<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1284" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1284?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-03T19:23:36+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1295">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/ee2e814191ee327a1a1c3de6ea4483cb.pdf</src>
      <authentication>02e705b7de3d4e2fd10af7f25ca8b2b6</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6762">
                  <text>Internationale

ARBEITSNITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757. Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 2

Frankfurt, 12. Januar 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften Amerikas unterstuetzen Verteidigungsproduktion - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

1

Amerikanische Gewerkschaften helfen am Punkt-VierProgramm mit - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung fuer die Verteidigung Amerikas - - - - -

5

Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in Amerika stellt

e

In England entscheiden die Bergleute selbst ueber
ihre Zukunft - - - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Gerechtes Akkordsyster. steigert Produktionsleistung

11

I'eany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens - -

13

Amerikanische Gewerkschaftsfuehrer unterstreichen
die Bedeutung der Arbeiterbildung - - - - - - i*
Ausbildungsinstitut fuer die wirtschaftliche Planung
asiatischer Entwicklungsprojekte - - - - - - - 15
Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische
Gefahr —
- - - - - - - - - - - - - —
_.-_

16

GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS UNTERSTULIZEN VERTEIDIGÜNGSPRODUKTICN
Die Nachrichten von der bejahenden Haltung der Gewerkschaftsbewegung einer gesteigerten Verteidigungsproduktion gegenueber
und ihrer Bereitwilligkeit, notwendige Preis- und Lohnkontrollen
zu akzeptieren, nehmen in der amerikanischen Gewerkschaftspresse
einen breiten Paum ein.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bekennt sich zu
dem Motto des ersten Wirtschaftsberaters Praesident Trumans, Leon
Keyserling: "Produktion, mehr Produktion und noch mehr Produktion."
- 1-

�Die Gewerkschaften haben ihre uneingeschraenkte Zusammenarbeit bei der Steigerung der Produktion zugesichert, damit Amerika
und die ganze freie Welt gegen alle feindlichen Absichten gefeit
sind. Noch bevor die Kommunisten die Republik Korea angegriffen
hatten, war die Produktion in Amerika auf einen Hoechststand gestiegen, und das nationale Einkommen - einschliesslich der Lohnsumme - ging
wie nie zuvor in die Hoehe.
Heute haben die Ausgaben der Unternehmer zur Ausdehnung ihrer
Produktionskapazitaet eine Stufe erreicht, die ueber der des zweiten Weltkrieges und des Jahres 1948 liegt, als die Nachfrage nach
Waren aller Art eine ungeheure Ausdehnung der Industrie erforderlich machte. Und jetzt wird diese vermehrte Nachfrage nach Waren
fuer den Inlandbedarf noch durch die zwingende Notwendigkeit gesteigert, die freie Welt wirtschaftlich und militaerisch zu staerken, um den kommunistischen Imperialismus abwehren zu koennen.
Auch diese Absicht hat die begeisterte Zustimmung der amerikanischen Gewerkschaften gefunden.
Diese rekordbrechende Ausdehnung der amerikanischen Produktivitaet schafft neue Arbeitsplaetze und stellt die Gewerkschaften
auf Grund des sich hieraus ergebenden Mangels an Arbeitskraeften
in eine guenstige Position. Die Gewerkschaften nutzen diese
groessere Macht jedoch nicht dazu aus, um unberechtigte Forderungen
zu stellen.
Nachdem Praesident Truman den nationalen Notstand erklaert
hatte, kamen etwa 10.000 Eisenbahner im Interesse der nationalen
Verteidigung dem Ersuchen des Praesidenten nach, ihren Streik zu
beenden.
Im August wurden die Bahnen von der Regierung uebernomnen, um
einen nationalen Streik der Gewerkschaft des Zugpersonals und der
Zugfuehrer zu verhindern. Seit dieser Zeit arbeiten sie unter
der Kontrolle der Regierung.
Die Gewerkschaften wuenschen fuer die Lagerarbeiter der Eisenbahn eine volle Verguetung fuer 48 Arbeitsstunden bei einer
40-Stunden-Woche und eine 20$ige Tariferhoehung fuer die Streckenarbeiter. Augenblicklich verdienen die Zugbegleiter durchschnittlich 1,58 Dollar in der Stunde und woechentlich 75 Dollar. Der
durchschnittliche Wochenlohn aller Industriearbeiter belaeuft sich
gegenwaertig auf 62 Dollar. Nach Ausbruch des Streiks der Eisenbahner wurden Tag und Nacht im Weissen Haus Besprechungen zwischen
den Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften gefuehrt, an
denen auch der Berater des Praesidenten, Dr. John R. Steelman,
teilnahm. Man rechnete damals bereits mit einer raschen Beilegung
des Streiks.
William Green, der Praesident der AFL, versprach, dass die
acht Millionen Mitglieder dieses Gewerkschaftsbundes waehrend
des Notstandes von Streiks absehen wuerden, wenn Praesident Truman
sie darum ersuchte. Er fuegte hinzu, dans die Arbeiterschaft
bereit sei, "mehr als die Haelfte des '"eges" zu einer Vereinigung
mit den Unternehmern und Farmern zurueckzulegen, um die Programme
zur Steigerung der Ruestungsproduktion zu foerdern.
Green bestand jedoch darauf, dass eine "Gleichheit" zwischen
Loehnen und Preisen hergestellt werden muesse, bevor irgendein
Lohns tabilisierungsprosramm durchgefuehrt werden koenne^
Philip Murray, der Vorsitzende des CIO, versprach ebenfalls
Hoechstproduktion zur Unterstuetzung Praesident Trumans und der
Vereinten Nationen in dem ges-enwaertigen Kampf zur Abwehr aller
Aggressionen.
- 2 -

�Der CIO-Vorsitzende fuehrte aus:
T o r fuenf Jahren erst haben wir den Kampf um die Freiheit
gegen die nazistischen und japanischen Imperialisten gewonnen.
In diesem Kampf spielte die Produktivkraft der amerikanischen Industrie und der amerikanischen Arbeiter eine wesentliche Rolle.
"Heute werden wir wieder dafuer arbeiten, die freien Voelker
und die freien Ttenschen vor dem Angriff des kommunistischen Imperialismus zu schuetzen. Die amerikanischen Arbeiter wissen,
dass Kommunismus Sklavenarbeit bedeutet, die freien Gewerkschaften zerstoert und den Arbeitern das Recht nimmt, zu streiken. 3o
wie Hitler schutzlose Voelker ueberfiel, sind es nun die Kommunisten, die nach Sued-Korea und Indo-China eindringen."
Der CIO-Vorsitzende brachte zum Ausdruck, dass die amerikanischen Arbeiter keineswegs ihre Handlungsfreiheit einbuessen,
wenn sie sie Regierung in dieser kritischen Zeit unterstuetzen.
Sie werden auch in Zukunft verlangen, dass Ungerechtigkeiten in
der Bezahlung korrigiert werden, und dass die Arbeiterschaft an der
Formulierung und Verwaltung der Richtlinien und Programme in allen
Behoerden der Regierung in groesserem Masse beteiligt wird. Sie
werden fordern, da3s die durch den Notstand auferlegten Lasten
unter alle sozialen Gruppen gerecht verteilt werden.
"'.Venn die amerikanischen Arbeiter ihre Unternehmer oder ihre
Regierung kritisieren, dann glauben Sie nicht, dass Amerika uneinig ist. Unsere Demokratie is*t stark, weil jeder Buerger das
Recht hat, ohne Furcht zu sprechen, ueber oeffentliche Probleme
zu diskutieren und abzustimmen. Die Freiheit schwaecht uns nicht.
Sie verleiht uns Staerke, weil wir wissen, wofuer wir arbeiten und
kaemofen. In diesen schweren Zeiten wird die hoehere Produktivkraft der amerikanischen Arbeiter zusammen mit dem Industriepotential der amerikanischen Industrie die notwendigen militaerischen
und wirtschaftlichen Mittel wieder einmal produzieren, mit denen
die freiheitsliebenden Voelker der ganzen v;elt unterstuetzt werden.
Um es erneut zu sagen:
Wir werden stark und siegreich sein, weil
wir fuer das Recht kaempfen."
Die Gewerkschaftsbewegung fordert nun energisch eine staendig groessere Beteiligung in allen Phasen der 'Mobilisierung der
Hilfsquellen und Machtmittel Amerikas. Das Vereinigte Komitee
fuer Arbeitsgesetzgebung, das sich aus Vertretern der AFL, der
CIO und der selbstaendigen Gewerkschaften zusammensetzt, wurde zu
dem Zweck gebildet, sich mit den Problemen der Mobilisierung zu befassen.
Program Service Section
Labor News Rounduo £ 75
12/20/50
AMERIKANISCHE G£.V5RKSCKi,rTEN HELFEN ,&gt;M PIT-TCT-VIER-PROCRA:?- MIT
Jacob 3. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika (CIO), und Lewis G. Hines, der Sondervertreter der AFL, gehoeren zu den 12 Mitgliedern des neuen Beratungsau-schusses fuer Internationale Entwicklungen, der von Praesident
Truman ernannt worden war, um sich mit dem Punkt-Vier-Programm zur
Entwicklung rueckstaendirer Gebiete als eines wichtigen Mittels
zur endgueltigen Sicherung von Frieden, Wohlstand und Sicherheit
in der '"elt zu befassen.
- 3-

�Auf einer Konferenz mit Potofsky, Hines, dem Vorsitzenden
Melson A. Rockefeiler und anderen Mitgliedern des Ausschusses erklaerte Praesident Truman:
"Die Anregung zu wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt
in den unterentwickelten Gebieten ist eines der wichtigsten Probleme, denen die freie Welt gegenuebersteht. Dies trifft besonders fuer jene asiatischen Laender zu, in denen die ko::imunistische
Gefahr so gross ist.
"Die Steerkung der unterentwickelten Gebiete und die Steerkung der freien Voelker der ganzen »Veit stehen in einem direkten
Abhaengigkeitsverhaeltnis zueinander. Zwei Drittel der Weltbevoelkerung leben in diesen Gebieten. Sie leiden an Funger, Krankheit, Unwissenheit und Armut. Diese Voelker haben bereits beschlossen, dass eine Wendung eintreten muss, komme, was da wolle."
Zu diesem Problem erklaerte der ^raesident ferner, dass seine
Dringlichkeit in Anbetracht der chinesisch-kommunistischen Aggression
in Korea verdopoelt sei.
"Es dreht sich jetzt um die Frage, aus welcher Richtung diese Wendung kommen soll -" fuehrte er aus, "ob sie sich ungeachtet
der vielen Werte vollziehen soll, die dem freien Menschen teuer
geworden sind, oder ob sie zu einer friedlicheren Welt ia Wohlstand
beitragen soll. Wir in den Vereinigten Staaten koennen ueber diese Frage nicht entscheiden: sie kann nur von den Bewohnern der
unterentwickelten Gebiete selbst entschieden werden. Aber ich
c.laube, dass wir ihnen unsere Hilfe anbieten koennen, wenn sie
darum kaempfen, dem Zlend zu entrinnen, und wir koennen ihnen auch
den Weg zeigen, den andere zur Srringung der Freiheit, Menschenwusrde und Wohlfahrt gegangen sind."
Die Bedeutung der Worte des Praesidenten wurde in dem Bericht
de3 Statistischen Bueros der Vereinten Kationen unterstrichen, in
dem festgestellt wurde, dass die Produktion der 25 eermsten Laender der Welt mit de\r Htelfte der Weltbevoelkerunr nur ein Zehntel
aller Nationaleinkommen betrae^t.
China hatte zum Beispiel ein Mationaleinkommen von nur 27
Dollar jaehrlich pro Kopf der Bevoelkerung; in Indien sind es 57
Dollar. Von allen industrialisierten und halbindustrialisierten
Kationen der .irde hat, abgesehen von Polen, Russland das gerinn"te
Fationaleinko-nmen pro Kopf der Bevoelkerung (SOS Dollar). Die
Vereinigten Staaten stehen dank ihrer Messen^roduktionsmaschinen
und dank des Draengens der Gewerkschaften und anderer Gru^nen nach
gerechter Verteilun-* dessen, wcs produziert wird, alt 1.453 Dollar
nro Kopf der Bevoelkerung an erster Stelle. Kit anderen '.','orten,
das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist fuenfmel so hoch
wie das der Durchschnittsrussen.
In einer Srklaerung des «Tahreskon^resses der CIO, auf dem
dem Praesidenten die uneinge-chraenkte Unterstuetzung dieser Organisation fuer das Punkt-Vier-Programm zugesprochen wurde, hiess
£&gt;
c* •
w -J •

"Unser Sxport industrieller Methoden im Rahmen des Punkt-VierPronramms bietet uns und unseren Freunden im Ausland groesste Vorteile, wenn Hand in Hand mit ihnen jene sozial- und arbeitsnolitischen Methoden eingefuehrt werden, durch die das amerikanische
Volk unser eigenes System der Lenkung und des Gleichgewichts unserer industriellen Zivilisation entwickelt hat."
- 4 -

�Ebenso erklaerte die AFL:
"Wir fordern, dass das Punkt-Vier-Programm so durchgefu- *•
wird, dass es die Erziehung, die nationale Kultur, die Volksgesundheit, die technische Ausbildung, Gerechtigkeit und Arbeitsnormen foerdern kann. In allen Gebieten Asiens und Afrikas, die noch
nicht ihre voellige Unabhaengigkeit erlangt haben, sollen Vertreter der eingeborenen Bevoelkerung das Recht haben mitzureden, und
sie sollen in wirksamer Weise an der Planung und Durchfuehrung
des Punkt-Vier-Programms beteiligt werden."
Program Services Section
Labor News Roundun # 73

m/6/50

DIS HEDEUTUNG DER LEHRLINGS- UND BERUFSSCHTLAUSBILDUNG FUER DIE
VERTEIDIGUNG AMERIKAS
(Auszuege aus einer Ansnrache des Leiters des Bueros fuer
Lehrlingswesen im U.S. Arbeitsministerium V« F. Patterson, die
er auf dem Kongress der Vereinigung der amerikanischen B/erufsschullehrer hielt.)
Die Gruppe fuer Berufsschulung sowie die bundesstaatlichen
und staatlichen Behoerden, die sich mit dem Lehrlingswesen befassen, haben in diesem Augenblick die schwerste Probe zu bestehen,
der sie sich je gegonueberge3tellt sahen. Im Zweiten Weltkrieg
hatte Amerika mehrere Jahre zur Verfuegung, um seine militaerischen Kraefte zu organisieren und seine Wirtschafts- und Produktionsquellen zu mobilisieren. In der gegenwaertigen ungeklaerten
Situation weiss niemand, ob ein Krieg in den naechsten Monaten
oder Tagen oder eine Zeit kritischer Ungewissheit bevorsteht, die
sich ueber 10 oder 15 Jahre erstrecken kann.
Jeder, der mit den Fragen der Ruestungsnroduktion vertraut
ist, weiss, dass die Schlagkraft einer militaerischen Streitmacht
an der Front von einer ununterbrochenen Versorgung mit Industrienroduktion abhaengig ist: Waffen, Maschinen, Munition, Lebensmittel, Bekleidung und anderem Kriegsmaterial. Um diesen Materialstrom in Fluss halten zu koennen, ist eine Riesenzahl an Arbeitskraeften notwendig, von der ein grosser Prozentsatz gekernte
Facharbeiter sein mue^sen. Der Schluessel zum wirksamen Einsatz
dieser Arbeitskraefte ist, wie allgemein bekannt, die Berufsschulung und Berufsausbildung. Wenn die Berufsausbildung in wirksamem Masse schnell und gruendlich durchrefuehrt werden soll, muessen
alle die, die mit diesen beiden Gruppen verbunden sind, in genauer
Kenntnis ihrer Funktionen, in enger Harmonie und Gleichschaltung
aller Bemuehungen zusammenarbeiten - andernfalls wird es nicht gelingen, die schwere und dringende Aufgabe, die gestellt ist, zu
loesen.
Es ist vielleicht angebracht, wenn kurz auf die Arbeit dieser
beiden Gruppen in den vergangenen Jahrzehnten eingegangen wird.
Das Aufkommen dez Fabriksystems und der Methoden der Massenproduktion hatten nicht unmittelbar eine Neuorientierung des Erziehungssystems zur Folge. Es dauerte in der Tat viele Jahrzehnte, bevor im Erziehungssystem Beweise fuer die Notwendigkeit erkennbar wurden, Maenner und Frauen durch eine entsprechende Ausbildung auf ihre Arbeit in der Industrie vorzubereiten,30 wie fuer
akademische Berufe eine Ausbildung an einer Hochschule ebenso notwendig wie selbstverstaendlich ist. Weitere Jahre vergingen, bevor
- 5-

�auf Grund dieser Erkenntnis Aenderungen in den Erziehungs- und
AusbildungsDrogramraen vorgenommen wurden. Folglich hatten die
Grundschulausbildung und die der hoeheren Schule fest ausschliesslich das Ziel, auf die Aufnahme in eine Hochschule vorzubereiten.
In gewissem Grade sind sich die Erzieher noch immer nicht der
Bedeutung der beruflichen Schulung innerhalb des allgemeinen Erziehungssystems bewusst. Die jetzige Auseinandersetzung mit
diesen Fragen ist ein Beweis fuer den Fortschritt auf dem Gebiet
der Berufsschulung, fuer das Ausmass, in dem diese durchgefuehrt
wird, und fuer die bedeutende Rolle, die sie auf erzieherischem
Gebiet spielt.
Wie wertvoll die Berufsschulen fuer das allgemeine Lehrlingswesen sind, wurde bereits in einer Veroeffentlichung des Bundesstaatlichen Amtes fuer BerufsSchulung mit dem Titel "Lehrlingsausbildung" vom Juni 1923 beschrieben. Man war sich im klaren
darueber, dass, wenn des Lehrlingswesen seinen ihm gebuehrenden
Platz einnehmen sollte, bestimmte Aspekte einer besonderen Betrachtung unterzogen werden mussten. Wenn mit genuegendem Nachdruck betont wird, dass der Lehrling ein im Arbeitsverhaeltnis
stehender Arbeitnehmer ist, muss irgendeine Behoerde mit der besonderen Aufgabe betreut werden, ein diesem Zweck entsprechendes Programm zu entwickeln und zu foerdern. Dieser Notwendigkeit war
man sich weitgehend bewusst, was zur Entstehung des heutigen Zimtes fuer Lehrlingswesen fuehrte. Allen jenen, die auf dem Gebiet
der Berufserziehung taetig sind und sich unablaessig fuer ein
besseres gegenseitiges Verstaendnis der beiden Grupnen eingesetzt
haben, muss eine besondere Anerkennung ausgesprochen werden:
Dr. Stratton, John McCarthy, Clarence Greiber, Howard Campion,
Walter Sahlin und viele andere, die nicht namentlich genannt werden koennen, die fortwaehrend mitgeholfen haben, das nationale
Lehrlingsprogramm und seine Ideen und Ziele zu foerdern.
In einer Zeitspanne von mehr als 16 Jahren sind die beiden
Gruppen zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht notwendig und
nicht ratsam ist, Schwierigkeiten und Missverstaendnisse einfach
zu ignorieren. Auch waere es unklug, nicht zugeben zu wollen, dass
diese Missverstaendnisse fortbestehen, nur weil keine Versuche
unternommen werden, sie in ehrlicher und offener Aussprache zu
beseitigen.
Die Oeffentlichkeit wird sich daran erinnern, dass in der
ersten Zeit des Bestehens der beiden Grupnen mit mehreren tuechtigen Fachleuten eine Vereinbarung ausgearbeitet wurde, in der die
Funktionen der beiden Gruppen gemaess der Auffassung ueber die
Stellung eines Lehrlings, ob Arbeitnehmer oder Schueler, festgelegt wurden. Dieses Dokument hat sich bei der Umgrenzung der
beiderseitigen Taetigkeitsbereiche als ungeheuer wertvoll erwiesen.
Auch die oertlichen und staatlichen Behoerden fuer Berufsschulung, die staatlichen Lehrlingsaemter und die Mitglieder des
^ersonalstabes, die mit der Aussenarbeit betraut sind, koennen
nicht Plenum Anerkennung fuer die aussergewoehnliche Umsicht erfahren, mit der sie an gemeinsame Probleme herangingen, ihre Ansichten austauschten, wo es noetrig war, konstruktive Kritik uebten,
und in vielen Faellen Schwierigkeiten durch schriftliche Abmachungen beseitigten, in denen sie festlegten, in welcher Form zusammengearbeitet werden sollte. Noch in den letzten Jahren sind Beauftragte der Vereinigung der amerikanischen Eerufsschullehrer
in etwa sechs Faellen mit fuehrenden Mitgliedern des Amtes formoll
zusammengetreten, um die gegenseitigen Beziehungen zu eroertern
und freundschaftliche und praktische Abmachungen ueber die beiderseitige Politik und die gemeinsame Arbeit zu treffen. Das Buero
- 6-

�fuer Lehrlingswesen ist immer stolz auf diese guter. Beziehungen gewesen und bemueht sich, die getroffenen Abmachungen auch ff«wls?ex&gt;
haft einzuhalten.
Eines der Probleme, die beide Teile gemeinsam interessierten und bei zahlreichen Gelegenheiten besprochen wurden und fuer
das die Berufsschullehrer ausschliesslich verantwortlich sind,
ist die Berufsschulausbildung fuer Lehrlinge. Die Schwierigkeiten sind durchaus bekannt, die die staatlichen und oertlichen
Berufsschullehrer hatten, um genuegend Geldmittel fuer diesen
Zweck zu bekommen. Niemals ist die Tatsache verkannt worden,
dass die Berufsschulausbildung ein notwendiger und grundlegender
Bestandteil des Lehrlingswesens ist, und die Allgemeinheit ist
ueberzeugt, dass ihre Bedeutung weit groesser ist, als die Zeit
vermuten laesst, die man ihr im allgemeinen widmet. Wenn von
der Berufsschulausbildung gesprochen wird, muss darauf hingewiesen werden, dass ihr mehr Zeit gewidmet werden muesste. Es ist
das Bestreben des Amtes, jedem Lehrling in den Vereinigten Staaten eine Berufsschulausbildung zuteil werden zu lassen, die an
Q,ualitaet und ^uantitaet nichts zu wuenschen uebriglaesst. Dies
war jedoch immer und muss auch immer eine Funktion der Berufsschulen sein. Der wertvolle Beitrag der Berufsschullehrer zum
Lehrlingswesen wird in dieser Richtung trotz verwirrender und
oft unueberwindlich erscheinender Schwierigkeiten stets geschaetzt.
Es ist ein Glueck fuer die Vereinigten Staaten, dass sie
heute ueber die Erfahrungen einer 16-jaehrigen Zusammenarbeit
verfuegen, denn in dieser gefaehrlichen Situation von heute kommt
es darauf an, noch enger als bisher zusammenzuarbeiten.. Man muss
alle Gefahren ins Auge fassen, die sich ergebenden Konsequenzen
daraus ziehen und versuchen, entsprechend ausgerichtete wirksame
Programme vorzubereiten. Wenn die USA in eine entscheidende
Krise verwickelt werden, werden alle Kraefte bis zum Aeussersten
angespannt werden muessen, um der Industrie zu helfen, dass sie
die Arbeitskraefte zur Produktion der riesigen Mengen an V/aren,
die gebraucht werden, richtig einsetzt. In diesem Fall muss die
gemeinsame Arbeitsgruppe, die bereits erwaehnt wurde, aeusserst
aktiv sein und sehr oft zusammentreten.
Wenn die USA in Kuerze einer umfassenden Krise gegenueberstehen sollten, werden die Probleme, die geloest werden muessen,
sehr verschieden von denen sein, die vor 10 oder 15 Jahren bewaeltigt werden mussten.
Unmittelbar vor dem 2. V/eltkrieg verfuegten die Vereinigten
Staaten ueber ein grosses Reservoir an Arbeitskraeften, die der
Industrie zugefuehrt werden konnten. Es gab z.B. eine betraechtliche Zahl Arbeitsloser. Mehrere Millionen Frauen waren zuvor
nie erwerbstaetig gewesen. Es gab ausserdem viele Personen,
die auf Grund ihres Alters oder koerperlicher Maengel zwar nicht
arbeiteten, aber doch bis zu einem gewisaen Grade arbeitsfaehig
waren. 100.000 dieser Leute wurden in Berufsschulen ausgebildet
und daraufhin in Ruestungsfabriken beschaeftigt. Ohne diese Reserve waeren die Bemuehungen zur Steigerung der Ruestungsproduktion niemals so erfolgreich gewesen.
Heute verfuegen die USA nicht ueber diese umfangreichen Reserven. Eine Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht. Viele
Frauen und Koeroerbehinderte sind bereits laengst berufstaetig.
Im uebrigen werden mehrere Millionen junger Leute dem Arbeitsmarkt
entzogen, um bei den militaerischen Streitkraeften Maschinengewehre zu bedienen, Schiffe zu bemannen und Flugzeuge zu steuern.
- 7 -

�Wenn die Produktionsleistung unter solchen Bedingungen gesteigert-worden soll, gibt es keine andere Moeglichkeit, als die
Faehigkeiten der bereits Beschaeftigten zu erhoehen.
Dieses Problem der Berufsausbildung im Dienst der amerikanischen Industrie kann bearbeitet werden, ohne dass zu diesem
Zwecke neue Behoerden gebildet werden. Seit dem 2. Weltkrieg
haben sich die beiden Gruppen ausdruecklich und unbedingt an
diesen Grundsatz gehalten. Es ist lediglich erforderlich, die
Richtlinien so auszuarbeiten und die Taetigkeiten so zu lenken,
dass ein derartiger Schritt nicht notwendig wird.
Die Maenner und Frauen, die "auf diesen Gebieten taetig sind,
sind sich bewusst, dass sie nicht nur einen Arbeitsolatz ausfuellen, sondern dass sie gemeinsam ein Ziel erstreben. Sie wollen
weiter arbeiten, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben, wobei folgende Ziele ihnen vorschweben moegen: Den nationalen Wohlstand zu foerdern, das wirtschaftliche Wohlergehen des
amerikanischen Volkes zu verbessern und dem Lande eine unueberwindliche Verteidigung zur Verfuegung zu stellen.
U.S. Arbeitsministerium
12/1/50
ZAHL DER WEIBLICHEN AR3EITSKRAEFTE IN AMERIKA STEIGT
Prozentualer Anteil der weib
liehen Arbeitskraefte an der
Erwerbsbevoelkerung der Vereinigten Staaten in den Jahren 1870-1949

1870-1949

Dem statistischen Buero der
Vereinigten Statten zufolge hat
sich die Zahl der weiblichen Bevoelkerunr im Alter von ueber 14
Jahren in der Zeit von Oktober
1949 bis Oktober 1950 um 680.000
erhoeht.
vIm gleichen Zeitraum ist die
Zahl der erwerbstaetigen Frauen
um 1.093.000 angestiegen, deren
Zahl sich damit im Oktober 1950
auf insgesamt 18.668.000 belief.
Die ^roesste Besehteftigunfszunähme in diesen 12 Moneten ist bei
jenen Freuen zu verzeichnen, die
in nichtlandwirtschaftlichen Industriezweigen beschaeftigt sind.
Ihre Zahl steigerte sich um 599.000
insgesamt, damit heben die Frauen
im Oktober 1950 die 16 1/2 Millionen Orenze ueberschritten. Die
weiblichen Arbeitnehmer in der
Landwirtschaft, deren Zahl sich
im Oktober 1950 auf insgesamt
1.902.000 belief, hetten seit dem
gleichen Monat des Vorjahres eine
Zunahme von 494.0C0 zu"verzeichnen.

Die__Zahl der berufstaetigen
Frauen in den bereinigten Statten
uebertrifft somit die Gesamtzahl
der deutschen Berufstaetigen einschliesslich aller 'rbe'tslosen.
Labor Information Bulletin
XII/50

�IN ENGLAND ENTSCHEIDEN DIE BERGLEUTE SELBST ÜKBER IHRE ZUKUNFT
Die Besprechungen ueber den englischen Fuenfzehnjahresplan
werden von den Mitgliedern der Beratungsausschuesse der Kohlenbergwerke gefuehrt, die alle ein Exemplar dieses groessten Programms auf weite Sicht erhalten haben, das die britische Industrie
je gekannt hat.
Die ersten Erkl&amp;erungen zu dem Programm wurden im November
den Mitgliedern des Landes-Beratungskomitees von dem Vorsitzenden
der obersten Kohlenbehoerde gegeben. Die gemeinsame Beratung
wird fortgesetzt, und die Betriebsleiter und Arbeiter .1eder Abteilung studieren die Einzelheiten, die von unmittelbarer Bedeutung fuer sie sind.
Die Bergarbeitergewerkschaft hat bereits offiziell dieses
ausgeglichene Programm der Kapitalentwicklung gebilligt, das den
Zweck hat, Arbeitskraefte, Geld und Maschinen so zu verwenden,
dass die besten Ergebnisse erzielt werden koennen.
YJie ein Sprecher erklaerte, waren sich die Bergarbeiter immer
der Bedeutung der Herausstellung der Leistungsfaehigkeit bewusst,
und sehen nun eine Gelegenheit, ihre Hoffnungen zu verwirklichen.
Der ""lan kann jedoch nur gelingen, wenn er von der Industrie
wohlmeinend mit allen Mitteln unterstuetzt wird.
Die Vorschlaege zu diesem Fuenfzehn Jahresprogramm, das an
sich nicht an feste Quoten gebunden ist, sehen eine Steigerung
der jaehrlichen Kohlenfoerderung Englands um 36 Millionen Tonnen
bei einer Senkung der Zahl der Bergarbeiter um 80.000 vor.
Es wird weniger Gruben geben, aber mehr Destillierwerke. Es
werden sich groessere Stollen in den Gruben finden, zum Zerkleinern und Abtransport der Kohle wird weitgehend von elektrischer
Energie Gebrauch gemacht werden. Den Bergarbeitern werden in
groesserem Masse Badeeinrichtungen an den Ausgaengen der Gruben
zur Verfuegung stehen, sie werden mit groesserer Sicherheit arbeiten, und man wird sich eingehender als bisher mit Wohlfahrtseinrichtungen fuer sie befassen.
Diese Aenderungen koennen nicht sofort vorgenommen werden;
es kann bis zu zehn Jahren dauern, bis ein rrosses, modernes Kohlenbergwerk in vollem Ausmass produzieren kann.
Weil eine groessere Mechanisierung hoeheren Ausstoss mit
sich bringt, werden die Gestehungskosten fuer jede Tonne Kohle
um deben Schillinge fallen.
Nicht alle Gewinne werden in Form niedriger Teise der Oeffentlichkeit zufliessen. Die Maenner, die im Bergbau arbeiten, werden
besonders beruecksichtift werden, da die oberste Kohlenbehoerde
den Grundsatz akzeptiert hat, dass die Loehne im gleichen Masse
erhoeht werden, in dem die Produktionsleistung steigt.
Den Hauotanteil der Gestehungskosten fuer Kohle bilden die
Loehne (nahezu zwei Drittel). Obwohl das Komitee sich nicht verpflichten wuerde, eine bestimmte Lolinoolitik zu betreiben, hat es
beschlossen, bei der Errechnung der Gestehungskosten an Hand der
Loehne drei Voraussetzungen zugrundezulegen:
Die Unterschiede in den Lohnt&amp;rifen der einzelnen Gebiete
werden ausgeglichen, die verschiedenen Lohnstufen werden jetzt
bleiben, und die Loehne als Ganzes werden nur erhoeht, wenn auch
- 9 -

�die Produktionsleistung steigt, wobei jedes Gebiet mit Kohlevorkommen getrennt behandelt wird.
Die groesste Aufgabe wird es sein - dessen ist sich auch die
Behoerde bewusst - die Belegschaftsstaerke der Bergwerke beizubehalten.
In vielen Faellen wird es schwierig sein, neue Arbeiter einzustellen. Die Behoerde rechnet damit, dass nur in wenigen Bezirken ueberzaehlige Bergarbeiter Schwierigkeiten haben werden,
einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Als ein Hauptproblem sieht
man die Tatsache an, dass man im allgemeinen bestrebt ist, ueberzaehlige Arbeiter zu halten, anstatt sie zu veranlassen, in anderen Industrien Arbeit zu finden.
Die Gefahr einer weitverbreiteten Arbeitslosigkeit ist sehr
gering. Allgemein gesprochen, wird Neuorganisierung nichts weiter
bedeuten als eine Reihe von Arbeitsplatzwechseln in andere Gruben.
Fuer solche Wechsel ist den Arbeitern versprochen, dass ihnen alle
interessierten Stellen der naechsten Umgebung beratend zur Seite
stehen werden.
Die Kohlenbehoerde hat in ihren Richtlinien jede Rueckkehr
zu jenen Tagen von vornherein ausgeschlossen, als die Bergwerke
ueberbelegt waren und die Bergleute bei geringerer Nachfrage nach
Kohle arbeitslos wurden. Dadurch, dass man die Arbeiter je nach
den Schwankungen im Absatz zu Produktions- oder Ausbauarbeiten
heranzieht, will man die Fuenftage-Yvoche beibehalten und eine
stabile Beschaeftigtenziffer sichern.
Der Plan ist nicht unabaenderlich festgelegt, sondern er unterliegt fortwaehrenden Veraenderungen, da die Richtigkeit der Erwartungen staendig nach^eprueft wird.
Dadurch, dass man den Preis fuer jede Hauptkohlensorte in jedem Absatzgebiet so weit wie moeglich in Uebereinstimmung mit den
Produktions- und Transportkosten festlegt, will die Behoerde dafuer sorgen, dass jede Verbrauchergrupoe fuer die Kohle, die sie
braucht, einen angemessenen Preis zahlt. Die Preise fuer die einzelnen Absatzgebiete werden jedoch nicht endgueltig festgelegt
werden, sie werden aber mit den Veraenderungen in der Versorgung
mit verschiedenen Kohlensorten und der Nachfrage schwanken. Andere Faktoren, die berücksichtigt wurden, waren das erforderliche
Kapital und natuerliche Hilfsquellen. Die Behoerde hofft, die noetigen Ausruestungen und Finanzmittel fuer ihre Projekte zu bekommen, zumal Untersuchungen ergeben haben, dass ein Mangel an Kohlevorkommen fuer viele Generationen unwahrscheinlich ist.
Eine Besorgnis erregende Tatsache ist jedoch, da3s die be^te
und billigste Kohle bereits abgebaut ist, insbesondere jene Sorten, die sich zu Hartkoks fuer die Stahlindustrie verarbeiten
lassen. Auf der anderen Seite hofft die Kohlenbehoerde, die
Schwierigkeiten, die zur Zeit durch die Nachfrage der Verbraucher
nach besonderen Kohlensorten entstanden sind, ueberwinden zu koennen. Unter anderem beabsichtigt man, durch eine Form der Preisrsgelung, eine bessere Verteilung der einzelnen Sorten und verbesserte Methoden beim Mischen der Kohle der gesamten Nachfrage gerecht
werden zu koennen.
Das Programm der Neuorganisation enthaelt keine Angaben ueber
die Gruben, die geschlossen oder wiederaufgebaut werden sollen.
Diese Entscheidungen bleiben den oertlichen Betriebsleitungen
ueberlassen, die fuer die Durchführung der Einzelphasen des ^lanes
verantwortlich sind.
- 10 -

�Die oberste Kohlenbehoerde ist der Auffassung, dass sie bei
der Ausarbeitung dieses Programms auf lange Sicht sich konservativ verhalten hat. Man erwartet von den Arbeitern in der Zukunft
keine groesseren Anstrengungen als sie zur Zeit fuer ihre Arbeit
aufwenden. ?.fen hat sich auch nicht auf technische Erfindungen
gestuetzt, die gerade im richtigen Augenblick zu Hilfe gekommen
waeren.
Um noch weiterzugehen, erklaert die Behoerde, 3ie habe in
"einem Gemisch vernuenftiger Erwartung und hoffnungsvollen Denkens" gehandelt. Nachdon sich nun die Produktionsmoeglichkeiten
und die Tendenzen in der Nachfrage klar abgezeichnet haben, kann
der Plan abgeaendart werden. Er wird in jedem Falle staendigen
Revisionen unterliegen.
'7ie vorsichtig die Schaetzungen auch sein moegen, so hat
die Kohlenbehoerde doch ein Problem in Angriff genommen, das unbedingt einer Loesung bedarf.
«Tedes kleinare und einzelne Projekt zur Neuorganisierung und
Vodernisierung haette die Produktion nur auf den niedrigen Stand
von 1945 herabgedrueckt. Und der Preis fuer Kohle, der in den
letzten Jahren gesunken ist, wuerde erneut ansteigen, wie es 70
•Jahre lang der Fall war. Innerhalb von fuenf Jahren haette er
ohne einen derartigen Plan fuenfmal so hoch sein koennen.
Da3 Programm muss nun einer gröndlichen Untersuchung unterzogen wuerden, und zwar nicht nur von Persoenlichkeiten der Industrie, sondern auch von den Vertretern der Oeffentlichkeit in
den Ausschuessen fuer Kohleverbraucher und dem Ministerium fuer
Brennstoff und elektrische Energie. "Wir werden auch in Zukunft,"
erklaerte der Vorsitzende der obersten Kohlenbehoerde, "uns nach
neuen Ideen umsehen und solche Ideen begrusssen, soweit es sich
um gesunde und vernuenftige Vorschlaege handelt."
Labour
XII/50
GERECKTES AKKORDS TOTEM STEIGERT PRODUKTIONSLEISTUNG
Die Produktionsziffern der englischen Industrie gehen staendig in die Hoehe. Wie ist dies ohne zusaetzliche Arbeitskraefte
und ohne schwerere Arbeit moeglich? Das Staatliche Buero fuer
Virtschaftsinformationen hat sich mit 107 Firmen in Verbindung
gesetzt und hat drei eindeutige, aber keineswegs nagelneue Antworten auf diese Frage erhalten:
Gemeinsame Beratung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern,
gerechte Akkord-Systeme und Betriebsinformationen.
Die Untersuchungen haben dieses Buero zu einer grossen Zahl
groesserer und kleinerer Betriebe gefuehrt. Ein Fuenftel der
Betriebe zaehlen mehr als 1000 Arbeiter, ein Viertel weniger als
250. Auch die Art der Waren, die sie produzieren, ist sehr verschieden.
Unter Zuhilfenahme der Geschaeftsbuecher der einzelnen Firmen
ist eine Liste zusammengestellt worden, aus der zu ersehen ist,
wie die Produktion gesteigert, die Gestehungskosten und Preise
gesenkt und die Loehne der Arbeiter erhoeht worden sind.
- 11

�Diese Zusammenstellung ist sehr aufschlussreich. In 75 Firmen fuehren Vertreter der Unternehmer und Arbeiter gemeinsame Besprechungen. Gerechte Akkordsysteme spielen in 72 Faellen eine
bedeutende Rolle, waehrend 45 Firmen ihre Produktionsziffern dadurch steigern, dass sie ihre Arbeiter uebar die Erzeugnisse des
Betriebes, den Absatz, die ^roduktionsquoten, die Gestehungskosten und die bereits erzielten Erfolge eingehen unterrichten.
Viele Firmen bedienten sich dieser drei Methoden mit grossem
Erfolg. Zwei Beispiele zeigen, wie fortschrittliche Unternehmer
mit einsichtigen Arbeitern eintraechtig zusammenarbeiten, um die
Produktionsleistung zum Nutzen der Firma, ihrer Arbeitnehmer und
ihrer Kunden zu steigern.
Die Technischen Werke in Leeds z.B. koennen von einer ^roduktivitaetssteigerung um 44% seit 1947 berichten. Der Mangel an
Treibstoff, der in jenem .Tahre geherrscht hat, ist fuer dieses Unternehmen zur Veranlassung geworden, seine 55 Kilowatt-Dieselgeneratoren zu normen. Das Erzeugnis der Firma ist ab heute geaendert, um eine guenstigere Verwendung des Rohmaterials zu gewaehrleisten, und um die Produktion des genormten Produktes zu beschleunigen, ist eine umwaelzende Neuordnung der Betriebsanlügen
durchgefuehrt worden.
Frueher sind spezialisierte Werkzeugmaschinen nur im beschraenkten Kasse verwendet worden, um Einzelteile fuer eine Vielzahl von Maschinen herzustellen. Nach der Neuorganisation sind
die Werkzeugmaschinen, in Gruppen geordnet aufgestellt, in voraus
sorgfaeltig eingerichtet, damit die maschinelle Arbeit im ununterbrochenen Fliessbandsysten ausgefuehrt werden kann. Die Arbeiter
sind waehrend dieser Neuorganisation genauestens ueber die einzelnen Vorgaenge unterrichtet worden, ebenso sind die Plaene dem
gemeinsamen Produktionsausschuss laufend vorgelegt worden. Auf
diese "'eise ist es moeglich gewesen, sich die Mitarbeit der Belegschaft bei dieser Neuorganisation zu sichern.
Und die Ergebnisse? Fuer die Verbraucher eine 25%ige Preissenkung, fuer den Unternehmer eine 10%ige Verminderung der Produktionskosten und fuer 1800 Arbeitnehmer eine Steigerung ihrer Loehne um durchschnittlich sechs Schillinge bis zu einem ^fund Sterling,
wobei die Lohnverbes3erungen im Rahmen des nationalen Lohngesetzes
nicht beruecksichtigt sind.
Im Suedwe3ten Englands sehen wir das zweite Beispiel: In
Avonmouth (Bristol) werden den Arbeitern fuer die Erzeugung von
Zink, Schwefelsaeure und Industrie-Chemikalien Leistungspraemien
gezahlt. Die Zinkproduktion hat sich seit dem Kriege um 20% und
die der Schwefelsaeure um 25% gesteigert. Die Wochenloehne der
Arbeiter sind dadurch an einen Betrag von dreissig Schillingen bis
zu zwei Pfund Sterling in die Hoehe gegangen.
Die Leistungspraemien werden in den verschiedenen Industriezweigen nicht eher eingefuehrt, als bis in Sondersitzungen mit
Unternehmer- und Gewerkschaftsvertretern alle Einzelheiten des
Systems ausgearbeitet sind und eine Abmachung zustande gekommen
ist, zu der sich 90% der 1500 Arbeiter dieses Betriebes bekennt
haben. Leistungs-raemien koennen auch in den Warenlagern gezahlt
vyerden und sind selbst fuer die jungen Leute vorgesehen, die mit
dem Fahrrad Botengaenge ausserhalb der Fabrik verrichten.
Praktisch ist jede Arbeit in diesen Betrieben vom Hofreinirer
bi3 zum Reparieren der Pumoen und V.'iederaufbauen der Retorten georueft und zeitlich bemessen worden. In allen Faellen ist es den
- 12 -

�Arbeitern moeglich, sich an die Zeitnehmer zu wenden und eine Anpleichurig der Zeit zu erwirken, wenn dies erforderlich ist.
Fuer die Maschinentechniker, Klempner, Maurer und andere
Handwerker sind Akkordsysteme eingefuehrt worden, denen eine Untersuchung ausschlaggebender Leistungseinheiten zu Grunde liegt.
In jedem dieser Systeme ist der Vorarbeiter der wichtigste
Mann. Er prueft die Zeiten, die fuer die Arbeitsgaenge gebraucht
werden. Wenn die Ausfuehrung der Arbeit schlecht ist, kann er
darauf bestehen, dass sie noch einmal verrichtet wird oder die
Praemie nur fuer den Teil gezahltvwird, der zufriedenstellend ausfaellt. Der Vorarbeiter selbst arbeitet nach einem Leistungspraemien-System, das sich auf die Arbeitsleistung seiner Arbeiter
gruendet.
Diese 105 Faelle, die man untersucht hat, sind ein klarer
Beweis dafuer, dass die englische Industrie ueber ein grosses Mass
an Erfahrung und Wissen verfuegt, das ausgewertet werden kann wenn es die Unternehmer nicht fuer erniedrigend halten, mit den
Vertretern ihrer Arbeiter neue Methoden zu besprechen, bevor
die Fabriken in Betrieb gesetzt werden, und wenn die Arbeiter
nicht zu misstrauisch oder zu konservativ sind, sich damit einverstanden zu erklaeren, eine neue Idee auszuprobieren, nachdem
sie sie sorgfaeltig geprueft haben.
Labour
6/50
MEANY ZUR ROLLE DES RUNDFUNK- UND FERNSSKWESENS
"Dieses neue und maechtige Beeinflussungsmittel darf nicht
voellif der Industrie als Propagandawerkzeug zur Steigerung ihres
Absatzes ueberlassen werden."
Dies sagte George Meany, der Hauptkassierer der AFL, vor
der bundesstaatlichen Kommission fuer Rundfunk- und Fernsehwesen.
Er schloss sich der Bitte einer Grupoe Erzieher an, dass ein gewisser Prozentsatz der Fernsehsendungen ausschliesslich fuer erzieherische Zwecke verwendet werden soll. "Wir wollen, dass
unsere Kinder durch die Fernseheinrichtungen mehr lernen koennen
als nur die Kenntnis einer ausgezeichneten Geschaeftsreklame."
"Die Regierung ist dem amerikanischen Volke sehr vieles
schuldig. Sie sollte die Kinder der Nation und die Erwachsenen
vor dem uebertriebenen Haendlergeist bewahren, dem sie zur Zeit
ausgesetzt sind."
Meany stellte fest, dass die bestehenden Fernsehstationen
es versaeumt hastten, sich zu einem Forum fuer die verrchiedenen
Meinungen zu den nationalen und internationalen Problemen zu
entwickeln, und erklaerte: "Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, finden in dem IIei..leben zahlloser amerikanischer Familien und den I^rziehunpsmoeglichkeiten der kommenden Genorationen ihren Niederschlag."
ir wies ferner darauf hin, dass die amerikanische Arbeiterschaft das Erziehunrswesen immer unterstuetzt hat, weil sie zu
der Erkenntnis gekommen ist, deas "ein intelligentes Volk aufgeklärt sein nuss." lir betonte, dass es "die arbeitenden ?'aenner und Frauen Amerikas waren, die den Kampf fuer die irrichturg
eines freien und oeffentlichen Schulsystems gefueh/rt haben.*'
—

