unternehmer von 17,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal des
Jahres 1950 auf 24,4 Milliarden Dollar im dritten Quartal angestiegen. Dies ist eine Steigerung um 41,8$. In der gleichen
Zeit ging der Produktions- und Geschaeftstaetigkeitindex der
Bundesstaatlichen Finanzbehoerde um etwa 6,5$ in die Hoehe. Der
Produktionsindex der "Geschaeftswoche" stand im Juni auf 210.2
und hatte im Dezember 220.6 erreicht, was einer Steigerung um
4,9$ entspricht. Es sind keine Unterlagen vorhanden, die besagen,
dass die 41$ige Gewinnsteigerung auf eine gesteigerte Produktion
zurueckzufuehren sei. Auf die Frage nach der Ursache der Inflation gibt es also keine andere Antwort als: Profitmacherei das willkuerliche Steigern der Preise."
Daily News Service
XII/15/50
SCHULUNG DER EXFERTEM DES PUNKT-VIER PROGRAMMS
Das amerikanische Aussenministerium gab bekannt, dass der
'?rste Schulungslehrgang fuer Experten des ^unkt-Vier Programms beendet ist.
- 7-

�In der Bekanntmachung heisst es, dass die erste Schulungsgruppe zwei Wochen intensiven Studiums an dem Institut fuer auswaertigen Dienst beendet hat, und dass sich die Teilnehmer im Rahmen
des Punkt-Vier Programms nach Liberia, Indien, Haiti, El Salvador
und anderen lateinamerikanischen La endern begeben werden.
In dem Lehrgang wird besonderer Wert auf das Verstaendnis fremder Voelker, ihrer Kultur, Geschichte, Sitten und Sprachen gelegt.
Der naechste Lehrgang ist fuer die zweite Woche des Monats
Januar geplant. Der Administrator des Punkt-Vier Programms Henry
G. Benett hofft, die Dauer des Lehrgangs fuer alle Techniker auf
drei bis sechs Monate verlaengern zu koennen.
Zwei erfahrene Anthropologen, Dr. Edward A. Kennard und Dr.
Edward T. Hall, sind von dem Institut fuer auswaertigen Dienst
Planung und Ausbildung anvertraut worden. Die Amerikanische Anthronologische Vereinigung arbeitet ein allgemeines Handbuch zum Gebrauch in dem Lehrgang aus.
Die Gruppe, die den ersten Lehrgang beendet hat, setzt sich
aus folgenden Mitgliedern zusammen:
George G. Vander Berghe, Techniker der Gummiverarbeitung,
(fuer Haiti bestimmt); Nazrio C. De Banca, der in El Salvador die
landwirtschaftliche Entwicklung unterstuetzen wird; William Cornel
Pope, ein fuer lateinamerikanische Laender bestimmter Spezialist
fuer Sicherheitsfragen; George C. Taylor, ein Grundwassergeologe,
der in Indien in Fragen der Wasserversorgung und der kuenstlichen
Bewaesserung Ratschlaege erteilen wird; Frau Helen L. Murphy, die
als Beraterin in Fragen der Krankenpflege und der Krankenhausverwaltung nach El Salvador gehen wird; George W. Kines, der sich als
Experte der Gesundheitspflege nach Liberia begeben wird, und William
E. Harris, der ebenfalls die oeffentliehe Gesundheitsfuersorge in
Liberia foerdern wird.
Daily Wireless Bulletin
XII/28/50
FRArZOESlSCHE STUDIENGRUPPE FUER ZUSA^ÜvSNARBEIT GEWERKSCHAFTENUNTERNEHMER
Eine Studiengruppe der franzoesischen Elektroindustrie, die
zur Zeit die Vereinigten Staaten bereist, ist der Auffassung, dass
die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern der
Schluessel zum zukuenftigen Wohlstand Frankreichs ist, und sie ist
optimistisch in bezug auf die Verwirklichung dieser Zusammenarbeit.
Diese Zusammenarbeit, so sagen die Vertreter der Gewerkschaften
und der Unternehmer in dieser 15-koepfigen Grunpe, haette einen
hoeheren Lebensstandard fuer die Arbeiter, einen angemessenen Ertrag aus den Investitionen und eine stabilere franzoesische Wirtschaft zur Folge.
Die Gruppe hat sich im Rahmen des Marshall-Plan-Programms und
seiner technischen Unterstuetzung mit den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und den Produktionsmethoden in der
Elektroindustrie befasst.
Die stark optimistische Einstellung zur Gestaltung eines
besseren Frankreichs entstammt den Beobachtungen der Grupoenmitglieder in den Vereinigten Staaten, bei denen sie feststellen konnten,
wie erfolgreich Unternehmer und Arbeiterschaft dort oft zusammenarbeiten.
- 8-

�Die Gruppe ist der Ansicht, dass sowohl der hohe Lebensstandard in den Vereinigten Staaten als auch die zeitsparenden Produktionsmethoden dieses Landes auf diese enge Zusammenarbeit zurueckzufuehren sind.
"Was mich am meisten ueberraschte, war die Tatsache, dass
die amerikanischen Chefs den Problemen der menschlichen Beziehungen grosse Bedeutung beimessen," erklaerte Severin Prudhomme aus
Paris, ein Mitglied"des franzoesischen Gewerkschaftszentrura3
"Force Ouvriere".
"Der amerikanische Arbeitgeber scheint ein Psychologe zu
sein, der weiss, dass sein Wohlstand direkt an den der Arbeiter
gebunden ist."
"In Frankreich sind die Arbeiterloehne zehn- oder zwoelfmal
hoeher als vor dem Kriege, waehrend die Lebenshaltungskosten um
das 20- oder 25-fache gestiegen sind. Unter diesen Bedingungen
hat der professionelle Agitator ein leichtes Spiel."
"Wenn viele Arbeiter politischen Fuehrern folgen, dann vor
allem deshalb, weil sie glauben, dass es niemanden anders gaebe,
dem man folgen koenne. Wir werden eine staerkere Nation und eine
gesundere Wirtschaft aufbauen koennen, wenn Unternehmer und Gewerkschaften in Frankreich enger zusammenarbeiten, wenn der
franzoesische Arbeitgeber mehr Verstaendnis fuer die Gewerkschaft
seiner Arbeiter zeigt und der Arbeiter versucht, die Probleme der
Unternehmer zu verstehen, - so umriss Prudhomme seinen Standpunkt'.'
"Pierre Rivat, ein Ingenieur der Firma Garnier in Lyon, die
elektrische Apparate und Zaehler baut, erklaerte, es sei seine
fe3te Ueberzeugung, dass die franzoesischen Arbeiter lernen muessten,
was der Amerikaner bereits weiss, naemlich "dass es fuer die Arbeiter keinen vVohlstand geben kann, wenn es fuer das Unternehmen,
fuer das er arbeitet, keinen Wohlstand gibt." Er sagte ferner,
"Frankreich befinde sich dank des Marshall-Planes jetzt auf dem
Wege zum Wiederaufbau, obwohl es in zwei Kriegen schwer mitgenommen worden sei. Wenn wir erst einmal genuegend technische Fortschritte und Verstaendnis fuer die menschlichen Beziehungen uns angeeignet haben, werden auch die politischen Differenzen geloest
werden koennen."
EGA Labor Information
XII/14/50
WESEN UND ARBEITSWEISE DER BRITISCHEN "ANORDNUNG 1505"
In den letzten sieben Jahren haben die Delegierten des britischen Gewerkschaftskongresses TUC regelmaessig die Auswirkungen
der "Anordnung 1305" eroertert; dreimal seit dem Kriege haben sie
ueber Resolutionen abgestimmt, in denen gefordert wurde, diese
Anordnung fuer ungueltig zu erklaeren.
In allen Faellen war das Ergebnis des gleiche. Der Kongress
hat beschlossen, dass diese Anordnung aus der Kriegszeit, durch
die die Schiedsgerichtsbarkeit geschaffen wurde, noch immer ihrem
urspruenglichen Zwecke dient und mithilft, Streitigkeiten in der
Industrie beizulegen, wenn andere Einrichtungen versagen oder
ueberhaupt nicht bestehen» und deshalb bestehen bleiben soll.
Um die Ziele, Grundsaetze und Bedingungen dieser Anordnung jedoch voll und ganz zu verstehen, ist es notwendig, sich die Ver- 9-

�haeltnisse der kritischen Zeit von 1940 ins Gedaechtnis zurueckzurufen. Als Hitlers Armeen die franzoesischen und belgischen
Kanalhaefen besetzt hatten, war es selbstverstaendlich, dass der
Aufstieg der Industrie durch nichts gestoert wurde. Deshalb wurde diese Anordnung erlassen, die den Zweck hatte, Streitigkeiten
in der Industrie gerecht, schnell und ohne Streik beizulegen.
Die alteingefuehrten Methoden der Tarifverhandlung und der
freiwilligen Scniedssprechung wurden jedoch nicht ueber Nacht abgeschafft, um durch die obligatorische Scniedssprechung ersetzt
zu werden. '.Vie in der Anordnung eindeutig klargestellt war, wuerden alle bestehenden gemeinsamen Schlichtungseinrichtungen in jeder Berufs- und Industriegrup^e weiterbestehen. Dem Arbeitsministerium gemeldete Streitigkeiten wuerden nur dann durch obligatorische Scniedssprechung beigelegt werden, wenn sie nicht auf
eine andere V/eise zu loesen waeren.
Als einen weiteren Beitrag zum industriellen Frieden wurden
die Arbeitgeber durch die Anordnung verpflichtet, Loehne zu zahlen und Arbeitsbedingungen zu bieten, die nicht weniger guenstig
al3 die durch Kollektivverhandlungen oder freiwillige Scniedssprechung bereits festgelegten sein durften. Ausserdem wurde ein
Streik oder eine Aussperrung fuer illegal erklaert, wenn die
Streitigkeit nicht zuerst dem Arbeitsminister gemeldet und von
diesem innerhalb von drei Wochen zur Beilegung weitergegeben war.
Im wesentlichen sind diese Bestimmungen noch in Kraft; ebenso
die aufgrund der Anordnung geschaffenen Einrichtungen, die sich
mit Faellen befassen, die der obligatorischen Schiedssprechung
unterliegen. Be/or der Arbeitsminister jedoch ein Schiedsgericht
einberuft, muss er von einer der beiden Parteien davon unterrichtet worden sein, dass eine Streitigkeit besteht, dass auf normalem
Vege kein Ergebnis erzielt worden sei und man sich nicht einigen
konnte, das Problem dem Industriegerichtshof zu unterbreiten. Nur
dann kann er den Fall unter Einhaltung einer Ankuendigungsfrist
von 21 Tagen dem Nationalen Schiedsgericht uebergeben.
Drei Mitglieder des Gerichtes, einschliesslich des Vorsitzenden, werden vom Arbeitsminister aus einem Gremium ernannter Mitglieder, das er selbst zusammengestellt hat, ausgewaehlt. Die
anderen beiden kommen aus je einem Gremium von Vertretern des
Britischen Gewerkschaftskongresses und des Britischen Unternehmerverbandes. Von diesen fuenf Mitgliedern bilden drei eine beschlu3Sfaehige Einheit, vorausgesetzt, dass immer ein ernanntes
Mitglied, das den Vorsitz uebernehmen kann, und je ein Vertreter
der Gewerkschafts- und Unternehmerseite zugegen ist.
Bei den Aussprachen, die solange inoffiziell abgehalten werden, bis eine gegenseitiges Einverstaendnis erzielt ist, haben
beide Parteien die Moeglichkeit, ihre Meinung kundzutun, und koennen, wenn sie es wuenschen, von einem Anwalt unterstuetzt werden.
Nachdem die beiderseitigen Gutachten erwogen sind, faellt das
Gericht gewoehnlich einen Schiedsspruch, der gesetzlich verbindlich ist und eine Bedingung darstellt, die in die Vertraeße zwischen den in Frage kommenden Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgenommen wird.
In den vergangenen zehn Jahren hat das Gericht jaehrlich durchschnittlich 150 Schiedssprueche gefaellt. Viele davon beziehen
sich natuerlich auf Loehne. So wurden allein in den letzten drei
Jahren dem Gericht 104 Lohnforderungen unterbreitet, von denen
nur 24 abgelehnt wurden.
Ausserdem bietet die Anordnung 1305 den Gewerkschaften die
Moeglichkeit, reaktionaere Arbeitgeber vor das Gericht zu bringen,
- 10 -

�die sich weigern, mit den Gewerkschaften zu verhandeln oder irgendwelche Vertraege abzuschliessen. In dieser Hinsicht fuellt das
Gericht, uni die ."'orte eines Delegierten aus dem Jahre 1946 zu gebrauchen, eine Luecke aus, die in den Verfahren fuer endgueltige
Verhandlungen und Beilegungen vorher bestanden hat. Die Tetsachen bestaetigen diese Behauptung. In der Nachkriegszeit sind
95$ der Verfahren von den Arbeitern angestrengt worden.
Obwohl weder der TUC noch die ihm angeschlossenen Gewerkschaften festellen konnten, dass die Meinung vorherrsche, die Anordnung
und die obligatorische Schiedssprechung muessten zum staendigen
Bestandteil der industriellen Wechselbeziehungen in England werden,
macht man in zunehmendem Masse von der Anordnung Gebrauch.
Im Jahre 1949 wurden dem Arbeitsminister 441 Streitfaelle
uebergeben. Das Gericht faellte jedoch nur 188 Schiedssprueche.
Die uebrigsn Streitigkeiten wurden entweder in inoffiziellen Aussprachen oder auf andere Weise beigelegt.
Trotzdem ist der Arbeitsanfall bei dem Gericht so gross, dass
es selbst bei vier oder fuenf Verhandlungstagen in der Woche rund
elf Wochen dauert, bis ein vom Arbeitsminister an das Schiedsgericht uebergebener Streitfall durch Schiedsspruch beigelegt wird.
Zwei Vorschlaege sind inzwischen gemacht worden, um die Arbeit
zu beschleunigen: die Gremien der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zu vergroessern und das Gericht zu ermaechtigen, in zwei
Abteilungen Sitzungen abhalten zu lassen.
Beiden Vorschlaegen stimmte der Arbeitsminister zu. Das
Gremium der Arbeitnehmervertreter wurde auf 25 Mitglieder erweitert, die ueber besondere Erfahrungen in den Verhandlungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern verfuegen. Durch eine Abaenderung
der Anordnung vom 1. August ist es nun moeglich, dass zwei Faelle
zugleich von Schiedsgerichten behandelt werden koennen, wobei sich
diese aus verschiedenen Mitgliedern zusammensetzen.
Labour Press Service
XI1/50
GEWERKSCHAFTLICHE ERFOLGE IN NEUSEELAND
"Die bemerkenswerten Erfolge der Kandidaten der Labour-Party
sind ein Beweis fuer den wachsenden Unwillen des Volkes gegen die
Regierung und die Ernuechteru'ng nach den Erfahrungen der vergangenen elf Monate," erklaerte W. Nash, ein Gewerkschafter und stellvertretender Vorsitzender der Oppositionspartei in Neuseeland, als
kuerzlici die Ergebnisse einiger oertlicher V.'ahlen in Neuseeland
veroeffentlicht wurden.
"Diese Ergebnisse," fuhr er fort, "bringen Tausenden von
"Jaehlern die Hoffnung, dass der Tag sich naehert, an dem sie die
Nationalisten und ihre privilegierte Gesetzgebung loswerden. Diese "Zahl bringt deutlich zum Ausdruck, dass die Waehler den schwersten Bruch von 'Wahlversprechungen in der neuseelaendischen Geschichte ablehnen."
In einem Kommentar zu dem Ergebnis der Wahlen erklaerte A. H.
Nordmeyer, der Vorsitzende der Labour-Partei und Vorstandsmitglied
der Gewerkschaften von Neuseeland: "Innerhalb von zwei Jahren wird
die "Vahl des Volkes noch eine deutlichere Sprache sprechen. Wenn
auch viele Kandidaten der Buergerpartei versuchten, ihre politische
Zugehoerigkeit zu ihr zu verschleiern, ist ihre enre Verbindung mit
der Nationalpartei fuer alle offensichtlich. Die Labour-Kandidaten
- 11 -

�singen dagegen zu den Urnen, ohne zu versuchen, ihre politische
Einstellung ZU tarnen. Sie hatten es nicht noetig. Obwohl es
an sich schwierig ist, die Anhaenger der Labour-Partei davon zu
ueberzeup-en, dass sie uebor Probleme oertlicher Natur abstimmen
musssen, war eine bemerkenswerte Zunahme der fuer die Labour-Partei abgegebenen Soimmen zu verzeichnen. Die Tatsachen sprechen
fuer sich."
Labour Press Service
XII/50
ZEIT- ITTD BE'"SGUNOSSTUDIUM KANN WESTDEUTSCHE PRODUKTION ERHOEKEN
F. Mi Holmes, ein Berater der ECA, der sich zur Zeit in
Deutschland aufhaelt, erklaerte, dass die westdeutsche Industrie
durch die Anwendung von Zeit- und Bewegungsstudien ihre Produktion wesentlich steigern und ihre Exporte und den Lebensstandard heben koenne. "Solche Programme wuerden keine zu3aetzlichen
Kaoitalanlagen erfordern und auch den Beschaeftigungsstand nicht
verscnlechtern."
Holmes ist amerikanischer Spezialist auf dem Gebiet der
Zeit- und Bewegungsstudien. Es kam auf Ersuchen des Rationalisiarungskuratoriums fuer die westdeutsche V/irtschaft nachDeutschland. Als Angehoeriger der ECA-Sondermission fuer Westdeutschland
bereiste er im November 1950 die Industriezentren, wo er Vortraere
hielt. In acht bedeutenden Industriestaedten der britischen Zone
besprach er sein Programm mit mehr als 1.500 westdeutschen Industriellen und Spezialisten auf dem Gebiet des Zeit- und Bewegungsstudiums. Auch in den kommenden drei Monaten wird er mit aehnlichen Gruppen zusammentreffen und im Ruhrgebiet und in Staedten der
amerikanischen und franzoesischen Besatzungszone Vortraege halten.
Holmes stellte fest, dass das Interesse Deutschlands an einer
gesteigerten Produktion durch die Anwendung wirksamerer Produktions
methoden staendig zunimmt.
In einer Erklaerung zu den Programmen des Zeit- und Bewegungstudiums sagte er, dass es die Analyse der Methoden, des Materials,
der Werkzeuge und der üusruestung sei, die bei der Arbeit in der
Industrie verwendet wuerde. "Zeit- und Bewegungsverluste im Her3tellungsprozess koennen nur dadurch beseitigt werden, dass man
die Aufmerksamkeit auf diese Verluste konzentriert und sich mit
der Verbesserung der verschiedenen Arbeitsgaenge befasst."
Waehrend sich die beiden Programme in ihrer Arbeitsweise unterscheiden, stehen sie doch in engem Zusammenhang und erfordern
eine wirkliche Aufgeschlossenheit, die Bereitwilligkeit, neue
Ideen auf die Probe zu stellen und die gemeinsame Mitarbeit der
Gewerkschaften und Unternehmer an der Loe3ung dieser Probleme.
Das Programm des Bewegungsstudiums, wie es in Amerika entwickelt ist, verfolgt zwei Ziele, die verschiedenen Zwecken dienen.
Es wendet sich einmal an die Unternehmer, Betriebsleiter und
manchmal an die Arbeiter.
Zum andern sollen durch dieses Programm die Techniker fuer
Zeit- und Bewegungsstudien in den Betrieben ueber die neuesten Methoden auf diesem Arbeitsgebiet informiert werden.
Das Zeitstudium ist eine Zeitbestimmung des Arbeiters und -einer Arbeit mit Hilfe der Stoppuhr. Durch diese genaue Beobachtung
- 12 -

�ist es moeglich festzustellen, warum Zeit- und Bewegungsverluste
eintreten.
"Zeit- und Bewegungsstudien sind fu3r Deutschland nicht ganz
neu," berichtete Holmes. "Obwohl sie nicht allgemein angewendet
wuerden, bestuenden sie in Deutschland seit 25 Jahren. Dar, Rationalisierungskuratorium fuer die westdeutsche Wirtschaft sei eine
Organisation, die in der gesamten deutschen Industrie einen staendig zunehmenden Interessentenkreis finde. Die westdeutsche Industrie habe sich in den letzten drei Jahren rapid ausgedehnt. Deshalb sei ein leistungsfaehigeres arbeiten notwendiger als je zuvor.
Holmes, der zeitweiliger Berater fuer den Marshall-Plan in
Deutschland ist, war vorher Direktor der Industrietechnischen Abteilung der Fieldcrest-Werke in Spray, Nordkarolina. Dieses Unternehmen setzt sich aus 10 Textilfabriken mit 5,000 Arbeitern zusammen.
Die Zeit- und Bewegungsstudien bilden ebenfalls eine "Phase
des Marshall-Plan-Programms zur Steigerung der Produktionsleistung
in Westdeutschland.
ECA-Release Nr. 217
1/2/51
GEWERKSCHAFT!ICHER BERATUNGSAUSSCHUSS FUER INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
ten,
auch
fuer
lung

Sowohl die AFL als auch der CIO haben in ihren Jahresberichdie fuer die Kongresse Rechenschaft ueber die Arbeit ablegten,
zur Taetigkeit des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses
Internationale Angelegenheiten im US-Arbeitsministerium Stelgenommen.

In dem Bericht der AFL heisst es: "Im vergangenen Jahr hat
sich die AFL weiterhin aktiv an der Arbeit des Ausschusses beteiligt. Regelmaessige Konferenzen des Vollausschusses und des staendigen Ausschusses wurden von Arbeitsminister Tobin und seinem
Stellvertreter Philip I'. Kaiser anberaumt, auf denen der Hauptkassierer der AFL, George Meany, die Vizevorsitzenden Matthew '.Voll
und David Dubinsky sowie der internationale Repraesentant George
P. Delaney den Standpunkt der AFL zu wichtigen Fragen der Aussenpolitik darlegten. Dem Ausschuss gehoeren ausserdem Funktionaere
des CIO und der Eisenbahnergewerkschaften an.
"Das Arbeitsministerium, das fuer die Formulierung der Arbeitspolitik unserer Regierung in Amerika und im Ausland verantwortlich ist, wird auf dem Wege ueber diesen Ausschuss von den Fuehrern
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung in internationalen Arbeitsangelegenheiten beraten. Der Gewerkschaftliche Beratunsausschuss organisiert die Zusammenarbeit des Arbeitsministeriums mit
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung.
"Im vergangenen Jahr hat sich der Ausschuss mit folgenden Fragen befasst: Mittel und Wege zu finden, durch die das Programm fuer
Sozialreferenten durch die Ernennung erfahrener Referenten, die
eine erfolgreiche Laufbahn in amerikanischen Gewerkschaften nachweisen koennen, fuer verantwortliche Stellungen im Ausland gefoerdert -werden kann und es fuer die Unterstuetzung unseres aussenpolitischen Programms durch die Arbeiterschaft von besonderer Wichtigkeit ist; die Notwendigkeit einer direkten Vertretung der Gewerkschaftsbewegung in den US-Delegationen bei den Vereinten Nationen
- 13 -'

�und ihren Fachorganisationen; die Rolle, die die Gewerkschaftsbewegung im Punkt-Vier Frogramn zu spielen hat; die Beteiligung der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung an den Programmen zum Austausch von Gewerkschaftsfunktionaeren mit anderen Laendern; die
Notwendigkeit, den gewerkschaftlichen Standpunkt in Bezug auf
Handelsvertraege und Zollfragen wirksamer zu vertreten; die Notwendigkeit, einflussreiche, fuehrende Berater in Arbeitsfragen
den Besatzungsmaechten in Deutschland und Japan beizuordnen; und
die Zusammenstellung einer Mission amerikanischer Gewerkschafter,
die den Fernen Osten besuchen soll.
"Der Ausschuss sprach sich ferner gegen etwaige Veraenderungen des Gesetzes Nr. 75 der Militaerregierung in Deutschland aus,
durch die die Beteiligung der freien deutschen Gewerkschaften an
der Neuordnung der deutschen Kohle- und Stahlindustrie eingeschraenkt worden waere, und forderte, dass die demokratischen Gewerkschaften Deutschlands ermutigt werden, die wirtschaftlichen
Entwicklungen ihres Landes gemaess dem Gesetz Nr. 75 zu beeinflussen. Dieser Standpunkt ist von den Regierun~en der Alliierten gebilligt worden.
"Durch die Zusammenarbeit des Staendigen Ausschusses wurden
gewerkschaftliche Schulungsprogramme fuer eine grosse Zahl auslaendischer Gewerkschaftsfunktionaere arrangiert, die die Vereinigten Staaten im Laufe des vergangenen Jahres besuchten. Annaehernd 300 Gewerkschafter und Experten in Arbeitsfragen aus
Deutschland, Oesterreich, Japan, Lateinamerika und Westeuropa reisten unter der Schirmherrschaft des US-Arbeitsministeriums nach
den Vereinigten Statten, wo sie vom Staendigen Ausschuss mit den
Taetigkeiten der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vertraut
gemacht wurden. Diese Programme haben viel zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen der amerikanischen und auslaendischen Gewerkschaftsbewegungen beigetragen und die demokratischen Gewerkschaftsorganisationen der ganzen Walt materiell unterstuetzt.
"Auf Ersuchen des Ausschusses wurden Vorkehrungen getroffen,
damit die Vertreter des Arbeitsministeriums, die an internationalen Handels- und Zollbesprechungen teilgenommen haben, ueber den
Ausschuss die Gewerkschaften laufend unterrichten. Dies hat zu
einer engeren Zusammenarbeit zwischen Regierung und Gewerkschaftsbewegung auf diesem bedeutsamen Gebiet gefuehrt.
"Gemaess ihrem Wunsch, die gewerkschaftlichen Aspekte der
amerikanischen Aussenpolitik zu staerken, unterstuetzt die AFL
aktiv die Arbeit des Ausschusses und die internationalen Ziele
des Arbeitsministeriums.•
Philip Yurray stellt in seinem Jahresbericht an den Kongress
des CIO fest:
"Im vergangenen Jahr hat sich der CIO weiterhin an der Arbeit
des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer internationale
Fragen beteiligt, die innerhalb des Arbeitsministeriums gebildet
wurde. Der CIO ist in diesem Ausschuss durch James B. Carey,
Jacob Potofsky, Emil Rieve und Michael Ross vertreten.
"Da das Arbeitsministerium dafuer verantwortlich ist, den
Standounkt der Arbeiterschaft in ueberministeriellen Ausschuessen
zu vertreten, die die Politik in allen auswaertigen Angelegenheiten formulieren, ist dieser Ausschuss das Werkzeug gewesen, mit dem
den Beamten des Arbeitsministeriums und insbesondere dem stellvertretenden Arbeitsminister Philip !,!. Kaiser die Stellungnahme der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu aussenpolitischen Fragen
uebermittelt wurde.
- 14 -

�"DurJÜ die Arbeit dieses Ausschusses hat die Gewerkschaftsbewegung wachsenden Sinfluss auf die* Entwicklung des Programms fuer
Sozialreferenten und des Programms zum Austausch auslaendischer
lewerkschaftsfuehrer mit amerikanischen genommen. Der Ausschuss
lfat fernerhin immer -wieder auf den Standpunkt der Gewerkschaftsbewegung in bezug auf das Punkt-Vier Programm, die Besatzungspolitik
Ln Deutschland und Japan sowie zahlreiche andere Taetigkeiten hingewiesen. "
Monthly Service of the Office of International
Labor Affairs
XI1/50
rincent Tewson: EIN JAHR IBFG
Vor einem Jahr gab es Zyniker genur, die dem neugegruendeten
[internationalen Bund Freier Gewerkschaften keine bessere Zukunft
ils die eines Propagandainstruments prophezeiten, dessen Aufgabe
53 sei, eine Serie von Schlagworten hinter den Eisernen Vorhang
su lanzieren.
Gewiss gab es ungluecKselige Vorzeichen, die diesen Zynismus
rechtfertigten. London, die Geburtsstaette des IBFG, hatte oftmals vor 1949 mutige Versuche zur Gruendung internationaler Gewerkschaf tsOrganisationen miterlebt, die jedoch fehlschlugen.
Der erste Versuch wurde 75 Jahre vor der Gruendung des IBFG
zon dem Vorsitzenden des Londoner Berufsverhandes unternommen.
Sr konnte seine Organisation mit Muehe und Not 12 Jahre zusammenhalten,
Dhne dass sie jedoch grossen Einfluss gewonnen haette. Karl Marx
m ä der Anarchist Bakunin konkurrierten um ihre Gunst, waehrend die
inglaender, die den groessten Teil der demokratisch orientierten
.'itgliedschaft bildeten, bestrebt waren, das Gleichgewicht zwischen
seiden zu halten.
Einer der letzten Fehlschlaege, die in London ihren Ursprung
matten, war der "'eltgewerkschaftvbund, der an der Unnachgiebigkeit
ler Kominformhoerigen in seinen Reihen - scheitern musste.
Sich der staendigen Freiheitsbedrohung durch die Kommunisten
antgegenstemmend, erklaerten die Delegierten der Gruendungskonferenz
les IBFG, dass sie sich zusammenschliessen wollten, um auf dem
Gebiet internationaler gewerkschaftlicher Beziehungen einen neuen
Anfang zu machen, und dass die neue Organisation nach ihren Taten
ini nicht nach der Zahl und Laenge ihrer Manifeste beurteilt werden
sollte.
Das soll nicht heissen, dass in diesem Kampf der Ideen 'Torte
als ".äffen verachtet werden sollen. Keine Wuehe soll gescheut
werden, um die Freiheit zu retten und um ueberall Verstaendnis fuer
lie Ziele einer demokratischen Gewerkschafitsbewegung zu erwecken.
Der IBFG verbreitet deshalb seine Nachrichten und Informationen
aeber die ganze Welt.
Von groesserer Bedeutung ist jedoch die praktische Arbeit,
iie diese Organisation zur Staerkung einer jungen Gewerk~cheftsor^anisation in jenen Teilen der Welt leistet, wo Massnahmen fuer
3ie Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit am notwendigsten sind.
Kit der Delegation, die kuerzlich nach Suedostasien entsandt wurde,
•urde eine Reihe von Missionen eroeffnet, die sich um die unterentwickelten Gebiete kuemmern sollen. Sie hat mehr Laender besucht
and mehr Verbindungen aufgenommen als jede fruehere Gewerkschaftsielegation. Ihr Bericht hatte zur unmittelbaren Folge, dass ein
- 15 -

�asiatischer Gewerkschafter ernannt wurde, der ein staendiges
Verbindungsbuero in Singapur leiten wird, bei dem alle asiatischen Gewerkschaften Informationen und Ratschlaege einholen
koennen.
Durch ein ausgedehntes Erziehungsprojekt und ein Programm
fuer wirtschaftliche und technische Unter^tuetzung ist eine
weitere Staerkung der gewerkschaftlichen Organisationen in diesen Gebieten «eplant.
Afrika soll das naechste Taetigkeitsfeld werden, und es ist
offensichtlich, dass des ZweiJahresprogramm des Britischen Gewerkschaftskongresses, mit dem die Arbeiter der britischen Kolonien
unterstuetzt werden sollen, dem Plan des IBFG entgegenkommt,
selbstaendige Gewerkschaften in Anpassung an die oertlichen
Verhaeltnisse aufzubauen.
Bedeutsam ist ausserdem, dass sich der IBFG gegen eine Ueberzentralisierung seiner Funktionen ausgesprochen hat. Gewerkschaftsvertreter aus 15 Laendern, einschliesslich England, sind bereits
zusammengetreten, um sich ueber die Bildung einer europaeischen
Organisation zu einigen, die sich mit den industriellen und
wirtschaftlichen Problemen Europas befassen wird.
Aehnliche Konferenzen sind fuer ganz Amerika, Asien und
Afrika abgehalten worden. Jeder regionalen Organisation wird es
freistehen, unter Beachtung der wichtigsten Entscheidungen, die
vom IBFG in demokratischer Weise getroffen wurden, ihren eigenen
Weg bei der Verwirklichung der Grundsaetze und der einzuschlagenden Politik zu gehen.
Die Aussicht, eine enge und staendige Zusammenarbeit der
Gewerkschaften in allen Gebieten zustande zu bringen, duerfte
den starken und gut fundierten Organisationen die Moeglichkeit
geben, juengeren und weniger erfahrenen NachbarOrganisationen
zu helfen.
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenartigen Gewerkschaftsorganisationen ist im IBFG bereits erreicht worden und kommt am
deutlichsten in den intsrnationalen Berufssekretariaten zum Ausdruck, die der jungen Internationale ihre Erfahrung und ihr
Koennen zum Wohle der Arbeiter in den Berufen und Industrien, fuer
die sie- zustaendig sind, freimuetig zur Verfuegung gestellt haben.
Obwohl der IBFG noch vor zwoelf Monaten weder durchorganisiert war noch ueber das erforderliche Personal, ueber Bueroraeume
und Arbeitsmaterial verfuegte, ist er bereits zum Sprecher der
freien Gewerkschafter der gesamten freien Welt geworden.
Mit Bueros in Bruessel, Singapur, New York und Genf wird er
in der Lage sein, seine Bestrebungen darauf zu richten, durch
eigene Initiative und auf dem Weg ueber andere Behoerden, wie
zum Beispiel das Internationale Arbeitsamt, die UNESCO und den
Wirt3chafts- und Sozi^lrat der Vereinten Nationen, die dem IBFG
alle mitberatendes Statut gewaehrt haben, das Lebens- und Erziehungsniveau und die Arbeitsbedingungen aller Schaffenden zu verbessern.
Unabhaengig von politischen Parteien und frei von jeder Beherrschung durch Regierungen geniesst der IBFG den Ruf, ein energischer Kaempfer fuer Brot, Freiheit und Frieden zu sein.
Labour
XII/50
- 16 KICOC (9-1-51) «150 5 M 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 2

Frankfurt,

1 2 . Januar 1950 -/

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Gewerkschaften Amerikas u n t e r r , t u e t z e n V e r t e i d i g u n g s produktion - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

1

Amerikanische Gewerkschaften h e l f e n am P u n k t - V i e r Pro.^ramn mit - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung fuer die Verteidigung Amerikas - - - - -

5

Zahl der weiblichen Arbeitskraefte in Amerika steigt 6
In 3ngland entscheiden die Bergleute selbst ueber
ihre Zukunft - - - - - - - - - - - - - - - - - Gerechte? Akkordsyster: steigert Produktionsleistung

9
11

I.'eany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens - - 13
Amerikanische Gewerkschaftsfuehrer unterstreichen
die Bedeutung der Arbeiterbildung - - - - - - - 14
Ausbildungsinstitut fuer die wirtschaftliche Planung
asiatischer Entwicklungsprojekte - - - - - - - - 15
Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische
Gefahr
--.-----___-__
_ _ _ _ IQ

GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS UNTERSTUE1ZEN VERTEIDIGTOIGSFRODÜKTI CN
Die Nachrichten von der bejahenden Haltung der Gewerkschaftsbewegung einer gesteigerten Verteidigungsproduktion gegenueber
und ihrer Bereitwilligkeit, notwendige Preis- und Lohnkontrollen
zu akzeptieren, nehmen in der amerikanischen Gewerkschaftspresse
einen breiten Paum ein.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bekennt sich zu
dem Motto des ersten Wirtschaftsberaters Praesident Trumans, Leon
Keyserling: "Produktion, mehr Produktion und noch mehr Produktion."
- 1-

�Die Gewerkschaften haben ihre uneingeschraenkte Zusammenarbeit bei der Steigerung der Produktion zugesichert, damit Amerika
und die ganze freie Welt gegen alle feindlichen Absichten gefeit
sind. Noch bevor die Kommunisten die Republik Korea angegriffen
hatten, war die Produktion in Amerika auf einen Hoechststand gestiegen, und das nationale Einkommen - einschliesslich der Lohnsumme - ging
wie nie zuvor in die Iloehe.
Heute haben die Ausgaben der Unternehmer zur Ausdehnung ihrer
Produktionskapazitaet eine Stufe erreicht, die ueber der des zweiten Weltkrieges und des Jahres 1948 liegt, als die Nachfrage nach
Waren aller Art eine ungeheure Ausdehnung der Industrie erforderlich machte. Und jetzt wird diese vermehrte Nachfrage nach Waren
fuer den Inlandbedarf noch durch die zwingende Notwendigkeit gesteigert, die freie Welt wirtschaftlich und militaerisch zu staerken, um den kommunistischen Imperialismus abwehren zu koennen.
Auch diese Absicht hat die begeisterte Zustimmung der amerikanischen Gewerkschaften gefunden.
Diese rekordbrechende Ausdehnung der amerikanischen Produktivitaet schafft neue Arbeitsplaetze und stellt die Gewerkschaften
auf Grund des sich hieraus ergebenden Mangels an Arbeitskraeften
in eine guenstige Position. Die Gewerkschaften nutzen diese
groessere Macht jedoch nicht dazu aus, um unberechtigte Forderungen
zu stellen.
Nachdem Praesident Truman den nationalen Notstand erklaert
hatte, kamen etwa 10.000 Eisenbahner im Interesse der nationalen
Verteidigung dem Ersuchen des Praesidenten nach, ihren Streik zu
beenden.
Im August wurden die Bahnen von- der Regierung uebernomnen, um
einen nationalen Streik der Gewerkschaft des Zugpersonals und der
Zugfuehrer zu verhindern. Seit dieser Zeit arbeiten sie unter
der Kontrolle der Regierung.
Die Gewerkschaften wuenschen fuer die Lagerarbeiter der Eisenbahn eine volle Verguetung fuer 48 Arbeitsstunden bei einer
40-Stunden-Woche und eine E0%ige Tariferhoehung fuer die Streckenarbeiter. Augenblicklich verdienen die Zugbegleiter durchschnittlich 1,58 Dollar in der Stunde und woechentlich 75 Dollar. Der
durchschnittliche Wochenlohn aller Industriearbeiter belaeuft sich
gegenwaertig auf 68 Dollar. Nach Ausbruch des Streiks der Eisenbahner wurden Tag und Nacht im Weissen Haus Besprechungen zwischen
den Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften gefuehrt, an
denen auch der Berater des Praesidenten, Dr. John R. Steelman,
teilnahm. Man rechnete damals bereits mit einer raschen Beilegung
des Streiks.
William Green, der Praesident der AFL, versprach, dass die
acht Millionen Mitglieder dieses Gewerkschaftsbundes waehrend
des Notstandes von Streiks absehen wuerden, wenn Praesident Truman
sie darum ersuchte. Er fuegte hinzu, dans die Arbeiterschaft
bereit 3ei, "mehr als die Haelfte des Weges" zu einer Vereinigung
mit den Unternehmern und Farmern zurueckzulegen, um die Programme
zur Steigerung der Ruestungsproduktion zu foerdern.
Green bestand jedoch darauf, dass eine "Gleichheit" zwischen
Loehnen und Preisen hergestellt werden muesse, bevor irgendein
Lohnstabilisierungaprogramm durchgefuehrt werden koenne^
Philip Kurray, der Vorsitzende des CIO, versprach ebenfalls
Hoechstproduktion zur Unterstuetzung Praesident Trumans und der
Vereinten Nationen in dem ge^enwaertigen Kampf zur Abwehr aller
Aggressionen.
- 2 -

�Der CIO-Vorsitzende fuehrte aus:
"Vor fuenf Jahren erst haben wir den Kampf um die Freiheit
gegen die nazistischen und japanischen Imperialisten gewonnen.
In diesem Kampf spielte die ^roduktivkraft der amerikanischen Industrie und der amerikanischen Arbeiter eine wesentliche Rolle.
"Heute werden wir wieder dafuer arbeiten, die freien Voelker
und die freien Menschen vor dem Angriff des kommunistischen Imperialismus zu schuetzen. Die amerikanischen Arbeiter wissen,
dass Kommunismus Sklavenarbeit bedeutet, die freien Gewerkschaften zerstoert und den Arbeitern das Recht nimmt, zu streiken. 3o
wie Hitler schutzlose Voelker ueberfiel, sind es nun die Kommunisten, die nach Sued-Korea und Indo-China eindringen."
Der CIO-Vorsitzende brachte zum Ausdruck, dass die amerikanischen Arbeiter keineswegs ihre Handlungsfreiheit einbuessen,
wenn sie sie Regierung in dieser kritischen Zeit unterstuetzen.
Sie werden auch in Zukunft verlangen, dass Ungerechtigkeiten in
der Bezahlung korrigiert werden, und dass die Arbeiterschaft an der
Formulierung und Verwaltung der Richtlinien und Programme in allen
Behoerden der Regierung in groesserem Masse beteiligt wird. Sie
werden fordern, dass die durch den Notstand auferlegten Lasten
unter alle sozialen Orup-en gerecht verteilt werden.
"Wenn die amerikanischen Arbeiter ihre Unternehmer oder ihre
Regierung kritisieren, dann glauben Sie nicht, dass Amerika uneinig ist. Unsere Demokratie is*t stark, weil Jeder Buerger das
Recht hat, ohne Furcht zu sprechen, ueber oeffentliche Tobleme
zu diskutieren und abzustimmen. Die Freiheit schwaecht uns nicht.
3ie verleiht uns staerke, weil wir wissen, wofuer wir arbeiten und
kaemofen. In diesen schweren Zeiten wird die hoehere T'roduktivkraft der amerikanischen Arbeiter zusammen mit dem Industriepotential der amerikanischen Industrie die notwendigen militaerischen
und wirtschaftlichen Mittel wieder einmal produzieren, mit denen
die freiheitsliebenden Voelker der ganzen Welt unterstuetzt werden.
Um es erneut zu sagen:
'»Vir werden stark und siegreich sein, weil
wir fuer das Recht kaempfen."
Die Gewerkschaftsbewegung fordert nun energisch eine staendig groessere Beteiligung in allen Phasen der Mobilisierung der
Hilfsquellen und Machtmittel Amerikas. Das Vereinigte Komitee
fuer Arbeitsgesetzgebung, das sich aus Vertretern der AFL, der
CIO und der selbstaendigen Gewerkschaften zusammensetzt, wurde zu
dem Zweck gebildet, sich mit den Problemen der Mobilisierung zu befassen.
Program Service Section
Labor News Rounduo jj- 75
12/20/50
AMERIKANISCHE GE-YERKLCK^FTEr HttLFICr ,-.N PITKT-VILR-F:iOGIui.MM MIT
Jacob 5. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika (CIO), und Lewis G. Hines, der Sondervertreter der AFL, gehoeren zu den 12 Mitgliedern des neuen Beratungsau~schusses fuer Internationale Entwicklungen, der von Praesident
Truman ernannt worden war, um sich mit dem Punkt-Vier-Programm zur
Entwicklung rueckstaendirer Gebiete als eines wichtigen Mittels
zur endgueltigen Sicherung von Frieden, Wohlstand und Sicherheit
in der "elt zu befassen.
- 3-

�Auf einer Konferenz mit- Potofsky, Hines, dem Vorsitzenden
Nelson A. Rockefeiler und anderen Mitgliedern des Ausschusses erklaerte Praesident Truman:
"Die Anregung zu wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt
in den unterentwickelten Gebieten ist eines der wichtigsten Probleme, denen die freie Welt gegenuebersteht. Dies trifft besonders fuer jene asiatischen Laender zu, in denen die kommunistische
Gefahr so gross ist.
"Die Staerkung der unterentwickelten Gebiete und die Staerkung der freien Voelker der ganzen Welt stehen in einem direkten
Abhaengigkeitsverhaeltnis zueinander. Zwei Drittel der Weltbevoelkerung leben in diesen Gebieten. Sie leiden an Funger, Krankheit, Unwissenheit und Armut. Diese Voelker haben bereits beschlossen, dass eine '.Vendung eintreten muss, komme, was da wolle."
Zu diesem Problem erklaerte der ^raesident ferner, dass seine
Dringlichkeit in Anbetracht der chinesisch-kommunistischen Aggressi
in Korea verdoppelt sei.
"Es dreht sich jetzt um die Frage, aus welcher Richtung diese 7/endung kommen soll -" fuehrte er aus, "ob sie sich ungeachtet
der vielen Y.'erte vollziehen soll, die dem freien Menschen teuer
geworden sind, oder ob sie zu einer friedlicheren '.Veit in Wohlstand
beit.ra.een soll. Wir in den Vereinigten Staaten koennen ueber diese Frage nicht entscheiden: sie kann nur von den Bewohnern der
unterentwickelten Gebiete selbst entschieden werden. Aber ich
glaube, dass wir ihnen unsere Hilfe anbieten koennen, wann sie
darum kaempfen, dem Elend zu entrinnen, und wir koennen ihnen auch
den Weg zeigen, den andere zur Srringung der Freiheit, Menschenwusrde und Wohlfahrt gegangen sind."
Die Bedeutung der Worte des Praesidenten wurde in dem Bericht
des Statistischen Bueros der Vereinten Nationen unterstrichen, in
dem' festgestellt wurde, dass die Produktion der £5 aermsten Laender der Welt mit de\r Htelfte der Weltbevoelkerunr nur ein Zehntel
aller Nationaleinkommen betraeet.
China hatte zum Beispiel ein Nationaleinkommen von nur 27
Dollar jaehrlich pro Kopf der Bevoelkerung; in Indien sind es 57
Dollar. Von allen industrialisierten und halbindustrialisierten
Nationen der Erde hat, abgesehen von Polen, Russland das gerinn-te
Nationaleinkommen pro Kopf der Bevoelkerung (30:3 Dollar). Die
Vereinigten Staaten stehen dank ihrer Messenrroduktionsmaschinen
und denk des Draengens der Gewerkschaften und anderer Grunnen nach
gerechter Verteilung dessen, wes produziert wird, tait 1.453 Dollar
T O Kopf der Bevoelkerung an erster Stelle. Mit anderen '.','orten,
das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist fuenfmel so hoch
wie das der Durchschnittsrussen.
In einer Srklaerung des Jahreskongresses der CIO, auf dem
dem ^raesidenten die uneinpe^chraenkte Unterstuetzung dieser Organisation fuer das Punkt-Vier-Programm zugesprochen wurde, hiess
es:
"Unser Export industrieller Methoden im Rahmen des Punkt-VierProgramms bietet uns und unseren Freunden im Ausland groesste Vorteile, wenn Hand in Hand mit ihnen .jene sozial- und erbeitsnolitischen Methoden eingefuehrt werden, durch die das amerikanische
Volk unser eigenes System der Lenkung und des Gleichgewichts unserer industriellen Zivilisation entwickelt hat."
- 4-

�Ebenso erklaerte die AFL:
"Wir fordern, dass das Punkt-Vier-Programm so durchgefu, -*••
wird, dass es die Erziehung, die nationale Kultur, die Volksgesundheit, die technische Ausbildung, Gerechtigkeit und Arbeitsnormen foerdern kann. In allen Gebieten Asiens und Afrikas, die noch
nicht ihre voellige Unabhaengigkeit erlangt haben, sollen Vertreter der eingeborenen Bevoelkerung das Recht haben mitzureden, und
sie sollen in wirksamer Weise an der Planung und Durchfuehrung
des Punkt-Vier-Programms beteiligt werden."
Program Services Section
Labor News Roundun # 73

m/e/so

DIE HEDEUTUFG DER LEHRLINGS- UND BERUFSSCHPLAUSBILDUNG FUER DIE
VERTEIDIGUNG AMERIKAS
(Auszuege aus einer Ansprache des Leiters des Bueros fuer
Lehrlingswesen im U.S. Arbeitsministerium W. F. Patterson, die
er auf dem Kongress der Vereinigung der amerikanischen B/erufsschullehrer hielt.)
Die Gruppe fuer Berufsschulung sowie die b'undesstaatlichen
und staatlichen Behoerden, die sich mit dem Lehrlingswesen befassen, haben in diesem Augenblick die schwerste Probe zu bestehen,
der sie sich je gegenübergestellt sahen. Im Zweiten Weltkrieg
hatte Amerika mehrere Jahre zur Verfuegung, um seine militaerischen Kraefte zu organisieren und seine 'Wirtschafts- und Produktionsquellen zu mobilisieren. In der gegenwaertigen ungeklaerten
Situation weiss niemand, ob ein Krieg in den naechsten Monaten
oder Tagen oder eine Zeit kritischer Ungewissheit bevorsteht, die
sich ueber 10 oder 15 Jahre erstrecken kann.
Jeder, der mit den Fragen der Ruestungsnroduktion vertraut
ist, weiss, dass die Schlagkraft einer militaerischen Streitmacht
an der Front von einer ununterbrochenen Versorgung mit Industrieproduktion abhaengi"; ist: Waffen, Maschinen, Munition, Lebensmittel, Bekleidung und anderem Kriegsmaterial. Um diesen Materialstrom in Fluss halten zu koennen, ist eine Riesenzahl an Arbeitskraeften notwendig, von der ein grosser Prozentsatz gelernte
Facharbeiter sein mue^sen. Der Schluessel zum wirksamen Einsatz
dieser Arbeitskraefte ist, wie allgemein bekannt, die Berufsschulung und Berufsausbildung. Wenn die Berufsausbildung in wirksamem Masse schnell und gruendlich durchrefuehrt werden soll, muessen
alle die, die mit diesen beiden Gruppen verbunden sind, in genauer
Kenntnis ihrer Funktionen, in enger Harmonie und Gleichschaltung
aller Bemuehungen zusammenarbeiten - andernfalls wird es nicht gelingen, die schwere und dringende Aufgabe, die gestellt ist, zu
loesen.
Es ist vielleicht angebracht, wenn kurz auf die Arbeit dieser
beiden Gruppen in den vergangenen Jahrzehnten eingegangen wird.
Das Aufkommen de.: Fabriksystems und der Methoden der Massenproduktion hatten nicht unmittelbar eine Neuorientierung des Erziehungssystems zur Folge. Es dauerte in der Tat viele Jahrzehnte, bevor im Erziehungssystem Beweise fuer die Notwendigkeit erkennbar wurden, Maenner und Frauen durch eine entsprechende Ausbildung auf ihre Arbeit in der Industrie vorzubereiten,30 wie fuer
akademische Berufe eine Ausbildung an einer Hochschule ebenso notwendig wie selbstverstaendlich ist. Weitere Jahre vergingen, bevor
- 5-

�auf Grund dieser Erkenntnis Aenderungen in den Erziehungs- und
Ausbildungsürogrammen vorgenommen wurden. Folglich hatten die
Grundschulaüsbildung und die der hoeheren Schule fast ausschliesslich das Ziel, auf die Aufnahme in eine Hochschule vorzubereiten.
In gewissem Grade sind sich die Erzieher noch immer nicht der
Bedeutung der beruflichen Schulung innerhalb des allgemeinen Erziehungssystems bewusst. Die jetzige Auseinandersetzung mit
diesen Fragen ist ein Beweis fuer den Fortschritt auf dem Gebiet
der Berufsschulung, fuer das Ausmass, in dem diese durchgefuehrt
wird, und fuer die bedeutende Rolle, die sie auf erzieherischem
Gebiet spielt.
Wie wertvoll die Berufsschulen fuer das allgemeine Lehrlingswesen sind, wurde bereits in einer Veroeffentlichung des Bundesstaatlichen Amtes fuer BerufsSchulung mit dem Titel "Lehrlingsausbildung" vom Juni 1923 beschrieben. Man war sich im klaren
darueber, dass, wenn des Lehrlingswcsen seinen ihm gebuehrenden
Platz einnehmen sollte, bestimmte Aspekte einer besonderen Betrachtung unterzogen werden mussten. Wenn mit genuegendem Nachdruck betont wird, dass der Lehrling ein im Arbeitsverhaeltnis
stehender Arbeitnehmer ist, muss irgendeine Behoerde mit der besonderen Aufgabe betraut werden, ein diesem Zweck entsprechendes Programm zu entwickeln und zu foerdern. Dieser Notwendigkeit war
man sich weitgehend bewusst, was zur Entstehung des heutigen Amtes fuer Lehrlingswesen fuehrte. Allen jenen, die auf dem Gebiet
der Berufserziehung taetig sind und sich unablaessig fuer ein
besseres gegenseitiges Verstaendnis der beiden Grupnen eingesetzt
haben, muss eine besondere Anerkennung ausgesprochen werden:
Dr. Stratton, John McCarthy, Clarence Greiber, Howard Campion,
Walter Sahlin und viele andere, die nicht namentlich genannt werden koennen, die fortwaehrend mitgeholfen haben, das nationale
Lehrlingsprogramm und seine Ideen und Ziele zu foerdern.
In einer Zeitspanne von mehr als 16 Jahren sind die beiden
Gruppen zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht notwendig und
nicht ratsam ist, Schwierigkeiten und Mi3svers^aendnisse einfach
zu ignorieren. Auch waere es unklug, nicht zugeben zu wollen, dass
diese Missverstaendnisse fortbestehen, nur weil keine Versuche
unternommen werden, sie in ehrlicher und offener Aussprache zu
beseitigen.
Die Oeffentlichkeit wird sich daran erinnern, dass in der
ersten Zeit des Bestehens der beiden Grupnen mit mehreren tuechtigen Fachleuten eine Vereinbarung ausgearbeitet wurde, in der die
Funktionen der beiden Gruppen gemaess der Auffassung ueber die
Stellung eines Lehrlings, ob Arbeitnehmer oder Schueler, festgelegt wurden. Dieses Dokument hat sich bei der Umgrenzung der
beiderseitigen Taetigkeitsbereiche als ungeheuer wertvoll erwiesen.
Auch die oertlichen und staatlichen Behoerden fuer Berufsschulung, die staatlichen Lehrlingsaemter und die Mitglieder des
Personalstabes, die mit der Aussenarbeit betraut sind, koennen
nicht genu,? Anerkennung fuer die aussergewoehnliche Umsicht erfahren, mit der sie an geneinsame Probleme herangingen, ihre Ansichten austauschten, wo es noet/ig war, konstruktive Kritik uebten,
und in vielen Faellen Schwierigkeiten durch schriftliche Abmachungen beseitigten, in denen sie festlegten, in welcher Form zusammengearbeitet werden sollte. Noch in den letzten Jahren sind Beauftragte der Vereinigung der amerikanischen Eerufsschullehrer
in etwa sechs Faellen mit fuehrenden Mitgliedern des Amtes formell
zusammengetreten, um die gegenseitigen Beziehungen zu eroertern
und freundschaftliche und praktische Abmachungen ueber die beiderseitige Politik und die gemeinsame Arbeit zu treffen. Das Buero
- 6-

�fuer Lehrlingswesen ist immer stolz auf diese guter, Beziehungen gewesen und bemueht sich, die getroffenen Abmachungen auch gewissenhaft einzuhalten.
Eines der "^roble^e, die beide Teile geneinsam interessierten und bei zahlreichen Gelegenheiten besprochen wurden und fuer
das die Berufsschullehrer ausschliesslich verantwortlich sind,
ist die Berufsschulausbildung fuer Lehrlinge. Die Schwierigkeiten sind durchaus bekannt, die die staatlichen und oertlichen
Berufsschullehrer hatten, um genuegend Geldmittel fuer diesen
Zweck zu bekommen. Niemals ist die Tatsache verkannt worden,
dass die Berufsschulausbildung ein notwendiger und grundlegender
Bestandteil des Lehrlingswesens ist, und die Allgemeinheit ist
ueberzeugt, dass ihre Bedeutung, weit groesser ist, als die Zeit
vermuten laesst, die man ihr im allgemeinen widmet. Wenn von
der Berufsschulausbildung gesprochen wird, muss darauf hingewiesen werden, dass ihr mehr Zeit gewidmet werden muesste. Es ist
das Bestreben des Amtes, jedem Lehrling in den Vereinigten Staaten eine Berufsschulausbildung zuteil werden zu lassen, die an
Q,ualitaet und Q,uantitaet nichts zu wuenschen uebriglaesst. Dies
war jedoch immer und muss auch immer eine Funktion der Berufsschulen sein. Der wertvolle Beitrag der Berufsschullehrer zum
Lehrlingswesen wird in dieser Richtung trotz verwirrender und
oft unueberwindlich erscheinender Schv/ierigkeiten stets geschaetzt.
Es ist ein Glueck fuer die Vereinigten Staaten, dass sie
heute ueber die Erfahrungen einer 16-jaehrigen Zusammenarbeit
verfuegen, denn in dieser gefaehrlichen Situation von heute kommt
es darauf an, noch enger als bisher zusammenzuarbeiten. Man muss
alle Gefahren ins Auge fassen, die sich ergebenden Konsequenzen
daraus ziehen und versuchen, entsprechend ausgerichtete wirksame
Programme vorzubereiten. Wenn die USA in eine entscheidende
Krise verwickelt werden, werden alle Kraefte bis zum Aeussersten
angespannt werden muessen, um der Industrie zu helfen, dass sie
die Arbeitskraefte zur Produktion der riesigen Mengen an "Zaren,
die gebreucht werden, richtig einsetzt. In diesem Fall muss die
gemeinsame Arbeitsgruppe, die bereits erwaehnt wurde, aeusserst
aktiv sein und sehr oft zusammentreten.
Wenn die USA in Kuerze einer umfassenden Krise gegenueberstehen sollten, werden die Probleme, die geloest werden muessen,
sehr verschieden von denen sein, die vor 10 oder 15 Jahren bewaeltigt werden mussten.
Unmittelbar vor dem 2. V/eltkrieg verfuegten die Vereinigten
Staaten ueber ein grosses Reservoir an Arbeitskraeften, die der
Industrie zugefuehrt werden konnten. Es gab z.B. eine betraechtliche Zahl Arbeitsloser. Mehrere Millionen Frauen waren zuvor
nie erwerbstaetig gewesen. Es gab ausserdem viele Personen,
die auf Grund ihres Alters oder koerperlicher Maengel zwar nicht
arbeiteten, aber doch bis zu einem gewissen Grade arbeitsfaehig
waren. 100.000 dieser Leute wurden in Berufsschulen ausgebildet
und daraufhin in Ruestungsfabriken beschaeftigt. Ohne diese Reserve waeren die Bemuehungen zur Steigerung der Ruestungsproduktion niemals so erfols-reioh gewesen.
Heute verfuegen die USA nicht ueber diese umfangreichen Reserven. Eine Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht. Viele
Frauen und Koeroerbehinderte sind bereits laengst berufstaetig.
Im uebrigen werden mehrere Millionen junger Leute dem Arbeitsmarkt
entzogen, um bei den militaerischen Streitkraeften Maschinengewehre zu bedienen, Schiffe zu bemannen und Flugzeuge zu steuern.
- 7-

�Wenn die Produktionsleistung unter solchen Bedingungen gesteigert-worden soll, gibt es keine andere Moeglichkeit, als die
Faehigkeiten der bereits Beschaeftigten zu erhoehen.
Dieses Problem der Berufsausbildung im Dienst der amerikanischen Industrie kann bearbeitet werden, ohne dass zu diesem
Zwecke neue Behoerden gebildet werden. Seit dem 2. Weltkrieg
haben sich die beiden Gruppen ausdruecklich und unbedingt an
diesen Grundsatz gehalten. Es ist lediglich erforderlich, die
Richtlinien so auszuarbeiten und die Taetigkeiten so zu lenken,
dass ein derartiger Schritt nicht notwendig wird.
Die Maenner und Frauen, die auf diesen Gebieten taetig sind,
sind sich bewusst, dass sie nicht nur einen Arbeitsolatz ausfuellen, sondern dass sie gemeinsam ein Ziel erstreben. Sie wollen
weiter arbeiten, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben, wobei folgende Ziele ihnen vorschweben moegen: Den nationalen Wohlstand zu foerdern, das wirtschaftliche Wohlergehen des
amerikanischen Volkes zu verbessern und dem Lande eine unueberwindliche Verteidigung zur Verfuegung zu stellen.
U.S. Arbeitsministerium
12/1/50
ZAHL DER WEIBLICHE?! AR3EIT5 KRAEFTE IN AMERIKA STEIGT
Prozentualer Anteil der weiblichen Arbeitskraefte an der
Erwerbsbevoelkerung der Vereinigten Staaten in den Jahren 1870-1949

Dem statistischen Buero der
Vereinigten Statten zufolge hat
sich die Zahl der weiblichen Bevoelkerunr im Alter von ueber 14
Jahren in der Zeit von Oktober
1949 bis Oktober 1950 um 680.C00
erhoeht.
sIa gleichen Zeitraum ist die
Zahl der erwerbstaetigen Frauen
um 1.093.000 angestiegen, deren
Zahl sich damit im Oktober 1950
auf insgesamt 18.668.000 belief.
Die T-roesste Beseheeftigunrszunähme in diesen 12 Moneten" ist bei
jenen Freuen zu verzeichnen, die
in nichtlendwirtscheftlichen Indus triezweis^en beschaeftigt sind.
Ihre Zahl steigerte sich um 599.000
insgesamt, damit heben die Frauen
im Oktober 1950 die 16 1/2 Millionen Grenze uebsrschritten. Die
weiblichen Arbeitnehmer in der
Lendwirt3Cheft, deren Zahl sich
im Oktober 1950 auf insgesamt
1.902.000 belief, hetten seit dem
gleichen Monat des Vor/iahres eine
Zunahme von 494.0C0 zu verzeichnen.

Die_Zahl der berufstaetigen
Frauen in den bereinigten Staaten
uebertrifft somit die Gesamtzahl
der deutschen Berufstaetigen einschliesslich aller .*rbe4tslosen.
Labor Information Bulletin
XII/50
- B-

�IN ENGLAND ENTSCHEIDEN SIE BERGLEUTE S5IBST UEBER IHRE ZUKUNFT
Die Besprechungen uebar den englischen Fuenfzehnjahresplan
werden von den Mitgliedern der Beratungsausschuesse der Kohlenbergwerke gefuehrt, die alle ein Exemplar dieses groessten Programms auf weite Sicht erhalten haben, das die britische Industrie
je gekannt hat.
Die ersten Erklärungen zu dem Programm wurden im November
den Mitgliedern des Landes-Beratungskoiaitees von dem Vorsitzenden
der obersten Kohlenbehoerde gegeben. Die gemeinsame Beratung
wird fortgesetzt, und die Betriebsleiter und Arbeiter jeder Abteilung studieren die Einzelheiten, die vor. unmittelbarer Bedeutung fuer sie sind.
Die Bergarbeitergewerkschaft hat bereits offiziell dieses
ausgeglichene Programm der Kapitalentvvicklung gebilligt, das den
Zweck hat, Arbeitskraefte, Geld und Maschinen so zu verwenden,
dass die besten Ergebnisse erzielt werden koennen.
Wie ein Sprecher erklaerte, waren sich die Bergarbeiter immer
der Bedeutung der Herausstellung der Leistungsfaehigkeit bewusst,
und sehen nun eine Gelegenheit, ihre Hoffnungen zu verwirklichen.
Der ""lan kann jedoch nur gelingen, wenn er von der Industrie
wohlmeinend mit allen Mitteln unterstuetzt wird.
Die Vorschlaege zu diesem Fuenfzehn Jahresprogramm, das en
sich nicht an feste Quoten gebunden ist, sehen eine Steigerung
der jaehrlichen Kohlenfoerderung Englands um 36 Millionen Tonnen
bei einer Senkung der Zahl der Bergarbeiter um 80.000 vor.
Es wird weniger Gruben geben, aber mehr Destillierwerke. Es
werden sich groessere Stollen in den Gruben finden, zum Zerkleinern und Abtransport der Kohle wird weitgehend von elektrischer
Energie Gebrauch gemacht werden. Den Bergarbeitern werden in
groesserem Masse Badeeinrichtungen an den Ausgaengen der Gruben
zur Verfuegung stehen, sie werden mit groesserer Sicherheit arbeiten, und man wird sich eingehender als bisher mit Wohlfahrtseinrichtungen fuer sie befassen.
Diese Aenderungen koennen nicht sofort vorgenommen werden;
es kann bis zu zehn Jahren dauern, bis ein rrosses, modernes Kohlenbergwerk in vollem Ausmass produzieren kann.
Weil eine groessere Mechanisierung hoeheren Ausstoss mit
sich bringt, werden die Gestehungskosten fuer jede Tonne Kohle
um deben Schillinge fallen.
Nicht alle Gewinne werden in Form niedriger Teise der Oeffentlichkeit zufliessen. Die Maenner, die im Bergbau arbeiten, werden
besonders beruecksichti/rt werden, da die oberste Kohlenbehoerde
den Grundsatz akzeptiert hat, dass die Loehne im gleichen Masse
erhoeht werden, in dem die Produktionsleistung steigt.
Den HauTtanteil der Gestehungskosten fuer Kohle bilden die
Loehne (nahezu zwei Drittel). Obwohl das Komitee sich nicht verpflichten wuerde, eine bestimmte Lohnpolitik zu betreiben, hat es
teschlossen, bei der Errechnung der Gestehungskosten an Hand der
Loenne drei Voraussetzungen zugrundezulegen:
Die Unterschiede In den Lohntarifen der einzelnen Gebiete
werden ausgeglichen, die verschiedenen Lohnstufen werden .jetzt
bleiben, und die Loehne als Ganzes werden nur erhoeht, wenn auch
- 9-

�die Produktionsleistung steigt, wobei jedes Gebiet mit Kohlevorkommen getrennt behandelt wird.
Die groesste Aufgabe wird es sein - dessen ist sich auch die
Behoerde bewusst - die Belegschaftsstaerke der Bergwerke beizubehalten.
In vielen Faellen wird es schwierig sein, neue Arbeiter einzustellen. Die Behoerde rechnet damit, dass nur in wenigen Bezirken ueberzaehlige Bergarbeiter Schwierigkeiten haben werden,
einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Als ein Hauptproblem sieht
man die Tatsache an, dass man im allgemeinen bestrebt ist, ueberzaehlige Arbeiter zu halten, anstatt sie zu veranlassen, in anderen Industrien Arbeit zu finden.
Die Gefahr einer weitverbreiteten Arbeitslosigkeit ist sehr
gering. Allgemein gesprochen, wird Neuorganisierung nichts weiter
bedeuten als eine Reihe von Arbeitsplatzwechseln in andere Gruben.
Fuer solche Wechsel ist den Arbeitern versprochen, dass ihnen alle
interessierten Stellen der naechsten Umgebung beratend zur Seite
stehen werden.
Die Kohlenbehoerde hat in ihren Richtlinien jede Rueckkehr
zu jenen Tagen von vornherein ausgeschlossen, als die Bergwerke
ueberbelegt waren und die Bergleute bei geringerer Nachfrage nach
Kohle arbeitslos wurden. Dadurch, dass man die Arbeiter je nach
den Schwankungen im Absatz zu Produktions- oder Ausbauarbeiten
heranzieht, will man die Fuenf tage-Yvoche beibehalten und eine
stabile Beschaeftlgtenziffer sichern.
Der Plan ist nicht unabaenderlich festgelegt, sondern er unterliegt fortwaehrenden Veraenderungen, da die Richtigkeit der Erwartungen staendig nach^eprueft wird.
Dadurch, dass man den Preis fuer jede Hauptkohlensorte in 'edem Absatzgebiet so weit wie moeglich in Uebereinstimmung mit den
Produktions- und Transportkosten festlegt, will die Behoerde dafuer sorgen, dass jede Verbrauchergrupne fuer die Kohle, die sie
braucht, einen angemessenen Preis zahlt. Die Preise fuer die einzelnen Absatzgebiete werden jedoch nicht endgueltig festgelegt
werden, sie werden aber mit den Veraenderungen in der Versorgung
mit verschiedenen Kohlensorten und der Nachfrage schwanken. Andere Faktoren, die berücksichtigt wurden, waren das erforderliche
Kapital und natuerliche Hilfsquellen. Die Behoerde hofft, die noetigen Ausruestungen und Finanzmittel fuer ihre Projekte zu bekommen, zumal Untersuchungen ergeben haben, dass ein Mangel an Kohlevorkommen fuer viele Generationen unwahrscheinlich ist.
Eine Besorgnis erregende Tatsache ist jedoch, dass die be^te
und billigste Kohle bereits abgebaut ist, insbesondere jene Sorten, die sich zu Hartkoks fuer die Stahlindustrie verarbeiten
lassen. Auf der anderen Seite hofft die Kohlenbehoerde, die
Schwierigkeiten, die zur Zeit durch die Nachfrage der Verbraucher
nach besonderen Kohlensorten entstanden sind, ueberwinden zu koennen. Unter anderem beabsichtigt man, durch eine Form der Preisrsgelung, eine bessere Verteilung der einzelnen Sorten und verbesserte Methoden beim Mischen der Kohle der gesamten Nachfrage gerecht
werden zu koennen.
Das Programm der Neuorganisation enthaelt keine Angaben ueber
die Gruben, die geschlossen oder wiederaufgebaut werden sollen.
Diese Entscheidungen bleiben den oertlichen Betriebsleitungen
ueberlassen, die fuer die Durchführung der Einzelphasen des ^lanes
verantwortlich sind.
- 10 -

�Die oberste Kohlenbehoerde ist der Auffassung, dass sie bei
der Ausarbeitung dieses Programms auf lange Sicht sich konservativ verhalten hat. Sfen erwartet von den Arbeitern in der Zukunft
keine groesseren Anstrengungen als sie zur Zeit fuer ihre Arbeit
aufwenden. BSan hat sich auch nicht auf technische Erfindungen
gestuetzt, die gerade im richtigen Augenblick zu Hilfe gekommen
waeren.
Um noch weiterzugehen, erklaert die Behoerde, sie habe in
"einem Gemisch vernuenftiger Erwartung und hoffnungsvollen Denkens" gehandelt. Nachdem sich nun die Produktionsmoeglichkeiten
und die Tendenzen in der Nachfrage klar abgezeichnet haben, kann
der Plan abgeaendart werden. Er wird in jedem Falle staendigen
Revisionen unterliegen.
"fie vorsichtig die Schaetzungen auch sein moegen, so hat
die Kohlenbehoerde doch ein Problem in Angriff genommen, das unbedingt einer Loesung bedarf.
Jedes kleinere und einzelne Projekt zur Neuorganisierung und
"odsrnisierung haette die Produktion nur auf den niedrigen Stand
von 1945 herabgedrueckt. Und der Preis fuer Kohle, der in den
letzten Jahren gesunken ist, wuerde erneut ansteigen, wie es 70
•Jahre lang der Fall war. Innerhalb von fuenf Jahren haette er
ohne einen derartigen ^lan fuenfmal so hoch sein koennen.
Das Programm muss nun einer gründlichen Untersuchung unterzogen wuerden, und zwar nicht nur von Persoenlichkeiten der Industrie, sondern auch von den Vertretern der Oeffentlichkeit in
den Ausschuessen fuer Kohleverbraucher und dem Ministerium fuer
Brennstoff und elektrische Energie. "Wir werden auch in Zukunft,"
erklaerte der Vorsitzende der obersten Kohlenbehoerde, "uns nach
neuen Ideen umsehen und solche Ideen begruessen, soweit es sich
um gesunde und vernuenftige Vorschlaege handelt."
Labour
XII/50
GERECKTES AKKORDSY5T5M STEIGERT PRODUKTIONSLEISTUNG
Die Produktionsziffern der englischen Industrie gehen staendig in die Hoehe. V/ie ist dies ohne zusaetzliche Arbeitskraefte
und ohne schwerere Arbeit moeglich? Das Staatliche Buero fuer
./irtschaftsinformationen hat sich mit 107 Firmen in Verbindung
gesetzt und hat drei eindeutige, aber keineswegs nagelneue Antworten auf diese Frage erhalten:
Gemeinsame Beratung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern,
gerechte Akkord-Systeme und Betriebsinformationen.
Die Untersuchungen haben dieses Buero zu einer grossen Zahl
.^roesserer und kleinerer Betriebe gefuehrt. Ein Fuenftel der
Betriebe zaehlen mehr als 1000 Arbeiter, ein Viertel weniger als
250. Auch die Art der Waren, die sie produzieren, ist sehr verschieden.
Unter Zuhilfenahme der Geschaeftsbuecher der einzelnen Firmen
ist eine Liste zusammengestellt worden, aus der zu ersehen ist,
wie die Produktion gesteigert, die Gestehungskosten und Preise
gesenkt und die Loehne der Arbeiter erhoeht worden sind.
- 11 -

�Diese Zusammenstellung ist sehr aufschlussreich. In 75 Firmen fuehren Vertreter der Unternehmer und Arbeiter gemeinsame Besprechungen. Gerechte Akkordsysteme spielen in 72 Faellen eine
bedeutende Rolle, waehrend 45 Firmen ihre Produktionsziffern dadurch steigern, dass sie ihre Arbeiter uebar die Erzeugnisse des
Betriebes, den Absatz, die ^roduktionsquoten, die Gestehungskosten und die bereits erzielten Erfolge eingehen unterrichten.
"Viele Firmen bedienten sich dieser drei Methoden mit grossem
Erfolg. Zwei Beispiele zeigen, wie fortschrittliche Unternehmer
mit einsichtigen Arbeitern eintraechtig zusammenarbeiten, um die
Produktionsleistung zum Nutzen der Firma, ihrer Arbeitnehmer und
ihrer Kunden zu steigern.
Die Technischen Vferke in Leeds z.B. koennen von einer "Produktivitaetssteigerung um 44% seit 1947 berichten. Der Mangel an
Treibstoff, der in jenem «Tahre geherrscht hat, ist fuer dieses Unternehmen zur Veranlassung geworden, seine 55 Kilowatt-Dieselgeneratoren zu normen. Das Erzeugnis der Firma ist ab heute geaendert, um eine guenstigere Verwendung des Rohmaterials zu gewaehrleisten, und um die Produktion des genormten Produktes zu beschleunigen, ist eine umwaelzende Neuordnung der Betriebsanlagen
durchgefuehrt worden.
Frueher sind spezialisierte V.'erkzeugmaschinen nur im beschraenkten Masse verwendet worden, um Einzelteile fuer eine Vielzahl von Maschinen herzustellen. Nach der Neuorganisation sind
die Yferkzeugmaschinen, in Gruppen geordnet aufgestellt, in voraus
sorgfaeltig eingerichtet, damit die maschinelle Arbeit in ununterbrochenen Fliessbandsystem ausgefuehrt werden kann. Die Arbeiter
sind waehrend dieser Neuorganisation genauestens ueber die einzelnen Vorgaenge unterrichtet worden, ebenso sind die Plaene dem
gemeinsamen Produktionsausschuss laufend vorgelegt worden. Auf
diese Weilst ist es moeglich gewesen, sich die Mitarbeit der Belegschaft bei dieser Neuorganisation zu sichern.
Und die Ergebnisse? Fuer die Verbraucher eine 25%ige Preissenkung, fuer den Unternehmer eine 10%ige Verminderung der Produktionskosten und fuer 1800 Arbeitnehmer eine Steigerung ihrer Loehne um durchschnittlich sechs Schillinge bis zu einem ^fund Sterling,
wobei die Lohnverbes3erungen im Rahmen des nationalen Lohngesetzes
nicht beruecksichtigt sind.
Im Suedwe3ten Englands sehen wir das zweite Beispiel: In
Avonmouth (Bristol) werden den Arbeitern fuer die Erzeugung von
Zink, Schwefelsaeure und Industrie-Chemikalien Leistungspraemien
gezahlt. Die Zinkproduktion hat sich seit dem Kriege um 20% und
die der Schwefelsaeure um 25% gesteigert. Die 7/ochenloehne der
Arbeiter sind dadurch um einen Betrag von dreissig Schillingen bis
zu zwei Pfund Sterling in die Hoehe gegangen.
Die Leistungspraemien werden in den verschiedenen Industriezweigen nicht eher eingefuehrt, als bis in Sondersitzungen mit
Unternehmer- und Gewerkschaftsvertretern alle Einzelheiten des
Systems ausgearbeitet sind und eine Abmachung zustande gekommen
ist, zu der sich 90% der 1500 Arbeiter dieses Betriebes bekennt
haben. Leistungsprämien koennen auch in den Warenlagern gezahlt
vyerden und sind selbst fuer die jungen Leute vorgesehen, die mit
dem Fahrrad Botengeenge ausserhalb der Fabrik verrichten.
Praktisch ist jede Arbeit in diesen Betrieben vom Hofreinifer
bis zum Reparieren der Pumoen und Wiederaufbauen der Retorten ger&gt;rueft und zeitlich bemessen worden. In allen Faellen ist es den
- 12 -

�'&lt;.

Arbeitern moeglich, sich an die Zeitnehmer zu wenden und eine Angleichurlg der Zeit zu erwirken, wenn dies erforderlich ist.
Fuer die Maschinentechniker, Klempner, Maurer und andere
Handwerker sind Akkordsysteme eingefuehrt worden, denen eine Untersuchung ausschlaggebender Leistungseinheiten zu Grunde liegt.
In jedem dieser Systeme ist der Vorarbeiter der wichtigste
Mann. Er prueft die Zeiten, die fuer die Arbeitsgaenge gebraucht
werden. Wenn die Ausfuehrung der Arbeit schlecht ist, kann er
darauf bestehen, dass sie noch einmal verrichtet wird oder die
Praemie nur fuer den Teil gezahlt^wird, der zufriedenstellend ausfaellt. Der Vorarbeiter selbst arbeitet nach einem Leistungspraemien-System, das sich auf die Arbeitsleistung seiner Arbeiter
gruendet.
Diese 105 Faelle, die man untersucht hat, sind ein klarer
Beweis dafuer, dass die englische Industrie ueber ein grosses Mass
an Erfahrung und Wissen verfuegt, das ausgewertet werden kann wenn es die Unternehmer nicht fuer erniedrigend halten, mit den
Vertretern ihrer Arbeiter neue Methoden zu besprechen, bevor
die Fabriken in Betrieb gesetzt werden, und wenn die Arbeiter
nicht zu mi3strauisch oder zu konservativ sind, sich damit einverstanden zu erklaeren, eine neue Idee auszuprobieren, nachdem
sie sie sorgfaeltig geprueft haben.
Labour
6/50
MEANY ZUR ROLLE DES RUNDFUNK- UND FEP.NSEKWSSENS
"Dieses neue und maechtige Beeinflussungsmittel darf nicht
voellie- der Industrie als Propagandawerkzeug zur Steigerung ihres
Absatzes ueberlassen werden."
Dies sagte George Meany, der Hauptkassierer der AFL, vor
der bundesstaatlichen Kommission fuer Rundfunk- und Fernsehwesen.
Er schloss sich der Bitte einer Grupoe Erzieher an, dass ein gewisser Prozentsatz der Fernsehsendungen ausschliesslich fuer erzieherische Zwecke verwendet werden soll. "Wir wollen, dass
unsere Kinder durch die Fernseheinrichtungen mehr lernen koennen
als nur die Kenntnis einer ausgezeichneten Geschaeftsreklame."
n

Die Regierung ist dem amerikanischen Volke sehr vieles
schuldig. Sie sollte die Kinder der Nation und die Erwachsenen
vor den uebertriebenen Haendlergeist bewahren, dem sie zur Zeit
ausgesetzt sind."
Meany stellte fest, dass die bestehenden Fernsehstationen
es versaeumt haetten, sich zu einem Forum fuer die verschiedenen
Meinungen zu den nationalen und internationalen Problemen zu
entwickeln, und erklaerte: "Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, finden in dem IleL.leben zahlloser amerikanischer Familien und den Erziehunpsmoeglichkeiten der kommenden Generationen ihren Niederschlag."
^r wies ferner darauf hin, dass die amerikanische Arbeiterschaft das Erziehunrswesen immer unterstuetzt hat, weil sie zu
der Erkenntnis gekörten ist, dass "ein intelligentes Volk aufeeklaert sein muss." 3r betonte, dass es "die arbeitenden Maenner und Frauen Amerikas waren, die den Kampf fuer die Errichtung
eines freien und oeffentlichen Schulsystsms gefuebrt haben.*'
- I*7 -

�Die Gewerkschaften haben sich fuer der üeffentlichkeit zugaengliche Hochschulen eingesetzt und sind heute an den Universitaeten
und Volkshochschulen ausserordentlich interessiert.
Durch die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehwesens
sind die Erziehungs- und Informationsmoeglichkeiten sehr stark
ausgedehnt worden, man habe jedoch zur Foerderung der allgemeinen
Erziehung und zur Propagierung sozialpolitischer Programme nur
in beschraenktem Masse von den Rundfunk- und Fernseheinrichtunsren
Gebrauch gemacht, und ndie Geschichte der letzten £5 Jahre hat gezeigt, dass der Rundfunk nicht die grosse erzieherische Rolle gestielt hat, die man von ihm erwartete."
"Die fortschrittliche amerikanische Arbeiterschaft ist der
Auffassung, dass hoshere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen, so
lebenswichtig sie sind, weder das einzige Interesse der Arbeiter
darstellen, noch die einzige Verantwortlichkeit sind, die die Unternehmer ihren Arbeitern gegenueber zu tragen haben. Die Gewerkschaften wie auch die Unternehmer vertreten die Auffassung, dass
die Erziehung fuer den Arbeiter von vordringlicher V/ichtigkeit ist.
Ein aufgeklaerterer Arbeiter ist leistungsfaehiger. Er lernt in
kuerzerer Zeit mehr, verrichtet seine Arbeit besser und steht innerhalb der Gemeinschaft auch nachdruecklicher seinen Mann."
Daily News Service
XIl/6/50
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFTSFÜHRER UNTERSTREICHEN DIE BEDEUTUNG
DER ARBEIT ^BILDUNG
Bei der feierlichen Uebergabe des Samuel-Gompers-Oedaechtnisfonds an das Roosevelt-College in Chikago, der sich auf ICO.000
Dollar belaeuft, erklaerten fuehrende Funktionasre der Gewerkschaften, der Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
haenge groesstenteils von der Ausbildung ab, die den Gewerkschaftsmitgliedern zuteil '.&lt;erde.
William Green, der Vorsitzende der AFI, fuehrte in diesem
Zusammenhang aus: "»ir waren bisher vielleicht zu sehr geneigt,
unseren Fortschritt nach den I'itgliederzehlsn allein zu bemessen d.h. eher nach quantitativen als nach qualitativen Normen
Nur in dem Masse, in dem wir erziehen und auch werbend wirken,
koennen wir die Gewissheit haben, dass die Struktur der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Amerika erhalten bleibt und sich fortwaehrend verbessert."

Der Vorsitzende des CIO, Philip Murray, wies darauf hin, da-rs
"unsere hoeheren Lehrinstitute bis vor kurzem noch der Gewerkschaftsbewegung gegenueber entweder unfreundlich oder irgendwie gleichzeitig eingestellt waren oder ihr sogar den Ruecken kehrten."
Im Roosevelt-College wird die Arbeiterbildung auf der gleichen
Basis wie die Ausbildung in Kuensten und '..'issenochaften betrieben.
Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften sind im Treuhaenderausschuss vertreten, '"alter Reuther, der Vorsitzende der üUtomobilarbeitergewerkschaft des CIO, und Morris Bialis von den Damenoberbekleidungsarbeitern der AFL sind Mitglieder dieses Ausschusses.
V.'eekly Labor News Direst
Vol. V - Nr. 51
XII/20/50

- 14 -

�AUSBILDUNGSIMSTITUT FULR DIE WIRTSCHAFTLICHE PLANUNG ASIATISCHER
ENTWICKLUNGSPROJEKTE
In Lahors (Pakistan) ist das erste regionale Schulungsprogramm fuer Volkswirtschafter, Techniker und Verwaltungsbeamte angelaufen, die sich mit der Planung und Finanzierung landwirtschaftlicher Entwicklungsprogramme befassen. An dem Lehrgang nehmen mehr als 50 Regierungsbeamte aus vorderasiatischen Laendern
und dem Fernen Osten teil. Es handelt sich um eines der ersten
groesseren Schulungsprogramme, die durch das erweiterte technische
Unterstuetzungsprogramn unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen
und der Internationalen Bank fuer wirtschaftlichen '.Vi ede rauf bau
und Entwicklung ermoeglicht wurden. Zweck dieses Lehrganges ist,
die Beamten asiatischer Laender in der Vorbereitung wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte zu unterrichten und ihre Faehigkeiten
auf diesem Gebiet zu vervollkommnen, da:..it derartige Projekte
von den staatlichen Verwaltungsbehoerden und den internationalen
Finanz-Instituten besser bearbeitet werden koennen. Es ist oftmals von verschiedenen Finanzinstituten - wie z.B. der Internationalen Bank - darauf hingewiesen worden, dass schlecht ausgearbeitete Skizzen ueber wirtschaftliche Entwicklungsprojekte eine erhebliche Schwierigkeit fuer den wirtschaftlichen Fortschritt
unterentwickelter Laender darstellen.
Der Lehrplan des Instituts umfasst folgende Gebiete:
a) Die Auswirkung besonderer Projekte auf die wirtschaftlichen Verhaeltni3se eines Landes und die ~laene fuer die
zukuenftige Entwicklung bestimmter Industriezweige und Projekte, bestehender und geplanter Absatzmoeglichkeiten,
Transportwesen, Kredit-Institute fuer die Landwirtschaft
sowie Schulen und andere staatliche Einrichtungen.
b) Voraussichtliche Kosten und Gewinne aus wirtschaftlichen
Entwicklungsprojekten. Kostenvoranschlaege fuer technische
Plaene, Bau- und Arbeitsprojekte und technische Produktionseinrichtungen, das Studium landwirtschaftlicher Projekte
unter Berücksichtigung der dar&amp;u?. entstehenden Einnahmen;
zusammenfassende Finanzberichte ueber Ausgaben und Einnahmen.
c) Besondere Probleme und die verschiedenen Arten der Entwicklungsprojekte. Kuenstliche Be- und Sntwaesserung, Flussregulierung, Bodenkultivierung, Vertriebs- und weiterverarbeitende Unternehmen, die kombinierte Ausbeute der natuerlichen Hilfsquellen, Transport- und Informationswesen, Gesundheitsprobleme, agronomische Fragen in- und auslaendischer
Maerkte zum Absatz der Erzeugnisse und die indirekte Auswirkung aller dieser Probleme auf die Staatseinnahmen.
d) Organisation und Verwaltung der Projekte. Gerichtsbarkeit, Organisationsform, Machtbereich und Aufgaben, PersonalPolitik, Ueberwachung und Rechnungsfuehrung, Beziehungen zur
Landwirtschaft und anderen Industrie-Zweigen, Auswahl und
Ausbildung der Siedler, Vorarbeiter, Mechaniker, die Bearbeitung von Kolonisierungs- sowie Ein- und Auswanderungsnroblemen.
e) Finanzfragen. Direkte Rueckerstattungen an die Farmer,
Siedler und andere Personen, die Erzeugnisse oder Dienstleistungen in Anspruch genommen haben, direkte Projekteinnahmen
in weichen und harten Waehrungen. Bedarf an inlaendischen
und ^ ausländischen Dienstleistungen und Materialien sowie
Kanitalien fuer nationale und internationale Finanzierungen,
- 15 -

�Finanzierungsmethoden eines Projektes und die Verwendung des
zur Verfuegung stehenden Kapitals.
f) Zusammenfassung aller Gesichtspunkte eines wirtschaftlichen Entwicklungsprojektes in einer Abhandlung, in der technische, verwaltungsmaessige und finanzielle Einzelheiten
festgelegt sind.
Den Teilnehmern an diesen Lehrgaengen wird die Moeglichkeit
geboten, besprochene Grundsaetze und Methoden bei der Bearbeitung
praktischer Entwicklungsprobleme und Projekte anzuwenden. Zusaetzlich zu den Informationen, die ueber aus^ev.aehlte Projekte
anzuwenden. Zusaetz-ich zu den Informationen, die ueber ausgewaehlte Projekte in Pakistan der Schule zur Verfuegung stehen
v/erden, erwartet man von den Lehrgangsteilnehmern aus anderen
Ltendern, dass sie moeglichst ausfuehrliche Informationen ueber
eine oder mehrere Entwicklungsprojekte in ihrem eigenen Lande
zu diesem Zwecke vorlegen.
Economic and Social Problems
in the United States
No. 10 Vol. 2
10/50
INDISCHE GEWERKSCHAFTEN ERKENNEN DIE KOMMUNISTISCHE GEFAHR
Hariharnath Shastri, der Generalsekretaer des Indischen Nationalen Gewerkschaftskongresses (INTUC) gab vor kurzem eine Erklaerung cb, in dir er ausfuehrte:
"Die Kommunisten greifen unsere Unabhaengi^keit unmittelbar
an; und das gleiche tun sie auf der ganzen Welt. Sie sind eine
Gefahr fuer die ganze 'Veit.
"Amerika und England repraesentieren die demokratischen
Kraefte. Einige sind der Auffassung, dass sie die kapitalistischen Kraefte repraesentieren. Das mag vor Jahren so gewesen sein;
die Verhältnisse haben sich jedoch geaendert. Sie habon ihre
imperialistischen Ansprueche laengst aufgegeben. Nun versuchen
sie ihr Bestes, um dia demokratischen Kraofte in der '.Veit zu staerkej
Amerika wuenscht, seine Stellung in der gesamten '/Veit auf demokratischer Ba3is beizubehalten. In der Hede Praesident Trumans sind
unlaengst die falschen Vorstellungen von angeblichen Machtanspruechen Amerikas zurueckgewiesen worden.w
Generalsekretaer Shastri, der kuerzlich auf dem Kongress des
INTUC von 2.000 Delegierten wiedergewaehlt worden war, fuhr fort:
"Fuer England, Amerika und Indien besteht eine gemeinsame Gefahr,
der wir ins Auge sehen muessen. Eine einzige Nation bedroht den
Frieden der Welt. Diese Macht ist fuer England und Amerika weniger gefaehrlich als fuer Asien. Starke Nationen koennen sich
selbst verteidigen, wir koennen es jedoch nicht."
Khandubhai Desai, der zum Vorsitzenden des INTUC wiedergewaehlt wurde, brachte die gleichen Ansichten zum Ausdruck.
In den vergangenen 18 Monaten sind 15 Gewerkschaften mit rund
100.000 Mitgliedern von insgesamt 1.434.000 aus dem INTUC ausgeschlossen worden, weil sie der von Moskau diktierten kommunistischen Linie folgten.
Program Services Section
Labour News Roundup # 7 3
XII/6/50
- 16 -

Hl.ui (li-1-51) wn&lt;r S U C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 5

Frankfurt, 2 Februar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die britischen Gewerkschaften und der Marshallplan

1

Die jugoslawische Gewerkschaftsbewegung

4

Die industriellen Gewerkschaftsraete des CIO

6

Der erfolgreiche Kampf der ECA gegen den Kommunismus

8

Klauseln ueber Index-Loehne in amerikanischen Tarifvertraegen

10

Argentinischer'Gewerkschaftsbund1 zur IBFG-Konferenz in
Mexiko nicht zugelassen

11

Englands Benuehungen zur Steigerung der Produktionsleistung

13

Amerikas Gewerkschaften sichern den VerteidigungsMinistern ihre Unterstuetzung zu

16

DIE BRITISCHEN GL-; ^RKSCHAFTEN UND DER KAK3IIALLPLAN
Grossbritannien war die erste europaeische Nation, die sich mit allem
Nachdruck fuer die Verwirklichung des Marshallplanes einsetzte. Der erste
Anstoss zu diesem Plan ging von einer Rede des damaligen amerikanischen
Aussenministers George C. l.'arshall aus, der die Leitsaetze dieses Hilfsprogramms am 5. Juni 1947 in einer Rede vor der Harvard-Universitaet entwickelte.
Der britische Aussenminister Ernest Bevin, - ein fuehrender Funktionaer
der Gewerkschaften, bevor er seinen Regierungsposten

�uebernahm - tegab sich kurze Zeit darauf nach Paris, um hier
mit den Aussenministern Frankreichs and der Sowjetunion diesen
Pl£n zu eroerte n. Aber Russland verweigerte schon damals jede
Teilnahme, und einige Satellitenstaaten, die an den ersten Vorbesprechungen teilnahmen und grosses Interesse fuer diesen Plan
zeigten, wurde
bedeutet, dass sie mit dem Wirtschaftsfoerderungsprogramm der TJSA nichts zu tun haben duerften.
Trotz dieser Resistenzbefehle Moskaus beteiligten sich 16
europaeische Staaten am Marshallplan, wobei der britische Schatzkanzler Sir Stafford Cripps einer der aktivsten Foerderer wurde.
In den Vereinigten Staaten berief man drei fuehrende Gewerkschafter
in die Marshallplan-Kommission, damit die dringendsten wirtschaftlichen Peduerfnisse der europaeischen Staaten, soweit sie sich am
Marshallplan freiwillig beteiligten, erfuellt werden konnten.
Im Aj-ril 19^6 begann die Marshallplan-Hilfe mit ihrer
eigentlichen Arbeit. In der Zwischenzeit hatte sich in den
*
Vereinigten Staaten die FCA gebildet, die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit, waehrend die europaeischen Laender
aehnliche Organisationen bildeten wie die europaeische Zahlungsunion oder die OEEC, die europaeische Organisation fuer. wirtschaftliche Zusammenarbeit.
In jener Zeit existierte noch nicht der IPFG, der erst im
Dezember 1949 gegruendet wurde, und der damalige Weltgewerkschaftsbund befand sich voellig in den Haenden der Kommunisten. Eine Zusammenarbeit mit dem WGP war fuer die Ma^shallplan-Kommission
unmoeglich, die vorgesehenen Besprechungen wurden immer wieder
veMapt; vom November 1947 auf Fe1, ruar 1948, dann wieder auf den
Monat Mai des Jahres 1948.

Eine Fortsetzung dieser offensichtlichen Sabotagepolitik des
WGP haette bedeutet, dass die Gewerkschaften Europas voellig von
allen Verhandlungen des OPEC ausgeschlossen worden waeren. Aus
diesem Grunde beriefen die belgischen, hollaendischen und britischen
Gewerkschaften eine Konferenz aller freien und demokratischen
Gewerkschaften nach London ein. Hier wurde zu allen Problemen,
die sich aus der Planung und Durchfuehrung des Marshallprogrammes
fuer die freien Gewerkschaften ergaben, eingehend Stellung
genommen und ein Rat gebildet, der sich Gewerkschaftliches Peratungs
komitee fuer das ERP (Europaeisches Wiederaufbauprogramm) nannte
und sich als "T'JAC" konstituierte. Dieses Beratungskomitee der
Gewerkschaften wurde von der OEEC als offizieller Sprecher der
europaeischen Gewerkschaften anerkannt, es ist inzwischen durch
die Europaeische Regionalorganisation des IEFG, den Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften, ersetzt worden.

Die britischen Gewerkschaften bildeten zu jener Zeit bereits
ein eigenes Komitee, dessen Vorsitz in den Haenden des Generalsekretaers Vincent Tewson lag und der mit dem britischen Schatzamt ueber ERP-Probleme staendig Beratungen pflegte. Die Vertreter
der britischen Gewerkschaften arbeiteten zugleich sehr aktiv bei
der Festlegung der Politik des Britisch-Amerikanischen Produktivitaetsrates, durch diese Kanaele floss vor allem die technischorganisatorische Unterstuetzung der britischen Wirtschaft im Rahmen
des Marshallplanes. Die ersten Entscheidungen in dieser Richtung
traf der Generalrat der britischen Gewerkschaften. Hier setzte
mitfrllemNachdruck der Gegenstoss der Kommunisten ein,'aber die
Delegierten des britischen Gewerkschaftskongresses billigten die
Politik ihres Generalrates in den Jahren 1948 und 1949 mit ueberwaeltigender Mehrheit. Darueber hinaus wurde auf dem Jahreskongress der Labour Party einstimmig eine Resolution angenommen,
die der Generalsekretaer der Gewerkschaft der oeffentlichen Arbeiter
eingebracht hatte.

- 2 -

�Die ersten Hilfslieferungen im Rahmen des Marshallprogramms
begannen im spaeten Fruehjahr 194-8. Es wurde bereits erwaehnt,
dass Grossbritannien das erste europaeische Land war, das sich
fuer den Marshallplan einsetzte. Es ist aber auch der erste
europaeische Staat, der auf eine weitere Foerderung durch den
Marshallplan verzichten zu koennen glaubt, weil seine Wirtschaft
sich weitgehend von den Kriegs- und Nachkriegsfolgen erholt hat.
Vom Spaetfruehling 1948 bis zum Dezember 1950 hat Grossbritannien an wichtigen Rohmaterialien und Nahrungsmitteln
Lieferungen im Werte von 700 Millionen Pfund Sterling erhalten,
was 12.316.223.800 Mark entspricht. 1948/49 betrug der Wert
der Marshallplanhilfe 2,5$ des gesamten britischen Volksvermoegens, 12$ der Gesamtimporte und 51% aller Importe' aus den
Dollargebieten.
Die gelieferten Gueter waren lebenswichtig fuer den Wiederaufbau der britischen Wirtschaft, aber ebenso wichtig fuer die
Beibehaltung der Vollbeschaeftigung und fuer die Aufrechterhaltung und Verbesserung des Lebensstandards der breiten Masse.
Die wichtigsten Lieferungen im Rahmen des Marshallplanes umfassten von April 1948 bis September 1950 folgende Gueter:
Gueter:

GesamtprozentWert in Millionen $: zahl der Einfuhr
dieses Gutes:

Zucker
Weizen und Weizenmehl
Speck
Kaese
Tabak
Baumwolle
Eauholz
Z e l l u l o s e und P a p i e r e r z e u g n i s s e
Schwefel
Aluminium
Kupfer
Blei
Zink

115,6
536,5
65,6
68,2
173,3

228,9
70,7
71,7
10,0
101,8
101,8

32,5
56,6

20$
54$
21$

23$

48$
34$
8$
12$
100$

9
S
28$
23$
52$

Maschinen und Ersatzteile sind ebenfalls als wichtige Posten
der Marshallplanlieferungen anzusehen. Druckereien, Oelraffinierungsanlagen, Wagenfabriken, Verpackungsbetriebe, Stahlwerke und Bergwerke haben alle mit Hilfe von ERP-Mitteln Maschinen
und Ersatzteile erhalten, aber ebenso sind landwirtschaftliche
Maschinen und Geraete sowie Textilmaschinen durch den Marshallplan importiert worden, ferner Bauholz und Nichteisenmetalle, die
durch ECA-Vereinbarungen eingefuehrt wurden und die in erster
Linie fuer den Bau von Wohnungen und neuen Werkanlagen Verwendung
fanden.
Alles in allem betrug die an Grossbritannien geleitete
Marshallplanhilfe je britischen Haushalt etwa 53 Pfund Sterling,
wie Schatzkanzler Hugh Gaitskell, der Nachfolger Sir Stafford
Cripps vor wenigen Tagen in einer Ankuendigung mitteilte, als er
die Beschluesse der beiden Haeuser der britischen Legislative der
Oeffentlichkeit bekannt gab, dass die Marshallplanlieferungen
nach Grossbritannien in Zukunft nicht mehr erforderlich sind, da
der Wiederaufbau der britischen Wirtschaft beendet ist.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der britische Konsument ganz gleich, ob es ein Arbeiterhaushalt oder ein Industrie-

- 3-

�konzern ist - die Karshallplanlieferun^en nicht bezahlt hat, die er
benoetigte. aber die Konsumenten hatten diese Betraege in Sterling,
also in englischer "aehrung, an ihre eigene Regierung zu Zahlen. Die
Dollarzahlungen selbst werden durch Farshallplanmittel geleistet.
Der Ilarshallplan hat ebenso die Koeglichkeit geschaffen fuer
die Gruendung und In-Gang-Setzung der Europaeischen Zahlungs-Union,
wodurch der britische Handel mit dem Kontinent sich weiterhin ausdehnen laesst. Ebenso wird die Entwicklung bestirnter Ueberseegebiete und die Durchführung strategischer Materialplanungen durch
die ERP-Hilfe weiter angekurbelt. Das gleiche ist der Fall bei dem
technischen Unterstuetzungsprogramm im Hahnen des Punkt-Vier-Programms,
aber auch bei der Arbeit, des «nglo-Amerikanischen Produktivitaetskomitees.
Der Austausch solcher Erfahrungen hat bereits in umfangreichem 1/asse
stattgefunden und bleibt auch weiterhin ein Beitrag zur britischen
Produkt.ivitaetsfoerterung, der vor allem bei den Exportbemuehungen eine
so bedeutsame Rolle pielt.
Kehr als hundert britische Gewerkschafter - sowohl einfache Mitglieder der oertlichen Organisationen als auch festangestellte Funktionaere haben unter dem Leitstern des technischen Unterstuetzungsplanes als
Kitglieder des Anglo-Amerikanisehen Produktivitaetskomitees die Vereinigten
Staaten besucht. Ihre Hauptbeschaeftigung als LIitglieder dieses Komitees
war es, industrielle Methoden in den Vereinigten Staaten zu studieren,
aber sie brachten es fertig, zur gleichen Zeit eine Fuelle von Einzelheiten ueber die amerikanische Arbeiterbewegung und die von ihr angewandten Kittel und Methoden kennenzulernen, die dazu dienen, die Interessen des Arbeiters in einer produktionsintensiven Wirtschaft zu foerdern
und voranzutreiben.
Vom gewerkschaftlichen Standpunkt war von weit groesserer Bedeutung
der Besuch einer Gruppe Gewerkschaftsfunktionaere in den Vereinigten
Staaten, die im Herbst 1949 durchgeführt wurde. Diese Gruppe wurde
durch den Generalrat des britischen Gewerkschaftskongresses ausgewaehlt,
wobei die Vorschlaege der einzelnen Gewerkschaften zugrunde lagen. Der
Leiter dieser Besuchergruppe war der stellvertretende Vorsitzende der
britischen Bergarbeitergewerkschaft '..'. Lrnest Jones. Seine Aufgabe war
es, die Forschungs- und Produktivitaetsfoerderungsabteilungen der
amerikanischen Gewerkschaften zu studieren und gleichzeitig eine Richtschnur festzulegen, bis zu der diese Erfahrungen fuer den britischen
Arbeiter nuetzlich sein koennten - aufgrund dieser Feststellungen und
ihrer Auswertungen, zu denen sich auch die britischen Arbeiter bekannten,
erreichte die britische Produktivitaet bemerkenswerte Steigerungen. Die
Feststellungen dieser Besuchergruppe wurden unter den Titel "Gewerkschaften
und Produktivitaet" vom Britischen Gewerkschaftsbund (TUC) herausgegeben
und bildete den Anlass fuer viele Diskussionen ueber diese Fragen in
beiden Laendern.
ECA-Berichte London
12/21/50

Dp; JUGOSLAWISCHE GEMrSRKSCHAFTSBEM'EGUNG
(Vor kurzer Zeit besuchte eine norwegische Gewerkschaftsdelegation Jugoslawien. Aus dem umfassenden
Bericht wird der Abschnitt ueber die jugoslawische
Gewerkschaftsbewegung abgedruckt.)
Da ueber die Gewerkschaftsbewegung in Jugoslawien genauere Nachrichten
fehlen, hat eine Delegation der norwegischen Gewerkschaften die Verhaeltnisse in Jugoslawien studiert. Da die norwegischen Gewerkschaften noch in
letzter Zeit Studienreisen nach Russland durchfuehren konnten, hatten sie
Gelegenheit, genaue Vergleiche darueber anzustellen, welche Verschiedenheiten seit der Losloesung Jugoslawiens vom Ostblock zu verzeichnen sind.

-4 -

�Die Gewerkschaftsbewegung in Jugoslawien ist von der anderer
Laender sehr verschieden. In der Einleitung ihrer Satzungen heiert
es: "Die jugoslawische Gewerkschaftsorganisation vereinigt in ihren
Reihen die breite Hasse der Arbeiter und Angestellten mit der Aufgabe, sie fuer die Loesung aller Probiene des wirtschaftlichen
Lebens und des Staates zu aktivieren und zu einer intensiven sozialen
und politischen Betaetigung in jeder '.'eise heranzuziehen. Sie ist
damit eine Schule der Fuehrung und der Verwaltung, eine Schule des
Kommunismus, aus der die Fuehrer unseres wirtschaftlichen und politischer
Lebens hervorgehen".
Die Probleme und Aufgaben sind in den Satzungen ausfuehrlich beschrieben. An erster Stelle steht die Erziehung der arbeitenden
Klassen zu einem sozialistischen Bewusstsein im marxistisch-leninistischen Geist. An zweiter Stelle steht die Aufgabe, die Arbeiter zu
groesseren Leistungen in ihren Beruf zu erziehen. Erst an dritter
Stelle steht das Ziel, das vAt der Hauptaufgabe der freien, demokratischen Gewerkschaftsbewegung identisch ist: "Sich taeglich und
mit allen Mitteln um die Beduerfnisse der Arbeiter und ihrer Arbeitsund Lebensbedingungen zu kuemmern, taeglich fuer eine gerechte Einhaltung des Lohnsystems zu kaempfen und das Recht zu verwirklichen,
auf das die Arbeiter eines sozialistische« Staates Anspruch haben."
Da der Kapitalismus verschwunden ist, wird jeder Streik fuer nachteilig und zv/ecklos erklaert. Das Lohnsystem selbst wird zum Bestandteil der staatlichen 'Wirtschaftsplanung. Es wird durch Regierungsverordnungen und nicht durch T"\rif Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Staat bestimmt. Es wird jedoch hervorgehoben, dass
diese Verordnungen in gemeinsamen Beratungen mit den Gewerkschaften
ausgearbeitet werden. Auf der anderen Seite haben sich die Gewerkschaften in den einzelnen Betrieben mit zahlreichen weniger wichtigen
Angelegenheiten zu befassen, wenn einzelne Arbeiter oder geschlossene
Gruppen der Meinung sind, dass gegen die Verordnungen Verstössen wurde,
oder dass man sie zun Nachteil der Arbeiter falsch ausgelegt hat. Die
Hauptaufgabe der Gewerkschaften ist jedoch, die Arbeiternassen zu erziehen, sie zu fuehrer! und sie zur gesteigerten Produktionsleistung
anzuspornen. Sie sollen ausserdem eine weitreichende und vielseitige
soziale Taetigkeit ausueben.
Die jugoslawische Gewerkschaftsorg&lt;»nisation setzt sich aus 22
Einzelgewerkschaften zusammen, denen - mit nur wenigen Ausnahmen das System der Industriegewerkschaft zugrundeliegt. Abweichungen
hiervon sind auf nationale oder geographische Besonderheiten zurueckzufuehren. In jeder der sechs Volksrepubliken gibt es ein Zentralkommitee oder ein Sekretariat. Diese sind dem allgemeinen oder dem
geneinsamen Gewerkschaftsbund unterstellt. Kuerzlich wurde eine
Dezentralisierung durchgeführt, durch die der groes3te Teil dieser
Verwaltungsarbeit den Volksrepubliken ueberantwortet wurde. Etwa
90% Arbeiter des Landes sind organisiert. Die Gewerkschaftsvorstaende
und Funktionaere werden von den Mitgliedern gewaehlt. Die Gewerkschaftsfunktionaere jedes Betriebes waehlen alljaehrlich ihren oertlichen Gev.erkschaftsvorstand.
Alle drei Jahre v/erden von den Gewerkschaften Landeskongresse abgehalten, auf denen gleichzeitig ein Vorstand gewaehlt wird. Die Delegierten zu diesem Kongress werden durch Abstimmungen in den Betrieben
ernannt. Auch die Delegierten zun Kongress des jugoslawischen Gewerkschaftsbundes werden von den Gewerkschaftsmitgliedern gewaehlt. Ein
Betrieb mit mehr als 2000 Arbeitern ernennt einen Delegierten, kleinere
Betriebe waehlen gemeinsam einen Abgeordneten.
Die Ge\&lt;erkschaftsbeitraege betragen etwa 1^ der Loehne, d.h. 10
Dinar fuer je 1000 Dinar Monatseinkommens. Die Beiträge werden von den
Loehnen nicht abgezogen, sondern von Kassierern in den Betrieben gesammelt .

- 5-

�Fuer aktive Gewerkschafter verden Ausbildungskurse von verschiedener Dauer durchgeführt, und in Belgrad besteht eine Schule,
deren Lehrgaenge fuer Gewerkschafter sich ueber mindestens ein
Jahr erstrecken. Die einzelnen Gevierkschaften waehler "itglieder,
die sie als geeignet fuer den Besuch dieser Schule erachten. Auf
diese Ueise werden die Funktionaere und Angestellten der jugoslawischen Gewerks.chaftsorganisation ausgebildet.

DIE INDUSTRIELLEN Gg.äRKSCHaFTSRASTS PPS CIO
Die Arbeit der industriellen Gewerkschaftsraete des CIO
(Industrial Union Councils) hat in den letzter. Jahren ununterbrochen und in steigendem i:asse der Uohlfahrt der organisierten
Arbeiterschaft gegolten.
In der Entstehungszeit des CID, als die Grundlagen der
industriellen Gewerkschaftsfona in Amerika geschaffen wurden, widmeten
sich die Gewerkschaftsraete zun groessten Teil den regionalen Raeten
des CIG und den Landesgewerkschaften, um sie auf ihr Ersuchen hin bei
der Loesung ihrer Organisierungsprobleme zu unterstuetzen. Zu dieser
Zeit war es erforderlich, dass die Gewerkschaftsraete ebenso wie die
uebrigen Dienststellen des CIO ihr Hauptaugenmerk darauf richteten,
die Nichtorganisierten fuer die Gewerkschaft zu gewinnen. Die z.ihlreichen anderen Funktionen, die die Gewerkschaftsraete inzwischen
entwickelt haben, waren zu jener Zeit noch von verhaeltnisraaessig
geringer Bedeutung. Die Gewerkschaftsraete haben sich aufgrund der
Aktionen der regionalen Raete und der Landesgewerkschaften natuerlich
auch weiterhin mit der Errichtung oertlicher Gewerkschaften und ihrer
Unterstuetzung befasst. Sie haben sich jedoch nachdruecklich auf
andere Fragen konzentriert, die in dem besonderen Zustaendigkeitsbereich dieser Raete liegen.
Schon in fruehester Zeit bildeten die Gewerkschaftsraete, deren
Zahl sich heute auf 39 belaeuft, die Zentren, ueber die die Organisationen des CIC den Kontakt mit den einzelstaatlichen Regierungen
aufrechterhielten. Dies bedeutete fuer sie in erster Linie legislative Arbeit, die sich vor allem auf direkte Arbeitsangelegenheiten
erstreckte, wie z.B. Arbei'terunfallversicherung, Arbeitslosenunterstuetzung, Lohn- und Arbeitszeitgesetze, Probleme der Sicherheit und
Gesundheit und somit die '.Techselbeziehungen zwischen Unternehmern
und Arbeitnehmern. Es war von ausschlaggebender Bedeutung, die sich
gegen die Gewerkschaften richtenden Gesetzesvorlagen, die im Einzelstaat eingebracht wurden, so weit wie moeglich zu bekaempfen. Die
Gewerkschaftsraete haben darueber hinaus staendig fuer eine unablaessige Verbesserung der Gesetzgebung in allen Fragen der sozialen
Sicherheit und der Arbeitsbedingungen gekaempft.
Die gesetzgeberische Arbeit der Gewerkschaftsraete, deren Befugnisse sich nur auf der Basis eines Einzelstaates erstrecken, ist aber
nicht nur auf dieser einzelstaatlichen Ebene von Bedeutung gewesen;
sie sind darueber hinaus auch fuer die bundesstaatliche Gesetzgebung
innerhalb ihrer Aufgabengebiete verantwortlich.. Es ist ihre Pflicht,
mit den Senatoren und Kongressmitgliedern ihrer Staaten in Verbindung
zu bleiben, um sie ueber den Standpunkt der Gewerkschaften zu unterrichten. Das bedeutet die Erzielung eines ununterbrochenen Kontakts
mit den Kongressmitgliedern sowohl in den Parlamenten Washingtons
als auch durch Besuche in deren Privatwohnungen. Manchmal mussten
sich Delegationen bestimmter Staaten nach Washington begeben, um dort
ihren Standpunkt klarzulegen. Die Mitglieder der Gewerkschaftsraete

-6 -

�der Einzelstaaten nuessen sich sowohl ueber die oundesstaatliehe
als auch ueber die einzelstaatliche Gesetzgebung auf den laufenden
halten und zwar sowohl in allgemeinen Tragen als auch in Bezug
auf bestimmte Gesetzesvorlagen.
In jeder Ortschaft, wo die Gewerkschaft ueber einen Stadtoder Bezirksgewerkschaftsrat verfuegt, - insgesamt heute 236 haben diese Raete den oertlichen Qehoerden gegenueber die gleichen
Verantwortlichkeiten. Sierauessenmit den Bezirksbeauftragten,
den Stadtraeten, Bürgermeistern und anderen oeffentliehen Beamten
in Verbindung stehen. Oft sind einige der schwierigsten Prooleme,
die die ','erbetaetigkeit behindern, durch Verordnungen der Ortsbehoerden verursacht, mit denen z.B. friedliche Streikpostenlinien
oder die Verteilung gedruckten Materials verboten werden. Schwierigkeiten dieser Art koennen rechtzeitig durch gesetzliche Verfahren
ueberv.'unden werden, in denen auf die Verfassungswidrigkeit solcher
Massnahmen hingewiesen wird. Es ist jedoch am besten, derartige
Entwicklungen, wenn irgend moeglich, von vornherein aufzuhalten,
indem die Ge\-erkschaftsraete von ihrem demokratischen Recht der
Einflussnahme auf die oertliche Verwaltung Gebrauch machen. Diese
Aufgaben der oertlichen Gewerkschaftsraete sind von groesster Bedeutung, und die Organisationen haben im Laufe der Jahre auf diesem
Gebiet viel Erfahrung gesammelt.
Auch die Arbeit der CIO-Gewerkschaftsraete auf dem Gebiet der
oeffentlichen Beziehungen ist von hoechster '.Tüchtigkeit. Stadtund Bezirksraete sind die gegebenen kommunalen Organisationen. Die
Raete der Einzelstaaten sind die "Behoerden", die sich auf Landesebene mit allen Fragen der Oeffentlichkeit befassen. In einer
Reihe von Gewerkschaftsraeten gehoeren hauptamtliche Sachbearbeiter
fuer oeffentliche Beziehungen zum Personalstab.
In jedem Falle unterhalten die Gewerkschaftsraete vielseitige
freundschaftliche Beziehungen zu anderen Organisationen in ihrem
Bezirk, wie zu anderen Gewerkschaftsgruppen, 3auernverbaenden,
Berufsverbaenden und besonderen Interessenorganisationen aller Art.
T'o inner die Notwendigkeit und Moeglichkeit besteht, mit wirklich
fortschrittlichen Organisationen die sich mit aehnlichen Problemen
wie die Gewerkschaften befassen, zusammenzuarbeiten, ist es die
Aufgabe der Gewerkschaftsraete, die Verbindungen herzustellen und
diese Zusammenarbeit zu entwickeln.
Publizitaet und Presse steilen ein anderes Gebiet dar, auf dem
die Gewerkschaftsraete der Industrie taetig sein muessen. Es gibt
eine betraechtliche Anzahl Zeitungen, die unter der Schirmherrschaft
der Landesgewerkschaftsraete des CIO von den Gewerkschaften herausgegeben werden.
Die Gewerkschaftsraete der Industrie koennten viele ihrer
Funktionen nicht erfuellen, wenn keine zufriedenstellende politische
Grundlage geschaffen waere. Letzten Endes ist die legislative
Arbeit, sei es auf oertlicher, einzel- oder bundesstaatlicher Ebene,
von der Zusammensetzung der Landesregierungen, der Landesgesetzgebung und dem Kongress in Yfashington abhaengig,. VJenn die Arbeit
der Raete auf dem Gebiet der Verbindungen und Beziehungen noch so
wirksam waere, koennte sie doch nicht die Schranken einer feindlich
gesinnten legislativen Majoritaet ueberwinden. Es ist bekannt,
dass der CIO im Kampf um eine fortschrittliche, politische Betaetigung
in Amerika seit vielen Jahren sehr weit vorgeschritten ist. Infolge
einer einschraenkender Gesetzgebung, die von den Unternehmern selbstverstaendlich beguenstigt wird, und die die politische Arbeit der
Gewerkschaften behindert, ist es notwendig gewesen, politische Aktiona-

-7 -

�ausschuesse ins Leben zu rufen, die in ihrer Struktur den Gewerkschaftsraeten sehr aehnlich sind, die aber die durch die Gesetze
geforderte Trennung einhalten.
Die politische Arbeit der Gewerkschaftsraete und der politischen Aktionsausschüsse ist fuer jede andere Taetigkeit des CIO
von grundlegender Bedeutung. Sie ist letzten Endes fuer saemtliche
freien Institutionen Amerikas von fundamentaler Bedeutsamkeit.
Report to the Congress of Industrial Organizations
Twelfth Constitutional Convention
11/20-24/50

DER ERFOLGREICHE KAMPF DER ECA GEGEN DEN KOMMUNISMUS
(Der nachstehende Artikel von Manchester Boddy, dem
Herausgeber der "Los Angelos Daily News", wird vom
Buero fuer Arbeitsinformationen der Verwaltung
fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit verteilt. Der
Verfasser bringt darin seine Anerkennung fuer den
Kampf der ECA gegen den Kommunismus in Europa zum
Ausdruck.)
"Im Fruehjahr 1947 kehrte ich von einer mehrmonatigen Studienreise durch Mitteleuropa mit einer Menge Dokumente und Beobachtungen
zurueck, die mir bewiesen, dass Sowjetrussland die Absicht hatte, die
organisierte Arbeiterschaft als eine Hauptwaffe zu benutzen, um ganz
Europa unter die Herrschaft des Kommunismus zu bringen."
"Ich hoffe, dass die Oeffentlichkeit eines Tages davon Kenntnis
erhalten wird, wie der Kreml dieses Ziel zu erreichen gedachte. Dann
und nicht frueher wird das amerikanische Volk erfahren, dass die Entscheidungsschlacht des alten Krieges in Europa von der organisierten
Arbeiterschaft und nicht allein vom Marshall-Plan und den Gestaltern
des Atlantiks-Paktes fuer die Freiheit gewonnen wurde."
"Es darf nicht vergessen werden, dass zu Anfang dieses Kampfes
alle Vorteile, die Gewerkschaftsbewegung Europas in die Hand zu bekomnen, auf Seiten Russlands rtanden."
"Der Kommunismus hat diesen Kampf verloren, und jeder Amerikaner
kann auf die Rolle stolz sein, die die Gewerkschaftsbewegung in diesem
Kampf spielte, und der auch Harry Martin, der Vorsitzende der amerikanischen Journalistengewerkschaft und Leiter des Bueros fuer Arbeitsinformation der ECA, in seinem vor kurzem erschienenen Bericht seine
Anerkennung gezollt hat."
Martin erklaerte in einer Rede an den Commonwealth Club in San
Franzisco unter anderem: "Die freien Gewerkschaften Europas waren die
Ersten, die die Handlungen der Vereinten Nationen in Korea unbedingt
befürworteten. VJaehrend andere Schichten der europaeischen Bevoelkerung noch beratschlagten, stellten sich die Gewerkschaften vorbehaltlos auf die Seite der Freiheit."
"Die norwegische Gewerkschaftsbewegung gab eine Broschuere unter
dem Titel "Krieg in Korea" in einer Auflage von 500.000 Exemplaren
heraus. Aufgrund dieses schnellen Entschlusses der norwegischen Gewerkschaftsbewegung wurde das norwegische Wölk ueber die Ereignisse in Korea
sofort aufgeklaert, das fuer die Norweger zwar ein weit entferntes Land

- 8 -

�ist, von dem man nur wenig weiss. Die Gefahr jedoch, in der es sich
befindet, kann eines Tages auch ueber Norwegen hereinbrechen".
"Die daenischen Kommunisten versuchten, das Entladen von Waffenlieferungen zu verhindern. Es war jedoch ein politischer, ein verraeterischer Streik an der Sache der Freiheit. Die Fuehrer der
daenischen Gewerkschaften gaben die Zusage, dass er nicht stattfinden
wuerde, und die Schiffe wurden entladen."
"Als sich Westeuropa mit den Vereinigten Staaten im AtlantikPakt vereinigte und die ersten V.'affenlieferungen an die Verbuendeten
gingen, gerieten die Kommunisten Frankreichs in helle Verzweiflung.
Sie riefen die Arbeiter Europas zu einer Massenbewegung auf, um gegen
die Wiederaufruestung zu protestieren. An den Kuesten ganz Europas
kam es zu Gewalttaetigkeiten."
"Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften klaerte die europaeischen Voelker jedoch ueber den wahren Charakter dieses gemeinen
Feldzuges des Verrats auf, mit dem Europa die Chance genommen werden
sollte, eine Aggression abzuwehren. Die einflussreichen Gewerkschaftsorganisationen der Transportarbeiter, Seeleute und Hafenarbeiter
versetzten den Kommunisten schwere Gegenschlaege."
"Heute werden mit wenigen Ausnahmen die dringend notwendigen
'..'äffen der Verteidigung in den groesseren Haefen jedes demokratischen
Landes Europas ohne jede Verzoegerung entladen."
"Im vorigen Monat hatten die Kommunisten Oesterreichs, die natuerlich von den Russen angestiftet waren, Plaene geschmiedet, um einen
Generalstreik auszurufen, der in einer offenen Revolte und dem Sturz
der Regierung gipfeln sollte."
"Unter den Arbeitern aller politischen Richtungen herrschte damals
eine grosse Unzufriedenheit ueber die neue Lohn-Preispolitik. Ein
Generalstreik wurde ausgerufen, und die Kommunisten ruesteten sich zum
Kampf."
"Dem oesterreichischem Gewerkschaftsbund ist es in erster Linie
zuzuschreiben, dass sich die Kommunisten bei der Abstimmung der Betriebsfunktionaere nur 5% der Stimmen sichern konnten. Die Gewerkschaftsfunktionaere hatten einen Tag vor dem Streik alle Betriebsraete der
oesterreichischen Betriebe und selbst die der russisch-besetzten Zone
zu Versammlungen zusammengerufen."
"Durch die Reihen der gesamten oesterreichischen Arbeiterschaft
ging das Wort: Der Generalstreik ist eine Heuchelei, es ist nur ein
Trick, um unsere Regierung zu stuerzen. Er darf nicht gelingen. In
den naechsten vier oder fuenf Tagen muessen die mutigen und unbewaffneten
Gewerkschaftsmitglieder mit ihren blossen Faeusten gegen die gut ausgebildeten und gut bewaffneten Aktionskolonnen der Kommunisten kaempfen."
"Im freien Europa gibt es nur noch zwei Laender, in denen kommunistischen Gewerkschaften eine starke Stellung einnehmen: Frankreich und
Italien. Ks muss viel getan werden, um den kommunistischen Einfluss in
diesen Laendern voellig zu beseitigen. Die Arbeiter muessen einen angemessenen Lebensstandard haben, und sie muessen an den Fruechten des
Wiederaufbaues gerecht beteiligt werden."
"In den Laendern, in denen die Gewerkschaften stark und frei sind,
ist das europaeische '„'iederaufbauprograram von grossem Erfolg gekroent;
wo die Gewerkschaften dagegen schwach sind oder ihre Leitung in den
Haenden der Kommunisten liegt, haben sich dem Wie deraufbauprogramm

- 9 -

�entmutigende Probleme in den VJeg gestellt. Es ist meine feste Ueberzeugung, dass diese Probleme geloest werden, wenn die Freien Gewerkschaftsbewegungen Frankreichs und Italiens stark genug sein werden,
um sich Gehoer und Einfluss auf die Arbeiterschaft zu verschaffen."
The CIO News
1/22/51

KLAUSELN UEBSR INDEX-LOEHNE IN AFRIKANISCHEN TARIFVERTRAKGKN
Eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Tarifvertragswesens ist seit Juni 1950 die Tatsache, dass in zunehmendem
Masse Klauseln zur automatischen Angleichung der Loehne an die
Lebenshaltungskosten in die Tarifvertraege aufgenommen wurden. Vor
Mitte 1950 bestanden fuer etwa 500.000 Arbeiter derartige Bestimmungen.
Man schaetzt, dass sich die Zahl der Arbeiter, fuer die in der Zeit
von Juli bis Dezember 1950 solche Tarifvertraege abgeschlossen wurden,
die Klauseln zur Angleichung der Loehne an den Lebenshaltungsindex
enthalten, also sogenannte Indexloehne sind, sich auf 1.500.000 erhoeht
hat.
Bestimmungen zur automatischen Angleichung der Loehne an die
Lebenshaltungskosten oder sogenannte "Stufen-Klauseln" sind jedoch
weder neu noch ungewoehnlich.
Das Interesse fuer Lebenshaltungskosten als Grundlage der Indexklausel stieg mit der Sinfuehrung einer Stufen-Klausel im Zweijahresvertrag, der im Mai 1948 zwischen General Motors und der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO abgeschlossen wurde. Der Vertrag enthielt eine neue Bestimmung, wonach den Arbeitern der General Motors
Uerke eine jaehrliche Aufbesserungspraemie von 3% des Stundenlohns
gewaehrt wird, um die Realloehne dieser Arbeiter zu verbessern. Damit
trat eine Aenderung in der Haltung der flewerkschaften ein, die sich
bisher geweigert hatten, in Tarifvertraegen die Loehne an die
Schwankungen der Lebenshaltungskosten zu binden. Vorher waren die
meisten Gewerkschaften der Auffassung, dass die Angleichung der Loehne
an die Lebenshaltungskosten nur dazu diene, keine Verbesserung des
Realeinkommens zuzulassen und den Arbeitern damit jenen Anteil vorzuenthalten, auf den sie aufgrund technologischer Neuerungen oder einer
Expansion der V.'irtschaft Anspruch haben.
Der Neuabschluss des Tarifvertrages zwischen den General Motors
Uerken und der Automobilarbeitergewerkschaft fuer eine weitere Zeitspanne von 5 Jahren mit '.'irkung ab Mai 1950, in dem die Stufen-Klausel
beibehalten und die jaehrliche Lohnaufbesserung auf k% erhoeht wird,
hat erneut die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf die charakteristischen Merkmale dieses Lohnangleichungsverfahren gelenkt.
Obwohl in einigen Vertraegen nicht ausdruecklich bestimmt ist,
dass der Lebenshaltungsindex als Grundlage der Anpassung der Loehne
verwendet v/ird, wird in den meisten von ihnen der Verbraucherpreisindex d
des statistischen Bueros des Arbeitsministeriums als ausschlaggebend
bezeichnet. Zugrundegelegt werden entweder der monatliche Index fuer
die Vereinigten Staaten als Gesamtheit oder monatliche Indizes, die
fuer 10 verschiedene Grosstaedte verfuegbar sind. "Stufen-Klauseln"
basieren meistens auf dem bundesstaatlichen Index, da viele solcher
Tarifvertraege in Staedten abgeschlossen werden, fuer die keine besonderen Indizes zur Verfuegung stehen, oder sie erstrecken sich, wie im
Falle des General Motors-Vertrages, auf mehrere Betriebe in ganz Amerika.

- 10 -

�Gewoehnlich vdrd der Index des Monats, in dem der Tarifvertrag in
Kraft tritt, als Ausgangsgrundlage zur Berechnung der entsprechenden
Lohnangleichung verwendet.
Zahlreiche Vertraege, die in der letzten Zeit zustandekamen, sind denen der General Motors darin aehnlich, dass sie Lohnangleichungen
schon bei verhaeltnismaessig geringen Verae'nderungen im Lebenshaltungskostenindex vorsehen. Dieser Vertrag bestimmt regelmaessige, vierteljaehrliche Lohnangleichungen und zwar einen Cent fuer jede Veraenderung von 1,14 Punkten im Index. Nach einigen Klauseln muss die Veraenderung im Index verhaeltnissmaessig gross sein, bevor eine Lohnangleichung vorgenommen wird, wie z.B. eine l^ige Lohnveraenderung bei
einer Schwankung im Index um fuenf Punkte.
In vielen Stufen-Klauseln wird eine Tiefst- und Hoechstgrenze oder
auch beides fuer die automatische Lohnangleichung festgesetzt. In
einem Vertrag kann festgelegt werden, dass aufgrund der Schwankungen
im Index unter oder ueber eine bestimmte Punktzahl keine Lohnangleichungen
mehr vorgenommen v/erden duerfen. Allgemein gesagt, ist die untere Begrenzung der Lohnkuerzungen wie bei General Motors dadurch bestimmt,
dass eine weitere Lohnreduzierung untersagt wird, wenn der Index eine
bestimmte Granze unterschreitet.
Da der urspruengliche Zweck der Stufen-Klausel darin besteht, die
Arbeiter fuer laufende Veraenderungen der Preise fue„r 1,'aren und Dienstleistungen, die sie erwerben muessen, zu entschaedigen, werden Angleichungen an die Lebenshaltungskosten verhaeltnismaessig oft vorgenommen. Im allgemeinen werden diese Angleichungen, wie auch im Vertrag
der General Motors, alle drei Monate durchgeführt, in anderen Vertraegen sind sie monatlich oder auch alle zwei Monate vorgesehen.
Andere Vertraege verlangen wiederum jaehrlich nur eine einzige
Lohnangleichung. In verschiedenen Tarifvertraegen wird festgelegt,
dass die Dauer, fuer die Lebenshaltungekostenausgleichsverguetungen
gewaehrt werden, von der Verfuegbarkeit des offiziellen monatlichen
Verbraucher-Index* des Bueros fuer Arbeitsstatistik in seiner jetztigen
Form abhaengig ist.
Labor Information Bulletin
1/51
ARGENTINISCHER "GS.'ERKSCHAFTSBUND" ZUR IBFG-KüNFKRKNZ IN MEXIKO NICHT
ZUGELASSEN
AFL, CIO und die Bergarbeitergewerkschaft der Vereinigten Staaten
bildeten eine gemeinsame Front amerikanischer Gewerkschaften gegen den
Versuch, den argentinischen Gewerkschaftsbund CGT zu der interamerikanischen Regionalkonferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in Mexiko zuzulassen.
"Die AFL Delegation wird unter keinen Umstaenden einer Zulassung
des argentinischen Gewerkschaftsbundes zustimmen," erklaerte George
Meany, der Hauptkassierer der AFL und einer ihrer Delegierten, in einer
Rede an die Konferenz.
"Eine andere Haltung einzunehmen, waere mit einem Verrat an den
vielen argentinischen Arbeitern gleichzusetzen, die an eine wirklich
freie Gewerkschaftsbewegung glauben, und denen das Recht streitig gemacht wird, freie Gewerkschaftsorganisationen zu bilden."
"Diese Arbeiter," fuegte Meany hinzu, "sind praktisch Sklaven, weil

- 11 -

�der CGT ueber alle ihre Angelegenheiten seine feste Hand haelt. Der
CGT ist keine Gewerkschaft, sondern in Wirklichkeit ein Werkzeug der
faschistischen Regierung. Der CGT ist daher der Arbeitsfront Hitlers
und den sogenannten "Gewerkschaften" Russlands gleichzusetzen."
Jacob S. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter (CIO) und zusammen mit Meany der Vorsitzende der amerikanischen
Delegation, erklaerte:
"Ich bin gegen jeden Totalisarismus, ob er von rechts oder von
links kommt."
Ursprünglich waren Argentinien, Panama und die Dominikanische
Republik nicht zu der Konferenz eingeladen, weil der IBFG der Auffassung war, dass in diesen Laendern keine demokratischen Gewerkschaftsbewegungen existieren, die frei von jeder Bevormundung durch
die Regierung sind. Im Verlauf der Konferenz fuehrte der von Mexiko
eingebrachte Antrag, die Argentinier einzuladen, jedoch dazu, dass
ihre Aufnahme in die neue Regionalorganisation abgelehnt wurde.
Nachdem die uebrigen Delegierten den Standpunkt des mexikanischen
Gewerkschaftsbundes in Bezug auf die argentinische Frage zurückgewiesen hatten, zog sich diese Gewerkschaft, wenigstens voruebergehend,
aus der Regionalgruppe zurueck, und ihr Vorsitzender Fidel Velasquez,
der zum Vorsitzenden der Konferenz gewaehlt worden war, legte dieses
Amt nieder. An seine Stelle trat der Vorsitzende des peruanischen
Gewerkschaftsbundes, Arturo Sabrosa, der aufgrund seiner gewerkschaftlicher Taetigkeit in seinem Heimatland 18 Monate im Gefaengnis verbrachte.
Waehrend der Debatte ueber die argentinische Frage stellte die
amerikanische Delegation klar heraus, dass sie selbst ihre Entscheidungen treffe und nicht, wie man ihr vorgeworfen hatte, eine vom
Aussenministerium der Vereinigten Staaten vorgeschriebene Politik verfolge. Dies wurde zum Ausdruck gebracht, als die drei amerikanischen
Gewerkschaftsgruppen den Antrag William O'Dwyers, des amerikanischen
Gesandten in Mexiko, abschlugen, der die Gruppen ersucht hatte, sich
fuer eine Stunde zurückzuziehen und mit ihm vertraulich ueber diese
Angelegenheit zu beraten,
Alich Brasilien war auf der Konferenz von Mexiko nicht vertreten.
Die brasilianischen Gewerkschaftsführer waren zwar eingeladen worden,
wurden aber an der Teilnahme gehindert, angeblich, weil die Gewerkschaften bei den kuerzlich stattgefundenen Praesidentschaftswahlen
Getulio Vargas unterstuetzt hatten. Vargas gewann, er wird sein Amt
aber nicht vor den Monat üaerz antreten.
Trotzdem sind 20 Nationen und 17 Millionen Arbeiter in der neuen
Interamerikanischen Regionalorganisation der Arbeiter (IRCX«*) vertreten,
die auf der Konferenz in Mexiko gegruendet wurde. Der hauptamtliche
Sekretaer der IRC7.7 ist Francisco Aguirre aus Kuba, sein Amtssitz ist
Havanna.
Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der IROW wurde in einer sechs
Punkte umfassenden EntSchliessung niedergulegt, die von einem Sprecher
des CTO eingebracht und von der Konferenz angenommen wurde. Den
gemeinsamen amerikanischen Standpunkt fasste der Hauptkassierer der
AFL, Meany, in einer Rede mit folgenden Worten zusammen:
"Die Hauptaufgabe der Voelker Lateinamerikas besteht in der Frage,
wie sie den lange gehegten Wunsch, ihre Laender zu industrialisieren,

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�verwirklichen koennen. Viele Menschen sind der faelschlichen Meinung
verfallen, dass die Vereinigten Staaten kein Interesse an der Foerderung der Industrialisierung unserer lateinamerikanischen Schwesterstaaten haetten."
"Schon lange sind wir uns klar darueber, dass kein Land erfolgreich
seinen Uohlstand foerdern und verteidigen kann, wenn es von Gebieten
umgeben ist, in denen wirtschaftliche Depression herrscht, der Lebensstandard niedrig und die Kaufkraft praktisch gleich Null ist."
"Die Beibehaltung niedriger Loehne in Lateinamerika stellt letzten
Endes den Versuch dar, den Lebensstandard in den Vereinigten Staaten
herunterzudruecken. Die Antwort der Arbeiter der westlichen Hemisphaere
muss hierauf sein, dass sie sich zusamnenschliessen, ihre Erfahrungen
gegenseitig auswerten, Informationen austauschen und gemeinsames Handeln
planen."
i

"Diese Solidaritaet wird sicn besonders in solchen Faellen als
fruchtbar erweisen, wo lateinamerikanische Arbeiter durch die Macht
bestimmter Grossunternehmen der Vereinigten Staaten unterdrueckt werden.
So, wie wir immer bereit waren, die Versuche zu bekaempfen, die Arbeiter
der Vereinigten Staaten auszubeuten, werden wir auch entschlossen sein,
gegen jene vorzugehen, die die Arbeiter Lateinamerikas ausbeuten wollen."
FYI/183:1/24/50
ttßi
ENGLANDS BEMUEHUNGEN ZUR STEIGERUNG DER PRODUKTIONSLEISTUNG
Zukuenftige Produktionssteigerungen in Grossbritannien fuer den
Zivil- oder auch Kriegsbedarf haengen von der Steigerung der Produktionsleistung selbst und von der Moeglichkeit ab, Arbeiter, die weniger wichtige Taetigkeiten verrichten, an Arbeitsplaetze umzugruppieren, die von
groesserer Bedeutung sind. Im Jahre 1949 waren bei einer Erwerbsbevoelkerung von 22.150.000 im Durchschnitt nur 300.000 arbeitslos. Im
Dezember 19^9 umfasste die gesamte Erwerbsbevoelkerung 90$ aller Maenner
ueber 15 Jahren und l*b% aller Frauen im Alter von 15 bis zu 60 Jahren,
'.'eder durch freiwillige Methoden noch durch die l.'iederauferlegung der aus
dem Kriege bekannten Arbeitsmarktkontrollmassnahmen war es gelungen, in
der Zeit von 1947 bis 1949 eine bemerkenswerte Umschichtung der Arbeiter
aus weniger wichtigen in wichtigere Industriezweige zu erreichen. Die
so bedeutende und entscheidend wichtige Kohlenbergbauindustrie hat z.B.
Arbeiter verloren und zwar besonders solche, die unmittelbar die Kohle
foerderten.
Man ist sich im allgemeinen darueber einig, dass Modernisierung;
wenigeres Fernbleiben vom Arbeitsplatz; Lohnsysteme, die auf dem Leistungsprinzip beruhen; und die Bereitwilligkeit, neue Arbeitsmethoden zu akzeptieren, notwendig sind, um die Kluft zwischen den vergangenen und zukünftigen Produktionszielen der britischen Industrie ueberbruecken zu
koennen. Sowohl die Gewerkschaften als auch die Unternehmer haben diesen
Problemen groesste Aufmerksamkeit geschenkt. Augenblicklich werden etwa
20$ des gesamter. Nationaleinkonmens fuer Kapitalinvestierungen verwendet;
ein Viertel hiervon ist allein fuer den '.Wohnungsbau bestimmt.
Eine weit bedeutendere Erhoehung des Index1 fuer die gesamte Industrieproduktion gegenueber dem der Beschaeftigung bedeutet bereits einen Fortschritt. Dem "irtSchaftsministerium Englands zufolge hat die GesamtProduktionsleistung des Jahres 1949 die des Jahres 1948 um 5h% ueberschritten. '„'enn man die ersten fuenf Monate des Jahres 1950 mit einer
gleichen Zeitspanne des Jahres 1949 vergleicht, so sind es sechs und

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�sieben Prozent. Dieser Prozentsatz ist betraechtlich hoeher, als im
Wirtschaftsbericht fuer das Jahr 1950 veranschlagt wurde, er ist ausserdem hoeher als vor dem Kriege.
Grosszuegige Schaetzungen der Steigerungsquote koennen jedoch nur
dann vorgenommen werden, wenn genauere Hasstaebe fuer die Veraenderungen
in der Produktionsleistung aufgestellt sind. Die Verbesserung der
statistischen Messung der Produktionsleistung innerhalb eines Industriezweiges oder eines Betriebes gehoert mit zu dem allgemeinen Programm
Grossbritanniens. Zu diesem Zwecke haben Gruppen englischer Statistiker
in den Jahren 1949 und 1950 die Vereinigten Staaten besucht, um die im
Statistischen Buero des US Arbeitsrainisteriums angewandten Methoden zu
studieren,
Produktivitaets-Studiengruppen aus der britischen Industrie, denen
Vertreter der Gewerkschaften und Unternehmer angehoerten, haben die
Produktionsmethoden in Amerika eingehend studiert. Derartige Studienreisen werden von dem Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsausschuss
arrangiert, der im September 1948 gebildet wurde. Die Gruppen werden
von der Verwaltung fuer TJirtschaftliche Zusammenarbeit finanziell unterstuetzt, die darin einen ihrer Beitraege fuer den Wiederaufbau Englands
sieht. In den letzten zwei Jahren sind meist auf Industriebasis 27
Studiengruppen zusammengestellt worden; einige spezialisierte Gruppen
beschaeftigten sich mit enger begrenzten Problemen, wie z.B. der Vereinfachung spezieller Produktionsmethoden, des Verpackungsverfahrens
oder des Materialtransportes. In neueren Berichten an den Ausschuss
wird zum Ausdruck gebracht, dass die englischen Firmen untereinander
ebensoviel lernen wie von den Unternehmen der Vereinigten Staaten; dass
ferner die Voreingenommenheit der britischen Arbeiter gegen die Methoden
zur Steigerung der Produktionsleistung, einschliesslich der Mechanisierung, zum Teil zerstreut worden sind; und dass Normung und Vereinfachung besonders in den oeffentlich kontrollierten Industriezweigen
akzeptiert worden sind.
Im Anschluss an die Studienreisen der Produktivitaetstudiengruppen
werden gewoehnlich Konferenzen und oeffentliche oder Betriebsversammlungen abgehalten, auf denen die Berichte der Gruppen und die Moeglichkeiten besprochen werden, ihre Vorschlaege und Empfehlungen zu verwirklichen. So hat zum Beispiel die britische Stahlindustrie ia verschiedenen Giessereien Verbesserungen in gewissen Arbeitsprozessen durchgefuehrt, nachdem die Studiengruppe, die sich aus Vertretern dieser
Industrie zusammensetzte, ueber ihren Besuch in den Vereinigten Staaten
berichtet hatte. Das Ergebnis war, dass der Arbeitsaufwand in einem
bestimmten Arbeitsverfahren um 50% reduziert werden konnte, bei anderen
Verfahren konnte sowohl Material als auch Arbeitszeit eingespart werden.
Eine der britischen Gruppen setzte sich ausschliesslich aus Gewerkschaftsvertretern zusammen, die sechs Wochen lang die amerikanischen
Industriezentren besuchten, um sich darueber zu orientieren, welche Rolle
die Gewerkschaften bei der Steigerung der Produktionsleistung in den
Vereinigten Staaten spielen. Nachdem die Gruppe "die Arbeitsweise und
Methoden einer Anzahl amerikanischer Gewerkschaften bei der Durchführung
ihrer Verwaltungsaufgaben und in den Betrieben studiert hatte", gab sie
einen anregenden Bericht ueber die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften heraus, eine Analyse, in der die entsprechenden
Probleme der beiden Laender miteinander verglichen wurden. Der Bericht
enthielt einige weitgehende Empfehlungen, die an die Gewerkschaftskollegen und die Unternehmer in England gerichtet waren.
Eine Tatsache, die die Besucher besonders beeindruckte, war, dass
in Amerika leistungsfaehige Betriebsleiter die Quoten der Produktions-

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�leistung festlegen, und dass die Gewerkschaften massgeblich mithelfen, die Leistungsfaehigkeit solcher Betriebe zu steigern, die
nicht so konkurrenzfaehig sind wie andere. "Die amerikanischen
Gev.erkschaften dringen auf bessere Loehne, damit die Arbeit hoeher
eingeschaetzt wird. Sie erwarten, dass die Kraft der Konkurrenz
finanzkraeftige, unternehmende und aggressive Betriebe zwingt,
ihre Gestehungskosten zu senken," und sie rechnen dunit, dass niedrigere Produktionskosten zu niedrigeren Verbraucherpreisen luehren,
die wiederum neue und groessere Absatzmaerkte erschliessen werden,
die ausreichen, um die durch die neuen Methoden ueberfluessig gewordenen Arbeiter zu absorbieren.
In ihren Empfehlungen forderte die .Studiengruppe der britischen
Gewerkschaften dazu auf, eine Lohnpolitik zu betreiben, die sich
nach dem Ausstoss und der Leistungsfaehigkeit der Betriebe richtet.
Angesichts der Notwendigkeit, die Preise niedrig zu halten und die
Vollbeschaeftigung zu sichern, stellte die Gruppe nicht die Forderung
auf, die allgemeine Lohnstop-Politik aufzugeben. Die britischen Gewerkschaften waren, wie man feststellte, in der Tat eher geneigt, auf
dem Leistungsprinzip beruhende Lohnsysteme anzunehmen als die amerikanischen Gewerkschaften, obwohl die Delegierten des GewerkschaftsKongresses sich fuer die Aufgabe der Lohnstop-Politik entschieden.
Die wichtigste Empfehlung der Gruppe besteht in dem Vorschlag
zur aktiven Zusammenarbeit der Gewerkschaften bei der Anwendung "wissenschaftlicher Methoden der Betriebsleitung." Die Initiative soll dabei dem Unternehmertum ueberlassen bleiben, aber von den groesseren
Gewerkschaften und dem britischen Gewerkschaftskongress TUC sollen
technische Gewerkschaftsreferate fuer Produktionsfragen errichtet
werden, die die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder wahrnehmen und
ihre Verdienstmoeglichkeiten auf ein Maximum steigern. Eine ablehnende
Haltung der Einfuehrung neuer Maschinen gegenueber beziehungsvreiaeeine
Neuzuteilung der Arbeitskraefte ist nach Auffassung der Gruppe jetzt
nicht gerechtfertigt. Die Gewerkschaften muessten im voraus um Rat
gefragt werden; genaue Plaene zur Entschaedigung durch Entlassungsgelder fuer jene Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz wechseln muessen,
sind sofort auszuarbeiten. Die Gewerkschaften muessten auf der einen
Seite bestrebt sein, hoechst wirtschaftliche Unternehmen zu veranlassen, ihre Verbraucherpreise zu senken, und sie muessten auf der
anderen Seite den weniger wirtschaftlichen arbeitenden Unternehmen
helfen, ihre Leistungsfaehigkeit zu steigern.
Zur Unterstuetzung der Gewerkschaften und Unternehmer in Fragen
der Produktion hat die englische Regierung im Jahre 1948 das Britische
Institut fuer Betriebsleitungsfragen gegruendet. 22 Gewerkschaften
und der Gewerkschaftskongress TUC sind eingeschriebene Mitglieder
des Instituts. Oertliche Arbeitnehmervereinigungen, die im vergangenen Jahr in vier Industriezentren gebildet wurden, veranstalten
oeffentliche Foren ueber gute Methoden der Betriebsleitung, an denen
Gewerkschafter teilnehmen.
Zwei kuerzlich erschienene Berichte zeigen die Veraenderungen
in der Produktionsleistung in einem bestirnten Industriezweig, naemlich
der Bauindustrie auf. Nach der Annahme einer freiwilligen Vereinbarung auf Landesbasis im Jahre 1947 wurden in etwa einem Drittel der
Vertraege, die von oertlichen Komraunalbehoerden geschlossen wurden,
Bestimmungen ueber Akkord- und Bonusloehne aufgenommen, die sich auf
etwa die Haelfte der im Monat Oktober fertiggestellten "ohnhaeuser
erstreckten. Diese Bestimmungen sollten von beiden Partnern &lt;Meses
Industriezweiges im Jahre 1950 erneut ueberorueft werden.
Der Untersuchungsausschuss erklaerte, dass die 13 $ige Reduzierung
an Arbeitskraft und Arbeitszeit je Haus, die in der Zeit von Oktober

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�1947 bis Oktober 1949 erreicht werden konnte, zur Haelfte diesem
Leistungsprinzip, das sich in der Entloehnung ausdrueckt, zuzuschreiben sei. Obwohl der groesste Teil der Einsparungen in Form
von Bonuszahlungen den Arbeitern ausgezahlt wurde, konnten je
Haus etwa 15 Pfund Sterling eingespart werden, was etwa einem
Prozent der Gesamtkosten des Hauses entspricht.
Im Anschluss an eine allgemeine Konferenz des TUC ueber Produktivitaetsfragen, an der die Vorstandsmitglieder aller angeschlossenen Gewerkschaftsorganisationen teilnahmen, hat der TUC in den
Jahren 1949 und 1950 verschiedene Konferenzen ueber Produktivitaetsfragen abgehalten, an der eine Reihe verschiedener Gewerkschaften
teilnahmen. Zwei dieser Konferenzen fanden zusammen mit der Landesgewerkschaft der Beschaeftigten der Bauindustrie statt, auf denen
die Reaktionen des Lohnsystems dieser Industriezweige auf die verschiedenen Berichte besprochen wurden und ein Plan zur allgemeinen
Steigerung der Produktionsleistung in solchen Industriezweigen ausgearbeitet wurde, an dem der TUC aufgrund des '.'ohnraummangels besonders interessiert ist. Auf seiner Konferenz im Jahre 1950 forderte der TUC in einer EntSchliessung den Generalrat auf, die Gewerkschaften bei der Ueberpruefung der fuer ihre Industrie eigenen
Probleme zu, unterstuetzen. Der TUC forderte weiter, dass vor der
Einfuehr &gt;ng neuer Methoden und Arbeitsverfahren ausfuehrliche Aussprachen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften ermoeglicht werden,
und darauf zu dringen, dass die durch gesteigerte Produktionsleistung
erzielten Gewinne den Verbrauchern in Form niedrigerer Preise und den
Arbeitern in Form verbesserter Loehne und Arbeitsbedingungen Zugute
kommer..
Monthly Labor Review 12/50

AMERIKAS Gi?..'SRKSCHAFTEN SICHERN DEM VERTEIDIGUNGSMINISTER IHRE UNTERSTUETZUNG ZU
Vor kurzem wurde auf einer Konferenz des Gemeinsamen Ausschusses
fuer Arbeitspolitik, an der auch Verteidigungsminister George C.
Marshall, seine Stellvertreterin Anna Rosenberg und andere Beamte des
Ministeriums teilnahmen, erneut zum Ausdruck gebracht, dass die Gewerkschaftsbewegung den Kampf der Nation gegen den sowjetischen
Imperialismus restlos uncerstuetzt.
Die Konferenz diente einem inoffiziellen, allgemeinen Meinungsaustausch ueber Probleme, die sich mit dem nationalen Hotstand ergeben
haben.
Die Gewerkschaftsgruppe erinnerte die Beamten des Verteidigungsministeriums daran, dass ein grosser Teil der unter '„'äffen stehenden
Soldaten aus den Reihen der Arbeiter und ihrer Familien kommt, und
erklaerte, dass sich die Gewerkschaftsmitglieder der dringenden Notwendigkeit bewusst sind, sowohl die nilitaerische als auch die industrielle Staerke so schnell wie moeglich zu entwickeln. Sie sprach sich
ferner fuer die konstruktive Politik Marshalls aus.
"Fuer keine Gruppe steht in dem Kampf zur Erhaltung der Freiheit
auf der T'elt mehr auf dem Spiel als fuer die arbeitenden Maenner und
Frauen dieses Landes," erklaerte Marshall den Gewerkschaftern.
"Der Bestand der freien Gewerksehaftsorganisationen und aller
anderen demokratischen Einrichtungen haengt davon ab, ob wir mit Erfolg das Anwachsen der Polizeistaaten und die kommunistischen Aggressionsplaene unterbinden koennen."
The CIO News

-16

1/22/51

HICO) (2-2-51) U26 U 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 6

Frankfurt, den 9. Februar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Arbeit des '..'ohnungsausschusses des CIO

1

Italienischer Gev/erkschaftsfuehrer heisst General
Kisenhower willkommen

7

Der britische Schatzkanzler erklaert den englischen
Arbeitern, warum Produktivitaetssteigerung
notwendig ist

8

T. C. McManus, ehemaliger Hauptkassierer der
kanadischen Seeleute-Gewerkschaft:
Der Untergang einer Gewerkschaft

»^

Die Berichte des internationalen Arbeits-Amtes ueber
den Gesundheitszustand der Seeleute erfordern in
weitem Masse Beachtung

10

15

DIE AKbEIT DES ..OHNUuGSäAUAUSSCHUSS^S DES (JIQ
Der V/ohnraununangel ist auch weiterhin eines der schwierigsten inneren
Probleme der Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb ist der Ausschuss
fuer '.i'ohnungsbau unter der Leitung des Vorsitzenden der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, '„'alter F. tteuther, aufgefordert worden, sich mit den
verschiedenen Blickwinkeln der Probleme zu befassen, die durch den u'ohnraummangel verursacht sind.
Der Auaschuss war sowohl auf Landesebene als auch innerhalb der
Kommunalverbaende im ganzen Lande vielseitig taetig. Er hatte insofern

- 1 -

�einige Erfolge zu verzeichnen, als es ihm gelang, den Fortbestand der
bundesstaatlichen Mietkontrolle zu sichern und verschiedene organisierte,
gegen die '..'ohnungsbauprogramme gerichteten Bemuehungen zu vereiteln.
Der Ausschuss war massgeblich daran beteiligt, den Kongress davon zu
ueberzeugen, dass angesichts des werbemaessig gut lancierten und freigebig
finanzierten Reklamefeldzuges, den die Hintermaenner der Grundstücksbesitzer mit der Absicht fuehrten, das Gesetz zu verhindern oder zumindest
unwirksam zu machen, irgendeine Form der Mietkontrolle bestehen bleiben
muesse. Da es diesen Interessentenkreisen nicht gelungen war, auf bundesstaatlicher Basis das Gesetz zu beseitigen, beschlossen sie, auf oertlicher
Ebene in der gleichen Richtung taetig zu sein.
Zuerst wurden die Mietberatungsauaschuesse gezwungen, Empfehlungen zu
unterbreiten, in denen auf die Veraenderungen der Mietpreise und den danit
unvereinbaren Fortbestand des Gesetzes'hingewiesen werden sollte. Als dies
jedoch nicht zur voelligen Aufhebung der Mietkontrollen fuehrte, verlegten
sich die Hintermaenner der Grundstücksbesitzer mit Unterstuetzung republikanischer Kreise im Kongress auf die Methode, eine Aufhebung der"Kontrollen
auf oertlicher Basis durch entsprechende Abstimmungen der regierenden
Kommunalbehoerden zu erwirken. Hierauf haben sich zahlreiche oertliche 3ehoerden, in denen kein betraechtlicher Einfluss der Gewerkschaften besteht,
fuer eine Aufhebung der Mietkontrollen ausgesprochen. Die durch diese
Massnahmen in Mitleidenschaft gezogenen Gebiete sind der landwirtschaftliche
Sueden und Suedwesten. Aber auch in einigen Industriebezirken sind die
Kontrollen abgeschafft worden. Die Methoden, die zur Erwirkung dieser Massnahmen angewandt wurden, sind kennzeichnend fuer die politischen Verhaeltnisse in einigen Kommunalbehoerden. Dies ist durch einen Vorfall bewiesen,
der sich in keiner geringeren Stadt wie Los Angeles zugetragen hat, wo der
Stadtrat bestochen worden sein soll, damit er fuer eine Abschaffung der Mietkontrollen stimme.
In diesem Falle wandte sich der Ausschuss fuer Uohnungsbau an gewerkschaftliche und liberale einflussreiche Persoenlichkeiten sowie an den Ausschuss fuer Hauspaechter in Los Angeles und brachte die. Tatbestaende vor die
Gerichte. Schliesslich konnte man durchsetzen, dass die EntSchliessung zur
Abschaffung der Mietkontrolle widerrufen werden musste.
Auf dem letzten CIO-Kongress wurde nun die Vorbereitung eines wirksamen
Gesetzes fuer Mietkontrollen in Erwaegung gezogen.
Der Ausschuss hat unablaessig den Gedanken unterstuetzt, dass die
kontrolle in die Haende der bundesstaatlichen Uohnungsbehoerden gelegt
werden woll, damit eine Gewaehr dafuer besteht, da3s die Mietkontrolle
solange bestehen bleibt, wie tatsaechlich ein '..'ohnraummangel herrscht.
Das '.'ohnungsbauprogramra der Regierung soll darauf ausgerichtet werden,
sen Mangel zu beheben, und Mietkontrollen sollen nur solange notwendig
erforderlich sein, wie ein Mangel an Wohnungen besteht.

Mietnur
dieund

Die bis heute ergriffenen Massnahmen konnten keine zufriedenstellende
Loesung des Problems schaffen. Schuld hieran ist einmal die Tatsache, dass
man sich gesetzlich genehmigte Programme nicht in vollem Umfang zunutze
machte, und zum andern, dass keine Gesetze erlassen Wurden, die die bestehenden Luecken haetten schliessen koennen.
Zu viele Beamte der v.rohnungsbehoerden sind der Auffassung, dass sie
das Problem geloest haben, wenn sie neue Bedingungen fuer die Hypothekenfinanzierung ausgekluegelt haben. Zu wenige dieser Beamten haben anscheinend ein Interesse an der Schaffung eines genuegenden Wohnraums, an
der kommunalen Vohnungsbauplanung, an Massnahmen, die eine Senkung der
Baukosten oder eine Vereinfachung der Bauverfahren foerdern koennten. Infolgedessen hat der 'Johnungsbau die Tendenz, an C.ualitaet -zu verlieren,

- 2 -

�in einem gerechten Gleichgewicht fuer die verschiedenen Schichten der
Bevoelkerung zu stehen, und obendrein stellt er einen unnoetigen
Aderlass des Kreditpotentials der US-Regierung dar.
Seit vielen Jahren hat der Ausschuss fuer Yfohnungsbau eine Expansion der Bauindustrie befuervortet, um den Uohnraumbedarf Amerikas
besser decken zu koennen. Die Sprecher der Industrie und konservative
Volkswirtschaftler haben der Bauindustrie die Faehigkeit der Ausdehnung
abgesprochen. Doch das Jahr 1950 ist ein Rekordjahr fuer die Bauindustrie gewesen. Im August 1950 wurde die jaehrliche Quote von zwei
Millionen Wohnungen, die vom Ausschuss seit 1948 befuerwortet wird,
bereits annaehernd erreicht.
Diese erstmalige Rekordproduktion hat den Rueckstand, der durch
die Kriegsjahre und die geringe Bautaetigkeit waehrend der Depression
der 30er Jahre eingetreten war, erheblich verringert. Selbst die
konservative amerikanische 3par- und Anleiheliga hat diesen hohen Stand
der Bautaetigkeit zur "Beendigung des Wohnraummangels in praktisch
jeder Ortschaft" gutgeheissen. In der Vergangenheit hat die Bauindustrie
ihre Aufgabe, das Land mit genuegend '.Johnraum zu versorgen, nicht erfuellen koennen. In einem etwas engstirnigen Bewusstsein ihrer Verpflichtung dem Volk gegenueber, hat die Bauindustrie eine geplante
Knappheit an Wohnungen beguenstigt, die zu Beunruhigung und Sorge in
Hillionen von Familien Anlass gegeben haben, deren groesstes Problem
darin besteht, dass sie keine angemessene Wohnung bekommen koennen.
Die Bevoelkerungsziffer der Vereinigten Staaten steigert sich jetzt
jaehrlich um fast 900.000 neue Familien. Wenn der rueckstaendige Bedarf der Vergangenheit gedeckt werden soll, die Elendsviertel bereinigt
und mehr Wohnungsmoeglichkeiten geschaffen werden sollen, muss die Bauindustrie ihre neue hohe Kapazitaet von zwei Millionen Einheiten im Jahr
zumindest in den.naechsten zehn Jahren voll ausnutzen.
Mit keinem Programm und keiner Politik koennen alle Einzelheiten
dieses Problems restlos geklaert werden. Mit einem wohlabgerundeten
Wohnungsbauprogramm wird den Beduerfnissen aller Schichten der Bevoelkerung am besten entsprochen werden koennen. Diese Beduerfnisse erstrecken sich nicht nur auf angemessene Wohnungen, sondern auch auf die
gesamte Umgebung innerhalb einer Ortschaft, die die Kindestnormen der
Ansprueche einer Familie erfuellen sollen. Schulen, Kirchen, Krankenhaeuser und Erholungsstaetten sind zu oft in den umfassenden Plaenen
privater Architekten vernachlaessigt worden.
Der Ausschuss fuer Wohnungsbau de« CIO hat deshalb vorgeschlagen:
1.) Ein oeffentliches Wohnungsbauprogramm fuer die niedrigen Einkommensgruppen, d.h. diejenigen, die keine fuer den Besitzer rentable
Miete zahlen koennen.
2.) Anleihen und Darlehen fuer die Bereinigung von Elendsvierteln
und die ftatwicklung der Staedte.
3.) Ein Programm fuer die mittleren Einkommensgruppen, das technische Ilnterstuetzung und langfristige Kredite bei niedrigen Zinssaetzen
fuer die Baugenossenschaften vorsieht.
4.) Ein Programm fuer den nichtlandwirtschaftlichen Wohnungsbau
auf dem Lande,
5.)

Ein einleitendes Programm fuer dft* landwirtschaftlichen Wohungs-

bau.

- 3-

�6.) Ein verbessertes Forschungsprogramm zur Senkung der Kosten
des 'Wohnungsbaus.
7.) Unierstuetsung bei der Entwicklung einer industrialisierten
"'ohnungsbauindustrie.
8.) Verkauf regierungseigener Kriegsbauten an Paechter, die
ohne Gewinn arbeiten und diese l'ohnungen selbst bewohnen.
Die gesamte '..'irtschaft wurde durch die Entwicklung der koreanischen
Krise ersc'mettert. Der '.Johnungsbau, der den groessten Komplex des
inl&amp;endisehen Bedarfs darstellt, wurde als erster durch die Entwicklungen in Mitleidenschaft gezogen, die sich mit der Notwendigkeit der
Steigerung der Ruestungsproduktion ergeben haben. Dieser Zweig der
zivilen "'irtschaft, der sich nach zwei langen Jahrzehnten unzureichender
Produktion zun erstenmal stark ausdehnte, wurde von einer uebereLfrigen
Buerokratie abgedrosselt, die unfaehig ist, die ihr gestellten Aufgaben zu erfuellen.
Die Remuehungen der Regierung, das rTohnungsbauprobleni ausschliesslich durch Kreditkontrollen zu loesen, sind weder wuenschenswert, noch
durchführbar und gerecht.
Diese Kreditkontrolle hat dazu gefuehrt, dass die Preise des
spekulativen 'Wohnungsbaus, der sich jetzt wieder seine« Daseins erfreut,
und auch die Preise fuer die zur Verfuegung gestellten Wohnungen in die
Hoehe geschraubt wurden.
Angenommen, der "'ohnun^sbau muesste im Interesse der sich ausdehnenden Ruestungsproduktion gekuerzt werden, dann muss doch alles
'•'oegliche getan werden, um eine Hoechstproduktion an "ohnraun aus den
noch uebrigen Arbeitskräften und Materialien sicherzustellen. Diese
Verordnung und andere fruehere Verordnungen, die die Kredite der
Regierung einschraenk«n,- wurden erlassen, bevor der fuer das Programm •
notwendige Bedarf an ..rbeitskraeften und ?'aterial veranechlagt war und
genauere Angaben ueber die in Jahre 1951 verfuegbare Zahl an Arbeitskräften vorhanden waren.
/
Die Anwendung der Kreditkontrollen allein zur Erreichung dieses
Zieles ist lueckunhaft und kann zu Missbrauch fuehren. Diejenigen, die
ueber umfangreiche Geldmittel verfliegen, duerfen ohne Einschraenkung
bauen, !36r Gruppe je loch, deren ",'ohnraunbedarf am groessten ist, wird
absolut keine ','oegliohkeit geboten, sich ','ohnraum zu schaffen. Diese
Tatsache ist auch nicht dazu angetan, das Problem der Einschraenkung
der Sautaetigkeit infolge der Inflation der l.'aterialkosten zu erleichtern.
Die Regierung muesste sofort dieses gesarate Problem erneut ueberpruefen und dabei folgendes beachten:
aj Um zu garantieren, dass die fuer das Produktionsjähr 1951
verfuegbaren Arbeitskraefte der Bauindustrie voll ausgenutzt werden,
muss ein jaehrliches Produktions.:iel unter Beruecksichtigung des militaeri'3Chen und wesentlichen zivilen Bedarfs gesteckt werden.
b) Innerhalb der Vereinigten Staaten muessen sofort Vorbereitungen getroffen werden, um den auf 100.000 Einheiten geschaetzten
Bedarf an I.'ilitaerunterknenften zu decken.
c) Fuer Arbeiter in kriegswichtigen Betrieben, die sich staendig erweitern, muessen '.'ohnungen gebaut werden.
Noch schlimmer als die Auswirkungen der Vorgaenge in Korea sind die

- k -

�Entwicklungen in Hahnen des jetzigen '.'ohnungsbauprogramms.
Ifis muss leider festgestellt werden, dass bis jetzt die in den
meisten Phasen des Programms ergriffenen Massnahmen so gehanriha'ot
wurden, dass sie ihren Zweck verfohlten, Ein groesserer Fehlschl&amp;ß
haette nicht eintreten koennen,- v.enn das Programm im umgekehrten
Sinne geplant gewesen waere. Der Vorsitzende dieses Ausschusses,
der das Problem erkannte, dem s.ch die Gewerkschaften gegenuebersahen,
als der Kongress das "ohnungsbaugesetz von 1949 (Gesetz Nr. 171)
erliess, bat in einem Schreiben an Praesident Truman um die Ernennung einer neuen, mit erweiterten Refuegnissen a'^estatteten
Behoerde, die entschlossen sei, die Bestimmungen des neuen Gesetzes
auch zu verwirklichen.
Man kann sich am besten von dem Versagen dieser ^ehoerde ein
Bild machen, wenn man die Ergebnisse unt.er^iicht, die nach den Bestimmungen des Gesetzes 171 fuer den oeffendlichen '.'ohnungsbau erzielt wurden; dieses Gesetz wurde nach fuenf Jahren harten Kampfes
gegen die Grundstücksbesitzer angenommen.
Der Vorsitzende Beuther wies vor dem Kongress im Pebruar ]%9
auf die Dringlichkeit des '.'ohnraumbedarfs hin und verlangte vom
Kongress, "fuer die Erstellung von mindestens einer Million '."ohnhaeuser mit niedrigen Mieten zu sorgen". Das Programm muesse jedoch
zusammengedraengt und in vier anstatt in sieben Jahren durchgefuehrt
werden, sodass in den naechsten vier Jahren jaehrlich durchschnittlich
250.000 Einheiten mit niedrigen Mietsaetzen erstellt werden koennten.
Als Antwort auf diesen Vorschlag und auf die Dringlichkeit der
Situation stimmte der Kongress fuer die Erstellung von mindestens
100.000 Einheiten jaehrlich in den naechsten sechs Jahren ;ait dem Hinweis, dass "auf Reschluss des Praesidenten hin, nachdem dieser den
Ausschuss der Mirtschaftsberater zu Ilate gezogen hat, die gesamte
Jahresproduktion auf 200.000 Einheiten gesteigert werden kann."
Ein Jahr nach dem Srlass des ''ohnungsbaugesetzes von 1949 g"b
Ü e Peh^erds fuer die Finanzierung des '.'ohnungsbaus und der "ohnungen
unter dem Titel "Fortschritt des '.'ohnungsbauprogramms in den Jahren
1949 - 1950'einen Bericht heraus, in dem folgende Feststellung enthalten war: "Am 31. Juli 1950 waren 640 (sechshundertundvierzig 1)
dieser Einheiten begonnen."
In Anbetracht der Tatsache, dass man das betraechtliche Arbeitskraeftereservoir der Arbeitslosen nioht einsetzte und die Kapazitaet
der baustofferzeugenden Industrien nicht ausnutzte, ist eine Kritik
durchaus gerechtfertigt.
Die Verwaltung Tuer den oeffentlichen ' .'ohnungsbau hat in hoechst
buerokratischer "eise dieses Gesetz verwaltet; ihre Haltung koennte
mit der eines Gutsbesitzers seinen Paechtern gegenueber verglichen
werden. Im Gegensatz zu den organisierten Grundstücksbesitzern hat
sich diese Verwaltung bei der Verfolgung der Ziele des Gesetzes 171
viel Zeit gelassen.
Die Verwaltung betrachtet den '..'ohnraumbedarf der niedrigen Zinkommensgruppen als von zweitrangiger Bedeutung. Die meisten Leiter
der oeffentlichen '.'ohnun^s'oauprojekte behandelten diese Mieter mit
einer gewissen Verachtung. Eine wahre Kampagne wurde gegen diejenigen
Mieter eingeleitet, die die gesetzte Einko-imensgrenze ueberschritten
hatten. Auf Veranlassung der Grundstücksbesitzer wurden diese T?«.rni—
lien und besonders jene, die Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung
waren, unter Druck gesetzt, u-n sie zu zwingen, ihre ','ohnung zu verlassen, ihre familiaeren und nachbarlichen Verbindungen zu zerreissen und

- 5-

�sich anders&gt;vo Wohnung&amp;noeglichkeiten zu suchen. Statt den Bau der zusaetzlichen Wohnungen in Angriff zu nehmen, konzentrierte sich die Verv/altungsbehoerde auf eine Kampagne, die den Zv;eck hatte, die Mieter mit
allzu hohem Einkommen aus diesen Wohnungen wieder zu verweisen. Die
Kampagne verlief erfolgreich. Tausende von Mieter wurden gezwungen,
Wohnungen zu gesteigerten Preisen zu mieten, deren Mietzins jenseits
ihrer Zahlungsfaehigkeit lag.
Eine Ursache fuer das Misslingen des oeffentlichen Wohnungsbauprogramms ist die Tatsache, dass in vielen Wohnungsbehoerden Vertreter der
oertlichen Grundstuecksbesitzerorganisationen sitzen. Unter solchen
Umstaenden ist es unmoeglich, die dienstlichen Pflichten dieser Vertreter
als oeffentliche Beamte von den Zielen der organisierten Kampagne der
Grundstuecksbesitaer scharf zu trennen.
Die oertlichen WohnungsbauVereinigungen der Buerger sind ebenfalls
zuweilen der Beeinflussung seitens der Grundstücksbesitzer zum Opfer
gefallen. So hat die Buergervereinigung von Baltimore fuer Planung und
Wohnungsbau den Beteuerungen der Grundstuecksvertreter Gehoer geschenkt
und den Vorschlag eines Interessenten des bundesstaatlichen legislativen
Ausschusses, der jedoch praktisch fuer die Hypothekenbanken sich einsetzte, angenommen. Dieser Vorschlag bezieht sich auf ein Programm, das
die Bereinigung der Hinterhoefe der bestehenden Wohnungsbauten vorsieht.
Unter dem Titel "Der Baltimore-Plan" ist dieses Programm der Oeffentlichkeit weitgehend zur Kenntnis gebracht worden. In Wirklichkeit handelt
es sich jedoch um ein privates Unternehmen, um den Ersatz fuer ein Programm,
das die Interessenvertreter "sozialistisch und kommunistisch" nennen, und
das mit Unterstuetzung des Praesidenten Truman und der Senatoren Tobey,
Flanders, Sparkman, Maybank u.a. zum Gesetz erklaert wurde.
Es gibt nur eine Loesung fuer dieses Problem. Die Oeffentliche
Wohnungsbaubehoerde muss mit neuem Blut aufgefrischt werden, und sie muss
von der festen Entschlossenheit beseelt sein, die in den Satzungen des
Kongresses enthaltenen Ziele zu erreichen. Das Programm muss auf einer
festen Grundlage fussen, die durch gegenseitiges Verstaendnis und die
gemeinsame Arbeit an den menschlichen Problemen gebildet wird, deren 3eduerfnisse durch das Programm befriedigt werden sollen.
Fuer den Sieg der Demokratie in der heutigen Welt ist es erforderlich, dass alle Menschen einen angemesseneren Lebensstandard ihr eigen
nennen. Das Wohnungsbauprogramm der Vereinigten Staaten kann und darf
nicht so verunstaltet werden, dass angemessene Wohnungen nur den Wohlhabenden zur Verfuegung stehen, und dass ein Programm, das fuer die wirtschaftlich weniger Beguenstigten bestimmt ist, versiegen und absterben
darf.
Die Bestimmungen fuer die Bereinigung der Elendsviertel und die
staedtische Entwicklung, die in dem '..'ohnungsbaugesetz von 19^9 enthalten
sind, traten erst im Juli 1950 in Kraft. Deshalb hat die Wohnungsbaubehoerde auch erst seit einiger Zeit damit begonnen, mit den Grosstaedten
und anderen Staedten ueber die Durchführung der Bestimmungen dieses
Gesetzes zu verhandeln.
Die Staedte Norfolk im Staate Virginia und Nashville in Tennessee
haben bereits Hervorragendes zur Bereinigung der Elendsviertel geleistet.
Auch in Chikago ist ein Programm angelaufen, und man hofft, aus bundesstaatlichen Mitteln sechs Millionen Dollar und von den oertlichen 3ehoerden drei Millionen Dollar zu bekommen, um das Negerviertel bereinigen
und fuer l.AOO Familien mit hoeherem Einkommen Wohnungen mit hoeheren
Mietsaetzen bauen zu koennen. Ihre frueheren Wohnungen sollen diese
Familien fuer 3.500 Familien der niedrigen Einkommensgruppen zur Verfuegung stellen. Dieser Vorschla8 entspricht jedoch nicht dem eigentlichen Zweck des Programms, v/onach auf den Grundstuecken der Elendsviertel
anstaendige Wohnungen und eine passende Umgebung geschaffen werden sollen.

- 6-

�Das industrialisierte Wohnungsbauprograinra, das von diesem Ausschuss
gefoerdert und vom Kongress bewilligt wurde, ist leider der Kontrolle der
im Dienste der Gesellschaft fuer die Finanzierung des Wiederaufbaus
stehenden Vertreter unterstellt. Aul- Ersuchen des üewerkschaftsausschusses und anderen Gremien hin hat der Kongress vor kurzem einen Neuorganisationsplan bewilligt, der eine Uebertragung dieser Funktion an
das Amt fuer die Finanzierung des Wohnungsbaus und der Wohnungen vorsieht.
Man hofft, dass in dieser neuen Umgebung den Ueberlegungen zum Wohnungsbau der Vorrang vor den Befuerchtungen jener Vertreter gegeben wird, in
erster Linie eine neue Industrie zu finanzieren.
Report to the Congress of Industrial Organizations
XI/20-24/50

ITALIENISCHER GSTEKKSCHAFTSFUEHRER HEISST GENERAL 2I5ENH0WER WILLKOMMEN
(Nachstehender Artikel wurde von Giulio Pastore, dem
Sekretaer des Italienischen Gewerkschaftsbundes (CISL)
geschrieben und in "Conquiste dej. lavoro", dem
offiziellen Organ dieser Gewerkschaftsorganisation,
veroeffentlicht. Pastore begruesst in seinem Artikel
die Suropareise General Eisenhowers und warnt vor der
falschen Friedenspropaganda sowjetischer Konmunisten.)
Alle Ereignisse internationaler Bedeutung, die uns in diesen Tagen
bewegen, machen es klar, dass das alte Europa noch nicht alle seiner
Probleme ueberwunden hat.
Der Daemon des Nazi-Faschismus, der fuer den letzten Krieg verantwortlich gemacht v/erden muss, ist gerade beseitigt, und schon tritt der
sowjetische Imperialismus, der ebenso machthungrig ist, in Erscheinung.
Wenn es noch erforderlich ist, einen weiteren Beweis fuer die Aehnlichkeit zwischen Nazi-Faschismus und Kommunismus zu liefern, so kann er zun
grossen Teil aus der Entwicklung der internationalen Lage abgeleitet
v/erden.
Es ist nicht erstaunlich, dass sich die freien Voelker erneut voellig darueber einig sind, dass dieser neuen bedrohlichen Gefahr begegnet
werden muss. V'enn General Eisenhower nach Europa kommt, so ist das
keineswegs belanglos, sondern es zeigt auf, dass die freien Nationen den
festen Willen haben, sich zu verteidigen, damit das Banner der Freiheit
und Demokratie nicht fuer immer gesenkt werden muss.
Kurz nach Beendigung des letzten Krieges hat sich Europa in einer
aehnlichen Lage befunden, als der Kommunismus gehofft hat, Europa durch
Hunger und Elend erobern zu koennen. Wiederum ist es das grosszuegige
amerikanische Volk gewesen, das uns durch den Marshall-Plan eine Lebensmoeglichkeit gegeben und uns von dem grausamen Alpdruck des Kommunismus
befreit hat.
Wenn man nach dem Lauf der Dinge urteilt, muss man annehmen, dass
der sowjetisch-slawische Imperialismus, dessen Hoffnung, seinen Machtbereich durch die Aussaat von Elend und Verzweiflung ausdehnen zu koennen,
sich nicht erfuellt hat, den Krieg gewaehlt hat. Die Entwicklung der
tragischen Ereignisse bestaetigen diese Vermutung«
Dies muss gesagt werden, weil man auch in unserem Lande unter dem
beschaemenden Vorwand, die Demokratie wolle den Krieg, versucht, die
friedliebenden Arbeiter unserer Fabriken und Werften fuer gefahrvolle
Sabotageaktionen zu gewinnen, die eindeutig verraeterische Merkmale
tragen.

-7 -

�l'oegen diese beschaenenden Pazifisten versuchen, die ','ahrheit
Uffl die asiatische Tragoedie zu verbergen', "er ueberschritt zuerst,
bewaffnet bis an die Zaehne, den 38. Breitengrad und brachte dem
friedlichen auedkoreanischen Volk die Geissei des Krieges? Niemand
kann an dieser Tatsache etwas aendern, und es ist keine alt Gewalt
betriebene Propaganda notwendig, um den italienischen Arbeitern, die
mehr denn je zuvor ihre intellektuelle Tuechtigkeit und ihren oinn
fuer Moral unter Beweis gestellt haben, die ganze Bedeutung dessen vor
Augen zu fuehren, was sich in der "..'elt seit jenem un^luecicseligen
25" Juni 1950 zugetragen hat. Nienand anders als die Kolumnisten sind
es, die der Frieden untergraben haben, und es ist jetzt eine niederträchtige Luege und off uns .entliehe Heuchelei, wenn die Kommunisten
ils I'nschul Islamn vor die Arbeiter treten.
Heute muessen sich diejenigen, die auch kuenftig in Freiheit leben
wollen, endgueltig entscheiden. Angesichts des Narren, der sein
eigenes Huus ueberfaellt und seine heiligsten Rechte preisgibt^ ist da«
Vorurteil, nan sei cUnit fuer den Krieg, voellig unsinnig, und kein
Mensch «it Ehrbegriffen kann davon traeumen, passiv zu bleiben. Und
das ist der Clou des Dramas.
',.'ir muessen uns entscheiden, ob wir auf ein freies Leben verzichten
wollen, in dem jeder so handelt, wie es seinen '..'eson als freier Mensen
entspricht, oder ob wir «in Leben fuehren wollen, 'Jas uns zwingt, alle
persoenlichen Hechte eines Menschlichen "esens aufzugeben.
Alle Arbeiter
weil dieser Friede
unterstuetzen, die
Anders zu handeln,
.Stockholm", hiesse
stellen.

Italiens und der '.,'elt sind fuer den Frieden, und eben
ihr groesster ','unsch ist, werden sie alle Massnahmen
in irgendeiner '..'eise den Angreifer entmutigen koennen.
selbst mit einem Mundvoll '.'orte wie "Frieden a la
einfach, sich auf die Geite der Kriegstreiber zu

Die italienischen Arbeiter, die sich der '..'erte eines demokratischen
Lebens bewusst 3in.i, wissen, dass es heute das ^roesste Interesse Italiens
und des italienischen Volkes ist, sieh jedem, innerhalb und ausserhalb
Italiens zu widersetzen, der den Versuch unternimmt, eine Aggression
gegen dieses Land zu fuehren.
l^Cx Labor Information
16/1/50

DZR ""JTI3CH-; JCI:ATZ.KA:iZI«.Pt ^ i I X A ^ T '.)VM dh'GLIGCKMN ARBZITiwTK. "ARUM
k.u-)UKTtVi 1 t;JT37r irr -MING1 ?*,tV:hDiM ilfr.
Di« Zeitschrift "Target" dient dem Zweck, Informationen, Vorschlaege
und Ideen zu veroeffentlichen, die den britischeil Firmen bei der Steigerung der Produktionsleistung ihrer Betriebe helfen sollen« Ist eine
solche Aufgabenstellung jedoch realistisch in einer Zeit, in der sich
einer gesteigerten Produktionsleistung neue Hindernisse in den V.eg stellen?
Der Handel an bestimmten Rohstoffenrausszeitweilige Schwierigkeiten verursachen. )',a wird alles verrucht, um durch internationale Vereinbarungen der britischen Industrie ihren wesentlichsten Bedarf an
Rohstoffen zu sichern, und die ;i*»£i«rung wird, sobald dies moeglich ist,
endgneitig tieber die üesbezueglichen «uösichten Aufklaerung jenen, weil
sie weiss, dass die gegenwärtige Ungewissheit in Bezug auf die Materialversorgung denjenigen grosse Sorge bereitet, der danach strebt, seine
eigene Produktionsleistung und die seines Betriebes zu steigern, '..'eiter
r.uespen die lurch den hinter bedingten Probleme der Versorgung mit Brennstoff urd "'nergie benweksichtigt werden.

- B -

�Auch die Umstellung auf neue Produktionsverfahren, die durch das
'..'iederaufruestungsprograrim bedingt ist, kann in einigen Unternehmen
Anlftss zu grossen Schwierigkeiten geben.
Und warum faehrt die Regierung trotzdem fort, die Akzeptierung
neuer Methoden zur Steigerung der Produktionsleistung zu fordern, und
gibt in "Target" Beispiele, die direkt aus der Industrie genommen sind?
Sicherlich nicht deshalb, v/eil sie die Art der Schwierigkeiten nicht
kennt, die fuer die Produzenten im kommenden Jahr auftreten koennen.
Gewiss auch nicht deshalb, v/eil sie nicht wuesste, dass eß fuer einige
Betriebe sehr schwer sein kann, ihre Produktionsleistung zu steigern,
und. dass einige sogar besondere Anstrengungen machen muessen, um ein
Absinken der Produktionsleistung zu verhindern.
Die Gruende hierfuer sind vielmehr folgende:
1.) Eines der Mittel zur Steigerung der Leistungsfaehigkeit ist,
wie die Erfahrung in Zahlreichen Betrieben gelehrt hat, die enge
Zusammenarbeit und das gegenseitige Umratfragen zwischen Betriebsleitern und Arbeitern. Ein solches Verhaeltnis ist besonders dann unerlaesslich, wenn sich die Moeglichkeit gegenseitigen Missverstehens
und gegenseitiger Reibungen infolge Materialmangels, Stromsperren und
anderer Schwierigkeiten mehren.
2.) Ein anderes Mittel zur Steigerung der Leistungsfaehigkeit,
das auch in "Target" zuweilen genannt wird, ist das Bestreben, Müterialverluste zu vermeiden und eine bestimmte Menge Material so wirtschaftlich wie ;noeglich zu verwerten. Gewoehnlich bleibt immer noch genuegend
Raum fuer neue Ideen zur Einsparung von Material. In Anbetracht der
Notwendigkeit, Material einzusparen, bietet sich hier eine aeusserst
guenstige Gelegenheit; alle Bemuehungen in dieser Richtung sind von
besonderem '..'ert, weil der Erfolg ein dauernder ist.
3.) Verbesserte technische Produktionsmethoden, die im Augenblick
in einigen Betrieben vielleicht nicht verwertbar sind, koennen fuer
andere sehr gut anwendbar sein. Mangel an Material wird sich selbst
im schlimmsten Falle nicht ununterbrochen auf einen Betrieb oder auf
alle Betriebe gemeinsam auswirken.
i+.) Materialmangel und Produktionsunterbrechungen werden, wo sie
auftreten, wohl nicht vor zu grosser Dauer sein. Der weitblickende
Betriebsleiter bereitet sich im voraus auf et..aige'Schwierigkeiten vor.
Somit koennen Systeme zur Steigerung der Produktionsleistung, die in dej
naechsten Monaten ausgearbeitet und besprochen sind, unter guenstigen
Bedingungen angewandt werden, sobald sie praxisreif sind.
5.) Die Frage der Produktionsleistung ist eine Frage auf weite
Sicht. Ungeachtet der gegcnv.aertigen Schwierigkeiten sind zwei Tatsachen unumstoesslich: Erstens muss in Zukunft &amp; r Konkurrenz begegnet
werden. In anderen Laendern gibt es tuechtige liaenner, die ununterbrochen planen und arbeiten, um die Produktionsleistung zu verbessern.
Zweitens wird, was noch entscheidender ist, der Lebensstandard eines
Landes auf lange Sicht hin von der Leistungsfaehigkeit seiner PHxluktionsmaschinerie bcsti• jlt. Es wird verbraucht, was erzeugt wird, '.'enn die
Frage der Produktionsleistung jety.t aufgrund kurzfristiger Unzulaenglichkeiten und Schwierigkeiten ausser acht gelassen wird, so wird im voraus
die Zukunft der britischen Industrie und des britischen Staates geschaedigt. Unter den gegenwaertigen Urastaenden wird es nicht moeglich sein,
scfmell vorwaertszuko u..en, wie es gegenwaertig en.uenscht ist, aber dies
ist gewiss kein Grund, s^ch von der richtigen Richtung abzuwenden und
auf Fortschritte zu verzichten, die moeglich w^eren. Obwohl dies ueber-

- 9 -

�zeugend genug klingt, v/erden einige Betriebsleiter und Arbeitsvorgesetzte in bestimmten Betrieber. jetzt und in den kommenden Monaten
Geduld und Umsicht an den Tag legen mueasen, um tatsaechlich auch
danach zu handeln. Die Regierung ist sich dieser Notwendigkeit bewusst, sie glaubt aber nicht, dass sie damit zuviel von der britischen
Industrie erwartet.
Unter den neuen Gegebenheiten wird in "Target" an Hand von vielen
praktischen Beispielen gezeigt werden, welche besonderen Schwierigkeiten bestimmte Unternehmen ueberwinden muessen, und die Methoden
werden gruendlich erklaert werden muessen, mit denen die Probleme
geloest werden koenncn.
ECA Labor Information
1/18/51

wie

T.G. MCMANUS, EHEMALIGER HAUPTKASSIERER DER KANADISCHEN SKELEUTKGEWERKSCHAFT".
DER UNTERGANG EINER GEWERKSCHAFT.
Vor 5 Jahren zaehlte die kanadische Seeleutegewerkschaft noch nahezu 10.000 Mitglieder. Sie hatte Vertraege mit mehr als 300 Schiffseignern abgeschlossen, die die Grossen Seen, die Kuesten der Ozeane und die
Ozeane selbst befuhren. Die monatlichen Einnahmen der Gewerkschaften
beliefen sich auf 30.000 Dollar.
Heute hat die kanadische Seeleutegewerkschaft nicht mehr als 600
Mitglieder. Ihre Mannschaften arbeiten auf kaum einem Dutzend Schiffen.
Die Gewerkschaft ist aus dem kanadischen Gewerkschaftsbund ^Trades and
Labour Congress,) ausgestossen worden.
Die Achtung, die ihr einst von Unternehmern, Regierung und anderen
Gewerkschaften bezeugt vmrde, hat sich in Feindschaft und Verachtung
umgewandelt. Im gewerkschaftliehen Sinne ist die Seeleutegewerkschaft
einfach tot.
Die Hauptursache fuer ihren Niedergang ist bereits bekannt oder
wird von den meisten, die ihn miterlebten oder davon gelesen haben, in
der richtigen Linie vermutet. Nur wenige kennen die naeheren Zusammenhaenge, und zu diesen wenigen gehoere ich. Ich war Hauptkassierer
dieser Gewerkschaft und hatte damit eine Stellung inne, die hinsichtlich der damit verbundenen Autoritaet nur von der des Vorsitzenden
uebertroffen vmrde. Auch war ich Mitglied der kommunistischen Partei
Kanadas, die bei jeder Gelegenheit die Ereignisse diktierte, die zu dem
bitteren, ruhmlosen Ruin der Gewerkschaft fuehrten. Natuerlich kann
ich mich nicht, selbst wenn ich es wollte, meines eigenen Anteils an
der Verantwortung entziehen. Bei jedem der in der Zeit von 1946 bis
1949 gefuehrten Streiks, die mit dem Zusammenbruch der kanadischen Seeleutegewerkschaft endeten, habe ich den direkten und besonderen Befehlen der kommunistischen Partei Folge geleistet und mitgeholfen, die
Streiks auszurufen und sie zu fuehren. Selbst als ich glaubte, dass
diese Streiks taktisch falsch waeren, konnte ich mich vor vier Uonaten
noch nicht entschliessen, aus der Partei auszutreten. Ich verlasse sie
heute, nachdem ich ihr 19 Jahre lang als selbstloser und disziplinierter
Kommunist gedient habe, weil ich zu der Ueberzeugung gekommen bin, dass
ich die russlandfreundliche und antikanadische Einstellung der Partei
zu den Vorfaellen in Korea nicht gutheissen kann.
Wenn ich befuerchten muesste, dass ich die Sache der Gewerkschafts-

- 10 -

�bewegung schaedigen wuerde, wuerde ich nicht das aussprechen, was ich
an dieser Stelle sage. Es ist jedoch meine feste Ueberzeugung, dass
von 100 kanadischen Gewerkschaftern kein Einziger sich eine klare Vorstellung machen kann, wie eine kommunistisch beherrschte Gewerkschaft
gefuehrt wird, und ich glaube, dass es in ihrem eigenen Interesse
wichtig ist, die Gewerkschafter hierueber aufzuklaeren.
Genau genommen gibt es keine kommunistisch beherrschte Gewerkschaft, denn wenn sie der kommunistischen Bevormundung unterstellt ist,
ist es keine Gewerkschaft mehr. Sie wird zu einer Zweigorganisation
der kommunistischen Partei. Die Partei schreibt ihr oft Ziele und
Handlungsweise vor, die vom Standpunkt eines Gewerkschafters aus absolut gesund und bereciitigt sind, l.'o 3ich die Interessen der Partei
mit denjenigen der Gewerkschaft jedoch ueberschneiden, wird der Partei
der Vorrang gegeben, selbst wenn damit, wie im Falle der kanadischen
Seeleutegewerkschaft, der Untergang der Gewerkschaft besiegelt ist.
Diese Organisation wurde im Jahre 1936 auf einer Konferenz der
kommunistischen Partei Kanadas gegruendet. Zu ihrer Bluetezeit waren
90 % ihrer Mitglieder Nichtkomnunisten, aber die meisten waren damit
einverstanden, den kommunistischen Fuehrern die Kontrolle ueber die
Gewerkschaft zu ueberlassen. Sie waren der Ueberzeugung, dass die
Ziele ihrer Gewerkschaft ehrlich und gesetzlich gerechtfertigt waren,
und ich glaube, dass sie diese Ueberzeugung beibehielten, bis sie mit
diesen Zielen in Konflikt gerieten. In diesem Augenblick brach die
Gewerkschaft zusammen.
Ich trat im Jahre 1945 der kanadischen Seeleutegewerkschaft bei.
Mehrere Monate war ich im Hafen von Montreal als Betriebsrat taetig.
Ich habe sowohl fuer die Partei als auch fuer die Gewerkschaft viel gearbeitet. Zum Kongress der Gewerkschaft im Jahre 1946 in Montreal
wurde ich als Delegierter entsandt.
Die Form, in der diese Tagung abgehalten wurde, entsprach der jeder anderen Konferenz der Gewerkschaft, der ich beiwohnte. Ich bin der
Ueberzeugung, da£s man ohne weiteres annehmen kann, dass seit der Gruendung
der Gewerkschaft durch die Partei jede Konferenz in gleicher ''eise verlief.
Offiziell wurden die Funktionaere fuer das naechste Jahr auf einer
Konferenz von etwa 80 Delegierten und Funktionaeren der Seeleutegewerkschaf gewaehlt. In '.'irklichkeit wurden sie auf einer Partei Versammlung
am Abend zuvor bestimmt. Die einzigen Mitglieder der kanadischen Seeleutegewerkschaft, die dieser Vorbesprechung beiwohnten, waren die 18
oder 20 Gewerkschaftsdelegierten oder -funktionaere, die Mitglieder der
kommunistischen Partei waren. Den Vorsitz dieser Versammlungen fuehrte
J.B. Salsberg, ein bekannter kommunistischer Politiker in Ontario, der
Mitglied des Politischen 3ueros der Partei und gleichzeitig der Leiter
des Referats fuer Gewerkschaftsfragen ist.
Salsberg ging die Kandidatenliste der Funktionaere der Seeleutegewerkschaft durch und gab seine Kommentare zur Arbeit eines jeden einzelnen
Kandidaten. Dann kuendigte er mit der Sicherheit eines Spielfuehrers,
der die Aufstellung seiner Mannschaft bekanntgibt, die neue Kandidatenliste an.
"Su. Ivan wird das Amt des Vorsitzenden weiterhin bekleiden," sagte
er. "Davis wird erster VizeVorsitzender, Cyril Hauptkassierer und Gerry
McManus Sekretaer sein."
Wir alle, die wir Schluesselstellungen bekleideten, waren natuerlich
Parteimitglieder. Einije Mitglieder des Exekutivausschusses, - Leute wie

- 11 -

�Theodore Roy und Eddie Reid - die nicht der Partei angehoerten, sich
aber innerhalb der Seeleutegewerkschaft der Partei nicht widersetzten,
wurden von Salsberg zur Neuernennung zugelassen.
Obwohl auf einen kommunistischen Delegierten vier nichtkommunistische kamen, wurden am naechsten Tag die von Salsberg vorgeschlagenen
Kandidaten auf den Kongress der kanadischen Seeleutegewerkschaft ohne
Zwischenfall gewaehlt. Salsberg nahm an dieser Konfereae natuerlich
nicht teil, weil er niemals Mitglied dieser Gewerkschaft gewesen ist.
Auf dein naechsten Kongress, oder besser gesagt, auf der naechsten
ParteiverSammlung, die Salsberg am Abend vor dem neuen Kongress einberufen hatte, wurde ich zum Hauptkassierer "gewaehlt". Von diesem Zeitpunkt an fuehrte ich zusammen mit Harry Davis die kanadische Seeleutegewerkschaft zur vollsten Zufriedenheit Salsbergs und der Partei.
In jedem der drei Jahre von 1946 bis 1948 trat die kanadische Seeleutegewerkschaft in den Streik. Ich schlage vor, nicht die Probleme
und Einzelheiten dieser Streiks hier zu eroertern. Nicht, dass ich
etwas verbergen moechte. Ich bin lediglich der Auffassung, dass die
Stellungnahme, die der Gewerkschaft von der Partei vorgeschrieben wurde,
richtig gewesen ist, und dass es vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus
vernuenftig und gerecht war, eine derartige Haltung einzunehmen.
Im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung waren die Gewalttaetigkeiten und Ausschreitungen, die den Streik auf den Grossen Seen von 1948
begleiteten, nicht von der Partei provoziert worden. Selbst jetzt, nach-,,
dem ich die Ereignisse von hocherer "..'arte aus uebersehe und von der
verpflichtenden Notwendigkeit befreit bin, mir selbst wieder und wieder
sagen zurauessen,dass die Partei immer recht hat, kann ich mich nicht
entsinnen, dass die Partei von mir verlangt hat, etwas zu tun, was ein
gewissenhafter Gewerkschuftsfunktionaer nicht getan haette.
Ich erkenne jetzt, dass der Streik im Jahre 1948 ein taktischer
Fehler war. Er spielte die Gewerkschaftsmitglieder genau Pat Sullivan
in die Haende, der aus der Partei und der kanadischen Seeleutegewerkschaft ausgetreten war, um die rivalisierende Seeleutegewerkschaft der
kanadischen Seen zu gruenden. Er staerkte die grossen Reeder, die den
Streik durch die Aussperrung der der kanadischen Seeleutegewerkschaft aiigehoerenden Mannschaften verursacht hatten. Zwar wurde die Gewerkschaft
von der uebrigen Gewerkschaftsbewegung noch stark unterstuetzt, und
Frank Hall musste eine grosse Fiederlage einstecken, als er zum erstenmal versuchte, die Organisation aus dem Kanadischen Gev&lt;erkschaftsbund
auszustossen; aber selbst die arglosesten nichtkommunistischen Gewerkschaftsführer begannen sich zu fragen, ob wir nicht allru "streiklustig"
waeren.
Alle diese Punkte koennten ins Unendliche fortgesetzt und behandelt
werden. '7enn ich darueber nicht argumentiere, so deshalb, weil ich hier
Tatsachen und keine Meinungen wiedergeben will, Tatsache ist, dass die
Partei den Streik anordnete und fuehrte. Als Hauptkassierer berichtete
ich taeglich Joe Salsberg ueber «He Entwicklungen des Streiks und nahm
seine Befehle entgegen. Im Anfangsstadium des Streiks verlegte ich meinen
Amtssitz von Montreal nach Toronto, um mit Salsberg in staendigem persoenlich^m Kontakt bleiben zu koennen.
Die kana iische Seeleutegewerkschaft var durch den Streik des Jahres
1948 schwer mitgenoi den, aber keinesfalls geschlagen, ürst der Streik von
1949 besiegelte ihren Untergan0, und sie verlor endgueltig die meisten
ihrer Mitglieder an die Internationale Seeleutegei.erkschaft. Sie v.urde
ausserdcu aus dem kanadischen Gewerkschafl.sbund ausgestossen.

- 12 -

�Ich moechte im Kinzelnen berichten, was ich ueber diesen Streik
weiss, denn es war der erste, bei dem selbst ich, der ich noch
immer ein treuer Parteianhaenger war, mied nur schwer davon ueberzeugen konnte, dass die Partei die Interessen des Landes im Auge
habe.
Ende 1948 begannen wir, ueber einen neuen Vertrag mit den Schifffahrtsgesellschaften zu verhandeln, die die Hochseehandelsflotte
Kanadas unter ihrer Kontrolle haben. Ein dreikoepfiger Vermittlungsausschuss unterbreitete im April 1949 einen Bericht. In ihm wurden
Zugestaendnisse beider Partner vorgeschlagen. Ich persoenlich sah
in diesem Vorschlag eine glueckliche Loesung, weil wir hoffen konnten,
mit ihm die schv/ierige Situation zu ueberwinden. Ich war dafuer, die
wesentlichen Vorschlaege in Bezug auf Loehne und Arbeitsbedingungen
anzunehmen und zu versuchen, auch weiterhin ueber die Frage der
Arbeitsvermittlungsbueros der Gewerkschaft zu verhandeln.
In diesem einzigen Falle war Salsberg nicht in der Lage, eine
klare Entscheidung zu treffen. Das war uebrigens nicht erstaunlich.
Die Hochseeschiffahrt ist international. Ein Streik der Hochseeschiffahrt, der von der kanadischen Seeleutegewerkschaft ausgerufen
werden waere, wuerde sich auf viele andere Laender auswirken. Die
kommunistische Partei Kanadas hielt es somit fuer bedenklich, eine
Entscheidung zu treffen, ohne die Partei in anderen Teilen der l'.'elt
um Rat gefragt zu haben. Aus diesem Grunde hatte sich Harry Davis ins
Ausland begeben. Salsberg befahl uns, die Konferenzen, wie geplant,
fortzusetzen, aber nicht zuzugeben, dass eine Entscheidung getroffen
wuerde, bevor Davis zurueckgekehrt sei.
'..'ir waren gerade in einer solchen Sitzung, als Davis zurueckkam. Er blickte freudestrahlend, er hatte an zwei wichtigen Konferenzen
in Europa teilgenommen; einer Sitzung des Exekutivausschusses des
kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbundes und an einer
Sondersitzung der Hafenarbeiterfraktion der kommunistischen Partei
Englands. Man hatte ihm fuer den Fall eines Streiks der kanadischen
Seeleutegewerkschaft die aktive Unterstuetzung fast jedes Hochseehafens in Europa zugesichert.
,r T

..ir koennen gegen die ganze Veit streiken," sagte Davis begeistert. Ich erhob mich. "Einen Augenblick," sagte ich. "Wie
steht es mit Kanada? 'u'enn wir erneut streiken, glaube ich nicht, dass
wir von allen bedeutenden Zweigen der kanadischen Gewerkschaftsbewegung unterstuetzt werden." Und ohne die Hilfe der kanadischen Gewerkschaftsbewegung hielt ich jede Unterstuetzung aus dem Ausland fuer
bedeutungslos.
Die Sitzung wurde vertagt, und v.ir erklaerten Joe Salsberg, dass
wir anderer Meinung seien. Salsberg bat Tim Bück in Toronto, zu uns
zu kommen. Am naechsten Tage fragten die kommunistischen lütglieder
des Vorstandes der kanadischen Seeleutegewerkschaft den hoechsten
Fuehrer der Partei um Rat.
Ich sprach mich noch Limer fuer eine friedliche Loesung aus.
Davis war sehr ueberzeugund. Immer v.'ieder versicherte er, dass wir
auf die Hilfe der Partei und der kommunistischen Gewerkschaften der
ganzen -..'elt zaehlen koennten. In England habe man ihm nicht nur
Hilfe zugesichert, sondern den Streik dringend gefordert. Seitdem
die Labour-Partei in England an der Macht war, erklaerte uns Davis
unablaessig, dass die britische Arbeiterbewegung keine kaempferischen
Fuehrer habe - mit anderen '..'orten, die konmunistische Partei Englands
hatte Schwierigkeiten, bei innerpclitischen Streitfragen die Arbeiter zum Streiken zu bewegen.

- 13 -

�Ein Streik an den Kuesten Grossbritanniens koennte die gejamte
britische Gewerkschaftsbewegung in Mitleidenschaft ziehen. Davis
brachte klar zum Ausdruck, dass die kommunistische Partei Englands
nicht die Absicht habe, sich an den fuer die- kanadischen Seeleute
entstehenden Unkosten zu beteiligen.
Die beiden Schiffe "Lady Rodneyn und "Lady Nelson" der kanadischen Nationalen Schiffahrtsgesellschaft befanden sich in Halifax.
Bück befahl uns, auf diesen beiden Schiffen streiken zu lassen, um
der Regierung zu zeigen, dass unser Streik gegen die Unternehmer gerichtet war.
Davis gab den Befehl zum Streik und wies gleichzeitig im Namen
der Gewerkschaft den Vorschlag des Verndttlungsausschusses rundweg ab.
Er ging damit weiter, als ihm die Partei erlaubt hatte, und 3uck und
Salsberg waren hierdurch offensichtlich beunruhigt. Sie befuerchteten,
dass ein Streik der Partei in Kanada schaden koennte und mussten
ausserdem damit rechnen, dass, wenn'kein Streik gefuehrt wuerde, das
Ansehen der kanadischen Partei im Ausland Schaden erlitt. Sie befahlen Davis, nach Ottawa zu gehen und zu versuchen, mit Arthur McNamara,
dem stellveit retenden Arbeitsminister und P^rcy Bengough, dem" Vorsitzenden des kanadischen Gewerkschaftsbundes zu verhandeln und eine
Beilegung der Streitigkeiten zu erwirken. Ich selbst ging mit ihm.
In der Hauptfrage, naemlich den Arbeitsvermitciungsbueros der Gewerkschaft, machten wir anfangs Fortschritte, '.,'ir arbeiteten eine
komplizierte Vergleichsforrael aus, die zufriedenstellend aussah. Einige Bestimmungen dieser Formel mussten von der Regierung genehmigt
werden. McNamara, ein tuechtiger Verhandlungspartner, der immer versuchen wird, eine Einigung zu erzielen, wenn er meint, dass dies im
Interesse der Oeffentlichkeit ist, erklaerte sich damit einverstanden,
seine Vorgesetzten ueber die bestehenden Probleme zu Rate zu ziehen.
Als er zurueckkam, machte er ein ernstes Gesicht. "Es ist zu spaet",
sagte er. "Die Reeder haben sich soeben mit der Internationalen Seeleutegewerkschaft geeinigt". Mir brachen die Verhandlungen ab. Davis
war ausser sich. "Ich sagte Ihnen schon, dass wir streiken muessen,"
erklaerte er. "Der Streik hat hiermit begonnen."
Davis telephonierte mit einer Presseagentur in Ottawa und kuendigte
an, dass die kanadische Seeleutegewerkschaft in den Streik treten wuerde.
Dann telephonierte er allen Vertretern der Gewerkschaft in den kanadischen Haefen und befahl ihnen, die Arbeiter von der Arbeit wegzurufen.
Er telegraphierte den Leuten, mit denen er auf der Konferenz des V.'eltgewerkschaftsbundes in Paris zusammengewesen war. Er hatte bereits
seinen Bruder, Jack Pope, (der eigentliche Familienname ist Popowit»ch)
ein Mitglied der kommunistischen Partei Englands, zum Delegierten der
kanadischen Seeleutegewerkschaft in London ernannt. Er telegraphierte
an Pope und befahl ihm, die Londoner Hafenarbeiter ueber die Lage in
Kanada zu unterrichten.
Uas sich hierauf ereignete, ist in der gesamten Oeffentlichkeit
bekannt. Als die Schiffe "Beaverbrae" und "Agramont" in London einliefen, befahl Pope den Mannschaften, die Arbeit niederzulegen. Gemaess
ihrem Davis gegebenen Versprechen veranlasste die Dockarbeiterfraktion
der kommunistischen Partei Englands Tausende britischer kommunistischer
und nichtkoramunistischer Hafenarbeiter, als Demonstration gegen die
"schwarzen" Schiffe aus Kanada zu streiken. Streiks und Befehlsverweigerung erschuetterten kurz, aber heftig die halbe Uelt.
Davis' Stern begann zu steigen. Er hatte den Streik ausgerufen,
ohne die Exekutive der Gewerkschaft um Rat gefragt oder um eine Abstim-

- 14 -

�mung der Gewerkschaftsmitglieder ersucht zu haben. Es hatte nicht
einaal einen offiziellen Streikaufruf gegeben. Dies haette eine
unverzeihliche Handlungsweise sein koennen. In Wirklichkeit wurde
sie zu einem Triumpf, als das offizielle Organ des Kominform und die
Bibel der kanadischen Kommunisten "Democracy und Lasting Peace"
(Demokratie und dauerhafter Frieden) den Streik als ein Beispiel
internationaler Solidaritaet der Arbeiterklasse verherrlichte. Dieser Streik fuehrte jedoch zum Zusammenbruch der kanadischen Seeleutegewerkschaft.
Heute ist diese Organisation ruiniert und von jedem mit Ausnahme
der kommunistischen Partei verachtet, und selbst die Partei weiss,
dass diese Gewerkschaft aufgehoert hat, zu bestehen. Aber es ist
nicht ihre Gewohnheit, Vergangenem nachzutrauern.
IIA.

Die kanadische Gewerkschaftsbewegung hat mit ihren Massnahmen im
Kampf gegen den Kommunismus den ersten Schritt getan. Es ist jedoch
nur ein Anfang. Da, wo es wirklich gilt, naemlich in den Ortsgewerkschaften, ist die Partei noch stark.
Waehrend der letzten Monate meiner Partelzugehoerigkeit hatte ich
die Aufgabe, Unterschriften fuer den Stockholmer Friedensappell zu
sammeln, in dem der Bann gegen die Atombombe ausgesprochen wurde. Eine
der Ortsgewerkschaften, in denen ich gearbeitet habe, ist der internationalen Eisenbahnergewerkschaft angeschlossen, die als erste den
Kampf gegen die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung aufgenommen hat. Diese Ortsgewerkschaft hat mehr als 150 Mitglieder, aber
nur acht hiervon sind im Besitz des kommunistischen Parteibuches. Ich
rief zwei der kommunistischen Mitglieder zu mir, gab ihnen Abschriften
des Aufrufes und erklaerte ihnen, dass die Partei eine lOOjSige Antwort
wuensche. Und sie erhielt diese Antwort. Dies ereignete sich, nicht
zu vergessen, in einer Gewerkschaft, deren hoechste Funktionaere unbeirrbare Antikommunisten sind.
Innerhalb dieser Gewerkschaft wurde der Kommunismus von vielen
Mitgliedern unmittelbar und nachhaltig unterstuetzt, die zwar Nichtkommunisten sind, aber immer noch auf ihre kommunistischen Betriebsraete
hoeren. Deshalb betone ich immer wieder, dass der Entscheidungskampf
der Gewerkschaften gegen den Kommunismus, naemlich der Kampf innerhalb
der Ortsgewerkschaften, noch gewonnen werden muss.
THE SEAMAN
XI-XII / 5 0

DIE BERICHTE DES INTERNATIONALEN ARBEITS-AMTES UEBER DEN GESUNDHEITSZUSTAND DER SEELEUTE ERFORDERN IN WEITEM MASSE BEACHTUNG.

Die gesundheitlichen und sozialen Bedingungen, unter denen die Seeleute noch immer leben muessen, wenn sie in allen Teilen der Welt von
Hafen zu Hafen fahren, bilden sowohl fuer die Seeleute selbst als auch
fuer die Hafenbevoelkerung eine staendige Bedrohung. Dies ist die
Quintessenz eines Berichtes, den der Generaldirektor des norwegischen
Gesundheitsdienstes, Dr. Karl Evang, veroeffentlichte.
Eine sofortige internationale Aktion unter der gemeinsamen Verantwortung der Weltgesundheits-Organisation und des Internationalen
Arbeitsamtes ist erforderlich, wenn allein das ernste Problem der Ansteckungsgefahr und ihre Vermeidung geregelt werden soll, wie Dr. Evang
in dem soeben erschienenen Monatsheft der Internationalen Arbeits-Revue
feststellt. Dr. Evang teilt hier mit, dass trotz aller seit 1920 gemachten Fortschritte, die durch die Annahme internationaler Verein-

- 15 -

�t

barungen, die die Verhaextnisse auf See regeln und die durch das IAA
vorgeschlagen und auch von den meisten an der Schiffahrt beteiligten
Kationen angenommen worden sind, eine ganze Anzahl Probleme ungeloest
bleiben, die dringend einer Regelung beduerfen. Kvang sagt hierzu
folgendes:
Fast jeder Hafen wird von Seeleuten besucht, die an Tuberkulose,
an einer milderen Fora der Blattern, an Geschlechtskrankheiten und
anderen Krankheiten leiden. Das Ziel eines internationalen Gesundheitsdienstes muss es sein, jede Infektionsgefahr fuer die Landbevoelkerung zu vermeiden.
Vom Standpunkt des Seemanns besteht die Notwendigkeit, sich ohne
Schwierigkeiten in den Krankenhaeusern behandeln zu lassen, wobei
faehige Aerzte Voraussetzung, aber auch sprachliche Verstaendigungsraoeglichkeiten gegeben sein rauessen. Viele Seeleute fallen mit ihren
gesundheitlichen Sorgen in die Haende skrupelloser Aerzte, die sich
Jedoch erfreulicherweise in der Minderheit befinden.
Zu den Gefahren, die den Seenann bedrohen, gehoert in erster Linie
der AlKohol. Der Seemann verbraucht an Bord weit weniger Alkohol als
viele Bevoelkerungskreise auf dem Festland, aber waehrend des Aufenthaltes in den Haefen wird eine ausserordentlich grosse Menge an
Alkohol konsumiert - der Alkoholgenuss konzentriert sich praktisch in
den Zeiten des Aufenthalts in den Hafenstaedten.
Die "EntnationalisierungM ist ein anderes Problem, das fuer den
Seemann typisch ist. Getrennt von 3einem Heim, wird er durch das Leben in langen Zeitabschnitten in eintoenigen und oft unruhigen Umgebungen fuer individualistische Einfluesterungen und Ueberzeugungen
gewonnen, die behaupten, dass der Seemann ein unerwuenschtes Individuum
sei. Die vorhandene Umgebung traegt dazu bei, dass er leicht Demagogen
in die Haende faellt.
Das Leben und die sozialen Bedingungen an Land sind ein weiterer
Punkt, der den Seemann ziemlich vernachlaessigt. Nur allzu oft findet
der Seemann keinerlei im gründe selbstverstaendliche Beouemlichkeiten
und Foerderungen, er ist praktisch von den Erholungsmoeglichkeiten und
jeder sportlichen Betaetigung ausgeschlossen.
Dr. Evang ist der Meinung, dass die Zeit gekommen ist, um ernsthaft an die Schaffung eines internationalen Gesundheitsdienstes fuer
Seeleute in allen wichtigen Hafenstaedten heranzugehen. Er schlaegt
drei Moeglichkeiten vor, um diese Gesundheitsfuersorge zu verwirklichen.
1.) Die Bruesseler Uebereinkunft aus dem Jahre 1924 wird auf die
Behandlung ansteckender Krankheiten ausgedehnt und beschraenkt sich nicht
wie bisher auf die Behandlung der Geschlechtskrankheiten. Das Bruesseler
Abkommen verpflichtete die unterzeichneten Staaten, in den Haefen kostenlose Behandlungsjaoeglichkeiten fuer Geschlechtskrankheiten zu schaffen,
sodass die daran leidenden Seeleute sich hier jederzeit behandeln lassen
koennen.
2.) Die Gruendung internationaler medizinischer Ambulatorien durch
Zusammenarbeit zwischen den Hegierungen der schiffahrttreiuenden Laender,
wobei IAA und '..'GO das Protektorat uebexnehmen.
3.) Durch die Gruendung internationaler medizinischer Ambulatorien
durch die Zusammenarbeit zwischen den Schiffahrtinteressenten in den verschiedenen an der Seeschiffahrt beteiligten Laender.
Dr. Evang gibt dem zweiten Vorschlag den Vorzug, weil dieser eine gewisse Form der Selbsthilfe bedeutet, die immer die beste und zweckmaessigste Loesungsform ist.
IAA Nachrichten
IS. 7/
1.2.51
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" 'ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 7

Frankfurt, den 16. Februar 1951

INHALTSVERZEICHNIS
Bauexperten des IAA suchen Ifoeglichkeiten zur
Einschraenkung saisonbedingter Arbeitslosigkeit .... 1
Die Bedeutung des Uarshallplans fuer den franzoesischen
Arbeiter

2

Die vietnamesische Gewerkschaftsbewegung

7

Was ist Produktivitaet?

11

Gute Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen
Gewerkschaften und der ECA

14

BAUEIFERTEN DES I AA SUCHEN MÖGLICHKEITEN ZUR EINSCHRAENKUNG SAISONBEDINGTER ARBEITSLOSIGKEIT

12.
ein
der
der

Den IAA-Au3schus3 fuer Bauwesen und oeffentliche Arbeiten, der vom
- 23. Februar zu seiner dritten Sitzung in Genf zusammentritt, wird
Programm unterbreitet werden, das Massnahmen der Bauindustrie und
Regierungen zur Reduzierung der saisonbedingten Arbeitslosigkeit in
Bauwirtschaft vorsieht.

Der Bericht des Internationalen Arbeits-Amtes, der diese Vorschlaege
enthaelt und die Ueberschrift "Saisonbedingte Arbeitslosigkeit in der
Bauwirtschaft" traegt, wurde von dem Generaldirektor des Internationalen

- 1 -

�Arbeits-Amtes David A. Morse vor kurzem veroeffentlicht.
Dieser Bericht wird von Regierungs-, Unternehmer- und Arbeitnehmervertretern aus 22 verschiedenen Laendern, die in dem Ausschuss vertreten
sind, eroertert «erden.
Die saisonbedingte Arbeitslosigkeit ist, dem internationalen ArbeitsAmt zufolge, die eine den Vereinten Nationen angeschlossene Fachbehoerde
ist, durch die folgenden Hauptfaktoren bedingt:
Klima Clange Frostperioden in den Wintermonaten)

MJ
Soziale Gepflogenheiten (.der Hoehepunkt der Bautaetigkeit faellt in
einigen Laendern mit einem gewohnheitsmaessig festgelegten Kündigungstermin zusammen; traditionelle Ansichten in Bezug auf die guenstigste
Zeit zum Bauen.)
Baukosten (.groessere Schwierigkeiten bei winterlichem Wetter, geringere i,eistungsfaehigkeit der Arbeitskraeftej
Allgemeiner Beschaeftigungsstand (.wenn die wirtschaftliche Aussichten unguenstig sind, besteht die Tendenz, die fuer das Bauen
guenstigste Zeit abzuwarten;
industrielle Organisation (wenn kleine Unternehmen in einer Industrie dominieren, bestehen weniger Aussichten, mit anderen Schwierigkeiten fertigzuwerden)
Das Internationale Arbeits-Amt wird dem Ausschus» folgende Massnahmen zur Bekaempfung dieser Schwierigkeiten zur Eroerterung vorschlagen:
Bessere Kenntnis jener Baumethoden, die die Wirkung niedriger
Temperaturen herabmindern.
Steigern der Produktionsleistung, Senkung der Materialpreise und
regierungsseitige Unterstuetzung fuer im Winter durchgeführte Bauprojekte .
Regulierung der privaten Nachfrage durch Anregung zur ganzjaehrlgen
Bautaetigkeit und durch weitere bewilligte Kuendigungsdaten.
Schaffung ausgleichender Beschaeftigungsmoeglichkeiten durch
Projekte fuer oeffentliche Arbeiten und Beschaeftigungsmoeglichkeiten
ausserhalb der Bauindustrie.
Unterweisung der Arbeitsvermittlungsaemter in der Anwendung dieser
Massnahmen und Schaffung besonderer Arbeitsveraittlungsaemter fuer die
Bauindustrie.
ILO News Service
II/1/51

DIE BEDEUTUNG DES MARSHALL-PLANS FUER DEN FRANZüESISCHEN ARBEITER
T

i dem folgenden Artikel, der -as der Pariser Tageszeitung "L'AUBE"
uebersetzt ist, werden viele Fragen beantwortet, die meistens von Leuten
gestellt werden, die dem Marshall-Plan feindlich gegenüberstehen. Es
wird in breiter Ausführlichkeit erklaert, in welcher Form der Durchsciinittsarbeiter Frankreichs aus der ECA-Hilfe Nutzen gezogen hat.

- 2 -

�Waehrend die ECA selbst haeufig versucht hat, das franzoesische Volk
mit diesen Fragen vertraut zu machen, besteht die besondere Bedeutung
dieses Artikels darin, dass er von einem Franzosen geschrieben und in
einer einflussreichen franzoesischen Tageszeitung veroeffentlicht wurde.
"L'AUBE" ist das offizielle Organ der Christlich-Demokratischen
Partei (MR£ - llouvement Republicain Populaire), die die dominierende
politische Gruppe in der gegenwaertigen franzoesischen Koalitionsregierung darstellt.
Kommt der Marshall-Plan dem Durchschnittsfranzosen in irgendeiner
Weise zugute?
Stellen die Maschinen- und Rohstofflieferungen im Rahmen des MarshallPlans nicht, wie die Kommunisten behaupten, eine Konkurrenz fuer den
franzoesischen Arbeiter dar, und verursachen sie nicht Arbeitslosigkeit
in den "marshallisierten" Laendern?
Aus welchem Grunde sollten die Amerikaner den Franzosen gegenueber
grosszuegig sein, die sie niemals gesehen haben und nur kennen, weil sie
zweimal an ihrer Seite einen Krieg gefuehrt haben?
Diese Fragen sollen hier beantwortet werden.
Eine grosse Zahl der franzoesischen Industrien ist mehr oder weniger
darauf angewiesen, durch den Marshall-Plan mit den erforderlichen Rohstoffen, wie Chemikalien, Metallen und textilen Rohstoffen, versorgt zu
werden•
Tagtaeglich erhaelt Frankreich fuer den Ausbau seiner Fabriken
Maschinen und andere Industrieerzeugnisse im Werte von ueber 500 Millionen
Franken. (1000 Franken - 8,34 EM)

Wieviele unserer Raffinerien waeren i n Betrieb, und wieviel der
29.000 Facharbeiter dieser Industrie haetten Arbeit, wenn durch den
Marshall-Plan nicht ueber 7556 des Petroleumbedarfs Frankreichs gedeckt
wuerde?
Dutzende zweitrangiger Industriezweige sind ebenfalls von dem
Marshall-Plan abhaengig, der ueber 6055 des franzoesischen Kupferbedarfs
deckt, der fast alle nach Frankreich importierten Spinnstoffe, wie Hanf,
Manila-Faser und Sisalhanf lieferte, 95$ des benoetigten Rohboraxes
und 70/5 der fuer die Neueinrichtung der Flachsindustrie notwendigen
Maschinen zur Verfuegung stellte.
So eindrucksvoll diese Zahlen auch sind, so verbergen sie doch nicht
die Tatsache, dass die Marshall-Hilfe nur einen Teil der Gesarataufwendungen Frankreichs fuer seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau darstellt.
Der Plan hat es diesem Land ermoeglicht, seinen Bedarf in der Dollarzone zu decken, auf den es in der Zeit seines Wiederaufbaus stark angewiesen gewesen ist.
Diese Bemuehungen waren erfolgreich. Frankreich ist heute wohlhabender, als viele seiner Buerger wissen.
Frankreichs Importe aus der Dollarzone werden vom Staat vorfinanziert,
wodurch viele Probleme umgangen werden konnten, die die schon bestehenden
Schwierigkeiten noch vergroessert haetten.
Ohne die amerikanische Baumwolle haette die franzoesische Textilindustrie laengst lahm gelegen. Damit haetten auch Weber und Schneider
unter dem Mangel an Textilien zu leiden gehalSt, und die Geschaefte haetten

- 3-

�ihren Kunden nur eine kleine Auswahl an Stoffen bieten koennen.
602.000 franzoesische Arbeiter sind in der Textilindustrie beschaeftigt und 356.000 in der Fertigkleidungsindustrie. 80$ der Baumwolle, die sie verarbeiten, sind durch den Marshall-Plan geliefert
worden.
Ohne amerikanisches Benzin waere das Transportwesen Frankreichs
stark eingeschraenkt worden. Dies haette sich auch auf die Preise
stark ausgewirkt.
Mit anderen Worten, wenn die wesentlichen, durch den MarshallPlan gelieferten Rohstoffe gefehlt haetten, waeren die Auswirkungen
dieses Mangels vielfaeltige gewesen. Mangel an Rohstoffen in einem
Industriezweig zieht zwangslaeufig Beeintraechtigungen in allen anderen Industrieen nach sich.
Im allgemeinen waere Frankreich ohne den Marshall-Plan sicherlich
weniger wohlhabend geworden und waere auf dem Weg zum Wiederaufbau
weit weniger schnell vorangekommen.
Gewisse Kritiker am Marshall-Plan, besonders diejenigen, die ihre
Augen nach Moskau gerichtet haben, behaupten, dass der Plan eine Ursache der Arbeitslosigkeit sei, weil unter ihm Waren nach Frankreich
importiert wuerden, die in Frankreich selbst hergestellt werden koennten
und muessten. Die Wahrheit ist, dass selbst kleinste Mengen irgendeiner Ware nicht importiert wird, wenn die franzoesische Regierung nicht
ausdruecklich darum gebeten hat.
Die Marshall-Plan-Behoerden halten sich an den einfachen Grundsatz, dass eine Ware, die es in Frankreich oder sonstwo in Westeuropa
gibt, besser dort als in Amerika gekauft werden muss.
Extremisten des linken Fluegels haben amerikanische Traktoren als
ein Standardbeispiel fuer die erwaehnte Behauptung bezeichnet. Sie
behaupteten, die amerikanischen Traktoren, die in angeblich zu grosser
Zahl in Amerika hergestellt wuerden, waeren nur deshalb nach Europa
geschickt worden, um damit den franzoesischen Traktorenmarkt zu ueberschwe»men und ein amerikanisches Monopol zu errichten.
Die Tatsachen sind ganz anders. Traktoren waren in der Tat ein
wesentlicher Faktor fuer den Wiederaufbau unserer Landwirtschaft; sie
konnten aber waehrend der ersten Phase der Marshall-Hilfe von franzoesischen Herstellern nicht in genuegender Menge produziert werden, um den
dringendsten Bedarf decken koennen.
Die Situation aenderte sich jedoch, sobald unsere Industrie mit Hilfe
der Werkzeugmaschinenimporte im Rahmen des Marshall-Plans in der Lage war,
Traktoren in ausreichender Menge selbst herzustellen. Von dieser Zeit an
beschraenkte sich die amerikanische Hilfe fuer Frankreich auf diesem
Gebiet auf eine Lieferung, die nur eine geringe Anzahl bestimmter Modelle
enthielt.
Anlaesslich der Fertigstellung des ersten Traktors in den CIMAWerken kamen vor kurzem franzoesische und amerikanische Techniker in
Saint-Didiers zusammen. Dank einer Zuwendung von ECA-Geldern in Hoehe
von 4.600.000 Dollar (1.610.000.000 Francs) werden die CIMA-Werke in der
Lage sein, in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Unternehmen, der
"International Harvester Corporation", ein modernes und volkstuemliches
Traktorenmodell namens "Farmall" herzustellen. Nach Beendigung der Anlaufzeit werden alle Einzelteile dieses Traktors in Frankreich produziert
werden.

-4-

�Wir koennten andere Beispiele anfuehren, um zu beweisen, dass
bestimmte Produkte in dem Augenblick nicht mehr nach Frankreich geliefert werden, in dem sie in Frankreich in ausreichender Menge hergestellt werden koennen.
Wir koennten noch zahlreiche andere Beispiele anfuehren, um zu
beweisen, dass die Einfuhrgenehmigungen des Marshall-Planes fuer ein
bestimmtes Produkt in dem Augenblick aufgehoben werden, in dem
franzoesische Erzeuger selbst in der Lage sind, dieses Produkt in
ausreichenden Mengen herzustellen* Zu diesen Produkten gehoeren
auch Erdnuesse. Waehrend der ersten Phase des Marshall-Planes, als
in Frankreich das Speiseoel streng bewirtschaftet war, hat Amerika
durch die Lieferung von Erdnuessen diesem Mangel abgeholfen.
Die gelieferten Mengen an amerikanischen Erdnuessen entsprachen
etwa 5Q% der in den franzoesischen Ueberseegebieten geernteten Nuessen,
wo die Vorkriegsproduktion jedoch noch nicht erreicht war. Die
Rationierung fuer Salatoel konnte bald aufgehoben werden.
Seit der Ernte 1949/1950 ist der Bedarf Frankreichs an Erdnuessen
mehr oder weniger gedeckt, und wir brauchen sie nicht mehr aus der
Dollar-Zone einzufuehren. Die Marshallplanlieferungen sind deshalb
eingestellt worden.
Die Europa zur Verfuegung gestellten Marshallhilfamittel belaufen
sich zurzeit auf annaehernd 10 Milliarden Dollar. Frankreich hat mehr
als 1/5 dieses Betrages erhalten. Sein Anteil betrug 2,055,043,000
Dollar, das sind 719.265.000.000 Franken nach dem gegenwaertigen Umwechslungskurs.
Das bedeutet, dass das amerikanische Volk ab 3. April 1948 2£ Jahre
lang der franzoesischen Nation alle 15 Minuten Waren im Werte von 10
Millionen Franken geschenkt hat.
In diesem Betrag ist nicht die sogenannte "Gegenwerthilfe" enthalten. Die franzoesische Regierung verkauft die Waren, die sie aus
den Vereinigten Staaten erhaelt, an den fransoesischen Verbraucher und
die Franken, die ihr dafuer gezahlt werden, werden in einen Sonderfonds
deponiert. Dieser Fonds wird meist fuer die Finanzierung des Wiederaufbaus und bestimmter Modernisierungsprogramme verwendet, d.h. fuer
den Rauf franzoesischer Waren in Frankreich. Bis jetzt hat die franzoesische Regierung aus diesem Fonds 574 Milliarden Franken zur Beschleunigung des Wiederaufbaues in den wichtigsten Sektoren der franzoesischen Wirtschaft aufgewendet.
Wer weiss, wieviel Bergwerke in Betrieb waeren, und wieviel der
314.000 Bergarbeiter Arbeit haetten, wenn "Charbonnages de France",
die franzoesische verstaatlichte Bergbauindustrie, aus Gegenwertmitteln
nicht 94 Milliarden Franken erhalten haette?
Wieviel der 815.000 Arbeiter der Bauindustrie waeren arbeitslos,
wenn diese Industrie nicht 29 Milliarden Franken erhalten haette und fuer
den Wiederaufbau zusaetzliche 41 Milliarden zur Verfuegung gestellt
worden waeren?
Die SNCF (Nationale Franzoesische Eisenbahngesellschaft) ist mit
etwa 40 Milliarden Franken aus Gegenwertmitteln unterstuetzt worden, was
fuer unsere Eisenbahnen und die von ihnen abhaengigen 459.000 Arbeitnehmer
eine grosse Hilfe darstellt.
Um den Wiederaufbau der franzoesischen Handelsflotte zu foerdern,
sind aus Gegenwertfondsraitteln 15 Milliarden Franken gewaehrt worden.

- 5-

�Viele franzoesische Haefen verdanken ihren 'Wiederaufbau und
ihren Aufschwung teilweise den Marshallplan-Importen, die in,einigen
Faellen kO - 50$ der gesamten in diesen Haefen vorgenommenen Ausladungen ausmachen. Es gibt ausserdem noch andere Fromen der Marshallplanhilfe, wie z.B. die europaeische Zahlungsunion (EPü).
Im Verlauf der letzten 31 Monate sind Frankreich damit durch den
Marshallplan in jeder Minute eine Millionen Franken zugutegekommen.
Der Durchschnittsfranzose konnte nicht immer feststellen, dass
diese Riesengeldsunmen fuer seine eigene Person von*Belang sind.
"Niemand hat mir etwas gegeben", koennte er sagen; "ich habe vom
Marshall-Plan gehoert, aber mir ist damit in keiner VJeise geholfen
worden."
Nehmen wir Pierre als Beispiel, der zwanzig Jahre alt ist und als
Lehrling in einer Schneiderei in Paris arbeitet. Er weiss nicht, dass
im Rahmen des Marshall-Planes taeglich Baumwolle im YJerte von 10
Milliarden Francs nach Frankreich geliefert wird; das sind 80% des
Gesamtbedarfs Frankreichs. Vielleicht weiss er auch nicht, dass ein
grosser Teil dieser Baumwolle in den Textilien enthalten ist, die er
verarbeitet. Er ist sich auch nicht im klaren darueber, dass ihm ohne
den Marshall-Plan nur sehr wenig Material zur Verfuegung staende, und
dass deshalb nur sehr wenig Schneiderlehrlinge gebraucht wuerden.
Paul ist 41 Jahre alt und arbeitet als Buchhalter in einer Raffinerie
in der Naehe von Marseilles. Er weiss vielleicht nicht, dass der MarshallPlan Frankreich tagtaeglich mit Rohoel im Werte von ueber 10 Millionen
Francs versorgt. Er weiss auch nicht, dass ohne dieses Oel schwere
Einsehraenkungen auf der Raffinierindustrie lasten wuerden und ein Teil
des Personals wahrscheinlich entlassen werden muesste.
Jacques ist 28 Jahre alt und als Bergmann im Bergwerk von Oignies
im Departement Pas-de-Calais beschaeftigt. Er niuimt sich vielleicht
nicht die Zeit, darueber nachzudenken, dass durch den Marshall-Plan
monatlich ueber zwei Milliarden Franken zur Modernisierung und
Mechanisierung der franzoesischen Bergwerke verwendet werden. VJenn
er nachdenken wuerde, muesste er sich 3agen, dass das Bergwerk von
Oignies ohne diese Hilfe wahrscheinlich nicht modernisiert worden waere,
und er und viele seiner Arbeitskameraden deshalb arbeitslos waeren.
Der 35-jaehrige Henri mischt Beton beim Bau eines Staudamms im
Departement Ariege. Er weiss nicht, dass Frankreich im Rahmen des
Marshall-Planes woechentlich fast eine Milliarde Franken zur Finanzierung von Projekten erhaelt, die die Stromerzeugung Frankreichs
steigern sollen, und dass der Damm, an dem er arbeitet, ohne diese Geldmittel heute vielleicht noch auf dem Papier stuende.
Jean, 22 Jahre alt, ist Monteur in den Renault-Yferken, heute eines
der erfolgreichsten Unternehmen Frankreichs. Eine grosse Zahl neuer,
fuer die Fertigung benoetigter Maschinen wurden mit Hilfe des MarshallPlanes importiert. Sie kosten 185 Millionen Franken und ermoeglichen
es der Fabrik, bessere Automobile zu guenstigeren Preisen herzustellen
und damit die Lebenshaltung ihrer Arbeitnehmer zu verbessern.
Diese Liste koennte durch weitere Beispiele auf fast allen franzoesischen Industriezweigen, vom Schiffsbau bis zur Herstellung von
Streptomycin, erweitert werden.
T

.'Iie ist es moeglich, -dass sich das amerikanische Volk bereiterklaert hat, sich in solche-u Ausraass am Yttederaufbau Frankreichs zu
beteiligen?

-6-

�Haben die Amerikaner die Absicht, wie die Kommunisten behaupten,
Frankreich den Vereinigten Staaten voellig «u unterwerfen? N«in,
eine derartige Unterstellung ist geradezu laecherlich, denn die Amerikaner haben in jahrhundertelanger Freundschaft in Frankreich einen
Freund und Verbuendeten gesehen, der die Vereinigten Staaten in gewissen schwierigen Zeiten seiner Geschichte un,erstuetzt hat. Sie
wuenschen nun, dass Frankreich ihr wohlhabender und unabhängiger Verbuendever im Kampf um den Frieden und den Wiederaufbau in der Welt
wird.
V.'uenschen die Amerikaner, ueberfluessige Erzeugnisse Amerikas
loszuschlagen? Nein, denn die Arbeitsweise des Marshall-Planes ist
eine Garantie dafuer, dass die amerikanische Regierung nur dieT,,'aren
liefert, die Frankreich anfordert. Es ist zu beachten, dass keine
Klauseln oder Lintschliessungen, die den Absatz ueberfluessiger Varen
ermoeglicht haetten, jemals in das Gesetz aufgenommen wurden, das die
Verwaltung des Marshall-Plans regelt, obwohl im Kongress derartige Gesetzesvorlagen eingebracht wurden, die sich insbesondere auf die ueberfluessige landwirtschaftliche Erzeugung bezogen.
Soll Frankreich gegen die Kommunistische Bedrohung unterstuetzt
werden?
Indirekt ja.
Das Hauptziel des Marshall-Plans ist die Schaffung einer gesunden
Wirtschaft in Frankreich und dem uebrigen Westeuropa als Garantie fuer
einen dauerhaften Erieden. Die Bevoelkerung eines Landes, das in Wohlstand lebt, fuehlt sich nur selten gezv.ungen, sich in eine Revolution
zu stuerzen.
Sowjetrussland und die Laender Osteuropas sind eingeladen worden,
sich an diesem Programm zu beteiligen. Sie weigerten sich. Man kann
mit gutem Grund annehmen, dass einige der Satellitenstaaten gern mit
"Ja" geantwortet haetten.
Liegen dem Marshall-Plan denn nur Motive der Menschenliebe seitens
eines Landes zugunsten eines anderen zugrunde? Diese Frage kann zu
einem grossen Teil bejaht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben
die Vereinigten Staaten ihren egoistischen Isolationismus aufgegeben.
Sie erkannten, dass Europa ohne ihre Hilfe mehrere Jahrzehnte gebraucht
haette, um sich von den Folgen der sechs Jahre des Krieges und der Besetzung zu erholen. Ohne Frieden und 'Johlstand in Europa konnte es
auch keinen Frieden und keinen 'Johlstand in der 'Jelt geben.
Armut und Unzufriedenheit in Europa haetten sich unvermeidbar auf
die Wirtschaft und das Wohlergehen der Vereinigten Staaten schaedigend
ausgewirkt. Deshalb haben die Vereinigten Staaten in ihrem eigenen
Interesse das Europaeische "Jiederaufbauprogramm aufgestellt. Aus
diesem Gedanken heraus ist der Marshall-Plan entstanden.
ECA Labor Information
1/26/50

DIE VIETNAMESISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
In Vietnam, dem einzigen Land in Indochina mit einer groesseren Gewerkschaftsorganisation, befinden sich drei verschiedene Gewerkschaftsbewegungen. Zwei dieser Organisationen trifft man in den Gebieten, die
unter der Kontrolle der Regierung Bao Dais stehen. Die groessere setzt
sich aus verschiedenen nichtkommunisoischen Gewerkschaften zusammen, die

-7-

�von fran oesischen Arbeitern gegruendet wurden und in allgemeinen
europaeischen Gewerkschaftsverbaenden angeschlossen sind. Die
kleinere Gruppe besteht aus den chinesischen Gilden und den Vereinigungen zur gegenseitigen Unterstuetzung, die in einigen Faellen
gewerkschaftliche Merkmale tragen. Die dritte Bewegung, die von
den Kommunisten in den von der Itebellenregierung Ho beherrschten
Gebieten Vietnams organisiert und geleitet wird, beansprucht fuer
sich eine weit groessere Mitgliedzahl als jede der anderen Bewegungen. Es sind jedoch keine zuverlaessigen statistischen Angaben
vorhanden, die diese Behauptungen bestaetigen oder widerlegen
koennten.
Obwohl 3eit linde des zweiten Weltkrieges die franzoesischen
Arbeiter in Indochina als franzoesische Buerger von ihrem Hecht
Gebrauch machten, sich in Gewerkschaften zusammenzuschliessen, ist
bis jetzt noch keine Gesetzgebung geschaffen worden, die dieses
Hecht auch den indochinesischen Arbeitern zugestanden haette. Ein
Erlass ueber Vereinigungsfreiheit, der im Jahre 1945 unter der
japanischen Besatzung herausgegeben wurde, hat niej^als die Anerkennung des jetzigen Regimes gefunden, und ist im August 1950 widerrufen worden. Das Arbeitsgesetz von 1947 fuer Indochina, in dem die
Bildung von Gewerkschaften vorgesehen war, ist von dem franzoesischen
Hohen Kommissar von Indochina nicht verkuendet worden. Auf einer
Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes im Juni 1950 in Genf,
stellte der Delegierte der Vietnam-Regierung fest, dass die Vereinigungsfreiheit praktisch bereits anerkannt ist, und dass seine
Regierung beabsichtigt, gewerkschaftliche Betaetigungen durch Massnahmen zu schuetzen, die auf internationalen Vereinbarungen beruhen.
Dui'ch die Verordnung Nr. 10 vom August 1950 wurde die Vereinigungsfreiheit jedoch eingeschraenkt. In dieser Verordnung wurde
bestimmt, dass keine Vereinigung oder Gewerkschaft ohne die Genehmigung des Innenministeriums oder der oertlichen Regierungsbehoerden bestehen duerfe, und dass diese Genehmigung ohne Angabe von
Gruenden verweigert werden kann.
Die Gewerkschaften in den Gebieten, die unter der Kontrolle Bao
Dais stehen, sind im allgemeinen dem franzoesischen Gewerkschaftsbund
CGT-Force üuvriere, dem franzoesischen Bund Christlicher Arbeiter
(CPDC), der Internationalen Foederation Christlicher Gewerkschaften
(CI3C)' oder der franzoesischen von Kommunisten gefuehrten allgemeinen
Arbeiterfoederation (CGT) angeschlossen. Die Gewerkschaften, die der
CGT-FO und den christlichen Gewerkschaften angehoeren, sind offiziell
voll anerkannt und behandeln Lohnprobleme und Arbeitsgesetzgebung in
enger Zusammenarbeit mit dem Amt fuer Arbeit.
Die der CGT angeschlossenen Organisationen arbeiten dagegen im
geheimen, weil sie mit Viet Minh sympathisieren.
Funktionaere der CGT-FO in Indochina haben am 27. Juni 1948 einen
nach Bezirken eingeteilten Gewerkschaftsbund gegruendet. Diese
Organisation setzt sich zusammen aus der Beamtengewerkschaft in Indochina, der Berufsvereinigung der franzoesischen Handelsangestellten
in Cochinchina, der Gewerkschaft der Angestellten der Luftfahrtgesellschaft "Air France", der Gewerkschaft des Personals des Arsenals
in Saigon und der Gewerkschaft der Offiziere der Handelsmarine in
Indochina. Die Indochinesische CGT-FO hat am 1. August 1948 ihre
Zentrale formell in Saigon eroeffnet.
Die erste Organisierungsnassnahme galt vor allem den Arbeitnehmern
der Eisenbahnen, die Regierungseigentum sind. Die Organisatoren geben
an, dass die Beamtengewerkschaft in Indochina, zu der offensichtlich

- 8 -

�auch die Eisenbahnangestellten zaehlen, im Juni 1948 2.100 Mitglieder, einschliesslich Europaeer und Chinesen, hatte. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften der CGT-FO wurde zu Ende des Jahres
1949 vom Amt fuer Arbeit mit rund 4.800 beziffert. Hierzu gehoerten 3.500 Europaeer, 1.000 Chinesen der 3eamtengewerkschaft
und 300 franzoesische Arbeitnehmer der privaten Industrie und des
Handels, die zugleich Mitglieder der 3erufsgruppe franzoesischer
Handelsangestellten in Cochinchina sind.
Die christliche Gevurkschaftsbewegung hat zwei Gruppen
organisiert. Die groessere der beiden ist der CFTC angeschlossen
und zaehlt 4.000 Indochinesen und 1.600 franzoesische Beamte. Die
andere Gruppe gehoert direkt dem CISC an und erklaerte im August
1950, dass sie etwa 3.000 Asiaten, einschliesslich Vietnamesen,
Chinesen und Inder aus Handel, Industrie, den freien Berufen und der
Landwirtschaft organisiert habe.
Der indochinesische Zweig der von Kommunisten gefuehrten CGT,
der im Oktober 1945 auf einem Kongress in Hanoi gebildet wurde, ist
von zvrei Gruppen organisiert worden: den Franzosen, die mit den
Kommunisten sympathisieren und fru=her Mitglied der CGT in Frankreich
und Angehoerige der linksorientierten Widerstandsbewegung waren, und
den Indochinesen, die frueher irgendwelchen Kontakt mit der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung hatten. Die CGT konnte jedoch nur
wenige hundert Mitglieder fuer sich gewinnen. Auf dem zweiten Kongress
der CGT, der im Juni 1946 in Hanoi stattfand, kam die Organisation
unter die Kontrolle der sogenannten "Arbeitervereinigung fuer die
nationale Befreiung" und vereinigte sich mit der neugegruendeten Gewerkschaf tsbewegung Viet Minhs. In den unter franzoesischer Kontrolle
stehenden Bezirken des suedlichen Vietnam, besonders in der Gegend
Saigon-Cholon, hat die CGT einige Gruppen organisiert, die in ihrem
Aufbau der franzoesischen Ursprungsgewerkschaft angeglichen sind.
Diese Gruppen arbeiten mit der Gewerkschaftsbewegung des Viet Minh eng
zusammen, besonders wenn es sich darum handelt, Streiks auszurufen
oder Sabotageakte zu begehen. Die Mitgliederzahl der CGT in Indc—
cliina wurde vom Amt fuer Arbeit gegen Ende des Jahres 1949 auf 400
geschaetzt.
Die Bemuehungen der CGT, in gleicher Form wie die CGT-FO und die
christlichen Gewerkschaften anerkannt zu werden, schlugen im Maerz
1949 fehl. Ihr Gesuch um Zulassung zum Lohnaussc!uss des Amtes fuer
Arbeit wurde abgelehnt.
Die unabhaengigen Gewerkschaften in Vietnam sind die Vereinigung
der franzoesischen Handels- und Industrieangestellten in Cochinchina
mit 1.600 Mitgliedern, die Gesellschaft fuer gegenseitige Unterstützung der Cochinchinesischen Arbeitnehmer des Handels und der
Industrie mit 250 Mitgliedern und die beiden Organisationen, deren
Mitgliederzahlen nicht bekannt sind, - naemlich die Arbeitnehmer des
Handels, der Industrie, der Landwirtschaft und der freien Berufe und
eine Gewerkschaft der Schriftsteller und Journalisten des suedlichen
Vietnam. Die Gewerkschaft der Arbeitnehmer des Handels, der Industrie,
der Landwirtschaft und der Angehoerigen freier Berufe wurde offiziell
im Jahre 1950 anerkannt, als ein Mitglied ihres Vorstandes zum
Arbeiterdelegierten fuer die Konferenz des IAA in Genf gewaehlt und
von der Regierung eingeladen wurde, die Interessen der Arbeiter im
Amt fuer Arbeit zu vertreten.
Heiter wird von einer beachtlichen gewerkschaftlichen Taetigkeit
unter den Chinesen-berichtet, Fachleute sind der Meinung, dass vor
dem zweiten '.'eltkrieg 70 derartige Gewerkschaften bestanden. Die
meisten davon waren auf den Bezirk Saigon-Cholon konzentriert. Aus

- 9-

�den Berichten geht hervor, dass seit 1948 kommunistische Agenten in
diese Gewerkschaften eingedrungen sindj diese Tatsachen bereiten den
franzoesischen Behoerden einige Sorgen. Es ist seit jener Zeit nur
wenig ueber diese Gewerkschaften bekannt geworden, weil sie seitdem
im geheimen taetig gewesen sind.
Der unmittelbare Vorlaeufer der jetzigen Gewerkschaftsbewegung
des Viet u-inh war die Arbeitervereinigung fuer die nationale Befreiung
des Vietnam. Sie wurde im Jahre 1941 als der gewerkschaftliche Zweig
der Viet Minh-Liga fuer die Unabhängigkeit des Vietnam - eine linksgerichtete anti-japanische Widerstandsgruppe - gegruendet und trug vorwiegend politische und nationalistische Merkmale. Ihre Mitgliedschaft
setzte sich nicht nur aus Arbeitern, sondern auch aus Unternehmern und
anderen Einzelpersonen zusammen, die die vietnamesische Unabhaengigkeit beguenstigten.
Sobald nach der japanischen Kapitulation die Republik Vietnam
verkuendet war, beschloss diese Arbeitervereinigung, ihre Gewerkschaftsbewegung in aller Öffentlichkeit zu proklamieren und sie ueber das
ganze Land auszudehnen. Dies sollte im Rahmen des Gesetzes ueber die
Vereinigungsfreiheit in Gewerkschaften geschehen, das waehrend der
japanischen Besatzung am 5« Juli 1945 erlassen wurde. Das Gesetz sah
vor, dass Personen, die gleiche Taetigkeiten verrichten, solche in
kommerziellen Unternehmen, die verwandte Erzeugnisse herstellen, und
die freiberuflich Taetigen sich ohne besondere Genehmigung der Regierung
in oertlichen Gewerkschaften zusaramenschliessen duerfen, v;enn ihre
Fuehrer sich zu einem loyalen Verhalten verpflichten und sich an bestimmte Vorschriften der Regierung halten - z.B. in Bezug auf ihre
Satzungen und die Aufstellung einer Mitgliederliste. Diesen Gewerkschaften wurde ein juristischer Status und das Recht zuerkannt, ueber
finanzielle Mittel zu verfuegen, Vertraege abzuschliessen und durch
Zusammenschluss mit aehnlichen oertlichen Gewerkschaften Gewerkschaftsverbaende zu bilden.
Ein vorbereitender Ausschuss, der sich aus Funktionaeren dieser
Vereinigung zusammensetzte, schlug im Maerz 1946 vor, einen Gewerkschaftsbund nach dem Beispiel der kommunistisch beherrschten franzoesischen CGT
zu gruenden. Im Mai 1946 wurde demgemaess die Tong Cong Doan Vietnam
(TCD) oder der allgemeine Gewerkschaftsbund des Vietnam formell gebildet. Diese Organisation wird haeufig auch als Tong Lau Doan (TLD)
bezeichnet.
Dem Mailaender Bericht des Weltgewerkschaftsbundes von 1949 zufolge
sind die oertlichen TLD-Gewerkschaften in Gewerkschaftsverbaenden
aehnlichen Charakters oder in regionalen Gewerkschaftsraeten zusammengefasst. Jede Einheit hat ihre vom TLD festgelegten Funktionen und ist
nur innerhalb der engen, vom TLD vorgeschriebenen Grenzen autonom. Die
Arbeiter zahlen festgesetzte monatliche Beitraege von 60 indochinesischen
Cents (etwa -. 15 DM), die gleichmaessig unter den Industrieverband, den
regionalen Gewerkschaftsrat und den TLD verteilt werden. Es ist bekannt,
wie die .Ortsgewerkschaften finanziert werden. Nach der ueblichen
kommunistischen Methode muessen die Ort sgewe .Geschäften bei ihrer vorgesetzten Organisation um die Geldmittel nachsuchen, die sie benoetigen.
Ende des Jahres 1948 hatte der TLD angeblich eine Mitgliederzahl
von 255.000, von denen 20^ Fabrikarbeiter sein sollen. Im August 1949
berichtete der Weltgewerkschaftsbund von einer Mitgliederzahl dieser
Organisation von 258.000.
Die Zuverlaesdigkeit dieser Angaben ist anzuzweifeln. Die einzelnen
Zentren der kommunistischen Gewerkschaften geben aus propagandistisehen
Gruenden im allgemeinen hoehere Mitgliederzahlen an, und der Weltgewerk-

- 10 -

�schaftsbund ist natuerlich nicht im Besitz genauer Mitgliedschaftszahlen, weil er von den angeschlossenen Gewerkschaften keine Abgaben
erhaelt, so dass schon aus diesem Grund jede Kontrolle illusorisch
ist.
Die Taetigkeit des TLD ist den politischen Zielen des Viet Minh
durch Hoang Quoc angepasst, der sowohl Vorsitzender des TLD als auch
Generalsekretaer der Viet Minh-Partei ist. In dem augenblicklichen
Buergerkrieg ist der TLD in erster Linie damit beschaeftigt, die
Arbeiter zur Unterstuetzung der Kriegsanstrengungen des Viet Minh zu
mobilisieren und zu versuchen, die Produktion durch aufeinanderfolgende Streiks in den franzoesisch besetzten Gebieten zu unterbrechen. Waehrend die Sender des Viet Minh von Erfolgen in den Massnahmen zur Foerderung der Arbeitsstreitigkeiten in den der Kontrolle
Bao Dais unterstehenden Gebieten berichten, zeigen offizielle
statistische Angaben der Bao Dai-Regierung nur wenige ArbeitsStreitigkeiten oder Produktionsunterbrechungen auf.
#
Im Gebiet des Viet Minh hat sich der TLD zur Steigerung der
Produktion im wesentlichen der gleichen Mittel bedient, wie die Gewerkschaften der sogenannten "Volksdemokraten". Arbeitern, die ihre
Produktionsquoten weit ueberschreiten, wird der Ehrentitel "Held der
Arbeit" verliehen. Wie von auslaendischen Rundfunksendern der HoRegierung berichtet wird, ist der TLD bestrebt, seinen Mitgliedern
kommunistische Prinzipien aufzuoktroyieren, er lehrt sie sogar lesen
und schreiben, gibt eine Veroeffentlichung unter dem Titel "Lao Dong"
heraus und stellt Arbeitergruppen zusammen, die einen Teil ihrer Zeit
militaerischen Uebungen widmen. Sie foerdert ausserdem oeffentliche
Arbeitsprojekte, fuer die die Arbeiter ihre "Freizeit" verwenden
sollen.
Der TDL hat im Mai 1946 selbst erklaert, dass er mit den Prinzipien
und Satzungen des Weltgewerkschaftsbundes vollkommen einverstanden ist.
Jedoch erst am 1. Januar 1949 entschloss sich der Exekutivausschuss
des Weltgewerkschaftsbundes, den TDL anzuerkennen und ihn als angeschlossene Organisation zu registrieren. Der Gewerkschaftsbund des
Vietnam entsandte Nguyen Tuy Tinh, ein Mitglied der Eisenbahnergewerkschaft des TDL, als internationalen Vertreter zum Kongress des TJeltgewerkschaftsbundes, der im Juni 1949 in Mailand stattfand. Auf diesem
Kongress wurde er zum dauernden Mitglied des Generalrates des Weltgewerkschaftsbundes und zum Delegierten fuer die Konferenz in Peiping
im November 1949 gewaehlt.
Monthly Labor Review
1/51

WAS IST PRODUKTIVITAET?
Seit Beginn des Wiederaufbauprogramms ist die Steigerung der
Produktivitaet immer wieder als besonders wichtig hervorgehoben worden,
weil sie einen entscheidenden Faktor fuer die Wiedergesundung der
Wirtschaft der Laender Westeuropas darstellt und es ihnen ermoeglicht,
ihre Ausfuhren und die Moeglichkeit, finanzielle Mittel fuer industrielle
Einrichtungen zu investieren, zu erhoehen und zugleich den Lebensstandard
der Arbeiter zu verbessern. Seit der kommunistischen Invasion in Suedkorea ist die Notwendigkeit, die Verteidigung gegen eine Aggression
aufzubauen, vordringlich geworden. Sie wird eine schwere Belastung
fuer die Wirtschaft der westeuropaeischen Laender darstellen. Es ist
nicht moeglich, allen diesen Anspruechen vollkommen und gleichzeitig
gerecht zu werden. Es muss in der Befriedigung der lebenswichtigen
Bedürfnisse ein Gleichgewicht in vernuenftigen Grenzen hergestellt

- 11 -

�werden, ',,'enn die Produktivitaet gesteigert wird, wird es letzten Endes
moeglich sein, einen angemessenen Lebensstandard zu garantieren, wenn
auch ein betraechtlicher Teil den Berauehungen um die Sicherung der
Zukunft und der Erhaltung der Freiheit gewidmet werden muss.
Augenblicklich wird die Produktivitaet im allgemeinen als die
grundlegende Loesung der ungeheuren wirtschaftlichen Schwierigkeiten
dieser Zeit angesehen, "..'enn dieser 3egriff "Produktivitaet" auch noch
so haeufig in oeffentlichen Diskussionen und Zeitungsberichten angewandt wird, so ist seine genaue Bedeutung der grossen Masse doch nicht
genuegend bekannt. Selbst die Experten konnten sich noch nicht auf
eine einfache und klare Definition dieses Begriffes einigen. Auch die
Methoden zur Bemessung der Produktivitaetsquote bilden noch immer Gegenstand heftiger Kontroversen.
Der Produktivitaetsausschuss der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas hat sich in seinem Arbeitsprogramm die
Aufgabe gestellt, mehr Licht in den Begriff"Produktivitaet" zu bringen,
um zur Anwendung verbesserter Methoden der Wertung der Produktivitaetsquote beizutragen, die die fuer die Produktivitaetskarapagne der westeuropaeischen Laender wesentlichen Informationen liefern koennen. Dieser Ausschuss hat einen Bericht ueber die Terminologie der Produktivitaet
ausgearbeitet, der vervielfaeltigt wurde, um an groesaere Kreise verteilt werden zu koennen.
Fuer diejenigen, die nicht in der Lage sind, den Bericht in allen
Einzelheiten zu studieren, werden die nachstehenden wichtigsten Punkte •
zusammengefasst:
Allgemein gesprochen, bedeutet Produktivitaet besseres Zusammenspiel
von Mensch, Kapital, Zeit, Maschine und Material, um bei dem gleichen
Aufwand an Anstrengungen mehr Waren produzieren und verteilen zu koennen.
Der Produktivitaetsausschuss der UftftC gibt in seiner Abhandlung einen
Ueberblick ueber die Methode zur Berechnung der Produktivitaet. Diese
Studien gruenden sich nicht nur auf die produktivitaet der Arbeitskraft,
sondern auch auf die des Kapitals, der Investitionen und der Rohstoffe,
so wie die Produktion von dem Kapital, den Investitionen und den Rohstoffen im Produktionsprozess abhaengig ist.
Trotzdem bleibt die Produktivitaet der Arbeitskraft das wichtigste
Element bei der Berechnung der industriellen Leistungsfaehigkeit. Man
errechnet sie, in dem man die Produktion durch die Anzahl der Arbeitsstunden teilt. Der so errechnete produktivitaetsindex dient zu Vergleichszwecken und gibt die Situation einer Produktionseinheit (Betrieb,
Industrie, Nation; im Vergleich zu anderen Einheiten oder zu seinen
eigenen Ergebnissen waehrend einer anderen Zeitspanne an. Damit koennen
die Ursachen analysiert werden, die den Stand der produKtivitaet bestimmen, und es kann festgestellt werden, welche Schwierigkeiten moeglichen
Verbesserungen der Produktion im liege stehen.
Es muss hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Berechnung dar
Produktivitaet der Arbeitskraft nicht darin besteht, die physische Anstrengung des Arbeiters, sondern die allgemeine '.'irksamkeit der Verwendung
der Arbeitskraft zu messen. Der Produktivitaetsindex stellt das Ergebnis
der kombinierten Wirkungen einer grossen Anzahl verschiedener, aber unabhaengiger Faktoren dar, wie z.B. Menge und Qualitaet der verwendeten Ausruestungen, technische Verbesserungen, die Faehigkeit der Betriebsleitung,
die Zirkulation der Rohstoffe und Einzelteile, den relativen Einsatz der
Produktionseinheiten je nach ihrem Wirksamkeitsgrad und schliesslich
berufliche Tuechtigkeit und Arbeitsbereitschaft des einzelnen, Wenn genaue
Schluesse aus einer derartigen Analyse gezogen werden, ergeben die
Produktivitaetsstudien eine mehr oder minder grosse Veraenderung des

- 12 -

�Produktionsvolumens.
In weiterem Sinne koennen die Bemessung der Produktivitaet und die
gleichzeitige Analyse ihrer Ursachen und Elemente fuer allgemeine
v/irtschaftsanalytische Zwecke verwendet werden, um fuer die Gegenwart
und Zukunft die Gesamtproduktion eines Landes oder einer Industrie, den
Bedarf an Arbeitskraeften, die Konkurrenzfaehigkeit und aehnliches abzuschätzen. Damit ist auch die Berechnung der Produktivitaet ein
wichtiges Hilfsmittel bei der Wirtschaftsplanung.
Je nach dem Zweck, dem die Produktivitaetsstudien dienen muessen,
wird die Produktivitaet aufgrund der verschiedenen Zeiteinheiten und
der verschiedenen Faktoren der Produktion berechnet. Die Unterschiede
sind so gross, dass ein Vergleich der Statistiken ueber die Produktivitaet in den westeuropäischen Laendern zurzeit noch schweren Irrtuemern unterworfen ist und ihre Nutzbarkeit dementsprechend aeusserst
beschraenkt ist. '.Jenn man die Zeiteinheit zugrundelegt, laesst sich
die Produktivitaet pro Mann, pro Stunde, pro '.,'oche oder pro Jahr berechnen. Die Produktivitaet im Verhaeltnis zur Arbeitszeit wird dazu
verwendet, die durch technische Ursachen hervorgerufenen Schwankungen
in der Produktivitaet zu messen, waehrend die Produktivitaet, die auf
jaehrlicher Basis einschliesslich Urlaub und Fernbleiben vom Arbeitsplatz aus sonstigen Gruenden berechnet wird, dazu dient, das Nationaleinkommen oder den Bedarf an Arbeitskraeften abzuschaetzen.
Die verschiedenen zu beruecksiehtigenden Kategorien der Arbeitskraefte stellen einen anderen Faktor dar, der grosse Unterschiedlichkeiten in den statistischen Berechnungen verursacht. Angaben ueber die
Produktivitaet koennen sich entweder nur auf die Arbeiter oder auch auf
das Bueropersonal, die Verwaltungsdienststellen und die technischen
Dienste beziehen. Auch kann zwischen den direkten Arbeitskraeften, die
unmittelbar mit der Produktion beschaeftigt sind, und den indirekten
Arbeitskraeften ein Unterschied gemacht werden, deren Taetigkeiten in
Arbeiten der Instandhaltung, der Vfarenlagerung, des innerbetrieblichen
Transports usw. bestehen. Natuerlich unterscheiden sich die Statistiken
nach dem Zwec'k, zu dem sie ausgearbeitet wurden.
Auch der Berechnung der Gesamtproduktivitaet schenkt man groesste
Beachtung, in der nicht nur die direkten, sondern auch alle anderen
Arbeitskraefte beruecksichtigt werden, einschliesslich der mit der
Herstellung industrieller Ausrüstungen Beschaeftigter und der Arbeiter
der Stromerzeugungs- und Iiohstoffindustrienj diese letzte Kategorie
wird in Bezug auf die Arbeitsstunden und die Zahl der Arbeiter bemessen.
Dadurch wird eine Kontrolle der Gesamtindustrie erraoeglicht.
Anstatt den Ertrag nach seinem Volumen zu bemessen, kann den Berechnungen der ','ert des Reinertrags zugrundegelegt werden. '.Tenn man
von der Gesamtabsatzziffer (Bruttoproduktion) die Kosten fuer Rohstoffe,
Treibstoff usw., die in dem Produktionsprozess verbraucht v/erden, abzieht, erhaelt man den 'i.'ert der bei der Produktion des Erzeugnisses geleisteten Arbeit. Die Nettoproduktion bildet den Fonds, aus dem die
erforderlichen Summen fuer Loehne, Absatzunkonten, Steuern, Zinsen,
Amortisationen usw. geschoepft werden. In ihr ist ausserdem der Gewinn
enthalten. Der 'wert der Nettoproduktion kann deshalb durch jedes beliebige Mass der Arbeitskraft geteilt werden, und man kann von einer
Nettoproduktion pro Stunde oder pro Arbeiter oder Angestellter sprechen.
Diese Art der Produktivitaetsstatistik kann fuer die Gewerkschaften
besonders interessant sein, wenn sie bei einer Steigerung der Produktionsleistung die Absicht habtn, Lohnerhoehungen zu fordern oder Leistungslohntarife festzusetzen.
Uenn man sich mit den technischen und wissenschaftlichen Aspekten

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�der Produktivitaet befasst, muss man auch jene Faktoren in Erwaegung
ziehen, die direkt zur Steigerung der Produktivitaet beitragen, wie
z.B. die industrielle Planung, die wissenschaftliche Forschung und
Erfindungen. Der Begriff Produktivitaet ist so umfassend, dass die
gemeinsame Erfassung all jener, die in dem Produktionsprozess stehen,
vom einfachen Arbeiter bis zum Y.'issenschaf tler. und Volkswirtschaftler,
erforderlich ist. Uegen dieser unentbehrlichen Zusammenfassung aller
Betaetigten darf niemals das Ziel der Steigerung der Produktionsleistung aus den Augen verloren werden, die den augenblicklichen
Lebensstandard garantieren, den gemeinsamen Zielen zur Sicherung einer besseren Zukunft dienen und unsere Verteidigungsmassnahmen zur
Erhaltung der demokratischen Freiheiten staerken muessen.
Bulletin D1Information Syndicale
1/15-31/51

GUTE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN DEN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN UND DER
ECA
Die Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten hat dem MarshallPlan von Anfaig an wertvolle Dienste geleistet.
AFL-Vorsitzender ".Jilliam Green, Bill Gomberg von der Internationalen
Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, Florence peterson von der Automobilarbeitergewerkschaft, Gordon Cole vom Maschinistenverband und Jim
Carey vom CIO sind einige der amerikanischen Gewerkschaftsführer, die
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit in den letzten zweieinhalb Jahren hoechst wertvolle Ratschlaege erteilt haben.
Die Maenner und Frauen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
sind aufgefordert worden, auf jede "eise mitzuhelfen, um die zur
technischen Unterstuetzung Europas entsandten Delegationen mit dem erforderlichen Ruestzeug zu versehen, umfassende Informationsprogramrae
und Vorschlaege zur Staerkung der freien Gewerkschaften in Europa auszuarbeiten.
Obwohl in Amerika kein formeller ERP-Beratungsaueschuss wie in Europa besteht, vergeht kaum ein Tag, ohne dass ein amerikanischer Gewerkschafter um Rat oder Auskunft gebeten wuerde. Telephonische Besprechungen
zwischen Beamten der ECA und amerikanischen Gewerkschaftern sind in allen
Teilen des Landes an der Tagesordnung. Haeufig werden Gewerkschaftsführer,
Herausgeber von Gewerkschaftszeitungen, Spezialisten im Erziehungswesen
oder Experten fuer Zeit- und Bewegungsstudien fuer tage- oder selbst
wochenlange Aussprachen in das Zentralbuero der ECA gerufen, wo sie um
ihre Meinung und ihren Rat befragt werden. Die internationalen Vertreter
der AFL und des CIO, George P. Delaney und Michael Ross, halten sich
staendig im oder in der Naehe des Zentralbueros auf. Uichtige Entscheidungen, die fuer die Arbeiterschaft von Belang sind, werden nicht getroffen, ohne diese beiden Vertreter um Rat gefragt zu haben.
Das hoechste Gremium, in dem die Gewerkschaftsfuehrer vertreten sind,
ist der oeffentliche Beratungsausschuss der ECA, dorn ebenfalls Vertreter
der Landwirtschaft und Industrie angehoeren. Die Gewerkschaftsvertreter
sind James Carey, der Hauptkassierer des CIO, George Meany, der Hauptkassierer der AFL, und A. E. Lyon, der Hauptkassierer der Eisenbahnergewerkschaften.
Der Ausschuss hat sich bisher auf Veranlassung des Beraters fuer
Arbeitsfragen Clinton S. Golden mit wichtigen Fragen wie z.B. dem Problem

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�der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten in Verbindung mit der
Einstellung der Gewerkschaftsbewegung zum Marshall-Plan oder Reaktionen
auf die Amerikabesuche europaeischer Produktivitaetsteams befasst.
Eine der wichtigsten Konferenzen zwischen Gewerkschaftsfunktionaeren
und fuehrenden Beamten der ECA fand vor kurzem im Zentralbuero der ECA
statt. Es waren 21 fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere anwesend, u.a.
auch William Green, der Vorsitzende der AFL, AI Hayes, der Vorsitzende
des Internationalen Liaschinistenverbandes, und Stanley Ruttenberg, der
Leiter des CIO-Referats fuer Forschung und Erziehung.
An dieser Konferenz nahmen ausserdem teil: L. S. Buckmaster, der
Vorsitzende der Vereinigten Gumniarbeiter Amerikas (CIO), Eimer Cope,
der Europavertreter des CIO, George P. Delaney, der internationale
Repraesentant der AFL, J. L. Elliot, Vizepresident der Gewerkschaft der
Telegraphenarbeiter der Eisenbahnen, Michael Fox, Hauptkassierer der
Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten (AFL), Leo E. George, der Vorsitzende des Nationalen Verbandes der Bueroangestellten der Post (AFL),
Allan S. Haywood, Vizepresident des CIO, liartin Kyne, geschaeftsfuehrender Vorsitzender der Gewerkschaft der Angestellten des Klein- und
Grosshandels und der Warenhaeuser, A. E. Lyon, geschaeftsfuehrender Sekretaer der Eisenbahnergewerkschaft, Y/alter Mason, Repraesentant im
legislativen Ausschuss der AFL, David McDonald, Hauptkassierer der Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (CIO), H. L. Mitchell, Vorsitzender
der Gewerkschaft der Landarbeiter (AFL), John J. Murphy, Sekretaer der
Internationalen Gewerkschaft der Maurer und Yteissbinder (AFL), Stanley
VI. Oliver, Vorsitzender der Internationalen Gewerkschaft der technischen
Ingenieure, Architekten und Zeichner (AFL), Eric Peterson, Hauptkassierer
des Internationalen Maschinistenverbandes, Michael Quill, Vorsitzender
der TranSportarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO), Victor Reuther, der
Leiter des Erziehungsreferats der Vereinigten Automobilarbeiter von
Amerika (CIO) und William Schoenberg, der Vorsitzende der Internationalen
Gewerkschaft der Zement-, Leim- und Gipsarbeiter.
Von der ECA waren zugegen: Paul G. Hoffman, der damalige Administrator, Richard M. Bisseil jun., der damalige stellvertretende Administrator des Programms und die Berater fuer Arbeitsfragen Bert M. Jewell
und Clinton S. Golden.
Hoffman brachte in seiner Begruessungsansprache seine Anerkennung
fuer die Mitarbeit der Gewerkschaftsbewegung am Marshall-Plan zum Ausdruck.
Ohne diese Unterstuetzung, sagte er, waeren die im YJiederaufbauprogramm
erzielten Fortschritte niemals moeglich gewesen. Fragen wie die wirtschaftliche Vereinigung Europas, sowie die Lieferung gewerkschaftlichen
Materials fuer Europa und Besuche amerikanischer Gewerkschafter in Suropa
standen zur Debatte.
Eine Gruppe amerikanischer Gewerkschafter wurde fuer eine zweitaegige Konferenz in das Amt der Arbeitsberater der ECA gerufen, um ein
Programm zur Verbesserung der Lebensverhaeltnisse in Frankreich auszuarbeiten. Zu dieser Gruppe gehoerten Stanley Ruttenberg (CXO), William
Gomberg von der «Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft,
Victor Reuther und Harold Gibbons.
Zuvor waren im Mai 1950 die fuehrenden Herausgeber der Gev.erkschaftszeitungen aus ganz Amerika zusaiimengerufen worden, um das InformationsProgramm und Mittel zu seiner Verbesserung zu eroertern. Es waren anwesend: Theodore Brown, Herausgeber des "The Black T'orker" von der Gewerkschaft der Schlafwagenbediensteten, Leo Clussmann, Herausgeber des
"The National Musician" von der Gewerkschaft der Musiker Amerikas, Kenneth
Fiester, Herausgeber der Zeitung "Textile Labor" von der Textilarbeitergewerkschaft des CIO, J. B. S. Hardman, Herausgeber von "Labor and Nation",

- 15 -

�Ben Haskel, der Herausgeber von "The Textile Challenger", von der
Textilarbeitergewerkschaft von Amerika (AFL), John Herling, der
"John Herling's Labor Letter" herausgibt, A. B. Herrington, der Leiter des Referats fuer oeffentliche Beziehungen in der Gewerkschaft
der Telefon- und Telegrafenarbeiter (CIO), Charles Herrold, der
Herausgeber der "AFL Weekly News", Oscar Jager, der Herausgeber der
n
Comaunication Workers News", Joseph Keenan, der "League Reporter"
redigiert, Irvin S. Lippe, Herausgeber der "Trainmen News", Arch A.
Mercey, Sonderberichterstatter der Ransdell Inc., William J. Pachler,
Herausgeber der Zeitung "Light", Organ der Gewerkschaft der Arbeiter
oeffentlicher Versofgungsbetriebe (CIO), Hugh Reichard, vom Komitee
der Freundeshilfe, Ray Scott, der Herausgeber des Magazins der Gewerkafc
schaft der Lokomotivfuehrer und Heizer, Allan L. Swim, der Leiter des
CIO-Referats fuer oeffentliche Beziehungen und Herausgeber der "CIO
News", Bernard Tassler, Herausgeber des AFL-Magazines "The Federationist",
Philip E. Ziegler, Herausgeber der Zeitung der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten, des Verbandes der Bueroangestellten der Eisenbahnen
und Dampfschiffahrt, der Gepaecktraeger und der Bahnhofsangestellten.
In einer ganztaegigen Sitzung wurden die Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung im Ma.rshall-plan, das ECA-Programm in den Ueberseegebieten und
Informationsmethoden besprochen.
Im Sommer vorigen Jahres hat die ECA William Goraberg, den Leiter
des Referats fuer Betriebswirtschaft in der Damenoberbekleidungsgewerkschaft nach Grossbritannien, Holland und Westdeutschland geschickt,
um mit Gewerkschaftsfunktionaeren Besprechungen zu fuehren. Seine
Aufgabe war, jene Aspekte der amerikanischen Gewerkschaftserfahrung
auf dem Gebiet der Produktionstechnik zu besprechen, die den europaeischen
Gewerkschaftern in ihren Bestrebungen zur Steigerung der Produktivitaet
von Nutzen sein konnten.
Drei Herausgeber von Gewerkschaftszeitungen hielten sich unter
dem Protektorat der &amp;CA Z U Anfang des Jahres 1949 mehrere Wochen in
Europa auf, um die europaeischen Verhaeltnisse zu studieren und entsprechende Vorschlaege zu machen. Es waren dies Allan L. Swim, der
Herausgeber der CIO News, William Gausmann vom Gewerkschaftspresseverband und Cornelius Miller vom AFL Weekly News Service (Woefhentlicher
Nachrichtendienst der AFL.)
Drei fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere wurden im Sommer vorigen
Jahres nach Frankreich geschickt, um mitzuhelfen, die freie Gewerkschaftsbewegung zu staerken und die Kampagne durch Steigerung der Produktionsleistung zu unters^uetzen. Es waren J. William Belanger, der Vorsitzende des CIO-Industriegewerkschaftsrates von Massachusett, Harold
Gibbons, der Hauptkassierer der AFL-Ortsgewerkschaft Nr. 688, der Internationalen Gewerkschaft der Fahrer, und Carmen Luoia, die stellvertretende
Vorsitzende der Internationalen Gewerkschaft der Vereinigten Hutmacher.
Ihre Vorschlaege und ihre Forderung nach Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter haben bei den fuehrenden Beamten der ECA und
auch dem Administrator Foster groesste Beachtung gefunden.
ECA Labor Information
1/30/51

- 16 -

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 8

Frankfurt/Main, den 23. Februar 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Der gegenwaertige Stand der amerikanischen Arbeitsgesetzgebung

1

Gewerkschaften der Mittelmeerlaender ruesten sich
zum Kampf gegen die kommunistischen Saboteure

6

Ostberliner Arbeiter erhalten doch ihre Weihnachtsgratifikation

7

Uie die iranischen Gewerkschaften unterstuetzt werden .. 8
Erfolge der amerikanischen Autoraobilarbeitergewerkschaft

9

LohnentwicKlungen in den Vereinigten Staaten

11

Die Invalidenunterstuetzung in der US-Bekleidungsindustrie

13

Marshallplanadministrator William G. Foster zur
europaeischen Wirtschaftslage

14

Regierungsangestellte in Chile erhalten Gehaltsaufbesserung

15

Die gewerkschaftliche Entwicklung in Burma

16

D^R GriOSM.'AKftTIOE STAND V£R AMalilKAKIÖCHEN ARBEITSGESETZGEBUNG
Die 17. Nationalkonferenz fuer Arbeitsgesetzgebung galt in erster
Linie der Mobilisierung der menschlichen Hilfsquellen Amerikas fuer den
Frieden und gegen die Aggression. Arbeitsminister Maurice J. Tobin bezeichnete die Konferenz als ein "Forum, in dem staatliche Beamte und GeVierkschaftsfuehrer zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen, Probleme
der Arbeitsgesetzgebung zu diskutieren und eine gemeinsame Grundlage fuer
die Verbesserung der Arbeitsnormen zu schaffen."
Praesident Truman versicherte in seiner Botschaft an die Konferenz,
dass ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen mithelfen koennten, die Nation
"in jenen Massnahmen und Methoden anzuleiten, die unseren Produktions-

- 1 -

�apparat zu hoechster Leistungsfaehigkeit befaehigen werden."
Angesichts der kritischen Lage, in der Amerika sich zurzeit befindet, wurde besonders betont, dass eine Vergeudung wertvoller Arbeitskraefte durch Arbeit sunfae H e vermieden v/erden muss. Die durch Unfaelle
verursachten Verluste an Arbeitszeit beliefen sich im Jahre 1949 auf
insgesamt 39 Millionen Arbeitstage, was einer Untaetigkeit von 139.000
Arbeitern fuer die Dauer eines ganzen Jahres entspricht. Die 15.000
Todesfaelle und 1.600 Unfaelle, die eine staendige Arbeitsunfaehigkeit
zur Folge hatten, bedeuten eine dauernde Reduzierung des Arbeitskraeftereservoirs des Landes. Die nahezu 80.000 Faelle dauernder beschraenkter
Erwerbsfaehigkeit wirken sich durch die verminderte Leistungsfaehigkeit
der Opfer - meistens Amputierte - in aehnlicher \.'eise aus.
Da fast alle Arbeitsunfaelle vermieden werden koennten, sah die
Konferenz ihre dringlichste Aufgabe darin, die diesbezueglichen Erfahrungen und die Methoden der Unfallverhuetung den vielen Betriebsleitern zur
Kenntnis zu bringen, die noch nicht in wirksamer '.'eise in dieser Hinsicht
taetig sind. Die Konferenz des Praesidenten ueber industrielle Sicherheit hat festgestellt, dass Unternehmen, die in unzureichendem Masse
fuer die Sicherheit sorgen, im allgemeinen zu klein sind, um Unfallverhuetungsachverstaendige selbst beschaeftigen zu koennen, wie es in grossen
Betrieben der Fall ist, die infolgedessen auch verhaeltnismaessig niedrige
Unfallziffern aufzuweisen haben, Es wurde vorgeschlagen, dass die üinzelstaaten die Vielzahl kleiner Unternehmen durch direkte Hilfsraassnahmen
unterstuetzen, die der Arbeit hauptamtlich beschaeftigter Unfallverhuetungsexperten in grossen Betrieben entsprechen auessen.
Hierzu sei erforderlich, stellte die Konferenz fest, dass grundlegende
Gesetze erlassen werden, in denen angemessenere und einheitlichere Bestimmungen und Normen garantiert werden, dass Unfallstatistiken zur Verfuegung
gestellt werden, dass die Einzelstaaten Sicherheitsprogramme ausarbeiten
und Regierungsbearate die Betriebe in ihren Massnahmen zur Unfallverhuetung
unterstuetzen.
Die Konferenz empfahl, die bestehenden Sicherheitsvorschriften angesichts des nationalen Notstandes auf ihre Zulaenglichkeit zu pruefen. Hierbei sollen Sachverstaendige des Bueros fuer Arbeitsnormen behilflich sein.
Statistische Unfallziffern nuessen planvoll zusammengestellt und ausgewertet werden und Angaben ueber die Groesse der Betriebe, Art der Arbeit
und dergleichen enthalten. Es wurde weiter empfohlen, sich bei der
Berichterstattung ueber Unfaelle an die fuer Amerika gueltige ilethode zu
halten.
*

*

*

In Anbetracht der zu erwartenden Entwicklungen auf dem Gebiet der
Beschaeftigung verheirateter Frauen hat die Konferenz gefordert dass die
Staaten, die Normen in ihrer Gesetzgebung fuer berufstaetige Frauen aufgestellt haben, diese Normen beibehalten und verbessern. Jene Staaten, die
solche Normen nicht haben, sollen sie ebenfalls einfuehren.
Mindestnormen fuer erwerbstaetige Frauen sollen einen Ruhetag in der
Yfoche, die 40-Stunden-Uoche mit einer maximalen Arbeitszeit von 48 Stunden,
eine elfstuendige Zeitspanne fuer Nachtruhe, die die Zeit von Mitternacht
bis vormittags sieben Uhr einschliesst und ausreichende Pausen fuer Mahlzeiten vorsehen. Die Unternehmer sollen zur Erhaltung der Gesundheit und
Leistungsfaehigkeit der Arbeiter fuer saubere Speiseraeume, Aufenthaltsraeume, Toiletteneinrichtungen, gute Ventilation und gute Beleuchtung
sorgen.
Die Konferenz forderte ausserdem, eine Benachteiligung der Frauen den
Maennern gegenueber zu vermeiden. Sie befürwortete die bestehenden

- 2 -

�staatlichen Gesetze, die den gleichen Lohn bei gleicher iiTueit vorsehen,
weiter zu vervollkommnen und darauf hinzuwirken, dass entsprechende
staatliche und bundesstaatliche Gesetze erlassen werden. Es vmrde ferner
vorgeschlagen, in die Gev.erkschaftsvertraege Bestimmungen ueber gleichen
Lohn bei gleicher «rbeit aufzunehmen.
Di« Konferenz sprach sich sodann dafuer aus, in dem bundesstaatlichen
Ges«tz fuer gerechte Arbeitsnormen Bestimmungen ueber einen iünaeststundenlohn von einem Dollar zu verankern. Weiterhin sollen Mindestlnennn fuer
solche Arbeiter festgesetzt werden, fuer die noch keine tarifvertragliche
Regelung besteht.
Die Konferenz stellte fest, dass berufstaetige Frauen gegen Lohnausfaelle bei:n Fernbleiben vom Arbeitsplatz gesichert werden muessen. Die
Ausdehnung der Verteidigungsbetriebe auf neue Gebiete wird 'Johnungs- und
Ernaehi-ungsproblerae fuer die beschaeftigten Arbeitnehmer aufwerfen. Die
Konferenz forderte, den Koranunalprojekten fuer angemessenen Wohnungsbau,
fuer Transport, Kinderbetreuung waehrend der Arbeitszeit, ambulante Fuersorge und anderen Massnahmen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie
machte den Vorschlag, dass sich das Buero fuer Frauenangelegenheiten mit
der Abwesenheit berufstaetiger Frauen vom Arbeitsplatz unter besonderer
Berücksichtigung ihrer haeuslichen Verpflichtungen und der Gesundheitsfaktoren beschaeftigt.
Es sei eine kostspielige Selbsttaeuschung, fuhr die Konferenz fort,
Jungen und Maedchen - die zukuenftigen Arbeiter und Buerger Amerikas sofort an Arbeitsplaetzen unterbringen zu wollen, wo das, was sie produzierten, nur einen geringen Teil dessen ausmachen wuerde, was sie einige
Zeit spaeter fuer die Nation leisten koennten. Eine Altersmindestgrenze
von 16 Jahren fuer jegliche Beschaeftigung waehrend der Schulstunden und
fuer die Beschaeftigung in herstellenden und mechanischen Betrieben zu
jeder Zeit sei wichtiger denn je. Derartige BeStimmungen seien erforderlich,
um allen Jugendlichen die Moeglichkeit zu geben, sich eine Grundschulausbildung und berufliche Faehigkeiten zu sichern und sich zu guten Bucrgern
he ranzubilden.
In den Staaten, die nicht in der Lage sind, den vorzeitigen Zustrom
der Jugendlichen zum Arbeitsmarkt aufzuhalten, muessen die staatlichen
Arbeitsbeauftragten und die Gewerkschaftsorganisationen sich dafuer einsetzen, dass entsprechende Gesetze erlassen werden.
Um ein Maximum an Leistungsfaehigkeit auf lange Sicht erzielen zu
koennen, muessen gesunde Arbeitsnormen und gute Arbeitsbedingungen geschaffen
werden. Die Konferenz ist der Auffassung, dass die staatlichen Aemter fuer
Arbeitsfragen und das US-Arbeitsministerium in einem Programm zusammenarbeiten muessen, das der Entwicklung und Foerderung der Normen fuer die
Arbeitsbedingungen und der Verhuetung von Arbeitsunfaellen gewidmet sein
rau3s. In diesem Zusammenhang wurden folgende Normen vorgeschlagen:
a) Ein 8-Stunden-Tag und eine 40-Stunden-Vfoche, wobei Ueberstunden mit 150^ des normalen Lohnes und Sonn- und Feiertagsarbeit mit Sonderpraemien zu vergueten sind.
b)

Von sieben Tagen muss zumindest einer als Ruhetag festgesetzt sein.

c)

Die Essenspause in der Mitte der Arbeitszeit darf nicht
weniger als 30 Minuten dauern. Es sind ausserdem weitere
entsprechende Ruhepausen einzulegen.

d) Der Mindestlohn muss auf 1 Dollar erhocht werden. Arbeitnehmer, die noch nicht unter die Bestimmungen des Mindestlohngesetzes fallen, muessen einbezogen werden. Alle Staaten

- 3-

�rauessen fuer alle Arbeitnehmer ohne Ausnahme Gesetze ueber
Mindestloehne erlassen, Ein MindestStundenlohntarif von
v/enigstens 75 Cents muss in der Verfassung festgelegt werden,
und die Lohnausscimesserauessenemaechtigt sein, hoehere
Mindestloehne anzuordnen und unter bestimmten Garantien die
Tarife fuer Anlernlinge, Lehrlinge und koerperbehinderte
Arbeiter abzuaendern. Mehr als acht Arbeitsstunden pro Tag
und 40 Stunden pro Woche muessen mit eineinhalbfacher Bezahlung verguetet werden. Staatliche Gesetse, die sich nur
auf Frauen und Minderjaehrige erstrecken, muessen auch auf
die maennlichen Arbeitnehmer ausgedehnt werden.
e)

In jedem Staat muss gesetzlich festgelegt werden, dass der
volle Lohnbetrag in bar, in Scheck oder in der Form der Buergschaft zumindest zweiwoechentlich auszuzahlen ist; ein
Arbeiter, der von der Lohnliste gestrichen wird, muss sofort
ausbezahlt werden; die Aemter fuer Arbeitsfragen in den
Einzelstaaten muessen, wenn notwendig, mithelfen, die faelligen
Lohnbetraege einzutreiben; fuer Unternehmer, die gegen das
Mindestlohngesetz Verstössen, sind Strafen vorzusehen.

f) Durch gemeinsame Bemuehungen der bundesstaatlichen und einzelstaatlichen A«mter fuer Arbeitsangelegenheit, der gewerkschaftlichen Gruppen, der Betriebsleiter und anderer oeffentlicher
und privater Organisationen muessen die Unfallziffern herabgesenkt und dadurch wertvolle Arbeitskraefte erhalten werden. Die
gemeinsamen Ausschuesse fuer industrielle Sicherheit, in denen
Gewerkschaften und Unternehmen vertreten sind,rauessenin
Taetigkeit treten. Die staatlichen Gesetze muessen verbessert
oder angepasst werden, damit Sicherheitsvorschriften von den
Aemtern erlassen werden koennen. In der Durchführung der
Sicherheitsbestimmungen, die in dem Gesetz fuer Hafenarbeiter
enthalten sind, muss eine bessere Zusammenarbeit zwischen den
bundesstaatliehen und einzelstaatlichen Aemtern fuer Arbeitsangelegenheiten gewaehrleistet werden.
g) Um unsere Jugend zu schuetzen, muessen wir gegen Bestrebungen
auf der Hut sein, die einer Abschaffung der bestehenden Schutzbestimmungen das Hort reden. Die Konferenz ist der Auffassung,
dass der groesste Beitrag der Jugend zum Verteidigungsprogramm
darin besteht, dass sie ihre Schulausbildung zumindest bis zum
Abschluss der hoeheren Schule fortsetzt.
Die gegenwaertige Erwerbslosigkeit wurde von der Konferenz mit den
Zustaenden des zweiten Weltkrieges verglichen, als die Zahl der Erwerbslosen 10 Millionen betrug. Schaetzungsweise sind weniger als 2 Millionen
arbeitsfaehige Personen zurzeit erwerbslos. In dieser Zahl sind diejenigen enthalten, die ihren Arbeitsplatz staendig wechseln oder die
voruebergehend ohne Beschaeftigung sind.
Die Konferenz brachte zum Ausdruck, dass Schulungsplaene auf lü- oder
15-jaehriger Basis durchgefuehrt werden rauessen.
Nur ein Viertel der zur Aufrechterhaltung des normalen Facharbeitermarktes erforderlichen Lehrlinge sind augenblicklich berufstaetig.
Die Konferenz hat deshalb empfohlen, dass das bundesstaatliche Buero
fuer Lehrlingsw«sen, die einzelstaatlichen Lehrlingsaemter, die internationalen Gewerkschaften und die Unternehmerorganisationen aufgefordert werden,
den Angehoerigen von Minderheitsgruppen Moeglichkeiten zur Lehrlingsausbildung und zu beruflichem Fortkommen zu bieten. Es wurde ausserdem befuerwortet, dass die Öffentlichkeit ueber den Mehrbedarf an Lehrlingen

-4-

�unterrichtet wird, und der Personalstab des Amtes fuer Lehrlingswesen
und der staatlichen Lehrlingsaerater vergroessert wird, um den bevorstehenden Aufschwung in diesem Programm bewerkstelligen zu koennen.
Die Konferenz empfahl die Zusammenarbeit zwischen bundesstaatlichen
und staatlichen Regierungen, um zu gewaehrleisten, dass Arbeiter und
Unternehmer von den oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemtern groesstmoeglichen Gebrauch machen. Sie sprach sich ferner dafuer aus, dass der
Kongress ausreichende Mittel zur Erreichung und Unterhaltung von Einrichtungen und Personal zur Verfuegung stellt, das mit der Durchführung
der Programme zum Einsatz der Arbeitskraefte beauftragt wird. Staatliche
und bundesstaatliche Gesetze ueber die Zulassung privater Arbeitsvermittlungsbehoerden und Vertragsfirmen sollen noch geschaffen werden. Die
Taetigkeiten zur Einstellung und Plazierung von Arbeitskraeften anderer
Gruppen, die im Arbeitsvermittlungsdienst stehen, muessen coordiniert
werden. Die Verwaltung der oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemter muss
wieder in einem bundesstaatlichen System zusammengefasst werden. Uird
diese Zusammenfassung verwirklicht, dann ist die Verwaltung dieser Behoerden dem Arbeitsministerium zurueckzugeben.
Um unnoetige und nicht wuenschenswerte Versetzungen von Arbeitskraeften zu vermindern, hat die Konferenz vorgeschlagen, dass die Unternehmer davon ablassen, Arbeiter anderer Unternehmen fuer sich zu werben
und dass die Zeitungen nicht mehr jene Art der Reklame betreiben, die
eine schaedliche Umschichtung und Verlagerung der Arbeitskraefte zur
Folge hat.
Die Unternehmer sollen ihre Betriebsstruktur so gestalten, dass die
einzelnen Arbeiter schnell ausgebildet und in den Produktionsprozess eingeschaltet werden koennen und dass die Faehigkeiten der bereits beschaeftigten Arbeiter besser ausgenutzt werden. Fuer die Einstellung
von Frauen wurde empfohlen, zuerst jene Frauen in ein Beschaeftigungsverhaeltnis zu bringen, die keine wichtigen haeuslichen Verpflichtungen
haben, also vor allem der jungen alleinstehenden Frauen, der aelteren
Altersgruppen und der Kurzarbeiter. Jugendliche sollen nicht eingestellt
werden, wenn ihre Beschaeftigung nicht mit den bundesstaatlichen oder
staatlichen Gesetzen zu vereinbaren ist.
Das Arbeitsministerium, die staatlichen Regierungen und andere
oeffentlichen und privaten Behoerden und an dieser Frage interessierten
Organisationen sollen sofort ihre Bemuehungen vereinigen, um genuegend
Beamte fuer den Einsatz der Arbeitskraefte zu schulen, die besonders
befaehigt sind, koerperbehinderten Personen eine passende Beschaeftigung
zu schaffen. Die wertvollen Faehigkeiten aelterer Leute, die gegenwaertig nicht beschaeftigt sind, bilden eine Kraftquelle und um diese
Arbeiter wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung zu stellen, soll die
Oeffentlichkeit darueber in Kenntnis gesetzt werden, dass wir diese
Faehigkeiten brauchen. Arbeiter, die bereits auf den Pensionslisten
stehen, verfuegen ueber berufliche Kenntnisse, die zur Ausbildung anderer
ausgenutzt werden muessen. Besondere Massnahmen muessen eingeleitet
werden, um diesen Arbeitern bei einer Neuaufnahme der Beschaeftigung ihre
Pensionsrechte zu sichern.
Da eine groesstmoegliche Beweglichkeit der Erwerbsbevoelkerung von
groesster Wichtigkeit ist, schlug die Konferenz eine Abaenderung der
privaten Pensionsprogramne vor, damit die Arbeiter bei einem V'echsel
dieser Beschaeftigung keinerlei Rechte verlieren.
Sie empfahl ausserdem, entsprechende Arbeitgeber-Arbeitnehmerausschuesse zu bilden, die auf bundesstaatlicher, staatlicher und oertlicher
Basis den Behoerden bei der Mobilisierung der Arbeitskraefte behilflich
sind.

- 5-

�18 Resolutionen wurden von der Konferenz gebilligt. Zu den darin
enthaltenen Zielen gehoeren gesetzliche Sicherheitsmassnahmen fuer
Eisenbahnarbeiter, die Bildung zusaetzlicher Behoerden und Dienststellen fuer Koerperbehinderte, die Beseitigung von Schranken, die der
Beschaeftigung aelterer Arbeiter im Wege stehen und die Fortsetzung
der Ansprueche auf die soziale Versicherung solcher Arbeiter, die zu
den Uaffen gerufen werden.
In einer Resolution wurden neue Gesetze in Vorschlag gebracht, die
den Arbeitern dieses Landes und ihren Angehoerigen in Falle von Verletzungen oder Tod, die durch Atombombenangriffe auf Industriezentren
verursacht sind, Schutz, aerztliche Betreuung und Entschaedigung geben
sollen. Derartige Angriffe koennten von so grosser Wirkung sein, dass
die Mittel der bestehenden Versicherungssysteme erschoepft werden und
sie ihre finanziellen Verpflichtungen nicht erfuellen koennten.
lionthly Labor Review
1/51

(gflERBSCHAFTEN DER MITTELLJEERLAENPAR RUSSTfcM SICH ZUM KAUFT Gi.GEN PIK
KOMMUNISTISCHEN SABOTEURE
In den Haefen des Mittelneers von üran bis Haifa, von Piraeus bis
Marseilles ruesten sich die Gewerkschaften der Seeleute und Hafenarbeiter
zum Kampf gegen die kommunistischen Saboteure.
Waehrend die Diplomaten ueber die hoehere Strategie zur Verhinderung
der kommunistischen Aggression debattieren, gehen diese Seeleute und
Hafenarbeiter in realistischer Weise in ihrem eigenen Wirkungsbereich
energisch an dieses Problem heran und stehen mit Faeusten und Schultern
und geistigen Waffen bereit, die sie in ihrem Kampf verwenden koennen.
Die Schiffe und Waffenlieferungen fuer die westeuropaeische Verteidigung werden mit allen Mitteln gegen die kommunistische Sabotage verteidigt werden - diese Warnung hat das Mittelmeerkomitee der Internationalen
Transportarbeiter-Foederation ausgesprochen.
Dieses Aktivistenkomitee der Gewerkschafter wird von Pierre FerriPisani, einem langjaehrigen Gewerkschaftsführer im Hafen Marseilles,
gefuehrt. Es wird ferner von einem amerikanischen Gewerkschafter dabei
massgeblich unterstuetzt, naemlich von Irving Brown, dem europaeischen
Vertreter der AFL.
In einigen europaeischen Haefen hat die Ankunft von Schiffen, die
mit Marshall-Plan-Guetern oder mit Waffen fuer die Verteidigung der
Staaten des Nordatlantik-Paktes beladen waren, feindselige kommunistische
Demonstrationen und die Weigerung ausgeloest, diese Schiffe zu entladen.
Das Mitteloeerkomitee sieht ueber diese Vorfaelle hinaus in die kuenftige
Entwicklung und bereitet sich auf die Moeglichkeit vor, dass konmunistische Widersacher versuchen, Schiffe oder Ladungen in Besitz zu nehmen,
zu versenken oder zu zerstoeren.
Dadurch, dass komuunistische "Aktivisten" in Schiffsmannschaft«!,
Hafenarbeiterkolonnen, Seeleute- und Haf snarbeitergev-erkschaften eingesickert sind,rauessendie Verteidiger der westeuropaeiachwi Kultur in
den freien Gewerkschaften staendig auf der Hut sein. Fuenf ?Jaenner sollen
bekanntlich in der Lage sein, ein ganzes Schiff in Besitz zu nehmen. Deshalb ist es notwendig, dass sich an Bord jedes Schiffes mindestens fuenf
tatkraeftige anti-kommunistische Verteidiger in Alarmbereitschaft befinden, die in der Lage sein muessen, die fuenf Saboteure abzuwehren.

- 6-

�Innerhalb der Haefen gestaltet sich diese Aufgabe schwieriger.
Die Funktionaere, die das Mittelmeer-Komitee gebildet haben, sind
erfahrene Gewerkschafter, die allen organisatorischen Aufgaben gewachsen sind. Die meisten von ihnen haben ihren physischen und
moralischen Mut bereits unter Beweis gestellt.
Seit der Gruendung des Komitees im Sommer vorigen Jahres in Neapel
und auf einer kuerzlichen Tagung in Marseilles waren Brown und FerriPisani staendig den Anfeindungen der kommunistischen Presse ausgesetzt,
die sich dagegen wandte, dass Lieferungen fuer die europaeische Verteidigung entladen und fuer Korea und Indochina bestimmte Schiffe beladen werden.
Diese beiden Fuehrer und ihre Verbuendeten im Komitee brachten
jedoch in der kaempferischen Sprache ihrer EntSchliessungen und anderer
Verlautbarungen, die sie anlaesslich der Sitzung in Marseilles herausgaben, ihre iintschlossenheit zum Ausdruck, jedem Sabotageversuch der
Komrauriisten die Stirn zu bieten. Das Komitee arbeitet groesstenteils
auf vertraulicher 3asis und beschaeftigt sich mit den besonderen Problemen
der Haefen Frankreichs, Griechenlands, Italiens, Israels, Maltas,
Algeriens, Tunis1 und Marokkos. Der Inhalt dieser vertraulichen Besprechungen kommt jedoch in den irklaerungen deutlich zum Ausdruck, die
sich gegen die Agenten Moskaus richten, und in denen der Kreml beschuldigt wird, sich in illegaler "eise in den Haefen vieler Nationen
in deren Schiffahrt einzumischen.
Ferri-Pisani erklaerte, warum es notwendig sei, vertrauliche
Sitzungen abzuhalten. "Unsere Organisation ist weder eine Geheimorganisation noch ist sie illegal," sagte der franzoesiche Gewerkschafter. "Aber
wir muessen alle moeglichen Sicherheitsmassnahmen treffen, um zu vermeiden, dass unsere Feinde, die darauf geschult sind, sich Informationen
zu verschaffen, unsere Plaene erfahren."
Brown versprach vor der Konferenz in Marseilles, dass den freien
Arbeitern Europas in ihrem Kampf gegen den sowjetischen Imperialismus
weiterhin die Unterstuetzung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zuteil wuerde.
"VJir kaempfen fuer die gleiche Sache, l.'ir sind der festen Ueberzeugung, dass Hafenarbeiter und Seeleute eine wesentliche Holle in der
Verteidigung der demokratischen ..'elt spielen."
SCA Labor Information

n/i/51
OSTBKRLINER ARBKITSR aiiHALTüN DOCH IHRL \.TEIHNACHTSGRATIFIKATION

Berichten des amerikanischen Arbeitsministeriums zufolge haben die
Arbeiter in Ostberlin nun doch ihre traditionelle Weihnachtsgratifikation
erhalten.
Kurz vor '..'einnachten hatte sich der kommunistisch beherrschte Freie
Deutsche Gewerkschaftsbund in Ostberlin gegen die Ausbezahlung der
Gratifikation in verstaatlichten Betrieben ausgesprochen, weil sie mit
dem Grundsatz "unvereinbar" sei, dass sich die Loehne nach dem Ausstoss
richten muessen. Die Auszahlung der Gratifikationen war in privaten
Unternehmen noch gestattet, aber nur unter der Bedingung, dass der Unternehmer alle Steuern, Sozialversicherungsbeitraege usw. abgefuehrt hat
und die Gratifikationen aus den Gewinnen bezahlt werden.

-7 -

�Die Reaktion der Arbeiter auf dieses Verbot hin war jedoch
so unguenstig, dass das Politbuero der kommunistischen Partei Ostberlins das Verbot mit der Begruendung rueckgaengig machte, das
Prinzip der Angleichung der Loehne an den Ausstoss habe sich noch
nicht genuegend durchgesetzt, um ein derartiges Verbot zu rechtfertigen.
Labor Press Service
1/29/51

W K DIU IRANISCHEN GrT.SRK SCHÄFTEN UNTERSTUETZT \&amp;IiDKN
Experten in Arbeitsfragen aus dem Iran studieren gegenwaertig
die gewerkschaftliehe Organisation und die Handhabung der Arbeitsgesetze durch die Regierung der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig ist
ein Sachverstaendiger fuer das Lehrlingswesen aus dem US-Arbeitsministerium in Iran taetig. Sie alle naben das Ziel vor Augen, die
Arbeitsbedingungen der iranischen Arbeiter zu verbessern.
Cyrus Majd, ein Hauptberater im iranischen Arbeitsiainisterium,
besuchte im Januar unter dem Protektorat des Bueros fuer internationale
Arbeitsangelegenheiten im US-Arbeitsministerium amerikanische Gewerkschaften und Betriebe. Majd ist Mitglied des iranischen Gewurkschaftsbundes ESKI. ESKI ist dem nichtkornmunistischen Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften angeschlossen, dem auch alle groesseren US-Gewerkschaften angehoeren.
Das Frauenbuero im US-Arbeitsministerium hat ein Darlehen gewaehrt,
aufgrund dessen ein sechsmonatiger Studienaufenthalt in den Vereinigten
Staaten ermoeglicht wird. Von dieser Lioeglichkeit macht zurzeit Dr.
Kechnineh Kazimi Gebrauch. Das Darlehen wurde im Rahmen des Programms
der amerikanischen Regierung fuer die Zusammenarbeit mit anderen Laendern
zur Verfuegung gestellt. Dr. Kazimi, der Leiter des Bueros fuer Frauen
und jugendliche Arbeiter sowie fuer industrielle Hygiene im iranischen
Arbeitsministeriura ist, besucht Schulen und Betriebe in den Vereinigten
Staaten.
Auch Habib Naficy weilte kuerzlich in den Vereinigten Staaten und
ist nach einer Studienreise durch Amerika, die vom Buero fuer internationale Arbeitsangelegenheiten im US-Arbeitsministerium unterstuetzt
wurde, in sein Land zurueckgekehrt. Naficy, der ein Fuehrer der Bewegung fuer soziale Gesetzgebung, ein einflussreiches Arbeitsministerium
und demokratische Gewerkschaften ist, war in der Zeit von 1946 bis 1950
mit einigen Unterbrechungen stellvertretender Arbeitsminister.
Leon C. Shingledecker, ein Experte fuer industrielle Ausbildung im
Buero fuer Lehrlingswesen des US-Arbeitsministeriums, ist jetzt fuer
zwei Jahre nach dem Ir^n geschickt worden, um dieses Land bei der Ausarbeitung eines wirksamen Programms zur Ausbildung von Industriearbeitern
zu unterstuetzen. Zu seiner Aufgabe gehoert auch, dass er in bestimmten
Betrieben Projekte zur praktischen Veranschaulichung ausarbeitet und der
iranischen Regierung bei der Loesung ihrer umfassenden Ausbildungsprobleme hilft.
Vor 1945 bestand im Iran keine Behoerde in der Regierung, die sich
mit Arbeitsproblemen befasst haette. Im Jahre 1945 wurde als Teil des
Ministeriums fuer Handel und Industrie ein "vorlaeufiges Amt fuer
Arbeitsangelegenheiten" gegruendet. Das gegenwärtige Arbeitsministerium entstand im Mai 1946 gemaess den Bestimmungen eines Arbeitsgesetzes, das von Naficy unterstuetzt worden war, der damals Leiter des

- 8 -

�vorlaeufigen Amtes fuer Arbeitsangelegenheiten war.
Das erste und grundlegende Arbeitsgesetz von 1946 wurde durch
eine Gesetzesvorlage abgeaendert, die im Juni 1949 bewilligt wurde.
Es enthaelt allgemeine Bestimmungen ueber Loehne, Arbeitszeit,
Urlaub, Entlassungsbedingungen und dergleichen. Ferner findet in
diesem Gesetz die Frage der industriellen Gesundheit und Sicherheit
sowie der Versicherung, der Rechte der Gewerkschaften, der Schiedsgerichtsbarkeit zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten usw. Beruecksichtigung.
Labor Press Service
1/29/50

ERFOLGE DER AMERIKANISCHEN AUTOMOBILARBEITERGE'.'ERKSCHAFT
Die Automobilarbeitergewerkschaft des CIO nimmt fuer sich den Ruf
in Anspruch, mit 1.250.000 Mitgliedern die groesste Gewerkschaft in
Amerika zu sein. In einem Bericht an die Mitglieder der Gewerkschaft
prophezeit ihr Vorsitzender VJalter P. Reuther, dass sie bis zur Eroeffnung des naechsten Jahreskongresses am 1. April 1951 in Cleveland
eine Mitgliederzahl von 1.300.000 erreicht haben duerfte.
In dem jetzt veroeffentlichten Bericht wird festgestellt, dass die
Gewerkschaft seit ihrem letzten Kongress im Juli 1949 250.000 neue
Mitglieder geworben hat. Der Bericht gibt sodann einen Ueberblick
ueber die Lohnpolitik der Gewerkschaft und rechtfertigt ihre Haltung
in der Frage der Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten. Die
Stufen-Klausel hat den Arbeitern, die den Bestimmungen der Tarifvertraege unterliegen, im September 1950 eine Lohnerhoehung von fuenf Cents
und im Dezember eine von drei Cents eingebracht. Nach den letzten
Informationen wird eine weitere Lohnaufbesserung im Maerz vorgenommen
werden.
Reuther erklaerte^ dass diese Erhoehungen nicht inflationistischer
Natur seien, da sie gegenueber den Bewegungen im Verbraucherpreisindex
um 90 Tage zurueckbleiben. Sie verursachten auch keine Preissteigerung.
Ihr Zweck sei lediglich, den Arbeitern einen Ausgleich zu bieten, nachdem derartige Preissteigerungen bereits eingetreten seien.
Er sagte voraus, dass der Lohnstabilisierungsausschuss die Automobilarbeite rgewerkschaft in ihren Bemuehungen zur Angleichung der Loehne an
die Lebenshaltungskosten und in der Verwirklichung automatischer Anpassungstarife unterstuetzen und die Fuenf-Jahresvertraege schuetzen
wird, die sich auf den groessten Teil der Automobil-Industrie erstrecken.
Im Jahre 1949 habe die Gewerkschaft ihr Hauptaugenmerk auf die
Sozialversicherung gerichtet. Dadurch, dass sie kurz nach dem Kongress
in Milwaukee den Vertrag mit den Ford-l.'erken als Musterbeispiel erklaert
habe, haette sie klar zu erkennen gegeben, dass 1949 das Jahr war, in
dem die Automobilarbeitergewerkschaft die Absicht hatte, mit den bestehenden bisherigen Wirtschaftlichen und moralischen Masstaeben der
Automobil-Industrie aufzuraeumen.
'".Vir waren der Auffassung", erklaerte Reuther woertlich, "dass eine
Industrie, die es sich erlauben kann, Betriebsleitern hohe Pensionen zu
zahlen, obwohl diese nicht darauf angewiesen sind, auch den Arbeitern
Pensionen zahlen muss, die sie wirklich brauchen."
Der mit den Ford-..'erken abgeschlossene Pensionsvertrag war der erste,

- 9-

�in dem drei grundlegende Prinzipien verankert waren, die fuer einen
gesunden Pensionsplan notwendig sind, - naemlich ein Pensionsplan,
fuer den die Arbeiter keinerlei Abgaben zu entrichten haben und der
allein von den Unternehmern finanziert wird, ferner Pensionszahlungen,
die durch einen wirklich gesunden Pensionsfonds gesichert sind, zu
dem die Unternehmer beisteuern muessen, damit die Kosten fuer fruehere
und zukuenftige Unterstützungen an die Arbeiter gedeckt werden
koennen, und ein gemeinsamer Verwaltungsausschuss, der die Durchführung des Planes ueberwacht und von den Vertretern der Gewerkschaft
und der Gesellschaft paritaetisch besetzt ist.
Diese neu aufgestellten Prinzipien haben die Sozialversicherungsunterstuetzungsmassnahmen fuer das gesamte amerikanische Volk verbessert.
"Unsere Ziele", erklaerte der Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft, "gehen dahin, unseren Arbeitern eine iündestpension von
200 Dollar zu sichern und darueber hinaus durchzusetzen, dass sie beim
Wechsel ihres Arbeitsplatzes von einem Unternehmen zu einem anderen
ihren Pensionsanspruch nicht verlieren."
In Detroit und Toledo sei bereits ein Anfang gemacht worden. Hier
kann ein Arbeiter seinen Arbeitsplatz innerhalb einer bestimmten Gruppe
von Unternehmen wechseln, ohne den Anspruch auf Pensionen zu verlieren,
weil ein gemeinsamer Pensionsfonds besteht.
tfM Gesundheits- und aerztliche Betreuungsprogramme sowie Krankenund Invalidenversicherung betrifft, seien in den kleineren Unternehmen
groessere Fortschritte als in den grossen erzielt worden. Die Automobilarbeitergewerkschaft habe Vertraege abgeschlossen, die sich auf nahezu
1.250.000 Arbeiter erstreckte und in denen woechentliche Kranken- und
Invalidenunterstuetzungen von 28 und 45 Dollar vorgesehen seien.
Im Rahmen dieser Pensionsprogramme gelang es, die Unternehmer zu
bewegen, die Kosten fuer Lebensversicherungen fuer pensionierte Arbeiter
zu tragen. Der Verkauf von ArbeitsVersicherungen sei jedoch noch immer
ein eintraegliches Geschaeft. Die Gewerkschaftsmitglieder zahlen noch
immer durch ihren Beitrag zur Versicherung Millionen von Dollar, die
durch allerlei Vereinbarungen der Unternehmer mit den Versicherungsgesellschaften der Industrie wieder zufHessen.
Auf dem naechsten Jahreskongress wird Reuther die Delegierten auffordern, die Gruendung einer Versicherungsgesellschaft der Automobilarbeitergewerkschaft zu billigen, die ohne Gewinn arbeiten soll. "Die
Gewerkschaft sei gross genug," sagte Reuther, "um ihre Mitglieder auf
gegenseitiger Basis selbst zu versichern und betraechtliche Betraege
fuer die Arbeiter zuruecklegen zu koennen.
Es ist mit Sicherheit damit zu rechnen, dass auf dem AutomobilArbeiter-Kongress im April eine Erhoehung der Gewerkschaftsbeitraege und
d»r Kopfsteuer beschlossen wird. Die Beitraege sind seit 1946 nicht erhoeht worden. Sie sind die niedrigsten aller groesseren Gewerkschaften
Amerikas (monatlich 1,50 Dollar) und, nach Aussage Reuthers, reichen sie
nicht aus, um die Unkosten der Gewerkschaft im Jahre 1951 zu decken.
Der naechste groessere Schritt der Gewerkschaft auf dem Gebiet der
Tarifverhandlungen ist der Kampf um einen garantierten Jahreslohn.
Reuths»' erklaerte, die Zeit der langfristigen Vertraege wuerde ausgenützt werden, um Unterlagen zu sammeln und vorzubereiten, um die Forderung
nach einem festgesetzten Jahreslohn rechtfertigen zu koennen.
Er versprach ferner, dass die Gewerkschaft in Uashington ihren Kampf
um eine gerechte Verteilung der Lasten und ein Mobilisierungsprogramm

- 10 -

�fortsetzen werden.
Labor News fron the United States
February 16, 1951

LOHNENTUICKLUNGEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Die fortgesetzten und weitverbreiteten Bestrebungen nach einer
allgemeinen Erhoehung der Loehne hat im Lohnabkommen zwischen der U.S.
Steel Corporation und der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO im November
vorigen Jahres ihren Hoehepunkt gefunden» Fast unmittelbar danach
folgten aehnliche Abkommen mit anderen bedeutenden Stahlerzeugern.
Die Stahlarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO) hat mit den zwei
groessten Stahlerzeugern, der U.S. Steel Corporation und der Bethlehem
Steel Corporation Vertraege abgeschlossen und in neun Stahlfabriken sind
im Laufe des Monats November "Union-Shop"-.'ahlen zu den Gunsten der
Gewerkschaften entschieden worden.
Der Vertrag mit der U.S. Steel Corporation, der am 30. November nach
sechs-woechigen Verhandlungen abgeschlossen wurd^, sah, mit Wirkung vom
1. Dezember Lohnerhoehungen von durchschnittlich 16 Cents pro Stunde vor.
Diese Erhoehun;;en variieren von mindestens 12|- Cents pro Stunde fuer die
niedrigsten Lohngruppen bis zu 28 Cents fuer die hoechsten. Die Arbeiter
in den Fabriken der Tennessee Kohle -Eisen-und Eisenbahn-','erken erhalten
zusaetzlich 4«? Cents pro Stunde, wodurch die Ortsklassenunterschiede in
den noerdlichen und suedlichen Zweigbetrieben der U.S. Steel Corporation
um 10 Cents reduziert werden. An der Ablauffrist des bestehenden Vertrages, naemlich dem 31. Dezember 1951, aendert sich nichts.
Nur wenige Stunden nach der Unterzeichnung des Vertrags mit der U.S.
Stsel Corporation wurde ein Abkommen mit der Bethlehem Steel Corporation
erzielt, in dem aehnliche Lohnerhoehungen vorgesehen sind. Unmittelbar
hierauf folgten Vertraege mit der Jones und Laughlin Stahl Corporation,
Republic Stahl Corporation, Youngstown Blech-und Roehren-Corporation
und Allegheny Ludlun Stahl Corporation, in denen aehnliche Bestimmungen,
wie in dem Vertrag mit den U.S. Steel ',,'erken enthalten sind.
V/aehrend im November Lohnverhandlungen gefuehrt wurden, fuehrte der
Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen gemaess dem Gesetz ueber ArbeitgeberArbeitnehmer Beziehungen aus dem Jahre 1947 in neun stahlerzeugenden
Unternehmen "Union-Shop"-'.'ahlen durch.
In allen Betrieben sprach sich die Mehrzahl der Arbeitnehmer fuer den
"Union-Shop" aus und ermoeglichte es damit der Gewerkschaft, in den Tarifverhandlungen mit UnternehmernMUnion-Shop^BestimcBungen zu vereinbaren.
Im groessten Zweigunternehmen der U.S. Steel Corporation, der CarnegieIllinois Steel Corporation, stimmten nahezu 63.000 von 82.000 stimmberechtigten Arbeitnehmern mit etwa 3:1 Stimmen fuer den "Union-Shop". "UnionShog"-Uahlen wurden ferner in folgenden Unternehmen durchgefuehrt: National
Roehren Company, Ailegheny-Ludlum Stahl Corporation, American Stahl und
Draht Company, American Bridge Company und Laughlin Steel Corporation,
Crucible Steel Company und Sharon Steel Corporation.
Ende Oktober fuehrte der Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen Vertreterwahlen fuer die Arbeitnehmer der ','eirton Steel Corporation in Ueirton
('.'est-Virginia) durch. Die unabhaengige Stahlarbeitergewerkschaft setzte
sich dabei mit 7.291 gegen 3.454 Stimmen gegen die Stahlarbeitergewerkschaft des CIO durch. Nur 267 Stimmberechtigte beteiligten sich nicht an

- 11 -

�der Abstimmung.
Etwa 17.000 Arbeitnehmer der Yfestern Electric Company aus 43 verschiedenen Staaten und 16.000 Arbeiter, die bei der Michigan Bell
Telephone Company beschaeftigt sind, traten am 9. November in den Streik,
weil man sich nicht mit den Unternehmern ueber Loehne und die Dauer der
Tarifvertraege einigen konnte. Der Streik hielt an, und die Arbeiter
stellten vor den Telephonfabriken und Bueros bis zum 19. November Streikposten. Zu diesem Zeitpunkt kamen neue Vertraege zwischen den Unternehmern und der Gewerkschaft der Telephon-und Telegraphenarbeiter (CIO)
zustande.
In den Tarifvertraegen der Vestern Electric Company sind Lohnaufbesserungen fuer Installationsarbeiter von durchschnittlich 11,3 Cents
pro Stunde, von 10,3 Cents fuer Lagerarbeiter und 10,1 Cents fuer
Produktionsarbeiter in der Fabrik in Haverhill vorgesehen, die der
Company gehoert. Alle diese Vertraege haben eine Gültigkeitsdauer von
15 Monaten und laufen am 15. Februar 1952 ab. In dem Tarifvertrag der
Michigan Bell Company werden die Lohnerhoehungen der Arbeiter von Detroit
von 3 Dollar auf 5 Dollar woechentlich heraufgesetzt. Ortsklassenunterschiede zwischen Detroit und kleineren Staedten wurden durch eine Neuklassifizierung 63 verschiedener Staedte reduziert. Dadurch wurden die
Wochenloehne stellenweise um 9 Dollar erhoeht.
Am 19. November wurde von den vier groessten Fernsehsendern und der
sogenannten "Television Authority" ein vorlaeufiger Zwei-Jahresvertrag
unterzeichnet. Diese Organisation repraesentiert etwa 25.000 Angestellte
des Rundfunk- und Fernsehwesens, die fuenf Zweigorganisationen der Gewerkschaft der Schauspieler und Kuenstler Amerikas (AFL) angehoeren,
naemlich der amerikanischen Schauspieler-Vereinigung, dem amerikanischen
Verband der Rundfunkkuenstler, der amerikanischen Gilde der Musiker, der
Gilde der Variete -Kuenstler und der Vereinigung der Chorsaenger.
In dem Vertrag wurden folgende Mindestloehne festgesetzt:
1. Fuer Schauspieler 50 bis 170 Dollar pro Vorfuehrung je nach
der Zahl der Zeilen, die zu sprechen sind, der Dauer der Vorfuehrung und der Zahl der erforderlichen Probenstunden.
2. Fuer volkstuemliche Darbietungen 200 Dollar fuer einen einzigen
Auftritt bis zu 475 Dollar fuer vier Auftritte.
3. Fuer Sportberichterstatter 200 Dollar fuer jeden Bericht einer
groesseren Veranstaltung oder 550 Dollar woechentlich fuer
sieben Veranstaltungen der gleichen Sportart.
Auf provisorischer Basis wurde auch ein Abkommen zwischen den bedeutendsten Rundfunksendern und der amerikanischen Gewerkschaft des Rundfunkpersonals abgeschlossen. In ihm ist eine Erhoehung der Mindestlohntarife von 15 bis 20# vorgesehen, was sich auf etwa 5.000 Schauspieler
und Sprecher des Rundfunks auswirken wird.
Nahezu 60.000 Mitgliedern der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidung sarbeiter (AFL) in New York, New Jersey und Connecticut
wurde von Sol A. Rosenblatt, dem unparteiischen Vorsitzenden der Industrie
fuer Damenmaentel und -Kostueme in New York, mit 'Tirkung vom 20. November
eine Lohnerhoehung von fuenf Dollar in der 'Joche gewaehrt. Die Gewerkschaft
und die Unternehmer hatten sich an Rosenblatt gewandt, nachdem sie auf dem
Verhandlungsweg keine Einigung erzielen konnten. Die Stundenloehne der
Arbeiter wurden um 142 Cents erhoeht. Die Lohnerhoehungen fuer Akkordarbeiter werden auf prozentualer Basis errechnet.
David Dubinsky, der Vorsitzende der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, erklaerte, dass diese Lohnerhoehung bahnbrechend sein wuerde,

-12-

�um fuer 370.000 weitere Mitglieder der Gewerkschaft in den Berufen und
Industriezweigen der Bekleidungsherstellung im Zustaendigkeitsbereich
der Gewerkschaft Lohnerhoehungen aufgrund der Steigerung der Lebenshaltungskosten durchzusetzen.
Nachdem das Buero fuer Arbeitsstatistik im November mitgeteilt
hatte, dass der Verbraucherpreisindex in der Zeit vom 15. Juli bis
15 Oktober von 172,5 auf die zuvor nie erreichte Zahl 174,8 gestiegen
sei, wurde etwa einer Million Arbeiter aufgrund dieser Erhoehung eine
Lohnaufbesserung gewaehrt. Vor allem kamen hierfuer mehr als 600.000
Arbeiter der Automobilindustrie in Frage, in deren Tarifvertraegen
Stufen-Klauseln enthalten sind. Diese Automobilarbeiter erhielten mit
V.'irkung vom 1. Dezember Stundenlohnerhoehungen von drei Cents.
Am 12. November kam zwischen den Kugellagerwerken Timken und der
Stahlarbeitergewerkschaft des CIO ein Abkommen zustande, in dem 16.000
Arbeitern in sechs Betrieben in Ohio eine Lohnerhoehung von 10$ zugesprochen wurde. Der Vertrag, der bis Juli 1952 gueltig ist, enthaelt
keine Bestimmungen ueber eine Neuaufnahme von Lohnverhandlungen.
Eine Reduzierung der Grundarbeitszeit von 225 auf 210 Arbeitsstunden im lionat ohne einen finanziellen Verlust wurde von einem Krisenausschuss des Praesidenten zu Anfang November fuer 1.800 Pullman
Lokomotivfuehrer vorgeschlagen. V.'enn das Pullman-Unternehmen und die
Gewerkschaft der Lokomotivfuehrer im Staate Indiana mit diesem Vorschlag
einverstanden waere, wuerde sich eine Lohnerhoehung von etwa 10 Cents
pro Stunde ergeben.
Die Elektrogesellschaft Mestinghouse und die Gewerkschaft der Vereinigten "lektro-, Radio- und Ilaschinenarbeiter schlössen einen neuen
Vertrag ab, durch den 19.000 Arbeiter in 21 Betrieben rueckvirkend zum
18. Dezember Stundenlohnerhoehun en von 10 Cents erhalten. Der Vertrag,
der mit ','irkung von 1. November ein Jahr Gueltigkeit hat, sieht vor, dass
fuenf Monate nach Inkrafttreten des Vertrags neue Lohnverhandlungen aufgenommen werden koennen.
Monthly Labor Review
1/51

DIE INVALI^NUNT^tSxUJTZUNG IN DER US-BEKLEIDUMGSINDUSTRia
Von den Gewerkschafts- und Unterneiimervertretern im Vereinigten
Versicherungsfonds ist fuer die gesamte Industrie vor kurzem ein Abkommen
getroffen worden, nach den die Arbeiter der Herren- und Kiwbenbekleidungsindustrie, die total und dauernd erwerbsunfaehig sind, Pensionen auch dann
erhalten, wenn sie das Pensionsalter von 65 Jahren noch nicht erreicht
haben.
Funktionaere der Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter Amerikas und
der Arbeitgebervereinigung erklaerten, dass damit zum erstenmal auf
industrieweiter Basis dauernd und total Erwerbsunfaehigen Pensionen gesichert seien.
Von den 150.000 Bekleidungsarbeitern, fuer die die Gewerkschaft
Tarifvertraege abgeschlossen hat, v/erden diejenigen Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben, die 20 Jahre in der Industrie beschaeftigt waren und
deren Arbeitgeber ,/iindestens zwei Jahre vor Beginn ihrer Unterstuetzungsberechtigung regelmaessig 3% ihres Y.'ochenlohnes in den Versicherungsfonds
gezahlt haben. Die Arbeitsunfaehigkeit muss nach dem 1. Juli 1947 einge-

- 13 -

�treten sein.
Ln Rahmen eines Pensionsplanes der Bekleidungsarbeitergewerkschaft,
der seit Januar 1947 Gueltigkeit hat, erhalten mehr als 6000 pensionierte
Bekleidungsarbeiter zusaetzlich zu ihren Pensionen aus der bundesstaatlichen Sozialversicherung monatlich 50 Dollar, wodurch ihr Gesamteinkommen auf durchschnittlich 116 Dollar pro Monat erhoeht wird, wenn
sie das 65. Lebensjahr erreicht haben. Diejenigen Bekleidungsarbeiter,
die vor Erreichen des 65. Lebensjahres Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben, erhalten monatlich 50 Dollar aus den Industriefonds.
Mit 65 Jahren steht ihnen eine zusaetzliche Unterstuetzung aus der bundesstaatlichen Sozialversicherung zu.
Labor News frora the United States
2/16/51

MAaSHALLPLAMADmtilS'lViATOa WILLIAM G. POSTER ZUR EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSLAGE
Kurz vor seiner Abreise gab William G. Foster, der Administrator fuer
den Marshallplan, vor franzoesischen Journalisten ein Interview, das
folgenden Wortlaut hatte:
Kein Buerger der freien V.'elt braucht daran erinnert zu werden, dass
wir in einer Zeit grosser Gefahren leben. Wir werden mit kriegerischen
Massnahmen von jenen bedroht, die gern die Freiheiten zerstoeren moechten,
aber auch die Kulturen und die verschiedenen Lebensformen, die in Jahrhunderten hervorgebracht wurden.
Aber auch in dieser Zeit der Krise ist es selbstverstaendlich, dass
Schiessereien nieiiials in sich selbst eine Loesung der Probleme menschlicher
Beziehungen darstellen. Die Geschichte zeigt, dass es moeglich ist, einen
Krieg zu gewinnen und doch dabei versagen kann, eine bessere Loesung der
Hauptprobleme zu finden. Es ist deshalb eine dringende Notwendigkeit, dass
wir als freie Menschen auf friedlichem Wege wirkliche Loesungen suchen
muessen. Uir muessen, wie mein Freund Paul Hoffman es ausdrueckte, "den
Frieden weiterfuehren".
Wir muessen auch dann so handeln, wenn wir kluge und jetzt notwendig
werdende Schritte wie den der Wiederaufrüstung gehen. Das ist das Mittel,
das der freie Mensch jetzt ergreifen muss. Es lehnt die These des
Schiessens, des Bombenwerfens und aller den Krieg begleitenden Schrecken
ab.
Wir sind uns darueber im klaren, dass unsere Ruestung, die in Verbindung mit militaerischer Bereitschaft steht, Bestandteile moralischer,
politischer und wirtschaftlicher Natur enthalten muss.
Mein Hauptinteresse liegt natuerlich beim Marshallplan. Der moralische
und politische Glaube, den die alte Welt mit der neuen teilt, findet jetzt
seinen wirtschaftlichen Ausdruck in den vereinten Anstrengungen, die
materiellen Lebensbedingungen der Maenner, Frauen und Kinder Westeuropas
zu erhoehen.
Die Marshallplanverwaltung hat wiederholt ihr Interesse zum Ausdruck
gebracht, die europäische Produktion zu steigern, und zwar nicht allein
durch den Export, obgleich dieser ein Schluessel zum besseren europaeischen
Lebensstandard ist. Aber wir begruessen jede hoehere Produktion, da es

- 14 -

�dann mehr industriell hergestellte Gueter gibt, die unter den
europaeischen Voelkern zur Verteilung kommen koennen.
Die freien Gewerkschaften bestehen darauf, dass die Arbeiterschaft einen gerechten Anteil an den Erfolgen ihrer Arbeitsleistungen
hat.
Dies ist gerecht und selostverstaendlich, aber die Marshallplanlaenderrauesseneinen weit groesseren Produktionsurafang erreichen,
damit die Anteile fuer jeden einzelnen groesser werden koennen. Ich
habe der Verwaltung fuer europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit
vorgeschlagen, dass Kuropa seinen jaehrlichen Ausstoss von dem Stande
des letzten Jahres mit 160 Milliarden Dollar auf 260 Milliarden in
diesem Jahre steigert. Das kann durchaus erreicht werden. Die Vereinigten Staaten mit nur 150 Millionen Einwohnern haben im Gegenaat»
zur westeuropäischen Bevoelkerung mit 270 Millionen fuer fast 300
Milliarden Dollar Gueter produziert.
Ich glaube, dass dieses Ziel sogar erreicht werden kann und die
notwendigen Anstrengungen mit ganzem Herzen durchgeführt werden, wann
am 30. Juni 1952 der Marshallplan zu Ende geht. Bei der Groesse der
Verteidigungsaufgaben, die uns von der kommunistischen Ruestung aufgezwungen werden, und die immer klarer werden, rueckt die Notwendigkeit fuer gesteigerte europaeische Produ-ctionsanstrengungen immer
schaerfer in den Blickpunkt.
Es ist der einzige V.'eg, den Lebensstandard auf einer vernuenftigen
Ebene zu behaupten, waehrend gleichzeitig eine staerkere 'Wirtschaft und
ein staerkerer militaerischer Schutz aufgebaut wird. Ich kann nicht
versprechen, dass dies leicht sein wird. Alle Formen wirtschaftlicher
Belastung werden jetzt der amerikanischen Wirtschaft auferlegt. Es ist
unvermeidlich, dass einige dieser Lasten sich in der Hilfe zurueckspiegeln, die wir Westeuropa geben koennen. Da wir jedoch das gleiche
Ziel haben, werden wir in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit die Wege
und Mittel finden, uns zu verteidigen, waehrend wir zu gleicher Zeit
gemeinsam daran wirken, den Frieden an allen Fronten zu erhalten.
General Marshall sagte, als er ueber die Wirtschaftliehe Erholung
Westeuropas sprach, dass beinahe ein Wunder vollbracht worden sei. Es
liegt heute an uns, um ein gleiches Wunder fuer die moralische,
politische, wirtschaftliche undrailitaerischeStaerke unseres Gebaeudes
zu erbitten und zu erarbeiten. Das ist das Licht der Zukunft, fuer das
wir geraeinsam voranschreiten muessen.