Xo

�Die Gewerkschaften haben sich fuer der üeffentlichkeit zugaengliche Hochschulen eingesetzt und sind heute an den üniversitaeten
und Volkshochschulen ausserordentlich interessiert.
Durch die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehwesens
sind die Erziehungs- und Informationsmoeglichkeiten sehr stark
ausgedehnt worden, man habe jedoch zur Foerderung der allgemeinen
Erziehung und zur Propagierung sozialpolitischer Programme nur
in beschraenktem Masse von den Rundfunk- und Fernseheinrichtuncen
Gebrauch gemacht, und "die Geschichte der letzten £5 Jahre hat gezeigt, dass der Rundfunk nicht die grosse erzieherische Rolle gespielt hat, die man von ihm erwartete."
"Die fortschrittliche amerikanische Arbeiterschaft ist der
Auffassung, dass hoehere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen, so
lebenswichtig sie sind, weder das einzige Interesse der Arbeiter
darstellen, noch die einzige Verantwortlichkeit sind, die die Unternehmer ihren Arbeitern gegenueber zu tragen haben. Die Gewerkschaften wie auch die Unternehmer vertreten die Auffassung, dass
die Erziehung fuer den Arbeiter von vordringlicher 7/ichtigkeit ist.
Ein aufgeklaerterer Arbeiter ist leistungsfaehiger. Er lernt in
kuerzerer Zeit mehr, verrichtet seine Arbeit besser und steht innerhalb der Gemeinschaft auch nachdruecklicher seinen Mann."
Daily News Service
XIl/6/50
AMKR1&amp;AW13CHK GE":ERKSCH;,FTSFU2ERER UNTERSTREICHEN DIE BEDEUTUNG
DER ARBEITERSTLDUNÖ""^
Bei der feierlichen Uebergabe des Samuel-Gompers-Oedaechtnisfonds an das Roosevelt-College in Chikago, der sich auf 100.000
Dollar belaeuft, erklaerten fuehrende Funktionaere der Gewerkschaften, der Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
haenge groesstenteils von der Ausbildung ab, die den Gewerkschaftsmitgliedern zuteil werde.
William Green, der Vorsitzende der AFL, fuehrte in diesem
Zusammenhang aus: "»ir waren bisher vielleicht zu sehr geneigt,
unseren Fortschritt nach den Mitgliederzahlsn allein zu bemessen d.h. eher nach quantitativen als nach qualitativen Normen
Nur in dem Masse, in dem wir erziehen und auch werbend wirken,
koennen wir die Gewissheit haben, dass die Struktur der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Amerika erhalten bleibt und sich fortwaehrend verbessert."
Der Vorsitzende des CIO, Philip Murray, wies darauf hin, da-?s
"unsere hoeheren Lehrinstitute bis vor kurzem noch der Gewerkschaftsbewegung gegenueber entweder unfreundlich oder irgendwie gleichzeitig eingestellt waren oder ihr sogar den Ruecken kehrten."
Im Roosevelt-College wird die Arbeiterbildung auf der gleichen
Basis wie die Ausbildung in Kuensten und '..'issenschaf ten betrieben.
Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften sind im Treuhaenderausschuss vertreten. 'Valter Reuther, der Vorsitzende der ^utomobilarbeitergewerkschaft de3 CIO, und Morris Bialis von den Damenoberbekleidungsarbeitern der AFL sind Mitglieder dieses Ausschusses.
V.'eekly Labor News Digest
Vol. V - Nr. 51
XII/20/50

- 14 -

�AUS3ILDUNGS INSTITUT FUL'R DIE WIRTSCHAFTLICHE PL^ÜPG ASIATISCHER
3NT ','IC KLUNG 5 PR 0J5KTE
In Lahors (Pakistan) ist das erste regionale Schulungsprogramm fuer Volkswirtschafter, Techniker und Verwaltungsbeamte angelaufen, die sich mit der Planung und Finanzierung landwirtschaftlicher Entwicklungsprogramme hefassen. An dem Lehrgang nehmen mehr als 50 Regierungsbeamte aus vorderasiatischen Laendern
und dem Fernen Osten teil. Es handelt sich um eines der ersten
groe^seren Schulungsprogramme, die durch das erweiterte technische
Unterstuetzungsprogramm unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen
und der Internationalen Bank fuer wirtschaftlichen Wiederaufbau
und Entwicklung ermoeglicht wurden. Zweck dieses Lehrganges ist,
die Beamten asiatischer Laender in der Vorbereitung wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte zu unterrichten und ihre Fähigkeiten
auf diesem Gebiet zu vervollkommnen, da:.;it derartige "Projekte
von den staatlichen Verwaltungsbehoerden und den internationalen
Finanz-Instituten bosser bearbeitet werden koennen. Es ist oftmals von verschiedenen Finanzinstituten - wie z.B. der Internationalen Bank - darauf hingewiesen worden, dass schlecht ausgearbeitete Skizzen ueber wirtschaftliche Entwicklungsprojekte eins erhebliche Schwierigkeit fuer den wirtschaftlichen Fortschritt
unterentwickelter Laender darstellen.
Dsr Lshrplan des Instituts umfasst folgende Gebiete:
a) Die Auswirkung besonderer Projekte auf die wirtschaftlichen Verhaeltnisse eines Landes und die ~laene fuer die
zukuenftige Entwicklung bestimmter Industriezweige und Projekte, bestehender und geplanter Absatzmöglichkeiten,
Transportwesen, Kredit-Institute fuer die Landwirtschaft
sowie Schulen und andere staatliche Einrichtungen.
b) Voraussichtliche Kosten und Gewinne aus wirtschaftlichen
Entwicklungsprojekten. Kostenvoranschlaege fuer technische
Plaene, Bau- und Arbeitsprojekte und technische Produktionseinrichtungen, das Studium landwirtschaftlicher Projekte
unter Berücksichtigung der daraus entstehenden Einnahmen;
zusammenfassende Finanzberichte ueber Ausgaben und Einnahmen.
c) Besondere Probleme und die verschiedenen Arten der Entwicklungsprojekte. Kuenstliche Be- und Sntwaesserung, Flussregulierung, Bodenkultivierung, Vertriebs- und weiterverarbeitende Unternehmen, die kombinierte Ausbeute der natuerlichen Hilfsquellen, Transport- und Informationswesen, Gesundheitsprobleme, agronomische Fragen in- und auslaendischer
Maerkte zum Absatz der Erzeugnisse und die indirekte Auswirkung aller dieser Probleme auf die Staatseinnahmen.
d) Organisation und Verwaltung der Projekte. Gerichtsbarkeit, Organisationsform, Machtbereich und Aufgaben, PersonalPolitik, Ueberwachung und Rechnungsfuehrung, Beziehungen zur
Landwirtschaft und anderen Industrie-Zweigen, Auswahl und
Ausbildung der Siedler, Vorarbeiter, Mechaniker, die Bearbeitung von Kolonisierungs- sowie Ein- und Auswanderungsoroblemen.
e) Finanzfragen. Direkte Rueckerstattungen an die Farmer,
Siedler und andere Personen, die Erzeugnisse oder Dienstleistungen in Anspruch genommen haben, direkte Projekteinnahmen
in weichen und harten Waehrungen. Bedarf an inlaendischen
und auslaendischen Dienstleistungen und Materialien sowie
Kapitalien fuer nationale und internationale Finanzierungen,
- 15 -

�Finanzierungsmethoden eines Projektes und die Verwendung des
zur Verfuegung stehenden Kapitals.
f) Zusammenfassung aller Gesichtspunkte eines wirtschaftlichen Entwicklungsprojektes in einer Abhandlung, in der technische, verwaltungsmaessige und finanzielle Einzelheiten
festgelegt sind.
Den Teilnehmern an diesen Lehrgaengen wird die Moeglichkeit
geboten, besprochene Grundsaetze und Methoden bei der Bearbeitung
praktischer Entwicklungsprobleme und Projekte anzuwenden. Zusaetzlich zu den Informationen, die ueber ausnev.aehlte Projekte
anzuwenden. Zusa9tz_*ich zu den Informationen, die ueber ausgewaohlte Projekte in Pakistan der Schule zur Verfuegung stehen
werden, erwartet man von den Lehrgangsteilnehmern aus ,anderen
Ltendern, dass sie moeglichst ausfuehrliche Informationen ueber
eine oder mehrere Entwicklungsprojekte in ihrem eigenen Lande
zu diesem Zwecke vorlegen.
Economic and Social Problems
in the United States
Ho. 10 Vol. 2
10/50
INDISCHE GEWERKSCHAFTEN ERKENNEN DIE KOMMUNISTISCHE GEFAHR
Hariharnath Shastri, der Generalsekretaer des Indischen Nationalen Gewerkschaftskongresses lINTUC) gab vor kurzem eine Erklaerung ab, in d^r er ausfuehrte:
"Die Kommunisten greifen unsere Unabhaengi?keit unmittelbar
an; und das gleiche tun sie auf der ganzen Welt. Sie sind eine
Gefahr fuer die ganze Welt.
"Amerika und England repraesentieren die demokratischen
Kraefte. Einige sind der Auffassung, dass sie die kapitalistischen Kraefte repraesentieren. Das mag vor Jahren so gewesen sein;
die Verhältnisse haben sich jedoch geaendert. Sie habon ihre
imperialistischen Ansprueche laengst aufgegeben. Nun versuchen
sie ihr Bestes, um dio demokratischen Kraefte in der Welt zu staerken.
Amerika wuenscht, seine Stellung in der gesamten 'Veit auf demokratischer Basis beizubehalten. In der Rede Praosident Trumans sind
unlaeng^t die falschen Vorstellungen von
angeblichen Machtanspruechen Amerikas zurueckgewiesen worden.n
Generalsekretaer Shastri, der kuerzlich auf dem Kongress des
INTUC von 2.000 Delegierten wiedercewaehlt worden war, fuhr fort:
"Fuer England, Amerika und Indien besteht eine gemeinsame Gefahr,
der wir ins Auge sehen muessen. Eine einzige Nation bedroht den
Frieden der Welt. Diese Macht i3t fuer England und Amerika weniger gefaehrlich als fuer Asien. Starke Nationen koennen sich
selbst verteidigen, wir koennen es jedoch nicht."
Khandubhai Desai, der zum Vorsitzenden des INTUC wiedergev/aehlt wurde, brachte die gleichen Ansichten zum Ausdruck.
In den vergangenen 18 Monaten sind 15 Gewerkschaften mit rund
100.000 Mitgliedern von insgesamt 1.434.000 aus dem INTUC ausgeschlossen worden, weil sie der von Moskeu diktierten kommunistischen Linie folgten.
Program Services Section
Labour News Roundup # 73

XXX/6/50
- 16 -

H1J0O (li-l-Jl) CCT* S k l C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge «na der amerikanischen Presse und anderen Quellen der und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, njeh irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen,

I I - k5

Frankfurt, 13. Januar I950

INHALTSVERZEIC

HNIS

Truman fuer weiteren sozialen F o r t s c h r i t t —
Jugendschutz i n U.S.A. - - - - - - - - - Walter Reuther zur Deutschlandfrage

—

- - - - -

1

. . - -

4

- - - - - - - - -

5

Englische Schneider berichten ueber amerikanische
Produktionsleistung
Ifarahallplan Barometer

8
- - - - - - - - - - - - - - - -

Gewerkschaft3funk eines New-Yorker Senders

- - - - - -

Moderner Stoerungssucher - - - - - - - - - - - - - - -

9
10
11

TRUMAN FUER WEITEREN SOZIATjffrJ FfffiTSflURTT 1 .
(WASHINGTON, 9« Januar) - In seiner heutigen Budgetbotschaft an den Zbngress
stellte Praesident Harry S. Truman fest, dass "wir mit Zuversicht der Zukunft
entgegensehen koennen". Diese Botschaft enthaelt das finanzielle Programm febr
Durchfuehrung der Plaene und Massnahmen, die der Praesident in seiner Botschaft
ueber "die Lage in der Union" (State of the Union Message) vorige Woche vorgeschlagen hatte*
Fuer internationale Programme forderte der Praesident 4#7 Billionen Dollar.
Er sagte, dass das Europa Hilfsprogramm I95I mit einer Billion Dollar weniger
finanziert werden koennte als im Jahre I950, weil durch unsere Unterstuetzung
der wirtschaftliche Wiederaufbau angekurbelt und gefoerdert worden sei. Dies
haeite eine Hebung des Lebensstandards und groessere politische Stabilitaet in
Westeuropa zur Folge gehabt«
- 1-

�Der Praesident erinnerte den Kbngress jedoch daran, dass noch grosse Hindernisse zu ueberwinden seien und die Gefahr einer Aggression noch immer, bestehe.
Die Laender Kuropas benoetigten nach diesem Kriege Rohstoffe und Waren, die zum
groessten T e i l nur von den Vereinigten Staaten g e l i e f e r t werden koennten.
Diese Laender seien jedoch nicht dazu i n der Lage, die exportierten Gueter mit
Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen. "Wenn wir diesen Voelkern nur soviel
l i e f e r t e n , wie sie bezahlen koennen, dann wuerde i h r Lebensstandard rapide
sinken und Unsicherheit und destruktivem wirtschaftlichem Hationalismus der
Weg geebnet."
Der Praesident u n t e r s t r i c h von neuem die Notwendigkeit, den Welthandel auszudehnen, und e r ersuchte den Kbngress, die Charta der Internationalen Handelsorganisation zu akzeptieren und die dazu noetigen Gesetze zu e r l a s s e n . Er e r k l a e r t e , "dass sowohl die laender Buropas a l s auch die uebrigen Nationen und das
amerikanische Volk s e l b s t weitsichtige und durchgreifende Massnahmen treffen
muessten, um einen gesteigerten internationalen Waren- und Investitionsaustausch
zu ermoeglichenj a l l e i n auf dieser Basis koennten gesunde, i n t e r n a t i o n a l e Wirtschaftsbeziehungen e r r i c h t e t werden." Er fuegte hinzu, dass die im Budget geforderten Geldmittel, die zur Fortsetzung des europaeischen Hilf sprogramms noetig
waeren, fuer den weiteren F o r t s c h r i t t von ausschlaggebender Bedeutung seien.
Durch die Binschraenkung der Taetigkeiten der Internationalen Fluechtlingsorganisation (IRO) koennten die Zuwendungen der Vereinigten S t a a t e n um 6555 gekuerzt werden. Mr. Tnunan wiederholte jedoch seine Forderung, dass der Kbngress
das Gesetz fuer Fluechtlinge abaendern und die entsprechenden Geldmittel bewilligen moege.
Die Erfolge der technischen Unterstuetzung i n den Republiken Amerikas und
i n Europa beweisen, dass das Punkt-Vier-Programm wertvoll und durchfuehrbar i s t ,
sagte der P r a e s i d e n t . In seinem Haushaltsplan sind 25 Millionen Dollar vorgesehen, da sich die Vereinigten Staaten an dem Programm zur technischen Unterstuetzung b e t e i l i g e n , das nun von den Vereinten Nationen b e w i l l i g t wurde. Er
u n t e r s t r i c h die Notwendigkeit, Kapital i n rueckstaendigen Gebieten zu investieren
und einen Plan zu entwerfen, nach dem zur Foerderung von Investierungen die
Export-Import Bank die Garantie fuer diese Kapitalanlagen uebernehmen s o l l . Bei
Mangel an P r i v a t k a p i t a l schlug e r die Verwendung oeffentlicher Geldmittel vor.
Obwohl der Praesident die Notwendigkeit wirtschaftlicher S t a b i l i t a e t i n
•anderen Laendern hervorhob, betonte e r , dass e s damit nicht genug s e i . ^Die
wirtschaftliche Wiedergesundung i s t Grundbedingung fuer die Erhaltung der F r e i h e i t und S t a b i l i t a e t i n Westeuropa und anderen Laendern, die fuer uns von l e benswichtiger Bedeutung sind; aber die wirtschaftliche Lebensfaehigkeit a l l e i n
genuegt n i c h t , um sich vor Aggressionen schuetzen zu koennen. Eine starke m i l i taerische Verteidigung i s t notwendig. Ohne fremde Hilfe koennen diese Laender
jedoch nicht eine a l l e n Angriffen gewachsene Verteidigung aufbauen, ohne ihren
Wiederaufbau dadurch betraechtlich zu verzoegern,•
Fuer das gegenseitige Verteidigungsprogramm forderte Praesident Truman 1,1
Billionen D o l l a r Ü u e r das Haushaltsjahr 1951. Br e r k l a e r t e , dass diese Forderung die frueheren Schaetzungen weit u e b e r t r e f f e , weil das neue Programm zur
nationalen Verteidigung, wie es im Gesetz zur nationalen Sicherheit (National
S e c u r i t y Act) niedergelegt i s t , e r s t spaet gesetzlich genehmigt wurde. Mr,
Truman empfahl Ausgaben in einer Hoehe von 13 Billionen D o l l a r , was den groessten Betrag i n seinem Budget d a r s t e l l t .
Fuer Soziale Sicherheit^
Der Praesident verlangte vom Kbngress die Finanzierung des Programms der
sozialen Sicherheit und e r k l a e r t e , dass etwa B% a l l e r beschaeftigen Personen
von diesem Plan e r f a s s t wuerden. Damit wuerde die Notwendigkeit einer Unterstuetzung aulsToeffentlichen Mitteln laufend r e d u z i e r t . Vor allem muessen a l l e

- 2 -

�Bauern, Lohnempfaenger und selbstaendigen Arbeiter erfasst werden. Die Unterstuetzungen muessen bedeutend hoeher und a l l e Personen auch gegen Arbeitsunfaehigkeit v e r s i c h e r t s e i n . Er forderte aufs neue eine Gesetzgebung, die die
bundesstaatliche Hilfe fuer o e r t l i c h e Gesundheitsdienste steigern und fuer d i e
medizinisehen und verwandten Schulen f i n a n z i e l l e Unterstuetzung vorsehen s o l l ,
um die Ausbildung zusaetzlichen, medizinischen Personals zu foerdern. "Um eine
Hauptluecke i n unserem System der sozialen Sicherheit zu s c h l i e s s e n , " sagte der
Praesident, "empfehle ich nochmals dringend, ein vernuenftiges System fuer im
voraus bezahlte Krank enversicherungsgelder .gesetzlich festzulegen. Es muss in
unser soziales Versicherungsprogramm miteinbezogen und in e r s t e r Linie von Arbeitgebern und Arbeitnehmers f i n a n z i e r t werden» •
Mr. Truman e r k l a e r t e , dass sich seine Forderungen fuer Zwecke der Sozialversicherung im Jahre I95I auf schaetzungsweise 271 Millionen Dollar belaufen,
die i n Form von Zuschuessen den einzelnen Staaten zuzuleiten waeren.
Wohnungsbau«
Er b e t o n t e , dass es notwendig s e i , mehr Wohnungen zu schaffen. Er forderte
die bundesstaatliehe Genehmigung von Unterstuetzungen fuer Genossenschaften und
anderen Gesellschaften, die ohne Gewinn an Bau- und Wohnungsbauprojekten a r b e i t e n .
Er v e r l a n g t e , dass die Bundesregierung fuer die technische Beratung der entstehenden Baugenossenschaften sorge und die entsprechenden Massnahmen zu i h r e r Finanzierung t r e f f e . Mit dem vom Kbngress im l e t z t e n Jahre verfolgten Grundsatz,
•ein anstaendiges Heim und eine passende Umgebung fuer jede amerikanische Familie
zu schaffen,« sei e i n guter Anfang gemacht worden. Wir muessten jedoch schnellstens daran gehen, diese Plaene zu verwirklichen. Er forderte fuer das gesamte
Wohnungsbauprogramm, . e i n s c h l i e s s l i c h Gemeinde- und Reinigungsarbeiten, insgesamt
1,3 Billionen D o l l a r .
Bessere Schulausbildung.
Fuer erzieherische Zwecke i n den verschiedenen Staaten belief sich die Forderung des Praesidenten fuer I951 auf 434 Millionen Dollar gegenueber 125 M i l l i o nen fuer 1950« ^Die Nation kann es sich nicht l e i s t e n , menschliche Faehigkeiten
und Kraefte zu vergeuden, wie wir es augenblicklich tun,* sagte e r , "indem wir
versaeuman, Millionen von Kindern i n Grund- und hoeheren Schulen auszubilden
und Hunderttausenden von jungen Menschen zu helfen, die durch eine bessere Schulausbildung vorwaertskommen koennten.•
Hilfe fuer den A r b e i t e r .
Mit der Forderung von 243 Millionen Dollar fuer das Programm der Arbeit im
Jahre I95I fuehrte der Praesident ausi "Die Plaene der Bundesregierung auf dem
Gebiet der Arbeit sind dazu bestimmt, den wirksamen Gebrauch unserer wichtigsten
produktiven Kraft zu foerdern, der Leistung des' amerikanischen A r b e i t e r s , mit
dem Endziel, eine hoehere Produktion und damit einen hoeheren Lebensstandard zu
e r r e i c h e n . " Er sprach sich fuer die Beibehaltung eines freien Arbeitsvermittlungsdienstes "fuer Industrie und Landwirtschaft a u s , fuer eine Versicherung gegen
den Totalverlust des Einkommens infolge zeitweiliger A r b e i t s l o s i g k e i t , und fuer
gerechte Normen der Arbeitszeit und -bedingungen, durch die ein Schlichtungsdienst bei i n d u s t r i e l l e n S t r e i t i g k e i t e n und ein Mittel gegen ungerechte Arbeitsverfahren gewaehrleistet wuerde. Er fuegte dem Haushaltsplan eine Million Dollar
zur Finanzierung uer Kommission fuer gerechte Beschaeftigungsbedingungen b e i ,
deren Schaffung er schon s e i t langem dem Kongress nahegelegt h a t t e . Er wiederholte seinen diesbezueglichen Vorschlag i n der heutigen Botschaft. Ferner
empfahl e r , den Staaten Unterstuetzungen fuer Programme der i n d u s t r i e l l e n Sicherh e i t zu gewaehren und wies darauf h i n , dass die Bundesregierung und die Staaten
j a e h r l i c h Millionen von Dollar fuer v e r l e t z t e Arbeiter ausgaeben. "Allein unser
gesunder Menschenverstand," sagte e r , "muesste uns veranlassen, a l l e s zur Verhinderung von Unfaellen zu t u n . •

- 3 -

•

�Seine Forderung zur Erv/ei terung des Arbeitsministeriums durch den r.ogenannten "Labor Extension Service", durch den die gesunden Wechselbeziehungen Arbeitnehmer-Arbeitgeber gefoerdert werden s o l l e n , schaetzte er fue.r. das könnende
Haushaltsjahr auf 3 Millionen D o l l a r .
. . . . . . . . . . . . . und Bauern»
Der Praesident erklaerte, dass die Preisunterstuetzung fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse ein wichtiger Faktor zur Verhinderung einer Nachkriegskrise der
gesamten Wirtschaft gewesen sei, zu einer Zeit, als der Uebergang von der Kriegszur Friedensproduktion eine Preissenkung fuer landwirtschaftliehe Produkte hervorgerufen hatte. Er nimmt jedoch an, dass eine Preisunterstuetzung fuer diese Waren
im kommenden Jahre weniger notwendig sei und verminderte deshalb fuer 1951 die
Budgetforderungen des Jahres 195° u"1 4^5 Millionen Dollar. Es handelt sich hierbei jedoch nur um Schaetzungen, da auch nur geschaetzt werden kann, ob und wieweit
eine Preisunterstuetzung notwendig sein wird» Er schlug vor, der "Commodity Credit
Corporation" weitere Anleihen zu bewilligen, wenn sie diese fordern sollte. Die
Erweiterung des ElektrifizierungsSystems auf dem Lande wird nach seinen Schaetzungen im Jahre 1951 Anleihen im Werte von 427 Millionen Dollar gegenueber 3$0 Millionen im Jahre 1950 erfordern. Der Praesident ersuchte ferner um die Bewilligung von
50 Millionen Dollar fuer das Programm zur Errichtung eines Telephonnetzes auf dem
Lande und fuer die Bodenerhaltung und Flussregulierung schlug er eine Erhoehung
der 64 Millionen Dollar fuer 1950 auf 68 Millionen fuer I951 vor.

JUGENDSSHPTZ DJ U,S.A.
WASHINGTON, 1. Dezember 19!$ (US Information Service) - Auf der l6, Nationalkonferenz der Arbeitsgesetzgebung wurde beute beschlossen, das Gesetz ueber Kinderarbeit zu foerdern, das ohne Ausnahme fuer alle Minderjaehrige n, die Lohnempfaenger sind, Gueltigkeit hat. Bs besagt, dass kein Jugendlicher beschaeftigt
werden darf, der nicht aerztlich untersucht und fuer die betreffende Arbeit fuer
tauglich befunden worden ist.
Vertreter aus 2jD Staaten, dem Distrikt Columbia, aus Alaska, HaTjai und Portoriko nehmen an dieser Konferenz teil, die hier die letzte ihrer 3-taegigen Sitzungen abhaelt.
Mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen fuer Minderjaehrige zu verbessern, billigte die Konferenz einstimmig die Eilt Schliessung ihres Sonderausschusses fuer
Kinderarbeit, die fuer jegliche Beschaeftigung waehrend der Schulzeit ein Mindestalter von 10 Jahren und fuer Beschaeftigung ausserhalb der Schulzeit ein
Alter von mindestens 14 Jahren vorsieht. In Fertigungs-, mechanischen und solchen Betrieben, in denen am laufenden Band hergestellt wird, duerfen Jugendliche
erst ab 16 Jahren beschaeftigt werden.
Minderjaehrige unter 18 Jahren duerfen hoechstens 8 Stunden pro Tag und
2,0 Stunden pro Woche arbeiten, Sie auerfen nicht laenger als 5 Stunden ununterbrochen ohne Mahlzeit oder Ruhepause beschaeftigt werden.
Die EntSchliessung verbietet die Arbeit von Jugendlichen unter 16 Jahren
zwischen sieben Uhr abends und sieben Uhr morgens, ausserdem untersagt sie Beschaef tigungen, die eine Gefahr fuer die Gesundheit, Moral oder die Sicherheit
des Jugendlichen unter 18 Jahren darstellen. Die Konferenz nahm auch den Vorschlag ihres Ausschusses fuer Arbeiter ohne festen Wohnsitz an, der zum Zweck
hat, die Arbeitsbedingungen und den Lebensstandard der Arbeiter zu verbessern,
die saisonbedingte Beschaeftigungen, wie zum Beispiel in der Landwirtschaft,
der Nahrungsmittelindustrie oder als Holzfaeller ausueben«
In einer Empfehlung der Konferenz wird ferner zum Ausdruck gebracht, dass
diese Arbeiter durch staatliche Gesetze zur Regelung der Mindestloehne und Lohnzahlungen geschuetzt werden muessen, damit sie einen festen Lohn als Rueckhalt

- - 4
«

�haben« der auch nicht b i s zum Ende der Saison einbehalten werden darf. Fuer Arb e i t e r ohne festen l o h n s i t z s t r e b t man ausserdem weitere Sicherheiten wie Arbeitslose nunterstuetzung, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung und Gesundheitsund Wohlfahrtsdienste a n .
Sin anderer Ausschuss der Konferenz (Ausschuss fuer i n d u s t r i e l l e Sicherheit
und Gesundheit) hat die Vorschlaege der Praesidentenkonferenz ueber i n d u s t r i e l l e
S i c h e r h e i t , die h i e r im Maerz dieses Jahres s t a t t f a n d , wieder aufgegriffen, die
besagen, dass Anstrengungen gemacht werden s o l l e n , um die Zahl der Unfaelle i n
der Industrie der Vereinigten Staaten im Laufe der naechsten zwei oder drei Jahre
um 1 Million zu reduzieren. Dieser Ausschuss r i e f die s t a a t l i c h e n und bundess t a a t l i c h e n Behoerden zur Zusammenarbeit auf, um durch die erforderliche Gesetzgebung oder Massnahmen dieses Ziel zu erreichen.

WALTER RBOTHER ZOR DEDTSCHIANDFRAGB.
Der Vorsitzende des U.S. Automobil Arbeiter Verbandes Walter Reuther besuchte
Berlin« a l s er gelegentlich der Gruendungskonferenz der neuen Gewerkschaftsinternationale i n Europa w e i l t e . In einem Radio Interview u n t e r b r e i t e t e er seine
Auffassungen der Berliner Arbeiterschaft, Da wir die Stellungnahme dieses jungen
und bedeutenden amerikanischen Arbeiterfuehrers von allgemeinem I n t e r e s s e h a l t e n ,
drucken wir s i e nachstehend fuer unsere Leser a b .
Herz,
Ansagers

Mr. Reuther, wir hoerten, dass Sie gerade am Köngress der freien Gewerkschaften in London teilgenommen haben und j e t z t zu einem kurzen Besuch
nach Deutschland gekommen sind, und nun sind Sie s e i t gestern Nachmittag i n Berlin» Mr. Reuther, was i s t der Zweck Ihres Berlin-Besuches?

Reuthert

Ich wollte eine Gelegenheit haben, die Berliner UGO an der Arbeit zu
sehen und kennenzulernen. Bei dieser Gelegenheit bin ich auch sehr
e r f r e u t , die Moeglichkeit zu haben, zu den Arbeitern der Sowjet-Zone
zu sprechen. Leider i s t aber mein Deutsch nicht so g u t , dass ich a l l e
Fragen hundertprozentig beantworten kann. Sie muessen deshalb mit dem
Dolmetscher sprechen«

Herzt

Mr. Reuther, wir freuen uns, dass Sie waehrend Ihres kurzen Aufenthalt e s in Berlin Zeit gefunden haben, zu uns zu konmen, und dass Sie selbst
gewuenscht haben, gerade von h i e r aus auch zu der Bevoelkerung i n der
sowjetischen Besatzungszone zu sprechen. Warum, Mr. Reuther, haben
Sie gerade diesen Wunsch?

Reuther.

Ich moechte zu der Bevoelkerung der Sowjet-Zone sprechen, weil ich s i e
der lebhaften Anteilnahme der maechtigen amerikanischen Gewerkschaften
an ihrem Schicksal versichtern moechte« Sie sollen wissen, dass wir mit
ihnen und a l l e n f r e i e n Laendern der Welt kaempfen werden, um sie endg u e l t i g von der sowjetischen Diktatur zu befreien, damit sie der Dinge
t e i l h a f t i g werden koennen, die das Glueck der freien Voelker auemachen. Wir i n der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind uns darueber im k l a r e n , dass jedermann nur frei sein kann, wenn a l l e Voelker
der Erde f r e i sind« und deshalb i s t es mir ein Beduerfnis, mich an
die Arbeiter der Sowjet-Zone zu wenden und Sie wissen zu lassen, dass
wir mit ihnen kaempfen, und dass auch sie eines Tages ihre F r e i h e i t
wiedererlangen koennen«

Herzt

Mr, Reuther, das i s t eine sehr wichtige F e s t s t e l l u n g , die unsere
Hberer i n der Ostzone sehr begierig und sehr gerne hoeren werden. Sie
kommen j e t z t gerade aus England, von der Gruendungskonferenz des freien
Weltgewerkschaftsbundes. V i e l l e i c h t koennen Sie ganz kurz unseren
Hberern sagen, wie es zu dieser neuen Gruendung kommen musste«

-5-

�Reuthen

Der Londoner Gewerkschaftskongress s e t z t sich aus Vertretern von 83
Nationen der ganzen Welt zusammen. Diese freien Gewerkschafter sind
gekomaen, um einen neuen, f r e i e n , demokratischen Gewerkschaftsbund
zu b i l d e n , der a l l e f r e i e n Gewerkschaften der Welt miteinander i n
Verbindung b r i n g t . Wir wollen gemeinsam kaempfen und a r b e i t e n , um
eine Welt zu schaffen, in der die freien Arbeiter ein besseres leben
fuehren koennen. Wir werden gegen die Kommunisten kaempfen, weil
sie der Menschheit den Weg versperren, der zu frieden und F r e i h e i t
i n der Welt fuehrt. Angesichts der taeglichen Probleme der Arbeiter
der ganzen Welt wird unser Kampf nicht negativ sondern p o s i t i v s e i n ,

Herz.

Der neugegruendete f r e i e Weltgewerkschaftsbund i s t also gegenueber
dem bisherigen kommunistischen Weltgewerkschaftsbund i n einer aehnl i c h e n Situation wie die Berliner Unabhaengige Gewerkschaftsorganisation» die UGO, gegenueber dem FDGB i n der Ostzone und im Ostsektor
B e r l i n s . Es i s t doch nun s o , dass die UGO b e r e i t s i n London auch anwesend gewesen i s t , und dass ihre Arbeit aus diesem Grunde aus i h r e r
besonderen Erfahrung heraus v i e l l e i c h t besonders zu begruessen waere,

Reuthen

Die freien Gewerkschaften der ganzen Welt sahen sich i n ihrem Kampf
gegen die kommunistische Sabotage den gleichen Grundproblemen gegenueber wie die UGO i n B e r l i n , und wir Gewerkschafter Amerikas fuehren
denselben Kampf gegen die Kommunisten, die immer wieder versucht
haben, die Bemuehungen unserer Gewerkschaftsbewegung zur Unterstuetzung der Arbeiter zu sabotieren. Im Jahre 1946 haben die Arbeiter der
•General Motors", des groessten Unternehmens.Amerikas, i n einem v i e r monatigen Streik um ihre Rechte gekaempft. Und waehrend wir gegen
die "General Motors" kaempften, sabotierten die Kommunisten innerhalb
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung diesen S t r e i k . In den grossen S t a h l s t r e i k s setzten sich d i e Gewerkschaften der S t a h l a r b e i t e r
kuerzlich mit der "United S t e e l Corporation", der "Bethlehem S t e e l
Corporation" und anderen grossen Stahlunternehmen auseinander. Und
wieder sabotierte die kommunistische P a r t e i den Streik der Stahlarbeiter-Gewerkschaften gegen Wall S t r e e t und die Stahlkompanien,
Deshalb koennen wir auch genau die Art von Kampf, den die UGO i n
Berlin zu fuehren h a t . Und wir sind gluecklich, die drei Delegierten der UGO i n dem neuen f r e i e n , demokratischen Gewerkschaftsbund i n
London begruessen zu koennen* Sie sitzen dort mit Gewerkschaftsvert r e t e r n aus der ganzen Welt und arbeiten zusammen an gemeinsamen
Problemen und Rechten, die der f o r t s c h r i t t l i c h e n Entwicklung i n der
Welt dienen.

Herzt

Ich sehe a l s o , Mr. Reut her, dass i n Amerika die Kommunisten genau die
gleichen Methoden verfolgen, wie ueberall sonst auf der Welt, und i c h
sehe auch w e i t e r , dass Sie sehr gut wissen, wie es i n der Ostzone
h i e r zugeht. Wird die Entwicklung i n der sowjetischen Besatzungszone denn allgemein so aufmerksam verfolgt?

Reut her 1 Der Durchschnittsamerikaner weiss sehr v i e l von der Sowjet Zone und
es l i e g t den amerikanischen Arbeitern sehr v i e l daran, dass die Arb e i t e r der Ostzone auf a l l e moegliche Art u n t e r s t u e t z t werden, damit
sie ihre Probleme loesen und eines Tages ihre F r e i h e i t zurueckgewinnen koennen. Dann koennen s i e mit den uebrigen f r e i e n , demokratischen
Gewerkschaften am Frieden und der Sicherheit der Welt a r b e i t e n .
Herz.

Sie sagen a l s o , dass i n Amerika die sowjetische Besatzungszone keineswegs abgeschrieben i s t , Mr. Reuther. Leider besteht augenblicklich
gar keine M ö g l i c h k e i t einer wirklichen Hilfe fuer die Bevoelkerung i n

.6-

�der sowjetischen Besatzungszone, wie es in Westdeutschland j e t z t vor
allem durch den Marshall Plan moeglich i s t . Koennten Sie v i e l l e i c h t
i n diesem Zusammenhang noch sagen, wie die amerikanischen Gewerkschaften zu diesem grossen iiilf sprogramm fuer Europa stehen?
Reuther i

Die amerikaniscaen Gewerkschaften unterstuetzen den Marsuall Plan, und
es t u t uns l e i d , dass wir diese Kilfe nicht auf die Sowjet Zone ausdehnen koennen, wo die Bevoelkerung unter Hunger fcnd anderen Problemen zu
leiden h a t . Die Verantwortung hierfuer t r a e g t die russische Regierung,
die willkuerlich die Ostzone von der Hilfe abgeschnitten h a t , die die
amerikanischen Arbeiter und das amerikanische Volk der Sowjet Zone durch
den Marshall Plan zu l e i s t e n imstande waeren, und die ihre Not lindern
koennte. Ausserdem a r b e i t e n wir in London mit Vertretern f r e i e r E x i l gewerkschaftsgruppen der Sowjet Zone und der uebrigen Laender h i n t e r dem
Eisernen Vorhang zusammen, und wir werden a l l e s tun, was i n unserer
Macht s t e h t , um den Aufbau demokratischer und f r e i e r Gewerkschaftsgruppen
i n diesen Laendern zu foerdern und zu u n t e r s t u e t z e n , damit die Arbeiter
h i n t e r dem Eisernen Vorhang eines Tages b e f r e i t und in die Familie der
freien Gewerkscuaften der ganzen Welt aufgenommen werden koennen.

herzt

Nur noch eine Frage, Mr. Reuther: Die kommunistische Propaganda behaupt e t immer, die amerikanischen Gewerkschaften haben auf die Gestaltung
der wirtschaftlichen und politischen Verhaeltnisse Amerikas ueberhaupt
keinen E i n f l u s s . Sie kennen j a auch die Verhaeltnisse in der Sowjet
Union aus eigener Anschauung. Wie i s t es denn eigentlich mit der Einflussnahme und den Moeglichkeiten der sogenannten Gewerkscnaften im
Sowjetsystem, im Vergleich zu den Gewerkschaften i n Amerika?

Reutheri

Die Kommunisten propagieren i n grosser Aufmachung die Einflussnahme der
sowjetischen Gewerkschaften auf grundlegende Beschluesse der Regierung.
Tatsache i s t jedoch, dass sie ueberhaupt keine Moeglichkeit haben, ihren
Einfluss bei wichtigen Entscheidungen geltend zu machen. Ich besitze
mehr a l s nur theoretische Kenntnisse ueber die Sowjet Union und den
Einfluss der Gewerkschaften. Ich habe f a s t zwei Jahre in einer r u s s i schen Automobilfabrik i n Nischnij-Nowgorod g e a r b e i t e t , i n der das Ford
Modell A h e r g e s t e l l t wird. Und ich kenne genau den Einfluss und die
Macht der russischen Gewerkschaften, die n i c h t s mehr bedeuten a l s p o l i tische Betriebsorganisationen, mit deren Hilfe die Staatsbuerokratie,
die der Kontrolle des P o l i t Bueros u n t e r s t e h t , die Beschluesse des P o l i t
Bueros innerhalb der arbeitenden Klasse zur Ausfuehrung b r i n g t . Wenn
wir i n Amerika unsere Loehne fuer zu niedrig h a l t e n , schalten sich die
freien Gewerkschaften ein und wir koennen mit dem Unternehmer verhandeln. Wir koennen s t r e i k e n , um unseren Forderungen Nachdruck zu verl e i h e n . In der Sowjet Union sieht es ganz anders a u s , denn die Gewerkschaften sind machtlos. Wenn i n einer Fabrik, i n der ich i n Russland
beschaeftigt war, der P a r t e i s e k r e t a e r der Kommunistischen P a r t e i , den
Gewerkschaftssekretaer e r s u c h t e , die Forderungen der Arbeiter rueckgaengig zu machen, b e e i l t e sich der Gewerkscnaftssekretaer, diesem Ersuchen unverzueglich nachzukommen. Denn die Gewerkschaften Russlands
sind keine Gewerkschaften. Es sind s t a a t l i c h e Einrichtungen, denen die
Durchfuehrung der buerokratisehen EntSchliessungen des Staates unter den
Arbeitern o b l i e g t , und ich kann nur sagen, dass die Kommunisten bewusst
eine Propaganda t r e i b e n , die nur den Zweck bftt, die arbeitende Klasse an
der Nase herumzufuehren. Wenn Sie die russische Automobilfabrik kennenlernen koennten, i n der ich gearbeitet habe, und wenn es Ihnen moeglich
waere, die Satzungen und den Einfluss i h r e r Gewerkschaften mit denen
zu vergleichen, wie wir sie i n D e t r o i t , i n den "General Motors*, i n
den Chrysler Werken oder bei Ford vorfinden, dann koennten Sie diesen
Unterschied wie zwischen Tag und Nacht sehen, den Unterschied zwischen
den freien Arbeitern i n Amerika, die wirkliche p o l i t i s c h e und w i r t schaftliche Macht haben, und den Arbeitern der Sowjet Union, die sich
der s t a a t l i c h e n Buerokratie zu fuegen haben,in der die Gewerkschaften

- 7 -

�nichts mehr als Dekorationen sind, unfaehig, den Einfluss des Arbeiters bei irgendeiner wichtigen Entscheidung geltend zu machen.
Herzt

Herr Reuther, ich glaube angesichts des dichten PropagandaSchleiers,
den die kommunistische Propaganda dauernd ueber alle Gebiete legt,
auf die sie Einfluss hat, war es sehr noetig, dass Sie das einmal
gesagt haben, und ich bin sicher, dass Ihre Worte gerade die arbeitende Bevoelkerung in der Sowjet Zone sehr interessiert haben.

Beutheri

Ich hoffe, dass ich eines Tages Gelegenheit finden werde, einer Gewerkschaft skonferenz beiwohnen zu koennen, in der ich zu den nun in
der sowjetischen Zone lebenden Arbeitern sprechen kann. Im naechsten
Sommer werden die Automobilarbeiter eine Tagung veranstalten, und wir
hoffen, dort alle Automobilarbeiter der Welt vertreten zu sehen.
Nichts waere uns lieber, als Vertreter von jenseits des Eisernen Vorhangs anzutreffen und ihnen die Unterschiede zwischen den Verhaeltnissen der freien Arbeiter diesseits des Eisernen Vorhangs und ihren
eigenen vor Augen zu fuehren. Die Vertreter der Automobilarbeiter
hinter dem Eisernen Vorhang werden jedoch im naechsten Sommer nicht
zugegen sein, weil ihre Herren es ihnen nicht erlauben werden, und
weil sie nicht Mitglieder freier Gewerkschaften sind.

Herzt

Unsere Hoerer in der Ostzone werden sehr erfreut sein, Sie am Mikrophonkennengelernt zu haben. Mr. Reuther, haben Sie die Absicht, bald
wieder einmal nach Deutschland zu kommen und dann direkt in der Sowjet
Zone zu sprechen?

Reuther t Ich hoffe, im Fruehjahr 1950 wieder in Berlin zu sein, und wenn eine
Moeglichkeit besteht, im befreiten Mitteldeutschland zu sprechen, werde ich es tun. Im Namen aller Arbeiter in den Vereinigten Staaten
gruesse ich die Arbeiter in der Sowjetischen Zone.

ENGLISCHE SCHNEIDER BERICHTEN UEBER AISERIKANISCHB PRODUKTIONSLEISTUNG.
Die Produktionsleistung in vielen Herren-Bekleidungsfabriken der Vereinigten Staaten ist im allgemeinen hoeher als in der gleichen Industrie in England.
Diese Feststellung wird in einem vorlaeufigen Bericht getroffen, der von der 8.
englisohon Productivity Team in Washington veroeffentlicht wurde. Diese Gruppe
hatte die Vereinigten Staaten unter der Schirmherrschaft des Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsrates, der Marshall Plan Verwaltung und der englischen
Regierung zum Studieren der Produkt!vitaet besucht.
In dem Bericht werden als Ursachen fuer die Erfolge in der amerikanischen
Produktionsleistung folgende Faktoren angefuehrtt hohe Akkordpraemien, die in
gegenseitiger Vereinbarung von Gewerkschaften und Unternehmern festgesetzt
werden, eine relativ grosse Anzahl erfahrener Arbeitskraefte, die Anwendung
zusaetzlicher und zu besonderen Zwecken geeigneter Maschinen, der hoehere Grad
der Standardisierung und die guten Beziehungen zwischen Arbeiterschaft und
Unternehmern.
Bei einer Pressekonferenz in New York gab spaeter ein Arbeitermitglied der
Gruppe, Francis G. Mulligan, von Beruf Schneidereibuegler, einen zusaetzlichen
Kommentar und erklaerte, dass die amerikanischen-Arbeiter mehr Minuten pro
Stunde an der Arbeit sind als die Arbeiter Englands, weil sie wissen, dass Produktionssteigerung mehr Lohn bedeutet. Er sagte t
•Wir wissen, dass Tausende von Arbeitern in der amerikanischen Bekleidungsindustrie von Uebersee in dieses Land kamen. Es lag ihnen daran, moeglichst
schnell das Buergerrecht zu erwerben. Damit machten sie sich die amerikanischen

- 8 -

�Ideen zu eigen und versuchten, als Ihre Mitbuerger zu denken und zu leben.
Heute finden wir 3ie in anstaendigen Wohnungen in guten Vierteln ihrer Staedte
und Gemeinden« Ihre Haeuser sind aussen und innen gut gepflegt. Sie besitzen
moderne Kuechen mit elektrischen Kuehlschraenken und anderen Einrichtungen* die
zu guten Lebensverhaeltnissen gehoeren. Sie haben eigene Wagen und genuegend
Treibstoff und Freizeit, um zu reisen, wohin es ihnen beliebt,
•Die Kosten all dieser Dinge koennen nach Arbeitsstunden und Sonderleistungen berechnet werden, durch die eine Mehrproduktion von Bekleidungsstuecken
und Einzelteilen fuer Herrenbekleidung ermoeglicht wird. Alles was sich ein
amerikanischer Arbeiter wuenscht, und was nach seinen Begriffen zum taeglichen
Leben gebeert, kann er zu einem bestimmten Preis kaufen; deshalb arbeitet er
lange und schwer genug, un in den Besitz dieser Ware gelangen zu koennen. Meiner Meinung nach ist dies eine bedeutende Ursache fuer die hohe Produktionsleistung hier in den Vereinigten Staaten, •
Mulligan erklaerte, dass er besonders von den ausgezeichneten Beziehungen
zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern in den von der Gruppe besuchten Fabriken beeindruckt sei.
•Erst nach langem Kampf ist es den einzelnen Gruppen gelungen zu erkennen,
dass sie gegenseitige Interessen haben. Und wenn eine neue Maschine eingesetzt wird, die mehr Bekleidungsstuecke herstellt, dann teilen sich Arbeitgeber
und Arbeitnehmer in den zusaetzlichen Gewinn, der daraus entsteht.
•Es ist besonders bemerkenswert, dass festgesetzte Praemien fuer Stueckarbeit unbedingt eingehalten werden muessen. Auch wenn ein amerikanischer Arbeiter viel mehr produzieren kann, als man bei der Festsetzung der Tarife erwartet hatte, muss ihm dennoch der volle Betrag seines erworbenen Lohnes ausbezahlt werden. Praemien fuer Stueckarbeit koennen nicht ohne die Zustimmung
der Gewerkschaft gekuerzt werden.•
Mulligan erklaerte, dass weder er noch andere Mitglieder der Gruppe den
Eindruck haetten, man habe in der amerikanischen Herrenbekleidungsindustrie
die Qualitaet zugunsten der Quantitaet vernachlaessigt. "Wir waren angenehm
ueberrascht, feststellen zu koennen, dass trotz der Massenproduktion die Qualitaet ihrer Waren hinter der unsrigen nicht zuruecksteht," sagte er.
•Das handwerklicheEöannen ist bei Ihnen sehr gut. Die maschinelle Ausrüstung Ihrer Betriebe ist, im ganzen gesehen, weit moderner als bei uns.
Die Beaufsichtigung ist ausreichend. Das Ergebnis ist Bekleidung hoher Qualitaet, die wir, offen gesagt, hinter Ihrem System der Massenproduktion tragfertiger Kleidung nicht vermutet haetten.•

EGA Labor Information
7, Dezember l9i#

tlü^aiALLMAN'! BAROMETER.
Die Marshallplan Verwaltung gab bekannt, dass mehr a l s e i n Fuenftel der im
Monat Oktober fuer den europaeischen Wiederaufbau b e w i l l i g t e n Waren und Dienstl e i s t u n g e n Maschinen und Ausruestungen waren.
Der Gesamtwert der den l6 Marshall Plan Laendern Westeuropas im Monat Oktober zum Einkauf bewilligten Waren b e l i e f sich\auf 109.200.000 D o l l a r , sodass
die gesamten Bewilligungen b i s zum 3 1 . Oktober 7.O85.400.OOO Dollar ausmachten.
Die b i s zum 22. November genehmigten Waren haben einen Wert von 7 »380.500,000
Dollar,
Die gesamten, fuer Oktober bewilligten Dollarbetraege setzen sich wie folgt
zusammen! Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse 5 8 « 3 0 0 « 0 0 0 D o l l a r ,
- 9 -

�oder ungefaehr 53 %; gewerbliche Gueter 47«500»000 Dollar, oder nahezu 44 %;
und Schliff gerächten 3.300.000 D o l l a r , oder etwa 3 %,
Die zum Einkauf von Maschinen und Ausmästungen bewilligten Dollarbetraege
im Oktober betrugen 23,500,000 D o l l a r . Fast die Haelfte dieser Betraege,
11.400,000 D o l l a r , war fuer Frankreich bestimmt und folgendermassen v e r t e i l t 1
3.200,000 Dollar fuer Industrie-Maschinen, e i n s c h l i e s s l i c h Bueromaschinenj
2,200,000 Dollar fuer Bau- und Bergwerksausruestungenj 1,500,000 Dollar fuer
landwirtschaftliche Zugmaschinen; 1,400,000 Dollar fuer Wasserkraftmaschinen
und Turbinen; 1,200,000 Dollar fuer Werkzeugmaschinen; und der Rest fuer
Metallbearbeitungs-Maschinen, e l e k t r i s c h e Ausruestung, landwirtschaftliche
Mabihinen ausser Traktoren, Generatoren, Motore und Traktoren fuer nicht-landwirtschaftliche Zwecke.
Andere Laender, d i e im gleichen Monat Bewilligungen fuer Maschinen und Ausr ü s t u n g e n e r h i e l t e n , waren« Belgien-Luxemburg mit 6.900,000 D o l l a r , davon 3
Millionen fuer Industrie-Maschinen; Norwegen mit 3»900,000 D o l l a r , nauptsaechl i c h fuer Industriemaschinen, Bau- und Bergwerksausruestungen und I t a l i e n mit
2,9 Millionen fuer Metallbearbeitungs-Maschinen, mit Ausnahme von Werkzeugmaschinen .
Die zweitgroesste Warengruppe bei den Oktober-Bewilligungen war Baumwolle,
e i n s c h l i e s s l i c h Rohbaumwolle, Baumwollabfall und Linters im Werte von insgesamt
20,900,000 D o l l a r . Hiervon e r h i e l t England 3^,2 Millionen D o l l a r . Ferner e r h i e l t e n Einkaufsbewilligungen fuer Baumwollet Belgien-Luxemburg* 3 Millionen
Dollar, und Holland, 2,100,000 D o l l a r ,
Weitere Gesamtbetraege an Guetern, die im Oktober b e w i l l i g t wurden, warena
14,500»000 Dollar fuer F l e i s c h , von denen 12,2 Millionen auf England e n t f i e l e n ;
3,800,000 Dollar fuer F e t t e und Oele, davon 2,6 Millionen, fuer Sojaoel, das an
Westdeutschland g e l i e f e r t wurde; 3*4 Millionen Dollar fuer Brotgetreide, davon
2,8 Millionen fuer Weizen fuer Norwegen; 4t5 Millionen Dollar fuer Rohoel und
Petroleumerzeugnisse, davon 3 , 1 Millionen Dollar fuer Irland und 9,9 Millionen
fuer Tabak, wovon 8,1 Millionen fuer England bestimmt waren,
ECA Information

GEWERK3CHAFTSFÜNK EINES NSW-YORKER SENDERS.
Etwas Neuartiges auf dem Gebiete der gewerkschaftlichen Beziehungen zur
Oeffentlichkeit hat i n New-York seinen Anfang genommen. Jeden Abend um 6,15
Uhr wird der Oeffentlichkeit i n einer Sendung einer kleinen Gruppe von Gewerkschaften (darunter auch der Bezirk 15 des Internationalen Metallarbeiter
Verbandes) ueber die Rundfunkstation WFDR von 'gewerkschaftlichen Problemen
und Taetigkeiten b e r i c h t e t ,
Joe Michaels, Nachrichtenredakteur des WFDR, hat die Leitung dieser Gewerkschaft ssendung. Die Gewerkschaften greifen jede Woche e i n Aufgabengebiet
aus ihrem Taetigkeitsbereich heraus, wie zum Beispiel Beschwerdeverfahren,
bezahlter Urlaub, schiedsrichterliche Schlichtung, Mitbestimmung, usw. An
aufeinanderfolgenden Abenden berichten die einzelnen Gewerkschaften von i h r e r
Arbeit auf dem betreffenden Gebiet, In der e r s t e n Woche war Beschwerdeverfahren Gegenstand der Sendungen,
Die Sendung des Internationalen Metallarbeiter Verbandes findet Mittwochs
abends s t a t t , Sie wird von Michaels mit folgenden Warten eroeffnetj
"Hier
i s t Joe Michaels mit den Nachrichten, die Ihnen der Internationale Metallarbeit e r Verband im Dienste fuer d i e Oeffentlichkeit u e b e r m i t t e l t . Dieser Verband
i s t eine anerkannte amerikanische Gewerkschaftsvereinigung, die sich fuer ein
besseres Amerika e i n s e t z t , *
- 10 -

�Nach den einleitenden Worten und dem geschaeftlichen Teil erklaert der
Ansager von WFDR, warum ein Arbeiter 1 auf seine Gewerkschaft angewiesen i s t ,
wenn er eine Beschwerde durchbringen will«
•unsere Grossvaeter arbeiteten gewoehnlich in kleinen Werkstaetten, in
denen Jeder Jeden kannte. Wenn sie eine Beschwerde vorzubringen hatten, gaben
sie diese ihrem Chef persoenlich. Die Zeiten haben sich jedoch g e a e n d e r t . , . . .
Bs i s t heutzutage moeglich, dass der Mann oder die Frau i n einem Betrieb n i e mals oder nur einmal im Jahr ihren Arbeitgeber s e h e n . . . . . . . . . In solchen Faellen muessen sich die Gewerkschaften einschalten. Wie s i e das tun, davon berichten wir i n einem spaeteren Abschnitt unseres Programms."
Nach den Nachrichten erklaert der Ansager Schritt fuer S c h r i t t , wie der
Bezirk 15 des Metallarbeiter Verbandes bei Beschwerden seiner Mitglieder i n
Gross New-York verfaehrt, und wie die gerechte Behandlung von Beschwerden
nicht nur dem Gewerkschaftsmitglied, sondern auch dem Arbeitgeber und dem ganzen Volke dienlich i s t « ,
Auf dieselbe Art und Weise berichteten in dieser ersten Woche die Gewerkschaften der Bueroange s t e l l t e n des ünzelhandels, der Seefahrer u.a. ueber ihre
Taetigkeiten, und warum sie sich mit den Beschwerden ihrer Mitglieder befassen«
•Wir konzentrieren uns auf das einfache ABC der Gewerkschaft, um das
scheinbar nur sehr wenig Leute, die ausserhalb dieser Bewegung stehen, wissen,*
erklaerte Hartley Samuels von WFDR gegenueber einem Vertreter dieser Zeitung.
(•The !.'ACRTNIST"). »Wir glauben, dass die an diesen Sendungen beteiligten
Gewerkschaften mithelfen, nicht nur ihre eigenen Beziehungen zur Oeffentlichk e i t , sondern die der gesamten Gewerkschaftsbewegung zu verbessern.'
"The Machinist* (Woechentliches
Organ des Internationalen
Metallarbeiter Verbandes)
8. Dezember 1949

MODERNER SrOEKUNGSSÜCHER.
R u s s e l l Arthus Powles, Freileitungs-Obermonteur bei der Transformatorens t a t i o n Ipswich, hatte durch einen einstuendigen Flug zusammen mit einem Arbeiter der D e t r o i t Bdison Company i n D e t r o i t , Michigan, G e l e g e n h e i t , p e r s o e n l i c h
die Arbeitsweise e i n e s Stoerungssuchers kennenzulernen.
Mr. Powles h a t t e e r f a h r e n , dass d i e s e Company i n D e t r o i t e i n 2-Passagier
Flugzeug e i n s e t z t , um damit Freileitungsstoerungen oder -brueche zu suchen,
monatliche Pruefungen vorzunehmen, zerbrochene I s o l a t o r e n oder andere Fehler
f e s t z u s t e l l e n . Kr a e u s s e r t e daraufhin den Wunsch, das Flugzeug bei der Arbeit
sehen zu koennen. Die Company ermoeglichte e s Mr. Powles, den P i l o t e n auf

einem seiner Stoerungssuchfluege zu begleiten.
•Bevor ich den Flug antrat, bezweifelte ich die Wirksamkeit dieser Methode,
d i e , wenigstens fuer unsere Industrie, etwas ganz Neues d a r s t e l l t , * berichtete
Mr. Powles, a l s er mit der Besuchergruppe in New York ankam, um von dort am
10. Dezember die Heimreise nach England anzutreten. "Nachdem ich jedoch einen
Flug hinter mir habe, kann ich berichten, dass das Flugzeug tatsaechlich wirksam a r b e i t e t . Es hatte sehr gute Ergebnisse zu verzeichnen«"
Mr. Powles erklaerte ferner, dass "der Bericht der Produktivitaetsgruppe,
der zu Anfang naechsten Jahres erscheinen wird, Vorschlaege zur schnelleren

-11

.

�Behebung von Stoerungen an Freileitungen oder Ausruestung enthalten wird,*
Die Besuchergruppe besteht aus 32 Mitgliedern, die aus der englischen
Industrie der Stromerzeugung, Stromverteilung und Transmission kommen« . Es
ist das neunte Team, das auf Veranlassung der britischen Regierung, des AngloAmerikanisehen Produktivitaetsausschusses und der Marshall Plan Verwaltung
die Vereinigten Staaten besucht.

BGA Labor Information

-12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

QFFICIAL

�internationale
V « l n w M*tertel k m whjMnfcrtrtt Oaknuwh f—cfct
Ott«* •! lafer Attw«
BICOO. APO 7S7, FfMkhtt

Awtvwtk —a» mm» —i •!•»!•- a m — m anai *—h n» im —•UHIC
INfhfctM 1TT i f t i t i l f HlillMi»"*rt «infct •!• iffltUlh Mite—j tim lUllMjaifc«» l u • • i i f t i a l i r t i i

I I - 2£

Frankfurt, 2 0 . Januar I950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Amerikanische Briefmarke zu Ehren Gompers1 - - - - - Hoehere Produktion durch hoehere Kaufkraft — - - - Macht und F o r t s c h r i t t der daenischen Gewerkschaften - V e r e i n h e i t l i c h t e s t a t i s t i s c h e Methoden i n Buropa? • - Leon Jouhaux - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - AFL warnt vor f a l s c h e n Erklaerungen - - - - - - - - - - 1

1
2
3
5
7
2

AMERIKANISCHE BRIEFMARKE 233 BHREN GOMPERS'.
(Washington) - Der Generalpostmeister Jesse M. Donaldson hat d i e Herausßabe einer
neuen 3 Cent-Briefmarke zur Erinnerung an den 1 0 0 . Geburtstag Samuel Gompers',
d e s Gruenders und e r s t e n Praesidenten des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL, genehmigt*
Die Briefmarke wird zum erstenmal i n Washington, D . C . , verkauft werden, und
zwar am 2 7 . Januar 1950, dem 100» Jahrestag der Geburt Mr. Gompers' i n London,
Ueber Groesse, Farbe und Aufdruck der Marke wird spaeter b e r i c h t e t werden.
Wahrscheinlich wird aie d i e Groesse der "beruehmten amerikanischen" Serien haben
und Mr. Gompers' P o r t r a i t t r a g e n .
Die Herausgabe d i e s e r Briefmarke wurde von dem Praesidenten der AFL William
Green und dem Finanzsekretaer George Meany im Auftrag e i n e s AFL Komitees veranl a s s t , das aus Anlass des 1 0 0 , Geburtstages Gompers1 g e b i l d e t wurde.
Praesident Truman u n t e r s t u e t z t e d i e s e Forderung, d i e e i n e von 400 Gesuchen
fuer Erinnerungsbriefmarken fuer I950 d a r s t e l l t . Der Praesident war der A n s i c h t ,
d a s s , wenn nur eine Erinnerungsmarke i n diesem Jahre herausgegeben wuerdei der
Mann geehrt werden s o l l t e , der die AFL gruendete, das d a u e r h a f t e s t e , a e l t e s t e
und g r o e s s t e nationale Gewerkschaftszentrum i n der amerikanischen Geschichte.
E i n z e l h e i t e n ueber den Verkauf am e r s t e n Tage und die entsprechende Stempelung werden noch bekanntgegeben werden.
AFL Weekly News S e r v i c e
- 1 -

�HQEHBHB SOIUKTION DJRCH HOEiilRE

Produktion
Jndex
1935-1939*100

KJJFKRAFT.

Löhne u.6ehälter
i

.240-1- 4

jahnejuhcie^läliej:

1

'

j

(inBillion
Dollar)

'

..Sept.iÖ49i)
(^In Dollar na^dejn St and von

M A M J J

AS

1949

Diese Skizze veranschaulicht einen bedeutenden E r f o l g der Gewerkschaften.
Die Kaufkraft der Arbeiter Amerikas (obere L i n i e ) konnte t r o t z des a l l g e meinen Geschaeftsrueckganges beibehalten werden. Die Gewerkschaften haben nicht
nur Lohnkuerzungen verhindert, sondern s i e haben darueberhinaus Lohnerhoehungen
e r z i e l t * durch d i e das Gesamteinkommen der Arbeiter Amerikas um Hunderte von
M i l l i o n e n Dollars erhoeht wurde. Waehrend d i e Lebenshaltungskosten von September 19^8 b i s Februar 1949 niedriger wurden, s t i e g die Kaufkraft der Arbeiter
l e i c h t an*
Die Produktion (untere L i n i e ) ging von Oktober 1948 b i s J u l i 1949 stark
zurueck, da d i e Verkaufslaeden keine Auftraege mehr gaben, sondern z u e r s t d i e
a l t e n Bestaende verkauften.
Die Arbeiter hatten jedoch Geld und kauften w e i t e r , und durch diese starke
Nachfrage nach Waren waren d i e Laeden bald gezwungen, neue Waren von den Fabriken anzufordern. Die Produktion i s t s e i t J u l i stark a n g e s t i e g e n , und das Geschaeft hat s i c h wieder e r h o l t . Anfang Dezember waren f a s t a l l e unternehmen,
die g e s c h l o s s e n h a t t e n , wieder i n B e t r i e b .
I n den e r s t e n 10 Monaten von 1949 hat die AFL Lohn- und andere Forderungen
fuer etwa 5 M i l l i o n e n Arbeiter durchgesetzt und damit nicht nur zur Wohlfahrt
der A r b e i t e r , sondern auch zur Wiederbelebung der Wirtschaft b e i g e t r a g e n . Ihre
Arbeit i s t a l s o dem ganzen Lande zugute gekommen.
A r t i k e l aus Labor*s Monthly Survey,
erschienen i n AFL Weekly News Service
2 . Dezember 1949
- 2 -

�MACHT UND PORSCHRITT DER DAENISCHEN GEWERKSCHAFTEN.
E i l e r J e n s e n , d e r P r a e s i d e n t des Daenischen Gewerkschaftsbundes,
s p r a c h a l s Gast vor dem 6 8 . Gewerkschaftskongress d e r AFL. Wir
geben h i e r w i c h t i g e Auszuege aus s e i n e r Rede w i e d e r .
Gegen Ende d e s J a h r e s 1948 umfasste der Daenische Gewerkschaftsbund 72
Gewerkschaften m i t rund 625*000 M i t g l i e d e r n . Das h e i s s t , j e d e r s i e b e n t e Bewohner - vom S a e u g l i n g b i s zum G r e i s - oder j e d e r V i e r t e im A l t e r von 18 b i s zu
60 J a h r e n gehoeren dem Daenischen Gewerkschaftsbund a n .
Glued-clicherweise i s t u n s e r e Bewegung niemals a u s r e l i g i o e s e n oder n a t i o n a l e n Grueaden a u f g e s p a l t e n gewesen. Wir sind uns b e w u s s t , d a s s d i e s e i n e r
d e r Gruende war, weshalb d i e Deutschen waehrend der Besetzung Daenemarks von
1940 b i s 1945 n i c h t mit Gewalt gegen d i e d a e n i s c h e Gewerkschaftsbewegung v o r gegangen s i n d ; i h r e Waffen waren vielmehr L i s t und Durchdringung, d i e I h r e n
Zweck jedoch g a e n z l i c h v e r f e h l t e n .
I n Norwegen war e s a n d e r s , w e i l d i e Gewerkschaftsfuehrer wegen d e r offenen
F e i n d s e l i g k e i t e n i n diesem Lande f l i e h e n mussten; und d i e Nazis g r i f f e n die Gewerkschaftsbewegung h e f t i g a n . Schweden b l i e b e b e n f a l l s von d i e s e n Uebergriffen
verschont.
Haben Macht und E i n f l u s s der daenischen Gewerkschaftsbewegung zugenommen?
Hat d i e s e Bewegung e i n e Aenderung der w i r t s c h a f t l i c h e n Bedingungen d e r a r b e i t e n den Klasse b e w i r k t ? Waehrend wir f r u e h e r nur unser Z i e l d a r i n s a h e n , d i e Kett e n a b z u t u n , d i e uns a n g e l e g t waren, koennen wir uns heute f r a g e n , ob e s t a t s a e c h l i c h gelungen i s t , - oder schon 1939 gelungen war, - w e s e n t l i c h e Verbesserungen u n s e r e r L e b e n s v e r h a e l t n i s s e zu e r z i e l e n .
Auf dem daenischen Gewerkschaftskongress im Jahre 1937 f u e h r t e der darial i g e A r b e i t s m i n i s t e r , Th. S t a u n i n g , i n s e i n e r Rede u . a . a u s i
•Der Lebensstandard der o r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r i n Daenemark, gemessen an
d e r Kaufkraft e i n e s S t u n d e n l o h n e s , d u e r f t e von allgemeinem I n t e r e s s e s e i n . So
muss zum B e i s p i e l e i n A r b e i t e r fuer e i n e n Anzug 70 Stunden a r b e i t e n , fuer d i e
Monatsmiete e i n e r Wohnung etwa 40 Stunden, f u e r e i n Pfund B u t t e r 1 S t u n d e , e i n
Pfund Zucker ungefaehr 4 Minuten und fuer e i n Paar Schuhe rund 10 Stunden.
•Was wir h e u t e mit dem E r l o e s e i n e r A r b e i t s s t u n d e an B u t t e r oder Brot
kaufen koennen, k o s t e t e im J a h r e 1872 v i e r Stunden A r b e i t . F e r n e r h i n z u z u f ü gen sind d i e k u e r z e r e A r b e i t s z e i t und d i e s o z i a l e Gesetzgebung fuer U n f a l l - ,
I n v a l i d e n « , S o z i a l - und A r b e i t s l o s e n v e r s i c h e r u n g , f u e r K i n d e r w o h l f a h r t , U n t e r s t ü t z u n g der Kinder von Witwen, d e r B l i n d e n , Taubstummen, usw.
Qawerkschaf t e n im D i e n s t d e s ganzen V o l k e s .
Eine Verbesserung der w i r t s c h a f t l i c h e n und k u l t u r e l l e n Lage der arbeitend«
Klasse k a m t d e r gesamten d a e n i s c h e n Nation z u g u t e .
Die d a e n i s c h e n Gewerkschaften haben t a t s a e c h l i c h g r o s s e s o z i a l e und n a t i o n a l e Aufgaben g e l o e s t . &gt;
Im Handwerk, der I n d u s t r i e und t e i l w e i s e auch im Handel und T r a n s p o r t wesen sind gemeinsame P r o d u k t i o n s a u s s c h u e s s e g e b i l d e t worden«
Unsere Zusammenarbeit mit Skandinavien h a t s i c h a l s sehr w e r t v o l l e r w i e s e n . Wir s t e h e n s t a e n d i g i n enger Verbindung m i t den Gewerkschaftszentren
Norwegens, Schwedens und F i n n l a n d s und u n t e r h a l t e n a e h n l i c h e Beziehungen zu
dem i s l a e n d i s c h e n N a t i o n a l z e n t r u m .

- 3 -

�Wir sind mit dem Internationalen Arbeitsamt und seinen i n d u s t r i e l l e n Auss c h ü s s e n eng verbunden und haben einen Vertreter in der daenischen Delegation,
die an der Jahresversammlung der Vereinten Nationen teilnimmt.
Hinsichtlich der i n t e r n a t i o n a l e n , gewerkschaftlichen Zusammenarbeit denken
und empfinden die skandinavischen Gewerkschaften - und auch die der anderen
demokratischen Laender Europas - genau wie ade. Es i s t uns deshalb eine grosse
Freude, in der im Entstehen begriffenen, neuen internationalen Gewerkschaftsorganisation mit a l l e n bedeutenden Gewerkschaften Amerikas vereinigt sein zu
koennen.
Die daenischen Gewerkschaften haben immer danach g e t r a c h t e t , die Loehne zu
verbessern, ohne sich jedoch auf ein bestimmtes Preisniveau festzulegen. Wir
waren immer der Ansicht, dass uns i n steigendem Masse unser Anteil an den angenehmen Dingen des taeglichen Lebens gesichert werden muss. Wenn durch technischen F o r t s c h r i t t m a t e r i e l l e oder k u l t u r e l l e Gewinne e r z i e l t werden, - ob es
sich um Fahrraeder, Strassenbahnen, Autos, Telephon, Radio, Gruenanlagen, oeffentliche Baeder, Schwimmbaeder, bessere Haeuser mit modernen Einrichtungen,
Schulen, Buecher, Zeitungen, usw. handelt - dann verlangen wir unseren Anteil
daran.
Stueckarbeit s e t z t sich durch.
Unternehmer und Arbeiter Daenemarks erkennen, dass Stueckarbeit b i s zu
einem gewissen Grade v o r t e i l h a f t i s t , und die Haelfte a l l e r Arbeiter i n Daenemark werden heute i h r e r Leistung entsprechend bezahlt. Der Arbeiter kann durch
persoenliche Anstrengung sein Einkommen erhoehen. Sie a l l e i n genuegt jedoch
n i c h t . Werkzeuge, Ausruestungen und die Organisation der Werkstaetten muessen
modernisiert werden. Die daenischen Gewerkschaften haben schon immer die
grosse Bedeutung dieser Forderung erkannt.
Wir waren s t e t s an dem Verhaeltnis von Loehnen zu Preisen i n t e r e s s i e r t .
Gegen Preissteigerungen sind wir deshalb besonders auf der Hut. Wir haetten
gerne einen feststehenden Preisindex - oder einen fallenden} wenn die Produkt i o n s l e i s t u n g sich s t e i g e r t , muessen auch die Löhne erhoeht werden. Wir haben
zwei Vertreter im Preis-Index^Ausschuss, der sich mit Fragen des Verbrauchs und
der Kalkulation des Preisindexes b e f a s s t .
Eines der Ziele der daenischen Gewerkschaftsbewegung i s t , dass die Gewinne
gerecht v e r t e i l t werden. Wir sind deshalb lebhaft daran i n t e r e s s i e r t , dass
unter unserem Einfluss s o z i a l p o l i t i s c h e Massnahmen getroffen werden, denen
a l l e Klassen unterworfen sind.
•
Die Gewerkschaftsbewegung kann •ihre Probleme nicht a l l e i n lasen. Sie muss
mit der Regierung zusammenarbeiten. Wir muessen uns die Notwendigkeit einer
f i n a n z i e l l e n ünterstuetzung gewisser hilfebeduerftiger Industrien vor Augen
halten.
Viele Gewerkschaftler sind Mitglieder des daenischen Parlaments und beeinflussen die Gesetzgebung zugunsten der Arbeiter.
Wir sind s t o l z darauf, dass Ihr Praesident Franklin Roosevelt Mind andere
Staatsmaenner in der Krisenzeit von 1930 die daenische Sozialgesetzgebung stud i e r t haben, und dass viele unserer sozialen Grundsaetze von Ihrem Lande uebernommen worden sind.
Die daenischen Arbeiter sind sich v o l l der Tatsache bewusst, dass hoehere
Produktionsleistung fuer einen hoeheren und besseren Lebensstandard von ausschlaggebender Bedeutung i s t . Wir haben schwer g e a r b e i t e t , um uns vom Krieg und
seinen Folgen zu erholen, und die Produktionsleistung pro Mann und Stunde hat
sich s e i t Kriegsende 19 A5 v^ 20JK erhoeht. Sie hat damit t r o t z zahlreicher
Schwierigkeiten den gleichen Stand wie vor dem Kriege e r r e i c h t .

-

4-

�Die Wieäergesundung unseres Landes i s t durch die grosszuegige H i l f e , die
uns die Vereinigten Staaten i n Form des Marshall Planes z u t e i l werden l a s s e n ,
aufs hoechste beschleunigt worden. In fuenf Jahren der Besetzung gingen unsere
Vorxaete zur Neige und die verbrauchten Maschinen könnten n i c h t durch neue e r setzt werden. Dank dem Marshall Plan war es uns moeglich, die Luecke i n
unseren Vorraeten wieder aufzufuellen und die maschinelle Ausruestung zu e r neuern.
Der Hauptgrund unseres Besuches i s t , von Ihnen zu lernen, wie Sie die
Produktion planen und a l l e technischen Moeglichkeiten ausnutzen. Auch moechten
wir herausfinden, welche Stellung der Mensch a l s Faktor i n der hohen Produktiv i t a e t i n Arierika einnimmt.
Gewerkschaften Daenemarks und Marshall Plan.
Die daenische Gewerkschaftsbewegung s e t z t sich ueberall fuer eine wirksame
Verwendung der Marshall Hilfe e i n . Wir sind durch unsere Mitglieder bei a l l e n
Aucschuessen und Raeten v e r t r e t e n , sei es i n Kopenhagen oder P a r i s , und wir
arbeiten aufs engste mit der daenischen Arbeiterregierung zusammen*
Die daenische Regierung wird weitgehendst von dem Mann auf der Strasse unt e r s t u e t z t , und ich moechte hinzufuegen, dass die Kommunisten heute kein Problem
mehr fuer uns in Daenemark bedeuten. Wenn wir die Vollbeschäftigung aufrechterhalten koennen, dann sind wir der Ansicht, dass dieses Problem auch i n Zukunft
nicht mehr auftauchen wird. Der Kommunismus koennte nur dann zur Gefahr werden,
wenn A r b e i t s l o s i g k e i t unser Land bedrohen sollte»
Die Gewissheit, dass* die Marshall Hilfe i n ausreichendem Masse noch einige
Jahre f o r t g e s e t z t wird, i s t fuer unsere Zukunft wichtig. Die Kuerzung, die wohl
das Ergebnis von Besprechungen im Kongress i s t , wird in unserem Lande und i n
den uebrigen Teilnehmerstaaten fuehlbar werden; noch wichtiger i s t jedoch
wahrscheinlich, wie die Entwicklung der Dinge i n der Zeit b i s 1952 verlaufen
wird. Wir waren sehr gluecklich, in Veroeffentlichungen verantwortlicher Gewerkschaf tsfuehrer dieses Landes lesen zu koennen, dass die amerikanischen
Arbeiter den Marshall Plan v o l l unterstuetzen und volles Verstaendnis fuer
unsere Prot lerne haben«
Unsere kleine Gruppe i s t h i e r , um zu lernen und Gedanken mit unseren amerikanischen Freunden auszutauschen, und wir sind dankbar, dass uns diese Gelegenheit dank I h r e r Hilfe und Gastfreundschaft geboten wurde«
• Das, was Sie fuer ganz Europa getan haben und tun, - besonders fuer unser
eigenes Land, - e r f u e l l t uns mit Dankbarkeit. Dies i s t ein sehr wichtiger
S c h r i t t auf dem Wege zur allgemeinen Verstäendigung zwischen a l l e n freien Voelkern. Der daenischen Gewerkschaftsbewegung war inner sehr v i e l an diesem gegens e i t i g e n Verstehen gelegen.
«International Free Trade Union News
Dezember 1949

VEREINHEITLICHTE STATISTISCHE METHODEN IN EUROPA?
Die Marshall Plan Verwaltung gab heute bekannt, dass auf dem Gebiet der
internationalen Zusammenarbeit ein neues Projekt in Angriff genommen worden
i s t , durch die die a r b e i t s s t a t i s t i s c h e n Methoden verbessert und ihre Vergleichbarkeit gefoerdert werden s o l l . Zu diesem Zwecke werden V e r t r e t e r von zehn
Marshall-Plan-Laendern im Rahmen des Programms zur Technischen Unterstuetzung
eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten unternehmen. Das Projekt i s t
von der Marshall Plan Verwaltung genehmigt worden und s o l l von der Organisation

�fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Buropa (GEBC) u n t e r s t u e t z t werden. Dadurch wird europaeischen S t a t i s t i k e r n die Moeglichkeit geboten, die Arbeitsmethoden des S t a t i s t i s c h e n Bueros im TB Arbeitsministerium kennenzulernen. Sie werden
Vorteile der amerikanischen Methode der Sammlung und Auswertung s t a t i s t i s c h e r
Angaben studieren. Hauptzweck i h r e r Studie i s t , die s t a t i s t i s c h e Arbeit i n den
Marsha 13-Plan Laendern zu verbessern und das B e r i c h t e r s t a t t e n zvi Vergleichszwecken ueber Lebenshaltungskosten, Beschaeftigung, A r b e i t s l o s i g k e i t , Loehne,
A r b e i t s z e i t und Produktionsleistung zu e r l e i c h t e r n .
Laut OEEC wuerde durch dieses Projekt den MarshalL-Plan-Laendern geholfen,
ihre W i r t s c h a f t s s t a t i s t i k e n zu vergleichen und ihre s t a t i s t i s c h e n Untersuchungen
besser auszuwerten, um die Ursachen der Schwankungen im Produktivitaetsstand
der verschiedenen Nationen e r m i t t e l n zu koennen. Die S t a t i s t i k e r werden nach
i h r e r Rueckkehr nach Buropa der OEEC und ihren eigenen Regierungen Bericht e r statten.
Von zustaendigen S t e l l e n der BGA wird e r k l a e r t , dass in dem Antrag der
GEEC bezueglich d i e s e s Projektes der Wunsch zum Ausdruck gebracht wird, dass sich
die MarshalL-Plan-Laender zu gesunden inter-europaeisehen Wirtschaftsmethoden
bekennen und sich dabei nicht von individuellen, nationalen Ueberlegungen l e i ten lassen moegen, die ihren Wiederaufbau nur verzoegerten.
Voraussichtlich werden sich folgende Laender an dem Projekt b e t e i l i g e n !
Oe st erreich
Bundesrepublik Deutschland
Norwegen
Belgien
Schweden

Daenemark
Italien
Bngland
Frankreich
Holland

Die S t a t i s t i k e r , die die Vereinigten Staaten besuchen werden, werden i n
mindestens 3 Gruppen e i n g e t e i l t . Die e r s t e Abordnung s o l l Ende dieses Monats
und die beiden anderen Gruppen voraussichtlich im April und Juni in den Staaten
ankommen. Der Aufenthalt jeder Gruppe wird 3 Monate dauern.
Folgende 11 S t a t i s t i k e r aus 4 Laendern bilden die e r s t e Delegation!
Englara

(^

Dr. L, Rostas, Board of Trade, (Handelsministerium)
Dr. T. B. Easterfield, Department of Scientific and Industrial Research,
(Amt fuer Wissenschaftliche und Industrielle Forschung)
A. M. Cassie, Electrical Research Association,(Gesellschaft fuer Elektrische
Forschung)
A. D. Murray, Boot and Shoe Research Association, (Gesellschaft fuer Forschung in der Schuh- und Stiefelindustrie)
Mr. Norris, Ceramics Research Association, (Forschungsgesellschaft der
Keramischen Industrie)

Schweden (l)
Marianne Kristina Gustavsson, Assistant to Office Chief of Swedish Royal
Social Board, (Assistentin des Chefs des Koeniglichen Sozialrates Von
Schweden)
Erik Harald Ruist, Actuary in Swedish I n s t i t u t e for I n d u s t r i a l , Social and
Econordc Research, (Aktuar im Schwedi sehen I n s t i t u t fuer I n d u s t r i e l l e ,
Soziale und Wirtschaftliche Forschung)
, Arne Gustav Henrikson, Business Economist with Confederation of Swedish
Trade Unions, (Geschaeftsoekonome im Schwedischen Gewerkschaftsbur ,v

�Paenemark (2)
Flemming Otto Branth Claussen, Head Technical Department Federation of
Danish I n d u s t r i e s and Secretary Danish National Committee of S c i e n t i f i c
Management, (Chef der Technischen Abteilung des DaeniBchen Industrieverbandes und Sekretaer des Daenischen Nationalkomitees fuer Wissenschaftliche Betriebsleitung)
Hans Niels Skade, Head of Section i n Danish S t a t i s t i c a l Department,
(Leiter einer Unterabteilung des S t a t i s t i s c h e n Amtes i n Daenemark)
Norwegen (J,)
Sven Fredrik Brenna, Secretary Central Bureau of S t a t i s t i c s , (Sekretaer
im Zentralbuero fuer S t a t i s t i k )
Die Ausgaben der ECA fuer die e r s t e Gruppe, e i n s c h l i e s s l i c h Reise und
Lebensunterhalt ( belaufen sich schaetzungsweise auf 12j.»500 D o l l a r .
Telegramm des U.S. Aussenministeriums
10. Januar I950

LEON JOUHAUX,
Als Leon Jouhaux im Jahre 1945 v o n Buchenwald nach Frankreich zurueckkehrt e , fand er ein Land vor, das dem Ruin nahestand, dessen Arbeiter f a s t am Verhungern waren, und dessen Gewerkschaften unter kommunistischem Binfluss standen«
Die •schoenen Zeiten" der Kollaboration waren fcrueber, und die Kommunisten
hatten nach der Befreiung des Landes keine Zeit verloren, aus dem Untergrunde
aufzutauchen| ihre Funktionaere gingen schleunigst daran, sich i n den Reihen
des franzoesisehen Gewerkschaftsbundes (CGT) festzusetzen. Trotzdem uebernahm
Leon Jouhaux, der alternde franzoesische Arbeiterfuehrer, wieder seine Stellung
a l s Generalsekretaer der CGT, die er f a s t i;0 Jahre lang innegehabt h a t t e . Und
e r ging an die Arbeit«
Wie so viele andere Gewerkschaf tsfuehrer der demokratischen Icender h a t t e
er gehofft, zum allgemeinen Wohl der Arbeiter ein Zusammenarbeiten mit den
Kommunisten armoeglichen zu koennen. Er wusste, dass ihm ein schwerer Kampf
bevorstand. Die franzoesisehen A r b e i t e r , die Soldat gewesen waren, fanden
nicht die Vorrechte v o r , die den amerikanischen Soldaten bei seiner Heimkehr
erwarteten. Jenen waren Hunger und schwere Arbeit beschieden. Was die Kommun i s t e n versprachen, klang den verzweifelten und hungrigen Menschen wie Musik
in den Ohren. Die reaktionaeren Kraefte waren jedoch auf keinen F a l l t o t , Es
war wichtig, die Arbeiterschaft zuerst zu einigen«
Jouhaux versuchte es zwei Jahre lang. Aber so wie Russland bei den Vereinten Nationen einen Plan nach dem andern durch sein Veto zun Scheitern bracht e , so taten es auch seine franzoesi sehen Marionetten i n der CGT, Jouhaux's
Anhaenger hatten allmaehlich genug, und s i e drohten damit, aus der CGT auszut r e t e n . Er bat s i e , zu warten und immer wieder nach einer Verstaendigung zu
suchen.
Als der Aussenminister Marshall im Juni 1947 i n der weitentfernten Harvard
Universitaet in schlichten Worten von •einem Plan zur Unters tue tzung der Selbsth i l f e Europas" sprach, e r b l i c k t e Frankreich einen Hoffnungsstrahl h i e r i n .
Jouhaux und mit ihm viele andere Gewerkschaf tsfuehrer Europas dankten Gott
fuer diese Chance«

-7 -

�Er ging mit neuem Hut an die Arbeit, um die Arbeiterschaft auf einer Strasse
zu vereinigen, die sie aus dem Unglueck herausfuehren sollte, und die man ihnen
schon lange versprochen hatte. Die franzoesisehen Kommunisten zoegerten und
warteten auf die Weisungen Moskaus. Ihre Antwort auf dem Kongress der CGT im
November lautete» "Nieder mit dem Marshall Plan." "Bin WalL-Street Trick, um
die ueberschuessigen Waren Amerikas loszuschlagen! • "Komplott des Grosskapitals
zur Kolonisierung Frankreichs»•
Die franzoesi sehen Arbeiter waren verwirrt. "Was ist dast Marshall Plan?"
fragten sie sich gegenseitig. Die Kommunisten waren in allen lokalen Gewerkschaften mit Antworten schnell zur Handt "Es ist ein Plan, der Buch um Sure
Arbeit bringt. Sin Plan, der unser Land mit amerikanischen Waren ueberschwemnwi
wird und Euch zu Sklaven der auaerikanisehen Geldgier macht.»
Die Anhaenger Jouhaux's waren empoert. "Wir werden nur dann die Wahrheit
durchsetzen koennen, wenn wir unsere eigene Gewerkschaft bilden," beteuerten
sie. Wieder riet ihnen Jouhaux, sich zu gedulden«
•Wenn wir sie verlassen, gehen uns alle Vorteile einer Organisation verlöten, die wir selbst aufgebaut haben," sagte er, "und wir muessen ganz von vorne
anfangenj kein Buero, kein Finanzbuero, keine Zeitung, nichts. Es ist klueger,
von innen her fuer die Wahrheit zu kaempfen.•
Ende November kamen neue Befehle von Moskaui "Vollstaendiger nationaler
Streik, bevor es zu spaet ist," Die franzoesisehen Arbeiter wurden gezwungen,
die Bergwerke, Eisenbahnen und die Industriebetriebe zu verlassen. Jouhaux
fuegte sich in das ünabaenderliche. Als seine demokratischen Kollegen im Dezember beschlossen, "von ganz vorne wieder anzufangen" und einen franzoesisehen
Gewerkschaftsbund zu gruenden, der frei von kommunistischem Einfluss sein soll,
schloss auch er sich ihnen an und wurde ihr Praesident.
Heute steht Leon Jouhaux mit 70 Jahren an der Spitze der jungen, aber wachsenden "CGT-Force Ouvriöre". Um Jouhaux zu kennen, muss man die Geschichte der
alten CGT kennen, dejön die Geschicke beider sind in den Annalen der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung unentwirrbar miteinander verflochten.
Jugendjahre.
•Der General", wie er schon Jahre lang von den ihn verehrenden franzoesisehen
"Arbeitern genannt wird, wurde am 1. Juli 1&amp;79 i&amp; Paris geboren. Als Sohn einer
grossen-, armen Arbeiterfamilie wurde er schon in seiner Jugend mit den sozialen
Ungerechtigkeiten vertraut. Als er zwoelf Jahre alt war, traten die Arbeiter
der Zuendholzfabrik in dem Vorort Aubervilliers, zu denen auch sein Vater, seine
Schwester und sein Schwager gehoerten, in den Streik. Der kleine Leon war gezwungen, seine Studien aufzugeben und in einer anderen Fabrik zu arbeiten, um
seiner Familie helfen zu koennen.
Jouhaux studierte des Nachts, bestand die Aufnähmepruefung einer der
schwierigsten Ingenieurschulen und konnte schliesslich wieder zu seinen Bueehern
zurueckkehren. Seine Schullaufbahn verlief glaenzend. Seine Lehrer sahen fuer
ihn eine grosse Zukunft als Ingenieur. Aber noch einmal, nach Ablauf von zwei
Jahren, war er gezwungen, die Schule zu verlassen, um dieses Mal in der gleichen
Fabrik zu arbeiten, in der auch seine Angehoerigen beschaeftigt waren«
Der junge Student las begierig alles, was in seinen Bereich kam« Er schloss
sich Diskussionsgruppen an und befasste sich eingehend Jnit der Philosophie des
kleinen Mannes. Seine Gewerkschaft war es jedoch, die ihm zum erstenmal wirklich
Gelegenheit bot, seine Energie und sein schoepferisches Talent unter Beweis zu.
stellen. Asl ein Sekretaer fuer den Ortsverband gesucht wurde, schlug Papa Jouhaux, ein Gewerkschafter mit Leib und Seele, seinen Sohn vor, der "auf der Schule
gewesen war." Und so wurde Leon, - bereits Gewerkschaftsmitglied aber zum Funktionaer zu jung - mit 16 Jahren •halb-amtlicher" Ptotokollfuehrer bei Sitzungen.
- 8 -

�Gruendung der CGT.
Ipi gleichen J a h r e , 1095 t wurde auf einer bedeutenden Tagung i n Limoges,
Frankreich, die CGT i n s Leben gerufen. Franzoesische Gewerkschafter, die der
nutzlosen S t r e i k s muede geworden waren, beschlossen, sich i n e i n e r nationalen
Union zusammjinzuschliessen« Niemand konnte zu jenem Zeitpunkt ahnen, dass der
Knabe von A u b e r v i l l i e r s zum Fuehrer und Beschuetzer dieser jungen Organisation
im ganzen Verlaufe i h r e r beweiften Entwicklung werden wuerde. Aber Leon Jouhaux
trug b e r e i t s den Stempel eines Mannes, der dazu berufen i s t , Menschen zu fuehren«
Als er von seinem 1-jaehrigen M i l i t a e r p f l i c h t d i e n s t zurueckkehrte, wurde er
zum Sekretaer des Nationalen Verbandes der Zuendholzmacher gewaehlt und wurde damit Mitglied des Nationalen Komitees der CGT, So entstand eine Verbindung, die
i n seinem Leben zu einem beherrschenden Faktor werden s o l l t e *
Zu jener Zeit waren die Gewerkschaften auf der ganzen Welt im Anwachsen beg r i f f e n , und Regierungen und p o l i t i s c h e Parteien versuchten, diese wachsende Bedrohung i h r e r Machtstellung im Zaume zu halten oder zu b e s e i t i g e n . Im Jahre 1906
berief die franzoesische CGT eine denkwuerdige Sitzung i n Amiens e i n . Die Arbeit e r stimmten dort fuer die beruehmte ^Charta von Amiens 1 , in der proklamiert wurd e , dass die CGT sich auf k e i n e r l e i p o l i t i s c h e Beeinflussung oder Bevormundung
einlassen wuerde« Dieses Prinzip b i l d e t e den Grundpfeiler der P o l i t i k der CGT,
a l s Leon Jouaaux im Jahre I908 zum erstenmal zum nationalen Funktionaer gewaehlt
wurde. Zs s o l l t e den Kommunisten einen S t r i c h durch i h r e wiederholten Versuche
machen, die CGT zu einem Werkzeug des Politbueros zu erniedrigen.
Jouhaux an dar Spitze der CGT«
Nach einem Jahr a l s Finanzsekretaer wurde Jouhaux zum Generalsekretaer gewaehlt» Seine e r s t e Amtszeit hatte seinen Anhaengern bewiesen, dass s i e ihren
Mann gefunden h a t t e n . Fast v i e r Jahrzehnte lang wurde e r Jahr fuer Jahr wiedergewaehlt«
Von Anfang an war Jouhaux lebhaft an der internationalen Gewerkschaftsbewegun/
i n t e r e s s i e r t und wurde bald zu einem ihrer bedeutendsten Fuehrer« Im Verlauf des
Krieges war er immer mehr davon ueber'zeugt, dass e i n gerechter Friede auch die
endgueltigen Rechte der Gewerkschaften der ganzen Welt sichern musste« I9I9 bot
sich ihm die Moeglichkeit, seine Ueberzeugung i n die Tat umzusetzen« Als Frankr e i c h s Vertreter bei dem SoziaL-Ausschuss des Friedensvertrages t r a f er mit dem
l e t z t e n Samuel Gompers, dem Praesidenten des amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL zusammen« Diese beiden grossen Fuehrer, die einzigen Gewerkschaftsvertreter,
die anwesend waren, waren gemeinsam bemueht, den beruehmten •Artikel 1 1 " des
Friedensvertrages, der zur internationalen Charta der Gewerkschaften werden s o l l t e ,
zu inspirieren« Dieses grundlegende Dokument, das das Recht der arbeitenden Menschen e n t h a e l t , sich zum Zwecke der F r e i h e i t , des sozialen F o r t s c h r i t t e s und der
Gerechtigkeit zusammenzuschliessen, b i l d e t e den Schluesselsteln der Internationalen
Arbeitsorgarisation«
Als einer der Gruendungsvaeter der Internationalen Arbeitsorganisation begann
Jouhaux seinen unaufhoerlichen Kampf fuer i n t e r n a t i o n a l e Sozialgesetzgebung, um
der Ausbeutung der Arbeiter ein Ende zu b e r e i t e n . Im Voelkerbund s e t z t e er sich
von neuem a l s Mitglied des wirtschaftlichen Beratungsausschusses fuer d i e Arbeiter
e i n , indem e r sich bemuehte, i n t e r n a t i o n a l e Plaene fuer oeffentliche Arbeiten zu
entwerfen, um den Menschen in rueckstaendigen Gebieten Beschaeftigungsmoeglichkeiten zu verschaffen«
Im Kampf geilen Kommun? TMR 11 f T f 1111
Die Zeit von 1920 brachte an der nationalen Front S t r e i t und Unruhe mit
s i c h . Von der Geburtsstunde der bolschewistischen Revolution an hatten die Kommunisten wie ein summendes Nest von Moskitos versucht, ihre Fuehler i n den Gewerkschaftsreihen Frankreichs sowohl a l s auch i n den uebrigen Laendera auszustrecken«