REGIERUNGSANGESTELLTE IN CHILE ERHALTEN GEHALTSAUFBESSERUNGEN
In Chile wurde eine 35prozentige Gehaltserhoehung fuer die etwa
100.000 Angestellten der chilenischen Regierung gesetzlich angeordnet.
Ausserdem sollen die Angestellten zwoelf verschiedener Beschaeftigungsgruppen der Regierung in hoehere Gehaltsgruppen eingestuft werden. Alle
Angestellten, die nicht hoeher eingestuft werden, erhalten eine Lohnerhoehung, die einer hoeheren Einstufung um eine volle Gehaltsgruppe entspricht. Fuer die Angestellten der juristischen Faecher ist zusaetzlich
zu der 22.6 prozentigen Gehaltsaufbesserung eine Erhoehung um 20$ vorgesehen. Familienzulagen werden um 66$ erhoeht. In dem gleichen Gesetz•
wird eine Erhoehung der Steuern vorgenommen, um die Gehaltsaufbesserungen
finanzieren zu koennen. Erhoehungen sind weiter vorgesehen fuer die
Einkommensteuern bestimmter Gruppen und fuer Steuern auf bestimmte Verbraucherartikel. Die Bestimmungen fuer Einkommensteuern sind rueckwirkend
zum 1. Januar 1950 geltend und beziehen sich demnach auch auf das Einkommen des Jahres 1949»
Notes on Labor Abroad
m/50

- 15 -

�\

DIE GEIJERKSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN BURMA
Am 21. September 1950 hat der Lxekutionsausschuss der Friedensliga
antifaschistischer Voelker (AFPFL), eine Koalition von Parteien,
Organisationen und Einzelpersonen, den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden
des burmesischen Gewerkschaftsbundes (TUC) und diesen Gewerkschaftsbund
selbst solange aus seinen Reihen ausgeschlossen, bis diese beiden
Funktionaere durch andere ersetzt sind. Es handelt sich um Thakin Lwin
und Thakin Hla Kywe, die sowohl auf politischem als auch auf gewerkschaftlichem Gebiet fuehrende Persoenlichkeiten sind. Die einzige legale
burmesische Gewerkschaftsfoederation ist zurzeit der obengenannte Gewerkschaftsbund, der unter der Schirmherrschaft der sozialistischen Partei im
Jahre 1945 gegruendet wurde, und den wichtigsten Bestandteil der AFPFL
bildet. Der TUC Burmas zaehlte gegen Ende des Jahres 1949 etwa 100.000
Mitglieder. Unterrichtete Beobachter bezeichneten diese Massnahmen der
AFPFL als einen der bedeutendsten politischen Schritte, die die Regierung
in Burma seit der Festnahme der komnunistisehen Fuehrer nach dem offenen
Aufruhr im Jahre 1948 unternojamen hat. Nach ihrer Auffassung bringt sie
die Entschlossenheit der Regierung und der sozialistischen Fuehrer zum
Ausdruck, den kommunistischen Einfluss auf die Gewerkschaftsoewegung endgueltig zu beseitigen.
Der Exekutivausschuss der AFPFL hat die beiden Funktionaere ausserdem aufgefordert, ihre Mandate im Parlament niederzulegen, die sie aufgrund ihrer Zugehoerigkeit zur AFPFL erlangt hatten. Diese Beschluesse
wurden von Premierminister Thakin Nu in seiner ?Ugenschaft als Vorsitzender
der AFPFL bekanntgegeben. Als Begruendung wurde angegeben, dass die beiden
Gewerkschaftsführer die Programme und Taetigkeiten der AFPFL staendig
bekaerapft und ins Laecherliche gezogen haetten und durch die Zersetzung
der AFPFL eine Konkurrenzorganisation ins Leben rufen wollten. Der
Premierminister erklaerte ferner, dass sie Reden gehalten haetten, deren
Inhalt mit den Grundsaetzen der AFPFL nicht zu vereinbaren sei.
Thakin Lwin hatte am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, den burmesischen
Gewerkschaftsbund TUC aufgefordert, sich dem kommunistischen Ueltgewerkschaftsbund anzuschliessen. Thakin Hla Kywe hatte am 5. September 1950
in einer Rede die militaerischen Operationen der Nordkoreaner in SuedKorea unterstuetzt.
Im Monat Oktober hatten Thakin Lwin, Thakin Hla Kywe und sieben andere
Mitglieder des burmesischen Gewerkschaftsbundes ihre Aemter in Ausschuessen
und Komitees der Regierung niedergelegt, mit denen sie als Mitglieder der
AFPFL betraut worden waren. Nach 12taegigen Verhandlungen reichten die
beiden Funktionaere ihre Ruecktrittsgesuche beim TUC ein und der Exekutivausschuss dieser Organisation beschloss sie anzunehmen.
Zum Praesidenten des TUC wurde der frühere Hauptkassierer dieser
Organisation Thakin Lu Aye ernannt. Vizevorsitzender wurde Thakin Tin
Nyunt, der parlamentarische Sekretaer des Arbeitsministeriuias, der lange
von seinem Amt als Generalsekretaer des TUC beurlaubt war. Thakin Khin
Zaw wurde vom geschaeftsfuehrenden zum staendigen Generalsekretaer der
Organisation befoerdert. Der Exekutivausschuss bewarb sich sodann um den
VJiederanschluss des TUC an die AFPFL, und am 29. Oktober kuendigte der
Exekutivausschuss der AFPFL an, dass er diesem Ersuchen stattgegeben habe.
Vor wenigen Tagen erst setzten sich Thakin Lwin und Thakin Hla Kywe"
an die Spitze einer Gruppe linksorientierter Kreise, die aus der
sozialistischen Partei austraten und die Absicht hatten, eine neue
burmesische Arbeiter- und Bauernpartei zu gruenden. Die sozialistische
Partei hat dazu entsprechende Liassnaiimen unternommen, um eine Zersetzung
der Arbeiter- und Bauernorganisation zu vermeiden.
Notes on Laoor Abroad
XI1/50

- 16 HTnv. n m* M ..iLii •• &gt;• n -

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 9

Frankfurt, 2. Maerz 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

CIO schlaegt Steuerprogramm zur Finanzierung der
Verteidigungsausgaben vor
Die Tagesordnung fuer die 12. Sitzung des M r t schafts- und Sozialrates der Vereinten
Nationen

1

3

US-Gewerkschaftsfunktionaere in Regierungsstellungen berufen

4

Der amerikanische Gewerkschaftssender WFDR

5

US-Gewerkschaftsfuehrer antwortet den Isolationisten

6

Hohe Geldstrafe fuer illegalen Streik einer
amerikanischen Gewerkschaft

13

Soziale Fortschritte in den Renault-Werken

14

Bezahlung nach Leistung fuehrt zu hoeherer
Produktion

16

CIO SCHLAEGT STEÜBRPR03RAMM ZUR FINANZIERUNG DER VERTEIDIGUNGSAUS3A3EN VOR
Der Wirtschaftsberater des CIO, Stanley Ruttenberg, hat am
21. Februar vor dem zustaendigen Ausschuss des Weissen Hauses
zum Ausdruck gebracht, dass die 16 Milliarden Dollar Steuern,
die zur Finanzierung der Verteidigungsausgaben gebraucht werden,
nicht die niedrigen Einkorumensgruppen treffen duerften.
"•Venn man die Moeglichkeiten uebersieht, die sich zur
Erhebung dieses Betrages bieten, wird man feststellen, dass der
einfache Weg nicht unbedingt der richtige sein muss," sagte er.
- 1

�Er wies auf die Gefahren hin, die entstuenden, wenn man die
Steuerlast den Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen
aufbuerden wolle, weil man der Meinung sei, dass diese Steuern
am leichtesten einzutreiben seien.
"Die Ungerechtigkeit dieser Steuertheorie duerfte fuer alle
offensichtlich sein. Millionen von Familien haben keine Mittel
im Ueberfluss, durch die die Nachfrage nach knappen Waren gesteigert werden koennte. Millionen smerikanischer Familien
haben kaum genuegend Einkommen, um sich die Mindestausgaben, dl«
fuer ein angemessenes Familienleben notwendig sind, leisten zu
koennen. Eine weitere Erhoehung der Steuern dieser Familien
wuerde ihnen die Moeglichkeit nehmen, die Waren zu kaufen, die
fuer die Erhaltung der Gesundheit und ein anstaendiges Dasein
wesentlich sind."
Das Steueraufkommen koennte nach Auffassung Ruttenbergs
dadurch vermehrt werden, dass man bestehende Luecken im Steuergesetz schliesst, was eine Erhoehung um 4,5 bis 5 Milliarden
zur Folge haette, dass ferner neue Steuern fuer Gesellschaftsunternehmen festgesetzt wuerden, was eine Steigerung um 8 oder
9 Milliarden Dollar ergeben wuerde, und dass man schliesslich
die Einkommensteuer fuer Privatpersonen erhoeht und das Steueraufkommen dadurch um 3,5 bis 4 Milliarden Dollar vermehrt.
Zu dieser Einkommensteuer schlug Ruttenberg vor, dass
Familien mit einem Einkommen von weniger als 4000 Dollar
jaehrlich keine hoeheren Steuern als gegenwaertig zahlen sollen,
und dass solchen mit einem Einkommen zwischen 4000 und 5000 Dollar nicht so hohe Steuererhoehungen auferlegt werden sollen
wie den Familien mit hoeheren Einkommen«
Er forderte, dass die uebermaessigen Gewinne der grossen
Unternehmen mit 85 % besteuert werden, und dass andere Unternehmersteuern strenger gehandhabt werden muessten, "um grosse
Gewinne als Folge des Mobilisierungsprogramms zu vermeiden."
Es schlug folgende Massnahmen zur Schliessung der Luecken
in den Steuergesetzen vor, "die die Reichen auf Kosten der
Masse der Amerikaner noch reicher machen":
1. Die Bestimmung des Einkommensteuergesetzes ueber
Gemeinschaftseigentum muss abgeschafft werden, da sie den
Familien mit Einkommen von ueber 4900 Dollar jaehrlich ermoeglicht, 2,5 Milliarden Dollar an Steuern einzusparen.
2. Die Grundstuecks- und Geschenksteuer muss erweitert
werden, wodurch das Steueraufkommen um eine Milliarde Dollar
erhoeht werden kann.
3. Die Steuern fuer Kapitalgewinne muessen von den gegenwaertlgen 25 % auf mindestens 50 % erhoeht werden.
4. Steuerverguenstigungen fuer Zinsen aus staatliehen und
lokalen Wertpapieren muessen abgeschafft werden.
5. Von Dividenden- und Zinsenzahlungen muessen wie bei
Loehnen und Gehaeltern Steuern einbehalten werden.
6. Die gegenwaertigen Steuerverguenstigungen fuer Gewinnanteile fuer die Ausbeutung von Naturachaetzen muessen abgeschafft werden.
2 -

�7. Steuern muessen nach den regulaeren Steuersaetzen auf
solche Gewinne erhoben werden, die den obersten Betriebsleitern
grosser Unternehmen durch ihr Uebernahmerecht fuer Aktien entstehen, die sie zu Preisen kaufen koennen, die weit niedriger
als die regulaeren Marktpreise sind.
8. Die gegenwaertige "Ausgleichsteuer" fuer Lebensversicherungsgesellschaften muss ausgedehnt werden, um eine "ungerechtfertigte bevorzugte Behandlung" dieser Gesellschaften zu vermeiden.
Daily News Service
11/21/51
D I g TAGESORDNUNG FUER DIE 1 2 . SITZUNG DES WIRTSCHAFTE- UND
SÖZTALRATES DAR ygREiyiiar NATIÖNBE

Aus der vorlaeufigen Tagesordnung, die von den Vereinten
Nationen veroeffentlicht wurde, geht hervor, dass auf der Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen,
die am 20. Februar in Santiago begonnen hat, mehrere Fragen zur
Debatte standen, die fuer die Gewerkschaftsbewegung von besonderer Bedeutung sind. Hierzu gehoertea:
1. Die Weltwirtschaftslage - in der Debatte zu dieser Frage
wurde der Vorschlag des IBFG fuer internationale Abmachungen ueber
Verbrauchsgueter zur Debatte gestellt, durch den die Preise der
lebenswichtigsten Verbrauchsgueter stabilisiert werden sollen.
2. Der Entwurf einer Vereinbarung ueber Menschenrechte und
Massnahmen zu ihrer Verwirklichung.
3. Zwangsarbeit und Massnahmen zu ihrer Beseitigung - Besprechung und Entscheidung ueber eine Entschliessung der Vereinigten Staaten und Englands zur Bildung einer gemeinsamen
Untersuchungskomission der Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation, die bereits in der 11. Sitzung
eingebracht, aber bis zur 12* Sitzung vertagt worden war.
4. Gewerkschaftliche Rechte - Entscheidung ueber die
Behandlung der Beschwerden, die von acht Gewerkschaftsorganisationen wegen Verletzung gewerkschaftlicher Rechte gefuehrt wurden.
Diese Beschwerden wurden eingereicht von:
a) dem IBFG, der Sowjetrussland beschuldigt, die Interessen der Gewerkschaftsbewegung denen der kommunistischen Partei
untergeordnet zu haben und wirkliche Gewerkschaften voellig zu
unterdruecken;
b) dem Weltgewerkschaftsbund, der die Japanische Regierung
und die amerikanische Besatzungsmacht beschuldigt, die Japanischen
Arbeiter zu unterdruecken und sich zu weigern, der Japanischen
kommunistischen Partei die politische und soziale Betaetigung zu
erlauben;
c) der allgemeinen Union der spanischen Exilgewerkschaften,
(in Toulouse, Frankreich) die den Vorwurf erhebt, dass seit
Maerz 1939, "dem Zeltpunkt, als die falanglstlsche Diktatur die
politische Herrschaft ueber Spanien mit Gewalt an sich riss",
dem spanischen Arbeiter alle gewerkschaftlichen Rechte versagt
wurden. In der Beschwerde heisst es, dass die Bestimmungen der
sogenannten "vertikalen" Gewerkschaften, die In Spanien zur Zeit
gueltig sind, von der Regierung vorgeschrieben und den Arbeitern
aufgezwungen wurden. (Die klagefuehrende Gewerkschaft ist Mitglied des IBFG).
- 3 -

�d) der Gewerkschaft "De Metaal" (Amsterdam), die sich
darueber beschwert, dass verschiedene Unternehmer in der Metallindustrie den gewaehlten Delegierten hei der Ausfuehrung ihrer
Arbelt fuer die Gewerkschaft, der sie angehoeren, Schwierigkeiten machen, und sie sogar mit Entlassung bestraften. Die
Gewerkschaft fordert die Regierung auf, Massnahmen zum Schutze
der gewerkschaftlichen Rechte der hollaendischen Arbeiter zu
ergreifen. (Diese Gewerkschaft ist dem EVC angeschlossen, der
seinerseits Mitglied des IBFG ist.)
e) dem allgemeinen franzoesischen Gewerkschaftsbund CGT,
der kommunistisch orientiert ist und der der amerikanischen
Regierung und Mac Arthur vorwirft, die in der Charta der Vereinten Nationen enthaltenen Grundsaetze missachtet zu haben,
indem sie die japanische Regierung veranlasst haetten, die
Aufloesung des Zen-Ro-Ren, des Verbindungskomitees japanischer
Gewerkschaften (dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen) anzuordnen. Der Grund fuer diese Anordnung war dem CGT zufolge die
Verletzung des Besatzungsstatuts. (Der CGT gehoert dem Weltgewerkschaftsbund an.)
Von "Eeheidsvak Centrale" (Hollaendischer Gewerkschaftsbund Amsterdam) wurde die gleiche Beschwerde gefuehrt. Die Gewerkschaft ist ebenfalls Mitglied des Weltgewerkschaftsbundes.
f) der Union der Vereinigten Gewerkschaften Kameruns
(Duala, Franzoesisch-Kamerun), die den franzoesischen Behoerden
Unterdrückung der Gewerkschaften, Festnahme und Inhaftierung
bestimmter Gewerkschaftsfuehrer und das Unterlassen vorwirft,
ein demokratisches Arbeltsgesetz einzufuehren. (Diese Gewerkschaft ist kommunistisch.)
g) der allzyprischen Gewerkschaftsfoederation (Nicosia,
Zypern), die die Regierung Israels beschuldigt, den 5. Jahreskongress Arabischer Gewerkschaften verboten zu haben. (Diese
Foederation ist Mitglied des Weltgewerkschaftsbundes).
5. Regierungsunabhaengige Organisationen - dieser Punkt
ist fuer die Gewerkschaften von wesentlicher Bedeutung, weil
der Wirtschafts- und Sozialrat ueber die Gesuche des Internationalen Metallarbeiterverbandes und des Internationalen Verbandes Freier Journalisten um einen mitberatenden Status innerhalb des Rates entscheiden wird. Ueber die Bewerbungen zum
mitberatenden Status, die vom Internationalen Verband der
Handels-, Buero- und technischen Angestellten, Internationalen
Bergarbeiterverband und dem Internationalen Bekleidungsarbeiterverband eingereicht wurden, wird jedoch erst auf einer spaeteren
Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates entschieden werden.
US-GEWERKSCHAFTSFUNKTIONAERE IN REGIERUNGSSTELLUNGEN BERUFEN
Zwei fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere wurden in hohe
Regierungsstellungen berufen. George M. Harrison, stellvertretender Vorsitzender der American Föderation of Labor und der
Vorsitzende der Bruederschaft der Angestellten der Eisenbahnund Schiffahrtsbetriebe, hat eine Stellung als Sonderbeauftragter
des Leiters des Amtes fuer wirtschaftliche Stabilisierung,
Eric Johnston, uebernommen, der er jedoch nur einen Teil seiner
Arbeitskraft widmen wird. Harrison erklaerte, dass er diesen
Posten uebernehmen werde, weil dieser eine wirkliche Moeglichkeit
in sich traegt, an der Formung politischer Entscheidungen teilzuhaben, soweit diese Angelegenheiten der wirtschaftlichen Stabilisierung und ihre Verwaltung betreffen.
- 4 -

�Der Vorsitzende der internationalen Vereinigung der
Maschinisten,A. J. Hayes, ist als Sonderbeauftragter in das
Verteidigungsministerium berufen worden, weil er sich mit den
Problemen der militaerlschen Arbeitskraefte beschaeftigen wird.
Hayes, der ein Vertreter fuer Frau Anna M. Rosenberg sein wird,
der stellvertretenden Sekretaerin im Verteidigungsministerium
fuer Arbeitskraft- und Personalfragen, erklaerte sich bereit,
auf der Grundlage von etwa zwei vollen Arbeitstagen in der Woche
ausschliesslich fuer dieses Amt zu arbeiten und je nach Bedarf
auch zu anderen Zeiten. Daneben wird er selbstverstaendlich
sein Amt als Vorsitzender der Maschinistengewerkschaft weiterfuehren.
DER.AMERIKANISCHE OEWERKSCHAFTSSENDER WFDR
Moechten Sie Fragen und Antworten ueber das neue Sozialversicherungsgesetz hoeren? Oder die letzten Nachrichten ueber die
Gewerkschaften in England? Moechten Sie wissen, womit die
Gewerkschaftsbewegung in New York beschaeftigt ist? Wuenschen
Sie Musik - klassische Konzerte, Jazz oder Opern?
Diese Fragen umschliessen die grosse Zahl der Themen, die
in einer Woche von dem ersten gewerkschaftseigenen und von der
Gewerkschaft betriebenen Rundfunksender WFDR behandelt werden
koennen. Der Sender ist Eigentum der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft der AFL.
Der Sender, der nach Praesident Roosevelt benannt Ist und
zu den drei Stationen gehoert, die sich im Besitz der Damenoberbekleldungsarbeitergewerkschaft befinden, steht seit fast zwei
Jahren im Dienste der amerikanischen Metropole und der Gewerkschaftsbewegung. (Die beiden anderen Rundfunkstationen dieser
Gewerkschaft stehen (KFMV)in Los Angeles und (WVUN) in Chattanooga,
Tennessee). Ausserdem gibt es noch andere Sender der Gewerkschafte
Die Rundfunkstation WFDR ist in ihrem Programm bestrebt,
den vielseitigen Anspruechen ihrer Hoerer gerecht zu werden.
Die Hoererzahl dieses Senders hat sich seit einem Jahr verfuenffacht und belaeuft sich heute in New York auf ueber 50.000.
Der WFDR,'der in den neu ausgestatteten Studios im Gebaeude
der Internationalen Damenoeberbekleidungsarbeitergewerkschaft
untergebracht ist, ist unter der Leitung des Generalintendanten
Lou Frankel zu einem wichtigen Werkzeug der Gewerkschaft bei der
Verbreitung ihrer Nachrichten und Mitteilungen geworden.
Das Nachrichtenprogramm dieses Senders enthaelt Informationen
aus der Gewerkschaftsbewegung, die sich auf direkte Berichte
stuetzen und nicht nur eine Weitergabe uebermittelter Nachrichten
sind» Als zum Beispiel David Sulliman, der Vorsitzende der
Ortsgewerkschaft 32 B der Gewerkschaft Buerohausbedienstete
den Abschluss der TarifVerhandlungen ankuendigen sollte, fand
sich der WFDR mit seinem tragbaren Mikrofon ein und nahm die
Erklaerung Sullivans auf, in der er die Beendigung des Streiks
anordnete. 15 Minuten spaeter wurde der Bericht von dem Sender
durch den Aether verbreitet.
Als der Hauptkassierer der AFL Meany nach der Jruendun^ des
Internationalen Bundes Freier jewerkschaften aus London zurueckkehrte, war ein Reporter des WFDR mit seinem Mikrofon am Kai.
Wenige Stunden spaeter wurde der Bericht Meanys uebertra&lt;?en.
Der WFDR brachte im vergangenen Jahr zahlreiche Sfdungen

�ueber Samuel Gompers und sein Leben, in denen das Andenken dieses
grossen Arbeiterführers geehrt wurde.
Frank Edwards gibt allabendlich ueber den WFDR Nachrichten
der AFL. Dieser Sender ist ein Forum fuer die Gewerkschafter
aus aller Welt, die die Vereinigten Staaten besuchen. Im Mittelpunkt einer der besten Sendungen dieser Station stand vor kurzem
Irving Brown, der europaeische Vertreter der AFL.
Aber man glaube nicht etwa, dass das Programm des WFDR mit
unnuetzen Reden ueber Krisen und Bedingungen und dergleichen
ueberladen ist. Mit an erster Stelle steht im Programm ein
elementarer Musikunterricht, der nicht in der ueblichen Form
gegeben wird, sondern fuer die Erwachsenen zugeschnitten ist und
musikalische Debatten zwischen Anhaengern klassischer Musik und
den Jazzbegeisterten enthaelt. "Variety", die Wochenfibel der
Vergnuegungsindustrie, lobt diese Sendung in ihrer Kritikspalte
in den hoechsten Toenen.
WFDR ist eine Rundfunkstation fuer Erwachsene und ist ausserdem der Sender der Stadt. Bei der Ausarbeitung der Programme
sind immer zwei Fragen ausschlaggebend: Dienen sie der Gemeinschaft? Sind sie interessant? Wenn beide Antworten positiv
sind oder nur eine Moeglichkeit der Bejahung besteht, sagt sich
der WFDR, der jung, vorwaertsstrebend und optimistisch ist:
"Versuchen wir es!
US-GEffBRKSCHAFTSFUEHRER ANTWORTET DEN ISOLATIONISTEN
(Nachstehend werden Auszuege aus einer interessanten Rede
ueber aussenpolitlsche Fragen wiedergegeben, die
James B. Carey, der Hauptkassierer des CIO und Vorsitzende
der Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und Maschinenarbeiter
(CIO) vor dem Industriellen Gewerkschaftsrat des CIO fuer
den Staat Ohio in Columbus gehalten hat. Carey, der Mitglied des oeffentlichen Beratungsausschusses der ECA ist,
wendet sich zugleich gegen Isolationistische Tendenzen.)
Die Welt von 1951 ist eine Welt der Unsicherheit, der
Furcht, der schrecklichen Gefahr, des Verrats, aber auch des
Mutes. Es ist ein Jahr, in dem niemand weiss, was der naechste
Monat bringen wird, ob Hoffnung oder Erfolg, Verzweiflung oder
Vertrauen, Leben oder Tod. Bis jetzt koennen wir noch nicht
wissen, wie weit Russland in seiner Sucht nach der Beherrschung
menschlicher Seelen und der Menschen selbst gehen wird. Wir
wissen heute noch nicht, ob die sowjetischen Heuschrecken am
31. Dezember 1951 den groessten Teil Asiens und ganz Europa,
mithin drei Viertel der Weltbevoelkerung, verschlungen haben
werden, oder ob dieser alte Plan Moskaus durch irgendwelche
militaerischen oder moralischen Mittel durchkreuzt werden wird,
oder ob der Kreml selbst in aufgibt.
Die Welt wird sich In diesem Jahr entscheiden muessen. Es
bleibt keine Zeit mehr zum Abwaegen, es bleibt auch nur sehr
wenig Zeit zum Experimentieren. Es bleibt praktisch nur noch
Zeit zum Handeln. Wenn wir dem russischen Volk beweisen koennen,
dass wirklicher Friede sich bezahlt macht, dann wird Russland
vielleicht auf diesem Wege die Tatsache einer Lebensauffassung
zur Erkenntnis gebracht werden. Wenn dies schnell gelingt, koennen wir ein Weltbollwerk des Friedens errichten, das niemand
zerstoerer. koennte.
Heute moechte ich von den Gefahren sprechen, die uns umgeben
6 -

�und meine Gedanken kreisen um die Frage, -wie wir uns verhalten
muessen, wenn wir einen Zusammenbruch der freien Welt, die wir
erhalten muessen, vermeiden wollen. Ich moechte Ihre Aufmerksamkeit auf die Rolle und die Verantwortlichkeiten lenken, die
der Regierung, den Unternehmern und den Gewerkschaften in diesem
Kampf zufallen.
Es scheint klar zu sein, dass wir alle in diesem Ringen
zusammenstehen muessen. Wenn wir diesen Kampf gegen den
Kommunismus verlieren, gibt es keinen Privatbesitz mehr, keine
freien Unternehmen und keine freien Bauern; die kleinen Unternehmen werden zum Bestandteil des Sowjetapparates werden, und
statt der freien Arbeiterschaft werden wir jene Art Sklavenarbeiter finden, wie wir sie jetzt in Osteuropa und China sehen.
In den kommunistischen Konzentrationslagern wird es keinen
Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern geben, und
Hoover und Acheson wuerden unter den gleichen Kugeln der Exekutionskommandos fallen.
In der Frage, wie es sich seine Freiheit erhalten kann,
naehert sich Amerika einem Scheideweg. Es gibt zwei Wege, die
uns offenstehen, und wir muessen uns fuer einen entscheiden.
Es sind jedoch voellig entgegengesetzte Wege. Wenn wir den
einen einschlagen, koennen wir die kommunistische Aggression
abschlagen, die freie Welt erhalten und erweitern und nicht nur
die Ideale der Freiheit, sondern auch einen hoeheren Lebensstandard fuer uns selbst und fuer Hunderte von Millionen anderer
Menschen verwirklichen.
Auf dem zweiten Weg jedoch wuerden wir bestenfalls aus
Amerika eine nach aussen geschlossene Festung machen, die
nach und nach zu einem faschistischen Staat degenerieren wird,
der mehr und mehr Jenen Diktaturen aehneln wuerde, die wir heute
bekaempfen wollen.
Welches sind die beiden Wege also, die uns offenstehen?
Es ist einmal die zuletzt genannte Methode, die uns vorgeschlagen wird. Man schlaegt praktisch letzten Endes vor,
dass wir unsere demokratischen Freunde auf der ganzen Welt im
Stich lassen, weil sie "unzuverlaessig" seien, dass wir uns in
unserem Kampf gegen den Kommunismus allein auf jene "zuverlaeasigen" Streiter wie Franco, Tschiang-Kei-schek, den Kaiser von
Indochina und andere Ihrer Sorte verlassen, und dass wir uns
auf unsere Kuesten zurueckziehen und uns in unsere Luftschutzkeller verkriechen.
Ob man diesen Vorschlag nun "Neuorientierung " oder
"Isolationismus" nennt, die Theorie ist die gleiche. Diese
Leute meinen, es sei hoffnungslos, auch nur den Versuch zu
wap;en, das demokratische England und Frankreich, das sozialdemokratische Korwegen oder die Schweiz oder Italien zu verteidigen.
Sie meinen, wir sollten nur kaempfen, wenn Amerika selbst angegriffen wird. Die uebrige .Veit kann nach der Auffassung dieser
Theorien zum Teufel gehen.
Diese Theorie ist keinesfalls neu. Die gleichen Leute, die
jetzt in dem Kampf gegen den Kommunismus ihre Verfechter sind,

�predigten sie bereits im Jahre 1940, als es galt, den NaziFaschismus zu bekaempfen. Sie werden sich an jene Theorie
erinnern, die das Motto "Zuerst Amerika" (America First) predigte und deren politische Fuehrer die gleichen Leute wie heute
waren,denen von ihren Goennern aus der Grossindustrie Millionen
von Dollars fuer Propagandazwecke zur Verfuegung gestellt wurden.
Als England allein fuer die Demokratie kaempfte, wollten diese
"tapferen" Maenner der Gruppe "Zuerst Amerika" dieses Land und
ganz Europa im Stich lassen. Sie hatten nicht den Mut, sich fuer
die Demokratie einzusetzen. Das war zu kostspielig. Hoeren Sie,
was ein Senator im Jahre 1940 sagte, als Frankreich ueberrannt
und England vom Blitzkrieg bedroht war:
"Ich weiss nicht, was die Deutschen zu tun gedenken, und
niemand weiss es, solange der gegenwaertige Krieg nicht beendet
ist und sich den Deutschen keine Moeglichkeit bietet, ihre
Absichten zu zeigen. Wenn wir ihre Methoden kennen, koennen wir
sie mit den gleichen Methoden bekaempfen. Wir koennen die gleichen
Massnahmen treffen, die notwendig sind, um der besonderen Art
des deutschen Blitzkriegs zu begegnen, wenn es ueberhaupt einen
solchen Blitzkrieg gibt, und wenn wir herausgefunden haben, worin dieser Blitzkrieg eigentlich besteht."
Diese bedeutsame Erklaerung hatte keinen anderen Sinn als:
"Lasst die Nazis den Krieg gewinnen, und wenn wir dann angegriffen werden, wollen wir ueberlegen, was zu tun ist."
Ist das praktisch nicht genau das Gleiche, was heute in dem
Kampf gegen den Kommunismus gesagt wird?
Als in den Jahren 1940 und 1941 Roosevelt zur gleichen
Zeit versuchte, sein Land wieder aufzuruesten, erklaerten
einige Grossindustrielle, es sei nicht noetig, dass wir mehr
Stahl, mehr Kupfer und mehr Aluminium haetten. Sie wollten die
uebliche Geschaeftstaetlgkeit und ueblichen Gewinne. Die organisierte amerikanische Gewerkschaftsbewegung war es, die die
Forderung stellte, das Land zu mobilisieren, um die Herausforderung der Nazis zurueckweisen zu koennen.
Die Politik dieser Vertreter der Isolationstheorie, die
staendig nach "freier Wirtschaft" und "Demokratie" rufen, war,
als sie sich zu entscheiden hatte, nichts anderes als eine
Politik der Abwehr. Sie hatten kein Vertrauen zur Demokratie oder
zur Freiheit. Sie waren bereit, beides aufzugeben.
Heute verfolgen sie die gleiche Politik. Waehrend die
Vertreter der Isolationstheorie grosse Reden gegen den Kommunismus
schwingen und eine Saeuberung von kommunistischen Elementen
fordern, werfen sie die Flinte ins Korn, wenn es wirklich gilt,
den Kommunismus zu bekaempfen.
Isolationismus und Kommunismus sind heute ungewollt ebenso
gute Verbuendete, wie es Faschismus und Isolationismus vor genau
zehn Jahren, in den Jahren 1941 und 1942, waren. Nur wenigen
naiven Menschen kann es heute noch als unwahrscheinlich erscheinen, wenn jene Theoretiker, in denen man rueckhaltlose Gegner
des Kommunismus vermutet, mit den Welteroberungsplaenen des Kreml
in Zusammenhang gebracht werden.
8 -

�Bewusst oder unbewusst stehen diese Theoretiker der "Neuorientierung" heute mit Joseph Stalin ebenso im Bunde wie vor
zehn Jahren mit Hitler und Mussolini.
Ist dies denn moeglich? Um zu beginnen: Heute kann nicht
einmal ein Spezialist angeben, welcher Unterschied in der Politik bestimmter Zeitungen, die die Neuorientierung oder den
Isolationismus vertreten und dem "Communist Daily Worker" besteht.
Seit der Invasion der suedkoreanischen Republik im Juni vorigen
Jahres haben beide Zeitungstypen unaufhoerlich den Abzugder
amerikanischen Truppen aus Korea verlangt. Beide haben gefordert,
dass die amerikanischen Truppen aus Asion und Europa zurueckgezogen werden. Beide Zeitungstypen haben letzten Endes erklaert,
dass die beiden Kontinente dem russischen Imperialismus auf Gnade
oder Ungnade ausgeliefert werden sollen. Beide Zeitungstypen
haben unaufhoerlich alle wichtigen Entscheidungen und Massnahmen
der Vereinten Nationen angegriffen und zu unterminieren versucht.
Die "Neuorientierung" dient aber noch auf andere Weise dem
Kreml. Diese amerikanischen Isolationisten verlangen heute genau
das, was sie in den Jahren 1940 und 1941 forderten, naemlich, dass
sich Amerika hinter seine beiden Ozeane zurueckzieht und sich in
einer Art gigantischem "Gibraltar" verschanzt, das von einer
feindlichen Welt vollkommen eingezingelt ist.
Stalin selbst koennte sich nicht mehr wuenschenl Er koennte
sich keine erfreulichere Kapitulation der Vereinigten Staaten
denken, als dass sie die demokratischen Nationen Europas und
Asiens im Stich lassen, die gerade zum erstenmal damit begannen,
der Demokratie den Weg zu ebnen. Wir wuerden der Sklavenwirtschaft Stalins unzaehlige Millionen von Maennern und Frauen ausliefern und ihm die unschaetzbar wertvollen Naturschaetze zweier
Kontinente zur Staerkung seines Kriegspotentials ueberlassen.
Ist
stehende
Wahnsinn
nennt es

es deshalb verwunderlich, dass selbst betont gegen Truman
Zeitungen, wie die "New York Herald Tribüne", diesen
nicht einmal als "Isolationismus" bezeichnen will? Sie
einfach "Zurueckzleherei".

Ich spreche so ernst zu Ihnen, wie Ich nur kann. Es gibt in
der heutigen Welt, der Walt der Atom- und Wasserstoffbombe, keine
Stelle, wo man sich vor dem Totalitarismus verbergen koennte.
Weder der Atlantische Ozean, noch der Stille Ozean oder der Nordpol bieten Schrankenl
Wir koennen uns nicht mehr in schoenen Worten ergehen oder
auf einer schoenen Etikette bestehen, wenn die Zukunft unserer
Nation auf dem Spiel steht und die Demokratie der ganzen Welt in
groesster Gefahr Ist. Wir muessen erkennen und auch offen zu
erkennen geben, dass jene Maenner, die befuerworten, dass wir
unsere Verbuendeten in diesem Kampf auf Leben und Tod aufgeben,
Verraeter sind. Isolationismus Ist heute die Fuenfte Kolonne des
Kommunismus. Isolationismus Ist ebenso unser Feind wie der Kommunismus, dem er dient. Unsere eigene Sicherheit als Nation und die
Errichtung einer demokratischen und friedlichen Welt haengen davon
ab, dass wir alles zurueckweisen, wofuer die "Neuorientierer"und
"Isolationisten" einstehen. Wir muessen uns zu unserer eigenen
Rettung und zur Rettung der Welt von jener gefaehrlichen Illusion
freimachen, dass wir ohne unsere Freunde weiterbestehen und dass
in einer Welt, die zu einem Fuenftel frei und zu vier Fuenfteln
versklavt ist, Friede herrschen koennte.
- 9

�Was wuerde sich in Amerika ereignen, wenn der Isolationismus
erfolgreich waere?
Ich denke, wir sehen bereits die ersten Anzeichen hierfuer.
Koennen wir nicht schon feststellen, dass der Isolationismus
jener Clicque, die auf Abwehr eingestellt ist, mit einer unamerikanischen Politik in unserem eigenen Lande verbunden ist?
Um es offen zu sagen, jene Leute haben dabei folgende Ziele Tor
Augen:
1. Sie werden versuchen, Amerika fuer unbestimmte Zelt in
eine geschlossene Festung umzuwandeln, waehrend die Kommunisten
die westliche Hemisphaere Stueck fuer Stueck an sich reissen sei es in Kanada, Suedamerika oder Westindien.
2. Sie werden diese Lage, die sie selbst heraufbeschworen
haben, dazu benutzen, das amerikanische Volk einzuschuechtern,
damit es ihnen im Jahre 1952 die politische Macht uebergibt.
3. Wenn sie erst einmal die Macht in Haenden haben, werden
sie das Gesetz zur Kontrolle subversiver Taetigkeiten und aehnliche Gesetze praktizieren, um jeden oder jede Gruppe auszurotten,
die nicht ihrer Meinung sind. Die freie Gewerkschaftsbewegung,
die freien Bauernvereinigungen, die freien buergerlichen Organisationen werden einer eisernen Kontrolle unterstellt werden. Die
Gefaengnisse werden sich mit politischen Haeftllngen fuellen.
4. Je groesser die kommunistische Bedrohung von aussen
wuerde, umso strenger wuerden die den Amerikanern auferlegten
Kontrollen, bis wir schliesslich die gleiche Diktatur haetten, die
wir bekaempfen wollen.
Dies ist kein verrueckter Traum. Es ist eine grimmige,
drohende Wahrscheinlichkeit. So waere es gekommen, wenn die
Isolationisten die Wahlen von 1940 gewonnen und die Regierung
damals kontrolliert haetten. Nur dann, glaube Ich, haetten sie
ihren Frieden mit den Nazis geschlossen.
Ich sage, dass dies ein moegllcher Weg ist. Sie moegen
erwidern, dass einige derer, die wuenschen, dass wir diesen
isolationistischen Weg einschlagen, keine Anhaenger der Diktatur
sind. Das mag zutreffen. Aber wenn wir alle in einem kommunistischen Konzentrationslager oder vor einem Exekutionskommando
enden, duerfte es da nicht voelllg gleichgueltig sein, ob diese
Theoretiker nur unwissende Narren und keine bewussten Faschisten
waren?
Welches ist der zweite Weg, den wir in diesem Jahr 1951
einschlagen koennen? Es Ist der Weg der Kameradschaft mit der
demokratischen Welt in der Erkenntnis, dass wir alle von Gefahren
umlauert sind, und dass es die Sache aller fuer Einen und Eines
fuer Alle Ist. Als freie Menschen ueberleben wir entweder zusammen, oder wir gehen gemeinsam unter.
Wir sind uns bewusst, dass Europa, das zwei verheerende
Kriege durchgemacht hat, nur mit groesstem Widerwillen an einen
dritten denkt. Wir wollen deshalb nicht ungeduldig und diktatorisch sein, sondern mit den freien Voelkern Europas in wahrer
Kameradschaft und wirklichem Verstaendnis zusammenarbeiten. Wir
lassen die Voelker Europas und das freie Asien wissen, dass wir
nicht nur die milltaerische Verteidigung,sondern auch die Moeglichkelten eines anstaendigen Lebensstandards mit ihnen teilen
werden. Wir haben klar herausgestellt, dass dieser Kampf nicht
10

�ein Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus, sondern zwischen
Demokratie und Diktatur ist.
Sie sollen wissen, dass wir uns bis zur Erschoepfung aller
Koeglichkeiten an ihre Seite stellen werden, um eine kommunistische Aggression zu verhindern, und dass wir sie niemals im
Stich lassen werden.
Sie sollen wissen, dass Amerika nicht wuenscht, sie zu befehlen, sondern in Gemeinschaft und Kameradschaft eins mit ihnen zu
sein.
Das bedeutet, dass wir in Amerika .unsere Freiheit nicht nur
erhalten, sondern auch ausdehnen werden. Wir werden Opfer bringen,
soweit es uns moeglich ist. Wir werden unsere industrielle
Kapazitaet erweitern, weil wir gewiss sind, dass jetzt und nach
dieser kritischen Zeit eine unbegrenzte Nachfrage nach den Waren
bestehen wird, die das Leben bequem und annehmlich gestalten
koennen.
Wir werden Amerika zum Schauplatz der Demokratie und der
buergerlichen Rechte machen, weil wir nicht an der Liebe der
Amerikaner zur Freiheit zweifeln.
In diesem Kampf, der uns bevorsteht, werden es nicht die
Isolationisten sein, die in vorderster Front gegen den Kommunismus kaerpfen. Es wird wie immer die Arbeiterschaft sein. Denn
wir haben seit 30 Jahren auf der ganzen Welt gegen den Kommunismus gekaempft, und der Internationale Bund Freier Gewerkschaften
steht ganz vorn in der Verteidigungslinie der Demokratie. Es ist
seltsam und Ironisch, dass die Presse bereit ist, jene Isolationisten
zu unterstuetzen, wo es doch die Arbeiterschaft ist, die Tag fuer
Tag an vorderster Front steht und den kommunistischen Angriff
abschlaegt.
Es ist eine ironische und vielleicht tragische Tatsache,
dass gewisse Zeitungen alles aufbieten, um Isolationisten zu
unterstuetzen, obwohl diese zehn Jahre lang, zuerst vor der
nazistischen Bedrohung und jetzt vor der kommunistischen Gefahr,
mit Elindheit geschlagen waren. In Ihrem blinden Antagonismus
gegen Liberalismus und Arbeiterschaft war diese Presse bereit,
ein Unglueck fuer unsere Nation heraufzubeschwoeren, Indem sie
Isolationisten zu fuehrenden Stellungen verhalf.
Es ist seltsam und ironisch, dass grosse Geschaeftsunternehmen, die sich mit Laerm und Geschrei gegen vermeintliche
kommunistische Elemente in Washington wenden, sich weigern, an
dem Kampf gegen den Kommunismus sich zu beteiligen, solange ihnen
nicht ihre enormen Gewinne garantiert sind. Vor kurzem berichteten die Zeitungen, dass ein Stahlwerk Im Werte von 400 Millionen
Dollar aufgebaut wird, um die Produktion zu erweitern. Dieses
Unternehmen gab jedoch erst dann den Auftrag zu dieser Erweiterung, nachdem ihm die Regierung zugesichert hatte, dass es die
Kosten fuer das neue Werk in fuenf Jahren von dem zu versteuernden
Betrag abschreiben duerfe. Das helsst, dass die Regierung 300
Millionen Dollar der Gesamtkosten in Form von Steuereinsparungen
zurueckerstatten wird, die die Firma nicht zu zahlen braucht.
Die Gesellschaft wird also nur ein Viertel der Aufbaukosten bezahlen und trotzdem alleiniger Eigentuemer des neuen Werkes sein.
Das gleiche gilt fuer andere Unternehmen, die Aluminium herstellen,
und fuer die monopolistischen Kupferhersteller. Sie konnten vor
kurzem in einem Bericht des Kongresses lesen, wie unsere Verteidigung durch die Weigerung der monopolistisch denkenden Unternehmer,
- 11 -.

�die Nickelproduktion zu erweitern, aufgehalten wird.
Es Ist zugleich seltsam und ironisch, dass grosse Geschaeftsunternehmen nicht nur fortfahren koennen, mit kommunistischen
Gewerkschaften Geschaefte zu machen, sondern sogar versuchen,
kommunistische und antikommunistische Gewerkschaften gegeneinander
auszuspielen. Und dabei sprechen jene grossen Unternehmen
gewichtig von den Gefahren, die die freie Wirtschaft und die
amerikanische Lebensweise bedrohen.
Und wenn ich zur Ruestungsbehoerde gehe und ihr vorschlage,
denjenigen Unternehmen keine Ruestungauftraege zu geben, in denen
es kommunistische Gewerkschaften gibt, dann huellen sich diese
grossen patriotischen amerikanischen Gesellschaften und die
amerikanische Presse in Schweigen.
Was waere der Unterschied, wenn man eines der groessten Werke
der Elektroindustrie, in dem noch eine kommunistische Gewerkschaft an der Macht ist, nach Stalingrad verlegte, wo die Kommunisten
alles unter ihrer Kontrolle haben?
Wir Gewerkschafter haben im Jahre 1951 eine Riesenaufgabe
vor uns. Wir muossen dem amerikanischen Volk die beiden Wege
zeigen, die es einschlagen kann, und die Gefahren, die ihm
drohen, wenn es den 'Weg des Isolationismus und der Neuorientierung waehlt. Wir muessen das amerikanische Volk lehren, den
Kommunismus mit Waffen, Ideen und wirtschaftlicher Unterstuetzung
zu bekaempfen. Wir muessen ihm vor Augen fuehren, dass es ein '
Unglueck waere, die Diktatur in Europa und Asien beschwichtigen
zu wollen, denn je mehr Zugestaendnisse wir ihr machen, umso
staerker wird sie und umso schwaecher werden wir.
Wir muessen ebenfalls zeigen, dass es ein Unglueck waere, die
isolationistischen Tendenzen in unserem eigenen Land mit Konzessionen fuettern zu wollen, denn je mehr Konzessionen wir
machen, umso staerker werden sie und umso schwaecher werden die
Kraefte des Liberalismus und der Freiheit.
Wir muessen vor allem demonstrieren, dass der Kampf, den
unsere Regierung gegen den Kommunismus fuehrt, nicht von Erfolg
gekroent sein kann, wenn er nur von den Vertretern der Unternehmer
gefuehrt wird. An der Spitze muessen, ihnen gleichberechtigt,
Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung stehen, die die
Strategie, die Politik und die Massnahmen dieser umfassenden
"Operation Freiheit" dirigieren.
Unserer Sache ist im Ausland bereits grosser Schaden dadurch
zugefuegt worden, dass keine Leute aus der Gewerkschaftsbewegung
in den hoechsten und vollzugsberechtigten Behoerden unseres
Verteidigungsapparates sasser.
Wir muessen uns darueber im Klaren sein, dass der Kampf um
die buergerlichen Freiheiten, die Rechte der Arbeiterschaft,
einen anstaendigen Lebensstandard und um gleiche Opfer in der
Heimat notwendigerweise mit zu dem Kampf gegen die Diktatur und
die Aggression im Ausland gehoert. Wir koennen In der Welt nur
frei bleiben, wenn wir auch zuhause frei sind. Die gesamte
freie .jewerkschaftsbewegung Amerikas hat ueber den Vereinigten
Arbeitsausschuss ihr Programm Praesldent Truman unterbreitet.
Mit diesem Programm koennen wir vor dem amerikanischen Volk und
den Voelkern der ganzen Welt bestehen.
12 -

�vi/ir muessen den. amerikanischen Volk zeigen, dass trotz der
Verleumdung der Gewerkschaftsbewegung waehrend der letzten Wahlen
wir keine Interessen haben, die mit der vVohlfanrt unseres Landes
und Volkes nicht zu vereinbaren waeren. Wir muessen durch unsere
Handlungen und unsere erzieherische Arbeit beweisen, dass es im
Verlauf der gesamten rrescuichte unseres Landes immer wieder die
Gewerkschaftsbewegung gewesen ist, die fuehrend im Kampf um eine
bessere Demokratie stand. Und auch heute sind wir wieder dazu
bereit. Wir wuenschen, uns mit allen Kaennern und Frauen, die
guten Willens sind, zu vereinigen, ganz gleich, ob sie Republikaner
oder Demokraten, Geschaeftsleute oder Bauern, Rechtsanwaelte oder
Aerzte sind.
ECA Labor Information
1/17/51
HOHE GELDSTRAFE FUER ILLEGALEN STREIK EINER AFRIKANISCHEN
GEWERKSCHAFT
Die amerikanische Gewerkschaft des Eisenbahn-Zugpersonals
hat sich am 19. Februar in Washington fuer schuldig erklaert,
eine"n sittenwidrigen "Krankheitsstreik" gefuehrt zu haben und
wurde zu einer Geldstrafe von 75.000 Dollar verurteilt.
Dieses ueberraschende Eingestaendnis wurde von Rechtsanwalt
Edward B. Henslee vor dem Bundesrichter Edward A. Tamm abgegeben.
Der Verteidiger hatte eine genaessigte Strafe als zweckdienlicher
als eine schwere bezeichnet, da sie eher als Abschreckmittel anstatt als Bestrafung wirken muesse.
Der Bundesrichter Tamm "erachtete" die Strafe jedoch als
"berechtigt" und erklaerte, es sei seine Pflicht, sie aufzuerlegen, obwohl nur eine geringe Zahl der Gewerkschaftsmitglleder an
dem Streik teilgenommen haette.
"Wenn die Gewerkschaften wachsen und gedeihen wollen, muessen
sie sich an ihre Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten ebenso wie
an Ihre Rechte halten," sagte Tamm. Er bezeichnete das Eingestaendnis als "einzig In seiner Art", und sagte, es sei ein
Beweis fuer den "ununterbrochenen Fortschritt" der Gewerkschaften
in der Erfuellung ihrer Verpflichtungen.
Als der Richter Henslee fragte, warum sich die Gewerkschaft
zu ihrer Schuld bekannt habe, gab dieser zur Antwort, dass dieses
Gestaendnis nicht aus Berechnung gemacht worden sei, sondern weil
die Gewerkschaftsmitglieder durch die gerechte Haltung des
Richters Michael Igoe in Ghikago beeindruckt worden seien, der
unter der gleichen Anklage im Prozess gegen die Gewerkschaft diese zu
einer Geldstrafe von 25.000 Dollar verurteilte.
Henslee erklaerte, nach seiner Meinung waere der gleiche
Betrag wieder angemessen. Er wies darauf hin, dass die Gewerkschaft voll Vertrauen "in das amerikanische Rechtswesen" vor
Ger'cnt getreten sei, und bat nur darum, dass die Regierung alle
Umstaende beruecksichtig'en moege.
Auf dieses Eingestaendnis hin kuendigte der Staatsanwalt
George Morris Fay an, dass die Regierung der Vereinigten Staaten
die Kla.^e gegen fuenf Personen und fuenf Ortsgewerkschaften In
Washington fallen Hesse, und auch die in Chikago und Cleveland
- 13 -

�schwebenden Prozesse nicht weiterfuahre.
Inzwischen konnten .die vier grossen Gewerkschaften des
Verbandes von keinem Fortschritt in ihren langwierigen Verhandlungen mit den Unternehmern berichten. Sie warfen den von der
Regierung eingesetzten Vermittlern vor, es nicht fertiggebracht
zu haben, beide Partner genuegend oft zusammenzubringen, um eine
Einigung zu erzielen.
Unbekuemmert um ihre Weigerung, sich auf Verhandlungen einzulassen, legten die Eisenbahngesellschaften eine erstaunliche
Bereitwilligkeit an den Tag, als es sich darum handelte, etwas
fuer sich selbst zu verlangen. Sie ersuchten am 19. Februar
die Handelskomission um eine voruebergehende 6 %ige Zinserhoehung mit der Begruendung, dass die zusaetzlichen 470 Millionen
Dollar im Jahr eine Dividende aus ihren Investierungen von nur
4.17 % einbringen wuerden.
Jess Larsen, der Administrator der "General Services", erklaerte, seine Behoerde lehne eine solche Erhoehung ab. Er
ersuchte die Handelskomission, der Forderung der Eisenbahngesellschaften nicht stattzugeben, bis der Tatbestand in einer oeffentlichen Sitzung des zustaendigen Ausschusses zur Sprache gebracht
werden koennte.
Daily News Service
11/19/51
SOZIALE FORTSCHRITTE IN DEN RENAULT-WERKEN
Die Renault Werke in Billancourt, die sich ueber ein grosses
Gebiet erstrecken und seit vier Jahren verstaatlicht sind,
beschaefti^en zur Zeit ueber 37.000 Arbeitnehmer. Zahlreiche
Werkstaetten, die die alliierten Bomber waehrend der Eesatzungszeit hatten zerstoeren muessen, damit die Nazis sie nicht fuer
sich ausnuetzen konnten, mussten wieder aufgebaut werden. Dieser
Wiederaufbau ist jetzt abgeschlossen.
Dann musste der Produktionsapparat dieses ungeheuren Ameisenhaufens wieder angekurbelt werden. Dies war eine Gelegenheit,
um viele Einrichtungen zu ersetzen und auszubessern, die zum
Teil unbrauchbar geworden Waren. Besonders bemerkenswert ist
in diesem Zusammenhang die Einfuehrung neuer Werkzeuge und neuer
Werkzeugmaschinen, die voll automatisch sind, umd zum Teil bis
zu 20 Arbeitsgaengen selbstaendig verrichten koennen. Zu bemerken
ist ausserdem die NeueInfuehrung von Uebertragungsmaschinen, die
bis zu 150 Arbeitsgaenge erledigen koennen. Dies sei nur am
Rande bemerkt, um zu zeigen, dass die Direktion der Nationalregie
Renault in dem Eestreben, die Fabriken von Billancourt wieder
zum Leben zu erwecken, sich zuerst die Aufgabe gestellt hat,
dem Arbeiter die schwersten koerperllchen Anstrengungen zu ersparen, die bisher mit weniger vervollkommneten Werkzeugen unvermeidlich waren.
Im Durchschnitt stellen die Renault-Werke taeglich 520
Fahrzeuge her, wovon 400 Personenkraftwagen sind. Im Dezember
1950 liefen 12.777 bahrzeu^e vom Band. Hiervon waren 7.613
Personenkraftwagen. Eine grosse Zahl dieser Fahrzeuge ist fuer
den Export bestimmt und werden ins Ausland verkauft.
- 14

�Die Karshallplan Hilfe, die in Form von Gegenwertfondsmitteln fuer die Wiedererrichtung der zerstoarten Werkstaetten,
die Neuausrüstung und die Modernisierung der Werkzeuge zur
Verfuegung gestellt wurde, hat in grossem Umfang zu der Entwicklung der Renault Werke beigetragen. Die in diesen Werken
hergestellten 4-PS-Wagen sind in der ganzen Welt bekannt.
Neben den technischen Fragen interessieren sich die neuen
Leiter der grossen Fabrik mib ihren vielseitigen und so
verschiedenen Herstellungsarten vor allem fuer die Probleme
der menschlichen beZiehungen. Man kann behaupten, dass die
soziale Arbeit, die dort jetzt geleistet wird, ihr Dasein und
ihre Entwicklung vor allem der neuen Betriebsleitung der Renault Werke verdankt.
Worin besteht diese soziale Arbeit?
-Ein Betriebsrat, der seit 1945 unter den gleichen Bedingungen,
mit den gleichen Funktionen und den gleichen Machtbefugnissen
wie in Jedem anderen Privatunternehmen in Frankreich gewaehlt
wurde, hat sich seine Aufgabe zu Herzen genommen, und die seit
der Befreiung erzielten sozialen Erfolge sind betraechtlich.
Eine Fuersorgekomlssion hat in vier Jahren in zahlreichen
Faellen wertvolle Hilfe geleistet.
In den Kantinen wird den Arbeitern zu einem bescheidenem
Preis reichliche und gesunde Verpflegung geboten. Unter anderem
sind Konsumgenossenschaften fuer die Familien der Arbeitnehmer
•ingerichtet worden, wo sie zu guenstigen Preisen Nahrungsmittel
und Bekleidungsartikel kaufen koennen.
Die Kindergaerten koennen bis zu 200 Kinder aufnehmen.
Ein Pflegeheim, ein Erholungs- und ein Kinderheim haben es
ermoeglicht, vielen kraenklichen Menschen Leben und Gesundheit
zu erhalten.
Alljaehrlich verbringen Tausende von Kindern der Arbeitnehmer
ihre Ferien in Lagern und sonstigen Erholungsstaetten, die
eigens zu diesem Zweck gekauft wurden. In jeder Hinsicht ist
fuer Bequemlichkeit und die geistige und moralische Entwicklung
der Kinder gesorgt.
Der Betriebsrat beschaeftigt sich auch mit s portlichen
Verantstaltungen und der Freizeitgestaltung. In dem bewaldeten
Huegelgelaende von Meudon ist ein sehr schoenes Stadium gebaut
worden.
Die Betriebsleitung war bemueht, die Loehne der Arbeiter
auf verschiedene Weise zu verbessern, indem sie zum Beispiel den
Leistungslohn einfuehrte, der den geschickteren Arbeitern die
Moeglichkeit bietet, ihren Verdienst wesentlich zu erhoehen.
Eine Praemie auf die rroduktion, die monatlich unter die
Arbeiter verteilt wird, macht zur Zelt etwa 10 % des Grundlohnes
aus.
Schliesslich wird den Arbeitern einmal im Jahr zur Ferienzeit eine Sonderpraemie gewaehrt, die nach den erzielten Gewinnen
des Unternehmens errechnet wird.
Eulletin Syndical
11/24/51
- 15

�BEZAHLUNG NACH LEISTUNG FUEHRT ZU HOEHERER PRODUKTION
Zu Anfang des Jahres 1948 war eile Produktionsleistung pro
Mann und pro Arbeitsstunde In den britischen Stahldrahtwerken
"Reinforced Concreto Engineering Co., Ltd.", in Stafford niedriger
als Im Jahre 1938. Den Arbeitern wurde erklaert, dass solange
mit keiner Lohnerhoehung zu rechnen sei, bis die Produktion gesteigert sei.
Dieses Unternehmen beschaeftigt rund 350 Arbeiter In der
direkten Produktion. Hergestellt werden in diesem Werk zusammengeschweisste Stahldrahtgeflechte, die beim Bau von Strassen,
Bruecken und Gebaeuden aus Beton Verwendung finden, ferner Landungsmaschendraht fuer Flugplaetze und kleinere Stahlprodukte,
wie z.B. Stahlkisten fuer die Toepferei und andere Industriezweige.
Wie sollte die Produktion gesteigert werden? Das Betriebskomitee hatte sich mit diesem Problem zu befassen. Gewaehlte
Arbeitervertreter, zwei Direktoren und der Betriebsleiter eroerterten diese Frage und schlugen ein Leistungssystem vor.
Eine Gruppe von Sachverstaendigen uebernahm die Aufgabe,
ein Leistungssystem fuer die Arbeiter in der groessten Abteilung
des Werkes versuchsweise einzufuehren. Es wurde vereinbart, den
Plan aufzugeben, wenn er zu keiner Steigerung der Produktionsleistung In dieser Abteilung fuehren wuerde.
Die Arbeiter Hessen sich darauf ein, und - die Produktion
stieg an. Es wurde daraufhin ebenfalls in anderen Abteilungen
eingefuehrt.
Ende Oktober 1949 lag die Produktionsleistung um 65.5 %
hoeher als im Jahre 1947, obwohl die Beschaffung von Rohstoffen
noch Schwierigkeiten bereitete. Eine weitere Steigerung um79 %
gegenueber dem Stand von 1947 trat ein, als die Stahlbewirtschaftung aufgehoben wurde.
In der Zeit von 1947 bis 1950 erhoehten sich die Loehne von
30 auf 46 Pfund Sterling in der Woche.
Diese Eezahlung nach Leistung wird im Gruppensystem durchgeführt. Die Gruppen bestehen aus vier bis zu zehn Arbeitern. Das
Lohnbuero errechnet die Groesse einer Arbeitsgruppe und die fuer
die Arbeitsgaenge zur Verfuegung stehende Zelt.
Nach Beendigung der Arbeit wird die benoetigte Zelt von der
errechneten Zeit abgenogen und die Differenz durch eine Leistungspraemie verguetet.
Fuer eine Gruppe von vier Arbeitern wird zum Beispiel errechnei
dass sie in zehn Stunden eine Tonne Stahldrahtgeflecht herstellen
muss. Wenn sie in 176 Arbeitsstunden 25 Tonnen fertigstellt, erhaelt sie eine Bonuszahlung fuer 74 Stunden. (250 Stunden minus
176 Stunden)
Dieses Bonussystem kommt nur fuer Arbeiter in Frage, die
direkt in der Produktion beschaeftigt sind. Die indirekt
Beteiligten, wie z.E. Kranfuehrer. Leute, die das Material an die
Maschinen bringen und fertige Stahldrahtrollen transportleren,
erhalten ungefaehr vier Fuenffcel der Durchschnittsloehne der in
der Produktion taetigen Arbeiter. Es liegt deshalb In ihrem eigenen Interesse, dass die Arbeiter an den Maschinen laufend mit
Material versorgt werden.

Target
- 16 H/51
BICOC 2 k t 51 OUt 5 » H &lt;

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 11

Frankfurt/Uain, den 16 Maerx 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Invalidenunterstuetzung in den Pensionaplaenen der
Amerikanischen Industrie

1

Gewerkschaftskongress fuer Zentral- und Westafrika ...... 4
CIO fordert Marshallplan fuer Suedostasien
lellaeadische Kohlenbergwerke

• 5

••••••••

6

Gegensaetze kennzeichnen die franzoesische Kohlenindustrie 7
Der belgische Textilarbeiter und sein Lebensstandard .... 9
TTiedereroeffnung der griechisch-Jugoslawischen Grenze ... 12
Afrikanische Lehrerin fordert Abschaffung der Polygamie . 13
Vereinigung der Nichtkommunistischen Gewerkschaften in
Pakistan

14

Sowjets leisten finnischen Kommunisten finanzielle Hilfe

14

Landreform in Italien

15

Das Hauptproblem der Produktionssteigerung liegt auf
psychologischem Gebiet
••••••••

15

DIE INVALIDENUNTERSTUETZUNG IN DEN PENSICNSPLAENEN DER AMERIKANISCHEN
INDUSTRIE
Als gegen Ende des Jahres 1949 in einer Reihe groesserer Industrien
der Vereinigten Staaten Tarifvertraege abgeschlossen wurden, wurde das
Interesse und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Bestimmungen
ueber die Unterstuetzung von Invaliden- und Altersrentnern in den Pensionsplaenen der Industrie gelenkt. Der erste dieser Vertraege wurde am 28,
September 1949 von der Ford Motor-Company und der Gewerkschaft der Arbeiter
in den Zubringerindustrien der Automobil-, Flugzeug- und landwirtschaftlichen
Geraeteindustrie (CIO) abgeschlossen. Die Bestimmungen ueber Invalidenunter stuetzung waren in diesem Vertrag in ihrem Umfang begrenzt. Derartige

1 -

�Invalidenrenten werden nur bei dauernder und totaler Erwerbsunfaehigkeit
an Arbeiter gezahlt, die das 55. Lebensjahr erreicht und 30 DienstJahre
•ollendet haben. Ein Vertrag, der einen Ilonat apaeter zwischen der
Bethlehem Steel Corporation und der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO
abgeschlossen wurde, sieht Invalidenunterstuetzungen fuer Arbeitnehmer
mit mindestens 15 ununterbrochenen DienstJahren vor, wenn dauernde Erwerbsunlaehigke.it vorliegt. Diesen Vertraegen folgten in mehr oder weniger
schneller Reihenfolge andere Abmachungen in mehreren Industrien der Massenproduktion, vor allem der Stahl-, Automobil-, Gummi- und Glasindustrie.
Allein in diesen vier Industrien sind in den von September 1949 bis Ende
Juni 1950 abgeschlossenen Tarifvertraegen mindestens 80 Pensionsplaene mit
Bestimmungen ueber die Auszahlung von Invalidenunterstuetzungen enthalten.
Wenn die Gewerkschaften auf die Einbeziehung von Unterstuetzungsbestimmungen bei dauernder und totaler Arbeitsunfaehigkelt Y/ert legen, so
ist dies eine neuere Entwicklung. Derartige Bestimmungen bestehen jedoch
bereits in Pensionsplaenen, die seit vielen Jahren gueltig sind. Auch
gibt es einige Sonderplaene, die lediglich den Zweck haben, dem Risiko
dauernder und totaler Arbeitsunfaehigkelt zu begegnen.
Die meisten Pensionsplaene enthalten irgendeine Bestimmung ueber die
Pensionierung von Arbeitern vor Erreichen des normalen Pensionsalters,
aber allgemein nicht vor Erreichung des 55. Lebensjahres. Fuer Arbeitnehmer, die sich nach Erreichen des $5* Lebensjahres zur Ruhe setzen, sehen
die meisten Pensionsplaene jaehrliche Unterstuetzungsgelder vor, fuer die
die zu zahlenden Praemien jedoch geringer sind. Nach einigen Plaenen kann
fuer Arbeitnehmer, die vor Erreichen des 55* Lebensjahres die Arbeit niederlegen, unter besonderen Bedingungen bei Erreichung des 65* Lebensjahres
eine Unterstuetzung nachgezahlt werden, deren Hoehe sich nach den vom
Arbeitnehmer gezahlten Praemien sowie den von seinem Arbeitgeber fuer ihn
geleisteten Zuschuessen richtet. Nach den Bestimmungen einiger Plaene wird
den Arbeitnehmern sofort nach Einstellung ihrer Erwerbstaetigkeit, selbst
wenn sie noch nicht 55 Jahre alt sind, eine jaehrliche Beihilfe gezahlt,
wenn sie sich den Anspruch hierauf nach Hassgabe der Pensionsplanbestimmungen
erworben haben. Obwohl derartige Plaene einigen Arbeitnehmern ermoeglichen,
Unter st uetzungen zu beziehen, die im allgemeinen sehr niedrig sind, wenn sie
wegen Arbeitsunfaehigkeit die Arbeit niederlegen muessen, werden derartige
Plaene in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt.
Plaene, die Unterstuetzungen fuer dauernd und total Arbeitsunfaehige vorsehen, sind gewoehnlich in grossen Betrieben anzutreffen. 70 dieser Plaene
erstrecken sich auf Arbeitnehmer privater Unternehmen in allen moeglichen
Industrien. Der Wohlfahrts- und Pensiohsfonds der Bergarbeitergewerkschaft
dagegen besteht fuer die gesamte Industrie und erstreckt sich auf 400.000
Arbeitnehmer. Die 70 Plaene bestehen in Betrieben verschiedener Groessen von kleinen Unternehmen mit weniger als 100 Arbeitnehmern bis zu der riesigen
American Telephone und Telegraph Company rit ueber 600.000 Arbeitnehmern.
Annaehernd 5556 der Plaene sind jedoch fuer Betriebe gueltig, die 2.500 oder
mehr Arbeitnehmer beschaeftigen.
Ein erwerbsunfaehiger Arbeiter, der gegen Erwerbsunfaehigkeit versichert war, muss eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfuellen, um
untarstuetzungsberechtigt zu sein. Die Arbeitsunfaehigkelt muss von einer
Art sein, die in dem Plan vorgesehen ist. In den meisten Betrieben ist
eine bestimmte Dienstzeit erforderlich, und der Arbeitnehmer muss ein bestimmtes Alter erreicht haben oder bei Eintritt der Erwerbsunfaehigkeit ein
gewisses Alter besitzen.
Die Art und Weise, in der ueber das Vorhandensein einer Arbeitsunfaehigkelt entschieden wird, ist in einigen Plaenen gaenzlich dem Unternehmer oder dem Verwalter des Pensionsplans ueberlassen; in anderen wird
sie mehr oder weniger detailliert festgelegt. In den Plaenen, die in dieser Erhebung beruecksichtigt sind, variiert die Auslegung des Begriffs der

- 2 -

/

�"Arbeitsunfaehigkeit" - wenn ueberhaupt dazu eine besondere Moeglichkeit
besteht - von der Unfaehigkeit, jede normale Taetigkeit zu verrichten,
bis zur dauernden und voelügen Arbeitsunfaehigkeit fuer jede Art von
Arbeit. Die Bedingungen in bezug auf das aerztliche Gutachten sind ebenfalls sehr verschieden. Manchmal werden nur sehr vage Bedingungen und
manchmal ganz spezifische Bestimmungen sowohl fuer einmalige als auch
fuer dauernde aerztliche Untersuchungen und Gutachten gestellt.
Fast in zwei Dritteln der Plaene wird gefordert, dass der Arbeitnehmer ein bestimmtes Alter erreicht und eine bestimmte Zahl von Dienstjahren geleistet hat. Manchmal werden auch beide Bedingungen gestellt,
wenn der Arbeitnehmer als unterstuetzungsberechtigt erklaert werden soll.
Nur in 15% der Plaene werden jedoch beide Bedingungen gestellt,
Bedingungen in bezug auf das Dienstalter werden zweimal so haeufig
gestellt als Bedingungen in bezug auf das Lebensalter. Die erforderliche
Dienstzeit variiert zwischen fuenf und 25 Jahren, am haeufigsten werden
15 Dienstjähre zur Voraussetzung gemacht. In mehr als 36% der Plaene
werden 15 oder mehr Dienstjähre gefordert. Derartige Bestimmungen sind
haeufiger in solchen Plaenen zu finden, bei denen die Arbeitnehmer keine
Praemien zahlen als in solchen, bei denen die Arbeiter selbst Beitraege
zu entrichten haben.
In achtzehn Betrieben muss der Arbeitnehmer ein bestimmtes Alter erreicht, haben, wenn er Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben will.
In 10 Betrieben werden keine Unterstützungen gezahlt, wenn der Arbeitnehmer nicht 55 Jahre alt ist, mit der Ausnahme jedoch, dass das Mindestalter fuer Frauen in drei Betrieben auf 50 Jahre festgelegt ist. In
sechs Betrieben sind nur solche Arbeitnehmer unterstuetzungsberechtigt,
die noch nicht 56, 60 oder 65 (fuer Frauen 55) Jahre alt sind. In diesen
Betrieben muessen die aelteren Arbeitnehmer Pensionsunterstuetzungen aufgrund ihres Alters beantragen. Altersbedingungen sind in beitragspflichtigen
Plaenen verhaeltnismaessig haeufiger anzutreffen als in nicht-beitragspflichtigen.
Bezueglich der Alterspensionierung ist die Hoehe der wegen &amp;rwerbsunfaehigkeit zu zahlenden Pensionsunterstuetzung im allgemeinen von dem
Verdienst und den Dienstjahren abhaengig. Da die Dienstzeit eines Arbeitsnehmers infolge seiner Arbeitsunfaehigkeit gekuerzt wird, ist der Betrag,
der sich aus der Anwendung der Unterstuetzungsbestimmungen ergibt, nicht
nur aufgrund des niedrigeren Pensionsalters niedriger, sondern vermindert
sich ebenso durch die verhaeltnismaessig kurze Dienstzeit.
Einige der verhandelten Pensionsplaene sind neue Plaene, die durch
Tarifvertraege entstanden sind, wie zum Beispiel der Pensionsplan, der in
dem Vertrag zwischen der Ford Motor Company und der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO enthalten ist. Andere Plaene sind aelteren Datums, sie
wurden urspruenglich von dem Unternehmer aufgestellt und gefoerdert, sie
sind durch Vertraege revidiert und der Jetztzeit angepasst. Der Plan der
Bethlehem Steel Corporation, der durch den Tarifvertrag mit der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO revidiert wurde, gehoert zu dieser zweiten
Kategorie.
Alle diese Plaene mit Ausnahme von einem einzigen sind fuer die Arbeitnehmer nicht beitragspflichtig. Die einzige Ausnahme ist der Plan der
Inland Steel Company. Der Vertrag zwischen dieser Firma und der Stahlarbeitergewerkschaft sieht einen "ergaenzenden" und einen "freiwilligen"
Pensionsplan vor, und der Arbeitnehmer kann waehlen, in welchen er einbezogen sein will. Fuer den "ergaenzenden" Plan, der neu ist, sind keine
Beitraege zu entrichten. Der "freiwillige" plan sieht Beitragszahlung
durch die Arbeitnehmer vor, er wurde von der Gesellschaft ins Leben gerufen
und bestand bereits zurzeit des Vertragsabschlusses. Durch den Tarifvertrag wurde er abgeaendert. Nach den Bestimmungen dieses Planes zahlt

- 3-

�der Arbeitnehmer etwa zwei Prozent seines monatlichen Verdienstes, wenn
er zwischen 50 und 250 Dollar liegt. Fuer Betraege ueber 250 Dollar
werden zusaetzlich vier Prozent erhoben. Der Arbeitgeber zahlt den Restbetrag, der notwendig ist, um die vorgesehenen Unterstuetzungen zu
finanzieren. Diese Zuschuesse sind in allen Bestimmungen fuer Pensionsunterstuetzungen und nicht nur in denen der Invalidenunterstuetzungen
enthalten«
Die Invalidenunterstuetzungen werden in fast allen Faellen von den
Unternehmern getragen. Haehrend nach den Tarifvertraegen die Unternehmer
in den meisten Faellen fuer die Unterstuetzungen verantwortlich zeichnen,
sind nur wenige Pensionsplaene bekannt, fuer die kommerzielle Versicherungstraeger verantwortlich zeichnen.
Obwohl die von den Gewerkschaften vor kurzem verhandelten Pensionsplaene in den Industrien der Massenproduktion die Aufmerksamkeit auf das
Problem des gesicherten Einkommens fuer solche Arbeiter gelenkt haben, die
wegen Arbeitsunfaehigkeit ihre Erwerbstaetigkeit beenden mussten, sind
weniger bekannte Bestimmungen fuer die Auszahlung von Unterstützungen an
dauernd erwerbsunfaehige Arbeiter ebenfalls in vielen Arbeiter-Unterstuetzungsplaenen vorzufinden, die seit einer Reihe von Jahren bestehen«
Die meisten Plaene, die Unterstützungen fuer dauernd und total
Erwerbsunfaehige vorsehen, sind in grossen Unternehmen anzutreffen. Da
die Unterstuetzungszeit von grosser Dauer sein kann, ist in den Plaenen,
die sich auf Privatfirmen oder Privatunternehmen erstrecken, die Unterstuetzung von dauernd und total Erwerbsunfaehigen auf solche Arbeitnehmer
beschraenkt, die verhaeltnismaessig lange Zeit fuer den einzelnen Unternehmer gearbeitet haben. In den meisten Plaenen, die dieser Erhebung
zugrunde liegen, sind die Unterstuetzungsbetraege ziemlich niedrig, besonders,
wenn es sich um Plaene handelt, in denen nur eine Uindestdienstzeit zur
Bedingung gemacht wird. Nichtsdestoweniger ist das Vorhandensein von
Pensions- und anderen Plaenen, in denen ein bestimmter Schutz gegen das
Risiko der totalen und dauernden Arbeitsunfaehigkeit vorgesehen ist, ein
Beweis dafuer, dass in zunehmendem Masse die Notwendigkeit und die Moeglichkeit anerkannt wird, vorbeugende Massnahmen zum Schutz vor diesem Risiko
• zu treffen.
Social Security Bulletin
1/51

Gü*ffiRKSCHAFT3K0NG3ESS FUER ZENTRAL- UND HESTAFRIKA
35 Gewerkschaftsdelegierte aus verschiedenen Teilen Zentralafrikas
und Vertreter europaeischer und amerikanischer Gewerkschaftsgruppen kamen
in diesen Tagen in Duala (Franzoesisch-Kamerun) zu einer historisch bedeutsamen Konferenz der freien Gewerkschaften Afrikas zusammen.
Es ist der erste Kongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der die Gewerkschaftsfuehrer aus zehn zentral- und westafrikanischen Territorien, einschliesslich Senegal, Gambia, die Goldkueste, Sierra
Leone, Dahomey, Nigeria und Kamerun, und Gewerkschaftsdelegierte aus Frankreich, Belgien und Grossbritannien zusammenfuehrte.
Einige Kommunisten hatten versucht, eine vorbereitende Konferenz, auf
der die Delegierten der Gewerkschaften des IBFG die Themen fuer den Kongress
in Duala besprachen, zu stoeren. Dieser Versuch war jedoch schnell vereitelt.
Die Delegierten erklaerten, sie seien ueberzeugt, dass die Arbeiter
Zentral- und V.'estafrikas sehr wohl zwischen kommunistischen Agitatoren und
Gewerkschaftsführern unterscheiden koennten, die ehrlich bestrebt sind, den

-4-

�Interessen der Arbeiter zu dienen.
Der IBFG ergreift die Initiative in der Unterstuetzung der sozialen
und wirtschaftlichen Massnahmen, die die Arbeitsbedingungen der einheimischen Bevoelkerung verbessern sollen. In Anbetracht des gegenwaertigen Weltmangels an gewissen Rohstoffen, die in Zentral- und Westafrika vorhanden sind, kommt dieser Konferenz eine besondere Bedeutung
zu. Obwohl die strategisch wichtigen Reichtuemer dieser Gebiete als betraechtlich angesehen werden, haben die Gewerkschaftsdelegierten, die die
Konferenz vorbereiten, nicht die Absicht gehabt, dieses Thema auf die
Tagesordnung zu setzen.
Dem Gewerkschaftskongress wird ein Bericht ueber die Inspektionsreisen vorgelegt werden, die zwei IBFG-Gruppen unternommen hatten, um
sich ueber die Arbeitsbedingungen in Zentral- und Westafrika zu informieren .
Die IBFG-Delegation wird gefuehrt von Frederic W. Dalley von der
einflussreichen britischen Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten, ferner
von Lawrence Wight, der vom Internationalen Transportarbeiterverband
delegiert ist, Andre Lafond, dem Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT-Force Ouvriere, Marcus Grant, dem Generalsekretaer der
Gewerkschaft der Handwerks- und aehnlicher Berufe in Sierra Leone, Harold
D. Snell, einem Funktlonaer der Transportarbeitergewerkschaft des CIO,
und Arthur Sercu, dem zweiten Vorsitzenden der belgischen Textilarbeitergewerkschaft. Ausserdem sind zwei Sekretaere anwesend, Walter Hood aus
Australien und Pierre Liniger aus der Schweiz.
IBFG Paris 3/7/51

CIO FORDERT MAftdHALLPLAN FUER SUEDOSTASIEH
Die dringende Forderung nach der "sofortigen Schaffung eine's Marshallplanes fuer die Nationen Suedostasiensn ist von dem Hauptkassierer des CIO,
James 'B. Carey, in einer Rede gestellt worden, die er vor dem dreizehnten
Jahreskongress das Nationalen Farminstituts in Des Moines (Iowa) hielt.
"Die westlichen Demokratien riskieren ihren moralischen, militaerischen und wirtschaftlichen Bestand, wenn sie die 560 Millionen Menschen
Suedostasiens mit den natuerlichen Reichtuemern dieser Gebiete verlieren",
betonte hier warnend Carsy.
"Ich bin fest davon ueberzeugt, dass wir heute wesentlich weiter waeren,
wenn wir einen Marshallplan fuer Suedostasien entworfen und ein 20 Milliarden-Dollar-Programm eingeleitet haetten."
Im Vergleich zu den diesjaehrigen Ausgaben fuer Verteidigungszwecke,
die sich auf 70 Milliarden Dollar belaufen, "haetten wir unbedingt Geld gespart, wenn wir uns haetten entschliessen koennen, vier Jahre jaehrlich
fuenf Milliarden Dollar fuer ein ECA-Programm im Fernen Osten aufzuwenden."
Carey brachte zum Ausdruck, dass er das Punkt-Vier-Programm der amerikanischen Regierung zur Unterstuetzung wirtschaftlich rueckstaendiger Gebiete befuerwortet, fuagte jedoch hinzu, dass die fuer Investitionazwecke
bewilligten 25 Millionen Dollar fuer jeden der 560 Millionen Menschen Suedostasiens nicht ganz i-^J Ce^ts bedeuteten.
Der CIO-Funktiona*r erklaerte in seinen Ausführungen vor der Konferenz u.a.:
"Die Alarmschlaegör und Habgierigen werden uns natuerlich vorwerfen,

-5

�dass wir einen unserer groessten Absatzmärkte zerstoeren, wenn wir
diesen Laendern Suedostasiens helfen, ihre eigene Wirtschaft aufzubauen und den Lebensstandard ihrer Bewohner au verbessern."
«Eine derartige Propaganda ist unrichtig, weil sie unsinnig ist.
Ihr liegt die Vermutung zugrunde, dass die Beduerfnisse dieser Menschen
trotz wirtschaftlichen Fortschritts gering bleiben wuerden."
"Der konkrete Beweis fuer die Unrichtigkeit dieser Propaganda ist
die einfache Tatsache, dass unser Aussenhandel mit solchen Laendern besonders rege ist, in denen die Produktionskapazitaet am hoechsten ist.
Wenn also jemand den Wunsch hat, diesen Vorschlag unter dem engstirnigen
Blickwinkel des Selbstinteresses zu betrachten, dann moege er sich vor
Augen halten, dass eine Steigerung des Lebensstandards der ganzen Welt
und eins Steigerung der Produktionsleistung aller Nationen su einer immer
groesseren Nachfrage nach allen erdenklichen Erzeugnissen Amerikas fuehren
wird."
Labour News from the US
3/2/51

HOLLAENDISCHE KOHLäNBEaCR.'ERKE
Auch in Holland gibt es Kohlenbergwerke, aber die kohlefuehrenden
Adern sind fast so schmal und duenn wie die Wurzeln eines Baumes. Dennoch
ist es durch eine systematische Anwendung der Grundsaetze wissenschaftlicher
Betriebsfuehrung gelungen, die Ausbeute beträchtlich zu steigern, zugleich
jedoch die manuelle Arbeitsleistung des einzelnen Bergmanns herabzusetzen.
In erster Linie ist dies dem Transportband zu verdanken, das das gefoerderte
Gut nach oben befoerdert und damit die harte Arbeit des Schaufeins ueberfluessig macht. Diese Baender gab es auch bereits frueher, aber sie mussten
sozusagen "beschaufelt" werden, waehrend heute das Band in sehr geringer
Hoehe laeuft, sodass die Kohle nur auf das Band "geschoben" zu werden braucht.
Eine weitere Erhoehung der Leistung ist durch die Einfuehrung der Leuchtroehren in den Stollen erreicht worden, die eine wesentlich bessere Beleuchtung als bisher ergeben.
Von den 12 Kohlenbergwerken befinden sich vier in der Hand des Staates,
acht gehoeren privaten Unternehmungen. In diesen 12 Schaechten sind Aß.000
Bergleute beschaeftigt, wobei eine Reihe Massnahmen getroffen wurde, um
den Nachwuchs heranzubilden. Der Lehrling kommt zuerst in einen Vortrupp,
der von einem Jugendlichen gefuehrt wird. Sobald 2k Jugendliche dem Vortrupp
angehoeren, beginnt die Berufsausbildung. Gelehrt werden vor allem Sicherheit smassnahmen, der richtige Gebrauch der mechanischen Ausruestung und eine
Reihe technischer Aufgaben. Aber auch fuer die sportliche Betaetigung wird
Sorge getragen, im ersten Jahr nimmt jeder Jungbergmann an einem achttaegigen
Zeltlager teil.
Im zweiten Lehrjahr beginnt die praktische Arbeit in einem Modellschacht,
der mit allen in Frage kommenden Ausrüstungen ausgestattet ist. Anfangs
wird taeglich fuenf Stunden in den Oberflaechenbetrieben des Bergwerks gearbeitet. Hier handelt es sich nur um einfache Arbeiten wie das Ausladen und
das Aufstapeln der Kohle, das Reinigen der Hoefe und sehnliches, die eigentliche bergmaenni8che Taetigkeit beginnt erst im dritten Lehrjahr, anfangs
einen Tag in der Woche und spaeter drei Tage im Schacht. Jugendliche unter
16 Jahren duerfen in Holland nicht staendig unter Tage beschaeftigt werden,
aber wenn die Bergwerklehrlinge ihre Lehrzeit beendet haben, sind sie dennoch
zu perfekten Hauern geworden.
Die eingeschaltete Berufsberatung sorgt dafuer, dass der einzelne Jugend-

-6-

�liehe den richtigen Berufszweig erlernt, sei es als Mechaniker, als
Steiger oder als Elektriker. Diese Testpruefungen werden jedoch auch mit
Bergleuten durchgefuehrt, die schon jahrelang in den Schaechten arbeiten.
An Hand der Testergebnisse zeigte es sich wiederholt, dass einzelne Bergleute nicht an der richtigen Stelle taetig waren. Durch entsprechende
Auswechslungen konnte sowohl den einzelnen Arbeiter als auch dem Bergwerk
selbst gedient werden.
Durch Leistungskontrollen wird die Betriebsleitung im uebrigen auch
auf anderem Wege auf solche Fehlbesetzungen aufmerksam, sodass auch von
dieser Seite her der Testversuch in Anwendung kommen kann.
Die hollaendischen Bergwerke blicken auf keine lange Tradition zurueck. Noch vor fuenfzig Jahren erstreckten sich im Limburger Gebiet,
der suedoestlichsten Ecke Hollands zwischen Belgien und Deutschland, ueberall bestellte Aecker. Dann wurden die ersten Bergwerke eroeffnet, und die
Bauern verdienten als Bergleute besser als bisher. Aus diesem Grunde stammen 9056 aller hollaendischen Bergleute aus dem Limburger Gebiet, und die
Jungen der Bergleute gehen selbstverstaendlich wieder in die Bergwerke.
Die kleinen Aecker wurden beibehalten, hier in Limburg kennt man nicht die
ueberall in der Welt fuer die Bergwerke so typischen Siedlungen. Die
hollaendischen Bergarbeiterwohnungen unterscheiden sich betraechtlich von
denen in anderen Laendern. Hier draengt sich auch nicht Wohnhaus an Wohnhaus, sie stehen vielmehr einzeln "im Gruenen", in einer freundlichen Landschaft, die kaum zu einem Kohlenrevier zu gehoeren scheint.
Die hollaendische Bergarbeitergewerkschaften zaehlen etwa 24.000 Mitglieder, die jedoch in verschiedene Verbaende aufgeteilt sind. Der monatliche Ausstoss betraegt ueber eine Million Tonnen, er liegt jedoch erst bei
85£ der Vorkriegsfoerderung.
Die Gewerkschaften ueben in Holland einen starken parlamentarischen
Einfluss aus. Die Sozialversicherungen sind daher ausgezeichnet. Unternehmer und Arbeiter zahlen 2,l£ der Monatsbezuege fuer Krankenversicherung
und 7,556 fuer den Pensionsfonds. Fuer die Zahlung von Krankengeldern muss
der Arbeiter weitere 2% und der Unternehmer 6% aufbringen. In Krankheitsfaellen oder bei Unfaellen erhaelt der Arbeiter jedoch 60/C seines Lohnes
fuer sechs Monate.
Die Altersversicherung kann bis zu 70/f des Lohnes betragen, sie richtet
sich danach, welche Einzahlungen in den Pensionsfonds geleitet worden sind.
Die Witwe erhaelt 50% dieser Betraege. Die staatseigenen Bergwerke haben
einen sozialen Haushaltshilfsdienst eingerichtet, der die erkrankten Bergleute betreut.
ECA - Sondermitteilungen

GEGENSAETZE KENNZEICHNEN DIE FRANZCESISCHE KOHLENINDUSTRIE
Von Grubenpferden und aermlichen Arbeiterwohnungen bis zum amerikanischen Foerderkarren mit Flachbaggervorrichtung und modernen Siedlungen,
von kommunistischen bis zu christlichen Gewerkschaften bietet die franzoesische Kohlenindustrie ein Mosaik der Gegensaetze und Probleme.
Von allen Nachkriegsproblemen der franzoesisehen Wirtschaft bildet
das der Kohle das schwierigste, denn 75£ der in der Industrie und den
Haushalten Frankreichs benoetigten Energie wird aus der Kohle gewonnen.
Und ausser den schweren Kriegsschaeden litten Frankreichs Bergwerke seit
mindestens zehn Jahren vor dem Krieg an Vernachlaessigung und einem Mangel
an Kapitalinvestitionen.

7-

�Was die Lage noch schwieriger gestaltet, ist die Tatsache, dass
Prankreich immer viel Kohle importiert hat, - in der ersten Haelfte des
20. Jahrhunderts mehr als alle anderen Laender der Welt. Am Ende des
Krieges waren Frankreichs groesste Kohlelieferanten, naemlich Deutschland, Belgien, Polen und England, nicht mehr lieferfaehig.
Zu dieser Zeit verstaatlichte Frankreich 97% seiner Bergwerke und
leitete ein gigantisches Programm zur Erweiterung und Modernisierung
seines Bsrgwerksystems ein. Man kann sich von dem Umfang dieses Programms
eine Vorstellung machen, wenn man ueberlegt, dass Ende 1952 die Haelfte
aller franzoesischen Bsrgwerkseinrichtungen seit dem Krieg erneuert sein
werden.
Ein anderer Beweis fuer die Groesse dieses Programms sind die Kosten.
Von 1946 bis 1950 sind dafuer 65 Milliarden Francs oder rund 200 Millionen
Dollar aufgewendet worden. Mehr als die Haelfte dieses Betrags wurde aus
Marshallplan-Gegenwertmitteln aufgebracht, das heisst Geldern in franzoesischer Waehrung. die franzoesische Buerger fuer gelieferte MarshallplanWaren an ihre Regierung gezahlt haben, und die von der Regierung in einen
Sonderfonds deponiert wurden. nCharbonnages de France", die Organisation,
die die verstaatlichten Bergwerke verwaltet, steht als Empfaenger von Gegenwertgeldern an zweiter Stelle hinter den verstaatlichten Elektrizitaetswerken.
Da das Modernisierungsprogramm weit vorangetrieben, aber nicht vollendet
ist, bietet der franzoesische Kohlenbergbau ein Bild der Gegensaetze. Neues
und Altes, Leistungsfaehiges und Rucckstaendiges stehen haeufig Seite an
Seite.
Nehmen wir zum Beispiel die Bergarbeiterwohnungen. Im "Bassin du Nord"
waren die alten Wohnungen ohne jede Kanalisierung gebaut worden. Die Bergarbeiter haben sich selbst ausserhalb ihrer Haeuser Huetten errichtet, die
irgendwie einen primitiven Eindruck machen. In einigen Gemeinden wird das
Wasser noch in Eimern an den oeffentlichen Pumpen geholt, und die elektrische
Beleuchtung ist oft noch sehr mangelhaft.
Auf der anderen Seite wurde ein Drittel des gesamten fuer das Erweiterungsprogramm aufgewendeten Geldes fuer den nohnungsbau verwendet. Die Gelder
fuer den Wohnungsbau wurden in zunehmendem Masse aur Marshallplan-Gegenwertfonds zur Verfuegung gestellt. Allein in der Zeit von 1946 bis 1948 wurde
mit dem Bau von 21.000 Wohnungseinheiten begonnen. Viele franzoesische Bergarbeiter sind nun in der gluecklichen Lage, in Gartensiedlungen mit üinfamilienhaeusern leben zu koennen. Diese modernen Haeuschen sind oft von
Gaerten umgeben, in denen Kaninchenstaelle und Huehnerlaeufe angelegt sind.
Garagen gibt es nicht, denn ein franzoesischer Arbeiter kann sich keinen
Wagen leisten.
Der Bergarbeiter selbst, das Bergwerk, in dem er arbeitet und die Tferkzeuge, die er benutzt, sind ebenfalls sehr verschieden. Unter den Bergarbeitern gibt es Marokkaner, Tunesier und Algerier, die alle arabisch
sprechen; ferner Italiener, Polen und Tschechoslowaken« Ausserdem trifft
man, wenn auch in geringerer Zahl, dort Spanier, Belgier, Deutsche, ein paar
Portugiesen und wenige Russen. Mehr als ein Viertel aller Bergleute sind
Auslaender, weil die Franzosen eine Abneigung gegen die Arbeit in den Kohlengruben haben.
Der Arbeiter, der in den modernen Bergwerken in Lothringen beschaeftigt
ist, kennt die modernen Einrichtungen, die im Rahmen des Marshallplanes geliefert wurden, wie z.B. dreiarmige Bohrer, Foerderkarren mit Ladebagger,
automatische Ladevorrichtungen, Diesel-Zugmaschinen und Presslufthaemmer«
In einigen Bergwerken im "Bassin du Nord" dagegen kommt es vor, dass er 300
Meter weit durch enge, sich windende Stollen kriechen muss, um an eine Abbruchsteile zu gelangen, die nur Raum fuer einen Mann und eine Picke bietet.
In diesen Gruben werden die Foerderkarren von Ponys gezogen*

•*• Q ••

�Die franzoesische Kohle ist vorwiegend bituminoes. Viele Vorkommen
liegen in einer Tiefe von 1300 Metern, und die Adern sind oft unterbrochen
und duenn. Steinkohle wird zum groessten Teil im Stollenabbau gewonnen;
die franzoesischen Reserven an Anthrazit, Koks und Giessereikoks sind jedoch zu gering, und rrankreich ist in dieser Beziehur^ auf den Import angewiesen. 1949 wurden von diesem Land 53 Millionen Tonnen produziert und
1 Million Tonnen exportiert. Aber trotzdem mussten noch 21 Millionen Tonnen importiert werden. In den vier Jahren von 1946 - 19A9 importierte
Frankreich ueber 30 Millionen Tonnen Kohle aus den Vereinigten Staaten.
Bis Ende des Jahres 1950 hatte es aus Marshallplan-Mitteln ueber 156 Millionen Dollar fuer Kohlenimporte aus den Vereinigten Staaten erhalten.
Der Aufsichtsrat der "Charbonnages de France" setzt sich aus sechs Mitgliedern der drei Gewerkschaften, die die Bergleute vertreten, sechs Mitgliedern, die von der Regierung ernannt werden, und sechs Vertretern der
Verbraucher zusammen, wobei letztere politische Delegierte sind und im
allgemeinen die Industrie vertreten.
Prozentual gesehen bilden die Bergleute die groesste gewerkschaftlich
organisierte Arbeitergruppe Frankreichs. Trotzdem sind nur 50$ von ihnen
in Gewerkschafter: organisiert. Von diesen 50$ gehoert ein wesentlicher
Teil dem kommunistisch beherrschten Allgemeinen Gewerkschaftsbund CGT an.
Die uebrigen sind mehr oder weniger auf die antikommunistische Gewerkschaft
"Force Ouvi'iere", die sich vor drei Jahren vom CGT loslceste, und auf den
Gewerkschaftsbund Christlicher Arbeiter (CFTC), eine vorwiegend katholische
Gruppe, verteilt,
Obwokl der komnunistisch gefuehrte CGT betraechtliche Verluste seit
dem grossen Streik im Jahre 1948 erlitten hat, ist er immer noch die
staerk8te Organisation dieser drei.
Die anderen Gewerkschaften weigern sich haeufig, mit Vertretern des
CGT am TarifVerhandlungstisch zusammenzusitzen. Da es in Frankreich nicht,
wie in den Vereinigten Staaten, den festen Zustaendigkeitsbereich einer Gewerkschaft gibt, verhandelt der Koiilenausschuss mit jeder Gewerkschaft
einzeln. Deshalb besitzt auch keine Gewerkschaft das, was man in den Vereinigten Staaten eine starke Verhandlungsposition nennt.
United Mine Workers Journal
3/1/51

DER BELGISCHE TEXTILARBEITER UND SEIN LEBENSSTANDARD
Die belgischen Textilarbeiter erfreuen sich, wie ueberhaupt die belgischen Arbeiter im allgemeinen, eines hoeheren Lebensstandards als alle
anderen Arbeiter des europaeischen Kontinents mit Ausnahme der schwedischen.
Fuer den amerikanischen Beobachter bestehen gewisse augenscheinliche
Unterschiede zwischen dem Lebensstandard des belgischen und amerikanischen
Arbeiters. Des Morgens, nachmittags und wiederum nach Feierabend sind die
engen, kopfsteingepflasterten Strassen mit Radfahrern jeden Alters dicht
bevoelkert.
Ausserdem sind nach amerikanischen Begriffen Kanalisierung und Wasserversorgung vernachlaessigt, oft ist die naechste V/asserquelle eine rostige
Pumpe im Hinterhof. Es gibt nur wenige Badeeinrichtungen. Die Toilette
besteht oft aus einer Holzhuette, wie sie frueher in Amerika auf dem Lande
ueblich war.
Der Belgier legt zwar weniger ',,'ert auf moderne Transportmittel und
sanitaere Anlagen, aber dafuer ist ihm seine Ernaehrung wichtig. Ernaehrung
ist fuer ihn Erholung. Jeden Abend begibt er sich in sein kleines Back-

-9 -

�Steinhaus, schliesst die Fen3terlaeden und bringt Stunden bei der Mahlzeit zu.
Bier ist sein Getraenk. Und die alltaeglichen Speisen, bei denen
zwar soviel Kartoffeln verzehrt werden, dass ein amerikanischer Rohkoestler Angst davor bekaeme, liegen weit ueber dem europaeischen Durchschnitt. Dies ist jedoch nicht ohne grosse Bemuehungen moeglich. Da
es keine Kuehlschraenke gibt, muessen die Hausfrauen jeden Tag Frischgemuese einkaufen und viel Zeit fuer ihre Zubereitung aufwenden. Das
Ergebnis ist dementsprechend ein koestliches. Es ist fast ausgeschlossen,
dass man in Belgien ein kaergliches Mahl vorgesetzt bekommt, da die
Kueche vorwiegend franzoesisch ist.
Der verhaeltnismaessig hohe Lebensstandard in Belgien ist zum Teil
der Y/achsamkeit und Tatkraft der belgischen Gewerkschaften zu verdanken.
Es gibt zwei grosse Gewerkschaften, die saemtliche Industriezweige
organisiert haben: die "sozialistische" Gewerkschaft, die mehr oder
weniger mit der politischen Partei gleichen Namens uebereinstimmt, und der
Katholische Gewerkschaftsbund.
Die sozialistische Gewerkschaft (FGTB) vereinigt in ihren Reihen die
Mehrheit der Textilarbeiter (etwa 60£). Die Zentralstellen der FGTB sind
fuer alle Industrien mit Ausnahme der Textilindustrie in der belgischen
Hauptstadt untergebracht. Der Sitz der Textilarbeitergewerkschaft ist in
Gent, einer Stadt der Kanaele mit alten, aus Stein gebauten Kirchen und
einer faszinierenden Geschichte.
Diese Stadt wurde im Jahre 629 gegruendet, sie ist ein Zentrum der
europaeischen Tuchweber, und seine Einwohnerzahl war einst groesser als
die von Paris. Gent ist noch immer das Zentrum der belgischen Textilindustrie.
Es gibt natuerlich auch Ortsgewerkschaften der Textilarbeiter der
FGTB in den vielen Staedten der Textilfabrikation. St. Nikiaas zum Beispiel, eine Stadt mit 36.000 Einwohnern im Norden in der Naehe von Antwerpen, ist die Heimat der Teppichindustrie. Die aelteste Teppichfabrik
Belgiens, Petws Van Boys, hat hier ihre Spinnereien, Yfebereien und Samtwerkstaetten.
Das FGTB-Buero in St. Nikiaas wird von einem jungen, aeusserst
ruehrigen Sekretaer namens Lucien Rotthier gefuehrt. Er selbst ist in
schwerer Arbeit in der Textilindustrie grossgeworden und begann mit 1A
Jahren als Webereilehrling. Das war vor 19 Jahren, und man sieht es noch
heute seinen Fingern an.
Vor vier Jahren bewarb er sich erfolgreich zusammen mit 14 anderen
um die Stellung, die er jetzt bekleidet. Seine Erscheinung entspricht
auch seinem Jesen - ein schlankes Gesicht mit dunklen, durchringenden Augen.
Seine Arbeit laesst ihn trotz der belgischen Ernaehrung kaum schwerer als
120 Pfund werden.
Die engen Strassen von St. Nikiaas sind von kleinen, zweistoeckigen
Haeusern umsaeumt, die eng aneinander und dicht am Buergersteig stehen. Es
gibt Tausende davon, und sie sind alle gleich.
Auch die Rotthiers wohnen in einem solchen Haeuschen. Meistens gibt
es im Erdgeschoss ein Empfangszimmer, das nur selten benutzt wird und
etwas muffig riecht, ein Speisezimmer (wo die Familien sich meistens aufhalten), eine Kueche und ein Hof hinter dem Haus. Im Obergeschoss befinden
sich zwei Schlafzimmer. Zu den meisten Haeusern gehoert ein kleiner Blumenund Genuesegarten hinter dem Haus. Haeufig werden Huehner und Tauben gehalten.

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�Frau Rotthier, eine ansehnliche Blondine, haelt ihr Heim in
peinlicher Ordnung. V.ia in den meisten flaemischen Haeusern 3ind alle
Gegenstaende an ihrem Platz, nichts "steht herum". Die Raeume selbst
sehen nicht so aus, als ob sie bewohnt waeren. Die Moebel und der
aeussere Anblick dieser 'Johnungen haben eine ueberraschende Aehnlichkeit mit Millionen von Arbeiterwohnungen in den Vereinigten Staaten.
In Belgien wird weniger auf Kredit gekauft als in den Vereinigten
Staaten. Die Rotthiers haben zum Beispiel monatelang gespart, um sich
einen Tisch fuer das EmpfangszL'amer zu kaufen. Es ist geradezu paradox,
dass in dieser Stadt der Teppiche die meisten Vlohnungen nicht mit Teppichen, sondern mit Linoleum ausgelegt sind.
Ein Kohleofen verbreitet in der '..'ohnung eine angenehme VJaerme. In
der Kueche steht ein Kohleherd. Die Fenster sind wie in allen belgischen
Y/ohnungen mit freundlichen weissen Spitzenvorhaengen behangen. In jedem
Haus findet sich ein Lautsprecher, der an ein benachbartes Empfangsgeraet angeschlossen ist. Aehnlich wie in vielen amerikanischen Hotels
und Krankenhaeusern stehen fuenf Programme zur V.'ahl.
Die Lohnzahlungen fuer den belgischen Arbeiter erfolgen fast ausschliesslich nach dem Akkordsystem. Die Nettoloehne der Textilarbeiter
sind hoeher als die der uebrigen Arbeiter, aber niedriger als die der
Bergleute, Stahlarbeiter und Hafenarbeiter. Die Loehne der Textilindustrie
und des Baugewerbes haben ungefaehr den gleichen Stand.
lieber verdienen woechentlich im Durchschnitt 109.20 DM, Hilfarbeiter
in Webereien verdienen ungefaehr 75.60 DM.
Die Mieten sind jedoch niedrig
und die Arbeiter koennen ihr Einkommen noch durch die Bewirtschaftung
ihrer Gaerten verbessern. Stoffe sind jedoch, wie fast ueberall in Europa,
verhaeltnismaessig teuer. Vfeil die Preise fuer Lederschuhe sehr hoch sind,,
tragen viele Arbeiter Holzschuhe bei der Arbeit.
Der Lebenshaltung skosten-Index Belgiens ist vor kurzem innerhalb von
zwei Monaten um 23% angestiegen, was auf die geringe Kauftaetigkeit und den
zu erwartenden Warenmangel zurueckzufuehren ist, der durch den Krieg in
Korea verursacht ist. Die Gewerkschaften fordern verbesserte Gesetze fuer
Pensionen und Unfallunterstuetzung.
Vfie immer sind die Verbesserungen der Loehne und Arbeitsbedingungen die
wichtigsten Aufgaben der'Gewerkschaften des Landes. Sie werden jedoch durch
Verhandlungen bestimmt, die im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung gefuehrt
werden.
Obwohl viele Aufgaben auf der Landesebene geloest werden, hat der
Sekretaer Rotthier seine eigenen Schwierigkeiten in seiner Qrtsgewerkschaft.
Eine dieser Schwierigkeiten ist durch eine neue moderne Maschine hervorgerufen worden, die im Rahmen des Marshall-Planes importiert wurde.
Die Teppichfabrik Peters van Roy erhielt vor kurzem einen vier Meter
breiten Lansco-Teppichwebstuhl, der von der Lansdown Corporation in Morton,
Pennsylvania geliefert wurde. Man hatte versucht, eine eurcpaeische Maschine
dieser Groesse zu verwenden,rausstejedoch feststellen, dass sie zu leicht
war. Grosse Erschuetterun en verursachten zahlreiche Fadenbrueche, und der
Verlust an Zeit war betraechtlich.
Die Umstellung auf breite Teppichsorten war notwendig, um dem amerikanischen Geschmack Rechnung zu tragen und die Teppiche in den Vereinigten
Staaten verkaufen zu koennen. Zur Zeit, als dieser Webstuhl von der Firma
erworben wurde, waren nur amerikanische Maschinen zu verwenden.
V/ie den meisten anderen europaeischen Nationen fehlte es Belgien seit

- 11 -

�dem Kriege jedoch an den notwendigen Dollars, um derartige lebenswichtigen Einkaeufe taetigen zu koennen. Hier sprang der Uarshallpl&amp;n
ein. Im Rahmen dieses Programms sind Belgien Dollarbetraege unter der
Bedingung zur Verfuegung gestellt worden, dass dieses Land seinerseits
anderen westeuropaeischen Nationen entsprechende Kredite einraeumt, die
belgische Erzeugnisse benoetigen, aber nicht bezahlen koennen.
Auf diese Weise erhielt die Firma Peters van Roy ihren neuen Webstuhl im Werte von 25.000 Dollar. Eine Konkurrenzfirma, die Louis
Depoorter-Gesellschaft in Courtrai, besitzt bereits 10 Webstuehle dieser Art, und beide Unternehmen rechnen mit einem groesseren Absatz in
den Vereinigten Staaten.
Nun hat 3ich auch fuer Rotthier eine neue Aufgabe ergeben. Die
neuen Marshallplan-Webstuehle werden die Teppiche viel schneller herstellen und dai_.it ergeben sich fuer die Y.'eber, die sie bedienen, aussergewoehnlich hohe Loehne. Es kann deshalb damit gerechnet werden, dass
die Gesellschaft ihre Akkordsaetze revidieren muss.
Dieser Revision werden eingehende Verhandlungen vorausgehen muessen.
Sie werden von einem Ausschuss gefuehrt, der sich aus Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter zusammensetzt. Nach belgischem Gesetz muessen alle
Betriebe mit mehr als 200 Arbeitnehmern einen solchen Ausschuss haben.
Es liegt an Rotthier, die Sache der Arbeiter in die Hand zu nehmen.
Die Verhandlungen sind haeufig schwierig und koennen, wenn die Arbeiter sich
damit einverstanden erklaeren, zu oertlichen Streiks fuehren.
Produktionsleistung und Gewinne sind in 3elgien und darüberhinaus in
ganz Europa angestiegen. Neue Arbeitsmethoden und neue Maschinen, die beide teilweise erst durch die Hilfsmassnahmen des Marshallplans ermoeglicht
wurden, haben die einzelnen Laender in die Lage versetzt, ihr wirtschaftliches Niveau der Zeit vor dem Kriege wieder zu erreichen und zu uebertreffen.
Die belgischen Arbeiter, einschliesslich der Textilarbeiter, wuen3chen
jedoch von sich aus an diesen Gewinnen beteiligt zu werden. Der Streik im
Juni 1950, der 23 Tage dauerte, ist als ein Schritt in dieser Richt\uig anzusehen.
Entschlossenem Handeln und der Zielstrebigkeit seiner Gewerkschaften
verdankt der belgische Arbeiter seinen Lebensstandard, sein behagliches
kleines Haus, seine ueberdurchschnittliche Ernaehrung, seine Kleidung, und
die Erhaltung seiner Lebensgewohnheiten.
Noch hat er nicht den Lebensstandard seiner amerikanischen Arbeitskollegen erreicht, aber er ist einer der wohlhabendsten Arbeiter in der vom
Krieg zerruetteten alten europaeischen Welt.
ECA Labor Inforniation

3/51

YflEüERK.tOEFFNUNG DER GRIECHISCH-JUGOSLAWISCHEN GRENZE
Als der erste Zug aus Griechenland ueber die jugoslawische Grenze rollte,
die Ende Feoruar erneut geoeffnet wurde, gehoerten zu den Fahrgaesten Funktic—
naere der Eisenbahner-Gewerkschaften Nord-Griechenlands. Als ein Symbol der
Solidaritaet, die nun die Arbeiter dieser beiden Laender verbindet, brachten
sie Fruechte, Gebaeck und Zigaretten als Geschenk fuer die jugoslawischen Eisenbahnarbeiter mit, die sie an der Grenze empfingen. Begeisterte Menschenmengen umjubelten den Zug bei seiner Ankunft in Jugoslawien, und die Eisenbahnarbeiter der beiden Laender feierten gemeinsam die Wiedereroeffnung der

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�Grenze. Die Uiederaufnähme der Eisenbahnverbindungen zwischen Griechenland und Jugoslawien, die seit Kriegsende unterbrochen war, ermoeglicht
einen staendigen Zustrom amerikanischer Hilfsgueter fuer Jugoslawien, die
in dem griechischen Hafen Saloniki entladen werden. Beide Laender werden
hieraus Nutzen ziehen. Jugoslawien wird auf dem billigsten und naechsten
Weg versorgt. Der griechischen Wirtschaft wird durch die Benutzung des
Hafens von Saloniki neuer Auftrieb gegeben. Touristen werden bald Griechenland vom Yfesten her mit dem bekannten Orient-Express erreichen koennen.
Darüberhinaus ist mit einem Aufleben des Binnenhandels zwischen diesen
beiden Laendern zu rechnen.
Die letzte Luecke in der unterbrochenen Bahnlinie zwischen den beiden
Laendern wurde im Dezember vorigen Jahres geschlossen. Politische
Schwierigkeiten, die ausserdem die YJie de raufnähme des Verkehrs hinauszoegerten, sind beseitigt worden, und die Eisenbahn-, Post-, Telegrafenund Telefonverbindungen zwischen beiden Laendern werden schnell wiederhergestellt.
ECA Labor Information

2/20/51

AFRIKANISCHE LEHRERIN FORDERT ABSCHAFFUNG DER POLYGAMIE
Eine 23-jaehrige Eingeborene aus Franzoesisch Kamerun verursachte
einige Aufregung, als sie auf dem ersten pan-afrikanischen Kongress des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften die Forderung erhob, die Vielweiberei zu verdammen.
Aufgrund de» heftigen Protestes liess sie das Yfort "Polygamie" fallen,
konnte Jedoch erreichen, dass eine Resolution angenommen wurde, in der die
allgemeine Gleichstellung der afrikanischen Frauen gefordert wird.
Diese junge Pionierin ist Marie Issola, eine Lehrerin an der Eingeborenenschule in Duala und die einzige weibliche Delegierte bei der
historischen dreitaegigen Konferenz des IBFG, die am 8. Maerz beendet war.
Der von Frau Issola eingebrachte Antrag kam fuer einige afrikanische
Delegierte wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die selbst noch immer der
Polygamie huldigen, und zwar entweder aufgrund ihres islamitischen Glaubens
oder einfach deshalb, weil sie mit dieser jahrhundertealten Einrichtung
sehr zufrieden sind.
Frau Issolas Antrag wurde sofort von dem einzigen amerikanischen
Delegierten Harold D. Snell befuerwortet, der erklaerte, die freien Gewerkschaften muessten alle Massnahmen foerdern, die dazu beitragen koennten,
eine moeglichst grosse Zahl von Maennern und Frauen zu emanzipieren. Snell,
der stellvertretende Vorsitzende der Transportarbeitergewerkschaft des CIO,
hatte auf diesem Kongress ausserdem die AFL und die Bergarbeitergewerkschaft
zu vertreten.
Frau Issola ist Mutter von zwei Kindern. Sie wurde in der afrikanischen
Steppe geboren und ist dort grossgeworden. Nachdem sie Schulen in Duala,
Dakkar und Aix-en-Provence (Frankreich) besucht hatte, stellte sie sich in
den Dienst der Gewerkschaften.
Die junge Lehrerin schilderte der Konferenz, unter welchen Bedingungen
viele afrikanische Frauen noch leben; eine Eingeborenenheirat sei haeufig
das Ergebnis eines Kuhhandels zwischen dem Vater, der Braut und seinem zukünftigen Schwiegersohn. Dieser muss seine zukuenftige Frau buchstaeblich
mit Objekten wie Ziegen, Salz, V.'ein, Kuechengeraeten und auch Papiergeld
einhandeln.

- 13 -

�Frau Issola fuegte hinzu, dass mehr als die Haelfte der Bevoelkerung
Kameruns noch immer polygamisch leben, obwohl viele Christen seien und
kirchlich getraut wuerden. In den meisten Faellen hielten sich die Eingeborenen viele Frauen, weil diese Frauen fuer den Mann arbeiten koennten.
Frau Issola erklaerte sich einverstanden, das Wort "Polygamie" zu
streichen, um die Einwaende der islamitischen Delegierten aus dem Senegal
und Nigeria zu beruecksichtigen, die erklaerten, das Problem sei zu umfassend, um an Ort und Stelle geloest werden zu koennen.
Die Bemuehungen zu ihrer Abschaffung sind jedoch insofern von
historischer Bedeutung, als es gelang, die Gewerkschaftskonferenz zu bewegen, eine Entschliessung zur Gleichstellung der afrikanischen Frau anzunehmen. Marie Issola ist in ihre Schule in Duala zurueckgekehrt, wo
ihre jungen Schueler vielleicht niemals etwas von dein Kampf ihrer Lehrerin
um die Besserstellung ihres Volkes erfahren.
Mitteilung des IBFG 3/9/51

VEREINIGUNG DER NICHTKOMVUNISTISCHEN GEWERKSCHAFTEN IN PAKISTAN
Drei&amp;sig Gewerkschaftsorganisationen, in denen 160 Gewerkschaften
und 320.000 Gewerkschaftsmitglieder vertreten sind, haben sich zum AllPakistanischen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen. Die neue Organisation vereinigt in sich die liewerkschaftsverbaende Ost- und West-Pakistan
und urafasst alle nichtkonmunistischen GewerkschaftsOrganisationen des
Landes. Die staerksten Gruppen des Gewerkschaftsbundes werden von den
Dockarbeitern in Keradschi und Chittagong, dem Zugpersonal der Eisenbahnen und den Arbeitern der Binnenschiffahrt in Ost-Pakistan gebildet.
Auf der Gruendungskonferenz des Gewerkschafsbundes wurde beschlossen, dem
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beizutreten, die Regierung,
die englischen und andere Reeder zu ersuchen, mehr pakistanische Seeleute
zu beschaeftigen und sich weiterhin mit der Frage der Landreform zu beschaeftigen.
Die Pakistanische Gewerkschaftsfoederation, die dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen ist und im allgemeinen als Werkzeug der kommunistischen Partei in Pakistan angesehen wird, ist der neuen Organisation
nicht angegliedert. Diese Foederation setzt sich aus einzelnen Gewerkschaften zusammen, die insgesamt 80.000 Mitglieder fuer sich beanspruchen.
Ihr Zentralbuero und die groesste Konzentration ihrer Macht liegen in
Lahore im Pandschab. Der groesste Teil ihrer Mitglieder kommt aus den
verschiedenen Werkstaetten der Eisenbahngesellschaft des Nordwestens, die
sich in Regierungsbesitz befindet.
In der letzten Zeit entsandte die Regierung nur solche Gewerkschaftsvertreter und -berater zu internationalen Konferenzen, die von Organisationen
aufgestellt waren, die dem neuen Gewerkschaftsbund angehoeren.
Notes on Labor Abroad

12/50

SOWJETS LEISTEN FINNISCHEN KUKMUNISTEN FINANZIELLE HILFE
In verzweifelten Anstrengungen, um die Kontrolle ueber den finnischen
Gewerkschaftsbund in die Hand zu bekommen, sollen die Kommunisten Hunderte
Millionen von Finnmark aufwenden. Sie bekommen dieses Geld von sowjeteigenen Konzernen in Finnland geschenkt,, Eines dieser Unternehmen, Sexiino
Osakeyhtide, hat zum Beispiel von seinen Gewinnen im Jahre 1950 den

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�finnischen Kommunisten offiziell 46 Millionen Finnmark (etwa 870.000 DM)
geschenkt.
Program Services Section 3/7/51

LANDREFüHM IN ITALIEN
Der italienische Landwirtschaftsminister hat mitgeteilt, dass 1«
Rahmen der Landreforra in diesem Jahr mit der Aufteilung von 1.750.000
Morgen begonnen werden wird.
Die ersten Grundstuecke in einer Groesse von 20 bis zu 50 Morgen
werden in diesem Sommer italienischen Bauern zugeteilt werden. Die
Regierung wird die gegenwaertigen Eigentümer mit 170 bis 250 DM Je
Morgen entschaedigen. Sie beabsichtigt, spaeterhin fuer die Verbesserung des Ackerlands 550 bis 840 DM je iiorgen aufzuwenden.
Die Bauern werden den Kaufpreis fuer das Land in 30 Jahresraten
an die Regierung zurueckbezahlen, die ihrerseits technische und finanzielle Hilfe leistet. 1.800 Traktoren sind bereits in Auftrag gegeben
worden.
Man hofft, dass dieser Abschnitt der Landreform im Jahre 1952 beendet sein wird. Es sollen dann weitere zwei Millionen Morgen aufgeteilt werden.
Program Services Section 2/13/51
/

DAS HAUPTPROBLEM DER PRODUKTIONSSTEIGERUNG LIEGT AUF PSYCHOLOGISCHEM
GEBIET
"Andere Industrien haben dank des Marshallplans ihre Geschaeftstaetigkeit steigern koennen. Sie benoetigen mehr Materialien von uns.
Das heisst, dass auch wir unser Geschaeft belebt haben."
Diese einfache Feststellung wurde von KaJ Arn, dem Produktionsleiter der Nordiske Kabel- und Ürahtfabrik A/S in Kopenhagen getroffen, der
hierin die Erklaerung fuer die durch die Marshallplan-Aufwendungen verursachte Belebung der Wirtschaft sieht, die dazu beitraegt, die Wirtschaft
dieses Landes wieder aufzubauen.
In seinem eigenen Betrieb konnte sich Arn von der Gueltigkeit dieser
Behauptung ueberzeugwn, seitdem mit Marshallplan-Mitteln neue Maschinen
gekauft und aufgestellt wurden. Die neuen Arbeitsnethoden, die im Rahmen
der Modernisierung der Produktion und der Steigerung der Produktionsleistung in diesem Betrieb angewendet wurden, haben dazu gefuehrt, dass
die Arbeit leichter und angenehmer ist. Das war gerade in diesem Unternehmen von Bedeutung, weil es schwierig wurde, die Arbeiter hier an ihrem
Arbeitsplatz zu halten.
Im Jahre 1946, unmittelbar nach dem Krieg, blieben bei Nordiske nur
zwei Prozent der Arbeiter laenger als ein Jahr in dieser Firma. Die Zahl
der Arbeitsplatzwechsel ist immer noch verhaeltnismaessig hoch (im vorigen
Jahr blieben Jedoch bereits 41% der Arbeiter in diesem Betrieb;. Arn
schreibt diese wesentliche Verbesserung den verbesserten Arbeitsbedingunge
zu.
Der durchschnittliche Stundenlohn, der dem von der Gewerkschaft ver-

�traglich festgelegten Tarif entspricht, wurde seit 1946 von 2,76 Kronen
auf 3,60 Kronen oder um etwa 2556 erhoeht.
In der gleichen Zeit hat sich die Gesamtproduktion von 6.000 Tonnen
jaehrlich im Jahre 1946 auf 12.000 Tonnen in diesem Jahr erhoeht. Im
gleichen Zeitraum ist die Zahl der Arbeitnehmer von 476 im Jahre 1946 auf
680 in die Hoehe gegangen, was eine wesentliche Steigerung der Produktionsleistung pro Mann und Arbeitsstunde darstellt.
Di« Arbeiter Nordiskes, die in der starken Daenischen Metallarbeitergewerkschaft* der drittgroessten in Daenemark, organisiert sind, brauchen
trotz der neuen Maschinen, der modernen Produktionsmethoden oder der gesteigerten Produktionsleistung nicht zu befuerchten, dass sie arbeitslos
werden. Dies ist teilweise der Tatsache zuzuschreiben, dass in Daenemark
seit dem Krieg ein akuter Mangel an gelernten Arbeitskraeften herrscht,
und die Gewerkschaft ist der Ueberzeugung, dass sie viele ihrer 250.000
Mitglieder in angelernten und gelernten Berufen unterbringen kann.
Nordiske hat die Feststellung gemacht, dass die Zahl der Arbeitnehmer
tatsaechlich vergroessert werden musste, um in gewissen Abteilungen mit
der gesteigerten Produktion Schritt halten zu koennen.
Das Ergebnis dieser Tatsachen ist, dass die Arbeitnehmer des Betriebs
nichts gegen die Umstellung auf neue Maschinen und modernere Arbeitsmethoden einwenden. Die Arbeiter in der Messing- und Kupferdrahtproduktion erwarten mit Ungeduld die Umstellung von einem veralteten und
komplizierten Ziehverfahren auf eine schnellere, einfachere und modernere
Methode, die durch die Inbetriebnahme einer neuen Ziehpresse moeglich ist,
welche mit Marshallplan-Mitteln in den Vereinigten Staaten gekauft wurde.
Sie wissen zwar, dass die Bedienung der neuen Maschine weniger Arbeitskraefte erfordert, aber sie sind der festen Ueberzeugung, dass die Steigerung der Produktion mit der neuen Maschine so hoch sein wird, dass nicht
weniger, sondern mehr Arbeiter als bisher gebraucht werden, um die erforderlichen Materialien heranzuschaffen und auch die naechsten Arbeitsgaenge
zu beschleunigen, um eine Stockung zu vermeiden. Warum sollten sie also
gegen die Einfuehrung der neuen Maschine sein? Auf diese Weise konnte
Nordiske seine Produktion seit dem Jahr 1946 staendig steigern.
Viele Rohstoffe, die in diesem Betrieb verarbeitet werden, werden mit
Marshellplan-Geldern finanziert. Und weil Nordiske einer der groessten
daenischen Erzeuger fuer Bleche und Draht ist und wichtige Metalle wie
Messing, Kupfer, Bronze und Aluminium verarbeitet, die wiederum fuer die
Herstellung dringend benoetigter Elektorartikel und fuer Versorgungsbetriebe gebraucht werden, spiegelt sich die gesteigerte Produktion der
Firma Nordiske in groesseren Beschaeftlgungsmoeglichkeiten in Hunderten
von kleinen Geschaeften und Werkstaetten in ganz Daenemark wider.
Ingenieur Arn hat in seinem Wiederaufbauprogra/iun eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass der Wiederaufbau nicht durch materielle Werte allein
bewirkt werden kann. Weder neue Maschinen, Uarshallplan-Dollar noch
Dutzende von Tonnen an Rohstoffen werden von ihm als die wesentlichste
Triebkraft fuer Nordiskes erfolgreichen Wiederaufbau angesehen.
Er hat festgestellt, dass das wesentlichste Problem das menschlichpsychologische ist. Der Arbeiter war es und nicht die Maschine, der sich
am staerksten umsteller &gt; musste. Zu diesem Zweck griff Arn zu einer
Produktivitaetsmethode, die die Ausbildung am Arbeitsplatz durchfuehrt.
Die Arbeiter sind heute bei Nordiske zufriedener und bestaendiger als
Je zuvor seit dem Kriege. Und Kaj Arn bekennt sich begeistert zu der Tatsache, dass die Arbeiter als menschliche Organismen der Schluessel zur
Produktivitaetssteigerung sind.
ECA Labor Information

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher R e d a k t e u r e , der Gewerkschaften, G e w e r k s c h a f t s s c h u l e n und deren Mitglieder.
Von d i e s e m Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare k ö n n e n kostenlos bei
Office ol Labor Affairs
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der a m e r i k a n i s c h e n
Hohen K o m m i s s i o n für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 12

Frankfurt/Main, den 23. Maerz 1951

I N H A L T S V S R Z a l

'JUNIS

Der Molotow-Plan wird Warschau befohlen - Das polnische
Volk nuss sich selbst kasteien

1

Die erste Produktivitaetsausstellung in Birmingham

8

SCA - Chef fordert Friedensproduktion

9

Kritik an der Arbeitsbewusstseintheorie Professor
Perlmans
Der Lohn-Preis-Plan eines amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaers

13

Daeniache Gev/erkschaft behebt Facharbeitermangel

1A

Die Situation der Lehrlingsausbildung in den
Vereinigten Staaten

16

10

DÜR UULüTUW-PLAN '..'IKP WARSCHAU BEFÜHLEN - DAG PiLNISCHh VOLK MU.33 J1CH
SKL55T KASTal^N
Wann man sich mit der gegenwaertigen Lage des polnischen Volkes
befasst, wird man feststellen, dasa in allen laeniern hinter dem eisernen Verhäng bestimmte Phrasen und bestimmte Motive immer wieder auftauchen. So zum Beispiel: "Dia Methode, die den '..'ie de rauf »au er•oeglicht hat, ist der geniale dialektische Katerialisaus Lenins und
Stalins", "die Arbeiter arbeiten begeistert am Aufbau des Sozialismus",
"die ko.iiiiunistische Partei, der Vorposten der fortschrittlichen Menschheit", "die tapfere Rote Armee wacht ueber
"

- 1 -

�Aber wie sieht die Wirklichkeit hinter diesen Phrasen aus,
welches Niveau des Wohlstands hat die polnische Bevoelkerung erreicht? Welche Atnesphaere herrscht in diesem Land?
Die polnische Geschichte der letzten zehn Jahre ist unverstaendlich, wenn man ihr nicht die ataendige, nicht immer sichtbare
Opposition derer gegenüberstellt, die die "Gruppe des Auslands"
oder auch die sogenannte "Gruppe Moskau" bilden«
Gehen wir ins Jahr 1926 zurueck, um etwas klarer zu sehen»
In dieser Zeit hat die von der sozialistischen Partei Polens ^P.S.)
und vom Allgemeinen Geweikschaftsbund (C.GT.-ebenfalls sozialistisch)
gefuehrte Arbeiterschaft Polens ihren Kampf gegen den Totalitarismus
begonnen. Nach der Invasion des Landes mussten die Arbeiter im
Verborgenen den Eindringling bekaempfen.
Von 1939 bis 1944 stellte die Arbeiterbewegung "Wolmosc, Rownosc,
Niepodleglosc" (Freiheit, Gleichheit, Bruederljchkeit) den demokratischen Gegenspieler Deutschlands dar. Man rechnete damit, dass
die nationale Befreiung gleichzeitig eine soziale Befreiung sein
wuerde.
Was die Kommunisten betrifft, so konnten sie in jenen Jahren
verhaeltnismaessig spaet damit beginnen, sich zu organisieren. Erst
im Jahre 1942 bildeten sie eine unabhaengige Wiederstandsbewegung.
Die Arbeiterpartei Polens (PPR), die zu jener Zeit gegruendet wurde,
gab vor, mit der ehemaligen kommunistischen Partei in keinerlei Zusammenhang zu stehen, die v©n der Komintern im Jahre 1938 aufgeloest
worden war.
Die PPR entstand nicht allein. Gleichzeitig wurde in Moskau ein
anderes kommunistisches Zentrum unter dem Namen "Vereinigung der
polnischen Patrioten" gegruendet. Zu gleicher Zeit wurde jedoch aus
der Entfernung die Taetigkeit der PPR dirigiert.
Als im Jahre 1944 die Rote Armee in das russische Territorium
eindrang, schuf die kommunistische Bewegung einen riesigen Apparat
fuer Verwaltung und Regierung, der nach und nach die Macht und die
Leitung der Wirtschaft durch die fortlaufende Beseitigung jeglicher
Opposition und aller polnischen gewerkschaftlichen Elemente, die dem
Kreml nicht hoerig waren, in die Hand nahm.
Dass dieser Umschwung in der Orientierung dank der aktiven Zusammenarbeit des russischen Militaers und der russischen Polizei
moeglich war, wird ganz offiziell zugegeben.
"Es ist offensichtlich", schrieben die Delegierten der polnischen
Arbeiterpartei (PPR) im Jahre 1948, "dass wir den Weg der Volksdemokratie nicht haetten einschlagen koennen, wenn uns nicht die Hilfe
und die Staerke der sowjetischen Armee zur Verfuegung gestanden haette."
Fast alles uebrige ist mit diesem uingestaendnis gesagt .......
Der Kreml ist darauf bedacht gewesen, in Polen vor allem jene
Elenente der Arbeiterschaft zu beseitigen, die im Verlauf des Widerstandskampfes gegen Deutschland gereift waren und die sowjetische
Orthodoxie ablehnen mussten.
Noch vor Beendigung der Feindseligkeiten war in Russland eine
"Polnische Sozialistische Partei" ins Leben gerufen worden, eine neue
Organisation unter einem alten Namen, die von Sowjetrussland ermaechtigt,
unterstuetzt und ermutigt wurde. Diese Partei diente als Kern fuer

- 2 -

�ein« groessere Bewegung, die von den Kommunisten und ihren Anhaengern
dirigiert wurde, um zu verhindern, dass die 7J.R.N. (Freiheit, Gleichheit, Bruederlichkeit) aus ihrer Verborgenheit auftaucht und sich des
gewerkschaftlichen Apparates bemaechtigt.
Vfie konnte sich nun die Machtergreifung vollziehen, wie wurde sie
unvermeidlich? Vor allem dadurch, weil die Opposition verschwand, weil
die Fuehrer der sozialistischen Partei der Regierung nachlaessig un4
blind gegenüberstanden und Opportunisten waren, die der Meinung waren,
abwarten zu koennen, und weil vor allem der Apparat des kommunistischen
Terrors vollkommen war. Er wurde zum wichtigsten Werkzeug, das der
kommunistischen Partei, oder besser gesagt, dem "Demokratischen Block"
zum Sieg verhalf.
Bevor man jedoch zu der gegenwaertigen Lage des polnischen Arbeiters
Stellung nimmt, muss etwas ueber die Angelegenheit Gomulka gesagt werden.
Der Monat Oktober des Jahres 1947 war durch die Bildung des Kominform
und die Wiedererstehung der im Jahre 1938 verschwundenen Komintern gekennzeichnet.
Bis dahin waren zwei Theorien von den Kreisen der Linken bevorzugt
worden: "Der polnische Weg zum Sozialismua unterscheidet sich von dem,
den die Sowjetunion gewaehlt hat," hiess die eine, waehrend die andere
voller Zuversicht beteuerte: "Der Aufbau des Sozialismus kann sich auf
friedlichem Wege vollziehen." Diese beiden Theorien hatten bis dahin
vorgeherrscht. Die grosse V.'ende wurde nicht sofort und nicht voellig
von vielen polnischen Kommunisten verstanden. Diese Nachzuegler, die in
erster Linie polnische Kommunisten waren, hatten nicht die Geistesgegenwart, im richtigen Moment zu handeln, sie mussten ihren Irrtum teuer
bezahlen.
Was der fruehere Chef der polnischen koiumunistischen Partei W. Gomulka
sich damals dabei dachte, ist unbekannt. Man weiss aber, dass auf einer
Konferenz des Politbueros am 3. Juni 1948 die "Revolte" zum Ausbruch kam,
die die Partei erschuettern sollte. Aufgrund dieses Umsturzes und der
Saeuberung, die darauf folgte, errang sich die "Gruppe Moskau" im Zentralkomitee die Vorherrschaft ueber die "Nationale Gruppe", das heisst ueber
diejenigen Mitglieder, die waehrend des Krieges im Lande geblieben waren.
Diese Spaltung kann trotz allem als Ausdruck einer sozialistisch-demokratischen Tendenz in der Polnischen Arbeiterpartei (PPR) angesehen werden.
Moskau wollte, dass die letzten Spuren dieser Tendenz verwischt werden.
Deshalb musste Gomulka verschwinden und die auslaendische Gruppe sich das
Monopol der Theorie und der politischen Macht aneignen. Diese offizielle
Verkuendung des "Einblocksystems" wurde von der authentischen oeffentlichen
Meinung in Polen wie eine nationale Katastrophe aufgenommen. Seit dem
Verschwinden der Bauernpartei war die PPS trotz ihres Opportunismus die
einzige Hoffnung geblieben. Von nun an gab es ueberhaupt keine Opposition
mehr.
Und nun sei einiges ueber die Lage der Gewerkschaften gesagt. Diese
Organisationen vertreten ebensowenig den Willen der Arbeiter wie die
Sozialistische Partei Polens (PPS), die von Stalin geschaffen wurde, den
wahren Geist des Sozialismus verkoerpert.
Die Kommunisten waren bemueht, ihrer wirklichen Macht den Anschein
der "revolutionaeren Legalitaet" zu geben. Hieraus erklaert sich die Zusammenkunft des Kongresses, mit Ausnahme der Delegierten des Bezirks
Lublin, die am 20. November stattfand, und in deren Verlauf die gewerkschaftliche Organisation der "Befreiung" gegruendet wurde.
Diese Gruppe, die kaum als Interessenvertretung der polnischen Ar-

- 3-

�beiter anzusehen sein duerfte, erweiterte ihren Aktionsbereich mit
dem Vordringen der sowjetischen Truppen. Mit Unterstuetzung der politischen Polizei stellte die neue gewerkschaftliche Formation eine
Arbeiterbewegung auf die Beine, die ausschliesslich stalinistisch und
orthodox war.
Vfas wurde in dieser Zeit der Y/iedererstehung des Nachkriegspolens
aus den sozialistischen und demokratischen Arbeiterbewegungen und den
Gewerkschaften, die nicht moskauhoerig waren?
Diese Bev;egungen waren im geheimen organisiert worden. Aber sie
sahen, dass ihre Beuuehungen durch die polnische Sicherheitspolizei
und die russische N.K.Y.'.D« mattgesetzt wurden.
Die Gfcheimorganisationen hatten zuerst geplant, aus dem Untergrund
aufzutauchen und am "Tag der Befreiung" offiziell eine polnische Verfassung zu verkuenden. Es kam jedoch anders.
Die Massnahmen der russischen Militaer- und Zivilbehoerden machten
eine voellige Aenderung der Taktik und eine Rueckkehr zu den Methoden
notwendig, die unter der deutschen Besatzung angewendet wurden.
Es muss gerechterweise darauf hingewiesen werden, dass in dieser
ersten Phase der "Befreiung" die Arbeiter trotz ihrer feindseligen
Haltung gegenueber ihrer Besatzungsmacht und denen gegenueber, die sich
in ihren Dienst stellten, einen guenstigen Eindruck von den Reformen
bekamen, die jetzt durchgefuehrt wurden: Verstaatlichung der Schluesselindustrien, Verstaatlichung der Banken, Aufteilung des Grundbesitzes,
Landreform usw. Es blieb noch eine Hoffnung, so meinten sie, und zwar
die Moeglichkeit, das System von unten her zu demokratisieren.
Aber die Kom unisten wussten, was 6ie wollten.
Die Satzungen der CGT, die einstimmig angenommen wurden,- verstaerkten noch die ko.-rununistische Macht. Die Gewerkschaftszentrale
wurde als unabhaengig von den politischen Parteien erklaert, was ihr
ermoeglichie, die "Parteilinie" zu verfolgen und etwaige Gegner zu beschuldigen, "die Einheit der Arbeiterklasse zu zerstoeren."
Theoretisch war in diesen Satzungen vorgesehen, dass der Anschluss
an die CGT freiwillig sein soll. In V.'irklichkeit war die Angliederung
seit 1944 obligatorisch. Die Betriebsleitungen schlugen den Personalchefs vor, alle Lohnempfaenger auf die Gewerkschaftsliste zu setzen und
die Beitraege zu diesem Zweck von Amts wegen bei der Lehnauszahlung einzubehalten.
Gleichzeitig aenderten sich Bedeutung und Bestimmung dieses neuen
Gewerkschaftswesens, Man zentralisierte und raeumte jenen neuen Gewerkschaftsfunklionaeren den ersten Platz ein, die als "Unterweiser" bezeichnet wurden, und deren Aufgabe es war, die Verbaende und Gewerkschaften zu "kontrollieren", das heiast letzten Undes, die Partei in
jeder Hinsicht zu verti-eten.
Auf der anderen Seite trat ein neues Prinzip in Erscheinung: das
der "Erraenzung durch verdienstvolle Liaenner", die nicht der gewerkschaftlichen Sphaere angehoerten. Diese "Ere;aen^ung" hatte eine beachtliche Bewegungsfreiheit der leitenden Organe der Organisationen zur
Folge. Von nun an durften sich diese Organe nur noch aus "zuverlaessi^.en
Leuten" zusammensetzen, durch das System der "Ergänzung" konnten zugleich missliebige Persocnlichkeiten abgeschoben werden.
Das Ringet/] zwischen den leiden Gesinnungsrichtungen, der freien

- 4_

�und der moskauhoerigen Gewerkschaften, sollte von 1945 bis 1947 andauern.
Die ersten Betriebsratswahlen sahen eine betraechtliche Zahl van
Waehlern. Sie zeigten eindeutig die wirkliche Schwaeche des kommunistischen Einflusses auf. Die kommunistische Liste erhielt 2l£,
die Sozialistische Partei dagegen 60^ und die "Gewerkschaftsliste" 12%
der Stimmen. Dieser Fehlschlag der "Gruppe Moskau" wurde der Oeffentlichkeit jedoch vorenthalten.
Der Gegenschlag liess jedoch nicht lange auf sich warten. Man
entfernte die "buerokratisierten und korrupten Elemente" aus den leitenden Stellungen der Gewerkschaften. In der Zeit von 1946 bis 1948
wurden von 68 Mitgliedern des Zentralausschusses 21 durch 23 "Ergaenzungsmaenner" ersetzt, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung
standen und vorher niemals irgendeine gewerkschaftliche Funktion inne
hatten. Das Zentralkomitee der Gewerkschaften, das sich selbst weitgehende Vorrechte angeeignet hatte, nachte es sich zur Gewohnheit, sich
in die internen Angelegenheiten der einzelnen Gewerkschaften einzumischen und die Vorstandsmitglieder zu beseitigen, die "politisch nicht
zuverlaessig" waren. Dazu war das Mittel der "Ergaenzung" ausserordentlich praktisch. Darueber hinaus wurden ganze Organisationen von
einem Tag auf den anderen von den Kontrollorganen einfach mit solchen
"Ergaenzungsleuten" durchsetzt.
Die Arbeiter brachten ihre Forderungen zu jener Zeit vor allem
durch Streiks zum Ausdruck. Die Streikenden in der "Volksdemokratie"
forderten Erhoehung der Loehne, Einhaltung der Tarifvertraege und Verbesserung der Lebensmittelversorgung. Zu dieser alten Form des Streiks
hat sich dann die neue des "stummen Streiks" gesellt, bei dem die Arbeiter aus Furcht vor Repressalien durch die Regierung weder Beschwerden
noch Forderungen laut werden Hessen. Sie zu verstehen, blieb den
Betriebsleitern ueberlassen.
Im Jahre 1946 nahmen die Arbeitsniederlegungen den Charakter einer
Massenbewegung an. Zu Anfang des Jahres waren Streiks in den Bergwerken,
Eisenhuetten und Metallfabriken des Dombrowa-Bezirks und in Oberschlesien zum Ausbruch gekommen. Sie erstreckten sich bald ueber das
ganze Land: von üzenstochau und Posen bis Gdingen, Danzig und Stettin.
L,S kam zu blutigen Zusaramenstoessen mit der Polizei.
In Lodz brachen im September 1947 Streiks in der Textilindustrie aus,
die noch groessere Nachwirkungen zur Folge hatten. In dem Unternehmen
"Gayer" waren die Arbeiter, die eine Lohnerhoehung gefordert und gegen
die zu grossen Anforderungen unter dem System des "Arbeitswettbewerbs"
protestiert hatten, von der Polizei angegriffen worden. Daraufhin wurde
in der gesamten Textilindustrie die Arbeit niedergelegt.
Die offizielle Reaktion auf diese Streiks war ein allgemeiner Schweigebefehl. Den Zeitungen wurde verboten, darueber auch nur eine Zeile zu
veroeffentlichen. Als es jedoch nicht mehr moeglich war, die Sache zu
verheimlichen, weil sie all zu bekannt geworden war, beschraenkte man sich
darauf, die Streikenden zu beschimpfen, denn ein Streik muss nach der
Doktrin des Kreml unter einem "fortschrittlichen" Regime notgedrungen
"reaktionaer" sein.
Im uebrigen wurde bald der Befehl erlassen, die Streiks zu
"licuidieren". An der Durchführung dieses Befehl3 beteiligten sich die
Sicherheitspolizei, die Miliz und die "aktiven" Mitglieder der Partei
und der Gewerkschaften.
Die ideologische Erklaerung fuer dieses Streikverbot ist in dem

- 5-

�nachstehenden Auszug aus der EntSchliessung des Praesidi'ums der
polnischen CGT zusainmengefasst, die vt&gt;ra Juni 1947 datiert:
"In der verstaatlichten Industrie, in der die Arbeiterklasse
direkt an der VJiederaufrichtung der nationalen Wirtschaft beteiligt
ist, und deren gesteigerte Produktion zum Wohlergehen des Arbeiters
beitraegt, wirkt sich jeder Streik fuer das Land und infolgedessen auch fuer die Arbeiterklasse nachteilig aus. Die Gewerkschaftskomraission spricht sich damit gegen Streiks in der verstaatlichten
Industrie aus."
Wenn man jedoch behaupten wollte, die neuen Gewerkschaften wuerden
saemtliche Freiheiten unterdrücken, eo wuerde das nicht der Wahrheit
entsprechen.
Jedesmal, wenn die Regierung die Initiative ergreift, um die
"Massen fuer eine «kollektive Aufgabe' zu mobilisieren", muss eine
"freudige" freiwillige Aktivitaet entfaltet werden.
Im Jahre 1947 wurde das System des sogenannten "Arbeitswettbewerbs" unter seinem sowjetischen Anstrich eingefuehrt; es war seit
1945 bereits von der Jugend unter dem Namen "Arbeitswettkampf"
praktiziert worden.
Das System, das nach und nach in der gesaraten Industrie und in
seinen verschiedenen Fonren angewendet wird, hat ebenfalls die Einsparung von Rohstoffen und die groesstraoegliche Ausnutzung der
Maschinen und der Energie zum Ziel.
Die "Stachanows" werden gehegt und gepflegt, offiziell betreut,
befoerdert und ausgezeichnet, man gewaehrt ihnen Sonderpraemien und
eine 30£ige Steuerermaessigung. Ihre Zahl belaeuft sich ungefaehr auf
20.000. Die Leistungen dieser Produktionskaempfer ziehen automatisch
eine Revision der Produktionsnormen und die Einfuehrung eines
moerderischen Arbeitstempos nach sich.
Anlaesslich verschiedener Festlichkeiten ergreifen diese "Stachanows" die Initiative und geben "Produktionsverpflichtungen" ab, das
heisst, sie verpflichten sich, die Produktion ihres Betriebs wesentlich
zu steigern. Der Masse .bleibt nichts anderes uebrig, als diesen "Verpflichtungen" zu folgen, und voller Begeisterung" die ihnen vorgelegten Entschliessungen zu akzeptieren.
Der Gewerkschaftliche Zentralrat hat ia August 1950 folgende Befehle erteilt:
"Die Gewerkschaften muessen unablaessig daran arbeiten, den Arbeit swettbewerb zu einer Massenbewegung zu gestalten.
"Die Erfolge der leistungsfaehigsten Arbeiter und Arbeitsgruppen
muessen auf alle Arbeiter des gleichen Unternehmens ausgedehnt werden."
"Die Loehne sind einzig und allein von der Erfuellung und Ueberschreitung der Produktionsnormen abhaengig."
"Die Gewerkschaften muessen ueberall und entschlossen fuer die
Wahrung der sozialistischen Arbeitsdisziplin sorgen."
Wenn man den Gewerkschaftsfuehrern in Warschau Glauben schenken
will, verdienen die polnischen Arbeiter heute mehr als vor dem Krieg.
In Wirklichkeit entsprechen die Realloehne des Jahres 1950, mit Ausnahme der Loehne der "Produktionshelden" kaum der Haelfte der Loehne

- 6-

�aus der Zeit vor 1939.
TIenn der Stundenlohn des polnischen Arbeiters heute mit den Koeffizienten 100 beziffert wird, haben die preise fuer lebenswichtige Nahrungsmittel den Koeffizienten 200 und die fuer Lederartikel und Textilien mindestens 300.
Hinzu kommt, dass die Arbeiter keinerlei Einfluss mehr auf die Entwicklung der Loehne ausueben koennen, weil es zum Prinzip gemacht wurde,
dass "die Lohnfrage von nun an nicht mehr im Zeichen des Klassenkampfes,
sondern durch Bestimmungen, die in engstem Einvernehmen mit der Gewerkschaftsbewegung gefasst werden, geloest wird."
Koerperliche Ermuedung, moralische Gleichgültigkeit und die sichueberall bemerkbar machende Hoffnungslosigkeit sind Faktoren, die einen Geisteszustand geschaffen haben, der in der Nachlaessigkeit bei der Arbeit, im
Fernbleiben vom Arbeitsplatz und in den Schwankungen der Arbeitsleistung
seinen Niederschlag findet.
Hieraus erklaeren sich die beiden Gesetze vom 7. Maera und vom 5. Mai
1950. In dem ersten wird bestimmt, dass der Arbeiter, der seinen Arbeitsplatz wechseln moechte, hierzu die Erlaubnis der Betriebsleitung einholen
muss. Das zweite, sogenannte "Gesetz der sozialistischen Arbeitsdisziplin"
sieht gerichtliche Bestrafung beim Fernbleiben vom Arbeitsplatz vor, wenn
die Dauer des Fernbleibens in einem Jahre vier Tage ueberschreitet. Auch
Arbeitgeber setzen sich Bestrafungen aus, wenn sie derartiges Fehlen dulden.
Die Gewerkschaften sind angewiesen, die Durchfuehrung dieser beiden Gesetze zu ueberwachen.
Seit dem 17. Mai, dem Tage an dem das Gesetz der "sozialistischen
Arbeitsdisziplin" in Kraft trat, wurden mehrere hundert Arbeiter nach
diesem Gesetz mit Geld- und Gefaengnisstrafen bis zu drei Monaten bestraft.
Diese Vorkommnisse werfen ein grausames Licht auf die ungeheure Last,
die dem polnischen Volk durch den Sechsjahresplan, der als Molotow-Plan
bezeichnet wird, aufgebuerdet wurde.
Man weiss, dass der plan fuer die Zeit von 1950 bis 1955 eine Produktivitaetssteigerung fuer die Schwer- und Leichtmetall-Industrie von 66%*, fuer
die Bauindustrie von 86%, fuer die Eisenbahnen von 52$, fuer den Kleinhandel von 45%" und fuer die Staatsgueter von 90$ vorsieht.
Im ganzen gesehen kommt es jedoch nicht auf diese hochgesteckten Ziele
an. Bemerkenswerter ist, dass der Apparat der kommunistischen Partei und
der Gewerkschaften vor keiner Massnahme zurueckschreckt, sei sie auch noch
so ruecksichtslos, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Solidaritaet
der Arbeiterschaft ist unter diesem System voellig verschwunden, und ihr
Fehlen laesst den Arbeiter in grausamer Weise spueren, wie schutzlos er allem
ausgeliefert ist.
Um sich von der hartnaeckigen Opposition ein Bild machen zu koennen,
die vor keinem offiziellen Befehl Halt macht, muss man aufmerksam die Artikel der kommunistischen Presse Polens lesen.
Dem System des Arbeitswettbewerbs gegenueber sind die Arbeiter im allgemeinen feindlich eingestellt. Sobald die obligatorische "Begeisterung"
etwas nachgelassen hat, nimmt die Zahl der "Produktionshelden" rapid ab.
In bestimmten Industrien werden die monatlichen Produktionsziele durch
Ueberstunden an Sonn- und Feiertagen erreicht. Die Arbeiter nehmen dies
als das geringere Uebel in Kauf im Vergleich zu dem, was ein beschleunigter
Hueckgang in der Produktion bedeuten wuerde.

-7 -

�Auch die Abwesenheit vom Arbeitsplatz laesst sich nicht abschaffen,
obwohl die Aerzte, die Arbeitsunfaehlgkeitsbescheinigungen ausstellen,
strengstens ueberwacht werden.
Der unparteiische Beobachter kann aus all dem schliessen, dass eine
wirkliche Opposition besteht, die nicht wie anderswo offen und legal,
sondern organisch und in sich konkret vorhanden ist und den stummen V.'iderstand verkoerpert, den die Arbeiterschaft, die das totalitaere Joch des
neuen Staates verabscheut, der Gewerkschafts-"elite" entgegensetzt.
Rapport8 France - Etats Unis
2/51
PIK BKSTri PR0DUKTIVITAET3AUSSTELLUNG IN BLiMINGHAM

Kine neue und hoechst wirkungsvolle Form einer Produktivitaetsausstellung ist vor kurzem vom englischen Finanzminister eroeffnet worden.
In der Ausstellung wurden erprobte Arbeitsmethoden gezeigt, die die
Produktion pro Mann und pro Arbeitsstunde um 30 bis 900 Prozent gesteigert und haeufig gleichzeitig zu einer Einsparung von Material gefuehrt
hatten.
Die Ausstellung ist von 8250 Arbeitern aus allen Zweigen der Industrie
Mittelenglands besucht worden. Sie sahen lk Ausstellungsmodelle, die alle
eine besondere Bedeutung hatten und zeigten, wie die Produktionsleistung
gesteigert wurde und noch gesteigert "werden kann. Jeder Arbeitsmethode,
jeder V'andkarte oder Fotografie lag das gleiche Motiv zugrunde: hoehere
Produktionsleistung durch bessere Arbeitsmethoden.
116 organisierte Gruppen aus Betrieben besuchten die Ausstellung,
von denen viele ihren gemeinsamen Produktionsausschuessen Bericht erstatten
nussten, um ihnen die Annahme neuer Ideen zu empfehlen, zu denen die Ausstellung angeregt hatte.
Die Ausstellungsmodelle waren von zustaendigen beruflichen oder
technischen Vereinigungen und nicht von den Firmen, die sie verwenden, ausgesucht worden. Diese Vereinigungen hatten ihren Mitgliedern nahegelegt,
nur solche Gegenstände zu'waehlen, die folgenden Bedingungen entsprachen:
Sie duerften weder bekannt noch in der Industrie allgemein gebraeuchlich
sein; sie mussten ueberall und ohne grosse finanzielle Aufwendungen anwendbar sein, damit sie nicht nur von den grossen Unternehmern, sondern
auch von den kleinen ausgewertet werden koennen.
In seiner Rede zur Eroeffnung der Ausstellung erklaerte der Finanzminister: "Viele von ihnen werden sich daran erinnern, dass im ersten
gemeinsamen Bericht des Anglo-amerikanischen produktivitaetsrates die
Vertreter der Industrien beider Laender zum Ausdruck gebracht hatten,
dass die englische Industrie an ihren eigenen guten Methoden ebenso viel
lernen kann wie von der Industrie der Vereinigten Staaten. Diese allgemeine Ansicht ist durch verschiedene Berichte einzelner Reisegruppen bestaetigt worden, die feststellten, das3 sie in Amerika wenig entdeckt
haetten, was nicht in irgendeiner Fabrik in England bereits anzutreffen
ist, oder, mit anderen "..'orten, dass der Hauptunterschied zwischen den »
Industrien der beiden Laender nicht im Unterschied zwischen den hoechsten
Normen begruendet ist, sondern durch den Durchschnitt. In Amerika ist die
Zahl der Betriebe, in denen die besten Arbeitsnethoden angewendet werden,
prozentual viel groesser.

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�"Dies scheint mir hoechst bedeutsam zu sein. Diese Erkenntnis stellt
der britischen Industrie eine besondere Aufgabe. Wir wollen unter allen
Umstaenden die beachtlichen Errungenschaften der amerikanischen Industrie
erkennen und daran lernen, aber laege es nicht naeher, an Hand der besten
Methoden in unserem eigenen Lande zu lernen?"
"Die Aufgabe dieser Ausstellung hier in Birmingham besteht darin, die
britische Produktionsleistung mit Hilfe guter praktischer und erprobter Arbeitsmethoden der arbeitenden Industrie vor Augen zu fuehren. Die Ausstellung
ist aeusserst vielseitig. Sie beschraenkt sich nicht auf irgendwelche technischen Besonderheiten oder auf die Interessen bestimmter Industriezweige, sondern lediglich auf jene Dinge, die zur Steigerung der Produktionsleistung
beitragen koennen."
"Ich bin ueberzeugt, dass es fuer Sie viel leichter ist als fuer mich,
die Geheimnisse neuer technischer Verfahren zu verstehen, die in dieser Ausstellung gezeigt werden. Aber selbst ein Laie wie ich kann nicht umhin,
sich fuer die Aussicht einer staendigen Verbesserung unserer nationalen Produktionsleistung zu interessieren und zu begeistern - mit all ihrer Bedeutung, die diese Produktivitaetsverbesserungen fuer unsere nationale Sicherheit und wirtschaftliche Macht haben."
"Ich finde es weiter sehr wichtig, daran zu denken, dass britische Firmen ihre Produktionsgeheimnisse und Patente der Oeffentlichkeit zeigen, ihre
Toren und Fenster oeffnen, um ihren Nachbarn zu helfen. Das ist der wirkliche Grundsatz gegenseitiger Hilfe des Menschen."
Alle Anwesenden stimmten darin ueberein, dass ihre BemueUungen der Muehe
wert waren und stimmten William Batt, dem Beauftragen ECA-Minister zu, der
erklaerte, diese Ausstellung muesste in jedem Industriezentrum Englands gezeigt werden.
Obwohl dies nicht moeglich sein duerfte, hofft man, dass diese Ausstellung
fuer andere, die noch folgen werden, ein gutes Beispiel sein wird. Sie wurde
auf dem Bezirksberatungsausschuss in Birmingham, der dem Regionalausschuss
der Industrie Mittelenglands angehoert, organisiert und von der Informationsabteilung des Finanzministeriums und dem zentralen Informationsbuero vorbereitet .
Target
2/51
ECA - CHEF F'OrtDKHT FüIEDKNSPaODUKTION
"Ich bringe erneut meine Ueberzeugung zum Ausdruck, dass es fuer Europa
einen '.'eg gibt, jedem einzelnen ein besseres Leben zu gestalten und gleichzeitig die notwendige militaerische Sicherheit zu schaffen," erklaerte unlaengst der Leiter des Marshallplans, '„'illiam C. Foster, in Paris.
"S3 dreht sich darum, die gesamte Produktion zu steigern. Wenn Europa
die gegenwaertige Gelegenheit wahrnimmt und seine Maerkte zusammenfasst,
seine Produktionsleistung steigert und so handelt, wie es seiner Klugheit
entspricht, dann bin ich ueberzeugt, dass es seine Bruttoproduktion um
100 Millionen Dollar jaehrlich erhoben kann."
Der Marshallplan-Verwalter brachte zum Ausdruck, dass der Marshallplan
nun vor allem die '..'iederaufruestung zum Ziele habe, die der Sicherheit der
freien ','elt diene. Er hielt sich in Paris auf, um mit den Leitern der
Marshallplan-Missionen aller westeuropaeischen Laender zu konferieren.
Foster fuegte hinzu: "V.'aehrend wir ^lle 'nieder aufruesten muessen,
rauss unser groesstes Ziel der Friede sein. Wir sind uns alle dessen bewusot,

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�dass wir entschlossen und ohne Ruecksicht auf die taeglichen Schicksalsschwankungen alle notwendigen Schritte zur Erhaltung des Friedens unternehmen muessen."
Die wirtschaftliche Hilfe Amerikas fuer nichtlebenswichtige Zwecke
wuerde weitgehend reduziert werden muessen, da die Kraefte der freien
Welt fuer die Verteidigung mobilisiert werden muessten. MarshallplanGelder koennten jedoch noch immer fuer den Wohnungsbau verwendet werden,
wo der Wohnraumoangel ein ernsthaftes Problem darstelle.
Diejenigen Laender, die entschlossene Massnahmen zur Kontrolle der
nichtlebenswichtigen Produktion und zur Verwendung von Austauschstoffen
ergriffen haetten, wuerden bei der Zuteilung von Mangelwaren behandelt.
ECA Labor Information
2/21/51
KRITIK AN DER ARBLITSBEWUSSTSEINTHEÜRIE PRuFSSSOR PLRLMAN3
Die Grundzuege der Perlmanschen Theorie besagen, dass die Philosophie
der Arbeiterschaft praktisch niemals auf der Basis der Klassenkampftheorie
begruendet war. Vor allem trifft das auf die amerikanische Gewerkschaftsbewegung zu, auch wenn diese in ihren Anfaengen durch Entwicklungen, die
in Westeuropa vor sich gingen, beeinflusst worden ist. Nach der Perlmanschen Theorie rueckt die Frage des Arbeitsbewusstseins immer staerker in
den zentralen Blickpunkt der amerikanischen Gewerkschaftsarbeit, was sich
vor allem darin ausdrueckt, dass in einzelnen Faellen die Gewerkschaften
Massnahmen trafen, um in bestimmten Situationen sich fuer die Erhaltung
bisheriger Arbeitsplaetze auszusprechen. Das tritt insbesondere zutage bei
dem Seniorenproblem und bei der Vergebung freier Arbeitspiaetze.
Es haben sich jedoch gewichtige Stimmen zu './ort gemeldet, die die Gueltigkeit dieser Theorie des Arbeitsbewusstseins nicht in vollem Umfang oder
nur zu einem beschraenkten Teil gelten lassen wollen. Die nachstehenden
Kritiken sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil hierbei von verschiedenen Blickwinkeln an das Gesamtproblem herangegangen wird.
Everett M. Kassalow, stellvertretender Leiter des amerikanischen
Amtes fuc-r soziale Sicherheit, unterscheidet scharf zwischen den heutigen
Gewerkschaften und jenen, die die Perlmansche Theorie darstellt.
Kassalow ist der Meinung, dass die Massengewerkschaftsbewegung von
heute, die zu« grossen Teil aus der v.irtschaftlichen Depression der Dreiseiger Jahre geboren wurde und grosse, neuaufgekommene Industrien umfasst,
natuerlich den Staat und die Regierung unter einem anderen Blickwinkel
sehenraussals die Bewegung aus dem Jahre 1928. Im Gegensatz zu den Gewerkschaften der Zwanziger Jahre, die gewissermassen eine defensive Stellung
einnahmen, sind die Tarifverhandlungstaetigkeiten vieler sogenannter neuer
Gewerkschaften zu einer bedeutsamen gestaltenden Macht im gesamten nationalen
Wirtschaftsbild geworden.
Man versuche einmal, so fuhr Kassalow fort, sich an den im wesentlichen
defensiven und stark begrenzten Charakter der Bewegung und ihre Philosophie
in den Zwanziger Jahren zu erinnern. Man vergleiche ihn mit der Lage der
Gewerkschaften von heute. Die Gewerkschaftsbewegung umfasst 15 Millionen
Mitglieder und erstreckt sich tatsaechlich auf jede bedeutende Industrie.
Auf Grund dieser zahlreichen Tatsachen allein ist sie in viele neue Verantwortlichkeitsgebiete und neue Positionen eingefuehrt worden. Als die
groesste Interessengruppe in der Wirtschaft ist sie zum Beispiel zum
Machtzentrum der fortschrittlichen Sozial- und Wirtschaftsreform Amerikas
geworden.

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�"enn man sich, um nur einige soziale Probleme der heutigen Zeit zu
nennen, eingehend mit dem oeffentlichen und genossenschaftlichen ,'ohnungsbau, der Sozialversicherung, der Krankenversicherung, den Mindestloehnen
oder gerechten Beschaeftigungsmethoden befasst, ..ird man feststellen,
dass die organisierte Gewerkschaftsbewegung der einzige, aber zugleich
bedeutsamste Fuersprecher und politische Foerderer dieser Programme gewesen ist.
V.'enn jemand denkt, dass diese Massnahmen lediglich ein erneuter
Ausdruck und eine Erweiterung der arbeitsueberwachenden Geweikschaftsbev.e^ung sind, dann soll er einmal als eindeutiges Beispiel die veraenderte
Haltung der Gewerkschaftsbewegung gegenueber der Sozialversicherung studieren. Kassalow stellte anschliessend fest, dass dieser Punkt eingehend
behandelt und darauf hingewiesen werden muss, wie logisch es fuer arbeitsbewusste und arbeitskontrollierende Gewerkschaften ist, sich fuer Arbeitslosenunterstuetzung und aehnliches einzusetzen. Dies mag sehr logisch
sein, aber was dadurch nicht zum Ausdruck gebracht wird, ist die Tatsache,
dass zur Bluetezeit der arbeitsbewussten Gewerkschaftsbewegung, als Dr. Perlman seine Theorie proklamierte, die Gewerkschaftsbewegung oder zumindest
ihre oberste Fuehrung, in der Praxis und im allgemeinen prinzipiell derartige Formen der Einmischung der Regierung in das wirtschaftliche Leben
ablehnte.
Es fehlt heute an '.Wissenschaftlern, die die Arbeit Dr. Perlmans
wieder aufnehmen, die vor nahezu einem ViertelJahrhundert so glaenzend
begonnen wurde, und die die neuen Grenzen erweitern. In diesen Zusammenhang gibt es eine Reihe von Punkten in der Perlman-Theorie, die einer
Neuerforschung beduerfen. Hiervon seien fuenf genannt:
1. Die Veraenderungen im traditionellen amerikanischen Kapitaiismus
seit 19*19 und die "neue und bei \.eitern skeptischere Einstellung" der
Gewerkschaftsbewegung dieser Form des Kapitaiismus gegenueber.
2. Die Bande, die die Mitglieder der grossen Industriegewerkschaften
verbinden, und keineswegs Klassencharakter tragen, sind eher industrieller
Art als durch die Arbeit bedingt. Der Begriff "Arbeitsbe..usstsein" muss
deshalb eine neue Bedeutung annehmen.
3. Das Tarifverhandlungsverfahren, das sich heute auf den grossen
Maerkten der Industrie abspielt, nimmt das Merkmal eines wirtschaftlichen
Machtkampfes an, der sich, ausser auf Loehne wie in den Zwanziger Jahren,
auch auf Preise, Beschaeftigungsmoegiichkeiten und ProduktionsfaKtoren
erstreckt.
A. Das gesteigerte Interesse der Gewerkschaften an Problemen auf
nichtpolitischem und nichtwirtschaftlichem Gebiet, wie zum Beispiel ihre
gesteigerte Beteiligung an kommunalen Sozialeinrichtungen.
5. Die gesteigerte direkte Beteiligung der Gewerkschaftsbewegung
an vielen Einrichtungen und Massnahmen der Regierung.
Es ist ueber zwtnzig Jahre her, dass Dr. Perlman seine, die
erhellenden Schlussfolgerungen praesentierte. Jeder .ird sicher
grossen Verdienste anerkennen, aber zwischen Himmel und ^irde der
schaftlichen Theorie haben sich inzwischen Dinge abgespielt, von
selbst in der Perlman-Philosophie nicht einmal getraeurat wurde.

Probleme
seine
gewerkdenen

Der stellvertretende Arbeitüminister Philip M. Kaiser eroerterte
die ijwendung der Perlman-Theorie auf internationale /.rbeitsangelegenheiten. Nachdem Kaiser auf die drei dominierenden Faktoren hingewiesen
hatte, die einen entscheidenen Einfluss auf das ,,'esen der Gewerksch.-.fts- 11 -

�bewegung ausueben, naemlich ein dynamischer Kapitalismus, eine Gruppe
einflussreicher Intellektueller und die Gewerkschaften selbst, fuehrte
er aus:
"Obwohl diese drei Faktoren seit der Veroeffentlichung der Perlraanschen
Theorie gewisse Veraenderungen erfahren haben, bin ich der Meinung, dass
es heute unraoeglich ist, Fragen internationaler Arbeitsangelegenheiten zu
verstehen, v.enn man nicht die Kampfkraft des Kapitalismus, die Rolle des
doktrinaeren Intellektuellen und die Aussichten der Gewerkschaftsbewegungen
in Erwaegung zieht. Und selbst da, v-o besondere, fuer einzelne Laender
bezeichnende Faktoren in Erscheinung getreten sind, bietet Perlmans
historische Analyse durch ihre auf Erfahrung »egruendete Sensitivitaet
gegenueber spezifischen Sinfluessen wie zum Beispiel den Agrarbewegungen,
den Grad der Entwicklung demokratischer Institutionen, in politischer und
anderer Hinsicht, dann dem Ausmass der Markterschliessung und fuer eine
ganze Zahl aehnlicher Dinge eine fruchtbare Ausgangsbasis."
Die Faktoren, die bei der Gruendung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften eine Rolle spielten, wurden wie folgt von Kaiser dargelegt,
womit zugleich die Perlman-These unterstuetzt wurde:
"Der IBFG hat grundsaetzlich die Philosophie der Gewerkschaftsbewegung akzeptiert. Ich sage dies, weil die 'sozialistischen' Ziele weder
in der Satzung noch in dem Manifest erwaehnt sind, das Ziel und Zweck
der neuen Organisation umreisst. Fuer diejenigen, die die Geschichte
der internationalen Gewerkschaftsbewegung und ihren jahrhundertalten
Zusammenhang mit dem Sozialismus verfolgt haben, ist es unbedingt bemerkenswert, dass eine weltweite internationale Gewerkschaftsbewegung
unter der Fuehrung ihrer wichtigsten Mitgliedsorganisationen mit dem
Gefuehl, sich bekennen und ihre Ziele in einer Y'elt der ideologischen
Konflikte darlegen zu muessen, ausdruecklich das Prinzip der freien
Gewerkschaftsbewegung als das grundlegende und einigende Ziel fuer
die Arbeiter der ganzen .Jelt uebernimmt. Dies ist, um ein 7,'ort Perlmans
zu gebrauchen, "Organisierung der Arbeit auf weltweiter Basis."
Professor Philip Taft, ein Schueler Professor Perlmans, wertete sein«
Theorie folgender/nassen aus;
"Aehnlich wie andere Theorien auf anderen Gebieten muss die der
Professoren John R. Commons und Selig perlman von der Universitaet
'Wisconsin nach ihrer Faehigkeit beurteilt werden, die Haltung und Einstellung der Gewerkschaftsbewegung sinnvoll zu erklaeren.
"Als Professor Commons begann, sich mit dem Gebiet der Arbeit zu
beschaeftigen, war die amerikanische Bevoelkerung der Idee der organisierten Arbeiterschaft weit weniger aufgeschlossen als heutzutage. Man
hegte allgemein die Vermutung, dass der Preismechanismus eine ausreichende
Methode zur Verteilung der Reichtuemer und Gewinne sei, und dass jede
Einmischung der Gewerkschaftsbewegung in die Jirtschoft eine Verminderung
des '/Wohlstandes zur Folge haette. Es herrschte auch die Ansicht, dass
Gewerkschaften revolutionaere Gruppen darstellen, die die Absicht haetten,
die bestehende Gesellschaftsordnung mit Gewalt umzustuerzen. Professor
Commons machte es sich zur Aufgabe, diese Auffassungen zu widerlegen.
Die Erfahrung lehrte ihn, dass die 'Wirtschaft weit weaiger vollkommen
war, als die traditionelle Theorie es vermutete, und er hatte die Beobachtung gemacht, dass selbst in den Betrieben, deren Eigentueraer sich unter
den '/Wettbewerbsbedingungen des '.Warenmarktes beteiligten, Begünstigungen
und Benachteiligungen vorhanden waren. Der einzige Schutz war dem Einzelnen nur dadurch geboten, dass er sich mit anderen zusammenschioss, um
sich gemeinsam fuer eine gerechte Behandlung und eine entsprechende Bezahlung einzusetzen.
'Die Demokratie und die Regierung d s Vertreter des Volkes muesoten
nach Commons Meinung von der Gesetzgebung auch auf die Industrie ausgedehnt
- 12 -

�werden; ein solcher Schritt - die Anerkennung der Gewerkschaftsbewegung
durch die Unternehmer - ..uerde den Kapitalismus eher staerken als schwaechen. Die moderne Industrie musste erst organisiert werden, und Commons
glaubte, dass es bestimmten Gruppen moeglich sei, lebensfaehige Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herzustellen, die fuer die ,,'irtschaft
eint Kraftquelle werden koennten, wenn diese Gruppen Toleranz und Verstaendnis fuer die gegenseitigen Probiere zeigen '..uerde.
"Professor Perlman erweiterte und staerkte die Ansichten Commons. Er
unterscheidet zwischen den Ansichten der Arbeiter selbst, ihrer gewaehiten
Funktionaere und denen, die kein Mandat der Arbeiter in Haenden haben, aber
in ihrem Namen sprechen. Letztere jind genoehnlich diejenigen, die der
Meinung sind, die Arbeiter mues;;ten ein bestimmtes soziales und politisches
Programm billigen, und wenn sie auch im Namen der Arbeiterschaft sprechen,
so vertreten sie aoeh Keineswegs die grosse Masse der Arbeiter, jarueoerhinaus pflegen diese Gruppen auf Grund ihrer sozialen Auffassung, den
Faehigkeiten der Gewerkschaften allein wenig Bedeutung beizumessen, die
Arbeiter in ihrem Kampf um einen gerechteren Anteil am Sozialprodukt und
um eine gesteigerte Sicherheit des Arbeitsplatzes zu unterstuetzen.
Professor Perlman weist diesen Standpunkt zurueck uni stellt fest,
dass die Arbeiter deshalb Gewerkschaften -ufgeb -ut haben, um ihr Interesse
an der Arbeitsraoeglichkeit wahrzunehmen. Die Arbeiter v.issen, dass ein
Mangel an Arbeitsgelegenheiten besteht, und sie haben deshalb Einrichtungen
geschaffen, um diese Moeglichkeiten sicherzustellen und den Mitgliedern
diese Arbeitsmoeglichkeiten zur Verfuegung zu steilen. Dies ist am besten
aus den Richtlinien der Berufsgewerkschaften zu ersehen, dies zeigt sich
jedoch auch in den Richtlinien der Industriegewerkschaften, iie den
Schutz der Arbeitsmoeglichkeit und die Senioritaet besondere betonen.
Veraenderungen in der Arbeitsweise und der StruKtur der Gewerkschaften
haben zu keiner Veraenderung dieser grundsätzlichen Einstellung gefuehrt.
Monthly Labor Review
11/51
DE.t LOHN-PilEIJ-PLAN EINES AMERIKANISCHEN 3b::SrtKJCHAFTSFUHKTlCNASR3
Die "Denver Post" s t e l l t i n einem L e i t a r t i k e l , der die U e b e r s c h r i f t
"Ein Ge«erKschaftsfu^hrer beweist s e i n s t a a t s i a a e n n i s c h e s Koennen" t r a t g t ,
f e s t , dass (j. A. Knight, der Vorsitzende der E r d o e l a r b e i t e r - G e w e r k s c h a f t
durch s e i n e n " L o h n - P r e i s - S t a b i l i s i e r u n g s p l a n ' 1 zur h o - c h s t e n itufe des*
g e w e r k s c h a f t l i c h e n Denkers emporgestiegen i s t . ' Das Kernziel d i e s e s
Planes i s t die S t a b i l i s i e r u n g der , ' i r t s c h a f t dtes Landes.
Knight, der Vorsitzende der I n t e r n a t i o n a l e n Er l o e l a r b e i t e r g e w e r k sch.^ft uni Vizevorsitzende; - des CIO, schlug vor, a l l e P r e i s e und a l l e
Loehne, und zwar d i e der g e w e r k s c h a f t l i c h o r g a n i s i e r t e n un-J n i c h t o r g a n i s i e r t e n Arbeitnehmer, zu einem bestimmten Datum zu " b l o c k i e r e n .
Von da
an s o l l e n die Loehne an etwaige Erhoehungen der Lebenshaltungskosten
automatisch angepasst »erden. Dann wu«rd«n iie Loehne fuer die Dauer des
n a t i o n a l e n Metstandes s t a b i l i s i e r t und nur r e g e l m ä s s i g a l l e d r e i Monate
e r n e u t ueberpi-ueft, um g e g e b e n e n f a l l s an die Lebenshaltungskosten wiederum
angeglichen zu werden«
Im Grunde s c h l u e g t Knight, einen n a t i o n a l e n LebenshaltungoKcstenG l e i t e a t z fuer . l l e Lohnempfaenger in ,jncrika, uni zwar .owohl O r g a n i s i e r t e
a l s auch N i c h t o r g a n i s i e r t e , v o r .
Zuerst w o l l t e er a l l t !.oehn&lt;. uni ._le : Y e i s e mit irkung vom 1 5 . Februar 1951 "oder zu einer, anderen annehmbaren Z e i t p u n k t " " b i o c / . i e r e n . "

- 13 -

�Danach sollte jeder Arbeitgeber aufgefordert werden, Lohnerhoehungen in
genau dem gleichen Prozentsatz zu gewaehren, in dem sich der Verbraucherpreisindex des Bueros fuer Arbeitsstatistik seit dem 15. Juni 1950 erhoeht
hat. Neue Angleichungen - nach oben oder unten - wuerden danach in dreimonatigen Abstaenden vorgenommen werden, aber die Loehne duerfen nicht
unter den Stand, in dexa sie "blockiert" wurden, gesenkt werden.
Inzwischen wuerden "nicht-inflationistische Unterstuetzungen an
Arbeitgeber", wie zum Beispiel Pensionen, Versicherungsrenten, L'ohlfahrtsunterstuetzungen, Urlaubsverguetungen und Produktivitaetsbonuszahlungen im
normalen Tarifverhandlungsverfahren festgelegt werden und muessten von dem
Lohnstabilisierungsausschuss bewilligt werden. Die vorher abgeschlossenen
Tarifvertraege wuerden nicht abgeaendert, es sei denn, dass dies notwendig
wuerde, damit sie mit den automatischen Mindestaufbesserungen zur Angleichung an die Lebenshaltungskosten uebereinstimraten." Der Lohnstabilisierungsausschuss wuerde weiterhin ein "dreiteiliges" Gremium sein, das sich
aus Vertretern der Gewerkschaften, der Industrie und der Oeffentlichkeit
zusammensetzt. Knight schlaegt vor, gleichzeitig einen Preiskontrollausschuss in der gleichen '.'eise zusammenzustellen. Der Preisausschuss wuerde
befugt sein, Preissteigerungen in nachweislich dringlichen Faellen zuzulassen und Preissenkungen anzuordnen, wo dies ohne grosse Haerten moeglich
waere. Preissubventionen sollen jedoch nur dann gewaehrt werden, wenn einwandfrei erwiesen sei, d^ss die automatischen Lohnangleichungen an die
Lebenshaltungskosten unbillige Haerten mit sich gebracht haetten.
Labor News frora the US
3/16/51

DAENISCHE GEWERKSCHAFT BaffiiBT FACHARBEITERMANGEL
Eine Metallarbeitergewerkschaft in einem iand, in dem ein chronischer
Mangel an 3.000 gelernten Kacharbeitern dieser derufssparten herrscht,
duerfte, wenn auch nur kurzfristig, ueber Vorteile verfuegen.
So ist die Lage in Daenemark; man sollte annehmen, dass eine weniger
verantwortungsbewus3te Gewerkschaftsfuehrung alles moegliche tun wuerde, um
die Ausbildung von Facharbeitern einzuschraenken, um aus diesem Mangel Vorteile zu schlagen, hoehere Loehne fuer ihre Mitglieder zu erzielen und die
Industrie* in der Memme zu halten. Dies ist jedoch nicht bei der daenischen
Metallarbeitergewerkschaft der Fall, die in einem bemerkenswerten Geist der
Zusammenarbeit mit den Unternehmern daran gegangen ist, dieser Situation zu
begegnen und ein vernuenftiges Gleichgewicht zwischen gelernten Arbeitskraeften und den vorhandenen üeschaeftigungsraoeglichkeiten herzustellen.
Die hierzu gewaehlte Methode ist die Ausbildung angelernter Metallarbeiter am Arbeitsplatz im Rahmen eines vielseitigen Erziehungsprogramris,
das eine beschleunigte Lehrlingsausbildung, eine Ausbildung zur Auffrischung
der Kenntnisse am Arbeitsplatz, Abendkurse und ein Sonderausbildungsprogramm
fuer Vorarbeiter und Meister umfasst. Das Programm, das vor drei Jahren begonnen wurde, ist in weiten Kreisen begeistert aufgenommen worden und bildet
einen der wichtigsten Zweige der gewerkschaftlichen Arbeit.
Ein Grund fuer dieses Verantwortungsbewusstsein der VJohlfahrt des gesamten Volkes gegenueber ist fuer die Gewerkschaftsfunktionaere die Tatsache,
dass sie in Daenemark mit der von den Gewerkschaften stark beeinflussten
Sozialdemokratischen Partei eng zusammenarbeiten, die in der rcegierung die
dominierende Partei darstellt, jer Vorsitzende der ..etallarbeitergewerkschaft
Hans Rasmussen ist «dtglied des Parlaments. Die Gewerkschaftsfunktionaere
fuehlen sich jedoch nicht nur fuer die Arbeiter, sondern darueber hinaus fuer
das gesamte \iolk verantwortlich, und sie wissen, dass eine Situation, die die

- 14 -

�Herstellung des Gleichgewichts in der daenischen Wirtschaft hinauszoegern
wuerde, - wie zum Beispiel ein staendiger kritischer Mangel an Facharbeitern - nicht nur den nationalen .Wiederaufbau aufs schwerste gefaehrden,
sondern auch ein schlechtes Licht auf die von den Gewerkschaften beeinflusste Regierung werfen muesste.
Als in Daenemark der [.lange 1 an Facharbeitern akut wurde, entwickelten
Unternehmer und Gewerkschaften gemeinsam ein Program zur schnelleren Ausbildung angelernter Arbeiter zu Fachkraeften. Jies war nicht ohne eine
gewisse anfaengliche Opposition der aelteren Gesellen, die noch aus dem
Handwerk hervorgegangen waren, moeglich, die sich nicht mit dem Gedanken
abfinden wollten, dass sich die Jungen sozusagen ueber Nacht Fachkenntnisse
arteignen koennen, fuer die sie selbst viele harte Jahre als Lehrlinge schwer
taetig sein und ohne Verdienst arbeiten mussten. Es gibt noch einige, die
erbittert an dieser Meinung festhalten, die meisten von ihnen sind jedoch
von den Gewerkschaften ueberzeugt worden, dass dieses Programm das beste
fuer die daenische Wirtschaft und infolgedessen auch, auf lange Sicht gesehen, das beste fuer sie selbst ist.
So sagte Hans Rasmussen unlaengst: "Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben ein gemeinsames Interesse an der Loesung dieser Probleme".
Die Verantwortung fuer die Auswahl geeigneter angelernter Arbeitskraefte fuer das Ausbildungsprogramra liegt bei den Arbeitgebern, aber auch
die Gewerkschaften schalten sich bisweilen ein, wenn sie glauben, gute Vorschlaege machen zu koennen, oder wenn die Unternehmer nicht geneigt sind,
an einen bestimmten Programm mitzuarbeiten. Wenn der Arbeiter ausgev/aehlt
ist, wird er je nach den Moeglichkeiten, die der Gewerkschaft in einem
Betrieb oder einem Bezirk zur Verfuegung stehen, kostenlos ausgebildet.
In einigen Faellen stellen Unternehmer den angelernten Arbeitern zur
Ausbildung waehrend der normalen Arbeitszeit Maschinen zur Verfuegung.
Diese Ausbildung wird von einem Meister ueberwackt, der zumeist auch Mitglied der Metallarbeitergewerkschaft gewesen ist, bevor er Meister wurde
und in die fuer ihn zustaendige Gewerkschaft der Vorarbeiter und Meister
eintrat.
In anderen Faellen nimmt der angelernte Arbeiter an Abendkursen teil,
die woechentlich zweimal stattfinden. Die Gewerkschaft ist nicht so sehr
fuer dieses System, weil sie der Auffassung ist, dass der Arbeiter nach
einem vollen Arbeitstag in der Fabrik zu muede ist, um abends noch soviel
aufnehmen zu koennen, wie er eigentlich sollte. Aber wenn dieses System
das einzig moegliche bleibt, haben sie nichts dagegen einzuwenden.
Dann gibt es ein beschleunigtes Lehrlingsprogramm, bei dem mit Hilfe
der Gesellen die uebliche Lehrlingszeit von vier bis fuenf Jahren auf ein
Programm von drei oder noch weniger Jahren gekuerzt wird. Den Lehrlingen
werden in vielen Faellen regulaere Loehne fuer angelernte Arbeiter gezahlt,
sie unterstuetzen in allen praktischen Arbeiten die Gesellen. V'enn der
Geselle der Gewerkschaft mitteilt, dass sein Helfer geprueft werden kann,
ruft die Gewerkschaft einen Pruefungsausschuss zusammen, der den Lehrling
prueft und entscheidet, ob er als Facharbeiter anerkannt werden kann.
Die Gewerkschaft setzt sich dafuer ein, dass die Meister und Vorarbeiter an dem sogenannten "TOI-Programm" (Trainingswerk in der Industrie)
teilnehmen. Sie haelt die jungen Leute zum Besuch der technischen Ausbildurigskurse an und beteiligt sich an den Bemuehungen zur Steigerung der
Produktionsleistung, durch die der Arbeitsaufwand reduziert, die Produktion
gesteigert und die Wirtschaft des Landes gestaerkt werden soll.
An dem Ausbildungsprogramm sind jaehrlich nahezu 5.000 Arbeiter beteiligt. "Die Metallarbeitergewerkschaft", so erklaerte Rasmussen, "ist

- 15 -

�der Frage der hoeheren Produktionsleistung gegenueber positiv eingestellt.
Wir stehen in enger Zusammenarbeit mit dem Regierungsausschuss fuer
Produktivitaetsfragen, dem ich selbst als Mitglied angehoere. Unsere
Mitglieder sind der Ueberieugung, dass hoehere Produktionsleistung die
daenische Wirtschaft staerkt und es ihr ermoeglicht, sich auszudehnen.
Hieraus werden sich wiederum groessere soziale Sicherheiten und ein hoeherer
Lebensstandard fuer diese Arbeiter ergeben und damit die Moeglichkeit, sich
selbst besser zu schuetzen."
Rasmussen wies darauf hin, dass seine Gewerkschaft 51.000 Mitglieder
zaehlt, somit praktisch saentliche gelernten Metallarbeiter Daenemarks umfasst, ueber ein Vermoegen von 80 Millionen daenische Kronen verfuegt und
einen starken Einfluss auf die sozialdemokratische Partei ausuebt, die die
fuehrende Partei in der Regierung ist und auf eine 62-jaehrige Tradition
erfolgreicher Zusammenarbeit mit den Unternehmern innerhalb der daenischen
Wirtschaft zurueckblickt, in der es Lohn- und Preiskontrollen gibt und
fuer ganze Industriezweige Tarifvertraege abgeschlossen wurden.
Wenn die Steigerung der Produktionsleistung Fruechte traegt, meint
Rasmussen, dann sind die Mitglieder der Metallarbeitergewerkschaft politisch
und wirtschaftlich stark genug, um fuer eine gerechte Verteilung dieser
Gewinne Sorge zu tragen.
ECA Labor Information

3/2/51

DIE SITUATION DER LclltLINGSAUSBILDUMG IN 13LK VT.RKIMGTaN STAATEN
Der Leiter des Bundesstaatlichen Amtes fuer Lehrlingswesen, W. F.
Patterson, brachte in einer 3otschaft an die Bauindustrie warnend zum Ausdruck, dass groessere Anstrengungen seitens der Angehoerigen dieser
Industrie notwendig waeren, wenn das hohe Niveau ihres handwerklichen
Koennens beibehalten werden sollte.
"Das Personal des Lehriingsbueros wird sich in Zukunft nicht mehr
vornehmlich mit der Frage der Ausbildung, gelernter Bauhandwerker beschaeftigen koennen. Dies sei aufgrund des Wohrraummangels der Nachkriegszeit der
Fall gewesen; dieser Mangel sei jedoch weitgehend behoben, und heute besteht ein wirksames Lehrlingsprograram fuer die Bauberufe. Das Personal des
Lehriingsbueros sei jedoch nicht in der Lage, zusaetzliche Ausbildungsmassnahraen zur Verteidigung zu ergreifen, ohne irgendeine andere Taetigkeit einzuschraenken.
Mit dem Bemerken, dass viele Angehoerige der Bauberufe moeglicherweise mit ilirer Einberufung rechnen muessten, und dass in Zukunft nicht soviel Jungen die Bauberufe erlernen koennten, weil sie ebenfalls zum Militaerdienst herangezogen wuerden, richtete Patterson an 3.239 oertliche Ausschuesse fuer i.ehrlingsfragen der Bauindustrie, die sich aus 20.000 freiwilligen Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammensetzen, die
Aufforderung, ihre Taetigkeiten zu aktivieren und sich auf die Erweiterung
der Ausbildung3/;u:&gt;eglichkt'iten zu Konzentrieren.
Absei.liessend betonte Patterson, dass diese Ausschuesse die Bauberufe
durch die Zurverfuegungstellung neuer Aroeitskraeftt! ernaehren wuerder..
Auf den Schultern die»er Ausschuesse ruht die Aufgabe, die Bauberufe am
Leben zu ernalten und den Grundstein zu legen, auf dem die zukuenftige Berufsausbildung fuer normale Zeiten wieder aufgerichtet werden kann."
Apprenticeship Digest

- 16 -

3/5C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

Frankfurt, ZO. I'eerz 1951

IV - 13

I K H A L T S V E R

Z E I C H F IS

Englische Gewerkschaften fordern Gesundheitsdienst innerhalb der Betriebe - - - - - - - -

1

Gewerkschaftliche Schulung fuer Funktionaere in
England - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gewerkschaften in Nigeria

?

- - - - - - - - - - -

4

Kanadische Gewerkschaften bilden gemeinsames
Komitee - - - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Japaner studieren industrielle Wechselbeziehungen 6
Die Lehrzeit ist die beste Schule fuer Vorgesetzte - - - - - - - - - - - - - - - - - - 7
Eine der groessten Gewerkschaften der Welt - - -

8

Die Rolle der internationalen Berufssekretariate 12
"Gomoers-Platz" in New York vorgeschalgen

5N0i.ir.CHS

- - - 16

GEY^RKSCKAFTE^ FORDEN GESÜITDK^ITSDIEKST INNERHAIB DER

BETRIEBE

"

'

~

~

Sin Gesundheitsdienst der Industrie, der in enerer Zusammenarbeit mit dem allgemeinen Gesundheits-System steht; eine Kenaue
Ueborpruefunsr der Bedingungen, die Berufskrankheiten verursachen;
mehr Aerzte in den Betrieben - das sind die Vorschlafe des bri- '
tischen Gewerkschaftskongresses TUC fuer einen nationalen, obligatorischen, betriebsaerztlichen Betreuungsdienst. Dieser Dienst
soll sich unter der Verwaltung einer zentralen Koerperschaft der
Regierung nicht nur auf Betriebe, sondern auch auf andere Arbeit.-olaetze wie Geschaefte und Bueros erstrecken.
- 1-

�Nachdem sich ein Regierungsausschuss mit diesen Vorschlaegen
und anderen Empfehlungen industrieller und medizinischer Organisationen beschaeftigt hat, hat er nun einen Bericht ausgearbeitet,
der den besten Weg zeigen soll, wie der britischen Industrie ihr
eigener Gesundheitsdienst gegeben werden kann. In diesem Bericht
wird besonders hervorgehoben, dass es sich die Nation nicht leisten kann, schlechte Arbeitsbedingungen zuzulassen, die die Gesundheit der Arbeiter gefaehrden koennen.
Besondere /ufmerksamkeit- wird dabei den drei folgenden Hauptproblemen geschenkt: Ein etwaiges Ueberschneiden der Funktionen
des industriellen und des allgemeinen Gesundheitsdienstes; die
Erweiterung der bestehenden Gesundheitseinrichtungen in der Industrie und die Herstellung einer Verbindung zwischen dem oeffentlichen und industriellen Gesundheitsdienst.
Jede bestehende Ueberschneidung der Funktionen kann, wenn
sie nicht betraechtlich ist, gerechtfertigt sein, heisst es in
dem Bericht des Ausschusses. Ein Gesundheitsdienst in der Industrie kann eine Garantie dafuer sein, dass der gesundheitliche
Zustand eines Arbeiters auf Grund seiner Beschaeftigung wenigstens nicht schlechter werden kann, und er wird darueberhinaus
sogar die Gewaehr dafuer bieten, dass sein Gesundheitszustand
sich bessert. Als ein fuer gute Arbeitsmoral wesentliches Element
kann dieser Dienst zur Steigerung des Vertrauens, der Zufriedenheit und der Leistung der Arbeiter beitragen. Aus diesen Gruenden
muss der Gesundheitsdienst in der Industrie erweitert werden.
Zwar muessen freiwillige Bemuehungen in dieser Richtung gefoerdert werden, aber sie reichen natuerlich nicht aus, um die gesamte
Industrie und insbesondere die kleineren Betriebe zu erfassen.
Bsnoetigt werden umfassende Massnahmen, hinter denen die Regierung
steht.
Augenblicklich sind etwa 230 Werksaerzte in Betrieben vollzeitlich beschaeftigt, weitere 1500 arbeiten teilweise fuer die
Industrie, und 1200 sind in irgendwelcher Art in die betriebsaerztliche Betreuung eingeschaltet. Der Industrie stehen rund
3000 Krankenpfleger zur Verfuegung, von denen 2.600 staatlich zugelassen sind.
Um mehr Aerzten die Moeglichkeit zu geben, in der Industrie
zu arbeiten, werden kurze, intensive Ausbildungskurse ueber betriebsaerztliche Betreuung abgehalten.
Der Ausschuss der Regierung weist jedoch darauf hin, dass
eine wesentliche Vorbedingung fuer alle Aerzte, die die industrielle Medizin praktizieren wollen, eine gute und umfassende Erfahrung
in der klinischen Behandlung ist. Welche Erweiterung des Systems
auch vorgenommen wird, die Regierung muss sich immer der entsprechenden Machfrage nach Aerzten und Krankenpflegern bewusst
sein.
Wie Attlee im Unterhaus erklaerte, muesste es moeglich sein,
einen industriellen Gesundheitsdienst sofort zu entwickeln und
nicht damit noch leengere Zeit zu warten.
Diesem Ausschuss, dessen Vorsitzender der Richter Dale ist,
gehoeren Frau Anne Loughlin vom TUC und J. T. Byrne von der Elektroarbeitergew^rkschaft an. Sie empfehlen vor allem, eine Verbindung zwischen den drei bestehenden Gesundheitssystemen herzustellen, einen neuen staendigen Beratungsausschuss von Aerzten, Krankenpflegern und VerUretern der Gewerkschaften, Unternehmer und
- 2 -

�der Ministerien fuer Gesundheit, Arbeit, Brennstoff und Energie
zu bilden.
Labour

3/51

GEWERKSCHAFTLICHE SCHULUNG FUER FUNKTIONALES IN ENGLAND
In der ersten Woche dieses Monats nahmen 17 Studenten an dem
ersten Schulungskurs ueber Fragen der Produktion und Betriebsleitung teil, der vom britischen Gewerksohaftskongress TUC in seiner
Gewerkschaftsschule in Clapham fuer Betriebsfunktionaere abgehalten wurde.
"Ich gehe nicht mit dem Gedanken nach Hause, dass ich alles
ueber Zeit- und Bewegungsstudien weiss," sagte ganz offen einer
der Gewerkschaftsfunktionaere, die an dem Kursus teilgenommen
hatten. Kr fuegte jedoch hinzu, dass ihm ein guter Ueberblick
ueber das Arbeitsstudium, die Lohnsysteme, die Arbeitsbewertung,
Produktionskosten und dergleichen gegeben worden sei. Durch weiteres Selbststudium und eigene Beobachtungen koenne er die noch
vorhandenen Kenntnisluecken schliessen. Diese Ausfuehrungen wurden bestaetigt, als die Studenten nach Beendigung ihres einwoechigen Lehrgangs in einer Schlusssitzung die wichtigsten Punkte dessen,
was ^ie gelernt hatten zusammenfas3ten.
Alle erklaerten uebereinstimmend, dass es fuer sie besonders
wertvoll gewesen waere, Sachverstaendige aus der Betriebsleitung
und der Gewerkschaftsbewegung ueber Methoden sprechen zu hoeren,
die mehr und mehr allgemeine Anwendung in der Industrie finden.
Einige Studenten erwaehnten insbesondere den Besuch grosser
Betriebe, in denen sie die praktische Anwendung der Schultheorien
sehen konnten. Andere betonten ihr Interesse fuer die Filmvorfuehruneen, in denen ein illustrierter Bericht eines wohlbekannten
Experten ueber die Bewegungsstudien ergeben wurde.
7,'as den Studenten zweifellos am besten gefiel, war die Unterrichtsstunde, in der sie mit der c'.topDUhr in der Hand ihre eigenen Zeitstudien durchfuehrten. rJiner von ihnen bemerkte, dass er
damit zum ersten Mal in die arbeit und Methoden des ZeitstudienExperten einen praktischen Einblick gewonnen haette.
Nun wuesste er, welche Aufgabe der Mann mit der StoDpuhr in
seinem Botrieb hat und, was noch wichtiger ist, wie seine Berechnungen ausgewertet werden koennen.
Von Anfang an stellten die Lehrer de3 TUC die Sachlage klar.
Die Studenten sollten ueber die Methoden der Produktion und Betriebsleitung, die heute in der Industrie angewendet werden, beraten und
brauchten sie nicht unbedingt als geeignet anzuerkennen. Um bei
den Verhandlungen und den gemeinsamen Berctungsausschuessen wirksame arbeit leisten zu koennen, muessten die Vertreter der Arbeiter
ueber die gleichen Kenntnisse verfuegen wie die Repraesentanten
der Unternehmer. Dieser Ausbildungskursus sei fuer sie eine Gelegenheit, sich di^se Kenntnisse zu erwerben.
Ueberall wurde diese Erkenntnis dar Gewerkschaften hervorgehobon. Jedesmal, wenn ein Vertreter der Unternehmer einen Vortrag
hielt, folgten eigene Experten des TUC und Frank Chapnell, eia
- S-

�frueherer Funktionaer der Elektroarbeiter-Gewerkschaft und jetzt
als Berater in der Industrie taetig, der Vorlesung und schlössen
eine Diskussion daran an.
Neue Ideen, neue Arbeitsverfahren oder neue Produktionsmethoden, die bereits in einem Betrieb erprobt waren, wurden eingehend besprochen. Den Gewerkschaftsfunktionären nur einen vorbereitetsn Lehrplan, selbst wenn disser gut waere, bieten zu
wollen, wuerde bedeuten, dass weder das Verstaendnis und die
Zusammenarbeit gefoerdert werden, noch von den Talenten der Arbeiter Gebrauch gemacht wird.
Im Anril und "ai werden weitere Lehrsaenge diesem ersten Experiment folgen. Nachdem nun alle Lehrstuehle besetzt sind und
der erste Kursus erfolgreich verlaufen ist, hofft der Britische
Gewerkschaftskongress, dass die neechsten Kurse mit noch groesserem Erfolg dem Verlangen nach weiteren Kenntnissen ueber Produktionsmethoden entsprechen werden.
Nach den ersten Eindruecken zu schliessen, koennts man annehmen, dass es dem TUC gelungen ist, seinen angeschlossenen Gewerkschaften mit diesen Kursen wertvolle Dienste zu erv.eisen. Tech
den jetzigen Ergebnissen zu urteilen, hat die Aufnahme, die die^e
neue Einrichtung gefunden hat, bewiesen, dass dieses Experiment
sehr wertvoll ist und eine seit langem bestehende Luecke ausgefuellt hat, deren sich besonders die hauptamtlichen Gewerkschafter
und Betriebsfunktionaere bewusst waren. Die zukuenftigen Erfahrungen und die Beduerfnisse der Gewerkschaften selbst werden ma^srebend fuer die Planung und Erweiterung weiterer Kurse sein.
Der genaue Lehrplan und Angaben ueber Einzelheiten des Lehrgangs werden vom TUC auf Wunsch zur Verfuegung gestellt.
Labor 3/51
GEWERKSCHAFTEN IN NIGERIA
Das Gewerkschaftszent.rum Nigerias, der Arbeitskongress, hat
seit einiger Zeit unter kommunistischem Einfluss gestanden. Aber
nun verlieren die Kommunisten auch in diesem Lande nach und nach
an Einfluss. Der Generalsekretaer des Gewerkscri&amp;ftsbundes Nigerias
ist vor kurzem aus der Nationalistischen Partei Nigerias ausgeschlossen worden. Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes ist
daraufhin zu der Uebarzeugung gekommen, dass es das beste fuer ihn
und fuer die Interessen der Arbeiterschaft des Landes ist, wenn
er die kommunistische Sache aufgibt. Diese beiden Ereignisse, die
sich im Verlauf der beiden letzten Wochen absoielten, sind hoechst
kennzeichnend fuer die im Lande herrschende Tendenz. Der durchschnittliche afrikanische Arbeiter weiss sehr wenig vom Kommunismus, aber ungluecklicherweise hat dieser Kommunismus eine grosse
Luecke in seinem Leben ausgefuellt. Der Afrikaner sehnt sich
nach Informationen und nach irgendwelchen gedruckten Dingen. Die
kommunistische Partei hat ihm unaufhoerlich diese Informationen
und gedrucktes Material geliefert. Die demokratischen Gewerkschaften haben es einfach versaeumt, diesen Wunsch der afrikanischen Arbeiter zu erfuellen. Aber dank der Bemuehungen des IBFG werden die
demokratischen Gewerkschaften bald in der Lage sein, diese Aufgabe
zu uebernehmen.
Vom strategischen Standpunkt aus ist Afrika heute von groesster
Bedeutung fuer die westliche Welt. Wenn die westliche Welt diesem
- 4 -

�Erdteil den Ruecken zukehrt und sich ihren Verpflichtungen den
Voelkern und Arbeitern Afrikas gegenueber entzieht, waere dies
fuer sie ein greiser Kachteil in dem gegenwaertigen kalten Krieg,
der zu einem heissen Krieg werden kann. In diesem Falle koennte
sich der kommunistische Einfluss in Afrika ausbreiten, und die
westliche Ilemisnhaere wuerde nicht mehr mit den so wichtigen Rohstoffen Afrikas rechnen koennen, zu denen auch die Grundstoffe
cshoeren, die fuer die Atomforschung gebraucht werden.
Die Entwicklung, die in einigen Teilen Afrikas vor sich ging,
ist ueberraschend. Und in anderen Teilen ist der ungeheuer niedrige Lebensstandard der Menschen geradezu entmutigend. Im Ganzen
gesahen sind die Aussichten jedoch gut, und der IBFG kann mit
Recht erwarten, den Arbeitern dieser Gebiete Afrikas helfen zu
koennen.
Das wichtigste Problem ist die gewerkschaftliche Organisierung.
In Mittel- und Westafrika ist die Gewerkschaftsbewegung noch neu
und schwach. Aber abgesehen hiervon wird der Besucher von dem
grossen Drang der dortigen Menschen nach Aufklaerung stark beeindruckt sein. Meiner Auffassung nach ist irgendeine Art der gewerkschaftlichen Erziehung eines der wichtigsten Dinge, die der IBFG
den Arbeitern Afrikas bringen kann, damit dieser Erdteil aufgeklaerte Gewerkschaftsfunktionaere und aufgeklaerte Mitglieder haette, die Garanten fuer eine wirksame Taetigkeit der Gewerkschaften
waeren.
Kein besseres Ergebnis haette auf der Konferenz des IBFG in
Duale erzielt werden koennen als die Errichtung eines regionalen
Zentrums des IBFG fuer Mittel- und Westafrika. Dies ist die
groesste Unterstuetzung, die der IBFG den Arbeitern Westafrikas
zutail werden lassen kann.
Program Service Section
3/14/51
KANADISCHE GEWERKSCHAFTEN BILDEN GEMEINSAMEM KOMITEE
Die vier grossen Gewerkschaftscrganisationsn Kanadas haben
ein gemeinsames staendiges Komitee gebildet, das sich mit Problemen von allgemeinem Interesse wie Arbeitsmarkt, Produktion, Preiskontrolle und Verteidigungsmobilisierung befasst.
Ueber eine Million Arbeiter sind in den vier GewerkschaftsOrganisationen organisiert - dem Berufs- und Arbeiterkongress Kanadas
(TLC), dem Kanadischen Arbeiterkongress, dem Kanadischen Katholischen Gewerkschaftsbund (CCL) und dem Gemeinsamen Legislativen Ausschuss der Eisenbahntransportarbeiter-Gewerkschaft. Dem TLC und
der CCL gehoeren Gewerkschaften an, die ebenfalls der AFL bzw. dem
CIO angeschlossen sind.
Der Bildung dieses Komitees ging vor einigen Monaten die Eroeffnung der ersten gemeinsamen Kampagne zur gewerkschaftlichen Vereinigung in der kanadischen Geschichte voraus. Gegen Ende des
Jahres 1950 hatte die organisierte Arbeiterschaft Kanadas eine
gemeinsame Erklaerung abgegeben, in der sie den Beginn einer ueber
das ganze Land verbreiteten Kampagne ankuendigte, in deren Rahmen
die Auferlegung von Preiskontrollen und die Beibehaltung der Mietkontrollen gefordert wurden.
In Kanada ist einer von je drei Arbeitern gewerkschaftlich organisiert.
Labor Press Service
3/19/51
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�JAPANER STUDIERE INDUSTRIELLE WECHSELBEZIEHUNGEN
Die Eindruecke und Erfahrungen einer vierzehnkoeofigen Japanischen Besuchergruppe, die sich in den Vereinigten Staaten aufhielt und aus Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammengesetzt war, sind von Professor Arthur K. Ross von der Universitaet Kalifornien in einem Bericht ausgewertet worden. Diese
japanische Mission hielt sich zum intensiven Studium derWeohselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern zwei Monate
lang in den Vereinigten Staaten auf.
Die Gewerkschaftsmitglieder der Besuchergruppe waren von
der Staerke der amerikanischen Gewerkschaften beeindruckt, die es
ihnen ermoeglicht, den Unternehmern auf Gleichstarker Basis gegenueberzutreten. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten wird nach ihrer Meinung als ein lebenswichtiger und zugehoeriger Bestandteil der industriellen Ordnung und nicht nur als eine
blosse Einrichtung angesehen. Beeindruckt hat sie ausserdem die
Tatseche, dass die Intervention der Regierung in die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf ein Minimum
beschraenkt bleibt. •
Im Gegensatz zu ihrem eigenen Land vermissten die japanischen
Arbeiter in der amerikanischen Gesellschaftsordnung die Ueberreste
des Feudalismus. Der hohe Lebensstandard, der unerschöpfliche
Reichtum und die Freiheit in den Vereinigten Staaten sind nach
Auffassung der Japaner eine Erklaerung dafuer, dass die Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten die freie Wirtschaftsordnung oder den Kapitalismus unterstuetzt, und dass sie sich in
der Verfolgung ihrer Ziele hauptsaechlich auf ihre wirtschaftliche
Macht und nicht auf eine Arbeiterpartei verlassen haben. Die
Japaner waren darueber ueberrascht, was ihnen ein Mangel an irgendeiner Ideologie in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zu sein scheint, sie stehen deshalb dieser Sachlage etwas kritisch
gegenueber.
Die Delegierten erklaerten, dass sie "von den systematischen
Verfahren" ungeheuer beeindruckt gewesen waeren, mit denen Streitigkeiten und Beschwerden in der amerikanischen Industrie beigelegt wuerden. "Wir glauben," sagten sie, "dass ein aehnliches
System des Schiedssnrechens, der Tarifverhandlung und des Beschwerdeverfahrens weitgehend zur Verbesserung der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern in unserem Lande beitragen wuerde."

Waehrend die Japaner die meisten Asnekte der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung lobten, missbilligten sie die in einigen Gewerkschaften herrschende Tendenz, sich auf die Fuehrung zu verlassen. In Japan, so erklaerten sie Professor Ross, beteiligten
sich die Mitglieder aeusserst aktiv an der Arbeit der Ortsgewerkschaften. Dadurch wuerde eine demokratische Denkart geschaffen,
die die Gewerkschaft als ein Bollwerk gegen den Kommunismus staerke.
Sowohl die Vertreter der japanischen Gewerkschaften als auch
der Unternehmer sprachen sich anerkennend ueber die fortgesetzten
vertraglichen Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und den
Unternehmern in den Vereinigten Staaten aus und waren der Auffassung, dass eine weitverbreitete Anwendung dieses Systems in
Japan mithelfen wuerde, die Industrie zu stabilisieren und Streitigkeiten zu vermeiden. Die Gruppe erklaerte ferner, dass die
Loehne in ihrem Land ebenso wie in Amerika nur durch die Zusammenarbeit beider Partner zur Steigerung der Produktion aufgebessert
werden koennten.
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�Fuar die Zukunft sind weitere Missionen zum Studium der
Wechselbeziehungen zwischen Arbeiteebern und Arbeitnehmern aus
Japan, Westeuropa und anderen Gebieten geplant. Es ist interessant
festzustellen, das? die Eindruecke und Meinungen der Delegierten
aus dem Orient und den Okzident die gleichen sind. Auch herrscht
die uebereinstimmende Auffassung, dass diese Missionen zum Studium der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften und die Besuche zum Studium der Produktivitaet nicht nur
wertvoll sind, weil sie mithelfen, die Produktion zu steigern und
die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verbessern, sondern auch weil sie das internationale gegenseitige
Verstaendnis foerdern.
Program Services Section
3/12/51
DIE LEHRZEIT IST DIE BIMSTE SCHULE FUER VORGESETZTE
In dem Allis-Chalmers-Unternehmen besteht wie auch bei anderen Firmen seit langem ein Befoerderungssystem, nach dem es Betriebsengehoerigen mit besonders guten Leistungen moeglich ist,
in Stellungen der Betriebsleitung berufen zu werden.
"Welche andere Ausbildung bietet dem Arbeitsvorgesetzten ein
so gut geplantes und alle Einzelheiten umfassendes Studium, das
zur Kenntnis der Betriebsvorgaenge notwendig ist, wie die Lehrlingsausbildung? Der Lehrling wird nicht nur in den ^roduktionsvorgaengen geschult, sondern wird auch mit den Verfahren, Methoden,
Grundsaetzen, Materialien usw. vertraut. Wenn der ehemalige Lehrling deshalb mit anderen Betriebsangehörigen bei Befoerderungsnoeglichkeiten konkurriert, so ist er auf Grund seiner gelenkten
und vollstaendigeren Ausbildung in gewissem Sinne im Vorteil."
Diese Erklaerung ist die Einfuehrung zu einem Artikel von
W. C. van Cleaf, dem Direktor fuer Wechselbeziehungen in der In-,
dustrie in der "Allis-Chalmers Manufacturing Company" in Milwaukee
(Wisconsin).
"Eine seit 1935 laufende Analyse ueber die beruflichen Erfolge
jener Arbeiter, die eine Lehre durchgemacht haben," fuehrt van
Cleaf hier aus, "liefert einen klaren Beweis fuor die Tendenz und
die Ratsamkeit, das Lehrlingswesen beizubehalten. In dem Betrieb
wurden in der Zeit von 1935 bis 1947 421 Lehrlinge ausgebildet;
281, die mit Erfolg ihre Lehrzeit beendet haben, sind heute noch
in dem Betrieb taetig. Von diesen*haben heute 108 oder 39$ uebergeordnete Stellunren inne. Es kann natuerlich nicht erwartet werden, dass die Arbeiter, die in den letzten beiden Jahren ihre
Lehrlingszeit beendet haben, prozentual gesehen in Vorgesetztenpositionen ebenso stark vertreten sind wie die aelteren Arbeiter.
Aber es ist sicher, dass einer von je drei Lehrlineen, die seit
1935 bei der Firma beschaeftigt sind, in verantwortungsvolle Stellungen aufgerueckt ist.
"Alle Befoerderungen wurden streng nach den nersoenlichen Verdiensten und der allgemeinen Tuechtigkeit der Arbeiter vorgenommen.
Die Tatsache, dass ein Arbeiter eine Lehrlingszeit hinter sich
hat, bedeutet nicht, dass er bei Befoerderungen automatisch bevorzugt wird. Er muss die Bef oerderun/s: auf Grund seiner eigenen Verdienste und in Konkurrenz mit jedem anderen Arbeiter im Betrieb
verdienen. Trotzflem sind es meistens Lehrlinge, die in die letzte
Auswahl kommen, und dies ist sicher kein Zufall."
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�"Der heutige Komplex der industriellen und produktiven Organisation mit seinem Drang nach Arbeitsvereinfachung, Normung und
nach soezifischen Methoden der Massenproduktion scheint den Gegnern des Lehrlingswesens.beachtliche und vorteilhafte Argumente
in die Haende zu spielen. Selbst in der Industrie der Massenproduktion, die bis aufs aeusserste genormt ist, bleibt der Bedarf an Facharbeitern wie zum Beispiel Betriebselektrikern, Mustermachern, Werkzeugmachern, Maschinisten, Maschinenschlossern und
vielen anderen bestehen. Obwohl der Prozentsatz der Facharbeiter
zurueckgecangen ist, ist die Abhaengigkeit von einem kleineren
Kern an Fachleuten, die die gleichen beruflichen Kenntnisse haben,
groesser geworden."
"So sind zum Beispiel in der Traktoren-Werkstaette der
"Allis-Chalmers"-Werke die Arbeitsmethoden der Messenproduktion
vorherrschend. .Die Zahl der Lehrstellen ist verhaeltnismaessig
gering. Gerade das Gegenteil trifft fuer die allgemeine Maschinenabteilung zu, in der der groesste Teil der Erzeugnisse nicht
nach den ueblichen Massenproduktionsmethoden hergestellt wird.
Der Bedarf an einer grossen Vielfalt guter Facharbeiter ist konstant. Die Produktion koennte ohne Arbeiter mit gruendlichen
und ausfuehrlichen Fachkenntnissen nicht leistungsfaehig und
rentabel gehalten werden."
"Dieser gesamte Komplex an Faktoren - Fachkenntnisse, Traditionen, Bewusstsein der Äufstiegsmoeglichkeiten, Beurteilung der
Beziehungen zu den Arbeitnehmern und der Erzeugnisse nach qualitativen Gesichtspunkten, das Vertrautsein mit den Grundsaetzen
und Arbeltsverfahren - hilft mit, Vertrauen und Moral der Arbeitnehmer zu staerken, was sich direkt in der Produktion widerspiegelt. Weil die Arbeiter in der Produktion Gelegenheit haben,
mit diesen verschiedenen ^hasen des Her3tellungsprozesses direkt
und indirekt in Beruehrung zu korken, fuehlen sie sich sicherer,
weil sie einen unmittelbaren Beitrat zur Herstellung der Erzeugnisse leisten koennen. Man braucht ihn3n nicht das Gefuehl zu"
geben, dass sie ein Raedchen in einer grossen "aschine sind. Sie
sind besser in der Lage, sich an eine Vielfalt von Beschaeftigungen innerhalb der betrieblichen Organisation anzupassen. Arbeiter mit erfolgreicher Lehrzeit sind selten Opfer von Minderwertigkeitskomplexen oder, industriell gesnrochen, von Misserfolgen. Dank ihrer gut abgerundeten fachlichen Kenntnisse haben
nie mehr Moeglichkeiten als der ungelernte Arbeiter, eine Beschaeftigung zu bekommen."
Apprenticeship Digest
Vol. S/50
EINE DER GROESST^M GEWERKSCHAFTEN DER WELT
Der nachstehend? Artikel erschien in der "Arbeiter Zeitung",
dem Organ der Sozialdemokratischen Partei in Oesterreich und
zugleich der ^roessten Wiener Tageszeitung. Der Verfasser
ist Karl Ausch, ein Mitglied der oesterreichischen ,rournalistengruppe, die vor kurzem unter dem Protektorat der ECA und
der oesterreichischen Regierung die Vereinisten Staaten
besuchte.
Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass dar1 Lebensstandard der Arbeiter in den Vereinigten Staaten wesentlich hoeher ist
als in irgendeinem anderen Lande. Obwohl nicht jeder /«rb-iiter
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�einen Y/agen in der Garage, einen elektrischen Kuehlschrank in
der Kueche und ein Fernsehgeraet in seinem Wohnzimmer hat, sind
viele von ihnen im Besitz jener Vsrbrauchsgueter, die nach oesterreichischen Begriffen unerreichbare Luxusgegenstaende sind. Dieser Lebensstandard in Amerika ist teilweise der wesentlich hoeheren Produktionsleistung der amerikanischen Industrie und Landwirtschaft zu verdanken. Die Arbeiter jedoch mussten schwer um
ihren Anteil an der gesteigerten Froduktivitaet kaempfen, und
dieser Kampf um einen gerechten Anteil am amerikanischen Sozialprodukt wird niemals aufhoeren und muss taeglich und stuendlich
fortgesetzt werden, wenn der amerikanische Arbeiter nicht um
Jahre zurueckgeworfen werden will.
Das beste Beispiel fuer diesen Kampf und seine staendig
sich aendernden Methoden und Ziele bietet die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft, die dem CIO angeschlossen ist und mit
ihren 1.125.000 Mitgliedern eine der groessten Gewerkschaften
der 7/elt darstellt.
In wenigen Monaten wird diese Gewerkschaft erst ihren 15.
Geburtstag feiern, was in gewisser Beziehung ueberraschend ist.
Als sie im April 1936 gogruendet wurde, hatte sie nur 7.000
Mitglieder. Es war die Zeit nach der grossen wirtschaftlichen
Krise der Dreissiger Jahre. £00.000 Automobilarbeiter waren
arbeitslos, und die anderen 245.000 arbeiteten woechentlich nur
33 Stunden und verdienten etwa 20 Dollar.
Die Arbeit am Montageband war aufreibend und eintoenig, und
die Arbeiter wurden zu immer srroesserem Arbeitstempo angetrieben. Bis zu jener Zeit hatten es die Betriebsleiter der grossen
Automobilfabriken verstanden, die Arbeiter daran zu hindern, sich
in Gewerkschaften zu organisieren. In den Betrieben gab es
zahlreiche' Spitzel. Jeder, der eine Arbeiterorganisation beguenstigte, setzte sich einer Disziolinarstrafe aus, und die
Vertreter der Arbeiter wurden auf der Strasse von Leuten ver^ruegelt, die im Dienst der Unternehmer standen. Und dies alles ereignete sich zu einer Zeit, in der bereits seit langem eine maechtige und einflussreiche Gewerkschaftsbewegung bestand.
Die Industriellen weigerten sich auch weiterhin, die Gewerkschaft anzuerkennen. Dann traten die Arbeiter im Sommer 1936 zum
ersten Mal in einem Betrieb in den Streik. Dabei wurde der Sitzstreik in der amerikanischen Automobilindustrie eingefuehrt.
Andere Betriebe folgten diesem Beispiel, und eine V/eile von
Sitzstreiks breitete sich ueber die Automobilindustrie aus.
Die Industriellen riefen die ^olizei zu Hilfe. Die Uiliz
versuchte, die Streikenden mit Maschinengewehren aus den Betrieben zu vertreiben. Es war zwecklos. Drei Monate snaeter war
der Streik gewonnen. Zum erstenmal verhandelten die Industriellen mit der neugegruendeten Automobilarbeitergewerkschaft. Im
September 1937 hatte die Automobilarbeitergewerkschaft bereits
mit ueber 400 Betrieben Tarifvertraege abgeschlossen.
Im Rahmen eines Zeitungsartikels ist.es nicht moeglich, die
gesamte Geschichte dieser Gewerkschaft bis zum heutigen Tage zu
erzaehlen,. die jetzt auch die Arbeiter der Flugzeugfabriken und
jener Betriebe, die landwirtschaftliche Maschinen herstellen, umfasst.
Wir moechten ein Ereignis besonders hervorheben: Im v b i
1941 blieb die Gewerkschaft selbst ueber Ford erfolgreich. Damit
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�hatte die letzte der grossen Automobilfabriken die Automobilarbeitergewerkschaft anerkannt.
Augenblicklich sind etwa £.700 Tarifverträge zwischen der
Automobilarbeitergewerkschaft und ebenso vielen Einzelfirmen in_
Gueltigkeit. Im Gegensatz zu den oestarreichischen Gepflogenheiten werden in den Vereinigten Staaten keine Tarifvertraege fuer
ganze Industriezweige abgeschlossen. Kopien dieser 2.7G0 Vertraege
befinden sich in den gewerkschaftseigenen Bueros und im Ministerium fuer wirtschaftliche Forschung und Wirtschaftstaetigkeit in
sicherer Obhut. In diesem Amt arbeiten Wirtschaftswissenschaftar,
Statistiker, Finanzexperten, Volkswirtschafter, Eechtsanwaelte
und Techniker, die die Unterlagen fuer die Tarifverhandlungen vorbereiten, angefangen von der /malyse der Geschaeftsbilanzen der
Industriellen bis zur Kontrolle der Zeitnahme.
Die Tarifvertraege, die von der üutomobilarbeitergawerksohaft
abgeschlossen sind, 3ind alles andere als wissenschaftliche Abhandlungen. Der Vertrag mit den General Motors-Werken, dem
groassten Unternehmen dieses Industriezweiges, ist in einem Buch
von 114 Seiten und 154 Paragraphen niedergelegt. Das Inhaltsverzeichnis enthaelt nahezu £00 Punkte. Hieraus ergibt sich, dass
die Rechte und Pflichten der Arbeiter, ihre Arbeitsbedingungen, die
Beziehungen zwischen der Gewerkschaft und der Werkleitung und auch
die verschiedenen Verfahren zur Beilegung von ^rbeitsstreitigkeiten mit der groessti.ioeglichen Genauigkeit ausgearbeitet und festgesetzt sind.
Sine Gegenueberstellung der in den letzten 15 -Jahren abgeschlo-*
nen Tarifvartraege wuerde aufzeigen, welche erfolge die Automobilarbeiter bei der Erkaempfung ihrer Rechte errangen, ob es sich
nun um Mindest!oehne , Ueberstundenbezahlung, bezahlten Urlaub oder
Betriebsfunktionaere handelt, alles Rechte, die nicht gesetzlich
verankert sind. Eine andere bedeutende Errungenschaft, die in
Oesterreich unbekannt ist, ist das sogenannte Senioritaetsrecht,
nach dem beiEinschraenkungen Arbeiter,die noch nicht laangere Zeit
in dem 3etrieb arbeiten, entlassen und bei der Wiedereinstellung
jene bevorzugt werden, die am laengsten in dem Betrieb taetig vind.
Dieses Recht, das strengstens eingehalten werden mu^s, schuetzt
in erster Linie den aslteren Arbeiter und stellt eine wirksame
Massnahme gegen willkuerliche Entlassungen der Industriellen dar.
Unter der Fuehrung ihres jungen und energischen Vorsitzenden,
Waltsr Reuther ist die Automobilarbeitergewerkschaft ueber den
Rahmen einer Gewerkschaft, die sich darauf beschraenkt, hoehere
Loehne und bessere Arbeitsbedingungen fuer ihre Mitglieder zu erkaempfen, hinausgewachsen.
Reuther und seine Mitarbeiter sind zu den Traegern der gewerkschaftlichen "olitik geworden, die darauf gerichtet ist, einen
Mechanismus zwischen der sich staendig steigernden Produktion und
der Kaufkraft der breiten Masse herzustellen. Die Realloehne sollen mit anderen Worten staendig und automatisch erhoeht werden und
damit die grundlegende Bedingung fuer eine Wirtschaftspolitik der
Vollbeschäftigung schaffen.
Unmittelbar lach Kriegsende fordorte die ^utomobilarbeitargewerk^chaft von den General Motors-Werken eine Lohnernoehun°- und
gleichzeitig das Versprechen, da = ? der Betrieb die Preise fuer
seine Automobile, nicht erhoeht. Diese Forderung, die an die groa^ta
Aktiengesellschaft der Vereinigten Staatenfeestelltwurde, sollte
beispielgebend fuer alle anderen Industrien werden: hoehere To«hne
bei unveränderten Preisen. Die Genoral Motors weigerten sioh und
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�400.OCO Arbeiter streikten. Der Streik dauerte 11? Tege und verursachte den Unternehmen einen finanziellen Verlust von 300 MilliqQsn Dollar. Auch die Arbeiter hatten schwere Verluste. Der
Streik wurde durch ein Kompromiss b3endet, der hoehere Loehne und
bessere Arbeitsbedingungen fuer die Arbeiter bedeutete, ohne jedoch das gewuenschte Gleichgewicht zwischen Loehnen und "reisen
herzustellen.
.
Diese Idee wurde drei Jahre spaeter verwirklicht. Im Tahre
1943 schloss die Automobilarbeitergewerkschaft mit den General Motor* den ersten Tarifvertrag ab, in dem die Loehne an den Lebenshaltungskostenindex gekoppelt sind und alle drei Monate, wenn
immer die "reise in die Hoehe gehen, automatisch verbessert werden.
So bedeutsam die Anerkennung dieses Prinzips der Indexloehne
durch die amerikanische Automobilindustrie auch ist, so ist es
keineswegs neu. Zwei Jahre spaeter wurde jedoch eine andere wirklich revolutionaere Idee in die amerikanische Lohnberechnung aufgenommen, der sogenannte jaehrliche Aufbesserungsfaktor, dem folgende
Ueberlegungen zugrunde liegen: Als eine Folge des technologischen
Fortschritts und besserer Maschinen und Werkzeuge geht die Produktionsleistung der Arbeiter in die Iloehe und damit auch die Menge
der Gueter, die den Verbrauchern zur Verfuegung stehen.
Um es den Arbeitern zu ermoeglichen, einen entsprechend groesseren Anteil an der staendig groesser werdenden Menge an Waren zu
erhalten, muss seine Realkaufkraft erhoeht werden. Der Aufbesserung^fcktor sieht deshalb sine automatische Verbesserung des Stundenlohnes um 4 Cents fuer die Gueltigkeitsdeuer des Tarifvertrags vor.
Dies sind etwa 2 1/2$ des durchschnittlichen Stundenlohnes.
Der Kemnf geht jedoch weiter. Er wurde in juengster Zeit
hauntsaechlich auf die Verbesserung.der Alterspensionen und die verschiedenen Arten der Krenkenversicherungen fuer den Arbeiter und
seine Familie konzentriert. Das amerikanische Gesetz fuer Altersnensionen setzt fuer monatliche Pensionen eine Hoechstgrenze von
etwa 45 Dollar. Bisher war es der Gewerkschaft maß gl ich, fuer
75% ihrer Mitglieder die Zusicherung zu erhalten, dass den Arbeitern eine zusaetzliche Pension von 75 Dollar von den Unternehmern
gezahlt wird.
Das naechste Ziel der autoraobilarbeitergewerkschaft ist ein
Mindest.iahreslohn. Damit soll der ruecksichtslosen Methode der
amerikanischen Industrie, die Arbeiter einfach fuer ein naer Tage,
'.Vochen oder Monate zu entlassen,' ein Ende bereitet werden.
Der Industrielle kann damit nicht mehr das Risiko der Schwenkungen in der Wirtschaft auf die Arbeiter abwaelzen. Der Mindestiahreslohn wird die Industriellen ausserdem zwingen, ihre Produktion besser zu planen, wa3 ein weiterer Beitrag zur Erhaltung der
Vollbeschäftigung ist. Zur heutigen Zeit, in der die amerikanische Industrie auf vollen Touren laeuft, mag dies kein akutes
Problem sein. Aber die Automobilarbeitergewerkschaft will mit
dieser Politik alle Moeglichkeiten der Zukunft ins Aug3 fassen.
Sie kaempft Tag um Tag und plant unableessig fuer die Zukunft.
ECA LABOR INF CR" ATI 0N
3/16/51

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�Ctoer Bscu, Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbandes:
DIE ROLLE DER INTERNATIONALE BSPUFSSEKRLTARIATE
Das Problem der Beziehungen, die zwischen den internationalen
Berufssekretariaten und der Gewerkschaftsinternationale bestehen
sollten, ist keineswegs neu. Seit der Viedergruendun* des Internationalen Gewerkschaftsbundes im Jahre 1919 bildete dieses Problem einen Gegenstand unablaessiger und zuweilen hitziger Diskussionen, bis das gesamte Thema bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges voruebersehend beiseitegelegt werden musste.
Sofort nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wurde des
"Thema" jedoch wieder aufgenommen, als auf der Weltgewerkschaftskonferenz in London im Februar 1945 Vorschlaego eingebracht wurden,
die auf eine Eingliederung der Berufssekretariate in den dem Tarnen
nach noch bestehenden Internationalen Gewerkscheftsbund abzielten.
Bis .letzt waren die Berufssekretariate voellig autonome Koernerschaftsn, wenn sie auch freundschaftliche Beziehungen zum Internationalen Gewerkschaftsbund unterhielten und mehr oder weniger eng
mit ihm zusammenarbeiteten.
Diesen Vorschlaegen wurde ausserhalb des Komitees auf der
Weltgewerkschaftskonferenz nur wenig Beachtung geschenkt. Das Verwaltungskomitee zog sie .jedoch in Erwaegung und die Konferenz wurde beauftragt, eine weitere Konferenz vorzubereiten, die die Einleitung zu einem neuen Weltgewerkschaftskongress bilden sollte,
auf den eine neue Gewerkschaftsinternationale ins Leben gerufen
werden sollte. Dieser Ausschuss, in dem die Berufssekretariate
einen Vertreter hatten und zwar J. H. Oldenbroek, den damaligen
Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbendes
und Jetzigen Generalsekretaers des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, hatte als erste Aufgabe, eine Satzung fuer die neue
Internationale auszuarbeiten.
Trotz der Opposition Oldenbroeics arbeitete der Vsrwaltungsausschuss einen Satzungsentwurf aus, in dem die Errichtung von "Berufsabteilungen" innerhalb der neuen Internetionale vorgesehen war, die
letzten Endes Rivalen der Internationalen berufssekretariate gewesen waeren, wenn die letzteren nicht unter Aufgabe ihrer Selbstaendigkeit in die neue Koerperschaft haetten aufgenommen vverden koennen
Diese Bestimmun? zur Errichtung von "Berufsabteilungen" wurde
tatsaechlich in die Satzung aufgenommen, die vom Kon^re^s gebilligt
wurde, und die die Gruendung des 'Weltgewerkschaftsbundes im Tahre
1945 bedeutete. Die Delegierten schienen sich demals nicht darueber im klaren zu sein, dass der Versuch gemacht wurde, durch
statuarische Beschluesse die Existenz einer Reihe voellig unabhaengiger internationaler Organisationen einfach zu beenden, von
denen einige jahrzehntelang der Gewerkschaftsbewegung wertvolle
Dienste geleistet hatten. Die Berufssekretariate^wurden mit dem
Versprechen abgespeist, dass der Kongress Verhandlungen mit ihnen
arrangieren wuerde.
In den hierauf folgenden Verhandlungen wurde der Versuch unternommen, die Berufssekretariate in eine voellige ünterwuerfigkeit
zu zwingen, was sich jedoch als nicht einfach herausstellte, weil
diese darauf bestanden, ein bestimmtes Mass an Selbstaendigkeit sich
zu bewahren. Und als es mit der Zeit offensichtlich wurde, dass
der Weltgewerkschaftsbund das Werkzeug einer bestimmten politischen
Partei werden sollte, bestanden die Berufssekretariate mit noch
groesserer Hartnaeckigkeit auf dieser Forderung. Schliesslich kamen
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�sie im September 1948 zu der Erkenntnis, dass es keinen Zweck
heetta, die Verhandlungen fortzusetzen. Vier Monate spaeter,
am 17. Januar 1949, folgten der Britische Gewerkschaftskongress
TUC, der amerikanische Kongress der Ir.dustrieverbaende CIO und
der hollaendiscl.e Gewerkschaf tsbund ihrem Beispiel, und sagten
sich wie noch viele andere Organisationen vom Weltgewerkschaftsbund los, der infolgedessen zu einer rein kommunistischen Organisation wurde.
Seit der Erricntung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften sind die internationalen Berufssekretariate wesentlich
besser daran gewesen. Der erste Kongress des Internationalen
3undes Freier Gewerkschaften nahm im Dezember 1949 klugerweise
eine grosszue^igere und anpassungofaehigere Haltung ein und billigte eine Entschliessung, in der der Exekutivausschuss ermaechtigt
wurde, baldigst "Verhandlungen mit den Internationalen Berufssekretariaten aufzunehmen und dabei bemueht zu sein, Abmachungen zu
treffen, die eine hoechst intensive Zusammenarbeit, die gegenseitige Vertretung auf mitberatender Grundlage und die beiderseitige
Unterstuetzung auf dem Gebiet
der gewerkschaftlichen Organisierung
gewaehrlaisten koennten.n
Die Antwort der Berufssekretariata auf diese Bereitwilligkeit
blieb nicht aus, zumal sie alle immer auf engste Zusammenarbeit
zwischen diesen beiden Sektionen, die schliesslich doch derselben
Bewegung ansehoerten, bedacht gewesen waren.
Die internationalen Berufssekretariate sind dem IBFG seit
seiner Gruendung angeschlossen. Drei ihrer Vertreter nahmen im
•Tuni 1949 an der internationalen Gewerkscnaftskonferonz in Genf
teil, auf der die Gruendung der neuen Internationale beschlossen
wurde, und sie waren durch J. H. Oldenbroek im vorbereitenden
Ausschuss vertreten, der die aufgäbe hatte, eine Satzung und ein
Programm fuer eine neue internationale Gewerkschaftsorganisation
auszuarbeiten, "die alle freien und demokratischen Gewerkschaftsorganisationen umfassen und zum Ziel haben sollte, in moeclichst
enger Beratung und Zusammenarbeit mit den internationalen Berufssekretariaten zu stehen."
Die internationalen Berufssekretariate, die am 8. und 9. Tovember 194y zu einer Konferenz in Paris zusammenkamen, begruessten
ihrerseits den Vorschlag, eine neue Gewerkschaftsinternationale zu
errichten und brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, diese neue Organisation zu unterstuetzen und "in enge und freundschaftliche Beziehungen zu ihr zu treten."
Fuenfzehn Berufssekretariate waren auf der Konferenz der
internationalen freien Gewerkschaften vertreten, die am 28. November 1949 in London begann, und auf der am 7. Dezember dar Internationale Bund Freier Gewerkschaften gegruendet wurde.
Da auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden war, dauerte
es nicht lange, um sich ueber die Art der Zusammenarbeit einig
zu werden. Unmittelbar nach der Gruendung des IBFG trat der Koordinationsausschuss der internationalen Berufssekretariate am
8. Dezember in London zusammen und stellte eine fuenfkoepfige Delegation zusammen, die bei der ersten besten Gelegenheit die VerDindung zum IBFG aufnehmen
sollte. Dieser Koordinationsausschuss
L-t ein Gremium von neun rersonen, das im Ivlaarz 1949 zum Zwecke
"regelmaessi^ar Besprechungen ueber Angelegenheiten, die fuer die
Berufssokretariate von allgemeinem Interesse sind, cebildet wurde.
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�Diese Delegation traf an 17. Maerz 1950 mit dem Krisenaussohus3
des IBFG in Druessel zusammen, und spaeter wohnten zwei seiner
Mitglieder einer Konferenz des Exekutivausschusses des IBFG bei,
die am 26. und 27. Mai stattfand.
Als Ergebnis dieser Konferenzen und Besprechungen traten einige Prinzipien in Erscheinung; die allgemeine Grundlage fuer die
Zusammenarbeit wurde damit geschaffen. Der IBFG und die Internationalen Berufs Sekretariate sind sich stets dessen bewusst geworden, dass sie lediglich zwei Teile ein und derselben internationalen Gewerkschaftsbewegung sind. Hieraus ergibt sich, dass die Internationalen Berufssekretariate die allgemeine Politik des IBFG
zu akzeptieren" haben, dass aber euf der andern Seite dar IBFG die
Selbstaendigkeit der- Sekretariate und ihr Recht anerkennt, ungestoert ihre eigenen Sondemrobleme zu bearbeiten. Beide Teile
muessen naturpemaess in allen Angelegenheiten von allgemeinem Interesse zusammenarbeiten.
Zum Zwecke der gemeinsamen Vertretung mit den 3eruf3sekreteriaten wird der IBFG den Koordinationsausschuss anerkennen, war ,'edoch
nicht eussonliesst, da^s der IBFG direkte Verbindungen zu federn
oder allen Berufssekretariaten unterhaelt. Der" Koordinationsausschuss der Internationalen Berufssekretoriate soll in beratender
Eigenschaft in den exekutiven Koerpersch&amp;ften des IBFG vertreten
sein, und zwar durch einen Repraesentanten bei den Konferenzen des
Krisenausschusses und durch zwei Vertreter bei den Tagungen des
Exekutivausschusses, wenn es sich um Besprechungen von Angelegenheiten handelt, die fuer die Internationalen Berufssekretariate direkt oder indirekt von Belang sind. In den Konferenzen des Generalrates soll der Ausschuss durch fuenf Repraesentanten vertreten sein.
Der IBFG wird zu den Konferenzen des Generalretes jedes Berufssekretariat einzeln einladen. Auf den Kongressen des IBFG werden die
internationalen 3erufssekretariate mit einer Mitgliederzahl bis
zu einer Million durch einen Delegierten, die mit zwei bis drei'
Millionen Mitglieder durch zwei Delegierte und die mit ueber drei
Millionen Mitgliedern durch drei Delegierte einzeln vertreten sein.
Auf der anderen Seite wird der IBFG zu allen Kongressen und Konferenzen der Internationalen Berufssekretariate und zu den Tagungen
des Koordinationsausschusses, aber nicht zu den Konferenzen der
exekutiven Koerperschaften der Berufssekretariate, stets eingeladen.
'.Venn Fragen von besonderer Bedeutung, aber auch schwerwiegende
Meinungsverschiedenheiten ueber Fragen von gemeinsamem Interesse
zur Debatte stehen, werden Vorkehrungen zur Bildung gemeinsamer
Ausschuesse getroffen, die sich aus Mitgliedern des Koordinations-ausschusses und Vertretern des IBFG zusammensetzen. Der IBFG hat
ausserdem angekuendigt, dass er die Absicht hat, einen Funktionaer
zu ernennen, dessen besondere Aufgabe die Aufrechterhaltung engster
Beziehungen zu den internationalen Berufssekretariaten sein *oll.
Hiermit wird ein neues Kapital in den Beziehungen der Berufssekretariate zu der Gewerkschaftsinternationale eroeffnet. K*c ist
jetzt notwendig, die versaeumte Zeit wieder aufzuholen, denn e
ist zweifellos eine Menge Zeit vergeudet worden. Die Zusammenarbeit konnte vor dem Krieg niemals als sehr &lt;?ut bezeichnet werden,
weil sie niemals riohtig organisiert war. '.Ve ehrend des Krieges
blieben die internationalen GewerkschaftsOrganisationen aus varstaendlichen Gruenden ^roesstsntsils untaatig. ^ine bemerkenswerte
Ausnahme bildete der Internationale Transnortarbeiterverband der
durch den Krieg ein besonders fruchtbares Taetigkeitsfeld befunden
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�hatte, und der deshalb in der Lage war, die Nachkriegsnrobleme
sofort nach Kriegsende in angriff zu nehmen. Aber die meisten
Sekretariate und der IBFG selbst konnten nur wenig oder per nichts
tun, und was sie unternahmen, war groesstenteils nur vorlaeufiger
Katur.
Nach dem Kriege trat in der Einschaltung der Gewerkschaftsbewegung in ihre frueheren Funktionen eine neue Verzoegerung ein.
Die Bildung des Weltgewerkschaftsbundes und seine Versuche, die
internationalen Berufssekretariate voellig in seine Hand zu bekommen, erwiesen sich als hinderlich und nicht foerderlich fuer die
internationale Gewerkschaftsarbeit, weil damit ein Element der Unsicherheit geschaffen wurde. Die internationalen Berufssekretariate
hatten im allgemeinen die Hoffnung, gute und erspriessliche Verbindungen aufnehmen zu koennen. Einige von ihnen nahmen in der
Erwartung, dass der Weltgewerkschaftsbund nach und nach so gestaltet wuerde, wie es ursprueneilicir; geplant war, eine abwartende Haltung ein.
Einige Sekretariate jedoch, wie zum Beispiel der Internationale Transnortarbeiterverband, zweifelten ernstlich daran, da-s eine
so schwerfaellige Organisation, wie sie vom Weltgewerkschaftsbund
vorgeschlagen wurde und die groesstenteils von Leuten p-eleitet
werden sollte, die wenig oder ueberhaunt keine Erfahrung in der
internationalen Gewerkschaftsarbeit hatten, reibungslos funktionieren koannte. Bevor sie ihre Organisationen, die sie so muehsam
aufgebaut hatten, der: Weltgewerkschaftsbund einverleibten, glaubten sie, sich mindestens vergewissern zu muessen, dass dar Aufbau
dieser Organisation auch eine Gewaehr fuer die Erreichung der
proklamierten Ziele bot. Und von Anfang an hatte man das Gefuehl das sich auch mit der Entwicklung der laeti^keit des Weltgewerkschaftsbundes mehr und mehr bestaetigte - dass diese Organisation
nicht ganz so unpolitisch wer, wie sie es zu sein vorgab.
Und damit warBn vier kostbare "ahre verlorengegangen. Vielleicht nicht ganz verloren, weil die Zwanpsmethoden des Weltgewerkschaftsbundes die internationalen üerufssekretariate einander
naehergebracht und sie vera.nla^st hatten, eine Apparatur fuer die
gegenseitige Zusammenarbeit und Beratung aufzubauen und zwar zuerst in Form eines Verbindungsausschusses und dann in der jetzigen
des Koordinationsausscxiusses.
Es bestände-, zaalrsiche L'isaverstaendnisse ueber das Wesen und
die Zwecke dieses Koordinationsausschusses, und ich moechte als
einer, der diesem iiusschuss von i.nfang an angehoert, die Gelepenheit
ergreifen, um zu sagen, dass im Laufe der Verhandlungen, die die
internationalen Berufssekretariate in den letzten fuenf .'ahren gefuehrt haben, in keiner V.eise die Errichtung einer Organisation in
Erwaegung gezogen wuerde, die auch nur in geringstem 'lasse einen
Uebero-riff auf den Zustaendigkeitsbereich und die Vorrechte der
Gewerkschaftsinternationale bedeutet haette. ^m Anfang war der
Zweck der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Berufssekretariaten teilweise defensiver Uatur; 3paeter wurde sia jedoch i'ortgesetzt, well sie sich auch auf anderen Gebieten als nutzbringend
erwiesen hatte.
Nachdem nun der Internationale Bund Freier Gewerkschaften ins
Leben berufen ist, klaube ich, dass man mit einer raschen Entwicklung der internationalen Gewerkschaftsbewegung rechnen kann, denn
wie im Abkommen zwischen dem IBFG und den internationalen Berufs-ekrekretariaten festgelegt ist, bilden beide zusammen eine einzige
internationale Bewegung. Die 20 Millionen Mitglieder der internationalen Berufssekretariate gehoeren groesstenteils zu den 50 Killionen
- 15 -

�des IBFG. Dia meisten staatlichen Gewerksciiaf tszentren, die dem
I3FG anrehoersn, verfliegen ueber Mitgliederorganisetionen in den
BerufsSekretariaten.
Es ist wahr, dass Luecken bestehen, aber sie auszufuellen ist
der Zweck der.Zusammenarbeit, mit der nun begonnen wurde.
Dieser Zusammenarbeit sind grosse Aufgaben gestellt. Es gibt
noch viele Millionen von Arbeitern auf der Welt - und selbst diesseits des Eisernen Vorhangs - die nicht gewerkschaftlich organisiert
sind, oder die nur in unzureichendem Masse organisiert sind, und
die der Unterstuetzung und der Anregung der internationalen Gewerkschaftsbewegung beduerfen.

Es bestehen Plaene, wonach der Internationale Bund Freier Geweri
Schäften und die Internationalen Berufssekretariate gemeinsam Regionalbueros in verschiedenen Teilen der Welt errichten sollen, un die~e
Arbeit zu erleichtern. Einige der internationalen Berufsorganisationen haben bereits Verbindungen zu Laendern, mit denen andere noch
nicht in Beruehrung gekommen sind; sie koennen dienen andern somit
helfen, dort ebenfalls Fuss zu fassen. Die internationale Gewerkschaftsbewegung war in der Lage, ihren Einfluss in vielen der verschiedenen offiziellen internationalen Koerperschaften geltend zu
machen, die der Krieg und seine Folgen ins Leben gerufen hatte.
Auch in dieser Richtung bieten sich Moeglichkeiten der Zusammenarbeit und der Koordinierung.
Arbeit gibt es genues-end zu tun. Es kann mit Recht erwartet
werden, dass die freundschaftlichen Beziehungen, die .letzt hergestellt wurden, die Moeglichkeit bieten, diese Arbeit besonders erfolgreich durchzufuehren.
The American Federationist
3/51
"GOMPERS-PLATZ" IN NEW YORK VORGESCHLAGEN
Auf einem unbenannten dreieckigen Platz in New York, der durch
das Zusammentreffen der Massachusetts-Avenue und der Zehnten Strasse
gebildet wird, befinden sich eine Reihe von Bronzestatuen, die die
sitzende Figur Samuel Gompers' umgeben, der der erste Vorsitzende
der AFL war und dieses Amt 38 Jahre lang innehatte. Das Zentralbuero der AFL befindet sich eine Strasse weiter.
•Tonn Herling, der Herausgeber der "John Lerling's Labor
Letter", hat vorgeschlagen, diese Stelle "Gomners-Platz" zu nennen.
In einem Schreiben an die "Gewerkschaf tspresse-Vereinip-ung" erklaerte Herling: "Waere es nicht in Anerkennung der Verdienste
Samuel Gompers um die Arbeiter der ganzen Welt und der Beziehungen,
in denen Washington als Stadt zu der uebrigen Welt steht, angebracht, das unbenannte Dreieck, auf dem die Gompers-Statue steht,
nach dem Mann zu benennen, der diesem Platz sein besonderes Gepraege gegeben hat?"
"Indem wir so einen grossen Amerikaner ehren," fuhr Herling
fort, "koennten wir feststellen, dass die meisten Amerikaner, unsere Freunde in Uebersee und im Sueden, den Wunsch haben, sich an
dieser Ehrung zu beteiligen." Ausser gewerkschaftlichen, buergerlichen, oertlichen und Landes-Gruopen waeren der Senat, die Bezirksausschüsse des Repraesentantenhauses und die Bezirksbeauftragten selbst an einer schnellen Verwirklichung dieser Idee, der Schaffung eines "Gompers-Platz", interessiert.
Daily News Service
3/19/51
- 16 EICOO 5 »pr 51 «92 5 « 1t C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht a b offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 15

Frankfurt, 13. April 1951

I N H A L T £ V

E R Z E I C H N I S

Ein Neger berichtet ueber die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - -

l

Freie Gewerkschaften setzen sich in Afrika
durch - - - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Marshallplan-Verwaltung und hollaendischen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - -

7

FuenfJaehriger Vertrag fuer die Kraftfahrer
New Yorks abgeschlossen - - - - - - - - - 1 0
AFL unterstuetzt italienische Gewerkschaften im Kampf gegen die Kommunisten - - - 11
Gewerkschaften der Philippinen fordern
Mindestlohntarife

- - - - - - - - - - - - 1 3

Warum kommunistische Streiks in Amerika? - - 14
Kommunistischer Arbeiter auf Ersuchen der
Gewerkschaft entlassen - - - - - - - - -

iß

EIN NEGER BERICHTET UEBER DIE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Morris Hood, der in Detroit (Michigan) wohnt, ist 42 Jahre
alt. Seit seinem 27. Lebensjahr ist Hood Mitglied der Gewerkschaft
der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, deren diesjaehrige
Tagung gerade in der im mittleren Westen gelegenen Stadt Cleveland durchgefuehrt wurde. Morris Hood begann als Arbeiter in
einer der vielen Autofabriken in Detroit. Heute ist Morris Hood,
ein Neger, ein Funktionaer dieser Gewerkschaft, die einen tiefen
Einfluss auf sein Leben, seine Familie, seine finanzielle Situation und sein Glueck ausuebt. Dieser Gewerkschaftsfunktionaer
Hood nahm zu einigen der Problemen Stellung, mit denen die Autoraobilarbeitergewerk3Chaft sich zu befassen hat.
- 1 -

�"Einige Jahre zuvor hatte unsere Gewerkschaft sich mit den
Fragen der kommunistischen Infiltration auseinanderzusetzen. Dieienigen von uns, die der Meinung waren, dass das Heil der Automobilarbeiter in der Demokratie und nicht im Kommunismus liegt,
bewiesen selbst unseren Mitgliedern, dass die kommunistische Bewegung den Arbeitern der ganzen Welt keinen Fortschritt bringen
kann. Ohne an die Verwirklichung irgendwelcher Ziele zu denken,
helfen die Kommunisten selbst dabei , unseren Standpunkt unter
Beweis zu stellen, indem sie den Arbeitern wunderschoene Versprechungen gaben, die jedoch nicht im geringsten mit ihren Handlungen im Einklang stehen."
Morris Eood, der der Tagung der &gt;vutomobilarbeitergewerk3chaf t
in Cleveland beiwohnte, nahm sich trotz seiner vielen Pflichten
die Zeit, in einer Sendung der Stimme Amerikas zu erklaeren, wie
die Funktionaere der Automobilarbeitergewerkschaft es moeglich
gemacht haben, die Kommunisten von der Leitung der Gewerkschaft
auszuschliessen, wobei hier der Wille der Majoritaet zum Ausdruck
kam. Diese Sendungen der Stimme Amerikas waren fuer den Fernen
Osten, den Mittleren Osten und Europa bestimmt. In den Sendungen
selbst sagte Hood:
"Durch diese Massnahmen, die in demokratischen und einwandfreien 7/ahlen bestanden, entfernten wir die Kommunisten aus den
Geschaeftsstellen der Gewerkschaften, weil bei diesen Wahlen die
Kommunisten staendig ueberstimmt wurden. Jene Kommunisten, denen
es gelungen war, frueher einmal in die Geschaeftsstelle zu gelangen, mussten zusehen, wie sich ihre Anhaencer von ihnen abwandten
und sie ueber keinerlei Einfluss mehr verfuegten. Ich moechte
hinzufuegen, dass die Mitglieder beider Rassen, die den Kommunisten und ihren Versprechungen anfangs nicht unsympathisch gegenueberstanden, sich sehr bald mit ihnen entzweiten. Die Neger
haben genau wie andere Leute die Faehigkeit, die Forderung einer
Grunpe und deren Aufrichtigkeit zu beurteilen. Die Wirkunsr war,
dass die meisten unserer Leute anfingen, durch die leeren Worte
falscher kommunistischer Behauptungen hindurchzusehen. Heute
sind diese Neger, die als Mitglieder in den Reihen der iiUtomobilarbeitergewerkschaft stehen, ebenso starke Anti-Kommuni3ten wie
die Fuehrerschaft dieser Gewerkschaft selbst und 3ie erkennen die
Ueberlegenheit demokratischer Grundsaetze restlos an."
Hood ging dann dazu ueber, die rassischen Beziehungen in der
Automobilarbeitergewerkschaft zu schildern:
"Allgemein gesprochen bieten in unserer Organisation die
rassischen Beziehungen keinerlei Probleme. Neger und Nicht-Neger
sind Mitglieder der Gewerkschaft, sie arbeiten voller Sympathie
und Harmonie Seite an Seite zusammen. Wir haben in den Anschauungen unserer Mitglieder die Idee menschlicher Kameradschaft und
der gewerkschaftlichen Solidaritaet mit vollem Erfolg erreichen
koennen. Darueber hinaus glaube ich, dass die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft wirkliche Fortschritte erreicht hat, die
der Negerbevoelkerun^ ebenso wie allen anderen Leuten zugute gekommen ist."
Morris Hood ist verheiratet und hat zwei Soehne. Der eine
ist 17 Jahre und der andere 15 Jahre alt. Die beiden Junten besuchen in Detroit die Hochschule. Ihr Vater ist sehr stolzauf sie
und hegt grosse Hoffnungen auf ihre Zukunft:
"Meine Frau und ich haben nicht die Absicht, sie wieder Automobilarbeiter werden zu lassen. Wissen sie, wir wuerden es lieber
- 2 -

�haben, sie auf die Hochschule zu schicken. Die Jungen werden
dann einen Beruf ergreifen koennen, der es ihnen ermoeglicht,
dem Volk unseres grossen Landes besonders nustzlich zu werden."
"Es pibt so vieles, fuer das wir dankbar sein muessen und
wir hoffen, dass die Jungen'Amerika all das zurueckerstatten
werden, was es fuer uns getan hat."
Jetzt erzaehlt der Gewerkschaftsfunktionaer Hood einiges
ueber die Hintergruende seiner Bemerkungen:
"Ich komme aus dem Suedstaat Georgia. Al3 ich acht Jahre
alt war, fing ich in den Sommerschulferien an, in einem Baumwollbetrieb zu arbeiten. Nachdem ich die hoehere Schule absolviert
hatte, ging ich zum Morhouse-College in Atlantik (Georgia), wo
ich einen vormsdizinischen Kursus belegte."
"Meine Absicht war es, Doktor zu werden. Ich mussts aber
die Hochschule nach zwei Jahren verlassen, weil mir das Geld
fehlte. Es war eine unglueckliche Angelegenheit. Aber was konnte
ich damals tun?"
Morris Hood konnte damals in dieser Sache garnichts tun.
Nur, dass er solche Stellen nahm, die fuer ihn offen waren. So
zog er eine Reihe von Jahren durch den susdlichen Teil der Vereinigten Staaten. Schliesslich erhielt er eine Stellung in einer
Eisenschmelzerei in Cincinnati (Ohio), einer Stadt des Mittleren
Westens. Hier wurde er in der Giesserei beschaeftigt. Aber bald
setzte die Depression der fruehen
dreissiger Jahre an und Morris
Hood war ebenso ploetzlich wie 1000 andere Arbeiter arbeitslos.
Voellig entmutigt ging er 1931 nordwaerts und kam nach Detroit,
wo er Verwandte hatte.
"Ich uebernahm jede Arbeitsmoeglichkeit, die ich kriegen
konnte. Ich wusch Automobile, sDielte Parkwaechter oder irgendeinen Gehilfen fuer irgend etwas und wurde actfiiesslich Bote in
einem Hotel. In meinem Kopf schwand vollkommen jede Erinnerung
an die Tage auf der Hochschule und damit jede Hoffnung auf eine
medizinische Karriere. Ich war nichts anderes als ein einfacher
Arbeiter. Ich hatte eine Frau und auch ein Baby, aber wir hatten
unseren Lebensunterhalt. Aber erst im Jahre 1936 konnte ich eine
Stellung in der KUtomobilindustrie erhalten. Ich wurde Lagerarbeiter, das bedeutete, dass ich Zubehoerteile auf ein Foerderband zu legen hatte, sodass sie weiter verwandt werden konnten,
sresaeubert und schliesslich zu einem ganzen Wagen zusammengesetzt
wurden. Im .Jahre 1936 organisierten die Automobilarbeiter eine
Gewerkschaft, die sich Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft
Amerikas nannte. Ich wurde aktives Mitglied und half bei der
Gruendung einer Ortsgewerkschaft sowie einer Sektion der Gewerkschaft in meiner Fabrik."
Ueber jene Tage berichtet Hood weiter:
"Ich bin eines der ersten Mitglieder der Automobilarbeitergewerkschaft. Einige Jahre spaeter wurde ich in meiner Ortsge-.erkschaft als Funktionaer gewaehit. Dann kam der zweite Weltkrieg
und meine Fabrik wurde ebenso wie zahlreiche andere ^utofabriken
von der Autoproduktion auf die Flugzeugproduktion umbestellt.
Die Leute nannten bald unsere Flugzeugfabrik "Arsenal der Demokratie." In jenen aufgeregten Tagen arbeiteten wir Tag und Macht."
- 3

�Al3 der Krieg im Jahre 1945 vorueber ging, wurden die Fabriken wieder in Automobilproduktionsstaetten verwandelt. Ein Jahr
spaeter wurde Morris Hood befoerdert. Er war nicht mehr Funktionier seiner Ortsgewerkschaft, sondern bereits fuer die Gesamtgewerkschaft als Beauftragter taetig. In seiner Eigenschaft als
zustaendiger Vertreter verhandelte der Gewerkschafter Hood ueber
Tarifvertraege zwischen der Gewerkschaft und den verschiedenen
Autounternehmen. Diese Arbeit uebernahm er bis 1949, als er
Leiter der Versandabteilung der Gewerkschaft v»urde, diesen Posten
hat er auch heute noch inne. Zu den Erfolgen seiner Gewerkschaft
sagte Morris Hood:
*

"Unsere Gewerkschaft hat vieles fuer unsere Mitglieder erreicht. Wir haben heute Altersrenten. V/enn jetzt ein Mann oder
eine Frau das pensionsfaehige Alter von 6ö Jahren erreicht, so
koennen sie sich einer Pension erfreuen, die von dem Unternehmen
g'ewaehrt wird, fuer das die einzelnen Arbeitskraefte taetig
waren. Dann setzten wir den Wohlfahrtsfond durch, die dem Arbeiter und ihren Familien in Krankheits- oder Todesfaellen die notwendige Unterstuetzung gewaehrt. Durch unsere politische! Aktionsgruppen in den verschiedenen Staaten war es uns moeglich, hohe
Arbsitslosenunterstustzung zu erreichen. Daneben konnten wir jedoch andere wertvolle Errungenschaften fuer die Arbeiter durchsetzen - bessere Arbeitsbedingungen, kuerzere Arbeitszeiten,
hoehere Nettoloehne und eine sicherere Stellung. Als Teil dieser
Arbeitsplatzsicherung fuehrten wir das System der Senioritaet
ein, d.h., dass ein Mann, der in einem Unternehmen viele Jahre
taetig war, nicht durch irgendeinen Neueingestellten ersetzt werden kann, ebenso koennen sich neu eintretende Kraefte nicht ueber
die Vorrechte aelterer Arbeiter und Angestellten hinwegsetzen.
Morris Hood sagte ebenso herzlich wie aufrichtig, dass die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft einen tiefen und guten Einfluss auf sein gesamtes Leben ausuebt. Abschliessend sagte er:
"Die Gewerkschaft hat auch auf die anderen Mitglieder einen
sehr guten Einfluss, in allen unseren Arbeitsstaetten kommen die
Leute vorwaerts und machen Fortschritte, ohne jeden Unterschied
in Rasse und Herkunft. Es gibt keine Diskriminierung zwischen
Negern und anderen Arbeitern. Alle Tarifvertraege unserer Gewerkschaft mit den verschiedenen Autounternehmern muessen durch den
gewerkschaftlichen Bezirksleiter der Gewerkschaft genehmigt werden.
Und dieser Leiter wuerde es niemals zulassen, dass irgendeine
Ortsgewerkschaft einen Tarifvertrag unterzeichnet, der irgendwelche diskriminierenden Klauseln enthalten wuerde, der das Vorwaertskommen irgendeiner Beschaeftigtengruppe behindert.
Dieser Bericht, den ein Funktionaer der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft gegeben hat, zeigt einen Querschnitt durch
den Einfluss und die Bedeutung der Gewerkschaft und Morris Kood,
der heute hier seine Meinung ausgesprochen hat, ist ein Mitglied
der Gewerkschaft und Neger, dem es gelungen ist, von einem einfachen Arbeiter zu einem Kauptfunktionaer der Automobilarbeitergewerkschaft empor zu steigen.
Labor Special
Program Service Section
4.3.51
FREIE GEWBRKSCHA'" T5N SETZEN SICH IN AFRIKA DURCH
Im suedlichen Teil Westafrikas hat sich eins Gruppe Arbeiter
daran gemacht, ueberall soziale, wirtschaftliche und oolitische
- 4-

�Kraefte zu mobilisieren

und zugleich Gewerkschaften zu errichten.

Kit der Selbstlosigkeit, wie sie nur Kreuzfahrern eigen
ist, und der Weitsicht eines Columbus, sind 28 Meenner und eine
einzige Frau in einer mit Stroh bedeckten Huette unter der sengenden Sonne Afrikas zusammengekommen und haben Plaene entworfen,
um durch freie demokratische Gewerkscnaften der Wirtschaft und
der Idee der sozialen Gerechtigkeit in ihrem Lande eine neue
Bedeutung zu geben.
Das Gebiet, dem ihre Arbeit gilt, umfasst 1.919.246 'iuadratmeilen und liegt zwischen dem Atlantischen Ozean und der Sahara. Es
ist ein Land unberuehrter industrieller und militeerlscher Reichtuemer. In ihm leben unter der Herrschaft weisser Europaeer fast
45 Millionen Menschen, deren wachsender Nationalgeist mit dem
kolonialen Denken ihrer Beherrscher in Konflikt geraet.
Diese 28 Maenner und die eine Frau waren Delegierte zur regionalen Gewerkschaftskonferenz fuer Mittel- und Westafrika, die
unter dem Protektorat des Internationalen Bundes fuer Gewerkschaften stand und im vorigen Monat in der Hafenstadt Duala in
Franzoesisch-Kamerun abgehalten wurde.
Die Delegierten kamen aus 10 Kolonien Gross-Britanniens und
Frankreichs: dem Senegal, der Sierra Leone, aus Dahomey, Nigeria,
der Goldkueste, der Elefanten-Elfenbeinkueste, aus FranzoesischAequatoriel-Afrika und Franzoesisch- und Britisch-Kamerun.
Mit aller Kuehnheit eroberten sie sich einen dauernden Platz
an der Seite anderer Gewerkschaftspioniere, die koerrerliche
Anstrengungen auf sich nahmen, die zur Gruendung der Gewerkschaftsbewegung in jedem Land der Welt fuehren.
Sie sprachen ein buntes Durcheinander von Sprachen und Dialekten. Einige waren Europaeer und einige Afrikaner waren in Europa
erzogen worden. Sie renraesentierten eine Vielzahl von Kulturen
und Tradition mit ihrer Kleidung. Diese variiert von den Roecken,
wie sie Adio Moses, der Sekretaer des Gewerkschaftskongresses von
Nigeria, trug, bis zu den europaeischen Shorts Markus Grants,
des Sekretaers des Gewerkschaftsbundes der Sierra Leone und Vertreter von West- und Mittelafrika des Exekutivausschusses des
IBFG.
Drei Delegierte, die von armen Gewerkschaften geschickt waren,
musstsn ueber 60 teilen schwierigen Geltendes zu Fuss zuruecklegen,
um an der Konferenz teilzunehmen. Andere kamen mit Zuegen, die
zum Transport von Bananen bestimmt sind, andere wiederum wurden
in Autobussen befoerdert, die aus dem Mittelalter zu stammen schienen.
Fuer einige musste der IBFG ein Flugzeug mieten, weil sie
keine andere Moeglichkeit hatten, nach Duala zu kommen. Unter
der Fuehrung und Anleitung einer Gruppe von acht Delegierten des
IBFG arbeiteten sie 'Irei Tage lang und legten damit den Kern zu
einer ellafrikani3Chen Regionalorganisation des IBFG. Zu den
Delegierten des IBFG gehoerten Harold D. Snell von der CIO-Gewerkschaft der Arbeitnehmer im Befoerderungsdienst, der zugleich Repraesentant der AFI, der Werkarbeitergewerkschaft und der Eisenbahnergewerkschaft war.
Im Verlauf der Diskussionen zeigten sich die Probleme' auf,
die der gewerkschaftlichen Organisierung in einem Lande im Wege
- 5 -

�stehen, dbs fast unbegrenzte Reichtuemer an Rohstoffen von ungeheurer Bedeutung und starke militaerische und flugtechnische
Basen besitzt, die ebenfalls von grosser strategischer Bedeutung
sind.
Der groesste Teil der Arbeitgeber in jenen zehn Staaten und
viele Regierungsbeamte halten nicht viel von den Gewerkschaften,
was Jedoch nicht ausschliesslich fuer Afrika zutrifft, obwohl
diese Einstellung dort staerker betont ist.
Sie sniegelt den unglueckseligen allgemeinen V/unsch der Unternehmer wider, ueber einen uebervollen Arbeitsmarkt zu verfuegen, auf dem es sich seine Arbeiter aussuchen und sie so bezahlen 'kann, wie er es wuenscht. Darueber hinaus gibt es jedoch
ganz bestimmte Tendenzen anderer Artf die sich aus dem klassischen
Kolonialismus ergeben haben.
Das Niveau des Alphabeten ist im allgemeinen sehr niedrig.
Ebenso verhaelt es sich mit seiner Produktionsleistung. Nur ein
geringer Prozentsatz der Eingeborenen verfuegt ueber irgendwelche
mechanischen Fachkenntnisse. Das Recht der Frau, ausserhalb der
Familie zu arbeiten, i3t beschraenkt. Die Loehne sind so niedrig,
dass visle Arbeiter keine Gewerkschaftsbeitraege zahlen koennen
und in einigen Gebieten haben die Gewohnheiten und Sitten der
Eingeborenen, wie z.B. die Polygamie,wirtschaftliche Schwierigkeiten heraufbeschworen.
Diese Frage der Polygamie hat auf dieser Konferenz mehr Aufregung hervorgerufen als irgendetwas anderes, jedenfalls mehr
als die Zwischenrufe der Kommunisten und ihrer Helfershelfer die e3 sogar in Afrika gibt - die den Sitzungen beiwohnten, da
diese der Oeffentlichkeit zugaenglich waren.
Die einzige weibliche Delegierte, Frau Marie Issoula, eine
23.iaehrige Mutter von zwei Kindern und die Delegierte einer Lehrergewerkschaft in Duala, brachte eine Resolution ein, in der sie
forderte, dass die afrikanische Frau von der ^olygamie befreit
wird.
Frau Issoula war in Duala und in Frankreich aufgezogen worden, sie ist die einzige .brau eines afrikanischen Beamten.
Was fuer die Konferenz mit am bedeutsamsten war, blieb die
Tatsache, dass sich die Delegierten, obwohl sie Funktionaers der
Gewerkschaftsbewegung sind, die eine Befreiung von der europaeischen Herrschaft erstreben, sich streng an die Vereinbarung "hielten, sich nur mit den wirtschaftlichen Problemen der Arbeiter zu
befassen. Sie forderten voellige Freiheit bei der Abfassung der
Entschliessungen, sie benutzen die Konferenz jedoch nicht dazu,
ihren besonderen nationalen Forderungen Ausdruck zu verleihen.
Sie wuenschten sine gesunde Basis zu errichten, von der aus
die Rechte der Arbeiter in der industriellen Revolution gewahrt
werden koennen,die sich, wie sie hoffen, in allernaechster Zukunft
auf ihrem heute noch primitiven Kontinent abspielen wird.

Die Arbeiter, die an der Konferenz teilnahmen, waren zum
sroessten Teil Beamte, Bergleute, Eisenbahnar, Eafen- und Industriearbeiter.
Moses, der Gewerkschaftsfuehrer aus Nigeria, spielte hier
eine ungewoehnliche Rolle. Die Kommunisten haben einen grossen
- 6-

�Teil ihrer organisatorischen und propagandistischen Anstrengungen
auf diese ihrer Lage nach strt-tegisch wichtigen englischen Kolonie konzentriert, der Gewerkschaftsbund von Nigeria ist dem
kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund angeschlossen.
Aber Moses, ihr Sekretaer, nimmt eine fuehrende Stelle in
dem Kampf zur Beseitigung der Kommunisten und zur Angliederung
der Gewerkschaftsbewegung Nigerias an den IBFG ein. Er erklaerte
der Konferenz, dass der Antikommunismus in seiner Organisation
stark sei und sagte voraus, es sei damit zu rechnen, dass diese
Kraefte im -Juni fuer den Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund
stimmen werden.
Zwei starke Gewerkschaften, naemlich die der Lehrer und
der Eisenbahner, gehoerten der Zentralorganisation an, als sie
noch den Namen "Gewerk3Chaftskongress von Nigeria" fuehrte, sie
loesten sich jedoch von der neuen Gruppe los, da sie sich weigerten, dem Weltgewerkschaftsbund beizutreten.
Die Delegation des IBFG war mit den Fortschritten, die auf
dieser Konferenz erzielt wurden, zufrieden. Frederic W. Dalley,
ihr Vorsitzender und Mitglied der britischen Gewerkschaft der
Sisenbahnangesteilten, erklaerte:
"Auf dieser Konferenz wurden Fehler gemacht, aber im Hinblick
auf die Schwierigkeiten der verschiedenen Sprachen, Rassen und Bekenntnisse war es ein Anfang und meiner Meinung nach ein guter
Anfang' - und das ist das, was in Afrika gebraucht wird." Andre
Lafond, der Sekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT-Force
Ouvriere erklaerte: "Wir haben hier in Afrika zur Beseitigung
wirtschaftlicher Schwankungen, fuer eine groessere wirtschaftliche
Zusammenarbeit und einen besseren Lebensstandard gearbeitet. Ich
bin ueberzeugt, dass die Errichtung einer starken internationalen
Bewegung freier Gewerkschaften die Verteidigung unserer Freiheit
ohne Krieg garantieren kann."
"Die Freiheit ist in der ganzen Welt bedroht und muss in
Afrika ebenso hartnaeckig verteidigt werden, wie sie in anderen
Teilen der Welt angegriffen wird."
The CIO News

IV/2/51

AUSGEZEICHNETE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN MARSHAILPLAN-VERWALTUNG UND
H OLLAENDISCHEN GE'YERKSCHAFTEN
Die einflussreiche antikommunistische hollaendische Gewerkschaftsbewegung setzt sich in ihrem Land fuer ein ausgedehntes Verteidigungsnrogramm ein, wobei ein hervorragend funktionierendes
Verbindungssystem besteht, das bereits Fruechte getragen hat, die
sowohl der hollaendischen Arbeiterschaft als auch den Maennern
zugute gekommen ist, die die amerikanische wirtschaftliche Hilfe
fuer die Niederlande lenken.
Waehrend der letzten 19 Monate haben sich die Gewerkschaftsfuehrer und die Beauftragten der Sondermission der Verwaltung fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Niederlanden jeden Monat
regelmaessig getroffen, damit auf der einen Seite das Arbeitsberatungskomltee der ECA-Mission seine Vorschlaege unterbreiten und
diese auf die besonderen Probleme abstimmen kann, die sich durch
die gegenwaertige Situation der einheimischen und internationalen
wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen ergeben.
- 7-

�\

Die Apparatur fuer diese Besprechungen wurde im August 1949
auf Vorschlag von Bert Jewell festgelegt, dem Arbeitsberater
fuer ECA-Fraren in Washington. Dadurch ergab sich eine gute Zusammenarbeit mit Holland, vor allem durch die Initiative von
Lee R. Smith, dem Arbeitsbeauftragten der Mission, sowie durch
die begeisterte Zusammenarbeit der Gewerkschaftsfuehrer, die
mehr als 900.000 hollaendische Arbeiter in allen industriellen
und Dienstleistungsbetrieben vertreten.
Das Interesse der Gewerkschaften an dieser Zusammenarbeit
mit dem Beratungskomitee wird am besten beleuchtet durch die Anwesenheit jeder einzelnen Gewerkschaft auf den 20 Sitzungen, sodass immer wenigstens zwei der Spitzenfunktionaere der N W (Konfessionell nicht gebunden und ueberwiegend sozialistisch), der
KAB (katholisch) und des CNV (protestantisch) zugegen waren, auf
der Seite der ECA fanden sich als Teilnehmer der Chef der Mission,
Clarencs E. Hunter, und fast alle Missionsbeauftragte, deren Aufgabengebiet das Finanzwesen, Handel und Gewerbe, Industrie, Troduktivitaet, Planung und Information ist. Auch die Vertreter der
amerikanischen Gesandtschaft nahmen regelmaessig an den Sitzungen
teil, wobei Smith den Vorsitz fuehrte.
Mit der zunehmenden Bedeutung des Marshall-Planes fuer die
wirtschaftliche Erholung und spaster fuer die Verteidigung nahm
das Beratungskomitee auf der letzten Sitzung zu den grundsaetzliohen Fragen Stellung, wobei die hollaendischen wie auch die amerikanischen Mitglieder sich zu den folgenden Beschluessen bekannten:
1. Auf hollaendischer Seite hat der Austausch der Vorschlaege
der Gewericschaftsfuehrung die Moeglichkeit gegeben, ihre eigenen
Probleme im Licht der Weltprobleme ganz allgemein zu betrachten.
Dadurch wurde ein klares Bild ueber die Gedankenwelt gewonnen, von
der die wirtschaftliche Aussenoolltik der Amerikaner ausgeht. Dies
wiederum hat wertvolle Informationen ermoeglicht, die fuer die
Planungen der sozialen und wirtschaftlichen Programme von groesstem
Nutzen fuer die hollaendische Arbeiterschaft sind.

2. Auf amerikanischer Seite liegen die hauptsaechlichen Vorteile darin, dass ein breiteres Verstaendnis und eine Einsichtnahme
in die besonderen Probleme der hollaendischen Arbeiterschaft gewonnen wurde, in einer Versicherung der weitreichenden Unterstuetzung
durch die hollaendischen Arbeiter fuer die grundsaetzlichen Ziele
de3 Marshall-Planes und ein staendigsr Fluss von Informationen uebej
die Entwicklung und die Auswirkung der EOA-Arbeit auf die hollaendische Gewerkschaftsbewegung.

Eine wichtige Foerderung der Aufgaben beider Partner ist durch
die Entwicklung einer engeren Zusammenarbeit im Rahmen des Komitees
unter den Fuehrern der drei freien Gewerkschaften geschaffen worden,
deren Interessen und Politik in der Vergangenheit recht unterschiedlich waren. Sowohl die hollaendischen als auch die amerikanischen
Teilnehmer der regelmaessigen Konferenzen stimmen darin ueberein,
dass diese Entwicklung von wachsender Bedeutung fuer die Loesung
der grundlegenden Frobleme geworden sind, die sich heute fuer alle
Gewerkschaften ergeben, zumal die hollaendische Regierung ein neue«
Vier-Jahres-Verteidigungsprogramm ausgearbeitet hat, fuer das sechs
Milliarden Gulden, das sind fast sieben Milliarden D-Mark vorgesehen sind.
°
Die Konferenzen des Beratungskonitees haben eins allgemein
ueblich gewordene Arbeitsweise seit ihrer Einfuehrung befolgt.
Auf
Grund der dringenden Arbeiten an den Werktagen sind diese Monats8 -

�konferenzen immer auf die fruehen Abendstunden gelegt worden. Sie
beginnen mit einem Abendessen und gehen ueber in eine zweistuendige Diskussion, wobei das Gespraechsthema von den Gewerkschaftsfuehrern auf der vorausgehenden Konferenz festgelegt worden ist.
Die drei freien Gewerkschaften und die ^CÄ-Verwaltung wechseln sich in der Rolle der Gastgeber ab. Das Abendessen selbst
hat sich als eine wertvolle Gelegenheit erwiesen, informierende
Aussprachen zwischen Hollaendern und Amerikanern ueber "unkte zu
f uehren, die von allgemeinen! Interesse sind und die nicht in die
vorgesehenen Aussprachen ueber das Ilauptthema passen wuerden.
Line Uebersicüt ueber die von dem Beratungskomitee diskutierten Punkte «eit der ersten Konferenz gibt oraktisch ein ?ut
abgerundetes Bild aller wichtigen hollaendisch-europaeischen Pachkriefrsprobleme und das Funktionieren der amerikanischen Hilfe.
Als Beis".il kann das hollaendische 7/ohnbauproblem genannt werden
oder das Sachsen des deutschen "Wettbewerbs in Westeuropa, die
Feststellungen hollaendischer Gewerkschaftsr, die unter dem Protektorat der SCA die Vereinigten Staaten bereisen, den SchumanPlan oder das Budget der hollaendischen Regierung, die liberalisierung des Aussenhandels in Europa, die industrielle Schulungsarbeit oder das Punkt-Vier-Programm Praesident Trumans und in
letzter Zeit vor allem die Knappheit bestimmter Rohmaterialien.
Die Diskussionen hatten gewohnlich zum Mittelpunkt die Rolle
der Gewerkschaften als Gespra3Ch3thema, wobei das Verstasndnis
der Mitgliedschaft fuer diese Fragen gewahrt wurde und eine Politik vorgeschlagen wurde, mit der die Mitgliedschaft allgemein
einverstanden war.
Die Erfolge waren so ins einzelne gehend, dass die Cewerkschaftsfuehrer selbst die Empfehlung gaben, dass diese Konferenzen
auf der ^egenwaertigen Basis weiter fortgefuehrt werden sollten,
wobei besonders Sitzungen des Komitees vorgesehen sein sollten,
um ueber irgendein wichtiges Problem sich auszusprechen, das auf
Grund des Verteidir.ungsProgramms sich ploetzlich ergeben kann.
'.Venn man die Reaktionen einiger einflussreicher Gewerkschaftsfunktionaere zu der Arbeitsweise des Beratungskomitees feststellen will, so ergibt sich folgendes Bild:
Evart Kupers, der der fruehere Vorsitzende der JTW und ein
international bekannter Gewerkschafter ist: "Ich betrachte diese
Konferenzen als hoecast wertvoll ... waehrend der Diskussion ueber
diese "robleme ist es wiederholt augenscheinlich geworden, wie
hoechst wichtig die Marshallnlan-Hilfe ist."
M. Ruppert, der Vorsitzende der CNV: "Diese Konferenzen sind
ein ausgezeichnetes Mittel fuer den gegenseitigen Kontakt. Die
Arbeits^bteilung der ECA kann dadurch die Meinuns-en und Gedanken
der verschiedenen Gewerkschaften erkennen, die Gewerkschaften
koennen ihrerseits sehr viel von den Meinungen und Gedanken der
Maenner der Arbeit3ebteilunpren lernen."
Ad Vermeulen, 'jekretaer der JJW: "Der Kontakt de&lt;* Arbeitsbsratungskomitees mit den hollaendischen Gewerkschaften hat durch
unsere monatlichen Konferenzen unsere Ansichten ueber diese Fragen erweitert. Die Bedeutung und die Technik des Varshall-^lanes
ist ebenso eine intärnationale soziale und wirtschaftliche Frage
wie eine allgemeine. Insbesondere die Informationen, die wir von
- 9 -

�der 2CA erhalten haben, zeigten sich oft bei der Aufstellung der
sozialen und wirtschaftlichen Programme als aeusser3t nuetzlich."
P.C.W.M. Bogaers, der Beauftragte fuer Wirtschaf tsf ragen_ der
KA3: "Diese Diskussionen haben mir einen aktuellen Einblickin
die'dringendsten Fragen gegeben und diese wiederum hat mich in
die Lage versetzt, eine wesentlich breitere Plattform zu gewinnen,
vor allem hinsichtlich unserer eigenen gewerkschaftlichen Probleme.
Labor Information IV/z/51
FUENFJAEHRIG2R VERTRAG FUER DIE KRAFTFAHRER NSV: YORKS ABGESCHLOSSEN
Ein fuenf jaehriger Arbeitgeber-Arbeitnehmervertrag wurde im
Buero des amerikanischen Arbeitsministers Maurice «T. Tobin in
Washington von den New Yorker Kraftfahrern und ihren Arbeitgebern
untsrzeichnet.
Der Vertrat, der ab sofort in Kraft tritt und zwischen den
Ortsgewerkschaften 307 und 707 der Fahrergewerkschaft, in der
11.000 Lastwagenfahrer aus New York vertreten sind, und der betreffenden Arbeitgeberorganisation (1500 Unternehmer) von New
York abgeschlossen wurde, sieht eine schiedsrichterliche Schlichtung aller Streitigkeiten vor, die sich um Loehne, Arbeitszeit
und Arbeitsbedingungen drehen. Ausserdem haben sich die Arbeitgeber einverstanden erkleert, eine Klage auf 10 Millionen Dollar
Schadenersatz zurueckzuziehen, die sie beim Bundesgericht gegen
die Lokalgewerkschaften und ihre Funktionaere auf Grund der Streiks
im Jahre 1946 gefuehrt hatten.
Was in der Geschichte der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einmalig ist, i3t die Tatsache, dass in
dem Vertrag zwei hohen Regierungsbeamten der Vereinigten Staaten,
naemlich Arbeitsminister Tobin und dem' stellvertretenden Verteidigungsminister Anna V.. Rosenberg, die Befugnis uebertragen wurde,
Schiedsrichter zu ernennen, die ueber umstrittene Probleme end^ueltig entscheiden duerfen, wenn die beiden Partner keine direkte
Einigung erzielen.
Nach diesem Vertrag vereinbaren beide Partner, einen Arbeitgebsr-Arbeitnehmerausschuss unter dem Namen "New York City
Trucking Authority" (Lastwagenverkehr-Schiedsstelle fuer die Stadt
New York) zu bilden, der die Aufgabe hat, Streitigkeiten durch
Schiedsspruch beizulegen, Vertraege abzufassen und ein Programm
fuer die Beziehungen zur Oeffentlichkeit und wirtschaftliche Analysen fuer die Industrie aufzustellen.
An der Spitze dieses Ausschusses, der sich aus sechs Vertretarn der Industrie und sechs Vertretern der Gewerkschaften zusammensetzt, -wird ein unparteiischer Vorsitzender stehen, der von Arbeitsminister i'obin ernannt wird. Der Fuenf Jahresvertrag bezeichnet seine Entscheidungen ueber alle Beschwerden und Streitigkeiten
als "endguelti? und bindend fuer alle Partner".
Der unparteiische Vorsitzende ist jedoch nicht befugt, ueber
ungeloeste Streitfragen in Bezug auf Loehne, Arbeitszeit oder
Bestimmungen zu sozialen Wohlfahrts- und Versicherungs^iaenen der
Industrie zu entscheiden. Im Bezirk New York, wo jeehrlich 40
Millionen Doller an Loehnen ausgezahlt werden, hat der stellvertretende Verteidigungsminister Rosenberg die vertraglich festgelegte Befugnis, aus einem Gremium, das von beiden ~artnern zusammengestellt wird, einen Lohnangleicher zu ernennen. Dem Gremium
- 10 -

�gehoeren en: Armee-General Dwight D. üisenhower, William J".
Kelley, Murray Gurfein, Fred G. Vorritt, Professor Paul R. Hays,
der Richter Nathan E. Zellet und Charles Preusse.
In dem "Vertrag ist vorgesehen, dass nach dem 1. LCal 1952
neue Bestimmungen ueber Loehne, Arbeitsstunden, Pensionen und
sonstige soziale Einrichtungen erlassen werden koennen. Zu dieser Zeit kann der Schiedsrichter die Sachlage ueberpruefen und
sich ueber umstrittene Probleme Gutachten einholen; er ist weiter
berechtigt, sine fuer beide Partner bindende Entscheidung zu
treffen, die fuer die Zeit vom 1. September 1952 bis zum 31. August 1954 Gueltigkeit hat.
Der Schiedsrichter fuer Lohnfragen kann sich jedoch mit den
von der Industrie finanzierten sozialen 7,'ohlfahrts- und VersicherungsbeStimmungen befassen, die z. Zt. fuer Gewerkschaftsmitglieder eine Lebensversicherungssumme von 2.000 Dollar, im Falle
toedlichen Unfalls oder schwerer dauernder Verletzungen eine Versicherungssumme von 2.000 Dollar, ferner woechentliehe Unfallund Krankenuntorstuetzungen von 35 Dollar, die Rueckerstattung
von Arztkosten und die Erstattung von Krankenhausgeldern fuer die
Arbeitnehmer und ihre Familien vorsehen.
AFL Weekly News Service IV/3/51
AFL UNTER0TU2TZT ITALIENISCHE GEWERKSCHAFTEN W KAI'^F GEGEN DIL
KCI.";UNISTSN

Die Gewerkschafter, die vor kurzem gegen die kommunistische
^artei Italiens rebelliert haben, die nichts weiter als ein ruecksichtsloses und brutales Werkzeug des imperialistischen Aussenoolitischen Amtes der Sowjetunion ist, stehen mit Vertretern der
AFL im Ausland und in Italien selbst in Verbindung.
Dies wurde unlaengst vom Houptkassierer der AFL George I.'caay
berichtet.
Meany, der vor der Katholischen Gewerkschaftsallianz in
Chikago eine Rede hielt, nahm ausfuehrlich zu den Taetigkeiten
der AFL in Europa und Asien Stellung:
"'Vir haben uns bestaendig zur-Aussenpolitik unseres Landes
bekannt und ihr immer haeufiger unsere Unterstuetzung zuteil werden
lassen. '.Vir sind fest davon ueberzeugt, dass unsere Regierung eine
wirksame demokratische Aussenpolitik in einer Form entwickeln und
verfolgen kann, die eine massgebliche Einflussnahme des Volkes
selbst ermoeglicht.
"In diesem Zusammenhang moechte ich darauf hinweisen, dass
es die Idee der AFL war, die Arbeiterschaft der V.'elt um den Narshallnlan zu scharen und sie zur Abwehr der kommunistischen Sabotageversuche in Europa zu mobilisieren.. Es waren unsere Funktionaere,
die ^ie Kraefte der freien Gewerkschaftsbewegung zur Unterstuetzung
des Nershallplans organisierten, jene Kraefte, die den entscheidenden
fchlap gegen die kommunistischen Versuche fuehrten, den euronaeischen Wiederaufbau zu verhindern.
"Auch unsere hilfe fuer den Atlantik-Pakt wer nicht theoretischer Art. Wir mussten in die wichtigsten liaefen Euronas gehen, um
mitzuhelfen, die demokratischen Arbeiter zu vereinigen, um die
- 11 -

�Kommunisten daran zu hindern, den Transport der Waffenlieferungen
Amerikas im Rahmen des Nordatlantikpaktes zu sabotieren. Wenn
die demokratischen Gewerkschaften Europas mit der vollen Unterstuetzung der AFL nicht gesiegt haetten, waere der Nordatlantikpakt heute ein Vorschlag, der nur auf dem "anier steht, und unseren Verbuendeten haetten keine amerikanischen Waffen geliefert
werden koennen.
''Erst vor wenigen Wochen brachten die Arbeiter Europas dem
franzoesischen und damit dem Weltkommunismus eine schwere Niederlage bei. Hierbei spielte die AFL eine hoechst dramatische Rolle.
In enger Zusammenarbeit mit Ferri Pisani, jenem unermuedlichen
Kaempfer fuer die freie Gewerkschaftsbewegung, beteiligte sich
der europaeische Repraesentant der AFL Irving Brown an den Aktionen zur Beseitigung der kommunistischen Kontrolle ueber den Hafen
Marseilles. Heute gehoeren 35 der 50 Mitglieder des Hafenrates
demokratischen Gewerkschaftsorganisationen an, und amerikanische
Atlantikpakt-Waffen koennen in Marseille ohne Furcht vor kommunistischer Sabotage entladen werden.
"Hier hat die europaeische freie Gewerkschaftsbewegung einen
ihrer bedeutsamsten und ent3Cheidensten Siege ueber ihren kommunistischen Gegner errungen. Er kam gerade zur rechten Zeit und
bildete einen grossen Ansporn zur Bekeempfung der Demonstrationen,
die die Kommunisten unter Aufwendung aller Mittel, aber ohne Erfolg, gegen General Eisenhower organisieren wollten.

"In Frankreich bilden die Kommunisten noch immer den dominierenden Faktor in den Gewerkschaften. Hieraus erklaert sich in
gewissem Grade die schwierige wirtschaftliche und politische Lage
Frankreichs. Es konnte jedoch in diesem Lande, vor allem auf
Grund der Bemuehungen der AFL, ein starkes demokratisches Gewerkschaftszentrum gebildet werden, das den Namen "Force Ouvriöre"
traegt"und das, obwohl es nur eine Minderheit darstellt, zusammen
mit den verschiedenen unabhaengigen und christlichen Gewerk^chaf tsorganisationen die Kommunisten daran hindern konnte, das Wirtschaf 1
gefuege Frankreichs zu zerstoeren und damit dem Chaos und der
kommunistischen Revolution in diesem strategisch wichtigen Land
die Tore zu oeffnen.
"Auch in Italien haben die Kommunisten in den Gewerkschaften
die Oberhand, was ebenfalls eine Erklaerung fuer die heutige kritische Lage Italiens gibt. Aber in Italien gibt es nun, wie"auch in
Frankreich, sine lebendige demokratische Gewerkschaft, die unter
dem Namen Confederazione Italiana Sindicati Lavoratori (CISL) bekannt ist.
Obwohl auch diese Gruope nur eine Minderheit darstellt, ist
sie stark genug, um es den Kommunisten in Italien unmoeglich zu
machen, Generalstreiks vom Zaume zu brechen, die die italienische
Wirtschaft paralysieren koennten.
"Obwohl Finnland hinter dem Eisernen Vorhang liegt, arbeitet
die AFL eng mit dem finnischen Gewerkschaftsbund zusammen.

"In Israel steht die AFL mit der demokratischen Gewerkschaftsgruppe in Verbindung, die in erster Linie den israelitischen Gewerk
schaftsbund liistadrut veranlasst hat, aus dem kommunistisch beherrs
ten Weltgewerkschaftsbund auszutreten.
tung.