9 -

�Mehrmals zerdrueckt und unfaehig, in ihrem Mutterlande Blut zu saugen, f l a t t e r ten die franzoesisehen Kommunisten 1922 aus der CGT heraus, um sich der Roten
Internationale Moskaus anzuschHessen»
Diese vielgepriesene Gewerkschaft geb bei der Loesung i h r e r Probleme jedoch
nur traurige Beweise ihrer Befaehigung. In ihren Tiraden v e r e i n i g t konnten die
Kommunisten hoechstens versuchen, sich gegenseitig auszuschreien. Wieder und wieder baten sie den EseJcutivrat der CGT# sie wieder i n ihren Reihen a l s eine selbstaendige Gruppe aufzunehmen. Doch Jouhaux e r k l a e r t e ihnen immer wieder, dass
die CGT nicht nach der "Befehl-vom-Bauptquartier-Moskau" Theorie handeln wuerde,
und dass nur die Lokalgewerkschaften EntSchliessungen treffen koennten. Und wieder und wieder beriefen sich d i e Arbeiter auf ihren Gewerkschaftskongressen auf
die "Charta von Amiens" und verweigerten den Kommunisten die Rueckkehr.
« « . . « « . » . » . » . • »und Faschismus»
Im Jahre 1934 tauchte jedoch eine neue Gefahr auf - eine Gefahr, die den
Bestand der franzoesi sehen Republik gefaehrdete. "Die Feuerkreuze* mit dem franzoesischen Faschisten, Colonel de la Roque, an der Spitze tauchten sozusagen
ueber Nacht auf, um, wie sie offen zugaben, das Parlament zu stuerzen. Die Einigk e i t der Arbeiterschaft wurde zur dringenden Notwendigkeit. In Frankreich und
vielen anderen demokratischen Staaten erkannten Liberale und Kommunisten die Notwendigkeit, gemeinsam gegen die wachsende Gefahr des Faschismus Front zu machen»
So nahm die CGT im September I935 die Kommunisten wieder in ihre Reihen auf
unter der Bedingung, dass sie sich den Anordnungen der CGT fuegten» Auf der Konvention von Toulouse im Maerz I936 e r h i e l t e n s i e zwei von den 8 S i t z e n im Exekut i v r a t dieser nationalen Koerperschaft» Einer ihrer beiden Mitglieder war
Benoit Frachon, der heutige Seknetaer der kommunistischen CGT»
Bluetezeit.
Das folgende Jahr brachte den franzoesisehen Arbeitern die Belohnung. Die
faschistischen Bestrebungen wurden unterdrueckt, und an ihre S t e l l e t r a t die
langerwartete Volksfront-Regierung unter der Fuehrung des Sozialisten Leon Blum.
Dieser Zeitabschnitt war der Himmel auf Erden fuer die Arbeiter Frankreichs»
Die s e i t langem e r s t r e b t e n Reformen - f r e i e Tarifverhandlungen, soziale S i c h e r h e i t , Krankheitsgelder - wurden endlich durchgefuehrt• Fast ueber Nacht wuchs
die Mitgliederzahl der CGT von eineinhalb auf sechs Millionen an. Die langersehnte Vereinigung der l i b e r a l e n Elemente im Interesse des kleinen Mannes schien
zu guter Letzt in dem Kampf gegen den Faschismus zur Wirklichkeit geworden zu s e i n .
Der zweite Weltkrieg.
Da kam der Pakt Russlands mit Hitler und fuehrte einen vernichtenden Schlag
gegen diese E i n h e i t . Die franzoesisehen Kommunisten, v o e l l i g unvorbereitet,
stutzten» Einige t r a t e n voll Ueberdruss aus der P a r t e i a u s . Die anderen schlössen jedoch die Augen und wandelten tastend auf dem a l t e n Wege w e i t e r .
Von dem Augenblick a n , a l s der Pakt im Jahre I939 unterzeichnet wurde, b i s
zu seiner Rueckkehr aus deutscher Gefangenschaft, ungefaehr 8 Jahre spaeter, sah
Jouhaux niemals Benoit Frachon, Die Kommunisten verschwanden i -&gt;n der Oberflaeche.
Ma^ d r o h t e , diejenigen, die s i c h offen zum Verrat Moskaus beto .mten, einzusperren,
und so begnuegten sich die Kommunisten damit, Gruppen von Kb"..aboratoren i n verborgenen Zusammenkuenften aufzuhetzen. Waehrend des schweren Janres 1940 beschwatzten sie die franzoesi sehen A r b e i t e r , um sie dem faschistischen Joch gefuegig zu
machen. Ihre Untergrundzeitung, "La Vie Ouvriere" war weitverbreitet und v i e l gelesen. Wie anders war die Melodie, die ein paar Monate spaeter gesungen werden
s o l l t e 1 Inzwischen h a t t e der Chef der Kollaboratoren, Marshall P o t a i n , die CGT
auf deutschen Befehl hin aufgeloest. Die f r e i e Gewerkschaftsbewegung ganz Frankr e i c h s war damit gezwungen, zur Untergrundbewegung zu werden»

-10-r

�Tag und Nacht bei der Arbeit, organisierten Jouhaux und diejenigen, die
ihm Beistand l e i s t e t e n , von Anfang an den Widerstand. I n Juni I94I brach H i t l e r
in Russland s i n , aber e r s t ein Jahr spaeter hoerten die im Kampfe stehenden Gewerkschafter wieder von den Kommuni s t e n . Aber natuerlich noch nicht von Frachon,
Er war sorgf a e l t i g verborgen, aber ein Bote ueberbrachte die Aufforderung zur
•Einheit gegen den Faschismus». Vorhaben, d i e dem Wohle der Allgemeinheit dienen
konnten, wurden durchgefuehrt, aber inzwischen hatte Jouhaux b e r e i t s den offenen
Widerstand gegen die Deportation franzoesischer Arbeiter nach deutschen Arbeitslagern o r g a n i s i e r t . Seinen Bemuehungen i s t es zu verdanken, dass Geld erhoben
wurde, um sie verstecken und fuer ihre Familien sorgen zu koennen. Das Ergebnis
war, dass Leon Jouhaux nach wiederholten Verhaftungen mit etwa 15«000 demokratischen Fuehrern der CGT im Jahre 1943 nach Deutschland d e p o r t i e r t v/urde. Die
Kommunisten blieben zum groessten T e i l im Land, um einen Untergundkrieg zu kaempfen - und um im r i c h t i g e n Moment b e r e i t zu sein, - zu uebernehmen , #
Leon Jouhaux kaempft weiter.
Die Nachkriegsversuche, die Einigkeit der Arbeiterschaft t r o t z der kommunistischen Machenschaften zustandezubringen, i s t ein Kapitel in der Gejachichte der
CGT. auf das Leon Jouhaux stolz i s t . Nachdem er jede Moeglichkeit erschoepf t
h a t t e , ojine vor der kommunistischen P a r t e i kapitulieren zu muessen, fing er im
Alter von 70 Jahren a l s Fuehrer der Force Ouvriere von vorne a n , e r , der ein
Leben Land gearbeitet h a t . Diese Organisation i s t noch k l e i n , aber sie waechst»
Und der Griff der kommunistischen Klauen um die o r g a n i s i e r t e franzoesische Arbeiterschaft beginnt sich zu loesen.
Dank i h r e r Staerke s p i e l t die Force Ouvriere b e r e i t s eine i n t e r n a t i o n a l e
R o l l e . Leon Jouhaux iot Mitglied des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des
Marshall Planes. Dieses Komitee wurde I948 i n London gegruendet und i s t der Organisation fuer Europaeische Wirtschaftliche Zusammenarbeit angeschlossen, der
Kberperschaf t , die den Vermittler der Maraballl-Plan-Laender im Europaeisehen
Wiederaufbau Programm d a r s t e l l t . Ausserdem findet Jouhaux noch Z e i t , a l s P r a e s i dent des Nationalen Wirtschaftsrates zu fungieren, eine Organisation, die sich
aus V e r t r e t e r n von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammensetzt und nach dem
Kriege gegruendet wurde, um die franzoesische Regierung i n f a s t a l l e n Angelegenh e i t e n , die d i e nationale Wirtschaft b e t r e f f e n , zu beraten.
Heute i s t der Marshall Plan zur Wirklichkeit geworden, und, - was die Kommunisten befuerchteten, - Frankreich macht staendig F o r t s c h r i t t e im Wiederaufbau. Der fxanzoesische Arbeiter hat b i s j e t z t jedoch nur gsnig Nutzen aus dieser
Entwicklung gezogen. Ein Land kann nicht ueber Nacht aus wirtschaftlichem Ruin
wiederaufgerichtet werden.
Waehrend Frankreich klugerweise versucht, den Wert der Rohstoffe anzuerkennen, die ihm von dem Marshall Plan g e l i e f e r t werden, und die es b e n o e t i g t , um
seine Industrien ueber Winter in Gang halten zu koennen, weiss der franzoesische
Arbeiter nur', dass d i e Dinge zwar nicht ganz so schlecht wie im l e t z t e n Jahre
l i e g e n , e r aber trotzdem immer noch a r b e i t e n , und sogar noch schwerer a r b e i t e n
muss. V i e l l e i c h t wird er etwas Kohle fuer diesen Winter kaufen.koennen, seine
lj.0 Dollar pro Monat muessen jedoch stark gestreckt werden, um seine Familie e r naehren, bekleiden und sichern zu koennen. Was man auch a l l e s vom Marshall
Plan erzaeh2.en mag, der Arbeiter weiss nur, dass ihm niemand etwas gibt—dass
er fuer jeden Franc arbeiten muss. Die Tatsache, dass das Material, mit dem
er a r b e i t e t , nur mit Geldern des Marshall Plan3 in seine Haende gelangt, i s t
fuer ihn nicht l e i c h t zu verstehen. Und doch I s t die Versorgung mit diesen
Materialien,, die auf eine andere Art nicht beschafft werden koennen, heute die
Lebensader des.wirtschaftliehen Lebens Frankreichs.
«

Es i s t nicht l e i c h t , dem franzoesisehen Arbeiter seine S i t u a t i o n zu erklaer e n , besonders deshalb, weil die Kommunisten 3 Zeitungen haben und die Force
- 11 -

�Ouvriere nur einej ausserdem verfuegen sie ueber einen grossen Verwaltungsapparat
und genuegend Geldmittel, um eine grosse Zahl vollbeschaeftigter Organisatoren bezahlen zu koennen. Die Wahrheit wird sich jedoch zur Oberflaeche durchringen,
weil Jouhaux und die Force Ouvriere weiterkaempfen*
ECA Labor Information
H.I2.I949
AFL WARNT VOF W&amp;Mi

BPttTAERONGEN.

William Green, der Praesident der AFL, gab in. Washington folgende Erklaerung
abj "Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL unterstuetzt den Marshall Plan mit
a l l e n Mitteln und t u t a l l e s , was zum erfolgreichen Gelingen dieses Planes getan
werden kann und muss«
•Wenn eine Wiederbelebung des Handels innerhalb eines vereinigten Europas
zur Foerderung des Marshall Planes notwendig i s t , dann i s t d i e AFL b e r e i t , a l l e s
zu tun, was i n ihren Eraeften s t e h t , um diesem Vorhaben* zum Erfolg zu verhelfen.
Ein Aufleben des Handels i n einem vereinigten Europa haengt von vielen Dingen a b .
Mit Verstaendnis und Planung muss diese Aufgabe in Angriff genommen werden« Es
i s t nicht gesagt, dass sich ein Programm i n ungerechter Weise zum Nachteil irgendeiner Schicht der amerikanischen oder europaeischen Bevoelkerung auswirken muss.
"Und wenn eine Organisation das Recht h a t , die R i c h t l i n i e n , die die AFL befolgte auszuarbeiten und zu g e s t a l t e n , dann i s t es die AFL selbst und keine andere
Organisation« Ich hoffe, dass sich die Arbeiterschaft Europas nicht durch Verlautbarungen oder Entschliessungen verwirren l a e s s t , die von irgendeiner anderen
Organisation stammen koennten und Plaene, Richtlinien und Ziele der AFL betreffen.
••Der Amerikanische Gewerkschaftsbund i s t der festen Ueberzeugung, dass Handelsbeziehungen zwischen den U.S.A. und anderen Laendem auf einer gesunden,
freundschaftlichen und gut fundierten Grundlage basieren muessen. Dieses Ziel
kann dadurch e r r e i c h t werden, dass man sich eingehend mit den bereitstehenden
Handelsbeziehungen der verschiedenen Nationen der Welt b e f a s s t , die durch offene
Aussprache und sorgfaeltige Forschung und Untersuchungen zu stände gekommen s i n d .
Telegramm des US Aussenministeriums
vom 9 • Januar 195 0
- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757 •

OFFICIAL

U1CO0 0-OOTb i. J i &gt; SO

�Internationale

ARIBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel steilen Auszöge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exesaplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteüungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

H-47

Frankfurt, 27. Januar I950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Deutsche Gewerkschaftlcr t r i e b e n Amerika - - - - 1
Europa im 2 . Marshallplanjahr - - - - - - - - 2
Kommunistisch« Rechenmanoever - - - - - - - - 3
Hollaendische Gewerkschafter besuchen die Vereinig- .
ten Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - k
Die Verwendung des Reservefonds von 150 W i l l . D o l l a r 5
Das Frauenbutro ces Arbeitsministeriums der Vereini g t e n Staaten von Nordamerika
Proäuktionssteigerung i n Europa- - - —
- - 7
Der Generalsekretaer der QewerkBChaftsinternationa l e i J. H. Oldenbroek
8
Hoffman« "Fuer hoeheren Lebensstandard» - - - - 10
U.S. Gewerkschaft prophezeit dem neuen Weltgewerkschaftsbund eine grosse Zukunft - - - - - - - - 11

DEUTSCHE GEWERKSCHAFTLER ERLEBEN AMERIKA
New York — (Amerika D i e n s t ) — Eine Gruppe deutscher Gewerkschaftler
w e i l t e unlaengst zu Studienzwecken i n den U.S.A. und hatte Gelegenheit, den i n zwisch n abgeschlossenen S t r e i k i n der amerikanischen S t a h l i n d u s t r i e mitzuerleben.
Die Gewerkschaftler hatten die M ö g l i c h k e i t , i n einem der g r o e s s t e n S t a h l b e t r i e b e
bei Pittsbui'gh f e s t z u s t e l l e n , wie die amerikanischen Arbeiter zu dem S t r e i k standen.
Einige von ihnen wohnten bei Arbeiterfamilien und konnten s o die inneren Zusammenhaenge des S t r e i k s kennenlernen. S i e a l l e waren s i c h darin e i n i g , anzuerkennen,
dass der amerikanische Arbeiter g e w i l l t war, durchzuhalten, b i s die durch die
Gewerkschaften a u f g e s t e l l t e n Forderungen, die s i c h vornehmlich mit der Frage der
Pensionen b « f a s s t e n , aurchgekaempft raren.
Frau Margarete Kaempel aus Karlsruhr e r k l a e r t e , dass ihr besonders die S t e l l u n g
der Frauen imponiert habe, die den Kampf der Maenner u n t e r s t u e t z t e n , ja sogar b e r e i t
waren, s e l b s t e i n z u g r e i f e n , und wenn n o e t i g , S t r e i k p o s t e n zu s t e h e n .
Der Be-.sirkslf i t e r fuer Chemie, Papier, Keramik i n Wuerttemberg-Baoen, iirnst
Schwarz, b e r i c h t e t e , dass er vor v i e l e n Geschaeften 3 t r - i k p o s t e n mit S c h i l c e r n g e sehen habe, und u n t e r s t r i c h , riass gerade Frauen mit lauter Stimme die Parole des
S t r e i k s a u s ^ r u f e n haben.
- 1 -

�Der S t r e i k , der darum g i n g , die arbeitenden Menschen im A l t e r oder bei l n v a l i d i t a e t zu versorgen, wurde zu einer Zeit abgeschlossen, a l s die deutschen Gewerkschaft
l e r nooh im Lande w e i l t e n , und es e r f u e l l t e die Besucher mit grosser Freud«, dass die
S t a h l i n d u s t r i e die Forderungen der amerikanischen Gewerkschaften ohne Einschraenkun.3
e r f u e l l t e . Aus Unterredungen und aus den Mitteilungen der presse erfuhren d i e deutsch
Gaeste E i n z e l h e i t e n ueber d i e s e Forderungen der Gewerkschaften und e r h i e l t e n davon
Kenntnis, dass j e t z t d i e Mindestpension e i n e s S t a h l a r b e i t e r s insgesamt 100 Dollar
monatlich b e t r a e g t , die s i c h aus s t a a t l i c h e n und privaten Mitteln zusammensetzen.
Eine Gewerkschaftsfuehrerin sprach dann darueber, dass i n Amerika die Frau eine
ganz andere Anerkennung f i n d e t a l s i n Deutschland. »Die Frau i n Deutschland rauss
bedeutend mehr l e i s t e n a l s e i n Mann, ehe s i e die g l e i c h e S t e l l u n g bekleiden kann. In
Amerika l a e s s t der Mann die Frau v i e l eher mitkommen . . . » Die Sprecherin b e r i c h t e t e
von einem CIO-Kongress, auf dem verhaeltnlsmaessig v i e l e Frauen a l s D e l e g i e r t e zu
finden waren, obgleich ihrer Meinung nach amerikanische Frauen i n den Gewerkschaften
a l s Funktionaare prozentual nicht zahlreicher v e r t r e t e n s e i e n a l s i n Deutschland.
S i e glaubte den Hauptgrund darin zu finden, dass die Erziehung der Frauen von Kind
auf schon wesentlich anders i s t a l s i n Deutschland.

EUROPA IM 2 . MARSHALLPLANJAHR
Westdeutschland auf den 3 . P l a t z der ECA-Bewilliguna;sliste gerueckt
• Washington — (Amerika D i e n s t ) — Die von den westreuropaeischen Laendern waehrend
des Jahres 1949 i n Anspruch genommenen Marshallplangelder v e r t e i l e n s i c h , wie aus
einem von der Verwaltung fuer w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit (ECA) v e r ö f f e n t l i c h t e n
B e r i c h t , der mit dem 20* Dezember d i e s e s Jahres a b s c h l i e s s t , hervorgeht, f a s t g l e i c h maessig auf i n d u s t r i e l l e Gueter sowie auf Lebensmittel und l a n d w i r t s c h a f t l i c h e Erzeugnisse.
I n d u s t r i e l l e Gueter

1.1.49 b i s 20.12.1949
1 810 072 000 Dollar

3*4« b i s 31.12.1946
1 908 000 000 Dollar

Lebensmittel und landwirts c h a f t l i c h e Erzeugnisse

1 767 233 000 Dollar

1 799 000 000 Dollar

Schiffstransporte

278 962 000 Dollar
337 800 000 Dollar

Technisch« Hilf«

10 9ß2 000 Dollar
Summe 1

3 867 249 000 Dollar

4 044 800 000 Dollar

In der Hoehe der z u g e t e i l t e n Dollarbetraege war 1949 •*&amp; d e u t l i c h e r Rueckgang
gegenueber dem Jahre 1948 f e s t z u s t e l l e n , i n dem die Zuwendungen s i c h auf «inen Z e i t raum von nur 9 Monaten, vom Beginn des llilfsProgramms im April 1948 bis zum 3 1 . Dezember, v e r t e i l t e n . Diese Massnahme beleuchtet e i n grundlegendes P r i n z i p der
Marshallplanhilfe, d i e Zuteilung von Geldern an die europaeischen S t a a t e n mit der
fortschreitenden Erholung ihrer Wirtschaft immer mehr herabzusetzen.
Grossbritannien, Frankreich, die Trizon* und I t a l i e n e r h i e l t e n 1949 d i « groessten
Zuweisungen aus Marshallplanmitteln, waehrend die Trizone I94Ö i n der Reihenfolge an
4« S t e l l e hinter I t a l i e n r a n g i e r t e . In den erstem 11 Monaten d i e s e s Jahres standen
bei den Zuteilungen von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen an e r s t e r
Stellei
Baumwolle mit
490»9 Millionen Dollar und
Brotgetreide mit
398,7 Millionen D o l l a r , waehrend
Maschinen und Maschinenteile oft 397t7 Millionen Dollar und
Erdoel u.Erdoelkraftstoffe mit 382,8 Millionen Dollar
die L i s t e der i n d u s t r i e l l e n Gueter anfuehrten.
- 2 -

�Die groessten Zuteilungen zum Einkauf von Baumwolle erhielten Grossbritannien
mit 146,3 Millionen Dollar und Frankreich mit 117,4 Millionen Dollar, waehrend die
Hselfte des freigegebenen Brotgetreides im Werte von 196,4 Millionen Dollar von
Orossbritannien eingefuehrt wurde. Der Wert der Zuteilungen an Maschinen und Maschinenteilen betrug in Prankreich 117.3 Millionen Dollar, in Italien 57.4 Millionen
Dollar, in Holland 44*6 Millionen Dollar und in Belgien und Luxemburg 42,4 Millionen
Dollar. Orossbritannien erhielt Erdoel und Erdoelerzeugnisse im Werte von 122,7
Millionen Dollar und Frankreich im Werte von 102,5 Millionen Dollar.
Nachstehende Tabelle bringt eine Zusammenstellung der Zuweisungen, die die
einzelnen Staaten aus Mitteln des Mershallplanes erhielten.

Grossbritannien
Frankreich
Deutschland, Trizone
Italien
Holland
Belgien und Luxemburg
Oesterreich
Griechenland
Norwegen
Daenemark
Schweden
Tuerkei
Irland
Triest
Island

1.1.
1 112
733
402
352
330
294
152
119
87
77
64
61
' 59
13
5

1242

bis
182
556
094
463
061
588
218
450
915
883
539
976
420
111
463

20.12.1949
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar

3.4.
1 093
951
400
494
371
138
212
145
66
91
10
1
51
9
5

bis
400
000
200
200
700
900
500
700
000
100
000
700
600
500
400

1948
31.12.1948
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar

KOMMUNISTISCHE RECHENMANOEVER

Einer Nielsen, Tizepraesident des Daenischen Gewerkschaftsbundes, brandmarkte
in einem Artikel, der am 27« Dezember 1949 i m "Social-Demokraten" erschienen war,
die kommunistische Methode, falsche statistische Angaben ueber Arbeitslosigkeit
und andere wirtschaftliche Faktoren zu veröffentlichen, um das wirksame Zusammenarbeiten bei den Tagungen der Vereinten Nationen zu verzoegern und zu sabotieren.
Nielsen kehrt* kuerzlich von einer Sitzung der Vereinten Nationen in New York
zurueck. wo ex als daenischer Delegierter in Ausschuessen taetig war, die sich mit
sozialen und wirtschaftlichen Problemen befassen.
Nielsen berichtete, wie daenische Kommunisten statistische Angaben geliefert
hatten, die von sowjethoerigen Delegierten als Basis benutzt wurden, von der aus
sie ihre Angriffe gegen die demokratischen Entwicklungen des Westens richteten.
Die ukrainische Abordnung zum Beispiel versuchte, den Marshall Plan als
Ursache weitverbreiteter Arbeitslosigkeit hinzustellen und erklaerte, dass von
April 1948 bis Maerz 1949 die Erwerbslosenziffer um 90% angestiegen sei.
Nielsen nimmt hierzu folgendermessen Stellung! "Diese Behauptung ist ebenso
richtig, wie es richtig ist zu sagen, dass ein kleines Kind, das seinen zweiten Zahn
bekennen hat) die Zahl seiner Zaehne um 100% vermehrt hat. Is waere jedoch richtiger gewesen, wenn der Vertreter der Ukraine seinen Zuhoerern mitgeteilt haette,
dass der Hundertsatz der Arbeitslosen im April 1948 2,6 und im Maerz 1949 4*7 betrug.
Seine Darstellung haette besser der Wirklichkeit entsprochen, wenn er ausserdem zugegeben haette, dass im Monat April der Vorkriegs jähre von I930 bis 1940 der Prozentsatz an Erwerbslosen niemals unter 10. sondern vielmehr des oefteren nahe bei 20
gelegen hatte. Aber das waere natuerlich keine alarmierende Nachricht gewesen."
Nielsen hebt in seinen Berichten ueber den kommunistisch beherrschten Welt«
gewerkschaftebund und seine Versuche, die Arbeit der Vereinten Nationen zu beeinflussen, hervor, dass dieser von den Wortfuehrern der kommunistischen Partei in den
verschiedenen Laendern und nicht von den Gewerkschaftsbewegungen informiert wird.

-3

�In einem Falle in Daenemark, sagte er, haette es sich herausgestellt, dass die
Angaben einer kleinen kommunistischen Veroeffentlichung, "Ugens Ekko", vom
18. Februar 1949* entstamnten. Diese Veroeffentlichung, die als Organ der Konmunistisehen Partei fuer die daenische Insel Sjaelland diente, bestehe seit einiger
Zeit nicht mehr, fuegte Nielsen hinzu*
"Wenn sich die Sowjets mehr an die Tatsachen hielten und dementsprechend
handelten, koennten wir groessere Erfolge erzielen. Unter den jetzigen Verhaeltnissen muessen wir ataendig gegen Anschuldigungen auf der Hut sein. ... Es ist
natuerlich, dass unter solchen Umstaenden, in denen wir staendig TOT falsche Beschuldigungen gestellt werden, unsere Arbeit in den Vereinten Nationen mehr Zeit
in Anspruch nehmen nuss. Sitzungen dehnen sich oft unendlich lange aus, und es
gibt mehr solcher Versammlungen, als noetig waere. Xs ist aber ebenso wahr, dass
wir trotz alledem Erfolge in unserer Arbeit verzeichnen koennen."
EGA Labor Information
4« Januar 1&amp;0

H0LLAENDI3CHE GEWERKSCHAFTER BB3UCHEN DIE VEREINIGT™ • &lt; W ' W 7 '
Dreizehn hollaendische Gewerkschafter sprachen sich kuerzlich in New York
mit Begeisterung fuer eine europaeische Wirtschaftseinheit aus, nachdem sie einen
Monat lang amerikanische Produktivitaetsmethoden und Arbeitnehmer-Arbeitgeber
Beziehungen studiert hatten.
Mit der Erklaerung, dass diese Einheit "fuer die Wohlfahrt Westeuropas Ton
wesentlicher Bedeutung sei, fuegten die daenischen Gewerkschafter hinzu, dass ihr
eigener Erfolg in der Zusammenfassung der Wirtschaften der Beneluz«&lt;3taaten "ein
Beweis fuer den hohen Grad an Zusammenarbeit sei, den die europaeisohen Nationen
erreichen koennten."
Zahlreiche Laender luropaa "muessen Zoll- und andere Handelsschranken einschraenken oder beseitigen, um einen freieren Warenaustausch unter den einzelnen
Laendern zu ermoeglichen," sagte J.J. DeWit, Praesident der Katholischen Gewerkschaft der Bueroangestellten. Er betonte, dass die Marsha11-Plan-Laender ihre
Wirtschaften vereinigen mueasten, weil "unsere Inlandmaerkte, getrennt voneinander.
zu klein sind."
Roelf Hagoort Utrecht, Generalsekretaer der Christlichen Nationalgewerkschaft,
gab zu, dasa diese Aufgabe schwierig ist, dass aber "... unbedingt ein Weg gefunden
werden muss, durch Beseitigung dieser Hindernisse einen einzigen Absatzmarkt fuer
ganz Europa zu schaffen.•
Ein anderer Sprecher, Jan J.A. Berger, Sekretaer in der Nationalen Hollaendisohex
Gewerkschaft, brachte zum Ausdruck, dass eine Massenproduktion in amerikanischem
Sinne in Holland unmoeglich sei, "solange die Händelsbeschraenkungen unter den Laendern Europas nicht eingeachraenkt oder aufgehoben werden.* Auch Dirk W. Qrmel, von
der Christlichen Nationalen Gewerkschaft in Amsterdam, erklaerte, dass die europaeisohen Maerkte erweitert werden mueasten.

Die dreizehn holla endischen Gewerkschaftsfuehrer, die Vertreter der Transport-,
Teitil-, Nahrungsmittel- und Bauarbeiter sind, trafen bei ihrem Besuch der Hauptindustriegebiete der Vereinigten Staaten mit Gewerkschaftsführern dea CIO in Detroit
zusammen. Sie waren Mitglieder eines Team, die die Vereinigten Staaten im Rahmen des
ECA-Progranms zur Technischen Unterstuetzung bereiste. Ein Mitglied der Gruppe
fuehrte aus, dass der Lebensstandard Hollands "dank der Marshall Plan Hilfe gehalten
werden konnte,
und wir hoffen, im Jahre 1952 auf unseren eigenen Fuessen stehen
su koennen." "Aber," fuegte er hinzu, »oh»den Marshall Plan haetten wir unter grosse
wirtschaftlicher Unordnung zu leiden gehabt."
Infolge des wirtschaftlichen Fortachrittes in Holland haetten die Kommunisten
dort einen grossen Teil ihres Gefolges verloren, sagte ein Mitglied der Team. Ein

�anderer Gewerkschaftsführer erklaerte, dass die hollaendische Produktionsleistung
dank des Marshall Planes den Torkriegsstand um 3QC ueber troffen habe. "Die Konnnunist en koennen nur aus der Armut Nutzen ziehen. ... Deshalb bekaempfen sie den
Marshall Plan. ... Dessenungeachtet unterstuetzt weitaus der groesste Teil der
hollaendischen Arbeiter von ganzem Herzen das ECA Programm»"
Im Verlaufe ihrer Reise durch die amerikanischen Industriezentren kamen die
hollaendischen Gewerkschaftsfunktionaere auch nach dem grossen Stahlzentrum von
Pittsburgh, Pe., wo kurz zuvor Verhandlungen ueber neue Vertraege zwischen dem
Verband der Vereinigten Stahlarbeiter und den grossen Stahlfirmen stattgefunden
hatten, Sie 2* igten grosses Interesse fuer die Einzelheiten der Pensions- und
SozialTeraicherungsplaene, die den Arbeitern zugestanden wurden. Amerikanisch«
Gewerkschaftsfunktionaere berichteten, dass die gesamten Kosten fuer die Pensionen
ron den Firmen getragen werden und im SozialTersioherungs-Programm Krankenhausaufenthalt und Krankengelder fuer die halbe Million Stahlarbeiter und ihre Angehoerigen
Targesehen sind.
Das hollaendische Team verweilte lange bei den Arbeitern der AFL und des CIO
in den Tersohiedenen Werken, die sich nahe Pittsburgh ueber ein Gebiet Ton 100 Meilen
erstrecken, man unterhielt sich mit dem Praesidenten der Stahlarbeiter, Philipp
Murray, studierte Produktionsmethoden und besprach Organisation und Verhandlungsmethoden mit amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaeren, Bei einem Besuch der
"Tennessee Valley Authority" erfuhren die daenischen Gewerkschafter, dass starke
Gewerkschaften der AIL dort alle Arbeitsprobleme ohne Arbeitseinstellungen geloest
hatten, und dass die Betriebsleitung der TVA* obwohl sie in den Haendea der Regierung liegt, weder "TOH oben herab" noch wil neuerlich gehandhabt wird»
Die hollaendischen Gewerkschafter, die den Hollaendischen Oewerkschaftsbund und
zwei christliche O-ewerkschafteverbaende (alle nichtkommunistisch) vertreten, besuchten 35 Industrieunternehmen in den Vereinigten Staaten»
Jan Bergor erzaehlte TOT seiner Abreise in New York Berichterstattern, dass
sie hinsichtlich der Produktivitaet viel gelernt haetten, und dass "unsere Inspektionsreise sich gelohnt hat." H.C» Kaper, von der Bauarbeiter-Gewerkschaft, erklaerte
dass sich alle Mitglieder der hollaendlachen Gruppe nach ihrer Rueckkehr nach Holland
fuer die Wirtschaftliehe Vereinigung Europas einsetzen wuerden»

ECA Labor Information

DIE VERWENDUNI DBS RESERVEFONDS VON [150 MILLIONEN PfT.T|pT
Die Marshall Plan Verwaltung gab am 18» Oktober bekannt, dass sie in der
zweiten Haelfte des Haushalt Jahres 1949/1950 weitere Geldmittel zur Verfuegung
stellen werdej zugrundegelegt wird dieser Massnahme eine Studie ueber die gegen*
waertige Wirtschaftslage in den ERP-Laendern und ueber deren Erfolg in dem wirksamen
Gebrauch der Hilfe, um die Ziele des Wiederaufbau Programms erreichen zu koennen»
Zu gleicher Zeit wurde von der Marshall Plan Verwaltung angekuendjgt, dass ein Reservefonds von 150 Millionen Dollar bereitgestellt worden sei. Mit diesem Reservefonds
muessten drei Aufgaben geloest werdent
1» Die schnellstmoegliche Liberalisierung des intereuropaeisohen Handels
und Zahlungsverkehrs durch Garantien gegen unvorhergesehene, mit der Liberalisierung
verbundene Risiken zu foerdern.
2» Intereuropaeische Verbesserungsprojekte finanzieren zu helfen, die die
nationalen Grenzen unberueoksichtigt lassen und deshalb von den einzelnen Laendern
nicht uebernemnen werden«
3» Projekte zu finanzieren, durch die Gebiete in Uebersee, öle den Teilnehmerstaaten am Europaeischen Wiederaufbauprogramn gehoeren, entwickelt werden sollen«
Wie wir nun von der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa
(OEEC) erfahren, werden 10 Millionen Dollar aus diesem Reservefonds fuer die Finanzierung eines dringenden, internationalen Elektrizitaetsprogranms aufgewendet werden,
in dem der Bau von Kraftwerken vorgesehen ist, die nicht in dem Lande liegen, das

-5 -

�ihr direkter Abnehmer ist. Es handelt sich hierbei um ein Notprogramm zur Errichtung von Waermekraftwerken, das in eineinhalb Jahren beendet sein soll«
Weitere 10 Millionen Dollar werden zur Foerderung der Entwicklung von Ueberseegebieten freigegeben.
Hinsichtlich der finanziellen Hilfe zur Liberalisierung des intereuropaeisohen
Handels beabsichtigt die Marshall Plan Verwaltung, die Bildung von Zollunionen anzuregen. In einer vor ein paar Tagen in Paris erschienenen Verlautbarung der ECA hiess
es, dass man regional Handeisgruppen wie Benelux und Fritalux zu unterstuetzen wuensche, aus denen sich unter Umstaenden Gebiete mit freiem Handelsverkehr entwickeln
koennten. Dies wird bestimmt auch fuer "Uniscan" zutreffen, deren Ziel der freie
Warenaustausch zwischen Grossbritannien und den skandinavischen Laendern ist. Die
ECA erklaerte sich dazu bereit, diese regionalen Handeisgruppen aus dem 150 Millionen
Dollar Fonds finanziell zu unterstuetzen. Sie wird jedoch nur dann den Gesuchen
um finanzielle Hilfe aus diesem Fonds stattgeben, wenn die betreffenden Nationen
positive Leistungen vollbringen, wie zum Beispiel niedrigere Zoelle oder beachtlichen
Fortschritt bei der Gestaltung eines freien Waren- und Zahlungsverkehrs.

DAS FRAUENBUERO DE3 ARBEITSMINIST ERIÜM5 DER VEREINIGTEN STAATEN VON NORDAMERIKA
Die ersten Anfaenge
Das Frauenbuero wurde 1920 durch ein Sondergesetz des Kongresses geschaffen
und seine Aufgaben wurden ebenfalls gesetzlich festgelegt. Es ist berechtigt,
Grundsaetze und Ausfuehrungsbestimmungen zu schaffen, die der Wohlfahrt der arbeitenden Frauen dienen, ihre Arbeitsbedingungen verbessern, ihre Arbeitsleistungen
steigern und entlohnte Arbeitsmoeglichkeiten erweitern* Das Buero untersucht alle
Probleme, die sich auf Frauenarbeit und auf Arbeitnehmerinnen beziehen und berichtet
darueber dem Arbeitsminister, Sein Programm ist jeweils den veraenderten oekonomischen Bedingungen angepasst* Seine Taetigkeit basiert auch auf der Tatsache, dass
die Situation der arbeitenden Frauen unloeslich mit der Wohlfahrt und mit der Weiterentwicklung der Nation verbunden ist, Das Buero arbeitet auf drei Hauptgebieten.
Statistische Erhebungen und Untersuchungen
Frauenarbeitsgesetzgebung und die Stellung der Frauen
im buergerliehen und politischen Leben
Besondere Aufgaben und Veröffentlichungen
Internationale Zusammenarbeit
(Die internationalen Aufgaben des Bueros sind ein Teil.des Programms der
Zusammenarbeit der Regierung der Vereinigten Staaten mit anderen Staaten).
Arbeitsbereich
Das Buero vertritt die Interessen aller arbeitenden und arbeitsuchenden Frauen
ungeachtet ihrer Rasse« ihres Glaubens oder ihres Ehestandes. Es beschaeftigt sich
mit Frauen in allen Arten von Arbeitszweigent Fabrikarbeit, Dienstleistungen, Hausarbeit« Landarbeit, Handel und Gewerbe und freie Berufe* Es beschaeftigt sich mit
den Maedchen, die von der Schulbank her gerade ihre erste Arbeit angenommen haben
und mit der aelteren Arbeiterin, sowie mit Frauen* die sowohl berufstaetig sind als
auch einen Haushalt zu besorgen haben«
TErhi hnnyn

Experten fuehren dauernd Nachforschungen und Erhebungen durch, um das Buero
in der Aufstellung von Qrundsaetzen und Programmen zu unterstuetzen* Einige Untersuchungen haben das besondere Ziel, Aufklaerungen ueber Angebot und Nachfrage von
Arbeiterinnen fuer bestimmte Berufe zu schaffen, andere betreffen Loehne und Arbeitsbedingungen in den einzelnen Industrien. Aufstellungen ueber Gesundheitsfragen im
Zusammenhang mit berufstaetigen Frauen, Berufsaenderungen, Methoden zur Festsetzung
von Loehnen, die finanzielle Verantwortung der Frauen fuer den Familienunterhalt und
ihre Teilnahme an der Gewerkschaftsarbeit werden ebenfalls züaaamengestellt. Die
Informationen auf denen sich Uebersichten und Berichte aufbauen, werden aus verschiedenen offiziellen Quellen zusammengetragen, von Arbeitsplaetzen wie Fabriken,

-6-

�Bueros, Laeden,, Waeschereien usw. und durch Interviews mit berufstaetigen Frauen.
Eine andere wichtige Arbeit ist die Zusamraensteilung und Analyse statistischen
Materials ueber berufstaetige Frauen, das von Bundesbueros herausgegeben wird,
wie z.B. dem Buero fuer Arbeitsstatistik, dem Buero fuer Volkszaehlung, dem U.S.Arbeitsvermittlungsdienst und von den einzelnen staatlichen Arbeitsministerien»
Frauengesetzgebung und die Stellung der Frauen
im bürgerlichen und politischen Leben
Das Buero fuehrt nicht die Gesetze aus. Es nacht jedoch gruendliche Studien
'
bereits bestehander Gesetze und Ausfuehrungen und der Notwendigkeit, Gesetze zu
schaffen» die »owohl den Arbeitsstandard der Frauen als auch ihre zivile und politische Rechtsstellung haben sollen. Um bei der Verbreitung fortschrittlicher Arbeitsgesetze fuer Frauen mitzuhelfen und eine bessere Anwendung solcher Gesetze zu erreichen
verhandeln die Experten des Bueros mit verantwortlichen Vertretern der Arbeitsministerien« Gewerkschaften! Frauenorganisationen und Koerperschaften des Bundes. Das
Buero analysiert und empfiehlt bestehende und geplante Arbeitsgesetze und Verordnungen* die auf dLe erwerbstaetigen Frauen Bezug haben. Hauptfragen, ueber die das
Buero Material zusammenstellt und Anregungen gibt, sind Fragen der gleichen Bezahlung, der Mindftstloehne, der Arbeitszeit und der Gesetze, die sich auf die politische
und ziviIrecht11che Stellung der Frauen beziehen.
Besondere Aufgaben und Veröffentlichungen
Das Buero als die verantwortliche Regierungsstelle fuer das Studium, die
Gewaehrleistung und die Foerderung der Interessen der Frauen auf den verschiedensten
Gebieten der Beschaeftigung, schickt regelmaessig Informationen aller Art aus. Es
funktioniert als technischer Ratgeber fuer alle jene, die sich mit den Fragen der
wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung der Frauen beschaeftigen, wie z.B. Behoerden, Gewerkschaften, Frauenorganisationen, Arbeitgeber und die Oeffentlichkeit im
allgemeinen. Internationale Organisationen wenden sich an das Buero um Rat in Angelegenheiten der Beschaeftigungstendenz und der rechtlichen Stellung der Frauen.
Das Buero sendet Material an die presse und an den Rundfunk. Seine veröffentlichten, Berichte ueber «eine Untersuchungen, Arbeitsgesetze fuer Frauen, Rechtsstellung
der Frauen usw. werden an die Interessentengruppen ausgeschickt.
Internationale Zusammenarbeit
Die internationale Abteilung des Frauenbueros arbeitet mit den Regierungsstellen der anderen Staaten, sowie mit allen Organisationen, die sich mit der
Besserung der Bedingungen fuer arbeitende Frauen beschaeftigen, zusammen. Diese
Arbeit wird durch einen Austausch von Informationen und Publikationen gefoerdert,
durch Schulungskurse fuer leitende weibliche Angestellte der Arbeitsministerien
und durch Hilfe und Unterstuetzung der Besucher, die von den verschiedenen Staaten
kommen.
(Ausgabe Juni 194&amp; mit einigen Aenderungen)
Fuer Auskuenfte ueber die Arbeit und die Veröffentlichungen des
Frauenbueros wenden Sie sich an das
Frauenbuero (Women's Bureau)
U. S. Department of Labor
Washington 25, D. C.

PRQDUKTIQNSSTEIGERUNG IN EUROPA
Die Marshall Plan Verwaltung gab heute in ihrer November Ausgabe der
•Recovery Guides" bekannt, dass, verglichen mit der entsprechenden Periode letzten
Jahres, die Marshall-Plan-Laende- im Sommer 1949 eine Steigerung der industriellen
Produktion um. IIA zu verzeichnen naetten.
•Westdeutschland und Griechenland zeigen besonders gute Ergebnisse im Vergleich
zu 19i|8 naemlich 40 bezw. 30*,« heisst es in dem Bericht. «In Daenemark erreichte
der monatliche Produktionsindex im September einen neuen Nachkriega-Hoechststand.
Der uebliche, saisonbedingte Abstieg trat, wie erwartet, in den Sommermonaten ein«

-7-

�Die Wiederaufbautendenz hielt jecoh unvermindert an. Aus allen wichtigen Sektoren
des wirtschaftlichen Lebens wurden Erfolge gemeldet«•
Die Preise im Gross- und Einzelhandel haetten den ganzen September hindurch
nur geringe Schwankungen gezeigt« faehrt man in dem Bericht fort, und waehrend die
Exporte maessig zurückgingen, waere eine groessere Reduktion der Importe festzustellen, dem Ergebnis, dass die Teilnehmerstaaten ihre Handelsbilanz mit dem uebrigen
Teil der Welt haetten verbessern koennen.
Angesichts der Abwertung ihrer Waehrungen gegen Ende September ist den ERPLaendern nun die Moeglichkeit geboten, weitere Schritte zur Schaffung des Gleichgewichtes und des freien Warenaustausches im Welthandel zu unternehmen.
Dies« Massnahmen werden in ihrer Form erheblich untereinander -variieren, ihr
gleiches Siel nuss jedoch sein«
Erstens - Rohstoffquellen und Produktion nicht auf die inlaendischen Maerkte
zu beschraenken, sondern ihnen, die Maerkte im Ausland wieder zu erschliessen, sie
von den Gebieten mit unstabilen Waehrungen in diejenigen mit stabiler Waehrung zu
verlagern und
Zweitens - den Welthandel von Zollschranken, Beschraenkungen der Einfuhr, Kontrolle des Zahlungswechsels, der unterschiedlichen Behandlung bezueglich Preisfestsetzung und ungeeigneter Produktion zu befreien.
EGA Press Release
23. November 1949

DER GENHUISEKRETAER DER GEWERKSCHAFT INT IRNATIQNALBl J« H. OLDENBROEK.
Als der Internationale Bund Freier Gewerkschaften im Dezember seine Gruendungskonferenz in London beschloss, schienen alle Delegierten von einer Idee beseelt zu
sein« Sie hatten ein soziales und wirtschaftliches Programm vereinbartj ai« hatten
eine Verfassung entwarfen und viele interessante und bedeutsame Reden gehoert«
Aber, wie viele von ihnen sagten, "nicht schiene Worte, sondern vernuenftigea.
energisches Handeln werden dieser Organisation die Lebenskraft verleihen«*
Zur Durchfuehrung der EntSchliessungen dar Konferenz waehlten die Vertreter
von ueber 5° Millionen, in freien Gewerkschaften organisierten Arbeitern einen Exakut iv-Ausschuss, in dem alle Teile der Welt vertreten sind. Einstimmig fiel ihre
Wahl fuer einen Genaralsekretaer auf Jacobus H. Oldenbroek.
J. H. Oldenbroek wurde IÖ97 in Holland als Sohn eines Zigarrenmachera geboren.
Natuerlich war sein Vater ein guter Gewerkschafter. Mit 14 Jahren trat Oldenbroek
aus der Schule aus und hatte vier Jahre lang verschiedene Beschaeftigungen bei
Amsterdamer Handelsfirmen.