"Auch in Indien verfuegt die A F L ueber eine sehr aktive Vertra
Ihr ßuero dient nicht nur als InformütionsZentrum ueber die
- 12 \

�rorgaenge in Amerika und nicht nur als Gegenspieler der gegen
onser Land und unsere Einrichtungen gerichteten luegnerischen
Propaganda der Kommunisten, sondern steht auch als Wegbereiter
da fuer die Entwicklung praktischer Kenntnisse innerhalb der iniischen Gewerkschaftsbewegung, ueber die Methoden der Tarifverlandlungen, die friedliche Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten
and die Errichtung starker Gewerkschaften.
"In Deutschland und Berlin hat sich die AFL besondere Verdienste bei der Verteidigung von Lebensmitteln und der Verbreitung
amerikanischer Ideen und Ideale erworben. Die AFL hat betraechtliche Mengen von Literatur veroeffentlicht und in grosszuegiger
iVeise die Errichtung einer maechtigen freien Gewerkschaftsbewegung
in Deutschland unterstuetzt. Es ist diese Bewegung, die heute
las Bollwerk zum Schutze der Demokratie in Deutschland darstellt
und die der staerkste Gegenspieler der russischen und kommunistischen Machenschaften in Berlin ist, das hinter dem Eisernen Vorhang liegt." Dar von den deutschen Gewerkschaften unablaessig
gefuehrte Kampf um das sogenannte Mitbestimmungsrecht hat viel
Staub aufgewirbelt. Ich moechte auf zwei Faktoren hinweisen,
die von Wirtschaft3-"Experten", die der Arbeiterschaft feindlich
gesinnt sind, absichtlich oder aus irgendwelchen anderen Gruenden
uebersehen wurden. "Die deutschen Gewerkschaften haben mit der
(Gewinnung dieses Rechtes der Arbeiter in der Stahl- und Kohlenindustrie Deutschlands die Vormachtstellung der R'ihrmagnaten und
Kartelle im wirtschaftlichen Leben Deutschlands gepchwaecht. Es
waren dieselben Herren des Ruhrgebietes, die Hitler zur Macht verholfen und seine aggressive Kriegsmaschinerie aufgebaut hatten.
"Mit der Erringung dieses Rechtes hat sich die deutsche Gewerkschaftsbewegung von dem Gedanken der Verstaatlichung distanziert, von jener verderblichen Auffassung, dass die Verstaatlichung
des wirtschaftlichen Lebens einer Nation ihren Menschen Freiheit
und Demokratie braechte.
"In Japan ist es der AFL trotz zahlreicher Schwierigkeiten
gelungen, der aufstrebenden freien japanischen Gewerkschaftsbewe- •
?ung grosse Dienste zu erweisen. Die von der AFL gelieferte Literatur und ihre Zusammenarbeit haben sich fuer die jungen und un3rfahrenen japaniseilen Gewerkschafter in ihren unermuedliehen und
tapferen Versuchen, ihre Reihen von allen kommunistischen Elementen und Agenten zu saeubern, die von Russland finanziell stark
mterstuetzt wurden, als ungeheuer wertvoll erwiesen."
AFL Weekly Mews Service
111/20/51
GEWERKSCHAFTEN DER PHILIPPINEN FORDERN MINDfCc_TLOHNTARIFE
Die freien Gewerkschaften der Philippinen sind in einen schv.ecen Kampf gegen die maechtigen Finanzherren dieses Landes verwickelt, die versuchen, die Gesetzgebung fuer Mindestloehne zu
3abotieren, mit der sich der Kongress der "hillnninen zur Zeit
•&gt;eschaeftigt.
Obwohl die versprochene Hilfe der Vereinigten Staaten fuer
liese kaemnfende junge Republik von dem iirlas3 eines zufriedenstellenden Mindestlohngesetzes abhaengig gemacht wurde, haben die wohllabenden Plantagenbesitzer und die Unternehmer der Zuckerindustrie
linter den Kulissen gegen die Verwirklichung eines solchen Gesetzes
gearbeitet. Sie wollen auf keinen Fall die Loehne der sehr schlecht
13 -

�bezahlten Arbeiter verbessern, obwohl sie grosse Gewinne erzielen
und das Preisniveau sehr hoch ist.
Bis jet:,'t ist es den Finanzmagnaten gelungen, zu verhindern,
dass ein Gesetz ueber Mindestloehne vom Komitee fuer Arbeitsfraren im Repraesentantenhaus erlassen wurde.
Im vorigen Jahr hatten die Vereinigten Staaten auf jir^uchen
des philippinischen iraesidenten eine £ondermis3ion ("Beil-Mission"
genannt) nach den Fhiliopinen geschickt, die die wirtschaftlichen
Schwierigkeiten dieses Landes untersuchen und Massnahmen zu ihrer
Beseitigung vorschlagen sollte. Nach eingehenden Studien schlug
diese Mission weitgehende Veraenderungen vor, um die finanzielle
Krise der "hilippinen ueberwinden zu koennen, und forderte, dass
die Vereinigten Staaten diese .junge Republik finanziell unterstuetzen solle.
Die Regierung der Vereinigten Staaten erklaerte sich einverstanden, Anleihen und Kredite in Hoehe von 260 Millionen Dollar
unter der Bedingung zur Verfuegung zu stellen, dass die ohilinpinische Regierung vorher einige Forderungen erfuellt. i.ine dieser
Forderungen ist die Verwirklichung eines angemessenen Mindestlohngesetzes.
Inzwischen hat der Senat einen zufriedenstellenden Gesetzentwurf gebilligt, der
1. einen Mindestlohn fuer die nichtlandwirtschaftlichen Arbeiter von 4 Pesos taeglich und 2. fuer landwirtschaftliche Arbeiter einen Tageslohn von mindestens 2 Pesos 50 Centavos vorsieht,
wobei nach Abzug der Unkostensaetze fuer Mahlzeiten und Wohnung
nicht weniger als 2 Pesos in bar ausgezahlt werden duerfen. Die
Gesetzesvorlape des Senats wuerde
nach dem gegenwaertigen amtlichen Umwechslungskurs von zwei resos fuer einen Dollar fuer nichtlandwirtschaftliche Arbeiter einen Mindestlohn von zwei Dollar und
fuer landwirtschaftliche Arbeiter einen solchen von 1.25 Dollar
bedeuten.
Die Vorlage des Senatr entspricht im allgemeinen^ den Bedingungen, die in Bericht der Beil-Mission gestellt wurden/ obwohl der
festgesetzte Mindestlohn neuen Untersuchungen zufolge fuer die
Familie eines Industriearbeiters in der Stadt nicht einmal die
Mindestkosten fuer den Haushalt decken würde. Die Lebenshaltungskosten auf den Philippinen gehoeren zu den hoechsten der Welt.
Die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses dagegen wuerde
den vom Senat gebilligten Mindestlohn fuer die Arbeiter"in Manila
und Umgebung auf 4 resos, fuer nichtlandwirtschaftliche Arbeiter
ausserhalb Manilas auf 3 Fesos und fuer landwirtschaftliche Arbeiter auf 2 Pesos festsetzen.
•

AFL 7,'eekly News Service
111/16/51
WARUM KOMMUNLVi'ISCLL STR5IKS IN AMERIKA?
Ein Fluechtling aus Ungarn, der sich zur Zeit in Paris .aufhaelt, schreibt uns, dass die Leute in seinem Land nicht verstehen,
warum es in demokratischen Laendern einschliesslich der Vereinigten
Staaten, mitunter zu politischen Streiks kommt, die von den Kommunisten angezettelt sind. V.'arum unterbindet die Regierung nicht
- 14 -

�derartige politische Streiks, fragt uns dar Schreibar, und warum
werden die*Kommunisten nicht bestraft" Ist es nicht ein Beweis
dafuer, dess die Kommunisten in Amerika und anderen demokratischen
Laendern staerker Und als man es zugeben will? Und der President einer grossen Herstellerfirma in New-England fuegt hinzu:
Ist es wahr" dass Russland auf ein Signal die amerikanische Industrie durch die Kommunisten in den Gewerkschaften lahmlegen
koennte?"
Wie verhaelt es sich in Wirklichkeit0
Der kommunistische Einfluss in den amerikanischen Gewerkschaften hat in den letzten Jahren seinen tiefsten Funkt erreicht.
Die Kommunisten sind in den Gewerkschaften zu schwach, um irgendwelche bedeutenden Unruhen stiften zu koennen. Die Kommunisten
behaupten, dass von etwa 16 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern in
Amerika rund 600.000 kommunistisch beherrschtenGewerkschaften angehosren. Diese Zahl duerfte bei. weitem zu hoch gegriffen sein,
und es i~t zweifelhaft, ob die kommunistischen Gewerkschaften mehr
als 300.000 Mitglieder haben. Selbst wenn die°e Zahl jedoch
richtig waere, so steht fest, dass die ueberwaeltigende Mehrheit
der Gewerkschaftsmitglieder, einschliesslich der Mitglieder kommunistisch kontrollierter Gewerkschaften selbst, keine Kommunisten
sind.
Harry Bridges zum Beispiel, der bestraft worden war, weil er
faelschlicherweise geschworen hatte, niemals ein Kommunist geweseri zu sein, versuchte, die Internationale Hafen- und LegerarbeiterGewerkschaft, deren Fraesident er ist, gegen die amerikanische
Folitik des Widerstandes wider die kommunistische Aggression in
Korea aufzuputschen. Die Mitglieder der Gewerkschaften durchkreuzten jedoch diese Plaene und zwangen Bridges, sie aufzugeben.
Und als er sich dem Sicherheitsprogramm der Regierung widersetzte,
das unter anderem darin bestand, kommunistischen Hefenarbeitern den
Zutritt zu den Haefen zu verweigern, sprach sich die ueberwaeltigende Mehrheit der Delegierten der Ortsgewerkschaften in einer Abstimmung fuar eine Verwirklichung dieses Frogramms aus. Sie erklaerten:
"Diese Konferenz erkennt an, dass ein angemessenes Sicherheitsprogramm notwendig ist, um die Interessen unseres Landes zu
wahren."
Waehrend das amerikanische Volk sorgsam darauf bedacht ist,
die Nation vor kommunistischer Sabotage zu schuetzen und verraeterische Handlungen zu verhindern, wollen wir doch Einscbraenkungen der gewerkschaftlichen Rechte vermeiden. Aber nicht deshalb, weil wir etwa die Staerke der Kommunisten fuerchteten, sondern um zu beweisen, dass Amerika der Demokratie huldigt. Deshalb
moegen die Kommunisten gelegentlich in der Lage sein, politische
Streiks heraufzubeschwoeren, waehrend sie behaupten, dass die^e
Streiks wirtschaftliche Ziele verfolgten, aber sie muessen die
politischen Untertoene vor den Gewerkschaftsmitgliedern sorgsam
verbergen. Die Nation verlaesst sich jedoch darauf, dass die
Vernunft der amerikanischen Arbeiterschaft die kommunistischen
Hoffnungen vereitelt. Und die Kette von Misserfolgen, die die
Kommunisten in den beiden vergangenen Jahren in den Gewerkschaften
hinnehmen mussten, ist ein Beweis dafuer, daes man sich auf die
Vernunft der Arbeiterschaft verlassen kann.
Program Services Section 111/28/51
- 15 -

�KOMMUNIST IS CKSP ARBEITER AUF ERSUCHEN D2R GEWERKSCHAFT ENTLASSEN
Die kommunistische Taetlgkeit, sei sie effektiv oder nur vermutet, wird nicht durch das Taft-Hartley-Gesetz "geschuetzt".
Dementsprechend ist es keine unfaire Arbeitsmethode, wenn ein
Unternehmen einen Mann entlaesst, der unter dem Verdacht steht,
auf Befehl oder Anregung einer Organisation eine derartige Taetigkeit auszuueben.
Diese Ueberlegun«r lag einer Entscheidung zugrunde, die George
Bott in seiner Eigenschaft als Generalanwalt des Bundessteatlichen
Ausschusses fuer Arbeitsfragen gefaellt hat. Damit weigerte er
sich, fuer einen Mann Beschwerde zu fuehren, der von einer Strumnffabrik in Wisconsin entlassen wurde. Bott bestaetigte eine Entscheidung eines Bazirksdirektors des Bundessteatlichen Ausschusses
fuer Arbeitsfragen. Nach dem Taft-Hartley-Gesetz i3t es nicht
gestattet, Berufung einzulegen, wenn sich der Generalanwalt weigert, eine Beschwerde zu fuehren. .
Gegen das Unternehmen war urspruenglioh Klage gefuehrt worden.
Der entlassene Arbeiter hatte erklaert, die Firma habe ihn entlassen, weil er au3 seiner Gewerkschaft, und zwar nicht wegen
Nichtbezahlung der Beitraege, ausgestossen worden war. Normalerweise ist Nichtbezahlung der Gewerkschaftsbeitraege nach dem
Taft-IIartley-Gesetz der einzige Grund, aus dem eine Gewerkschaft
die Entlassung eines Arbeiters verlangen kann, vorausgesetzt,
dass ein gueltiger "Union-Shop"-Vertrag zwischen der Gewerkschaft
und dem Arbeitgeber besteht. Ein derartiger Vertrag war in dem
vorliegenden Falle abgeschlossen. Und der Arbeitgeber gab zu,
dass der Arbeiter auf Ersuchen der Gewerkschaft entlassen wurde.
Der Bezirksdirektor und der Generalanwalt stellten spaeter
fest, dass etwa drei Wochen vor der Entlassung des Arbeiters sein
Name in einer Zeitung erschienen wer, weil er eine Petition zugunsten des Stockholmer Friedensappells unterzeichnet hatte, die
allgemein als kommunistisches Propagandamanoever erkannt worden
war. Auch seine Gewerkschaft war in einer Form erwaehnt, dass
man haette annehmen koennen, er spreeche fuer diese Gewerkschaft.
Doch die Arbeitskollegen dieses Mannes Hessen schnell erkennen, das3 sie«ine Handlungsweise ablehnten. Einige drohten mit
Gewaltanwendung, andere weigerten sich, mit ihm zusammenzuarbeiten. Der Betriebsausschuss der Gewerkschaft warnte jedoch vor
Gewalttaetigkeiten und Arbeitsniederlegungen, die den Gewerkschaftsvertrag gefaehrd3t haetten. Schliesslich verlangte man von dem
Arbeitgeber, den Arbeiter zu entlassen.
Der Generalanwalt stellte abschliessend fest, dass der entscheidende Grund fuer die Entlassung des Arbeiters der Verdacht
war, dass er fuer die kommunistische Partei taetig ist, was fuer
einen Arbeitgeber ein Grund zu grosser Beunruhigung sei, sei es
auch nur deshalb, weil dadurch Unruhen unter den uebrigen Arbeitern entstehen koennten. Der Anwalt stellte ausserdem"fest, das3
das Taft-Hartley-Gesetz diesem Arbeiter keinen Schutz biete.
Es handelt sich hier um die erste gerichtliche Entscheidung
in diesem Bereich des Gesetzes.
Daily News Service
111/29/51
- 16 -

�International*

ARBEITSMTTEIMINGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Iahalt der „Arbeitamitteilungea" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
IV

- 16

F r a n k f u r t , 2 0. A p r i l 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der CIO zur internationalen Wirtschaftlichen
Entwicklung - - - - - - - - - - - - - - - - - -

l

Pranzoesiche Arbeiter sind zu hoeherer Produktionsleistung bereit, wenn sie an den Gewinnen
beteiligt werden - - - - - - - - - - - - - - - - 3
Belgische Schiffswerft baut fuer die europaeische
Handelsflotte - - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Vorlaeufige Schaetzungen ueber Unfallziffern in
der amerikanischen Industrie - - - - -----6
Arbeiterbildung in der U. S. Gewerkschaft der
Schlafwagenschaffner - - - - - - - - - - - - - - 8
Gewerkschaftliches GesundheitsZentrum in New York
eroeffnet - - - - - - - - - -

- - - - - - - - -

io

Neue Richtlinien fuer Leistungsloehne - - - - - -

11

Tarifvertraege in Rumaenien - - - - - - - - - - -

13

Das Schicksal der Baltischen Gewerkschafter - - -

14

Fruchtbare Arbeit amerikanischer Gewerkschaften
in Europa - - - - - - - - - - - - - - ----16
DER CIO ZUR INTERNATIONALEN WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG
(Dies ist der ungekuerzte Text einer EntSchliessung, die vom
Exekutivausschuss des CIO auf seiner Konferenz in Washington
angenommen wurde•)
Der Exekutivausschuss des CIO haelt es in der gegenwaertigen Weltkrise fuer die groesste Gefahr, die unser Land
bedrohen koennte, wenn man die Bedeutung umfassender Programme zur Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gesundheit der freien Welt verkennen wollte. Die
dringende Notwendigkeit, die militaerische Staerke der freien

�Welt aufzubauen, braucht und darf nicht verhindern, dass die
Staerkung der demokratischen Einrichtungen als fundamentale
Notwendigkeit anerkannt wird. Die Verteidigung der Vereinigten Staaten erfordert die gleichzeitige Entwicklung milltaeriacher und sozialer Programme.
Es darf nicht zugegeben werden, dass die notwendige
Entwicklung eines Programms zur Herstellung der milltaerischen Bereitschaft in Europa die Bemuehungen zur Schaffung
einer stabilen europaeischen Friedenswirtschaft durchkreuzt.
In einigen Kreisen herrscht die Tendenz, das weltweite PunktVier-Programm nach der Zahl bewaffneter Divisionen zu beurteilen, die wir durch dieses Programm auf unsere Seite bringen.
Man ist sich allgemein noch nicht der Notwendigkeit bewusst,
dass der sowjetisch-kommunistische Totalitarismus, der sich
den minderprivilegierten Menschen der Welt faelschlicherwelse
als soziale und wirtschaftliche Bewegung praesentiert, dadurch
bekaempft werden muss, dass man die produktiven Reichtuemer
der freien Welt organisiert, um die wirtschaftliche Verbesserung in einer freien Gesellschaftsordnung zu demonstrieren.
Aus diesen Gruenden begruesst der CIO die Veroeffentllchung des Berichtes "Partner des Fortschritts", der vom
Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung unter dem
Vorsitz von Nelson A. Rockefeiler dem Praesidenten der Vereinigten Staaten ueberreicht wurde. Dieser Ausschuss, der
sich aus Vertretern aller Schichten der Bevoelkerung zusammensetzt, und dem auch Jacob S. Potofsky vom CIO angehoert, wurde
zu dem Zweck gebildet, die Politik und die Ziele zu ueberpruefen, die vom Praesidenten in seiner Eroeffnungsansprache zum
Punkt-Vier-Programm im Januar 1949 dargelegt wurde. Der Ausschuss soll ausserdem den "Gray-Bericht" ueber die wirtschaftliche Unterstuetzung anderer Laender untersuchen.
Der CIO glaubt, dass konstruktive Ergebnisse erzielt
werden koennen, wenn alle Teile unserer nationalen Gemeinschaft aufgerufen werden, sich an der Gestaltung der Wirtschaftspolitik unseres Landes zu beteiligen.
Der Exekutivausschuss des CIO spricht dem Kollegen
Potofsky und seinen Mitarbeitern seine Anerkennung fuer ihre
Beteiligung an der Arbeit des Ausschusses aus und ist der Auffassung, dass sie wesentlich zu dem allgemein zufriedenstellenden Charakter dieses Berichtes beigetragen haben.
In "Partner des Fortschritts" wird eindeutig festgestellt,
dass "die Staerkung der Wirtschaft unterentwickelter Gebiete
und eine Verbesserung ihres Lebensstandards als ein wesentlicher Bestandteil unserer eigenen Verteidigungsmoblllsierung
angesehen werden muss."
Der CIO hat wiederholt versichert, dass Friede, freie
demokratische Institutionen und die Wohlfahrt der Menschen
nur Im Rahmen einer sich erweiternden Weltwirtschaft gesichert sind. Wir stimmen diesem Bericht in seiner Festjl Stellung zu, dass "wir in einer wirtschaftlichen Offensive
zur Ausrottung von Eunger, Armut, Analphabetentum und Krankheit alle Kraefte vereinigen muessen, wenn wir auf der Welt
dauernden Frieden, Sicherheit und Wohlstand haben wollen."
Der CIO bringt seine Genugtuung darueber zum Ausdruck,
dass der Bericht des Ausschusses einen Beitrag zur Arbeit
der freien Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen die kommunistische und faschistische Infiltration darstellt, die das
- 2 -

�t

Ziel haben, das Los ihrer Mitglieder zu verbessern. Wir
schliessen uns der Auffassung an, dass "die Verbesserung des
Lebensstandards der Bewohner unterentwickelter Gebiete ein
feststehendes strategisches Ziel der Aussenpolitik der Vereinigten Staaten ist , und unterstreichen die Empfehlung des
Ausschusses, die freien, Gewerkschaften unablaessig zu unterstuetzen.
Der CIO ist ferner der Meinung, dass unsere wirtschaftlichen Programme weitgehend erweitert werden muessen. Puer
die langfristige wirtschaftliche Entwicklung muessen Milliarden von Dollar sowohl aus oeffentlichen als auch aus privaten
Mitteln fuer Investitionszwecke im Ausland bereitgestellt
werden. Eine neue wirtschaftliche Verwaltung fuer Ueberseegebiete muss gebildet werden, die die Arbeit der bestehenden
9ehoerden, einschliesslich der Export-Import-Bank mit der
Arbeit der Weltbank und den Vereinten Nationen koordiniert.
Der Exekutivausschuss des CIO fordert, dass der Kongress
schnellstens Gesetze erlaesst, durch die die Vorschlaege verwirklicht werden koennen, die im Bericht des Beratungsausschusses fuer Internationale Entwicklung enthalten sind.
Der Exekutivausschuss fordert die Mitgliedsorganisationen
des CIO auf, diesen Gesetzen ihre Unterstuetzung zuteil werden
zu lassen und dafuer zu sorgen, dass mit ihnen eine Verwirklichung der konstruktiven Vorschlaege des Berichtes gewaehrleistet ist.
Der Exekutivausschuss empfiehlt ferner, dass die Grundsaetze und Richtlinien, die dem Programm fuer internationale
wirtschaftliche Entwicklung zugrundeliegen, unter den Mitgliedern des CIO publiziert werden, um das Verstaendnls und
die Unterstuetzung fuer solche Massnahmen zu foerdern, die auf
•Veitfrieden und Wohlstand In einer freien Welt abzielen.
ECA Labor Information
IV/4/51
FRAHZOESICHE ARBEITER SIND ZU HOERERER PRODUKTIONSLEISTUNG
BEftTO. WBMN SIE AN DEN G E W I N T O BETOTLIGT WSK5W
Jean Prottin, ein Arbeiter in den Stahlwerken Acieries
de Longwy, Mount-Saint-Martin, erklaerte, der franzoesische
Arbeiter muesse die Gewissheit haben, dass er einen gerechten
Anteil an den gesteigerten Gewinnen erhaelt, bevor er rueckhaltlos das Prinzip der hoeheren Produktionsleistung unterstuetzen koenne.
Prottin gehoerte einer franzoesischen Produktivitaetsstudiengruppe der Stahlindustrie an, die vor kurzem aus den
Vereinigten Staaten zurueckgekehrt ist. Die Reise erfolgte
im Rahmön des Programms fuer technische Unterstuetzung innerhalb des Marshall Planes.
Prottin begruendete seine Forderung wie folgt: "Um neue
Maschinen zu kaufen, muessen die Unternehmer Geld verdienen.
Um Geld zu verdienen, muessen sie ihre Erzeugnisse mit Gewinn
verkaufen. Um die Gewinnspanne zu vergroessern, muss die Produktionsleistung gesteigert werden. Aber eine hoehere Produktionsleistung kann nur erreicht werden, wenn die Arbeiter
Vertrauen haben. Deshalb ist die wachsende Produktionsleistung
etwas, das sich, wie in den USA, aus sich selbst heraus vergroessert."
- 3 -

�Adrien Auberson, d e r Ingenieur In den Stahl- und Huettenwerken von Firminy ist, bekennt sich zu der gleichen Meinung
und erklaerte, das Problem der Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei In bezug auf die Produktionsleistung von besonderer Bedeutung. Es koenne ohne grosse
Ausgaben fuer neue Maschinen geloest werden. Notwendig ist
Ja doch eine G-eisteshaltung, die In den Vereinigten Staaten
sorgfaeltig genaehrt wuerde. Ohne diese koennten die amerikanischen Stahlarbeiter Ihre technischen Einrichtungen nicht
waehrend jeder Arbeitsstunde voll ausnutzen.
Nach der Auffassung Aubersons koennen in der franzoesischen Stahlindustrie folgende Verbesserungen sofort vorgenommen werden:
1. die gegenwaertige Organisation der Betriebsleitung
kann durch das amerikanische System der sorgfaeltigen Dezentralisierung und der Bestimmung der Verantwortlichkeiten in
allen Stufen ersetzt werden;
2. den Arbeitern muessen zusaetzllche Leistungspraemien
geboten werden?
3. der normale Wettbewerb innerhalb der Industrie muas
wieder aufleben, um hierdurch die Anwendung besserer Methoden
in allen betrieben anzuregen;
4. es muessen bessere betriebstechnische Methoden angewandt werden, um eine volle Ausnutzung der Einrichtungen zu
gewaehrleisten.
Die Studiengruppe beschaeftigt sich jetzt damit, einen
Bericht auszuarbeiten, in dem weitere bestimmte Vorschlaege
zur Steigerung der Produktionsleistung innerhalb der Industrie
enthalten sind.
ECA Labor Information
111/20/51
BELGISCHE SCHIFFSWERFT BAUT FUER DIE EUROPAEISCHE HANDELSFLOTTE
Die flaemische Stadt Hoboken liegt an der Scheide, einige
Meilen unterhalb von Antwerpen. Vor vielen Jahren gruendeten
Emigranten aus diesem Ort in New Jersey in Nordamerika eine
Stadt gleichen Namens. Sie behielten ihr Handwerk auch drueben
bei, und heute werden in den beiden Staedten Hoboken vornehmlich Schiffe gebaut.
Pierre Katz, der 35 Jahr alt ist, koennte als Rohrleger
in beiden Staedten angesehen werden. Seiner aeusseren Erscheinung nach zu urteilen, koennte er Amerikaner sein. Er
arbeitet zur Zeit in der groessten Schiffswerft Belgiens, der
tockerill-Werft". Er iat ein Mann mit Selbstbewusstsein; er
traegt eine amerikanische Soldatenmuetze auf seinem Hinterkopf,
Ist schlagfertig und ein Laecheln erhellt seine rauhen, offenen
Gesichtaeuege. Er ist, wie viele Werftarbeiter, untersetzt und
muskuloes.
4 -

�Katz liebt Amerika. Und zwar aus zwei Sruenden: Erstens,
weil sein Vater jetzt in New York lebt, und zweitens, weil er
ahnt, dass seine Werft und wahrscheinlich auch er selbst viel
weniger zu tun haette, wenn es den Marshall-Plan nicht gaebe.
Der Cockerill-Werft" sind zum Beispiel Auftraege fuer
Schiffe erteilt worden, die niemals haetten gebaut werden koennen, wenn die Werft nicht amerikanische Rohstoffe im Rahmen
des Iv'arEhall-Planes erhalten haette. Mit dieser Hilfe jedoch ist
die Werft unverzueglich daran gegangen, Schiffe fuer die westeuropaeische Handelsmarine zu bauen und dabei mitzuhelfen,
eine Reserve fuer das Seetransportwesen zu schaffen, das im
Kriegsfalle eine Staerkung der westeuropaeischen Verteidigung
bedeutet.
Pierre Katz, seine Frau Alice und seine beiden Kinder wohnen in einer kleinen Wohnung in Hoboken. Zwischen den beiden
Kindern, einem siebenjaehrigen Jungen und einem fuenfzehnJaehrigen Maedchen, liegen acht Jahre und ein Krieg. Als die
deutschen Armeen Eelgien ueberrannten und besetzten, zwangen sie
die Arbeiter, wie bisher weiter Schiffe zu bauen - aber fuer
Hitler. Wie der groesste Teil der belgischen Industrie entzogen sich auch die Werften unter unendlich viel Vorwaenden
den Lieferungsverpflichtungen. Fuer Katz war es jedoch nicht
so einfach. Man stellte ihn vor die Wahl, entweder fuer Hitler
auf den Schiffen zu arbeiten oder zur Zwangsarbeit in Deutschland verpflichtet zu werden.
Er behielt seine Arbeit und konnte wa«hrend des ganzen
Krieges zuhause bleiben. Als Rohrleger verdient er in der
Stunde ungefaehr 50 Cents. Er ist in der gluecklichen Lage,
mit seinem Lohn seine Miete und den Lebensunterhalt seiner
Familie bestreiten zu koennen. Fuer Kleidung reicht es jecoch
nicht. Sie ist zu teuer. Wie fuer die meisten belgischen
Arbeiter sind auch fuer die Familie Katz die Mahlzeiten von
groesster Wichtigkeit. Deshalb sind sie auch ausgezeichnet.
Eines der Schiffe, die gegenwaertig in der Werft, in der
Katz beschaeftigt ist, gebaut werden, ist der 22.000 Tonnen Passagierdampfer "Vera Cruz", der fuer Portugal bestimmt ist.
Nicht nur diesen Auftrag, sondern auch die wichtigsten Teile,
die fuer den Bau dieses Schiffes geliefert wurden, kann die
Werft dem Marshall-Plan verdanken.
Portugal brauchte das Schiff, hatte aber keine belgische
Waehrung, um es zu bezahlen. Weil die belgische Wirtschaft
verhaeltnismaessig guenstig dasteht und ueber dringend benoetigte Rohstoffe verfuegt, ist die Nachfrage nach belgischen
Franken gross, die deshalb - wie der Dollar - als "harte"
Waehrung angesehen werden.
Bis jetzt war die Marshall-Plan-Hilfe fuer Belgien von
verschiedenen Bedingungen abhaengig. Wesentliche Waren wurden
unter der Bedingung finanziert, dass Belgien seinerseits anderen Marahall-Plan-Laendern Kredite in entsprechender Hoehe
einraeumt. Nach diesem System hat Belgien Portugal genuegend
Franken auf Kredit gegeben, mit denen es die "Vera Cruz" bezahlen kann. Die portugiesischenElnkaeufer vergaben den Auftrag an die "Cockerill-Werft". Es handelt sich hier um ein
System einer weltweiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit, das
dazu bestimmt ist, die westeuropaeischen Laender nach einem
verheerenden Krieg wieder auf ihre eigenen Fuesse zu stellen,
5

�um ihnen die industrielle Kraft zukommen zu lassen, die sie benoetigen, um ihrerseits zur Verteidigung gegen die Bedrohung
einer kommunistischen Aggression beitragen zu koennen.
Auf dieser Werft arbeiten rund 3.000 Arbeiter, die alle
ebenso wie Katz vom Marshall Plan abhaengig sind. Viele von
ihnen arbeiten unmittelbar an den Teilen, die aus den Vereinigten Staaten importiert werden.
Kessel zum Beispiel waren Mangelware. Die auf der Werft
benoetigten Kessel wurden vor dem Kriege von den Stahlwerken
der Werft in der Naehe von Luettich hergestellt. Waehrend der
deutschen Besatzung waren diese Fabriken jedoch von britischen
Moskito-Eombern und nach der Befreiung von deutschen V-l Geschossen zerstoert worden. Der Wiederaufbau der Kesselfabriken
nahm lange Zelt In Anspruch, und die Lieferauftraege konnten
nicht erfuellt werden. In der Zwischenzelt sind aus Amerika
Kessel im Werte von 16.000 Dollar importiert worden, die von
Murray &amp; Co. in Elizabeth (New Jersey) hergestellt und mit
Marshall-Plan-Geldern finanziert wurden.
Schiffsschrauben waren frueher aus England gekommen.
Durch die Wirren des Krieges und die Zurueckstellung von Auftraegen konnten Jedoch auch die Englaender die Lieferungsauftraege nicht erfuellen. Die Bethlehem Steel Company und
Ferguson &amp; Co. in Hoboken (New Jersey) verkauften der Werft
solche riesigen Schiffsschrauben aus Messing im Werte von
106.000 bzw. 72.000 Dollar. Katz selbst verwendet bei seiner
Arbeit an den Rohranlagen Erweiterungsdichtungen, die von der
U. S. Rubber Co. und der Arbit Trading Co. in New York geliefert
wurden. Die Cockerill-Werft hat ausserdem viele andere Einzelteile betriebswichtiger Werkzeugmaschinen fuer Ihre Werkstaetten
importiert»
Die Folge hiervon ist, dass Laender wie Portugal, Belgien
und Norwegen ihre Handelsmarine fuer Friedens- oder Kriegszwecke vergroessern koennen, der gesamten belgischen Wirtschaft
Auftrieb geben und Arbeiter wie Katz und viele tausend andere
einen Arbeitsplatz haben, der sonst ueberhaupt nicht bestehen
wuerde.
Die Bewohner der beiden gleichnamigen Staedte Hoboken in Belgien und New Jersey - sind erneut zusammen Alt den Buergern der uebrlgen freien Welt zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen.
ECA Labor Information
VORLAEUFIGE SCHAETZÜNGBN UEBER UNFALLZIFFERN IN DER AMERIKANISCHEN INDUSTRIE
Wie vorlaeufigen Schaetzungen zu entnehmen ist, ging in
den Vereinigten Staaten die Zahl der Arbeitsunfaelle des
Jahres 1950 gegenueber dem Jahre 1949 um 4;* In die Hoehe. Diese
Erhoehung ist zum groessten Teil auf die groessere 3eschaeftigtenziffer zurueckzufuehren» Aber abgesehen hiervon machen
sich In einigen Industrien Anzeichen fuer hoehere Unfallziffern bemerkbar.
Die Gesamtzahl der Arbeitsunfaelle, die Arbeitsunfaehigkeit zur Folge hatten, wurde fuer das Jahr 1950 auf etwa
1,952.000 geschaetzt gegenueber 82.000 im Jahre 1942. Die
- 6 -

�Gesamtzahl des Jahres 1950 lag Jedoch unter der gesohaetzten
Zahl von 2.019.900 des Jahres 1948 und war damit die zweitniedrigste seit 1949.
Im Verlauf des Jahres 1950 verliefen annaehernd 15.000
Arbeitsunfaelle toedllch. Weitere 84.900 Arbeiter wurden
durch Unfall dauernd erwerbsunfaehlg, weil sie z.B. entweder
irgendein Koerperglled verloren hatten oder irgendeine
Funktion des Koerpers geschaedigt war. Diese Zahl schliesst
etwa 1.600 Unfaelle ein, bei denen die Arbeitsunfaenigkeit
so schwerwiegend ist, dass die Betroffenen nicht mehr in der
Lage sind, fuer den Rest ihres Lebens irgendeine Erwerbstaetlgleit auszuueben.
Der groesste Teil der Unfaelle (75$) hatte jedoch nur
voruebergehende Arbeitsunfaehigkelt zur Folge, infolge derer
die Arbeiter einen Tag oder laengere Zeit nicht arbeiten
konnten. Von den Unfaellen selbst erholten sie sich Jedoch
ohne irgendwelche dauernden Nachwirkungen auf ihre Gesundheit.
Im Jahre 1950 gingen auf Grund von Unfaellen, die sich in
diesem Zeitraum ereigneten, etwa 40 Millionen Arbeltstage verloren. Dieser Betrag entspricht einer jaehrlichen, vollzeitlichen Beschaeftigung fuer rund 134.000 Arbeiter. Wenn man
die Unterstuetzungen beruecksichtigt, die fuer die spaeteren
Auswirkungen von toedlichen Unfaellen und dauernden Koerperschaeden gezahlt werden, wuerde sich der Gesamtverlust an
Arbeitszeit auf etwa 212 Millionen Arbeitstage belaufen, d.h.
eine jaehrliche vollzeitliche Beschaeftigung fuer ungefaehr
706.000 Arbeiter.
Die erhoehte Beschaeftigtenziffer und die gesteigerte
Taetigkeit im Baugewerbe und In der Herstellungsindustrie
fuehrten zu einer Erhoehung der Unfallziffern von nahezu
12/&amp; in Jedem dieser beiden Industriezweige.
In der Herstellungsindustrie war sowohl die Beschaeftigtenziffer als auch die durchschnittliche woechentllche
Arbeltszeit im Jahre 1950 gegenueber dem Jahre 1949 angestiegen.
Das Risiko industrieller Unfaelle ist damit In der
Herstellungsindustrie um 9% groesser gewesen. Vorlaeuflge
Berichte aus einer Reihe von Herstellungsbetrieben weisen auf
eine allgemeine Aufwaertstendenz Im Verlaufe dieses Jahres
hin. Obwohl diese Zahl Im Jahre 1950 niedriger als Im Jahre
1949 war, lagen die der spaeteren Monate ueber denen der
entsprechenden Zeitraeurae des Vorjahres. Es ist wahrscheinlich, dass die endgueltige Unfallziffer fuer 1950 etwas
Woher als die des Jahres 1949 sein wird.
In der Bauindustrie ist die Lage aehnlich. Die Taetigkeit dieses Industriezweiges hatte waehrend des Jahres 1950
ein nie erreichtes Ausmass angenommen. Die hoehere Beschaeftigtenziffer hatte zur Folge, dass durch die vermehrte Arbeltszelt das Risiko industrieller Unfaelle groesser war, das
gesteigerte Arbeitstempo trug ebenfalls zu einer Erhoehung
der Unfallziffern bei.
Lediglich in der oeffentlichen Versorgungsindustrie ging
die Zahl der Unfaelle wesentlich zurueck. Die Beschaeftigtenziffer in der Telefonindustrie ging wenig, und die der uebrigen
Vermittlungslndustrien staerker zurueck. Der Rueckgang der
Unfallziffern ist jedoch in den meisten Betrieben der oeffentliehen Versorgungsindustrie auf eine verbesserte Aufklaerung
ueber Unfaelle zurueckzufuehren.
- 7 -

�Andere Gruppen der Industrie zeigen nur geringe Veraenderungen oder unwesentliche Erhoehungen der Unfallziffern.
Der Transportindustrie konnten die Eisenbahnen jedoch von
einer bescheidenen Abnahme der Unfallziffern berichten. Sie
ging dagegen in anderen Zweigen des Transportgewerbes soweit
In die Hoehe, dass dieser Rueekgang bei den meisten Bahnen
aufgehoben wird und die Industrie im gesamten mehr Unfaelle
als frueher aufzuweisen hat.
Obwohl die Beschaeftigtenzahl im Kohlenbergbau geringer
wurde, ist die Zahl der Unfaelle um Z% gestiegen. Im bituminoes e n Kohlenbergbau, dem bedeutendsten Zweig der Zechenindustrie,
wurde die Zahl der Unfaelle ein wenig kleiner, aber nicht so
wesentlich, dass damit der Rueekgang der Beschaeftigtenzifferausgegllchen waere. Trotz der geringeren Beschaeftlgtenziffer
jedoch war die Gesamttonnage der abgebauten Kohle groesser
mit dem Ergebnis, dass die Unfallziffer, nach Millionen Tonnen
abgebauter Kohle berechnet, Im Jahre 1950 geringer war als
im Jahre 1940. Anthrazit, Metall und N^chtmetallgruben berichteten von hoeheren Unfallziffern.
Die Unfallziffern im Handel, dem Finanzwesen, den Behoerden und verschiedenen anderen Industrien weisen geringe
Erhoehungen auf und folgten in den meisten Faellen den Veraenderungen der Beschaeftigtenzlffer.
Obwohl die Beschaeftigtenzlffer In der Landwirtschaft
zurueckglng, war die Unfallgefahr auf Grund der gesteigerten
Mechanisierung der Landarbeit in solchen Farmen groesser, wo
frueher keine Maschinen verwandt wurden, da diejenigen, die
zum ersten Mal die Maschinen bedienen, verhaeltnismaessig unerfahren sind. Man nimmt deshalb an, dass die Zahl der Arbeitsunfaelle In der Landwirtschaft Im Jahre 1950 die gleiche war
wie im Jahre 1940.
Monthly Labor Review
II1/51
Theodore E. Brown:
ARBEITERBILDUNG IN DER U.S. GEWERKSCHAFT DER SCHLAFWAGENSCHAFFNER"
Die Gewerkschaft der Schlafwagenschaffner ist eine Landesorganisation mit 117 Ortsgewerkschaften in den Vereinigten
Staaten und Kanada. In dieser Gewerkschaft sind Schaffner
saemtlicher Typen von Schlaf- und Personenwagen und Kellner
und Kellnerinnen auf den Eisenbahnen der Vereinigten Staaten
und Kanadas organisiert.
Das Arbeiterbildungsprogramm dieser Gewerkschaft kann von
der Landes-, Bezirks- und Ortsebene aus beobachtet werden.
Zu dem Zentralbuero gehoert ein Referat fuer Forschung
und Erziehung, das sich aus 6 Personen zusammensetzt und fuer
die Ausarbeitung und Durchfuehrung von Projekten auf Landesebene
verantwortlich Ist« Ueber einen Kongressausschuss fuer Erziehungs- und Organisationsfragen unterbreitet dieses Referat
dem Kongress seine Vorschlaege. Saemtliche Kongressbeschluesse,
- 8 -

�die die grundlegenden Richtlinien in Erziehungsfragen regeln,
werden auf Veranlassung dieses Ausschusses gefasst.
Die neue Abfassung des Arbeitsgesetzes fuer die ^senbahnen,
in der die Betriebsform des "Union-Shop" und die Einbehaltung
der Gewerkschaftsbeitraege vom Lohn genehmigt werden, macht
gewisse Veraenderungen-, im Erziehungsprogramm der Organisation
notwendig. Die Atmosphaere des "Open-Shop", die die Industrie
bisher beherrschte, scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Da die
Organisation bereits mit 43 Eisenbahngesellschaften Vertraege
abgeschlossen hat, deren Arbeiter zu 99°o organisiert sind, wird
die Einfuehrung des "Union-Shop" zu einer Erhoehung der Mitgliederzahl um etwa 5% fuehren. Diese zusaetzlichen fuenf
Prozent koennen gewisse Probleme akut werden lassen und die
Notwendigkeit eines aktiveren Erziehungsprogramms steigern.
Filme, die dem aehnlich sind, der vor kurzem von der Organisation unter dem Namen "Eure Gewerkschaft" produziert wurde,
Lehrschriften ueber Themen, die fuer die Arbeiter von Interesse
sind, wie z.B. parlamentarische Verfahrensregeln oder solche
ueber aktuelle Begebenheiten, die politische Taetigkeit, dramatische Darstellungen und Gesangschoere sind einige der
gegenwaertigen Projekte, fuer die die Mitglieder der Gewerkschaft ein lebhaftes Interesse zeigen, und die von dem Arbeitsbildungsreferat gefoerdert werden.
Die Landesgewerkschaft ist aus verwaltungstechnischen
Gruenden in fuenf Bezirke aufgeteilt, an deren Spitze jeweils
ein Bezirksbeauftragter steht, die mit einer Ausnahme Vizevorsitzende der Landesgewerkschaft sind. Es gibt ausserdem
in jedem Bezirk einen Propagandisten. Diese beiden Punktionaere
sind fuer die Ueberwachung der erzieherischen Taetigkeiten
der Ortsgewerkschaften innerhalb ihres unmittelbaren Verwaltungsbereiches verantwortlich. Unter dem Vorsitz der Bezirksbeauftragten werden an passenden Stellen des Bezirks in den
Jahren, in denen kein Kongress stattfindet, regelmaessig
Bezirkskonferenzen abgehalten, die mehrere Tage dauern. Auf
diesen Konferenzen bringen die Delegierten der Ortsgewerkschaften ihren Standpunkt zum Ausdruck und weisen auf die
Notwendigkeit bestimmter Erziehungsprojekte hin. Diese
Projekte koennen kurz- oder langfristig sein. Auf diesen
Konferenzen werden ausserdem von den Bezirksbeauftragten
auf Veranlassung des Referats fuer Forschung Vorschlaege ueber
Tendenzen, Hilfs- und Informationsquellen, Fragebogenauswertung und Versorgung mit allgemeinen Informationen ueber
erfolgreiche Arbeitsmethoden anderer Organisationen unterbreitet. Jede Ortsgewerkschaft im Bezirk entsendet Vertreter,
die sich an der A rDe it der Konferenzen beteiligen und ihren
Ortsgewerkschaften Bericht erstatten muessen.
Es sind vor allem die Ortsgewerkschaften, in denen sich eine
wirksame Arbeiterbildung abspielt. Auf oertlicher Basis muss
jedes Projekt erfolgreich sein, um die gewerkschaftliche
Moral zu foerdern und eine abgerundete gewerkschaftliche
Philosophie zu gestalten. Jede Ortsgewerkschaft hat einen
staendigen Bildungsausschuss, dessen Mitglieder von dem
Vorsitzenden der Ortsgewerkschaft ernannt werden. Es ist
Vorschrift, dass jede Ortsgewerkschaft mindestens eine Kon,
ferenz im Monat allein erzieherischen Fragen widmen muss.
In jeder Ortsgewerkschaft gibt es ein staendiges Arbeiterbllriungsprogramm, dem Themen zugrundeliegen, die oben bereits
erwaehnt sind. Viel Zeit wird fuer die Verbesserung der
Methoden einer wirksamen Bearbeitung von Beschwerden und Forderungen verwendet.
- 9 -

�Zum Erziehungsprogramm jeder Ortsgewerkschaft gehoert
die Besprechung von Problemen wie sie das bundesStaatliehe
Gesetz fuer gerechte Eeschaeftigungsmethoden mit seinen
Durchführungsbestimmungen mit sich bringen, oder die Abschaffung' der Trennung von Weissen und Negern im Mllitaerdienst und die Beseitigung dieser Trennung und Diskriminierung in allen oeffentlichen Einrichtungen. Das Referat fuer
Forschung und Erziehung sowie das offizielle Organ der Gewerkschaft "The Black Worker" liefern Quellen und aktuelles
Material, mit denen die Ortsgewerkschaften in diesen Fragen
unterstuetzt werden.
Die Ortsgewerkschaft versucht, jedes Gewerkschaftsmitglied zur aktiven Teilnahme an einigen Zweigen des Gewerkschaftsprogramms heranzuziehen, angefangen mit der Unterrichtung ueber parlamentarische Verfahren« Die Mitglieder
sollen ausserdem dazu erzogen werden, in mindestens einem
Ausschuss der Ortsgewerkschaft taetig zu sein. Die politische Betaetigung ist fuer die gesamte Gewerkschaft von groesster Bedeutung, und die Erziehungsausschuesse sind dafuer
verantwortlich, dass fortlaufend an dem Programm der Gewerkschaftlichen Liga fuer Politische Erziehung gearbeitet wird,
das die politische Äaffe der AFL darstellt und von der Landesgewerkschaft und ihren Ortsausschüssen rueckhaltlos unterstuetzt und gebilligt wird.
Die Arbeiterbildung nimmt in der Arbeit der Gewerkschaft
der Schlafwagenschaffner einen aeusserst breiten Raum ein«
Wir sind fast davon ueberzeugt, dass durch ein demokratisches
Klima in der Industrie die groessten Erfolge eines demokratischen Staates verwirklicht werden koennen. Dies ist Jedoch
nur moeglich, wenn jeder Arbeiter Mitglied einer demokratischen
Gewerkschaft wird, sich selbst schult und sich die Kentnisse
aneignet, die er als Einzelner zum Aufbau einer staerkeren
Gewerkschaft und einer schlagkraeftigern Bewegung verwerten
kann«
Nows Letter, Workers* Education
Bureau AFL
IV/51
GEWERKSCHAFTLICHES GESUNDHKITSZKNTRUM IN NEW YORK EROEFFNET

Das Sidney-Hillman-Gesundheitszentrum in New York, dessen
Erstellung eine Million Dollar kostete, wurde am 16. April
fuer 40.000 Mitglieder der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft
des CIO im Bezirk New York eroeffnet.
Dieses Zentrum ist nach dem Gruender und ersten Vorsitzenden dieser Gewerkschaft benannt. Sein Aufbau wurde mit Geldern
der Gewerkschaft und der Unternehmervereinigung der Bekleidungsindustrie des Bezirks New York finanziert. Die laufenden
Unkosten des ersten Jahres werden durch zusaetzliche Beltraege
in Hoehe von 10 Dollar je Gewerkschaftsmitglled gedeckt.
Bei einem Diner im Anschluss an die Eroeffnungsfeierlichkeiten wurde Hillman und der Gewerkschaft fuer ihre unemuedliche Arbeit zu Gunsten der Gesundheit und der Wohlfahrt ihrer
Mitglieder allgemeine Anerkennung gezollt.
- 10 -

�Zu den Sprechern gehoerten Jacob S. Potofsky, Hillmans
Nachfolger als Vorsitzender der Gewerkschaft, Oscar R. Ewing,
der Administrator fuer bundesstaatliche Sicherheit, der
New Yorker Oberbuergermeister Vincent Impelliteri und
Louis Hollander, der stellvertretende Vorsitzende des Gemeinsamen New Yorker Ausschusses der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft,
"Wenn wir dieses neue Zentrum, das der Erholung unserer
Mitglieder dient, heute bewundern, erklaerte Potofsky, "wird
uns bewusst, wie weit wir von den Tagen der "Schwitzwerkstatt"
in den Jahren 1910 und 1912 entfernt sind. Es ist eine
lebende Erinnerung an den grossen Sidney Hillman, der sich
aus einer harten Vergangenheit emporgerungen hat und bis zu
seinem Tode um derartige Einrichtungen kaempfte. Dieses
Zentrum ist die Verwirklichung seines alten Traumes. Er
hatte den Wunsch, den Mitgliedern zu dienen und sie gegen
Unbill zu schuetzen. Sein Leben war dieser Aufgabe gewidmet."
Ewing, der vor dem Kongress die Billigung einer Gesetzesvorlage gefordert hatte, in der die bundesstaatliche Unterstuetzung oertlicher oeffentlicher Gesundheitseinrichtungen
vorgesehen ist, sprach der Gewerkschaft seine Anerkennung
dafuer aus, dass "sie ein Beispiel gegeben hat, wie die Mindestvorteile aus sozialen Programmen der Regierung durch die
Initiative, den ^infallsreichtum, die Weitsicht und den Realismus einer gut gefuehrten und sich selbst achtenden Mitgliedschaft einer Gewerkschaft ergaenzt werden koennen."
"Sie zeigen heute," fuehrte Ewing aus, "in diesem Gebaeude
dem ganzen Land und darueber hinaus der ganzen Welt, wie die
amerikanische Gewerkschaftebewegung in Zusammenarbeit mit der
amerikanischen Industrie und vor allem mit der amerikanischen
Regierung, die fuer das Volk da ist, zum groesseren Wohl des
einzelnen Buergers tatkraeftig beitragen kann."
Hollander teilte mit, dass das Gesundheitszentrum 250.000
Dollar fuer die wissenschaftliche Erforschung von Blutgefaesserkrankungen und Gicht zur Verfuegung gestellt hat.
Diese Erkrankungen treten besonders haeufig bei Arbeitern der
Bekleidungsindustrie auf.
Das sechsstoeckige Gesundheitszentrum ist zur Behandlung
von 750 Patienten in der Woche eingerichtet, die auf vorherige
Vereinbarung zur Behandlung kommen. Das Personal besteht aus
75 Aerzten, 25 Technikern, Krankenschwestern, Apothekern,
Sozialarbeitern und anderen. Dr. Morris A. Brandt, der stellvertretende medizinische Leiter des Gesundheitsversicherungssystems von Gross-New York, ist der verantwortliche aerztliche
Leiter des Institutes.
Daily News Service
IV/16/51
NEUE RICHTLINIEN FUER LEISTÜNGSLOEHNE
Das Interesse der Gewerkschaften an der Lohnfrage ist in
den vergangenen Jahren mehr und mehr den Methoden zur Bezahlung
der Arbeitnehmer nach ihrer Leistung zugewendet worden. In
einer Reihe von Industriezweigen, wie z.B. Kohle und Baumwolle,
wird Jetzt traditionsgemaess ein groesserer Prozentsatz von
11 -

�Arbeitern nach Produktionsergebnissen bezahlt als je zuvor.
Entweder als Alternativloesung oder als Zusatz zu der
Bezahlung fuer geleistete Arbeitszeit muessen Akkordsysteme
so gut ausgearbeitet und auf die besonderen Verhaeltnisse
derjenigen Industriezweige abgestimmt sein, fuer die sie
bestimmt sind. Kein System ist fueralle Industriezweige anwendbar.
Um allen jenen zu helfen, die die Methoden des Leistungslohnsyatems ausarbeiten und zur Anwendung bringen, und hierzu
muessen sowohl Gewerkschaften als auch Unternehmer gehoeren hat das Arbeitsministerium eine Abhandlung ueber Leistungslohnsysteme veroeffentlicht.
Sie ist von einem Ausschuss von Vertretern des britischen
Gewerkschaftsbundes TUC und Vertretern der Unternehmer aus
oeffentlichen und privaten Betrieben verfasst worden und gibt
Beschreibungen und Beispiele von Leistungssystemen, wie z.E.
unterschiedliche Stuecklohntarife, Zeitzuschlagsysteme und
kollektive BonusZahlungen.
In einer allgemeinen Zusammenfassung ueber die Bezahlung
nach dem Leistungsprinzip wird in dieser Veroeffentlichung
darauf hingewiesen, dass die Industrie ueber mehrere solcher
Systeme verfuegt und dass einige der bereits bestehenden
vorbessert werden muessten. So lange diese Systeme nicht zu
einem Ersatz fuer das bewaehrte Prinzip eines angemoasenen
Tageslohnes fuer eine entsprechende Tagesarbeit werden, und
so lange sie ein Ergebnis besonderer Bemuehungen seitens der
Arbeitnehmer sind, werden sie der Nation als Gesamtheit zugute
kommen und sowohl den Unternehmern als auch den in Frage
kommenden Arbeitern Vorteile und Genugtuung bieten.
Die Einfuehrung solcher Systeme muss sorgfaeltigst ueberwacht werden. Leistungssysteme duerfen erst nach sorgfaeltiger
Ueberpruefung jeder Taetigkeit festgelegt werden. Hoechst bedeutsam ist dabei, dass von dem Augenblick an, in dem ein
System zum ersten Mal in Vorschlag gebracht wird, bis zu dem
Zeitpunkt, In dem jeder Arbeiter genau versteht, wie sich
dieses System auf ihn auswirken wird, es in geraeinsamer Beratung besprochen wird. Wenn Leistungssysteme einmal eingefuehrt
sind, muessen sie sorgfaeltig ueberwacht werden. So sollen z.B.
Akkordtarife, die nach einer gewissen Zeit nicht mehr dem Wert
der Anstrengungen entsprechen, die fuer die betreffende Arbeit
aufgewendet werden muessen, nur auf Grund gegenseitiger Uebereinstimmung neu angeglichen werden.
Um eine Garantie gegen das zu schaffen, was die Gewerkschaften frueher befuerchteten, wird in der Veroeffentlichung
"Leistungslohnsysteme" darauf hingewiesen, dass der Ausstoss
nicht auf Kosten der Qualitaet oder auf Kosten uebermaesslger
Ermuedung oder Anstrengung der Arbeiter gesteigert werden darf.
In einer Uebersicht ueber die verschiedenen Lohnsysteme
nach dem Leistungsprinzip fuer die einzelnen Arbeiter wird
ausserdem insbesondere auf kollektive Leistungslohnsysteme
hingewiesen, die fuer eine Arbeitsgemeinschaft oder eine ganze
Abteilung eines Betriebes angewendet werden. Um sicherzustellen,
dass die Belohnungen denen zugutekommen, die sie tatsaechllch
verdienen, sollten so oft wie moeglich BonnsZahlungen ausgearbeitet werden.
- 12 -

�Eine Erhebung ueber Leistungslohnsy steine, die vom Arbeitsminlsterium durchgefuehrt wurde, hat ergeben, dass drei von je
zehn Arbeitern, die in der britischen Industrie nach ihrer
Leistung bezahlt werden, meistens in groesseren Betrieben beschaeftigt sind. Dieser Prozentsatz enthaelt jedoch nicht
diejenigen Arbeiter, die nach Lohnsystemen bezahlt werden,
denen teilweise Zeittarife und zum Teil Produktionsergebnisse
zugrundeliegen.
Labour
IV/51
TARIFVERTRAEGE IN RÜMAENIEH
In der westlichen Welt enthalten Tarifvertraege zwischen
Gewerkschaften und Unternehmern Bestimmungen ueber Loehne,
Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, und ueber diese Bedingungen
wird in Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern entschieden. In der "Volksdemokratie" des vom Kreml
beherrschten Rumaeniens ist es jedoch nicht so. Dort werden
die Texte fuer sogenannte Tarifvertraege in den Staatsministerien ausgearbeitet, ohne dass die Arbeiter zu Rate gezogen
werden.
Die Vertraege enthalten jedoch eine Bestimmung, die besagt,
dass die Arbeiter an die Unternehmer Forderungen stellen koennen.
Damit aber nicht irgendein Arbeiter dummerweise von dieser
Bestimmung Gebrauch macht, haben die kommunistische Partei
und ihre Unternehmergewerkschaften eine Mitteilung veroeffentlicht, in der sie vorschlagen, dass die Arbeiter keine "materiellen Forderungen" stellen und z.B. nicht hoehere Loehne, kuerzero Arbeltszeit und bessere Arbeitsbedingungen verlangen«
Als »Varnung an die Arbeiter heisst es in dieser Mitteilung;
"Alle, die unverantwortliche Forderungen stellen und die
Interessen ihres Unternehmens und der nationalen Wirtschaft
ausser Acht lassen, werden als Volksfeinde entlarvt und
isoliert."
Inzwischen hat sich die Sowjetunion auf Grund der Aufruestung fuer neue militaerische Wagnisse gezwungen gesehen,
das Risiko einzugehen, ihre Zwangsarbeitslager in groessere
Staedte zu verlegen. In der letzten Ausgabe des "New Leader",
einer fuehrenden gewerkschaftlichen und liberalen amerikanischen Wochenzeitschrift, stellt Vasily Yershoff, ein frueherer
Oberst in der sowjetischen Militaerverwaltung Ostdeutschlands
fest, dass die Zwangsarbeitslager, die vor dem 2. Weltkrieg
in abgelegenen Gebieten der Sowjetunion vor den Augen der
Oeffentlichkeit verborgen gehalten wurden, nun in grossen
Staedten vorzufinden sind.
Oberst Yershoff, der sowjetischer Beamter war und vor dem
Krieg vor allem Probleme der Lebensmittelindustrie bearbeitete,
kam gegen Ende des Krieges mit seinem Regiment nach Berlin.
Im August 1947 wurde er von der Besatzungsarmee beurlaubt
und kehrte in seine Heimatstadt, eine der groessten Staedte
Russlands zurueck. Er besuchte einen Freund - dem er das
Pseudonym Alexander Kikolaevltsch gibt - der Direktor einer
grossen Fabrik war. In diesem Betrieb sah er mit eigenen
Augen, dass 1200 der 5.000 Arbeiter weibliche Zwangsarbeiter
Im Alter von 20 bis 45 Jahren waren, die "zu viel gesehen
hatten". Sie waren von den Deutschen dienstverpflichtet und
13 -

�nach Deutschland gebracht worden. Nach ihrer Befreiung durch
die Rote Armee Im Jahre 1945 wurden sie als "Volksfeinde"
zu drei bis fuenf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil sie
ausserhalb Russlands gewesen waren und Stalin deshalb befuerchtete, sie koennten zu der Ueberzeugung gekommen sein, dass
die Zwangsarbeit selbst im nazistischen Deutschland dem untragbaren russischen Leben vorzuziehen sei. Die meisten
dieser Frauen waren ungepflegt, schmutzig, abgezehrt und
barfuessig. rtaechter, die mit Gewehren bewaffnet waren,
beaufsichtigten sie bei der Arbelt. ^arum wurden diese
Zwangsarbeiter eingesetzt? Vor dem Krieg hatte dieser Betrieb 5.000 Arbeiter beschaeftigt. Mehr als 40£ hatten
laenger als 10 Jahre dort gearbeitet und verfuegten ueber
die entsprechenden Erfahrungen. Aber infolge der Kriegswirren starben die aelteren Arbeiter und von den 2.100
juengeren kehrten nur 900 aus der Armee zurueck. 3.000 ungelernte Arbeiter wurden aus verschiedenen Teilen aus der
Sowjetunion zusammengeholt. Doch Stalin brauchte schnellere
Massnahmen, um sein Industriepotential fuer den Krieg aufbauen zu koennen.
Oberst Yershoff berichtet, dass die Sklaveroi in den
russischen Staedten eine zweischneidige Waffe ist. Sie gibt
auf der einen Seite Stalin die Moeglichkeit, seine industrielle
Kriegsmaschinerie unter geringem Kostenaufwand aufzubauen
und gleichzeitig die politisch "Unzuverlaessigen" zu ueberwachen, die, wenn sie frei waeren, eine Gefahr fuer die
Diktatur des Kreml bedeuteten. Indem Stalin jedoch auf der
anderen Seite die bittersten Gegner seines Regimes als
Straeflinge vor die Augen ihrer Freunde in den Staedten
fuehrt, sagt Yershoff, duerfte er sich den Weg zu seinem
eigenen Untergang ebnen.
Yershoffs Informationen zufolge gibt es Zwangsarbeitslager in Moskau, Leningrad, Kiew, Odessa, Charkow, Swerdlowsk
und hunderten anderer russischer Staedte.
Program Services Section
IV/ll/51
DAS SCHICKSAL DER BALTISCHEN GEWERKSCHAFTER
Fast alle bekannten Gewerkschafter sind seit der Uebernahme der baltischen Staaten durch die Kommunisten deportiert
worden. In Estland hat sich Maxim ünt in seiner Eigenschaft
als Koramissar der Arbelt gewissen russischen Richtlinien widersetzt, um zu versuchen, in eine desorganisierte Situation
etwas Ordnung zu bringen.

Obwohl Unt linksgerichteter Soziallst und Gewerkschafter
war und als erster Polizeiminister in der sogenannten "Roten
Nationalregierung" fungierte, verschwand er 1m Buero
Schkurins, dem Chef der oertlichen NKWD, wohin er beordert worden wa
Das gleiche Schicksal traf Paul Baumann, den stellvertretenden
Kommissar fuer Arbeit, der wegen seiner revolutionaeren Taetigkeiten 12 Jahre in estnischen Gefaengnlssen verbracht hatte.
Diesen Maennern folgten viele andere, die zu Beginn der Besatzung zu den Kommunisten hinueber geschwenkt waren, weil sie
glaubten, dadurch in der Lage zu sein, die Rechte der Arbeiter
zu verteidigen und gegen die russische Korruption zu protestieren.
- 14 -

�Die frueheren linksgerichteten Sozialisten hegten natuerlich zuerst die Hoffnung, dass sich das Los der estnischen
Arbeiter unter dem Sowjet-Regime verbessern wuerde. Sie
waren hoechst enttaeuscht, als sie sahen, dass das Gegenteil
der Fall war. Aber sie konnten nichts dagegen tun, ja, sie
durften nicht einmal ihre Stellungen kuendigen.
Die allgemeine Welle des furchtbaren Erwachens griff auf
viele ueberzeugte und hartgesottene Kommunisten ueber, sodass
eine Reihe Kommunisten, die aus Russland zurueckgekehrt waren,
vom bolschewistischen Glauben abfielen.
Unter der sowjetischen Besatzung wurden zahlreiche
Sozialdemokraten verhaftet und wenn sie nicht an Ort und
Stelle beseitigt wurden, deportierte man sie in die Zwangsarbeitalager in Russland.
Zu den Opfern der estnischen Gewerkschaftsbewegung
gehoeren Jaan Piiskar, der fruehere Vorsitzende des Allgemeinen Bundes Estnischer Gewerkschaften, August Gustavson, der
stellvertretende Vorsitzende dieses Gewerkschaftsbundes und
Repraesentant des Internationalen Arbeitsamtes fuer Estland,
Joosep Rukki, der Vorsitzende der Estnischen Eisenbahnergewerkschaft und Delegierter fuer den Ausschuss des Internationalen Transportarbeiter Verbandes, Viktor Rutnik, der
Sekretaer der Estnischen Eisenbanarbeitergewerkschaft, Juhan
Kurvits, der Vorsitzende der Estnischen Arbeiterkammer und
Mitglied des Exekutivausschusses der Estnischen Druckergewerkschaft, Mlhkel Mihkelson, Parlamentsmitglied und Vizevorsitzender der Estnischen Landarbeitergewerkschaft und Leopold
Johanson, ebenfalls Mitglied im Parlament und Sekretaer der
Liga Estnischer Krankenkassen und frueherer Aussenminister.
All diese Maenner sind verschwunden, ohne eine Spur zu
hinterlassen und es gibt keinerlei Informationen ueber ihr
Schicksal. Neben den Gewerkschaftsfuehrern hat das gleiche
Schicksal eine grosse Zahl unabhaengig gesinnter estnischer
Arbeiter ereilt.
Am 14. Juni 1941 wurden 1.000 Personen verhaftet und anschliessend deportiert, annaehernd 1.S00 Estlaender wurden
von der NKWD beseitigt, ohne dass ihnen der Prozess gemacht
wurde. Etwa 64.000 Estlaender wurden waehrend der ersten
russischen Besatzung liquidiert.
Mit kleinen oertlichen Veraenderungen trifft die gleiche
Geschichte fuer Lettland und Litauen zu. Am 14. Juni 1941
deportierten die sowjetischen Behoerden 14.000 Menschen aus
Lettland, in 39 Kategorien eingeteilt, nach Sibirien. Zu
den Deportierten gehoerten beide Vorsitzende des lettischen
Exekutivausschusses der Gewerkschaften, J. Visnia und
A. Veckalns. Visnia spielte In der Revolution von 1917 eine
aktive Rolle, waehrend Veckalns unter der Diktatur Ulmanis
lange Zeit im Konzentrationslager untergebracht war.
Die zahlreichen fortschrittlichen Gesetze und Einrichtungen der frueheren demokratischen Nation Lettland sind
ausgemerzt worden und der Lebensstandard der Arbeiter wurde
auf etwa l/3 seines frueheren Standes reduziert.
Die unaufhoerlichen Verhaftungen, das Verschwinden von
Menschen, die Deportierungen und Mobilisierungen, verbunden
mit dem staendigen Prozess der Russifizierung, fuehren zu
einer systematischen Zerstoerung der nationalen Eigenart der
baltischen Voelker«
International Labor
- 15 Relations Committee APL

�FRUCHTBARE ARBEIT AMERIKANISCHER GEWERKSCHAFTEN IN EUROPA
Die "Hemdsaermeldiplomaten", die aus amerikanischen
Gewerkschaften kommen, haben,wie von der Verwaltung fuer
europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit erklaert wird,
in Europa wesentlich zum Aufbau eines Bollwerks gegen die
sowjetische Aggression beigetragen.
In einer Anerkennung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung aus Anlass des dritten Geburtstages des Marshallplans bezeichnet die ECA das Nachlassen des kommunistischen
Einflusses innerhalb der europaeischen Gewerkschaften als
ein Ergebnis der Arbeit dieser Leute. Vor drei Jahren, heisst
es in der Erklaerung der ECA, beherrschten die Kommunisten
die europaeischen Gewerkschaften mit insgesamt 12 Millionen
Mitglieder. In diesem Jahr zaehlen die kommunistisch beherrschten Gewerkschaften nur noch 6 Millionen Mitglieder,
die aber nicht alle Kommunisten sind.
Auch die Zahl der wirklichen Kommunisten in Europa ist
in einem aehnlichen Verhaeltnis geringer geworden. Zuverlaessigen Schaetzungen zufolge ging die Zahl der Kommunisten
in West-Europa von 3.188.000 im Jahre 1947 auf 2.560.000 in
diesem Jahre zurueck.
Von Anfang an standen dem europaeischen Wiederaufbauprogramn
Berater fuer Arbeitsfragen und Mitarbeiter fuer diese Fragen
zur Seite. Der fruenere Leiter der ECA Paul Hoffmann und
sein Nachfolger William Foster wurden und werden von Vertretern der AFL und des CIO laufend unterstuetzt, wenn sie
3eschluesse von grosser politischer Bedeutung zu fassen haben.
Als ein Zentralbuero fuer Uebersee in Paris errichtet wurde,
war eine seiner wichtigsten Unterabteilungen die Abteilung
fuer Arbeitsfragen, in der amerikanischen Gewerkschafter taetig
sind.
Auch den ECA-Missionen in den einzelnen Marshallplanlaendern wurden Berater fuer Arbeitsfragen zugewiesen. Die
Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit hat durch die
gewerkschaftlichen Beratungsausschuesse in den am europaeischen Wiederaufbauprogramm beteiligten Laendern versucht, bei
den europaeischen Arbeitern Verstaendnis fuer dieses Programm
zu erwecken. Darüberhinaus sind Gruppen amerikanischer Arbeitsspezialisten nach Europa gekommen, um mit europaeischen
Organisationen Beratungen zu pflegen und eine Reihe amerikanischer Gewerkschaften haben mit eigenen Mitteln Funktionaere
ins Ausland geschickt, um die freie Gewerkschaftsbewegung in
ihren Bemuehungen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau zu unterstuetzen.
In den Vereinigten Staaten haben Gewerkschaftsmitglieder
ihre Wohnungen und Konferenzraeume Tausenden europaeischer
Besucher geoeffnet, die im Rahmen des ECA-Programm fuer technische Unterstuetzung nach den Vereinigten Staaten kommen, um
den Aufbau und die Methoden der amerikanischen Gewerkschaften
und auch die Methoden der amerikanischen Industrie zu studieren.
Labor News from the ü. S.
IV/13/51
- 16 -

HICOO 27 i p r 51 0920 5 • 2 C

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - iv

Frankfurt, 27. April 1951

I y li A L T S V E R Z £ I 0 E TT I S
7/as bedeutet der Schuman-Plan? - - - - - - - - - -

1

Die Notwendigkeit der Vereinigung Europas

4

- - - -

Kommunistische Taktik in amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

7

Italien wird nicht wie Frankreich unter Streiks
zu leiden haben - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Amerikanische Tarifverträge sehen Stipendium vor

11

Daenische Gewerkschaft im Dienst dar erwerbstaetigen Frau
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 2
Der eurooaeische V/iederaufbau

- - - - - - - - - - 1 3

Internationales Sekretariat der Lehrer geplant - - 16

'•VAS BEZWECKT DER SCHUKAN-PLAN?
Der Schuman-Plan hat die Errichtung eines freien und einzigen Absatzmarktes fuer zwei grosse Grundstoffindustrien der sechs
Mitgliedstaaten zum Ziel: Kohle und Stahl. Fuor diese beiden "Zaren
wird es in Zukunft keine ,-Zollgebuehren, keine einschraenkenden
Zollbestimmungen, keine Importquoten, keine Zuschuesse der Regierungen, keine "donnelten" unterschiedlichen Frachtgebuehren fuer
auslaendische und inlaendische Verbraucher mehr geben. Der Vertrag erklaert ausserdem alle Methoden fuer ungesetzlich, die in
der Vergangenheit zur Schaffung von Monopolen, zur Kontrolle der
- 1-

�Produktion oder zur Einschraenkung der Absatzmaerkte angewendet
wurden. Der einzige Absatzmarkt wird in Zukunft frei und der
Konkurrenz unterworfen sein. Alle Hersteller werden freien und
gleichberechtigten Zutritt zu den Maarkten haben, und alle Verbraucher haben gleichen Anspruch auf die verfuegbaren Waren.
Alle Formen einer Diskriminierung sind abgeschafft. Dies sind
in einfachen Worten die wesentlichen Merkmale des Schuman-Planes.

Der einzige Absatzmarkt untersteht einer Reihe von Institutionen, die in dem Vertragsentwurf festgelegt sind. Die exekutive
Institution ist die Hohe Behoerde, die sich aus neun Mitgliedern
zusammensetzen wird. Acht dieser Mitglieder werden von den Teilnehmerstaaten ernannt, wobei einem Land nicht mehr als zwei Mitglieder zustehen. Diese acht Mitglieder werden daraufhin das
neunte Mitglied der Hohen Behoerde waehlen. Diese Behoerde wird
nicht irgendeinem Lande, sondern dem Pool bzw. allen Mitgliedstaaten gegenueber verantwortlich sein. Die wichtigste Aufgabe der
Hohen Behoerde
esteht darin,
dafuer zu sorgen,
dass der allgemeine
,€ufopaixke SememßkaftßrJ(phku.Stahl'\ nicht Absatzmarkt
in irgendeiner V/eise be&amp;ieJ(ohle-u.StQklprodktti(»l eintraechtigt
12,1
wird. Die Behoer10,5
der 6 Sikumanplan lancier
de selbst soll
1950 in MtU
sich nur insoweit
in die Arbeit des
Absatzmarktes einJUI
mischen, als dies
Fi 10.*"«
zur Erreichung und
DEUTÄHUNO
REICI
• T | | BURG
| ITALIEN
Sicherung der Ziele des Schumanflufbau der „turopäifthenGemeinfdioffm
Planes notwendig
ist. Gleichzeitig
und (Funktion ihrer Organe ••••••••
hat sie weitgehende Befugnisse, in
Zeiten wirtschaftlicher Krisen oder
Verknappungen einzugreifen, und ist
berechtigt, bei
der Modernisierung
der Industrie mitzuhelfen, das Lohnniveau und die
Arbeitsbedingungen
zu schuetzen und
die wirtschaftliche
Forschung anzuregen. Die Kontrollorgane werden ausser
der Hohen Behoerde
aus einem Beratungsausschuss, einem
Ministerrat, einer
Gemeinsamen Versammlung und einem
Gerichtshof
bestehen,
SSPahl
Der Beratungsausschuss soll die

DER SCHUMAN-PLAN

7Vc

lUitglwdftaateA

�Hohe Behoerde unterstuetzen und kann zu jeder Zeit zu Rate gezogen
werden, wenn die Hohe Behoerde dies fuer angebracht haelt. Unter
gewissen Umstaenden ist die Hohe Behoerde gezwungen, sich den Rat
dieses Ausschusses einzuholen. Der Ministerrat wird sich aus Ministern der Teilnehmerstaaten zusammensetzen und fuer die Koordinierung und Verbindung zwischen der Hohen Behoerde und den Regierungen der Mitgliedstaaten sorgen. Die Gemeinsame Versammlung
besteht aus Mitgliedern, die von den Parlamenten der sechs Teilnehmerstaaten ernannt werden, und sie wird als legislative Koerperschaft taetig sein, an die die Hohe Behoerde in regelmässigen
Zeitabstaenden Bericht erstatten muss. Der Gerichtshof schliesslich hat die Aufgabe, darueber zu wachen, dass die Hohe Behoerde
nicht willkuerlich oder in Verletzung der Bestimmungen des Vertrags von ihren Befugnissen Gebrauch macht.
Vom Standpunkt des deutschen Arbeiters aus sind die Vorteile
dieses Planes offensichtlich. Der Plan sieht die progressive
Schliessung unrentabler Bergwerke in Belgien und Frankreich vor.
Dies wird zu einer Ausdehnung des Absatzmarktes fuer die Ruhr
fuehren und damit eine breitere und stabilere Besfchaeftigung fuer
die Arbeiter bedeuten. Mit dem Zusammenbruch der kuenstlichen
Zollschranken wird die deutsche Stahlindustrie in der Lage sein,
die Fruechte aus ihrer produktiven Leistungsfaehigkeit zu ernten,
die wiederum den Arbeitern in Form einer hoeheren Stabilitaet
der Beschaeftigung zugutekommen. Eines der grundlegenden Ziele
des Planes ist die "Entwicklung der Beschaeftigungsmoeglichkeiten
und die Verbesserung des Lebensstandards" in den Teilnehmerstaaten.
Den Arbeitern wird ein Schutz gegen jene Unternehmer geboten, die
durch niedrigere Loehne und damit geringere Produktionskosten ihre
Erzeugnisse zu niedrigeren Preisen verkaufen wollen. Sie koennen
ausserdem bei Arbeitslosigkeit, die auf technologische Ursachen
zurueckzufuehren ist, von der Hohen Behoerde unterstuetzt werden.
In den meisten Faellen jedoch bleibt das Recht der Arbeiter, hoehere Loehne zu fordern, eine Privatangelegenheit, die in Verhandlungen zwischen dem betreffenden Unternehmen und seinen Arbeitnehmern
geklaert wird.
Fuer den Durchschnittsbuerger in jedem der sechs Teilnehmerstaaten hat der Schuman-Plan eine ganz besondere Bedeutung. Durch
die Beseitigung der Zoelle fuer Rohstoffe, die zwischen den einzelnen Laendern ausgetauscht werden, ist mit Sicherheit mit geringeren Produktionskosten zu rechnen. Auch die Abschaffung verschwenderischer Arbeitsmethoden wird zu einer Senkung der Gestehungskosten beitragen und die uneingeschraenkte und gesunde Konkurrenz,
die sich hieraus ergeben wird, ist eine Garantie dafuer, dass die
Einsparungen dem Verbraucher in Form niedrigerer Preise fuer Tausende von Waren, die aus Stahl hergestellt werden, zugutekommen.
Ein Zimmermann zum Beispiel, auf dessen Arbeit sich der Plan nicht
direkt auswirken kann, wird indirekt insofern profitieren, als er
billigere Naegel fuer seine Arbeit und billigere Kohle fuer seine
Wohnung kaufen kann.
Als der Schuman"Plan zum erstenmal von der franzoesischen Regierung in Vorschlag gebracht wurde, fand er als ein Schritt auf
dem Wege zu einem vereinigten Europa und zur Erhaltung des Friedens
allgemeine Zustimmung. Die moderne Kriegfuehrung ist von der
Stahlerzeugung abhaengig, und es ist offensichtlich, dass, wenn
der Schuman-Plan endgueltig akzeptiert und durchgefuehrt wird, es
einer europaeischen Nation unmoeglich sein wird, ohne das Wissen
anderer Nationen aufzuruesten. Und wenn jede Nation gleichen Zutritt zu den Produktionsquellen hat, ist es unwahrscheinlich, dass
eine von ihnen in der Lage sein wird, sich einen Vorrat an Waffen
zu schaffen, der groesser ist als der anderer Nationen. Bei der
- 3 -

�Verkuendung seines Planes hat der franzoesische Aussenminister
Schuman festgestellt, dass sich Europa durch Kriege selbst aufgerieben hat, weil es niemals vereinigt war. Er bot diesen Plan
als eine konkrete Massnahme zur Schaffung einer europaeischen Solidaritaet'und zur endgueltigen Beendigung des uralten Kampfes zwischen Frankreich und Deutschland an. Der Plan ist von den politischen Fuehrern der Welt als ein Schritt zum Frieden und zur europaeischen Vereinigung begruesst worden.
Der Schuman-Plan berechtigt zu grossen Hoffnungen fuer die
Zukunft. Es ist das erste Mal, dass sich Vertreter von sechs
europaeischen Laendern einverstanden erklaert haben, ihre souveraenen Rechte in bezug auf die Kontrolle und Entwicklung zweier grundlegender Industriezweige aufzugeben. Es hat einen Voelkerbund, die
Vereinten Nationen und einen Europarat gegeben, aber der SchumanPlan ist das erste Forum, mit dessen.Hilfe die nationalen Schranken,
die Europa jahrhundertelang in verhaeltnissmaessig kleine wirtschaftliche Einheiten aufgespalten haben, zerbrochen sind und eine
wahre uebernationale Organisation geschaffen werden kann. Die
Beseitigung der Handelsbeschraenkungen, Zollschranken und Zoelle
fuer Kohle und Stahl wird zweifellos zu aehnlichen Massnahmen in
anderen Grundstoffindustrien Anlass geben. Die franzoesische Regierung hat bereits die Zusammenfassung der westeuropaeischen
Landwirtschaft unter einer uebernationalen Behoerde vorgeschlagen,
die der des Schuman-Planes aehnlich ist. Wenn sich der Plan fuer
Kohle und Stahl als erfolgreich erweist - warum sollte er dann
nicht auf alle anderen Grundstoffindustrien uebertragen werden?
Der Schuman-Plan fuehrt letzten Endes zur europaeischen Wirtschaftseinheit und die sichere Folge dieser Wirtschaftseinheit ist die
politische Einheit.
Background Information
IV/80/51
DIE NOTWENDIGKEIT DER VEREINIGUNG EUROPAS
Wie den nachstehenden Ausfuehrungen zu entnehmen ist, ist die
Idee einer europaeischen Einheit keineswegs neu. Sie hat Philosophen, Soziologen, Staatsmaenner und Eroberer in ihren Bann gezogen, wobei die letzteren ein Alibi fuer ihre Eroberungen suchten.
Das Zeitalter der Traeumereien und der intellektuellen Erwaegungen
schien mit dem ersten Weltkrieg zu Ende zu gehen.
Der Voelkerbund war bestrebt, mit einem Schlag weltumfassend
zu werden, ein Vorhaben, das an sich schon ueberspannt ist und
noch durch die Tatsache ueberspannter wurde, dass es zu Anfang an
einem ausschlaggebenden Partner und spaeter an Anhaengern fehlte.
Ungefaehr um das Jahr 1930 ging Aristide Briand naeher an dieses
Ziel heran, indem er eine europaeische Wirtschaftseinheit vorschlug: Sie wurde unter Blumen begraben, scheiterte jedoch in
Wirklichkeit schon an dem Misstrauen Gross-Britanniens und die
sich naehernde Weltkrise bereitete in vielen Laendern das fuer eine
autarke Struktur guenstige Klima durch eine Reaktion vor, die ebenso unueberlegt wie traditionsgebunden war.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, der weit "revolutionaerer" war als der erste, wurde das Problem einer europaeischen
Vereinigung in zunehmendem Masse akut.
Politisch gesprochen, haben die Ereignisse dieser letzten Monate selbst den Unaufmerksamsten zu erkennen gegeben, dass unter den
- 4 -

�Voelkern des Abendlandes tatsäechlich eine Solidaritaet bestand.
Es ist offensichtlich, dass keines dieser Voelker in der Läse ist,
selbst die Organisation seiner bedeutenden Sicherheit bewaeltigen
zu koennen.
Verantwortlich hierfuer sind die Verwuestungen und Verluste
des Krieges, die weit bedeutender sind als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Weltgeschichte und die man am Tage nach
dem Waffenstillstand noch gar nicht uebersehen konnte. Aus diesem Grunde bleibt uns nichts anderes uebrig, als uns zu dem nationalen Wahlspruch unserer belgischen Freunde zu bekennen: "Einheit macht stark" und ihn auf den europaeischen Plan zu uebertragen.
Die Idee einer europaeischen "Wirtschaftseinheit ist durefc
das Inkrafttreten der Marshallhilfe wesentlich gestaerkt worden.
Die Leiter dieses Planes haben nicht aufgehoert, darauf hinzuweisen, dass es ihr Ziel ist, Europa sobald wie moeglich auf
seine eigenen Fuesse zu stellen. Mit anderen Worten, wenn Europa auf seinen eigenen Fuessen stehen will, darf es nicht mehr
wie bisher in kleine Stuecke aufgeteilt werden oder, um es mit
noch anderen Worten zu sagen, das Bild eines zerstueckelten
Koeroers bieten.
Es ist notwendig, dass ein vereinigter Organismus die freie
Zirkulation der Produkte, des Kapitals und der Menschen selbst
ermoeglicht. Man wird vielleicht einwenden, dass dieses Ziel
ohne eine besondere Organisation erreicht werden kann: Zur Zeit
des triumphierenden Liberalismus ist natuerlich die europaeische Arbeitsteilung geschaffen worden. Man darf nicht mehr an
die Rueckkehr und besonders an eine rasche Rueckkehr einer solchen "Organisation" glauben. Der fruehere Mechanismus ist seit
1914 durch die Ereignisse und die Politik dermassen geaendert worden, dass er heute ausser Gebrauch ist und durch andere Auffassung
ersetzt werden muss, denen eine neue Ideologie zu Grunde liegt.
Was schliesslich das wesentliche ist, die Welt im allgemeinen und
die Wirtschaft im besonderen, ist betraechtlichen Aenderungen
unterworfen worden.
Wir befinden uns im Zeitalter der Wirtschaft der Massen und
der Wirtschaft des grossen Raumes. Die Stunde ist gekommen, den
europaeischen Wirtschaftsraum wirtschaftlich einzuteilen.
Geschieht das nicht, so wird das Abendland vor der physischen
Unmoeglichkeit stehen, im wirtschaftlichen Leben von Morgen eine
Rolle zu spielen. üuf der anderen Seite jedoch bestehen die
Moeglichkeiten einer solchen wirtschaftlichen Keuformung.
Was soeben gesagt wurde, ist eine erschoepfende Erklaerung
fuer die Schwierigkeiten Gross-Britanniens, seinerseits den europaeischen Gedanken zu pflegen und es ist eine Erklaerung fuer
die reservierte Haltung diesem Gedanken gegenueber, wie sie David
Scott an den Tag legt. Das Commonwealth bedeutete fuer England
diesen grossen Raum der modernen Wirtschaft und diese Auffassung
besteht seit lancer Zeit in einem Masse, dass es diesem Lande
vielleicht eher schaedlich als nuetzlich erscheinen koennte, sich
einer anderen Einheit anzuschliessen.
Wie koennte deshalb uebersehen werden, was fuer die britische Sicherheit im engsten Sinne dieses Wortes und selbst in wirtschaftlicher Hinsicht auf dem Spiel steht, weil der Sterling-Block
- 5-

�von chaotischen Zustaenden in Europa nioht in Mitleidenschaft gezogen wuerde.
Es wird bestimmt Grund zur Ueberraschung sein, dass derartige
entscheidenden Motive fuer die Vereinigung nur langsame Verwirklichungen folgen. Es handelt sich nicht im europaeischen Falle
darum, mit neuem Material aufzubauen, wie es fuer die Vereinigten
Staaten der Fall war, als sie ihren Bundesstaat schufen. Hier
muss darum aus Altem Neues gebildet werden, d.h. tiefgehende Veraenderungen des Aufbaues und des wirtschaftlichen Gleichgewichts
von frueher vorzunehmen und, was noch wesentlich schwieriger ist,
in Traditionen hängengebliebene politische Formen, Standpunkte oder
Sentiments ueber den Haufen zu werfen, die seit Jahren, ja seit
Jahrhunderten und selbst seit Jahrtausenden verankert sind. Um
das aktuellste Beispiel zu geben: kein vernuenftiger Mensch wird
behaunten, dass man Europa sowohl wirtschaftlich als auch politisch
ohne Deutschland gestalten kann. Dass diese Notwendigkeit verstanden wurde, ist in ausreichendem Masse durch den Schumanplan bewiesen. Es ist jedoch fuer den einfachen Franzosen nicht moeglich,
dass das, was ihm seine Vernunft sagt, nicht der Erinnerung an
drei deutsche Invasionen in weniger als 3/4Jahrhundert entgegentritt.
Er kann sich hiervon nicht sofort und spontan freimachen.
Wenn man Remon Millet glauben will, muss man in Europa im entstehenden Europarat zwischen Foederalisten und Funktionellen unterscheiden. Die Foederalisten wollen Europa in einem genau festgelegten und sofort vorgeschriebenen Rahmen einordnen. Die Funktionellen dagegen wuenschen eine allmaehliche Vereinigung der europaeischen Staaten durch Vereinbarungen ueber bestimmte und aufeinander
folgende Punkte verwirklichen zu koennen. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass die foederalistische Auffassung den
Vorschlag einer uebernationalen Behoerde enthaelt, waehrend die
Funktionellen hiervon nichts wissen wollen.
Die Franzosen sind groesstenteils Foederalisten: Sie sind es
aus persoenlicher Ueberzeugung. Wenn es ihnen erlaubt ist, einmal
an ihre eigenen Erlebnisse zu denken, muessen sie feststellen, dass
es fuer sie schwierig ist, sich mit dem Gedanken einer uebernationalen Behoerde vertraut zu machen. Aber man muss wissen, was man
erstrebt. Die einfachste Beobachtung besagt, dass bei dem Plan
dieser Behoerde, die die Initiative ausloeschen oder zusammenfassen
kann, jede Verzoegerung der Verwirklichung dieses Gedankens entgegentritt, wenn dieser nicht sogar selbst aufs Spiel gesetzt wird.
Das bedeutet nicht, dass der europaeische Aufbau ein anderer ist
als ein ueblicher Aufbau, d.h., dass man alle Arbeiten gleichzeitig
erledigen und erst dann das Fundament errichten kann. Es bedeutet
auch nicht, dass man sich unbedingt sofort auf die Schwierigkeiten
stuerzen muss und dass man sie, wenn sich Vereinbarungen ueber eine
endgueltige Handlung als moeglich erweisen, diese bis zum Abschluss
einer doktrinaeren Debatte ueber die Nationalsouveraenitaet hinauszoegern muss. Angesichts der alle bedrohenden Gefahr kommst es vor
allem darauf an, dass Frankreich sich diesem Gedanken gegenueber
nicht voellig ablenken laesst.
Es gibt in den franzoesischen Grenzprovinzen ein Haus, das als
Symbol gewertet werden kann. Es war in den Jahren 1814, 1870, 1914
und 1940 zerstoert und jedesmal wieder aufgebaut worden. Die Fassade dieses Hauses traegt eine Inschrift, die hiervon berichtet. Wenn
die europaeische Einheit nicht verwirklicht werden kann, besteht
die Gefahr, dass diese Inschrift morgen oder uebermorgen mit einem
neuen Datum einer nochmaligen Zerstoerung versehen wird, der jedoch
kaum ein Wiederaufbau folgen wuerde.
Rapports France-Etats Unis ll/E
- 6 -

�KOMMUNISTISCHE TAKTIK IN AFRIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Es gibt keinen besseren Masssteb fuer die kommunistische Gewerkschaft als ihr Verhaeltnis zum Streik, wie ihr Verhalten vor
und nach der russischen Invasion in Korea beweist. - Vor der Invasion hatte Jack Johnstone im Organ der Kommunisten "Daily
Worker" erklaert: "Der Anti-Streik Plan, den die Funktionaere der
AFL und die Anhaenger Hillmans innerhalb des CIO den Arbeitern
der Schiffsbauindustrie einzutrichtern versuchen, ist als ein
Teil des Bestrebens zu werten, die Gewerkschaften in die Ruestungsmaschinerie einzuspannen."
Nach der russischen Invasion sagte Earl Browder auf einer
oeffentlichen Massenkundgebung in St. Louis: "Jede konditionelle
Form der Anti-Streikpolitik bedeutet, dass man die Gewerkschaftsbewegung von ihrer eigentlichen Aufgabe abbringen und den Klassenkampfgedanken in Amerika ausloesen moechte, der die Kriegsanstrengungen untergraben wuerde und fuer' Amerika und die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung unheilvolle Folgen haette."
Obwohl der groesste Teil der Gewerkschaftsfunktionaere sich
gegen die in Kriegszeiten gefuehrten Streiks John L. Lewis' aussprach, haette niemand totalitaere Massnahmen zur Unterdrueckung
des Bergarbeiterstreiks gefordert.
Nach der Beendigung des Krieges entwickelten sich in Europa
Spannungen zwischen der Sowjetunion und ihren westlichen Alliierten.
Dies war das Zeichen fuer die amerikanische kommunistische Partei,
einen Angriff gegen die amerikanische Regierung zu starten. Alf
das Programm Praesident Trumans verkuendet wurde und der MarshallDlan sowie der Atlantik Pakt sich verwirklichten, wurde die Kluft
zwischen den Kommunisten und den amerikanischenv Gewerkschaften immer groesser. Dies bedeutete natuerlich, dass die amerikanischen
Gewerkschaftsfunktionaere, die die Aussenpolitik der Vereinigten
Staaten unterstuetzten, immer heftigeren Angriffen ausgesetzt waren.
Diese grundsaetzliche Feindschaft gegenueber den westlichen Demokratien kam auch in gewerkschaftlicher Form zum Ausdruck. Extravagante
Lohnforderungen waren der erste Schritt, es folgten unaufhoerliche
Streikaufrufe und eine gegen die Regierungspolitik gerichtete Agitation innerhalb der Gewerkschaften.
Indem sich die Kommunisten die Opposition der Gewerkschaften
gegen einschraenkende Arbeitsgesetze, wie z.B. die "Case Bill" und
das "Taft-Hartley-Gesetz" zunutze machten, versuchten sie, den TOlitischen Streik in Amerika auf der Bildflaeche erscheinen zu lassen.
Dies wurde eindeutig in "March of Labor", einer gewerkschaftlichen
Publikation im Dienste der Kommunisten und ihrer Anhaenger, mit
folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:
"Die Zeit ist jetzt fuer die Gewerkschaftsmitglieder gekommen,
die Angelegenheiten in bezug auf das Taft-Hartley-Gesetz selbst in
die Hand zu nehmen. An dem Kampf um den Widerruf dieses Gesetzes
muessen sich die Millionen Arbeiter in den Gewerkschaften beteiligen.
Sie duerfen, wenn es notwendig ist, auch nicht davor zurueckschrecken,
die Arbeit niederzulegen."
Derartige Vorschlaege wurden von den Gewerkschaftsfunktionaeren
verworfen, die darauf bestanden, ein Mittel zur Regelung dieser Situation durch gesetzgeberische und verfassungsmaessige Methoden zu
suchen.
Das kommunistische Bestreben, aus dem Taft-Hartley-Gesetz politisches Kapital zu schlagen, hat den Mitgliedern einiger noch
- 7-

�kommunistisch beherrschter Gewerkschaften schwere Haerten auferlegt.
Sie weigerten sich, ihre Stellungen niederzulegen odei* eine Erklaerung zu unterschreiben, dass sie keine Kommunisten sind. Diese
Srklaerung ist im verabschiedeten Gesetz vorgesehen und ihre Abgabe ist Pflicht, wenn die Verfahren des bundesstaatlichen Ausschusses fuer Arbeitsfragen angewendet werden. Dennoch wurde
diese Politik von allen kommunistisch orientierten Gewerkschaften
verfolgt, ohne Ruecksicht auf die daraus entstehenden Folgen fuer
die Mitglieder oder die Organisation zu beruecksichtigen.
Die kommunistische Taetigkeit innerhalb der Gewerkschaften
ist sehr vielfaeltig und erweckt oft den Eindruck, als ob sie mitunter im Widerspruch mit sich selbst stuende . Man kann das Verhalten der Kommunisten jedoch verstehen, wenn man an den Rat Lenins
denkt: "Waere es nicht vollendeter Unsinn, den Krieg zum Sturz
des internationalen Buergertums zu riskieren und gleichzeitig von
vornherein die Anwendung der hierzu erforderlichen Methoden abzulehnen? Es waere das gleiche, wenn man ein gefaehrliches und bisher unerforschtes Gebirge ersteigen und sich von Anfang an weigern
wollte, den Aufstieg unter Benutzung der Serpentinen durchzufuehren.
Man wird also zeitweilig umkehren, ja sogar scheinbar die gewaehlte
Richtung aufgeben, um eine andere zu benutzen, die sich als gangbarer erwiesen hat."
Die Kommunisten sahen sich im Winter 1947/1948 hinsichtlich
der Situation, in der sich der Stadtverkehr in New York befand,
einem Dilemma gegenueber. Zuerst glaubten sie, die Transportarbeitergewerkschaft bei der Stange halten zu koennen und gleichzeitig
ihre politische Kampagne, die sich um den fuenf Cents-Fahrpreis
drehte, durchzufuehren. Bald jedoch stellte sich heraus, dass
ihnen nur die Wahl blieb, entweder die Transportarbeitergewerkschaft
zu verlieren oder ihre attraktiven politischen Schlagworte abzulegen. Da die Politik fuer die Kommunisten wichtiger ist als
Tarifverhandlungen, riskierten sie das Abspringen der Gewerkschaft.
"Lohnaufbesserungen ohne Preiserhoehungen" war fuer die Kommunisten gewiss keine Prinzipienfrage. Waehrend die Situation des
New Yorker Transportwesens einen guenstigen Kampfplatz fuer eine
kommunistische politische Kampagne bot, betrachteten sie das Zimmerpreisoroblem der Hotels von einem anderen Standpunkt aus. In
diesem Falle unterstuetzte der kommunistisch beherrschte Rat fuer
das Hotelgewerbe die Hotelbesitzervereinigung in ihrer Forderung
nach hoeheren Entgelten. Die kommunistischen Fuehrer wandten sich
gegen die Verwaltung O'Dwyers, die die Genehmigung fuer die Erhoehungen von Hotelzimmerpreisen aufgehoben und die Rueckerstattung von
Ueberbetraegen angeordnet hatte, die bereits bezahlt worden waren.
In einem Versuch, die Funktionaere der Gewerkschaften in Schwierigkeiten zu verwickeln, versuchten sich die Kommunisten in allen
moeglichen Arten von Systemen mit der Hoffnung, propagandistische
Erfolge erringen zu koennen, gleichgueltig, ob ihre Vorschlaege akzeptiert wurden oder nicht. Eines dieser Probleme war die in den
letzten Jahren gestellte Forderung nach Landeskonferenzen ueber
Lohnfragen fuer alle CIO-Gewerkschaften, "damit der Kampf um eine
Srhoehung der Loehne und gegen die Gefahr der Arbeitslosigkeit organisiert, ausgeweitet und koordiniert werden koennte." Dies entspricht der kommunistischen Auffassung, dass die Gewerkschaft ein
Werkzeug ist, mit dem die Massen in Bewegung gesetzt werden koennen.
Es waere jedoch falsch,anzunehmem, dass die Kommunisten tatsächlich das verfolgen, was sie in ihrer eigenen Propaganda als
ihre Ziele erklaeren. Mitten in den Streiks des Jahres 1946. die sicJ
- 8 -

�zum erstenmal um Lohnerhoehungen drehten, waren die Funktioniere
der kommunistisch gefuehrten Elektroarbeitergewerkschaft (UE) die
ersten, die sich im Namen ihrer eigenen Mitglieder durch die Annahme eines Kompromisses, das ihnen wenig mehr als die Haelfte
der urspruenglichen Forderung einbrachte, mit den General Motors
einigten. Sie entschlossen sich hierzu, ohne die Automobilarbeitergewerkschaft zu Rate gezogen zu haben, deren General MotorsAbteilung sich zur gleichen Zeit im Streik befand.
In der Lohnkampagne des Jahres 1949 erklaerten die Anhaenger
der Kommunisten: "Die Stahl-, Automobil- und Elektroindustrie
wuerde eine unschlagbare Einheit bilden, die in der Lage waere,
ihre Loehne selbst zu bestimmen." Diese Forderung nach Einheit
war jedoch von einer kommunistischen Gewerkschaftspolitik begleitet, die ein gemeinsames Handeln unmoeglich machte. Ausserdem
sind Gewerkschafter realistisch genug, um zu wissen, dass sie angesichts der wirtschaftlichen Tatsachen ihre Loehne nicht selbst
bestimmen koennen.
Auf Grund dieser realistischen Einstellung billigen und unterstuetzen die Gewerkschafter die Auffassung, dass der Lebensstandard
des Volkes, auf lange Sicht gesehen, nur durch Reduzierung der
Gestehungskosten und durch die Versorgung mit mehr Waren zu niedrigeren Preisen verbessert werden kann. Sie sind der Auffassung,
dass reduzierte Gestehungskosten durch verbesserte Technologie
und bessere Produktionsverfahren, durch leistungsfaehipe Techniker
und Unternehmer ermoeglicht werden muessen. Gewerkschafter lehnen
es jedoch ab, den Arbeitern ungerechte Arbeitslasten aufzuerlegen.
Spaeter hielten es die Kommunisten fuer vorteilhaft, ueberspannte Lohnforderungen zu stellen. Was Lohn- und Vertragserfolge
betrifft, sind die kommunistisch beherrschten Gewerkschaften immer
nur dem Beispiel der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung hinterhergeschickt. Nachdem sie jedoch nun mit eigenem Dampf fahren muessen,
koennen sie nicht mehr so viel erreichen. Ihre eigenen Vertraege
weisen keine sichtbaren Gewinne auf. Von den 86 Lohnabkommen der
kommunistischen Elektroarbeitergewerkschaft, die in der Zeit von
April bis August abgeschlossen wurden und vom Buero fuer Arbeitsstatistik zusammengestellt sind, finden sich in 5£ Abkommen kein.e
allgemeinen Lohnaufbesserungen; acht Vereinbarungen enthalten nur
Erhoehungen von einem bis drei Cents, in 17 Vertraegen werden die
Loehne um vier bis fuenf Cents erhoeht, und nur neun Abkommen sehen
Erhoehungen von sechs bis zehn Cents vor. Diese Lohnerfolge sind
weit von den 500-Dollar-Loehnen entfernt, mit denen sich die Fianktionaere der Elektroarbeitergewerkschaft vorzeitig ruehmten.
Nach den "Monatsberichten ueber Lohnentwicklungen" des Bueros
fuer Arbeitsstatistik zu urteilen, erging es den anderen kommunistischen Gewerkschaften nicht besser. In der Praxis ist es tatsaechlich
so, dass die Presse von einer Reihe Lohnkuerzungen berichten musste,
mit denen sich kommunistische Gewerkschaften einverstanden erklaerten. Dies hat sie jedoch keineswegs davon abgeschreckt, die AFL
und den CIO anzugreifen, weil sie angeblich "mit ihren Lohnforderungen zu langsam traeten."
Research Staff, Int. Ass. of Machinists
11/27/51

ITAT IEN -VIRD NICHT ".TS FRANKREICH UNTER STREIKS ZU LEIDEN HABEN
"Es ist den Lohnerhoehungen auf Grund der "Gleitenden Skala"
fuer Lebenshaltungskosten, die vor kurzem fuer drei Millionen Indu- 9-

�striearbeiter Italiens erzielt werden konnten, zu verdanken, dass
sich die Welle der Streiks und Arbeitsunruhen, die das wirtschaftliche Leben in Frankreich im Maerz voellig lahmlegte, in Italien
nicht wiederholen wird.
Diese zuversichtliche Prophezeiung wurde von Giulio Fastore,
dem langjaehrigen Gewerkschaftsfuehrer und Generelsekretaer des
maechtigen italienischen Gewerkschaftsbundes CISL, in einem inoffiziellen Interview ausgesprochen.
"Die wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Beziehungen zwischen den Arbeitern und den Unternehmern in Frankreich haben durch
das Fehlen einer Vereinbarung, wie sie die "Gleitende Lohnskala"
darstellt, die Lohnverhaeltnisse in kritischen Zeiten aeusserst
schwierig gestaltet. Die Streiks der letzten Wochen sind zweifellos durch die unguenstige Lage verursacht worden, in der sich die
franzoesische Arbeiterklasse angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten befand."
"Wenn in Frankreich eine Einrichtung zur automatischen Loesung dieses Problems bestanden haette, wie zum Beispiel eine
"Gleitende Lohnskala", waere es nicht zu einer so kritischen Lage
gekommen und die Kommunisten haetten nicht die Moeglichkeit gehabt, zur Erreichung ihrer eigenen umstuerzlerischen Ziele aus
den berechtigten Forderungen der Lonnempfaenger Kapital zu schlagen.
Als einflussreichster Gewerkschaftsfuehrer Italiens wird
Pastore auch als einer der bedeutendsten Kapazitaeten in der europaeischen Gewerkschaftsbewegung anerkannt. Im Jahre 19£0 organisierte er im Alter von 18 Jahren seine erste Gewerkschaft, und
seitdem kaempft er unablaessig fuer die europaeische Arbeiterschaft.
Von den Schwarzhemden Mussolinis unmittelbar nach dessen
Machtergreifung verfolgt, fuehrte er in den zwanziger Jahren der
Diktatur einen gefaehrlichen Krieg gegen den Faschismus. Als
Gruender und Herausgeber der geheimen Gewerkschaftszeitung
"Conquiste Sindicale" (Gewerkschaftliche Erfolge) wurde er im
April 1944 in Rom von den Nazis verhaftet und sollte in ein deutsches Konzentrationslager gebracht werden. GluecklicherWeise wurde er am 5. Juni 1944 von alliierten Truppen, die der 5. Armee
General Mark W. Clarks angehoerten, befreit.
Angesichts der Bemuehungen.Italiens zur Wiederingangsetzung
und Mobilisierung seiner Wirtschaft zur Sicherung der Verteidigung
gegen irgendwelche Aggressionsgelueste einer fremden Macht stellte
man Pastore die Frage, ob er glaube, dass die italienischen Kommunisten versuchen wuerden, sich agitatorisch zu betaetigen, um die
Verteidigungsmassnahmen zu sabotieren."
Nach kurzer üeberlegung gab Pastore vorsichtig zur Antwort,
indem er seine Worte genauestens ueberlegte: "Unser Gewerkscheftsbund fuehrt wichtige Verhandlungen mit der italienischen Regierung.
Wenn die Regierung unseren gerechten Forderungen nach einer aktiven Beteiligung der Arbeiterschaft an der politischen Wirtschaftspolitik in diesen verworrenen Zeiten stattgibt, werden sich zweifellos die Ereignisse in Frankreich hier nicht wiederholen koennen.
Wenn uns die Regierung dagegen kein Gehoer schenkt, zoegere ich,
irgendwelche Voraussagen zu machen."
"Glauben Sie, dass diese Streikwelle in Frankreich irgendwelche Nachwirkungen auf die Situation der Arbeiterschaft in Ita- 10 -

�lien haben wird?" wurde der italienische Gewerkschaftsfuehrer
sodann gefragt.
"Es besteht kein Zweifel," antwortete er, "dass die italienischen Kommunisten, wenn sich eine guenstige Gelegenheit hierzu
bietet, ebenso wie ihre franzoesische Kollegen handeln werden.
äs darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Moeglichkeiten
kommunistischer Machenschaften auf gewerkschaftlichem Gebiet in
Italien weit beschraenkter sind als in Frankreich.
AFL Weekly News Service
17/17/51
AMERIKANISCHE TARIFVERTRÄGE SEHEN STIPENDIUM VOR
Der althergebrachte Brauch, wonach der Sohn in die Fusstanfen
seines Vaters tritt und den gleichen Beruf waehlt, ist in den
Vereinigten Staaten niemals allzu ausgepraegt gewesen. Dieser
Brauch ist nun durch eine amerikanische Gewerkschaft der Elektroindustrie erneut durchbrochen worden.
Nach den Bestimmungen eines neuen Tarifvertrages, der zwischen der Ortsgewerkschaft Nr. 3 der Internationalen Elektroarbeitergewerkschaft (AFL) und der Elektroindustrie im Bezirk New York
abgeschlossen wurde, koennen die Soehne in ihrem Beruf viel weiter kommen als ihre Vaeter.
In dem Vertrag wird festgelegt, dass die Fabriken der Elektroindustrie, deren jaehrlicher Umsatz eine Million Dollar uebersteigt, ein Stipendium fuer den Besuch der Columbia-Universitaet
zur Verfuegung stellen. Diese Stipendien koennen nur Soehnen von
Mitgliedern der Ortsgewerkschaft zuerkannt werden, die an dem
Pensionsplan der Gewerkschaft beteiligt sind.
Diese Stipendien ermoeglichen ein sechsjaehriges Studium an
der Universitaet Columbia. Die ersten drei Studienjahre sind
den allgemeinbildenden Wissenschaften gewidmet, waehrend die uebrige Zeit dem Studium der Elektrotechnik vorbehalten ist. Jedes
Stipendium hat einen Wert von 4.260 Dollar.
Die Firmen, die Traeger dieses Planes sind, gehoeren dem
Gemeinsamen Industriellen Ausschuss der Elektroindustrie an. Zur
Zeit hat der Ausschuss zwei Jahresstipendien an der Universitaet
von Columbia vergeben. Man schaetzt, dass es mindestens 11 Firmen mit einem Jahresumsatz von 1.000.000 Dollar gibt^ Diese Stipendien geben somit zusammen mit den beiden bereits bestehenden
13 Soehnen von Gewerkschaftsmitgliedern die Moeglichkeit, im
Herbst ihr Studium an der Universitaet zu beginnen.
Der Dekan Lawrence Chamberlain von der Universitaet Columbia,
der mitgeholfen hat, die Einzelheiten fuer den StipendienDlan auszuarbeiten, teilte mit, dass sich bei einem Stipendienfonds von
1.500.000 Dollar und den gegenwaertigen Zinssaetzen die Gesamtjahreseinnahmen auf 55.000 Dollar belaufen.
Die jungen Maenner, die sich um ein Stipendium bewerben, werden auf ihre Kenntnisse und Feehigkeiten geprueft. Das Stipendium
deckt saemtliche Unkosten fuer Unterrichtsgelder, Buecher und Gebuehren. Aus der Liste der Bewerber werden 50 bis 60 fuer die
erste Pruefung ausgewaehlt. Die Besten muessen dann eine Universitaetsaufnahmepruefung ablegen, wonach den 13 Befaehigsten ein
Stipendium zugesprochen wird.
ECA Labor Information
111/20/51
- 11 -

�DA5KISCHE GEWERKSCHAFT IM DIENST DER ERWERBSTAETIGLN FRAU
Die daenische Gewerkschaft fuer weibliche Arbeiter ist die
einzige Gewerkschaft der Welt, der ausschliesslich weibliche
ungelernte Arbeitskraefte angehoeren. Sie feierte jetzt ihr
50-jaehriges Bestehen.
Diese Gewerkschaft konnte im Jahre 1903 ihren ersten Vertrag
abschliessen. Heute zaehlt sie 30.000 Mitglieder und ist die
viertgroesste der dem Daenischen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften.
Die Gewerkschaft fuer weibliche Arbeiter hat in der Geschichte de'r daenischen Gewerkschaftsbewegung eine bedeutende Rolle gespielt. Durch feste Solidaritaet und intelligente Fuehrung hat
die Gewerkschaft es erreicht, dass der Beitrag, den die weiblichen Arbeiter zur daenischen Produktion leisten, von der Oeffentlichkeit anerkannt wird.
Die Gewerkschaft setzt sich aus 90 angeschlossenen Ortsgewerkschaftea zusammen. Ihre Mitglieder sind in der Eisen- und Metallindustrie, in Rundfunkfabriken, der Gummierzeugung, in Streichholzfabriken, der Konservenindustrie und Reinigungsberufen beschaeftigt.
Die Gewerkschaft begann ihre Arbeit mit einer Anleihe von
100 Kronen. Heute stehen gut organisierte Srwerbslosenversicherungen im Dienste ihrer Mitglieder, in Vertraegen sind annehmbare
Loshne und Arbeitszeit festgelegt und die Bueros sind in modernen,
gut eingerichteten Raeumen untergebracht.
Ueber die Bedeutung der daenischen Produktivitaetsausschuesse
befragt, erwiderte Frau Edith Olsen, die Vorsitzende dieser Gewerkschaft:
"Die Produktivitaetsausschuesse bedeuten den Anfang eines
neuen Zeitalters. Die Epoche der menschlichen Erscheinung, die
wie eine Maschine arbeitet, naehert sich schnell ihrem Ende. Die
Arbeiter in der Industrie sollen wieder Mensch sein und nicht blosse
Bestandteile der Maschinen."
In der 157 Jahre bestehenden Seilerei Jacob Holm &amp; Soehne in de
malerischen Hafenstadt Christianshavn, sind von 660 Arbeitnehmern
260 Frauen. Sie sind Mitglieder der oben genannten Gewerkschaft.
Frau Gerda Christiansen arbeitet in dieser Fabrik seit 43 Jahren.
"Ich begann hier im Jahre 1906," erzaehlt sie, "und damals
verdiente ich mit Muehe und Kot 10 Kronen in der Woche. Heute verdiene ich bei kuerzerer Arbeitszeit zwoelfmal soviel.
"Unsere Gewerkschaft war fuer uns von unschaetzbarem Wert.
Die Sicherheit, die sie uns bietet, ist ein unschaetzbarer Vorteil."
"Ich hoffe nur, dass die jungen Leute, die heute in die Industrie kommen, Verstaendnis fuer die vielen Opfer aufbringen, die
die ersten Gewerkschafter bringen mussten, um unsere Gewerkschaft
stark zu machen."
"Durch die Einfuehrung von Maschinen ist die schwere Arbeit
erleichtert und die Produktion gesteigert worden," sagt Frau
Christiansen, "sodass mehr Leute kaufen und die Arbeiter auch die
Zaren erwerben koennen, die sie erzeugen."
- 12 -

�Der groesste Wunsch der arbeitenden Frau Daenemarks ist es,
fuer gleiche Arbeit gleichen Lohn zu bekommen. Gegenwaertig liegen die Loehne der Frauen im Durchschnitt um ein Drittel niedriger als die der Maenner. In einigen Industriezweigen, wie z.B.
der Textil- und Tabakindustrie, ist die Idee der gleichen Loehne
jedoch verwirklicht worden.
Sine andere bedeutende Aufgabe ist e3, die arbeitenden Frauen zur groesseren Aktivitaet auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet zu erziehen. Dies geschieht durch die Bildungsabteilung der Gewerkschaftsbewegung, die gewerkschaftlichen Hochschulen
und das Frauensekretariat. Dieses setzt sich aus Vertretern aller
Gewerkschaften zusammen, zu deren Mitgliedern weibliche Arbeitnehmer gehoeren, ferner aus Delegierten des Frauenausschusses der
Arbeiterpartei (Sozialdemokratische Partei) und der Abteilung fuer
die Ausbildung weiblicher Betriebsraete.
Die Frauen unterstuetzen neben vielen anderen Dingen vor
allem die Idee einer staerkeren Vertretung ihres Geschlechts im
Parlament, damit die Probleme der Frauen des Landes besser anerkannt und verstanden werden koennen.
Erwerbstaetige Kuetter mit kleinen Kindern sind besonders an
der Arbeit fuer die Erweiterung der Sozialleistung fuer die Muetter neugeborener Kinder interessiert, die es ihnen ernoeglichen
soll, fuer die erforderliche Zeit zu Hause zu bleiben, um nicht
ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder schaedigen zu muessen.
Kurzarbeit ist ein weiteres Problem von grosser Bedeutung,
das von den Funktionaeren der Gewerkschaft als ein zweischneidiges
Schwert angesehen wird, da daraus geschlossen werden koennte,
dass in einer Zeit der Erwerbslosigkeit die weiblichen Arbeiter
zuerst entlassen werden sollten.
Und dabei arbeiten die Frauen in der Industrie nur deshalb,
weil sie den Verdienst einer vollen Arbeitswoche brauchen, um ihren
Kindern einen anstaendigen Lebensstandard und eine bessere Zukunft
bieten zu koennen. Bei den heutigen hohen Preisen kann mit einem
einzigen Wochenlohn kaum der Lebensunterhalt fuer eine Familie
bestritten werden, zu der Vater, Mutter und zwei oder mehr Kinder
gehoeren.
Allgemein gesagt, hat die erwerbstaetige Frau den Wunsch,
finanziell auf die gleiche Stufe mit ihren maennlichen Kollegen
gestellt zu werden.
ECA Labor Information
IV/13/51
U.S. Sonderbotschafter Milton Katz:
DER EUROPAEISCHE WIEDERAUFBAU
Die ebenso ruecksichtslose wie vielseitige Aggressionskampagne
der Sowjetunion und ihrer kommunistischen Nachlaeufer hat die freien Nationen Europas und Amerikas zur Wiederaufruestung gezwungen.
Die Wirtschaft Europas und Amerikas muss die Einwohner nicht nur
mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Wohnungen versorgen, sie muss
nicht nur das im Krieg zerstoerte wieder aufbauen und einen Teil
unserer Produktivitaet fuer neue Investierungen einsparen, um die
erzeugungstechnischen Moeglichkeiten unserer Zukunft zu sichern
und auszudehen, sondern sie muss sich auch der fundamentalen Verant- 13 -

�wortlichkeit unterziehen, unsere Verteidigungsstaerke zur Abwehr
der Aggression und zur Sicherung des Friedens aufzubauen.
Wir in Amerika sind ueberzeugt, dass diese Ziele erreicht
werden koennen, wenn wir alle unsere Hilfsquellen kraftvoll und
wirklichkeitsnah organisieren. Die wirksame Organisation unserer
Hilfsquellen fuer diese Zwecke stellt uns vor eine Reihe unendlich
vielseitiger und komplizierter Probleme. Nach amerikanischer Auffassung sind die beiden Grundelemente in dieser Organisation die
wirtschaftliche Vereinigung Europas und eine Steigerung der Produktionsleistung. Angesichts der Lage, in der sich Europa zur Zeit
befindet, stehen diese Grundelemente in enger Verbindung miteinander.
Wirtschaftliche Vereinigung und gesteigerte Produktionsleistung sind Worte, die wir oft gebraucht haben. Wir haben dabei
nicht immer verstaendlich gemacht, was wir eigentlich letzten Endes
damit meinen. Ich moechte erneut versuchen, ihre Bedeutung fuer
uns klarzulegen. Wenn wir von wirtschaftlicher Vereinigung sprechen, meinen wir die progressive Entwicklung eines einzigen grossen
Absatzmarktes fuer Europa. Dies wuerde bedeuten, dass es einer
europaeischen Hausfrau oder einem Arbeiter, Bauern oder Geschaeftsmann frei stuende, die besten Gueter zu kaufen, die irgendwo in
Europa hergestellt werden und zwar zum niedrigsten Preis, zu dem
sie in Europa erhaeltlich sind. Es wuerde fuer die Hersteller
oder Bauern ausserdem bedeuten, dass sie ihre Erzeugnisse irgendwo
in Europa verkaufen koennen.
Angesichts der Moeglichkeiten, die ein derartiger grosser
Absatzmarkt bietet, waere der europaeische Erzeuger oder Bauer
in der Lage, seine Produktion auf weite Sicht zu planen und zu organisieren. Auf diese Waise koennte er seine Produktionsleistung
steigern und es damit ermoeglichen, mehr 'vVaren zu niedrigen Preisen
zu verkaufen und gleichzeitig bessere Loehne zu zahlen.
Wenn wir von der Notwendigkeit einer Steigerung der Produktionsleistung sprechen, meinen wir damit, dass Arbeitskraefte, Kapital, Maschinen, Rohstoffe und der Faktor Zeit besser verwertet
werden muessen, um mit dem gleichen Aufwand an Anstrengungen mehr
7/aren herstellen und verteilen zu koennen. Hierzu ein Beispiel:
Europas Jahresproduktion belauft sich gegenwaertig auf rund 135
Milliarden Dollar. Wenn in Europa die Leistung pro Arbeitsstunde
und pro Arbeiter die gleiche waere wie in Amerika, so wuerde der
Wert der europaeischen Jahresproduktion 405 Milliarden Dollar ueberschreiten. Wenn sich die europaeische Produktionsleistung nur um
1/3 der Differenz zum amerikanischen Stand steigern wuerde, wuerde
dies bereits eine jaehrliche Erhoehung der Produktion um einen Wert
von 100 Milliarden Dollar bedeuten.
Wenn diese jaehrliche Steigerung der Produktion verwirklicht
werden koennte, waere es moeglich, dass das freie Europa fuer Wiederaufruestungszwecke 40 bis 50 Milliarden Dollar jaehrlich verwenden und gleichzeitig seinen Lebensstandard verbessern kann.
Ich moechte nun nicht behaupten, dass dies ueber Nacht zu erreichen
ist. Zu Anfang und auf kurze Sicht gesehen, duerften die Verteidigungsbemuehungen der Vereinigten Staaten und der freien Nationen
Europas in gewissen Sektoren zu Engpaessen fuehren. Aber auf lange
Sicht gesehen, sehen wir keinen Grund, warum die freien Nationen
Europas und Amerikas nicht in der Lage sein sollten, die Mittel
zur Verteidigung bereitzustellen, mit der eine Aggression verhindert und eine friedliche Zukunft gesichert werden kann, und gleichzeitig den Lebensstandard ihrer Bewohner zu verbessern.
14 -

�Ist eine solche Zielsetzung ungerechtfertigt? Im Jahre 1900
ar die Produktionsleistung pro Arbeiter und pro Arbeitsstunde
n Europa im wesentlichen die gleiche wie in den Vereinigten Staaen. Heute liegt diese Produktionsleistung ungefaehr zwischen
inem Drittel und einem Viertel der der Vereinigten Staaten,
enn damit begonnen wuerde, diesen Abstand zu verringern, duerfte
ierueber niemand gluecklicher sein als der Arbeiter. Gesteigere Produktionsleistung wird nicht nur bedeuten, dass mehr Waren
rzeugt und verkauft werden, sondern dass auch mehr Einkommen fuer
.en Verbrauch zur Verfuegung steht. Sie werden zu wissen wuenschen,
de dieses gesteigerte Einkommen verteilt wird. In allen demokra.ischen Laendern wird heute die Aufgabe der freien Gewerkschaften
verkannt,
einen gerechten Anteil aus den gesteigerten Einkomlen fuer die Arbeiter zu erkaempfen. Ich bin ueberzeugt, dask es
inerkannt wird, dass es ebenfalls Aufgabe der freien Gewerkschaften
.st, mitzuhelfen, dieses erhoehte Einkommen durchzusetzen.
Niemand anders als der Arbeiter hat durch gesteigerte Produkiionsleistung
mehr zu gewinnen, aber auch niemand hat mehr zu
r
erlieren, wenn die Bemuehungen fehlschlagen. Aus allem, was ich
gesagt habe, werden Sie ersehen, dass nach unserer Auffassung die
loehere Produktionsleistung mit einer hohen und stabilen Beschaefiigung und einer sich ausdehnenden Wirtschaft verbunden ist. Und
:war deshalb, weil wir an die ureigene soziale Bedeutung der allgemeinen Entwicklung gesteigerter Produktionsleistung denken. In
lieser Hinsicht schafft sie mehr Arbeitsplaetze, groessere sozia.e Sicherheit, mehr Aufstiegsmoeglichkeiten und ein reicheres und
rielseitigeres Leben.
Manchmal besteht jedoch noch immer die Befuerchtung, dass
loehere Produktionsleistung die Beschaeftigungsmoeglichkeiten verlindern koennte. Es gibt eine Situation, in der sich diese Be'uerchtung bewahrheiten koennte. Diese Situation waere gegeben,
Kenn die Äbsatzmaerkte trotz hoeherer Produktionsleistung beschraenkt
vaeren. Wenn eine derartige Situation eine groessere Arbeitslosigkeit
tach sich zieht, ist es von hoechster Wichtigkeit, dass man den
rehler und die Quelle allen Uebel's sofort erkennt. Der Fehler liegt
In der Einengung der Äbsatzmaerkte und nicht in der Steigerung der
'roduktionsleistung. Wenn Ihre Schuhe zu eng sind, werden Sie
)eim Gehen Schmerzen verspueren. Abhilfe schafft man, indem man
»eitere Schuhe verwendet, aber nicht, indem man stillsteht.
Ich habe hervorgehoben, wie ein hoeherer Lebensstandard und
lie Erweiterung der Äbsatzmaerkte fuer Europa von der hoeheren
Produktionsleistung abhaengig sind. Folglich muss ein Programm
sur Steigerung der Produktionsleistung auf die Erweiterung der Abäatzmaerkte im In- und Ausland abgestimmt sein.
Durch die OEEC und die Europaeische Zahlungsunion, die diese
Organisation schuf, werden wesentliche Fortschritte zur Beseitigung der Zollschranken und zur Erweiterung der Äbsatzmaerkte ersielt. Dieser Mechanismus wurde, wie Sie wissen, von den Regierun;en der Marshallolan-Laender in Zusammenarbeit mit der OEEC und
ait Unterstuetzun* der ECA ins Leben gerufen.
Durch die Europaeische Zahlungsunion koennen die Waehrungen
ier Marshallplan-Laender ausgetauscht werden. In den betreffenden
Jebisten ist bereits die groesste Schwierigkeit der blockierten
Gehrungen, die ursnruenglich durch Hitler und Mussolini populaer
vurden, verschwunden. Ebenso verhaelt es sich mit den Handelsquo;en, einem wirtschaftlichen Aspirin, das die Gunst der Autarkisten
;enoss. Im allgemeinen haben sich die Mitgliedstaaten der Europae- 15 -

�ischen Zahlungsunion mit der Bestimmung einverstanden erklaert,
dass 75% ihrer Importe, die frueher den einschraenkenden Bestimmungen der Handelsquoten unterlagen, in Zukunft nicht mehr diesen Beschraenkungen unterworfen sein sollen.
Ausser der Europaeischen Zahlungsunion und den Massnahmen
zur Beseitigung der Handelsquoten koennen wir als einen weiteren^
hoechst konstruktiven Schritt zur wirtschaftlichen Vereinigung
Europas den Schuman-Plan nennen, mit dem die Kohle- und Stahlquellen von sechs Maechten zusammengelegt werden sollen und der
vor kurzem in Paris paraphiert wurde.
In Amerika ist der Schuman-Plan als ein wichtiger konkreter
Schritt zum Aufbau eines starken und geeinten Europas weitgehend begruesst worden, eines Europas, das in der Lage ist, sich
selbst zu verteidigen, und seinen Menschen wirtschaftlichen Fortschritt zu bieten.
Die Staatsmaenner Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Belgiens, Hollands und Luxemburgs sind dazu zu beglueckwuenschen,
dass sie einsichtsvoll und stark genug waren, gegenseitig die
Opfer zu bringen, die notwendig1 sind, um diese wirtschaftliche
Vereinigung zum Wohle Europas zustandezubringen.
ECA Labor Information (OßR 256
INTERNATiaJALES SEKRETARIAT DER LEHRER GEPLANT
Massnahmen zur Errichtung eines internationalen Berufssekretariates fuer Lehrer wurden am 22. April von Delegierten der Gewerkschaftsorganisationen fuer Lehrer getroffen, die am Weltkongress fuer Geistesarbeiter teilgenommen hatten. Die Sitzung begann in Bruessel am 21. April.
Die Lehrer bildeten einen Ausschuss, der die Aufgabe hat,
Informationen ueber gewerkschaftliche Organisationen der Lehrer
zusammenzutragen und sich die Zusammenarbeit bei der Errichtung eines Berufssekretariats zu sichern. Mitglieder des Ausschusses
sind Van der Moertel, Belgien, Irvin R. Kuenzli, Ü.S.A., und Gilbert Walusinski, Frankreich, der die Gewerkschaft Force Ouvri*re
vertritt, die beauftragt ist, die naechste Konferenz der interessierten Organisationen im August dieses Jahres zu organisieren.
Die Lehrer der Welt bilden damit die erste Gruppe Gewerkschafter, die positive Schritte unternommen haben, um das Programm
fuer die Weltorganisation der Geistesarbeiter durchzufuehren, das
auf dem Weltkongress in Bruessel festgelegt wurde. Der Weltkongress hatte den Anschlug an bereits bestehende Berufssekretariate
oder die Organisation neuer Sekretariate dort gefordert, wo bis
jetzt- noch keine bestanden.
Zwei internationale Lehrerorganisationen waren auf der Konferenz in Bruessel vertreten: Die Internationale Foederation der
Lehrergewerkschaften und der Internationale Verband der- Hochschullehrer. Die amerikanische Lehrergewerkschaft ist diesen beiden
Organisationen angeschlossen.
Eine dritte internationale Organisation, die nicht-gewerkschaftliche organisierte Weltorganisation der Lehrer, duerfte ebenfalls aufgefordert werden, sich dem geplanten Berufssekretariat anzuschliessen, damit alle Lehrer der Welt von einem Sprecher bei
der Unesco und anderen Weltorganisationen vertreten werden koennen.
ECA Labor Information LI 613
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
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IV - 18

Frankfurt, 4... Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Amerikanische Studie ueber Arbeitnehmer-ArbeitgeberBeziehungen im Ausland - - - - - - - - - - - - - -

1

Wahre Worte einer aegyptischen Zeitung

- - - - - - -

2

- - - - - - - -

3

Amerikanische Stimmen zur Mitbestimmung - - - - - - -

6

Die Arbeitspolitik in Sowjetrussland

Der amerikanische Eisenbahnerstreik von der gewerk- f
schaftlichen Seite gesehen - - - - - - - - - - - 8
Die 1. Mai-Idee stammt aus dem "kapitalistischen"
Amerika
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 0
Das Wohnbauproblem in Frankreich

- - - - - - - - - -

n.

Amerikanische Gewerkschaften protestieren gegen die
Einwanderung mexikanischer Arbeiter

-------13

New Yorker Gewerkschaftsrat plant Bildungslehrgang
Das Los der Arbeiter hinter dem Eisernen Vorhang

- 15
- - 16

AMERIKANISCHE STUDIE ULBSR ARBEITNEHMER-ARBEITGl^SR-BEZIEKUNGEN
IM AUSLAND"
Die Bedingungen, unter denen sich die Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Gross-Britannien, Frankreich und Schweden entwickelt haben, bilden Gegenstand einer Abhandlung, die vor kurzem vom Forschungsausschuss fuer Wirtschaftliche Sicherheit in Chikago veroeffentlicht wurde.
Die Geschichte dieser Laender, heisst es in dem Bericht, spiegelt die drei Moeglichkeiten der gewerkschaftlichen Entwicklung
- 1-

�wider. Das englische Beispiel zeigt die Entwicklung einer LabourPart9i, mit deren Hilfe die Gewerkschaften in der Lage sind, ihren
politischen, sozialen und wirtschaftlichen Forderungen Nachdruck
zu verleihen.
In Frankreich sehen wir die Entwicklung einer "Volksfront",
die sich nicht nur auf den Industriearbeiter, sondern auch auf den
Bauern, den Geistesarbeiter und den Geschaeftsmann erstreckt.
In Schweden dagegen haben sich stark zentralisierte Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen entwickelt.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, so berichtet der
Ausschuss, koenne innerhalb der Regierung niemals die gleiche Bedeutung erlangen wie die Gewerkschaften in Frankreich und GrossBritannieh.
Auch das Unternehmertum sei als zentrale TarifVerhandlungspartei weniger organisiert als die Arbeitgeber in den drei obengenannten Laendern.
Die Abhandlung ueber 'Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehnern gehoert zu einer Reihe von "Studien ueber Soziale Sicherheit im Ausland", die von dem Forschungsausschuss fuer
Wirtschaftliche Sicherheit veroeffentlicht wurden. Der Vorsitzende
des Ausschusses, Gerhard Hirschfeld, erklaert in diesem Zusammenhang: "Welche Form der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern sich in unserem eigenen Lande auch entwickeln
wird, sie wird ausgesprochen amerikanisch mit eigenen charakteristi
sehen Merkmalen, Abaenderungen und Angleichungen sein. Aber ungeachtet dieser amerikanischen Form wird der Einfluss der Regierung
immer vorherrschend sein, wenn sich eine Labour-Partei oder eine
Volksfront entwickelt. Wenn dagegen die Entwicklung dem schwedischen Beispiel folgt, wird die Rolle der Regierung von geringerer
Bedeutung sein."
Der Forschungsausschuss ist eine aus privaten Mit.teln finanzierte Forschungs- und Bildungsorganisation, die ausschliesslich
Studien ueber Probleme sozialer .und wirtschaftlicher Art gewidmet
ist. Sie hat in den letzten fuenf Jahren ueber 80 Abhandlungen
ueber verschiedene Aspekte der sozialen Sicherheit veroeffentlicht,
die von der Industrie, den Gewerkschaften, den Universitaeten und
Gemeinschaftsgru?pen des ganzen Landes verwendet werden.
Labor Information Bulletin

17/51
WAHRE WORTE EINER ÄGYPTISCHEN ZEITUNG
Ein Ereignis in Aegypten ist von fast allen amerikanischen
Zeitungen uebsrsehen worden und wurde selbst in der "New York
Times" nur beilaeufig erwaehnt, die sich ruehmt, alle Nachrichten
aus dem Ausland zu bringen. Und doch ist diese Mitteilung fuer
jeden von grosser Bedeutung, der den Wunsch hat, die Welt fuer
die Demokratie zu retten.
Die mutige aegyptische Zeitung "Akhbar El Yom" setzte sich
ueber die Zensur hinweg und veroeffentlichte einen Leitartikel,
in dem sie erklaert, dass die "verschwenderische Lebensweise" der
Grossagrarier Ägyptens hauptsaechlich fuer das Anwachsen des Kommu
nismus in diesem Lende verantwortlich sei.
- 2-

�Aegypten war einst eine grosse Nation und hat eine "reiche
Geschichte", heisst es in dem Artikel weiter. Was die ganze
Welt jedoch jetzt von Aegypten hoert, sind lediglich Berichte
ueber die grossen Ausgaben wohlhabender Aegypter auf ihren Reisen
ins Ausland. Inzwischen "bildet die weite Kluft zwischen dem
Reichen und dem Armen den Ansatzpunkt fuer den Kommunismus in
Aegypten. Die Reichen besitzen den groessten Teil des Bodens.
Die Fellachen bearbeiten ihn fuer unglaublich niedrige Loehne.
Das durchschnittliche Jahrsseinkommen in Aegynten betraegt weniger als 45 Dollar."
"Der scharfe soziale und wirtschaftliche Klassenkontrast
und die ungeheure Armut der Massen ist eine offene Einladung an
den Kommunismus, hier seine Zersetzungsarbeit zu starten."
Es ist eine Genugtuung im fernen Aegypten eine Zeitung zu
sehen, die etwas sagt, was in der amerikanischen Gewerkschaftszeitung "Labor" haeufig betont wurde: dass Armut und wirtschaftliche Ungerechtigkeit und insbesondere das feudale Grossagrariertum den Naehrboden bilden, auf dem dir- Kreml seine Saat des Kommunismus pflanzen und zuechten kann.
Kein Land, das seinen Menschen einen anstaendigen Lebensstandard und irgendeine Hoffnung auf eine bessere Zukunft bietet,
braucht die Kommunisten zu fuerchten. Sie haben nur dort Chancen,
wo heute Armut ist und fuer morgen keine Hoffnung besteht. Mit
anderen Worten nur dort, wo, wie in Aegypten, eine Welle der
Niedergeschlagenheit ueber das Volk hereingebrochen ist. Und
AegyDten ist nicht das einzige Land, wo dies der Fall ist.
Selbst das grosse und reiche Amerika kann es sich niemals
leisten, diesen Lehrsatz zu vergessen.
Labor IV/21/51
DIE ARBEITSPOLITIK IN SOW JETRUSS LAND
Die Arbeitspolitik, die die Sowjetregierung im Jahre 1929
singefuehrt und bis heute fortgesetzt hat, ist durch "Peitschen
.ind Zuckerbrot" gekennzeichnet. Zugesteendnisse, Belohnungen
and Vorrechte sind den besten Facharbeitern vorbehalten, waehrend
lie Mehrheit durch die Peitsche des Hungers und der Bestrafung
ingetrieben wird.
Mit diesen Worten beschreibt Wladimir Gsowski die sowjetische
^rbeitsoolitik, der auf diesem Gebiet ein Experte ist und als
..eiter der Abteilung fuer Rechtswesen im Ausland in der Kongress&gt;uecherei in Washington taetig ist. Im "Monthly Labor Review"
lat er in zwei Artikeln die sowjetische Arbeitsgesetzgebung ana.ysiert. Dr. Gsowski beginnt seinen Artikel, indem er eine sowjetische Behoerde zitiert, die im Jahre 1920 folgendes schrieb:
'Sow'etrussland
weiss nichts von irgendeinem Arbeitsvertrag oder
r
on irgendwelchen gesetzlichen Beziohungen, die im allgemeinen
;it dem Begriff des Arbeitsvertrages verbunden sind. Pflicht
.st in Sowjetrur-sland die Grundlage der Arbeitsbeziehungen."
Der russische Arbeiter hat mit anderen Worten keine Rechte,
ondern nur Pflichten. Diese Auffassung hat zum Erlass einiger
rbeitsgesetze gefuehrt, die, Dr. Gsowski zufolge, "bestrafenden
nd keinen schuetzenden Charakter" haben.
- 3 ^

�Er faehrt mit der Feststellung fort, dass die Beziehungen
zwischen dem einzigen Arbeitgeber, naemlich dem Staat, und den
Arbeitern in Russland genau festgelegt und statisch \md nicht wie
in demokratischen Laendern fluessig sind.
"Behoerden der Regierung, die sich geschaeftlich betaetigen,
arbeiten auf "kommerzieller'' Basis und erfreuen sich einer formellen Unabhaengigkeit. Sie gehen miteinander Vertraege ein. Aber
vorgesetzte Dienststellen legen ihrer Unabhaengigkeit endgueltige
Beschraenkungen auf, ohne die fortgesetzte Kontrolle durch die
Geheimpolizei und die kommunistische Partei zu erwaehnen."
Dr. Gsowski erklaert ferner, dass es unter dem sowjetischen
System keinen garantierten Mindestlohn gibt. Es bestehen grosse
Unterschiede in Bezug euf Loehne und Praemien, die den Zweck haben,
den Wettbewerb und die Leistungsfaehigkeit anzuregen. Der Arbeiter muss eine'bestimmte Leistungsnorm erreichen. Wenn ihm dies
nicht gelingt, wird sein Lohn gekuerzt, und er wird nach der Menge
und Qualitaet seines Ausstosses bezahlt. Praemien sind fuer diejenigen bestimmt, die die normalen Leistungsnormen ueberschreiten.
Dr. Gsowski erklaert in diesem Zusammenhang: "Unter solchen
Verhaeltnissen ist es offensichtlich, dass es ebenso leicht zu
Konflikten kommen kann wie in einem kapitalistischen Staat. Unter dem sowjetischen Regime besitzt die Arbeiterschaft jedoch
nicht jene wirksame Waffen, mit denen sie sich, wie in der kapitalistischen Welt, zu schuetzen vermag."
Stalin erklaerte im Jahre 1934: "Die gleiche Berechtigung
in bezug auf Forderungen und persoenliches Leben ist reaktionaer
und kleinbuergerlicher Unsinn."
Die grossen Unterschiede in den Loehnen, die an die zahlreichen Kategoiien der Arbeiter gezahlt werden, haben sich jedoch zusammen mit den grossen materiallen Belohnungen fuer Tuechtigkeit
und Schnelligkeit als ungenuegenden Anreiz zu guter Arbeit erwiesen
Deshalb hat das Regime schwere Strafen fuer Abwesenheit vom Arbeits
platz und zu geringe Arbeitsleistung angedroht. Dr. Gsowski nennt
einige dieser Strafen: "Die Unternehmer koennen die Arbeiter bestrafen, wenn sie am Arbeitsplatz "herumlungern". Bei Abwesenheit
und Verlassen des Arbeitsplatzes ohne Genehmigung werden sie gerech
lieh verfolgt. 10 bis 25 Jahre Zwangsarbeitslager mit oder ohne
Konfiszierung des Eigentums koennen fuer Diebstahl von Regierungseigentum oder des ihrer Behoerden verhaengt werden. Beschaedigungen von Werkzeugen, Rohstoffen, Brennstoff und selbst an der Arbeitskleidung werden, wenn sie durch die Nachlaessigkeit des Ar-)
beitnehmers verursacht sind, mit Abzuegen von Lohn bestraft, die
unter Umstaenden das zehnfache des Wertes des beschaedigten Gegenstandes ausmachen koennen."
"Mit zwoelf Jahren koennen Kinder in Betriebs-*- und Berufsschulen eingewiesen werden, in denen militaerische Disziplin herrscht.
Ein Arbeiter, der mehr als 20 Minuten zu spaet zur Arbeit kommt,
,kann entlassen werden. Der Arbeiter darf seine Beschaeftigung nict
ohne Erlaubnis aufgeben, und wenn er es trotzdem tut, kann er mit
Gefaengnis bis zu vier Monaten und in Ruestungsindustrien bis zu
acht Jahren bestraft werden. In einigen Irdustriezweig'en kann der
Unternehmer,ohne das Gericht zu verstaendigen, Gefeengnisstrafen bj
zu £0 Tagen verhaengen. Maennliche und weibliche Arbeitskraefte
koennen zur Ausbildung in Berufsschulen herangezogen werden und
muessen danach in Fabriken arbeiten, die vom Ministerium fuer Arbeitskraftreserven bestimmt werden. Akademiker haben nach Verlasse
der Universitaet nicht das Recht, ihren Arbeitsplatz selbst auszusi
- 4-

�Dr. Gsowski zitiert sowjetische Behoerden, um zu zeigen,
dass, wie Dogadow im Jahre 1949 schrieb, "in einem sozialistischen
Staat kein Unterschied in Prinzip und Qualitaet zwischen verpflichteten und freiwilligen Arbeitskraeften besteht."
Betriebsleiter in staatseigenen Betrieben sind aehnlichen
schweren Strafen unterworfen, wenn sie keinen Gewinn aufweisen
und die Quoten des Fuenf jj&amp;hresplanes nicht erfuellen koennen.
Deshalb treiben sie ihre Arbeiter bis zur Grenze menschlicher Ausdauer an. Den Arbeitern steht keine Zuflucht offen, sagt Dr.
Gsowski, weil "alle Einrichtungen, mit denen die Arbeiter in einer
demokratischen Welt ihre Ziele verteidigen koennen, wie z.B. Gesetzgebung, Gerichte, Verwaltungsbehoerden, Presse und Gewerkschaften, in Sowjetrussland immer Behoerden des Arbeitgebers, d.
h. des Staates sind. Gewerkschaften werden als eine Waffe der
Regierung betrachtet, und sie dienen ausschliesslich deren Interessen. "
Das Zentralkomitee der sowjetischen Gewerkschaften wurde im
Jahre 1933 offiziell zur Regierungsorganisation erklaert. Damit
war die Beseitigung der letzten'Spur gewerkschaftlicher Unabhaengipkeit und des repraesentativen Charakters der Gewerkschaften, selbst
nach der Auffassung der sogenannten "sowjetischen Demokratie",
besiegelt. Das Gesetz schreibt vor, dass dieses Komitee vom Kongress der Gewerkschaften gewaehlt werden muss, aber nach 1932
wurden 17 Jahre lang keine derartigen Kongresse mehr abgehalten.
Als ein Kongress im Jahre 1949 zusammengerufen wurde, gab es keinerlei Erklaerung fuer diese Verzoegerung; der Kongress war eine
erneute Bestaetigung der Tatsache, dass die gesamte Kontrolle
ueber die Regierung und die Gewerkschaften in den Haenden der
kommunistischen Partei liegt, und dass es die Aufgabe der Gewerk3Chaften ist, die Produktion zu steigern. Der Passus "die Pflicht,
iie Interessen des arbeitenden Volkes wahrzunehmen," der im Jahre
L922 akzeptiert worden war, wurde nicht in die Satzungen aufgenommen, die vom Gewerkschaftskongress im Jahre 1949 gebilligt wurden.
"TarifVerhandlungen, die im Arbeitsgesetz von 1922 vorgesehen
varen, wurden im Jahre 1933 fuer ueberholt erklaert. Im Rahmen
ler ruecksichtslosen Unterwerfung verwischten die sowjetischen
?uehrer die letzten Spuren von Vertraegen in den Beziehungen zwischen den kommunistisch beherrschten Gewerkschaften und den dem
Staat unterstellten Unternehmern. Im Jahre 1947 wurde jedoch befohlen, neue Tarifvertraege abzuschliessen. Diese neue Politik
var jedoch weit davon entfernt, neue freie Tarifverhandlungen einsufuehren. Die neuen Bestimmungen besagen, dass Loehne, Stueck.ohntarife und Praemien, wie sie von der Regierung festgelegt sind,
Ln die Tarifvertraege aufgenommen werden muessen. Lohnfragen sind
&gt;ei
den Tarifverhandlungen ausgeschlossen. Die Bestimmungen der
r
ertraege sind als Verordnungen anzusehen."
Dr. Gsowski weist sodann darauf hin, dass das Arbeitsgesetz
on 1922 niemals offiziell widerrufen wurde. Nach der totalitaeren
Ulffassung von den Befugnissen einer Regierung kann ein Gesetz und
leibst eine Bestimmung der Verfassung durch einen Erlass der Verwaltungsbehoerden ausser Kraft gesetzt werden.
r

In der sogenannten "Stalin"-Verfassung aus dem Jahre 1936 war
;.B. der siebenstuendige Arbeitstag vorgesehen. Im Jahre 1940
rurde jedoch vom Obersten Sowjet der Acht-Stundentag durch Erlass
ngeordnet. Die Verfassung wurde jedoch erst sieben Jahre spaeter
n diesem Sinne abgeaendert. In Wirklichkeit arbeiten die russi- 5-

�sehen Arbeiter natuerlich laenger als acht Stunden am Tage, aber
Ueberstunden werden angeblich auf "freiwilliger" Basis geleistet.
Unter einem Regime, in dem die Gesetze und selbst die Verfassung von irgendeiner Zentralbehoerde der Regierung abgeaendert
werden koennen, haben die Gesetze keine wirkliche Gewalt und
keinen Wert, sie bieten den Buergern keinen Schutz.
Ebenso ist ein System, das dem Betriebsleiter gestattet,
einen Arbeiter auf 20 Tage ins Gefaengnis zu schicken, weil er sich
weigert, eine andere Arbeit anzunehmen, ein System der Sklaverei.
Die Artikel Dr. Gsowskis in "Monthly Labor Review" stuetzen
sich auf offizielle sowjetische Dokumente, die meistens zitiert
werden. So ist die Geschichte dessen, was sich bei den sowjetischen Arbeitern ereignet hat, nicht nur von Tausenden von Fluechtlingen aus Laendern hinter dem Eisernen Vorhang, nicht nur von
Feinden des Kommunismus allein, sondern auch in der unverbluemten
Sprache der kommunistischen Fuehrer wiedergegeben.
Dr. Gsowski behandelt in seinen Artikeln nicht das Thema
Zwangsarbeitslager. Er erzaehlt nur von der sogenannten "freien"
Arbeiterschaft in Sowjetrussland. Er beweist in ueberzeugender
Weise, dass selbst die russischen Arbeiter ausserhalb der Zwangsarbeitslager von der Freiheit, wie wir sie in demokratischen Laendern kennen, weit entfernt sind.

In diesem Sinne haben die sowjetischen Gewerkschaften am 1.
Mai die Siege feiern muessen, als die Arbeiter zum Roten Platz
gefuehrt wurden, wo sie das Lob fuer ihre Fuehrer und fuer alles,
was sie fuer sie getan haben, hinausschreien muessen. Diese sklavischen Arbeitsbedingungen moechten die Kommunisten nur allzu gern
auch der uebrigen Welt auferlegen.
Program Services Section IV/18/5
AMERIKANISCHE STIMMEN ZUR MITBESTIMMUNG
Die Debatten im westdeutschen Parlament und die Massnahmen
des Bundestages zur Mitbestimmung in der Stahl- und Kohleindustrie
haben in den Vereinigten Staaten lebheftes Interesse erweckt.
Im allgemeinen sehen interessierte Amerikaner in der Mitbestimmung eine neue zur Stellungnahme herausfordernde Idee, die
Meinungen selbst sind jedoch verschieden. Die Gewerkschaften nehmen in dieser Frage im allgemeinen eine fuer den deutschen Arbeiter
guenstige Haltung ein, auf die Geschaeftswelt dagegen hat die Nachricht von der Einfuehrung des Mitbestimmungsrechtes alarmierend
gewirkt, und politische Wissenschafter sind der Ansicht, dass sehr
vieles zu den Argumenten beider Seiten zu sagen weere.
Offiziell haben die Vereinigten Staaten in Uebereinstimmung
mit ihrer traditionellen Methode, jede Einmischung in die inneren
Angelegenheiten anderer Laender zu vermeiden, eine objektive und
unparteiische Haltung gezeigt. Die amerikanischen Besatzungsbehoer
den genehmigten, dass das in seinen Konsequenzen aehnliche Betriebs
raetegesetz versuchsweise in Hessen und Wuerttenberg-Baden eingefuehrt wurde, als vor einem Jah in diesen Laendern hierauf gedrungen wurde. Der Hochkommissar John J. McCloy ist der Auffassung,
dass die Mitbestimmung ein Problem ist, ueber das die westdeutsche
Demokratie selbst entscheiden muss.
- 6-

�Die amerikanischen Wirtschafts- und Handels-Veroeffentlichungen haben sich in Leitartikeln gegen die westdeutschen gewerkschaftlichen Forderungen zur Verwirklichung des Mitbestimmungsrechtes mit der Begruendung gewendet, dass eine ununterbrochen
leistungsfaehige Betriebsleitung auf dieser Basis unmosglich waere,
und sie haben versichert, dass die Gewerkschaften zwar die erforderliche Autoritaet, aber nicht die im Vergleich hierzu ebenso
wichtige finanzielle Verantwortung besaessen. Die Nationale Unternehmervereinigung (KAM)) eine private Organisation von Geschaeftsleuten, hat kuerzlich die Warnung ausgesprochen, dass
s^ch die amerikanischen Investoren wahrscheinlich weigern würden,
Geld in der deutschen Industrie zu investieren, wenn das Mitbestimmungsrecht auf breiter BasLs verwirklicht wuerde.
Die Gewerkschaften dagegen befuerworten im allgemeinen die
neue Idee, wobei die katholischen Gewerkschaftszeitungen, die
darin einen Mittelweg zwischen Sozialisierung und freier Wirtschaft sehen, die staerksten Anhaenger der Mitbestimmung sind.
Die Frage der Mitbestimmung war jedoch fuer die amerikanischen Gewerkschaften insofern kein brennendes Problem, als sie
niemals besonders bedacht darauf waren, Funktionen der Unternehmer
zu uebernehmen, soweit es sich nicht um Loehne, Arbeitszeit und
Arbeitsbedingungen handelt. Auf diesen Gebieten hatten die amerikanischen Gewerkschaften bekanntlich besonders grosse Erfolge,
indem sie die Unternehmer zwangen, ihren Forderungen stattzugeben.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben sich dagegen fuer die
Schaffung sogenannter nIndustrieraeten eingesetzt, die den in
Deutschland im Rahmen des Mitbestimmungsrechtes vorgeschlagenen
Aufsichtsraeten aehnlich sind. Auch sie bestehen aus elf Mitgliedern, von denen fuenf von den Gewerkschaften und fuenf von den
Aktionaeren ernannt werden, waehrend das elfte Mitglied von den
zahn anderen zum Vorsitzenden gewaehlt wird.
Die Forderung der deutschen Gewerkschaftsbewegung auf Mitbestimmung wurde von dem Europavertreter des CIO, Victor C. Reuther,
nachdruecklich unterstuetzt, der vor kurzem sein Buero in Paris,
Boulevard Haussmann Nr. 32, eroeffnete.
"Nach den bitteren Erfahrungen der Nazizeit," so erklaerte
Reuther in einer offiziellen Verlautbarung, "sind wir der Ueberzeugung, dass die deutschen Arbeiter berechtigt sind, eine genuegende demokratische Kontrolle ueber die Leitung ihres eigenen innerdeutschen Wirtschaftslebens zu verlangen, um sich gegen die
Machtgier einer selbstsüchtigen Minderheit deutscher Grosskapitalisten zu schuetzen, deren Einstellung zur Demokratie, um es
milde auszudruecken, zum mindesten aeusserst verdaechtig ist."
Gleichzeitig beschuldigte Reuther die Nationale Unternehmervereinigung Amerikas ihrer "reaktionaeren Launen" in ihrer Kampagne
gegen das Mitbestimmungsrecht. "Diese Vereiniggung", erklaerte er,
"spricht weder in dieser Angelegenheit noch in anderen fuer das
amerikanische Volk. Und sie spricht gewiss nicht fuer die 16 Millionen Arbeiter, die ia CIO und der AFL organisiert sind und die fuer
die freie Gewerkschaftsbewegung Europas den Wunsch haben, dass sie
ihre eigenen Wege zur Verwirklichung einer wirtschaftlichen Demokratie geht."
"Das amerikanische Volk," fuhr Reuther dann fort, "hat den
verantwortungsbewußten Standpunkt eingenommen, dass es die Ver- 7-

�pflichtung hat, den durch den Krieg verwuesteten und wirtschaftlich
unterentwickelten Gebieten der Welt zu helfen. Wir sehen in dieser
Verpflichtung eine natuerliche Folge unserer bevorzugten wirtschaftlichen und geographischen Lage. Wir glauben nicht, dass
wir das Recht haben, von der uebrigen Welt zu verlangen, dass sie
als Gegenleistung fuer die wirtschaftliche Hilfe das amerikanische
Beispiel der wirtschaftlichen Neuorganisation
als Vorbild ansieht.
Wir betrachten diese Hilfe nicht als eine T«Vohltaetigkeit, sondern
als eine kluge Investierung fuer den V/eltfrieden."
"Wir muessen auf die
N Abschliessend sagte Victor Reuther:
verstaendnisvolle Einsicht der europaeischen Arbeiter rechnen,
zwischen den reaktionaeren Launen der Minderheit einer Unternehmervereinigung und der Entschlossenheit des amerikanischen Volkes zu
unterscheiden, den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Welt zu unterstuetzen, ohne den freien Voelkern vorschreiben zu wollen, wie sie
ihr Leben im einzelnen innerhalb des Rahmens dieser erforderlichen
Freiheit gestalten sollen."
Wirtschaftspolitiker der Vereinigten Staaten haben im allgemeinen eine unparteiische und beobachtende Haltung eingenommen.
Einige von ihnen haben jedoch auf einige etwaige Gefahren des Mitbestimmungsrechtes hingewiesen. Sie meinen, dass es sowohl von
Unternehmern als auch von Arbeitern bewusst missbraucht werden
koennte, wenn sie sich zu ihrem eigenen Vorteil auf Kosten der Verbraucherschaft zusammenschliessen. Sie erklaeren ausserdem, die
Mitbestimmung koenne den Weg zum Staendestaat ebnen und ihn damit
totalitaeren Maechten von rechts oder links in die Kaende spielen.
Labor News from the US
17/27/51
DER A?FERIKANISSHE EISENBAHNIRSTRBIK VCN DER GEWERKSCHAFTLICHEN
SEITE GESEHEN
Der erste einer Serie Artikel, die in Gewerkschaftszeitungen
unter der Ueberschrift "Warum Eisenbahnarbeiter krank werden", erscheint, wird in der Mai-Ausgabe des "Liberty Magazine" veroeffentlicht.
Diese Zeitschrift hat sich neuerdings vorgenommen, auch
den Gewerkschaften die Moeglichkeit zu geben, ihren Standpunkt vor
der Oeffentlichkeit zu vertreten.
Dieser Artikel ueber die Eisenbahnarbeiter, der von einem
langjaehrigen Reporter fuer Gewerkschaftszeitungen, Rüben Levin,
verfasst ist, stellt einen genauen Bericht ueber die letzten Ereignisse dar, die bereits zu einer Kontroverse der Vergangenheit geworden sind. Levin schreibt in erster Linie fuer "Labor", die
nationale Wochenzeitschrift von 15 Eisenbahnergewerkschaften. Er
ist Vorsitzender der Ge-werkschaftspressevereinigung, eines Nachrichtendienstes auf genossenschaftlicher Grundlage im Dienst der gewerkschaftlichen Presse der Vereinigten Staaten.
Sine eingehende Diskussion ueber die Probleme, die zu dem beröchtigten "Krankwerden" der Eisenbahner fuehrten sowie die Vorschlaege fuer eine etwaige Loesung der chronischen Probleme der
Eisenbahnarbeiter ergaenzen diesen Artikel in der letzten Ausgabe
von "Labor", mit dem zum ersten Mal' eine oeffentliche Kontroverse
in einer allgemeinen Veroeffentlichunar von den Gewerkschaften besprochen wird.
- 8-

�"V/a ehrend die "Krankheit" der Eisenbahner ein Leiden ist,
das in keinem medizinischen Lexikon zu finden ist," weist Levin
darauf hin, dass es "ausser Frage stuende, dass die Eisenbahnarbeiter wegen der langen und endlosen Verzoegerung in" ihren Lohn- .
forderungen krank, veraergert und enttaeuscht waren."
Trotz einer hysterischen Propaganda, trotz Geldstrafen und
Drohungen mit den Verlust des Arbeitsplatzes fuehrten die Eisenbahner einen Kampf, der, wenn ihre Lebensbedingungen nicht wesentlich verbessert werden, sich wahrscheinlich nur als eiro von
vielen Streitigkeiten erweisen wird.
Die Kontroverse mit den Eisenbahnarbeitern enthaelt zahlreiche ,/idersprueche, zu denen nicht zuletzt die Tatsache gehoert,
dass die Tarifverhandlungen in Uebereinstimmung mit dem Arbeitsc,esetz fuer Eisenbahnen gefuehrt wurden, das fuer lange Zeit als
ein Musterbeisoiel dieser Art Gesetzgebung galt.
Den Gewerkschaften zufolge liegt der Fehler nicht am Gesetz.
Der Vorsitzende David B. Robertson, .der heissbluetige Fuehrer der
Lokonotivfuehrer- und Heizergewerkschaft, wies auf einen der wesentlichsten Punkte hin, der nicht nur fuer die Schwierigkeiten
des Zugpersonals bezeichnend ist. "Es gibt zu viele Anwaelte,
die die Eisenbahngesellschaften bei Tarifverhandlungen vertreten,"
sasrte Robertson. "Was wir brauchen, sind weniger Anwaelte und mehr
Leute am Konferenztisch, die praktisch arbeiten, Leute, die sich
von unten emporgearbeitet haben,und die Probleme der Eisenbahner
genau kennen. Wir muessen zu der sogenannten "Rengiernethode"
zurueckkehren, d.h. zu einer Sprache und zu einer Verbandlungsmethode, die die Arbeiter verstehen und die weniger Zweideutigkeiten
enthaelt."
Viele hatten gehofft, dass die Uebernahme der Eisenbahnen
durch die Regierung ein Schritt zur baldigen Loesung dieses Problemes sei. Warum dies nicht der Fall war, ist, Levin zufolge, am
besten von Senator Wayne Morse erklaert worden, der den Sitzungen
des Senatsausschusses fuer Arbeitsfragen beigewohnt hatte, als
diese Frage zur Debatte stand.
"Diese Uebernahme durch die Regierung ist eine Farce," sagte
Morse, "die das Weisse Haus auf die Seite der.Eisenbahngesellschaften stellt."
"Bei einer wirklichen Uebernahme," fuegte er hinzu, wobei ihm
die Eisenbahngewerkschaften zustimmten, "wuerden die Eisenbahngesellschaften doch eine gerechte Abfindung fuer die Benutzung ihres
Eigentums erhalten, und den Arbeitern waere eine gerechte Beilegung dieses Streitfalles sicher. Dies wuerde fuer beide Partner
9in Ansporn sein, sich gegenseitig zu einigen."
Aber selbst eine andere Art der Uebernahme wuerde nicht garantieren, dass die Eisenbahner ihre Arbeit nicht niederlegen. Es
?aebe andere Faktoren, die sich im Laufe der Jahre angehaeuft
laetten und wesentlich zum "Krankwerden" der Eisenbahner beigetragen haetten. "Es ist einmal die nachlassende Tuechtigkeit jener
Leute, die das Eisenbahnarbeitergesetz verwalten. Zu oft sind
Experten in Arbeitsfragen durch politische Nichtskoenner ersetzt
vorden. So sind z.B. die Untersuchungsausschuesse von der Regierung wiederholt mit Leuten besetzt worden, die wenig oder ueberlaupt nichts von ArbeitsProblemen und noch weniger von den komplizierten .Arbeitsbestimmungen der Eisenbahnen verstehen."
- 9 -

�"Auch der Faktor Brot und Butter ist wesentlich," sagt Levin.
"Vor noch nicht allzu langer Zeit waren hiisenbahnarbeiter und vor
allem solche im Zug- und Maschinendienst "Aristrokaten" der Arbeit.
Ihre Loehne waren fast die besten aller Loehne in den wichtigsten
Industrien. Aber hieran hat sich im letzten Jahrzehnt vieles geaendert. Die Flut der gewerkschaftlichen Organisation in den Industrien der Massenproduktion, die haeufig von Streiks begleitet war,
hat zu krassen Lohnerhoehungen gefuehrt. Die Eisenbahner sind
jedoch weit zurueckgeblieben und in der Lohntabelle immer tiefer
herabgesunken."
Liberty Magazine
IV/26/51
DIE 1. MAl-IDEä STAMMT AUS DEM "KAPITALISTISCHEN" AMERIKA
Die Kommunisten der Welt mussten am 1. Mai in einer Rundfunksendung der "Stimme Amerikas" erfahren, dass die Idee der modernen
Maifeier aus dem "kapitalistischen/' Amerika kommt.
"Der 1. Mai," hiess es in der Sendung, "hat seinen Ursprung
in den Vereinigten Staaten als ein Tag, an dem die Erfolge gefeiert werden, die die Arbeiter erringen konnten, und an dem ihre
Kraefte fuer die weiteren. Bemuehungen um sozialen Fortschritt mobilisiert werden. Seine Idee bedeutet Freiheit vor Furcht vor dem
Arbeitgeber, Freiheit vor der Furcht vor Arbeitslosigkeit und Hunger, Freiheit vor Furcht vor dem Staat und der Polizei." In der
"Stimme Amerikas" wurden Sonderbotschaften des Arbeitsministers
Tobin,.des Vizepresidenten der AFL Matthew Woll und des Sozialistenfuehrers Norr;an Thomas uebertragen.
"Der 1. Mai als Feiertag der Arbeit," erklaerte Woll, "fuehrte
sich im Jahre 1886 in Amerika in Verbindung mit den Kaemnfen um den
Achtstunden-Tag ein." In einer Botschaft an die versklavten Arbeiter hinter dem Eisernen Vorhang versicherte Woll, dass "sie unserer
Freundschaft, unserer Sympathie und Solidaritaet gewiss sein koennen,
Wir ersehnen, dass wir den Tag Eurer Befreiung erleben."
Woll und Thomas brachten die.Hoffnung zum Ausdruck, dass die
Arbeiter in Laendern, die jetzt unter kommunistischer Kontrolle
stehen, eines Tages ebenso frei den 1. Mai feiern koennen wie die
Arbeiter in Amerika.
Tobin forderte die Sowjetunion auf, "eine Tat des guten Willens zu vollbringen" und dem russiscnen Volk das "Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung, das ihnen Gott verliehen hat, zurueckzugeben." Er erinnerte an den "historischen guten Willen der Zusammenarbeit" zwischen Amerikanern und den Voelkern Russlands, an dem
auch die russischen Machthaber nichts aendern koennten. Tobin erklaerte, dass die Kommunisten den Sinn des 1. Mai entstellt und
damit ungewollt der freien Welt warnend gezeigt haetten, "wie eine
grosse Nation zum Spielball einer eigensinnigen Gruope Aggressoren
geworden ist, die Freiheit und Anstaendigkeit euf der ganzen Welt
zerstoeren moechte."
In Moskau fand eine riesige Parade der sowjetischen Heeresund Luftstreitkraefte statt. In einer Rede an die versammelten
Trunpen auf dem Roten Platz erklaerte der Kriegsminister Alexander
iassilewski, dass die Vereinigten Staaten einen dritten Weltkrieg
vorbereiteten, alle Friedensangebote der Sowjets zurueckgewiesen
hatten, und dass die sowjetische Politik darauf gerichtet sei, den
- 10

�Krieg zu verhindern und den Frieden zu wahren. Er sagte, die Vereinigten Staaten haetten den Krieg in Korea provoziert.
In Berlin wurden kaum zwei Kilometer voneinander entfernt,
zwei Massenkundgebungen voellig verschiedener Art abgehalten. In
Ost-Berlin wohnten etwa 500.000 Menschen der Kundgebung der Sowjetzone im Lustgarten bei, der jetzt den Namen "Marx-Engels-Platz"
traegt. Herbert Warnke, der kommunistische Gewerkschaftsfuehrer,
erklaerte, dass die "Remilitarisierung Deutschlands Krieg bedeute,"
und dass die "Gefahr eines Krieges niemals so gross gewesen sei
wie jetzt." Mehr als 600.000 antikommunistische West-Berliner
versammelten sich vor dem zerstoerten Reichstagsgebaeude, um ihrer
Entschlossenheit dem sowjetischen Imperialismus zu widerstehen,
Ausdruck zu geben. Zu den Sprechern gehoerten auch Buergermeister
Ernst Reuter, Victor Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft
des CIO und Henry Rutz von der AFL.
Zwei Raketen, die antikommunistische Flugblaetter enthielten,
wurden von der '/Vestzone auf die oestliche Seite des Potsdamer
Platzes abgefeuert, wo der amerikanische, der britische und der
russische Sektor aneinandergrenzen.
In Tokio nahmen etwa 50.000 Arbeiter an verschiedenen Kundgebungen zur Feier des 1. Mai teil. Sowohl das Kabinett als auch
der neue Besatzungskoianandeur, General Matthew Ridgeway, hatten
die traditionelle Kundgebung auf dem Platz vor dem Kaiserpalast
verboten. Ridgeway erklaerte, dass dieser Platz nur fuer "Versammlungen nationalen Cherakters" verwendet werden duerfe. Das
Kabinett ist der Ansicht, dass es ein Platz der "Ruhe und VVuerde"
sein soll. In Wirklichkeit ist es ein Tummelplatz fuer die .Tugend
Tokios.
Der Generalrat der japanischen Gewerkschaften hat fuer den
3. Mai, dem Tag der japanischen Verfassung, organisierte Demonstrationen geplant, um gegen die vorgeschlagenen, fuer "die Kapitalisten vorteilhaften" Abaenderungen der Verfassung zu protestieren.
Daily News Service
V/1/51
DAS WOHFRAUMPROBLEM IN FRANKREICH
Der Mangel an Wohnungen mit niedrigen Mieten fuer die Arbeiter
war auch noch zu Anfang des Jahres 1951 eines der groessten sozialen Probleme Frankreichs. Die franzoesische Regierung hatte im
Verlauf des Jahres 1950 einige Massnahmen zur Foerderung des Wohnungsbaus ergriffen, und im Juli erklaerte Premierminister Pleven,
dass der Wohnungsbau der letzte wirtschaftliche Sektor sei, der
unter etwaigen Einschraenkungen leiden mue3se, die durch das Wiederaufruestungsprogramm bedingt seien. Die Gewerkschaften protestierten jedoch gegen iinde des Jahres 1950 dagegen, dass der fuer 1951
vorgeschlagene Haushaltsplan fuer den Wohnungsbau eine Kuerzung
dieses Programms darstellt, das schon nicht ausreichte, um den
Mindestbedarf decken zu koennen.
Die Beschaedi£un(T und Zerstoerung von ueber zwei Millionen
Wohnungen waehrend des zweiten Weltkrieges Hessen den Wohnraummangel, der bereits vor dem Krieg bestand, immer akuter werden.
Schaetzungen der Regierung zufolge belief sich der Bedarf an Wohnungen fuer die naechsten 20 Jahre oder noch laenger auf jaehrlich
240.000 neue Wohneinheiten. Die anfaenglichen Bemuehune-en waren
- 11 -

�jedoch nur auf die Instandsetzung fast einer Million zerstoerter
Wohnungen iE den ersten sechs Jahren nach dem Kriege konzentriert.
Bis 1948 waren nur 56.300 dauernde Wohnungen neu oder wiederaufgebaut worden. Dieser langsame Rhythmus der Bautaetigkeit war
hauptsaechlich auf den Mietstopp zurueckzufuehren, durch den die
Mieten so niedrig gehalten wurden, dass fuer das Kapital, das
fuer den Wohnungsbau investiert wurde, nur wenig oder gar keine
Einnahmen uebrig blieben. Infolgedessen wurde in einem Gesetz vom
September 1948 bestimmt, dass die meisten Mieten neu eingeschaetzt
und fuenf Jahre lang halb jaehrlich erhoeht werden sollten, bis die
Mietsaetze von Januar 1949 verdreifacht waeren. Um einen Ausgleich fuer die hoeheren Mieten zu schaffen, wurde ein System
fuer Wohnungsgeldzuschuesse fuer Familien der niedrigen Einkommensgruppen errichtet. Die Arbeiter erhielten diese Zuschuesse, gleichgueltig, ob sie ihre Wohnung gemietet oder eine Hypothek abzuzahlen hatten.
Die Mieterhoshungen gaben zusammen mit Steuern und anderen
-Konzessionen, die im gleichen Gesetz enthalten waren, dem Wohnungsbau im Jahre 1949 maechtigen Auftrieb. In diesem Jahre "wurden
51.436 staendige Wohnungseinheiten gebaut und in der ersten Hälfte
1950 weitere 30.685. Am 30. Juni befanden sich 129.040 weitere
Einheiten im Bau.
Die Regierung hat darueberhinaus die Kleinwohnungsbaugenossenschaften weitgehend unterstuetzt. Einige dieser Organisationen
sind oeffentliche Aemter unter lokaler Verwaltung, die zum Aufbau
billiger Wohnungen von der Regierung fuer 65 Jahre Kredite erhalten, die mit 2% verzinst werden. Andere stellen private Unternehmen dar oder Organisationen, die von industriellen Unternehmen
gemeinsam gebildet werden und Anspruch auf Subventionen, niedrigere Zinssaetze, bevorzugte Steuerbehandlung und Kredite der Regierung haben, die denen aehnlich sind, die den oeffentlichen Wohnbauaemtern gewaehrt werden. Die Regierung uebernimmt die Buergschaft fuer Hypothekenkredite, die den Arbeitern von den Wohnungsbauorganisationen gewaehrt werden.
Die Behoerden der Wohnungsbauorganisationen erhalten dadurch
Anspruch auf Kredite aus dem Familienzuschussfond des sozialen
Versicherungssystems. Sie vermieten nicht nur Wohnungen an Arbeiter, sondern koennen diese Wohnungen auch auf Grund von Amortisationsvertraeeen verkaufen.
Viele franzoesische Industrieunternehmen haben ihre Arbeiter
bei dem Versuch unterstuetzt, ihre Wohnraumprobleme zu loesen, indem sie selbst Wohnungen bauten und sie an die Arbeiter des Unternehmens unter Beruecksichtigung ihres Familienstandes und ihrer
Senioritaetsrechte vergaben. Der Zeitraum, fuer den der Arbeiter
die Wohnung beanspruchen kann, entspricht der Gueltigkeitsdauer
seines Arbeitsvertrages. Normalerweise bezahlt ein Arbeiter monatlich fuer eins Wohnung mit vier Raeumen 600 bis 1.000 Franken.
Industrieunternehmen haben ausserdem den Wohnungsbauorganisationen durch Subventionen geholfen, Haeuser zu bauen und sie an
die Arbeiter zu vermieten, wobei Arbeiter solcher Unternehmen bevorzugt werden, die einen finanziellen Beitrag geleistet haben.
Sie haben ferner den Arbeitern Geldmittel geliehen, damit sie
eigene Wohnungen bauen koennen, und zuweilen einen Teil der Baukosten selbst uebernommen. Bestimmte ^rbeitergruppen sind beim
Wohnungsbau besonders unterstuetzt worden. In Anerkennung der
Tatsache, dass der Mangel an Wohnraum die Beweglichkeit der Ar- 12 -

�beitskraefte wesentlich reduziert, hat die Regierung im Jahre
1945 eine Anordnung herausgegeben', in der Wohnungsbauten fuer Arbeitnehmer der verstaatlichten Eisenbahnen vorgesehen sind, und
sie hat es spaeter als notwendig erachtet, Haeuser zu bauen, um
Arbeiter fuer die verstaatlichten Kohlenbergwerke zu gewinnen.
Sin Beisniel fuer WohnungsbauDrojekte besonderer Gruppen in der
"Privatindustrie ist der "ueberberufliche Wohnungsbauausschuss",
der im Jahre 1948 im noerdlichen Frankreich zu dem Zwecke gebildet
wurde, Wohnungen fuer Metall- und Textilarbeiter zu bauen. Gewerkschaften, Unternehmer und Baufirmeh sind in diesem üusschuss vertreten, und die Geldmittel werden teilweise durch Kredite der Regierung
und'teilweise durch einen Beitrag der Unternehmer, der Z$ des Lohnlistenbetrages ausmacht, zur Verfuegung gestellt. In mehreren Erlassen des Jahres 1950 wird gefordert, dass diejenigen, die billige
Wohnungen bauen und kaufen, unterstuetzt werden. In einem dieser
Erlasse ist vorgesehen, dass den Erbauern billiger Wohnungen
jaehrliche Baupraeaiien bis zu 500 Franken pro qm Wohnbauflaeche 20
Jahre lang gezahlt werden. In einem anderen Erlass wird die Genehmigung erteilt, dass die Regierung direkte Anleihen solchen Leuten
zur Verfuegung stellt, die Bauplaetze haben oder die Mitglieder
von Wohnungsbaugesellschaften sind. Die Haelfte des Betrages, den
ein Unternehmen fuer den Wohnungsbau aufwendet, .ist steuerfrei.
Staatliche Kredite und Buergschaften fuer Wohnungsbauorganisationen wurden in zunehmendem Masse gewaehrt. Sie beliefen sich auf
insgesamt 41 Milliarden Franken, mit denen das Wohnungsbauprogramm
des Jahres 1950 finanziert werden sollte.
Die wichtigsten nicht-kommunistischen Gewerkschaften bildeten
ein gemeinsames "Kartell fuer Massnahmen zugunsten von Wohnungsbaukrediten im Jahre 1951." Gefuehrt wurde diese Gruppe von der
Force Ouvriöre, dem Bund christlicher Arbeiter (CFTC), der nationalen Gewerkschaft der Familienvereinigungen (UNAF) und zwoelf anderen Gewerkschaften und sozialen Organisationen. Es wurde darauf
hingewiesen, dass die 41 Milliarden Franken, die den Organisationen
fuer billigen Wohnungsbau im Jahre 1950 zur Verfuegung gestellt
wurden, nicht ausreichten und dass fuer eine normale Entwicklung
im Jahre 1951 100 Milliarden Franken benoetigt wuerden.
Der Ausschuss stellte im Jahre 1951 fest, dass der Haushaltsplan fuer 1951 nur 30 Milliarden Franken fuer das Wohnungsbauprogramm enthielt einschliesslich der zwoelf Milliarden Franken aus
Gegenwertmitteln der ECA. Ausserdem waren die Gewerkschaftsfuehrer
der Auffassung, dass diese Geldmittel besser verwendet werden koennten, wenn die Kosten fuer Baumaterialien von den franzoesischen
Trusts nicht kuenstlich auf einem ueberhoehten Niveau gehalten worden waeren.
Notes on -Labor abroad
11/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN PROTESTIEREN GEGEN DIE EINWANDERUNG
MEXIKANISCHER ARLEITER
'
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat gegen eine Gesetzesvorlage des Senats schaerfstens protestiert, in der die Anwerbung
und Einwanderung mexikanischer Arbeiter fuer die amerikanische Landwirtschaft vorgesehen ist. In einem Fernschreiben an den Majoritaetsfuehrer des Senats,'Ernest W. McFarland (Arizona) hat der Vorsitzende der AFL William Green den Senat aufgefordert, diese Gesetzesvorlage erneut zu ueberpruefen, weil "sie nicht die Interessen der
amerikanischen Landarbeiter schuetzt und mit den am 26. Maerz 1951
- 13

�veroeffentlichten Feststellungen uni Empfehlungen des zustaendiren
Untersuchungsausschusses des Praesidenten unvereinbar ist." Green
erklaerte,in dem Bericht dieser Komaiission sei klar zum Ausdruck
gebracht, dass die Einwanderung ausl&amp;endischer Arbeitskraefte die
Lohn- und Arbeitsbedingungen der amerikanischen Landarbeiter noch
weiter verschlechtere. Die wirtschaftliche Lage dieser Gruppe sei
schon .jetzt schlechter als die jeder anderen Schicht der Bevoelkerung."
Er erklaerte ferner, die AFL sei der Auffassung, dass der
Bedarf an auslaendischen Arbeitskraeften zu sehr betont wuerde.
Indem er auf die ?ro?se Zahl landwirtschaftlicher Arbeiter aus
Puerto-Rico hinwies, die entweder arbeitslos sind oder nur zeitweise beschaeftigt werden koennen, forderte er, dass die amerikanischen arbeitskraefte und die aus Puerto-Rico zuerst voll ausgenutzt werden, bevor man andere auslaendische Arbeitskraefte voruebergehend einwandern laesst.
McFarland erhielt ausserdem Telegramme von der Vereinigung
der Eisenbahnergewerkschaften, in der 18 Gewerkschaften mit ueber
einer !*i11ion Mitglieder vertreten sind, und von der Nationalen
Farmergewerkschaft.
Im Namen dieser Vereinigung erklaerte ihr Vorsitzender George
E. Leighty, dass diese Massnahme unueberlegt sei und eine Gefahr
fu^r die amerikanischen Land- und Industriearbeiter darstelle.
Leighty erinnerte den Senat an die in der "New York Times" vor
kurzem erschienene Artikelserie, in der von den "skandaloesen Bedingungen berichtet wird, unter denen Millionen mexikanischer legaler und illegaler Wanderarbeiter in unserem Lande leben."
Es sei klar bewiesen, dass genug amerikanische Arbeitskraefte
vorhanden sind, die bei den Srntearbeiten beschaeftigt werden
koennten, wenn einigermassen angemessene Arbeitsbedingungen geboten
wuerden.
.Tames G. Patton, der Vorsitzende der Farmergewerkschaf t, erklaerte, dass die Einwanderung billiger Arbeitskraefte aus dem
Ausland, ohne zuerst zu versuchen, die zahllosen amerikanischen
Landarbeiter einzustellen, die unterbeschaeftigt sind, einen Vertrauensbruch an dem amerikanischen Volk und seinen Idealen darstelle
Diese Versorgung mit billigen Arbeitskraeften aus dem Ausland bedrohe sowohl die Landarbeiterfamilien, die die Grundlage der amerikanischen Landwirtschaft bildeten, als auch die schwer erkaempften
Erfolge der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. "Wir fordern
vom Senat, dass er diese Gesetzesvorlage ablehnt und sich zuerst
mit der wirksamen Verwendung amerikanischer Arbeitskraefte beschaeftigt."
Einige Tage zuvor hatte auch der CIO gegen diese Vorlage orotestiert. Inzwischen hatte die "New York Times" in Fortsetzung
ihrer .Artikelserie ueber die Arbeits- und Lebensbedingungen eingewanderter Arbeitskraefte berichtet, dass sich Tausende erwartungsvoller Mexikaner in drei Staedten des noerdlichen Mexikos angesammelt haetten, als das Geruecht umging, dass demnaechst Landarbeiter
von amerikanischen Farmern eingestellt wuerden.
•

Die Behoerden in Monterey, Chihuahua und Hermosilles haben
sich an die mexikanische Regierung mit der Bitte gewandt, bei der
Betreuung der 30.0C0 von Armut betroffenen Menschen mitzuhelfen,
die diese Staedte ueberschwemmt haben, in der Hoffnung, in den Vereinigten Staaten arbeit zu bekommen. Es sind jedoch nur wenige
- 14 -

�eingestellt worden und haeufig kommt es unter diesen Leuten, die
keinen festen Wohnsitz haben und von Hunger und Krankheiten geplagt sind, zu Gewalttaetigkeiten.
Die Wohnmoeglichkeiten sind in diesen drei Staedten unzureichend, und viele Arbeiter kampieren in oeffentlichen Parkanlagen.
Es wird berichtet, dass die bisher abgeschlossenen Arbeitsvertrae«e Stundenloehne von 85 Cents, abzueglich 1.75 Dollar pro Tag
fuer Verpflegung vorsehen. Dieser Lohn ist etwa doppelt so hoch
wie der gesetzliche Mindestlohn in Mexiko.
Daily News Service
IV/27/51
NEW YORKER GEWERKSCKAFTSRAT PLANT BILDUNGSLEHRGANG
Donald J*. O'Connor, der Leiter des Bildungsreferats der Internationalen Mechanikergewerkschaft, teilte mit, dass auf Veranlassung
des Gewerkschaftsrates der Mechanikergewerkschaft fuer den Staat
New York an der Cornell Universitaet ein dreitaegiger Bildungslehrgang durchgefuehrt wird, an dem Delegierte der Ortsgewerkschaft
teilnehmen.
•
"Der erste Lehrgang wird voraussichtlich voiA 13. bis 15. Juli
in der Universitaet. Cornell stattfinden. Die Plaene fuer diese
Lehrgaenge wurden vor kurzem auf der Konferenz des staatlichen
Gewerkschaftsrates in Buffalo ausgearbeitet", berichtete O'Connor.
Die Delegierten hoerten einen ausfuehrlichen Bericht ueber die
Fortschritte, die in dem staatlichen Bildungsprogramm unter der
Schirmherrschaft des Gewerkschaftsrates und in Zusammenarbeit
nit der Volkshochschule der Universitaet erzielt wurden.
"Das Ortsprogramm, an dem wir nun arbeiten, ist von dem
Lehrkoerper der Universitaet und Vertretern der Internationalen
Vechanikergewerkschaft gemeinsam ausgearbeitet worden. Die Lehrgaenge werden ueberall im Staat durchgefuehrt und haben den Zweck,
lie Mitglieder und Funktionaere der Ortsgewerkschaft
in ihren alltseglichen Problemen zu unterstuetzen.n
Die Delegierten waehlten erneut in die hoechsten Stellungen
les Gewerkschaftsrates: Robert Hanson aus Jamestown zum Vorsitzenien, Harold Fitzgibbon aus Buffalo zum Finanzsekretaer, Thomas
3arey aus New York zum Leiter des Referats fuer Arbeitsgesetzgebung
ind O'Connor aus Ithaka.
Die prominentesten Sprecher dieser Konferenz waren die Vize'orsitzenden der Internationalen Mechanikergewerkschaft Fred Coonley
ind Ernie White, sowie die Ortsgewerkschaftsvertreter Rudy Faupl
md William H. Brodt.
An der Konferenz nahmen als Besucher teil: Pater Boland,
ler
Vorsitzende
des Vermittlungsausschusses fuer den Staat New
r
ork, Professor John Thurber von der Cornell Universitaet, Charles
:alloran, der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes von Buffalo und
ie Ortsgewerkschaftsvertreter H. F. Huff, Victor Kalaski und Dan
)mer.
Die Delegierten der Konferenz forderten die Fortsetzung der
olitischen Betaetigung der Gewerkschaftsmitglieder, sie verlangten
om Kongress bundesstaatliche Mietköntrollen und gaben den Bestreungen ihre Zustimmung, das staatliche Kindestlohngesetz abzuaen- 15 -

�d e m und den Mindestlohn von 75 Cents auf einen Dollar zu erhoehen.
Schliesslich forderten sie die Mitglieder des Repraesentantenhauses
und die Senatoren Herbert H. Lehman und Irving M. Ives auf, sich
weiterhin fuer eine Finanzierung der medizinischen Ausbildung auf
bundesstaatlicher Basis einzusetzen.
The Machinist
IV/26/51
DAS LOS DER ARBEITER hINTER DEM EISERNEN VORHANG
Waehrend die polnischen Gewerkschaften eifrig darauf bedacht
sind, die Arbeiter anzuhalten, laenger zu arbeiten und ihre Produktionsleistung, aus Anlass des 1. Mai zu steigern, haeufen sich in
der Gewerkschaftzeitung "Glos Pracy" die bitteren Beschwerden ueber
das mangelnde Interesse der Gewerkschaften an dem Wohlergehen der
Arbeiter und der Wahrung ihrer Rechte."
Ein Korrespondent dieser Zeitung schrieb am 3. April, nachdem
er die Papierfabriken in Mirkow besucht hatte, dass die Arbeiter
zwar auf vollen Touren laufe und die Produktion der Fabrik vollkommen zufriedenstellend sei-, dass jedoch die rechtliche und soziale Stellung der Arbeiter viel zu wuenschen uebrig liesse.
Dem Bericht dieses Korrespondenten zufolge erhielten viele
Arbeiter bis jetzt nicht die Schutzkleidung, die ihnen schon fuer
1950 zugesagt war, obwohl hierdurch ihre Gesundheit auf Grund chemischer Reaktionen und schaedlicher Gasen, die dem Papiermaschöe
entstroemen, ernstlich gefaehrdet wird.
"Die Hallen sind niedrig und Ventilationsvorrichtungen gibt
es ueberhaupt nicht. Der Dampf sammelt sich unter der Decke an
und senkt sich auf den Zementfussboden. Es gibt keine Abflussanlagen und die Arbeiter stehen bis zu den Knoecheln in schmutzigem
Wasser. Sie muessten Gummistiefel haben. Aber nur wenige besitzen
sie."
Der Korrespondent traf mit verschiedenen Arbeitern zusammen
und unterhielt sich mit ihnen. Einer von ihnen erklaerte: "Es
ist moeglich, dass die Arbeitsbedingungen in unserem Betrieb besser
sind,wenn Ventilatoren angebracht werden koennten, die man uns
schon lange versprochen hat. Auch koennten wir laengst unsere
Schutzkleidung erhalten haben - wenn es nicht unseren Betriebsrat
gaebe. Jedesmal, wenn jemand in den Betrieb kommt, der uns helfen
koennte, versucht der Betriebsrat, ihn darin zu hindern, mit den
Arbeitern zu sprechen."
Ein anderer Arbeiter fuegte hinzu: "Selbst wenn sich jemand
die Muehe gibt, mit den Arbeitern zu sprechen, ist es zwecklos.
Vor kurzem besuchte Genosse Pawlak vom Zentralkomitee der Chemiearbeitergewerkschaft unseren Betrieb. Wir erzaehlten ihm alles.
Er hoerte uns an, reiste ab, und nicht das geringste ereignete sich
danach.
Der Korrespondent schliesst mit der Feststellung, dass er kein
Gelegenheit hatte, ueber diese Angelegenheit mit dem Vorsitzenden
des Betriebsrates zu. sprechen, weil dieser waehrend seines mehrstuendigen Aufenthaltes in der Fabrik "angeblich dienstlich im
Betriebsgelaende zu tun hatte." "Aber", erklaert der Korrespondent
"wir konnten ihn auch dort nicht antreffen, obwohl wir uns laengere
Zeit im Betrieb3gelaende bewegten."
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^
_^____^______^___

IV - 19

Frankfurt,

1 1 . Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

D. Bowers: Westeuropa in der Weltwirtschaft - -

1

Allgemeine Lohnerhoehungen in Schweden - - - - -

10

Referate fuer Produktionstechnik in amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - - -

H

Tuerkische Gewerkschaften werden staerker

- - - 13

Amerikanische Gewerkschaft ernennt internttionalen Repraesentanten - - - - - - - - - - - - - 1 4
Steigende Aktivitaet der Frauen in amerikanischen
Gewerkschaften
- - - - - - - - - - - - - - - 1 5
Warum amerikanische Arbeiter Gewerkschafter sind 16

D. BOWERS: WESTEUROPA IN DER WELTWIRTSCHAFT
Westeuropa ist ein Gebiet mit etwa 270 Millionen Einwohnern, die unter normalen Umstaenden den hoechsten
Lebensstandard der Welt besaessen mit Ausnahme der Vereinigten Staaten. Dies wurde ermoeglicht dank der Faehigkeiten
der eu'ropaeischen Industrie, die sich vornehmlich mit der
Erzeugung von Fabrikaten befasst hat, die in der uebrigen '
Welt gegen Rohstoffe und Nahrungsmittel eingetauscht wurden,
die die Bevoelkerung zu ihrem Lebensunterhalt brauchte.
Auf diese Weise konnten die Voelker Westeuropas ihren verhaeltnlsmaessig hohen Lebensstandard aufrechterhalten.
Vor dein letzten Kriege blieb Westeuropa trotz der schnellen
- 1 -

�Portschritte der Vereinigten Staaten die bedeutendste
"Werkstatt der Welt". Es hatte beinahe die Haelfte des
internationalen Welthandels inne, beinahe zwei Drittel
der Weltschiffahrt, waehrend sein Einkommen, das aus jahrzehntelang angesammelten ausländischen Investierungen,
seinen Banken und anderen Dienstleistungen floss, genuegte,
um beinahe ein Viertel seiner Einfuhren aus der uebrigen
Welt zu finanzieren.
Obschon ein Grosstell des Aussenhandels der westeuropaelschen Staaten einen Binnenhandel im Rahmen Westeuropas darstellte, sind die Wirtschaften dieser Laender zu
einem hohen Ausmass nach den üeberseemaerkten gerichtet*
Vor dem Kriege stammte beinahe die Haelfte der europaeischen Einfuhren aus Ueberseelaendem, und mehr als ein
Drittel der westeuropaeischen Ausfuhren gingen nach Uebersee; seit dem Kriege ist der TTeberseehandel aus besonderen
Gruenden bedeutend groesser als der westeuropaeische Innenhandel. Weit davon entfernt, sich zu ergaenzen, machen
sich daher die westeuropaeischen Wirtschaften in einem
hohen Grade Konkurrenz.
Der westeuropaeische TJeberseehandel wurde natuerlich
oft mit unabhaengigen Laendern getaetigt, jedoch spielte
sich ein sehr grosser Teil mit den europaeischen Besitzungen und den angegliederten Gebieten ab. Dies war insbesondere der Fall bei Grossbritannien, das gegenwaertig
ungefaehr die Haelfte seines Aussenhandels mit den Laendern
des britischen Commonwealth taetigt. Es waren vor allem
diese Besitzungen, die den Mutterlaendern billige Rohstoffe
und geschuetzte Maerkte verschafften* Diese Lage war das
Ergebnis der Periode der imperialistischen Ausdehnungspolitik des 19. Jahrhunderts, sie nahm oft die Form einer beschraenkten wirtschaftlichen Entwicklung der abhaengigen
Gebiete an, die jedoch nicht im Interesse der einheimischen
Voelker liegt. Wir muessen daher zugeben, dass der Lebensstandard Westeuropas, einschliesslich derjenige seiner
Arbeiter, zu einem gewissen Ausmass der Ausbeutung der
Kolonialvoelker zu verdanken war. Diese Tatsache hat, wie
wir sehen werden, Westeuropa grosse Unannehmlichkeiten
bereitet*
Es steht fest, dass die westeuropaeische Wirtschaft
seit langer Zeit krank war, im grossen und ganzen seit
Anfang dieses Jahrhunderts* Die Kennzeichen dieser Krankheit waren ausgedehnte Perioden chronischer Arbeitslosigkeit und die Tatsache, dass es misslang, die Moeglichkelten
der modernen Wissenschaft und Technik voll zu entwickeln*
Insbesondere machte sich die Tendenz bemerkbar, hinter den
Vereinigten Staaten auf dem Gebiete der industriellen
Lei8tungsfaehlgkeit zurueckzublelben. Wie alle Gewerkschafter jedoch wissen, war diese Krankheit teilweise durch
die falsch gerichtete innere Wirtschaftspolitik verschuldet, die von den westeuropaeischen Regierungen und Arbeitgebern getrieben wurde. Das heisst, dass die ungleiche
Verteilung der Reichtuemer auf den inneren Maerkten die
Kaufkraft geschwaecht und Perioden schwerer Arbeitslosigkeit sowie wirtschaftliche Stockungen hervorgerufen hat.
Die gleichen Faktoren haben jedoch auch auf internationalem
Gebiet ihre Wirkung ausgeuebt und das Ergebnis gehabt, dass
das Verbrauchspotential der unter- und weniger entwickelten
- 2 -

�Laender nicht ausgedehnt werden konnte. Dagegen wurde von
den Mutterlaendern versucht, sich selbst und die von ihnen
abhaengigen Gebiete mit Immer hoeheren Zoll- und anderen
Handelsschranken zu umgeben.
Meiner Ansicht nach war diese falsch gerichtete Wirtschaftspolitik sowohl im Inneren als auch nach aussen nur
der Hauptgrund des ersten Weltkrieges, der vor allem dem
Umstand zuzuschreiben war, dass es der gewaltigen deutschen
Wirtschaft misslang, geeignete Absatzmaerkte zu finden«
Doch wir alle wissen, dass dieser Krieg dieses Problem nicht
geloest hat. In Wirklichkeit erschwerte er nur die langfristigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas auf dem
Gebiete des Welthandels. Dies war vor allen Dingen dadurch
begruendet, dass der Rueckschlag, den die westeuropaeische
Industrie durch die Kriegszerstoerungen und die intensive
Kriegsproduktion erlitt und der dementsprechende Antrieb,
der der industriellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten
zuteil wurde, den Niedergang Westeuropas als wichtigstes
Industriegebiet der Welt beschleunigte und es den Vereinigten Staaten ermoeglichte, sich einige wichtige westeuropaeische Ueberseemaerkte anzueignen* Zweitens begannen einige
der weniger entwickelten Ueberseelaender, die durch den
Krieg von ihren ehemaligen Versorgungsquellen in Europa abgeschnitten wurden, schnell ihre eigenen Nebenindustrien zu
entwickeln und selbst als Konkurrenten im Welthandel aufzutreten. Das klassische Beispiel dafuer ist natuerllch Japan.
Vor dem ersten Weltkrieg, waren seine Ausfuhren an Fabrikaten
ueberhaupt nicht beachtenswert; 1938 jedoch lieferte Japan
ein Puenftel des Weltexportes an Baumwolle- und Kunstseideerzeugnissen.
Zwischen den beiden Weltkriegen hatten diese Entwicklungen das Ergebnis, dass der Anteil Westeuropas am Welthandel schnell abnahm. Die zunehmende Industrialisierung
der weniger entwickelten Laender und der Umstand, dass die
Verbrauchskraft nicht in gleichem Masse in der ganzen Welt
ausgedehnt werden konnte, hatten zur Folge, dass der gesamte
internationale Handel zu einem Stillstand kam und sogar eingeschraenkt werden musste. Waehrend zwischen 1875 und 1915
der Umfang des Welthandels in Fertigerzeugnissen verdreifacht werden konnte, war im Jahre 1930 der Umfang dieses
Handels nur noch, drei Viertel so gross wie 1913, trotz der
Tatsache, dass sich zwischen 1913 und 1939 die Weltproduktion
an Fertigerzeugnissen verdoppelte. Dies trug stark zu der
rossen Depression bei, die in den Jahren vor dem zweiten
eltkrieg in fast allen europaeischen Staaten vorherrschte.

«

Allerdings war die wachsende Schwaeche Westeuropas
waehrend dieser Zelt teilweise ueberdeckt - wenn auch auf
Kosten der Ueberseelaender, die Nahrungsmittel und Rohstoffe
erzeugten. Dies war dem Umstand zuzuschreiben, dass erstens
die ausgedehnten Ueberseelnvestierungen, die von Westeuropa
am Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gemacht wurden, in der Zeit zwischen den beiden Kriegen
die wichtigsten Bedarfsartikel in Huelle und Fuelle und zu
geringen Preisen auf den Markt brachten, waehrend anderseits
die Depression der dreissiger Jahre die Nachfrage nach diesen
Artikeln bedeutend herabdrueckte. Da sie nicht schnell genug Absatz finden konnten, wurden sie sogar noch billiger»
Dank der vorteilhaften Handelsbedingungen machte sich die
- 3 -

�Wirkung dieses Abfallens des Westeuropaeischen Aussenhandels
nicht vollauf bemerkbar.
Doch diese guenstigen Einfluesse waren nicht von langer
Dauer; denn erstens brachte die grosse Depression die Ueberseeinvestierungen in den minder- und unterentwickelten Laendern fast zu einem vollstaendigen Stillstand, und zweitens
brachte die unzulaengliche Nachfrage nach Hauptbedarfsartikeln eine Anzahl unterentwickelter Laender nach und nach
dazu, die Produktion dieser Artikel einzuschraenken und sich
schneller dem Ausbau ihrer eigenen Nebenindustrien zuzuwenden. Die jetzige ernste Knappheit an Nahrungsmitteln und
Rohstoffen, die auf der ganzen Welt fuehlbar ist, steht in
engstem Zusammenhang mit diesen Folgen der grossen Depression,
die ebenfalls eine weitere Einsehraenkung der westeuropaelschen Maerkte in den weniger entwickelten Laendern mit sich
brachte. Eine Untersuchung, die kuerzlich von der Wirtschaft skomission der Vereinten Nationen fuer Europa unternommen wurde, hat bewiesen, dass dies insbesondere in Südamerika der Fall war, wie wir in England es uebrigens in den letzten
Jahren im Laufe der Verhandlungen mit Argentinien bezuegllch
der Versorgung mit Fleisch sehr zu unserem Leidwesen und auf
unsere Kosten bemerkten.
Nichtsdestoweniger waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Westeuropa zwischen den beiden Kriegen gross genug,
Insbesondere wieder im Falle Deutschlands, um die tieferen
Ursachen des zweiten Weltkrieges klarzustellen. Diesmal war
es wirklich ein Weltkrieg, und seine Folgen in bezug auf die
heikle und bereits sehr geschwaechte Struktur des westeuropaeischen Aussenhandels waren verheerend. Zahlreiche Produktionszentren wurden zerstoert, das Transportsystem zerrissen,
Mengen an Schiffsraum gingen verloren, eine grosse Anzahl aus~laendischer Investierungen musste verkauft werden und neue
Schulden gemacht, die gesamte landwirtschaftliche und industrielle Produktion Westeuropas wurde im -Interesse der Kriegszwecke
umgestellt und viele Arbeiter aus ihren normalen Arbeitsplaetzen
erissen, waehrend Rohstoffgebiete und Haerkte auf der ganzen
elt in Verlust gerieten oder zerstoert wurden.

S

Im Jahre 1945 war die industrielle Produktion in Frankreich, Belgien und Holland 40$ unter das Niveau von 1938 gefallen. In Italien war sie auf ein Fuenftel gesunken, waehrend sie in Deutschland praktisch zum Stillstand gebracht
worden war. Ausserdem machten sich die gleichen Wirkungen
auf die langfristige Stellung Westeuropas im Welthandel bemerkbar: genau wie im ersten Weltkrieg, jedoch zu einem noch
hoeheheren Hasse als zu jener Zeit. Die Vereinigten Staaten
waren in der Lage, ihre industrielle Produktion ununterbrochen
fortzusetzen und aufzubauen« so dass sie im Jahre 1945 mit
mehr als der Haelfte der gesamten Weltproduktion und des gesamten Welthandels hervortraten. Mit diesen Moeglichkeiten
hatten sie waehrend des Krieges eine weitere Anzahl frueherer
Ueberseemaerkte Westeuropas unter ihre Kontrolle gebracht.
Dies war umso ernster, als der zweite Weltkrieg die politische Folge hatte, dass Westeuropa von seinen frueheren wichtigen Maerkten im Osten mehr oder weniger vollkommen abgeschnitten war.
A H dies machte das Europaeische Wiederaufbauprogramm
und die weitgehende Hilfe der Vereinigten Staaten, die diese«
- 4

�Programm erst ermoegllchte, zu einer Notwendigkeit. Es ist
nicht meine Absicht, auf die Einzelheiten der Ergebnisse des
Europaeischen Wiederaufbauprogramms einzugehen, da hier schon
genuegend geschrieben und gesprochen wurde. Ich moechte nur
nebenbei bemerken, dass dieses Programm ein durchschlagender
Erfolg.war, und dass im vierten Quartal 1950 die industrielle
Produktion Westeuropas 40% ueber ihrem Vorkriegsstand lag und
um 42% hoeher war als 2&amp; Jahre zuvor, als das .Europaeische
Wiederaufbauprogramm begann» Das internationale Handelsdefizit
Westeuropas, das sich im Jahre 1947 auf 7j Milliarden Dollar
belief, hatte sich im Jahre 1950 schaetzungsweise auf weniger
als 2 Milliarden Dollar vermindert.
Die Frage, die sich hier stellt, ist die folgende:
Bis zu welchem Grad hat dieses Programm dazu beigetragen, die
langwierige Krankheit der westeuropaeischen Wirtschaft zu
heilen? Sie werden sich vielleicht erinnern, dass ich sagte,
diese Krankheit waere im Grunde genommen dadurch verursacht,
dass die Reichtuemer ungleich verteilt wurden und die Ueberseemaerkte im Verhaeltnis zu den Produktionsmoeglichkeiten
keine genuegende Ausdehnung erfuhren, und dass die Merkmale
dieser Krankheit neben der chronischen Arbeitslosigkeit vor
allem der Mangel an industrieller Leistungsfaehigkeit waren.
Die wirtschaftliche Genesung Westeuropas, wenigstens bis
zum Jahre 1949, fusste vor allen Dingen auf der ungewoehnlichen
Nachfrage nach Ersatzguetern und Ersatzmaterialien, die gewoehnlich die Folgeerscheinung eines langen und verheerenden Krieges
ist. Bereits 1949 erlitt der europaeische Wiederaufbau einen
ernsten Schlag, der zum groessten Teil durch den leichten wirtschaftlichen Rueckgang in den Vereinigten Staaten im gleichen
Jahr erklaerlich ist. Ausserdem dürfen wir nicht vergessen, dass
bis zum Jahre 1949 Deutschland und Japan - zwei der Laender,
die vor dem Krieg am staerksten zum internationalen Handel beisteuerten - noch nicht wieder auf den Maerkten zugelassen waren.
Es ist zum Beispiel sehr interessant, festzustellen, dass der
Aufschwung der britischen Ausfuhr zwischen 1938 und 1948 ungefaehr gleichbedeutend war mit dem deutschen Exportrueckgang
zur gleichen Zeit. Es schien daher, dass eine Rueckkehr zu den
Verhaeltnissen der Zwischenkriegszeit beginnen sollte, und dass
ein ruecksichtsloser Wettbewerb zur Eroberung der Maerkte einsetzen sollte.
Wenn das diesmal nicht der Fall war und der Wiederaufbau
seit 1949 ununterbrochen fortgeschritten ist, so ist dies meiner
Meinung nach in hohem Masse dem wachsenden wirtschaftlichen
Ansporn der Aufruestung zu verdanken. Ich weiss, dass auch
andere Ursachen daran beteiligt sind, wie zum Beispiel die Entwertung einer Anzahl westeuropaeischer Waehrungen zu Ende des
Jahres 1949. Ich glaube jedoch, dass fuer die Wirtschaft der
Vereinigten Staaten, die heutzutage durch ihre Macht den Stand
der wirtschaftlichen Taetigkeit Im ganzen Westen bestimmt und
in der ein Viertel der nationalen Produktion den Zwecken der
Verteidigung gewidmet ist, der Ansporn der Aufruestung die Haupt»ursaohe fuer den hohen Stand der Industrieproduktion seit 1949 ist.
Wie wir alle wissen, ruehrt die unmittelbare Bedrohung der
westeuropaeischen Wirtschaft heutzutage nicht von einer mangelnden Nachfrage her, sondern vielmehr von der Knappheit an Rohstoffen, die zum Grossteil durch das Anlegen von Vorraeten fuer
Verteidigungszwecke verschuldet ist. Es scheint demnach, dass
Westeuropa wenigstens in absehbarer Zukunft keine Sorge darueber
zu haben braucht, ob fuer seine ganze Erzeugung genuegend Absatzmoeglichkeiten vorhanden sein werden. Ich bin jedoch der
Ansicht, dass wir weder auf wirtschaftlichem Gebiet noch In moralischer Hinsicht uns mit einem wirtschaftlichen Wohlstand
zufrieden geben sollten, der In so hohem Masse von Verteidigungsausgaben abhaengig ist.
Wenn durch
5

�irgendein Wunder» das wir alle erhoffen mueaaen, der gegenwaertige Aufrueatungastürm ploetzlich aufhoeren koennte, so
wuerde aich die Frage stellen, was aus den weateuropaeiachen
und anderen westlichen Wirtschaften werden soll* Um es
gerade heraus zu sagen: es ist ganz klar, daaa den Haerkten
der Grund und Boden entzogen wuerde.
Wie aollen wir uns also zur unterirdischen Schwaeche
Westeuropas stellen, die heute durch den kuenatlichen Ansporn der Aufruestung ueberdeckt wird? Im Laufe des vergangenen Jahres war von vielen Verhandlungen und Plaenen
die Rede, die alle das Ziel hatten» die wirtschaftliche
und politische Vereinigung Westeuropas herbeizufuehren.
Auf wirtschaftlichem Gebiet ist das Hauptziel aolch einer
Vereinigung» die industrielle Leiatungafaehigkeit durch
die Schaffung einea besonderen westeuropaeiachen Marktgebietes zu verbessern. Ich bezweifle nicht, daaa aolche
Vorschlaege einen grossen Wert haben, glaube jedoch, daaa es
auaaerordentlich 8chwer aein wird, aie in die Wirklichkeit
umzusetzen und ich fuerchte, dass aie keine sehr schnellen
Ergebnisse zeitigen werden. Doch bin ich der Meinung» daaa
diese Vorschlaege fuer Westeuropa als Ganzes die erwuenachte
Loeaung nicht erbringen koennen, weil, wie ich achon frueher
gesagt habe, die westeuropaeischen Wirtschaften immer die
Tendenz haben, nach aussen, also auf die Ueberseemaerkte zu
blicken und einander zum Grossteil nicht ergaenzen. So
wichtig es auch sein mag, die industrielle Leistungsfaehigkelt zu erhoehen, insbesondere seit Westeuropa nicht mehr,
wie vor dem Krieg, ein Puenftel aeiner Auafunren mit einem
Einkommen bezahlen kann, das ihm aus auslaendisehen Investierungen zufliesst, ao beateht doch daa wichtigate Beduerfnia
Westeuropaa auf lange Sicht in der Erschliessung und Erweiterung von Ueberseemaerkten; und da die Vereinigten Staaten,
die den weitesten Einzelmarkt der Welt darstellen, sich in
hohem Masse selbst versorgen, muessen diese Maerkte vor allem
in den unterentwickelten oder nur teilweise entwickelten
Laendern Asiens, Afrikas und Suedamerlkaa geschaffen werden.
In Wirklichkeit leben die Voelker in vielen dieser
Laender heutzutage in erdrueckender und abscheulicher Not»
Ea genuegt, die Einkommensziffern pro Kopf zu betrachten,
um dies zu beurteilen. Das Durchschnittseinkommen in den
Vereinigten Staaten belaeuft 8ich auf etwa 1200 Dollar im
Jahr, in England auf $600, in 13 anderen Induatrielaendern
auf $450 oder mehr, in der uebrlgen Welt Jedoch, daa helast
in einem Gebiet, in dem zwei Drittel der Bevoelkerung der
Erde leben, ist das Durchschnittseinkommen nur 60 bis 90
Dollar Im Jahre - oder etwa 1 1/2 Dollar In der Woche.
Was die Sache noch aerger macht, ist, daaa in vielen
der aermeren Laender die Unterschiede zwischen Armut und
Reichtum besonders auffallend sind, waehrend in den reicheren
Laendern eine starke Tendenz nach einer zunehmenden Verwischung der Einkommensunterschiede besteht. Mehr noch, die
Kluft zwischen den fortschrittlichen und den zurueckblelbenden Laendern wird immer tiefer. Dir fortschrittlichen
Laender haben durch ihren blossen Portschritt einen starken
Vorteil gegenueber den anderen. Ihr groesseres Produktionspotential macht es ihnen leichter, fuer die weitere Entwicklung Kapital anzuhaeufen, waehrend die rueckstaendigen Gebiete,
die faat ihre gesamten Mittel benuetzen mueaaen, um allein
- 6 -

�ihre Bewohner am Leben zu erhalten, immer weiter zurueckfallen. Wie ich es bereits hervorgehoben habe, geschah
dies selbst dort, wo die Mutterlaender in ihren Ueberseebesitzungen bis zu einem gewissen Ausmass Kapital entwickelt
haben, oft in der Form einer Produktionsfoerderung, die sich
einzig und allein auf die wichtigsten Gebrauchsgueter
erstreckte und nicht genuegend ausgeglichen war, um eine
nennenswerte Erhoehung des Lebensstandards der Arbeiterklasse
dieser Gebiete zu erreichen*
All dies zeigt sehr klar die Notwendigkeit eines internationalen Planes auf, der dafuer sorgen muss, dass die
industriellen Leender in grossem Masstabe dafuer die rueckstaendigen Laender Kapital bereitstellen.
Worauf wir es
hier wirklich abgesehen haben, ist die Aufrechterhaltung eines
hohen und festen Standardes einer produktiven Beschaeftigung
in der ganzen Welt, und es ist interessant, die Schlussfolgerungen hervorragender Wirtschaftssachverstaendiger zu
lesen, die im vorigen Jahr ersucht wurden, den Vereinten
Nationen ueber dieses Thema einen Bericht abzugeben. Wahrscheinlich der ausschlaggebendste Satz im Bericht dieser
Sachverstaendigen war der folgende:
"Wir sind der Meinung, dass das Problem der Vollbeschaeftigung nur im Rahmen einer ausgedehnten Weltwirtschaft geloest werden kann, in welcher die wirtschaftliche
Entwicklung der unterentwickelten Laender das wichtigste
Einzelelement darstellen wuerde."
Denn wenn die Arbeitsproduktivitaet in den unterentwickelten Laendern so weit erhoeht werden koennte, dass sie
den westeuropaeischen Verhältnissen etwas naeher kommt, so
wuerde dies schliesslich im Leben von mehr als 1.000 Millionen Menschen geradezu eine Umwaelzung darstellen. Ihre
Produktion koennte auf ein Vielfaches gesteigert und ihre
Kaufkraft entsprechend erhoeht werden. Puer Westeuropa
wuerde dies die Eroeffnung unausdenkllcher neuer Exportmaerkte und die Schaffung .riesiger Mengen von Rohstoffen
und Nahrungsmitteln bedeuten. Und was die Exportmaerkte betrlefft, wuerde es sich nicht bloss um eine zeitweilige
Nachfrage nach Kapitalausruestung handeln, die die westeuropaelsche Wirtschaft ohne weiteres bereitstellen koennte,
es wuerde sich darueber hinaus eine dauernde Nachfrage nach
allen mqeglichen Fabrikaten einstellen, deren Verbrauch
den betreffenden Voelkern durch die Erhoehung ihres Lebensstandards zum ersten Mal gestattet sein wuerde.
Es ist natuerlich klar, dass der Groateil der fuer
einen solchen internationalen Plan benoetigten Finanzmittel
von den Vereinigten Staaten bereitgestellt werden muesste,
da sie in der heutigen Welt bei weitem das reichste Wirtschaftspotential besitzen. Es ist Jedoch ebenso klar, dass
die westeuropaeischen Laender sich an diesem Plan entsprechend ihrer Moegllchkeiten beteiligen muessten. Und es
muss hervorgehoben werden, dass es sich um einen internationalen Plan handeln muss. Viele der rueckstaendigen
Laender haben mit den politischen und wirtschaftlichen
Ergebnissen des Imperialismus unglueckliche Erfahrungen
gemacht und sind daher geneigt, allen aeusseren finanziellen
Unterstuetzungsplaenen zu misstrauen. Ausserdem hat es
keinen Zweck, zu glauben, dass ein Grossteil der zur Finanzierung dieses Planes benoetigten Gelder aus privaten Quellen
- 7

�fHessen koennte. Zuerst wuerde es sich darum handeln, die
wichtigsten Dienstleistungen sicherzustellen, wie zum Beispiel
Strassen, Eisenhahnen, Kanalisationen, Schulen, Krankenhaeuser und so weiter, und es wuerde viele Jahre dauern» ehe die
Kapitalinvestierungen in diesen Laendern Ertraege in dem Hassstab bringen wuerden, wie private Kapitalisten sie erwarten.
Der Grossteil der Finanzen muesste daher von den Regierungen
aufgebracht werden.
Es besteht heute zwischen den Wirtschaftssachverstaendigen aller Richtungen Einvernehmen darueber, dass ein solcher
gegenseitiger Unterstuetzungsplan auf internationaler Grundlage notwendig ist, und in der Tat wird auch bereits Verschiedenes im Sinne dieser Richtlinien unternommen. Zunaechst
gibt es das von Praesident Truman eingeleitete Punkt-VierProgramm. Leider wurden jedoch bis jetzt nur 30 Millionen
Dollar vom Kongress fuer dieses Programm bereitgestellt.
Dann gibt es den Colombo-Plan, der von den Regierungen des
britischen Commonwealth ins Leben gerufen wurde und der sich
die Bereitstellung einer Finanzhilfe von 3 Milliarden Dollar
im Laufe von sechs Jahren an bestimmte suedostasiatische
Laender zur Aufgabe stellt. Bis jetzt jedoch wurde kein Vorschlag darueber gemacht, woher ein Grosstell dieser finanzlallen
Unterstuetzung kommen soll. Allerdings stehen bei der amerikanischen Regierung weitere Plaene in Vorbereitung, die aus Mitteln
der Vereinigten Staaten im ersten Jahr einen Betrag von etwa
500 Millionen Dollar an rueckstaendige Laender vorsehen. Es
bleibt jedoch dahingestellt, welche Betraege vom Kongress wirklich bereitgestellt werden. Daneben starten die einzelnen westeuropaeischen Laender In den von ihnen abhaengigen Gebieten
ihre eigenen Entwicklungssysteme. Grossbritannien zum Beispiel steht im Begriff, auf diese Weise 1,5 Milliarden auszugeben, waehrend Belgien beabsichtigt. Im Laufe von 10 Jahren
fuer aehnliche Zwecke 900 Millionen Dollar bereizustellen.
Doch alle Betraege, die bis jetzt von den Regierungen
angenommen oder eroertert wurden, koennen In Wirklichkeit kaum
die Peripherie des Problems beruehren, da die rueckstaendigen
Gebiete so ausgedehnt und ihre Einwohner so ungeheuer zahlreich sind. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass aus Gruenden, auf die ich hier nicht eingehen kann, ihre Bevoelkerung
sich sehr schnell vermehrt. Man schaetzt, dass innerhalb
von 20 Jahren die Bevoelkerung Suedostasiens um 120 Millionen
steigen wird, das heisst um eine Zahl, die beinahe so gross
ist, wie die gesamte Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten.
Es ist daher anzunehmen, dass die Gelder, die jetzt in dienen
Gebiete angewendet werden, kaum genuegen werden, um eine
weitere Verschlechterung des Lebensstandards zu verhueten, wobei von einer Verbesserung dieses Standards ueberhaupt nicht
gesprochen werden kann. Wie James Carey von der C.I.O. hervorgehoben hat, stellt das Geld, welches bislang von den Vereinigten Staaten im Rahmen des Punkt-Vier-Programm aufgebracht
wurde, weniger als ein Viertel-Dollar fuer jeden der 560 Million ea Menschen in Suedostasien dar.
Wenn irgendetwas Wirksames getan werden soll, um dieses
Problem zu loesen, so muessen diese Vorschlaege die Kuehnheit
und Grosszuegigkeit der Anregungen besitzen, die von einem
anderen C.I.O.-Fuehrer, Walter Reuther, gemacht wurden. Was
er vorschlug, war, dass sich das Volk der Vereinigten Staaten
dazu verpflichte, hundert Jahre lang durch die Vereinten
Nationen einen jaehrlichen Betrag von 13 Milliarden Dollar
fuer die wirtschaftliche Entwicklung der tJeberseelaender bereitzustellen, und dass die anderen Nationen je nach ihren
- 8

�Moeglichkeiten aehnliche Verpflichtungen eingehen*
Die Frage, die sich angesichts dieser astronomischen
Zahlen sofort stellt« ist, ob Westeuropa und die anderen
Westmaechte solche Betraege aufbringen koennen, insbesondere
Jetzt, da so viel fuer die Aufruestung ausgegeben wird. In
diesem Jahre stellt der Kongress einen Betrag von 70 Milliarden Dollar fuer die Aufruestung bereit, gegenueber 25 Milliarden Dollar, die bis jetzt fuer das Punkt-Vier-Programm gebilligt wurden. Auch in den westeuropaeischen Laendern steigen
die Aufruestungskosten; in England werden sie zum Beispiel
verdoppelt.
Die Antwort, die ich auf diese Frage geben moechte, ist,
dass die Westmaechte einen internationalen Hilfsplan zugunsten
der rueckstaendlgen Laender in einem aehnlichen Masstab wie
der, den ich erwaehnt habe, unbedingt annehmen muessen. Wir
muessen uns ein fuer allemal darueber Rechenschaft ablegen,
dass diese rueckstaendigen Laender, insbesondere in Asien
und Afrika, das groesste politische und soziale Problem, das
die Welt heutzutage kennt, darstellen. Wenn wir dieses
Problem nicht loesen, so ist es hoechstwahrscheinlich, dass
alle unsere Verteldigungsplaene letzten Endes scheitern werden.
In diesem Zusammenhang moechte ich wieder eine Feststellung anfuehren, die von James Carey gemacht wurde. Es
helsst, dass er gesagt haette, die westlichen Demokratien
wuerden sowohl auf moralischem als auch auf militaerlschem
und wirtschaftlichem Gebiet ihre eigene Zukunft in Frage
stellen, wenn sie die 560 Millionen Einwohner Suedostaslens
samt den natuerllchen Reichtuemern dieses Gebietes an den
Kommunismus verlieren wuerden. Im Vergleich zu den diesjaehrlgen 70 Milliarden Dollar, die die Vereinigten Staaten fuer
ihre Verteidigung ausgegeben haben, sagte Carey, "haetten wir
offenkundig Geld erspart, wenn wir uns entschlossen haetten,
vier Jahre lang Jaehrlich 5 Milliarden Dollar fuer MarshallPlan-Programme im Fernen Osten auszugeben".
Uns allen Ist bekannt, dass in Suedostasien gegenwaertig
eine politische und soziale Gaerung vor sich geht. Die Einwohner dieses und anderer Gebiete werden unter dem Druck eines
erwachenden Nationalismus immer staerker den empoerenden Abgrund gewahr, der zwischen ihren eigenen Lebensbedingungen und
denjenigen der Voelker in den fortschrittlichen Laendern besteht. Sie kommen schnell zu dem Schluss, dass es angesichts
der gegenwaertigen Mittel der Wissenschaft und Technik keinen
triftigen Grund dafuer gibt, dass sie in ihrer entsetzlichen
Armut verbleiben sollten. Wenn wir nicht etwas Grosszuegiges
tun, um Ihre Lebensbedingungen zu verbessern, und wenn wir
es nicht schnell tun, so werden diese Voelker unvermeidlich
dem Kommunismus verfallen und sich uns nicht nur als Maerkte,
sondern auch als Quellen lebenswichtiger Nahrungsmittel und
Rohstoffe verschliessen. Die kuerzllchen Ereignisse in Persien
beweisen, dass die Laender nicht erst dem Kommunismus verfallen
muessen, um diesen Weg zu beschreiten. Und was das fuer Westeuropa bedeutet, ist, dass, wenn noch mehr Maerkte und Versorgungsquellen auf diese Weise geschlossen werden, dies am
Ende mit Sicherheit den wirtschaftlichen Untergang zur Folge
haben wird, und zwar mit allen politischen und sozialen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
- 9 -

�Die Eroerterung clor Probleme Westeuropas Hess uns zu einer
Stelle kommen, -die von Europa selbst weit entfernt ist. So ist
es auch in der Tat, denn in Wirklichkeit ist es in mancher Hinsicht
und insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet bloss eine besondere
Form der Vorstellung, wenn man Westeuropa als ein separates Ganzes
betrachtet. Es ist viel eher der Teil eines Weltwirtschaftskomplexes, und seine Probleme koennen nur im Rahmen einer umfassenden
Planung eine Loesung finden. Wie ich die Dinge sehe, bleiben diese
Weltwirtschaftsprobleme nach wie vor das, was sie unter dem Kapitalismus immer waren - trotz des bemerkenswerten Fortschritts,
der im Sinne einer Milderung der besonders harten Seiten dieses
Systems erzielt wurde. Die Probleme bleiben im Grunde genommen
die grossen Ungerechtigkeiten der Gueterverteilung zwischen den
verschiedenen Klassen und Nationen und die sich dareus ergebende
Unmoeglichkeit, ein hohes und festes Beschaeftigungsniveau aufrecht zu erhalten sowie die Produktionstechnik zur vollen Entwich
lung zu bringen, weil die Kaufkraft der Volksmassen nicht genuegend hoch ist.

ALLGEMEINE LOHNERHOEHUNGEN IN SCHWEDEN
Zum erstenmal seit drei Jahren sind gegen Ende des Jahres
1950 und anfangs 1951 fuer 1 1/2 Millionen schwedische Arbeiter
oder 60% der 2 1/2 Millionen Lohn- und Gehaltsempfaenger Schwedens
Verhandlungen ueber neue Lohn- und Gehaltsabkommen gefuehrt worden.
Der schwedische Gewerkschaftsbund (LO) verfolgte seit 1947 die
Politik, die bestehenden Lohntarife beizubehalten, machte jedoch
im Jahre 1950 die Fortsetzung dieser Politik von der Stabilisierung
der Preise abhaengig. Seit dem Beginn der Feindseligkeiten in
Korea im Jahre 1950 hatte der schwedische Gewerkschaftsbund jedoch
mit grossen Preiserhoehungen gerechnet und den ihm angeschlossenen
Gewerkschaften empfohlen, die bestehenden Tarifvertraege zu kuendigen und wieder freie TarifVerhandlungen aufzunehmen.
Obwohl die Verhandlungen waehrend der ersten Haelfte des Jahres 1951 fortgesetzt werden sollten, koennten bereits Ende Februar 1951 fuer etwa die Haelfte der Arbeiter Vertraege auf friedlichem Weg abgeschlossen werden. Die drei folgenden wesentlichen
Merkmale kennzeichnen im allgemeinen die neuen Vertraege:
(1) Die Lohnerhoehungen sind im Vergleich zu den geschaetzten
Steigsrungen der Lebenshaltungskosten maessig. Der Lebenshaltungskostenindex hatte im Dezember 1950 den Durchschnitt des Jahres
1947 um 10% ueberschritten. Als im Dezember 1950 die Subventionen
fuer alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse aufgehoben wurden, begannen die Preise schnell anzusteigen und schwedische Behoerden
schaetzten, dass die Erhoehung des Lebenshaltungskostenindex im
ersten Quartal des Jahres 1951 insgesamt acht Prozent betrug.
(2) Die Lohnerhoehungen waren fuer niedrig bezahlte Industriezweige und fuer die Gruppen mit niedrigen Einkommen, vor allem
Frauen, am hoechsten.
(3) Die Vertraege sind auf ein Jahr Gueltigkeitsdauer begrenz
und nicht mit den periodischen Steigerungen der Lebenshaltungskosten gekoppelt. Die Funktionaere des schwedischen Gewerkschaftsbundes haben den Gewerkschaften nahegelegt, von dieser letzteren
Massnahme zum Schutze der Realloehne abzusehen, um eine Lohn-PreisSpirale zu verhindern.
- 10 -

�In den Vertraegan, die in der Zeit von November 1950 bis
Februar 1951 abgeschlossen wurden, sind, folgende durchschnittliche Lohnerhoehunren vorgesehen:
prozentuale
Gruppe
Lohnerhoehung
170.000 Wald- und Forstarbeiter

12.0$ - 17.0%

100.000 landwirtschaftliche Arbeiter .
(etwa die Haelfte nicht gewerkschaftlich
organisiert)
maennlich

13.5%

weiblich

19.0%

12.000 Arbeiter in Herstellungsbetrieben

8.0% - 13.0%

150.000 Maschinen- und Giessereiarbeiter

9.5%

5.000 Bergleute in Erzbergwerken
(mit Lohnunterschieden gemaess den Senioritaetsanspruechen, um uebermaessig
haeufige Arbeitsplatzwechsel zu vermeiden)

8.0%

35.000 Arbeitnehmer im Hotel- und Gaststaettengewarbe

13.0% - 14.0%

35.000 Bekleidungsarbeiter

13.0% - 14.0%

9.000 Angestellte der Handelsbanken
(hier erfolgte eine prozentuale Erhoehung
der Gesamteinkommen. Frauen erhielten
hoehere Gehaltsaufbesserungen)

10.0% - 25.0%

200.000 Beamte und andere Arbeitnehmer der
18.8%
Regierung
(ebenfalls prozentuale Erhoehung der
Gesamteinkommen)
Etwa 50.-000 Empfaenger von Alterspensionen, die von der Regierung gewaehrt werden, haben mit der gleichen prozentualen Erhoehung ihres Einkommens wie die Arbeitnehmer der Regierung gerechnet. . Dieses Abkommen gilt ausserdem indirekt fuer ueber 200.000
Kommunal- und Provinzialbedienstete, deren Loehne und Gehaeiter
im allgemeinen (Jenen der Arbeiter und Beamten der Regierung angeglichen werden.
Notes on Labor Abroad
11/51
REFERATS FUER PR QDUKTIOfrSTSCHNIK IN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Eine Anzahl amerikanischer Gewerkschaften haben Referate
fuer Produktionstechnik oder -Forschung. Vielleicht ist diese
Tatsache ein Beweis fuer das Ausmass, in dem die Betriebswissenschaft in der amerikanischen Industrie angewendet wird. Man darf
natuerlich nicht vergessen, dass die Betriebsleitung in den Vereinigten Staaten, allgemein gesprochen, "mehr auf eigenen Fuessen
steht" als in Grossbritannien. Die Konkurrenz spielt eine wesentliche,stets akute Rolle. Lohnverhandlungen werden zwischen oertlichen Gewerkschaften und einzelnen Unternehmen und weniger auf
gesamtindustrieller Basis gefuehrt..
- 11 -

�Wenn gewerkschaftliche Referate fuer Produkt!onstechnik bestehen, so bedeutet das nicht, dass die amerikanischen Gewerkschaften die Absicht haben oder auch nur inErwaegung ziehen, die Funktionen der Betriebsleitung in der Industrie zu uebernehmen. 2s
ist in der Tat in den meisten Vertraegen zwischen den Unternehmen
und Gewerkschaften eindeutig festgelegt, dass sich die Gewerkschaft
in keiner V/eise in die Funktionen der Betriebsleitung einmischen
oder ihnen entgegen handeln darf. Die Einstellung und Entlassung
von Arbeitnehmern wird im allgemeinen nicht zufaellig als eine
Funktion der Betriebsleitung angesehen. Die Unternehmer haben
bei zahlreichen Gelegenheiten die Gewerkschaften um ihren Hat
ersucht, wenn es sich um Probleme des Betriebes handelte.
Wenn die- amerikanischen Gewerkschaften Referate fuer Produktionstechnik errichtet haben, so ist hierin sine rein defensive
Massnahme zu sehen, eine Massnahme, die den Zweck hat, die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder gegenueber der allzu haeufigen
Anwendung "wissenschaftlicher Betriebsleitungsmethoden" zu
schustzen, die «jeder menschlichen Ueberlegung entbehren. Techniker im Dienst der Gewerkschaften haben die Aufgabe, die statistischen Unterlagen- bereitzustellen, die fuer TarifVerhandlungen notwendig sind, um beweisen zu koennen, was die Arbeiter leisten
koennen, und um sich nicht auf Grund wissenschaftlicher Methoden
vorschreiben zu lassen, was sie leisten sollten.
Die Gewerkschaften und natuerlich auch viele amerikanische
Unternehmen hegen keinen Zweifel ueber die wissenschaftlichen Grenzen des Zeitstudiums und der Arbeitsbewertung. Sie sind rieh bswusst, dass die persoenliche und individuelle Beurteilung - d.h.
das menschliche Element, das bei der Festsetzung vorgeschlagener
Arbeitsnormen mitspielt, nicht so ist, dass die gewaehrte Arbeitszeit, die in Zeitstudien errechnet wird, als "Tatsache" angesehen
werden kann.
Dieser Umstand hat zweifellos dazu beigetragen, dass viele
Gewerkschaften davon Abstand genommen hab3n, eine Haltung einzunehmen, die von vornherein gegen das Zeitstudium gerichtet ist.
Denn wenn bei Fragen, die sich auf Ermuedung, Tariffestsetzung usw.
beziehen, persoenliches Urteil und persoenliche Meinung eine so
grosse -Rolle soielen, dann bestehen auch genuegend Moeglichkeiten
zur ^Diskussion. Mit anderen 7/orten, Zeitstudien bieten eine
Moeglichkeit, in die TarifVerhandlungen einen realistischen Gei3t
zu bringen.
Aufgabe der Produktionsreferate der Zentralstelle der Gewerkschaften ist es, hauptsaechlich die Grtsgewerkschaften mit Dienstleistungen und Informationen zu unterstuetzen. Der Personalstab
dieser Referate ist nur klein und umfasst hoechstens drei oder
vier Mitglieder, die jedoch hochqualifizierte Experten auf dem
Gebiet der Technik und der Betriebsleitung sein muessen. Einige
Gewerkschaften beschaeftigen auch in ihren Bezirksbueros technische Sachverstaendige. Die Arbeit die-er Techniker in den Gewerkschaften besteht nicht darin, Zeitstudien durchzufuehren oder
Arbeitsnormen festzusetzen, obwohl sie hierzu in der Lage waeren
und es auch mitunter fuer notwendig erachten, sondern die Zeitstudien oder Arbeitsplatzbewertung der Arbeitgeber zu ueberwachen
und dementsprechende Verhandlungen zu fuehren. Wenn neue Maschinen oder neue Produktionsmethoden in einem Betrieb eingefuehrt
werden, wenn'ein Montageband abgeaendert oder ein neuer Arbeitsvertrag entworfen wird, wird die Ortsgewerkschaft haeufig Rat und
Unterstuetzung beim Produkt!onsreferat ihres Gewerkschaftsvorstandes einholen, dem genuegend Informationen und statistische Unterlagen zur Verfuegung stehen und das hoechstwahrscheinlich ueber
die finanzielle Lage des Unternehmens gut unterrichtet ist.
- 12 -

�Es besteht wohl kein Zweifel darueber, dass die erfolgreiche
Arbeit dieser produkt,ionstechnischen Referate der amerikanischen
Gewerkschaften in dem Bestreben, die Interessen ihrer Kitglieder
zu wahren und sie zu foerdern, viel dazu beigetragen hat, das zu
beseitigen, was unter anderen Umstaenden ein Hindernis fuer
die technologische Entwicklung in den betreffenden Industrien
ha.ette -ein koennen. Die Gewerkschaften sind der Auffassung,
dass die Sicherheit des Arbeitsplatzes am besten durch eine
groesstmoegliciie Leistungsfaehigkeit der Industrie garantiert
ist, und dass die Verbesserung des Lebensstandards vornehmlich
von der Steigerung der Produktionsleistung abhaengig ist.
Besonders interessant auf diesem Gebiet der Produktiontechnik ist die Arbeit des produktionstechnischen Referats der Internationalen Dt.menob3rbekleidungsarbeitergewerkschaft. Diese Organisation, in der Arbeiter der groessten und am staerksten konkurrierenden Industrie organisiert sind, ist in der Entwicklung der
Methoden des Zeitstudiums weiter gegangen als die meisten Gewerkschaften mit dem Ergebnis, dass die Lohntarife in dieser Industrie im Laufe der letzten Jahre wesentlich verbessert und, was
noch wichtiger ist, stabilisiert wurden. Eine andere gewerkschaftliche Errungenschaft ist die Teilnahme der Vereinigten
Stahlarbeitergewerkschaft an dem Arbeitsbewertungsprogramm, das
in der Stahlindustrie auf Anordnung des nationalen Arbeitsausschusses fuer den Einsatz der Arbeitskraefte in Kriegszeiten im
Jahre 1945 durchgefuehrt werden musste. Diese Anordnung war auf
die Forderung der Gewerkschaft nach Lohnaufbesserungen und Beseitigung vieler Ungleichheiten bei der Lohnzahlung in der Stahlindustrie zurueckzufuehren. Das Programm hat insofern einen
Riesenaufwand an Arbeit bedeutet, als fuer alle Arbeitsplaetze
in der Industrie Arbeit3beschreibungen verfasst werden mussten,
die Arbeitsplaetze entsprechend der Anzahl der Punkte, die fuer
berufliche Fähigkeiten, Verantwortung,. Ausbildung und Unfallgefahr zuerkannt werden, klassifiziert wurden und ein Grundtarif
mit einer entsprechenden Tabelle fuer Arbeiter mit mehr Punkten
festgesetzt werden musste.
Das Referat fuer Lohnunterschiede der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft befasst sich zusammen mit technischen Vertretern der Unternehmer mit dieser Arbeit. Diese Arbeitsbewertung
hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass Unternehmer und Gewerkschaften vereinbart haben, keine Beschwerden ueber Unterschiedlichkeiten der Lohntarife zu fuehren, sondern derartige Fragen in
direkten Verhandlungen zu klaeren.
Organizing for Output, BIM
TUERKISCHE GE~.VERKS GRÄFTEN WERDEN STAERKER
Irving Brown, der internationale Repräsentant der AFL, hat
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften einen vorlaeufigen
Bericht uebar seinen Besuch in der Tuerkei unterbreitet, in dem
festgestellt wird, dass in diesem strategisch wichtigen aufstrebenden Land des Orients, das nur durch einen Wasserstreifen von
wenigen Meilen von Sow letrussland getrennt ist, eine freie Gewerkschaftsbewegung im Entstehen ist.
In seinem Bericht an J. H. Oldenbroek, den Generalsekretaer
de3 IBFG, erklaert Brown, die Zahl der tuerkischen Gewerkschaften
sei von 83 im Mai 1950 auf 103 im Maerz 1951 angestiegen. Die
Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter habe sich von
74.000 auf 99.000 erhoeht.
—

j.o

—

�Zwar wuerden die tuerkischen Gewerkschaften jetzt noch von
der Regierung genauestens kontrolliert, "und selbst die internen
Angelegenheiten der Gewerkschaften unterstuenden polizeilicher
Kontrolle, doch seien diese Massnahmen mit der Entfaltung der
neuen Gewerkschaftsbewegung im Abklingen."
Im Verlauf dieser Feststellungen teilte der Sprecher der
AFL mit, dass auf dem Kongress des Gewerkschaftsbundes in Istanbul,
an dem 500 Delegierte teilnahmen, "offen und uneingeschraenkt
an dem Arbeitsministerium Kritik geuebt" worden sei, und dass
alle wesentlichen Gewerkschaftsprobleme eingehend besprochen
worden seien.
Brown berichtete ferner, dass grosses Interesse fuer den
IBFG gezeigt worden sei und die Gewerkschafter die Hoffnung zum
Ausdruck gebracht haetten, nach der Bildung der LandesOrganisation
der Tuerkei dem IBFG beitreten zu koennen. Die Gruendung einer
solchen LandesOrganisation ist fuer das Ende dieses Jahres oder
fuer den Anfang des Jahres 1952 vorgesehen.
AFL Weekly News Service
17/24/51
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFT ERNEUEST INTERNATIONALEN RE'PRAES ENTANTEN
Eine der groessten Gewerkschaften Amerikas hat ihr wachsendes Interesse an internationalen Angelegenheiten dadurch unter
Beweis gestellt, indem sie einen internationalen Sondervertreter
ernannt hat.
Es handelt sich um die Internationale Gewerkschaft der Mechaniker (IAM), die unlaengst ihre Mitgliedschaft in der AFL wieder aufgenommen hat. Die Gewerkschaft hat Rudy Faupl, der sich
seit langem mit nationalen und internationalen- Gewerkschaftsfragen beschaeftigt hat, zu ihrem ersten internationalen Repräsentanten ernannt.
Faupl3 Ernennung bedeutet einen weiteren Schritt zur Einschaltung der Gewerkschaften in internationale Arbeitsbereiche.
Seit Jahren ist die Internationale Gewerkschaft der MeOhaniker
dem Internationalen Metallarbeiterverband und dem Internationalen
Transportarbeiterverband angeschlossen. Als eine seiner ersten
Amtshandlungen wird Faupl die 600.000 Mitglieder der IAM auf den
Konferenzen des Metallarbeiterverbandes in der Schweiz im Juli
dieses Jahres vertreten.
Als der Vorsitzende der IAM AI Eayes die Ernennung Faunls
bekanntgab, erklaerte er, dass die Gewerkschaft sich jetzt nicht
mehr allein durch den lediglich zeitweiligen Einsatz taetiger
Funktionaere in wirksamer V/eise in die Weltangelegenheiten einschalten wollen.
"Die Ereignisse haben bewiesen," fuhr, er fort, "dass es uns
ohne die Zusammenarbeit und die Solidaritaet aller freiheitsliebenden Menschen der Welt unmoeglich ist, Frieden, Freiheit und
Wohlstand in einer Welt zu erhalten, die aufgrund der technologischen Entwicklungen mit jedem Tape kleiner"wird."
Als internationaler Repraesentant der IAM wird Faunl gemeinsam mit den freien Gewerkschaften der ganzen Welt an der ünterstuetzung der Arbeiterschaft in ihrem Kampf um Frieden, Freiheit
und Wohlstand arbeiten.

- 14 -

�Der neue internationale Repraesentant war mehr als zehn
Jahre lang mit Fragen der Mechaniker beruf e beschaeftigt. V/aehrend des zweiten 7/eltkrieges half er der amerikanischen Regierung bei der Bearbeitung von Lohnfregen. Seit Januar 1951 war
er gemeinsam mit Exekutivstellen der IAM an Lohnstabilisierungsproblemen taetig. Im vergangenen Jahr gehoerte Faupl zu der
dreiköpfigen Delegation, die von amerikanischen Gewerkschaften
zur Berliner Industrieausstellung entsandt worden war.
Labor Air Bulletin
V/9/51
STEIGENDE AKTIVITAET DER FRAUEN IN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Frauen spielen nicht nur rein zahlenmaessig in der Mitgliedschaft, sondern auch in der gewerkschaftlichen Organisation und
Fuehrung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung eine Rolle von
zunehmender Bedeutung.
Der zahlenmaessige Anteil der Frauen in den Gewerkschaften
nimmt staendig zu, was im wesentlichen auf die nachdruecklicheren
Bemuehungen der Organisationen in den letzten Jahren zurueckzufuehren ist, die Bueroangestellten und anderen Angestelltengrup^en
als Mitglieder zu gewinnen, in denen Frauen in grosser Zahl vertreten sind.
Von den 19 Millionen Frauen, die heute in den Vereinigten
Staaten erwerbstaetig sind, sind mehr als drei Millionen gewerkschaftlich organisiert. In einigen Gewerkschaften, wie z.B. der
Textilarbeitergewerkschaft, der Telephon- und Telegraphenarbeitergewerkschaft, der Internationalen Gewerkschaft der Elektro-,
Radio- und Maschinenarbeiten der Vereinigten Bekleidungsarbeiterund der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft
betraegt der Anteil der Frauen an der Gesamtmitgliederzahl 40
bis 75%.
Die amerikanischen Gewerkschaften waren stets darauf bedacht,
allen Arbeitern ohne Ruecksicht auf Rassenzugehoerip:keit, Konfession, Farbe oder Geschlecht den gleichen Schutz zu gewaehren.
Sie haben das Prinzip des gleichen Lohnes fuer gleiche Arbeit
unterstuetzt und unablaessig danach gestrebt, die fuer weibliche
Arbiiter notwendigen Gesundheits- und Sicherheitsmassnahmen zu
vervollkommnen.
Ein bezeichnendes Beispiel fuer die Arbeit, die in dieser
Hinsicht geleistet wird, ist die amerikanische Gewerkschaft der
Arbeiter in Automobil- und Flugzeugfabriken und in Fabriken zur
Herstellung landwirtschaftlicher Geraete (UAV.7). Sie ist eine der
groessten Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten.
Obwohl die 100.000 Frauen in dieser Gewerkschaft weniger
als 10% der gesamten Mitgliedschaft darstellen, hat 3ich die UAW
besondere Verdienste um die Abschaffung diskriminierender Methoden gegen Frauen und die Foerderung der Rechte der Frauen in der
Industrie erworber.
Sie hat zwei Sonderrefarata geschaffen, die sich speziell
mit Probismen der berufstaetigen Frau befassen. Der Beratungsausschuss fuer Frauen arbeitet auf Betriebsebene und beichaeftirt
sich vornehmlich mit Loehnen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen.
Die andere Einrichtung, das sogenannte Frauenbuero, arbeitet auf
Landesebene, um die V/ohlfahrt der Frauen durch erzieherische, gesetzgeberische und staatliche Massnahmen zu foerdern.
- 15 -

�Das Frauenbuero dor UAW arrangiert ausserdem Studienreisen
fuer Gewerkschaftsgruppen aus dem Ausland, die die Vereinigten
Staaten besuchen. Es stellt anderen Gruppen, die am Fortschritt
der Frauen interessiert sind, Literatur und Snrecher zur Verfuegung und wirkt bei der Werbung fuer neue Ortsgewerkschaften mit.
Die weiblichen Mitglieder der UAW beteiligen sich aktiv an
zahlreichen Phasen der-gewerkschaftlichen Arbeit. Etwa 600 von
ihnen bekleiden entweder Funktionaerstellungen, sind Mitglieder
in Ausschuessen, die mit Automobilfabriken ueber Terifvertraege
verhandeln, oder.betaetigen sich in Bildungs- und politischen
Ausschuessen verschiedener Ortsgewerkschaften. Andere arbeiten
in den Wohlfahrts- und Gesundheitsausschuessen der UAW.
Die Beteiligung der Frauen an der gewerkschaftlichen Arbeit
hat bei der Erzielung besserer Arbeitsbedingungen - richtige Beleuchtung, Heizung, Ventilation, sanitaere Waschraeume, Sicherheitsmassnahmen, Ruhepausen und Genesungsurlaub - eine wesentliche
Rolle gespielt. Sie hat ausserdem mitgeholfen, die Aufmerksamkeit der Gewerkschaften auf die besonderen Probleme der arbeitenden Mutter zu konzentrieren: die Notwendigkeit eines angemessenen
Mutter3chaftsurlaubs und kommunale Programme fuer Tageskindergaerten und Kinderbetreuung.
Immer groessar wird die Zahl amerikanischer Gewerkschaften,
die jetzt Klauseln ueber Mutterschaftsurlaub in ihre Tarifvertraege aufnehmen, in einigen wird eine maximale Abwesenheitsdauer von
einem Jahr festgelegt, ohne dass die Frauen den Anspruch auf ihren
Arbeitsplatz verlieren.
Labor Air Bulletin
V/9/51
WARUM AMERIKANISCHE ARBEITER GEWERKSCHAFTER SIND
Eine neue Erhebung, die innerhalb einer groesseren amerikanischen Gewerkschaft vor kurzem durchgefuehrt wurde, hat gezeigt,
dass der groessere Teil ihrer Mitglieder - etwa 70% - der Gewerkschaft beigetreten sind. Viele andere, die diesen festen Glauben
zu Anfang nicht hatten, sind nun begeisterte Mitglieder und einige
sind sogar in fuehrende Stellungen aufgerueckt.
Diese Feststellungen sind in einem Bericht enthalten, der,von
drei Sozialwissenschaftern des Instituts fuer Industrielle Wechselbeziehungen an der Universitaet Chikago in der Zeitschrift "The
Annals" der Amerikanischen Akademie fuer Politik und Sozialwissenschaft veroeffentlicht wurde.
Die drei Wissenschafter haben in einer Ortsgewerkschaft der
Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika, die etwa 14.000 Mitglieder
hat, eine 14-monatige Studie durchgefuehrt. Die Gewerkschaft ist
dem CIO angeschlossen.
In dem Bericht wird hervorgehoben, dass die Familientradition
in der Arbeiterschaft eine der wichtigsten Ursachen dafuer ist,
dass die Arbeiter von ihrer gewerkschaftlichen Mission voellig uebei
zeugt sind. Viele, die dies als Grund angaben, erklaerten, dass ihi
Vaeter und andere nahe Verwandte Gewerkschaftsmitglieder waren und
auch sie fest an die gewerkschaftliche Sache glaubten.
Der Umfang der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung laesst vef-

- 16 -

Labor Air Bulletin
V/9/51

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 20

Frankfurt, 18. Fei 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Eine Analyse des Schuman-Plans - - - - - -

l

Gewerkschaften im Dienst der oeffentlichen
Wohlfahrt - - - - - - - - - - - - - - Was "Freie Arbeit" in Russland ist - - - -

7
6

Textilarbeiterstreik in Danville (U.S.A.)- 10
Die grosse Aufgabe der Berufsberatung - - 11
Die Gewerkschaftsbewegung in Asien breitet
sich aus
- - - - - - - - - - - - - - - 1 5

EINE ANALYSE DES SCHUMAN-PLANS
Am 9. Mai 1950 hat der franzoesische Aussenminister Robert
Schuman den Vorschlag seiner Regierung bekanntgegeben, die
Kohle- und Stahlindustrien Frankreichs und Deutschlands zusammen mit denen anderer europaeischer Laender in einem einzigen
Absatzmarkt zu vereinigen. Dieses Vorhaben stellt eine Entwicklung von groesster Bedeutung im politischen und wirtschaftlichen
Leben Westeuropas dar.
Schumans Vorschlag, einen Vertrag auszuarbeiten, erging
an alle suropaeischen Nationen. Fuenf Laender nahmen seine Einladung an: Belgien, Holland, Italien, Luxemburg und Westdeutschland. Diese fuenf Nationen haben nun zusammen mit Frankreich
einen detaillierten Vertrag in Ausfuehrung der urspruenglichen
Vorscblasga ausgearbeitet. Darin wird vorgeschlagen, dass alle
- 1-

�notwendigen Befugnisse zur Leitung dieser Industrien neuen
Institutionen uebertragen werden, die denen einer Bundesregierung aehnlich sein sollen. Der Angelpunkt in der Fuehrung dieser Industrien war die Beseitigung der nationalen Handelsbeschränkungen und der einschränkenden privaten Vereinbarungen.
Die diskriminierenden Methoden, die bisher haeufig beim Verkauf
•von Kohle und Stahl angewendet wurden, muessen fortfallen.
Kohle- und Stahlerzeugnisse und Arbeiter der Kohle- und Stahlindustrie duerfen innerhalb der Mitgliedstaaten frei ausgetauscht
werden. Bei einer kritischen Knappheit oder sonstigen Krisen,
die ein Eingreifen der Regierung erfordern, muessen sich die
neuen uebernationalen Institutionen einschalten.
Der einheitliche Absatzmarkt, der durch diese Bestimmungen
geschaffen wuerde, waere von der uebrigen Welt nicht isoliert.
Hersteller aus Staaten, die Niohtmitglied sind, -haetten ebenfalls freien Zutritt zu dem Markt, ohne dass der Einfuhr ihrer
Erzeugnisse bedeutendere Handelsbeschränkungen auferlegt wuerden. Aus-serdem wuerde denjenigen Laendern, die von den Herstellern des einzigen Absatzmarktes auf dem Importwege beliefert
werden, gleiche Behandlung und angemessene Preise zugesichert.
Diese revolutionaeren Vereinbarungen und Einrichtungen verdienen, dass man sich eingehend mit ihnen beschaeftigt. Im Folgenden sind die wesentlichen Bestimmungen des Plans zusammengefa3st und dargelegt, wie man sich 3eine Arbeitsweise vorstellt.
Die Satzungen des Sohumanplans zeigen, dass die Souveraenitaet
der einzelnen Laender duroh eine Reihe wesentlicher Bestimmungen
gewahrt bleibt. Nach dem Abkommen wird eine exekutive Koerperschaft gebildöt werden, die befugt ist, den groessten Teil der
wesentlichen Bestimmungen zur Ausfuehrung zu bringen. Die Mitglieder dieser exekutiven Koerperschaft, die die Bezeichnung
"Hohe Behoerde" tragen wird, werden gemeinsam von den Regierungen
der Mitgliedstaaten fuer eine Amtszeit von sechs Jahren gewaehlt.
Kein Mitglied dieser Behoerde darf sich an eine nationale Regierung irgendeines Teilnehmerstaates wenden oder Instruktionen von
ihr annehmen.
. Die Befugnisse, die fuer die Hohe Behoerde vorgeschlagen
sind, reichen sehr weit. Hierzu gehoert das Recht, die Produktion der Unternehmen, die ihr unterstehen, zu besteuern, Richtlinien in bezug auf Kohle und Stahl herauszugeben, die fuer die
einzelnen Unternehmen und Staaten, an die "sie gerichtet sind,
bindend sind, solchen Unternehmen, die ihre Anordnungen nicht
befolgen, Geldstrafen aufzuerlegen, die Gewinne, die aus irgendwelchen illegalen Handlungen der Mitgliedstaaten entstehen, durch
Sonder3teuern auf die Produktion in den Betrieben dieser Laender
praktisch zu beschlagnahmen, zu borgen und zu verleihen, Erhebungen durenzufuehren und den Betrieben und Staaten innerhalb
ihres Wirkungsbereichs Vorschlaege zu unterbreiten. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, wenn erforderlich, die Ausfuehrung
der Anordnungen der Hohen Behoerde durch den Einsatz ihrer ""olizeikraft zu erzv;ingen.
Die Hohe Behoerde wird regelmaessig einer Gemeinsamen Versammlung 'Bericht erstatten, die sich aus Delegierten zusammansatzt,
die in vereinbarter Zahl von den ntgllodstfcfcten entsendet werden« Die Versammlung wird die Arbeit der Hohen Behoerde all,1aehrlich ueberpruefen. Mit einer Stiiiimennehrheit von zwei Dritteln kann die Versammlung der Behoerde das Vertrauen absprechen
und ihre Mitglieder zum Ruecktritt zwingen. Sie wird ausserdem
befugt sein, einen Jahreshaushalt, der von der hohen Behoerde vorgeschlagen ist, zu pruefen und im Gesamten zu bewilligen.

�Eine dritte wesentliche Einrichtung des "°lans ist der besondere Ministerausschuss. Die Schaffung eines solchen Ausschusses
entstammt der Notwendigkeit, irgendwelche Mittel zu finden, mit
denen die Arbeit der Hohen Behoerde in den Kohle- und Stahlsektoren des Wirtschaftsgefueges der Mitgliedstaaten mit den Massnahmen
koordiniert werden kann, die von diesen Regierungen fuer den
uebrigen Teil ihrer Wirtscheft ergriffen werden. In frueheren
Verhandlungen wurden die Auswirkungen von Massnahmen der Hohen
Behoerde in Kohle und Stahl auf nationale Probleme, wie z. B.
die Kontrolle der Inflation, die Bilanz auswaertiger Konten und
die Sicherung der Verteidigung besprochen.
•

Der Mlnisterausschuss, dem Minister aus den Regierungen der
Signatarstaaten angehoeren, wird dementsprechend mit den notwendigen Befugnissen ausgestattet, um diese Koordinierung bewerkstelligen zu koennen. Der Ministerausschuss wird z. B. das Recht
haben, Vorschlaege zu formulieren, und er wird immer bei den Entscheidungen der Hohen Behoerde mitzureden haben, wenn es sich um
Fragen der Kontrolle des Absatzmarktes handelt, wie z.B. die
Moeglichkeit, Hoeohstpreise und Zuteilungsquoten festzusetzen,
wenn Warenknappheit besteht. Der Ministerausschuss wird ausserdem an den Verfahren direkt beteiligt, mit denen die Zolltarife
der sechs Laender fuer Kohle und Stahl festgesetzt werden.
Ein anderes Element in der durch den Schuman-Plan geschaffenen Struktur ist der Gertchtähof. In den meisten, typisch uebernationalen Vereinbarungen werden Meinungsverschiedenheiten ueber
die Auslegung im allgemeinen durch Abmachungen unter den Signatarstaaten geklaert, wobei zuweilen bestimmt wird, dass die Regierungen das Recht haben, beim Internationalen Gerichtshof Berufung
einzulegen. Der Schuman-Plan soll seinen eigenen Gerichtshof
haben, der sich mit Rechtsfragen beschaeftigt, die sich aus den
Beziehungen der einzelnen Organe miteinander und aus Beschwerden
einzelner Regierungen, Unternehmen oder Einzelpersoenen ergeben.
Die Mitglieder des Gerichtshofes werden groesstenteils durch das
gleiche Verfahren gewaehlt «ie die der Hohen Behoerde. Die wichtigste Befugnis des Gerichtshofes ist das Recht, die Bestimmungen
der Hohen Behoerde fuer ungueltig zu erklaeren und zwar auf dieselbe V/eise und auf der gleichen Grundlage wie die Gerichtshoefe
der Vereinigten Staaten die Gesetze des Kongresses fuer verfassungswidrig und die Entscheidungen der Verwaltungsbehoerden der Regierung fuer ungueltig arklaeren koennen. Kurz gesagt, wenn die
Hohe Behoerde ihre Befugnisse ueberschreitet oder willkuerlich
handelt, hat der Gerichtshof das Recht, einzugreifen. Er kann
ausserdem Handlungen des Ministerausschusses oder der Gemeinsamen
Versammlung fuer null und nichtig erklaeren, wenn diese Koerperschaften die Grenzen ihres Machtbereiches ueberschreiten.
Das. System der Einrichtungen wird durch ein weiteres Organ,
naemlich den Beratungsausschuss, vervollstaendigt. Dieser • IJBschuss hat die Aufgabe, eine direkte Verbindung zwischen der Höhen
Behoerde auf der einen Seite und dem Hersteller, dem Arbeiter und
den Verbrauchern auf der anderen Seite herzustellen. Er wird
sich aus Vertretarn zusammensetzen, die von den drei Gruppen in
gleicher Zahl ernannt vverden und wird beratende Funktionen allgemeinen Charakters haben.
Der dominierende Grundsatz des Schuman-Plans ist, dass die
Kohle- und Stahlindustrien der Mitgliedstaaten so behandelt werden
sollen, als ob keine nationalen Grenzen zwischen ihnen bestuenden.
Die Laender Westeuropas muessen ihre Bemuehune-en aufgeben, selhstgsnueg3am in bezur auf Kohle und Stahl zu sein, sie muessen vielmehr diesen Industrien gestatten, sich zu einem gemeinsamen Ab- 3-

�satzmarkt zusammenzuschliessen, der alle Mitgliedstaaten umfasst.
Die wesentlichen Bestimmungen ueber die Arbeitsweise des
Planes gelten dementsprechend der Beseitigung nationaler Handelsschranken. In ihnen wird die sofortige Beseitigung praktisch
aller Zoelle gefordert, die von irgendeinem Mitgliedstaat den
Kohle- und Stahlerzeugnissen aus irgendeinem anderen Mitgliedstaat auferlegt werden.
Diese Bestimmungen sehen ausserdem die Aufhebung der Mengenbeschraenkungen fuer Importe und Exporte von Kohle- und Stahlerzeugnissen innerhalb der Mitgliedstaaten und die Beseitigung
zahlreicher anderer einschraenkender oder diskriminierender Methoden vor. Diese Vorschlaege, die in gewissen Bestimmungen den
Satzungen einer Zolleinheit sehnlich sind, werden durch einschneidendere Massnahmen in bezug auf einschraenkende Vereinbarungen
zwischen den Produzenten von Kohle und Stahl erp-aenzt. Alle Abmachungen der Produzenten, die entweder durch Festsetzung der
""reise, durch Zuteilung von Verbrauchern, durch Beschraenkung
der Einfuehrung neuer technischer Methoden oder durch andere
Mittel den Wettbewerb einschraenken, sind fuer ungesetzlich erklaert. Gemeinsame Betriebsvereinbarungen der Unternehmer zur
Foerderung der Normung in der Herstellung bestimmter Erzeugnisse
koennen unter gewissen ümstaenden genehmigt werden. Derartige
Abmachungen musssen jedoch zuvor von der Hohen Behoerde gebilligt
werden, was nur cieschieht, wenn die Behoerde der Usberzeugung
ist, dass diese Abmachungen einen positiven Beitrag zur Leistungsfaehigkeit der in Frage kommenden Betriebe darstellen und den
Grad des Wettbewerbs auf den betreffenden Absatzmaerkten nicht
wesentlich in Mitleidenschaft ziehen.
Auf Grund der allgemeinen Befugnisse der Hohen Behoerde, mit
denen sie Massnahmen einzelner Regierungen verhindern oder rueckgaengig machen kann, die eine diskriminierende Auswirkung auf
Kohle- und Stahlunternehmen in ihrem Geschaeftsbereich haben,
kann die Hohe Behoerde eine Abaenderung der diskriminierenden
Struktur der Frachtsaetze bewirken, die von oeffentlichen Transportorganisationen auferlegt werden, die in dem Gebiet zustaendig
sind. Die Verhandlungsteilnehmer haben den Wunsch, dass die
Hohe Behoerde sobald wie moeglich von diesem Recht Gebrauch macht
und damit eine 3eit langem bestehende Ursache gegenseitiger Missverstaendnisse beseitigt.&lt; Man rechnet damit, dass die Erzeuger
auf dem gemeinsamen Absatzmarkt in betraechtlichem Umfang dem
Preiswettbewerb unterworfen sind. Durch die langfristigen Auswirkungen dieser Aufhebung konkurrierender Kraefte duerften di3 Produktionsleistung gesteigert und die Preise fuer Kohle und Stahl
auf dem einzigen Absatzmarkt niedriger werden. Wenn nicht einige
Sicherheitsgarantien vorgesehen waeren, wuerde jedoch die Gefahr
bestehen, dass die Produzenten Methoden zur Preisbestimmung entwickeln, die allgemein als 'unfairer Wettbewerb" anzusehen sind.
Sie koennten z.B. versuchen, die Konkurrenz aus einem lokalen Absatzmarkt dadurch zu vertreiben, indem sie allein auf diesem Markt
zeitweilig zu wesentlich reduzierten Preisen verkaufen. Eine
andere Moeglichkeit waere, dass die Produzenten Methoden zur Beguenstigung der Unternehmer irgendeiner Nation vor denen einer
anderen anwenden. Um derartige Eventualitaeten auszuscnliessen,
will man die Hohe Behoerde mit der Befugnis ausstatten, Anordnungen zu treffen, die die Methoden zur Preisfestsetzung (nicht der
Preise allein) der Produzenten in dem betreffenden Gebiet regeln.
Das allgemeine Ziel der Hohen Behoerde v.uerde eine Methode
- 4 -

�der Preisfestsetzung auf der Basis der Gleichberechtigung sein,
ohne unnoetigerweise den vorgesehenen Preiswettbewerb und die
Flexionsfaehigkeit der Preise zu beeintraechtigen.
Gegenwaertig ist jeder der vorgesehenen Mitgliedsteaten
der Union vielen Laendern ausserhalb der Union gegenueber verpflichtet, ihnen in Angelegenheiten des Aussenhandels Meistbeguenstigung zu gewaehren; d.h. jeder der in Aussicht stehenden
Teilnehmer ist zur Zeit durch Vertraege z.B. verpflichtet, fuer
Kohle und Stahl aus Gross-Britannien oder den Vereinigten Staaten
gleiche Zolltarife anzuwenden wie fuer die gleichen Waren aus
Schuman-Plan-Laendern. Die Teilnehmerstaaten werden ueber die
Abaenderungen dieser Verpflichtungen verhandeln muessen, um die
Kohle- und Stahlzoelle unter sich selbst aufzuheben und sie
gleichzeitig auf die Importe aus Nichtteilnehmerstaaten zu uebertragen. Bis zur Beendigung der Verhandlungen ueber diesen Verzicht und bis zur Bekanntgabe der naeheren Bedingungen duerfen
alle Besprechungen ueber Handelsbeziehungen der Schuman-PlanLaonder mit anderen Staaten nur vorlaeufigen Charakter haben.
Die Hohe Behoerde ist in der Zwiscnenzeit nicht befugt, irgendwelche Massnahmen zu ergreifen, die mit den internationalen Verpflichtungen der Teilnehmerstaaten unvereinbar sind.
Die Hohe Behoerde behaelt sich jedoch ein wesentliches Recht
vor, kraft dessen unter Umstaenden der Wareniimort aus anderen
Laendern reduziert werden kann. Fuer den Fall, dass sich eine
akute Krise entwickelt, die die Auferlegung von Produktionsquoten
fuer Kohle und Stahl im Gebiet der Union rechtfertigen wuerde,
und dass die Imoorte mengenmaessig und unter den erwaahnten Bedingungen in Mitleidenschaft gezogen wuerden, wodurch die Produzenten konkurrierender Kohle- und Stahlerzeugnisse auf dem einzigen Absatzmarkt schwergeschaedigt werden koennten, wuerde die
Hohe Behoerde befugt sein, Importquoten aufzuerlegen. Diese Befugnis ist dem Rechtstitel nach der sogenannten Ausweichklausel
gleichzusetzen, die sich Teilnehmerstaaten im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens vorbehalten haben.
Im allgemeinen erwartet man von den konkurrierenden Kraeften,
dass sie die oertliche Lage der Kohle- und Stahlunternehmen des
einzigen Absatzmarktes bestimmen und die Erweiterung und Modernisierung dieser Anlagen fordern. Die Hohe Behoerde wird nicht
unmittelbar befugt sein, kostspielige Bergwerke oder Stahlwerke
zu schliessen. Sie kann ausserdem nicht zu Investitionen in
zusaetzlichen Kohle- oder Stahlbetrieben zwingen. In dieser Hinsicht wird es die Hohe Behoerde den Organen des Absatzmarktes
ueberlassen muessen, das, was sie wuenschen, auszufuehren.
Auf der anderen Seite koennte die Behoerde die Art der Investierung auf verschiedene Weise beeinflussen. Sie koennte z.
B. gepien eine vorgeschlagene Investierung in Kohle- oder Stahlbetrieben, die eine Gesellschaft auf diese Weise mit nichteigenen Geldmitteln finanzieren will, Einspruch erheben, wenn sie
der Ueberzeugung ist, dass die vorgeschlagenen Betriebe voraussichtlich nicht ohne Subventionen oder andere kuenstlichen Hilfsmittel bestehen koennen. Die Hohe Behoerde kann ausserdem Kredite
an Unternehmen vergeben, um ihnen bei der Erweiterung ihrer Betriebsanlagen zu helfen. Sie ist schliesslich verpflichtet, laufend die Kohle- und Stahlunternehmen zu uebernruefen und auf den
Bedarf und die üoeglichkeiten zusaetzlichar Investierungen in dem
betreffenden Gebiet hinzuweisen.
Im Verlauf der Verhandlungen ueber die Bestimmungen des
Schuman-Planes wurde es in zunehmendem Masse offensichtlich, dass
- 5-

�das Projekt der Bildung eines einzigen Absatzmarktes Umsohichtungen in der Kohle- und Stahlindustrie der Teilnehmerstaaten nach
sich zieh/efl) muss. Diese Umschichtungen wiederum wuerden die Abwanderung oder die Umsiedlung einiger Arbeiter erforderlich machen, die in diesen Industrien beschaeftigt sind. Die Hohe Behoerde wurde dementsprechend beauftragt, diesen Arbeitern zu helfen, sich den neuen Verhaeltnissen anzupassen. Diese Unterstützung
kann verschiedener Art sein. Sie kann sich auf Abkehrgelder,
Umschulungskurse oder die Erstattung von Umsiedlungskosten und
sonstiger Unkosten erstrecken. Sie kann ausserdem darin bestehen,
dass in den betroffenen Gebieten neue Industrien finanziert werden, die den freigestellten Arbeitern Arbeitsmoegliohkeiten bieten koennen.
r

Die Verpflichtungen der Hohen Behoerde der Arbeiterschaft
gegenueber enthalten bestimmte positive Ziele.
Es-ist eine der Hauptaufgaben der Hohen Behoerde, der willkuerlichen Anwendung der Lohnkuerzung als ein Mittel der Konkurrenzmethode ein Ende zu setzen. Eine Bestimmung des Vertrags
verbietet - ausser unter bestimmten, genau definierten Verhaeltnissen, wie z.B. bei einer Senkung der Lebenshaltungskosten irgendwelche Lohnkuerzungen. Die Hohe Behoerde kann ferner den
Regierungen ueber die Korrektur bereits bestehender, anomal niedrig
ger Lohnverhaeltnisse verhandeln.
Der Vertrag enthaelt darueberhinaus weitere Verpflichtungen,
fuer die es nur wenige Beispiele in der internationalen Geschichte der Arbeiterbewegung gibt. Die Teilnehmerstaaten beteiligen
sich an der Ausarbeitung einer ausfuehrlichen Abmachung zur
Beseitigung tatsaechlich aller Restriktionen in der Anwerbung von
Kohle- (und Stahlarbeitern, die Angehoerige der Nation irgeneines
anderen der Teilnehmerlaender sind. Besondere Bemuehungen sollen
unternommen werden, um die Schranken zu. beseitigen, die der Wiedereinstellung von Arbeitern gesetzt sind, die in anderenLaendern
freigestellt sind. Jegliche Diskriminierungen, die gegen die
Kohle- oder Stahlarbeiter eines anderen Teilnehmerstaates angewendet werden, sollen ebenfalls durch den Vertrag beseitigt werden, gleichgueltig, ob es sich um eingearbeitete Arbeitskraefte
handelt oder nicht. Von Anfang an waren sich die Erschaffer des
Planes darueber einig, dass bei Anlauf des Planes waehrend einer
verhaeltnismaassig kurzen Zeit Sondermassnahmen getroffen werden
muessen, um den Unterschieden in den Gestehungskosten Rechnung zu
tragen, die in den Kohle- und Stahlindustrien der verschiedenen
Laender bestehen. Es war zu ueberlegen, dass der freie Handel
zwischen den Kohle- und Stahlindustrien der sechs Laender in dem
vereinigten Gebiet Produktionsumschiohtungen in einem so grossen
Ausmass erforderlich machen koennte, dass dies fuer einige der
betreffenden Laender zu untragbaren Haarten fuehren koennte. Die
schwierigsten Probleme dieser Art sind durch die mit verhaeltnismaassig hohen Kosten arbeitende belgische Kohleindustrie und die
italienische Stahlindustrie verursaoht.
In Bezug auf das belgische Kohleproblem sind Bestimmungen
zur Einrichtung eines sogenannten Ausgleichsfonds getroffen worden,
der fuenf Jahre lang voruebergehend bestehen soll. Der Fonds
wuerde durch Sondersteuern auf die Kohle- und Stahlproduktion der
belgischen Hersteller mit niedrigen Gestehungskosten gespeist und
fuer die belgischen Produzenten mit hoh3n Gestehungskosten als
Ausgleich verwendet werden. Diese Subventionen wuerden so schnell
wie moeglioh verringert werden, wobei der Rhythmus der Verringerung
von der Schnelligkeit abhaengig waere, mit der sich die belgische

6

�Industrie der Lage anzupassen vermag.
Die Loesung fuer das ^roblem der italienischen Stahlindustrie
ist anderer Art^ Die Verhandlungspartner waren sich darueber
einig, dass ein Ausgleichfonds fuer die italienische Stahlindustrie aus technischen Gruenden nicht moeglich ist. VJenn die
Hohe Behoerde es fuer erforderlich haelt, kann die italienische
Industrie deshalb in der Uebergangszeit durch Zoelle geschuetzt
werden. Diese Zoelle koennten jedoch in keinem Falle hoeher
sein als zu Beginn des Planes und wuerden in einem bestimmten
Prozentsatz in jedem der Folgejarrre bis zu ihrer endgueltigen
Aufhebung vermindert werden.
The Department of State Bulletin
IV/E/51
GFXEHKT CHAFTEV El DIENST DER OEFFD^TLICHEN WOIILFAKRT
• In einem Leitartikel der "New York Times" kommt zum Ausdruck, mit velcher Energie Amerikas freie Gewerkschaften ihre
Machtmittel" in den Dienst der allgemeinen '.Vohlfahrt stellen.
Die "Times" berichtet, wie zwei grosse Gewerkschaften, naemlich die Internationale Damenoberbekleidunp-sarbeiter-Gewerkschaf t
(ILGw*U) und die Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika
(ACWA) zur Reform der allgemeinen Wohlfahrt beigetragen haben.
- Die ILGWU, die der AFL angeschlossen ist/ hat angekuendigt,
dass sie waehrend des Jahres 1951 fuer vVohltaetigkeits-, liberale und gewerkschaftliche Zwecke in den Vereinigten Staaten und
in anderen Lasndern der »Veit eine Million Dollar zur Verfuegung
stellen wird. Seit 1935 hat diese Gewerkschaft fuer philanthropische Zwecke mehr als £0 Tüllionen Dollar gespendet.
"Dies ist eine erstaunliche Summe fuer eine Organisation,
deren Mitglieder einst am meisten unter der Unterdiueckung und
Ausbeutung zu leiden hatten, der die amerikanischen Arbeiter damals ausgesetzt waren," heisst es in der "Times". "In dem gleichen Masse, in dem Mitgliederzahl und Macht der ILGV.TJ zunahmen,
gelangte diese Gewerkschaft zu der Erkenntnis, dass auch ihre
Verantwortung gegenueber der Industrie und der Allgemeinheit
groesser wurde. Die Geldmittel, die sie fuer philanthropische
Zwecke zur Verfuegung gestellt hat, bedeuten nur einen Beweis
fuer ihren Erfolg in dieser Richtung."
Als zweites Beispiel fuer das Interesse einer Gewerkschaft
an der allgemeinen 'Vohlfahrt nennt die "New York Times" das
neue Gesundheitszentrui, Sidney Hillman, das einen 'Vert von einer
Million Dollar -hat und zu Ehren des Gruenders und ersten ^aesidenten der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika erbaut
wurde. Diese Gewerkschaft ist dem CIO angeschlossen.
Die Zeitung bezeichnet diese Einrichtung als einen "bedeutsamen Beitrag zur Wohlfahrt der Bevoelkerungder Stadt." Ausser
medizinischer Dienstleistung und diagnostischer Untersuchung fuer
40.000 Mitglieder der Gewerkschaft- im Bezirk Kew York wird das
Zentrum sein eigenes ^rogramm zur Erforschung von Krankheiten
haben, die gerade bei Bekleidungsarbeitern weitverbreitet sind.
Die Bekleidüngsarbeitergewerk3Chaft hat vor Kurzem ein aehnliches Gesundheitszentrum in TV.iladelohia (Pennsylvanien) seiner
Bestimmung uebergeben.
- 7-

�Die "Tiine=;" meint, dass durch -las New Yorker Zentrum nicht
nur der "allgemeine Gesundheitszustand der Bevoelkerung verbessert
wird sondern dass damit auch den Steuerzahlern eine ins Gewicht
fallende finanzielle Belastung abgenommen ist. Die zusaetzlichen
Geldmittel, die von der Gewerkschaft speziell fuer die Forschung
auf dem Gebiet der Herzerkrankungen und der Gicht gespendet wurden, bedeuten fuer die Allgemeinheit einen nochjv.ertvolleren
Dienst."
"Diese Forschungsarbeit wird nicht nur und im besonderen den
Mitgliedern der Gewerkschaft., sondern dem ganzen Volk zugutekommen.w
"Sowohl die Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft als auch die
der Damenoberbekleidungsarbeiter haben sich erneut den Anspruch
auf eine Vorrangstellung unter den Organisationen erworben, deren Arbeit der Wohlfahrt der Allgemeinheit gewidmet ist.
Labor Air Bulletin
V/9/51
WAS "FREIE ARB3IT" IN RUSSLAND IST
Seit 1940 darf in Russland kein Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz ohne Erlaubnis aufgeben. Zahlreiche Kategorien von Arbeitern koennen jedoch ohne Berücksichtigung ihrer eigenen beruflichen Wuerische in andere Arbeitsplaetze eingewiesen werden.
Sowjetische Rechtsgelehrte weisen darauf hin, dass in vielen Faellen Arbeiter nach dem russischen Gesetz auf Anordnung
der Verwaltungsbehoerden zu bestimmten Arbeiten gezwungen werden
koennen. .Ein Beispiel hierfuer ist die Aushebung von Jugendlichen fuer Arbeitsplaetze in der Industrie.
Der Erla-s vom 2. Oktober 1940 uebertrug dem Rat der Volkskommissare (seit 1945 Ministerrat genannt) die Befugnis, jaehrlich
zwischen 800.000 und 1.000.000 Jugendliche im Alter von 14 bis
17 Jahren zur Ausbildung in Berufsschulen und Lisenbahnwerkstaetten oder fuer eine besondere Ausbildung am Arbeitsplatz zu verpflichten, um sie zu Facharbeitern oder, wie das Gesetz es ausdrueckt, zu "Massen"-arbeitern im Bergbau, der Metall- und Bauindustrie heranzubilden. Die Ausbildungszeit betraegt von sechs
Monaten bis zu zwei Jahren, was ein eindeutiger Beweis dafuer
ist, dass diese Schulen keine Erziehungsinstitute, sondern lediglich Anlernprojekte sind. Der Lehrplan entheelt nicht nur berufliche Ausbildung, sondern sieht auch eins politische Erziehung
und militaerische Schulung der Arbeiterschaft vor. Fuer das Studium allgemeinbildender Themen sind keine besonderen Unterrichtsstunden vorgesehen. Dagegen sollen zwei Stunden in der Woche fuer
politische Belehrung verwendet werden. Die Schueler tragen eine
besondere Uniform und leben unter Regeln, die denen einer £111taerschuls aehnlich sind. Sie muessen die Vorschriften militaerischer Eoeflichkeit beachten. Die am 15. Maerz 1947 erlassenen
Richtlinien schrieben z.B. folgende Umgangsformen vor: "Wenn
sich der Lehrer neehert, muss sich der Schueler erheben, er darf sie
nicht setzen, bevor der Lehrer an ihm vorueber ist oder ihm die
Erlaubnis gibt,sich zu setzen. Wenn er ihn anspricht, muss er
Haltung annehmen. Wenn der Schueler an dem Lehrer vorbeigehen
will, muss er ihn um Erlaubnis fragen."
Durch Erlass des Praesidiums vom 19. Juli 1947 wurde das
dienstpflichtig« Alter abgeaendert, und es wurde bei dieser Gelegenheit klargestellt, dass Jugendliche beiderlei Geschlechts ver- 8-

�nflichtst werden koennen. Fuer die Ausbildung in Berufsschulen
und Eisenbahn^erkstaettan koennen Jungen in» Alter von- 14 bis
17 Tahren und I'aedchen zwischen 15 und 16 Jahren ausgehoben werden. Fuer die Berufsschulen der Industrie betraegt das dienstpflichtige Alter fuer Jungen und Maedchen 16 bis 18 Jahre. Fuer
die Untertagearbeit in der Kohlen- und 3ergbauindustrie, die
Arbeit an Schmelzoefen, in Giessereien, Schweissereien und an
Bohrmaschinen in der detail- und Oelindustrie koennen junge
Maenner bis zu 19 Jahren ausgehoben werden. Nach der Ausbildung
sind diese Arbeiter verpflichtet, in'Betrieben und Bergwerken
der Regierung, die vom Ministerium fuer Arbeitsreserven bestimmt
werden, vier Jahre lang zu arbeiten. Es werden ihnen regulaere
Loehne gezahlt, die denen der anderen Arbeiter voellig gleich
sind. Bis zum Ablauf ihrer Pflichtzeit sind diese Jugendlichen
vom Militaerdienst befreit.
Bei einem Verlassen der Schule ohne Erlaubnis und anderen
Verletzungen der Schuldisziplin koennen die jungen Leute mit
einer Einweisung in eine Besserungsanstalt bi3 zu einem Jahr
bestraft werden. Die Zahl der jungen Leute, die in den Staedten
ausgehoben werden sollen, wird durch jaehrlich festgesetzte Quoten bestimmt. Auf den Kollektivfarmen - das sind die Kolchosen werden von je 100 Personen zwischen 14 und 55 Jahren zwei junge
Leute in die Ausbildungsschulen eingewiesen. Im November 19^0
und im Juni 1941 wurden auf diese Weise 600.000 Personen dienstverpflichtet. In den Jahren 1946 und 1947 wurden 1.700.000
Jungen und Maedel geschult. Einem Bericht des Ministeriums fuer
Arbeitsreserven zufolge waren im Jahre 1950 mehr al^ die Haelfte
aller Arbeiter in den grossen Fabriken der Sowjetunion junge
Leute, die im Rahmen dieses Programms geschult worden waren.
Abgesehen hiervon koennen Waisenkinder im Alter von 12 bis
15 Jahren fuer Sonderschulen zu einer drei- oder vierjaehrigen
Ausbildung ausgehoben werden. Sie haben die gleichen Pflichten
wie die obengenannten zwangsverpflichteten Schueler, ihre Zahl
ist in den obengenannten Ziffern enthalten. Den verfuegbaren
Richtlinien ist nicht zu entnehmen, dass die Einwilligung der
Waisen oder ihres Vormunds erforderlich ist.
Hochschulabsolventen und solche, die technische Hochschulen
besucht haben, muessen drei oder fuenf Jahre lang Stellungen
bekleiden, die ihnen von dem fuer die betreffende Schule zustaendigen Ministerium zugewiesen werden. Wenn sie dieser Vorschrift nicht Folge leisten, setzen sie sich Bestrafungen aus,
die durch Gerichtsurteile fuer ihre Abwesenheit oder ihr unerlaubtes
Verlassen des Arbeitsplatzes verhaengt werden. Schliesslich wurden in der Kriegszeit mehrere Gesetze erlassen, nach denen Arbeitskraefte fuer die Arbeit in den verschiedenen Zweigen der
Industrie ohne Ruecksicht auf ihre oertliche Lage herangezogen
werden koennen.
Ausser diesen Grundsaetzen der Pflicht- und erzwungenen
"freien Arbeit" gibt es in Russland noch die ausgesprochene
Zwangsarbeit in Arbeitslagern, die dem Innenministerium unterstellt
sind. In diesem Artikel soll ueber diese jedoch nicht diskutiert
werden, weil er sich ausschliesslich auf diejenige soziale Grunpe Russlands beschraenkt, fuer die das aehnlichste Gegenstueck
unserer freien Arbeit in Frage kommt.
In Erosrteruneen der allgemeinen Situation der frei Beschaeftigten nach dem Kriege gaben sowjetische Tutoren selbst ganz
offen zu, dass unter russischen Verhaeltnissen "freiwillige Besehe eftigung" von Zwangsarbeit nicht sehr verschieden ist. In
- 9 -

�einer Abhandlung von Dogadoff ueber die Entwicklung der sowjetischen Arbeitsgesetzgebung, die im Jahre 1949 erschien, heisst es:
w

In einer sozialistischen Gesellschaftsordnung besteht kein
Unterschied im Grundsatz und in der Qualitaet zwischen der
zwangsverpflichteten Arbeit und der auf freiwilliger Basis verrichteten Arbeit. Wenn wir sagen, dass das Prinzip der freiwilligen Arbeit in der sozialistischen Gesellschaftsordnung anerkannt wird, sprechen wir nicht von der Anerkennung irgendeiner
Form eines abstrakten Grundsatzes der freien Arbeit und der freien Berufswahl in liberalem und buargerlichem Sinne. .
Unter den Bedingungen einer sozialistischen Gesellschaftsordnung ist es unmoeglich, nach dem Grundsatz "jeder nach seinen
Faehigkeiten" zu handeln, ohne dass der Staat und da3 Gesetz in
Bezug auf die universale Arbeitspflicht einen gewissen Druck ausueben.
Es ist offensichtlich, dass die freiwillige Arbeit, die noch
in einigen wenigen Zweigen der Industrie Sowjetrusslands/vorzufinden ist, von unserem Begriff der freien Arbeit weit entfernt
ist. Der Arbeiter ist an seinen Arbeitsplatz gebunden. Fuer
Arbeiter und Unternehmer gibt es gleiche schwere Strafen und
zwar sowohl nach dem Strafgesetz als auch nach dem buergerlichen
Gesetz. Millionen zukuenftiger sowjetischer Buerger, die erst
im Alter von 12 bis 14 Jahren stehen, werden fuer die Ausbildung
an Arbeitsplaetzen bestimmt, die fuer sie vpn den Behoerden ausgesucht werden, ohne dass dabei ihre persoenllchen Wuensche
oder die ihrer Eltern oder ihres Vormunds beruecksichtigt wuerden.
Auch Akademiker haben lange Zeit nach dem Verlassen der Hochschule nicht,das Recht, sich selbst einen Arbeitsplatz zu suchen.
Dies ist" das allgemeine Bild von der "freien Arbeit" in dem sowjetischen Staat, wie es sich einem neutralen und objektiven Beob-'
achter darbietet.
Monthly Labor Review

J7/51
TEXTILARB^ITERSTR^IK IN DANVILLE (U.S.A.)
Die Unternehmer haben bei Streiks unendlich viel Zeit und
verlassen sich, wie in Danville in Virginia, auf die Not, die
Verschuldung und die Ungewissheit der Arbeiter als ihre unmittel- '
baren Vorbuendeten, mit denen sie den Streik der Textilarbeiter zu
brechen hoffen.
Jeder Grundstuecksbesitzer, jeder Versorgungsbetrieb und
jedes Bank- und Kreditunternehmen kann unter Ümstaenden eine
streikbrechende Kraft sein. Die streikenden Textilarbeiter in
Danville hoeren in hundert verschiedenen Variationen das Wort
"Geht zurueck zur Arbeit". Wenn ein Arbeiter, der mit seiner
Vlete in Rueckstand ist, um eine Stundung bittet, sagt ihm der
Grundstuecksbesitzer: "Warum nehmen Sie nicht wie Ihr Nachher Ihre
Arbeit wieder auf?" Wenn sich ein Arbeiter einen Wagen, eine Waschmaschine oder einen Kuehlschrank kaufen will, ist die Antwort die
gleiche. Auch die Versorgungsbetriebe und Kreditgesellschaften
geben ihm den gleichen Rat.
Man kennt in Danville nicht jene Nachsichtigkeit, die in
den vergangenen Jahren bei den Streiks im Norden zur Schau getragen wurde, denn Danville ist das Zentrum grosser Auseinandersetzungen.. Man hat das Ziel, die Gewerkschaft zu zerstoeren. Waehrend
- 10 -

�der grossen Stahlarbeiterstreiks des Jahres 1949, des ChryslerStreiks im Jahre 1950 und selbst bei den Textilarbeiterstreiks,
die vor kurzem im Norden der Vereinigten Staaten stattfanden, war
es der Gewerkschaft ein leichtes, mit den Versicherungsgesellschaften und den Kredit- und Finanzunternehmen Vereinbarungen
ueber spaetere Zahlungen zu treffen. Aber in Danville gibt es auf
derartige Anliegen nur eine Antwort: "Warum nehmt Ihr die Arbeit
nicht wieder auf?"
Der populaerste und maechtigste Streikbrecher, naemllch
der Hunger, fehlt jedoch. James Kelley versorfet die 40.000 Streikenden aus sieben verschiedenen Staaten mit Lebensmitteln. In
einer Woche werden allein fuer die Stadt Danville 140.000 Pfund
Lebensmittel herbeigeschafft. Der Speiseplan ist in jeder Woche
verschieden. Der von der Regierung vorgeschlagene Mindestsatz
fuer Verpflegung bildet die Basis fuer die Verteilung, aber die
Gewerkschaft hat selbstverstaendlich mehr fuer ihre Mitglieder
getan. Es gibt zum Beispiel wesentlich mehr Zucker. Und was die
Leute in den verschiedenen Gegenden am liebsten essen, ist ebenfalls beruecksichtigt worden: Zichorie fuer die Kaffeeliebhaber
in New Orleans und Reis anstelle von Mehl; Gries anstatt Hafergruetze oder Karottengemuese anstelle von Kohl.
Das Warenhaus der Erzeugergenossenschaft, das ein gutes
Stueck ausserhalb von
Danville lie^t, dienst den Streikenden als
Verkaufszentrale. cie st?llen sich in fuenf Reihen hintereinander auf, die sich alphabetisch ordnen. Die Lebensmittelpakete,
die von Streikenden im voraus gepackt werden, sind entsprechend
der Groesse der Familien in drei Gruppen A, B und C aufgeteilt.
Nachdem die Streikenden ihre Ausweise vorgezeigt haben, die ihnen
im Gewerkschaftsbuero ausgehaendigt werden, nehmen sie ihre Lebensmittel in Empfang, die ihnen im Voruebergehen an den Verkaufsstasnden von freiwilligen Helfern in die offengehaltenen Taschen
und Koerbe gelegt werden. Dann suchen sie nach einer Transportmoeglichkeit, um nach Htiuse zu kommen. Der Lautsprecher ist fortwaehrend in Betrieb, um Bekanntmachungen etwa folgenden Inhalts
durchzugeben: "Ein Fahrer bietet zwei Sitzplaetze nach Campbell
Hill, kommen Sie mit Gepaeck zum Mikrophon," oder "Wer nimmt drei
Personen nach Eued Danville mit?"
Die Verkaufszentrale wird von der Landesgewerkschaft finanziert. Die Gewerkschaft finanziert auch den besamten uebrigen
Bedarf: Miete, V/asser und Etrom, Kohle und Brennstoff. Es gibt
in Danville keine sozialen Einrichtungen, keinen Bezirks- oder
staedtischen Woblfahrtsdienst. Und in den Dan River-A'erken weiss
man dies genau. Es gehoert mit zur Politik der Unternehmer, dem
Textilarbeiter Angst einzujagen, sie zu beunruhigen und ihnen
ihren wirklich bescheidenen Anteil an den schoenen Dingen disssr
Welt zu entziehen, die er erst seit kurzer Zeit zum erstenmal in
sainem Leben besitzt.
Daily News Cervice
IV/30/51
DIE GROSSE AUFGABE DER BERUFSBERATUNG
Unter den Jugendlichen der Vereinigten Staaten ist ein
groesserer Prozentsatz erwerbslos als in jeder anderen Altersgruppe der Erwerbslosenbevoelkerung. Und wenn es jungen Leuten gelingt, eine Arbeit zu finden, so sind es hfiufig Beschaeftigungen,
die nur wenig oder ueberhaupt nicht ihren Interessen und Faehig- 11 -

�Reiten entsprachen, und in denen die Zoeglichkeiton, vorwaertszukommen,T beschrasnkt sind. Diese- Problem der Berufslenkung
fusr die ugend Ist in den Vereinigten Staaten nicht neu, und es
ist um so dringlicher geworden, als die Arbeitskraefte fu3r die
nationale Verteidigung mobilisiert werden muessen. Um eine
Verschwendung von Arbeitakraeftea zu vermeiden, wie es waehrend
des zweiten Weltkrieges der Fall war, ist es wichtig, dass der
hoechstnoeglichste Wirksamkeitsgrad im Einsatz fuer diese Reservan dieser iugendliehan Arbeitskraefte erreicnt wird.
Wenn jaehrlich die Schulabsolventen und diejenigen, die die
Schule vor einer abschlussprusfung verlassen haben, zu den
oeffentliehen Arbeitsvermittlungsbueros kommen, so haben sie
in viel zu vielen Faellen keine realistischen Ziele in Bezug
auf ihren zukuenftigen Beruf. Es fehlt ihnen an entsprechenden
Kenntnissen ueber Liangelberufe. Sie haben nur eine vage Idee
von ihrer Eignung fuer irgendeine Beschaeftigung. Eaeufig
wissen sie nichts ueber ihre besonderen Faehigkeiten. Selbst
ihre Interessen sind oft oberflaechlicher und voruebergehender
Art. Die Berufsberater muessen diesen jungen Leuten helfen,
sich das Wissen anzueignen, dass sie in Bezug auf die verschiedenen Arbeitsgebiete benoetigen. Sie muessen ihre Interessen und
Faehigkeiten abwaegsn, bevor passende Arbeitsplaetze fuer sie
gefunden werden koennen.
Die Schulbehoerden sind sich sehr wohl der Notwendigkeit
einer angemessenen Berufslenkung bewusst, durch die die jungen
Leute bei dem Uebergang von der Schule zum Beruf unterstuetzt
werden sollen. Obwohl in den groesseren Staedten bereits innerhalb der Schulsysteme wirksame Einrichtungen der Berufslenkung
bestehen, werden die arbeitsvermittlungsbueros haeufig ersucht,
Informationen ueber die verschiedenen Berufe und die Lage auf
dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung zu stellen und ihrerseits Absolventen der hoeheren Schulen beruflich zu beraten. Im allgemeinen verfuegen Schulen in kleineren staedten nur ueber bes.chreenkte Einrichtungen dieser Art und sind, gewoehnlich in Bezug auf
die akademische Berufsberatung weitgehend auf die Unterstuetzung
ihrer oertlichen oeffentlichen Arbeitsvermittlungsbueros angewiesen.
In den hoeheren Schulen auf dem Land, die keine eigenen
Berufsberatungsbueros und keine Arbeitsvemittlungsaemter hoben,
die nahe genug gelegen sind, um sie mit mehr als gelegentlichen
Dienstleistungen betreuen zu koennen, ist dieser Bedarf an
Berufsberatung noch dringender, ^uch der Bedarf an Berufsinformationen ist fuer die Studenten dieser Gebiete im allgemeinen groesser als fuer die, die in grossen Staedten wohnen, und
in Anbetracht der beschraenkten Beschaeftigungsmoeglichkeiten
auf dem Lande wird das Problem noch akuter. Wenn diese jungen
Leute ihren Blickwinkel in dieser Richtung erweitern wollen,
muessen sie in die Grossstaedte gehen, wo sie eine bessere Auswahl haben. Unlaengst hat man in Erwaegung gezogen, ob man
nicht zusaetzliche Industrien in die laendlichen Bezirke verlegen sollte, um fuer die dortigen Reserven an Arbeitskraeften
Verwendungsmoegliciikeiten zu schaffen. Nicht nur des oertliche
Arbeitslosenoroblem wuerde durch die Schaffung von mehr Arbeitsplaetzen geloest, sondern es wuerden auch Wohnraum-, Transnortund Unterrichtsschwierigkeiten ueberwunden, die dann entstehen,
wenn die Arbeiter in Industriezentren uebersiedeln mue-sen.
Zu den gebraeuchlichsten Methoden, die- die hoeheren Schulai
anwenden, um ihre Schueler zu veranlassen, sich mit berufsfragen
- 12 -

�zu beschaeftigen, gehoert der sogenannten "Berufsberatungstag"
oder das "Arbeitsplatzforum". In diesen Programmen wurden frueher akademische Berufe besonders hervorgehoben und den Fach- und
Anlernberufen nur wenig Beachtung geschenkt. In vielen Faellen
war der Berufsberatungstag nicht viel mehr als eine Methode zur
Anwerbung der Schueler der hoeheren Schulen. Seit kurzer Zeit sind
Bestrebungen im Gange, den Beduerfnissen der gesamten zu akademisch an Zielen strebenden Jugend gerecht zu werden, indem man Beamten
der oeffentlichen Arbeitsvermittlungsbueros die Moeglichkeit
gibt, einleitende Worte an die Studenten zu richten, um einen
allgemeinen Ueberblick ueber die Arbeitsmarktlage zu geben.
In den vergangenen Monaten war es mehr als sonst notwendig,
die Schueler zu einer systematischen Berufsplanung zu veranlassen,
weil sie einer Krankheit zum Opfer fielen, die man als "Einberufungskomolex" bezeichnete. Diese Krankheit befiel hauptsaechlich
die aeltaren Schueler der hoeheren Schulen, aber auch Schueler
aUer anderen Klassen. Ihr wesentlichstes Symptom scheint der
Mangel an Interesse fuer die Unterrichtsfaecher der Schule zu
sein. Das Ergebnis ist ein Rueckgang in der Leistung und sine
unverstaendliche Gleichgueltigkeit in Bezug auf die Planung der
beruflicnen Laufbahn. Es besteht die Tendenz, "die Tage bis zur
Einberufung zum Militaerdienst zu zaehlen." Aus diesem Grunde
waere es vielleicht angebracht, wenn Schulbehoerden. und Berufsberater sich ein Motiv zu eigen machen und es auch propagieren, wie
es bereits in einigen Gebieten der Fall ist. Dort heisst dieses
Motto: "Erwartet nicht untaetig *ure Einberufung zum MilitaerdienstJ"
Junge Leute nuessen daran erinnert werden, dass der Dienst
beim Militaer in vielen Faellen einer Taetigkeit im Zivilberuf
irgendwie aehnlich sein kann, und dass es oft moeglich ist, die
beruflichen Ziele waehrend der Militaerdienstzeit weiter zu verfolgen. Die Schueler muessen deshalb die Zeit vor ihrer Einberufung zum Militaerdienst fuer die Auswahl und Vorbereitung ihres
Berufes so gut wie moeglich verwenden. Ausserdem werden einige
Tugendliche im dienstpflichtigen Alter niemals zum Militaerdienst
herangezogen werden, wenn die Einstellungsbedingungen nicht gelockert werden. Viele duerften deshalb in der Lage sein, ihre
berufliche Laufbahn ohne Unterbrechung fortzusetzen, wenn sie
nicht in Anbetracht der Erfordernisse der Verteidigungsproduktion
in strategisch wichtigen Berufen voruebergehend arbeiten und
ihrj langfristigen Berufsziele weiter hinausschieben muessen.
Die Notwendigkeit einer Berufsplanung fuer Maedchen wird
in der gegenwärtigen Krisenzeit mehr als sonst hervorgehoben.
Maedchen, die unter normalen Verhaeltnis3en heiraten und nicht
einen Beruf ausueben wollen, erkennen jetzt, dass sie ihre Heiratsplaene hinausschieben muessen, bis ihre zukuenftigen Ehegatten vom Militaerdienst zurueckkommen. Auch moechten sie sich
die Moeglichkeiten nicht entgehen lassen, waehrend der Ehe weiter
zu arbeiten und Geld zu verdienen. In Anbetracht der Verteidigungsproduktion werden zweifellos mehr Frauen beschaeftigt werden muessen und der Arbeitskittel wird wieder zum nopulaeren Kleidung^stueck fuer Maedchen werden. Es ist deshalb wichtig, das?
sie sich sowohl auf die Heirat als auch auf eine berufliche Laufbahn vorbereiten.
Der Staatliche Arbeitsvermittlungsdienst in Wisconsin stellt
seine Berufsberatungs- und Pruefungsorg^ne den hoeheren Fchulen
zur Verfuegung, die um Unterstustzung gebeten haben. Das Ausmass,
in dem derartige Dienste geleistet werden, hing verstaendlicher— lu —

�weise von der dem Personal zur Verfuegung stehenden Zeit ab. In
einigen Faellen stellen die Dienstleistungen der Arbeitsvermittlungsaemter lediglich eine Ergaenzung zur Berufsberatung der
Schulen dar, waehrend sie in anderen Faellen eine wesentliche
Rolle in der Beratung ^ener Schueler spielen, die im Begriff
sind, in den Arbeitsprozess einzutreten. Viele dieser kooperativen Schulprogramme beginnen mit einer Aussprache ueber berufliche
Aussichten an die vor der Entlassung, stehende Klasse. Anschliessend
werden die Studenten,' die eine Unter3tuetzung durch das Amt bei
der Aufnahme einer Beschaeftigung wuenschen, aufgefordert, eine
Bewerbungskarte des Arbeitsvermittlungsamtes auszufuellen. Sie
beantworten ausserdem ein besonderes Formular, au«! dem ersehen
werden kann, wer beruflich beraten werden moechte. Den Bewerbern
wird dietfoeglichkeiteiner persoenlichen Aussprache mit dem
Berufsberater geboten. Befaehigungspruefungen werden dürchgefuehrt, wenn man sie fuer erforderlich haelt. Der Berufsberater
der Schule wird daraufhin ueber die Ergebnisse informiert. Der
Schueler wird von dem Arbeitsvermittlungsamt und der Schule in
jeder Weise unterstuetzt, um ihm zu helfen, seinen Berufsplan
zu verwirklichen. Wenn nach Beendigung der Schule keine weitere
Ausbildung erforderlich ist, laesst es sich haeufig ermoeglichen,
vor Abschluss der Schulzeit schon einen Arbeitsplatz festzumachen,
damit bis zur Aufnahme der Beschaeftigung moeglichst wenig Zeit
verloren geht. .

Die Sohulen sind sich der Notwendigkeit eines Berufsberatungsdienstes auch fuer juengere. Studenten bewusst, der bereits
vor Abschluss der Schulzeit in Taetigkeit treten muss. In solchen Faellen sind die Arbeitsvermittlung3aemter der Meinung,
dass ihre Dienste nur jenen Schuelern zur Verfuegung gestellt
werden sollen, die die Absicht haben, in Kuerze in den Arbeitsorozess sich einzuschalten. Die berufliche Beratung jener Studenten, die die Schule vor ihrer Abschlusspruefung verlassen, muss,
obwohl sie absolut wichtig ist, als eine Taetigkeit angesehen werden,
die nicht in den eigentlichen Arbeitsbereich der Arbeitsvermittlungsaemter gehoert.
Im vergangenen Schuljahr haben die Arbeitsvermittlungsaemter
im Staat Wisconsin annaehernd 3.500 aeltere Schueler in 2Ö0 der
500 hoeheren Schulen des Staates individuell beraten und geprueft.
Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Schulen, deren Schueler auf diese Weise unterstuetzt werden, in diesem Jahre wesentlich hoeher sein wird. Da die Schulen selbst mehr und mehr eigene Einrichtungen zur Berufsberatung entwickeln, werden die Arbeitsvermittlungsaemter des Staates Wisconsin in der Lage sein, einen
groesseren Teil ihrer Zeit dazu zu verwenden, die notwendigen Informationen ueber berufliche Aussichten und Arbeitsmarktlags zu liefern und die Schueler der hoeheren Schulen beim Antritt ihrer beruflichen Laufbahn zu unterstuetzen. Die Notwendigkeit einer
engen Zusammenarbeit zwischen den Schulen und den oertlichen Bueros der verschiedenen staatlichen Arbeitsvermittlungsdienste ist
weitgehend anerkannt worden, um auf diese Weise dafuer zu garantieren, dass die jungen Leute in angemessener Weise in den Arbeitsprozess aufgenommen werden. Das Erziehungsbuero und der Arbeitsvermittlungsdienst der Vereinigten Staaten haben vor kurzem ein
Handbuch veroeffentlicht, -das bei der Entwicklung einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Arbeitsvermittlungsaemtern ein wertvoller Helfer sein wird und dazu anregen soll, von
den Moeglichkeiten dieser beiden Einrichtungen soweit wie moeglich Gebrauch zu machen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten wird den Anforderungen,
die die jungen Amerikaner in bezug auf ihre beruflichen Absichten
- 14 -

�stallen, noch besser gerecht werden koennen, wenn sich auch
1» oertlichen Behoerden der Tatsache bewusst sind, dass Berufs\ enkung sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Schule ein stetiger Prozess ist, und dass das gesamte Volk stets dafuer verantwortlich ist, dass den jungen Leuten die Moeglichkeit geboten
wird, einen Beruf zu ergreifen, der sie auch wirklich befriedigt.
Employment Security Review
17/51
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM ALIEN BREITET SICH AUS
Der Gaerungsprozess, der sich im Fernen Osten vollzieht, bedeute l weit mehr als ein Abschuetteln der Ketten der Kolonialsysjteme und die ungestuene Nachwirkung [der ersten Atemzuege der
Freiheit.
Der Ursnrun^ dieses Gaerungsorozesses liegt tiefer als in der
politischen Befreiung: Er ist ebenso stark wirtschaftlicher
Natur und findet in der Entschlossenheit der grossen Masse der
Arbeiter seinen Niederschlag, starke Gewerkschaften zu errichten,
die ihnen zu ihrem rechtmasssigen Anteil an den ungeheuren Reichtuemern verhelfen sollen, die sie produzieren.
Diese Feststellung wurden von Paul Schuler getroffen, der
der Repraesentant der Textilarbeitergewerkschaft des CIO in New
Orleans ist und vor kurzem nach einem fast dreimonatigen Aufenthalt auf den Philippinen und in Indonesien in seiner Eigenschaft
als Sondervertreter des CIO nach Amerika zurueckkehrte.
*Die Armut in diesen beiden Laendern ist ungeheuer gross,"
berichtete Schuler. "Auf den Philinninen und besonder in Manila
sind die Preise hoeher als in den Vereinigten Statten und die
Loehne unwahrscheinlich niedrig. In Indonesien sind die Preise
niedriger eis hiar oder auf den Philippinen, aber die Loehne
sind noch niedriger.
"Die Bewohner der Philippinen sind den Vereinigten Staaten
freundlich gesinnt. Aber in Indonesien und dem proe^sten Teil
de3 uebrigen Asiens sind sie ueber die angebliche Rassendiskriminierung in unserem Lande empoert.
"Man gab mir dies usberall zu verstehen. Die Menschen in
Indonesien vvollteh wissen, warum die Vereinigten Statten sagten,
sie hastten den Wunsch, hier den farbigen Voelkern zu helfen,
waehrend in den Vereinigten Staaten in Amerika geborene Neger,
die zugleich amerikanisches £ taatsbuerger sind, nicht mit den Weissen
in den gleichen Eisenbahnwagen reisen oder in den gleichen Hotels
essen und wohnen duerften.
m

"Das Beste, was ich hiergegen tun konnte, war, ihnen zu erklaeren, dass die Diskriminierung in Amerika mit den niedrigen
Loehnen in Indonesien zu vergleichen sei. Denn der groesste Teil
der Bevoelkerun" beider Laender wuenschten weder das eine noch
das andere und kaemnfen dagegan. Eines Tages werden wir diese
beiden rueckstaendigen Auffassungen ueberwunden haben."
Von den Philippinen berichtete Cchuler:
• "Am schlechtesten ist die Lage an der Kueste von Manila.
8.00U Kuestenarbeiter suchen dort nach Arbeit« Es gibt jedoch
hoechstsns 1.800 /.rbeitsplaetze. Jahrelang haben sie unter dem so- 15 -

�genannten 'Cabo'-Systom gearbeitet, das am bebten mit dem Patronatssystem zu vergleichen ist, das in den Vereinigten Staaten fuer
bestimmte Gruppen von Arbeitern, besonders eingewanderte Landarbeiter, angewandt wurde.
"Der Unternehmer stellt einen 'Gabo' ein und bezahlt ihn
fuer die Arbeitskolonne, die er anwirbt. Der Cabo wiederum bezahlt
die Leute, die die eigentliche Arbeit leisten. Es bestehen zahlreiche Moeglichkeiten, mit einem solchen System Missbrauch zu treiben, und die •Cabos' haben hiervon haeufig Gebrauch rremacht."
"Das 'Cabo'-System fuehrte zur Bildung unabhaengiger Arbeiterorganisationen, deren erste von Walter J. Hogan, einem Teauiten-Priester aus Philadelphia, gegruendet wurde, der unter den
Kuestenarbeitern lebt und wirkt. Diese Gewerkschaft ist der Organisation "Freier Arbeiter" angeschlossen, und ihre Mitglieder
haben sich rundweg geweigert, unter dem "Cabo"-System zu arbeiten.
"Die Gewerkschaftsbewegung der Philippinen ist nicht stark,"
erklaerte Schüler. "Schaetzungsweise sind 150.000 Arbeiter in allen
Gewerkschaften auf den Philippinen organisiert. Die hohen Preise,
die niedrigen Loehne und der phantastische Kontrast zwischen dem
Los des Wohlhabenden und dem des Arbeiters haben ihnen eine Entschlossenheit gegeben, die jedoch noch nicht in dar gegenwaertigen
Mitgliederzahl zum Ausdruck kommt. Die Zustaende in den Elendsvierteln sind unvorstellbar. Sie sind weit furchtbarer als in
den schlimmsten Hegervierteln in New Orleans. Ganze Familien leben in einraeumigen Bretterbuden mit duennen Waenden, Strohdaechern
und schmutzigen Boeden. Fenster gibt es nicnt. Sie schiefen auf
Strohmatten und heben keine Moebol.
"Die Lebenshaltungskosten sind um etwa 12% hoeher als in den
Vereinigten Staaten und die Loehne um mehr als die riaelfte niedriger. Der einfache Kuestenarbeiter verdient taeglich, wenn er arbeitet, acht Rupien ode"r rund vier Dollar. Die Loehne in einer
Textilfabrik, die Schuler besuchte, lagen zwischen einem Minimum
von zwei Rupien und einem Maximum von etwa sechs Rupien.
Schüler nahm an einem Diner teil, das von Arbeitsminister
Jose Figueras gegeben wurde. Das Kongressmitglied Tizon, der
Vorsitzende des Ausschusses fuer philippinische Angelegenheiten,
war ebenfalls zugegen und berichtete von der weitreichenden Gesetzgebung, die von seinam Ausschuss zur Bekaempfung der Kommunisten vorbereitet wurde.
Als man Schüler bat, zu sprechen, sagte er ganz offen zu
Tizon, dass es viel besser fuer ihn waere, etwas zur Linderung
der Arbeiterarmut und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der
Arbeiter zu tun, anstatt die haelfte seiner Zeit fuer anti-kommunistische Gesetze zu verwenden.
Der normale Mindestlohn, der uebrigens empfohlen und nicht resetzlich vorgeschrieben ist, betraegt zwei Rupien pro Tag oder
26,2 Cents. Cewerkschaftsorganisierte Erdoelarbeiter verdienen
taeglich 11,55 Rupien, erhalten ihren Reis sowie lebenshaltungsko~ten-und Mietzuschlaege. Das Einkommen der Arbeitnehmer der General
Motors-Filiale in Takarta (unter dem holla endischen System als Bata-'ia bekannt) ist im grossen und ganzen das gleiche. Schuler war
in einer Textilfabrik, in der Webersiarbeiter taeglich 10-15 Rupien
verdienen, d.h. 1,30 und 1,96 Dollar. Das ist ausserordentlich'weni
im Vergleich zu jinem Stundenlohn von 1,50 Dollar fuer die gleiche
Arbeit in den Vereinigten Staaten.
The CI0 News
V/14/51
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
•

IV - 21

Frankfurt, 25. Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Berufslenkung und Einsatz der Arbeitskraefte - -

1

US-Kongress soll Arbeiterbildungsaustausch
erweitern - - - - - - - - - - - - - - - - - -

7

Gewerkschaften bewahrten die U.S.A. vor Revolution - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

8

Entschliessung der amerikanischen Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft - - - - - - - - - - - - -

9

Militaerische Sicherheit durch wirtschaftliche
Einheit - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

10

Morelische Prinzioien der Wechselbeziehungen in
der amerikanischen Industrie
- - - - - - - - 1 5
IAA fuer gleichen Lohn bei gleichwertiger Arbeit 16
BERUFSLENKUNG UND EINSATZ DER ARBEITSKRAEFTE
Die IAM veroeffentlichen hier die Feststellungen der amerikanischen Arbeitsgruppe fuer Berufslenkung und Einsatz
der Arbeitskraefte vor der Konferenz des Weissen Hauses
ueber Kinder- und .Tugendfragen, die vor einiger Zeit in
Washington stattfand.
Ein demokratisches Staatssystem ist verpflichtet, jedem
Einzelnen das Recht zu garantieren, in Bezug auf seine Berufswahl seine eigene Entscheidung zu treffen. In Anerkennung der
individuellen Verschiedenheit der Menschen und der Vielseitigkeit
der modernen Wirtschaft ist der Staat ausserdem dafuer verantwortlich, dass die Jugend in der erforderlichen Weise unterstuetzt und unterrichtet wird, um es ihr zu ermoeglichen, die
- 1 -

�bestmoeglichen Entscheidungen zu treffen. Und der Stt-at hat
ferner die Aufgabe, die entsprechenden sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen'zu schaffen, durch die eine gesunde Berufswahl gefoerdert und eine falsche Wahl verhindert wird. Indem
der Staat auf diese Weise zu einem befriedigenderen Leben der
jungen Menschen beisteuert, ermoeglicht er es der Jugend, ihrerseits in Anerkennung dieser Unterstuetzung ihre Verantwortung
dem Staat gegenueber auf sich zu nehmen.
Die Einrichtungen der Berufslenkung und der Arbeitsvermittlung tragen wesentlich zur Entwicklung einer brauchbaren Persoenlichkeit bei. Die Hilfe geschulter Kraefte bei der Wahl eines
Berufes, der dem jungen Menschen auch eine wirkliche Befriedigung bedeutet, ist sin wesentlicher I'aktor in der Verhuetung
von Fehlgriffen, sie kann bei der Korrektur von Missgriffen in
der Berufswahl von entscheidender Bedeutung sein. Andererseits
haengt die Faehigkeit der Jugendlichen, konstruktiv zu olanen
und von den ^erufsberatungseinrichtungen wirksamsten Gebrauch
zu machen, unmittelbar mit dem Grad der von Geburt an erworbenen
Entwicklung der Persoenlichkeit zusammen.
Fuer den groessten Teil der Jugend dar Vereinigten Staaten
stehen keine angemessenen Einrichtungen der Berufslenkung zur
Verfuegung. Einige der vorhandenen Einrichtungen neigen dazu,
unzureichend zu bleiben und in weitgehendem Masse nicht aufeinander abgestirjnt zu sein. Fast in allen Faellen suchen die Jugendlichen nach Verstaendnis bei erwachsenen, mitten im Berufsleben stehenden Personen, mit denen sie sich offen ueber ihre
beruflichen, bildungsmaessigen, sozialen und persoenlichen Probleme unterhalten koennen. Nur in wenigen Teilen des Landes
sind genuegend Mittel zur Verfuegung gestellt worden, um der Jugend auf ihrem schweren Weg von der Schule zur Arbeit zu helfen.
In der gegenwaertigen Weltlage kann die Berufslenkung im
Einsatz der Ärbeitskraefte fuer die benoetigte Produktion und den
Militaerdienst eine besonders wichtige Rolle spielen. Experten
der Berufslenkung und der Arbeitsvermittlung koennen die Unternehmer unterstuetzen und ihnen zeigen, wie man alle Reserven an
Ärbeitskraeften, auch die Körperbehinderten und Angehoerigen
der Minderheitsgruppen im Programm der Produktion fuer den zivilen Bedarf so wirksam wie moeglich einsetzt. Fuer den jungen
Mann im wehrdienstpflichtigen Alter, der mit einer Unterbrechung
seiner beruflichen Planung rechnen muss, wird eine Planung auf
lange Sicht, die eine Verbindung zwischen der Ausbildung zum
Militaerdienst und dem Zivilberuf herstellen kann, dem Jugendlichen helfen, sich trotz der herrschenden Krise in konstruktiver Weise mit seiner Zukunft zu beschaefti^ren. Der Berater kann
ihn darauf vorbereiten, sich die Moeglichkeitsn der Berufslenkung
und -ausbildung, die ihm im Wehrdienst geboten werden, zunutze
zu machen. Und er kann den Militaerbehoerden helfen, im Rahmen
ihres ursoruenglichen Zweckes, eine Streitmacht zu entwickeln,
auch Moeglichkeitsn fuer eine ausgedehntere Berufsvorbereitung
zu schaffen.
Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe fuer Berufslenkung und
Einsatz der Ärbeitskraefte lauten im einzelnen:
1. Der Jugend in und ausserhalb der Schule muss ein umfassenderer Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungsdienst zur
Verfuegung gestellt werden, damit alle Jugendlichen, in Staedten
und auf dem Land, Koerperbehinderte sowie Angehoerige von Minder- 2-

�heitsgruppen derartige Dienste in allen Teilen unseres Landes in
Anspruch nehmen koennen.
2. Diese Dienststellen der Berufsberatung muessen mit
sorgfaeltig ausgesuchten Personen besetzt sein, die gereifte
Persoenlichkeiten sind, sympathisch wirken und besonders geschult
sind.
3. In Schulen, in denen bis jetzt noch kein Berufsberatungsprogramm besteht, muessen Mitglieder des Lehrkoerpers ausgewaehlt werden, die so weit wie moeglich die persoenlichen und
anderen Befaehigungen eines tuechtigen Berufsberaters besitzen
und allen Studenten beratend zur Seite stehen, die mit ihnen
berufliche und aehnliche Probleme besprechen moechten. Diese Berater muessen veranlasst werden, sich in Fragen der Berufsberatung weiter auszubilden.
4. Um den verschiedenen Interessen der einzelnen Schueler
staerker Rechnung zu tragen, muessen die Schulen die Lehrnlaene
der hoeheren Cchulen erweitern, revidieren und anpa3sen, um auf
diese Weise ein wirksameres Programm der Berufslenkung zu ermoeglichen.
5. Die Jugend muss sich selbst an der Planung der Berufslenkungseinrichtungen beteiligen, damit diese Einrichtungen den
wirklichen Bedürfnissen der Jugend in bezug auf ihre berufliche
Vorbereitung naeherkommen.
6. Die Ämter muessen zu der Erkenntnis kommen, dass die
Grundprinzipien und Methoden der Berufslenkung und der Einzelberatung einen wesentlichen Beitrag zur Bereitstellung, Unterbringung und zum Einsatz der Arbeitskraefte in einer Wirtschaft
der Verteidigung in Verbindung mit dem Militaerdienst zu leisten
haben, und dass die Militaerbehoerden und die der zivilen Arbeitskraefte die Wichtigkeit folgender Faktoren anerkennen muessen:
a) Selbsterkenntnis und Freiheit der Berufswahl in durchfuehrbaren Grenzen bei der Personalbenennung.
b) Die Moeglichkeit, innerhalb der Grenzen der jeweils
herrschenden Situation die Berufsplanung und Ausbildung des Einzelnen bei seinem Uetergang vom Zivilberuf auf eine militaerische Taetigkeit oder eine beschaeftigung im Rahmen der Verteidigungsproduktion und umgekehrt so weit wie moeglich zu berücksichtigen.
c) Vorkehrungen zur Auswertung aller einschlaegigen Informationen zu treffen, die von Berufsber^tem und anderen Behoerden ueber den Betreffenden eingeholt wurden und systematisch
von kompetenten Organen den zustaendigen Aemtern zugeleitet werden.
d) Versorgung der Oeffentlichkeit und insbesondere der
Volksschulen, hoeheren Schulen und anderer Schulen, die auf dem
Gebiet der Berufsberatung und Berufsvorbereitung taetig sind,
mit allen Informationen und Erlaeuterungen, die genaue Angaben
ueber die Richtlinien zum Einsatz der Arbeitskraefte in Kriegszeiten, \ieber Bedarf und Moeglichkeiten , Personalpolitik und
deren Methoden enthalten muessen.
e) Fortgesetzte Berufsberatung und eine gleiche Personalbetreuung waehrend des Militaerdienstes und waehrend des zivilen
Arbeitseinsatzes in den Behoerden und in der Industrie.
- 3-

�f) Vorkehrungen, die gewaehrleisten, dass st&amp;endig Berufsberatungs- und Personalexperten in nichtmilitaerischen Aemtern
und Personen fuer die Ausbildung solcher Experten in ausreichender Zahl zur Verfuegung stehen.
7. Psychologische 'Pruefungen koennen, wenn sie fachmaennisch
gehandhabt und sorgfaeltig ausgewertet werden, ein wertvolles
Hilfsmittel im Studium des* Einzelnen sein; sie duerfen jedoch
nicht als ein Ersatz fuer die Beratung,sondern nur als ein Teil
des gesamten Beratungsverfahrens angesehen werden. Eingehende
Kenntnisse ueber den Einzelnen sollen durch Eignungs- und Persoenlichkeitspruefungen eingeholt werden, die mithelfen koennen. die
Bruecke zwischen Pruefungen und Berufen (oder Berufsgruppen) zu
schlagen.
8. Berufsberater muessen sich zur Einholung aufschlussreicher Informationen ueber die Berufsprobleme des Einzelnen an
Eltern, Schule, Kirche und andere Einrichtungen seiner naeheren
Umgebung wenden.
9. Behoerden, die ueber die Zulassung hoeherer Schulen zu
entscheiden haben, muessen, bevor sie eine Entscheidung treffen,
die Zulaenglichkeit der Berufslenkungsprogramme dieser hoeheren
Schulen in Betracht ziehen.
10. Mittel und Wege muessen ausfindig gemacht werden, um
die Jugend besser mit Stipendien und sonstigen finanziellen Mitteln zu unterstuetzen. Ausserdem muss den Methoden staarkere Beachtung geschenkt werden, mit denen man die Schueler der obersten
Klassen ueber derartige Moeglichkeiten unterrichtet.
11. Das Verstaendnis fuer die Berufsberatung und die Verwendung der vorhandenen Mittel sollen durch Lehrgaenge fuer solche
Leute gefoerdert werden, die sich auf die Berufsberatung vorbereiten, um sie auf diese Weise mit der Art und der Bedeutung der
Berufsprobleme junger Menschen und den zur Loesung dieser Probleme
zur Verfuegung stehenden Mitteln vertraut zu machen.
12. Hochschulen und Lehrerseminare muessen bessere Methoden
zur Auswahl und Ausbildung des Berufsberatungspersonals entwickeln
und zwar sowohl fuer reine Berufsberater als auch fuer Lehrer,
die auf diesem Gebiet taetig sind. Sie muessen im praktischen
Aussendienst und im internen Buerodienst geschult werden. Es
muessen besondere kurzfristige und eigene BetriebsProgramme ausgearbeitet werden, um die Schulrektoren auf ihre verantwortungsvollen Positionen vorzubereiten, die sie in der Organisation und der
Verwaltung wirksamer Berufslenkungsprogramme in ihren Schulen uebernehmen muessen.
13. Diejenigen, die bereits als Berufsberater taetig sind,
und vor allem Leute, die eine derartige Taetigkeit ohne die entsprochende Vorbildung ausueben, muessen fortlaufend weiter ausgebildet werden.
14. Es muessen ununterbrochen Erhebungen ueber Neueintritte
ins Berufsleben, Beschaeftigungsmoeglichkeiten und Entwicklungswandlungen durchgefuehrt werden, die fuer die Jugend sowohl auf
oertlicher als auch auf Landesebene von Bedeutung sind.
15. Fuer zuverlaessige Informationen ueber Berufsaussichten,
die fuer alle Jugendliche der verschiedenen Bildungsgrade verstaendlich sind, muss gesorgt werden.
- 4-

�16. Arbeitgeber und Gewerkschaften muessen veranlasst werden, fuer eine immer groessor werdende Zahl junger Arbeiter
ohne Diskriminierung hinsichtlich ihrer Rassen- oder Religionszup.ehoerigkeit gut beaufsichtigte Lehrstellen und Anlernstellen
zur Verfuegung zu stellen.
17. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen muessen
dazu ermutigt werden, mit den Lchulen zusammenzuarbeiten, um
die jungen Leute ihrer Bezirke oder die dort taetigen Organisationen so zu beraten, wie es erforderlich ist.
18. Eltern, Buerger, Arbeitgeber, Gewerkschaften und sonstige Grupoen muessen mit den Schulen und den Arbeitsvermittlungsaemtern zusammenarbeiten, um ein Berufsberatungssystem aufzubauen und zu unterstuetzen, das den Erfordernissen der Jugend
gerecht werden kann, und um die Organe fuer ein koordiniertes
lokales Gemeinschaftsorogramm zu schaffen. In Anerkennung der
Tatsache, dass Schulen und oeffentliche Arbeitsvermittlungsaemter die reichsten und zugaenglichsten Quellen der Berufsberatung
und Arbeitsvermittlung darstellen, muessten alle Schichten der
Bevoelkerung bestrebt sein mitzuhelfen, dass diese beiden oeffentlichen Einrichtungen bei der Erweiterung und Verbesserung des
Berufslenkungssystems fuer die Jugend enger zusammenarbeiten und
sich gegenseitig unterstuetzen. Zu diesem Zweck waere folgendes
notwendig:
a) Die Verantwortungsbereiche beider Institutionen muessen
genau festgelegt und ihre Funktionen in der Unterhaltung, Formulierung und Verbesserung der Berufsberatungs- und Arbeitsvermittlun^sdienste koordiniert werden.
b) Die Schulen und oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemter
muessen mit befaehigtem Personal besetzt werden, damit die jungen
Leute in angemessenar V/eise beruflich beraten und in das Erwerbsleben eingefuehrt werden koennen.
c) Informationen ueber Hilfsmittel und Grundprinzipien der
Berufsberatung muessen ausgetauscht werden, um zu gewaehrleisten,
dass (1) den jungen Leuten und dem ganzen Volk geholfen wird,
die V/u erde und Verantvvortung jeder Art von Arbeit anzuerkennen,
(2) den jungen Menschen eine groessere praktische Hilfe und
weitgehende Informationen ueber Moeglichkeiten und Methoden der
Arbeitsplatzsuche und Bewerbung zuteil werden, (3) den jungen
Leuten geholfen wird, die Bedeutung ihres ersten Arbeitsplatzes
als Sprungbrett zu ihrer zukuenftigen beruflichen Laufbahn zu
sehen, (*) ihnen eine Moeglichkeit gegeben wird, ihr relatives
Verdienst auszuwerten, das sie sich erworben haben, indem sie
noch in der Schule blieben, anstatt fruehzeitig erwerbstaetig zu
werden, und (5) der Berufsberater den jungen Leuten auch noch
nach Beginn ihrer beruflichen Laufbahn beratend zur Seite steht.
19. Die Oeffentlichkeit muss ueber den Wert der Berufsberatung- und Arbeitsvermittlungsdienste fuer die jungen Leute und
uebor den bestehenden Bedarf und die Methoden in den einzelnen
Bezirken unterrichtet werden.
20.
a)

Von den einzelnen Bezirken muessen gefoerdert werden:
die Vollbeschaeftigung;

b) Organisierte und beaufsichtigte Vermittlung? von Arbeitsnlaetzen unter fairen Bedingungen fuer die junpen Menschen, die
in das Berufsleben eintreten, und
- 5 -

�c) Möglichkeiten fuer die Jugend der hoeharen Schulen,
sich waehrend der Schulferien und in zeitlich begrenzter Beschaeftigung unter beaufsichtigten Arbeitsbedingungen Berufserfahrungen anzueignen.
21. Schulen, Kommunalbehoerden und Arbeitsvermittlungsaemter muessen in ihrer Arbeit und durch ihr Personal bestrebt
sein, diskriminierende Methoden abzuschaffen, die zur Zeit noch
gegen Angehoerige von Minderheits- und sonstiger Sondergrunpen
angewendet werden. Den Berufsberatern und den Beamten der Arbeitsvermittlungsaemter muss eine besondere Rolle zufallen, weil sie
sowohl denen, die sie beraten, als auch den Arbeitgebern in dieser Hinsicht dienen muessen.
22. Die statistische Forschung muss gefoerdert werden, um
die Auswertung und Verbesserung der Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungsmethoden zu unterstuetzen, um ein besseres Verstaendnis fuer die grundsaetzliche Einstellung der Arbeiter, die Anforderungen der verschiedenen Berufe und die persoenlichen Erwartungen zu erwecken, und um auf die erforderlichen Entwicklungen in der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung hinzuweisen.
23. Auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und lokaler
Ebene muessen hoehere Geldmittel zur Verfuegung gestellt werden,
um zulaengliche Berufsberetungs- und Arbeitsvermittlungsdienste
zu ermoeglichen, die den Anforderungen der gesamten -Tugend gerecht werden koennsn.
In der Plenarsitzung der obengenannten Grunpe wurden folgende Empfehlungen gebilligt, die sich in irgendeiner Weise auf
die Berufslenkung und Arbeitseinfuehrung beziehen:
Berufslenkungs- und Beratungsbehoerden in Schulen, Arbeitsvermittlungsasmtern und Jugendbehoerden muessen gefoerdert und
erweitert werden, sie muessen die persoenlichen Faktoren bei
der Berufswahl und die besondere Eignung fuer einen bestimmten
Beruf berücksichtigen.
Den Kindern von nicht ses3haften und Saisonarbeitern muss
ebenso wie anderen Kindern gleicher Schutz und gleiche Betreuung gewaehrt werden, wobei Transport-, Wohnraum-, Gesundheitsund Erziehungsprobleme sowie Sozialunterstuetzungen und ein
ausreichender Schutz im Rahmen der Arbeitsgesetze besonders zu
beruecksichtigen sind.
In den Erziehung^Programmen muss den Faktoren besondere Beachtung geschenkt werden, die mit der Entwicklung geistiger Werte
durch die Berufslenkung verknuepft sind, in der das Motiv des
Dienstes an der Gemeinschaft vor das des Geldverdienens gestellt
werden muss.
Gewerkschaften, Industrie, Erziehungsinstitutionen, sonstige kommunale Einrichtungen sowie die Militaerbehoerden muessen
ihre Personal-, Auswertungs-, Vermittlungs-, Berufslenkungsund Berufsberatungsarbeit verbessern und erweitern, um den Inter- •
essen der jungen Menschen zu dienen und die allgemeine Entwicklung
und wirksame Verwendung der gesamten Reserven an menschlichen
Arbeitskraeften zu foerdern.
Staatliche und andere zustaendige oeffentliehe Koerperschaften muessen wirksame Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungseinrichtunpen schaffen und die allgemeine Beachtung von Grundsaetzen
- 6-

�in Bezug auf die Beschaeftigung der Jugendlichen in allen Berufen durchsetzen; diese Grundsaetze muessen sich auf Mindestalter und Mindestloehne, Arbeitszeit, Nachtarbeit, Schutz bei
der Ausuebung unfallgefaehrdeter Beschaeftigungen und auf eine
angemessene Unfallversicherung erstrecken. Unter Beachtung dieser Vorschriften muessen die Unternehmer Jugendlichen die Mtoeglichkeit bieten, sich in zeitweiliger Beschaeftigung die erforderlichen Berufserfahrungen anzueignen.
Alle diejenigen, die auf dem Gebiet der Jugenderziehung
taetig sind, muessen. sich im Rahmen ihrer Vorbereitung eine
Grundlage allgemeiner Kenntnisse und Erfahrungen ueber die Grundbegriffe des menschlichen Wesens aneignen, und sich der Notwendigkeit bewusst sein, sowohl die Gesamtperson als ihre persoenlichen Besonderheiten in Betracht zu ziehen, das neisst, da3
Gegenspiel physischer, geistiger, sozialer, kultureller und
wirtschaftlicher Kraefte, die Bedeutung der gegenseitigen persoenlichen Beziehungen, die Bedeutung der Selbsterkenntnis, die
Betonung einer nositiven Anerkennung und Foerderung einer gesunden Persoenlichkeit und die individuelle Behandlung besonderer
Charaktere; Laien auf diesem Gebiet nuessen durch formelle und
nichtformelLe Ausbildung dahingehend orientiert werden, dass sie
fuer die Bedeutung der obengenannten Begriffe Verständnis aufbringen.
Alle diese Dienste muessen fortlaufend mit kritischen Augen
ueberprueft werden, und es muessen von allen Ebenen aus fortlaufend wissenschaftliche Studien ueber Bedarf, Ziele, Alternativmethoden und Wirksamkeit der aufgestellten Programme durchgafuehrt werden.
Emnloyment Security Review
IV/51
US-KONGRESS SOLL ARBEITLRBILDUNGSAÜSTAUSCE ERWEITERN
Wehr Stipendienmoeglichkeiten fuer ArbeiterbildungsInstitute, mehr Studienreisen fuer Gewerkschafter und besondere Sommerscnulen zum Studium der sozialen Probleme in anderen Laendern
wurden zur Erreichung der Ziele emofohlen, die sich das amerikanische Aussenmiftisterium mit seinem weltweiten "Feldzug der Wahrheit" gesteckt hat.
Diese Empfehlungen bilden einen Teil eines Berichtes, der
vor kürzen vom amerikanischen Beratungsausschuss fuer den Austausch im Rahmen der Arbeiterbildung dem amerikanischen Kongress
unterbreitet wurde. Mark Starr, der Leiter des Bildungsreferats
der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbaiter,
ist Mitglied dieses Ausschusses.
In einem Aufruf zur gesteigerten Taetigkeit auf dem Gebiet
des internationalen Austausches fuehrendsr Gewerkschaftsfunktionaere wird in dem Bericht erklaert:
"Es muss unsere Aufgabe sein, die wirklichen Verhaeltnisse,
unter denen die Arbeiter in der Sowjetunion und den sowjetischen
Satellitenstaaten leben, denen gegenueberzustellen, unter denen
die amerikanischenArbeiter ihre wirtschaftliche Sicherheit, die
Anerkennung ihrer l^enschenwuerde, Selbstachtung und nersoenliche
Anerkennung geniessen, ohne einen Klassenkampf fuehren und auf
- 7-

�eine Diktatur zurueckgreifen zu muessen, die nach der kommunistischen Lehre erforderlich sind, um den Arbeitern zu ihren
Rechten zu verhelfen."
In dem Bericht wird ferner festgestellt, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bereits mitgeholfen hat, durch den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften ein technisches Unterst uetzungsprogramm auszuarbeiten. Zu den vielen Projekten, die vom
IBFG in die Wege geleitet worden sind, gehoert die Errichtung von
Ausbildungsinstituten in Asien, in denen die kuenftlgen Fuehrer
der dortigen freien Gewerkschaftsbewegung geschult werden.
ECA Labor Information
V/9/51
GEWERKSCHAFTEN BEWAHRTEN DIE U.S.A. VOR REVOLUTION
n

Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat unser Land vor
einer grausamen und blutigen Revolution" bewahrt, erklaerte
Bischof Bernhard J. Sheil vor dem John A. Ryan-Forum am 15. Mai.
Dieses Forum wurde von der Katholischen Arbeitsallianz einberufen. Es fand anlaesslich des 60. Jahrestages der paepstlichen
Enzyklika
"Ueber die soziale Lage der Arbeiterschaft" statt,
die von Papst Leo XIII. verfasst war, und des 20. Jahrestages der
Enzyklika Papst Pius XI. ueber die "Wiederherstellung der Sozialen
Ordnung."
Bischof Sheil erklaerte: "Die Geschaeftsleute dieses Landes
koennen der Gewerkschaftsbewegung dankbar dafuer sein, dass sie
den Kapitalismus gerettet hat. Die Arbeiterschaft hat ihn davor
bewahrt,gestuerzt und aus sich selbst heraus zerstoert zu werden,
indem sie einen Mittelweg zwischen einem extremen Individualismus und einem extremen Kollektivismus gesucht und gefunden hat.
Bischof Sheil war einer der drei Sprecher ueber "Ein christliches Programm fuer Gewerkschaften und Unternehmer." Die anderen
beiden Sprecher waren Milton Murray, Hauptkassierer des Organisationskomitees der Regierungs- und Zivilangestellten (CIO)
und John Quincy Adams-, der Praesident der Kuehlschrankfabrik
Manhattan in New York.
Vor 1.000 Anwesenden wurde ein Telegramm des CIO-Vorsitzenden Philip Murray vorgelesen, der eigentlich hatte sorechsn sollen, aber infolge einer schweren Erkrtnkung verhindert war. Er
verglich die grosse naepstliche Enzyklika "Rerum Novarum" mit
einem Leuchtfeuer in der Zeit ihrer Veroeffentlichung vor 60
Jahren. Diese Botschaft zeigte den damaligen Fuehrern der Gewerkschaftsbewegung dieses Landes und Europas den Weg. Sie ist mit
Recht die "Magna Charta" der Arbeiterrechte genannt worden."
Mit der Veroeffentlichung der paepstlichen Botschaft "Quadragesimo
Anno" hatten "viele falsche Prooheten nach seltsamen und schlechten
Loesungen geschrieen. Viele andere hatten die falsche Behauptung
aufgestellt, dass eine soziale Loesung ueberhaupt nicht erforderlich sei." Murray fuegte hinzu, das3 alle "arbeitenden Menschen
Amerikas und daruefcarhinaus der ganzen Welt den grossen Paepsten
Leo XIII. und Pius XI. viel zu verdanken haetten."
Adams erklaerte, dass es z.Zt. am wichtigsten sei, Ausschue^se
zu bilden, die sich aus Gewerkschafts- und Unternehmervertretern
zusammensetzen, um auf diese Weise industriellen Frieden und Fortschritt sicherzustellen. Diese Ausschuasse wuerden auf Betriebs-,
8 -

�Verwaloungs-, Industrie- und nationaler Ebene benoetigt und
muessen aus einer gleichen Zahl von Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammengesetzt sein.
Ein Betriebsausschuss, so sagte er, mue -.ste sich mit folgenden Fragen befassen: Produktionsleistung, Sicherheitsmassnahmen,
planmaessisüer Abbau jeder Verschwendung und der Ueberstunden, Mechanisierung und technischer Fortschritt, wirtschaftliche Tendenzen und Wettbewerb. Er wies darauf hin, dass diese Ausschuesse
in keiner 7/eise mit den Funktionen der Gewerkschaften in Konflikt
kommen duerftan.
Als der erste Schritt zur Beilegung der gegenwaertigen Konflikte ist es erforderlich, so fuhr Adams fort, dass alle Buerger
die Gewerkschaften in ihren organisatorischen Bemuehungen auf
,1ede nur moegliche Art unterstuetzen. Arbeitskollegen in einem
Unternehmen oder einer Industrie haben das selbstverstaendliche
Recht, fuer die Gewerkschaft zu werben, lind es sollte alles getan
werden, dass sie dieses Recht ausueben.
Adams erklaerte, dass "in seinem Betrieb die Produktionsleistung durcn die Arbeit dieser Ausschuesse weitgehend erweitert
und der gute Wille aller Arbeitnehmer gefoerdert worden sei, obwohl sie sich in keiner Weise in die Arbeit der Gewerkschaften
eingemischt haetter, mit denen sieben Sondervertraege abgeschlossen
seien. Alle unsere Bueros, Fabriken und ".Varenhaeuser sind nicht
zufaelligerweise ohne Ausnahme gewerkschaftlich organisiert."
Milton Murray bezeichnete das gegenwaertige Programm des
CIO als einen Beweis dafuer, dass die Gewerkschaftsbewegung nicht
jene "selbstsuechtige willkuerliche Gruppe ist," als die sie
gewisse Kritiker hinstellen moechten. "Wenn wir gerechte Preiskontrollen, Mietkontrollen und andere Massnahmen fordern, setzen
wir uns nicht allein fuer die Rechte der Gewerkschaftsmitglieder
ein. Wir wollen, dass alle Amerikaner, ob sie gewerkschaftlich
organisiert sind oder nicht, gerecht behandelt und ihre Interessen in der gegenwaertigen Verteidigungsgesetzgebung gewahrt
bleiben. Gewiss, wir sind bereit, Opfer zu bringen, und die
Arbeiterschaft ist auch bereit, den ihr zukommenden Anteil an
Opfern 'zu tragen. Aber die heute gueltigen Gesetze sind jedoch
nicht gerecht, denn sie legen den Arbeitern einen zu grossen Teil
der Lasten auf.
Daily News Service
V/16/51
ENTSCHLIESSUNG DER AMERIKANISCHEN ZEITUNGSARBEITER-GEWERKSCHAFT
Der Internationale Exekutivausschuss der Amerikanischen Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft nimmt mit besonderem Interesse von zwei
historischen Entwicklungen Kenntnis, die sich innerhalb der letzten
Monate in jenem Abschnitt des internationalen gewerkschaftlichen
Arbeitsgebietes abgespielt haben, an dem diese Gewerkschaft besonders interessiert ist.
Mit besonderer Genugtuung hat diese Gewerkschaft den Erfolg
des Internationalan Bundes Freier Gewerkschaften mit der Einberufung des ersten Weltkongresses der Geistesarbeiter verfolgt, zu
denen Lehrer, Journalisten, Musiker, Kuenstler, Schauspieler, Angestellte in Handel und Industrie sowie Arbeitsvorgesetzte gehoeren.
Die Gewerkschaft der amerikanischen Zeitungsarbeiter begruesst
- 9-

�mit Begeisterung das Programm, das von diesem Kongress zur Foerderung der gegenseitigen Interessen dieser Arbeiter, zur Aktivierung der organisatorischen Bestrebungen in fortgeschrittenen
und unterentwickelten Gebieten der Erde, zur Verbesserung ihres
Lebensstandards und ihrer Arbeitsbedingungen, zur Festigung
der Beziehungen, die bereits zwischen den Arbeitern der Faust
und der Stirn bestehen, zur Foerderung des gegenseitigen Verstaendnisses aller Voelker der Welt und zur Vereinigung der
Kraefte der freien Laender in Verfolgung des Kampfes fuer "Brot,
Freiheit und Frieden" vorgeschlagen haben, die das Leitmotiv
der Arbeit des IBFG bilden.
Die amerikanische Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft ist stolz
darauf, durch den Vorsitzenden des Internationalen Beratungsausschusses des IBFG fuer Geistesarbeiter, der ihr Mitglied ist,
mitgewirkt zu haben, diesen Kongress und seine ermutigenden Ergebnisse zustandezubringen. Sie befuerwortet allgemein die Empfehlungen dieses Kongresses und insbesondere die Forderung, das« der
IBFG den Internationalen Beratungsausschuss zu einer dauernden
Einrichtung erklaeren soll, die diese Arbeit fortsetzen und erweitern kann.
Die Gewerkschaft stellt mit Befriedigung fest, dass als
eines der zahlreichen wertvollen Nebenergebnisse dieses ^Programms
bereits ein internationales Berufssekretariat fuer die Lehrer
der Welt gebildet wurde. Ein anderer konstruktiver Erfolg, der
fuer die Mitglieder dieser Gewerkschaft von unmittelbarem Interesse ist, ist die Schnelligkeit und die Entschlossenheit, mit
der sich der Kongress gegen die Unterdrueckung einer freien
Presse ausgesprochen und als verabscheuungswuerdigstes Beispiel
der letzten Zeit die Enteignung der "La Prensa" durch das diktatorische Peron-Regime und die Ausweisung eines prominenten amerikanischen Pressekorrespondenten als neueste Unterdrueckungsmassnahme des totalitaeren Franco-Regimes angefuehrt hat.
Die Gewerkschaft hat erfreut zur Kenntnis genommen, dass die
Bemuehungen zur Errichtung eines neuen freien und demokratischen
internationalen Berufssekretariats fuer die Journalisten der
Welt in diesem Jahr in mancher Hinsicht erfolgreich waren. Die
Mitglieder dieser Gewerkschaft hoffen, dass innerhalb der naechsten Monate eine vorbereitende Konferenz stattfinden kann, auf
der ein Weltkongress der Journalisten geplant werden koennte,
wenn eine Internationale fuer die Angehoerigen dieser Berufs sparte gegruendet werden kann. Die Journalisten werden weiterhin
trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse diesem Ziel zustreben, bis die freien Zeitungsleute der Erde ein organisatorisches
Werkzeug zur Verfuegung haben, mit dem sie gemeinsam an der Foerderung der freien Presse und der Loesung von Problemen arbeiten
koennen, die ihnen allen gemeinsam sind.
ECA Labor Information
V/21/51
Dr. Isador Lubin, Repraesentant der Vereinigten Staaten im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen:
MILITAERISCHE SICHERHEIT DURCH WIRTSCHAFTLICHE EINHEIT
Der Krieg in Korea hat die Wirtschaftsplaene der friedensliebenden Nationen ernstlich gestoert. Inlaendische Verbesserungsprogramme in industrialisierten Laendern und Programme zur wirt- 10 -

�schaftlichen Entwicklung in den unterentwickelten Gebieten der
Welt muessen nun unter einem neuen Gesichtswinkel betrachtet
werden.
Um die freie Welt so zu staerken, dass sie jede eventuelle
militaerische Gefahr fuer ihre Sicherheit und Freiheit erfolgreich abwenden kann, waren die Vereinigten Staaten gezwungen,
einen grossen Teil ihrer Produktionskapazitaet fuer die Ruestung
zu verwenden. Andere Nationen, die sich an den gemeinsamen
Verteidigungsbemuehungen beteiligen, folgten diesem Schritt.
Bis zum Ende des Jahres 1951 werden die Aufwendungen der
US-Regierung fuer die Verteidigung und aehnliche Zwecke im
eigenen Land und im Ausland fuer Waren und Dienstleistungen
voraussichtlich den Betrag von 45 Milliarden Dollar jaehrlich
ueberschritten haben. Dieser Betrag entspricht ungefaehr 15%
des Gesamtwertes der Produktion der Vereinigten Staaten. Obwohl dieses Verhaeltnis wesentlich kleiner ist als die 45% der
Gesamtproduktion, die auf dem Hoehepunkt des zweiten Weltkrieges
fuer militaerische Zwecke verwendet wurden, wird er die Verteidigungsstaerke der freien Welt wesentlich erhoehen und fuer den
Fall, dass ein totaler Krieg gefuehrt werden muss, den Grundstein fuer eine riesige Erweiterung der Waffenproduktion legen.
Den Wirtschaftsplaenen der Vereinigten Staaten liegt jedoch
nicht die Ueberlegung zugrunde, dass ein dritter grosser Krieg
unvermeidlich sei. Es besteht die Absicht, Industrie, Landwirtschaft und Handel in diesem Lande und in den anderen freien
Laendern so zu staerken, dass der freien Welt damit ein Maximum
an Verteidigungsstaerke verliehen wird, die auch in kritischer
Zeit beibehalten werden kann, die unter Umstaenden viele .Tahre
dauern kann. Di'e Politik in den Vereinigten Sta&amp;ten gruendet
sich auf die Ueberzeugung, dass eine dauernde nicht nachlassende
Staerke eine Aggression abwehren und vereiteln kann, bis der
eventuelle Angreifer bereit ist, seine verwerflichen Ziele aufzugeben.
Die Politik der USA anerkennt die Tatsache, dass die Wiedererrichtung der Verteidigungsstaerke der freien Welt sowohl fuer
das amerikanische Volk als auch fuer die Voelker anderer freier
Nationen ein Opfer bedeuten wird. Fuer das amerikanische Volk
wird sie bedeutende Einschraenkungen in der Versorgung mit bestimmten Zivilguetern mit sich bringen, ausserdem werden hoehere
Steuern eine ihrer unmittelbaren Folgen sein. Das gleiche wird
fuer andere Nationen zutreffen, die sich an den Verteidigungsbemuehungen beteiligen.
Die Vereinigten Staaten wissen, dass sie nicht in der La&lt;?e
sein werden, einige der Projekte fuer die wirtschaftliche Unterstuetzung unterentwickelter Laender in dem Umfang durchzufuehren,
den man fuer angemessen gehalten hatte, obwohl die entsprechenden Programme noch erweitert werden sollen.
Die industrialisierten Laender der Welt, besonders die
Vereinigten Staaten und andere Laender des Nordatlantikpaktes,
sind in Bezug auf Rohstoffe, die fuer die Wiederherstellung der
Verteidigungsstaerke unentbehrlich sind, von vielen dieser unterentwickelten Gebiete abhaengig.
Aber diese Gebiete sind umgekehrt auch von diesen Laendern
in der gleichen Weise abhaengig. Die Verbraucher und Hersteller
dieser Gebiete brauchen naemlich viele Fertigwaren aus den indu- 11 -

�strialisierten Laendern. Diesen unbefriedigten Bedarf so weit
wie moeglich zu erfuellen, ist ein integraler Bestandteil der
Verteidigungsbemuehungen der freien Welt.
Es gibt fuer die freien Natione nur einen Weg, um die Buerden eines neuen Krieges zu vermeiden: indem sie sich die Lasten der
Wiederaufruestung auferlegen. Wenn es Leute gibt, die hoffen,
auch diese Lasten vermeiden zu koennen und gleichzeitig gegen
eine Aggression gesichert zu sein, so geben sie sich damit frommen Wuenschen hin. Die Politik der Vereinigten Staaten gruendet
sich auf die Erwartung, dass die freien Nationen fuer die Notwendigkeit dieses Opfers Verstaendnis haben, es bewusst aur sich
nehmen und im Geiste der Vereinten Nationen arbeiten werden; ihre
Bestrebungen muessten jedenfalls darauf ausgerichtet sein, dass
dieses Opfer nicht umsonst sein soll.
Selbst unter groessten Anstrengungen zur Ausdehnung der inund auslaendischen Produktion werden in bestimmten Faellen ernsthafte Verknappungen, scharfe Preissteigerungen und Fehlverteidigungen von Vorraeten unvermeidlich sein. Die Notwendigkeit, diesen Problemen zu begegnen, ist der erste Beweis fuer die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Einigkeit und einer internationalen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet.
Um eine gleichmaessige Verteilung der Rohstoffe sicherzustellen, haben sich die Vereinigten Staaten mit England, Frankreich und anderen Laendern zur Gruendung der sogenannten Internationalen Materialkonferenz zusammengeschlossen. Zu dieser
Koerperschaft gehoeren Vertreter der Hersteller- und Verbrauchslaender, die an den besonderen, in Frage stehenden Waren das
groesste Interesse haben.
Zu Anfang des Monats Mai waren 25 Laender in sieben internationalen Rohstoffausschuessen vertreten, die zu dem Zweck gebildet worden waren, den Regierungen die besonderen Massnahmen zu
empfehlen, die hinsichtlich jedes einzelnen dieser Rohstoffe zur
Ausdehnung der Produktion, zur Sicherung der Bestaende und einer
hoechstwirksamen Verteilung und Verwendung ergriffen werden
sollen.
Die einzelnen Ausschuesse beschaeftigen sich mit: 1.)
Kupfer, Zink und Blei, 2.) Schwefel, 3.) Baumwolle und Baumwollfasern, 4.) Wolfram und Molybdaen, 5.) Magnesium, Nickel
und Kobalt, 6.) Wolle und 7.) Zellulose und Papier. Die Bildung weiterer Ausschuesse fuer andere knappe Rohstoffe ist in
Erwaegung gezogen.
Die Ausschuesse haben bereits viel geleistet, indem sie
Feststellungen zu der gegenwaertigen Lage in Angebot und Nachfrage dieser knappen Rohstoffe trafen und Schaetzungen ueber
den zukuenftigen Bedarf ausarbeiteten. Sie werden demnaechst
Empfehlungen zur Erhoehung des Angebots und zur Verteilung unterbreiten.
Der amerikanische Standpunkt in Bezug auf die Zuteilung von
knappen Rohstoffen wurde von dem Direktor fuer die Verteidigungsmobilisierung, Charles E. Wilson, mit folgenden Worten klar zum
Ausdruck gebracht:
"Wir in den Vereinigten Staaten sind uns der unumgaenglichen
Notwendigkeit bewusst, alle knappen Rohstoffe hauptsaechlich
fuer die Kriegsproduktion und die lebenswichtige Zivilproduktion
- 12 -

�zu reservieren. Gleichzeitig sind wir entschlossen, diese Rohstoffe fuer diese wesentlichen Zwecke gleichmaessig an unser
eigenes Land und an unsere Freunde zu verteilen."
"Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten den Plan gefasst, Kontrollen einzufuehren, wie zum Beispiel
angemessene Exportquoten zusammen mit Bevorzugungen und Anweisun
gen an Erzeuger, wenn dies erforderlich ist."
Die Preisfrage ist zusammen mit den sie begleitenden inflationistischen Gefahren ein Problem, dem durch internationale
Zusammenarbeit begegnet werden muss. Die auffallende Erhoehung
der Preise fuer bestimmte, strategisch wichtige Materialien
hat sich bereits nicht nur auf die Lebenshaltungskosten in den
industrialisierten Laendern, sondern auch auf die Preise fuer
Fertigwaren ausgewirkt, die in unterentwickelte Gebiete wiedereingefuehrt werden. Sie hat ausserdem die Kosten fuer die Wiederauf ruestung betraechtlich erhoeht."
"In Uebereinstimmung mit ihrer allgemeinen Politik der
Foerderung wirtschaftlich gesunder Verhaeltnisse und einer wirtschaftlichen Einigkeit der freien Welt sind die Vereinigten
Staaten bereit, mit anderen rohstofferzeugenden und -verarbeitenden Laendern Verhandlungen aufzunehmen, um festzustellen,
ob internationale Vereinbarungen ueber Rohstoffe getroffen werden koennen, die angemessene Preise fuer wichtige knappe Rohstoffe garantiaren wuerden."
"Wir in den Vereinigten Staaten haben die Zuversicht, dass
diese Probleme in demokratischer Weise und im Geist voller Harmonie geloest werden koennen."
Economic Air Bulletin
V/18/51
Maurice J. Tobin, U.S. Arbeitsminister:
MORALISCHE PRINZIPIEN DER WECHSELBEZIEHUNGEN IN DER AMERIKANISCHEN
INDUSTRIE
~ —
"
Die Menschen in den Vereinigten Staaten und anderen Nationen der freien Welx, feierten im Mai dieses Jahres den 60. Jahrestag der von Papst Leo XIII. am 15. Mai veroeffentlichten Enzyklika "Rerum Novarum" ueber die soziale Lage der Arbeiterschaft.
Sie feierten ausserdem den £0. Jahrestag der von Papst Pius XI.
verfassten Enzyklika "Quadragesimo Anno" ueber die Wiederherstellung der sozialen Ordnung.
In der Welt herrschen viele Missverstaendnisse ueber die
Funktion der katholischen Kirche als eines Fuehrers der Arbeiter
und ihrer Kinder. Das allgemeine Missverstaendnis besteht darin,
dass man annimmt, die Kriche versuchte, den Menschen vorzuschreiben, was sie von Angelegenheiten halten sollen, die mit Religion
ueberhaupt nichts zu tun haben.
Dies ist nicht der Fall, und ich moechte beweisen, warum
es nicht so ist, indem ich den Ursprung der Enzyklika "Rerum
Novarum" ueber die soziale La&lt;?e der Arbeiterschaft als Beweis
anfuehre.
- 13 -

�Jahrelang hat man sich in Europa und in den Vereinigten
Staaten in katholischen Kreisen mit der Frage beschaeftigt, welche Haltung die Arbeiter den Gewerkschaftsorganisationen gegenueber einnehmen sollen. Diese Diskussionen bezogen sich auf
der einen Seite auf politische und wirtschaftliche Fragen und
auf der anderen auf Fragen des Glaubens und der Moral. Die
Fragen des Glaubens und der Moral wurden in Verbindung mit den
sozialen Problemen der Arbeiterschaft von den Katholiken der ganzen Welt aufgeworfen.
In den Vereinigten Staaten drehte sich eine der aktivsten
Diskussionen um die Frage, welche Haltung der GewerkschaftsOrganisation "Ritter der Arbeit" (Knights of Labor) gegenueber eingenommen werden sollte, die als Vorgaenger des amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL anzusehen ist. Die "Ritter der Arbeit"
versuchten den amerikanischen Arbeitern in einer Zeit zu helfen,
in der die Arbeitsbedingungen in der Industrie haeufig unmoralisch hart waren.
Die Arbeit zum Wohl des Volkes, die diese "Ritter der Arbeit" leisteten, wurde sowohl von der Laienwelt als auch von der
Hierarchie des katholischen Glaubens unterstuetzt. Kardinal
Gibbons aus Baltimore war einer der aktivsten Fuersprecher fuer
die Unterstuetzung der Organisation "Knights of Labor." Als
Widersacher, die zum Teil ebenfalls mit der Kirche zusammenhingen,
die Organisation angriffen, machte es sich der Kardinal zur Aufgabe, deren Bemuehungen zur Unterstuetzung der Armen in aller
Oeffentlichkeit zu loben.
Als andere Katholiken wuenschten, dass diese Organisation
verdammt wuerde, ging Kardinal Gibbons selbst so weit, ihre Sache
vor dem Heiligen Vater in Rom zu vertreten. Hierbei hatte er
mit zwei Ausnahmen alle amerikanischen Erzbischoefe hinter sich.
Diese Bitten des Kardinals Gibbons und anderergleichgesinnter
Mitglieder des Kardinalkollegiums waren an Papst Leo XIII. gerichtet, der sich vor vielen Jahren mit diesen Problemen beschaeftigte.
Inzwischen fuehrten viele arbeiterfreundliche Priester der
Vereinigten Staaten ihre Arbeit zum Wohle des arbeitenden Volkes
fort. Erzbischof Ireland von St. Paul im Staate Minnesota erklaerte im Jahre 1889 vor einer Konferenz des ersten Amerikanischen Katholischen Kongresses in Baltimore, dass in der amerikanischen Kirche ein neues Zeitalter anbrechen werde, und dass
die Katholiken von, den Bischoefen bald zur aktiven sozialen Betaetigung angeleitet wuerden.
Waehrend diese Fragen vor dem Heiligen Stuhl schwebten,
veroeffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika, die seitdem
Richtschnur fuer die Haltung der katholischen Arbeiterschaft geworden ist.
In diesem Schreiben wird tatsaechlich festgestellt, dass
trotz der Unterschiede in der politischen Interpretation der Ziele
der Gewerkschaftsbewegung die Frage der sozialen Lage der Arbeiterschaft seit vielen Jahren im Vatikan besprochen wird. Der
Papst definierte bestimmte Prinzipien des Glaubens und der Moral,
die fuer alle Katholiken bei Entscheidungen in Arbeitsfragen massgebend sein muessten.
In der Enzyklika werden Massnahmen zum Schutz der Gesundheit
der Arbeiter, zur Erzielung hoeherer Loehne, kuerzerer Arbeits- 14 -

�zeit und der Moeglichkeit gefordert, sich dem Familienleben und
seiner Erholung zu widmen. Eine uebermaessige Bescheeftigung
von Kindern und Frauen wird darin abgelehnt. Das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren und fuer gerechte Zwecke selbst
zu streiken, wird in ihr bestaetigt.
Es steht fest, dass weder diese noch eine andere Enzyklika
einen Einbruch in private wirtschaftliche oder politische Rechte
bedeutet.
Sie schreibt nicht einem Unternehmer vor, wieviel er seinen
Arbeitnehmern bezahlen muss, und sie schreibt auch nicht dem
Arbeitnehmer vor, welche Loehne er von seinem Arbeitgeber fordern
soll. Dies sind politische und wirtschaftliche Fragen, ueber die ,
von anderen Gremien entschieden werden muss.
Obwohl Papst Leo XIII. erklaert, dass "der Niedrigste dem
Hoechsten nicht gleichgestellt werden kann," stellt er klar heraus, dass es"zu den vornehmsten Pflichten des Unternehmers gehoert, jedem Arbeiter das zu geben, was er sich verdient hat.
Ausserdem muessten sich Reiche und Unternehmer daran erinnern,
dass weder menschliche noch goettliche Gesetze es ihnen auf Grund
ihres Reichtums erlauben, den Armen zu unterdruecken oder zu versuchen, aus der Not Vorteile zu schlagen." In der zweiten beruehmten Enzyklika ueber die Wiederherstellung der sozialen Ordnung werden viele der neuen Probleme aufgegriffen, die in den
40 Jahren seit der Veroeffentlichung der 1. Enzyklika entstanden
sind.
In diesem zweiten Schreiben, dass von Papst Pius XI. veroeffentlicht wurde, wird der Grundsatz der ersten Enzyklika wiederholt, dass das Recht, Eigentum zu besitzen, von dem Recht,
es frei zu verwenden, unterschieden werden muesse. Das Recht
des Eigentumbesitzes wuerde auch grosse Pflichten auferlegen.
Eine der wesentlichsten Pflichten sei es, den Besitz fuer gute
soziale Zwecke und nicht fuer die Ausbeutung zu verwenden. Es
wird betont, dass "Reichtum, der durch sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt staendig vergroessert wird, so verteilt werden muss
muss, dass «r zur Förderung des Allgemeinwohls beiträgt."
Das soeben Genannte liegt im Sinne eines der wichtigsten
Ziele der Kirche: des Friedens im Hause; aber wir koennen den
Frieden im Hause nur vollsteendig geniessen, wenn wir auch als
Nation in Frieden leben. Aus diesem Grunde hat es sich die Kirche zur Aufgabe gemacht, den Frieden sowohl unter den Voelkern als
auch unter den Menschen zu foerden.
Die Kirche befuerwortet den Frieden als ein Prinzip der Moral, aber es ist notwendig, klar festzulegen, welche der verschiedenen vorgeschlagenen politischen Wege zum Frieden fuehren.
Unter den Katholiken koennen viele Meinungsverschiedenheiten in
der Frage bestehen, welche politischen und wirtschaftlichen Handlungen dem Frieden am dienlichsten sind. Es handelt sich hier um
eines der Probleme, das die Fuehrer Amerikas seit Jahren bes-chaeftigt hat.
Nach dem letzten Krieg war der Friede in Griechenland und in
der Tuerkei bedroht. Die Vereinigten Sta&amp;ten kamen zu der Ansicht,
dass sie ihre Friedensziele am besten durch die Unterstuetzung
der Tuerkei und Griechenlands und zwar selbst in Form militaerischer Hilfe erreichen konnten. Heute sind die Tuerkei und Griechenland vor dem Kommunismus sicher. Jugoslawien, das einst eines
der fuehrenden Mitglieder der kommunistischen Internationale war,
- 15 -

�ist zumindest kein Verbuendeter Russlands mehr und sicherlich
auch keine Gefahr mehr fuer den Frieden in Europa.
Dieser Entschluss, die sogenannte Truman-Doktrin, war
aeusserst klug. Sie ist mit jener Entscheidung zu vergleichen,
die die Vereinigten Staaten in Korea treffen mussten. Sie gingen nach Korea, um den Frieden zu erhalten und um ein freies
Volk vor der internationalen kommunistischenAggression zu
schuetzen.
Die Buerger der Vereinigten Staaten haben den moralischen
Vorteil, zu wissen, dass sie sich nicht eines aggressiven Angriffs in Korea schuldig gemacht haben. Diese moralische Stuetze
muss erhalten bleiben, denn diejenigen, die sie nicht haben,
sind gottlos.
Einen aggressiven Krieg zu befuerworten, waere ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit. Es ist ein Verbrechen gegen
Gott, weil damit versucht wird, die Entscheidung ueber Menschenleben von ihm zu uebernehmen. Es ist ein Verbrechen gegen die
Menschheit, weil es deren Moral zerstoert.
Labor Air Bulletin
V/23/51
IAA FUER GLEICHEN LOHN BEI GLEICHWERTIGER ARBEIT
Der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes, einer
der Fachbehoerden der Vereinten Nationen, hat die offizielle
Stellungnahme 34 verschiedener Nationen zur Frage der gleichen
Bezahlung von Maennern und Frauen fuer gleichwertige Arbeit veroeffentlicht.
Mit Ausnahme von Polen haben alle Laender die Entwurftexte
gebilligt, die dem Internationalen Arbeitsamt auf seiner Konferenz am 6. Juni in Genf als Ausgangspunkt fuer die Diskussion unterbreitet werden sollen, wenn auch einige Gruppen Abaenderungen
vorschlugen. Die Delegierten der Vereinigten Staaten wiesen darauf hin, dass ueber die Frage der gleichen Bezahlung von Maennern
und Frauen im Rahmen der Bundesverfassung aller Wahrscheinlichkeit
nach von den verschiedenen Staaten aufgrund ihrer getrennten Zustaendigkeit getrennt entschieden wuerde. Die Vereinigten Stauten
haetten jedoch in Betracht gezogen, eine durch Empfehlung ergaenzte
Konvention zu unterstuetzen, wenn sich eine Mehrheit der im Internationalen Arbeitsamt vertretenen Laender fuer eine Konvention entscheiden sollte.
Der revidierte Konventionsentwurf, der fuer die Diskussion
auf der Konferenz vorbereitet wurde, fordert die ratifizierenden
Laender auf, alle durchfuehrbaren Massnahmen zu ergreifen, um
durch Gesetze oder Bestimmungen, gesetzlich errichtete oder anerkannte Institutionen zur Lohnbestimmung, durch Tarifvertraege oder
eine Kombinierung dieser drei Methoden die Verwirklichung dieses
Prinzios "gleichen Lohn fuer gleiche Arbeit" zu gewaehrleisten.
Labor News from the U.S.
V/25/51

- 16 -

HIOOG 5 Jim 51 1211 B£ K

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommi&amp;sio» für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

TT - 22

F r a n k f u r t , 1 . J u n i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
L a n d a r b e i t e r l o e h n e und b e z a h l t e F e i e r t a g e auf d e r
Tagesordnung d e r IAO - - - - - - - - - - - - - -

1

Punkt-Vier-Programm g e h o e r t zum V e r t e i d i g u n g s prograiam - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Fuenfzig Jahre amerikanische Gewerkschaftsbewegung

4

Lohnangleichung an Lebenshaltungskosten in amerikanischen Tarifvertraegen - - - - - - - - - - - -

8

Asien und Europa sind lebenswichtige Verbuendete im
Kampf gegen die kommunistische Aggression - - - 11
Deutsche Bergbaufachleute in den Vereinigten Staatenl4
Ekuador olant Modernisierung der Bergbauindostrie - 16

LANDARBEITERLOEHNE UND BEZAHLTE FEIERTAGE AUF DER TAGESORDNUNG
DER IAO
'
~~
Die 62 Mitgliedstaaten der Internationalen Arbeits-Organisation sind eingeladen worden, Regierungs-, Unternehmer- und
Arbeitnehmervertreter zur 34. Jahre3konferenz der IAO zu entsenden, die am 6. Juni in Genf zusammentreten wird.
Die Delegierten werden im Verlauf der dreiwoechigen Verhandlungen eine neun Punkte umfassende Tagesordnung bearbeiten, die
das Ziel hat, internationale Mindestnormen auf verschiedenen
wichtigen Arbeits- und Sozialgebieten festzusetzen, die' im uebrigen als Konventionen und Empfehlungen bekannt sind.
- 1-

�zwei Lohnnrobleme fuer die Landwirtschaft - naemlich Massnahmen zur Festsetzung von Mindestloehnen und bezahlte Feiertage - werden zur Sprache gebracht werden. Es ist beabsichtigt,
eine endgueltige Entscheidung mit der Annahme einer Konvention
oder Empfehlung zur Frage der Lohnbestimmungen zu treffen, weil
dieser Punkt bereits auf der 33. Sitzung der Konferenz im Jahre
1950 zur Debatte stand. Die Frage der bezahlten Feiertage in
der Landwirtschaft, die von der Tagesordnung der 33. Konferenz
uebernommen wird, ist in Durchfuehrung einer Resolution aufgegriffen worden, die vom staendigen Landwirtschaftsausschuss der IAO
gebilligt worden war. Die Konferenz wird sich mit zwei Berichten zu dieser Frage beschaeftigen, die 3inen Einblick in die
Gesetze und Methoden der verschiedenen Mitgliedstaaten und ihre
Antworten auf eine diesbezuegliche Umfrage geben.
Ein anderer wichtiger ""unkt der Tagesordnung fuer diese
Konferenz ist die gruendliehe üeberpruefung der Ziele und Mindestnormen der Sozialversicherung mit dem Ziel, ein Rahmenwerk
zu entwickeln, in dem die Fortschritte der letzten -Jahre auf diesem Gebiet beruecksichtigt werden sollen und dessen Aufgabe es
waere, die auf den verschiedenen Gebieten der Sozialversicherung
bestehenden Konventionen der IAO zu revidieren. Es ist ausserdem in Erwaegung gezogen, bei der Eroerterung dieser Fragen das
Ausmass zu besprechen, in. dem in verschiedenen Laendern heute
und in der naechsten Zukunft Massnahmen ergriffen werden koennen, in denen sich die Gesetzgebung ueber die Sozialversicherung
noch in ihrem Anfangsstudium befindet. Diese Diskussion soll
sich .jedoch auch auf solche Laender erstrecken, in denen diese
Gesetzgebung weitgehend bereits entwickelt ist.
Zur Frage der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern werden die Delegierten der Konferenz aufgefordart
werden, internationale Bestimmungen in Form von Lmpfehlun£*en zu
billigen, die sich auf Tarifvertraege und freiwillige Schlichtung und Schiedssprechung beziehen. Sie werden ferner zum
erstenmal die Frage der Zusammenarbeit zwischen oeffentlichen
Behoerden und Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen diskutieren.
Man rechnet ausserdem mit einer endgueltigen Entscheidung
in der Annahme von internationalen formen in Bezug auf gleiche
Bezahlung fuer Maenner und Frauen bei gleicher Arbeitsleistung.
Die uebrigen Punkte der Tagesordnung enthalten einen Bericht
des General-Direktors des IAA*f einen Bericht ueber finanzielle
und Haushaltsfragen, Informationen und Berichte ueber die Verwirklichung von Konventionen und Empfehlungen.
Alle endgueltigen Entscheidungen, die von der Konferenz in
Form von Konventionen oder Empfehlungen gebilligt werden, werden
den Mitgliedstaatan der IAO auf dem ueblichen Wege zugeleitet
werden. Diese Laender haben hierzu Stellung zu nehmen und die
entsprechenden Massnahmen zu ergreifen.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird aU3 je einem
Abgeordneten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und zwei Abgeordneten der Regierung bestehen. In ihrer Begleitung befinden sich
eine Anzahl Berater, die vom Handelsministerium der Vereinigten
"Staaten, von der nationalen Arbeitgebervereinigung, von der AFL,
dem CIO und anderen zustaendigen Behoerden der Regierung nominiert werden.
Labor Information Bulletin
V/51
- 2-

�PUNKT-VISft-PROGRAMM GEHOERT ZUM VERT5.IDIGUNGSPP.OGRAKM
Praesident Truman nannte das Punkt-Vi er-Programm, in dem
die technische Unterstuetzung entwicklunpsbeduerftiger Gebiete
durch die Vereinigten Staaten vorgesehen ist, einen Teil der
Verteidigungsbemuehungen der freien Welt und die beste Antwort
auf die falschen VersDrechungen des Kommunismus.
Diese Erklaerung stellt eine offizielle Annahme des Berichts
Henry G. Bennetts dar, der in seiner Eigenschaft als Administrator der Verwaltung fuer technische Zusammenarbeit des U.S.
Aussenministerium-3 vor kurzem von einer Reise durch Latein-Amerika zurueckkahrte.
Bennett berichtete von den Fortschritten des technischen
Unterstuetzungsprogramms und sagte, dass 15 formelle Abmachung
gen nun vor der endgueltigen Annahme stuenden, waehrend 22 bereits gebilligt seien.
In der Erklaerung des Praesidenten heisst es weiterhin,,
das Punkt-Vier-Programm ist heute notwendiger als je zuvor.
Die Gefahr einer kommunistischen Aggression zwingt die freie
Welt, eine starke militaerische Verteidigung aufzubauen. Aber
der Kommunismus kann nicht allein durch Waffen aufgehalten werden. Eines seiner gafaehrlichsten Kampfmittel ist die falsche
Propaganda in Laendern, in denen die Menschen unter Hunger, Krankheit, Armut und Unwissenheit leiden.
Das Punkt-Vier-Frogramm ist somit ein Bestandteil des Verteidigungssystems der freien Welt. Es ist die beste Antwort auf
die falschen Versprechungen des Kommunismus. Es bietet den
Menschen der Welt eine Moeglichkeit, das zu tun, was ihnen am
meisten am Herzen liegt, naenlich ihre Lebensbedingungen durch
eigene Bemuehungen zu verbessern.
In diesem Geist wird das Punkt-Vier-Programm von den freien
Laendern Asiens, Afrikas, des mittleren Ostens und Latein-Amerikas beerrueist. Das Punkt-Vier-Abkommen ist bereits von 22
Regierungen unterstuetzt worden. Rund 360 amerikanische Techniker arbeiten in 28 Laendern an ^unkt-Vier-Projekten. Mehr als
240 Techniker aus 34 Laendern werden in den Vereinigten Staaten
fuer diese Aufgaben geschult.
Dies ist jedoch nur ein Anfang. Wie Dr. Bennett berichtete, kann das Punkt-Vier-Programm mit varhaeltnismaessig geringen
Geldaufwendungen etwa 50 Laender mit fast einer Milliarde Menschen helfen, ihre Nahrungsmittelproduktion in fuenf bis zehn
Jahren zu verdoppeln. Aehnliche Fortschritte koennen von diesen
Laendern auf dem Gebiet des oeffentlichen Gesundheits- und Erziehungswesens und auf verschiedenen Sektoren der Wirtschaft erzielt werden.
Dr. Bennett berichtete dem Praesidenten, dass das Programm
von Gewerkschafts- und Wirtschaftsgruppen sowie von kirchlichen
und sozialen Organisationen in den^Vereinigten ^uaaten befuerwortet wird. Er referierte ausserdem von seiner Reise durch
14 lateinamerikanische Laender, von den guten Beziehungen zu den
USA und den Vereinbarungen, die mit ihnen getroffen werden konnten. Der Fortschritt, der im Punkt-Vier-Programm mit den lateinamerikanischen Nationen erzielt worden sei, ist sehr gross.
Auf eine besondere Anfrage der Pressevertreter stellte Dr.
Bennett fest, dass den Vereinigten Staaten aus 42 verschiedenen
- 3-

�Laendern 533 Gesuche um Unterstuetzung im Rahmen des Punkt-VierProgramms zugegangen sei. 254 dieser Gesuche seien genehmigt
und befinden sich bereits in Bearbeitung.
Auf die riesigen natuerlichen und menschlichen Reserven
der Gebiete Lateinamerikas hinweisend, berichtete Bennett, dass
dort die Arbeitsbedingungen im allgemeinen nicht gut seien.
OILA-Memorandum
5/51 Vol. II Nr. 6
William C. Gausmann:
50 JAHRE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Im Jahre 1900 lebten 60% der amerikanischen Bevoelkerung
auf Farmen oder in kleinen Landgemeinden und nur 40% in "Staedten.
Heute ist dieses Verhaeltnis genau umgekehrt. 1900 waren fast
14 von je 100 Amerikanern in Europa geboren. Heute sind nur
8% unserer Bevoelkerung der Bevoelkerung auslaendischer Herkunft.
Die Gesamtbevoelkerung hat sich inzwischen verdoppelt, die Einwohnerzahl ist von 76 Millionen auf ueber 150 Millionen angestiegen.
Diese Zunahme der Bevoelkerung hat sich zumeist in den groesseren Staedten vollzogen. Alte Staedte wie New York, Chikago und
Pittsburg sind um mehr als das Doppelte angewachsen. Aber noch
bedeutsamer war der Aufstieg der neuen Industriezentren. Detroit
zum Beispiel, die Heimat der Automobil-Industrie, hatte 1900
wenig mehr als 250.000 Einwohner. Heute leben in dieser Stadt
und ihrer naeheren Umgebung fast drei Millionen Menschen.
Inzwischen hat die technische Revolution in der Industrie,
d.h. die Entwicklung der Methoden der Massenproduktion, einen ungeheuren Aufstieg des nationalen Wohlstandes ermoeglicht. Waehrend sich die Zahl der Erwerbstaetigen verdoppelt hat, ist das
nationale Einkommen um das vierfache angestiegen. Die Produktionsleistung in den Hers'tellungsindustrien ging sogar in noch
schnellerem Tempo in die Hoehe. Die durchschnittliche woechentliche Arbeitszeit sank von 60 auf 40 Stunden, die zuverlaessigsten statistischen Schaetzungen besagen, dass die amerikanischen
Arbeiter, waehrend sie im Jahre 1900 nur 17% ihres Einkommens
fuer andere Zwecke als fuer Nahrung, Bekleidung und Wohnung ausgeben konnten, im Jahre 1950 etwa 40% ihres Lohnes fuer nichtlebenswichtige Gueter zur Verfuegung hatten. Diese technologische
Entwicklung vollzog sich jedoch nicht unaufhoerlich im gleichen
Rhythmus. Sie wurde durch verschiedene wirtschaftliche Krisen
verzoegert, deren schwerste die grosse Depression von 1929 bis
1934 war, waehrend sie auf der anderen Seite durch zwei Weltkriege beschleunigt wurde.
In diesen 50 Jahren spielten die Gewerkschaften in der amerikanischen Wirtschaft meist nur eine Rolle untergeordneter Bedeutung. Der Grund hierfuer ist sehr einfach: die meisten
Schluesselindustrien, d.h. diejenigen Industrien, die sich am
schnellsten ausdehnten, waren nicht gewerkschaftlich organisiert.
Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL, der in den 80er Jahren
gegruendet wurde, hat verschiedene heroische Versuche unternommen, dia Stahlindustrie zu organisieren. Im Jahre 1901 musste
er jedoch nach einem erbitterten dreimonatigen Streik gegen den
neuen grossen Trust der Stahlgssellschaften ei*- schwere"Niederlage
- 4-

�einstecken. Damit hatten die Arbeiter in der Stahlindustrie ebenso
wie die in der Automobil-, Elektro-, Gummi-, Erdoel- und chemischen Industrie kein wirksames Mittel in der Hand, um ihren Stendounkt zu vertreten, waehrend es ihren Arbeitgebern immer besser
ging.
Die AFL blieb deshalb vornehmlich ein Verband von Handwerkern, die in den aelteren Handwerksberufen und Industrien beschaeftict waren, die fuer die oertlichen und bezirk-lichen i\bsatzmaerkte arbeiteten. Es gab natuerlich Ausnahmen. Der Bergarbeitercrewerkschaft, einer ausgestochenen Industriegewerkschaft,
arelang es in den Kohlenbergwerken in der Zeit vor dem ersten
"Veitkrieg Fuss zu fassen. Die sozialistisch gefuehrten Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter berannen in der zweiten Dekade
dieses Jahrhunderts ihre Arbeit eis Pioniere der Gewerkschaftsbewegung. Eisenbahner schlössen sich trotz der Spaltung der
Berufsverbaende In eine ^nzahl Berufsgewerkschaften zusammen und
konnten auf organisatorischem Gebiet grosse Erfolge erzielen.
Dass es der API nicht gelang, in die neueren Industriezweige
vorzudringen, wurde natürlich haeufig kritisiert. Es muss
jedoch bemerkt werden, dass auch die radikalen syndikalistischen
Organisationen der Industriearbeiter der ,.elt hier keinen Erfolg
hatten.
Der wirkliche Grund hierfuer war, dass der Arbeitsmarkt
zu grossen Schwankungen unterlag, um eine Organisierung so vieler Gruopen der Arbeiterklasse zu ermoeglichen. In der Zeit
von 1900 bis 1914 kamen fast 13.500.000 Einwanderer nach Amerika, ein sehr hoher Prozentsatz von ihnen wurde sofort in den Arbeitsprozess der Industrie eingeschaltet. Sie kamen aus allen
Laendern Euronas, aus hoch industrialisierten Gebieten und aus
rueckstaendigen Landbezirken Polens und Sued-Italiens. Sie hatten miteinander oder auch mit der alten amerikanischen Bevoelkerung nur wenig gemeinsam. Zu Hunderttausenden wurden sie Opfer
einer unverzeihlichen Ausbeutung,und ihr Los war keineswegs
besser als in der "Alten Welt".
Es war in Europa uetlich, die politische Einstellung der
AFL als hoffnungslos rueckstaendig abzutun. Aenn man sich jedoch die objektive Einstellung der amerikanischen Gewerkschaften in der Zeit vor 1914 vor Augen haelt, kann man feststellen,
dass das aeusserst bescheidene politische Programm dieser Organisation und ihm Konzentrierung auf den Schutz der Arbeitsnormen ihrer Mitglieder die einzig durchfuehrbare Methode war. Es
gelanr ihr in der Tat, viele staatliche Gesetze zu Gunsten der
Arbeiter abzuaendern.
Waehrend des ersten Weltkrieges ging die I.Ütgliedszahl der
Gewerkschaften stark in die Hoehe, Vertreter der Arbeiterschaft
wurden zum erstenmal in Fragen nationalpolitischer Bedeutung von
der Regierung zu Pate gezogen. Als der Kriefr vorueber war, begann eine Zeit der politischen Reaktion, der groesste Teil der
gewerkschaftlichen Erfolge ging wieder verloren. Somit waren
die "guten zwanziger Jahre" eine flaue Zeit fuer die Gewerkschaften, die Arbeiter in den Industrien der Massenproduktion wurden
noch immer nicht organisiert. Der Strom der Einwanderung war
jedoch, wie die AFL es gefordert hatte, abgedaemmt worden. Die
Auswirkungen machten sich jedoch nicht unmittelbar bemerkbar.
Schwere Zeiten im landwirtschaftlichen Sueden vor der Depression
in der Industrie im Jahre 1919 fuehrten den Ttaedten viele Landarbeiter zu, und zwar Weisse und Neger, die zu Anfang fuer die
- 5-

�Mitgliedschaft in der Gewerkschaftsbewegung ebenso wenig zu erwaegen waren wie die sued- und osteuropaeischen Einwanderer der
Zeit vor 1914.
Es ist unmoeglich, ausfuehrlioh den Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung seit der Grossen Depression zu
beschreiben. Sobald der Handel wieder aufbluehte, forderten die
Arbeiter, die bisher den Organisatoren der Gewerkschaften keinerlei Gehoer geschenkt hatten, eine energische gewerkschaftliche
Vertretung.
Die AFL begann, ihre Verluste waehrend der Deoression in
den alten Handwerksberufen wieder auszugleichen; sie versuchte
auch, den Arbeitern in den nichtorgani3ierten Industrien zu helfen. Ihre Bemuehungen waren erfolglos und zwar vor allem wecran
des Vetorechtes, das in ihren Spitzenausschuessen vor einer Handvoll alter Funktionaere ausgeuebt wurde, die nicht in der Lage
waren, mit der neuen Entwicklung und den neuen Erfordernissen
Schritt zu halten. Daraufhin wurde der Eongress der Industrieorganisationen (CIO) gegruendet und hatte seeen Ende des Jahres
1937 bereits die Stahl-, Automobil-, Elektro-, Fertigwaren-,
Textil-, Gummi- und Erdoelindustrien erobert.
Eine neue Einstellung gegenueter sozialistischen und wirtschaftlichen Problemen begann jetzt die Amerikaner zu charakterisieren, vor allem waehrend der Zeit der Depression und in den
Jahren des New Deal. Der normale uuerger war nicht mehr bereit,
auf gut Glueck und voellig blind der Macht des Arbeitsmarktes
zu trauen. Obwohl das Vertrauen in das Wettbewerbssy^tem als
Grundlage der wirtschaftlichen Organisation stark blieb, war
man sich darueber einig, dass die Regierung das Volk gegen bestimmte Konsequenzen dieser Politik schuetzen muss, und der
Umfang der oeffentlichen sozialen Leistungen, fuer das Volk wurde weitgehend ausgedehnt. Aus dieser neuen Haltung heraus entwickelten sich die Cozialversicherungsgesetze, ferner eine Vielzahl bindender Vorschriften, durch die fuer die Arbeiter unguenstige Methoden der Betriebstuehrung eingeschraenkt wurden, als
weiteres grosse oeffentliche Projekte wie z.B. die Tennessee
Talbehoerde (TVA). Die Bundesregierung setzte sich mit allen
Mitteln fuer das Werbungsrecht der Gewerkschaften ein. Mindestlohngesetze wurden erlassen, eine Reihe von Massnahmen wurden
gebilligt, die tatsaechlich die Farmer von ihrer Abheengigkeit
von den MarktDreisen befreiten.
Mit Ausnahme einiger Gebiete im Sueden sah man zum erstenmal in der amerikanischen Geschichte im Lohnempfaenger ganz allgemein einen Gewerkschafter. Nach Tausenden harter Konflikte
wurde die Gewerkschaftsbewegung als dauernde Einrichtung anerkannt. Man fing an, Orts- und Landasgewerkschaftsfuehrer bei
der Auswahl politischer Kandidaten und bei der Formulierung von
Parteinrogrammen zu Rate zu ziehen.
Die AFL erholte sich schnell von ihren Misserfolgen und im
Laufe der Jahre kamen sich AFL und CIO in ihrer Haltung und
ihrem Programm immer naeher.
Im Verlauf des zweiten Weltkrieges stiegen die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften staendig, weil diese zeigten, dass
sie faehi/2: waren, die Loehne auf dem Stand der Lebenshaltungskosten zu halten. Nach Kriegsende waren sie bemueht, ihre Erfolge
zu konsolidieren und verhinderten dadurch ein Absinken der Eauf- 6-

�kraft und der Beschaeftigungsziffer, was der groesste Teil der
Volkswirtachafter fuer unvermeidlich gehalten hatte. Nachdem
die Verknappungen der Kriegszeit ausgeglichen und die Lebenshaltungskosten stabilisiert waren, konnte die Gewerkschaftsbewegung in den Jahren 1948 und 1949 und in der ersten Haelfte von
1950 eine bedeutende Erhoehung der Realloehne herbeifuehren. Sie
begann ausserdem mit grossem Erfolg ihre Kampagne zur Erzielung
von Tarifvertraegen, die den Arbeitern soziale Sicherheit garantierten.
Politisch gesehen hatte die Bewegung jedoch einen Rueckschlag erlitten. Die gutgehenden Geschaefte waehrend des Krieges hatten den Unternehmern ihr Selbstvertrauen zurueckgegeben.
Ein Propagandakrieg, weit heftiger als der gegen Roosevelts New
Deal gefuehrte, wurde gegen Trumans Fair Deal eingeleitet. Viele
der fortschrittlichen Vors'chlaege, die von der Gewerkschaftsbewegung stammten, wurden vom Kongress abgelehnt. Das Taft-HartleyOesotz wurde erlassen, das die Gewerkschaften der Vorteile der
Arbeitsgesetze in Rahmen des New Deal berauben sollte. Obwohl
die Gewerkschaften auch weiterhin betraechtliche Lohnerfolge erzielen konnten, bedeutete dieses Gesetz fraglos ein Hindernis
in der Werbetaetlgkeit der Gewerkschaften. Der groesste Teil
der Arbeiter in Verkaufalaeden und fast alle Angestellten stehen
noch ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung.
Die Antworten der Gewerkschaften hierauf war die Bildung
ihrer politischen Aktionskomitees. Alle Gewerkschaften und die
beiden grossen Gewerkschaftsverbaende fuehren nun ein intensives
politisches Bildungsprogramm durch. Es dreht sich hierbei, nicht
nur darum, die Mitglieder fuer die politischen Plaene der aktiven
Mitgliedschaft der Bewegung zu gewinnen. Die Arbeiter muessen
vor allem von der Notwendigkeit ueberzeugt werden, sich staendig
fuer die Politik zu interessieren.
Waehrend die amerikanische Gewerkschaftsbewegung um die Wende
der Jahrhundertmitte ueber die Vermittlung errichteter politischer
Parteien arbeitet, wie sie es auch im Jahre 1900 tat, ist die
Grundlage ihrer politischen Arbeit sehr veraendert. Ihre Hauptaufgabe liegt jetzt nicht mehr wie frueher bei den einzelstaatlichen und oertlicnen Behoerden, sondern bei der Bundesregierung.
Waehrend im Jahre 1900 "Arbeitsfragen" fuer die Gewerkschaften
eng begrenzt waren, sind sie heute an jeder Phase der gesamten
Politik hoechst interessiert.
"Warum bildet die amerikanische Gewerkschaftsbewegung mit
diesem neuen Interesse ihrer Mitglieder fuer die Politik keine
eigene Partei?" fragt man haeufig. ^ine erschoepfende Antwort
auf diese Frage wuerde viel mehr Raum erfordern, als hier zur Verfuegung steht. Ein oder zwei springende Punkte sollen jedoch hier
festgehaltin werden. Selbst heute leben nur rund 6O70 der Gesamtbevoelkerung in den Staedten. In den kleineren Gemeinden ist es
unmoeglich, die Gewerkschaftsbewegung zum Zentrum der oertlicnen
politischen Organisation Z L machen. Ausserdem gibt es auch ein
bundesstaatliches Regierungssystem; das heisst unter anderem,
dass die geringer bevoelkerten landwirtschaftlichen Staaten einen
Einfluss im Senat haben, der nicht im Verhaeltnis zu ihrer Bevoelkerungsziffer steht. Und die Farmer, die man einst als in
Frage kommende Verbuendete der organisierten Arbeiter innerhalb
einer neuen Bewe^unp- ansah, sind viel zu gut durch die Landwirtschaftsgesetze im Rahmen des New Deal geschuetzt, um einer neuen
Partei gegenueber aufgeschlossen zu sein.
- 7-

�Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung muss also, um
einen entscheidenden politischen Einfluss ausueben zu koennen,
mit anderen sozialen Gruppen zusammenarbeiten, von denen man
nicht zu erwarten hat, dass sie mit der Bildung einer ArbeiterPartei einverstanden sind. Nachdem die Gewerkschaften nun in
der Industrie festen ?uss gefasst haben und ihrer politischen
Arbeit mehr Aufmerksamkeit zuwenden koennen, v/ird ihr Einfluss
zweifellos groesser werden. ~uch die Angestellten in den
Staedten muessen zugeben, dass die Gewerkschaftsbewegung am
tatkraeftigsten fuer die Interessen der Verbraucher eintritt.
Seit 1953 ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder von wenig ueber 2.500.000 auf 16.500.000 angestiegen. Trotz der anfaenglichen hartnaeckigen Opposition der groessten Unternehmen
der Welt konnte sich die Gewerkschaftsbewegung in diesen Industrien durchsetzen. Die Bewegung ist nocn jung und ungestuem,
sie hat sowohl die Staerke als auch die Schwaechen der Tugend.
Sie wird fortfahren, ihren Einfluss im amerikanischen Leben und
besonders in der Politik zu steigern. Sie kann dies .jedoch nur
tun, wenn sie sich der Kompliziertheiten und Gegenstroeme in
einem Lande von kontinentalen Ausmassen bewusst ist, in dem der
Kapitalismus fuer den Durchschnittsbuerger weit mehr getan hat
als irgendwo sonst auf der Welt.
Während die amerikanische Gewerkschaftsbewegung dem aeu^seren Anschein nach von der britischen Labour Bewegung sehr verschieden ist, sind ihre Ziele, naemlich hoehere Realloehne, Sicherheit im Falle einer Erkrankung und im Kiter, Vollbeschaeftigung, Erhaltung der Demokratie und Erreichung des Weltfriedens
im Grunde sehr aehnlich.
Labor News from tue US
V/2o/51
LOHNANGLEICHUNG AN LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN AMERIKANISCHEN TARIFVERTRAEGEN
Die Lebenshaltungskosten stellen seit langer Zeit einen der
wichtigsten Faktoren bei den TarifVerhandlungen der Vereinigten
Staaten dar. Allgemein werden Veraenderungen in den Preisen fuer
Waren und Dienstleistungen, die von einem Arbeiter benoetigt
werden, nach den vorherrschenden Loehnen in der Industrie oder
der gesteigerten Produktionsleistung und anderen wichtigen Faktoren bemessen, die in Lohnverhandlungen eine Rolle spielen.
Normalerweise werden die hieraus sich ergebenden Abmachungen
zwischen Arbeitern und Unternehmern fuer eine bestimmte Zeitspanne - ein, zwei, drei Jahre oder laenger - unterzeichnet.
Lohntarife werden solange nicht geaendert, wie die Abmachung in
Gueltigkeit bleibt. Die Abkommen, die im allgemeinen laenger als
ein Jahr in Kraft bleiben, sehen eine jaehrliche Wiederaufnahme
der Vertragsverhandlungen zur Ueberpruefun.? der Loehne vor.
Die Methode, Lohnangleichungen oefter als einmal im Jahr
vorzunehmen und diese Lohnveraenderungen von den Vereenderungen
in den Lebenshaltungskosten abhaengig zu machen, hat seit dem
Kriegsausbruch in Korea immer mehr um sich gegriffen.
Der rapide Anstieg der -reise spielte zu Ende des Jahres
1950 eine bedeutsame Rolle in dieser allgemein verbreiteten Entwicklung. Derartige, haeufig vorkommende Abmachungen ueber Lebenshaltungskosten, durch die die Loehne an die Preise gekon- 8-

�pelt werden, nennt man oft "Stufen-Klauseln". Nach diesen
Plaenen steigen und sinken Löhne und Preise gemeinsam.
"StufenDVereinbarungen sind weder neu noch ungebraeuchlich.
Die Methode, Lohnveraenderungen auf Grund von Preisveraenderungen vorzunehmen, war in gewissem ausmass waehrend und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und dann wieder vor dem Zweiten
Weltkrieg vorherrschend, als die Preise rapid anzusteigen begannen.
In juengerer Zeit wurde das Interesse an Lebemhaltungskosten-Plaenen durch die Aufnahme einer Stufen-Klausel in dem
Zweijahresvertrag erweckt, der im Mai 1945 zwischen der General
Motors Gornoration und der Automobilarbeitergewerkschaft abgeschlossen und im Mai 1950 auf fuenf Jahre verlaengert wurde, .alle
drei Monate werden die Loehne unter Zugrundelegung des offiziellen Verbraucherpreisindex' der Regierung angeglicnen.
Nach dieser Vereinbarung sind die Loehne der Arbeitnehmer der
General Motors Vferke in die Hoehe gegangen oder gesunken und
zwar auf der Grundlage von einen Cent pro Stunde fuer eine Veraenderung im Verbraucherpreisindex um 1.14 Punkte. Hierbei hat
sich das folgende Bild fuer die Entwicklung der Loehne ergeben:
Monat, in dem die Angleichung
vorgenommen wurde
Mai
SeDtember
Maerz
Juni
Maerz
September
Dezember
Maerz

Hoehe der Lohnangleichung
(in Prozent pro Stunde)

1948
1948
1949
1949
1950
1950
1950
1951

/
/
/
/

4

5
3
2
1
2
5
3
5

Es ist ersichtlich, dass seit September 1950 diese Automobilarbeiter zum Ausgleich fuer die Preissteigerungen 13 Cents
in der Stunde mehr erhalten haben. Sie bekommen ausserdem im
Rahmen ihres Gewerkschaftsvertrags eine jaehrliche Lohnaufbesserung von vier Cents pro Stunde. Diese Erhoehung, die "jaehrlicher Aufbesserungsfaktor" genannt wird, soll den Arbeitern helfen, ihre Realloehne gleichzeitig mit den Steigerungen der Produktionsleistung des ganzen Landes zu verbessern. Die jaehrliche Produktivitaets-Lohnerhoehung ist jedoch nicht ein notwendiger Bestandteil der Lebenshaltungskosten-Stufenklausel, obwohl
in vielen Vertraegen diese beiden Arten der Lohnangleichung vorgesehen sind.
Diese Lohn-Stufen-Methode der General Motors Werke und der
Automobilarbeitergewerkschaft wurde in den Jahren 1948 und 19*9
nicht von vielen Gewerkschaften nachgeahmt. Dies war zum Teil
auf die traditionelle Politik der Gewerkschaften zurueckzufuehren,
Lohnangleichungen mit der Begruendung zu vermeiden, dass die
Lohntarife auf diese Weise erhoeht, aber auch gesenkt werden koennen, wenn sie von den Lebenshaltungskosten abhaengig sind; sie
zogen es vor, nur ueber Lohnerhoehungen zu verhandeln.
Auf Grund der Preissteigerungen und der Befuerchtungen in
bezug auf einen Mangel an Facharbeitern, der durch den Kriep in
Korea verursacht werden koennte, zeigten sich Gewerkschaften und
Unternehmer im allgemeinen jedoch jetzt eher bereit, des oefteren Angleichungen der Loehne an die Lebenshaltungskosten vorzunehmen.
- 9-

�In den neun Moneten von Ende Juni 1950 bis Ende Maerz 1951
hat sich die Zahl der Arbeiter, von denen bekannt war, dass fuer
sie Tarifvertraege mit derartigen "Stufenklauseln" abgeschlossen
waren, von etwa 500.000 auf rund 2.Ö50.000 erhoeht.
Ausserdem erhalten schaetzungsweise eine Viertel I'illion
Buero- und sonstige Angestellte, die in Firmen beschaeftigt sind,
welche fuer ihre Produktionsarbeiter mit einer Gewerkschaft Ve rtraege abgeschlossen haben, ebenfalls vergleichbare lebenshaltungskostenzuschuesse oder Bonuszahlungen. Deshalb sind gegenwaertig
ungefaehr 2.9o0.000 Arbeitnehmer in die verschiedenen Arten der
Stufen-Vertraege einbezogen.
Ueber eine Million der in solchen Vertraegen erfassten Arbeiter sind in der metallverarbeitenden Industrie beschaeftigt.
Fuer den groessten Teil der Arbeiter hat die Gewerkschaft der
Vereinigten .tiutomobilarbeiter (CIO) mit grossen Automobil- und
Landwirtschaftsgeraetefabriken diese Vertraege abgeschlossen.
15 Gewerkschaften, in denen Eisenbahnschlosser, Gleisarbeiter und
Bueroangestellte der Eisenbahn organisiert sind, haben fuer eine
weitere Million Arbeiter einen Tarifvertrag zustandegebracht.
Bekleidung und Bau sind weitere Industriezweige, in denen die
Loehne einer betraechtlichen Zahl von Arbeitern mit den Lebenshaltungskosten gekoppelt sind.
Von mindestens 80 Landes- und allamerikanischen Gewerkschaften weiss man, dass sie Vertraege mit Stufen-Klauseln abgeschlossen
haben. Mit Ausnahme der Automobilarbeiter- und Eisenbahnergewerkschaften des CIO haben die Textilarbeitergewerkschaft (CIO), die
Internetionale Gewerkschaft der Elektroarbeiter (CIO) und die
Internationale Gewerkschaft der Mechaniker (AFL) am weitgehendsten von der Moeglichkeit der Koppelung der Loehne mit den.Lebenshaltungskosten Gebrauch gemacht.
Ein typisches Merkmal der Vertraege ist die Bestimmung, dass
die Loehne vierteljaehrlich in Anpassung an den vom US-Arbeitsministerium veroeffentlichten Verbraucherpreisindex revidiert
werden. Dieser Index zeigt Veraenderungen in den Preisen fuer
Lebensmittel, Bekleidung, Wohnung und andere Waren und Dienstleistungen auf, die von Arbeiterfamilien und Arbeitern in Grossstaedten mit maessigem Einkommen benoeti;?t werden. Der Index
wird monatlich ermittelt.
Die Hoehe der Lohnangleichung haengt natuerlich von dem Betrag ab, um den die Preise gestiegen oder gesunken sind. Sie
haengt ausserdem von der Methode zur Festsetzung der Lohnveraenderungen ab, ueber die sich Gewerkschaften und Unternehmer
geeinigt haben. In den meisten Fallen erhalten die Arbeiter
.iaehrlich zusaetzlich 1 Cent fuer jede Erhoehung des Lebenshaltungkostenindex um einen Punkt. Im Oktober 1950 stand der Leben«haltungskostenindex zum Beispiel auf 175.6 (1935-1939: 100) und "
im Januar 1951 auf 181.5;Arbeiter, deren Tarifvertrag fuer jede
Indexerhoehung um einen Punkt eine Stundenlohnerhoehunff um 1
Cent vorsieht, erhielten dementsprechend eine vierteljaehrliche
Lohnerhoehung von sechs Cents" pro Stunde, weil der Index in den
drei Monaten um sechs Punkte gestiegen war.
In vielen "Stufen"-Vertraegen wird der Betrag der Lohnsenkungen, die bei einem Lohnrueckgang vorgenommen werden koennen,
nach unten hin begrenzt, nuf der andern Seite ist in verhaeltnismaessig wenigen Vertraegen eine Hoechstgrenze fuer Lohnerboehungen festgesetzt. Mit anderen Worten, die Loehne koennen
- 10 -

�mit den Preisen steigen, v.erden jedoch nicht unter einem vereinbarten Betreg gesenkt, selbst wenn die Preise staerker fallen.
Ein zur Zeit gueltiger Erlass der Regierung besagt, dass
Stufen-Klauseln in Tarifvertraegen der Gewerkschaften, die vor
dem 25. Januar 1951 (an diesem Tag trat das Lohnstabilisierungsnrogramm in Kraft) abgeschlossen wurden, trotz des Lohnstabilisierungsprograiizas bis zum 31. Juni 1951, ungeachtet der Hoehe
solcher Lohnaufbesserungen,in Kraft bleiben duerfen. Handelt
es sich dagegen u.i Vertraege, die nach dem 25. Januar 1951 unterzeichnet wurden, so duerfen nach den gueltigen Bestimmungen
des Erlasses Lohnerhoehungen nicht um mehr als 10 Prozent ueber
die im Januar 1950 gueltigen Tarife hinausgehen.
Labor News from the U.S.
V/11/51
William Green: ASIEN UND EUROPA SIND LEBENSWICHTIGE VERBUENDETE
IM KAMPF GEGEN DIE KOMMUNISTISCHE AGGRESSION
Heute stellt die Bedrohung des kommunistischen Imperialismus die gestirnte freie Welt vor eine klar erkennbare und unmittelbare Gefahr. Wenn es eine Zeit gab, in der man sich ohne Gefahr angeblichen Hoffnungen und sehnsuechtigen Gedankengaengen
hingeben konnte, so ist diese Zeit vorbei. Wenn wir uns jetzt
auf das schlimmste vorbereiten, koennen wir wahrscheinlich nicht
enttaeuscht werden.
Der erste Dolchstoss, der der freien Republik Korea versetzt wurde, duerfte genuegt haben, um aucn den zurueckgezogensten und selbstzufriedensten Nationen die drohende Gefahr vor
Augen zu fuehren - wenn es ueberhaupt in diesem Stadium noch
eines neuen Alarms bedurfte. Dieser verwerfliche Angriff war
nicht nur gegen eine kleine Republik, sondern gegen den Bestand
der menschlichen Freiheit selbst gerichtet.
Ungeachtet der Dinge, die da kommen werden, wird es immer
ein Verdienst fuer die amerikanische Nation sein, dass sie sich
angesichts dieser kritischen Situation mit unerhoertem Mut zu
ihrer Aufgabe als Verfechter der Freiheit und internationalen
Moral bekannt und dementsprechend gehandelt hat. Indem sie die
moralische und materielle Hilfe der Vereinten Nationen zur
Verteidigung von Korea gemeinsam beschlossen, haben sie ein einzigartiges Bravourstueck der Diplomatie vollbracht. Sie hat allen, die gegen gefaehrliche Widersacher in der Welt fuer Freiheit
und Anstaendigkeit einstehen, neue Zuversicht begeben.
Wenn dieses brutale Verbrechen gegen die Menschlichkeit
durch unser eigenes Verschulden seinen Urhebern Belohnung statt
Vergeltung eingebracht haette, waeren wir heute der Verzweiflung naeher als der Hoffnung. In die moralische und physische
Abwehrmauer der freien Welt waere eine nicht wieder gutzumachende Bresche geschlagen worden. Der Wille, der kommunistischen
Aggression in Indien, im Iran, in Westeuropa und allen anderen
Laendern an der Peripherie des Kommunismus zu widerstehen, waere
untergraben worden.
Hieran muss gedacht werden, wenn diese Probleme im klaren
Licht der Vergangenheit betrachtet und ueberprueft werden. Auch
wenn verspaetete Stimmen sich erheben, um die Beschluesse zu
kritisieren, die uns in die Verteidigung Koreas verwickelt haben,
- 11 -

�muessen wir dtiran denken, dess unsere eigene Freiheit schon
lange verloren waere, wenn sie der Verantwortung der "Sommersoldaten" und "Sonnenscheinpatrioten" ueberlassen worden waere.
Die lebenswichtigen Fragen drehen sich heute um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit. Die naechsten Schritte
werden von grosser Tragweite sein.
Aufrichtige Menschen koennen hinsichtlich der zu ergreifenden Massnahmen geteilter Meinung sein. Aber alle verantwortungsbewussten Busrger muessen sich darueber im Klaren sein, dass wir
uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unserer Verpflichtung in dem
Kampf gegen die kommunistische Aggression entziehen koennen.
Die grundlegende, alles beherrschende Frage, in der keine
Meinungsverschiedenheit herrschen kann, heisst heute klar und
unmissverstaendlich: Bestehen oder Untergang.
Es wuerde bedeuten, den Untergang heraufzubeschwoeren, wenn
wir jetzt in unseren Bemuehungen nachlassen und uns der bequemen
Illusion hingeben wollten, das schlimmste sei ueberstanden und
unsere Streitkraefte auf unkluge Weise zu konzentrieren oder in der
grossen Isolation Zuflucht zu suchen. Derartige Massnahmen wuerden diesen Untergang mit Sicherheit herbeifuehren.
Die Gefahren, denen wir gegenueberstehen, betreffen alle
Parteien, Demokraten und Republikaner, Liberale und Konservative,
Arbeiter, Bauern und Industrielle - alle sind ihnen in gleicher
Weise ausgesetzt. Die Ketten, die in Moskau geschmiedet werden,
passen fuer alle Gruopen und Einzelpersoenen ohne jede Bevorzugung oder Vorrechte. Wir werden alle zusammen unterjocht werden,
wenn wir uns nicht eines vereinten Widerstandes faehig und verantwortungsbewusst zeigen.
Um uns aus den Spaltungen und den Streitigkeiten zu retten,
die z. Zt. unter uns herrschen, muss eine Grundlage fuer eine
neue populaere Front gefunden werden - eine populaere Front
gegen den sowjetischen Imperialismus.
Wenn dereinst der Bestand der Freiheit endgueltig gesichert
sein wird, dann wird auch Zeit genug vorhanden sein, um die eigenen Ziele und Ambitionen zu verfolgen. Augenblicklich haben
wir zu wenig Zeit und muessen uns auf die Verteidigung der Freiheit konzentrieren, damit wir spaeter unsere normale Lebensweise
wieder aufnehmen und unseren eigenen Zielen wieder nachgehen
koennen.
Die Kampflinie in diesem Ringen um den Frontabschnitt ist
von niemandem weit entfernt. Obowhl Korea eine halbe Welt von
uns getrennt ist, ist es eine fortlaufende Linie, die sich von
der Front in Korea ueber die Nachrichten und Versorgungswege
nach Washington in die Betriebe, Bauernhoefe, Laeden und Wohnungen in Amerika erstreckt.
Unsere
bildet eine
ist nur ein
Umzingelung

Verteidigungslinie beginnt an der Front in Korea und
geschlossene Kette um den gesainten Erdball. Korea
kleines Segment in dem Kreis der kommunistischen
und des kommunistischer- Drucks.

Die militaerische Aggression in Korea ist nur eine der
vielen Kraefte, die die kommunistische Vorsohwoerung in Bewegung
gesetzt hat, um den Frieden und die Sicherheit der freien Welt
- 1£ -

�in Gefahr zu bringen. Unsere militaeTischen Bemuehungen sind
nicht mehr als nur eine Phase in dem allgemeinen Kampf, der
durchfochten werden muss, damit jene Kraefte unschaedlich gemacht werden. Korea ist ein kleiner Bestandteil des Gesamtbildes der kommunistischen Aggression, die die systematische Zersetzung innerhalb der Vereinten Kationen, die sporadische Gewaltausuebung in Indien, die heuchlerische Kampagne des Stockholmer Friedensannells in den Vereinigten Staaten, Sabotage in
England und Westdeutschland, die bedrohung des Iran, die Ausbeutung der Menschen Asiens und Afrikas und vielfaeltige andere
Methoden zum Ziele hat, fuer die Verleumdung, Umsturz, Sabotage
und Buergerkrieg geeignet sind.
Nutze jede Schwaeche aus, teile und herrsche - das ist ein
altes Sprichwort, das besonders in Haenden von Experten Gueltigkeit erlangt.
Alle muessten sich ueber die staendige Gefahr eines Angriffs durch die Kraefte des Kommunismus im klaren sein. Nicht
so "offensichtlich dagegen ist, wo und in welcher i'orm der naechste Schlag gefuehrt werden wird. '.Vir koennen nur mit Gewissheit sa
gen, dass er wahrscheinlich dort gefuehrt werden wird, wo in
den Augen des Kreml unser schwaechster Punkt ist, wo und zu welcher Zeit dies auch sein mag. Unsere ganze Staerke und Aufnerksamkeit auf ein bestimmtes Gebiet zu konzentrieren, wuerde bedeuten, das3 wir einen Angriff auf andere lebenswichtige Gebiete lenken, die weniger geschuetzt erscheinen.
Dieses Problem wird nicht durch irgendwelche einfachen iEasanahmen und auch nicht durch irgendein einziges grosses militaefisches ilanoever, so glaenzend es auch ausgefuehrt wird, geloest
werden. Die Verteidigung der freien Welt ist heute die schwierigste Aufgabe, die der Menschheit je gestellt wurde. Sie erfordert alle moeglichen politischen, sozialen, wirtschaftlichen
und militaerischen Anstrengungen.
Die internationale Taetigkeit der freien Gewerkschaften,
der Marshallplan, das Punkt-Vier-Programm, die "Stimme Amerikas"
und Lebensmittel fuer die hungerleidenden Menschenmassen in Indien
bilden ebenso einen Bestandteil des Verteidigungssystems wie der
Nordatlantikpakt und der Kampf der Vereinten Nationen in Korea.
Erfolge auf einem dieser Gebiete koennen durch Versagen oder
Vernachlaessigung auf einem anderen Gebiet mehr als zunichte gemacht werden. Sie alle bedeuten einen staendigen Kontakt mit
den Kamnfmitteln und wegen der kommunistischen Expansion und
Aggression.
Die relative Bedeutung Asiens und Europas in der Strategie
des Widerstandes gegen den Kommunismus braucht nicht diskutiert
zu werden. Wir koennen uns nicht den Luxus leisten, uns nur
fuer einen dieser beiden Erdteile zu entschliessen. Wir koennen
uns auch nichL in diesen Kamnf auf irgendeines der militaerischen, wirtschaftlichen, politischen oder moralischen I'amofmittel konzentrieren. Beide Gebiete sind lebenswichtig und alle
Waffen, die wir hervorbringen koennen, werden benoetigt.
Wir muessen auf unserer gesamten Verteidigungslinie die ailitaerische Ueberlegenheit erringen. Wir muessen ein System
der gemeinsamen Zusammenarbeit mit allen freien Nationen der
Welt, in Asien sowohl als auch in Europa, entwickeln.
1^iL/

�Wir muessen unsere Programme der wirtsohaftlichen Unterst uetzung und Entwicklung erweitern, um die Massen der Welt an
der Verteidigung der Freiheit zu interessieren, um die lieber leaenheit der Demokratie dem kommunistischen Despotentum gegenueber zu demonstrieren.
Diese Crossen Aufgaben reichen aus, um all unsere Energie
und unsere Machtmittel fuer lange Zeit in Anspruch zu nehmen.
Sie erfordern Voraussicht, Opferbe.reitschaft und grossen Mut.
Der Preis ist hoch, aber kein Preis ist zu hoch, um fuer
die Erhaltung menschlicher Anstaendigkeit, der Freiheit und
des Weltfriedens zu wirken. Unser einziges Streben muss darauf
gerichtet sein, dafuer zu sorgen, dass wir fuer den Preis, den
wir zahlen, den vollen Wert zurueckerhaiten, indem wir ueber
unsere Machtmittel und Kraefte so verfuegen, dass sie uns soweit
wie moeglich den angestrebten Zielen naeherbringen.
The American Federationist
V/51
DEUTSCHS BERGBAUFAOBLEUTE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Einer der Hoehenunkte der Studienreise durch die Vereinigten Staaten, auf der sich zur Zeit eine Gruppe aus der deutschen
Bergbauindustrie befindet, war das Wochenende, das diese Gruope
vor kurzem in Willkes-Barre (Pennsylvanien) verbrachte.
Dort, im Kerzen des bedeutendsten Anthrazitgebietes des
Landes, wo viele Duerger deutscher Abstammung sind, wurden die
Gewerkschaftsfuehrer besonders herzlich empfanden und konnten
einen kleinen Einblick in das amerikanische Leben gewinnen, der
eine wertvolle Ercaenzung zu ihren uebrigen Studien darstellt,
in deren Verlauf sie sich vor allem mit den Kohlenbergbaumethoden in Amerika befass.ten.
Den Hoehe^unkt dieses Wochenendes bildete ein Empfang fuer
die deutschen Gaeste In dem dortigen Klubhaus der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung. Kongressmitglied Daniel Flcod, der demokratische Repraesentant des Wilkes-Barre-Bezirks im amerikanischen Kongresa, hielt eine Begruessungsansorache und erzaehlte
der Gruppe von seinen Erlebnissen auf einer Reis e durch das
Ruhrgebiet, die er vor kurzem unternommen hatte. Er zog Parallelen zu den Verhaeltnissen in der Berrbauindustrie der Vereinigten Staaten und Europas.
Dr. Wilhelm Keidemann, der Direktor des Kohlenbergwerks
"Konstantin der Grosse" in Bochum, einer der sieben deutschen Bergfachleute, die an der Reise teilnahmen, dankte fuer die Begruessungsansprache im Namen der deutschen Besuchergruppe, deren Studienreise
unter dem Protektorat der ECA im Rahmen des technischen Unterstuetzuncspro^ramms steht. Die drei anderen Mitglieder der Gruppe sind Gewerkschaftsfuehrer.
"Durch bessere Beziehungen zwischen den Maennern der amerikanischen und der deutschen Industrie," sagte Dr. Iieidemann,
"werden wir den Grundstein fuer bessere internationale Beziehungen
legen. Wir betrachten diese Reise durch. Ihr Land als den ersten
Schritt fuer den Aufbau einer Bruecke, die von Ihrem Land in das
unsrige- geschlagen werden muss."
- 14 -

�Er stallte weiter fest, dass Deutschland euch in Zukunft
die Hilfe Amerika? benoetige, und zwar in der Form "jenes 7erstehens, das fuer Sie als Amerikaner notwendig ist, um uns
helfen zu koennen, unsere "Tobleme zu loesen, jedoch nicht immer in Form von Dollars."
Dr. Keidemann erklaerte ferner, dass er erstaunt sei, in
amerikanischen Zeitungen so »venig ueber Europa zu lesen, und
die wenigen Nachrichten aus Europa, die er vorgefunden hatte,
seien baeufig in sensationaller Aufmachung erschienen.
Auch Paul Bruehl, der Vorsitzende der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung, begruesste die deutschen Gaeste und erklaerte, seine Vereinigung freue sich darueber, dass Gewerkschaftsfuehrer aus dem "Alten Lande" kaemen, um "unsere Lebensweise und
unsere Industrie zu studieren."
Dr. Heidemann dankte der Vereinigung und berichtete, dass
die Gruppe ueberall in den Vereinigten Staaten mit grosser
Freundlichkeit und Gastfreundschaft empfangen worden sei.
Deutschland hoffe, in der nahen Zukunft viele amerikanische Besucher begruessen zu koennen, um "auf diese '"eise die Bande
des gegenseitigen Verstaendnisses auf beiden Seiten des Atlantiks noch enger zu knuepfen."
"Die Welt sieht einer ungeheuren Gefahr aus dem Osten ins
Auge," fuhr er fort. "Nur in vollster Einigkeit koennen wir
fuer unsere Ideale einstehen." Er wies in diesem Zusammenhang
auf die grosse Bedeutung der Kohle fuer das Verteidigungsprofframm Westeuropas hin.
An den offiziellen Teil des Empfangs schloss sich eine
allgemeine Diskussion an, die im gleichen Geiste der Freundschaft
verlief.
Es war somit ein «rosser Tag fuer die Besuchergruone. Dabei nahm sie die Gelegenheit wahr, die Wohnung eines ortsansaessigen Bergmannes namens Edward Zawatski zu besuchen, um die
Lebensweise eines einfachen amerikanischen Bergmannes zu beurteilen.
Die Mitglieder der deutschen Gruppe zeigten grosses Interesse fuer die gute Ausstattung einer amerikanischen Wohnung.
Sie stellten Fragen hinsichtlich des Einkommens der Familie,
und Frau Zawatzki gab ihnen alle Einzelheiten ueber die Kosten
fuer die Unterhaltung der Wohnung, die Ausbildung ihrer sechs
Kinder und ueber andere wissenswerte Angelegenheiten.
Am Sonnabend Nachmittag wohnte die Grunpe einer Versammlung
der Ortsgewerkschaft Fr. 1616 bei, die der Gewerkschaft der Vereinigten Bergarbeiter Amerikas angeschlossen ist. Dort diskutierten die deutschen Gewerkschafter mit den Ortsgewerkschaftsfunktionaeren die Sicherxieitsprogramme fuer die Bergwerke, die
von Unternehmern und Gewerkschaften gemeinsam mit Unterstuetzung
des Staat3S und dem Bundesstaatlichen Bergbaubuero durchgefuehrt
werden. Mit diesem Programm ist man bestrebt, festzustellen,
welche Arbeitsbedingungen ünlass zu Unfaellen geben koennten,
um sie sofort zu korrigieren, bevor Unfaelle sich ueberheupt ereignen.
Auch der Vohlfahrtsfonds der Bergarbeiter, die Unfallversicherung, und andere Programme der Kohlenbergbauindustrie und der
- 15 -

�Amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft wurden besprochen. Man
zog Vergleiche zu den Arbeitsbedingungen in Deutschland.
Am Sonntag Korgen wohnten die Besucher Gottesdiensten bei,
und jeder Deutsche war von einem od:;r mehreren ihrer neugewonnenen amerikanischen Freunde begleitet.
Das letzte Wochenende fand am Sonntagnachmittag mit einem
Ausflug in die Umgebung der Stadt ihren Abschluss. Mitglieder
der verschiedenen Gewerkschaften der Stadt nahmen die deutschen
Besucher in ihren eigenen Wagen mit und betaetigten .sich dabei
als Heisefuehrer.
Im Anschluss an ihren Wochenendbesuch in Wilkes-Barre,
einer Stadt von 76.000 Einwohnern, setzten die Kohlenbergbauspezialistan ihre Heise zum Studium der amerikanischen Bergbaumethoden in diesem Gebiet fort, wo die Arbeitsmethoden denen des
Ruhrgebietes aehnlich sind, weil die Schraege oder des Gefaelle
der Kohlenadern aehnlich sind wie jene im Ruhrgebiet.
Informationsbuero der ECA
V/£2/51
EKUADOR PLANT MODERNISIERUNG DER BERGBAUINDUSTRIE;
In der Provinz Canar in Ekuador wird seit einiger Zeit in
sehr kleinem Umfang Kohle abgebaut. Zur Zeit werden in primitiven Arbeitsverfahren monatlich etwa 50 Tonnen Kohle zu Tage gefordert. Die Kohle wird von den Bergleuten auf dem Ruecken
nach oben getragen. Bei Verwirklichung der gemachten Vorschlaega koennte die Produktion auf 4.000 Tonnen monatlich gesteigert
werden, eine Tat38Che, die auf die kooperativen Bemuehungen ausländischer und einheimischer Fachleute im Rahmen des technisehen Unterstuetzungsprogramms der Vereinigten Staaten ein ausgezeichnetes Licht wirft.
1950 wurde von einem Ingenieur aus Ekuador ein vorlaeufiger
Bericht ueber diese Kohlevorkomruen verfasst. Die Regierung von
Ekuador ersuchte die Vereinten Nationen, ihr einen Experten zur
Verfuegung zu stellen, der bei weitern Studien behilflich sein
koennte. Thoma3 Fräser, ein Ingenieur fuer Kohleaufbereitung
im Bergbaubuero der Vereinigten Staaten, wurde auserwaehlt, dieses Problem in Zusaiamenarbeit mit Ingenieuren aus Ekuador zu
studieren.
Fräser berichtete, dass die dortige Kohle zwar nicht von
hoher Qualitaet und, ohne brikettiert zu werden, wohl kaum als
Hausbrand zu verwenden sei, dass sie sich jedoch wahrscheinlich
fuer die Reizung von Dampfkesseln, fuer die Zement-, Ziegelsteinund Ziegelherstellung und als Treibstoff fuer Lokomotiven verwenden iiesse. Die Ingenieurgruppe stellte genuesrend Kohlereserven fest, die den "voraussichtlichen Bedarf der ekuadorianischen Industrie decken koennten.
Freier arbaitetj daraufhin zusammen mit ekuadoriaJ ischen
Ingenieuren einen Plan zur Modernisierung von zwei Bergwerken
aus, die eins maximale Produktionskapazitast von je 8.0C0 Tonnen
im Monat haben koennten. Die Gruben sollen mit einfachen Vorrichtungen zum Transport der Kohle in Handwagen, zur Ventilierung
der Schlechte und zur Steigerung der Produktionsleistung jedes
einzelnen Bergmannes ausgestattet werden.
- 16 -

an» u J«D a

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierang der Vereinigten Staaten
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17-23

Frankfurt,

8. J u n i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Paul Styles:
Die Bedeutung des TarifVerhandlungswesens -

1

Leon «Touhaux, Vorsitzender der Force
Ouvrie^re:
Freie Gewerkschaften in Frankreich - - - -

3

Amerikanische Gewerkschaftsbewegung und
internationale Angelegenheiten - - - - -

11

Die asiatische Regionalorganisation des
IBFG gegruendet
- - - - - - - - - - - - 1 4

Paul Styles:
DIE BEDEUTUNG DES TARIFVhRHANDLUNSWESENS
Es gibt im ganzen vier Methoden, um Arbeitsbedingungen festzulegen:
1) Sie koennen von dem Unternehmer bestimmt werden;
2) Sie koennen von der Gewerkschaft vorgeschrieben werden;
3) Sie koennen durch Erlass der Regierung angeordnet
werden und koennen
4) auf dem Tarifverhandlungsweg geregelt werden.
Die Geschichte hat gezeigt, dass die beiden ersten Methoden,
die eine absolut einseitige llandlungsvolliecht seitens der Unter- 1-

�nehmer oder der Gewerkschaften voraussetzen, mit dem System der
freien Wirtschaft unvereinbar sind.
Die dritte Moeglichkeit, bei der die Regierung die Arbeitsbedingungen in allen Einzelheiten vorschreibt, unter denen Unternehmer und freie Arbeiter arbeiten sollen, bildet gerade jetzt
Gegenstand lebhafter Diskussionen. Sollen wir in unserem eigenen Lande gerade diejenigen Massnahmen gutheissen, die wir in
anderen Laendern verabscheuen, und damit jenen Kraeften einer
zentralisierten Regierungskontrolle Vorschub leisten, denen
wir ueberell auf der Welt feindlich gegenuebergestellt sind?
Auch die vierte Moeglichkeit, naemlich das Tarif verhandlungsverfahren zwischen den gewaehlten Vertretern der Unternehmer
und der freien Gewerkschaften, mag wohl ein System sein, das
nicht vollkommen ist, aber es ist jedenfalls das beste System,
das von Leuten ausgearbeitet wurde, die auf die Erhaltung ihrer
Freiheiten bedacht sind.
Das TarifVerhandlungswesen entstand nicht erst vor 25 Jahren. Historiker stellten fest, dass die ersten Urs'pruenge dieser Methode in Amerika aus dem Jahre 1636 stammen. Die Leute,
die hierbei .eine Rolle spielten, waren sogenannte "verpflichtete"
Arbeiter und Fischer.
Sie kamen mit einem Agenten ihres Unternehmers Zusammen Und- versuchten, ihn zu bewegen, ihnen einen
Jahreslohn zu zahlen, den er nicht zahlen wollte. Schliesslich
verliessen die Leute in Massen ihre Arbeitsplaetze, was der
Agent des Unternehmers als "Meuterei" bezeichnete. Fuenf Jahre
spaeter beschwerte sich der gleiche Agent des Unternehmers darueber, dass seine Arbeiter die Arbeit an einem Nachmittag niedergelegt hatten, um gegen die unzureichende Verpflegung zu
protestieren. Dies waren wahrscheinlich die ersten Versuche,
mit dem Unternehmer "TarifVerhandlungen" durchzufuehren, die
Arbeiter in Amerika unternahmen. Erst 150 Jahre spaeter jedoch
entstand die erste Gewerkschaft, die mit den heutigen Organisationen eine wirkliche Aehnlichkeit aufweist.
Das Auftreten von ArbeitnehmerOrganisationen, die das
Ziel hatten, auf kollektiver Basis ihre. Tarifvertraege zu verhandeln und zwar zu einer Zeit, in der sich die Demokratie gerade im Aufstieg befand, ist keineswegs als einer jener Zufaelle
der Geschichte anzusehen. TarifVerhandlungen sind lediglich
eine der Begleiterscheinungen der demokratischen Idee. Eigentlich sind sie ein Mittel, um die Demokratie in die Fabriken und
Werkstaetten zu bringen.
In dem Arbeitsgesetz von 1935, das unter dem Namen WagnerGesetz besser bekannt ist, hat der Kongress die Bedeutung der
TarifVerhandlung in einer demokratischen Staatsordnung in klarer Form zum Ausdruck gebracht. In dem Gesetz heisst es:
"Die ungleiche Verteilung der Machtbefugnisse zwischen
Arbeitnehmern, die nicht volle Vereinigungs- und Vertragsfreiheit
besitzen, und Arbeitgebern, die in einer Gesellschaft oder in
einer anderen Form der Besitzvereinigung zusammengeschlossen
sind, belastet und behindert die Wirtschaft und traegt dazu
bei, Wirtschaftsdepressionen noch zu erschweren, indem sie die
Lohntarife und die Kaufkraft der Lohnempfaenger in der Industrie
beeintraechtigt und eine Stabilisierung konkurrierender Lohntarife und Arbeitsbedingungen innerhalb der Industrie erschwert.
"Die Erfahrung hat gelehrt, dass der gesetzliche Schutz
des Vereinigungs- und Vertragsrechtes- der Arbeitnehmer den Wirtschaf tsprozess vor Schaeden oder Unterbrechungen bewahrt und
2 -

�die Handelstaetigkeit durch die Beseitigung gewisser anerkannter Ursachen industrieller Streitigkeiten und Unruhen foerdert
und zwar dadurch, dass Methoden gefunden werden, durch die
eine Beilegung industrieller Streitigkeiten, die sich aus den
Verschiedenheiten in Loehnen, Arbeitszeit oder anderen Arbeitsbedingungen ergeben, auf friedlichem Wege verwirklicht werden
kann; damit sind die Machtbefugnisse bei Tarifverhandlungen
gleichermassen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber verteilt."
Auf dieses Gesetz gruendet sich noch immer die Arbeitspolitik der Vereinigten Staaten. Als der Kongress im Jahre 1947
das Gesetz fuer Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen revidierte,
sahen die Gesetzgeber keinen Grund, irgendein Wort in diesem
Text abzuaendern. Ueber jeden Zweifel hinaus haben die Ereignisse die Richtigkeit und Gueltigkeit desselben unter Beweis
gestellt.
Die Verpflichtung fuer Arbeitgeber und Gewerkschaften,
TarifVerhandlungen nach bestem Wissen und Gewissen zu fuehren,
und der Wortlaut des eben genannten Gesetzes bilden die Grundlage fuer das Leitmotiv der Regierung und des Tarifverhandlungswesens.
Das Wesen und die Ursachen eines.Notstandes weisen erst
recht auf die Notwendigkeit hin, die Grundsaetze des Tarifverhandlungswesens zu staerken.
Tarifverhandlungen sind die beste Loesung fuer das Problem
der Arbeitsbedingungen. Bevor Arbeitgeber oder Gewerkschaften
zu ihrem eigenen unmittelbaren Vorteil sich entscheiden, irgendeinen anderen Weg zu gehen, der .die TarifVerhandlungen ersetzen
soll, moegen sie daran denken, dass Industrie und Gewerkschaften nicht nur mehr Freiheit geniessen, sondern auch produktiver
wirken koennen, wenn sie unter gemeinsam vereinbarten Bedingungen anstatt unter Bedingungen, die von der Regierung vorgeschrieben sind, zusammenarbeiten.
Es ist wahr, dass sich Notstands- und Stabilisierungsmassnahmen auf das TarifVerhandlungswesen auswirken. Doch gerade
hierin liegt der Kern de'r Aufgabe. Arbeitgeber und Gewerkschaften muessen sich, um ihre gemeinsame Staerke zu erhalten und zu
vergroessern, auf dem Verhandlungsweg ueber die vorzunehmenden
Aenderungen einig werden. Kurz gesagt, die TarifVerhandlung
muss auf die Dauer das Werkzeug zur dauerhaften Formulierung
und Verbesserung der Tarifverhandlungsmethoden sein. Anders
zu handeln wuerde bedeuten, die Erfahrungen der Geschichte ausser
acht zu lassen und eines Tages in dem grossen Ringen zu unterliegen.
The Machinist
V/17/51
Leon Jouhaux, Vorsitzender der "Force Ouvriere":
FREIE GEWERKSCHAFTEN IN FRANKREICH
Fuenf Funktionaere^des Allgemeinen Franzoesischen Gewerkschaftsbundes CGT (Confederation Generale du Travail) ueberreichten am Nachmittag des 19. Dezember 1947 dem Zweiten Generalsekretaer^des CGT, Benoit Frechon, ihre Austrittserklaerung. Es
waren Leon Jouhaux, der Verfasser dieses Artikels, der seit 1909
- 3-

�Generalsekretaer des CGT war, ferner die drei Sekretaere Robert
Botherau, Georges Delamarre und Albert Bouzanquet und der
Kauptkassierer Pierre Neumeyer.
Dieser Schritt war kurz zuvor auf einer Landeskonferenz
beschlossen worden, zu der sich aktive franzoesische Gewerkschafter unter der Schirmherrschaft der Gewerkschaftszeitung
"Force üuvriäre" zusammengefunden hatten. Diese Zeitung war
aus der Untergrund-Veroeffentlichung "Resistance Ouvriere"
entstanden, die die Verteidigung der Freiheit und der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit auf ihre Fahne geschrieben hatte.
Diese Lossagung vom CGT, die die zweite dieser Art seit
dessen Wiedervereinigung im Jahre 1935 war, kam keineswegs unerwartet. Sie war seit sechs Monaten unvermeidlich geworden,
nachdem die kommunistische Partei aufgehoert hatte, eine der
Mehrheitsparteien der Regierung zu sein. Das bedeutet jedoch
nicht, dass die tiefverwurzelten Ursachen zu dieser Handlung
nicht schon vorher bestanden haetten. Ausgeloest wurde sie
dadurch, dass die Mehrheitsmitglieder des CGT zu diesem ZeitDunkt von der Verpflichtung befreit wurden, wie bisher zumindest nach aussen hin die Rechte der Minderheit zu respektieren.
Es muss gesagt werden, dass die angebliche gewerkschaftliche Einheit, die im Jahre 1935 in Toulouse auf Grund der Charta
von Amiens hergestellt wurde, in der die Unabhaengigkeit der
Gewerkschaftsbewegung von allen philosophischen Lehren, allen
religioesen Ueberzeugungen und politischen Parteien proklamiert
wird, nichts weiter als eine leere Phrase war, und die Mehrheit
des CGT, die zum grossen Teil der kommunistischen Partei angehoerte, war nicht aufrichtig, als sie sich zum Prinzip der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit bekannte. Vier Jahre spaeter
bedeutete der Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes fuer die Organisation eine schwere Belastung. ß ie kommunistischen Gewerkschafter erklaerten sich nach einigem Zoegern mit der Politik
des Kreml einverstanden. Die darauf folgende Beteiligung der
Sowjetunion an dem Kampf gegen Nazismus und Faschismus sowie
die Notwendigkeit, sich den Eindringlingen zu widersetzen, fuehrten natuerlich zur Wiedergeburt eines CGT, die sich erneut nach
dem Grundsatz der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit zusammenschloss i
Nach dem Krieg erkannten wachsame franzoesische Gewerkschafter, die sich nicht von dem Licht, das aus Moskau kam, hatten blenden lassen, dass ebenso wie im Jahre 1935 die Ware
nicht Voellig ihrer Bezeichnung entsprach, und dass fuer Kommunisten praktisch die Unabhaengigkeit mehr dem Schein nach als
in 7/irklichkeit bestand. Die nichtkommunistischen Arbeiter hatten nicht das Verlangen, Strohpuppen zu sein, die von Kraeften
dirigiert werden, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung
stehen. Diese freiheitsliebenden Arbeiter scharten sich um
eine kleine, von Gewerkschaftern veroeffentlichte Zeitung, die
sich nie durch jene falsche "Einheit" hatte irrefuehren lassen.
Monatelang hatte diese Gruppe alles Moegliche versucht, um die
Situation zu klaeren. Dann berief sie eine nationale Konferenz
der "Force Ouvriere" ein, die kurz als FO bezeichnet wird. Diese erste nationale Konferenz der FO fand nur sechs Wochen vor
dem Bruch mit dem CGT statt.
Auf dieser ersten Konferenz, die am 7. und 8. November
1947 zusammentrat, zog man noch nicht eine Trennung vom CGT in
Erwaegung. Man beschloss lediglich, sich innerhalb des CGT
_ 4-

�energisch dafuer einzusetzen, eine Beherrschung der Organisation
durch eine oolitische Partei zu vermeiden. Auf der Konferenz
der FO wurde eine geheime Abstimmung innerhalb der CGT und eine
verhaeltnisgleiche Vertretung der in dieser Abstimmung gezeigten Tendenzen gefordert.
Dieser Standpunkt wurde auch auf der Konferenz des Nationalkomitees des CGT vertreten, das wenige Tage spaeter, naemlich am 12. und 13. November, zusammentrat. Wie ich in der
Ausgabe der "Force Ouvridre" vom 1. Januar 1948 erklaerte, wurden "diese Gedanken von der Mehrheit der Delegierten des Nationalkomitees des CGT nicht gebilligt."
"War man wirklich der Ansicht," so fuhr ich fort, "dass
in einer so schwierigen Lage, in der sich unser Land heute befindet und in der die Entscheidungen einer zentralen Gewerkschaftsorganisation einer gruendlichen und fachgemaessen Ueberpruefung
der Situation beduerfen, um die Interessen der Arbeiter zu wahren, wir uns damit einverstanden erklaeren koennten, bei allen
unseren Handlungen eine vorgeschriebene Linie zu befolgen, die
uns zum Teil von unverantwortlichen, nichtorganisierten Elementen und selbst solchen Leuten aufgezwungen worden waere, die mit
der Nuetzlichkeit der gewerkschaftlichen Organisation entweder
nicht vertraut sind oder sie sogar anzweifeln?"
"Offen gesagt, wir warnten den Nationalausschuss vor einer
solchen Entscheidung. Trotzdem wurde sie jedoch von der Mehrheit
der kommunistischen Delegierten getroffen."
Durch Streikbefehle ueberstuerzten sich die Ereignisse.
Obwohl beschlossen war, Streikvorschlaege auf der Konferenz des
Nationalkomitees des CGT zu eroertern, die fuer den 19. Dezember anberaumt war, kam es fast augenblicklich zu Streikausbrueohen. Seltsamerweise fielen sie zeitlich mit der Aussenministerkonferenz d®r Grossen Vier in London und der Tagung des amerikanischen Kongresses zusammen, auf der ueber die Erweiterung
der wirtschaftlichen Hilfe fuer Europa entschieden werden sollte. Wie wir damals schrieben, wurden die Streiks im Interesse
einer politischen Partei und zwar der kommunistischen Partei
gefuehrt, die damit die Konferenz in London beeinflussen wollte.
Dies wurde umso offensichtlicher, nachdem der CGT am 26.
November um eine Unterredung mit dem Arbeitsminister nachgesucht hatte, in deren Verlauf ihm die Forderungen der Gewerkschaft unterbreitet werden sollten. Die Regierung erklaerte
sich am folgenden Tage mit einer Lohnerhoehung um monatlich
1.500 Francs einverstanden, die allen Lohnempfaengern in der Privatindustrie und im oeffentlichen Dienst gewaehrt werden sollte.
Ausserdem war eine Erhoehung der Familienbeihilfen und eine
UeberDruefung der allgemeinen Arbeitslage in Bezug auf Loehne,
Preise und Waehrungskurse genehmigt worden.
Diese Konzessionen konnten natuerlich nicht den Beduerfnissen der Arbeiterklasse in vollem Umfang gerecht werden, und
wir brachten die^ in aller Oeffentlichkeit der% Regierung zum
Ausdruck. Gleichzeitig lehnten wir jedoch ungerechtfertigte
Einschraenkungsmassnahmen ab. Wir waren aber der Ansicht^ dass
die Verhandlungen fortgefuehrt werden muessten, und dass "eine
Verallgemeinerung der Streikmethode den Weg zu einem Abenteuer
ebnen wuerde, fuer das kein aufrichtiger Gewerkschafter die Verantworung uebernehmen koennte."
- 5-

�Jedesmal, wenn Gewerkschafter nach demokratischen Verfahrensregeln zu Rate gezogen wurden, lehnte die Mehrheit von ihnen
eine extreme Handlungsweise ab. Das Streikkomitee dagegen, das
weit eher darauf bedacht war dem Kominform statt den Interessen
der franzoesischsn Arbeiter zu dienen, forderte unter Missachtung aller demokratischen Regeln die Streikenden auf, nicht
nachzugeben. Der Befehl zum Generalstreik wurde erteilt. Er
wurde nur in sehr begrenztem Umfang ausgefuehrt, aber es kam zu
Sabotageakten und Ausschreitungen. Die Oeffentlichkeit sah der
Angelegenheit mit gemischten Gefuehlen entgegen. Unter der Arbeiterklasse waren bereits klare Anzeichen der Verwirrung und Uneinigkeit zu erkennen.
Wir bemuehten uns um eine Fortsetzung der Verhandlungen mit
der Regierung, brachten aber gleichzeitig unsere unerschuetterliche Einstellung den Ausnahmegesetzen gegenueber zum Ausdruck.
Es wurden uns Verbesserungen gewaehrt, die gegenueber den Vorschlaegen der Regierung nicht unwesentlich waren. Trotz der
Aufschneidereien und Luegen des Nationalen Streikkomitees wurde
es am 9. Dezember notwendig, den Befehl zu einem ^taktischen
Rueckzug" zu geben. Die Arbeiter, die gestreikt hatten, nahmen
die Arbeit unter den gleichen Bedingungen wieder auf, die ihnen
bereits am 30. November angeboten, von ihren Vertretern jedoch
abgelehnt worden waren.
Die Probe hatte .ein Ende, aber der Schaden war angerichtet.
Die Gewerkschaftsbewegung kam aus diesem Abenteuer geschlagen
heraus. Die Arbeiter desertierten zu Tausenden aus den Reihen
des CGT. Damit bekundeten sie, dass sie Methoden ablehnten,
die mit ihren Interessen und ihrer Wuerde unvereinbar waren".
Denjenigen, die wir aufforderten, unserer Organisation beizutreten, haben wir immer erklaert, dass sie selbst ueber die
Massnahmen entscheiden wuerden, die ihre Gewerkschaften zur
Unterstuetzung ihrer gerechten Forderungen ergreifen wuerden.
Und wir haben immer wieder betont, dass kein Arbeiter blindlings Entscheidungen akzeptieren kann, ueber die er- und seine
eigene Gewerkschaft keine Kontrolle haben. Es war fuef die Arbeiterschaft notwendig, sich ihrer Ziele bewusst zu werden.
Aus diesem Grunde hielt die Force Ouvriere am 18. und 19. Dezember 1947 eine Konferenz ab.
Demokratische Gewerkschafter kamen zusammen, um in ueberzeuge-nder Form den Missbrauch, der mit ihnen und ihren Gesinnungsgenossen getrieben wurde, am"zudecken, zugleich aber auch
.die Verfolgungen zu zeigen, denen sie ausgesetzt waren. Sie
forderten, dass eine Politik abgelehnt wird, die es der politischen Partei einer fremden Macht erlaubt, die Entscheidungen
der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung selbstaendig zu treffen.
Die Delegierten beschlossen daraufhin, eine von demokratischem Geis-t beseelte Gewerkschaftsorganisation neu zu errichten,
den der CGT in der franzoesischen Arbeiterklasse so viele
Jahre lang geoflegt hatte, indem sie auf das herrliche Gebaeude in der Rue Lafayette, das mit den Beitraegen der Arbeiter gebaut worden war, und 'auch auf die Tageszeitung "Le Peunle" verzichteten, die von ihnen gegruendet und dank ihrer Bemuehungen
zu einem Organ groesster Bedeutung geworden wa^.
Im Bewusstsein ihrer Pflicht und ihrer Loyalitaet zum Freiheitsgedanken gruendeten sie die »»Force Ouvriären.
6 -

�Zwei wichtige Grundsaetze schwebten den Gewerkschaftern
vor, die beschlossen hatten, eine neue franzoesische zentrale
Gewerkschafts Organisation in3 Leben zu rufen: Die Respektierung der Demokratie' innerhalb der Organisation und die absolute Unabhaengigkeit der Gewerkschaft von allen politischen oder
klerikalen Kraeften sollte der Grundsatz dieser Organisation
sein. Durch diese beiden Grundsaetze wurde die Force Ouvriere
zur einzigen Gewerkschaftsorganisation, deren Haltung mit der
traditionellen Einstellung der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung voellig identisch war.
Der CGT dagegen hielt weiterhin an seiner Politik fest,
s;Lch bedingungslos den Argumenten und der Haltung des Kominform
"anzupassen. Die Franzoesische Foederation Christlicher Arbeiter
(Confederation Francaise des Travailleurs Chretiens) - (CFTC)
bestaetigte erneut/ganz im Sinne ihres Namens (was jedoch in
keiner Weise an ihrer demokratischen Grundeinstellung etwas
aendert), dass ihre Bestrebungen im Sinne der christlichen Lehre, d.h. um es genauer zu sagen, im Sinne des Programms des sozialen Katholizismus liegen.
Es eruebrigt sich, festzustellen, dass die Gruendung der
Force Ouvriere ueberall in der Arbeiterklasse groesstes Interesse erweckte. In allen Departements Frankreichs wurden ausnahmalos neue Gewerkschaften der FO sofort ins Leben gerufen.
Landesorganisationen, wie z.B. die Landesorganisation der Lehrer, beschlossen, ihre Selbstaendigkeit zu bewahren, aber sie
brachten durch ihren Austritt aus dem CGT eindeutig zum Ausdruck, dass sie den Entschluss der Force Ouvriere billigten und
die Argumente dieser Organisation auch die ihren waren.
Die formelle Errichtung der Force Ouvriere war ein nicht
wieder gutzumachender Schlag fuer die Diktatur, die die kommunistische Partei der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung durch
Gewerkschafter aufzuerlegen versuchte, die den kommunistischen
Anordnungen Folge leisteten.
Zweifellos wird der CGT auch weiterhin in der Lage sein,
behaupten zu koennen, dass er die zentrale Gewerkschaftsorganisation mit der groessten Mitgliederzahl ist. Ueber seine Werbemethoden und seine Beitragserhebung koennte sehr viel gesagt
werden.
Auf jeden Fall ist es in den vergangenen drei Jahren klar
geworden, dass der CGT nur einen Bruchteil der franzoesischen
Arbeiterklasse repraesentiert. Ein Journalist einer Gewerkschaftszeitung konnte im April 1951 auf Grund eigener Beobachtungen und unwiderlegbarer Tatsachen folgendes schreiben:
"Wenn ein Streikbefehl gegeben werden soll, muss er von
der Force Ouvriere erlassen und gebilligt werden. In einem Unternehmen, in dem der CGTK - eine heut weit verbreitete Bezeichnung fuer den CGT, die dessen Gefolgstreue zum Kominform zum
Ausdruck bringen soll - zehnmal staerker ist als die Force
Ouvriere, wird ein Streikbefehl der CGT niemals von mehr als
einem Drittel der Belegschaftsmitglieder, die dem CGT angehoeren, befolgt werden. Dagegen wird ein Streikbefehl der Forde
Ouvriere von der Mehrheit der Belegschaft befolgt."
Die Gruendung der Force Ouvriere entsprach auf gewerkschaftlichem Gebiet einer wirklich historischen Notwendigkeit. Sie
stellt eine Verbindung her zwischen der Gewerkschaftsbewegung von
heute und der aus dem Ende des 19. Jahrhunderte und ueberhaupt mit
der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung aller Zeiten.
- 7-

�»

Wenn jedoch allgemeine Prinzipien fuer irgendeine soziale
Organisation notwendig sind, die in irgendeiner Weise deren
Daseinsberechtigung unterstreichen~tind ihre wesentlichen charakteristischen Merkmale bilden, muss ihnen auch in Form eines
entsprechenden Programms konkrete Gestalt verliehen werden.
Eine Gewerkschaftsbewegung kann sich nicht darauf beschraenken,
individuelle und beschraenkte Forderungen zu vertreten. Wir
sind der Auffassung, dass sie, um ihrer historischen Rolle wuerdig zu sein, es auf sich nehmen mus3, Veraenderungen in der Gesellschaftsstruktur zu bewirken.
Der franzoesische CGT hat, als ihm noch unsere Ideale vorschwebten, bewiesen, dass er sich seiner Verpflichtung eingedenk war, indem er im Jahre 1920 bereits den Gedanken einer Verstaatlichung der Industrie entwickelte. Dies wurde von den
sogenannten Revolutionaeren mit viel Laerm ins Laecherliche gesogen. Als der Wille der Arbeiter sie spaeter zwang, diese
Idee zu akzeptieren, taten sie es zwar, waren aber entschlossen,
sich die Verstaatlichung zur Verfolgung ihrer selbstsuechtigen
politischen Ziele zunutze zu machen, und nicht damit dem Wohle
der Nation zu dienen.
Dagegen erklaerten diejenigen, die die Force Ouvriere
gruendeten, bereits im Januar 1948, sie haetten die Absicht,
nach sorgfaeltiger Ueberpruefung der Wirtschaftslage alle berechtigten Forderungen zu unterstuetzen.
In der Ausgabe des offiziellen Organs der Force Ouvriere
vom 22. Januar 1948 wurde das Grfindungsmanifest der FO veroeffentlicht.
Dieses Manifest enthielt als Hauptpunkte die
folgenden vier: Stabilisierung, Marshall-Plan,° Produktionssteigerung durch Modernisierung und gerechte Einkommensverteilung. n
In einem Kommentar schrieb ich hierzu: "Wenn wir zuerst
die Stabilisierung erwaehnen, denken wir an die Kaufkraft der
Loehne, die um jeden Preis gehalten werden muss, indem wir uns
der schrecklichen Gefahr einer Inflation, die unser Land bedroht, widersetzen.
"Zu diesem Zwecke muss der arbeitende Teil unserer Bevoelkerung die Verantwortung fuer die ganze Nation, insbesondere
fuer die wirtschaftlich schwaecheren Elemente, Leute, die von
kleinen Renten leben muessen, usw. uebernehmen. Durch Stabilisierung der Wirtschaft und der Waehrung muss die tragische Spirale aufgehalten werden, die uns zum Bankrott und die Republik
in die Arme der brutalsten Reaktion fuehren koenr.te.
"Aber die Wirksamkeit einer derartigen Politik der oeffentlichen Y.'ohlfahrt koennte durch gesteigerte Produktionsbamuehungen gesichert werden. Gesteigerte Produktion haengt von der Verwirklichung der Ilodernisierungs- und Ausruestungsolaene ab.
Wenn wir das Ausruestungsmaterial unserer Industrie und Landwirtschaft nicht ueberholen und modernisieren,koennen wir unmoeglich auf einen Fortschritt hoffen.
n

Es kann jedoch keinen Monnet-Plan geben, ohne dass es
einen Plan fuer die amerikanische Hilfe fuer Europa gibt, denn
Modernisierung und Neuausruestung erfordern wirtschaftliche Hilfe und die Importierung all dessen, was in unserer Wirtschaft
fehlt - Rohstoffe, Maschinen, Fertigwaren und Erzeugnisse aller
Art, die uns nur jene amerikanische Hilfe bringen kann."
- 8-

�"Y.'enn wir eine gerechtere Verteilung des Nationaleinkommens fordern, so bleiben wir damit der alten grundlegenden Forderung der Gewerkschaftsbewegung treu. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit rechtfertigt das Bestehen der Gewerkschaftsbewegung .
"Wenn ein grosser Teil der Fruechte der Arbeit an nutzlosen "Punkten einer irrationellen Verteilung zwischen Hersteller
und Verbraucher festgehalten wird, so sind wir berechtigt,
eine gerechtere Verteilung des Gesamteinkommens durch die Beseitigung parasitenaehnlicher Taetigkeiten, und besonders die
der ueberflue3sigen Mittelsleute, zu fordern. Im Jahre 1948
jedoch ist es in einem Staat, der durch zwei Weltkriege verarmt und au^gesogjn ist, nicht moeglich, allein durch die Reform jener Gesetze,, die die Verteilung des durch die Arbeit
des Volkes geschaffenen Wohlstandes regeln, diese sozialen
Probleme zu loesen. Das Einkommen, das zur Verteilung bereitsteht, muss vergroessert werden.
"Das Nationaleinkommen muss deshalb nicht nur auf die
bestmoegliche Art und V/eise verteilt werden, sondern es muss
auch bedeutend vermehrt werden, um den ungeheuren Anforderungen unserer Tage und unseres Zeitalters gerecht werden zu
koennen. Deshalb muss die Modernisierung und Ausruestung der
Betriebe von einer rationell eingestellten GewerkschaftsOrganisation unterstuetzt werden, die nach immer groesserer Produktivitaet strebt.
Wir haben niemals daran gedacht, den Glauben an jenes Programm aufzugeben. Bei all unseren Handlungen hatten wir den
Leitsatz vor Augen: Kampf gegen eine katastrophale Inflation
durch eine Senkung oder zumindest eine Stabilisierung der Preise, Steigerung und Rationalisierung der Produktion und gleichmaessigere Verteilung der Produkte der nationalen Arbeit. Vor
allem die beiden letzten Faktoren waren es, die uns veranlasst
haben, dieses Programm zu unterstuetzen.
Wenn wir uns zum Beispiel1 fuer ein Programm der sozialen
Sicherheit einsetzen, wenn wir nicht nur dessen Fortsetzung
fordern, sondern auch seine Verallgemeinerung vorschlagen, dann
handeln wir im Sinne einer gerechteren Verteilung des nationalen Einkommens. Wenn wir dem Schuman-Plan unsere Unterstuetzung
zusagen, dann tun wir damit weiter nichts, als dass wir in
Europa die Verwirklichung unseres Grundsatzes der Steigerung
der Produktion durch wohlueberlegte und koordinierte Verwendung
der Rohstoffe und hierbei der zwei grundlegenden Erzeugnisse,
naemlich Kohle und Stahl, foerdern.
Wir haben uns ebenfalls zugunsten einer internationalen
Organisation der Verteilung ausgesprochen, die den Zweck hat,
etwaigen durch einen Weltmangel an bestimmten Rohstoffen verursachten Schwierigkeiten in der Produktion zu begegnen.
In den letzten 3 1/2 Jahren war die Force Ouvriere die
einzige Gewerkschaft, deren Handlungen ausschliesslich von dem
Wunsche bestimmt waren, das Los der franzoesischen Arbeiter zu
bessern und eine gerechtere und freiere Gesellschaftsordnung
aufzubauen.
Das Jahr 1948 sah die Force Ouvriere im Kampf um die Erhaltung des Preisniveaus. Sie uebte zu diesem Zweck einen schweren Druck auf die Regierung aus. Es ist nun Zeit genug verflossen, um die Ergebnisse unserer Bemuehungen uebersehen zu
- 9-

�koennen. (Der Lebenshaltungskostenindex stand zu Anfang des
Monats Februar 1948 auf 1.520 gegen 100 Im Jahr 1938) . Er
erreichte im Juli 1948 die Zahl 1530. Das war natuerlich kein
Rueckgang, aber es bedeutete praktisch die Stabilisierung.
Im Monat Aoril 1948 fand der erste Kongress der Force
^
Ouvriere statt. Er trat in Paris in der "Salle de.la Mutualite"
zusammen. 1.435 Delegierte waren anwesend. Sie legten das
Programm der FO fest und waehlten ihre fuehrenden Organe.
Ich wurde zum Vorsitzenden und Robert Bothereau zum Generalsekretaer gewaehlt.
In der Rede, die ich auf dem Kongress hielt, und die bei den
Delegierten einstimmigen Beifall fand, erklaerte ich mich eindeutig zugunsten einer Vereinigung Europas, und seitdem hat
die Force Ouvriere unaufhoerlich den Kampf um den Frieden durch
die Vereinigung Europas und der Welt und durch eine wirksame
Solidaritaet der Voelker in Anerkennung der Grundsaetze der
Freiheit und der Achtung der Menschenwuerde gefuehrt.
1949 kaempften wir um die Wiedereinfuehrung der freien
Lohnverhandlungen in Form der Tarifabkommen. Seit dem Sommer
vergangenen Jahres hat sich die Regierung als unfaehig erwier
sen, die Preisstabilisierung zu erzwingen. Zu ihrer Verteidigung muss jedoch gesagt werden, dass das Parlament, ohne es zu
wagen, eine klare Haltung zugunsten des wirtschaftlichen Liberalismus einzunehmen, die Politik der Wirtschaftslenkung und
selbst die Politik einfacher Wirtschaftskontrollen abgelehnt
hat. Preise fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse, mit Ausnahme
des Preises fuer V/eizen, und Preise fuer Industrieerzeugnisse
waTen praktisch nicht kontrolliert, waehrend die Loehne auf
der anderen Seite durch ministeriellen Erlass gebunden blieben.
Die Arbeiterschaft hatte schwerwiegenden Konsequenzen dieser unterschiedlichen Behandlung zu tragen. Ein bezeichnendes
Sprichwort, das in dieser Zeit entstanden ist, heisst: "Preise
duerfen den Fahrstuhl benutzen, aber die Loehne werden von der
Regierung gezwungen, die Treppenstufen zu gehen."
Der Kampf um Gerechtigkeit dauerte lange. Dem Ziel, zur
Tarifverhandlung zurueckzukehren, das am ersten Jahrestag der
Gruendung der Force Ouvriere in einem Manifest niedergelegt wurde, war man am 27. Januar 1949 naehergekommen, und zwoelf Monate
spaeter, am 11. Februar 1950, wurde das Gesetz zur Aufhebung
des Lohnstops erlassen. Auch in den folgenden sechs Monaten
musste energisch gehandelt werden, um zu erreichen, dass am
23. August 1950 das Gesetz zur Festsetzung garantierter Mindestloehne erlassen wurde.
Das Hauptziel, das sich die Force Ouvriere fuer das Jahr
1950 gesteckt hatte, wuerde an 3ich schon ein eingehendes Studium erfordern, weil damit die Frage um die Erhaltung unseres
Sozialversicherungssystems verbunden ist. Unsere Organisation
setzte alle ihre Macht in diesem Kampfe ein. Wir beschaeftigten uns mit der Frage der Sozialversicherung bereits im CGT zu
einer Zeit, als dessen jetzige Fuehrer deren Grundsaetze und ihre
Verwirklichung ablehnten, und als die Verfechter des Kapitalismus
Angriffe gegen sie richteten, die sie immer wiederholt haben. Wir
wissen, dass dieser Kampf ein schwerer sein wird, aber wir sind
ueberzeugt, dass soziale Sicherheit und Verstaatlichung jene
Moeglichkeiten sind, die die franzoesische Arbeiterschaft zu ihrer
Befreiung fuehrte. Soziale Sicherheit gibt der Arbeiterklasse die
Moeglichkeit, Schwierigkeiten zu verringern, die Krankheit und
- 10 -

�hohes Alter mit sich bringen. Wir sind aus dem CGT ausgetreten,
um gegen die Vormundschaft einer politischen Partei zu protestieren j die sich einer fremden Nation verpflichtet hat, und um
die Unabhaengigkeit der Gewerkschaftsbewegung zu sichern. Wir
haben allen Grund, mit den bis jetzt erzielten Erfolgen zufrieden zu sein. Unsere Gewerkschaften in den Departements und
unsere Industrieverbaende sind voller Initiative. Sie umfassen
mehr als eine Million Lohnempfaenger und bilden die moralische
Basis des Kampfes, den die franzoesische Arbeiterklasse um
die Besserung ihrer materiellen Lage fuehrt.
Die Force Ouvriäre hat die Herrschaft der kommunistischen
Partei gebrochen. Seit der Gruendung unserer Organisation
schwand der Einfluss der Kommunisten unaufhoerlich. Diese Tatsache bildet eines der charakteristischen Merkmale der Jahre
1949, 1950 und 1951.
Wir werden unser Ziel jedoch nicht erreichen, wenn die
franzoesische Arbeiterklasse sich nicht erneut der beiden Wahrheiten eingedenk wird, dass es "keinen ueberirdischen Helfer
fuer sie gibt, und dass sich die Arbeiter selbst helfen muessen."
Mit unserer Beteiligung an der historischen Gruendung des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften haben wir uns
einen Anspruch auf einen Platz in dem weltweiten Ringen um Freiheit und Frieden erworben. Unsere bruederliche Zusammenarbeit
mit den anderen freien Gewerkschaftsbewegungen wird von Dauer
sein.
Wir von der Force Ouvriere werden der Auffassung unseres
grossen Jean Jauräs treu bleiben, der einmal erklaerte: "Mut
bedeutet, die Wahrheit zu suchen, und die Wahrheit zu sagen bedeutet, nicht der Herrschaft der Luege zu unterliegen."
The American Federationist
V/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG UND INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
"Warum soll sich meine Gewerkschaft um Probleme in Peru,
Indien oder Oesterreich kuemmern? Was geht es mich an, ob die
Lebenshaltungskosten in Paris steigen oder ob die Arbeitslosigkeit in Pakistan zurueckgeht?"
Dies sind die Einleitungsworte einer neuen Flugschrift
mit dem Titel "Der CIO und internationale Angelegenheiten", die
von dem sechs Millionen Mitglieder zaehlenden Kongress der Industrieverbaende veroeffentlicht wurde. Der Vorsitzende des
CIO, Philip Murray, gibt hierauf die Antwort:
"Ein Absinken der Loehne in Paris kann Arbeitslosigkeit in
Pittsburgh oder Detroit bedeuten. Antigewerkschaftliche Aktionen in Buenos Aires koennen in der gesamten Hemisphaere Reaktionen auslossen, die sich auch auf das amerikanische Volk auswirken koennten. Und jede kommunistische Infiltration oderAggression,
die sich immer zuerst gegen die Gewerkschaften richtet, kann zu
jeder Zeit zu einer Weltkrise fuehren.
Aber beschaeftigt sich der CIO mit internationalen Problemen lediglich aus Selbstinteresse? Lediglich, um seinen eigenen
- 11 -

�Mitgliedern ihr Brot und ihre Butter zu sichern? Bestimmt
nicht. Murray sagt hierzu: "Jede amerikanische Gewerkschaft
ist zugleich ein Symbol der Freundschaft und der Zusammenarbeit. Wenn Gewerkschaftsmitglieder nichtorganisierten Arbeitern in einem anderen Betrieb helfen, ihre eigene Ortsgswerkschaft zu errichten, so demonstrieren sie damit ihren Geist
der Kollegialitaet und der Freundschaft. Dieser Geist hat
unsere Gewerkschaften stark und lebensfaehig gemacht. Als demokratische Amerikaner koennen wir vieles tun, um unseren Arbeitskollegen in anderen Nationen zu helfen. Wir erfreuen uns
im aligemeinen eines hoeheren Lebensstandards als die Arbeiter
irgendeiner anderen Nation. Als Gewerkschafter, als Maenner
und Frauen, die um ein besseres Los der Menschheit ringen,
wuenschen wir zu helfen - wir wollen den weniger Beguenstigten
dabei helfen, in den Besitz jener Gueter zu kommet, mit denen
Gott unsere Erde gesegnet hat."
Der CIO ist nicht die einzige Gewerkschaft, die diesen
Wunsch zum Ausdruck gebracht hat. Er steht in enger Zusammenarbeit mit den acht Millionen Mitgliedern der AFL, mit denen
er gemeinsam fuer eine bessere Welt kaempft. Die Hilfe der
amerikanischen Gewerkschaften ist aber auch kein.Wohltaetigkeitsdienst. Philip Murray erklaert in diesem Zusammenhang:
"Durch den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
schaffen wir freundschaftliche und kooperative Arbeitsbeziehungen mit unseren Gewerkschaftskollegen in anderen Laendern.
Diese Beziehungen sind absolut produktiv. Gewerkschafter aus Uebersee
haben uns frueher einmal geholfen; ich vermute sogar, dass auch
wir ihnen helfen koennten. Wir haben ein grosses Selbstinteresse an diesen Angelegenheiten von weltweiter Bedeutung, denn
wir wissen, dass Kommunismus und Diktatur nur in dem Morast
wirtschaftlicher Not gedeihen koennen. Indem wir mit daran
taetig sind, die Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender aufzubauen und ihren Mitgliedern zu einem besseren Leben verhelfen,
zeigen wir, dass die echte Demokratie wirklich lebensfaehig
ist. Und wir beweisen damit, dass die Propaganda des Kreml,
in der Amerika als ein Land des Wall-Street-Imperialismus und
ausgebeuteter Sklaven hingestellt wird, nichts anderes als die
Fabrikation kommunistischer Luegen und Verleumdung ist."
Um seine Taetigkeit auf internationalem Gebiet wirksamer
zu gestalten, hat der CIO ein Internationales Komitee gebildet,, an dessen Spitze der Vorsitzende der Bekleidungsarblitergewerkschaft, Jacob S. Potofsky, steht. Dieses Komitee hilft,
auf der ganzen '.Veit Zweigstellen des IBFG aufzubauen, es sendet aber auch noch eigene Vertreter in die verschiedenen Gebiete. Victor Reuther, der Leiter des Bildungsreferats der Automobilarbeitergewerkschaft, ist z.B. der Leiter einer dreikoepfi^en Delegation in Europa.
Welche politischen Ziele verfolgt und unterstuetzt der CIO
in Angelegenheiten von weltweiter Bedeutung? Auf dem Kongress
des CIO im November vorigen Jahres wurde erklaert:
"Die Erringung eines dauernden Friedens ist das erste Ziel
aller Voelker der Welt. Der CIO unterstuetzt mit allen Mitteln
die Staerkung der demokratischen Kraefte in Amerika und auf der
ganzen Welt. Damit bemueht er sich, die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Grundlagen zu schaffen, auf denen der Friede aufgebaut werden kann."
Als die nordkoreanischen Marionetten Stalins im Juni 1950
in die Republik Korea eindrangen, verurteilte der CIO sofort
- 12 -

�diese Handlungsweise. Auf dem Kongress des CIO im November vorigen Jahres wurde erneut bestaetigt, dass der CIO die Vereinten
Nationen in ihrem Kampf gegen die kommunistische Aggression in
Korea mit allen Mitteln unterstuetzt. Der CIO bemerkte, dass
die neue Aggression der chinesischen Kommunisten die Gefahr fuer
den Frieden der Welt vergroes^ere. Nach dem Kongress begruesste
der CIO den vom Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung verfassten 3ericht"an Praesident Truman. Hierbei unterstuetzt er die Tatsache, dass sich Hunderte von Millionen Menschen gegen Armut und Ungerechtigkeit, gegen Imoerialismus und
Kolonialismus auflehnen. In diesem Bericht heisst es:
"Um dauernden Frieden, Sicherheit und Wohlergehen auf der
Welt zu erreichen, muessen wir gemeinsam eine wirtschaftliche
Offensive gegen Hunger, Armut, Analphabetentum und Krankheit
starten."
Als das Europaeische Wiederaufbauprogramm begonnen wurde,
haben CIO und alle anderen freien Gewerkschaftsgruppen diese
Arbeit unterstuetzt. Gleichzeitig wurde auf dem CIO-Kongress
eine bessere Verteilung der nationalen Einkommen in den MarshallPlan-Laendern gefordert. Seitens des CIO wurde erklaert:
"Wir fordern, dass in zunehmendem Masse solchen Massnahmen
Beachtung geschenkt wird, die direkt oder indirekt zu einer
Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter in solchen Laendern fuehren, die Marshall-Plan-Hilfsgelder erhalten, namentlich Italien, Frankreich und Westdeutschland, wo legislative
und wirtschaftliche Reformen kategorische Notwendigkeiten sind.
Sie sollen es dem arbeitenden Volk ermoeglichen, einen gerechteren Anteil an den aus den Wiederaufbaubemuehungen entstehenden
Gewinnen zu erhalten.
In der Flugschrift des CIO wird darauf hingewiesen, dass
viele amerikanische Gewerkschaftsdelegationen, die sich im Jahre
1950 in Europa aufhielten, scharfe Kritik daran uebten, dass
man es versaeumt hat, die durch die ECA entstandenen Gewinne
den einfachen Arbeitern zuzuleiten. Die amerikanischen Gewerkschafter haben unablaessig behauptet, dass der Lebensstandard
der Arbeiter seit Kriegsende nieht genuegend gesteigert wurde,
waehrend die Unternehmergewinne in einer Anzahl europaeischer
Laender ohne Unterbrechung in die Hoehe gingen.
'Der CIO hat Praesident Trumans Programm fuer wirtschaftliche und technische Unterstuetzung der unterentwickelten Gebiete
der Welt - als Punkt-Vier-Programm bekannt - staendig unterstuetzt und dabei folgende Forderungen gestellt:
"Im Rahmen des Punkt-Vier-Programms muessen auch die Arbeiter unterstuetzt werden, damit die technische Modernisierung der
Industrie mit der Modernisierung der Rechte der Arbeiterschaft
Hand in Hand geht. Der Mindestlohn, die Tarifverhandlung und
die gemeinsame Beilegung von Streitigkeiten muessen in der Liste
der Methoden, die unser Land nach diesen unterentwickelten Gebieten "exportiert", an erster Stelle stehen."
Indem er sich gegen jegliche Form der Diktatur wendet, sei
sie stalinistischer oder faschistischer Art, ist der CIO der
Auffassung, dass diese Unterstuetzung nur solchen Nationen zuteil werden soll, die "in dem Kampf um die Erhaltung und Verbreitung der Demokratie und der Freiheit wirkliche Hilfe leisten
koennen." Er lehnt Kredite fuer Franco-Soanien deshalb ab, weil
-

l

n

-

�dies einer Schwaechung der demokratischen Kraefte in Europa
und Asien gleichkommt. Der CIO billigt das militaerische Hilfsprogramm fuer die Freunde der Demokratie in Europa, um eine erfolgreiche Verteidigung der Demokratie gegen jegliche Aggression
Sowjetrusslands zu ermoeglichen.
Der CIO hat ausserdem gefordert, dass die Arbeiterschaft
noch mehr als bisher am aussenpolitischen Programm der Vereinigten Staaten beteiligt wird,, wozu auch die Vertretung der Gewerkschaften im Aussenministerium und anderen Regierungsbehoerden
gehoert, die sich mit der Aussenpolitik beschaeftigea. In diesem Zusammenhang hat der CIO erklaert:
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung verfuegt ueber
Nachrichtenwege und Beziehungen mit dem Ausland, die fuer die
erfolgreiche Durchfuehrung einer demokratischen amerikanischen
Aussenpolitik von grossem Wert sein koennen."
Sozialreferenten und Beamte fuer Arbeitsinformationen sind
in amerikanischen Botschaften auf der ganzen Welt beschaeftigt.
Auch zu den Personalstaeben der ECA in Europa gehoeren Experten
auf dem Gebiet der Arbeitsinformationen.
Durch seine Mitgliedschaft im 60 Millionen Mitglieder
starken Internationalen Bund Freier Gewerkschaften kaempft der
CIO auf weltweiter Basis um Brot, Frieden und Freiheit. Es
ist keine leichte Aufgabe. Die Freiheit muss stets schwer erkauft werden. Aber die Gewerkschaftsbewegung weiss, dass sie
das Salz des Lebens ist, das dem Brot und dem Frieden die
Wuerze gibt.
Program Services Section
V/18/51
DIE ASIATISCHE REGIONALORGANISATION'DES IBFG GEGRUENDET
Der IBFG hat vor kurzem eine neue Regionalorganisation fuer
Asien gegruendet. Auf einer historischen Konferenz in Karachi,
Pakistan, riefen Delegierte aus zwoelf asiatischen Laendern,
die nahezu zehn Millionen Arbeiter vertreten, diese neue Organisation ins Leben, um damit die freie Gewerkschaftsbewegung
zu foerdern.
Die Gewerkschaf ten #in Asien waren niemals so stark wie in
Westeuropa und Amerika. ' Man erwartet,- dass diese Konferenz
einen Wendepunkt in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung dieses Kontinents darstellen wird. Ihre Gruender prophezeien, dass
die Regionalorganisation eine Rolle von zunehmender Bedeutung
nicht nur im Kampf gegen den stalinistischen Imperialismus, sondern auch in den Bestrebungen zur Erhoehung des Lebensstandards
der asiatischen Bevoelkerung spielen wird.
Faiz Ahmed, der Delegierte aus Pakistan, nominierte den
72jaehrigen N. M. loshi zum Vorsitzenden der Konferenz. Joshi,
"der Vater der indischen und asiatischen Gewerkschaftsbewegung"
wurde einstimmig gewaehlt. Der Veteran der Arbeit dankte fuer
diese Ehre und erklaerte, dass die asiatischen Gewerkschaften
die Hilfe des IBFG brauchen und begruessen. Mit dessen Unterstuetzung koennten starke Gewerkschaften organisiert werden, die
sich erfolgreich fuer eine Verbesserung des Lebensstandards der
Arbeitermassen Asiens einsetzen koennten. Er sagte: "Wir brau- 14 -

�chen vor allem das Kapital und die technischen Erfahrungen, die
uns in Form des Colombo-Plans und des Punkt-Vier-Programms zur
Verfuegung gestellt werden. Die Aufgaben, die auf uns warten,
sind nicht nur sehr bedeutsam, sondern auch weitreichend und
aeusserst schwierig. Wir muessen unsere Bevoelkerung von dem
Joch der Arbeitslosigkeit befreien, und indem wir diesem grossen
Gebiet zu industriellem Fortschritt verhelfen, muessen wir ein
Gleichgewicht unserer Taetigkeit auf landwirtschaftlichem und
industriellem Gebiet herstellen."
De Mungat, der Repraesentant des I3FG fuer Asien, verlas
einen Bericht des Generalsekretaers J. H. Oldenbroek. Mungat
erklaerte, dass der IBFG Regionalorganisationen organisiert habe,
um die verschiedenen Probleme der einzelnen Gebiete auf regionaler Basis loesen zu koennen. Die Selbstaendigkeit jeder einzelnen Regionalorganisation muesse mit der Notwendigkeit in Einklang gebracht werden, die zentralen Richtlinien und die weltweiten Bestimmungen zur Koordinierung der Taetigkeit- der neuen
demokratischen Gewerkschaftsinternationale zu beachten.
Er forderte vor allem die Einigkeit der Gewerkschaften
der freien Welt, die durch "Kraefte bedroht sind, die sich
durch krassen antidemokratischen Geist auszeichnen."
G. G. Metha von der sozialistischen Gewerkschafts-Foederation Hind Mazdoor Sabha in Indien bemerkte, dass zu viele Gewerkschaften in Asien gezwungen seien, die Anordnungen ihrer
Regierungen zu befolgen. Die Gewerkschaften muessten von den
Regierungen vollkommen unabhaengig sein. Er warnte den IBFG
davor, sich durch irrendeine Machtgruppe beeinflussen zu lassen.
Die Delegation der Gewerkschaftsorganisationen der Republik Korea forderte die asiatischen Gewerkschaften auf, die'
Tatsache anzuerkennen, dass die Kommunisten die Aggressoren in
ihrem Lande sind. Die Mitgliederorganisationen des IBFG muessten
sich weigern, irgendetwas zu unternehmen, was fuer die chinesischen Kommunisten von Vorteil sein koennte.
Irving 3rown, der Reoraesentant der AFL in Europa und Mitglied des Exekutivausschusses des IBFG, war ebenfalls zur Teilnahme an der Konferenz in Karachi eingeladen. Er versicherte
den Delegierten, dass der IBFG sich der ungeheuren Bedeutung
starker Gewerkschaften in ganz Asien bewusst sex und versprach
jede nur moegliche Unterstuetzung. Den Regionalorganisationen
wuerde ein groesstmoegliches Mass an Selbstaendigkeit gewaehrt
werden.
"Der IBFG will," so fuhr er fort, "die Gewerkschaftsbewegung von der Bevormundung durch totalitaere Politik und Diktatur
befreien. Wir befolgen den Grundsatz, dass kein Mensch
gezwungen werden kann, einen Weg zu verfolgen, der ihm von anderen vorgeschrieben ist. Der IBFG wird nicht versuchen,andere
zu zwingen, die Ideologie irgendeiner Partei oder Grunpe zu
uebernenmen."
Damit braohte Irving Brown klar zum Ausdruck, dass der
IBFG nicht von irgendeiner Ideologie, ausser der demokratischen,
beherrscht ist. Ihm gehoeren Gewerkschaften an, die sowohl sozialistisch sind als auch andere, die fuer die freie Wirtschaft
eintreten, ^r umfasst Katholiken, Protestanten, Moslems, Hindus und Angehoerige anderer Glaubensbekenntnisse.
- 15 -

�Am letzton Tag der Konferenz, dem 31. Mai, billigten die
Delegierten eine intSchliessung, in der den Vereinten Nationen
und dem Volk in Korea in dem Kampf gegen die kommunistische
Aggression jede nur^moegliche Unterstuetzung zugesagt wird.
Alle Delegierten, mit Ausnahme derjenigen der Indischen Gewerkschaftsorganisation Hind Mazdoor Sabha, stimmten fuer die Resolution, u.a. auch die Delegierten des indischen Gewerkschaftskongresses. In der Entschliessung wird festgestellt, dass das
freie Gewerkschaftstum die Grundlage der Demokratie ist, und
dass Kommunismus gleichbedeutend mit der Missachtung aller Rechte der Arbeiter ist.
Wenn das Volk in Korea seine Unabhaengigkeit an die totalitaeren Stalinisten verlieren wuerde, so waere hierin eine
schwere Niederlage fuer die Arbeiter und die Demokratie zu sehen.
Die Delegierten forderten alle Gewerkschaftsorganisationen auf,
entsprechende Massnahmen zu ergreifen, um die Resolution zu verwirklichen und den Vereinten Nationen zu helfen. Hierzu gehoere
auch der Boykott von Kriegsmateriallieferungen fuer die Angreifer. Die Hilfe, die die Gewerkschaften den suedkoreanischen
Streitkraeften und denen der Vereinten Nationen leisten koennten, muesse erweitert werden, heisst es abschliessend in der
Resolution.
Zuvor hatte die Konferenz eine Entschliessung gebilligt,
die sich gegen die koloniale 'Wirtschaft Asiens wendet. Die Welt
wird darin aufgefordert, mitzuhelfen, den Lebensstandard Asiens
auf ein anstaendiges Niveau zu bringen. Die Notwendigkeit einer
Landreform wird besonders hervorgehoben; auf diese Weise koenne
am besten der kommunistischen Gefahr begegnet werden.
Der Delegierte der freien chinesischen Gewerkschaften, die
sich nun auf Formosa befinden, war Liang Yung Chang. Er berichtet, dass die Arbeitsbedingungen auf dem chinesischen Festland
furchtbar schlecht seien; allein in Schanghai seien 150,000
Arbeiter erwerbslos und 50.000 waeren al3 Zwangsarbeiter nach
Sowjet-Russland und dessen SatellitensU aten geschickt worden.
Lian Yung Ghang fuehrte weiter aus, dass das Los der Arbeiter auf Formosa, obwohl diese Insel von Krieg bedroht sei, laufend verbessert wuerde. Ein Programm sei in die Wege geleitet
worden, das Unfall-, Alters-, Kranken- und Invalidenunterstuetzungen fuer die Arbeiter vorsehe.
Der chinesische Gewerkschaftsfuehrer beschuldigte die stalinistischen Eindringlinge, bei der Eroberung seines Landes die
Unabhaengigkeit
dar Gewerkschaften z.^rstoert zu haben. Demokratische Gewer;-schaftsfuehrer wurden ermordet, andere terrorisiert.
Er berichtete ferner, dass die Opposition gegen die Roten in
China staendig groesser wird und forderte jede nur moegliche Unterstuetzung fuer die dortige Untergrundbewegung.
Delegierte und Beobachter aus Ceylon, Indien, Korea, China,
Malaya, Pakistan, Thailand, Hongkong, Burma, Indonesien, Singapur und von den Philippinen waren zugegen. Es war die dritte
Regionalorganisation, die vom IBFG gesrruendet wurde. Die erste
war fuer Westeuropa und die zweite fuer die westliche Hemisphaere
in Mexiko ins Leben gerufen worden.. Die Errichtung aehnlichor
Organisationen fuer Afrika und den mittleren Osten ist geplant.
Program Services Section
VI/1/51
- 16 -

HICOC 15 Jun 51 11977 5i K

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 24

Frankfurt, 22, Juni 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europaeische Konferenz ueber "Produktivitaet und
Lebensstandard"
- - - - - - - - - - - - - -

1 .

Beziehungen zur Oeffentlicukeit

4

- - - - - - - -

Die Arbeiterschaft muss am wirtschaftlichen Aufstieg teilhaben
- - - - - - - - - - - - - Westeuropa nach drei Marshallplan-Jahren

- - -

9
10

Amerikanischer Experte Äussert sich zu Produktivitaetsproblemen - - - - - - - - - - - - - -

14

Jahreskonferenz der IAO ohne Russland - - - - -

15

EUROPAEISCHE KONFERENZ UEBER "PRODUKTIVITAET UND LEBENSSTANDARD"
Mehr als 175 Persoenlichkeiten aus dem industriellen und
gewerkschaftlichen Leben Westeuropas kamen im Juni in der historischen Abtei Royaumont in der Naehe von Paris zusammen, um
ueber die Beziehungen zwischen gesteigerter Produktionsleistung
und dem Lebensstandard der europaeischen Arbeiter zu diskutieren.
Auf einer dreitaegigen Konferenz aeusserten sich Unternehmer, Betriebsleiter, Arbeitsvorgesetzte und Gewerkschafter zu
diesem Thema. Technische Experten aus allen Sparten des industriellen Lebern brachten eindeutig zum Ausdruck, dass die Lebensbedingungen der meisten europaeischen Arbeiter und besonders derjenigen in Frankreich unter der durchschnittlichen Norm
liegen. Sie beschlossen, Methoden auszuarbeiten, um dieser Si- 1-

�tuation zu begegnen, die allgemein als gefaehrlicr. und ungerecht
bezeichnet wurde. Im Verlauf dieser Diskussionen wurden die
bereite gemachten Erfahrungen in Bezug auf Produktivitaets- und
Betriebsmethoden ausgetauscht.
Der Anlass zu dieser Konferenz war die 5. Internationale
Konferenz fuer Gozielprobleme der Arbeitsorganisationen, die
von dem franzoesischen Nationalen Ausschuss fuer Arbeitsorganisation in Zusammenarbeit mit der franzoesischen Vereinigung
zur Foerderung einer gesteigerten Produktionsleistung und dem
Internationalen Ausschuss fuer Betriebswissenschaftliche Organisation einberufen worden war. Den Vorsitz des franzoesischen
Ausschusses leitete Rolf Nordling.
Einen Hoehepunkt der Konferenz bildeten die Ansprachen amerikanischer Fachleute ueber Produktivitaetsfragen, die aus den
Reihen des amerikanischen Unternehmertums, der Gewerkschaften
und der Regierung kamen. Diese Sachverstaendigen tauschten mit
den europaeischen Konferenzteilnehmern ihre Erfahrungen aus, die
sie sich bei der Entwicklung des fortschrittlichen Wirtschaftssystems in den Vereinigten Staaten, eines hohen Produktivitaetsstandes, eines verbesserten Lebensstandards und einer starken
Gewerkschaftsbewegung angeeignet hatten.
Die Sprecher waren:
Robert Oliver, Berater fuer Arbeitsfragen der ECA in
Washington,
R. R. Zimmerman, Sonderberater des Leiters der_ Abteilung fuer technische Unterstuetzung in der ECA,
William Gomberg, der Leiter des technischen Referats
der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarb ^iter,
James M. Silberman, Sachbearbeiter im Arbeitsministerium
der Vereinigten Staaten und
Henry Nunn von der "Nunn-Bush"-Schuhfabrik.
M. Christa, Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft
"Fondeurs de France," berichtete von einem Programm zur Steigerung der Produktionsleistung in der franzoesischen Eisen- und
Stahlindustrie. * Er erklaerte, dass man auf Geratewohl zehn Betriabe ausgewaehlt habe, in denen mit diesem Programm begonnen
werden sollte, und die fuer die andern dann als Musterbeispiel
dienen sollten. Fuer die Unternehuer wuerden achttaegire Lehrgaenge.fuer Techniker sechswoechige und fuer Vorarbeiter vierwoechige Ausbildungskurse durchgefuehrt. In dem Betrieb wuerden je vier
oder fuenf Arbeiter zu Schulungsgrupp.en zusammengefasst und angeregt, selbst zu ueberlegen, wie man die Produktionsleistung steigern koenne. Die Loehne gingen im gleichen Verhaeltnis wie die
Produktionsleistung in die Hoehe.
Christa stellte klar heraus, dass nach seiner Auffassung die
wesentlichste Vorbedingung fuer ein durchfuehrbares Produktivitaetsprogramm die Aufgeschlossenheit der Arbeiter im Betrieb ist.
Die Produktionsleistung in den Vereinigten Staaten sei weniger
besseren Moeglichkeiten als vielmehr intensiver Arbeit, gutem
Willen und wissenschaftlichem Studium zu verdanken.
Rene Richards, der Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT - Force Ouvriere, erklaerte vor der Konferenz,
dass gemeinsame Bemuehungen der Unternehmer, Gewerkschaften und
Arbeiter zu einem besseren Lebensstandard fuehren koennten, und
- 2 -

�dass er in der Art, in der seine Gewerkschaft begonnen habe, am
Produktivitaetsprogramm mitzuarbeiten, einen guten Anfang konstruktiver Zusammenarbeit sehe.
Der Konferenz wohnten 140 Delegierte aus Frankreich bei.
Andere kamen aus Deutschland, Belgien, Spanien, Finnland,
Grossbritannien, Italien, Holland, Schweden und den Vereinigten
Staaten. Die meisten Delegationen setzten sich aus Vertretern
der Gewerkschaften und der Unternehmer zusammen.
V/aehrend das Hauptthema der Konferenz "Produktivitaet und
Lebensstandard" hiess , aeusserten- sich die Delegierten zu einer
Vielzahl von Problemen, die mit dem nationalen wirtschaftlichen
Wohlergehen in Zusammenhang stehen, wie z.B. Steuerwesen, Stabilitaet der Waehrung, Beschaeftigungslage, Betriebsrationalisierung, soziale Dienstleistungen, Produktionsnormung und Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Besonders interessant war fuer die meisten Delegierten ein
Bericht aus Schweden ueber soziale Probleme des Arbeitsmarktes.
Dieser Bericht, der von Lennard Cronquist, Gunnar Lindstrom
und Otto Nordenskiold verfasst war, zeip-te auf, dass 10% des
Nationaleinkommens Schwedens fuer soziale Dienstleistungen zum
Nutzen der Arbeiter verwendet werden. Die Arbeitsweise der
schwedischen V/irtschaft sei so organisiert, dass die Arbeiter
an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktionsleistung einen
entsprechenden Anteil haben.. Zu diesem Zweck, heisst es in
dem Bericht weiter, wuerden keine Vereinbarungen ueber Gewinnbeteiligung getroffen, sondern Tarifvertraege zwischen der Industrie und den Arbeitgebern abgeschlossen. Der Bericht weist
darauf hin, dass sich die Arbeiter in Schweden seit den dreissiger Jahren darueber im Klaren sind, dass eine Steigerung der
Produktion eine Vorbedingung fuer die fortlaufende Verbesserung
des Lebensstandards der Arbeiter ist, und- dass die Gewerkschaften Massnahmen zur Foerderung der Rationalisierung der Industrie
ergriffen haben.
Georges Villiers, der Vorsitzende des franzoesischen Arbeitgeberverbandes, erklaerte als Vorsitzender der Sonntagssitzung, er sei ueberzeugt, Frankreich haette viel von jenen
Laendern zu lernen, die sich eines hoeheren Lebensstandards
und eines hoeheren Produktivitaetsst^ndes erfreuten. "Der Lebensstandard der franzoesischen Arbeiter ist ungenuegend,"
sagte er, "und wir duerfen ihnen keine Luegen erzaehlen."
In einer Zusammenfassung der Themen, die auf der Konferenz
zur Debatte standen, fuehrte Nordling auf der Schlusssitzung am
Sonntag aus': "Eine allgemeine und laufende Verbesserung des
Lebensstandards ist nur aufgrund einer Erhoehung der Produktionsleistung moeglich. Leider ist die Mehrheit des franzoesischen Volkes noch nicht zu dieser Erkenntnis gekommen. Trotz
alledem muss die Produktionsleistung in Frankreich gesteigert
werden, und Unternehmer und Gewerkschaften muessen zur Zusammenarbeit aufgerufen werden, um dieses Ziel erreichen zu koennen."
Er schloss mit den Worten: "Die in verschiedenen Betrieben gebammelten Erfahrungen haben gelehrt, dass eine T,roduktionssteigerung ohne eine Beschleunigung der menschlichen Arbeit
moeglich ist, und dass sie durch eine gerechte Verteilung der
aus ihr resultierenden zusaetzlichen Gewinne an Verbraucher, Arbeiter und den Betrieb selbst gesichert werden kann.
ECA Labor Information
VI/8/51
- 3-

�Eine grosse Aufgabe fuer U.S. Gewerkschaften:
BEZIEHUNGEN ZUR OSFFENTLICKKEIT
Das heutige Zeitalter kann das Zeitalter der Pflege der&gt;
Beziehungen zur Oeffentlichkeit genannt werden. Mehrmals je
zuvor konkurrieren alle Arten von Organisationen, Einzelpersonen und Industrien um die Gunst der Oeffentlichkeit. Durch alle
moeglichen Mittel versuchen sie, .bei der Oeffentlichkeit ihre
Ideen, ihre Ziele oder auch ihre Erzeugnisse anzubringen.
Alle bemuehen sich in dem grossen Ringen, die Oeffentlichkeit auf ihre Seite zu bringen. Welche Ziele sie auch verfolgen
moegen, seien sie gute oder schlechte, sie wissen alle, das3 ~ie
keinen Erfolg haben koennen, wenn sie nicht so viel Leute wie
nur irgend moeglich fuer ihre Sache gewinnen koennen.
Natuerlich kann es sich auch die Gewerkschaftsbewegung
nicht leisten, auf diesem lebenswichtigen Gebiet hinter den an- ,
deren zurueckzustehen. Sie muss ihre Botschaft allen Buergern
uebermitteln, wenn sie Fortschritte erzielen und ihre Ziele erreichen will.
Die Lebensfaehigkeit der Gewerkschaftsbewegung, ihr Wachstum und ihre Zukunft haengen davon ab, ob sie sich das Wohlwollen und das Verstaendnis der Oeffentlichkeit sichern kann. Das
bedeutet fuer sie, unablaessig und kompromisslos auf erzieherischem Gebiet taetig zu sein.
Nur zu oft geben Zeitungen, Rundfunk, Redakteure und Kommentatoren der Oeffentlichkeit ein falsches Bild von der Gewerkschaftsbewegung. In grosser Aufmachung berichten sie von
Streiks und Ausschreitungen. Wenn irgendein einzelnes Mitglied
einer Gewerkschaft eine falsche Handlung begeht, berichten sie
hiervon in grossen Schlagzeilen. Jeder Missstand innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung, sei er auch noch so unbedeutend, wird erbarmungslos ans Licht der Oeffentlichkeit gezerrt.
Die guten Taten der Gewerkschaften werden dagegen zum
groessten Teil ignoriert. Wenn in ueber 90% aller Faelle die
Gewerkschaften auf friedlichem Wege Tarifvertraege mit ihren Arbeitgebern abschliessen, ohne dass auch nur eine einzige Arbeitsstunde verlorengeht, dann sieht die" Presse zumindest hierin
nichts besonderes.
Es ergibt sich hieraus fuer die Gewerkschaftsbewegung die
Notwendigkeit, diese Situation durch eine ununterbrochene Kampagne der Aufklaerung zu korrigieren, in der sie der Oeffentlichkeit zeigt, dass die Ziele der Gewerkschaften, ihr Kampf und
ihre Erfolge der Wohlfahrt des gesamten Volkes dienen.
Der Gewerkschaftsbewegung erwachsen somit auf dem Gebiet
der oeffentlichen Beziehungen grosse Aufgaben. Sie ist fuehrend
im Kampf zur Errichtung eines' freien oeffentlichen Schulwesens.
Sie bemueht sich an fuehrender Stelle um die Verbesserung des
Lebensstandards des Volkes. Sie leistet Pionierarbeit im Kamnf
gegen die sogenannten "Schwitzwerkstaetten"; sie kaempft in
erster Front um gleiche Moeglichkeiten des Aufstiegs fuer Alle,
ohne Rueck3icht auf Rasse, Religion oder Farbe.
Ihr ist es zum grossen Teil zuzuschreiben, dass Schutzgesetze verwirklicht wurden, die alle Arbeiter vor Ausbeutung
schuetzen, dass das Uebel der Kinderbeschaeftigung eingeschränkt
worden ist, dass die uebermaessig lange Arbeitszeit gekuerzt
- 4-

�und dass soziale Sicherheit fuer Millionen Amerikaner geschaffen werden konnte.
Diese Errungenschaften bilden den Grundstein der amerikanischen Lebensform, der von freien Arbeitern
in einem freien Wirtschaftssystem in Zusammenarbeit mit einsichtigen Arbeitgebern gelegt worden ist. Wir muessen unsere
Geschichte wieder und wieder erzaehlen. Es gibt viele Moeglichkeiten, sie vor die Oeffentlichkeit zu bringen, aber eine der
besten ist die Gewerkschaftsnadel, der gewerkschaftliche Betriebsausweis und das gewerkschaftliche Warenzeichen. Dies
sind Symbole des .gewerkschaftlichen Fortschritts, Wegweiser
und Leuchtfeuer auf der grossen Strasse der Gewerkschaftsbewegung. Es sind die Kittel, um der Oeffentlichkeit die Gewissheit zu geben, dass sie ^ualitaetswaren und -dienstleistungen
erhaelt, die von tuechtigen Fachleuten nach hohen amerikanischen Normen produziert werden.
Jeder Gewerkschafter muss alles in seiner Tracht Stehende
tun, um das Evangelium der Gewerkschaftsnadel, des gewerkschaftlichen Warenzeichens und des gewerkschaftlichen Betriebsausweises zu verbreiten. Wenn alle Mitglieder der Gewerkschaften,
ihre Familien und ihre Angehoerige bei ihren Einkaeufen nach
diesen drei Kennzeichen fragen, erweisen sie der gewerkschaftlichen Sache damit einen ungeheuren Dienst. Sie helfen dadurch,
ein grosses! neues Bollwerk zum Schutz des Tarifverhandlunp,swesens und bessere wirtschaftliche Bedingungen fuer alle zu schaffen. Das gewerkschaftliche Warenzeichen blickt auf eine ehrenvolle und denkwuerdige Geschichte zurueck. Es ist in Europa
bereits in den Gilden des Mittelalters zu finden, ja, vielleicht
sogar noch frueher. Die Gilden haben damals ihre Erzeugnisse
gestempelt, um vor der Oeffentlichkeit die ^ualitaet und den
Ruf ihrer Erzeugnisse zu garantieren. Diese Stempel sind die
ersten gewerkschaftlichen Warenzeichen der Vergangenheit.
Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen im amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL hat es sich zur Aufgabe gemacht,
den Beweis anzutreten, daas Millionen Gewerkschaftsmitglieder,
die sich der Bedeutung dieses Warenzeichens bewusst sind, wissen,
dass sie ihr Ziel erst zur Haelfte erreicht haben, wenn sie
hoehere Loehne durchgesetzt haben. Sie wissen, dass Milliarden
Dollars, die sie gemeinsam dank ihrer Gewerkschaft verdienen,
alljaehrlich fuer Waren und Dienstleistungen ausgegeben werden
muessen, die gewerkschaftlicher Herkunft sind.
Wenn wir beim Einkauf von Waren verlangen, dass diese
das gewerkschaftliche Warenzeichen tragen, duerfen wir nicht
vergessen, dass es ebenso wichtig ist, auf den gewerkschaftlichen Betriebsausweis oder die Gewerkschaftsnadel zu achten.
Diese drei Kennzeichen sind symbolisch fuer den hoechsten Grad
handwerklicher Tuechtigkeit und Solidaritaet; dies gilt sowohl
fuer Waren als auch fuer Dienstleistungen. Es sind die offiziellen Warenzeichen, die Waren und Dienstleistungen von hoher
Qualitaet auszeichnen, es sind zugleich die Warenzeichen der AFI,.
Heute machen die Kosten fuer die Verteilung von Erzeugnissen in vielen Faellen mehr als die Haelfte des Verbraucherpreises aus. Aus diesem Grunde hat diese Sparte der Wirtschaft
eine so grosse Bedeutung erlangt. Zu ihr gehoeren zahlreiche
Arbeitsgebiete, wie z.B. Tankstellen oder Weiterverarbeitung,
Herstellung und Verpackung, Transport und Gross- und Kleinhandel. Wenn wir auf gewerkschaftlichenDienstleistungen bestehen,
sichern wir die vorhandenen Arbeitsplaetze der organisierten Arbeiter und schaffen ausserdem eine staerkere Beschaeftigungs- 5 -

�moeglichkeit fuer Gewerkschaftsmitglieder. Auch in Bezug auf
hygienische Bedingungen in der Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln und Bekleidung ist das gewerkschaftliche Warenzeichen
fuer uns die beste Sicherheit.
Wenn Gewerkschaftsmitglieder den Wunsch haben, 3ich unserer «rossen Organisation anzuschliessen, koennen sie sich bei
den gewerkschaftlichen Verbrauchergenossenschaften einschreiben
lassen. Diese Genossenschaften sind direkt dem Referat fuer
gewerkschaftliche Warenzeichen der AFL angeschlossen.
Wir koennen den Bestand der amerikanischen Arbeitsnormen
nicht sichern, wenn wir nicht jene Waren- und Dienstleistungen
kaufen, die von gewerkschaftlich organisierten Maennern und
Frauen hergestellt bzw. geleistet werden. Als Verbraucher
koennen die Gewerkschaftsmitglieder irgendeiner Ortschaft ihre
Taetigkeit zur Foerderung des gewerkschaftlichen Warenzeichens
dadurch vorantreiben, dass sie eine gewerkschaftliche Verbrauchergenossenschaft bilden, oder sich einer solchen anschliessen,
die das Zentrum aller gewerkschaftlichen Taetigkeit und Aufgaben
in jeder Stadt und ihrer naeheren Umgebung bildet.
Die. Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens ist ein
grosses alljaehrliches Ereignis. Sie findet in diesem Jahr vom
2. bis 8. September statt. Die von der AFL offiziell genehmigte und vom Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen organisierte Woche wird am Sonntag der Arbeit, dem 2. September,
beginnen und am ß. September beendet sein. Der allgemeine
Zweck dieser Woche besteht darin, bessere Beziehungen zur
Oeffentlichkeit zu schaffen und das Verstaendnis fuer alle Organisationen in der AFL zu foerdern.
Die Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens bietet
eine ausgezeichnete Gelegenheit, fuer Waren- und Dienstleistungen mit dem gewerkschaftlichen Warenzeichen zu werben. Geschaeftsleute zeigen in ihren Schaufenstern gewerkschaftlich hergestellte Waren, sie werben fuer diese in den oeffentlichen Tageszeitungen und ueber Rundfunk- und Fernsehstationen. Auch
die Erzeuger steigern ihren Absatz, indem sie die hohe Qualitaet der mit gewerkschaftlichen Warenzeichen versehenen Waren
vor der Oeffentlichkeit preisen. Andere Geschaeftsunternehmen,
die sich mit dem gewerkschaftlichen Betriebsausweis undder Gewerkschaftsnadel ausweisen, wollen hiermit die hohe ^ualitaet
ihrer Waren oder Dienstleistungen demonstrieren. Im allgemeinen
erlassen die Buergermeister und die Gouverneure der Staaten zur
Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens besondere Proklamationen.
1

Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen gibt alljaehrlich ein offizielles Verzeichnis ueber Waren heraus, die
das gewerkrchaftliche Warenzeichen tragen. Dieses hat vor allem
den Zweck, unter den Mitgliedern der Gewerkschaften, der Frauenvereinigungen und der gewerkschaftlichen Verbrauchergenossenschaften fuer den Kauf dieser Waren mit gewerkschaftlichem Warenzeichen und die Benutzung der Dienstleistungen gewerkschaftlich
organisierter Unternehmen zu werben.
Dieses Verzeichnis des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist ein praktisches Nachschlagwerk fuer Verbraucher,
die auf das gewerkschaftliche Warenzeichen achten. Darueber hinaus gibt es den^Kaufleute-n Auskunft darueber, wo sie Waren mit
gewerkschaftlichen Warenzeichen einkaufen koennen. Wenn ein
- 6-

�Kaufmann sagt, dass er nicht in der Lage sei, Waren mit gewerkschaftlichen Warenzeichen zu beschaffen, wird ihm eine solche
Liste ausgehaendigt, in der alle Hersteller dieser Waren genannt
sind. Die Gewerkschaftsmitglieder werden staendig aufgefordert, den Loyalitaetswahlspruch der Gewerkschaftsbewegung zu
beherzigen: "Kauft nur bei solchen Firmen, deren Waren das
gewerkschaftliche Warenzeichen tragen, und kauft nur bei soldhen
Leuten, die den gewerkschaftlichen Betriebsausweis und die Gewerkschaftsnadel besitzen. "
Eine Neuheit in der aktivierten Werbekampagne des Referats
fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist ein Plakat, das Karikaturen traegt und in fuenf Farben illustriert ist. Die Plakate
sind eingerahmt und werden den Gewerkschaftsvorstaenden und
den Zweigorganisationen der AFL fuer die Verwendung in Versammlungsraeumen kostenlos zur Verfuegung gestellt. Ein Schlagwort
auf"einem der Plakate heisst: "Sei Gewerkschafter und kaufe
nur Waren mit gewerkschaftlichem Warenzeichen."
Die Industrieausstellungen der Gewerkschaften der AFL sind
ein ausgezeichnetes Beispiel fuer die guten Beziehungen zur
Oeffentlichkeit. Sie sind anschaulich und dynamisch. Es gibt
in diesen Ausstellungen keine gekuenstelte Pracht, sie sind
ebenso realistisch wie erzieherisch, weil sie nur von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern und gerechten Unternehmern
organisiert sind. Die Ausstellungen hinterlassen bei den "Besuchern einen nachhaltigen Eindruck, weil sie eindringlich zeigen, wie gelernte Handwerker der AFL zahlreiche bekannte amerikanische Erzeugnisse herstellen oder bestimmte Dienstleistungen
verrichten.
Funktionaere des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen sind ueberzeugt, dass die "Gewerkschaftliche Industrieausstellung", die jetzt stattfindet, die groesste ihrer Art
sein wird. Mit ueber 50,000 qm Ausstellungsgelaende wird sie
jede Ausstellung dieser Art uebertreffen, die je in Amerika
gezeigt wurde.
Im vorigen &lt;Tahr sind die Menschenmassen, die sich in Philadelphia in die riesige Kongresshalle begeben haben, von der
Vielseitigkeit und der Menge der ausgestellten Waren stark beeindruckt gewesen.
Mit den gewerkschaftlichen Industrieausstellungen wurde
vor dem 2. V/eltkrieg begonnen. Die erste fand im Jahre 1938
statt. 1946 wurde die zweite Ausstellung in Sant Louis gezeigt. Es folgten Ausstellungen in Milwaukee und Cleveland.
Jede einzelne bedeutete einen sensationellen Erfolg. Die Zahl
der Besucher war fuer die verschiedenen Ausstellungsraeume,
in denen die gewerkschaftlich hergestellten Waren zur Schau
gestellt wurden, rekordbrechend.
Die gewerkschaftliche Industrieausstellung ist keine Methode der Geldmacherei. Sie kostet im Gegenteil die AFL und
ihre angeschlossenen Gewerkschaften Hunderttausende von Dollar.
Die Gewerkschaften geben dieses Geld.jedoch gern aus, weil
sie wissen, dass dies eine gute Investierung ist. Sie helfen
sich damit, indem sie den gerechten Unternehmer unterstuetzen,
der nur Gewerkschaftsmitglieder beschaeftigt, im Vergleich zu
dem, der ungerecht ist. Wenn die AFL einem gerechten Unternehmer hilft, hilft sie damit auch ihren Mitgliedern.
7 -

�Auf der jetzigen Ausstellung wird es zahllose Ausstellunrsstaende geben, in denen die beruflichen Faehigkeiten und Erzeugnisse der amerikanischen Arbeiterschaft der Oeffentlichkeit
gezeigt werden - vom Reisszwecken bis zum kostbarsten Porzellan,
aber auch Zigarren, Tabak, Bekleidung, Moebel, Rundfunkgeraete
und aehnliches.
Der Gewerkschaftsrat des Baugewerbes von Chicago hat die
gesamte Ostseite der Ausstellungshalle fuer Ausstellungsgegenstaende der Berufe der Maurer, Klempner, Zimmerleute, Elektriker und Maler reserviert. Ein anderer grosser Teil des Ausstellungsgelaendes steht den Waeschereiarbeitern zur Verfuegung.
Die Baecker werden mit allen Arten von Torten und Gebaeck der
Oeffsntlichkeit von ihrer Arbeit berichten. Auch die Gewerkschaften der Dienstleistungsgevorbe, wie die der Fahrer, der
Hausbediensteten und aehnli.cher Berufe werden vertreten sein.
Das Verteidigungsministerium wird in Zusammenarbeit mit
der Armee, der Marine und der Luftwaffe den Besuchern der Ausstellung eine Moeglichkeit geben, die neuesten und besten militaerischen Ausruestungsgegenstaende Amerikas zu besichtigen.
Die Ausstellungen der Armee, der Marine und der Luftwaffe, die
im Jahre 1951 gezeigt werden, zeigen im Gegensatz zu frueheren
militaerischen Ausstellungen die umfassende: Taetigkeit der Gewerkschaften und Unternehmer im Rahmen der nationalen Verteidirunsbemuehungen und die Anwendung der modernen Wissenschaft auf
militaerische.ni Gebiet.
Um eine vollendete Arbeit zu leisten, muessen sowohl Maenner als auch Frauen sich der Bedeutung des gewerkschaftlichen
Warenzeichens bewusst werden und fuer die Sache der Gewerkschaften gewonnen werden. Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen der AFL ist stolz darauf, jene Idee vorbereitet und gefoerdert zu haben, die sich heute als eine der lebenswichtigen
wirtschaftlichen Kraefte in Amerika erweist. Auf einem Kongress
der AFL hatte das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen
die Resolution eingebracht, die die Gruendung der amerikanischen
Frauenvereinigung bedeutete. In ihr wurde der Zusammenschluss
aller loyalen und aktiven Frauen in die Familie der Gewerkschaften gefoerdert, die eine aggressive Armee von Verbrauchern darstellen sollen und das Geld der Lohn- und Gehalt3empfaenger nur
fuer "aren und Dienstleistungen ausgeben, die von gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern hergestellt bezw. geleistet
werden.
-Jetzt scaliessen sich neue Frauenorganisationen dieser Frauenvereiniging der A F L an. Die Frauen erfuellen damit eine ihrer
vornehmsten Pflichten, indem sie als K&amp;euferinnen der meisten
Lebensr.otwendigkeiten' fuer den Durchschnittshaushalt nicht versaeumen, nach dem gewerkschaftlichan Warenzeichen, dem gewerkschaftlichen Betriebsausweis und der Gewerkschaftsnadel zu fragen.
Das Referat fuer gewerkschaftliche "arenzeichen erkennt mit
Dankbarkeit die grosszuegige Unterstuetzung und die freundschaftliche Zusammenarbeit an, die ihm von Seiten des Vorsitzenden
der A F L , William Green, des Hauntkassierer3 George I'eany und
allen Funktionaeren der anderen Referate der AFL, der nationalen
und allamerikanischen Gewerkschaften, der bundesstaatlichen Gewerkichaftsvorstaende, der zentralen Gewerkschaftsorganisationen
und der Ortsgewerkschaften zuteil wird.
Das Referat ist darueber hinaus den Herausgebern der offiziellen Gewerkschaft?organe, der woechentlichen Gewerkset.aftszei- 8-

�tungen und anderen Gewerkschfaftaveroeffentlichungen dankbar,
die in grosszueaiper Weise zu jeder Zeit R&amp;um fuer Werbezwecke
zur Verfuerunp- gestellt haben.
Das umfassende Programm des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist dazu bestimmt, die
Oeffentlichkeit ueber
die Bedeutung des gewerkschaftlichen :'.'arenzeichens, des gewerkschaftlichen Betriebs und der Gewerkschaftsnadel zu unterrichten, sie ueber die "rohleme der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufzuklaeren und die Faufkraft der amerikanischen Arbeiter zu steigern, was fuer diese eine proess^re
wirtschaftliche Sicherheit bedeutet. Mit diesem Prorramm soll
au-serdem die Nachfrage nach V.aren, die von Gewerkschaftern
hergestellt sind, gesteigert und allen amerikanischen Arbeitern
ihr Arbeitsplatz bei anstaendigen Loehnen gesichert werden.
Das Plauptziel dieses Referates liegt damit darin, alle
Erfolge, die sich die AFL im Verlaufe der letzten 70 Jahre in
Zusammenarbeit mit der Oeffentlichkeit gesichert hat, mit allen
Buergern zu teilen.
Um dieses Programm wirksam werden zu lassen, ist es notwendig, dass alle Gewerkschaftsmitglieder, ihre Familienangehoerigen und ihre Freunde staendig nur Waren und Dienstleistungen verlangen, die das gewerkschaftliche Warenzeichen tragen.
Das Referat ist fuer die wertvolle Mitarbeit der Funktionaere aller LÜtglied'sorganisationen der AFL dankbar, es weiss
,1'edoch, dass die Mitglieder selbst noch viel mehr fuer die
gemeinsame Sache tun koennten. Alle menschen, die gewerkscnaftlich organisiert sind, muessen eine umfassende universelle
Kampagne zur Foerderung dieser grossen Sache starten, die fuer
die Gewerkschaften und alle Amerikaner so viel bedeutet.
Das Referat bittet deshalb jedes Mitglied der Gewerkschaften, mitzuhelfen, die Botschaft der Bewegung der Oeffentlichkeit zu uebermitteln, um auf diese Weise ihr Verstaendnis und
ihr Wohlwollen zu gewinnen.
The American Federationist

5/51

US-Staotssekretaer fuei1 Arbeit Philio M. Kaiser:
Dri ARBEITERSCHAFT MtftS AU WIRTSCHAFTLICHEN AUFSTIEG TEILHABE
Alle Programme, die mithelfen, die industrielle Produktion
in den freien Gebieten &amp;er Welt zu steigern, koennen ohne die
aktive Unter«uuatzung durch die Arbeiter nicht erfolgreich verlaufen, erklaerte der stellvertretende .nrbeitsmirii-ter der Vereinigten. Staaten, Philip I". Kaiser, dieserTaga in Pbrl?.
Diese Programme, so sagte er, koennen keinen Lrfolr htben,
wenn die Gewinne aus der gesteigerten Arbeitsleistung der betriebe nicht in Form von hoeheren Mnko.rimen fuer die Arbeiter ^elb-t
in die 'Virtschaft wieder zurueckceleitet werden.
In einer Rede vor dem Anerikani ~chen Club in Paria wie-, der
stellvertretende Arb^itsmini-ter darauf hin, dass die Vereinigten Staaten das Bestreben haben, den freien Nationen zu helfen,
Jenen Zustand wirtschaftlicher, politischer und sozialer Stabilitaet zu erreicnen, der eine Gewaehr dafuer bietet, dass sie
nicht dem kommunistischen Kerrschaftsansnruch zum Oofer fallen.
Um .jedoch eine ausgeglichene Entwicklung gewährleisten zu koen- 9-

�nen, die den Grundstein fuer den dauernden Fortschritt in diesen Laendern bildet, muss die Arbeiterschaft an den Gewinnen,
die durch ihre Arbeit erzielt werden, voll beteiligt werden.
Kaiser, der fuer internationale Arbeitsangelegenheiten im
amerikanischen Arbeitsministerium zustaendig ist, brachte seine
Anerkennung fuer die Arbeit der freien Gewerkschaften auf der
ganzen 7/elt zum Ausdruck. Er fuehrte einen Bericht an, der vor
kurzem von Vorsitzenden des Beratungskomitees fuer Fragen der
internationalen Entwicklung veroeffentlicht wurde, und in dem
es heisst:
"Die fraien Gewerkschaften in den unterentwickelten Gebieten haben in ihrem Kampf gegen kommunistische und faschistische
Infiltration lobenswerte Leistungen vollbracht und gleichzeitig danach gestrebt, das wirtschaftliche Los ihrer Mitglieder
zu verbessern. Hierbei sind sie von den amerikanischen Gewerkschaften mit Ratschlaegen und Geldmitteln unterstuetzt worden."
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung," fuhr Kaiser
fort, Tiat eine grossartige Leistung vollbracht, indem sie den
freien Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender eine helfende
Hand geboten hat. Sie hat dies freiwillig und aus eigener Initiative ge.tan - unabhaengig von der Regierung der Vereinigten
Staaten."
"Die Bestrebungen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung,
die auf eine aufrichtige Unt,erstuetzung und eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitern in den demokratischen Laendern der Welt
gerichtet sind, gehoeren zu der neuen Auffassung der amerikanischen Regierung uebe.r eine wirkliche Diplomatie. Unter diesen
Begriff fallen .heute die Beziehungen zwischen der eigenen Bevoelkerung und den Menschen anderer Laender zwischen den eigenen
Organisationen und Einrichtungen mit aehnlichen im Ausland.
Diese Auffassung ist von der Diplomatie der Vergangenheit so verschieden wie die Atombombe von der wirksamsten Waffe, die man
im Jahre 1941 gekannt hat."
"Die Aussenpolitik der Vereinigten Staaten," bemerkte abschliessend Kaiser, "ist eine Politik der gegenseitigen Unterstuetzung, die sich auf gemeinsame Interessen gruendet. Es ist
der einzige Weg zur Sicherung der gemeinsamen Freiheit und zur
Errichtung eines dauerhaften Friedens in Freiheit."
Labor Press Service
VI/11/51
WESTEUROPA NACH DREI MARSHALLPLAN-JAHREN
Fuer das gestaerkte Westeuropa beginnt das vierte Jahr des
Marshall-Plans. Durch die Erweiterung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion und die Wiederbelebung des Handels
sind Erfolge erzielt worden, die eine starke Grundlage fuer den
Aufbau eines widerstandsfaehigen westlichen Verteidierungssystens
bilden.
Berichte an den Sonderbotschafter der Vereinigten Staaten
in Europa, Milton Katz, von den Missionen der verschiedenen europaeischen Laender zeigen nach dem dreijaehrigen Bestehen des
Marshall-Plans eine allgemeine Wiederherstellung der wirtschaftlichen Staerke, eine Ausdehnung der Grundstoff- und strategischen
Industrie und eine Abnahme des kommunistischen Einflusses. Diese
- 10 -

�Faktoren haben .33 den am europaeischun .Viederaufbauprorramm
beteiligten Leond*rn sraoerlicht, mit Zuversicht an den Aufbau
eines vereinten Verteidigungssystems zu gehen, dar zugleich
fr.^on jegliche Bedrohung von aussen einen wirksamen Sshutz
sribt.
Einer der groessten Fortschritte im Marshall-Plan-Brogratara
ist das üb kämmen,, wonach die direkte I.tershall-Plari-Unterstu.itzung
fu;r Gross-Britannien ab 1. Januar 19öl eingestellt wird, weil
in» diesem Land die gestockten ERP-Ziele erreicht worden sind.
Englands wirtschaftliche Staerke, die mit der i'arshall-PlanHilfe wieder hergestellt wurde, wird es diesem Land ermoeglichan,
ein umfassendes Verteidigungs Programm zu starten. Die Rohstoffe,
die im Rahmen dieses Programms nach England exportiert werden,
bilden die Grundpfeiler seiner Industrie.
Auch die wirtschaftliche Staerke Norwegens hat in den
letzten drei Jahren staendig zugenommen. Diese t'ation befindet
sich jetzt in einem ausgezeichneten Zustand politischer Gesundheit und demokratischer Einheit. Die Norweger sind fest entschlossen, ihr Land gegen eine kommunistische Aggression zu
verteidigen. Obwohl Korwegen eine Bevoelkerungsziffer von nur
wenig mehr als drei Millionen hat, ist eine Handelsflotte aufgebaut worden, die die drittgroesste der '.Veit ist; die Zahl der
Schiffe ni mt staendig. zu. Das Land hat seine Aufwendungen
fuer Verteidigungszwecke verdoppelt, seine Streitkraefte um
etwa 30 Prozent erhoeht und rund 33 Prozent der Erwerbsbevoelkerung fuer die Ruestungsindustrie freigemacht. Die Staerke der
kommunistischen Partei ist im Verlauf des Jahres 1949 dermassen
zurueckgegangen, dass die Kommunisten auch noch die elf Mandate
verloren, die sie im norwegischen Parlament, das 150 Mitglieder
zaehlt, innehatten.
Frankreichs beachtliche wirtschaftliche Rehabilitierung,
die durch den r.'arshall-Plan gefoerdert wurde, hat ein Industriepotential geschaffen, das es dem Land ermoeglicht, seinen vollen Beitrag zur Verteidipung Westeuropas zu leisten. I.'it seinen
Grundstoffindustrien, die alle Zeichen der Lelensfaehigkeit tragen, ist Frankreich fest entschlossen, seine Verpflichtungen,
die ihm der Nor.datlantikpakt auferlegt, zu erfuellen. T'an rechnet mit Bestimmtheit auf eine Erweiterung der Produktion, die
von Massnahmen zur Kontrolle der Inflation und zur gerechten
Verteilung knapner Rohstoffe begleitet ist, um sowohl die nationale Verteidigung als auch eine Verbesserung des Lebensstandards
des franzoesischen Volkes garantieren zu koennen.
In Italien war das vergangene Jahr das beste der drei
J'arshall-Plan-Jahre, in dem sowohl an der wirtschaftlichen als
auch an der sozialen Front sichtbare Fortschritte erzielt werden konnten, ^ine der wichtigsten Ursachen fuer die zunehmende
wirtschaftliche und politische Staerke Italiens war die immer
groesser werdende Unsicherheit in der Laltung des Kreml gegenueber seinen kommunistischen Marionetten in Italien und die
entschlossene Haltung, mit der die italiniesche Regierung Vortraege und Verpflichtungen mit dem Westen eigegangen ist. Sie ist
am V/iederaufi'uestungsprogramm und den Bestrebungen zur europaeischen Vereinigung beteiligt. Auf internationalem Gebiet war
Italien eines der Laender, das am tatkraeftigsten zur Zusammenarbeit beitrug.. Es war die erste Kation, die offiziell den
Schumanolan gebilligt hat. Als General Sisenhöwer nach Kaennern
fuer die Verteidigung Westeuropas fragte, antwortete Italien als
eines der ersten Laender mit dem Versprechen, drei Divisionen
zu stellen.
- 11 -

�Weil sich die Sowjetunion einem Friedensvertrag mit
Oesterreich widersetzt, war dieses L^nd nicht in der Lape, im
gemeinsamen Sicherheitsprogramm'Westeuropas bisher eine Rolle
zu spielen. Es hat sich jedoch glaenzend bewaehrt, indem es
den sowjetischen Satelliten gezeigt hat, wie eine kleine Nation von 6 1/2 Millionen Menschen der kommunistischen Gefahr
mit Zuversicht widerstehen kann, eine Zuversicht,- die ihm durch
die dreijaehrige amerikanische Hilfe zur Erhaltung der Demokratie und einer lebensfaehigen Wirtschaft gegeben wurde. Obwohl es von drei Seiten von kommunistischen Nationen umgeben
ist, sind weniger als fuenf Prozent aller wahlberechtigten
Oesterreicher Kommunisten.
Trotz der Schwierigkeiten, der eine Stadt gegenuebersteht, die durch den Eisernen Vorhang von ihrem Hinterland
abgeschnitten ist, hat Triest in den drei Marshall-Plan-Jahren
grosse Fortschritte auf dem Weg zum Wiederaufbau erzielt. Durch
den Bau von Handelsschiffen und als wichtigster Hafen fuer die
oesterreichischen Importe, die sich zum grossen Teil aus Marshall-Plan- V/aren zusammensetzen, traegt sie zur wirtschaftlichen Staerkung 'Westeuropas bei.
Daenemark, das keine anderen Reichtuemer als seinen eigenen Grund und Boden und die Tuechtigkeit seiner 4 1/4 Millionen Menschen besitzt, hat in der Nachkriegszeit einen Hoechststand an nationalem Wohlstand erreicht. Am Zugang zur Ostsee gelegen ist Daenemark eines der strategisch wichtigsten
Laender Europas. Trotz seiner.langen traditionellen Keutralitaet hat es sich der Gemeinschaft der ^tlantikpakt-Staaten
angeschlossen. Seine Ausgaben fuer militaerische Zwecke werden
im Haushaltsjahr 1951/52 ein Viertel des Gesamtbudgets Daenemarks ausmachen. Die militaerischen Streitkraefte sollen wesentlich ver^roessert werden. Das ECA-Programm hat mitgeholfen, durch die Unterstuetzung beim wirtschaftlichen Wiederaufbau den Grundstein fuer Daenemarks Verteidigungssystem und
eine stabile Wirtschaft zu legen. Ein kommunistischer Einfluss
besteht praktisch ueberhaupt nicht. Die fuer die Kommunisten
abgegebenen Stimmen sind von 141.094 im Jahre 1947 auf 94.523
im Jahre 1950 zurueckgegangen, die Mitgliedsstaerke der kommunistischen Partei wird z.Zt. auf 22.500 geschaetzt, was eine
Abnahme um 63 Prozent seit 1946 bedeutet.
Schweden hat angesichts des Ost-West-Kampfes seine traditionelle Neutralitaet gewahrt. Seine Staerke traegt jedoch
zur Staerke der westlichen Welt bei. Schwedische Kredite und
schwedische Erzeugnisse sind im Rahmen der gemeinsamen Selbsthilfebemuehungen Westeuropas anderen N.arshall-Plan-La endern
zugeflossen. Seine ausgedehnten Reserven an Bauholz tragen
dazu bei, einen der kritischsten Maengel in Westeuropa zu beheben.
Das kleine Island hilft mit, die lebenswichtigen Zugaenge
zum Nordatlantik zu bewachen. In drei Jahren der I.IarshallPlan-Hilfe konnte Island seine Fischereiindustrie modernisieren, die die Grundlage der islaendisc/ien Wirtschaft bildet;
ebenso konnte es sein Wirtschaftssystem durch den Bau von
Wasserkraftwerken vervollstaendigen, die es ihm ermoeglichen,
seine wichtige Aufgabe in der westlichen Verteidigung zu erfuellen.
Auch Westdeutschland, das von den Vereinigten Staaten weitgehend unterstuetzt wird, ist bereit, die Bemuehungen der westlichen Welt zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit zu unter- 12 -

�stuetzen. Die industrielle Produktion im April 1948 betrug nur
die Haelfte der Produktion von 1936. In den drei darauffolgenden Jahren ist die Industrieproduktion Westdeutschlands jedoch
auf ueber 125 Prozent des Wertes von 1936 gestiegen. Das Beispiel des Sklavenstaates Ostdeutschland macht es den Westdeutschen klar, was in diesem heutigen Kampf fuer sie auf dem
Spiel steht.
Mit der Verbesserung der Wirtschaftslage in Belgien konnte dieses Land durch die Erweiterung seiner Kredite fuer seine
westeuropaeischen ^achbarn zur staendigeri Staerkung Europas
beitragen. Dies geschieht auf dem Weg ueber die Europaeische
Zahlungsunion, die eine Errungenschaft des europaeischen Wiederaufbauprogramms darstellt. Die Marshall-Plan-Eilfe hat es
Belgien ausserdem ermoeglicht, sein Investierungsprogramm fuer
die Ruestung zu beschleunigen, seine Produktion zu steigern
und der Arbeitslosigkeit wirksam zu begegnen. Belgien hat
sein Ruestungsbudget um 75 Prozent erweitert. Die erhoehte
Produktion strategisch wichtiger Rohstoffe in Belgisch-Kongo
ist ein weiterer Beitrag Belgiens zu den Verteidigungsbemuehun?en.
Auch in Holland ist der wirtschaftliche Wiederaufbau weit
vorangetrieben worden. Aber wie fuer viele andere europaeische
Laender, in denen Mangel an Materialien herrscht, haben sich
auch fuer Kolland auf Grund der Preissteigerungen Schwierigkeiten ergeben. Trotzdem verdoppeln die Hollaender ihr Budget
fuer die Verteidigung, um ihren Verpflichtungen im Rahmen des
Atlantikpaktss nachzukommen. In Holland werden Waffen fuer
die Verteidigung der freien Welt, wie z.B. Jagdflugzeuge und.
Glyzerin fuer Sprengstoffe hergestellt. Der Kommunismus stellt
in Holland nur ein unbedeutendes Problem dar, weil die Zuversicht des hollaendischen Volkes durch die Gewissheit gestaerkt
wird, dass eine Aggression aufgehalten werden kann»
Portugal berichtet, dass seine wirtschaftliche Lage weit
guenstiger als zu jener Zelt ist, in der der Marshall-Plan
noch nicht bestand. Geine neuen Verpflichtungen, die ihn der
Mordatlantikpakt auferlegt, koennen ein^enalten werden. Portugals strategische Bedeutung fuer die Verteidigung des Westens
besteht in den Azoren, seinem grossen Hafen Lissabon und den
Kaefen in seinen Kolonien an den Ost- und Westkuesten Afrikas.
Was strategisch wichtige Rohstoffe betrifft, so macht sich
Portugal durch die Lieferung kleiner Mengen von Beryllium
nuetzlich. uin Produktionskredit ist von der 3CA fuer den
Abbau von Wolfranerzen zur Verfuegung gestellt worden. Er
wird durch Wolframlieferungen zurueckgezahlt, das das Ausgangsprodukt fuer das strategisch wichtige Tungsten ist.
Griechenland, dessen Unabhaengigkeit durch kommunistische
Kinfluesse von aussen und durch den Guerillakrieg der Kommunisten bedroht war, konnte in den letzten Jahren grosse wirtschaftliche £,rfolfi erzielen. Industrie, Vermittluncswesen,
Transport, Handel und Landwirtschaft sind nach neun Priegund Besatzungsjähren wiederaufgerichtet worden. Griechenland
traer-t nun durch strategisch wichtige Materialien zur Verteidigung Westeuropas bei. Grosss Vorraete an Braunkohle und Eisenerzen - zweitausend Jahre alte Blei- und Zinkbergwerke werden neu erschlossen - helfen mit, den Vorrat -ier westeuropaeischen Nationen an strategisch wichtigen Metallen zu vergroessern.
An der oestlichsten Grenze des Wirkungsbereichs des Europaeischen Wieäeraufbaupropramms war es das Hauptziel des Mar- 13 -

�shall-Plans, es der Tuerkei, die dem russischen Imperialismus
lange Zeit sehr nahe stand, zu ernoeglichen, ihr umfassendes
Verteidigungsprogramm durchzufuehren, ohne dabei die zivile
'/Wirtschaft zu schaedigen. Fast 40% des Budgets der Tuerkei
sind fuer Verteidirungszwecke bestimmt. Der Beitrag dieses
Landes ist damit im Vergleich zu seiner Groesse einer der
groessten. Hier ist keine Werbekampagne erforderlich, um die
Morel des tuerkischen Volkes zu staerken. Die Tuerkei ist
bereit und entschlossen, den Kommunismus zu bekaempfen. Der
Kampfgeist tuerkischer Soldaten hat auf den Schlachtfeldern
in Korea seine Probe bestanden. In den letzten Monaten sind
Karshall-Plan-Mittel zur Verbesserung des Strassensystems, zur
Finanzierung der Modernisierung und Erweiterung der Kohlenbergwerke, fuer Kredite an die Landwirtschaft und zur Foerderung
eines umfassenden Prograiims der industriellen Entwicklung verwendet worden.
ECA Labor Information
17/51
AFRIKANISCHER EXPERTE AEUS5ERT SICH ZU PRODUKT IV ITAETSPROBLEM-aK
Einer der bedeutsamsten Faktoren bei der Steigerung der
amerikanischen Produktionsleistung ist die kooperative Haltung
der organisierten Gewerkschaftsbewegung.
Diese Auffassung brachte James LI. Silberman, ein Produktivitaetsexperte im amerikanischen Arbeitsministerium, vor.der
5. Internationalen Konferenz fuer soziale Probleme der Arbeiter
zum Ausdruck, die im Juni in der Abtei Royaumont in der Taehe
von Paris abgehalten wurde.
Zu dieser Konferenz finden sich alljaehrlich Gewerkschaftsfunktionaere, Volkswirtschafter, Industrielle, Professoren, Regierungsvertreter und technische Experten aus den Vereinigten
Staaten und Europa ein. Koeglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Gewerkschaften, die zu einer
Steigerung der Produktionsleistung und einer schnellstmoeglichen Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter fuehren koennen, werden hier ausfuehrlich in Erw&amp;egung gezogen.
Silberman erklaerte ganz offen, dass die amerikanischen
Gewerkschaften eine hoehere Produktionsleistung nicht nur um
ihrer selbst willen, sondern auch als eines Mittels" befuerworten, das die Srhoehung des Lebensstandards des Volkes ermoeglicht. Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL hat nachweislich seit 1896 eine hoehere Produktionsleistung in der Industrie bef uerwortet.
Die Sprecher des amerikanischen Arbeitsministeriums nannten sechs Faktoren, die in der historischen Entwicklung des
Produktivitaetsproblems in Amerika eine wesentliche Rolle gespielt haben:
1.

Die bedeutende Rolle des Einzelmenschen in der amerikanischen Gesellschaftsordnung seit der Zeit der kolonialen Periode;

2.

Die Foerderung der industriellen Forschung;

3.

Die Notwendigkeit eines Massenabsatzmarktes von der
fruehesten Zeit an;
- 14 -

�4.

Das Vorhandensein von Kapital;

5.

Die fruehe Erkenntnis von der Bedeutung einer guten
Geschaeftsfuehrung und guter Fachkenntnisse;

6.

Die Bedeutung der Gruppenforschung.

Silberman ist der Auffassung, da3S alle diese Faktoren
auf dem Prinzip der Freiheit des Einzelmenschen beruhen. Aus
dieser Freiheit ergibt sich die Anerkennung der Menschenwuerde,
der persoenlichen Sicherheit und der persoenlichen Verantwortung. In einer Gemeinschaft freier Menschen wuerden andere
Entwicklungen eine natuerliche Folgeerscheinung darstellen,
wenn sie nicht durch aussenstehende Kraefte behindert wuerden.
"Ich meine damit, dass freie Menschen versuchen werden,
ihre Lebensbedingungen zu verbessern und dass sie damit Erfolg
haben werden, wenn man sie nicht mit Gewalt daran hindert.
Eines „dieser Mittel, die zum Erfolg fuehren, ist die Verbesserung der Produktionsleistung. Die iVahrheit dieser Behauptung
ist im Verlauf der letzten 150 Jahre durch die Entwicklung in
den Vereinigten Staaten praktisch bewiesen worden."
Der Sprecher hob besonders hervor, dass dieser Erfolg in
den Vereinigten Staaten fast ausschliesslich von Maennern und
Frauen europaeischer Herkunft, mit anderen Worten von Emigranten erzielt worden sei.
Silberman nahm zu jedem dieser sechs Punkte Stellung und
zeigte auf, in welcher Weise sie'die Steigerung der amerikanischen Produktivitaet beeinflusst haben.
Er betonte besonders den Gedanken des Massenabsatzmarktes, d.h. das Bestreben amerikanischer Geschaeftsleute, zu
niedrigen Preisen an alle und nicht zu hohen Preisen an nur
wenige zu verkaufen. Diese Richtlinie ist in der Entwicklung
der genormten, auf weite Sicnt geplanten Produktion hoechst
bedeutsam gewesen.
"Dieses System,"so schloss Silberman, "hat fuer die amerikanischen Arbeiter einen hohen Lebensstandard zur Folge gehabt, weil es ihnen durch ihre Beteiligung an den aus der
hoeheren Produktionsleistung entstehenden Gewinnen moeglich
ist, jene Waren zu kaufen, die sie selbst herstellen."
Abschliessend wies der Sprecher darauf hin, dass-wir
bei der Arbeit zur Verbesserung der Produktionsleistung unsere
ureigenste Aufgabe, naemlich die Verwirklichung des menschlichen Fortschritts, in hohem Masse erfuellen»
EGA Labor Information
VI/8/51
JAHRESKONFERENZ DER IAO OHNE RUSSLAND
Die Sowjetunion weigert sich,
organisation beizutreten, die ihre
in Genf eroeffnet hat. Sowohl 6er
andere Mite-liedsorganisationen- des
chungen teil.

der Internationalen ArbeitsJahreskonferenz am 6. Juni
HFL und die CIO als auch
IBFG nehmen an den Bespre-

- 15 -

�George Meany, der Bauptkassierer der AFL, wies darauf hin,
dass die Internationale Arbeitsorganisation bestehen blieb,
waehrend ihre Elternorganisation, der Voelkerbund, nicht mehr
bestuende. Als Gruende hierfuer nannte er folgende:
"Die Internationale Arbeitsorganisation verfolgt ein gu•tes Ziel, ein menschliches Ziel und kuemmerte sich nicht um
Gebietswerbungen, um die !'achtkaempfe zwischen einzelnen Laendern oder imperialistische Ambitionen. Die Internationale Arbeitsorganisation blieb bestehen, weil sie sich mit der einfachen Philosophie der Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter der Welt beschaefti-gte, der Verkuerzung ihrer Arbeitszeit,
der Vergroesserung ihres Einkommens und der Reform ihrer Arbeitsbedingungen. Beute ist die Internationale Arbeitsorganisation einflussreicher als je zuvor."
Inzwischen hat die IAO, gerade als ob sie diese Worte
Meanys bestaetigen wollte, eine Veroeffentlichung herausgegeben, in der gezeigt wird, dass die Mitarbeit der Arbeitnehmer
bei der Einfuehrung von Leistungs- und Praemienloehnen zur
Steigerung der Produktion von entscheidender Bedeutung ist.
Der Bericht, der von einem Expertengremium ausgearbeitet ist,
bringt zum Ausdruck, dass ein allgemeiner Wohlstand nur dann
erreicht werden kann, wenn Leistungslohnsysteme in einer Atmosphaere guter Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern angewendet werden. Die Gruppe schlaegt vor, derartige Systeme soweit wie moeglich zum Gegenstand von Tarifverhandlungen zu machen.
In dem Bericht der IAO wird darauf hingewiesen, dass es
oft zu Streitigkeiten und Unzufriedenheiten unter den Arbeitern
gekommen ist, wenn Leistungslohnsysteme allein zu dem Zweck
eingefuehrt wurden, die Gestehungskosten .zu reduzieren, und
wenn diese Lohnsysteme ohne Zustimmung der /Arbeiter abgeschlossen
wurden. Derartige Systeme sind in allen von Stalin kontrollierten Gebieten gesetzlich angeordnet. Die IAO kommt zu der
Schlussfolgerung, dass jedes Leisturgslohnsystem eine endgueltiece Srhoehunp des Durchschnittseinkommens der betreffenden Arbeiter zur Folge haben muss, andernfalls waere es auch fuer die
Arbeitgeber unbefriedigend und wuerde von den Arbeitern abgelohnt.
Der Vertreter der AFL auf der Konferenz in Genf Ist der
Regional Organisator William Gollins, waehrend Jacob Po'tofsky,
der Vorsitzende der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft, den CIO
vertritt.
Protfrara Services Section
71/6/51

- IG -

BICOC 2B Jun 51 18)28 5 M 5i C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dien- n
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
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^^^^^

IV - . 2 6

Frankfurt,

I K H A L T S V O

K a r l I.'arx und umerika

n i

2 9 . J u n i 1951

CHK I Ü

- - - - - - - - - - - -

1

Verschiebungen der liinkommenverteilung i n den
U.3.A.

9

Schiedssprechung und Schlichtung in Sowjetrussland - - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Das betriebstechnische iiufgabengebiet der USGewerkschaften - - - - - - - - - - - - - -

li

Unzufriedene tschechische Arbeiter muessen fuer
Russlands Kriegsmaschinerie arbeiten - - - 15
IBFG erhaelt Hilfsmittel fuer unterentwickelte
Laender - - - - - - - - - - - - - - - - - -

KÜRL

16

VARX UTD AFRIKA

V/as den auslaendischen Beobachter in ^merika am meisten
in Erstaunen versetzt, ist die staendige irhoehung des Lebensstandards der lassen. In den Vereinigten Staaten leben jedoch
nicht alle Menschen gleicheren* ssen gut. Nicht alle sind vor
Arbeitslosigkeit, Absatzschwierigkeiten und den anderen Folgeerscheinungen wirtschaftlicher Depressionen geschuetzt. Trotzdem ist im Gegensatz zu den Prophezeiungen Karl !.:arx* die ununterbrochene ^rhoehung des Lebensstandards ein allgemeiner
und ist seit 50 Jahren immer staerker von wirtschaftlicher und
sozialer Sicherheit fuer jeden begleitet.
Georges-Henri !.'artin, der Korrespondent der franzoesischeh
Zeitung "Franoe-Soir" in Neu York ist wie viele andere von dieser Tatsache hoechst beeindruckt, ^r hat sich darueber mit
ndolf Serie unterhalten, einem Amerikaner, der in diesen Fragen
- 1-

�sehr genau Bescheid weiss. Adolf Berle hat seine akademische
Laufbahn aufgegeben, um einer der vertrauten Berater Roosevelts zu werden. Mehrere Jahre hindurch hat er jener kleinen
Gruppe von Maennerh angehoert, die man den "Gehirntrust" des
Nev/Deal nennt. Nachdem er die Finanzen der Stadt New York
einige Zeit verwaltet hat, ist er Unterstaatssekretaer fuer
auswaertige Angelegenheiten und spaeterhin Gesandter fuer Brasilien geworden. Augenblicklich fuehrt er eine bedeutende
Rechtsanwaltpraxis, zu deren Kunden sowohl kapitalistische Unternehmer als auch Gewerkschaften gehoeren. ".Vir geben nachstehend den Standpunkt Adolf Berles wieder, wie er ihn vor dem
franzoesischen «Journalisten dargelegt hat:
Georges-Henri Martin: Amerika ist das Land der Statistik.
Seitdem ich hier hin, studiere ich fortwaehrend die unzaehligen Diagramme und Skalenschwankungen, mit denen man in jedem
Augenblick den Zustand dieses jungen Riesen, der sich in staendigem Wachstum befindet, uebersehen kann.
Diese Statistiken stroemen ein Klima des Optimismus aus,
das ausserordentlich beachtlich ist. Wenn man den Fachleuten
Glauben schenken kann, leben die Menschen hier von Jahr zu
Jahr besser und bequemer und arbeiten dabei weniger.
_ Wenn aber diese Statistiken richtig sind, so haette Karl
Marx unrecht und mit ihm alle Marxisten.
Haben sich Karl Marx und die Marxisten nun in ihren Voraussagen getaeuscht? Und wenn ja, warum? Doch um eine Frage
vorwegzunehmen, wie ist Karl Marx und seine Lehre mit Amerika
in Zusammenhang zu bringen?
Adolf Berle: Waehrend eines Teils des 19. Jahrhunderts sind
die Vereinigten Staaten mehr als jedes andere Land von Karl
Marx und seiner Lehre beeinflusst gewesen. Marx ist in London
Korrespondent jener Zeitung geworden, die als "New York Kerald
Tribüne" in der ganzen Welt bekannt ist. Er hat sich durch
diese Berichterstattung seinen Lebensunterhalt verdient, und
damit ist ihm auch eine Tuer nach Amerika geoeffnet worden,
durch die er die Ideenwelt dieses Landes beeinflusst hat. Die
Zeit hierfuer ist umso guenstiger gewesen, als Marx in einer
Epoche gelebt hat, in der sich zahllose Maenner nach Amerika
begaben, weil sie wegen ihrer linksgerichteten politischen Einstellung von den damaligen konservativen Regierungen Europas
vertrieben sind.
Martin: Hat man damals diese Ideen Karl Marx' fuer Amerika
anwendbar gehalten?
Berle: Denken Sie daran, dass Marx seine Lehre auf Beobachtungen in England gestuetzt hat. Sein Lehrsatz besagt letzten
Endes, dass es nicht genug Waren gibt, um die Beduerfnisse
aller Menschen befriedigen zu koennen, und dass es in einem
kapitalistischen Regime niemals moeglich sein wird, alle
Klassen der Bevoelkerung zufriedenzustellen, weil die kapitalistischen Unternehmen ein Interesse daran haben, die Produktion zu beschraenken - ich betone zu beschraenken - um sich
groessere Gewinne zu sichern.
Martin: Sie wollen damit doch nicht etwa sagen, dass Amerika
kein Land der grossen Gewinne ist?
- 2 -

�Berle: Natuerliofa nicht. '.Vir sind hier noch immer ein Land
der hohen Gewinne, aber das ist nicht der Punkt, der uns im
wesentlichen von den Marxisten trennt. Der Schluessel des Problems liegt ganz wo anders.
In Erkenntnis der Moeglichkeiten, die die wirtschaftliche
Ausdehnung de^ Landes geboten hat, hat sich in amerika eine
oeffentliche Meinung gefomt, die auf dem Cxrundsatz fusst:
7/enn wir mehr 7/aren benoetigen, um den'Bedarf aller Menschen^
zu decken, warum sollen wir nicht soviel produzieren, dass wir
alle Menschen zufriedenstellen koennen?
Martin: Ganz offen gesagt, ist dies der Lehrsatz eines Volkswirtschafters oder eine konkrete '.Wirklichkeit?
Berle: Verstehen Sie mich recht, wir haben nicht versucht,
die L'illionaere zu beseitigen. Diese sind füer niemand ein
Hindernis, solange man den anderen Menschen das sichern kann,
was sie brauchen, und darueber hinaus die Begueterten zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen.
Martin: All dies erklaert uns jedoch nicht, weshalb die Voraussagen Karl Marx' in Amerika sich nicht realisiert haben.
Berle:
zwe i.
Martin:

Es gibt hierauf nicht eine Antwort, sondern mindestens
BQginnen wir mit der ersteren.
•

Berle: Marx konnte nicht den erbitterten Kampf voraussehen,
der sich in unserem Land zwischen jenen abspielte, die die Produktion ins Unendliche steigern und jenen, die diese Produktion
beschraenken wollen, um die Vorteile ihrer Situation nicht zu
verlieren, in deren Genuss sie bereits gekommen sind. Was Marx
vor allem jedoch nicht wissen konnte, ist die Tatsache, dass
die Befuerworter der unbegrenten Steigerung der Produktion
letzten ^ndes einen entscheidenden Sieg davongetragen haben.
Martin:

V/ie ist dies moeglich gewesen?

Berle: Durch den Triumph jener Tendenzen, die durch fortschrittliche Gruppen,in Suropa linksgerichtete genannt,
vertreten 'worden sind. Zuerst ist ein heftig-r Kampf gegen die
'.'onopole und Kartelle entbrannt. Sie haben ein Interesse daran
gehabt, die Produktion zu beschraenken und nach eigenem Gutduenken die Absatzmaerkte aufzuteilen, um die hohen Preise stabil
zu halten. Heute fordern die bundesstaatlichen Gesetze Amerikas
und die volkstuemlichen politischen Kraefte, dass der Staat
jeden Industriellen bestraft, der versucht, durch ein .abkommen
mit anderen Industriellen kuenstlich hohe Preise aufrecht zu
halten, indem die Produktion beschraenkt wird. Es handelt sich
hierbei um unsere sogenannten anti-Trust-Gesetze.
Martin: Sie haben vorhin nicht nur von einer Tendenz, sondern
von mehreren Tendenzen fortschrittlicher Gruppen gesprochen.
Berle: Es hat sich tatsaechlich noch ein ander-.r Kampf abgespielt und zwar der der hoeheren Produktionsleistung. Ein
fuerchterlicher Druck, der von der Oeffentlichkeit ausgeuebt
und durch die Verhaeltnisse noch verstaerkt worden ist, hat
die Verbesserung der Produktionsleistung die man bei uns Produktivitaet nennt, vorwaertsgetrieben. Produktivitaet bedeutet

�den Einsatz aller nur moeglichen Energiequellen auf breitester
Basis. Heute produziert der amerikanische Arbeiter in Durchschnitt viermal so viel wie sein euronaeischer Kollege. Ein
amerikanischer Arbeiter, der frueher eine Webmaschine bediente,
bedient heute allein 36. Es ist Aufgabe des Industriellen, zu
oroduzieren. Wenn er versucht, die Produktion zu beschraenken,
kann man ihn, wie ich schon sagte, sogar mit Gefaengnis bestrafen. Die Furcht ist oft ein Beginn zur einsieht, und es ist
verhaeltnissmaessig selten, dass man zu solchen Massnahmen zurueckgreifen muss. Dies ist jedoch sicher eine Tatsache, die
Marx weder vorausgesehen noch selbst in Erwaegüng gezogen hat,
als er uns prophezeit hat, dass der kapitalistische Unternehmer
immer eine Ausdehung der Produktion verhindern wird, um auf
kuenstliche Weise einen Mangel an bestimmten Waren zu schaffen.
Unser System sichert den Bestand des Privatunternehmens, wobei
der Privatunternehmer jedoch eine Rolle spielt, die genau festgelegt ist und die ihn praktisch zum Techniker der Produktionserweiterung werden laesst.
Martin: Dies ist also die Erklaerung fuer den ersten Irrtum
Karl Marx'. Wuerden Sie jetzt Ihre Meinung dazu aeussern, was
Sie soeben den zweiten Irrtum nannten, dem Karl Marx zum Opfer
fiel?
Berle: 7/enn der Kampf um ein Maximum der Produktion und zwar
ein staendis steigendes Maximum gewonnen ist, muss noch der
Kampf um die Verteilung ausgetragen werden. Er hat 50 Jahre
gedauert, und, wenn ich so sagen darf, hat er sich an zwei
Fronten abgespielt. Er ist von fuehrenden forts.chrittlichen
Leuten gegen ihre konservativen Kollegen gefuehrt worden.
Eines schoenen Tages hat Henry Ford erklaert, er koenne so
viele Automobile verkaufen, wie er wolle, wenn er nur pro Wagen einen Dollar verdient. Es ist eine grosse Sensation geworden. Seine Konkurrenten haben versucht, uebrigens ohne Erfolg,
ihn daran zu hindern. Sein Beisoiel ist damals nach und nach
von allen grossen Industrien nachgeahmt worden. Die einzige,
die sich bis zum Schluss widersetzt hat, ist die der elektrischen Energie. Ihr Widerstand ist endgueltig durch Roosevelt
gebrochen worden, .iaehrend also die einen nach einer Steigerung
der Produktion gedraengt haben, haben andere nach niedrigeren
Preisen gestrebt, .aber all dies waere vielleicht wirkungslos geblieben, wenn den ersten Reformen nicht die Roos.evelt'sehe
Revolution gefolgt waere.
Martin:
beitet.

Sie haben eng mit Praesident Roosevelt zusammengearWas verstehen Sie unter seiner Revolution?

Berle; Es handelt sich hierbei um grundlegende Revolutionen
im Kreditsystem, und wir beruehren damit die wesentlichste Ursache des marxistischen Irrtums. Zu der Zeit, als Karl Marx
sein Buch "Das Kapital" geschreiben hat, ist das Kreditwesen
fast voellig unbekannt gewesen. Es hat keine zentralen Banken
sregeben, oder, wenn solche bereits bestanden haben, sind sie
noch im allerersten Anfangsstadium gewesen. Da es Marx nicht
moeglich gewesen ist, die Form des staatlichen Kredits vorauszusehen, hat er a.uch nicht die Sozialisierung des Kredits ahnen
koennen, wie wir sie heute in den Vereinigten Staaten kennen.
Martin: Was verstehen Sie eigentlich unter der Sozialisierung
des Kredits? Und gibt es hierfuer spezielle Formen in Amerika?
Berle: Sie sind erstaunt hierueber, und es ist trotzdem richtig. Marx hat letzten Endes die Sozialisierung der Produktions- 4 -

�mittel vorgeschlagen. V.rir haben die Sache von einer anderen
Seite angepackt. Was Roosevelt zustandegebracht hat, ist zum
groessten Teil gleichbedeutend mit einer Sozialisierung des
Kredits. Der amerikanische Staat schaltet sich in das wirtschaftliche Leben ein, indem die Regierung dem Einzelverbraucher genuegende Kredite zur Verfuegung stellt.
Martin;

In welcher Form ist dies jedoch geschehen?

Berle: Es gibt dafuer zahlreiche Beispiele. Nehmen wir einmal die Nachfrage nach Wohnungen zu niedrigen Preisen. Sie
werden sich erinnern, dass im Jahre 1946 zehn Millionen Soldaten entlassen worden sind. Das Problem der Stunde hat gelautet, ihnen arbeit und ein Dach ueber dem Kopf zu geben - fuer
sie und ihre Familien. Die Regierung hat ihnen fast unbeschraenkte Kredite eroeffnet, damit sie sich eigene Haeuser
kaufen koennen. Was man dem amerikanischen Verbraucher sagen
will, ist im wesentlichen folgendes: "Kauf Dir ein Haus,
das Dir gefaellt, und der Staat wird Dir das Geld vorschiessen.
damit Du es bezahlen kannst."
Martin: Aber es gibt doch genuegend Wohnhaeuser, die zum Ver*kauf angeboten sind und billige Wohnungen? Wenn das der Fall
ist, wozu dienen dann die grosszuegigen Kredite, die vom Staat
angeboten werden?
Berle: Man hat das Notwendige getan. Der Staat hat den Unternehmern ohne Umschweife erklaert: "Es muss gebaut werden."1
Diese haben zur Antwort gegeben, dass sie nicht die hierfuer
erforderlichen Finanzen zur Verfuegung haben. "Gleichgueltig,"
hat die Regierung erwidert. "Borgt Geld bei den Banken, und
der Staat wird die Buergschaft fuer alle Kredite uebernehmen.
Wesentlich ist, dass jeder seine Wohnung hat." Karl Marx hat
in seiner Theorie Haeuser direkt vom Staat bauen lassen und
zum Arbeiter gesagt: "Hier hast Du kostenlos ein Haus." Das
amerikanische System sagt zum Arbeiter: "Hier hast Du Geld,
kauf Dir ein Haus, das Dir gefaellt. Arbeite dann, um es in
aeusserst kleinen Raten - im Laufe von 30 Jahren etwa - abzuzahlen. Sicher steht auf jeden Fall fest, dass man Dich niemals aus dem Haus heraussetzen kann." Die Regierung stellt
dem-amerikanischen Arbeiter ihren Kredit zur Verfuegung, indem
sie ihm erklaert: "Wir vertrauen Dir." Die europaeischen Marxisten versuchen, diesen oder jenen besonderen Zweig der Produktion zu sozialisieren. Wir werden zweifellos viel weiter
kommen, wenn wir ganz allgemein den Kredit sozialisieren. Der
Vorteil unseres Systems, das weit elastischer als das marxistische Prinzip ist, besteht darin, dass der einzelne sich selbst
das Haus aussuchen kann, das ihm gefaellt, waehrend nach marxistischer Auffassung der Arbeiter gern oder ungern das Haus
uebernehmen muss, das der Staat fuer ihn gebaut und ihm mehr
oder minder zwangsweise zugeteilt hat.
Martin: Gibt es eine sehnliche Krediteinrichtung fuer die
Stahlproduktion?
Stahl gehoert doch zu jenen Rohstoffen, aus
denen Verbrauchsgueter gefertigt werden.
Berle: Aber natuerlich. Die Regierung ist der Auffassung,
dass die Stahlproduktion mit jedem Jahr erhoeht werden muss,
um erstens den Lebensstandard zu erhoehen, ganz besonders heute
jedoch aus Gruenden der nationalen Verteidigung, A U S diesem
Grunde wendet sich der Staat auch an die Unternehmer und verlangt von ihnen eine Erweiterung der Stahlindustrie. Die Ant- 5

�wort der Industriellen heisst im allgemeinen: Wir haben hierzu
keine finanziellen Mittel. Die Regierung uebernimmt wiederum
die Verantwortung und stellt Beglaubigungsschreiben aus, in
denen bescheinigt wird, da-as die Produktionserweiterung des
Unternehmerns von oeffentlichem Nutzen ist. Mit diesem Beglaubigungsschreiben ist es dem Unternehmer einer Fabrik moeglich,
hei den Banken Kredite aufzunehmen und sich alle finanzieller
Mittel zu beschaffen, die er braucht, um z.B. neue Hochoefen
bauen zu koennen. Auf diese V/eise hat die Regierung im Verlaufe der letzten fuenf Jahre die Unternehmer der Aluminiumindustrie veranlasst, zwei neue, sehr bedeutsame Unternehmen zu
gruenden. Man ist in Washington der Meinung- gewesen, dass es
im Interesse der Oeffentlichkeit notwendig sei, die Produktionskapazitaet fuer Aluminium zu steigern, um sowohl die Preise zu senken und die Nachfrage der Verbraucher decken zu koennen. -Wie ich bereits erwaehnt habe, ist es die Aufgabe des
Industriellen, zu produzieren. Die Regierung kuemmert sich
um die Steigerung der Verteilung, indem sie oeffentliche Kredite gibt. Die Kredite koennen im gleichen Verhältnis mit
der Steigerung der Produktion erweitert werden, um die Verbrauchsgueter auf die verschiedenen Bevoelkerungsschichten in
ausreichender Weise verteilen zu koennen. Diese Idee blieb
Marx verschlossen, weil er sich ueber Geld- und Kreditprobleme noch vollkommen im Unklaren war. Er war zu jener Zeit noch
der Auffassung, dass Geld gleichbedeutend ist mit Gold. Die
Entdeckung jedoch, dass Geld etwas voellig anderes als Gold
ist, hat es dem amerikanischen System ermoeglicht, anders zu
handeln, als es in den marxistischen Prophezeihungen vorgesehen
war. Geld ist heute nicht mehr durch Gold, sondern durch die
sich staendig steigernde Produktion gedeckt.
Martin: In diesem Zusammenhang moechte ich eine Reihe Prognosen stellen, die uns einen voellig unerwarteten Blick in die
Zukunft oeffnen. In zehn Jahren wird der amerikanische Arbeiter, der heute vier Stunden weniger in der Woche arbeitet als
im Jahre 1940, noch vier Stunden weniger arbeiten koennen.
"'«Vaehrend die Arbeitswoche in Amerika vor zehn Jahren 45 Stunden gehabt hat, zaehlt sie jetzt weniger als 41 Stunden. Im
Jahre 19 60 wird der amerikanische Arbeiter in der Woche nicht
mehr als 37 Stunden arbeiten. Und trotzdem wird in diesem gleichen Zeitraum die Gesamtproduktion der Vereinigten Staaten um
mindestens 20$ und hoechstwahrscheinlich sogar um 40$ erhoeht
sein. Diesen Zahlen liegen hoechst zuverlaessige wirtschaftliche Studien zugrunde. Sie sind von einem sehr bekannten Forschungsinstitut ausgearbeitet, das "The SOth Century Fund" genannt wird, und dessen Vorsitz Sie zur Zeit fuehren. Meines
Wissens handelt es sich hierbei um eine Einrichtung, die ohne
Gewinn arbeitet und die im Interesse der Allgemeinheit heeufig
bestimmte Vorgaenge in der amerikanischen Wirtschaft eingehenden
Studien unterzieht, um sich ein besseres Bild ueber die wirtschaftliche Entwicklung machen zu koennen. Wie sehen Sie im
Licht der Prophezeihungen dieser Einrichtung die Zukunft dieses
amerikanischen Arbeiters, der immer weniger arbeitet, um viel
mehr zu produzieren?
Berle: Dieses Phaenomen ist in Amerika nicht so erstaunlich,
wie Sie anscheinend glauben. Im Verlauf der letzten zehn Jahre
ist der Lebensstandard des amerikanischen Volkes, im Ganzen
gesehen, um 50% verbessert worden. Dies trifft vor allem fuer
die laendliche Bevoelkerung zu. Wenn man sich mit diesen ermutigenden Ziffern beschaeftigt, muss man sich haeufig fragen,
ob die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften nicht einen anderen Lauf genommen haette, wenn Karl Marx, anstatt in London
- 6-

�zu bleiben, nach den Vereinigten Staaten gekommen waere, um dort
die Produktion zu studieren.
Die Verbesserung des Lebensstandards ist moeglich gewesen,
obwohl Amerika in diesem gleichen Zeitraum die Produktion fuer
die nationale Verteidigung zweimal der fuer den Zivilbedarf
voranstellten musste.
Wirtschaftlich gesehen, ist die Produktion von Kriegsgeraeten immer ein glatter Verlust, aber die Regierung in Washington war stets der Meinung, dass, wenn man
fuer die nationale Verteidigung produzieren kann, erst recht
auch Waren fuer den Zivilbedarf herstellen kann. Auf diese Weise ist durch den zweiten Weltkrieg die steigende Kurve der Erhoehung des Lebensstandards nicht unterbrochen worden.

Martin;

Wie ist dies aber moeglich?

Berle: Die amerikanische Produktion steigert sich alljaehrlich
regelmaessig um drei bis fueiif Prozent. Damit verdoppelt sich
unsere Produktion in 15 bis £0 Jahren automatisch.
Martin;

Ist dies jedoch keine Uebertreibung?

Berle: Auf keinen Fall. In den beiden letzten Jahren ist die
Produktion des Landes in noch staerkerem Tempo angestiegen als
man voraussehen konnte. Sie sehen also, dass wir in unseren
Berechnungen durchaus vorsichtig sind. Nach unsaren Schaetzungen muss sich die Gesamtproduktion der Vereinigten Staaten bis
zum Jahre 1960 um mindestens 20% erhoehen. Es ist wahrscheinlich, dass sie sogar 40% hoeher sein wird und zwar ohne uebermaessige Anstrengungen. Wenn die Umstaende es jedoch erforderlich machen, koennte unsere Produktion noch wesentlich hoeher
gesteigert werden.
Martin: Welchem Umstand schreiben Sie dieses Phaenomen der
staendigen Erweiterung zu?
Berle; Vor allem der Verbesserung der Produktionsleistung. Indem man dem Arbeiter fortwaehrend bessere Werkzeuge und bessere
Maschinen gibt, vergroessert man automatisch seine Produktionskapazitaet. Diese Erhoehung der menschlichen Arbeitsleistung
wird auf jaehrlich 2% geschaetzt. Fuer Marx war der Unternehmer
ein Mensch, den man beseitigen musste, weil er Parasit und Ausbeuter war. Unser amerikanisches System hat aus ihm einen Techniker gemacht, von dem man besondere Leistungen erwartet. Er
wuerde sich seiner Pflicht entziehen, wenn er nicht die besten
Mittel faende, um fortschrittliche technische Methoden und Kapitalinvestierungen zu kombinieren, die fuer die Gesamtheit eine
Verbesserung des Lebensstandards bedeuten.
Martin; Was hat diese Steigerung der Produktionsleistung fuer
eine Zeitspanne von zehn Jahren praktiscn zu bedeuten?
Berle: Heute produziert der amerikanische Arbeiter mit Hilfe
seiner Maschinen 25% mehr in einer Arbeitsstunde als 1940.
Martin:

7/em kommt diese gesteigerte Leistung jedoch zugute?

Berle: Die statistischen Angaben der letzten zehn Jahre zeigen
uns, dass die Gewinne aus der Steigerung der Produktivitaet, wie
wir die Arbeitsleistung nennen, ungefaehr gleichmaessig durch
eine Reduzierung der Zahl der Arbeitsstunden und eine Erhoehung
- 7-

�der ^rbeiterloehne absorbiert wurden. Wie Sie bereits ersehnten-, ist die durchscnittliche Arbeitswoche von 45 Stunden im
Jahre 1940 auf weniger als 41 Stunden zurueckgegangen. In einigen Jahren wird man nur noch 37 Stunden in der Woche arbeiten.
Martin: Welche Gewaehr haben Sie dafuer, dass die Vorteile dieser besseren Arbeitsleistung nicht in die Taschen der Unternehmer fliessen?
Berle: Diese Aufgabe der Kontrolle faellt in unserem amerikanischen Wirtschaftssystem den grossen freien Arbeitergewerkschaften zu.
Martin: Wie stellt man sich die Erweiterung der industriellen
Einrichtungen der Vereinigten Staaten vor?
Berle: Wie Sie wissen, sind die Steuergesetz-e seit der Einwirkung des Praesidenten Roosevelt so gefasst, dass die Grossunterneiimer gezwungen sind, einen betraechtlichen Prozentsatz ihrer
Gewinne fuer die Erweiterung der Produktion durch Investierungen zu verwenden. Die Ausdehnung der industriellen amerikanischen Einrichtungen kann fuer die 20 Jahre von 1940 bis 1960
auf 40% geschaetzt werden. Diese Zahl betrifft lediglich den
Aufbau voellig neuer Fabriken. Es handelt sich hierbei natuerlich um Nettowerte,' wobei die Erneuerung abgenutzten Materials
und die Amortisierung nicht einbegriffen sind. Diese Erweiterung um 40% der Gesamtheit der industriellen Einrichtung stellt
eine Investierung des groessten Teils der neu gewonnenen Kapitalien dar.
Martin: Die wichtigste Frage, mit def man sich am haeufigsten beschaeftigt, ist meiner Meinung nach die des Nationaleinkommens. Was besagen Ihre Zahlen in Bezug auf dieses Nationaleinkommen Amerikas?
'
Berle: Hierauf will ich Ihnen gern eine genaue Antwort geben.
Aber um der Verstaendlichkeit halber moechte ich von vornherein
feststellen, dass den Zahlen, die ich angebe, der tatsaeehliche Dollarwert zugrunde liegt, d.h., dass in ihnen bereits
den Wertverlust beruecksichtigt ist, damit Vergleiche ueberhaupt moeglich sind. Das amerikanische Nationaleinkommen, das
im Jahre 1940 135 Milliarden Dollar jaehrlich betrug, hat heute
den Betrag von 250- Milliarden Dollar erreicht. Es wird sich
im Jahre 1960 auf 350 Milliarden Dollar und sehr wahrscheinlich
sogar auf 375 Milliarden Dollar belaufen. Das ist nicht aussergewöhnlich, wenn man diese Zahlen mit dem vergleicht, was sich
in den letzten zehn Jahren abgespielt hat, in denen unser Nationaleinkommen verdoppelt wurde trotz, wie ich bereits erwaehnte,
eines Krieges, der vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ein reines Verlustgeschaeft war.
Martin: Bedeutet aber all dies fuer den kleinen Mann' in den
Vereinigten Staaten eine wirkliche Verbesserung seines Lebensstandards?
Berle: Welch1 seltsame Frage. Natuerlich ist es eine Verbesserung, da sich die Bevoelkerungsziffer des Landes im Vergleich
zur Steigerung des Nationaleinkommens relativ nur \.enig erhoeht
hat. Es ist offensichtlich, dass die Erhoehung des Lebensstandards in diesen zehn Jahren eine gewaltige war. Nehmen wir als
Beispiel den Durchschnittswert des kleinen Kapitals, das eine
amerikanische Familie in jeder Form von Besitztum ihr eigen nennt.
- 8 -

�2s besteht in Fora von Ersparnissen, liaeusern, Grundstueeken
und besonders Lebensversicherungspolicen. Nach den Schaetzungen
des "Twentieth Century Fund" besitzt die amerikanische Familie
im Durchschnitt ein Kapital von 5,000 Dollar. Vierzig Prozent
der Familien haben mehr als 5,000 Dollar und 20$ mehr als
2,500 Dollar.
Martin: Was Sie uns gesagt haben, beweist nicht nur, dass sich
der amerikanische Kapitalismus nicht auf dem Wege des Selbstmordes befindet, wie Karl l'arzin seiner Akkumulationslehre glaubte, sondern es zeigt uns,- dass der Amerikaner, was auch im Interesse der Allgemeinheit nur nuetzlich ist, zu einem praktischen Sozialisten geworden ist, auch wenn er sich dieser Tatsache- garnicht bewusst wird.
Rapports France-Etats-Unis
VI/51
VERSCHIEBUNGEN DER EETKauL:ENV ERTEILUNG IN DEN U.S.A.
In seinem Jahresbericht stellt Dr. Burns, der Forschungsleiter des amerikanischen nationalen Bueros fuer wirtschaftliche
Forschung, fest, dass Amerika seit 1929 in seinem Streben nach
einer besseren Verteilung der Einkommen grosse Erfolge erzielt
hat. In der Zeit von 1929 bis 1946 hat sich das durchschnittliche Jahreseinkommen fuer jeden Mann und jede Frau in den Vereinigten Staaten von 690 auf 1.166 Dollar erhoeht. Gleichzeitig
ist das Durchschnittseinkommen jenes einen Prozents der Bevoelkerung mit den hoechsten Einkommen von 15,168 auf 8,994 Dollar
zurueckgegangen. Diese Verschiebung, so sagt der bekannte
Volkswirtschafter, haette sich friedlich und allmaehlich vollzogen, sie koenne jedoch als eine der groessten sozialen Revolutionen der Geschichte s-ewertet vverden.
Dr. Burns berichtet weiter, dass der Anteil der fue lf Prozent der 3evoelkerung mit den hoechsten Einkommen am gesamten
Nationaleinkommen im Jahre 1929
34# saemtlicher persoenlicher
Einkommen betragen habe, aber 1im Jahr 1946 auf 18% zurueckgegangen sei. Durch diese Differenz ist der Anteil der Lohn- und
Öehaltsempfaenger Amerikas in den beiden Dekaden zwischen 1950
und 1950 auf 70'/ö des Nationaleinkommens angestiegen. Nicht nur
der Gesamtbetrag aller Arbeitereinkommen ist groesser geworden,
sondern auch der Prozentsatz am Gesamteinkommen, der dem Arbeiter
zufaellt, ist um 17-jb gestiegen.
Mit dem Hinweis, .dass kein Vergleich mit den Laendern hinter ' dem Eisernen Vorhang moefrlich ist, weil in kommunistischen
Laendern die Veroeffentlichung von statistischen Informationen
mit der Begruendung verboten ist, dass es sich um Staatsgeheimnisse handelt, stellt Dr. Burns trotzdem die Frage, ob irgendeine der sogenannten "Volksdemokratien" Stalins eine so umfassende Demokratisierung im Verteilungsprozess der Einkommen in irgendeinem ihrer eigenen Laender aufweisen koenne.
Program Services Section
. VI/6/51
SC KI EPS STRECKUNG UND { CKLICKTUNG IN SOv/ JET RUSS LA NT
Hit.der Abschaffung des Tarifverhandlungswesens im Jahre
1953 erfuhr auch das Beschwerdeverfahren, das urspruenglich dazu
- 9-

�bestimmt war, Arbeitsstreitigkeiten beizulegen, eine grundlegende i^enderum:. Nach der .Viedereinf uehrung der Tarifverhandlungen im Jahre 1947 zogen die sowjetischen Juristen einen
klaren Trennungsstrich zwischen Streitigkeiten, die sich um
die Festsetzung oder Veraenderungen der Arbeitsbedingungen
drehen und solchen, die sich aus der Anwendung bereits bestehender Arbeitsbedingungen ergeben. Praktisch, so sagen sie, gehoert lediglich diese zweite Gruppe in das besondere Schiedsspruchverfahren, das urspruenglich jedoch fuer beide bestimmt
war. Die Festsetzung der Arbeitsbedingungen und ihre Veraenderungen gehoeren augenblicklich in den Zustaendigkeitsbereich
der Verwaltung.
Die Vermittlungs- und Scniedsrichterausschuesse, die zur
Beilegung von Streitigkeiten ueber Arbeitsbedingungen gebildet waren, wurden mit dem Arbeitsgesetz vom 29. August 1928
aufgeloest. Spaeter ist das Volkskommissariat fuer Arbeit
durch den Zentralrat der Gewerkschaften im Jahre 1923 ersetzt
worden.
Die Schiedsausschuesse, die zu jener Zeit in jedem Betrieb
gebildet wurden, bestehen zwar noch immer, aber seit dem 2.
Januar 1923 ist der wichtigste Teil ihrer Funktionen und zwar
die Festsetzung von Akkordsaetzen und von Produktionsnormen
weggefallen, wie im offiziellen Handbach ueber Arbeitsgesetzgebung von 1946 erklaert wurde. Es sind in V.'irklichkeit Aus-r
schuesse, die die Aufgabe haben, Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Unternehmern ueber die Anwendung der bestehenden
Arbeitsgesetze beizulegen, d.h. es sind reine Beschwerdeausschuesse. In bestimmten Faellen muss die beschwerdefuehrende
Partei ihre Beschwerde dem Ausschuss vortragen, bevor sie sich
an das Gericht wendet. Repraesentanten der Unternehmer- und
der Arbeitnehmerausschuesse sind in gleicher Zahl vertreten,
und wenn kein Uebereinkommen erzielt wird, kann sich der Beschwerdef uehrende an das Gericht wenden. Die Strafen sind unwiderruflich, koennen jedoch von hoeheren Behoerden "von Amts
wegen" abgeaendert werden. Wenn diese die Strafe aufheben,
kann ebenfalls beim Gericht Beschwerde eingereicht werden.
In einigen anderen Faellen steht es frei, sich an das Gericht oder an den Ausschuss zu wenden. Folglich bietet das
sowjetische Gesetz fuer Arbeit-sstreitigkeiten dem Arbeitnehmer
bestenfalls einen Schutz gegen den persoenlichen Lissbrauch der
Ifecht des Unternehmers.
Es gibt jedoch auch Faelle, in denen weder beim Gericht
noch beim Ausschuss Beschwerde eingelegt werden kann. In diesen Faellen müessen hoehere Verwaltungsbehoerden in Anspruch
genommen werden. Dies trifft insbesondere fuer jene Beschaeftigungszweige zu, in denen die Unternehmer kraft des sogenannten Disziplinargesetzbuches ueber weitgehende Disziplinarbefugnisse verfuegen. Sin Arbeitnehmer in solchen Industriezweigen kann, wenn er von der Verwaltung bestraft wird,weder beim
Gericht noch beim Verwaltungsausschuss Berufung einlegen. Er
hat nur die "oeglichkeit, hoehere Vorgesetzte in seinem Unternehmen zu Rate zu ziehen.
The Monthly Labor Review
(Elements of Soviet Labor Law)

17/51
- 10 -

�DAS BETRIEBSTECHNISCHE AUFGABENGEBIET DER US-GEWERKSCHAFTEN
Der Mann im
Bleistift in der
stungsfaehigsten
tatsaechlich ein

weissen Hemd und Krawatte, mit Notizbuch und^
Hand, dem man in vielen der groessten und leiIndustrieunternehmen Amerikas begegnet, ist
Angestellter der Gewerkschaft.

Vielleicht entwirft er Tlaene fuer eine Neuordnung des Betriebs, analysiert die Produktionsziele, oder aber er fuehrt
Zeit- und Bewegungsstudien durch - wenn ihn nicht die traditionelle Antipathie der Gewerkschaften gegen diesen Ausdruck veranlasst hat, dieses Verfahren mit irgendeinem anderen technischen Ausdruck zu bezeichnen. Im allgemeinen beschaeftigt er
sich jedoch mit der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung", die
man gern mit seinem Widerpart, dem Unternehmer, identifiziert.
Wie und warum kamen die amerikanischen Gewerkschaften dazu,
sich mit der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" zu befassen?
Offen gesagt, die Gewerkschaften drangen in dieses Gebiet
aus Gruenden des Selbstschutzes ein.
Die Arbeitgeber haben die "wissenschaftliche Betriebsleitung" zu einem permanenten und festen Bestandteil der modernen
amerikanischen Industrie gemacht. So wie die Arbeitgeber es fuer
erforderlich hielten, mit den Gewerkschaften zusammenzuarbeiten,
hielten es die Gewerkschaften fuer notwendig, mit der "wissenschaftlichen Betriebsf uehrung" ins Einvernehmen zu komn.en. Sie
gelangten vor einigen Jahren zu der Erkenntnis, dass die einzige
Möeglichkeit, mit ihr zurechtzukommen und sich gleichzeitig
vor der Ausbeutung durch wissenschaftliche Methoden zu schuetzen,
darin bestand, mindestens ebensoviel, wenn nicht sogar mehr als
die Unternehmer, ueber die wirksame Rationalisierung der Industrie zu wissen.
Aus diesem Grunde gibt es gewerkschaftliche Referate fuer
Betriebstechnik, in denen gut geschulte junp;e Maenner beschaeftigt sind, die von der Gewerkschaft bezahlt werden. Wenn irgendein Betriebsplan Hintertueren hat, die sich nachteilig auf
die Arbeiter auswirken koennten, so finden diese Techniker es
sehr bald heraus. Gestuetzt auf eine starke, gut organisierte
Gewerkschaft koennen sie, mit Tatsachen und Informationen bewaffnet, mit dem Bestreben in die Verhandlungen gehen, fuer die organisierten Arbeiter und die Gewerkschaft das beste herauszuschlagen.
Die Bedeutung, die man der "wissenschaftlichen BetriebsfBhrung" mit ihren besonderen Arbeitsmethoden wie Zeitstudien, formelle Leistungslohnsysteme, Arbeitsplatzbewertung, Einstufung
nach Verdienst usw. beimisst, hat sich auf die Industriearbeiter
in den Vereinigten Staaten in grundlegender Weise ausgewirkt.
Die Arbeitgeber haben manchmal versucht, diese Methoden anzuwenden, um zu bestimmen, wie schwer ein Arbeiter arbeiten und was
er verdienen muesste. So koennte die Betriebsleitung zum Beispiel sagen, das Fliessband wuerde nicht so schnell laufen, wie
es eigentlich der Fall sein muesste. Eine Menge statistischer
Unterlagen, die von den Zeitstudienfachleuten der Unternehmer
zusammengetragen wurden, werden als Beweismaterial vorgelegt.
Diese Unterlagen - graphische Darstellungen, Diagramme,' mathematische Tabellen - koennen in einer technisch so komplizierten Ausdrucksweise gehalten sein, dass sie im allgemeinen fuer die Arbeiter unverstaendlich sind. Muessen derartige Statistiken nun
als mathematische Tatsachen akzeptiert werden? Die Gewerkschaf- 11 -

�ten sagen "Kein". Viele der Grundbegriffe, die in der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" verwendet werden, sind weniger
von einer objektiven als vielmehr der persoenlichen Beurteilung
abhaengig. Die Gewerkschaften vertreten den Standpunkt, dass
der Arbeiter keine Maschine ist und auch nicht als solche gewertet werden kann. Sie sind der Auffassung, dass viele Aspekte der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" auf fragwuerdigen Vermutungen beruhen, die weder zuverlaessig noch allgemein
gueltig sind.
Dies jedoch nur zu glauben, genuegt aber keineswegs, weil
das Unternehmertum entschieden hat, sich dieser Methoden zur
Foerderung seiner Ziele zu bedienen. Infolgedessen beschlossen
die Gewerkschaften, sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen,
um den Unternehmern zeigen zu koennen, wo, wie und warum ihre
Behauptungen falsch und ihre Forderungen unberechtigt sind.
Sie wollten in der Lage sein, sich innerhalb des Tarifverhandlungsprozesses gegen die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung"
zu schuetzen.
Viele Gewerkschaften verlegten sich daraufhin auf die
Methode der technischen Dienstleistungen durch die Gewerkschaft.
Die Taetigkeit der Gewerkschaften auf betriebstechnischem Gebiet ist in den Vereinigten Staaten verhaeltnismaessig jung
und trat zum erstenmal zu Ende der Dreissiger Jahre auf.
Fuer die Gewerkschaftsbewegung war die "wissenschaftliche
Betriebsfuehrung" im Grunde eine antigewerkschaftliche Angelegenheit. Um die Jahrhundertwende, als die moderne Betriebstechnik ins Leben trat, befanden sich die Gewerkschaften in der
Defensive. Gewerkschaftsfunktionaere sahen in dem neuen Begriff
eine neue Waffe zur Zerstoerung der Gewerkschaftsbewegung. Diese Auffassung wurde durch die Tatsache bestaerkt, dass die Unternehmer, die die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung" befürworteten, an antigewerkschaftlichen Taetigkeiten beteiligt waren.
Der Begriff "wissenschaftliche' Betriebsfuehrung" wurde in Gewerkschaftskreisen als ein Ungeheuer angesehen, das die Gewerkschaften den Unternehmern gefuegig machen und den gesamten Tarif verhandlungsprozess unterminieren soll.
Wie Solonon Barkin von der Textilarbeitergewerkschai't
schrieb, standen die Gewerkschaften auf dem Standpunkt, dass
"Leistungslohnsysteme die Arbeiter in unmenschlicher und selbstmoerderischer Welse gegeneinander aufwiegeln", und dass "Zeitund Bewegungsstudien keine wissenschaftliche Methode zur Bestimmung der Leistung und der Festsetzung der Loehne sind, sondern
lediglich Massnahmen, um- die Wuensche und Meinungen der Unternehmer in mathematischer Form zum üusdruck bringen."
Weil die Gewerkschaften nicht stark genug waren, um die
Einfuehrung der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung", besonders in ihrer Auswirkurg auf die Lohnbedingungen der Arbeiterschaft, verhindern zu koennen, begannen sie eine 'Verbekampagne,
um die Oeffentlichkeit fuer ihre skeptische Einstellung zu gewinnen.
Diese Kampagne fand im Jahre 1915 ihren hoehepunkt, als
das Gesetz zur Kriegsfinanzierung vom Kongress dahingehend abgeaendert wurde, dass man die Bezahlung von Experten, die sich
mit Zeitstudien beschaeftigten, aus Geldmitteln der Regierung
ablehnte.
Nach dem ersten V/eltkrieg stellten die Arbeitgeber eine
Verbindung zwischen "wissenschaftlicher Betriebsfuehrung" und
- 12 -

�den "Unternehmer-"gewerkschaften her. Die Antipathie der Gewerkschaften wurde dadurch nur vergroessert. 7/oimmer es moeglich war, versuchten die Gewerkschaften, Zeitstudien, Leistungslohnsysterae, psychologische Pruefungen und Einstufungssysteme
nach der Leistung abzuschaffen. Zu jener Zeit befand sich die
Industrie der Vereinigten Staaten jedoch im Aufschwung. Die
Unternehmer hatten ihre Aufgabengebiete neu organisiert und
machten sich die neuen Begriffe der Forschung, Normung, Planung und deren Ausfuehruhg zu eigen. Die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung" blieb bestehen und mit ihr ihre Methoden. Ilaeufig wurde jedoch mit diesen Methoden Missbrauch getrieben. Die
amerikanischen Gewerkschaften gewannen nach und nach groesseren
Sinfluss und widersetzten sich konsequent den neuen Methoden.
Victor Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft des
CIO, der heute Repraesentant des CIO fuer Europa ist, nahm zur
Gruendung der Automobilarbeitergewerkschaft im Jahre 1956/37
in folgenden 7»orten Stellung:
"Antreibemethoden und ungerechte Leistungsnormen waren
fuer uns ebenfalls ein Grund, uns gegen die Tyrannei in den
Betrieben aufzulehnen, wie all die anderen Ungerechtigkeiten,
die uns veranlasst hatten, uns zu organisieren. In den darauffolgenden Jahren, in denen unsere Gewerkschaft groesser wurde
und dadurch Macht und Einfluss gewann, schuf sie besondere Einrichtungen wie z.B. unser Referat fuer Zeitstudium und Produktionstechnik. Damit haben wir unsere urspruengliche, instinktiv
ablehnende Haltung den Methoden des Zeitstudiums gegenueber •
ueberprueft. Die technischen Erfahrungen, die wir uns in der
Zwischenzeit angeeignet haben, ermoeglichen es uns, an Hand der
Unterstuetzung durch feststehende Tatsachen den Kampf weiterzufuehren.
"Heute sind die technischen Dienste der Gewerkschaft den
Verhandlungsfuehrenden in der gleichen V/eise dienlich, wie
die Techniker den Unternehmern. Wenn eine Arbeits Streitigkeit nicht allzu kompliziert ist, kann die Ortsgewerkschaft
das Lehrmaterial ueber "wissenschaftliche Betriebsfuehrung"
verwenden, das von dem betriebstechnischen Personal der Landesgewerkschaft ausgearbeitet ist. Sie koennen damit die Angaben
der Unternehmer ueberpruefe-n, um z.B. festzustellen, ob die
Schnelligkeit des Fliessbandes erhoeht worden ist. Die Ortsgewerkschaft kann darueber hinaus von sich aus um die direkte
Unterstuetzung durch technische Experten der Gewerkschaft bitten.
"Die wichtigste Tatsache hierbei ist, dass alle gewerkschaftlichen Aspekte, wenn eine Gewerkschaft stark und der Betriebstechniker der Gewerkschaft tuechtig ist, bei den Verhandlungen beruecksichtigt werden koennen. Eine englische Gruppe
von Gewerkschaftern, die vor einiger Zeit unter der Schirmherrschaft des Marshall-Pla-s dieVereinigten Staaten besuchte,
erklaerte im Anschluss an ihre Reise: "Die Gewerkschaftsmitglieder muessen sich darueber im klaren sein, dass die Anwendunr
von Methoden der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung», auch
wenn sie nicht wissenschaftlich sind, in der heutigen Industrie
unvermeidlich und notwendig ist, und dass die Entschlossenheit,
Missbraeuche zu verhindern und diese "wissenschaftliche Betriebsfuehrung soweit wie moeglich zu kontrollieren, eine notwendige Funktion der modernen Gewerkschaftsbewegung ist."
Einige amerikanische Gewerkschaften, wie z.B. die der
Damenoberbekleidungsarbeiter, der Textil- und Automobilarbeiter
haben regulaere gewerkschaftliche Referate fuer Hetriebst&lt;?chnik.
- 12 -

�Anders Gewerkschaften haben weniger formell arbeitende technische Einrichtungen, aber auch sie sind sich mehr#und mehr der
wachsenden Bedeutung der gewerkschaftlichen Ttetigkeit auf
dem Gebiet der Produktionstechnik bewusst.
Auch auf andere V/eise hat die Gswerkschaftsbewegung von
der gewerkschaftlich erarbeiteten Betriebstechnik Gebrauch
gemacht. Ein Beisoiel hierfuer sind die technischen Einrichtungen der allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Hierzu ein Beispiel, das wir dem monatlich erscheinenden Organ dieser Gewerkschaft "Justice" entnehmen:
"Die gesteigerte Konkurrenz der Nachkriegszeit auf den Absatzmaerkten der Bekleidungsindustrie hat in diesen Betrieben ein
besonderes Problem geschaffen. Noch vor 30 Jahren wurde in
allen Betrieben nach dem System der Zeitarbeit gearbeitet.
.Mit der erhoehten Konkurrenz sahen sich die Firmen gezwungen,
an ihre Arbeitnehmer groessere Anforderungen zu stellen." In
dem Bericht heisst es weiter, dass die Konkurrenzfaehigkeit
der Firmendurch die Zeitlohnbasis geringer wurde. Auf Veranlassung der Gewerkschaftsfunktionaers wurde, ein abgeaendertes.
Produktionssystem auf Stuecklohnbasis eingefuehrt. Nachdem
die verschiedenen Probleme ueberwunden waren, die sich mit
der Neuerung ergeben hatten, stiegen die Loehne der Arbeiter
um mehr als 50?o. Die Gestehungskosten wurden geringer, sodass jeder Betrieb besser in der Lage war, mit anderen zu konkurrieren.
Ein Beispiel fuer die Gruendung eines betriebstechnischen
Referats einer Gewerkschaft bietet die iiUtomobilarbeitergewerkschaft. Sie hat fuer die Gehaeiter und Auslagen ihres technischen Personals, zu dem drei Gewerkschaftstechniker und eine
technische Gehilfin gehoeren, 40.000 Dollar bereitgestellt.
Dieses technische Personal wird vom Landesvorstand der Gewerk- .'
schaft ueber den wirksamsten .,Einsatz seiner Arbeit beraten.
Es ist bemerkenswert, dass diese Techniker selbst langzeitige .Mitglieder einer Gewerkschaft sind. Die Gewerkschaften glauben nicht, dass unabhaengige, akademisch geschulte
technische Berater der Gewerkschaft eine ungeteilte Loyalitaet
bewahren. Die verschiedenen Formen der wissenschaftlichen Betriebsfuehrung sind im wesentlichen Methoden, die von den Unternehmern gefoerdert werden. Nur wenige technische Berater
in der Industrie hatten die notwendigen Kenntnisse, um den
Arbeitern helfen zu koennen, sich vor der Jillkuer des Unternehmertums zu schuetzen. Die Gewerkschaften, die auf diesem
Gebiet am weitesten vorgeschritten sind, sind der Auffassung,
dass Techniker im Dienste der Gewerkschaften enge und dauernde
Beziehungen zu der Gewerkschaft pflegen muessen, und dass ihnen
von der Gewerkschaft selbst gut ueberlegte Anweisungen gegeben
werden muessen. Solei e Beziehungen wuerden nach ihrer üUffassung
fuer die erfolgreichste Anwendung der beruflichen Faehigkeiten
und Erfahrungen der 3etriebstechniker im Dienste einer Gewerkschaft buergen.
Das technische Personal der Gewerkschaften leistet eine
Vielzahl aeusserst wichtiger Dienste fuer die Gewerkschaftsbewegung. Einige ihrer Funktionen muessen anderen vorangestellt
werden,-dies ist jedoch jeweils von der betreffenden Gewerkschaft oder Iniustrie abhaengig. Diese technischen Dienstleistungen der Gewerkschaften bilden die Grundlage fuer Tarifverhandlunge'n. Sie foerdern die Entwicklung der industriellen
Technik im Interesse der Gewerkschaften, der Unternehmer und
der Oeffentlichkeit. Sie dienen als Informationsquelle fuer
die Gewerkschafter, die sich mit technischen Problemen befassen,
und darueberhinaus als Richtlinien fuer diejenigen, die die
- 14 -

�gewerksohtftliohe Politik gestalten.
Ss ist darauf hingewiesen worden, dass die betriebstechnische nrbeit der Gewerkschaften in Amerika einer defensiven
Handlung seitens der Gewerkschaftsbewegung entsorungen ist,
die durch die Gegebenheiten einer bestimmten Situation bedingt war. Die betriebstechnische arbeit der Gewerkschaften
in Suropa mag von weit groesserer Bedeutung seih, weil die
'Wirtschaftssysteme der europaeischen Laender in die Phase
der Verteidigungsproduktion eintreten. Indem die Betriebstechniker- der Gewerkschaften es der Gewerkschaftsbewegung ermoeglichen, sich mit groesserer Zuversicht auf dem Gebiet
der Leistungsfaöhigkeit der Industrie zu bewegen, koennen
sie zu den Bestrebungen der europaeischen Gewerkschaftsbewegung beitragen, die selbst bei einer Steigerung der Verteidigungsproduktion auf die Erhaltung des bestehenden Lebensstandards gerichtet sind.
Labor News from the US
71/8/51
Syd Stogel, Korrespondent des "AFL V.'eekly News Service" in Rom:
UNZUFRIEDENE TSCHECHISCHE ARBEITER MJESSEK FUER RUSSLANDFKRIEGS•"ASCKINERIE ARBEITEN
Ihres fundamentalen Streikrechtes beraubt, blieb den
ehemals freien tschechoslowakischen Gewerkschaftern kein anderes Nittel als "krank" zu sein, um sich gegen die erbarmungslosen Antreibmethoden aufzulehnen, denen die Industriearbeiter
in Rahmen des FuenfJahres-Planes ausgesetzt sind.
Ueberi.ll bleiben die Arbeiter "wegen Krankheit" ihrer
Arbeitsstaette fern. Diese Gewohnheit hat unter den Bergleuten solche Ausmasse angenommen, dass das kommunistische Regime
gezwungen war, Soldaten zum Abbau der Kohle einzusetzen.
Dies ist ein Teil des Gesamtbildes, das ein in Prag
stationierter Diplomat, der si%ch in Rom aufhielt, in einem
Interview ueber die Lage der Arbeiterschaft in der kommunistischen Tschechoslowakei gegeben hat.
Nach der .'..'einung dieses Beamten flea Ausfertigen Dienstes,
der sich seit der "Befreiung" Prags in dieser Stadt befindet,
ist die kommunistische Diktatur in der Tschechoslowakei sowohl
fuer die politischen als auch fuer die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich zu machen.
Die Saeuberungsaktion dementia war lediglich ein Anfang,
und niemand fuehlt sich heute noch sicher, selbst nicht der
Praesident Clementis Gottwald. Bei immer gesteigerteren russischen Forderungen nach Kriegsmaterialien und schweren Austestungen kann selbst eine so hoch entwickelte industrielle Basis
wie die der Tschechoslowakei unter der Last solcher Anforderungen zusammenbrechen, erklaerte der auslaendische Beobachter.
Der Diplomat stellt fest, dass die tschechische Industrie
bereits vor dem Ueberfall der Roten Armee auf Korea fuer den
Krier- mobilisiert war, und dass die Ruestungsfabriken in drei
Schichten ununterbrochen Tag und Nacht arbeiteten.
"Die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft,"faehrt er fort,
"haette ernsthafte Folgen fuer die Beziehungen des Landes mit
- 15 -

�Russland . ".'eil die Tschechen nicht in der Lage »üren,. all
die wichtigen Varen und Ausrufstunzart zu liefern, die Russland in dem Handelsabkommen zwischen diesen beiden laendern
beansprucht hatt-s, haben die Ru3=?en die Lieferun? von 460.000
Tonnen '.Veizen unterbunden, die der Tschechoslowakei versprochen worden waren. Dadurch wurde die wirtschaftliche Lage der
Arbeiter noch schlechter, zumal seit Deginn des Jahres der
Preis fuer Brot^ das wichtiste Nahrungsmittel in der Tschechoslowakei, um 60,o in die Hoehe gegangen ist. Der Preis fuer ein
Kilogramm Mehl stieg von 7 1/2 auf 21 Kronen. Zum erstenmal
seit Jahren hat erneut eine allgemeine Hortung -von Lebensmitteln
eingesetzt."
Der Diplomat berichtet ferner, dass die Tschechoslowakei
in den Kriegsplaenen der Sowjetunion eine bedeutende Rolle
spielt. Um die Produktion wesentlicher Erzeugnisse zu beschleunigen, haben die Russen befohlen, dass die Tschechen so weit
wie moeglich die FTiessbandmethode anwenden. Maschinen und
Rohstoffe, die von der Sowjetunion nicht beschlagnahmt wurden,
bleiben fuer Russlands Satellitenstaaten reserviert.
""Lieferungen fuer China zum 3eisoiel sind laufend durch
den polnischen Hafen Gdingen geschleust worden. Russland hat
versorochen, die Tschechoslowakei mit Kupfer zu versorgen, das
frueher aus Jugoslawien und anderen Laendern des V.'estens eingefuehrt wurde.
"Am bezeichnendsten," so schliesst der Korrespondent,
"ist die Tatsache, dass der groes.ste Teil der strategisch wichtigen Industrie in den westlichen Teilen der Tschechoslowakei
nach der Slowakei im Osten verlagert wird. Zu den grossen Industrieunternehmen, die zur Zeit weiter nach Russland verligert
werden, gehoeren die Kolbek-Danek-'.Verke in Prag, Skoda in Pilsen. Man hat dabei natuerlich im /iUge, sie vor amerikanischen
Bombern besser schuetzen zu koennen."
AFL Y.'eekly News Service
VI/5/51
IB7G aRKAi.LT HILFSMITTEL J'U^R UI'T^R^HT».T0K^LT^ LAHIID^R
Der Generalrat des Britischen Gewerkschaftskongresses (TUC)
hat mitgeteilt, dass er 60 000 Pfund .Sterling beisteuern werde,
um dem internationalen Bund Freier Gewerkschaften die Hoeglichkeit zu geben, weltweite Regionalorganisationen aufzubauen. Züsaetzlich zu dieser Summe, die der TUC selbst gibt, sind die angeschlossenen Gewerkschaften aufgefordert worden, einen gleichhohen Betrag fuer die drei naechsten Jahre ebenfalls vorzusehen.
Zu diesem Schritt bemerkt der Generalsekretaer des TUC, Sir
Vincent Tewson in der TUC-'.Vochenschrift "Industrienachrichten":
"Der IBFG ist nicht allein begruendet worden, um den Kommunismus
zu bekaempfen oder etwa sich der Diktatpolitik des V/eltgewerk-.
schaftsbundes zu widersetzen, der dem Kominform untersteht, sondern um in erster Linie eine starke und freie Gewerkschaftsbewegung in jenen Laendern aufzubauen, in denen diese noch nicht genuegend entwickelt ist. as ist deshalb fuer die Gewerkschaften
eine selbstverstaendliche Verpflichtung, dass in allen Laendern,
wo diese einen Hoechststand erreicht haben, sie ihren Kollegen
in anderen Laendern in jeder „reise helfend zur Seite steht.
Labor Information LI 642
- 16 -

�Intcrnafionale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch .irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 27

Frankfurt, 6. Juli 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Unternehmertun und wirtschaftliche Zusammenarbeit -

1

Britische Gewerkschaften entwickeln Hilfsprogramm
fuer unterentwickelte Laender - - - - - - - - -

9

Bessere Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen erforderlich - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1
Siegfried Aufhaeuser kommt nach Deutschland zurueck 12
Die Schiedssprechung der amerikanischen Gewerkschaften in Taetigkeit - - - - - - - - - - - - - 1 3
Lebensstandard und Produktivitaet von Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
abhaengig - - - - - - - - - - - _ _ _ - - _ _ _

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UNTERNEHMERTUM UND WIRTSCHAFTLICHE ZUSAUVILNARBLIT
Auszuege aus einer Ansprache ueber menschliche Beziehungen
und Produktivitaet, die vor kurzem von R. R. Zimmermann,
einem technischen Sachbearbeiter der ECA-Abteilung fuer
technische Unterstuetzung, in Washington gehalten wurde.
Die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit ist,
soweit sie den Vereinigten Staaten entstammt, vielleicht ein
Gegenbesuch der neuen ..'elt in der alten Welt, der Quelle ihrer
Staerke. Ich bin eher ein praktischer Llensch als ein Philosoph, aber es scheint mir, dass die alte Welt nicht nur ihre
Soehne und Toechter und das Kapital, mit denen das Land aufgebaut wurde, nach der neuen »Veit exportiert hat, sondern noch
einen weit bedeutsameren Faktor: Sie hat zwei getrennte Ge- 1-

�dankengaenge in die neue .Veit gebracht, die sich in Amerika
vereinigt und ein neues Produkt europaeischer Zivilisation hervorgebracht haben.
Die beiden Gedankengaenge oder Auffassungen, die ich meine, sind einmal die Wissenschaften, zum anderen der Begriff
der Menschenwuerde. Beide Begriffe waren europaeiscnen Geistes
und europaeischer Auffassung, sie waren.revolutionaer. Beide
sind in gleichem Kasse bestimmte charakteristische Merkmale
westlicher Kultur. Sie haben beide in Europa eine grosse Verbreitung erfahren. In Amerika haben sie vielleicht eine Variante erzeugt. Diese beiden Begriffe muessen jedoch analysiert
werden.
Die Wissenschaft ist ein geistiges Verfahren, in dessen
Verlauf Beobachtungen angestellt, Hypothesen ausgearbeitet,
Experimente geplant und Schlussfolgerungen ausgewertet werden.
Diese Methode hat in ihrer Anwendung durch Louis Pasteur zu
jenen bekannten neuen Entdeckungen auf medizinischem Gebiet
gefuehrt. Ihre Anwendung in der amerikanischen Industrie hat
zahlreiche technologische Entwicklungen in einem ebenso grossen
Massstab wie in Europa ausgeloest.
Der andere Begriff, die Menschenwuerde, bildet die Grundlage der franzoesischen Revolution, die ganz Europa mit sich
riss. Das Schlagwort: Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit fand in den Herzen der Amerikaner staerksten Widerhall umsomehr, als der junge Marquis de Lafayette der ringenden amerikanischen Revolution tapfere Hilfe brachte. Auch die Amerikaner hatten damals aehnliche Traeume, die fast den gleichen
Quellen der europaeischen Kultur entsprangen.
Ich moechte ihre Aufmerksamkeit heute auf die Anwendung
jener beiden Ideen in der amerikanischen Kultur lenken und dabei
nicht nur in das Gebiet unserer materiellen Lebenshaltung, sondern auch in das der menschlichen Befriedigung, also eines
nicht materiellen Charakteristikums;, vordringen. Diese menschliche Befriedigung, glaube ich, ist eng mit der in Amerika zu
findenden Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und ebenso unserer Produktivitaet verknuepft. Um diese
Verknuepfung zu illustrieren, moechte ich gern auf zwei Beispiele der Forschung auf dem Gebiete der menschlichen Beziehungen hinweisen. Sie sind in der Tat ueberaus akut, obwohl ein
grosser Teil der Arbeit noch nicht vollendet ist. Ich zeige
sie ihnen deshalb weniger vom Standpunkt eines vollkommen ausgewerteten Ergebnisses wissenschaftlicher Forschung, sondern
vielmehr als Beweise..
Die beiden in Frage kommenden Studien wurden von Sozialwissenschaftlern an Universitaeten durchgefuehrt, die dem Buero
fuer Marineforschung vertraglich verpflichtet sind. Diese Behoerde der Regierung wurde vom Marineministerium nach Beendigung des zweiten /Veitkrieges zu dem Zweck errichtet, .iegliche
Forschungsarbeit, die von der Marine auf allen Gebieten - angefangen bei den Waffen bis zu den medizinischen Entdeckungen geleistet wird, auszuwerten.
Mit Geldmitteln, die von dieser Behoerde bereitgestellt
wurden, hat die Universitaet Michigan in Zusammenarbeit mit
einigen fuehrenden Unternehmen der Vereinigten Staaten eine Studie ueber Organisation, Produktivitaet und Moral begonnen.
Eines der ausgewaehlten Unternehmen war eine grosse Lebensver- 2 -

�Sicherungsgesellschaft, die ueber die Produktionsleistung in
verschiedenen Bueros, in denen die gleiche Arbeit verrichtet
wurde, genau Buch fuehrte. Diese parallelen Einheiten waren
vor einigen Jahren eingerichtet worden, weil das Unternehmen
der Meinung war, da3S bei einem sehr grossen Arbeitsanfall
die Arbeiten schneller erledigt wuerden, wenn die Gesamtzahl
der Konten ihrer Versicherten in Einzelabteilungen unterteilt
wuerde, in denen der Gesamtarbeitsvorgang der Berechnung und
Buchhaltung fuer sich geleistet wird. Die Arbeitnehmer dieser
Unterabteilungen wurden nach den gleichen Gesichtspunkten ausgewaehlt und arbeiteten unter den gleichen Bedingungen. Und doch
war die Produktionsleistung in einigen Abteilungen besser als
in anderen.
Die genaue Feststellung der Produktionsleistung lieferte
ausgezeichnete Unterlagen, mit deren Hilfe die Abweichungen auf
den einzelnen Gebieten festgestellt werden konnten. Der Faktor,
den man analysieren wollte, war die Art der Arbeitsleistung.
Die Forscher der Universitaet fanden heraus, dass die arbeitsvorgeseuzten der Gruppen mit hoeherer Produktionsleistung folgende charakteristische Merkmale aufzuweisen haben:
1. Sie spielen als Arbeitsvorgesetzte eine ganz bestimmte Rolle. Sie verwenden fuer die gleichen Funktionen weniger
Zeit als die Arbeitenden und mehr Zeit fuer die Beratung und
Unterstuetzung ihrer Beschaeftigten.
2. Die Arbeitenden werden von ihren Vorgesetzten weniger
streng ueberwacht, ebenso wie sie auch die Arbeit ihrer Untergebenen weniger ueberpruefen. Sie lassen den Arbeitnehmern •
mehr Handlungsfreiheit und erlauben ihre persoenliche Mitwirkung, wenn Entscheidungen getroffen werden. Katuerlich heben
die Beschaef tigten ein groesseres Interesse, wenn die Struktur
des Betriebes sowohl den Vorgesetzten als auch den Arbeitenden
eine groessere Handlungsfreiheit gibt und sie bei wichtigen
Entscheidungen zu Rate gezogen werden. Es bestehen infolgedessen bessere Moeglichkeiten, sich ueber die Dinge« auszusprechen.
3. Die Vorge-setzten unterrichten die Arbeitnehmer laufend
und lassen sie wissen, was man von ihnen erwartet und was sie
wirklich leisten. Die Vorschlaege der Beschaeftigten zur Befoerderung ?uter Mitarbeiter begruenden sich auf Tatsachen und
sollen von ihren Vorgesetzten wiederum verwirklicht werden.
In einem Ueberblick ueber diese Feststellung werden wir
daran erinnert, dass die Prbduktivitaetsfrage nur ein einziges
Kriterium der Gruppenleistungsfaehigkeit bildet. Die Genugtuung, die den einzelnen aus ihrer Arbeit erwaechst, ist
selbstverstaendlich ebenso bedeutsam, weil die menschliche Befriedigung in einer Demokratie eines der Endprodukte des industriellen Prozesses sein muss.
Die Befriedigung, die eine Arbeit in sich birgt, scheint
eine Funktion der Art der Arbeit zu sein, d.h. der Beachteftigung, des Faehigkeitsniveaus und des Interesses an der Arbeit
selbst. Abgesehen davon gibt es ebenfalls ein Befriedigtsein oder Nichtbefriedigtsein mit der Arbeitsgemeinschaft, in
die man gestellt ist. In den Gruppen mit einer besseren Produktionsleistung sind die Arbeiter'auf ihre Arbeit sehr stolz.
Sie haben das Empfinden, dass ihre Vorgesetzten in ihren Erwartungen vernuenftig sind. Mit guten Vorgesetzten produzieren
die Arbeiter nicht nur mehr, sondern sie sind auch gluecklichor.

•-J

�In dieser Darstellung hüben wir einige besondere Aspekte
der Arbeitsueberwachung in bezug auf Produktivitaet und Moral
festgestellt. Die beauftragten Forscher beeilen sich, uns
davor zu warnen, dass diese Feststellungen nicht unbedingt
auch fuer andere Organisationen gueltig sein muessen. Es wird
z. Zt. eine umfassende Forschungsarbeit geleistet, um diese
Feststellung auf ihre Gueltigkeit unter anderen Arbeitsbedingungen zu ueberpruefen.
Auf grund der bis jetzt getroffenen Schlussfolgerungen
haben Unternehmen und Universitaet beschlossen, eine andere
Schlussfolgerung auf die Probe zu stellen. Sie beabsichtigen,
in einer Gruppe von Arbeitsgemeinschaften noch staerker die
Uebertragung der Verantwortung von der hoeheren Betriebsleitungsebene auf die Arbeitsvorgesetzten auszupraegen und die
Arbeitsvorgesetzten in ihrem Umgang mit ihren Arbeitnehmern
besonders zu schulen, um sie an wichtigen Entscheidungen zu
beteiligen, und um es ihnen zu ermoeglichen, Vorschlaege auszuprobieren und aehnliches mehr. In einer anderen Arbeitsgruppe
versuchten sie dies mit weniger Diskretion und Hessen das technische Personal des Unternehmens arbeitsparende Methoden ausarbeiten und pruefen. Dieses Experiment ist noch nicht beendet. In beiden Faellen ging die Produktion in die Hoehe. Sie
werden sich an die beruehmten Hawthorne-Experimente erinnern,
in denen die Produktion gesteigert, wurde, als die Beleuchtung
verbessert und die Produktion wiederum in die Hoehe ging, als
man die Beleuchtung verringerte. Dies ist ein Beweis dafuer,
dass die wirkliche Ursache dieser Steigerung nicht die Beleuchtung selbst, sondern die Aufmerksamkeit ist, die man den Arbeitnehmern widmet. In dem jetzigen Experiment besteht jedoch
ein wichtiger Unterschied. Die Zahl der Arbeitsplatzwechsel
ist in jenen Einheiten groesser geworden, in denen die Aenderung
der Produktionsmethoden besonders hervorgehoben werden, waehrend sie in solchen niedrig blieb, in denen man groesseren .Vert
auf gute Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
legte. Die Zeit wird hierueber naeheres berichten koennen.
Yv'enden wir uns nun einer zweiten Studie zu, die wir Identifizierung und Akzeptierung der Fuehruni* nennen wollen, einer
Studie, die fuer das Amt fuer Marineforschung vom Institut
fuer menschliche Beziehungen in Philadelphia unter der Leitung
von Dr. Fillmore K. Sanford durchgefuehrt wird. Die bis heute
erzielten Ergebnisse sind bereits in einem Buch zusammengestellt.
Dr. Sanford wollte feststellen, was einfache Arbeiter von ihren
Vorgesetzten denken. Er bediente sich dabei einer Gruppe von
40 Bewohnern Philadelphias, die aus jedem der 24 Stadtgebiete
aufs Geratewohl herausgesucht wurden. Um zu sehen, wie die
Fuehrung vom Standpunkt des Untergebenen aus aussieht, stellte
man ihnen viele Fragen - welche Fuehrer sie' bewundern, welche
sie um Rat fragen,und was sie insbesondere von den Fuehrern
denken. Man pruefte auch gewisse oersoenliche Aspekte der Befragten. Die Pruefung bestand aus acht Punkten, die, wie
fruehere Studien bewiesen haben, einen Persoenlichkeitsgradmesser vom autoritaeren Charakter bis zu dem der Gleichheit
liefern. Ein autoritaerer Charakter, so stellt Sanford und
andere fest, wird als ein umfassender Komplex von Haltungen beschrieben, die in der Persoenlichkeit tief verwurzelt sind.
Der autoritaere Mensch ist jemand, der auf grund seiner ihm erzogenen Gewohnheit sich der Autoritaet der Eltern und anderer
Menschen anzupassen sucht und durch folgende Kennzeichen charakterisiert ist:

4 -

�Grosse Anpassungsfaehigkeit, Verachtung fuer diejenigen,
die ausserhalb seiner Gruppe stehen oder die sich mit den Werten und Eigenschaften des Menschenbildes jener Gruppen zufriedengeben, eine offene Feindseligkeit ihnen gegenueber,verbunden mit einer bereitwilligen Unterwerfung gegenueber dem Staerkeren, jedoch eine berechnende Haltung in den Beziehungen zu
diesen Menschen, Opposition gegenueber dem Gutherzigen, dem
Idealisten, ueberhaupt allem Menschlichen und eine unverkennbare intellektuelle Ruecksichtslosigkeit, gepaart mit einer opportunistischen Intelligenz in ihrem Streben nach persoenlicher
Macht. Diese Kombination zeigt eine Unsicherheit, die tief
in -der Persoenlichkeit steckt und die zu ueberdecken der Einzelne zahlreiche Versuche unternimmt.
Dagegen wird derjenige, dem die Gleichheit der Menschen
ein echtes Prinzip ist, vernuenftig in seinem Verhaeltnis zu
seinen Vorgesetzten sein, die menschliche Gruppenverantwortlichkeit akzeptieren und die soziale Funktion des Fuehrers hervorheben.
Diese Pruefung, ob eine Person autoritaer oder gleichberechtigt gesinnt ist, besteht, so wie sie in Philadelphia angewendet wurde, aus acht einzelnen Fragen:
1. Muss es bei den menschlichen Wesen immer Krieg und
Konflikte geben?
2. Ist das Wichtigste, was ein Kind lernen soll, der
Gehorsam gegenueber seinen Eltern?
3. Koennten einige wenige tuechtige Fuehrer dieses Land
besser vorwaertsbringen als alle Gesetze und Reden?
4. Haben die meisten Menschen, die nicht vorwaertskommen,
nicht genug Willenskraft?
5.

Muessen die Maenner ihren Frauen helfen?

6.

Sollen sich die Frauen aus der Politik heraushalten?

7. Die Leute behaupten manchmal, dass eine Beleidigung
nicht vergessen werden darf, weil sie die Ehre verletzt. Sind
sie damit einverstanden oder nicht?
8.

Kann man allen Menschen Vertrauen schenken?

Selbstverstaendlicti liegen diesen fragen die Verhaeltnisse
in Amerika zugrunde. Die Antworten der meisten, die ihre Mitmenschen fuer gleichberechtigt halten, sind stark verneinend
auf die Fragen 1, 2, 3, 4, 6 und 7, dagegen beja^n. sie die
Fragen 5 und 6. Die Antworten der autoritaeren Charaktere dagegen sind natuerlich gegensaetzllcher Auffassung.
Der Autoritaere bevorzugt in seiner Wahl von Fuehrern
kraftvolle Persoenlichkeiten mit grossem Einfluss. Wenn er sich
an jemand wendet, um dessen Rat einzuholen, wuenscht er einen
Menschen mit Prestige zu fragen, der die Situation klaeren kann.
Der Autoritaere wird sich mit einer starken Fuehrung stets einverstanden erklaeren. Wenn ein Fuehrer Zeichen der Schwaeche
oder einer abweichenden Gesinnung zeigt, wird der Autoritaere
feindselig. "Der Fuehrer, der sich seiner nicht sicher ist,
ist abzulehnen."
- 5-

�Derjenige dagegen, dem die Gleichberechtigung der Menschen
Grundsatz ist, kann sich mit der Machtausuebung eines anderen
einverstanden erklaeren, kann sie aber auch entbehren. Er kann
einen autoritaeren Fuehrer akzeptieren, wenn.die Situation es
erfordert. Und er kann sich seiner Macht auch entziehen, wenn
eine Veraenderung der Situation eintritt.
Das Verhalten des Autoritaeren richtet sich danach, was er
fuer sich gewinnen kann, d.h. es wird beherrscht von einer Art
Haendlergeist. Er kann z.B. dirigieren oder den einflussreichen Fuehrer als einen Menschen ansehen, der ihm Schutz und andere Dinge bieten kann, und als Gegenleistung hierfuer bietet
er ihm seine Loyalitaet.
Der, dem jedoch die Gleichheit der Menschen am Herzen
liegt, wuenscht sich dagegen einen Fuehrer, der persoenlich und
verantwortungsbewusst ist, der seine Mitmenschen achtet und
ihre Ideen- kennenlernen will.
Der Autoritaere sieht in einem Fuehrer weniger den Treeger
einer sozialen Funktion, sondern vielmehr eine Machtperson.
Der andere dagegen denkt funktionell, d.h. er wuenscht,
dass der Fuehrer eine besondere Leistung vollbringt. Wenn die
Fra^e gestellt wird, ob ein Mann ein guter Sprecher ist, 30 wird
er sich mit den Gedankengaengen, der Zahl und der Art seiner
Zuhoerer befassen» bevor er eine Meinung zum Ausdruck bringt.
Der üutoritaere aber wird, wenn er eine hohe Meinung von einem
Menschen hat, ihn als gleichmaessig gut fuer eine Vielzahl von
Taetigkeiten ansehen.
Die Beziehungen des Autoritaeren zum Fuehrer sind persoenlicher Art. Er hat wenig Gemeinschaftsbewusstsein. Er
schliesst sich nicht willig einer Gruppe an, und wenn er es
tut, hat er dabei die Absicht, selbst dabei zu profitieren.
Der andere kuemmert sich um seine Kollegen ebensosehr wie
um seine Vorgesetzten. Er wuenscht, dass die Ziele seiner Gemeinschaft immer hoeher gesteckt werden. Er wird eine Verantwortung uebernehmen, um seiner Gruppe zu helfen und wird freiwillig Aufgaben fuer seine Gruppe uebernehmen, selbst wenn sie
ihm keinen Ruhm oder keinen Dank einbringen. Er wird sich
eher Menschen anschliessen als sie zu beherrschen suchen. Er
passt sich den Situationen, aber nur bedingt dem Fuehrer an.
Schliesslich hat der autoritaere weniger Aussichten, von
seiner Gruppe gewaehlt zu werden. Er wird aller Wahrscheinlichkeit nach von oben her ernannt werden und sich deshalb
seinen Vorgesetzten gegenueber verantwortlich fuehlen, nicht
aber seinen Untergebenen und Mitarbeitern.
Derjenige, fuer den alle Menschen gleich sind, wird das
Bestreben haben, den freundlichen oder populaeren Menschen zu
seinem Fuehrer zu waehlen, vor allem dann, wenn es sich um
eine Stellung handelt, die nicht allzu wichtig ist. Wo jedoch
viel auf dem Spiel steht, wird er sehr waehlerisch sein. Im
Dschungelkrieg wird er den zum Fuehrer waehlen, der ueber die
Faehigkeit verfuegt, seine Kampfeinheit lebend wieder herauszubringen. '
Damit sieht Sanford, objektiv betrachtet, ein dreiteiliges
Verhaeltnis: Die Situation, den Fuehrer und den Gefolgsmann.
Eine bestimmte Art einer Situation wird eine bestimmte Art der
- 6-

�Beziehungen zum Fuehrer und Gefolgsmann erfordern. Wenn weitere
Forschungsergebnisse zur Verfuegung stehen, wird uns diese Denkeinstellung helfen koennen, die Menschen in jene Gruppen zu
gruppieren, in denen sie sich gluecklicher fuehlen und mehr
leisten koennen.
Stellen wir nun einen Vergleich zwischen diesen beiden
Studien an. In der Versicherungsgesellschaft gibt es in den
Gruppen mit hoeherer Produktivitaetsleistung Arbeiter,, die
auf ihre Arbeit stolz sind und Vorgesetzte, die ihre Untergebenen laufend unterrichten und alles mit ihnen besprechen. Mit
anderen V/orten, die Vorgesetzten sind gereifte Persoenlichkeiten, die in anderen Menschen Sicherheit und Vertrauen schaffen.
Sie fuehlen sich selbst verhaeltnismaessig sicher und brauchen
nicht anderen Menschen in einer Form Befehle zu erteilen, dass
sie damit ihre eigenen egoistischen Ziele foerdern. Sie koennen es sich leisten, sachlich zu sein, Tatsachen zu berücksichtigen und sich um andere zu kuemmern.
Diese Feststellungen, so moechte ich fast glauben, sind
in gewisser Hinsicht typisch fuer einen Gruppierungsvorgang,
der in Amerika nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in vielen anderen Organisationen stattgefunden hat. Dieser Vorgang
steht in schreiendem Widerspruch z*u der alten Auffassung vom
Meister und seinem Diener, der in der Vergangenheit das Wirtschaftsleben sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in
anderen Laendern zu beherrschen versuchte. Gewiss gab es fuer
die "Kapitaene der Industrie", die vor einigen Generationen
die grossen Unternehmungen errichteten, keinerlei Zweifel usber
die Frage, wer ein wirklicher Fuehrer ist. Als jedoch um 1890
in Amerika kein freies Land mehr zur Besiedlung verfuegbar
war und die Emigration aus anderen Laendern schnell abnahm,
begann die schnelle Entwicklung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung mit ihrer Forderung, die Arbeiterschaft als
gleichberechtigt am Verhandlungstisch anzuerkennen. Diese Gewerkschaftsbewegung ist ein dritter wesentlicher Faktor, der
zur Entstehung unserer gegenwaertigen industriellen Einrichtungen beigetragen hat, ebenso wie die Wissenschaft und die
demokratische Auffassung von der Wuerde des Einzelmenschen und
seiner Faehigkeit, mit seinem Wissen und seiner koerperlichen
Kraft sich nuetzlich zu machen. Eine andere Macht, die fuer
unsere Einrichtungen von Bedeutung war, ist der fliessende Charakter der amerikanischen Lebensweise, d.h. die Möglichkeit,
die fast jeder hat, sich unentgeltlich ausbilden zu lassen
und vorwaerts zu kommen.
Im Licht dieser Faktoren, die den Grundstein fuer unsere
soziale Struktur bilden, moechte ich heute feststellen, dass
die Art der Fuehrung, ueber die wir in unseren amerikanischen
industriellen Einrichtungen heute verfuegen, sehr viel mit
unserer Produktivitaet zu tun hat-.
Die meisten Menschen, die vieles ueoer technische Unterstuetzung und gegenseitigen Austausch wissen, beschaeftigen
sich hauptsaechlich mit technologischen und technischen Gesichtspunkten. Ich glaube jedoch, dass die menschlichen und sozialen
Gesichtspunkte im Rahmen der amerikanischen Industrie und des
amerikanischen Lebens fuer unsere Produktivitaet zumindest ebenso
wichtig und wahrscheinlich noch bedeutsamer sind.
Der Wert der vorliegenden Studien liert hauptsaechlich in
der Feststellung, was Menschen gefuehlt und versucht haben. Im
grossen und ganzen streben viele Amerikaner danach, Persoenlich- 7-

�keiten zu sein, die die Gleichberechtigung ihrer Mitmenschen
anerkennen. Mit dieser Grundeinstellung halten es viele von
uns fuer verhaeltnismaessig leicht, den gefuehlsmaessigen und
sozialen Beduerfnissen der Arbeiter und auch ihren Lebensbeduerfnissen Rechnung zu tragen. Wir sind der Ansicht, dass,
wenn Menschen tatsaechlich als Menschen anerkannt werden, wenn
sie das Gefuehl haben, einer echten Gemeinschaft anzugehoeren
und frei ihre Meinung zum Ausdruck bringen und ihre Ideen nach
eigenem Ermessen ansetzen koennen - ebenso wie ihrer Haende
Arbeit - sie auch das Bewusstsein haben, fuer etwas mehr als
nur fuer einen unentbehrlichen Lohn zu arbeiten. Durch diese
Einstellung entwickeln sie sich vom Lohnempfaenger zur Persoenlichkeit.
Ich moechte auf keinen Fall den Vorschlag unterbreiten,
dass wir diese Ideen absolut und vollkommen verwirklichen,
denn sowohl im Wirtschaftsleben als auch in der Regierung gibt
es Menschen in fuehrenden Positionen, die sowohl in gefuehlsmaessiger Hinsicht unreif als auch geistig zu beeinflussen
sind. Es sind vor allem jene, die gern ueber andere triumphieren. Wir haben schon unsere kleinen Diktatoren und manche von ihnen sind garnicht einmal unbedeutend.
Uebrigens sind wir zu einem Stadium verhaeltnismaessig
guter Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmer
durch Kaempfe und Streiks gelangt. Frueher'waren sowohl
Unternehmer als auch Arbeiter absolut egoistisch und kaempften
lediglich fuer ihre eigenen Ziele. Jeder der beiden Partner
widersetzte sich irgendwelchen Veraenderungen in der Form der
Zusammenarbeit, da jeder befuerchtete, dass die Konzessionen
auf Kosten ihres Status oder ihres Prestiges gingen und sie
dadurch in den Augen des anderen herabgesetzt wuerden. Unternehmer und Gewerkschaften haben sich in der Vergangenheit in einen
kostspieligen Kampf um die Frage eingelassen, wer die Fuehrung
der Arbeiterschaft uebernehmen soll. In vielen Faellen haben
die Gewerkschaften deshalb den Kampf gewonnen, weil die Arbeiter der Auffassung waren, dass die Gewerkschaften mit ihnen
identisch sind, dass das Unternehmertum an ihren Problemen nicht
interessiert sei.
'Es hat niemals eine Zeit gegeben, in der es derart wichtig fuer Unternehmer und Gewerkschaftsfuehrer gewesen ist, die
Wuensche und Erwartungen der Arbeiterschaft verwirklichen zu*
helfen, wie es heute der Fall ist. Es hat auch niemals eine
Zeit gegeben, in der eine feindselige Haltung der Arbeiterschaft
gegenueber dem Unternehmertum fuer die gesamte Zivilisation gefaehrlich geworden ist. Die Stimme des Kommunismus ruft laut
nach allen jenen, die unzufrieden sind und die sich nicht als
Teil ihrer industriellen Gruppe fuehlen. Die Stimme der Kommunisten schreien sehr laute, aber verdaechtige Verpsrechungen,
die die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang schon laengst als
hohl und falsch erkannt haben, fuer die die bisherige Freiheit
durch Unterdrueckung ersetzt und ihr Lebensstandard heruntergedrueckt wurde.
Es mag sein, dass die Vereinigten Staaten, die Frucht der
Freiheit und der Wissenschaft, jene Traeume in ein etwas schaerferes Licht gebracht haben, die sich hinter dem grossen Glauben unserer westlichen Zivilisation erstrecken. Es ist Tatsache, dass
in der westlichen Welt, in Europa und Amerika
und wo immer sonst sich unsere Gedenken ausgebreitet haben,
diese nicht nur einen Weg fanden, um den physischen Moeten der
Menschen zu begegnen, sondern auch um dem kleinen Mann auf der
- 8-

�Strasse alle Moeglichkeiten zu geben, seine Kraefte zu entwickeln
und ein aktiver Teilhaber der Gesellschaft zu werden, nicht nur
mit seinem Hirn, sondern ebenso mit seinen Haenden. Wir haben
daher das volle Vertrauen, dass im Gegensatz zur Tyrannei der
Sowjets, die unter utopischen Versprechungen die Freiheit der
Menschen ausgeloescht haben, die freie Welt in Wirklichkeit
nach dem strebt, was fuer die meisten Menschen in ihren Traeumen zum Ausdruck kommt. Ich habe den Glauben, dass die freie
Welt, die erst kuerzlich Hitler-Moussolini beseitigen konnte,
nicht nur dem sowjetischen Imperialismus widerstehen wird, sondern zu gleicher Zeit auch andere Hoffnungen der Menschheit in
Erfuellung bringen kann.
Wir sind bereits sehr weit auf diesem Wege gegangen, um
jedem Menschen dabei zu helfen, sich selbst als wertvolle und
wuerdige Persoenlichkeit zu fuehlen, als wirklicher Buerger in
der Familie und in zunehmendem Masse auch an seiner Arbeitsstaette. Wir kennen das Geheimnis, den Lebensstandard zu
heben - auch heute, wo wir in eine Aera der Wiederbewaffnung
eintreten muessen. Wir haben aber auch die einzige Gelegenheit,
den ganzen Willen freier Menschen aufzurufen, indem wir ihr
Los auf dem Wege zur Freiheit besser gestalten.
Transatlantic Vi/51
Vincent Tewson:
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN ENTWICKELN HILFSPROGRAMM FUER UNTERENTWICKELTE LAENDER
Der nachstehende Artikel von Vincent Tewson, dem Generalsekretaer des britischen Gewerkschaftskongresses, kuendigt an, dass der TUC dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften 60,000 Pfund Sterling zur Unterstuetzung
der gewerkschaftlichen Organisation in unterentwickelten
Gebieten zur Verf uegung -stellt. Tewson gibt zugleich
einen aeusserst zeitgemaessen Ueberblick ueber die Ziele
des TUC, die natuerlich auch denen der freien Gewerkschaftsbewegungen der uebrigen Welt entsprechen.
Innerhalt sehr kurzer Zeit - in weniger als 18 Monaten ist 3s dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften nicht
nur gelungen seinen Verwaltungsapparat fuer eine intensive
konstruktive Arbeit zu organisieren, sondern diese Arbeit
auch ununterbrochen weiterzufuehren.
Die Anweisungen, die dem IBFG auf der Gruendungskonferenz
in London im Dezember 1949 gegeben wurden, waren gewiss
aeusserst klar und eindeutig. Es war nicht seine Aufgabe, sich
in unfruchtbare Kontroversen mit dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund einzulassen, von dem sich die grosse
Masse der Gewerkschaften der freien '.Veit zurueckgezogen hatte.
Unsere Organisation hatte den Auftrag, eine positive Politik
zu verfolgen, und bereits im Maerz 195Ö beschaeftigte sich der .
Notstandsausschuss des IBFG, dessen Funktion darin besteht,
alle wichtigen und dringenden Fragen zu bearbeiten, die sich
zwischen den regulaeren Konferenzen des Exekutivausschusses ergeben koenner, mit der gewerkschaftlichen Situation in allen
Teilen der Welt und besonders im Fernen Osten, in Suedost-Asien,
dem Mittleren und Nahen Osten und Afrika.
9 -

�Diese Pruefung der gewerkschaftlichen Situation erfolgte
in Uebereinstimmung mit einem der wichtigsten Beschluesse, die
auf der 1. Konferenz in London gefasst wurden. Man war sich
der Notwendigkeit bewusst, die Beziehungen zwischen den freien
Gewerkschaften der Welt zu erneuern, um Missverstaendnisse
und falsche Zielsetzungen zu beseitigen, die im Zusammenhang
mit der Ursache des Bruches zwischen den freien demokratischen
Gewerkschaften und dem Weltgewerkschaftsbund entstanden waren
und gleichzeitig starke und freie Gewerkschaftsorganisationen
zur Foerderung einer fortschrittlichen Arbeiterpolitik in solchen Laendern aufzubauen, in denen die Gewerkschaftsbewegung
nicht genuegend entwickelt war. In einigen Faellen war vielleicht sogar eine falsche Politik festzustellen, weil einzelne
Gewerkschaften unter widerstrebenden politischen und sozialen
Bedingungen operieren mussten. Dies war klarer und eindeutiger als die Direktive, die die Londoner Konferenz dem Exekutivausschuss zur Festlegung seiner unmittelbaren Aufgabe gegeben
hatte.
In dieser Direktive wurde der Ausschuss aufgefordert,
so schnell wie moeglich jene nationalen Gewerkschaftszentren
zu unterstuetzen, die die Hilfe am dringendsten benoetigten.
Zugleich sollte er Verbindungen mit den bestehenden regionalen Gewerkschaftsgruppen aufnehmen, um die moeglichen Grundlagen der Zusammenarbeit bei der Entwicklung regionaler Organisationen ausfindig zu machen. Eine weitere Aufgabe bestand
darin, festzustellen, welche Meinung alle angeschlossenen
nationalen Gewerkschaftszentren bei dem Aufbau eines regionalen Gewerkschaftsapparates haben und die vorlaeufig notwendigen Schritte zu unternehmen, um ein weltweites System regionaler Organisationen als eines integralen Bestandteils des IBFG
zu schaffen.
Diese erste Aufgabe ist mit so viel Energie und Erfolg
angepackt worden, dass der IBFG damit einen klaren Beweis fuer
seine konstruktiven Absichten und positiven Ziele geliefert
hat. Der Fortschritt, der in so kurzer Zeit erzielt wurde,
hat den britischen Gewerkschaftskongress so stark beeindruckt,
dass er beschloss, aus eigenen Geldmitteln eine Summe von
60,000 Pfund Sterling zur Verfuegung zu stellen. Er wendet
sich gleichzeitig an seine ihm angeschlossenen Organisationen
mit der Bitte, mindestens ebenso viel Mittel freizumachen, die
in den naechsten drei Jahren fuer die Entwicklung der regionalen Organisationen und der regionalen Taetigkeit des IBFG bereitgestellt werden sollen.
Da dieser Betrag zusaetz lieh zu den jaehrlichen Mitgliedsbeitraegen geleistet wird, die die britischen Gewerkschaften an den IBFG zahlen, kann er als Beweis fuer das aktive
Interesse gewertet werden, das die britische Gewerkschaftsbewegung am Aufbau der ganzen Welt zeigt. Der TUC fuehlt sich vor
allem fuer die junge Gewerkschaftsbewegung im Commonwealth verantwortlich und hat vor kurzem positive Massnahmen zur Foerderung ihrer Entwicklung eingeleitet, in dem er Bueromaterialien,
Transporteinrichtungen und andere Mittel zur Verfuegung gestellt hat, die fuer die Gewerkschaftszentren in einigen der
Kolonien wichtig sind, aber zurzeit nicht ueber die Mittel
verfuegen, um sich selbst zu unterhalten.
Der TUC hat ausserdem fuer junge Gewerkschafter in den
Kolonien Stipendien und andere Moeglichkeiten der Ausbildung
zur Verfuegung gestellt. Erfahrene Gewerkschafter haben unter
der Schirmherrschaft des britischen Gewerkschaftsbundes TUC
10 -

�die Kolonien besucht, um die Organisatoren der Kolonialgewerkscheften bei ihren praktischen Problemen zu beraten und zu
unterstuetzen.
Es ist damit eine neue Richtlinie in der Politik des TUC
festgestellt. Der TUC setzt sich nachdruecklich dafuer ein,
dass seine Mitgliedsorganisationen ein starkes Interesse an
der Foerderung der Gewerkschaftsbewegung in unterentwickelten
und wirtschaftlich rueckstaendigen Gebieten zeigen* Jus ist
eine Verpflichtung der Solidaritaet, dass Gewerkschafter in
solchen Laendern, in denen die Bewegung herangereift ist,
ihre Kollegen in anderen Laendern tatkraeftig unterstuetzen
und alles foerdern, was auf diesem Gebiet getan werden kann.
Und hier kann viel geleistet werden. Der richtige Weg ist
nach Auffassung des TUC die Zusammenarbeit aller nationalen
Gewerkschaftszentren mit dem IBFG am Aufbau seiner regionalen
Organisationen. Dabei darf keine Zeit verloren und keine
Gelegenheit versaeumt werden, um den Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften zu der weltweiten GewerkschaftsOrganisation zu machen die er sein soll.
Die Zukunft der freien Gewerkschaften haengt von der
gemeinsamen Arbeit der im' IBFG zur Verfolgung der gleichen
Ziele zusammengeschlossenen Gewerkschaften ab. Die Organisation wurde keineswegs allein zu dem Zweck ins Leben gerufen,
den Kommunismus zu bekaempfen, oder der Beschwichtigungspolitik der internationalen Gewerkschaftspolitik des Kominform
entgegenzutreten. Der IBFG und seine ihm angeschlossenen nationalen Gewerkschaften haben wichtigeres zu tun, als lediglich der gefaehrlichen umstuerzlerischen Taetigkeit des Weltgewerkschaftsbundes entgegenzutreten. Zweifellos jedoch ist
es auch eine unserer Aufgaben, die Gewerkschaftsbewegung auf
nationaler und internationaler Ebene von diesen schaedlichen
Einfluessen zu saeubern.
ECA Labor Information
VI/20/51
BESSERE ARBEITGEBER - ARBEITNEHMER BEZIEHUNGEN ERFORDERLICH
Die Beseitigung politischer Gesichtspunkte aus" den Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und die
Festsetzung von Arbeitsbedingungen wurde von zwei italienischen Gewerkschaftern, die eine Studienreise durch die Vereinigten Staaten beendet haben, als Mittel zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen Arbeiter und Unternehmer in ihrem eigenen
Lande bezeichnet.
Die beiden Arbeiter Giovanni Caligari aus Mailand und '
Anthony Cocci aus Rom waren Mitglieder einer Besuchergruppe,
die sich aus Vertretern der Buntmetallindustrie zusammensetzte
und ihre einmonatige Studienreise durch die Vereinigten Staaten
im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms des Marshallplans soeben beendet nat.
Wir moechten gern, dass sich unsere Gewerkschaften in
ihren Verhandlungen auf Wirtsehaftsfragen beschraenken, so wie
es in den Vereinigten Staaten der Fall ist, sagte Cocci. Wenn
es den Kommunisten gelingt, politische Elemente in diese Verhandlungen hereinzutragen, sind diese Beziehungen in ihrer Gesamtheit gestoort.

�Sein Kollege Caligari wies darauf hin, dass die italienischen Arbeiter eine Modernisierung nicht fuerchten, durch die
ihre Arbeit erleichtert und die Produktionsleistung gesteigert
werden koennte. Die Kommunisten versuchten jedoch die Arbeiterschaft angesichts dieser neuen Idee mit derart viel Bedenken
zu umgeben, dass sie Schiffbruch erleiden muss.
Waehrend ihres Besuches in den Vereinigten Staaten hatten
die Mitglieder der Besuchergruppe ein ungewoehnliches Erlebnis, in dem sie als Uebermittler technischer Informationen zwischen zwei amerikanischen Betrieben taetig waren. In einem
Betrieb sahen sie, wie die durch Azetylen erzeugte Hitze dazu
verwendet wurde, die Q,ualitaet der Zinkbleche zu verbessern.
Die Italiener ueberlegten nicht nur, wie dieses Verfahren in
Italien angewendet werden koennte, sondern erwaehnten es auch
zufaellig in dem naechsten Betrieb, den sie besichtigten* In
diesem Betrieb war dieses Verfahren unbekannt und die Werkleitung beschloss, sich sofort mit dem System zu beschaeftigen
und, wenn es irgend moeglich ist, es anzuwenden.
Waehrend ihrer Reise durch die Vereinigten Staaten besuchte die Gruppe Betriebe in New Jersey, Connecticut, Massachusetts,
Rhode Island, Indiana und Illinois.
SCA Labor Information
VI/20/51
SIEGFRIED AUFKAEUSER KOMMT NACH DEUTSCHLAND ZURUECK
Der nachstehende Bericht, 5er dem Organ der New Yorker
Journalistengewerkschaf.t "Front Page" entnommen ist, gibt die
Geschichte eines New Yorker Journalisten wieder, der vor 1933
Gewerkschaftsfuehrer in Deutschland war und jetzt in dieses
Land zurueckkehrt, um dort die gewerkschaftlichen Organisationen der Angestellten zu unterstuetzen.
Bis zu seiner Rueckkehr nach Deutschland war der ruhige
bescheidene Siegfried Aufhaeuser fuer seine Arbeitskollegen
nichts weiter als ein aelterer deutschsprachiger Journalist.
Nicht viele wussten, dass er vor 1933 in Deutschland ein
bekannter Gewerkschaftsfuehrer und Vorsitzender der maechtigen
Gewerkschaft der Angestellten, des AfA-Bundes, und Mitglied
des Reichstags war. Vor dem Krieg bekleidete er eine fuehreivde Stellung in der deutschen Gewerkschaftsbewegung; er kehrt
nach Deutschland zurueck, um erneut in dem Kampf der freien
Gewerkschaften mitzuarbeiten.
Aufhaeusers gewerkschaftliche und parlamentarische Laufbahn fand mit der Machtuebernalime Hitlers ein jaehes Ende. Zu
Anfang des« Jahres 1933 ereilte ihn das gleiche Schicksal wie
die meisten prominenten Persoenlichkeiten in Deutschland, die
sich mit Hitler nicht einverstanden erklaeren konnten und es
wagten, ihre Stimme gegen ihn zu erheben.
Er wurde verhaftet und als Mitglied des deutschen Parlaments sogar beschuldigt, an jenem berechtigten Reichstagsbrand beteiligt gewesen zu sein. Jahre danach stellte man
fest, dass der Reichstag von Hitlers eigenen Schergen zu propagandistischen Zwecken in Brand gesteckt worden war.
Nach seiner Flucht aus Deutschland begab sich Aufhaeuser
nach Paris und spaeter in die Tuerkei. In Prag wurde er fueh- 12 -

�render Funktionaer der Gewerkschaftsbewegung der Angestellten
des mittleren Europas und der Balkanstaaten, und es gelang
ihm, eine Organisation mit einer Mitgliederzahl von mehreren
100,000 aufzubauen.
In Prag, war er bis zum Jahre 1938 taetig, als Hitlers
Schergen ihn erneut waehrend der nichtprovozierten Invasion
der Tschechoslowakei aufstoeberten. Mit Hilfe von Anhaengern
der Untergrundbewegung konnte er erneut entkommen und ging
diesmal nach London. Aber schon im naechsten Jahr verliess
er England und ging in New York an Land. Mit 53 Jahren begann
fuer ihn ein neues Leben in einem fremden Lande. Hier kannte
ihn das Aussenministerium als wertvollen Berater fuer den Aufbau einer neuen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland nach dem
Kriege.
Zweifellos wird Aufhaeuser in der Rehabilitierung des demokratischen Deutschlands und der freien Gewerkschaftsbewegung
eine bedeutende Rolle spielen. Von seiner zehnjaehrigen Erfahrung als taetiges Mitglied der amerikanischen Presse berichtet
er: Wenn ich die Vereinigten Staaten verlasse, so bedauere ich
vor allem, dass ich unsere Gewerkschaft nicht mit mir nehmen
kann. Ich »var sowohl in Deutschland als auch in Amerika Journalist und zugleich waehrend meines ganzen Lebens Gewerkschafter.
Seibsc in Deutschland hatten wir vor 1933 niemals eine
Organisation, die man mit der hiesigen Gewerkschaft haette vergleichen koennen. Es ist eine meiner aufrichtigsten Hoffnungen,
mithelfen zu koennen, die Journalistenverbaende und Gewerkschaften in Deutschland zu vereinigen, wie wir es auch in Amerika
unter dem Banner der Journalistengewerkschaft getan haben.
In Deutschland wird Aufhaeuser seine langjaehrigen gewerkschaftlichen Erfahrungen dazu verwenden, um die gespaltene Organisation der Angesteliten wieder zu einer einzigen maechtigen
Kraft zu vereinigen, wie sie es in der Zeit vor Hitler war.
Aufhaeuser erklaerte, dass
nale Repraesentant das CIO beim
weilt, wahrscheinlich einer der
ist, die mithelfen werden, eine
gewerkschaft aufzubauen.

Victor Reuther, der internatioIBFG, der oft in Deutschland
zahlreichen Gewerkschaftsfuehrer
vereinigte deutsche AngestelltenThe CIO News
VI/25/51

DIE SCHIEDSSFRECHUNG DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN IN TÄTIGKEIT
Der beste Weg zum Verstaendnis des Beschwerdemechanismus
und der Schiedssprechung ist die Verfolgung eines gegebenen Falles. Hier handelt es sich um einen Fall, der in einem grossen
Stahlwerk in Pittsburg auftauchte, und als "der Fall der ungewaaohenen Waende"bekannt wurde. Mr. X. ist der Ammoniakdestillateur des Nebenproduktwerkes. Als er am Sonntag, den 27. Juni
1948 zur 4-8 Uhr Schicht zur Arbeit kam, forderte ihn sein Vormann auf, an diesem Tage die Waende des Destillationsraumes innerhalb seiner normalen Arbeit zu waschen. Mr. X. beschwerte sich
und sagte, dass das Waschen -der Waende nie zuvor von ihm verlangt
worden sei, und dass die Waende tatsaechlich erst einmal, und
zwar von einem Pfoertner, gewaschen worden waeren. Der Vormann
sagte: "Nichtsdestoweniger muessen Sie heute die Waende waschen.
j-o

—

�Da3 ist ein Auftrag meines Betriebsfuehrers." X. bat um Erlaubnis, mit einem Mitglied seines Beschwerdekomitees sprechen zu
koennen, bevor er sich entschloesse, was zu tun sei. Nach einigem Zoegern wurde diese Erlaubnis abgelehnt, und X. vor die
Alternative gestellt, entweder die Waende sofort zu waschen
oder nach Hause zu gehen. Er zog es vor, nach Hause zu gehen
(er blieb jedoch auf dem Posten, bis ein Ersatzmann beigeschafft
werden konnte). Am anderen Tage kehrte er zur Arbeit zurueck,
und ihm wurde das Ultimatum gestellt, entweder die Waende zu
waschen oder nach Hause zu gehen. So ging er nochmals nach
Hause. Am dritten Tage wurde ihm der Eintritt ins Werk verweigert. Seine Karte war vom Haken genommen worden, und als er
dagegen protestierte, erklserte die Gesellschaft, dass er seinen
Posten freiwillig aufgegeben haette, und dass damit die Sache
abgeschlossen sei. Natuerlich war sie nicht abgeschlossen.
Mr. X. setzte sich mit seinem Beschwerdekomitee in Verbindung,
und der Fall begann seinen Lauf durch die fuenf Schritte des
Beschwerdemechanismus. Waehrend des vierten Schrittes bot die
Gesellschaft eine Beilegung auf der Basis der Wiedereinsetzung
ohne Bezahlung der rueckstaendigen Loehne an. Die Gewerkschaft
lehnte dieses Angebot ab und wies darauf hin, dass der Vertrag
verletzt worden sei, und dass daher Mr. X. einen Anspruch auf
die verlorenen Loehne haette. Der Fall kam am 29. September
1948 vor ein Schiedsgericht, nachdem ueber drei Monate seit
Beginn der Beschwerdefuehrung vergangen waren. Die Gewerkschaft
brachte als Zeugen Mr. X., drei seiner Mitarbeiter des Nebenproduktwerkes und ein Mitglied des Beschwerdekomitees bei.
Die Untersuchung wurde von einem Mitglied der Untersuchungsabteilung der Gewerkschaft gefuehrt. Die Gesellschaft wurde
durch ihren Rechtsanwalt und ihren stellvertretenden Personalchef vertreten. Drei Zeugen waren vorhanden; und zwar der
Vormann, der Abteilungsleiter und der Direktor der Arbeiterabteilung des Werkes.
Um diesen Fall verfolgen zu koennen ist das Verständnis
der Tatsache, dass der Vertrag ein besonderes Suspendierungsund Entlassungsverfahren vorsieht, notwendig. Diese Klausel
besagt, dass Arbeitnehmer nicht diktatorisch entlassen werden
koennen, und dass in allen Faellen, in denen die Betriebsfuehrung zum Entschluss kommt, dass das Verhalten des Arbeitnehmers
eine Suspendierung oder Entlassung fordere, dieser zunaechst
einmal fuer nicht mehr als fuenf Tage zu suspendieren ist. Vertritt der Arbeitnehmer den Standpunkt, dass die Suspendierung
oder die beabsichtigte Entlassung unberechtigt ist, kann er
eine Beschwerde einreichen, die automatisch nach dem dritten
Schritt der Beschwerdeordnung behandelt wird.
In diesem Falle fuehrte die Gewerkschaft aus, dass die
Gesellschaft den Bestimmungen des Vertrages nicht nachgekommen
sei. Sie hatte Mr. X. ohne Suspendierung und Zulassung einer
Verhandlung entlassen. Es stimmte zwar, dass X. sich einer
Suspendierung aussetzte, indem er sich weigerte, den Auftrag
seines Vormannes auszufuehren. Die in dem Uebereinkommen vorgesehene Verhandlung haette entschieden, ob seine Weigerung
berechtigt war oder nicht, aber es konnte kein Zweifel in Bezug
auf den Anspruch des Herrn X. auf zunaechst einmal eine Suspendierung und eine Verhandlung innerhalb von fuenf Tasren bestehen.
Der Vertrag bestaetigt ausdruecklich, dass diktatorische Entlassungen nicht zulaessig sind. Die Gewerkschaft diskutierte
die Berechtigung der Verweigerung der Waende Reinigung nicht,
obwohl sie zum Ausdruck brachte, dass, wenn Herr X. den normalen Gang der Auftragserteilung gegangen waere und zu einem
spaeteren Zeitpunkt eine Beschwerde eingereicht haette, es fuer
- 14 -

�ihn keine Bereinigung des Vorfalles geben konnte, selbst wenn
festgestellt worden waere, dass die Gesellschaft nicht berechtigt war, das Waendewaschen von ihm zu verlangen, Es waere
mit seinem normalen Stundenlohn bezahlt worden, und die einzige Befriedigung, die er haette haben koennen, waere das Wieder beschmutzen der Waende gewesen.
Die Gesellschaft fuehrte aus, dass sie Herrn X. nicht entlassen haette, sondern dass er freiwillig aus dem Arbeitsverhaeltnis ausschied und daher kein Recht zur Beschwerdefuehrung
bestuende.
Der Schiedsrichter ueberpruefte die Sachlage, ob Herr X.
freiwillig ausgetreten sei oder nicht auf das Genaueste und
kam zu dem Ergebnis, dass Herr X. nicht gekuendigt hatte, und
dass er das Recht der. Beschaeftigung in seiner Position habe,
solange diese bestuende. Da man die vertraglichen Bestimmungen fuer die Entlassung nicht befolgt hatte, war X. Angestellter geblieben, und man hatte ihm einfach nicht gestattet, seiner Arbeit nachzugehen. Das wa? natuerlich nicht zulaessig,
und daher ordnete der Schiedsrichter an, dass X. unter voller
Bezahlung; seiner rueckstaendigen Loehne wieder in seinen Posten einzusetzen sei. Dieser Beschluss wurde am 27. Oktober
gefasst. Einige weitere Tage vergingen, bis X. in der Lage war,
a*n seinen Posten zurueckzukehren. Er erhielt also eine Bezahlung fuer vier I-'onate, und zwar in der gleichen Eoehe, als wenn
er waehrend dieser Zeit gearbeitet haette. In diesem Falle
hatte X. anderweitige Beschaeftigung gefunden, waehrend er auf
die Verhandlung seines Falles wartete. Diese Zwischenverdienste wurden nicht von seinen rueckstaendigen Loehnen abgezogen,
da die Bezahlung von rueckstaendigen Loehnen nicht nur eine
'.Viedergutmachung fuer unberechtigte Zuruecksetzung ist, sondern
auch als Strafe fuer eine Vertragsverletzung gilt.
Haette die Gesellschaft Herrn X. bei seiner Rueckkehr aufgefordert, die Waende zu waschen, haette er sich einem ganz
anderen Problem gegenueber gesehen, da die Gesellschaft dieses
Mal die Beschwerdeordnung des Eollektivverhandlunrsvertrages
auf das Genaueste befolgt haette. Wenn sich X. auch dann noch
geweigert haette, haette man den unparteiischen Schiedsrichter
zur Entscheidung der Frage, ob diese Taetigkeit innerhalb der
Pflichten der Position liege oder nicht, anrufen muessen. Die
Gesellschaft stellte sich jedoch nicht auf diesen Standpunkt,
und Herr X. arbeitet, ohne sich mit dem Gedanken an "Waende"
zu belasten.
Dieser Fall war von ausschlaggebender Wichtigkeit, und
zwar nicht wegen der Frage der Waende, sondern in Bezug auf
die iintlassungsvorschriften und das Recht des Arbeitnehmers,
seinen Posten zu halten, solange dieser besteht. Hierdurch wird
das Gefuehl der Sicherheit vertieft und die lYoeglicukeit der
Ausnutzung verringert, ohne irgendwelche Einschraenkung der
legitimen Rechte der Betriebsfuehrung, da dies auf Grund der
vertraglich festgelegten Ordnung Abhilfe schaffen kann. Es mag
von Interesse sein, dass dieses Problem, nachdem es einmal durch
einen Schiedsspruch geloest war, zu keinem Zeitnunkt und bei
keiner Dienststelle wieder auftauchte.
Der ganze Fall verursachte beachtliche Kosten, allein die
aktenmae^sige Festlegung der Verhandlung kostete einen nicht unbedeutenden Betrag, Loehne der Zeugen rauasten bezahlt werden,
und auch die Zeit des Mitgliedes des Beschwerdekomitees und
der anderen Gewerkschaftsfuehrer kostete Geld. Nichtsdestowe- 15 -

�niger zahlte Herr X. nicht mehr als seine regulaeren Beitraege,
wie sie jedss andere Mitglied der Gesellschaft zahlt, mit anderen Worten also $ 2.00 im Monat. In diesem Falle war der Wiedergutnachungsbetrag hoeher als die Kosten der aller Verhandlungen. Die Gewerkschaft betrachtet jedoch eine Beschwerde
selten, wenn ueberhaupt, vom finanziellen Gesichtspunkt aus.
Sie ist vielmehr daran interessiert Prinzipien und Leitfaeden
festzulegen. Wichtig ist, dass der Vertrag in allen seinen
Einzelheiten respektiert wird. Sehr oft waren die Kosten fuer
ein Schiedsspruchverfahren bei weitem hoeher als die moegliche
Rueckzahlung an die Mitgliedschaft. Nichtsdestoweniger liess
die Gewerkschaft den Fall verhandeln, mit dem Ergebnis, dass
die Rechte der Arbeitnehmer zu feststehenden Begriffen geworden sind.
Auszug aus: Die Geschichte der StahlarbeiterGewerkschaften
LEBENSSTANDARD UND PRODUKTIVITAET VON ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN
GEWERKSCHAFTEN UND UNTERNEHMERN ABHAENGIG
Ein Funktionaer des amerikanischen Bergarbeiterverbandes
ist der Meinung, dass der Anstieg der Produktivitaet und des
Lebensstandards auf die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern zurueckgefuehrt werden kann.
Diesen Bericht erstattete Thomas Kennedy, der stellvertretende Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes. Er sprach zu
den Delegierten der Internationalen Arbeitsorganisation und
stellte hierbei fest, dass die 600,000 Mitglieder seiner Gewerkschaft alles zu tun wuenschen, um den Bergleuten in der
ganzen Welt behilflich sein zu koennen.
Kennedy's Meinung geht dahin, dass die Bergarbeiter in
anderen Laendern ebensoviel wie die amerikanischen Arbeiter
foerdern koennen, wenn ihnen die geeigneten Geraete und vernuenftige Arbeitsbedingungen gegeben werden. Er forderte dazu
auf, dass durch die IAO eine Konferenz einberufen werden soll,
an der sich Gewerkschaften, Unternehmer und Regierungen eller
kohleerzeugenden Laender beteiligen sollen, um hier gemeinsame
Probleme der Loesung naeherzubringen.
Noch vor 50 Jahren verdiente der amerikanische Bergarbeiter praktisch bessere Trinkgelder, lebte in werkeigenen"Wohnungen und arbeitete unter fuerchterlichon Bedingungen. Heute
besitzen 65% aller amerikanischen Bergarbeiter eigene Haeuser.
Sie zaehlen zu den bestbezahltesten Arbeitern uncf die Sicherheitsmassnahmen werden in gemeinsamer Arbeit mit den Bergwerksgesellschaften durcheefuehrt.
Labor Air Bulletin
VI/20/51

HIOOO 11 Jul 51 17528 6 M

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITYEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gehrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 28

Frankfurt, 12. Juli 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Finanzen der amerikanischen Gewerkschaften - -

1

Eine neue Waffe der Y.'eltgewerkschaf tsbewegung

5

- -

Niedrige Arbeitsmoral behindert Produktion der
Satellitenstaaten immer staerker - - - - - - Die Gewerkschaftsbewegung im Fernen Osten
Blut aus Oesterreichs Boden

8

- - - - 11

- - - - - - - - - - -

14

In welchen Berufen arbeiten amerikanische Freuen?

16

lack Barbash:
DIE FINANZEN DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
"Die moderne Gewerkschaft ist in vieler Hinsicht ein grosses
Geschaeftsunternehmen geworden," sagen Philip Murray und !". L.
Cooks.
Dieser Bemerkung fuegte ein Delegierter zum Koneress der
Zimmerer folgende Bemerkung an: "Ich glaube, wir sind alle der
Meinung, dass unser Verband ein grosses Unternehmen ist. Der
Betrieb unseres Zimmermannsheims ist ein grosses Unternehmen.
Die Leitung unserer Druckerei in Indianapolis ist ein grosses
Unternehmen. Die Statistische Abteilung unserer Vereinigten
- 1-

�Bruderschaft kann sich mit den groessten statistischen Bueros
irgend einer Handels- oder Industrie-Organisation vergleichen."
Die "Verwaltung der Gewerkschaftsfinanzen umfasst die Eintreibung der Beitraege, der Eintrittsgebuehren und der Extrabeiträege und die Buchfuehrung darueber. Sie bedeutet auch
die Auszahlung der Arbeitslosen-, Streik-, Krankenunterstuetzungsund der Sterbegelder, die Pruefung der Buecher untergeordneter
Einheiten, Zahlung von Beihilfen an angegliederte Organisationen, Investierung der Verbandsgelder in V/ertpapieren und Grundbesitz und das finanzielle Operieren, wie es ein Unternehmen
mit vielleicht tausend Arbeitern tun wuerde. Diese Funktionen
haben in den inneren Betrieb der Gewerkschaften viele geschaeftsmaessige Praktiken gebracht, die garnicht mit dem Gleichheitsideal harmonieren, fuer das die Gewerkschaften ein Ausdruck
sind.
Diese geschaeftsmaessige Regelung des inneren Geschaeftsbetriebes hat dazu gefuehrt, dass manchen einfachen Mitgliedern
die Gewerkschaft wie ein unpersoenlicher Mechanismus vorkommt.
Die meisten Dinge, die das Mitglied mit der Gewerkschaft zu erledigen hat - Beitraege zahlen und Unterstuetzung erhalten spielen sich in der Atmosphaere einer Bank und nicht so sehr
in der einer bruederlichen Organisation ab. Die Tendenz zu
finanzieller Nuechternheit und Haerte ist einer der Faktoren,
die eine Kluft zwischen der Gewerkschaftsverwaltung und den
Mitgliedern geschaffen haben. Fuer das Mitglied ist die Gewerkschaft "das Buero". Daran muss der Kassierer der CIO Shipyard
Worker (Werftarbeiter) gedacht haben, als er meinte, "es sollten
viel weniger Betraege fuer 'Zeitverlust' aus der Gewerkschaftskasse gezogen werden," und die Hoffnung aussprach, "dass wir
wieder zu den Tagen der kaempferischen Gewerkschaftsbewegung
zurueckkehren, wo es einreichen der Ehre fuer einen Verbandsbruder war, unserer Sache zu dienen ohne Entschaedigung fuer
'Zeitverlust', wenn dadurch nicht gerade sein Unterhalt gefaehrdet wurde." Und bei einer viel aelteren Gewerkschaft finden wir
dieselbe Reaktion, wenn der Grosslogen-Auditor der Maschinisten
klagt, es zeuge von einer Verkuemmerung der gewerkschaftlichen
Moral, wenn Gewerkschaftsmittel fuer verschwenderische und nichtige Zwecke verwandt werden, weil die neuen Mitglieder nicht in
gesunden Gewerkschaftsprinzipien erzogen sind."
Der Konflikt zwischen dem Idealismus und der Leistungsfaehigkeit der Gewerkschaft hat sich nirgends schaerfer manifestiert,
als im Finanzaufbau der Gewerkschaften. Hohe Gehaeiter der Gewerkschaftsangestellten werden als unvereinbar mit den guten
Gewerkschaftsprinzipien angesehen. Der Streit ueber die Gewerkschaf tsgeheelter geht zwischen denen, die glauben, dass kein
Angestellter mehr erhalten sollte als der bestbezahlte Arbeiter
in der Fabrik, und jenen, die versichern, dass Tuechtigkeit und
wirkungsvolle Vertretung der Gewerkschaftsinteressen die Zahlung von Gehaeltern rechtfertigen, die denen von Direktoren
naeher kommen als den Arbeiterloehnen.
Das Gleichheitsgefuehl unter den Arbeitern ist noch stark.
Der Buchdruckerverband machte diese Erfahrung, als ein Antrag
auf Erhoehung der Gehaeiter fuer Vizevorsitzende in einem Referendum abgelehnt wurde. Der Vizevorsitzende Eimer Brown
klagte:
"Dass die Mitglieder nicht willens waren, sie fuer die
Mehrkosten zu entschaedigen, die mit dem Eintritt in das Amt
durch die hohen Lebenskosten und die hoeheren Steuern erwucfc- 2 -

�sen, wird sich in keiner Weise auf die Dienste auswirken, die
diese Funktionaere den Mitgliedern des Buchdiuckerverbendes
leisten. Jeder, der sich um ein Amt im Verband mit der Erwartung auf materielle Entschaedigung fuer seine Muehen bewirbt,
hat schwere- Enttaeuschungen zu gewaertigen. Wie die Minister
muessen auch die Verbandsangestellten mit der Genugtuung zufrieden sein, die der Erkenntnis entspringt, dass sie etwas fuer die
tun, deren Wohl sie dienen."
Als auf dem Kongress des Zimmererverbandes die Gehaeiter
der hoeheren Angestellten diskutiert wurden, drueckte ein Delegierter die moderne Geschaeftsauffassung aus: "Die Arbeiterorganisation nimmt eine Position in der Welt ein, die ein
Teil des Geschaeftslebens ist. Sie hat jetzt den Punkt erreicht, wo wir unsere Angestellten bezahlen muessen im Verhaeltnis zu der geschaeftlichen Leistung, die sie vollbringen."
Philip Tafts Untersuchungen ueber die Gehaeiter der Gewerkschaftsangestellten ergaben, dass die Gehaeiter der oertlichen Funktionaere in einem gewissen Verhaeltnis zu den Arbeiterloehnen in ihrem Beruf stehen. Das durchschnittliche
Wochengehalt eines solchen Angestellten betraegt etwafr75,-.
Die Gehaeiter der Angestellten in der Leitung der allamerikanichen Gewerkschaften lassen keine Beziehung zu den Arbeiterloehnen erkennen. Das Durchschnittsgehalt ist hier - wenn
man von den hoechsten Funktionaeren absieht - etwa fr 5 500,pro Jahr; fr 6 500,- bei den AFL-Gewerkschaften, etwas unter
fr 4 000,- bei den CIO-Gewerkschaften. Die Gehaeiter der Hauptexekutivbeamten stellen sich auf durchschnittlich fr 6 500,-;
bei der AFL auf fr 7 000,-. bei der CIO auf fr 6 000,-.
Der Vorsitzende der UAW-CIO (Automobilarbeiter), einer
Gewerkschaft mit einer Million Mitglieder, erhaelt fr 9 000,-.
Eine heftige Debatte war notwendig, um das Gehalt von fr 5 000,euf diesen Betrag zu erhoehen. Der Vorsitzende der Gummiarbeiter erhaelt fr 4 000,- und der der United Electrical Workers
ungefaehr fr 3 500,-. Der Vorsitzende der Newspaper Guild bezieht kein Gehalt, er arbeitet als Journalist. Der Praesident
der Pulp and Sulphite Workers (Papiermacher) bezieht fr 6 500,-,
t 12 000,- erhaelt der leitende Mann der Ladies' Garment
'.Yorkers. Das hoechste Gehalt scheint das aes Vorsitzenden der
Lastwagenfahrer mit fr 30 000,- zu sein. Die Vorsitzenden der
Bergarbeiter und der Bueroangestellten bei den Eisenbahnen haben je fr 25 000,-, die der Stahlarbeiter, der Musiker und der
AFL je fr 20 000,-. Vergleicht man diese Gehaeiter mit denen
von Angestellten der Privatindustrie, die eine gleiche Verantwortung haben, so erscheinen sie niedrig.
Der demokratische Geist, der in den gewerkschaftlichen
Organisationen lebt, zeigt sich in der Offenheit, mit der ueber
die finanziellen Transaktionen in der Oeffentlichkeit berichtet wird. In den Berichten des Exekutivausschusses an den
Kongress und in den Verbandsblaettern werden gewoehnlich sehr
ausfuehrliche Abrechnungen veroeffentlicht. In der Tat gehoeren zu den Dingen, die die Gewerkschaftszeitungen so schwer
lesbar machen, die vielen Spalten langen und ins Einzelne gehenden Finanzberichte. Die Kalktraeger machen eine Ausnahme.
Einer ihrer letzten Finanzberichte umfasst die ganze Periode
von 1911 bis 1941.
Einer der aufschlussreichsten Finanzberichte ist der der
Buchdrucker. In einer der neuesten Fummern des "Journal" erscheint eine graphische Darstellung, die zeigt, wie die fr 5,80
- 3-

�Monatsbeitrag, die ein Buchdrucker mit 4 250,- Monatseinkommen
zahlt, verwandt werden: $ 4,15 fuer Alterspensionen, 85 Cents
fuer Sterbegelder, 50 Cents fuer des Buchdruckerheim, 30 Cents
fuer wirtschaftliche Einrichtungen, davon 5 Cents fuer das
"Journal".
Die Abrechnung des Newspaper Guild liefert das Material
fuer eine gruendliche Pruefung der Finanzgebarung der Gewerkschaft durch die Mitglieder und die Oeffentlichkeit. Man
kann z.B. daraus erfahren, dass der Redakteur des Verbandsblattes im Vierteljahr $ 845,-, der Leiter der Forschungsabteilung § 885,- erhielt; $ 13 523,- wurden fuer Propagandazwecke
ausgegeben, und die Verwaltungskosten beliefen sich auf
$ 10 770,- in diesem Vierteljahr (September 1945).
Man kann getrost sagen, dass die Finanzberichte der Gewerkschaften mit viel mehr Einzelheiten und viel haeufiger veroeffentlicht werden als die der Trustunternehmungen. Das ist umso
bezeichnender, als bis zum Taft-Hartley-Gesetz kein Zwang fuer
die Gewerkschaften bestand, ueber ihre Finanzgebarung oeffentlich Rechnung zu legen.
Eine allgemeine Tendenz ist das Zurueckgehen der Beitraege
fuer »Vohlfahrtszwecke, die fuer die aelteren Gewerkschaften so
charakteristisch waren. Gewerkschaften neigen immer mehr dazu,
Beitraege nur fuer das zu erheben, was der Buchdruckerverband
als "wirtschaftliche Aktivitaet" bezeichnet. Diese Entwicklung
ist begruendet durch die wachsende Bedeutung der staatlichen
Sozialversicherung; durch den staer*eren Anschluss von ungelernten Arbeitern an die Gewerkschaften, die Wohlfahrtsunterstuetzungen durch die TarifVerhandlungen zu erreichen hoffen; ausserdem
wirkt sich aus, dass die Wohlfahrtseinrichtungen der Gewerkschaften in immer geringerem Masse leistungsfaehig bleiben.
"Wohlfahrtseinrichtungen," sagt Matthew Wöll, "sind, wo sie
noch bestehen, eine staendige Sorgenquelle. Die Beitraege fuer
sie muassen immer wieder erhoeht werden, um mit dem steigenden
Lebensalter Schritt zu halten, und Beitragserhoehungen sind
immer schwer durchzusetzen. Allerhand Scnwierigkeiten ergeben
sich daraus. Nichts bringt soviel Sorgen und Unsicherheit fuer
die Gewerkschaften mit sich als die Wohlfahrtseinrichtungen, wo
sie noch bestehen."
Aber auch andere Zwecke verfolgt die Finanzgebarung der
Gewerkschaften neben der Erhebung der Beiträge zur Deckung der
laufenden Ausgaben der Verbaende. Hohe Eintrittsgelder werden
manchmal erhoben, um die Mitgliederzahl zu beschraenken, namentlich in den Industrien mit "geschlossenen Betrieben". Zu diesem
Zwecke erhoben oertliche Organisationen des Verbandes der Filmoperateure zeitweilig Beitrittsgelder von 4 300,- bis fy 1 000,-.
Andere Gewerkschaften, deren Beitrittsgelder ungefaehr dieselbe
Hoehe erreichten, waren die Zementmaurer, die Plakatankleber
und die Linoleumleger. Die Zentralkasse der Lastwagenfahrer
beansprucht vom niedrigsten Monatsbeitrag von $ 2,- nur 30 Cents,
um die Ortsorganisationen zu einer starken Organisierungstaetigkeit anzuspornen.
Die Bestimmung der Finanzpolitik der Gewerkschaften geht
immer mehr in die Haende der allamerikanischen Verbaende ueber.
Millis und Montgomery stellen fest: "Zuerst lag die Festsetzung
der Beitrittsgelder und der Beitraege in den Haenden der oertlichen, nicht der allamerikanischen Verbaende. Das hat sich aber
4 -

�sehr entschieden geaendert, seitdem die allamerikanischen Ver
beende neue Aufgaben uebernommen und groessere Macht erworben
haben."
Vorabdruck aus dem vom Bund-Verlag Koeln
herausgegebenen Werk Jack Barbash:
Struktur und Taktik der amerikanischen
Gewerkschaften.
David Dubinsky:
EINE NEUE V/AFFE DER WELTGEV/EI&amp;SCHAFTSBEIVEGUNG
Die neue Internationale ist in erster Linie das Ergebnis
des riesigen .'/achstums des Gewerkschaftswesens. Die amerikanische Gewerkschaftstewegung hat seit 1933 einen gewaltigen_
Aufschwung genommen, so dass sie zurzeit 16 Millionen Mitglieder zaehlt. Die auf dem Londoner Kongress in Erscheinung getretene dynamische Einheit der American Federation of Labor (AFL)
und des CIO hob ihr Ansehen und trug zur Staerkung der amerikanischen Gewerkschaften bei. Auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans haben die britischen Gewerkschaften nach einem
furchtbaren totalen Krieg erhoehten Einfluss erlangt. Die freien Gewerkschaften des demokratischen Europa sind trotz der grausamen Unterdrueckung durch die Nazis zu neuen Leben erwacht;
allein in '/{Ostdeutschland zaehlen die wiedererstandenen Gewerkschaften, der Deutsche Gowerkschaftsbund, mehr als fuenf Millionen Mitglieder. In Lateinamerika haben die Gewerkschaften trotz
grosser Schwierigkeiten an Umfang und Reife gewonnen. In Japan
gibt es zurzeit etwa sechs Millionen organisierte Gewerkschaftsmitglieder. Auch in Indien und in den noch unentwickelten Kolonialgebieten hat die Gewerkschaftsbewegung bemerkenswerte
Fortschritte gemacht.
Noch in zweiter Hinsicht weicht die neue Internationale
von dem Vorbild aller ihrer Vorlaeuferinnen ab. So bedeutend
die Ziele und Aktionen der europäischen Gewerkschaften auch
sein moegen, sind sie doch nicht c'e Haupoursache ihrer Entstehung. Die aktuelle und potentielle Staerke der neuen Organisationen ruehrt grossenteils von der aufsteigenden Gewerkschaftsbewegung in Asien und Afrika her. Auf dem Londoner Kongress
traten die jungen Gewerkschaftsbewegungen Asiens und der kolonialen Laender kraftvoll und unabhsengig auf. Sie spielten
nicht die Rolle farbiger Statisten, wie dies - unter heuchlerischer Berufung auf die Gleichberechtigung der Rassen - auf kommunistisch kontrollierten Konferenzen der Fall ist. Dass es sich
hier um eine wirkliche Zusammenarbeit auf der Grundlage der
Gleichberechtigung handelt, zeigte sich darin, dass von den 19
Mitgliedern des Exekutivkomitees, die gewaehlt wurden, 8 aus
Verbaenden stammen, die ausserhalb Europas und Nordamerikas
ihren Sitz haben, wo das Gros der gegenwaertigen Mitgliedschaft
zu finden ist - naemlich 3 aus Asien und dem Mittleren Osten,
2 aus Latein-Amerika und je einer aus Afrika, den Gebieten
Australien-Neuseeland und Westindien, iines der ermutigendsten
Merkmale des Londoner Kongresses war, dass von einem Uebergewicht der Grossmaechte nicht die Rede sein konnte. Der Praesident Paul Finet, ein Belgier, und der Generalsekretaer, J. K.
Oldenbroek, ein Hollaender, sind Vertreter kleiner Staaten, und
um den Anschein zu vermeiden, als werde der Internationale
Freie Gewerkschaftsbund von einer der "Grossmaechte" kontrolliert, waehlte man Bruessel zum Sitz der Organisation.
- 5 -

�Der Grundsatz der Autonomie zieht sich wie ein roter Faden
durch Statut und Struktur der neuen Organisation. Die Aussicht
auf volle Zusammenarbeit mit den Internationalen Gewerkschaftssekretariaten - Organen angeschlossener Verbaende in besonderen Branchen oder Industrien zum Zwecke"der Zusammenarbeit in
der ganzen Welt - wird durch die Annahme des Grundgesetzes der
Autonomie betraechtlich erhoeht. Der Internationale Gewerkschaftsbund und noch mehr der Weltgewerkschaftsbund konnten
sich nie damit abfinden, dass die Internationalen Berufssekretariate auf ihrer Autonomie bestanden. Vor dem ersten "Weltkrieg verfuegten die deutschen Gewerkschaften mit ihrem hochgradigen Zentralismus im Internationalen Gewerkschaftsbund ueber
beherrschenden Einfluss. Dadurch wurde das volle Einvernehmen
mit den Berufssekretariaten sehr erschwert. Nach dem zweiten
Y/eltkrieg beherrschten die ueberzentralisierten sowjetischen
Gewerkschaften den Weltgewerkschaftsbund und suchten die Berufssekretariate auf die Rolle blosser Verwaltungsstellen der internationalen Organisation zu beschraenken. Als die AFL zu entschiedenem Gegenangriff ueberging, stuetzte sie sich weitgehend
auf die Berufssekretariate und setzte sich nachdruecklich fuer
deren Autonomie ein.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind immer mehr zu der
Einsicht gekommen, dass der groesste Gegensatz, der die Menschen
heute in jedem einzelnen Lande und die Nationen voneinander
trennt, nicht darin besteht, dass die einen verstaatlichte Industrie wuenschen, waehrend andere das '/Veiterbestehen von Industrien in Privateigentum vorziehen, sondern darin, dass auf
der einen Seite das Menschenleben missachtet wird, waehrend
auf der anderen Seito menschliche Werte, Rechte und Freiheiten
mehr, als alles geschaetzt werden. Als die britische LabourRec;ierung im vergangenen Jahre in den Vereinigten Staaten und
in Grossbritannien als Verfechterin des "Wohlfahrtsstaates"
scharfen angriffen ausgesetzt war, kamen ihr die amerikanischen
Gewerkschaften zu Kilfe. Das war ein neuartiger Vorgang, in
dem ein bisher unbekanntes Hoechstmass von Uebereinstimmung von
Gewerkschaftern aus Europa, Asien, Afrika und den beiden Amerika erreicht wurde. Die freien Gewerkschaften sind ueberall
zu der Erkenntnis gekommen, dass Nazitum, Faschismus, Falangismus und Kommunismus ihrem .Vesen nach gleich sind, und dass freie
Gewerkschaften mit regierungskontrollierten "Arbeitsfronten"
so unvereinbar sind wie Demokratie und Diktatur. Getreu
diesem Grundsatz erkannte der Londoner Kongress die siamesische und dominikanische Delegation nicht an, weil sie keine
echten Gewerkschaften vertraten.
Die Verteidigung der Demokratie gegen die kommunistischen
Ansprueche auf ./eltherrschaft muss militaerische Massnahmen
nach sich ziehen. Militaerische Sicherheit allein genuegt aber
nicht. Der Internationale Freie Gewerkschaftsbund fordert» politische Freiheit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Sicherheit muessen fuer das Leben der freien Nationen bestimmend
sein, wirtschaftliche Hilfe fuer die unterentwickelten Laender
und moeglichst baldige volle nationale Freiheit fuer die abhaengigen Voelker sind von wesentlicher Bedeutung fuer die Bekaem^fung
des Totalitarismus. Die erste Voraussetzung fuer die Verteidigung der Weltdemokratie gegen den Kommunismus und jede andere
Art Totalitarismus ist nicht ein Flickwerk von Massnahmen, die
nur eine voruebergehende Erholung ermoeglichen, sondern die Einbeziehung der Wirtschaft der freien Laender in" eine gesunde, ausgeglichene Weltwirtschaft. Die neue Internationale betrachtet
düs Europaeische Hilfsprogramm (ERP) und Praesident Trumans
Punkt-Vier-Programm als eine gesunde, wirksame Politik, die zur
- 6-

�Entstehung einer gemeinschaftlichen Wirtschaft &amp;uf kontinentaler
und universeller Grundlage fuehrt.
Die Vereinigten Staaten sind aus einem revolutionaeren
Kampf um die nationale Unabhaengigkeit hervorgegangen, und das
amerikanische Volk und die organisierte Arbeiterbewegung
blicken auf eine altehrwuerdige Ueberlieferung der Opposition
gegen jede Form des Kolenialregimes zurueck. Die heranwachsende Gewerkschaftsbewegung der zurueckgebliebenen Laender erwartet in ihrem nationalen Unabhaengigkeitskampf von der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung weitgehende Unterstuetzung.
Die amerikanischen Gewerkschaften tragen eine doppelte^
Verantworung; sie muessen nicht nur den Internationalen Freien
Gewerkschaftsbund bei seiner Arbeit unterstuetzen, sondern auch
entschlossen sein, die Aussenpolitik der Regierung der Vereinigten Staaten konsequent in entschieden demokratischem Sinne zu
beeinflussen. Eine schwankende Haltung, wie sie unlaengst
das Staatsdepartement gegenueber Franco-Spanien einnahm, kann
zu grossen Missverstaendnissen bei den Mitgliedern der europaeischen und asiatischen Gewerkschaften fuehren.
Ueberdies wird der Konflikt zwischen dexa Freien und dem
kommunistischen Weltgewerkschaftsbund zwangslaeufig immer heftiger und erbitterter werden. Beide kaempfen den groessten Wettkampf in der 7/elt aus, den Kampf um Herz, Seele und Geist vieler Millionen Arbeiter in zahlreichen Laendern. Die Organisation kann sich da nicht abseits stellen oder leisetreten. Moskau kann der uebrigen Welt den Kommunismus nicht aufzwingen,
ohne zuvor die noch freien Gewerkschaftsorganisationen abzuwuergen, d.h. den Internationalen Freien Gewerkschaftsbund zu zerschlagen, der heute Kopf und Herz der international demokratischen Gewerkschaftsbewegung ist. Die neue Internationale ist
sich des Ernstes der Gefahr voll bewusst. Der Kampf gestaltet
sich umso schwieriger, als der kommunistische Weltgewerkschaftsbund fuer sein Vorgehen gegen die freien Gewerkschaften in den
demokratischen Laendern volle Handlungsfreiheit geniesst, waehrend den freien Gewerkschaften der Zutritt zu allen Laendern
hinter dem Eisernen Vorhang versperrt ist.
Noch schlimmer ist, dass der kommunistische Weltgewerkschafts
bund in Frankreich, Italien und Teilen üfrikas und Asiens noch
in der Uebermacht ist, die sich die Kommunisten in den vier Jahren, waehrend deren die Zusammenarbeit mit den freien Gewerkschaften noch ihrem Ansehen zugute kam, zu verschaffen wusste.
Eine dringende Aufgabe des Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes ist es, die durch den kommunistischen Weltgewerkschaftsbund beherrschten Organisationen zu entlarven und die Arbeiter
von ihrem ^influss zu befreien.
Die Bedrohung der Gewerkschaften durch den totalitaeren
Kommunismus gilt fuer alle Laender der Welt. Man kann ihr nur
durch den Kampf der freien Gewerkschaften in der ganzen Welt
entgegentreten. Keine Gewerkschaftsbewegung, die den Totalitarismus in irgendeinem Lande bekaempft, sollte in ihrem Kampfe
gegen eine internationale, von einer riesigen totalitaeren Weltmacht hervorgerufene und gefoerderte Gefahr allein gelassen werden. Die demokratische Gewerkschaftsinternationale ist jetzt zu
einer Lebensnotwendigkeit fuer den gedeihlichen Fortbestand der
menschlichen Freiheit und des sozialen Fortschritts geworden.
Dass diese neue Internationale eine Realitaet ist, wurde durch
den Londoner Kongress, wo sich alle zu gemeinsamer Abwehr der
Bedrohung durch Totalitarismus und Reaktion zusammenschlössen
deutlich vor Augen gefuehrt. Unter den fuehrenden Maennern des
- 7-

�Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes befinden sich auch
gleichberechtigte Vertreter des deutschen und japanischen Gewerkschaftsbundes.
Die neue Internationale beruht nicht auf dem Buendnis verschiedener Maechte und wird, anders als beim kommunistischen
Weltgewerkschaftsbund, nicht das Werkzeug eines Staates oder
einer Maechtegruppierung werden. Obwohl voellig unabhaengig
von den Regierungen der Leender, in denen die ihm angeschlossenen
Verbaende Ihren Sitz haben, kann und wird sie in dem sich anbahnenden historischen Kampf zwischen den demokratischen und totalitaeren Laendern nicht neutral bleiben. Keine Organisation,
die fuer Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit eintritt, kann
sich dem Kampf fernhalten, wenn Freiheit und Frieden derart bedroht sind.
Gerade weil die Freien Gewerkschaften so energisch vorgehen,
richten die Kommunisten wurentbrannt Angriffe gegen den Internationalen Freien Gewerkschaftsbund. Seine Gründung ist eine kategorische Absage an den Mythos, dass der sowjetische Totalitarismus eine fortschrittliche Idee sei, oder dass das kommunistische
System irgendetwas bieten koenne, was im Interesse der internationalen Arbeiterklasse liegt. Die Vertreter'von Millionen
Arbeitern aus mehr als 50 Laendern haben nun den Bolschewismus
als Erzfeind der Gewerkschaften gebrandmarkt. Das kann sich
als entscheidender Schlag gegen die Anmassung erweisen, der der
Bolschewismus, der sich als Freund der Arbeiter in der ganzen
Welt aufspielt, seit mehreren Jahrzehnten die meisten Erfolge
verdankt.
Die internationale freie Gewerkschaftsbewegung ist eine
maechtige Waffe im Kampf fuer eine Gesellschaft, in der alle
Menschen und menschlichen Einrichtungen danach streben, ihre
Ideale in zivilisierter Weise und im Geiste der Freiheit zu
verwirklichen.
Aus:

"Foreign Affairs", New York, IV/50

NIEDRIGE ARBEITSMORAL BEHINDERT PRODUKTION DER SATELLITENSTAATEN
I'^R STAERKER
"Mit der Peitsche kann man zwar Maultiere antreiben, aber
Menschen sind eben keine Maultiere," muessen die Helfershelfer
Stalins jetzt immer wieder feststellen. Antreibemethoden sind
hinter dem Eisernen Vorhang an der Tagesordnung. Und das Ergebnis? Widerstand, Auflehnung und niedrige Moral herrschen
unter den Arbeitenden; die Produktion ist dadurch schwer in
Mitleidenschaft gezogen.
Josef Frank, ein hoher stalinistischer Fuehrer, hat unlaengst erklaert, dass sich "die Wirtschaft der Tschechoslowakei in einer verzweifelten Lage befindet und diese Lasre immer
schlechter wird." Der stellvertretende Parteisekretaer sagte
ferner voraus, es sei damit zu rechnen, dass diese f.'ation die
Ziele des Fuenf-Jahresplans nicht erreichen kann. Er gab zu,
dass die Produktion von Erdoel und Kohle nur 84,5% der Produktionsziele erreichen wuerde. Auch die Produktion von Baustoffen
sei wesentlich beeintraechtigt worden. Die Arbeiter verlassen
ihre Arbeitsplaetze in den Bergwerken schneller, als andere
wieder eingestellt werden konnten. In der Landwirtschaft sei
die Lage aehnlich.
8 -

�Der tschechoslowakisch stalinistische Gewerkschaftsfuehrer
Zapotocky fuehrt diese Situation auf den i:angel#an sozialistischer Disziplin" zuruffck. Dieser Mangel wiederum sei vermutlich durch das fehlen einer angemessenen politischen üufklaerung bedingt, reibst Parteimitglieder neigen dazu, so meinte
er, die Bedeutung l^r politischen Schulungslehrgaenge zu unterschaetzen. Voller Verachtung sprach er jedoch vor allem
von den Parteimitgliedern unter den Bergarbeitern in'Kladno.
Diese kouaunistischen Veteranen, fuehrte Zapotocky aus, glauben, dass sie den Kursen fernbleiben koennen, "weil sie die
kommunistische Lebensschule absolviert haben." Er bedeutete
ihnen jedoch, dass diese ihren Lebensschulen voellig kapitalistischer Natur und dass die neue stalinistische Schule etwas
absolut verschiedenes sei. Die "buergerlichen humanitaeren
Auffassungen" von der sozialen Sicherheit sind laengst ueberholt. Der fruehere revolutionaere Kampf um hoehere Loehne
und kuerzere Arbeitszeit wird in einer "Volksdemokratie" zur
konter-revolutionaeren Sabotage, erklaerte Namend, der stalinistische Gewerkschaftsfuehrer.
Der Mangel an Arzneimitteln in der Tschechoslowakei ist
auf den uebermaessigen Verbrauch von Tabletten zurueckzufuehren, wie die Zeitung "Livoda Democracia" ihren Lesern berichtet. Sie geisselt jene Methoden des Tabl3ttenschluckers und
behauptet, dass der menschliche Organismus sich an derartige
Arzneien gewoehnt und diese deshalb ohne Wirkung sind, wenn
man ernstlich krank wird. Ein tschechoslowakischer Fluechtling in Paris gibt hierzu die ironische Bemerkung, dass er damit an die deutsche Besatzungszeit erinnert wuerde, waehrend
der die Menschen vor Gesundheitsschaedigungen durch uebermaessigen Verbrauch von Nahrungsmitteln gewarnt wurden.
'.Vaehrend dies.es Monats sind verschiedenen ungarischen Industrien neue Tarifvertraege aufgezwungen worden. Der Sekretaer Istvan Kossa nannte die Aufgaben und Pflichten der Gewerkschaften, wie sie in diesen neuen Vertraegen bezeichnet sind.
Er berichtet, dass in ihnen strengere Disziplin und Opfer gefordert werden, die zur Steigerung der Produktion notwendig
sind.
Man braucht mehr und mehr Stachanow-Arbeiter, sagte
er. In den neuen Vertraegen seien denen, die das stalinistische Arbeitsgesetz uebertreten, strengste Bestrafungen angedroht.
"Szabad Nep", eine Budapester Zeitung, nimmt zu der Tatsache Stellung, dass es nicht gelungen ist, den Plan fuer die
P'ohlefof.rderung fuer die ersten drei Monate dieses Jahres zu
erfuellen. Dies ist durch steigendes Fernbleiben der Arbeiter
vom Arbeitsplatz, nachlassende Disziplin und unzureichende Arbeitswettbewerbe im Sinne Stachanows verursacht worden. Die
Fierrtarbsiter werden deshalb des Betrugs beschuldigt.
In Bulgarien haben die Stalinisten versucht, die Beziehungen zur Masse des Volkes zu verbessern und einen Aufruf erlassen,
in dem sie freiwillige Kaeinnfer aus der breiten Masse der
Mitgliedschaft
suchen. Das Gewerkschaftsorgan "Trud", das
in Sofia erscheint, hat zu diesen Fragen Stellung genommen. Es
wandte sich' in scharfen V/orten gegen diese freiwilligen Kflmnfer
und beschuldigte sie ihres Mangels an beruflicher Erfahrung,
ihrer ideologischen Ziellosigkeit und der Unfaehigkeit-, das
Vertrauen der Arbeiterschaft zu gewinnen.
"Trud" scheint ausserdem in bezu/~ auf den sogenannten Arbeit sv» et tbewerb , um im s&amp;alinistischen Jargon zu sprechen, pessi- 9-

�mistisch zu sein. Gemeint ist hiermit der Wettbewerb der stachanowistischen "Arbeitshelden." Offiziellen Angeben zufolge
hat sich im Jahre 1949 von 850,545 Gewerkschaftsmitgliedern
nur die Haelfte an dem Arbeitswettbewerb anlaesslich des 1.
Mai beteiligt. Ihre Zahl stieg bis Ende des Jahres 1949 auf
500,000 an. Die Zahlen fuer 1950 werden nicht angegeben, und
zwar hoechstwahrscheinlich deshalb, weil die Zahl der Beteiligten wiederum zurueckgegangen ist. "Trud" berichtet, dass
zwei Gewinner.des Dimitrow-Preises, der ihnen fuer hohe Arbeitsleistungen zuerkannt wurde, naemlich Helena Gerassimowa
und Liliana Dimitrowa, an die weiblichen Textilarbeiter einen
Aufruf gerichtet haben, der jedoch nur wenig Anklang gefunden
hat. Aehnliche Aufrufe an die Arbeiter der Metallindustrie
und anderer Industriezweige trafen ebenfalls auf taube Ohren
und
blinde Augen. "Trud" berichtet, dass eine Art von
w
Luegen-Stachanowismus"sich ausbreitet. Durch Angabe falscher
Produktionszahlen wuessten sich die falschen Stachanows besondere Vorteile zu verschaffen, die sie nicht verdient haetten.
Die schlimmsten Beispiele sind hierfuer die Fabriken "Wasil
Kolarow", "Elprome" und"Metal". Zu einem frueheren Zeitpunkt
hatte sich "Trud" bereits gegen verschiedene Unternehmen gewendet, "in denen wegen Mangels an Disziplin der Produktionsplan
nicht erfuellt werden konnte." Es ist offensichtlich, dass
diese Situation nicht geklaert worden ist, sondern vielmehr
noch schlimmer wurde.
In allen Laendern, die dem sowjetischen Satellitenregime
unterstehen, werden buergerliche Gewohnheiten und buergerliche
Denkweisen, die noch nicht ausgemerzt werden konnten, als Ursache fuer die offensichtlichen Schwaechen bezeichnet. Die
Sozialisten und alten Gewerkschaftsfuehrer sind dabei willkommene Suendenboecke.
Die polnische Zeitung "Trybuna Ludu" veroeffentlichte in
ihrer Ausgabe Nr. 113 einen Bericht aus der Fabrik "Unja" in
Graudenz, in dem sie sich ueber den Fortbestand derartiger
Ideen beschwert. Selbst Parteimitglieder werden fuer schuldig
befunden. Eines dieser Mitglieder ging so weit, den Stachanowisten den Rat zu geben, ihre Produktionsleistung zu reduzieren,
um zu vermeiden, dass die Leistungsnormen noch mehr gesteigert
werden. "Dieser Genosse war einst ein Arbeitsheld, der an
einem Tag 20 Werkstuecke maschinell herstellte. Seine Leistungen gingen spaeter auf 8 - IE Stuecke pro Tag zurueck."
Am 17. Mai 1950 wurde in Polen ein neues Arbeitsp:esetz
erlassen. In ihm wurden schwere Strafen fuer jedes Fernbleiben vom Arbeitsplatz angekuendigt. Dieses Fernbleiben bildet
jedoch noch immer das Ziel haeufiger Angriffe durch die offizielle Presse, die viele Betriebe, und vor allem Bergwerke anprangern. Polnische Fluechtlinge weisen darauf hin, dass das
Fehlen am Arbeitsplatz nicht durch buergerliche oder sozialdemokratische Ideen verursacht wird., sondern dass der Hauptgrund hierfuer in den schlechten Arbeitsbedingungen, dem niedrigen Lebensstandard und der ebenso ungerechten wie strengen Disziplin zu suchen ist, gegen die die Arbeiter nur die einzige
Protestform anwenden koennen, die ihnen zur Verfuegung steht,
naemlich die Krankmeldung.
"Trybuna Ludu" nennt einige Bergwerke, in denen das Fehlen der Arbeiter fuer die Produktion besonders nachteilig gewesen ist. Die schlimmsten dieser Erfahrungen wurden in den
Bergwerken Sosnica, Wirek und Mikulczye gemacht. Dass die
Arbeitsbedingungen in diesen Bergwerken schlechter waren, ist
- 10 -

�durch die Tatsache bewiesen, dass die Arbeiter in Missachtung
der Gesetze sogar in den Streik traten.
Das Bluehen des Buerokratismus ist eine staendige Begleiterscheinung des Stalinismus. In Rumaenien ist die Zahl der
Gehaltsempfaenger im Verlauf des vergangenen Jahres um 21,5%
angestiegen. Von den neuen Arbeitnehmern, die weniger von
Loehnen als vielmehr von Gehaeltern leben, sind die meisten
keine Handarbeiter - das bedeutet also eine zahlenmaessige Zunahme der nichtproduktiven Buerokraten.
Die Stalinisten behaupten, dass derartige Maengel, wie
sie hier auftreten, nur Kinderkrankheiten der Volksdemokratie
seien oder Schwaechen, die ein Erbstueck der buergerlichen Vergangenheit darstellten. Sie wuerden beizeiten beseitigt werden.
In diesem Argument wird jedoch die Tatsache ausser Acht gelassen,
dass selbst in Sowjetrussland die gleichen Maengel immer noch
auftreten. Derartige Schwaechen sind damit Folgeerscheinungen
des stalinistischen Systems. Dies kommt in einem Leitartikel
der "Erawda" zum Ausdruck, in der in scharfen Worten gegen die
schlechte Leistung und die buerokratischen Methoden Beschwerde
gefuehrt wird. Es heisst darin, dass sich die Partei von den
Buerokraten freimachen und Gruppen leistungsfaehiger Arbeiter
bilden muesse. Diese. Kritik, die 24 Jahre nach der Revolution
laut wird, scheint zu besagen, dass der Stalinismus Buerokraten schneller ins Leben ruft als er sie wieder beseitigen kann»
Program Services Section
VI/6/51
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM FERNEN OSTEN
Ein Interview mit Sol Sanders.
Viele Nationen in Suedostasien haben sich bereits von
ihrer kolonialen Bevormundung unabhaengig gemacht, sei es
auf friedlichem Wege, sei es durch Kampf. Der Schatten
des Hungers haengt jedoch immer noch ueber diesen Laendern und machthungrige Hyaenen Stalins durchstreifen das
Gebiet, um sich auf alle wehrlosen oder unvorsichtigen
Menschen zu stuerzen. Was geht in Wirklichkeit in diesen Laendern vor? Hierueber aeussert sich Sol Sanders,
ein Auslandskorrespondent, der soeben von einem langen
Aufenthalt in Suedostasien zurueckgekehrt ist. Sanders
hat fuer verschiedene Veroeffentlichungen Artikel geschrieben, unter anderem fuer den "Christian Science Monitor"
den "New Leader" und den "Socialist Call", weiter stand
er im Dienste der "Bangkok Post in Thailand", des "Hindu
of Madres in Indien" und der "Mainichi Papers von Tokio".
Frage: Herr Sanders, wie lange haben Sie sich in Suedostasien
aufgehalten?
Sanders: Ich war zwei Jahre in Thailand, Indonesien, Malaya
und Indochina.
Fra.^e: Im Westen ist eine der wichtigsten Waffen ge^en wirtschaftliche Unsicherheit und Armut die freie Gewerkschaftsbewegung. Gibt es auch in Suedostasien Gewerkschaften*?
Sanders: Ja, in allen Laendern Suedostasiens bestehen Gewerkschaften, wenn auch einige von ihnsn erst nach dem Ostasienkrieg im Jahre 1945 entstanden sind.
- 11 -

�Die Kommunisten haben lange genug gezeigt, dass die Beherrschung der Arbeiter ihr erstes und wichtigstes Ziel in ihrem
Streben nach Macht bilden. Sobald sie die Gewerkschaften unter
Kontrolle haben, benutzen sie diese rueqksichtslos - wie in
der Tschechoslowakex - um mit Gewalt die Regierung an sich zu
reissen.
Frage: Sind die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung Suedostasiens als stark zu bezeichnen?
Sanders: Die Kommunisten in Suedostasien bedienen sich dort
selbstverstaendlich der gleichen Methode. Weil die Gewerkschaftsbewegung in jenem Teil der Welt noch sehr jung ist, hatten die
Kommunisten hierbei leider groessere Erfolge. Es ist jedoch
bemerkenswert, zu erwaehnen, dass die Stalinisten in Suedostasien in den dortigen Gewerkschaften im allgemeinen nicht als
kommunistische Nationalisten auftreten. Eine Frage, die uns
in Suedostasien immer wieder beschaeftigt, ist die, ob diese
Gewerkschaftsfunktionaere, die absolute Gefolgsch&amp;ftsleute des
Kremls sind, die wirklichen kommunistischen Fuehrer sind. Es
hat naemlich den Anschein, dass sie eher ihre Befehle erhalten
als die offiziellen Parteifuehrer, die tatsaechlich Mitglieder
der kommunistischen Partei dieser Laender sind. Ich habe z.B.
in Indonesien festgestellt, dass der kommunistisch beherrschte
Gewerkschaftsbund Sobsi seine kommunistischen Propagandaaktionen
beginnt, bevor Alimin, der Leiter der kommunistischen Partei
Indonesiens, die dortige Nachrichtenagentur Antara davon in
Kenntnis setzt.
Frage: Demnach gibt es also auch dort freie demokretisch Gewerkschaften?
Sanders: Ich glaube, dass Sie ganz allgemein die freien Gewerkschaften in Indonesien mit solchen identifizieren koennen, die
wirkliche Gewerkschaften sind. Mit den echten Gewerkschaften
meine ich jene Gewerkschaftsorganisationen,.die in erster Linie
um hoehere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen kaempfen und
die fuer ihre Mitglieder TarifVerhandlungen fuehren. Die kommunistischen Gewerkschaften dagegen sind im allgemeinen lediglich
Propagandaagenturen und keine Organisationen, die sich mit Lohnund Arbeitszeitfragen beschaeftigen. Lassen Sie mich ein Beispiel in Indonesien anfuehren. Die Sobsi, die kommunistische
Gewerkschaft, behauptet manchmal, eine halbe Million Mitglieder
zu haben. Eine nichtkommunistische Gewerkschaft jedoch, die
sogenannte Pob, sagt ganz offen, nur rund 30,000 Mitglieder zu
zaehlen. Sie ist jedoch bereit, ihre Geschaeftsbuecher offen
zu legen, um an Hand der Zahlen ueber beitragszahlende Mitglieder zu beweisen, wie stark sie in Wirklichkeit ist.
Frage:

Welche Staerke haben die freien Gewerkschaften?