Oldenbroek schloss sich bald darauf der Niederlaendischen Gewerkschaft dar
Handels» und Buero-Angestellten an und stuerzte sich mit ganzem Herzen in die organisatorische Arbeit, durch die die Amsterdamer Zweigstelle zur groessten lokalen Gewerkschaft in jenen Tagen wurde. Er wurde ehrenamtlicher Organisationssekretaer
dieses Ortsverbandes und wirkte bei der Errichtung einer gewerkschaftseigenen HandelsAbendschule fuer Fortgeschrittene mit - eines der erfolgreichsten Unternehmen daa
Verbandes«

Inzwischen war Oldenbroek im Alter von lö Jahren Vorstandsmitglied des Niederlaendischen Gewerkschaftsbundes geworden. Der damalige Flnanzsekretaer war Edo Fimmes
Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges betraute-der Internationale Gewerkschaftsbuud
Fimmen mit der Stelle des Generalsekretaers und mit der schwierigen Aufgabe, das vom
Krieg zerstoerte Gebilde wiederaufzubauen. Er nahm Oldenbroek mit sich in sein neues

Amt«
- 8-

�Ton 1919 bis I923 war Flamen Sakrataar sowohl baim Internationalan Gewerkschaftsbund als auch dem Internationalen Transportarbeiter Verband (ITF). 1921 ernannte er
Oldenbroek zum Geschaeftsfuehrer des ITF, und Ton dieser Zeit an bis zu seiner Wahl
zum Generalsekretaer des neuen freien Weltgewerkschaftsbundes diente er dem Internationalen Transportarbeiter Verband.
In den 20er Jahren widmete sich Oldenbroek neben seiner Taetigkeit als Geschaeftsfuehrer auch eingehend den Problemen der Seeleute und wurde Sekretaer der SeeleuteAbteilung des ITF« 1938 wurde er zum stellvertretenden Generalsekretaer des ITF gewaehlt, und al£ Timmen 1942 starb, wurde er amtierender Generalsekretaer. auf dem
ersten Nachkriogskongress des ITF im Jahre 1946 brachten die Delegierten ihre Anerkennung gegenueber Oldenbroek und seiner Taetigkeit als ihr Fuehrer zum Ausdruck»
indem sie ihn »um Generalsekretaer mit eigener Exekutivgewalt waehlten.
In der gespannten Zeit zwischen Hitlers Machtergreifung und dem Ausbruch des
Krieges unternahm Oldenbroek haeufig heimliche Reisen nach Deutschland, um dan Kontakt
mit den dortigen Transportarbeitern aufrechtzuerhalten und ihre versteokten Organisationen zu unterstuetzen. Seine Freunde aus jenen gefaehrliehen Tagen, die den
Nazismus ueberlebten, sind haute prominente Fuehrer in den bedeutenden Transportarbeiter Gewerkschaften des Nachkriegsdeutschland.
Als die Nazis ihren Krieg begannen, verlegte der ITF sein Hauptquartier nach
London, und von dieser belagerten Stadt aus half er den Seeleuten der Gewerkschaft
bei ihrer Flucht vor den Deutschen, um sich der alliierten Kriegsmarine zur Verfuegung
stellen zu koe:inen. Oldenbroek selbst war Berater der alliierten Regierungen bei dar
Loesung ihrer iseemaennisehen Probleme, und man brachte ihm grosses Vertrauen entgegen.
In Anerkennung seiner Verdienste, wurde ihm die Koenigliche Freiheitsmedaille von
Koenig Georg dem Sechsten von England verliehen.
Waehrend der Kriegs Jahre wurde Oldenbroek ausserdem als Delegierter dar hollaendischen Arbeiterschaft zu den Internationalen Arbeitskonferenzen entsandt und in dan
Exekutivrat dar Internationalen Arbeitsorganisation gewaehlt. 1945 gehoerte er au
den Delegierten dar Internationalan Arbeitsorganisationen, als auf einer Tagung inSan
Franzisko die Vereinten Nationen gegruendet wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die meisten demokratischen Gewerkschafter gehofft, mit den Russen in einem Weltgewerkschaftsbund zusammenarbeiten zu koennen.
Ein schlagender Beweis fuer die Redlichkeit der Russen und ihrer Verbuendeten im
Weltgewerkschaftsbund wurde jedoch gegeben, als die Frage der Beziehungen des Weltgewerkschaftsbundes zu den internationalen Berufssekretariaten aufgeworfen wurde zum TTF und anderen Organisationen, in denen Arbeiter nach ihrer Industriezugehoerigkeit ueber die nationalen Grenzen hinaus zusammengeschlossen sind. Oldenbroek war
wie viele andere Fuehrer dieser Sekretariate bereit, mit dem Weltgewerkschaftsbund
zusammenzuarbeiten, bestand jedoch darauf, dass ihren Organisationen die erforderliche
Selbststaendigkeit innerhalb der internationalen Gewerkschaftsbewegung gewaehrt bleibegerade so, wie jade Gewerkschaft auf ihre Rechte innerhalb des nationalen Verbandes,
zu dem sie gehoert, besteht.
Bald wurde jedoch klar, dass die Kommunisten nicht die Absicht hatten« die
Rechte dar einzelnen Fachgruppen zu respektieren. Oldenbroek ging deshalb daran,
dan ITF zu staerken, seine Dienstleistungen fuer die Gewerkschaften der Seeleute,
Eisenbahn- und anderer Transportarbeiter zu verbessern, und den kommunistischen
Versuchen entgegenzuwirken, die darauf zielten, internationale, politische Streiks
der Transportarbeiter heraufzubeschwoeren.
Dar endgueltiga Bruch zwischen der demokratischen Gewerkschaftsbewegung und dan
von dan Russen beherrschten Gewerkschaften kam 1947 und 1948. Die Kommunisten gaben
ihre Absicht zu erkennen, den Weltgewerkschaftsbund als ein Mittel zur Sabotage das
fuer dan europaeischen Wiederaufbau bestimmten Marshall Planes zu benutzen. Dia
demokratische.!, europaeischen und amerikanischen Gewerkschaften im Weltgewerkschaftsbund schlössen sich mit ehrlich gesinnten Gewerkschaften zusammen, die niemals zum
Weltgewerkschaftsbund gehoert hatten, um das Gewerkschaftliche Beratungskomitee im
Europaeischen Wiederaufbau Programm zu bilden. Dann begannen sie, mit Gewerkschaften
aus anderen Teilen der Welt in Verbindng zu treten und legten damit den Grundstock
fuer den Internationalen Weltbund Freier Gewerkschaften,

-9-

�In dieser schweren Zeit erfuellten die internationalen Berufssekretariate
unter der Fuehrung von Leuten wie Oldenbroek nicht nur ihre eigenen fachlichen
Funktionen, sondern sie setzten sich auch fuer den Fortbestand der gesamten demokratischen« internationalen Gewerkschaftsbewegung ein. Die Fuehrer der gewerkschaftlichen Zentren fanden eine staendig zunehmende, allgemeine Anerkennung fuer ihre
Leistungen«
Es war deshalb ganz natuerlich, dass bei der Qruendung des. neuen Internationalen
Weltbundes Freier Gewerkschaften im Dezember vorigen Jahres die Wortfuehrer der
Arbeiter aus mehr als 50 verschiedenen Laendern J. H. Oldenbroek, den befaehigten
und erfahrenen Fuehrer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes baten, das
Steuer der neuen Organisation in die Hand zu nehmen« Nicht nur seine Erfahrung im
ITF und in der hollaendischen Gewerkschaftsbewegung sprachen fuer ihn, sondern auch
die Tatsache, dass er die europaeisohen Sprachen beherrscht und mit Gewerksehaftsfuehrern und Staatsmaennern aus der ganzen Welt persoenlich befreundet ist. Seine
entschieden ablehnende Haltung dem Totalitarismus gegenueber, ob in faschistischer
oder kommunistischer Form und die Hingabe, die er den demokratischen, gewerkschaftlichen Prinzipien entgegenbringt, geben die Gara-tie, dass der neue Weltgewerkschaftsbund nicht zum politischen Fussball wird. Seine Vergangenheit laesst keinen Zweifel
darueber, dass der neue Weltbund Freier Gewerkschaften das Banner der freien Arbeiterschaft in die entferntesten Ecken der Erdkugel tragen wird, um bei der Organisierung der Arbeiter in den rueckstaendigen Gebieten mitzuhelfen, den bestehenden
Gewerkschaften die engere Zusammenarbeit zu erleichtern, und um den Lebensstandard
der arbeitenden Menschen der ganzen Welt zu verbessern*
ECA Labor Information
16, Januar 1950

HOFFMINt

«EUER HQEHEREN LEBENSSTANDARD.»

•Eine schnelle Hebung des europaeischen Lebensstandards ist heute das dringendsti
Problem der Märshall Plan Verwaltung," erklaerte der Administrator der EGA» Paul G.
Hoffman, in einem Jahresabschlussbericht ueber Marshall Plan Taetigkeiten.
Mit der Mahnung, »dass der europaeische Lebensstandard zu niedrig sei - zu
niedrig fuer die Ansprueche der Europaeer und den Frieden der Welt," erklaerte
Mr. Hoffman weiten "Solange der Lebensstandard nicht gehoben ist, wird es keine
politische Stabil!taet in Europa geben."
MP. Hoffman sagte, dass zur Hebung des Lebensstandards drei Dinge erforderlich
seien« 1) groessere Produktionsleistung pro Mann und pro Stunde} 2) Vereinigung
der Wirtschaften Europas zur Schaffung eines einzigen Verbrauchermarktes der europaeischen Industrie und Landwirtschaft und 3) gesteigerten Verkauf in den Dollargebieten.
Der ECA Administrator erklaerte, dass der Marshall Plan nun "an erster Stelle
der Tagesordnung stuende. ... Die Ernaehrungslage der Menschen ist im allgemeinen
besser geworden. Die Menschen in Europa schaffen und schaffen sogar schwer. Sie
haben Arbeit. ... Die Produktion in Westeuropa liegt 5PjS hoeher als zu Beginn des
Marshall Planes und 2Q5S ueber dem Vorkriegsstand,"
Im Gegensatz hierzu beschrieb Mr. Hoffman die Zustaende in Europa vor dem
Inkrafttreten der Marshall Plan Hilfe. Er fuehrte aus« "Die Ernaehrungslage war
in viele» Laendern aeusserst unzureichend. Die Produktion blieb aus. ... Es
herrschte Inflation in hoechstem Grad. ..."
Mr. Hoffman beschloss seine Rede Bit der Feststellung, dass "ein bluehendes,
gesichertes Europa und ein klug kooperierendes Amtrika unerlaessliehe Faktoren im
Aufbau des Friedens seien."
ECA Labor Information
16. Januar 1950
- 10 -

�U.S. GEWERKSCHAFT PROPHEZEIT DEL' IvTUEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND EINE GROSSE ZUKUNFT
Welche Bedeutung hat der neue Internationale Weltbund Freier Gewerkschaften
fuer die Arbeiter Amerikas und der Welt?
Eine besonders bezeichnende Antwort auf diese Frage gab in dieser Woche der
Praeaident der amerikanischen Gewerkschaft der Eisenbahn-Bueroangestellten,
George H. Harrison, der zusammen mit anderen amerikanischen Gewerkschaftsführern
von der 14-taogigen Gruendungskonferenz des neuen Weltgewerkschaftsbundes in London
zurueckkehrte,,
•Ich denke, wir haben mit der Gruendung der neuen Organisation einen entscheidenden Schlag fuer dir-freie und demokratische GewerkschaftsOrganisation gefuehrt,"
erklaerte Harrison bei seinem Aufenthalt in New York einem Vertreter von •LABOR"
gegenueber.
»Der neu» Bund muss eine dynamische Kraft im Dienste der arbeitenden Bevoelkerung der ganzen Welt und ein Bollwerk gegen die weitere Ausdehnung des Kommunismus
oder eines anderen Totalitarismus darstellen. Eine solche Organisation kann fuer
die Arbeiter Amerikas und der anderen Laender von grossem Vorteil sein."
Harmonische Zusammenarbeit
Harrison war einer der beiden Praesidenten der Eisenbahn-Gewerkschaften, die
an den Londoner Besprechungen teilnahmen. Der andere yraesident war Charles J»
MacGowan von der Gewerkschaft der Kesselschmiede; letzterer kehrte nach seiner
Landung in Gotham direkt nach Kansas City, Kan., dem Sitz seines GewerkschaftsVorstandes zuruesk. Die amerikanische Delegation setzte sich aus acht weiteren
Gewerkschaftsfuchrern der AFL und zehn Fuehrern des CIO zusammen.
"Ungeachtet dessen, dass die Verhältnisse in den Laendern der einzelnen Teilnehmer ganz verschieden sein moegen, arbeiteten wir in London in ausgezeichneter Harmonie zusammen,• sagte Harrison. "Wir wurden uns eigentlich ueber jede Frage einig."
Die Hoffnungen der Kommunisten, dass die Konferenz durch Streitigkeiten gestoert
wuerde, wurden schnell zerstreut, erklaerte Harrison»
"Es war wirklich ein erhebender Anblick zu sehen, wie bei 260 Delegierten aus
53 Laendern der ganzen Welt ueber alle Fragen mit ganz geringfuegigen Ausnahmen
voellige Uebereinstimmung bestand. Ich denke, dass dies eine Tatsache von vielversprechender Bedeutung fuer die neue Organisation ist*
Transportwesen stark vertreten
•LABOR" hat bereits frueher von den wichtigsten in den Verhandlungen erörterten Problemen berichtet, von der Wahl des Vorstandes, der Wahl Bruessels als dessen
Sitz und von der Formulierung der Aufgaben des neuen Weltgewerkschaftsbundes.
"Besonders bezeichnend," sagte Harrison, "ist die Tatsache, dass wir die in
der Weltgeschichte groesste Organisation freier Gewerkschaften gebildet haben. Sie
stellt die Stimme von 50 Millionen arbeitenden Menschen dar, und wir sind der festen
Ueberzeugung, dass sie laufend anwachsen wird."
Die Fuetxer der Eisenbahner- und anderer Transportarbeiter Gewerkschaften
haetten in der Konferenz eine fuehrende Rolle gespielt, fuehrte Harrison aus. Mindestens 35 Delegierte waeren Gewerkschafter aus dem Transportwesen gewesen»
Es sei eine- der groessten Aufgaben des neuen Weltgewerkschaftsbundes, fuegte
Harrison hinzu, die freien, unabhaengigen Gewerkschaften in den Laendern aufbauen
zu helfen, in denen die Arbeiterbewegung augenblicklich schwach sei - wie zum Beispiel in Latcin-Amirrika, dem Fernen Osten und Afrika. Erfolge in dieser Hinsicht
wuerden mithelfen, der kommunistischen Ausdehnung einen Riegel vorzuschieben.
Erfolge der Labour Regierung
Wie sehen die Bedingungen in England unter der Labour Regierung aus? "Wir
hatten zwischen den einzelnen Sitzungen nicht viel Gelegenheit, uns selbst ueber
11 -

�di* dortig*n Verha*ltniss* zu informieren," gab Harrison zui' Antwort. "Aber i c h
kann sagen, dass «in* beachtlich* Verbesserung s e i t zwei Jahren, a l s i c h England
zum letztenmal besucht*, e i n g e t r e t e n i s t *
"Jeder hat A r b e i t . Di* Wohnungsnot i s t durch Wohnungsbau g e l i n d e r t worden«
Di* B e k l e i d u n g - und Erna*hrungslag* hab*n s i c h *twas g e b e s s e r t , und *s g i b t j * t z t
weiter* s o z i a l * Einrichtungen, wi* zum B e i s p i e l kostenlos* a e r z t l i c h e Versorgung,
Die Truemmer i n d*n ausgebombt*n B*zirk*n sind b e s e i t i g t worden, und die durch den
Kri*g v*rursacht*n Verwurstungen sind weniger e r k e n n t l i c h .
•Natuerlich l i * g t d*r Lebensstandard d*r Engla*nd*r unter d*m d*r
Amrikaner»
Die Loehne sind v i e l n i e d r i g e r . Di* Lebensweise i s t e i n f a c h e r ; aus d*m einfachen
Grund, w e i l England nicht ueber s o v i e l M i t t * l v*rfu*gt wi* wir i n Amerika."
Harrison b e r i c h t e t * , dass d i * D e l e g i e r t e n d i e i n England uebliche einfach*
Kost h a t t * n , obwohl s i e i n *in*m d*r « r s t e n Londoner Hotels l e b t e n - Suppe zum
Fruehstueck und Fisch od&lt;r auch manchmal Huhn zu den anderen Mahlzeiten. F l e i s c h
gab es f a s t ueberhaupt n i c h t j auch wurden kein* f r i s c h e n Eier s e r v i e r t .
In einer Beziehung wenigstens s t e l l t e Harrison eine Ä h n l i c h k e i t zwischen
England und den "Staaten" f e s t -"und zwar s c h e i n t die f r e s s e i n beiden La*ndern
g l e i c h reaktionaer zu s e i n . »
"Die meisten Zeitungen", sagte e r , "behaemmerten und beschmierten di* Labour
Regierung Tag fuer Tag, gerade s o wie die Handelspresse i n unserem Land auf der
Truman Regierung h*rumdrischt. S i * vollfu*hr*n sogar dass*lb* unsinnig* (3*schr*i
ueber den "Wohlfahrtsstaat". Ich bezweifle jedoch, dass s i c h jemand von e i n e r
d e r a r t i g e n Propaganda b e e i n f l u s s e n l a * s s t - i n England sowohl wi* hi*r b*i uns."
LABOR
24. D*z*mber 1949

- 12 -

Offic* of Labor Affairs
HICOG, APO 757

OFFICIAL

hlCOO 0-0i?o i, « r J a &lt;0 U ^1

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplar« können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^^_^^^^^^__^_^^^^^^^^^_^_^_^^^^^^^^^__^^^^^^__

H-48

Frankfurt, 3 . Februar 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
B r i t i s c h e r , franzoesischer oder deutscher Motor fuer e i n
i n t e r n a t i o n a l e s Automodell e i n e r amerikanischen F '»•ma - - l
Äuropaeische Wirtschaftseinheit und Zcllverbaende - - - - - 2
Erwerbslosenyersicherung und ihre Probleme i n den U.S.A»- - 3
Europas Vorstellungen Tom amerikanischen Jirbeiter beginnen
s i c h zu aendern - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 4
I n t e r n a t i o n a l e r Austausch - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Kranken- und Altersversicherung der amerikanischen Metallarbeiter - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Ernest Schwartztrauberi Ohne Gewerkschaften keine
Demokratie - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 8
A n t e i l der amerikanischen Frau am Wirtschaftsleben - - - - 9
Beitrag von E.R.F.-Gegenwertfonds fuer Wohnungsbau i n Westeuropa
- - - _
- - _ • • _ - - - - - 1 0
Daenische Gewerkschaften weisen Kommunisten zurecht - - - - 11
U.S. Automobilarbeiter fuer Erschliessung unentwickelter
Gebiete - - - - - - - - - - - - - - _ - _ - - - . .
-12

BRITISCHIIR. FRANZOESISCHER ODER DEUTSCHER MOTOR FUER EIN INTERNATIONALES
AI7T0M0DEJX EINER AMERIK»NISCHEN FIRMA
B r i t i s c h e Motore, Getriebekaesten und Hinterachsen der Standard Motor
Company La Coventry werden wahrscheinlich verwendet werden fuer e i n neues
i n t e r n a t i o n a l e s Kleinwagenmodell, welches die Nash Corporation i n D e t r o i t
h o f f t , zum Preise von 1000 Dollar auf den Markt bringen zu koennen. Die
G e s e l l s c h a f t muss d i e Garantie e i n e s Jahresverkaufs von 100.000 Wagen, und
mehr a l s d i e Haelfte davon i n den Vereinigten S t a a t e n , haben, um d i e s e
Produktion i n Angriff zu nehmen. Es g i b t keinen amerikanischen Motor
passender Groesse, aber er kann i n England, oder auch i n Frankreich, I t a l i e n
und v i e l l e i c h t Deutschland angekauft werden« Die Standard Motor Company
s i e h t d i e M ö g l i c h k e i t , dass s i e zur Lieferung von anfaenglich 1.000 Motoren
und Getriebekaesten pro Woche aufgefordert wird, welche im Bedarfsfalle auf
2.000 pro Woche erhoeht werden koennte. Befriedigende Abschluesse mit der
Nash Corporation wuerden der Standard-Gesellschaft im e r s t e n Jahr e i n e
Einnahme von ungefaehr 10 Millionen Dollar ermoeglichen«
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
ueber den europaeischen H i l f s p l a n
1 . / 1 5 . Januar 1950
- 1 -

�EOBOPAEISCHE WIRTSCHAFTSEINHEIT UND ZOLLVERBAENDE
Ansicht des Norwegischen Qewerksohaftsbunds
ueber e i n e Nordische Zollunion
Die Versuche zur g r o e s s e r e n 'Vereinheitlichung der westeuropaeischen Wirtschaft
sind Ton Anf«ne a n a u f grosse Schwierigkeiten gestossen, da s i e eine gegenseitige
Anpassung der verschiedenen Volkswirtschaften erfordert» Sobald diese einmal
erreicht i s t . werden rationelle Produktion auf breiter Basis, Verringerung der
Gestehungskosten und ein weites westeuropaeisches Marktgebiet die Wirtschaft Westeuropas s t a b i l i s i e r e n und damit zur Prosperitaet und zur Bebung des Lebensstandards
der Bevoelkerung beitragen« Sie v i e l f a e l t i g e n Probleme, die mit der wirtschaftlichen Vereinheitlichung verbunden sind, werfen bereits einen Schatten auf die
ersten Versuche der O.E.E.C. auf dem Gebiet der westeuropaeischen WirtschaftsZusammenarbeit. Die Koordinierung der Investitionen i n einigen bestimmten Schluessel
Industrien, die freiere Gestaltung des Handels durch Verminderung der Handelsschranken, die s c h l i e s s l i c h auf ihre voellige Abschaffung h i n z i e l t , und die Umwechselbarkeit der westeuropaeischen Waehrungen begegnen ernsthaften Zinwaenden seitens e i n zelner Regierungen, die ihre nationalen Interessen verteidigen. Die I.C.A. verfolgt
mit grossem Interesse jede weitere Entwicklung auf dem Wege zu einer staerkeren
Vereinheitlichung der westeuropaeischen Wirtschaft und ermutigt die erneuten Schritte
einiger E.R.P.-Laender, regionale Zollverbaende zu bilden, wie zum Beispiel Benelux
und Fritalux (Finebel) oder die Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten, welche
l e t z t l i e h zu einer Zollunion fuehren s o l l .
Dieser Weg» durch die Bildung regionaler Handelsgruppen zur Wirtschaftseinheit
zu gelangen, scheint indessen nicht leichter zu s e i n . Es s t e l l e n sich dieselben
Probleme, wenn auch auf geographisch kleinerem Gebiet« Und von Seiten der Gewerkschaf taorganisationen wird hier dieselbe Wachsamkeit geboten s e i n wie in Bezug
auf die Wirtschaftspolitik fuer ganz Westeuropa« Die Gewerkschaften werden sieh
mit allen diesen Problemen, und im besonderen mit denen« die ihre eigenen Interessen
betreffen« befassen und s i e i n ihrer Bewegung diskutieren muessen«
Die Regierungen der skandinavischen Staaten hatten bereits Anfang 1%8 eine
engere Zusammenarbeit der nordischen Inender im Auge, als e i n Sachverstaendigenkondtee der drei beteiligten Laender gebildet wurde, um die ganze Frage eingehend
zu pruefen und einen Bericht darueber zu verfassen« Obgleich dieses Komitee bisher
noch nicht zu irgendeinem abschliessenden Ergebnis gekommen i s t , interessierte
sich die oeffentliehe Meinung von neuem fuer die Aussichten einer solchen Zusammenarbeit, nachdem Grossbritannien die I n i t i a t i v e ergriffen und die skandinavischen
Laender aufgefordert hatte, ueber die Bildung einer regionalen Handelsgruppe zu
verhandeln. Damit wurde auch das Interesse wieder wach, alle mit der nordischen
Zusammenarbeit verbundenen Probleme gruendlich zu pruefen«
Dies r i e f besonders in Norwegen eine lebhafte Diskussion hervor, aus der
geschlossen werden kann, dass Norwegen einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit
mit seinen Nachbarländern wohl zustimmt, der Bildung einer Zolunion jedoeh ziemlich
skeptisch gegenuebersteht. Waebrend es fuer wuenschenswert gehalten wird« das
Problem der Zusammenarbeit auf industriellem Gebiet in Angriff zu nehmen« wird die
Oeffnung der Grenzen fuer Freihandel und freien —beitsmarkt als Teil einer Wirtschaftspolitik auf weite Sicht angesehen, die noch lange und sorgfaeltige Ueberlegung erfordert. Gleichwohl findet die Zusammenarbeit auf Gebieten, wo neue Produktionszweige oder aber Erweiterungen der bestehenden Fabriken geplant sind, allgemeinere Zustimmung und stoesst nicht auf die Einwaende, welche gegen eine Zollunion
angefuehrt werden« weil bei dieser eine nachteilige Konkurrenz zwischen den e i n z e l nen Volkswirtschaften befuerchtet wird.
Der Norwegische Gewerkschaftsbund veroeffentlichte in der Dezembernummer
•einer Zeitung seine Ansicht ueber eine Nordische Zollunion, und zwar in einem
Artikel von 004 Goethe, dem Leiter der Wirtschaftsabteilung. Der Hauptvorteil
einer Zollunion i s t die Erweiterung des Absatzgebiets fuer die Industrien der bet e i l i g t e n Laender. Dies wieder fuehrt zu einer rationelleren Arbeitsteilung. Die
Frage i s t aber, ob die konkurrierenden Industrien wirklich konkurrieren oder ob
s i e Kartelle bilden und auf diese Weise in Wirklichkeit zu einer Teilung des Markts
beitragen werden.
- 2 -

�In Anbetracht ihrer Zweifel an freier Konkurrenz in einer Zollunion fragt sich
die norwegische Gewerkschaftszentrale, ob diejenigen Unternehmungen, welche jetzt
schon an fuehrender Stelle sind, bei freier Konkurrenz nicht den Vorzug geniessen
und die Existenz der Industriebetriebe in den anderen Laendern gefaehrden wuerden.
Vom norwegischen Gesichtspunkt ist dies eine Frage von grosser Bedeutung, da die
norwegischen Unternehmungen gegenueber den schwedischen und daenischen bereits jetzt
im Rueckstand sind. Dies ist darauf zurueckzufuehren, dass Norwegen waehrend des
Kriegs viel staerker zerstoert worden ist als Daenemark, waehrend Schweden ueberhaupt keine Kriegsschaeden erlitten hat« Hinzu kommt, dass die norwegische Wiederaufbaupolitik bezueglich der Investitionen den Exportindustrien den groessten Vorrang
einreeumte, auf Kosten derjenigen Industrien, welche Gueter fuer den Inlandsmarkt
herstellten und auf Grund der strengen Einfuhrkontrolle nur wenig Aussichten hatten,
mit neuen Maschinen und Werkzeugen ausgeruestet zu werden. Diese Industrien werden
deshalb noch einige Jahre lang nicht in der Lage sein, auf gleichem Fuss mit den
anderen skandinavischen Laendern in Konkurrenz zu treten«
Im weiteren wies der Norwegische Gewerkschaftsbund darauf hin, dass eine
unvermeidliche Folge der Zollunion ein gemeinsamer Arbeitsmarkt der skandinavischen
Laender sein wuerde« Verhandlungen ueber diese Frage sind zwischen den skandinavischen Regierungen bereits aufgenommen worden und haben zur Aufstellung eines
Abkommens ueber einen gemeinsamen Arbeitsmarkt gefuehrt. Dieses ist bis jetzt nur
von Schweden und Daenemark gutgeheissen worden« Fuer Norwegen aber ist die Lage
einigermassen schwierig. Im Jahre 1947 betrug die Zahl der in Schweden beschaeftigten norwegischen Arbeitskraefte 9.500, im Jahre 1949 waren es 13.751} 880 Norweger
waren in Daenenark angestellt. Auf der anderen Seite hat Norwegen 111 Schweden und
1«350 Daenen die Arbeitserlaubnis erteilt. Zweifellos wuerde bei freiem Arbeitsmarkt eine grosse Anzahl von norwegischen und daenischen Arbeitskraeften versuchen,
in Schweden Beachaeftigung zu finden. Dies wuerde aber ernste Rueckwirkungen auf
den Wiederaufbau Norwegens haben, wo es schon jetzt an Arbeitakraeften fehlt.
Darueber hinaus ist es klar, dass ein freier Arbeitsmarkt nicht ohne Einfluss
bleiben wuerde auf die Gewerkschaftspolitik der drei Laender, und somit auf ihre
Lohn- und Steuerpolitik. Es besteht zwar eine enge Zusammenarbeit zwischen den
skandinavische;! Gewerkschaftsorganisationen} jedoch ist die Erweiterung dieser Zusammenarbeit zu einer Koordinierung ihrer Politik noch eine offene Frage, welche in
den skandinavischen Gewerkschaftsbewegungen von der niedersten bis zur hoechsten
Stufe noch eingehend eroertert werden muss. Endgueltige Beschluesse muessen von
den Gewerkschaftskongressen der drei Laender getroffen werden«
Der Gesichtspunkt der daenischen Regierung, welcher dahingeht, zuerst eine
Zollunion zu gruenden und spaeter die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, wird
seitens der skandinavischen Gewerkschaftsbewegung kaum Unterstuetzung finden.
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
ueber den Europaeischen Hilfsplan
1./15« Januar 1950

ERWERBSLOSENVERSICHERUNG UND IHRE PROBLEME IN DEN U.S.A.
(Washington, 15. Januar 1950) - Arbeitsminister Maurice J. Tobin erklaerte heute
in einer nationalen Rundfunksendung, dass vom Kongress in allen Staaten Mindestbetraege
fuer Erwerbslcaenunterstuetzungen festgesetzt und die jetzigen Unterstuetzungen erhoeht werden muessten.
In einem Programm des Amerikanischen Rundfunk Forums sagte der Arbeitsministert
•Die Erwerbslosenverischerung in den einzelnen Staaten, die ein gesundes Prinzip und
eine Hilfe fuer das Privatunternehmen darstellt, muss durch Festsetzung von Mindestunterstuetzungen durch den Kongress eine in allen 48 Staaten gleich wirksame, soziale
Einrichtung sein.
"Es wird somit unmoeglich sein, dass einzelne Staaten mit niedrigeren Unterstuetzungssaetzen ihre Gesetze unveraendert lassen, ohne die Erhoehung der Lebenshaltungskosten zu beruecksichtigen, die seit der Entstehung dieses Gesetzes im
Jahre 1935 eingetreten ist. Die Erhoehung der Lebens-

-3 -

�haltungskoeten ist zum groessten Teil dem Umstand zuzuschreiben, dass man nach
Beendigung des Krieges voreilig die Preiskontrolle aufgehoben hat,
•Mit dem neuen Gesetz wollte man im Jahre 1935 dem erwerbslosen Arbeiter
etwa 50£ seines Lohnes sichern. Zu demselben Zweck wird heute im Programm des
Praesidenten vorgeschlagen, dem Erwerbslosen etwa 5Q!C bis zu 30 Dollar pro Woche,
zu zahlen. Auch wenn ein Arbeiter mehr als 60 Dollar pro Woche verdient, erhaelt
er aus der Erwerbslosenversicherung nicht mehr als 30 Dollar woechentlich.
"Es gibt einen Staat, in dem man noch ein Unterstuetzungsmazimum von 15 Dollar
pro Woche hat. E3 stanant aus dem Jahre 193&amp;» als in diesem Staat das erste Erwerbslosenversicherungs-Gesetz erlassen wurde. Diese Hoechstgrenze ist 14 Jahre lang
unveraendert geblieben. Damit erhaelt der Durchachnittsarbeiter in jenem Staat
eine Unterstuetzung, die, gemessen an den Lebenshaltungskosten aus dem Jahre 1939,
einer Kaufkraft von 8,22 Dollar pro Woche entspricht.
•Nach vierzehn Jahren, in denen die einzelnen Staaten Erfahrungen sammeln
konnten und Gelegenheit hatten, ausreichende Unterstuetzungen einzufuehren, ist es
nun an der Zeit, dass die Bundesregierung zum Schutze der Wirtschaft und des Arbeiter
Minde3tbetraege der Erwerbslosenversicherung festsetzt,
EUROPAS VORSTELLUNGEN VOM AMERIKANISCHEN ARBEITER BEGINNEN SICH ZU AENDERN
Washington — (Amerika Dienst) — In einem Leitartikel befasst sich •Washington
Pgst" mit der Beobachtung, dass die auf Grund der kommunistischen Propaganda in
Europa herrschenden falschen Vorstellungen vom Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters langsam einem wahrheitsgetreuen Bild zu weichen scheinen. Das Blatt
schreibt u.a.»

"Es ist eine ausgesprochene Freude zu erfahren, dass die einflussreiche Zeitung
der franzoesischen Sozialisten •Le populaire*, die von dem ehemaligen Premierminister
Leon Blum herausgegeben wird, kuerzlich geradezu ein Loblied der Lebensbedingungen
des amerikanischen Arbeiters gesungen hat. Der amerikanische Durchschnitts 3 arbeit er
ist, 'Le populaire' zufolge, der bestgenaehrte, bestangezogene und mit den meisten
Annehmlichkeiten des taeglichen Lebens versorgte Arbeiter der Welt. Seine Kaufkraft
sei tatsaechlich vier- bis fuenfmal groesser als die seines franzoesischen Kollegen,
Die einzigen Schattenseiten seien die Wohnungsknappheit,., und seine staendigen
Zahlungsverpflichtungen auf Grund haeufiger Kreditkaeufe von Luxusartikeln wie Wagen,
Kuehlschraenke, Waschmaschinen usw.
•Washington Post" faehrt nach einem Hinweis auf die Berechtigung dieser gelinder
Kritik fort: "Die Franzosen wuerden vielleicht gern erfahren, imaa der Kongress
kuerzlich Wohnungsbaugesetze in Kraft gesetzt hat, die die Gestellung von Wohnraum
auch fuer die niedrigeren Einkommensklassen ermoeglichen... Zu der Gewohnheit, auf
Kredit zu kaufen, sollte man darauf hinweisen, dass auf diese Art die hohe Beschaeftigungsziffer beibehalten werden kann. Ohne Zweifel betrachtet der amerikanische
Arbeiter auf Grund seines Lebensstandards Dinge als einfach zum taeglichen Leben
gehoerig, die anderweitig als extravaganter Luxus angesehen werden."

INTERNATIONALER AUSTAUSCH
Schwedische Gewerkschaften treffen Vorbereitungen zum Besuch von 31 schwedischer
Arbeitern in den Vereinigten Staaten und umgekehrt von 35 amerikanischen Arbeitern
in Schweden, Zweck dieses gegenseitigen Besuches ist das Studium der Gewerkschaftsbewegungen und der allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen in den beiden Laendern.
Das Projekt wurde von der Tageszeitung des Schwedischen Gewerkschpftsbundes,
"Aftontidningen", angekuendigt. Dieser Austausch von Arbeitern, die aus den unteren
Reihen der Gewerkschaftsbewegung kosmen, wird von dem volkstuemlichen, woechentlicher
Magazin "Folket i Bild" und von 31 sozialdemokratischen Tageszeitungen der Gewerkschaften Schwedens befuerwortet.
Obwohl voellig unabhaengig, haben ciesr Plaene fuer einen gegenseitigen Besuch
doch grosse Aehnlichkeit mit den Austauschprojekten, die im Rahmen des ECA-Programms
zur Technischen Unterstuetzung laufen. Unter dieser Phase des Marshall Planes werder
Gewerkschafter, Techniker und Unternehmervertretungen nach den Vereinigten Staaten

- k-

�g e s c h i c k t , um i n d u s t r i e l l e Methoden und Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen u n t e r
d e r gemeinsame:! S c h i r m h e r r s c h a f t d e r ECA und d e r am e u r o p a e i s c h e n Wiederaufbauprogramm b e t e i l i g t e n Nationen zu s t u d i e r e n .
Waehrend an den meisten P r o j e k t e n nur e i n e e i n z e l n e Nation b e t e i l i g t war, s i n d
e i n i g e i n gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen d e r O r g a n i s a t i o n fuer W i r t s c h a f t l i c h e
Zusammenarbeit i n Europa und der Marshall Plan Verwaltung durchgefuehrt worden. Von
besonderem I n t e r e s s e fuer d i e Arbeiterbewegung i s t das g e g e n w a e r t i g e , d i e Laender
Europas umfassende Programm z u r t e c h n i s c h e n ü h t e r s t u e t z u n g , u n t e r dem fuehrende
E x p e r t e n auf dem Gebiet der S t a t i s t i k aus 10 Marshall Plan Laendern d i e Arbeitsmethoden des S t a t i s t i s c h e n Bueros im U . S . - A r b e i t s m i n i s t e r i u m s t u d i e r e n werden.
ECA Labor Information
1 1 . Januar 1950
KRANKEN- UND ALTERS VERSICHERUNG DER AMERIKANISCHEN METALLARBEITER
Welche s o z i a l e n F o r t a c h r i t t e konnten d i e amerikanischen S t a h l a r b e i t e r und
andere CIO Gewerkschaften (Automobil, Gummi u . a . ) durch K o l l e k t i v v e r h a n d l u n g e n
e r z i e l e n ? Die V e r e i n i g t e n B e k l e i d u n g s a r b e i t e r (Amalgamated C l o t h i n g Workers)
uebernahmen d i e s o z i a l e Fuehrung vor ueber 20 J a h r e n , a l s e s ihnen g e l a n g , mit den
A r b e i t g e b e r n Vereinbarungen zu t r e f f e n , d i e d i e s e zur F i n a n z i e r u n g von U n t e r s t u e t zungsfonds v e r a n l a s s t e n , mit dem Zweck, d i e G e w e r k s c h a f t s m i t g l i e d e r vor w i r t s c h a f t l i c h e n U n s i c h e r h e i t e n zu bewahren. Auch d i e T e x t i l a r b e i t e r Gewerkschaft konnte fuer
d i e m e i s t e n i h r e r M i t g l i e d e r Vertraege a b s c h l i e s s e n , d i e Versicherungsbestimmungen
e n t h i e l t e n . I n i h r e n E i n z e l h e i t e n s i n d d i e Plaene d e r Gewerkschaften s e h r v e r s c h i e d e n . Die im (Setober 1949 zwischen den V e r e i n i g t e n S t a h l a r b e i t e r n von Amerika und
d e r Bethlehem S t e e l Company g e t r o f f e n e n Vereinbarungen koennen a l s t y p i s c h e s Beis p i e l fuer d i e gesamte S t a h l i n d u s t r i e g e l t e n .
Dieser V e r t r a g b e s t e h t aus zwei T e i l e r n im e r s t e n h a n d e l t e s s i c h um Pensionen
und Unterstuei;zungen b e i t o t a l e r A r b e i t s u n f a e h i g k e i t , im z w e i t e n um d i e S o z i a l v e r s i c h e r u n g im a l l g e m e i n e n .
Im folgenden s i n d e i n i g e bezeichnende Bestimmungen des Pensionsprograrams wiedergegeben.
Die Pensionen werden a u s s c h l i e s s l i c h vom Unternehmer b e z a h l t . Die A r b e i t e r
haben k e i n e r l e i B e i t r a e g e zu e n t r i c h t e n . Der A r b e i t e r i s t n i c h t v e r p f l i c h t e t , mit
65 J a h r e n d i e Arbeit e i n z u s t e l l e n , e r kann auch ueber d i e s e s A l t e r hinaus a r b e i t e n ,
wenn er e s w u r n s c h t . Jedem A r b e i t e r mit 25 D i e n s t J a h r e n wird e i n e Mindestpension
von 100 D o l l a r , e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , z u g e s i c h e r t . Wenn e r b e i E r r e i c h e n
des p e n s i o n s f a e h i g e n A l t e r s l a e n g e r a l s 25 Jahre b e s c h a e f t i g t i s t , kann s e i n e
Pension hoeher s e i n . Hat e r weniger a l s 2 5 , aber n i c h t weniger a l s 15 D i e n s t j a h r e ,
s o wird s e i n e Pension e n t s p r e c h e n d g e r i n g e r s e i n . So wird zum B e i s p i e l e i n A r b e i t nehmer, d e r s i c h mit 15 D i e n s t j ä h r e n im A l t e r von 65 J a h r e n p e n s i o n i e r e n l a e s s t , .
e i n e Mindestpension, e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , von 60 D o l l a r monatlich b e z i e h e n .
Fuer jedes z u s a e t z l i c h e D i e n s t j a h r e r h o e h t s i c h d i e Pension monatlich um 4 D o l l a r .
Mit anderen Worten, e r e r h a e l t mit 16 D i e n s t j a h r e n 64 D o l l a r , mit s i e b z e h n 68 D o l l a r
u s w . , b i s zu 100 D o l l a r Pension bei 25 D i e n s t j ä h r e n .
In dem V e r t r a g d e r Bethlehem S t e e l Company wird f e s t g e l e g t , d a s s d i e vor d e r
Unterzeichnung des V e r t r a g e s p e n s i o n i e r t e n A r b e i t e r e b e n f a l l s u n t e r d e s s e n Bestimmungen f a l l e t . . In den meisten der anderen V e r t r a e g e werden a l l e A r b e i t e r , d i e im
Verlauf d e r v e r f l o s s e n e n zwei Jahre p e n s i o n i e r t wurden, i n dem neuen Programm b e rücksichtigt .
Die i n der S t a h l i n d u s t r i e abgeschlossenen Vetrtraege - d e r Bethlehem Plan i s t
e i n t y p i s c h e s B e i s p i e l - sehen Pensionen von mehr a l s 100 D o l l a r , e i n s c h l i e s s l i c h
A l t c r s r w n t e , v o r . Folgende Berechnung l i e g t dabei zugrunde 1 Man e r m i t t e l t den
D u r c h s c h n i t t der Monatseinkommen des A r b e i t e r s w&amp;ehrend der l e t z t e n zehn J a h r e .
1% d i e s e s D u r c h s c h n i t t s v e r d i e n s t e s , mit der Gesamtzahl d e r Jahre ununterbrochenen
D i e n s t e s v e r v i e l f p . c l t i g t , e r g i b t d i e zu zahlende P e n s i o n . Ein B e i s p i e l « Angenommen,

-5 -

�das Durchschnitsseinkommen eines Arbeiters in den l e t z t e n zehn Jahren betrug
300 Dollar monatlich. 152 davon sind 3 Dollar. Wenn der Arbeiter 25 Dienstjahre
a b g e l e i s t e t h a t , hat er Anspruch auf eine Ptnsion von 75 Dollar pro Monat. Der
Vertrag g a r a n t i e r t jedoch ein Minimum von 100 Dollar, und der Arbeiter erhaelt
auch diesen Betrag. Nehmen wir nun an, ein Arbeiter mit demselben Durchschnittseinkconen i s t s e i t 35 Jahren ununterbrochen beschaeftigt. Ihm steht demnach eine
Pension von 1% von 300 Dollar - 3« m u l t i p l i z i e r t mit 35 - 105 Dollar, e i n s c h l i e s s l i c h Altersrente, zu.
Die Pensionen sind auf Lebensdauer zu zahlen, auch wenn der Tarifvertrag nicht
erneuert wird oder das Unternehmen zu bestehen aufhoert. Verschiedene Plaene sind
ausgearbeitet worden, um den Pensionsberechtigten nach i h r e r Pensionierung eine
laufende Zahlung aus Fonds zu sichern, d i e mit genuegend Geldmitteln ausgestattet
wurden. Der Vertrag s i e h t vor, dass ein Arbeiter, der durch irgendeinen Uhfall,
s e l b s t einen Autounfall, dauernd erwerbsunfaehig i s t , Anspruch auf eine Uhterstuetzung h a t , wenn er 15 oder mehr Jahre ununterbrochenbeschaeftigt gewesen i s t . Dabei
i s t g l e i c h g u e l t i g , in welchem Alter die Erwerbsunfaehigkeit e i n t r i t t . Seine monatliche Unterstuetzung betraegt mindestens 5 ° Dollar, solange er noch nicht 65 Jahre
a l t i s t . Mit Erreichen des 65. Lebensjahres g i l t der Erwerbsunfaehige a l s r e g e l rechter Pensionaer und f a e l l t unter di» Bestimmungen des entsprechenden Programm.
Solange ein Arbeiter auf der Seniorenliste eines Unternehmens b l e i b t , zaehlen die
Jahre fuer seinen Pensionsplan. Mit anderen Worten, seine Dienstjahre bei dem
Unternehmen zaehlen ununterbrochen weiter, solange er auf dieser Liste gefuehrt
wird« Das bedeutet» dass ein Arbeitnehmer unter gewissen Umstaenden in einem Jahr
nur sechs oder gar nur drei Monate a r b e i t e t , und seine Dienstzeit trotzdem nicht a l s
unterbrochen g i l t .
Bei der Ermittlung der durchschnittlichen monatlichen Unterstuetzung wird, wie
b e r e i t s erwaehnt, der Durchschnitt der Einkommen in den der Pensionierung vorangehenden zehn Jahren zugrundegelegt. Damit dieser Durchschnitt dem tatsaeChilenen Verdienst so weit wie moeglich e n t s p r i c h t , auch wenn der Arbeiter nicht immer ununterbrochen gearbeitet h a t , wird von vornherein ein Jahr der fehlenden Zeit nicht in
Anrechnung gebracht.
Ein medizinischer Schiedteusschuss wird gebildet werden, der bestimmt, ob ein
Arbeitnehmer dauernd erwerbsunfaehig i s t und er deshalb Anspruch auf die entsprechend*
laufende UntersStietzung h a t . Zuerst wird er von dem Betriebsarzt untersucht, dann
vom Gewerkschaftsarzt5 und wenn keine uebereinstimmende Entscheidung getroffen wurde,
zieht man einen d r i t t e n Arzt zu Rate, der von den beiden ersten ausgewaehlt wird.
Unter Anwendung der ueblichen Beschwerde- und Schiedsverfahren werden Fragen g e l o e s t ,
die die Begriffe "ununterbrochene Dienstzeit*, "durchschnittliches Monatseinkommen",
"Alter" und "unvermeidliche Ursache" der dauernden Erwerbsunfaehigkeit mit sich
bringen koennen. Probleme, die i n der Auslegung der Vertragsbestimmungen zur Durchfuehrung der Psnsionsvorschriften entstehen, - ausser wenn es sich um dauernde Erwerbi
unfaehigkeit handelt, - s o l l e n von dem ueblichen Beschwerdekomitee beerb i t e t werden
und unterliegen der s c h i e d r i c h t e r l i c h e n Entscheidung nach Massgabe des normalen Kollel
tirrerträges,
Sozialversicherungs-Programm
Fuer jeden Arbeitnehmer und jede gearbeitete Stunde werden insgesamt 5 Cents
i n einen Zentralfonds einbezahlt, um tinen groesstmoeglichen Anteil am Sozialversicherungs-Programm zu erwerben. Im allgemeinen sind die Unternehmer mit zweieinhalb Cents an diesem Betrag b e t e i l i g t und die Arbeitnehmer mit den r e s t l i c h e n
zweieinhalb Cents. Es i s t noch nicht genau bestimmt, welche Anrechte an der S o z i a l versicherung mit den 5 Cents pro Arbeitsstunde und pro Arbeitnehmer erworben werden
koennen, man i s t im allgemeinen jedoch uebereingekommen, sieben verschiedene Versicherungsarten i n ein oder der andern Form vorzusehen«
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
(6)
(7)

Lebensversicherung, solange der Arbeiter beschaeftigt i s t ,
eine "paid-up" Lebensversicherung nach der Pensionierung,
Kranken- und Unfallversicherung
Krankenversich r rung fuer die Familie,
Mutterschaftsversorgung
Anspruch auf Krankenhausbehandlung und
Unfallschutz.

-6-

�I\ton s c h ä t z t , das?, in dem neuen Plan ein Lebensversicherun&amp;sbetrag i n Hoehe von
mindestens 2000 Dollar und hoechstens 4500 Dollar vorgesehen i s t ; der Durchschnittsbetrag fuer den Durcnschnittsarbeiter beliefe sich demnach auf 3000 Dollar. Er kann
hoeher oder niedriger s e i n , da er von vielen Faktoren abhaengt. .Auch kann der durchs c h n i t t l i c h e Betrag in verschiedenen Unternehmen verschieden s e i n , je nach der Zusammensetzung der Arbeitskraef te - Alter, Geschlecht, Dienst jähre, usw. Diese Form
der Lebensversicherung i s t in Kraft, solange der Arbeiter tatsaechlich beschaeftigt
i s t . Mit anderen Worten, es handelt sich um eine Lebensversich rung im Rahmen des
Sozialver3icherungsprogramms, die den Arbeit r mit etwa 3000 Dollar v e r s i c h e r t .
Nachdem der Arbeiter pensioniert i s t , seir.e Mindestpension von 100 Dollar pro
Monat bezieht, und Iceina Praemien mehr in die Sozialversicherung z a h l t , erhaelt er
eine sogenannte •paid-up* Lebensversicherung in einer Hoehe von etwa 1250 - 1500
Dollar. Eine "paid-up" Lebensversicherung b i e t e t zusaetzliche S i c h e r h e i t , und einer •
ihrer Vorzuege i s t , dass die Sicherheit nach der Pensionierung des Arbeiters besteht.
Man hofft, dass ein Arbeiter 26 Dollar pro Woche fuer eine Dauer von 26 Wochen
ausbezahlt bekommt, wenn er krank oder v e r l e t z t wird. (Einige Staaten haben b e r e i t s
Kranken- und ürifallversicherungsprogramme, und in allen Staaten besteht irgendeine
Form von Versicherung der Arbeiter.) Diese Faelle werden bei der Einfuehrung des
neuen Programms beruecksichtigt werden, Unfall- und Krankengelder werden auch gezahlt,
wenn die Krankheit oder der Unfall nicht unmittelbar durch die Arbeit bedingt sind.
Der Schutz des Arbeiters gegen Unfall oder Krankheit, die i n der I n d u s t r i e entstanden
sind, i s t durch Gesetze gewaehrleistet. Nach den Bestimmungen des SozialversicherungsProgrammsueber Uhterstuetzungen bei Krankheit oder Unfall hat der Arbeiter 26 Wochen
lang auf 26 Dollar pro Woche Anspruch.
Ausserdem hofft man, dass ein die gesamte Nation umfassendes HospitalisierungsFrogramm des Blauen Kreuzes durchgefuehrt werddn kann, damit waere fuer den Arbeiter,
seine Frau und seine Angehoerigen, e i n s c h l i e s s l i c h unverheirateter Kinder bis zu
19 Jahre, im Krankheitsfalle fuer Behandlung in einem Krankenhaus gesorgt. Jede
Krankenhausbehandlung, die nicht laenger a l s 70 Tage dauert, wird von der Versicherung
finanziert.
Mutterschaftsversorgung i s t auf 10 Tage begrenzt. Das neugeborene Kind wird
solange betreut, wie sich die Mutter im Krankenhaus befindet. Anspruch auf diese
/ersergung hat sowohl die Frau eines Arbeiters als auch die v e r h e i r a t e t e , berufstaetige Frau.
Krankenhausgeld s c h l i e s s t B e t t - , Verpflegungs- und allgemeine Pflegekosten in
halb-privaten Anstalten e i n . Enthalten darin sind ferner Kosten fuer die Benutzung
äes Operations- und Entbindungsraumes, Narkose und Verbaende, Arzneien und Laboratoriumsuntersuchungen, die zur Behandlung des Patienten notwendig s i n d .
Im Falle siner Verletzung durch Unfall wird eine Notbehandlung in einem Krankenaaus innerhalb 2k Stunden nach dem Umfall g a r a n t i e r t .
Diese Sozialversicherungsprogramme t r e t e n am 1. Januar 1950 l&gt; Kraft und werden
lern Arbeiter und seiner Familie einen sicheren Schutz bieten. Man i s t eben dabei,
Jie genauen Einzelheiten auszuarbeiten.

Wir gaben eine Beschreibung einiger Bestimmungen, die in den Vertraegen der
Stahlarbeiter mit den groessten Stahlfirmen enthalten sind. Die Vereinbarungen, die
i i e Vereinigten Automobilarbeiter mit den Ford-Werken b e r e i t s frueher treffen konnten,
sind im Prinzip denen der S t a h l i n d u s t r i e sehnlich. Der Vertrag mit den Ford-Werken
sieht eine monatliche Pension von 100 Dollar, e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , vor, wenn
ler Arbeiter 65 Jahre a l t i s t und 30 Dienstjahre h a t , Arbeiter, die mit 5$ Jahren
lauernd arbeitsunfaehig sind, e r h a l t e n eine laufende Unterstuetzung von 50 Dollar
pro Monat, vorausges&lt; t z t , dass s i e 30 Jahre lang ununterbrochen beschaeftigt s i n d .
Der Vertrag enthaelt ferner eine von dem Unternehmer finanzierte Krankenversicherung,
i i e dem Arbeiter bei einer einzelnen Krankheit, die eine Aufnahme in ein Krankenhaus
erforderlich nacht, taeglich 4 Dollar bis zu einem Gesamtbetrag von 280 Dollar bezahlt.

�Diese Leistungen stellen einen Zusatz zu den Unterstuetzungen des Blauen Kreuzes,
Blauen Schildes und der Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen dar, die in dem
bestehenden Versicherungsplan bereits Aufnahme gefunden haben. Hat der Arbeiter
weniger als 30 Dienstjähre, dann wird seine Pension in entsprechendem Verhaeltnis
reduziert, wie es in den Vertraegen der Stahlindustrie der Fall ist. Die Pensionsund Sozialversicherungsvertraege sowohl in der Stahl- als auch in der Automobilindustrie laufen fuenf Jahre, Eine Wiederaufnahme der Lohnverhandlungen ist in den
Vertraegen der Stahlindustrie fuer den X« November 1950 vorgesehen, mit dem Recht,
am 31. Dezember 1950 zu streiken, wenn keine zufriedenstellenden Abmachungen getroffe
wurden. Nach Verlauf von zwei Jahren kann das Unternehmen sein Recht geltend machen,
Abeenderungen des Pensionsplanes vorzunehmen; zu gleicher Zeit kann die Gewerkschaft
von ihrem Streikrecht Gebrauch machen. Wird nach zwei Jahren der Pension3plan jedoch
nicht abgeeendert, verlaengert sich seine Gueltigkeit bis zum 31» Oktober l$5k»
Praesident Murray erklaerte bei Verhandlungen, die er mit dem LohnfestsetzungsKomitee ueber die Vertraege in der Stahlindustrie fuehrtei
•Der Vertrag mit der Stahlindustrie ist einer der wichtigsten und weitreichendst
Erfolge, die unsere Gewerkschaft im Dienste des amerikanischen Volkes je erzielen kor
»Er bedeutet natuerlich einen Riesenschritt vorwaerts auf dem Wege, die Aelterer
Kranken und Arbeitsunfaehigen zu beschuetzen, die von der Stahlindustrie abhaengig
sind. Aber es ist unmoeglich abzuschaetzen, was dieser Sieg fuer Millionen anderer
bedeuten wird, die vielleicht seine Auswirkungen spueren und die Fruechte unserer
Arbeit ernten werden,•
Economic Outlook (CIO)
Dezember 1949

ERNEST SCHWARTZTRAUBER i OHNE GEWERKSCHAFTEN KEINE DEMOKRATIE
Ernest Schwaitztrauber ist Direktor der beruehmten
Universitaet der Schule fuer Arbeiter in Wisconsin,
die kuerzlich ihr 25-jaehriges Bestehen feierte.
In den folgenden Auszuegen, die einer Broschuere
ueber die Arbeit der Schule entnoanen sind, bringt
Schwärtztrauber zum Ausdruck, dass sein Glaube
in die Gewerkschaftsbewegung unerschuetterlich ist.
Er spricht in Worten, die allen Gewerkschaftern zu
Herzen gehen muessen.
Demokratie und Totalitarismus der Rechten und Linken sind gegenwaertig in
einen Kampf um Sein oder Nichtsein verwickelt. Mit der Demokratie werden all
jene Elemente erhalten bleiben, die einen Teil ihrer Existenz bilden, und ohne
die sie nicht lebensfaehig waere.
Die Gewerkschaftsbewegung ist eines jener Elemente; ohne sie waere die Demokratie mit einem Mann zu vergleichen, der nur ein Bein hat und mit einem gewandten
und verschlagenen Riesen kaempfen muss, Die Gewerkschaftsbewegung, ebenso wie die
Demokratie, ist jedoch nicht nur ein Begriff oder eine Idee; si&lt;= wird von Millionen
von Menschen getragen, - von Arbeitern, die sich auB ihrem alten Stand, in dem sie
nichts anderes als einfache Steinhauer oder Wassertraeger waren, zu einem Status
emporgearbeitet haben, derihnendie ihnen zukommende Teilhaberschaft an der demokratischen Gesellschaft zusammen mit den anderen Klassen sichert.
Wenn dem Arbeiter woo der Industrie, in der er beschaeftigt ist, oder dem
Buerger von der Gemeinde, in der er wohnt, seine demokratischen Rechte streitig
gemacht werden, dann heisst das, dass die menschliche Persoenlichkeit dort ueberhaupt nicht zaehlt. Und im Kielwasser dieser Verweigerung fliessen all die anderen
Kraefte, die ein demokratisches Staatsgebilde unterminieren.
Die demokratische Gewerkschaftsbewegung ist damit von lebenswichtiger Bedeutung
fuer eine wahrhaft demokratische Gesellschaft. Ihr Vorhandensein und ihr staendiges
Anwachsen garantieren, dass in dem demokratischen, politischen Staat sich kein auto- 8 -

�kretisches, industrielles Gebilde entwickeln kann« Sie bieten mit aie Gewaehr
dafuer, dass jede Parsoenlichkeit die Gelegenheit hat, sich ihren Faehigkeiten
entsprechend v o l l zu entwickeln. Und das i s t letzten Endes die sicherste Grundlage fuer die Demokratie«
•The Machinist»
Woechentlich.es Nachrichtenblatt des
Internationalen Metallarbeiterverbandes Amerikas
19« Januar 1950
ANTEIL DER AFRIKANISCHEN FRAU IM WIRTSCHAFTSLEBEN
Washington — (Amerika Dienst) — 18 Millionen Frauen - 28 Prozent der gesamten Arbeitskraefte der U.S.A. - sind heute, wie Frida S. Miller, die Leiterin
des Bueros fuer Frauenarbeit im U.S.-Arbeitsministerium, vor kurzem berichtete,
erwerbstaetig. In vielen lebenswichtigen Industrien und Gewerbe zwei gen bilden
Frauen die Mehrheit der Arbeiterschaft.
Der Anteil der weiblichen Negerbevoelkerung am amerikanischen Wirtschaftsleben betrug im Jahre 1947 2i Millionen Negerinnen« Obwohl dafuer genaue Unterlagen
noch nicht vorhanden sind, lassen, wie Miss Miller erklaert, die bisher vorliegenden
Ziffern bereits erhebliche Veraenderungen seit dem Jahre 1940 erkennen. Dabei ist
vor allem der verhaeltnismaessig geringe Prozentsatz der in der Landwirtschaft
beschaeftigten Negerinnen - nur 7 Prozent im Jahre 1947 gegenueber 21 Prozent im
Jahre 1940 - bemerkenswert«
Eine weitere Verschiebung ergab sich auch bei den Negerinnen, die als Hausgehilfinnen taetig sind. Waehrend 1940 noch ungefaehr 70 Prozent der Hegerinnen,
die nicht in der Landwirtschaft beschaeftigt waren, als Haushalthilfen Verdienst
fanden, waren es 1947 nur etwa 50 Prozent.
Der Prozentsatz der Negerinnen, die als Bueroangesteilte oder als Verkäuferinnen taetig sind, hat sich in der gleichen Zeit mehr als verdreifacht| mehr als
verdoppelt hat sich die Zahl der Nagerinnen, die als Fabrikarbeiterinnen, und
nahezu verdoppelt jener, die als Schoenheitspflegrinnen und Koechinnen arbeiten«

FRANZOSEN STUDIEREN AMERIKANISCHE PRODUCTIONSMETHODEN
Gewerkschaftsvertreter aus Frankreich, die als Mitglieder einer Produktivitaets-Team ihren 5-woechigen Besuch in den Vereinigten Staaten gerade beendet haben,
berichteten, dass amerikanische Produktionsmethoden auch in Frankreich mit Erfolg
angewendet werden koennten.
Die franzoesiche Team setzte sich aus Vertretern der Werkzeugmaschinenindustrie
zusammen. Im Rahmen des unter der Schirmherrschaft der franzoesichen Regierung und
der Marshall Plan Verwaltung stehenden Programms zur Technischen Unterstuetzung
studierten sie Arbeitsmethoden des gleichen Industriezweiges in Amerika«
Die technische Leistungsfaehigkeit amerikanischer Unternehmen erregte die
Aufmerksamkeit des 28 Jahre alten Ingenieurs Jean Marie Groslambert, der Mitglied
des Verbandes der Technischen Leiter (Confederation Generale des Cadres) ist. Auf
die unterschiede eingehend, die zwischen den amerikanischen und franzoesisehen
Methoden bestehen, fuehrte er aust
•Massgebliche Faktoren der hohen Produktionsleistung in den Vereinigten
Staaten sine u.a. die Gruppierung der Betriebsanlagen und das ein-Etage System.
Dadurch wird ein reibungsloser Ablauf des Produktionsprozesses gewaehrleistet.
Fuer jeden Mann und jede Maschine steht mehr Raum zur Verfuegung, und breite
Passagen erleichtern den Transport von Material und Maschinen«
•Eine vorbildliche Gruppierung gleicher Maschinen vermeidet unnoetige Bewegungen im Produktionsprozess und erspart Zeit und Instandhaltungskosten, indem man die
Arbeit hochqualifizierter Facharbeiter, die zur Instandhaltung der Maschinen eingesetzt werden, lokalisiert. Fuer den Materialtransport bedient man sich in Amerika

9-

�weitgehendst mechanischer Hilfsmittel, wie Aufzuege, Kreene, gabelfoermige Heber
und kleine Zugmaschinen. In Frankreich ist es nicht leicht, solche Ausrüstungen zu beschaffen, und der fuer diese Einrichtungen erforderliche Raum ist
aeusserst begrenzt.
•Kleine, elektrisch oder mit Pressluft betriebene Handwerkzeuge sind in den
amerikanischen Fabriken weitverbreitet und befinden sich in greifbarer Naehe des
Arbeiters. Die Maschinen sind im allgemeinen ziemlich neu, und eine Maschine
wird nur fuer einen Arbeitsgang verwendet. In Frankreich sind die Einrichtungen
aelter, und man ist gezwungen, eine Maschine fuer mehrere Zwecke zu verwenden.
Man verliert daher Zeit durch Umbau und Auswechseln von Maschinenteilen.*
Georges Bonnet, ein 26 Jahre alter franzoesischer Fraeser, ist Mitglied der
•Force Ouvriere" und gehoerte ebenfalls zur Produktivitaets-Team. Er schenkte
dem in Amerika gebraeuchlichen Klassifizierungssystem besondere Beachtung und
nahm dazu fclgendermassen Stellung» *Es ist sehr interessant, sich mit den amerikanischen Systemen der Arbeitsbewertung und Klassifizierung nach Verdienst zu befassen. Sie kcennten zum Teil auch in Frankreich angewendet werden. Die laufende
Bewertung einzelner Arbeiter mit aehnlichen Beschaeftigungen in irgendeinem Betrieb
und ein sehr einfaches Punktsystem zur Lohnfestsetzung sind vorteilhafter als das
System, das man in Frankreich hat, wo sich die Hoehe .der Loehne nach der Produktionsleistung des gesamten Unternehmens, manchmal sogar auf nationaler oder Industriebasis, richtet.»
Louis Fahy, 37 Jahre alt, Vorarbeiter und Mitglied der Franzoesichen Foederation Christlicher Arbeiter (Confederation Francaise des Travailleurs Chretiens),
befasste sich in seinem Kommentar mit der Produktionsleistung. Er wiess darauf
hin, dass amerikanische Firmen mehrere Typen von Maschinen herstellen, waehrend
ein Unternehmen in Frankreich das Bestreben hat, nur einen Typ zu produzieren,
um die Nachfrage decken zu koennen, die auf dem inlaendischen Markt heute noch
groesser ist als die Produktion. Er unterstrich die Tatsache, dass die "Produktion der franzoesischen Werkzeugmaschinen- und metallverarbeitenden Industrie den
Vorkriegsstand bereits uebertroffen hat, obwohl dieser Industriezweig nur zu 75%
wiederhergestellt ist.» Er gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass diese erhoehte
Produktionsleistung in Frankreich der groesseren Normung der hergestellten Maschine ntypen zuzuschreiben sei.
ECA Labor Information
18. Januar 1950

BEITRAG VON E.R.P.-GEGENWERTFONDS FUER WOHNUNGSBAU IN WESTEUROPA
Im Rahmen des Marshallplans sind bis jetzt mehr als 100 Millionen Dollar
in Gegenwertfonds fuer den Wohnungsbau in Westeuropa freigegeben worden.
Unter dem E.CA.-Programm sind bereits Neubauten von kleinen Haeusereinheiten
in allen E.R.P.-Laendern begonnen worden. Diesen wurde ausserdem zusaetzliche
Hilfe in Form von Baumaterialien zuteil, fuer welche die E.C.A. seit Beginn des
Europaeischen Hilfsplans Ankaufsermaechtigungen erteilt hat. Die wichtigsten
Posten dieses Beitrags sind bis jetzt Bauholz im Werte von 93 Millionen Dollar
und nichteisenhaltige Metalle im Wert von 446 Millionen Dollar gewesen.
Die meisten der aur Zeit in Ausfuehrung begriffenen Wohnungsbauprojekte
stehen in Verbindung mit industriellen Entwicklungsprogrammen. In Frankreich
zum Beispiel hat die Freigabe von Gegenwertfonds in Hoehe von mehr als 14 Millionen Dollar dazu gedient, den Neubau von 3»000 Haeusereinheiten in den Kohlengebieten in Lothringen und den Departementen Nord und Pas-de-Calais zu finanzieren.
Ferner 30II der Frankengegenwert von etwa 6 Millionen Dollar verwendet werden
fuer ArbeiterWohnungen im Zusammenhang mit dem Sollac-Stahlprojekt in Lothringen.
Weitere betraechtliehe Sumruen werden dem Wohnungsbau fuer Bergleute der Pottaschegruben im Elsass dienen.

- 10 -

�Es koennten noch zahlreiche andere Beispiele in verschiedenen E,R.P.-Laend e m sngefuehrt werden, u.a. das umfassende Wiederaufbauprojekt Ton Arbeiterwohnungen in den vom Kriege zerstoerten Gebieten der Niederlande, der E.C.A.Beitrag fuer einen ausgedehnten Wohnungsbauplan fuer italienische Arbeiter
und grosse Wohnungsbauprojekte in ganz Westdeutschland.

Gewerkschaftliches NachrichtenBulletin ueber den Europaeischen
Hilfsplan
1./15. Januar 1950

D1ENISCHB GEW1SRIS CHAFTEN WEISEN KOMMUNISTEN ZURECHT
Hans Rasmussen, Praesident der Metallarbeiter Gewerkschaft, beschuldigte
kuerzlich die Kommunisten Daenemarks, die zur Zeit gefuehrten Vertragsverhandlungen absichtlich stoeren und sabotieren zu wollen.
Rasmussei schreibt in einem Artikel, der in dem Organ seiner Gewerkschaft,
•Der Metaller beiter^, veroeffentlicht wurde« "In den dreissig Jahren des Bestehens
der Komnunistischen Partei Daenemarks ist es ihr niemals gelungen, etwas fuer
die Arbeitersshaft zu tun."
Bezugnehmend auf die gegenwaertigen Versuche des Daenlschen Gewerte chaftsbundes, durch Verhandlungen eine Erneuerung aller Ar beitsvertraege zu erwirken,
unter deren B9Stimmungen praktisch saemtliche Mitglieder des Gewerkschaftsbuches
(600.000) fallen, fuehrte Rasmussen aust »Die organisierten Arbeiter muessen
sich darauf gefasst machen, dass die Wortfuehrer der Kommunistischen Partei
allen Vorschlaegen zu einem Debereinkommen ablehnend gegenueberstehen werden.1
Rasmussen, einer der bedeutendsten Fuehrer der Gewerkschaften und der
Sozialdemokratischen Partei Daenemarks, brachte seinen Gewerkschaftsmitgliedern
gegenueber genz offen zum Ausdruck, dass »die Forderungen der Arbeiter nach ausreichenden Lcehnen, kuerzerer Arbeitszeit und besseren Urlaubsbestimmungen nicht
von den Kommunisten erfunden seien, obwohl sie dies beteuerten. Es sind die
traditionellen Forderungen der Arbeiter, und die Gewerkschaften haben immer
wieder versucht, sie zu verwirklichen, soweit dies nach den gegebenen Verhaeltnissen moeglich war.*
Der Praesideni der Metallarbeiter beschwerte sich ueber die Gewohnheit der
Kommunisten, Arbeitsvertrage ausser acht zu lassen, wenn es ihren zersetzenden ,
Absichten dienlich sei. In dieser Beziehung bestehe ein grosser Unterschied
zwischen den daenlschen und sowjetischen Kommunisten, die bei Nichtbeachtung der
vertraglichen Verpflichtungen schwer bestraft wuerden. Er machte auf die Tatseche aufmerksam, dass der Sekretaer des sowjetischen Gewerkschafts-Zentralkomitees, Sjwernik, den russischen Arbeitern gesagt hätte,"ein Vertrag sei ein regelrechtes Versprechen, und die Arbeiter haetten dessen Bedingungen unbedingt zu
erfuellen.•
' Rasmussen legte ferner den Kommunisten zur Last, immer dann eine oppositionelle Haltung einzunehmen, wenn man bemueht sei, die Arbeiter zu einem Bleiben
an ihrem Arbeitsplatz oder zu der Einhaltung einer Kuendigungsfrist von einem
Monat anzuhalten. Er erklaertei »In der Sowjetunion ist es kein Verbrechen,
wenn die Gewerkschaft und die Regierung von dem Arbeiter verlangen, seine Besehaeftigung beizubehalten, denn, so sagen sie, nur dadurch kann die Produktion
ataendig verbessert werden,•
•Sobald man jedoch in Daenemark diese Forderung aufstelle', sagte er,
•verfolgen die Kommunisten nicht mehr diesen Grundsatz.*
Labor Information
11. Januar 1950
- 11 -

�U»S. AOTOMOBILüpBEITER FOT» ERSCHLIESSUNG UNENTWICKELTER GEBIETE
Die Vereinigten Automobilarbeiter, die groesste amerikanische Gewerkschaft
und Fuersprecherin der Marshall Plan Hilfe, kuendigte kuerzlich an, dass sie
mit allen Mitteln ein anderes internationales Wiederaufbau Projekt, naemlich
Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, unterstuetzen wird*
In einer Rede rar dem Aussenpolitischen Ausschuss in den ersten Tagen
der zweiten Sitzungsperiode des 81* Kongresses erklaerte Donald Montgomery,
Direktor der Zentrale Washington der Automobilarbeiter Gewerkschaft! •Das PunktVier-Programm ist ein Friedensbekenntnis. Es soll den Wert und die Staerke der
Demokratie zum ersten Male vor Hunderten von Millionen Menschen der ganzen Welt
unter Beweis stellen.•
Mr. Montgomerys Erklaerung, die er im Namen einer halben Million organisierter Gewerkschaftsmitglieder der Vereinigten Automobilarbeiter abgab, ist eine
neue Bereitschaftserklaerung der demokratischen Gewerkschaftsorganisationen Amerikas, internationale Wiederaufbau- und Erschliesaungs-Frojekte zu unterstuetzen.
Mit dem Punkt-Vier-Programm stellen die Vereinigten Staaten sich zur Aufgabe, die technische Hilfe und industrielle Erfahrung auf unentwickelte und in
der Industrie rueckstÄndige Gebiete der Welt auszudehnen, mit dem Bestreben, den
Lebensstandard der Bewohner jener Gebiete zu verbessern« Zu diesem Zweck muss
Kapital investiert werden, um die Rohstoffquellen dieser Laender erschliessen
zu koennen.
ECA Labor Information
19. Januar 1950
- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

OFFICIAL

HI00C-0Ü.9 L * B r«b 50 16 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

II - 49

Frankfurt, 10. Februar 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Veraenderung im Verhaaltnis der Ausgabeposten
des Knglaenders
- - ___

• - X

Entstehung und Entwicklung des internationalen
Gewerkschaf tswesens

-2

Robert Nathan: "Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters kann und muss erweitert werden- - -

4

Arbeiter Israels studieren Produkt!onsmethöden
im Ausland

-5

Lebenshaltungskosten i n Polen

- 5

-

- -

- -

'Vas i s t falsch am Taft-Hartley Gesetz?
Samuel Gompers' Lebensgeschichte - - -

6
_ _ _ -

9

Sin norwegisches Produktivitaets-Team besucht Amerika- 10
Hoher Warenverbrauch i n Amerika

11

VERASNDSPUNG IM VERHAKT.TNIS DER AUSGABEP0ST3N DES EHGLA3KDERS
Die nachstehenden Indexziffern zeigen eine grosse Veraenderung im Verhaeltnis der Ausgabeposten der b r i t i s c h e n Bevoelkerung. Die rosten, welche
durch den Index 1914 nicht gedeckt waren, s t e l l e n hauptsaechlich Ausgaben
fuer Kultur, Erziehung und Unterhaltung dar. Die geringere Verhaeltniszahl
fuer Nahrungsmittelausgaben i s t zurueckzufuehren auf das hoehere Einkommen
der britischen Bevoelkerung s e i t 1914.
Index 1914
Teber.smittel
Miete und Gemeindesteuern
Kleidung
licht und Heizung
Andere Posten im Index 1914
Im Index 1914 gedeckte Posten
insgesamt ....
Im Index 1914 nicht gedeckte Posten
Insgesamt

Neuer Index auf der Basis
der Preise vom Juni 1947

60
16
12

35
9
9

8
_4.

7
16

100
24

100
Gewerkschaftliches Nachrichten Bulletin
ueber den Suropaeisehen Hilfsplan - 1/15«Jan.
1950

�Mit den Augen eines Ensrlaenders gesehen t
ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DES INTERNATIONALEN GEWERK5CHAFT3WESEN5
Als man vor 86 Jahren die erste Arbeiter-Internationale aus der Taufe hob,
war dies der Initiative der englischen Gewerkschaften zu verdanken, I863 kamen
zwei Delegierte von Frankreich nach London, um von den englischen Gewerkschaften
Hilfe fuer Polen zu erbitten. Nach einer erfolglosen Auflehnung gegen die Zarenherrschaft hatte die dortige Regierung drastische Unterdrueckungsmassnahmen ergriffen.
Auf einer Tagung in London am 28. September I864 wurde formell die Internationale Artflitervereinigung (International Association of Working Men) gegruendet.
In den folgenden 6 Jahren wurden Zweigstellen in fast allen europaeischen
Laendern und in Vereinigten Staaten von Amerika errichtet. Die Verwaltung des
I.A.W.M. lag in den Haenden eines Verwaltungsretes, der $$ Mitglieder zaehlte
und seinen Sitz in London hatte. Diese Koerperschaft hatte jedoch nur wenig Kontrolle ueber die verschiedenen nationalen Zentren.
Im Jahre I870 war Odger Praesident und Applegarth Vorsitzender dieses Verwaltungsrates. Dem Verband fehlte jedoch die allgemeine Unterstuetzung Seitens
der englischen Gewerkschaften, von denen viele fuer dessen politische Philosophie
kein Interesse zeigten, ihr feindlich gegenueberstanden oder unschluessig zwischen
dem Kommunismus von Marx und dem Anarchismus von Bakunin hin- und herschwankten*
Als auf dem Jahreskongress 1872 im Haag beschlossen wurde, den Sitz des
Verwaltungsretes nach New York zu verlegen, konnte man im Grunde nicht mehr von
einer Unterstuetzung der Organisation durch die englischen Gewerkschaften sprechen.
Im Jahre I876 wurde die Assoziation in Philadelphia formell aufgeloest.
Die im Jahre I889 gegruendete Zweite Internationale hatte offensichtlich
polititischen Charakter, obwohl sie teilweise von Gewerkschaften getragen wurde.
Sie verfolgte in erster Linie sozialistische Ziele und machte es sich zur Aufgabe,
anarchistische und andere Elemente auszuschliessen, die der parlamentarischen
Demokratie feindlich gesinnt waren.
Aus dieser Organisation heraus *urde schliesslich die Internationale der
Arbeiter und Sozialisten geboren (Labour and Socialist International), die von
1923 bis 1940 bestand.
Zuvor war jedoch auf Veranlassung des Britischen Gewerkschaftsbundes der
Versuch gemacht worden, eine internationale Zusammenarbeit auf rein gewerkschaftlicher Basis zu verwirklichen.

1888 wurde vom parlamentarischen Ausschuss des Britischen Gewerkschaftsbundes eine internationale Gewerkschaftskonferenz nach London einberufen, an der
123 Delegierte teilnahmen, (davon waren 79 Englaender). Sie repraesentierten etwa
l.loo.ooo Gewerkschafter, darunter 850.000 englische. Die Gewerkschaften Deutschlands, Oesterreichs und Russlands waren von dem Britischen Gewerkschaft3bund nicht
eingeladen worden, und in dieser Tatsache ist einer der Gruende fuer die Zwistigkeit zwischen den Delegationen des Kontinents und den meisten englischen Abordnungen zu suchen. Aus diesem Grunde kam auf dieser Konferenz auch keine Organisation zustande, und ein anderer von den franzoesischen Gewerkschaften zwoelf
Jahre spaeter unternommener Versuch, hatte ebensowenig Erfolg. Dann kam J. Jensen,
der- Praesident der Daenischen Gewerkschaften, im Jahre 1900 nach Glasgow, um an
dem Kongress des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (General Federation of Trade
Unions) teizunehmen. Er besprach mit Isaac Mitchell, dem Sekretaer dieses Bundes,
die Notwendigkeit einer Gewerkschaftsintrrnationale. Das Ergebnis dieser Besprechungen war die internationale Gewerkschaftskonferenz in Kopenhagen im Jahre 19c

- 2 "

�Damit war e i n wirklicher .Anfang gemacht worden. Man beschloss in Kopenhagen, die naechste Konferenz zusammen mit dem Kongress des G.F.T.U. im
darauffolgenden Jahr in S t u t t g a r t abzuhalten. Es i s t interessant festzus t e l l e n , daas die Einladung des deutschen Gewerkschaftszentrum an die anderen
Organisationen die Bitte um Schweigen und Geheimhaltung vor der Konferenz e n t h i e l t , um nicht die •unwillkommene Aufmerksamkeit• der deutschen Polizeibehoerden zu erregen.
Bis zum Jahre 1913 fanden regelmaessig Kongresse der Internationale i n
den verschiedenen Laendern s t a t t . In diesem Jahre beschloss die in Zuerich
zusammentreffende Konferenz, die Bezeichnung "Internationaler Gewerkschaftsbund" ( I n t e r n a t i o n a l Federation of Trade Unions) zu tragen. Bevor die neue
Organisation wieder eine Konferenz abhalten konnte, war der Erste Weltkrieg
ausgebrochen. Die Haltung der deutschen Gewerkschaften, die einen Angriffskrieg ihres Landes ohne Vorbehalt befuerwarteten, wirkte umsoraehr demoralisierend, als es das deutsche Gewerkschaftszentrum war, das man zum S e k r e t a r i a t
des Internationalen Gewerkschaftsbundes erwaehlt h a t t e .
Im Jahre I917 beschloss der Britische Gewerkschaftsbund, sich nach dem
Kriege fuer die Wiedergruendung i n t e r n a t i o n a l e r Gewerkschaftsverbaende einzusetzen, und man t r a f mit dem G.F.T.U. eine Vereinbarung, wonach beide Organisationen in diesen Verbaenden gemeinsam vertreten sein s o l l t e n . Kurz vor
Beendigung des Krieges unternahm man schon dahingehende S c h r i t t e . In Anbetracht
der aussergewoehnlichen Lage konnte der e r s t e Msahkriegskongress der Internationalen Gewerkschaften jedoch e r s t am 28. Juli 1919 i a Amsterdam s t a t t f i n d e n .
Dort begruendeten Delegierte aus 14 Laendern erneut den Internationaler: Gewerkschaftsbund (IFTU).
Im Jahre 1922 gehoerten b e r e i t s 24 Laender dem IFTU an; mit Ausnahme von
vier waren es europaeische Nationen. Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL,
der bis 1914 dem IFTU angehoert h a t t e , war ausgetreten und schloss sich ihm
e r s t wieder 1937 an.
Durch den Faschismus in I t a l i e n und spaeter den Nationalsozialismus in
Deutschland gingen der Organisation Millionen von Mitgliedern verloren. Die
Ivütgliederzahl des Internationalen Gewerkschaftsbundes f i e l von 23 Millionen
im Jahre 1921 auf 8 Millionen im Jahre 1934« 1937 war s i e jedoch wieder auf
19i Millionen angestiegen.
Die i n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaftsbewegung wurde durch die Gruendung der
Roten Gewerkschaftsinternationale (Reo Intern tional cf Labor Unions), die
nichts weiter a l s eine F i l i a l e der Komintern d a r s t e l l t , stark in Mitleidenschaft
gezogen. Dessenungeachtet versuchte man, (hierbei s p i e l t der Britische sewerk3chaftsbund eine hervorragende Rolle), eine Ver3taendigung zustande zu bringen.
Die Delegation des Internationalen .Gewerkschaftsbundes, die 1937 Moskau besuchte,
hatte i n dieser Hinsicht jrdoch nur wenig Erfolg.
Nachkriegsentwicklunffen
Als Frankreich 1940 ueberrannt wurde, befand sich der S i t z de« I n t e r nationalen Qewerkschaftsbundes in P a r i s . Mitglieder des S e k r e t a r i a t s konnten
nach London entkommen, wo ihnen der Britische Gewerkscheftsbund Bueroraeume
zur Verfügung s t e l l t e . Waehrend dca Krieges versammelten s i e Gewerkschafter
um s i c h , die es vorgewogen hatten, das von den Nazis besetzte Europa zu verlassen. Die Propasandataetigkeit wurde f o r t g e s e t z t . Dann e r l e b t e der Weltgewerkschaftsbund (World Federation of Trade Unions) im Jahre 1945 seine Auferstehung.
. Warum die Gewerksvhaften Englands und der anderen Laender aus dem Weltgewerkschaftsbund austraten, um eine neue Gewerkschaftsinternationale zu bilden,
die frei von kommunistischer Beherrschung und Bevormundung war, wurde b e r e i t s
in Eerichten g e s c h i l d e r t , die dem Bridlington Kongress des Britischen Gewerkachaftsbundes im September 1949 vorgelegt wurden. Mit ueberwaeltigender
3timir.enmrhrheit wurde cort der Entschluss des Verrcaltun.^srates gutgeheissen.
"Labour"
Magazin des Britischen Gewerkschaftsbundes, Dezember 1949

�ROBERT NATHAN* »LEBETESTMg)ARD DES AMERIKANISCHEN ARBEITERS KANN UND MU53
ERWEITERT WERDEN."

Wir geben Auszuege aus einer Rundfunkansprache des Volkswirtschaftlers Robert R. Nathan wieder, der jede Woche im
Namen des CIO ueber die Rundfunkstation WCFM in Washington spricht.
In den vergangenen zwei Wochen haben Praesident Truman und seine Berater
Dokumente veroeffentlicht, die wohl die wichtigsten wirtschaftlichen Feststellungen enthalten, die die Regierung je herausgegeben hat. Dazu gehoeren
die Botschaften des Presidenten ueber den Haushalt, die Wirtschaft und die
allgemeine Lage in den Vereinigten Staaten, der Jahresbericht und der Rückblick des Wirtschaftlichen Beratungssusschusaes. In all dem «erden die
Vorgaenge der Vergangenheit beleuchtet, Schlussfolgerungen fuer die Gegenwert
gebogen und Vorschlaege fuer die Zukunft gemacht.
Ein gemeinsames Thema laeuft wie ein Faden durch all diese Dokumentet
Erweiterung und Fortschritt. Es wird darin wiederholt betont, dass wir die
jetzige Produktion und die Iebensstandarde erweitern koennen und muessen, und
dass diese Erweiterung allen Schichten unserer Gesellschaft zugute kommen amss.
Wenn man sich hoehere Produktionsziele fuer die Zukunft gesteckt hat, so
war es nicht noetig, dunkle Zauberkuenste hierfuer in Anspruch zu nehmen. Man
braucht nur die Vergangenheit zu studieren, um sich eine vernuenftige Basis
schaffen zu koennen, von der aus man die Moeglichkeiten der kommenden Jahre
ueberblicken kann. Da* Neuartige liegt in der Tatsache, dass der Praesident
dieser maechtigen Vereinigten Staaten die nationalen Ziele klar umrissen
und erklaert hat, wie sie erreicht werden koennen«
•

Das Vertrauen in das System der freien Wirtschaft wird erneut zum Ausoruck gebracht. Das Anwachsen und die Entwicklung der Geschaeftstaetigkeit
werden empfohlen. Man ruft zur Zusammenarbeit zwischen Geschaeft und Regierung
auf. Man spricht Geschaeftsleuten. Arbeitern und Bauern fuer ihre groessere
Einsicht und Zurueckhaltung in dem "sicheren Uebergang von der Inflation zur
groesseren Stabilitaet," Anerkennung aus. So sieht Praesident Truman die
Entwicklung im Jahre 1949»
Heiast das alles, dass die Regierung versucht, das Geschaeft mit freundlichen Worten und Schmeicheleien fuer politische Zwecke zu gewinnen? Ich denke
nicht.
Umsichtige Fuehrer der Geschaeftswelt wissen, welche Gefahren mit einem
rapiden Aufschwung oder Rueckgang verbunden sind. Sie sind sich darueber im
klaren, doss arbeitslose ?.fenschen arme Verbraucher sind. Die grosse Frage
heiast hier jedochi Was muss getan werden, um die Stabilitaet zu foerdern, und
wer mu3S es tun?
Ueber die Rolle, die der Regierung in dieser Aufgabe zufaellt, ist man
sich keineswegs einig. Der Wirtschaftliche Beratungsausschuss haelt an seinem
Standpunkt fest, dass die Regierung eine Umgebung schaffen muss, in der Geschaefts
leute, Arbeiter und Bauern an dem ununterbrochenen Fortschritt Anteil haben
koennen.
Das bedeutet einfach, dass die Regierung die seit 15 Jahren cestohende
Forderung der amerikanischen Oeffentlichkeit nicht uebergehen kann, - naemlich,
dass sie sich eine» wichtigen Verantwortung unterziehen muss und eine aktive
Rolle in wirtschaftlichen Angelegenheiten zu spielen hat.
Ausgedehnte Kapitalanlagen fuehren zur Erweiterung der Unternehmen und
ihrer Ausruestung an Maschinen. Diese erhoehte Kapazitaet wird jedoch nur
von Vorteil sein, wenn.auch der Verbrauch eine entsprechende Steigerung erfaehrt.