Sanders: Aufgrund ihrer verhaeltnismaessig spaeten Gruendung sie entstanden erst nach den kommunistischen Gewerkschaften sind die freien Gewerkschaften noch nicht so stark wie ihre moskauhoerigen Gegenspieler. Sie bauen jedoch sehr schnell auf,
und zwar auf einer gesunden gewerkschaftlichen Basis. Vor wenigen Wochen kamen in Karatschi Vertreter freier Gewerkschaften
aus zwoelf asiatischen Laendern als Repraesentanten von zehn
Millionen Arbeitern zusammen, um eine regionale Mitgliedsorganisation des IBFG fuer Asien zu gruenden. Es handelt sich hierbei um den internationalen Bund freier, antikommunistischer Gewerkschaften. Sie hoffen, untereinander und mit den besser or- 12 -

�ganisierten and finanzierten freien Gewerkschaften Europas und
Amerikas im Kampf fuer die Arbeiterbewegung in Asien ihre
Ideen austauschen zu koennen. Ich denke, es ist ein gutes
Vorzeichen, wenn diese Gewerkschaften das positive Ziel anstreben, den Lebensstandard in Asien zu verbessern und sich
nicht nur darauf beschraenken, ihre Energie im Kampf gegen
den kommunistischen Weltgewerkschaftsbund und dessen Filiale
in Peiping zu verschwenden. Auf der Konferenz in Karatschi
wurde einstimmig eine Resolution gebilligt, in der den Vereinten Nationen und dem koreanischen Volk jede Unterstuetzung in
ihrem Kampf gegen die kommunistische Aggression zugesagt wird.
Frage:

Wie arbeiten dort die freien Gewerkschaften?

Sanders: Die freien Gewerkschaften in Suedasien arbeiten
nach den gleichen Grundsaetzen wie die Gewerkschaften im Westen. Es gibt natuerlich zahlreiche Unterschiede, die sich
aus der dortigen Situation ergeben. Einige Gewerkschaften
stellen Organisationen dar, die zugleich fuer die Unabhaengigkeit ihres Landes kaempfen und gleichzeitig Körperschaften
sind, die die Interessen der Arbeiter vertreten. Natuerlich
ergeben sich auch durch die unterentwickelte Industrie in
Asien und vornehmlich in Suedostasien Schwierigkeiten in der
Organisierung der Arbeiter.
Frage: Werden Landarbeiter ebenso wie Industriearbeiter organisiert?
Sanders: Man hat zuweilen versucht, die Landarbeiter zu organisieren. Mit Erfolg geschieht dies in mindestens zwei
suedostasiatischen Laendern, naemlich Malaya und Indonesien.
Indien, wo ich mich ebenfalls vor einigen Wochen einige Zeit
aufhielt, verfuegt ueber eine maechtige Landarbeitergewerkschaft. In Malaya vollzieht sich die gewerkschaftliche Organisierung unter der Fuehrung Jack Braziers, eines Organisators,
den der britische Gewerkschaftskongress (TUC) zur Unterstuetzung
der nichtkommunistischen Gewerkschaften nach Malaya entsandt
hat. Wie ich hoerte, wurden bei dieser Organisierungskampagne
groessere Fortschritte erzielt.
Frage: Sind auch der Marshallplan, die ECA, das Punkt-VierProgramm Praesident Trumans und der britische Colombo-Plan
eine Hilfe beim Aufbau der Wirtschaft und der Hebung des Lebensstandards der Voelker Suedostasiens?
Sanders: Asiens Probleme sind leider so umfassend und entsprechen so wenig unseren eigenen Erfahrungen in Amerika und Westeuropa, dass die ECA mit ihrer Aufbauarbeit in Suedostasien
nur langsam vorwaerts kommt. In Indochina jedoch'hat Robert
Blum, der Administrator der ECA, ein Hilfsaufbauprogramm gestartet, das diesem Land wirksame Unterstuetzung gebracht hat.
Das trifft besonders fuer das noerdliche Vietnam - oder Tongking, wie man es hier nennt - zu. Die ECA arbeitet unablaessig
daran, oei'fentliche anlagen wieder aufzubauen, die waehrend
der Kriegsmassnahmen der Kommunisten in den Jahren 1946 und
1947 zerstoert wurden, weil das Prinzip der "verbrannten Erde"
ruecksichtslos von den Schergen Moskaus angewandt wurde. Das
Punkt-Vier-Programm und der britische Colombo-Plan befinden
sich jedoch noch in ihrem Anfengsstadium^ aber ich glaube, dass
der Punkt-Vier-Plan in Thailand bereits in die Tat umgesetzt
wird.
- 13 -

�Frage: Was koennen die amerikanischen und europaeischen Gewerkschaften tun, um das Misstrauen zu beseitigen, das ein Erbe der
Zeit der kolonisatorischen Vergangenheit ist?
Wie koennen
wir das Verstaendnis und den guten Willen foerdern?
Sanders: Das ist keine leichte Angelegenheit. Ich denke zuerst daran, da3S die Amerikaner verstehen muessen, dass nach
Jahrhunderten eines konsequenten europaeischen Imperialismus der heute zwar tot und verbannt ist - Asien natuerlich argwoehnisch auf uns blickt. Die Buerde des Beweises dieser neuen Politik - einer Politik der uneigennuetzigen Hilfe und der
Zusammenarbeit zwischen Asien und Westeuropa - bleibt auf uns
liegen. Aber dann wird Asien zu vergeben und zu vergessen habend Diese Entwicklung geht bereits in Indonesien vor sich,
wo viele der frueheren hollaendischen Beamten heute in Regierungsstellungen in Indonesien taetig sind. Heute sieht man
in den malaiischen Staaten, dass Briten, Chinesen, Malayen
und andere eintraechtig zusammenarbeiten fuer die Zukunft eines
freien und sich selbst genuegsamen "Schmelztiegels". Die Franzosen in Indonesien arbeiten eine Loesung aus, die, wie jeder
hofft, zu einem freien Vietnam fuehrt. Die Asiaten entdecken
gerade, dass die Unabhaengigkeit allein nicht alle ihre Probleme loesen kann. Viele von ihnen erkennen an, dass Europa und
Amerika nuetzlich sein koennen, vor allem bei der Foerderung
das Aufbaus der industriellen Entwicklung Asiens, dessen Hilfsquellen niemals voellig entwickelt worden sind.
Frage: Wie aber koennen die Kommunisten die Unabhaengigkeit
und den Lebensstandard der Voelker Asiens tatsaechlich bedrohen?
Sanders: Ich bin zwar von einem langzeitigen Aufenthalt in
Asien zurueckgekehrt, aber hier kann ich keine praezise Antwort .
geben. Ich weiss auch nicht, wie irgend ein Land sich fuer
eine gewisse Zeitdauer von dieser Bedrohung abschliessen könnte.
Aber ich glaube mehr und mehr an die Verwirklichung eines
nichtkommunistischen Asiens und an eine Zusammenarbeit zwischen allen Antiimperialisten in Asien und der westlichen Welt.
Und mehr und mehr Menschen Asiens beginnen zu verstehen, dass
es weder logisch ist noch eine Loesung bedeutet, wenn auf der
einen Seite die Ketten des vergangenen 19. Jahrhunderts abgeworfen werden, dagegen der neue sowjetische Kolonialismus, neue
und staerkere Fesseln in Peiping und Moskau schmiedet. Es
scheint mir, das3 hier ein Problem der Einsicht vorliegt. Der
Mensch in Asien hat erkannt, dass seine wirklichen auswaertigen Freunde jene sind, die gegen den Stalinismus kaempfen, auch
dann, wenn er Buerger eines frueheren Kolonialgebiets ist. Und
wir muessen uns darum bemuehen, dass die asiatischen Nationalisten - und sogar die kampfesfreudigen - sich mit uns fuer eine
antikommunistische Welt einsetzen. Wenn die Wuerfel jedoch gefallen sind, dann wuerden auch fuer diese keine Moeglichkeiten mehr
bestehen.
Program Services Section
VI/5/51
BLUT AUS OESTERR^ICHG BODEN
Die nachfolgenden Zeilen entstammen einem Artikel des
"Solidaritaet", dem Zentralorgan des oesterreichischen
Gewerkschaftsbunde3, in dem die 1300 000 organisierten
oesterreichischen Gewerkschafter daran erinnert werden,
- 14 -

�was mit ihrem Erdoel, dem Blut aus Oesterreichs Boden,
geschieht. Die eine Haelfte des Erdoels verschwindet
in Richtung Osten, die andere wird an die OROP geliefert, einer sowjetischen Handelsorganisation, die das
Oel der Oesterreicher an sie "verkauft".
Vor zwanzig Jahren gingen die ersten Waggonladungen des
Oesterreichischen Mineraloels von der Eisenbahnstation Zistersdorf/Goestling zu den Verbrauchern. Der Leiter der Ingenieurarbeiten hielt die uebliohe Rede, ein Orchester spielte einen_
zackigen Marsch und jeder war zufrieden, denn die oesterreichische Wirtschaft begann Nutzen aus den kostbaren natuerlichen
Reichtuemern Oesterreichs zu ziehen.
Das Zistersdorfer Mineraloelgebiet ist mit Bohrtuermen
und Bohrwinden uebersaet, mit Roehrenanlagen und Oelsammlern.
Die Pumpanlagen sind wie Pilze unrep;elmaessig in dem Gebiet
verstreut, sie sammeln das kostbare Mineraloel, das Blut des
oesterreichischen Bodens.
Am Ende des zweiten Weltkrieges wurden die oesterreichischen Mineraloelgewinnungsanlagen zum groessten Teil von der
russischen Besatzungsmacht uebernommen. Heute arbeiten etwa
8000 Arbeiter und Angestellte fuer die sowjetische Mineraloelverwaltung in Oesterreich. Die Arbeiter an den Pumpanlagen werden verhaeltnismaessig gut bezahlt, dennoch ist aber ihr Los
alles andere als beneidenswert. Das Mineraloelgebiet ist naemlich ein ruecksichtslos abgeschlossenes Gebiet, das volle
exterritoriale Privilegien besitzt. Hunderte bewaffneter
Werkschutzpatrouillen kontrollieren das gesamte Oelfeldgebiet
und die Anlagen. Eines derreichsteneuropaeischen Oelfelder
wird heute so behandelt, als ob es ausserhalb Europas laege,
zumindest jedoch ausserhalb Oesterreichs.
Dieses Gebiet ist heute fuer Oesterreich Niemandsland.
Der Reichtum des Landes, das kostbare Mineraloel, das aus den
Tiefen des oesterreichischen Bodens gefoerdert wird, ist nicht
unser Eigentum. Im vergangenen Jahre sdnd etwa l£ Millionen
Tonnen Oel aus diesem Gebiet gebohrt worden, in diesem Jahr
glaubt man diese Ziffer auf 1,8 Millionen erhoehen zu koennen.
Gegenwaertig sind etwa 50% dieses Oels fuer Oesterreich erhaeltlich. Der Vertrieb des Oels wird durch die OROP geleitet, eine von den Russen betriebene Handelsorganisation. Das
Bohren des Oels und der Export des oesterreichischen Oels geschieht ohne jede Einspruchsmoeglichkeit oder irgendeine Kontrolle durch die oesterreichischen Behoarden.
Tankwagen transportieren unser Oel in fremde Laender.
Heute gibt es keine Reden mehr, wenn ein Tankzug abfaehrt,
noch spielt ein Orchester bei solchen Anlaessen. Das oesterreichische Volk wuenscht mit anderen Voelkern einen wirtschaftlichen Austausch auf Gegenseitigkeit zu betreiben, ganz gleich,
wo diese Laender auch liegen moegen. Heute aber erhaelt
Oesterreich ueberhaupt nichts als Ausgleich fuer diese Oellieferungen. Tag und Nacht flieset unaufhoerlich Blut aus Oesterreichs Boden aus dem Lande heraus.
ECA Information
LI 649 6/26/51

- 15 -

�IN .VELCHEN 3ERUFEN ARBEITEN AMERIKANISCHE FRAUEN?
Innerhalb eines Jahres hat die Zahl der berufstaetigen
Amerikanerinnen um 750,000 zugenommen, sodass heute rund 30%
aller Beschaeftigten in den Vereinigten Staaten Frauen sind.
Den groessten Anteil stellen mit 97„4% aller Beschaeftigten
in der Gruppe der Haushaltsangestellten die Frauen. An zweiter Stelle folgen mit 65,1% aller in kaufmaennisehen Berufen Beschaeftigten Stenotypistinnen und aehnliche weibliche Bueroangestellte. Der geringste Prozentsatz, naemlich 2,5%, wird in
der Berufsgruppe Werkmeister erreicht.
Aber auch in den Beschaeftigungsgruppen selbst haben sich
im Laufe des vergangenen Jahres sehr grosse Verschiebungen gezeigt. Es wurde bereits erweehnt, dass innerhalb eines Jahres
750,000 Amerikanerinnen in das Berufsleben neu eingetreten sind,
sodass heute 18 Millionen Frauen berufstaetig sind. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Zahl der Verkaeuferinnen im Laufe
eines Jahres um ueber 250,000 abgenommen haben. Dagegen hat
die Zahl der Fabrikarbeiterinnen um 525,000 zugenommen, die der
weiblichen Bueroangestellten um fast 400,000, die der Hausangestellten um ueber 100,000 und die der kleinen selbstaendigen
Geschaeftsleute und Verkaufsstellenleiterinnen um fast 100,000.
Die Zunahme der Haushaltsangestellten hat sich entgegen den
Erwartungen vollzogen, da hier allgemein mit einer weiteren
Abnahme gerechnet wurde. Vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus
ist in bezug auf die Abnahme der Zahl der Verkaeuferinnen hierzu
zu sagen, dass die gewerkschaftliche Organisierung des Verkaufspersonals auch in den Vereinigten Staaten eine sehr schwierige
ist. Die Folge davon ist nicht nur eine verhaeltnismaessig geringe Entlohnung, sondern auch eine sehr hohe Fluktuation, da
jede Frau bestrebt ist, einen besser bezahlten Arbeitsplatz zu
erbalten.
Insgesamt gibt es fast 57.000.000 Frauen in den Vereinigten Staaten, die aelter als 14 Jahre sind. Von diesen sind rund
18.000.000 Berufstaetige - das heisst also, dass jede dritte
Amerikanerin, die aelter als 14 Jahre ist, in den Arbeitsprozess
eingereiht ist.
Die Haelfte der berufstaetigen Frauen ist verheiratet,
ein Drittel wird als alleinstehend in der Statistik bezeichnet,
waehrend das restliche Sechstel verwitwet ist, getrennt lebt
oder geschieden ist.
Im Jahre 1900 betrug der Anteil der erwerbstaetigen Frauen
10%, waehrend des zweiten Weltkrieges stieg er bis auf 36% an,
um jetzt wieder auf 32% abzusinken.
Vor zehn Jahren waren 49% der berufstaetigen Frauen alleinstehend, heute sind es nur noch 32%. Damals waren 30% aller
berufstaetigen Frauen verheiratet, heute sind es dagegen 48%.
Mehr als 25% aller berufstaetigen Frauen, das sind 4,5 Millionen, haben Kinder unter 18 Jahren. Von diesen 4,5 Millionen
Kindern sind l£ Millionen in noch nicht schulpflichtigem Alter,
sie sind also juenger als sechs Jahre.
Wenn das Alter der berufstaetigen Frauen zugrundegelegt
wird, so ergibt sich, dass 31% Alter als 45 Jahre sind.
,

Facts on Women Workers
V/31/51

/
HICOO U

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9 1 11877 5 II

5 0

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

17-29

Frankfurt,

2 0 . J u l i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Produktivitaetsfragen

und Lebensstandard - -

Gewerkschaften im Roten China
D. Abkhazi:

- - - - - - -

Der Schumanplan und Europa

- -

1
4
6

S i r Vincent Tewson:
Die Voraussetzungen f u e r d i e H e r s t e l l u n g und
E r h a l t u n g des W e l t f r i e d e n s
- - - - - - - 1 3

PRODUKTIVITAETSFRAGEN UND LEBENSSTANDARD
Mehr a l s 175 P e r s o e n l i c h k e i t e n des w e s t e u r o p a e i s c h e n i n d u s t r i e l l e n und g e w e r k s c h a f t l i c h e n Lebens versammelten s i c h i n
der h i s t o r i s c h e n A b t e i Royaumont b e i P a r i s , um h i e r d i e Zusammenhaenge zwischen e i n e r g e s t e i g e r t e n P r o d u k t i v i t a e t und dem
L e b e n s s t a n d a r d d e r e u r o p a e i s c h e n A r b e i t e r zu e r o e r t e r n .
I n e i n e r d r e i t a e g i g e n Konferenz ueber d i e s e Frage e r h i e l t e n Unternehmer und U n t e r n e h m e r v e r t r e t e r , A b t e i l u n g s l e i t e r und
Gewerkschafter e i n e U e b e r s i c h t ueber a l l e Fragen des i n d u s t r i e l l e n Lebens, wie s i e von t e c h n i s c h e n Experten gesehen werden.
Diese gaben zu, und zwar z i e m l i c h e i n h e i t l i c h , d a s s d i e Lebensbedingungen der m e i s t e n e u r o p a e i s c h e n A r b e i t e r , i n s b e s o n d e r e
j e n e r in F r a n k r e i c h , u n t e r dem D u r c h s c h n i t t l i e g e n und deshalb
die Folgerung n a h e l e g e n , g e e i g n e t e Methoden a u s z u a r b e i t e n , um
- 1 -

�diese ebenso gefaehrliche wie ungerechte Situation zu aendern.
Der fruehere Geschaeftsfuehrer des CIO fuer Texar, Oliver, berichtete, dass der heutige Lebensstandard des amerikanischen
Volkes in erster Linie durch die Streikpostenkette erkaempft
wurde. Sa war zwar ein bitterer und langwieriger Kampf, aber
er fuehrte zum Erfolg. Nachdem die Versammlung davon ueberzeugt wurde, dass de,r amerikanische Arbeiter tatsaechlich seinen hohen Lebensstandard durch harte Streiks und regelrechte
Schlachten an der Streikpostenkette erzielt hat, berichtete
der T/!arshall-Plan-Vertreter, dass die Erfahrungen, die in den
Vereinigten Staaten gemacht wurden, es durchaus wert sind,
genauer studiert zu werden. Er zeigte auf, dass hiermit nicht
gemeint sei, dass in Europa unbedingt die amerikanischen Beispiele zugrunde gelegt werden muessten; aber wenn man die
frueheren Ergebnisse und die Irrtuener sowie die Erfahrungen
auf diesem Gebiet studiert, so koennte der Europaeer manches
finden* was ein naeheres Studium dieser Entwicklung rechtfertigen wuerde.
Oliver gab dann einige Einzelheiten, an denen er beispielhaft erklaerte, dass er ueberzeugt sei, ein steigender Lebensstandard und eine Beteiligung der Arbeiter an den Gewinnen
aus der Produktionssteigerung sind absolut erforderlich, xim
eine moderne industrielle Wirtschaft aufzubauen. R. R. Zimmermann, der Sonderbeauftragte der Abteilung fuer technische
Unterstuetzung im europaeischen Eilfsprogramm, betonte nachdruecklich, dass in solchen Zeiten, wie wir sie heute durchleben, es besonders wichtig sei, dass die Wuensche der Arbeiter
befriedigt werden. Es hat niemals eine Zeit gegeben, in der
die Gegnerschaft und selbst eine unfreundliche Haltung der
Arbeiter gegen das Unternehmertum so gefaehrlich fuer unsere
gesamte Zivilisation sein koennte wie heute. Zimmermann erinnerte hierbei daran, dass die Stimme der sowjetischen Lockrufe
alle jene aufrufe, die unzufrieden sind, und die sich nicht als
zugehoeriger Teil zu einer Industriegruppe fuehlen. Es genuegt
nicht, darauf hinzuweisen, dass die Tyrannei der Sowjets unter
dem heuchlerischen Versprechen einer utopischen Zukunft die
Freiheiten ganzer Voelker ausgeloescht hat. Unsere Aufgabe ist
es, die .Veit noch freier zu machen, das heisst aber, den Lebensstandard zu heben.
Das bedeutet wiederum, dass die europaeische Zivilisation
heute der Welt zwei neue Begriffe geben muss, und zwar die
der Y/issenschaft und die der Menschenwuerde. Er erwaehnte, dass
diese beiden Erbschaften der alten Welt den groessten Einfluss
auf die amerikanische Kultur gehabt haben. Zu diesen beiden
tritt noch die kaempferische amerikanische Arbeiterbewegung
als dritter Hauptfaktor. Alle drei Faktoren zusammsn haben
das heutige amerikanische Wirtschaftsleben und seine industriellen Organisationen geschaffen. Ein weiterer Faktor ist der
Fluss des amerikanischen Lebens, d.h. die Moeglichkeit, jedem
Einzelnen eine Erziehung und eine Schulung zu geben, die ihm
die Voraussetzung dafuer gibt, bis zu den hoechsten Raengen aufzusteigen. Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen, die
Grundvoraussetzungen fuer die amerikanische Produktivitaet zu
schaffen. Er fuegts hinzu, dass die humanitaere und soziale
Seite der amerikanischen Industrie zumindestens so. wichtig fuer
die Produktivitaet ist wie technische und ingenieurmaessige
Faktoren. Im uebrigen bemerkte er, dass er keineswegs jemand
davon ueberzeugen wollte, dass es nur Zartheit und Licht in
den Beziehungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften gaebe.
- 2 -

�.Villiam Gomberg, der Geschaeftsfuehrer der Ingenieurabteilung dar Gewerkschaft der Damenoberbekleidun^sindustrie &lt;?ab
eine Uebersicht ueber die Aktivitaet seiner Gewerkschaft in
der Zusammenarbeit mit der Bekleidungsindustrie, die das Ziel
hatten, die Produktivitaet zu steigern. Gomberg stellte fest,
dass diese «ktivitaet keineswegs einzigartig sei, und am besten
verstanden werden koenne, wenn man den Hintergrund in Betracht
ziehe, d.h. die positive Einstellung der amerikanischen Gewerkschaften zur Fra?,e der Produktivitaet. In den Vereinigten
Staaten wird das Unternehmertum durch eine aggressive Fuehrerschaft beherrscht, die staendif neue Produkte fuer alte Maerkte
sucht und neue Ikerkte fuer alte Produkte. "Aber lassen Sie
mich beruhigt hinzufuegen, dass auch wir unsere Zauselbaerte
haben, die durchaus zufrieden sind mit dem, was eine staatliche
Wirtschaft ihnen bietet - vorausgesetzt, dass die Gewerkschaften
damit einverstanden sind." Er wies dann darauf hin, dass Arbeiter nur dann an Produktions fragen interessiert werden koennen, wenn das wirtschaftliche Aequivalent ihnen binnen kurzem zur
Verfues;unp; stehe, d.h. eine hoehere Entlohnung. Ueberlegungen
auf l^nge Sicht sind ein Luxus, den sich vielleicht Akademiker
leisten koennen, Arbeiter bevorzugen stets die sofortige Entscheidung. Sie schaetzen deshalb sofortige Praemienzahlungen.
Sie koennen natuerlich auch ihren Kindern etwas bieten; sie
haben jedoch nicht die Absicht, bis zu ihrem Tode darauf zu
warten, ob aus ihrer Anteilnahme an einer Steigerung der Produktivitaet auch wirklich etwas fuer sie selbst dabei herauskommt.
|

Es ist Aufgabe der Ingenieurabteilung der amerikanischen
Gewerkschaften, bei einer Beteiligung der Arbeiter bei der
Schaffung und Durchfuehrung einer gesteigerten Produktion die
Gewerkschaft mit allen notwendigen Unterlagen zu versehen,
damit die Arbeiter auch zu ihrem gerechten Anteil kommen.
Hierbei ist es wichtig, all das herauszustellen, was sie tun
koennen und was sie nicht tun koennen. Sie stutzen keineswegs ihr Programm so zurecht, damit auch der ungenuegendste
Arbeitsfaktor auf Kosten niedriger Loehne sich weiterhin behaupten kann. Die gewerkschaftliche Ingenieurabteilung hat
die aufgäbe, ihre eigenen ingenieurmaessigen Kriterien festzulegen und festzustellen, was eine "faire** Produktionsrate ist.
Diese Voraussetzung ist ebenso grundlegend fuer die schuetzende Funktion wie auch fuer die Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit den Unte-i.ehiüern. V.'enn die Ingenieurabteilung gerufen
wird, um einen Unternehmer zu unterstuetzen, so ist die grundlegende Frage die nach der Methode, die sich anwenden laesst,
um die Produktion zu steigern unter Beruecksichtigung der Grenzen, die sich durch die maschinelle .nusruestung ergeben.
Gomberg entwickelte dann, wie in den letzten zehn Jahren
eine vollkommene Gewerkschaftsphilosonhie sich in den Vereinigten Staaten entwickelt hat und wie durch die Pionierarbeit, die
auf dem Felde der Unterstuetzung der Unternehmer bei diesen
Massnahmen und in der Zusammenarbeit mit den Unternehmern die
Gewerkschaft der Arbeiter der Damenoberbekleidungsindustrie
als Modell fuer viele andere amerikanische Gewerkschaften diente. Durch die Produktivitaetsingenieure der Gewerkschaften
ist eine annaeherung der Arbeiterschaft an die Anforderungen
einer gesteigerten'Produktivitaet erfolgt. Die Produktivitaetsinpenieure haben aber zugleich die Versuche des Unternehmertums
zurueckpewiesen, ihre einseitigen Massnahmen und ihre einseitige Technik den Arbeitern aufzuoktroyieren.
- 3 -

�Die Produktivitaetsaktivitaet der amerikanischen Gewerkschaften wird von einer nachdrücklichen Forderung auf hoehere Loehne
begleitet. Diese Aktivitaet begann meist als eine schuetzende
Funktion und endete oft mit einer Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Unternehmern auf diesem Gebiet. Diese Zusammenarbeit
besteht aber fuer die Gewerkschaften in erster Linie darin, dass
der Arbeiter einen hoeheren Lohn erhaelt und dass die amerikanische Produktivitaet sich weiter entwickelt.
Alle diese Aktivitaeten, so schloss Gomberg, haben dazu
gefuehrt, dass eine Gruppe amerikanischer Produktivitaetsspezialisten sich mit der Gewerkschaftsbewegung ins Einvernehmen
setzte und dann zum Sprecher der Arbeiterschaft wurde mit dem
Ziel, neue wirksamere industrielle Techniken auszuarbeiten, die
zugleich dazu beitragen, die gegenwaertigen Arbeitsbedingungen
euch fuer den Arbeiter zu verbessern. Die amerikanischen Gewerkschaften foerdern die Produktivitaetsbestrebungen jedoch keineswegs nur aus dem Gedanken einer hoeheren Produktion heraus,
sondern sie sehen hier eine Moeglichkeit, den Lebensstandard
des Arbeiters zu erhoehen.
Labor News from the US
7/6/51

11/25

GEW5RKSGRÄFTEN IM ROTEN CHINA
Als die kommunistischen Armeen China besetzten, gab die
Militaerkontroll-Kommission eine Verlautbarung heraus, dass
die Gewerkschaften fuer die einzelnen Industrien ihre Arbeit
im gewohnten Stile fortsetzen sollten, als ob nichts geschehen
sei. Dadurch existierten die Gewerkschaften noch einige Monate, aber-in der Praxis wurde die gesamte Aktivitaet der Gewerkschaften lahmgelegt. Kommunistische Agenten drangen in die
verschiedenen industriellen Betriebe und sorgten dafuer, dass
bei jeder Wahl fuer die Gewerkschaften die gewuenschten Wahlresultate zustande kamen. Die Folge hiervon war, dass nach und
nach jede Gewerkschaft unter die direkte Kontrolle der kommunistischen Agenten kam, wobei man obendrein behaupten konnte,
dass die Arbeiterschaft hier selbst gesprochen habe. Die heutige Taetigkeit der sich inimer noch Gewerkschaft nennenden Organisationen ist naturgemaess sehr beschraenkt. Die Kauptaufgäbe
besteht darin, alle antikommunistischen Personen in den Betrieben herauszufinden und sie zu registrieren. Das Ergebnis ist
damit praktisch eine schwarze Liste. Auf der anderen Seite
weiss jedoch niemand, ausser einigen kommunistischen Spitzenfunktionaere, welche Namen sich tatsaechlich auf diesen Listen
befinden. Durch diese Ungewissheit .werden praktisch alle Arbeiter in einer staendigen Unruhe- und Ungewissheit gehalten.
Sine andere Aufgabe der "Gewerkschaften" ist heute die
Abhaltung von Massenversammlungen, sobald sich irgendwelche
Zeichen der Unzufriedenheit zeigen. Das ist nach den kommunistischen Richtlinien auch dann erforderlich, wenn die schwarzen
Listen allzu lang werden. Diese Massenversammlungen bieten zugleich eine Moeglichkeit, auf diesen Listen eine Reihe von
Namen wieder auszustreichen. 2s gibt sogar Faelle, in denen
auf diesen iuassenversammlungen die Todesstrafe fuer solche Leute
gefordert wird, die offensichtlich nicht mit allen Vorgaengen
einverstanden sind. Aber das kann ebenso auch mit Arbeitern
geschehen, die voellig unschuldig sind und aus denen lediglich
- 4 -

�eine gewisse Veraergerung spricht. Wenn es jedoch zu viel
verdaechtige Elemente gibt, so uebergeben die kommunistischen
Spitzel die Kamen dieser Personen der Geheimpolizei, die denn
diese Leute verhaftet und unter Umstaenden auch erschiesst.
Diese Verhaftungen geschehen stets bei Nacht. Es wird an
den Tueren geklopft und noch vor der Morgendaemmerung sind
saemtliche Verhaftungen durchgefuehrt. Praktisch sind die
Gewerkschaften im Roten China somit Agenturen der Geheimpolizei, die ueber China ein Terrorregime errichtet hat.
üiine weitere Aufgabe der Gewerkschaften in China besteht
heute darin, die Produktionsleistungen des Arbeiters hochzuschrauben. Hierbei ist bemerkenswert, dass der chinesische
Stachanowist von den Kommunisten geradezu als lebender Buddha
gefeiert wird. Aber sonderbarerweise ist dieser chinesische
"Kämpfer" an der Erschoepfung zugrundegegangen, die sich durch
die Ueberarbeit ergab. Jeder Arbeiter wird gefragt, ob er
bereit ist, den bestehenden Produktionsrekord zu uebertreffen.
Das ist umso leichter fuer die "Gewerkschaften", als ja vorher
jene Arbeiter entfernt wurden, denen man nicht trauen konnte,
sodass die Kommunisten umso leichter alle jene ausbeuten
koennen, -denen sie noch Vertrauen schenken. Man sagt heute
in China, dass die Arbeiter Zitronen geworden sind. ..enn sie
so ausgequetscht sind, dass kein Tropfen mehr aus ihnen herauskommt, wirft man sie auf den Abfallhaufen.
Nach den Mitteilungen des Ministerpraesidenten der Puppenregierung in Peking, Chow An-Lai, sind seit Anfang Mai Irr
Millionen antikommunistischer Personen erschossen worden.
Tatsaechlich wird jedoch die Zahl der von den Kommunisten erschossenen Menschen v/eit groesser sein. Damit sie ihre Kontrolle ueber das Land verstaerken und ihre Fleene ueber die
Eroberung der «Veit beschleunigen koennen, wird jeder, der
schuldig befunden wird - und sei es auch nur in geringem
Grade - einfach verhaftet und bei naechster Gelegenheit erschossen, wenn man es nicht vorzieht, ihn in ein Zwangsarbeitslager zu bringen, da heute bereits in China nicht genuegend
Arbeitskraefte mehr zur Verfuegun&lt;* stehen, um die auferlegten
Produktionsverpflichtungen zu erfuellen.
Die Arbeitszeit betrug vor der kommunistischen Invasion
acht bis neun Stunden am Tag, heute betraegt sie zehn bis
zwoelf Stunden. Gleichzeitig ist jedoch jeder Arbeiter gezwungen, schneller zu arbeiten, um seine ^uote erfuellen zu koennen. Das fuehrt praktisch dazu, dass die taegliche Arbeitszeit zumeist 13 und in vielen Faellen sogar 16 Stunden am
Tag betraegt. Nicntkriegswichtige Industrien sind zum grossen
Teil voellig eingestellt, umso groesser ist der Aufschwung in
der Ruestungsindustrie. Man kann sich vorstellen, mit welchen.
Gefuehlen die Arbeiter zu den vorgeschriebenen Massenversammlungen gehen, wenn sie bereits 16 Stunden an ihrem Arbeitsplatz
standen. Rechnet man noch den Weg von der Arbeitsstaette zur
Fabrik und zurueck dazu, so ist es keinesfalls eine Uebertreibung, wenn heute der chinesische Arbeiter wochenlang keine
Gelegenheit hat, einmal mit seinen Familienmitgliedern sich
zu unterhalten. Der chinesische Arbeiter steht meist vor sechs
Uhr morgens auf, um puenktlich am Arbeitsplatz zu sein. Zu
dieser Zeit schlaeft die Familie noch. Die Arbeit, ist um neun
Uhr abends zu Ende und wenn hier noch zwei oder drei Stunden
durch Sitzungen im Betrieb oder durch gewerkschaftliche Massenversammlungen verlorengehen, so kommt der Arbeiter so snaet
nach Hause, dass er seine Familie schon schlafend vorfindet.
5 -

�I.fen muesste annehmen, dass bei einer derartigen langen
Arbeitszeit auch die Loehne wesentlich gestiegen sind. In
Sowjet-China ist dies jedoch nicht der Fall. Um die Loehne
in ein richtiges Verhaeltnis zu setzen, ist es am besten,
wenn als Basis fuer den «Yert des chinesischen Geldes das_
Grundnahrungsmittel Reis verwendet wird. Als der chinesische
Arbeiter im"Jahre 1947 taeglich neun Stunden arbeitete, konnte
er sich dafuer im Monat 600 Pfund Reis kaufen. Im Jahre 1951
wurde bis zu 16 Stunden am Tage gearbeitet, aber fuer den Gesamtlohn reichte es nur fuer 200 Pfund Reis. Hier muss jedoch
einschraenkend bemerkt werden, dass bei diesem Vergleich der
Nominallohn zugrunde gelegt wird. Der wirkliche Lohn, der
mit nach Mause genommen werden kann, schwankt zwischen 100
bis 150 Pfund Reis im Monat, da 50 Pfund immer fuer die verschiedenen Steuern und Abgaben abgezogen werden muessen, waehrend weitere 50 Pfund Reis - manchmal weniger, icanclimal mehr fuer die mannigfaltigen Formen der freiwilligen Opferabgaben,
fuer die eigenartigsten-Sammlungen und auch fuer solche Zwecke,
wie sie von den machtausuebenden Funktionaeren festgelegt werden,
in Abzug kommen. Selbstverstaendlich bedeuten diese freiwilligen Opfer in der Praxis zwangsweise Abzue^e. 100 Pfund Reis
sind gerade so viel, um taeglich zwei ochuesseln einer sehr
duennen Reismahlzeit oder eines Reisbreis fuer die Mahlzeit
jedes der fuenf Mitglieder 'einer Familie fuer einen Monat zuzubereiten,wenn man einen Durchmesser von drei Mahlzeiten je
Tag zugrundelegt. T'atuerlich sind in den Tausenden von Zwangsarbeitslagern, die ueber das ganze Land verstreut sind, die
Verhaeltnisse noch schlechter, ilin Zwangsarbeiter muss Tag
fuer Tag 16 Stunden lang hart arbeiten und erhaelt nur zwei
Schuesseln Reis bei jeder Mahlzeit. Fuer die Unterstuetzung
seiner Familienmitglieder erhaelt er keinerlei Moeglichkeiten.
Unter diesen Umstaenden ist es nicht erstaunlich, dass Unterernaehrung und lange Arbeitszeit in der Industrie zu Zrmuedungserscheinungen fuehrt und ein starkes Anwachsen der Berufsunfälle zu verzeichnen ist. So war der Durchschnitt der Unfallziffern in der Zeit vor der kommunistischen Herrschaft 3,6 im
Monat, waehrend heute fast Tag fuer Tae; ein Unfall passiert.
wang-Chu vor dem IBFG-Kongress
in Mailand
D. Abkhazi:
D2R SCHITAUPLAN UND ZUR OPA
Z'in Jahr ist bereits seit dem Augenblick verflossen, wo
Robert Schuman seine Idee bekanntgegeben hat, dass die Kohleund Zisenvorkommen Zuropas fuer eine gemeinsame ..irtschaft zur
Verfuegung stehen sollen. Die Unterschriften unter diesem
Plan haben heute dieser Idee Vi/irklichkeit gegeben.
In der Zwischenzeit haben sich in der ganzen V.'elo dramatische Ereignisse vollzogen, i.ber diese konnten der Idee Schumanns nur eine umso groessere v;ichti~keit &lt;reben. heute wird
eine vernuenftige Loesun? der letzten Differenzen zwischen
Deutschland und Frankreich gesucht. Man hatte ursnruenglich
diesen Plan als Kohle-Plan bezeichnet, oder als eine KohleZisen-Gemeinschaft. Tatsaechlich ist dieser Plan jedoch weder
das eine noch das andere, wie man sehen wird, ^llen freien
Laendern steht es offen sich an diesem Plan zu beteiligen,'
der sich gegen niemand wendet, noch ist er ein Kartell, das
von egoistischen Interessenten ins Leben gerufen worden ist.
- 6-

�Die Idee zu diesem Plan erscheint durchaus einfach unS
ueberzeugend. Sie besteht darin, die gesamte deutsoh-frenzo«»sische Produktion an Sfcahl und ^isen in die Ha ende einer Hoher.
Konmission zu legen, deren Verwaltung in gemeinsamen Haenden
liegt und an der sich auch andere europaeische Laender beteiligen koennen.
Diese Voraussetzung ist praktisch genug, um sie auf einen
wirtschaftlichen Plan zu uebertragen. In der Praxis handelt
es sich darum, dass man fuer die Produktion einer Tonne Stahl
1 , 5 - 3 Tonnen Eisenerz benoetigt, je nach dem Eisengehalt
der von 33$ bis 65$ variiert. Ebenso benoetigt man 0,8 bis
1,2 Tonnen Koks oder 1 bis 1,6 Tonnen Kohle, die in Koks umgewandelt wird, wobei die Destillation einer Tonne Kohle etwa
750 kg Hochofenkoks ergibt.
In Frankreich befinden sich als wichtige Bodenschaetze
Europas umfangreiche Eisenerzlager. Diese werden auf etwa 7
Milliarden Tonnen geschaetzt. Sie liegen damit an zweiter
Stelle hinter denen der Vereinigten Staaten. Kurz vor dem
zweiten Weltkrieg betrug die franzoesische Produktion etwa 33
Millionen Tonnen Eisenerz mit einem mittleren iisengehalt von
33$, d.h. also 11 Millionen Tonnen eines 100$igen Eisenerzes.
9/10 der Eisenerze befinden sich in Lothringen. Damit uebertraf
Frankreich bei weitem die britische Produktion, die 4,5 Millionen Tonnen Eisenerz betrug, wenn es auf 100$ umgerechnet wird,
sowie die Produktion Deutschlands mit 3 Millionen Tonnen und
die Luxemburgs mit 2 Millionen Tonnen. Frankreich exportierte
rund 45$ seiner Produktion, 2/3 davon an die belgisch-luxemburgische Zoll-Union und ein weiteres Drittel an Deutschland. Das
damalige Deutschland verarbeitete rund 14 Millionen Tonnen reinen Eisenerzes. Da die deutschen Vorkommen weder in Q,ualitaet
noch in ^uantitaet ausreichend waren, konnten die eigenen Förderungen nicht mehr als 20 bis 25$ seines Bedarfs decken, denn
die mageren Eisenerze enthielten im Durchschnitt nur 25$ Eisen.
Der Rest musste somit von Schweden, Frankreich, Spanien und
von Uebersee importiert werden.
In der Frage der Kohle, diesem ebenso wichtigen Faktor bei
der Aufbereitung des Eisenerzes, ergibt sich jedoch eine ganz
andere Situation. Dank dem Ruhrgebiet verfuegt V.'estdeutschland
ueber den groesseren Teil der europaeischen Kohle, die sich in
Koks ueberfuehren laozst. 1938 betrug seine Produktion 137
Millionen Tonnen Kotue und 36 Millionen Tonnen Koks. Her Export
fester Kohle jeder Art erreichte die Ziffer von 38 Millionen
Tonnen. Im Gegensatz hierzu verfuegt Frankreich nur ueber 47
Millionen Tonnen Kohle und steht dabei an dritter Stelle noch
hinter Grossbritannien, das 232 Millionen Tonnen zur Verfügung
hat. Darueberhinaus ist die franzoesische Foerderung sehr arm
an Kohle, die sich verkoken laesst. Die Koksproduktion konnte
nur auf 7,5 Millionen Tonnen gesteigert werden, waehrend der
Bedarf auf etwa 10 Millionen Tonnen geschaetzt wird.
Bei einem Gesamtverbrauch von jaehrlich etwa 68 Millionen
Tonnen fester Kohle musste Frankreich 21 Millionen Tonnen einfuehren, davon allein'2,5 Millionen Tonnen Koks. Deutschland
und Grossbritannien lieferten Frankreich je etwa 1/3 der fehlenden Menge, der Rest kam aus Belgien, Holland, Polen und anderen
Laendern. Alles in allem ergibt sich, dass Frankreich reich an
Eisenerzen ist und in der Lage ist, fast die Keelfte seiner Froduktion zu exportieren. Frankreich ist jedoch weniger guenstig
gestellt in bezug auf Kohle. Es muss 1/3 seines Verbrauchs ir.i.7 -

�portieren und vor allen die Haelfte des benoetigten Kochofenkoks, der fuer die Erzaufbereitung unbedingt notwendig ist.
Deutschland produziert nur geringe Kengen an Eisenerz,
das obendrein nur einen sehr geringen Eisengehalt hat. Es muss
daher 3/4 seines Verbrauchs importieren. Dagegen ist Deutschland ausserordentlich gut gestellt, was die Kohlenproduktion
anbelangt und kain hier ohne weiteres 1/4 seiner Produktion exportieren.
Wenn man diese Tatsachen zusammenfasst, so ergibt sich
eine geradezu natuerliche Schlussfolgerung:
1.

Die beiden Wirtschaftsgebiete ergaenzen sich.

2.

Bei dem gegenwaertigen Stand der Technik kann eine Erzverhuettung in Frankreich nicht ohne die deutsche Kohle
existieren, aber ebenso wenig kann das Kuettenwesen in
Deutschland gedeihen, wenn keine franzoesischen Erze
zur Verfuegung stehen.

Im Laufe eines Jahrhunderts hat man dreimal versucht, eine
Loesung zu finden, bei der man mit Gewalt die Lage der Grenzen
veraendert hat. Der -Begriff"Kohle und Eisen" hat sich in den
Koenfen der Uenschen so festgebohrt, dass er zur Idee des Krieges und der Zerstoerung wurde.
Auf dieser Grundlage muss man heute die Initiative Schumanns betrachten, d.h. die Vereinigung der deutschen und franzoesichen Kohle- und Eisenquellen, um darueber hinaus durch eine
uebernationale Kontrolle praktisch jeden Krieg zwischen Deutschland und Frankreich nicht allein undenkbar, sondern, materiell
gesehen, auch unmoeglich zu machen.
Es handelt sich hierbei keineswegs, wie zuweilen behauptet
worden ist, um die Schaffun«? eines sich gegenseitig verpflichteten Industriekartells, sondern um eine wirkliche Abstimmung der
beiden sich ergaenzenden Wirtschaftsgebiete, die sich dabei
einer uebernationalen europaeischen Kontrolle unterwerfen muessen.
Die aufnähme, die dieser Plan in der oeffentlichen Meinung der
7/elt gefunden hat, ist noch frisch im Gedaechtnis. Trotz gewisser Bedenken, die der Durchfuehrung dieses Planes entgegengebracht werden, hat die Mehrzahl der interessierten Regierungen
diesem Plan sozusagen sofort zugestimmt. Deutschland war eines
der ersten Laender, das sich zu diesem Plan bekannte. Nur Grossbritannien, das auch hier seinem alten Prinzip des "Abwarten-undSehen" treugeblieben ist, hat sich bis jetzt noch nicht zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaert.
Diese Haltung Englands bedarf einiger Erklaerungen:
23 ist unbestreitbar, dass der psychologische Schock, mit
dem die Initiatoren des Schumanplans rechneten, dazu beigetragen
hat, dass die oeffentliche Meinung in England sich abwartend verhaelt. Seit mei^r als einem Jahrhundert hat die britische Kohle
und der britische Stahl die V/eltmaerkte beherrscht. England
sieht sich daher sehr betroffen, weil ohne jede vorhergehende
Aussprache und ohne zuvorige Beratung dieser Plan sozusagen brutal
der Oeffentlichkeit vorgelegt wurde, ohne auf die Punkte Ruecksioht zu nehmen, die Grossbritannien weitgehend betreffen. Es
genuegt, in dieser Hinsicht an den bitteren Ton der englischen
Presse zu erinnern, der im Mai 1950 zu finden war.
8 -

�Vergessen wir hierbei .auch nicht, dass der so oft diskutierte Tunnel zwischen England und Frankreich auch heute noch
nicht seiner Verwirklichung naehergebracht worden ist. Der
Snglaender bevorzugt es aufgrund seiner geistigen Haltung,
insular zu bleiben. Er ist neuen Ideen gegenueber nur recht
wenig aufgeschlossen - ganz im Gegensatz zu den Voelkern, die
sich auf- dem alten Kontinent diesen Ideen anschliessen und diese
begeistert aufnehmen. Es ist sehr schwer fuer den Englaender,
sich bereitzuerklaeren, seine Ideenwelt zu aendern. Es kommt
ihn vor, als ob er dabei einen Teil seiner Souveraenitaet aufgeben muesse. Und hat er nicht im gewissen Sinne auf die Idee
des Schumanplans reagiert, als er sagte, dass ein Land, das
die Kontrolle ueber seine Kohle und seine Erze verliert, nicht
mehr seine nationale Freiheit besitzt?
Tan muss dabei auch verstehen, dass die heutige besondere
Situation ohne jedes Ge,?enstueck in der englischen Geschichte
ist, die aus dem Vereinigten Koenigreich ein Commonwealth machte
und vielleicht nocn staerKer als alle anderen Gruende dazu beitragen, sich gegen die uebrige '.Veit abzuschliessen. Indessen
bleibt trotz allem die Hoffnung, dass Grossbritannien sich dem
Schumanplan zuwenden wird, nachdem dieser Plan durch die Parlamente der beteilis'ten Laender ratifiziert worden ist. Aber
auch dann, wenn keine wirkliche Beteiligung in diesem engeren
Sinne zustande komr.it, wird Grossbritannien sich doch zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaeren. Die fortschreitende Vereinigung Europas ist ohne Grossbritannien nicht denkbar und nicht
durchfuehrbar.
Sine der ersten Aufgaben der kuenftigen Hohen Kommission
wird es sein, eine Uebereinstimmung zwischen den Laendern, die
h an diesem Plan beteiligt sind und den abseitsstehenden westeuropaeischen Laendern herbeifuehren, zu denen in erster Linie
Grossbritannien gehoert.
Trotz aller Kritiken und gewisser zoegernder Momente haben
sich die Vertreter der sechs interessierten Laender. naemlich
Westdeutschland, Belgien, Frankreich (die Saar wird zur Zeit
durch Frankreich vertreten), Luxemburg,und Holland am 20. Juni
1950 in Paris getroffen, um hier die Modalitaeten festzulegen,
um ein gemeinsames Arbeiten ihrer Schwerindustrie zu ermoeglichen.
Die nachstehende Tabelle gibt die Produktionsziffern fuer
Kohle, Eisenerz, Eisen und Stahl der Teilnehmerlaender im Jahre
1950 wieder. Danach werden die britischen Zahlen und die der
europaeischen Gesamtproduktion gegeben.
"an muss jedoch hierbei bemerken, dass die Produktion
dieser sechs Laender seit dem letzten Jahr einen nicht unerheblichen Aufschwung genommen hat. Nach den Erfahrungen, die die
ersten drei Monate des Jahres 1951 betreffen, ist die Kohleproduktion in Westdeutschland auf 120 Millionen Tonnen gestiegen,
in Frankreich auf 54 Millionen Tonnen, im Saargebiet auf 17
Millionen Tonnen und in Belgien 29 Millionen Tonnen. V.ras die
Stahlproduktion anbelangt, hat die westdeutsche Produktion 12
"illionen Tonnen erreicht, die Frankreichs 9,6 Millionen Tonnen, die der Saar 2,5 Millionen Tonnen, die Belgiens 4,7 Millionen Tonnen und die Luxemburgs 3 Millionen Tonnen. Fuer die
Teilnehmerlaender am Schumanplan betraegt somit die Produktionssteigerung zu Anfang des Jahres 1951 fuer Kohle dfo, d.h. also
16 Millionen Tonnen mehr und 10% fuer Stahl, d.h. 3 Millionen
Tonnen.
- 9 -

�Die europaeische Produktion im Jahre 1950
(In Millionen Tonnen)

Westdeutschland
Frankreich .
Saar . . . .
Belgien . .
Luxemburg
Niederlande
Italien . .
Total . . .
Grossbritannien
Andere europaeische Laender

110,8
50,8
15,1
27,3
12,3
1.0

Stahl:

Eisenerze: Eisen:

Kohle

22%
20% 2,7 - 9% 9,5
18%
9% 10,3 -34% 7,8
3%
1,7
5% 0,2 - 0,5 3,7 - 9%
1,2 - 4% 2,5 - 6%
2%
- 0,5 - Ifo
0,2 - 0.5 0,6 - 1%

20%
14%
3%
6%
4%

12,1
8,7
1,9
3,8
2,5
0,5
2,5

217,3

39% 14,6 -48% 26,3 - 61% 31,8 - 52%

219,8

40%

3,9 -13% 9,7 - 22% 16,4 - 27%

21% 11,8 -59% 7,1 - 17% 12,8 - 21%
119,9
Total . . ., 557,0 -100% 30,3 -100% 43,1-100% 61,0 -100%

* Der Erzgehalt ist umberechnet auf 100% Eisengehalt.
Man hat uebrigens festgestellt, dass in den Teilnehmerstaaten des Schumanplans im europaeischen Gesamtgebiet, mit
Ausnahme der UDSSR, sich die Kohlenfoerderung 1950 um 39% steigerte; fuer Eisenerz um 48%; fuer Eisen um 61% und fuer Stahl
um 52%.
Die zweite Tabelle zeigt Importe und Exporte der teilnehmenden Laender, wobei lediglich feste Brennstoffe, Eisenerze,
Eisen und Stahl beruecksichtigt ist.
Import- und Exportzahlen fuer 1950
(In Millionen Tonnen)
.feste
Brennstoffe
Imp. Exp,
Westdeutschland
Frankreich .
Saar . . . .
Belgien . .
Luxemburg
Niederlande
Italien . .
Total .
Cx-ossbritannien

19,6

Eisenerze
Imp. Exp.
4,8

11,5

Eisen

Stahl

Imp. Exp. Imp. Exp.
-

0,46

-

1,17

-

2,81
3,13

11,1

0,3

3,8
8,3

- 0,33
0,06

3,8
8,8

0,6

- 0,25
0,21
-

8,5

3,7

6,6

-

15,1

8,5

0,16

0,67

0,82 0,48 -

5,81

-

1,39

Wenn das gestellte Problem in seinen Prinzipien sich auf
den ersten Blick fuer die in Paris versammelten Delegierten
als ein verhaeltnismaessig einfaches darstellte, so ist doch
auf der anderen Seite der Mechanismus, den der Schumanplan vor- 10 -

�gesehen hat, nicht so einfach, um ohne weiteres verwirklicht
zu werden. Die Arbeiten der Vertreter der sechs Laender, die
Jean Monnet leitete, waren ebenso langwierig wie anstrengend.
Die Umwandlung der Prinzipien in die Wirklichkeit des Tages
mussten notwendigerweise gewisse politische, wirtschaftliche,
finanzielle und soziale Schwierigkeiten in das Licht ruecken,
ebenso begegneten sich hier die verschiedenen Interessen, die
oft entgegengesetzter Natur waren. Man nuss hierbei beruecksichtigen, dass die Wirtschaftsstruktur der sechs Teilnehmerlaender eine verschiedene ist, und dass sie nur schwer zu
einer Harmonie gebracht werden koennen. Die Produktion, die
Ertraege, die Technik, die soziale Gesetzgebung, die inneren
Marktbedingungen und bestimmte Schwierigkeiten in den aeusseren Bereichen wie beispielsweise bei dem Sonderstatut der
Saar, den Vollmachten der internationalen Ruhrbehoerde und
sehnliches hat naturgemaess den Ablauf der Verhandlungen gehemmt. Weiter ergab sich, dass, wenigstens fuer die Zwischenperiode, eine Reine von Vorbehalten und Sonderklauseln eingefuehrt werden mussten. Diese Umstellungsperiode war jedoch
von Anfang an vorgesehen, sie sollte sich auf jene Zeit erstrecken, die notwendig war, um die Hohe Behoerde dieser Wirtschaftsgemeinschaft in Funktion treten zu lassen, sie wurde
auf sechs Monate befristet. Gleichzeitig s.ollten in dieser
Zeit die einzelnen Institutionen ihre Arbeit aufnehmen und den
gemeinsamen Markt festlegen.
Eine weitere Uebergangsperiode von fuenf Jahren wurde
vorgesehen, um gelegentliche Stoerungen zu vermeiden, die
sich durch die neuen Organisationen ergeben koennten. Waeh•' rend dieser Periode spielen verschiedene Sicherheitsmassregeln
eine Rolle, deren Aufgabe es ist, die bej diesem Plan am wenigsten beguenstigten Industrien bestimmter Laender zu unterstuetzen. So soll eine Ausgleichskasse errichtet werden, um
den unter besonders schwierigen Verhaeltnissen arbeitenden
belgischen Kohlenbergwerken und italienischen Stahlwerken zu
helfen.
Durch die Ereignisse in Korea ist naturgemaess der gesamte Plan beeinflusst worden. Als im Mai 1950 die Idee dieses
Plans der Oeffentlichkeit unterbreitet wurde, schien die europaeische Produktion eine gewisse gesunde Basis erreicht zu
haben. Wenige Wochen spaeter jedoch hatte sich die wirtschaftliche Situation voellig veraendert, von dem Zustand einer in
voller Bluete stehenden Wirtschaft gelangte man zu einer
Mangelwirtschaft. Dadurch wurde jedoch die Gefahr vermieden,
bestimmte Bergwerke und Fabriken stillzulegen, weil sie unrentabel waren. Auf der anderen Seite hat netuerlich diese
neue Konjunktur die Probleme stark vereinfacht und den Kurs
wieder auf die Hauptprobleme zurueckgebracht. Die Preishausse
schuf darueberhinaus noch andere und fuehrte zu gewissen Sonderwuenschen, die mit dem Ziel des Plans unvereinbar waren. Trotz
allem konnte jedoch der Vertragsentwurf und die Vereinbarungen
am 19. Maerz paraphiert und am 18. April durch die sech3
Aussenminister feierlich unterzeichnet werden. Der Vertrag
ist jetzt noch durch die Parlamente der einzelnen Teilnehmerstaaten zu ratifizieren.
Mit dem Schumanplan ist die erste uebernationale Organisation geschaffen, um die Voraussetzung fuer ein wirtschaftlich
vereinigtes Europa zu schaffen, wobei die Teilnahme an diesem
Plan allen Staaten Europas offen steht. Dieser Satz der gemeinsamen Erklaerung der Aussenminister der sechs Laender charakte11 -

�risiert die tiefgehenden Umwandlungen, die sich in der wirtschaftlichen Struktur der Teilnehmerlaender vollziehen wird.
Zum erstenmal in der Weltgeschichte sind sechs Staaten uebereingekommen, einen Teil ihrer Souveraenitaet einer gemeinsamen Organisation zu ueberantworten. Es handelt sich hierbei
um eine fundamentale Aenderung in den Beziehungen souveraener
Staaten. Die Form des Nationalstaates, die bisher trennend
wirkte, macht heute einer uebernationalen Form Platz, die dazu
beitraegt, diese Staaten zusammenzuschliessen.
Das Ingangsetzen einer gemeinsamen Kohle- und Stahlproduktion umfasst einen Markt von 150 Millionen Verbrauchern,
das ist die Bevoelkerungszahl der sechs Teilnenmerlaender.
Im Innern dieses Marktgebietes, das ebenso rross ist wie das
der Vereinigten Staaten, werden alle Produzenten freien und
gleichen Zugang zu den liilfsmoeglichkeiten haben, aber ebenso
haben alle Verbraucher die Moeglichkeit, sich ebenfalls die
Vorteile dieses Plans zunutze zu machen. Es gibt keine Zoelle
mehr und keine Kontignentierungssysteme, es gibt auch keine
Vorzugstarife noch irgendeine andere Form der Benachteiligung
oder Diskriminierung, die sich dem freien Umlauf der Kohle entgegenstellt, aber nicht nur der Kohle, sondern auch dem Eisenerz, dem Eisen und dem Stahl in einem Gebiet, das von den
sechs Teilnehmerstaaten gebildet wird. Die gesamten Vorraete
an Kohle und Stahl werden ohne Ruecksicht auf ihren Ursprung
je nach dem Bedarf der teilnehmenden Laender diesen uneingeschraenkt zur Verfuegung stehen.
Die Freiheit und die schoepferische Initiative sind die
Basis fuer die gemeinsame Organisation. Die"Unternehmen werden weiterhin die volle Verantwortlichkeit fuer ihre Transaktionen haben, ja, sogar in verstaerktem Masse als bisher, denn
die freie schoepferische Initiative wird wieder hergestellt
durch die Abschaffung der Restriktionspraktiken der Kartelle.
Die Verbraucher werden dadurch gegen die Auswuechse der
Konzentration einer .Virtschaf tsmacht geschuetzt. Daneben werden selbstverstaendlich Vorkehrungen getroffen, um den technischen Fortschritt zu foerden und selbstverstaendlich auch die
Hebung der Lebensbedingungen fuer alle Beteiligten.
Dieser kurze Abriss kann selbstverstaendlich nicht erschoepfend sein, um all das aufzuzeigen, was am Schumanplan
wichtig ist. Er gibt jedoch einen Umriss, bei dem die wichtigsten Aufgaben herausgestellt sind. Hieraus ergibt sich auch
die Notwendigkeit, die Instrumente der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu schmieden.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass ein Redakteur
der "New York Herald Tribüne" schrieb, dass Jean Monnet, Frankreichs Wirtschaftsexperte Nr. 1, nicht nur der glueckliche Vater zweier Toechter Anna und Marianne ist, sondern auch Vater
zweier Plaene, des Monnet- und des Schumenplans. Man kann sich
nicht vorstellen, welche Summe an Arbeit, an Hartnaeckigkeit,
an Geduld und an Takt im Laufe der letzten zehn Monate Monnet
beweisen musste, um nicht in den letzten zehn Monaten ueber
irgendwelche Zwirnsfaeden zu stolpern, die seinen Plan zu Fall
gebracht haetten. Die Geschichte wird eines Tages den Namen
Robert Schumans als des Menschen herausstellen, der in einem
der schwersten Augenblicke der Weltgeschichte es verstanden hat,
sich ueber nationale Sonderbestrebungen hinwegzusetzen und die
echten Interessen der Laender und Voelker herauszustellen, um
zu einem Werk beizutragen, das ein entscheidender Beitrag bildet
- 12

�fuer die Integration des von allen moeglichen Kraeften gestossenen Europas und fuer eine staendig anwachsende Zusammenarbeit
zwischen'den Voelkern. Man sollte es nicht verheimlichen:
Eine grosse Hoffnung ist geboren. E3 liegt an uns, diese
Hoffnung zu einem echten Leben zu erwecken.
RAPPORTS France-Etats Unis
Nr. 52 Juli 1951
Sir Vincent Tewson:
DIE VORAUSSETZUNGEN FUER DIE HERSTELLUNG UND ERHALTUNG DES
WELTFRIEDENS
Mit seiner Erklaerung ueber wirtschaftliche und soziale
Forderungen umriss der Gruendungskongress des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften seine Ziele und Aufgaben. Diese
Erklaerung verweist nachdruecklich auf die PrBa.mbel zur IBFGSatzung, in der der Internationale Bund bekraeftigt, "dass
die auf freier Arbeit und wirtschaftlicher Demokratie gegruendete allgemeine .Johlfahrt, die soziale Gerechtigkeit und Sicherheit die Grundlagen bilden, auf denen ein dauernder Friede
aufgebaut werden kann."
Der Internationale Bund hat auf seinem zweiten Weltkongress die Verantwortung, dieser Erklaerung von allgemeinen
Grundsaetzen praktische Wirkung zu verleihen. Der Internationale Bund ist gewiss nicht in der Absicht gegruendet worden,
um lediglich einander mehr oder weniger gleichende Manifeste
und Erklaerungen allgemeinen Inhalts herauszugeben. Als wir
eine internationale Organisation freier Gewerkschaften gruendeten, entledigten wir uns aller kommunistischen Einfluesse,
die uns vom konstruktiven Wiederaufbau einer durch den Krieg
verbrauchten »Veit und von der Errichtung wirtschaftlicher Stabilitaet ablenken wuerden, durch die allein aber Vollbeschaeftigung und ein staendig sich hebender Lebensstandard und sozialer 7/ohlstand fuer alle Voelker gesichert werden koennen.
(Dem Internationalen Bund faellt die bedeutende Aufgabe
zu, bei der Schaffung der fuer die Herstellung und Erhaltung
eines dauerhaften Friedens von uns fuer notwendig angesehenen
Voraussetzungen mitzuwirken. Seit unserem ersten Kongress
sind energische Massnahmen fuer den Aufbau der zur Foerderung
dieser Arbeit benoetigten internationalen und regionalen Einrichtungen getroffen worden. Diese noch unvollstaendigen aber
bereits gut entväckelten Einrichtungen wurden fuer konstruktive
Zwecke geschaffen, mit deren Erfuellung der dauerhafte Weltfriede hergestellt werden wird.

Es ist daher die oberste Pflicht des Internationalen Bundes, diese Einrichtungen von nun an" zur Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen industriell entwickelten Laendern auszubauen und praktisch zu verwerten.. Durch sie muss er das Wirtschaftsleben der Voelker in unterentwickelten Laendern organisieren helfen und die Selbstregierungsbestrebungen kolonialer
Gebiete unter der Voraussetzung politischer Freiheit und mit
demokratischen Garantien gegen jede Ausbeutung und Unterdrueckung
foerdern.
Dies alles gehoert zu den wesentlichsten Voraussetzungen
fuer einen dauerhaften Frieden. V/ie sich bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, ist die freie Gewerkschaftsbewegung
- 13 -

�eines der HauptInstrumente fuer den Aufbau von Einrichtungen
freier Staatsbuerger und fuer den Fortschritt der Demokratie.
Dieser Kongress muss daher die Notwendigkeit der Erweiterung
und des Ausbaus der internationalen Gewerkschaftsorganisation
anerkennen. Besonders wichtig ist dabei, dass Mittel fuer
die Entwicklung der regionalen Organisationen gefunden werden,
die vom Internationalen Bund in Europa, Asien und fuer die beiden Amerikas geschaffen wurden. Ebenso wichtig ist die Foerderung regionaler Gruppierungen in anderen Gebieten, darunter
in Afrika, wo bereits vorbereitende Schritte unternommen wurden.
Bei tatkraeftiger und planvoller Verwendung dieser Einrichtungen kann der Internationale Bund die Plaene und Massnahmen von Regierungen und Voelkern in allen Teilen der Welt
wirksam beeinflussen. Internationale Beziehungen sollten
nicht eine Angelegenheit geheimer Verhandlungen oder Beratungen zwischen Regierungen sein. Der freie Austausch von Nachrichten zwischen den Voelkern der verschiedenen Laender der
Welt darf nicht behindert werden. Wir muessen ganz allgemein
die gegenseitige Beachtung der Menschenrechte und der Pressefreiheit fordern. Der Friede ist nicht allein eine Angelegenheit der Regierungen. Die Voelker, die ihre Regierungen frei
waehlen, koennen dadurch auch die Politik ihrer Laender bestimmen. Ihre Staerke wird am groessten, wenn sie sich freiwillig
zu Gewerkschaftsorganisationen vereinigen, die die politischen
Massnahmen ihrer Regierungen weitgehend beeinflussen koennen.
Dieses alles trifft fuer Laender zu, in denen die Demokratie
herrscht; in Diktaturlaendern aber ist die Situation umgekehrt.
Deshalb ist mit den Diktaturlaendern eine derartige Kriegsgefahr verbunden, weil das Volk von der Freiheit des Zusammenschlusses, oder von sonstigen demokratischen Mitteln zur Ausuebung der Regierungsgewalt durch das Volk keinen Gebrauch machen kann.
Insbesondere muessen die von den Regierungen der freien
Welt getroffenen Massnahmen zur Entwicklung der Prinzipien der
kollektiven Sicherheit und der gemeinsamen Aktion zur Sicherung
eines dauerhaften Friedens voll unterstuetzt werden. Die grundlegenden Voraussetzungen fuer die Herstellung und Erhaltung des
Friedens sind mit dem von den Vereinten Nationen geschaffenen
Sicherheitssystem gegeben. Dieses System gruendet sich auf den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, gestuetzt und verstaerkt
durch die Nordatlantikpakt-Organisation, die Westliche Union
und den Europarat, die Organisation fuer Europaeische Wirtschaftliche Zusammenarbeit und anderen, wie.den Benelux-Zollvertrag,
die t^-uesseler und Duenkirchener Vertraege, den FranzoesischItalienischen Zollvertrag und das Amerikanische Gesetz fuer Auslandshilfe, die alle mit den Zielen und Aufgaben der Vereinten
Nationen in Zusammenhang stehen.
Der Internationale Bund sagt diesen Massnahmen seine uneingeschraenkte Unterstuetzung zu. Neben ihrer Aufgabe, die Verteidigung der freien Welt zu staerken, dienen sie alle konstruktiven Zwecken, und zwar der Erhaltung des Friedens. Der Internationale Bund weist ohne Zoegern und aufs energischste jede
Propaganda zurueck, durch die versucht wird, diese gegen die
Aggression gerichteten Verteidigungsmassnahmen als kriegsaehnliche oder imperialistische Bestrebungen irgendeiner der Westmaechte hinzustellen.
Eine notwendige Voraussetzung fuer die Gewinnung eines •
dauerhaften Friedens besteht darin, dass von der oeffentlichen
14 -

�Meinung der ganzen Welt anerkannt wird, dass die errichtete Verteidigungs-Organisation eindeutig friedlichen Absichten dient_
und dass die freien demokratischen Laender das Recht haben, sich
selbst gegen die Aggression zu bewaffnen. Es ist daher eine
wesentliche Aufgabe des Internationalen Bundes, der Propaganda
entgegenzutreten, durch die dieses Verteidigungssystem als
Aufbau einer gegen irgendein Land gerichteten politischen und
militaerischen Organisation entstellt werden soll. '-Vir muessen
mit allen uns zur Verfuegung stehenden Mitteln den Nachweis ueber
die friedlichen Absichten des Verteidigungsprogramms verkuenden
und verbreiten und keine Luege der Kommunisten unwiderlegt
lassen.
Eine gewerkschaftliche Kampagne auf dieser positiven Linie
ist es, die richtige Antwort auf das kommunistische Betrugsmanoever ihrer "Friedens"-Propaganda zu geben. Diese Propaganda
schreckt auch nicht vor noch so skrupelloser und verlogener Kritik an den Motiven der Vereinten Nationen zurueck. Sie versucht
systematisch, das Verteidigungsprogramm zu unterminieren. Der
organisierten Sabotage, der staendigen Einmischung in Streiks
und der Ausnutzung von Arbeitsstreitigkeiten, insbesondere bei
Transport- und Hafenarbeitern, muss begegnet werden. Wir muessen
ueber jeden Zweifel klar herausstellen, dass die Gewerkschafter
der freien Welt entschlossen sind, ihre Lebensart, ihre demokratischen Einrichtungen und ihre Freiheit zu verteidigen, indem
sie sich unerschuetterlich fuer die Verteidigungsprogramme der
daran beteiligten Nationen einsetzen.
Der Internationale Bund hat ein Recht darauf, an die gewerkschaftliche Tradition internationaler Solidaritaet zu
appellieren, um deren Gewicht zur Unterstuetzung dieser Politik
zu erhalten. Durch die Ereignisse in Korea wird die Staerke
und Einmuetigkeit unserer Unterstuetzung auf eine entscheidende
Probe gestellt. '.Vir bekraeftigen den Beschluss der Vereinten
Nationen, von der Waffe Gebrauch zu machen, um der Aggression
an der von ihnen zwischen Nord- und Suedkorea festgelegten Demarkationslinie Einhalt zu gebieten. In der Frage der mit dem
Koreakrieg aufgeworfenen grundsaetzlichen Probleme kann es bei
uns keine Kapitulation geben. Wir koennen uns keiner Taeuschung
ueber die schicksalhaften Folgen hingeben, die sich fuer die
ganze freie Welt ergeben wuerden, wenn die Streitkraefte der
Vereinten Nationen bei ihrer Mission der Befreiung Suedkoreas
versagen sollten. vVenn den Aggressoren gelehrt werden soll,
dass Aggressionen keine Dividenden tragen, so ist es Seche der
Vereinten Nationen, mit dem Koreakrieg ein Beispiel dafuer zu
geben, und somit einen Sieg zu erringen, der auf dem Wege zum
dauerhaften Frieden liegt.
Nunmehr muessen aber weitere positive Massnahmen getroffen
werden, um die konstruktiven Elemente des Sicherheitssystems zu
entwickeln, die zur Herstellung des Weltfriedens beitragen. In
den Vertraegen und in anderen Dokumenten, auf die das SicherheitS'
system aufgebaut worden ist, wurde immer wieder betont, dass die
Vertragspartner die Notwendigkeit fuer die Zusammenfassung ihrer
Bemuehungen anerkennen, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu
foerdern, ihre wirtschaftlichen Aktionen zu organisieren und koordinieren, Konflikte innerhalb ihrer Wirtschaftspolitik auszuschalten, die Produktivitaet zu erhoehen und die Leistungsfaehigkeit ihrer Industrien zu verbessern, den internationalen Handel
zu entwickeln und den unterentwickelten Laendern die Moeglichkeit zu geben, sowie allen ihren Voelkern einen hoeheren Lebensstandard und bessere soziale Bedingungen bereitzustellen.
- 15 -

�Ein weiterer konstruktiver Weg in Richtung buf den Weltfrieden liegt in der Arbeit von Koerperschaften wie dem Beratenden Ausschuss des Commonwealth, dem die Regierungen von Australien, Kanada, Ceylon, Indien, Neuseeland, Pakistan und Grossbritannien angehoeren. Die Colombo-Konferenz wurde auf Initiative der britischen Regierung in der Hoffnung einberufen, dass
auch nicht zum britischen Commonwealth gehoerende Regierungen,
die ein Interesse an Sued- und Suedostasien haben, teilnehmen
und zur Wirtschaftsentwicklung eigene Sechsjahresplaene aufstellen wuerden. Die insgesamt 570 Millionen Menschen umfassenden
Laender dieses weitraeumigen Gebiets stellen eine bedeutende
Nahrungsmittel- und Rohstoffquelle fuer die ganze industrialisierte Welt dar. Trotzdem haben diese Voelker seit vielen Generationen nur Armut und Hunger erlitten, Es gehoert daher mit
zur Verantwortlichkeit nicht nur der zum Commonwealth gehoerenden Regierungen, sondern aller an den Problemen dieses und aehnlicher Gebiete Interessierten, im Sinne des konstruktiven Colombo-Plans zu wirken, sowie zu der Arbeit der von der britischen
Regierung errichteten Koerperschaft fuer Koloniale Entwicklung
beizutragen. Dieses sind Beispiele fuer Aufgaben, die ueberall
in der Welt unternommen werden muessen, wo industriell entwickelte Laender die Pflicht haben, zum Fortschritt der Menschen beizutragen.
Alle diese konstruktiven Massnahmen auf v/irtschaftlichen
Gebiet stellen die schöpferische und positive Seite des kollektiven Sicherheitssystems dar. Wir duerfen nicht zulassen, dass
die volle Bedeutung der Politik der Vereinten Nationen durch rein
politische und militaerische Aspekte dieses Systems geschmaelert
wird. Die Verwirklichung der in den Vertraegen und Buendnissen
festgelegten Ziele, durch die eine zusammengefasste und gemeinschaftliche Aktion nicht nur fuer die Interessen der Verteidigung,
sondern auch fuer die wirtschaftlichen, sozialen und humanitaeren
Interessen aller Voelker bereitgestellt wird, erfordert derartige bestimmte Programme. Der Internationale Bund hat Einrichtungen aufgebaut, mittels derer die freien Gewerkschaften an der
Aufstellung dieser Programme mitarbeiten koennen. Sie bedeuten
Vollbeschaeftigung fuer die Menschen in unterentwickelten Laendern sowie in den industriell entwickelten Gemeinschaften, und
damit einen ansteigenden Lebensstandard fuer alle. Ferner wird
durch die exportfaehigen Ueberschuesse an Lebensmitteln und
Rohstoffen, die in einem Lande produziert werden koennen, das
internationale Handelsvolumen zum Segen aller Laender anschwellen.
Auf der Grundlage dieser Plaene wird das -Programm der vom
Internationalen Bund aufgestellten wirtschaftlichen und sozialen Forderungen erfuellt werden. An der Entwicklung der im Rahmen dieser Plaene erforderlichen Zusammenarbeit wird die unverschaemte und verlogene Kritik der kommunistischen Propaganda abprallen, und die Ursachen der sozialen Unzufriedenheit, die sich
der Kommunismus zunutze macht, werden beseitigt werden. Der Internationale Bund hat jetzt die Aufgabe, die GewerkschaftsOrganisation in allen Teilen der Welt zu entwickeln. Dann werden wir
in der Lage sein, an den konstruktiven Arbeiten fuer die Herstellung und Erhaltung des Weltfriedens voll und ganz teilzunehmen.
Auszug eines Referats von Sir
Vincent Tewson, Zweiter Weltkongress des IBFG in Mailand,
4. - 12. Juli 1951
- 16 -

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 31

F r a n k f u r t , 3 . August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die s t a a t l i c h e Organisation fuer Arbeitsvermittlung
in I r l a n d
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - _ i
Es geschah i n Karachi

- - - - - - - - - - - - - - - 4

I n t e r n a t i o n a l e Sommerschule des I.B.F.G. fuer Westeuropa
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 0
Praemien fuer Sonderleistungen

- - - - - - - - - - 1 3

Amerikanische S t a h l a r b e i t e r besuchen b r i t i s c h e
Betriebe - • - - ™ - - - - - - . - . . . . . . .

j£

DTE STAATLICHE ORGANISATION FUER ARBEITSVERMITTLUNG IN IRLAND
Vom Ministerium fuer soziale Wohlfahrt, Dublin, Irland.
Die staatliche Organisation fuer Arbeitsvermittlung in
Irland wurde auf Grund des im Jahre 194-9 erlassenen Gesetzes
ueber Arbeitsvermittlung errichtet. Es ist eine bis ins einzelne durchorganisierte und sich ueber das ganze Land erstreckende Organisation. Im ganzen gibt es 123 oertliche
Arbeitsaemter in den verschiedenen Teilen des Landes; im
Durchschnitt hat jede Grafschaft fuenf solcher Aemter.
Allgemein gesprochen arbeiten zweiunddreissig dieser
Arbeitsaemter fuer die groesseren Staedte und deren Umgebung;
das Personal setzt sich aus Beamten des Ministeriums fuer
soziale Wohlfahrt zusammen. Die uebrigen 91 Arbeitsaemter
- 1-

�befinden sich in Kleinstaedten und sind fuer diese und die sie
umgebenden Gebiete zustaendig. Die Arbeitsaemter in den Kleinstaedten werden in der Regel von Personal geleitet, das nur auf
eine bestimmte Zeit angestellt ist und die Arbeit als Nebenarbeit
verrichtet. Die entsprechende Zentralstelle beim Ministerium
fuer soziale Wohlfahrt erteilt allen 123 Arbeitsaemtern die fuer
ihre Arbeit erforderlichen Weisungen und beaufsichtigt ihre
Taetigkeit.
Die Registrierung
Alle, die ueber das schulpflichtige Alter hinaus sind,
koennen sich, gleichviel ob sie Arbeit haben oder nicht, bei
einem Arbeitsamt registrieren lassen; dies kann entweder durch
persoenliche Vorsprache geschehen oder brieflich. Das Amt vermerkt das Alter des Bewerbers, seine Kenntnisse und Fertigkeiten,
sowie die Art der gewuenschten Arbeit.
Im Hinblick darauf, dass es, namentlich in letzter Zeit,,
fuer die Wirtschaft des Landes sehr wesentlich ist, dass Arbeitskraefte sofort dort eingesetzt werden, wo in der Landwirtschaft
oder bei der Rasenarbeit Luecken bestehen, ist die Eintragung
betreffend fruehere Arbeitserfahrung ausfuehrlicher gehalten,
als es allgemein ueblich ist. Gleichfalls wird angegeben, ob
der Betreffende gewillt ist, Arbeit in anderen Teilen des Landes
anzunehmen. Zweckmaessigkeitshalber werden die Meldungen nach
Berufszweigen geordnet; zu diesem Zwecke sind ungefaehr 38O verschiedene Berufsgruppen aufgestellt worden.
Wo es sich durchfuehren laesst, werden Frauen und jugendliche Bewerber (d.h. Bewerber unter 18) in gesonderten Raeumen
oder in einer besonderen Abteilung des Arbeitsamtes registriert.
Wo weder das eine noch das andere moeglich ist, werden in der
Regel besondere Empfangszeiten fuer sie vom betreffenden Arbeitsamt festgesetzt. Des weiteren werden, soweit es moeglich ist,
Frauen und Jugendliche von Beamtinnen registriert.
Die Bewerber halten ihre Bewerbung dadurch aufrecht, das5
sie sich in regelmaessigen Abstaenden - in der Regel mehrmals
in der Woche, mindestens aber einmal alle zwei Wochen - persoenlich oder brieflich beim Arbeitsamt melden. Antraege auf Arbeitslobenuntex'stuetzung koennen nur beruecksichtigt werden, wenn eine
solche Meldung erfolgt ist.
Wie der Apparat funktioniert
Ein Unternehmer, der die Dienste eines Arbeitsamtes in
Anspruch nehmen will, meldet seinen Bedarf bei einem solchen an.
Das Arbeitsamt bemaeht sich, ihm am Ort wohnende Arbeitskraefte
zur Verfuegung zu stellen. Unter den registrierten Arbeitssuchenden werden solche ausgewaehlt, und dem Arbeitgeber vorgeschlagen, die fuer den betreffenden Arbeitsplatz geeignet erscheinen. Wenn der Beamte des betreffenden Arbeitsamtes nicht in der
Lage ist, fuer die betreffende Arbeit geeignete Personen vorzuschlagen, weil keine entsprechenden Bewerbungen bei ihm vorliegen,
schlaegt er ein bestimmtes Verfahren ein, nach dem die Einzelheiten
betreffend den offenen Arbeitsplatz noetigenfalls innerhalb von
ein oder zwei Tagen den bei saemtlichen anderen Arbeitsaemtern
in Irland registrierten Arbeitssuchenden zur Kenntnis gebracht
werden koennen. Dieses Verfahren besteht darin, dass Einzelheiten mit Bezug auf den offenen Arbeitsplatz der Zentralstelle gemeldet werden, welches sie ihrerseits den verschiedenen lokalen

2

�Arbeitsaemtem meldet. Diese teilen sodann den entsprechenden
Eewerbern alle Einzelheiten mit; des weiteren werden die Einzelheiten auch "oeffentlich durch Aushang" bekanntgegeben.
Die Arbeitsvermittlung ist kostenlos und erfasst das ganze
Land. Der Leiter eines Arbeitsamtes kann dem Arbeitssuchenden
einen Schein fuer Freifahrt ausstellen, vorausgesetzt dass sich
der Arbeitgeber oder der registrierte Arbeitsuchende verpflichtet, die Fahrtkosten zurückzuzahlen; das Arbeitsamt kann ihm
auch das noetige Fahrgeld vorstrecken, damit der Arbeitsuchende
zur Vorstellung fahren kann. In Faellen, in denen registrierte
Arbeitsuchende auf Arbeitslosenunterstuetzung Anrecht haben,
kann ein Teil des Vorschusses aus dem Fonds fuer Arbeitslosenunterstuetzung genommen werden.
Fuehlungnahme mit den Arbeitgebern.
Der Leiter eines Arbeitsamtes hat die Pflicht, die Arbeitgeber des betreffenden Gebietes von Zeit zu Zeit aufzusuchen,
um sie zu veranlassen, das Arbeitsamt von gegebenenfalls frei
werdenden Arbeitsplaetzen zu unterrichten. Wenn die Arbeitgeber die bei ihnen frei werdenden Arbeitsplaetze dem zustaendigen Arbeitsamt unverzueglich melden, so kann dieses alle notwendigen Massnahmen ergreifen; auf diese Weise wuerde der
Bedarf in der Regel schnell und gut befriedigt, das unerfreuliche Feilbieten von Arbeitskraeften vermieden werden. Des
weiteren wuerde es auf diese Weise den Arbeitsaemtem leichter
gemacht, entsprechende Stellen an Personen zu vermitteln, die
sich anderenfalls um Arbeitslosenunterstuetzung beratenen wuerden.
Es gibt keine Statistik ueber den Prozentsatz der Zahl der
Arbeitsvermittlungen, die du^ch die Arbeitsaemter erfolgt sind,
im Vergleich zu den gesamten Einstellungen im ganzen Land;
jedoch laesst sich feststellen, dass die einzelnen Arbeitsaemter
seit Kriegsende im Jahr ungefaehr 50,000 Arbeitsplaetze vermittelt haben.
Besondere Aufgaben des Arbeitsamtes
Es ist von Interesse "festzustellen, dass die Arbeitsaemter
gelegentlich besondere Aufgaben durchfuehren. So fuehren zum
Beispiel die Arbeitsaemter Listen von ehemaligen Angehoerigen
der irischen Wehrmacht, um auf diese Weise den Veteranen alle
nur moegliche Hilfe bei der Wiedereingliederung ins bürgerliche Leben zu gewaehren; auf Grund dieser Listen werden denjenigen Arbeitgebern Vorschlaege gemacht, die sich bereit erklaert haben. Veteranen bevorzugt einzustellen.
Sodann befassten sich die Arbeitsaemter in den Jahren 1944
bis 1947 mit dem von der Regierung durchgefuehrten Projekt der
Beschaffung von Erntearbeitern. So wurden den Bauern in den
betreffenden Gebieten Arbeitskraefte aus den ueberfuellten Gebieten der Westkueste als Erntehilfskraefte zur Verfuegung gestellt. Der Staat trug die Reisekosten fuer jeden Arbeiter
und beteiligte sich an der Deckung seiner Nebenausgaben und
Unterhaltskosten. Dazu wurden in den Jahren 1943 bis 1947 noch
besondere Listen von Landarbeitern und Rasenarbeitern gefuehrt.
Ein weiteres Beispiel fuer die Mitarbeit der Arbeitsaemter
bei der Durchfuehrung verschiedener Projekte bilden die Projekte
fuer Torf- und Rasengewinnung, die von der Regierungsstelle fuer
Rasenzuechtung durchgefuehrt wurden. In diesem Zusammenhang wurden
Arbeitsuchende in den verschiedenen Teilen des Landes von den
freien Arbeitsplaetzen durch die Arbeitsaemter in Kenntnis

- 3-

�gesetzt; die Arbeitsaemter sorgten auch dafuer, dass sie zu
den Arbeitsplaetzen fahren konnten. Im Jahre 1948 uebernahm
die Regierungsstelle fuer Rasenzuechtung von den Grafschaften
einige Bodenreklamations- und Rasenzuechtungsprojekte. Bei
der Durchfuehrung dieser Projekte wurden nur einheimische
Arbeitskraefte verwandt, die, soweit das erforderlich war,
von den oertlichen Arbeitsaemtern vermittelt wurden.
Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher
Den Arbeitsaemtern in Dublin, Cork, Limerick und Waterford
sind Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher angegliedert. Diese
Ausschuesse setzten sich aus Vertretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kirchen, Erziehungsbehoerden und oertlichen Verwaltungsbehoerden, sowie aus anderen, an Jugendfragen interessierten
Personen zusammen. Der Zweck dieser Ausschuesse ist, den
Minister fuer soziale Wohlfahrt mit Bezug auf die den Arbeitsaemtern zu erteilenden Weisungen zu beraten, soweit es sich um
die Behandlung von jugendlichen Arbeitsuchenden handelt; die
Ausschuesse haben ferner die Aufgabe, die Jugendlichen und ihre
Eltern bei der Berufswahl und in anderen Fragen zu beraten.
Die Ausschuesse bemuehen sich, eine Zusammenarbeit zwischen
Lehrern, Eltern und Arbeitgebern herbeizufuehren und den Schulentlassenen passende Arbeitsplaetze zu vermitteln. Sie bemuehen
sich ferner, mit den jugendlichen Arbeitnehmern in den ersten
Jahren ihrer Taetigkeit in Fuehlung zu bleiben und sie zu
beraten.
Die Erweiterung des Arbeitsgebietes der irischen Organisation fuer Arbeitsvermittlung hat natuerlich an dem urspruenglichen Zweck dieser Behoerde nichts geaendert. Die verschiedenen irischen Regierungen haben ausnahmslos den Standpunkt
vertreten, dass der Staat die Freiheit des Individuums, sich
eine Arbeit nach seinem Ermessen zu suchen, nicht beschraenken
duerfe. Die oben beschriebene Taetigkeit soll lediglich dazu
dienen, dem Einzelnen dabei behilflich zu sein, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden; der Staat uebt jedoch in dieser
Beziehung keinerlei Druck aus.
Employmert Security Review
VI, 1951
Richard Deverall (Vertreter des Asien-Gewerkschaftsbundes,
Asien (A.F.L.)):
ES GESCHAH IN KARACHI
Unter der brennenden Sonne in WestHPakistan zog an einem
Sonnabend Nachmittag eine Parade der Gewerkschaften am Rathaus
vorbei, die Hauptstrasse von Karachi entlang. Welch buntes
Bild bot dieser endlose Zugl 1000 von Kamelen, 900 von Pferden
und 1000 von Eseln gezogene Fahrzeuge begleiteten Tausende
freier Gewerkschafter von Pakistan.
Waehrend die Pakistan-Gewerkschafter ihre Fahnen schwangen
und Gewerkschaftsschlagworte und Grussse den asiatischen Gewerkschaftsfunktionaeren zuriefen, schritten die stattlichen
Kamele, den Kopf hoch in die Luft der Freiheit und Unabhaengigkeit erhoben, majestaetisch die Strasse entlang. Koreanische
Gewerkschaftsfuehrer gingen von Wagen zu Wagen und riefen ihren
Pakistan-Bruedern zu:
- 4 -

�"Pakistan Zindabadl" (Es lebe Pakistan*)
Diese praechtige Demonstration in Karachi bedeutete eine
Voranzeige fuer die Stadt, dass am folgenden Montag der ehrwuerdige Gewerkschaftsfuehrer von Indien, Mr. N. M. Joshi,
die erste regionale Konferenz des Internationalen Bundes der
freien Gewerkschaften zusammenrufen wuerde. Als Joshi die
Tagung mit Hamraerschlag eroeffnete, waren ungefaehr 31 Gewerkschaftsabgeordnete von elf Laendern des Freien Asien im grossen
Saal des Rathauses anwesend, um den Eroeffnungsansprachen und
den Begruessungen der Eruder-Delegierten beizuwohnen.
Neben dem Vorsitzenden Joshi aus Indien sassen zwei Vizepresidenten, Chun Chin-han vom Koreanischen Arbeiterbund und
R. E. Jayatilaka vom Gewerkschaftskongress Ceylon. Pakistan*s
M. A. Khatib begruesste die auslaendischen Abgeordneten und
Beobachter im Namen des gesamten Pakistan-Arbeiterbundes und
Irving Brown, A.F.L., war als Vertreter des Internationalen
Bundes der Freien Gewerkschaften (I.B.F.G.) erschienen.
In seiner Rede betonte Kollege Brown die Notwendigkeit,
dass die unorganisierten Arbeiter im Freien Asien sich organisieren und zusammenschliessen, damit die Voraussetzung zur
Erlangung groesserer wirtschaftlicher Vorteile fuer die Arbeiter Asiens geschaffen wird. Er unterstrich die Tatsache, dass
waehrend der letzten zwei Jahre, als die I.B.F.G. in Asien
die Fuehrung erlangte, hat der Weltgewerkschaftsbund (W.G.B.),
eine Spitzelorganisation, sich in vielen Teilen Asiens praktisch
aufgeloest.
Das Erwaehnen des W.G.B. brachte die beruechtigte W.G.E.Konferenz, die Ende lovember 19*9 in Peking stattfand, ins
Gedaechtnis zurueck, zu der die kommunistischen "Gewerkschaftsfuehrer" zum Schein zusammengetreten waren, um mit den SowjetEeratern den militaerischen Umsturz Suedost-Asiens vorzubereiten. Die veroeffentlichten Vorgaenge jener W.G.B.-Versammlung
klingen wie diejenigen eines Armeegeneralstabes - Angriff,
Waffen, Partisanen, Kriegfuehrung und aehnliches mehr.
Im krassen Kontrast hierzu war der Verlauf der I.F.F.G.Konferenz in Karachi ein einziger Schrei nach Frieden, eine
Forderung, dass Stalins Kriegstreiber sich von Asien fernhalten
sollten, eine sachliche Diskussion der lebensnahen Probleme der
Aroeiter des freien Asiens. Waehrend W.G.B. sich als eine der
militaerischen Einheiten der kommunistischen Weltarmee entpuppt
hat, marschiert der I.B.F.G. mit Worten und Taten an der Spitze
derer, die Freiheit, Unabhaengigkeit und wahre Menschenwuerde
auf ihr Banner gesetzt haben.
Auf der Viertage-Kcnferenz der I.E.F.G. wurden viele
aktuelle Themen behandelt, viele Entschluesse gefasst, Abstimmungen fuer die Schaffung einer permanenten regionalen parteipolitischen Organisation fuer die I.B.F.G. in Asien durchgefuehrt, und Indiens weitgereister Dhyan Mungat zum Sekretaer
gewaehlt. Die Glanzpunkte der Konferenz bildeten die Diskussion
ueber Plantagenarbeit und Arbeiterschutzgesetzgebung, Korea und
der durch das kommunistische Banditenregime des Mao auf die
Arbeiterschaft Chinas ausgeuebte Druck.
Die Plantagen sind tief in der Volkskunde und im Gedaechtnis der Amerikaner, die nicht vergessen koennen, dass durch
Sklavenarbeit einst der Tabak, die Baumwolle und andere auf
Geldverdienen eingestellte Plantagen des kolonialen und

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�nach-revolutionaeren Amerika angelegt wurden, verankert.
Diese Dinge gehoeren der Vergangenheit Amerikas an, doch
in vielen Teilen Asiens ist Onkel Tom immer noch lebendig und wenn auch der die Peitsche schwingende Simon Legree schon
lange nicht mehr unter den Lebenden weilt, so leben doch noch
zehntausende asiatischer Arbeiter unter den gleichen Verhaeltnissen, die vor 100 Jahren im suedlichen Teil der Vereinigten
Staaten bestanden.
Kollege Sibnath Eanerjee, der Vertreter von Indiens Hind
Mazdoor Sabha, erklaerte bei der Konferenz:
"Eine der Hauptgrundlagen fuer die Kolonial- und HalbKolonialwirtschaft weiter Gebiete Asiens bilden die jetzt
Jahrhunderte alten, ausgedehnten Plantagen. Weite Flaechen,
die frueher der Nahrungsversorgung der oertlichen Bevoelkerung
dienten, wurden waehrend des letzten Jahrhunderts fuer Gummi-,
Tee-, Zucker-, Kaffee-, Kokosnuss- und Gewuerzplantagen benutzt,
die das sogenannte "Cash-Crop" System (auf Geldverdienen eingestelltes Erntesystem) verkoerperten. Durch das PlantagenSystem wurden die Arbeiter vieler ihrer wirtschaftlichen und
bürgerlichen Grundrechte beraubt und leben auf dem Niveau
der Halbversklavten.
"Die Plantagenwirtschaft ist ueber ganz Asien .verbreitet
und wird durch private Gruppen der Grosserzeuger kontrolliert.
Wie bekannt, wurde durch diese privaten, ausbeutenden Gruppen
ein enormer Profit aus dem Eoden Asiens gezogen. In dem Masse
wie die asiatischen Arbeiter verarmten, gelangten die Plantagenbesitzer zu Wohlstand."
Diese Betrachtungen bildeten einen Teil der bei der Konferenz durch das Subkommittee abgegebenen Erklaerungen.
Eanerjee betonte die Schwierigkeiten des Organlsierens der
Plantagen-Arbeiter in Indien:
"Die Schwierigkeiten sind in Traditionen zu suchen - bei
den feudalen Lords in Gestalt von Managern, die keine Annaeherung an die Arbeiter oder eine Ansprache an sie zulassen."
Kollege Deven Sen° von dem Indischen Gewerkschaftsbund
I.N.T.U.C. hob hervor, dass es in Asien (das chinesische Festland ausgenommen) 3*000.000 Plantagenarbeiter gibt und dass
die Loehne nicht hoeher als 33 cents pro Tag sind. Sen erklaerte, dass trotzdem Tee, Gummi und andere Plantagenprodukte
Asiens zu den internationalen Guetern gehoeren und seit dem
Ausbruch des Koreakrieges die Gummi- und sonstigen Preise gestiegen sind, die Gehaeiter auf einer beklagenswert tiefen
Stufe stehen geblieben sind.
Sen erklaerte:
"Die Hauptschwierigkeit bei der Organisation der Plantagenarbeiter besteht darin, dass die Plantagen weit ausserhalb der
Staedte liegen. Es besteht keine Verbindung und so hat natuerlicb jeder Plantagen-Manager seine eigenen Gesetze. Fr besitzt
ausgedehnte Flaechen Landes - mehrerer tausend Morgen - und es
ist sehr schwierig alle Gebiete zu erreichen.
"Die trotz dieser Hindernisse gemachten Fortschritte sind
wirklich sehr ermutigend, und ich bin ueberzeugt, dass im Laufe

- 6-

�der Zeit es moeglich sein wird, eine starke, eng verbundene
Plantagenart-eiterorganisation zur Verteidigung der Arbeiterrechte zu bilden."
Kollege Faiz Ahmed aus Ost-Pakistan erklaerte:
"Menschen koennen doch nicht auf dem Niveau der Tiere leben.
Man sollte Menfchen nicht zumuten,in solchen Hauesern, wie sie
den Plantagenarbeitern zur Verfuegung stehen, zu leben. Ich
moechte auch hervorheben, dass unsere Regierungen in Asien, wenn
sie auch Anspruch erheben, die Vertreter des Volkes genannt zu
werden, bis jetzt nicht genug zur Verbesserung der Lage der
Plantagenarbeiter beigetragen haben. Die Plantagen-Manager
halten sich fuer weitraaechtigerals die Premierminister."
Die Sprecher von Ceylong und Malaya schlössen sich den
Forderungen der freien Arbeiterschaft hinsichtlich einer schnellen Abhilfe der Missbraeuche auf den Plantagen Asiens an.
Mr. Jayatilaka aus Ceylon forderte, dass diese Zustaende
so verbessert werden muessten, "dass an die Stelle der durch
Generationen herangezogenen armen, abgemagerten, halb-nackten
Arbeiter eine Generation tritt, deren Kinder und Nachkommenschaft die Aussicht auf eine bessere Zukunft haben."
Mit einem machtvollen Aufruf nach hilfe und Unterstuetzung
wandte sich Kollege Liang Yung-chang aus dem Freien China an
die Abgeordneten und sprach ueber den chinesischen Arbeiterbund,
der sich jetzt auf Taiwan stuetzt:
"Allein in Shanghai sind bekanntlich ueber 150.000 Arbeiter
arbeitslos geworden, nachdem sie der sogenannten "Befreiung" durch
die Kommunisten gefolgt waren. Von diesen Arbeitslosen wurden
mindestens 50.000 Arbeiter nach Sowjet-Russland und andere
russische Satellitenstaaten fuer Zwangsarbeiten verschickt.
"Schaetzungsweise sind ueber 1.500.000 chinesische Arbeiter
fuer die kommunistische Aggression ir_ Korea zwangsweise eingezogen worden oder haben ihr Leben auf dem Schlachtfeld der koreanischen Front lassen muessen.
"Die Wirtschaft des Festlandes ist durch die Methode der
Kommunisten, die Industrieanlagen der Staedte wie Shanghai,
Canton, Hankow und Tientsin unbarmherzig abzubauen und sie in
die Grenzgebiete der Sowjet-Union, wie die Mandschurei und
Sinkiang, zu verlegen, rui»lert worden."
Kollege Liang Yung-chang und sein Mitabgeordneter, Kollege
Teng Wan-hsi, gaben eine Peschlussfassung hinsichtlich des kommunistischen Imperialismus, die dem Mailaender Kongress des
I.B.F.G. vorgelegt worden war, bekannt.
In der Peschlussfassung gegen die Untergrabun* der Arbeiterrechte durch die chinesische Besatzung auf dem Festland, die gewaltsame Einfuehrung der obligatorischen Schiedsgerichte, des Vierzebn-Stunden-Tages und der Zwangsarbeitslager nach sowjetischem
Muster in China vorzugehen, die der Mailaender I.B. F. Gj-Ver Sammlung
unterbreitet wurde, wurde die Bitte ausgesprochen, "einen intensiven Kampf gegen Kriegshetzer wie Stalin und Mao zu fuehren,
die Zwangsarbeit zu bekaempfen und das Hinmetzeln von Asiaten
durch die kommunistischen Imperialisten zu brandmarken." Ferntr
wurde der I.B.F.G. gebeten, "alle freien Gewerkschaftszentren

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�aufzurufen, ihre moralische und politische Macht zur Anfeuerung
ihrer Regierungen, das kommunistisch besetzte China zu blockieren,
einzusetzen."
Die chinesische Beschlussfassung enthielt eine weitere
Bitte an den I.B.F.G., naemlich "zu veranlassen, dass alle
freien Gewerkschaften in det ganzen Welt sich weigern sollten,
Schiffsladungen fuer das besetzte China und alle anderen
Kominform-Laender zu verschiffen oder zm loe'schen." Ferner
wurde der I.B.F.G. durch diese Beschlussfassung dringend dazu
aufgefordert, seine Mitglieder zu veranlassen, ihre moralische
und politische Macht zu verwenden, die jeweiligen Regierungen
dahingehend zu beeinflussen, dass sie entweder die Anerkennung
der kommunistischen Junta im besetzten China verweigern oder,
sollte eine solche Anerkennung der kommunistischen Junta gegenueber bereits ausgesprochen worden sein, jene sofort zurueckzuziehen. Damit soll die Solidaritaet der freien Arbeiter der
Welt und deren Entschluss dokumentiert werden, kein Land unter
die Herrschaft der Militaristen kommen zu lassen, die versuchen,
den kommunistischen Imperialismus ueber ganz China, Korea,
Japan, Indo-China und andere Laender eines nach Freiheit und
Gerechtigkeit als angeborenes Recht schreienden Asiens auszudehnen."
Kollege Chun Chin Han vom Koreanischen Gewerkschaftsbund
erklaerte:
"Seit der kommunistischen Invasion im vergangenen Jahr hat
unsere koreanische Federation iure ganzen Kraefte dazu eingesetzt, sich mit den alliierten Truppen im Kampf um die Verteidigung unseres Vaterlandes und die Erhaltung der Freiheit zusammenzuschliessen. Millionen Koreaner sind den kommunistischen
Waffen zum Opfer gefallen.
•

"Die meisten Fuehrer und Mitglieder des Koreanischen
Arbeiterbundes, dies es versaeumt hatten,bei der ersten kommunistischen Invasion im letzten Sommer in den Sueden zu fliehen,
wurden von den Roten als "Reaktionaere" bezeichnet und ermordet
oder nach Nord-Korea verschleppt. Ihre Zahl erreichte 30,000.
"Fast alle Industrieunternehmen wurden durch die Zerstoerungen der nord-koreanischen Kommunisten im vergangenen Sommer
in Asche gelegt."
Und weiter erklaerte der Fu«hrer der koreanischen Arbeiterschaft:
"Der gegenwaertige Koreanische Krieg ist nicht ein Krieg
lokaler Art, er verkoerpert den ersten Konflikt zwischen der
auf Prinzipien der Freiheit basierenden Demokratie und de« auf
Diktatur aufgebauten Kommunismus.
"Einige Menschen, die nur oberflaechlich den Lauf der Weltgeschichte kennen, sprechen immer noch - in der Vorstellung
eines noch vorhandenen offenen Weges - von einer friedlichen
Loesung oder einer Koalition mit den Kommunisten. Friedliche
Loesungen oder Koalition mit ihnen suchen, waere wie die Hand
denjenigen zu reiche», die uns das Haus in Brand gesetzt haben.
Schweine sollten als Schweine behandelt werden."
Als diese Erklaerungen bei der Konferenz zur Sprache kamen,
ergriff Faiz Ahmed aus Pakistan das Wort:

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�"Wir sollen unsere Ansieht ueber die Geschehnisse in K«rea
wiedergeben. Was heute in Korea geschieht, kann morgen in Pakistan, uebermorgen in Indien u.s.w. geschehen. Ich schliesse
mich der obigen Erklaerung voll und ganz an."
Nach dem Fuehrer der Gewerkschaften Pakistans wandte sich
Indiens Harihar Nath Shastri von der I.N.T.U.C. mit wohlerwogenen und eindrucksvollen Worten an die Versammelten:
"Die Situation in Korea, wie sie sich bis heute entwickelt
hat, ist eine solche, dass eine bloss in Worten ausgedrueckte
Sympathie faer das Ringen Chinas und Koreas empfinden, dann ist
das Wenigste, was Sie tun koennen, dass Sie eine aufrichtige,
moralische Unterstützung denjenigen gewaehren, die in ihrem
Lande den Kampf gegen die totalitaere Aggression fuehren.
Dieser Kampf ist'ein Kampf, der in der Endanalyse die
ganzen asiatischen Vo«lker betrifft, und ich zweifle nicht
daran, dass, wenn Korea und China verloren sind, keine Macht
der Welt - selbst der Himmel nicht - Asien schuetzen koennte.
Das Wenigste, das wir tun koennen, ist, dieser Resolution
unsere aufrichtige Unterstuetzung zuteil werden zu lassen."
Der bei der Konferenz gefasste Beschluss, die "totalitaeren, aggressiven Maechte" zu brandmarken ut^d den Voelkern
in Korea zum Siege ueber die aggressiven Maechte zu verhelfen,
brachte den Willen der Konferenz zum Ausdruck, "alle Arbeiterorganisationen anzuspornen, geeignete Schritte zur Durchfuehrung
der Resolutionen der Vereinten Nationen zu unternehmen, naemlich
die Lieferung von Kriegsmaterial an den Angreifer einzustellen
und jeden nur moeglichen, im Machtbereich der Gewerkschaften
liegenden positiven Eeistand zu leis.ten."
Der Eeschluss wurde von der Majoritaet der Abgeordneten
gutgeheissen.
Darauf begab sich Mr. Cbun Chin Han zu Mr. Shastri aus
Indien, um ihm fuer seine tatkraeftige Unterstuetzung zu
danken, und waehrend er vor ihm stand, legte sich ein Scbweigen
ueber die Reihen der Abgeordneten, alt die beiden Arbeiterfuehrer Asiens sich die Haende drueckten. Mr. Chun war so
ergriffen, dass Traenen der Freude die Wangen des Koreanischen
Arbeiterfuehrers herunterrollten - Freude darueber, dass er
nach seiner Rueckkehr in das kaempfende Korea seinen Gewerkschaftern sagen koennte, dass die regionale Konferear des
I.B.F.G. geschlossen hinter ihnen stuende.
Durch weitere Eeschluesse bei der Karachi Konferenz wurde
empfohlen, eine enge Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft hinsichtlich der Durchfuehrung internationaler und nationaler
Wirtschaftsentwicklungsprorramme in den asiatischen Laendern
anzustreben. Ferner sollen in Asien Gesetze fuer die Arbeiter
eingefuehrt werden, die ihnen das Recht geben, als Gesamtheit
Verhandlungen zu fuehren und innerbetriebliche Gewerkschaften
und willkuerliche Entlassungen fuer ungueltig zu erklaeren.
Und schliesslich soll an den I.P.F.G. mit der Bitte herangetreten werden, bei der Vorbereitung von "Proschueren und Flugschriften behilflich zu sein, die den Arbeitern Asiens verstaendliche Informationen hinsichtlich der geltenden Prinzipien,
der Taetigkeit der freien Gewerkschaft, der Kollektivverfahren
u.s.w. in ihrer eigenen Sprache vermitteln sollen."

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�Vor allem vereinte die regionale Konferenz des I.B.F.G.
in Asien Gewerkschafter aus Japan und Pakistan, aus Ceylon
und Indonesien, aus Indien und Eurma, aus Malaya, den
Philippinen und Hongkong, aus Formosa und Thailand - Fuehrer
aus Laendern mit verschiedenen Problemen, die aber in gleicher
Weise sich verpflichtet haben, mit dem I.E.F.G. fuer die Befreiung der arbeitenden Voelker Asiens und fuer die Festigung der Demokratie der unabhaengigen und uebrigen bei der
Konferenz vertretenen Laendern Asiens zu marschieren.
Wenn sich auch einige bei der Konferenz vertretenen
Laender im Guerillakrieg mit den Kommunisten befinden, so
marschieren die Fuehrer der freien Gewerkschaftsbewegung
Asiens doch in dem Kreuzzug der I.E.F.G. Hand in Hand mit
den Arbeitern der uebrigen Welt, im Bestreben, eine bessere
Zukunft fuer alle Arbeiter der Welt zu schaffen - nicht fuer
die im Osten oder Westen, sondern fuer die Arbeiter der ganzen
Welt.
The American Federationist
VIT, 1951
INTERNATIONALE SOMMFRFCHULE DES I.BTF.G._ EUER WESTEUROPA
Unter der Leitung von Gust de Muynck und Hans Gottfurcht
fuehrte der I.B.F.G. vom 29. Juli bis 11. August 1951 in
Wörgl/Tirol eine Sommerschule durch, zu der mehr als 40 Teilnehmer westeuropaeischer Gewerkschaften sich versammelten.
Durch die Einteilung der Teilnehmer in vier Sprachengruppen
wurdendie sprachlichen Hemmnise ueberwunden, wobei der I.B.F.G.
die Dolmetscher stellte. Diese Aufteilung in Sprachgruppen
hatte den weitei-e-n Vorteil, dass im Anschluss an die Uebersetzungen die einzelnen Sprachgruppen das Thema ausgiebig
diskutieren und dann bestimmte Fragen zum Thema stellen
konnten. Die getrennten Diskussionen fuehrten dadurch zu
einer erschoepfenden Behandlung der Vortrage der einzelnen
Referenten, wobei sich naturgeraaess einzelne Fragen ueber-schnitten und ergaenzten.
Diese Sommerschule war somit ein Experiment, wobei man
sich bei Beginn nicht darüber im klaren war, ob es gelingen
wuerde. Es zeigte sich aber schnell, dass diese Form der
Aufteilung in Sprachengruppen die sprachlichen Schwierigkeiten
restlos ueberbrueckt, auch wenn hierbei nicht jede europaeische
Sprache beruecksichtigt werden konnte.
Seihst in einem Kursus, der sich auf zwei Woche erstreckte, koennen nicht alle Probleme erschoepfend behandelt werden.
Die Vortraege wurden eroeffnet durch Gust de Muynck, der ueber
die Verantwortlichkeiten der Gewerkschaftsbewegung in einer
sich aendernden Gesellschaftsordnung berichtete. Alfred
Eraunthal gab dann eine ausgezeichnete Analyse der Wirtschaftssysteme, Fritz Fricke vom DGB und Rose Etienne von der franzoesichen CGT-Force Ouvriere referierten ueber die Stellung
des Arbeiters in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, wobei
Rose Etienne den typisch aus der franzoesischen Sicht gesehenen Standpunkt entwickelte, wodurch die Problematik der
ganzen Fragen zu Tage trat.

- 10

�Es folgten Kurzreferate ueber die Gewerkschaftsbewegung
der einzelnen europaeischen Laender, wobei die Karsteilnehmer
selbst als Sprecher auftraten, Leon Dale berichtete ueber die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung, Hans Gottfurcht ueber die
internationale Bewegung unter besonderer Eeruecksichtigung der
Theorie, der Geschichte und der Organisation.
Neben diesen Referaten gab es Terschiedene Ausfluege in
den Bereich der Praxis, Innsbruck wurde besichtigt, wobei die
Einrichtungen der Konsumgenossenschaften im Vordergrunde standen, ein zweiter Ausflug fuehrte nach Salzburg, waehrend der
dritte als Ziel Kaprun hatte, jenen Ort, wo mit Hilfe von
ERP-Mitteln ein gewaltiges Stauwerk gebaut wird, das die Stromversorgung Oesterreichs wesentlich verbessern wird. Diese Besichtigung fuehrte automatisch zur Diskussion wichtigster
Probleme, sei es die ERP-Hilfe oder die Steigerung der Produktiv! taet, die ohne eine Erhoehung der elektrischen Kapazitaet
sich kaum ohne weiteres verwirklichen Hesse.
Den Hoehepunkt der Sommerschule brachte der Besuch des
Generalsekretaers des I.B.F.G., J. H. Oldenbroek. Er berichtete ueber den Weg des I.B.F.G. von London bis Mailand, ueber
die Erfolge, die in der kurzen Zeit errungen werden konnten,
aber auch ueber die Schwierigkeiten, die zu bewaeltigen waren.
Oldenbroek bekannte ganz offen, dass manches haette mehr getan
werden koennen, aber hierbei muesse auch die Situation beruecksichtigt werden, die zu jener Zeit bestanden hat.
In der kurzen Zeit des Bestehens hat der I.B.F.G. eine
Reihe regionaler Organisationen geschaffen, die ihre eigenen
Probleme zu bearbeiten, aber stets den I.B.F.G. als hoechste
beschlussfassende Koerperschaft anzuerkennen haben. In der
UNO, dem Internationalen Arbeitsamt und der UNESCO ist der
I.E.F.G. erfolgreich taetig, wobei er in Bezug auf Aktivitaet
weitaus an erster Stelle liegt. Naturgemaess ist eine Erweiterung der Aktivitaet denkbar, aber der I.E.F.G. ist keine
Organisation mit unermessliehen finanziellen Kraeften. Schon
in Europa laesst sich feststellen, dass die lateinischen Laender keine guten Eeitragszahler sind, waehrend die skandinavischen Staaten als Musterbeispiele gelten koennen. Ebenso koennen die Beitraege der nordamerikanischen Gewerkschaften nicht
die geringen Eingaenge wettmachen, die aus den uebrigen Teilen
der Welt nach Bruessel fliessen.
Die Verschiedenheit der Sprachen ist ein weiterer Punkt,
der zu einer gewissen Verschwendut p in der Arbeit fuehren muss.
Obwohl nur vier Sprachen als offizielle anerkannt sind, werden
doch etwa 30$ der gesamten Arbeitszeit des I.E.F.G.-Personals
fuer Uebersetzungsarbeiten benoetigt, die wiederum ueberprueft
und geglaetted werden muessen, um eine hochwertige Pressearbeit sicherzustellen. Aus diesem Grunde muessen auch Wuensche abgelehnt werden, die weitere Sprachen als offizielle
einfuehren wollen, damit der Leerlauf nicht noch proesser wird.
Nach dem Londoner Kongress musste praktisch alles zunaechst
improvisiert werden, es genuegte nicht, einen Mitarbeiterstab
zu engagieren, sondern dieser musste auch so aufeinander abgestimmt sein, dass ein positives und vertrauensvolles Zusammenarbeiten selbstverstaendlich wurde.- Dies ist heute der Fall,
- 11 -

�ebenso ist die Pressearbeit laengst ueber die Kinderkrankheiten
hinaus. Vielleicht waere es damals besser gewesen, etwas behutsamer vorzugeben, aber auf der anderen Seite war keine Zeit zum
Abwarten vorhanden, esraussteeinfach gebandelt werden, auch
wenn sich auf Grund dieser File spaeter hier und da Beanstandungen ergaben.
Es war zu erwarten, dass nach der Uebersetzung der Ausführungen des Generalsekretaers in den einzelnen Sprachengruppen sich eine Fuelle von Fragen ergaben, wobei trotz der
Aufforderung Oldenbroeks zur Kritik sich eine eigentlich kritischen Femprkungen zeigten - offensichtlich hatte Oldenbroek
mit seiner offenen Sprache diese Kritik selbst vorweggenommen.
Aus der Fuelle der Fragen seien nur zwei herausgenommen,
die der skandinavischen Delegation, aus welchen Gruenden man
nur beilaeufig von dem Angebot der Zusammenarbeit seitens des
Weltgewerkschaftsbundes Kenntnis genommen hat und die Frage
der deutschen Delegation, ob der I.P.F.G. nicht dafuer Sorge
tragen koenne, dass bei der Verteilung der Marshallplangelder
etwas staerker die Interessen der Arbeitenden beruecksichtigt
werden koennten.
Auch hierzu aeusserte sich Oldenbroek sehr offen. Das
Angebot des Weltgewerkschaftsbundes kam kurz vor dem Mailaender
Kongress zur Kenntnis des I.B.F.G. Nun wissen Gewerkschafter
aus der kommunistischen Praxis, dass immer dann die Generallirie eine Aenderung erfaehrt, wenn mit der bisherigen Methode
keine Erfolge erzielt werden konnten. Und bis zu diesem Zusammenarbeitsangebot waren die Repraesentahten des I.P.F.G.
Lakaien des amerikanischen Imperialismus und der Wallstreet,
um im Jargon des Weltgewerkschaftsbundes zu reden.
Wenn jetzt ploetzlich die Aufforderung zur Zusammenarbeit
laut wird, dann koennen die bisherigen Vorwuerfe doch nicht
vollkommen richtig sein, zumal der WGB sein Programm nicht
verleugnen kann. Das mindeste, was bei einem solchen Angebot,
wenn es auch nur einigermassen ehrlich gemeint sein soll, zu
erwarten ist, das ist die Ruecknahme der Verleumdungen, bevor
man sich zusammensetzt, falls man einigermassen Anspruch auf
Achtung erheben will. Aber daran denkt der WGB ueberhaupt
nicht - und aus diesem Grunde ist das Angebot zur Zusammenarbeit auch nicht sonderlich ernst genommen worden. Im uebrigen
laesst sich immer dann ein solches Anerbieten finden, wenn die
Linie des WGP sich festgerannt hat und eine Kette von Misserfolgen an der Tagesordnung ist. Unter diesen Umstaenden war es
vollkommen zwecklos, sich naeher mit dem Anerbieten der Zusammenarbeit zu befassen, es gab fuer den I.B.F.G. wichtigere Dinge.
Die Frage der deutschen Vertreter nach einer besseren
Unterstuetzung durch den I.B.F.G. bei der Verteilung der
Marshallplangelder und einer staerkeren Beruecksichtigung der
Arbeitenden fand ebenfalls eine klare Antwort durch Oldenbroek.
Er fuehrte aus, dass diese Verhandlungen zwischen de« amtlichen
Vertretern der USA fuer Fragen des Marshallplans und den Vertretern der einzelnen Regierungen gefuehrt werden. Der I.P.F.G.
kann auf die an diesen Vereinbarungen beteiligten Regierungen
keinerlei direkten Druck ausueben, dies ist vielmehr Aufgabe der
Gewerkschaften in den einzelnen Laendern Westeuropas. Es liegt
hier an den Gewerkschaften, dafuer Sorge zu tragen, dass ihr Einfluss auf die Regierungen ein staerkerer wird ohne ih,re aktive

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�und entscheidende Mitarbeit ueber die Vergebung der Marshallplanmittel nichts entschieden wird. Hier hat der I.B.F.G.
keine Moeglichkeit des Eingreifens, er kann zwar Empfehlungen
ausarbeiten, aber nicht mehr. Die eigentliche und tatsaechlich wirksame Form der Beeinflussung liegt jedoch bei den
Gewerkschaftszentralen der-einzelnen Laender. In diesem Zusammenhang bedauerte es Oldenbroek, dass ein so erheblicher
Teil der Marshallplanmittel fuer Nahrungsmittel verwendet
werden musste, anstatt die westeuropaeische Wirtschaft bereits
frueher wieder auf eigene Fuesse zu stellen. Aber in jenen
Jahren nach 19*5 war eben die Frage der Versorgung der Bevoelkerung mit Lebensmitteln der zentrale Punkt in allen Besprechungen und Verhandlungen. Dadurch verzoegerte sich der
wirtschaftliche Wiederaufbau, der heute mit aller Energie
beschritten werden muss. Es ist offensichtlich, dass hier
die Gewerkschaften sich einen staerkeren Einfluss auf die Verteilung der Marshallplanmittel sichern muessen, aber man darf
dabei nicht uebersehen, dass fuer die europaeischen Gewerkschaften noch ein weites Feld beackert werden muss. Ein knappes
Drittel aller Arbeitenden in Westeuropa ist gewerkschaftlich
organisiert, wobei auch die britischen Gewerkschaften trotz
ihres starken Einflusses nicht sehr stark ueber dieses Drittel
hinausgekommen sind, waehrend die skandinavischen Gewerkschaften in weit staerkerem Masse Erfolge errungen haben. Auch in
solchen speziellen Fragen wie die der Verteilung der Marshallplanmittel zeige sich deutlich, wie wichtig eine geschlossene
gewerkschaftliche Organisation ist und immer dort die besten
Erfolge erzielt werden, wo die Organisation stark und einheitlich ist. Und dies sei auch die eigentliche Aufgabe der Sommerschule des I.B.F.G., die Notwendigkeit einer staerkeren
Organisierung herauszustellen, damit die Gewerkschaften auch
auf politischem Gebiet den Einfluss erringen, dessen sie zur
Verwirklichung ihrer Ziele beduerfen.
Eigener Bericht von
Herrn Hans Ettkorn
Stuart T. B. Morrison, Amt fuer Sicherung der Arbeitsplaetze:
PRAF.MIEN FUER SONDERLEISTÜNGEN
Eine gute Idee macht sich oft bezahlt. Dieses stellte
Alexander Fall fest, der Leiter der Abteilung fuer Leistungen
an Anspruchsberechtigte im Amt fuer Sicherung des Arbeitsplatzes. Fall ist der erste Angestellte des betreffenden
Amtes, der eine Praemie fuer Sonderleistungen im Rahmen des
vom Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten durchgefuehrten
Programms der Praemierung von Sonderleistungen erhielt.
Die Praemien fuer Sonderleistungen wurden eingefuehrt, um
die Leistungen des Ministeriums und der ihm angegliederten
Aemter zu steigern und Leerlauf zu vermeiden; das Praemiensystem soll den Angestellten einen Anreiz geben, Neuerungen
und Verbesserungen vorschlagen.
Fall erhielt eine solche Praemie in Gestalt einer Befoerderung in eine hoehere Gehaltsstufe; seine Leistung bestand darin, dass er eine neue Form des Ablegens von Material einfuehrte,
das den Dienststellen des Ministeriums zu informatorischen
Zwecken zugaenglich gemacht wird; es handelt sich dabei um Entscheidungen betreffend die Anerkennung oder Zurueckweisung von
Anspruechen auf Arteitslosenunterstuetzung. Fall fuehrte die
- 13 -

�Ablage des Materials in Form von losen Blaettern ein. Die betreffenden Entscheidungen werden in einer monatlich erscheinenden Reihe veroeffentlicht; jeder Jahrgang erhaelt ein Inhaltsverzeichnis, d.h. es erscheinen im Jahre 13 solcher Hefte.
Somit wuerden also in wenigen Jahren zu den bereits vorhandenen,
hunderte von neuen Heften hinzukommen, die man alle durchsuchen
muesste, wenn man auf fruehere Entscheidungen zurueckgreifen
wollte. Es handelte sich also darum, das Material so zu ordnen,
dass es den Dienststellen ohne weiteres zugaenglich gemacht werden
konnte. Fall widmete sich diesem Problem und das Ergebnis war
die neue Methode der Ablage in losen Blaettern.
Die von Fall eingefuehrte Methode sieht folgendermassen
aus: Die anfallenden Entscheidungen werden in einem Ordner in
losen Blaettern abgelegt, und zwar nach Inhalt geordnet; das
betr. Stichwort wird auf einem Zwischenblatt vermerkt; Hinwelse
wo weiteres Material zu finden ist, werden hinzugefuegt. Das
anfallende Material wird so hergerichtet, dass es ohne weiteres
in den Ordner passt.. Entscheidungen in aehnlich gelagerten
Faellen werden zusammen abgelegt. Der Benutzer sucht sich also
unter dem Stichwort die entsprechenden
Entscheidungen heraus.
Da sie alle zusammen abgelegt sine1, braucht er nicht, wie bisher,
zahllose Inhaltsverzeichnisse zu durchstoebern. Unter dem betreffenden Stichwort wird auch im weiteren Sinne einschlaegiges
Material abgelegt, so dass der Benutzer sofort eingehend informiert wird. Diese Neuerung und Verbesserung ist von einigen
staatlichen Dienststellen uebernommen worden; sie benutzen die
gleichen Zwischenblaetter, das gleiche Format und die gleichen
Stichworte fuer ihr eigenes Material. Auf diese Art koennen
die Hefte ausgewertet werden, ohne dass dadurch weitere Unkosten entstehen.
Die Methode, Angestellte fuer besondere Leistungen zu belohnen, ist bereits in der Industrie, in der Ge»ck«eft»welt und
in staatlichen Dienststellen eingefuehrt worden und gehoert mit
zu einer erfolgreichen Personalpolitik. Es hat sich gezeigt,
dass, wo diese Methode geschickt gehandhabt wird, die Angestellten eine Reihe von nuetzlichen Vorschlaegen mit Bezug auf Neuerungen, verbesserte Verfahren usw. gemacht haben; ohne die
Praemie fuer besondere Leistungen waeren diese Vorschlaege wahrscheinlich nicht gemacht worden. Das System der Praemien fuer
Sonderleistungen ist sowohl fuer den Arbeitnehmer wie fuer den
Arbeitgeber von Vorteil. Der Arbeitnehmer wird angeregt, darueber nachzudenken, wie er den Arbeitsvorgang verbessern ko«ennte.
Da der Arbeitnehmer mit den Einzelheiten des Arbeitsvorganges
eingehender vertraut ist, als es sein Vorgesetzter jemals sein
kann, fallen irgendwelche Maengel des Verfahrens dem Arbeitnehmer in der Regel zuerst auf; er ist also in der Lage, sie
abzustellen und Leerlauf zu vermeiden. So ist also er es, der
entsprechende Verbesserungsvorschlaege machen kann. Die ihm
winkende Praemie bietet ihm einen Anreiz, dies auch wirklich
zu tun.
Das Amt fuer Sicherung des Arbeltsplatzes hat staendig
darauf hingewirkt, seine Angestellten Vorschlaege einreichen
zu lassen. Es hat die Abteilungsleiter angewiesen, in dieser
Beziehung zu ermutigen. Die Angestellten sind sich darueber
klar, dass ihre Vorschlaege nicht nur zu einer Steigerung der
Leistungen ihrer Dienststelle beitragen, sondern ihnen vielleicht
auch noch sogar Geld einbringen. Praemiert werden koennen Vorschlaege, die geeignet sind, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, besseren Dienst am Publikum, Leistungssteigerung oder
14 -

�sonstige Verbesserungen herbeizufuehren. Die betreffenden Vorschlaege koennen sich sowohl auf die vom Angestellten selbst
verrichtete Arbeit, als auch auf irgend einen anderen Taetigkeitszweig des Amts beziehen. Die Anregungen muessen jedoch
ausserhalb des Rahmens der normalen Anforderungen liegen, wie
sie an einen Angestellten in der entsprechenden Position gestellt werden koennen.
Antraege auf Gewaehrung einer Leistungspraemie muessen
eine genaue Beschreibung des betreffenden Vorschlages enthalten, sowie der Vorteile, die sich aus seiner Annahme ergeben würden. Der Antrag wird auf gewohnlichem Papier mit
der Maschine geschrieben und in doppelter Ausfertigung samt
den dazu gehoerigen Anlagen auf dem gewoehnlichen Dienstwege
an den Leistungspraeraien-Ausschuss des Amts fuer Sicherung des
Arbeitsplatzes geleitet.
Der Leistungspraemien-Ausschuss entscheidet nicht darueber,
ob ein' Verbesserungsvorschlag angenommen oder abgelehnt werden
soll. Diese Entscheidung wird vom Vorgesetzten des betreffenden Angestellten selbst oder nach Ruecksprache mit den ihm
uebergeordneten Instanzen getroffen. Der Vorgesetzte des betreffenden Angestellten stellt einen Antrag auf Gewaehrung
einer Leistungspraemie nur dann, wenn der Vorschlag angenommen
worden ist. Der Ausschuss untersucht lediglich die einem solchen Antrag zugrundeliegenden Tatsachen und teilt das Ergebnis
seiner Untersuchungen zusammen mit seinen Empfehlungen dem dem
Arbeitsministerium angegliederten Ausschuss fuer Leistungspraemien mit. Dieser Ausschuss des Ministeriums untersucht
die ihm vom Ausschuss des Amts mitgeteilten Ergebnisse und
Empfehlungen und teilt seine Entscheidung dem Arbeitnehmer,
der den Vorschlag gemacht hat, mit.
Nicht alle Vorschlaege werden praemiert; wenn aber eine
Praemierung erfolgt, so kann sie in Gestalt einer Barzahlung,
einer besseren Einstufung um ein, zwei oder drei Stufen oder
auf andere Art erfolgen. Es werden im Rahmen dieses Programs
auch Ehrenpraemien, Medaillen und Urkunden verliehen; der uns
zur Ve-fuegung stehende Raum laesst eine weitere ins Einzelne
gehende Schilderung jedoch nicht zu.
Der Vorschlag des Herrn Fall, der das System der Ablage
in losen Blaettern einfuehrte, ist typisch dafuer, wie man
"etwas besser macht". Es gibt zweifellos auch andere Angestellte, die mehr oder weniger konkrete Vorstellungen davon
haben, wie man gewisse Arbeitsvorgaenge verbessern koennte.
Das Amt fuer Sicherung des Arbeitsplatzesraoechtedie Betreffenden ermuntern, ihren Vorschlaegen konkrete Gestalt zu verleihen.
Das Ziel des Praemiensysteras ist nicht die Praemie als
solche. Wesentlicher ist, dass es dazu fuehrt, dass die Angestellten des Amts gemeinsam an einer Verbesserung der Arbeitsmethoden arbeiten.
Employment Security Review
VI,1951

- 15 -

�Harry L. Turtledove:
AMERIKANISCHE STAHLARBEITER BES7CHFN PRTTTSCHE BETRIEBE

Fuenf amerikanische Gewerkschafter s t e l l t e n auf i h r e r
5-woechigen Besuchsreise durch Gross-Britannien f e s t , dass
die Betriebe der b r i t i s c h e n S t a h l i n d u s t r i e ueber Erwarten
gut mit modernen Maschinen e i n g e r i c h t e t sind.
"Der b r i t i s c h e Arbeiter muss, weil die Mechanisierung
i n der b r i t i s c h e n I n d u s t r i e noch nicht so weit f o r t g e s c h r i t ten i s t , schwerer a r b e i t e n a l s sein Kollege i n den Vereinigten S t a a t e n , " sagte Joseph Molony, L e i t e r des D i s t r i k t s 4
der Gewerkschaft der Vereinigten S t a h l a r b e i t e r von Amerika
(CIO). "Die Anzahl der neuen Maschinen und die allgemeine
Sauberkeit i n den Eetrieben hat einen sehr grossen Eindruck
auf uns gemacht."
Molony i s t e i n e r der fuenf Gewerkschafter des 15-koepfigen
amerikanischen Produktivitaets-Teams - das zweite, das a l s
Gast des Anglo-Amerikanischen P r o d u k t ! v i t a e t s r a t s zum Studium der b r i t i s c h e n Industrien nach England g e r e i s t i s t .
Als ein T e i l des Produktiv!taetsprogramms des Marshallplans sind s e i t 1948 b r i t i s c h e Gruppen in die Vereinigten
Staaten g e r e i s t , um die i n d u s t r i e l l e n Methoden der U. S. zu
s t u d i e r e n . Die e r s t e Gruppe aus den Vereinigten Staaten, die
nun Gross-Britannien b e r e i s t e , bestand aus T e x t i l a r b e i t e r n .
Beide Gruppen, die T e x t i l - wie auch die Stahlgruppe sind ein
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Team. Ausser Molony bestand d i e
Vertretung der Arbeiterschaft aus weiteren v i e r S t a h l a r b e i t e r n .
Diese Gruppe besuchte 14 Werke im ganzen Lande.
"In manchen modernen Betrieben konnte man sich beinahe
v o r s t e l l e n , dass man in D e t r o i t s e i , " sagte ein Mitglied der
Gruppe a u s . "Die Hauptschwierigkeit bei e i n e r Produktionssteigerung l i e g t wohl d a r i n , dass das Produktionsvolumen
Gross-Eritanniens geringer i s t a l s das der Vereinigten S t a a t e n .
Ausserdem hat der amerikanische Fabrikant mehr Sinn fuer die
mechanischen H i l f s m i t t e l a l s der b r i t i s c h e .
"In den i n d u s t r i e l l e n Beziehungen," sagte Michael Kerwin,
Mitglied der Vereinigten Automobilarbeiter-Gewerkschaft (CIO),
"hat Gross-Eritannien einen Vorsprung vor den Staaten.
Uebera l l wo wir hinkamen wurden die Arbeltgeber-ArbeitnehmerEeziehungen auf e i n e r hoeflichen, freundlichen Easis gepflogen.
Auf jeden F a l l h a t t e es den Anschein, dass sie besser seien
a l s bei uns zu Hause."
Die M e t a l l i n d u s t r i e Gross-Britanniens beschaeftigt p r o p o r t i o n a l zu den Maennern ebensoviel Frauen wie i n den Vere i n i g t e n S t a a t e n , obwohl die Frauen in Gross-Eritannien eine
groessere Anzahl von Arbeiten v e r r i c h t e n . Die amerikanischen
Gewerkschafter waren a l l e r d i n g s ueber die Tatsache e r s t a u n t ,
dass bei gleicher Arbeit verschiedene Loehne fuer Maenner
und Frauen bezahlt werden.
Die Kantinen, sportlichen und k u l t u r e l l e n Einrichtungen
h i n t e r l i e s s e n einen grossen Eindruck bei der amerikanischen
Gruppe - und der Ausschank von Bier in den Fabriken b e g e i s t e r te die Arbeiter.
ECA Labor Information
August 7, 1951
- 16 HICOG 16 4ug 5 1 119SE S U

5 C

�Internationale

ARBEITSMTTEIMINGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 32

Frankfurt,
I N H A L T S V E R Z

FI

10. August 1951

CHNIS

Die Bedeutung des "Tages d e r A r b e i t " 1951 - - - -

1

Die G e s c h i c h t e des "Labor Day" i n den U.S.A.

4

- -

"Labor Day"-'Botschaften a m e r i k a n i s c h e r Gewerkschaftsführer - - - - - - - - - - - - - - - -

5

"Menschenwuerde und p e r s o e n l i c h e F r e i h e i t " Gruesse
an d i e amerikanischen A r b e i t e r zu dem Tage
Arbeit - 8
Wie l e b t d e r a m e r i k a n i s c h e A r b e i t e r ? - - - - - -

9

Eine Erhebung ueber d i e A r b e i t s f a e h i g k e i t von
Rentnern i n den U.S.A.
- - - - - - - - - - - - 1 1
Die O r g a n i s a t i o n s b e s t r e b u n g e n der AFL im Sueden
d e r U.S.A.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 4

DTF BFDFUTUNG DES "TAGFS DER ARBFIT" l?5l
Der Tag der Arbeit im Jahre 1951 hatte fuer die europaeisehen Arbeiter eine ungewoehnliche Bedeutung. Man vermisste
die Picknicks, Wiener Braten und Mussestunden am Strand. In
Neapel stiessen stattdessen die freien Arbeiter mit kommunistischen Aktivisten zusammen, die mit Stoecken bewaffnet waren.
In Athen nahmen Hunderte von Gewerkschaftern an Versammlungen
teil, um Reden ueber ernsthafte Probleme anzuhoeren. In WestBerlin, auf das die Kommunisten ein gieriges Auge werfen, wurde
den freien deutschen Arbeiter in riesigen Massenkundgebungen
von amerikanischen Gewerkschaftsfuehrern versichert, dass man
sie nicht vergessen wird.
In Moskau marschierte das Militaer.

- 1 -

�All dies ereignete sich am 1. Mai. Waehrend der 1. Mai
im wesentlichen ein europaeischer Feiertag der Arbeit ist,
stammt der Gedanke von Amerikanern. Amerikanische Delegierte
brachten im Jahre 1889 auf dem Pariser Kongress der zweiten
Sozialistischen Internationale eine Resolution ein, in der gefordert wurde, den 1. Mai zu einem internationalen Feiertag
der Arbeit zu erklaeren. Ein Grund hierfuer war, dass am
1. Mai 1886 ein Generalstreik in Chicago, mit dem man den
8-Stundentag erzwingen wollte, mit dem beruechtigten "Blutbad
von McCormack" endete.
Die amerikanischen, in "Knights of Labor" organisierten
Gewerkschafter lehnten den Gedanken des Maifeiertages der Sozialisten ab. Sie hatten sich seit 1884 darum bemueht, den
ersten Montag im September zum amerikanischen Feiertag der
Arbeit zu machen, und ihre Plaene wurden von Erfolg gekroent,
als der Kongress ihn im Jahre 1894 zum nationalen Feiertag
erklaerte.
In den Jahren seit dem 1. Weltkrieg hat die europaeische
Arbeiterschaft den 1. Mai nicht in Einigkeit gefeiert. Die
Stimme des stalinistischen Kommunismus hat diesen Feiertag
sowohl in Russland als auch anderswo ins Laecherliche gezogen, so wie er auch die internationalen Bestrebungen der
europaeischen Gewerkschaftsbewegungen fuer lächerlich erklaert hat.
Zuweilen hat es dem russisch-imperialistischen Kommunismus gefallen, sich in nicht-kommunistische Gewerkschaften und
Arbeiterparteien einzudraengen, so wie es kurz nach dem 1.
Weltkrieg der Fall war, als viele Sozialdemokraten und andere
gewillt waren, die sichtbaren Fehler des Sowjetregimes in der
Hoffnung zu uebersehen, dass politische Demokratie und Freiheit
des Einzelnen zu einer Aenderung der Wirtschaftsverhaeltnisse
fuehren und der Arbeiter den ihm gebuehrenden Status erlangen
wuerde.
Zuweilen hielt es die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken auch fuer vorteilhaft, die Arbeiterklasse zu entzweien und die Sozialdemokratie und jene Einrichtungen zu
bekaempfen, die die Gewerkschaftsbewegungen in Laendern wie
Deutschland und Oesterreich geschaffen hatten. Damit ebneten
sie faschistischen Diktatoren den Weg, die die Macht ueber
eine zahlenmaessig starke, aber uneinige Gewerkschaftsbewegung
erringen konnten. Wir denken hier an Mussolini in Italien,
Hitler in Deutschland und Dolfuss in Oesterreich.
In diesem Jahr Hessen sich die freien, europaeischen
Gewerkschaften, die durch die amerikanische Wirtschaftshilfe
im Rahmen des Marshallplanes weitgehend gestaerkt und ermutigt
wurden, durch das heuchlerische kommunistische Ersuchen um Zusammenarbeit nicht taeuschen. Sie waren dagegen entschlossen,
vor aller Welt die wahren Ziele und Absichten der Kommunisten
zu demonstrieren.
In Oslo konnten die freien Arbeiter die Plaene der Kommunisten im Keim ersticken, indem sie eine groessere wirkungsvollere Kundgebung organisierten. Sie forderten unter anderem,
dass ein Opfer der kommunistischen Saeuberungsmethoden freigelassen wuerde, naemlich Anna Kethly, eine ungarische Gewerkschaftsfuehrerin und Mitglied im Parlament, die nun in einem
- 2 -

�Konzentrationslager hinter dem Eisernen Vorhang gefangen gehalten wird. Transparente mit Kethlys Namen belebten den
skandinavischen anti-kommunistischen Schlachtruf "Friede
in Freiheit".
In ganz Griechenland fanden zum 1. Mai Kundgebungen
statt. Der Berater fuer Arbeitsfragen in der ECA, D. Alan
Strachan, der Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft des
CIO ist, sprach zu den Arbeitern von Athen und Pyraeus. Die
Kommunisten hatten wenig zu sagen.
In Stockholm nahm Viktor J. Sjaholm, der Leiter der
Arbeitsabteilung in der F.CA-Mission und Mitglied der Lokomotivfuehrergewerkschaft, zum vierten Mal mit seinen Eisenbahnerkollegen an der Kundgebung zum Tag der Arbeit teil.
Der vielleicht schwerste Schlag gegen die Kommunisten war
die riesige Gewerkschaftskundgebung der freien deutschen Arbeiter auf dem Platz der Republik in West-Eerlin. Tausende von
Mitgliedern des starken deutschen Gewerkschaftsbundes DGB
lieferten,ohne sich an der Naehe der Russen zu stoeren, einen
ueberzeugenden Beweis ihrer Solidaritaet. Sie hoerten ergreifende Reden amerikanischer Gewerkschaftsführer.
Viktor Reuther, der internationale Repraesentant der CIO
begeisterte seine Zuhoerer, als er sagte:
"Seitdem der Tag der Arbeit am 1. Mai gefeiert wird, hat
die freie Gewerkschaftsbewegung der Welt noch nie einen besseren Grund zum Feiern gehabt als heute an dieser Stelle, wo die
heroischen Berliner Arbeiter, die an der Grenze zweier Welten
stehen, der neuen Tyrannei so schwere Schlaege versetzt haben.
"Ihr habt der ganzen Welt den so dringend benoetigten Beweis geliefert, dass die wirksamste Antwort auf die stalinistische Aggression nicht der negative und isolierte AntiKommunismus der Reaktionaeren, sondern die Entschlossenheit der
freien Maenner ist, die Demokratie durch die Verwirklichung des
demokratischen Idealismus in einem praktischen, positiven Programm sozialer und wirtschaftlicher Tat zu foerdern."
Henry Rutz, der Vertreter der AFL in Westdeutschland, richtete eine Botschaft an die Arbeiter"Deutschlands, der Tschechoslowakei, Polens und an alle Voelker hinter dem Eisernen Vorhang, die sich nach Frieden sehnen, und vor allem an jene Millionen, die fuer ihren Kampf um Freiheit mit Versklavung in russischen Arbeitslagern belohnt wurden."
"Ich sage jenen Millionen, Ihr seid nicht vergessen. Die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung arbeitet zusammen mit dem
Internationalen Bund freier Gewerkschaften Plaene zu Eurer Befreiung aus."
"Der Weltfriede, wie ihn jeder sich wuenscht, wird nur
garantiert sein, wenn in den Laendern unter kommunistischer
oder, wie in Spanien, unter faschistischer Tyrannei die Menschen, die noch zum Schweigen verurteilt sind, wieder in der
Lage sein werden, ihr Schicksal in Ihre eigenen Haende zu
nehmen.

- 3\

�"Wir arbeiten fuer den Tag, an dem alle Nationen im Osten
und Westen den ersten Mai als den grossen Weltfeiertag, den
grossen Feiertag der Freiheit feiern koennen."
ECA Labor Information
VII/31/1951
DIE GESCHICHTE DES "LABOR DAY" IN DEN U.S.A.
Der "Labor Day", der im Jahre 1882 als Feiertag fuer die
amerikanischen Arbeiter eingefuehrt wurde, wird nun am 1. Montag
des Monats September von jedem Buerger der Vereinigten Staaten,
vom Schuljungen bis zum Praesidenten gefeiert.
Der Gedanke, in jedem Jahr einen Tag zu Ehren der Arbeit .
zu feiern, wurde zum ersten Mal am 8. Mai 1882 von Peter J.
McGuire in Vorschlag gebracht. Er war damals Vorsitzender
der Gewerkschaft der Zimmerleute und Tischler Amerikas und
fuehrender Funktionaer in der ersten grossen amerikanischen
Gewerkschaftsorganisation, genannt "Knights of Labor", ("Ritter
der Arbeit").
Er unterbreitete der Zentralgewerkschaft in New York einen
Vorschlag, in dem er die Gewerkschaftsbewegung aufforderte, "sich
einen Tag auszuwaehlen, an dem in einem Aufmarsch die Staerke und
der Geist der Arbeiterorganisationen aller Welt gezeigt werden
sollte". Dem Aufmarsch sollte ein "Picknick" oder eine Festveranstaltung folgen.
McGuires Vorschlag wurde angenommen. Mehr als 10.000 organisierte Arbeiter marschierten auf dem beruehmten Broadway in
New York, hoerten Reden und Konzerte und nahmen dann an einem
riesigen Picknick im Elm Park teil. Es war ein grosser Erfolg,
wenn auch die grosse Menge der Arbeiter sich erst am Abend versammeln konnte, weil sich viele Unternehmer weigerten, den Arbeitern einen freien Tag zu geben.
Die Generalversammlung der Organisation "Knights of Labor"
stimmte bald nach dem ersten Aufmarsch dafuer, den "Labor Day"
alljaehrlich zu feiern. Am 9. Oktober 1884 beschlossen die
Foederationen der Berufs- und Arbeitergewerkschaften Amerikas
und Kanadas (spaeter AFL), den Labor Day zu einem nationalen
Feiertag zu erklaeren.
Oregon war 1887 der erste Staat, in dem er erste Montag
im September zu einem gesetzlichen Feiertag zu Ehren der Arbeit
erklaert wurde. Innerhalb weniger Monate folgten die Staaten
Colorado, Massachusetts, New York und New Jersey diesem Beispiel, und 1894 erklaerte der amerikanische Kongress den "Labor
Day" zum nationalen gesetzlichen Feiertag. Heute wird er in
allen Staaten gefeiert.
Den traditionellen Aufmarsch und das grosse Picknick am
"Labor Day" gibt es noch heute in vielen Teilen Amerikas; mehr
und mehr g°hen die Menschen in den Vereinigten Staaten Jedoch
dazu ueber, die Gelegenheit eines dreitaegigen Wochenendes
wahrzunehmen. Sie begeben sich mit ihren Familien per Auto in
die Gebirge oder an den Strand, um mit neuem Interesse und neuer
Arbeitskraft am Dienstag die Arbeit in den Schulen und Fabriken
wieder aufzunehmen.
Labor Air Bulletin
VIII/16/1951
- 4 -

�^LABOR^AY'^BOTECHAFTEN AMERIKANISCHER GEWERKSCHAFTSFÜHRER
Maurice Tobin, U. S. Arbeitsminister:
Freiheit, die Verbesserung der Lebensverhaeltnisse fuer die
Menschen und Weltfriede sind die hoechsten Ziele der amerikanischen Politik. Es sind die Ziele aller Menschen guten Willens
in jedem Land und der "Labor Day" im Jahre 1951» einem Jahr der
Krisen und Kaempfe, der Unruhen und Entmutigungen, ist ein guenstiger Zeitpunkt, um festzustellen, welche Fortschritte wir inzwischen erzielt haben. Vor 100 Jahren erklaerte Louis Kossuth,
der grosse ungarische Kaempfer fuer die Freiheit, in New York:
"Die Sache der Freiheit ist ausschlaggebend fuer das Schicksal
der Menschheit, und in jedem Teil der Welt, in dem sie an Boden
gewinnt, wird sie nach und nach fuer alle diejenigen, die sich'
nach ihr* sehnen, ein gemeinsames Ziel sein."
Das ist der Grundsatz, zu dem sich die Vereinigten Staaten
von ganzem Herzen bekannt haben. Wir haben gelernt, dass der
Begriff Freiheit eindeutig und unveraenderlich ist. Es ist die
Pflicht aller friedensliebenden Menschen, darauf zu achten, dass
die Flamme der menschlichen Freiheit nicht erlischt .
Es ist
die Pflicht aller Nationen, die die Grundregeln der Moral achten,
um die Freiheit ihrer Nachbarn genau so besorgt zu sein wie um
ihre eigene. In dieser kleinen Welt gibt es fuer uns nur zwei
Moeglichkeiten: entweder wir alle sind gemeinsam frei oder wir
sind getrennt und ohne Freiheit.
Freiheit ist mehr als Selbstregierung, mehr als Gedanken-,
Rede-, Religions- und Versammlungsfreiheit. Heutzutage sind
menschliche Freiheit und Verbesserung des menschlichen Loses so
eng miteinander verbunden, dass ihre Unterschiede nur schwer
festzustellen sind. In der heutigen Zeit ist politische Demokratie nicht aasreichend. Sie muss durch wirtschaftliche und
soziale Demokratie ergaenzt werden, wenn Freiheit die Bedeutung
haben soll, die ihr zukommt.
Wenden vir uns nun dem kuehnen Plan .Praesident Trumans zu,
den er mit seinem Punkt-vier-Programm entworfen hat und der der
Weltfreiheit und gleichen wirtschaftlichen Moeglichkeiten fuer
alle gewidmet ist. Jahrhunderte lang haben eine Milliarde
Maenner und Frauen in Asien, Afrika und Suedamerika ein Hungerdasein gefuehrt.
Von dem, was dafuer getan wird, diese unterentwickelten
Gebiete aus dem Sumpf der Krankheiten, des Hungers, der Unwissenheit und der landwirtschaftlichen und industriellen Rueckständigkeit zu befreien, und von der Unterstuetzung einer grossen
Armee menschlicher Wesen, die zur wirtschaftlichen Hilfslosigktit
verurteilt sind, haengt nicht nur ihre Befreiung aus den Ketten
der Armut und Verzweiflung, sondern auch der Friede der Welt ab.
Solange in einem solchen Ausmass Mangel herrscht, haben wir eine
Welt, die wirtschaftlich zur Haelfte frei ist und die zur Haelfte
versklavt ist; diese Welt kann nicht bestehen, denn sie wankt
unter politischen Unruhen und internationaler Verwirrung. Indien
braucht Trinkwasser ebenso dringend wie Weizen, im Mittleren
Osten koennten durch Landbewaesserung grosse Ackerbaugebiete
erschlossen werden, und in Afrika muss die Schlafkrankheit
mit medizinischen Mitteln bekaempft werden, um grosse Gebiete
fruchtbar machen zu koennen. Auf der ganzen Welt muss die
Landwirtschaft modernisiert und Daenune und Wasserkraftwerke

- 5-

�muessen errichtet werden.
All dies und noch mehr muss
auf weltweiter Basis getan werden, wenn die Verbesserung des
menschlichen Loses mehr als nur eine leere Versprechung sein soll.
Lassen Sie sich nicht durch die aeusseren Erscheinungen des
amerikanischen Lebens irrefuehren. Ich versichere Ihnen, dass
das Gefuehl der Solidaritaet mit anderen Voelkern, die in Freiheit leben und diese Freiheit zu schaetzen wissen, jetzt ein Bestandteil des amerikanischen Glaubens ist.
Wir haben durch den Marshallplan und den Nord-Atlantik-Pakt
bewiesen, dass die Hilfsquellen Amerikas der freien Welt zur
Verfuegung stehen. Ich kann Ihnen versprechen, dass wir durch
nichts veranlasst werden koennen, in unserer Hilfe fuer jene
Sache nachzulassen, fuer die wir bereits so viel gegeben haben.
Amerika bekennt sich nach wie vor zu den demokratischen Grundsaetzen der gleiche Rechte und Moeglichkeiten fuer alle, der
Glaubens- und Gedankenfreiheit und der Freiheit der Menschen,
sich ihr eigenes Schicksal selbst zu gestalten.
William Green, Vorsitzender der AFL:
Im Namen der acht Millionen Mitglieder der AFL uebermittele
ich hiermit den freien Arbeitern der Welt aufrichtige Gruesse
zum "Labor Day".
Fuer uns in Amerika ist die Freiheit der Arbeit das kostbarste Gut. Wir haben aus der Erfahrung die Lehre gezogen, dass
die freien Gewerkschaften in Respektierung der Wuensche und Bedürfnisse ihrer Mitglieder und frei von einer Bevormundung oder
Kontrolle ihrer Regierung grosse wirtschaftliche, soziale und
politische Fortschritte erzielen koennen.
Unsere Beobachtungen, die wir ueber die Gewerkschaftsbewegungen unter totalitaerer Herrschaft angestellt haben, haben uns
ebenfalls gelehrt, dass die Arbeiter, wenn ihre Gewerkschaften
unter der Kontrolle eines Staates stehen, zu Sklaven der Diktatur werden und keine Moeglichkeit mehr haben, durch gemeinsame
Bemuehungen ihre Lebensbedingungen zu verbessern.
Was wir heute in dieser Welt am dringendsten benoetigen,
ist Friede - Friede, um in der Zukunft groessere Fortschritte
zu erzielen, und Friede, um die Wunder der Wissenschaft zur
Erleichterung der Buerde der Arbeiterschaft und der Menschheit
ueberhaupt weiterentwickeln und nutzbar machen zu koennen.
An diesem Tag der Arbeit verpflichten sich die amerikanischen
Arbeiter, sich ihrer Verantwortlichkeit zu unterziehen, indem sie
die Verteidigung der freien Welt so staerken, dass ein weiterer
Weltkrieg verhindert werden kann. Wir sind im Namen des Friedens
zur Erfuellung dieser Aufgabe verpflichtet.
Auf lange Sicht gesehen ist militaerische Bereitschaft
allein jedoch keine Loesung. Wir muessen zusammen mit Sowjetrussland eine Entscheidung treffen, in der jegliche Aggression
verboten und es der freien Welt ermoeglicht wird, in Frieden zu
leben.
Die freien Nationen koennen, indem sie gemeinsam jeder
Aggression gegenuebertreten und, wie in Korea, den Aggressoren
vernichtende Niederlagen beibringen, den Prozess beschleunigen,
Russland zur Vernunft zu bringen.

- 6-

�Die Arbeiterschaft Amerikas begruesst die geschlossene
Front der freien Welt gegen den sowjetischen Imperialismus.
Wir wuenschen, dass.die Arbeiter Europas, Asiens und anderer
Laender jenseits der Ozeane wissen, dass wir ihnen zur Verteidigung der Freiheit entschlossen zur Seite stehen, und dass
wir niemals nachgeben werden, solange der Sieg der Freiheit
der Menschen nicht gesichert ist.
Philip Murray, Vorsitzender des CIO:
Der "Labor Day" ist der besondere Feiertag der amerikanischen Arbeiter. Es ist ein Tag der Entspannung- aber auch
ein Tag, an den man sich ueber die Zukunft der Arbeiterschaft
in Amerika und auf der ganzen Welt Gedanken macht.
Am "Labor Day 1951" senden die amerikanischen Arbeiter
den Arbeitern der demokratischen Welt ihre kollegialen Gruesse.
Wir sind stolz darauf, in den vergangenen Jahren die Bande
der Freundschaft mit den Arbeitern und ihren Gewerkschaften
in vielen Laendern der Welt gestaerkt zu haben.
Die Gewerkschaftemitglieder Amerikas wissen, dass es
keinen Frieden, keinen dauernden Wohlstand und keine Hoffnung
auf Frieden geben kann, solange die kommunistische Diktatur
und Reaktion die Demokratie und ihre Einrichtungen bedroht.
Wir sind entschlossen, alles zu tun, was in unserer Macht
steht, um diesen demokratischen Einrichtungen Staerke und
Lebensfaehigkeit zu verleihen. Wir wissen so gut wie Ihr,
dass die Gewerkschaftsbewegung in jedem Land das Eollwerk
der Demokratie ist.
Wenn Diktatoren an die Macht kommen, ist ihre erste
Handlung die Zerstoerung oder Uebernahme der freien Gewerkschaften. So ereignete es sich im nazistischen Deutschland
und in den sowjetischen Satellitenstaaten. Das Gleiche sahen
wir in Spanien und Argentinien.
Am "Labor Day 1951" erneuern die Gewerkschaften Amerikas
ihr Geloebnis, fuer die Freiheit der Gewerkschaftsbewegung in
allen Laendern zu kaempfen. Die amerikanischen Arbeiter sind
gegen den reaktionaeren Faschismus und gegen das reaktionaere
Sowjetsystem, das die Freiheit zerstoert und die Gewerkschaften
unterdrueckt.
Aber die amerikanischen Gewerkschaften wissen auch, dass
sich verbessernder Wohlstand fuer die demokratische Welt, fuer
ihre Menschen und ihre Gewerkschaften von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Aus diesem Grunde hat der CIO, in dessen Namen ich spreche,
den Marshallplan und das Punkt-Vier-Programm unterstuetzt, mit
denen den unterentwickelten Gebieten Hilfe gebracht wurde; und
aus dem gleichen Grunde wird der CIO jeden wertvollen Plan unterstuetzen, der mithilft, den Lebensstandard des "kleinen
Mannes" auf der Welt zu verbessern.
So uebersende ich an diesem "Labor Day" im Namen der sechs
Millionen Mitglieder des CIO den Gewerkschaftern der ganzen
Welt unsere Gruesse. Ich verspreche Euch, dass der CIO im
Kampf der Demokratie um ein besseres Leben fuer alle Menschen
stets eine fuehrende Rolle spielen wird.

- 7-

�Thomas Kennedy, Vize-Vorsltzender der Amerikanischen Ber&amp;arbeltergewerkschaft:
Im Namen des Vorsitzenden der amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft, John L. Lewis, und aller Mitglieder dieser Organisation moechte ich der freien Gewerkschaftsbewegung der Welt
unsere bruederlichen Gruesse uebermitteln. Wir von der Bergarbeitergewerkschaft wuenschen ihnen eine Verbesserung ihres
Lebensstandards, ihrer Loehne und sonstigen Arbeitsbedingungen.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, und vor allem
^iie Bergarbeitergewerkschaft, hat seit dem Labor Day im vorigen Jahr wichtige Frfolge errungen. Wir moechten unseren
Gewerkschaftskollegen auf der ganzen Welt den Rat geben, so
zu handeln, dass ihre wirtschaftliche Organisation im Gefuege
der Demokratie in einer Weise Eeruecksichtigung findet, dass
sie ihre Ziele durch Kollektivverhandlungen verwirklichen
koennen.
Viel Glüeck und Erfolg in Euren Bemuehungen 1
Labor Air Bulletin
VIII/16/1951
Christian Fette, Vorsitzender des DGB:
"MENSCHF.NWÜERDE UND PERSOENLICHE FREIHEIT", GRUESSE AN DIE
AMERIKANISCHEN ARFEITER ZU DEM TAG DER ARBEIT.
Auch in diesem Jahre begeht die amerikanische Arbeitnehmerschaft wieder den "Tag der Arbeit" - den Tag, an dem
sich das ganze Volk der Vereinigten Staaten in Freude und
Stolz zum Wert der Arbeit und zur Ehrung der arbeitenden
Menschen bekennt.
Aber die Gedanken der amerikanischen arbeitenden Menschen
gehen ueber den Rahmen ihres Landes und ihres Kontinents hinaus.
Mehr denn je spielen sie heute in der Politik und Wirtschaft
ihres Landes und der gesamten freien Welt eine bedeutende Rolle.
Ihre maechtigen Gewerkschaftsorganisationen haben besonders
nach 1945 eine entscheidende Rolle in der Foerderung einer po •
sitiven demokratischen Weltpolitik gespielt. Sie haben von
Anbeginn alle jene Kraefte gestuetzt, die totalitaere Maechte
dadurch bekaenpfen, dass sie die Voraussetzunfen fuer Faschismus und Bolschewismus - naemlich wirtschaftliches Chaos und
soziale Not - praktisch zu beseitigen suchen.
Die grossen amerikanischen Gewerkschaften sind damit zu
wesentlichen Traegern des Freiheitskampfes in der Welt geworden, eines Kampfes, in dem es um den sozialen Inhalt der modernen Demokratie und damit um ihren Bestand ueberhaupt geht.
Sie sind ein wichtiger Teil des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, jenes Bundes freier Arbeiter in der freien
Welt, die nicht gewillt sind, Menschenwuerde und persoenliche
Freiheit an Reaktlonaere von rechts und links zu verkaufen.
Wir deutschen Gewerkschafter, die wir uns nach dem Terror
des Hitlersystems in sechs Jahren einen Deutschen Gewerkschaftsbund mit 5,7 Millionen freiwilligen Mitgliedern geschaffen haben,
wissen, was dieser Kampf fuer die Freiheit bedeutet. Wir wissen
auch, was es bedeutet, dass die amerikanischen Gewerkschaften

-8-

�entschlossen sind, wie bisher mit ihren Kollegen in allen
freien Laendern aktiv an der Neugestaltung der freien Welt
in solidarischer Gemeinschaft mit den freien Gewerkschaften
ueberall mitzuwirken.
Im Namen des deutschen Gewerkschaftsbundes entbiete ich
unseren Bruedern und Schwestern in Amerika unseren Gruss und
wuensche ihnen und ihren stolzen Organisationen Erfolg und
Staerke fuer das gemeinsame Ziel: fuer Freiheit, soziale
Gerechtigkeit und wahren Frieden unter den Voelkern einer
freien Welt i
Christian Fette
Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaft!bundes
WIE LEBT DER AMERIKANISCHE ARBEITER ?
Viele unserer Leser haben uns in Zuschriften gefragt, wie
der durchschnittliche amerikanische Arbeiter lebt, was er verdient, wieviel Stu iden er arbeitet und wie er seine Freizeit
verbringt. Offen gesagt, es gibt nicht so etwas wie einen
Herrn Durchschnittsarbeiter. Es ist unvermeidlich, dass die
Verhaeltnisse in den verschiedenen Industrien und in den verschiedenen Teilen des Landes verschieden sind.
Anstatt Ihnen von dem Durchschnittstrbeiter zu erzaehlen,
wollen wir einige Arbeiter aus verschiedenen Industrien'herausgreifen. Heute steht uns Walter Peterson, ein junger lediger
Mechaniker gegenueber. Er ist in der New Jersey-Maschinenfabrik in Hoboken (New Jersey) beschaeftigt. Die Belegschaft
dieses Betriebes zaehlt etwa 250 Arbeitnehmer. Peterson ist
Maschinendreher und stellt verschiedene Maschinenteile her.
Er ist von dem Unternehmer als angelernter Arbeiter eingestuft, ist mit dieser Einstufung jedoch .nicht einverstanden.
Nach seiner Ansicht leistet er Facharbeit. Er wird jedoch
entsprechend der Einstufung bezahlt. Er verdient in der
Stunde 1,68 Dollar. Der Grundlohn.betraegt 1,58 Dollar, in
der Nachtschicht verdient er jedoch 10 Cents mehr pro Stunde.
Zufaellig ist der Zuschlag fuer Nachtarbeit in vielen anderen
Betrieben weitaus hoeher. Da viele Auftraege zu erledigen sind,
arbeitet Peterson woechentlich 48 Stunden und alle ueber 40
Stunden geleisteten Arbeitsstunden werden mit zusaetzlichen
50% verguetet. Der Betrieb arbeitet an einigen Auftraegen der
Regierung, stellt jedoch im wesentlichen Waren fuer den Zivilbedarf her. In der Woche verdient Peterson bei einer Arbeitszeit von 48 Stunden 87,36 Dollar. Diesen Betrag erhaelt er
jedoch nicht in bar, weil von Steuern und Praemien fuer die
Arbeitslosen-, Unfall-, Sozial- und Invalidenversicherung abgezogen werden. Da er nicht verheiratet ist, sind seine Abgaben ziemlich hoch, und er bringt in der Woche 72 Dollar
nach Hause. Wenn er eine Frau haette und ein oder zwei Kinder,
waeren seine Steuern wesentlich niedriger. Die Nachtschicht
dauert von 20:30 Uhr bis 07:00 Uhr morgens mit einer halben
Stunde Essenspause um 02:30 Uhr. Peterson gewoehnt sich allmaehlich an diese Arbeitszeit. Er fruehstueckt, wenn er nach
Hause kommt, und nimmt eine Mahlzelt ein, bevor er zur Arbeit
geht. Fuer seine Verpflegung braucht er woechentlich 10 oder
13 Dollar. Er bereitet seine Speisen zu Hause selbst zu. Seine
Spezialitaeten sind Roastbeaf oder Hammelbraten, Haschee und
Schweinekottelett. Seine Hauptmahlzeit ist z.Z"t. das Fruehstueck. Es besteht aus Fruchtsaft, einem Viertel Liter Milch,

- 9-

�Fruechte, Speck, Eier und Gebaeck. Er nimmt jedoch keinen
Kaffee zu sich, da Kaffee ihn nervoes macht. Fuer seine Miete
zahlt er 15 Dollar im Monat. Das ist sehr billig. Er wohnt
in Manhattan in einer Wohnung ohne Heizung mit 3 Raeumen. Er
hat heisses Wasser und seine eigene Toilette, und weil er ledig
ist, meint er, dass die Wohnung gut genug fuer ihn ist. Ausserdem will er keine teure Wohnung bezahlen.
Fuer Bekleidung gibt er jaehrlich etwa 150 Dollar aus.
Ein neuer Anzug kostet 45 oder 50 Dollar. Fuer ein halbes
Dutzend weisser und ein halbes Dutzend Sporthemden braucht er
etwa 36 Dollar, 24 Paar Struempfe kosten 12 Dollar. Unterwaesche und Krawatten kosten 15 Dollar und ein paar Arbeitsschuhe 8 Dollar. Ausserdem kauft er sich in jedem Jahr einen
Ueberzieher fuer etwa 35 oder 40 Dollar. Das ergibt einen
Betrag von 155 bis 165 Dollar im Jahr.
Gibt es in seiner Wohnung viel mechanische Einrichtungen?
Einen mit Gas betriebenen Kuehlschrank, ein elektrisches Bueg«leisen, einen elektrischen Brotroester und ein Radio mit Plattenspieler. Er hat keinen Fernsehapparat, weil er seine Freizeit
am liebsten mit Lesen verbringt.
Natuerlich ist er gewerkschaftlich organisiert. Er gehoert
der Internationalen Mechanikergewerkschaft der AFL an, die ueber
600.000 Mitglieder zaehlt, und er ist in seiner Gewerkschaft
aeusserst aktiv. Seine Ortsgewerkschaft hat 1200 Mitglieder,
und er nimmt stets an den regelmaessigen monatlichen Versammlungen teil. Es finden ausserdem in der Zwischenzeit ausserordentliche Betriebsversammlungen statt. Er ist jetzt Kandidat
fuer den ünterhaltungsausschuss, der unter anderem Programme
fuer Abendgesellschaften, Bierabende und Ausfluege fuer die
Mitglieder ausarbeitet. Man bildet ausserdem Kegel- und
Korbballmannschaften.
Die Ausgaben dieses Arbeiters sind im Vergleich zu seinem
Einkommen ziemlich niedrig. Was macht er mit seinem uebrigen
Geld? Er hat eine Freundin, und sie gehen haeufig zusammen
aus; zum Kino, zum Konzert, zu Vortraegen, Tanzveranstaltungen,
zum Ballett und Picknick. Im Sommer verbringen sie viel Zeit
am Strand. Peterson spart ausserdem. Denn wer kann es wissen?Eines Tages koennte er vielleicht sogar heiraten1.
Der Tarifvertrag seiner Gewerkschaft enthaelt viele Klauseln,
die nach der Meinung aller Arbeiter sehr gut sind. Fuer Arbeit
am Sonnabend werden 150$ gezahlt, selbst wenn der Arbeiter waehrend der Woche an einem Tag nicht zur Arbeit erschien.Dieser Bericht ist ein Beispiel fuer das Leten vieler
junger, lediger Arbeiter in den Vereinigten Staaten. Das Bild
mag sich wesentlich veraendern, wenn der Arbeiter heiratet und
einige Kinder hat.
Program Services Section
V/28/1951

- 10 -

�EINE ERHEBUNG UEBER DIE ARBF.ITSFAEHIGKEIT, VON RENTNERN IN
DEN* P.S.4?
Schaetzungsweise zwei Drittel bzw. drei Viertel der
Maenner und Frauen, die augenblicklich Alterspensionen beziehen, sind arbeitsunfaehig. Die meisten von ihnen haben
fuer immer aufgehoert zu arbeiten. Einige von ihnen koennen
jedoch arbeiten und arbeiten nach'ihrer Pensionierung auch in
Berufen, die nicht so grosse Ansprueche wie ihre ursprünglichen Berufe an sie stellten. Zweifellos koennten noch mehr
arbeiten, wenn Arbeitsplaetze vorhanden waeren, die ihrer begrenzten Arbeitsfaehigkeit entspraechen.
Dieses geschaetzte Ausmass der Arbeitsunfaehigkeit unter
allen aelteren Pensionsempfaengern in den Vereinigten Staaten
bezieht sich auf die gegenwaertige, im Verhaeltnis als Vollbeschaeftigungsperiode anzusprechende Situation. Bei einem
Arbeitsmarkt, der fuer die Beschaeftigung aelterer Leute weniger guenstig waere, waere der Prozentsatz der Arbeitsunfaehigkeit niedriger als diese Schaetzung, weil mehr koerperlich arbeitsfaehige Personen von 65 Jahren und darueber untaetig waeren
und Altersrenten beziehen wuerden.
Der Begriff der Arbeitsunfaehigkeit ist natuerlich relativ,
und der geschaetzte Prozentsatz der arbeitsunfaehigen Rentenempfaenger haengt davon ab,wie man diesen Begriff definiert.
Bei der zugrundeliegenden Schaetzung wurde ein Rentenerapfaenger
als arbeitsunfaehig betrachtet, wenn er nicht in der Lage war,
den Beruf, den er vor seiner Pensionierung susuebte, vollzeitlich weiter zu betreiben.
Die vorliegende Schaetzung stuetzt
sich auf die Aussagen einzelner Altersrentenempfaenger in 20
verschiedenen Staedten. Insgesamt wurden in der Zeit von 1941
bis 194-9 3362 Maenner und 622 Frauen befragt, die in den acl t
Jahren von 1940 bis 1947 die ersten Unterstuetzungen bezöge»;
man wollte feststellen, wie es ihnen nach ihrer Pensionierung
erging. Unter anderem fragte man sie, was sie von ihrem Gesundheitszustand und ihrer Arbeitsfaehigkeit hielten. Die Gebrechen, ueber die sie klagten, und jegliche Beschaeftigung,
die sie in dem der Befragung vorausgehenden Jahr ausgeuebt
haetten, wurden notiert.
In der Auswertung der gesammelten statistischen Unterlagen wurden Rentenempfaenger zuerst gemaess ihrer Meinung
bezueglich ihrer Arbeitsfaehigkeit zur Zeit der Eefragung in
drei Klassen gruppiert. Sodann studierte man die Statistiken
ueber die Beschaeftigung der Rentenempfaenger nach ihrer Pensionierung in jeder einzelnen Klasse und ihren gegenwaertigen Gesundheitszustand*
Bei der Eingruppierung der Rentenempfaenger nach ihrer
Meinung bezueglich ihrer Arbeitsfaehigkeit, bediente man sich
der folgenden Einstufungsraethode:
1. Diejenigen, die sagten, sie koennten vollzeitlich,
d. h. 35 oder mehr Stunden pro Woche, einen Beruf ausueben,
fuer den sie auf Grund ihrer Erfahrungen qualifiziert sind.
2. Diejenigen, die sich fuer vollkommen arbeitsunfaehig
hielten und
3. diejenigen, die erklaerten, sie seien arbeitsfaehig,
jedoch mit der Einschraenkung, dass die Arbeit "leicht" oder nur
"kurzzeitlich sein duerfe.
- 11

�In allen drei Klassen waren auch einige Unterstuetzungsempfaenger, deren Unterstuetzungen fuer einen Monat oder laenger
in dem der Erhebung zugrundeliegenden Jahre wegen ihrer Einkuenfte aus irgendeiner Beschaeftigung gesperrt waren.
Die meisten der Rentenempfaenger, die sich fuer vollzeitlich arheitsfaehig in ihren urspruenglichen Berufen erklaerten,
wenn sie hierzu die Moeglichkeit hatten, waren wahrscheinlich
auch wirklich hierzu in der Lage. So waren zum Beispiel im
Kriegsjahr 1944 89% aller maennlichen, in Ohio wohnhaften uni
in der Erhebung erfassten Rentenempfaenger irgendwie beschaeftigt. Zwei Drittel der Maenner, die sagten, sie koennten vollzeitlich arbeiten, waren das ganze Jahr hindurch auch vollzeitlich erwerbstaetig. Als die Nachfrage nach Arbeitskraeften
jedoch nachliess, war der Prozentsatz der Rentenempfaenger mit
nicht-vollzeitlicher Beschaeftigung. geringer und variierte
zwischen 44 und 72$. in den verschiedenen, in der Erhebung beruecksichtigten Gebieten, weil es fuer aeltere Maenner und
Frauen im allgemeinen schwieriger ist, eine Beschaeftigung in
der Industrie oder im Handel zu finden.
Die meisten Rentenempfaenger, die sich fuer vollkommen
arbeitsunfaehig erklaerten, waren wahrscheinlich krank. Sie
sagten, sie litten an Herzkrankheiten, hohem Blutdruck, Laehmungserscheinungen, Gicht, Blutarmut, Nachlassen der Sehkraft,
Krebs, Nierenerkrankheiten und anderen degenerierenden Alterserscheinunf:en. Einige Maenner, und zwar waren es 1944 bis zu
29 % und in den uebrigen Jahren von 4 - 19 #, hatten irgendeine Beschaeftigung, meist eine Gelegenheitsarbeit. Die Mehrzahl jedoch hatte zur Zeit der Befragung ihren Arbeitsplatz
aufgegeben, und andere waren trotz schwerer gesundheitlicher
Schaeden noch erwerbstaetig.
Aus der Studie ueber ihre Beschaeftigungsziffer waehrend
des Jahres der Erhebung und ueber ihre eigenen Anschauungen in
Bezug- auf ihre Gesundheit kann man die Schlussfolgerung ziehen,
dass alle Rentenempfaenger, die sagten, sie seien arbeitsunfaehig, auch als arbeitsunfaehig anzusehen sind.
Die Rentenempfaenger, die sagten, sie koennten nur kurzzeitlich arbeiten oder eine leichte Arbeit verrichten, setzten
sich aus Maennern und Frauen in einer Vielzahl verschiedener
Situationen zusammen. Mit Ausnahme des Erhebungsjahres 1944
in Ohio, wo der Prozentsatz 70 betrug, hatten weniger als die
Haelfte (32 - 46 %) der Maenner, die erklaerten, nur kurzzeitlich oder leicht arbeiten zu koennen, irgendeine Beschaeftigung. Einige der Rentenempfaenger, die keine Arbeit hatten,
hatten die Hoffnung verloren, einen Arbeitsplatz zu finden und
hielten sich in ihren urspruenglichen Berufen fuer arbeitsunfaehig. Andere dagegen haetten keine vollzeitliche Beschaeftigung uebernehmen koennen, die grosse Kraftanstrengung erfordert haette; einige haetten wahrscheinlich ueberhaupt nicht
arbeiten koennen. aber weil sie erklaerten, "bestimmte Arten
von Arbeit" verrichten zu koennen, wurden sie zu denen gezaehlt,
die Kurzarbeit oder leichte Arbeit uebernehmen koennten.
Die groesste Gruppe unter den Rentenempfaengern in dieser
Kategorie, die irgendeine Arbeit hatten, waren Maenner, - meist
Handarbeiter - die waehrend eines Teils des Jahres der Erhebung
oder auch ununterbrochen in diesem Jahr Beschaeftigungen ausge_
uebt haben, die weniger koerperliche Anstrengungen erforderten
als ihr herkoemmlicher Beruf. Wenige arbeiteten waehrend des
ganzen Jahres in kleinen eigenen Geschaeftsunternehmen. Ein
- 12 -

�alter Mann z. F., der Spritzlackierer in einer Klavierfabrik
gewesen war, zuechtete Hunde waehrend des Jahres der Erhebung.
Einige arbeiteten vollzeitlich in der Industrie, verrichteten
jedoch verhaeltnismaessig leichte Arbeiten. Typisch war ein
frueherer Maler, der als Wachmann beschaeftigt war. Die
meisten dieser Kategorie waren jedoch im Jahre der Erhebung
nur als Gelegenheitsarbeiter taetig; ein frueherer Zimmermann arbeitete gelegentlich privat fuer Familien, und ein
frueherer Arbeiter einer Stahlfabrik leistete Gartenarbeit
fuer seine Nachbarn.
Eine kleine Zahl von Maennern war waehrend eines Teils
des Jahres oder im ranzen Jahr in den herkoemmlichen Beschaeftirunpsarten taetig. Einige von ihnen mussten nach ihrer Wiedereinstellung feststellen, dass die Arbeit fuer sie zu schwer
war. urd sie hoerten wieder auf zu arbeiten. Ein Arbeiter aus
der ftahlindustrie war zum Beispiel acht Monate lang als Arbeiter der gleichen Branche taetig, musste jedoch dann aufhoeren,
weil er die schweren Arbeiten, die man von ihm verlangte, nicht
mehr leisten konnte. Er sagte, er habe Schmerzen in den Beinen,
koenne jedoch leichtere Arbeit verrichten. Andere hatten waehrend des ganzen Jahres gearbeitet, erklaerten aber den mit der
Erhebung Beauftragten, sie koennten nicht mehr laenger durchhalten. Wenige machten den Eindruck, auch weiterhin vollzeitlich in ihren urspruenglichen Berufen taetig sein zu koennen.
Ein bestimmter Prozentsatz derjenigen Rentenempfaenger,
die unter bestimmten Einschraenkungen hinsichtlich ihrer Arbeitsfaehigkeit erklaert hatten, eine Beschaeftigung ausueben zu koennen, duerften zu denen gezaehlt werden, die in dem Sinne arbeitsunfaehig waren, dass sie nicht ihre urspruenglichen Berufe ausueben konnten. Vorsichtig geschaetzt wuerde es sich dabei um
die Haelfte dieser Kategorie handeln.
Wenn man der Zahl der total arbeitsunfaehigen Rentner die
Haelfte derer hinzuzaehlt, die sich, fuer bedingt arbeitsfaehig
halten, wuerde man zu einer vorsichtigen Schaetzung der Gesamtzahl derer kommen, die wahrscheinlich fuer eine vollzeitliche
Beschaeftigung in ihren herkoemmlichen Ferufen untauglich sind.
In Boston (Erhebungsjahr 1946) und in PhiladelphiaFaltimore (194-9) gab es mehr arbeit sunfaehige Rentenempfaenger
als In den uebrigen in der Erhebung beruecksichtigten Gebieten,
was vor allem darauf zurueckzufuehren-ist, dass die in diesen
beiden Gebieten Befragten schon laenger Renten bezogen (1 bis
6 bzw. 1 bis 9 Jahre) als die bei frueheren Erhebungen Befragten, fuer die die Dauer der Unterstuetzungsberechtigung nur
1 bis 3 Jahre betrug. Da diese Erhebungen in Boston und
Bfeltinore juengeren Datums sind und sich auf Rentner erstrecken,
die schon laengere Zeit Renten beziehen, sind die Feststellungen
betreffs der Arbeitsunfaehigkeit in diesen beiden Beispielen
fuer die Gesamtlage in den Vereinigten Staaten vor Inkrafttreten
der Gesetzesaenderungen im Jahre 1950 zweifellos zutreffender
als die d&lt;r frueheren Studien.
Die Beispiele, die den obengenannten Prozentzahlen zugrunde liegen, erstreckten sich auch auf wenige Einzelfaelle,
in denen die Betreffenden waehrend des ganzen Jahres den
Pensionsbestimmungen unterliegende Beschaeftigungen vollzeitlich ausuebten und keine Renten bezogen. Wenn sich die Prozentsaetze auf Faelle beziehen wuerden, in denen nur Rentenempfaenger
beruecksichtigt sind, die waehrend eines Teils des Jahres oder
ununterbrochen Renten bezogen, waeren sie ein wenig hoeher.
Ausserdem konnten annaehernd zwei Prozent der Rentenempfaenger,

- 13 -

�die urspruenglich als Beispiele herausgegriffen waren, wegen
Krankheit nicht befragt werden. Ihre Einbeziehung wuerde
ebenfalls den Prozentsatz der Arbeitsunfaehigen erhoehen.
Bei der Abschaetzung der Arbeitsunfaehigkeitsziffer aller
Altersrentenempfaenger des Landes haben diese Umstaende Berücksichtigung gefunden.
Die in der Gesetzesaenderung von 1950 enthaltenen Bestimmungen, die besagen, dass nach sechs Vierteljahren des
Versichertseins Anspruch auf Rente besteht, haben wahrscheinlich zu einer Erhoehung der Arbeitsunfaehigkeitsquote gefuehrt,
weil unter denen, die frueher keinen Anspruch auf Renten hatten,
jetzt aber unterstuetzungsberechtigt sind, einige kranke Personen sind. Diese Auswirkung auf die Arbeitsunfaehigkeitsquote wird wahrscheinlich nicht durch eine Steigerung der
Pensionsquote koerperlich arbeitsfaehiger Personen aufgehoben,
die durch die Erhoehung der Renten, wie sie auch in der Gesetzesaenderung von 1950 vorgesehen ist, ausgeloest wurde,
weil die Erhoehung der Renten in erster Linie den Zweck hatte,
einen Ausgleich fuer die Steigerung der Lebenshaltungskosten
nach 1939 zu schaffen und nicht die Kaufkraft der Renten zu
erhoehen. Die Altersrenten sind, verglichen mit den Loehnen
noch zu niedrig, um denjenigen, die weiterarbeiten koennen,
Veranlassung zu geben, sich pensionieren zu lassen.
Wenn man alle diese Faktoren in Eetracht zieht, erscheint
es wahrscheinlich, dass zwei Drittel bis drei Viertel der zur
Zeit Altersrenten beziehenden Rentner - Maenner und Frauen
gemeinsam veranlagt - in dem Sinne arbeitsunfaehig sind, dass
sie nicht ihre urspruenglichen Berufe vollzeitlich ausueben
koennen.
Der Prozentsatz der arbeitsunfaehigen Rentenempfaenger
wird mit den Jahren zweifellos groesser werden, weil sich die
durchschnittliche Zeitspanne seit ihrer Pensionierung und damit auch ihr Durchschnittsalter erhoehen. Die Arbeitsunfaehigkeitsquote wird ebenfalls groesser werden, auch wenn die Unternehmer ihre Einstellung in der Frage der Pensionierung
aendern und ihre Arbeitnehmer so lange wie moeglich arbeiten
lassen, weil weniger arbeitsfaehige Personen ihre Beschaeftigung aufgeben werden. Sollte es jedoch zu einer schwierigen
wirtschaftlichen Depression kommen, durch die arbeitsfaehige
Maenner und Frauen von 65 Jahren und darueber von dem Arbeitsmarkt gedraengt und in die Pensionierung gezwungen wuerden,
wuerde die Tendenz einer steigenden Arbeitsunfaehigkeitsquote
der Altersrentenempfaenger ins Gegenteil umschlagen, weil die
Zahl der Rentenempfaenger durch das Hinzukommen arbeitsloser,
noch arbeitsfaehiger Rentner erhoeht wuerde.
Social Security Bulletin
VI/1951
J. L. Rhodes, Bezirksleiter fuer Werbung der AFL:
DIE ORGANISATIONSBESTREBUNGEN DER AFL IM SUEDEN DER U.S.A,
Im Laufe des vergangenen Jahres richteten die Gewerkschaften der Suedstaaten der U.S.A. ihr Hauptaugenmerk auf eine Erhoehung der Loehne. Die Veranlassung hierzu war ein dauerndes
Ansteigen der Lebenshaltungskosten. Die meisten Organisationen
waren hierbei recht erfolgreich, wenn auch in vielen Faellen
die von der Arbeiterschaft erreichte Lohnerhoehung durch ein
weiteres Ansteigen der Lebenshaltungskosten prompt wieder aufgehoben wurde.
14 -

�Die Arbeiter in den Suedstaaten fahren fort, sich Gewerkschaften anzuschliessen and neue Organisationen zu bilden. Das
Zunehmen der Mitgliederzahl der AFL im Sueden ist erstaunlich.
Durch die neuerdings im Sueden gegruendeten neuen Industrien
wurden viele neue Verdienstmoegiichkeiten geschaffen. Wenn auch
keine ernstliche Knappheit an Arbeitskraeften besteht, so machte
sich doch eine Verdichtung des Arbeitsmarktes bemerkbar.
Ein neues Interesse fuer die Gewerkschaftso^ganisation erwachte durch ueberhoehte Preise, zu hohe Mieten und die Unzulaenglichkeit der Loehne fuer nichtorganisierte Arbeiter. Dies
sind die Faktoren, die das Ansteigen der Gesamtmitgliederzahlen
der Gewerkschaften im Sueden trotz Widerstand der Arbeitgeber
und der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung beschleunigen.
Der Sueden ist der Bauplatz neuer Atorakraftanlagen geworden, die einen Kostenpunkt von Hunderten von Millionen Dollars
darstellen und nach deren Abschluss Tausende von Arbeitern Beschaeftigung finden werden. Die AFL hat es verstanden, das
Vertrauen der meisten Arbeiter in Oak Ridge zu gewinnen. Zur
Zeit vertritt die AFL drei der Hauptgruppen und mehrere kleinere Gruppen der Atomkraftbetriebe und der damit verbundenen
Eeschaeftigungszweige.
Die Organisation der Farmarbeiter macht in den Zitronenplantagen Floridas und in dem Rio Grande-Tal von Texas gute
Fortschritte. Die Milchfarmarbeiter in Louisiana, Kentucky
und Georgia werden von der Nationalen Gewerkschaft der Fsrraarbeiter organisiert.
Eine hervorragende Organisationskampagne wurde neulich
von der Internationalen Gewerkschaft der Angestellten bei der
"Consolidated Aircraft Corporation" du^chgefuehrt. Aehnllche
Organisationsbestrebungen sind in allen Staaten des Suedens
im Gange.
Die Textilindustrie im Sueden weist die hoechste Zahl an
beschaeftigten Industriearbeitern auf. In diesem Gebiet uebermittelt die Textilarbeitergewerkschaft den Arbeitern laufend
die Werbebotschaften der AFL. Meistens befinden sich die
Textilfabriken in Staaten mit einer drastischen Antigewerkschaftlichen Gesetzgebung. Die Loehne der Textilarbeiter muessten erhoeht und nur durch eine tatkraeftige Arbeiterorganisation koennte
eine Verbesserung der unzulaenglichen Lohntarife erreicht werden.
Die Internationale Chemiearbeiter-Gewerkschaft hat ihr
Betaetigungsfeld im ganzen Sueden. In Oak Ridge hatte sie zu
den AFL Erfolgen beigetragen. Weitere Programme dieser Gewerkschaft werden in Florida, Louisiana und anderen suedlichen
Staaten verfolgt. In allen suedlichen Gegenden konnten viele
Gruppen cer verschiedenen chemischen Industriezweige der
Chemiearbeiter-Gewerkschaft einverleibt werden.
Die Gewerkschaftsbewegung bemu«ht sich dauernd, die Importierung mexikanischer Arbeitskraefte einzuschraenken und zu
kontrollieren. Erschütternde Tatsachen wurden von der von
Praesident Truman eingesetzten Untersuchungsgruppe berichtet.
Hunderttausende von "Grenzgaengern" sind auf Veranlassung gewinnsuechtiger amerikanischer Arbeitgeber diesseits des Rio
Grande in die Vereinigten Staaten gekommen. Durch diesen

- 15 -

�Zustrom mexikanischer Staatsangehoeriger und ihre Bereitwilligkeit, frier erbaermliche Loehne zu arbeiten, wurde die amerikanische Arbeiterschaft gescraedigt. Die Nationale FarmarbeiterGewerkschaft und andere AFL-Gewerkschaften haben gegen die
Untergrabung des amerikanischen Lohnstandards - eine Folge der
Verschwoerung gewisser Arbeitgeber, die Schaffung angemessener
Arbeitsbedingungen zu vereiteln - gekaempft.
Laut den bei den suedlichen Dienststellen der AFL eingelaufenen Berichten soll ein Teil der Unternehmer gewillt sein,
sich mit der Föderation zum Zwecke der Regulierung des Zustroms
mexikanischer Staatsangehoeriger und zur Unterstuetzung der sich
auf illegale Grenzgaenger beziehenden Einwanderungsgesetze zusammenzuschliessen. Es wurde vorgeschlagen, dass diejenigen
Arbeitgeber, die illegal eingewanderte Arbeitnehmer einstellen,
strafrechtlich verfolgt werden sollen.
An alle neuaufgenommen Gewerkschafter werden jetzt Sozialversicherungskarten ausgegeben. Es ist mit allem Nachdruck
darauf hingewiesen worden, dass diese Karten an illegal Eingewanderte nicht ausgegeben werden sollen.
Mexikanern, die illegal in diesem Lande leben, wird es
gestattet, bei den vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen durchgefuehrten Repraesentationswahlen ihre Stimme auf derselben
Basis wie amerikanische Buerger abzugeben. Dieser Ausschuss
sollte die Grenzgaenger an der Teilnahme an solchen Wahlen
hindern.
Dies stellt ein aeusserst ernstes Problem dar. Die
Nationale Farmarbeiter-Gew°rkschaft hat durch das Verbreiten
von Berichten ueber diese Zustaende eine grosse erzieherische
Arbeit auf diesem Gebiet geleistet. Die AFL versucht durch
die gesetzgebenden Organe in Washington eine Gesetzgebung zu
erwirken, welche der auf den Zustrom von Grenzgaengern zurueckzilfuehrenden Lohnsenkung Einhalt gebieten soll.
Die AFL-Bewegung im Sueden wird in den kommenden Monaten
auf viel Widerstand stossen. Sie beabsichtigt,ihm mutig zu
begegnen.
The American Federationist
VII/1951

- 16 -

KICCIO £3 i l l g 51 11855 6 II

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 33

Frankfurt, 17. Aurust 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Wie lebt man in Moskau?

1

Neue Richtlinien der ECA zur Foerderung der
Produktivitaet

4

Beschaeftigungslage im amerikanischen
Bergbau

5

Amerikanische Gewerkschafter in Frankreich

7

Bodenreform - Ein Schluessel zur wirtschaftlichen Entwicklung

9

Vereinte Kationen beschaeftigen sich mit dem
V/ohn raumprob lern in Asien

13

'.Veitgesundheitsorganisation bekaempft Malaria
in Indien

14

WIE LEBT MAN IN MOSKAU?
George C. Se:.imens, der Autor des folgenden Artikels, hat kuerzlich mit einer englischen Delegation
Russland besucht. In der Londoner sozialistischen
Zeitschrift "Tribüne" berichtet er darueber:
Wie sieht das Leben in Russland im Vergleich zum Leben bei
uns aus? Der staerkste Unterschied ergibt sich wohl im Leben

- 1 -

�der Frauen. In Russland ist fast jede verheiratete Frau gezwungen, arbeiten zu gehen, um mitzuhelfen, das Haushaltsgeld
auszugleichen - ausser natuerlich, wenn ihr Mann in der giuecklichen
Lage ist, ein betraechtlich hoeheras Einkommen zu haben als der
Durchschnitt. Darin, so erklaerten uns unsere russischen Fuehrer,
bestehe die Emanzipation der Frauen; sie haetten es gern, arbeiten zu gehen und wirtschaftlich unabh&amp;engig zu sein. Um Muetter
in den Stand zu setzen, arbeiten zu gehen, werden die Kinder, sobald sie nur einige Wochen alt sind, in Krippen und Kindergaerten
geschickt.
Wenige Frauen leisten qualifizierte Arbeit. Die meisten sind
mit verhaeltnismaessig unqualifizierter Arbeit beschaeftigt, wie
zum Beispiel Strassenkehren, Auf- und Abladen von Lastautos, Erdarbeiten - "alles", so sagte man uns, "ausser der allerschwersten
Arbeit". Tatsaechlich scheint fast die ganze unqualifizierte Arbeit von Frauen geleistet zu werden. Sie erhalten bei gleicher
Beschaeftigung die gleiche Bezahlung w"le Maenner, aber da sie gewoehnlich die minderqualifizierten Arbeiten verrichten, sind ihre
Durchschnittsloehne niedriger als die der Maenner.
' Wir versucnten wiederholt, die Koehe der Loehne festzustellen, aber es war unmoeglich, genaue Statistiken oder auch nur eine
verlaessliche Schaetzung der durchschnittlichen Lohnhoehe zu erhalten. Wir-konnten jedoch feststellen, dass die Unterschiede
zwischen den einzelnen Loehnen und Einkommen phantastisch hoch
sind fuer ein Land, das behauptet, sozialistisch zu sein. Die
meisten Leute, die wir fragten, sagten, der Durchschnittslohn
mache ungefaehr 900 Rubel aus, waehrend das Familieneinkommen, wegen des niedrigeren Verdienstes der Frau, ungefaehr 1600 Rubel betraep-t. Dies-e Schaetzung ist wahrscheinlich ein wenig zu optimistisch, da sie auf die sehr grosse Zahl der unqualifizierten
Arbeiter nicht Bedacht nimmt.
Eine Krankenschwester verdient ungefaehr 400 Rubel im Monat
bei einer Arbeitswoche von sechs Tagen zu sechs Stunden. Wenn
sie die Zahl der Arbeitsstunden verdoppelt, erhaelt sie auch den
doppelten Lohn. Ein Arzt erhaelt waenrend der ersten fuenf Jahre
nur 600 Rubel und selbst nach 20 Jahren nur 1200, ausser er spezialisiert sich und erwirbt zusaetzliche Qualifikationen. Nach
30 Dienstjahren bekommt er jedoch eine Pension von 40 Prozent
seines Gehaltes und zusaetzlich auch noch das Gehalt, wenn er
weiterarbeiten will.
Die Bezahlung eines Lehrers haengt von der Art der Schule
ab. Er erzielt ein Hoechsteinkommen von 1500 Rubel pro Monat in
den hoechsten Schultypen und moeglicherweise weniger als 1000
Rubel in einer Volksschule. Nach 25 Jahren erhaelt auch er eine
Pension von 40 Prozent. Auch er kann sein Einkommen verdoppeln,
wenn er doppelte Schichten arbeitet. In Moskau zum Beispiel
werden die meisten Schulen infolge des Mangels an Schulgebaeuden
nach einem Zweischichtensystem betrieben. Ein Bergarbeiter
erhaelt einen Grundlohn von 1000 Rubel im Monat. Ist er ein
Stachanow-Arbeiter, kann er bis zu 6000 Rubel verdienen. Das
hoechste Gehalt, das wir feststellten, bezog ein Spezialist,
Professor der Medizin, der 12.000 Rubel im Monat erhielt - dreissie
mal soviel wie eine Krankenschwester.
Es war nicht leicht fuer uns, ausfindig zu machen, wieviel
und wie gut die gawoehnlichen Leute essen, da wir immer in den
besten Hotels und Restaurants verpflegt wurden. Nur einmal nahmen
wir eine Mahlzeit ein, die auch die Studenten der Anstalt, die wir
besuchten, erhielten. Von den Preisen, die wir in den Geschaeften
sahen, aufgrund der Tatsache, dass es keine Rationierung gibt,
und auch von dem, was uns die Leute ueber ihre Essgewohnheiten

- 2 -

�erzaehlten, empfingen wir den Eindruck, dass die meisten Russen wahrscheinlich etwas mehr essen als wir, aber dass sie ein
gutes Stueck mehr als die Haelfte des gesamten Familieneinkommens fuer Lebensmittel ausgeben muessen.
Die Kleidung, die man in den Strassen sieht, ist im allgemeinen dunkler und schaebiger als bei uns. Alle Maenner tragen
Anzuege, gewoehnlich dunkle. Kleidungsstuecke wie Sportsakkos
oder rauhe Stoffe wie Tweed sind unbekannt. Ja zwei von uns,
die Harris-Tweed-Sakkos trugen, wurden wiederholt gefragt, wie
sie denn solche schlechte Kleider tragen koennten.' Harris
Tweed ist bekanntlich ein besonders ruter, dicker englischer
Stoff. Auch die Kleidung der Frauen ist etwas farblos, die Roekke sind gewoehnlich kurz und wenige Frauen schminken sich. Stoffe guter 4ualitaet und gutgeschnittsne Kleider sind vorhanden,
aber teuer. Anderseits koennen Stoffe schlechter ^ualitaet und
Kleider, die schlechter sind als jene, die man normalerweise in
England sieht, ziemlich billig gekauft werden.
Viele Konsumgueter, wie zum Beispiel Hausnaitungss-egenstaende, Schreibmaterialien, Buecher und so weiter, sind leicht zu
haben. Andere notwendige Artikel sind jedoch sehr kna^p. So
sahen wir zum Beispiel eine lange Schlange von Frauen, die sich
nach Zwirn anstellten, und hoerten auch eine lebhafte Auseinandersetzung, als Frauen, die sich um Leinentaschentuecher angestellt hatten, nichts mehr erhielten, weil der Vorrat ausverkauft war.
Kinderwagen, Fahrraeder und I.!otorraeder sind in den Strassen
kaum zu sehen. Zwar gibt es genug Autos in L.'oskau und in anderen Staedten, die wir besuchten, aber die meisten gehoeren
oeffentlichen Organisationen. In ganz Moskau gibt es nicht mehr
als zehntausend Autos in Privatbesitz. Auf einer Kollektivfarn
bei Suchumi an der Kueste des Schwarzen Meeres fanden wir jedoch,
dass 35 der insgesamt 415 Familien im letzten Jahr ein Auto gekauft hatten.
Offiziell gibt es keine Arbeitslosigkeit und jeder Buerger
hat Anspruch auf einen Posten. Aber trotzdem Rahen wir eine Anzahl von Bettlern, meist Kruepnel, und auch ein Kind, die neben
der Kasse eines Geschaeftes im Zentrum Moskaus um Kleingeld bettelten. Krueppel gibt es, wie man verstehen wird, sehr viele,
waehrend man kaum jemals Prothesen sieht.
Wir waren besonders bepierig, .etwas von den Wohnverhaeltnissen zu sehen zu bekommen. Aber obwohl wir im europeeischen Russland an die 6000 Kilometer herumfuhren, war unser Aufenthalt
ueberall so kurz, dass wir kaum eine Moeglichkeit hatten, Wohnunge
zu besichtigen. Die einzige Ausnahme war Moskau, wo ich zwoelf
Tare verbrachte. Dort sind die Y.'ohnverhaeltnisse entsetzlich.
Und doch erklaerten uns unsere Fuehrer, als wir durch die aer^sten
Elendsviertel gingen, die wir jemals gesehen hatten, dass Koskau
die einzige Hauptstadt der 'Veit sei, in der es keine 31 ums gebe.'
Im Zentrum Moskaus lebt man normalerweise in grossen Wohnbauten. Die meisten dieser Wohnblocks sind arg vernachlaessirt,
viele von ihnen feucht und gewoehnlich schlecht eingerichtet. Die
Waende sehen aus, als ob sie seit Jahren keine Farbe mehr gesehen
haetten; der L'oertel faellt ab. Auch kleinere Cebaeudo, die es
gibt, befinden sich in einem unmoeg-lichen Zustand. Alte Kirchen,
die nicht mehr fuer ihren ursoruenflichen Zweck verwendet werden,
werden fuer Wohnzwecke benutzt.
In den Vororten Moskaus, und im geringeren Ausmass auch im

�Zentrum, gibt es Blockhaeuser aus Holz, die mit Lloertel beworfen sind. Biese Blockhaeuser bestehen gewoehnlich aus
zwei Raeumen und besitzen fast nie eine entsprechende Fundierung, so dass sie 3ich meistens senken. Ihre Tueren und
Fensterrahmen sind kaum jemals rechteckig und passen daher
auch nicht.
Diese Wohnstaetten sind nicht nur schlecht, sie sind auch
ueberfuellt in einem Ausmass, das wir uns nicht vorstellen
koennen. Kaeuser und Wohnungen haben fuer den Brieftraerrer
eine Liste der Bewohner an den Tueren angebracht. Viele der
kleinen Blockhaeuser, die wir sahen, zeigten lange Listen mit
Namen, und zumindest einige dieser Namen muessen fuer ganze
Familien gestanden sein. 3s ist natuerlich keineswegs ueberraschend, dass die Verhaeltnisse so schlecht sind, denn das
Wohnungsproblem war bereits vor dem Krieg sehr ernst, und seither hat sich die Zahl der Bevoelkerung Moskaus zumindest verdoppelt. Die Zahl der Neubauten in Moskau ist, selbst nach den
optimistischesten angaben, die wir erhielten, betraechtlich
weniger als die Kaelfte der Neubauten Londons, umgerechnet auf
den Kopf der Bevoelkerung.
.Ich war als Kind vor 23 Jahren in Moskau und kann mich an
einiges erinnern. Zweifellos ist seither ein grosser Fortschritt gemacht worden. Alle Hauptstrassen sind nun breit angelegt und asphaltiert. Der Verkehr ist dicht. Die oeffentlichen
Verkehrseinrichtungen, die hoffnungslos unzureichend waren,
scheinen nun recht gut zu funktionieren. Ueberall sieht man
grosse, neue oeffentliche Gebaeude. Die Untergrundbahn ist
hoechst eindrucksvoll.
Der Gegensatz zwischen .diesen imposanten neuen Gebaeuden
und den entsetzlichen allgemeinen Wohnverhaeltnissen ist jedoch
enorm. Als wir darueber Fragen stellten, erklaerte man uns,
dass die Untergrundbahn von jedermann benuetzt wuerde und daher
eben grossartig sein muesse, waehrend Wohnungen ja nur einzelnen
Familien dienen. Wir konnten uns aber nicht des Gefuehls erwehren, dass etwas grundlegend falsch sein muss, wenn man mehr
Gewicht auf protzenhafte Aeusserlichkeit legt als auf die Befriedigung normaler menschlicher Befuerfnisse.
LOA Labor Information
VIII/8/51
NEUE RICHTLINIEN DER ECA ZUR FOLRDKRUNG D1£R PRODUKT IV IT ALT.
Die 3GA hat eine Reihe neuer Richtlinien fuer eine "Produktionshilfskamnagne" in Westeuropa ausgearbeitet, die im wesentlichen dazu bestimmt sind, nicht nur die Produktivitaet zu
steigern, sondern auch die daraus entstehenden Gewinne auf die
Arbeiter, Verbraucher und Unternehmer gerecht zu verteilen. Um
ihre Bemuehungen auf einzelne Industriezweige und Betriebe zu
konzentrieren, beabsichtigt die ECA, ihren allgemeinen Kurs zu
aendern und nicht nur wie bisher mit den Regierungen zusammenzuarbeiten, sondern auch einen Verwaltungsapparat zu gruenden,
der die direkte Verbindung mit Gewerkschaften,einzelnen Unternehmen, einzelnen Betriebsleitern, Industrieverbaendenund Gewerkschaf tsfuehrern herstellt.
Zu den besonderen Problemen, mit denen man sich befassen
will, gehoeren die Gedankenlosigkeit auf sozialem und industriellem Gebiet, der mangelnde Ansporn fuer Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Steigerung der Produktionsleistung, gewisse nach- 4 -

�teilige Massnahmen seitens der Kartelle, Berufsvereinigungen,
Geschaeftskollegen und haeufig auch seitens der Regierungen,
nachteilige Massnahmen und Kannfxaethöden der Gewerkschaften,
die sich unter Unistaenden gegen einzelne Arbeiter richten, die
ihre Arbeitsleistung erhoehen wollen, die Befuerchtungen der
Gewerkschaften vor einer Ankurbelung der Produktion und vor
einer dadurch hervorgerufenen Arbeitslosigkeit, der Mangel an
Kapital oder unerschwingliche Zinssaetze, der Mangel an Dollar
zur Anschaffung bestimmter Maschinen und der Mangel an Rohstoffen und Maschinen. Geldmittel der Regierung und der oertlichen
Behoerden sollen unter der Bedingung bewilligt werden, dass
1. damit ein befuerwortetes Programm zur Steigerung der
Produktivitaet in einem Unternehmen verwirklicht werden kann,
damit wichtige militaerische oder Zivilgueter hergestellt werden
koennen oder die Verteilung verbessert werden kann.
£. die Gewinne, die aus der Verbesserung der Produktivitaet entstehen, an die Arbeiter der Betriebe in Form hoeherer
Loehne und in Form niedriger Preise an die Verbraucher gerecht
verteilt werden.
3. die Arbeiter der Betriebe oder Firmen an der Planung
und der Ausfuehrung der Programme zur Steigerung ihrer Produktivitaet freien Anteil nehmen koennen, und dass
4. Kredite nach ihrer Rueckzahlung wieder zur Ankurbelung
der /Wirtschaft verwendet werden.
Diese neuen Richtlinien der EGA werden als Beispiel fuer
die allgemeine Tendenz angesehen, die sowohl in amerikanischen
privaten Finanzkreisen als auch in halboeffentlichen Einrichtungen wie zum Beispiel der "World Bank" herrschen.
Wenn also amerikanisches Kapital ins Ausland geht, soll man
nicht nur pruefen, ob eine Nation Hilfe braucht, sondern auch,
ob sie bereit ist, sich selbst zu helfen, indem sie versucht,
finanzielle und andere Methoden, die in den Vereinigten Staaten
bereits erfolgreich erprobt wurden und sich als vorteilhaft erwiesen haben, anzuwenden.
V/eekly Labor News Digest
VIIT/1/51
BESCHAEFTIGUNGSLAGE IM AMERIKANISCHEN BERGBAU.
Ein Sorgenkind aller Nationen ist die Foerderung ihrer Bergwerke. Selbst wenn sie nicht weitgehend industrialisiert sind,
besteht trotzdem ein bestimmter Bedarf an Energie und Schwermetallen. Sie muessen entweder Mittel und Wege finden, um diesen Bedarf zu decken, oder sie muessen dafuer sorgen, dass sie
genuegend ürbeitskraefte haben, die ihre natuerlichen Hilfsquellen in ausreichender Menge ausbeuten koennen, um den Bedarf des
Landes selbst zu decken und in besonderen Faellen auch den lüxportvernflichtungen nachkommen zu koennen.
Die Vereinigten Staaten gehoeren zu den Laendern, in denen
groessere Mengen an Kohle, Kupfer, Eisenerz, Petroleum, Blei,
Zink, Bauxit und anderen Metallerzen gefoerdert werden. Darueber
hinaus haengt das gesamte Aufruestungsprogramm vom Bergbau ab,
ganz abgesehen von dem normalerweise hohen Verbrauch, der durch
die intensive Industrialisierung und den Export bedingt ist.
Trotz der Notwendigkeit, seit Beginn der Feindseligkeiten in Korea
- 5 -

�die Foerderung wesentlich zu steigern, ist die Beschaeftigtenziffer des Bergbaus tatsaechlich unvereendert geblieben. Die
Zahl der woechentlichen Arbeitsstunden ist dagegen wesentlich
erhoeht worden, wodurch auch das vorhandene Reservoir an Arbeitskraeften ver°;roessert wurde, ohne dass zusaetzliche Arbeiter eingestellt wurden. Der Mangel an Facharbeitern im Erzbergbau hat- sich erneut bemerkbar gemacht, eine Erscheinung, die
auch waehrend des 2. Weltkrieges zu beobachten war.
Wenn zu anderen Zeitpunkten -die Nachfrage nach den Produkten der Bergwerke in ungewoehnlicher Weise anstieg, war es
letzten Endes der Mangel an Arbeitskraeften, der in vielen
Sektionen des amerikanischen Bergbaus ausschlaggebend war. Die
im allgemeinen abgelegene Lage der Bergwerke und die besondere
Art der Arbeit vergroesserten dieses Problem. Bergwerksleiter
koennen in kritischen Zeiten nicht auf bedeutende Reserven an
Arbeitskraeften zurueckgreifen, wie zum Beispiel Frauen, Jugendliche und koerperbehinderte Arbeiter, weil diese füer die schwere
und unangenehme Arbeit in den Bergwerken untauglich sind. Schutzgesetze verbieten die Beschaeftigung von Frauen und Jugendlichen
im Untertagebergbau. Die isolierte Lage der Bergwerke bringt es
auch mit sich, dass die Arbeit in den Bergwerken auf die Stadtbevoelkerung Weniger anziehend wirkt, obwohl die Stundenloehne
fuer Bergarbeiter hoeher sind als fuer Fabrikarbeiter. Eine andere Schwierigkeit besteht darin, dass im Bergbau fachlich geschulte Arbeitskraefte gebraucht werden.
Die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergleute in der Nachkriegszeit hindert viele Bergarbeiter daran,
dieser Industrie den Ruecken zu kehren, wenn sich andere Beschaeftigungsmoeglichkeiten bieten. Ausserdem sind besondere Wohlfahrtsprogramme eingefuehrt und die aerztliche Betreuung ist verbessert worden. Die betriebseigenen Siedlungen verschwinden immer mehr. Viele Bergarbeiter koennen jetzt in Staedten leben,
weil die Strassen besser sind und viele Arbeiter ihren eigenen
Wagen haben.
Die Mechanisierung hat in der amerikanischen Bergbauindustrie
einen zweifachen Zweck erfuellt. Sie hat die Verdienstmoeglichkeiten der Arbeiter und auch ihre Produktionsleistung gesteigert.
Die Beschaeftigtenziffer im Bergbau betrug 1950 rund 904.000, d.h.
mit anderen Worten, auf 50 Arbeiter in nichtlandwirtschaftlichen
Betrieben kam etwa ein Bergarbeiter. 30 Jahre frueher waren rund
1.£30.000 Personen in den Bergwerken beschaeftigt, d.h. auf 22
Arbeitnehmer in der Industrie und dem Handel kam ein Bergarbeiter.
Unter den jetzigen Verhaeltnissen ist die Wahrscheinlichkeit einer
Spannung auf dem Arbeitsmarkt fuer Bergarbeiter geringer als im
Vergleich zu frueheren Zeiten, wenn ein gesteigerter Bedarf an
Bergwerksprodukten bestand.
Eine Ausnahme in der allgemeinen Aufwaertstendenz des Bergbaus bildet der Kohlenbergbau. Selbst waehrend des 2. Weltkrieges
wurde die Produktion durch den Mangel an Arbeitskraeften nicht wie
in Grossbritannien und anderen Laendern ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen. Eine beachtliche Verlaengerung der Arbeitswoche
im Erz- und Mineralbergbau und in der Steingewinnung verbunden mit
einer geringen Erhoehung der Beschaeftigtenziffer im April. 1951
waren von einer Verlaengerung der Arbeitswoche im Kohlenbergbau
von 43,9 auf 46 Stunden begleitet. Im Gegensatz hierzu wurden betraechtliche Ueberschuesse'an Arbeitskraeften in diesem Fruehjahr
aus zwei Kohlenbergbaugebieten und eine verkuerzte Arbeitswoche in
den Anthrazit- und Braunkohlenbergwerken gemeldet. Verbesserte
Bergwerksmaschinen und die Konkurrenz anderer Brennstoffe waren
fuer diesen Rueckschlag mitverantwortlich. So wurde zum Beispiel

- 6 -

�auf vielen Eisenbahnstrecken die Dampflokomotive durch Dieselmotoren ersetzt, ebenso wurden Taüsende von Yvohnungen mit Oel
oder Erdgas geheizt, die man vor einem ViertelJahrhundert noch
mit Kohle heizte.
In allen Staaten der USA gibt es Beschaeftigungsmoeglichkeiten in Bergwerken, die Haelfte aller Bergarbeiter ist jedoch
auf die Staaten Pennsylvanien,tfest-Virginia,Texas und Kentucky
konzentriert. Die groessten Konzentrationen nach der Art der
Foerderung sind in Pennsylvanien und Y/e st-Virginia vorzufinden,
wo 28 °/o der bituminoesen Kohle abgebaut werden. 35 % der Gesamt foerderung an Rohoel und Erdgas werden in Texas gewonnen.
Durch das Verteidigungsprogramm ist ein Anreiz dazu gegeben,
minderwertige Kupfer- und Eisenerzbergwerke in verschiedenen Gebieten von Michigan, Montana, Minnesota und New York auszubeuten.
Die geeigneten Arbeitskraefte fuer diese Bergwerke ausfindig zu
machen wird fuer Gewerkschaften und Unternehmer ein Problem erstrangiger Bedeutung sein.
Weekly Labor News Digest
VIII/1/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTER IN FRANKREICH.
"Der franzoesische Arbeiter braucht mehr Lebensmittel und
mehr Kleider, und die amerikanische Gewerkschaftsbewegung wuerde
es begruessen, wenn er diese bekommen koennte", erklaerte der
Gewerkschaftsfunktionaer Joe Glazer nach seinem kuerzlichen Besuch in Frankreich. Glazer, der Leiter der Bildungsabteilung
der dem CIO angeschlossenen Gewerkschaft der Gummi-, Kork-, Aluminium- und Plastikarbeiter von Amerika, verbrachte auf Ersuchen
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) einen
Monat in Frankreich, um mit franzoesisehen Gewerkschaften zusammenzuarbeiten.
Er zieht einen Vergleich zwischen den wirtschaftlichen Verhaeltnissen der Arbeiter in Frankreich und denen in Amerika und
stellt dabei fest, dass die franzoesischen Arbeiter der Gummiindustrie bei einer laengeren Arbeitswoche wesentlich weniger
verdienen als ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten, dass sie
jedoch die gleichen oder sogar noch hoehere Preise zahlen. Die
einzige Ausnahme ist die Miete, die in Frankreich sehr niedrig
ist. Mach den Worten eines Gewerkschaftsfunktionaers aus
Marseille "lebt der franzoesische Arbeiter von der Hand in den
Mund. Die Familienunterstuetzungen bewahren den verheirateten .
Arbeiter und seine Familie vor dem Kungerdasein. Der Arbeiter
gibt 70 % seines Einkommens fuer Nahrungsmittel aus. Er hat
keine Ersparnisse und keinen finanziellen Rueckhalt."
Nach der Auffassung Glazers ist die Schwaeche der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich sowohl Ursache als auch Auswirkung
der unzulaenglichen Lebensverhaeltnisse der Arbeiter. Die
Organisierten sind in drei Gruppen aufgespalten - den kommunistisch beherrschten Gewerkschaftsbund (CGT), den katholischen
Gewerkschaftsbund und die nichtkommunistischen, sozialistisch
orientierten Gewerkschaftsgruppen (CGT - Force Ouvriöre).
Die zahlenmaessige und organisatorische Schwaeche. der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung und die beschraenkten finanziellen Mittel der Arbeiter spiegeln sich in der aeusserst schwachen
finanziellen Lage der Gewerkschaften wider und werden durch sie
noch erschwert. "Bei zahlreichen Gewerkschaftsversammlungen sah
- 7 -

�ich die Arbeiter stundenlang auf Baenken ohne Rueckenlehne
sitzen, weil die Gewerkschaft nicht genuegend Geld hat, um
Stuehle zu kaufen," berichtet Glazer. "Ich unterhielt mich
mit Gewerkschaftsfunktionaeren, die Stunden damit verbrachten,
Briefe selbst zu tippen, anstatt draussen in den Ortsgewerkschaften taetig zu sein. Sie hatten jedoch kein Geld, um eine
Sekretaerin einzustellen. Ein Gewerkschaftsfuehrer in dem bedeutendsten Zentrum der Gummiindustrie Clermont-Ferrand erzaehlte mir, dass er seinen kleinen Wagen aufgeben und sich
des Fahrrads bedienen muesse, weil die Gewerkschaft. das notwendige Benzin nicht bezahlen koenne. Und dabei war er fuer
ein grosses Gebiet verantwortlich, und er wurde in seiner Arbeit durch diesen Umstand natuerlich stark behindert. Glazer
ging naeher auf die einzelnen Faktoren ein, die fuer diese Verhaeltnisse verantwortlich sind. Er berichtete, dass die Gewerkschaften sehr wenig Tarifvertraege haetten und die Moeglichkeit der Einziehung des Gewerkschaftsbeitrages durch den Unternehmer ebenso unbekannt sei wie irgendeine vertragsmaessig
festgelegte Bestimmung, nach der die Arbeitnehmer des Betriebs
Gewerkschaftsmitglieder sein muessen. "Es gibt kein organisiertes Beitragszahlungs3ystem und viele, die an die Gewerkschaft
glauben und sich als Gewerkschaftsmitglied fuehlen, haben monatelang keinen Beitrag gezahlt. Ich hatte zahlreiche laengere
Besprechungen mit verschiedenen Gewerkschaftsfuehrern ueber
unser Beitragssystem und seine Arbeitsweise, stellte jedoch fest",
das dieser Gedanke fuer sie voellig neu ist."

s

Die franzoesischen Gewerkschaften sind also, um die Worte
des Gewerkschaftsfuehrers aus Marseille zu gebrauchen - " zu
sehr gespalten und zu schwach, um fuer Dinge zu kaempfen, die
ihnen zustehen." Die Regierung ist entweder nicht bereit oder
schreckt davor zurueck, strenge Preiskontroll- und Steuergesetze zu erlassen, die den Arbeitern helfen koennten. Obwohl
der Marshallplan eine grosse Hilfe bedeutet, ist die wirtschaftliche Lage des franzoesischen Arbeiters schlechter als 1939.
Es ist ein fruchtbarer Naehrboden fuer die Demagogen der Linken naemlich die Kommunisten - und die der Rechten, die Gaullisten.
Beide versprechen eine starke Regierung, und viele ueberdruessige und enttaeuschte Arbeiter folgen ihnen.
Joe Glazer sieht fuer diese kritischen Probleme nur zwei
Loesungen: "Die Anwendung moderner Produktionsmethoden und die
Schaffung einer starken Gewerkschaftsbewegung, damit die Arbeiter den ihnen zustehenden Anteil an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion erhalten." Der Marshallplan, so betont er,
sei in beiden Richtungen eine grosse Kilfe. Die EGA arbeite
nicht nur an einem umfassenden Programm zur Unterstuetzung der
Steigerung der franzoesischen Praduktivitaet, sondern sie ist
auch staendig bemueht, den franzoesischen Gewerkschaften die
Erfahrungen und Methoden der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage .der Arbeiter zu uebermitteln.
Joe Glazer ist nicht der erste amerikanische Gewerkschaftsfuehrer, der nach Frankreich geht, um Betriebe zu besuchen und
mit Gewerkschaftsfuehrern, Betriebsraeten sowie einfachen Gewerkschaftsmitgliedern zusammenzutreffen, Gewerkschaftsfilme zu
zeigen und Gewerkschaftslieder zu singen. Er und die anderen,
die vor ihm in Frankreich waren, unternahmen nach seinen Worten
diese Reise, "um den freien franzoesischen Gewerkschaften durch
Informationen, neue Gedanken und Methoden zu helfen, tatkraeftigere Organisationen aufzubauen." Sie waren aber auch dort, um
mitzuhelfen, bei den franzoesischen Arbeitern ein besseres und
realistischeres Verstaendnis fuer die amerikanische Gewerkschafts- 8-

�bewegung und Amerika selbst zu erwecken. Und da Joe Glazer
seine Beobachtungen, die er ueber die Lage der Gewerkschaften
in Frankreich gemacht hat, seiner Gewerkschaft mitteilt und sich
mit seinen Kollegen hierueber unterhaelt, dient er noch einem
dritten Zweck: er erweckt naemlich bei amerikanischen Gewerkschaftern ein besseres Verstaendnis und Mitgefuehl fuer die Probleme ihrer Arbeitskollegen in der ganzen Welt.
Weekly Labor News Digest
711/25/51
BODENREFORM - EIN SCHLUESSEL ZUR WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG.
Die Vereinten Nationen haben in Zusammenarbeit mit der
Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft ihre erste weltweite Erhebung ueber Misstaende in der Struktur der Landwirtschaft als eines Hindernisses fuer die wirtschaftliche Entwicklung
beendet. Die Ergebnisse dieser Erhebung werden vom Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen im August und von der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft auf deren Konferenz
im November behandelt werden. Man erwartet, dass durch den Bericht,
der auf Ersuchen der Generalversammlung ausgearbeitet wurde,
grosses Interesse fuer die Probleme und die Notwendigkeit der
Landreform in vielen Laendern erweckt wird.
In dem Bericht wird zu Anfang auf die bedeutende Rolle hingewiesen, die landwirtschaftliche Einrichtungen im grossen Rahmen
der landwirtschaftlichen Taetigkeiten spielen. Viele dieser Einrichtungen stellen in ihrer jetzigen Form ein Hindernis fuer die
wirtschaftliche Entwicklung und die Erzeugung von Nahrungsmitteln
dar. Zu den Grunduebeln in der Landwirtschaft gehoeren die Zerstueckelung des Grundbesitzes, die Unsicherheit des Pachtsystems,
die unzureichenden Kreditmoeglichkeiten sowie die Starrheit und
die Ungerechtigkeit des Besteuerungssystems.
Das auf der ganzen Welt am haeufigsten auftretende Problem
in der landwirtschaftlichen Struktur ist die unrentable Groesse
des Grundbesitzes. Nur in verhaeltnismaessig sehr wenig Faellen
entspricht die Groesse des Bauernhofes dem Aufwand an Arbeit, den
Erfordernissen der Bauernfamilien und dem Bedarf eines Landes an
Nahrungsmittelerzeugung. Nach diesen Punkten beurteilt sind die
Bauernhoefe entweder zu klein oder zu gross, hierbei dreht es sich
jedoch nicht nur um die Bodenflaeche. V.'ichtig ist vielmehr, dass
von den Produktionsreserven des Landes groesstmoeglicher Gebrauch
gemacht wird. Ein Bauernhof von einer bestimmten Groesse kann in
einem Land und unter gewissen Verhaeltnissen zu gross und in einem
andern Land unter anderen Verhaeltnissen zu klein sein. In vielen
Laendern, in denen die Bevoelkerungsziffer sehr hoch ist, sind zahlreiche Koefe zu klein, um selbst dem Bauern und seiner Familie ein
Unterhaltsminimum zu sichern.
Die Konzentration des Landbesitzes in grossen Guetern, wie
zum Beispiel in den meisten Teilen Asiens und des Mittleren Ostens,
fuehrt oft dazu, dass Teile grosser Gueter an kleine unabhaenrige
Paechter verpachtet werden. In anderen Gebieten, wie zum Beispiel
in Lateinamerika, sind grosse Hoefe als geschlossene Einheit im
Besitz Einzelner und werden auch als solche bewirtschaftet. Wenn
grosse Gueter in Einzelteilen von kleinen Paechtern bewirtschaftet
werden, stellen uebertrieben hohe und unveraenderliche Pachten die
groessten Schwierigkeiten dar, die der Entwicklung im Wege stehen.
Weitere Hindernisse sind die Unsicherheit der Pacht ohne jedlichen
gesetzlichen Schutz, geringe Bareinnahmen des Paechters, mit denen
er keine Investierungen vornehmen kann, und im allgemeinen der geringe Anreiz, den Ertrag zu steigern und die Einrichtungen zu ver- 9 -

�bessern. Unter diesen Umstaenden werden durch den Grossgrundbesitz nicht jene Vorteile geboten, die bei einer Bewirtschaftung im grossen und durch die entsprechenden Investierungen
moeglich-'sind. Der Landeigentuemer uebernimmt nur einen geringen Teil der Gestehungskosten, waehrend dem Paechter nur ein
geringer Teil jener Gewinne zufliesst, die man sich aufgrund
verbesserter Arbeitsmethoden verspricht.
Bei den grossen Guetern, die al3 geschlossene Einheit bewirtschaftet werden, unterscheidet man Gueter, die in wenig besiedelten Gebieten mit viel Brachland nur oberflaechlich bewirtschaftet werden, und intensiv bearbeite Grundstuecke, die
man in uebersiedelten Gebieten vorfindet, in denen ein Mangel
an geeignetem Ackerboden herrscht. In beiden Faellen werden
der Landbevoelkerung nur. unzufriedenstellende Beschaeftigungsmoeglichkeiten geboten; hierzu kommt ein geringes Verantwortungsbewusstsein und wenig Initiative seitens der Arbeitgeber,
wobei ein sehr niedriges Einkommen die Folge ist. In Lateinamerika ist eine ganze Haelfte des Ackerbodens in Pachtgrundstuecke in einer Groesse von ueber 6.000 Hektar aufgeteilt, die
Eigentumsrechte dieser Grundstuecke sind jedoch auf nur lf %
der Bauern konzentriert. Die grosse l'asse der Landbevoelkerung
setzt sich somit aus kleinen Paechtern und besitzlosen Landarbeitern zusammen. In den meisten Laendern, in denen es schlecht
bewirtschafteten Grossgrundbesitz gibt, entspricht die landwirtschaftliche Erzeugung nicht der notwendigen Erzeugung von Nahrungsmitteln. Nahrungsmittel mit hohem Naehrwert und fuer die Gesundheit wichtige Funktionen sind besonders kanpp. Derartige Wirtschaftssysteme des Grossgrundbesitzes ermoeglichen vielleicht
Wenigen einen grossen Reichtum, aber sie sind im Grossen und Ganzen nicht in der Lage, eine allgemein ausreichende Kaufkraft jenen Leuten zu bieten, die auf dem Lande leben und arbeiten. Die
Konzentration von Grundstuecken auf bestem Ackerboden zwingt
haeufig die Besitzer kleinerer Grundstuecke dazu, aermlichen
Boden an steilen Abhaengen zu bebauen, wo die Gefahr einer Bodenauswaschung sehr gross ist.
Das Plantagensystem ist in Gebieten vorzufinden, die stark
tiberbesiedelt sind. In Westindien zum Beispiel, wo auf einen
Quadratkilometer bebauten Ackerlandes 75 bis 125 Menschen kommen, trifft man meist grosse, nur schlecht ausgenutzte Plantagen
an. Was die Versorgung der schlecht ernaehrten eingeborenen Bevoelkerung betrifft, so wirft ein solches System in allen Faellen
schwierige Probleme auf. Die in den meisten Laendern bestehende
Notwendigkeit, eine gerechtere Verteilung des Gesamteinkommens
und groessere Moeglichkeiten des sozialen Fortkommens zu sichern,
ist mit diesem Plantagensystem unvereinbar. Fast ueberall, wo
das Plantagensystem in der Landwirtscnaft vorherrscht, haben Einfrucht- oder Fruchtwechselsysteme, die auf den Export ausgerichtet
sind, nachteilige Folgen fuer die wirtschaftliche Stabilitaet und
die inlaendische wirtschaftliche Entwicklung.
In engem Zusammenhang mit diesen fundamentalen Misstaenden
in der agrarwirtschaftlichen Struktur der unterentwickelten Gebiete steht die grundlegende Notwendigkeit einer Klaerung der
Besitz- und Wasserrechte. Eine Gesetzes Ordnung, die diese Rechte
nicht eindeutig und gerecht bestimmt, ist leistungsfaehigen landwirtschaftlichen Methoden wenig dienlich. Sie fuehrt zu fortgesetzten Streitigkeiten ueber die Besitzrechte, erhaelt die Unsicherheit und foerdert die Vergeudung von Land, Wasser und Arbeitskraeften.
Von den zahlreichen Hilfsmitteln, die die Bauern benoetigen,
um erzeugen zu koennen, ist keines wichtiger als angemessene
- 10 -

�Kreditmoeglichkeiten. Kleine Grundstuecksbesitzer leiden im
allgemeinen unter dem Mangel an Krediten oder unguenstigen
Kreditbedingungen staerker als Grossgrundbesitzer. Eine Ueberpruefung des Kreditsystems der Landwirtschaft in einigen unterentwickelten Gebieten hat gezeigt, dass die Zinssaetze vielerorts unvernuenftig hoch sind. In Indien zahlen Grossgrundbesitzer 12 - 15 jo Zinsen, waehrend die grosse Masse der Schuldner
zwischen 12 und 50 % und manchmal sogar bei Anleihen ohne Sicherheiten bis zu 300 L/o zahlen muss. In vielen anderen Laendern ist
durch uebertriebene Zinssaetze und Mangel an langfristigen Kreditmoeglichkeiten eine weitgehende Verschuldung der Landbevoelkerung hervorgerufen. In vielen Faellen deuten die grossen Schulden der Bauern nicht etwa auf grosse Kapitalanlagen hin, sondern
sie sind dadurch entstanden, dass mit geliehenem Geld der taegliche Verbrauch finanziert werden musste. In Ceylon sind 73 %
der Bauern verschuldet, sodass 90 % der Kredite fuer nichtproduktive Zwecke aufgenommen werden mussten.
Unkluge steuerpolitische Massnahmen hatten verheerende Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Erzeugung. In vielen unterentwickelten Gebieten der Welt besteht ein starres Steuersystem,
das auf einer unzweckmässig ausgewaehlten und nur selten verbesserten
Besteuerungsgrundlage beruht. Eine solche Besteuerung steht in
keinem Verhaeltnis zu dem Stand der Einkommen, vor allem dann,
wenn die Preise sich aendern. Waehrend wirtschaftlicher Depressionen sind die Steuern zu hoch und bei guter Wirtschaftslage zu
niedrig. Unvernuenftig hohe Steuern fuer Kleinbauern, ob sie
direkt oder indirekt erhoben werden, tragen zu einer chronischen
Verschuldung der Landbevoelkerung bei und foerdern die Tendenz,
Hypotheken aufzunehmen und die Grundstuecke an Grossgrundbesitzer
zu verkaufen.
Waehrend es verhaeltnismaessig leicht ist, ueberall die den
agrarwirtschaftlichen Einrichtungen anhaftenden Fehler festzustellen, ist es nicht so einfach, ganz bestimmte Verbesserungen
vorzuschlagen. Die meisten der erwaehnten Probleme sind gegenseitig voneinander abhaengig. Die Wirksamkeit von Reformen
haengt haeufig von gemeinsamen Massnahmer. auf vielen wechselseitig sich ergaenzenden Taetigkeitsgebieten ab. Bestimmte durchfuehrbare Reformen sind verhaeltnismaessig einfache Massnahmen,
die in den meisten Faellen ohne eine grundlegende Veraenderung
de-r wirtschaftlichen und sozialen Struktur der Landwirtschaft angewendet werden koennen. Hierzu gehoeren die Vereinheitlichung
zerstueckelter Grundstuecke einzelner Bauernhoefe, um eine groessere Leistungsfaehigkeit zu gewaehrleisten, die genaue Bestimmung und Registrierung von Besitz- und Wasserrechten, eine Reform
des Steuersystems, um ihm eine gerechtere und geschmeidigere
Grundlage zu geben, die Bereitstellung von langfristigen Krediten
bei angemessenen Zinssaetzen und die Verbesserung des Schulungsund Beratungswesens auf dem Lande. Wenn auch die Durchfuehrung
der Programme dieser Art keineswegs einfach ist, so stehen doch
hier genuegend Erfahrungen zur Verfuegung, die eine gute Gewaehr
dafuer bieten, dass man solche Reformen, wenn sie richtig angepackt werden, mit Erfolg durchfuehren kann.
An vielen Stellen, wo wirtschaftliche und soziale Probleme
am dringendsten sind, werden einschneidendere und schwierigere
Reformen notwendig. Die meisten dieser Reformen erfordern eine
Uebertragung der Besitzrechte von Grundbesitzern auf Bauern. In
den vergangenen Jahrzehnten haben mehrere Laender umfassende Reformen dieser Art verwirklicht. Das Ausmass dieser Umwaelzungen
geht aus der Tatsache hervor, dass zum Beispiel in Indien bis zum
Januar 1950 1.800.000 Hektar (mehr als ein Drittel der gesamten
Anbauflaeche) in den Besitz von Bauern ueberfuehrt wurden, und
- 11 -

�dass drei Millionen Bauern nach.den neuen Gesetzen Land gekauft
hatten. In Mexiko, wo das Pachtsystem in der Zeit von 1922 bis
1945 einer grundlegenden Aenderung unterzogen worden war, ist
nahezu die Haelfte der gesamten Anbauflaeche (sieben Millionen
Hektar) in Kleinbauernbesitz uebercegangen.
Zu diesen Massnahmen, die in verschiedenen Laendern ergriffen
wurden, gehoeren auch die Einfuehrung und UnterstuetzUng der
bäuerlichen Erzeugungs- und Absatzgenossenschaften. In ihnen
ist ein hoeehst bedeutsames Mittel zur Verbesserung des bestehenden Agrarsystems zu sehen. Bestimmte Arten der Bewirtschaftung
auf genossenschaftlicher Basis haben ebenfalls gute Ergebnisse
durch die Foerderung der Schaffung neuer Einrichtungen im Anschluss
an die Bodenreform gezeitigt. Bauerngenossenschaften arbeiten
ueberall dort mit guten Erfolgen, wo die Bodenreform bereits durchgefuehrt ist. Durch Grosseinkauf und zentralisierten Absatz koennen die Genossenschaften ihren Mitgliedern wesentliche finanzielle
Vorteile bieten. Die baeuerlichen Genossenschaften foerdern zugleich die Spezialisierung sowie die Normung und erhoehen damit
die Leistungsfaehigkeit.
Die grundlegendsten Massnahmen, die zur Beseitigung gewisser
Maengel in den Landwirtschaftssystemen angewendet werden, haben
wesentliche Veraenderungen im Umfang und der Art der Erzeugung
zur Folge. In vielen Gebieten, in denen unguenstige Naturbedingungen herrschen, vor allem in solchen mit trockenem oder tropischem Klima, ist es schwer, ohne besondere Unterstuetzung der
Regierung eine Umgestaltung der landwirtschaftlichen Struktur
durchzufuehren, die sich auf kleine unabhaengige Grundstuecke
erstreckt. In solchen Gebieten muessen Bodenreformmassnahmen
Teil eines umfassenden Entwicklungsplanes sein, der in Gestalt
geschlossener regionaler Entwicklungsprogramme, einer grosszuegigen Investierung-, gemeinsamer Bemuehungen zur Ausnutzung von
Land und Wasser, der Bekaempfung der Bodenerosion, grossangelegter Bewaesserungsprojekte sowie der Erweiterung des Transportwesens verwirklicht wird.
In den ueberbevoelkerten Gebieten der Welt koennte das Landwirtschaftssystem auf engraeumige, intensive Bewirtschaftung umgestellt werden, wie zum Beispiel die Baumwollerzeugung. Solche
Massnahmen sind zusammen mit der Bodenreform wichtig, weil die
^volle wirtschaftliche Entwicklung auf breiter Front durchgefuehr-t
'werden muss. Wenn Agrarreformen allein durchgefuehrt werden, ohne
dass auch anderen Sektoren des Wirtschaftssystems Beachtung geschenkt wird, ist es moeglich, dass diese Reformen erfolglos bleiben. Genau so kann man auch nicht erwarten, dass die industrielle
Entwicklung, der in den meisten unterentwickelten Gebieten jetzt
hoechste Aufmerksamkeit geschenkt wird, erfolgreich verlaeuft,
wenn der Lebensstandard der baeuerlichen Bevoelkerung nicht verbessert wird, und wenn' das durch die Industrialisierung zusaetzlich
geschaffene Einkommen auf der anderen Seite durch landwirtschaftliche Pachten und Zinsen absorbiert und nicht zur Steigerung des
Lebensstandards der Landbevoelkerung verwendet wird. Es darf
weiterhin nicht uebersehen werden, dass durch Agrarreformen, die
die Einkommensverteilung aendern und die landwirtschaftliche Erzeugung steigern, eine Ausdehnung der Industrie ermoeglicht wird,
die dann eine zusaetzliche industrielle Kaufkraft erzeugen und
neue eigene Absatzmaerkte schaffen kann. Auf diesem Wege ist die
Reform eines mangelhaften Agrarsystems ein Schluessel zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt.
Der Bericht enthaelt am Schluss bestimmte Empfehlungen an Regierungen in solchen Laendern, in denen die agrarpolitischen.Verhaeltnisse "ein Hindernis fuer die wirtschaftliche Entwicklung dar- 12 -

�stellen." Diese Regierungen werden aufgefordert, agrarpolitische Probleme im Lichte ihrer eigenen wirtschaftlichen und
sozialen Ziele zu studieren und sich bei wichtigen Entscheidungen auf gruendliche wissenschaftliche Untersuchungen zu
stuetzen. Es wird ausserdem empföhle», die einschlaegigen
Erfahrungen anderer Laender zu studieren. Den Regierungen
wird die Moeglichkeit vor Augen gefuehrt, sich der Einrichtung
der Vereinten Kationen und ihrer Fachbehoerden zu bedienen,
jedoch nur unter der Bedingung, dass sie bereits selbst Massnahmen in dieser Richtung ergriffen haben und die zur Verfue^ung
stehenden Mittel fuer weitgehendere Plaene der wirtschaftlichen
Entwicklung verwenden.
Economic and Social Problems
in the United Nations
VIII/51
VEREINTE NATIONEN BESCHAEFTIGEN SICH MIT DEM WOHNRAUMPROBLEM IN
ASIEN.
Wie eine Mission von Sachverstaendigen, die vom Sozialrat
der Vereinten Nationen zusammengestellt wurde, vor kurzem berichtete, stellen die "in Asien vorliegenden Verhaelthisse die
schwierigsten Wohnraumprobleme der Walt dar". Die Mission besuchte Indien, Pakistan, Malaya, Singapur und Thailand. Ihr
Bericht enthaelt auch ein Kapital ueber die Philippinen, das von
einem philippinischen Experten ausgearbeitet wurde.
Nach den Schaetzungen der Mission leben 100 bis 150 Millionen asiatischer Familien in ueberbelegten, ungesunden und
schlechten Unterkuenften. Ein grosser Prozentsatz dieser Menschen ist in Wohnungen zusammengepfercht, deren Einzelzimmer
zwei oder noch mehr Familien beherbergen.
Hauptsaechlich in Indien, Pakistan und Malaya ist dieses
Problem zum Teil durch die Millionen von Fluechtlingsfamilien
bedingt, die unter menschenunwuerdisren Bedingungen in behelfsmaessigen Lehmhuetten wohnen. Die Einwohnerzahl von Delhi zum
Beispiel ist in der Zeit von 1947, als die Teilung des Landes
stattfand, bis heute von 800.000 auf 1.600.000 angewachsen, von
denen rund 500.000 Fluechtlinge sind. Aehnlich liegen die Verhaeltnisse in Kalkutta, das 1945 2.500.Q00 Einwohner zaehlte und
heute an die fuenf Millionen hat, von denen rund zwei Millionen
Fluechtlinge sind, die nach 1947 in die Stadt kamen. Auch in
Malaya sind die Verhaeltnisse aehnlich, wo die Zusammenballung
von Menschen in den Staedten waehrend des Krieges noch beschleunigt
wurde, als die Landbevoelkerung vor den auf der malaiischen Halbinsel vordringenden Japanern in die Staedte wie zum Beispiel
Singapur fluechtete.
Aehnlich sind die Probleme auf den"Philippinen. Etwa 80 c/o aller Gebaeude in Manila, von denen ueber die
Haelfte Wohnhaeuser waren, wurden waehrend des Krieges zerstoert
oder beschaedigt.
Die Experten berichten ferner, dass die Verhaeltnisse in den
Doerfern und Landbezirken ebenso schlecht und ungesund sind. 85 %
der Bewohner der besuchten Laender leben auf dem Lande. Die bedeutendste Folgeerscheinung dieser Verhaeltnisse ist die Tatsache,
dass Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera und Lungenentzuendung
nicht bekaempft werden koennen.
Die Mission stellte fest, dass ein grosser Teil der Wohnbauund Gemeindeentwicklungsprojekte, die waehrend der letzten zwanzig
Jahre von den staatlichen und lokalen Behoerden versuchsweise durch- 13 -

�gefuehrt wurden, sich als falsch erwiesen und viel Vergeudung,
Verwirrung und Entmutigung verursacht haben. Es gab ein paar
gut ausgearbeitete Projekte zur Verbesserung der Wohnverhaeltnisse in diesen Gebieten, jedoch konnten diese Laender nicht
die Kosten fuer diese Programme bestreiten, deren Verwirklichung
fuer alle schlecht untergebrachten Familien auf dem Lande und
in der Stadt eine wesentliche Verbesserung der Wohnverhaeltnisse bedeutet haette.
Die Mission empfahl unter anderem, dass die Vereinten
Nationen ein Programm internationaler Zusammenarbeit auf dem
Gebiet des Wohnbaus und der Staedte- und Landplanung entwickeln.
Sie brachte hierbei die Auffassung zum Ausdruck, dass sich
internationalen Organisationen eine grossartige Gelegenheit
boete, wirksam fuer die Verbesserung der Wohnverhaeltnisse zu
arbeiten, indem sie ihre Taetigkeit auf Projekte und Programme
konzentrieren, die sich auf das Erziehungswesen, die Volksgesundheit und Hygiene, die Foerderung der Landwirtschaft und der
sozialen Verhaeltnisse auf dem Lande, die Entwicklung von Bewaesserungs- und Stromerzeugungsanlagen und auf die industrielle
Entwicklung erstrecken. Angesichts des grossen Interesses fuer
eine technische Untarstuetzung des Wohnhaus und der Gerne inaeentwicklung, das man in den besuchten Laendern an den Tag gelegt
hat, forderte die Mission die Vereinten Nationen auf, im Zuge
ihres technischen Unterstuetzungsprogramms wirksame Arbeit auf
diesem Gebiet zu leisten.
Aufgrund der Empfehlungen der Mission schlug der Sozialrat
vor, im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms der
Vereinten Nationen Ausbildungsinstitute zur Schulung von Bautechnikern und Bauingenieuren in Sued- und Soedostasien zu
errichten und Schulungskurse ueber einfache Baumethoden in die
Srziehungs- und Gemeindeentwicklungsprogramme der Vereinten
Nationen zu uebernehmen, die in den Lehrplaenen bereits vorgesehen sind. Der Sozialrat empfahl ausserdem, dass man sich vor
allem der Vorbereitung besonderer Studien ueber die Wohnbaufinanzierung, den Entwurf von Wohnbauprogrammen und die Staedteplänung widmen solle. Diese Arbeit wuerde in Zusammenarbeit mit
den regionalen Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen
durchgefuehrt werden - der Wirtschaftskommission fuer Asien und
den Fernen Osten, fuer Lateinamerika und fuer Europa.
Economic and Social Problems
in the United States
VIII/51
WELTGESUNDHEITS ORGANISATI PN 3EKAEMPFT MALARIA IN INDIEN.
Die Malaria, der Weltfeind Nummer Eins der Volksgesundheit,
befaellt alljaehrlich in Indien eine von je vier Personen. Zu
Beginn des Jahres 1949, kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation ihre weltumspannende Attacke gegen diese Krankheit begonnen hatte, bat die indische Regierung die Weltgesundheitsorganisation und den Internationalen Kinderhilfsfonds, vier Arbeitsgruppen zur Verfuegung zu stellen, die in vier verschiedenen Gebieten
Anleitungen zur Bekaempfung dieser Krankheit geben sollten. Die
erste Gruppe begann mit einem Ueberwachungsprogramm in der Provinz Mysore an der Suedwestkueste Indiens. Die kleine Gruppe
setzte sich aus Paul Bierstein, einem amerikanischen Volksgesundheit sexperten, seiner Frau und einigen indischen Fachleuten zusammen. Bierstein- war schon vorher als Mitglied einiger Malariastudiengruppen in Griechenland, Aethiopien und Jugoslawien taetig.
Ein Bericht ueber seine zweijaehrige Arbeit in Mysore beleuchtet

- 14 -

�einige dieser Probleme, die bei der Durchfuehrung seines Gesundheitsprogramms ueberwunden werden mussten und die Dienste,
die den Menschen in Indien damit erwiesen wurden.
Die wichtigste Aufgabe bestand darin, den einheimischen,
auf dem Gebiet der Volksgesundheit Beschaeftigten die modernen
Methoden zur Bekaempfung der Malaria zu zeigen, fuer die Ueberwachung der Krankheit unter moeglichst niedrigem Kostenaufwand
zu sorgen und eine staendige Organisation zu errichten, die
diese Methoden nach Beendigung der Anleitungsperiode selbstaendig anwenden kann.
Die Gruppe arbeitete in einem Gebiet von 70 Quadratkilometern Umfang mit einem grossen landwirtschaftlichen Potential
und einer Bevoelkerung von rund 140.000 Menschen. Die Gemeinden waren in ihrer Groesse sehr verschieden - von kleinsten
Doerfern mit einigen Dutzend Bewohnern bis zu Staedten mit 5.000
bis 25.000 Bewohnern. Oftmals gab es fuer Gemeinden mit 10.000
und mehr Einwohnern keine ortsansaessigen Aerzte, Krankenschwestern oder Krankenhaeuser. In einigen Faellen war der
naechste Ort, an dem aerztliche Hilfe geleistet werden konnte,
40 bis 50 Kilometer entfernt. Die Benachrichtigungsmoeglichkeiten waren sehr duerftig. Sechsmonatige jaehrliche Regenperioden mit einer Niederschlagsmenge von 750 Zentimetern erschwerten nicht nur den Transport, sondern vermehrten auch die
Brutstaetten der malariauebertragenden Moskitos. Viele Doerfer
waren waehrend der Regenperiode ueberhaupt nicht zu erreichen.
Da man den rueckstaendigsten Teil des Staates Mysore zur Durchführung der Aufklaerungskampagne ausgesucht hatte, hatte man
es hauptsaechlich mit aberglaeubischen Menschen ohne jede Schulausbildung zu tun, die noch immer unter dem Kastensystem lebtenUeberbleibsel einer Ordnung, die in den groesseren Staedten
schnell verschwindet.
Eines der Hauptprobleme der Gruppe bestand darin, das Vertrauen der Dorfbewohner zu gewinnen. Diese Aufgabe fiel vor
allem Frau Bierstein und den daenischen Krankenschwestern zu,
die sich der Gruppe spaeter anschlössen und die Vorhut der
daenischen Gesundheitsinspektoren und Arbeitsgruppen bildeten,
die durch Spruehungen den gefaehrlichen Insekten zu Leibe gingen.
Sie belehrten die Landbevoelkerung darueber, wie sie ihre
Wohnungen zum Bespruehen vorbereiten muessen, und wie man Lebensmittel ,und Kleidung behandeln muss. Zuvor hatte die Gruppe
die Grundbegriffe der dortigen Sprache erlernen muessen, um den
Leuten erklaeren zu koennen, dass die Malaria durch eine gewisse
Art Moskitos uebertragen wird. Sie zeigten ihnen, wie malariauebertragende Moskitos aussehen, und wo sich ihre typischen
Brutstaetten befinden. Nach Erledigung dieser Aufgabe gingen
an Ort und Stelle ausgebildete Bekaempfungstruppen daran, die
Innenwaende der Wohnungen und die Verstecke der Moskitos rund um
die Wohnungen zu bespruehen.
Weil gerade Kinder fuer Malaria besonders anfaellig sind,
was durch Unterernaehrung und Lungenerkrankungen noch beguenstigt
wird, widmete man sich ganz besonders Gesundheitsproblemen von
Mutter und Kind. Die Schwestern und Hebammen beschaeftigten sich
besonders mit Schulkindern. Viele Kinder hatten Laeuse, Kraetze
und Hautinfektionen. Man lehrte die Muetter Sauberkeit, baute
Latrinen und zeigte den Kindern, wie man sie in hygienischer
Weise benutzt. Schulbaeder wurden gebaut, wo die Kinder mit Hilfe der Lehrer und Schwestern taeglich badeten. Freiwillige Gruppen lieferten jede Woche saubere und sterile Handtuecher fuer
die Kinder. Bald verschwanden Kraetze und Laeuse. Mit Mangezweigen improvisierte man Zahnbuersten und erklaerte den Kindern,
- 15 -

�wie sie ihre Zaehne outzen muessen. Die Dorfbev;ohner lehrte
man, Seife aus einer fetthaltigen Nuss herzustellen, die in
diesen Gebieten im Ueberfluss gedeiht.
Waehrend des Aufenthaltes der Gruppe in Indien kam es in
diesem Gebiet zu einem epidenieartigen Ausbruch der Pest. Die
Gruppe "stellte sich sofort auf die Bekaempfung der Pest um.
Sineftoche,nachdem sie ihre Flohbekaempfungsaktion mit Spruehmitteln beendet hatte, die genau so ausgefuehrt wird wie die
Bekaempfung der malariauebertragenden Moskitos, wurden keine
weiteren Erkrankungen mehr gemeldet. Die Leute hatten vor der
Pest weit mehr Ang3t als vor der Malaria, sodass sie von dieser
Bekaempfungsaktion der Gruppe noch staerker beeindruckt wurden
als von ihrer Arböit zur Unterdrueckung der Malaria. Die Pestbekaempfungsaktion wurde mit einem Kostenaufwand von 3£ Gents
pro Kopf der Bevoelkerung durchgeführt. Im Staate Mysore
wendet man seitdem die von der Gruppe vorgefuehrten Methoden
zur Pestbekaempfung planmaessig an.
Um die Menschen in diesem Gebiet vor der Malaria zu schuetzen und diese Krankheit tatsaechlich vollkommen auszumerzen,
benoetigt man jaehrlich schaetzungsweise 12 Gents pro Person.
Als die Gruppe in diesem gefaehrlichen Gebiet ankam, stellte
sie fest, dass viele Bauern mitten in der Erntezeit nicht auf
dem Felde waren, sondern malariakrank zu Hause lagen. Als sie
die Gegend verliessen, waren alle Bauern auf dem Felde und
konnten ihre schwere Tagesarbeit verrichten. Die Malaria war
derart zurueckgegangen, dass sie kein Volksgesundheitsproblem
mehr darstellte, und die oertlichen Arbeitsgruppen, die von der
internationalen Studiengruppe ausgebildet wurden, blieben
aeusserst wachsam, um ein V.'iederauf treten der Krankheit zu verhindern. Die Dorfbewohner, fuer die einst die Malaria eine
Begleiterscheinung des taeglichen Lebens war, die generatiunenlang immer sozusagen heimisch war und immer wieder auftrat,
haben heute fast vergessen, dass sie einmal von dieser Krankheit schwer heimgesucht waren. Einer der sichtbaren Beweise
fuer die Veraenderung im Landleben ist die Tatsache, da-~ss die
Arbeiter ihre Tagesarbeit frueher und schneller beenden und nicht
mehr so sehr auf die liilfe ihrer Kinder auf den Feldern angewiesen sind. Dadurch besuchen mehr Kinder die Schule, wo die
Gesundheitserziehungsprogramme von einheimischen, gruendlich
ausgebildeten Schwestern durchgefuehrt werden.
7/enn einmal ein Malariabekaempfungsprorramm angelaufen und
ortsansaessiges Personal zur Fortfuehrung der Arbeit ausgebildet
ist, setzen sich die oertlichen Regierungsstellen mit allen
Mitteln fuer eine Fortsetzung der Malariabekaempfungsprogramme
ein.
Es ist eines der vielen Programme, die von der Veitgesundheitsorganisation und dem Kinderhilfsfonds durchgefuehrt werden
und zur Verwirklichung, eines der Grundziele dieser Organisationen
beitragen: die Volksgesundheitseinrichtungen zu verbessern,
indem man die Menschen zu der Sehnsucht erzieht, in einer gesunden Umgebung zu leben.
Economic and Social Problems
in the United Nations
VIII/51

- 16 HICOO 28 tut 51 18351 « II

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der F mexikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 34

Frankfurt,

24 August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Zuschlagiahlungssysteme in den Vereinigten
Staaten

1

"Dreiseitige Partnerschaft" - Eine neue
Moeglichkeit zur Loesung von Lohnkonflikten .*

3

Technische Zusammenarbeit mit Lateinamerika

6

Amerikanische Hilfe fuer Europas Arbeiter

8

Amerikanische Wohltaetigkeitsorganisationen
beschaeftigen sich mit der Lage minderbemittelter Familien

10

Bologna - Ein Beispiel fuer den Wiederaufbau
Italiens.

11

AFL fordert Massnahmen zur Kontrolle der
Inflation
'.

12

AFL-Funktionaere fordern intensivere politische
Anteilnalune

13

ZUSCHLAGZAHL1N3SSYSTEME IN DEN VEREINIGTEN STAATEN.

Die 40-stuendige Arbeitswoche und der achtstuendige Arbeitstag sind Beschaeftigungsnormen, die fuer die Mehrzahl der amerikanischen Arbeiter sichergestellt sind. Aufgrund der kurzen Arbeitszeit und des hohen Lebensstandards steht dem amerikanischen
Arbeiter viel Freizelt fuer seine Fortbildung und seine Erholung
zur Verfuegung.
Eingeengte Arbeitsmaerkte und die Erweiterung der Produktion erfordern jedoch eine Beschaeftigung ueber die regulaere

- 1 -

�Arbeitswoche und den Arbeitstag hinaus. Besondere Zuschlagszahlungen werden deshalb an alle laenger arbeitenden Arbeitnehmer geleistet, um sie fuer die Beschwerlichkeiten und Unannehmlichkeiten der Ueberstundenarbeit zu entschaedigen.
Die Entwicklung der Zuschlagszahlungsmethoden und ihre verschiedenartige Anwendung werden in einem Artikel analysiert, der
unter der Ueberschrift "Premium Pay: Analysis of Industrial
Practices" (Zuschlagszahlung: Analyse der industriellen Praxis)
in der Septemberausgabe des vom statistischen Buero des US-Arbeitsministeriums veroeffentlichten "Monthly Labor Review"
erscheint.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war es dank des Fortschritts der
gewerkschaftlichen Organisation und der Lohn- und Arbeitsstundengesetzgebung moeglich, das Ausmass der Zuschlagszahlungen zu
erweitern. Das Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen aus dem Jahre
1938 ging in dieser Richtung sehr weit. Die "eineinhalbfache"
Verguetung fuer die Arbeitszeit, die ueber die 40-Stundenwoche
hinaus geleistet wird, wurde fuer die meisten Arbeitnehmer gefordert, die unter die Bestimmungen des Gesetzes fielen. Nach
dem Walsh-Healy Gesetz fuer sogenannte Vertragsfirmen, das im
Jahre 1936 erlassen wurde, erhalten alle Arbeitnehmer, deren
Firmen an bundesstaatlichen Auftraegen arbeiten, Ueberstundenzuschlaege fuer jede Arbeit, die ueber den* achtstuendigen Arbeitstag oder die 40-stuendige Arbeitswoche hinaus geleistet wird.
1941 waren die Bestimmungen ueber Zuschlagszahlungen in der
Mehrzahl der Industrien der Massenproduktion rechtsgueltig.
Ueberstundenzuschlaege fuer jegliche Arbeit ueber 40 Stunden in
der Woche oder ueber acht Stunden am Arbeitstag waren allgemein
ueblich. In Tarifvertraegen wurden ausserdem besondere Zuschlagszahlungen fuer Feiertagsarbeit vorgesehen. Fuer Arbeit an bezahlten Feiertagen wurde der doppelte Lohn gezahlt, waehrend die
Arbeit an nichtbezahlten Feiertagen mit doppeltem oder eineinhalbfachem Lohn verguetet wurde. 1942 waren in der Mehrzahl der
Tarifvertraege Bestimmungen ueber Sonnabend- und Sonntagszuschlaege
in eineinhalbfacher bzw. doppelter Hoehe der normalen Loehne vorzufinden. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Industrien, in
denen durchgehend gearbeitet wird.
Waehrend der Jahre 1948 und 1949 war es allgemein ueblich,
Ueberstundenarbeit auf Tagesbasis zu berechnen. Diese Methode
ist auch heute noch im allgemeinen ueblich. Das Prinzip der
woechentlich berechneten Ueberstundenarbeit hat, wenn es in bestimmten Industrien auch heute noch in der Lohnkalkulation angewendet wird, an Bedeutung verloren. Bei beiden Methoden ist die
eineinhalbfache Verguetung der Ueberstundenarbeit gebraeuchlich.
Nur wenige Industrien zahlen Zuschlaege bei weniger als aoht Arbeitsstunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. In der Bekleidungs-,
Druckerei-, Telefon-, Telegrafen- und Bauholzindustrie beginnt
die Verguetung von Ueberstundenarbeit bereits bei 30 bis 37^stuendiger Arbeitswoche und einem unter acht Stunden liegenden
Arbeitstag.
Auch Bueroangesteilte erhalten bestimmte Zuschlaege fuer
Ueberstundenarbeit. Auch hier ist das Grundgehalt nach der festgesetzten 40-stuendigen Arbeitswoche berechnet, und jede zusaetzliche Arbeitsstunde pro Woche wird mit einem Zuschlag von 50 %
verguetet. Eine Ausnahme bilden die Herstellerindustrien, in
denen die Ueberstundenarbeit auf Tagesbasis berechnet wird.
Die Zuschlagszahlung fuer Arbeit an Sonnabenden, Sonntagen
- 2 -

�und Feiertagen ist verschiedenartig und entspricht den
charakteristischen Unterscheidungsmerkmalen der einzelnen
Industrien. Im allgemeinen ist fuer die Arbeit an Sonnabenden
eine eineinhalbfache Bezahlung vorgesehen. In einigen Tarifvertraegen wird dabei die Bedingung gestellt, dass die Arbeiter
zuvor eine vollstaendige 40-stuendige Arbeitswoche mit fuenf
Arbeitstagen hinter sich gebracht haben. In den meisten Abmachungen ist fuer Sonntagsarbeit eine doppelte Bezahlung vorgesehen. Was andere Feiertage betrifft, so enthalten fast alle
Vertraege Bestimmungen, nach denen sie eingehalten werden, aber
nur 58 &lt;jb der Vertraege sehen eine regulaere Bezahlung der Feiertage vor, an denen nicht gearbeitet wird. Die Arbeit an Feiertagen wird gewoehnlich mit doppeltem Lohn verguetet, in einigen
Faellen wird sogar der zweieinhalbfache und dreifache Lohn
gezahlt.
In Industrien, die durchgehend arbeiten, sind fuer die
zweite und dritte Schicht Stundenlohnzuschlaege von vier bzw.
sechs Cents vorgesehen.
Durch den Zweiten Weltkrieg wurde es notwendig, die durchgehende Schichtarbeit einzufuehren, das Fehlen am Arbeitsplatz
moegli-chst einzuschraenken und die Leistungsfaehigkeit zu steigern.
Um diese Ziele erreichen zu koennen, wurde in einer im Jahre 1942
erlassenen Anordnung, die waehrend des ganzen Krieges gueltig war,
bestimmt, dass jede Ueberstundenarbeit bei mehr als acht Stunden
pro Tag und mehr als 40 Stunden pro Woche und jede Arbeit am
sechsten Tag einer festgesetzten Arbeitswoche mit eineinhalbfachem Lohn verguetet wird. Fuer die Arbeit an sechs Feiertagen
ist der gleiche Zuschlag vorgesehen, fuer die Arbeit am siebten
Tag einer festgesetzten Arbeitswoche wird die doppelte Bezahlung
gewaehrt. Diese Anordnung bedeutet eine Abkehr von der vor dem
Krieg ueblichen Methode, den Zuschlag fuer jegliche Ueberstundenarbeit mit Ausnahme des siebten Arbeitstages in einer Woche auf
50 # des Normallohnes zu beschraenken.
Das gegenwaertige Verteidigungsprogramm in den Vereinigten
Staaten hat sich auf die Frage der Ueberstunden-, Schicht-,
Wochenend- und Feiertagsbezahlung entscheidend ausgewirkt. Von
verschiedenen interessierten Seiten wurde vorgeschlagen, fuer die
Dauer der kritischen Zeit die Ueberstundenbezahlung abzuschaffen.
Charles E. Wilson, der Leiter der Verteidigungsmobilisierung, hat
diesen Standpunkt abgelehnt und sich fuer die Beibehaltung der
Zuschlagszahlungen fuer eine laengere als eine 40-stuendige Arbeitszeit in der Woche mit der Begruendung eingesetzt, dass die
Abschaffung der Ueberstundenzuschlaege ndas Lohnstabilisierungsprogramm und die Wechselbeziehungen in der Industrie im allgemeinen erschuettern wuerde".
Weekly Labor News Digest
VIII/8/51
"DREISEITIGE PARTNERSCHAFT"
L05SUNG VCN LOHNKONFLIKTEN7

-

EINE NEUE MPEGLICHKEIT ZUR

Der amerikanische Kongress beschaeftigt sich zurzeit erneut
mit der dreiseitigen Zusammensetzung des amerikanischen Lohnstabilisierungsausschusses, dem Vertreter der Gewerkschaften,
der Unternehmer und der Regierung angehoeren, die die Aufgabe
haben, in kritischen Zeiten eine Lohnstabilisierung herbeizufuehren und vorhandene Streitigkeiten beizulegen. Aus der Zusammensetzung dieses Gremiums hat sich der speziell amerikanische
Ausdruck "Dreiseitige Partnerschaft1* gebildet, der bereits zu

- 3-

�einem feststehenden Begriff auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen zwischen diesen drei Partnern geworden ist.
Wingate H. Lucas" (Demokrat, Texas) hat als Mitglied des
Repraesentantenhauses nach mehrwoechigen Untersuchungen eines
Unterausschusses eine Abaenderung des Gesetzes fuer die Verteidigungsproduktion vorgeschlagen, die, wenn sie gebilligt
wuerde, eine einschneidende Veraenderung der Zusammensetzung
des Lohnstabilisierungsausschusses bedeuten wuerde.
Der Ausschuss setzt sich in seiner jetzigen Form aus 18
Mitgliedern zusammen, die das Unternehmertum, die Gewerkschaften
(je drei des CIO und der AFL) und die Regierung paritaetisch vertreten. Die Mitglieder, die nicht die Regierung vertreten
werden von Praesident Truman ernannt, nachdem sie von den Gruppen,
die sie repraesentieren, nominiert wurden. Die Regierungsmitglieder werden von den uebrigen Mitgliedern als "unparteiisch*?
akzeptiert; auch alle uebrigen wichtigen Berufungen in den Lohnstabilisierungsausschuss werden von den Vertretern der beteiligten
Gruppen auf ihre Unparteilichkeit hin geprueft.
Der Lohnstabilisierungsausschuss, der der Verwaltung fuer
wirtschaftliche Stabilisierung untersteht, hat die Aufgabe, Richtlinien zur Lohnstabilisierung auszuarbeiten, diese Richtlinien
zu verwirklichen und die Einhaltung ihrer Bestimmungen durchzusetzen. Er hat ausserdem die Befugnis, Streitigkeiten beizulegen.
Nach der Gesetzesvorlage von Lucas wuerde sich der neue Ausschuss in seiner Mehrheit aus Vertretern der Regierung zusammensetzen. Er haette nicht mehr das Recht, Lohnbestimmungen zu erlassen, sondern seine Taetigkeit bliebe darauf beschraenkt, Richtlinien hierfuer auszuarbeiten und diese dem Administrator fuer die
wirtschaftliche Stabilisierung zu unterbreiten. Eine dritte
wesentliche Veraenderung waere die Beseitigung zumindest eines
grossen Teiles der Schlichtungsbefugnisse des Ausschusses.
Der Vorschlag, im Lohnstabilisierungsausschuss eine klare
Mehrheit der Regierungsmitglieder zu bilden, ist von dem gegenwaertigen Lohnstabilisierungsausschuss mit der Begruendung angegriffen worden, dass damit die dreiseitige Funktion des Ausschüsse" zerstoert wuerde. Die "Dreiseitige Partnerschaft" sei
bestrebt, die demokratischen Werte des freien Tarifverhandlungswesens zu erhalten, soweit dies waehrend einer Krisenperiode
ueberhaupt moe&lt;?:lich sei. Der Lohnstabilisierungsausschuss argumentiert weiter, dass eine der groessten Staerken der amerikanischen Lebensweise die bewiesene Faehigkeit der Gewerkschaften
und Unternehmer ist, ihre Probleme in Zusammenarbeit mit der
Regierung, aber nicht unter der Bevormundung der Regierung zu
loesen.
Wenn es in :ritischer Zeit im Interesse der Oeffentlichkeit
notwendig wird, den Partnern die Befugnis, endgueltige Entscheidungen zu treffen, zu entziehen, so muss die Regierung unter allen
Umstaenden bestrebt sein, jene grundlegenden Werte der Selbstbestimmung, wozu auch das Tarifverhandlungswesen gehoert, in die
Zukunft hinueberzuretten. In einer Krise muss die Regierung ein
echter Treuhaender fuer die Freiheiten der Partner sein. Es ist
deshalb fuer die Regierung erforderlich, so zu handeln, dass nach
Beendigung der Krise diese Freiheiten mit einem Minimum an Schaden
von den Partnern wieder uebernommen werden koennen.
George W. Taylor, der Vorsitzende des LohnstabilisierungsaussGhusses erklaerte, die Gesetzesvorlage von Lucas wuerde der
erfolgreichen dreiseitigen Zusammenarbeit im Ausschuss ein Ende

�bereiten und ihn zu einer "ftegierungsmaschinerie" stempeln.
Eine paritaetische dreiseitige Vertretung der Interessengruppen
im Ausschuss ist jedoch fuer die gute Zusammenarbeit im Stabilisierung sprogramm absolut notwendig.
Das Prinzip der dreiseitigen Partnerschaft ist in kritischen
Zeiten in den Vereinigten Staaten wiederholt angewendet worden.
Es wurde zum erstenmal verwirklicht, als der amerikanische Arbeitsminister waehrend des Ersten Weltkrieges einen dreiseitigen Beratungsausschuss ernannte. Dieses Gremium hatte den Vorschlag
gemacht, die Vereinigten Staaten sollen waehrend ihrer Teilnahme
am Kriege einen dreiseitigen Ausschuss zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und zur Vermeidung von Aussperrungen und Streiks ernennen. Hierauf wurde
die Nationale Arbeitsbehoerde fuer die Kriegszeit gebildet, die
sich aus fuenf Vertretern der Gewerkschaften, fuenf Vertretern
der Unternehmer und zwei Beisitzern als Vertreter der Regierung zusammensetzte.
Auch Praesident Wilsons Nationale Konferenz ueber industrielle
Fragen, die im Jahre 1919 abgehalten wurde, wurde ebenso wie die
nach dem Zweiten Weltkrieg von Praesident Truman einberufene Konferenz aus Vertretern der drei Interessengruppen zusammengestellt.
Es ist Samuel Gompers, dem ersten Vorsitzenden der APL, zuzuschreiben, eine dreiseitige Zusammensetzung der Internationalen Arbeitsorganisation vorgeschlagen zu haben, die mit seiner Unterstuetzung
auf der Friedenskonferenz in Versailles gegruendet wurde.
Der Arbeitsausschuss der Elsenbahnen (1920-1926) war ebenfalls
dreiseitig zusammengesetzt. Nach dem Nationalen Gesetz fuer die
industrielle Wiederaufrichtung war der Nationale Arbeitsausschuss,
der waehrend der ersten Amtsperiode Praesident Roosevelts zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten gegruendet wurde, ebenso wie
mehrere der besonderen Industrieausschuesse dreiseitig ausgerichtet,
die nach dem gleichen Gesetz Ins Leben gerufen wurden.
Waehrend des Zweiten Weltkrieges wurde die Zusammenarbeit der
drei Partner auch in dem Nationalen Schlichtungsausschuss, dem
Nationalen Arbeitsausschuss in der Kriegszelt und dem Nationalen
Lohnstabi11sierungsausschuss verwirklicht. Seit 1945 haben verschiedene Staedte, vor allem Toledo (Ohio), oertliche dreiseitige
Ausschuesse gebildet, um Arbeitsstreitigkelten beizulegen und, was
ihnen auch tatsaechlich gelungen ist, durch Kompromisse zu verhindern. Im ganzen Lande hat sich die dreiseitige Partnerschaft
in den Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern und
vornehmlich auf dem Gebiet der Schiedssprechung in Arbeitsstreitigkeiten eingebuergert und wird sowohl von den Gewerkschaften als
auch von der Industrie befuerwortet.
4

Eine der Befuerchtungen, die in der letzten Zeit In bezug auf
die gegenwaertige Form des Lohnstabilisierungsausschusses laut
wurden, ist von dem Senator Robert A. Taft zum Ausdruck gebracht
worden, der hierbei eine Moeglichkeit sieht, dass die Vertreter
der Gewerkschaften und der Unternehmer eine Koalition bilden und
dadurch die Vertreter der Regierung ueberstimmen koennen. In einer
eingehenden Studie ueber die "dreiseitige Partnerschaft", die Beilegung von Streitigkeiten und die Lohnpolitik waehrend des Zweiten
Weltkrieges stellt dagegen Professor William H. McPherson fest,
dass es bei den Tausenden von Faellen, die waehrend des Zweiten
Weltkrieges von den drei dreiseitigen Ausschuessen zur Beilegung
von Arbeltsstreitigkeiten und Lohnstabilisierung behandelt wurden,
es nur ganz selten zu einer derartigen Koalition gekommen Ist.
In einer Zusammenfassung seiner Feststellung ueber die
— 5—

�"dreiseitige Partnerschaft" waehrend des Zweiten Weltkrieges
kommt McPherson zu der Schlussfolgerung, dass die Beilegung von
Streitigkeiten oder ein Lohnstabllisierungsprogramm von Gewerkschaften und Unternehmern gemeinsam freiwillig akzeptiert oder
gebilligt werden muss, wenn sie Erfolg haben soll. Die dreiseitige Zusammensetzung der Ausschuesse gibt den Gewerkschaften
und den Unternehmern durch die Moeglichkeit, sich der Stimme zu
enthalten, ein echtes Vetorecht, dessen man sich jedoch nur
unter grossen Opfern bedienen kann. Es kann also nur selten angewendet werden. Diese Form der Zusammensetzung der Ausschuesse
traegt ausserdem dazu bei, dass die Vertreter der Regierung fuer
die einzelnen Paelle volles Verstaendnis haben und dadurch als
Vermittler zwischen den beiden Partnern taetig sein koennen und
fuer alle drei Partner annehmbare Beschluesse auszuarbeiten imstande sind.
Obwohl die dreiseitige Form der Ausschuesse durchaus Gefahren
in sich birgt, deren groesste darin besteht, dass die Vertreter
der Regierung durch eine Koalition der beiden anderen Partner
ueberstimmt werden koennten, werden nach der Auffassung McPhersons
die Nachteile und Gefahren dieses Systems durch seine Vorteile bei
weitem aufgewogen.
Weekly Labor News Digest
VII/18/51

TECHNISCHE ZUSAMMEN ARBEIT MIT LATEIN AM ERIKA.

(Auszuege aus einem Bericht, der von Serafino
Romualdi im Namen der AFL der dritten Standford-Konferenz ueber lateinamerikanische Fragen vorgelegt wurde.) .
Lateinamerika als Gesamtheit gehoert zu jenen Gebieten der
Welt, die technische Unterstuetzung brauchen. Diese Unterstuetzung
ist notwendig, um eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung und der industriellen Produktion zu ermoeglichen, ohne
die nur geringe oder ueberhaupt keine Aussicht besteht, den Lebensstandard der Bevoelkerung zu verbessern. Lateinamerika verfuegt ueber grosse Reserven an Mineralien und anderen Rohstoffen,
die fuer die freie Welt in ihren Berruehungen, eine wirkungsvolle
Verteidigungsfront gegen jegliche kommunistische Aggression aufzubauen, wesentlich sind. Die Bedeutung Lateinamerikas liegt so
klar auf der Hand und ist dementsprechend anerkannt, dass man sie
nicht weiter zu betonen braucht.
Lateinamerika bietet jedoch bestimmte eigene Probleme, die
durch die politische Unstetigkeit bedingt sind, die man wiederum
Umstaenden zuschreiben muss, die man als chronische Krisen der
Demokratie bezeichnen koennte. Mit wenigen Ausnahmen scheinen die
verfassungsmaessigen Regierungen nicht in der Lage zu sein, sich
der regelmaessig wiederkehrenden Anschlaege militaristischer Gruppen zu erwehren, die in den meisten Faellen gewaltsam die Macht an
sich reissen und, um an der Macht zu bleiben, totalitaere Methoden
einfuehren. Damit werden die produktiven Kraefte der Nation (Arbeitskraefte und Kapital) Zwangsmassnahmen unterworfen, die eine
regelmaessige Entfaltung jedes wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritts behindern. Bevor man deshalb mit einem Programm der
technischen Zusammenarbeit in Lateinamerika beginnt, das sowohl
technische Unterstuetzung als auch die notwendige Finanzierung
vorsieht, muesste eine Festigung des demokratischen Regimes ge-

- 6 -

�waehrleistet sein, was nach unserer Auffassung eine unerlaessliche Vorbedingung ist.
Der Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung
schliesst sich dieser Auffassung an, wenn er feststellt, dass
"Fortschritte am besten in einer wirklich demokratischen Staatsordnung gedeihen", und dass fuer eine "wirtschaftliche Entwicklung nach unseren Begriffen Redefreiheit, wirtschaftliche
Sicherheit, das Recht, vor einem Gericht gehoert zu werden, das
Recht zu arbeiten, das Recht, sich zu organisieren, das Streikrecht und das Wahlrecht selbstverstaendliche Voraussetzungen
sind" - mit anderen Worten, dass ein echtes Klima der politischen
Demokratie herrschen muss, das es Jedem ermoeglicht, an den Angelegenheiten des Staates aktiv Anteil zu nehmen.
Ausser der technischen Unterstuetzung, die in der Lieferung
von Maschinen fuer die Landwirtschaft und die Industrie besteht,
braucht Lateinamerika Kapital. Zwar sind wir der Ansicht, dass
allgemeine Bemuehungen zur besseren Verwendung des Eigenkapitals
der Laender, das zurzeit entweder untaetig oder hauptsaechlich In
spekulativen Unternehmungen investiert Ist, wesentlich zur Behebung des Kapitalmangels beitragen koennten. Aber wir geben auch
zu, dass zur erfolgreichen Durchfuehrung grossangelegter Programme
der technischen Zusammenarbeit die Investierung auslaendischen
Kapitals notwendig ist. Diese Investierung auslaendischen Kapitals,
vor allem von Privatkapital, wirft jedoch eine Reihe von Problemen
auf, die in der In Lateinamerika weitverbreiteten Tendenz wurzeln,
sich, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen, von der "finanziellen Abhaengigkeit vom Ausland" freizumachen. Dies ist ein Begriff,
der sich fuer politische Spekulationen und totalitaere Demagogie
besonders eignet, und den Kommunisten und fanatische Nationalisten
senr willkommen heissen und ihn gern fuer propagandistische Zwecke
gegen die Vereinigten Staaten verwenden. Man muss dem jedoch zugutehalten, dass die Methoden und Missbraeuche der Vergangenheit
eine Erklaerung fuer die relativ grosse Popularitaet solcher Sedanken sind. Eine Reihe lateinamerikanischer Regierungen haben
tatsaechlich Gesetze erlassen, die eher gegen als fuer eine
Investierung auslaendischen Privatkapitals in diesen Laendern
sprechen. Natuerlich kann mit der Finanzierung irgendwelcher grossangelegter Programme der technischen Zusammenarbeit in Lateinamerika nicht darauf gewartet werden, dass die gegenwaertigen
Schwierigkeiten zwischen Regierungen und privaten Geldgebern ueberwunden sind. Eine Teilloesung waere, wenn man fuer produktive
Investierungen in Lateinamerika grosse Betraege oeffentlicher Geldmittel In Form von Anleihen bereitstellen koennte, die von den
ueberstaatlichen Finanzeinrichtungen bereitgestellt wuerden. Inzwischen koennte durch Aufklaerung der Oeffentlichkeit und auch
durch neue Verhaltungsverfahren der voraussichtlichen Geldgeber
selbst aller Wahrscheinlichkeit nach der Weg zur Wiederaufnahme
der Privatinvestierung in grossem Masstab und unter Bedingungen
geebnet werden, die fuer beide Teile zufriedenstellend waeren.
Die Regierungen und die Voelker Lateinamerikas muessen sich
darueber im klaren sein, dass auslaendlsche Investoren ein Anrecht
auf positive Garantien in bezug auf angemessene Verzinsung und
Sicherheiten haben muessen. Auslaendlsche Investoren muessen sich
dagegen vergegenwaertigen, dass die Zeiten des willkuerlichen
Unternelimertums, das sich nur von dem Gewinnmotiv leiten und
motivieren Hess, der Vergangenheit angehoeren. Das Kapital muss
sich jetzt den in Aussicht stehenden Gebieten zur Investierung
mit einer neuen Einstellung naehern, die ausser der Erwartung,
rechtmaessige Gewinne zu erzielen, den ueberzeugenden Wunsch enthalten muss, den Menschen zu helfen, einen hoeheren Lebensstandard

7

�zu erreichen. Diese neue fortschrittliche Auffassung muesste
ausserdem den Plan enthalten, den Wirtschaften der kreditaufnehmenden Laender zu helfen, und, wenn moeglich, selbsterhaltend
zu werden und sie von auslaendischer Vormundscnaft voellig freizumachen. Vor allem muessten sie jedoch ihre eigenen Hilfsquellen
dazu verwenden, die Wohlfahrt der Kassen zu verbessern und nicht
die Gewinne Einzelner zu vermehren, damit die demokratische Lebensweise, fuer die das Kapital einen wesentlichen Bestandteil bildet,
in den Augen der notleidenden Menschen unterentwickelter Gebiete
als ihre groesste Hoffnung auf eine bessere Zukunft gerechtfertigt
werden kann.
Inter-American Labor Bulletin
VIII/51

AMBRIKAIIISCHB HILFE FUER EUROPAS ARBEITER.

Im Sommer dieses Jahres haben eine Reihe amerikanischer
Persoenlichkeiten, darunter zwei Kongressausschuesse der Vereinigten Staaten, Europa besucht und sich mit den wirtschaftlichen
Verhaeltnissen dieses Erdteils beschaeftigt. Sie faellten einstimmig das Urteil, dass die ERP-Hilfe nicht bis zu den Arbeitern
vorgedrungen ist. Diese Auffassung kam besonders deutlich in einer
Erklaerung des damaligen stellvertretenden ECA-Administrators zum
Ausdruck, der in Portland (Oregon) sagte: "Es ist eine grausame
Tatsache, dass sowohl franzoesische als auch italienische Unternehmer noch immer dazu neigen, die Arbeiterschaft als eine kompakte
Masse minderwertiger Menschen anzusehen, deren Hoffnung auf ein
besseres Leben in wirtschaftlicher und geistiger Hinsicht ungestraft ignoriert werden kann." Diese bittere Erkenntnis ist verschiedentlich von AFL- und ClO-Sachverstaendigen in Arbeitsfragen
bestaetigt worden, die antikommunistische europaelsche Gewerkschaften
mit Geldmittel und Ratschlaegenunterstuetzt hatten, und die mit der
unveraenderten Einstellung der europaelschen Unternehmer hoechst
unzufrieden sind. Kaiser, der stellvertretende amerikanische Arbeitsminister, erklaerte vor dem amerikanischen Klub in Paris:
"Die Verbesserung des Lebensstandards der Menschen in unterentwickelten Gebieten ist ein wichtiges strategisches Ziel der amerikanischen Aussenpolitik."
Die europaelschen Regierungen haben fuer die sozialen Aspekte
der amerikanischen Aussenpolitik volles Verstaendnis. Sie sind
jedoch noch nicht In die Koepfe der Industriellen eingedrungen, die
immer noch dazu neigen, die Marshallplanhilfe als ein Verfahren der
materiellen Neuinvestierung In Europa zerstoerterGrundstoffindustrien anzusehen. Fuer Frankreich zumindest ist diese Meinung in
gewissem Sinne nicht ueberraschend, weil der groesste Teil der Hilfe seit 1948 ueber Herrn Monnet in die grossen Grundstoffindustrien
geflossen ist, die zum groessten Teil entweder verstaatlicht sind
oder staatlicher Kontrolle unterstehen. (Die wichtigste Ausnahme
bildet die Stahlindustrie). Die zahllosen kleinen Fabriken, in
denen 50 bis 200 Arbeiter beschaeftigt sind, sind vom Monnet-Plan
in seiner bisherigen Form nicht erfasst worden. Da in den Herstellerindustrien die allgemeine Aufmerksamkeit jetzt weniger auf
Investierungen als auf die Produktivitaet gelenkt wird (die zweite
Moeglichkeit zur Steigerung des Sozialproduktes), wird der menschlichen Seite der Produktion, den Wechselbeziehungen in den einzelnen Unternehmen, dem Verantwortungsgefuehl des einzelnen Arbeiter
und den Leistungsloehnen mehr Beachtung geschenkt.
Die wachsende amerikanische Unzufriedenheit mit dem wirtschaft- 8 -

�liehen Fortschritt und den sozialen Verhaeltnissen in den freien
europaeischen Laendern resultiert daher in der Forderung, die
gesteigerte Produktivitaet oder die bessere Verwendung der zur
Verfuegung stehenden Arbeitskraefte und Materialien durch das
Schlagwort "Mehr Waren, billigere Waren, hoehere Loehne" zu
inspirieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Verwaltung
fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit beschlossen, in Ueberelnkunft
mit den verschiedenen Regierungen den einzelnen Unternehmen in
den Marshallplan-Laendern eine direkte finanzielle und technische
Hilfe zu leisten. William H. Joyce ist zum stellvertretenden
Administrator fuer Produktionsfragen ernannt worden mit der Aufgabe, die neue Kampagne zu organisieren. Aus Gegenwertfonds des
ERP werden rund 250 Millionen Dollar zur Durchfuehrung dieser
Kampagne bereitgestellt werden. In diesem Programm ist das
romanische Frankreich, ein zur Haelfte agrarisches Land und zur
Haelfte Industriestaat, dabei jedoch zweifellos das Schluesselland.
Das franzoesische Produktivitaetszentruat, das von Lemaresquier
und Griminelli unter der Ueberwachung von Robert Buron, des Wirtschaftsrnlnisters der zurueckgetretenen Regierung, geleitet wird,
hat in der Verbreitung der Produktivitaetspropaganda beachtliches
geleistet. Und nachdem viele franzoesische Vertretergruppen aus
der Industrie die Vereinigten Staaten besucht haben, werden bereits
neue Produktionsmethoden in den Fabriken angewendet. Mit den neuen
Massnahmen, die gegenwaertig von der ECA und franzoesischen Behoerden besprochen werden, will man erstens die Modernisierung der
Betriebe und der Produktionsmethoden beschleunigen und zweitens
die Arbeiter an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion und
der hoeheren Produktivitaet in den betreffenden Unternehmen direkt
beteiligen. Zu Ende des Monats Juli bildeten die drei nichtkommunistischen Gewerkschaften Force Ouvriere, CFTC und CGC ein
eigenes Produktiv!taetszentrum, das das nationale Produktivitaetszentrum unterstuetzen soll. Es ist daher zu erwarten, dass diese
Gewerkschaften die Vorschlaege zur Neuorganisation franzoesischer
Betriebe, die von amerikanischen Experten auf der Ebene der Betriebsleitung ausgearbeitet werden sollen, mit allen Mitteln unterstuetzen werden.
Diese Spezialisten, die von den Unterabteilungen der amerikanischen Regierung und den grossen Unternelimen in den Vereinigten
Staaten regulaer beschaeftigt werden, gehen wie ein rtirbelsturm
durch eine Industriegruppe. Probleme, wie Kontrolle der Gestehungskosten, Ausgaben, des Vertriebs, der Produktion und anderer betriebswirtschaftlicher Vorgaenge, der Planung und Festsetzung von
Produktionszielen, Verkaufsanteile und Leistungslohnsysteme,
Plaene fuer die Einstufung nach Verdienst, Analyse und Auswertung
der Statistik, Kontrolle der Geschaeftstaetigkeit und alle anderen
finanziellen und sozialen Fragen werden von einem Stab von Personalverwaltern, Inspektoren der Betriebsleitung, Buchhaltern und
Sozialarbeitern geloest. Einzelheiten ueber das neue System sind
noch nicht bekannt. Man rechnet damit, dass amerikanische Betriebsleiter in einige franzoesische Fabriken geschickt werden, um die
letzten N'aencel zu beseitigen, nachdem die Betriebstechniker Ihre
Arbeit beendet haben.
Der springende Punkt der franzoesischen Produktivitaetsfrage
wird die Eelohnung von Unternehmern, die Modernisierungen vornehmen, durch Steuerverguenstigun^en sein. Interne franzoesische
Probleme machen es notwendig, die einzelnen Unternehmen in Irgendeiner Weise vertraglich an die franzoesischen Produktlvitaetsbehoerden zu binden. Der Unternehmer wuerde sich als Ausgleich
fuer die bevorzugte Steuerbehandlung damit einverstnaden erklaeren,
gewisse Verpflichtungen zu uebernehmen. Gleichzeitig wuerde er
- 9 -

�sich aufgrund seines Vertrages wahrscheinlich Anrechte auf
Kredite der ECA erwerben. Es ist offensichtlich, dass derartige Methoden viel zur Beilegung des Klassenkampfes in den
Betrieben selbst unö zur Verbesserung der veralteten Methoden
des Tarifverhandlungswesens beitragen wuerden. Eine solche
Entwicklung waere vor allem im Hinblick auf die neue Gesetzgegung zu begruessen, die, wenn man nach den ersten Eindruecken
urteilen will, nur wenig neue oder positive Merkmale versprechen.
Labor Information
ECA - FYI - 239

AMERIKANISCHE WOHLTAETIGKEITSORGAKISATIONEN BESCKAEFTIC-EN SICH
MIT DER LAGE MINDERBEMITTELTER FAKILIEN.

Ein Bericht der amerikanischen Regierung beschaeftigt sich
mit den Familien, die jaehrlich weniger als 2.000 Dollar verdienen. Der Bericht sieht hinter den rein statistischen Tatsachen die menschlichen Wirklichkeiten und schildert die Verhaeltnisse, unter denen die Menschen leben und ihre Umwelt.
Das Buch enthaelt Tatsachenberichte ueber 100 Familien in
27 verschiedenen Staaten und beschreibt, wie sich einzelne Menschen durchschlagen muessen, um mit 2000 Dollar jaehrlich leben
zu koennen, waehrend die Regierung erklaert, fuer einen Mindestlebensunterhalt braucht man jaehrlich 3.600 Dollar. Es gibt mehr
als 10 Millionen Familien, deren jaehrliches Einkommen unter
2000 Dollar liegt.
Der Eericht ist das Ergebnis einer Studie, die von neun Organisationen auf Ersuchen des Gemeinsamen Komitees fuer die Vorbereitung des Wirtschaftsbericht es durchgefuehrt wurde. Das
Komitee will dieses Tatsachenmaterial als Argumente zur Unterstuetzung seiner Forderungen vor dem Repraesentantenhaus zur
Sprache bringen. Senator John Sparkman (Demokrat, Alabama) hat
um Anschauungsmaterial zur Ergänzung dieser Studien nachgesucht.
Die Feststellungen umfassen 22 Seiten, die Tatsachenberichte 121
Seiten«
Etwa zwei Drittel der befragten Familien waren verschuldet.
Ein Drittel hiervon hatte Arztrechnungen zu bezahlen. Einige
Familien versuchten, das Krankheitsproblem durch den Beitritt zu
irgendwelchen Krankenversicherungen zu loesen, aber die meisten
konnten sich nicht einmal diesen Schutz leisten.
Nur wenige Arbeiter der niedrigen Einkommensgruppe sind
gegen Arbeitslosigkeit versichert. Die Folge davon Ist, dass,
wenn der Ernaehrer krank wird oder sich einen Unfall zuzieht, die
Familie nicht nur seinrn Lohn verliert, sondern gleichzeitig vor
das Problem der Bezahlung der Arztrechnungen gestellt ist. Eine
Reihe Ernaehrer waren Facharbeiter, die woechentlich bis zu 60
Dollar verdienten, deren gesamtes Jahreseinkommen jedoch infolge
Krankheit, unregelmaessiger Beschaeftigung und schlechten Wetters niedriger als 2.000 Dollar war.
Der sroesste Teil der Einkommen wurde fuer Lebensmittel ausgegeben, ob die Familie nun ein oder zehn Kinder h&amp;tte« Selbst
in den kleineren Familien war der Betrag, der fuer Lebensmittel
ausgegeben werden konnte, von der Hoehe der Miete abhaengig.
.Nicht selten traf man Familien mit sieben Personen an, die fuer
zwei Raeurae und ausserhalb des Hauses gelegene Toiletten woechentlich 12 Dollar zahlten. Nur wenige hatten das Glueck, in oeffent- 10 -

�liehen Wohnbauten zu wohnen, in denen die Mieten einigermassen
erschwinglich waren.
In dem Bericht helsst es woertlich: "Wir streiten uns noch
immer in kleinen Staedten und grossen Staedten ueber das Wohnungsproblem, waehrend zahllose Kinder im Schmutz aufwachsen."
Die von den Familien am haeufigsten angewendete Methode zur
Senkung der Kosten fuer die Ernaehrung bestand darin, Fleisch und
Milch, - ausgenommen fuer Saeuglinge - vom Speisezettel zu streichen
und sie durch Kartoffeln und billige Gemuesesorten zu ersetzen.
Neue Kleider waren eine Seltenheit. Die meisten groesseren Kleidungsstuecke wurden gebraucht gekauft.
All diese Dinge - duerftige Ernaehrung, schlechte Wohnungen
und der Mangel an warmen Kleidern - wirkten sich auf den Gesundheitszustand aus. Nur 13 der 100 Familien verfuegten ueber Ersparnisse, und zwar handelte es sich dabei meistens um Gelder,
die aus einer Versicherung oder einer Erbschaft stammen. Diese
Familien hatten das grosse Glueck, dass sie durch keine ernstliche
Krankheit oder einen sonstigen wirtschaftlichen Rueckschlag ihre
Ersparnisse hatten in Anspruch nehmen muessen. Bei einem Viertel
aller befragten Familien lebte der Vater nicht mehr oder hatte seine
Familie verlassen. Ueber die Haelfte der Ernaehrer hatte die Grundschule weniger als acht Jahre besucht, aber fast alle hatten beschlossen, dass ihre Kinder eine bessere Schulausbildung haben
sollten, gleichgueltig, wie stark der Geldbeutel der Familie damit
belastet wuerde.
Die Organisationen, die sich an der Erhebung beteiligten,
waren der Amerikanische Verband der Sozialangestellten, der Vorstand
Juedischer Verbaende und der Wohlfahrtsfonds, die Amerikanische
Vereinigung fuer Familienunterstuetzung, die Siedlungsvereinigung,
die Vereinigung zur Unterstuetzung von Reisenden, die Liga zur
ünterstuetzung der Stadtbevoelkerung, das Komitee fuer Kinderarbeit
sowie die Konferenz Katholischer Wohltaetigkeitsorganisationen und
die Heilsarmee.
Daily News Service
VIII/17/51

BOLOGNA

-

EIN BEISPIEL FUER DEN WIEDERAUFBAU ITALIENS.

Ein Brennpunkt des Transportwesens Italiens ist die norditalienische Stadt Bologna. Am Fusse der Apenninen und am Rande
der grossen norditalienischen Tiefebene gelegen, ist Bologna ein
Schluesselpunkt im Eisenbahnnetz zwischen Nord- und Sueditalien.
Wegen seiner strategischen Lage wurde Bologna waehrend des
2. Weltkrieges schwer bombardiert, und seine Bahnhoefe, die sechs
Hauptlinien aus verschiedenen Richtungen aufnehmen, wurden schwer
beschaedigt.
Heute befindet sich diese Stadt - und mit ihr ganz Italien mit Hilfe des Marshallplanes auf dem Wege zum Wiederaufbau. Der
Hauptbahnhof von Bologna ist mit 2 Kontrollstationen ausgeruestet
worden, die zu den modernsten in Europa zaehlen.
Von diesen Stationen aus wird der Verkehr auf 23 Gleisen
ueberwacht, die sich ueber ein Gebiet von annaehernd 600.000 qm
erstrecken. Die Stationen wurden von den staatlichen italienischen
Elsenbahnen unter Zuhilfenahme von Gegenwert-Fonds der ECA einge-

ll

�richtet, die fuer den Wiederaufbau der Eisenbahnen bereitgestellt
worden waren.
Der Kontrollraum, der 3 Maennern Platz bietet, liegt in der
oberen Etage der Kontrollstation. Seine Einrichtung besteht aus
einer Uhr, einem schwarzen Kontrollbrett aus Kristall und einer
grossen Skala, die mit zahllosen kleinen Knoepfen bedeckt ist.
Mit der Betaetigung eines Knopfes wird ein umfassender
Mechanismus von Kontrolleinrichtungen und Signalen in Bewegung
gesetzt, mit denen die Zuege sicher in den Bahnhof geleitet werden.
Nach dem Bruchteil einer Sekunde bewegt sich in einer Entfernung
von einem Kilometer ein Haltesignal, eine Weiche aendert automatisch
ihre Stellung, und der Zug rollt sicher auf einem der 23 Gleise in
die Stadt Bologna.
700 km elektrischen Drahtes waren zur Verbindung der in den
Kontrollstationen befindlichen Installationen notwendig, die ausgereicht haetten, um eine Verbindung zwischen Turin und Rom herzustellen. Weitere 185 km Draht durchlaufen spinnennetzartig die
unterirdischen Verbindungsrohre zu den Bahnhofsweichen und den
Signalstationen.
Bologna hat den einzigen Bahnhof in Italien, der mit derartigen. Kontrollstationen ausgeruestet Ist. Sie haben wesentlich
zu der zweokmaessigen Arbeitsweise dieses wicntigen italienischen
Eisenbahnknotenpunktes beigetragen.
ECA Labor Information
VII1/8/51

AFL FORDERT MASSNAHMEN ZUR KONTROLLE DER INFLATION. •
Die Kaufkraft des Dollars ist heute nur noch etwas mehr als
halb so hoch wie vor zwoelf Jahren, der amerikanische Lebensstandard ist niedriger als vor-sieben Jahren. Diese Entwicklung
wird sich noch schlimmer auswirken, wenn nicht konkrete Massnahmen zur Kontrolle und zur Verhinderung der Inflation ergriffen
werden.
Dies wird Im monatlichen Wirtschaftsueberblick der AFL zum
Ausdruck gebracht, in dem weiterhin bemerkt wird, dass durch das
neue Gesetz fuer die Verteidigungsproduktion die Preise noch weiter
ansteigen werden. Da von dem jetzigen Kongress kein besseres
Gesetz zu erwarten sei, muesse die Regierung auf schnellstem Wege
andere, gegen die Inflation gerichtete Massnahmen ergreifen.
Um eine weitere Inflation zu verhindern, werden in dem AFLBericht folgende Massnahmen vorgeschlagen:
1. hoehere Steuern, soweit dies durchfuehrbar ist;
2. der verstaerkte Verkauf von Schatzanweisungen der
Regierung an Privatpersonen und weniger an Banken, und
3. strenge Kontrollen der Bankkredite.
Die Verbraucher muessen ausserdem ihre Ersparnisse soweit
wie moeglich erhoehen, und alle Sektoren der Wirtschaft muessen
zusammenarbeiten, um die Produktion von Verkaufsguetern auf dem
hoechstmoeglichen Niveau zu halten.
Die Hauptursache der Inflation Ist ein Mangel^ an Verkaufsguetern zu einer Zeit, in der die Kaufkraft sich erhoeht. Durch
- 12

�Preiskontrollen allein kann die Inflation nicht verhindert werden,
und wenn ihre wahren Ursachen nicht bekaempft werden, koennen
Preiskontrollen niemals wirksam sein, sondern werden einfach zum
Schwarzmarkt fuehren.
Wenn die Preise auch zeitweise unveraendert gehlieben sind,
so ist es doch unvermeidlich, dass sie mit der Steigerung der
Verteidigungsproduktion in die Hoehe gehen, dass die Produktion
ziviler Gueter zurueckgeht und die Verbraucher um die verfuegbaren Verbrauchsgueter regelrecht bitten muessen. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, werden die Verbraucher in dem Bericht aufgefordert, die Preisentwicklungen genau zu verfolgen, keine Waren
zu ueberhoehten Preisen zu kaufen und nur das zu kaufen, was sie
tatsaechlich und unbedingt benoetigen.
"Waehrend die Inflation unser gefaehrlichster Feind im
eigenen Lande ist", faehrt der Bericht fort, "ist der Weltkommunismus unser schlimmster Feind draussen. Wir muessen die
kommunistische Taktik und die Taeuschungsmanoever durchschauen,
furchtlos verhandeln und uns weigern, ueber Grundsaetzlichkeiten
zu feilschen oder ein weiteres kommunistisches Vordringen an
irgendeiner Stelle der Welt zuzulassen. Wir muessen jene ermutigen, die hinter dem Eisernen Vorhang leben und bestrebt sind, sich
von ihren Unterdrueckern freizumachen."
Die militaerische und wirtschaftliche Hilfe fuer Europa muss
nach der Auffassung der AFL fortgesetzt werden, die Westmaechte
muessen an den Kuesten und auf den Inseln des Mittelmeeres Luftund Seestuetzpunkte errichten. Die militaerische Schlagkraft
Japans muss wiederhergestellt und dieses Land nach Unterzeichnung
des Friedensvertrages in den Pazifik-Verteidigungspakt aufgenommen
werden» Die Streitkraefte der Vereinten Nationen muessen in Korea
bleiben, bis dieses Land wieder frei und geeinigt ist»
In dem iranischen Oelkonflikt stellt sich die AFL auf die
Seite Grossbritanniens mit der Begruendung, dass die Perser, die
England beschuldigen, den "Reichtum ihres Landes zu pluendern",
vergessen, dass die technischen Erfahrungen und das Kapital Grossbritanniens erst die Entwicklung der Oelindustrie durch einen
langfristigen Vertrag mit dem Iran ermoeglicht haben, dass Persien
zu einem gewissen Wohlstand gekommen ist.
Die neue Regierung des Irans hat diesen Vertrag gebrochen und
die Anglo-Iranische Oelgesellschaft verstaatlicht. Die AFL ist
der Meinung, dass der Iran seinen Vertrag mit England einhalten
muesse, weil die Respektierung von Vertraegen den Schluessel zu
Vertrauen und zu Sicherheit bildet und das Gesetz und die Ordnung
einer verfassungsmaessigen Regierung auf grundlegenden Vereinbarungen und Vertraegen beruhen, die von der Mehrheit der Buerger
durch ihre gewaehlten Abgeordneten gebilligt sind.
Daily News Service
VI11/17/51

IFL-FUNKTIONAfiRE FORDERN INTENSIVERE POLITISCHE ANTEILNAHME.

Hohe Funktionaere der AFL haben in ihren Botschaften zum
imerikanischen Tag der Arbeit die Notwendigkeit einer intensiveren
&gt;olitischen Betaetigung hervorgehoben.
Der Vorsitzende William Green bemerkte, dass der amerikanische
:ongress beeinflusst wird, "hoeheren Preisen und noch hoeheren Ge-

13

�winnen auf Geheiss der Geschaeftsinteressenten die Tore zu
oeffnen". Die gleiche Koalition Im Kongress, die fuer den Erlasa
des verwerflichen Taft-Hartley-Gesetzes verantwortlich war, hat
sich erneut gegen Gewerkschaften und Verbraucher zusammengeschlossen.
"'Wenn wir unsere politische Betaetigung nicht erweitern und
vervollstaendigen, koennte die Gewerkschaftsbewegung durch eine
nachteilige Gesetzgebung viel von den Erfolgen verlieren, die sie
sich in langen Jahren durch Organisierung, Kampf und TarifVerhandlungen erobern musste."
"Unsere grosse Aufgabe ist es, den Wuergegrlff zu lockern, mit
dem eine reaktionaere Koalition den Kongress zu beherrschen sucht.
Wir muessen 1952 einen wirklich liberalen Kongress waehlen, um die
Interessen der Arbeiter und der Verbraucher unserer Nation zu
wahren. Wir muessen eine Regierung und einen Kongress haben, die
die Beduerfnisse der Menschen respektieren und die Gefahren erkennen, die die freie Welt bedrohen. Wir koennen eine solche Regierung und einen solchen Kongress haben, wenn Jeder wahlberechtigte
Buerger von seinem Wahlrecht Gebrauch macht."
Hauptkassierer George Meany erklaerte, die "Organisierung der
Nichtorganisierten stelle noch immer ein wesentliches Problem fuer
die APL dar." Aber jetzt muessen wir einer neuen Gefahr begegnen.
Wenn auch der "Amerikanische Plan" fehlgeschlagen, der Plan der
Unternehmer misslungen ist, der die Arbeiterschaft in Not und Armut
gestuerzt haette, und wenn es auch nicht zur Verwirklichung der
antigewerkschaftlichen Gesetzgebung gekommen Ist, mit der man die
Gewerkschaften zurueckwerfen und In die Defensive zwingen wollte,
so ist es doch zu dem Erlass des Taft-Hartley Gesetzes gekommen.
Dieses Gesetz hat vieles von dem fertiggebracht, was den Unternehmern zu unserer Zeit niemals vorher gelungen waere.
"Vergesst folgendes nicht: Als die Stimmen ausgezaehlt wurden,
mit denen das Taft-Hartley-Gesetz Im Jahre 1947 angenommen wurde,
waren wir eindeutig unterlegen. Als Praesident Trumans Veto gegen
dieses Gesetz ueberstlmmt wurde, waren wir ebenfalls ohne Zweifel
unterlegen. Das Grosskapital, das durch die Nationale Fabrikantenvereinigung und ihre Puersprecher Im Kongress vertreten ist, erhiell
die erforderlichen Stimmen, nicht wir hatten sie. Wenn wir diese
Situation aendern wollen, gibt es fuer uns meines Wissens nur einen
Weg: Wir muessen die notwendigen Stimmen erhalten."
"In allen Bezirken und in allen Ortsgewerkschaften muessen wir
fuer dieses Ziel arbeiten. Nicht in Washington wird gewaehlt, die
Kongressleute werden draussen im ganzen Lande gewaehlt. Wir muesse:
deshalb auf oertlicher Basis die notwendige Arbeit verrichten."
Charles J. McGowan von der Gewerkschaft der Kessel- und Grobschmiede sagte: "Die Entwicklungen im Kongress und in vielen
Einzelstaaten haben die arbeitende Bevoelkerung gezwungen, sich
auf freiwilliger Basis zusammenzuschliessen, um sich gegen die
Angriffe zu wehren, die auf politischem Gebiet gegen unsere Gewerkschaftsbewegung gefuehrt werden. Wir muessen nicht nur alles
in unserer Macht stehende vollbringen, um unsere wirtschaftliche
Organisation, unsere Gewerkschaft weiter aufzubauen und zu
staerken, sondern wir muessen auch als einzelne Buerger auf freiwilliger Basis mit anderen Gleichgesinnten zusammenarbeiten, damit jene Leute In oeffentliche Aemter gewaehlt werden, die in
Ihrem Herzen an den Wahlspruch "Gott segne Amerika" wirklich glauben und nach ihm auch stets handeln.
AI Hayes von der allamerikanischen Gewerkschaft der Mechanikei
- 14 -

�erklaerte: "Die Feinde des Fortschritts, die durch ihre reichen
und maechtigen "Drahtzieher" Im Kongress arbeiten, wollen, dass
sich unsere Regierung gegen die grosse Masse des Volkes wendet.
Sie versuchen, sie zu einem Hindernis auf dem Wege des Fortschritts umzugestalten. Wenn wir unseren Verpflichtungen uns
selbst und unseren Kindern gegenueber gerecht werden wollen,
muessen wir einen Weg finden, um unserer organisierten Staerke
mehr Binfluss auf die Politik zu geben - der Politik in unserem
Stadtbezirk, in unseren Staedten und Gemeinden und schliesslich
auf die staatliche und nationale Politik. Wenn wir es zulassen,
dass unsere politische Staerke durch Zustaendlgkeitsstreitigkeiten und geringfuegige Meinungsverschiedenheiten aufgespalten
wird, so unterstuetzen wir damit nur unsere Feinde."
Alexander McKeown von der Strumpfarbeitergewerkschaft
erklaerte: "Wir muessen endlich einsehen, dass es verlorene Liebesmuehe ist, einen schlechten Kongress ueberreden zu wollen,
gute Arbeit zu leisten. Wir muessen alle unsere gesamte Energie
dafuer einsetzen, den gegenwaertigen Kongress durch einen besseren
Kongress im Jahre 1952 zu ersetzen."
H.L. Mitchell von der Nationalen Landarbeitergewerkschäft
bemerkte: "Die Gewerkschaftsbewegung muss Ihre gesamten Bemuehungen auf die Vorbereitung der Wahlen im kommenden Jahre
konzentrieren. Das bedeutet, dass sie nicht nur die Gewerkschaftsmitglieder schulen und aufklaeren muss, sondern auch die natuerlichen Verbuendeten der Gewerkschaftsbewegung - die kleinen Bauern,
die kleinen Geschaeftsleute, die Angestellten und die Intellektuellen. Die Koalition der jetzigen gegen die Gewerkschaften eingestellten Kongressabgeordneten hat das fortschrittliche Programm
der Regierung scheitern lassen."
Woodruff Randolph von der allamerikanischen Buchdruckergewerkschaft sagte: "Die Gewerkschaftsbewegung muss den Leuten
nicht nur zeigen, welche Art der Gesetzgebung fuer das Land vorteilhaft ist, sondern muss endlich auch die gegen sie gerichtete
Kritik ueberwinden und als der bessere Berater der gemeinsamen
Interessen der Oeffentlichkeit auftreten."
T. C. Caroll von der Gewerkschaft der Strassenarbeiter vertritt
folgenden Standpunkt: "Die Gewerkschaften muessen bei Ihrer Arbeit
ein wachsames Auge auf die Kongressbeschluesse richten. Dieser
Kongress hat es unterlassen, das Wohl der Lohnverdiener ebenso zu
hueten wie das des Kapitals. Im Kriegsfalle hat sich die Gewerkschaftsbewegung niemals Ihren Verpflichtungen entzogen, dagegen
blueht jetzt bereits das Geschaeft der Kriegsgewinnler. Hiergegen
protestiert die Gewerkschaftsbewegung energisch, waehrend anscheinend gewisse Leute In offiziellen Positionen einfach die Vorhaenge zuziehen, ut die Schuldigen zu verbergen."
W. L. Allen von der Gewerkschaft der Telegrafenarbeiter ist
folgender Meinung: "Unter den 57 % der Wahlberechtigten, die im
vorigen Jahre nicht abgestimmt haben, befanden sich viele Millionen
Lohnempfaenger. Sie haben mit ihren Stimmen die Macht, solche
Leute zu waehlen, die ihre politischen Interessen beruecksichtigen
und darauf achten werden, dass sie ihren gerechten Anteil an den
Fruechten des Fortschritts erhalten. Offensichtlich machen sie
sich keine Gedanken darueber, wer sie vertritt, und legen deshalb
keinen Wert darauf, zu waehlen. Aus diesem Grunde konnten viele
gewerkschaftsfreundliche Senatoren und Abgeordneten fuer das
Repraesentantenhaus 1950 nicht gewaehlt werden. So hat die Arbeiterschaft heute weniger Freunde im Kongress als vor zwei Jahren.
Hieraus erklaert es sich auch, dass das verwerfliche Taft-HartleyGesetz noch Immer in Kraft ist."

- 15 -

�Richard P. Walsh von der Gewerkschaft der Buehnenarbeiter
nahm mit folgenden Worten zu der Frage der politischen Betaetigung
Stellung: "Bei den Wahlen 1948 und 1950 brachte das Grosskapital
eine genuegende Zahl seiner Repraesentanten in Amt und Wuerden,
um uns die Fluegel zu beschneiden. Nun stehen wir vor einem schwerwiegendem Problem, das die Richtigkeit unserer Einstellung beweisen
duerfte. Die hohen Lebenshaltungskosten haben eine allgemeine
Unruhe hervorgerufen. Dieses Mal sollten die Waehler unseren
Argumenten besser Gehoer schenken. Wenn diese Argumente in richtiger und ueberzeugender Weise vorgebracht werden, dann werden die
Leute endlich wach werden und gesetzgebende Koerperschaften waehlen,
die liberal genug sind, um das Problem der Inflation in' der richtigen Weise anzupacken und gute soziale Gesetze zu erlassen. Zugleich
werden sie die schlechten Gesetze, mit denen man die Gewerkschaftsbewegung untergraben wollte, endlich hinwegraeumen."
Lee W. Minton von der Gewerkschaft der Glasflaschenblaeser
sagte: "Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ist in den vergangenen fuenf Jahren durch eine voreingenommene Gesetzgebung
erschuettert worden. Und doch scheint die grosse Masse der amerikanischen Arbeiterschaft in einem apathischen Zustand zu leben.
Die amerikanische Arbeiterschaft muas schnellstens aktiver werden
und dafuer sorgen, dass Ihre Vertreter Im Kongress und ihre Senatoren ueber ihre Wuensche genau unterrichtet werden. Ich moechte
jeden, der an der Wohlfahrt der gesamten Nation und auch an einer
geordneten Wirtschaft Interessiert ist, auffordern, sich staerker
um die Arbeit der Regierung zu kuemmern, damit der Kurs geaendert
wird."
D. W. Tracy von der Internationalen Gewerkschaft der Elektroarbeiter erklaertei "Wir erwarten am liebsten einen direkten Widerruf des Taft-Hartley Gesetzes, in jedem Falle aber eine fuer die
Gewerkschaften guenstige Abaenderung. Die Gewerkschaftsbewegung
wird sich mit diesem ungerechten Gesetz niemals abfinden und nicht
eher ruhen, als bis es aus unseren Gesetzbuechern verschwunden ist.
Die gesamte Gewerkschaftsbewegung muss sich der Notwendigkeit einer
unaufhoerllchen politischen Betaetigung In ihrem eigenen Interesse
und zum Schutz der Rechte des Arbeiters bewusst sein."
J. H. Lyons von der Gewerkschaft der Ei»«nkonstrukteure aeusser
seine Meinung folgendermassen: "Wir haben einen langen Weg zurueckgelegt und wollen auf die errungenen Erfolge nicht Verzicht leisten,
sondern wir wollen fortfahren, fuer weiteren Fortschritt in unserer
nationalen Wirtschaft zu kaempfen. Das ist das Ziel der Gewerkschaftsbewegung, und es kann nur durch stete gemeinsame Bemuehungen
erreicht werden."
William F. Schnitzler von der Gewerkschaft der Baeckerei- und
Konditoreiarbeiter warnte die Gewerkschaftsbewegung vor einer
"kuenstlich geschaffenen Krise, die man dazu ausnutzen koennte, die
gerechten Forderungen der Gewerkschaftsbewegung abzulehnen."
Lester Washburn von der Automobilarbeitergewerkschaft stellte
fest: "Es gibt keinen besseren Weg, alle amerikanischen Arbeiter
zu schuetzen, als sie alle durch starke, demokratische und finanzkraeftige Gewerkschaften zu vertreten. Der nlchtorganisierte Arbeiter befindet sich heute In einer nicht beneidenswerten und gefaehrlichen Lage. Er braucht eine Gewerkschaft zumindest ebenso
noetig wie die Gewerkschaft Ihn braucht."
Daily News Service
VIII/17/51

16 H1C0O 4 9*pt 51 18338 8 V

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

• IV - 35

Frankfurt, 31. August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Bereits vor 3100 Jahren wurde gestreikt

1

Die Arbeiter der Tschechoslowakei verweigern
"freiwillige Zusammenarbeit"

3

Die erwerbstaetige Japanerin

5

Britische Gewerkschaften und Kommunismus

7

Wie amerikanische Gewerkschaften finanzschwache
Betriebe unterstuetzen

9

Italien erzeugt Strom mit vulkanischen
Daempfen
t

13

Kommunismus in Burma verliert an Boden

15

US-Baeckergewerkschaft schafft eigenen Unfallverhuetungsfilm

16

BEREITS VOR 5100 JAHREN WURDE GESTREIKT.
Ein Gelehrter der Universitaet Chikago hat einen Streik
buchstaeblich "ausgegraben", der vor etwa 3100 Jahren stattfand.
Es war zurzeit der Eroberung Trojas, als aegyptische Arbeiter, die an der Fertigstellung und Ausschmueckung des Grabmals
des aegyptischen Pharaonen Ramses III. in Thebens "Tal der Koenige"
beschaeftigt waren, die Arbeit einstellten, weil sie ihre Loehne
zu dem festgesetzten Zeitpunkt nicht erhielten.
Von diesem Streik wird in einer aegyptischen amtlichen Denk- 1 -

�•

schrift aus jener Zelt berichtet, deren Uebersetzung in der
neuesten Ausgabe des von William F. Edgerton herausgegebenen
"Journal of Near Eastern Studies" (Zeitschrift nahoest 1*1 eher
Studien) veroeffentlicht ist. Edgerton ist Aegyptologe und Vorsitzender der Fakultaet fuer orientalische Sprachen am orientalischen Institut der Universitaet Chicago.
Die Arbeiter traten buchstaeblich in den Streik, indem sie
ihre Arbeitsplaetze am Grabmal des Pharaonen verliessen und sich
an anderen Plaetzen der Umgebung versammelten.
Als Beamte der Regierung eiligst hinzugezogen wurden, weigerten
sich die Arbeiter, ihre Arbeit wiederaufzunehmen, mit folgender Begruendung: "Es sind Hunger und Durst, die uns hierher treiben.
Wir haben keine Kleidung, keine Arzneien, keine Fische und kein Genuese."
Obwohl der Bericht unvollstaendig ist, geht aus ihm hervor,
dass die Arbeiter im Verlauf eines Jahres fuenfmal streikten, weil
ihre Lebensmittelrationen nicht rechtzeitig geliefert wurden oder
unzureichend waren. Sie verweigerten jedesmal die Arbeit, wenn sie
keine Lebensmittel erhielten. Ihr Streik war natuerlich immer
erfolgreich.
Obwohl zu jener Zeit In Aegypten eine Inflation herrschte, durch
die der Preis fuer Weizen um 500 % in die Hoehe ging, mag es fuer
Ramses III, haeufig schwierig gewesen sein, genuegend Lebensmittel
fuer die Arbeiter zusammenzubekommen. Edgerton vermutet jedoch,
dass die Streikenden eine Art primitiver Erpressungsmethoden angewendet haben.
Ein Verwandter des Pharao namens To war zum Wesir des Regenten
ernannt worden und wurde dadurch zum zweitmaechtigsten Mann in
Aegypten. Offensichtlich gehoerte es zur Taktik Tos, diese Streiks
In Szene zu setzen. Anstatt dem Hungertode nahe zu sein, werden
Ile Arbeiter in dem koenigllchen Grabmal lediglich im Auftrage Tos
einen Druck auf seine Verwandte ausgeuebt haben.
Die offensichtliche Milde, mit der fuer damalige Zeiten die
Arbeiter behandelt wurden, indem man restlos ihren Forderungen stattgab, laesst sich entweder durch den Einfluss Tos oder die grosse Bedeutung ihrer Arbeit erklaeren.
Der Pharao konnte keine Unterbrechung der Arbeiten im Grabmal
hinnehmen, weil es eine seiner wichtigsten Lebensaufgaben war, noch
zu Lebzeiten das gewaltiee Bauwerk zu errichten, das nach seinem
Tode sein Leben als das eines "grossen Gotts" verherrlichen wuerde.
Zum erstenmal erhielt man Kenntnis von diesem Streik durch ein
primitives Bruchstueck, einer Scherbe aus Ton, die sich in einem
Eerliner Museum befand. Die gesamten Vorkommnisse wurden von einem
damaligen Schriftgelehrten auf einem inzwischen beschaedigten
Papyrusstreifen schriftlich niedergelegt, der sich jetzt in einem
Museum in Turin befindet.
Mitglieder des Lehrkoerpers des orientalischen Instituts der
Unlversltaet in Chikago hatten zum erstenmal 1925 mit Nachforschungen
am Grabmal Ramses III. in Theben begonnen, um diesem ersten ueberlleferten Streik auf den Grund zu gehen.
The CIO News
VIII/13/51

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�DIE ARBEITER DER TSCHECHOSLOWAKEI VERWEIGERN "FR ET'.VILLI GS ZUSAMMENARBEIT" .

Weder durch Ueberredungen, noch durch Versprechungen und
Saeuberun~saktionen ist es den Kommunisten gelungen, das Rueckgrat des Widerstandes der Arbeiter gegen das stachanowistische
Antreibungssystem und andere Methoden der sogenannten "sozialistischen Arbeitsdisziplin" in den Laendern hinter dem Eisernen
Vorhang zu brechen. Die verschiedenen stalinistischen Diktaturen
sahen sich deshalb bezwungen, mehr und mehr zur nackten Gewalt zu
greifen, um die Durchfuehrung der Anordnungen zur Planerfuellung
zu erzwingen. Dies geht aus einer Reihe Berichte hervor, die
nach dem Westen durchsickerten.
Ein weiterer Beweis hierfuer Ist sogar die offizielle kommunistische Presse und der kommunistische Runkfunk. So massregelte zum Beispiel der tschechoslowakische KInisterpraesident
Zapotocky am 8. August Betriebsraete, Gewerkschaften und Betriebsleiter aufs schaerfste, weil es Ihnen nicht gelungen war, die Anordnung vom 29. Juli auszufuehren, In der die Uebernahme von
77.500 Verwaltungsangestellten in den Produktionsprozess der
Industrie angeordnet worden war. Der KInisterpraesident erklaerte:
"Eines ist gewiss - und wir muessen dies als unabaenderliche Tatsache anerkennen - wir werden der Anordnung Folge leisten und die
Uebernahme der Verwaltungsangestellten in die Industrie durchfuehren muessen."
Natuerlich war diese intensive Propagandakampagne, mit der
man die Verwaltungsangestellten ueberreden wollte, ihre Familien,
ihre Wohnungen und ihre Bueros freiwillig zu verlassen, um In die
Bergwerke oder Fabriken zu gehen, ein Fehlschlag. Ein Beweis
hierfuer sind die Angestellten der Stadt Prag. In den letzten
Monaten wollten nur 1.191 Angestellte ihren Arbeltsplatz wechseln,
obwohl man denen, die sich freiwillig zur Arbeit In den Bergwerken
melden, besondere Vorteile bietet. Nur 35 dieser Angestellten
wollten in den Kohlenbergwerken von Maehrisch-Ostrau arbeiten,
obwohl in der kommunistischen Propaganda auf den Mangel an Arbeitskraeften p-erade in diesem Dezirk besonders hingewiesen worden war.
I»'an bot den Freiwilligen verschiedene Bevorzugungen beim Ruecktransport nach Prag nach Ihrer zweijaehrigen freiwilligen Arbeit
im Bergwerk.
Ein weiteres bezeichnendes Beispiel sind die Angestellten der
Pramen-Verteilungsstellen In der Lebensmittelbranche. Von 2.000,
die zur Arbeit in den Bergwerken bestimmt waren, weigerten sich
300 ohne jede Umschweife. Auch die Betriebsleiter wurden von der
Regierung zurechtgewiesen, weil sie diejenigen Arbeiter zurueckgestellt hatten, die fuer eine Verwaltungsarbelt untauglich waren,
oder nur eine geringe Arbeitsleistung aufzuweisen hatten. Die
Fabrikbetriebe, die die ueberwiesenen Arbeiter aufnehmen sollten,
lehnten dies haeufig mit der Entschuldigung ab, sie haetten noch
nicht die notwendigen Maschinen und seien auch noch nicht genuegend
vorbereitet, um sie beschaeftigen zu koennen. Der "Sabotage an
der Verordnung", wie es die Regierung nennt, machen sich also nicht
nur die Arbeiter, sondern auch die Unternehmer schuldig.
Bevor man mit dieser Kampagne der Ueberfuehrung von Verwaltungsangestellten in den Produktionsprozess begann, hatte man
bereits auf die Absolventen der hoeheren Schulen, die aelter als
15 Jahre sind, einen Druck ausgeuebt,. um sie zu veranlassen, eine
Beschaeftigung in der Fabrik oder Im Bergwerk anzunehmen. Das
Ergebnis dieser Massnahme und der uebrigen, die noch folgten, ist
die Zerstoerung des Familienlebens und die Trennung von Vaetern,
Iüiettern und Kindern. In einer neueren Verordnung sieht man vor,

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�schriftliche Vertraege abzuschliessen, nach denen es Lehrlingen
verboten ist, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, wenn dies nicht
aufgrund ausserordentlicher Verhaeltnisse - aber auch dann nur
mit behoerdlicher Genehmigung - geschieht. Alle diese Massnahmen weisen darauf hin, dass es den Stalinisten seit ihrer
Machtuebernahme im Februar 1948 nicht gelungen ist, sich die
freiwillige Mitarbeit der Arbeiterschaft zu sichern.
Diese Verordnungen sind ausserdem durch die grossen Verpflichtungen notwendig geworden, die die Tschechoslowakei im
Rahmen des fuenfjaehrigen Handelsabkommens, das am 5. November
1950 unterzeichnet wurde, der Sowjetunion gegenueber eingegangen
ist. Schwerwiegende und weitverbreitete Leistungsunfaehigkeit
der Industrie, gegen die die offizielle Presse fortwährend
Sturm laeuft, macht die Erfuellung dieser Verpflichtungen fast
unmoeglich.
Die Folge hiervon ist ein allgemeiner Mangel an Waren, ein
finanzielles Defizit und Inflationsspiralen als Begleiterscheinungen. Bei dem Versuch, sich aus diesen wirtschaftlichen
Schwierigkelten herauszuwinden, hat die tschechische Regierung
zu immer drastischeren Massnahmen gegen die Arbeiterschaft
Zuflucht genommen. Hierzu gehoeren natuerlich auch Ihre neuesten
Bemuehungen um eine weitere Steigerung der Produktionsnormen.
Dass es den tschechischen Arbeitern gelungen ist, sich den
immer wiederkehrenden stachanowistischen Antreibungskampagnen zu
widersetzen, wird durch konkrete Zahlen bewiesen, die vom
Nationalen Planungsbuero am 29. Juli 1951 bekanntgegeben wurden.
Diesem Bericht zufolge Ist die Arbeitsleistung des Einzelnen In
der ersten Haelfte dieses Jahres um 3,9 % angestiegen. In dem
Plan war fuer das Jahr 1951 eine Steigerung um 11 % gefordert
worden. Der Steigerung von 3,9 % in der ersten Haelfte von 1951
steht eine Erhoehung von 7 % in dem gleichen Zeitraum des Jahres
1950 gegenueber. Ueber den Prager Rundfunk wurde dem Nationalen
Zentralkomitee der tschechoslowakischen Hauptstadt, das mit der
Stadtverwaltung beauftragt ist, am 13. August vorgeworfen, bei
der Zusammenstellung von freiwilligen Arbeitskolonnen fuer die
Hopfenernte aeusserst nachlaessig gewesen zu sein. Das Komitee
hatte sich verpflichtet, 10.000 Freiwillige zusammenzustellen,
aber nur 1.600 standen bei der Ernte zur Verfuegung, wie im Rundfunk mitgeteilt wurde. Auch in anderen Gegenden war die Antwort
der Arbeiter auf diesen Aufruf enttaeuschend. Von schaetzungswelse 50.000 Helfern, die zum Einbringen der Ernte benoetigt wurden,
konnte nur die Haelfte ausgehoben werden, und die dadurch geschaffene Lage wurde vom Prager Rundfunk als "kritisch" bezeichnet«
Eine der Ursachen, die die Unzufriedenheit unter den Arbeitern
in der Tschechoslowakei naehren, ist das wachsende Ansteigen der
Unfallziffern in der Industrie. Man zaehlt jetzt dreimal so viel
schwere Unfaelle am Arbeitsplatz wis vor dem Kriege.. In einem
Kommentar hierzu bemerkte der Vorsitzende der tschechoslowakischen
Gewerkschaften, Frantisek Zipka, in zynischer Weise vor dem
Parlament: "Ein Arbeiter, der einen Unfall hat, verliert seine
Arbeitsfaehigkeit. Nach Beendigung seiner Behandlung kann er noch
immer arbeitsunfaehig sein. Auf diese Weise entstehen fuer den
Staat Unkosten, zugleich gehen Arbeltsstunden verloren. Wenn der
Unfall durch eine Explosion, durch einen Brand oder eine andere
Katastrophe verursacht ist, muss mit erheblichen Schaeden an
Maschinen und anderen Ausruestungsgegenstaenden der Industrie und
Verlusten an Rohstoffen und Fertigwaren gerechnet werden." So Ist
es woertlich in der "Prace" vom 13. Juli 1951 zu lesenl
In dem Bestreben, derartige Verluste zu vermeiden, hat die
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�Regierung den Gewerkschaften die Verantwortung fuer die Sicherheit smassnahmen uebertragen. Dies ist seit 1945 die zweite
Aenderung in ihrem Programm. Zipka erklaerte in der stalinistischen Zeitung "Prace" am 7. Juli hierzu: "Arbeitsunfaelle
sind meistens auf die Unvorsichtigkeit und Nachlaessigkeit der
Arbeiter zurueckzufuehren." Fluechtlinge aus der Tschechoslowakei dementieren diese Behauptung und beschuldigen Zipka, wie ein
Arbeitgeber und nicht wie ein Gewerkschaftsfuehrer zu sprechen.
Sie sind der Ansicht, dass die gesteigerten Unfallziffern in den
Fabriken und in den Bergwerken durch den Mangel an Sicherheitsmethoden oder durch veraltete Einrichtungen und ueberbeanspruchte
Maschinen bedingt sind, die regelrecht zusammenbrechen und zahlreiche Unfaelle verursachen. Eine weitere Ursache der Unfaelle
ist die staendige Beschleunigung des Arbeitstempos. In den
Fabriken und besonders in den Bergwerken werden Menschen und
Maschinen durch das stachanowistische Antreibesystem gezwungen,
schneller als bisher zu arbeiten: ein anormaler Verschleiss an
Menschen und Maschinen ist die unausbleibliche Folge. Es kommt
zu unnoetigen Unfaellen, und die Arbeitsmoral sinkt zwangslaeufIg.
Propagandaschlagworte ueber den "Aufbau des Sozialismus" sind
fuer derartige Arbeitsbedingungen kein Ausgleich. Die stalinistischen Machthaber der Tschechoslowakei muessen in immer staerkerem
Masse Terror und brutale Gewalt anwenden, um einmal den passiven
Widerstand zu ueberwinden, und zum anderen aus ihren Opfern immer
mehr herauszuholen.
Program Services Section
VIII/14/51

DIE ERWERESTAETIGE JAPANERIN.

Die erwerbstaetige Frau lebt auch in Japan immer noch unter
dem Joch alter Gebraeuche und Traditionen; aber heute sind schon
mehr als eine Million Japanerinnen eifrige Gewerkschaftsmitglieder.
Trotz der vielen Hindernisse, die zu ueberwinden waren, haben sie
betraechtliche Fortschritte erzielt.
Gladys Dickason, die als erste .Gewerkschafterin aus Amerika
in offizieller Mission nach Japan geschickt wurde, hatte nach
einem viermonaticren Besuch in Japan diesen allgemeinen Eindruck
von dem Fortschritt gewonnen, den die arbeitenden Frauen Japans
erzielt hatten.
Fraeulein Dickason ist Vizevorsitzende und Leiterin der
Forschungsabteilung der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO.
In ihrem Buero in der Zentrale der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO in New York sprach Fraeulein Dickason zu Vertretern der "CIO News" ueber ihre Beobachtungen in Japan.
Sie unternahm diese Reise als Sachverstaendige fuer Frauentagen in den Gewerkschaften. Um sich Informationen ueber Loehne,
Arbeits- und Lebensbedingungen und die Taetigkeit der Gewerkschaften an Ort und Stelle einzuholen, hat sie etwa 50 Betriebe
besucht, In denen rund 120.000 Arbeiter, meist Frauen, beschaeftip;t
sind. Sie wohnte Versammlungen bei und hatte Unterredungen mit
Vertretergruppen oertlicher Gewerkschaften, die sich aus Maennern
und Frauen zusammensetzten. Sie unterhielt sich mit Beamten der
Regierung, die sich mit Arbeits- und Frauenfragen beschaeftigen.
Im Beisein von Gewerkschaftsfunktionaeren fuehrte sie Besprechungen
mit Arbeitgebervertretern, sie sprach aber auch anlaesslich ver-

5 -

�schiedener Massenkundgebungen der Gewerkschaften.
"Das Interesse der Frauen fuer die Gewerkschaften und fuer
Angelegenheiten oeffentlicher Bedeutung ist wirklich erstaunlich,"
berichtete Gladys Dickason. "So ist zum Beispiel der Prozentsatz
der Wahlbeteiligung; der Frauen groesser als der der Ma-enner."
"Die Amerikaner moegen es mit Erroeten zur Kenntnis nehmen,
wenn sie an die eigene Wahlbeteiligung denken, dass mehr als 80 %
der Wahlberechtigten an den Wahlen' teilnehmen."
Wir neigen zu der Annahme, dass das Gesicht des japanischen
Menschen ausdruckslos ist. Was jedoch mit zu den lebendigsten
Erinnerungen Gladys Dickasons gehoert, ist der aufgeweckte und
anteilnehmende Gesichtsausdruck der japanischen Frauen, mit denen
sie sich unterhielt.
Sie stuermten regelrecht in die Versammlunersraeuine, um sie
sprechen zu hoeren. Bei ihren Besuchen in den betriebseigenen
Schlafsaelen, in denen noch viele Frauen leben, war sie immer von
einer grossen Schar wissensdurstiger Frauen umgeben, die mit Hilfe
eines Dolmetschers ihr Hunderte von Fragen stellten.
Ein grosser Prozentsatz der erwerbstaeti^en Frauen, in Japan
ist sehr jung. Das Mindestarbeitsalter ist 15 Jahre. Gladys
Dickasons jedoch berichtete, dass einige von ihnen nicht aelter
als 10 oder 12 Jahre ausgesehen haetten, sie jedoch gut und gern
15 Jahre und aelter gewesen sein koennen, weil man dem Japaner Im
allgemeinen sein Alter nicht ansieht. Nur etwa 15 % der erwerbstaetigen Frauen sind vorheiratet.
Der Status der in der Industrie beschaeftigten Frauen Ist
durch die umwaelzenden Veraenderungen in der Gesetzgebung und Verfassung In der Nachkriegszeit wesentlich verbessert worden. Diese
Veraenderungen haben eine Revolution der gesellschaftlichen Stellung der Frau in Japan bewirkt.
Zu den wichtigsten Veraenderungen gehoert das Wahlrecht der
Frau, das sie zum erstenmal im April 1946 ausuebte. Jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Beziehung ist fuer ungesetzlich erklaert und
den Frauen sind heute die gleichen Bildungsmoeglichkelten gewaehrt
worden.
Das Gesetz fuer Arbeltsnormen, das sich sowohl auf erwerbstaetige Maenner als auch Frauen erstreckt, beschraenkt die taegliche
Arbeitszeit auf acht Stunden und die woechentliche Arbeitszeit In
den Hersteller- und verarbeitenden Industrien auf 48 Stunden. Es
legt gewisse Beschraenkungen fuer die Ueberstundenarbeit der Frau
auf und verbietet darueber hinaus gefaehrliche und gesundheitsschaedliche Arbelt fuer Frauen.
Das Gesetz ueber gewerkschaftliche Organisation, das im Dezember 1945 erlassen wurde und sich sowohl auf Maenner als auch auf
Frauen erstreckt, garantiert das Recht, sich gewerkschaftlich zu
organisieren sowie das Streikrecht.
"Die traditionellen Schwierigkeiten, denen die Frauen ausgesetzt waren,lassen diese beiden Gesetze als Urkunden der Freiheit
fuer die Frau erscheinen."
Nach der neuesten verfuegbaren Statistik zurzeit des Aufenthalts Gladys Dickasons in Japan waren von einer gesamten 33 Millionen Menschen zaehlenden Erwerbsbevoelkerung mehr als 12 Millionen Frauen. Nahezu die Haelfte hiervon war in der Landwirtschaft

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�schaft beschaeftist.
Nur rund 2,5 Millionen Frauen oder 38 % der 6,5 Killionen
in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben Besthaeftigten arbeiten
in der Hersteller- und verarbeitenden Industrie. Ueber zwei
Killionen sind im Handel und Gewerbe beschaeftigt. Sine Killion
Frauen verdient sich in den Dienstleistungsindustrien ihr Brot,
und 210.000 sind bei der Regierung beschaeftigt.
Eine der ueberraschendsten Tatsachen ist es, betont Gladys
Dickason, dass es in Japan eine grosse Anzahl unbezahlter Arbeiter
gibt, die man sogar in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben antrifft.
Kehr als sieben Killionen Maenner und Frauen, das heisst etwa
ein Drittel aller in dieser Kategorie, erhalten keinen Lohn. Sie
arbeiten in der grossen Zahl der Familienbetriebe , die fuer die
Gewerkschaften in Japan eines der schwierigsten Probleme darstellen.
Nahezu drei Killionen oder 43 % aller erwerbstaetigen Frauen
in Fabriken und Ladengeschaeften werden nicht entlohnt. Nur
wenirr mehr als 1,5 Millionen der 2,5 Millionen Frauen, die in der
Herstellerindustrie beschaeftigt sind, erhalten einen Lohn. Die
üarloehne der Frauen sind Im Durchschnitt um mehr als die Haelfte
niedriger als die der Kaenner.
In Anbetracut der grossen Schwierigkeiten, mit denen die erwerbstaetige Frau gerade in Japan zu kaempfen hat, duerfte die
Tatsache ein Beweis fuer ihre bejahende Haltung den Gewerkschaften
gegenueber sein, dass von je vier Mitgliedern in der Gesamtmitgliederzahl ein Kitglied eine Frau Ist.
Insgesamt gibt es 1.304.332 weibliche Gewerkschaftsmitglieder.
Etwa 38 % aller Frauen, die eine bezahlte Beschaeftigung ausueben,
gehoeren einer Gewerkschaft an.
Nach der Industriezugehoerigkeit ist die groesste Gruppe gewerkschaftlich organisierter, erwerbstaetiger Frauen in der Textilindustrie vorzufinden, in der 284.000 Frauen Gewerkschaftsmitglieder sind und damit 71 % der gesamten Kitgliederzahl dieser
Gewerkschaft ausmachen.
The CIO News
VIH/13/51
C K . Hartwell, Herausgeber des TUC-Organs:
BRI TISCHE GEWERKSCHAFTEN UND KOKMTNISKUS .

Da sich die Sorrmersaison der gewerkschaftlichen Konferenzen
in England ihrem Hoehepunkt, naemlich der Jahresversammlung des
Britischen Gewerkschaftskongresses (TUC) im September genaehert
hat, werden bereits Vermutungen ueber etwaige Aenderunn;en in der
Politik gegenueber wichtigen gewerkschaftlichen Problemen laut.
Am wenigsten Hoffnung, eine Chance zu haben, besteht dabei
fuer die Kommunisten. Sie blicken auf ein nicht besonders erfolgreiches Jahr zurueck. Seit Ostern haben ihnen die uebrigen
Delegierten in allen Konferenzen eine ablehnende Haltung gezeigt,
und eine Abstimmung nach der anderen hat erwiesen, dass Ihr Bemuehen, dem Kommunismus In den Gewerkschaften eine fuehrende Stellung zu sichern und ihn zu staerken, voellig fehlgeschlagen ist.
In der Metallarbeitergewerkschaft, deren 80u.OOO Kitglieder
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�wesentliche Arbeiten an Verteidigungsprojekten verrichten, hat
Jack Tanner vor kurzem einen Sieg ueber seinen kommunistischen
Rivalen errungen, als er von den Mitgliedern der Gewerkschaft
zum Vorsitzenden gewaehlt wurde. Zuvor hatte die gleiche Gewerkschaft unter Anwendung der gleichen demokratischen Methoden die
Kommunisten aus den hohen Aemtern innerhalb der Gewerkschaft
vertrieben. Hierunter faellt auch der Ruecktritt zweier Organisatoren auf Landesebene.
Diese Rueckschlaege der Kommunisten fallen zeitlich mit einem
Tiefstand des politischen Einflusses des Kommunismus zusammen,
denn kein einziger Anhaenger der kommunistischen Partei ist als
Abgeordneter im Parlament, und nur wenige konnten ihre Mandate in
den Ortsverwaltuneen beibehalten, die sie sich errunt en hatten,
als sie ein wenig Ansehen aus den Kriegserfolgen der Roten Armee
zu ihren Gunsten in die Waagschale werden konnten.
Enttaeuscht darueber, dass es ihnen nicht gelungen ist, die
schweren Verluste, die sie in der Politik erlitten hatten, auf
industriellem Gebiet wiedergutzumachen, haben sich die Kitglieder
der kommunistischen Partei daran erinnert, dass es ihre wichtigste
Aufgabe ist, in den Betrieben kommunistische Parteigruppen zu
bilden. Sie haben zu erkennen gegeben, dass es ihr Ziel ist, nicht
Hunderte solcher Gruppen, sondern vielmehr Tausende zu bilden, von
denen viele, wenn die uebliche kommunistische "Normaltaktik" angewendet wird, ihre Existenz vollkommen verbergen oder ihre politische Zugehoerigkeit unter dem Namen wie "Arbeiterschutzkomitees"
tarnen wuerdo^ waehrend sie bestrebt sind, Stimmen fuer solche
Kandidaten zu sammeln, die von den Parteifuehrern fuer die Aemter
in Orts- und Landesgewerkschaften vorgesehen sind.
Dass von selten des TUC bereits vor drei
und andere Methoden aufmerksam gemacht wurde,
gangen, und es fand in diesem Jahr wohl keine
3tatt, auf der das schwierige Problem, um das
handelt, nicht erwaehnt worden waere.

Jahren auf diese
ist niemandem enteinzige Konferenz
es sich hierbei

In mehreren Faellen haben jedoch die Delegierten aufgrund
ihrer traditionellen Toleranz Minderheitsgruppen gegenueber gezoegert, drastische Massnahmen gegen die Taetigkeit einer organisierten Gruppe in ihren Reihen zu ergreifen, die zwar wenig Respekt
fuer demokratische Grundsaetze zeigt, aber nichtsdestoweniger die
demokratischen Einrichtungen zu ihrem Vorteil ausnutzt.
Auf der anderen Seite sehen sich aber verschiedene Gewerkschaften aufgrund bitterer Erfahrungen veranlasst, dieser Gefahr
prompt zu begegnen. So bestand zum Beispiel die Gewerkschaft der
Bueroangestellten vor zwei Jahren darauf, dass sich die Kandidaten
fuer alle Aemter in der Gewerkschaft auch zu ihrer politischen
Ueberzeugung bekennen. Damit war den Hoffnungen vieler kommunistischer Bewerber ein Ende gesetzt, zu denen auch jener Mann gehoerte, der in diesem Jahr bei den Wahlen um den Vorsitz der Gewerkschaft mit sechs gegen eine Stimme geschlagen wurde.
Inzwischen haben etwa acht Kommunisten ihre Positionen als
oertliche Gewerkschaftsfuehrer dazu ausgenutzt, Betriebsraeten
und anderen gewerkschaftlichen Koerperschaften Meinungen aufzuzwingen, die mit der Politik der Gewerkschaft nicht in Einklang zu
bringen sind. Sie wurden daraufhin aus der Gewerkschaft ausgestossen.
Die Gewerkschaft der Transport- und Fabrikarbeiter, die 1,3
Millionen Mitglieder zaehlt, hat es vor zwei Jahren fuer notwendig
erachtet, aehnliche Regelungen zu treffen.
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�Von den gewaehlten Vertretern der 350.000 Arbeiter im Verteilergewerbe hatte die Mehrheit auf der Jahresversammlung der
Gewerkschaft verlangt, dass der englische Botschafter in Madrid
abberufen wird. Aber nur wenige Kaende wurden gehoben, um'die
Forderung nach dem Rueckzug aller auslaendischen Truppen aus
Korea und andere Resolutionen zu unterstuetzen, die den Zweck
hatten,' die sowjetische Aussenpolitik zu rechtfertigen oder die
Politik der westlichen Laender zu diffamieren.
Ausserdem entschieden sich die Delegierten bei der Wahl des
Vorsitzenden mit grosser Mehrheit fuer ein Parlamentsmitglied,
der der Gewerkschaftsbewegung angehoert, und nicht fuer seinen
kommunistischen Rivalen. Gleichzeitig ging die Zahl der Kommunisten unter den 113 Punktionaeren der Landes- und Bezirksvorstaende auf sechs zurueck.
All diese Tatsachen zeigen, dass sich die englischen Gewerkschaften in voller Ausuebung ihres Rechtes, zu kritisieren
und eine Aenderung in der Politik ihrer Regierung herbeizufuehren,
mehr und mehr der grossen Gefahren bewusst sind, die durch eine
allzu tolerante Haltung den kommunistischen Infiltrationsmethoden
gegenueber nicht nur ihre Gewerkschaften, sondern auch die wirtschaftliche Staerke und demokratische Struktur ihres Landes bedrohen.
The CIO News
VIII/20/51
»VIS AFER1KANI3CEE GEWERKSCHAFTEN FINANZSCHWACHE BETRIEBE UNTERSTUETZEN.
Wenn auch die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ein Kampfmittel darstellt, so hat sie sich doch nach Richtungen entwickelt,
die auf einen Europaeer zuweilen ueberraschend wirken. So pflegt
zum Beispiel seit langer Zeit schon eine bedeutende amerikanische
Gewerkschaft, naemlich die der Damenoberbekleidungsarbeiter (ILGWU),
mit den Unternehmern eine Form der Zusammenarbeit, die auf dem
folgenden Grundsatz beruht: Es ist besser, ein gesundes Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen, als es untergehen und die
Arbeiter erwerbslos werden zu lassen.
Das Beispiel der ILGWU ist zweifellos fuer die gesamte Gewerkschaftsbewegung Amerikas nicht allgemeingueltig. Aufgrund
Ihrer Eigentuemlichkeit, der Bedeutung und Lebendigkeit der Gewerkschaftsorganisation, die diesen Standpunkt vertritt, ist es
jedoch der Muehe wert, sich naeher damit zu befassen.
Diese Art der gewerkschaftlichen Arbeit erfordert natuerlich
geschultes Personal, das in der Lage ist, ein Unternehmen auf
seine Maengel genauestens zu untersuchen und Abhilfe zu schaffen.
Sie erfordert ebenfalls seitens der Gewerkschaften wie auch der
Unternehmer eine Geisteshaltung, der jegliches Gefuehl des Misstrauens fernliegen muss. Der Arbeitgeber muss wissen, dass man
ihm nicht auf sein gutes Gesicht hin hilft, und der Arbeiter muss
sein Bestes tun, nicht nur, um seinen Lohn zu erhalten, sondern
auch um seinem Betrieb die Moeglichkeit zu geben, sich gegen die
Konkurrenz durchzusetzen.
Mit dem geschulten Personal meinen wir die technischen
Experten der Gewerkschaft: Techniker, die aufgeschlossen sind und
genau die Aufgaben ihrer Gewerkschaft kennen. Er wird von der Gewerkschaft bezahlt. Er ist es, der Methoden ausarbeitet, deren
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�Beachtung bei der Pestsetzung der Loehne anerlaesslich sind,
der die Organisation der Betriebe mit dem Ziel studiert, die
Produktivitaet zu verbessern und die Crewinne aus dieser Verbesserung in Form hoeherer Loehne den Arbeitern zuzuleiten. Es
ist der "Mann der Produktivitaet".
Zu Anfang Juni fand in der Abtei Royaumont in der Naehe von
Paris eine Arbeitskonferenz statt, die sich mit den sozialen und
organisatorischen Problemen der Arbeiter beschaeftigte. Die
Frage der Produktivitaet stand ebenfalls auf der Tagesordnung,
und verschiedene Sprecher aeusserten ihre Ansichten zu dieser
Frage. Einer von ihnen war ein technischer Experte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung: William Gomberg von der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Als Einleitung nahm er
mit folgenden Worten zum amerikanischen Unternehmertum Stellung:
"Man darf nicht vergessen, dass wir uns in einem Lande, das
so gross und so dynamisch wie die Vereinigten Staaten ist, gluecklich preisen koennen, dass die Leitung der Industrie in den Haenden kuehner Fuehrer liegt, die staendlg nach neuen Produkten fuer
alte Absahzmaerkte und nach neuen Maerkten fuer alte Produkte
suchen. Damit Sie nicht der Ansicht sind, dass ich Ihnen ein allzu optimistisches 3ild vor Augen halten moechte, beeile ich mich,
hinzuzufuegen, dass auch wir noch einen bestimmten Prozentsatz an
Unternehmern alter Praerrung haben, die, wenn wir Gewerkschafter
es zuliessen, sich sehr wohl damit begnuegen koennten, die Vorteile einer statischen Wirtschaft fuer sich allein zu beanspruchen.
Sie sind stets bereit, Ihnen zu erklaeren, dass die vorhandenen
Absatzmaerkte uebersaettigt sind, dass durch niedrige Preise nur
ein Chaos herbeigefuehrt und keine neue Moeglichkeit erschlossen
wird, und dass durch hoehere Loehne die Gestehungskosten in untragbarer Weise gesteigert werden. Sie werden uns anschliessend
erklaeren, dass wir mit unseren Forderungen nach hoeheren Loehnen
erst die wirkliche Steigerung der Produktivitaet abwarten muessen.
Gleichzeitig wird diese selbe Gruppe behaupten, dass die Wirtschaft
unseres Landes ihr groesstmoegliches Potential an Investierungen
absorbiert habe, und wird sich weigern, ihre Fabriken zu vergroessern und ihre Einrichtungen zu erneuern. Sie werden Ihnen
sagen, dass die Loehne der Produktivitaet angepasst werden muessen,
aber sie werden nichts tun, um mitzuhelfen, diese Produktivitaet
zu steigern. Gluecklicherweise ist in unserem Lande diese kleine
Gruppe Unternehmer durch dynamische Elemente aus der Unternehmergemeinschaft zum Schweigen gebracht worden. Wir Gewerkschafter
haben diese pe-ssimist Ische Einstellung von Anfang an grundsaetzllch
abgelehnt."
Es ist also das Ziel der technischen Experten der amerikanischen Gewerkschaften, jene Apparaturen und Voraussetzungen auszuarbeiten, durch die die Arbeiter an dem Verkauf und an den Gewinnen
aus einer Steigerung der Produktion beteiligt werden koennen.
Diese Beteiligung muss sich jedoch in der Form eines sofortigen
Gewinnes zeigen, denn "Belohnungen auf lange Sicht sind ein Luxus,
den sich nur Akademiker leisten koennen. Arbeiter muessen heute
leben und Ihre Kinder heute erziehen; auf lange Sicht sehen und
abwarten wollen,bedeutet fuer sie Tod."
Es ist einfacher, die Arbeitswelse dieser technischen Einrichtungen zu verstehen, wenn man sie im Lichte der grundliegenden
Politik betrachtet, die die amerikanischen Gewerkschaften mit
ihren Kollektivverhandlungen verfolgen. Diese Politik besteht
darin, mit Energie und Ausdauer hoehere Loehne zu fordern.
Dieser dauernden Forderung liegt die Ueberzeugung zugrunde,

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�dass nur gutgefuehrte Unternehmen die Moeglichkeit haben, hohe
Loehne zu zahlen. "Grenzunternehmen", das heisst solche, deren
Gestehungskosten so hoch sind, dass sie ihnen kaum Gewinne ermoeglichen, halten sich mit Muehe und Not an der Grenze vor dem
Zusammenbruch. Es ist offensichtlich, dass diese Unternehmen
stark bedroht sind, wenn die Gewerkschaften zu -hohe Loehne fordern und wenn ihre Direktoren keine Reform der ueberholungsbeduerfti^en Arbeitsmethoden durchfuehren.
In diesem Moment beginnt die Taeti?;keit der technischen
Experten der 3ewerkschaft: Sie sind staendig bereit, ein Rettun-'smanoevor durchzufuenren, wenn dies ueberhaupt moeglich ist,
um einen "Grenzbetrieb" vor dem Ruin zu bewahren und es ihm zu
ermoeclichen, die von der Gewerkschaft geforderten Loehne zu
zahlen. Sie werden mithelfen, die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu verbessern. Sich mit Loehnen zu begnuegen, die unter
dem Niveau der Konkurrenzbetriebe liegen, wird nicht als rechtmaessiges Mittel zur Unterstuetzung der Leitung eines Unternehmens betrachtet. Dies wuerde nur eine Belohnung fuer Unfaehigkeit darstellen.
Und nun ein schematisches Beispiel zu einer solchen Hilfsaktion:
Nehmen wir an, in einem Gebiet, das der Zustaendigkeit einer
Gewerkschaft untersteht, bestehen die beiden Betriebe "A" und
"B". In dem Tarifvertrag ist vorgesehen, dass die Stuecklohntarife so festgesetzt sind, dass ein durchschnittlicher Stundenlohn von X Dollar garantiert ist. Die Tarife werden dementsprechend festgesetzt,und die Gewerkschaft uebt in den Betrieben
eine Kontrolle aus, um festzustellen, wie es sich damit verhaelt.
Sie stellt fest, dass in dem Betrieb "A" alles nach dem Rechten
geht und der durchschnittliche Stundenlohn tatsaechlich X Dollar
betraegt. In dem Betrieb "B" dagegen ist dieser Stundenlohn geringer. Der Leitung dieses Betriebes "B" wird also mitgeteilt,
dass sie nicht die Bestimmungen des Vertrages einhaelt, und die
Gewerkschaft fordert eine Revidierung der Stuecklohntarife, damit
der vorgesehene Mindestlohn gesichert ist. Der Unternehmer
antwortet, dass er die Tarife nicht erhoehen kann, ohne sein
Unternehmen zu ruinieren. Die Gewerkschaft steht nun vor der
Frage, ob sie auf der Einhaltung der Bestimmungen bestehen und
damit die Gefahr einer Betriebsschliessung heraufbeschwoeren soll.
Die Gewerkschaft entschliesst sich also zu einem Kompromiss
und schlaegt der Betriebsleitung des Unternehmens "B" vor, bei
der Neuorganisierung der Arbeitsmethoden mitzuhelfen. In diesem
Augenblick bestehen drei Moeglichkeiten:
1. Der Unternehmer kann der Auffassung sein, dass die
Einzelheiten der Betriebsfuehrung, wie zum Beispiel Arbeitseinteilung und Arbeitsmethoden innerhalb des Betriebs die Gewerkschaft nichts angehen. Er haelt es fuer Dinge, die der Betriebsleitung vorbehalten sind. "Einverstanden" wird die Gewerkschaft
erwidern, "aber Sie respektieren nicht den Tarifvertrag, denn
die Loehne, die sie zahlen, sind niedriger als der vereinbarte
Durchschnitt. Wir werden uns deshalb an einen Schiedsrichter
wenden." Der Schiedsrichter wird wahrscheinlich den Unternehmer
zwingen, die Tarife zu erhoehen, und das Unternehmen wird sich
in einer verhaengnisvollen Lage befinden.
2. Die Gewerkschaft kann zu dem Entschluss kommen, dass
nichts zu aendern ist, und sie ueberlaesst es dem ^nternelimer
selbst, sich aus der Affaere zu ziehen, haelt jedoch ihre For-

- 11 -

�derunjen ohne Ruecksicht auf den Betrieb, der daran zugrunde
gehen wird, aufrecht. Es ist uebrigens eine ausgezeichnete
Wirtschaftstheorie, dass ein unrentables Unternehmen seine
Tueren schliessen muss und sein Absatz und seine Arbeiter von
der Konkurrenz absorbiert werden. Die amerikanischen Gewerkschaften sind sich jedoch darueber klar geworden, dass sich das
freie Spiel der industriellen Konkurrenz weitaus besser in den
Handbuechern der Wirtschaftspolitik als in der Wirklichkeit abspielt. Es wuerde nicht lange dauern, bis die Industrie eher
einem Dschungel als einer zivilisierten Gemeinschaft gliche.
3. Das Unternehmen ist gesund, und die Betriebsleitung
setzt sich aus verstaendigen Leuten zusammen. Es ist dem Interesse der Arbeiter und Verbraucher dienlicher, wenn man diese
Produktionseinheit ermutigt, mit einem Maximum an Ertrag zu
arbeiten. Hieraus entwickelt sich die Zusammenarbeit zvischen
der Betriebsleitung und den technischen Experten der Gewerkschaft.
Die Angelegenheit wird In allen Einzelheiten studiert, und der
technische Experte der Gewerkschaft laesst ihr die In anderen
aehnlichen Unternehmen gesammelten Erfahrungen zugutekommen.
Es muss natuerllch bemerkt werden, dass diese Hilfe auf
keinen Fall so gehandhabt werden darf, dass das am schlechtesten
bewirtschaftete Unternehmen auf Kosten der darin beschaeftigten
Arbeiter existieren kann. Wenn der von der Gewerkschaft unterstuetzte Arbeitgeber bestehen will, muss er sich in bezug auf
Loehne an die Vorschriften der Gewerkschaften halten und befaehigt
sein, das Problem der Konkurrenz zu loesen. "Wir sind der Ansicht,
dass die Unternehmer aufgrund ihrer Verstaendigkeit und ihres
Einfallsreichtums in der Fabrikation, aber nicht aufgrund ihrer
mehr oder weniger grossen Faehigkeit, Vereinbarungen ueber
moeglichst niedrige Loehne zu-treffen, vor der Konkurrenz bestehen koennen."
Ausserdem stellt die Arbeit der technischen Experten der
Gewerkschaften einen Schutz fuer die Interessen der Arbeiter dar,
wenn aussenstehende Experten, die zu Rate gezogen werden, die
Neuorganisation der bestehenden Betriebe durchfuehren. Jede
Neuorganisation bringt neue Arbeitsplaetze mit sich, fuer die
Stuecklohntarife neu festgesetzt werden muessen.
Nehmen wir an, ein Arbeiter hat bewiesen, dass er an seinem
frueheren Arbeitsplatz 1.60 Dollar verdienen kann. Man gibt ihm
nun einen anderen Platz. Der technische Experte der Betriebsleitung fuehrt ein Zeltstudium durch und setzt den Tarif so fest,
dass der Arbeiter gezwungen ist, mehr zu arbeiten als vorher,
wenn er 1.60 Dollar verdienen will. Der Protest des Arbeiters
koennte erfolglos sein, denn der Experte wird erklaeren, seine
wissenschaftlichen Metboden haetten bewiesen, dass der Arbeiter
zu langsam arbeite. Es ist sehr leicht moeglich, dass die neue
technische Organisation des Betriebs den verborgenen Zweck hat,
das Arbeitstempo der Arbeiter zu steigern. Es liegt also an den
Experten der Gewerkschaft, durch Zeitstudien festzustellen, ob
eine Beschleunigung vorliegt oder nicht.
Man erwaehnte als Beispiel eine Kleiderfabrik In Virginia,
wo die technischen Experten der Gewerkschaft versuchten, die
Verbesserung auszuwerten, die den Experten der Unte 'nehmer zufolge dank einer neuen technischen Arbeitseinteilung ermoeglicht
wurde. Diese Behauptung hatte als Vorwand gedient, um die
Loehne um 25 - 30 % verringern zu koennen, was, so behauptete
die Betriebsleitung, durch die Veraenderungen der Arbeitsmethoden ausgeglichen waere, mit denen eine entsprechende Reduzierung der Arbeitszeit ermoeglicht worden waere. Nach ein-12-

�gehenden Studien bezifferten die technischen Experten der Gewerkschaft die wirkliche, aufgrund neuer Methoden herbeigefuehrte Verbesserung auf 7 % und weigerten sich, die von dem Unternehmen
festgesetzten Lohntarife anzuerkennen.
Niemand wird es leugnen, dass die Frage der Produktivitaet in
den amerikanischen Gewerkschaften hoechst akut ist. Eine Steigerung der Produktivitaet ist in ihren Augen die einzige Moeglichkeit, den Lebensstandard nicht nur der Arbeiter, sondern der gesamten Bevoelkerung zu verbessern. In diesem Kampf spielt der
technische Experte der Gewerkschaft eine sehr bedeutsame Rolle.
Seine Aufgabe ist jedoch nicht leicht, denn selbst in Amerika gibt
es unfortschrittliche Unternehmer. Aus diesem Grunde muss der
technische Exporte vor allem auch ein erfahrener Psychologe sein.
Er kann in der Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern Grosses leisten.
Wo ist in Wirklichkeit der Unternehmer, der nicht jammert,
wenn man von ihm eine Lohnerhoehung verlangt? Seine Einstellung
ist jedoch vosllig anders, wenn mit dieser Forderung genaue Vorschlaege unterbreitet werden, die es der Betriebsfuehrung ermoeglichen, den Gewinn einer besseren Betriebsorganisation mit den Arbeitern zu teilen. In der Arbeit der technischen Experten der Gewerkschaften ist also ein Getriebe zu sehen, das fuer die Riesenmaschine der amerikanischen Wirtschaft aeusserst nuetzlich ist:
Diese Einrichtung stellt zweifellos einen ausgezeichneten Exportartikel dar, den sich auch Europa zu eigen machen sollte.
Rapports France-Etats Unis
VIII/51

ITALIEN ERZEUGT STRCW MIT VULKANISCHEN DAEMPFEN.

Die Kohle, die auch als "schwarze Kraft" bezeichnet wird,
muss verbrannt werden, um Wasser in Dampf zu verwandeln; es war
die erste Kraftquelle, mit der man Elektrizitaet erzeugte. Spaeter
nutzte man Wasserkraefte, die sogenannte "weisse Kraft" dazu aus,
Turbinen zu drehen, mit denen Strom fuer die Betriebe und Wohnungen
in allen Laendern erzeugt wird. Heutzutage hat man in Italien
jedoch eine neue Kraftquelle gefunden und nutzbar gemacht: vulkanische Daempfe. Eine solche Kraftquelle im Larderello-Tal, einer
abgelegenen Gegend der Provinz Toscana, etwa 60 Kilometer suedlich
von Florenz gelegen, erzeugt jaehrlich fuer das energiearme Italien
fast zwei Milliarden Kilowattstunden Strom. Man nennt das Produkt
dieses grossen Naturgiganten "vulkanische Energie".
Jahrhundertelang war das Tal von Larderello Schauplatz des
ungezuegelten Spiels wilder Naturkraefte. Die Erdoberflaeche des
Tals wird von hochschiessenden helssen Dampfsprudeln und Quellen
siedenden Schlammsund kochenden Wasseis durchbrochen, denn das Tal
befindet sich ueber einem Vulkan, der weit unter der Erdkruste
glueht und sich unterirdisch ueber ein Gebiet von annaehernd 210
Quadratkilometern erstreckt. Regenwasser, das durch den poroesen
Fels In grosse Ablagerungen heisser Lava dringt, wird fortlaufend
in Dampf umgewandelt. Jahrelang brodelte diese maechtige Kraft im
Innern der Erde, bis eines Tages Maenner der Technik den Entschluss
fassten, sie nutzbar zu machen und Strom fuer Italiens energiebeduerftige Eisenbahnen, Fabriken und den Zivilbedarf zu erzeugen.
Die Italienischen Arbeiter machten diese Riesenreserven an
Dampfkraft nutzbar, indem sie Bohrloecher in das Erdinnere trieben,
- 13 -

�aehnlich wie der amerikanische Arbeiter in Texas oder Louisiana,
der nach Erdgas bohrt.
Es ist ein schauriger Anblick, wenn mit einem Bohrer die
Felsschicht durchbrochen wird und damit die Pforte zu den unterIrdischen Dampfbehaeltern freigegeben wird. Der siedende Dampf &lt;
dringt zischend durch das Bohrloch nach oben. Der Druck macht
sich mit einer solchen Gewalt frei, dass der Erdboden wie bei
einem Erdbeben schwankt und zittert. Einige statistische Angaben
ueber das Werk moegen fuer unsere Leser von Interesse sein. Wir
verdanken sie Signore Bartelli, einem italienischen Korrespondenten.
"Durch einige Bohrloecher stroemen stuendlich 35 Tonnen Dampf mit
einem Druck von 170 kg auf einen Quadratzentimeter bei einer Geschwindigkeit von 390 m in der Sekunde und einer Temoeratur von
215 Grad^Celsius." .
Es Ist keine leichte Aufgabe, einen .so maechtigen Geiser zu
baendigen. Die Maenner, die die Aufgabe haben, im Innern des
Bohrschachtes die erforderlichen Einrichtungen anzubringen, die
Beton- und Stahlanlagen bauen, muessen mit gebeugten Knien arbeiten, um die heftigen Erdstoesse aus dem Erdinnern zu ueberstehen. Sie stopfen ihre Ohren mit Watte aus, um ihre Trommelfelle vor dem Laerm zu schuetzen, und trotz dieser Vorsichtsmassregel haben viele ihr Gehoer verloren.
Manchmal laesst die Natur ihre Kraefte nicht ohne einen erbitterten Kampf nutzbar machen. Bartelli berichtete als Beispiel von
dem Eohrschacht Nr. 50 im Tal von Larderello. Die Bohrarbeiten
waren gerade im Gange, als ein grosser Dampfstrahl zu fruehzeitig
ausbrach. Das Droehnen dieses furchtbaren Ausbruches, das in den
Bergen rings um das Tal widerhallte, war furchtbar. Um den Dampf
niederzuhalten, war vorher Wasser In den Bohrschacht gepumpt worden.
Dieses Wasser wurde in einen gluehenden Sprudel verwandelt und
Plünderte von Metern in die Luft geschleudert. Rot gluehende Felsstuecke und siedender Schlamm wirbelten umher. Die Hitze war so
stark, dass sich die Eisentraeger eines staehlernen Eohrturms,
der in der Naehe stand, kruemmten. Die Arbeiter gewannen jedoch
den Kampf gegen die Naturkraefte, und In kurzer Zeit konnte der
Dampf abgeschirmt und durch Rohrleitungen zu den Generatoren geleitet werden.
Die Kraftwerke in Larderello sind die einzigen in der Welt,
die mit vulkanischer Energie betrieben werden. Es sind dort
staendig 1.500 Arbeiter beschaeftigt, von denen 300 Elektroarbeiter
sind, die den Dampf in elektrischen Strom umwandeln. Diese
Elektroarbeiter verdienen monatlich etwa 35.000 Lire, was in
deutscher Waehrung etwa 235 D-I»'ark entspricht.
Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern sind
in Larderello aussergewoehnlich gut. Die Elektroarbeiter gehoeren der italienischen Gewerkschaft Freier Elektroarbeiter an,
die dem nichtkommunistischen italienischen Gewerkschaftsbund angeschlossen ist. Sie arbeiten In der Woche 48 Stunden, und Ihre
Gewerkschaft hat fuer sie Sozialversicherungs- und Krankenunterstuetzungen, bezahlten Urlaub, 13 bezahlte Feiertage im Jahr und
eine Weihnachtsgratifikation durchgesetzt.
Die Kraftwerke in Larderello sind gross und ausgedehnt.
Weilenweit, schlaengeln sich Rohrleitungen durch das Tal, und
zahlreiche Verbindungsleitungen koppeln die gischtenden Dampfschaechte mit. Kraftstationen, Transformatoren, Kondensationstuermen und chemischen Fabriken. In Larderello wird ein wertvolles Nebenprodukt gewonnen. Die vulkanischen Daernpfe dieses

- 14 -

�Gebietes enthalten Borax, Amriioniumkarbonat und Spuren anderer
Chemikalien. Vor etwa 200 Jahren haben die Italiener eine
Industrie errichtet, durch die diese Produkte aus den Daempfen
gewonnen werden. Als einzige Quelle natuerlicher Borsaeure der
.Veit hat diese chemische Fabrik im vorigen Jahr ueber 4.500 Tonnen chemischer Produkte erzeugt.
Durch aetzende Oxydbildung wurden die kupfernen elektrischen
Anlagen und Leitungen in Larderello meistens zerstoert. Man hat
dieser Schwierigkeit durch die Verwendung von Aluminiumdraehten
im ganzen Betrieb abgeholfen.
Im Zentrum der italienischen Halbinsel freieren, kann Larderello
seinen Kraftstrom nach allen Richtungen schicken und Italiens Vorraete an elektrischer Energie ergaenzen. Etwa 65 % des erzeugten
Stromes werden von d'en staatlichen Eisenbahnen abgenommen. Weitere
25 )\ werden in den Fabriken verbraucht, waehrend die restlichen
10 % Bueros und Wohnungen mit Licht ström versorgen.
Zu Anfang des Jahres 1944 wurden in Larderello die Turbinen,
Generatoren, chemischen Fabriken und Arbeiterwohnungen von deutschen
Truppen auf dem Rueckmarsch zerstoert. Amerikanische Heeresingenieure und amerikanische Techniker halfen den Italienern, die
Anlagen mit einem Kostenaufwand von acht Milliarden Lire wiederaufzubauen. Im August des vergangenen Jahres drehte sich wieder
die erste Turbine.
"Im Jahre 1950 lieferte Larderello 7-| % der gesamten Stromerzeugung Italiens. Mit den neuen Anlagen kann dieser Anteil nun
um weitere 5 % gesteigert werden. Es ist wohl der billigste Strom
der Welt, der hier erzeugt wird. Denn der Bau von Wasserkraftwerken ist kostspielig, und mit Kohle betriebene Elektrizitaetswerke sind im Verbrauch sehr teuer.
Da Italien nur ueber minderwertige Kohle verfuegt und die
Moeglichkeiten einer Nutzbarmachung der Wasserkraft begrenzt sind,
kann die Bedeutung Larderellos nicht hoch s;enug einweschaetzt werden.
Die Reserven an vulkanischen Daempfen sind in Larderello anscheinend unerschoepflich, waehrend Wasserkraftwerke saisonbedingten
Schwankungen in der Versorgung unterworfen s^nd.
Es handelt sich hier tatsaechlich um ein einzigartiges Unternehmen - "Vulkane drehen Turbinen" - mit denen in Italien Strom
erzeugt wird, um einem Land zu helfen, das bestrebt ist, aus eigener
Kraft heraus wieder wirtschaftlich selbstgenuersam zu werden. Die
Allamerikanische Gewerkschaft der Elektroarbeiter ist stolz auf
die Hilfe, die die USA den italienischen Arbeitern und besonders
den Elektroarbeitern zukommen laesst, die soviel dazu beitragen
koennen, dass auch die uebrin;e Bevoelkerung wieder zu produktiven
Buergern wird. Die amerikanischen Elektroarbeiter ^ruessen die
ECA und wuenschen ihr in allen ihren Unternehmungen den gleichen
Erfolg wie in Larderello.
The Electrical Workers Journal
VII/51
Organ der Allamerikanischen Gewerkschaft der Elektroarbeiter (AFL)

KOMMUNISMUS IN BURMA VERLIERT AN BODEN.

Der Kommunismus kann in Suedostasien durchaus besiegt werden.
Aber hierfuer braucht man wirtschaftliche und soziale Hilfe und
- 15 -

�auch eine gewichtige militaerische Staerke. Dies ist die
Meinung des sozialistischen Ministerpraesidenten in Burma,
Thakin Nu. In einem Interview mit Henry R. LIeberman von der
"New York Times" fuegte der 44-jaehrige burmesische Ministerpraesident hinzu, eine friedliche Beilegung des Korea-Konfliktes
muesse nicht unbedingt eine Erhoehung der kommunistischen Gefahr in diesem Gebiet zur Folge haben. Die Marshallplan-Hilfe
sei ein wirksames Gegengewicht gegen den kommunistischen Druck.
Im vergangenen Jahr erhielt Burma von der Verwaltung fuer
Technische Zusammenarbeit mehr als zehn Millionen Dollar fuer
die Entwicklung des Gesundheitswesens, die Poerderung der Landwirtschaft und des Transportwesens, sowie fuer die Einfuhr
wichtiger Verbrauchsguetern.
Thakin Nu erklaerte: "Wir brauchen Techniker, Ausruestungen,
Berater und finanzielle Unterstuetzung. Wir wuerden diese Unterstuetzung von jedem Lande annehmen, das sie gewaehren will, ohne
uns politische Fesseln anzulegen. Das amerikanische Programm
bringt uns die Art der Hilfe, wie ich mir sie vorstelle."
Als der Ministerpraesident gefragt wurde, ob ein Friede in
Korea den chinesischen Kommunisten nicht die Moeglichkeit geben
wuerde, ihre Hilfe fuer die kommunistischen Rebellen gegen die
burmesische Regierung zu aktivleren, antwortete er: "Wenn wir
uns den Frieden in Korea zunutzemachen und selbst unsere Vorbereitungen zur Abwehr einer Aggression treffen, glaube ich nicht,
dass dieser Friede eine Gefahr bedeutet."
Thakin unterstrich, dass er den Kommunismus und jegliche
Form der Diktatur ablehne, und fuhr dann fort:
"Ich moechte auf demokratischem Wege ein sozialistisches
System einfuehren. Ich werde das Volk selbst ueber dieses System
entscheiden lassen. Wenn es ihm gefaellt, werden wir gewaehlt.
Wenn nicht, sollen sie uns eben fortjagen."
Der burmesische Ministerpraesident war der festen Ueberzeusung, dass die kommunistische Revolte gegen seine Regierung
im Absterben ist und die burmesischen Kommunisten eine immer geringer werdende Gefahr darstellen, denn, so sagte er, "wir haben
die Massen auf unserer Seite."
Program Services Section
VIII/15/51
US-BAECKERGEWERKSCHAFT SCHAFFT EIGENEM UNFALLVERHUETUNGSFILM.

Die wachsende Zahl der gewerkschaftlichen Filme wird um
einen weiteren vermehrt werden, sobald die Gewerkschaft der Backund Suesswarenarbeiter auf Ihrem Kongress am 17. September ihren
Delegierten den neuen Film "Es haengt von Dir ab" zeigen wird,
der von einer Filmgesellschaft In Hollywood hergestellt wurde.
Der Film beschreibt jene Unfaelle, die erfahrungsgemaess in der
Back- und Suesswarenindustrie auftreten und hat die Aufgabe,
drastisch die Unfaelle am Arbeitsplatz darzustellen und zu bekaempfen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, William F. Schnitzler,
teilte mit, dass dieser Film nach seinem Start, allen Ortsgruppen
der Gewerkschaft zur Verfuegung steht.
Daily News Service

- 16 M C 00 IE Sept 51 18338 6 K

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 36

Frankfurt, 7. September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Grundlegende Probleme der Gewerkschaftsbewegung .. 1
Das einzige Mittel zur Steigerung der Reallöhne .. 5
Sozialistischer '.Vettbewerb in der Sowjetunion
zum Scheitern verurteilt
Kommunale Entwicklungsprogramme in Ekuador

8
10

Europaeische Produktionstechniker sammeln wertvolle Erfahrungen in den U.S.A
11
Amerikanische Kommunisten besuchen Russland

14

Hoehere Loehne und mehr Arbeit durch neue Produktionsmethoden

16

Fannia K. Cohn, Sekretaerin im Arbeiterbildungsreferat der
Allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter:
GRUNDLEGENDE PROBLEME DER OEyraRKSCiJ^FTSBEV.'EGUNG
Die Gewerkschaftsbewegung ist sich immer dessen bewusst
gewesen, wie wichtig es ist, ihre Mitglieder in ihren Anschauungen, ihren Grundsaetzen und ihrer Politik zu schulen
und sie darauf vorzubereiten, aktiv an der Loesung ihrer
Probleme mitzuarbeiten. Natuerlich sind die Gewerkschaften
selbst, ihre Versammlungen und ihre taeglichen Aufgaben
die beste Schule fuer die Arbeit in der Praxis. Um jedoch
dem Einzelnen ein eingehenderes Studium ueber die Hintergruende der Gewerkschaftspolitik zu ermoeglichen und ihn
dabei zu unterstuetzen,seine Rolle als Buerge einer echten
1

�Demokratie zu spielen, haben die Gewerkschaften die Notwendigkeit erkannt, ihre Arbeit auf dem Gebiete der Arbeiterbildung zu erweitern. In dieser Hinsicht hat das Buero fuer
Arbeiterbildung, die erzieherische Waffe der AFL, eine fuehrende und anerkannte Rolle gespielt.
Die Aufgaben dieses Bueros sind heute von groesserer
Bedeutung als je zuvor. Die Gewerkschaftsbewegung hat in den
Vereinigten Staaten eine bestimmte Reife erreicht. Sie steht
nicht mehr tagtaeglich vor der Notwendigkeit, um ihr blosses
Existenzrecht zu kaempfen. Durch ihre eigene Staerke hat
sie sich einen anerkannten Platz in der Gesellschaft gesichert, dessen Berechtigung nicht mehr anzuzweifeln ist. Auf
politischem und wirtschaftlichem Gebiet hat sich die Bewegung als eine konstruktive Macht entwickelt, mit der gerechnet werden muss.
Aber diese grossen Erfolge der Gewerkschaftsbewegung
haben ihr auch neue Probleme und neue Pflichten auferlegt.
Sie steht heute vor der Aufgabe, nicht nur fuer sich selbst,
sondern auch fuer die gesamte Lebensgemeinschaft des Staates
Fuehrer zu stellen. Sie hat sich viele Freunde gewonnen,
sie musste jedoch dabei feststellen, dass sie maechtige Gegenspieler hat.
Obwohl diese es nicht mehr wagen, wie einst einen frontalen Angriff gegen die Gewerkschaften zu fuehren oder zu
versuchen, sie vollkommen zu zerstoeren, sind sie doch immer noch bestrebt, die Macht der Gewerkschaften zu schwaechen und sie zumindest eines Teils ihrer Handlungsfreiheit
zu berauben. Unablaessige Wachsamkeit ist deshalb auch fuer
eine starke Gewerkschaftsbewegung geboten. Wenn die Gewerkschaften ihre Positionen beibehalten und verbessern wollen,
muessen sie von den Faehigkeiten, die in ihren eigenen Reihen zu finden sind, weitgehenden Gebrauch machen. Die jungen Maenner und Frauen, die den Gewerkschaften zustroemen,
muessen dafuer geschult werden, der Gewerkschaftsbewegung zu
dienen, die wiederum ihnen dienen muss, wenn alle ihre Faehigkeiten zu voller Entfaltung kommen sollen.
In der Vergangenheit sind zahlreiche bekannte Fuehrer
aus der Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen, Maenner und Frauen, die sich die Achtung aller Sektoren der staatlichen Lebensgemeinschaft erworben haben. Sie wurden in der Schule
der Erfahrung in den einzelnen Ortsgewerkschaften,als Streikposten, in den Streikbueros und in dem Kampf um den Aufbau
der Organisation angesichts ueberwaeltigender Schwierigkeiten
herangebildet.
Die ersten Kaempfe, unter denen die Gewerkschaftsfuehrer
heranwuchsen, und in denen sie die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung kennenlernten, sind nun vorueber. Heute gibt es nur
wenige Gewerkschaftsmitglieder, die vor der Notwendigkeit stehen, jene Kaempfe zu durchstehen, und jene Opfer zu bringen,
die von den Pionieren der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
verlangt wurden. Es ist vorteilhaft, dass sich die Gewerkschaften eine Position erobert haben, in der diese Kaempfe
nicht mehr notwendig sind, und die es ihnen ermoeglicht, weitere Erfolge fuer ihre Mitglieder herauszuschlagen, von denen
sie noch vor einer Generation nicht zu traeumen wagte. Dies
bedeutet jedoch auch gleichzeitig, dass die neuen Mitglieder
nicht jene Kampferfahrung haben, die, wenn sie auch oft
grosse Opfer verlangte, grosse Fuehrer hervorbrachte.
2 -

�Wenn die Gewerkschaftsbewegung auch in der Zukunft Fuehrer von der gleichen ^ualitaet wie jene der frueheren Zeit
haben will, uiuss sie irgendeinen Weg finden, um ihren Mitgliedern jene bitteren Lehren der Vergangenheit vor Augen
zu fuehren, die ihnen heute erspart bleiben.
Muessen die jungen Mitglieder alle üaenipfe und Haarten
durchstehen, wie sie die Pioniere der Gewerkschaftsbewegung
kannten, um sich in dieser Bewegung bewaehren zu koennen?
Nein. Der junge amerikanische Buerger braucht nicht mehr
die Kaempfe der Gruendungsvaeter der Republik durchzumachen,
um ein wertvoller Buerger in der Lebensgemeinschaft der
Nation zu sein. Der junge Buerger lernt sein Amerika auch
nur in der Schule, der Hochschule, in seinen Schulbuechern
und dem Geschichtsunterricht kennen. So kann auch der junge
Gewerkschafter mit Hilfe eines wirksamen Schulungsprogramms
viel von seiner Gewerkschaft und der ersten Kampfzeit der
Gewerkschaftsbewegung lernen. Hieraus entwickelt sich eine
Loyalitaet fuer die Bewegung, die sich auf Verstaendnis und
Ueberzeugung gruendet.
Auch heute werden die Probleme, denen die Gewerkschaftsbewegung gegenuebersteht, immer umfassender. Es sind nicht
mehr allein Streiks, Streikpostenketten und Kollektiv-Verhandlungen, durch die die- Lebensverhaeltnisse der Arbeiter
verbessert werden. Die Gewerkschaften beschaeftigen sich
auch nicht mehr nur mit den Arbeitsbedingungen der Arbeiter.
Sie versuchen vielmehr, ihn zu schuetzen und seine Lebensbedingungen als Verbraucher und als Buerger zu verbessern. Sie
sind bestrebt, ihren Mitgliedern volle und sichere Beschaeftigung und einen ausreichenden Schutz in Zeiten der Arbeitslosigkeit, in Krankheitsfaellen und im Alter zukommen zu lassen.
Bei allen diesen Problemen, wie auch bei den Lohn- und
Arbeitszeitproblemen selbst, spielt die Regierung eine Rolle
von staendig zunehmender Bedeutung. Um ihre Mitglieder zu
schuetzen und deren Interesse zu wahren, behandelt die Gewerkschaftsbewegung in Washington und anderen Hauptstaedten
der einzelnen Staaten tagtaeglich neue Probleme. Die Gewerkschaften muessen in der Lage sein, Gesetzgebungsprobleme auf
vielerlei Gebieten zu bearbeiten, weil die Aufgaben der Regierung sich mehr und mehr auf die Gewerkschaften und ihre Mitglieder direkt auswirken. Darueberhinaus suchen auch andere Sektoren der staatlichen Lebensgemeinschaft in der Entwicklung
eines Programms fuer eine bessere Zukunft Amerikas und der Welt
nach geeigneter Fuehrung.
Zusammen mit anderen produktiven und schoepferischen Gruppen, einschliesslich Bauern, Akademikern und allen vorwaerts
strebenden Elementen der Gesellschaft, hat die Gewerkschaftsbewegung eine historische Funktion zu erfuellen. Vereint mit
diesen neuen Freunden kann sie einen gesunden Elnfluss auf
die Entwicklung einer Politik ausueben, die dazu beitraegt,
Sicherheit und Freiheit nicht nur fuer das eigene Land, sondern fuer alle Voelker der Welt zu garantieren.
Dass sich die Arbeiterschaft dieser neuen Moeglichkeit
bewus3t ist, hat sie bereits bewiesen. Der Sieg der Alliierten im vergangenen Krieg und die Bewahrung der freien Nationen vor der nazistischen und faschistischen Tyrannei sind zum
grossen Teil der'historischen Rolle zu verdanken, die die ame3 -

�rikanische Gewerkschaftsbewegung bei der Mobilisierung der
Arbeitskraefte und der natuerlichen Hilfsreserven des Landes
gespielt hat.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat mitgeholfen, die Gewerkschaften und andere demokratische Kraefte
in den uebrigen Laendern zu staerken; und zwar sowohl in
Laendern, die mit Amerika verbuendet waren, als auch in solchen, in denen amerikanische Truppen die Diktatoren beseitigt haben, die die Arbeiterschaft unterdrueckten. Sie hat
vor allem Verantwortungsbewusstsein und Verstaendnis fuer
jene Weltprobleme an den Tag gelegt, die sie in die vorderste Front der Weltdemokratie gestallt haben. In der Verwaltungsorganisation des Marshall-Planes hat die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung heute eine wichtige konstruktive Aufgabe zu erfuellen, wie sie es auch bereits bei der Entwicklung dieses Planes getan hat.
Die neuen Funktionen, die zu erfuellen die Gewerkschaftsbewegung heute berufen ist, sind so zahlreich und so umfassend, dass diese Bewegung neue Arbeitsmethoden anwenden
musste. Auf vielen Gebieten musste sie auf Experten zurueckgreifen, die wirklich wertvolle Arbeit geleistet haben. Wenn
jedoch diese Experten auch heute noch noetig sind, um die
komplizierten Probleme der Gewerkschaften zu loesen, so koennen sie doch niemals eine aufgeklaerte und aufgeschlossene
Mitgliedschaft ersetzen. Denn wenn die Mitglieder die grundlegenden Probleme nicht verstehen, werden sie auch nicht
die Voraussetzungen fuer ihre Loesung kennen, Experten aber
koennen sie nur verwirklichen, wenn der Boden vorbereitet ist.
Die Festlegung einer Politik ist eine Funktion, die
die Gewerkschaften keinem Aussenstehenden uebertragen kann,
denn sie bildet den Hauptinhalt der Demokratie.
Die »Veit erwartet von der Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten ein konstruktives Programm, das den Interessen der notleidenden Menschheit auf der ganzen Welt Rechnung tragen muss.
Niemand kann sich der Tatsache entziehen, dass grosse
wesentliche Reformen nicht ohne Gesetzgebung zustandegebracht
werden koennen. Die besten Elemente in der Gesellschaft
werden bereit sein, sich der Gewerkschaftsbewegung in ihren
Bestrebungen anzuschliessen, einen positiven Einfluss auf
die Regierung auszuueben.
Die Gewerkschaftsbewegung kann sich mit ihrer realistischen Auffassung und ihrer ueberlegten und vorsichtigen Politik an einer solchen Fuehrun« beteiligen. Um sich das Vertrauen aller fortschrittlich denkenden Mitbuerger zu sichern,
muss sie ihre Achtung vor dem Wissen, dem Verstaendnis und
der Aufklaerung vor der Fuehrung und auch vor den Millionen
Gewerkschaftsmitgliedern unter Beweis stellen, denen der
Segen der Demokratie zugedacht ist. Dies ist zugleich die
aktuellste Aufgabe und eine neue Moeglichkeit fuer weitere
Fortschritte der Gewerkschaftsbewegung.
The Federationist
XI/49
- 4-

�DAS EINZIGE rflTTEL ZUR STEIGERUNG DiJt REALLQ&amp;HNE
Der nachstehende Artikel, der in der Londoner "Sunday
Times" am 26.3.1951 veroeffentlicht wurde, wird von
den Fuehrern des Europeeisehen Produktivitaetsprogramms
als eine bedeutende Abhandlung zu diesem Thema betrachtet. Der .Verfasser ist der Generalsekretaer
der britischen Chemiearbeitergewerkschaft Bob Edwards.
Im Jahre 1950 produzierte Amerika mit. einer Bevölkerungsziffer von 150 Millionen Waren im Werte von 260 Milliarden
Dollar. Eine halbe Killion amerikanischer Bergleute foerderten mehr Kohle zutage als die zwei Millionen Bergarbeiter in
Europa. Eine Arbeitsstunde in Amerika entspricht heute 15
Arbeitsstunden auf der uebrigen Welt.
Der Impuls der amerikanischen Produktion ist so gewaltig,
dass sich das amerikanische Volk heute des hoechsten Lebensstandards der ganzen weit erfreuen kann. Es steigerte sich
1950 das Durchschnittseinkommen jedes einzelnen Llannes, jeder
Frau und jedes Kindes um 9&gt;. Es trifft zu, dass der amerikanische Wohlstand durch viele rein natuerliche Faktoren erleichtert wird. Aber selbst wenn man diese Faktoren beruecksichtigt, bleibt die wesentlichste Ursache dieser hohen Produktivitaet die viel hoehere Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Industrie im Vergleich zu der in England und im uebrigen Europa. Dies ist wiederum durch die Tatsache bedingt,
dass sich die amerikanischen Arbeiter durch ihre Gewerkschaften den Grundsatz zu eigen gemacht haben, dass ihr Lebensstandard
von einer staendig ansteigenden Produktionsleistung
abhaen*rig ist, und sie haben nicht gezoegert, neue Ideen der
industriellen Betriebsfuehrung und Arbeitsmethoden zu akzeptieren.
In den letzten zehn Jahren haben der britische Gewerkschaftskongress TUC und die britische Regierung immer wieder
auf die Notwendigkeit einer gesteigerten Produktion hingewiesen. Diese Aufforderung hat in gewissem -lasse zu Erfolgen
gefuehrt. 1950 war die Produktion um 9&gt;b hoeher als 1949,
und trotz Rohstoffmangel konnte dieser Vorsprung auch in den
ersten sechs Monaten des Jahres 1951 beibehalten werden.
Er kann jedoch noch wesentlich erweitert werden, wenn beide
Partner der Industrie bereit sind, die noch bestehenden hinderlichen veralteten 2iethoden zu beseitigen.
Die 50 verschiedenen Berichte der Besuchergruppen, die
nach Amerika gereist sind, um dort Fragen der Produktivitaet
zu studieren, beweisen ohne jeglichen Zweifel, dass moderne
Produktionsmethoden und wissenschaftliche Betriebsleitung
bei allgemeiner Anwendung von Anreizlahnsystemen eine staendis;e Erhoehunsr der Realloehne ermoeglichen und den Einfluss
und die Staerke der amerikanischen Gewerkschaften eher erweitert als beschraenkt haben. An Hand des Berichtes einer
Besuchergruppe, die sich aus britischen Gewerkschaftsfunk tionaereb zusammensetzte und 1949 in den Vereinigten Staaten
weilte, um die Arbeitsweise der amerikanischen Gewerkschaften
und ihre Auswirkung auf die industrielle Produktion kennenzulernen, hat der Verwaltungsausschuss des TUC den Gewerkschaften folgende Vorscnlaege unterbreitet:
a) Sie muessen sich aktiv fuer moderne Methoden der
Produktion und Betriebsleistung einsetzen, um die
Leistungsfaehigkeit der Industrie zu verbessern.
- 5 -

�b)

Sie muessen Leute beschaeftigen, die in der Lage sind,
bei der Loesung von Produktionsproblemen Ratschläge
zu erteilen, und sie muessen mithelfen, ihre eigenen Referate fuer Produktionsfragen zu errichten,
wo es angebracht ist.

cj Sie muessen fuer grosszuegige Ausbildungs- und Schulungseinrichtungen fuer ihre Mitglieder sorgen und
d)

ueberpruefen, ob ihre Organe Produktionsprobleme
so wirksam wie moeglich behandeln und Beschreibungen geeigneter technischer Apparaturen und Methoden
an ihre Mitglieder verteilen.

Dies stellt eine Revolution in der Denkweise der Gewerkschaften dar und, wenn auch die britischen Gewerkschaften
nicht den Wunsch haben, amerikanische Produktionsmethoden unveraendert auf die britischen Industrien zu uebertragen, so
unterstreichen sie doch die Notwendigkeit gesteigerter Produktion durch Modernisierung und Neuausruestung.
Diese Notwendigkeit erfordert die Beibehaltung eines
hohen Niveaus der Kapitalinvestierung, und da wahrscheinlich
80% der britischen Wirtschaft in Privathand bleiben, kann
diese Kapitalinvestierung nur aus den Gewinnen oder Ueberschuessen kommen. Wenn die neuerdings gestellten Forderungen
nach Lohnerhoehungen durch Beanspruchung eines groesseren
Teils der Gewinne befriedigt werden sollen, werden entweder
die Kapitalinvestierungen reduziert oder die Preise gesteigert werden muessen. Folglich werden die Realloehne der
Arbeiter - zum Unterschied von der groesseren Lohntuete nicht erhoeht werden.
Die gesteigerte Produktion pro Arbeiter und pro Arbeitsstunde ist der einzige Ausweg aus diesem Dilemma. Es ist
der Weg, die Realloehne zu erhoehen und gleichzeitig die
Preise zu senken, vorausgesetzt, dass die Gewinne aus der
gesteigerten Produktion an alle gleichmaessig verteilt werden.
Die chemische Industrie, mit der ich mich unmittelbar
beschaeftige, ist ein bezeichnendes Beispiel. Die gesteigerte Produktion in diesem Industriezweig ist ein wichtiger
Schluessel zur Zukunft Grossbritanniens als Industriemacht.
Diese Industrie liefert nicht nur die Zubringerrohstoffe
fuer alle Grundstoffindustrien, sondern ihre Erzeugnisse gehoeren auch zu den wichtigsten Exportartikeln. Wenn wir
diesen Export vor allem nach den Dollargebieten steigern
koennen, vergroessern wir unsere Moeglichkeit, mehr Lebensmittel und lebenswichtige Rohstoffe zu importieren.
Die grosse Ausdehnung der chemischen Produktion in den
vergangenen Jahren ist vor allem auf die Modernisierung und
Neuausruestung zurueckzufuehren, woraus sich ergibt, dass
die Arbeiter dieser Industrie Traeger sehr hoher Kapitalanlagen sind. Auf jeden Arbeiter dieser Industrie kommen im
Durchschnitt Betriebsanlagen und Ausruestungen im Werte von
1600 Pfund Sterling, mit denen er chemische Erzeugnisse im
Werte von etwa 2400 Pfund Sterling im Jahre produziert. Wenn
die jetzigen Plaene zu weiteren Kapitalinvestierungen verwirklicht sind, werden auf jeden Chemiearbeiter rund 2500
Pfund Sterling in Form von Betriebsanlagen kommen, die eine
6 -

�Produktionskapazitaet fuer chemische Erzeugnisse im Werte von
3500 Pfund üterling jaehrlich darstellen.
Die volle Auswertung dieses wertvollen Besitzes muss jedoch durch eine aufgeschlossenere Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitern und deren Bereitwilligkeit ermoeglicht werden, sich den neuen Verhaeltnissen anzupassen. Viele
Betriebe leben weiter in dem alten Trott und begnuegen sich
damit, unter Anwendung alter Produktionsmethoden geringe Gewinne zu erzielen. Wir haben noch Zeit, aber die Zeit ist
bemessen. Selbstzufriedenheit wird bald durch die gesteigerte Konkurrenz erschuettert werden, die vor allem aus Amerika,
Kanada und den wiederbelebten chemischen Industrien Deutschlands kommt.
Neue Ausruestungen und neue Betriebe allein reichen
nicht aus. Sie sind nur Mittel und Werkzeuge. Die chemische
Industrie und natuerlich auch alle anderen Industrien muessen
die Durchschnittsproduktion zu einem Hoechststand bringen.
Hierzu ist es erforderlich, dass Anreizlohnsysteme allgemein
angewendet werden. Wir haben selbst die Erfahrung gemacht,
dass in jede:,i Betrieb, in dem diese Systeme in gemeinsamer
Zusammenarbeit und nicht durch willkuerlichen Entscheid der
Betriebsleitung eingefuehrt wurden, hoehere Produktivitaet
und hoehere Ertrae&amp;e bei niedrigeren Gestehungskosten moeglich wurden und die Einkommen der Arbeiter um 30 bis 60%
ueber den nationalen Mindestlohn gesteigert werden konnten.
Die Anreizlohnsysteme sind je nach den oertlichen Verhaeltnissen und Erzeugnissen verschieden. Sie sind aus der Bezahlung aufgrund von Zeit- und Bewegungsstudien, aus Stueckloehnen und Akkordloehnen oder einer Kombination dieser drei Verguetungsmethoden entwickelt.
Unsere Mitglieder haben, wie uebrigens auch in anderen
Industrien, die Einfuehruns derartiger Systeme gefuerchtet in Anbetracht der zwischen den beiden Weltkriegen gesammelten
schlechten Erfahrungen nicht ohne guten Grund.
In der Nachkriegszeit jedoch hat man sich ein ganz neues
Bild von ihrem Zweck und ihren Auswirkungen gemacht und sie
zu schaetzen gelernt. ^&gt;ie Arbeiter im allgemeinen und besonders unsere Betriebsraete haben sich dieser neuen Verantwortlichkeit unterzogen, und sie haben nun Verstaendnis fuer die
Grundsaetze und Methoden der Anreizlohnsysteme. Die Forderung
nach solchen neuen Methoden der industriellen Betriebsfuehrung
ist deshalb von dem einfachen Arbeiter selbst gekommen.
Anreizlohnsysteme als Schluessel zur gesteigerten Produktivitaet werden niemals bereitwillig und rueckhaltlos akzeptiert, wenn die Gewerkschaften keine Vereinbarungen mit den
Unternehmern getroffen haben, die den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsraeten das Recht geben, sich an der Ausarbeitung der Methoden und Zeitnormen zu beteiligen und sie zu
kontrollieren. Wenn wir aus einer sichtbaren wirtschaftlichen
Niederlage eine Lehre ziehen und die Grundlagen fuer eine
Wirtschaft des Ueberflusses legen wollen, muessen diese neuen
Methoden zu einer Selbstverstaendlichkeit in der gesamten britischen Industrie werden.
ECA Labor Information
- 7

�SOEIALISTISCI&amp;R lYSTTBhVasRB IK DLR SOWJSTUNKK ZUM SCHEITERN
VERURTEILT
Diese Feststellung ist einem Artikel zu entnehmen, der
vor kurzem in der sowjetischen Gewerkschaftszeitung "Trud"
veroeffentlieht wurde. Ihr Verfasser ist V. V. Kuznetsoff,
der Fuehrer der sowjetischen Gewerkschaften. Kuznetsoff
kuendigt an, dass einschneidende Veraenderungen in dem sogenannten sozialistischen Arbeitsdisziplinsystem angeordnet
wurden. Diese Zassnshme schliesst sich einer langen Reihe
von Bemuehungen an, Kaengel zu beseitigen und lüssbraeuche
unmoeglich zu machen, Bemuehungen, die sich bereits ueber drei
Jahrzehnte erstrecken.
Die kommunistische Theorie, die besagt, der sozialistische '.Vettbewerb sporne die Arbeiter zu noch groesseren Anstrengungen bei der Steigerung der Produktivitaet an, hat sich
in der ?raxi3 als irrtuemlich erwiesen. Dies wird durch eine
vor kurzem beendete Untersuchung mehrerer sowjetischer Gewerkschaf tsfuehrer bestaetigt, die natuerlich hohe stalinistische
Beamte sind, vom Politbuero ernannt wurden und ihre Untergebenen selbst auswaehlen.
Die Untersuchungen haben, wie Kuznetsoff erklaerte, bewiesen, dass viele Direktoren und Betriebsleiter, aber auch
Gewerkschaftsbuerokraten die endlosen sozialistischen Wettbewerbe mechanisch und ohne Begeisterung durchfuehren. Produktionsziele und Formen werden festgesetzt, ohne dabei die Arbeiter zu Rate zu ziehen. Die ablehnende Haltung der Arbeiter ist nicht ueberwunden, und ihre aktive Kitarbeit ist
keineswegs gesichert.
In vielen Faellen, so gibt Kuznetsoff zu, hat der Versuch, die Arbeiter zu Aktivisten zu erziehen und damit finanzielle Vorteile, ansehen und Vorrechte zu gewinnen, zu schweren Missbraeuchen gefuehrt. Fuer die Betriebsleitung gilt
iuantitaet oft mehr als ^ualitaet, um gute Berichte einreichen und die Produktionsziele als"uebertroffen" melden zu
koennen." 7/aren, die leicht herzustellen sind, werden in zu
grosser ifenge produziert, waehrend andere Artikel, die in
anderen Fabriken gebraucht werden, nicht in genuegender Anzahl vorhanden sind. Damit wird das wirtschaftliche Gleichgewicht nichv erreicht, das die mit der Produktionsplanung Beauftragten anstreben.
Fabrikdirektoren behalten ausserdem ihre alten Produktionsmethoden bei, gegen die sich hohe Buerokraten schon jahrelang gewehrt haben, und geben einfach falsche Produktionsziffern an. Sie bedienen sich dieser Faelschungen, um obendrein gelobt zu werden und die ausgesetzten Praemien zu erhalten. Der schlimmsten Vergehen auf diesem Gebiet hat sich
Kuznetsoff zufolge die Transportmaschinenindustrie schuldig
gemacht. In frueheren Veroeffentlichun"-en anderer sowjetischer Zeitungen wurden noch andere Industrien genannt. Seit
laengsrer Zeit ist jedoch praktisch jede Industrie der sowjetischen Wirtschaft diesem Prozess der sogenannten "Selbstkritik" unterworfen gewesen.
Kuznetsoff beschwert sich darueber, dass auch bei der
Verteilung von Praemienzahlungen im sozialistischen Vettbewerb nach den Methoden Stachanows Korruption getrieben wird.
8 -

�Oft werden Praemien Arbeitern zuerkannt, die nichts oder nur
wenig getan haben, um sie zu verdienen. Bei der Verteilung
der Preise scheinen Tolitik und Guenstlingswesen eine hervorragende Rolle zu spielen, oder aber die Praemien, die durch
gefleischte Berichte zuerkannt wurden, werden g.eichmeessig
unter die Arbeitnehmer des Betriebs verteilt, sodass niemand
soviel erhfllt, um darin einen Ansporn zu sehen.
Kuznetsoff wirft ausserdem den Betriebsleitern vor, ihre
Bemi;ehungen in erster Linie auf die Steirerung der Produktion
und weniger auf die Befriedigung der Beduerfnisse der Arbeiter
zu richten, wie zum Beispiel den Wohnungsbau. Sie vergaessen,
dass angemessene Lebensbedingungen eine Vorbedingung f'uer die
Steigerung der Produktion sind.
Man hat in Russland eine neue Reihe von Massnahmen gebilligt, um solche Uissbraeuche und Maengel im sowjetischen
System der Arbeitsdisziplin und des sozialistischen Vettbewerbs zu beseitigen. Die neuen Richtlinien enthalten verschiedene Bestimmungen und Bedingungen fuer die verschiedenen
Industrien. Zur Senkung der Produktionskosten werden konkrete
Vorschriften erlassen. Die Fabriken muessen sich bei der Herstellung ihrer Erzeugnisse genau an die Vorschriften der Regierung halten. Es werden ausserdem Sparsamkeit in der Verwendung von Rohstoffen und eine Verbesserung der ^ualitaet gefordert.
Angesichts der Tatsache, dass man sich schon seit drei
Jahrzehnten oder zumindest seit dem ersten Fuenf-Jshresolan,
der 1928 begann, in dieser Richtung bemueht, haben sich viele
Experten fuer sowjetische Fragen und auch Fluechtlinge aus
dem "Arbeiterparadies" skeptisch zu diesem Versuch geaeussert.
Leistungsfähigkeit und Begeisterung, so erklaeren sie, koennen nicht befohlen werden, Erst recht kann die Buerokratie
nicht auf Befehl abgeschafft werden.
Sie sind der ansieht, dass eine grundlegende Ursache fuer
diese immer wiederkehrenden Fehler und Uissbraeuche die Ueberzeugung der sowjetischen Arbeiter ist, dass sie nicht die
kollektiven Besitzer der Produktionsmittel sind, und dass
die Gewinne aus der gesteigerten Produktion nicht gerecht verteilt werden. Die Arbeiter sehen die wachsende Kluft zwischen
der buerokratischen Elite und den einfachen Arbeitern.
Das sowjetische System des imitierten Wettbewerbs ist
ein klaeglicher Ersatz fuer den wirklichen 'Wettbewerb, der
bei einer echten Zusammenarbeit in der freien .Veit floriert.
Ebenso ist das sowjetische System der "Selbstkritik" nicht
einmal ein schlechter Ersatz fuer v/irkliche Kritik, üie
kann nicht Rede- und Pressefreiheit oder die Rivalitaet politischer Parteien ersetzen, die sich um die Unter^tuetzung
ihrer Politik durch die breite Masse des Volkes bemuehen
muessen. üuf wirtschaftlichem Gebiet ist Selbstkritik nichts
anderes als Zurechtweisung kleinerer Beamten durch solche in
hoeheren Stellungen. Die Beamten im zweiten Rang, die ihre
Irrtuemer zwar einsehen, waelzen die Schuld auf den dritten
Rang eb. So geht dies weiter, bis die unterste ochicht der
riesigen buerokratischen Pyramide, also schliesslich die Arbeiter, verantwortlich gemacht werden, über die Fehler und
Vergehen scheinen immer wieder aufzutauchen. A'enn ein I an^el
an einer Stelle beseitigt ist, tritt er an einer anderen auf.
9 -

�Zusammen mit der Sklavenarbeit und anderen Einrichtungen
des Stalinismus ist die bolschewistische Methode der "Selbstkritik" in alle Satellitenstaaten der Sowjetunion exportiert
worden. Deshalb ist auch die offizielle Presse jeder dieser
Marionettenregierungen augenblicklich mit Beschwerden angefuellt, die denen Kuznetsoffs gleich sind.
In Sowjetrussland, dem Mutterland des Stalinismus, konnte
man durch endlose Saeuberungsaktionen, die in den obersten und
untersten Reihen der herrschenden Partei und in dem buerokratischen Gebilde durchgefuehrt wurden und bei denen es schwerste
Strafen hagelte, diese Probleme nicht loesen. wenn die Bolschewisten, die seit 34 Jahren die diktatorische Gewalt ausueben, ihr eigenes Land von der buerokratischen Leistungsfaehigkeit nicht befreien koennen, ist es kein 'Wunder, dass ihre
Koerigen, die aehnliche Methoden anwenden, in ihrer kurzen
Karriere als Diktatoren ebenfalls versagt haben.
Keinem dieser Tyrannen ist es je eingefallen, dass es
hiergegen nur ein einziges wirksames Mittel gibt: naeralich
demokratische Methoden!
Program Services Section
VIII/SS/51
KOM::UNALE SKTV.-IGKLUT^GSPROGRA:,^^ I N EKUADOR

.am 14. Mai 1951 haben der Fraesident von Ekuador und die
Minister fuer Finanzen,Regierungsauftraege, oeffentliche Arbeiten und soziale Wohlfahrt ein "Programm der kommunalen Entwicklung durch die Initiative der Zivilbevoelkerung" angekuendigt. Nachdem Glenn Leet, ein Berater der Vereinten Nationen fuer Kommunale Entwicklungsprogramme eine Inspektionsreise nach Ekuador unternommen hatte, wurde das Programm von
den Vereinten Nationen gebilligt, .auf Ersuchen der Regierung
von Ekuador stellt diese Organisation einen amerikanischen
Soziologen zur Verfuegung, der sich seit langem auf soziologische Probleme in Lateinamerika spezialisiert hat und bei
der Durchfuehrung des Programms Ratschlaege erteilen soll.
Der Sinn dieses Programms in Ekuador ist, ein neues Verhaeltnis der Zusammenarbeit zwischen den zentralen und oertlichen Behoerden und der ortsansaessigen Bevoelkerung herzustellen. Dadurch sollen die Menschen ermutigt werden, ihre
Freizeit fuer kommunale Reformen zur Verfuegung zu stellen,
deren Wahl ihnen selbst ueberlassen bleibt.
In dem Programm ist vorgesehen, dass die nationalen, provinzialen, kantonalen und oertlichen Behoerden den Bewohnern
ihrer verschiedenen Zustaendigkeitsgebiete den Begriff "Kommunalentwicklung" auf folgende Weise auseinanderlegen:
"Wenn in einer Gemeinde durch die freiwillige und unbezahlte Arbeit ihrer Bewohner Arbeit von oeffentlichem Nutzen
geleistet wird, wird die Regierung des Landes jedem einzelnen
Arbeiter als Ansporn eine kleine Praemie fuer seine taegliche
Arbeit gewaehren.
"Diese Praemie, die pro Tag einen Sucre betraegt und unter dem Namen 'Sucre des Patriotismus' bekannt ist, soll kein
10 -

�Lohn oder Gehalt sein, sondern vielmehr eine Anerkennung
der Regierung fuer den wertvollen patriotischen Beitrag,
den jeder Einzelne durch seine Arbeit in seiner Freizeit
zur Foerderung gemeindlicher Reformen geleistet hat."
Der 'Sucre des Patriotismus' kann je nach Wunsch der Betreffenden an Einzelpersonen oder auch kollektiv verteilt
werden. Jede Art der Arbeit, die von oeffentlichem Nutzen
ist, passt in dieses Programm, so zum Beispiel die Verbesserung von Strassen, der Bau neuer Strassen, Entwaesserung,
Bewässerung, Flussregulierung, Bau von Schulen, 'Wasserversorgung oder Schaffung von hygienischen Einrichtungen.
In der Verordnung ist ausserdem die Bildung nationaler,
Drovinzialer und 'lokaler Ausschuesse fuer Komiuunalentwicklung und die Ernennung technischer Sachbearbeiter vorgesehen, die die Vorschlaege zur Kommunalentwicklung auf ihre
Brauchbarkeit ueberpruefen sollen. Das Programm wird aus dem
re^ulaeren Haushalt des Landes finanziert, und zu seiner
Durchfuehrung ist kein zusaetzliches Verwaltungspersonal erforderlich.
Dieses Programm in Ekuador bedeutet fuer Lateinaraerika
zum erstenmal die Verwirklichung der Grundsaetze der "Beschaeftigunp durch Kommunalentwicklung", die zum erstenmal
von den Vereinten Nationen in Griechenland angewandt worden
waren. Leet und andere Sachverstaendige haben zahlreiche
Doerfer und Landbezirke in Ekuador besucht, um festzustellen,
wie dieses Programm am besten den dortigen Verhaeltnissen angepasst werden kann. Das Programm in seiner endgueltigen
Form, in der es gebilligt wurde, gruendet sich zum Teil auf
die Ergebnisse der an Ort und Stelle durchgefuehrten Studien.
Economic and Social Programs
in the United Nations
VIII/51
EUROPÄISCHE PRODUKT IONS TECHNIKER SALiMSLN WERTVOLLE ERFAHRUNGEN IN DEN U.S.A.
Die erste Besuchergruppe, die sich aus Produktionstechnikern verschiedener europaeischer Gewerkschaften zusammensetzte und im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms
der ECA die Vereinigten Staaten besuchte, hat vor kurzem ihre
Orientierungskurse in New York beendet und ist in Untergruppen aufgeteilt worden, die ihre Studien in den fuer sie in
Frage kommenden Industrien fortsetzen.
Die Gruppe selbst ist in ihrer Zusammensetzung der Nation,
die die Produktionstechniker besuchen, sehr sehnlich. Die
Vereinigten Staaten, deren Menschen aus allen Teilen der Welt
kommen, sind oft als "Schmelztiegel" bezeichnet worden. Die
Besuchergruppe setzt sich aus drei Schweden, einem Norweger,
zwei Daenen, einem Deutschen und einem Englaender zusammen.
Die einzelnen Mitglieder der Gruppe werden jetzt vorgestellt:
Folke Eberhard Svensson aus Huddinge (Schweden) ist ein
Vertreter der Schwedischen Textilarbeiter-Gewerkschaft, der
gemeinsam mit Olav Bruvik aus Haus (Norwegen) amerikanische
Betriebe aufsucht. Bruvik ist Vorsitzender der Norwegischen
- 11 -

�Textilarbeiter-Gewerkschaft. Beide betreiben ihre Studien
unter der Anleitung Solomon Barkins, des Leiters der Forschungsabte ilunp der Amerikanischen Textilarbeiter-Gewerkschaft, die dem CIO angeschlossen ist.
Henry Ernest Matthews aus Surrey (England), ein Sachbearbeiter fuer industrielle Fragen in der Gewerkschaft der
Fabrik- und Kommunalarbeiter, der zusammen mit Arnold R.
Johannesson, dem Vorsitzenden der Klempner-Gewerkschaft
Daenemarks umherreist. Diese beiden Experten arbeiten unter
der Leitung Dr. William Gombergs, des Leiters des Referats
fuer Technische Betriebsleitung in der Allamerikanischen
Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL).
Harry Jensen aus Kopenhagen, ein Treuhaender und Bezirkskassierer der Ortspewerksch&amp;ft Fr. 12 der Daenischen
.'/iechaniker-Gewerkschaft, der gemeinsam mit Hans Hagnell aus
Stockholm, dem Leiter des Wirtschaftlichen Forschungsreferats der ochwedischen Metallarbeiter-Gewerkschaft die Studienarbeiten durchfuehrt. Robert Kanter, der stellvertretende Leiter des Referats fuer Forschung und Technik in
der Vereinigten KUtoncbilarbeiter-Gewerkschaft von Amerika
(CIO), beobachtet und foerdert die nrbeit Jensens und
Hagnells.
Zwei weitere Mitglieder der uruppe fuehren ihre Studien
allein durch. Es sind dies ülfred Beyer aus Duesseldorf,
ein Chemiestudent und nebenamtlicher Referent in der DGBHauptabteilung II, parlamentarische Verbindungen und ERP,
der sich eingehend mit Produktivitaetsfragen der Gummi-Industrie in ükron [ Ohio) beschaeftigt.
Per Adolph Geijer aus Falun iSchweden), ein Zeitstudienexperte und Vorsitzender der Ortsgewerkschaft in Falun, die
der Gewerkschaft der technischen und Bueroangestellten angeschlossen ist, muss seine Studien beschleunigt durchfuehren,
weil er aufgrund gewerkschaftlicher Verpflichtungen fruehzeitig nach Schweden zurueckkehren muss.
Die Gruppe kam am 13. Juli in den Vereinigten Staaten
an und verbrachte die ersten vier Wochen in New York, wo
sie an Vorlesungen bekannter amerikanischer Universitaetsprofessoren teilnahm.
In diesen Vorlesungen wurden alle Phasen der amerikanischen Industrie unter besonderer ßeruecksichtigung der Probleme der tsetriebsleitung, der Gewerkschaften und der sozialen .Yohlfahrt behandelt, unmittelbar nach der letzten Vorlesung wurde die GruDpe in kleinere Einheiten aufgeteilt.
Matthews begab sich allein nach Peoria in Illinois, wo er
die Traktorenfabrik besichtigte, in der 28 000 Arbeiter beschaef tigt sind, deren tarifverhandlungsberechtigte Gewerkschaft die Automobilarbeiter-Gewerkschaft des CIO ist. Er
ging sodann nach Lima in Ohio, um die v.echselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in dem Unternehmen
Baldwin-Hamilton zu studieren. In dieser Fabrik, in der Aus3Chachtungsmaschinen hergestellt werden, stellte Matthews
fest, dass der Tarifvertrag, den die Automobilarbeiter-Gewerkschaft abgeschlossen hatte, eine Aufbesserungsklausel
enthaelt. Nach dieser Bestimmung werden die Loehne zu Beginn
eines jeden der fuenf Jahre, ueber die sich der Vertrag er- 12 -

�streckt, automatisch um vier Cents pro Stunde erhoeht. Diese
automatische Lohnerhoehung gruendet sich auf die Tatsache,
dass sich die amerikanische Wirtschaft jaehrlich aufgrund
technologischer Fortschritte um 2&amp;# erweitert. Die Lohnaufbesserung wirkt sich somit weder auf Kosten noch auf Preise
aus und somit auch nicht auf die Verhandlungen um andere Erhoehungen der Grundloehne des Unternehmens.
Johannesson hatte inzwischen Washington besucht, wo er
Unterredungen mit Martin Durkin, dem Vorsitzenden der allamerikanischen Klempner-Gewerkschaft fuehrte. In Washington arbeitete Johannesson mehrere Tage praktisch als Klempner und
erwarb sich viele neue Kenntnisse bei der Anwendung mechanischer Hilfsmittel in diesem Handwerk.
Matthews und Johannesson trafen sich in Toledo wieder
und setzten ihre Reise gemeinsam fort. Auf ihrem Rueckweg
nach New York bereiteten sie sich auf ihre Konferenzen mit
Dr. Gomberg vor und besuchten Steinbrueche, Zementfabriken
und aehnliche Betriebe. Beide waren von den kameradschaftlichen Beziehungen zwischen Weissen und Negern stark beeindruckt
und waren erstaunt, den "schwarzen" Mann als voellie: Gleichberechtigten in Gewerkschaftsversammlungen zu sehen.
Bruvik und Svensson verliessen zusammen mit Franklin
Bishop, dem Stellvertreter von Barkin, New York, um die Verhandlungen zwischen der Textilarbeiter-Gewerkschaft und dem
Betriebsleiter mehrerer Fabriken in Pennsylvemien zu beobachten. Ihre Arbeit beschraenkte sich bis. jetzt auf reine
Beobachtung der Vorgaenge am Konferenztisch. Sie werden
voraussichtlich eingehende Produktionsstudien in den riesigen Textilfabriken Neu Englands durchfuehren.
Hagneil und Jensen gingen nach Detroit, wo sie unter
der Leitung Robert Kantors mit Funktionaeren der Automobilarbeiter-Gewerkschaft zusammenarbeiteten. Jensen machte
einen Abstecher nach einer der Ortsgewerkschaften dieser Organisation in Toronto (Kanada), dann besichtigten sie gemeinsam den Zweigbetrieb "Dodge" der Chrysler Corporation Dodge.
Sie beobachteten einen Tag lang die Herstellung der DodgeAutomobile, angefangen vom geschmolzenen Metall bis zum fertigen Erzeugnis.
Salt Lake City in Utah war das erste Reiseziel Geijers.
Er besichtigte die Stahlfabrik Geneva bei Provo und hatte
mehrere Besprechungen mit Vertretern der Stahlarbeiter-Gewerkschaft des CIO. Er begab sich hierauf nach Pittsburgh,
wo er mehrere Konferenzen mit William Jacko von der Amerikanischen Stahlarbeiter-Gewerkschaft (CIO) fuehrte. Von dort
wird er nach Washington reisen und vor seiner Abreise nach
Schweden Unterredungen mit den Beratern fuer Arbeitsfragen
in der ECA fuehren.
Beyer hat seine gesamte Zeit damit verbracht, die Gummiindustria in Akron (Ohio) zu studieren.
Waehrend des naechsten Abschnitte ihrer Studienreise
wird die Gruppe in verschiedene Betriebe geschickt werden,
wo sie die Produktionsmethoden studieren soll. Sie wird
sich erst Mitte September wieder vereinigen und gemeinsam nach
Knoxville in Tennessee reisen, um sich dort ueber die Arbeit
- 13 -

�der Verwaltungsbehörde des Tennessee-Tales zu informieren.
Etwa am 15. Oktober wird die Gruppe die Rueckreise
nach Europa antreten.
ESA Labor Information
VIII/27/51
AMERIKANISCHE KOMMUNISTEN BESUCHTEN RUSSLAND
Als Katharina die Grosse russische Zarin war, wollte sie
eines Tages eine Besichtigungsreise nach der Krim unternehmen.
Ihr Guenstling, Feldmarschall Potemkin, wollte sich unter
allen Umstaenden ihre Gunst erhalten. Er liess deshalb entlang der Strasse, die Katharina durchfahren musste, Musterdoerfer bauen und stellte wohlgenaehrte, eigens zu diesem
Zweck angeheuerte Bauern an dieser Strasse auf, waehrend
er eifrig darauf bedacht war, die verarmten, hungerleidenden Sklavenarbeiter vor den Blicken der Zarin zu verbergen.
Katharina war hocherfreut, und damit war die Stellung Potemkins staerker als zuvor.
Heute braucht man nicht mehr derartige Taeuschungsmanoever durchzufuehren, wenn kommunistische "Gewerkschaften"
aus Amerika oder anderen Laendern Stalins Paradies besichtigen. Diese Kommunisten sehen bereits vor ihrer Ankunft
Potemkin'sehe Doerfer vor ihrem geistigen Auge. Das neueste
Beispiel hierfuer ist die Reise der sogenannten araerikanischen"Gewerkschafts"delegation nach Suropa, an deren Spitze
Leon Straus stand, der Vizevorsitzende der "Gewerkschaft"
der Pelz- und Lederarbeiter, die wegen ihrer kommunistischen
Einstellung aus dem CIO ausgeschlossen worden war. Von
den elf kommunistisch gesinnten "Gewerkschaftern", die diese
Reise durch Russland, Polen und kommunistische Gebiete in
Italien und Frankreich unternahmen, gehoeren sechs Gewerkschaften an, die aus dem CIO ausgestossen wurden. Fast alle
anderen waren einfache Gewerkschaftsmitglieder, die nur
ihre eigenen Vertreter und die der kommunistischen Farteifraktion ihrer Betriebe waren. Nach ihrer Rueckkehr in die
Vereinigten Staaten veranstalteten die Delegierten eine
Pressekonferenz, in der sie von den Schoenheiten des Sowjetparadieses berichteten. Jedesmal, wenn die Reporter jedoch
Fragen stellten, Hessen sieh die falschen Fassaden der
Potemkin'sehen Doerfer erkennen.
"Warum ist es sowjetischen Arbeitern nicht erlaubt, einen
Rei3epass zu besitzen?" fragte man zum Beispiel. Ein unverstaendliches Murmeln war die Antwort.
In dem gemeinsamen Bericht wird behauptet,
mals die Geheimpolizei der Gruppe gefolgt sei."
tungsleute jefbeh fragten, woher man dies wisse,
Leon Straus zoegernd: "Soviel uns bekannt ist,
nicht gefolgt."

dass "nieAls Zeierkleerte
ist man uns

Keiner der Delegierten konnte russisch sprechen, und
alle waren somit auf die vier Dolmetscher angewiesen, die
die sowjetische Arbeitsfront zur Verfuegung gestellt hatte.
Diese Dolmetscher waren natuerlich ohne Ausnahme Agenten der
NKWD.
- 14 -

�Straus behauotete, die friedlichen Absichten Stalins
seien offensichtlich, weil die Sow.jet-Union keinerlei Kriegsvorbereitungen treffe. Nach mehreren Fragen stellte es sich
jedoch heraus, dass er und seine Genossen nicht verlangt hatten, irgendetwas, was mit einer Kriegsproduktion zu tun haben
koennte, zu besichtigen. Kurz gesagt, die Kommunisten organisierten eine Vergnuegungsreise nach der Sowjet-Union, die
im voraus festgelegt war, und ueber die man schon vor der
Reise haette entsprechende Berichte schreiben koennen. Vielleicht war dies auch tatsaechlich der Fall.
Eine andere"Gewerkschafts"delegation, diesmal aus England, besuchte vor kurzem das kommunistische Polen. Obwohl
die meisten Delegierten Kommunisten oder Gleichgesinnte waren,
konnten sich einige Nichtkommunisten in die Gruppe einschleichen. Einer von ihnen namens Louis Wright, der Vorsitzende
der Baurawollweber-Gewerkschaft und ein aussichtsreicher Kandidat der Labour-Partei fuer das Parlament, berichtete in
der "Manchester Evening News" folgendes ueber seine Reiseerlebnisse: "Die Taube Picassos flattert in papierener Form
in allen Schaufenstern. Es ist die Taube des Friedens, und
damit der Friede innerhalb Polens erhalten wird, sind in
den Betrieben, auf den Bauplaetzen und in allen Fabriken Uniformierte anwesend, die mit automatischen Waffen ausgeruestet
sind. Bei all diesen Friedensbeteuerungen war es natuerlich
schwierig, eine Erklaerung fuer die anti-britische und antiamerikanische Propaganda zu finden, die ueberall betrieben
wird."
Wrie-ht und eine Grunpe anderer Gewerkschafter besuchten
Nova Huta, eine neugebaute Stadt mit einer Einwohnerzahl von
etwa 120,000. Die dortigen Textilfabriken waren nach dem
Bericht Wrights mit den schlechtesten in Lancashire zu vergleichen. In einer Diskussion ueber den Lebensstandard polnischer und britischer Baumwollarbeiter erklaerte V.'right:
"Es ist schwierig, den Lebensstandard des polnischen Baumwollarbeiters mit dem des britischen zu vergleichen, aber an
Kand der Preise und Loehne kann man sich ungefaehr folgendes
Bild machen, wenn man den Durchschnittslohn in Lancashire
mit sechs Pfund Sterling beziffert.
Um ein Popelinhemd zu kaufen, muss ein Pole eine Woche
und ein Englaender 15 Stunden arbeiten. Der Erloes aus
fuenf Wochen Arbeit eines polnischen Arbeiters und l£ Wochenseines englischen Kollegen entspricht dem Preis eines Herrenanzugs. Fuer'ein Pfund Kartoffeln arbeitet der polnische
Baumwollarbeiter 29 Minuten und sein britischer Kollege 10
Minuten. Ein Pfund Kaese kostet einen Polen 154 Minuten Arbeit und einen englischen Arbeiter 26 Minuten. Waehrend der
polnische Arbeiter fuer 20 Zigaretten jedoch nur 48 Minuten
arbeitet, braucht der britische Arbeiter 70 Minuten, um sie
zu verdienen - aber hisr ist die englische Steuer sehr hoch.
Wright berichtet, dass die Gewerkschaftsdelegetion und
ihre einzelnen Mitglieder waehrend ihres Aufenthaltes in
Polen staendig bewacht wurden. Im Fluesterton fragte er
den Leiter einer Textilfabrik, warum er bewaffnete Wachposten
brauche. Fuer den Leiter dieses sowjetischen Unternehmens
waren bewaffnete .Yaechter eine Selbstverstaendlichkeit, und
er hatte fuer die Frage Wrights kaum Verstaendnis. '..right
beschloss seinen Bericht mit der Bemerkung: "Als ich Polen
verliess, konnte ich micht nicht des Gedankens erwehren - 15 -

�was nuetzt es einem Mann, wenn er die .Veit gewinnt und seine
Seele dabei verliert?"
Program Services Section
VIII/15/51
hOSHSRS LOSKNS UND MEHR ARBKIT DURCH 1-IÜ.US PRODUKTI OTSMETHODKN
Die Kuehlschraenke, die in der Hauptstadt der westlichsten Provinz Oesterreichs hergestellt werden, sind ueberall
auf der Welt, in Suedafrika wie in Schweden, in der Tuerkei
wie in Siam, stark gefragt.
Die Bregenzer Elektra-Gesellschaft, die vor fuenf Monaten eroeffnet wurde, hat ihre MonatsProduktion bereits von
100 auf 500 Kuehlschraenke erhoeht. Man plant, bis zum November monatlich sogar 1000 Kuehlschraenke herzustellen.
Sin wesentlicher Faktor fuer die rapide Steigerung der
Produktion sind die unablaessigen Bemuehungen, die Troduktivitaet der 20 Arbeiter des Betriebs fortwaehrend zu verbessern.
"Es ist ein kleiner Betrieb, in dem kleine Kuehlschraenke hergestellt werden," erklaerte Eduard Sommer, der technische Leiter. "Wir legen besonderen Wert auf praktischen Sinn
bei der Ausarbeitung neuer Arbeitsmethoden; unsere Aufmerksamkeit gilt weniger einer Unzahl kostspieliger Ausruestungsgegenstaende. Wir haben in der Tat die meisten Betriebseinrichtungen selbst entwickelt."
Eine Einrichtung, die eine Zeitersparnis von 25'^ ermoeglichte, ist eine rotierende Schweissanlage. Anstatt die
Kuehleinrichtung Stueck fuer Stueck zusammenzuschweissen,
werden die verschiedenen Einzelteile auf diese Anlage aufmontiert, und die Stellen, die geschweisst werden muessen,
werden dem Arbeiter durch Drehen der Anlage zugefuehrt.
Wenn die Kuehleinrichtung von dieser Anlage abgenommen wird,
ist sie fertig zum Isolieren und kann dann, in den Kuehlschrank eingebaut werden.
"Die Loehne konnten bereits erhoeht werden, was durch
die hohe Produktion moeglich war," erklaerte Sommer weiter.
Eine andere Verbesserung der Produktion war die Installation des sogenannten "runden Tisches". Es ist eine Werkbank, die sich durch Beruehren mit dem Fuss drehen laesst.
Der Arbeiter kann, ohne seinen Stand zu veraendern, das Isolierungsmaterial an den verschiedenen Kuehleinrichtunren anbringen. Die hierdurch gesparte Zeit betraegt schaetzungsweise 4:0p.
Sin wenig Sinn fuers Praktische bei der Einrichtung des
Betriebes konnte ebenfalls zur Verbesserung der Produktivitaet beitragen, ^ie Rollwagen z.B., auf denen die Kuehlschraenke transportiert werden, sind genau so hoch wie die
Pruefstaende. Die Apparate koennen ohne ueberfluessipe Anstrengung von dentfagenauf die Pruefstaende geschoben werden.
Sommer beabsichtigt, die Zahl der ^rbeiter zu erhoehen.
Der Betrieb hat naemlich viele ^uftraege aus dem Ausland erhalten. Auch Italien und der Nahe Osten interessieren sich
jetzt fuer diese Kuehlschraenke. Das grosse Problem jedoch,
so sagt Sommer, ist es, den Wuenschen der Verbraucher hechnung zu tragen.
aCA Labor Information
IX/10/51
- 16 HICOO 19 S«pt M 18J43 58 0

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 37

Frankfurt, 14. September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
U.S.-Gewerkschaften bejahen neue Lohnpolitik

1

U.S. Kabinett spricht amerikanischer Arbeiterbewegung Anerkennung aus

3

Der wirtschaftliche "Wiederaufstieg Norwegens seit
1945

4

Vereinte Nationen unterstuetzen Afghanistan bei
der Erschliessung von Erdoelquellen

6

Ein Marshallplan-Projekt in der Sowjetzone
Oesterreichs

7

Die Entwicklung der griechischen Gewerkschaftsbewegung

9

Britische Gewerkschaften und Weltfrieden

14

Neue Stromerzeugungsanlagen in Griechenland

16

U.S. GEV/ERKSCKAFTEN BEJAHEN NEUE LOHNPOLITIK
Vor kurzem wurde berichtet, dass sich der amerikanische
Lohnstabilisierungsausschuss einstimmig entschlossen hatte,
die Loehne direkt an die Lebenshaltungskosten zu koppeln.
"The Machinist", das woechentliche Organ der 600,000 Mitglieder zaehlenden allamerikanischen Mechaniker-Gewerkschaft
(AFL), begruesst die festen Zusicherungen der Regierung,
die erklaerte, man werde es nicht zulassen, dass die Loehne
den Preisen nachhinken und die Tarife fuer Ueberstundenarbeit reduziert werden.
Die Zeitung erinnert uns sodann daran, dass sich die
Gewerkschaften aus den Behoerden fuer Fragen der Verteidigung solange zurueckgezogen hatten, bis die Struktur des
Lohnstabilisierungsausschusses geaendert und den Gewerkschaf- 1-

�ten eine angemessene Vertretung zugebilligt war. Sie zitiert
^raesident Truman, der bei der Unterzeichnung des revidierten
Gesetzes zur Verteidigungsproduktion erklaerte:. "In dem
gleichen Masse, in dem mit diesem Gesetz Preis- und Lebenshaltungskostenerhoehungen gestattet werden, wird es notwendig sein, entsprechende Lohnangleichungen zu gewaehren. Wir
koennen von unseren Arbeitern nicht verlangen, dass sie ihren
Lebensstandard reduzieren, nur um einen Ausgleich fuer die
hoeheren Gewinne zu schaffen, die in diesem Gesetz fuer das
Unternehmertum vorgesehen sind."
Und wie stellen sich die Unternehmer zu der neuen, in
Vorbereitung befindlichen Lohnpolitik? In dem Magazin
"Business Week" heisst es: "Die neue Politik ist eine wichtige Garantie dafuer, dass das Verteidigungsprogramm nicht
durch langwierige Streiks gestoert wird."
Mit der Feststellung, dass die Loehne die Grundursache
von Arbeitsstreitigkeiten in einex Zeit wirtschaftlicher Umstellungen und wirtschaftlicher Ungewissheit sind, behauptet
"Business Week", andere Streikprobleme waeren weniger gefaehrlich, wenn diese Streitfrage in harmonischer Weise geloest
werden koennte. Damit geben die GrossUnternehmer ihr Einverstaendnis zu Vereinbarungen ueber die Gewerkschaftszugehoerigkeit der Betriebsmitglieder, nach denen alle Arbeiter eines
Betriebes einer Gewerkschaft beitreten muessen, die um die
Mitgliedschaft der Arbeitnehmer erfolgreich wirbt, wie im
Falle der United States Rubber Company und der Gummiarbeitergewerkschaft des CIO.
Gleichzeitig haeufen sich Berichte, in denen die Vermutung ausgesprochen wird, dass das vereinigte Komitee fuer
Arbeitspolitik aufgeloest wuerde. Diese Koerperschaft bedeutet in den Verhandlungen mit der Regierung ueber Mobilisierungs- und 'Stabilisierungsprobleme eine Zusammenfassung
der Staerke der AFL, des CIO und der Mechaniker- und Eisenbahner-Gewerkschaft. Louia Stark berichtet in der "New York
Times", dass sich eine grosse Mehrheit des Exekutiv-üusschusses der AFL dafuer ausgesprochen hat, die Zusammenarbeit
mit dem CIO abzubrechen. Dieser Entschluss hatte die Form
einer Empfehlung, die dem Jahreskongress der AFL, der am
17. September in San Franzisko begonnen hat, vorgelegt worden
ist. Die AFL hat damit einen direkten Zusammenschluss in
bestimmten Fragen vorgezogen. Der CIO sprach sich dagegen
fuer eine funktionelle Einheit, d.h. ein tagtaegliches enges
Zusammenarbeiten bei der Behandlung bestimmter Probleme;
dies sollte zugleich die Stufe der Vorbereitung eines voelligen organischen Zusammenschlusses sein. Stark zitiert
einen fuehrenden Funktionaer der AFL, der hierzu erklaerte:
"Der CIO hat in den vergangenen Monaten unsere Zusammenarbeit
zu seinen Gunsten dahingehend ausgenutzt, sich selbst in verschiedener Weise und in bestimmten Organisationen der Regierung zu staerken. Wir bestehen auf unserem Wunsch nach einer
wirklichen organischen Einheit der beiden Organisationen,
wir lehnen daher die funktionelle Einheit ab.n
Dieser Beschluss der AFL wirkt sich jedoch in keiner
Weise auf die Mitgliedschaft der beiden Organisationen AFL
und CIO im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften aus.
Sie werden erneut, jede von sich aus, versichern, dass sie
nach wie vor den Marshall-Plan, den Kampf gegen den kommuni- 2-

�stischen Imperialismus und die Verteidigung des sozialen und
wirtschaftlichen Fortschritts auf der ganzen Welt unterstuetzen.
Program Services Section
VIIl/lö/51
U.S. KABINETT SPRICHT AMERIKANISCHER ARBEITERBEWEGUNG ANERKENNUNG AUS
In Botschaften zum amerikanischen "Tag der Arbeit" an
die Vereinigung der Gewerkschaftspresse haben Mitglieder des
Kabinetts Praesident Trumans der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung fuer ihre energische antikommunistische Haltung und
ihre Unters tuetzung des Verteidigungsprogramms ihre Anerkennung ausgesprochen.
Arbeitsminister Maurice J. Tobin erklaerte, "die Gewerkschaftsbewegung hat in dem Kampf um Freiheit, Besserstellung
der Menschheit und Frieden eine fuehrende Rolle gespielt."
Sie habe es in Zusammenarbeit mit den Unternehmern ermoeglicht, dass Amerika in der Produktion fuer die Verteidigung
und im erneuten Aufbau der wirtschaftlichen und abwehrbereiten
Staerke der freien Welt grosse Erfolge erzielt hat.
Der Minister fuer Landwirtschaft, Charles F. Brannan,
sprach der immer besser werdenden Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Bauern seine Anerkennung aus und wies-in
scharfen Worten alle jene zurecht, die faelschlich behaupteten, dass diese beiden Gruppen fuer die hohen Preise verantwortlich seien.
"Es ist fuer die Nation wichtig, dass Arbeiter und Bauern
wissen, dass diese gegen sie gerichteten, selbstsuechtigen
Vorwuerfe voellig falsch sind. Der Arbeiter muss wissen, dass
die Bauern nicht selbst die Preise der meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse festsetzen, und der Bauer muss wissen,
dass die Preise fuer die Erzeugnisse der Industrie nicht vom
Arbeiter bestimmt werden."
Der Finanzminister John W. Snyder erklaerte, die Gewerkschaftsbewegung habe im Dienste der Nation viele wertvolle
Beitraege geleistet, von denen einer der bedeutsamsten ihre
unablaessige Aktivitaet zugunsten des amerikanischen Sparprogramms mittels Schatzanweisungen sei. Snyder forderte
die Gewerkschaften auf, weiterhin dieses Programm zu unterstuetzen und - wenn moeglich - zu erweitern und damit die
Wirtschaft staerken und die Inflation bekaempfen zu helfen.
Der Handelsminister Charles Sawyer beglueckwuenschte die
Gewerkschaftsbewegung zu ihrer realistischen Einstellung den
Lohn- und Preiskontrollen gegenueber. Die Inflation muesse
mit allen Mitteln bekaempft werden, und diese Kontrollen sind
unerlaesslich, wenn die wirtschaftliche Stabilitaet beibehalten werden soll.
Frank Pace, der Heeresminister, bemerkte, dass sich das
Militaer, um seine Beduerfnisse befriedigt zu sehen, auf das
Verstaendnis und die Unterstuetzung des arbeitenden Volkes
verlasse.
- 3-

�"Wir leben heute in einer Zeit des militaerischen Aufbaus zur Abwehr gewisser Aggressionen. Die normalen Wechselbeziehungen in der Industrie sind heute gewissen Stoerungen
unterworfen. Trotz dieser voruebergehenden Schwierigkeiten
wissen wir jedoch, dass die Aufgabe, die wir zu erfuellen
haben, wichtig genug ist, um fuer sie Opfer zu bringen. Wir
koennen sie nicht hinauszoegern, solange der Weltkommunismus
bereit ist, seine Ziele durch bewaffnete Aggressionen zu verfolgen."
Der Luftwaffenminister Thomas K. Finletter und der stellvertretende Verteidigungsminister, Frau Anna M. Rosenberg,
schlössen sich den Worten des Heeresministers an. Finletter
sagte noch, Gewerkschaften und Militaer arbeiteten in Amerika
fuer das gleiche Ziel, naemlich die Sicherung des Friedens.
Er lobte die Gewerkschaften fuer ihre Bemuehungen zur Durchfuehrung des Verteidigungsprogramms und erklaerte, das Militaer sei gewiss, dass, wenn es zum Krieg kaeme, die Gewerkschaftsbewegung die bewaffneten Streitkraefte beim Aufbau
einer starken Verteidigung mit allen Mitteln unterstuetzen
und damit erneut den Sieg garantieren wuerde.
Frau Rosenberg bezeichnete die freien Gewerkschaften als
eine wichtige Waffe gegen die kommunistische Aggression und
fuegte hinzu, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung
die Verantwortung in der gegenwaertigen Krise uebernehmen
wuerde, indem sie sich aktiv an jedem einzelnen Abschnitt
des Verteidigungsprogramms beteilige. Die Gewerkschaften
haetten die Gefahr der inneren Zersplitterung und der Sabotage
dadurch verringert, dass sie die Kommunisten aus einflussreichen Stellungen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung vertrieben haetten.
Daily News Service
VIII/17/51
DER WIRTSCHAFTLICHE WIEDERAUFSTIEG NORWEGENS SEIT 1945
Norwegen ist ein kleines Land mit einer Einwohnerzahl,
die nicht.halb so hoch wie die Londons ist. Der Beitrag,
den das norwegische Volk waehrend des zweiten Weltkrieges
zum Sieg der Alliierten leistete, war erstaunlich und stand
in keinem Verhaeltnis zu den begrenzten Reserven und Kraeften einer so kleinen Nation.
Als das Land im Jahre 1945 nach fuenf Jahren ruecksichtsloser wirtschaftlicher Ausbeutung durch Hitlers Beauftragte
befreit wurde, waren seine natuerlichen und wirtschaftlichen
Moeglichkeiten weitgehend zerstoert oder schwer mitgenommen.
Dies gilt sowohl fuer Norwegens Fischerei als auch fuer die
walfischverarbeitende Konservenindustrie und die Bauholzwirtschaft. Es trifft ebenso fuer einige der wertvollsten
Kapitalanlagen des Landes zu, wie zum Beispiel die norwegischen Kraftwerke und die Handelsflotte.
Seit Ende des Krieges und der endgueltigen Befreiung
sind nun sechs Jahre vergangen. Zusammen mit allen anderen
freien Nationen Europas und der westlichen Welt steht Norwegen heute vor der doppelten Aufgabe, seinen Wiederaufbau zu
vollenden - d.h. die in den wenigen Nachkriegs jähren erziel- 4 -

�ten Erfolge zu sichern - wie auch als Mitglied des Nordatlantikpaktes zur kollektiven Verteidigung Europas gegen die
neue Bedrohung aus dem Osten beizutragen. Norwegen wird dieser
doppelten Aufgabe vor allem durch Anwendung moderner industrieller Froduktivitaetsmethoden gerech^.
"Sechs Jahre sind vergangen, seitdem Norwegen wieder
frei wurde. In dieser Zeit hat dieses Land in Frieden und
Freiheit gelebt. 2a stellt sich die Frage: Wie ist diese
Zeit ausgenutzt worden?"
Mit dieser Frage beginnt eine kleine Broschuere, die unlaengst von der norwegischen Arbeiter-Partei in Oslo herausgegeben wurde. In ihr sind die wichtigsten, in den letzten
sechs Jahren erzielten Erfolge aufgezaehlt. Am Anfang der
Liste wird zu der Frage der Erziehung und Beibehaltung der
Vollbeschaeftigung Stellung genommen.
Waehrend die Arbeitslosigkeit in nur einem einzigen
Jahr der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen (1920 - 39)
geringer als 10% war und Mitte der dreis-siger Jahre auf mehr
als ein Drittel anstieg, konnte seit der Befreiung die Vollbeschaeftigung ununterbrochen aufrechterhalten werden.
"Seit 1945 ist die Beschaeftigtenziffer um 120,000
(d.h. 9% aller Arbeitskraefte der Nation) angestiegen,"
heisst es in der Broschuere. "Es gibt heute mehr offenstehende Arbeitsplaetze als Arbeitsuchende. Die Menschen haben
sich an diese Situation so gewoehnt, dass fuer sie die Vollbeschaeftigung eine Selbstverstaendlichkeit geworden ist."
Der Schluessel zu diesem Erfolg ist der eindrucksvolle
Fortschritt in Norwegens Industrieproduktion und der Leistungsfaehigkeit seiner Industrien seit der Befreiung. Heute ist
die Gesamtproduktion der norwegischen Industrie mindestens
um 70% hoeher als im Jahre 1945 und liegt um 35 bis 40%
ueber dem Vorkriegsniveau.
Eine der entscheidendsten und fortschrittlichsten Wendungen in der Produktivitaet der norwegischen Industrie zum Unterschied von dem Gesamtvolumen der Produktion - ist
in der Entwicklung der norwegischen Landwirtschaft seit 1945
zu sehen. Mit Stolz wird in der Broschuere darauf hingewiesen, dass eine Steigerung des landwirtschaftlichen Ertrages
um 25% erzielt wurde, obwohl in diesem Wirtschaftszweig,
50,000 Personen weniger als zuvor beschaeftigt sind.
Die fuenf entscheidenden Mittel, durch die diese Erfolge
erzielt wurden, werden.in der folgenden Rangordnung angefuehrt:
1.)
2.)
3.)
4.)
5.)

Vollbeschaeftigung.
Wiederherstellung und Erweiterung der wichtigsten
industriellen Einrichtungen, die zum Teil mit Hilfe
des Marshall-Plans beschafft werden konnten.
Neue und bessere Produktionsmethoden (d.h. Produktivitaet) .
Der allgemeine Arbeitseifer.
Bessere Ausbildung und Schulung.

Ein aöderes bezeichnendes Beispiel fuer Norwegens Fortschritt in der industriellen Produktivitaet ist die Tatsache,
- 5

�dass dank wissenschaftlicher Forschung und modernisierter
Arbeitsgeraete die durchschnittliche Fangbeute des norwegischen Fischers heute um 40 bis 50% hoeher ist als in den
dreissiger Jahren.
Was die Erweiterung wichtiger industrieller Einrichtungen betrifft, so sind in den letzten fuenf Jahren 20 Millionen Kronen zu diesem Zweck investiert worden. Mehr als 10%
dieser Investitionsmittel kamen aus Marshall-Plan-Mitteln
und -Krediten.
Den groessten Fortschritt erzielten die stromerzeugende
Industrie"und die Schiffahrt Norwegens. Unter Ausnutzung
der riesigen natuerlichen Reserven an Wasserkraft konnte die
Erzeugung elektrischen Stromes gegenueber der Vorkriegszeit
um fast das Doppelte gesteigert werden.
Einen aehnlichen Erfolg erzielte die norwegische Schifffahrt. Obwohl waehrend des Krieges fast die Haelfte der
Schiffstonnage der norwegischen Handelsflotte verlorenging,
ist die Flotte jetzt weit groesser als vor dem Kriege.
Die Broschuere beendet ihren Bericht ueber den errungenen Fortschritt mit einer Warnung fuer die Gegenwart und
die Zukunft: "Der Krieg geht weiter auf der Welt. Wir hoffen, dass er sich nicht ausdehnt. Der Schutz unseres Friedens und unserer Freiheit ist deshalb eine Aufgabe, der wir
uns vor-allen anderen widmen muessen, und die militeerische
Bereitschaft ist eine Frage ueber Leben oder Tod fuer alle
Voelker, die den Wunsch haben, ihre Freiheit zu erhalten."
ECA Labor Information
VIII/9/51
VEREINTE NATIONEN UNTERE,TUETZEN AFGHANISTAN BEI DER ERSCHLIESSUNG V CK • ERP OELQUELLEN
Die Regierung von Afghanistan hat die Vereinten Nationen um ihre technische Unterstuetzung bei der weiteren Erforschung der Erdoelvorkommen gebeten, die man zur Befriedigung der inlaendischen Beduerfnisse zu erschliessen hofft.
Eine Erdoelversorgung aus eigenen Quellen und die entsprechenden Anlagen zur Raffinierung wuerden Afghanistan die
Versorgung mit Treibstoff zum Antrieb der Motoren und zur
Aufrechterhaltung des Kraftwagentransports sichern. Der
Kraftstoff wird aber auch zur Ergaenzung der schwindenden
Holzreserven als Heizmaterial fuer Wohnungen und fuer die
Entwicklung der Industrie gebraucht. Afghanistan benoetigt
ausserdem Asphalt fuer seine Strassen und als Baumaterial.
Das Vorhandensein von Erdoelablagerungen in Afghanistan
ist seit langem bekannt oder zumindest vermutet. In einem
Bezirk z.B. pflegte die Bevoelkerung an die Erdoberflaeche
durchgesickertes Erdoel in einfachen Gefaessen aufzufangen
und in Oellampen oder als Medizin zu verwenden. In der Vergangenheit sind verschiedentlich vorlaeufige Untersuchungen
angestellt worden. Aber nun hat Afghanistan um die technische Unterstuetzung der Vereinten Nationen nachgesucht, um
sich genaue Angaben ueber die geologische Beschaffenheit und
die Struktur des Erdbodens zu beschaffen, die den frueheren
6 -

�Untersuchungen nicht entnommen werden konnteji. In Beantwortung dieses Gesuches haben die Vereinten Kationen einen niederlaendischen Erdoelgeologen nach Afghanistan geschickt, der
mit Hilfe eines einheimischen Experten wieder groessere ardoelablagerungen festgestellt hat. Der Sachverstaendige der
Vereinten Nationen hat ausserdem Vorschlaege zur Bildung einer
afghaniscnen iirdoelgewinnungsOrganisation, zur Ausbildung einheimischen Personals fuer die Bohrarbeiten und zu weiteren
notwendigen Massnahmen zur Durchfuehrung von Bohrarbeiten im
Lande den zustaendigen Stellen unterbreitet.
Die Regierung von Afghanistan ist zur Zeit damit beschäftigt, einige dieser Empfehlungen zu verwirklichen, aber sie
hat auch die Vereinten Nationen fuer die folgenden Arbeitsabschnitte um weitere Unterstuetzung durch Sachverstaendige
gebeten. Mit dieser Bitte zugleich hat sich die Regierung
damit einverstanden erklaert, die mit der Erdoelgewinnung verbundenen Risiken zu uebernehmen und die volle Verantwortlichkeit fuer einen Erfolg oder einen Fehlschlag des Unternehmens
zu uebernehmen. Der zweite Sachverstaendige, der von den
Vereinten Nationen zur Verfuegung gestellt wird, ist ein
Bergbauingenieur, der ebenfalls aus den Niederlanden kommt
und ueber umfassende Erfahrungen in der Erdoelbohrung und
-gewinnung verfuegt.
Bei der Durchfuehrung dieses Programms der Erdoelgewinnung werden, besonders was den Transport dar Geraete betrifft,
zahlreiche Schwierigkeiten zu ueberwinden sein, weil Afghanistan keine Eisenbahnen hat. Der Strassentransport ist nicht
nur wegen des gebirgigen Gelaendes unzulaenglich, sondern
auch weil die Strassen zu bestimmten Jahreszeiten gesperrt
und fuer den Transport der erforderlichen schweren Austestungen nicht geeignet sind. Man hat fuer bestimmte Teile
des Projekts den Transport auf dem Luftwege in Erwaegung gezogen.
Die Mission zur Entwicklung der Erdoelgewinnung stellt
einen Abschnitt in einem koordinierten Plan zur technischen
Unterstuetzung Afghanistans dar. Man rechnet damit, dass
die Vereinten Nationen und ihre Fachbehoerden in den kommenden Monaten eine Anzahl weiterer Experten in bestimmten Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung auf Ersuchen der afghanischen Regierung in dieses Land schicken werden.
Economic and Social Problems
in the United Nations VIIl/51
EIN MARSEALLPLAK-PROJEKT IN DER SOWJETZONE OESTERREICHS
Etwa 30 Kilometer hinter dem Eisernen Vorhang ist eine
mit Marshallplan-Geldern erbaute Baumwollspinnerei zu einem
Musterbeispiel amerikanischer Produktionsmethoden geworden.
Die Spinnerei Walek &amp; Co. in Wiener Neustadt, das in
der russischen Zone Oesterreichs liegt, ist heute die modernste in Europa. Ihre weiss leuchtenden, einstoeckigen Gebaeude
und ihre zweckmaessige angelegten Grundstuecke stechen aus
der duesteren und zerbombten Umgebung wie ein Zukunftstraum
hervor.
Die Fabrik wurde im November vorigen Jahres fertiggestellt. Seitdem sind unzaehlige Betriebsleiter, Ingenieure
- 7 -

�und Techniker aus allen Teilen Europas und sogar aus Indien
gekommen, um die neuen Einrichtungen zu besichtigen. Ein
Journalist eines fuehrenden oesterreichischen Wirtschaftsblattes schrieb nach einem Besuch in der Fabrik, "er habe das
Gefuehl gehabt, eine andere Welt zu betreten."
Da- die Fabrik doch mit amerikanischer Hilfe gebaut wurde
und innerhalb der Sowjetzone liegt, ist es seltsam genug,
dass sie nur von wenig Amerikanern und Russen besucht wird.
Amerikaner sind meistens daran gehindert, weil ihnen das
Betreten der Sowjetzone verboten ist. Die Russen sihd der
Fabrik wohl aus Verlegenheit ferngeblieben, denn sie stellt
einen glaenzenden Beweis fuer die industrielle Ueberlegenheit des Westens dar.
Mit dem neuen Unternehmen wird eine Fabrik der Firma
Y/alek und Co. ersetzt, die waehrend des Krieges gaenzlich
zerstoert wurde. Am 13. August 1943 wurde die alte Fabrik
von drei Bomben getroffen. Die erste explodierte in den
Hoefen, ohne Schaden anzurichten, die zweite legte die Stromund Wasserversorgung still, und die dritte zerstoerte die
Haupthalle der Spinnerei.
Die Arbeiter konnten einige der Gebaeude wieder notduerftig zusammenflicken, einige Maschinen aus den Truemmern
retten und sie wieder zusammensetzen; zum groessten Teil
war das Unternehmen jedoch ruiniert, und fast alle Arbeiter
wurden entlassen.
Otto Walek, der zusammen mit seinem Bruder Franz das
Unternehmen leitet, erklaerte, man haette die alte Fabrik
natuerlich wieder ausbessern koennen, hielt es jedoch fuer
wirtschaftlicher, einen vollkommen neuen Betrieb errichten
zu lassen.
"Die alte Fabrik war nach ihrör Fertigstellung im Jahre
1936 eine der besten in Europa," berichtete Walek. "Waehrend
im Weltkrieg in der Entwicklung der europaeischen Textilindustrie jedoch ein Stillstand eingetreten war, wurden in
den Vereinigten Staaten grosse Fortschritte gemacht, und
heute sind uns die Amerikaner um Jahre voraus."
Die neuesten amerikanischen Ideen sind in der neuen
Fabrik verwirklicht worden. Zuerst waren die Arbeiter ueberrascht, als sie feststellten, dass der groesste Teil der
Fabrik, naemlich die Spinnerei, ohne ein einziges Fenster
oder ein Glasdach gebaut wurde. Inzwischen haben sie erfahren, dass man die Absicht hatte, die Halle von den atmosphaerischen Bedingungen der Aussenwelt hermetisch abzuschliessen,
weil geringfuegige Veraenderungen im Licht, der Temperatur
oder der Luftfeuchtigkeit ausreichen, um ein Reissen feiner
Fasern zu verursachen.
Fluoreszierende Lampen sorgen fuer gleichmaessiges
Licht, das vom Wetter draussen unabhaengig ist. Mit Luftregulatoren lassen sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit ganz
nach Wunsch regulieren, und die Luft wird staubfrei gehalten,
indem sie alle fuenf Minuten vollkommen erneuert wird. Unter
diesen Bedingungen und mit neuen amerikanischen Maschinen
kann eine so feine Faser hergestellt werden, dass ein Strang
von ueber 250 km Laenge nur knapp ein Kilogramm wiegt.
- 8 -

�Die meisten amerikanischen Maschinen wurden von den
Saco-Lowell"-Werkstaetten in Boston geliefert. Sie wurden
mit 980.000 Dollar aus Marshallplangeldern und 235.000 Dollar der Export-Import Bank finanziert. Zur Deckung der
Bau- und Installationskosten wurden ausserdem aus Marshallplan-Gegenwertmitteln 56 Millionen Schillinge freigegeben,
was einem Betrag von mehr als zehn Millionen D-Mark entspricht. Insgesamt wurde mehr als die Haelfte der gesamten
Aufbaukosten mit amerikanischen Mitteln gedeckt.
M

Die Fabrik produziert heute alljaehrlich 990.000 Kilo
feiner Fasern und Garne und die gleiche Menge an Kord fuer
Reifen, elektrische Isolierungen und andere Gummierzeugnisse.
40% der Produktion werden in Oesterreich selbst abgesetzt,
waehrend 60% auf westeuropaeischen Absatzmaerkten gegen Devisen verkauft werden.
In der Fabrik sind 1100 Arbeiter beschaeftigt, das sind
400 mehr als in dem alten Betrieb 'in seinen besten Tagen.
Etwa zwei Drittel der Arbeitnehmer sind Frauen, und viele sind
Facharbeiter, die seit der Zerstoerung der Automobil- und
Flugzeugfabriken der Stadt waehrend des Krieges erwerbslos
wurden.
Die Fabrik ist wegen der guten Arbeitsbedingungen ein
beliebtes Ziel fuer Arbeitssuchende. Durch die Luftregulatoren ist die Gefahr der Lungenerkrankungen gebannt, die in
Textilfabriken besonders haeufig anzutreffen ist. Geraeuschabsorbierende Deckon und Waende reduzieren den Laerm der
Maschinen, iin modernes Verbandszimmer mit allen neuzeitlichen Einrichtungen, wie Roentgenanlage und Ultraviolette
Bestrahlung, steht den Arbeitern jederzeit zur Verfuegung.
Im Omnibuspendelverkehr werden die Arbeiter kostenlos morgens
zur Fabrik und abends nach Hause gebracht. In der Werkkantine koennen sie fuer etwa 35 Pfennig ein warmes Mittagessen
bekommen.
Die Arbeiter zeigten deutlich, was sie von ihrem Betrieb
halten als oesterreichische Kommunisten auf geheimen Befehl
der Sowjets im Herbst vorigen Jahres versuchten, in ganz
Oesterreich durch einen Generalstreik Unruhen zu erzwingen.
Die Arbeiter der Firma Walek weigerten sich "rundweg, in den
Ausstand zu treten, und als schwerbewaffnete Mannschaften benachbarter russischer Fabriken geschickt wurden, um die Tore
abzusperren, baten sie um Unterstuetzung durch die Wiener
^olizei, die ihnen Zugang zur Fabrik und ihren Arbeitsplaetzen
verschaffte. Der sowjetische Hohe Kommissar fuer Oesterreich
hatte inzwischen eingesehen, dass die Beteuerungen der oesterreichischen Kommunistenfuehrer ueber ihren Einfluss auf die
Arbeiterschaft ein leeres Geschwaetz war, sodass er daraufhin
sich von dem Putschversuch distanzierte.
VII/20/51
DIE ENTWICKLUNG DER GRIECHISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Die Urspruenge der griechischen Gewerkschaftsbewegung gehen bis zum Anfang dieses Jahrhunderts zurueck. Damals gab
es jedoch noch keine sonderlich bemerkenswerte gewerkschaftliche Taetigkeit in Griechenland.
- 9-

�Die Gewerkschaften traten erst im Jahre 1914 in Erscheinung, nachdem die Balkankriege vorueber waren und das griechische Parlament das Gesetz Nr. 28.1 ueber die Betaetigung
der Gewerkschaften verabschiedet hatte. Aber selbst zu dieser Zeit blieben die Gewerkschaften als solche noch isoliert,
es fehlte auf nationaler und mehr noch auf internationaler
Ebene an Zusammenarbeit und Koordinierung. Es gab nur uerufsraete, die sich getrennt und unabhaengig voneinander betaetigten. Auch gab es keine Landesgewerkschaften. Sie wurden
erst spaeter gagruendet.
Das Beispiel europaeischer Laender mit einer gut entwickelten Gewerkschaftsbewegung begann jedoch die Aufmerksamkeit der griechischen Gewerkschafts?uehrer auf sich zu ziehen
und liess den Gedanken aufkommen, eine Gewerkschaftszentrale
fuer ganz Griechenland aufzubauen.
1918 wurde der erste griechische Gewerkschaftskongress
abgehalten, auf dem die Gruendung des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes beschlossen wurde. Der damals noch
junge Allgemeine Griechische Gewerkschaftsbund wurde jedoch
zu einem Schauplatz politischer und ideologischer Differenzen,
sodass es in den ersten fuenf Jahren seines Bestehens zu
einer Spaltung in der griechischen Gewerkschaftsbewegung kam,
die von Anfang an grosse Schwierigkeiten verursachte. Die
Tatsache, dass Griechenland zu jener Zeit nur eine kleine
Industrie und folglich eine zahlenmaessig begrenzte industrielle Erwerbsbevoelkerung hatte, liess das Problem der gewerkschaftlichen Organisierung nicht, wie es in industriell hochentwickelten Laendern der Fall ist, zu einer dringenden Kotwendigkeit werden. Auf der anderen Seite erleichterte der
Mangel an Erfahrung und Tradition in den griechischen Gewerkschaften eine Beeinflussung von aussen her. Trotz alledem
war man zu jener Zeit allgemein bemueht,'GewerkschaftsOrganisationen auf Landesebene aufzubauen, die zum groessten Teil
bald nach der Gruendung des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen wurden. Man kann sagen, dass
der Gewerkschaftsbund zeitlich gesehen diesen Organisationen
vorausging und aus Berufsraeten entstand, ein Merkmal, das
sich bis jetzt in der Struktur und dem Status der griechischen
Gewerkschaftsbewegung erhalten hat.
Die griechische Gewerkschaftsbewegung blieb bis zum
Jahre 1926 aufgespalten. Ein Teil bestand aus dem Gewerkschaftsbund, der in Athen seinen Sitz hatte und von den Kommunisten
beherrscht wurde, waehrend der andere Teil sein Zentralbuero
in Piraeus hatte und von Nichtkommunisten und einer anderen
unabhaengigen Gruppe beeinflusst war.
Im Jahre 1926 fand ein nationaler "Einheits"-Kongress
der Gewerkschaften statt, auf dem die gesarate Organisation
in die Haende der Reformisten ueberging. Seitdem hat sich
ein schwerer und ruecksichtsloser Kampf zwischen den Reformisten auf der einen Seite und den Kommunisten auf der anderen
Seite abgespielt. Die Kommunisten, die ueber die organisatorischen Mittel der kommunistischen Partei ihre Propaganda
und Presse und ueber ausreichende materiaile Mittel verfuegten, haben die Aufgabe einer Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung immer wieder erschwert.
Trotzdem konnten im Jahre 1928, als der dritte griechische Gewerkschaftskongress zusammentrat, die Reformisten im
- 10 -

�Exekutivausschuss des Gewerkschaftsbundes wiederum die Oberhand behalten. Der Kampf wurde haerter und haerter. Ein
Jahr spaeter, im Jahre 19£9, hielten die Kommunisten,auf
einen Befehl aus dem Ausland hin, einen eigenen Kongress ab
und gruendeten den "Vereinigten" Allgemeinen Griechischen
•Gewerkschaftsbund, der, wie sie selbst zugaben, ein Werkzeug
der kommunistischen Partei war. Die Gruendung dieses kommunistisch gesonnenen Gewerkschaftsbundes fuehrte jedoch zur
voelligen Isolierung der Kommunisten von der Arbeiterschaft,
und aus diesem Grunde unterbreiteten sie in Ausfuehrung ihrer
neuen Instruktionen aus Moskau neue Vorsohlaege zu einer tatsaechlichen Vereinigung der beiden griechischen Gewerkschaftsbuende.
Es wurde eine Vereinbarung getroffen, aber mit der Machtuebernahme durch den Diktator General Metaxas am 4. August
1936 wurde jede weitere Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung
in Griechenland unterbrochen.
Waehrend der Besatzung Griechenlands durch die Achsenmaechte, die dieser Episode folgte, konnten die freien Gewerkschaften ebenfalls keinerlei Taetigkeit entfalten, die Arbeiter verliessen die Gewerkschaften, waehrend es den Kommunisten durch ihre nationale Widerstandsbewegung und auch mit
Hilfe der freien Gewerkschaften gelang, die Arbeiterschaft
unter ihre Kontrolle zu bekommen und sich damit auf die voellige Beherrschung der Gewerkschaften vorbereiten konnten.
Kurz nach der Befreiung des Landes sahen sich die griechischen Gewerkschaften in den Haenden der Kommunisten, die
in der Zwischenzeit die verschiedenen Gewerkschaften durch
Gewalt in ihre Macht gebracht und ihre Agenten in ihnen festgesetzt hatten. Der Kreml hatte das Ziel gesetzt, bei den
Versuchen, Griechenland auf die andere Seite des Eisernen
Vorhangs zu bringen, die Gewerkschaften als Brueckenkoepfe
zu verwenden.
Ein schwerer und ungleicher Kampf wuetete daraufhin innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, in dem die freien Gewerkschafter danach strebten, sich zu behaupten, waehrend sich
die Kommunisten aller nur erdenklichen Mittel bedienten. Sie
verfuegten ueber den riesigen organisatorischen Apparat der
kommunistischen Partei und ueber ausreichende finanzielle
und propagandistische Mittel und zoegerten nicht, ruecksichtslos Drohungen, Gewalt und Terror anzuwenden; dadurch gelang
es ihnen auch, fuer eine gewisse Zeit die Funktionaere der
freien Gewerkschaften dem Gewerkschaftsbund und den beiden
Gewerkschaftszentren in Athen und Piraeus zu entfremden und
erneut die Kontrolle der gesamten Gewerkschaftsbewegung des
Landes zu uebernehmen.
Die freien Gewerkschafter Hessen sich jedoch nicht entmutigen und gaben den Kampf nicht auf. Zu Anfang waren sie
dem Verzagen nahe, als die Kommunisten waehrend ihres Staatsstreiches 150 fuehrende Funktionaere der freien Gewerkschaften hinrichten Hessen, aber sie hielten unerschuetterlich
an den Grundsaetzen der demokratischen Gewerkschaften fest
und setzten ihren Kampf fort, der langsam aber sicher Erfolge
zeitigte.
Die freie Gewerkschaftsbewegung ging aus dem Blutbad,
das der kommunistische Terror angerichtet hatte, mit dem ge- 11 -

�staerkten Willen hervor, weiter aktiv zu sein und die' Gewerkschaften von dem eisernen Griff der kommunistischen Hydra zu
befreien. Die griechischen Gewerkschaften standen zu jener
Zeit allein, sie fuehlten sich von den freien Gewerkschaften
der westlichen Laender verlassen, die damals noch freundschaftliche Beziehungen zu dem kommunistischen Weltgewerkschaftsbund unterhielten und die internationale kommunistische Propaganda noch um ihre eigenen abfaeiligen Bemerkungen
ueber die griechischen Gewerkschaften bereicherten. Dies
ist eine unangenehme Erinnerung, die jedoch durch die Tatsache gemildert wird, dass «ich der unablaessige Kampf der
freien griechischen Gewerkschaft en,, wenn auch spaet, in nationaler und internationaler Hinsicht als voellig gerechtfertigt und notwendig erwiesen hat» Hierbei war es jedoch
noetig, dass die wirklichen Absichten des stalinistischen
Weltgewerkschaftsbundes erkannt wurden, und dass auch andere
Laender die blutigen Schrecken und die zynischen Methoden des
Kommunismus am eigenen Leibe erfahren mussten, bevor das Gewissen der Gewerkschaften im Ausland wach wurde und bevor sie
anfingen, fuer den Kampf der freien griechischen Gewerkschaften Gefuehl und Verstaendnis zu haben.
Unter unaufhoerlichen Anstrengungen/und im Kampf gegen
einen weit staerkeren Feind, der nicht vor Mord, Betrug, Faelschung, Luege und Gewalt zurueckschreckte, konnten die freien
Gewerkschafter in Griechenland nach und nach ihre Stellung
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung zurueckerobern. Hand in
Hand mit diesem Kampf ging zu jener Zeit das Ringen der griechischen Nation als Gesamtheit, die ihre Kraefte zu einem
schweren Kampf auf Leben und Tod mobilisierte.
Im Maerz 1948, als dieser Kampf seinen Hoehepunkt erreicht hatte, wurde der neunte griechische Gewerkschaftskongress abgehalten, auf dem die Grundlagen zum Wiederaufbau der
Bewegung auf freier demokratischer Basis gelegt wurden. Es
war der erste freie Konpress nach der Befreiung Griechenlands
von den Achsenmaechten. In der Geschichte der griechischen
Gewerkschaftsbewegung war dieser Kongress trotz zahlreicher
Maengel ein Ereignis von hervorragender Bedeutung.
Obwohl die eigentlichen Probleme der Arbeiterschaft
noch nicht eroertert wurden und die vom Gewerkschaftsbund zu
unternehmenden Schritte noch nicht definiert werden konnten,
wurde doch eine hoechst bedeutsame Aufgabe erfuellt: Man
waehlte den ersten Exekutivausschuss des unabhaengigen Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, der dem freien
Willen griechischer Arbeiter entsprang.
Der neunte Kongress der griechischen Gewerkschaften fiel
zeitlich mit der ersten Spaltung innerhalb des Weltgewerkschaftsbundes zusammen, der vom sowjetischen Imperialismus
ganz offen zur S_toerung der Verteidigung der freien Welt missbraucht wurde. Im Gewissen internationaler Gewerkschaftsfuehrer regten sich Zweifel ueber die Richtigkeit der Vorwuerfe,
die der unabhaengigen griechischen Gewerkschaftsbewegung gemacht wurden, und sie entdeckten sehr schnell die Falle, in
die sie der Kommunismus gelockt hatte.
Dann folgte die endgueltige Spaltung des Weltgewerkschaftsbundes und im Dezember 1949 die Gruendung des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, in dem auch der Griechische All12 -

�gemeine Gewerkschaftsbund mitbestimmendes Mitglied war, und
dessen Gruendung eine glaenzende Rechtfertigung der von der
griechischen Gewerkschaftsbewegung gefuehrten Kaemnfe war.
Der unerbittliche ideologische Konflikt zwischen den
freien Gewerkschaften auf der einen Seite und dem Kommunismus auf der anderen liess es zur vornehmsten Pflicht des
IBFG werden, sich mutig und entschlossen fuur die Verteidigung der demokratischen und freiheitlichen Ideale einzusetzen, weil der Kommunismus die Freiheit mit Terror und
Gewalt unterdrueckt und zugleich durch eine fortwaehrende
Agitation den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Laender unterminiert mit der Absicht, aus dem Elend der Arbeiterschaft
Vorteile zu schlagen.
Der Allgemeine Griechische Gewerkschaftsbund hat sich
in Anerkennung der Grundsaetze der freien demokratischen
Gewerkschaftsbewegung an die Seite der uebrigen freien Gewerkschaften der Welt gestellt, in dem er sich als mitbestimmendes Mitglied an der Gruendung des IBFG aktiv beteiligte.
Die griechische kommunistische Partei hatte zwar nach
der Niederlage in dem Buergerkrieg, in den sie Griechenland
gestuerzt hatte, ihre Taetigkeit einschraenken muessen. Aber
auf der sechsten Plenarsitzung ihres Zentralkomitees legte
sie die Form und den Umfang ihrer weiteren Taetigkeit in
Griechenland fest. Auf Anordnung des Kominform hat sie wiederum die Eroberung der Gewerkschaften zu ihrem obersten
Ziel erklaert und den Kampf um die Herrschaft ueber diese
Bewegung erneut begonnen. Finanzielle Mittel standen dabei
in Huelle und Fuelle zur Verfuegung.
Seitdem ist, wie es die taeglichen Ereignisse beweisen,
die kommunistische Agitation auf diesem Gebiet in vollem
Gange. Es herrscht in Wirklichkeit ein Krieg des internationalen Kommunismus gegen Griechenland, der in einer noch intensiveren Form als bisher, wenn auch mit anderen Mitteln,
weitergefuehrt wird.
Angesichts dieser Situation hat der Exekutivausschuss
des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, der unerschuetterlich an seiner ideologischen Ausrichtung festheelt,
es sich zur Aufgabe gemacht, den Unterschied zwischen den
Grundsaetzen und der Politik klar herauszustellen, die die
freien Gewerkschaften von der kommunistischen Arbeitsfront
distanzieren. Er appelliert an das Gewissen der freien Arbeiter und ruft alle mutigen Kaempfer zur Verteidigung der
freien Gewerkschaften gegen jegliche kommunistische Aggression
auf.
Unter Beachtung dieser Grundsaetze und in dem Bestreben,
die freie griechische Gewerkschaftsbewegung, wieder aufzubauen, bereitete der Exekutivausschuss des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, diesmal vom IBFG unterstuetzt,
den zehnten griechischen Gewerkschaftskongress vor, der
aeusserst erfolgreich war. Dies geht auch aus dem Geschaeftsbericht hervor, der vom IBFG dem zweiten internationalen
Gewerkschaftskongress in Mailand vorgelegt wurde.
Die griechischen Gewerkschaften haben heute nach all den
Kaempfen und Schwierigkeiten, die sie zu ueberwinden hatten,
ihren Weg gefunden.
- 13 -

�Trotz aller internen Schwierigkeiten konnten sie sich
jetzt in verstaerktem Masse auch mit den wirtschaftlichen,
sozialen und beruflichen Problemen des arbeitenden Volkes bescheeftigen. Sie organisierten eine Reihe von Streitgespraechen, in deren Verlauf nicht nur bewiesen wurde, dass der
Mythos der kommunistischen Propaganda falsch und verlogen
ist, nach dem es in Griechenland angeblich keine gewerkschaftlichen Freiheiten gaebe und dass "Gewerkschafts"fuehrer, nur
weil die Streiks befehligten, zum Tode verurteilt wurden,
sondern sie haben auch wesentlich zur Loesung der sozialen
unö wirtschaftlichen Probleme beigetragen.
Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Leistungen der griechis.chen Gewerkschaften bei dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes.
News Letter of the General Confederation of Greek Workers Nr. 25
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN UND WELTFRIEDEN
Der maechtige britische Gewerkschaftsbund TUC mit seinen
acht Millionen Mitgliedern hat sich vor kurzem mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer das Verteidigungsprogramm der LabourRegierung ausgesprochen. Ein Parlamentsmitglied der LabourPartei, Kapitaen Harry Purcey, gibt in diesem Artikel einige
Erklaerungen hierzu. Purcey hatte erst vor kurzer Zeit die
Vereinigten Staaten besucht.
Purcey diente 30 Jahre lang bei der Marine und kam niemals weiter westlich als bis Trinidad. Er hatte immer den
Wunsch,Amerika zu sehen, um sich ein Bild ueber das Leben auf
diesem westlichen Kontinent machen zu koennen.
Auf die Frage, ob es nicht fuer einen Menschen von seinem
Rang ungewoehnlich sei, als Abgeordneter der Labour-Partei
Parlamentsmitglied zu sein, erwiderte Purcey, dass es bis
1912 keinem einfachen Marinesoldaten moeglich gewesen sei,
Offizier zu werden. Natuerlich stuende die Mehrheit der Marineoffiziere auf der anderen Seite, d.h. in der Partei der
Konservativen. Trotzdem haette beim Militaer immer eine
gute liberale Tendenz geherrscht, und es sei moeglich, dass
im Laufe der Zeit und mit der Verbesserung der politischen
Kenutnisse und Schulung mehr und mehr Marineoffiziere sich
nach ihrer Entlassung um Mandate fuer das Parlament bewerben
wuerden, so wie auch er es vor 30 Jahren getan habe. Purcey
vertritt im Parlament ^ast Hüll, einen der vier Stadtteile
der drittgroessten englischen Hafenstadt. Er ist vor allem
Vertreter der Seeleute- und Hafenarbeiterbezirke. Es ist
interessant^estzustellen, dass es in Hüll praktisch keine
Arbeitsstreitigkeiten gibt; die Erklaerung hierfuer ist einfach: es geht den Hafenarbeitern in England unter der LabourRegierung heute besser denn je zuvor, weil sie alle Beschaeftigung haben, und weil sie im Schutz des umfassenden Sozialversicherungs-Systems stehen, das heute in England besser
ist als in allen anderen Laendern der Welt.
Der Marshall-Plan, so berichtet Purcey, hat die englischen Betriebe mit Rohstoffen versorgt und bei der Wiederaufrichtung der kriegszerstoerten englischen Wirtschaft mitge- 14

�holfen. Drei von je vier Haeusern wurden in England waehrend
des Krieges zerstoert oder beschaedigt. Die llershallplan-Hilfe
fuer England wurde praktisch durch Verpflichtungen Englands
anderen Laendern gegenueber und durch die Gewaehrung von Krediten und Anleihen aufgehoben.
Was das Verteidigungsprogramm betrifft, so ist England
heute das am hoechsten besteuerte Land der Welt, es hat pro
Kopf der Bevoelkerung zur Verteidigung wohl mehr beigetragen
als jede andere Nation. Die Zahl der unter Waffen Stehenden
ist heute in England dreimal so hoch wie 1914 kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und zweimal so hoch wie 1939.
Bei einer Bevölkerungsziffer von 50 Millionen zaehlt England
eine Million Soldaten. Das Aequivalent fuer Amerika mit seinen 150 Milli
nschen waere also drei Millionen Soldaten.
England beteiligt sich mit gleicher Aktivitaet an den Verteidigungsanstrengungen. Die britische Marine trat fast gleichzeitig mit der amerikanischen Marine in Korea in Aktion.
Niemand unterschaetzt die Luftwaffe oder die Armee Russlands. Die russische "Achillesferse" ist jedoch die Marine.
Im letzten halben Jahrhundert war Russland in drei Kriege
verwickelt. Der russisch-japanische Krieg von 1905 brachte
eine schwere Niederlage. In den Kriegen 1914 und 1939 wurden
an die russische Marine keine grossen Anforderungen gestellt.
Die Russen sind niemals Seeleute gewesen, und sie haben heute
im Vergleich zu den amerikanischen und englischen Seestreitkraeften, die die groessten der Welt sind, praktisch keine
Ueberwasserflotte.
Obwohl Russland das raeumlich groesste Land der Welt
ist, hat es unter zahlreichen natuerlichen Nachteilen zu
leiden, wie z.B. die riesigen Entfernungen. Es muss deshalb
seine Streitkraefte aufteilen und kann sie nicht an einer
einzigen Stelle konzentrieren. Das Transportwesen Russlands
ist keineswegs gut. Vom marinetechnischen Standpunkt aus
gesehen hat Russland vier offene Meereskuesten: das Eismeer,
in dem natuerlich kein Krieg gefuehrt wflrde, die Ostsee,
das Schwarze Meer und der Stille Ozean im Fernen Osten. Die
Ostsee und das Schwarze Meer sind praktisch Binnenseen, in
denen einige Marinestreitkraefte unterhalten werden muessen,
die der Hauptflotte verlorengehen. Das bedeutet, dass die
strategisch wichtigste Kueste Russlands sich im Fernen Osten
befindet. In diesem Gebiet kann Amerika aber immer auf die
Hilfe Englands und besonders die der englischen Flotte bauen.
Im Falle eines Krieges mit Russland muessen deshalb die Energie und Aufmerksamkeit Grossbritanniens dem Kampf zur See
gewidmet werden. Truppen und Material muessen zur See befoerdert werden, die Schlagkraft der Marine wird einer der
ausschlaggebenden Faktoren sein.
Wenn man von der Moeglichkeit einer Krieges mit Russland spricht, muss man sich vergegenwaertigen, dass nicht die
Atombombe das wirksamste Abschreckmittel gegen Russland ist,
sondern vielmehr die Tatsache, dass sich zum erstenmal in
der Geschichte Amerika und England, bevor es noch zu einem
Schuss gekommen ist, verpflichtet haben, gemeinsam den europaeis chen Kontinent zu verteidigen. Wenn dies von Anfang an
auch 1914 und 1939 der Fall gewesen waere, waeren diese beiden Kriege wohl voellig anders verlaufen. Diese Argumente
sollen zu keinem Missverstaendnis fuehren und nicht den Ein- 15 -

�druck erwecken, Russlands Staerke wuerde unterstuetzt. Die
Verteidigungsbemuehungen muessen in der jetzigen Zeit unter
allen Umstaenden gefoerdert werden, weil die einzige Sprache,
die die Russen verstehen, die der Staerke'und nicht die der
Schwaeche ist.
Befragt, was nach seiner Meinung das beste Mittel zur
Durchfuehrung einer politischen Offensive waere, die die
Russen von ihren kriegsvorbereitenden Tendenzen abhalten
koennte, antwortete Purcey: "Eine der besten Methoden, deren
man sich bedienen koennte, waere eine gemeinsame Kampagne
der Vereinten Kationen, in der man Russland eine allgemeine
Abruestung untei' allgemeiner Ueberwachung vorschlagen wuerde.
Mit der Abruestung waeren alle Voelker der schweren Verpflichtung enthoben, grosse unwirtschaftliche Ausgaben fuer die
Verteidigung machen zu muessen. Alle Laender haetten die
Moeglichkeit, ihre Wirtschaft auf die Friedensproduktion
einzustellen und jedem einen besseren Lebensstandard, groessere soziale Sicherheit und alle sonstigen Vorteile zukommen
zu lassen, die das Wohlergehen der Kationen und der Welt
insgesamt verbessern wuerden.
Ob Russland einen solchen Vorschlag akzeptieren kann?
Dieser Vorschlag ist in verschiedener Form Russland natuerlich schon unterbreitet worden. Die Russen erklaerten immer
wieder, dass sie ihn grundsaetzlich billigten. Sie erklaerten sich bereit, alles moegliche zu tun. Wenn man jedoch zu
Einzelheiten ueberging und die Frage einer ausreichenden
Ueberwachung angeschnitten wurde, dann wollte- Russland, wie
allgemein bekannt ist, keinerlei annehmbare Uebe"rwachungsmethoden akzeptieren, die anderen Laendern eine Gewaehr dafuer
bieten koennten, dass Russland nicht doch im geheimen aufruestet.
Program Services Section
IX/6/51
NEUE STROMERZEUGUNGSANLAGEN IN GRIECHENLAKD
Mit Hilfe des Marshallplans werden jetzt die laendlichen
Bezirke Griechenlands der elektrischen Stromversorgung angeschlossen woei die in den Staedten befindlichen Krafterzeugungs
anlagen erweitert werden. Dieses Programm, das im Jahre 1955
beendet^sein soll, wird drei hydroelektrische und eine Dampfkrafterzeugungßanlage umfassen, zu denen dann die Verteilungsanlagen treten. Die Wasserkraftanlagen werden am Wodas, am
Ladhon und am Loures-Fluss errichtet. Die Anlage, die auf
Dampfkraft basiert, ist bereits im Bau. Sie liegt in der
Naehe von Aliveri,. einer Insel in Euboea, auf der sich grosse
Lignit-Ablagerungen befinden. Lignit ist eine minderwertige
Kohle, die hier jedoch mit einfachen Mitteln aufbereitet wird
und gleichzeitig als Brennstoff fuer dieses neue Kraftwerk
diänt. Ein amerikanisches Ingenieurunternehmen, die Ebasco
Dienst G.m.b.H., ueberwacht den Bau und die Arbeit dieser Anlage. Der aus Griechen bestehende Stab der oeffentlichen
Stromverwaltung wird das Werk uebernehmen, sobald es spaetestens im Jahre 1955 fertiggestellt ist. Die Gesamtkosten
dieses Projektes werden etwa 80 Millionen Dollar betragen. In
diesem Betrag ist ein Posten von 54 Millionen Dollar enthalten,
der fuer Lieferungen aus dem Ausland entstanden ist, waehrend
10 Millionen Dollar auf direkte Unterstuetzung entfallen, die
durch den Marshallplan gewaehrt werden.
EGA Special Report
VIII/7/51
- 16 IICOG

25 Mp&lt; 51 U542 6 II

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse «ad anderen Quellen dar «ad dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werde«.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht-als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 38

Frankfurt,

£ 1 . September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Das Europaeische Hilfsprogramm und s e i n e Gegner . .

1

P r o d u k t i o n s p l a n der SCA f i n d e t i n Europa B e i f a l l

4

N i e d e r l a g e der Kommunisten b e i den f i n n i s c h e n
Gewerkschaftswahlen
Die neue b r i t i s c h e Verordnung ueber die Regelung
von A r b e i t s s t r e i t i g k e i t e n
Z e i t s t u d i e n von d e r anderen S e i t e gesehen

.

6
7
9

Foerderung d e r P r o d u k t i v i t a e t durch Normung

13

U . S . f o r d e r n Bodenreform auf der ganzen Welt

14

DAS EUROPAEISCHE HILFSPROGRAMM UND SEINE GEGNER
Die B e r i c h t e der ECA-Verwaltung z e i g e n auf, d a s y zur
g l e i c h e n Z e i t , i n d e r s o w j e t i s c h e Agenten Hunderte von M i l l i o n e n D o l l a r ausgeben d u e r r e n , um d i e f r e i e Welt i n e i n
Chaos zu s t u e r z e n und z u g l e i c h d i e Bemuehungen d e r a m e r i kanischen w i r t s c h a f t l i c h e n U n t e r s t u e t z u n g z u n i c h t e zu machen, Amerika auf d i e kommunistischen Luegen ueber d i e
" i m p e r i a l i s t i s c h e K r i e g s p o l i t i k der USA" a n t w o r t e n muss.
Die b e s t e Antwort, d i e durch die ECA gegeben werden kann,
l i e g t wohl i n den Einladungen an Hunderte von S t u d i e n g r u p p e n , d i e im Rahmen des t e c h n i s c h e n Unterstuetzungsprogramms
- 1 -

�der EGA die Vereinigten Staaten besuchen, wobei die Mitglieder
der Studiengruppen sich aus Gewerkschaftsfunktionaeren, Landwirten, Technikern und Industriellen zusammensetzen, die aus
westeuropaeischen Laendern Amerika besuchen, um hier im Rahmen
des technischen Hilfsprogramms moderne Produktionsmethoden
zu studieren. Die Erfahrungen, die diese Fachleute zurueck
nach Europa bringen, sind zugleich der beste Beweis, dass
Amerika keinen Krieg will, aber in jedem Fall durch entsprechende Verteidigungsmassnahmen den Aggressionen des Kreml
ein Halt entgegenzusetzen wuenscht.
Die Mitglieder dieser Studiengruppen lernen bei ihren
Reisen in den Vereinigten Staaten auch den kleinen Mann kennen, mit dem sie staendig in Beruehrung kommen. Dadurch hoeren sie aus berufenem Munde ueber die Lebensweise des amerikanischen Arbeiters, des Bauern und des Angestellten. Es
kommt natuerlich vor, dass ein voreingenommener Besucher sich
Scheuklappen anlegt und nur das sehen will, was ihm in seine
Richtung'passt. Aber im allgemeinen kommen mit den Besuchergruppen objektiv eingestellte Yvesteuropaeer nach ümerika, die
vor allem den ungeheuren Einfluss der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung auf die Lebenshaltung der breiten Masse erkennen. Eine ganze Anzahl dieser Besucher ist zu der Schlussfolgerung gekommen, dass hier eine gigantische wirtschaftliche
Revolution stattgefunden hat und dass hier der Arbeiter und
der kleine Mann der Strasse alle jene Errungenschaften erreicht haben, von denen er vor zwei Jahrzehnten nur traeumen
konnte und die im allgemeinen den Forderungen entsprechen, die
die marxistische Lehre als Endziel fuer den einzelnen aufgestellt hat. Das betrifft allerdings nicht das Eigentum an
den Produktionsmitteln selbst, sondern nur einen optimalen
Anteil an den durch diese erzielten Gewinnen. Eine solche
wirtschaftliche Revolution hat in dieser Form in Sowjetrussland nicht stattgefunden, hier ist zwar das Privateigentum
gemaess der marxistischen Lehre beseitigt, aber der einzelne
russische Arbeiter hat dadurch keineswegs seinen Lebensstandard erhoehen koennen. Wenn heute immer noch der Eiserne Vorhang heruntergelassen bleibt, so ist zweifellos der Hauptgrund
hierfuer, dass die russischen Machthaber keineswegs daran
interessiert sind, dass der russische Arbeiter uebe*rhaupt etwas ueber den Lebensstandard des amerikanischen Arbeiters erfaehrt.
Einige Studiengruppen bestanden ausschliesslich aus Gewerkschaftern, fuenf von ihnen haben in den letzten vier Monaten ausgedehnte Studien durchgefuehrt, wobei sie in erster
Linie an Hochschulen solche Seminare und Vorlesungen hoerten,
die vor allem die Arbeit der Gewerkschaftsbewegung betrafen.
So wurden die Roosevelt-Hochschule in Chicago, die WisconsinUniversitaet in Madison, die Cornell-Universitaet in Ithaka
bei New York, das Technologische Institut fuer Massachusetts
und die Harvard-Handelshochschule in Cambridge besucht. Fach
diesen theoretischen Vorbereitungen gingen die Studiengruppen
an die praktische Arbeit, sie besuchten Fabriken und Werkanlagen, aber auch Bergwerke, um ueberall die Produktionsmethoden
in der Praxis naeher kennen zu lernen und sich gleichfalls
ueber die Tarifvertragsverhandlungen zu orientieren. Dabei
hatten sie selbstverstaendlich jegliche Freiheit, um jene Seiten des amerikanischen Lebens kennen zu lernen, die nach der
Meinung amerikanischer Gewerkschafter noch durchaus reformbeduerftig sind. Die Studiengruppen haben sich daher ein Bild
- 2

�der Wirklichkeit machen koennen, sei es in sozialer oder in
wirtschaftlicher Hinsicht, aber sie erfuhren hierbei auch,
wie die amerikanischen Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit
politischen Kraeften sich darum bemuehen, jene Schattenseiten des amerikanischen Lebens auszumerzen, moegen diese nun
in der Gemeinde, in der Provinz oder im Staat bestehen, moegen hierfuer kommunale, einzelstaatliche oder bundesstaatliche Aktionen erforderlich sein.
Die Mitglieder der Studiengruppen haben selbstverstaendlich auch mit den ürbsitsberatern der ECA ueber die wirtschaftlichen Probleme Europas gesprochen, wobei vor allem die Frage
im Vordergrund stand, ob durch eine Erhoehung der Produktivitaet eine Erhoehung des Lebensstandards erreicht werden kann.
Diese Frage ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil
durch die immer notwendiger werdende Verteidigungsbereitschaft gegen kommunistische Aggressionen auch in Westeuropa
ein Verteidigungsprogramm unumgaenglich wird, wobei aber
die bisherige Gueterproduktion fuer den zivilen Sektor nicht
beeintraechtigt werden soll. Auch die Gefahr einer Inflation
laesst sich vermeiden, wenn durch eine Beibehaltung des
jetzigen Produktionsniveaus der bestehenden Nachfrage entsprochen werden kann. Fuer Deutschland wuerde dies bedeuten,
dass das Arbeitslosenheer wieder in den Erwerbsprozess eingereiht wird, dass aber darueber hinaus durch eine Steigerung
der Produktivitaet fuer den zivilen Sektor genuegend Bedarfsgueter produziert werden, um Engpaesse zu vermeiden. Da jedoch zu diesem Produktiv itaetsprogramia auch die Frage gehoert,
dass mehr Nahrungsmittel zu niedrigeren Kosten erhaeltlich
sein muessen, so sind gegenwaertig zahlreiche Experten aus
der Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten mit dem Studium
der dortigen Agrarmethoden beschaeftigt. Dabei wird gleichzeitig geprueft, welche dieser Methoden sich auch fuer die
westeuropaeische Landwirtschaft eignet. Die Notwendigkeit
der Verbilligung der Massennahrungsmittel ist heute schon
von elementarer Bedeutung fuer den Lebensstandard der breiten
Masse, erst recht jedoch angesichts der Drohungen, die der
Kreml immer wieder vom Stapel laesst.
Gegenwaertig weilen zwoelf junge weibliche Landwirtschef tsexperten in den Vereinigten Staaten, die aus fuenf
Laendern Westeuropas kommen, um hier an dem Agrarschulungsprogramm fuer weibliche Agronomen teilzunehmen, das von der ECA
protegiert und mit Hilfe des Landwirtschaftsministeriums der
USA durchgefuehrt wird.
Elf Techniker aus Daenemark, Belgien und Norwegen studieren insbesondere die Anordnung und den Aufbau landwirtschaftlicher Gebaeude. In allen drei Laendern gibt es traditionelle Methoden, vor allem in bezug auf die Bauweise und
die Abmessungen, aber diese sind voellig veraltet und erfordern dringend eine Revision, um Arbeitskraft, Materialien
und investierte Kapitalien einzusparen und mit diesen ersparten Mitteln mehr und besseres aufzubauen.
Dreizehn andere Studiengruppen beschaeftieen sich mit
der Bekaempfung von Vorratsschaedlingen, mit der wirtschaftlicheren Verwendung von Holz und Bauholz, der Aufzucht des
Viehs, der Lagerung und Verpackung von Obst und Gemuese,
mit ihrer industriellen Konservierung, mit der Bewaesserung
und Erschliessung neuen Ackerbodens und der Mechanisierung
- 3-

�der Landwirtschaft, mit den Ancaumoeglichkeiten von Soyabohnen
und der Durchfuehrung von Bodenanalysen, mit der Gartenkultur und der ^rnte von Alfalfagras-Samen, der Seuchenbekaempfung
durch ^uarantaenemassnahmen und schliesslich mit der Foerderung des Zuckerruebenanbaus und seinen Voraussetzungen.
Fuenfzehn weitere Studiengrupnen widmen sich industriellen Problemen, sie informieren sich ueber Haefen und Dockanlagen, ueber industrielle Organisation und Betriebstuehrung,
ueber Gebaeudekonstruktionen und"Ausnutzung von Naturgasquellen, die Erhoehung der Produktiviüaet in der Baumwollindustrie
und der Bekleidungsfabrikation, die Verwaltung der Telefonaemter, die verlustfreie Lagerung von Korn, die Herstellung
von Keks und Biskuit, fuer Europa wichtige chemische Forschungsarbeiten, Stahlzieh- und -Valzanlagen, die Verlegung
von Draehten und Kabeln, die Anwendung von Leimverbindungen
und Zement, Verwendungsmoeglichkeiten fuer plastische fassen
und schliesslich neue Destilliermethoden durch Aufspaltung
und Trennung unter besonderen Verhaeltnissen.
Sieben amerikanische .Experten, die vor allem auf dem
Gebiet der Begründung und Durchfuehrung spezieller Forschungsaufgaben geschult sind, werden ihre Erfahrungen gegenseitig
austauschen und ergaenzen, um eine otudienreihe vorzubereiten, die in ,7esteuropa durchgefuehrt werden soll und sich
mit der Frage beschaeftigen wird, ob aehnliche Institutionen
direkt in Westeuropa begruendet, werden sollen und welche .
Forschungsgebiete am notwendigsten fuer die einzelnen Laender sind. Der Beitrag, der auf Westdeutschland entfallen
soll, ergibt sich aus einem Besuch des deutschen Mitglieds
des OSEC-Komitees fuer wissenschaftliche und technische Angelegenheiten, Dr. Joachim Pretsch, der vor einiger Zeit
die USA unter diesem Gesichtspunkt bereiste.
EGA Labor Information
VI 11/31/51
PRODUKTIONSPLAN DER ECA FINDET IN EUROPA BEIFALL
Die neue Kampagne der ECA zur Foerderung der Produktivitaet hat in den nichtkommunistischen Gewerkschaftszeitungen
Europas allgemein ein guenstiges Echo gefunden.
Das "Programm der ECA soll den Europaeern helfen, ihre
Industrien zu modernisieren, ihre Produktionsmethoden zu
verbessern und ihren Ausstoss zu steigern, wobei den Arbeitern gleichzeitig ein gerechter Anteil an den Gewinnen gesichert werden soll.
Weil diese klaren Forderungen einem der Hauptdiskussionspunkte der Kommunisten der. Boden entzogen hat, hat
die kommunistische Presse in Europa, wie nicht anders zu erwarten war, "einmuetig" gegen das gesamte Programm Stellung
genommen.
Eines der freien Gewerkschaftsorgane Frankreichs, naemlich das des Christlichen Gewerkschaftsbundes ICFTC), billigt
das Programm unter der Bedingung, dass "es sorgfaeltig ueberwacht wird."
- 4

�Grundsaetzlich stimmtdem Programm auch Andre Malterre,
der Generalsekretaer des Gewerkschaftsbundes der Arbeitsvorgesetzten (Confederation Generale des Cadres)zu, der in
einem Leitartikel des offiziellen Organs seiner Gewerkschaft
"Le Greuset des Cadres" schreibt:
"Das Ziel, die Fruechte der Produktivitaet unter Unternehmern, Lohnempfaengern und Verbrauchern gerecht zu verteilen, ist ausgezeichnet."
Gewerkschaftlich orientierte Tageszeitungen, wie z.B.
"Combat", "Le Populaire" und "Franc-Tireur" brachten Artikel,
in denen die Notwendigkeit des Programms bejaht und gegen
jene Unternehmer der Industrie in scharfen Worten Stellung
genommen wird, die sich immer noch zu den Prinzipien der
"Mentalitaet der niedrigen Loehne und hohen Gewinne" bekennen.
Gewerkschaftsfuehrer in Deutschland billigten das Vorhaben in aehnlicher Weise und brachten nicht nur ihr Interesse daran zum Ausdruck, sondern sagten auch ihre Unterstuetzun« zu. Ludwig Rosenberg, Leiter der Hauptabteilung
II des Deutschen Gewerkschaftsbundes, berichtete, dass er
mit der Vorbereitung eines Wirtschafts- und Fropagandaprogramms beschaeftigt ist, das mithelfen soll, die Ziele des
ECA-Programms zu verwirklichen.
In einer Produktivitaetsbroschuere, die vom Deutschen
Gewerkschafts-Bund herausgegeben wurde, begruesst Georg
Reuter, der stellvertretende Vorsitzende des DGB und Leiter
der Hauptabteilung Film, Presse und Rundfunk diese Kampagne
und erklaert: "Der Hauptinhalt der Gewerkschaftsziele ist
es, das Sozialprodukt so gerecht wie moeglich unter die
Bevoelkerung zu verteilen und es staendig zu vermehren,
um auf diese Weise den Lebensstandard zu heben."
"Die Produktivitaet einer Volkswirtschaft ist deshalb
nicht nur fuer die Arbeitgeber, sondern und moeglicherweise
sogar in erster Linie fuer die Arbeitnehmer von Bedeutung."
In Holland sind in offiziellen Gewerkschaftsorganen
bisher noch keine Kommentare gegeben worden, dagegen aeusserten sich bereits zwei gewerkschaftlich orientierte Tageszeitungen zu dem Thema. "Vrije Volk", eine sozialistische
Arbeiterzeitung, erklaerte in vorsichtigem Ton:
"Es besteht die Gefahr, dass die ECA Aufgaben uebernimmt, zu deren Erfuellung sie nicht die noetigen Mittel
besitzt und auch nicht gerade die passendste Institution
ist. Es besteht weiter die Gefahr, dass die ^arshall-hilfe
zu einer Hilfe fuer Industrien und nicht fuer Laender wird."
Die katholische Gewerkschaftszeitung "Volksgrant" bezeichnete die neuen Bemuehungen als "Hoffman-Plan" und hob
besonders die Unternehmen der Regierung hervor.
Das daenische, gewerkschaftlich orientierte Blatt
"Social Demokraten" berichtete in grossen Schlagzeilen von
dem neuen Programm. Diese grosse, in ganz Daenemark gelesene Tageszeitung wies auf die Bedeutung des Programms hin,
die ihm als mittel zur Steigerung der Loehne und^ zur Senkung
der Verbraucherpreise zukommt.
- 5

�Die schweizerische sozialistische Zeitung "Volksrecht",
die in Zuerich erscheint, gab zu den Auswirkungen des Planes auf die franzoesischen Gewerkschaften folgende Erklaerung:
"Wir koennen behaupten, dass dieser Plan den freien
franzoesischen Gewerkschafts Organisationen neue weite Perspektiven eroeffnet. Der Grundsatz einer wirksamen technischen Unterstuetzung duerfte fuer die Entwicklung der Produktivitaet Frankreichs aeusserst fruchtbringend sein, die
nach unserer Auffassung von hervorragender Bedeutung ist.
The CIO News
IX/10/51
NIEDERLAGE DER KOMMUNISTEN BEI DEN FINNISCHEN GE'.vaP.KSOHAFTSWAHLEN
Auf dem diesjaehrigen Kongress des finnischen-Gewerkschaftsbundes (S.A.K.) waren die Kommunisten in der Minderheit, da bei der Wahl der Kongressdelegierten die Sozialdemokraten einen klaren Sieg errangen.
Ihr Erfolg ist zweifellos ihren energischen und unermuedlichen Anstrengungen bei der Bekaempfung der kommunistischen Machenschaften und ihrer Schlagwortdrescherei zu
verdanken. Die Sozialdemokraten stellten der kommunistischen Taktik ein ganz bestimmtes Programm entgegen und verfochten ihre Meinung in offenen Aussprachen bei allen Gewerkschafts- und Betriebsversammlungen. Angesichts dieser unzweideutigen Haltung ihrer Gegner waren die Kommunisten gezwungen, offene Aussprachen mit ihnen zu vermeiden, s
In dem Bestreben, ihre Kandidaten und ihre Mitglieder
ueber ihre Meinung zu informieren, verteilten die sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionaere eine woechentlich erscheinende kleine Broschuere mit dem Titel "Zur Sache".
Je naeher der Tag der Wahl rueckte, umso groesser wurde die
Nachfrage nach dieser Veroeffentlichung, und schliesslich
wurde sie vielen Arbeitern an ihrem Arbeitsplatz ueberreicht.
Alle anderen modernen politischen Kampfmethöden, einschliesslich der Erforschung der oeffentlichen Meinung, wurden in
den Kampf geworfen.
Das Ergebnis dieser aktiven Wahlkampagne war, dass 60%
aller Gewerkschafter zu den Wahlurnen gingen, ein Prozentsatz,
wie man ihn seit dem Kriege nicht gekannt hatte.
Durch diese starke Opposition wurden die Kommunisten
aus dem Gleichgewicht gebracht, sie versuchten daraufhin,
die angewendeten Wahlmethoden zu bemaengeln. Bereits vor
vier Jahren waren die Wahlmethoden im Gewerkschaftsbund SAK
abgeaendert worden. Waehrend es vorher jeder Gewerkschaft
freigestanden hatte, nach welcher Wahlmetnode sie ihre Delogierten ernennen wollte, hatte der Kongress im Jahre 1947
beschlossen, dass die Gewerksciiaften das gerechtere System
der Verhaeltniswahl anwenden muessen, wenn es unter der Mitgliedschaft konkurrierende Gruppen gibt, und dass allen Mitgliedern Gelegenheit gegeben werden muss, sich an der Wahl zu
beteiligen.
- 6 -

�In diesem Jahre versuchten die Kommunisten zu beweisen,
dass das Recht, die Delegierten nach den Grundsaetzen der
Verhaeltniswahl festzustellen, mit den Satzungen des Gewerkschaftsbundes SAK unvereinbar sei. Die Kommunisten bezweckten damit natuerlich, dass Gewerkschaften mit sozial-demokratischer Mehrheit Verhaeltniswahlen abhalten sollten, waehrend
kommunistisch beherrschte Gewerkschaften in letzter Minute
einfach direkte Mehrheitswahlen haetten durchfuehren koennen.
Sie fuegten diesen Argumenten die laecherliche Behauptung
hinzu, die Mehrheit der Gewerkschaft stuende ja sowieso auf
ihrer Seite.
Die beste Antwort an die Kommunisten waren die Wahlergebnisse - sozialistische Kandidaten erhielten mehr als 107.000
Stimmen und die Kommunisten 88.000. Dies bedeutete, dass 152
Sozialisten und nur 65 Kommunisten fuer den Kongress als
Delegierte gewaehlt wurden.
Finnische Gewerkschafter, die an die Demokratie glauben,
sind der Ueberzeugung, dass ihre Bemuehungen eine konkrete
Lehre fuer die freie Welt darstellen. Sie wissen, dass sie
die Kommunisten in gerechten Wahlen schlagen koennen. Und
der Kongress der finnischen Gewerkschaften hat beschlossen,
aus dem vom Kominform beherrschten Weltgewerkschaftsbund
endgueltig auszutreten.
Labour VIII/51
DIE NEUE BRITISCHE VERORDNUNG USBER DIE REGELUNG VON ARBEITSSTREITIGKSITEK
Die britische Verordnung Nr. 1305 besteht nicht mehr,
und an ihre Stelle tritt eine neue Verordnung, die Gewerkschaf tsvertraege und ueberhaupt das Tarifverhandlungswesen
foerdert.
Nach der neuen Verordnung ueber Arbeitsstreitigkeiten
in der Industrie sind Streiks und Aussperrungen nicht illegal. Aber jede Gewerkschaft oder jede Arbeitgeberorganisation, die sich ueblicherweise an der freiwilligen Regelung
der Loehne und Arbeitsbedingungen innerhalb einer Industrie
beteiligen, kann den Arbeitsminister davon unterrichten, dass
in der betreffenden Industrie eine Streitigkeit vorliegt.
Der Arbeitsminister kann den Streitfall sodann dem Gericht fuer industrielle Streitigkeiten uebergeben, das auf
der gleichen Basis gebildet wird wie das fruehere Nationale
Schiedsgericht.
Jeder Entschluss dieses Gerichtes wird automatisch zu
einer Bestimmung des Tarifvertrags zwischen den Arbeitern
und Unternehmern. Bei Nichtbeachtung dieser Bestimmung haben
die entsprechenden Vertragspartner das Recht, bei den Zivilgerichten eine Klage wegen Vertragsbruchs anhaengig zu machen.
Bevor jedoch ein Streitfall dem Gericht uebergeben wird,
muss sich der Arbeitsminister davon ueberzeugen, dass man alle
Moeglichkeiten zur Beilegung des Streits durch Beanspruchung
der bestehenden Vermittlungseinrichtungen in der Industrie
erschoepft hat.
- 7-

�Einige Industrien - ihre Zahl wird immer groesser - haben
ein Abkommen getroffen, nach dem Streitigkeiten, die nicht
in dem normalen Verhandlungsverfahren beigelegt werden koennen, an ein Industriescericht oder eine im Vertrag festgelegte
Schiedssprechungsinstitution ueberwiesen werden. V.'ird der
Streitfall durch Entscheid einer dieser Institutionen beigelegt, eruebrigt sich eine Inanspruchnahme des Gerichts durch
den Arbeitsminister.
Bedeutsamer noch ist die Tatsache, dass der Arbeitsminister nicht verpflichtet ist, einen Streitfall einem Gericht
zu uebergeben, solange ein Streik oder eine Aussperrung oder
eine andere Massnahme, die einen schwerwiegenden Bruch des
Vertrags darstellt, in Durchfuehrung begriffen ist.
Das Problem der Schlichtung von Streitigkeiten in solchen
Industrien, in denen der Prozentsatz der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter verhaeltnismaessig niedrig ist und in
denen daher entsprechende Verhandlungsinstitutionen fehlen,
ist durch eine Klausel in der Verordnung geloest, die dem
Arbeitsminister die Befugnis gibt, einen Bericht ueber eine
Streitigkeit von einer Gewerkschaft oder einer ArbeitgeberOrganisation anzunehmen, die seines Erachtens fuer die Arbeitgeber oder Arbeitnehmer der betreffenden Industrie zustaendig
ist.

Diese neue Verordnung ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen zwischen dem TUC, den Arbeitgeberorganisationen
bzw. Vertretern der verstaatlichten Industrien und Alfred
Robens und seinem Vorgaenger im Arbeitsministerium.
Nach Aussagen von Gewaehrsleuten des TUC duerften die
Verhandlungen im Januar dieses Jahres begonnen haben, als
der Verwaltungsrat des TUC im Hinblick auf das Versprechen,
das man den Delegierten auf dem vorjaehrigen Kongress gegeben
hatte, die uebliche Ueberpruefung der Arbeitsweise der Verordnung Nr. 1305 vornahm.
Ende Februar waren bereits konkrete Vorschleege Gegenstand der Verhandlungen, die unter dem Titel "What the TUC
is Doing" (Vtes der TUC bearbeitet) veroeffentlicht wurden.
Bei der Eroerterung der Einzelheiten der vielen Entwuerfe,
die notwendig waren, bevor man sich ueber den endgueltigen
rechtsverbindlichen Wortlaut einigen konnte, wurden die Erfahrungen der angeschlossenen Gewerkschaften und ihre schriftlichen und muendlichen Kommentare vor dem Kongress beruecksichtigt, mit der Absicht, jene Bestandteile der Verordnung Nr.
1305, die die Gewerkschaften fuer wertvoll hielten, zu erhalten.
Bemerkenswert unter diesen war die Bestimmung in Absatz
III, nach der die Gewerkschaften die Eoeglichkeit hetten,
eine widerspenstige Firma - ob sie einer Arbeitgeberorganisation angehoart oder nicht - zu zwingen, die Loehne zu zahlen
und die Arbeitsbedingungen einzuhalten, die die Gewerkschaften
in Verhandlungen mit einer groesseren Zahl von Firmen der
betreffenden Industrie vereinbart hatten. Diese ^oeglichkeit
besteht auch nach der neuen Verordnung.
. Labour
- 8-

VIIl/51

�ZEITSTUDIEN VON DER ANDEREN SEITE GESEHEN
Es gibt eine genze Reihe von Moeglichkeiten, sich unerlaubte Vorteile zu verschaffen, sei es auf legalem oder illegalem Wege. Es gibt Leute, die einen Zigarettenladen pluendern, aber es gibt auch Geschaefte, die sich Tausende von
Mark dadurch verschaffen, dass sie sehr knapp wiegen. Es
gibt auch Unternehmer, die pro Arbeitsstunde sich 5 Pfennig
verschaffen, indem sie den Beschaeftigten einen Lohn zahlen,
der 5 Pfennig unter dem vereinbarten Satz liegt. Man kann
aber auch mit der Stoppuhr aehnliche unehrliche Rechenkunststuecke fertigbringen.
Ein Beispiel hierzu: Nehmen wir einmal an, dass im Verlaufe einer Zeitstudie festgelegt wird, dass 5% der Arbeitszeit Dingen gewidmet werden kann, die.nicht unmittelbar mit
der Arbeit in Verbindung stehen. Eine solche Vereinbarung
kann bei einer pharisaeerhaften Auslegung dazu fuehren, dass
sich dadurch eine Unternehmerpraemie von mehr als einer Million Mark ergibt.
Die amerikanische Gewerkschaft der AUtomobilarbeiter
gibt hierzu ein Beispiel. Eine der groessten amerikanischen
Gesellschaften, die mehr als 100.000 Arbeiter beschaeftigt,
hat eine Vertragsformel etwas unrichtig und einseitig ausgelegt und war dadurch in der Lage, an ihren Arbeitern im
Jahre rund neun Millionen Doller zu profitieren. Dieser Betrag ist doppelt so hoch wie jene Summe, die bei einem gewissen Kettenhandelsunternehmen Jahr fuer Jahr dadurch gewonnen wird, dass bei einer schnellen Bedienung die Waren knapp
gewogen werden und Uebergewichte ebenso schnell uebersteigert berechnet werden.
Heute steht dieses Kettenhandelsunternehmen, nicht allein
da mit seinen Methoden. 7/ahrscheinlich wird mancher Leser,
wenn er diesen Artikel studiert, feststellen, dass auch in
seinem Betrieb aehnliche sonderbare Praktiken gang und gaebe
sind.
Gehen wir zurueck zu der Vereinbarung, dass 5% der teeglichen Arbeitszeit fuer persoenliche Zwecke zur Verfuegung
stehen. Ein achtstuendiger Arbeitstag bedeutet 8 x 60 Minuten, also 480 Minuten. Fuenf Prozent von 480 Minuten sind
24 Minuten. Das bedeutet, dass nicht 480 Minuten pro Tag
gearbeitet wird, sondern tatsaechlich 456 Minuten. Die erwaehnten 24 Minuten stehen fuer nichtbetriebliche Zwecke dem
einzelnen Arbeiter zur Verfuegung. .Venn man diese Summe durch
8 teilt, so ergibt sich, dass die produktive Zeit 57 Minuten
fuer jede Arbeitsstunde betragen muss. Dies entspricht auch
genau dem Vertrag: 57 Minuten m 95% Arbeitszeit und 5% oder
3 Minuten sind dem Arbeiter fuer eigene Zwecke freigegeben.
Diese Rechnung ist vollkommen klar. Sie wird auch in Grossbetrieben wie General Motors und Ford durchgefuehrt.
Was geschieht nun tatsaechlich in den /.erken? .Vas geschieht zum Beispiel in einer der groessten Gesellschaften,
einem der gesottensten amerikanischen Monopolbetriebe mit
seinen rund 100.000 Arbeitern?
Schoen, die Zeitstudienabteilung berechnet dieses Zugestaendnis der 5%igen Privatzeit etwas anders und kommt zu
dem Schluss, dass fuer jede Stunde 3 Minuten fuer Dersoenliche
9

�Zwecke des Arbeiters zur Verfuegung stehen. Das heisst also,
wie gesagt, 3 Minuten je Stunde. Nun gut, sagt das Unternehmen, das heisst also, dass der Arbeiter 60 Minuten an seiner
Maschine zu stehen hat und dann 3 Minuten sich privaten
Dingen widmen kann, also nicht drei Minuten in jeder Stunde,
sondern 3 Minuten auf 63 Minuten gerechnet. Vjenn man dies
umrechnet, so bedeutet dies keine 5%, wie es im Vertrag steht,
sondern nur 4,76%.
Anstatt 57 Minuten Arbeitszeit und 3 Minuten Ruhe hat
dieses Unternehmen also 60 Minuten Arbeit und 3 Minuten Ruhe
festgelegt. Wenn man das pro Arbeitskraft einmal nachrechnet, so ergibt sich, dass 1/7 Minute an Arbeitszeit pro Stunde
verlangt wird, wofuer keine Berechtigung besteht. Diese
1/7 Minute fuer jede Stunde wird bereits pro Tag zu 1 1/7
Minuten. Auf das Jahr berechnet ergeben sich somit 285 Minuten fuer den einzelnen Arbeiter. Fuer die 100.000 Lohnarbeiter waechst sich diese Massnahme der Firma zu rund 4.750.000
Arbeitsstunden an, die durch eine einfache einseitige Korrektur eines Vertrages gewonnen sind. Wenn man den Durchschnittslohn pro Stunde auf 2 Dollar berechnet, so ergibt sich durch
eine einfache Berechnung, dass die Gesellschaft aus dieser
anscheinend geringfuegigen Aenderung des Abkommens einen Nutzen
von 9 Millionen Dollar an unbezahlter Arbeitszeit innerhalb
eines Jahres auf Kosten der Belegschaft gewinnt!
Natuerlich kann man sich auf den Standpunkt stellen,
dass 1/7 Minute pro Arbeitsstunde gar nichts bedeutet. Die
l/7 Minute ist wesentlich kuerzer als die Zeit, die man
braucht, um sich die Sache ueberhaupt zu ueberlegen. Tatsaechlich ist diese Angelegenheit jedoch eine Sache, die die
Gewerkschaften nicht durchgehen lassen koennen. Natuerlich
scheint es sich nur um eine Kleinigkeit zu handeln, aber
wenn man, wie es hier geschehen ist, der Sache einmal nachgeht, so ergibt sich, dass das Unternehmen einen Sondergewinn
von 9 Millionen Dollar hat, da es fuer die 1/7 Minute nichts
zahlt. Vom Standpunkt der 9 Millionen handelt es sich aber
keineswegs um eine Kleinigkeit.
Dieses eine Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass
bei allen Zeitstudien nicht nur die Arbeiter bloss die Zeitnehmer kontrollieren, sondern aucb erfahrene Experten zur
Stelle sind, um jeden Versuch, den Vertrag mit Klauseln so
auszustatten, dass das Unternehmen doch noch Sondervorteile
herauszieht, abzuwehren. Dass die Kalkulation die Vernachlaessigung kleinster arithmetischer Groessen stets zu ihren
Gunsten vornimmt, scheint im Einzelfall und auf die einzelne
Arbeitsstunde bezogen, nicht allzuviel auszumachen, umsomehr
bedeuten diese Groessen jedoch etwas, wenn man sie auf das
Jahr und auf die Gesamtbelegschaft umrechnet. Der Anteil
an der Arbeitszeit, der abgesetzt werden muss fuer' die Befriedigung persoenlicher Beduerfnisse oder umgekehrt der Betrag,
der effektiv fuer die tatsaechlich geleistete Arbeitszeit
gezahlt wird, wird in den Zeitstudienberechnungen mit dem
Begriff Zykluszeit benannt. Diese Zykluszeit ist der Gesamtbetrag der Minuten fuer die Arbeitsvorbereitung, der von der
Gesamt-Arbeitszeit abgezogen wird, die Zykluszeit ist die
Zeit, in der ein Arbeitsvorgang vorbereitet wird, bis er'tatsaechlich beginnen kann. Die Zykluszeit schliesst auch die
Gesamtzeit ein, die fuer persoenliche Faktoren etewaehrt wird,
fuer Arbeitsunterbrechungen und fuer alle anderen notwendigen
- 10 -

�Zeiten bis zur tatsaechlichen Durchfuehrung der Arbeit selbst.
Wir bringen hier die Unterlagen der Bulova-Uhren-Gesellschaft,
die von dem Industrieingenieur David Anderson und dem Leiter
der Standard-Abteilung Arthur Hansen herausgegeben wurde.
"Waehrend des durchschnittlichen neunstuendigen Arbeitstages
wurden die folgenden Zugestaendnisse fuer eine besondere Form
der Arbeit gemacht:
Form des Zugestaendnisses

Persoenliche Zwecke
Ermuedung
Unterbrechungen, Neueinrichtungen
We r kz e ug v or be r e i t ung,
Reinigen usw.
Gesamtsumme der Zugestaendnisse

Minuten pro Tag

In Prozenten der gesamten 9-stuendigen
Arbeitszeit

27
54

5%
10%

27

5%

54

10$

162 Minuten

30% der Arbeitszeit des
9-stuendigen
Arbeitstages

Die normale Zeit, die jeder einzelne Arbeitsvorgang pro
Stueck bei dieser Studie benoetigte, belief sich auf 0,15
Minuten. Die allgemein angewandte Methode der Festlegung
der Zeitzugestaendnisse, also die tatsaechliche Zeit fuer
den Arbeitsvorgang betraegt
0,150 Minuten.
w
Summe der Zugestaendnisse 30%
0,045
Standardzeit
0,195 Minuten.
Die stuendliche Produktion wird daraufhin wie folgt
festgelegt: 60 Minuten werden geteilt durch 0,195 Minuten.
Es ergibt sich somit pro Stunde eine Stueckzahl von 307,2.
Diese Zahl wird jetzt als Basis fuer den betreffenden Arbeitsvorgang zugrunde gelegt. Die taegliche neunstuendige Produktion auf dieser Basis wuerde daher 307,2 x 9 betragen, das
heisst also, 2.764,0 Stueck p r o Tag.
Wenn man jedoch richtig rechnet - und die Zeitstudieningenieure der Gewerkschaft haben diese Rechnung sorgfaeltig
geprueft - so ergeben sich nur 2.520 Stueck p r o Tag.
Zieht man naemlich von den 540 Minuten des gesamten
Neunstundentages 162 Minuten,
die dem 30%igen Zugestaendnis
entsprechen, ab, so kommt - man zu einer tatsaechlichen Arbeitszeit von 378 Minuten fuer den Neunstundentag.
Wenn man die tatsaechliche Arbeitszeit von 378 Minuten
durch die fuer den Arbeitsvorgang notwendige Zeit (0.15 Minuten) dividiert, erhaelt man eine Produktionsziffer von 2.520
Stueck fuer den Neunstundentag.
Die Differenz zwischen 2.520 und 2.764,8 Stueck ist also
244,8 Stueck. Dies ist die Produktion, um deren Bezahlung
der Arbeiter betrogen wird. 244, 8 Stueck sollen nach der
Rechnung des Unternehmens produziert und nicht bezahlt werden.
Der Irrtum liegt natuerlich darin begruendet, dass die
Zeitzugestaendnisse an den Arbeiter nach dem gesamten Arbeits- 11 -

�tag berechnet werden, entweder nach acht Stunden oder nach
neun Stunden.
Der gesamte Arbeitstag besteht aus der dem Arbeiter zugestandenen Zeit fuer persoenliche Faktoren und der tatsaechlichen Arbeitszeit. Wenn das Zeitzugestaendnis 30^ betraegt,
dann beziehen sich diese 30% auf den gesamten Arbeitstag.
Man zieht also diese dreissig Prozent ab, und was uebrigbleibt, ist die tatsaechliche effektive Arbeitszeit. Man
teilt diese Arbeitszeit durch die fuer den Arbeitsvorgang
notwendige Zeit und erhaelt die Zahl der Arbeitsgaenge, die
verlangt werden koennen.
Dies waere eine ehrliche und korrekte Rechnung.
Wenn man jedoch Sondervorteile herausschlagen will, bedient man sich der Rechenkunststueckmethode, die viele Unternehmer anwenden. Man stellt zuerst den Prozentsatz der fuer
verschiedene nichtproduktive Faktoren zugestandenen Zeit
fest, nehmen wir an 30% insgesamt.
Diese 30% bezieht man lediglich auf die tatsaechliche
Arbeitszeit. Und hier haben wir den Trick. Man bezieht den
gleichen Prozentsatz auf einen kleineren Betrag, naemlich
die tatsaechliche Arbeitszeit, anstatt auf den gesamten Arbeitstag.
Hieraus ergibt sich, dass die Zeit in Minuten oder Sekunden, die fuer Ermuedüng und die verschiedenen anderen,
nichtproduktiven zeitverbrauchenden Faktoren zugestanden wird,
kuerzer ist. Es bedeutet, dass von dem Arbeiter ein hoeheres
Arbeitstempo verlangt wird. Es bedeutet, dass von dem Arbeiter eine Produktion verlangt wird, die nicht bezahlt wird.
Das heisst also: 30% von 378 Minuten (die tatsaechliche
Arbeitszeit des Neunstundentages nach dem Beispiel der BulovaGesellschaft) und nicht 30% von 540 Minuten.
Wenn die gesamte Zykluszeit eines Arbeitsvorgangs (d.h.
die Arbeitszeit plus vereinbartem Zugestaendnis von 18 Sekunden) 60 Sekunden betraegt, laesflt sich Zeit unterschlagen,
indem man 42 Sekunden mit 30&gt; multipliziert. Hieraus ergeben
sich naemlich 12,6 Sekunden an Zeitzugestaendnis. Die ehrliche Methode ist die, dass man 60 Sekunden mit 30% multipliziert. Dan erhaelt man naemlich 18 Sekunden an Zeitzugestaendnis fuer persoenliche Faktoren.
Ganz einfach gesagt: man muss, um ehrlich zu verfahren,
den Prozentsatz des Zeitzugestaendnisses mit der Zahl der Minuten des gesamten Arbeitstages multiplisieren, dann zieht man
das Ergebnis von den Minuten des gesamten Arbeitstages ab und
erhaelt die tatsaechliche Arbeitszeit. Dividiert man die
tatsaechliche Arbeitszeit durch die fuer einen Arbeitsvorgang
erforderliche Zeit, so erhaelt man die Zahl der erforderlichen
herzustellenden Stuecke.
Es hat auf den ersten Blick den Anschein, dass hier nur
ein sehr geringfuegiger Irrtum vorliegt. Multipliziert man
jedoch mit zweitausend Stunden pro Jahr und mit einhundert
oder eintausend Arbeitern oder sogareinhunderttausend Arbei- 12 -

�tern, dann wird dieser "geringfuegige Irrtum" zu einem grossen
Betrag und damit zu einem Betrug auf Kosten der Arbeitenden.
UAW-CIO Ammunition
VIII/51
FOERDERUKG DER PRODUKTIVITÄT DURCH NORMUNG
Viele Unternehmer in Europa sind sich dessen bewusst,
dass die Normung ihrer Erzeugnisse im Hinblick auf die Gestehungskosten wuenschenswert ist. Aber nur wenige Unternehmen
halten es fuer moeglich, sich von den alten Traditionen freizumachen, die darin bestehen, dass man den individuellen
v/uenschen der Verbraucher Rechnung traegt. Und doch ist
die belgische Baumwoll- und Flachsweberei "Camille de Stoop"
in Courtrai dazu uebergegangen, anstatt 20 verschiedener Farben und Q,ualitaeten nur noch sechs oder sieben herzustellen,
eingerechnet Hemdenstoffe, Kattun und Matratzendrelle. Diese
Massnahme trug wesentlich zur Steigerung der Produktivitaet um
22% in einem Zeitraum von weniger als einem Jahr bei. In einigen Faellen war man auf Grund der Normung gezwungen, neue
Kaeufer zu suchen, die sich jedoch in Holland, den Vereinigten
Staaten, Grossbritannien, Norwegen und Schweden fanden. Im
ganzen werden etwa 50% der Produktion dieser Firma exportiert.
Zu den neuesten Abnehmern gehoeren das englische und das belgische Heer.
Im Jahre 1950 waren in diesem Betrieb 100 Menschen beschaeftigt. 1951 waren es 130, und die Produktion pro Arbeiter hatte sich um 22% gesteigert. Diese Verbesserung war unter anderem auch einem neuen kleinen Zusatzgeraet zu verdanken, das die Knoten und Verunreinigungen aus den Faeden entfernt. Sachverstaendige hatten diese Vorrichtung in amerikanischen Betrieben im Jahre 1946 gesehen. Sie wird in der
Schweiz hergestellt, kostet etwa 6.50 D-Mark, und mit ihr
lassen sich 10 bis 20% der Arbeitszeit einsparen.
Eine andere grundlegende Aenderung bestand darin, dass
man dazu ueberging, ein qualitativ besseres Garn einzukaufen.
Das bedeutet, dass den V.ebern die Arbeit erleichtert wird.
Da ihr Entlohnungssystem nicht geaendert wurde, verdienen
sie jetzt etwa 20% mehr (d.h. 20 - 25 Francs pro Stunde) als
frueher, als noch Garne von schlechterer 5,ualitaet verarbeitet
wurden. Die Loehne anderer Arbeiter wurden auf Grund verschiedener Neuerungen des Betriebes um 10 bis 15% verbessert.
Zu den Neuanschaffungen an Maschinen gehoert auch eine
schweizer "Pirn"-Spulmaschine, an der ein Arbeiter jetzt 60
Spindeln gleichzeitig ueberwachen kann, wogegen er an der alten Maschine nur 20 betreuen konnte. Eine weitere Neuerung
ist eine moderne amerikanische Maschine, die die Spulen automatisch reinigt. Zu ihrer Bedienung genuegt ein Arbeiter.
Mit dieser Arbeit waren frueher drei oder vier Arbeitskraefte
beschaeftigt. Die Betriebsleitung wartet zur Zeit auf die
Lieferung 24 neuer automatischer Webstuehle aus der Schweiz
und weiterer 24 aus Belgien. Dieser Kauf wird ein entscheidender Schritt in der Modernisierung der 78 Jahre bestehenden
Fabrik sein. Ein '//eber wird in Zukunft 12 //ebstuehle bedienen koennen, wozu jetzt noch vier bis sechs Arbeiter erforderlich sind. Man beabsichtigt jedoch nicht, Belegschaftsmit- 13 -

�glieder zu entlassen, weil nur 16 Webstuehle durch neue ersetzt
werden und die Produktion zugleich erweitert wird. Die 16
alten Webstuehle sollen an eine Weberei in Australien verkauft werden.
Ausser diesen Neuerungen, die auf eigene Initiative der
Firma vorgenommen wurden, hat man noch eine Reihe anderer Veraenderungen durchgefuehrt, die von einer Besuchergruppe dreier amerikanischer technischer Betriebsleiter vorgeschlagen .
wurden. Diese Gruppe hatte unter der Schirmherrschaft der
ECA im Rahmen des Programms fuer technische ünterstuetzung
19 Betriebe der Textilindustrie in Europa besichtigt und anschliessend einen zusammenfassenden Bericht geschrieben. Eine
Anzahl nichtformeller Empfehlungen der Gruppe sind von der
Firma Stoop bereits verwirklicht worden. Hierzu gehoeren:
1. Eine Umstellung der Tische, an denen die Stoffe
ueberprueft werden, um zu gewaehrleisten, dass das natuerliche Licht von links kommt anstatt von rechts, damit der Pruefer die ^ualitaet des Stoffes besser pruefen kann und seine
Augen weniger angestrengt werden.
2. Beim Weben das Verknoten mit der Hand durch einen
mechanischen Verknoter zu ersetzen.
3. Eine neue Methode anzuwenden, nach der man groessere
Mengen von Garn auf die Spulen bringen kann, damit weniger
Zeit zum Neuauffuellen der Spulen verlorengeht.
Andere allgemeine Empfehlungen der amerikanischen BesuchergruDpe, wie z.B. die Verwendung von Arbeitskarten, auf
denen die Funktionen des Arbeiters und seine ueblichen Arbeiten aufgefuehrt sind, werden zur Zeit in einzelnen belgischen
Baumwollfabriken und von dem Verband belgischer Baumwollweber
erwogen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass hierdurch
der Status der belgischen Baumwollspinn- und Baumwollwebindustrie, die hinsichtlich ihrer Bedeutung an dritter Stelle
in Belgien steht, verbessert werden kann, d.h. dass die Zahl
der Arbeitnehmer erhoeht werden kann. Bisher sind die Zu
hohen Produktionskosten, die auf den Mangel an Normung und auf
unzulaengliche Vertriebs- und Verteilungskosten zurueckzufuehren sind, als das schwierigste Problem dieser Industrie
angesehen worden. Man hat ihnen deshalb auch in der Durchfuehrung des Programms fuer technische ünterstuetzung besondere
Beachtung geschenkt.
Die Arbeitnehmer der Firma Stoop sind in den sozialistischen und katholischen belgischen Gewerkschaften organisiert.
Ihre Vertreter treten regelmaessig mit den Unternehmern in
Betriebsberatungen zusammen, um Veraenderungen und Neuerungen
innerhalb des Betriebs zu besprechen und dann erst durchzufuehren.
ECA, Research and Analysis
VIII/7/51
U.S. FORDERN BODENREFORM AUF DER GANZEN WELT
Die Vereinigten Staaten haben in einer grundsaetzlichen
Erklaerung ueber den Landbesitz ein grundlegendes, sich ueber
- 14 -

�laengere Zeit erstreckendes Programm der Bodenreform auf weltweiter Basis gefordert.^
Als der amerikanische Delegierte Isador Lubin auf der
Genfer Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen eine EntSchliessung zu diesem Zweck einbrachte,
berichtete er von den ausgezeichneten Ergebnissen der Landreform in Japan, die unter amerikanischer Fuehrung durchgefuehrt worden war, und bezeichnete sie als ein Beispiel dafuer, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann.
Lubin teilte dem Rat der Vereinten Nationen mit, dass
in weniger als zwei Jahren drei Millionen japanischer Bauern
Land erworben haetten. Unter der amerikanischen Politik der
Bodenreform seien die japanischen Bauern von einem erdrueckenden System der Bauernhoerigkeit befreit worden, und die landwirtschaftliche Erzeugung habe eine beachtliche Steigerung
erfahren.
Die Richtigkeit seiner EntSchliessung, die, wie er sagte,
die oeffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten widerspiegelt, wurde durch die Worte Praesident Trumans bestaetigt,
die er bei der Eroeffnung der Verhandlungen ueber den Friedensvertrag mit Japan an die Konferenz in San Franzisko
richtete:
"Ueber achthunderttausend Hektar Ackerland sind den alten
Grossgrundbesitzern abgekauft und an Landarbeiter weiterverkauft worden," erklaerte der Praesident, als er von den demokratischen Fortschritten in Japan in den letzten sechs Jahren sprach. "Heute gehoeren etwa 90$ der gesamten Anbauflaeche des Landes jenen, die sie bearbeiten. 1945 verfuegten
sie nur ueber 50$."
Der sowjetische Delegierte G. P. Arkadieff stellte in
einer langen Rede die Aufrichtigkeit der Vorschlaege Lubins
in Frage. Der britische Delegierte G. T. Corley-Smith gab
ihm hierauf eine zurechtweisende Antwort und fragte den sowjetischen Delegierten, ob die Kollektivierung der russischen
Bauernhoefe die Millionen an Menschenopfern wert gewesen sei,
die diese Massnahmen in Russland gefordert haetten.
Lubin betonte in seiner Rede, dass ein weltweites Programm
der Bodenreform zur Steigerung des Lebensstandards und zur
Foerderung des Friedens und der wirtschaftlichen Stabilitaet
erforderlich sei.
"Die lebenswichtige Notwendigkeit, das Los von Millionen
Landarbeitern zu verbessern, ist heute eine der groessten Aufgaben der freien Welt. Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit der Welt auf landwirtschaftliche Arbeitsmethoden zu lenken, die fuer Millionen Bauern und Landarbeiter wirtschaftliches und soziales Elend bedeuten."
Lubin machte auf die Tatsache aufmerksam, dass drei Viertel der gesamten Weltbevoelkerung ihr Einkommen aus der Bebauung des Ackerbodens ziehen muessten. Ausser dem Problem des
besitzlosen Bauern gaebe es noch das des Bauern, der zwar
einen gewissen Landbesitz sein eigen nennt, der aber haeufig
durch seine staendige Verschuldung an Krediteinrichtungen
in seiner Arbeit gehemmt ist. Andere Probleme, die geloest
- 15 -

�werden muessen, sind die endlosen Streitigkeiten ueber Besitztumsrechte und die schwere Steuerbelastung, die in keinem
Verhaeltnis zur Zahlungsfaehigkeit der Bauern stuende.
"Aus diesen Gruenden muss die Bodenreform eines der
grundlegenden Probleme der Vereinten Nationen sein. Es ist
klar, dass sie im Gedankengut des amerikanischen Volkes
einen breiten Raum einnimmt."
Lubin versicherte, man sei in den Vereinigten Staaten
immer der Auffassung gewesen, dass ein guter Ackerboden nicht
nur grossen Grundstuecksbesitzern vorbehalten sein darf.
"Wir sind um die Bodenreform besorgt, weil wir um die Wahrung
der Menschenwuerde, der sozialen Gerechtigkeit und die Beseitigung unnoetiger sozialer und politischer Spannungen besorgt
sind."
Lubin forderte in seiner Resolution die Regierungen auf,
die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um folgende Ziele
zu erreichen:
1. Sicherheit des Landbesitzes fuer denjenigen, der
den Boden bearbeitet, und eine Moeglichkeit fuer ihn, einen
gerechten Anteil an seinem Ertrag zu erhalten.
2. Die Moeglichkeit fuer den Besitzlosen, der den Boden bearbeitet, Land zu erwerben.
3. Die Unterteilung der Anbauflaeche in Bauernhoefe,
deren Groesse eine Gewaehr fuer ihre Rentabilitaet bietet.
4. Kredite fuer die Landwirtschaft zu vernuenftigen
Zinssaetzen.
5. Annehmbare Pachtsaetze fu'er gepachtetes Land und
gerechte Besteuerung.
6. Genossenschaftliche Organisationen fuer die wesentlichsten Dienstleistungen.
7. Verpflanzung solcher Industrien auf das Land, die
eine Ergaenzung der landwirtschaftlichen Einkommen darstellen
koennen.
8. Bessere Schulausbildung und Foerderung allgemeiner
Erziehungsmassnahmen in Landbezirken.
9. Einrichtungen fuer die Ausbildung von Bauern in der
landwirtschaftlichen Forschung und Technik sowie die Verrbesserung der sozialen Stellung des Landarbeiters.
Ein direktes Ergebnis der Bodenreform, so heisst es in
der Resolution, waere die Erweiterung der Nahrungsmittelerzeugung, die bisher mit der Steigerung der Bevoelkerungsziffer nicht Schritt halten konnte. Die Vorteile hieraus wuerden sich fuer den groessten Teil der Weltbevoelkerung sehr
bald bemerkbar machen.
ECA Labor Information
IX/10/51
- 16 -

KICOO 28 Sapt 51 1 6 3 4 4 « U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

17-39

Frankfurt, 28. September 1951

I URAL

TS

V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften und £CA-Programm

1

Die Stellung Sowjetrusslands zu Karl Marx und
seinen Werken

10

U.S. Bergarbeitergewerkschaft hilft Arbeitsunfaehigen wieder ins Erwerbsleben

16

Nelson H. Cruikshank, Leiter der Arbeitsabteilung der ECA
fuer Europa:
GEWERKSCHAFTEN UND ECA-FROGBAKM
Es ist noch nicht ein Jahr her, .als der Vorsitzende
der Amerikanischen Gewerkschafts-Foederation, William Green,
mich bat, meiner Ernennung als Leiter der Arbeitsabteilung
der ECA-Verwaltung fuer Europa zuzustimmen. Kurz vor
Weihnachten begab ich mich im vergangenen Jahr nach Europa.
In dieser kurzen Zeit ist es selbstverstaendlich unmoeglich,
eine Autoritaet fuer die wirtschaftlichen Probleme Europas
zu werden. Im uebrigen war ich mir sehr wohl dessen bewusst, dass ich mit meinem Amt eine grosse Verantwortung
uebernehme, aber ich war mir nicht ganz im klaren, was angesichts der ungeheuren Bedeutung und der Kompliziertheit
- 1 -

�der Probleme am besten getan werden koenne, um hier einige
Schritte weiterzukommen. So hatte ich mich auf die Versicherungen der ECA-Sachbearbeiter zu verlassen, dass sie mich in
meinem Vorhaben unterstuetzen wuerden, fuer das mich die
Amerikanische Gewerkschaftsfoederation vorgeschlagen hatte
und das ich auch nach bestem Wissen und Gewissen erfuellen
will, üeute ist bereits etwa die Haelfte der 18 Monate vorueber, in denen ich meine Arbeit durchfuehren konnte, umso
erfreulicher ist es fuer mich, jetzt auf dem 70. Kongress
der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation ueber meine bisherige Arbeit zu berichten.
Der Kongress der AFL, der jetzt in San Franzisko abgehalten wird, ist zugleich ein gutes Forum fuer diesen Rechenschaftsbericht. Es war vor etwa vier Jahren, als die Amerikanische Gewerkschaftsfoederation gleichfalls in San Franzisko in einem kritischen Augenblick ihre energi che Stimme fuer
den Marshallplan erhob, viele Monate frueher, als die amerikanische Gesetzgebung diesen Plan Wirklichkeit werden liess.
In jener Resolution, die den Marshallplan unterstuetzt, heisst
9s nach den Protokollen des 66. Kongresses der AFL:
"Der Tag ist zu ernst fuer eine Politik der improvisierten und bruchstueckweisen Annaeherung unserer Beziehungen zu
denen anderer Laender. Freiheit, Sicherheit und Wohlstand
aller Voelker bedingen, dass unsere Regierung keine Anstrengungen scheuen darf, allen Voelkern behilflich zu sein, die
den Willen haben, untereinander und mit uns zusammen zu arbeiten, um den Wiederaufbau der Welt voranzutreiben. Das betrifft sowohl die besiegten als auch die siegreichen Nationen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Elend und Hunger sind
die besten Antriebskraefte fuer jeden Totalitarismus, moege
er von rechts oder links kommen. Die Erhaltung des Friedens
in der Welt und die Aufrechterhaltung der freien demokratischen Regierungen in Westeuropa sind unmittelbar abhaengig
von der sofortigen wirtschaftlichen Unterstuetzung Amerikas,
wie dies im Vorschlag des Staatsministers Marshall zum Ausdruck kommt."
Der Exekutivausschuss der AFL, der im vergangenen Monat
in Montreal zusammentrat, ueberpruefte die Beziehungen der
AFL zur Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA)
und stellte fest, dass die AFL unaufhoerlich den'Harshallnlan seit seiner Ingangsetzung im Jahre 1947 unterstuetzt
hat. Der Exekutivausschuss ist ueberzeugt, dass der Fortschritt, der in der wirtschaftlichen Wiedergesundung erzielt
worden ist, seine damaligen üntschluesse absolut rechtfertigt.
Ich moechte jetzt einige der Tatsachen mitteilen, die
den Standpunkt des Exekutivausschusses vollauf rechtfertigen.
Wenn man das Jahr 1947 mit dem Jahr 1950 vergleicht, so
stellen wir fest, dass die gesamte industrielle Produktion
in den Marshallplanlaendern sich um 46^o erhoeht hat. D*e
Stahlproduktion ist um 65^ gestiegen, die Zahl der erzeugten
Kilowattstunden um 37&gt;, die Eisenbahntransporte um 18&gt;,
die Agrarproduktion um £S£ und die Oelraffinierung um das
dreifache. Der einzige wichtige Sektor der Produktion, der
mit den Fortschritten nicht Schritt haelt, sind die Bergwerke, die heute nur 93% jener Kohlenmenge foerdem, die 1938
die Schaechte verliess. ^ber auch hier ist gegenueber 1947
eine Steigerung von ZO'/i, festzustellen.
- 2 -

�Der Umfang der Handelsbeziehungen zwischen den Teilnehmerlaendern des Marshallplanes ist heute um 25% hoeher als
der Vorkriegsstand, waehrend er im Jahre 1947 um 33% darunter lag.
über es gibt noch weitere Anzeichen fuer einen bemerkenswerten Fortschritt der wirtschaftlichen Wiedergesundung.
Ohne die wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen, die durch den
Marshallplan erzielt wurden, wuerde Westeuropa ueberhaupt
nicht in der Lage sein, seine Verteidigungsmassnahmen gegen
kommunistische Aggressionen auch nur auf dem Papier durchzufahren. Obgleich auch heute noch wirtschaftliche und militaerischs Hilfsmassnahmen erforderlich sind, wo die Situation
es erfordert, macht sich doch in zunehmendem Masse ein Vertrauen in die Staerke und die Feehigkeit der westeuropaeischen Demokratien bemerkbar, sich selbst verteidigen zu koennen. Das ist eine Tatsache, obwohl man sich durchaus darueber im klaren ist, dass die Notwendigkeit der unvermeidlichen Verteidigungsruestungen in starkem Masse jene Bemuehungen beeintraechtigt, die die Erhoehung des Lebensstandards
Westeuropas als Ziel gesetzt haben.
In diesem Zusammenhang muss jedoch darauf hingewiesen
werden, dass es einige Folgeerscheinungen des Marshallplanes
gibt, die vielleicht ebenso wichtig sind wie die messbaren
wirtschaftlichen Fortschritte. Eine der wichtigsten Umwaelzungen ist die voellige Neuorientierung auf solchen Gebieten,
wo es geradezu eine durch Generationen hindurchgehende Engstirnigkeit in bestimmten Fragen gab: Heute sind die Grenzen in Westeuropa bis zu einem gewissen Grade bereits geoeffnet worden, die einer vernuenftigen wirtschaftlichen Abstimmung des Gueteraustausches im Wege standen. Um einem Amerikaner klar zu machen, wie sich die Situation in Westeuropa
dem unvoreingenommenen Betrachter praesentierte, muss man
sich vorstellen, dass jeder einzelne der 49 Staaten der Vereinigten Staaten von Nordamerika sich darum bemuehte, alle
jene Bedarfsgueter selbst zu erzeugen, die dem amerikanischen
Lebensstandard entsprechen. Die einzelstaatlichen Behoerden
wuerden diese Produktion innerhalb ihres Bereichs mit allen
Mitteln foerdern, wobei auch kostspielige und unwirtschaftliche Produktionsstaetten durch hohe Zoelle an jeder Grenze
geschuetzt wuerden - es ergaeben sich solche Extreme, dass
durch enorme Schutzzoelle die ueberhoehten Produktionskosten
fuer Orangen und Pampelmusen in Michiganer Gewaechshaeusern
noch "lukrativ" abgesetzt werden koennen, waehrend auf der
anderen Seite durch aehnliche Schutzzoelle protektionierte
Autofabriken im schoenen Florida noch mit Ueberschuessen arbeiten koennten. Dieses Bild wird noch weiter dadurch vervollstaendigt, dass die Einwohner der verschiedenen Laender
eine verschiedene Sprache sprechen, was nicht nur effektiv,
sondern auch bildlich gemeint ist. Die ganze staatsmaennische Kunst ihrer Regierungsform scheint darin zu bestehen,
dass jeder einzelne Staat von sich aus die Zollbarrieren der
anderen zu beseitigen oder zu umgehen wuenscht, aber durchaus
nicht daran denkt, von sich aus die eigenen Zollbarrieren zu
beseitigen oder wenigstens die Zollsaetze herabzusetzen.
Aber trotz aller dieser Hindernisse, die es in Westeuropa
gibt, konnte ein nicht unwesentlicher Fortschritt in der Richtung einer besseren wirtschaftlichen gegenseitigen Abstimmung
der Beduerfnisse der einzelnen Laender erzielt werden, ^ine"
- 3-

�der weitreichendsten Massnahmen in dieser Hinsicht war die
Gruend.ung der Europa eischen Zahlungs-Union, Es handelt sich
hierbei um ein Clearingsystem, das den wirtschaftlichen Gueteraustausch zwischen den Laendern ermoeglicht, die Mitglied
dieser Union sind, wobei es gleichgueltig ist, ob die getaetigten Kaeufe in der V.'aehrung des betreffenden Landes entrichtet werden koennen oder nicht. Es besteht somit die Moeglichkeit, dass die EZU die Grundlage fuer ein einheitliches Banksystem fuer ganz Westeuropa werden kann, genau so wie es die
Nationalbank fuer ganz Nordamerika ist.
Aber noch weitere Europaplaene fuer eine zunehmende wirtschaftliche Abstimmung sind bereits im Werden. So gibt es
heute schon den Begriff Benelux - dies ist eine Zollunion zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Dies ist der
erste Schritt zur Beseitigung ueberfluessiger westeuropaeischer
Grenzschranken gewesen, die den wirtschaftlichen Gueteraustausch behindert haben. Vor kurzem ist ein neuer Plan angelaufen, der weit nachhaltigere positive Einwirkungen haben
wird als jeder andere. Es handelt sich hierbei um den Schumanplan, der die Eisenerz- und Kohleversorgung der sechs
mitteleuropaeischen Kationen sichern soll und hindernde gegenseitige Massnahmen abschafft. Weiterhin ist durch die Gruendung der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit
Europas (OEEC), die im Laufe einer direkten Einladung der
Marshallplanverwaltung an die westeuropaeischen Regierungen
vollzogen wurde, ebenfalls ein betraechtlicher Schritt nach
vorn in der wirtschaftlichen und politischen gegenseitigen
Abstimmung der einzelnen Laender getan worden. Der Europarat hat die Aufgabe, engere politische Bindungen zu schaffen.
Der Nordatlantikpakt bindet ebenfalls die einzelnen Nationen
enger aneinaader, wobei zugleich die Vereinigten Staaten und
Kanada einen wesentlichen Beitrag zur Verteidigung lebenswichtiger Gebiete bieten.
Diese sich gegenseitig unterstuetzenden Organisationen
und Abkommen setzen sich.von Tag zu Tag staerker durch. Sie
berechtigen uns zu der Hoffnung, dass Europa jetzt in ein
Stadium gelangt, dass mit unserer eigenen Situation vor dem
Unabhaengigkeitskrieg grosse Aehnlichkeit hat - damals verschwand ein Abkommen nach dem andern - sei es sofort, sei es
nach einiger Zeit - das einzelne Staaten getroffen hatten,
um sich gegenseitig abzuschliessen und eigensuechtige Ziele
zu vertreten. Aber diese Abkommen verschwanden restlos und
es folgte eine langzeitige Periode des Aufstiegs der amerikanischen Wirtschaft, die ohne die Abschaffung der einzelstaatlichen Verbote, Beschraenkungen und Abwehrmassnahmen
niemals erreicht worden waere.
Natuerlich sind die politischen Erfolge, die neben den
wirtschaftlichen erzielt worden sind, ebenso wichtig, da diese
Fortschritte den Grad der Entwicklung aufzeigen, den der
echte Glaube an Demokratie und Freiheit erreicht hat.
In Frankreich fuehlen wir durchaus, dass die heutige
Situation alles andere als zufriedenstellend ist. Aber ich
erinnere mich sehr deutlich der Situation im Jahre 1946, als
ich dort zwei Monate zubrachte. Ich weiss noch sehr genau,
dass damals eine Anzahl einflussreicher Ministerposten von
Mitgliedern der kommunistischen Partei besetzt waren, und
dass die Kommunisten ein Regiment fuehrten, wobei der Terror
- 4-

&lt;.

�dieser Partei sich bis in die Haushaltungen von Millionen
Franzosen bemerkbar machte. Seit jenem Jahr, in dem der
Marshallplan zum ersten Male in Frankreich verankert wurde,
hat sich die franzoesische Regierung zugleich von allen kommunistischen Kontrollen im Ministerrat und in den einzelnen
Ministerausschuessen frei machen koennen. Natuerlich blieb
der Druck und die Drohungen der untergrunderfahrenen kommunistischen Partei, aber die Zahl der kommunistischen Abgeordneten ist seitdem von 181 auf 101 zurueckgegangen.
In Belgien ist die Zahl der kommunistischen Abgeordneten
von 23 auf 7 herabgesunken, in Holland von 10 auf 8, in Norwegen ist kein einziger der 11 Abgeordneten im Parlament geblieben und in Grossbritannien ist die kommunistische Partei
ebenfalls ueberhaupt nicht mehr im Unterhaus vertreten. In
Westdeutschland gibt es bei 402 Abgeordneten nur 15 Kommunisten und kein einziger von ihnen ist in seinem Wahlkreis
aufgrund einer dort bestehenden.Mehrheit gewaehlt worden.
Auch in Griechenland, das durch Krieg und Besatzungsfolgen
verwuestet wurde, haben die Kommunisten weder mit Stimmzetteln noch mit Gewalt ihre Niederlage verhindern koennen.
Die Kommunisten haben jedoch auch in den Gewerkschaften
staendig an Einfluss verloren. In Frankreich, wo die Kommunisten den CGT kontrollieren, bleibt dieser noch die staerkste Organisation mit seinen - so wird behauptet - immer noch
drei bis dreieinhalb Millionen Mitgliedern, A U S dieser Zahl
geht jedoch hervor, dass der CGT seit 1947 etwa zwei Millionen Mitglieder verloren haben muss. Die freie Gewerkschaftsbewegung in Frankreich zaehlt heute bereits einundeinehalbe
Million Mitglieder.
Vor fuenf Jahren kontrollierten die italienischen Kommunisten die Gewerkschaftsbewegung, ohne dass es eine wirksame Opposition gab. Heute steht der ferngesteuerte CGIL
staendig im Kampf mit der energischen und wachsamen CISL,
die heute bereits mehr als 1 200 000 Mitglieder zaehlt und
in ihren Messnahmen durch 300 000 Mitglieder anderer nichtkommunistischer Gewerkschaften unterstuetzt wird.
Das wachsende Gefuehl der Staerke und das zunehmende
Vertrauen dieser westeuropaeischen Gewerkschaftsfuehrungen
wird in betraechtlichem Masse durch des Vorhandensein einer
echten Solidaritaet unterstuetzt, die sich durch die weltweite internationale Gewerkschaftsbewegung ergibt, die seit
1949 im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften organisiert ist und ihren Sitz in Bruessel hat. Dieser Bund, der
3eit seiner Gruendung in London erst zwei Jahre besteht, hat
bereits drei Millionen neue Mitglieder gewinnen koennen, sodass
heute 52 Millionen Mitglieder aus 80 dem IBFG angeschlossenen
Gewerkschaften in 60 Laendern demokratische Prinzipien anerkennen. Im Gegensatz hierzu hat der kommunistisch beherrschte 'Weltgewerkschaftsbund staendig Mitgliedsorganisationen
und damit Anhaenger verloren. Wichtiger jedoch als diese
Verluste an Mitgliedern duerfte jedoch die Tatsache sein,
dass der Weltgewerkschaftsbund ueberall in der Welt als Werkzeug des kommunistischen Imperialismus gebrandmarkt wird.
Jeder Arbeiter in der freien Welt weiss heute, was der WGB
tatsaechlich ist. Den .anstoss zu dieser iiitlarvung gab der
Kongress der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation im Jahre
1944 in New Orleans, wo diese angebliche "Gewerkschaft" namens
- 5-

�WGB bereit3 als der verlaengerte Arm der Moskauer Diktatoren
erkennt wurde. Viele Arbeiter in Westeuropa - wenn auch
laengst nicht alle - die noch vor kurzem gezwungen waren, ihre
nominelle Mitgliedschaft in den von den Sowjets kontrollierten Arbeitsfronten beizubehalten (die sich zwar immer noch
Gewerkschaften nennen, aber es nicht einmal dem Namen nach
sind) haben laengst den wahren Charakter dieser Organisationen erkannt und sich echten Gewerkschaften angeschlossen.
Wenn auch manches erreicht werden konnte, wie es auch
aus den Feststellungen des Exekutivausschusses hervorgeht,
was mit den vVuenschen der AFL in bezug auf den Marshallplan
uebereinstimmt oder sich in deren Richtung bewegt, so muss^
doch zugegeben werden, dass wir noch weit davon entfernt sind,
alle jene Ziele erreicht zu haben, die wir uns gestellt hatten.
Hierbei moechte ich mich wiederum auf die Sitzung des Exekutivausschusses in Montreal beziehen, die mit einer Resolution
beendet wurde, in der es heisst:- Die Bemuehungen des Marshallplans, den Lebensstandard der Voelker Westeuropas zu
verbessern und dem Verbraucher alle Ertraege der Foerderung
der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit zukommen
zu lassen, koennen von allen jenen unterstuetzt werden, die
demokratische Grundrechte verteidigen wollen. Aber die Voraussetzungen muessen geaendert werden, denn es ist nicht
die Absicnt dieses Planes, niedrige Loehne und hohe Preise
zu konservieren, zumal diese zu einem besonders geringen Lebensstandard fuehren, wie es in Schluessellaendern wie Frankreich und Italien der Fall ist, obwohl es nicht der Fall zu
sein brauchte. Und es kann nicht der Zweck des Marshallplanes sein, auf der einen Seite alles zur Bekaempfung des Kommunismus und zur Wiedergesundung Europas zu unternehmen, auf
der anderen Seite durch eine Unterbezahlung der Arbeiterschaft
der kommunistischen Agitation Tuer und Tor zu oeffnen.
Was besagt nun eigentlich die erwaehnte Resolution des
Exekutivausschusses der Amerikanischen Gewerkschafts-Foederation?
Zuerst nimmt diese zu verschiedenen Beobachtungen Stellung,
die von Mitgliedern des Ausschusses gemacht wurden, als sie
als Delegierte zum Kongress des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften im Juli Mailand und anschliessend Europa, besuchten. Viele dieser Delegierten haben als aktive Gewerkschafter Europa bereist und mit dem Arbeiter selbst gesprochen. Sie fragten ihn, was er von den Gewerkschaften erwarte
und sie entdeckten dabei einige bedenkliche Beispiele niedriger Loehne und ueberlegten sich dabei die Wirkungen uebertioehter Preise. Diese Ausschussmitglieder kamenzu dem
Sohlüss, dass die beste Basis fuer alle Fortschritte in Eurooa
die loyale Haltung des einfachen Arbeiters ist. Sie stellten
weiter fest, dass der Durchschnittsarbeiter in Italien und
Frankreich in erster Linie sich durch Brot ernoehrt, weil der
Preis dieses Nahrungsmittels billig ist, weil dieser streng
kontrolliert wird. Sie beobachteten weiter, dass er in 'Wohnungen lebt, die weit unter dem Durchschnitt liegen, die er
aber deshalb bewohnt, weil hier die Mietsaetze behoerdlich
festgelegt sind. i&gt;ie Wohnungen worden jedoch nur selten geheizt, weil die Preise fuer Kohle oder andere Brennstoffe
viel zu hoch sind. Weiter stellten die Delegierten fest,
d iSS die Garderobe des Arbeiters meistens aus einem Ueberzieher und einem Anzug besteht, wobei er sich zwar einen weiteren
- 6-

�Anzug kaufen kann, dann aber nur die allernotwendigsten Lebensmittel fuer laengere Zeit erstehen kann, da der Lohn nicht
ausreicht, um sich beides zugleich leisten zu koennen. Und
wenn der Arbeiter eine groessere Familie zu ernaehren hat,
wird er erst recht nicht an Neuanschaffungen denken koennen.
Diese Erfahrungen veranlassten diese amerikanischen Gewerkschafter, sich das Bild Westeuropas etwas genauer anzusehen. Waehrend sie die ausserordentlichen Erfolge des Marshallplans anerkannten, sahen sie ebenso auf die statisti-^
sehen Ergebnisse, Sie entdeckten dabei, dass ein franzoesischer Arbeiter, der eine vierkoepfige Familie zu ernaehren
hat, in den Jahren zwischen 1938 und 1948 einen Rueckgang
seines Lebensstandards um 31% zu verzeichnen hatte und dass
er bis zum Ende des Jahres 1950 nur etwa ein Drittel von dem
witder erringen konnte, was er in der Zwischenzeit verloren
hatte. Sie entdeckten weiter, dass bei steigenden Preisen
und hinterherhinkenden Löhnen der franzoesische Arbeiter kaum
imstande gewesen ist, sich seinen bisherigen Lebensstandard
zu erhalten, wenn man die letzten neun oder zehn Monate hierbei zugrunde legt.
Was aber muss getan werden, damit wir diese Dinge wieder
in Ordnung bringen, damit die Gewinne gehalten werden koennen,
die erzielt worden sind und die zur Sicherung Westeuropas
ausserordentlich beitragen koennen? Wenn wir von der Sicherheit Westeuropas sprechen, dreht es sich um die Sicherheit
und die Freiheit der ganzen Welt - aber was kann hier getan
werden? Die Antwort ist keineswegs einfach. Sie liegt niemals in einem einfachen demagogischen Appell. Euer alle
jene jedoch, die diese Probleme sozusagen aus erster Hand
kennen lernen, ragen einige Punkte heraus, die unter denen,
die unbedingt getan werden muessen, an erster Stelle stehen:
1.) Muessen jene Anstrengungen verstaerkt werden, die
restriktiven Handelspraktiken zu vermindern, die das Ausweiten des euronaeischen Gueteraustausches verhindern;
2.) muessen die Bemuehungen intensiviert und erweitert
werden, die die Vereinigung des zivilen und militaerischen
europaeischen Wirtschaftspotentials zum Ziele haben;
3.) energische Massnahmen muessen sofort einsetzen, um
jede Inflation zu verhindern und zugleich die Lebenshaltungskosten zu senken, um auf diese Weise die Kaufkraft des Arbeiters zu erhoehen. Ein solches Programm muss dadurch in
seiner Wirkung erhoeht werden, dass endlich ein gerechteres
Steuersystem durchgesetzt wird, das vor allem jene Kreise
staerker Heranzieht, dia auch in der Lage sind, diese Steuern zu entrichten und die zum groessten Teile heute ihre
eigentlich auf sie entfallenden Steuern nicht zahlen - das
sind in erstei Linie die Unternehmer in Frankreich, Italien
und Deutschland;
4.) muessen Massnahmen getroffen werden, um die Produktivitaet zu erhoehen. Es kann keinerlei Reichtum zur Verteilung kommen, der nicht produziert worden ist. Um dies verstaatlich zu machen, sei darauf hingewiesen, dass vor 50
Jahren der Ausstoss je Arbeitskraft und Arbeitsstunde in Europa
der gleiche gewesen ist wie in den Vereinigten Staaten. Heute
betraegt der Ausstoss je Arbeitsstunde und Arbeiter nur ± des
- 7

�in den Vereinigten Staaten erreichten Produktionsstandes.
Wenn der Ausstoss je Stunde und Arbeiter heute in Europa
ebenso hoch waere wie in Amerika, dann wuerde die gesamte
Produktion Europas sich auf 405 Milliarden Dollar im Jahr
belaufen - ein ungeheurer Abstand zu der tatsaechlichen jetzigen Jahresproduktion Europas im Werte von etwa 135 bis 150
Milliarden Dollar. Wenn die Produktivitaetsquote Europa
nur um die Haelfte des Ausstossunterschiedes gesteigert werden koennte, so koennten damit die gesamten Kosten fuer die
Verteidigungsanstrengungen gedeckt werden und zu gleicher
Zeit der Lebensstandard der europaeischen Bevoelkerung sehr
erheblich erhoeht werden.
Heute wird sich Europa Tag fuer Tag staerker der Notwendigkeit einer gesteigerten Produktion bewusst. Die Gewerkschaften haben bereits erkannt, dass das Lebensniveau ihrer
Mitglieder in erster Linie von der Steigerung der Produktiv itaet abhaengig ist - aber gleichzeitig verschiebt sich der
Nachdruck, der auf der Frage der Sicherheit ruht. Die gemeinsamen Sicherheitsbemuehungen basieren, immer staerker in Richtung einer Sicherheit, die die Entwicklung einer dynamischen
und sich erweiternden Wirtschaft zur Voraussetzung hat, aus
der sich allein eine wirkliche Sicherheit ergibt. Es ist
kein unerfreuliches Anzeichen, dass auch eine stetig groesser
werdende Zahl Industriefuehrer sich ebenfalls dieser Tatsachen
bewusst wird.
Eines der ermutigendsten Ereignisse der letzten Jahre
ist eine Erklaerung, die ausgangs des vergangenen Jahres von
18 Regierungen abgegeben worden ist, die Mitglieder der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas
(OEEC) sind und in der gesagt wird, dass alle Anstrengungen
gemacht werden wuerden, um die Produktion in den naechsten
fuenf Jahren alljaehrlich um 5% zu erhoehen.
In Beantwortung dieser Tatsachen und angesichts der
dringlichsten Noete der westeuropaeischen Staaten legt die
Verwaltung des Marshallplans in den letzten Monaten den
staerksten Nachdruck auf eine Unterstuetzung der Marshallplanlaender in ihren Bemuehungen zur Steigerung der Produktivitaet.
Bei dieser Aufgabe wird die Arbeitsabteilung der ECA eine
besondere Verantwortung uebernehmen muessen.
Da viele Mitglieder meines Bueros direkt aus den Reihen
der amerikanischen Gewerkschaften kommen, erkennen wir vielleicht besser als alle anderen, dass es hier ebenso Gefahren
wie auch besondere Hoffnungen in den Bemuehungen gibt, die
Produktivitaet zu steigern. So erkennen wir zum Beispiel,
dass ohne besondere Sicherheitsvorkshrungen alle diese Anstrengungen nichts weiter sein wuerden als eine blosse Beschleunigung der Arbeitsvorgaenge, die dem Arbeiter keinerlei Vorteile
bringen wuerde. Die Mitarbeiter der Arbeitsabteilung haben
ihre eigenen Erfahrungen mit jenen angeblichen Experten gemacht, deren Hauptweisheit die Stoppuhr und der Rechenschieber
ist, und sie sind obendrein stolz darauf, Beschleunigungen
der Arbeitsvorgaenge durchgefuehrt zu haben, wobei auch Arbeitskraefte abgebaut werden konnten. Das ist in vielen amerikanischen Werken geschehen, in denen meine Mitarbeiter vor geraumer
Zeit beschaeftigt waren. Wir sind jedoch heute entschlossen,
unter allen Umstaenden dafuer Sorge zu tragen, dass das technische Unterstuetzungsprogramm der ECA fuer die Foerderung der
- 8-

�Produktivitaet nicht in einer derartigen Form missbraucht
wird, ebenso werden keinerlei Entartungserscheinungen hingenommen werden, sondern in diesen Faellen wird sofort Widerspruch erhoben.
Das wirkliche Produktivitaetsprogramm sieht vor, dass
Standardbestimmungen fuer die Ausweitung der Unterstuetzung
der Unternehmer bei der technischen Beratung zugleich den
Arbeiter in diesen Unternehmen schuetzen muessen. Ueberall
dort, wo ein Produktivitaetsprogramm anlaeuft, muss der Arbeiter einen gerechten Anteil an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktivitaet erhalten, das heisst, er muss eine vollere
Lohntuete nach Hause bringen koennen. /Vir sind uns im klaren
darueber, dass es nicht leicht sein wird, wirksame und gerechte
Voraussetzungen hierfuer zu schaffen, vor allem in Laendern
wie Italien und Frankreich. Aber die Fuehrer der freien Gewerkschaftsbewegung haben uns bereits ihre uneingeschraenkte
Mitarbeit bei der Loesung dieser Probleme zugesagt. Trotz
der Schwierigkeiten dieser Aufgaben gehen wir an diese Arbeit
heran, weil wir von der Arbeitsabteilung uns dessen bewusst
sind, dass wir nicht deshalb nach Suropa entsandt worden sind,
um einfach das Ja und Amen der Gewerkschaften zu einer vergroesserten Produktivitaetskampagne uns geben zu lassen. Ich
versichere jedem auf mein Wort, dass, solange ich der Leiter
der Arbeitsabteilung der ECA fuer Europa bin, es keine Kampagne fuer eine gesteigerte Produktivitaet geben wird, wenn
nicht alle Vorkehrungen getroffen worden sind, um den Lohnerapfaengern und den Verbrauchern unter allen Umstaenden einen
gerechten Anteil aus den Ertraegen der gesteigerten Produktivitaet zu sichern. Und ich weiss, dass auch saemtliche Mitarbeiter meines Bueros die gleiche Meinung vertreten und die
gleiche Forderung stellen werden - aber auch alle Mitglieder
der Arbeitsabteilungen der ECA-Verwaltungen in den einzelnen
Mitgliedsstaaten vertreten uneingeschraenkt dieses Prinzip.
Da der Charakter des ECA-Programms kein statisches ist,
weil die Erfordernisse des Verteidigungsprogramms sich den
veraenderten Verhaeltnissen anpassen muessen, so aendern sich
auch manche Verantwortlichkeitsbereiche der Arbeitsabteilungen. Die Sachbearbeiter der einzelnen Arbeitsabteilungen in
den verschiedenen Laendern der I'arshallplanstaaten werden
neue Aufgaben uebernehmen muessen, sie werden aber darauf
achten muessen, dass die Auftraege fuer bestimmte Versorgungsgueter, die an westeuropaeische Unternehmen erteilt werden,
vor allem dort gegeben werden, wo der damit verbundene hoehere Beschaeftigungsstand eine Staerkung der Position der freien Gewerkschaften zur Folge hat. Die Leiter der Arbeitsabteilungen wie die Sachbearbeiter im Buero des Pariser Sonderbeauftragten wissen durch ihren staendigen Kontakt mit den
Gewerkschaftsfuehrern sehr genau Bescheid, wo die geeigneten
Fabriken und Werke vorhanden sind, in denen Verteidigungsmittel hergestellt werden koennen, ohne dass irgendwelche
Gefahren der Sabotage oder einer Untergrundbewegung bestehen,
oder wo die Lieferung durch Streiks verzoegert werden koennte,
weil von den Kommunisten inszenierte politische Streiks ausbrechen.
Diese und viele andere Verantwortlichkeiten werden wir
in den kommenden Lonaten uebernehmen muessen; Ich weiss, dass
ich diesen Appell an amerikanische Gewerkschaftsfuehrer zu
einer Zeit richte, wo diese bis zum. aeussersten beansprucht
sind, um den Kampf gegen die drohende Inflation mit aller
- 9 -

�Energie durchzufuehren, die Amerika bedroht, ich weiss, dass
mit aller Kraft p-epen das Teft-Hartley-Gesetz opponiert werden muss, das die Organisationsfreiheiten des amerikanischen
Arbeiters bedroht, ich weiss, dass energische Schritte fuer
ein besseres Y/ohnbauprogramm erforderlich sind, dass die
soziale Sicherheit verbessert werden muss, dass endlich das
Gesetz ueber die Arbeitslosenversicherung Wirklichkeit werden muss - all das sind Kaempfe, die ich keineswegs uebersehe, obwohl ich seit vielen Monaten nicht mehr in Amerika
sein konnte. Ich weiss auch, dass die Hilfsquellen der
Gewerkschaften bis zu jener Gren2,e beansprucht sind, die
sich durch das Verteidigungsprogramm ergeben, ich weiss auch,
welche Bedeutung das Programm zur Stabilisierung der Wirtschaft hat. Obwohl ich mir all dieser Dinge bewusst bin,
apoelliere ich dennoch an die Fuehrer und Funktionaere der
amerikanischen Gewerkschaften auf diesem Kongress der amerikanischen Gewerkschaftsfoederation, uns in all unseren Bemuehungen den Ruecken zu staerken, die wir als verantwortliche Repraesentanten der Gewerkschaften in Europa unternehmen.
Ohne diese Rueckendeckung werden unsere Erfolge keinerlei
dauernde Bedeutung haben. Aber man uebersehe dabei nicht,
dass diese Anstrengungen nur ein Teil des gemeinsamen Kampfes
sind, den die Gewerkschaften durchzufechten haben und der
heute eine weltweite Bedeutung gewonnen hat. Dieser Kampf
soll dazu beitragen, uns den Frieden zu erhalten, unseren
eigenen freien Vv'eg der Lebensgestaltung zu waehlen und unsere
Freiheit und die .Vuerde des arbeitenden Menschen in der
gesamten freien Welt zu erhalten.
ECA Labor Information
FYI-255
DHC STELLUNG S 0;,rJETRUSSL/^vTDS ZU K^RL MARX UND SEINEN WERKEN
Ueber dem Werk Karl Marx' scheint ein tragisches Schicksal zu schweben: nahezu 70 Jahre nach seinem Tod und mehr
als 50 Jahre nach dem Tode seines engsten Mitarbeiters Friedrich Engels gibt es noch immer keine Gesamtausgabe seiner
Schriften, die von Millionen Menschen sehnlichst erwartet
wird.
Als wirtschaftlicher Schriftsteller, der zu Anfang voellig unbekannt und gegen Ende seiner Karriere verhasst und
zugleich gefuerchtet war, hatte 63 Marx nicht leicht, einen
Herausgeber zu finden, der mutig und verstaendnisvoll genug
gewesen waere, sein Gesamtwerk zu veroeffentlichen. Engels,
der seinen Freund um zwoelf Jahre ueberlebte, verbrachte den
groessten Teil seiner Zeit damit, die zahlreichen Manuskripte
Marx' zu entziffern und zu ordnen, vor allem um die Baende
II und III des "Kapitals" zusammenzustellen. E3 war ihm
jedoch nicht vergoennt, seinen groessten Wunsch verwirklicht
zu 3ehen und die gesamten V.erke Marx' mit seiner Biographie
zu veroeffentlichen. Nach dem Tode Engels schien diese Aufgabe der juengsten Toclter Marx', Eleanor Marx-Aveling, zuzufallen. Sie hatte bereits mehrere Schriften ihres Vaters,
die in Englisch abgefasst waren, veroeffentlieht, als sie'
auf Grund einer Nervenzarraettung den Freitod waehlte. Die
begonnene Aufgabe wurde dadurch wiederum unterbrochen. Die
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die dann das Erbe
der Schriften Marx' und Engels' antrat, konnte ebenfalls
- 10 -

�nicht den 'Wunsch verwirklichen, den der sterbende Engels
noch geaeussert hatte. Die theoretischen Streitigkeiten im
Zeitalter des Revisionismus liessen Karl hautsky und Eduard
Hernstein, die beide lange Zeit in der naechsten Umgebung
Engels gelebt hatten, zu politischen Widersachern werden und
hinderte sie daran, gemeinsam dieses grosse Werk zu vollenden.
In der Zeit nach dem Tode ü-ngels (1895) bis zum Beginn des
Ersten '.Veitkrieges tauchten durch die Initiative Einzelner
nur eine Reihe Fragmente der zahlreichen und bedeutsamen
Manuskripte Marx' aus der Vergessenheit wieder auf.
Sollte die russische Revolution des Jahres 1917 mit ihrer
anfaenglichen Geisteshaltung die Moeglichkeit geben, endlich
das ersehnte Licht in die von den beiden Gruendern des wissenschaftlichen Sozialismus hinterlassenen Werke zu brin-yan? Sollte die Idee einer grossartigen und vollständigen Ausgabe, die
so lange und so sehnlich von den Arbeiterfuehrern der ganzen
Welt erwartet wurde, endlich Wirklichkeit werden?
j-»er Mann, der diese Aufgabe uebernehmen sollte und auf
Grund seiner bisherigen Taetigkeit als Forscher und durch seim e
frueheren Arbeiten fuer diese grosse Aufgabe glaenzend befaehigt war, war D. Rjasanoff. Was die Arbeiterbewegung des
Abendlandes bisher versaeumt hatte, obwohl sie ueber die erforderlichen Mittel verfuegte, betrachtete von nun an der
Kommunismus als seine erste Pflicht, zumal er sich berufen
sah, dieses Werk zu uebernehmen.
In einer biographischen Notiz ueber Rjasanoff, die man
im Namensverzeichnis im Band VII der Werke Lenins (erschienen Moskau ]928j finden kann, liest man folgendes:
Rjasanoff, D.B. (geboren 1870). i^iner der aeltesten
russischen Sozialdemokraten. Beteiligte sich kurz nach
1890 an der Organisation der ersten Arbeiterzentren in Odessa.
Fuenf Jahre Gefaengnis, drei Jahre unter strengster Ueberwachung, dann Emigration. Bemuehte sich, die Tendenzen der
ersten Iskra und des Oekonomismus zu vereinigen; war einer
der Gruender der Gruppe "Borba" (Der Kampf). Widmete sich
waehrend der Revolution im Jahre 1905 der Gruendung von Gewerkschaften in Odessa und Petersburg. Musste erneut auswandern und betaetigte sich innerhalb der sozialistischen Bewegung des Westens. Wurde von der deutschen Sozialdemokratie
beauftragt, den literarischen Nachlass Marx* und Engels'
und die Geschichte der Ersten Internationale an Hand der Originaldokumente zu studieren. Internationalist waehrend des
Krieges. Rueckkehr nach Russland 1917, Eintritt in die bolschewistische Partei, beteiligte sich an der Vorbereitung der
Oktoberrevolution. R. ist einer der Gruender der kommunistischen Akademie in Moskau und des Marx-^ngels-Instituts, dessen Leiter er zur Zeit ist. Mitglied des Exekutivausschusses
der Sowjets der U.R.S.S.
Aber leider! Drei Jahre nach Erscheinen dieser Notiz
war Rjasanoff aus seinem Amt als Leiter des Marx-Engels-Instituts entfernt worden, das er im Jahre 1922 gegruendet hatte.
Ohne d9ss etwe.s ueber die Gruende dieser Ungnade bekannt wurde, ohne Prozess und ohne oeffentliches Urteil war Rjasanoff
festgenommen und deportiert worden. Ueber das ande seines
Lebens gibt es nur sehr ungenaue Angaben, Er scheint eine
risse Zeit in Saratow an der Wolga gelebt zu haben und kurz
vor Ausbruch -des zweiten Weltkrieges gestorben zu sein.
- 11

�1930, ein Jahr vor seiner Entfernung aus dem Amt, war
Rjasanoff anlaesslich
seines 60. Geburtstages offiziell gefeiert und zumngroessten Marxologen der Epoche" proklamiert
worden. Die sozialistische Akademie hatte dieses Ereignis
grossartig gefeiert, indem sie eine Schrift von 650 Seiten
veroeffentlichte, die dem hervorragenden marxistischen Gelehrten gewidmet war. Die deutsch-russische Zeitschrift
"Unter dem Banner des Marxismus" hatte ihm ebenfalls einen
begeisterten Artikel gewidmet, in dem es einleitend hiess:
Initiator einer grossen Zahl Studien ueber Entstehung,
Entwicklung und Propagierung des Marxismus, Verfasser der
weitverbreiteten biographischen Aufzeichnungen ueber lirx
und Engels, Entdecker und Herausgeber mehrerer Hundert ihi er
Manuskripte, Redakteur der grossen russischen Ausgabe und
der vollstaendigen internationalen Ausgabe ihrer Werke, Leiter des Marx-Engels-Instituts, Redakteur der drei wissenschaftlichen, der marxistischen Forschung gewidmeten Zeitschriften und schliesslich Inspirator einer immer groesser
werdenden Zahl von Forschern. Auf diesen Gebieten hat Rjasanoff die Ziele, Wege und Methoden der Marxologie vorgezeichnet und gleichzeitig die Bedingungen einer systematischen
und methodischen Organisation der Marxologie und ihrer Entwicklung geschaffen.
Um die ganze Groesse der von Rjasanoff waehrend seiner
achtjaenrigen Taetigkeit am Marx-Engels-Institut geleisteten Arbeit ermessen zu koennen, muss man sich vergegenwaertigen, dass dank der Bemuehungen und des Koennens dieses
Gelehrten Russland heute ganz allein ueber die Gesamtheit
der Dokumente, Unterlagen und Manuskripte verfuegt, die zur
Zusammenstellung einer historischen Ausgabe der Werke Marx'
und Engels* unerlaesslich sind. Der Plan fuer eine solche
Ausgabe wurde im Jahre 1922 der sowjetischen Regierung, durch
Rjasanoff unterbreitet. Diese billigte das Projekt und bewilligte die zu seiner Durchfuehrung erforderlichen Geldmittel. Von 1923 - 1925 arbeitete Rjasanoff gemeinsam mit
einer Grupoe sorgfaeltig ausgesuchter Forscher mit ausserordentlichem Eifer an der Suche nach ^uellenmaterial, das der
Verwirklichung der Idee einer Gesamtausgabe haette dienlich
sein koennen. Auf zahlreichen Reisen in die Laender Westeuropas erwarb er mehrere Privatbibliotheken, die aeusserst
seltene Buecher und dokumentarische Sammlungen ueber die Geschichte der Arbeiterbewegung, des Sozialismus und insbesondere die Erstausgaben von verken Marx* und Engels' enthielten.
Er gruendete damals an dem Moskauer Institut, dessen Leiter
er war, das in seiner Art einzige "Marx-Engels-Kabinett".
Es sind vor allem aber die Archive des Instituts, die den1
groessten Reichtum des literarischen Verhaeltnisses Marx und
Engels' enthalten. Sie bilden die Grundlage der monumentalen
Ausgabe, die Rjasanoff geplant hatte.
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die bis
1933 den literarischen Nachlass Marx' und Engels' verwaltete,
wurde zum Hauptlieferanten Rjasanoffs. Sie oeffnete dem
russischen Marxologen ihre Archive und gab ihm die Erlaubnis, alle gewuenschten Schriften und Dokumente zu fotokopieren. Auf diese Weise konnte das Institut in Moskau in den
Besitz des gesamten Nachlasses von Marx und Engels gelangen.
Die gleichen Moeglichkeiten wurden Rjasanoff aber auch von
verschiedenen anderen privaten und oeffentlichen Instituten
- 12 -

�und Bibliotheken gewaehrt. Er konnte ixa Britischen Museum
in der Oeffentlichen Buecherei von New York, an der Preussischen Staatsbibliothek, in den historischen Archiven von
Koeln und an anderen Stellen die Briefe und Manuskripte
Marx' und Engels' und die sich auf ihre Arbeiten, beziehenden Dokumente ebenfalls fotokopieren. Bei Eduard Bernstein,
der noch im Besitz wichtiger Manuskripte Marx' war, fand
das Vorhaben Rjasanoffs den besten Anklang. Bernstein gab
sogar seine eigenen Plaene fuer eine Herausgabe der MarxEngelsachen 'werke daraufhin auf.
1925 traf Rjasanoff im Namen des Moskauer Instituts
ein Abkommen mit dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands und mit der Soziologischen Gesellschaft, die
in Frankfurt von Professor Carl Gruenberg geleitet wurde.
Dadurch kam es zur Gruendung einer Herausgeber-Gesellschaft, die unmittelbar danach die erste Lieferung des MarxEn "els-Archivs veroeffentlichte: es war ein Buch von mehr
als 5C0 Seiten, das bedeutende philosophische und historische Beitrage russischer Gelehrter wie Deborine und Wolguine
sowie den Anfang einer "Geschichte der Ersten Internationale"
enthielt, die der Feder Rjasanoffs entsprungen war. Zu den
nichtveroeffentlichten Dokumenten gehoerte der erste Teil
des Manuskripts ueber die "Deutsche Ideologie" und Briefe, die
zwischen Marx und Vera Zassulitsch ausgetauscht worden waren.
Hier findet man auch bereits den detaillierten Plan ueber
die Gesamtausgabe der Werke Marx' und Engels*, die beruehmte
"MEGA" (Marx-Engels-Gesamt-Ausgabe).
Sie sollte 42 Baende in Oktavformat umfassen, die in
vier Abschnitten unterteilt waren.
Der erste abschnitt umfasste: philosophische, wirtschaftliche, historische und politische Schriften mit Ausnahme
der Schrift "Das Kapital"(17 Baende)}
Im zweiten Abschnitt sollte veroeffentlicht werden:
"Das Kapital", und zwar nach einem gaenzlich neuen Plan unter
Verarbeitung der zahlreichen und umfangreichen Manuskripte
Marx', die bislang unveroeffentlicht geblieben sind (13
Baende);
Der dritte Abschnitt war vorgesehen fuer die gesamte
Korrespondenz zwischen Marx und Engels, die ungekuerzt wiedergegeben werden sollte (10 Baende);
Im vierten Abschnitt sollte der allgemeine Index untergebracht werden (ß Baende).
Jeder der vier Abschnitte wurde einem auf dem betreffenden Gebiet erfahrenen Experten uebergeben, der von mehreren
Fachkraeften unterstuetzt wurde, die ueber langjaehrige Erfahrungen in der Entzifferung der Handschriften Marx' und Engels
verfuegten, eine Vorbedingung, die zur Bearbeitung der Konzente und Briefe unerlaesslich war.
Von diesen 42 geplanten Baenden konnte Rjasanoff in der
Zeit von 1926 - 1930 nur fuenf herausgeben, von denen drei
den Briefwechsel zwischen Marx und Engels behandeln. Aber
schon die Vorworte, die kritischen und historischen Anmerkungen, die diese Baende bereichern, zeugen von dem Umfang seines
- 13

�Wissens und der Fuelle seiner Erfahrungen, die er sich in
seiner dreissigjaehrigen Taetigkeit im Dienste der Marxologie erworben hatte.
Von dem Nachfolger Rjasanoffs, V. Adoratski, dem jetzigen Leiter des Staatsarchivs, kann nicht das gleiche gesagt
werden. Er war durch keinerlei besondere Sachkenntnis zur
Vollendung der begonnenen Arbeit wirklich berufen. Und doch
wurden von 1931 -1935 unter seiner Leitung weitere sechs
Baende der MEGA veroeffentlicht, deren Texte bereits von
Rjasanoff und seinen Mitarbeitern abgefasst und vorbereitet
worden waren. Ebenso uebernahm Adoratski die Leitung des
von Rjasanoffs gegruendeten Instituts, das von nun an den
Namen "Marx-Engels-Lenin-Institut" fuehrte.
Wir haben bereits von dem Verschwinden Rjasanoffs berichtet. Was das Schicksal seiner Manuskripte betrifft, so koennen wir hier leider keinerlei Illusionen naehren, die man
sich ueber sie macht, weil wir die Vernichtungsmethoden der
unter dem Befehl Stalins stehenden Inquisitoren kennen.
Was das Schicksal der Baende betrifft, die waehrend der
kurzen Amtszeit Adoratskis veroeffentlicht wurden, so koennen
wir auch hier wieder nur Vermutungen aussprechen. Nach dem
Verschwinden Rjasanoffs im Jahre 1931 wurden die Anzeichen
immer haeufiger, dass das "marxistische" Russland den Gedanken einer Gesamtausgabe der Y/erke von Marx und Engels voellig
aufgegeben hatte.
Die Ausloeschung der Vergangenheit hat sich in mehreren
Etappen vollzogen, woran man wiederum die Tradition der stalinistischen Methoden erkennt: Die Ausschaltung Rjasanoffs
und seiner besten Mitarbeiter, die staendig zunehmende Austilgung saemtlicher Spuren ihrer Namen und ihrer Arbeiten in
spaeteren Veroeffentlichungen, die voellige Aufgabe des Gedankens einer Veroeffentlichung der MEGA - was auch zur Folge
hatte, dass die bereits gedruckten Werke eingestampft wurden das Verschwinden dieser Baende aus russischen und aus auslaendischen Bibliotheken durch Agenten und schliesslich die sogenannte "Saeuberung" der Werke Marx' und Engels1 unter Zuhilfenahme sogenannter "populaerer" Ausgaben, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrten. 'Wie wir spaeter sehen werden, kann man die Spuren dieser Saeuberungsaktion sowohl an
Ausgaben, die in der ui*spruenglicnen Sprache erschienen waren,
als auch an den russischen Ausgaben verfolgen. Damit ersetzte
man nach und nach die MEGA, ein wissenschaftliches und vollstaendiges Werk, durch eine Serie unabhaengiger Veroeffentlichungen, die man hier und da anscheinend planlos in Zeitschriften veroeffentlichte. Auf der anderen Seite "russifizierte"
man die Werke Marx* und Engels' und veröffentlichte die noch
nicht herausgegebenen Manuskripte ausschliesslich in russischer
Sprache. Die Art und Weise, in der man die verschiedenen Veroeff entlichungen dem Laser praesentierte, legt Zeugnis ab von
der Verwirrung und Angst jener Leute, die mit dieser Aufgebe
betraut waren. Kommentare fehlen fast paenzlich oder sie sind
von einer fast laecherlichen Kuerze. So enthaelt an einzelnen
Stellen jede Seite eines Textes von Marx oder Engels ein vernichtendes Urteil ueber den Polizeistaat und das"Sklavensystem,
die auf der anderen Seite von Stalin im Namen des Marxismus
eingefuehrt wurden. Aenderungen wurden somit fuer die Sowjets
zu einer zwingenden Notwendigkeit.
- 14 -

�Das war also das tragische Schicksal der von Rja3anoff
unter der Schirmherrschaft des "marxistischen Staates" so
glorreich begonnenen Aroeit, die von Stalin selbst, dem
"genialen Schueler" Marx1, abgebrochen werden musste. Rjasanoff, der so streng in seinem Urteil ueber die Art und Weise
war, in der der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratischen
Partei den literarischen Kachlass Marx' und Engels' verwaltet
hatte, konnte nicht ahnen, dass sein Traum einer Gesamtausgabe
dieser Werke in dem "Lande des Sozialismus" noch weniger Chancen hatte, verwirklicht zu werden als in irgendeinem kapitalistischen Lande.
Leider hatte der Fehl3Chlag dieses Unternehmens eine
noch viel sc hl Liiere Konsequenz angesichts der nicht abschaetzbaren Folgen fuer jeglichen weiteren Versuch der endgueltigen
Herausgabe dieser Werke. Waehreud der ßluetezeit des Nazismus in Deutschland konnten die Archive der Sozialdemokratischen Partei nur teilweise gerettet und in oicharheit gebracht
werden. Der wichtigste Teil hiervon befindet sich heute im
Internationalen Institut fuer Sozialgeschichte in iimste'rdam.
Man wartet jedoch noch darauf, dass ein Verzeichnis der Schriften und Dokumente veroeffentlicht wird, die sich in 6er Obhut
dieses Instituts befinden, um ihre Bedeutung ermessen zu
koennen. üs ist heute schon mit groesster 'Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass das Institut nicht saemtliche Dokumente besitzt, die von Rjasanoff fuer das Moskauer Institut photokopiert oder erworben wurden. Dieses Institut ist damit zur
Zeit das einzige, das ueber die hinterlassenen 'Werke Marx'
und Engels' verfuegt, und damit haelt Stalin den Schluessel
zu jedem weiteren Unternehmen in der Hand, mit dem man die
Arbeit Rjasanoffs wieder aufnehmen und fortsetzen wollte.
Man koennte natuerlich jetzt schon anfangen, die Unterlagen
und Dokumente zusammenzutragen, die noch in den groesseren
kulturellen Zentren Yvesteuropas und der Vereinigten Staaten
vorhanden sind. Es ist jedoch zu befuerchten, dass eine Gesamtausgabe der Werke Marx' und Engels' niemals verwirklicht werden kann, solange der Zutritt zu den Archiven des Moskauer
Instituts nicht gestattet ist.
Mehr als jedes andere Ereignis in ^ussland seit der
Machtuebernahme Stalins zeigt die Zerstoerung der Arbeiten
Rjasanoffs den entgueltigen Bruch zwischen den von dem "marxistischen" Diktator eingefuehrteri Regime und den authentischen marxistischen Gedankengängen, die noch zu Lebzeiten
Lenins Geltung hatten.
V'enn es gestattet ist, einen bestimmten Zusammenhang zwischen den verschiedenen Typen der Geheimpolizei herzustellen,
die man seit 1918 in ^u:sland von der Tscheka bis zur M.'.D gekannt hat, wenn die Unterdrueckung jeglicher politischer Opposition von vornherein fuer den Bolschewismus traditionell gewesen ist, dann laesst sich sagen, dass ein Umschwung von der
Ziviliation zum Barbarentum stattgefunden hat. Die Behandlung,
die die stalinistische Autokratie den Werken Marx' und ^ngels'
zuteil werden liess, und ihre "Umwandlung" und ihre Verfaelschung zeigt in beispielhafter '..eise, bis zu welchem Grad der
Stalinismus die absolute Verneinung jeglicher Kultur bedeutet.
Preuves
IX/1951
- 15 -

�U.S. BERGARBSITERGEWERKSCKAFT HILFT ARBEITSUNFÄHIGEN WIEDER
INS ERWERBSLEBEN
John L. Lewis, der Vorsitzende der amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft, ist einer der schaerfsten Kritiker
Praesident Trumans. Bei den letzten drei Praesidentschaftswahlen hat er ohne Erfolg republikanische Kandidaten unterstuetzt. Trotzdem ist dem Wohlfahrts- und Pensionsfonds der
Bergarbeitergewerkschaft durch Praesident Trumans Komitee
fuer die Beschaeftigung Koerperbehinderter die Anerkennung
ausgesprochen, worden.
Vizeadmiral Ross Mclntire, der Vorsitzende des Komitees,
bezeichnete diesen Fonds als eine ausgezeichnete Errungenschaft auf einem aeusserst schwierigen Gebiet, ja sogar als
die beste gewerkschaftliche Einrichtung dieser Art. Er erklaefte wörtlich: "Der Wohlfahrts- und Pensionsfonds der
Bergarbeitergewerkschaft hat den koerperbehinderten Arbeitern
hervorragende Dienste geleistet, indem er bewiesen hat,.dass
Menschen mit schwerer koerperlicher Behinderung wieder zu
wirtschaftlich und sozial wertvollen Buergern werden koennen.
Sie koennen aus der Verzweiflung, der Abhaengigkeit, der Not
und der Hilflosigkeit gerettet werden, wenn ihnen die geeigneten Mittel zu ihrer koerperlichen Gewandtheit und beruflichen Eingliederung zur Verfuegung gestellt werden."
Der Fonds wurde im Oktober 1947 gegruendet. Was hat
er seit dieser Zeit erreicht? Mclntire berichtet hierzu:
"Der erste Patient, ein hilfloser, bettlaegeriger
Krueppel, ist nach dreieinhalbjaehriger Behandlung durch
Aerzte, Therapeutiker und Berufsberater wieder zu einem Buerger geworden, der fuer sich selbst sorgen kann. Bis zum 1.
Januar 1951 sind fuer 658 weitere koerperbehiriderte Bergarbeiter Umschulungskurse begonnen worden, mit denen man sie
wieder zu brauchbaren Mitbuergern machen will."
Was dies bedeutet, zeigt uns am besten das Beispiel
Rüssel Browns, eines gelaehmten Bergarbeiter in Seth, West
Virginia. Brown hatte 1939 einen Unfall und war durch dessen
Folgen zehn Jahre lang bettlaegerig. Die Aerzte seiner Heimatstadt waren der Meinung, dass nichts mehr zu machen sei.
Die Gewerkschaft bezweifelte dies und bewirkte, dass Brown
im Rühmen des Wohlfahrtsfonds der Gewerkschaft in das New
YorKer Institut fuer Krankenoflege und koerperliche Genesung
aufgenommen wurde. Ein Jahr spaeter konnte Brown wieder mit
Hilfe von Kruecken laufen. Dann kamen fuer ihn sechs Monate
Berufsausbildung.
Ein kleines Haeuschen in der Naehe seiner Wohnung wurde
in eine Schuhreparaturwerkstatt umgebaut. Die staatliche fiehoerde fuer Berufseingliederung stellte die notwendigen Maschinen zur Verfuegung. Seine Gewerkschaft gab ihm einen
Kredit in Hoehe von 480 Dollar, um die notwendigen v.erkzeuge
und Materialien zu kaufen. Brown erklaerte vor kurzem:
"Dank meiner Ortsgewerkschaft und hilfsbereiter Menschen meiner Umgebung habe ich keine Schulden mehr. Die Arbeit als
Schuhmacher ist nicht halb so schwer wie meine ersten Gehversuche an Kruecken."
Program Services Section
IX/5/51
- 16 -

H1C0U 5 Oot 51 18346 (&gt; U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessentea direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 40

Frankfurt, 5. Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die gewerkschaftliche Organisation der
Angestellten

1

Daenemark zeigt eine Moeglichkeit zur Steigerung der Produktivitaet

6

Aus der Arbeit der OEEC

8

Die Taetigkeit der Gewerkschaften in
Venezuela

• 12

Aktiver Humanismus in der Gewerkschaftsbewegung

• 14

Einfuhrzoelle beeintraechtigen Steigerung
der Produktivitaet

16

DIE GEWERKSCHAFTLICHE ORGANISATION DER ANGESTELLTEN.
Maurice J. Tobin:
Maurice J. Tobin Ist in Kabinett Truman als Staatssekretaer fuer Arbeitsangelegenheiten taetig, eine
Stellung, die in der Praxis der eines Ministers
entspricht, auch wenn es in den Vereinigten Staaten
die Bezeichnung Minister offiziell nicht gibt.
Durch die Tatsache, dass ein Kabinettsmitglied diese
- 1

�Ausfuehrungen gemacht hat, gewinnen sie besonderen
Wert.
Heute zaehlt Amerika etwa 15 Millionen Angestellte. Von
diesen 15 Millionen sind aber weniger als zwei Millionen Mitglieder gewerkschaftlicher Organisationen. Schon diese beiden
Zahlen beweisen, dass auf dem Gebiet der Zusammenschliessung der
Angestellten in Gewerkschaften noch ausserordentlich viel -Arbeit,
geleistet werden muss, denn diese Angestellten benoetigen Gewerkschaften, wenn sie mit ihren Gehaeltern nicht meilenweit hinterherhinken wollen, die Gewerkschaften brauchen die Angestellten,
damit die organisatorische Staerke eine noch groessere als bisher
wird.
Natuerlich kann man die Verhaeltnisse der Angestellten in
Amerika mit denen anderer Laender vergleichen, was vor allem dann
moeglich ist, wenn auf Studienreiser gerade diese Frage aufgerollt
wird. In diesem Licht sind natuerlich die Gehaeiter der amerikanischen Angestellten durchaus ertraegliche.
Im Grosshandel sind in den Vereinigten Staaten etwa vier Millionen Angestellte beschaeftigt. Vor etwa 30 Jahren sagte ein Gewerkschaf tsfunktionaer: "Wenn Gott in seiner Allmacht heute auf
die Erde herniederstiege, wuerde er doch kaum genuegend Staerke
haben, um eine kampfkraeftige Gewerkschaftsorganisation im Grosshandel auf die Beine zu stellen". Dieser Punktionaer hat aber
zweifellos nicht nur die Allmacht Gottes unterschaetzt, sondern
auch die Angestellten im Grosshandel. In beiden Richtungen hatte
er unrecht, und heute hat die Gewerkschaft laengst bewiesen, dass
er falsch urteilte. James Suffridge und Vernon Kousewright haben
niemals ihre Aufgabe mit einer solchen Einstellung begonnen, sie
waren Maenner der Praxis, die wussten, dass die Angestellten des
Grosshandels organisiert werden muessen - sie begannen mit ihrer
Propaganda und organisierten die Angestellten. Heute ist diese Gewerkschaft In der APL staerkemaessig an neunter Stelle stehend dabei waechst diese Gewerkschaft auch heute noch weiter.
Trotz aller Fortschritte muss jedoch gesagt werden, dass die
gewerkschaftliche Organisation der Angestellten gerade begonnen hat.
Der Exekutivausschuss der AFL bestaetigte dies in seiner letzten
Sitzung, als er die Feststellung traf, dass auf diesem Gebiet gewerkschaftlicher Organisation sozusagen eben die Oberflaeche angekratzt Ist.
Das ist ein sehr ernstes Problem. Es ist deshalb so ernst,
weil die Zahl der Anges-tellten von Jahr zu Jahr zunimmt. Vor zehn
Jahren gab es nur 11 Millionen, damals waren es etwa 24 % aller
Lohn- und Gehaltsempfaenger der USA.* Heute sind es mehr als 15
Millionen, ihr Anteil belaeuft sich auf 28 % aller Lohn- und Gehaltsempfaenger. Die Zahl der Angestellten nimmt immer weiter zu,
Aufgabe der Gewerkschaften muss es sein, mit dieser Entwicklung
Schritt zu halten und ihre entsprechenden gewerkschaftlichen Organisationen mit dieser Entwicklung im Schritt zu halten.
Diese Angestellten brauchen die gewerkschaftliche Organisation.
Sie brauchen sie, weil sie sonst In der wirtschaftlichen Entwicklung
zurueckblelben. Der Durchschnittswochenlohn eines Industriearbeiters ist seit 1939 um etwa 170$ gestiegen. Die Gehaeiter der
3ueroangestellten sind In der gleichen Zeit nur um 92 % gestiegen.
Der Fabrikarbeiter hat im Maerz dieses Jahres durchschnittlich
64,33 Dollar in der Woche oder 1,57 Dollar in der Stunde verdient.
Der Durchschnittsangestellte im Grosshandel verdiente jedoch, entsprechend umgerechnet, in der Woche nur 48,95 Dollar oder in der
Stunde 1,24 Dollar. Ein wesentlicher Anteil der hoeheren Lohnbasis
des Fabrikarbeiters ist darauf zurueckzufuehren, dass es auf diesen
- 2 -

�Gebieten starke und einflussreiche Gewerkschaften gibt.
Die gewerkschaftliche Organisation der Angestellten ist
jedoch nicht allein deswegen erforderlich, weil dadurch hoehere
Loehne und bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Sie
ist ebenso wichtig, weil durch die Gewerkschaft die Angestellten
eine Moeglichkeit haben, sich selbst in die Verhandlungen ueber
Lohnfragen und Arbeitsbedingungen in einer Form einzuschalten,
die den Wuenschen der Angestellten entspricht. Erst durch die
Gewerkschaft haben die Angestellten jedes Unternehmens und jeder
Dienststelle das demokratische Recht der Mitsprache, er ist dadurch etwas mehr als ein Angestellter mit einem vom Unternehmen
ausgefertigten Anstellungsvertrag. Besteht aber in dem Unternehmen eine gewerkschaftliche Organisation, so kann der Angestellte all das aussprechen, was ihn bewegt, und das wird von den
Gewerkschaftsvertretern wiederum den Unternehmern vorgelegt, um
auf dieser Basis zu entsprechenden Vereinbarungen zu kommen.
Wenn der Angestellte organisiert ist, so hat er eine Stimme,
die mitspricht, er fuehlt sich in einem tieferen Sinne mit dem
Unternehmen verbunden, denn jetzt hat er ein groesseres Interesse
an dem Fortschritt des Unternehmens. Dadurch geht der Angestellte
zugleich mit einer besseren Aufgeschlossenheit und einer groesseren
Zufriedenheit an seine Arbeit.
Damit bleibt aber der Angestellte nicht mehr der veraergerte
Gegenspieler des Unternehmers, w3e die marxistische Lehre ihn
glauben machen will. Der Angestellte und der Unternehmer werden
Partner in den fremeinsamen Bemuehungen, das Unternehmen zu Erfolgen zu fuehren. Der Angestellte weiss, dass er durch groessere
Anstrengungen auch eine Moeglichkeit hat, bei Abschluss entsprechender Tarifvertraege sich seinen Anteil an den Auswirkungen
seiner besseren Arbeit zu sichern, die mit seinem groesseren Einsatz geleistet werden konnte.
Aber heute gibt es immer noch Angestellte, die ihre Nase
ziemlich vernehmlich ruempfen, wenn die Sprache auf die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Arbeit gelenkt wird. Dabei ist diese
Srhabenheit nichts anderes als eine besondere Form eines Snobismus,
sie glauben, dass Gewerkschaften nur fuer Arbeiter und nicht fuer
Angestellte zustaendlg sind, dass jedoch diese Arbeiter weit unter
der Kategorie der Angestellten stehen. Deshalb halten sie es fuer
eine Entwuerdigung des Angestellten, wenn er zu der gleichen Gewerkschaft gehoeren sollte, der auch Arbeiter angehoeren, Menschen,
die in einem Overall dahergehen.
Dabei verdienen die Fabrikarbeiter mehr Geld als die Angestellten. Sie koennen fuer ihre Familien bessere Lebensmittel,
bessere Bekleidung und bessere Wohnungen erwerben. Sie koennen
ihre Kinder in hoehere Schulen schicken. Aber trotzdem glauben
viele Angestellte immer noch, dass es eine Entwuerdigung waere,
wenn Angestellte gemeinsam mit Arbeltern In den gleichen Gewerkschaften organisiert waeren. Fuer jeden, der heute noch so denkt,
muss der Angestellte ein Opfer seiner Vorurteile sein. Aber es
ist mehr als das: Es ist ein dummer Streich.
Man sollte glauben, dass mit dem Verschwinden der Postkutsche
auch diese Form des Denkens vorbei sein sollte. Man sollte meinen,
dass diese Denkweise fuer solche Leute reserviert sein sollte, die
tatsaechlich snobistisch sind oder den Snobismus gepachtet haben.
Und die unorganisierten Angestellten haben und kennen ihn nicht.
Ganz und garnicht.
Es muss ausgesprochen werden, dass die Gewerkschaftsbewegung
- 3 -

�eine der konstruktivsten Kraefte der Geschichte der Vereinigten
Staaten gewesen sind. Und wenn irgendjemand glaubt, dass er zu
gut waere, um sich ihnen anzuschliessen, so moechte ich diesen
Menschen doch einmal naeher kennenlernen.
Heute ist es ein Vorrecht geworden, einer amerikanischen Gewerkschaft anzugehoeren. Es ist eine Ehre fuer jeden, einer Gewerkschaft als Mitglied zu dienen. Und jeder Arbeiter, ganz
gleich, welche Farbe sein Kragen* hat, wird mit Stolz seiner Gewerkschaft angehoeren. Warum ist dies bei den Leuten, die einen
weissen Kragen zu tragen als besonderes Vorrecht ansehen, so
wesentlich anders?
Die Gewerkschaften sind eine der vornehmsten Organisationen
der Demokratie, wie sie je in ihr hervorgebracht wurden. Sie
sind die logische Erweiterung der Prinzipien der Demokratie in das
geschaeftliche und das industrielle Leben Amerikas.
Demokratie bedeutet, eine Stimme zu haben. Sie bedeutet, an
Entscheidungen teilzunehmen, die die eigene Wohlfahrt betreffen.
Und das ist es ja gerade, was die Gewerkschaftsbewegung will:
Eine Stimme in der Fabrik, eine Stimme Im Warenhaus, eine Stimme
ueberall da, wo Menschen beschaeftigt sind. Sie bedeutet das
Recht, an der Verwaltung des industriellen und geschaeftlichen
Lebens teilzuhaben.
Und wer ist der wirkliche Mitbuerger in der geschaeftlichen
und industriellen Gemeinschaft? Der Arbeiter, denn er hat eine
Stimme und wendet sie auch an. Wer ist ein guter Amerikaner?
Der Fabrikarbeiter, der seine Stimme anwendet und auswertet, oder
etwa der Angestellte, der im Hintergrund still dasitzt und sich
Anordnungen unterwerfen muss, bei deren Festlegung er kein Jota
mitzureden hatte?
Dieses System der Mitwirkung, der Mitspräche in allen Angelegenheiten, die die eigene Wohlfahrt betreffen, ist der Felsgrund,
auf dem die gesamten amerikanischen Verteidigungsanstrengungen
beruhen. Die Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer in den
verschiedenen Verteidigungszentren helfen einmuetig, das gesamte
Verteidigungsprogramm zu foerdern und zu unterstuetzen. Sie
wurden von der Regierung gebeten, mitzuwirken, weil die Regierung
der Meinung ist, dass auf diesem Wege die wirkungsvollste Moeglichkeit gefunden wird, die Staerke der gesamten Nation gegen den
Kommunismus zu wappnen.
. Diese Zusammenarbeit traegt heute zur Staerkung und zur Erhoehung des Wirkungsgrades der Wirtschaft und der Industrie bei,
ebenso wie sie dazu beitraegt, die Regierung stark und tatkraeftig
zu unterstuetzen. Ebenso wie die Buerger einer Nation wertvolle
Beitraege zu dem Fortschritt der Nation leisten koennen, wenn ein
demokratisches System ihnen eine Moeglichkeit dafuer gibt, genau
so koennen die Mitbuerger in einer industriellen Gemeinschaft an
dem Fortschritt der Industrie teilhaben, wenn man ihnen die Moeglichkeit gibt, durch freie und demokratische Organisationen an
dieser Arbeit teilzunehmen.
Es gibt eine Reihe guter, sauberer, verantwortungsbewusster
Gewerkschaften fuer Angestellte, wie diese fuer den Grosshandel,
wo jeder Beschaeftigte seine industrielle Mitbuergerschaft ausueben kann. Daneben gibt es aber auch Gewerkschaften, die nur
diesen Namen tragen, aber weder gut noch sauber sind und im uebrigen
sich demokratischen Spielregeln nicht unterwerfen.
*

Der amerikanische Angestellte heisst Weisser-Kragen-Arbeiter.
4

�Aber diese Gewerkschaften, wenn man sie ueberhaupt so nennen
darf, verlieren staendig an Einfluss, waehrend echte Gewerkschaften ihren Einfluss staendig erweitern.
Angestellte werden sich jedoch auch niemals in Gewerkschaften
organisieren, die in ihrem Vorstand noch Kommunisten haben. Darueber gibt es keinerlei Zweifel. Sie brauchen jedoch gute und
loyale Gewerkschaften mit wirklichen Fuehrern, genau so wie es in
anderen Gewerkschaften der Fall ist. Die Kommunisten sind seit
langem aus der offiziellen Familie der amerikanischen Gewerkschaften ausgeschlossen worden. Und ich vertraue darauf, dass
der geringe Einfluss, den sie auf einigen Gebieten der Angestelltenbewegung noch immer haben, sehr bald verschwinden wird.
Es gibt ausgezeichnete Gewerkschaften, die den Kampf auf
dieser wichtigen Front der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vorantreiben - der Front der Angestellten. Diese Gewerkschaften muessen mit groesserer Energie an ihre historische Aufgabe herangehen,
die noch immer vorhandenen Unorganisierten fuer die Gewerkschaften
zu gewinnen. Heute, in der fuenften Dekade des 20. Jahrhunderts,
bedeutet dies, die Angestellten zu organisieren. Ich habe bereits
betont, dass die Gewerkschaften die Angestellten brauchen, ebenso
wie die Angestellten Gewerkschaften benoetigen. Viele dieser Angestellten, vor allem in den technischen und aus handwerklichen
Berufen hervorgegangenen Gruppen, haben Erfahrung und Uebung auf
diesem Gebiet, sie kennen die Hintergruende, sodass sie sich fuer
die Gewerkschaften von besonderem Wert erweisen koennen. Ihre
schulische Vorbildung und ihr Intellekt koennen ausserordentlich
wirkungsvoll die Erfahrungen und das praktische Wissen der Gewerkschaftsfunktionaere unterstuetzen. Ich bin der Ueberzeugung,
dass gerade durch eine breitere Mitwirkung der Angestellten in
den Gewerkschaften deren Verantwortungsbewusstsein noch weiter
gesteigert werden wird.
Bei dieser Gelegenheit moechte ich ueber ein Aufgabengebiet
im Grosshandel sprechen. Hiermit meine ich das Problem des Stellenwechsels. Sie alle wissen, wie wichtig dieses Problem ist.
Kaum hat die Gewerkschaft eine Anzahl Bueroangestellter organisiert, so hat ein grosser Teil bereits wieder die Stellung gewechselt und die Gewerkschaft hat mit den neueingetretenen Angestellten wieder die gleiche Arbeit. Die Gewerkschaften haben Tag
und Nacht zu tun, um mit diesen neuen Mitgliedern, die sehr
haeufig ihren Arbeitsplatz wechseln, in Kontakt zu bleiben. Aber
die Arbeit ist eine Sisyphusarbeit, man kann ebenso gut Wasser in
einem Sieb transportieren wollen.
Unter diesen Voraussetzungen kann eine Gewerkschaft niemals
auf die Dauer ihre Organisationsarbeit durchfuehren. Und es ist
auf der anderen Seite verstaendlich, wenn kein Grosshandelsunternehmen eine staendige Arena fuer eine immerwaehrende Organisationskampagne sein will. Aus diesem Grunde haben die Unternehmer und
die Gewerkschaften eine Antwort auf diese Verhaeltnisse und zwar
im Rahmen der TarifVertragsverhandlungen ausgearbeitet. Diese
Loesung heis-st kurz und schlicht der Gewerkschaftsbetrieb, der
"Union-shop".
Das soll nun nicht etwa heissen, dass der Grosshandel ohne
weiteres den Gewerkschaftsbetrieben zugestimmt haette, so ganz
ohne jeden Kampf - aber allgemein laesst sich doch sagen, dass
der Grosshandel sich weit geringer dem Gewerkschaftsbetrieb widersetzt hat als etwa Herstellerunternehmen. Der Grosshandel hat
der Einfuehrung des cewerkscnaftlichen Betriebs, des "Union-shop"
im gesamten Grosshandel in den Vereinigten Staaten prinzipiell
zugestimmt. Die Vorschriften des "Union-shops" besagen, dass in
5 -

�diesen Betrieben jeder Neueintretende entweder der Gewerkschaft
beitreten oder aus dem Unternehmen wieder ausscheiden muss. Solange jemand in dem Unternehmen beschaeftigt ist, muss er also
der Gewerkschaft angehoeren.
Der "Union-shop" wirft im Grosshandel neue Probleme auf,
nach meiner Meinung gehoert diese Klausel in die einzelnen Tarifvertraege. Die Unternehmer sind deshalb damit einverstanden, weil
dadurch die staendigen Werbefeldzuege der Gewerkschaften ueberfluessig werden, und jetzt die Werbung neuer Mitglieder durch andere Massnahmen erreicht wird. Gleichzeitig verschwinden auch die
Streitigkeiten zwischen den Organisierten und den sogenannten
"Trittbrettfahrern", die den Gewerkschaften nicht beitreten, aber
ihre Erfolge auch fuer sich in Anspruch nehmen. Und schliesslich
wird durch den "Union-shop" die Gewerkschaft staerker werden. Eine
wirklich starke Gewerkschaft braucht nicht alle zehn Minuten Gehaltszulagen zu fordern, um ihre Mitglieder halten zu koennen. Es kann
mit dem Unternehmer in aller Offenheit ueber diese Fragen gesprochen werden, ohne dass es dabei zu einem voelligen Bruch zu
kommen braucht. Eine starke Gewerkschaft wird bei Verhandlungen
mit dem Unternehmer immer eine groessere Verantwortungsbereitschaft
zeigen als eine schwache.
vVenn ich sagte, dass die Klausel ueber Gewerkschaftsbetriebe
in gewerkschaftliche Tarifvertrae^e genoert, so ziehe ich mir damit
im gesamten Grosshandel die Kritik aller jener Angestellten zu, die
imner noch glauben, sehr klug zu sein, wenn sie auf das Recht pochen,
einer Gewerkschaft nicht beitreten zu brauchen.
Heute erlaubt sogar das Taft-Hartley-Gesetz den Gewerkschaftsbetrieb ueberall dort, wo die Belegschaft in einer Abstimmung zum
Ausdruck bringt, dass sie einen solchen wuenscht. Und wenn die
Arbeiter und Angestellten im Grosshandel inn wuenschen, so muessen
sie derartige Abstimmungen in ganz Amerika fuer den Grosshandel
fordern, damit der Gewerkschaftsbetrieb auch dort zu etwas selbstverstaendlichem wird.
Der Gewerkschaftsbetrieb oder "Union-shop" wird einen konstruktiven Einfluss auf den gesamten Grosshandel haben. Der Unternehmer,
der das erkannt hat und daraus die entsprechenden Folgerungen
zieht, verdient hoechste Anerkennung.
Ich habe wiederum einen Appell an die Angestellten berichtet,
sich in den Gewerkschaften zu organisieren, nicht nur, weil es
fuer sie guenstig ist, sondern weil ich glaube, dass es fuer ganz
Amerika von Vorteil sein wird. Das Wachsen der Gewerkschaften
staerkt die Demokratie. In dieser Zeit der grossen Krisis und
der die ganze Welt ueberschattenden Gefahren muessen wir die Demokratie so stark wie moeglich machen. Und ich weiss, dass die Gewerkschaften einen hervorragenden Anteil an diesen Bemuehungen
uebernehmen werden.
Labor Press Service
VIII/51
DÄNEMARK ZEIGT EINE iJOSGLICHKSIT ZUR STEIGERUNG DER PRODVKTIVITAST.

Die Sondermission der ECA fuer Daenemark hat ein wirksames
Mittel gefunden, um die Aufmerksamkeit der daenischen Unternehmer
auf ihre neue Produktivitaetshilfskampagne zu lenken.
Die Frage, wie das Produktivitaetsproerramm mithilft, die
6 -

�dringenden wirtschaftlichen Probleme der Nation zu loesen, wird
das Hauptthema der ECA-Ausstellung sein, die im Rahmen der
daenlschen Arbeltsmesse vom 11. - 21. Oktober gezeigt wird.
Charles A. Marshall, der Leiter der daenlschen ECA-Mission,
hat als Beitrag einen Artikel geschrieben, in dem die allgemeinen
Ziele der Produktivitaetskampagne und ihre Vorteile fuer
Daenemark zum Ausdruck gebracht werden. Der Artikel wird in
dem amtlichen Messekatalog erscheinen.
Von welcher Tragweite diese Ausstellung der ECA und der
Artikel in dem Messekatalog sind, zeigt die Tatsache, dass auf
dieser Messe eine grosse Zahl daenischer Unternehmer vertreten
sein wird.
Dadurch hat die Informationsabteilung der ECA eine Moeglichkeit, Einzelpunkte zu dem neuen Programm, das im allgemeinen noch
nicht genuegend populaer ist, unmittelbar an solche Persoenlichkeiten zu bringen, die fuer die Foerderung der Produktivitaet
entscheidend sind.
In seiner in dem Katalog enthaltenen Botschaft erklaert
Marshall, dass Daenemark in seinem Eedarf an Devisen nicht mehr
wie in der Vergangenheit lediglich von dem Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse abhaengig sein darf.
"Was jetzt notwendig ist, ist eine Erweiterung der daenlschen Exporte an Industrieerzeugnissen, und zu diesem Zweck muss
die Produktivitaet der daenlschen Industrie gesteigert werden."
"Hoehere, Produktivitaet erfordert die bestmoegliche Verwendung von Arbeitskraeften, Maschinen und Material. Sie bedeutet
einen hoeheren Produktionsausstoss pro Arbeiter und pro Stunde."
"Hoehere Produktivitaet bedeutet nicht groessere Anforderungen
an den Arbeiter", fuehrte Marshall weiter aus und griff damit der
Beschuldigung vor, das Programm sei eine altbekannte "Antreibemethode". Die meisten Arbeiter in Europa arbeiten schwer genug,
nach modernen Begriffen manchmal sogar zu schwer, aber sie arbeiten
nicht immer mit der grösstmoeglichen Wirksamkeit. Produktivitaet
bedeutet, wirksamere Arbeit zu leisten."
Die technische Unterstuetzung im Rahmen der Produktivitaetskampagne ist keine unbekannte Sache fuer die Daenen, denn das
Land hat bereits im Rahmen des Technischen Unterstuetzungsprogramms
350 Experten nach den Vereinigten Staaten geschickt, um amerikanische Produktivitaetsmethoden zu studieren. Die Ergebnisse sind
hervorragend gewesen.
Im Rahmen des neuen Programms wird ein Gremium von Experten
der Industrie in Paris gebildet werden, zu dem auch Industrietechniker gehoerten, um deren Unterstuetzung die daenlschen Unternehmer nachsuchen koennen. Sie sollen bei Untersuchungen ueber
3etriebsanordnung und Betriebsausruestung, neue und bessere Erzeugnisse, Verbesserung der Produktionsmethoden und bei der Ausarbeitung besserer Vertriebs- und Buchfuehrungsmethoden behilflich
sein.
"Gesteigerte Produktivitaet erfordert nicht unbedingt hoehere
finanzielle Aufwendungen und groessere physische Anstrengung. Sie
kann genau so gut erreicht werden, indem man zum Beispiel das
Material naeher an den Arbeitsplatz heranbringt und dem Arbeiter
damit Zelt, koerperliche Anstrengung und Energie erspart. Anstatt
grosse und teure Maschinen zu kaufen, koennte ein Betriebsleiter
- 7 -

�zum Beispiel die Anordnung der Maschinen in den Werkstaetten
verbessern, um damit die Leistungsfaehigkeit seines Betriebs zu
steigern."
Der Missionsleiter fuehrte Beispiele an, wo die gesteigerte
Produktivitaet sich bereits bezahlt gemacht hat. Durch besondere
industrielle Schulung konnte in einem Betrieb die Produktion um
18 % gesteigert werden. In einer Kopenhagener Schuhfabrik sei die
Produktion um 42 % und die Beschaeftigtenziffer um 23 % erhoeht
worden; die Loehne der Arbeiter wurden verbessert und dAe Verbraucherpreise gesenkt. Nachdem in einem anderen Unternehmen 100
Vorarbeiter und Arbeiter geschult worden waren, wurde die
Produktion in der Zeit von 1946 bis 1950 verdoppelt.
Die besondere Aufmerksamkeit seiner Leser lenkte Marshall
auf die neue Moeglichkeit, innerhalb der westeuropaeischen Voelkerfamilie den Handel auszuweiten, nachdem die Europaeische
Zahlungsunion errichtet und fruehere Zollhindernisse verringert
worden sind.
"Wenn Daenemark diese Moeglichkeit, mehr Maren nach Europa
und nach den Dollargebieten zu exportieren, voll ausnutzen will,
muss es ihm aufgrund der Leistungsfaehigkeit seiner Industrie
moeglich sein, zu konkurrenzfaehigen Preisen zu verkaufen,"
erklaert Marshall abschliessend. "Ich bin gewiss, dass die
Daenen die Paehigkeit und den Willen haben, diese Probleme erfolgreich In Angriff zu nehmen. Sie haben es in der Vergangenheit getan und koennen es auch heute wieder tun."
ECA Labor Information
IX/6/51

AUS DER ARBEIT DER OEEC.