Das heisst mit anderen Worten, dass wir mit der Erhoehung unserer Produktions
kapazitaet mehr und mehr »erbrauchen muessen, wenn diese Kapazitaet voll und

-k-

�laufend v e r w e r t e t werden s o l l .
Der W i r t s c h a f t l i c h e Beratungsausschusa z i e h t h i e r a u s n a t u e r l i o h d i e S c h l u s s f o l g e r u n g , daaa es durch p r i v a t e und o e f f e n t l i e h e Bemuehungen g e l i n g e n muss,
den Verbrauch zu s t e i g e r n , d e r a u g e n b l i c k l i c h n i c h t hoch genug l i e g t , um d i e
V o l l b e s c h a e f t i g u n g g e w a e h r l e i s t e n zu koennen.
Wenn aber der Absatzmarkt n i c h t das a b s o r b i e r e n kann, was i n u n s e r e r
I n d u s t r i e p r o d u z i e r t werden kann, dann l i e g t das n i c h t an unserem Volk, weil
es etwa nich - 5 wuenscht, mehr zu v e r b r a u c h e n . Es l i e g t vielmehr an der Kaufk r a f t und der V e r t e i l u n g u n s e r e s Gesaitvermoegens. I c h bin g e w i s s , dass nur
wenige u n s e r e r Zuhoerer e s a l s Haerte empfinden wuerden, g r o e s s e r e und b e s s e r e
Wohnungen und mehr und b e s s e r e Kleidung und Nahrungsmittel zur Verfuegung zu
haben. Es d r e h t s i c h um d i e M i t t e l , um d a s , was wir benfttigen und wuenschen,
kaufen zu koennen.
Es s c h e i n t uns u n s i n n i g , d a s s wir uns mit dem Krebsging u n s e r e r W i r t s c h a f t ,
mit A r b e i t s l o s i g k e i t und g e s c h l o s s e n e n B e t r i e b e n abfinden s o l l e n , nur w e l l wir
k e i n e P o l i t i k t r e i b e n und Methoden a u s a r b e i t e n w o l l t e n , d i e eine ausreienende
Kaufkraft ge;3ichert h a e t t e n .
•The CIO News"
1 6 . Januar 1949
ARBEITER ISRAEL3 STUDIEREN PRODUKTIONSMETHODEN IM AUSLAND
Eine Gruppe von 5 0 - 55 A r b e i t e r n I s r a e l s wird i n s Ausland g e s c h i c k t werden,
um i n v e r s c h i e d e n e n I n d u s t r i e s t a a t e n Produkt!onsmethoden im Rahmen e i n e s Prograirms
zu s t u d i e r e n , das H i s t a d r u t , d e r Gewerkscbaftsbund J u e d i s c h e r A r b e i t e r In I s r a e l ,
angekuendigt h a t .
Die Arbeiterhochschule d i e s e s Gewerkschaftsbundes gab im Dezember e i n e n
1 0 - t a e g i g e n Lehrgang, an dem nahezu 100 g e l e r n t e F a b r i k a r b e i t e r aus 75 W e r k s t a e t t e n
und B e t r i e b e n d e r M e t a l l - , T e x t i l - , L e d e r - , D r u c k e r e i - , G l a s - und N a h r u n g s m i t t e l i n d u s t r i e t e i l n a h m e n . Dieser Lehrgang s t e l l t einen T e i l e i n e s Programms d a r ,
das v o r s i e h t , i n den B e t r i e b e n gemeinsame Produkt!onsausschuesse zu b i l d e n und
A r b e i t e r v e r t r e t u n g e n zum Studium von P r o d u k t i v i t a e t s m e t h o d e n i n s Ausland zu
schicken.
Die Teilnehmer d i e s e s Lehrgangs wurden von l o k a l e n Gewerkschaftsvorstaenden
und n a t i o n a l e n Gewerkschaften i n Beratung mit dem GewerkschHftsbund H i s t a d r u t
ausgewaehlt«, Nach Beendigung des Lehrgangs kehren a i e zu i h r e n A r b e i t s p l a e t z e n
z u r u e c k , wo s i e s i c h a k t i v an der g e p l a n t e n Bildung gemeinsamer P r o d u k t ! o n s a u s s c h u e s s e b e t e i l i g e n werden.
S p a c t e r h i n wird man 5 0 * 55 d i e s e r Lehrgangsteilnehmer aussuchen, d i e mit
fcrbeitervertretungen
v e r s c h i e d e n e Laender besuchen s o l l e n , um d o r t mehrere Monate
lang Erfahrungen sammeln und s i c h a u s b i l d e n zu koennen. In jedem Lande wird man
es ihnen ermoeglichen, e i n e Z e i t l a n g i n solchen B e t r i e b e n p r a k t i s c h a r b e i t e n zu
koennen, d i e i h r e n eigenen i n I s r a e l i n Groesse und Art a e h n l i c h s i n d .
•The CIO News»
6 . Januar 1950
LEbEJ)BHALTLT:-r^K03TEN IN POLEN
N e u e r l i c h e n Schaetzungen ueber d i e Kosten d e r w i c h t i g s t e n Nahrungsmittel i n
Polen zufolge muss man i n Polen d u r c h s c h n i t t l i c h d r e i - b i s viermal solange wie i n
Westeuropa a r b e i t e n , um d i e notwendigen L e b e n s m i t t e l kaufen zu koennen. Diese
Angaben s t a r n e n von A. S k r o d z i , einem ehemaligen p o l n i s c h e n GewirkschaftsfurJctionaer,
der 3 i c h nun im E x i l i n F r a n k r e i c h a u f h a e l t .
Unter Zugrundelegung e i n e r vom z e n t r a l p o l n i s e h e n s t a t i s t i s c h e n Buero veroeff e n t l i c h t e n P r e i s l i s t e und d e r o f f i z i e l l e n Durchschnittseinkommen i n Polen e r m i t t e l t e Mr. S k r o d z i achaetzungsweise d i e Kaufkraft d e r Arbeiter i n d i e s e r Nation
h i n t e r den E i s e r n e n Vorhang. S e i n B e r i c h t wurde i n e i n e r neueren Ausgabe des

-5 -

�»Exilgewerkschafter" v e r o e f f e n t l i c h t , e i n e Z e i t u n g , d i e von e i n e r Qrüppe von
Gewerkschaftern i n P a r i s herausgegeben wird, d i e aus den kninrmj.nl3tisch
b e h c r r a c h t e n Laendern geflohen sind*
Ein V e r g l e i c h der S t a t i s t i k e n Mr. S k r o d z i s ueber Polen und s o l c h e r aus
westeuropaeischen Laendern, d i e von z u v e r l a e s s i g e n s t a t i s t i s c h e n D i e n s t s t e l l e n
zusammengetragen wurden, w e i s t eine g r o s s e U n t e r s c h i e d l i c h k e i t i n d e r Kaufkraft
d e r A r b e i t e r d i e s - und j e n s e i t s des E i s e r n e n Vorhangs auf«
E i n e r k u e r z l i c h i n den f r e i e n Laendern durchgefuehrten Erhebung zufolge
ueber d i e Kaufkraft fuer L e b e n s m i t t e l , gemessen an dem Stundenlohn e i n e s
A r b e i t e r s , s t e h e n A u s t r a l i e n und d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n an e r s t e r , bezw,
zweiter S t e l l e . Frankreich hat die vierzehnte S t e l l e i n d i e s e r Liste inne..
Und t r o t z d e m l i e g e n d i e V e r h a e l t n i s s e fuer den f r a n z o e s i s c h e n Durchs c h n i t t s a r b e i t e r weit b e s s e r a l s fuer den p o l n i s c h e n , wie d i e folgenden
V e r g l e i c h e beweisen!
Um zwei Pfund Schweineschmalz kaufen zu koennen, muss d e r f r a n z o e s i s c h e
A r b e i t e r zwei Stunden a r b e i t e n gegenueber s i e b e n S t u n d e n , d i e der p o l n i s c h e
A r b e i t e r zum Kauf d i e s e r Ware b e n o e t i g t ; fuer Margarine (2 Pfund) - i n
F r a n k r e i c h 2\ Stunden, i n Polen 6 S t u n d e n ; Zucker (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h
1 S t u n d e , i n Polen 3 Stunden; Kaffee (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h 4» i n Polen
22 Stunden; F i s c h (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h l£ S t u n d e , i n Polen 6£ S t u n d e n ;
Milch ( 1 L i t e r ) - i n F r a n k r e i c h 22 Minuten, i n Polen 5 0 Minuten; E i e r
( 1 Dutzend) - i n F r a n k r e i c h 1 Stunde und 45 Minuten und i n Polen 4 Stunden
und 45 Minuten«
ECA Labor I n f o r m a t i o n
3 0 . Januar 1950
WAS IST FALSCH AM TAFT-HARTLEY GSSETZ7
(Von Maurice J . Tobin, U3 A r b e i t s m i n i s t e r )
Anmerkung des Herausgebers 1 Der folgende A r t i k e l s t e l l t
e i n e Zusammenfassung der E r k l a e r u n g des US A r b e i t s m i n i s t e r s
Tobin d a r , d i e e r mit Bezug auf das T a f t - H a r t l e y Gesetz vor
dem Kongress abgegeben h a t . Er s o l l e i n e Beantwortung d e r
z a h l r e i c h e n Anfragen s e i n , i n denen man den M i n i s t e r um s e i n e
gegenwaertige Stellungnahme zu diesem Gesetz und d i e Eegruendung s e i n e r Meinung g e b e t e n h a t t e . Das T a f t - H a r t l e y - G e s e t z
b e d e u t e t e i n e s o w e s e n t l i c h e V e r s c h l e c h t e r u n g der a m e r i k a n i schen A r b e i t s g e s e t z g e b u n g , d a s s es nicht, nur e i n e n E n t r u e s t u n g a sturm i n n e r h a l b der amerikanischen A r b e i t e r s c h a f t h e r v o r r i e f ,
sondern p r a k t i s c h zur p o l i t i s c h e n M o b i l i s i e r u n g der f r u e h e r
p o l i t i s c h n e u t r a l e n Gewerkschaften f u e h r t e . S e i t der Verabschiedung des T a f t - H a r t l e y Gesetzes s i n d , d i e beiden amerikan i s c h e n Gewerkschaf tsbuende p o l i t i s c h a u s s e r o r d e n t l i c h a k t i v .
Wie i c h b e r e i t s vor dem Kongress e r k l a e r t h a b e , h a t das T a f t - H a r t l e y
Gesetz e i n e Einschraenkung des Rechtes d e r A r b e i t e r zur Folge g e h a b t , s i c h
zu o r g a n i s i e r e n und Kollektiv-Verhandlungen zu f u e h r e n . Das Gesetz war das
Ergebnis e i n e r a r b e i t e r f e i n d l i c h e n E i n s t e l l u n g und H y s t e r i e . I c h e r i n n e r e
an S e n a t o r Aiken, d e r am 12. Mai 1?47 v ° r dem S e n a t e r k l a e r t e t
•Es i s t e r s t a u n l i c h , deas M i t g l i e d e r des S e n a t s i h r e n Gleichmut bewahren
koenren und nach b e s t e u Gewissen fuer d i e s e s Gesetz stimmen, nur w e i l s i e
d e r i n t e n s i v s t e n , umfassendsten und b o e s a r t i g s t e n Propaganda a u s g e s e t z t waren,
mit der man je e i n e n Kongress b e e i n f l u s s t hat»
•Ich spreche n i c h t von dem Pxcpagandafeldzug der Gewerkschaften, obwohl
i c h auch davon n i c h t v i e l h a l t ? . Wt« i c h meine, i s t e i n e Propaganda, d i e wohl
M i l l i o n e n D o l l a r g e k o s t e t h a t . I c h w^ere n i c h t u e b e r r a s c h t , wenn s i c h d i e
Gesaiiitkosten fuer d i e s e Kampagne auf IOC M i l l i o n e n D o l l a r b e l i e f e n . Im

- 6 -

�Fruehjahr vorigen Jahres berichtete ich dem Senat, dass a l l e i n der Werbefeldzug
im Maerz, den der Nationale Fabrikantenverband gegen die Arbeiterschaft gefuehrt
hat, 2 Millionen Dollar kostete; und diese Behauptung hat man bis heute noch
nicht widerlegen koennen, obwohl seitdem ein Jahr verstrichen i s t . »
Das Taft-Hartley Gesetz muss vom Kongress widerrufen werden. "The Christian
Science Monitor« s t e l l t e in einem Leitartikel am 17. Januar 1949 f e s t i
"Seit der grossen Streikwelle und dem Entstehen des Taft-Hartley Gesetzes in
den Jahren 1946 und 1947 i s t v i e l Wasser ins Meer geflossen. Etliche, allgemeine
Mutmassungen haben sich nicht e r f u e l l t . Es duerfte inzwischen eigentlich klar
geworden sein, dass die grosse Masse der Arbeiter Amerikas wuenscht, Gewerkschaften
anzugehoeren und zwar aus eigenem, freien Entschiusa heraus; dass die Arbeiterschaft im allgemeinen ihren Fuehrern verschreibt, was s i e tun s o l l e n , und sie
unterstuetzt; und dass ferner die amerikanische Arbeiterschaft, mit ganz wenig
Ausnahmen, politische Streiks oder kommunistische Machenschaften ebenso wenig
liebt wie die Amerikaner im allgemeinen«
Wie wahr diese Feststellungen sind, beweisen die Ergebnisse der Arbeiterabstimmungen ueber das •union-shop" Svstem (nach diesem System verpflichtet
sich der Arbeitnehmer bei seiner Einstellung, der Gewerkschaft innerhalb einer
bestimmten Frist beizutreten), die von dem Bundeseusschuss fuer Arbeitsfragen
(National Labor Relations Board) nach Inkrafttreten des Taft-Hartley Gesetzes
durchgefuehrt wurden.
Dieses Gesetz hat Verwirrungen auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen der
Arbeiter zu den Gewerkschaften mit sich gebracht, es hat die Möglichkeiten
des Eollektiwerhandelns begrenzt, die Regierung unnoetigerweise mit Arbeitss t r e i t i g k e i t e n in Verbindung gebracht und die Hechte der Arbeiter beschnitten«
Zu den grundlegenden Fehlern des Gesetzes zaehlen folgendet
1« Das Verbot der WohlfahrtsVereinbarungen der Gewerkschaften, die sieh
s e i t mehr als hundert Jahren nutzbringend - sowohl fuer den Arbeiter als auch
fuer den Unternehmer - erwiesen haben.
2. Die besondere Betonung, die in dem Gesetz auf die Anwendung von Verordnungen gelegt wird, um Arbeitsstreitigkeiten beizulegen.
3*

Die Abtrennung des Bueros fuer Schlichtungswesen vom Arbeitsministerium.

4* Die unbesehrsenkten Vollmachten, mit denen das Gesetz den Obersten
Anwalt des Hundesaussehr3ses fuer Arbeitsfragen ausgestattet hat, und die ihn,
man koennte sagen, zu einem "Zaren der Arbeiterschaft" machen.
5* Die Bestimmung des Gesetzes, zahlreiche Wahlen durchzufuehren, die eine
staendig ungeklaerte Situation in den Wechselbeziehungen Arbeitnehmer-Arbeitgeber schaffen.
6. Diu Bezeichnung der friedlichen Streikposten als gesetzmaessig unzulaessig.
7»

Dan Verbot, Beitraege fuer die Gewerkschaft vom Lohn abzuziehen.

8. Die Verweigerung des Wahlrechts
lichen Streiks befinden.

fuer Leute, die sich in wirtschaft-

9» Das Recht der Arbeitgeber, Abstimmungen ueber BetriebsVertretungen
zu beantragen.
10.

Die den Stanken- und Wohlfahrtskassen auferlegten Einschraenkungen.

11. Die Moeglichkeit, die bundesstaatliche Gerichtsbarkeit aufzugeben,
wenn die staatlichen Gesetze den Wohlfahrtsvereinbarungen der Gewerkschaften
groessere Eies ehr Senkungen auferlegen.
- 7

�12. Das allgemeine Verbot politischer Zuwendungen und Ausgaben der
Gewerkschaften»
13»

Das Recht, Schadenersatzansprueche an die Gewerkschaften zu stellen.

14. Die unterschiedslose Aechtung aller mittelbarer Boykotts, ob sie
berechtigt sind oder nicht.
15» Die mandatmaessigen Verordnungen, die im Falle gewisser unfairer
Methoden der Gewerkschaften erlassen werden koennen.
16. Die eingehenden, nicht zu umgehenden Untersuchungsverfahren, einschliesslich einer Wartezeit von 80 Tagen, die bei dringenden Streitfällen
durch Verordnung auferlegt werden; dazu das Verbot, Untersuchungsausschuesse
hinzuziehen» die den Parteien helfen koennten, solche Streitigkeiten beizulegen.
In einem Leitartikel der "Business Week" vom 18. Dezember hiess est
"•Der grosse Fehler des Taft-Hartley Gesetzes ist, dass es zu weit ging. Es
hat den Charakter eines Gesetzes verloren, das fuer sich beansprucht, nur zu ordne
und nicht zu zerstoeren.
-

"Bei einer Arbeitslosigkeit mehrerer Millionen und einer Regierung in
Washington, die nicht fuer die Gewerkschaften eingestellt war* kann man sich
vorstellen, dass dieses Gesetz die Gewerkschaftsbewegung haette zugrunde richten
koennen.
•Die folgenden Bestimmungen des Taft-Hartley Gesetzes waren dazu angetan,
diese Zerstoerung zu bewerkstelligen! (1) durch Verordnungen kann es verhindert
werden, Streikposten zu stellen; (2) die Arbeitnehmer koennen eine Abstimmung
fuer oder gegen Kollektiwerhandlungen verlangen; (3) Streikenden kann das Wahlrecht abgesprochen werden - damit zaehlen nur die Stimmen der NichtStreikenden;
und wenn (k) die Wahlen zuungunsten der Gewerkschaft ausfallen, muss die Regierung dieses Ergebnis fuer gueltig und gesetzlich erklaeren.
"Sobald ein Reservoir an ueberzaehligen Arbeitskraeften besteht, mit denen
ein Arbeitgeber die Streikenden zumindest symbolisch ersetzen kann, koennen diese
vier Bestimmungen, zusammen angewendet, vermutlich eine Gewerkschaft zugrunde
richten.
"Indem das Gesetz soweit geht, macht es sich selber wertlos."
Das Taft-Hartley Gesetz ist auch aus einem anderen Grunde unwirksam. Man
versuchte damit, Millionen von Arbeitern Verhaltungsmassregeln aufzuzwingen, mit
denen sie und Millionen ihrer amerikanischen MLtbuerger nicht einverstanden sind.
Man liess ausser acht, dass die Arbeiter die ueberwaeltigende Mehrheit unseres
Volkes ausmachen und das Rueckgrat der Nation darstellen. Die erdrueckende
Mehrheit von 15 Millionen organisierter Arbeiter der Vereinigten Staaten wendet
sich mit Entschiedenheit gegen das Taft-Hartley Gesetz. Ihre Auffassungen und
Beduerfnisse koennen nicht einfach uebergangen werden. Wie Abraham Lincoln
sagtet "Alles, was fuer die Arbeiterschaft von Nutzen ist, dient der gesamten
Nation» Alles, was der Arbeiterschaft zum Nachteil gedeiht, ist Verrat» Zwischen
diesen beiden ist kein Kompromiss moeglich,»
Das Taft-Hartley Gesetz stellt eine ungesunde und zersetzende Macht dar»
Die Aufhebung des Gesetzes wuerde die guten Beziehungen zwischen Arbeitern und
Unternehmern foerdern»
Labor Press Service
U.S» Department of Labor
Woche des 12. Dezember 1949

- 8 -

�SAMUEL GOMPIRS' LEBHCGlSCrllCIirE
Wie nur wonigen Maennern war es Samuel Gompers v e r g o e n n t , zu e i n e r
h i s t o r i s c h e n Z e i t e i n e r Armee von Menschen auf e i n e r bedeutsamen S t r a s s e
a l s leuchtendes B e i s p i e l v o r a n z u s c h r e i t e n . S e i n Banner wird nun von acht
M i l l i o n e n Arbeitern g e t r a g e n und z i e h t d i e Blicke der gesamten Welt auf s i c h .
So s i s h t , kurz zusammengefasst, s e i n e Lebensgeschichte aust
Samuel Gompers e r b l i c k t e an 27 # Januar I850 im Londoner Osten das Licht
der Welt. Er war der Sohn des Solomon und d e r Sarah (Rood) Gompers, d i e
beide aus Holland stammten. Seine E l t e r n und deren Vorfahren waren A r b e i t e r .
Nach e i n e r S c h u l a u s b i l d u n g von nur v i e r Jahren war Samuel im A l t e r von
10 Jahren b e r e i t s gezwungen, d i e Buerden s e i n e r Familie t r a g e n zu h e l f e n . Er
e r l e r n t e d a s Schuhmacherhandwerk, ohne jedoch G e f a l l e n an diesem Beruf zu
f i n d e n . So wandte e r s i c h dem Handwerk s e i n e s Vaters zu und wurde Z i g a r r e n raacher.
Üfl Gompers 13 Jahre a l t war, wanderte s e i n e Familie nach Amerika a u s .
Nachdem der junge Mann das Zigarrenmacherhandwerk u n t e r d e r Leitung s e i n e s
Vaters e r l e r n t h a t t e , wurde e r G e s e l l e und t r a t i n d i e e n g l i s h s p r e c h e n d e
ZigarrenmachTgewerkschaft d e r S t a d t New York, d i e ehemalige Lokalge werkschaft
Nr. 1 5 , e i n .
Z u e r s t s t a r k von d e r menschenfreundlichen Arbeit d e r W o h l f a h r t s v e r e i n i gungen angezogen, widmete s i c h d e r junge Gompers den guten Werken d e r Logeng e s e l l s c h a f t e n . Als e r jedoch d i e k o n s t r u k t i v e n Moeglichkeiten erkannt h a t t e ,
d i e ihm d i e Gewerkschaft boten* s t e l l t e e r a l l s e i n e n E i f e r und s e i n e F a e h i g k e i t e n i n den Dienst d e r Gewerkschaftsbewegung. Z u e r s t wurde e r Fuehrer e i n e r
Lokalgöwerkschaft und s p i e l t e dann i n a l l e n A r b e i t s a n g e l e g e n h e i t e n d e r S t a d t
New York e i n e massgebliche R o l l e .
Er a r b e i t e t e s i c h i n s e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n B e r u f s o r g a n i s a t i o n , der
I n t e r n a t i o n a l e n Zigarrenmachergewerkschaft, empor und erwarb s i c h einen Ruf
und e i n Ansehen, d i e es ihm e r m o e g l i c h t e n , an den allgemeinen Bemuehungen
zur Gruendung e i n e s n a t i o n a l e n Gewerkschaftsbundes im Jahre 1881 m i t z u a r b e i t e n .
Er b e t a e t i g t e s i c h a k t i v i n d i e s e r O r g a n i s a t i o n , war 3 Jahre P r a e s i d e n t und
2 Jahre Mitglied des gesetzgebenden Ausschusses. Nach d e r Verschmelzung des
a l t e n Bundes mit neuen Gewerkschaften, d i e den Namen American F e d e r a t i o n of
Labor t r u g e n , war e r s t a e n d i g , mit Ausnahme des J a h r e s 1895• d e r e n P r a e s i d e n t ,
Samuel Gompers a r b e i t e t e b i s zum A l t e r von 37 J a h r e n . a l s Zigarrenmachor.
A l l s e i n e F r e i z e i t widmete e r d e r o r g a n i s a t o r i s c h e n Arbeit und o p f e r t e sogar
d i e wenigen Stunden s e i n e s F a m i l i e n l e b e n s , d i e den Arbeitern der damaligen
Z e i t zur Verfuegung s t a n d e n . Er s t a n d v i e l e Jahre an der S p i t z e s e i n e r
i n t e r n a t i o n a l e n Gewerkschaft. T r o t z z a h l r e i c h e r G e l e g e n h e i t e n , p o l i t i s c h e
P o s i t i o n e n zu b e k l e i d e n und s i c h an unternehmen zu b e t e i l i g e n , d i e ihn e i n e n
r e i c h e n Kann gemacht h a e t t e n , h i e l t Gompers an seinem I d e a l f e s t , das d a r i n
b e s t a n d , das Leben des A r b e i t e r s zu v e r b e s s e r n .
»
1886' wurde er zum e i n z i g e n , dauernd a n g e s t e l l t e n V e r t r e t e r des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL b e s t e l l t . Von d i e s e r Z e i t an war er unentwegt
damit b e s c h a e f t i g t , d i e Entwicklung e i n e r w i r t s c h a f t l i c h e n Arbeiterbewegung
zu f o e r d e r n . Unter s e i n e r z i e l b e w u s s t e n , k o n s t r u k t i v e n Fuehrung wurden wirkl i c h e Erfolge e r z i e l t .
Er e r k a n n t e , d a s s d i e w i r t s c h a f t l i c h e O r g a n i s a t i o n a l l e n E r f o r d e r n ! ä s e n
d e r Gewerkschaft g e r e c h t werden k o e n n t e , und b e f ü r w o r t e t e d e s h a l b d i e Mobil i s i e r u n g der w i r t s c h a f t l i c h e n Kraefte d e r a r b e i t e n d e n Klasse auf p o l i t i s c h
n e u t r a l e r B a s i s . Als Fuehrer e i n e r a g g r e s s i v e n , p o l i t i s c h n e u t r a l e n A r b e i t e r bewegung b r a c h t e e r im Jahre 1906 b e i den z u s t a e n d i g e n p o l i t i s c h e n Fuehrerns e i n e Beschwerden i n Form e i n e s Antrages v o r .
Diese P o l i t i k wurde mit zunehmendem E r f o l g w e i t e r g e f u e h r t , und d e r
Kongress e r l i e s s w e s e n t l i c h e A r b e i t s g e s e t z e .

- 9 -

�Samuel Campers ist es hauptsaechlich zu verdanken, wenn dieses grundlegende Prinzip gesetzlich verankert wurde, das besagt, dass die menschliche
Arbeit keine verkaeufliehe Ware ist.
Erfahrungsgemaess und aus Sympathie war Samuel Gompers Pazifist. Als im
Jahre 1916 jedoch die Moeglichkeit eines Krieges auftauchte, war er mit einer
der ersten, die ihrem Lande ihre volle Unterstuetzung versprachen, und zwar
tat er dies in seinem eigenen Namen und im Namen der Organisation, deren Fuc-hrer
er war.
Seinem Einfluss und seiner Entschlossenheit war es grösstenteils zu verdanken, dass die Arbeiterbewegung ungeschwaecht blieb trotz geschickter und
verlockender Propaganda, die den Alliierten haette verderblich werden koennen.
Die Arbeiterschaft stand hinter der Regierung, und unter der Fuehrung von
Samuel Gompers gab sie ihr Bestes zum Wohle der Demokratie. Unter Einsatz
«eines eigenen Lebens unternahm er waehrend des Kriege* mehrere Seereisen,
um in einer gefahrlichen Stunde die Arbeiter der alliierten Laender zusamnenschliessen zu helfen*
Er wurde von Praesident Wilson zum Mitglied der Kommission fuer Internationale Arbeitsgesetzgebung bei der Friedenskonferenz in Versailles ernannt«
Auf der ersten Tagung der Kommission wurde er einstimmig zum Praesidenten gewaehlt« Die Kommission entwarf die im Friedensvertrag festgelegte Charta fuer
Arbeitsangelegenheiten, die den Arbeitern aller Laender gleiche Möglichkeiten
fuer bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen garantierte.
Im ersten Nachkriegsjähr half Gompers tatkraeftig mit, die Zeit der Arbeitslosigkeit und Unruhen zu ueberwinden, die ohne seine Unterstuetzung von aufkeimenden revolutionaeren Ideen gefaehrdet worden waere, die zu jener Zeit die
ganze Welt bedrohten.
Es gelang ihm, die Moral innerhalb seiner Organisation aufrechtzuerhalten
und alle Anschlaege abzuwehren, die dazu bestimmt waren, die Gewerkschaftsbewegung im Verlaufe ihrer Neuordnung zu zerschlagen. Mit besonderem Interesse
setzte er sich fuer eine Stabilisierung der Produktion ein, um somit den Arbeitern der ganzen Welt einen hoeheren Lebensstandard ermoeglichen zu koennen.
Die internationalen Demonstrationen in El Paso, Juarez und Mexiko City,
die die ganze Welt aufhorchen Hessen, stellten eine Vollendung hoechsten Grades
der Plaene und Taetigkeiten Gompers dar, die sich ueber viele Jahre erstreckt
hatten. Er half, einen mexikanischen Gewerkschaftsbund zu bilden und wohnte
den Feierlichkeiten bei der ersten konstitutionellen Amtsuebernahme durch einen
Praesidenten beij und dieser Praesident war von den Arbeitern Mexikos gewaehlt
worden.
Als Gompers am 13. Dezember 1924 starb, wurde er mitten aus seiner Arbeit
herausgerissen. Er war gerade einstimmig zum Praesidenten des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL .und des Panamerikanischen Gewerkschaftsbundes, dessen
Gruender ,er gewesen war, wiedergewaehlt worden. Seine letzten Worte galten
der Republik, die ihm so sehr ans Herz gewachsen wari
•

"Gott segne unseren amerikanischen S t a a t .
zu g r o e s s e r e r Vollkommenheit e n t w i c k e l n . »

Moege e r s i c h von Tag zu Tag

•American F e d e r a t i o n of Labor"
Weekly News S e r v i c e
3 . Januar 1950
EINE NORWEGISCHE PRODUKTIVST teTS-TEAM BESUCHT AMERIKA
Norwegen h o f f t , durch g r o e s s e r e i n d u s t r i e l l e L e : s t u n g s f a e h i g k e i t und g e s t e i g e r t e P r o d u k t i o n s l e i s t u n g den h e r r s c h e n d e n Mangel an A r b e i t s k r a e f t e n beheben
zu koennen. Zu diesem Zweck b e r e i t e t man s i c h nun darauf v o r , e i n aus 14 Techn i k e r n . A r b e i t e r v o r g e s e t z t e n und A r b e i t e r n bestehendes Team nach den V e r e i n i g t e n
S t a a t e n zu s c h i c k e n , um d o r t 6 Wochen l a n g Arbf itsmethoden i n Maschinenwerk-^a-,. t t e r
zu s t u d i e r e n «
- 10 -

�Dieaer vt.n der Marahall-Plan-Verwaltung im Rahmen dea Programms zur
Techniachen Unterstuetzung ermceglichte Beauch wird am 8. Februar beginnen.
Die Mitglieder der Abordnung gehoeren der Schiffabau- oder stahlerzeugenden
Induatrie Norwegena an.
Die Studien werden sich auf amerikanische Methoden zur Schaffung besserer
Arbeitsbedingungen und auf verbesserte Betriebsleitungsmethoden in Maschinenwerkataetten konzentrieren» Ala die Arbeiterregierung Norwegens um die Genehmigung dieaea Frojektea erauchte, wiea aie darauf hin, daaa ihre Bemuehungen
zur Steigerung der allgemeinen Produktionsleistung Hand in Hand gingen mit dem
Bestreben, die Leiatungafaebigkeit jedes einzelnen Arbeiters zu erhoehen, und
daaa man hoffe, mit dieaer grcesaeren Leistungsfaehigkeit den besorgniserregenden Mangel an Arbeitakraeften beseitigen zu koennen.
Bevor die Delegation Norwegen verlaesst, aehen aich die einzelnen Mitglieder
in zahlreichen norwegischen Betrieben um, um die in ihrem Lande angewendeten
Methoden mit denen Amerikas vergleichen zu koennen. Die Delegierten wurden
auaaerdem ueber die Verhaeltniaae in den entsprechenden Industriezweigen in
Kenntnis gesetzt und in Methoden unterrichtet, die ea ihnen in wirksemer
Weise ermceglichen aollen, den Arbeitern und Unternehmern nach Beendigung
ihrer Reise die Brgebniaae ihrer Studien mitzuteilen»
3CA Labor Information
27. Januar 1950

HOHER WARENVEKPRATUH IN AMERIKA.
"Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten funktioniert am besten, wenn
die Geschaeftaleute die Preise ihrer Produkte niedrig halten, um dadurch
den Verbrauch zu steigern," erklaerte der amerikanische Handelsminister
Charlea Sawyer in einer Ansprache, die er unlaengst vor einer Konvention von
GeschaeftBleuten in Atlantic City, N.J., gehalten hat.
Durch die Erhoehung der Lcehne und die Senkung der Preiae in den Vereinigten
Staaten im Jahre 1949 f &gt;r dieaea Jahr daa beate, das der Durchachnittaverbraucher
in der Wirtschaftsgeschichte Amerikas je erlebt hat, versicherte der Handelsminister. Bei niedrigen Preiaen und hoeherem Verbrauch waere ea den Verbrauchern
moeglich gewesen, mit weniger Arbeit mehr Waren und Dienatleistungen kaufen zu
koennen»
Mr. Sawyer berichtete, dasa das allgemeine Preisniveau de8 Jahrea 1949
gegenueber dem vorangehenden Jehr gesunken sei, was den Wert des Dollars
fuer die Millionen amerikanischer Kaeufer erhoeht haette. Er fuegte hinzu»
•Viel neue und verbesserte Erzeugnisse fanden zum ersten Mal den Weg zum
Merkt. Sa bestand eine weit groeaserc Auswahl an Typen und Q,ualitaeten ala
je zuvor.»
An Hand von Zahlen zeigte er, dass im Laufe der letzten zehn Jahre der
Durchschnittsverbrauch zahlreicher Waren gestiegen ist und schloss mit den
""orten 1 "Diese Art von Fortachritt ist fuer den Verbraucher von grosser
Bedeutung."
ECA Labor Information
1. Februar 1950

GRCESSERS SICHERHEIT DER ARBEITER IN ENGLAND QEFCRDERT.
"Sicherheit der Arbeit fuehrt zu groesserer Produktionsleistung," erklaerte
G.P. Barnett, der Chef der Inapektionsabteiiung, die in den Fabriken "nglanda
Untersuchungen anateilt, in eine« kuerzlich erschienenen Bericht ueber die
Sicherheitsverhaeltniaaa in den Betrieben Englands. Jer Bericht zeigt, dasa
die Zahl der Eetriabaunfaelle in dem Jahr, waehrend dessen die Untersuchungen
durohgefuehrt wurden, um 2CCC gesunken ist.

- 11 -

�T

r . B a r n e t t w i d e r l e g t e d i e Behauptungi dass " d i e Beachtung d e r S i c h e r h e i t s m a s s r e g e l n von d e r e i g e n t l i c h e n Produktion a b l e n k t . "
"Angesichts d e r
U n f a l l s t a t i s t i k i s t d i e s e Behauptung v o e l l i g unbegruendot," s a g t e e r .
"Abgesehen
von derr Verlust an A r b e i t s k r a e f t e n durch I L f a e l l e , hat man f e s t g e s t e l l t , dass
g r o e s s e r e Beachtung s i c h e r e r Arbeitsmetti öden zu w i r k s t r e r Produktion f u e h r t , "
B©r I n s p e k t o r b e r i c h t e t e ! dass nennenswerte F o r t s c h r i t t e gemacht werden
s e i e n , indem d i e Zahl d e r B e t r i e b s u n f a e l l e zurueckgegangen und b e s s e r e S i c i i e r heitsmaesnahmen f u s r d i e A r b e i t e r g e t r o f f e n worden s e i e n . Er wies jedoch
darauf h i n , dass noch v i e l g e t a n werden muesse, um i n den e n g l i s c h e n F a b r i k e n
einen hohen Grad an S i c h e r h e i t und S a u b e r k e i t zu e r r e i c h e n . .Maschinen v e r u r s a c h t e n noch z a h l r e i c h e U n f a e l l e .
Xm Baugewerbe e r e i g n e t e n s i c h noch zu v i e l U n f a e l l e , w e i l s i c h die A r b e i t e r
unnoetigen Gefahren a i s s e t z t e n , f u e h r t e Mr. Barnett w e i t e r a u s . Er s c h l u g v o r ,
die A r b e i t e n im Baugewerbe b e s s e r zu ueberwachen und die A r b e i t e r davon zu
ueberzeugen, dass die Sicherheitsbestimmungen ihnen p e r s o e n l i c h zugute kommen...
Deshalb s e i es unumgaenglieh, dass s i e n i t h e l f e n wuerden, s o l c h e Massnahmen
einzufuehren und s i e zu befolgen.
Der I n s p e k t o r b e r i c h t e t e , di.ss man z a h l r e i c h e Firmen ueberzeugt oder g e zwungen h a e t t e , ungeeignete oder g e f a e h r l i c h e Fabrikgebaeude zu raeumen, und
dass man i n den m e i s t e n F a e l l e n andere Unternehmer g e h i n d e r t h a e t t e , d i e s e
Gebaeude wieder zu b e z i e h e n . Ausserdem s e i e n v i e l e Fabriken neu a n g e s t r i c h e n
und i h r e B e l e u c h t u n g s e i n r i c h t u n g e n v e r b e s s e r t worden. Er b e z e i c h n e t e zu
g r e l l e s L i c h t oder mangelhafte Beleuchtung a l s d i e h a e u f i g s t e n Misstaende, d i e
r a n noch i n v i e l e n W e r k s t a e t t e n a n t r e f f e n koenne«
EGA Labor I n f o r m a t i o n ,
27. Januar 1%0.
- 12 -

Office of Labor
HIC0O, APO 757

Affair,

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Press« und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weiter* Exemplare können kostenlos bei
.
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission f&amp;r Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

11-50

Frankfurt, 17« Februar 1950
IWH A LT 3 V ERZ E I C HN I S

Marshall Plan Komitee fuer Berlin

. . . . . . . g

Praesldent Trumans neues Wohnungsbauprogramm

Schwedischer Aufruf zum Exportieren

- - - 2

- - - - - - - - 3

Zempel und Werts In fuehrenden Positionen des
Bueros fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten - 5
Ein Interessanter Briefwechsel . . . . . . . . .

.6

AFI fuer Solldarltaet der Arbeiterschaft der
ganzen Welt - - - -

— . - - . . - . . - - - - -

Unabhaengigkelt der Arbeltsrichter gefordert

- 1 -

-u

- - -18

�MARSHALL PLAN KOMITEE FUER BERLIN
(Berlin, 12. Januar 1950) - Howard P. Jones, Direktor der
Wirtschaftsabteilung Im Amt der Hohen Kommission In Berlin und
Generalvertreter der Marshall Plan Verwaltung In Berlin, gab
heute bekannt, dass ein Berliner Beratungsausschuss fuer den
Marshall Plan gebildet wurde, der sich aus 12 Mitgliedern zusammensetzt«
Die zwei wichtigsten Aufgaben dieses Komitees werden sein:
(1) Ein Programm fuer langfristige Kapitalinvestierungen
fuer Berlin zu entwerfen, das die Stadt in das gesamteuropaeische
Marshall Hilfsprogramm einbeziehen soll.
(2) Den amerikanischen Oberkommandierenden In Berlin, Generalmajor D. Taylor, und Mr. Jones beratend zur Seite zu stehen«
Das Komitee setzt sich aus Vertretungen der verschiedenen,
mit der Marshall Hilfe in Verbindung stehenden Gruppen Berlins
zusammen, das helsst, Vertretern der Gross- und Klein-Industrie,
des Handels, der Arbeiter und Unternehmer, der Banken und Finanzaemter und des Magistrats.
In Kuerze wird eine Konferenz stattfinden, bei der der Vorsitzende aus den Reihen des Komitees gewaehlt und die organisatorische Arbeit zur Durchfuehrung der gestellten Aufgaben erledigt
wird. Die Bildung eines solchen Komitees .war noetig, weil der
Stadt bereits insgesamt 150 Millionen D-Mark zur Verfuegung gestellt worden sind (95 Millionen aus ECA Gegenwertfonds und 55
Millionen fuer das Westberliner Elektrizitaetswerk, und well im
Fruehjahr weitere Geldmittel angefordert werden muessen«
Die Mitglieder des Komitees sind: Stadtrat Dr. Klingelhoefer,.Wirtschaftsabteilung des Berliner Magistrats; Dr. Paul
Hertz, Magistratsdirektor im Berliner Magistrat; Herr Otto Busack,
Wirtschaftsabteilung des Berliner Magistrats; Dr. Friedrich Ernst,
Vorsitzender des Vorstandes der Berliner Zentralbank; Dr. Franz
Seume, Vizepraesident der Berliner Zentralbank; Direktor Georg
Leipersberger, Siemens-Schuckertwerke A.G.; Direktor Friedrich
Spennrath, AEG; Herr Heinrich Walter, Typograph G.m.b.H.; Herr
Walter Cobler, Turhonwerke; Herr Henneberg, Elektromeister;
Herr Erwin Combe, Obermeister; Herr Heinrich Vockel; Herr Ernst
Scharnowski, UGO; Herr Hans Lips, UGO und Herr Heinrich Galle.
PRAESIDENT TRUMANS NEUES WOHNUNGSBAUPROGRAMM
Das neue, von Praesldent Truman zur Bewilligung eingereichte
Wohnungsbauprogramm scheint im Kongress grossen Anklang gefunden
zu haben.
Die Antraege wurden von Maybank, einem Konservativen aus
Sued-Karolina, und von Spence, einem fortschrittlichen Demokraten
aus Kentucky, dem Senat bzw. dem Repraesentantenhaus vorgelegt«
Man will damit Familien der mittleren Einkommensgruppen ermoeglichen, mit Unters tuet zung von Genossenschaften in den Besitz
anstaendiger Wohnungen zu erschwinglichen Preisen zu kommen«
Diese Familien befanden sich hinsichtlich ihrer Wohnungsmoegllchkeiten bisher in einer Art "Niemandsland"• Ihre Einkommen waren naemlich nicht niedrig genug, um in den Genuss aus
oeffentlichen Mitteln finanzierter Wohnungsmoeglichkeiten bisher
in einer Art "Niemandsland"• Ihre Einkommen waren naemlich nicht
niedrig genug, um in den Genuss aus oeffentlichen Mitteln finanzierter Wohnungen kommen zu koennen; andererseits war es ihnen
mfSfeSeJd2rnzS°k13f5n!i,tn • * * " 0 « « l l c h . *°d«ne Wohnungen zu
- 2 -

�Der Amerikanische Gewerkt haftsbund AFL bezeichnet das neue
Programm als Loesung der ungeklaerten Lage, In der sich diese
Familien befanden, und befuerwortet es unbedingt. Dieser bedeutende
Gewerte chaftsbund hat schon seit einiger Zelt auf die Notwendigkeit
hingewiesen, derartige Genossenschaften zu gruenden.
Praesldent William Green erklaerte hierzu: "Durch langfristige
Kredite mit niedrigen Zinssaetzen, wie sie in dieser Gesetzesvorlage vorgesehen sind, wird es Arbeitern, Veteranen und anderen
Familien mit mittleren Einkommen moeglich sein, sich bei monatlichen
Zinszahlungen oder Mieten von 50 bis 60 Dollar Wohnheime zu bauen
oder neue Wohnungen zu mieten."
Er hob besonders hervor, dass es zur Durchfuehrung des Programms
keinerlei finanzieller Unterstuetzung seitens der Regierung bedarf.
Der Senator John J. Sparkman, Alabama, und das Kongressmitglied Spence, die sich Im Kampf um das Recht auf anstaendige Wohnungen besonders hervorgetan haben, hatten urspruenglich staatliche
Darlehen fuer die Wohnungsbaugenossenschaften vorgeschlagen. Nach
dem neuen Programm sollen die Darlehen von einer buhdesstaatlichen
Gesellschaft ausgegeben werden, die gemeinsames Eigentum der Regierung und der Wohnungsbaugenossenschaften ist und von beiden
gemeinsam verwaltet wird.
Gewerkschaftsmitglieder und all anderen, die Wohnungen benoetigen, sollen sich zusammenschliessen und Genossenschaften bilden«
Die dazu notwendige technische Unterstuet zung sowie die Planung des
Wohnungsbaus werden von der Finanzverwaltung fuer Haus und Wohnungsbau uebernommen.
Natuerlich wird jedes Mitglied eine bestimmte Anfangssumme
in geringer Hoehe zu entrichten haben, um "die Sache ins Rollen zu
bringen." Dann wird die Genossenschaft bei der "Nationalen Hypothekenbank fuer Wohnungsbaugenossenschaften" (National Mortgage Corporation for Houslng Cooperatives) eine Anleihe beantragen. Nach
deren Bewilligung koennten Bauplaetze gekauft und mit dem Bau begonnen werden.
"Ich halte dies fuer eine Idealloesung", erklaerte Senator
Sparkman. "Menschen wuerden in den Besitz guter Wohnungen kommen,
die sie zur Zeit am dringendsten benoetigen.
"Die Bereinigung von Elendsvierteln und oeffentlicher Wohnungsbau fuer Familien der niedrigen Einkommensgrüppen sind bereits gesetzlich geregelt worden. Fuer die Wohlhabenden ist diese Frage
natuerlich auch geloest.
"Wenn dieses Programm verwirklicht wird, koennen wir zum erstenmal in der Geschichte Amerikas mit gutem Gewissen behaupten, dass
die Wohnungsfrage zur Zufriedenheit aller bei uns geloest ist."
•LABOR"
14. Januar 1950
SCHWEDISCHER AUFRUF ZUM EXPORTIEREN
Die schwedischen Gewerkschaften und ihre Presse setzten sich
zusammen mit der dortigen Arbeiterregirung in einer umfassenden
Kampagne fuer eine Steigerung des Exports nach den Dollargebieten
ein. Sie haben an der Planung und Veroeffentlichung dieses nationalen Programms groessten Anteil.
Die schwedischen Exporte im Jahre 1949 lagen bereits um 14g
hoeher als 1948. Die schwedische Regierung hat in dieser neuen
Kampagne nun alles daran gesetzt, die Exportziffern noch wesentlich
zu erhoehen.