Die Vertreter der Mitgliedstaaten der Organisation fuer
Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEO) haben auf ihrer
letzten Konferenz folgende Erklaerung abgegeben:
Wir haben die Anforderungen ueberprueft, die an die europaeische Wirtschaft gestellt werden, und die sich aus den Bedürfnissen ergeben, die fuer unsere Voelker zurzeit am wichtigsten
sind. Es handelt sich um die Garantie der individuellen und
kollektiven Sicherheit unserer Laender und um die Entwicklung
ihrer wirtschaftlichen Staerke und Wohlfahrt. Wir sind ueberzeugt, dass wir diesen Beduerfnissen durch einzelne und gemeinsame Handlungen gerecht werden koennen, vorausgesetzt, dass die
Regierungen und Voelker die erforderlichen Anstrengungen in bezug
auf eine Steigerung der Produktivitaet machen, sodass alle ernstkiften Schwierigkeiten, die sich aus den Wirtschaftsbeziehungen
mit dem Ausland ergeben, durch die Zusammenarbeit mit anderen
Laendern ueberwunden werden koennen. Wir sind der Auffassung,
dass diese beiden Bedingungen sich erfuellen lassen.
Die Regierungen sind sich darueber einig, dass das grosse
Ziel ihrer Politik darin bestehen muss, in den naechsten fuenf
Jahren die Gesamtproduktion um 25 % zu steigern. Durch diese
Erhoehungen der Produktion kann in diesem Zeitraum eine Verbesserung des Lebensstandards und ein weiterer sozialer Fortschritt
erzielt werden. Gleichzeitig koennen die Bedingungen erfuellt
werden, die die Verteidigung an uns stellt. Die Regierungen werden im Sinne der Konvention ueber die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas zusammenarbeiten, um gemeinsam jene Schritte zu
8

�unternehmen, die notwendig sind, um dieses Ziel verwirklichen
zu koennen.
Die Bedingungen in den einzelnen Laendern noe-en verschieden
sein, aber trotzdem ist die europaeische »Virtschaft als .iesarntheit durch einen konzentrierten Einsatz ihrer Hilfsquellen in der
Lage, ihre Produktivitaet um den Betrar; von alljaehrlich 5 ^ zu
steigern. Die Aufgaben, die den Mitgliedstaaten in der Vergangenheit gestellt waren, waren nicht weniger schwierig. Durch die
schwere Arbeit ihrer Menschen, und dank der grosszuerigen Hilfe
der Vereinigten Staaten konnten sie allein in den letzten drei
Jahren eine Steigerung der Produktion um 25 % verwirklichen.
Europa verfuögt ueber umfangreiche natuerliche Hilfsquellen,
ein riesiges industrielles Potential, eine grosse und tuechtige
Erwerbsbevoelkerung, und es hat die Moeglichkeit, schnelle Fortschritte zu machen. Die restlose Mobilisierung dieser Hilfsquellen erfordert Voraussicht, Entschlossenheit, den V/unsch guter
Zusammenarbeit und eine Politik, die sich auf soziale Gerechtigkeit stuetzt. Die Regierungen sind ueberzeugt, dass eine solche
Politik die Voraussetzung dafuer ist, die Erfolge sichern zu
koennen, die bereits erzielt wurden. Die soziale -Gerechtigkeit
erfordert die gerechte Verteilung der Lasten Und Abgaben, um auch
auf diese Weise das Wohlergehen der weniger beguenstigten Schichten
der 3evoelkerung zu foerdern. In vielen Laendern wird die Steigerung der Produktion zuerst zur Staerkung der Verteidigung und
zur Erweiterung des Exports verwendet werden muessen, damit die
hoeheren Kosten fuer Importe bestritten werden koennen. Aber ein
immer niroesser werdender Ueberschuss muss verfuegbar sein, um die
Versorgung mit Verbrauchsguetern zu verbessern, mehr Haeuser zu
bauen und den Beitrag europaeischer Industriestaaten zur Foerderung
unterentwickelter Laender und Gebiete zu erhoehen.
Herrn das Problem der Erweiterung der Produktion auf diese
Weise gemeinsam In Angriff genommen wird, koennen wir der Zukunft
ohne die Befuerchtung entgegen sehen, dass die wirtschaftliche
Besserstellung auf unbestimmte Zeit hinausgezoegert werden muss,
oder dass den Verteidigungsbemuehungen eine wirtschaftliche
Depression folgt. Man kann hoffen, dass die jetzigen Verhaeltnisse, die eine Einschraenkung erforderlich machen, voruebergehender
Natur sind. Die Industrie kann gewiss sein, dass, nachdem die
Zeit grosser Aufwendungen fuer die Verteidigung vorueber ist, der
Bedarf so hoch sein wird, dass kein Teil der verschiedenen nutzbaren Produkticnskapazitaeten untaetig zu bleiben braucht. Die
Arbeiter in der Industrie und der Landwirtschaft koennen in der
Gewissheit, staendig beschaeftlgt zu sein, zur Steigerung der
Produktion beitragen.
Um eine allgemeine wirtschaftliche Erweiterung mit der gewuenschten Schnelligkeit zu verwirklichen, muessen Massnahmen
ergriffen und Bedingungen erfuellt werden, die nachstehend aufgefuehrt sind:
Die Regierungen werden so schnell wie moeglich Schritte
unternehmen zu dem Zweck, gemeinsam die Ziele der Produktionssteigerung auf dem Gebiet der Kohlegewinnung, Stahlerzeugung,
Stromerzeugung und der Ernte landwirtschaftlicher Produkte zu erreichen. Sie werden sich ausserdem damit beschaefti^en, die Ziele
auf dem Gebiet des Wohnungsbaues und der Umsiedlung von Arbeltskraeften festzulegen.
Mangel an Kohle, Elektrlzitaet und Stahl bedeutet eine Gefahr
fuer die allgemeine industrielle Erweiterung. Die Kohleproduktion
ist nicht In genuegendem Masse gesteigert worden, um den immer
- 9 -

�groesser werdenden Bedarf der Industrie und des Zivilverbrauchs
im eigenen Land und im Ausland zu decken. Europa muss Mittel
und Wege finden, um nicht mehr von den teuren Importen amerikanischer Kohle abhaengig zu sein, es muss die Industrie vor
Unterbrechungen in der Produktion schuetzen und die fuer den
Haushaltsgebrauch erforderliche Kohle beschaffen. Auch die Nachfrage nach elektrischer Energie wird staendig groesser. Die gesteigerte Erzeugung von Kohle und Strom muss durch eine wirksamere und bessere Verwendung ergaenzt werden.
Um ihre Verteidigung zu staerken, mehr Haeuser zu bauen und
ihre Industrien und Landwirtschaft mit modernen Ausruestungen und
Maschinen auszuruesten, brauchen die Mitgliedsstaaten mehr Stahl.
Hierdurch wird eine erhoehte Produktion von Koks und Eisenerzen
erforderlich.
Auch die Erzeugung anderer knapper Rohstoffe,' wie zum Beispiel
nichteisenhaltige Erze, muessen erhoeht und die verfuegbaren
Vorraete gerecht unter die einzelnen Laender verteilt werden. Zu
diesem Zweck wird es erforderlich sein, dass auch andere Regierungen durch die Vermittlung bestehender internationaler Organisationen bei diesen Aufgaben mitarbeiten. Es muessen mehr
Nahrungsmittel erzeugt werden, was vor allem durch die Verwendung
wirksamerer Arbeitsmethoden erreicht werden kann. Insbesondere
muss die Erzeugung von Viehfutter vermehrt werden, um die Versorgung mit Fleisch und Milchprodukten zu verbessern.
Der Mangel an Wohnraum Ist ein akutes Problem, das in einigen
Gebieten sogar beunruhigend ist. Besonders dort, wo Arbeitsmoeglichkeiten fuer anderwaerts Beschaeftigungslose vorhanden sind,
werden mehr Haeuser gebraucht.
In einigen europaeischen Laendern konnte die Arbeitslosigkeit
noch nicht ueberwunden werden. Energische Massnahmen sind notwendig, um diese Situation abzustellen. In Westdeutschland gibt
es noch etwa 1.000.000 Erwerbslose, In Italien sind es 2.000.000,
ganz zu schweigen von den Kurzarbeitern. Dies bedeutet sowohl
grosse Haerten fuer den Einzelnen und betraechtliche Verluste fuer
die Allgemeinheit. Das Arbeitslosenproblem ist wahrscheinlich
durch eine wirtschaftliche Ausweitung im Lande selbst zu loesen,
In Italien dagegen gibt es nur einen Ausweg, naemlich den der
Auswanderung. Auch die vielen Fluechtlinge in Deutschland, der
Tuerkei und Griechenland stellen ein ernstes Problem dar. Zur
Ueberwindung dieser Schwierigkeiten ist es notwendig, dass die
Mitgliedsstaaten laufend zusammenarbeiten, zur voelligen Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist jedoch die Zusammenarbeit aller
Regierungen unbedingt erforderlich.
Die Steigerung der Produktivitaet ist in der Erweiterung der
Produktion der wichtigste Faktor. Durch die Erhaltung einer
hohen Leistungsfaehigkeit der Arbeiter und Unternehmer und durch
einen wirklichen Beitrag aller Schichten der Bevoelkerung sind
grosse Fortschritte moeglich. Die fortlaufende Ergaenzung und
Modernisierung der Ausruestungen traegt zu diesem Fortschritt bei.
Die Produktivitaet kann jedoch auch, abgesehen von zusaetzlichen
Investierungen, durch geeignete neue Produktionsmethoden gesteigert werden.
Inflatorische Preissteigungen muessen verhindert werden,
weil eine Inflation eine Produktionserweiterung gefaehrden und
die Verteidigungsbemuehungen der verschiedenen Laender behindern
und zu grossen sozialen Ungerechtigkeiten Veranlassung geben
wuerde. Jede Regierung Ist dafuer verantwortlich, ein Gleichgewicht zwischen den im Land verfuegbaren Waren und Dienstleistungen
- 10 -

�und der vorhandenen Nachfrage auf dem betreffenden Markt herzustellen. Zu diesem Zweck muss eine entsprechende und richtige
Steuer und Finanzpolitik verfolgt werden. Diese Politik muss
sich auf den Grundsatz stuetzen, dass Lasten glelchmaessig zu
verteilen sind. Die Stabilitaet der Preise kann jedoch nicht
durch Massnahmen einzelner Laender allein gesichert werden.
Preise auf dem Inlandsmarkt sind auch durch auslaendische Faktoren beeinflusst. Zusammenarbeit unter den Mitgliedsstaateu
und den anderen Regierungen ist deshalb unerlaesslich, um ein
groesseres Mass an Stabilitaet fuer Rohstoffpreise zu erreichen
und eine Kontrolle der Inflation zu ermoeglichen.
Fuer die meisten Mitgliedsstaaten bilden die finanziellen
Beziehungen mit anderen Laendern noch immer eine Frage der Abhaengigkeit. Die Stabilitaet der Zahlungsbilanz rtewisser Laender
ist durch neuere rapide Preissteigerungen fuer Importe Im Gegensatz zu den Exporten schwer bedroht worden. Es ist deshalb
lebenswichtig, dass die Bemuehungen, die auf Internationaler
Basis aur Erreichung einer groesseren Stabilitaet der Preise
fuer Rohstoffe gemacht wurden, von Erfolg gekroent sind. Gesteigerte Produktion durch die restlose Verwendung der menschlichen und materiellen Reserven und die Kontrolle der Inflation
werden uns dem Zeltpunkt naeher bringen, zu dem alle europaeischen Laender in der Lage sein werden, ihre Rechnungen ohne
Unterstuetzung vom Ausland zu zahlen. Es ist deshalb wichtig,
dass sie ihre Exportbemuehungen fortsetzen, und dass gleichgesonnene Laender Bedingungen fordern, die wirkliche Erfolge gewaehrleisten. Um die Erweiterung der Produktion zu unterstuetzen
und die wirtschaftlichen Hilfsquellen Suropas so wirksam wie
moeglich zum Einsatz zu bringen, werden die Mitgliedsstaaten in
ihren Bemuehungen fortfahren, alle jene Hindernisse abzubauen,
die dem Handel im Wege stehen und die Zusammenarbeit der Regierungen innerhalb der europaeischen Zahlungsunion foerdern.
Die Industriestaaten Westeuropas haben in der Vergangenheit
mit den Voelkern unterentwickelter Laender gemeinsam gearbeitet,
die grosse Kapitalinvestierung benoetigen, um ihre Produktionskapazitaet erweitern zu koennen. Sie haben auch in der Nachkriegszeit trotz eigener Sorgen um ihren Wiederaufbau ihre Bemuehungen auf diesem Gebiet fortgesetzt. Es Ist vorgesehen, dass
die zukuenftige wirtschaftliche Ausdehnung in Europa zu einer
weiteren Entwicklung der wirtschaftlich rueckstaendigen Gebiete
beitraegt.
Die Regierungen der Mitgliedsstaaten sind entschlossen, die
in dieser Deklaration genannten Ziele durch gemeinsame und individuelle Bemuehungen zu foerdern. Innerhalb anderer internationaler Organisationen, denen sie angehoeren moegen, werden die
Grundsaetze dieser Deklaration fuer sie ausschlaggebend sein.
Angesichts der neuen Aufgaben auf dem Gebiet der europaeischen
Zusammenarbeit sind sich die Regierungen der Mitgliedsstaaten der
gegenseitigen Abhaengigkeit solcher Laender bewusst, deren Bestrebungen und Ziele gleich sind. Gemeinsames Ziel und ein echter
3elst der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Laendern werden
fuer sie auch weiterhin eine Richtschnur ihrer Politik und die
Vorbedingung zu ihrem Erfolg sein.
Im Vertrauen auf die Zukunft Europas und die Paehi^keit
seiner Menschen, mit den Aufgaben der heutigen Zeit fertig zu
werden, verpflichten sich die Regierungen bei der Ausfuehrun^ der
Irundsaetze, die in dieser Deklaration enthalten sind, tatkraeftig
zusammenzuarbeiten und alle Schichten der Bevoelkerung aufzufordern, ihren wichtigen Beitrag dazu zu leisten.
0E2C Information
51/8
- 11 -

�DIE TAETIGKBIT DER GEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA.
Die allgemeine wirtschaftliche Prosperitaet Venezuelas, die
zum groessten Teil durch den Export von Petroleum ermoeglicht wird,
ist von einer allgemeinen Erhoehung des Lebensstandards der Arbeiter bis zu einem Niveau begleitet, das man noch nie in der Geschichte Venezuelas gekannt hat. Wenn auch statistische Angaben
ueber die Zahl der Beschaeftigten und ueber die Arbeitslosigkeit
nicht verfuegbar sind, bevor die Ergebnisse der Zaehlungen des
Jahres 1950 bekannt sind, so laesst sich die Zeit schon sas;en, dass
von 1949 bis 1950 durch fast totale Vollbeschaeftigung gekennzeichnet ist. Arbeitslosigkeit stellt auf keinen Fall ein wichtiges
nationales Problem Venezuelas dar. Im Verlaufe des Jahres 1950
haben sich die Realeinkommen der Arbeiter erheblich verbessert.
Die Preise fuer die meisten Verbrauchsgueter sind stabil geblieben
oder sind gesenkt, waehrend die Kehrzahl der Lohntarife beibehalten oder erhoeht worden ist.
Die Gewerkschaftsbewegung hat jedoch durch die Militaerregierung der Junta unter schweren Beschraenkungen zu leiden. So
sind zum Beispiel zahlreiche Gewerkschaftsorganisationen als
illegal erklaert worden. Auf Einladung der Regierung Venezuelas
hat Mitte des Jahres 1949 eine Mission des Internationalen Arbeitsamtes das Land besucht, um die venezolanische Gewerkschaftsbewegung, die Sozialversicherung und aehnliche Einrichtungen zu
studieren. Der Bericht dieser Mission des IAA enthielt genauere
Informationen ueber die organisatorischen Misstaende innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung des Landes und die sich hieraus ergebenden Gefahren fuer die Arbeiterschutzgesetzgebung Venezuelas,
die zwar fortschrittlich ist, aber deren Verwirklichung zum
groessten Teil von den Gewerkschaften abhaengt. Die Massnahmen,
die die venezolanische Regierung nach der Abreise der Mission
ergriffen hat, sind in dem Bericht als ein bedeutsamer Schritt
zur Wiedererrichtung der verfassungsmaessigen Garantieen bezeichnet,
ohne die eine Gewerkschaftsbewegung nicht frei und ihren Aufgaben
gemaess arbeiten kann.
Nach dem Staatsstreich im November 1948, durch den die demokratische Verwaltung durch die gegenwaertige Militaerregierung
der Junta ersetzt worden ist, sind die demokratischen Parteien
offiziell aufgeloest worden. Die Arbeitspolitik der Junta-Regierung besteht in einem fortschrittlichen sozialen nVohlfahrtsprogramm und der Trennung der Gewerkschaften von der Politik, insbesondere ihre Losloesung von der fuer illegal erklaerten "Partei
fuer Demokratische Aktion."
Im Februar 1949 ist die von der demokratischen Partei unterstuetzte Gewerkschaftsfoederation CTV, die bedeutendste Gewerkschaftsorganisation in Venezuela, und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften, zu denen auch der wichtige Verband der Petroleumarbeiter gehoert, offiziell aufgeloest worden.. Die 705 Ortseewerkschaften der CTV, die annaehernd vier Fuenftel aller Gewerkschaften in Venezuela einschliesst, sind durch diese Bestimmung
als Einzelorganisation nicht in Mitleidenschaft gezogen, sie koennen jedoch nicht mehr auf legalem Wege zusammenarbeiten. Es ist
ihnen befohlen worden, neue Funktionaere unter Bedingungen zu
waehlen, die vom Arbeitsministerium vorgeschrieben sind. Es ist
schwierig, sich an die Wahlvorschriften des Arbeitsministeriums zu
halten, eine staendige Abnahme der Zahl der Orts^ewerkschaften ist
die unausbleibliche Folge.
Die Tarifvertraege, die fuer eine Dauer von drei Jahren von
der Gewerkschaft der Petroleumarbeiter im Februar und Maerz 1948
12 -

�abgeschlossen sind, hat ein Erlass der Regierung fuer rechtsgueltig erklaert, obwohl die Gewerkschaft fuer ungesetzlich
erklaert worden ist. Nach den Bestimmungen des Vertrages koennen
nach zwei Jahren neue Verhandlungen ueber Lohntarife aufgenommen werden. Als die Funktionaere der PetroLeumarbeiter zu Anfang
1950 jedoch versucht haben, sich auf diese Bestimmungen zu berufen, ist ihnen dies unmoeglich gemacht worden, weil die Gewerkschaften kein legales Existenzrecht mehr haben und das Tarifkomitee der Gewerkschaften gesetzlich nicht anerkannt worden ist.
Die sich durch diese Massnahme ergebenden Streiks im Mai 1950
sind durch drastische Massnahmen der Regierung gebrochen worden.
Die 47 streikenden Ortsgewerkschaften, in denen der groesste
Teil der Arbeiter der Erdoelindustrie und nahezu die Haelfte der
fast 50.000 Petroleumarbeiter organisiert sind, hat ein Befehl
der Regierung einfach voellig aufgeloest. Die meisten dieser Gewerkschaften gehoeren der nichtkommunistischen Partei fuer demokratische Aktion an, aber einige sind auch dem kommunistischen
Gewerkschaftsbund der Erdoelarbeiter "Cosutrapet" angeschlossen.
Dieser Organisation ist zusammen mit der Kommunistischen Partei
Venezuelas wegen ihrer Teilnahme an den Streiks verboten, die von
der Regierung als rein politisch und umstuerzlerisch bezeichnet
worden sind. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften der Erdoelarbeiter, die sich vor dem Verbot der Gewerkschaft auf ueber 60 %
aller Erdoelarbeiter belaufen hat, ist im Dezember 1950 auf nur
noch rund 10 % der frueheren Mitgliedszahl zurückgegangen.
Im Anschluss an die Oelstreiks im Mai 1950 hat die Regierung
einen Untersuchunsrsausschuss ernannt, der die bestehenden Kollektivvertrae&lt;^e untersuchen soll. Der Ausschuss, der sich urspruenglich
aus Vertretern der drei Interessengruppen zusammengesetzt hat,
ist trotz des Ruecktritts der Gewerkschaftsdelegierten bestehen
geblieben und hat dem Arbeitsminister Im November einen Teilbericht'
ueberrelcht, der nicht veroeffentlicht worden ist. Als der dreijaehrige Tarifvertrag Anfang 1951 kurz vor seinem Ablauf bestanden
hat, ist ein Arbeitskomitee der Petroleumindustrie gebildet worden,
in dem alle bestehenden gesetzlichen Gewerkschaften der Erdoelarbeiter vertreten sind. Unter der Fuehrung des Arbeitsministeriums ist dieser Ausschuss mit Unternehmervertretern zusammengetreten. Bis zum 9. April 1951 hat man kein Abkommen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern treffen koennen, die Regierung hat
daraufhin durch einen offiziellen Erlass die' Gueltigkeit des
erloschenen Vertrags um weitere 2\ Jahre verlaengert. Der neue
Vertrag enthaelt nur wenige Abaenderungen, die vornehmlich wirtschaftlicher Art sind. Der Erlass bezieht sich auf Arbeitnehmer
im Tagelohn und Monatsgehalt. Ausgenommen sind ungefaehr 1.000
Arbeiter der Handelsmarine, die zur See fahren, (ihr Tarifvertrag
ist im Mal 1951 abgelaufen) sowie Arbeltsvorgesetzte, die mit
entsprechenden Aufbesserungen durch freiwillige Betriebsvereinbarungen rechnen koennen. Unter Einbeziehung des Abkommens fuer
die Arbeiter der Handelsmarine rechnet man damit, dass sich die
verlaengerten Vertraege auf insgesamt etwa 45.000 Arbeiter erstrecken werden.
Der Erlass der Regierung wird eine durchschnittliche Erhoehung der Jaehrlichen Realloehne der Erdoelarbeiter um
schaetzungsweise 16 % zur Folge haben. Zu den grundsaetzlichen
Veraenderungen gehoeren Bestimmungen ueber Lohnerhoehungen in
Iioehe von 2 - 5 Bolivar taeglich, eine Erhoehung des Mindestlohntarifs von 14 auf 16 Bolivar pro Tag, hoehere.Mietzuschuesse,
hoehere Mutterschaftsunterstuetzungen und erhoehte Urlaubszuschuesse. Die Gueltigkeit der Bestimmungen, nach der Gewerkschaftsdelegierte fuer Gewerkschaftskongresse Anspruch auf eine
15-taegige bezahlte Beurlaubung haben, ist auch auf internationale
Konferenzen ausgedehnt worden. Viele Arbeiterunterstuetzunsen,
die zuvor von den Unternehmern freiwillig gezahlt worden sind,
- 13

�erklaert jetzt das Gesetz als obligatorisch. Die Unkosten,
die der Industrie aus den Lohnerhoehungen und den hoeheren
Unterstuetzungen erwachsen, werden sich schaetzungsweise auf
jaehrlich ueber 100 Millionen Bolivar (etwa 120 Millionen DM)
belaufen, wie Vertreter der Krdoelgesellschaften erklaerten.
In der aufbluehenden Elsenerzindustrie Venezuelas wurde
im Mai 1951 ein dreijaehriger Tarifvertrag zwischen einem
Zweigbetrieb der riesigen U S Stahlgesellschaft "Bethlehem
Steel Corporation" und einer Ortsgewerkschaft der Arbeiter im
Elsenerzbergbau unterzeichnet. In Gewerkschaftskreisen gilt
dieser Vertrag als fortschrittlich. Die Verhandlungen, die in
Gegenwart von Arbeitsinspektoren der Regierung durchgefuehrt
wurden, verliefen friedlich. 53 der 56 Forderungen der Gewerkschaften wurden in den Vertrag aufgenommen und unter anderem
auch eine allgemeine Erhoehung der Tagesloehne um 3,4 Bolivar
gebilligt. Der Vertrag kann nach 18 Monaten gekuendigt und
neue Verhandlungen ueber Loehne und Mietzuschuesse koennen wieder
aufgenommen werden.
Notes on Labor Abroad
51/5

Mark Starr:
AKTIVER HUMANISMUS IN DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG.
Mark Starr, der heute der Leiter der Schulungsabteilung
der all-amerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ist, begann seine Laufbahn als Bergarbeiter in England.
Heute leitet er in der genannten Gewerkschaft die gesamte
Schulungsarbeit, sowie die Abendkurse und die Erholungsaktionen
seit dem Jahre 1935. Er ist in erster Linie bestrebt, der
Oeffentlichkeit zu zeigen, wie eine Gewerkschaft arbeitet, und
dass ihr Platz in einer industrialisierten demokratischen Gesellschaft von lebenswichtiger Bedeutung ist. Waehrend der
vergangenen Jahre hat Mark Starr zahlreiche Veroeffentlichungen
durch seine Beitraege bereichert, u.a. "Labor and Nation",
"The Educational Forum", "The Survey" und "Teachers College
Record".
Weil die Gewerkschaften in ihre Arbeit alle Maenner und
Frauen einschliessen, die ihre Arbeitskraft fuer einen Lohn oder
ein Gehalt einem Unternehmer zur Verfuegung stellen, koennen sie
Anspruch darauf erheben, eine so weite Basis zu haben wie der
aktive Humanismus selbst. Eine kleine Minderzahl der Gewerkschaften ist mitunter nicht ganz mit diesem Ideal der proletarischen Solidaritaet einverstanden, aber die Praxis der Gewerkschaftsbewegung vereinigt zu ihrem eigenen Fortschritt Maenner
und Frauen ohne jeden Unterschied In bezug auf Geschlecht, Rasse
oder Glauben.
Eine andere haeufig nicht bemerkte Verbindung zwischen der
Humanitaetsbewegung und den organisierten Gewerkschaften ist der
bedeutende Beitrag, den die organisierte Arbeiterschaft im
letzten Jahrhundert erbracht hat, um zur, Wohlfahrt der Allgemeinheit beizutragen. Sicher sind die Gewerkschaften ebenso ureigene amerikanische Errungenschaften wie heisse Wuerstchen oder
Kuerbispasteten. Eine der ersten Versammlungen der Grünaungsvaeter der Gewerkschaften wurde in der Halle der Zimmerleute in
Philadelphia abgehalten, lange bevor die Handelskammer und die
Nationale Vereinigung der Fabrikanten existierten und ueberhaupt
14

�jene Gebaeude geschaffen wurden, die fuer diese Vorhaben geeignet waren. Es ist allgemein bekannt, dass Horace Mann in
seinem Kampf fuer eine durch Steuermittel unterstuetzte
oeffentliche Erziehung keinen staerkeren und bestaendigeren
Verbuendeten als die organisierte Gewerkschaftsbewegung hatte.
Was die Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kreuzzug fuer die
Humanitaet und gegen die "Schwitzbuden" getan hat, wie sie
den traditionellen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang
waehrenden Arbeitstag beseitigt hat, kann nur durch ein
wirkliches soziales Verantwortungsbewusstsein erfasst werden.
Heute leben die Menschen laenger, es gibt viel weniger Elendshoehlen als damals, heute geht fast jedes Kind zur Schule,
unsere Bevoelkerung befindet sich in einem guten Gesundheitszustand - all dies ist in erster Linie erreicht worden, well
die Gewerkschaften die Basis fuer die Organisation jener Menschen waren, die fuer ein wirkliches Leben arbeiteten und fuer
ein anstaendiges Wohnen kaempften, die sich fuer soziale Sicherheit, hoehere Loehne und kuerzere Arbeitszeit einsetzten, im
Gegensatz zu jenen Hochgeborenen und geschaeftstuechtigen Superklugen, die diese Forderungen mit allen Mitteln bekaempfen ebenso wie heute die Amerikanische Medizinische Gesellschaft die
obligatorische Gesundheitsversicherung bekaempft.
Heute wird mit groesstem Nachdruck danach gestrebt, neue
und bessere Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
einzufuehren. Natuerlich ist bei einer Beruecksichtigung
humanistischer Ideale festzustellen, dass ein patriarchalischer
Zustand in den augenblicklichen Wechselbeziehungen unmoeglich
ist, weil die moderne Industrie auf einer weiten Basis aufgebaut Ist, in der die Beziehungen zwischen den Eigentuemern einer
Gesellschaft und den Arbeitern und Angestellten voellig unpersoenlich geworden sind. Aus dem gleichen Grund kann der Arbeiter
nicht staendig wie ein Kind behandelt werden. Die ganze Geschichte
der alten diktatorischen Methoden in den industriellen Beziehungen
zeigt auch, wie unsinnig und wirkungslos diese Haltung gewesen
Ist. Wenn der Oberste Gerichtshof der USA die Gesetzmaessigkeit
der Wapnerakte bestaetigt hat, so stellt er damit ein Einverstaendnis der Oeffentllchkeit mit den Tarifvereinbarungsgrundsaetzen als den wirksamsten Weg fest, um die industriellen Beziehungen weiter zu tragen.
Gewiss bereichern die Gewerkschaften die Ideale der Demokratie,
indem sie ueberall dort taetig sind, wo das Leben ihrer Mitglieder
beeinflusst wird. Sie fordern deshalb ein staerkeres Wort in
den industriellen Beziehungen. Die Gewerkschaften legen daher
nicht den groessten Nachdruck auf das Wort Eigentum, sondern auf
das Wort Volk. Die Gewerkschaften druecken damit die Meinung
ihrer Mitgliedschaft aus, zu denen Maenner und Frauen gehoeren,
die fuer ihren Lebensinhalt zu arbeiten haben. Sie geben damit
auf der anderen Seite dem alleinstehenden einzelnen Arbeiter ein
Gefuehl der Staerke und der Zusammengehoerigkeit.
In Grossbritannien, wo einige Grundstoffindustrien der Allgemeinheit gehoeren und von ihr geleitet werden, haben die Gewerkschaften neue Funktionen erhalten. Sie bemuehen sich heute
vor allem in der gemeinsamen Beratung der Probleme in den
Betriebskoerperschaften, sie muehen sich jetzt um eine Loesung
jener Probleme, die durch das System der Anrelzloehne und eine
erhoehte Produktivitaet geschaffen werden, zumal sie glauben,
dass dadurch der Lebensstandard in der heutigen Gemeinschaft verbessert werden kann. In der westdeutschen Bundesrepublik hat
-^ie Gewerkschaft jetzt das Recht der Mitbestimmung erhalten, sie
kontrolliert damit bis zu einem gewissen Grade die Industrie und
- 15 -

�sieht sich zugleich dem Problem gegenueber, ihre Funktionaere
und Mitglieder so zu schulen, dass sie in dem Bereich der
komplizierten technischen Fragen dazu instande sind, ihr Wissen
ueber Loehne, Arbeitszeit, Gewerkschaften und Arbeitsbedingungen
so zu vervollstaendlgen, dass sie wirklich mitsprechen und mit
entscheiden koennen.
Der Kampf, den die freien Gewerkschaften in der gesamten
Welt fuehren, und in dem die AFL und der CIO eine hervorragende
Rolle gespielt haben, darf neben allem anderen nicht vergessen
werden. Zu oft haben die Voelker auf dem Schlachtfeld Siege
errungen und diese auf den Reisfeldern verloren. Weit wirksamer
als die Stimme Amerikas und alle Informationen und Propagandadienste der staatlichen Stellen sind die Bemuehungen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der die Arbeiter Im
Morgen- und Abendland unterstuetzt, sich selbst zu helfen, indem
freie Gewerkschaften gegruendet werden. Aus diesem wie auch aus
anderen* Gruenden sollte es ein groesseres Verstaendnls und eine
bessere Wuerdigung dieser Leistungen geben, damit sich die Anhaenger der aktiven humanistischen Bewegung und der Gewerkschaften
gegenseitig unterstuetzen, um weitere Fortschritte zu erzielen.
The Humanist
1951

EINFUHRZOELLE BEBINTRABCHTTOEN STEIGERUNG DER PRODUKT! VIT ABT.

In einem Schreiben, das am 26. September in der franzoesischen Zeitung "Le Monde" veroeffentlicht wurde, beschwert sich
Andre Manuel darueber, dass von der franzoesischen Regierung eingefuehrte Zoelle auf importierte Maschinen aus den Vereinigten
Staaten die Entwicklung wirksamer Produktionsmethoden In der
franzoesischen Textilindustrie stark beeintraechtigen. In dem
Schreiben helsst es:
"In den ersten beiden Jahren des Marshallplans hatte die
franzoesische Textilindustrie die Moeglichkeit, amerikanische
Maschinen einzukaufen, die sie mit den 10 % bezahlte, die das
Waehrungsamt aus ihren Exporten nach Laendern mit harter Waehrung
fuer sie reserviert hatte. Die franzoesische Regierung gab dem
Druck des Finanzministeriums und des Praesidenten des Verbandes
kleiner und mittlerer Maschinenhersteller nach und fuehrte einen
Zoll ein, durch den die Importe von Textilmaschinen aus den
Vereinigten Staaten unter Berechnung der bereits bestehenden
Steuern mit rund 40 % belastet wurden. Durch diese Massnahme
sind die 700.000 Textilarbeiter des Landes gezwungen, unter
schlechten Bedingungen zu produzieren, weil sie, wenn sie ihre
Produktivitaet erhoehen wollen, moderne Maschinen brauchen.
Daily Productivity Bulletin
IX/27/51

16 -

KICOC 5 Oct 31 1.634' i M

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 41

F r a n k f u r t , 12. Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Gewerkschaftsbewegung in Kenia

1

Die Sprache der Gewerkschaftsbewegung

5

Die kleinen Nationen auf der Friedenskonferenz in San Franzisko

7

Das Weltfriedensprogramm des CIO

11

Die Geschichte eines hollaendischen Arbeitersl3

DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN KENIA
Die Entwicklung einer starken Gewerkschaftsbewegung wurde
in Kenia durch den niedrigen Kulturstand und durch die schwierigen Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes
erschwert. Die Lage ist weit schwieriger als in den englischen Kolonien Westafrikas, weil es in Kenia asiatische und
weisse Ansiedler gibt. Das Hochland von Kenia ist eine der
wenigen Gebiete Afrikas, dessen Klima fuer europaeische Ansiedler ertraeglioh ist. Die Politik der ortsansaessigen Behoerden war darauf ausgerichtet, weisse Ansiedler anzuwerben
und im Lande zu halten, weil dieses Land Kapital, Facharbeiter und tuechtige Unternehmer braucht. Durch den Fortschritt
auf dem Wege zur politischen Selbstbestimmung und zur Befreiung von den Kontrollen, die von Whitehall ausgeuebt wurden,

1

�ist es jedoch zwischen dem Wunsch der Europaeer nach ihrer
Vorherrschaft auf der einen Seite und den politischen Ambitionen der Afrikaner und Asiaten auf der anderen zu Konflikten gekommen.
Kurz nach dem zweiten V/eltkrieg wurde das Arbeitsministerium Kenias umorganisiert und erweitert. Die hoechsten
Stellungen im Ministerium wurden von Persoenlichkeiten aus
dem britischen Kolonialamt und dem britischen Arbeitsministerium besetzt, die seitdem versucht haben, eine verantwortungsbewusste Gewerkschaftsbewegung aehnlich der in Grossbritannien zu entwickeln. Die Gesetze ueber gewerkschaftliche
Funktionen wurden im November 1949 revidiert, um dieses
Programm zu erleichtern. Auch andere Arbeitsgesetze wurden
einer Revision unterzogen.
Die Knappheit an Ackerland Ist das Hauptproblem in
Kenia. Grosse Gebiete wurden fuer die Ansiedlung von Weissen
und andere gesondert fuer Eingeborene bereitgestellt. Die
Entwicklung des Landes nach europaeischen Masstaeben war
kostspielig und langwierig. Das Land genuegte nicht, um
durch Anwendung der uebllchen landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden den Lebensunterhalt fuer die sich staendig vergroessernde Eingeborenenbevoelkerung zu sichern. Die Eingeborenen Hessen sich nur unwillig in die fuer sie bestimmten
Gebiete umsiedeln. Ein grosser Teil der Eingeborenenbevoelkerung blieb in dem Siedlungsgebiet der Weissen, wo sie als
Landarbeiter ihr Brot verdienten, aber durch den Versuch der
weissen Farmer, die Zahl dieser "Fremden" zu reduzieren, kam
es laufend zu Unstimmigkeiten.
Die Zunahme der Bevoelkerungsziffer und der Wunsch,
Viehbesitz zu erwerben, hat viele Afrikaner gezwungen, sich
nach einem Erwerb umzusehen. Ein paar Monate Arbeit waehrend
des Jahres reichen fuer den Eingeborenen jedoch aus, um
seine Kopfsteuern zu zahlen, und um die wenigen Waren zu
kaufen, die er unbedingt fuer seinen Lebensunterhalt braucht.
Auf Grund des //ohnraummangels und des Zugehoerigkeitsgefuehls
des Kenia-Volkes zu Land und Stamm kehrt der üfrikaner, der
in den Staedten eine Beschaeftigung in der Industrie gesucht
hat, bald wieder heim. Die Arbeitslosigkeit ist deshalb gering, die Nachfrage nach Arbeitskraeften uebertrifft das Angebot. Facharbeiter, meistens Asiaten, sind aeusserst knapp.
Die afrikanische Bevoelkerung, die zum grossen Teil nicht
lesen und nicht schreiben kann, deren Gesundheitszustand haeufig zu wuenschen uebrig laesst, kann als Arbeitskraeftereservoir weder die Industrie noch die Landwirtschaft befriedigen.
Die Unternehmer verpflegen und beherbergen meistens ihre
afrikanischen Arbeiter, die Loehrie in bar sind daher sehr
niedrig. Durch stark ansteigende Preise nach dem Kriege
wurden auch die Loehne erhoeht, eiber solange es nicht zu
einer Erhoehung der Barloehne kommt, bleibt diese Aenderung
fuer den Afrikaner unbefriedigend.
Alle diese Schwierigkeiten sind durch die Bemuehungen
um die Foerderung des wirtschaftlichen Niveaus noch vermehrt
worden. Durch die Einfuehrung hoher Schutzzoelle, durch
die die minder wichtigen Industrien des Landes gefoerdert
werden sollen, hat Kenia die Einfuhr benoetigter Verbrauchsgueter, die die eigene Industrie noch nicht in genuegender Menge
herstellen kann, erschwert. Die Steuereinkuenfte des Landes
- 2

�reichen nicht aus, um selbst fuer die wenigen Europaeer moderne Programme der Erziehung und der Sozialfragen finanzieren zu koennen. Fuer die Eingeborenen ist aber in dieser
Richtung nur wenig getan worden.
Die Gesetzgebung Kenias sieht, wie in anderen britischen Kolonien, die Registrierung der Gewerkschaften und
die Beilegung industrieller Streitigkeiten vor. Weil sich
der Afrikaner jedoch eher als Angehoeriger eines Stammes
denn als regulaerer Lohnverdiener fuehlt, ist es in Industriebetrieben nur in wenigen Faellen zurspontanen gemeinsamen Aktion gekommen.
1949 waren, wie die nachstehende Tabelle zeigt, acht
Gewerkschaften eingetragen. Nur vier von ihnen werden vom
Arbeitsministerium als aktiv oder "leistungsfaehig" angesehen.
Datum der Eintragung

Name der Gewerkschaft

30. Sept. 1937

Gewerkschaftsbund
Ostafrikas
Ostafrikanische Gewerkschaft fuer asiatische Arbeiter
Druckergewerkschaft von
Kenia
Gewerkschaft asiatischer
Beamte in Kenia
Gewerkschaft asiatischer
Eisenbahner in Kenia
und Uganda
Transportarbeitergewerkschaft
Schneider- u. Bekleidungsarbeitergewerkschaft
Schuhmachergewerkschaft

5. April 1941
5. Sept. 1946
21. April 1947
21. April 1947
30. Juli

1946

10. Juli

1948

10. Dezember 1948

Angegebene
Mitgliederzahl
2,426
64
44 Afrikaner
204 Asiaten
1,350
1,608
2,564
569
351

Die Organisatoren der Gewerkschaften waren im allgemeinen Europaeer oder Asiaten. Der erste afrikanische Gewerkschaf tsfuehrer, der zum Studium nach Grossbritannien
geschickt wurde, war Meschack Okelo Ndisi, der Generalsekretaer der Transportarb3itergewerkschaft.
Die Gewerkschaftsbeauftragten der drei britischen Territorien in Ostafrika (Kenia, Tanganjika und Uganda) haben versucht, durch Anordnungen und Anleitungen der Regierung die
stabilen und verantwortungsbewussten Gewerkschaften zu foerdern, die beitragzahlende Mitglieder haben und aufrichtige
Funktionaere, die sich der Mitgliedschaft gegenueber verantwortlich fuehlen. Viele Organisationen, die aktiv waren und
sich Anhaenger unter den Afrikanern erworben haben, erfuellen
jedoch nicht diese Bedingungen. Beamte des Arbeitsministeriums Kenias und die Arbeitsberater im britischen Kolonialamt, die Ostafrika besucht haben, sind der Auffassung, dass
die kommunistischen Fuehrer die Eingeborenen durch einen
vergeblichen und kostspieligen politischen Streik irregefuehrt,
die Arbeit anerkannter Gewerkschaften behindert, die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gestoert und die
- 3-

�Gewerkschaften vor der Oeffentlichkeit in Misskredit gebracht haben, Ein Ostindier namens Makhan Singh, von dem
bekannt ist, dass er mit dem kommunistischen Weltgewerkschaftsbund in Verbindung steht, war in Kenia aeusserst
aktiv und hatte bei der Organisation von Streiks und Demonstrationen afrikanischer Arbeiter in der Industrie, Regierungsbetrieben und den Plantagen in den Jahren von 1948 bis1
1950 ziemliche Erfolge.
Auf ihrer Konferenz im November 1949 wurden sich die
drei Arbeitsbeauftragten darueber einig, dass eine Gesetzgebung erforderlich ist, die Arbeitsunterbrechungen in wichtigen Industriezweigen regelt. Ferner muss eine gewerkschaftliche Organisation von ihren Mitgliedern regelmaessig
Beitraege einziehen, wenn sie als legale Gewerkschaft registriert werden soll. Ss muessen einfachere Organisationsformen angestrebt werden, als man sie bisher in den eingetragenen Gewerkschaften kennt. Diese Organisationen muessen
gesetzliche Bedingungen erfuellen und auf Ersuchen ihre
Konten und Geschaeftsbuecher ueberpruefen lassen. Es muss
moeglich sein, Gewerkschaften zu verbieten, die sich eines
Vergehens schuldig gemacht haben. Schliesslich muessen
Gewerkschaftsfunktionaere in ihrem Beruf oder in der Industrie als Arbeitnehmer beschaeftigt sein, also an Plaetzen,
fuer die die betreffende Gewerkschaft zustaendig ist. Die
Verordnungen ueber Gewerkschaften, die 1937 erlassen und
1943 erneut fuer gueltig erklaert wurden, sind gemaess diesen Beschluessen im November 1949 revidiert worden.
Die ürbeitsbeauftragten beguenstigen ausserdem die
Durchfuehrung von Tarifverhandlungen durch dreiseitige Mindestlohnausschuesse, die fuer bestimmte Industrien und
Berufe nach dem Vorbild der englischen Lohnausschuesse gebildet wurden. Seit einigen Jahren ist in Kenia eine Verordnung ueber I^indestloehne in Kraft, und verschiedene Ausschuesse haben Empfehlungen eingereicht, die fuer die Verordnungen ueber Mindestloehne als Grundlage dienten. Man
erwaegt zur Zeit eine Revision dieser Vorschriften, um den
Ausschuessen weitgehendere Befugnisse zu verleihen, wie zum
Beisoiel jene, die im englischen Gesetz fuer Lohnausschuesse
aus dem Jahre 1945 enthalten sind.
Radikale Elemente in Kenia haben die Bemuehungen der
Regierung, die Gewerkschaften zu unterstuetzen, so ausgelegt,
als wollte man sie zu Dienern der Europaeer, der Unternehmer und der Regierung erniedrigen. Sie kritisieren die Bemuehungen der Behoerden, gewerkschaftliche Organisationen
zu registrieren, hierbei handelt es sich vor allem um den
ostafrikanischen Gewerkschaftskongress, der unter der Fuehrung seines Sekretaers Makhan Singh und des Vorsitzenden
Frederick Kubai im Mai 1949 gegruendet worden war.
Das Arbeitsministerium ist bestrebt, in seinen Berichten zu zeigen, dass Arbeitergruppen, die die Gewerkschaftsbeauftragten des L'inisteriums zu Rate gezogen und mit seiner
Hilfe Beschwerdeverfahren gefuehrt haben, Verbesserungen erzielen konnten, und dass auf der anderen Seite Arbeiter,
die planlos gestreikt haben, ihren Streik und darueber hinaus ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Notes on Labor Abroad
V/51
4 -

�DIE SPRACHE DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung benimmt sich
so, als waere sie noch eine schwache Minderheit. Man
koennte meinen, sie fuehle sich einer zuernenden Unternehmerklasse gegenueber politisch hilflos, als waere ihr
eigener Lebensstandard staendig neuen Angriffen ausgesetzt, und als waere ihre unmassgebliche Stimme die
Einzige, die das Interesse der Nation gegen die Profitgier von Sonderinteressen verteidigt."
Diese Worte stammen von Daniel Bell, dem füer Gewerksohaftsfragen verantwortlichen Redakteur des "Fortune Magazins". Bell
fuegt jedoch sofort hinzu, dass in dieser Darstellung offensichtlich etwas falsoh ist, denn auch zu anderer Zeit sind
sich Gewerkschaftsfuehrer darueber im klaren, dass sie in den
Vereinigten Staaten 15 Millionen Mitglieder haben. Die
"Union-shop"-Vereinbarungen sind in zahlreichen Industrien
zur Selbstverstaendlichkeit geworden. Fast jede groessere
Industrie ist 'gewerkschaftlich organisiert, die Lohn- und
Arbeitsbedingungen sind wesentlich verbessert worden. Tausende von Gewerkschaftern sind in den Aufsichtsraeten kommunaler Betreuungsorganisationen und aehnlicher Einrichtungen
taetig. Verglichen mit den dreissiger Jahren haben die
Streiks an Bedeutung verloren, die Kampfmethoden sind weniger hart geworden. Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionaere sind
in Marshallplan-Missionen und als Sozialattaches in amerikanischen Botschaften im Ausland fuer Amerika taetig. Die Gewerkschaftsbewegung ist zu wirklicher Macht gekommen». Und
sie ist sich dieser Tatsache voll bewusst.
Bell bemerkt hierzu: "Die amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaere bedienen sich nur selten oder ueberhaupt nicht
einer gegen das Kapital gerichteten Propaganda, wenn sie
europaeischen und asiatischen Arbeitern von Amerika erzaehlen.
Eine Aufgabe uebrigens, der sie sich mit grosser Energie und
grossem Geschick widmen. Mit grossem Stolz hat die Gewerkschaftsbewegung auf ihre eigene maechtige Stellung im amerikanischen Leben als einen Beweis fuer die Vitalitaet des demokratischen Systems hingewiesen. Durch die ECA und ihr technisches Uhterstuetzungsprogramm hat die amerikanische Arbeiterschaft den europaeischen Gewerkschaften gezeigt, wie durch
gesteigerte Produktiv!taet der Lebensstandard der Arbeiter
verbessert werden kann."
Bell zitierte Marx Lewis, einen Sekretaer der Hutmachergewerksohaft der AFL und einen frueheren Fuehrer der Sozialistischen Partei, der auf seinem Weg nach Europa zu einem
Gewerkschaftsdelegierten sagte:
"Amerika ist nicht mehr das kapitalistische Ungeheuer,
und Sie koennen mit gutem Gewissen vor Europaeern von uns
als der besten Hoffnung auf eine wirkliche industrielle Demokratie sprechen."
Radio Moskau hat versucht, aus einem offensichtlichen
Paradoxon Kapital zu schlagen. Er hat in haemischer Schadenfreude auf die Kritik hingewiesen, die von der Geschaeftswelt
oder der Regierung an der Gewerkschaftsbewegung geuebt wird,
waehrend zu gleicher Zeit die amerikanische Gewerkschaftsbewegung als Werkzeug der "Wall Street" bezeichnet wurde. Was
- 5 -

�die Kommunisten absichtlich uebersehen, ist das Wesen des
demokratischen Staatssystems. Sie sind so daran gewoehnt,
die Befehle ihres Diktators auszufuehren, dass sie es sich
nicht vorstellen koennen, dass die Arbeiterschaft voellig
frei Kritik ueben kann. Das Geben und Nehmen des Tarifverhandlungswesens und demokratischer Kompromisse sind ihrer
Gedankenwelt voellig fremd. Amerikanische Arbeiter betaetigen sich im Rahmen einer demokratischen Staatsordnung aktiv und unabhaengig - einer Staatsordnung, die nicht nur
die Rechte der Mehrheit garantiert, sondern auch der Minderheit die Freiheit laesst, danach zu streben, eine Mehrheit
zu werden.
Trotzdem ist es eine Tatsache, dass amerikanische Gewerkschafter weit mehr Kritik ueben, wenn sie in ihrem eigenen
Lande sprechen, als wenn sie zu Auslaendern im Ausland sprechen. Und warum dieser Unterschied? Bell zitiert einen
Gewerkschaftsfunktionaer, der die folgende treffende Beobachtung machte:
"Zu seiner Frau spricht man in einer bestimmten Weise,
aber von ihr spricht man in einer anderen."
Dies ist natuerlich nicht die einzige Erklaerung fuer
dieses Paradoxon. Bell nennt noch eine Reihe anderer Gruende. Er erinnerte uns daran, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung eine langjaehrige Tradition hat. Fuer Samuel Gompers, den Gruender der AFL, waren die Ziele der Gewerkschaften auf hoehere Loehne, kuerzere Arbeitszeit und bessere
Arbeitsbedingungen beschraenkt und umfassten weniger das sozialistische Ziel, eine gerneinnuetzige Organisation zu sein.
Gompers' Ziel ist mit dem einen V/ort "Mehr" zusammenzufassen.
"Aber," sagt Bell, "wenn man Macht teilen will, dann muss
man notgedrungen auch die Art und Weise aendern, in der sie
ausgeuebt wird. Diese Dynamik, die noch immer innerhalb der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegungen blueht, bedeutet fuer
die Unternehmer eine ununterbrochene Herausforderung und ist
zum grossen Teil fuer den Verdacht verantwortlich, Gewerkschaften seien eine radikale Macht. Die einfache GompersPhilosophie des "Mehr", das von den Unternehmern gefordert
wird, hat bei der Schaffung des amerikanischen Lebensstandards eine wesentliche Rolle gespielt."
Bell stellt ausserdem fest, dass die Satzungen der AFL
und vieler alter Gewerkschaften marxistische Forderungen enthalten, die bereits 1886 aufgenommen und inzwischen niemals
abgeaendert wurden.
In den Tagen, in denen die Gewerkschaften durch Werbeaktionen staendig groesser wurden, kam es zu schweren Kaempfen
zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern. Bell bemerkt dazu: "Gewalt hinterlaesst im Gedaechtnis der Menschen
Spuren, die durch die Zeit niemals ganz ausgeloescht werden.
Viele Frauen der Gewerkschaftsfuehrer, wie zum Beisniel May
Reuther, erinnern sich noch sehr gut daran, wie ihre Maenner
blutueberstroemt und geschlagen von der Streikpostenkette zurueckkamen." Oder "Die Sprache des V.erbestreiks ist agitatorisch. Die Gemueter der Menschen muessen erregt, Beschwerden und Unzufriedenheit uebertrieben und die Betriebsleiter
und Unternehmer als leibhaftige Teufel hinbestellt werden."
Ein anderer Aspekt dieses Problems ist Bell zufolge der
Wunsch nach Schlagzeilen in der Presse. So berichtete zum
- 6 -

�Beispiel ein Redakteur des CIO: "Als der Rechtsberater des
CIO Arthur Goldberg eine Pressekonferenz gab und eine berechtigte Erklaerung abgab, in der er ein breitgetretenes
Geruecht ueber die Stellungnahme der Gewerkschaft zu Lohnstreitigkeitsproblemen dementierte, wurde seine Erklaerung
von der Presse ignoriert. Als Jim Carey in der folgenden
Woche ein Gutachten ueber das Gesetz fuer Verteidigungsproduktion abgab, wurde die Sache im ganzen Lande populaer,
und das Lohn- und Preisproblem wurde dramatisiert.
Noch eine andere ungeloeste Frage in diesem politischen
Bilderraetsel ist die Tendenz der Gewerkschaften, irgendeine Erklaerung der Nationalen Arbeitgebervereinigung als
den Standpunkt des gesamten Kapitals auszulegen. Gleichzeitig bezeichnen die Sprecher der Unternehmerschaft die Gewerkschaftsbewegung als eine Einheit und erwaehnen dabei nicht
die verschiedenen Meinungsrichtungen der Gewerkschaften. AI
Heyes, der Vorsitzende der Mechanikergewerkschaft bemerkte
hierzu:
"In Verhandlungen und in Ausschuessen der Regierung kommen wir mit den Unternehmern gut ueberein. Der Bestand des
TarifVerhandlungswesens ist gesichert, und man ist sich ueber
die Notwendigkeit einig, einen hohen Lebensstandard beizubehalten. Wenn jedoch manchmal Gewerkschaften und Unternehmer
als Einzelorganisationen aufeinanderstossen, 'wie zum Beispiel
die Mechanikergewerkschaft und die Handelskammer, oder der
CIO und die AFL, dann aendert sich das Bild voellig."
Wenn der Ton auch verschieden ist, in dem die Verhandlungen gefuehrt werden, so sind sich doch Gewerkschaften und
Unternehmer dessen bewusst, dass sie voneinander abhaengig
sind. Und wenn sie sich gegenseitig kritisieren, dann heisst
das nicht, dass sie unversoehnliche Feinde sind. Sie sind
Verhandlungspartner in dem staendigen Geben und Nehmen von
Ideen und Einfluessen, die Wesensmerkmale der demokratischen
Lebensweise sind. Waehrend Gewerkschaften und Unternehmer
energisch das verteidigen, was sie als ihre legitimen Rechte
ansehen, dann sind sie sich doch in der Erkenntnis einig, dass
alles getan werden muss, um die Freiheit in der Welt zu erhalten.
Program Services Section
IX/21/51
DIE KLEINEN NATIONEN AUF DER FRIEDENSKONFERENZ IN SAN FRANZISKO
Ein bemerkenswertes Merkmal der Verhandlungen ueber den
japanischen Friedensvertrag war die entschlossene und einheitliche Haltung der kleinen Nationen gegenueber den Versuchen des Sowjetblocks, den Friedensvertrag zu torpedieren.
Ein Ueberblick ueber die Verhandlungen in San Franzisko
zeigt, dass unter den kleinen Maechten nicht nur bei der Abstimmung ueber den Vertrag, sondern auch in ihren Reden voellige
Einigkeit herrschte. Sie gaben klar zu erkennen, dass Russlands Maoht, mit der es die kleinen Nationen unter Druck
setzen wollte, endgueltig geringer geworden ist. Die kleinen
Nationen erklaerten sich fuer die Ziele des Friedensvertrags,
billigten den darin enthaltenen Geist der Versoehnyng, der
Grosszuegigkeit und des Realismus und brachten ihr Vertrauen
- 7

�den Vereinigten Stauten gegenueber zum Ausdruck, die an dem
Abschluss des Friedensvertrages fuehrend beteiligt waren.
Der Vorwurf des Sowjetblocks, der Friedensvertrag sei ein
Ergebnis amerikanischer "Diktatur", wurde von Carl Berendsen
aus Neu-Seeland prompt zurueckgewiesen. Er erklaerte:
"Wir bekennen uns zu dem wohlwollenden Vertrag, den wir unterzeichnet haben, und lassen uns durch die Vorwuerfe der
sowjetischen GrupDe nicht irremachen. Anspielungen auf die
sogenannte "Diktatur" der Vereinigten Staaten lassen uns
unberuehrt. Wir im suedlichen Pazifik sind der Gefahr einer
Diktatur gegenueber besonders empfindlich. Wir kennen Jedoch
die Vereinigten Staaten und haben in diesem Zusammenhang keinerlei Befuerchtungen. Aber wir kennen auch andere, und
es ist die Gefahr der Diktatur dieser anderen, die uns beunruhigt.
Er liess keine Zweifel darueber, dass er damit den kommunistischen Expansionismus im Pazifik meinte. Die sowjetische Delegation unter der Fuehrung Andrej A. Gromykos und
die Delegationen der beiden Satellitenstaaten sind naoh der
Auffassung Berendsens zu dieser Konferenz erschienen, nicht
um Japan zu unterstuetzen oder sich fuer den Frieden einzusetzen, sondern um Unruhe zu stiften.
Der Neu-Seelaender wies darauf hin, dass die Sowjetunion
bereits frueher Gelegenheit hatte, ihre Einwaende geltend zu
machen, dass sie von dieser Koeglichkeit jedoch keinen Gebrauch gemacht hat. Er forderte Russland ausserdem auf, Aufklaerung ueber das Schicksal Hunderttausender japanischer
Kriegsgefangener in Sibirien zu geben. Er schloss seine Rede
mit dem ueberzeugenden Argument: "üinem Land, des durch den
Raub der Mandschurei und die Besetzung der Kurilen soviel
profitiert hat, steht es schlecht an, wenn es die ehrlichen,
aufrichtigen und bescheidenen Versuche der Vereinigten Staaten und anderer Kationen kritisiert, die die schwierigen Probleme loesen moechten, vor die uns ein Friedensvertrag mit
Japan stellt."
Mit geschickter Ironie nahm Percy C. Spender, der Delegierte Australiens, zu einer von der Gruppe Gromykos vorgeschlagenen Abaenderung des Vertragstextes Stellung. Diese
Gruppe hatte gefordert, Japan die Presse-, Religions-, Meinungs- und oeffentliche Versammlungsfreiheit zu gewaehren,
"jedoch nicht jene Freiheit," so sagte Spender, "die Russland
seinem eigenen Volk oder den Voelkern jener Kationen einraeumt,
die seiner unerbittlichen Macht unterworfen sind."
Diese Freiheiten seien in der Praeambel zum Friedensvertrag verankert, doch die kommunistischen Delegierten kuemraerten sich wenig hierum, "weil es ja nicht ihre Aufgabe sei,
an diesem Ort die Wahrheit zu sprechen oder festzustellen, sondern lediglich irrezufuehren."
Im Gegensatz zu den verhaeltnismaessig grosszuegigen Bestimmungen des Vertrages schlug die sowjetische Delegation
strenge Restriktionen gegen Japan vor, was ihr eine scharfe
Antwort des Delegierten aus Ceylon J. H. Jayewardene einbrachte. Er sagte ganz offen, dass derartige Restriktionen,
besonders auf dem Gebiet der Verteidigung, den Friedensvertrag
nicht nur fuer die auf der Konferenz vertretenen Staaten, sondern auch fuer andere, besonders fuer Indien, unakzeptierbar
machen wuerden.
- 8 -

�"Der Grundgedanke, von dem die Voelker Asiens beseelt sind,
ist, dass Japan frei sein muss," fuhr er fort. "Ich fordere,
dass dieser Gedanke ohne Einschraenkung. im Friedensvertrag
verankert wird."
Der Delegierte aus Ceylon erklaerte sein Einverstaendnis
damit, dass kleinen Nationen das Recht gegeben wird, an der
Ausarbeitung des Friedensvertrages mitzuwirken, was unmoeglich
gewesen waere, wenn man den Vorschlag der Sowjetunion befolgt
und den Entwurf des Vertrags den vier Grossmaechten China,
Grossbritannien, Russland und den Vereinigten Staaten ueberlassen haette. Auch Dr. Charles Malik, der Delegierte des Libanon, unterstrich die Bedeutung der Tatsache, dass kleine
Nationen an der Ausarbeitung des Friedensvertrages teilnehmen
durften. "Mein Land ist eines der kleinsten, die hier vertreten sind, und unsere Verteidigungsbemuehunge/i- sind im Vergleich zu denen der Grossmaechte und selbst der Laender mitt**
lerer Groesse praktisch unbedeutend. Wenn wir der Einladung
der Vereinigten Staaten gefolgt und heute hier vertreten sind,
so wollen wir damit lediglich die moralische Solidaritaet der
Menschheit bekunden, die in diesem Zeitalter der Vereinten
Nationen international anerkannt wird. Solange der Kleine
die Gewissheit hat und in dieser Gewissheit bestaerkt wird,
dass er trotz seiner materiellen Unbedeutenheit mit dazu gehoert, besteht eine Hoffnung auf Frieden in der Welt. Denn
nichts ist mehr dazu angetan, jenes Gefuehl der Ungerechtigkeit zu naehren, das frueher oder spaeter zu Krieg und Empoerung fuehren wird, als das Gefuehl, willkuerlich aus einer
Gemeinschaft ausgestossen zu sein. Gleichgueltig, was auch
die Materialisten denken moegen: Nichts ist willkuerlicher
und ruecksichtsloser, als Menschen und Nationen nach dem Umfang ihrer Macht und ihrer materiellen Liittel zu beurteilen."
Die Tapferkeit, mit der die kleinen Nationen hier ihren
Standpunkt vertreten haben, gewinnt besonders angesichts der
Tatsache an Bedeutung, dass der drohende Schatten des Kommunismus ueber einigen dieser Laender schwebt.
Kronprinz Savang aus dem Koenigreich Laos lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhoerer auf die Lage seines Landes, das an
das kommunistische China grenzt. "Trotz Krieg und Leiden ist
dieses Land frei und demokratisch geblieben, und aufgrund seiner geographischen Lage steht Laos noch immer im Schatten der
Kriegsgefaehr. Aus diesem Grund wuenscht es, dass der Kriegszustand mit Japan beendet werden moege. Die Delegation aus
Laos ist gewiss, dass der Abschluss eines Friedensvertrages
in San Franzisko sehr viel Gutes bewirken wird, indem er in
die Kerzen der Menschen wieder freundschaftliche Gefuehle säet."
Die Erklaerungen und Stimmen der kleinen Nationen waren
keine automatischen von vornherein feststehende Billigungen
des Friedensvertrages, denn die meisten von ihnen brachten
zahlreiche ernsthafte Bedenken zum Ausdruck. Trotzdem waren
sie bereit, diese Unstimmigkeiten zu ueberwinden, die im Grunde
genommen nicht ernstlicher Natur waren und die Hauptziele der
Konferenzen nicht bedrohten.
Der Delegierte aus Pakistan M. Zafrulh Khan sagte,dass sein
Land es gern gesehen haette, dass China an der Konferenz teilnehmen wuerde, er bedaure auch die Abwesenheit Indiens und
Burmas. Es sei jedoch eine Genugtuung festzustellen, dass
die asiatischen Laender auf dieser Konferenz vertreten sind
una mehr als ein Viertel aller in San Franzisko versammelten
Nationen ausmachten.
- 9 -

�Viele von ihnen haetten durch Japan grosse Verluste an
Menschenleben und Eigentum erlitten. Sie begruessten jedoch
die Freizuegigkeit des Vertrages, der einen gerechten Frieden ermoegliche. Uebermaessige Restriktionen gegen Japan
wuerden auch ihren eigenen Zwecken nicht dienlich sein. Waehrend der Sowjetblock behauptete, der Friedensvertrag sei ein
Schritt zu einem neuen Krieg im Pazifik, erklaerte der Delegierte aus Pakistan: "Wir sind uns darueber einig, dass es
ein guter Friedensvertrag ist, obwohl er einige Maengel hat.
Er birgt nach unserer Auffassung nicht die Saat eines neuen
Krieges in sich. Er hat wirklich den Zweck, den Frieden wieder herzustellen. Es ist der Beginn eines neuen Abschnitts
in den Beziehungen zwischen Ost und West, wie sie in den
letzten Jahrhunderten bestanden haben, und wir begruessen
ihn als den Vorboten einer gluecklichen Zukunft."
Paul Van Zeeland aus Belgien als Delegierter einer anderen kleinen Nation sprach sich anerkennend ueber den aufrichtigen Friedensgeist aus, der in dem Vertrag enthalten ist.
"Wir beglueckwuenschen die grossen Gedanken, die ihn inspirierten. Wir sehen in ihm die Sprache des Friedens, und wir
bringen die Hoffnung zum Ausdruck, dass andere internationale
Massnahmen in dem gleichen Geist der Grosszuegigkeit vollzogen werden, der zugleich Zeugnis ablegt des Realismus und des
Mutes, und der der gesamten Welt einen dauerhaften und gerechten Frieden sichert."
Premierminister Shigeru Yoshida versprach im Namen Japans, dass sein Land mit allen Kraeften dazu beitragen werde,
"die folgenden Generationen vor der Geissei des Krieges zu
bewahren. Wir haben hier Delegierten zugehoert, die uns an
die schrecklichen Leiden und die grossen materiellen Zerstoerungen des letzten Krieges im Pazifik erinnert haben. Mit
dem Gefuehl des Bedauerns erinnern wir uns an die Rolle, die
das alte Japan in diesem katastrophalen menschlichen Ereignis gespielt hat. Ich spreche bewusst von dem alten Japan,
weil aus der Asche des alten Japan ein neues Land entstanden
ist."
"Durch die Leiden und die Zerstoerungen, die der Krieg
ueber Japan selbst gebracht hat, ist unser Volk von jeglichem
Wunsch oder dem Streben nach militaerischen Eroberungen befreit worden."
"Mein Volk hat nun den heissen Wunsch, mit seinen Nachbarn im Fernen Osten und mit der ganzen Welt in Frieden zu
leben und seinen Staat so aufzubauen, dass er allen Buergern
ein besseres Leben ermoeglichen kann." Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich Japan bald den Vereinten Nationen
anschliessen duerfte und schloss mit folgenden Worten: "Wir
wollen unseren Platz unter den Nationen wieder einnehmen, die
sich dem Frieden, der Freiheit, dem Fortschritt und der Gerechtigkeit verschrieben haben, und wir versprechen, dass Jaoan
im Streben nach diesen Zielen seinen vollen Beitrag leisten
wird."
ECA Labor Information
IX/13/51

- 10 -

�DAS WELTFRISDENSPROGRAI"- DES CIO
Manchmal veroeffentlichen Gewerkschaften Beitraege in
der Presse, um waehrend einer Arbeitsstreitigkeit ihren
Standpunkt der Oeffentliohkeit mitzuteilen. Kuerzlich jedoch erschien in der "New York Times" eine volle Seite unter dem Titel "Fuer den Weltfrieden", der von dem CIO-Kongress des Staates New York abgefasst war. Es handelte sich
um eine Resolution, die einstimmig von den Delegierten angenommen war, die eine Million Gewerkschaftsmitglieder in diesem Staate vertreten. Man fragt sich, warum der CIO einen so
ungewoehnlichen Schritt unternommen hat und diesen Beitrag
veroeffentlichte.
Hier ist die Antwort: Der CIO-Kongress des Staates New
xork hat sich dieser Methode bedient, um vor allen Diplomaten, die zur Ratifizierung des japanischen Friedensvertrages
in San FranZisko versammelt sind, zu demonstrieren, dass die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung rueckhaltlos fuer die
Grundsaetze einsteht, die die amerikanische Regierung zum
Ausdruck gebracht hat und deren Grundgedanke ist, dass unsere
'.Veit von der Angst vor einem neuen Krieg befreit werden muss.
Diese Grundsaetze heissen die Unterstuetzung und Verteidigung
der Demokratie auf der ganzen Welt und die Herstellung des
Friedens und des guten Willens zwischen allen Nationen gut.
Nur autokratische Regierungen, die niemals vor den Rachegefuehlen und etwaigen Erhebungen ihrer Voelker sicher sind,
suchen nach Krieg und Aggression, um damit ihre Machtstellung zu sichern. Amerikas Liebe zur Demokratie und zum Frieden stuetzt sich auf ein gesundes Nationalgefuehl und auf
seine Erfahrungen in der Geschichte.
Zur Verwirklichung dieser Grundsaetze muss so schnell
wie meeglich der Demokratie auf der ganzen Welt Kampfstaerke verliehen werden; fest und unnachgiebig muss jeder Aggression und jedem Uebergriff des kommunistischen Imperialismus
entgegengetreten werden. Ein umfassendes Unterstuetzungsprogramm ist einzuleiten., um allen befreundeten Nationen bei
ihren Bemuehungen zu helfen, ihre wirtschaftliche Stellung
zu staerken und den Lebensstandard ihrer Buerger zu verbessern. Der CIO weist daraufhin, dass die kommunistische
Diktatur in Russland allein fuer die heutigen Kriegsgefahren
verantwortlich ist, und wirft Stalin vor, die Ziele und Methoden Hitlers uebernommen zu haben.
Zu diesen Methoden gehoeren internationale Intrigen,
fuenfte Kolonnen, wirtschaftlicher Zwang, Furcht, heimtueckische Aggression, und wenn alle diese Methoden nichts helfen,
offener Krieg, der entweder direkt gefuehrt, oder den Satellitenstaaten befohlen wird. Massnahmen des Kreml, die sich
gegen Frieden und Demokratie richten, druecken sich in der
Verhinderung jedes wirksamen internationalen Planes zur Atomkontrolle aus, in der Blockade Berlins, in der getarnten
Einmischung im Iran, im Guerillakrieg in Griechenland, in
der Unterjochung der Tschechoslowakei und anderer Nachbarstaaten unter die kommunistische Tyrannei, in dem Kampf auf
den Philippinen und in dem verbrecherischen und blutigen
Angriff gegen die Republik Korea, der von der Regierung Stalins inszeniert und unterstuetzt wird, und den nordkoreanische und chinesische Armeen durchfuehren.
- 11 -

�Der CIO spricht den Vereinten Nationen fuer ihren Widerstand gegen die kommunistische Aggression seine Anerkennung
aus und erklaert, die Sowjetunion wiederhole die gleichen
zersetzenden Methoden heute in San Franzisko, wo sie mit allen Mitteln versuchte, eine konstruktive Loesung des japanischen Problems zu verhindern.
Der heutige Konflikt ist nach der Auffassung des CIO
ein Kampf zwischen der freien Arbeiterschaft und dem Zwangsarbeitersystem. Die freie Arbeiterschaft ist der Auffassung,
dass die Angriffsplaene der sowjetischen Diktatur den Untergang der freien Gewerkschaftsbewegung auf der ganzen Welt
bedeuten wuerden, wenn man ihnen nicht Einhalt gebieten koennte. Es wird auf die grosse Kluft zwischen den sowjetischen
Machthabern und dem sowjetischen Volk mit den folgenden
Worten hingewiesen: Die russischen Menschen sind ebenso
die Opfer der kommunistisch imperialistischen Ambitionen
wie die Voelker der anderen Welt. Deshalb duerfen keine
Bemuehungen gescheut werden, um das russische Volk zu ermutigen, Massnahmen zu ergreifen, die dieses Land fuer immer
auf die Seite des Friedens, der gegenseitigen Achtung und
der internationalen Zusammenarbeit bringen koennten.
Der CIO laesst sich auch nicht durch das Friedensgeschrei oder die Vorschlaege des"friedlichen Nebeneinander
von Kommunismus und Demokratie" irrefuehren, das zur Zeit
das Schlagwort der Stalinisten ist. Er ist davon ueberzeugt,
dass die Machthaber im Kreml nur Eines fuerchten: das aber
ist nicht die Unzufriedenheit des Volkes, nicht das Elend,
das sie verursachen, nicht die Menschenleben, die sie zerstoeren, sondern sie fuerchten einzig und allein bewaffnete
Staerke, und deshalb sind die freien Nationen der Welt endgueltig gezwungen worden, Russland zu zeigen, dass sie entschlossen sind, einem jeglichen weiteren Angriff mit aller
Macht entgegenzutreten. Auch eine ploetzliche Aenderung der
Politik des Kreml darf die freie Welt nicht veranlassen, die
Kampflinie zu verlassen, die sie gegen die Aggression bezogen hat. Es wird Russlands Strategie bleiben, von Frieden
zu sprechen und dadurch zu versuchen, die Demokratien davon
abzubringen, bewaffnet und fuer den Ernstfall bereit zu bleiben. Die russischen Machthaber, die ueber genuegend Zwangsarbeitslager verfuegen, die fuer jene aus dem eigenen Volk
bestimmt sind, die ihre Unzufriedenheit und ihren Unwillen
offen zur Schau tragen, koennen ruhig dieses Spiel des "friedlichen Nebeneinander von Kommunismus und Demokratie" solange
weiterspielen, wie sie es wuenschen; sie koennen aber auch
ploetzlich und unvorhergesehen ihr Gesicht veraendern. Bewaffnete Staerke genuegt jedoch nicht, sagt der CIO; dadurch
wird die sowjetische Aggression nur aufgehalten aber nicht
im Keime erstickt. Die kommunistische Waffe der gewaltsamen
Erpressung»der Aggression und schliesslich der offenen Kriegsfuehrung kann aus dem kommunistisch imperialistischen Arsenal
nur dann entfernt werden, wenn die Sowjetunion mit ihren unterjochten Staaten und Voelkern von einer Welt umringt ist, die
wirtschaftlich gesichert und fortschrittlich ist und unter
demokratischen Regierungen lebt. Dies ist die einzige Moeglichkeit, Russland aufzuhalten. Es ist die Aufgabe der Vereinten Nationen, des Marshall-Flans und des Punkt-Vier-Programms, die Verteidigungsbemuehungen durch ein umfassendes
Programm der sozialen und politischen Aufrichtung zu ergaenzen.
Die Verteidigung muss mit wirtschaftlicher Sicherheit und po- 12 -

�litischer Freiheit gekoppelt sein. Die Gewerkschaftsbewegung
stellt sich mit aller Energie und Entschlossenheit dieser
Aufgabe zur Verfuegung.
Program Services Section
IX/7/51
DIE GESCHICHTE EINES HOLLAENDISCHEN ARBEITERS
Noch vor sechs Jahren, im letzten "Hungerwinter" Kollands unter deutscher Besatzung, lebte Gerard van Leeuwen,
ein hollaendischer Schlosser, von Kartoffelschalen und Tulpenknollen.
Die Fabrik, in der van Leeuwen jetzt arbeitet, ist waehrend des Fliegerangriffs der deutschen Luftwaffe auf Rotterdam im Jahre 1940 durch Brandbomben voellig niedergebrannt
worden. Inzwischen ist von den alten Unternehmern eine neue
Fabrik gebaut worden, die den Namen "de Hoop" fuehrt und
elektrische Geraete fuer die Marine herstellt. Die Lebensbedingungen sind dank der grossen Anstrengungen, die fuer
die wirtschaftliche Wiederaufrüstung Hollands beispielhaft
sinü, fuer van Leeuwen heute weit besser. Obwohl uober die
Haelfte aller hollaendischen Schiffe waehrend des 2. Weltkrieges verlorenging, ist die Kandelstonnage dieses Landes heute
wieder proesser als vor dem Krieg. Dieser Umstand ist den
Bemuehungen der hollaendischen Industrie und der hollaendischen Arbeiter zu verdanken, fuer die wir in der Firma de
Hoop und dem Schlosser Gerard van Leeuwen ein bezeichnendes
Beispiel sehen. Sie haben mitgeholfen, der hollaendischen
Schiffahrt wieder einen bedeutenden Platz unter den Nationen
der Welt zu sichern.
Die Firma de Hoop besteht seit 1892. Sie stellt heute
zahlreiche komplizierte elektrische Anlagen fuer moderne
Schiffe her. Die neue Fabrik steht nahe an der Kueste im
wiederaufgebauten Rotterdam, an der Kuendung des Rheins, die
das Ausfahrtstor des noerdlichen und mittleren Europas und
den groessten Hafen der Welt bildet.
Kurz vor dem Krieg hatte die Firma de Hoop genuegend
Geldmittel gespart, um ihre Fabrik neu einzurichten. Zum erstenmal seit vielen Jahren sollte sie die Koeglichkeit haben,
einen Betrieb nach Masstaeben der modernen Technik und der
Eeistungsfaehigkeit aufzubauen. Bevor jedoch der Umzug in
das neue Gebaeude stattfinden konnte, wurde das Zentrum von
Rotterdam und mit ihm das moderne Fabrikgebaeude waehrend
des grossen Luftangriffs am 14. Kai 1940 zerstoert, der eine
Vergeltungsmassnahme der deutschen Luftwaffe fuer diehartnaeckige Verteidigung der Hollaender war.
Gerard van Leeuwen, der 1940 Geschaeftsreisender war,
tauchte waehrend des Krieges unter und konnte mit vielen
seiner Landsleute nur mit Muehe und Not die Hungerwinter in
Holland ueberleben. Nach der Befreiung, seiner Heimat musste
er zwei Jahre lang in der hollaendischen Armee dienen. Kach
seiner Entlassung fasste er den Entschluss, seine Arbeit zukuenftig in den Dienst seines Landes zu stellen. Holland,
dessen Wirtschaft schwer erschuettert, dessen strebsame Bevoelkerung jedoch guten Mutes war, begann ein Industrialisie- 13 -

�rungsprogramm fuer das ganze Land. In der Industrie sah Holland die einzige Moeglichkeit, sich wieder aufzurichten, und
hierzu brauchte es Tausende von Arbeitern. Van Leeuwen besuchte kostenlos eine Schule der Regierung, um sich als
Schlosser ausbilden zu lassen. Nach erfolgreicher Beendigung
der Ausbildung arbeitete er kurze Zeit fuer ein anderes Unternehmen und kan dann vor drei Jahren zur Firma de Hoop. In
diesen Werken sind von 1050 Arbeitnehmern etwa 800 Arbeiter
direkt in den Produktionsprozess eingeschaltet. Gerard arbeitet an einer mit Marshallplanmitteln gekauften Drehbank und
an einer Presse, er stellt hier Schalter, elektrische Motorenanlasser, Sicherungen, PruefLampen und andere elektrotechnische
Geraete her. Seine r.'erkbank steht in einer geraeumigen, gut
eingerichteten Werkstatt, wo sich die einzelnen Produktionsverfahren nebeneinander vollziehen. Es gibt kein Fliessband,
weil zu viel verschiedene Arten von Erzeugnissen meist in kleineren Mengen oder nach Auftraegen hergestellt werden - eine
Tatsache, die, um die V/orte der Betriebsleitung zu gebrauchen,
die "Staerke und die Schwaeche" des Unternehmens ist. Durch
guenstige Geschaeftsabschluesse ist die Firma jedoch in der
Lage, mit dem Bau einer neuen Fabrik zu beginnen, wo bestimmte genormte Erzeugnisse im Fllessbandverfahren hergestellt
werden sollen.
Gerard arbeitet woechontlich 48 Stunden. Er hat 15 Minuten Fruehstueckspause und eine halbe Stunde Mittagszeit.
Nach Gerards Auffassung sind die Arbeitsbedingungen gut, und
auch nach amerikanischen Begriffen koennen sie als gut bezeichnet werden, obwohl es in den grossen Maschinenhallen an
strengen Wintertagen ziemlich kalt ist. Auch die Unfallverhuetung steht auf ziemlich hohem Niveau. Es gab hier noch
keinen Streik.
Fuer seine 48-stuendige Arbeitswoche erhaelt Gerard nach
deutschem Geld DM 61.-. Sein Nettolohn betraegt etwa DM
58.-. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen einen gleichen Beitrag fuer den Pensionsfonds, auf dessen Unterstuetzungen Gerard mit 65 Jahren Anspruch hat. Die hoechste Pension betraegt
60% des letzten Lohnes. Von dem Lohn werden ausserdem Beitraege fuer die Krankenversicherung abgezogen. Auch hier bezahlt der Arbeitgeber den gleichen Anteil. Wenn ein Arbeiter
krank wird, erhaelt er 52 .Vochen lang 90% seines Lohnes. Er
hat Anspruch auf kostenlose aerztliche, fachaerztliche und
Krankenhausbehandlung. Die Unternehmer zahlen an die Regierung, ausserdem 15fr aller Arbeitsloehne, die verschiedenen
Fonds zufHessen, aus denen zusaetzliche Altersrenten, Unfallunterstuetzungen und Kinderbeihilfen gezahlt werden. Gerard
erhaelt mit drei Kindern vierteljaehrlich eine Kinderbeihilfe
von etwa DM 150.-.
Als Gerard in den Betrieb dettoopeintrat, schloss er
sich der Gewerkschaft an. Es gibt in Holland nicht das System
des "Union Shop" wie in Amerika, wo jeder Beschaeftigte Mitglied der Gewerkschaft sein muss. Aber Gerard wusste, dass
die Arbeiter Vertreter haben muessen, die fuer sie eintreten.
Er hatte die iVahl zwischen der sozialistischen, katholischen
und protestantischen inetallarbeitergewerkschaft. Er entsc; loss
sich fuer die sozialistische ANMB, die dem hollaendischen Gewerkschaftsbund N W , der groessten und fortschrittlichsten
uewerkschaftsOrganisation, angeschlossen ist.
- 14 -

�Die ANMB ist mit 71.000 Hitgliedern die groesste Einzelgewerkschaft des Landes. 10.000 hiervon sind Metallarbeiter
in Rotterdam. Diese Gewerkschaft ist in dem Unternehmen de
Hoop seit 1900 vertreten, und 75#&gt; der gewerkschaftlich organisierten Belegschaftsmitglieder linsgesamt 325) gehoeren dieser
Organisation an. Durch Funktionaere erhaelt sie die Verbindung zu ihren Mitgliedern aufrecht. Auf 25 organisierte Arbeiter in jedem Betrieb kommt ein Gewerkschaftsvertreter. Es
gibt keine regelmaessigen Versammlungen der. Gewerkschaftsmitglieder. Die AMNB verteilt alle 14 Tage ein Mitteilungsblatt
an ihre Mitglieder. Im Winter finden vier bis sechs Filmabende statt, zu diesem Zweck werden von der Gewerkschaft Vorfuehrungsraeume gemietet. Bei besonderen Anlaessen, wie z.B. den
Massenkundgebungen des N W zur Unterstuetzung des Beschlusses
des Sicherheitsrates in Bezu? auf Korea, werden die Arbeiter
durch Rundschreiben von ihrer Gewerkschaft informiert.
Wie bei fast allen Gewerkschaften steht die Lohnfrage
im Vordergrund. Die Loehne unterliegen in Kolland jedoch
der Lohnkontrolle. Vor allem auf den Druck der Gewerkschaften
hin hat die Regierung innerhalb von 15 Monaten dreimal eine
Lohnerhoehung von fuenf Prozent angeordnet. Die hollaendischen Gewerkschaften haben sich damit einverstanden erklaert,
diese Hoechstgrenze von 5% anzuerkennen, obwohl die Lebenshaltungskosten vor der letzten Lohnerhoehung um 10% gestiegen
waren. Dieses Einverstaendnis mit einer Kuerzung des Lebensstandards war ein Beitrag der Gewerkschaftsbewegung in dem
Kampf gegen die Inflation.
Das zweitwichtigste Problem der Gewerkschaften ist augenblicklich der Mangel an Grundstoffen, der, wenn die Verhaeltnisse noch kritischer werden, fuer viele Leute der Verlust ihrer Beschaeftigung zu werden droht. ~Rohstoffe, die
Holland nur in begrenztem Umfang zur Verfuegung stehen und
dann sehr teuer sind, sind fuer dieses Land nicht nur wertvoll, sondern geradezu lebenswichtig. Holland muss 91$ aller
Rohstoffe, die in der hollaendischen Industrie verarbeitet
werden, importieren. Der zu geringe Unterschied zwischen den
Loehnen der Facharbeiter und der ungelernten Arbeiter ist
ein weiteres grosses Problem fuer die hollaendische Industrie.
Die hollaendischen Gewerkschaften koennen auf wesentliche
Erfolge fuer ihre Mitglieder hinweisen, die sie in jahrelanger
Taetigkeit erringen konnten. Bevor sich die Gewerkschaften
mit der Urlaubsfrage beschaeftigten, erhielten die Arbeiter
jaehrlich sechs Tage Urlaub. Nach und nach wurde das Minimum
auf 12 Tage hochgeschraubt. In der Firma de Hoop koennen
sechs Tage Urlaub hintereinander genommen werden. Die uebrigen sechs Tage werden nur einzeln gewaehrt. Die Ortsgewerkschaft der ANMB in Rotterdam, der auch Gerard angehoert, versucht nun, die Arbeiter fuer die Forderung zu gewinnen, den
14-taegigen Urlaub ununterbrochen nehmen zu koennen. Das
Jahr 1946 war hinsichtlich der gewerkschaftlichen Erfolge in
der Firma de Hoop von besonderer Bedeutung. Es konnte vereinbart werden, dass alle Arbeiter fuer eine Woche nicht beanspruchten Urlaubs zwei Wochenloehne ausbezahlt bekommen. A'enn
die Frau eines Arbeiters stirbt, erhaelt er vier Tage bezahlten Urlaubs. Frueher dagegen standen ihm in einem solchen
Fall nur zwei Tage zu. Wenn ein Arbeiter heiratet, bekommt
er zwei Tage Urlaub, wogegen er frueher keinen Heiratsurlaub
erhielt. Jedes Mitglied der ANMB, das 25 Jahre lang in einem
Betrieb beschaeftigt ist, erhaelt jaehrlich zwei zusaetzliche
- 15 -

�Urlaubatage und bei 40 Jahren Dienstzeit sechs zusaetzliche Urlaubs tage. Ausserdem wurde ein System der Gewinnbeteiligung
eingefuehrt, was man in Holland nur selten vorfindet. Wenn
das Unternehmen einen Gewinn erzielt, erhaelt jeder Arbeiter
jaehrlich eine Praemie, die 2% seines gesamten Lohnes ausmacht.
Seit 1946 konnten zum Jahresende den Arbeitern des Betriebes
regelmaessig Praemien ausbezahlt werden. Gerard van Leeuwen
ist 35 Jahre alt und seit 12fc Jahren verheiratet. Sein aeltestes Kind ist 12 Jahre alt und die beiden anderen Kinder sind
vier und drei Jahre. Sie wohnen In einer Vierzimmerwohnung,
fuer die sie woechentlich, nach deutschem Geld gerechnet, etwa
DM 7.- Miete zahlen. Diese Miete ist von der Regierung festgesetzt. Gerard besitzt ein kleines Rundfunkgeraet. Er hat
natuerlich kein Auto und auch kein Fahrrad - das uebliche
Transportmittel in Holland. Gerard geht zu Fuss zur Arbeit,
etwa 20 Minuten und nimmt, wie alle hollaendischen Arbeiter,
sein Mittagessen mit in die Fabrik. Er verzehrt es in einer
der drei Kantinen.
Er liest eine konservative Zeitung, kann sich aber kein
Magazin leisten. Nur selten geht er ins Kino. Er ist Mitglied
des sozialen Klubs, er zahlt hier monatlich 15 hollaendische
Cents. Dort kann er unentgeltlich Ping Pong, Billard und
Karten spielen. Es gibt ausserdem Tennis-, Gesangs- und Fussballgruppen, die von den Unternehmern unterstuetzt werden.
Die Gewerkschaft haelt die Einrichtung des sozialen Klubs der
Firma de Hoop fuer gut.
Ein Arzt ist dem Betrieb zugeteilt, der jedoch nicht regelmaessig anwesend ist. Die Arbeiter werden in unregelmaessigen
Zeitabstaenden kostenlos geroentgt. Vor kurzem wurde in dem
Betrieb eine Fortbildungsschule eingerichtet, wo die Lehrlinge
zwei Jahre lang praktisch und theoretisch unterrichtet werden.
Trotz dieser Einrichtungen und der guten Arbeitsbedingungen
wechseln im Monat durchschnittlich 25 Arbeiter ihren Arbeitsplatz. Die Betriebsleiter erklaeren, dass dies durch Entlassungen wegen mangelnder Faehigkeit, durch freiwillige Kuendigung
der Arbeiter, well sie die Art der Arbeit nicht lieben, oder
durch den Wunsch bedingt sei, in einem anderen Betrieb mehr
Geld zu verdienen.
Die neueste Errungenschaft auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in diesem
Betrieb ist der 19 Mitglieder zaehlende Betriebsrat. Ein Mitglied vertritt die Arbeitgeber und 14 Betriebsraete vertreten
die Arbeiter, die uebrigen die Angestellten. Die Mitglieder
werden alle zwei Jahre neugewaehlt, der Betriebsrat waehlt
seinen Vorsitzenden und seinen Sekretaer selbst. Der Betriebsrat ist im wesentlichen eine beratende Koerperschaft. Er hat
keine direkten Befugnisse, sondern wird als der erforderlicher
Mittelsmann zwischen Gewerkschaften und Unternehmern von beiden Partnern respektiert. Die Gewerkschaft, die sowohl im
Betriebsrat als auch im gesamten Betrieb am staerksten vertreten ist, naemlich die ANMB, ist der Auffassung, dass dieser
Betriebsrat im Vergleich zu anderen Betrieben in Holland ueberdurchschnittlich gut ist; auf der anderen Seite waere es aber
zu wuenschen, dass er in Fragen, die sich direkt auf den Betrieb
beziehen, mehr zu sagen hat. Die Gewerkschaftsfunktionaere haben sich fuer die Durchsetzung ihrer Forderung einen Zeitraum
von drei Jahren als Ziel gesetzt und hoffen, dass dieser Wunsch
in dieser Zeit verwirklicht werden kann.
ECA Labor Information VI11/23/51
- 16 HI00C IE Oet 51 1834» C U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fUr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 42

F r a n k f u r t , den 1 9 . Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z
Gewerkschaften begruessen

£ ICH N I 3

"Produktivitaetsfeldzug"

der ECA

1

V/er verfliegt in Amerika ueber das Haushaltsgeld? .. 3
Gleiche Verteilung der Produktionsertraege bekämpft
gleichzeitig Kommunismus
Neue Probleme der japanischen Gewerkschaftsbewegung

4
7

Eine Erklaerung der OEEC
9
Was hat die freie Wirtschaft in den U.S.A. vollbracht?
11
Der Kongress des kanadischen Gewerkschaftsbundes .. 14

GEWERKSCHAFTEN BEGRUESSEN "PRODUKTIVITAiTSFELDZUG" DER ECA
"Der neue Produktivitaetsfeldzug der ECA ist von der
freien Gewerkschaftsbewegung mit grosser Begeisterung aufgenommen worden. Was den Gewerkschaften hierbei besonders zusagt, ist die Tatsache, dass die Forderung einer gerechten
Beteiligung der Arbeiter an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktivitaet besonders hervorgehoben wird. Wenn dieser
neue Feldzug bei den Unternehmern den gleichen Anklang finden wuerde, dann waere bereits viel zur Verbesserung des
Lebensstandards in allen Laendern getan."
Dies ist die Meinung des Leiters des Politischen Aktionskomitees des CIO, Jack Kroll. Nach seiner Rueckkehr von
einer Studienreise durch Grossbritannien, Frankreich, Italien,
Griechenland, Israel, Westdeutschland und Schweden erklaerte
Kroll, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung haette sohr
- 1-

�zum Wohl und zur Stabilitaet der europaeisehen Gewerkschaftsbewegung beigetragen.
Die groesste Staerke besitzen die Gewerkschaften in
Schweden, Israel und Grossbritannien, diese Laender erfreuten sich auch der groessten Stabilitaet. Ohne Erwerbslosigkeit und mit ausgeglichenem Staatshaushalt sind ste allen anderen auf dem vVeg zum Aufbau weit voraus. Diese Leistungen
sind ein sichtbarer Beweis fuer die konkreten Auswirkungen,
die die Bemuehungen der Gewerkschaften fuer ein Land haben
koennen. Kroll berichtete woertlich: "1950 produzierte Amerika mit 150 Millionen Einwohnern Waren im Werte von 260.000
Millionen Dollar. Eine halbe Million amerikanischer Bergleute foerderten mehr Kohle zutage als die zwei Millionen
Bergleute Europas gemeinsam; eine Arbeitsstunde in Amerika
entspricht in ihrem Ertrag 15 Arbeitsstunden in der uebrigen
Welt.
Der Hauptgrund fuer diese hohe Produktivitaet ist die
weit hoehere Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Industrie;
und diese ist wiederum vornehmlich auf die Tatsache zurueckzufuehren, dass der amerikanische Arbeiter durch seine Gewerkschaft das Grundprinzip anerkannt hat, dass der wachsende Lebensstandard von einer staendigen Erhoehung der Produktion abhaengig ist. Er hat sich deshalb nicht davor gescheut, neue Methoden der Betriebsfuehrung und neue Arbeitsmethoden zu akzeptieren."
Durch Modernisierung und Neuausruestung hat sich auch
die chemische Industrie in Grossbritannien wesentlich erweitert. "In allen Betrieben, in denen diese Neuerungen
eingefuehrt werden konnten, ist es zu einer Steigerung der
Produktivitaet und gleichzeitig zu einer Senkung der Produktionskosten gekommen. Die Arbeitsloehne sind um 30 - 60%
ueber die im Land gueltigen Grundlohntarife erhoeht worden.
Es war nicht leicht, den Entschluss derartige Methoden einzufuehren, zu verwirklichen."
Die Mitglieder des Britischen Gewerkschaftskongresses
(TUC) befuerchteten, wie auch die Arbeiter in anderen Industrien, am Anfang nicht ohne guten Grund die Einfuehrung dieser Systeme. Sie hatten in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit diesen zu 'schlechte Erfahrungen gemacht. In den
Nachkriegs jähren hat man den Zweck und die Auswirkungen dieser Methoden jedoch mit ganz anderen Augen angesehen. Der
Arbeiter selbst hat nach ihnen verlangt. Leistungslohnsysteme
als Schluessel zur gesteigerten Produktivitaet werden niemals
bereitwillig und rueckhaltlos akzeptiert, wenn die Gewerkschaften kein Abkommen mit den Unternehmern getroffen hatten,
das den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsraeten das
Kecht garantierte, an der Entwicklung und Anwendung dieser
Methoden mitzuarbeiten und ihre Durchfuehrurig zu kontrollieren.
Wenn wir die Grundlage zu einer Wirtschaft des Ueberflusses legen wollen, muessen diese neuen Methoden in der
gesamten britischen Industrie zur allgemeinen Selbstverstaendlichkeit werden.
Program Services Section
IX/26/51
- 2 -

�WER VERFLIEGT IN AMERIKA UEBER DAS HAUSHALTSGELD?
Diese Frage und die verschiedenen Antworten darauf
bilden einen viel behandelten Gegenstand des zeitgenoessischen amerikanischen Humors. Die Tatsache, dass amerikanische Frauen 80% der Kaufkraft aller Familien verausgaben,
hat.Anlass zu zahlreichen Reklamekampagnen gegeben. In
der Annahme, dass die Kaufkraft der Frauen groesser ist
als die der toenner, sind die Reklamefachleute bestrebt,
den Geldbeuteln der Frauen so viel Dollar wie moeglich zu
entziehen.
Es ist sehr schwierig, zu beweisen, dass die Frauen
ueber 80% der Kaufkraft der Familien verfuegen, und es ist
auch schwierig, das Gegenteil zu beweisen. Es ist sogar
schwierig, festzustellen, wie man zu dieser Zahl kommt. Jemand hat es sich zur Aufgabe gemacht&gt; die Quelle dieser Angabe ausfindig zu machen. Nachdem er in allen moeglichen
Schriften Machforschungen angestellt hatte, entdeckte er die
erste Spur schliesslich in einem Buch, das im Jahr 1934 veroeffentlicht wurde, und dessen Verfasser diese Information
auf einer Konferenz in Erfahrung gebracht hatte, die 19£7
an der Universitaet Chikago stattfand. Er fand nur wenig
Beweise fuer die Gueltigkeit dieser ßehauptung. Doch diese
Zahl ist zu einem so weit verbreiteten Begriff geworden,
dass sie selbst von Frauen als richtig akzeptiert wird.
Zahlreiche Erhebungen ueber die Sinkaufsgewohnheiten
der Familien sind inzwischen angestellt worden, und die Zahl
der verschiedenen Antworten auf die Frage "Wer verfuegt
ueber die Kaufkraft der Familie?" ist im grossen und ganzen
der Zahl der verschiedenen Erhebungen gleich, die ueber diese Frage angestellt wurden. Die Unzulaenglichkeit der statistischen Angaben der Marktforschung ist zum «rossen Teil
hieran schuld. In dem Bestreben, sich fuer ihre Zwecke wertvolle Angaben zu beschaffen, haben Reklamefachleute und
Reklamefirmen auf Grund nicht allgemeingueltiger Beispiele
und Suggestivfragen Untersuchungen durchgefuehrt, deren Ergebnisse jedoch nicht als gueltig anzusehen sind.
Eine neuere Untersuchung, die zuverlaessige Informationen liefert, wurde im Jahr 1949 durchgefuehrt. Sie besagt,
dass Frauen 55% der Wareneinkaeufe der Familien taetigen.
Darueberhinaus sind sie zusammen mit den "aennern an weiteren 11% der Einkaeufe beteiligt. Die Maenner kaufen unabhaengig von den Frauen fuer 30# ein und Kinder kaufen selbstaendig 4% der von amerikanischen Familien benoetigten Waren.
Der Durchschnitt von 55% ist jedoch grossen Unterschiedlichkeiten unterworfen, wenn man die einzelnen Verbrauchsgueter betrachtet. So werden zum Beispiel nur 4% aller Herrenanzuege und -A-aentel von Frauen gekauft, obwohl sie bei dem
Einkauf weiterer 21% mitreden. Die Beteiligung der Maenner
am Einkauf von Frauenbekleidung ist noch geringer. Allein
taetigen sie nur 5% und mit den Frauen gemeinsam weitere 6%
dieser Einkaeufe. Nahezu 90% aller Frauenbekleidung wird von
Frauen gekauft und etwa 3/4 der Herrenbekleidung von iJaennern.
Ein bezeichnendes Beispiel fuer gemeinsamen Einkauf sind
Moebel und Teppiche, von denen 56% bzw. 33% von "aennern und
Frauen gemeinsam gekauft werden. Damentoilettenartikel, Stoffe

�und Vorhaenge werden zu 90% nur von ürauen gekauft. Von allen
Elnkaeufen an Maedchenkleidung und Kuechengeraeten entfallen
80£ auf Frauen und etwa 2/3 aller Lebensmitteleinkaeufe. Teppiche und Decken werden zu 60$ von Frauen gekauft, und aehnlich ist ihr Anteil an den Elnkaeufen von Schmuckwaren, Knabenbekleidung und Arzneien.
Was elektrische Geraetel41%). Moebel(ein Drittel) Toilettenartikel fuer Herren und Eisenwaren (ein Drittel) betrifft,
so sind Frauen allein weit geringer an diesen Elnkaeufen beteiligt. Sie kaufen weniger als ein Fuenftel des Brennmaterials'fuer den Haushalt, etwa ein Zehntel des Treibstoffes
und Motorenoels, die fuer den Wagen der Familie gebraucht werden, und nur in sechs von 100 Faellen kaufen Frauen selbstaendig Automobile.
An dem Gesamtbetrag der verfuegbaren Dollar gemessen, sind
die jaehrlichen Dollareinkaeufe der verheirateten amerikanischen Frauen im Durchschnitt verhaeltnismaessig gering, weil
der fuer Einkaeufe verwendete Teil der Einkommen begrenzt ist.
"'enn man jedoch die geschaetzte Zahl von 55% fuer Ausgaben fuer
den persoenlichen Verbrauch,ausschliesslich der Dienstleistungen, zugrundelegt, stellt man fest, dass im.Jahr 1950 Frauen
in amerikanischen Familien mehr als 72 Milliarden Dollar ausgegeben und bei der Ausgabe von weiteren 14,5 Milliarden Dollar mitzureden-hatten, die bei gemeinsamen Elnkaeufen mit den
l'aennern ausgegeben wurden. In diesen Zahlen ist nicht der
Anteil der Frauen an den 62.1 Milliarden Dollar enthalten, die
sie 1950 fuer Dienstleistungen ausgaben, und auch nicht die
10.7 Milliarden Dollar an persoenlichen Ersparnissen. Insgesamt gesehen hatte also die amerikanische Frau bei der Verwendung des im Jahre 1950 verfuegbaren Gesamteinkommens in
Hoehe von 204,3 Milliarden Dollar ein sehr grosses Wort mitzureden.
Y/enn man sich diese Zahlen vor Augen haelt, wird man
feststellen, dass die amerikanische Frau ihrem Lande vielleicht
einen der groessten Dienste erwei3en kann. Denn eine kluge
und ueberlegte Verwendung dieser ungeheuren Kaufkraft ist wesentlich als ein Mittel zur Kontrolle der gegenwaertigen inflatorischen Tendenzen.
Die.Bedeutung des Mannes als Einkaeufer duerfte durch
diese Zahlen in gewissem i,:asse unterschaetzt werden, weil
sich die Erhebung nur auf verhaeltnismaessig wenig Bauernfamilien erstreckte. Es ist anzunehmen, dass die Maenner auf
dem Lande einen groesseren Prozentsatz der Verbrauchsgueter
ihrer Familien einkaufen als der Mann in der Stadt. Ausserdem
ist der Einfluss der Maenner auf das, was gekauft werden soll,
weit groesser als ihre tatsaechliche Beteiligung an den Einkaeufen 135% gegenueber 30%).
Weekly Labor News Digest
IX/12/51
Harry Martin:
GLEICHE VJP.TEILUTIC- DER

PRODUKTICKSERTRASGJ:

BEKAEMFFT GLEICH-

Harry Martin ist Vorsitzender der amerikanischen Journalistengewerkschaft und gegenwaertig Chef fuer Arbeits- 4 -

�informationell in der ECA-Verwaltung Paris.
Unglücklicherweise ist heute ein Verteidigungsprogramm
notwendig geworden, um die Existenz der freien Welt auch fuer
die Zukunft sicherzustellen. Die Verteidigungsstaerke muss
so gross werden, dass sie den militaerischen Kraeften auf der
Gegenseite einigermassen ebenbuertig ist. Hierbei erhebt
sich jedoch ein anderes Problem. Es darf nicht wieder die
Parole "Kanonen oder Butter" alles andere ueberschatten, sondern in der freien Welt muessen trotz der Notwendigkeit,
fuer die Verteidigungsproduktion Kanonen zu schaffen, fuer
die Arbeiter genuegend Butter und andere Lebensmittel zur Verfuegung stehen, in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Verteidigungsproduktion ein glatter finanzieller Verlust, aber die
Freiheit laesst sich heute ohne Opfer nicht mehr schuetzen.
Mit anderen Worten: Ein Teil der zur Verfuegung stehenden
Rohstoffe und finanziellen Mittel muss fuer militaerische
Zwecke bereitgestellt werden.
Es gibt jedoch Moeglichkeiten, trotz dieser Abzweigung
finanzieller Quellen, wichtigerRohstoffe und wertvoller Arbeitsstunden das bisherige Produktionsniveau ziviler Gueter
aufrechtzuerhalten, wenn die Produktivitaet gesteigert wird.
Gerade in Europa laesst sich hier noch sehr viel erreichen,
denn die europaeische Wirtschaft ist noch weit von dem Optimum ihrer Leistungsfaehigkeit entfernt.
Im Jahre 1900 war die Zahl der in der Industrie benutzten
"Pferdestaerken" je Arbeitskraft in Europa und Amerika die
gleiche. Heute entfallen auf jeden amerikanischen Arbeiter
8 PS, auf den westeuropaeischen Arbeiter jedoch nur 2 3/4 PS.
Westeuropa kann durch eine vernuenftige Reorganisierung, bessere Werkzeuge und durch eine BerQcksichtigung der Grundsaetze
der Produktivitaetssteigerung seine industrielle Erzeugung
ohne weiteres um 100 Milliarden Dollar im Jahr steigern.
Schon die ernsthafte Beschaeftigung mit diesem Problem wuerde
bedeuten, dass der Lebenshaltungsstandärd in Westeuropa sich
stetig verbessern koennte und damit zugleich die gesamte wirtschaftliche Lage - auch wenn gleichzeitig fuer die Zwecke der
Verteidigung militaerische Gueter produziert werden muessen.
Die Verwaltung fuer europaeische Zusammenarbeit IECA)
setzt sich nachdruecklich fuer eine Steigerung der Produktivitaet ein. Staendig sind Studiengruppen der verschiedensten
Industriezweige auf dem Wege nach Amerika, denen Werkmeister,
Facharbeiter, Direktoren und Ingenieure angehoeren, die die
amerikanische Industrietechnik kennenlernen wollen, um sie auch
in Westeuropa einzufuehren. Bisher haben 543 Studiengruppen
die Vereinigten Staaten besucht, denen 4034 Fachleute angehoerten. Diese Studienreisen haben bereits viele wertvolle
Anregungen nach Europa gebracht, diedie europaeische Produktion vorangetrieben haben. Das auffallendste Moment in allen
Studienberichten ist im uebrigen die Tatsache, dass das Geheimnis der amerikanischen Produktivitaet darin besteht, dass
die amerikanische Industrie keine Produktivitaetsgeh.eimnisse
hat.
Die gleichmaessige und gerechte Verteilung der Fruechte
einer gesteigerten Produktivitaet unter Arbeitern und Unternehmern ist deshalb so wichtig, weil nur dadurch die kommunistischen Verlockungen unterbunden werden koennen. Die europaei- 5-

�sollen Arbeiter werden aber nur dann einen hoeheren Anteil
an einer erweiterten Produktion erringen koennen, wenn es
starke und freie Gewerkschaften in den westeuropaeischen Staaten gibt. Unter der Herrschaft des Kommunismus sind Gewerkschaften nichts anderes als sta&amp;tlich kontrollierte Arbeitsfront-Apparaturen.
Der IBFG, der erst vor kurzem in Mailand seine Tagung
abhielt, vereinigte etwa 350 Delegierte aus 61 verschiedenen
Laendern. Der IBFG hat in der kurzen Zeit seines Bestehens
im Kampf gegen den Kommunismus hervorragende Erfolge erzielt.
Wenn heute der Kalte Krieg in Europa gewonnen werden konnte,
so ist dies in erster Linie dem Wirken der freien Gewerkschaftsbewegung zuzuschreiben.
Die ungeheure Wichtigkeit einer starken freiheitlichen
Gewerkschaftsbewegung hat sich in Oesterreich gezeigt. Nachdem
die Kommunisten bei den Wahlen fuer das Parlament und die Betriebsraete eine*' eklatante Niederlage erlitten, versuchten sie
aehnlioh wie in der Tschechoslowakei mit Gewalt die Macht zu
uebernehmen. Trotz aller Einschuechterungsversuche der Sowjets setzte sich die Arbeiterschaft zur Wehr - der sowjetische
Hohe Kommissar fuer Oesterreich erklaerte daraufhin ziemlich
naiv, dass die Russen sich nicht in interne Streitigkeiten
einmischten. Die geplante Revolution war damit zusammengebrochen.
Aber auch in der Schlacht um die Haefen Westeuropas hatten
die Kommunisten keinerlei Erfolge.. Hier versuchte der Kreml
alles, um die Transportarbeiter Westeuropas zur Sabotage der
Versorgung mit Verteidigungswaffen zu gewinnen. Aber die freien Gewerkschaften erklaerten, dass sie fuer die ordnungsgemaesse
Entladung der Transportschiffe Sorge tragen und die kommunistische Herausforderung zurueckweisen wuerden. Hierbei ist zu
beachten, dass die Kommunisten in einigen Haefen ueber Hochburgen verfuegen, sodass sie waschechte Kommunisten auf die Transportschiffe dirigieren konnten. Aber die gewerkschaftstreuen
Transportarbeiter organisierten rechtzeitig freiwillige Entladegruppen, sodass keinerlei Stoerungen geschahen und ausserdem
die Kommunisten das Nachsehen hatten. So brachen die bereits
in der kremlhoerigen Presse besprochenen "Friedensmassnahmen"
in Cherbourg und in Neapel wie in allen anderen Haefen sohmaehlich zusammen.
Wie stark der kommunistische cinfluss in den bisherigen
Hochburgen zurueckgegangen ist, zeigt am besten das Beispiel
der Dockarbeitergewerkschaft in Marseille. Hier hatten die
Kommunisten noch zu Ende des Jahres 1950 von 55 Sitzen 54 inne.
Nach den vergeblichen Sabotageaktionen verloren die Kommunisten 44 Sitze, waehrend die CGT-Force Ouvriere anstatt ueber
einen Sitz heute ueber 45 verfuegt. Und so wie in Marseille
wurde ueberall die Schlacht um die Haefen Westeuropas gewonnen.
Heute hat die Arbeiterschaft wieder neue Hoffnung und neuen Glauben gewonnen. Ueber&amp;ll hat sich die Ueberzeugung durchgesetzt, dass das Dogma des Kommunismus in 'Wirklichkeit schwärzeste Reaktion bedeutet, die auf alnem internationalen Imperialismus und einer Lnterdrueckung des Individuums beruht. Immer
staerker setzt sich die Idee durch, dass echte Demokratie ein
starker Fels ist, auf dem fuer die Zukunft gebeut werden kann.
Amerika wird Europa helfen, sich gegsn jede Unterdrueckun? zu
- 6-

�verteidigen und zu schuetzen bis Europa stark genug ist, um
seinen eigenen Schutz uebernehmen zu koennen.
Wenn die weltpolitische Situation unter diesem Aspekt
gesehen wird, so ergibt sich nicht nur die Wichtigkeit und
Notwendigkeit einer Steigerung der Produktivitaet, sondern
auch die unumgaengliche staerkere Beteiligung der Arbeiterschaft an den Fruechten einer hoeheren Produktion. Wenn der
Arbeiter nichts anderes zu verlieren haette als seine Ketten,
dann kaempft er auch niemals fuer eine Staatsform, die unter
solchen Verhaeltnissen eben keine Demokratie sein kann. Wenn
der Arbeiter jedoch einen gesicherten Lebensstandard hat,
dann wird er ohne Zoegern fuer seine Freiheit kaempfen - erst
recht, wenn durch eine steigende Produktivitaet auch sein
eigener Anteil an ihren Fruechten stetig waechst.
Die westeuropaeischen Unternehmer sollten recht bald die
"Wichtigkeit dieses Problems erkennen - sehen sie es nicht,
dann schaufeln sie sich selbst und Europa das Grab, wenn sie
aus Egoismus zu den besten Helfershelfern des Kommunismus
werden.
Labor Information
9/51
I
NEUE PROBLEME DER JAPANISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
(Auszuege aus einem Artikel der Zeitschrift "The Reporter".
Der Verfasser war Korrespondent der Londoner "Daily Herald", des oeffentlichen Organs der britischen LabourPartei).
Die frueheren und kommenden Ereignisse in der japanischen
Gewerkschaftsbewegung sind nicht ein rein internes Problem
Japans. Sie sind vielmehr fuer Russland, das staendig ein
Auge auf Japan wirft, die chinesischen Kommunisten und auch
fuer die Vereinigten Staaten und den gesamten Westen von hoechstem Interesse.
Die Beziehungen zwischen der japanischen Gewerkschaftsbewegung und den freien.Gewerkschaften im Westen werden immer
enger.
t

Japanische Delegierte haben als voellig Gleichberechtigte
an der Gruendung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teilgenommen. Die japanische Gewerkschaftsbewegung ist vom internationalen Arbeitsamt anerkannt worden. j-.ine
Anzahl amerikanischer und britischer Gewerkscheftssachverstaendige haben innerhalb der Arbeitsabteilung der Besatzungsbehoerden in Tokio Hilfsdienste geleistet, indem sie der rasch aufbluehenden japanischen Bewegung beratend zur Seite standen und
uebrigens nicht linder lOO^ig mit der Arbeitspolitik McArthurs
einverstanden waren.
Der japanische Gewerkschafter ist im allgemeinen kein
Anti-Amerikaner, auch wenn er nicht immer mit"der amerikanischen Politik in Japan voellig einverstanden ist. Es besteht
jedoch die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten, weil dies
vielleicht angemessen erschien, das Risiko eingegangen sind,
sich einer Netion zu entfremden, die nachtueessig und ideologisch gesehen auf unsere Seite gehoert.
- 7-

�Wie sich deshalb die japanische Gewerkschaftsbewegung
entwickelt, ist fuer die ganze Welt von brennendem Interesse.
Denn nur wenn die japanischen Gewerkschaften die Arbeitsgesetze
und andere Errungenschaften beibehalten und sichern koennen,
und wenn sie den. niedrigen Lebensstandardlzur Zeit nur 70# des
Lebensstandards vor dem Kriege) den Lebensbedingungen im Westen besser anpassen koennen, kann vermieden werden, dass erneut der Vorwurf des wDumpingsn oder "Kuliarbeiters" erhoben
wird.
Gewerkschaftsvertreter der Besatzungsbehoerde geben zwar
zu, dass eine gewisse Gefahr besteht, aber sie sind doch,
wenn auch mit Vorsicht, optimistisch. Sie sind der Ansicht,
dass die japanische Gewerkschaftsbewegung potentiell die
maechtigste und bedeutendste demokratische Macht darstellt,
die es im NachkriegsJapan gibt, eine Behauptung,- die besonders in Bezug auf das V/ort potentiell zutreffen duerfte.
Die Hoffnungen der japanischen Gewerkschaften wurden groesser, als der IßFG im April vorigen Jahres ankuendigte, dass
er die Forderungen der japanischen Lehrergewerkschaft unterstuetze, die mit 400.000 Mitgliedern die groesste Lehrergewerschaft der Welt ist. Diese Organisation hatte sich fuer eine
Aufhebung der den japanischen Gewerkschaften auferlegten Beschraenkungan eingesetzt, u.a. auch das Verbot der normalen
politischen Betaetigung der Angestellten der japanischen Regierung.
Eine weitere Ermutigung fuer die Gewerkschaften in Japan
war die Tatsache, dass der Verband der Bergarbeitergewerkschaften einen 26-taegigen Streik siegreich beenden konnte, an
dem 70% der 433.000 Kohlenbergleute Japans teilgenommen hatten.
Dieser Streik war die groesste rein wirtschaftliche Auseinandersetzung seit Kriegsende. Fuer di^e Gewerkschaftsbeamten
der Besatzungsbehoerden war es eine Genugtuung, dass das Abkommen, das den Streik beendete, durch Schiedsspruch zustandegebracht wurde.
Die groessten Probleme der Bewegung sind in den Augen
der Sachverstaendigen der Besatzungsbehoerden die uebermaessig
hohe Zahl der Gewerkschaftsfunktionaere, die Notwendigkeit einer besseren Schulung der Mitglieder, die Gefahr kommunistischer Infiltration und die Notwendigkeit einer Neugruppierung
der zahlreichen Ortsgewerkschaften auf Landesbasis.
Nach der Auffassung der japanischen Gewerkschaftsfuehrer
besteht das Hauptproblem darin, den durchschnittlichen japanischen Arbeiter zu jener Geisteshaltung zu erziehen, in der er
freudig fuer die V.'ohlfahrt seines Landes arbeitet.
Das Mittel zur Verwirklichung dieses ..unsches und zur
Abwehr des Kommunismus ist nach Auffassung dieser Funktionaere
die Steigerung des Lebensstandards des arbeitenden Volkes.
Ein hoher Gewerkschaftsfunktionaer erklaerte: "Was die japanischen Gewerkschaften fuerchten, ist weniger die .Machtzunähme
des Kommunismus als vielmehr das Grosswerden des Faschismus
in Japan, «enn diese Gefahr Gestalt annimmt, und wenn Gesetze
erlassen v/erden, die die Rechte der japanischen Gewerkschaften
beeinträchtigen, dann werden wir uns nicht nur auf das langsame Wahlverfshrcn verlassen, um eine Regierung an die I'acht zu
bringen, die uns angenehm ist."
- 8 -

�"Wir werden in einem solchen Falle mit allen traditionellen Mitteln der Gewerkschaften kaecipfen, und wir werden
ausserdem im Hinblick auf die Tatsache, dass Japan lebenswichtige Rohstoffe importieren muss, die Gewerkschaften ande
rer Laender auffordern, die Rohstofflieferungen nach Japan
zu unterbinden."
The CIO News
1/1/51
ElMfl EKKLAEROftü DER ÜÜ.EC
Am 30. August 1951 gab der Vorsitzende des Rates der
OEEC Dr. Stlkkers die nachstehende Erklaerung ab:
Die Vertreter der europaeischen Voelker treten jetzt zu
einer Konferenz zusammen. Der Wille der Voelker, der sich
auf den Wunsch nach Freiheit stuetzt, hat Jahrhunderte lang
bei der Gestaltung der Weltgeschichte mitgewirkt. Wir glauben, dass dieser Wille auch heute stark ist. Er hat in den
drei Jahren der Zusammenarbeit einen Aufschwung erfahren, in
denen gemeinsam nach einer Loesung unserer Probleme gesucht
wurde. Diese Zusammenarbeit ist trotz aller Gefahren, die
unsere Lebensweise heute bedrohen, die Grundlage unseres Vertrauens.
Wir muessen den Tatsachen ins Auge sehen. Wir leben in
einer sehr gefahrvollen Zeit. Unsere blosse Existenz steht
auf dem Spiel. Nur wenn sich jeder Einzelne von uns mit
allen Kraeften einsetzt, koennen wir jene Sicherheit erringen,
die wir brauchen, um an der staendigen Verbesserung des sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehens unserer Voelker weiterzuarbeiten.
Die Voelker des Freien Europa, die' im Rat der OEEC vertreten sind, stellen sich heute die Frage: "Koennen wir jemals von der Angst vor einem kommenden Krieg befreit werden?
Koennen wir hoffen, dass die Welt je von materieller Not frei
sein wird? Wird die echte soziale Gerechtigkeit ein staendiger Begleiter unseres Lebens sein?
Wir sind der festen Ueberzeugung, dass alle diese Fragen
bejaht werden koennen. Es wird jedoch hierzu erforderlich
sein, dass der Einzelne und die Gemeinschaft mit ganzer Kraft
produktive Arbeit leisten.
Die Probleme und Bedingungen sind in den einzelnen Laendern sehr unterschiedlich. Diese Bemuehungen werden hoechste
Anforderungen an die Energie und den Einfallsreichtum unserer
Voelker stellen. Unter diesen limstsenden werden unsere Laender auf ihre eigene ./eise und zugleich in Uebereinstimmung mit
ihren Partnern die notwendigen Bedingungen schaffen, die Freiheit und Frieden fuer Europa als Gesamtheit und allen seinen
Ii.enschen ein besseres Leben sichern werden.
In den drei Jahren seit der Unterzeichnung der Konvention fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas haben
wir weit mehr erreicht, als wir jemals fuer moeglich gehalten
hatten, üuf jedem Gebiet der Produktion sind grosse Steigerungen zu verzeichnen. Die industrielle. Produktion ist 45^0
hoehar als im Jahrs 1945. Die landwirtschaftliche Erzeugung,
bei der eine Steigerung weit schwieriger ist, kann eine Er- 9

�hoehung von 25% aufweisen, .auch in bezug auf Handel und
Zahlungsverkehr sind bemerkenswerte Verbesserungen erzielt
worden. Die Wiederherstellung der Produktionskapazitaet
hat eine Exportsteigerung von 91% ermoeglicht. Das Dollardefizit Westeuropas ging von 8 Milliarden Dollar im Jahre
1947 auf 1 Milliarde Dollar im Jahre 1950 zurueck. Durch
dieses verminderte Defizit ist eine. Rueckkehr zu finanzieller Stabilitaet im In- und Ausland ermoeglicht worden.
Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhaeltnisse
ist es zu einer Belebung des Aussenhandels innerhalb Europas
gekommen, was eines der Hauptziele unserer Organisation ist.
Es besteht darueber wohl kein Zweifel, dass die Massnahmen,
die wir zur Liberalisierung des Handels ergreifen sollten, ferner das Abkommen ueber eine gemeinsame listenmaessige Zusammenstellung von Erzeugnissen, die ohne mengenmaessige Beschraenkung unter den europaeischen Laendern im freien Handel ausgetauscht werden sollen, und schliesslich die Errichtung der
Europaeischen Zahlungsunion nicht moeglich gewesen waeren,
wenn nicht die europaeischen Regierungen gemeinsam nach Grundsaetzen gehandelt haetten, die von unserer Organisation hier
in Paris festgelegt wurden.
Es ist noch ein anderer Umstand./ den man heute nicht
ausser Acht lassen kann. Ich meine damit die Hilfe, die uns
von jenseits des Atlantiks zuteil wurde. Der Grosszuegigkeit
des amerikanischen Volkes und seiner Regierung ist der Marshallplan zu verdanken, ohne den der Wiederaufbau in Europa
unmoeglich gewesen waere. Wir sind stolz, dass wir unsere
Dankbarkeit auf konkrete Weise bezeugen koennen. Es ist den
Bemuehungen Europas gelungen, in drei Jahren nahezu all das zu
vollbringen, was wir gehofft haben, in vier Jahren zu erreichen.
Der Marshallplan ist ein Erfolg geworden.
Die 18 Minister, die Europa vertreten, stehen vor neuen
Problemen und Aufgaben; sie werden von dem, was in der Vergangenheit erreicht wurde, inspiriert und sind gegenwaertig mit
neuen Aufgaben beschaeftigt. In den naechsten fuenf Jahren
werden wir zusammenarbeiten, wie wir das in der Vergangenheit
getan haben, um eine weitere Ausdehnung der europaeischen
Wirtschaft zu erreichen, die allein uns die Kraft geben kann,
den Forderungen der Zeit gerecht zu werden.
Das Schriftstueck, das Sie vor sich haben, ist eine Darlegung dessen, was die achtzehn europaeischen Regierungsmitglieder der OEEC durch einzelne und gemeinsame Aktionen in den
kommenden fuenf Jahren erreichen wollen.
«Vir wollen die ungeheuren Anstrengungen, die erforderlich
sind, nicht unterschaetzen, aber wir sind sicher, dass Europa
die noetigen materiellen und geistigen Kraefte besitzt, um
sie zu bewaeltigen.
Es ist unsere Aufgabe, das Vertrauen unserer Voelker wiederherzustellen, indem wir ueber die gegenwaertig schwere
Zeit hinaus einer Zukunft entgegensehen, in der Europas Reichtum voll genutzt werden kann, um einen besseren Lebensstandard
zu erzielen.
10 -

�Wir stimmen alle darin ueberein, dass es jetzt nicht an
der Zeit ist, apathisch zu sein. Wir muessen mit unseren
Voelkern daran arbeiten, die Kraftquellen unseren Laendern
nutzbar zu machen und die menschliche Y.'uerde zu wahren, sodass
Furcht und Not gebannt sind.
Das ist die aufgäbe, die wir uns selbst in Europa gestellt
haben.
ÖEEC Information Division
WAS HAT DIE FREIE WIRTSCHAFT IN DEN Ü.S.A. VOLLBRACHT?
Was hat das System der freien Wirtschaft in Amerika fuer
die Arbeiter vollbracht? - Dies ist eine entscheidende Frage,
denn die Sozialisten behaupten, ihr System sei besser, waehrend die Kommunisten sagen, die amerikanischen Arbeiter wuerden
ausgebeutet.
Zuerst ein //ort zum Grundsaetzlichen. Kein Wirtschaftssystem kann erfolgreich sein, wenn es nicht den noetigen Ansporn bietet. In Amerika ist der wirtschaftliche Ansporn durch
den natuerlichen Wunsch der Menschen, vorwaertszukommen, gegeben. Bestimmte wirtschaftliche Rechte sind gewahrt, damit
jeder in voller Freiheit diesen Wunsch verwirklichen kann:
das Recht, Eigentum zu besitzen, sich seinen Arbeitsplatz
selbst auszuwaehlen, irgendein Geschaeftsunternehmen zu gruenden und einen angemessenen Gewinn zu erzielen, eine Gewerkschaft zu organisieren und Verhandlungen um Loehne und Unterstuetzungen zu fuehren, eine Arbeitgebervereinigung zu organisieren, einen Vertrag abzuschliessen und zwar entweder zwischen Geschaeftsunternehnen oder Gewerkschaften und Arbeitgebern, und schliesslich das Recht, wirtschaftliche Konzerne
ins Leben zu rufen, die frei mit anderen konkurrieren. Und
ueber allem steht das Recht jedes Einzelnen, sich sein eigenes
Urteil zu bilden und danach zu handeln und seine eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen zu treffen. Diese Rechte bilden
die Grundlage der Initiative und des Verantwortungsbewußtseins des Einzelnen, die unerlaessliche Vorbedingungen des wirtschaftlichen Fortschritts sind.
Ein weiterer Faktor war in der wirtschaftlichen Entwicklung Amerikas von grosser Bedeutung: der freie Markt, der sich
ueber ein Gebiet von drei Millionen Quadratmeilen erstreckt,
in dem es keine Zollgrenzen und keine Unterschiede in der Waehrung gibt, ein Markt, der 150 Millionen Menschen zu versorgen
hat. Dadurch wurde es der Industrie moeglich, durch Massenproduktion die Gestehungskosten zu senken und damit Erzeugnisse
von guter Q,ualitaet zu Preisen zu verkaufen, die auch fuer die
Arbeiter erschwinglich sind. Durch hohe Loehne wurde die zur
Durchfuehrung der Massenproduktion erforderliche Kaufkraft geschaffen.
Zu diesem freien Markt, der sich ueber das ganze Land ausbreitet, waren immer jedem Menschen die Tore geoeffnet. Ohne
Rue*cksicht auf seine soziale Stellung hat er die Moeglichkeit,
seine Talente und Faehigkeiten zu entwickeln. Das freie 'Wirtschaftssystem appelliert an die Energie und das geistige Koennen von Millionen der tuechtigsten Buerger, um jene Werkzeuge
und Maschinen zu schaffen und jene industriellen Organisationen
- 11 -

�zu bilden, die dem Arbeiter einen hohen Lebensstandard ermoeelichen. Die Konkurrenz unter den verschiedenen Firmen
war füer die Geschaeftsleute im allgemeinen ein Ansporn, her-•
vorragende Erzeugnisse zu moeglichst niedrigen Preisen zu
verkaufen, ihre »Varen staendig zu verbessern und neue zu erfinden, um den Wuenschen der Verbraucher gerecht zu werden.
Millionen von Verbrauchern haben durch ihre Wahl unter den
miteinander konkurrierenden Produkten auf einem freien Markt
entschieden, was hergestellt werden soll, und welche Unternehmen bestehen bleiben sollen. Leistungsunfaehige Betriebe
sind dadurch ausgeschaltet worden. Die Industrie ist auf
einem hohen Niveau der Leistungsfaehigkeit gehalten worden,
was fuer einen hohen Lebensstandard wesentlich ist. Der
Wettbewerb wurde zuweilen durch monopolistische Verbindungen
der Industrie behindert. Aber durch besondere ünti-TrustGesetze ist viel dagegen getan worden. Im ganzen gesehen,
ist es im Verlauf des letzten halben Jt-hrhunderts durch den
Wettbewerb ermoeglicht worden, immer grosse Mengen an Waren
von -guter ."iualitaet auf den Harkt zu bringen, deren Preise
fuer den groessten Teil der Bevoelkerung erschwinglich waren.
Vor hundert Jahren konnte der amerikanische Arbeiter im
Durchschnitt in einer Arbeitsstunde tfaren im Werte von 31
Cents herstellen, wenn die heutige Kaufkraft des Dollars zugrundegelegt wird. Infolgedessen war seine Arbeitszeit eine
lange, sein Lohn war sehr niedrig, weil er eben nicht genug
produzieren konnte, um genuegend zu verdienen; aber der Anreiz, die Produktion zu steigern, war sowohl fuer den Arbeitgeber als auch fuer den Arbeiter ein. grosser. Neue Maschinen und neue Arbeitsmethoden erhoehten die Produktion fortlaufend pro Arbeitskraft und pro Stunde. Die besten Erzeuger
wurden durch den Wettbewerb belohnt. 1890 belief sich die
stuendliche Produktionsleistung eines Arbeiters im Durchschnitt auf 53 Cents, der Durchschnittslohn war 48 Cents,
wiederum nach der heutigen Kaufkraft des Dollars gerechnet.
In jener Zeit war die junge Gewerkschaftsbewegung nicht stark
genug, um den Arbeitern ihren rechtmaessigen Anteil an dem
hoeheren Reichtum zu sichern, den sie produzierten. In den
folgenden 20 Jahren erhoehte sich die Produktivitaet um 19
Cents pro Arbeitsstunde, die Loehne jedoch nur um zwei Cents.
Als die Gewerkschaften dann waehrend des ersten Weltkrieges
maechtiger wurden, konnten die Arbeiter ihre Verluste aufholen. Von 1900 bis 1920 gingen die Loehne um 16 Cents pro
Stunde in die Höhe und die Produktivitaet nur um 6 Cents.
Von dieser Zeit an und besonders nach dem Anschwellen der
TÜtgliederstaerke der Gewerkschaften in den dreissiger Jahren
wurden die Unternehmer durch die Forderungen der Gewerkschaften noch hoeheren Loehnen gezwungen, die Produktivitaet
schneller als je zuvor zu steigern. Die Loehne hielten Schritt,
und in der Seit von 1920 bis 1940 wurden die Produktion und
auch die Loehne verdoppelt. Waehrend der Nachkriegsdepression
war diesem Fortschritt vorlaeufig ein ünde gesetzt. Die Arbeitgeber, die zum Ausgleich fuer die Lohaerhoehungen Preissteigerungen durchsetzen konnten, hatten jetzt kein Interesse
daran, die Gestehungskosten zu senken und die Produktivitaet
zu steigern. Die Arbeiter mussten feststellen, dass ihre
Lohngewinne durch Preissteigerungen zunichte gemacht wurden.
Als jedoch den Preissteigerungen im Jahra 1948 Einhalt geboten wurde, begannen Produktivitaet und Loehne erneut zu steigen, iioehere Produktivitaet ist somit immer die Grundlage
fuer hoehere Loehne gewesen. '
12

�Die Kaufkraft des Lohnes fuer eine Arbeitsstunde des
Industriearbeiters wurde in der Zeit von 1890 bis 1950 verdreifacht: sie stieg von 48 Cents auf 1.76 Dollar. Ausserdem wurde seine Arbeitszeit verkuerzt. Wenn wir 1900 mit
1950 vergleichen, stellen wir fest, dass der Wochenlohn des
Arbeiters verdoppelt wurde, waehrend seine Arbeitszeit in
der Woche von 55 oder 60 Stunden auf 40 Stunden zurueckging.
Seine woechentliche Freizeit wurde um 15 bis 20 Stunden verlaengert. Das amerikanische Arbeitsministerium erklaert diese Erfolge und die Gewinne der amerikanischen Arbeiter in dem
halben Jahrhundert von 1900 bis 1950 mit folgenden Worten:
1901 blieben einer Arbeiterfamilie, nachdem sie ihre Lebensmittel, ihre Kleider und ihre Miete bezahlt hatte, nur 17%
ihres Einkommens fuer andere Zwecke, wie zum Beispiel aerztliche behandlung, Ersparnisse, Erholung und Ausbildung. Irgendein Luxus war ihnen damit nicht moeglich, sie waren nicht
einmal gegen ein unvorhergesehenes Unglueck geschuetzt, sie
hatten auch nicht die Mittel fuer eine angemessene Ausbildung
ihrer Kinder. Heute gibt eine Arbeiterfamilie im Durchschnitt
36 - 41% ihres weit hoeheren Einkommens fuer solche Nebenausgaben aus - der Jahresbetrag, der uebrig ist, nachdem sie sich
mit den Lebensnotwendigkeiten versorgt hat, ist, nach den heutigen Preisen gemessen, von 230 auf 1100 Dollar gestiegen.
Das bedeutet, dass der Arbeiter heute mehr Geld fuer Moebel,
fuer Haushaltgeraete, fuer ein Auto, fuer bessere aerztliche
Betreuung, fuer Reise und Erholung und ein besseres soziales
Leben zur Verfuegung hat. Er hat noch mehr Zeit, sich in seiner Gewerkschaft und innerhalb seiner Lebensgemeinschaft zu
betaetigen, er hat ausserdem die Moeglichkeit, seinen Kindern
eine bessere Ausbildung angedeihen zu lassen. Der Durchschnitts-Amerikaner besucht heute die Hochschule. Die Dauer
seiner Schulausbildung ist heute um vier Jahre laenger. als
1900 - naemlich zwoelf Jahre gegen acht.
Der Arbeiter lebt heutzutage in einer weit besseren Wohnung. Nur in -wenigen Arbeiterwohnungen gab es 1900 elektrisches Licht, fliessendes Wasser, ein Bad oder auch nur eine
Brause. Das Telefon war dem Arbeiter unbekannt. Heute sind
all diese Dinge in fast allen Arbeiterwohnungen Selbstverstaendlichkeiten, in vielen gibt es ein Telefon. Vor 50 Jahren waren die Arbeiterwohnungen klein und ueberfuellt und
lagen haeufig in den Elendsvierteln der Staedte. Heute sind
viele dieser Elendsviertel beseitigt worden, obwohl auch heute
noch manche bestehen. Die Arbeiter wohnen im allgemeinen in
groesseren, schoener gelegenen Wohnungen, der eigene Wagen
ermoeglicht es vielen, in den Vorstaedten zu wohnen. 1901 hatten nur 20% der Arbeiter ein eigenes Haus, heute sind es rund
50%.
Eine Arbeiterfamilie kann sich heute eine bessere Ernaehrunp leisten und mehr Eier, mehr Milch und mehr vitaminhaltige Lebensmittel kaufen, üuch ihre Bekleidung ist besser. Sie
gehoert automatisch der Sozialversicherung an, die ihnen eine
Altersrente und Arbeitslosenunterstuetzung bietet, in vielen
Turifvertraegen der Gewerkschaften sind Altersrenten sowie
Kranken- und Euersorgeunterstuetzungen vorgesehen. Die betriebseigene Arbeitersiedlung, in der die Arbeiter der Gnade
des Unternehmers ausgeliefert waren, ist kaum mehr anzutreffen.
Die Arbeiter sind heute unabhaengiger. Das Recht, sich in
Gewerkschaften zu organisieren, ist gesetzlich verankert. Vertraege mit unternehmerhoerigen Gewerkschaften, schwarze Listen
«*

- 13

�und die Anwendung von Gewaltmassnahmen gegen Streikende sind
als ungesetzlich erklaert worden.
In Bezug auf die Verteilung des Einkommens hat sich in
den USA im letzten ViertelJahrhundert eine friedliche Revolution abgespielt. Die hoechsten Einkommensgruppen erhalten
heute einen weit geringeren, die Arbeiter und andere Gruppen
mit niedrigem Einkommen einen weit hoeheren Anteil des gesamten Nationaleinkommens. 1929 waren 34% des Gesamteinkommens
der Nation den 5% zaehlenden Angehoerigen der hoechsten Einkommensgruppe vorbehalten. 1946 war ihr Anteil auf fast die
Haelfte, naemlich 16&gt;, zusammengeschrumpft, d.h. die Angehoerigen der niedrigeren Einkommensgruppen, also häuptsaechlich
Arbeiter, erhielten 1946 25 Milliarden Dollar des gesamten
Einkommens, die, wenn es 1929 verteilt worden waere, den obersten 5% ebenfalls fast zur Haelfte zugeflossen waeren.
Im gesamten gesehen,
Gewinne fuer die Arbeiter
Gesamteinkommens, die die
stets versprochen hatten,

zeigen diese 50 Jahre genau jene
und j.ene Art der Verteilung des
Sozialisten und die Kommunisten
aber niemals erreichen konnten.

Ein Vergleich zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa zeigt, warum in Amerika ein hoeherer Lebensstandard
moeglich ist. Vor dem zweiten Weltkrieg war der Wert der
Produktion pro Kopf der Bevoelkerung in den Vereinigten Staaten 2 1/3 mal so hoch wie in Eurooa - 1360 Dollar in den USA
und 550 Dollar in Europa. Die ungeheure industrielle Proriuktivitaet der USA, die dem freien Wirtschaftssystem zu verdanken ist, ihre Maschinen und ihre Arbeitsmethoden, ihre Massenproduktion und ihre J'assenabsatzmaerkte haben es den Arbeitern
ermoeglicht, sich einen hohen Lebensstandard zu erarbeiten.
Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Produktion pro Kopf der
Bevoelkerung in den USA wieder um mehr als 50% gestiegen, in
Europa dagegen nur um 5%, was auf die Kriegszerstoerungen zurueckzufuehren ist, die zuerst wieder ausgeglichen werden mussten.
Die Produktion oro Kopf der Bevoelkerung ist in den USA heute
3 1/2 mal so hoch wie in Europa - 2100 Dollar in den USA, 600
Dollar in Europa. Hoffentlich kann die J^roduktivitaet auch in
Europa wesentlich gesteigert werden, damit auch dort der Lebensstandard hoeher werden kann.
Labor's Ivionthly Survey
AFL 9/51
DER KONGRESS DES KANADISCHEN GEWERKSCBAFTSBUNDES
Paul Finet, der fruehere Vorsitzende des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, hielt vor dem Kongress des Kanadischen Gewerkschaftsbundes (CCL) in Vancouver eine bedeutsame Rede. Im Anschluss an seine Rede wurde eine Resolution
angenommen, in der die Absicht des IBFG gebilligt wurde, Geldmittel fuer seine ^ufklaerungs- und Werbearbeit in Suedostasien bereitzustellen. Der Kanadische Gewerkschaftsbund will
sich mit 50.000 Dollar beteiligen, von denen bereits 10.000
Dollar aufgebracht sind.
Ausserdem wurde eine Reihe politischer Erklaerungen gebilligt, denen zufolge die Werbetätigkeit verstaerkt, bessere
Tarifvertraege mit hoeheren Lohntarifen abgeschlossen, Refor- 14 -

�tuen in den. Provinz- und Staatsbehoerden und ihrer Dienstleistungen fuer das Volk gefordert und eine aktivere politische
Betaetigung angeregt werden soll.
Der Kongress brachte seine feste Entschlossenheit zum
Ausdruck, eine Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung zu unterstuetzen, indem er allen Eunktionaeren und allen Gewerkschaftsvorstaenden nahelegt, ihre Bemuehungen fuer eine voellige
Zusa:rjaenarbeit, die Herstellung der organischen Einheit aller
gleichgesonnenen Gewerkschaftsorganisationen und ihre Zusammenfassung in einer einzigen Organisation fuer ganz Kanada
fortzusetzen.
In einer Entschliessung ueber Loehne wird darauf hingewiesen, dass durch die unvorhergesehenen und willkuerlichen
Steigerungen der Lebenshaltungskosten in den vergangenen Monaten Lohnerhoehungen zur unbedingten Notwendigkeit geworden
sind, wenn der jetzige Lebensstandard beibehalten werden soll.
Der Kongress forderte ferner, dass die angeschlossenen
Gewerkschaften unter Berücksichtigung ihrer eigenen Beduerfnisse und Verantwortlichkeiten sofort Massnahmen ergreifen,
um diese dringend erforderlichen wesentlichen Lohnerhoehunren
durchzusetzen.
In der Entschliessung wurde ausserdem der Lohnkoordinierungsausschuss des Kanadischen Gewerkschaftsbundes aufgefordert, die angeschlossenen Gewerkschaften in ihren Lohnforderungen noch mehr als bisher zu unterstuetzen. Es wird ferner
empfohlen, regionale Lohnkoordinierungsausschuesse zu bilden,
die mit dem Landesausschuss und den Ortsgewerkschaften in
allen Bezirken zusammenarbeiten.
Dieser Vorschlag wurde von der Versammlung weitgehend
unterstuetzt. Sprecher wiesen besonders darauf hin, dass damit im Grunde alle Ortsgewerkschaften aufgefordert werden, sich
bei der Forderung von hoeheren Loehnen gegenseitig zu unterstuetzen, besonders dann, wenn es noetig ist, zu streiken.
"Es bedeutet," so sagte ein Delegierter kurz und buendig,
"dass wir die Haerten und Lasten gemeinsam tragen muessen."
Der Kongress stellte ausserdem fest, dass die Arbeitslosigkeit in Kanada um sich greift, und wendete sich in scharfen Worten gegen die Dojainiumsregierung, weil sie nicht die
Vorschlaege des Kanadischen T-ewerkschaftsbundes in Erwaegung
gezogen hat, die darauf ausgingen, den bevorstehenden Entlassungen in der Automobilindustrie Einhalt zu gebieten. Er
beschloss durch Abstimmung, eine Organisation erwerbsloser Arbeiter ins Leben zu rufen.
Er forderte sodann, dass die kanadische Regierung in den
betroffenen Gebieten Projekte zur Arbeitsbeschaffung aufstellt
und die Unterstuetzungen aus der Arbeitslosenversicherung
erhoeht.
In anderen EntSchliessungen wird die Regierung ersucht,
sofort Preiskontrollen einzufuehren, die Preise auf einen
moeglichst niedrigen Stand zurueokzubringen, wenn es erforderlich ist, Subventionen zu zahlen, und die strengen Kreditbe3chraenkungen zu lockern, damit der Arbeitslosigkeit durch eine
Erweiterung des Verbrauchermarktes begegnet werden kann.
- 15 -

�Die Forderung nach einer Altersrente von 65 Dollar im
Monat, die bei einem Alter von 65 Jahren faeilig ist, ohne
dass ueberprueft werden muss, ob der Betreffende unterstuetzungsbeduerftig ist, wurde von dem Kongress einstimmig
gebilligt. Gegenwaertig wird eine Pension von 40 Dollar bei
einem Alter von 70 Jahren gezahlt, ohne dess die Unterstuetzungsberechtigung nachgewiesen werden muss.
Der Kongress billigte das Erziehungsprogramm des Kanadischen Gewerkschaftsbundes und begiueckwuenschte die Funktionaere zu ihrer Arbeit im letzten Jahr, die der Bekaempfung
der Diskriminierung und der Intoleranz gewidmet war. Emmett
Holmes aus Tancouver, ein Neger, der als Delegierter der
Holzarbeiter-Ortsgewerksohaft Kr. 1-217 anwesend war, beruehrte in seinem Kommentar zu diesem Bericht ein heikles Thema.
"Es ist wie mit der Hitze," sagte er, als er von der
Diskriminierung sprach'. "Man kann sie nicht sehen, aber man
fuehlt sie."
Mosher kritisierte in seiner Rede in scharfen Worten
die Unternehmer,die den kommunistischen Gewerkschaften dadurch
helfen, indem sie "billige" Vertraege unterschreiben.
"Ohne die Hilfe dieser Unternehmer waere es den kommunistischen Gewerkschaften viel schwerer, sich ueber Wasser zu halten; aber dessenungeachtet kann in Bezug auf das Endergebnis
kein Zweifel bestehen."
"Der Kommunismus wird ganz bestimmt besiegt werden, soweit dies die Gewerkschaftsbewegung in Kanada betrifft. Es
ist den kommunistischen Gruppen immer schwerer geworden, Anhaenger zu gewinnen, weil der Kommunismus eindeutig als eine
Verschwoerung staatsuntreuer Buerger demarkiert wurde, die
im Interesse einer fremden Macht handelt."
In Bezug auf innerkanadische Angelegenheiten wurde erklaert: "Im Verlauf des letzten Sommers haben die Lebenshaltungskosten eine nie zuvor gekannte Hoehe in Kanada erreicht.
Dadurch wurden die Lohnerhoehungen wirkungslos, die nur unter
.ungeheuren Bemuehungen und in vielen Faellen durch kostsnieligs Streiks errungen werden konnten.
Wenn die Arbeiter das, was sie von den Unternehmern erkaempfen konnten, wieder verlieren, weil ihre Regierung
nicht bereit ist, ihre Interessen genuegend zu wahren, so
duerfte es ueberfluessig sein, darauf hinzuweisen, dass ihnen
keine andere Moeglichkeit bleibt, als ihre eigenen Vertreter
ins Parlament und die gesetzgebenden Organe der Regierung zu
waehlen, um auf diese Weise ihre Interessen gewahrt zu sehen.
Man sagt nicht zuviel, wenn man behauptet, dass die wirtschaftliche Lage eine wesentlich andere geworden waere, wenn eine
politische Partei die Macht gehabt haette, den Wuenschen der
Arbeiterschaft Rechnung zu tragen. Damit wtere dem kanadischen Volk ungeheuer viel erspart geblieben.
The CIO News
X/l/51

- 16 -

Etooo ra o « si lejs« 6 ••

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel •tollen Auszuge aus dar amerikanischen Presse nnd anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert worden. Auf Wonach worden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
D«r Inhalt dar „Arbeitsmitteilungen" tot nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommisaion für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
___

IV - 43

F r a n k f u r t , 26. Oktober 1951

I N H ALT

S V E R Z E I C H N I S

Die Aufgabe der Gewerkschaftsbewegung Im
J a h r 1952

1

Die wirtschaftllohe Situation Europas

3

Aus der Arbeit der finnischen Gewerkschaftsbewegung
12
Amerikanische Hilfsorganisation feiert
zehnjaehriges Bestehen

16

George Meany, Hauptkassierer der AFL:
DIE AUFGABE DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM JAHR 1952
Unsere Sicherheit als Nation, unsere Lebensweise und
die der freien Welt sind heutzutage von der seit Menschengedenken furohtbarsten Versohwoerung gegen den Fortschritt
der Menschheit bedroht - von der kommunistischen Forderung
nach der Weltherrschaft. Und doch ist angesichts dieser
aufsteigenden Gefahr das amerikanische Volk geneigt, Entscheidungen hinauszuzögern. Es soheint zu glauben, wir
koennten niemals besiegt werden, weil wir noch nie geschlagen worden sind. Der Hauptgrund, dass wir noch niemals einen
Krieg verloren haben, ist die Tatsache, dass die Amerikaner
in Zeiten nationaler Gefahr sich immer auf den Pioniergeist
ihrer Vorfahren und nioht auf Teilnahmslosigkeit und Apathie
besonnen haben.
1 -

�Jeder Einzelne von uns ist fuer die gegenwaertige verwirrte Situation, in der sich unsere Nation befindet, verantwortlich. Wenn wir mit unserem Kongress nicht zufrieden
sind, und wenn wir ueber den Gang der Weltentwicklung enttaeuscht sind, so haben wir niemandem anderem als uns selbst
die Schuld hierfuer zuzuschreiben. Die Menschen koennen
nur das erreichen, wofuer sie zu arbeiten und zu kaempfen
bereit sind. Wenn unsere Freiheit heute bedroht ist, dann
deshalb, weil wir nicht immer genuegend wachsam gewesen
sind und zu dem entscheidenden Zeitpunkt geschlafen haben.
Wir koennen es uns nicht leisten, uns auf den Standpunkt zu stellen, dass wir kein Interesse an der Politik haetten. Wir koennen es uns auch nicht leisten, den Freunden
der Gewerkschaftsbewegung zu sagen: "Haltet Euch gefaelligst
aus meiner Politik heraus, ich waehle, wen ich will." Wir
als Gewerkschaftsfunktionaere und als integraler Bestandteil
unserer gewerkschaftlichen Aktivitaet muessen das politische
Feld betreten.
Zwar sind der "Amerikanische Plan" und der Hungerplan
der Unternehmer nicht geglueckt, und es kam auch nicht zu
der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung, mit der man die
Gewerkschaftsbewegung unterdruecken und sie in die Defensive
draengen wollte. Aber es ist den Gewerkschaftsfeinden immerhin gelungen, das Taft-Hartley-Gesetz durchzusetzen.
Was war eigentlich der "Amerikanische Plan"?

Es war

nichts anderes als die obligatorische Einfuehrung des "openshop" in der gesamten Industrie. IBeim "open-shop" steht es
jedem Arbeiter frei, der Gewerkschaft beizutreten oder nicht).
Der Plan wurde von der Nationalen Arbeitgebervereinigung im
Jahre 1921 finanziert, und durch ihn wurde die gesamte Nation
18 Monate lang von einer Seite auf die andere geworfen.
Die Gewerkschaftsbewegung wurde in einigen unserer
groessten Staedte zeitweilig voellig aus der Industrie verdraengt. Es war der Zweck dieses Plans, gewerkschaftlich
organisierte Arbeiter zu zwingen, mit nichtorganisierten in
den Betrieben zusammenzuarbeiten, wobei man die Theorie
im Auge hatte, dass, wenn Gewerkschafter mit nichtorganisierten Arbeitern in den Betrieben zusammen sein muessen, die
Gewerkschaften nicht laenger bestehen koennen.
Am 4. Juni 1951 fasste das Oberste Bundesgericht der
Vereinigten Staaten im Rahmen des Taft-Hartley-Gesetzes
drei Beschluesse, die sich alle auf das Baugewerbe auswirkten und den folgenden Grundsatz hinsichtlich der Auslegung
der Absichten des Kongresses im Rahmen des Taft-Hartley-Gesetzes enthielten: die Gewerkschaften haben nicht das
Recht, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter bei ihrer Weigerung zu unterstuetzen, mit nichtorganisierten zusammenzuarbeiten.
Dies war ein offizieller Beschluss des Obersten Bundesgerichtes der Vereinigten Staaten. Das Gericht sagt nicht,
ob das Gesetz gut oder schlecht ist. Es sagt lediglich,
dass es verfassungsgemaess ist, dass es im Sinne der Absichten des Kongresses liegt, und dass es eben einfach ein Gesetz ist.
- 2 -

�Wir duerfen eines nicht vergessen: Als man bei der Abstimmung ueber das Taft-Hartley-Gesetz im Jahre 1947 die
Stimmen zaehlte, wurde gerecht verfahren, Es ging auch mit
rechten Dingen zu, als das Veto Praesident Trumans gegen dieses Gesetz ueberstimmt wurde. Es war das Kapital, vertreten
von dem Nationalen Arbeitgeberverband und von seinen Freunden im Kongress, wie Taft und Hartley, das die Stimmen erhielt.
Nicht wir hatten die Stimmenmehrheit. Wenn wir deshalb dieser
Situation ein Ende bereiten wollen, gibt es meines Erachtens
nur einen Weg: Wir muessen die Stimmen fuer uns bekommen.
Wir werden es niemals erreichen, dass das Taft-HartleyGesetz widerrufen wird, wenn im Kongress nicht Maenner und
Frauen sitzen, die Freunde der Ideen und Grundsaetze unserer
grossen Gewerkschaftsbewegung sind.
Die politische Arbeit unserer Gewerkschaften durch die
Gewerkschaftsliga fuer politische Erziehung (Labor League
for Political Education) anzukurbeln, ist eine schwere Arbeit.
Es dreht sich nicht darum,einfach darueber zu sprechen und
sie dann zu vergessen. So nachteilig 3as Taft-Hartley-Gesetz
auch ist, so fordert es doch jede Ortsgewerkschaft in unserem
Lande geradezu dazu heraus, die Anfangsschritte dieser Arbeit
zu leisten.
Es steht nichts in den Buechern unserer Verfassung, was
eine Ortsgewerkschaft daran hindern wuerde, die Initiative
zu ergreifen und eine Aufklaerungskampagne durchzufuehren
oder ihre Geldmittel dazu zu verwenden, diese Kampagne zu finanzieren, mit der sie ihre eigenen Mitglieder dazu bewegen
will, am Wahltag zu den Urnen zu gehen. Das kann jede Ortsgewerkschaft tun, und damit waeren tatsaechlich die ersten
Schritte der schwierigen Aufgabe getan, unsere Mitglieder,
unsere Familien und unsere Freunde zum Waehlen zu veranlassen.
Wenn uns dies gelingt, braucht es uns um die Wahlergebnisse nicht bange zu sein. Wir wissen, wie sie stimmen werden. Wir wissen, dass sie jene Leute waehlen, die die Wohlfahrt und die Interessen der grossen Masse des arbeitenden
Volkes im Auge haben, die in Wirklichkeit der echte Reichtum
dieses grossen Landes ist.
Fangen wir sofort damit an und widmen wir uns mit allen
Kraeften dieser Aufgabe bei den naechsten Wahlen im Jahre
1952J
Justice
IX/1/51
Paul G. Hoff man:
Dia WIRTSCHAFTLICH*. SITUATION EUROPAS
Im August 1945 nahm ich an einer Versammlung des Rates
der Internationalen Handelskammer in London teil. Waehrend
der Besprechung erreichte uns die Nachricht, dass der Krieg
in Japan beendet war. Soweit ich mich erinnere, veranlasste
uns diese Nachricht, vieles von dem zu uebergehen, was auf
unserer festgelegten Tagesordnung noch uebrig war. Viele
von denen, die an diesem Tage anwesend waren, werden sich
- 3-

�daran erinnern, wie schnell
der Frage zuwandten, welche
friedlichen Handel zwischen
schen Welt getroffen werden

- und hoffnungsvoll! - wir uns
neuen Vorkehrungen fuer einen
der freien und der kommunistikoennten.

Viele von Ihnen werden sich auch daran erinnern koennen,
dass der Kreml aufgefordert, wurde, Vertreter zu dieser Versammlung zu entsenden. Als diese Einladung abgesagt wurde,
drueckten wir unser Bedauern darueber aus. Ueber die Abwesenheit der Sowjets dachten wir aber wirklich nicht allzuviel
nach. Schliesslich waren sie ja unsere Verbuendeten.
In der freundlichen Atmosphaere, die die Nachricht des
Sieges ueber Japan schuf, begannen wir ernsthafte Plaene fuer
den wirtschaftlichen Wiederaufbau auszuarbeiten. Der ueberzeugte Optimismus, den der Friede im Pazifik ausgeloest hatte,
veranlasste uns alle, die bedeutendste Tatsache zu uebersehen.
Wir vergessen, dass der Kreml mit der Ablehnung, sich uns
in London auszusohliessen, lediglich an seiner Parteilinie
festhielt. In jenen gluecklichen Tagen strichen wir einfach
alles aus unseren Gedanken, was wir alle wussten, dass der
Kreml nur einem einzigen Zweck diente -damals, vorher, und
seitdem - die freie Welt zu zersetzen. Waehrend wir uns enthusiastisch in die Diskussion der Moeglichkeiten stuerzten, Wirtschaftsverbindungen mit dem Kreml zu schaffen, stuerzte sich
der Kreml noch energischer auf seine Plaene, uns auszubooten.
Kurz, wir uebersahen, dass Marx, Lenin und Stalin gerade das meinten, was sie sagten, als sie erklaerten, dass der
Kapitalismus abtreten muss und der internationale Kommunismus seine Stelle einnehmen muss.
Wenn wir auf den Verlauf dieser fuenf oder sechs Jahre
zurueckblicken, dann glaube ich zugeben zu muessen, dass
der Kreml im Ganzen gesehen viele Erfolge in diesem totalen
Krieg gegen den Kapitalismus hatte. Im Jahre 1945 folgten
etwa 200 Millionen Menschen den Befehlen des Kremls. Heute
hat sich diese Zahl vielleicht vervierfacht. Auf jeden Fall
wird geschaetzt, dass etwa 800 Millionen Menschen der Stimme
Moskaus gehorchen muessen. Unzweifelhaft gehorchen viele
von ihnen nur mit Furcht und Zittern. Ich glaube aber, dass
man mit Sicherheit sagen kann, dass bei den meisten dieser
800 Millionen der Geschaeftsmann - so wesentlich er fuer die
kapitalistische Welt ist - keinerlei Ansehen besitzt.
Es ist tatsaechlich fraglich, ob die meisten dieser 800
Millionen Menschen ueberhaupt eine Vorstellung davon haben,
was ein Geschaeftsmann ist. Uebrigens gibt es im Russischen
kein Wort fuer "Geschaeftsmann". Die Russen benutzen nur
Schlagworte, wenn sie auf diese Funktion in der westlichen
Gesellschaftsordnung Bezug nehmen.
Die meisten Eroberungen des Kremls in den vergangenen
halbdutzend Jahren erfolgten durch innere Aggression - durch
Umsturz und Sabotage innerhalb der Laender - aber nicht durch
Eroberungskriege gegen Laender. Das bewaehrte Rezept des
Kremls war immer die Ausbeutung innerer Schwaechen anderer
Laender, und dieses Rezept ist bisher wahrhaftig mit Volldampf
angewandt worden. Die Ergebnisse sind verblueffend, wie
zum Beispiel in China.

4

�Einige Leute vermuteten, dass der Kreml seine .Vorherrschaft jetzt so weit ausgedehnt hat, wie er es beabsichtigte,
und dass sein Programm von nun ab lediglich in der Konsolidierung und dem Schutz der Gewinne besteht, die seit dem
Kriege gemacht wurden. Dies ist ein Standpunkt, den Moskau
selbst sehr gern unterstuetzt. Dieser aber ist, nach meiner
Ansicht, ein Irrtum ungeheuersten Ausmasses. Die Maenner
des Kremls glauben und hoffen, dass die bisherigen Massnahmen erst der Anfang sind. Nichts wird sie zufriedenstellen,
solange es noch keine kollektivierte Welt gibt. Ich habe
genug eigene Erfahrungen mit Moskauer Taktiken, um die Wahrheit dieser Erklaerung versichern zu koennen. Sie brauchen
sich aber nicht auf mein Wort zu verlassen - ich verweise Sie
auf die drei vorgenannten Persoenlichkeiten - Marx, Lenin
und Stalin. Sie haben zu diesem Thema viel zu sagenl
Die Geschichte wird uns noch eines geradezu kriminellen
Wohlbehagens fuer schuldig befinden, wenn wir nicht erkennen,
dass dieser kommunistische Vorstoss zur Weltherrschaft den
Kapitalismus ueberall vor Gericht gestellt hat. Das Kernproblem ist die Erhaltung des Kapitalismus gegen die Verheissungen des Kommunismus.
Wenn wir Wirtschafter - gleichgueltig welchen Landes ein Urteil zu unseren Gunsten wollen, dann tun wir gut daran,
die Voelker der ganzen 'Welt davon zu ueberzeugen, dass das
Wirtschaftssystem, von dem wir ein Bestandteil sind, mehr
fuer sie tun wird als irgendein anderes System, und weiterhin, dass es das einzige System ist, das den Menschen die
Hoffnung bietet, in einem Klima der Freiheit, der Sicherheit
und der freien Entfaltung zu leben.
In diesen schnell wechselnden Zeiten mecht sich ein konstanter Faktor bemerkbar, der uns Wirtschafter herausfordert.
Dieser ist der Faktor der Unruhe - der Unruhe, verursacht
durch den Entschluss der Menschen, selbst ihr Los zu bessern.
Wir sehen es bei den lange schlummernden Voelkern der Erde,
die sich heute selbst waychruetteln. Ein besseres Leben ist
fuer sie kein leerer Traum, an dem sich nichts aendern laesst.
Wir wissen, die Sowjets versprechen ihnen taeglich ein besseres Leben. Es ist mir klar, dass unsere freie Gesellschaft
diesen Versprechen der Sowjets durch Taten und nicht durch
Worte entgegentreten muss. Dieses ist die Herausforderung,
der wir erfolgreich entgegentreten muessen, wenn wir die Gesellschaftsform beibehalten wollen, in der wir als Wirtschafter eine wuerdige Stellung einnehmen.
Ich glaube, dass jede objektive Bewertung der Welt zu
dem Schluss fuehren wird, dass der Kapitalismus in keinem Lande gesicherter ist als in den Vereinigten Staaten. Es ist
ganz sicher wahr, dass der Wohlstand in Amerika in einem
schnelleren Verhaeltnis wäschst als in anderen Teilen der
Welt, dass es in den Vereinigten Staaten eine groessere Kapitalansammlung gibt, und dass es in meinem Lande einer groesseren Anzahl Menschen besser geht als sonst irgendwo in der Welt.
Daher glaube ich, dass es sich lohnt, nach den Gruenden
fuer die verhaeltnismaessig solide Position der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu suchen, d.h. der Vereinigten
Staaten. Gewiss, das Vorhandensein von Tausenden von Meilen
rfasseroberflaeohe an beiden Kanten unseres Landes ist ein
Teil dieser ehrlichen, aufrichtigen Antwort. Ich moechte
- 5 -

�aber einwerfen, dass die ganze Antwort tatsaechlich weit ueber
den Zufall'der weiten Grenzen hinausreicht. Eine Antwort,
die der Sache wesentlich naeherkommt, lautet meiner Ansicht
nach etwa so:
t

1. Der Kapitalismus, wie er in den Vereinigten Staaten
vorhanden ist, hat eine fortlaufende und zunehmende Leistungsfaehigkeit zur Schaffung von Wohlstand bewiesen.
2. Dieser staendig wachsende Wohlstand wird mit vernuenftiger Gerechtigkeit auf die Bevoelkerung verteilt.
3. Der amerikanische Kapitalismus hat einen neuen Kurs
angenommen, der in meinem Lande immer haeufiger als das "soziale Bewusstsein der Wirtschaft" bezeichnet wird.
Jeden dieser Faktoren, die unseren Kapitalismus staerken, moechte ich gern kurz mit Ihnen besprechen. Wenn es
erforderlich ist, die Leistungsfaehigkeit des Kapitalismus
der Vereinigten Staaten bei der Schaffung von »Vohlstand nachzuweisen, so fuehre ich die Tatsache an, dass ungefaehr ein
Drittel aller Waren der Welt in den Vereinigten Staaten hergestellt werden und fast die Haelfte aller Fabrikerzeugnisse
der Erde; wir besitzen aber nicht einmal ein Drittel der Rohstoffquellen. Tatsaechlich besitzen wir schaetzungsweiee
1/15 der Weltbevoelkerung, 1/15 des Landgebietes der Erde
und 1/15 seiner Rohstoffquellen. Was wir haben, ist eine
viel hoehere Produktivitaet, d.h. eine groessere Leistung
pro Arbeitsstunde. Wir Amerikaner glauben ziemlich leidenschaftlich an die .Produktivitaet. Wir glauben, dass unser
materieller Wohlstand weitgehend von einem staendig ansteigenden Produktionsausstoss pro Arbeitskraft abhaengt. Andererseits wissen wir, dass dieser fast ausschliesslich davon abhaengt, in welchem Ausmass wir den grossen Hebel der Maschine
benutzen koennen und die Energie der Treibstoffes und des
Wassers zum Betreiben dieser Maschine einspannen koennen.
Nur Maenner, die mit Maschinen ausgeruestet sind, koennen
Wohlstand im Uebermass schaffen, und wenn das, was wir wollen,
Wohlstand im Uebermass fuer viele Menschen ist, so besteht
die Aufgabe darin, die Produktion ueberall dadurch hochzutreiben, indem mechanische Muskeln fuer die menschlichen Muskeln
eingesetzt werden.
Lassen Sie mich nun andererseits zu dem zweiten Punkt
kommen, den ich fuer die verhaeltnismaessig sichere Position
des Kapitalismus in den Vereinigten Staaten voranstelle: die
gleichmaessige Verteilung des Wohlstandes. Die Produktivitaet
hat uns die Gelegenheit geboten, aus Millionen unserer Buerger
"KaDitalisten" zu machen. Peter Drucker hat eine treffende
Feststellung zu diesem Punkt gemacht:
"Wir haben in diesen 50 Jahren gelernt, dass die Produktivitaet ein sozialer Prinzip und nicht einfach ein wirtschaftliches Prinzip ist. Anders ausgedrueckt, die gesteigerte Produktivitaet muss zu einem groesseren Einkommen fuer Viele beitragen sowie zur groesseren Arbeitsplatzsicherheit der Arbeiter und zur groesseren Zufriedenheit des Verbrauchers, um
ueberhaupt p:ut zu sein. Es genuegt nicht, dass sie lediglich
zu Profiten beitraegt."
Ein Blick auf das veraenderte Schema der Wohlstandsverteilung in den Vereinigten Staaten wird diese Aeusserung aus- 6 -

�gezeichnet beleuchten.
Die Statistik zeigt, dass fuer die amerikanische Bevoelkerung von 153 Millionen beinahe 40 Millionen Automobile
vorhanden sind. Hier aber einige Zahlen, die mir noch bedeutungsvoller erscheinen. Im Jahre 1949 erhielten 26$ aller nordamerikanisehen Lohnempfaenger 3000 Dollar oder mehr an Loehnen und Gehaeltern. Zehn Jahre vorher jedoch, im Jahre
1939, bezogen nur 15# der US-Lohnempfaenger ein Einkommen
von gleicher Kaufkraft - ein Zuwachs von beinahe 70$ innerhalb eines Jahrzehnts. Fuer den Umschwung, der zwischen
1900 und 1950 stattgefunden hat, sind keine zuverlaessigen
Ziffern vorhanden. In jeder Dekade ist aber ein zunehmender
Prozentsatz des Insgesamt erzielten Wohlstandes zu der niedrigeren Einkommensgruppe gewandert.
Diese Medaille hat natuerlich auch eine Kehrseite. Die
hoechste Einkommensgruppe in Amerika hat in den fuenf Jahrzehnten zwischen 1900 und 1950 einen stark abfallenden Prozentsatz des insgesamt erzielten Wohlstandes erhalten. Die
meisten Mitglieder der US-Delegation koennen persoenlich bezeugen, dass ihre Einkommen, brutto und netto, waehrend der
zwei vergangenen Jahrzehnte betraechtlich gesunken sind.
Der Abstand zwischen dem Einkommen des Praesidenten einer
Gesellschaft und dem am niedrigsten bezahlten Arbeiter hat
sich betraechtlioh verringert.
Wir sind im Endergebnis eine Nation geworden, in der,
vom materiellen Standpunkt gesehen, Klassenunterschiede nicht
mehr von besonderer Bedeutung sind. So wurde erst kuerzlich
in einer Umfrage der Zeitschrift "Fortune" die Frage gestellt
"Zu welcher Klasse gehoeren Sie?" Das Ergebnis war eine
Bestaetigung von fast 90$ aller Befragten, dass sie sich zum
Mittelstand rechnen.
Wir gehoeren einfach alle zum Mittelstand und sind stolz
darauf. Darum wuerden auch, wenn irgendeiner eine Neuverteilung des Reichtums vorschlagen wuerde, fast alle von uns mit
der Frage antworten: "Wessen Reichtum?" Denn fast alle von
den 40 Millionen Familien haben privates Eigentum in der einen
oder anderen Form. Diese 40 Millionen Familien sind sich
ferner der Tatsache bewusst, dass sie an jeder Steigerung des
Gesamtwohlstandes teilnehmen werden.
Vielleicht besteht daher allgemeines Einverstaendnis
unter uns allen darueber, dass unsere Energien in erster Linie auf die Vergroesserung des zu teilenden Bratens gerichtet sein sollten, als diese Energien in Streitigkeiten darueber zu- zersplittern, wieviel jeder von dem augenblicklich
zur Verfuegüng stehenden Braten zu erhalten hat.
Die beste Art, Ihnen jene Form, die ich als sozialbewussten"Kapitalismus" bezeichnete, zu erlaeutern, ist die,
Ihnen von einem Forum zu berichten, an dem ich kuerzlich in
der Stadt New York teilnahm.
An diesem Forum nahm eine Anzahl Wirtschafter teil, aber der
groesste Teilder Versammlungsteilnehmer waren Intellektuelle
Maenner wie Erwin Canhan, Russell Davenport, Peter Drucker,
Lewis Galentiers, Harry Gideonse und Frank Tannenbaum. Unser
Thema lautete: "Was hat der amerikanische Kapitalismus fuer
und gegen die einzelnen Menschen waehrend der vergangenen 50
- 7 -

�Jahre unternommen?n Dies war eine Frage, mit der man sich
nach unserer Ansicht, ehrlioh auseinanderaetzen muss. Schliesslich liegt die grundsaetzliche Rechtfertigung der freien Gesellschaft in der Gelegenheit, die sie allen Mensohen als
Einzelpersonen gibt, ihre natuerlichen Faehigkeiten zu verwirklichen. In der Ideologie des Kremls lebt der Mensch, um
dem Staat zu dienen; in unserer Ideologie lebt der Staat, um
dem Menschen zu dienen. Wie weit hat, so fragen wir uns,
Amerika seinen Buergern gedient?
Waehrend des ersten Teils der Versammlung versuchten wir
abzuschaetzen, was seit 1900 in den Vereinigten Staaten, hinsichtlich der Moeglichkeit vorwaertszukommen und sich zu entwickeln, geschehen ist,* und ob. die Amerikaner waehrend des
letzten Jahrhunderts in materieller, bildungsmaessiger und
geistiger Hinsicht tatsaechllch fortgeschritten oder zurueokgefallen sind.
Es bestand einstimmiges Einvernehmen darueber, dass, soweit es. sich um den materiellen Fortschritt des Einzelnen handelte, ein V'unäer geschehen ist. Quantitativ und qualitativ
haben sich seine Moeglichkeiten ungeheuer vervielfacht. Im
Jahre 1900 verfuegte Amerika ueber 27 Millionen Arbeitsplaetze nur mittelmaessige Arbeitsplaetze - fuer eine Nation von 75
Millionen Menschen. Im Jahre 1915 waren 62 Millionen Arbeitsplaetze verfuegbar fuer 150 Millionen Mensohen - und diese
Arbeitsplaetze waren auch weitaus besser. Die Realloehne der
Fabrikarbeiter hatten sich mehr als verdoppelt, Versicherungs-,
Pensions- und Gesundheitsplaene fuer die Arbeiter hatten allgemeine Annahme göf undenf und die Arbeitsstunde ist von 60
auf 40 Stunden pro Woche gesenkt worden.
Im Jahre 1900 waren die materiellen Vorteile unseres
Wirtschaftssystems weitgehend auf eine kleine Gruppe an der
aeussersten Spitze der Wirtschaft besohraenkt. Im Jahre 1945
ist, wie wir gesehen haben, unser weitaus groesserer Wohlstand viel gleichmaessiger auf die ganze Bevoelkerung verteilt.
Bei der Frage der bildungsmaessigen Gelegenheiten des
Einzelnen bestand abermals Einvernehmen - ein Wunder hat auch
hier stattgefunden. Am Ende des letzten Jahrhunderts waren
nur 7% aller Kinder der Vereinigten Staaten, die sich im Alter der hoeheren Schueler befanden, noch in der Schule. Im
Jahre 1945 war diese Gesamtzahl auf 80% gestiegen. Im Jahre
1900 hatten wir 7200 Hochschul- und Universitaetsprofessoren.
Heute haben wir mehr als die zehnfache Zahl davon - mehr als
72,000. Seit der Jahrhundertwende ist die Zahl unserer Abiturienten (College Graduates) sechsmal so schnell gestiegen
wie die Zahl der Bevoelkerung.
Bei der Frage nach den Moeglichkeiten des geistigen Fortschritts kamen wir bei der Erwaegung des Fuer und Wider zu
dem Schluss, dass wir vorwaertsgeschritten sind. Wir stellten fest, dass im amerikanischen Leben ein Nachlassen der Heuchelei und eine Abnahme des Vorurteils und der Intoleranz
stattgefunden hat. Wir stellten das Aufkommen neuer und besserer Beziehungen zwischen grossen Gruppen der .Bevoelkerung
fest sowie die Entwicklung von neuen Masstaeben des persoenlichen Verhaltens und neuer Einsichten in die gegenseitige Abhaengigkeit aller Amerikaner.

- 8-

�Die Moeglichkeiten in allen dieser drei Gruppen sind Angelegenheiten des "sozialbewussten Kapitalismus". Wir sind jedoch
darueber erfreut ueber die Erklaerung unserer Intellektuellen,
dass Fortschritte erzielt worden sind. Bitte erhalten Sie
aber nicht den Eindruck, dass irgendeiner von uns auch nur
den Gedanken hatte, dass wir ueber eine erledigte Seche sprachen. Was am klarsten herausgestellt wurde, war der Weg, den
wir noch zurueckzulegen haben, bevor wir alle die Zuversicht
haben koennen, die es nur gibt, dass der Kapitalismus, sogar
der sozialbewusste Kapitalismus, als gesichert angesehen werden kann. Jedesmal, wenn wir glauben, dass die „Aufgabe in
materieller, bildungsmaessiger und geistiger Hinsicht mehr
fuer mehr Menschen zu tun, beendet ist, sind wir selbst am
Ende.
loh moechte nun noch etwas ueber Europa sagen.
Ich nehme an, dass ich genuegend Empfehlungsschreiben
von Ihnen fuer diese Aufgabe besitze. Waehrend meiner Taetigkeit bei der ECA hatte ich zwei Jahre den Vorzug, die Wirtschaft Europas zu betrachten; Jahre, die meinen eigenen Standpunkt unermesslich erweitert haben und mir neuen und tiefen
Respekt fuer alles abgenoetigt haben, was Europa ist und darstellt. Ich glaube das Recht des Freundes zu haben, Dinge
zu erlaeutern, die von groesster Bedeutung fuer uns alle sind.
Ich moechte zuerst ueber die Moeglichkeiten zur Steigerung der euronaeisohen Produktivitaet sprechen. Wir alle
wissen natuerlich, dass das Wort Produktivitaet eine Vielzahl
von Gedanken und Taetigkeiten, Planungsfaehigkeit, Arbeitnehmerkoennen, Maschinenausruestung und Anordnung von Maschinen,
Methoden, Entwuerfen und moralische Fragen umfasst, - nur um
einige zu nennen. Der grundsaetzliche Faktor aber, der Faktor, von dem alle Anstrengungen, die Produktivitaet zu heben,
abhaengen, ist die elektrische Kraft. Wir koennen ein scharfes Bild von ihrem Wirkungsvermoegen fuer die Produktivitaet
in Europa erhalten, indem wir anerkennen, dass die Erzeugungsmoeglichkeiten sehr fest mit dem vorhandenen Strom verknuepft
sind.
Die US-Erzeugung pro Kopf ist aber 2^ mal so gross wie
die europaeische Erzeugung pro Kopf. Diese Tatsache /wirft
jedoch keinerlei Schatten auf die europaeisohen Arbeiter.
Der wesentliche Punkt dieser Angelegenheit ist, dass hinter
jedem amerikanischen Arbeiter 2t mal so viele Pferdestaerken
stehen, 2&amp; mal so viel maschinelle Muskeln, die ihm helfen,
als bei seinem europaeisohen Gegenueber.
Hier sollte man sich an das Folgende erinnern: Der Vorteil, dessen sich der amerikanische Arbeiter hinsichtlich
der vorhandenen Pferdestaerken erfreut, entstand allein waehrend der letzten 50 Jahre. Im Jahre 1900, soweit es sich
noch bestimmen laesst, standen Europa und die Vereinigten
Staaten hinsichtlich der Pferdestaerken auf gleicher Höhe.
Tatsaechlioh entfielen bei Beginn des Jahrhunderts auf beiden Seiten des Atlantik nur etwa 3/4 Pferdestaerken auf den
einzelnen Arbeiter*. In Amerika aber schnellte sie auf mehr
als 8 Pferdestaerken pro Arbeiter empor, waehrend die Ziffer
fuer Europa im Jahre 1950 etwa 2 3/4 Pferdestaerken pro Arbeiter betrug.
- 9-

�Wenn die westeuropaeische Erzeugung pro Kopf im Jahre 1950
der der Vereinigten Staaten entsprochen haette, so haette hier
das Brutto-Volkseinkommen 500 Milliarden Dollar anstelle von
170 Milliarden Dollar betragen.
Damit Sie nioht denken, das3 ich einen gefuehllosen oder
pessimistischen Standpunkt einnehme, lassen Sie mich schnell
hinzufuegen, dass ich bei der ECA sehr erfreut war, festzustellen, dass die europaeische Wirtschaft den Problemen der
Kraftsteigerung einen grossen Vorzug einraeumten. Ich moechte erwaehnen, dass wir in der ECA diesen Anstrengungen jede
Unterstuetzung gaben und andererseits ermutigt wurden, die Ergebnisse in kurzer Frist in Erscheinung treten zu sehen.
In den wenigen Tagen meiner neuerlichen Anwesenheit in
Europa habe ich erneut die Entschlossenheit bemerkt, die tausend Dinge zu tun, die erforderlioh sind, um die Produktivitaet zu steigern. Und wenn ich feststelle, dass dieses nur
ein guter Anfang der Aufgabe ist,, so meine ich lediglich, dass
wir einen erweiterten Austausch von Personen haben sollten,
mehr technische Berater, die den Ozean in beiden Richtungen
kreuzen, mehr Lehrgaenge fuer fortschrittliche Produktionsmethoden, fuer leitende Angestellte vom Vorarbeiter aufwaerts.
Erst vor ein paar Tagen erfuhr ich von zwei Vorfaellen
aus der Praxis dieses Programms. Der Leiter der Eisengiesserei in einer franzoesischen Fabrik fuhr nach den Vereinigten
Staaten im Rahmen eines technischen Unterstuetzungsprogramms
der ECA. Bei seiner Rueckkehr stellte er seinen Maschinenpark
um, vereinfachte die Arbeitsgaenge und schulte sein Personal
fuer die neuen Aufgaben.
Das Ergebnis: Die Arbeitsstunden pro erzeugte Tonne
fielen von 222 auf 83, die Preise wurden um 25% gesenkt, die
Loehne stiegen um 20% - und sein gesamter Arbeitsvorgang wandelte sich voellig um! Dieses ist natuerlich ein Ausnahmefall,
es ist aber ein Fall, der die Moeglichkeiten, die in der gesteigerten Produktivitaet ruhen, beispielhaft veranschaulicht.
Ein weiteres Beispiel: Eine franzoesische Schuhfabrik
schickte, ebenfalls im Rahmen des ECA "Technical Asslstanoe
Programm", einen Stab von Technikern naoh den Vereinigten
Staaten. Aenderungen in den Arbeitsmethoden nach ihrer Rueokkehr erbrachten eine Erzeugungssteigerung von 20%. Die neue
Leistungsfaehigkeit in der Fertigung ermoeglichte es dieser
Gesellschaft, trotz scharfer Steigerung der Materialkosten
ihre Preise beizubehalten. Weiterhin berichtete mir ein Textilfabrikant von der Steigerung seiner Produktion von 72 auf
92% der theoretischen Produktionskapazitaet, ohne eine einzige
neue Maschine aufzustellen.
Ich erinnere mich sehr gut des Misstrauens, dem das erste
technische unterstuetzungsprogramm der ECA begegnete. So war
es fuer mich bei meiner Rueckkehr sehr erfreulich, zu entdecken,
dass das neue Wort "Produktivitaet" ein wirksames und pofiulaeres Thema in der Unterhaltung, in Zeitungen und Zeitschriften
ist.
Da die Produktivitaet in Europa weiterhin ansteigt, glaube
ich mit Sicherheit voraussagen zu koennen, dass sie hier einige
ueberrasehende Veraenderungen in der Verteilung des Wohlstandes,
d".h. in weitestem Masse der Verteilung des neu geschaffenen
- 10

�Wohlstandes, erleben werden. Waehrend der ganzen Zelt, die
ich bei der ECA war, hoffte loh, dass irgendein europaeisoher
Fabrikant den gleichen, kuehnen und schöpferischen Schritt
unternehmen wuerde, den Henry Ford damals im Jahre 1914 unternahm - einer Handlung, die meines Erachtens wie keine andere
dazu beigetragen hat, das wirtsohaftliohe Denken unserer Generation zu varaendern.
Eines sohoenen Tages erklaerte Ford, dass er von nun ab
jedem Angestellten seiner Fabrik mindestens fuenf Dollar pro
Tag zahlen wuerde. Diese Ankuendigung liess die Welt aufhorchen. Ganz bestimmt liess es die Vereinigten Staaten aufhorchen, denn schon zu dieser Zeit, als Henry Ford diese Ankuendigung machte, gehoerten die Arbeitnehmer seiner Fabrik zu
den hoeQhstbezahlten des Landes und verdienten durchschnittlich etwa zwei Dollar pro Tag.
Fords Schritt basierte auf einem sehr einfachen Gedanken:
Er konnte nicht alle Wagen verkaufen, die er zu verkaufen hoffte, wenn nicht viele Leute genug Geld verdienten, um sie zu
kaufen. Er hatte kein Interesse fuer einen Klassenmarkt; er
wollte einen Massenmarkt, und wenn er einen Massenmarkt wuenaohte, so war es das Beste, diesen selbst zu schaffen.
In der Frage des Massenmarktes und der Kaufkraft hat vielleicht niemals jemand ergreifendere Erfahrungen gemacht als
ich. Nach dem ersten Weltkrieg gab es kaum einen Arbeiter
in der Studebaker-Fabrik, der genug verdiente, um einen unserer
Wagen zu kaufen. Im Jahre 1920 erhielten die Studebaker-Arbelter durchschnittlich 1200 Dollar im Jahr und unter den Kaeufern unserer Erzeugnisse waren die Studebaker-Arbeiter auffallenderweise unter den Fehlenden.
Nach dem zweiten Weltkrieg war die Lage gaenzlich anders.
Eins der schwersten Probleme, dem ich als Praesident der Studebaker-Gesellschaft gegenueberstand, war das, die 10 oder 13,000
Arbeitnehmer zu ueberzeugen, dass sie mit einer grossen Zahl
anderer kaufhun^riger Amerikaner anzustehen hatten und zu warten, bis sie fuer ein neues Autq^an die Reihe kommen - eine derartige Anzahl von Auftraegen fuer Studebaker-Automobile hatten
wir damals von den Studebaker-Arbeitnehmern.
Der Grund hierfuer? In Dollars von 1920 ausgedrückt betrug das Durchschnittseinkommen unserer Arbeitnehmer gut ueber
3,000 Dollar im Jahr, d.h. die Realloehne dieser Maenner hatten
sich um mehr als das 2£fache erhoeht.
Ich habe gesagt, dass wir unsere Aufgaben jenseits des Atlantik mit dem Gefuehl einer nie ganz abzuschliessenden Tätigkeit betrachten. Dieses gilt ebenso ueberall dort, wohin wir
in der freien Welt blicken - es bleibt viel nichtabgeschlossene
Arbeit zu tun. Diesen Problemen nachzugehen, das moechte ich
eindruecklich betonen, bedeutet die Bereitschaft, sich von
Tradition und Gewohnheiten zu trennen. Es bedeutet das Niederreissen der Barrieren zwischen den Menschen, gleichgueltig,
ob es wirtschaftliche, politische oder soziale Schranken sind.
Es bedeutet das Vermeiden jeder Fallstricke, Wie die Einrichtungen der Kartelle, Monopole und Schutzzoelle. Es bedeutet
das staendige Handeln mit der Ueberzeugung, dass, um mehr zu
haben, jedermann mehr produzieren muss. Es bedeutet die Entwicklung und Ausdehnung der Massen-Energie, der Massenproduktion, des Massenverkaufs und der Massenmaerkte, da jedes voö
dem anderen abhaengig ist.
- 11 -

�Ich kenne die Menschen Europas und seine Industriefuehrer
gut genug, um tiefen Resjekt fuer ihre Faehigkeiten zu besitzen, diese Aufgabe zu erfuellen.
Als ich im vorigen Jahr meine Taetigkeit bei -der ECA abschloss, war ich zu einigen Schluessen gelangt, die sich kurz
umreissen lassen: Die wirtschaftlichen Moeglichkeiten Westeuropas sind gewaltig. Dieses Gebiet der Erde ist, im ganzen
gesehen, mit Rohstoffquellen gesegnet. Mann fuer Mann sind
diese Menschen in der Produktivitaet allen anderen Menschen
auf der Welt kraeftemaessig gewachsen. Wenn Westeuropa nur
aus dem Nutzen ziehen wird, was es besitzt, so kann es einen
sensationellen Sprung vorwaerts machen.
Ich moechte klar herausstellen, dass ich hier nicht die
Verhaengung eines amerikanischen Planes fuer europaeische Einrichtungen und Methoden vorschlage. Gleichzeitig jedoch bin
ich voellig ueberzeugt, dass, wenn dieser dynamische Vorwaertssprung erreicht werden soll, Europa den drei Faktoren
volle Beachtung schenken sollte, die grundsaetzlich zu dem
Fortschritt der Vereinigten Staaten im letzten halben Jahrhundert beigetragen haben: Gesteigerte Produktivitaet,
gleichmaessigere Verteilung des Wohlstandes und ein sozialbewussteres Herangehen an die Aufgaben der Industrie.
Ich habe ueber die Vereinigten Staaten gesprochen und
ich habe ueber Europa gesprochen. Ich habe versuoht, meine
tiefe üeberzeugung auszudruecken, dass es feststehende und bewaehrte Mittel gibt, die emporschnellende Forderung der Menschen fuer ein besseres Leben ueberall zu erfuellen und dass
wir durch Ausnutzung dieser Methoden und ihre Durohfuehrung
alle gluehenden Versprechen des Kreml in den Schatten stellen
koennen.
Ich moechte mit dem Ausdruck einer noch gluehenderen
üeberzeugung schliessen: Die freien Voelker Europas und die
Vereinigten Staaten muessen zusammenhalten, zusammenarbeiten und, wenn noetig, ihre Freiheit gemeinsam verteidigen.
Wenn die freie Welt ihre Quellen ausnutzt, wenn sie die
grosse dynamisohe Macht der Freiheit selbst voll einsetzt, so
kann sie in dieser Dekade der 50er Jahre einen derartigen
Fortschritt erzielen, dass es keine Macht jemals wagen wird,
sie anzugreifen. Ich versichere, dass die Moeglichkeit fuer
gemeinsame Werke so gross ist, dass die enttaeuschten und
einsamen Menschen, die auf uns durch die eisernen und die Bambusvorhaenge blicken, von sich aus entscheiden werden, dass
sie Anspruch auf den besseren Lebensstil haben, den sie bei
uns sehen. Sie werden sich selbst gegen das Regime entscheiden, dass sie gefangen haelt.
Tatsaechlich, wenn die freien Voelker der Welt das leisten, was sie, wie ich weiss, leisten koennen, so werden sie
in der Lage sein, das klassische Schlagwort der Marxisten gegen sie zu kehren und den enttaeuschten und versklavten Arbeitern hinter den eisernen Vorhaengen sagen koennen: "Erhebt
Euch, Ihr habt nichts zu verlieren als Eure Ketten."
AUS DER ARBEIT DER FINNISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Die finnische Gewerkschaftsbewegung sah sich unter dem
Druck inflationistischer Tendenzen und kommunistischer Propa- 12 -

�ganda in den beiden letzten Jahren gezwungen, eine Reihe von
Lohnforderungen zu stellen. Drei allgemeine Lohnerhoehungen
wurden im Jahre 1950 gewaehrt. In den vergangenen Monaten
hat sich die sozialdemokratische Mehrheit in dem Finnischen
Gewerkschaftsbund (SAK) jedoch damit einverstanden erklaert,
mit der Regierung einen "wirtschaftlichen Waffenstillstand"
zu schliessen, um die Stabilisierung zu foerdern. Zwei Faktoren, die die wirtschaftliche Lage in Finnland schwierig gestalten, sind die Nachbarschaft der Sowjetunion und die grosse
Zahl der Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung.
Bei den Gewerkschafts- und Parlamentswahlen im Ffuehjahr und
Sommer 1951 konnten sich die Sozialdemokraten jedoch eine
groessere Mehrheit sichern, als sie in den vergangenen Jahren
je hatten, und damit eine Atmosphaere schaffen, in der es
leichter war, ein Wirtschaftsprogramm zur Stabilisierung der
nationalen '.Virtschaft durchzufuehren.
Auf seinem Kongress im Juni 1951 beschloss der Finnische
Gewerkschaftsbund auf Abstimmung, endgueltig aus dem kommunistischen /Weltgewerkschaftsbund auszutreten. Dieser Entschluss war die letzte Phase eines Programms, das sich die
sozialdemokratische Mehrheit innerhalb der Gewerkschaftsbewegung Finnlands zu Ende des Jahres 1949 zum Ziel gesetzt
hatte.
In mancherlei Hinsicht ist das Gesetz ueber Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Finnland
den entsprechenden Gesetzen seiner skandinavischen Nachbarlaendern sehr sehnlich. In Finnland konnten jedoch in den 20er
und 40er Jahren keine sehr friedlichen Beziehungen innerhalb
der Industrie Zustandekommen. Weniger als die Gesetzgebung
waren es die Kriegsverhaeltnisse waehrend der sowjetischen Besatzung, die eine Festigung der Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und Unternehmern herbeifuehrten.
Gemeinsam mit anderen, demokratisch gesonnenen Gewerkschaften in Finnland schloss sich der Finnische Gewerkschaftsbund dem Weltgewerkschaftsbund nach seiner Gruendung im Herbst
1945 an. Die guten Gewerkschafter glaubten damals, dass Gewerkschaftsbewegungen mit verschiedener politischer Orientierung auf nichtpolitischer Basis zusammenarbeiten koennten, um
gemeinsam die Arbeitsbedingungen in allen Teilen der Welt zu
verbessern. Zu jener Zeit hatten die Sozialdemokraten die
Mehrheit im Exekutivausschuss des Finnischen Gewerkschaftsbundes, obwohl einige der groessten Mitgliedsgewerkschaften, vor
allem die der Transport-, Forst-, Floss-, Textil-, Holz- und
Moebeiarbeiter kommunistischer Kontrolle unterstanden. Auch
nach dem Kongress im Jahre 1947 konnten die Sozialdemokraten
ihre Mehrheit aufrechterhalten, wenn auch sechs von den 14
Mitgliedern des Exekutivausschusses, der damals fuer vier
Jahre gewaehlt wurde, Kommunisten waren.
In der Zeit von Juni bis September 1949 fanden mehrere
kommunistisch inspirierte Streiks ohne Zustimmung des Exekutivausschusses des Gewerkschaftsbundes statt. Dadurch wurde der
Bruch mit dem .'/eltgewerkschaftsbund herbeigefuehrt. Rene
Arachard, der damalige .Generalsekretaer der franzoesischen Bauarbeitergewerkschaft und Ausschussmitglied in der Berufsabteilung des Weltgewerkschaftsbundes fuer Baustoffe aus Holz und
Bauhandwarke, kam kurz nach Ausbruch dieses Streiks nach Finnland. Vermutlich hatte er die Absicht, die-Spaltung innerhalb
- 13 -

�der finnischen Gewerkschaftsbewegung in kommunistisch gefuehrte und sozialdemokratische Gewerkschaften zu ueberpruefen.
Die sozialdemokratische Mehrheit zweifelte an dem Recht der
Weltgewerkschaftsbewegung, sich in ein rein internes Problem
einzumischen. Dieser Gruppe missfiel besonders die Tätigkeit
Arachards, der einen starken Hang nach den kommunistischen
Gewerkschaften hin hatte und die Meinung des finnischen Gewerkschaftsbundes nicht teilte, dass diese Streiks illegal
waeren. Kurz danach stellte der Finnische Gewerkschaftsbund
seine Beitragszahlungen an den Weltgewerkschaftsbund ein, besohloss jedoch, die endgueltige Entscheidung ueber den Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund dem Kongress im Jahre
1951 zu ueberlassen.
Als Sofortmassnähme gegen die wilden Streiks im Jahre
1949 stiess der Eiekutivausschuss sieben kommunistische Gewerkschaften wegen illegaler Streiktaetigkeiten voruebergehend
aus dem Gewerkschaftsbund aus. Zu Ende September 1949 waren
fuenf dieser Gewerkschaften unter der Bedingung wieder aufgenommen worden, dass sie in Zukunft die Satzungen und Beschluesse
des Gewerkschaftsbundes respektieren. Zwei grosse kommunistische Gewerkschaften, die Finnische Transportarbeiter- und die
Forst- und Flossarbeitergewerkschaft waren im Juli 1951 noch
nicht wieder aufgenommen worden.
Nach den Ereignissen der Jahre 1949 und 1950 steigerten
kommunistische Organisationen in Finnland und in der Sowjetunion ihre Bemuehungen, um innerhalb der finnischen Gewerkschaftsbewegung Fuss zu fassen. Aber sie hatten dabei nur
wenig Erfolg. In den Reihen des Finnischen Gewerkschaftsbundes selbst versuchten Kommunisten erfolglos, diese Organisationen dazu zu bringen, sich der kommunistischen Bewegung der
"Friedenspartisanen" anzuschliessen. Eine Delegation des Weltgewerkschaftsbundes, die im Juni 1950 Finnland besuchte, unternahm den Versuch, wieder gute Beziehungen zwischen den beiden Organisationen herzustellen, waehrend die "Sowjetische
Gesellschaft fuer kulturelle Beziehungen mit dem Ausland"
(VOKSJ bemueht war, die Zahl finnischer Gewerkschaftsdelegationen zu vergroessern, die 1950 die Sowjet-Union besuchten.
Zwar besuchten einige Gewerkschaftsdelegationen die SowjetUnion, aber im allgemeinen hatte der Weltgewerkschaftsbund
in seinen Bemuehungen nur wenig Erfolg.
Inzwischen waren auch die Sozialdemokraten nicht untaetig geblieben. Vom Beginn der Streiks an hatten sozialdemokratische Gewerkschafter versucht, Nichtkommunisten in kommunistisch gefuehrten Gewerkschaften fuer sozialdemokratische
Gewerkschaften zu gewinnen. Die Gewerkschaft der Lastwagenfahrer fuehrte eine Warbekampagne durch, um die Mitglieder
der kommunistischen Transportarbeitergewerkschaft "herueberzuholen". Die Gewerkschaft der Landarbeiter versuchte, die
Forst- und Flossarbeitergewerkschaft durch Uebernahme ihrer
Mitglieder zu schwaechen. Der Erfolg war, dass man gegen
Ende des Jahres 1950 die Mitgliedszahl der beiden ausgeschlossenen Gewerkschaften nur noch auf 60% der Zahl des Jahres 1948
sohaetzte. Die Mitgliederzahl der beiden antikommunistischen
Gewerkschaften war jedoch nicht entsprechend angestiegen.
Die Mitgliedsstaerke der meisten finnischen Gewerkschaften
war tatsaechlich im 2. Quartal des Jahres 1950 niedriger als
1948. Dieser Rueckgang ist zum Teil auf den Austritt einiger
Antikommunisten aus kommunistischen Gewerkschaften zurueckzufuehren, die jedoch nicht in andere Gewerkschaften eintraten,
- 14 -

�und zum Teil auf die Abnahme der Mitgliedszahl in Gewerkschaften mit sozialdemokratischer Fuehrung, was vermutlich mit der
Unzufriedenheit der Mitglieder ueber den geringen Erfolg in
der Durchfuehrung des Wirtschaftsprogramms des Finnischen
Gewerkschaftsbundes zu erklaeren ist. Im April 1950 zaehlte
der Finnische Gewerksohaftsbund etwa 265 000 Mitglieder in
37 Landesgewerkschaften, verglichen mit rund 304 000 und
342.000 Mitgliedern in den Jahren 1948 bzw. 1947, als die Mitgliedstaerke am groessten war.
Im April 1951 waehlten die Mitgliedsgewerkschaften des
Finnischen Gewerkschaftsbundes Delegierte zu ihrem Vierjahreskongress. Bei diesen Wahlen konnten die Sozialdemokraten
152 Mandate gewinnen, waehrend den Kommunisten nur 65 und
der nichtpolitischen Seeleutegewerkschaft nur fuenf Mandate
zufielen. Verglichen mit dem Kongress im Jahre 1947, bedeutete dies, in Zahlen ausgedrueckt, eine Steigerung der nichtkommunistischen Staerke von 57 auf 68j# und eine Abnahme
der kommunistischen Staerke von 43 auf 29$.
Soziale Wechselbeziehungen
Die politischen und wirtschaftlichen Umstaende in Finnland haben dazu gefuehrt, dass durch Arbeitsstreitigkeiten
eine grosse Zahl von Arbeitsstunden verlorenging. In den
20er Jahren war die Zahl sehr hoch und erreichte im Jahr
1927 ihren Hoehepunkt in der finnischen Wirtschaftsgeschichte,
naemlioh 1,529.182 Arbeitsstunden, die durch Streiks verlorengingen. Der Hauptgrund zu diesen Streiks war die Lohnfrage.
Bevor der Acht-Stundentag im Jahre 1917 gesetzlich festgelegt
wurde, drehte es sich bei Arbeitsstreitigkeiten hauptsaechlich
um die Arbeitszeit. Seit 1920 aber wurde praktisch kein
Streik wegen der Arbeitszeit gefuehrt.
Das Tarifverhafldlungswesen und die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten in der finnischen Industrie wurden nach dem
ersten Weltkrieg und erneut im Jahre 1946 gesetzlich geregelt.
In diesen Gesetzen sind die Bestimmungen festgelegt, die
Tarifvertraege enthalten muessen. Sie regeln ausserdem die
Ausserkraftsetzung eines Tarifvertrages und bestimmen, wie
Verletzungen von Vertra9gen zu bestrafen sind. Fuer die meisten Industriezweige sind Tarifvertraege abgeschlossen, die
sich im allgemeinen auf Loehne, Arbeitszeit, Rahepausen, Arbeitsverteilung, Vsrtragsende und andere Bestimmungen erstrecken.
Das Tarifvertragsrecht fuer Personen, die vom Staat beschaeftigt sind, wurde gesetzlich zum ersten Male im Jahre
1942 garantiert, obwohl die Angestellten der Regierung bereits
seit 1922 in dem "Verband der Intellektuellen Arbeiter" gewerkschaftlich organisiert waren.
Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
wurden in den ersten Arbeitsgesetzen kaum erwaehnt (Gesetz
ueber Tarifvertraege aus dem Jahre 1924). Guenstige Bedingungen zur Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die in dieser Gesetzgebung leider nicht geschaffen
worden waren, entwickelten sich erst nach dem Winterkrieg
mit der Sowjetunion von 1939 auf 1940. Am 24. Januar 1940
wurde ein allgemeines endgueltiges Abkommen von den Dachorganisationen der Gewerkschaften und der Unternehmer unterzeichnet, nachdem ueber gemeinsame Probleme in gegenseitigen Ver- 15 -

�trauen verhandelt werden sollte. Dieses Abkommen erwies sich
jedoch als zu allgemein gehalten, um die Beziehungen zwischen
den beiden Partnern foerdern zu koennen.
Ein anderes allgemeines Abkommen, das 1944 vom Finnischen
Gewerkschaftsbund und der Zentralfoederation Finnischer Arbeitgeber getroffen worden war, wurde 1946 erneuert. Es bildet
die Grundlage fuer Verhandlungen zwischen den Organisationen,
fuer Verfahren zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten, Iwaehrend der Gueltigkeit des Abkommens sind Streiks nicht erlaubt)
fuer die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
und die Vertretung der Arbeiter auf betrieblicher Ebene.
Monthly Labor Review
VI11/51
AMERIKANISCHE HJftFS ORGANISATI CT FEIERT

ZSHNJAEHRIGES

BESTEHEN

Philip Murray, der Vorsitzende des CIO, teilte vor kurzem
mit, dass der Ausschuss des CIO fuer Gerneinschaftshilfe zur
Unterstuetzung der Opfer des zweiten Weltkrieges und des Krieges in Korea bisher 30 Millionen Dollar fuer andere Laender
aufgewendet hat.
Murray sprach am £. Oktober bei einem Bankett in Detroit,
das anlaesslich des 10. Jahrestages der Gruendung dieses Ausschusses gegeben wurde. Der Koehepunkt dieser Zusammenkunft
war die Ueberreichung des von diesem Ausschuss gestifteten
"Philip Murray Preises" an den Senator James Murray aus Montana "fuer hervorragende Verdienste um die Wohlfahrt der
Menschheit." Murray berichtete, dass grosse Geldsummen noch
waehrend des zweiten Weltkrieges als direkte Hilfe nach Europa
und Asien geschickt wurden. Als Beispiel nannte er die amerikanische Hilfe beim Abtransport von Kindern aus London, die
man in sichereren Landbezirken unterbrachte.
Nach dem Krieg sind Geldmittel zum Wiederaufbau zur Verfuegung gestellt worden', u.a. auch zur Durchfuehrung besonderer gewerkschaftlicher Projekte in 17 Laendern Europas und
Asiens. Er wies darauf hin, dass nicht nur Westeuropa sondern
auch Osteuropa unterstuetzt wurde, bevor der Eiserne Vorhang
eine Scheidewand zwischen Westen und Osten legte und jegliche
weitere Hilfe unmoeglich machte.
lieber das amerikanische Rote Kreuz unterstuetzt der Ausschuss im Augenblick vor allem die Opfer des Krieges in Korea.
Nach dem Krieg wurde der Ausschuss, der bis dahin den Namen
"Kriegshilfsausschuss" trug, umbenannt und seine Taetigkeit
innerhalb Amerikas und auch in Uebersee erweitert. Mehr als
10 000 Mitarbeiter sind in den Vereinigten Staaten und im Ausland fuer den Ausschuss taetig, der insgesamt fuer Hilfsaktionen in Amerika und im Ausland 300 Millionen Dollar verausgabt
hat, wovon der groesste Teil in Amerika blieb.
An der Konferenz nahmen u.a. teil: Walter Reuter, der
Vorsitzende der Automobilgewerkschaft; C. A» Knight, der Vorsitzende der All-Amerikanischen Oelarbeitergewerkschaft; Emil
Rieve, der Vorsitzende der Textilarbeitergewerkschaft,und
James B. Carey, der Vorsitzende der All-Amerikanischen Gewerkschaft der Elektro-, Rundfunk- und Maschinenarbeiter und Hauptkassierer des CIO.
ECA Labor Information
X/10/51
- 16 HIC0O 51 Oet Bl 11989 » V

�V

Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
DU folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 44

Frankfurt,

2. November 1951

IKHALTSVSRZfilCHN
Die groesseren Aufgaben der ECA

IS
«...

1

Bulgarische F l ü c h t l i n g e besiedeln mit Hilfe
des ü a r s h a l l p l a n s unbebaute Gebiete der
Tuerkei

8

Die Gewerkschaft der Filmkomparsen in Amerika 11
Die Bauindustrie hat noch v i e l zu lernen . . .

15

Milton Katz:
DIS GROESSEREN AUFGABEN DER ECA
Wir haben manchmal gedacht, dass wir einen Schluessel zu
dem historischen Prozess der Westwaertsbewegung in den Vereinigten Staaten, dem Prozess de9 "Westzuges", finden koennen.
Da wir uns nach Westen in den Vereinigten Staaten bewegten ich spreche ueber die gesamte, weitlaeufige Volksbewegung auf
dem Kontinent - mussten wir zu jeder Zeit bereit sein, mit den
Indianern zu kaempfen. Man stand unter dem staendlgen Risiko
eines Angriffs von selten der Indianer, und so blieb es, bis
man die Wasser des Pazifik erreichte. Wir hatten diese Lage
hinzunehmen und damit fertig zu werden. Wenn die Leute in
den Vereinigten Staaten nicht darauf vorbereitet gewesen waeren die Indianer zu bekaempfen und dies als einen Teil ihrer
taeglichen Aufgabe ansahen, dann haetten sie sich nicht nach
Westen vorwaerts bewegt.
1

�Wenn es andererseits der alleinige Zweck der Westbewegung
gewesen waere, Indianer zu bekaempfen, waeren wir ebenfalls
nicht nach '.Vesten vorgerueckt. Es war die Aufgabe, eine neue
'.Veit aufzubauen und den grossen amerikanischen Traum zu verwirklichen, der die Leute in Bewegung hielt. £.s war die Verwirklichung der latenten amerikanischen Kraft, als wir westwaert3 zogen. Ein Teil des Prozesses war die Aufgabe, diejenigen, die im Wege standen, beiseite zu stossen. Aber im Grunde genommen war es eine schoepferische Bewegung mit einer stark
empfundenen Zweckhaftigkeit.
Koennen wir fuer die atlantische Gemeinschaft heute irgendetwas entwickeln, das dem gleichkommt, was dies fuer die Amerikaner damals bedeutet hat? Wir haben das amerikanische Glaubensbekenntnis, die amerikanische Doktrin in den Knochen, im
Gefuehl, in den Fingerspitzen und im Blute. Sehr wenige sind
befaehigt, das klar zum Ausdruck zu bringen, jedoch wir alle
reagieren darauf, Es erklaert die Einheit des amerikanischen
Lebens, trotz allen Geschreis, das sie verdunkelt. Wird ein
atlantisches, Glaubensbekenntnis auftauchen, das die fehlenden
bejahenden Komponenten liefert?
Worin bestehen diese bejahenden Komponenten? Sie koennten im Wesentlichen die gleichen sein, naemlich ein Wille,
eine Welt zu schaffen, in der jedes menschliche Wesen seine
latenten Wachstumsfaehigkeiten verwirklichen koennte. Waehrend
wir die notwendige Aufgabe durchfuehren, den Kreml in diesen
Zonen aus der Macht zu verdraengen, mue3sen wir gleichzeitig
dafuer Sorge tragen, eine sich ausdehnende Wirtschaft zu foerdern, um die wirtschaftlichen Vorbedingungen zu schaffen, unter
denen ein volles Gedeihen des Geistigen stattfinden kann.
Lassen Sie uns versuchen, diese Denkweise auf die unmittelbare Aufgabe, unsere Verteidigung und die der freien Welt
aufzubauen, in Anwendung zu bringen. Ich halte es fuer wahrscheinlich und wesentlich, dass diese Aufgabe, wenn wir erfolgreich sein sollen, im Zusammenhang mit einer sich ausdehnenden
Wirtschaft angepackt, durchdacht und ausgearbeitet wird. Ich
denke beispielsweise, dass wir unsere Aufgabe nicht als eine
Aufgabe lediglich fuer das Jahr 1&amp;51 oder das Jahr 1952 zu betrachten haben; wir haben sie als eine Aufgabe anzusehen, die
wir, sagen wir, im Jahre 1947 begonnen haben und die wir etwa
in einer 10-Jahresperiode - also von 1947 bis 1957 - zu bewaeltigen haben.
Gestatten Sie mir, diesen Faden fuer einen Augenblick fallen zu lassen. Ich werde wieder auf ihn zurueckgreifen. Was
ist Europa heutzutage? In vieler Hinsicht ist Europa ein
Schlachtfeld. Auf vielerlei Art und Weise leidet es seit 1945
unter den Attacken der Sowjet Union. Im Jahre 1947 fingen wir
an, uns in diesen Kampfe zu wagen, und zwar mit der Ankuendigung
der Truman-Doktrin und ihrer Anwendung auf Griechenland. Dann
kam der Marshall Plan, aber dieser Kampf hat seitdem weiter gewuetet, jedoch mit einem beachtlichen Mass von Erfolg auf Seiten der freien Laender.
Wenn wir auf den Zeitraum von 19^7 - 1950 zurueckblicken,
koennen wir feststellen, dass wir waehrend di'eser Zeit unsere
eigene Verteidigung vernachlaessigt haben. nV'ir wissen das
jetzt, und wir wissen auch, dass die Welt in einer viel besseren Verfassung gewesen waere, wenn die Vereinigten Staaten einen
11 -

�viel groesseren ausbau ihrer Ruestungan beibehalten haette,
als dies wirklich der Fall war. .Vir wissen ebenfalls, dass
das gleiche fuer Europa gilt, 'fliegen dieser Vernachlaessigung
von 1947 - 1950 muessen wir durch einen besonders intensiven
Nachdruck auf der Ruestungsseite waehrend der naech3ten paar
Jahre einen Ausgleich schaffen, Es wuerde jedoch ein schwerer Fehler sein, wenn wir es zuliessen, dass dies als eine
Preisgabe der Aufgabe, das Los des Menschen zu verbessern,
missverstanden wuerde.
Fuer mich ist es klar, dass wir Kanonen und Brot zuwege
bringen muessen - dass wir es sollten - und dass wir es koennen. &lt;Yir koennen die Ruestungsstaerke Europas und der Kordatlantischen Gene inschaft ausbauen und gleichzeitig den Lebensstandard in Europa erhoehen, sowie die Aussichten auf eine
weitere Verbesserung des Lebensstandards auf lange dicht in
starkem Kasse vergroessern.
Ich moechte jetzt gern diese allgemeinen Ziele und Normen in eine Serie spezifischer Ziele umsetzen. Hier moechte
ich von Dingen sprechen, mit denen sie alle vertraut sind.
Zunaechst handelt es sich einmal um den Aufbau der Verteidigung in Europa.
Zweitens gibt es die nufgabe, Europas Erzeugung und Produktivitaet zu erhoehen;
Drittens besteht die Notwendigkeit, eine viel gerechtere
Verteilung der europaeischen Erzeugung, als sie heutzutage in
weiten Gebieten dieses Kontinents besteht, zu bewirken.
Ich moechte Ihnen nahebringen, dass diese drei Dinge zusammengehoeren. Keines von ihnen ist auf lange Sicht ohne die
beiden anderen zu verwirklichen. Sie sind miteinander verbunden, so wie es etwa das Ziel war, «merika aufzubauen und die
Indianer bei diesem Prozess beiseite zu draengen.
Sie koennen keine erhoehte europaeische Produktivitaet
und einen wirklich hohen Lebensstandard in Europa auf lange
Sicht erreichen, ohne die militaerische Staerke Europas auszubauen. Diese Feststellung mag auf Sie wie ein Schock wirken.
Es ist heute in Europa die weitverbreitete Tendenz vornanden,
an das Jiederaufruestungsprogramm zu denken, als ob man an
Rizinu3oel daechte. Es ist etwas, was Sie schlucken muessen,
aber Sie betrachten es in aeusserst negativer '..'eise. Es wird
als eine schmerzliche, wenn auch notwendige Ablenkung der
Hilfsquellen von der Hauptbeschaeftigung der menschlichen Rasse
angesehen. Man denkt daran als an etwas, das die Genesung,
die europaeische Stabilitaet, unterbindet und die wir alle zuwege zu bringen hoffen, das andere aber nichtsdestoweniger
tun muessen.
Die Ruestung ist nicht nur eine Notwendigkeit fuer die
Erhaltung unserer Freiheit, sondern man kann auch das materielle
Potential Europas ohne diese nicht verwirklichen. Warum? Wenn
Sie auf die Entwicklung Europas zurueckblicken, werden Sie
feststellen, dass die Furcht einer der groessten Einzelfaktoren i3t, die den wirtschaftlichen Fortschritt verhindern. Die
Sowjet-Union ist sich darueber klar, und sie hat die Furcnt
vor dem Kriege und vor der Invasion als wesentlichstes und systematischstes Instrument bei ihrem Angriff auf Europa benutzt.
- 3 -

�Furcht verschaerft und verschlimmert soziale Spannungen
und unterbindet eine gemeinschaftliche Aktion innerhalb der
einzelnen Nationen und untereinander. Sie vertieft den Restriktionismus und den Protektionismus; sie verhindert ein
staerkeres Ansteigen der Investierungen und Flanungen auf
lange Sicht.
Lassen Sie mich dies an dem Falle Frankreich illustrieren. Unsere Leute von der Landwirtschaft haben uns gesagt,
dass es moeglich sein wuerde, die landwirtschaftliche Erzeu-?
gung Frankreichs in vier oder fuenf Jahren zu verdoppeln.
Um das zu erreichen, muessen sie Schritt A, B, C, D, und E
tun. Sie werden diese Schritte auch vornehmen, in der Hoffnung, dass sie zu irgend etwas fuehren werden. In einer Atmosphaere, bei der Sie staendig glauben, dass die Welt um Sie
herum in die Luft gehen wird, unternehmen Sie nicht etwas, was
vier oder fuenf Jahre lang keine Ergebnisse zeitigen wird.
Das Gleiche gilt fuer Investierungsprogramme, Arbeiterschulungsprogramme und aehnliches.
Wir wissen, was die Kapitalflucht fuer Europa bei dem
Versuch, eine stabile Genesung zu erreichen, bedeutet hat,
und wir wissen, dass nichts besser dazu angelegt ist, die
Kapitalflucht zu verringern, als die Verringerung der Furcht
vor dem Kriege. Bevor sich die Voelker './Osteuropas nicht
einigermassen sicher gegen Invasion und Krieg fuehlen, werden
sie nicht die Bedingungen schaffen koennen, die es den Voelkern
//Osteuropas ermoeglichen, die latenten wirtschaftliohen Moeglichkeiten dieses reich gesegneten Kontinentes zu verwirklichen.
Behalten Sie das im Auge. Erinnern Sie sich deren, dass es
gerade so wahr ist, dass Sie eine wirkliche Verteidigung
Europas nicht ohne wirtschaftliche Staerke erreichen koennen,
wie es ebenso zutrifft, dass Sie wirtschaftliche Stabilitaet
und wirtschaftliches Gedeihen in Europa nicht ohne militaerische
Sicherheit erzielen koennen.
Sie muessen diese Schutzwehr errichten, und hinter dieser
Schutzwehr koennen Sie die Aufgabe, fuer die Zukunft zu bauen,
durchfuehren.
/ie steht es mit der Produktivitaet? Es ist klar, dass
die europaeische Erzeugungskapazii;aet wesentlich ist fuer die
Verteidigung Europas. Velches sind die Moeglichkeiten fuer
eine erhöhte Produktivitaet? Ich habe mir Muehe gegebenv
Statistiken zu vermeiden, ich moechte jedoch eine erwaehnen,
von welcher Sie schon zuvor gehoert haben, ich denke, sie het
Gueltigkeit und ist bedeutsam. Sie hat mit der Auffassung von
einem nationalen Bruttoerzeugnis zu tun, womit in Kurzschriftform beschrieben wird, was ein Volk waehrend eines bestimmten
Jahres erzeugen kann.
Das Bruttosozialprodukt Europas hat einen Wert von 135
Milliarden Dollar an Guetern und Dienstleistungen. Wenn die
Produktivitaet Europas pro Kopf die bleiche waere wie diejenige
der Vereinigten Staaten, wuerde Europa jedes Jahr nicht 135
Milliarden Dollar, sondern 450 Milliarden oder 5ü0 Milliarden
an Guetern und Dienstleistungen produzieren.

- 4-

�Lassen Sie uns die Tatsache als gegeben hinnehmen, dass
die europaeische Produktivitaet in absehbarer Zeit nicht derjenigen Amerikas angeglichen werden kann. Es ist jedoch einwandfrei moeglich, dass die europaeische Produktivitaet ein
Drittel dieser Luecke innerhalb eines absehbaren Zeitraumes
schliessen kann. Wenn die Produktivitaet soweit gesteigert
werden koennte, um ein Drittel dieser Luecke zu decken, so
wuerde das bedeuten, dass Europa jedes Jahr 100 Milliarden oder
mehr seiner Leistung an Guetern und Dienstleistungen hinzufuegen
wuerde. Das wuerde bedeuten, dass genug Gueter und Dienstleistungen vorhanden waeren„ um eine gewaltige, bewaffnete
Streitmacht fuer Europa aufzubauen und um gleichzeitig einen
erhoehten Lebensstandard zu erreichen. Das sind tatsaechlich die
Moeglichkeiten der Leistungsfaehigkeit in Europa. Sie sind zu
verwirklicheni, wenn wir die politische Geschicklichkeit, die
Zaehigkeit und Vorstellungskraft besitzen, sie in die Tat
umzusetzen.
Eine der Voraussetzungen, die erforderlich ist, um dies
zustande zu bringen, ist eine gerechtere Verteilung der Erzeugung. Bei einer letzten Analyse bedeutet erhoehte Erzeugung
- Erzeugung durch lebendige Menschen, durch die Bauern, die
Arbeiter und die verantwortlichen Leiter des europaeischen
Wirtschaftslebens. Man kann Methoden entwickeln, und man kann
Geraete entwicklen, aber wenn man nicht die Beweggruende kennt
und den Ansporn besitzt, um sie zur Ausfuehrung zu bringen,
wird man die menschliche Energie nicht entfachen. Wenn die
grosse Hasse der Bauern, verantwortlichen Geschaeftsleiter,
Bueroangestellten, Arbeiter, und so fort, die im produktiven
Arbeitseinsatz in Europa stehen, keinen Vorteil fuer sich selbst
bei einer Steigerung der Produktivitaet herausspringen sehen,
dann wird man diese nicht erreichen. Man wird sie nicht erreichen, ungeachtet aller technischen Unterstuetzun^sgruppen,
die die Vereinigten Staaten stellen moegen. Man wird sie nicht
erreichen, selbst wenn man saemtliche Gewerbeschranken zerschlaegt. Diese Dinge sind zwar notwendig, aber sie werden nicht
ausreichend sein. Man braucht den zuendenden Funken und die
Beweggruende, um die menschliche Energie zu entfachen.
Ich moechte einige Statistiken fuer unser eigenes Land
erwaehnen. Ich tue dies, um meinen Standpunkt zu illustrieren.
Jederman hat Kenntnis von der steigenden Leistungsfaehigkeit
Amerikas von 1900 bis 1950. Jederman wei3S, dass im Jahre 1900
die Leistungsfaehigkeit Europas und der Vereinigten Staaten
ungefaehr gleich gross war. heute ist die Produktion pro Kopf
in den Vereinigten Staaten 3, 4 oder 5 mal so gross wie diejenige Europas, ./eniger allgemein bekannt ist eine andere tiefe
Stroemung, welche diese Ausweitung begleitete.
Neulich sah ich einige Einkommensteuer-Statistiken, die
durchaus aufschlussreich waren. Im Jahre 1950 waren es 33 oder
34 Prozent - - ich entsinne mich nicht mehr der genauen Zahl - der Bevoelkerung der Vereinigten Staaten, die ein Einkommen
von mehr als 3000 Dollar pro Jahr hatten. Im Jahre 1939, also
gerade 11 Jahre frueher, hatten nur 23 Prozent unserer Bevoelkerung
ein Einkommen, das nach ihrer tatsaechlichen Kaufkraft den 3000
Dollar des Jahres 1950 gleichwertig war. V.'enn wir 3000 Dollar
als einen Ausdruck fuer Kaufkraft und nicht als eine Zahl benutzen, so stieg der Anteil der Leute mit diesem Einkommensbetrag
von 23 Prozent auf 33 Prozent zwischen 1939 und 1950.
- 5 -

�Ich kann Ihnen dieselbe Sache in einigen einfachen
menschlichen Beispielen erzaehlen. Ich weiss nicht, wieviele von Ihnen die Ergebnisse der 1950er Volkszaehlung in den
Vereinigten Staaten durchgesehen haben. .Vir alle wissen
natuerlich, dass waehrend der vergangenen 50 Jahre die Entwicklung der grossen Staedte mit ihren Mietwohnhaeusern
stattgefunden hat. '.Vir alle haben das Emofinden, als ob wir
uns in eine Art des verstaedterten Lebens hineinbegeben haben,
das dahin geht, das Eigenheim zu verdraengen. Fuer mich war
daher keine Zahl in der 1950er Volkszaehlung auffallender als
die Zahl der Eigentuemer eigener Heime. Diese Zahl war naemlich die hoechste, seit man damit begonnen hat, diese Frage
zu stellen. Im Jahre 1890 hat man zum ersten Male damit angefangen, die Frage zu stellen, wieviele Le^te Eigentuemer
eines eigenen Heimes seien. Der Verhaeltnissatz der Bevoelkerung, der ein eigenes Keim hatte, war im Jahre 1950 groesser,
als er es je zuvor gewesen ist, trotz der Verstaedterung in
den Vereinigten Staaten.
Sie koennen die gleiche Feststellung auf dem Gebiet der
Erziehung machen. Im Jahre 1900 gingen 7 - IC Prozent der
Kinder in den Vereinigten Staaten, die sich im vorgerückteren hoeheren Schulalter befanden, noch in die hoehere
Schule. Im Jahre 1950 besuchten annaehernd 80 Prozent der
Kinder, die sich in dem vorgerueckteren hoeheren Schulalter
befanden, noch die hoehere Schule.
Ich koennte auch die wohlbekannte Steigerung bei den
Loehnen erwaehnen, die sich seit 1900 mehr als verdoppelt
haben. Ob Sie es nun von der Seite der Erziehung, der Eigenheime oder des Einkommens aus betrachten - - Sie koennen
immer feststellen, dass die Ausweitung Amerikas von einer Ausstreuung der Fruechte der amerikanischen Erzeugung begleitet
worden ist.
Einer der auffallendsten Unterschiede zwischen den amerikanischen und den europeeischen Gewerkschaften besteht in ihrer Haltung gegenueber der Erzeugung. Die amerikanischen Gewerkschaften halten es fuer erwiesen, dass es im Interesse des
Volkes liegt, die Erzeugung zu steigern. Es ist eins der
Hauptthemen der AFI und des CIO. Der durchschnittliche europaeische Gewerkschafter neigt dazu, systematische Plaene zur
Steigerung der Produktivitaet als Machenschaften anzusehen, um
aus ihm mehr herauszupressen, ohne dass er selbst irgendetwas
davon haette. Es war ein unerlaessliches Element bei der Produktivitaetssteigerung in den Vereinigten Staaten, dass sich
die amerikanische Arbeiterschaft der Tatsache bewusst war,
dass eine Steigerung in der arzewung zu ihrem eigenen Nutzen
ging.
Lassen Sie mich jetzt zu meinem naech3ten Punkt uebergehen. Ich habe versucht aufzuzeigen, dass man kein wirtschaftliches Gedeihen ohne militaerische Sicherheit haben und dass
man keinen wirksamen üusbau der Verteidigung in Europa ohne
wirtschaftliche Staerke erreichen kann. Ich habe ausserdem
versacht aufzuzeigen, dass man keine gesteigerte Produktivitaet erreichen kann, ohne dass man eine Verteilung der Fruechte
der Erzeugung auf einer breiteren Basis vorsieht, yunmehr
moechte ich zu meinem letzten Punkt kommen.
Sie koennen das Los der grossen Mehrheit der europaeischen Bevoelkerung, es sei denn innerhalb sehr enger Grenzen,
6 -

�nicht wesentlich verbessern ohne eine Steigerung der europaeischen Leistungsfähigkeit. Die Gesamterzeugung Europas
ist unzureichend, um einen weitverbreiteten angemessenen Lebensstandard auf einer breiten Basis zu gewaehrleisten. Es
ist nicht genug vorhanden, um gerade auszukommen. Jeder Prozess, der die Energien Europas auf eine erbitterte Balgerei
um die vorhandenen Vorraete konzentrieren wuerde, koennte nur
zu sozialen Umwaelzungen, zu allgemeiner Verwirrung oder einer
anders verteilten ^rmut fuehren. Er wuerde darauf hinausgehen, Europa zu seinem eigenen Feinde zu machen. Andererseits
ist es sozial, politisch und nraktisch durchfuehrbar, die Erzeugung zu steigern und sich die Gewissheit zu verschaffen,
dass ein geteilter Zuwachs besser ist. Es gibt viele .Vege,
um solch eine gerechte Verteilung durchzufuehren. Es kann
auf dem 7/ege der Lohnpolitik, der Steuerpolitik, der Preispolitik und durch andere Formen der Regisrungseinwirkung erreicht werden. Es kann auch durch den Lebensprozess einer
Gesellschaft, abseits von jeglicher Regierungseinwirkung, geschehen, so wie es sich in weitem Kasse in den Vereinigten
Staaten als wahr erwiesen hat.
Hat irgend jemand von Ihnen einen Blick in den Vertrag
der General Motors Corporation mit der Vereinigten Autoarbeitergewerkschaft geworfen, der vor ein oder zwei Jahren unterzeichnet wurde? Es ist ein bemerkenswertes Schriftstueck
wegen des Lichts, das es auf den Stand der Erziehung bei der
amerikanischen Arbeiterschaft und auch der Arbeitgeberseite
wirft. Es war ein Vertrag, in welchem die General Motors
automatische Lohnerhoehungen ueber einen Zeitraum von fuenf
Jahren hinweg bewilligten. Diese Erhoehungen beruhten, soweit
ich mich erinnere, auf einem Voranschlag der jaehrlichen Produktivitaetssteigerungen. Die Gewerkschaften und die Arbeitgeberseite waren sich in ihrem Urteil einig, dass es moeglich sei, eine solche jaehrliche Steigerung der Produktivitaet zu erzielen.
Von seiten der Arbeiterschaft bedeute es die Erkenntnis,
dass eine Steigerung der Produktivitaet der richtige »Veg sei,
um ihre Loehne zu erhoehen und einen betraechtlichen Anteil an
dieser Steigerung zu erhalten. Von seiten der Arbeitgeber
bedeutete es die Uebernahme der Verantworung dafuer, dass
eine gesteigerte Produktivitaet tatsaechlich erzielt wuerde,
und das Zugestaendnls, dass es ihre Funktion sei, die Produktivitaet zu steigern, und dass ihre Fruechte in gerechter
Weise zu teilen sein wuerde.
Dieser Vertrag ist ein hoechst bemerkenswertes Schriftstueck, sowohl vom Standpunkt der Beziehungen zwischen der
Arbeitgeberseite der Automobilindustrie und den Arbeitern,
als auch von den Erziehungsmoeglichkeiten her. &lt;.'ir erinnern uns noch der bitteren Streiks des Jahres 1936, und wir
stellen fest, was fuer bemerkenswerte Fortschritte zwischen
den Jahren 1936 und 1950 gemacht worden sind, als dieser
Vertrag unterzeichnet wurde.
ich habe mich bei Ihnen hier ins Plaudern verloren. Ich
habe versucht, laut vor Ihnen zu denken. So wie ich die
Dinge sehe, kommen ,v&gt;ir von zwei Gedankengängen her zu aehnlichen Schlussfolgerungen. Der eine setzt bei einer vViederorwaegunp' unserer fundamentalen Ziele ein. Der andere setzte
bei einer Betrachtung unserer dringendsten unmittelbaren Beduerfnisse ein.
- 7-

i

�Was brauchen wir wirklich im Leben?
auf Gerechtigkeit und Freiheit beruht.

Sinen Frieden, der

Was bedeutet das in der Sprache der Welt, wie sie uns
gegeben ist? Ein gleichmaessig durchgefuehrtes Programm zu
beginnen, durch das der Kreml in der freien und der von ihm
ueberschatteten weit wie auch in der Welt seiner Satellitenstaaten, aus der Macht gedraengt wird, und gleichzeitig ein
Programm der Entwicklung und des Gedeihens zu beginnen, bei
welchem alle Voelker den festen Glauben haben, dass sie eine
Welt aufbauen, die auf positiven Werten beruht, und dass sie
diejenigen zurueckdraengen muessen, die diese Welt zerstoeren
wollen.
Das dringendste, unmittelbare ßeduerfnis in Europa ist
heute die Wiederaufruestung. Bei der Untersuchung dieses
Beduerfnisses sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass
die /iederaufrttstung Hand in Hand mit einem stetig durchgefuehrten Programm einer gesteigerten Produktivitaet und einem
Programm fuer eine gerechtere Verteilung der gesteigerten Erzeugung, als dies bisher geschehen ist, vor sich gehen muss.
Kanonen und Brot sind nicht nur miteinander vereinbar,*
sie sind zuweilen miteinander notwendig. Nur, wenn Sie Ihre
Perspektive auf ein paar wenige Monate begrenzen, werden Sie
unter der Einbildung leiden, dass sie miteinander in Widerspruch staenden. einige wichtige Elemente im DOlitischen Leben Europas von heute trachten danach, eine politische Streitfrage um diesen angeblichen Konflikt zwischen wirtschaftlichem
Aufschwung und militaerischer Sicherheit aufzurichten. Wenn
diese jedoch aus der richtigen Perspektive, auf weite Sicht
und im Lichte der wirklichen Tatsachen betrachtet werden,
stuetzen sie sich gegenseitig.
ECA-Inf orma t i on
BULGARISCHE FLÜSCHTLINGE BESIEDELN MIT nILFE HES MARSKALLPLANS
UNBEBAUTE GEBIETE DER TUERKEf
~"
Dreissig neue Doerfer werden zur Zeit in der Tuerkei
aufgebaut und sollen zu Anfang des Jahres 1952 fertiggestellt
sein, um einen Teil des ungeheuren Zustroms bulgarischer
Fluechtlinge aufnehmen zu koennen. Heimatlos und verlassen
ueberqueren taegllch Hunderte von Moslems tuerkischer Abstammung, von Bulgarien kommend, die tuerkische Grenze, weil sie
der staendigen Verfolgung muede sind. Unbebautes, fruchtbares
Ackerland in den westlichen, mittleren und oestlichen Teilen
der Tuerkei ist fuer diese Fluechtlingsfamilien bereitgestellt
worden.
Ueber 200 000 Menschen, die in Bulgarien geboren und
gross geworden sind, kamen in den ersten neun Monaten des Jahres 1950 an den offiziellen Grenzuebergangsstellen in die
Tuerkei. Man rechnet bis zum Ablauf des Jahres 1951 mit weiteren 50 000. Es sind noch keine Anzeichen dafuer vorhanden,
dass dieser Zustrom abnehmen wird, oder dass im naechsten oder
usbernaechsten Jahr diese unertraegliche Diskriminierung ein
Ende haben wird, die diese Menschen aus ihrer Heimat vertreibt.
Bereits seit mehr als 30 Jahre kommen Emigranten aus Bulgarien in die Tuerkei. Es waren jaehrlich jedoch nur rund
8 -

�150 000. Diese Zuwanderung hatte unmittelbar nach der Aufloesung des Osmanischen Reiches im Jahre 191© begonnen. Die
tuerkischen Moslems kamen nicht nur aus Bulgarien, sondern
auch aus anderen noerdllchen Teilen des Reiches, um sich
innerhalb der Grenzen der heutigen Tuerkei einen Wohnsitz
zu suchen. Diese Umwanderung war jedoch freiwillig, verursacht durch den ,7unsch der Moslems, sich in der Heimat ihrer
Rasse niederzulassen und unter Angehoerigen ihrer Religion
und ihrer Sprache zu leben. Dieser langsame Zustrom wurde
1950 zur Flut. Die kommunistische Regierung Bulgariens unterdrueckte die Moslems, die so viele Jahre in Bulgarien gelebt hatten, durch ein Regime der rücksichtslosen politischen, religioesen und wirtschaftlichen Verfolgung. Diskriminierende und ungerechte Steuern wurden ihnen auferlegt,
ihre Ernten beschlagnahmt, man verweigerte ihnen die Lebensraittelrationen, und die Freiheit der Religion wurde ihnen
nicht gewaehrt. Sie wurden in ihren Staedten und Doerfern
verdaechtigt, und ihre normalen Beziehungen zu ihren Mitbuergern und alten Freunden wurden unterbrochen. Diejenigen,
die ihnen freundlich gesinnt waren oder mit ihnen in Geschaeftsverbindung standen, wurden bedroht.
Diese Verfolgung, mit der man offensichtlich bezweckte,
die Minderheit der Moslems aus Bulgarien zu vertreiben, hatte
nooh eine andere Folge, die von erfahrenen politischen Beobachtern ebenfalls, ßls beabsichtigt bezeichnet wird. Es war
die Tatsache, dass Hunderttausende hilfloser Menschen, die
meist im hohen Alter standen und arbeitsunfaehlg waren, zur
Belastung der tuerkischen Wirtschaft in dieses Land getrieben wurden, um damit das oestlichst gelegene Mitgliedsland
der demokratischen Voelkergemeinschaft des Westens zu schwaechen und zu schaedigen. Im Jahre 1951 erreichte diese Verfolgungskampagne in Bulgarien einen neuen Hoehepunkt, und
der Strom der Fluechtlinge, die die Grenze ueberquerten,
wuchs zu einem Tagesdurchschnitt von 800 und einem Jahresdurchschnitt von 292 000 Menschen an.
Die tuerkischen Bauern und die tuerkische Regierung gaben
sioh alle erdenkliche Muehe, diese hilflosen Menschen so gut
wie moeglich aufzunehmen. Das Problem nahm jedoch in kurzer
Zeit solche Auamasse an, dass es als internationales Problem
gewertet werden musste. Ein Ansiedlungsprojekt mit einem Kostenaufwand von 25 Millionen Dollar wurde vorbereitet, und
die Internationale Fluechtlingsorganisation {IR0) und der
Marshallplan stellten Geldmittel und Sachverstaendige zur Beratung zur Verfuegung.
Von diesen 25 Millionen Dollar wurden 10,7 Millionen
durch den Marshallplan aufgebracht,
die ausnahmslos fuer die
Sinrichtung der Doerfer, fuer ;«rohnhaeuser,- Scheunen, Saat,
Viehbestand, Bekleidung und aerztliche Betreuung verwendet wurden. Diese Unterstuetzung durch den Marshallplan hat nicht
nur humenitaere sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. Die
Haelfte der Fluechtlinge sind bis jetzt in bisher nicht bebauten Gebieten angesiedelt worden. Alle, die man noch in Zukunft
ansiedeln wird, werden Neuland erschliessen. Neues Ackerland
bedeutet neue Ernten, und wie die '.Virtschaftsberater des Programms erklaerten, neue Ernten bedeuten mehr Lebensmittel fuer
die Tuerkei und fuer den Export nach anderen Landern, die
selbst nicht genuegend Nahrungsmittel erzeugen.
9 -

�I
Der tuerkisc:;e Bauer, der groesstenteils in ^rmut und
Abgeschlossenheit von der Aussenwelt in Lehmhuetten wohnt,
hat dem allgemeinen Aufruf zur Unterstuetzung der Fluechtlinge gegenueber eine erstaunliche Grosszuegigkeit an den Tag
gelegt. Nur alte und sehr junge Leute kommen aus Bulgarien.
Diejenigen, die im militaerdienstpflichtigen Alter stehen,
werden hinter dem Eisernen Vorhang zurueckgehelten. Wenn
auch die am meisten begehrten, im arbeitsfaehigen Alter Stehenden nicht in diesem Fluechtlingsstrom zu finden sind, so
haben die Tuerken doch ihren Glaubensgenossen ohne Vorbehvlt
eine herzliche Aufnahme bereitet, und sie teilen bereitwillig
ihr schweres Los.
In einem Bezirk der Tuerkei, in dem jedes Dorf eine ümigrantenfamilie aufgenommen hatte, stellte man den Fluechtlingen eine V/ohnung zur Verfuegung, und materielle Spenden sollten ihnen ueber die ersten 3echs Monate hinweghelfen. In einem
anderen Ort war der Fluechtling, der sich dort niederliess,zufaellig ein Priester. Die Dorfbewohner ernannten ihn zu ihrem
Dorfpriester, und jeder spendete fuer seine Familie ein Schaf,
um ihr den Anfang zu erleichtern.
Diese Grosszuegigkeit in den Doerfern war eine grosse
Hilfe, reichte jedoch nicht aus, um mit den staendig wachsenden Anforderungen Schritt zu halten. Denn fast alle Fluechtlinge kommen mit nur ganz wenig Habseligkeiten ueber die
Grenze; sie besitzen bestenfalls eine Wolldecke und ein paar
Gegenstaende, die sie in ihren Schal gewickelt haben. Alles
uebrige wurde ihnen von kommunistischen Grenzbeamten abgenommen. Die meisten Familien bringen ihren Ofen mit an die Grenze. Fuer sie ist er mehr als ein Gegenstand, auf dem man
kocht; ar bedeutet ihnen Waerme, Haeuslichkeit und Heimat.
Die Grenzwachen erheben auf einen Ofen, der vielleicht 200
Lira gekostet hat, einen Zoll von 2 000 Lira, und der Fluechtling muss ihn schweren Herzens jenseits der'Grenze lassen.
Sie sitzen bedrueckt in den tuerkischen Aufnahmelagern, ihre
wenigen Habseligkeiten aengstlich bewachend. Die Sorge um
das Schicksal, das sie erwartet, steht jedem ins Gesicht geschrieben.
90% der Fluechtlinge sind Bauern, die fuer die Landwirtschaft der Tuerkei wertvolle Arbeitskraefte sind. Die restlichen 10% sind Handwerker, die fuer den Aufbau der 30 neuen
Doerfer sehr wertvoll sind. Etwa die Haelfte der ankommenden
Familien wird von amtlicher Seite als "hilflos" eingestuft,
d.h., dass sie keine Verwandte in der Tuerkei haben7 die ihnen helfen koennen, und dass sie ueber keinerlei Mittel verfuegen.
Diesen Mittellosen stellt man 12 Hektar staatseigenen
Landes,, ein Hau», Ochsen, Arbeitsgeraete, Säet, Viehfutter,
Lebensmittel und Geld zur Verfuegung, das ihnen bis zum Verkauf der ersten ISrnte ausreicht.
In vielen Faellen schliessen sich die Dorfbewohner zusammen, um gemeinsam dem Fluechtling ein Haus zu bauen. Die
Fluechtlinge selbst arbeiten am schwersten und am laengsten.
Bis jetzt sind die Fluechtlinge in den westlichen und mittleren Teilen der Tuerkei angesiedelt worden. Doch diese Gebiete sind bald nicht mehr aufnahmefaehig. Die Doerfer sind besetzt, und das gute Ackerland ist bereits vergeben. Neu an- 10«
*

�kommende Fluechtlinge werden jetzt nach den oestlichen Teilen
der Tuerkei geleitet, ein abgelegeneres und nicht kultiviertes Gebiet, in dem jedoch gutes, unbebautes Ackerland im
Ueberfluss vorhanden ist. Die Ansiedlungsmoeglichkeiten in
diesen Gebiet werden zurzeit geprueft. In dem gesamten Gebiet muessen neue Strassen gebaut, die WasServersorgung muss
sichergestellt und Bauernhoefe muessen gebaut werden. Die
Anbauflaeche der Tuerkei ist fast um 20^. groesser als 1947.
Die Ertragfaehigkeit eines Morgens ist um 13$ gesteigert.
In dem gleichen Zeitraum haben sich die Einkuenfte aus dem
Verkauf von Weizen verdoppelt. Dies ist zum grossen Teil
dem Arbeitseifer der handfesten tuerkischen Landbevoelkerung
zu verdanken.
Auch das landwirtschaftliche Erweiterungsprogramm der
tuerkischen Regierung ist eine Ursache hierfuer und nicht zuletzt die landwirtschaftlichen Maschinen und die Ratschlaege
und Instruktionen von Sachverstaendigen, die der Marshallplan
zur Verfuegung gestellt hat. Ein Teil des Erfolges ist zweifellos auch den bulgarischen Fluechtlingen zuzuschreiben, deren Bemuehungen nun anfangen, sich bemerkbar zu machen. Man
sieht sie bei schwerer Arbeit auf den Feldern Anatoliens.
Reisende treffen sie auf den Feldwegen und Dorfstrassen in
ihrer neuen, von Schweiss und muehseliger Arbeit beschmutzten
khakifarbenen Kleidung an. Sie unterhalten sich in einer
Sprache, die man sonst in der Tuerkei nicht hoert. Sie haben
noch sehr wenig, aber sie haben eine neue Heimat gefunden, sie
leben in Freiheit und haben die Moeglichkeit, in den riesigen,
unerschlossenen Gebieten der Tuerkei zu arbeiten.
ECA Information
1/3/51
Richard H. Gordon, Vorsitzender der AFL Gewerkschaft der
Filmkomparsen:
DIE GEWERKSCHAFT DER FILMKCUPARSEN IN AMERIKA
-Vor vielen Jahren, als die in der Filmindustrie Hollywoods Beschaeftigten noch nicht gewerkschaftlich organisiert
waren, charakterisierte ein Arbeitgebervertreter die Arbeit
der Filmkomparsen "als den undankbarsten und unbefriedigsten
Beruf in der Liste aller menschlichen Besohaeftigungen".
Diese Erklaerung beruhte zu jener Zeit zweifellos in
mancherlei Hinsicht auf Wahrheit. Aber inzwischen konnten
die Komparsen dank ihrer Zugehoerigkeit zu einer starken Gewerkschaft der AFL ihr Los wesentlich verbessern. Es bleibt
natuerlich noch manches zu tun, aber wir sind dabei, unsere
Ziele zu verwirklichen.
Im Grunde war das Hauptproblem der KoiüDarsen die Tatsache, dass die Filmindustrie zwar zu jeder Zeit auf eine bestimmte Reserve an Talenten zurueckgreifen koennen muss, dass sie
diesen wichtigen Arbeitskraeften jedoch keine dauernde Beschaeftigung bieten kann.
Im Jahre 1936 wurde zum Beispiel die anfallende Konparsenarbeit in Hollywood unter 22.937 Personen verteilt, mit
dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Zahl der pro Arbeit- 11 -

�nehmer gearbeiteten Tage in dem ganzen Jahr nur 11,72 und
das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Einzelperson nur
105,63 Dollar betrugen.
1940 hatten die Filmkomparsen in der Filmschauspielergewerkschaft der AFL eine wirksame Vertretung, und die Zahl
der Personen, die sich fuer die Arbeit als Komparsen bereithielten, war auf 7007 zurueckgegangen. Das durchschnittliche
Jahreseinkommen pro Arbeitnehmer in der Komparserie war auf
361 Dollar angestiegen.
Nach 1945 entstand die Gewerkschaft- der Filmkomparsen
als selbstaendige Organisation, und die Zahl der registrierten Komparsen wurde bis zum Ende des Jahres 1950 noch weiter
reduziert. Sie erreichte damals den bisher niedrigsten Stand
von 3.467 Personen, die in diesem Jahr insgesamt 3.941.954
Dollar verdienten. Damit erreichte das durchschnittliche
Jahreseinkommen den bisher hoechsten Betrag von 1.137 Dollar.
Dies ist zwar noch immer eine sehr bescheidene Zahl, aber
man darf nicht vergessen, dass es ein Durchscnitt fuer eine
gesamte Berufsgruppe ist, in der einige Rassentypen und sonstige Sondertypen vertreten sind, die nicht mit regelmaessiger
Beschaeftigung waehrend des ganzen Jahres als Komparsen rechnen koennen, weil es nicht genuegend Filme gibt, in denen
sie gebraucht werden. Viele Komparsen verdienen heutzutage
jaehrlich zwischen zwei- und viertausend Dollar. Einige haben nooh ein weit hoeheres Einkommen.
Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Berufskomparsen ist durch die verstaendnisvolle Zusammenarbeit zwischen der AFL Gewerkschaft der Filmkomparsen und den Arbeltgebern ermoeglicht worden.
Seit jenen Tagen, als Komparsen taeglich fuer drei Dollar und ein Eintopfessen arbeiteten, sind ihre LIindestloehne
um mehrere hundert Prozent erhoeht worden. Und Tausende ungelernter Amateurkomparsen sind ausgeschaltet worden und konkurrieren nicht mehr mit den erfahrenen Berufskomparsen um
die Rollen, die zum groessten Teil von "Central Casting",
der Arbeitsvermittlungsbehoerde fuer Komparsen vergeben werden.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen ist auf die Fortschritte stolz, die sie in der kurzen Zeit von sechs Jahren erzielt
hat. Sie ist ausserdem darauf stolz, dass sie von.anderen
Gewerkschaften in Hollywood und von den Arbeitgebern anerkannt
wird.
Was ist eigentlich die Arbeit der Filmkomparsen? Sie bilden den menschlichen Hintergrund, vor dem die Filmstars ihre
Rolle spielen, allgemein gesprochen unterscheidet sich die
Arbeit der Komparsen und die der Filmschauspieler dadurch,
dass Komparsen waehrend ihres Auftretens nicht im Diaioc SDrechen.
Sie koennen zum Beispiel als Konnarse in Gala am Tisch
eines Nacht-Clubs sitzen, waehrend die Filnstars tanzen oder
singen. Solange ein Darsteller nicht spricht, ist er Komparse.
Aber wenn er einen Satz oder auch nur ein Wort im Einzeldialog spricht, dann ist er Filmschauspieler und wird dementsprechend besser bezahlt.
- 12 -

�Eine Anzahl von Filmstars waren frueher Komparsen und
andererseits koennen fruehere Darsteller in Stummfilmen
heute Komparsen sein.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen wurde 1945 von einer
Gruppe von Komparsen gegruendet. Zu jener Zeit spielte sich
in den Filmstudios ein erbitterter Streit um die Zustaendigkeitsfrage ab, und die eine Partei der Streitenden wurde
von der kommunistischen Partei unterstuetzt. Eine kleine
Gruppe Stoerenfriede hatte die Komparsen veranlasst, aus
der Filmschauspielergewerkschaft auszutreten, und versuchte
nun, sie in die von den Kommunisten unterstuetzte Organisation aufzunehmen. In diesem Augenblick wachte der uebrige
Teil der Komparsen, der die Mehrheit bildete, endlich auf.
Komparsen sind, ebenso wie Filmschauspieler, grundsaetzlich
konservativ. Sie wollten von ihren kommunistischen Kollegen
• nichts wissen, die den Versuch machten, zur Erreichung ihrer
eigenen subversiven Ziele die Filmstudios zu schliessen.
Wir gruendeten die Gewerkschaft der Filmkonparsen und
vereinigten uns mit der Filmschauspielergewerkschaft und anderen nicht-kommunistischen Organisationen, um die Kommunisten
aus den Studios zu vertreiben. In diesem Kampf bewiesen die
Komparsen Hollywoods, dass sie das Recht haben, Seite an Seite mit anderen Gewerkschaften,um die Verbesserung der Lebensbedingungen des arbeitenden Volkes zu kaempfen.
1946 gewann die Gewerkschaft der Filmkomparsen mit ueberwaeltigender Mehrheit ueber ihre Gegenspieler eine vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen durchgefuehrte Zustaendigkeitswahl, und seitdem ist sie die Vertreterin der Filmkomparsen. Unmittelbar nach ihrer offiziellen Anerkennung schloss
die Gewerkschaft ihren ersten Tarifvertrag mit den Filmproduzenten ab, durch den die Komparsen mehr als eine Million Dollar an rueckwirkenden Lohnernoehungem erhielten. Seitdem war
die Gewerkschaft unaufhoerlich bemueht, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern.
Unsere wichtigsten Lohntarife fuer den Stundentag sind
folgende: Allgemeine Komparsen 15,56 Dollar, Komparsen in
besonderer Kleidung, T&amp;enzer, Schlittschuhlaeufer oder Schwimmer 22,23 Dollar. Wir haben viele besondere Lohnstufen, so
z.B. fuer Komparsen, die ein Kamel oder einen .Siefanten reiten. Sie verdienen 50 Dollar am Tag. Wenn sie ein Kamel
oder einen Elefanten fuehren, verdienen sie 35 Dollar taeglloh. Fuer Nachtarbeit erhalten sie zusaetzlich 10% und doppelten Lohn fuer Sonntags- und Feiertagsarbeit.
Wenig mehr als ein Jahr, nachdem die Gewerkschaft der
Filmkomparsen unter dem Wagner-Gesetz zur einzig zulaessigen
Vertreterin von Filmkomparsen in Tarifverhandlungen erklaert
worden war, erliess der Kongress ge.-ren das Veto des Praesidenten das Taft-Hartley-Gesetz. Dieses Gesetz bedeutet fuer
uns in unseren Tarifverhandlungen alt den Produzenten ein
furchtbares Handikap, weil mit ihm allen Fersonen, die Arbeit im Film suchen, gleichgueltig ob sie eine Faehigkeit
oder Erfahrungen haben oder nicht, die Tore zu den Studios
geoeffnet werden.
In den Verhandlungen mit den Produzenten, in denen wir
uns darum bemuehten, dieser grossen Gefahr zu begegnen, nahm
- 13 -

�unsere Gewerkschaft eine fuehrende Stellung ein. Schliesslich
konnten wir es durchsetzen, dass erfahrene und registrierte
Komparsen bei der Einstellung bevorzugt werden. Dadurch wurde es verhindert, dass Tausende von unerfahrenen Neuankoemmlingen die Reihen der Filmkomparsen ueberschwemmten, und die
Handlungsweise unserer Gewerkschaft war auch fuer andere Gewerkschaften in der Filmindustrie vorbildlich.
Nach den Bestimmungen unseres Tarifvertrages mit den
Studios i3t ein Ausschuss von Vertretern der Filmhersteller
und der Komparsen gebildet worden, der sich mit besonderen
Problemen befasst, die nicht in dem Vertrag beruecksichtigt
werden koennen. V/ir hatten mehrere Konferenzen ueber Probleme von Minderheitsgruppen besonderer rassischer Herkunft,
und gerade in dieser Hinsicht ist viel Gutes getan worden.
Wenn auch einige dieser Probleme seit vielen Jahren in der
Filmindustrie bestehen und ueber Nacht nicht geloest werden
koennen, so glauben wir jedoch, dass ein besseres Einvernehmen zwischen Unternehmern und Komparsen durch diese Konferenzen gefoerdert wird.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen spielt im Zentralen
Gewerkschaftsausschuss in Los Angeles, im AFL Vorstand des
Staates Kalifornien, im Filmkomitee der AFL von Hollywood
und dem Theaterverband des Staates Kalifornien eine hoechst
aktive Rolle. ;7ir sind ausserdem auf jedem bundesstaatlichen
Kongress der AFL vertreten.
Die Gewerkschaft sieht ihre Aufgabe darin, allen Maennern und Frauen zu helfen, die sich ihren Lebensunterhalt
durch Lohnarbeit verdienen. Auch haben andere Gewerkschaften
Ortsausschuesse und Verbaende von Einzelstaaten unsere Gewerkschaft hundertprozentig unterstuetzt, wenn sie schwierige
Probleme, wie z.B. Vertragsverhan31ungen oder die V/ahrung der
Rechte ihrer Mitglieder nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz, zu loesen hatte. Vor kurzem wurde der Gewerkschaft der
Filmkomparsen von den Delegierten des Zentralen Gewerkschaftsausschusses von Los Angeles, die mehr als 350.000 Mitglieder
der AFL vertreten,hoechste Anerkennung zuteil, als sie den
Exekutivsekretaer dieser Gewerkschaft H. O'Neil Shanks in
den Exekutivaus3chuss dieses Gremiums waehlten, das eine der
bedeutendsten zentralen Koerpersohaften in den Vereinigten
Staaten ist.
Die regierende Koerperschaft der Gewerkschaft der Filmkomparsen ist der Direktorenausschuss, der sich aus 33 im
Arbeitsverhaeltnis stehenden Mitgliedern der Gewerkschaft
zusammensetzt, die von den uebrigen Mitgliedern gewaehlt werden. Alljaehrlich werden £2 .nussohussmitglieder fuer drei
Jahre, und die Funktionaere werden jaehrlich gewaehlt. Alle
Mitglieder des Ausschusses und alle Funktionaere mit Ausnahme
des Exekutivsekretaers sind ehrenamtlich fuer die Gewerkschaft
ta'etig. Wir fuehlen uns geehrt durch die Anwesenheit eines
Philippinen, eines Negers, eines Mexikaners, Chinesen, Hawaianers und eines amerikanischen Indianers in diesem ausschuss.
Es gab eine Zeit, da die meisten Komparsen in Plollywood
am Rande des Elends standen. Die Lage war fuer sie zu einem
gewissen Zeitpunkt, der allerdings viele Jahre zurueckliegt,
so schlecht, dass der Tageslohn von drei Dollar und Mittagessen
- 14 -

�zu 1.25 Dollar und ohne Essen reduziert wurde. Diese Zeit
ist jedoch vorueber und wird solange nicht wiederkehren, wie
die Komparsen in ihrer AFL Organisation vereinigt bleiben.
Hierbei muss ich an die Tatsache denken, dass wir trotz
der niedrigen Beitraege, die an unsere Gewerkschaft gezahlt
werden (monatlich 2 Dollar), in den sechs Jahren seit der
Gruendung unserer Organisation eine finanzielle Grundlage gebildet haben. '.Vir vsrfuepen haute zum Teil in bar, zum Teil
in Schatzanweisungen der Regierung ueber ein Netto-Vermoegen
von 237.295 Dollar, was eine Gewaehr dafuer ist, dass niemand
mehr mit den Komparsen umspringen kann, wie er will.
The American Federationist
VIII/51
DIE BAUINDUSTRIE HAT KOCH VIEL ZU LERNEN
Sir Ben Lockspeiser ist Sekretaer des Referats fuer wissenschaftliche- und Industrie-Forschung der amerikanischen
Bauarbeitergewerkschaft. Kachstehend folgt eine Zusammenfassung der Kommentare, die er ueber die Leistungsfaehigkeit der Bauindustrie gegeben hat, als er vor wenigen Tagen
vor dem Forschungsausschuss der Bauindustrie sprach.
Die Verbesserung der Baumaterialien und der fertigen Baustoffe sowie bessere Kenntnisse ihrer richtigen Verarbeitung
haben sich in den letzten 30 Jahren auf die Planung, die Konstruktion und die Gebaeudeerhaltung ausgewirkt. Das technische .'/issen um Aufbau, Fundamentierung und Baumethoden ist
wesentlich erweitert worden.
Dies sind zweifellos Fortschritte, aber es besteht noch
immer das unanrenehme Gefuehl, dass das Baugewerbe nur sehr
schwer in der Lage ist, Keues zu lernen.
Das allgemeine Bild, das von ihr gegeben werden muss,
spiegelt einen relativen Stillstand wider. Y/aehrend andere Industriezweige wesentliche Fortschritte erzielt haben, hat sich
das Beugewerbe damit abgefunden, rueckstaendig zu bleiben.
Es spricht nicht fuer Eurona, wenn heute dort die Gewohnheit
vorherrscht, nach den Vereinigten otaaten zu sehen, um ueber
bedeutsame technologische Fortschritte Informationen zu erhalten.
Fortschritte in der Technik koennen mit einer Steigerung
der vorfuegbaren mechanischen Energie Hand in Hand gehen. Es
ist die L'aschine, durch die die Menschen von der Knappheit zum
Ueberfluss kamen, u d deshalb sollte einmal die Frage gestellt
werden, inwieweit die Bauindustrie von der L'aschine Gebrauch
macht und dabei wird man feststellen, dass die Verwendung von
^?asohinen dort sehr beschrtenkt ist.
Der Arbeiter der Bauindustrie hatte im Jahre 1935 im
Durchschnitt nicht mehr als die Htelfte einer Pferdestaerke zur
Verfuegung im Vergleich zu 2&amp; Pferdestaerken mechanischer Energie fuer die Arbeiter der uebrigen Kerstellerindustrien. Vermutlich hat sich in der Zwischenzeit dieser Unterschied zuungunsten der Bauindustrie noch erhoeht.
- 15 -

�Beim Aufbau eines Doppelwohnhauses muss ein grosser Teil
der Baumaterialien mehr als einmal transportiert werden, und
es werden tetsaechlich 1200 Tonnen Material hauptsaechlich
mit der Hand befoerdert. Wie jeder moderne Betriebswirt weiss,
ist nichts so teuer wie die angeblich billige ungelernte Arbeit. Die Unkosten fuer Maschinen beim Bau eines Hauses im
Werte von 1300 Pfund Sterling letwa DM 15,500) sind geringer
als 30 Pfund Sterling 1DM 360) im Vergleich zu dem Betrag von
400 Pfund Sterling {DM 4,800), der fuer Arbeitskraefte aufgewendet werden muss.
Es ist Tatsache, dass es sich um eine Industrie handelt,
in der der kleine Unternehmer vorherrscht. 1950 gab es tatsaechlich mehr eingetragene Firmen als Maurer. Etwa 87% der
Baufirmen beschaeftigten weniger als 20 Arbeiter, waehrend
nur 4% mehr als je 1000 Arbeiter hatten.
Etwa ein Drittel aller Bauarbeiter ist in Firmen beschaeftigt, die weniger als 20 Arbeitnehmer haben. Zwei Drittel arbeiten in Betrieben, deren Belegschaft weniger als 100 Mitglieder zaehlt, und nur 12% arbeiten in Unternehmen, in denen 1000
oder mehr Arbeiter beschaeftigt sind.

\

Viele dieser unzaehligen Firmen sind sehr unrentabel. Hierfuer gibt es jedoch keinen triftigen Grund, denn die Groesse
eines Unternehmens ist im allgemeinen kein Gradmesser fuer seine Leistungsfaehigkeit. Ausschlaggebend ist vielmehr, was sich
ein Unternehmer zutraut und wie er seine Arbeit anpackt. V/enn
er versucht, in kleinem Umfang die gleiche Arbeit so wie ein
grosser Betrieb zu tun, ist es fast gewiss, dass er bei der Verwendung seiner Arbeitskraefte verschwenderisch ist.
Auch die kleinen Firmen koennten wirtschaftlich arbeiten,
wenn sie sich auf besondere Arbeiten spezialisieren wuerden,
so z.B. als Vertragsfirmen, die in einem bestimmten Bezirk um
groessere Unternehmen gruppiert werden. Die Verwendung von
Maschinen am Bauplatz koennte dann wirtschaftlicher werden.
Selbst an kleinen Bauplaetzen koennten Maschinen eingesetzt
werden, z.B. fuer Ausschachtungsarbeiten. Dieses System liesse
sich mit dem der Kleinbauern vergleichen, die Traktoren, Maehmaschinen oder Maehdrescher groesserer landwirtschaftlicher Betriebe in Anspruch nehmen, weil sie sich keine eigenen Maschinen leisten koennen.
Jene Bedingungen zu schaffen, die es ermoeglichen, dass
der Bauarbeiter durch einen hoeheren Einsatz der mechanischen
Energie unterstuetzt wird, waere nicht nur im jetzigen Rahmen
der Bautaetigkeit wuenschenswert, sondern, was vielleicht noch
wichtiger ist, es wuerde damit auch die Moeglichkeit geschaffen,
in weiterem Masse Fertigteile entweder im Betrieb oder an der
Baustelle selbst herzustellen.
Ein technischer Fortschritt dieser Art wuerde zu einer
wirksamen Arbeiteinteilung an der Baustelle beitragen und den
reibungslosen Verlauf der einzelnen Arbeitsgaenge garantieren,
wie es in jeder modernen Herstellerindustrie der Fall ist.
Labour X/51

- 16 -

HI000 ? BOT 81 1835« 1 1

10

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar nnd dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 46

Frankfurt, den 16. November 1951

I L H ü L T S V E R Z E I C K N I S
IAO-Konferenz ueber Umsiedlungsfragen

1

Die Kommunisten in Westdeutschland

5

Gewerkschaftliche Entwicklung in Syrien .... 7
Lohnpolitik und Inflationseinfluesse

9

Wann wird endlich mehr produziert?

13

Produktion i3t der Schluessel zum hohen
Lebensstandard

15

IAO-KONFERENZ U^BER UMSIEDLUNGSFRAGEN
Delegierte aus 27 Laendern, lie vom 2. bis 16. Oktober
zu der Konferenz ueber Umsiedlungsfragen in Neapel zusammengekommen waren, sprachen sich fuer die Bildung eines Beratungsausschusses fuer europaeische Umsiedlungsfragen aus.
Diese Konferenz war von der Internationalen Arbeitsorganisation einberufen worden.
Die Konferenz hatte den Zweck, die Probleme der Umsiedlung ueberzaehliger Menschen aus europaeischen Laendern in
Gebiete, die fuer ihre volle Entwicklung zusaetzliche Arbeitskraefte brauchen, zur Sprache zu bringen. Zuvor war
vom Internationalen Arbeitsamt ein ausfuehrliches Programm
aufgestellt worden, in dem die Bildung einer Verwaltung fuer
Umsiedlung und eines Umsiedlungshilfsfonds vorgeschlagen
- 1 -

�wurde. In dem Programm ist vorgesehen, im ersten Jahre
200.000, im zweiten Jahr 300.000 und in den folgenden drei
Jahren jaehrlich 400.000 Personen umzusiedeln. Fuer das
erste Jahr wuerde ein Umsiedlungshilfsfonds zur Verfuegung
gestellt, aus dem zinsfreie Kredite an beduerftige Umsiedler
gewaehrt werden, die sie voraussichtlich in 30 Raten innerhalb von 2fc Jahren zurueckzahlen sollen.
Der Plan des Internationalen Arbeitsamtes sieht ausserdem vor, dass innerhalb dieser Organisation eine Verwaltung
fuer Umsiedlungsfragen gebildet wird, deren Arbeit zu ueberpruefen und nach fuenf Jahren entweder einzuschraenken oder
zu beenden ist. Diese Verwaltung fuer Umsiedlungsfragen
wuerde einem Umsiedlungsausschuss unterstehen, der sich aus
Delegierten solcher Laender zusammensetzt, die Umsiedler
abgeben oder aufnehmen, und die Zahlungen in den eigenen
Sonderfonds dieser Verwaltung vorgenommen haben, der von dem
ordentlichen Budget der Internationalen Arbeitsorganisation
getrennt waere. Ausser den Teilnehmerstaaten, die bei Abstimmungen je eine Stimme haben, wuerden Vertreter der Vereinten Nationen und anderer Faohbehoerden, der Organisation
amerikanischer Staaten, des Europarates und der Organisation
fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas ohne Stimmberechtigung an den Beratungen des Ausschusses teilnehmen.
Bei der Anwendung der vom Ausschuss fuer Umsiedlungsfragen
aufgestellten Richtlinien wuerde ein Umsiedlungsrat behilflich sein, der sich aus Vertretern von 12 Kationen zusammensetzt und fuer zwei Jahre gewaehlt wird. Ferner wuerde
ein Beratungsausschuss mitwirken, der sich aus Vertretern
ueberstaatlicher Organisationen zusammensetzt, die sich direkt mit Umsiedlungsfragen beschaeftigen.
Dieser in Vorschlag gebrachte Beratungsausschuss waere
als Ersatz fuer die von der Internationalen Arbeltsorganisation vorgeschlagene Behoerde anzusehen. Der Vorsohlag wurde
von der Konferenz gebilligt. Die Vereinigten Staaten, Australien und Kanada, d.h. die drei fuehrenden Aufnahmelaender,
enthielten sich der Stimme.
An dieser Konferenz von Delegierten der Regierungen
nahmen folgende Laender teil: Argentinien, Australien, Oesterreich, Belgien, Bolivien, Brasilien, Kanada, Chile, Daenemark,
Ekuador, Finnland, Frankreich, die deutsche Bundesrepublik,
Griechenland, Italien, Luxemburg, Holland, Norwegen, Paraguay,
Peru, Portugal, Schweden, die Schweiz, Gross-Britannien, USA,
Uruguay und Venezuela, Beobachter des Vatikans und der Tuerkei waren anwesend.
An internationalen Organisationen waren vertreten: die
Vereinten Nationen, die Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft, die Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft
und Kultur, die Weltbank, die Weltgesundheitsorganisation,
die Internationale Fluechtlingsorganisation, das Buero der
Hochkommissare der Vereinten Nationen fuer Fluechtlingsfragen,
die Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas und der Europa-Rat, Ausserdem entsandten zahlreiche
ueberstaatliohe Organisationen Beobachter.
Vorsitzender der Konferenz war Sir Guildhaume MyrddinEvans aus Gross-Britannien, ein Mitglied des Verwaltungsrates
der Internationalen Arbeltsorganisation. Jeff Rens, stellvertretender Generaldirektor des IAA, war Generalsekretaer der
Konferenz.
- 2 -

�Der Vorschlag, einen Beratungsausschuss zu bilden, der
von der Konferenz in Neapel gebilligt wurde, wird dem Verwaltungsrat des IAA Mitte November vorgelegt werden. Wenn
er gebilligt wird, wird sich dieser Ausschuss aus Vertretern
derjenigen Laender zusammensetzen, die in Neapel vertreten
waren, und die sich fuer die Umsiedlung in Uebersee interessieren. Er wuerde auch diesen Regierungen gegenueber verantwortlich sein.
In der Resolution, die auf dieser Konferenz angenommen
wurde, wurde festgestellt, dass die Vertreter in diesem Ausschuss ausreichende Befugnisse haben muessen, die es ihnen
erlauben, ihre Aufgaben zu erfuellen. Sie haben folgende
Aufgaben: grundlegende Fragen zu behandeln, insbesondere
die Foerderung, Anregung und Unterstuetzung internationaler
Massnahmen, und Moeglichkeiten internationaler Finanzierung
in Erwaegung zu ziehen; sich naeher mit den Notwendigkeiten
und Moeglichkeiten der Umsiedlung und jener Art internationaler Massnahmen zu befassen, die zur Durchfuehrung solcher
Massnahmen auf individueller oder gegenseitiger Basis wuenschenswert sind; den Regierungen und den ueberstaatlichen
Organisationen auf dem ueblichen Dienstweg Vorschlaege zu
unterbreiten; darauf hinzuwirken, dass in allen Programmen
der wirtschaftlichen Entwicklung der Umsiedlungsfaktor voll
beruecksichoigt wird, und regelmaessig den Regierungen der
angeschlossenen Laender ueber den Fortschritt seiner eigenen Taetigkeiten Bericht zu erstatten.
Die Konferenz billigte ausserdem Entsohliessungen, in
denen bestimmte Richtlinien fuer die aerztliche Untersuchung
und die Auswahl von Umsiedlern enthalten sind, und sie forderte die Regierungen auf, sofort Vorkehrungen fuer den
Transport von Umsiedlern zu treffen. Der Bericht des Ausschusses ueber die Auswahl der Umsiedler auf Grund der aerEtlichen Untersuchung, der von der Konferenz gebilligt wurde,
enthaelt eine Liste von Vorschriften, die bei der Auswahl
von Umsiedlern, die sich um gewoehnliche oder Schwerarbeit
bewerben, auf nationaler Basis zu beachten sind; ferner ein
Handbuch fuer den Arzt, das erklaert, wie Personalkarteien
anzulegen sind, in denen die Ergebnisse der aerztlichen Untersuchungen angefuehrt sind, und ein Muster eines vorschriftsmaessigen Berichtes ueber die Ergebnisse der aerztlichen Untersuchung; ausserdem wird angegeben, bei welchen Krankheiten
die betreffenden Bewerber entweder nach wirksamer Behandlung
wieder vorstellig werden koennen, endgueltig abgelehnt werden
muessen oder fuer Schwerarbeit unfaehig sind.
Die Arbeitsgruppe fuer Transportfragen empfahl einstimmig, dass der Verwaltungsrat des IAA einen Sachverstaenfligenausschuss ernennen moege, der sich mit der Frage beschaeftigen soll, ob es notwendig ist, internationale Normen fuer
die Unterbringung und die Wohlfahrt der Umsiedler an Bord
der Schiffe aufzustellen. Sie ermaechtigte ausserdem den
Generaldirektor des IAA, mit der Internationalen Organisation
fuer Zivile Luftfahrt und anderen zustaendigen internationalen Koerperschaften zu beraten, welche Methode am besten ist,
um die Sicherheit und Wohlfahrt der auf dem Luftwege befoerderten Umsiedler zu gewaehrleisten.
Die Arbeitsgruppe fuer Beratungsdienste unterbreitete
einen Vorschlag, nach dem das IAA entsprechend der verfuegbaren finanziellen Mittel technische Unterstuetzung leisten
- 3 -

�soll, weil die Unkosten die Mittel uebersteigen, die von
den Teilnehmerstaaten aufgebracht werden koennen. Die Arbeitsgruppe fuer die technische Durchfuehrung der Umsiedlung erklaerte, dass das wirksame Funktionieren der Organe,
die mit der Auswahl, der Rekrutierung, der Ausbildung und
der Aufnahme der Umsiedler beauftragt sind, wesentlich fuer
die kuenftige Entwicklung der Umsiedlung ist. Wenn auoh
zur Zeit einige Regierungen keine internationale Unterstuetzung fuer diese Arbeit benoetigen, so duerfte sie doch fuer
andere Regierungen hoechst wertvoll sein. Die Arbeitsgruppe
war jedoch der Auffassung, dass das IAA in entsprechendem
Umfang fortfahren moege, in allen diesen Fragen und besonders auf dem Gebiet der Berufsausbildung technische Unterstuetzung zu geben.
Paul Ramadier, der fruehere Premierminister Frankreichs
und jetzige Vorsitzende des Verwaltungsrates des IAA, erklaerte in seiner Ansprache auf der letzten Sitzung der
Konferenz, dass die "internationale Arbeitsorganisation in
vielerlei Hinsicht ein amerikanisches Produkt ist. Ich
moechte noch weiter gehen und Ihre Aufmerksamkeit auf einen
sehr seltsamen Aspekt der gegenwaertigen Situation lenken.
Zu Anfang hatte der Hauptteil, der praktisch auch der einzige Bestandteil des IAA war, die Aufgabe, internationale Gesetze zum Schutz der Arbeiter zu entwerfen. Diese Idee war
im Friedensvertrag von Versailles niedergelegt worden, und
in der Zeit zwischen den beiden Kriegen war es praktisch die
einzige Taetigkeit dieser Organisation. Im Jahre 1944 jedoch
wurde auf der Konferenz in Philadelphia darauf hingewiesen oder soll ich sagen, dass die«Vereinigten Staaten darauf
hingewiesen haben? - dass das Internationale Arbeitsamt
nicht unbegrenzt fortfahren koenne, Konventionen zu entwerfen und abzuaendern, die'immer den gleichen Gegenstand behandeln. Wenn das internationale Arbeitsgesetzbuch einmal vollstaendig ist, dreht es sich nur noch darum, die Einzelheiten
der Bestimmungen abzuaendern und zu verbessern. Deshalb war
es notwendig, diese an Bedeutung staendig verlierende Arbeit
fallen zu lassen und eine aktivere Rolle zu uebernehmen.Dieser Gedanke wurde in unserer Satzung verankert. Ein zweifellos bescheidener Anfang war damit geschaffen,,dass wir damit
begannen, die Errichtung internationaler Koerperschaften und
internationaler Behoerden technisch zu unterstuetzen und zu
foerdern. Heute unterbreitet der Generaldirektor den wohlueberlegten Vorschlag, unsere Taetigkeiten nach neuen Gesichtspunkten wesentlich zu erweitern. Warum sollte damit
sofort ein Grund zu einer solchen Beunruhigung gegeben sein?
Und fuer welche Leute? Offensichtlich fuer diejenigen, die
uns unseren Weg wiesen und erklaerten: "Dies ist die Strasse
die Ihr in Eurer kuenftigen Arbeit einhalten muesst."
Jeff Rens, der Generalsekretaer der Konferenz und der
stellvertretende Generaldirektor des IAA gab eine Zusammenfassung der in der Vergangenheit von dem IAA auf dem Gebiet
der Umsiedlung geleisteten Arbeit und der Gruende, die dazu
Anlass gaben, diese Konferenz einzuberufen. Er wies darauf
hin, dass keine internationalen Massnahmen notwendig waeren,
wenn alle Regierungen ueber die Verwaltungsapparate und die
finanziellen Mittel verfuegten, die hierzu unerlaesslich sind.'
Dies sei jedoch nicht in allen Laendern der Fall. '.Vir waren
uns nie im Zweifel darueber, dass diese internationale Hilfe
nicht mehr als eine Ergaenzung sein soll. Wir waren der An4 -

�sieht, dass internationale Massnahmen die Entwicklung eigener Einrichtungen in den einzelnen Staaten foerdern wuerden.
Welche Massnahmen die Regierungen auch beschliessen werden,
wir werden fortfahren, sie so gut wie moeglich zu unterstuetzen.
Robert West, der Delegierte der Regierung der Vereinigten Staaten, erklaerte, warum sich die Delegation seiner Regierung nicht fuer die EntSchliessung ausgesprochen hatte,
nach der ein Beratungsausschuss fuer europaeische Umsiedlungsfragen errichtet werden soll. Er sagte: "Diese Enthaltung kann nicht als Mangel an Interesse der Regierung der
Vereinigten Staaten ausgelegt werden, praktische Loesungen
zu den Problemen zu finden, die sich mit der Erweiterung der
europaeischen Umsiedlungstaetigkeit ergeben. Unsere Auffassung
ist es, dass wir Schritt fuer Schritt an die Loesung des Problems herangehen muessen, d.h. dass wir zuerst solche Dinge
tun muessen, die eindeutig als praktische Massnahmen zu werten sind. Wir muessen in Erwaegung ziehen, dass diese Konferenz nur ein Stadium in dem schwierigen Prozess ist, in
dem eine Loesung dieses Gesamtproblems gefunden werden soll.
Die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten den Plan des IAA
nicht akzeptieren konnten, darfnicht falsch ausgelegt werden.
Hierdurch wird in keiner Weise etwas an der Tatsache geaendert, dass die Regierung der Vereinigten Staaten das IAA und
seine Arbeit sehr hoch einschaetzt.
Papst Pius XII. erklaerte vor 100 Delegierten dieser
Konferenz waehrend einer Sitzung in Castelgandolfo: "Wir
stellen mit Genugtuung fest, dass diese Konferenz dazu beigetragen hat, die Welt die Wichtigkeit dieser Aufgabe und den
Ernst dieses Problems erkennen zu lassen. Vor allem freut
uns die Tatsache,. dass die geistigen und moralischen Werte,
die sowohl bei der Auswanderung als auch bei der Einwanderung
gesichert, geschuetzt und entwickelt werden muessen, auf
Ihrem Kongress entsprechend gewuerdigt worden sind.
ILO News Service
X/26/51
DIE KOMMUNISTEN IM WESTDEUTSCHLAND
Auszug aus der Rede von Irving Brown, dem Vertreter der
American Federation of Labor in Europa, auf dem Kongress
der AFofL in San Francisco am 18. September 1951.
"Waehrend die kommunistische Partei noch immer
die Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft in Frankreich
und Italien darstellt, sind in Westdeutschland die Sozialdemokraten die herrschende Kraft in der geeinten Gewerkschaftsbewegung. Auf der anderen Seite befindet sich Ostdeutschland
unter Sowjetherrschaft und dort wird aufgeruestet. Aber
selbst in dieser von den Sowjets kontrollierten Zone haben
die wirklich demokratischen Kraefte die von den Sowjets beherrschten Gewerkschaften und politischen Parteien derart
durchsetzt, dass die Sowjets sich nicht auf Ostdeutschland
verlassen koennen. Ostdeutschland ist das einzige Gebiet
jenseits des Eisernen Vorhangs, in dem ein offener und von
den Massen getragener Widerstand gegen die Sowjetunion lebendig ist. Die Kraft der demokratischen Gewerkschaftsbewegung
in Westdeutschland ist in den vergangenen Monaten dadurch
- 5 -

�verstaerkt worden, dass den deutschen Gewerkschaften das Mitbestimmungsrecht in der maechtigen Eisen-, Stahl- und Kohleindustrie des Ruhrgebiets gewaehrt wurde. Die ünterstuetzung
durch die amerikanischen Gewerkschaften und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) hat wesentlich zu diesem Sieg der deutschen Gewerkschaften beigetragen.
Aber daneben gibt es andere Schwaechen und Gefahren in
Westdeutschland. Die kommunistische Partei hat immer noch
eine gewisse Bedeutung innerhalb der Gewerkschaften, was vor
allem der Tatsache zuzuschreiben ist, dass sie nahezu 400
bezahlte Funktionaere im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)
hat und in zahlreichen Betriebsraeten in der deutschen Industrie einen gefaehrlichen Einfluss ausueben kann. Das alles
gibt der KPD eine Staerke, die in keinem Verhaeltnis mit der
wirklichen Lage in 'Westdeutschland steht.
Ich habe gerade einen Bericht von einer der fuehrenden
Persoenlichkeiten der nichtkommunistisohen Gewerkschaftsbewegung erhalten, in dem es u.a. heisst:
"Der folgende Bericht umfasst 211 Grossbetriebe (mit
mehr als 500 Arbeitnehmern) aus der Gegend von Hamburg und
anderen mittelgrossen und Kleinstaedten in Rheinland-Westfalen (unter Ausschluss der Bergwerke).
"Von diesen 211 Betrieben hatten 74 KP-Mitglieder in
ihrem Betriebsrat. Mit anderen Worten: ein Drittel dieser
Grossbetriebe haben Kommunisten in ihrem Betriebsrat.
"Verglichen mit der Gesamtzahl der gewaehlten Betriebsratsmitglieder in diesen 211 Betrieben, haben die Kommunisten (unter Ausschluss wiederum der Bergwerke) 10$ aller
Sitze.
"In diesen 211 Grossbetrieben sind insgesamt 1844 Betriebsratsmitglieder gewaehlt worden. Die politische Aufteilung
ist folgende:
SPD
937

KPD
150

CDU
135

Andere Partelen
17

Neutral (.') .
605

"Es ist dabei bemerkenswert, dass die Kommunisten mehr
Leute haben als die CDU. Ein anderer bemerkenswerter Faktor
ist das staendige Anwachsen der sogenannten "Neutralen".
Eine grosse Anzahl von Sympathisierenden und wirklichen Kommunisten tauchen jetzt als "Neutrale" auf.
"In den Bergwerken haben die Kommunisten ca. 27-28% aller Betriebsratsmitglieder. Dies beweist wiederum, dass sofort etwas geschehen muss."
Noch weit gefaehrlicher ist die Tatsache, dass die Kominformpolitik in Westdeutschland mit Neo-Nazibewegungen spielt
und sie selber schafft Bewegungen, die wie Kommunisten von
"Frieden" und einem "geeinten Deutschland", gegen Wiederaufruestung und eine europaeische Armee reden. Aus einem vertraulichen Bericht, der mir zugegangen i3t, geht hervor, dass
die offiziellen KPD-Fuehrer ihren Vertrauensmaennern in den
Betrieben Anweisung gegeben haben, Einheitsfront-Aktionen mit
Nazigruppen wie z.B. der SRP zu unterstuetzen. Ein solches
- 6 -

�Kommunazi-Buendnis passt ausgezeichnet in die Sowjetparole
vom Kampf gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und
Westeuropas herein. Waehrend auf der einen Seite in Deutschland ein solches Zusammengehen gefoerdert wird, hetzen die
Kommunisten auf der anderen Seite in der ganzen Welt alle
demokratischen und liberalen Elemente mit ihren Greuelberichten ueber das Wiederaufleben des Neo-Nazismus auf. Selbst
die offiziellen alliierten Stellen in Deutschland machen
sich zum Sprachrohr dieses Unsinns. So hat.zum Beispiel der
amerikanische Hohe Kommissar in Westdeutschland LlcCloy neulich zwar das Versagen der Kommunisten festgestellt, im selben Atemzug aber vor der Gefahr des Nazismus gewarnt. Das
ist eine gefaehrliche Erklaerung. Die Wahrheit in dieser
Sache ist, dass der Nazismus in Deutschland nur eine Gefahr
wegen seiner Verbindung mit dem Totalitarismus der Sowjets
ist.
Die Gefahr eines Wiederauflebens einer kommunistischnazistischen Bewegung in Deutschland wird weiterhin dadurch
gesteigert, da3s die Alliierten nur sehr langsam der deutschen Republik die Rechtsgleichheit gewaehren und die rasche
Integrierung Deutschlands in ein westeuropaeisches Wirtschafts- und Verteidigungssystem immer wieder hinauszoegern.
Das kuerzlich getroffene Abkommen zwischen den Aussenministern
Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten, das der
Deutschen Bundesrepublik "virtuelle Unabhaengigkeit" gewaehrleistet, ist unzureichend und wird weiteres Oel in das nationalistische Feuer der Kommunazi-Propaganda giessen. Dieses
Versagen der Besatzungsbehoerden, groesseres Vertrauen in
den demokratischen Arbeiterkreisen und zwar sowohl innerhalb
der Gewerkschaften wie auch innerhalb der politischen Parteien zu gewinnen, hilft nur denjenigen. Kraeften, die das Wiederaufleben des deutschen Nationalismus als einen Rauchvorhang benutzen fuer das Hauptbestreben der Sowjets - naemlich
die Kontrolle der Ruhr und Westdeutschlands in die Hand zu
bekommen und dadurch Europa tatsaechlich zu beherrschen.
Denn das ist das System der doppelten Buchfuehrung in der
Sowjetdiplomatie - in Deutschland Zusammenarbeit und Foerderung des Neo-Nazismus, ausserhalb Deutschlands aber Propaganda ueber das Wiederaufleben des sogenannten Neo-Nazismus in
Deutschland."
GEWERKSCHAFTLICHE SWi'V.'ICKLUNGIilN IN SYRIüN
Dank der Baumwoll- und Weizenrekordernten, hoher Exportpreise und Syriens unabhaengiger Stellung als Handelsstaat
nach der Aufloesung der Zollunion mit dem Libanon im Kaerz
1950 haben sich die Arbeitsbedingungen in Syrien im Verlauf
des Jahres 1950 verbessert. Waehrend der wirtschaftlichen
Depression des Jahres 1949 nahm die Arbeitslosenziffer in
den handwerklichen Berufen und in der Textilindustrie beunruhigende Formen an. In dieser Industrie ist etwa ein Viertel
der Erwerbsbevoelkerung der syrischen Industrie beschaeftigt.
Nach der Aufloesung der gemeinsamen Zollunion verfolgte die
Regierung Syriens eine Politik des Protektionismus, und die
Beschaeftigtenziffer in der Industrie nahm erheblich zu.
In Verbindung mit der Baumwollrekordernte ging auch die Beschaeftigtenziffer in der Landwirtschaft in die Hoehe. Die
Arbeitslosigkeit in den Staedten ging von etwa 40$ der gesam- 7 -

�ten erwerbstaetigen Bevoelkerung der Industrie (etwa 90 000)
zu Beginn des Jahres 1950 bis zurr, Ende des Jahres um 25% zurueck, wie von Arbeitsbeamten Syriens schaetzungsweise angegeben wurde. Ende 1950 wurden- ueber die Haelfte der 87 000
Fluechtlinge Palaestinas, die in Syrien geblieben waren, als
"beschaeftigungsfaehig" eingestuft. Hiervon waren nahezu
60% arbeitslos und von der Unterstuetzung der UKRWA (Hilfsorganisation der UN) voellig abhaengig. 30% hatten selbst Arbeit gefunden, und die uebrigen wurden von dieser Organisation
beschaeftigt.
Bei Ausbruch der Feindseligkeiten in Korea forderten
die Gewerkschaften hoehere Loehne.
Im 3. Quartal des Jahres 1950, in dem sich die Geschaeftslage verbesserte und die Preise in die Hoehe gingen, gab die
Regierung den Forderungen der Gewerkschaften statt, und die
Loehne wurden erhoeht.
Am 28. Februar 1950 wurde ein Gesetz ueber gewerkschaftliche Vereinigung erlassen, und am 5. September trat eine
neue Verfassung in Kraft.
Das Genossenschaftsgesetz, das von dem Syrischen Gewerkschaftsbund befuerwortet wurde, sieht sowohl landwirtschaftliche als auch industrielle Genossenschaften vor. Der
Gewerkschaftsbund entwarf eine Reihe mustergueltiger Verordnungen ueber Genossenschaften und legte der Bevoelkerung die
Bildung von Verbrauchergenossenschaften in allen groesseren
Staedten nahe. Drei Verbrauchergenossenschaften waren zu
Ende des Jahres gebildet worden. Der Landwirtschaftsminister
gruendete mit Hilfe von zwei Sachverstaendigen aus Palaestina,
die unter der britischen L&amp;ndatsregierung Erfahrungen auf
diesem. Gebiet gesammelt hatten, landwirtschaftliche Genossenschaften, deren besondere Aufgabe es ist, Kredite und landwirtschaftliche Maschinen zur Verfuegung zu stellen.
In der neuen Verfassung sind Grundsaetze fuer die kuenftige Gesetzgebung niedergelegt, die innerhalb von zwei Jahren
vervollstaendigt sein muss. Die Bestimmungen ueber Arbeitsbedingungen legen folgendes fest: das Recht der Buerger auf
Arbeit, die Begrenzung der Arbeitszeit und bezahlte Wochenfeiertage und Jahresurlaub. Sie sehen die Bildung eines Sozialversicherungssystems vor und erklaeren die Pflichtarbeit
fuer ungesetzmaessig, wenn es nicht in Zeiten nationalen Notstandes ist.
Vor Ablauf des Jahres 1950 hatte die syrische Regierung
die Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur der
Vereinten Kationen um Unterstuetzung bei der Ausarbeitung des
Sozialversicherungssystems gebeten. Die Zahl der registrierten Gewerkschaften wurde in Syrien im Jahre 1950 von 127 auf
149 erhoeht. Die Schätzungen ueber die I'itgliederzahlen
sind verschieden und werden von Beamten des Arbeitsministeriums
mit 26 800 fuer 1949 angegeben, waehrend Gewerkschaf tsfunktionaere von 80 000 Mitgliedern im Jahre 1950 sprechen. Zu Ende
des Jahres 1950 waren 110 der registrierten Gewerkschaften dem
von der Regierung finanziell unterstuetzten syrischen Gewerkschaftsbund, dem einzigen nationalen Gewerkschaftsbund des
Landes, angeschlossen. Der bedeutende Gewerkschaftsbund der
Hafenstadt Latakia, der sich zuvor geweigert hatte, dem Syrischen Gewerkschaftsbund beizutreten, vereinigte sich mit dieser
Organisation Anfang 1951.

8

�1950 setzte sich der Syrische Gewerkschaftsbund fuer
den Erlass von iirbeitsgesetzen ein und veroeffentlichte unter
dem Titel "al limmal" (Die Arbeiter) ein woechentliches Organ
mit einer Auflageziffer von 5 000. Der Gewerkschaftsbund
setzte seine Politik der Nichteinmischung in lokale Angelegenheiten fort und behielt seine Keutralitaet gegenueber dem
Weltgewerkschaftsbund unddem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften bei.
Kotes on Labor Abroad
VII-VIII/51
George Philip Delaney:
LOHNPOLITIK UND iNFLA'i'IlKSSINFLu'ESStt
Angesichts der Bedrohung durch die kommunistische
Aggression sind die freien Nationen dazu gezwungen worden,
zur Verteidigung ihrer Interessen eine 7/iederbewaffnung durchzufuehren. lüit der 7/iederaufruestung ist eine neue Gefahr,
die Gefahr der Inflation aufgetaucht. Sine Inflation hat,
sobald sie entstanden ist, die Tendenz, sich auszudehnen,
ohne sich dabei durch Landesgrenzen aufhalten zu lassen, bis
sie schliesslich auf alle Nationen ue.bergegriffen hat.
Es bleibt natuerlich jedem einzelnen Land selbst ueberlassen, unabhaengig von den anderen Nationen Loesungen fuer
die zahlreich auftauchenden Probleme auszuarbeiten, die
ihnen als zweckmaessig erscheinen. Trotzdem betreffen diese
Probleme alle unsere Nationen gemeinsam, und es ist daher
zeitgemaess und angebracht, sie zur Diskussion zu stellen.
3s sind dies Probleme komplizierter und tiefgreifender Natur, die jedocn durchaus praktische Folgen haben, eine Tatsache, die sich in den letzten Jahrzehnten hinreichend fuer
alle Arbeiter von vitalstem Interesse erwiesen hat, eine lebenswichtige Angelegenheit fuer die Gewerkschaften aller Nationen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind der festen Ueberzeugung, dass, wenn die offizielle Lohnpolitik waehrend der
augenblicklich herrschenden Inflations-Periode ihren Zielen
zum Erfolg verhelfen will, diese Lohnpolitik auf der Erkenntnis dreier grundlegender Prinzipien fussen muss. Zunaechst
ist es wichtig und notwendig, dass die TarifVerhandlungen
auch weiternin eine grundlegende Rolle in der Wirtschaft spielen. Massnahmen, die im Zusammenhang mit Belangen der oeffentlichen Lohnpolitik getroffen werden, koennen moeglicherweise
zur Ergaenzung der TarifVerhandlungen dienen, sie duerfen
jedoch niemals mit der Absicht ergriffen werden, diese Verhandlungen zu verdraengen. Zweitens kann eine einschraenkende
Politik in Bezug auf Lohnfragen nicht zum Erfolg fuehren, es
sei denn, dass dieser ein allgemeines anti-inflationistisches
Kontrollsystem voreusgeht, welches auf einer gerechten Grundlage beruht und von dem Motiv geleitet wird, die Lasten gleichmaessig zu verteilen. Drittens und letztens bleibt festzustellen, dass eine einschraenkende Lohnpolitik als solche
keine Loesung darstellt. Das beste Mittel gegen die Inflation
ist die iroduktion. Eine Lohnpolitik, die industrielle Unruhen ausloest, die sich stoerend auf den best-moeglichen
Einsatz der Arbeitskraft und der Arbeitsmittel auswirken,
oder die die Arbeiter eines jeglichen wirklichen Gewinnanteils
-9 -

�am wirtschaftlichen Fortachritt beraubt, wird letzten Endes
ihren eigenen grossen Zielen das Grab schaufeln.
Wenn eine Lohnpolitik erfolgreich sein will, so muss
sie verstehen, sich den industriellen Gegebenheiten sowie
den wechselnden timstaenden und n.rfordernissen anzupassen.
Sie muss bemueht sein, die Anwendung willkuerlicher Lethoden, die ihre Daseinsberechtigung einzig und allein "verwaltungstechnischen Bequemlichkeitsgruenden" verdanken, zu
vermeiden, anstatt sie zu staerkeru Sie muss den Arbeitern
Gewaehr dafuer bieten, dass Gerechtigkeitserwaegungen nicht
Gesichtspunkten der Zweckmaessigkeit zum Opfer fallen, dass
ihre Belange in fairer Weise gehoert werden und» sofortige
Beruecksichtigung finden, und dass Haerten, soweit wie irgend moeglich, gemildert werden. Eine Lohnpolitik muss bemueht sein, eine Besserung im Lohngefuege herbeizufuehren,
nicht aber eine Fortdauer der bestehenden Ungerechtigkeiten
und Unterschiede anzustreben.
Eine Stabilisierung ist nicht mit einer Schematisierung
gleichzusetzen. Scharfe und starre Lohnkontrollen wuerden
sich nur schaedlich auf ein fortschrittliches Stabilitaetsbestreben auswirken, ganz besonders aber im Zusammenhang mit
einer Verteidigungsanstrengung auf weite Sicht, wie sie heute
gegeben ist. Solche Lohnkontrollen wuerden nur eine gegenteilige V.irkung auf die Arbeitsintensitaet, Arbeitsmoral und
Arbeitsleistung ausueben. Jedes Lohngefuege muss grundsaetzlich beweglich sein; das ist - im Gegensatz zu einer scheinbaren Stabilitaet - eine wesentliche Voraussetzung fuer eine
echte Stabilitaet.
Das bedeutet, dass man den Methoden und Verfahren, die
sich aus dem System der Kollefctivverhandlungen entwickelt
haben, ein hohes I.:ass an Vertrauen und gutem Willen entgegenbringen muss. Eine brauchbare Lohn-Stabilisierungspolitik muss erkennen, dass die Lohnverhandlungen als solche
ein System der unparteiischen Stabilisierung darstellen.
Im Gegensatz zu den Preisen, die von Tag zu Tag steigen,
schalten Lohnabkommen unkontrollierbare Schwankungen aus,
und bieten in Bezug auf Stabilitaet eine dauerhafte Garantie
fuer ihren Bestand. Sie verringern Ungewissheit und spekulative Einfluesse, die in der Hauptsache fuer das Entstehen
von Inflationen verantwortlich sind.'
Weiterhin haben sich durch die Tarif-Verhandlungen realistische und praktische Methoden fuer die verwaltungstechnische Handhabung der Tarifloehne ergeben, die auf den gemachten Erfahrungen aus erster Hand jene Personen, die mit den
Tatsachen der gegebenen Situation am vertrautesten sind, eufbausn. Angesichts der sterilisierenden Auswirkung der Tarifverhandlungen muessen diese auch weiterhin das hauptsächlichste Hilfsmittel zur Festsetzung und Handhabung dieser
Tarife bleiben. Die oeffentliche Lohnpolitik sollte kein
Ersatz, sondern vielmehr eine Ergaenzung des Tarifverhandlungsverfahrens sein.
Ein Ansteigen des allgemeinen Lohn-Niveaus mit der Tendenz, die erhoehten Lebenshaltungskosten auszugleichen, kann
eher als eine Folge, aber nicht als Ursache der Preis-Inflation angesehen werden. Die seit Ausbruch des Korea Konfliktes
auf diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen beweisen das zur
Genuege.
- 10 -

�Am 3Chaerfsten zogen die Preise bei den Waren an, bei
deren Produktionskosten die Loehne eine relativ unbedeutende
Rolle spielen, und bei denen das Einkommen des Arbeiters bei
der direkten Marktnachfrage nicht ins Gewicht faellt. Spekulationen am .Warenmarkt, Zurueckhaltung von Guetern und die
Profitgier der Kaendler und Produzenten naehren den Herd
der Inflation.
Wolts man sich bemuehen, eine Inflation zu bekaempfen,
indem man eine zurueckhaltende Lohnpolitik unter Nichteinfuehrung durchgreifender Preiskontrollen betreibt, oder indem
man der Arbeiterschaft, Lohnerhoehungen zur Anpassung an die
erhoehton Preise verweigert, so wuerde das gleichbedeutend
sein mit dem Versuch, dieses Uebel dadurch zu bekaempfen,
dass man eines seiher Symptome zu heilen sucht.
'.Venn man dem Problem, der Inflation Einhalt zu gebieten,
im Zuge einer einschraenkenden Lohnpolitik begegnen will und zwar nur au3 dem einfachen Grunde, weil sich Loehne leichter kontrollieren lassen als Preise - so wuerde man damit
eine empoerende Ungerechtigkeit an denen begehen, die fuer
Loehne und Gehaeiter arbeiten, und wuerde denjenigen einen
ungebuehrlichen grossen Teil der Lasten auferlegen, denen es
am schwersten faellt, sie zu tragen.
Die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten ist bereit,
ihren Anteil an den Aufgaben zu uebernenmen und ihren gerechten Anteil an allen notwendigen Opfern, die aus dem Verteidigungsbeitrag erwachsen, zu tragen. Sie besteht jedoch darauf,
dass nicht von ihnen verlangt wird, dass sie die wirtschaftlichen Folgen einer legislativen oder administrativen Wachsicht gegenueber anderen Kreisen, - die tatsaechlich viel
eher imstande sind, diese Lasten zu tragen - auf sich nehmen
muss. Lfan darf nicht von ihr erwarten, dass sie einem System
guten V.'illen entgegenbringt, das sie auffordert - auf Kosten
ihres Lebensstandards und mit ihrem Geld - besondere Vorrechte
und Freiheiten zu unterstuetzen, die ihren Arbeitgebern, Hausherren, den Kaufleuten und Haendlern, mit denen sie geschaeftlich zu tun haben oder Spekulanten und Gewinnlern im allgemeinen ohne weiteres gewaehrt werden.
Solch eine Politik wuerde nicht nur alle Grundsaetze der
Gerechtigkeit verletzen, sondern sie wuerde sich auch letzten
Endes selber zugrunderichten. .Vuerde man versuchen, inflationistische Tendenzen durch Verfolgung einer strikten Lohneinschraenkungspolitik auszugleichen, so wuerde diese nur dazu
dienen, die Grundmaengel und Fehler in anderen lebenswichtigen Kontrollbereichen fuer eine gewisse Zeit zu verschleiern,
was wiederum dazu fuehren wuerde, die Zielsetzung einer weitsichtigen, wirtschaftlichen Stabilisierung zu gefaehrden.
Den inflationistischen Erscheinungen muss entgegengewirkt
werden, indem man auf ihre ursaechlichen Entstehungsgruende
zurueckgreift, und indem man an den Punkten zu Gegenmassnahmen
in Form von Kontrollen ansetzt, an denen man die damit verbundenen augenblicklichen Haerten auf ein Mindestmass beschraenken kann. Da eine Lohnstabilisierungspolitik sich
in den hoeheren Sinkommensstufen nur unbedeutend auswirkt,
sollte man eben dort den Hebel ansetzen und die betreechtlichen Verdienstspannen beschneiden, was mit Leichtigkeit getan
werden kann, ohne die Gesundheit und den Wohlstand des produk11 -

�tiven Leistungsvermoegens zu gefaehrd9n. Im Gegensatz dazu
muss man sich vor Augen halten, dass der groesste Teil des
Verdienstes der Lohnempfaenger fuer Ernaehrung, i.'iete und
sonstige lebensnotwendigen Dinge verwandt wird.
Eine fortschrittliche anti-inflationistische Lohnpolitik mu3S ebenfalls ein gerechtes Steuerprogramm enthalten, das
auf dem Grundsatz der jeweiligen Zahlungsfähigkeit basiert.
Das bedeutet, dass Personen hoher Einkommensstufen und Gesell- •
schaften mit grossem Gewinn am hoechsten besteuert werden
sollten. Der Lebensstandard der Familien der niedrigen und
mittleren Einkommensstufen sollte durch die steuerliche Belastung keinesfalls noch weiter gedrueckt werden, da das zu
einer Schaedigung der Gesundheit und des allgemeinen Wohlstandes der davon Betroffenen fuehren wuerde.
Eine solche Politik muss weiterhin ein wirkungsvolles
und aktiv betriebenes Kontrollprogramm zur Verhuetung von
.'/arenanhaeufungen und Spekulationsmanoevern und auch Preiskontrollen durchfuehren. Sie muss gleichfalls ein Produktions-Kontroll-System aufrechterhalten, das eine planvolle
Lenkung der benoetigten Materialien und sonstigen Mittel in
die Gebiete, in denen der Bedarf an diesen lebenswichtigen
Guetern fuer die Friedens- und Verteidigungsproduktion am
groessten ist, sichert. Erst, nachdem derartige Massnahmen
tatsaechlich ergriffen worden sind, mag es angebrecht sein,
die Gewerkschaftsvertreter anzuhalten, Zurueckhaltung bei
ihren Lohnforderungen zu ueben. Die Meinung der amerikanischen Gewerkschaften in Bezug auf die hauptsaechlichsten Punkte einer zweckmaessigen Lohnpolitik unter dem Gesichtspunkt
eines allgemeinen anti-inflationistischen Kontroll-Systems
koennen vielleicht am besten abschliessend zusammengefasst
werden in einem Auszug einer Erklaerung, die dem Praesidenten
der Vereinigten Staaten von dem Vereinigten Komitee fuer Gewerkschaftspolitik (United Labor Policy Committee) ueberreicht
wurde, das sich aus dem Kongress der Industrie-Verbaende (C.I.O.)
und dem amerikanischen Gewerkschaftsbund (A.F.L.) zusammensetzt.
"Die Lohnstabilisierungspolitik muss sich fuer entsprechende Erhoehungen der Lohnsaetze einsetzen, die als Ausgleich
fuer die gesteigerten Lebensheltungskostsn unerlaesslich sind.
Die Lohnstabilisierung darf nicht zu einem Einfrieren der
Loehne fuehren. Ferner muss diese Politik eine Aufbesserung
der unter dem Durchschnitt liegenden Loehne anstreben, und fuer
einen Ausgleich von Ungerechtigkeiten in den augenblicklich bestehenden Lohnsaetzen innerhalb der Industrie oder zwischen
einzelnen Industriezweigen sorgen. Dem heute in weitesten Kreisen anerkannten Grundsatz, dass die Lohnempfaenger in gleicher
.'/eise an den Vorteilen des wirtschaftlichen Fortschritts und
Produktionsanstiegs - den der Staat von seinen Industriearbeitern fordern muss und wird - beteiligt werden sollten, sollte
die Lohnstabilisierungspolitik in ganz besonderem Masse verfolgen.
Eine jede Lohnstabilisierungspolitik muss bestehende allgemeingueltige Tarifabkommen respektieren, da diese als solche
eine Sicherheitsgarantie bieten.
Die jetzigen Regelungen bezueglich der Ueberstunden-Bezahlung fuer Praemienlohnarbeit, die augenblicklich unter dem
Schutz tariflicher Abkommen oder unter gesetzlichem Schutz
- 12 -

�steht, muessen auch weiterhin als unantastbar gelten. Diese
Bestimmungen setzen keineswegs die Durchfuehrung einer Arbeitswoche, die laenger waere als die im «ugenblick als normal zu betrachtende, voraus, sondern bieten lediglich einen
-Anreiz fuer produktive Ueberstunden- und Feiertagsarbeit."
Das Komitee erklaerte ferner: "Unsere Arbeitskraft ist
die groesste individuelle Kraftquelle der Kation. Es waere
angebracht, L'assnahmen zur Staerkung und Vergroesserung der
Arbeitsreserven zu treffen. Wenn man diesbezuegliche Schritte
unternimmt, so sollte das in dem Bewusstsein der Tatsache geschehen, dass man mit freier Arbeit das Produktionspotential
der versklavten Arbeiterschaft anderer Kationen schlagen kann.
Die freie Arbeit muss bei der Erreichung des Zieles einer
groesstmoeglichsten Produktionsnorm eine entscheidende Rolle
spielen."
Sol D. Ozer, Leiter der Wirtschaftsabteilun.? im Buero fuer
Arbeitsangelegenheiten der EGA:
V;AI:N WIRD ENDLICH I&gt;:H.KH FKCDUZIEKT?

William Foster, der Verwalter der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa (ECA) kuendigte vor einiger Zeit ein
neues Produktivitaetsprogramm an. Dieses neue Programm fand
in Europa eine sehr starke Resonanz, wobei es Zustimmungen
und Kritik gab. Die Haerte dieser Reaktion war durchaus gerechtfertigt, denn diese neuen Ziele, die erreicht werden sollten und fuer die nur eine verhaeltnismaessig geringe Dollarhilfe der ECA zur Verfuegung gestellt wurde, heben die westeuropaeischen Laender zwangslaeuf ig, herausgefordert, endlich
ihre restriktive Mentalitaet abzustreifen, die bislang ihre
Wirtschaftsraeume abdrosselten und durch die ihren Voelkern
das volle Ausmass eines anstaendigen Lebensstandards vorenthalten wurde, zu dem eine moderne technische Auffassung der
Produktivitaet sie ohne weiteres fuehren wuerde.
Die ECA schlug vor, dass die teilnehmenden Regierungen
in jedem Lande eine bestimmte Anzahl Werke ausfindig machen,
die den Wunsch haben, gemeinsam sich fuer lodernisierungsbemuehungen einzusetzen. Die ECA ihrerseits hatte vorgesehen,
dass in diesen Faellen eine sehr wesentliche Unterstuetzung
in technischer und finanzieller Hinsicht erfolgen sollte, um
diesen Werken dabei behilflich zu sein, aller Welt ueberzeugend
klarzulegen, dass es moeglich ist, in kurzer Frist die Produktivitaet wesentlich zu erhoehen, die vermehrte Produktion auch
zu verkaufen und dabei gleichzeitig die wesentlichen "ehrertraege der Verbesserungsmassnahmen in gerechter Weise zu verteilen: an den Unternehmer in Form eines hoeheren Gewinns,
an den Arbeiter in Form eines hoeheren Lohnes und an den Verbraucher in Form eines niedrigeren Preises. Die ECA-Verwaltung unterstrich mit allem Nachdruck diese sozialen Bedingungen des Produktivitaetsprogramm3. Durch die ueberzeugende
Demonstration der Erfolge dieser Bemuehungen hofft die ECA
mehr und mehr Unternehmer dazu zu bewegen, ihre Produktionsbedingungen zu modernisieren und zu ueberholen und die Ertraege
daraus in gemeinsamen Bemuehungen mit ihrer Belegschaft so aufzuteilen, wie es die Richtlinien vorsehen. Das erstrebte Ziel
ist eine aioh stetig ausweitende Wirtschaft, die die Garantie
fuer einen sich unablaessig erhoehenden Lebensstandard der
- 13 -

�Buerger '.Vesteuropas geben kann, ohne dass dabei irgendeine
der demokratischen Freiheit gefaehrdet wird.
Damit gruendet sich das neue EiGA-PTOßraam auf die Ueberzeugung, das.3 die Schwierigkeiten, die einer wachsenden Produktivitaet 3ich gegenueberstellen, zutiefst mit den sozialen Verhaeltnissen in den westeuropaeischen Laendern zusammenhaengen. Sie sind also nicht in erster Linie oder gar einzig
und allein auf die Unwissenheit ueber die besten Produktionsverhaeltnisse zurueckzufuehren - diese sind durchaus bekannt sondern auf die Tatsache, dass kein grundsaetzlicher Wechsel
in der Einstallung gegenueber Fragen der Produktivitaet erreicht werden kann, solange die Grundlage der ilentalitaet der
Restriktionen, also der die Wirtschaft einengenden Faktoren,
sich nicht als voellig falsch erwiesen hat. In dieser Richtung hat die ECA-Verwaltung gehofft, durch die Unterstuetzung
fortschrittlicher Industrieller und erfahrener Gewerkschafter
Proben moderner Technologie demonstrieren zu koeunen. Aber
die Ueberbleibsel traditioneller Vorstellungen, die liebe
Gewohnheit bedrohen dieses ECA-Programm - und hier haben sich
mehr Scheingegengruende gefunden, als die meisten Buerger
Westeuropas auch nur im entferntesten ahnen. Aber die ECA
wuenscht dennoch einige Proben auf das Exempel zu machen,
zumal die LToeglichkeiten hierfuer gegeben sind. Die ECA-Verwaltung hat absolut Recht, wenn sie alles daran setzen will,
die Idee der wirtschaftlichen Einsehraeakungspolitik mit all
ihren Schutzzoellen und diskriminierenden Methoden zu Grabe
zu tragen, die in Westeuropa ueberaus stark verbreitet sind
und zu gleicher Zeit zur allgemeinen Zufriedenheit der Voelker selbst zu demonstrieren, dass noch immer in den westlichen
Demokratien eine starke wirtschaftliche Vitalitaet sich kraftvoll durchzusetzen vermag.
Das Programm der ECA fuer die Produktivitaet erstreckt
sich ueber groessere Zeitraeume. Bereits im Sommer 1948 wurden die Vertreter des Bueros fuer Arbeitsstatistik nach Europa eingeladen, um hier Studien ueber die in Grossbritannien
und Frankreich gebraeuchlichsten Produktionsmethoden durchzufuehren. Die Ergebnisse waren sehr entmutigende, denn sie
zeigten auf, dass die Produktion je Arbeiter und Arbeitsstunde
in diesen Laendern nur einen Bruchteil jener Ziffer erreichte,
die in aehnlichen Werken der Vereinigten Staaten anzutreffen
waren. Besprechungen ueber diese Ergebnisse auf beiden Seiten
des Ozeans fuehrten zu der Gruendung des Anglo-Amerikanischen
Produktivitaetsrates und des Technischen Unterstuetzungsprogramms der ECA. Studiengruppen mit Vertretern der Industrie
und der Arbeiterschaft, die oft von Regierungsvertretern begleitet wurden, reisten in die Vereinigten Staaten, um hier
Einblick in amerikanische Produktionamethoden zu erhalten.
Ihre Berichte unterstuetzteh staendig die Schlussfolgerung,
dass die Produktivitaet je Arbeitsstunde in den amerikanischen
Werken betraeohtlich hoeher lag und dass diese hoehere Produktivitaet einen viel hoeheren Lebensstandard fuer die breite
Masse des Volkes zur Folge hatte. Diese Berichte hatten einen
betraechtlichen Einfluss auf die Intellektuellen der Heimatlaender und Sinn und Begriff des Wortes "Produktivitaet" wurden haeufiger kommentiert und angewendet als in den Vereinigten
Staaten selbst. Die ECA unterstuetzte diese Aktivitaet und
finanzierte die Forschungsarbeit zur Ermittlung der besten amerikanischen Produktivitaetsmethode, die gewonnenen Erfahrungen
wurden interessierten europaeischen Unternehmen ohne weiteres
und ohne jede Kosten zur Verfuegung gestellt.
14 -

�Die Bedeutung dieser frueheren Bemuehungen der SC* sollten nicht unterschaetzt werden, denn sie trugen dazu bei, dass
eine Atmosphaere der Einfuehrbarkeit produktionssteigernder
Methoden geschaffen werden konnte, vor allen in jenen wichtigen Bereichen, wo ein solches Verstaendnis zuvor nicht vorhanden war. Auf der anderen Seite hatten diese Bemuehungen jedoch nicht die gewuenschten Erfolge, um die gewohnten Produktionsmethoden abzuaendern, aber auch die Preise und die Loehne
blieben unveraendert. Der Unterschied zwischen dem Verstaendnis fuer eine Idee und deren Durchführung war zu gross,
schon die vielen Risiken, die sich fuer den einzelnen ergaben,
wenn er sich fuer die Produktivitaet in der Praxis einsetzte,
waren viel zu unangenehm, um den Kampf mit den alten Gewohnheiten durchzufechten - ganz abgesehen davon, dass eben Theorie und Praxis etwas durchaus verschiedenes sind. 2s gab zwar
einige wichtige Beispiele, wo die Lehren, die Teilnehmer der
Studiengruppe aus den USA mit in ihre Heimat genommen hatten,
wirklich angewendet wurden. Diese Musterbeispiele lagen jedoch nur am Rande und ungluecklicherweise wurden die Berichte
hierueber nicht in der richtigen Form publiziert.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Arbeit der ECA die .
Produktivitaet in Suropa nicht zu steigern vermochte. Die
Statistiken beweisen dies im uebrigen sehr ueberzeu^end.
Wichtiger jedoch war die Unterstuetzung, die die EC* jenen
zahlreichen Werken gab, deren Produktion ins Hintertreffen
kam, weil hier gewisse Ersatzteile nicht zu beschaffen waren
oder in viel zu geringen Mengen bereitgestellt werden konnte.
Das gleiche gilt fuer den notwendigen Strom oder fuer andere
Rohstoffe. Diese Aktivitaet, die sich natuerlich ebenfalls
in einem Produktionsanstieg auswirkte, erfuellte jedoch nicht
den eigentlichen Zweck der Bemuehungen der ECA, durch Aenderungen in den Methoden der Produktion eine hoehere Produktivitaet zu erzielen. Einen wesentlich staerker in dieser Richtung gehenden Einfluss hatten die Bestrebungen der ECA, bestimmte neue Maschinen und Ausruestungen den westeuropaeischen
Unternehmen zur Verfuegung zu stellen, wobei die Finanzierung
direkt oder indirekt erfolgte. Diese neuangeschafften neuen
Geraete und Maschinen waren im allgemeinen vom letzten Typ,
ihre Einfuehrung trug somit selbstverstaendlich zu einer hoeheren Produktivitaet in diesen Werken bei. Ungluecklicherweise
aber brachte die Einfuehrung neuer Maschinen keine sozialen
Verbesserungen mit sich, die in dem Programm der ECA das
Hauptthema waren. Die Preise wurden in diesen Faellen nicht
heruntergesetzt, noch wurden die Loehne erhoeht. In vielen
Faellen wer der einzige Erfolg der ECA-Bemuehungen die Srhoehung der Gewinne fuer den Unternehmer, obwohl diese bereits
hoch genug waren.
Labor and Nation
PRODUKTION IST DER SCHLUESSEL ZUM HOHEN LEBENSSTANDARD
Statistiken, die von der AFL aufgestellt und in ihrer offiziellen Zeitschrift veroeffentlicht wurden, zeigen, dass sich
die Loehne der amerikanischen Arbeiter in einem fast direkten
Vörhaeltnis zur Produktion in den U.S.A. erhoeht haben.
Vor hundert Jahren lag die Stundenleistung des amerikanischen Durchschnittsarbeiters bei einem Produktionswert von
15 -

�31 Cents, an der Kaufkraft des heutigen Dollars gemessen. Die
Arbeitszeit war lang und die Loehne niedrig, weil die Arbeiter
nicht genug produzierten, um einen besseren Lohn zu realisieren.
Die Produktion wurde durch neue Maschinen und Methoden
erhoeht. Gegen 1890 entsprach die stuendliche Arbeitsleistung
des Arbeiters einem v/ert von 53 Cents, sie erhielten einen
Lohn von 48 Cents, wiederum an dem heutigen effektiven Wert
des Dollars gemessen.
Die Produktivitaet stieg waehrend der naechsten 20 Jahre
i um 19 Cents, die Loehne jedoch nur um 2 Cents. Als aber waehrend des ersten Weltkrieges die Gewerkschaften einflussreicher
wurden, gewannen die Arbeiter ihre Verluste zurueck, die Loehne
stiegen zwischen 1910 und 1920 um 16 Cents per Stunde, die Produktivitaet jedoch nur um 6 Cents.
Ale die Zahl der Gewerkschaftsmitgliedschaft sich von
3,000,000 im Jahre 1930 auf 9,000,000 im Jahre 1940 erhoehte,
zwangen jetzt neue Lohnforderungen die Arbeitgeber zu einer
beschleunigten Produktionssteigerung. Die Loehne hielten
Schritt - und zwischen 1920 und 1944 verdoppelten sich Produktion und Loehne. Waehrend der Inflation, als die Arbeitgeber
die Preise den Lohngewinnen gemaess erhoehen konnten, stand
ploetzlich jeglicher Fortschritt still. Bei einer Untersuchung
der Preiserhoehungen des Jahres 1948 suchten die Arbeitgeber
erneut nach iiitteln und Wegen die Produktion zu steigern.
Die gesteigerte Produktion war schon immer die Basis
einer Lohnerhoehung. Die Kaufkraft der Stundenleistung eines
Fabrikarbeiters, also sein wirklicher Lohn, hat sich zwischen
1890 und 1950 von 4ö Cents auf 1,76 Dollar mehr als verdreifacht, waehrend seine Arbeitswoche von ungefaehr 60 Stunden
auf 40 Stunden zurueckgegangen ist.
Waehrend der letzten 25 Jahre vollzog sich in den Vereinigten Staaten eine friedliche Revolution in der Verteilung
der Einkommen. 1929 konzentrierte sich 34% des Gesamteinkommens auf die Gruppe der oeberen 5% der Einkommenempfaenger;
gegen 1946 hatte sich dieser Prozentsatz des Gesamteinkommens
dieser Gruppe fast um die haelfte bis auf 18% verringert. Das
bedeutet, dass die niedrigen Einkommensstufen, hauptäaechlich
Angestellte.und Arbeiter, 25,Oüu,000,pOO Dollar des gesamten
Einkommens des Jahres 1946 erhielten. iNacb den Verteilungsschema von 1929 waeren diese 25 Milliarden an die reichsten 5%
gegangen.
Labor News from the US
11/5/51

- 16 -

H1CXS 30 NOT Ol 18362 « I!

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and diene*
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 737, Frankfurt
angefordert werden. Aal Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^_^^^^_^_^^^____^__^^_____^—^^^^_

IV - 47

Prankfurt, 23. November 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Produktion - der Weg zur Freiheit

1

Harvard erweitert sein SchulungsProgramm fuer
Gewerkschafter

6

Schach und Gewerkschaften

6

Produktivitaetspolitik erfordert gerechte Grundlagen

9

Arbeiterschulung in Puerto Rico

15

Marion H. Hedges:
PRODUKTION - DER WEG ZUR FREIHEIT
Ein franzoesischer Unternehmer kam eines Tages nach den
Vereinigten Staaten. Hier sah er sich viele Werkanlagen und
Fabriken an. Er lausohte in New York und Washington wichtigen Vortraegen und kehrte dann in sein Heimatland zurueck.
Ploetzlich entschloss er sich jedoch, nioht darauf zu warten,
bis ein in psychologischer Hinsicht geeigneter Moment eintritt, um seine Beobachtungen auszuwerten, sondern sofort damit zu beginnen. Und so beschloss er, das Gesehene sofort
in seiner eigenen Fabrik in Frankreich zu verwirklichen. Und
er faengt tatsaechlich damit an. Das Ziel seiner Produktion
wird von ihm um ZOjL hoeher als bisher festgelegt. Die Loehne
werden im Durohschnitt um IO56 im Wege einer freiwilligen Vereinbarung erhoeht. In der Fabrik wird ein Kasten aufgestellt,
in den die Arbeiter Vorschlaege zur Verbesserung der Produk- 1

�tionsmoeglicbkeiton legen sollen. Er bekennt sich zu dem
Prinzip, "dass die Arbeiter an den Fruecüten einer gesteigerten Produktivitaet sofort beteiligt werden sollen. Eine ebenso einfache wie ueberzeugende Massnahme des franzoesischen
Unternehmers bestand darin, dass jeder Arbeiter nach Hause
gehen konnte, sobald er sein Arbeitspensum erledigt hatte.
Und auf Grund dieser Massnahmen stellt er fest, dass diese •
Pruefmethoden ausserordentlich erfolgreich sind. Sein Unternehmen hat ein ausserordentliches Mass an Publizitaet gewonnen, alle Veit beschaeftigt sich mit dem, was hier geschieht.
Und so erhaelt er in wenigen Wochen ueber .4 000 Bewerbungen
von Arbeitern, die noch in anderen Fabriken taetig sind, aber
gern zu ihm kommen wollen. Diese Geschichte ist gegenwaertig
in allen westeuropaeischen Laendern zu hoeren, sie ist weder
erfunden noch ist sie besonders ausgewaehlt. Sie erzaehlt
lediglich, was in Frankreich und anderen Laendern Europas heute vor sich geht.
Natuerlich gingen diesen Experimenten eine ganze Reihe
eingehender Versuche in Amerika voraus, wobei alle Einzelheiten genau analysiert wurden. Das Experiment war ein erfolgreiches, die Analyse besierte dabei auf den Erfahrungen dieser
typisch franzoesischen Geisteshaltung - jeder Unternehmer erkannte die Gueltigkeit dieser Behauptungen, dass sehr viele
der Misstaende in der Industrie und im sozialen System durch
eine steigende Produktion sich abstellen lassen.
Die Gewerkschaften haben ihren Anteil an diesem Programm.
Die Gewerkschaften haben immer wieder erklaert, dass es voellig nutzlos ist, irgendeinem Land der Marshallplangruppe zu
helfen, wenn diese Hilfe nicht allen Schichten dieser Voelker
zugute kommt.
Die Gewerkschaften haben immer wieder auf die
Rolle hingewiesen - und zwar Jahre hindurch - dass die Dynamik
der amerikanischen Wirtschaft in einer staendig zunehmenden
Kaufkraft besteht - ohne eine gleichmaessige Verteilung der
Fruechte der Produktivitaet wuerde die amerikanische Wirtschaft
sehr schnell steril werden und stagnieren.
Die Wirtschaftsfuehrer der europaeisohen Laender haben,
als sie mit den besonderen Nachkriegsbedingungen sich auseinandersetzen mussten, sich auf einen neuen Prozess der sozialen
Diagnose gestuerzt. Diese soziale Diagnose wird zwar keine neuen Elemente fuer die heutige Situation feststellen, aber sie
wird ergeben, dass neue Elemente und neue Fragenstellungen fuer
diese neuen Elemente in der gegenwaertigen Situation notwendig
sind.
Die Resultate einer solchen Diagnose lassen sich leicht
auf die folgenden Feststellungen konzentrieren: 1.) Der Kapitalismus hat ueberall die Produktion vorwaertsgetrieben.
Der
Sozialismus auf der anderen Seite hat fuer eine bessere Verteilung des Ertrags Sorge getragen. Das Pendel der oeffentlichen
Meinung schwankt zwischen diesen beiden Grundtendenzen hin und
her.
2.) Die wirtschaftliche Erfahrung ist zu dem Schluss gekommen, dass es zwecklos ist, ueber die Verteilung zu sprechen,
wenn die Produktion nicht hoch genug ist und genug produziert
werden kann, um «inen hohen Lebensstandard zu erzielen. Die
Studien, die die rorschungsabteilung der Vereinten Nationen
durchfuehrte, sind kennzeichnend fuer die Staerke und die
Schwaeche der Nationen. Auf der untersten Stufe steht Indone2 -

�sien, es bringt nur so viel an Volkseinkommen hervor, um fuer
jeden Einwohner 25 Dollar im Jahr an Verdienstmoeglichkeiten
zu bieten. In Italien wird ein Maximum von 225 Dollar im Jahr
erreicht, in Russland von 308 Dollar, in den Niederlanden von
etwa 450, in England etwa 650, in Kanada etwa 870 und in den
Vereinigten Staaten etwa 1500 Dollar pro Kopf und Jahr. Natuerlich sind dies keine grossen Reichtuemer, aber die Produktionsleistung der Vereinigten Staaten hat ein Nationaleinkommen zur Folge gehabt, das einmalig ist und ohne jede Vergleichsmoeglichkeit oder Parallelfall in der Geschichte dasteht. Man
braucht auch tatsaechlich nur diese Ziffern herauszustellen, um
dabei festzustellen, dass andere Laender entweder aus Neid die
Vereinigten Staaten hassen oder aber dadurch ermuntert werden,
aehnliche Erfolge auch in Ihrer Industrie zu erzielen und das
Vorbild der USA anzuerkennen. Aus diesen Erwaegungen ist
ueberall heute das Interesse fuer die Produktion und die Mittel zu ihrer Steigerung festzustellen. Die soziale Analyse
muss hierbei jedoch feststellen, dass jede Philosophie, die
entweder ausschliesslich auf der steigenden Produktion oder
ausschliesslich auf dem Prinzip der Verteilung der Ertraege
der gesteigerten Produktion beruht, ein Irrtum ist. Die Pforte zu einer neuen Freiheit, durch die die Menschen zu neuen
Hoehen kommen koennen, muss verbunden sein mit eilen wirtschaftlichen Notwendigkeiten, nur so sind gute Aussichten fuer alle
zu erzielen.
Die geistigen Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind sich darueber im klaren, dass hier ein Prozess der
Revision vor sich geht, der alle Ideologien erfasst hat - auch
den Sozialismus. Haakon Lie, der bekannte norwegische Sozialdemokrat, hat in den "Sozialistischen Kommentaren", dem Organ
der britischen Sozialisten, ueberzeugende Argumente hierfuer
gebracht. Lie uebersohreibt seinen Artikel "Demokratischer
Sozialismus in unserer Zeit" und sagt hier unter anderem: "Die
kommunistische Bewegung klebt an den marxistischen Dogmen und
findet ihre Staerke in vorbereiteten theoretischen Formulierungen, die aus der marxistischen Erbschaft abgeleitet werden,
die auf alle Fragen eine Antwort bereit zu haben scheint. Wir
wuerden uns selbst zum Narren halten, wenn wir die Anziehungskraft dieses wohlgeknuepften Systems auf viele Menschen unterschaetzten, unter denen sich sonderbarerweise auch viele Intellektuelle befinden. Dieses System zieht aber auch viele
aus der aelteren Generation der Sozialdemokraten an, weil hier
der Nachdruck auf den Klassenkampf gelegt wird, der ihnen immer wieder als der entscheidende Faktor fuer soziale Aenderungen hingestellt wurde. Es wird Zeit, dass unsere Bewegung endlioh einen neuen der Jetztzeit angepassten sozialen Ausblick
gestaltet - eine neue Ideologie. Das ist heute wichtiger denn
Je, weil die fortgeschritteneren Laender mit einer besonderen
Verantwortung belastet sind", wenn sozialdemokratische Fuehrer
die Verantwortung in der Regierung gegenueber der Allgemeinheit
uebernehmen. Dies geschieht nicht mit Gewalt, sondern durch
Ideen und üeberzeugungen. Dies erfordert aber mehr als die
Uebernahme der primitiven Theorie ueber den Klassenkampf. Es
ist erforderlich, dass die Interessen aller Buerger einer Nation,
das heisst nicht nur die der organisierten Arbeiterschaft, in
Batracht gezogen werden muessen. Diese doppelte Aufgabe - die
Fuehrung der Regierungsgeschaefte zu nutze und zu fromm aller
und zu gleicher Zeit diese Aufgaben mit einer ueberzeugenden
Kraft durchzufuehren - scheint ein geeigneter Ausgangspunkt
fuer eine neue sozialistische Theorie zu sein, die auf einer
realistischen Grundlage beruht.

3

�Aber es gibt noch andere Gruende, weshalb die Entwicklung einer neuen sözialbetonten Idee so wichtig ist. Nach
der Zahl ihrer Mitglieder und auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist die amerikanische Gewerkschaftsbewegung heute die
staerkste in der freien Welt und die Herstellung enger Arbeitsbeziehungen ist fuer die internationale Arbeiterbewegung ausserordentlich wichtig. Das gilt nicht allein fuer
die kommenden Monate, in denen der Kampf fuer den Frieden
alle Kraefte in Anspruch nehmen wird, sondern auch fuer die
aufkommenden Probleme der naechsten Jahre, wenn der Westen
eine ueberzeugende militaerische Ueberlegenheit erreicht hat.
Diese maechtige Militaermacht kann in den Haenden reaktionaerer Amerikaner ebenso gefaehrlich sein wie Dynamitpatronen
in den Haenden spielender Kinder. Wir muessen daher mit unseren Freunden jenseits des Atlantiks viel enger als bisher
arbeiten."
Soweit Haakon Lie. Die amerikanischen Gewerkschafter
sind auf Grund ihrer amerikanischen Geisteshaltung Pragmatiker. Sie sind nicht mit Irgendwelchen Theorien verheiratet.
Dies ist auch der Grund, weshalb die marxistische Philosophie
mit ihren spitzfindigen Festlegungen niemals Eingang bei der
Mehrzahl der amerikanischen Gewerkschaften gefunden hat.
Dies mag auf der anderen Seite dazu beigetragen haben, dass
wirtschaftliche Grundsaetze einen Platz in der bodenstaendigen Philosophie der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sioh
sichern konnten. Die grosse Tatsache, dass die Vereinigten
Staaten gegenwaertig ein Produktionssystem entwickelt haben,
das die Armut abschaffen kann und tatsaechlich dies auch
fertigbringt, ist als Theorie ebenso wichtig wie die der Evolution oder die Einsteinsche Relativitaetstheorie. Diese
bedeutsame Tatsache der sich durchsetzenden Ideologie gegenueber anderen erzeugt natuerlich Feindschaften, auch von anderen Seiten her als der kommunistischen. Irgend jemand hat
einmal sehr klar herausgestellt, dass jeder, der ueberkommene Meinungen oder üeberzeugungen durch andere ersetzen will,
sich viel staerker der Gefahr des Lynchens aussetzt als Jemand, der sich etwa an fremdem Eigentum vergreift. Wenn heute
jemand sich erhebt und erklaert, dass "alle gegenwaertigen
Ideologien von einer Wirtschaft des Mangels herrühren und wir
eine Wirtschaft des Ueberflusses beginnen muessen", so wird
er in die Gefahr kommen, wegen seinerwVergewaltigung"ueberkommener Meinungen hemmungslos niedergeschrien ^u werden und zwar
von allen moeglichen Seiten her.
Es gibt jedoch eine Anzahl von Prinzipien und Methoden,
die sich ohne weiteres von den grossen Tatsachen ableiten lassen. Es handelt sich hierbei um die folgenden vier Punkte:
1.) Die Maschine allein genuegt nicht. Die Maschine
ist nur ein Werkzeug, aber nicht mehr. Die blosse Ueberpflanzung von Maschinen in andere Laender garantiert keineswegs,
dass dieses Land sich einen dauernden Wohlstand erwerben kann.
Die Technologie, eine Wissenschaft, die sich mit Maschinen beschaeftigt, hat als ihren Mittelpunkt den Menschen selbst und
ihr Ziel ist einzig und allein die Verbesserung der menschlichen Lebensverhaeltnisse. Die Amerikaner haben hier sehr viel
von den unruhigen letzten dreissig Jahren gelernt. Sie haben
gelernt, dass die Technik in einer sich ausdehnenden Wirtschaft
die Technik einer sich immer staerker ausbreitenden Kaufkraft
der breiten Masse ist. Dieses Prinzip ist ein unveraenderliches und kann nur in der gleichen Form wie andere unabaender-

4 -

�liehe Grundsaetze verletzt werden mit allen sich daraus ergebenden Folgerungen. Sobald naemlich die Kaufkraft nachlaesst,
verliert die Wirtschaft ihr Gleichgewicht, auch wenn es hierbei oertliche Verschiedenheiten gibt.
2.) Massenproduktion bezieht sich auf das Ziel der Produktion, das heisst, sie bezieht sich auf die gesamte Bevoelkerung. Die Massenproduktion bezieht sich weiter auf grosse
Einheiten an Arbeitern, aber auch auf Maschinen, die in der
Lage sind, grosse Mengen an Guetern herzustellen. Die Technik der Massenproduktion kann von kleineren Industrien auf
kleinerer Basis durchgefuehrt 'werden - dies ist ein sehr wichtiges Prinzip. Diese Tatsache darf auch nicht im Punkt-VlerProgramm, das der Unterstuetzung wirtschaftlich zurueckgebliebener Laender dient, oder anderen internationalen Programmen
der wirtschaftlichen Hilfe uebersehen werden.
3.) Der Klassenmarkt ist eine unvermeidbare Folge der
noch dem Handwerklichen verhafteten Industrie. Die Handwerker, die taeglich nur einige wenige Erzeugnisse herstellen,
muessen diese natuerlicn zu hohen Preisen an einige wenige
Personen verkaufen, die diese Preise zahlen koennen. Das
Ziel des Massenmarktes ist die Erfassung der gesamten Bevoelkerung.
4.) Analysen, die die gegenwaertige amerikanische Gesellschaft betreffen, sind zuweilen etwas sehr vereinfachend
mit ihren Schluessen, wie dieses Prinzip der Massenproduktion
in den Vereinigten Stebten ueberhaupt entstanden ist. Aber
die Motive hierfuer sind sehr leicht aufzudecken. Die Amerikaner sind durch und durch von dem Gedanken der Demokratie erfuellt. Die Leidenschaft der Amerikaner, Fortschritte zu erzielen, an die Spitze zu kommen, es ebensoweit zu bringen wie
der Nachbar, ebenso viel leisten zu koennen wie der andere
sind Urbestandteile der amerikanischen Demokratie. Und dieses
grosse Teilhaben an den Guetern des Arbeitsprozesses mit dem
ausgepraegten Bewusstsein, hieiauf ein Recht zu haben, hat
im letzten Grunde die Massenproduktion zu einer unvermeidbaren
Konsequenz der demokratischen Form der amerikanischen Gesellschaft gemacht.
*

*

*

Natuerlich sind durch den Marshallplan neue Formen der
internationalen Beziehungen geschaffen worden. Diese neuen
Formen der Beziehungen haben sich gegenueber der bisherigen
traditionellen Geheimniskraemerei der Diplomatie durchgesetzt. Die Beziehungen der Marshallplanlaender sind nicht
mehr darauf abgestellt, was die Diplomaten oder die Vertreter
der Regierungen sagen und tun. Die Vertreter der Voelker treffen sich Tag fuer Tag und besprechen gemeinsame Probleme. Sie
tauschen dabei auch Erfahrungen aus, die Schranken der Sprachen und der Traditionen werden dabei zerbrochen. Sie haben
dabei entdeckt, dass gleiche Bedingungen in den Industrien zu
gleichen Wirkungen fuehren. Diese neue Diplomatie, die Diplomatie der Vertreter des Volkes und nicht allein der Reprae3entanten der Regierung ist eines der markantesten Charakteristiken der heutigen Generation. Gerade fuer die Gewerkschaftsbewegung ist diese Einstellung nichts sonderbares. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat sich immer stark mit den Gewerkschaften anderer Laender verbunden gefuehlt. Und auf diesen Verbindungen kann und wird eine neue bessere Welt aufgebaut
werden.
- 5 -

�HARVARD ERWEITERT SEIN SCHULUNGSPROGRAMM FIBR GEWERKSCHAFTER
Das Harvard-Gewerkschaftsprogramm, ein hervorragendes
Seminar der Harvard-Universitaet fuer die Schulung von Gewerkschaftern, hat sich zu internationaler Bedeutung entwickelt.
Sechs Vertreter auslaendischer Gewerkschaften trafen sich anlaesslich der zehnten Jahressitzung des Seminars, die Ende
Oktober begann und 13 Wochen dauert, mit acht Gewerkschaftsmitgliedern in den Vereinigten Staaten. Es ist in diesem Jahr
das erste Mal, das den internationalen Arbeitsproblemen besonderes Interesse entgegengebracht wird.
Die Gewerkschaftsvertreter von üebersee kamen aus Oesterreich, England, Deutschland, Irland, Holland und Norwegen. In
den Seminardiskussionen haben sie durch die Darstellung ihrer
Erfahrungen in den Arbeitsproblemen in ihren Laendern zu einem
besseren Verstaendnis wirtschaftlicher Fragen beigetragen.
Clinton Golden, der ehemalige Berater fuer Arbeitsfragen in
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) sprach
ueber Aufgaben der internationalen Arbeiterbewegung. Die grundlegende Aufgabe des Seminars erstreckt sich auf die Schulung
verantwortlicher Gewerkschafter. Gewerkschaftsvertreter werden
woeohentlich 24 Stunden in den Klassenraeumen des Harvard-Instituts fuer Wirtschaftsangelegenheiten zubringen.
In einem der Seminare, das von Professor James Healy
ueber Arbeitsbeziehungen gehalten wird, werden Gewerkschafter
mit Unternehmern zusammenkommen. Unternehmer, die an diesen
Seminaren teilnehmen, besuchen die Kurse fuer Fortgeschrittene
des Harvard-Instituts fuer Wirtschaftsangelegenheiten. Sechs
dieser Unternehmer sind auslaendische Studenten, die im Rahmen
des Studienprogramms der ECA %n die USA entsandt wurden. Das
Harvard-Gewerkschaftsprogramm, das einzige Universitaetsprogramm in den Vereinigten Staaten fuer die Schulung von Gewerkschaftern, wird von Professor Healy geleitet. Die ECA unterstuetzt in diesem Jahr die Teilnahme auslaendischer Gewerkschaftsvertreter, denn sie glaubt, dass ein gegenseitiges Verstehen der Probleme der Arbeiterbewegung der freien Welt nachhaltig zum Wiederaufbau der einzelnen Nationalwirtschaft beitraegt.
Labor News in the US
11/9/51
SCHACH UND GEWERKSCHAFTEN
Das uralte Schachspiel ist seit einiger Zeit von den Sowjets als ideologisches Kampfmittel eingesetzt worden. Im ersten Augenblick erscheint dies voellig'unverstaendlich. Wer
sich aber ueber die theoretische Doktrin aller totalitaeren Bewegungen im klaren ist, wird sehr schnell begreifen, dass auch
das Schachspiel zu einem Element dieser Systeme werden kann.
In Deutschland hat die NSDAP eine Fuelle von Veranstaltungen
durchgefuehrt, zu denen jeder mehr oder minder gezwungen kommen musste - die Menschen muessen staendig in Bewegung gehalten
werden, sie muessen sich mit bestimmten Themen befassen: mit
dieser Methode lenkt jede Diktatur die oeffentliche Meinung in
die gewuenschte Richtung.
Und so ist in Russland das Schachspiel zu einem Element der
Bewegung geworden. Die Schachfiguren sind in der ganzen Welt
- 6 -

�weisse und sohwarze, in Sowjetrussland sind sie weiss und rot.
Die weissen Figuren repraesentieren den Kapitalismus, sie weisen pflichtgemaess ausgesprochen dekadente Zuege auf, sie symbolisieren Luxus und Militarismus - kurz all das, was in
Russland dem kapitalistischen System vorgeworfen wird. Die
roten Figuren sind dagegen positiv gehalten, der rote Koenig
ist durch einen froehlichen Stachanowarbeiter dargestellt,
dessen Muskeln voller Energie und dessen Antlitz voller Leben
ist - ein Arbeiter, der Wunderleistungen in produktionstechnischer Hinsicht vollbringen kann. Und so geht es von Figur
zu Figur, auf der einen Seite nur positive, auf der andern nur
negative Zuege.
Stalin geht mit seiner Foerderung des Schachspiels auf
russische historische Vorkommnisse zurueck. Den russischen
Studenten war vor der Jahrhundertwende das Schachspielen verboten, da das Studium darunter litt. Als jedoch die russischen Studenten sich gegen die zaristische Unterdrueckung auflehnten, ordnete der russische Kultusminister K a s s o die
Aufhebung des Verbots an, wobei er offen erklaerte, dass das
Sohachspielen den meisten Studenten keine Zeit mehr fuer
revolutionaere Betaetigung uebrig lassen werde.
Heute gibt der sowjetische Staat Millionen an Rubeln
fuer die Propaganda des Schachspielens aus, ueberall gibt es
Sohachklubs mit besonderen Bueros, die alle der gleichen
Aufgabe dienen, die Kultur des Schachspiels in die breiten
Massen zu bringen.
Tatsaechlich kann ein ausgezeichneter Schachspieler es
in Sowjetrussland zu etwas bringen. Der russische Schachmeister Michael B o t w i n n l k
wird offiziell als Ingenieur
vorgestellt, ebenso sein Trainer Wjacheslaff R a g o s i n.
Beide sind aber 'Berufsschachspieler, Botwinnik gehoert zu
dem Kreis der 400 Auserwaehlten, die ein luxurioeses Leben
fuehren koennen, jederzeit die schoensten Sanatorien der
Krim und andere feudalen Erholungsstaetten besuchen duerfen,
einen Wagen staendig zur Verluegung haben - Botwinnik hat
darueber hinaus noch zwei hohe sowjetische Orden verliehen
bekommen.
Ragosin lebt im Schatten Botwinniks, er ist der Chefredakteur der Zeitschrift "Schach in Sowjetrussland". Seine
Hauptarbeit ist jedoch die Ausarbeitung neuer Kombinationen
fuer den russischen Schachmeister, diese werden mit den hervorragendsten Schachspielern durchgearbeitet und nach ihrer
theoretischen Festlegung Botwinnik unterbreitet und zur Auswertung zur Verfuegung gestellt. Eine Veroeffentlichung dieser Versuchspartieen kommt aber erst dann in Frage, wenn Botwinnik diese Kombinationen in Meisterschaftskaempfen angewandt hat.
Das ganze System des Schachkultur-Wettbewerbs wird aber
erst dadurch zu einer Massenbewegung, als sich hier jeder auszeichnen kann und durch gute Turnierleistungen auch vorwaerts•kommt. So kann ein junger Schachmeistsr, der einige oertliche Siege errungen hat, aber keine besondere Ausbildung durchmachte, sich Mindesteinnahmen von 2000 Rubeln in der Woche
erwerben - das ist das Doppelte, was er im Buero oder in der
Fabrik herausholen koennte. Und so traeumen Millionen junrrer
Russen von dieser Moeglichkeit eines leichten unl besseren
Lebens - die Sowjets aber wissen, dass durch die Schuchklubs

7

�Millionen solcher Menschen erfasst werden, die sich sonst
nicht fuer Politik interessieren - ein Ventil ist geschaffen,
das niemals zu gefaehrlichen Ueberdruecken fuehren kann.
Wo ein junger Schachspieler Ueberdurchschnittliches
leistet, wird er meist ueber den oertlichen Schachklub zu
einem Propagandisten des Schachs., er besucht laufend die
Schachklubs der Umgebung, nachdem er genuegend fuer die sowjetischen Belange der Schachkultur gedrillt wurde. Die Parteilinie wird hier voellig klar: Auf der einen Seite
braucht man Millionen Schachenthusiasten in den Klubs, auf
der andern Seite aber routinierte Schaohpropagandisten, die
gut bezahlt werden und die neben ihrem Spiel auch die Propagandataktik beherrschen muessen -• wer von der Bevoelkerung
noch in keiner anderen Organisation erfasst ist, muss wenigstens Schachklubmitglied sein. Bei den aelteren Leuten gibt
man sich jedoon keine besondere Muehe, aber jeder Jugendliche
landet zumindest im Schachklub, wenn er sich bei anderen Organisationen druecken konnte.
Und genau so ist es in den Betrieben. Wer eifrig beim
Schachklub mitmacht, kann sich aridere Dinge erparen, Prinzip
ist eben auch hier, die "Leute" immer etwas bestimmtes tun,
ihnen nicht zu eigenen Gedankengaengen Zeit zu lassen. Das
mu3?te auch Fjodor B o g a r t i t s c h u k erfahren, ein
Roentgenologe, der aus Zeitvertreib Schach spielte, aber mit
Leib und Seele Roentgenforscher war. Bogartitschuk spielte
einmal, ohne sich die Konsequenzen zu ueberlegen, gegen Botwinnik und gewann von fuenf Spielen drei. Damit glaubte
Bogartitschuk die Sache fuer erledigt, weil er das Schach
nur als Spiel ansah - als er jedoch wieder zu seiner Arbeit
zurueckkehrte und seine Beteiligung an Schachwettbewerben zwischen den Kolcnosen, den Industrie-"gewerkschaften", den
Staedten, den Bundstaaten der Sowjetunion und 'anderen Tournieren ablehnte, weil er als Roentgenologe weiter taetig sein
wollte, erhielt er eine Anklage wegen "Sabotage der Schachkultur unter der Jugend". Als Bogartitschuk eines Tages in
Kiew weilte, gelang ihm von hier aus ueber Polen die Flucht
nach dem ,/esten. Heute arbeitet er in Kanada wieder als
Roentgenologe, und wenn er Zeit und Lu3t hat, spielt er auch
einmal Schach. Trotz seiner Flucht aus der Sowjetunion hat
er aber dennoch Verstaendnis und Sympathie fuer die grossen
russischen Schachmeister, aus deren geliebtem Spiel Stalin
ein intellektuelles Narkotikum entwickelte, das restlos in
seinem Dienst steht.
Die "Gewerkschaften" der Sowjetunion haben nichts mehr
mit ihren frueheren Aufgaben zu tun - nur der Name ist geblieben, es ist tatsaechlich eine Arbeitsfront. All das, was
Robert Ley einmal als KdF ausprobiert hat, ist auch in Russlund zu finden. Aber Ley hat das billigste Mittel des Narkotisierens vergessen: das Schachspielen. Da es im uebrigen
ein Mittel ist, den ührgeiz kuenstlioh aufzustacheln, so kann
man mit dieser Schachspielerei auch andere Zwecke erreichen der Ehrgeiz ist an sich verstaendlich, aber die Chance, bequem zu leben und das Doppelte zu verdienen, fuehrt in der
Praxis schon zu manchen Ergebnissen fuer den sowjetischen Apparat.
Jetzt duerfte es auch klar werden, warum Schach und Gewerkschaften in dor IdSSR zusammengehoeren: Beide 3ind nicht nur
- 6 -

�voellig ungefaehrlich, sondern sind im Gegenteil ideologische
Waffen, die reffiniert eingesetzt werden. Man mag darueber
laecheln, aber der voellig unpolitische üoentgenologe Bogartitschuk kann etwas anderes berichten ....
Labor and Nation
V/51
Maurice Bouladoux:
PRODUKTIVITAETSPQLITIK ERFORDERT GERECHTE GRUNDLAGEN
1.

Die schlechten Nebenbedeutungen des Wortes Produktivitaet.

Es gehoert zu-den schwersten Fehlern des Kapitalismus,
dass er die Arbeiterschaft gezwungen hat, den instinktiven
Arbeitsimpuls abzubremsen, der ganz von selbst zu einer
staendig zunehmenden Wirksamkeit fuehrt. Die Arbeiter wissen aus langen und bitteren Erfahrungen, dass persoenliche
oder gemeinsame Anstrengungen nicht belohnt werden, sondern
dass dadurch in Gegenteil fraglos Risiken hervorgerufen werden.
Sehr viele franzoesische Arbeiter sind der Meinung, dass
die Idee der Produktivitaet geradezu verkettet ist mit der
relativen Abwaertsbewegung der Lohnskala, wie sie sich bisher
im Zuge der erhoehten Produktion ergeben hat. Dieser Vorgang
ist allgemein bekannt: Hierbei wird der Faktor Zeit so
genau wie moeglich kalkuliert. In dem Augenblick jedoch, wo
die durchschnittliche Leistung des Arbeiter zunimmt, vermindert der Unternehmer den Betrag der gewaehrten Zeit. Dadurch
kann nur der Arbeiter mit einer ungewoehnlichen physischen
Kraft oder mit einer aussergewoehnlichen Geschicklichkeit hohe
Loehne erreichen, ohne sich dabei gesundheitlich zu gefaehrden.
Dies erkleert z. T., warum der franzoesische Arbeiter
mit einer argwoehnisehen Zurueckhaltung die Vorschlaege fuer
eine zunehmende Produktivitaet zur Kenntnis nimmt. Der Franzose ist dabei ebenso hitzig wie die Arbeiter in andern Laendern und seine Geschicklichkeit liegt unzweifelhalft ueber
dem Durchschnitt.
Kann man ihm diese Haltung verargen? Es erscheint zweckmaessiger, die grosse Zahl der Unternehmer zu tadeln, die weder ihre sozialen Pflichten verstanden haben noch ihre wirklichen Interessen wahrnehmen.
Wenn eine Politik des hohen Produktivitaetsniveaus Erfolg
haben soll, so ist es notwendig, dass die Arbeiter in gleichem Masse an den Ertraegen teilhaben, die durch ihre Anstrengungen geschaffen werden und dass ihre Loehne nicht nur mit
einigen wenigen Prozenten erhoeht, sondern verdoppelt oder
verdreifacht werden, je nach den erzielten Erfolgen, ohne dass
sie jedoch gezwungen werden, mit ausserordentlicher Schnelligkeit oder unter unannehmbaren Bedingungen zu arbeiten.
Viele Unternehmer sind irrtuemlich der Meinung, dass die
Produktivitaet in erster Linie von der Anstrengung des Arbeiters abhaengt und dass die Praemie, die ihm gewaehrt wird,
stets durch einen Teil des Produktionsueberschusses begrenzt
- 9 -

�werden sollte, der durch die Erhoehung seiner Arbeitsgeschwindigkeit erreicht wurde. Andere Unternehmer gehen noch weiter
und reden von einer Erhoehung der gesetzlich zulaessigen Zahl
der Arbeitsstunden. Obwohl aber die Leistung des Arbeiters
als Standard fuer die Messung der Produktivitaet dient, haengt
die Produktivitaet nicht nur von der Arbeitsleisung ab, die
von einem menschlichen Wesen erreicht wird, sondern sie ist
ebenso stark durch die wissenschaftliche Organisation der
Arbeit beeinflusst, durch den Grad der Mechanisierung, die
Qualitaet der Rohmaterialien usw. Ein grosser Teil der
franzoesischen Unternehmer vernachlaessigt jedoch diese elementaren Voraussetzunren.
Angesichts dieser Tatsachen stehen die freien franzoesischen Gewerkschaften einer doppelten Verantwortlichkeit gegenueber: Einmal durch ihre Unterstuetzung zu allen Anstrengungen beizutragen, die zum Nutzen der wirtschaftlichen Entwicklung durchgefuehrt werden und die dem ganzen Land zum
Vorteil dienen - auf der andern Seite jedoch durch eine Erhoehung der Loehne und Gehaeiter diese in eine vernuenftige
Beziehung zu den erreichten wirtschaftlichen Fortschritten zu
bringen. Die Grundsaetze, nach denen sich die Gewerkschaften
in allen Produktivitaetsfragen richten muessen, sind somit
wirtschaftlicher und sozialer Natur. Diese muessen aber
gleichzeitig nebeneinander verfolgt werden, damit nicht in
einem Bereich das verloren geht, was auf dem anderen gewonnen
werden konnte.
Der Lebensstandard eines Volkes steht in engem Zusammenhang mit der Produktion. Ein hoher Produktivitaetsstandard
ist unerlaesslich, wenn ein Volk solche sozialen Fortschritte
erreichen will wie die Verminderung der Arbeitszeit, die
Erhoehung der Loehne, die laengere Schulpflicht Junger Menschen, um dadurch ihre Erziehung und ihre Ausbildung besser
zu vervollstaendigen, bevor sie in den Arbeitsprozess eintreten, oder die Vermeidung der uebermaessigen Beschaeftigungszeitverlaengerung aelterer Arbeiter, indem man ihnen eine ausreichende Pension gibt. Jede Arbeitsstunde muss einen staendig
wachsenden Wohlstand schaffen. Aber das vorbehaltlose Festhalten an diesem Zweck sollte in der Praxis vorsichtig betrieben werden. Die Denkgewohnheiten der Unternehmer und der Arbeiter ueber diese Dinge sollten sorgfaeltig analysiert werden,
um hier gewisse Fallstricke zu vermeiden.
Die Versuche, eine verstaerkte Produktion zu erreichen,
muessen mit dem Gedanken durchgefuehrt werden, die koerperlichen, geistigen und moralischen Energien des Arbeiters einzusparen und fuer die unentbehrliche Entwicklung der Persoenlichkeit volle Freiheit zu gewaehren. Dies schliesst ein
Problem ein, das mit der Unterstuetzung des Betriebsvertrauensmannes, des Betriebsrates oder ganz allgemein gesprochen
mit Hilfe der gewerkschaftlichen Organisationen geloest werden muss. Die Fortschritte auf den Gebiet der Produktivitaet
muessen durch die Zusammenarbeit des Arbeiters fuer seinen
Arbeitsplatz und nicht zu seinem Nachteil, wie es leider nur
zu oft der Fall ist, erzielt werden. Die franz'oesischen Arbeiter haben bis heute in dieser Hinsicht noch keine genuegenden
Garantien erhalten und dies erklaert auch zum Teil ihr gegenwaertiges Misstrauen gegen jede Propaganda fuer eine Steigerung der Produktivitaet.
Ein anderer Grund fuer das Unbehagen gegenueber einer zunehmenden Produktivitaet ist die Aussicht einer durch techni- 10 -

�sehe Gruende bedingten Arbeitslosigkeit. Die Erinnerung an
die vergangenen Depressionen ist noch nicht verschwunden,
und obgleich die gegenwaertige wirtschaftliche Lage keine
Besorgtheit innerhalb der Arbeiterschaft erzeugt, so befuerchtet sie doch, dass eine nachdrueckliche Mechanisierung'
zu einer neuen Arbeitslosenwelle fuehren koennte. Die gewerkschaftliche Organisation sollte sich um diese Dinge kuemmern, was jedoch nicht bedeuten soll, dass sie eine engstirnige Garantiepolitik durchfuehren soll, um jedem Arbeiter
die Beibehaltung seines jetzigen Arbeitsplatzes zu sichern.
Umgruppierungen muessen zur gegebenen Zeit geprueft werden,
wobei ein Ausgleich durch Arbeitslosenversicherung vorausgesetzt werden soll und zugleich der Wohnungsbau anzukurbeln
ist.
Es ist jedoch Tatsache, dass selbst der groesste Einfluss
auf die Begeisterung, eine besser* Arbeit zu leisten und damit die Produktivitaet zu steigern, nicht ausreicht, um dem
Arbeiter einen Lohnausgleich zu geben. Diese Vernachlaessigung jedes Gerechtlgkeitsgefuehls haelt Bitterkeit und Misstrauen im Arbeiter wach, die allein durch Taten und nicht mehr
durch einfaeltige gluehende Appelle vertrieben werden koennen.
2.

Der Arbeiter hat bisher keinerlei Vorteile durch
die wirtschaftliche Erholung Westeuropas gehabt.

Als Frankreich 1945 befreit wurde, war jedermann der
Meinung, dass von allen aufrichtige Anstrengungen gemacht
werden sollten, um eine schnelle Wiedererholung der franzoe8isohon Wirtschaft zu erreichen. In diesem Geiste der Freundschaft versprach Amerika wesentliche Lieferungen an Rohmaterialien
und Ausruestungen. Der Arbeitseifer des franzoesischen Arbeiters war der bedeutendste Faktor,der bei der Wiedererholung
zutage trat, jöie gleiche Tatkraft war jedoch weder vonseiten
der Behoerden noch vonselten der Unternehmer erkennbar, als
es sich um die Erhoehung der Kaufkraft der Arbeiterschaft
handelte.
Die Schnelligkeit, mit der das franzoesische Eisenbahnnetz, die Bergwerke und die Bruecken wiederhergestellt wurden, hat tatsaechlioh allgemeine Bewunderung gefunden. Diese
Leistung erweckte in den franzoesischen Arbeitern einen berechtigten Stolz. Die statistischen Berichte zeigen jedoch nur
allzu klar, dass die Arbeiterschaft zwar ihre Pflicht tat,
aber keineswegs entsprechend bezahlt wurde.
Index *)
1956 (Basis -100)
Industrieproduktion
Ha ushaltsverbrauc h
Produktivitaet
Lebenskosten
Loehne
)

1946

1950

84
83
73
645
347

123
103
100

* von Steigerung

46 %

1813

24 £
37 $
180 #

977

181 jo

Diese Zahlen sind amtlich. Sie stammen entweder vom Nationalen Institut fuer Statistik und Wirtschaftsberichte
oder - soweit es sich um Produktivltaetszahlen handelt vom Buero des Chefberaters fuer den Monnet-Plan. Die
Lebenshaltungskosten wurden dem offiziellen Index des
Jahres 1946 entnommen, in dem Verbraucherpreise angefuehrt
werden (bekannt als Index der 34 Artikel). Der Lohnindex
basiert auf den Hauptloehnen der Metallindustrie des
Pariser Gebietes.
- 11 -

�Waehrend zwischen den Jahren 1946-50 die industrielle Produktion sich um 46% steigerte und einen Punkt erreichte, in
dem sie ihren hoechsten Stand zwischen den beiden Weltkriegen
wieder errang und waehrend die Produktivitaet selbst um 37$
anstieg, blieb die Kaufkraft des Arbeiters unveraendert.
Fuer den ungeschulten Beobachter mag es so aussehen, als
ob sich der Lebensstandard verbesserte, aber diese Verbesserung
ist nur im Hinblick auf die Unterdrueckung des schwarzen Marktes vorhanden, die es der Bevoelkerung heute erlaubt, das Geld
zur Erneuerung ihrer Garderobe auszugeben, das 1946 durch den
Unterschied zwischen "amtliohen" und wirklichen Preisen verschluckt wurde. Trotzdem bleibt dieser Lebensstandard betraechtlich unter dem Stand des Jahres 1938.
Wir duerfen hierbei nicht vergessen, dass die Wirtschaft
durch die grossen Verluste an beweglichem und unbeweglichem
Eigentum belastet war, die durch den Krieg verursacht wurden.
Der haeusliche Verbrauch hat jedoch den Vorkriegsumfang erreicht, im Jahre 1950 sogar ueberschritten, aber hiervon hat
die Arbeiterschaft keinerlei Vorteil gehabt. Offensichtlich
haben andere Gesellschaftskreise den Umfang des nationalen
"Kuchens" und seine Vergroesserung seit 1946 verschlungen, und
das Problem, das wir hier behandeln muessen, ist eine Folge
dieser wirtschaftlichen Tatsache.
Wie kann eine solche Situation geheilt werden? Wenn es
in Frankreich eine starke und einige Gewerkschaftsbewegung
gaebe, koennten zweifellos geeignete Loesungen gefunden werden. Diese Voraussetzung liegt jedoch ungluecklicherweise
nicht in der gewerkschaftlichen Macht. Sie kann nur nach
einer gewissen Zeit erreicht werden, sodass Schritt fuer
Schritt gekaempft und alle zur Verfuegung stehenden Mittel
angewendet werden muessen.
Das kommunistische Ablenkungsrezept.
Das Problem wird im uebrigen dadurch erschwert, dass die
unter kommunistischem Einfluss stehende CGT (Allgemeiner Gewerkschaftsbund) ganz freimuetig erklaert, dass sie eine Katastrophenpolitik fuer das Richtige haelt. In dem Bestreben,
eine "Volksdemokratie" an die Macht zu bringen, vergroessert
sie die Irrtuemer des gegenwaertigen Wirtschaftsregimesj
selbst auf die Gefahr hin, das Vertrauen der Arbeiterschaft
zu der Gewerkschaftsbewegung zu zerstoeren, hetzt sie zu unpopulaeren Streiks auf, die haeufig zum Scheitern verurteilt
sind. Sie fuehrt weiterhin eine staendige Propaganda gegen
den echten Begriff der Produktivitaet und natuerlich auch
gegen den Marshallplan. Sie sabotiert systematisch die verhaeltnismaessig wenigen Errungenschaften eines demokratischen
Wirtschaftssystems, die die vierte Republik gebracht hat. Zu
allererst hat die Einfuehrung der Betriebsraete uns nicht die
Erfolge gegeben, die erhofft wurden. Dies ist ebenso auf ihr
eigenes Schuldkonto zu buchen als auf das der streitbaren
Unternehmer.
Eine derartige Lage verstaerkt natuerlich die Position
der Unternehmer und erschwert die Durchfuehrung einer zufriedenstellenden Loesung. Es gibt jedoch unter den franzoesischen Unternehmern viele, die ihre Bereitwilligkeit gezeigt
haben, mit der Arbeiterschaft zusammenzuarbeiten und die dankenswerte Aktionen durchfuehrten, um das praktische Interesse
- 12 -

�t

der Arbeiterschaft in Fragen der Produktivitaet zu foerdern.
Derartige Aktionen blieben jedoch, da die ünterstuetzung der
Regierung ausblieb und sie stets bekaempft wurde, wenn sie
sich regte, in ihrer Natur sporadisch und in ihrer Reichweite
begrenzt.
Eine Politik des sozialen Fortschritts erfordert in
Wirklichkeit - wie es in dem Bericht des Leiters des Internationalen Arbeitsamtes vorgeschlagen wurde - eine Kombination
wesentlicher und untrennbarer Elemente: Die Stabilisierung
der Preise in naher Zukunft, eine allgemeine Erhoehung der
Loehne unter Beruecksichtigung der Produktivitaetssteigerung
sowie Massnahmen, um den Arbeitern einen gerechten Anteil
an den Ertraegen der industriellen Produktion zu sichern.
3.

Was getan werden muss.

Die wachsende Produktivitaet ist ein wesentliches Element fuer jede gesunde Politik, die darauf abzielt, den allgemeinen Lebensstandard der arbeitenden Schichten zu erhoehen; dieses Mittel allein ist jedoch ungenuegend. Das Streben nach einer Loesung dieses Problems kann nur verwirklicht
werden innerhalb des Rahmens einer breiteren Politik, einer
zweckmaessigeren Verteilung der Kaufkraft, die in liberalerer V.'eise der Arbeiterklasse zugute kommt. Zu gleicher Zeit
muss jedoch eine geschlossene Politik in nationalem Masstab
eine gleichmaessigere und wirtschaftlich fuehlbare Neuverteilung des Nationaleinkommens garantieren.
Im EinDlick auf die Loehne ist es notv»iendig, dass die
Arbeiter eine gleichwertige Verguetung fuer den Anstieg der
Produktivitaet erhalten. Diese Verguetung sollte ihnen nicht
allein in der Form jener traditionellen Fraenie gegeben werden, die nur jenenMohrrueben allzu aehnlich sind, die einem
Affen hingehelten werden, um ihn unter einer schweren Buerde
anzutreiben, sondern in Uebereinstimmung mit bestimmten Regeln, die eine groessere Beachtung der Anstrengungen ergeben,
die von allen betroffenen Kreisen erfuellt werden, seien es
Arbeiter, Eigentuemr oder Manager, und die dafuer buergen,
dass alle einen gerechten Anteil an den Erfolgen erhalten,
die gemeinsam erzielt worden sind.
Die Probleme sind zahlreich, und sie erfordern ein
staendiges und gruendliches Studium. Dies ist auch der Grund,
weshalb die einzelnen franzoesichen Gewerkschaften eine gemeinsame intergewerkschaftliche Zentrale fuer das Studium
und die Erforschung der Produktivitaetsfragen gegruendet haben. Mitglieder dieser Zentrale sind die Confederation
Francaise des Travailleurs Chretiens (Franzoesische Vereinigung christlicher Arbeiter), die Confederation Generale des
Cadres (Allgemeine Meistervereini^ung) und die Confederation
Generale du Travail - Force Ouvriere (Allgemeine Arbeitervereinigung - Dritte Kraft). Diese Zentrale, die gemeinsam mit
der franzoesischen Vereinigung fuer Produkt!onserhoehung arbeitet und die unter der Kontrolle der drei Gewerkscheftsverbaende steht, ist in der Lage, als beratende Koerperschaft bei
allen Streitfragen mitzuwirken, bei denen es sich um Kampfe
mit besonderen Problemen handelt.
Diese beratende Koerperschaft, die von den Gewerkschaftsverbaenden gegruendet wurde
und die einzig und allein ihren Belangen zu dienen hat, wird
somit deren weitgehendes Vertrauen haben. Es ist ueberdies
13 -

�V

beabsichtigt, dass bestimmte Studien durchgefuehrt werden, um
vom technischen Standpunkt aus die besten Bedingungen der Arbeitsorganisation zu bestimmen, die zur gleichen Zeit mit den
grundlegenden ArbeitsvorausSetzungan der freien gewerkschaftlichen Organisationen vereinbar sind.
Seit mehr als einem Jahr haben wir als eines der wirksamsten Mittel der Produktionssteigerung in Frankreich die
Umwandlung und - wenn es moeglich ist - die Errichtung von
Muster-Werkanlagen in bestimmten Gebieten vorgeschlagen unter den gleichen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen wie aehnliche Anlagen in den Vereinigten Staaten durchgefuehrt wurden. Gegebenenfalls wuerde eine solche Politik
der Einrichtung solcher Uusterwerke, die in Schluesselgebieten erstellt werden und die in erster Linie mit Artikeln
fuer den laufenden Verbrauch hervortreten sollen, die franzoesischen Unternehmer unter den Zwang stellen, die Methoden, die in diesen •Verken ueblich sind, nachzuahmen. Um
hier vom sozialen Standpunkt aus Folgerungen zu ziehen,
muessen natuerlich solche Werke mit derartigen Experimenten
den groesstmoeglichsten Dienst einer fortschrittlichen Politik erweisen, d.h. dem Lohnempfaenger die Moeglichkeit geben,
an diesen Betriebsarbeiten und an den Ertraegen beteiligt
^u sein. Das erste dieser Erfordernisse muss darin bestehen,
den Arbeitern Loehne zu geben, die mit jenen in Einklang stehen,
die amerikanische Arbeiter in sehnlichen 'Werken erhalten.
Aber offensichtlich machen es die in Frankreich vorherrschenden Bedingungen unmoeglich, dieses Experiment in der bevorstehenden Zukunft voll durchzufuehren. Die wesentliche Aufgabe wird somit darin liegen, sich diesen Bedingungen soweit
wie moeglich zu naehern, in jedem Fall aber diese Bedingungen
in betracht zu ziehen und darueber hinaus einen psychologischen "Schock" hervorzurufen, von dem vieles erwartet werden
kann.
Die intergewerkschaftliche Studienzentrale (CIERP) wird
in ihrer beratenden Eigenschaft und auch in ihrer die Initiative
ergreifenden Taetigkeit eine bedeutende Rolle zu spielen haben.
Die Regierung koennte jedoch sehr stark eine solche Politik
unterstuetzen, selbst wenn sie fuer sich das Recht beanspruchte,
eigene Unternehmen zu betreiben. Man kann jedoch erwarten,
dass die Regierung das Recht fuer sich selbst in Ansrruch
nehmen wird, wenigstens soweit es die Prioritaet betrifft,
Marshallplanmittel sowohl als eigene Kredite an Unternehmen
auszuschuetten, die mit den Gewerkschaften einen Vertrag abgeschlossen haben, der Bestimmungen darueber enthaelt, dass
die Verguetung des Arbeiters im Masstab der Produktionssteigerung erhoeht wird. Vielleicht wird die Regierung wiederum
vorgeben, wie es auch frueher der Fall gewesen ist, hiervon
nichts wissen zu wollen, fuer die Zukunft jedoch koennen wir
lediglich uns darueber freuen, dass der Gedanke an diese Voraussetzungen in einer geraden Linie mit den, wirklichen Absichten der ECA liegt.
Die Unterstuetzung der Oeffentlichkeit ist seit dem erfolgreichen Publlkwerden unentbehrlich,, die von dem gemeinsamen
Gebrauch aller dieser Massnahmen erwartet werden kann. Diese
Unterstuetzung haengt von einer gleichgerichteten Wirtschaftspolitik ab, die insbesondere folgende Punkte umfassen muss:
1. Die Kontrolle der industriellen Vereinbarungen mit der
Absicht, ihre Malthusianismen Aktionen zu unterdruecken;
- 14 -

�2. Die Reorganisierung der Verteilung durch die Ausschaltung der Mittelsleute, deren ünzahl sich in einem
ausserordentlichen Mass erhoeht hat, wozu ein gesetzlicher
und ein steuerreio^tlicher Protektionismus beitrug;
3. und endlich, dass die Frage, mit der wir uns am
meisten befassen muessen, eine Reform der Steuergesetzgebung
ist, durch die die Steuerlast gleichmaessig auf alle Schichten der Buergerschaft verteilt wird. Damit wird, auch zugleich eine breitere Verteilung der Kaufkraft erzielt, sie
wuerde dadurch nicht mehr in den Kaenden einiger weniger
konzentriert bleiben.
Als Beispiel sei wiederum auf Frankreich hingewiesen,
wo die Lohnempfaenger 60ft der gesamten arbeitenden Bevoelkerung ausmachen, aber nur 45% des Nationaleinkommens erhalten» trotzdem aber an direkten Steuern 67% zahlen.
Alle diese L'isstaende muessen berichtigt werden, und die
Franzoesische Gewerkschaft Christlicher Arbeiter hat es fuer
ihren Teil nicht daran fehlen lassen, der Oeffentlichkeit jene
heilenden Massnahmen, zu empfehlen, die sie studiert hat und
die sie heute fordert.
Niemand verkennt die Reichweite dieser Aufgaben, aber
die franzoesischen Gewerkschaften haben alles vorbereitet, um
in loyaler und aktiver Zusammenarbeit, deren Bedeutung niemand unterschaetzen wird, einer nationalen Politik der wirtschaftlichen Ausdehnung und der erhoehten Produktivltaet zur
Verfuegung zu stehen, die auf jenen Prinzipien der Gerechtigkeit basieren, die hier skizziert worden sind.
Frances L. Kauf man, Spezialist fuer Arbeitsschulung, Institut
fuer Arbeitsbeziehungen, Universitaet Puerto Rico:
AHBSITBRSCEÜLÜNG IN PUERTO RICO
Das Institut fuer Arbeitsbeziehungen an der Universitaet
Puerto Rico ist gerade etwas ueber ein Jahr alt. Nach seiner Einrichtung durch die Universitaet Puerto Rico innerhalb
ihrer Abteilung fuer Sozialwissenschaft begann das Institut
im August 1950 unter der Leitung von Dr. Simon Rottenberg
seine Arbeit.
Das Institut dient hauptsaechlich einer doppelten Aufgabe,
naemlich, sich mit der Schulung der Arbeiter und ihrer Ausbildung zu Betrieb30bleiternzu befassen. Wie es in der Darlegung der Aufgaben des Instituts heisst, hat sich das Arbeiterschulungsprogramm des Instituts folgende Ziele gesetzt:
1) Auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Arbeitsfragen
und der Arbeitsbeziehungen Forschungen durchzufuehren und
Veroeffentlichungen herauszugeben.
2) Gewerkschafter zu tuechtigen Sachbearbeitern för
Gewerkschaftsangelegenheiten zu schulen und sie und die Gewerkschaftsmitglieder mit den Grundzuegen und Konsequenzen
der Gewerkschaftspolitik und ihrer Rolle in der Gesamtstruktur
der Wirtschaft vertraut zu machen.
Das Institut arbeitet mit einem hauptamtlich angestellten zentralen Stab, der aus einem Direktor, einem Arbeiter-

15

�Schulungsspezialisten, Frances Kaufman, einem Forschungsassistenten, Alfredo Nazario und zwei Sekreteeren besteht. Hierzu kommt ein Ausschuss von ungefaehr 20 Lehrern der Arbeiterklassen, die von Zeit zu Zeit zu nebenamtlichen Lehrdiensten
herangezogen werden.
Die Arbeiterschulungstaetigkeit des Instituts verteilt
sich folgendermassen:
1) Klassen fuer Arbeiter; Waehrend des ersten Jahres wurden ungefaehr 40 Arbeiterbildungsklassen eingerichtet. Zu
den Lehrfaechern gehoerten: Tarifvertraege, Arbeitsgesetzgebung, Parlamentsregeln, die Wirtschaft von Puerto Rico, Grundzuege der Uekonomie, die Regierung von Puerto Rico, Englisch
fuer Arbeiter und Gewerkschaftsbüchhaltung. Die Klassen werden entweder fuer Mitglieder besonderer Gewerkschaften oder
fuer eine Anzahl von Mitgliedern verschiedener Gewerkschaften
in einem bestimmten Gebiet eingerichtet. Sie sind auf der
Unlversitaet von Rio Piedras wie auch in anderen Teilen der
Insel abgehalten worden. Einige Kurse trafen sich nur achtmal, wohingegen andere viel haeufiger, bis zu einem Maximum
von 32 Malen, zusammenkamen. Die meisten Studenten waren
bis jetzt Gewerkschaftsfunktionaere.
2) Unterricht durch Rundfunk: Sin neunwoechiger Rundfunkkursus fuer Arbeiter ueber die Wirtschaft in Puerto Rico
wurde begonnen, um auch die Landbewohner zu erreichen. Der
Kurs wurde zweimal woechentlich ueber eine Reihe von Rundfunkstationen der Insel uebertragen.
3) Filme: Zwei Filme werden vorbereitet, die bei Gewerkschaftstreffen gezeigt werden sollen, der eine behandelt die
Wirtschaft von Puerto Rico, der andere die Geschichte der
Arbeiterbewegung.
4) Eintaegige Seminare: Verschiedene eintaegige Seminare
wurden in mehreren Staedten der Insel abgehalten. Diese
Seminare finden gewoehnlich am Sonnabend oder Sonntag statt
und bringen Ausfuehrungen ueber die Insel- und Bundesarbeitsgesetzgebung auf Puerto Rioo.
5) Südamerikanisches SchulungsProgramm: Man plant einen
sechs Monate dauernden Schulungskurs fuer eine ausgewaehlte
Gruppe suedamerikanischer Gewerkschafter, der zusammen mit
der Inter-Amerikanisehen Regionalorganisation des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften durchgefuehrt werden soll.
Der Kurs soll Ende 1951 beginnen und enthaelt Vorlesungen,
die durch Aussenbesichtigungen unterstuetzt werden.
6) Lehrerbildungsinstitut: Ende September wurde ein dreitaegiges Lehrerbildungsseminar abgehalten. Fuer die Arbeiterschulungsklassen wurden Lehrkraefte von der Universitaetsfakultaet, den Regierungsabteilungen und anderer geeigneter
Stellen herqngezogen. Man nimmt jedoch an, dass ein Sonderseminar mit speziellen Lehrmethoden fuer Arbeiter sehr zum
Nutzen dieses nur zeitweilig besohaeftigten Lehrstabes waere.
7
) Veroeffentlichungen: Brochueren, die Themen behandeln,
die fuer Gewerkschaftsfunktionaere und -mitglieder von Interesse sind, werden ueberall auf der Insel verteilt. Einige
hiervon sind Nachdrucke staatlicher Veröffentlichungen, doch
der groesste Teil ist hauptsaechlich fuer die Arbeiter von
Puerto Rico geschrieben.

AFL-News Letter
Nov. 51 IIII/ll
16 HICO0 5 DM 31 1 S M 3 6 I

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IY - 48

F r a n k f u r t , den 30. November 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Harvard-Universitaet bildet Gewerkschaftsfunktionaere aus
Arbeiterschutz und industrielle Unfallverhütung
Lohnpolitik und Vollbeschaeftigung

1
4
5

Fortschritt trotz ueberkommener Reminiszenzen .. 11

DIE HARVARD-UNIVERSITAET BILDET GEWERKSCHAFTSFUNTICNAERE AUS
Die Harvard Universitaet, die bislang die feudalste Universitaet der Vereinigten Staaten gewesen ist, .hat jetzt in
ihr Vorlesungsprogramm Fragen der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit aufgenommen. Der Leiter dieser Kurse, Professor
James J. Healy, verfolgt hiermit die Absicht, die Gewerkschaf tsfunktionaere zu einer groesseren Verantwortlichkeit
in-ihrer praktischen Arbeit heranzubilden. Die Hoerer, die
diese Kurse besuchen, sind bereits Funktionaere, sodass es
Aufgabe der Kurse ist, diesen Persoenlichkeiten zusaetzliche
Hilfsmittel und technische Moeglichkeiten zu bieten, um ihre
Arbeit in den Gewerkschaften noch besser ausfuehren zu koennen und zugleich einen neuen Typ des Funktionaers heranzubilden, der auch die Verantwortung gegenueber der Allgemeinheit
in seiner Arbeit uebernimmt.
- 1-

�Das Arbeitsprogramm selbst begann bereits vor zehn Jahren,
als Robert Watt, der Vertreter der AFL fuer Schulungsfragen,
die Universitaet besuchte und hi3r die Frage stellte, ob die
Universitaet bereit waere, neben ihren Vorlesungen ueber die
Ausbildung in der Betriebswirtschaft und der oeffentlichen Verwaltung auch solche ueber die Schulung gewerkschaftlicher
ehrenamtlicher Mitarbeiter uebernehmen wuerde und ob die Universitaet ihre Lehrmoeglichkeiten in den Dienst einer solohen
Erziehungsarbeit stellen wuerde.
Die Harvard-Universitaet erklaerte sich einverstanden. Und
so laeuft diese Arbeit bereits zehn Jahre, acht Gewerkschaften
haben diese Beniuehungen der Universitaet nachdruecklich unterstuetzt, die alle der AFL angehoeren, waehrend sioh der CIO
von diesen Kursen zurueckgezogen hat. Aber auch auslaendische Gewerkschaften schalten sich in diese Schulungsarbeit
der Harvard-Universitaet ein, es sind dies die Gewerkschaften in
Westdeutschland, Oesterreich, Holland, Norwegen, Irland und
Grossbritannien, so dass neben den acht amerikanischen Vertretern der Gewerkschaftsbewegung noch seohs niohtamerikanische
hinzutreten. Jetzt ist jedoch zum ersten Male die Studentenschaft der Kurse nach Kationen aufgeteilt worden, aber man
glaubt, daae gerade durch diese Internationalitaet die Erfolge
der Schulungsarbeit umso bessere sein werden, da durch diese
Vielfaeltigkeit der Erfahrungen sioh eine ganz andere Wirkungsmoeglichkeit ergibt als wenn nur amerikanische Hoerer die
Kurse besuchten.
Es laufen insgesamt 12 Vorlesungen fuer die Dauer der
Studienzeit, die 13 Wochen betraegt, wobei aber nicht jede Vorlesung sich ueber die Geaamtzeit erstreckt. Die Vorlesungen
umfassen Wirtschaftsanalyse, Bearbeitung von Beschwerden und
das Schlichtungsverfahren, Probleme der Arbeitsbeziehungen,
Arbeitsgesetzgebung, die wirtschaftlichen Voraussetzungen des
Tarifvertragswesens und anderes. Die formelle Seminararbeit
umfasst Jedoch nur einen kleinen Teil des Gesamtprogramms,
obwohl hier bereits 25 Vorlesungsstunden verankert sind, sodass ueber den groesseren Teil der Wochenstunden hier bereits
verfuegt ist.
Nun darf man jedoch nicht annehmen, dass die Seminare
in der sonst an Universitaeten ueblichen Form durchgefuehrt
werden. Es gibt hier keinen Professor, der am Katheder steht
und seine Meinung fix und fertig aufgegliedert zum besten
gibt. An der Harvard-Universitaet geht man bei diesen Kursen von einem Fall, wie er in der Praxis vorkommt, aus und
entwickelt an diesem Fall die gesamte Problematik. Dann werden den Studierenden Parallelfaelle mitgeteilt, aus denen sie
selbst ihre Folgerungen zu ziehen haben - diese Faelle haben
sie dann in den Seminaren zu vertreten. Eier entwickelt sioh
somit eine Situation, wie sie wirklioh in der alltaeglichen
Praxis staendig vorkommt, hier im Seminar wie bei der praktischen Arbeit muss der Funktionaer mit diesen Dingen fertig
werden - und hier in Harvard wird es ihm keineswegs leicht
gemacht, denn in der Diskussion des Falles erhebt sich ein
Einwand nach dem anderen, werden abweichende Gesetzesstellen
zitiert, die sofort widerlegt werden muessen, dem Funktionaer
wird also nicht d&amp;q geringste geschenkt. Und wenn er wirklich nicht mehr ein noch aus wissen sollte - das kommt nicht
allzu oft vor - dann wird in einer gemeinsamen Diskussion des
Falles die richtige Loesung mit samt dem Untergrund aufgezeigt.
- 2-

�Eine weitere Stufe dieser gewerkschaftlichen Vorlesungsarbeit bildet die Behandlung der Probleme der Arbeitsbeziehungen. Hier ist die Kitarbeit insofern schwieriger, als neben
den Funktionaeren der Gewerkschaften auch Vertreter der Unternehmer an diesen Seminaren teilnehmen. Hier ist also die
Diskussion wesentlich schaerfer und pointierter, hier zeigt
es sich aber bereits, wer ein geschickter Unterhaendler ist
und wer mit seinen Argumenten sich durchzusetzen versteht.
Diese Seminare sind somit eine aeusserst glueckliche Loesung,
vor allem deshalb, weil man hier mehr die i'iefenarbeit, also
die wirklich erschoepfende Behandlung eines Themas pflegt
als eine ausgesprochene Breitenarbeit, wie sie in den Grundkursen oft unumgaenglich ist.
Die Karvard-Universitaet ist jedoch noch einen Schritt
weitergegangen. Es hat 3ich herausgestellt, dass es wenig
sinnvoll ist, die Diskussionsleitung solcher Seminare nur
Mitgliedern des Lehrkoerpers anzuvertrauen, weil hier die
Kenntnis der Praxis und der Erfahrung fehlt. So ist man dazu
uebergegangen, anerkannte Fachleute als Lehrbeauftragte heranzuziehen. So behandelt jetzt das Gebiet Arbeitsgesetze ein
bekannter Arbeitsrichter, ueber internationale Gewerkschaftsfragen sprioht Clinton S. Golden, der fruehere stellvertretende Vorsitzende der amerikanischen Stahlarbeiter und heute
Sonderberater fuer Arbeitsfragen in der ECA-Verwaltung.
In der Zwischenzeit haben natuerlich die Gewerkschaften
selbst aehnliche Anstrengungen gemacht, um fuer ihre Mitgliedschaft eine aehnliche Schulungsarbeit durchzufahren. Aber
diese auf oerfclicher Basis durchgefuehrten Arbeiten wenden
sich an den Betriebsvertrauensmann und das einzelne Mitglied,
waehrend bei der Harvard-Universitaet der Funktionaernachwochs
und seine Ausbildung im Vordergrund stehen. Hier sollen vor
allexn die Nachwuchskraefte fuer die hoeheren Verwaltungsposten
in den Gewerkschaften ausgebildet werden, wozu ganz andere
Voraussetzungen gehoeren als bei der Schulung jener Funkticnaere, die Tag fuer Tag anfallende Arbeit zu bewaeltigen haben.
Es wurde bereits erweehnt, dass durch die Teilnahme europaeischer Studenten an den Gewerkschaftsseminaren der HarvardUniversitaet sich eine wirkliche Bereicherung der Studienarbeit ergibt. Die teilnehmenden Funktionaere erfahren die Verschiedenheiten der Auffassungen und die Unterschiedlichkeiten
der Kampfmethoden, sodass sich fuer die Praxis ausserordentlich
wertvolle Anregungen ergeben. Das gleiche gilt auch zun Beisoiel fuer den Marshallplan, der fuer die amerikanischen Funktionaere nichts wesentliches bedeutete, sondern oft als ueb$rfluessige Steuerschroepfung angesehen wurde. Durch die Unterhaltung mit europaeischen Funktionaeren sehen sie jetzt diese
Probleme in einem ganz anderen Licht, sie werden aber das, was
sie hier erfahren haben, wieder weiter tragen und damit zum
gegenseitigen internationalen gewerkschaftlichen Verstehen
entscheidend beitragen.
Auf der anderen Seite haben amerikanische Funktionaere
erfahren muessen, dass sie mit ihren Sozialversicherungen noch
weit hinter den in Europa erreichten Stufen zuruockgeblieben
sind, wie etwa in Fragen der Arbeitslosenversicherung oder
der automatischen Pensionierungsmoeglichkeit, sobald ein bestimmtes Alter erreicht ist. Und die amerikanischen Gewerkt
schafter lernen jetzt die Rolle der europaeischen Gewerkschaftsbewegung kennen, die weitgehend die amerikanische Entwicklung
3

�beeinflusste, auch wenn diese aus der anderen wirtschaftlichen
Situation des Landes heraus voellig andere Schritte .gegangen
ist und diese allein ging.
Heute jedoch ist durch die
internationale Bindung der Gewerkschaften die Moeglichkeit
viel groesser geworden, die Errungenschaften in einem Lande,
wenn sie ihre Feuerprobe bestanden htben, auch auf andere
Laender zu uebertragen, wie es jetzt bei den Sozialversicherungsmas snahmen der Vereinigten Staaten geschehen ist.
Diese Ergebnisse fallen sozusagen am Rande der Harvardkurse ab, sie sind jedoch entscheidend fuer den Geist der
Kurse.
Die Seminare fuer Gewerkschaftsfragen haben somit durch
ihre internationale Besetzung noch das Ergebnis gehabt, dass
die amerikanischen Gewerkschaften fuer internationale Probtome
aufgeschlossener werden und zugleich den grossen Beitrag anerkennen, den die europaeisohen Gewerkschaften der gemeinsamen Sacte beigesteuert haben.
Program Service Section
Labor Special # 87
ARBEITERSCHUTZ UND INDUSTRIELLE UNFALLVERHUETUNG
."Der Unfall eines einzelnen bedeutet fuer alle ein
Unfall." Diese Redewendung charakterisiert seit langem die
Solidaritaet der freien Arbeiterbewegung bei der Abwehr von
Schlaegen jeglicher Richtung. .Diese Redewendung ist jedoch
jetzt noch weiter umschrieben worden, Praesident Truman wendet sie wie folgt an: wDer Unfall eines einzelnen betrifft
alle." Er meinte es wörtlich und bezog sich dabei auf die
vielen Betriebsunfaelle und die Notwendigkeit eines laufenden Unfallverhuetungsprogramms, das sich auf alle Staaten
der U.S.A. erstrecken und die Zahl der Unfaelle verringern
soll. "In einer demokratischen Lebensform beschuetzen wir
die Werte des menschlichen Lebens und des menschlichen
Gluecks gegen die Ausbeutung durch einzelne Leute oder den
Staat." In den Vereinigten Staaten sind Gewerkschaften, Arbeitgeber und Regierung an der Gesundheit und Sicherheit
der Arbeiter interessiert. Staendig werden Unfallverhuetungsfeldzuege durchgefuehrt, um Sicherheitsmassnahmen in der
Industrie zu foerdern. Natuerlich werden auch dabei wirtschaftliche Betrachtungen angestellt, aber die Hauptbetonung
liegt auf dem hohen Wert des Individuums.
Massnahmen zum Krankheitsschutz und zur Unfallverhuetung
wurden bereits vor 50 Jahren in Angriff genommen. Waehrend
der ersten Jahre versuchte man in Amerika vor allem Feuerverhuetungsmassnahmen in den Betrieben zu treffen. Fabrikbraende nahmen damals oft dramatische Umfaenge an und brachten ganze Gemeinden in Aufruhr und fuehrten zu schaerfstem
Protest. Amerika wurde geradezu von einer Gesetzeswelle zur
Feuerverhuetung ueberflutet. Aber die Unfallverhuetungsingenieure merkten bald, dass Betriebsbraende nur eines der
kleineren Probleme waren. Die meisten Betriebsunfaelle
wurden durch Stuerzo verursacht, durch Ausgleiten auf •schmierigem Boden, durch Stolpern ueber Draehte, Seile, Werkzeuge
und andere Materialien. Man setzte daraufhin durch, dass
die Boeden in den Fabrikshallen eben, trocken, sauber und
uebersichtlich sein muessen. Heutzutage ist ein unebener,
nasser oder beschmutzter Boden in einem Betrieb ein Verstoss
gegen das Gesetz.
- 4 -

�Freilaufende Reeder oder bewegliche Teile wurden verkleidet, denn man sagte sich, dass bewegliche Teile, die
einen nicht beruehren, auch keine Verletzung hervorrufen
koennen. Eine andere Ursache von Krankheiten und Verletzungen ist der Fabrikstaub, haeufig fuehrt er zu langsamem Tod
durch Tuberkulose. Ausserdem entzuendet sich Staub leicht
durch Funken von Hammerschlaegen oder Motoren, er kann Explosionen hervorrufen, die Betriebe lahmlegen und viele Arbeiter verletzen. Jetzt werden funkensichere Werkzeuge und
Motore hergestellt, um Staubexplosionen zu verhindern. Entlueftungsanlagen und besondere Gesichtsmasken sorgen dafuer,
bestimmte Berufskrankheiten zu vermeiden.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber setzten sich mit Unfallverhuetungsingenieuren zusammen, um noch ein anderes ernstes
Problem, das der Augenverletzungen, zu loesen. Unter den
Ursachen der Augenverletzungen finden sich aetzende Saeuren
und Daempfe, Splitter, spritzende Farben, fluessige Metallspritzer und ausserordentlich grelles Licht. Verschiedene
Arten Schutzbrillen beheben diese Unfallquellen. Ausserdem
wurde eine nicht blendende Beleuchtung erfunden, die den
Arbeitsplatz genuegend erhellt, ohne jedoch dabei auf die
Augen besonders anstrengend zu wirken.
Sohwere und leichte Metallhelme sowie sehr starke Metallkappen, die in die Arbeitsschuhe eingebaut werden, sind andere Methoden, mit denen man die Arbeiter von Kopf bis Fuss zu
schuetzen sich bemueht. Heute wendet man diese Schutzmassnahmen nicht nur im Bergbau an, sondern auch im Bauwesen,
beim Schiffsbau und einer Reihe anderer Industrien.
Mit dem Ansteigen der Produktion von Verteidigungsmaterialien und Konsumwaren sind in letzter Zeit Millionen neuer und unerfahrener Arbeiter in amerikanischen Fabriken eingestellt worden. Viele Arbeiter mussten auch Arbeitsgaenge
uebernehmen, mit denen sie verhaeltnismaessig wenig vertraut
waren. Dies vergroesserte natuerlich die Haeufigkeit der
Betriebsunfaelle.
Den noch verbleibenden Problemen wird nunmehr groesstes
Interesse gewidmet, und zwar gilt es in erster Linie die Arbeiter dazu zu erziehen, selbst an ihre Sicherheit zu denken.
Sie muessen verstehen, dass ihre Sicherheit und die ihrer
Arbeitskameraden wichtiger als irgendein Produktionsplan i3t.
In tausenden Fabriken im ganzen Lande suchen Unfallverhuetungs- •
aussohuesse, denen Gewerkschaften wie Arbeitgeber angehoeren,
neue Wege, gerade diesen Punkt klarzumachen, denn sie stimmen
mit Praesident Truman ueberein:
"Der Unfall eines einzelnen betrifft alle."
Program Services Seotion
Labor Special 103
51/11/16
Alfred Roberts, Vertreter des britischen Gewerkschaftsbundea:
LOHNPOLITIK. VOLLBESCHAEFTIGUNQ UND AUFGABEN DER I.A.O.
Die Diagnose ueber die Wirtsohaftskrankheit der Welt und
die vorgeschlagenen Heilmittel scheinen entsprechend den wirt- 5-

�schaftlichen und politischen Richtungen der Sprecher zu
schwanken. I.:an wird zu der Auffassung gedraengt, dass entweder durch Uebersehen oder mit Absicht der Begriff "objektive Betrachtung" in den meisten Faellen verlorengegangen ist. Es kann
sein, dass ich mich des gleichen Fehlers schuldig mache, ich
will aber mindestens versuchen, bei der Behandlung dieses
Problems realistisch zu bleiben.
Das erste Erfordernis in dem Bemuehen, die Lohnpolitik
zu bestimmen, gleichgueltig wie der Stand der Wirtschaft oder
sozialen Entwicklung ist, besteht darin, sich nicht mit statischen Kraeften, sondern mit Kraeften zu befassen, die staendig schwanken. Die Industrie ist dynamisch. Sie ist dem
tagtaeglichen Druck nationaler und internationaler Ereignisse
ausgesetzt, die Ausgleiche innerhalb der Industrie erfordern:
Sie kann nicht aus sich selbst leben. Die Rohmaterialien
schwanken in ihrer Qualitaet, in der Quantitaet und in der
Verfuegbarkeit fuer eine bestimmte Industrie; die Arbeitsbedingungen wechseln dauernd mit der Verbesserung der Verfahren
und einem entsprechenden Wechsel des Risikos; die Wirtschaftlichkeit schwankt - dies sind Fakturen, die ihre unmittelbaren
Rueckwirkungen auf das Wohlergehen der Industriebevoelkerung
und damit auf die gesamte Volkswirtschaft haben.
Aus diesem Grunde ist eine Betrachtung der Lohnpolitik
an sich unwirklich; sie muss mit anderen Faktoren, wie Produktivitaet, Preisen und Ertraegert verknuepft werden. Es muss
auch erkannt werden, dass die Behandlung und Entscheidung
dieser Politik nicht Regierungen, Arbeitgebern oder Gewerkschaften als getrennten Einheiten obliegt, sondern dass sie
das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen allen drei Elementen
sein muss.
Unter Anerkennung dieser Tatseche hat sich die britische
Gewerkschaftsbewegung im Maerz 1948 als ihren Beitrag zur Erhaltung der Vollbeschaeftigung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Nation die Politik der Lohnbeschraenkung zu
eigen gemacht. Diese Politik wurde als Teil einer gemeinsamen
Anstrengung angenommen, die alle Teile der Bevoelkerung beruehrt; zur gleichen Zeit wurde die freiwillige Begrenzung
der Dividende eingefuehrt. Industrie und Handel wurden aufgefordert, die Preise, wo es ueberhaupt moeglich ist, freiwillig
herabzusetzen und die Regierung verschaerfte die Preiskontrolle.
Die Teilnahme der Gewerkschaften an diesen Kontrollen wurde
seitens der Regierung, deren Politik nicht nur auf die Stabilisierung, sondern auch auf die Herabsetzung der Gewinne und
Preise abzielte, zur Bedingung gemacht.
Auf diese Weise wurden die Loehne bis zum Sommer 1950
im wesentlichen stabilisiert. Die Einzelhandelspreise jedoch
stiegen weiter an, was teilweise ala Ergebnis der Abwertung
des Pfund-Sterling im September 1949 gefolgert werden kann.
Die Politik der Beschraenkung war niemals als staendige
Einrichtung gedacht und die internen Spannungen, die sie waehrend des Zeitraumes ihrer Durchfuehrung ausgeloest hat,
Hessen offenbar werden, dass sie nicht fuer unbestimmte Zeit
fortgesetzt werden konnte, besonders seitdem sie eine strengere Form nach der Abwertung angenommen hatte. Die Politik
hatte ihre positiven Seiten - z.B. wurde die Notwendigkeit
gesteigerter Produktivitaet dauernd betont - aber ihr Objekt
war vorwiegend die negative Seite, naemlich die Beschraenkung
- 6-

�der Lohnerhoehungen zu einer Seit, als die Preise zum Steigen
neigten.
Trotz vieler Schwierigkeiten erwies sich diese Politik
als recht erfolgreich in der Erhaltung eines grossen Masses
an Stabilitaet in der '»Virtschaft des Landes - ein Faktor,
der zu einer erheblichen Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen gefuehrt haette, wenn nicht ausserhalb des Einflusses der britischen Gewerkschaften, dar Regierung und der Unternehmer liegende Faktoren sich zum Nachteil
der eigenen und anderer Volkswirtschaften dazwischengedraengt
haetten. Die den freien Voelkern durch die aggressive Politik
des Kommunismus aufgezwungenen Aufruestungs- und Verteidigungsprogramrae fuehrten zu Materialverknappungen, die die
Rohstoffpreise hinaufgetrieben haben. Bei steigenden Rohstoffpreisen, die ihrerseits die Inlandpreise hochtrieben,
waren unter diesen Umstaenden einige Lohnangleichungen unvermeidlich und der britische Gewerkschaftskongress nahm im
September 1950 eine Resolution an, die die fruehere Lohnpolitik aufhob. Dieses bedeutete jedoch nicht ein Versagen
der Politik, sondern war eher ein Beweis fuer die Elastizitaet eines gesunden Koerpers gegenueber aeusseren Erschuetterungen. Es gibt Leute, die an den Begriff einer fein ausbalancierten Wirtschaft glauben, die aber voellig von dem
abhaengig sein soll, was die Gewerkschaftsbewegung bezueglich
der Loehne unternimmt. Die Tatsachen der letzten Monate Weltmarkteinengung und Preissteigerungen bei Rohstoffen haben das Truegerische dieser Auffassung bewiesen. Die Lohnsaetze 3ind nur ein Faktor einer verwickelten Gleichung mit
vielen Variablen und die Gegenmassnahmen der Gewerkschaft
muessen immer davon abhaengig sein, was mit den anderen Variablen vor sich geht.
Dia Erfahrungen der britischen Gewerkschaften in der
Lohnpolitik sind mit diesen Ausfuehrungen kurz dargestellt.
Auf Grund dieser Erfahrung und dem Studium des Problems im
allgemeinen haben sie sich ueberzeugt, dass gewisse grundsaetzliche Notwendigkeiten bestehen, denen jedes Land bei
der Behandlung der Lohnpolitik Beachtung schenken muss, besonders in Bezug auf ein Programm der Vollbeschaeftigung.
Es besteht zweifellos eine zunehmende Bereitschaft zur
Unterstuetzung der Ueberzeugung, dass, wenn die Vollbeschaeftigung gewaehrleistet werden soll, irgendeine Form einer
langfristig abgesprochnenen Lohnpolitik erforderlich ist.
Wahrscheinlich besteht aber weniger Einigkeit darueber, welches die Objekte einer derartigen Politik sein sollten und
unter welchen Bedingungen diese fuer die Gewerkschaft annehmbar waere.
Jede derartige Politik sollte das positive Ziel haben,
dass die Vollbeschaeftigung nicht durch unverantwortliche Aktionen irgendeines Teiles der Bevoelkerung gefaehrdet werden
kann und die Erhaltung und Verbesserung der Loehne und Lebensbedingungen der arbeitenden Bevoelkerung gewaehrleistet bleibt^
Diese Ziele werden nicht durch eine Politik gesichert, die
kuenstliche Schaerfen in der Wirtschaft einfuehrt und nur
daran interessiert ist, die jetzige Verteilung des Volkseinkommens beizubehalten. Diese Ziele muessen eindeutig dargelegt werden, die Politik selbst muss regelmaessig ueberprueft
werden, um zu gewaehrleisten, dass ihre Ziele erreicht werden.
- 7 -

�Mit diesen grundsaetzlichen Zielen waere jede Form der
Lohnpolitik auf vier grundsaetzlichen Prinzipien- aufzubauen - erstens, dass die Freiheit der Gewerkschaften, Kollektiv-Verhandlungen zu fuehren, beibehalten werden muss; zweitens, dass die arbeitende Bevoelkerung in der Lage sein sollte, ihren relativen Anteil am Volkseinkommen zu steigern;
drittens, dass andere Teile der Bevoelkerung zu Massnahmen
schreiten, die die der Gewerkschaftsbewegung ergaenzen; und
viertens, dass die Regierung ihren notwendigen Beitrag fuer
diese Prinzipien leisten sollte.
In erster Linie ist es aus Gruenden, die weit ueber den
gewoehnlichen Vorgang der freiwilligen Lohnverhandlung hinausgehen, besonders wichtig, dass die Freiheit und die Unabhaengigkeit der Gewerkschaften erhalten bleiben. Um jedoch
ihre Geltung als vertretende Organisation zu erhalten, kann
eine Gewerkschaft nicht damit zufrieden sein, sich lediglich
mit Loehnen, Arbeitsstunden, Sicherheitsvorkehrungen und
der Vielzahl anderer Angelegenheiten zu befassen, die tagtaeglich die Gewerkschaft beschaeftigen, sondern sie muss
staendig danach streben, dies in einer Form zu tun, dass sie
wenigstens die Mehrzahl der Arbeiter befriedigt, die sie
vertritt, damit deren allgemeine Interessen in dieser dauernd wechselnden Wirtschaftssituation ausreichend geschuetzt
und gefördert werden. Dies ist eine Verantwortung, die
nicht anderen uebertragen werden kann. Es gibt keinen Ersatz
fuer die Gewerkschaft und dieses Problem kann auch nicht
durch gesetzgeberische Beschraenkungen geloest werden, die
darauf abzielen, die Verhandlungsstaerke der Gewerkschaften
zu verringern.
Zweitens ist es sehr wichtig, dass die Lohnpolitik
nicht negativ aufgefasst wird im Stile eines Einfrierens
der Loehne oder sogar eines Beibehaltens der bestehenden Verteilung des Volkseinkommens des betreffenden Landes. Das
"Einfrieren" wflrde zu einer besonderen Belastung der Wirtschaft mit einer besonderen Lohnstruktur fuehren, die beinahe
mit Sicherheit immer unanwendbarer werden wird. Ich stimme
jedoch nicht mit dem Vorschlag ueberein, dass der allgemeine
Stand der Loehne nur im Verhaeltnis zum Zuwachs des allgemeinen Standes der Produktivitaet steigen sollte. Die Lohnempfaenger sollten allgemein oder in bestimmten Industrien
nicht daran gehindert werden, ihren relativen Anteil an der
Industrie-Erzeugung zu steigern, der in vielen Laendern der
Welt immer noch viel zu klein ist. Damit soll aber nicht die
Notwendigkeit der Steigerung der Produktivitaet geleugnet
werden. Die Notwendigkeit, das System der Leistungsloehne
ueberall zu erweitern, wo es irgend moeglich ist, erkenne ich
an und lasse sie auch gelten, vorausgesetzt, dass dies unter
Fuehlungnahme und mit dem Einverstaendnis der Gewerkscnaften
durchgefuehrt wird.
Drittens stimme ich vollstaendig damit ueberein, dass
die volle Zusammenarbeit aller Teile der Bevoelkerung ein
wesentliches Element jeder Politik ist, die eine Selbst-Beschraenkung und ein groesseres Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich der Forderung nach hoeheren Einkommen verlangt.
Viertens sollte die Regierung ihr Ziel der Vollbeschaeftigung und die Massnahmen, die zur Sicherung dieses Zieles vorgesehen sind, weitestgehend bekanntmachen, einschliesslich
aller anti-inflationistischer Massnahmen, Preiskontrollen und,

8

�soweit angebracht, Preissubventionen. Die Regierung sollte
auch fuer die Schaffung ausreichender sozialer Einrichtungen
verantwortlich sein, besonders zum Schutz der Leute mit kleinen Festeinkommen. In allen diesen Angelegenheiten sollte die
Regierung staendig mit beiden Seiten der Industrie die Fuehlung aufrecht erhalten.
Ich betone, dass dies die Prinzipien sind, auf die jede
Lohnpolitik aufzubauen ist, wenn sie fuer die organisierte
Arbeiterschaft annehmbar sein soll. Selbst dann bleibt die
Frage offen, welche genaue Form die Lohnpolitik annehmen soll.
Andere Laender werden andere Methoden als wuenschenswert betrachten. Weiter ist es wichtig, dass jede Industrie ihre
eigene Lohnstruktur ueberprueft, um zu gewaehrleisten, dass
sie mit den besonderen laufenden Umstaenden Schritt haelt
und beweglich genug ist, um Aenderungen in den Organisationsund Produktionsmethoden in Betracht zu ziehen.
Ich will mich nun einem anderen Gesichtspunkt, dem Problem
der Vollbeschaeftigung, zuwenden. Die heutige Weltlage erfordert, dass eine zunehmende Betonung auf die internationale
Auswanderung zur Hebung der Beschaeftigungssituation gelegt
wird. Eins der Ziele des Arbeitskraefte-Programms der Internationalen Arbeiterorganisation, das auf Grund der Entscheidungen der
leitenden Koerperschaft in Angriff genommen wurde, besteht
darin, eine bessere internationale Verteilung der Arbeitskräfte herbeizufuehren, um dadurch den Lebensstandard der Voelker
ueberall zu heben. Eine einmalige Verknuepfung von Umstaenden Massenverschleppungen waehrend des Krieges, kriegsbedingte
Unterbrechung der normalen Wanderbewegung, steigende Geburtsziffern der Laender - hat dazu beigetragen, in einigen Laendern einen grossen Arbeitskraefteueberschuss zu schaffen, den
die Volkswirtschaft nicht aufnehmen kann, waehrend zur gleichen Zeit in anderen Laendern ein akuter Arbeitskraeftemangel
besteht. Es ist selbstverstaendlich, dass es hier zu einem
Ausgleich kommen kann, wenn die Voraussetzungen dafuer geschaffen werden.
Die Internationale Arbeitskonferenz hat durch die Annahme
der Philadelphia-Erklaerung von 1944 hinsichtlich der Ziele
und Zwecke der Internationalen Arbeits-Organisation, der I.A.O.
bereits den Auftrag gegeben, unter den Nationen der Welt Programme zu foerden, die die Schaffung von Einrichtungen fuer
die Ausbildung und Versetzung von Arbeitskraeften ermoeglichen,
einschliesslich der Foerderung von Auswanderungsmoeglichkeiten
zwecks neuer Beschaeftigung und Ansiedlung, wobei ausreichende
Garantien fuer alle Betroffenen gegeben sein muessen.
Dies ist ein Problem, das die Arbeiter ueberall direkt
angeht und das nur von einer Organisation wirkungsvoll behandelt werden kann, in der die Arbeiter selbst direkt vertreten
sind und die ihnen die Sicherheit gewaehrt, dass die Programme
mit ausreichenden Garantien durchgefuehrt werden, die fuer die
Arbeiter der Auswanderungs- und der Einwanderungslaender gewaehrt werden muessen. Einige Schritte sind in dieser Richtung
schon durch den revidierten '•Vertrag fuer Arbeitskräfte-Auswanderung" unternommen worden; die Gewaehrung technischer Hilfe
fuer Regierungen bei der Errichtung oder Verbesserung nationaler Arbeitsvermittlungen, die ein wichtiger Faktor fuer die
Bestimmung der Arbeitskraftanforderungen sind, sowie die Vereinfachung verwaltungsmaessiger Formalitaeten hinsichtlich der
Z uv/anderer.

�Begrenzte finanzielle Mittel haben bisher die Taetigkeit
der I.A.O. auf diese Massnahmen besohraenkt, aber das Ausmass
des Wanderungsproblems und die dringende Notwendigkeit einer
Loesung im Interesse der Arbeiter erfordert eine betraechtliohe
Ausdehnung der Taetigkeit der Organisation. Sie sollte einerseits das Ziel der technischen Unterstuetzung auf diesem Gebiet erweitern und andererseits eine weitgehende praktische
Tae€igkeit auf dem Gebiet der Internationalen Wanderbewegung
durohfuehren. Viele Arbeiter, die keine Beschaeftigung in
ihren gegenwaertigen Laendern finden koennen, sind beispielsweise nioht in der Lage, auszuwandern, da sie nicht die Mittel
fuer ihre Ueberfahrt aufbringen koennen. Sofern erforderlioh,
sollte die I.A.O. Plaene fuer die internationale Finanzierung
der Auswanderer-Transportkosten und der Senkung dieser Kosten
entwerfen, und zwar durch eine Kontrolle auf internationaler
Ebene hinsichtlich der See- und Lufttransportmittel, die fuer
die Wanderung benoetigt werden. Die Organisation sollte in
allen Phasen der Rekrutierungs- und Auswahlarbeiten beraten
und unterstuetzen, damit kein Arbeiter bei seiner Ankunft im
Aufnahmeland die Feststellung machen muss, dass er, ohne eigenes Verschulden, fuer einen Beruf ausgewaehlt worden ist, der
seinen Faehigkeiten nicht entspricht. Es gibt in den Aufnahmelaendern viele Arbeitsplaetze, die auf Grund der mangelnden
Befaehlgung der Einwanderer nicht besetzt werden koennen. Andererseits gibt es viele, die nicht auswandern koennen, da sie
fuer die vorhandene Arbeit nioht ausreichend ausgebildet sind.
Die I.A.O. sollte Berufsausbildungs- und Umschulungsprogramme
entwickeln, un die Faehigkeiten vorhandener Arbeiter den Einwanderungsbeduerfnissen anzupassen. Sie sollte den Regierungen
hinsichtlich der Vorkehrungen fuer die Aufnahme und Unterbringung der zuwandernden Arbeiter Rat und Unterstuetzung gewaehren und sollte ihre Anstrengungen fuer den Schutz der zuwandernden und der ansaessigen Arbeiter fortsetzen und zwar durch
Unterstuetzung und Beratung der Regierungen beim Abschluss
zweiseitiger Vereinbarungen fuer die Einwanderung.
Die Planung und Durchführung der Wanderbewegungen groesseren Ausmasses ist dringend erforderlich und ich habe bereits
einige der Richtungen angedeutet, in denen meiner Ansicht
naoh allgemeines Einvernehmen darueber- besteht, dass Massnahmen erforderlich sind: Massnahmen, die, wie ich nochmals betonen muss, die I.A.O. ausfuehren kann, da sie den Auftrag
und die notwendige Erfahrung besitzt. Ihre gegenwaertigen Mittel sind jedoch voellig unzureichend und.zusaetzliche finanzielle Mittel sind erforderlich. Sierauessengefunden werden.
Damit komme ich nun zu dem letzten Punkt. Bei verschiedenen regionalen Konferenzen und innerhalb der leitenden Koerperschaft haben die Vertreter der Regierungen von dieser Rednertribuene der Gewerkschaftsorganisation nicht nur ihr volles
Lob ausgesprochen, sondern auch neue Plaene und eine noch
groessere Ausweitung ihrer Arbeit gefordert. Bei den Versammlungen des Finanzausschusses haben wir die Forderungen der
Vertreter der gleichen Regierungen - obgleich nicht notwendigerweise dieselben Vertreter - gehoert, dass die Zeit gekommen
ist, den steigenden Aufwendungen ein Halt zuzurufen und das
Budget auf der Grundlage eines Prioritaetssystems zu stabilisieren. Ich habe es erwaehnt, dass die Arbeit einer dynamischen Organisation wie der I.A.O. nicht ausschliesslich von
finanziellen Erwaegungen bestimmt werden kann. Der entscheidende Faktor muss immer die Arbeit sein, die geleistet werden
muss. Die I.A.O. muss ihre organisatorischen Faehigkeiten
10 -

�vervollkommnen und sie in den Dienst aller stellen. Sie
muss die Fuehrung auf dem Gebiet der Sozialpolitik uebernehmen. Sie muss den lebendigen Glauben an die Ziele erwecken,
die sie verkoerpert und staendig danach trachten, diesem
Ausdruok zu geben in allem, was sie unternimmt. Die I.A.O.
muss bei ihrer Arbeit der Zusammenfuehrung der verschiedenen
Voelker der gesamten Welt zu einem gemeinsamen Zweck danach
trachten, ihren universellen Charakter zu erhalten und zu
erweitern. Wir koennen ueberzeugt sein, dass wir, wenn wir
taeglich unseren Beitrag zur Erfuellung dieser Verantworung
leisten, unaufhaltsam der Erreichung unseres Zieles entgegenschreiten - einer besseren Welt des Friedens.
Das ist genau das, was die Arbeiter jahrelang bereits
gesagt haben. Seit ihrer Einfuehrung haben die Arbeiter der
Welt der I.A.O. ihre innigste ünterstuetzung gegeben. Sie
sind stolz auf ihre Erfolge und auf die Geltung, die sie
sich selbst in Weltangelegenheiten erworben hat. Ich moechte
aber die Regierungen und Arbeitgeber bitten, sich immer daran
zu erinnern, dass in dieser Welt der Sorgen, der Spannungen
und Befuerohtungen die Arbeiter diese Organisation schliesslich nach ihrer Bereitschaft beurteilen werden, sich mit
ihren Aufgaben ehrlich auseinanderzusetzen, um die sozialen
und wirtschaftlichen Probleme zu loesen, die die Hauptursaohen der Weltunsicherheit sind. Eine Beschneidung dieser
Taetigkeit durch eine armselige und missguenstige Finanzpolitik seitens der Mitgliedsstaaten wuerden die Arbeiter weder
verstehen noch jemals verzeihen.
Stenoprotokoll der Rede
Nelson Cruikshank:
FORTSCHRITT TROTZ UEBERK OMMENER REMINISZENZEN
In Frankreich, einem der Schluessellaender, das sich am
Marshallplan beteiligt und wie in Italien eines der beiden
Laender, in denen die Kommunisten noch immer die Ergebenheit
eines nioht unbetraechtlichen Bevoelkerungsteils besitzen»
hat sich der Begriff der Produktivitaet in einem einzigartigen Masse durchgesetzt. Mehr als in allen anderen Laendern
der Welt haben hier Presse, politische Parteien, fuehrende
Persoenlichkeiten aller moeglichen Organisationen den Gelegenheiten staendigen Ausdruck gegeben, die sich durch eine verbesserte industrielle V/irksamkeit erreichen lassen und mit
denen die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme, die auf Frankreich lasten, geloest werden koennen.
Troductivite" ist ein verhaeltnismaessig sonderbares Wort,
wenn man an die Zeit vor einigen Jahren zurueckdenkt, aber
heute erscheint es in erstaunlicher Kaeufigkeit in Zeitungen
und in Gewerkschaftsversammlungen, in industriellen und technischen Veroeffentlichungen, in Reden und in Debatten der
Nationalversammlung, in den Aufrufen der politischen Parteien, aber auch in den Programmen der Gewerkschaften und der
Unternehmerverbaende.
Aber jene Resolutionen und die Diskussionen in den Zeitungen bedeuten keineswegs wirkliche Aktionen und sie erzeugen
auch nicht mehr Gueter als bisher. Aber diese Aufmerksamkeit
fuer die Idee offenbart ein Interesse, das bereits konkretere
Formen angenommen hat und in der Zukunft erst recht sich
durohsetzen wird. Ohne Zweifel ist es ein Zeichen der Entschlossenheit wichtiger Kreise des franzoesisohen Volkes,
neue Methoden versuchsweise anzuwenden.
- n -

�Frankreich sah sich nach dem Kriege einem schwierigen
Wiederaufbauproblem gegenübergestellt. Mit Hilfe der
Marshallplanverwaltung und mit viel schwerer Arbeit des
franzoesischen Volkes konnte die Gesamtproduktion soweit
gesteigert werden, dass Sie fast 40 &lt;f&gt; ueber dem Stand von
1938 lag. Die bestehenden Werke Frankreichs sind nicht nur
wiederhergestellt, sondern auch stark verbessert worden.
Moderne Stahlwerke, gewaltige Wasser- und Dampfkraftanlagen,
neue Erdoelaufbereitungsanlagen und Roehrensysteme sind
bereits oder sind in Kuerze fertiggestellt. Die Bergwerke
und die Eisenbahnen wurden modernisiert und weiter entwickelt.
Aber irgendwelche positiven Aus Wirkungen haben sich jedoch
zugunsten des Lebensstandards der Masse des Volkes durch diese
langfristigen Modernisierungen noch nicht ergeben. Betraechtliche Mittel jedoch, die fuer Investitionsnoete vorgesehen
waren, mussten anstatt fuer ihren eigentlichen Zweck denen
des laufenden Bedarfs dienen. So besteht ein staendiger Abzug an Menschen, Materialien und Geldmitteln fuer die Beduerfnisse der Verteidlgungsbemuehungen in Indochina. Dieser Faktor und andere haben dem eirifaohen franzoesischen Arbeiter ein geruhsames Leben vorenthalten.
Vielleicht sind die sozialen und politischen üebel noch
entscheidender, die heute die franzoesische Gesellschaftsordnung daran hindern, so zu funktionieren, wie es am zweokmaessigsten waere. Franzoesische Geschaeftsleute erkennen
jene Grundregeln nicht an, wie zun Beispiel den freien Wettbewerb oder die Verantwortlichkeit des Staatsbuergers gegenueber dem Ganzen, die es erst ermoeglichen, dass auch das
kapitalistische System sich den gemeinsamen Bestrebungen
der Demokratien anpassen kann. Die politischen Ueberzeugungen des Franzosen, die eng, fest und genau sind, bringen es
mit sich, dass es viele Parteien gibt, die jedooh zu wenig
gemeinsame Grundgedanken aufweisen. Viel zu viel Franzosen
wollen sich die Wertschaetzung als Staatsbuerger der Mittelklasse dadurch erwerben, indem sie ein Einzelhandelsunternehmen
aufmaohen oder ein Cafe eroeffnen - hier produzieren sie praktisch ueberhaupt oder fast ueberhaupt nichts fuer die Gesamtwirtschaft, beziehen aber doch von ihr ein Einkommen.- Aus
all diesen Gruenden sieht sich der franzoesische Durchschnittsarbeiter einem bestaendigen Kampf mit dem Nahrungsmittel- und
Kleidungsbedarf seiner Familie gegenübergestellt. Er sieht
aber auch zugleich viele Beispiele eines luxurioesen Lebens,
das in scharfem Gegensatz zu seinem eigenen Schicksal steht.
Er weiss auchwaiterhin, dass dieser Luxus in erster Linie jenen Gruppen zugute kommt, die sich waehrend der franzoesischen
Niederlage zu Anfang des zweiten Weltkriegs ueberall als Raffkes demaskierten und spaeter mit der Vichy-Regierung und den
deutschen Besatzungsbehoerden zusammenarbeiteten und auch hier
lediglich fuer ihren Profit sorgten, heute jedoch trotz aller
Massnahmen laengst wieder ihre alten wirtschaftlichen und politischen Vorrechte und Stellungen wiedergewonnen haben.
Diese Verhaeltnisse schaffen eine Welle der Unzufriedenheit, die die franzoesischen Kommunisten sehr geschickt fuer
ihre eigenen Absichten auszunutzen verstehen. Zu ihrer ausgezeichneten Kaderorganisation und ihrer vom Kreml her finanzierten Propaganda tritt noch der Ruf hinzu, den sich die
kommunistischen Fuehrer der Widerstandsbewegung waehrend des
zweiten Weltkriegs erwerben konnten, ebenso die energischen
Anstrengungen, die von ihnen unternommen wurden, um die Leitung
aller Arten Arbeiter- und Intellektuellenorganisationen zu
- 12 -

�uebernehmen. Es kommt hinzu, dass der Franzose seit jeher
radikal und revolutionaer ist, sodass auch hier die Kommunisten es verhaeltnismaessig leicht hatten, den franzoesischen
Arbeiter daraufhin anzusprechen und zu umwerben. Alle diese
Tatsachen bilden den Schluessel dafuer, dass fuenf Millionen
Franzosen die kommunistischen Listen waehlen, um zu protestieren und dass die Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft
im kommunistisch beherrschten CGT (Congr&amp;s Generale du Trauail Allgemeiner Arbeiterkongress) zu finden ist. Dadurch kompliziert sich das soziale, wirtschaftliche und politische Leben
noch staerker und erschwert alle Bemuehungen, die Bedingungen,
die fuer die Verzoegerung der wirtschaftlichen und sozialen
Wiedergesundung verantwortlich sind, auf einen besseren Stand
zu bringen. Das Endergebnis ist ein staendiger Krisenzustand,
bei dem der Lebensstandard immer in der Gefahr schwebt, nooh
weiter herunterzugehen und Frankreich entweder in die Haende
der Stalinisten oder in die der totalitaeren Maechte auf der
rechten Seite zu schleudern. Steigerungen der Produktivitaet
jedoch, einmal in dem weiteren Sinne einer weitreichenderen
Wirksamkeit der Wirtschaft als auch in dem Sinn der hoeheren
arbeitsstuendlichen Leistung des Industriearbeiter, bieten
augenfaellige und verwirklichbare Wege, das Volkseinkommen
zu erhoehen und einen Lebensstandard zu erreichen, der ein
Minimum an politischer Stabilitaet zu schaffen vermag und
zugleich die Gelegenheit, die Energien aller Franzosen fuer
die grundlegenden Loesungen ihrer Probleme zu sammeln.
Eine Betonung der Produktivitaet sollte unter solchen
ümstaenden als eine natuerliohe Entwicklung angesehen werden,
aber man darf die Tatsache nicht uebersehen, dass die wichtigsten Kraefte des Landes eher eine stabilisierte als eine sich
ausdehnende Wirtschaft erwarten. Eine Unmasse an Energie
ist aufgewendet worden, um den bestehenden Reichtum aufzuteilen und so blieb infolgedessen kaum der Gedanke an eine Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis. Die Investitionen wurden zumeist mit oeffentlichen Mitteln in den verstaatlichten
Industrien durchgefuehrt, waehrend Privatsparmittel meist
ins Ausland gelenkt wurden, weil man kein Vertrauen in die
Zukunft der franzoesischen Wirtschaft hatte. Die industrielle
Wirtschaft wer und ist in Kartellen und Verkaufsvereinigungen
hervorragend durchorganisiert, wodurch der Wettbewerb vermindert wird und restriktive Tendenzen zu Tage treten, bei denen
der Profit auf Grund der durchgefuehrten Geschaefte in bester
Weise zur Verteilung kommt, er aber nicht vermehrt wird. Die
Vorstellung, hoehere Loehne zu zahlen, um Massenmaerkte schaffen zu koennen, wurde ueberhaupt nicht in Erwaegung gezogen.
Die Mehrzahl der Arbeiter folgte andererseits marxistisch
denkenden Fuehrern und glaubte damit eher an eine revolutionaere Neuorganisierung der Gesellschaft als an die Hoffnung, soziale Gerechtigkeit zu finden oder ein annehmbares Leben im
Rahmen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung fuehren zu
koennen. Unter diesen ümstaenden muss eine hoehere Produktion
lediglioh zu noch hoeheren Profiten der Unternehmer und der
Manager fuehren. Die Minderheit der katholischen Gewerkschaften hat aehnliohe Plaene fuer eine grundsaetzliche Reform ausgearbeitet, weil sie gegen einen echten Wettbewerb ein tiefes
Misstrauen hat. Die Gewerkschaften konzentrierten sioh bei
ihrer Arbeit auf politische Ziele und entwickelten niemals
eine genuegende Staerke, um hoehere Loehne zu erkaempfen und
die menschliohe Arbeit zu einer kostspieligen Angelegenheit zu
maohen. Politische Parteien und aufeinanderfolgende Regierungen
- 13

\

�spiegeln diesen Standpunkt wider und ueben keinen Druck auf
die Steigerung des industriellen Wirkungsgrades aus. Die
Kraefte, die fuer die wachsende Produktion der bereinigten
Staaten verantwortlich sind, waren dadurch, dass sie sozusagen nicht vorhanden waren, geradezu auffallend.
Ein derartiger Druck existiert noch immer nicht. Aber
es mehren sich die Zeichen, dass er zu Tage tritt, auch wenn
die geschilderten Bedingungen noch weithin wirksam sind. Die
nicht zu leugnende Notwendigkeit, einen Weg zu finden, der
aus dem Labyrinth des Dilemmas herausfuehrt, hat einen fruchtbaren Boden fuer die Notwendigkeit der Produktivitaet geschaffen. Eine derartige Situation wuerde bestimmt spontan die
franzoesischen Interessen in den Jahren nach dem Krieg angespornt haben. Die Hilfsquellen der ECA-Programme fuer Produktivitaet und technische Unterstuetzung haben die natuerliche
Entwicklung vervielfacht, sie sind heute auf einem Punkt angelangt, dass sie allgemeines Interesse finden und eine Diskussion entfachen, wie sie eben geschildert wurde. Einige
der Hindernisse der industriellen Wirksamkeit haben bereits
vieles von ihrer Staerke verloren, andere werden schon heftig
angegriffen. Der Kampf wird keineswegs leicht sein fuer jene,
die neue Wege beschreiten wollen. Die Fuehrer der kommunistischen Gewerkschaften, an Kartellsysteme gewohnte Unternehmer neben anderen reaktionaeren Gruppen verfuegen noch immer
ueber Machtpositionen, sie werden jeden Veraenderungen 'Widerstand entgegenbringen, die eine Situation betreffen, in der
die eine Seite leicht neue Anhaenger gewinnen und die andere
leioht Gewinne scheffeln kann. Jeder, der hier den Mut aufbringt, neue iVege fuer den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu entwerfen, muss Hilfe und Unterstuetzung finden,
wenn Frankreich der Demokratie erhalten bleiben soll. Es
sind bereits genuegend Schritte unternommen worden, damit
den Freunden des Fortschritts Ermunterungen gegeben werden
und ihnen die helfende Hand entgegengestreckt wird.
Die nachdrueckliche Beteiligung am ECA-Produktivltaetsprogramra war ein weiterer Schritt vorwaerts. Es folgte die
Erkenntnis eines Problems, das fuer Unternehmer, Gewerkschaften und Regierung von wechselseitigem Interesse war. Hunderte frenzoesischer Industrieller, Techniker und Arbeiter haben
gemeinsam die Vereinigten Staaten besucht, um hier die Faktoren zu studieren, die fuer die hohe Produktivitaet ihrer eigenen Industrien verantwortlich sind. Gewerkschaften, Unternehmerverbaende und die Ministerien arbeiten in der Produktivitaetskommission gemeinsam zusammen, um eine gestiegene Produktivitaet durchzusetzen. Das gleiche trifft fuer die Zusammenarbeit in der Verwaltung der Froduktivitaetszentrale zu, der
franzoesischen Vereinigung fuer erhoehte Produktivitaet. Die
Wichtigkeit dieser aktiven Arbeit wird durch die Reaktion der
Kommunisten augenscheinlich. Bencit Frachon, der Vorsitzende
der CGT, der von den Kommunisten beherrschten Allgemeinen Arbetervereinigung, fuehrte einen.scharfen Angriff"auf den Gesamtbegriff der Produktivitaet durch, als er seine wichtige
Rede auf dem Kongress dieser Gewerkschaft hielt. Die kommunistische Gewerksohaftspresse kritisiert unaufhoerlich die freien Gewerkschaften wegen ihrer Zusammenarbeit mit diesem Programm und mit den amerikanischen Gewerkscnaftern in der ECA,
die in ihrer Verwaltung taetig sind, als "servile Lakaien der
Wall-Street".
- 14 -

�Die Erfolge, die die Stalinisten fuerchten, werden durch
die Ergebnisse in einer Schuhfabrik beleuchtet, nachdem der
Unternehmer von einer Studienreise aus den Vereinigten Staaten
zurueckkehrte, die Fragen der Produktivitaet zum Thema hatte.
Naohdem die Arbeitsmethoden geaendert wurden, konnte eine
50#ige Steigerung der Leistung seiner Fabrik festgestellt werden, die es ihm erlaubte, die Loehne um £0% zu steigern und
die bisherigen Verkaufspreise zu halten, obwohl die Rohmaterial
kosten um 1556 bis 20% gestiegen waren. Von noch groesserer Bedeutung war vielleicht die Unterstuetzung, die er durch die
Regierung erhielt, als seine neue Arbeitsmethode eine ploetzliche Knappheit an umlaufendem Kapital mit sich brachte. Besondere Mittel zu niedrigem Zinsfuss wurden durch die Produktivitaetszentrale bereitgestellt, um. sehnliche fortschrittliche
Massnahmen anderer Unternehmer gleichfalls zu unterstuetz9n
und vor allem das Risiko des Zusammenbruchs zu vermeiden, weil
der Erfolg zu sohnell und zu ploetzlich kam.
Eine Vielzahl einzelner Unternehman wenden heute neue
Methoden an, um fortschrittliche Ergebnisse zu erzielen. Ein
anderer Schritt zu dem gleichen Ziel wird von der gesamten
Giessereiindustrie unternommen, die durch ihre Arbeitgebervereinigung eine intensive industrielle Leistungssteigerungsbemuehung begonnen hat. Hier werden Schulungskurse fuer Betriebsleiter, fuer die Meister und fuer die Arbeiter eingerichtet, wobei franzoesische und amerikanische Fachingenieure
beratend zur Seite stehen. Zehn Firmen haben an der ersten
Serie dieser Massnahmen sich beteiligt, viele andere werden
folgen. Die freien Gewerkschaften setzen sich nachdruecklich
fuer diese Massnahmen ein, dies hatte zur Folge, dass die
beteiligten Unternehmen zu der Ueberzeugung kamen, dass es
absolut notwendig ist, dem Arbeiter und dem Verbraucher einen
gleichwertigen Anteil an den Ertraegen der hoeheren Produktivitaet zu gewaehren. Die organisierten Unternehmer scheinen
zu fuehlen, dass sie hinter dem Interesse der Oeffentlichkeit
an der Produktivitaet zurueckgeblieben sind, es hat noch vor
kurzem eine ganze Anzahl Bestaetigungen dafuer gegeben, die
auf fruehere Vorteile hinwiesen und die bisherige Aufmerksamkeit verstaerkten, die diesem Frobleiu zuueil »vurde.
Waehrend die Mehrzahl der organisierten Arbeiter noch
immer den Funktionaeren der kommunistischen Gewerkschaften Gehoer schenkt, die alle Produktivitaetsmassnahmen als eine von
den Amerikanern inspirierte "Beschleunigung" verdammen, haben
die entschlossen kaemDfenden freien Gewerkschaften (die katholische CFTC, die CGT-FO und die CGG, der Verband der I'eister,
Ingenieure und Techniker) ihre Teilnahme zugesagt, sie arbeiten mit den verschiedenen Produktivitaetsausschuessen zusammen
und erklaeren sich mit Aenderungen einverstanden, wenn sie
ueberzeugt sind, dass die Arbeiterschaft an dem Ertrag der
gesteigerten Produktion beteiligt wird. Diese Organisationen
wurden zu den soaerksten Stuetzen der ECA in ihrem Feldzug
fuer die Weckung des Interesses fuer neue Methoden der industriellen Leistungssteigerung. Sie haben gesehen, dass ihre
Lohnsteigerungen seit dem Kriege durch die Treissteigerungen
mehr als wiederausgeglichen wurden und realisieren jetzt die
'"oeglichkeit, dies dadurch zu vermeiden, dass kuenftig hoehere
Loehne sich durch eine hoehere Produktion ergeben. Die drei
Gewerkschaften arbeiten bei diesen Bemuehungen eng zusammen,
sie haben ein gsmeinsames Forschungsbuero gegruendet, das den
Verbesserungen der Produktivitaet und ihren Methoden besondere
- 15

�Aufmerksamkeit widmet und vor allem das Wissen um die ingenieurmaessigen Zusammenhaenge fuer die Gewerkschaften zur
Verfuegung stellt, damit fuer die Arbeiterschaft ein gleichwertiger Anteil an den erzielten Mehrertraegen gesichert
werden kann»
Die ECA ist jetzt*dabei, ein neues Produktlonshilfsprogramm zu entwickeln, dessen Bestimmung es ist, den Lebensstandard und hierbei besonders den des Arbeiters zu erhoehen, indem Produktivitaetssteigerungsmassnahmen in bestimmten Werken
durchgefuehrt werden, wo eine gerechte Verteilung der Gewinne
aus der erhoehten Produktion sichergestellt ist. Die nichtkommunistischen Gewerkschaften haben diesem Programm ihre
volle Unterstuetzung zugesagt, sie haben die ersten Ankündigungen in breiten Zuegen kommentiert. Die franzoesische Presse
hat'sich im grossen ganzen gleichfalls fuer den Plan ausgesprochen, die einzigen bedeutsameren Kritiken kommen von der nationalistischen Rechten und der stalinistischen Linken. Viele
Unternehmer schrieben an die ECA-Mission in Paris, um hier
Einzelheiten ueber die Vorschlaege zu hoeren, als diese in
den Tageszeitungen und der Gewerkschaftspresse angekuendigt
wurden.
Das neue ECA Programm kann damit auf eine betraeohtliche
Unterstuetzung durch die breite Oeffentlichkeit rechnen. Dafuer sprechen bereits sehr viele Anzeichen. Vier Punkte erscheinen hierbei besonders ermutigend:
1.) Mehrere politische Parteien setzten sich fuer gesteigerte Produktivitaetsbemuehungen ein und erklaerten diese
Anstrengungen als Teil ihres eigenen Programms, was bereits
bei den letzten Wahlen zum Ausdruck kam. Eine der staerksten
Bestaetigungen erfuhr das Programm durch die MRP, die in
der neuen Koalitionsregierung vertreten ist;
2.) ein radikal-sozialistischer Deputierter, Ren€ Mayer,
hat besonderen Nachdruck auf die Loesungen einiger franzoesischer Probleme, die mit der erhoehten Produktivitaet zusammenhaengen, bei seinem erfolglosen Versuch gelegt, von der Kammer
als Ministerpraesident bestaetigt zu werden. Mayer bekleidet
jetzt einen Schluesselposten als Finanz- und Wirtschaftsminister in der neuen Regierung;
3.) die MRP hat der Kammer einen Gesetzesvorschlag unterbreitet, durch den fuer solche Unternehmen eine niedrigere
Sondersteuer und Verkaufssteuerzugestaendnisse festgelegt werden, die mit den Gewerkschaften Tarifvertraege abgeschlossen
haben, die eine Beteiligung der Arbeiter an den Ertraegen der
durch technische Umstellungen erzielten Produktivitaet vorsehen;
4.) ein betraechtliches Hindernis fuer bessere wirtschaftliche Moeglichkeiten kann beseitigt werden, wenn es dem
neuen Ministerpraesidenten Rene" Pleven gelingt, seine bekannte
Absicht zu verwirklichen und eine Gesetzgebung durchfuehrt, die
sich gegen die restriktive Praxis der Wirtschaftsorganisationen
wendet und zugleich andere Widerstaende gegen einen freien
Wettbewerb beseitigt.
Es ist moeglich, dass jeder dieser Vorschlaege nur eine
Idee bleibt und nicht verwirklicht wird. Aber von Frankreich
her gesehen bedeuten diese Prinzipien ermutigende Zeichen fuer
einen Willen, der mit neuen Mitteln eine Loesung fuer alte
Probleme sucht.
Labor and Nation 51/6
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�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der lakalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohes Kommission für Deutochland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 49

Frankfurt, 7. Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Seeleute gegen Stalin wegen der Verteidigungslasten

1

Taft-Hartley-Qesetz foerdert nicht industriellen Frieden. 3
Probleme der landwirtschaftlichen Produktivitaet
Frankreichs

4

Tagung des Exekutivaussohusses des IBFG
Gleicher Lohn fuer gleiche Arbelt
Heath zum neuen Leiter der ECA-Abteilung fuer Arbeitsfragen ernannt

* .IE
13
15

SEELEUTE! GEGEN STALIN WEGEN DER VERTEIDIGUNGSLASTEN
Christoph Columbus brauchte zwei Monate, um den Atlantik
zu durchqueren, als er auf seiner Reise war, die zur Entdekkung Amerikas fuehrte. Heute benoetigt ein Flugzeug weniger
als 15 Stunden, um die gleiohe Reise zu machen. Raum und
Zeit sind unter der Wirkung der modernen Wissenschaften zusammengeschrumpft. Heute sind Europa und Asien die Pforten
Amerikas.
Als Philipp Murray, der Vorsitzende des CIO, auf dem
8. Kongress der Gewerkschaft der Binnenschiffahrt sprach, bemerkte er, dass Raum und Zeit heute ihren Begriff voellig veraendert haben. Heute liegt tatsaechlich durch die Verbesserung der Verbindungswege und der Transportmittel Europa und
Asien vor der Pforte Amerikas. Die Welt ist heute durch ein
Netz von Verbindungswegen miteinander verknuepft, wie es zuvor nie der Fall gewesen ist. Es ist also nioht erstaunlich,
- 1 -

�dass die Delegierten dieser Seeleutegewerkschaft sehr viel
Zeit den Problemen der Aussenpolitik widmen.
Aus diesem Grunde ist eine Resolution ueber die Aussenpolit"lk von dieser Gewerkschaft in New York angenommen worden,
die ein bedeutsames Dokument ist.
2s deckt die Hintergruende der gegenwaertigen Weltkrisis
auf, ist aber keineswegs irgendeine beliebige Erklaerung, die
in der ueblichen wortreichen Form der diplomatischen Sprache
gehalten ist. Sie spricht von dem, Kreuzweg der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung und sie spricht aus dem Herzen.
Die Resolution der Binnenschiffahrtsgewerkschaft macht
die Politik des internationalen Stalinismus fuer die gegenwaertigen Spannungen verantwortlich und erklaert:
"Sechs Jahre 3ind vergangen, seitdem die bewaffneten
Streitkraefte und die Kriegsmaschinerie des vereinigten nazifaschistischen und japanischen Imperialismus vernichtet wurden. Aber trotzdem gibt es heute noch keinen Frieden. An
seine Stelle sind staendige Konflikte getreten, ebenso die
Drohung bewaffneter Konflikte. In Korea gibt es sogar einen
richtiggehenden Krieg, der sich jetzt bereits, auf das zweite
Jahr erstreckt. In zahlreichen und weiten Gebieten der Welt
wird der Friede systematisch untergraben. Die Sicherheit der
Voelker ist durch offene Aggressionen oder durch Machenschaften der 5. Kolonne bedroht. In einem Land nach dem anderen
ist die Demokratie entweder zerstoert worden oder sie ist
gezwungen, ihr Leben zu verteidigen. Einzig und allein die
kommunistische Diktatur in Sowjetrussland traegt fuer diesen
tragischen und verhaengnisvollen Stand der Verhaeltnisse in
der ganzen Welt die Schuld, nur sie ist dafuer verantwortlich
zu machen.
Die Gewerkschaft fuer Binnenschiffahrt klagt dann in
ihrer Resolution Stalin an, die Ziele und Methoden Hitlers
uebernommen zu haben. Die Resolution erklaert, dass der Kreml
jeden Vorschlag, der die Abruestung oder eine wirksame internationale Kontrolle der Atomwaffen vorsieht, blockiert hat.
Sie zitiert die Grausamkeiten, die von der UdSSR und ihrer
5. Kolonne begangen wurden. Die SeeleUtegewerkschaft zollt
dann dem Heldentum der Streitkraefte der Vereinten Nationen
ihren Beifall, die die Kommunisten in Korea zurueckgedraengt
haben. Sie erklaert, dass die Opfer, die die tapferen Soldaten gebracht haben, nicht umsonst gewesen sein duerfen. Es
heisst dann wörtlich weiter:
"Das europaeische Wiederaüfbauprogramm, das im Rahmen
des LIarshall-Plans entwickelt wurde - es hat die fruehere Truman-Doktrin erweitert, dem Kommunismus dadurch Einhalt zu gebieten, indem die Demokratie und die Sicherheit ueberall unterstuetzt werden - ist verfeinert und stark ausgedehnt worden
und hat bereits ausserordentlich viel zur Staerkung der freien
Voelker Europas beigetragen.
"Das europaeische Wiederaufbauprogramm erweist sich heute
als ein einzigartig _, Beispiel fuer eine wohlgesinnte und
ohne jede Voraussetzung gegebene grosszuegige Hilfsaktion
einer Nation, die der Welt in einem Zustand dringender Not
hilft. Der CIO und die uebrige freie amerikanische Gewerkschaftsbewegung haben allen Grund, auf ihre schoepferische
- 2 -

�Rolle in der Entwicklung und der Verwirklichung dieses Programms stolz zu sein.
"Es gibt nichts geheimnisvolles oder zersetzendes bei
den umfangreichen Wiederaufbaumassnahmen, die durch die Aktion
des Marshall-Plans moeglich wurden. Wir blicken auf die Gewerkschaftsbewegung und andere wirklich demokratische Kraefte
der Nationen, die diese Unterstuetzungen erhielten, wobei wir
Wert darauf legen, dass diese Hilfsmassnahmen sich zu Gunsten
einer stabileren wirtschaftlichen Lage und eines verbesserten
Lebensstandards fuer die Buerger dieser Laender auswirken dadurch erst erfuellen wir die Ziele unserer eigenen Kation,
die Freiheit und Demokratie ueberall zu fcerdern wuenscht.
"Die Binnenschiffahrtsgewerkschaft erklaert, dass die
Drohung des Kremls gegenueber der demokratischen Zivilisation
nur durch bewaffnete Staerke aufgehalten werden kann. Infolgedessen ist die Verteidigungsruestung den uebriggebliebenen
freien Nationen regelrecht aufgezwungen worden. Die CIO-Gewerksohaften setzen sich fuer den Nordatlantik-Pakt ein und
begruessen ihn. Sie werden dafuer sorgen, dass die amerikanische Arbeiterschaft ihren vollen Anteil an der gemeinsamen
Verantwortlichkeit uebernimmt. Sie warnt zugleich davor, dass
durch einen Kurswechsel der Taktik des Kremls die freie Welt
vor gewissen Schritten zurueckgeschreckt wird, die durch den
bisherigen Lauf der Din&amp;e gewaehlt werden mussten. Sie verdammt die kommunistische Propaganda, einen Hass des Krieges
dadurch erreiohen zu wollen, indem man von einem einseitigen
scheinbaren Friedensmanoever oder von einem zweitrangigen
"friedlichen Nebeneinander" spricht. Dies beweist lediglich,
dass das russisohe Volk ebensosehr das Opfer der kommunistischen Aggression geworden ist wie die uebrige Welt."
Die Resolution, die auf dem Kongress der Binnenschiffahrtsgewerkschaft einmuetig angenommen wurde, beendet ihre Feststellungen mit den Worten:
"Wir unterstuetzen die Anstrengungen unserer Regierung
und der Vereinten Nationen, um das Punkt-Viar-Programm wirksam durchzufuehren, die Fortsetzung der Verteidigungsruestungen gegen die sowjetischen Aggressionen und die Verankerung
eines Programmes auf breiter Basis zur Verbesserung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhaeltnisse. Wir fordern dies in dem Bewusstsein, dass jede Verteidigung ohnewirtschaftliche Sicherheit und politische Freiheit unzureichend
ist. Wir fordern die Regierung auf, sich dafuer einzusetzen,dasa
diese sehr schwierigen Aufgaben geloest werden, wobei die
Versicherung abgegeben wird, dass die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten die Entschlossenheit, die Kuehnheit, den Mut
und den Glauben an demokratische Ideale haben, durch die
eines Tages der Erfolg erreicht wird."
Program Services Section
Labor Special Nr. 186
TAFT-HARTLEY-GESETZ FOERDERT NICHT INDUSTRIELLEN FRIEDEN
Ein fuehrender Experte der amerikanischen Regierung erklaerte, "duroh das Taft-Hartley-Gesetz sind die Spannungen
in den industriellen Wechselbeziehungen nicht vermindert,

3

�sondern tatsaeonlioh haeufigere Ursachen zu Kontroversen gegeben."
Gustav Peck, ein Experte fuer Arbeitsfragen mit langjaehriger Erfahrung, der in der Kongresgbibllothek taetig ist,
sagte vor dem Unteraussohuss des Senats fuer Arbeitsfragen,
die Zahl der Streiks sei seit 1947 zurueokgegangen, "was auf
eine Vielzahl von Paktoren, aber am wenisten auf das TaftHartley-Gesetz zurueckzufuehren sei."
"Wenn das Taft-Hartley-Gesetz auch viele Praktiken des
Tarifverhandlungswesens festgelegt und zahlreiche Probleme
in Verbindung mit TarifVertragsbestimmungen geloest hat, so
hat es doch anscheinend nicht die Spannungen in den industriellen Wechselbeziehungen vermindert oder eine glattere Beilegung der Probleme erwirkt, die Gegenstand der Verhandlungen zwisohen Gewerkschaften und Unternehmern bilden." Peck
brachte diese Auffassung in einem schriftlichen Sonderbericht
an den Unteraussohuss des Sonata zum Ausdruck.
"In Wirklichkeit kann man behaupten, dass die Abgeneigtheit einiger Gewerkschaften und Unternehmer, gewisse Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes zu akzeptieren, und die
Streitigkeiten, die sich in Zusammenhang mit der Bedeutung
und dem Zweok anderer Bestimmungen ergeben haben, die Ursachen zu Kontroversen vermehrt haben."
Peck berichtete, selbst gewerksohaftsfeindliche Volkswirtsohafter seien sich darueber einig, dass den Gewerkschaften die Erhoehung der Leistungsfaehigkeit der Industrie zu
verdanken ist, und dass "man sich praktisch allgemein darueber im Klaren sei, dass die Tarifverhandlungsform bestehen
bleiben muss." Streiks und Streikdrohungen wuerde es solange
geben wie es TarifVerhandlungen gibt, und gelegentliche oder
vereinzelte Arbeitsunterbrechungen seien einer Erhaltung
des "Friedens unter allen Umstaenden" vorzuziehen.
Pecks Bericht an den Unteraussohuss des Senats trug
den Titel "Faktoren des erfolgreichen Tari&amp;erhandlungswesens".
Der Vorsitzende des Ausschusses,Hubert H. Humphrey (Demokrat,
Minnesota), unterbreitete diesen Bericht dem Kongress mit
dem Bemerken, es handele sich um eine "den Tatsachen entsprechende Studie, deren Feststellungen natuerlich weder fuer
den Unteraussohuss noch fuer irgendeinen Senator verpflichtend
sein sollen."
Daily News Service
. XI/28/51
Henri Brousse:
PROBLEME DER LANDWIRTSCHAFTLICHEN PRODUKTIVITAET FRANKREICHS
Man hat bereits sehr viel ueber die Vorteile eines Ansteigens der Produktivitaet in der landwirtschaftlichen Produktion berichtet. Wenn man die gleiche Zahl an Produktion
mit weniger Arbeits:, «unden einbringen kann, so lassen sich
dadurch die Kosten der Produktion herabsetzen, d.h. also,
die Entlohnungsmoeglichkeit der menschlichen Arbeit waechst
und' demzufolge auch der Wohlstand in der Landwirtschaft.
Aber dies setzt voraus, dass die Preise, die beim Verkauf
erzielt werden, nicht von sich aus fuehlbar absinken,
- 4 -

�d.h., dass man nicht vor einem Markt mit Baisse-Tendenzen
stehen darf. Es waere unnuetz, die Landwirte zu ueberzeugen,
dass es notwendig ist, sich mit besseren Geraeten auszumästen, um sich auf eine bessere Rendite vorzubereiten, wenn
das Missverhaeltnis der Preise das Resultat ihrer Modernisierungsbestrebungen zunichte macht und die von ihnen getragenen Opfer, um sich mit besseren Maschinen zu versorgen, unnuetz blieben.
Das hier gestellte Problem laesst zwei Loesungen zu:
Entweder eine Erhoehung der Produktivitaet ohne eine Erhoehung
der Produktion, oder aber eine Erhoehung, die Produktivitaet
und Produktion gemeinsam umfasst, was jedoch voraussetzt, dass
neue Kanaele gefunden werden, um den Produktionsueberschuss
aufzusaugen, sei es durch erhoehten Verbrauch, sei es durch
Export.
Vor dem Jahr 1938 hatte Frankreich sich fuer die erste
Loesung entschieden. Vom Standpunkt des Produzenten landwirtschaftlicher Gueter aus gesehen kann man sagen, dass
Prankreich sozusagen unter einer Glasglocke lebte. Um die
Binnenpreise aufrecht zu erhalten, leitete man einen Teil
der Ernte ab, indem man sie destillierte oder fuer den menschlichen Gebrauch unverwendbar machte. Man konnte damals nicht
exportieren, weil die Produktionskosten wesentlich ueber den
Weltmarktpreisen lagen.
Um aus dieser Situation herauszukommen, mussten die Kosten der Produktion herabgesetzt werden, d.h. man musste
sioh besser ausruesten. Aber die Gewinnspanne war so gering wenn sie ueberhaupt vorhanden war - dass irgendwelche Neuanschaffungen, die eine Erhoehung der Produktivitaet gestattet
haetten, einfach nicht in Betracht gezogen werden konnten.
Man befand sich somit in einer Zwickmuehle, aus der
einfach kein Aufweg gefunden wurde. In dem Masse, wie die
Ertraege sich vergroesserten, verminderte sich die Ackerbauflaeohe. Waehrend es im Jahre.1892 noch 25 Millionen Hektar
Ackerland gab, waren es 1939 nur noch 20 Millionen, 1950 dagegen gerade noch 18,5 Millionen Hektar. Die ungenutzte
Flaeohe vergroesserte sich dementsprechend. Alles in allem
hat die Intensivierung der Kulturarbeiten auf gutem Boden
zur Folge gehabt, dass eine Abnahme mittelmaessigen Bodens
sioh durchsetzte, so dass dadurch ein ungefaehres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erzielt wurde.
Diese Situation eines theoretischen Gleichgewichtszustandes ist jedoch tatsaechlich aeusserst unbequem. Die
Veraenderlichkeit des Verbrauchs ist so gross, dass der geringste Ueberschuss sich in katastrophalen Baissen fuer den
Landwirt auswirkt, auf der anderen Seite aber die geringste
Mindererzeugung zu Preishaussen fuehrt, die jedoch wiederum
von Inflationen begleitet werden, die selbstverstaendlich
fuer die Gesamtwirtschaft schaedlich sind.
Eine Situation, die auf der einen Seite staendig die
Merkmale eines Defizits und einer Importnotwendigkeit und auf
der anderen Seite eine staendige Exportneigung aufweist,
soheint alles in allem ein geringeres Risiko mit sich zu
bringen, als ein unsicheres Gleichgewicht.
5 -

�Technisch gesehen ist es leicht, die franzoesiscne landwirtschaftliche Erzeugung um 50%, vielleicht sogar um 100$
zu erhoehen. Die Mittel dazu sind vorhanden. Erinnern wir
uns nur des franzoesischen Verbrauchs an Stickstoffduengemitteln, die, in Stickstoffeinheiten gerechnet, etwa 8,4 kg
pro Jahr und Hektar betragen, waehrend es in Belgien 40 kg
und in Holland 50 kg sind.
Das wirkliche Problem ist somit kein rein technisches.
Es handelt sich in erster Linie um ein Problem der Methodik.
Diese Methodik existiert selbstverstaendlich. . Die westeuropaeischen Laender, die unmittelbare Nachbarn Frankreichs
sind, haben - von Skandinavien abgesehen - eine sehr dichte
Bevoelkerung und ein unzureichendes Ackerland. Sie sind fast
durchweg Dßtizitlaender, wenn man den Masstab der Versorgung
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen an sie legt. Sie koennen heute nicht mehr wie vor dem Kriege Lebensmittel aus
Ungarn, Rumaenien, Ostdeutschland und Polen importieren.
Sie muessen heute auf Importe aus ferner liegenden Laendern
zurueckgreifen und diese in harterttaehrungbezahlen, was
sie uebrigens ohne die Marshallplanh4,lfe nicht tun koennten.
Die franzoesischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse wuerden
uebrigens bei einem Import den Vorteil bieten, dass zumindest die Transportkosten weit geringer sind.
Die Verteidigung des Friedens bringt eine wachsende Nachfrage nach ügrarerzeugnissen mit sich. Nicht allein, dass
das Ivlilitaer einen hoeheren Verbrauch hat als Zivilpersonen vor allem an Fleisch - es muessen darueber hinaus fuer die
Armee Reservelagor angelegt werden. Die Verteidigungsbemuehungen sind bereits auf den Nahrungsmittelfcedarf der Vereinigten Staaten angewachsen und habea dadurch die Exportmoeglichkeiten der typischen Ueberschusslaender vermindert. Die verfuegbaren agrarischen Exportgueter in Argentinien und Australien sind heute begrenzt durch die ^.rhoehung des inlaendischen
Verbrauchs. Der wachsende Importbedarf Indiens konkurriert
ebenfalls mit den Laendern Westeuropas.
Frankreich ist aber durchaus in der Lage, eine Hauptrolle
als Ausgleichsfaktor fuer die Nahrungsm ittelversorgunp; Europas
zu spielen. Man muss aber die jetzige Methodik der Angebote
der franzoesischen Landwirtschaft in eino wirkliche Methodik
ueberfuehren, um die Landwirte von der Notwendigkeit der Mehrproduktion zu ueberzeugen und ihnen zugleich die Zuversicht zu
geben, dass sie bessere Erloese erzielen: nur des haelt sie
von der Zoegerung zurueck, notwendige Investitionen durchzufuehren. Besser waere es natuerlich, den glatt.en Absatz ihrer
Erzeugung zu garantieren.
Die Laender Westeuropas sind mehr oder minder durch den
Krieg zugrundegerichtet, wobei es sich in erster Linie vor
allem um Westdeutschland und Italien handelt.. Aber sie koennen ihre Lebensmittelimporte bezahlen, sie muessen es sogar,
sei es, dass sie einen Teil ihrer 1/Iarshallplanhilfe dabei
opfern, die eigentlich dem Wiederaufbau der deutschen Industrie zugute kommen sollte und die sie deshalb nicht im vorgesehenen Kasse durchfuehren koennen, sei es, dass sie ihre
Nahrungsmittelimporte dadurch bezahlen, indem sie Industriegüter exportieren. Die franzoesische Industrie kann dieser
Konkurrenz auf dem franzoesischen Binnenmarkt begegnen, wobei
sie im Gegensatz zur allgemeinen Meinung an einem Tiefstand der
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�Preise fuer Agrarerzeugnisse deshalb interessiert ist, weil
eine Erhoehung der Kaufkraft des Arbeiters dadurch ermoeglicht wird, dass also Lohnerhoehungen zu einem erheblichen
Teil verhindert werden.
Die franzoesischen Landwirte haben damit die Wahl zwischen einer Politik der Steigerung ihrer Produktion und
einer Politik, die auf das Risiko der NichtUnterbringung
eines Teils der Ernte Ruecksicht nimmt.
Vom Standpunkt der Industrie laesst sich hierauf manches antworten. Hierzu gehoert vor allem die Feststellung,
dass die franzoesische Landwirtschaft durchaus exportfaehig
sein koennte. Dadurch gaebe es gesteigerte Moeglichkeiten,
franzoesische Industriepordukte zu kaufen. Unter Beruecksichtigung der Verteidigungsruestungen, die jetzt in Europa
durchgefuehrt werden muessen, scheint es der Industrie jedoch
nicht an Auftraegen zu mangeln. Wenn die Agrarproduktion
gesteigert werden kann, so wuerde Frankreich in der Lage
sein, die Lieferung solcher Produkte sich zu sichern, die
heute seiner Industrie fehlen, und dadurch eine Reihe wesentlicher Engpaesse beseitigen, wie sie z.B. beim Huettenkoks bestehen. Schliesslich muss darauf hingewiesen werden,
dass der Devisenausgleich nicht notwendigerweise immer nur
zwischen zwei Laendern zu erfolgen hat, sondern dass dieser
Austausch sich auf drei oder vier Laender erstrecken koennte,
die gleichfalls an Frankreich liefern oder von Frankreich
beziehen. Durch diesen multilateralen Ausgleich waere es
moeglich, solche Gueter zu importieren, an denen Frankreich
heute Mangel hat, wie z.B. Leinen, Holzschliff, Zellulose,
anstatt Fertigprodukte einzufuehren.
Um jedoch sich eine staendige Auslandskundschaft zu
schaffen und um diese sich zu erhalten, muss man selbstverstaendlich immer auf dem Markt Angebote angeben. Man kann
sich keine Kunden sohhffen, wenn man lediglich einen sich
vielleicht ergebenden Ernteueberschuss erhofft; wobei der
Binnenmarkt jedoch stets in gleicher Hoehe beliefert werden
soll. Darueberhinaus ist jedoch das Problem der Qualitaetskontrolle von besonderer Wichtigkeit. Wenn man diesen
Iv'oeglichkeiter: sich nicht verschliessen will, so muss man
selbstverstaendlich erstklassige Gueter exportieren.
In den freien Laendern, d.h. in jenen, die nicht einer
totalen Lenkung unterworfen sind, kann man nicht verlangen,,
dass die Landwirtschaft sich in Dichtung einer Erhoehung der
Produktion bewegt, damit der Ueberschuss exportiert werden
kann, wenn hierbei keine Gewinne moeglich sind. Man sollte
hierbei jedoch auch daran denken, dass England z.B. fuer
zwei Jahre im voraus zu festen Preisen abgeschlossen hat.
Es konnte dies tun, denn es verfuegt ueber eine verhaeltnismaessig stabile Waehrung, und der Absatz auf dem Binnenmarkt
ist immer ein absolut sicherer. In Frankreich ist das Proolem
nicht das gleiche. Die Regierung kann in dieser Richtung
nichts unternehmen. Es gibt keine Preisgarantie, die wirksam
genug ist, wenn sie nicht von einer Abnanmegerantie begleitet
ist, und es kann keine solche Abnahmegarantie geben, solange
man nicht mit anderen europaeischen Maerkten in Verbindung
steht. Um dies zu erreichen, muessen die Produktionskosten
heruntergeschraubt werden, d.h. also, die Produktivitaet muss
erhoeht werden.
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�Seit einiger Zeit sind die Preise faer Industrieerzeugnisse sehr viel schneller angestiegen, als die Preise fuer
landwirtschaftliche Produkte. Wenn man fuer 1949 als Preisbasis 100 setzt, so zeigt der-Index fuer Indüstriegueter bereits fuer Mai 1951 einen Stand von 164, waehrend der Index
fuer Agrarerzeugnisse erst auf 123 gestiegen ist. Die Landwirte muessen daher einen sehr viel groesseren Anteil an
Agrarerzeugnissen liefern, um die unentbehrlichsten Indüstriegueter zu kaufen, seien es Kunstduenger, Masohinen, Geraete
oder Wagen. Hieraus geht bereits hervor, wie ausserordentlich
schwer Investierungen zu Gunsten einer Steigerung der Agrarproduktion heute sind.
Prankreich kommt bei seiner landwirtschaftlichen Exportpolitik in Bezug auf Grundnahrungsmittel, wie Getreide, Fleisch
und Molkereiprodukte in Wettbewerb mit den grossen Farmen
Nord- und den Haziendas Suedamerikas, die zwar auf extensiver
Basis arbeiten, aber trotzdem in preislicher Hinsicht mit
der Intensiven Agrarwirtsohaft Nordamerikas konkurrieren koennen. Zu gleicher Zeit gibt es dort ein verhaeltnismaessig
hohes Niveau des Lebensstandards, d.h. die dortigen Verhaeltnisse stehen in starkem Gegensatz zu den Bedingungen der
franzoesischen Landwirtschaft. Es gibt jedoch fuer Frankreich
keine andere Loesung als ein Heraufschrauben der Produktivitaet.
Man muss endllfh aus dem Stadium der Selbstgenuegsamkeit herauskommen und zu einem halb-industriellen Wirtschaftssystem gelangen, wobei - selbst wenn man die bisherige Arbeitweise
der franzoesischen Agrarwirtsohaft beibehalten will - man
doch zu einer grundlegenden Aenderung der Strukturverhaeltnisse gezwungen ist.
Bei einer Betrachtung der Situation wird man zuerst die
Zahl der landwirtschaftlichen Gueter herabsetzen muessen.
Hierbei sollen jedoch die besonderen Kulturen wij.Weine,
Fruechte, Baumschulen und Blumen ausser Betracht bleiben.
R. Dumont, ein agrarpolitischer Experte, ist der Meinung, dass
die Mannigfaltigkeit der klassischen Agrarkulturen abgeschafft
werden mues-fdie darauf beruht, saemtliche Nahrungs- und Futtermittel selbst zu produzieren. Es reicht vom Ertrag aus gesehen durchaus, wenn eine Familie ein Gebiet bearbeitet, das bis
zu 30 Hektar heruntergeht. Dieses Minimum ist in den Gebieten
des Gemueseanbaus restlos erreicht worden, wie z.B. in der
Champagne, die ausserordentlich geeignet ist fuer den Gemueseanbau. Dieses Minimum ist jedoch noch sehr weit entfernt von
dem zweckmaessigsten Durchschnittsmasse das erforderlich ist,
um hier moderne Geraete einzusetzen, wie sie beim Gemueseanbau
erforderlich sind, wenn dieser sich auf mehrere 100 Hektar erstreckt.
Frankreich kultiviert heute 134 Millionen Hektar, die jedoch alles in allem nicht mehr als eine Million Landwirtschaftsbetriebe bilden sollten. Heute zaehlt man jedoch noch immer
zwei Millionen. Die Abschaffung von einer Million landwirtschaftlicher Betriebe ist unter allen Umstaenden erforderlich.
Sie ist ebenso notwendig wie eine Verminderung der Handarbeit
in der Landwirtschaft. Nicht notwendig ist jedoch eine weitgehende Entvoelkerung der landwirtschaftlichen Betriebe, denn
ein Teil der Handarbeit kann in den kleineren Betrieben eingesetzt werden, um hier bestimmte Produkte zu gewinnen und um
gleichzeitig die Voraussetzungen zu schaffen, eine Qualitaetssteigerung zu erzielen, die fuer den Export unerlaesslich ist.
Hierzu gehoert die Einrichtung moderner Molkereien, von Kuehl- 8 -

�anlagen, Einrichtungen von Sohnellgefrierbetrieben und schliesslich von Konservenfabriken.
Weiter fordert die Umgestaltung der franzoesischen Landwirtschaft - schon um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden eine Wirtschaft der Expansion. Natuerlloh haengt diese Wirtschaft, wenn sie sich weiter ausdehnen soll, damit zusammen,
dass die Kaufkraft erhoeht werden muss, d.h. also eine Steigerung der Produktivitaet auf allen Gebieten, also sowohl in
der Industrie als auch im Gewerbe wie erst recht in der Landwirtschaft.
Das Anwachsen der Produktivitaet macht eine Aenderung
der landwirtschaftlichen Struktur erforderlich. Die Abschaffung der alten innergebietliohen Zollschranken und vor allem
die Entwicklung der Transportmittel haben die Landkarten der
Kulturen stark veraendert. Wenn man jedoch in internationalem
Rahmen produzieren will, dann muss die franzoesische Landwirtschaft die Produktion so entwickeln, dass es aus seiner klimatischen Lage groessere Vorteile zieht und alle jene Anbauerzeugnisse fallen laesst, die die Voraussetzungen nicht erfuellen. Eine gesteigerte Produktivitaet erfordert somit eine
Spezialisierung.
Die landwirtschaftliche Produktion hat sich bisher im
grossen und ganzen - wenn auch nicht Immer - nach den erzielbaren Preisen ausgerichtet. Diese Politik des Protektionismus
neigte zu sehr dazu, die jetzige landwirtschaftliehe Struktur
in die Zukunft zu retten und die so notwendige Reform zu
verzoegern. R. Dumont erklaert in diesem Zusammenhang: "Die
Methoden dieses Protektionismus trugen haeufiger zu einer kuenstliohen Beibehaltung der kleinen Bauernhoefe und damit zu einer
Steigerung des Verbrauchs bei und weniger zu einer Modernisierung der Ausruestung. Man konzentrierte sich vor allem auf
fruohtbare Gebiete, die durch ihren hoeheren Ertrag beguenstigt waren, waehrend die Investierung von Kapital vor allem
in aermeren Gegenden notwendig gewesen waere."
Durch andere protektionistische Massnahmen werden die
Kulturen reioher Anbaugebiete geschuetzt (Rueben, Wein, Most),
naemlich durch die Umwandlung unverkaeuflieher Ueberschuesse
in Alkohol, fuer die der Staat einen hohen Preis bezahlen
muss, die er jedooh nicht unter 60 # des Einkaufspreises absetzen kann. Die Milliarden, die auf diese Welse verausgabt
werden, sind in Wirklichkeit getarnte Subventionen zugunsten
solcher Kulturen, die kaum zwei Millionen Hektar von insgesamt
34 Millionen Hektar Anbauflaeche umfassen. Die sozialen und
politischen Ursachen, die diese Massnahmen erforderlich gemacht haben, behindern einen Fortschritt der Produktivitaet
und zwar nicht nur, weil die Vergeudung von Reichtuemern durch
Destillierung vom wirtschaftlichen Standpunkt aus unvernuenftig ist, sondern weil sie auch dazu beitragen, die Produktion
von alkoholliefernden landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu
erhalten.
Die Bodenflaeche, die fuer den Ruebenanbau geeignet ist,
ist sehr begrenzt, was fuer die betreffenden Landwirte ein
wirkliches Privileg bedeutet. Das wichtigste Argument, das
zugunsten der Erweiterung des Zuckerruebenanbaus angefuehrt
wird, ist, dass die intensive Bearbeitung des Bodens, die erforderlich ist, und die dank des Zucker- und Alkoholpreises
- 9 -

�gebuehrend belohn wird, eine wesentliche Steigerung des Ertrags bei solchen Kulturen zur Folge hat, die den Zuckerrueben in der Frucht folgen. Die Saeuberung des Bodens von Unkraut ist heute oh'ne wiederholtes Jaeten und Kacken durch
einfache Bestreuung mit chemischen Pulvern moeglich. Versuche haben gezeigt, dass Ytoizen, der unter gleichen Bedingungen
auf umgepfluegten Luzernfeldern angebaut wird, dieselbe Ertragsfaehigkeit hat wie auf Boeden, die vorher Zuckerrueben
trugen.
Die Unterstuetzung der Landwirtschaft muss sich hauptsaechlich auf 3oeden mittlerer Guete und auf gute Boeden,
die schlecht ausgenutzt sind, erstrecken.
Bei zu armen 3oeden sollte nur dann Geld investiert werden, wenn sie infolge eines Fehlers ertragsarm sind, der ohne
uebermaessige Ausgaben beseitigt werden kann. Auf diese Weise
ist das Gebiet der Limousin durch die Anwendung von Kalk in
ein verhaeltnismaessig wohlhabendes Landwirtschaftsgebiet umgewandelt worden. Auf jeden Fall muessen mittelmaessige Bodensorten so gut wie moeglich ausgenutzt werden.
Das Gleiche gilt fuer zu abschuessige Anbeuflaechen,
die hier und da noch gepflegt werden. R. Duxriont nennt an dieser Stelle die Landschaft der Br'iangonnais, wo zur Bearbeitung
eines Hektars noch tausend Arbeitsstunden notwendig sind.
Stark abschuessige Bodenflaechen muessen bewaldet oder als
Weideland benutzt werden.
Ausser den grossen Guetern im Soissonnais, die 200 bis
800 Hektar umfassen, weitgehend motorisiert und mit modernen
Maschinen gut ausgeruestet sind, und den Gebieten des Vivarais
oder den halbverlassenen weiten Flaechen der Causses, gibt
es in Frankreich viele Gegenden, wo der Ackerboden von mittlerer ^ualitaet und zuweilen sogar reich aber schlecht bearbeitet ist, wie z. B. das Tal der Garonne .
Im Bezirk Cavaillon hat sich seit 1880 eine rapide Vorwaertsentwicklung vollzogen, und an die Stelle des Spatens
ist der Traktor getreten. Man hat die alten Kulturen aufgegeben und sicn dem Anbau von Gemuese, Tomaten und Melonen
gewidmet. Die Mentalitaet des Bauern ist dort die eines Pioniers, der unaufhoerlich neue Moeglichkeiten ins Auge fässt;
im Gegensatz hierzu faellt der Suedwesten Frankreichs, der sich
nicht entwickelt hat, staendig mehr ab. Indem man die notwendigen Entwicklungen in rueckstaendigen Gebieten, die gute
natuerliche Bedingungen bieten (Boden und Klima), vorantreibt,
kann man die Produktivitaet in ungeheurem Masse steigern.
Moderne landwirtschaftliche Maschinen sind sehr teuer.
Eaeufig erfordern sie den Bau von Hallen zu ihrer Unterbringung. Aber abgesehen von diesen kostspieligen Investierungen
gibt es eine ganze Anzahl billigere Moeglichkeiten, von denen
man erwarten kann, dass sie entweder eine wesentliche Steigerung des Ertrags zustandebringen oder den Arbeitsaufwand verringern, d.h. also in beiden Faellen die Produktivitaet steigern.
Die Verwendung von gutem Saatgut erfordert keinerlei zusaetzliche Arbeit. In dieser Beziehung bleibt noch viel zu
tun uebrig. Der Anbau von Mais zur Gewinnung des Maiskorns
bringt in Frankreich einen durchschnittlichen Ertrag von 15
- 10 -

�Doppelzentnern. Dank der Verwendung von veredeltem HybridenSäatmais betraegt der Durchschnittsertrag im amerikanischen
Staate Jowa heute 40 Doppelzentner. Die erzielte Steigerung
des Ertrags betraegt mehr als 33 %.
In Frankreich werden natuerliche Weideflaechen häufig
sich selbst ueberlassen, nur selten und in ungenuegender Menge
wird Kunstduenger verwendet. Man koennte den Ertrag der Boeden durchschnittlicher Guete zumindest verdoppeln, wenn man
die englische Methode der "zeitweiligen Wiesen" anwenden wuerde.
Durch Kalkgaben koennte man den Prozentsatz solcher Graaser
erhoehen, die fleisch- und milchbildend sind. Diese "zeitweiligen Wiesen" werden etwa alle acht Jahre neu eingesaet, wobei
die Saatmischung fruehe Grassorten fuer den Fruehling und spaete
fuar den Herbst enthaelt, um auf diese Weise die V/achstuiusPeriode des Grases und damit die Zeit der Verwendungsfaehigkeit als
Weideflaeche zu verlaengern.
Man sieht noch heute in dem meisten franzoesischen landwirtschaftlichen Gebieten Kinder, die den ganzen Tag Vieh hueten, anstatt zur Schule zu gehen. DÜese Zeitverschwendung
koennte durch Anlegung von Weidezaeunen vermieden werden.
Diese Zaeune, durch die die Wiesen in kleinere Weideplaetze
eingeteilt werden, die sich staendig verschieben lassen, ermoeglichen es, dem Vieh Immer frisches und vitaminhaltiges
Gruenfutter zu bieten.
Die Konservierung des Heus geschieht unter Anwendung der
bekannten Methode des "Heumachens", die viele Arbeitskraefte
erfordert, und bei der das Gras nicht in zu gruenem Zustand
geschnitten werden darf. Das Heu, das zum Teil schon vertrocknet ist, ist schwerer zu verdauen und bildet bei der Verdauung
vor allem Zucker. Es eignet sich fuer Arbeitstiere, aber
nicht fuer Vieh, das Fleisch und Milch liefern coli. Es
braucht junges Gras, das reich ist an Eiweisstoffen. Es gibt
Heusilos, die fuer mittlere und selbst kleinere Bauernhoefe
gedacht sind, waehrend die Turmsilos, wie man sie in Amerika
kennt, den sehr grossen Guetern vorbehalten bleiben. Trotz
ihrer ungeheuren Vorteile (Produktivitaetserhoehung um mindestens ein Drittel) ist die Methode der Heukonservierung in
Silos, die allgemein angewendet werden sollte, abgesehen von
sehr fortschrittlichen Landwirtschaftsgebieten, noch nicht
sehr weit verbreitet.
Man kann es sich in Frankreich nicht leisten, die wichtigste Humusquelle, die zur Erhaltung" der Ertragsfaehigkeit des
Bodesn unentbehrlich ist, naemlich den natuerlichen Dung, verlorengehen zu lassen. Und doch wird dieser natuerliche Doflg
nur schlecht ausgenutzt infolge der Verluste in den Stallungen
und auf dem Dunghaufen, die durch das Entweichen von Ammoniak
im Sommer und durch die Auswaschung der Haufen durch Regen
entstehen. Der Bau von betonierten Dung- und Jauchegru/ben
stellt eine einmalige Geldauslage dar, die sich durch eine Steigerung des Ertrags um 20 bis 30 % bezahlt macht.
Das Verfahren der kuenstlichen Befruchtung findet immer
groessere Verbreitung und wird sich sehr bald durch einen gesteigerten Ertrag an Fleisch und Milch bemerkbar machen, weil
sie progressiv das Gros des Viehbestands auf das TÜveau der
ausgesuchten Zuchttiere bringt» Aber die rationelle Ernaehrung
des Viehbestandes bleibt noch dem groes^ten Teil der Viehzuechter unbekannt. Die Verschwendung wichtiger Futterstoffe,
11 -

�die- sich hieraus ergibt, ist unuebersehbar.
Kommen wir schliesslich zu dem Begriff der zeitlichen
und raeumlichen Einteilung der landwirtschaftlichen Arbeit,
durch die es moeglich ist, die infolge unguenstiger Witterung bisher nutzlose Zeit wirksam auszunutzen und Transportschwierigkeiten soweit wie moeglich zu beseitigen. Manchmal
kann ein einfacher Wanddurchbruch eine Ersparnis von Hunderten von Arbeitsstunden jaehrlich bedeuten. Die Befoerderung,
das Gehen und Kommen nehmen ueberall viel mehr Zeit in Anspruch
als die produktive Arbeit selbst. Diesen Zeitverlust zu reduzieren, hat sich das franzoesische"Institut fuer Wissenschaftliche Organisation der Landwirtschaftlichen Arbeit" (I.O.S.T.A.)
zur Aufgabe gemacht.
Dieser kurze Deberblick genuegt., um die Vielseitigkeit der
Gebiete zu zeigen, in denen die systematische Forschung nach
der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivitaet zur
Anwendung kommt, in denen aber die mit finanziellen Schwierigkeiten verbundenen Neuerungen nicht einmal beruecksichtigt
sind, wie sie etwa die Mechanisierung der Landwirtschaft darstellt. Man wird sich besser ein Bild von der Bedeutung einer
Reduzierung der Produktionskosten und der besseren Verteilung
der Lebensmittel machen koennen, wenn man ueberlegt, dass die
grosse Masse der Lohnempfaenger 50% ihres Einkommens fuer
den Kauf von Lebensmitteln verwendet., Wenn man diesen Prozentsatz auf 30% reduzieren koennte, wuerden die freigewordenen
20% der Bau- und Nahrungsmittelindustrie riesige Moeglichkeiten erschliessen, durch die wiederum neue Tueren geöffnet würden.
Der Modernisierung der Landwirtschaft und der fuer sie
arbeitenden Industrien haette in dem Monnet-Plan mehr Beachtung geschenkt werden muessen, denn hiervon ist zum grossen
Teil der Aufschwung der gesamten Wirtschaft Frankreichs abhaeng ig.
Die Moeglichkeiten zur Steigerung des Ertrags der landwirtschaftlichen Arbeit sind zahlreich und nicht immer kostspielig. Es handelt sich lediglich darum, sie der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Die franzoesischen Bauern
und zumindest die juengeren sind in geringerem Masse Gewohnheitsmenschen, als man es sich vorstellt. Noetig ist jedoch,
dass man sich mit ihnen beschaeftigt und ihr Vertrauen gewinnt.
Die Behoerden, deren Aufgabe es ist, an die Allgemeinheit heranzutreten, sind in Frankreich jedoch unglaublich arm an Personal, die ihnen gewaehrten Kredite sind unbedeutend. Was vermoegen jedoch Studien und Forschungen auf dem Gebiete der
landwirtschaftlichen Produktivitaet, wenn ihre Verallgemeinerung nicht die Bruecke zum Praktischen schlaegt?
RAPPORTS
France-Etats Unis Xl/51
TAGUNG-DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES IBFG
Auf dieser Tagung wurden mehr als eine Million neuer Mitglieder aus vier Kontinenten in den,IBFG aufgenommen, wodurch
sich die Gesamtmitgliederzahl auf annaehernd 55 Millionen erhoeht. Die groesste der neuen Mitgliedsorganisationen ist der
- 12 -

�Australische Gewerkschaftsbund mit 800.000 Beitragszahlern.
Als Vertreter des Gebietes Australien-Neuseeland im Exekutivausschuss des IBFG fungiert Albert Monk, der Vorsitzende des
Australischen Gewerkschaftsbundes. Zu den anderen, neuaufgenommenen Gewerkschaften gehoeTen: die Italienische Arbeiterunion UIL, der Gewerkschaftskongress von Singapur, der Gewerkschaftsbund von Britisch-Guyana, der Gewerkschaftsbund von
Ekuador und sechs kleinere Gewerkschaftsgruppen aus Trinidad.
Der IBFG-Vorsitzende Sir Vincent Tewson vom britischen
Gewerkschaftsbund TUC und der Generalsekretaer J". H. Oldenbroek
teilten mit, dass fuer regionale Organisationsarbeiten in notleidenden Gebieten ein Fonds in Hoehe von 700.000 Dollar fast
vollstaendig aufgebracht sei. Der kanadische Gewerkschaftsbund CCL sei hieran mit 6.000 Pfund beteiligt, der britische
TUC mit fast 100.000 Pfund, der amerikanische CIO mit 100.000
Dollar, der Anteil des oesterreichischen Gewerkschaftsbundes
betraegt 10.739 Pfund Sterling.
Aufwendungen fuer Organisations- und Erziehungsprojekte
in einer Gesamthoehe von 100.000 Pfund wurden ebenfalls genehmigt. In Asien wird ein Regionalbuero eroeffnet und Organisatoren werden fuer verschiedene Zeitspannen nach Japan, Korea
und Indochina entsandt werden. Auch ein in Accra fuer Westafrika zu eroeffnendes Buero und Projekte in Nord- und Ostafrika, Lateinamerika und auf den Inseln des Karibischen Meeres
sollen aus diesem Fonds finanziert werden.
Ferner wurde ein Plan genehmigt,nach dem in der Naehe des
Zentralbueros des IBFG ein internationales Gewerkschaftszentrum
errichtet werden soll. Dort sollen Gewerkschafter in Fragen
der internationalen gewerkschaftlichen Taetigkeit geschult
werden.
Grosse Beachtung schenkte man auch der Schaffung von
gewerkschaftlichen Sohulungseinrichtungen in Frankreich und
Italien. Die schwedischen Gewerkschaften haben ihr Haus
"La Breviere" in der Naehe von Paris- fuer diesen Zweok Zur
Verfuegung gestellt.
Der Exekutivausschuss beschloss durch Abstimmung, fuer
die Unterstuetzung der Opfer der Ueberschwemmungen in Norditalien eine Million Lire zu spenden. Er forderte die Gewerkschaften aller Nationen auf, selbstaendig ihren Beitrag zur
Linderung der Not in Norditalien zu leisten. Die AFL und der
CIO haben CARE-Pakete im Werte von 1.000 bzw. 500 Dollar in
das Katastrophengebiet gescnickt. Die Hilfsmittel werden von
Giulio Pastore verteilt werden, der Mitglied im Exekutivausschuss und Generalsekretaer des italienischen Gewerkschaftsbundes CISL ist.
Die naechste Konferenz des Generalrates ist fuer Juli
1952 in Berlin vorgesehen.
Labor Information
Bruessel
GLEICHER LOHN FUER GLEICHE ARBEIT
Eines der bekannten Ziele der freien Arbeitergewerkschaften
kann sehr einfach mit dem Schlagwort "Gleicher Lohn fuer
- 13

�gleiche Arbeit" ausgedrueckt werden. Arbeiterinnen in Fabriken
und Bueros fuehren einen staendigen Feldzug, um diesea Ziel zu
aichern, einea Zielea, daa der Internationale Bund Freier
Gewerkachaften ala daa aoziale Fundamentalrecht bezeichnet.
Die Frage des gleichen Lohnes fuer Maenner und Frauen,
die die gleiche Arbeit leisten, ist als eine der wichtigsten
Angelegenheiten in den Vordergrund getreten. Es war das seit
mehr als 20 Jahren gesteckte Ziel der Gewerkschaften: aber bis
vor kurzem war der Fortaohritt zu diesem Ziel recht langsam.
Der IBFG drueokt gegenwaertig mit erneuter Kraft und Nachdruck
auf diese Forderungen.
Delegierte des IBFG verlangten auf dem zweiten internationalen Kongress in Mailand, dass diese Forderung als soziales
Fundamentalrecht in allen Mitgliedslaendern zu betrachten sei.
Unabhaengig von der Sitzung des IAA in Genf wurde ein neuer
Beschluss getroffen, der die Regierungen fuer die Foerderung
des Prinzips der gleichen Loehnung verantwortlich macht.
Man erwartet somit von den Regierungen, die in Uebereinstlmmung mit den IAA-Beschluessen handeln, die Einfuehrung der
gleichen Loehnung durch eine entsprechende Gesetzgebung in ihren
Laendern. Dadurch muessen sie mit Arbeitgebern, Behoerden-Organisationen und Gewerkschaften zusammenarbeiten.
Gerade jetzt ist die Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft
auf England gerichtet, wo der Kongress der Arbeitergewerkschaft
mit dem Schatzkanzler ueber die Anerkennung des Rechtes der
Frauen,den gleiohen Lohn fuer gleiche Arbeit zu erhalten,
verhandelt. Einer der umstrittensten Punkte ist die Tatsache,
dass die konservative Regierung versicherte, dieses Prinzip
aufrecht zu erhalten. Der TUC beabsichtigt, die Konservativen
an ihre Versprechen zu erinnern.
Die daenisohen Frauen, die in dem viertstaerksten Verband
des Landes vereinigt sind, draengen ebenso stark auf die Erfuellung ihrer Forderungen. Die daenische Vereinigung der weiblichen Arbeiter, die 96.000 Mitglieder zaehlt, legte ihre Strategie auf einen kuerzlich in Kopenhagen abgehaltenen Jubilaeumskongress fest. Die Vereinigung versucht, Frauen in den Verwaltungsausschuessen der Schluesselindustrie unterzubringen, um
hier durch konsequente, aber vernuenftige Forderungen die Löhne
der weiblichen Arbeiter an die der Maenner anzugleichen. Grosse
Fortschritte sind hierdurch bereits in Daenenark erzielt worden.
Vor 30 Jahren betrug der Lohn weiblicher Arbeiter durchschnittlich nur 50 % von dem der Maenner. Diese Ziffer ist laengst
in die Koehe gestiegen und liegt heute bei ungefaehr 70 $&gt;.
Nach den letzten Berichten aus Daenemark haben die Frauen, die
in der Eisen- und Stahlindustrie beschaeftigt sind, einen Sitz
in dem Verwaltungsausschuss der Eisenarbeiter gewonnen - ein
Vorteil von wichtigster Bedeutung - durch den sie sich spaetere
Konzessionen sichern koennen. In Frankreich verstaerken die
.. Frauen-Organisationen ihre Aktivitaet und fordern die Anerkennung als aktive politische und wirtschaftliche Kraft. Von 21
Millionen franzoesischer Frauen sind beinahe 8 Millionen Lohnempfaengerinnen. Sehr" oft sind diese Frauen die alleinigen
Verdiener in der Familie, sie haben also die gleichen Verantwortungen wie ein maennlicher Arbeiter.
Jahre hindurch behaupteten versc/iiedöne Regierungen, dass
hoehere Loehne fuer Frauen Forderungen fuer hoehere Familion14 -

�zulegen nach sich ziehen wuerden und somit hoehere Preise
und hoehere Steuern verursachten. Organisierte Arbeiter
glaubten ebenfalls, dass diese Behauptung wahr sei und dass
erhoehte Loehne fuer Frauen die Verpflichtung £uer eine Herabsetzung der Familienzulagen bedeutete.
Angestellte werden oft bei allgemeinen Gehaltserhoehungen vergessen. Die IAA schlaegt den Regierungen als ersten
Schritt zur iLoesung des Problems vor, die gleichen Loehne
fuer Maenner und Frauen im gleichen Rang zu gewaehren. Selbst
in asiatischen Laendern, wo die Gewerkschaften gerade im
Beginn sind, ihre Kraefte spuerbar zu machen, heben die Arbeiter die gerechte Forderung der Frauen, gleiche Loehnung
fuer gleiche Arbeit zu erhalten, anerkannt.
IBFG-Delegationen, die den Wachstum der Arbeiterbewegungen in wenig entwickelten Gebieten foerdern, unterstuetzen
die Forderung der Arbeiter, dass die Frauenrechte in allen
Gewerkschaftsprogrammen beruecksichtigt werden.
In den U.S.A. besteht immer noch eine Ungleichheit zwischen den Loehnen der Arbeiter und Arbeiterinnen, jedoch
gleicht man die Loehne jetzt beschleunigt an.
Die Lohnstufen fuer Journalisten, die durch die amerikanische Zeitungs-Innung festgelegt sind, erlauben keinen Unterschied gegenueber weiblichen Angestellten. Es zeigt sich
mehr und mehr in der Industrie und im Handel, dass die Gewerkschaftsfuehrer sich dafuer einsetzen, das Prinzip der gleichen
Loehnung durchzufuehren.
Heute foerdern 17 von 26 Regierungen das Prinzip der
gleichen Loehnung. Die Gewerkschaften werden also nach und
nach die allgemeine Empfehlung des IAA durchsetzen koennen.
Die Kommission der U.S.A. fuer die Regelung des Statuts der
Frauen denkt stets an diese Forderung. Man hat aber allen
Grund, zu hoffen, dass dieses Ziel der Gewerkschaften bald
erreicht ist, Loehne und Gehaltsstufen bei zufriedenstellender Arbeit ohne Unterschied des Geschlechts festzulegen.
World Labor News
Script XI/26
HEATH ZUM NEUEN LEITER DER ECA-ABTEILUNG FUER ARBEITSFRAGEN
ERNANNT
Joseph F. Heath, ein amerikanischer Gewerkschaftsfunktionaer und Sachverstaendiger fuer europaeische Gewerl&lt;schaftsfragen,
ist zum Leiter der Abteilung fuer Arbeit im Hauptbuero der
ECA in Paris ernannt worden.
Heath ist von Paul R. Forter, dem ECA-Beauftragten fuer
Europa, in diese Stellung berufen worden und ist damit der
Nachfolger fuer Nelson Cruikshank, der jetzt Berater fuer Arbeitsfragen im Amt fuer Arbeit in der ECA in Washington ist.
Heath, der einstmals Vorsitzender einer Ortsgewerkschaft der
All-Amerikanisohen Gewerkschaft der Elektroarbeiter (AFL) war,
wird dieses Amt auch weiterhin beibehalten, wenn die Funktionen der ECA am 29. Dezember der neuen Verwaltung fuer Gemeinsame Sicherheit (Mutual Security Agency - MSA) uebertragen
werden.
- 15 -

�Als Leiter des Amtes fuer Arbeitsfragen wird Heath seine
Taetigkeit fortsetzen, die er 1949 begonnen hat, als er zum
stellvertretenden Leiter der Arboitsabteilung in der ECA fuer
Griechenland ernannt wurde und die freien europaeisohen Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen den Kommunismus unterstuetzte.
Allgemein betrachtet, hat er eine doppelte Aufgabe. Er
wird die Interessen der europaeisohen Gewerkschaften immer dann
vertreten, wenn ECA-Programme damit in Zusammenhang stehen
und er wird, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, ein "Freund
vor Gericht1* sein. Es wird sein Bestreben sein, Gewerkschaftskreise ueber die wahren Ausmasse solcher Programme aufzuklaeren.
"Wir wuenschen nicht, dass dem europaeisohen Arbeiter
ein verzerrtes Bild von unseren Zielen und unserer Planung vorsohwebt. Wenn sie falsch dargestellt werden, so werden sie
von den Kommunisten fuer ihre Propaganda ausgenutzt."
Als unbeirrbarer Exponent der freien Gewerkschaftsbewegung
Europas hat Heath zahlreiche Unterredungen mit den Funktionären nationaler und internationaler Gewerksohaftsorganisationen
gehabt. Er arbeitet fuer einen Austausoh der Ideen und Methoden, dank derer die amerikanische Gewerkschaftsbewegung einen
Teil ihrer grossen Ziele erreichen konnte. Er unterstuetzt
ausserdem den Kampf der europaeisohen Gewerkschaftsbewegung um
bessere Arbeitsbedingungen, hoehere Loehne und eine groeesere
Vertretung in den Aussohuessen der Betriebsleitung.
Es ist eine seiner besonderen Pfliohten, im Zuge der
neuen Produktivitaetskampagne der ECA die Interessen der Arbeiterschaft zu wahren, indem er den Sonderbeauftragten der
ECA ueber die Stellungnahme der Gewerkschaften zu dieser Kampagne unterrichtet und dadurch gewaehrleistet, dass ein gerechter Anteil an den gesteigerten Gewinnen an die Arbeiter verteilt
wird.
"Wir koennen es uns nicht leisten, die Freundschaft der
europaeisohen Arbeiter zu verlieren, denn wenn wir sie verlieren, koennen wir sie nie wieder zurueckgewinnen."
Heath, der aus Philadelphia stammt, war 24 Jahre lang in
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung aktiv taetig. Verschiedentlich war er Funktionaer in Orts-, Bezirks und Landesgewerkschaften der AFI, Vorsitzender der Ortsgewerksohaft 98b
der All-Amerikanischen Gewerkschaft der Elektroarbeiter, Vorsitzender der Ortsgewerksohaft 26 der Amerikanischen Gewerkschaft
der Regierungsangestellten, Sekretaer des Gewerksohaftsvorstandes der Metallberufe in Philadelphia, Finanzsekretaar der Metallberufe an der Ostkueste und schliesslich Landesvizevorsitzender
und Vertreter der Gewerkschaft der Regierungsangestellten.
Seine Berufung in die ECA-Mission fuer Griechenland kam
zu einer Zeit, als das Land um sein Bestehen gegen das organisierte Bandentum kommunistischer Guerillas kaempfen musste.
Er nutzte seine gewerkschaftliche Erfahrung sofort aus, um dem
griechischen Gewerkschaftsbund zu helfen, sioh von der kommunistischen Infiltration freizumachen und den Weg des freien demokratischen Gewerkschaftswesens zu beschreiten.
Heath war massgeblich daran beteiligt, den Zehnten PanHellenischen Gewerkschaftskongress im Jahre 1950 zustandezubringen in dessen Verlauf die Verfassung auf eine weit groessere Mitgliederzahl abgestimmt und die Bildung besonderer Verbaende innerhalb der griechischen Gewerkschaftsbewegung vorgesehen wurde.
• 16 HXCOO U M S

Uta« e H s c

EGA

-Lahor Information
XH/6/51

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dia folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Preise und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

iv - 50

Prankfurt, den 14. Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften und Produktivitaet ...

1

Der europaeische Arbeiter und der
Marshallplan

9

CIO fordert Verbesserung des Sozialvers icherungsprogramms

13

Gewerkschaftliche Entwicklung im Irak

15

Edwin Fletcher:
GEWERKSCHAFTEN UND PRODUKTIVITAET
1.
Solange die Gewerkschaften an dem Verhaeltnis zwischen
Loehnen, Gewinnen und Preisen interessiert sind, muessen sie
ihre Verhandlungen unter dem Leitstern der Produktionskapazitaet derjenigen Industrie fuehren, mit der sie es zu tun haben. Zu gewissen Zeiten werden sich die Gewerkschaften vornehmlich mit Verhandlungen ueber den Anteil der Produktion besohaeftigen, der den Arbeitern zugutekommt. Aber auf lange
Sicht gesehen stellt die Wirksamkeit, mit der sie ihre Arbeitszeit ausnuetzen, den grundlegenden Faktor dar, der fuer den
Lebensstandard bestimmend ist. Das soll nioht heissen, dass
die Gewerkschaften alle ihre wirtschaftlichen Probleme loesen
koennten, wenn sie sich auf Produktionsprobleme konzentrieren;
dies ist leider zu weit von den Gesamtproblemen entfernt, um
wahr zu sein.
2.
An dieser Stelle moechte ich einige Faktoren zur Sprache
bringen, die mit der Produktion und der Produktivitaet in Zu- 1

�sammenhang 3tehen, und mit denen sich die Gewerkschaften be• schaeftigen muessen; die ihnen von Natur aus am Herzen liegen
muessen und nicht etwa, weil irgendeine dringende Notwendigkeit dazu vorliegt, wie Dollarknappheit oder Wiederaufruestung.
Ich moechte so gut wie moeglich Allgemeinheiten vermeiden
und mich mit Problemen befassen, die besonders fuer die Gewerkschaften von Belang sind. Aus verstaendlichen Gruenden werde
ich mich hierbei hauptsaechlich mit England beschaeftigen
muessen.
Gewerkschaftliche Ziele
3.
Ich moechte mich nicht in den Bereich der politischen
Fragen begeben, ob das Privatunternehmen dem Untergang geweiht
ist, und ob die Gewerkschaften einer solchen Entwicklung etwas nachhelfen sollten. Nach meiner Meinung sind Gewerkschaften dafuer da, die Interessen ihrer Mitglieder zu schuetzen
und zu foerdern, wie Loehne, Arbeitsbedingungen, Zustand und
Kontrolle des Arbeitsplatzes; und sie haben die Aufgabe, diese
Bedingungen zu verbessern. Allgemein gesagt: je mehr Moeglichkeiten der Lohn-, Gewinn- und Preiskomplex enthaelt, umso
eher haben die Gewerkschaften eine Chance, fuer ihre Mitglieder etwas Besonderes herauszuholen.
In Grossbritannien, wo es eine Vollbeschaeftigung gibt,
sind diese Moeglichkeiten wesentlich groesser, weil die uebersohuessige Produktion eines jeden Jahres der Wirtschaft genuegend Spielraum laesst, um es uns zu ermoeglichen, das
System der freien TarifVerhandlung, das uns doch am Herzen
liegt, beizubehalten.
Was sind unsere Aufgaben?
4.
Im Gegensatz zu den Eroerterungen ueber die Frage, welcher
Anteil des tatsaechlich Produzierten den Arbeitern zufliessen
kann (wenn die Anteile Aller auch wirklich 100 # der Produktion ausmachen), eine Frage, die im allgemeinen durch genuegend
statistische Unterlagen geklaert werden kann, ist es doch schwierig, mit einiger Genauigkeit zu bestimmen, inwieweit man mit
einer Produktivitaetssteigerung einer Firma oder einer Industrie rechnen kann.
5.
Auf der anderen Seite bestuende die Moeglichkeit, eine
Fuelle an Informationen ueber den sehr unterschiedlichen Leistungsstand in verschiedenen Betrieben innerhalb zahlreicher
Industrien zusammenzutragen. Grossbritannien hat zum Beispiel
einige der leistungsfaehigsten Betriebe der Welt: die Gesenkachmiedewerke Garrington, die Tonwarenfabrik Wedgwood, usw.,
aber es gibt auch, oft in den gleichen Industriezweigen, viele
Firmen mit altmodischen Maschinen und Gebaeuden. Es ist das
alte Problem: die technische Leistungsfaehigkeit innerhalb
eines Industriezweiges ist nicht gleichzusetzen mit dessen
wirtschaftlicher Leistungsfaehigkeit.
6.
Aus vielerlei Gruenden konnten sich derartig leistungsunfaehige Unternehmen weit laenger behaupten, als es auf Grund
schwankender Nachfrage nach ihren Erzeugnissen gerechtfertigt
gewesen waere. ür*3r den inflationistischen Verhaeltnissen
der Kriegszeit, waehrend des Wiederaufbaus in der Nachkriegszelt und bei der Vollbeschaeftlgungspolitik der Labour-Partei
Konnten mehr als zehn Jahre lang Gewinne nur allzu leicht erzielt werden. Man erinnere sich daran, dass ein wirtschaftlicher
Erdrutsch mit all seinen sozialen Nachteilen ein - vielleicht
- 2 -

�grausames - Versohwinden der am wenigsten leistungs- und konkurrenzfaehigen Unternehmen zur Folge gehabt haette. In
einer Vollboschaeftigung haben wir unser Wirtschaftssystem
nicht so gruendlich gesaeubert, wie es bei einer wirtschaftlichen Depression der Fall gewesen waere.' Zahlreiche Faktoren,
die hierbei eine Rolle spielen, muessen untersucht werden.
Fuer den Gewerkschafter ist Produktivitaet nicht ein einzelnes, in sich abgeschlossenes Problem, sondern eine weitverzweigte Kombination von Problemen.
Internationaler Vergleich
7.
Eine Untersuchung dieser Faktoren kann in jedem Lande
getrennt angestellt werde'n. Ein Vergleich mit anderen Laendern waere aber immerhin interessant und koennte uns helfen,
uns ein besseres Urteil zu bilden, wenn wir auch mit den wohlbekannten Schwierigkeiten rechnen muessen, die sich ergeben,
wenn auf internationaler Basis genaue Vergleiche der industriellen Leistungsfaehigkeit angestellt werden sollen. Es handelt sich hier um eine in der Entwicklung stehende Methode,
an der die Gewerkschaftsbewegung stark interessiert ist. In
einem solchen Falle bedarf es keiner Entschuldigung, wenn man
seinen Blick nach der Industrie der Vereinigten Staaten wendet, ueber die Informationen, verglichen mit anderen, im Ueberfluss vorhanden sind.
8.
Ob wir die statistische Arbeit Rostas nehmen, die im
»Virtschaftsblatt "Economic Journal" und vom Internationalen
Arbeitsamt veroeffentlicht wird, oder tatsaechlicheUntersuchungen in den Vereinigten Staaten, wie sie von den Studiengruppen angestellt werden, die von dem Anglo-Amerikanischen
Produktivitaetsausschuss gefoerdert werden - wir kommen immer
wieder zu der gleichen Feststellung, naemlich, dass die Industrie der Vereinigten Staaten zwei- bis dreimal so produktiv
wie die Grossbritanniens ist. Die Schwierigkeit ist die, dass
sich in dieser Situation so viele Menschen sehnsuechtigem Denken hingeben und fuer diese Situation das verantwortlich machen, was ihnen gerade passt. Ich fuer meinen Teil bin jener
Leute geradezu ueberdruessig, die mir etwas von der Produktivitaet in den Vereinigten Staaten erzaehlen wollen und daran
ihre eigene, ihnen gefaellige Theorie anknuepfen, wie zum
Beispiel jene, die zur Zeit viele englische Unternehmer vertreten, die sich ausschliesslich auf die "Haltung der Arbeit
gegenueber" konzentrieren moechten.
9.
Eine solche Einstellung, nach der man annehmen koennte,
dass ein gleicher Produktivitaetsstand schnell erreicht werden
koennte, ist besonders fuer die Gewerkschaften aeusserst gefaehrlich. Unterstrichen werden muss vielmehr die Tatsache,
dass seit der Jahrhundertwende die Vereinigten Staaten staendig produktiver geworden sind als Grossbritannien. Es ist ein
viel groesseres Unterfangen, der Entwicklung eines halben
Jahrhunderts entgegenzuarbeiten als eine "Geisteshaltung der
Arbeit gegenueber" abzuaendern, besonders wenn es sioh um eine
so missverstandene Haltung handelt. Die britischen Gewerkschafter arbeiten im allgemeinen zumindest genau so schwer wie
ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten.
10. Es gelang Grossbritannien, im Verlauf des Jahres 1949 die
industrielle Produktion um &amp;i jo zu steigern, wobei die Zahl
der Beschaeftigen in der Industrie nur um ein Prozent in die
Hoehe ging. Fuer den groessten Teil des Jahres 1950 war die
3

�Steigerungsquote der Produktivitaet noch höher; wir befanden
uns also, in Vergleich zur Vorkriegszeit, im Aufstieg. Durch
die Umstellungsschwierigkeiten und den Materialmangel auf
Grund der Verteidigungsruestung erlitten wir in dieser Entwicklung jedoch vor kurzem einen Rueckschlag, die Produktlvitaetssteigerung kann deshalb im Jahre 1951 nicht so gross
sein wie im Jahre 1950.
KapitalInvestierung
11. Obwohl genaue Informationen nicht vorhanden sind, zeigen doch eine Reihe Schaetzungen, dass Steigerungen der Produktivitaet und Kapitalinvestierungen stark voneinander abhaengig sind. Dies ist im allgemeinen sehr einleuchtend. Die
Industrie der Vereinigten Staaten verbraucht pro Arbeiter
etwa dreimal soviel elektrischen Strom wie die englische Industrie.
12. Es besteht kein Zweifel darueber, dass die Kapitalinvestierung bei einem Vergleich auf internationaler Basis den
Hauptfaktor bildet, und dass auch die Entwicklungen auf diesem Gebiet von ausschlaggebender Bedeutung sind. Man kann
feststellen, dass diese Entwicklung noch groesseren Unterschie
den in den beiden Laendern zustrebt. Neuere Berichte aus
den Vereinigten Staaten besagen, dass die Ausdehnung der Industrien fortgesetzt wird, und dass das Buero fuer die Verteidigungsmobilisierung eine wesentliche Steigerung der ProduktionsJcapazitaet der Grundstoffindustrien fordert.
13. In England hat sich die Tendenz entwickelt, die Notwendigkeit von Kapitalinvestierungen zur Steigerung der nationalen Produktivitaet zu verneinen. Dies scheint vornehmlich
politisch begruendet zu sein, denn wir leben in einer Situation, in der man sich im allgemeinen darueber einig ist,
dass sich die Verteidigungsruestung nachteilig fuer die Kapitalinvestierung auswirken muss. Diese Investierung betrug
im Jahre 1949 in England etwa 18 % der englischen Produktion,
wovon die Haelfte Investierungen der Industrie waren. Die
obengenannte Tendenz ist jedoch insofern teilweise gerechtfertigt, als wir durch verbesserte Faehigkeiten der Betriebsleiter betraechtlicbs Steigerungen der Produktivitaet mit den
vorhandenen Betrieben und ohne groessere Ermuedung der Arbeiter zustandebringen koennen. (Die Gefahren und Verwicklungen
einer Ueberspannung der Produktionskapazitaet der europaeischen Grundstoffindustrien sind an anderer Stelle zu eroertern
Zwei Moeglichkeiten
14. Es gibt zwei verschiedene Moeglichkeiten, das Problem
der Steigerung der Produktivitaet in Angriff zu nehmen.
15. An erster Stelle muessen wir einen betraechtlichen Teil
unserer Hilfsquellen dazu verwenden, eine groessere Zahl jener ausgezeichneten Maschinen zu beschaffen, die von Menschen
erfunden wurden, ohne die ein grosser Teil der Menschheit
jedoch arbeiten muss. Dies ist kein neues Problem. Wir Gewerkschafter protestieren seit Jahren dagegen, dass man sowohl
im englischen Mutterland als auch in den Kolonialgebieten der
Industrie zuviel in Form von Gewinnen entzieht. Aus diesem
Grunde hatte sich auch die britische Gewerkschaftsbewegung im
Jahre 1948 dazu entschlossen, eine Politik der beschraenkten
Lohnforderungen zu betreiben.
- 4 -

�16. Zweitens gilt es, die Frage zu stellen, wie wir die vorhandenen Ausrüstungen der Industrie besser ausnutzen koennen.
Obwohl die exekutive Verantwortlichkeit in den Beenden der
Unternehmer liegt, waere es selbstverstaendlich unzureichend,
wenn man sich allein auf sie verlassen wollte. Koennen wir
uns als Gewerkschafter an die Aufgabe heranwegen, uns mit unrentablen Unternehmen zu beschaeftigen und sie entweder zu
zwingen, rentabler zu werden oder mitzuhelfen, ihnen einen Fortbestand unmoeglich zu machen? Es wird in zunehmendem Masse
bedeutsam, dass unsere sehr begrenzten Vorraete an Rohstoffen,
Kohle, Elektrizitaet und an fachlich geschulten Arbeitskräften ihre Wirksamkeit nicht dadurch verlieren duerfen, dass sie
zu weit und ohne Unterschied verteilt wuerden. Einige Sektoren der britischen Industrie haben seit dem Kriege diesem
Punkt grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Auch die Gewerkschaften
waren hieran beteiligt. So hat zum Beispiel die ^ufslchtsbehoerde der Baumwollindustrie zu einer Neuentwicklung der gesaraten Industrie ermutigt. In den meisten Faellen waren es
jedoch die einzelnen Betriebe, die selbst Massnahmen ergriffen
haben.
17. Es ist bezeichnend, dass vor allem solche Unternehmen
diesen Weg beschritten haben, die bereits aeusserst erfolgreich sind. Es hat den Anschein, dass die Kluft zwischen den
leistungsfaehigen und unwirtschaftlichen Untsrnehmen immer
groesser wird.
Monopole
18. Es koennte behauptet werden, der dauernde Bestand einer
verhaeltnismaessig unrentablen Firma unter solchen Umstaenden
sei auf den ersten Blick ein Beweis fuer monopolistische Verhaeltnisse. Die britischen Gewerkschaften haben ihren Einfluss
dahingehend geltend gemacht, die Ernennung einer Aufsichtsbehoerde fuer Monopole zu erwirken. Sie setzen sich nun mit
Nachdruck fuer eine Erweiterung dieser Behoerde ein, weil sie
etwaige Auswirkungen des Monopols auf die Leistungsfaehigkeit
der Industrie ebensosehr befuerchten wie die Gefahren, die
unnoetig hohe Preise und Gewinnspannen mit sich bringen. Die
genaue Wahl des Mittels zur Abhilfe, das dann angewendet werden muss, wenn der Grad der monopolistischen Entwicklung nicht
mehr mit dem Interesse der Oeffentlichkeit zu vereinbaren ist,
muss von den Verhaeltnissen abhaengen, die jeweils in einer
Industrie vorherrschen.
Industrielle Struktur
19. In einigen Industrien waren die Gewerkschaften der Auffassung,
dass eine zufriedenstellende Entwicklung in der Form der Kapi- .
talinvestierungen oder eine Entwicklung der Produktions- und
Betriebsleitungsmethoden unmoeglich ist, wenn diese Industrien
nicht verstaatlicht wuerden.
20. In anderen Industrien duerfte eine Organisation in bestimmter Form notwendig sein, um jene Bedingungen zu schaffen, unter
denen die Privatunternehmer selbst fuer sich oder gemeinsam genuegend Schritte unternehmen, um die Produktivitaet zu steigern. Ein Versuch wurde hierzu in Grossbritannien unternommen, als man in Jahre 1947 das Gesetz fuer Industrielle Organisation und Entwicklung erliess, dem ein einziges Ziel zugrundelag: Die Leistungsfaehigkeit des Privatunternehmens durch die
- 5 -

�t
Bildung von Beratungsausschuessen fuer industrielle Entwicklung zu steigern. Der Au.sschuss setzt sich aus Vertretern
der Arbeiter und Unternehmer und aus einigen Unabhaengigen
zusammen. Dieses Gesetz gab der Regierung die Moeglichkeit,
Ausschuesse fuer industrielle Entwicklung zu ernennen, wenn
diese von einer groesseren Zahl Psraonen in einem Industriezweig gewuenscht wurden. Diese Bemuehungen waren nicht von
Erfolg gekroent, es gibt nur vier solcher Ausschuesse. Ein
intensiver Widerstand wurde von den Unternehmern organisiert.
Dies geschah aus vielerlei Gruenden, und, wie bereits oben
erwaehnt, auch deshalb, weil die vergangenen Jahre im allgemeinen ziemlich leichte Gewinne eingebracht hatten. Warum
sollte deshalb etwas geaendert werden?
21. Der Vorteil der Ausschuesse fuer industrielle Entwicklung besteht darin, dass sie einen recht unabhaengigen Zentralpunkt fuer eine Industrie darstellen, dem ein technischer
Personalstab angegliedert werden kann. Ein solches Zentrum
ist von grossem Wert, wenn man Bedingungen schaffen will,
unter denen sich die Gewerkschaften aktiv an der Steigerung
der Leistungsfaehigkeit der Privatindustrie beteiligen koennen. Die Produktivitaet ist ein Bestandteil der Wechselbeziehungen in der Industrie. Man muss sich jedoch unter Zuhilfenahme einer Organisation, die von der Lohnverhandlungamaschinerie getrennt ist, auf bequemste Art eingehender mit
ihr befassen.
Industrielle Forschung
££. Der wissenschaftliche Fortschritt schreitet in einem solchen Masse voran, dass es innerhalb eines Landes - und natuerlich noch mehr auf internationaler Basis - schwierig ist, mit
den Entwicklungen Schritt zu halten. Die Kapitalinvestieruag
koennte sehr schnell zu einer ueberalterten Methode werden.
Jede Entwicklung kann die Fortdauer der Beschaeftigung beeintraechtigen und interessiert die Gewerkschaften deshalb nicht
als vollendete Tatsache, sondern bereits in ihrer Entstehung.
Normalerweise ist es fuer eine Gewerkschaft besser, auf die
Methode einen Einfluss auszuueben, mit der neue Maschinen
eingefuehrt werden und sich mit dem Sohutz der betroffenen
Arbeiter zu beschaeftigen, anstatt sich der Einfuehrung verbesserter Maschinen zu widersetzen. Eine solche Haltung ist
jedoch nur moeglich, wenn die Gewerkschaft im voraus ueber
etwaige Veraenderungen unterrichtet und beraten wird. In England ist die Lage nicht voellig zufriedenstellend, aber mehr
und mehr koennen sich die Gewerkschaften eine Beteiligung an
der Arbeit der Ausschuesse der genossenschaftlichen Forschungsorganisationen sichern, von denen es ueber 40 fuer die bedeutenderen Industrien gibt. Das Interesse der Gewerkschaften
an dieser Arbeit wird mehr und nehr als gerechtfertigt angesehen, weil die Forschungsorganisationen gezwungen waren, sich
nicht nur mit der Forschung allein, sondern sich auch mit dem
Ausmass zu beschaeftigen, in dem die Ergebnisse dieser Forschung tatsaechlich in der Industrie verwendet werden, ebenso
mit der Anordnung der Maschinen und den Arbeitsmethoden. Wenn
auch eine Ueberscheidung der Forschungsarbeit in gewissem
Masse gerechtfertigt ist, so bestehen doch Moeglichkeiten einer
engeren europaeischen Zusammenarbeit, was vor allem jene Forschungsprojekte betrifft, die auf internationaler Basis mit
gemeinsamem Personal besetzt und finanziert werden.
- 6 -

�Betriebleitung
23. Die Unterschiede zwischen leistungsfaehigen und leistungsunfaehigen Unternehmen und die Tatsache, dass viele Betriebe
ohne neue Maschinen ihre Produktivitaet verhaeltnismaessig
leicht steigern konnten, geben Anlass zu der Schlussfolgerung,
dass die Betriebsleistungsmethoden in England wesentlich verbessert werden koennen. Da wir nicht mit irgendeiner Veraenderung der grundlegenden Struktur der Industrie rechnen koennen, muessen unsere Gewerkschaften bestrebt sein, das zu unternehmen, was zur Verbesserung dieser Verhaeltnisse getan
werden kann. Nicht dass unsere Buerde groesser waere, aber
unsere Zeit wird durch eine unfaehige Betriebsleitung doch
letzten Endes verschwendet. In besseren Betrieben mit groesserem Ertrag und besserer Bezahlung haetten wir nicht unter
groesserer Ermuedung zu leiden. Aus diesem Grunde hielt es
der britische Gewerkschaftskongress fuer angebracht, die
Gruendung des britischen Instituts fuer Betriebsleiter zu
unterstuetzen, das vornehmlich eine Einrichtung der Arbeitgeber ist. Mehr als 20 Gewerkschaften unterstuetzen dieses Institut in nuetzlicher Weise. Hieraus erwachsen diesen Gewerkschaften einige direkte Vorteile, aber das Hauptziel ist,
einem sehr bedeutsamen Mangel innerhalb der Unternehmerschaft
abzuhelfen, naemlich der Unkenntnis ueber die Gewerkschaften
und die gewerkschaftlichen Ziele. In einem grossen Teil der
Industrie scheint ein enger Zusammenhang zwischen modernen
Betrieben und Ausruestung auf der einen Seite und einer guten
Betriebsleitung auf der anderen zu bestehen. Der Grund hierfuer mag vielleicht sein, dass unter solchen Bedingungen vermeidbare Streitigkeiten und Gegensaetzlichkeiten fuer die betreffenden Firmen aussergewoehnlich kostspielig sind; sie
koennen es sich nicht leisten, eine gute Betriebsleitung zu
vernachlaessigen.
Arbeitszelt
24. Die zunehmende Mechanisierung wirkt sich auch auf den
seit langem waehrenden Kampf der Gewerkschaften um eine kuerzere Arbeitszeit aus, weil es fuer die Unternehmer mehr und
mehr bedeutsam wird, der Dauer der Arbeitsvorgaenge an den
Maschinen mehr Beachtung zu schenken als der Arbeitszeit des
einzelnen Arbeiters an diesen Maschinen. Schichtarbeit wird
fuer sie somit rentabler und sollte es auch fuer die Arbeiter
werden. Gleichzeitig wuerde eine gleichmaessigere Verteilung
der Arbeitszeit eine Entlastung der Stromversorgung in den
Hauptabnahmestunden bedeuten. Die Gewerkschaft laesst jedoch
dabei nicht soziale und wirtschaftliche Erwaegungen im Zusammenhang mit der Schichtarbeit ausser acht.
25. Die normalen Arbeitsstunden wie auch die Ueberstunden
muessen natuerlich entsprechend den charakteristischen Merkmalen und Bedingungen
jeder Industrie festgelegt werden. Das
alte Schlagwort n0b man nach Stueck oder Zeit bezahlt wird,
kuerzere Arbeitszeit bedeutet auf jeden Fall hoehere Bezahlung" duerfte vielleicht im Augenblick nicht als unbedingt zutreffend bezeichnet werden. Andererseits duerfte in dem Vorschlag, im Interesse eines bestmoeglichen Ertrags laenger zu
arbeiten, nicht die Ueberlegung beruecksichtigt sein, welche
Arbeitszeit hinsichtlich der Leistung die beste ist. Es ist
unbedingt notwendig, dass man dieses Problem eingehender studiert. In den Vereinigten Staaten wurde die Auffassung laut,
dass der Forderung nach laengerer Arbeitszeit haeufig ueber- 7 -

�spitzte Hoffnungen auf moegliche Produktionssteigerungen zugrundeliegen koennten. Diese Steigerung waere demnach umsomehr zu erhoffen, als man die Verlaengerung der Arbeitszoit
fuer laengere Zeit beibehalten wuerde. Der ausschlaggebende
Faktor ist aber mehr und mehr die Arbeitszeit der Maschine.
26. Besonders in weitgehend mechanisierten Betrieben, wie z.
B. in modernen Stahlwerken, die weniger Ausweichmoeglichkeiten
haben als aeltere Typen, koennen Zweifel an einer ununterbrochenen Versorgung mit Rohstoffen grosse Schaeden verursachen.
iDas Problem der internationalen Warenabkommen ist fuer die
Gewerkschaften von grossem Interesse, gehoert jedoch nicht in
den Rahmen dieser Diskussion). Dass kostspielige Maschinen
dauernd in Betrieb sein muessen, um wirtschaftlich zu sein,
leuchtet jedem ein. Als Verhandlungsfaktor muss diese Frage
jedoch von den Gewerkschaften eingehender geprueft werden.
Die Methode der Darstellung der Produktionskosten und Gewinne
in einer beweglichen graphischen Kurve ist fuer Verhandlungen
deshalb besonders geeignet, weil dadurch vermieden wird, dass
man die Produktionskosten als einen statischen Begriff betrachtet, waehrend er doch von anderen Faktoren, wie z.B. der Beschaffenheit der Produktionsmittel, weitgehend .abhaengig ist.
Seitens der Unternehmer ist man jedoch noch zu sehr abgeneigt,
genaue Einzelheiten und Statistiken ueber die Betriebe zu enthuellen. Trotz der Verbesserungen, die in England dank der
neuen Gesetzgebung moeglich waren, laesst die gegenwaertige
Situation noch viel zu wuenschen uebrig.
Gewerkschaftliche Erfahrung und Sohulung
27. Wenn die gewerkschaftliche Forderung, angehoert zu werden
und mitreden zu duerfen, berechtigt sein soll, und wenn der gesamte Verhandlungsprozess den Gewerkschaften Vorteile bringen
soll, ist es klar, dass sie sich an vielen eingehenden Diskussionen beteiligen muessen. Die Grundlage dieser Diskussionen muessen die in der Industrie gesammelten Erfahrungen sein,
es ist deshalb fuer Gewerkschaftsvertreter in zunehmendem Masse
erforderlich, dass sie sich umfassende Kenntnisse ueber moderne
Produktions- und Betriebsleitungsmethoden aneignen. Die Gewerkschaften selbst muessen sich dafuer verantwortlich fuehlen,
dass die entsprechenden Moeglichkeiten geboten werden.
28. Die gegenseitigen Besuche der Arbeiter in ihren Betrieben
im Lande selbst wie auch im Ausland muessen gefoerdert werden.
Die europaeische Zusammenarbeit auf technischem Gebiet, an
der sich auch die Gewerkschaften beteiligen, erlangt immer
groessere Bedeutung.
29. Doch dies allein genuegt nicht. Es ist unsere dringende
Aufgabe, eigene Gewerkschaftskurse ueber Themen der Produktion
und Betriebsleitung durchzufuehren, um den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsvertretern eine Moeglichkeit zu geben, nicht
nur moderne Methoden, sondern auch die Einstellung der Gewerkschaften zu diesen Methoden in allen Einzelheiten zu besprechen.
Solche Lehrgaenge sind wegen des erzielten Erfahrungsaustausches
von hohem Wert. Als es sich in England zeigte, dass die Wortfuehrer der Gewerkschaften bei Verhandlungen ueber technische
Probleme ueber die neuesten Entwicklungen in der Industrie nicht
ausreichend orientiert waren, hat der britische Gewerkschaftskongress eine Reihe einwoechiger Kurse ueber Produktions- und
Betriebsleitungsfragen arrangiert. Der grosse Anklang, den diese
Kurse gefunden haben, zeigt, wie noetig es war, in dieser Hinsicht
8 -

�etwas zu unternehmen. Es sind Vorkehrungen getroffen worden,
um einem bestimmten Prozentsatz der Teilnehmer an diesen Kursen eine anderweitige Fortgeschrittenenausbildung zu ermoeglichen. Es ist nur allzu richtig, wenn man hinzufuegt, dass
unsere Bemuehungen in dieser Richtum um ein Mehrfaches gesteigert werden muessen.
30. Das technische Personal der Gewerkschaften wird am besten dadurch unterstuetzt, dass man Gewerkschafter ausbildet
und in die entsprechenden Stellungen beruft; es ist retsam,
sich in dieser Beziehung nicht auf Aussenstehende zu verlassen. Es ist einfacher, aus einem Gewerkschafter einen
Produktionstechniker als aus einem ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung stehenden Techniker einen Gewerkschafter zu
machen, mit dem wir auch tatsaechlich zufrieden sind.
Gewerkschaftliche Zusammenarbeit
31. Die Produktion wird nicht hervorgezaubert, sondern ist
genauestens organisiert, viele Aspekte dieser Organisation
muessen von den Gewerkschaften in Verhandlungen bearbeitet
werden. Gelegentlich koennen mittelbare Interessen der Gewerkschaftsmitglieder eine Haltung erfordern, die Einzelnen
oder Gruppen von Gewerkschaftern - was unter Beruecksichtigung
ihrer eigenen Interessen richtig oder falsch sein kann - nur
wenig genehm sind. So kann es auch unter fast inflatorischen
Umstaenden gute Gewerkschaftspolitik sein, zu einer gewissen
Beschraenkung in den Lohnforderungen zu raten, was von der
Mehrheit oder auch einer Minderheit der Mitglieder befuerwortet werden kann. In unserem gegenwaertigen Entwicklungsstadium ist dies unvermeidlich. Es waere ein schlechter Dienst
fuer die Gewerkschaftsbewegung, wenn wir Produktions- und Pror
duktivitaetsangelegenheiten in einer Weise behandeln wuerden,
in der die Integritaet der Gewerkschaften als freie Industrieverbaende der Arbeiter zu deren eigenem Schutz und ihrem Fortschritt nicht mehr eindeutig garantiert waere. Erforderlich
ist, dass die Gewerkschaften ein wirklich kaempferlsches Interesse an der Produktivitaet ihrer eigenen Arbeit nehmen und
nicht stillschweigend die Einstellung der Arbeitgeber zu diesen Fragen gutheissen. Ausserdem trifft es noch immer zu,
dass die Gewerkschaften in dem Streben nach hoeherer Leistung
ihren staerksten Druck auf die Unternehmer ausueben, indem
sie darauf bestehen, dass die Industrie fuer die Verbesserung
des Lebensstandards der Arbeiterschaft sorgen muss. Wenn die
Gewerkschaften in der heutigen Zeit besonders an Produktionsfragen interessiert sind, so ist hierin eine Tendenz zu sehen,
die auf wirtschaftliche und industrielle Entwicklungen zurueckzufuehren ist, die aber auf keinen Fall den Kampfgeist der
Gewerkschaften schwaechen darf. Diese Bewegung muss vielmehr
in der Lage sein, ihren Einfluss auf bestimmte und auch allgemeine Dinge staendig geltend zu machen.
- Protokollauszug DER EUROPAEISCHE ARBEITER UND DER MARSHALLPLAN
Es ist noch nicht allzu lange her - es war das Jahr
1948 - als Europa von Armut und Zerstoerung heimgesucht wurde.
Zum zweiten Male innerhalb einer Generation war die Wirtschaftsstruktur des Kontinents schwer erschuettert worden.
Der Kommunismus, der unter solchen Verhaeltnissen immer leichtes Spiel hat, reckte sein Haupt hoeher. Zeitweilig hatte
- 9-

�*

es tatsaechlich den Anschein, als ob er ganz Europa unter
seinen Fdlessen zerstampfen wuerde.
Das bedauernswerteste Opfer in diesem wirtschaftlichen
Elend war der europaeische Arbeiter. Es war kein Zufall,
wenn die Kommunisten in ihrer politischen Taetigkeit ihr
Hauptaugenmerk auf die Arbeiterschaft Europas riohteten vor allem also auf die Gewerkschaftsbewegung.
Die Kommunisten streckten ihre Haende schon nach einer
Frucht aus, die fast ausgereift war. Darüberhinaus war die
Sicherheit der gesamten freien Welt bedroht, wenn Europa nicht
erneut ein starkes und gesundes Mitglied der demokratischen
Gemeinschaft werden konnte.
Aber 1948 war auch das Jahr, in dem der Marshallplan mit
einem Programm nach Europa kam, das zum Ziel hatte, die europaeische Wirtschaft wieder auf eigene Fuesse zu stellen.
Von diesem Zeitpunkt an ist die kommunistische Expansion
in Europa steckengeblieben, der Kommunismus ist laengst in
die Defensive gedraengt.
Die Beauftragten des Marshallplans waren sich immer darueber im klaren, dass die europaeische Arbeiterschaft unter
anstaendigen Lebensverhaeltnissen leben muss, die es wert
sind, verteidigt zu werden, wenn Europa stark genug sein
soll, sich zu behaupten. Zwar ist der Lebensstandard noch
nicht annaehernd so hooh wie er sein sollte, aber die wirtschaftliche Lage der europaeischen Arbeiter waere heute unendlich schlechter, wenn es den Marshallplan nicht gaebe.
Das erfolgreiche Gelingen des Wiederaufbauprogramms
haengt von dem europaeischen Arbeiter ab, weil erstens vier
Fuenftel der europaeischen Exportgueter, die zum Ausgleich
des europaeischen Dollarkontos gebraucht werden, Erzeugnisse
der Industrie sein muessen, und weil zweitens die positive
Mitarbeit der Industrie-Arbeiterschaft fuer die gesteigerte
Produktion notwendig ist, die fuer die Verteidigungsbemuehungen der westlichen Welt erforderlich ist. Schliesslich ist
dieser Teil der europaeischen Bevoelkerung ein kritischer Faktor in dem ideologischen Krieg, der zur Zeit gegen den imperialistischen Kommunismus gefuehrt wird.
Trotz aller Fröpagandamittel, die die Kommunisten in die
Waagschale werfen, steht die Mehrheit der europaeischen Arbeiter heute hinter dem Marshallplan. Die freien Gewerkschaftsorganisationen bilden die staerkste Einzelmacht in Europa, die
sich fuer wirtschaftlichen Wiederaufbau einsetzt und die Rettung der Demokratie vor allen totalitaeren Uebergriffen sicherstellt.
Seit Beginn des Marshallplans hat sich in sieben von zehn
bedeutenderen Laendern, die von Amerika wirtschaftlich unterstuetzt werden, die Beschaeftigungslage gebessert. Es sind
dies Daenemark, Frankreich, Deutschland, Holland, Norwegen,
Schweden und England. Von dem Jahr 1948 als Basis ausgehend
liegt die Zunahme der Beschaeftigungsziffer in diesen Laendern
zwischen 3 % (Schweden) und 20 % (Deutschland). In Frankreich
stieg sie um 6 #, in England um 8 % und in Holland um 7 %. Norwegen und Daenemark meldeten eine Steigerung un 11 #. Selbst
das schwer mitgenommene Oesterreich und Italien hatten aehnliche

10

�Erfolge zu verzeichnen. Nur in Belgien ist die Beschaeftigungsziffer zurueckgegangen.
In Europa, als Gesamtheit betrachtet, arbeiten heute vier
Millionen Menschen mehr als im Jahre 1946. Dies stellt eine
Zunahme der Beschaeftigungsziffer seit Beginn des Wiederaufbauprogramms um etwa 3,2 % dar.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg waren die Realloehne der meisten europaeischen Arbeiter unglaublich niedrig.
Mit Eintreten der Marshallhilfe trat jedoch eine Wendung ein,
die Realloehne der Arbeiter stiegen wieder langsam an. Die
Grundbedingungen waren in den einzelnen Laendern natuerlich
sehr verschieden.
Seit Beginn des Marshallplans im Jahre 1948 sind die
Realloehne in Daenemark um 6,7 # in die Hoehe gegangen. Belgien, Holland und Schweden hatten die gleiche Erhoehung zu
verzeichnen; waehrend sich die Realloehne der norwegischen
Arbeiter um 3,8 % steigerten, konnten die oesterreichischen
Arbeiter eine Verbesserung um 13,8 # gegenueber dem Stand von
1948 durchsetzen. In Frankreich sind die Realloehne der Arbeiter ebenfalls angestiegen, und zwar um 3,7 % fuer verheiratete Arbeiter und um 3,9 % fuer Alleinstehende. In Italien betraegt die Gesamterhoehung 6,4 %. Am auffaelligsten war die
Verbesserung der Realloehne in Westdeutschland - sie verbesserten sich um nicht weniger als 41,4 %. Die 36 #ige Steigerung
in England ist trotz der schweren Belastungen der englischen
Wirtschaft infolge der Verteidigungsbemuehungen kaufkraftmaessig
stabil geblieben. Nur in Holland war, bedingt durch oertliche
Umstaende, ein Rueckgang der Kaufkraft der Loehne zu verzeichnen.
Trotz dieses ueberwaeltigenden Wiederaufbaus ist die Arbeit noch nicht vollendet. Die Wunden, die der zweite Weltkrieg geschlagen hatte, waren so tiefe, dass trotz all dieser
Erfolge der Lebensstandard der Arbeiter besonders in Oesterreich, Frankreich, Italien und Westdeutschland immer noch unter dem Niveau des VorkriegsJahres 1938 liegt.
Dies ist darauf zurueckzufuehren, da3S die Verhaeltnisse
in vielen Gebieten Europas bei Beginn des Marshallplans nicht
schlimmer haetten sein koennen. Seit dem Beginn der wirtschaftlichen Hilfe Amerikas ist die Abwaertsentwicklung der
realen Kaufkraft zu einer Aufwaertsbewegung geworden. Aber
gemessen an der Kaufkraft der amerikanischen Arbeiter hat sich
die Kaufkraft der Arbeiter in Oesterreich, dem Jahre 1938 gegenueber, um 10 % verringert. Unter den gleichen Umstaenden
ist sie in Deutschland um 13 #, in Italien um 2 % und in Frankreich sogar um 37 % niedriger.
Was Lebensmittel betrifft, so verfuegt der Arbeiter in
einem Land wie Frankreich demnach nur ueber ein Drittel der
Kaufkraft des amerikanischen Arbeiters. Und der Lohn des italienischen Arbeiters besitzt nur 25 % der Kaufkraft fuer Lebensmittel seiner amerikanischen Kollegen.
Das Schreckgespenst des Hungers ist heute jedoch gebannt,
und die Lebensmittelrationierung gehoert auf dem groessten
Teil des Kontinents heute der Vergangenheit an. Europas Arbeiter brauchen sich nicht mehr vor der Kaelte unendlich lang
erscheinender Winter zu fuerchten, und man kennt nicht mehr
- 11 -

�die strenge, fast verzweifelte Rationierung von Elektrizitaet,
Gas und sonstigen Notwendigkeiten des taeglichen Lebens. Ein
grosser Teil der Gegenwertfondmittel aus dem Marshallplan insgesamt 442 Millionen Dollar - ist fuer den Bau billiger
Mietwohnungen verwendet worden, um den europaeischen Arbeitein
bessere Wohnmoeglichkeiten zu bieten.
Trotz dieses Wiederaufbaus konnten die waehrend des
Krieges zerstoerten Gebaeude nicht wiederhergestellt werden,
ebenso war es nicht moeglich, zur Linderung der Wohnungsnot
in Frankreich, Italien, Griechenland und Westdeutschland allzuviel zu tun.
Die Vorteile, die der Marshallplan den europaeischen Arbeitern brachte, liegen auf der Hand. Vor Einsetzen des Marshallplanes hatte der Einfluss der Kommunisten auf die europaeische Gewerkschaftsbewegung seinen Hoehepunkt erreicht.
Heute, nach drei Jahren, ist dieser Einfluss geringer als er
Je in der Nachkriegszeit war.
Es war zum Beispiel Europas Arbeiterschaft, die als erste
die Handlungsweise der Vereinten Nationen gegenueber der kommunistischen Aggression in Korea guthiess. Waehrend andere
Sektoren der europaeischen Gesellschaft noch lange Debatten
ueber die Frage fuehrten, ob sie d9m Beispiel der Vereinigten
Staaten folgen sollten, stellte sich die Arbeiterschaft ohne
Zoegern auf ihre Seite. Unter Verwendung aller zur Verfuegung stehenden Informationsmittel wurde die Handlungsweise der
Vereinten Nationen als lebensnotwendig fuer die Verteidigung
der Demokratie dargelegt. Die europaeischen Arbeiter, deren
pazifistische Gesinnung man seit langem kennt, waren nicht
mehr gewillt, eines scheinbaren Friedens willen um jeden Preis
nachzugeben.
Und damit Europa stark genug ist, seine Existenz selbst
zu verteidigen, setzen sich die europaeischen Arbeiter dafuer
ein, dass Waffenlieferungen im Rahmen des Atlantik-Paktes sicher entladen werden. Dies trifft selbst fuer Frankreich zu,
wo noch so viel zu tun uebrigbleibt. Zu Beginn des Marshallplans war Marseille einer der grossen Haefen, die voellig von
den Kommunisten beherrscht waren. Sie hatten 54 von 55 Sitzen
in den Betriebsraeten der Dockarbeiter'inne. Hiervon sind
ihnen jedoch nur zehn Sitze geblieben, die Waffen fuer die
Verteidigung der freien Welt werden ohne jeden Zwischenfall
entladen. Aehnlich sieht es auch in anderen grossen europaeischen Haefen wie Cherbourg und Neapel aus.
Wie die europaeischen Arbeiter heute eingestellt sind,
ist aus einem Vorfall zu ersehen, der sich vor weniger als
einem Jahr in Oesterreich ereignete. Die Kommunisten planten
mittels eines Generalstreiks einen rücksichtslosen Staatsstreich. Die in freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter Oesterreichs, die die ueberwaeltigende Mehrheit der Erwerbsbevoelkerung des Landes bilden, versagten jedoch ihre
Mithilfe. Und der kommunistische Griff nach der Macht wurde
zu einem klaeglichen Fehlschlag.
Dies sind einige der immer zahlreicher werdenden Beispiele, die zeigen, dass es den Kommunisten nicht gelingt, die europaeischen Arbeiter zur Erreichung ihrer eigenen Ziele zu
missbrauchen.
- 12 -

�Dies sind einige wenige Beispiele, die zeigen, wie durch
die Vorteile, die den Arbeitern aus dem Marshallplan erwuchsen, neues Vertrauen in die Demokratie und neue Hoffnungen
auf ein besseres Morgen geschaffen wurden.
Es muss jedoch gesagt werden, dass es noch zwei Laender
in Europa gibt, wo der Kommunismus in zaeher Selbstverteidigung noch immer eine Macht bleibt, mit der gerechnet werden
muss. Es sind dies Frankreich und Italien, deren Arbeiter
einen anstaendigen Lebensstandard und einen gerechten Anteil
an den Fruechten aus dem Wiederaufbau erhalten muessen, bevor
der Einfluss der Kommunisten beseitigt werden kann. Die Unternehmer in diesen Laendern muessen sich darueber im klaren sein,
dass die Arbeiter Anteil an den Fruechten einer gesteigerten
Produktivitaet - die bereits hoeher ist als vor dem Kriege haben muessen.
Es war das Hauptziel des Marshallplans, die wichtigsten
Industrien wieder dahin zu bringen, dass sie funktionieren und
produzieren koennen. Dieses Ziel ist im grossen und ganzen
erreicht worden.
Vor uns liegt jedoch noch die Aufgabe, diese Produktivitaet noch weiter zu steigern und dafuer zu sorgen, dass die
Arbeiter in Form hoeherer Loehne und niedrigerer Preise auoh
Vorteile von ihr haben.
Die
rung der
richtet.
kann und

neue Kampagne der Marshallplan-Verwaltung zur SteigeProduktivitaet ist besonders auf diese Ziele ausgeDie europaeische Industrie produziert bereits. Sie
muss aber noch leistungsfaehiger werden.

Wenn die europaeischen Industrien erst einmal neu organisiert, mit neuen Produktionsmitteln ausgeruestet und nach neuen Gesichtspunkten orientiert sind, wird Europa, einer neueren
Schaetzung des ECA-Administrators zufolge, in der Lage sein,
seine wirtschaftliche Leistungsfaehigkeit um 100 Milliarden
Dollar jaehrlich zu steigern. Dies wuerde bedeuten, dass der
Lebensstandard der europaeischen Arbeiterschaft, besonders in
Gebieten, in denen jetzt noch Unsicherheit herrscht, weiterhin
steigen wuerde, waehrend diese Nationen zur gleichen Zeit fuer
die Verteidigung des Westens ihre Abwehrschritte vorbereiten.
Es wird ausserdem bedeuten, dass den bereits geschwaechten
Kommunisten in Europa endgueltig der Todesstoss versetzt wird.
Dieser letzte Schritt muss noch getan werden, um den Wiederaufbau Europas zu vollenden, es muss dafuer gesorgt werden,
dass die Arbeiterschaft des Kontinents den Lebensstandard erringt und sich der Lebensweise erfreut, die es wert sind, verteidigt zu werden.
ECA Labor Information
CIO FORDERT VERBESSERUNG DES SOZIALVERSICHERUNGSPROGRAMMS
In der Erwaegung, dass schaetzungsweise 5&amp; Millionen Amerikaner Unterstuetzungsgelder beziehen und ein Viertel der
Nation "am Rande der Not lebt," hat der CIO ein erweitertes
bundesstaatliches Sozialversicherungsprogramm gefordert, das
eine Lebens-,Kranken- und Unfallversicherung enthaelt und dem
ein hoeherer Mindestlohn zugrundegelegt werden soll.
- 13

�"Jeder Amerikaner muesste im Schutze dieser Versicherung
stehen, die Unterstuetzungen muessten so erhoeht werden,
dass alte Leute und Hinterbliebene einen besseren sozialen
Schutz haben," hiess es in der Dezember-Ausgabe der ClO-Veroeffentlichung "Economic Outlook". "Auoh der Invalide muss
in diese Versicherung einbezogen werden, die KrankheitsVersicherung muss zusammen mit anderen Bestandteilen eines bundesstaatlichen Gesundheitsprogramms fest verankert werden, zu
dem z.B. die Ausbildung fuer den Sanitaetsdienst und der Bau
von Krankenhaeusern gehoeren.
"Die amerikanischen Unternehmer muessen aufgefordert werden, angemessenere Mindestloehne zu. zahlen und bessere Sicherheiten gegen Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfall und Todesfall zu
bieten, die hierdurch entstehenden Mehrausgaben sind als Produktionskosten zu betrachten."
In dem "Outlook" heisst es weiter, dass alle einzelstaatlichen Programme der Sozialversicherung in einem bundesstaatlichen Versicherungssystem vereinigt werden muessen, das
gleiche und angemessene Unterstuetzungen und die Erfassung aller Buerger garantiert.
Im "Outlook" wird ferner die "Jenner"-Abaenderung zu dem
neuen Steuergesetz verurteilt, die es einem Staate erlaubt,
die Oeffentlichkeit Einblick in die Listen der Unterstuetzungsempfaenger nehmen zu lassen. Dadurch waeren jene, die unterstuetzt werden muessen, um leben zu koennen, mit einem "grausamen und nicht zu rechtfertigenden Stigma gekennzeichnet."
"Die richtige Antwort auf das Problem der unwuerdigen
offenen Listen der Unterstuetzungsempfaenger sei eine kluge
Handhabung der Wohlfahrtsbehoerden durch ein entsprechendes
Personal geschulter und kompetenter Leute, die Sinn fuer
menschliche Wohlfahrt haben, und die wissen muessen, unter
welchen Umstaenden Hilfe wirklich erforderlich ist. Es ist
unmenschlich, alle Unterstustzungempfaenger als "Schmarotzer"
oder "Parasiten" zu brandmarken."
Rund dreieinviertel Millionen Amerikaner im Alter von
ueber 65 Jahren beziehen Altersrenten, die im Durchschnitt
fuer eine einzelstehende Person 43 Dollar und fuer ein Ehepaar 67 Dollar betragen. Mehr als eine Million Muetter und
Kinder beziehen gemaess den Bestimmungen des Hinterbliebenengesetzes "jammervoll niedrige Unterstuetzungen". Die durchschnittliche Unterstuetzung fuer eine Witwe mit zwei Kindern
betraegt zur Zeit 104 Dollar im Monat oder weniger als 25
Dollar in der Woche. Sechzehn Millionen Arbeiter fallen nicht
unter die bundesstaatlichen Mindestlohngesetze, der bundesstaatliohe Mindestlohn von 75 Gents reicht fuer eine durchschnittliche Familie von vier Personen gerade dazu aus, ihr
Dasein zu fristen.
"Die Verteidigung Amerikas ist nicht eine Angelegenheit
von Maschinengewehren und Atombomben allein; Jede Sicherheit
haengt, auf lange Sicht gesehen, auch von den Menschen ab gesunden, hoffnungsvollen und produktiven Menschen, die bereit
sind, sich fuer die Erhaltung ihrer Lebensweise restlos einzusetzen."
Daily News Service
II1/10/51
14 i

�GEWERKSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN IM IRAK
Im Anschluss an die wirtschaftliche Depression im Irak
ist die Beschaeftigtenziffer seit Mitte 1950 in die Höhe gegangen, waehrend Lohn- und Arbeitsbedingungen praktisch unveraendert blieben. Im Arbeitsministerium gab es nur wenig
Beamte, die sich mit dem Erlass der notwendigen Arbeitsschutzgesetze beschaeftigten, und weder die Industriearbeiterorganisationen noch die anderen Gewerkschaften waren in der Lage,
solche Gesetze durchzusetzen.
1949 und zu Anfang 1950 erreichte die Arbeitslosigkeit den
Hoeohststand der Nachkriegsjähre, was z.T. auf die Entlassung
der Soldaten aus Armee und Polizei zurueckzufuehren ist. Wie
Arbeitsbeauftragte der Regierung erklaerten, war dieses Problem vor allem fuer Angestellte, Bauarbeiter und diejenigen
Fellachen besonders gross, die in die Staedte kamen, um dort
Beschaeftigung zu suchen. Mit der Verbesserung der allgemeinen
wirtschaftlichen Verhaeltnisse und der -Inangriffnahme der Bauprojekte der Regierung ging die Arbeitslosigkeit in der letzten
Haelfte des Jahres 1950 und zu Anfang des Jahres 1951 zurueck.
Nach der Auswanderung von 85,000 Juden nach Israel gab es sogar
offenstehende Arbeitsplaetze.
Nachdem die Konvention 68 des Internationalen Arbeitsamtes
vom Parlament des Iraks ratifiziert war, die sich auf die Organisation des Arbeitsvermittlungsdienstes bezieht, unterrichtete der Generaldirektor fuer Arbeit und soziale Sicherheit
die Leiter der vier Arbeitsaemter in Bagdad, Mosul, Basra und
Kirkuk ueber neu zu treffende Massnahmen. Die Arbeitsinspektoren (sechs in Bagdad und je einer in den drei uebrigen StaedtenJ
wurden angewiesen, die Unternehmer zu veranlassen, der Regierung Vorschlaege ueber Beschaeftigungsbedingungen, Loehne, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen zu unterbreiten.
Frueher hatten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer damit
gezoegert, derartige Vorschlaege der Regierung zu uebermitteln,
weil sie befuerchteten, dass ihnen hieraus ein Nachteil entstehen koennte.
Im Mai 1951 gab es nur 12 schwache Gewerkschaften mit insgesamt 7265 Mitgliedern. Zwei Gewerkschaften der Zimmerleute
waren gegen Ende des Jahres 1950 mit der Begruendung verboten
worden,dass sie sioh durch kommunistische Infiltration und
subversive Ideen beeinflusst, nicht den Massnahmen der Regierung unterordnen wollten.
Seit Dezember 1949 waren fast alle Streiks von nichtorganisierten Arbeitnehmern einzelner Firmen ausgerufen worden. Zu
diesem Zeitpunkt waren das Notstandsgesetz und das Streikverbot
aufgehoben worden. Es hat demnach den Anschein, dass diese Arbeiter in ihren Forderungen mehr Erfolg hatten als die von der
Regierung erlaubten Gewerkschaften.
Im Verlauf des Jahres 1950 wurden drei Streiks gefuehrt,
jedoch nur einer von einer Gewerkschaft. In jedem Falle konnten die Arbeiter ihre wichtigsten Forderungen durchsetzen, die
sich entweder auf hoehere Loehne oder bessere Lohnzahlungsmethoden bezogen. In der ersten Haelfte des Jahres 1951 kam es zu
zwei Streikaktionen. Vom 22. Februar bis zum 7. Maerz streikten 1,300 Arbeiter der Basra Petroleum Company. Sie forderten,
dass man ihnen die zwei Stunden bezahlt, die sie taeglich auf
- 15 -

�den Autobussen der Gesellschaft auf dem Weg zur Arbeitsstaette
und wieder nach Hause zubringen. Nach der endgueltigen Beilegung des Streiks erklaerte sich die Firma lediglich bereit, zu
versuchen, die Fahrtzeit der Arbeiter zu verkuerzen, fuer Unfaelle, die sich waehrend dieser Fahrt ereignen, Unterstützungen zu zahlen, und gewisse andere, geringfuegige Zugestaendnisse
zu machen. Der zweite Streik war durch eine Aussperrung der
Arbeiter in den Textilbetrieben der Firma Fattah Pasha und Ahli
in Bagdad ausgeloest worden. Nach Beendigung der Aussperrung
wurde auch dieser Streik beigelegt.
Die Regierung traf vor kurzem Massnahmen, um den Mangel an
etwa 60.000 preiswerten Wohnungen zu beheben und der Arbeitslosigkeit unter den Bauarbeitern abzuhelfen. Dem Ministerium
fuer Soziale Angelegenheiten wurden in der Zeit von 1950 bis
1951 fuer den Bau von 225 kleinen Haeusern, die hauptsaechlioh
fuer juengere Regierungsbeamte bestimmt waren, Geldmittel in
Hoehe von 75.000 Dinar ( DM 862 000) zur Verfuegung gestellt.
Der groesste Teil dieser Haeuser sollte in Tel-Mohammed, einer
Vorstadt von Bagdad, gebaut werden. Dort ist bereits ein Bauprojekt von 208 Wohnhaeusern fertiggestellt worden.
Ein Grundstueck, das fuer den Bau von Wohnungen fuer
30,000 Fellachen aus Bagdad bereitgestellt worden war, deren
Sohilfhuetten staendig der Gefahr ausgesetzt sind, ueberflutet
zu werden, wurde 1951 fuer den Bau eines Krankenhauses vorgesehen, weil die Fellachen sich weigerten, umzuziehen. Ein
Wohnungsbauprojekt von 700 Haeusern soll Ende des Jahres 1951
fertiggestellt sein. Die Unkosten hierfuer werden sich auf
3.430.000 DM belaufen.
Der Bau wird von der Stadtverwaltung von Basra geleitet,
die ausserdem die Herstellung von 1000 aus Lehmziegeln gebauten Haeuser geplant hat, die von Fellachen durch jaehrliche
Ratenzahlungen von 5 oder 6 Dinar (58,80 - 70,50 DM) kaeuflioh
erworben werden koennen. Im April forderte der Minister fuer
soziale Angelegenheiten die sofortige Abaenderung eines im
Jahre 1947 erlassenen uesetzes, nach dem Arbeitgeber, die mehr
als 200 Personen beschaeftigen, verpflichtet sind, ihren Arbeitern Wohnungen zur Verfuegung zu stellen. Die Irak Petroleum Co., eines der 12 groessten Unternehmen, die unter dieses
Gesetz fallen, hat bereits im Gebiet von Kirkuk 250 Wohnhaeuser
fuer Arbeiter gebaut.
Es ist damit zu rechnen, dass aufgrund der juengsten Entwicklung in der Petroleumindustrie des Iraks - die Unternehmen
haben einen neuen, bis 1961 laufenden Vertrag abgeschlossen,
der eine 50 #ige Beteiligung der Irak-Regierung an den Exporterloesen des Petroleums vorsieht - sowohl der Wohnungsbau als
auch die Gewerkschaften einen starken Aufschwung nehmen werden.
Notes on Labor Abroad
51/7-8

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Äffairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post angeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
SjSjfsnfallen,

IV - 51

F r a n k f u r t , den 2 1 . Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
"Pilot-Betriebe" als Pruef- und Beweismoeglichkeit fuer Produktivltaetssteigerungen

1

Die erwerbstaetige Japanerin im Schutz neuer
Arbeitsgesetze

9

Die Stellungnahme der norwegischen Gewerkschaften zu den Problemen der Loehne, der
Preise und der Produktion

11

Neuer Fischschwarmdetektor bedeutet mehr
Nahrungsmittel fuer Europa

14

William Gomberg:
"PILOT-BETRIEBE" ALS PRÜEF- UND BE'tfEISMOEGLICEKEIT FUER
PRÖDÜMTvmsiTSSTSIGiiRÜTJGEB
Als am 17. Juni vier und eine halbe Million Franzosen
von insgesamt 17 Millionen Waehlern ihre Stimmzettel in die
Urnen legtenund sich fuer den kommunistischen Kurs und gegen
die Demokratie entschieden, weitere 3,6 Millionen dem Appell
der Gaullisten folgten und sich damit gleichfalls fuer die
Abschaffung der Demokratie aussprachen und die Verwirklichung
einer rechtsradikalen Diktatur forderten, da zeigte es sich
sehr deutlioh, dass die Kommunisten sich nooh immer ihre Hauptkraft in der Arbeiterklasse erhalten haben.
Dieses Echo der kommunistischen Propaganda ist in wirtschaftlicher Hinsicht verstaendlich. Es ist Tatsache, dass
die Industrieproduktion Frankreichs immer neue Rekorde erreicht. Aber die Arbeiter haben an diesem Aufschwune nioht
den geringsten Anteil. Nach einer Statistik in "Business
Week" liegt jetzt die industrielle Produktion 40 % •: ,ber
dem Vorkriegsstand und man rechnet damit, dass sie noch um
- 1 -

�weitere 6 bis 10 % ansteigen wird. Der Grosshendelsindex der
Industrieproduktion ist auf 63 §&amp; geklettert, der Grosshandelsindex fuer Nahrungsmittel auf 16 %, fuer Rohmaterialien auf
102 #, fuer den Pariser Bezirk ist jedoch der Index fuer Nahrungsmittel auf 30 % angestiegen. Aber waehrend der Einzelhandelspreisindex 30 mal so hoch wie vor dem Kriege ist, ist
der Lohnindex nur um etwa das 13fache gestiegen. Das bedeutet, dass die durch die Froduktivitaetssteigerung erzielten
Gewinne zwar sehr betraechtliche geworden sind -sie koennen
auch in erster Linie auf den Marshallplan zurueckgefuehrt
werden - dass diese Gewinne aber nur die Industrie selbst erzielt hat, waehrend die Kaufkraft der Arbeiterschaft sich noch
nicht wieder auf den Vorkriegsstand geschraubt hat. Es ist
daher weder neu noch ueberraschend, dass der Marshallplan sich
bei der franzoesischen Arbeiterschaft keiner besonderen Beliebtheit erfreut.
Natuerlich koennen die Amerikaner behaupten, dass ohne
die Marshallplanmittel die franzoesische Industrie ihren Wiederaufbau nur sehr langsam haette durchfuehren koennen oder
dazu angesichts der besonderen Weltwirtschaftsverhaeltnisse
ueberhaupt nicht_ in der Lage gewesen waere. Unter
diesen Umstaenden gaebe es fuer die franzoesischen Arbeiter
nur noch groessere Haerten und Erwerbslosigkeit. In jedem Falle ist hier jedoch eine betraechtliche Veraergerung ueber den
"reichen Onkel" festzustellen, weil diese Mittel dazu beigetragen haben, eine Ungleichheit zu schaffen, wie die eben angegebenen Zahlen beweisen und aus diesem Grunde sich ueber die
Marshallplanhilfe eher eine Veraergerung als eine Dankbarkeit
ergeben musste.
Aber wie koennen die Amerikaner diese Situation loesen?
Dieses franzoesische Probier;., gibt es in Grossbritannien
dagegen nicht. Die britische Arbeiterregierung war ebenso
stark wie einsichtig genug, um die Interessen der Arbeiterschaft zu schuetzen, weil sie von jedem kommunistischen Einfluss frei war und ihre Ziele niemals verwaessern liess. Der
Regierung gelang es, die britischen Arbeiter davon zu ueberzeugen, dass sie an den Segnungen des Marshallplans beteiligt
sind, weil die Ertraege gerecht aufgeteilt wurden. Dadurch
wirkten sich die Verhaeltnisse nicht in einer Form wie in Frankreich aus. Man muss gerade diesen Punkt herausstellen, weil
es eine weitverbreitete Meinung gibt, dass die Erfolgslosigkeit
des Marshallplans in Frankreich auf propagandistische Maengel
zurueckzufuehren ist. Aber selbst eine weit groessere und bessere Anzeigenkampagne haette hier nicht helfen koennen. Nicht
der Mangel an Publizitaet hat diesen Fehler herbeigefuehrt, sondern eine gewisse und bedeutsame Phase der franzoesischen Politik. Hierueber muss man sich vor allem anderem im klaren sein.
Ob es nun so geplant war oder ob es nur zufaellig so geschah, der Marshallplan hat sich jedenfalls selbst auf die
Theorie der"Sickerungs"-Theorie abgestellt: "Kuenmert Euch um
die fuehrenden Schichten, die Ertraege werden nach und nach
auch bis zu den niedrigsten Gruppen durchsickern." Diese Form
der Politik war in den ersten Jahren der schweren Depression
anzuraten, aber sie erwies sich sehr bald als voellig unwirksam.
Das amerikanisoud Volk verwarf diese Politik mit der Wahl im
Jahre 1932. Kein noch so grosser Aufwand an Anzeigen und Propaganda, mag er auch noch so geschickt sein, kann diese "Siokerungs"-Theorie dem europaeischen Arbeiter im Jahre 1951
- 2

�als die wirkliche.Loesung aller Probleme empfehlen.
Die Amerikaner muessen darauf bestehen, dass ihre wirtschaftliche Hilfe in einer Weise angewandt wird, um ein guenstiges Klima zu schaffen - vor allem fuer jene "franzoesischen Unternehmer, die sich bereit erklaeren, endlich einmal mit jenen
ueberkommenen Methoden der Ausbeutung der Arbeiterschaft zu
brechen. Diese Forderung ist ebenso wichtig wie die finanzielle
Stabilitaet, denn hier ergibt sich ein Appell an eine zahlenmaessig weit staerkere und wichtigere soziale Klasse.
Die Formulierung des franzoesischen Problems mit diesen
Begriffen ist keineswegs neu. Im fruehen Februar des.Jahres
1950 haben die damaligen Leiter des Bueros fuer Arbeitsangelegenheiten Boris Shiskin, der bei der ECA taetig war,und Jim
Stern, der Leiter der Produktivitaetsabteilung im Buero fuer
Arbeitsangelegenheiten, Besprechungen auf einer realistischen
Basis begonnen, die eine zweckmaessigere Verteilung und Vergebung der Marshallplanmittel sicherstellen sollten. Im September
1950 gab eine Studiengruppe amerikanischer Gewerkschafter Lucia, Berenger und Gibbons - ihren Bericht ueber die Ergebnisse
ihrer Studienreise durch Frankreich heraus. Sie wiesen darauf
hin, dass die negative Raktion der franzoesischen Arbeiter in
bezug auf die Marshallplanhilfe zwischen einer offenen Feindschaft und einer voelligen Uninteressiertheit schwankte. Gemaess
den in diesem Bericht geaeusserten Bemerkungen rief der neu ernannte, aus dem CIO hervorgegangene Arbeitsbereter der ECA
Rober Olivler eine Gruppe Gewerkschafter zusammen, um ein neues
Programm fuer Frankreich festzulegen. Dieser Gruppe gehoerten
Victor Reuther, William Gomberg und Harold Gibbons an. Ken Douty,
der leitende Beauftragte fuer Arbeitsfragen in der franzoesisohen Mission, wurde nach Paris gebeten, um an der Konferenz teilzunehmen. Und bei dieser Konferenz entstand zum ersten Mal die
Idee, Pilot-Betriebe in Frankreich zu errichten. Aber es war
nicht die Zeit vorhanden, dieses Vorhaben in allen Einzelheiten
festzulegen. Uebrigens war die Wahl des Begriffs "Pilot-Anlage"
bereits eine etwas unangenehme Angelegenheit. Eine "Pilot-Anlage"
bedeutet in der Sprache des Ingenieurs ein kleines Laboratorium,
das seine Arbeiten in der Hoffnung durchfuehrt, die Grundlage
fuer eine groessere, kostspieligere Anlage ermitteln zu koennen.
Die Beziehung zwischen einer Pilot-Anlage und einer regulaeren
besteht darin, dass erstere den Zweck hat, lediglich als Versuchsabteilung zu dienen und alle Irrtuemer ausschalten soll,
die sioh zu Ungunsten eines Betriebs der Massenproduktion ergeben koennten. Die gesamte Theorie der Pilot-Anlage besteht darin, durch Beispiel und praktische Erfahrung die Materie kennen
zu lernen.
Die Idee,durch Beispiele Erfahrungen zu sammeln, wurde kuehn
auf die franzoesische Situation uebertragen. Das Denken einiger Mitglieder des ECA-Stabes wurde mit einigen wohlmeinenden
Franzosen geteilt, die daran interessiert waren, die Situation
in der franzoesischen Industrie grundlegend zu aendern. Die
Ueberlegungen lagen jedoch ziemlich in der gleichen Richtung.
Der franzoesische Industrielle blieb davon ueberzeugt, dass geringe Gewinnspannen und hohe Umsaetze in den Vereinigten Staaten
sioh ohne weiteres ermoeglichen lassen, jedoch nicht in Frankreich. Wenn jedoch an Hand von Beispielen bewiesen wird, wie
sioh diese Geschaeftsmethoden auch auf Frankreich erfolgreich
uebertragen lassen und das Unternehmen entsprechend gefuehrt
wird, dann sind auch die franzoesischen Geschaeftsleute ohne
weiteres bereit, sofort ihr altmodisches Denkprinzip aufzugeben
und sie erwaermen sich fuer ein System des hohen Lohnes und der
3 -

�niedrigen Verkaufspreise. Unterredungen mit franzoesischen
Geschaeftsleuten, die sich ueber eine Zeit von sechs Wochen
erstreckten, sind durchaus nicht beweiskraeftig, sie sind aber
sehr aufschlussreich. Wiederholt musste man entdecken, dass
der franzoesische Geschaeftsmann kaum noch der Vetter aus der
Kolonialzeit ist, der keine Ahnung von den grossen amerikanische]! Wirtschaftsgrundsaetzen hat, aus der der grosse Katechismus der Rotarier besteht, und die heute wiederum eine von oben
her kommende Anregung fuer eine grundsaetzliche Theorie erwarten. Seine Kenntnis der amerikanischen Praxis war durchaus
zufriedenstellend, sein Wissen um die wirtschaftliche Philosophie uebersteigt. die seines amerikanischen Ebenbildes in
sehr vielen Faellen. Ein Strickwarenhersteller stellte fest,
dass er den Verkaufspreis eines Pullovers von 25 DM auf 8.50
DM herabsetzen und dabei noch immer einen kleinen Gewinn erzielen koennte. Und wenn er es jedoch tun wollte, warum soll
er es eigentlich? Praktisch wuerde dies nur bedeuten, dass er
bei einem ebenso hohen Gewinn oder sogar bei einem geringeren
noch mehr Aktivitaet als bisher aufzuwenden haette. Und weiter ist er der Meinung, dass der Einzelhaendler einfach die
bisherige Spanne fuer sich in Anspruch nehmen wird, das heisst
den Verkaufspreis nicht herabsetzt, sondern die groessere
Differenz fuer sich behalten wird.
Natuerlich gelangt nichts von diesem graswurzelhaften
Denken in den offiziellen Feststellungen oder in den vielen
Reden zum Vorschein. Alle offiziellen Reden preisen die Vorteile des vielfachen Umschlags, des geringen Gewinns und erst
recht die Notwendigkeit einer erhoeüten Produktivitaet. Aber
die Syndici der Unternehmer haben nur halboffizielle Positionen inne, und sie verfolgen selbstverstaendlich die Politik,
wie sie von den Mitgliedern der Verbaende gewuenscht wird.
Und sie fuehren diese umso wirksamer durch, weil sie viele
Jahre hindurch es verstanden haben, sich nach aussen hin eine
gute oeffentliche Meinung zu schaffen. Die notwendigen Konferenzen gehen mit allen Zeremonien vor sich* allen geeigneten
Plattheiten wird in der Oeffentlichkeit ein starkes Echo verschafft. Als ich einmal ziemlich privat mit einem der hervorragendsten Organisatoren solcher Konferenzen mich etwas ausfuehrlicher unterhielt, gestand er mir ganz offen ein, dass
er immer noch einen sehr anstaendigen Profit machen koennte,
wenn er die Preise fuer die Haushaltsartikel reduzierte, die
er herstellte. Er meinte jedoch: "Warum soll ich es aber tun?
Der Markt fuer m9ine Erzeugnisse ist voellig unelastisch."
Jeder Syndikus einer Industriegruppe bringt es fertig, fast
alle Handelsgewohnheiten ihren Mitgliedern aufzuzwingen, weil
sie die Faehigkeit haben, die Zahl der neu in eine bestimmte
Industrie Eindringenden einzuschraenken. Diese Macht ist vor
allem auf die von ihnen ausgeuebte Kontrolle ueber knappe Rohmaterialzuteilungen zurueckzufuehren. Vor der Eroeffnung eines Unternehmens muss der Inhaber sich eine Handelserlaubnis
durch das Wirtschaftsministerium verschaffen. Neue Antraege,
die eine Geschaeftseroeffnung betreffen, werden vom Wirtschaftsministerium an die Geschaeftsfuehrung des betreffenden Industriellenverbandes weitergeleitet, die nun festzustellen hat,
ob in diesem Industriezweig noch Moeglichkeiten fuer die Eroeffnung eines neuen Unternehmens bestehen. Das bedeutet in
der Praxis, dass die Konkurrenten des Unternehmers von morgen
darueber zu Gericht sitzen, ob dieser die Genehmigung oder
das Verbot erhaelt, sich auf diesem Marktgebiet zu betaetigen.
Wenn der Antrag eines Tages endgueltig durch das Wirtschaftsministerium zurueckgewiesen wird, so kann es nicht dazu ver-

- 4 -

�pflichtet werden, die Gruende fuer diese Ablehnung aufzudekken. Es gibt gegen diesen Entscheid auch keinerlei Berufungsmooglichkeit. Und daneben gibt es eine Unzahl aehnlicher Punkte, wo durch das franzoesische sehr komplizierte Gesetzgebungssystem die Gemeinschaft der franzoesischen Unternehmer
einen starken Druck ausueben kann, um etwaige Konkurrenten,
die Aussenseiter sind, in die allgemeinen Schranken zurueck
zu weisen.
Was ich hier berichte, bestaetigt nur die Beobachtungen,
die Kritiker des franzoesischen Wirtschaftssystems wie Lanes
gemacht haben:
"In einem solchen System ist der selbstverstaendliche
Drang nach einer Ausdehnung des Unternehmers im Interesse
des Unternehmens entweder ziemlich unentwickelt oder voellig
abwesend. Tatsaechlich ist der Unternehmer geneigt, wenn
er schon zu etwas entschlossen ist, alle Moeglichkeiten fuer
eine Weiterentwicklung zunaechst zu vertagen," weil der Hauptnachdruck auf die Staerkung und die Erhaltung des Unternehmens gelegt wird und weiterhin eine allzu schnelle Entwicklung
des Unternehmens dieses frueher oder spaeter dazu zwingen
koennte, von Aussenstehenden Kapitalien aufnehmen zu muessen
und dadurch die Alleinbeherrschung des Unternehmens in eine
sohwere Gefahr geraet, die unter Umstaenden diese zu unter- .
hoehlen vermag. Weil jedoch die Unabhaengigkeit ein so kostbares Gut ist, besteht sehr haeufig eine uebermaessige Vollstaendigkeit des Fabrikationsprogramms, die einer wirksamen
rationellen Produktion aeusserst nachteilig ist. Das System
der Untervertraege zwecks Lieferung bestimmter Teile oder
die Geschaeftsverbindung mit Teillieferanten, die in Amerika
fuer die Industrie eine Form der Zusammenarbeit auf der fabrikatorischen Ebene geschaffen hat durch eine entsprechende
Verteilung der Einzelauftraege, ist in Frankreich noch immer
nur in ganz geringem Umfang durchgefuehrt."
"Man kann sogar eine starke Tendenz feststellen, Moeglichkeiten eines staerkeren Wachstums abzubremsen, weil die Theorie
besagt, dass das Unternehmen genug verdient und dass ein zusatzlicher Profit die zusaetzlichen Muehen nicht wert ist.
Diese besondere Abweichung, die im uebrigen keineswegs ungewöhnlich ist, bleibt dem Denken der meisten Amerikaner voellig
fremd, wie sie sich auch durch die immer wiederkehrende Frage
der Touristen zu erkennen gibt "Aber wollen sie denn nicht verdienen?" Die Antwort ist selbstverstaendlich, dass sie es
moechten, dass sie in jedem Falle soviel verdienen wollen, wie
sie zum Leben benoetigen. Die Franzosen neigen dazu, ebenso
in Verlegenheit zu kommen, wie wenn sie mit dem Eigensinn der
franzoesischen Eingeborenen in Verbindung gebracht werden, die
den ueblichen Lohnanreizen unzugaenglich sind. Das ist im
Lichte der Tatsachen genau das gleiche."
Es gibt zwei Wege fuer die Vorbereitung einer Pilot-Anlage.
Die eine besteht darin, dass amerikanische Industriellsten und
Gewerkschafter es eirem franzoesischen Unternehmer ermoeglichen,
die besten zur Verfuegung stehenden amerikanischen technischen
Methoden anzuwenden. Diese Formen der Technik beruhen darauf,
dass die grundsaetzliche Wirtschaftspolitik des Unternehmens
auf einem schnellen Umschlag der Gueter besteht, sodass sich
geringe Gewinnsaetze je Einheit, eine hohe Produktivitaet und
hohe Loehne in geradezu automatischer Konsequenz ergeben. Der
- 5 -

�Grundappell sollte sioh an die patriotischen Gefuehle der
franzoesischen Unternehmerschaft wenden. Andre Coret, ein
franzoesischer Industrialist, der Mitglied der Studiengruppe
gewesen ist, hatte sioh zweifellos an diese Gedankengeenge
erinnert, als er folgendes schrieb:
"Um dieses Ziel zu erreichen, ist es unerlaesslioh, eine
solche Haltung von Grund auf zu schaffen, da in Frankreich
sowohl die fuehrenden Maenner der Industriellen-Vereinigungen als auch die Gewerkschaftsführer sehr oft (dies kann
uebrigens durchaus guten Willens in gutem Glauben geschehen)
sich in einen verhaengnisvollen Kreislauf einspannen lassen die beruehmte Schlange beisst sich dabei in den Schwanz der auf der Meinung basiert, dass es nioht moeglioh ist, diesen ueberkommenen Grundsatz des Denkens jener Maenner zu beseitigen, die sie auf ihre Posten berufen haben. Und diese Grundeinstellung macht jede Tat vergeblich, die das Bestreben hat,
den gegenwaertigen Stand der Dinge endlich einmal zu aendern.
"Es ist deshalb erforderlich, einmal ein konkretes Beispiel zu geben und dabei den Endzweck sich vor Augen halten,
das heisst also, auf einer kleineren Plattform ein Musterbeispiel durchzufuehren, das nur ein Experiment in geringerem
Umfang bedeutet. Aus diesem Grunde kann eine Pilot-Anlage
aeusserst nuetzlich wirken."
Die zweite Moeglichkeit, den Begriff der Pilot-Anlage
staerker in den Vordergrund zu ruecken, besteht darin, einen
nicht in orthodoxen Gedankengaengen steckenden Unternehmer,
der sich nicht echten oder unechten Eartellgrundsaetzen verschrieben hat und der zugleich darauf bedacht ist, sein Unternehmen durch die Schaffung neuer Maerkte und die Eroberung
bestehender Maerkte auszuweiten, ausfindig zu machen. In dieser Situation befanden sich 1911 Henry Ford und 1930 Henry
Kaiser, heute muss man aber gleichdenkende franzoesische Unternehmer mit der Laterne suchen. Aber ihr Einfluss wuerde
in Frankreich deutlich spuerbar werden, weil ihre unorthodoxen
Geschaeftsmethoden die bisherige wirtschaftliche Sicherheit
jener Unternehmen bedrohen wuerden, die diese Methoden nicht
anwenden. Es kann jedoch nicht erwartet werden, dass sogenannte prominente Unternehmer, die mit dem Syndici der Unternehmerorganisationen durch dick und /duenn gehen, ein derartiges Temperament entwickeln wuerden. Tatsaechlieh wuerde es
keineswegs ueberraschen, wenn die Feststellung getroffen werden muss, dass die gefundenen Unternehmer fuer die Pilot-Anlage stirnrunzelnd von den Syndici angesehen werden und gleichzeitig als Aussenseiter der sozialen Ordnung hingestellt wuerden. Diese Unternehmer werden viel leichter ausserhalb der
Unternehmerorganisationen zu finden sein, als wenn man sie auf
dem ueblichen Wege entdecken wollte.
Es erhebt sich die Frage, was wir als Amerikaner diesen
Unternehmern bieten koennen. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass die von uns angebotene technische Unterstuetzung
nicht ausreicht, un den Unternehmer zu veranlassen, wirkliche
Risiken auf sich zu nehmen. Die nackte Wahrheit laeuft darauf
hinaus, dass in den meisten Faellen diese technische Unterstuetzung von der Abteilung fuer technische Kilfe geleistet,
wird, ohne dass von unserer Seite aus entsprechende Forderungen gestellt werden, die dafuer Sorge tragen, dass die Fruechte
der gesteigerten Produktivitaet auch den Arbeitern zugute kommen.
- 6 -

�Ein vielleicht noch staerkerer Anreiz der üeberredung, das Risiko einer solchen Pilot-Anlage zu uebernehmen, liegt in der
Moeglichkeit der Erhaltung eines Kredits aus dem fuer die
Zwecke der Produktivitaetssteigerung bereitgestellten Fond.
Von jedem Unternehmer wird verlangt, dass er mehr als 10 %
Zinsen fuer alle Darlehen zahlt, die ihm von der Bank von
Prankreich oder ihrenZweiginstituten gewaehrt werden. Darueberhinaus wird verlangt, dass er diese Darlehen mit seinem eigenen persoenlichen Giro unterzeichnet. Alle Vorteile der kooperativen Organisationsform werden unter diesen ümstaenden bedeutungslos, ganz abgesehen davon, dass ihre Gueltigkeit nur eine
beschraenkte ist. Die Nachfrage nach Krediten ohne die Bereitstellung eines entsprechenden Fonds an Gegenwertmitteln, die
ausreichend ist, um in Frankreich jede Hebelwirkung zu vermeiden, ist stark genug, um die soziale und wirtschaftliche Lage
jener Unternehmen zu beeinflussen, die um diese Kredite nachsuchen.
Die Entwicklung eines Meohanismus fuer die Durchfuehrung dieser
Pilot-Anlagen wird jedoch auroh die Schwaeche der freien franzoesischen Gewerkschaften beeintraechtigt, die auf einigen Gebieten vorhanden ist. Ein Beispiel hierfuer bietet die PilotAnlage in der Giessereiindustrie. Der Vorsitzende des Produktivitaetskomitteder Foroe Ouvriere unterrichtete mich voll
Stolz, dass es in der Giessereiindustrie bereits eine PilotAnlage gaebe. Tatsaechlich versperrte er sich zwar nicht gegen eine Pilot-Anlage, aber er nannte das ganze eine PilotAnlage - naemlich die gesamte Giessereiindustrie.
Auf der Grundlage einer Reihe Empfehlungen, die der Berater der ECA Laws machte, wurde ein weitmaschiges industrielles Schulungsprogramm in die 'Wege geleitet. Darüberhinaus
wurden Produktions- und Schulungsleiter fuer zehn Anlagen eingestellt. Der Vorsitzende der Force Ouvriere war bei der Beschaffung eines Kredits von 18 Millionen Franken behilflich,
die vom franzoesischen Produktivitaetsbuero gewaehrt wurden,
wobei er jedoch nicht klaeren konnte, ob es sich um ein Darlehen oder eine Zuwendung handelte, die der Finanzierung dieses
Projektes dienen sollte. Das franzoesische Produktivitaetsbuero
wird durch Gegenwertmittel finanziert. Ihm wurde als Gegenleistung nichts anderes auferlegt als die Durchfuehrung bestimmter Kurse ueber die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und
Gewerkschaftern, die Unternehmern die Moeglichkeit geben sollte,
sich ueber diese Frage naeher zu orientieren. Wenn die Produktivitaet ansteigt, so hat er das Recht, die Frage zu stellen,
in welchem Masse die Arbeiter hieran beteiligt werden. Auf
Grund der franzoesischen Praxis der Gewinn- und Verlustrechnung und der technischen Begrenzungen der Berechenbarkeit des
Produktivitaetsanstiegs kann man sich sehr leicht sagen, dass
dies nur eine Wiederholung der alten ECA-Praxis unter einem neuen Namen ist - die Finanzierung des Pilot-Projekts durch Amerika
und die Ausbeutung so ziemlich des gesamten Ertrages durch die
franzoesische Mittelklasse.
Das Muster einer Pilotanlage ist in Frankreich bereits in
Betrieb, das im uebrigen ueber eine weitreichende Publizitaet
verfuegt. Es handelt sich hierbei um die Firma Telemechanique,
die elektrische Kontrollgeraete herstellt. Vier andere Unternehmer stellen die gleichen Erzeugnisse her, zahlen aber nur
Löhne, die die Haelfte der bei Telemechanique gezahlten erreichen. Die Bonuszahlungen der Telemechanique, die diese doppelt
so hohen Loehne ermoeglichen, sind jedoch genau kalkuliert.
Selbst wenn man die Grundloehne miteinander vergleicht, so ergibt sich, dass diese bei der Telemechanique um zehn Prozent
- 7 -

�hoeher liegen als bei den Konkurrenjen. Ich fragte nuji die
Mitglieder des Produktivit'aetskomites der Foroe Ouvriere, weshalb sie keine Forderungen auf vergleichbare Loehne bei den
anderen unternehmen stellen. Die Antwort war, dass sie mit den
Unternehmern verhandelten, dass diese die gleichen Produktionsmassnahmen wie Telemechanique einfuehren sollten. Sie schienen jedoch nicht daran zu denken, dass es wesentlich klueger
waere, den Konkurrenten der Telemechanique dadurch dienlich zu
sein, indem sie Lohnerhoehungen forderten ohne jede Ruecksicht
auf den gegenwaertigen Stand der Produktion und lediglich dabei
die Tatsache beruecksiohtigen sollten, dass Telemechanique den
Lohnstandard fuer die gesamte Industrie festlegt. Tatsaechlioh
waren jedoch aufgrund dieser Vorschlaege einige der Mitglieder
des Produktivitaetski^nites betroffen, da eine solche Lohnforderung, die gegebenenfalls nur durch einen Streik durchzusetzen
gewesen waere, lediglioh dem Kommunisten Wasser auf die Muehlen
leiten wuerde. Dieses Beispiel soll nur deshalb gegeben werden,
um aufzuzeigen, bis zu welchem Grade man eine wirkliche Unterstuetzung durch die Verwaltungsorgane einiger franzoesischer
Gewerkschaften erwarten kann, wenn man ihre gegenwaertige Einstellung und ihren Machtbereich fuer die Durchführung irgendwelcher Plaene in Reohnung stellt.
In dieser Hinsicht koennen jedoch einige interessante Entwicklungen berichtet werden. Die CGT ist bekanntlich die von
den Kommunisten beherrschte Gewerkschaft, die vor der Eroberung
die franzoesische Zentralgewerkschaft gewesen Ist. Es ist jedoch keineswegs gesagt, dass die CGT ihre Anhaenger auch kuenftig bei der Stange halten kann, selbst wenn die Struktur dieser
Organisation die gleiche bleibt und selbst wenn es ihr gelingt,
guenstige Arbeits- und Lohnbedingungen fuer ihre Mitglieder
durchzusetzen. Zwei Beispiele sind dafuer bezeichnend, wo die
oertlichen Fuehrer der Gewerkschaft aioh mit der Zentrale ueberwarfen, weil ein klug beratenes Unternehmen nicht unbetraechtliche Lohnzugestaendnisse diesen Mitgliedern gemacht hat.
Ein guter Teil der Hoffnungen auf einen Erfolg der Pilotanlagenprojekte liegt in den Haenden der Fuehrer der Ortsgewerkschaften. Unterrichtete Beobachter haben bereits festgestellt, dass ein gesundes und energisches Funktionaerkorps,
das sich mit oertlichen TarifVerhandlungsproblemen intensiv
beschaeftigt, auoh imstande ist, sich in anderen Fragen durchzusetzen. Die Pilotanlagenprojekte muessen deshalb auf der
Basis solcher Voraussetzungen durchgefuehrt werden, das heisst
in derartigen Ortsbetrieben und auf einer geeigneten kommunalen
Basis.
Amerika kann dabei alle Voraussetzungen schaffen, die diese
oertlichen Funktionaere mit der entsprechenden geistigen Nahrung
versorgen kann und zugleich den Gesichtskreis dieser Funktionaere
insofern erweitern, indem eine Umgebung geschaffen wird, in der
ein auf lokaler Ebene wirklichkeitsgetreues und wirtschaftlich
durchfuehrbares Tarif Verhandlungsweg geschaffen warden kann.
Eine solche Entwicklung wuerde eine erfrischende Verabschiedung von der bisherigen Praxis der wertlosen Unsinn-Form sein,
die als Karikatur amerikanischer gewerkschaftlicher und unternehmerischer Zusammenarbeit herumgeistert und die im europaeischen Denken so weit verbreitet ist. Dies wuerde zugleich eine
Moeglichkeit sein, um die Arbeiterschaft von dem politischen
Spekulantentum des franzoesischen CGT loszuloesen, indem ihnen

8

�konkrete wirtschaftliche Vorteile geboten werden, die die Arbeiter vor diesen Abenteuern schuetzen werden.
Labor, and Nation
71/51
DIE ERWERBSTAETIGE JAPANERIN IM SCHÜTZ NEUER ARBEITSGESETZE
Wie aus Berichten des neuen japanischen Arbeitsministeriums
hervorgeht, sind in japanischen Seidenspinnereien wesentliche
Verbesserungen der Arbeitsbedingungen beschaeftigter Frauen
erzielt worden.
Das Kontraktsystem besteht nicht mehr. Das Amt fuer erwerbstaetige Frauen und Jugendliche, das im Jahre 1947 errichtet wurde, berichtet, dass das Kontraktsystem nicht mehr besteht.
Eltern haben keinerlei Recht, Vertraege ueber die Arbeit ihrer
Kinder abzuschliessen oder ihre Loehne an sich zu nehmen. Und
die Unternehmer koennen die weiblichen Arbeiter nicht mehr
zwingen, sich lediglich innerhalb des Werksgelaendes aufzuhalten. Das System der Unterbringung weiblicher Arbeiter in
betriebseigenen Sohlafsaelen ist einer Reform unterzogen worden.
Das Mindestalter fuer die Einstellung ist von 11 auf 15 Jahre
erhoeht worden. Weibliche Arbeiter werden naoh demselben
Tarif bezahlt wie Maenner, wenn die gleiche Arbeit verrichtet
wird. Die Gewerkschaften werden gefoerdert. Frauen duerfen
nicht in Nachtschicht arbeiten, die Arbeitszeit ist auf die
Sechstagewoche und den Neunstundentag reduziert worden^ hierbei
ist eine Stunde fuer Mittagessen und Ruhepausen vorgesehen.
Von diesen und anderen Reformen berichtete das Referat
fuer erwerbstaetige Frauen in der Industrie im japanischen Amt
fuer erwerbstaetige Frauen und Jugendliche, nachdem in dem
Gebiet von Tokio und Yokohama im Jahre 1949 in 20 Seidenspinnereien Erhebungen durchgefuehrt worden waren. Von 6.827 Arbeitern waren 5.661 (-85.9%) Frauen.
Unter den alten Kontraktsystem lieferten verschuldete Eltern (meist Bauern) durch den Abschluss eines Vertrags mit
einem Agenten einer Seidenspinnerei ihre jungen Toechter dieser Industrie in die Haende. Die Maedchen wurden in eine entfernt gelegene Provinz gebracht und wie Gefangene im Werkgelaende der Fabrik untergebracht. Durch das neue Arbeitsgesetz
wurde das Kontraktsystem fuer ungesetzlich erklaert, ebenso
konnten Gewerkschaften errichtet werden. Jetzt ist, wie das
Buerö fuer Frauen und Jugendliche feststellt, die Arbeiterschaft
der Seidenspinnereien gewerkschaftlich gut organisiert, sie
verhandelt in Tariffragen bereits haeufig mit den Unternehmern.
In einigen Betrieben sind 98% der weiblichen Arbeiter der Gewerkschaft beigetreten.
Die meisten weiblichen Arbeiter sind sehr jung. Das Durchschnittsalter der gesamten Gruipe, mit d^r sich das Amt befasst
hatte, betrug 19,2 Jahre. Von je 100 weiblichen Arbeitern waren
26 Maedchen juenger als 17 Jahre; 42 waren juenger als 18 Jahre,
63 juenger als 20 und 91% waren unter 25 Jahren.
Obwohl der Lohn, der bei Eintritt in die Seidenspinnereien
gezahlt wird, der gleiche ist wie in anderen Herstellerindustrien, wird der Lohn fuer routinierte, aber ungelernte Arbeiter
niemals wesentlich ueber den Mindestlohn hinaus erhoeht. Nur
- 9 -

�wenige weibliche Arbeitnehmer haben jemals die Moeglichkeit,
besser bezahlte Positionen uebernehmen zu koennen.
Selbst Frauen, die schon zehn bis 15 Jahre in dem gleichen
3etrieb beschaeftigt sind, verdienen nur das eineinhalbfache
ihres Anfangslohnes. Nur 2,6 % der in dieser Erhebung beruecksiohtigten Frauen waren als Vorgesetzte, hoehere Angestellte
oder hochqualifizierte Facharbeiter taetig, waehrend fast die
Haelfte der Maenner 146,656) solche Berufe ausueben.
Der groesste Teil der Maedchen lebt noch immer in sehr
einfachen Schlafsaelen, die in Bezug auf Ruhe und Privatleben,
Heizung, Beleuchtung und sanitaere Anlagen viel zu wuenschen
uebrig lassen. In einem Saal sind zehn Maedchen untergebracht.
Das Essen ist duerftig und ohne genuegend Abwechslung. Das
Leben in den Schlafsaelen mag dem Amerikaner oder dem Jiuropaeer
als eintoenig und gezwungen erscheinen; man muss es jedoch unter Berueoksichtigung der Gepflogenheiten und der frueheren
Zeiten, wie sie fuer das erwerbstaetige japanische Maedchen
ueblich waren, betrachten. Nahezu 70% der in dieser Erhebung
erfassten Personen waren Maedchen vom Land, die wahrscheinlich
zum groessten Teil von einem noch eintoenigeren Landleben direkt
in die Fabrik gekommen waren.
Nach den neuen Vorschriften koennen die Maedchen, die in
betriebseigenen Schlafsaelen untergebracht sind, kommen und gehen,
wie es ihnen beliebt, üusschuesse der Arbeiterinnen fuer die
Selbstverwaltung werden gefördert. Zu jedem Schlafsaal gehoert
ein Speiseraum, eine Buecherei und ein Klubzimmer, in dem auch
Gaeste empfangen werden koennen.
Wie es den Forderungen des neuen Arbeitsgesetzes entspricht,
haben alle Betriebe Abmachungen ueber - meist unbezahlten - Mutterschaftsurlaub getroffen. Nur wenige Frauen ersuchen, wie das
oben genannte Amt feststellte, um eine Varlaengerung ihrer Beurlaubung nach dar Entbindung, und nur an zwei der in den Betrieben befragten Frauen wurden Familienzulagen gezahlt. Mehr als
die Haelfte der beschaeftigten Frauen arbeiteten, um ihre Familie zu unterstuetzen. In dieser Beziehung liegen die Verhaeltnisse fuer die erwerbstaetige Frau in Japan sehr sehnlich wie
in den Vereinigten Staaten. Die Untersuchungen des Frauenbueros
des amerikanischen Arbeitsministeriums haben gezeigt, dass, im
ganzen gesehen, die weiblichen Arbeitnehmer - ob sie nun verheiratet oder ledig sind - einen grossen Teil der Verantwortung
fuer den Unterhalt der Familie zu tragen haben.
Die neuen japanischen Arbeitsgesetze, unter denen die genannten Fortschritte erzielt wurden, sind fuer alle Herstellerindustrien verbindlich. Das ausfuehrliche Gesetz ueber gerechte Arbeitsbedingunen enthaelt eine Bestimmung, nach der Frauen
und Maennamgleiche Loehne zu zahlen sind. Es verbietet fuer
Frauen und Kinder jegliohe Nachtarbeit und setzt eine Grenze
fuer Ueberstunden. Es verbietet dem Unternehmer, eine Frau zu
entlassen, weil sie schwanger ist, oder weil sie bereits ein
Kind zur Welt gebracht hat.
Andere Arbeitsgesetze erstrecken sich auf die Sicherheit
der Beschaeftigung, Erwerbslosenunterstuetzung, Krankenversicherung und schliesslich auf die Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie auf die gewerkschaftliche
Organisation.
Labor Information Bulletin
10/51
10 -

�DIE STELLUNGNAHME DER NORWEGISCHEN GEWERKSCHAFTEN ZU DEN PROBLEMEN DER LOEHNE. DER PREISE UND DER PRODUKTTÖN
Konrad Nordahl, der Vorsitzende der Norwegischen Gewerkschaf tsfoederation, hielt kuerzlich zwei Ansprachen, die eine
gute Zusammenfassung der Einstellung der organisierten Arbeiterschaften in Norwegen zu den Problemer. der Loehne, der Preise
und der Produktion waehrend der Zeit der Verteidigungsvorbereitungen darstellen. Die Hauptpunkte der beiden von Nordahl gehaltenen Reden werden hier zusammengefasst.
Auf der in Oslo stattgefundenen Versammlung des Nationalrats der Norwegischen Gewerkschaftsfoederation sprach Nordahl
ueber die wirtschaftliche Lage des Landes im Hinblick auf die
Lohnpolitik und die Gewerkschaftsarbeit. Er befasste sich
hauptsaechlich mit den letzten Entwicklungen auf dem Gebiete
der Loehne und Preise und unterbreitete seitens des ExekutivRats einen Antrag auf die dringende Wiedereinfuehrung der
von 1945 bis Fruehjahr 1950 angewandten Stabilisierungspolitik.
Hierbei sollen vier Hauptpunkte beruecksichtigt werden;
a)

Uebermaessigen, auf Preistreiberei zurueckzufuehrenden
Profiten soll durch Auferlegung von Zoellen oder
durch andere Massnahmen Einhalt geboten werden. Die
auf diese Weise gewonnenen Summen sollten fuer eine
Herabsetzung der Preise verwandt werden;

b)

Eine in erhoehtem Masse durchgreifende Preiskontrolle
soll Privatunternehmen davon abhalten, aus anziehenden Preisen uebermaessige Gewinne zu erzielen;

o)

Eine wirksame und gerechte Besteuerung soll auch bei
der Land- und Forstwirtschaft durohgefuehrt werden.
Jeder Stauerbetrug muss streng geahndet werden;

d)

Die Produktion muss auf allen Gebieten zur vollen
Leistungsfaehigkeit gebracht werden.

Nordahl sagte in seiner Ansprache unter anderem:
"Unser Bestreben nach dem zweiten Weltkrieg war es, eine
Inflationsentwicklung zu vermeiden, und viele Laender haben
in dieser Hinsicht Enormes geleistet. In diesem Zusammenhang
hat die Gewerkschaftsbewegung in der Erkenntnis, dass stabile
Preise von groesserem Wert fuer den Lohnempfaenger als Kompensationen fuer die sich unserer Kontrolle entziehenden Preissteigerungen sind, eine gedrosselte Lohnpolitik getrieben.
"Zur Erlaeuterung der treibenden Kraft hinter der heutigen Preisgestaltung moechte ich erwaehnen, dass die in meiner
Heimat gewaehrten Lohnerhoehungen sich auf den Lebenskostenindex im Verhaeltnis 1:5 ausgewirkt haben. Dabei bezieht sich
ein Teil auf die Lohnerhoehung, waehrend fuenf Teile fast ganz
einer Preiserhoehung fuer Rohmaterialien zuzuschreiben sind.
"Wenn dies ein nur meine Heimat betreffender Einzelfall
gewesen waere, dann haetten wir natuerlich einen guten Grund
anzunehmen, dass unsere Wirtschaftspolitik eine falsche war,
aber da wir wissen, dass die Situation in fast allen Laendern
dieselbe ist, muessen anscheinend die Gruenae ausserhalb der
Kontrollmoeglichkeiten eines jeden einzelnen Landes liegen.
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�"Sollte es uns nicht moeglich sein, diese Gruende zu erforschen, dann muss ein grosser Teil der Diskussion, die wir
hier fuehren, als wertlos angesehen werden. Urlauben Sie
mir, hier einige von dem Wirtschaftsrat der Vereinten Nationen
fuer Europa (ECS) kuerzlich im Bericht veroeffentlichten
Schaetzungen anzufuehren. Die Zunahme der Leistungsfaehigkeit
pro Arbeiter wird fuer 1950-1951 fuer Skandinavien und Holland
auf 5#, fuer Gross-Britannien auf 6#, fuer Frankreich, Belgien
und Westdeutschland auf 8-10% gesohaetzt. Die durchschnittliche Zunahme fuer ganz Europa wird auf 9% geschaetzt.
"Aber diese Schaetzungen basieren auf der bedeutsamen
Annahme, dass die Laender imstande sein werden, ihre Rohmaterialprobleme sowohl hinsichtlich der Versorgung als auch
der Preise zu loesen. Es ist auch fuer die Gewerkschaftsbewegung von Wichtigkeit, die Gruende fuer die umfangreiche internationale Preissteigerung, di§ in den letzten Jahren zu empfindlichen Preissteigerungen verschiedener hoechst wichtiger Rohmaterialien gefuehrt hat, gegen diesen Hintergrund zu untersuchen.
Ich erwaehne hier Wolle, Baumwolle, Haeute, Blech, Zink, Sohrott,
Papier, Zellulose u.a.
"Eine solche umfassende und zum Teil auch unterschiedliche
Preissteigerung wird natuerlich durch viele Faktoren hervorgerufen. Ich glaube aber, dass die Kauptgruende wie folgt zusammengefasst werden koennen:
"1. Die Produktion verschiedener wichtiger Rohmaterialien
hat mit der zunehmenden Weltproduktion nicht Schritt gehalten.
In diesem Zusammenhang begegnen wir unmittelbar den besonderen
Problemen der in der wirtschaftlichen Entwicklung zurueckgebliebenen Laender. Die Laender dieser Kategorie sind wichtige Rohstoffquellen fuer die ganze Welt.
"2. Den zweiten Punkt bildet die von gewissen Laendern
foroierte Hortung fuer Verteidigungszweoke. Diese Taktik
scheint sich jetzt bei einer steigenden Anzahl von Laendern
breit zu machen.
"Hier finden wir zweifellos die Epklaerung fuer eine so
gewaltige Preissteigerung gegenueber den tatsaechlichen Produktionskosten. Die Ursache des Ansteigens der Preise ist eigentlich nur im Wunsch nach groesserem Profit bei den Verkaeufern
und in der grossen Kauflust bei den Kaeufern zu suchen. Das
sich darbietende Bild wird noch unangenehmer, wenn man weiss,
dass die Kaufer oft nicht Privatleute sind, sondern dass hinter den verstaendlichen Aufkaeufen die Staaten selbst stehen
und - um zum Zuge zu kommen - jeden nur verlangten.Preis zahlen.
So werden grosse Profite erzielt, die weder durch eine groessere
Produktion mit Hilfe der Arbeiter oder der Unternehmer gerechtfertigt sind. Dies steht in direktem Widerspruch zu den sonst
aufrechterhaltenen Prinzipien gegenueber den Lohnempfaengern,
naemlich dass eine Produktionssteigerung, also eine hoehere und
auch eine verbesserte Produktion, hoehere Loehne zur Folge hat.
Diese Entwicklung auf dem Preismarkt hat eine Inflationsgefahr
geschaffen. Die Parole "Freie internationale Wirtschaft ohne
Einschraenkung durch den Staat" hat ihre schlechten Erfolge,
die jetzt viele Laender der Welt mit einer ernsten Inflation
bedrohen, eindeutig gezeigt. Jedes einzelne Land kann eine
nationale Planwirtschaftspolitik in dem Bestreben, die niedrigsten Preise zu erzielen, verfolgen und im Zusammenhang damit
- 12 -

�strenge Massnahmen einfuehren, aber dieselben Laender wirtschaften vollkommen uneingeschraenkt bei ihrem internationalen
Gueteraustausch. Fuer Exportgueter werden dann Preise zugelassen, die in keinem Verhaeltnis zu den Produktionskosten und
einem angemessenen Verdienst stehen. Die anderen Laender sind
dadurch gezwungen, mit ihren Exportguetern in der gleichen Weise
zu verfahren, und so ergibt sich die jetzige fatale Preisentwicklung. Ich muss bemerken, dass die wirtschaftliche Moral
auch in meinem eigenen Lande nicht viel besser war. Auch dort
werden einige Exportgueter zu ueberhoehten Preisen verkauft.
"Sehr ernst ist natuerlich die Lage fuer diejenigen Laender, die keine auf dem Weltschwarzmarkt gefragten Gueter haben.
Die wirtschaftliche Lage dieser Laender ist bereits eine sehr
prekaere.
"Ich weiss, dass die gegenwaertige gespannte wirtschaftliche Lage durch die Verteidigungspolitik der westlichen Demokratien hervorgerufen wurde. Die Furcht vor dem ünvorbereitetsein
gegenueber einem erneuten Angriff seitens undemokratischer Staaten hat sie gezwungen, unsere Verteidigungskraft zu staerken.
Dieses Vorbereitetsein muss natuerlich von dem einzelnen Buerger bezahlt werden, aber es kann nicht geduldet werden, dass di9
Erzeuger, die die strategisch wichtigen Rohmaterialien in der
Welt kontrollierten, so enorme Profite daraus ziehen, dass das
ganze Waehrungssystem gefaehrdet und der Lebensstandard der
breiten Masse empfindlioh heruntergesetzt wird. Dies fuehrt
zu sozialen Unruhen in einem jeden Lande und, anstatt einer
groesseren Sicherheit - das Ziel der gegenwaertigen Politik
des Bereitseins - wird das Gegenteil eintreten.
"Ich weiss, dass diese Fragen internationale Fragen sind.
Die kuerzlich gebildeten Commodity-Committees (Warenkommissionen)
haben die Aufgabe, sowohl die gegenwaertige grosse Knappheit an
Rohmaterialien als auch die zukuenftigen Produktions- und Verbraucherprobleme, die in diesem Zusammenhang auftauchen, zu
untersuchen. Die Wirksamkeit dieser Kommissionen bleibt jedoch
abzuwarten.
"Seit kurzem wurden von einigen Laendern Massnahmen ergriffen, um die knappe Belieferung mit Rohmaterialien so nutzbringend wir nur irgend moeglich auszuwerten. Diese Politik sollte
sowohl von den Regierungen als auch von den Angestellten- und
Arbeiterorganisationen unterstuetzt werden.
"Das Beste waere natuerlich, eine internationale Loesung
dieser Probleme zu finden.
"Es wird in immer staerkerem Masse empfunden, dass wir
international anerkannte Regelungen brauchen, die Erzeugern
und Kaufleuten verbieten, Preise zu verlangen, die entschieden
in keinem Verhaeltnis zu den Produktionskosten der Gueter stehen. Es ist auch notwendig, internationale Abkommen dahingehend zu treffen, dass es den Regierungen in Zeiten der Knappheit nicht erlaubt werden sollte, groessere Guetermengen zum
Zwecke der Hortung zu kaufen, wodurch die Arbeitsmoeglichkeit
in anderen Laendern unterminiert wird.
"Diese Rohmaterialprobleme sind von so entscheidender
Wichtigkeit fuer einen vollen Arbeitseinsatz, dass ich den Vertretern der internationalen Arbeiterschaft raten moechte, jene
zum Gegenstand eines SpezialStudiums zu machen und, falls moeg- 13

�lioh, einen Plan zur Stabilisierung der Preise und zur Schaffung
eines"staendigen Flusses der internationalen Rohmaterialien
vorzuschlagen."
Auszug aus den Sitzungsprotokollen.
NEUER FISCHSCHWARMDETEKTOR BEDEUTET. MEHR NAHRUNGSMITTEL FUER
EUROPA
Eine Krabbe hat heute in Daenemark nur noch geringe Chancen, laengere Zeit am Leben zu bleiben. Aber auch Heringe
und Dorsche teilen das gleiche Schicksal, setdem die daenischen Fischer einen Ultraschall-Fischdetektor in Gebrauch haben, der ihnen von den USA im Rahmen des Karshallplanes zur
Verfuegung gestellt wurde.
Dieses Instument kann unter der Wasseroberflaeche einen
Raum von der Groesse zweier Wohnblocks einer Grosstadt absuchen. Es lassen sich damit Umfang und Tiefe eines Fischschwarms,
seine genaue Lage und selbst die Fischart feststellen. Krabben
koennen bis zu einer Tiefe von 300 Metern festgestellt werden.
Das Tierleben in den nordeuropaaischen Meeren ist noch
immer privaterer und ungestoerterer Natur als das Leben eines
Guppy im Aquarium eines Wohnzimmers. Und doch sind durch das
neue Geraet die Chancen einiger Fischgattungen, den daenischen
Netzen zu entgehen, um 50% verringert worden.
Das bedeutet natuerlich auch mehr Nahrungsmittel auf dem
Tisch des Arbeiters in den Laendei'n der Nordatlantik-Gemeinschaft. Es bedeutet Wohlstand fuer einen daenischen Industriezweig, der in jahrhundertealter, wenn auch oft abenteuerlicher
Geschichte wurzelt.
Der Fischdetektor ist offiziell unter dem Namen "Bendix
Ultraschall-Tiefenmesser" bekannt. Leute wie Kapitaen Robert
Jensen aus Skagen in Daenemark sehen in ihm in erster Linie
"ein wertvolles Hilfsmittel fuer die Fischerei."
Jensen spricht aus Erfahrung, denn die Verbundenheit seiner Familie mit diesem rieruf wird nach Hunderten von Jahren
bemessen. "Nehmen wir z.B. Heringe", so Deginnt er seine Erzaehlung. "Bevor wir den Tiefenmesser einsetzen konnten, brachte ein Heringsfang nur in seltenen Faellen einen wirklichen
Gewinn ein, weil wir zuviel Zeit benoetigten, um den Standort
der Heringe festzustellen. Ich schaetze, dass unsere Chancen
in dieser Beziehung jetzt um 50% groesser sind."
Kit dem "Wir" meint Jensen seinen Bootsmann Egon Koller,
den dritten Kaat Henning Karinussen und den 19 Jahre alten
Koch Verner Jensen, die die Mannschaft der 47 Tonnen grossen
"Helder" bilden.
Die "Helder" ist eines der 16.000 Fischerboote, ihre Besatzung gehoert zu den 14.000 vollbeschaeftigten und 6.000saisonbeschseftigten Daenen, die durch Fischfang ihr Brot verdienen.
In diesem Land mit einer Einwohnerzahl von weniger als
vier Killionen sind die Fischerboote klein; mehr als die Haelfte
haben eine Kapazitaet von weniger als fuenf Tonnen, und nur
1300 Schiffe sind groesser als 1500 Tonnen.
- 14 -

�Der Fischdetektor ist ein amerikanisches Erzeugnis, das
ziemlich auffaellig ist und aller Augen auf sich lenkt. Aber
Jensen erinnert sich auch noch an die Baumwolle, die im Rahmen des Marshallplanes geliefert wurde, und aus der seine
Netze geflochten sind; er erinnert sich an den Treibstoff
und das Oel, mit dem die durch Krieg und Besatzung lahmgelegte
Industrie wieder auf die Beine gebracht wurde.
Daenemark arbeitet nun wieder in seinem alten traditionellen Gewerbe und liefert Millionen von Europaeern Nahrungsmittel. Der englische Speisezettel konnte 1950 z.B. durch
37.500 Tonnen daenischer Fische bereichert werden. Damit hat
England von den 135.000 Tonnen Fisch, die von Daenemark in
diesem Jahr exportiert wurden, den groessten Anteil uebernommen. Die gesamte Fangbeute dieses Jahres belief sich auf
280.500 Tonnen.
Dies bedeutet eine Steigerung gegenueber dem Jahre
1949 um 16.000 Tonnen. Im gleichen Jahr verdoppelte Daenemark
seinen Export an Filet und Teichforellen nach Amerika und belieferte den amerikanischen Fischmarkt mit 1.320 Tonnen. Der
Fischverbrauch in Daenemark selbst stieg um 165.000 Tonnen.
Die daenischen Fischer werden auf der Basis der Gewinnbeteiligung entlohnt. Der Gewinn aus den ersten 50% einer
Beute wird zur Instandhaltung des Schiffes verwendet. Der
Rest wird wie folgt verteilt: 15% fuer den Kapitaen, 13%
fuer den ersten Bootsmaat, 12% fuer den zweiten Bootsmaat und
8% fuer den Koch.
Der Heimathafen der "Helder", Skagen, ist, was das Entladen von Fischen betrifft, der groesste und beschaeftigste
Hafen Daenemarks. Zuweilen koonnen an einem Tag bis zu 600
Boote in den Hafen einlaufen und ihre Ladung loeschen. 1950
wurden dort insgesamt 71.500 Tonnen Fisch fuer 15 Millionen
DM versteigert.
Die Bewohner Skagens sind von dem Fischereigewerbe abhaengig. Die aeltere Generation unter den 8.000 Einwohnern
dieser Stadt sieht es noch als einen Luxus an, an irgendeinem
Tag ausser sonntags Fleisch zu essen. Normalerweise besteht
viermal in der Woche die Hauptmahlzeit aus Fisch.
Mit einem Fischerboot neben dem anderen bildet die Kueste
von Skagen eine ununterbrochene Linie von Fischernetzen, die
an Masten und Radkaesten aufgehaengt sind. Gruene, luftgefuellte Glaskugeln, an denen die Netze auf See in der entsprechenden Tiefe ausgehaengt werden, glitzern an sonnenbeschienenen Decks. Zu solchen Zeiten durchwogt ein emsiges Treiben
den Hafen - die Fischer bessern ihre Netze aus oder sortieren
die Fische, fuer den Verkauf in der Auktionshalle.
Fisch, Fischerei und Fischer beherrschen die Docks, die
Kaffeehaeuser und den Marktplatz. Selbst Neuerfindungen, wie
der Ultraschall-Tiefenmesser, vermochten nicht den Charakter
dieser Fischereihaefen wesentlich zu veraendern. Und alles,
was dazu dient, die Zeit zu verkuerzen, die diese Maenner zur
Ausuebung ihres Berufes brauchen, ist nicht nur willkommen,
sondern wird geradezu zum Stadtgespraech.
Jetzt korrjnen die Fischer oefter zum Entladen in den
Hafen. "Ich habe mehr als' die Kaelfte eines Jahreseinkommens
- 15 -

�gebraucht, um mir einen Fischdetektor fuer mein Boot, den
"Picator" kaufen zu koennen," berichtete Kapitaen Kai Kirkedal.
"Jetzt moechte ich ihn nicht mehr missen, denn der Heringsfang
bringt mir 60% meines .Einkommens ,ein." Kapitaen Kirkedal
verdient im Monat etwa 750 DM.
Er erklaert ferner, dass "vom Dezember bis zum Maerz
im Nordatlantik die beste Zeit fuer den Heringsfang ist der Wind muss oestlich stehen und es muss kalt sein. Mit
dem Fischdetektor haben wir an einem oder zwei Wintertagen
soviel Heringe gefangen wie unser Boot fassen kann."
Man wird sich aber fragen, inwiefern Kirkedal einen
Vorteil durch den Marshallplan hatte, wenn er die Haelfte-eines Jahreseinkommens aufwenden musate, um den Fischdetektor
kaufen zu koennen.
Kurz gesagt die Marshallplan-Kredite und -Zuwendungen
dienen einer Nation als Gesamtheit. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Daenemark zu wenig Gueter, die es zum Tausch gegen benoetigte Waren haette anbieten koennen, die fuer den
Wiederaufbau seiner Wirtschaft unerlaesslioh waren. Durch
den Marshallplan konnte Daenemark jedoch ueber Dollarmittel
verfuegen, mit denen es diese Waren kaufen konnte.
Eine Dollarzuwendung wird an die Vereinigten Staaten
nicht zurueokgezahlt. Der Verdienst eines halben Jahres
fuer Kapitaen Kirkedal entspricht den Dollarkosten eines
Fischdetektors. Sein von ihm bezahltes daenisches Geld floss
in den sogenannten daenischen "Gegenwertfonds". Die daenische
Regierung verfuegt ueber diesen Fonds und verwendet ihn zur
Finanzierung des Wiederaufbaus bestimmter staatlicher Projekte,
die waehrend des Krieges und der Besatzungszeit zerstoert oder
vernachlaessigt wurden.
Auf
Tausende
nen, die
arbeiten

diese &lt;Veise haben Kirkedal und Jensen und viele
anderer Daenen die Erzeugnisse sich beschaffen koensie benoetigen, um leistungsfaehiger und produktiver
zu koennen.

Ihre Arbeit hilft mit, den Lebensstandard der Daenen
und all der Voelker zu verbessern, die daenische Erzeugnisse
benoetigen.
ECA Labor Information

- 16 -

HICO0 3 Jan 51 183M I II

10

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 52

Frankfurt, den 28. Dezember 1951

I N H A

L T S V B R Z E I C H N I S

Der amerikanische und der europaeische Unternehmer ...

1

Mitgliederzahlen und Tarifvertraege kanadischer
Gewerkschaften

4

Die Loehne in der amerikanischen Stahlindustrie

5

Die Sozialversicherung der U.S. gewaehrt Muettern
erhoehten Schutz

7

"Mit diesen Beenden"

8

Die Internationale Arbeitsorganisation berichtet von
ihrer Arbeit
«

10

Die Gewerkschaftsbewegung in Mittel- und Suedamerika . 13
Zwei Jahre IBFG und die Erfolge

14

Hollaendische Gewerkschaften fuer E in Schaltung in
Produktivitaetsmassnahmen

16

DER AMERIKANISCHE UND DER EUROPAEISCHE UNTERNEHMER
Eine ernsthafte und wichtige Frage, die zugleich politischer, wirtschaftlicher und geistiger Natur ist, tauchte in den
letzten Monaten mehrmals in der oeffentlichen Diskussion auf.
Jedermann, dem das gute Funktionieren und die innere Gesundheit
dessen am Herzen liegt, was man gemeinhin die "westliche" Welt'
nennt, sollte sioh diese Frage vorlegen: ob naemlioh unsere
Unternehmer untereinander nooh die gleiche Sprache sprechen
und in den gleichen Linien denken. Oder, knapper ausgedrueckt:
die Frage ist entstanden, ob sich der amerikanische Kapitalismus
in der gleichen Richtung bewegt wie der europaeische oder ob da
nicht, innerhalb der Gedankenwelt des Unternehmertums, eine
ernstliche Spaltung oder Meinungsverschiedenheit zwischen Amerikanern und Europaeern entstanden ist.
1 -

�In der ersten Dezemberwoche fand in New York eine Tagung
der "Internationalen Konferenz der Industriellen" statt, ein
Neuankoemmling in der Welt der internationalen Organisationen;
die Tagung war einberufen und durchgefuehrt worden von Amerikas
maechtigem Industriellenverband, der "National Association of
Manufacturers". Auf dieser Tagung prasselten die Differenzen
zwischen den amerikanischen Veranstaltern und ihren europaeischen
Gaesten hart aufeinander-- genau so, wie man das in den letzten
Jahren schon mehrfach auf Kongressen der Internationalen Handelskammer und Industriellenkonferenzen im Rahmen der amerikanischen
Marshallplanorganisation und der Pariser Organisation fuer "wirtschaftliche Zusammenarbeit" erlebt hat. Auf dieser New-Yorker
Tagung gab es eine faszinierende Debatte, gefuehrt auf der einen
Seite von Charles Wilson, Generaldirektor des amerikanischen
Konzerns "General Motors", und auf der anderen Seite von Sir
Norman Kipping, dem Praesidenten des Nationalverbandes der Britischen Industrie; die eine Seite forderte die andere auf, den
"altmodischen Kapitalismus der Alten »Veit" durch das "fortschrittliche amerikanische System des freien "Wettbewerbs" zu ersetzen und die andere Seite erwiderte, dass die Amerikaner ihre Methode
nur darum anwenden koennen, weil sie "aus dem vollen wirtschaften koennen, d.h. weder Rohstoffsorgen noch Absatzsorgen noch
Fragen der Zahlungsbilanz und der Waehrung noch Kreditschwierigkeiten kennen; und im uebrigen haetten so viele amerikanische
Industrien ihren Frieden mit Staatskontrolle und den Organen
staatlicher Planung gemacht, dass man von "freier Wirtschaft"
wohl kaum noch reden koenne."
Dieser Gegensatz innerhalb der industriellen Elite hueben
und drueben zu beiden Seiten des Atlantik ist einer der ernstesten Faktoren in den amerikanisch-europaeischen Beziehungen. Bekanntlich werden die noch verbleibenden Zahlungen des Marshallplanes, ausdruecklich auf Wunsch der amerikanischen Geschaeftswelt, so verwendet, dass ein Druck auf die europaeische Industrie
ausgeuebt wird, ihre Produktionsmethoden zu modernisieren, ihre
Kalkulation zu veraendern und alle restriktiven Methoden (Kartelle,
Monopole, Marktaufteilungen, Preisabkommen usw.) zur Ausschaltung
der Konkurrenz fallen zu lassen. Die meisten europaeischen Industriellen akzeptieren heute das Prinzip der Modernisierung der
Produktion nach amerikanischem Muster - aber das von den Amerikanern gepredigte Prinzip der "Freude an der Konkurrenz" als Ansporn füer vermehrte Anstrengungen und Verbesserungen, hat - nach
maerikanischer Ansicht - sich in Europa nicht durchsetzen koennen.
Und die Sprecher der amerikanischen Wirtschaft, z.B. der erwaehnte
Generaldirektor der "General Motors" in seiner Ansprache in New
York, erklaerten, dass man den Rueckstand der europaeischen Industrie gegenueber der leistungsfaehigeren Produktion in den USA
nicht nur durch Betriebsrationalisierungen undfiinfuehrungdes
Taylor-Systems aufholen koenne; die ganze Konzeption der europaeischen Industriellen verlange eine gruendliche Modernisierung.
Nun muss man sich zwar darueber klar sein, da3S amerikanische
Industriolle gerne den Rock des Missionars anziehen und auf der
ganzen Welt in schulmeisterlichem Tön die Ueberlegenheit ihrer
Methoden, Ansichten und Taetigkeiten predigen - und man braucht
ihre Reden nicht auf die Goldwaage zu legen, denn in der Praxis
sieht auch in Amerika manches anders aus als in pathetischen
Reden im Bankettsaal. Aber ein Koernchen 'Wahrheit ist doch daran.
Die ameri. kanische Industrie war einmal unendlich viel ellenbogenhaerter, ruecksichtsloser, draufgaengerischer und sozialreaktionaerer als die europaeische; die ßuacher von Upton Sinclair und
Jack London, die vor einem halben Jahrhundert die damalige Realitaet
- 2

�aufzeichneten, waren kaum uebertrleben.
Inzwischen hat sich viel geaendert. Die Gesetzgebung der
Aera Roosevelt trug zu diesen Aenderungen viel bei; aber entscheidender war und ist, dass die geistige Einstellung des
Unternehmertums sich gewandelt hat. Und diese neue geistige
Haltung des amerikanischen Unternehmertums ist es, die von
den Sprechern der amerikanischen Wirtschaft heute immer wieder,
haeufig in ungeschickter Form und mit peinlich wirkendem Selbstlob, der «Veltoeffentlichkeit vorgefuehrt wird.
In Wirklichkeit ist es so, dass der geschilderte Riss quer
durch die Schicht der amerikanischen Industriellen, Betriebsdirektoren und "Managers" hindurch geht - es ist fast, wenn
auch nicht haargenau, ein Generationsgegensatz. Oberflaechlich
gesehen, ist das Kennzeichen der juengeren Generation,die
heute schon die Oberhand gewonnen und sich sehr erfolgreich
durchgesetzt hat, dass sie politisch verhaeltnismaessig weit
"links" steht. Sie akzeptiert freudigen Herzens, nicht nur
notgedrungen, die staatlichen Planungs-, Kontroll- und Sozialschutzinstanzen in der Wirtschaft, und sie hat ein System so
ueberraschend enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften geschaffen, dass der Auslaender stets erstaunt ist - wie etwa
ueber den gemeinsamen Besuch von Universitaetskursen ueber Betriebswissenschaften usw. von Industriellen, Direktoren und Prokuristen zusammen mit ihren eigenen Betriebsraeten und den Funktionaeren der zustaendigen Gewerkschaften. Ausserdem ist die
Zahl der paritaetisch zusammengesetzten Kommissionen fuer Betriebs- und Produktionsfragen und dgl. gewaltig angeschwollen wobei es sich,wohlgemerkt, zumeist nicht um gesetzlich vorgeschriebene oder behoerdllche Organe handelt, sondern um freiwillig gebildete Instanzen der wirtschaftlichen und betrieblichen Selbstverwaltung.
Aber die "linke" gewerkschaftsfreundliche und sozialreformatorische Einstellung der juengeren amerikanischen Industriellengeneration ist nur ein Teil des Bildes. Der andere und vielleicht wichtigere Teil ist ihre Experimentierfreudigkeit. Was
es in amerikanischen Fabriken an Experimenten gibt, 'zumeist sozialer Natur, und immer mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen
Betriebsleitung und Belegschaft zu verbessern, ist kaum noch zu
uebersehen. Betriebskrankenkassen, Betriebspensionskassen, Betriebsaltersheime usw. gibt es in grosser Zahl und nach vielen
verschiedenen Formeln und Prinzipien, und zwar bei Gross- wie
auch bei Mittelbetrieben; und ebenso gibt es unendliche Formeln
und Rezepte fuer Gewinnbeteiligung der Belegschaft, Praemienausschuettungen an die Belegschaften nach dem Muster und Schluessel
der Aktiendividenden, verschiedene Experimente fuer "JahresLohngarantie" (bei der „dem Arbeiter ein Jahresgesamteinkommen
fuer 2080 Arbeitsstunden garantiert wird, naemlich 40 Arbeitsstunden pro i/oche in den 52 Wochen des Jahres) und andere Formeln mehr; es gibt Experimente, wie man durch technische Methoden die Zahl der Betriebsunfaslle vermindern und wie man aelteren Arbeitern Leben und Arbeit erleichtarn kann usw.
Nun ist das Standard-Gegenargument von europaeischer Seite,
dass es das gleiche und sehnliches in Europa auch gebe, unbedingt richtig; aber Umfang, Ausdehnung, Tempo und Vorurteilslosigkeit dieser Experimentier- und Reformfreudigkeit sind in
Amerika groesser. Nimmt man zu diesen Dingen noch die bekannten
Faktoren dazu, wie die Massenproduktion mit geringem Profit, die
- 3 -

�Politik der hohen Loehne, die groessere Konsumkraft erzeugt,
und die staendigen Reformen und Verbesserungen in bezug auf
Produktionstechnik und Fabrikationsmethode, dann hat man in der
Tat einige frappante Unterschiede vor sich, die die heutigen
tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen amerikanischem
und europaeischem Unternehmertum sehr deutlich illustrieren.
"Der Bund"
Bern, XIl/16/51
MITGLIEDERZAHLEN UND TARIFVERTRAEGE KANADISCHER GEWERKSCHAFTEN
Die Zahl der Mitglieder aller Gewerkschaften in Kanada
betrug im Jahre 1951 insgesamt 1029,000, - das ist, dem Jahre
1950 gegenueber, eine Steigerung um 2% oder, in Zahlen eusgedrueckt, um mehr als 22,000. Dies geht aus der 14. Jahreszaehlung kanadisoher GewerksohaftsOrganisationen hervor, die
vom kanadischen Arbeitsministerium durchgefuehrt wurde. »Vie
die nachstehenden Zahlen zeigen» wird durch diese Erhoehung
die Aufwaertstendenz in den Mitgliederzahlen seit 1939 fortgesetzt:
Jahr:

Mitgliederzahl:

Jahr:

1939
1940
1941
1942
1943
1944

359,000
362,000
462,000
578,000
665,000
724,000

1945
1946
1947
1948
1949
1951

Mitgliederzahl:
711,000
832,000
912,000
9 78,000
1,006,000
1,029,000

Etwa 85$ der Gewerkschaftsmitglieder gehoeren Gewerkschaften an, die einem der drei kanadischen Gewerkschaftsbuende angeschlossen sind. Seit Dezember 1949 hat sich die Zahl der
Mitglieder des Gewerkschaftsbundes "Trades and Labor Congress"
(TLC) um annaehernd 2,5$, die des "Canadian Congress of Labor"
(CCL) um mehr als 3# und die der "Canadian and Catholic Confederation of Labor" (CCCL) um mehr als 7$ erhoeht. Die Mitgliederzahlen der einzelnen Gewerkschaftsbuende sind der nachstehenden Tabelle zu entnehmen:
Trades and Labor Congress of Ganada (TLC)
davon in Gewerkschaften, die AFL und TLC
angeschlossen sind 1/
TLC allein

470,926

Canadian Congress of Labor (CCL)
davon im CIO und CCL
im CCL allein

312,532
204,945
107,587

Gewerkschaften, die nicht dem CCL angeschlossen
sind
nur der AFL angeschlossen
nur dem CIO angeschlossen
All-Amerikanische Eisenbahnergewerkschaft

389,973
80,953

11,307
1,500
40,459

Andere unabhaengige All-ümerikanische Gewerkschaften 50,205
Kanadischer und Katholischer Gewerkschaftsbund
(CCCL)
- 4 -

86,184

�National Council of Canadian Labor
Canadian Föderation of Labor

2/

5,138

Z/

3,971

Landes-, Bezirks- oder Ortsgewerkschaften, die
nicht dem CCL angeschlossen sind
»
Insgesamt
1,028,521
1/ Fuenfundsechzig Ortsgewerkschaften mit 6,993 Mitgliedern sind direkt und ausschliesslich der AFL
und auch dem TLC angeschlossen.
2/

Diese Zahl bezieht sich auf die angeschlossenen Gewerkschaften, die ihre Mitgliedszahlen dem Arbeitsministerium mitteilten.

Von den 307 Tarifvertraegen, die von der kanadischen Arbeitsverwaltung im Jahre 1951 registriert wurden, enthalten
46 (15%) sehr verschiedenartige sogenannte "Stufengleitklauseln", nach denen die Loehne im gleichen Verhaeltnis wie der
offizielle Lebenshaltungskostenindex erhoeht werden. Die Abteilung fuer '.Virtschaft und Forschung im kanadischen Arbeitsministerium teilt mit, dass die bestehenden Vereinbarungen der
Stufengleit-Klauseln im allgemeinen bestimmen, dass der Stundenlohntarif im Anschluss an eine Erhoehung des Lebenshaltungskostenindex heraufgesetzt werden muss. Im Gegensatz hierzu
war es im Jahre 1950 allgemein ueblich, fuer jede Erhoehung
des Lebenshaltungskostenindex um einen Punkt eine woechentliche Praemie von 25 Cents zu gewaehren. In den Vertraegen von
1951 dagegen wird zumeist festgelegt, dass jede Erhoehung des
Lebenshaltungskostenindex um 1,3 Punkte eine Stundenlohntariferhoehung um einen Cent zur Folge haben muss. Fuer den Fall,
dass der Index jedoch zurueckgeht, sind keine entsprechenden
Vorkehrungen getroffen. Die Vertraege, die Stufengleit-Klauseln enthalten, sind ici Durchschnitt fuer weit mehr Arbeiter
gueltig als solche, in denen derartige Bestimmungen nicht verankert sind.
Notes on Labor Abroad
51/7 - 8
i

DIE LOEHNE IN DER

A I T E R B U N ISCHEN

STAHLINDUSTRIE

Die gegenwaortigen 3emuehungen der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (CIO) um einen neuen Tarifvertrag fuer
die stahierzeugende Industrie hat die Aufmerksamkeit der Oeffehtlichkeit in den Vereinigten Staaten auf die Lohnstruktur
in diesem Industriezweig konzentriert. Zur gleichen Zeit, in
der Verhandlungen gefuehrt werden, hat das Buero fuer itrbeitsstatistik im amerikanischen ürbeitsministerium einen Bericht
ueber die Lohnstruktur in der Eisen- und Stahlindustrie veroeffentlicht. Die Angaben gelten fuer den Monat Januar des
Jahres 1951. Der durchschnittliche Stundenlohn (ohne Zuschlaege fuer Ueberstunden) betrug fuer 600.000 Arbeiter in der
Eisen- und Stahlindustrie rund 1.79 Dollar. Die Loehne der
mittleren Lohngruppen, denen 50$ aller Stahlarbeiter angehoeren, bewegten sich zwischen 1.50 und zwei Dollar pro Stunde.
In der Eisen- und Stahlindustrie ist der Grad der Unahhaengigkeit der Betriebe von Zubringerbetrieben sehr verschieden. In einigen Unternehmungen spielen sich saemtliche Produk- 5 -

�tionsprozesse ab - von der Gewinnimg der Rohstoffe bis zur
Herstellung der fertigen StahlerZeugnisse. Andere Gesellschaf tsunternehmen, in einigen Faellen auch einzelne Fabriken,
haben sich auf bestimmte Erzeugnisse spezialisiert. Im allgemeinen ist die Mannigfaltigkeit der Arbeitsplaetze, die in
ihren Anforderungen an die Arbeiter wiederum sehr verschieden
sind, ein charakteristisches Merkmal dieser Industrie. Ein
Standard-Lohnsystem mit 32 verschiedenen Stufen ist aus diesen Gruenden aufgestellt worden, der Unterschied zwischen den
einzelnen Stufen kommt in der Bezahlung im allgemeinen durch
einen Stundenlohnunterschied von fuenf Cents zum Ausdruok.
Nach einem "Genossenschaftlichen Lohnstudien-System" werden
bestimmte Berufe nach einem Punktsystem bewertet, bei dem Erfahrung, Geschicklichkeit, Verantwortung, Kraftaufwand und
Arbeitsbedingungen eine Rolle spielen.
Die Industrie ist hauptsaechlich auf die Gebiete der mittleren Atlantikkueste und die der grossen Seen konzentriert.
Hier sind ueber fuenf Sechstel aller Stahlarbeiter taetig.
Sie sind fast 100^-ig gewerkschaftlich organisiert. Die fuehrende Gewerkschaft ist die Vereinigte Stahlarboiter-Gewerkschaft
von Amerika ICIO). Das Wesen dieser Industrie bringt es mit
sich, dass in ihr fast nur Maenner beschaeftigt sind.
In dem allgemeinen Durchschnittslohn des Stahlarbeiters
in Hoehe von 1.79 Dollar pro Stunde sind keine Zuschlaege fuer
Ueberstundenarbeit enthalten. Er war Mitte Januar 1951 einer
der hoechsten Durchschnittsloehne in den amerikanischen Herstellerindustrien. Gebietsmaessig variierte der Durchschnittslohn von 1.68 Dollar im Sueden bis 1.81 Dollar im Gebiet der
grossen Seen. Etwa 1% der Arbeiter erhielten in der Stunde
weniger als 1.30 Dollar, und 1,2% verdienten drei Dollar und
mehr in der Stunde.
In 168 Berufsgruppen bewegten sich die Loehne zwischen
einem Durchschnitt von 1.34 Dollar fuer Feger in Drahtfabriken
und 5 Dollar fuer Blechwalzer in Werken, in denen nur heiss
gewalzt wird. Fuer die Haelfte der Berufe lagen die Durchschnittsstundenloehne zwischen 1.70 und 2.10 Dollar.
Zur Zeit der Erhebung betrug der durchschnittliche Stundenlohn einschliesslich der Ueberstundenpraemien 1.88 Dollar. Aus
Angaben fuer den Monat September 1951 geht hervor, dass dieser
Betrag ungefaehr gleich geblieben ist.
Zu einigen der direkten Lohnverguenstigungen fuer Stahlarbeiter gehoeren Sonderzuschlaege fuer Spaetschicht- und Ueberstundenarbeit, bezahlte Feiertage und Urlaub. Die durchschnittlichen Mehraufwendungen der Unternehmer fuer diese Sonderzuschlaege beliefen sich auf etwa 11 ."5 Cents fuer jede geleistete
zusaetzliche Arbeitsstunde. Fuer indirekte Vergüenstigungen,
wie z.B. gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen (Arbeitslosen-,
Alters-, Hinterbliebenen- und Unfallversicherung) und fuer
freiwillige Versicherungen betrugen die ausgaben der Unternehmer
fuer jede geleistete Arbeitsstunde im Durchschnitt 4,6 bzw.
2,5 Cents.
Die Aufwendungen fuer Pensionsplaenc, die von den Arbeitgebern allein finanziert werden, wurden nicht berechnet, weil
sie im Augenblick nicht als charakteristisch fuer die gesamte
Stahlindustrie angesehen werden. Im allgemeinen ist jedoch eine
Pension vorgesehen, die bei Erreichen des 65. Lebensjahres oder
- 6 -

�bei Eintritt totaler Erwerbsunfaehigkeit eines Arbeitnehmers
mit 15 Dienstjahren gezahlt wird.
In den TarifVerhandlungen, die gegenwaertig in der Stahlindustrie gefuehrt werden, stellt die Stahlarbeitergewerkschaft Amerikas 22 Vertragsforderungen, darunter eine "wesentliche" Lohnerhoehung auf Grund hoeherer Lebenshaltungskosten,
ein garantiertes Jahreseinkommen, Ueberstundenbezahlung fuer
Arbeit an Sonnabenden und Sonntagen, acht bezahlte Feiertage
im Jahr, grosszuegigere .Urlaubsbestimmungen, hoehere Praemien
fuer Nachtarbeit und einige andere Vergünstigungen. Man rechnet ausserdem damit, dass die Gewerkschaft eine Lohnerhoehung
auf Grund gestaigerter Produktivitaet fordern wird.
Die Stahlfirmen geben jedoch vor, ohne eine Erhoehung der
Stahlpreise keine- Lohnerhoehungen und sonstigen Vergünstigungen gewaehren zu koennen. Sprechern der Industrie zufolge koennen den Arbeitern nach dem jetzigen Stand nicht mehr als sechs
Cents an Stundenlohnerhoehungen gewaehrt werden, wenn die Bestimmungen des Lohnstabilisierungsausschuases ueber die Lebenshaltungskosten nicht verletzt werden sollen. Die Gewerkschaft
ist dagegen der Auffassung, dass die Arbeiter auf Grund erhoehter Lebenshaltungskosten Anspruch auf eine Lohnerhoehung von
mindestens zwoelf Cents in der Stunde haben, und dass sie ferner Produktivitaetszuschlaege und andere Verguenstigungen erhalten muessen, die insgesamt 25 Cents oder mehr ausmachen
muessen.
Fuer den Fall, dass keine Einigung erzielt ist, wenn die
jetzt gueltigen Vertraege abgelaufen sind, wird der Praesident
den Lohnstabilisierungsausschuss mit der Beilegung des Streitfalles beauftragen, um einen Streik zu vermeiden, der das Mobilisierungs- und Verteidigungsprogramm schwer in Mitleidenschaft ziehen koennte.
Weekly Labor News Digest
VI/49
DIE SOZIAL VERSICHERUNG DER U.S. GEWAEHRT MUETTERN ERHOKHTEN
SCHÜTZ
Naoh der im Jahre 1950 erlassenen Abaenderung zum bundesstaatlichen Sozialversicherungsgesetz fuer die Vereinigten Staaten haben Frauen im allgemeinen groessere Rechte und ebenso
Anspruch auf hoehere Unterstuetzungen. .Dies trifft sowohl
fuer verheiratete Frauen, Muetter und Witwen als auch fuer
solche berufstaetige Frauen zu, die ihre Familie unterhalten.
Das neue Gesetz beruecksichtigt z.B. in weit groesserem Unfang
als das alte die wirtschaftlichen Beduerfnisse der unterhaltsberechtigten Frau mit Kindern. Bisher hatte die Frau eines
pensionierten oder sozialversicherten Arbeiters in keinem
Fall vor Erreichen des 65. Lebensjahres Anspruch auf monatliche
Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung. Nach dem neuen
Gesetz dagegen ist eine Frau, die ein minderjaehriges Kind versorgt, das Anspruch auf Unterstuetzung aus der Sozialversicherung hat, ebenfalls unterstuetzungsbörechtigt, gleichgueltig,
welchen Alters sie ist. Diese Zahlungen werden bis zum 18.
Lebensjahr des Kindes fortgesetzt.
Nach dem alten Gesetz hatte eine Mutter, die das minderjaehrige Kind ihres verstorbenen oder geschiedenen Gatten
- 7 -

�unter ihren Namen versorgt, keinen Anspruch auf monatliche Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung, nenn sie jetzt jedoch fuer den Lebensunterhalt ihres eigenen Kindes oder eines
gesetzlich adoptierten Kindes aufkommt, das Anspruch auf Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung hat, und wenn sie nicht
wieder geheiratet hat, wird auch an sie eine monatliche Untecr
stuetzung gezahlt. Zur Zeit des Todes ihres versicherten oder
geschiedenen Gatten muss ihr Lebensunterhalt entweder auf Grund
einer Abmachung oder einer gerichtlichen Verfuegung mindestens
zur Haelfte von diesem bestritten worden sein. Durch diese Bestimmung findet in dem neuen Gesetz die Tatsache Beruecksichtigung, dass eine geschiedene Frau, deren Lebensunterhalt zum
groessteh Teil aus dem Einkommen ihres ehemaligen Gatten finanziert wurde, nach dessen Tod die Hinterbliebenenrenten mindestens ebenso dringend braucht wie eine Frau, deren Ehe nicht
aufgeloest wurde.
Die Be stimm uns in dem neuen Gesetz, nach der die Militaerzeit waehrend des zweiten Weltkrieges fuer die Sozialversicherung als Arbeitszeit voll angerechnet wird,, hat fuer viele
Frauen zusaetzliche Unterstuetzungen gebracht. Dieses Gesetz
sieht nicht nur die Anrechnung der Militaerzeit fuer Frauen vor,
die selbst beim Militaer dienten, sondern Spricht auch vielen
Witwen und Muettern gefallener Soldaten einen Anspruch auf
Hinterbliebenenrente zu. Hinterbliebene gefallener Soldaten,
die in der Sozialversicherung versichert waren und minderjaehrige Kinder hinterliessen, koennen jetzt selbst dann durch die
Sozialversicherung unterstuetzt werden, wenn sie nach den Bestimmungen des Gesetzes ueber die Versorgung von Soldaten eine
Pension beziehen wuerden. Wenn die Dienstzeit waehrend des
zweiten Weltkrieges zu der Arbeitszeit des gefallenen Gatten
oder Sohnes, waehrend der er der Sozialversicherung angehoerte,
hinzugezaehlt wird, werden viele Frauen sofort Anspruch auf
Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung erhalten.
Facts on Women Workers
9/30/51
"MIT DIESEN HAENDEN"
"Mit diesen Haenden" ist die Geschichte von 400.000 Arbeitern des Schneidereigewerbes in den Vereinigten Staaten und
Kanada - die Schilderung eines Kampfes, den eine Gruppe amerikanischer Arbeiter durch ihre organisierte Staerke und durch
den Aufbau einer maechtigen Gewerkschaft mit ihren eigenen
Haenden gegen unmenschliche Bedingungen fuehrte, um sich und
ihren Familien anstaendige Lebensbedingungen zu sichern.
Dieser Film wurde von der All-amerikanischen Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungsarbeiter hergestellt, um ihr Goldenes
Jubilaeum aus Anlass ihres 50-jaehrigen Bestehens zu feiern.
Die Geschichte von den KaempTen, die gefuehrt werden mussten,
um die Gewerkschaft gruenden und erhalten zu koennen, ist in
die Herzen der Mitglieder eingeschrieben, und man war der Ansicht, dass diese Geschichte zum Leben erweckt und in ansprechender Form mit den besten Berufstalenten, die dem amerikanischen
Film zur Verfuegung stehen, vor die Oeffentlichkeit und die
uebrige Arbeiterschaft gebracht werden muesse.
Tatsache ist, dass ein solcher Film praktisch von jeder
einzelnen Gewerkschaft haette gedreht werden koennen, denen

8

�die 16 Lflillionen organisierter Arbeiter in den Vereinigten
Staaten und Kanada angehoeren. Bestimmte Vorfaelle, ortsgebundene Probleme, Namen und Daten wuerden verschieden sein aber das Wesentliche waere in allen Faeilen dtis gleiche.
Wenn sich der amerikanische Arbeiter heute eines hohen
Lebensstandards erfreut, so zeigt der Film, wie erbittert
er Schritt fuer Schritt darum kaempfen musste.
Gegen hartneeckige Unternehmer, die sich in keiner ".»'eise
von den Arbeitgebern in der uebrigen Welt unterschieden,
musste jeder Fortschritt schwer erkaempft werden. Wenn jauch
die Unternehmer in den Vereinigten Staaten inzwischen gelernt
haben, dass eine liberale Politik der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Gewerkschaften sowohl den ersteren als auch
den letzteren zugutekommt, so muss doch hervorgehoben werden,
dass es die Dynamik der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
war, die diese Veraenderung zustandegebracht hat.
Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter haben nicht
vergessen, wieviel Lluehe es gekostet hat, ihre Gewerkschaften
aufzubauen und zu den jetzigen Lebensbedingungen zu kommen,
und sie wissen auch, was es kostet, diese Erfolge fuer clie
Dauer zu sichern. Sie wissen, dass es letzten Endes ihre
Wachsamkeit, ihre Solidaritaet, ihre organisierte Staerke und
die Erhaltung der demokratischen Freiheiten sind, die den Ausschlag geben. Sie sind entschlossen, von dieser soliden Grundlage der Errungenschaften der Vergangenheit aus ihren Weg zu
neuen Horizonten fortzusetzen.
Der groesste Teil der Mitglieder der Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter, die die Gewerkschaft erfbaute,
waren Einwanderer, die ihre Heimat in Russland, Polen, Italien
und anderen Laendern verlassen hatten, weil sie sich von der
Neuen »Veit mehr versprachen. Viele hatten die Pogrome in
Europa kennengelernt; andere mussten der politischen Verfolgung entfliehen; wieder andere waren Vorkaempfer und Fuehrer
in der europaeischen Arbeiterbewegung gewesen.
Trotz der schlechten Verhaeltnisse, die ^sie vorfanden,
hatten sie ihren Traum von einer Neuen Welt nicht aufgegeben.
Sie wussten die Freiheit zu schaetzen, und sie schlössen sich
der Gewerkschaft an, um dem echten Begriff der Freiheit sowohl
im industriellen als auch im politischen Leben eine Bedeutung
zu geben.
Eine Ortsgewerkschaft der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter nennt sich Ortsgewerkschaft Nr. 48 zum Andenken an die Revolution von 1848; eine andere Ortsgewerkschaft
italienisch sprechender Arbeiter traegt im Gedenken an die
Franzoesische Revolution im Jahre 1789 die Nr. 89. Ihr Leitspruch heisst "Pane e Rose" (Brot und Rosen).
Dies ist im wesentlichen das Motto der gesamten Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Denn fuer diejenigen,
die die Gewerkschaft gruendeten, waren das Recht, sich seinen
Lebensunterhalt zu verdienen und das Recht auf Freiheit und
Glueck untrennbar miteinander verbunden.
Dadurch, dass die Gewerkschaft der DamenOberbekleidungsarbeiter fuer Sicherheit des Arbeitsplatzes, fuer eine Verkuerzung der woechentlichen Arbeitszeit von 70 und 80 Stunden auf
- 9 -

�35 Stunden und fuer bessere Loehne sorgte, hat sie ihren Mitgliedern mehr Freizeit ermoeglicht, in der sie die Annehmlichkeiten des Lebens geniessen koennen. Aber die Gewerkschaft ist nooh weiter gegangen und hat ihren Mitgliedern
nicht nur ein besseres Leben gesichert, sondern auch Einrichtungen geschaffen, die es ihnen ermoeglichen, diese groessere
Freizeit zu geniessen»
Mit ihren Heimen im ganzen Land hat die Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungsarbeiter ein weitreichendes Schulungs-,
Kultur- und Erholungsprogramm in die Wege geleitet, das den
Wuenschen und Beduerfnissen ihrer Mitglieder angepasst ist.
Tausende von Arbeitern nehmen an sportlichen Veranstaltungen,
Musikabenden, Vortraegen uebor Kunst, Tanzveranstaltungen
und Theatervorfuehrungen der Gewerkschaft teil. Das Bildungsreferat unterhaelt eine Arbeiterhoohschule, an der Berufsdozenten oder Experten der Gewerkschaft Kurse ueber Gewerksohaftsgeschichte, Rhetorik, Psychologie, Gewerkschaftsprobleme, das Musikhoeren, aktuelle und Wirtschaftsfragen geben.
Das sogenannte "Unity House", das Sommerheim der Gewerkschaft, das einen Wert von einer Million Dollar hat, spielt
in diesem Programm eine wesentliche Rolle. Die Gewerkschaft
bietet ihren Mitgliedern und Gaesten nioht nur einen luxurioesen Ferienaufenthalt zu durchaus erschwinglichen Preisen,
sondern laedt auch in jedem Sommer bekannte Dozenten, Unterhaltungskuenstler und Musiker ein.
Weil die Staerke einer demokratisphen Gewerkschaft davon
abhaengig ist, ob ihre Mitglieder aufgeklaert und wachsam sind,
hat die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ein
besonderes Schulungsprogramm aufgestellt, das Lehrgaenge fuer
neue Mitglieder, Sonderkurse fuer Betriebsratsvorsitzende,
fuer Mitglieder oertlicher Gewerkschaftsvorsteende und fuer
zukuenftige Funktionaere vorsieht. Weiter wird Unterricht
ueber die Struktur und Arbeitsweise der Gewerkschaft, ueber
die Organisationsmethoden, das Abhalten von Gewerkschaftsversammlungen, die Fuehrung der Geschaeftsbuecher der Gewerkschaft,
ueber Streik und das Unterbreiten von Forderungen der Arbeiter
erteilt.
"Mit diesen KaendenJ* erzaehlt die Geschichte der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter an Hand der Lebensgeschichte eines einzelnen Mitglieds der Gewerkschaft. Mit dieser Geschichte veranschaulicht der Film ausserdem, was sich
ereignet, wenn sich freie Arbeiter in einem freien Land zusammenschliessen, um sich ein glueckliches Leben und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu verschaffen.
Auszug aus dem Prospekt zu
"Mit diesen Haenden" der ILGWU
DIE INTERNATIONALE ARBEITS ORGANISATI PN BERICHTET VON IHRER
ARBEIT
""""—
Vor wenigen Wochen sagte der Generaldirektor der Interna• tionalen Arbeitsorganisation, David A. Morse, vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen:
"Die Internationale Arbeitsorganisation ist universell.
Sie befasst sich mit allen einschlaegigen Fragen und sucht
- 10 -

�Loesungen unter dem Gesichtspunkt des Interesses aller Voelker.
Sie ist kein Werkzeug in der Hand eines Staates oder einer
Staatengruppe und wird es auch niemals sein. Sie wird jeden
Staat als Mitglied begruessen, der bereit ist, die Verpflichtungen auf sich zu nehmen, die sich aus der Charta der Internationalen Arbeitsorganisation ergeben."
Diese Botschaft wurde von den Vereinten Nationen mit Beifall aufgenommen. Die Internationale Arbeitsorganisation hat
in den Jahren ihres Bestandes laengst bewiesen, dass sie eine
unparteiische Einrichtung im Dienste der Gerechtigkeit und der
Freiheit ist. Ihr Ziel ist durch die Charta festgelegt: Die
Arbeits- und Lohnverhaeltnisse in der ganzen Welt zu verbessern
und so die Grundlagen fuer einen allgemeinen und dauernden Frieden zu legen.
Die Internationale Arbeitsorganisation wurde auf der Pariser Friedenskonferenz naoh dem ersten V/eltkrieg geschaffen.
Sie war von Anfang an eine selbstaendige Koerperschaft, die mit
dem Voelkerbund zwar verbunden war, aber nicht von ihm abhing.
Im Jahre 1946 wurde sie zu einer der technischen Spezialorganisationen, die der UNO angeschlossen sind. Ihr Arbeitsfeld
ist die Verbesserung der sozialen Verhaeltnisse und der Arbeitsbedingungen. Sie hat nicht nur eine Reihe von Unters uchunren
ueber Arbeitsfragen in den verschiedensten Teilen der Welt
durchgefuehrt, sondern auch bedeutende praktische Fortschritte
in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Bevoelkerung
zahlreicher Laender erzielt. Der Sitz der Organisation ist in
Genf, dem ehemaligen Sitze des Voelkerbundes.
Die dreiteilige Struktur der Organisation ist sehr klar
und uebersichtlich. Dia hoeohste Instanz ist die Jahreskonferenz, auf der die Vertreter aller Kitgliedsstaaten Beschluesse
fassen und alljaehrlich das Arbeitsprogramm der Organisation,
ihre Geschaeftsfuehrung und die Ernennung und Taetigkeit der
leitenden Funktionaere festlegen und ueberpruefen. Fuer die
Ausfuehrung der Beschluesse der Jahreskonferenz ist der Exekutivausschuss verantwortlich. Die Organisation verfuegt ueber
ein staendiges Sekretariat, das Internationale Arbeitsamt. Gegenwaertig sind 65 Staaten der Organisation angeschlossen. Das
juengste Mitglied ist Japan, das erst vor wenigen Wochen beigetreten ist.
Die Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation vollzieht sich unter Beachtung der staatlichen Souveraenitaet. Die
Organisation kann Vertraege ausarbeiten und den Staaten zur
Ratifizierung vorlegen, aber ihre Beschluesse sind nicht von vornherein fuer alle Mitglieder verbindlich. Eine weitere Besonderheit der Organisation ist die paritaetische Vertretung der drei
Elemente, die das Wirtschaftsleben in jedem Lande bestimmen:
naemlich Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Regierungsvertreter.
Zu den praktischen Erfolgen der Internationalen Arbeitsorganisation gehoert vor allem die Ausarbeitung einer Reihe von
Abkommen, die das internationale Arbeitsrecht bilden. Diese
Abkommen legen die Begrenzung der Arbeitszeit, eine Mindestlohngrenze und eine Anzahl sozialer Vorteile fuer die Arbeiter jener
Laender fest, die diese Abkommen unterzeichnet haben. Auch die
gewerkschaftliche Freiheit wird durch die Bestimmungen des internationalen Arbeitsrechtes gewaehrleistet. Insgesamt wurden
durch die Initiative der Organisation bis heute 98 internationale
11 -

�Abkommen unterzeichnet und 88 Empfehlungen an alle Staaten
herausgegeben. Viele der Mitgliedsstaaten haben die Empfehlungen der Organisation nicht nur befolgt, sondern durch
fortschrittliche soziale Gesetze noch ueberboten.
Urspruenglich war die Mitgliedschaft bei der Internationalen Arbeitsorganisation an die Zugehoerigkeit zum Voelkerbund
gebunden. In der Folgezeit wurden jedoch zahlreiche Staaten,
die bei ihrer Gruendung dem Voelkerbund nicht angehoerten, zur
Internationalen Arbeitsorganisation zugelassen.
Im vergangenen Sommer wurde Deutschland, das die Organisation vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs verlassen hatte,
wieder aufgenommen. Das deutsche Beitrittsgesuch wurde von
dem stellvertretenden Praesidenten der Organisation, Leon
Jouhaux, der vor kurzem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, mit grosser Energie befuerwortet. Jouhaux sagte
bei diesem Anlass: "Man kann nicht vom Haas leben, man kann
nicht auf Rachegefuehlen bauen."
Kuerzlich hat die Internationale Arbeitsorganisation eine
Erhebung ueber die Zwangsarbeit eingeleitet. Ueberall, wo
Zwangsarbeit besteht, sollen die Verhaeltnisse untersucht und
die Mittel zur Abschaffung dieser barbarischen Einrichtung gefunden werden. Die Vereinten Nationen und alle der Internationalen Arbeitsorganisation angeschlossenen Regierungen haben
ihre Mithilfe bei dieser Untersuchung zugesagt.
Eine andere Frage, mit der sich die Organisation befasst,
ist die planmaessige Lenkung der Auswanderung und die Unterbringung dieser Arbeitskraefte.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Internationale Arbeitsorganisation allen Problemen, die die Taetigkeit der Gewerkschaften und das Wohlergehen der Arbeiterschaft betreffen. In
den letzten Jahren hat die Organisation nach der Aufforderung der
UNO den Text eines Abkommens zur Sicherung der Gewerkschaftsfreiheit ausgearbeitet. Zwoelf Staaten haben dieses Abkommen
bereits gesetzlich verankert, weitere Ratifizierungen werden
erwartet.
Die moralischen Grundsaetze, auf denen die arbeit der
Organisation beruht, wurden in einer Erklaerung niedergelegt,
die auf der Konferenz von Philadelphia im Jahre 1944 angenommen wurde. In dieser Erklaerung stehen u.a. folgende Saetze:
"Arbeit ist keine Ware. Die Armut, wo immer sie zu finden
ist, gefaehrdet den Wohlstand aller Laender. Freiehit der
Meinungsaeusserung, Koalitions- und Vereinigungsfreiheit sind
die Grundlagen bestaendigen Fortschritts. Alle Menschen, ohne
Unterschied der Rasse, des Glaubensbekenntnisses und des Geschlechtes haben das Recht, ihre materielle und geistige Entwicklung in Freiheit und Wuerde, in wirtschaftlicher Sicherheit
und mit gleichen Moeglichkeiten zu verfolgen."
Diase Erklaerung ist die Richtlinie fuer die gesamte Taetigkeit der Internationalen Arbeitsorganisation im Interesse
der freien 7/elt.
World Labor News
Script 10
12 -

�DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN MITTEL- UND SUSP AMERIKA
Vor einem Jahr fand in M^xioo-City eine Zusammenkunft statt,
die fuer die organisierte Arbeiterschaft Lateinamerikas einen
Wendepunkt in ihrer Geschichte darstellt. Vertreter fast aller
Laender Sued- und Mittelamerikas waren auf diesem historischen*
Kongress der Arbeit vertreten. Das Ziel war einfach und genau
festgelegt: Die Staerkung der lateinamerikanischen Gewerkschaften durch ihren Zusammenschluss im Rahmen des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften.
Diese Tagung stellte den Gipfelpunkt einer Entwicklung
dar, deren erste Ansaetze im 19. Jahrhundert liegen, als die
Arbeiter in Sued- und Mittelamerika zum erstenmal ihren Willen
bekundeten, sich zu organisieren. V/elcher Weg von jenen bescheidenen Anfaengen bis zum machtvollen Zusammenschluss, der
heute in ganz Lateinamerika eine Front der Arbeit gegen jede
Form von Diktatur schafftl
Schon vor der Gruendung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften hat die Arbeiterschaft Lateinamerika ihre Kraefte gefestigt und zusarmengefasst. Gewiss fiel das Ende des
Zweiten Weltkriegs mit dem Hoehepunkt des kommunistischen Einflusses in Lateinamerika und mit den Anf.aengen der peronistischen Bewegung in Argentinien zusammen, aber demnach erlebte
die demokratische Gewerkschaftsbewegung in allen Laendern
Sued- und Mittelamerikas zur gleichen Zeit einen machtvollen
Aufschwung. Es blieb dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften vorbehalten, alle demokratischen Gewerkschaften zum
gemeinsamen Kampf fuer Freiheit und sozialen Fortschritt in
diesem Teile der Welt zusammenzuschliessen.
Eine der ersten überstaatlichen Gewerkschaftsorganisationen der Neuen Welt war die 1920 gegruendete Allamerikanische
Arbeitervereinigung. Sie wurde durch die Initiative der American
Föderation of Labor - der groessten Gewerkschaftsorganisation
der Vereinigten Staaten - und des mexikanischen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen. Der Allamerikanischen Arbeitervereinigung gehoerten die Gewerkschaften der verschiedenen Laender
Mittel- und Suedamerikas an.
Fast zwei Jahrzehnte vergingen, bis im Jahre 1938 eine
neue lateinamerikanische Gewerkschaftsorganisation geschaffen
wurde, die allgemeineren Charakter hatte und sich auf fast alle
Laender Zentral- und Suedamerikas erstreckte. Ihr gehoerten
neben den argentinischen Gewerkschaften, die damals unter sozialistischer Fuehrung standen, die liberalen Gewerkschaften Kolumbiens und verschiedene Gewerkschaften in Kuba, Chile und Uruguay
an, deren Tendenz jedoch damals oft eine kommunistische war.
Dieser Gewerkschaftsbund, der unter den Anfangsbuchstaben
CTAL bekannt war, geriet nach und nach voellig unter die Kontrolle der kommunistischen Elemente. Eine Anzahl Gewerkschaften,
die sich dem kommunistischen Einfluss entziehen wollten, traten
aus der CTAL aus. Andererseits entstanden in vielen Laendern
des amerikanischen Kontinents neue Gewerkschaftsorganisationen,
die von vornherein den ^nschluss an den CTAL ablehnten. In der
gleichen Zeit wurde schliesslich eine neue Form der Regierungsgewerkschaft, die peronistischen Arbeiterorganisationen gegruendet, die das diktatorische Regime Argentiniens unterstuetzten.
Das Ende des Krieges fuehrte in ganz Lateinamerika zu einer
Verstaerkung der Bewegung fuer die Schaffung sozialer Einrichtungen. Ueberaü bildeten sich neue Gewerkschaften, namentlich
- 13 -

�in Uruguay, Chile, Peru, Kuba und Mexiko. Voellig neue Gewerkschaftsorganisationen entstanden in Costa-Rica und Kolumbien. In Venezuela und Haiti bildeten sich ebenfalls Gewerkschaften, diese zwangen die Unternehmer, die bis dahin keine
organisierten Arbeiter geduldet hatten, die neuen Organisationen anzuerkennen und mit ihnen zu verhandeln. Ueberall standen die sozialen Fragen im Vordergrund. Neben den neuen Gewerkschaften brachen aber auch viele frueheren Mitgliedsgewerkschaften des CTAL mit diesem wegen seiner kommunistischen
Linie. So gab es in ganz Sued- und Mittelamerika zahlreiche
Gewerkschaften, die keinen internationalen Zusammenhalt besessen. Erst im Januar 1948 wurde auf einer Tagung in Lima
eine Dachorganisation fuer alle diese Verbaende geschaffen,
de\r CIT, der interamerikanische Arbeiterbund. Gemeinsam
war allen diesen Organisationen ihre soziale Orientierung und
ihre demokratische Haltung. Die peronistischen Gewerkschaften
wuenschten, zu dieser Internationale zugelassen zu werden,
aber dies wurde rundweg abgelehnt, denn der CIT wollte keine
antidemokratischen Verbaende als Mitglieder haben.
Drei Jahre lang stellte der CIT die einzige ueberstaatliohe Organisation demokratischer Gewerkschaften in Sued- und
Zentralamerika dar. In Zentralamerika waren ihr namentlich
die Gewerkschaften von Kuba, Haiti, Mexiko und Costa Rica angeschlossen.
Vor einem Jahr wurde eine besondere Konferenz fuer den
Ansohluss an den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
einberufen. Der CIT ergriff bereitwillig die Gelegenheit,
sich einem breiteren Rahmen einzugliedern. In der ersten Zeit
standen der Fusion gewisse juristische Hindernisse im Wege,
aber schliesslich wurden alle Schwierigkeiten, ueberwunden und
kurz nach der Konferenz von Mexico City im Januar 1951 kam die
Einigung zustande.
Damit ist die Schaffung einer kraeftigen Organisation der
demokratischen Arbeiterschaft Lateinamerikas abgeschlossen.
Im Rahmen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften kaempfen die Arbeiter in Sued- und Zentralamerika nunmehr in geschlossener Front gegen Reaktion, Diktatur und Kommunismus, fuer Frieden, -Freiheit und sozialen Fortschritt.
World Labor News
Script 10
ZWEI JAHRE IBFG UND DIE ERFOLGE
Vor zwei Jahren, im Dezember 1949, wurde der Internationale Bund Freier Gewerkschaften gegruendet. Diese Organisation entsprach einem Beduerfnls fuer Millionen von Arbeitern
in der ganzen Welt. Daraus erklaert sich auch sein rasches
Wachstum. Heute, nach zweijaehrigem Bestand, sind 53 Millionen Arbeiter in allen Laendern und Erdteilen in diesem Bund
organisiert, um gemeinsam ihre Freiheiten, ihre "echte, ihre
Lebenshaltung und ihre Menschenwuerde zu verteidigen. Sozialer Fortschritt, Friede und Freiheit sind die Ziele des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Vor einigen «Vochen hielt der Exekutivausschuss dieser
Organisation seine sechste Tagung in Bruessel ab. Auf dieser
Zusammenkunft wurden weitreichende Beschluesse gefasst, die
fuer die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in vielen Laendern von groesster Bedeutung sind.
- 14 -

�In mehr als sechzig Laendern fuehren die Arbeiter den
Kampf fuer soziale Gerechtigkeit, Demokratie und eine friedliche Zusammenarbeit aller Voelker unter der gemeinsamen Flagge
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Wohl niemals zuvor ist eine Organisation so rasch zu solcher Macht und zu solcher Reife herangewachsen.
Vier Jahre lang, von 1945 bis 1949, arbeiteten die demokratischen Gewerkschaften der Welt mit den kommunistischen Arbeiterorganisationen im Rahmen des 'Weltgewerkschaftsbundes zusammen. Trotz allen guten Willens konnten sie jedoch diese
Zusammenarbeit auf die Dauer nicht aufrechterhalten, denn es
wurde von Tag zu Tag offenkundig»,dass die Kommunisten den
Weltgewerkschaftsbund lediglich als ein Instrument der russischen Ausdehnungspolitik betrachteten. Als sich alle Versuche,
diese Organisation dem kommunistischen Einfluss zu entziehen,
als aussichtslos erwiesen, zogen sich die demokratischen Gewerkschaften aus dem Weltgewerkschaftsbund zurueck und hielten
in London eine Tagung ab, auf der sie beschlossen, sich in
einer, neuen Internationalen Organisation zusammenzuschliessen.
So entstand der Internationale Bund Freier Gewerkschaften. Die
juengste Tagung in Bruessel fand unter der Leitung des Vorsitzenden der Organisation, Sir Vincent Tewson, statt. Das war
die erste Zusammenkunft des Exekutivausschusses seit seiner
Wahl auf dem Zweiten Kongress des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, der im vergangenen Sommer in Mailand stattfand.
Auf dieser Tagung wurden elf Beitrittsgasuche vorgelegt. Unter
den Gewerkschaften, die sich dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften anschliessen wollen, befinden sich der Australische Gewerksohaftsrat, die Unione Italiana del Lavoro, der
Gewerkschaftsrat von Singapur, ferner Organisationen aus Trinidad
und Britisch Guiana. Wenn alle diese Beitritte angenommen werden, so wird der Bund eine weitere Million neuer Mitglieder
zaehlen.
Ein Beschluss dieser Tagung betraf die Finanzierung der
Organisations- und Erziehungstaetigkeit in den wirtschaftlich
rueckstaendigen Ltendern. Der Fonds fuer Regionale Entwicklung, der diese Taetigkeit unterstuetzt, belaeuft sich auf
700.000 Dollar. Ein grosser Teil dieses Betrags wurde bereits
aufgebracht. Der Britische Gewerk^chaftsrat hat seine Anhaenger aufgefordert, 100.000 Ffund beizustellen, aber diese Summe
wurde ueberboten. Der amerikanische Gewerkschaftsbund CIO hat
100.000 Dollar beigesteuert.
Derzeit nehmen Vertreter des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften regen enteil an der Gewerkschafts- und Erziehungsarbeit in «sien, Suedamerika und Afrika. In naechster
Zeit sollen Organisatoren des Bundes nach Japan, Korea und
Indonesien geschickt werden. Eine Zentralstelle fuer Westafrika
wird in Accra errichtet werden, waehrend nach Nordafrika, nach
Ostafrika und nach Zentralamerika Sondermissionen entsandt
werden.
Auf der Bruesseler Tagung sprach sich der Exekutivausschuss
fuer die Selbstverwaltung und die Selbstbestimmung jener Gebiete
aus, die heute abhaengige Territorien oder Protektorate sind,
soweit ihr Entwicklungszustand das zulaesst. Fuer diejenigen
Gebiete, die zur Selbstverwaltung noch nicht reif sind, soll
eine Kontrolle durch die Vereinten Kationen eingefuehrt werden.
- 15

�Weiter erhob der Aussohuss Protest gegen die Einschraenkungen der Gewerkschaftsfreiheit in verschiedenen Laendern
und forderte die Internationale Arbeitsorganisation auf, darueber eine Erhebung durchzufuehren.
Schliesslich bekraeftigte der Ausschuss seine demokratische Haltung auch in weltpolitischen Fragen. Er analysierte
die Organisation des Atlantikpakts und verlangte die Anwesenheit von Gewerkschaftsvertretern in allen verantwortlichen
Instanzen der Organisation des Atlantikpakts, der NATO. Die
Internationalen Berufssekretariate werden aufgefordert, der
NATO ihre Mitarbeit zu gewaehren.
In einer der Resolutionen, die in Bruessel gefasst wurden,
heisst es:
"Wir treten dafuer ein, dass die freie Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kampf fuer den Frieden und gegen den Kommunismus
im Wirkungsbereich der Gewerkschaften alle Kraefte einsetzen,
um die Verteidigungslinien gegen einen moeglichen kommunistischen Angriff in Europa zu verstaerken.
Labor Worls News
Script 11
H01LAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN FUER EINSCHALTUNG IN PRODUKTIVITAETSMASSNAHMEN
Auf einer Konferenz des hollaendischen Gewerkschaftsbundes
N W in Utrecht sprach sich J. 0» Suurhoff, ein Funktior.aer des
N W , fuer eine gesteigerte Produktivitaet in der hollaendischen
Industrie aus, die sich jedoch auf die enge Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Unternehmern stuetzen muesse.
Fuer die Arbeiter waere es jedoch geradezu eine "irrsinnige Lage", wenn sie es zugeben wuerden, dass ihre Loehne mit
der Produktivitaet gekoppelt werden, solange die Gewerkschaften
bei der Festlegung der Methoden zur Steigerung der Produktivitaet noch nichts mitzureden haetten.
Suurhoff brachte warnend zum Ausdruck, dass die Gewerkschaften "ohne das Recht, mitzureden, auch die gemeinsame Verantwortung ablehnen. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass
man schoene Worte um eine unechte Zusammenarbeit macht oder
den Arbeitern hie und da freundschaftlich auf die Schulter
klopft, weil sie zur Zeit so wenig streiken."
"Wenn man wirklich industriellen Frieden, Zusammenarbeit
und die Beseitigung des Klassenkampfes auch fuer die Zukunft
erreichen will, muss man schon mehr tun als nur schoene Worte
reden. Wir haben uebrigens nichts gegen schoene Worte, wenn
wir klar sehen, dass hinter diesen Worten Taten stehen, die beweisen, dass man es wirklich ernst meint. "Ich gebe zu, dass
dies ein unangenehmes Argument ist. Aber es ist unweigerlich
richtig. Moegen alle Personen, die im politischen wie im industriellen Leben eine fuehronde Stellung innehaben und sich
nicht von 3elbstsuechtigen Gedanken leiten lassen, sich veranlasst sehen, den Arbeitern ihren Anteil an der gemeinsamen
Verantwortung zu uebertragen, bevor es zu spaetist."
Daily News Service

iii/ie/51
16 H1C0G e A n 52 1B367 « U

3 0

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