�"Der Fortschritt, den wir erzielen konnten, Ist grösstenteils
dem Marshall Plan zu verdanken,• sagte Premierminister Tage Erlander
kuerzllch in einer Rede, in der er den Zweck dieser Propagandakampagne auseinanderlegte. Er wies darauf hin, dass der hohe Lebensstandard Schwedens zum grossen Teil auf den Aussenhandel und die
damit verbundenen Auftraege zurueckzufuehren sei, und erklaerte:
"Ein freierer Aussenhandel wuerde zu einer Verringerung der Produktionskosten und zu niedrigeren Preisen fuehren."
Schweden befuerwortete den Marshall Plan, da er als ein Mittel
zu werten sei, das den freieren Handel unter den Nationen erleichtert." Wir sahen in den Ziehungsrechten eine Moeglichkeit, den
Handel In natürlichere Bahnen zu lenken."
Alle Hoffnungen Schwedens seien Jedoch nicht erfuellt worden,
fuhr der Regierungssprecher fort. Er beanstandete folgendes: "Wenn
auch der Marshall Plan von grossem Wert fuer Europa ist, so darf
doch nicht vergessen werden, dass Handelsbeschraenkungen und das
System der gegenseitigen HandelsVereinbarungen seit Beginn des Marshall
Planes kaum vermindert wurden." Er drueckte seine Genugtuung darueber
aus, dass sich die Marshall Plan Beamten mit dieser Situation nicht
zufrieden gegeben haetten, sondern daran gegangen seien, den freieren Handel durch Anregung des Exports zu ermoegllchen.
Die wichtigsten Projekte der gegenwaertigen Exportkampagne
Schwedens sind folgende: (1) die Teilnahme an einer Exportausstellung, die die Marshall Plan Laender durch Vermittlung ihrer gemeinsamen Organisation fuer Europaelsche Wirtschaftliche Zusammenarbeit
(OEEC) im August in Chikago planen; (2) ein nationaler Propagandafeldzug, um die Oeffentlichkeit mit dem Exportproblem vertraut zu
machen und alle Schichten der Bevoelkerung davon zu ueberzeugen, dass
es, vom wirtschaftlichen Standpunkt gesehen, wesentlich ist, sich
im ganzen Land auf die Produktion von Exportwaren zu konzentrieren;
und (3) hat die schwedische Regierung zur Steigerung des Exports
besondere Belohnungen fuer die Geschaeftsleute vorgesehen, die zur
Exportsteigerung beitragen. Dazu gehoeren: Dollar-Importlizenzen,
die 25%. des Ertrages ihrer in den Vereinigten Staaten verkauften
Waren entsprechen; die Genehmigung von Vorrechten; und die Bewilligung von Bauvorhaben und Zuteilung von Material.
Die Gewerkschaften und die Gewerkschaftspresse unterstuetzen
diese Projekte ausnahmslos und beteiligen sich an deren Planung
und Durchfuehrung. Der Hauptzweck der Exportmesse besteht darin,
den Dollarabnehmern der Vereinigten Staaten Waren zu zeigen, die
die europaeischen Nationen anzubieten haben; sie hoffen damit, den
Exporthandel fuer Europa zu foerdern und den Mangel an Dollars reduzieren zu helfen.
Zwei prominente schwedische Gewerkschaftsfunktlonaere sind
Mitglieder eines von der Regierung gegruendeten Komitees, das
Schwedens Beteiligung an dieser Messe vorbereiten und organisieren
soll und Moeglichkelten, sich an weiteren amerikanischen Messen zu
beteiligen, in Erwaegung zieht. Knut Larsson, Praesldent der schwedischen Holzindustriearbeiter Gewerkschaft, und Helga Johansson,
Finanzsekretaerin der Gewerkschaft der Zivilangestellten, gehoeren
zu dem Komitee, das sich aus 22 Mitgliedern, der Regierung, Industrie
und des Handels zusammensetzt. Mr. Larsson gehoert ausserdem zu dem
sechs Mitglieder zaehlenden Arbeitsausschuss fuer die Ausstellung der
OEEC, und Larsson sowie Johansson sind bereits frueher in den Vereinigten Staaten gewesen. '

Inzwischen hat es sich ein anderes, wichtiges Komitee, in dem
die Gewerkschaften vertreten sind, naemlich das Wirtschafts-Informations-Komitee, zur Aufgabe gemacht, die inlaendische Propagandakampagne zur Steigerung des Exports einzuleiten. In diesem Komitee
arbeiten Vertreter der Regierung und des Unternehmerverbandes mit
zwei der groessten Gewerkschaftsorganisationen Schwedens, dem Schwedischen Gewerkschaftsbund und der Zentralgewerkschaft der AnÄe«t«»nt«n
zusammen.
* W "* W I fc»»*»i
4 -

�Dieses Komitee widmet seine Arbeit der Verwirklichung der
Ziele des Marshall Planes und bedient sich in Verbindung mit der
Exportkampagne aller ihm zur Verfuegung stehender Mittel zur Informierung der Oeffentllchkeit. Vier Filme sind von diesem Gremium
produziert worden. Zwei davon, "Die Wahrheit ueber Johansson" und
"Warum ist es falsch, montags nicht zu arbeiten?" behandeln das
Thema Fernbleiben von der Arbeit. "Wo sind die Haende?" stellt in
erzaehlender Form dar, wie wichtig es ist, einen Beruf zu erlernen
und nicht fortwaehrend die Beschaeftigung zu wechseln. Diese drei
Filme werden in oeffentlichen Lichtspielhaeusern und bei Tagungen
von Gewerkschaften und genossenschaftlichen, politischen und Erziehungs-Organisationen vorgefuehrt.
Der vierte Film, mit dem Titel "Gruppenarbeit", zeigt, wie die
Arbeiter an der Verbesserung der Produktionsverfahren Anteil und
Nutzen haben koennen, und soll nur vor Arbeitergruppen vorgefuehrt
werden.
Das Informations-Komitee hat eine Broschuere ueber die wirtschaftliche Vereinigung veroeffentlicht. Sie traegt den Titel
"Wir ziehen alle am gleichen Strang" und ist reich illustriert.
Die Gewerkschaftspresse hat den gesamten Inhalt der Broschuere
gedruckt und als Zeitungsbeilage veroeffentlicht. Mit saemtlichen
Gewerkschaftszeitungen und den allgemeinen Arbeiterzeitungen, die
diese Beilage fuehrten, gelangte sie in den Besitz von 1.550,000
Gewerkschaftern Schwedens. 20.000 Unternehmer erhielten ebenfalls
Kopien.
Das Komitee hat vier eindrucksvolle Plakate entworfen, die
die Notwendigkeit der gesamtnationalen Zusammenarbeit zum Wiederaufbau dramatisieren. 35.000 Kopien eines Jeden Plakates sind zur
Verteilung gelangt. Mit Zeitungsreklamen, Illustrierten, Broschueren
und vielen anderen Mitteln hat man diese Propaganda aktiviert.
Zum Informations-Komitee gehoeren: als Vorsitzender Sven Anderson, Minister ohne Portefeuille, Folke Allard und Rudolph Meldner
vom Schwedischen Gewejrkschaftsbund und T. E. Bergstrom, Angestelltengewerkschaft.
EGA Labor Information
ZEMPEL UND WERTS IN FUEHRENDEN POSITIONEN DES BUEROS FUER
INTERNATIONALE ARBEITSANGELEGENHEITEN
Arbeltsminister Maurice J. Tobin gab heute bekannt, dass zwei
Schluesseisteilungen in der Abteilung fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten im U. S. Arbeitsministerium besetzt worden seien.
Arnold ^. Zempel wurde zum Direktor und Leo R. Werts zum stellvertretenden Direktor der Abteilung fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten ernannt.
Unter der Gesamtleitung Philip M. Kaisers, des mit internationalen Fragen beauftragten, stellvertretenden Arbeitsministers,
wird Zempel fuer die Leitung und Koordinierung der internationalen
Taetigkeiten aller Dienststellen und Bueros der Abteilung verantwortlich sein. Werts unterstuetzt Zempel und fungiert waehrend
seiner Abwesenheit als Direktor«
Das Buero fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten ist fuer
die Entwicklung der Politik und die technische Beratung in internationalen Arbeitsangelegenheiten verantwortlich. Es ist in fuenf
Referate unterteilt: Vereinte Nationen, Internationales Gewerkschaftswesen, Handelsvertraege, Technische Unterstuetzung und Auslandsdienst.
- 5 -

�In allen Fragen der Aussenpolitik ist das Arbeitsministerium
an den Arbeiten der Vereinten Nationen und ihrer Pachabteilungen
unter der Gesamtleitung des Aussenministerlums beteiligt. Das
Arbeitsministerium ist in erster Linie fuer die Mitarbeit der
Vereinigten Staaten innerhalb der Internationalen Arbeitsorganisa- tion verantwortlich. Es verfolgt die Entwicklungen des internationalen Gewerkschaftswesens und spielt in der Organisation eine
Rolle, deren Aufgabe es ist, das Programm der gegenseitigen Handelsvertraege zu entwerfen und durchzufuehren. Andere Dienststellen
des Ministeriums beschaeftigen sich mit den Programmen anderer
Laender zur technischen Unterstuetzung auf dem Gebiet der Arbeit und
der Arbeltskraefte. Nach den Bestimmungen des Gesetaes von 1945
ueber den Auslandsdienst ist das Ministerium zusammen mit den
Ministerien fuer Landwirtschaft, Handel und dem Aussenministerium,
Mitglied des Rates fuer den Auslandsdienst. Innerhalb dieses
Gremiums ist das Arbeitsministerium hauptsaechlich fuer das Programm
"Arbeit im Ausland" verantwortlich.
Zempel stammt aus Wisconsin und promovierte 1927 an der Universitaet von Wisconsin. An der gleichen Universitaet machte er
spaeter seinen volkswirtschaftlichen Doktor. Von 1935 bis 1942
lehrte er Arbeitswissenschaft und -Statistik an der Washington
Universitaet in St. Louis, Missouri. 1943 gehoerte Zempel dem
nationalen Ausschuss fuer Arbeitsfragen im Kriege (National War
Labor Board) in Kansas City, Missouri, an. Waehrend des Krieges
war er Major bei der Militaerregierung und war als Beamter fuer
Arbeitsangelegenheiten in Italien und Deutschland eingesetzt. Seit
1946 war Zempel im Amt fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten
taetig. Vor seiner Ernennung zum Direktor war er stellvertretender
Direktor in diesem Amt und nahm als Mitglied der US Delegationen
an mehreren Tagungen der Internationalen Arbeitsorganisation teil.
Werts, gebuertig aus Ohio, promovierte 1929 am George Williams
College ih Chicago, Illinois, und spaeter wurde ihm von der Universitaet Chikago der Titel "Bachelor of Philosophy " (Ph 3) verliehen. Von 1941 bis 1945 war er ununterbrochen in der Abteilung fuer
Arbeit im Buero fuer Produktionsleitung taetig, ferner im Aufsichtsrat fuer Kriegsproduktion und in dem Ausschuss zur Ueberwachung der
Arbeltskraefte im Kriege. Von 1945 bis zu seiner jetzigen Ernennung
amtierte Werts als Direktor der Abteilung fuer Arbeit im Amt der
amerikanischen Militaerregierung und unterstand von 1946 bis zu
seinem Amtsantritt im Arbeitsministerium unmittelbar dem Militaergouverneur, General Lucius D. Clay.
Informationsdienst des
U.S. Arbeitsministeriums
19. Januar 1950
EIN INTERESSANTER BRIEFWECHSEL
Berlin - Es folgt der Text eines Briefes, den
die Kommandanten Westberlins an den sowjetischen
KOILMandanten Ostberlins, Generalmajor Kotikow,
gerichtet haben:
Generalmajor A. Kotikow
Garnisonskommandeur und
Milltaerkommandant des
sowjetischen Sektors Berlins
Betrifft:

13. Januar 1950

Verletzung des Abkommens zur Beilegung des Berliner
Eisenbahnerstreiks. "

Wir stellen mit Bedauern fest, dass sie sich in Ihrem Brief
vom 19. Dezember 1949 erneut weigern, dem feierlichen Versprechen

�der sowjetischen Behoerden nachzukommen, das die Basis zur Beendigung des Berliner Eisenbahnerstreiks bildete.
Sie versichern, dass die Aussenminister auf ihrer Konferenz
in Paris die Beilegung des Berliner Eisenbahnerstreiks nicht als
einen wesentlichen Faktor zur Normalisierung des Lebens in Berlin
betrachteten. Das entspricht nicht den Tatsachen. Am 15. Juni
wurde das Problem des Berliner Eisenbahnerstreiks in einer Sondersitzung der vier Aussenminister in Paris besprochen. Bei dieser'
Gelegenheit erklaerte der amerikanische Aussenminister, dass die
vier Aussenminister an einem Modus vivendi fuer Deutschland arbeiteten, der, wie es Mr. Wyschinsky bezeichnete, ein Abkommen
unter Gentlemen sei, das den guten Willen der Beteiligten erfordere.
Wenn die vier Maechte keine Einigung erzielen koennten, die diesen
Streik beenden kann, dann haette angesichts einer solchen Unfaehigkeit, sich ueber eine praktische Angelegenheit zu einigen, auch
Jede andere Vereinbarung, die sie treffen koennten, wenig Wert.
Diese klare Feststellung, der sich auch die Aussenminister Englands
und Frankreichs anschlössen, kann keinen Zweifel darueber gelassen
haben, dass das weitere Gelingen der Viermaechtezusammenarbeit in
Berlin von einem aufrichtigen Beweis seitens der sowjetischen Behoerden abhaengig ist, dass sie wirklich daran interessiert sind,
normale Bedingungen in Berlin zu schaffen, wobei die Beilegung des
Eisenbahnerstreiks eine wesentliche Rolle spielt.
Was die einzelnen Bestimmungen des Abkommens betrifft, nach
dem der Streik beendet werden sollte, so ist es angesichts der in
Ihrem Brief enthaltenen Ungenauigkeiten notwendig, diese noch
einmal zu wiederholen und auf die zahlreichen Versuche der Kommandanten Westberlins hinzuweisen, bei den sowjetischen Behoerden die
Erfuellung dieser Bestimmungen zu erwirken.
Sie geben in Ihrem Briefe an:
(a) dass sich dieses Eisenbahnabkommen nicht auf die Eisenbahner bezieht, die in den Westsektoren wohnen und im Ostsektor
und in der Ostzone arbeiten.
(b) dass die West marke innahaen der Verwaltung der staedtlschen
Bahnen Berlins nicht einmal ausreichten, um 60# der Loehne und Unterstuetzungen den Elsenbahnern zahlen zu koennen, die in den Westsektoren leben und arbeiten, und
(c) dass den Arbeitern, die an dem Streik teilgenommen haben,
kein Nachteil durch Entlassung oder Versetzung entstanden sei, und
dass es nur Versetzungen einzelner Arbeiter im Rahmen normaler
Verwaltungsvorgaenge gegeben habe*
Mit Bezug auf Punkt (a) schrieb General Howley an General
Kvashnln am 10. Juni 1949 folgendes:
''Ich nehme zur Kenntnis, dass die Reichsbahndirektion weiterhin
allen Elsenbahnern, die in den Westsektoren Berlins wohnen, folgendes
zusichert:
Die Reichs bahndirekt Ion zahlt mindestens 60£ der. Loehne in
Westmark fuer die in den Westsektoren Berlins wohnenden Arbeiter
vom Tage ihrer Wiederaufnahme der Arbeit an. Diese Zusicherung soll
allen Eisenbahnern, die in der Westzone wohnen, ohne Ruecksicht auf
Ihre Gewerkschaftszugehoerigkeit, gegeben werden."

- 7 -

�General Kvashnln bestaetlgte diese Feststellung muendlich
General Howley gegenueber und gab spaeter In einem Brief vom
20. Juni 1949 erneut seine Zustimmung. In diesem Brief hiess es:
"Ich bestaetige, dass der Inhalt der Vorschlaege der Reichsbahndirektion in Ihrem Briefe richtig wiedergegeben wurde."
Diese Vereinbarung war kaum getroffen worden, als sie auch
schon durch die Anordnung der Reichsbahndirektion vom 30. Juni
verletzt wurde, in der befohlen wurde, dass "diejenigen Eisenbahner,
die in den Westsektoren wohnen, aber im Ostsektor arbeiten, ausschliesslich in Ostmark bezahlt werden." Die Westkommandanten
machten in ihrem Brief vom 19, Juli die sowjetischen Behoerden
auf diesen offenkundigen Bruch des Abkommens aufmerksam. Der
Generaldirektor VoevudskiJ versuchte in seinem Antwortschreiben
vom 2. August den eindeutigen Wortlaut des urspruenglichen Abkommens durch den Beweis zu entstellen, dass sich die Anordnung nur
auf Arbeiter und Angestellte der Eisenbahn beziehe, die In den
Westsektoren wohnten und arbeiteten*
In unseren Briefen vom 9« September, 21. September, 28. September und 21. November ersuchten wir die Sowjetbehoerden vergeblich, sich an ihre formellen Versprechen zu halten« Sie sind
leider nicht auf unsere eindringlichen und wiederholten Gesuche
zur Einberufung einer weiteren Beratungskonferenz der Vierermaechte
eingegangen* Deshalb ist es Ihnen zuzuschreiben, wie wir auch
schon in unserem Briefe vom 28* September zum Ausdruck brachten,
wenn wir heute annehmen muessen, dass die Sowjetbehoerden nicht an
einer Regelung dieser hoechst wichtigen Angelegenheit interessiert
sind, die einen Hauptfaktor in der Normalisierung des Lebens in
dieser Stadt darstellt* Und aus diesem Grunde teilten wir Ihnen
auf Anordnung unserer Hohen Kommissare mit, dass wir nicht gewillt
seien, die Besprechungen ueber die Normalisierung des Lebens in
Berlin fortzusetzen, solange wir uns nicht darauf verlassen koennten,
dass frei vereinbarte Abmachungen von den Sowjetbehoerden in Geist
und Tat respektiert werden.
Was die ungenuegenden Einnahmen in Westmark betrifft, (Punkt b),
stellen wir fest, dass Sie sich in Ihrem Brief nur auf die Einnahmen der "staedtischen Bahnen" beziehen. Wenn Sie damit die
Westmarkeinnahmen der S-Bahn meinen, ist es wohl moeglich, dass
diese tatsaechlich unzureichend sind* Wir moechten Sie jedoch auf
die urspruengliche Vereinbarung der Reichsbahndirektion aufmerksam
machen, auf die sich General Kvashnln in seinem Brief vom 20* Juni
bezieht, und die besagt, "dass sich die GeneraldirektIon der Reichsbahn von nun an verpflichtet, 60£ der Loehne und Gehaeiter der Angestellten und Arbeiter der Reichsbahn, die in Westberlin wohnen,
bis zu einer allgemeinen Regelung des Berliner Waehrungsproblems
in Westmark zu zahlen* Dieser Prozentsatz kann, je nach den Westmarkeinnahmen der Reichsbahn, erhoeht werden." Wir stellen mit
Genugtuung fest, dass die Westmarkeinnahmen der Reichsbahn mehr als
zureichend sind, um die Bedingungen dieser Abmachung erfuellen zu.
koennen*
Was die Frage der Vergeltungsmassregeln betrifft, (Punkt c),
so sind unseres Wissens mehrere hundert Eisenbahnarbeiter, die an
dem Streik teilnahmen, durch Entlassung oder Versetzung in schlechtere Stellungen bestraft worden. Wenn Sie diese grausame Massnahme
als "einen normalen, uebllchen Vorgang in der Verwaltung bezeichnen,"
so deutet dies in genuegendem Masse auf die Gleichgültigkeit hin,
mit der die sowjetischen Behörden der Wohlfahrt des Arbeiters gegenüberstehen. Ausserdem wissen wir, dass sich noch eine Anzahl
dieser Eisenbahnarbeiter im Ostsektor und in der Ostzone in Gefaengnlssen des Ostsektors und der Ostzone befinden, ohne dass ihre Lage
.durch ein gerichtliches Verfahren geklaert wird.

- 8 -

�Was Ihre Stellungnahme zu unserer Anordnung betrifft, In
der wir die Uebergabe von Eisenbahnmaterial ohne unsere vorherige
Genehmigung verboten haben, so muessen Sie wissen, dass wir zu
dieser Handlung gezwungen waren, um die helmliche Beseitigung von
Reichsbahneigentum zu verhindern. Auch musste gegen Angestellte
der Reichsbahn gesetzlich vorgegangen werden, die solche Vergehen heimlich beguenstigten.
Angesichts der hiermit gemachten Betrachtungen muessen wir
erneut darauf bestehen, dass sich die sowjetischen Behoerden an
das geschriebene Wort in General Kvashnins Brief vom 20. Juni 1949
halten. Wir wiederholen, dass, wenn die Sowjetbehoerden einen
fuehlbaren Beweis ihrer Absicht geben, die Abmachungen vom letzten
Juni vorigen Jahres zur Beilegung des Eisenbahnerstreiks einzuhalten, wir bereit sein werden, Sachverstaendige zu bestimmen,
die mit General Kvashnin die Einzelheiten unserer Beschwerden
hinsichtlich der Behandlung der Eisenbahnarbeiter besprechen
sollen. Ohne diesen Beweis sind wir der Ansicht, dass von einer
Fortsetzung dieses Briefwechsels keine erspriesslichen Ergebnisse
zu erwarten sind.
England
Generalmajor
G.K. BOURNE

USA
Generalmajor
MAXWELL D. TAYLOR

Frankreich
Divisionsgeneral
GANEVAL

Und nun Generalmajor Kotlkows Schreiben vom 19. Dezember
an die drei Kommandanten Westberlins:
Generalmajor Maxwell »• Taylor
Chef der amerikanischen
Mllitaerverwaltung In Berlin

Berlin-Karlshörst, 19.Dez.1949

Sehr geehrter Herr General:
Ihr Schreiben vom 21. November 1949 kann nichts an meiner
Meinung aendern, die ich bereits frueher zum Ausdruck gebracht
habe, naemlich dass eine einseitige EntSchliessung der drei
Kommandanten Westberlins zur Abbrechung der Besprechungen ueber
Angelegenheiten, die sich auf die Normalisierung des Lebens in
Berlin beziehen, nicht gerecht ist; eine solche EntSchliessung
steht vielmehr im Widerspruch zu dem Beschluss des Aussenministerrates in Paris und stellt eine Verletzung ihrerseits der
Interessen der Berliner Bevoelkerung dar.
Die in Ihrem Brief enthaltene Bemerkung, dass der Rat der
Aussenminister in Paris sich in Anbetracht der damaligen Lage
der Eisenbahner in den WestSektoren Berlins entschlossen habe,
sich mit der Mormalisierung des Lebens In Berlin zu befassen,
entspricht weder dem Text der EntSchliessung, auf die Sie sich
beziehen, noch dem gegenwaertigen Stand der Verhandlungen ueber
die Berliner Frage auf der Aussenministerkonferenz, wie Sie aus
dem stenographischen Bericht der betreffenden Konferenz ersehen
koennen. Ihr Schreiben vom 21. November 1949 kann deshalb nur
als ein Versuch angesehen werden, sich fuer den von Ihnen verursachten Abbruch der Viermaechte Beratungskonferenzen ueber die Normalisierung des Lebens in Berlin nachtraeglich zu rechtfertigen.
Ich kann deshalb nur wiederholen, dass die Verantwortung fuer
den Abbruch der Besprechungen ausschliesslich den Kommandanten
der Westsektoren zufaellt, die sich nun ohne jegliche Berechtigung
als Vertreter der Eisenbahner aufspielen.
Ihre Behauptung, die Berliner Eisenbahnverwaltung verletze
ein Abkommen, das mit Bezug auf die Lohnzahlung in Westmark an die
- 9 -

�Elsenbahner der Westsektoren getroffen worden sei, steht in Widerspruch zu den Tatsachen; die Eisenbahnverwaltung zahlt, wie vereinbart, regelmaessig 60# der Loehne an diejenigen Eisenbahner,
die in den Westsektoren wohnen und arbeiten» Der stellvertretende
Chef der Transportabteilung (SMAG) teilte Ihnen bereits in einem
Brief vom 2. August 1949 mit, dass die Abmachungen zwischen der
Hauptverwaltung der Deutschen Eisenbahnen in der Sowjetzone und
der Eisenbahnergewerkschaft sich nur auf Arbeiter und Angestellte
erstreckten, die in den Westsektoren wohnen und arbeiten, und dass
in diesem Abkommen nicht die Zahlung von 60# der Loehne und Unterstützungen fuer diejenigen Eisenbahnarbeiter vorgesehen sei, die
in den Westsektoren wohnen, aber im Ostsektor arbeiten.
Und es ist selbstverstaendlicn, dass dem so ist, denn die
Berliner Eisenbahnverwaltung konnte sich gar nicht damit einverstanden erklaeren, die obengenannte Vereinbarung auch auf diejenigen Eisenbahner auszudehnen, die in den Westsektoren wohnen
und im Ostsektor arbeiten, da die Westmarkeinnahmen der Verwaltung
der staedtischen Bahnen Berlins nicht einmal ausreichen, um 60tf
der Loehne und Unterstuetzungen selbst den Eisenbahnern zahlen zu
koennen, die in den Westsektoreh wohnen und arbeiten. So beliefen
sich z.B. die Einnahmen der Berliner Stadtbahnen im Monat November
1949 auf 1.843.000 in Westmark. Die durchschnittliche monatliche
Lohnrechnung fuer Eisenbahner, die in den Westsektoren
wohnen und
arbeiten, belaeuft sich jedoch auf 1.878.000 westmark.
Eine Annahme Ihrer Vorschlaege, die in dem Abkommen nicht angegeben sind, wuerde deshalb zu einer wirtschaftlichen Desorganisierung der Berliner Eisenbahnen fuehren.
Auch muss ich Ihre Behauptung zurueckweisen, die Berliner
Eisenbahnverwaltung haette angeblich Repressalien gegen die an dem
Streik Beteiligten ergriffen, indem man sie entlassen oder versetzt
, haette.
Solche Behauptungen entbehren jeder Grundlage, da Versetzungen
einzelner Eisenbahner einen normalen Vorgang in der Verwaltung und
ein Verfahren darstellen, das bereits vor den obenerwaehnten Ereignissen bestand.
Zu gleicher Zelt fuehle ich mich gezwungen, Ihr« Aufmerksamkeit
auf das von den Kommandanten der Westsektoren erlassene gesetzeswidrige Verbot zu lenken, Eisenbahnmaterial und Ersatzteile aus
Bahnhoefen der Westsektoren in solche des Ostsektors zu befoerdern.
Ich mache Sie ebenfalls auf die Anordnung der Westkommandanten auf*
merksam, Wohnungen und Mieten zu beschlagnahmen, die der Reichsbahnverwaltung durch Vermietung von Grundstuecken an Inhaber von Imbisstuben,
Restaurants, Zeitungsstaenden, etc. zufHessen. Solche Massnahmen
gehoeren nicht In den uebllchen Aufgabenbereich einer Eisenbahnverwaltung •
Wenn Sie jedoch ueber irgendeine Frage betreffs der Berliner
Elsenbahnen im Unklaren sind, wird General Kvashnin, wie mir mitgeteilt wurde, jederzeit bereit sein, einen Vertreter von Ihnen zu
empfangen, um mit ihm ueber die betreffenden Fragen zu beraten.
Briefe gleichen Inhalts habe ich an Generalmajor Bourne und
Divisionsgeneral Ganeval gesandt.
Hochachtungsvoll
gez. A. Kotikow
Generalmajor
Informationsabteilung der Amerikanischen
Hohen Kommission in Berlin
14. Januar 1950
- 10 -

�AFL FUER SOLIDARITAET DER ARBEITERSCHAFT DBB GANZE» WELT
(Miami, Florida) — Der Verwaltungsrat des Amerikanischen
Gewericschaftsbundes A*L forderte, dass wir uns mit "verdoppelten
Kraeften" fuer die Solldarltaet der Gewerkschaftsbewegung der ganzen
Welt einsetzen* Er unternahm Schritte, die den AFL in seinem
Kampf um bessere Lebensbedingungen in Amerika unter st uetzen sollen«
Kurz vor Beendigung der WinterSitzungsperiode trafen die
Mitglieder des Verwaltungsrates folgende Bitschliessung:
1. In 60 Tagen soll der Internationale Metallarbeiter Verband
dazu eingeladen werden, sich mit seinen 600*000 Mitgliedern dem
AFL wieder anzuschliessen*
8* Indien soll unterstuetzt werden, damit es seine gegenwaertigen ErnaehrungsSchwierigkeiten ueberwinden, sein staatliches
Erziehungssystem ausbauen und die allgemeine Gesundheitslage verbessern kann*
3* Der Im Dezember letzten Jahres in London gegruendete
Internationale Weltbund Freier Gewerkschaften soll mit allen Mitteln
unterstuetzt werden*
4. Franco-Spanien und das kommunistische China sollen von
den Vereinigten Staaten nicht anerkannt werden*
5* Der US Senat soll die Konvention der Vereinten Nationen
ratifizieren, die Massenmord an nationalen, rassischen und religloesen Gruppen verbietet*
6* Der Kongress soll sofort die Steuern fuer Transport»
Theaterkarten und verschiedene Verbrauchsgueter abschaffen«
7« Das Gesuch soll befuerwortet werden, in dem der Administrator des nationalen Gesundheitswesens, Oscar Swing, fordert, dass
die Mitglieder des AFL ueber das von dieser Organisation unterstuetzte Krankenversicherungsprogramm konkrete Informationen enthalten«
8« Staatssekretaer Williard L. Thorpe berichtete von der
Tragweite und den Auswirkungen des Internationalen Handelsabkommens,
das im vorigen Jahre in Havanna in Kraft getreten ist*
Der Verwaltungsrat und die ihm angeschlossenen Referate bearbeiteten waehrend ihrer hiesigen Sitzungen eine Menge wichtiger
Angelegenheiten, die noch Im Rueckstand waren«
Die fuehrende Rolle hervorhebend, die der AFL in Internationalen
Angelegenheiten spielt, brachte der Verwaltungsrat zum Ausdruck, dass
die 8 Millionen Mitglieder des AFL von der Regierung der Vereinigten
Staaten erwarteten, dass sie sich dem Kommunismus und dem Faschismus
ueberall da, wo er in der Welt auftreten sollte, entschlossen entgegenstellt*
Schliesslich erklaerte sich der Verwaltungsrat erneut dazu
bereit, Praesldent Trumans Punkt-Vler-Programm zu billigen, mit dem
unentwickelten Wirtschaftsgebieten geholfen werden soll« Betont
wurde die Notwendigkeit, dass auch die Gewerkschaften bei der Ausarbeitung der Plaene zur technischen unterstuetzung dieser Gebiete
vertreten sein muessen*
Aus dem woechentliehen Nachrichtenblatt
des AFL,"American Federatlon of Labor"
7* Februar 1950

- 11 -

�UWABHAENGIGKEIT DER ARBEITSRICHTER GEFORDERT

In seiner Sitzung vom 8. Februar 1950 befasste sich der
•beitsgerichtfcarkeit hauptberuflich t a e t i g e n Rictvtei
In einer IntSchliessung zu einem im Bundesjustizministerium
z.Zt. Torilegenden Entwurf eines Richtergesetzes fordert der
Ausschuss die Sicherung der v o l l e n persoenllchen Unabhängigk e i t auch fuer die In der Arbeitsgerichtsbarkeit hauptberuflich
taetigen Richter,

- 12 -

\

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

«uwe o- a*s i t i M w i T «

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fflr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

abaCdA
-'.LBJ8#.9dlA

I I - 51

T

Frankfurt, 84. Februar 1950

INHALTSVERZEICHNIS
"Waffenstillstand' 1 zwischen zwei grossen
U.S. Gewerkschaften - - -

g

AFL gegen Anerkennung Franco-Spaniens - - -

4

Zwei Gewerkschaftsführer treten aus den
Kommunistischen Elektriker-Verband Amerikas
aus - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

5

Gewerkschaften in Belgien - - - - - - - - -

8

Kommission des internationalen Arbeitsamtes
zur Wahrung der gewerkschaftlichen Rechte -

$en.:

- 1 -

11

�"WAFFENSTILLSTAND" ZWISCHEN ZWEI GROSSEN U.S. GEWERKSCHAFTEN
Die Frage der Zustaendigkeit bestimmter Gewerkschaften fuer
bestimmte Industrien spielt eine grosse Rolle in den innerorganisatorischen Beziehungen der amerikanischen Gewerkschaften. Schwere
Kaempfe und sogenannte "jurisdictional" (Zustaendigkeit) Streiks
haben die amerikanische Gewerkschaftsbewegung oft geschaedigt.
Jetzt haben zwei der groessten U.S. Gewerkschaften, die ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten auf diesem Gebiet hatten, einen "Waffenstillstand" geschlossen. Der nachstehende Bericht gibt die Einzelheiten des Abkommens wieder.
ET OIA ,OODIH

Der U.S. Arbeitsminister Maurice J. Tobin gab bekannt, dass
zwei der groessten amerikanischen Gewerkschaften, der Internationale
Metallarbeiterverband (IAM) und die Vereinigten Automobilarbeiter
(UAW-CIO), freiwillig durch ein Abkommen die Frage der Zustaendigkeit geklaert haetten. Der Arbeitsminister fuehrte im einzelnen aus:
"Dieser Pakt ist zwischen zwei bedeutenden Gewerkschaften zustande gekommen, ohne dass die Regierung in irgendeiner Form vermittelt oder einen Druck ausgeuebt haette. Ich glaube, dass dieses
Abkommen wesentlich zum industriellen Frieden beitragen kann, indem
es unnoetige Streitigkeiten wegen der Zustaendigkeit unmoeglich macht.
Jeder denkende Buerger unseres Landes wird es mit grosser Befriedigung begruessen. Es ist ein Beweis dafuer, dass die Gewerkschaften
Ihre eigenen innerorganisatorischen Angelegenheiten aus freiem Entschluss heraus und ohne Vermittlung der Regierung regeln koennen«
"Ich moechte hiermit den Beamten und Mitgliedern beider Organisationen meine Anerkennung aussprechen. Sie haben ilire Faehigkeiten
unter Beweis gestellt, indem sie ein solches Abkommen und damit
eine Loesung ihrer Zustaendigkeitsprobleme zustande brachten, die
die Bewegung so oft von ihren eigentlichen Aufgaben abgelenkt haben."
Gleichzeitig veroeffentlichte der Arbeitsminister folgende
gemeinsame Erklaerung der Praesidenten dieser beiden Gewerkschaften,
AI Hayes (IAM) und Walter P. Reuther (UAW-CIO):
"Unsere Organisationen haben freiwillig diesen Vertrag geschlossen, der dem gemeinsamen Wohle unserer Mitglieder und der
Foerderung des industriellen Friedens und der wirtschaftlichen
Stabilitaet dienen soll. Er stellt einen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlergehen unseres Volkes und unseres Landes dar. Wir waren
immer der Auffassung, dass die Arbeiterschaft ihre innergewerkschaftlichen Angelegenheiten ohne die Regierung loesen kann."
Es folgt der ungekuerzte Wortlaut des Vertrages:
In dem Bestreben, die Wohlfahrt der Arbeiter, die durch unsere
beiden Organisationen vertreten sind, zu foerdern und ihre Arbeitsbedingungen, Loehne und Arbeitszeit zu verbessern, und
Zur Foerderung der Solidaritaet der Arbeiterschaft durch Organisierung der noch nicht Organisierten und durch Vereinigung der
gesamten Gewerkschaftsbewegung
Wird folgendes gemeinsam beschlossen:
1. Wenn eine der beiden Organisationen mit einem Unternehmer
in den Vereinigten Staaten in vertraglich festgelegten Beziehungen
steht, oder ihr von dem Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen (national
Labor Relations Board) die Zustaendigkeit als Tarifpartner zuerkannt
- 2 -

�/

wurde, darf sich die andere Organisation auf keinen Fall in diese
Beziehungen einmischen, indem ihre Beamte, Vertreter oder Mitglieder um die Mitgliedschaft der der anderen Organisation zustehenden
Arbeiter werben, Aufnahmeantraege annehmen oder Irgendwelche Taetigkeiten ausueben oder unterstuetzen, die dazu bestimmt sind, solche
Beziehungen zu stoeren.
2. In allen gewerkschaftlich nicht organisierten Betrieben
steht es beiden Organisationen frei, Werbetaetigkeit auszuueben,
um die Arbeiter dieser Betriebe in ihre Gewerkschaft aufzunehmen
und als Tarifpartner anerkannt zu werden. Es wird vereinbart, dass
beide Organisationen im Verlaufe solcher Werbekampagnen so handeln
muessen, dass es moeglich ist, ein loyales Verhaeltnls dieser Arbeiter zu den Gewerkschaften zu schaffen, und dass sie nicht versuchen duerfen, durch eine bestimmte Taktik und Methoden organisatorische Vorteile zu erlangen, die auf lange Sicht gesehen die
Interessen der Gewerkschaftsbewegung beeintraechtigen.
3. Weiterhin wird vereinbart, dass sich die beiden Organisationen fuer eine groesstmoegliche Zusammenarbeit einsetzen sollen,
um die Programme und die Politik foerdern zu koennen, die den Interessen unserer Mitglieder und unserer Nation dienen.
4. Dieser Vertrag ist fuer alle Betriebe in den Vereinigten
Staaten, mit Ausnahme der unten Genannten gueltig. Die Betriebe
unter "A" werden erfasst werden, sobald die Streitigkeiten ueber
die Betriebsvertretungen beendet sein werden. Ausgenommen von
diesem Vertrag sind ohne Einschraenkung folgende Unternehmen:
Duplex Division of the Goss Printing Press Company of Battle Creek,
Michigan, und International Harvester Company, Stockton Works,
Stockton, Kalifornien. Es bleibt vorbehalten, ueber das letztgenannte Unternehmen spaeterhin zu beraten und eine Ueberpruefung
durch beide Partner vorzunehmen.
"A"

Auto Lite Plant, Lockland, Ohio
Carter Carburetor Corp., St. Louis, Missouri
International Harvester Company, Melrose Park Branch,
Melrose Park, Illinois
Meuller Brass Company, Port Huron, Michigan

5. Beide Parteien verpflichten sich, dieses Abkommen nach bestem
Willen einzuhalten, und keine der beiden Organisationen darf durch
irgendwelche Manipulationen versuchen, sich einer dieser Bestimmungen
zu entziehen. Sollten sich irgendwelche Probleme oder Streitigkeiten aus diesem Vertrag ergeben, dann treten die fuehrenden Beamten
beider Organisationen zusammen, um im Geiste dieses Vertrages ueber
diese Probleme oder Streitigkeiten zu beraten.
6. Dieser Vertrag ist von unbegrenzter Dauer. Er kann bei
einer Kündigungsfrist von mindestens 60 Tagen abgeaaadert oder
ausser Kraft gesetzt werden. Die Organisation, die die Abaenderung
oder Aufhebung wuenscht, hat die Kuendigung bei der anderen Organisation nach vorausgegangener Konferenz zwischen den bevollmaechtigten Vertretern beider Organisationen einzureichen.
Woechentliches Organ des
Internationalen Metallarbeiter
Verbandes, "The Machinist"
9. Febiuar 1950

�AFL GEGEN ANERKENNUNG FRANCO-SPANIENS

Der Verwaltungsrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL ersuchte die US Regierung, an der Politik der Nichtanerkennung
Franco-Spaniens festzuhalten.
Im einzelnen wurde zu diesem Thema folgendermassen Stellung
genommen:
"Der Verwaltungsrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL hat sich erneut mit der Frage befasst, ob unsere Regierung
die faschistische Diktatur Spaniens unter dem Generalissimus
Franco diplomatisch voll anerkennen soll.
"Wir bringen erneut zum Ausdruck, dass wir eine Anerkennung
ablehnen und fordern das Aussenministerium auf, die Politik der
Nichtanerkennung unbedingt beizubehalten. Wir ersuchen den P r e sidenten der Vereinigten Staaten und die aussenpolitischen Ausschuesse des Senats und Repraesentantenhauses, alles zu tun, was
in ihrer Macht steht, um die Fortsetzung der bisher eingeschlagenen Politik der Nichtanerkennung des Falangistenregimes in Spanien
zu gewaehrleisten.
"Es ist unsere feste Ueberzeugung, dass unsere Regierung
einen Fehler nach dem anderen begehen wuerde, wenn sie sich erst
einmal zu einem solchen Schritt verleiten liesse und ihn auch
zu entschuldigen suchte. Wir koennen uns nicht vorstellen, dass
angesichts der gegenwaertigen, explosiven, internationalen Lage in der der kommunistische Totalitarismus die groesste Kriegsgefahr darstellt - eine Anerkennung Franco-Spaniens durch die füehrende Demokratie der Welt ueberhaupt keine moralischen Folgen
haben soll.
"Unsere Regierung koennte dann ebensogut die kommunistischen
Usurpatoren anerkennen, die mit Russlands Hilfe die verfassungsgemaesse Regierung Chinas gestuerzt haben. Und China war das
allererste Land, das sich der totalitaeren Agression widersetzt hat.
"Auch muessen wir die Behauptung zurueckweisen, ein amerikanischer Botschafter in Madrid koenne mithelfen, eine politische
und wirtschaftliche Reform, in Spanien zu beschleunigen.
"Ganz im Gegenteil, eine solche Anerkennung wuerde eine ausgedehnte finanzielle Unterstuetzung einer verabscheuungswuerdigen
Gewaltherrschaft bedeuten, die sich nun in einer Krise befindet
und ohne fremde Hilfe zugrunde gehen muss.
•Gerade in diesem Augenblick, in dem Russland versucht, mit
dem kommunistischen China als Kugelfang ganz Asien in erschreckendem Tempo unter das Joch des totalitaeren Kommunismus zu bringen,
wuerde eine Anerkennung Francos verheerende Reaktionen im Fernen
Osten hervorrufen.
"Die amerikanischen Gewerkschaftsdelegierten auf dem Londoner
Kongress des Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften
sprachen sich einstimmig und nachhaltig gegen die Anerkennung der
Franco-Diktatur aus und taten damit den Willen der internationalen
freien Gewerkschaftsbewegung kund. Die demokratischen Gewerkschafter
koennen naemlich nicht vergessen, dass in Franco-Spanien keine Gewerkschaften bestehen duerfen, gewerkschaftliche Taetigkeiten verboten sind und die Anhaenger des Gewerkschaftswesens eingekerkert
und sogar hingerichtet werden.
- 4 -

�"Wir koennen es nicht stark genug betonen, dass eine Anerkennung Francos durch die Vereinigten Staaten den Diktatoren
Latein-Amerikas nur mehr Macht in ihre brutalen Faeuste geben
wuerde. Diese Diktatoren sind gefaehrllche Feinde der Demokratie
in der westlichen Hemisphaere. Es ist kein Zufall, dass die ausgepraegtesten Diktaturen Latein-Amerikas - Argentinien, Dominikanische Republik und Peru - diejenigen sind, die diplomatische Ver- •
treter in Madrid haben. Franco stellt eine gefaehrllche, totalitaere Macht nicht nur in Europa und Afrika, sondern auch in LateinAmerika dar, wo er intime Freunde hat, die in ihm einen vorbildlichen Diktator sehen, waehrend sie unserer demokratischen Lebensweise feindlich gegenueberstehen. Jegliche Politik, die die demokratischen Kraefte der Neuen Welt schwaecht, wird auch unsere Regierung in ihrer Faehlgkeit stark beeintraechtigen, eine wirksame
Fuehrung Im Kampf um die Wahrung der persoenlichen Freiheit auf
der ganzen Welt auszuueben.

Jh.

JäG.

Gerade in dem Augenblick, in dem sich die Weltmaechte der
Demokratie und der freien Gewerkschaften fester zusammenschliessen,
darf unsere Regierung sie nicht entzweien. In dem Monat, in dem
noch weitere Millionen von Menschen mit Vertrauen und Hoffnung auf
unser Land als den wuerdigen Verteidiger der persoenlichen Freiheit
blicken, duerfen wir sie nicht enttaeuschen und entmutigen.
••Mit aller uns zu Gebote stehender Aufrichtigkeit und Eindringlichkeit wenden wir uns an den Praesidenten der Vereinigten Staaten,
an die aussenpolitIschen Ausschuesse des Senats und des Repraesentantenhauses und an das Aussenministerium mit der Bitte, treu und
unbeirrbar an der gegenwaertigen Politik der Vereinigten Staaten
gegenueber der faschistischen Diktatur Spaniens festzuhalten.
Woechentliches Nachrichtenblatt
des AFL,
"American Federation of Labor"
7. Februar 1950
ZWEI GEWERKSCHAFTSFUEHRER TRETEN AUS DEM KOMMUNISTISCHEN
ELEKTRIKER-VERBAND AMERIKAS AUS
Der Elektriker-Verband (ÜB) und sein kommunistisches Parteigefuege erlitten einen schweren Schlag, als am 5. und 7. Januar
zwei langjaehrige Fuehrer des UE ploetzlich ihren Ruecktritt erklaerten. Einer der beiden trat zu gleicher Zeit aus der Kommunistischen Partei aus.
Die Ruecktrittserklaerungen beider Funktionaere waren von
bitteren Vorwuerfen begleitet ueber die direkte kommunistische
Bevormundung der Chikagoer Geschaeftsstellen des UE, ueber die
totalitaere Diktatur und die Zugehoerigkeit zahlreicher UE Fuehrer
zur Kommunistischen Partei.
Die beiden Gewerkschaftsfuehrer sind:
Irving Krane, Rechtsvertreter und Geschaeftsfuehrer des UE
Ortskartells 1150 waehrend der letzten 7 Jahre; Delegierter bei den
UE Konventionen in den Jahren 1947 und 1948; Mitglied oder Teilnehmer zahlreicher getarnter kommunistischer Hilfsorganisationen,
darunter mehrere, die von dem amerikanischen Oberstaatsanwalt als
umstuerzlerisch bezeichnet wurden.
Lee Lundgren, Gewerkschaftssekretaer des UE Ortskartells 1150,
Organisator und Funktionaer dieser Organisation seit 1944; anerkanntes
Mitglied der Kommunistischen Partei und Mitglied verschiedener ge- 5 -

�tarnter kommunistischer Hilfsorganisationen,
Der wie eine Bombe einschlagende Ruecktritt Kranes und Lundgrens wirkte auf den gesamten Apparat der Kommunistischen Partei
im Bezirk Chlkago und auf die gesamte Fuehrerschaft des UE wie
eine Betaeubung; zuerst glaubten sie nicht daran, und dann befuerchteten sie, dass dieses Ereignis im ganzen Lande aehnliche
Auflehnungen der kommunistischen UE Fuehrer hervorrufen koennte.
Die unterschriebenen Austrittserklaerungen Kranes und Lundgrens lieferten einen ueberzeugenden Beweis fuer die Richtigkeit
der von UE Fuehrern der Rechten und IUE Fuehrern (IUE - Internationale Gewerkschaft der Elektroarbeiter, (nichtkommunistisch) )
gemachten Vorwuerfe, dass der UE jahrelang voelllg unter dem
Einfluss kommunistischer Parteikommissare gestanden habe.
Austrittserklaerung Irving Kranes;
An die Mitglieder der Gewerkschaft der Elekrtoarbeiter,
Orts kartell 1150:
Ab sofort lege ich mein Amt als Geschaeftsfuehrer des UE
Orstkartells 1150 nieder, das ich waehrend der letzten sieben
Jahre ununterbrochen innehatte.
Ich lehnte es ab, in diesem Jahre noch einmal fuer diese
Stellung zu kandidieren, obwohl mir von den Mitgliedern der Gewerkschaft versichert wurde, dass ich mit grosser Mehrheit wiedergewaehlt wuerde, wenn ich die von dem Betriebsvorsitzenden von
Sunbeam und mehreren Mitgliedern der groessten Betriebe mir angebotene Kanditatur annehmen wuerde.
Meinen Entschluss, die Kanditatur abzulehnen und mein Amt
niederzulegen, begruende ich folgendermassen:
Ich kann nicht laenger mitansehen, dass es den Mitgliedern
des UE einfach nicht gestattet ist, in ihren eigenen Gewerkschaftsangelegenheiten zu bestimmen und die Politik ihrer eigenen Gewerkschaft vorzuschreiben.
Der UE steht unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei,
und zwar dermassen, dass es seinen Mitgliedern unmoegllch ist, von
ihrem Grundrecht freien Gebrauch zu machen, innerhalb ihrer Gewerkschaft so zu handeln, wie es ihnen am geeignetsten erscheint.
Unsere Mitglieder sind erstaunt, dass fuer die jetzige Wahl
Innerhalb des Ortskartells nur diese eine Liste von Kandidaten
aufgestellt wurde.
Sie werden jedoch nicht mehr erstaunt sein, wenn ich ihnen
sage, dass diese Liste im voraus von der Kommunistischen Partei
und von Ernest DeMalo zusammengestellt worden ist, ohne dass man
dem Grundrecht der Gewerkschaftsmitglleder, ihre Kandidaten selbst
zu bestimmen, Rechnung getragen hat.
Am 16. ^ezember wurde im Verlaufe einer nichtoffiziellen Besprechung von Sa, Kushner, dem ehemaligen Geschaeftsfuehrer des
Ortskartells 1119 und gegenwaertlgen hauptberuflichen Organisator
der Kommunistischen Partei, berichtet, dass Gil Green und andere
Fuehrer der Kommunistischen Partei wegen politischer Meinungsverschiedenheiten gegen meine Kandidatur waeren.

- 6 -

�Daraufhin wurden in dieser Konferenz die Kandidaten fuer
die bevorstehende Wahl im Ortskartell 1150 bestimmt.
Dass DeMalo die Kommunistische Partei unterstuetzt, ist
durch die Taetigkeiten der UE Vorstandsmitglleder bewiesen, die
unter seiner Fuehrung arbeiten.
Im gesamten Verlauf meiner Amtszelt war die Wohlfahrt der
Arbeiter oberstes Gebot fuer mich. Dafuer habe ich schriftliche
Beweise.
Da ich der Ansicht bin, dass ich mich nicht 1 aenger dem
undemokratischen Treiben in dem UE anschliessen kann, fuehle ich
mich gezwungen, meinen Austritt zu erklaeren.
Mit herzlichem, kollegialem Gruss verbleibe ich
Euer
Irving Krane.
Au3trittserklaerung Lee Lundgrens:
Mit dem heutigen Tage erklaere ich meinen Ruecktrltt als
Gewerkschaftssekretaer des UE Ortskartells 1150 und meinen Austritt aus der Kommunistischen Partei.
Als Gewerkschafter bin ich der Meinung, dass man nicht zwei
Herren dienen kann. Meine Zugehoerlgkelt zur Kommunistischen
Partei machte es mir unmoegllch, den wahren Interessen der Arbeiter zu dienen und eine demokratische Gewerkschaft aufzubauen,
deren Leitung in den Haenden ihrer Mitglieder liegt, und die sich
ausschliesslich der Wohlfahrt der Arbeiterschaft widmet. Ich bin
nun voellig ueberzeugt, dass die Kommunisten die Arbeiter des UE
dem Abgrund entgegenfuehren.
Durch meine Erfahrungen, die ich seit 1944 sammeln konnte,
bin ich zu dieser Schlussfolgerung gekommen. Damals half ich mit,
den Betrieb, in dem ich beschaeftigt war, in dem UE zu organisieren* Ich war Betriebsratvorsitzender in der Firma Goodman, vier
Jahre lang Finanzsekretaer des Ortskartells 1150 und hauptberuflicher
Gewerkschaftssekretaer seit 1945.
Kurz nach meinem Amtsantritt als Gewerkschaftssekretaer Im UE,
nahm mich Pat Amato, Praesldent des Ortskartells 1150, in die
Kommunistische Partei auf.
Ich trat in die Partei ein, weil man mir sagte, dass sie
die Interessen der Arbeiter am besten vertreten wuerde und ich
auf diese Weise den Arbeitern bei der Loesung ihrer taegllchen
Probleme besser beistehen koennte.
Als Parteimitglied nahm ich an zahlreichen, nichtoffiziellen
Besprechungen der Kommunistischen Partei teil, in deren Verlauf
innere Angelegenheiten des UE offen besprochen und geplant wurden«
Diese Besprechungen zeigten deutlich, dass es hier hauptsaechllch
um die Interessen der Kommunistischen Partei ging und die Wohlfahrt
der Gewerkschaftsmitglieder nur von untergeordneter Bedeutung war.
Diesen Konferenzen der Kommunistischen Partei wohnten u.a. bei:
Praesldent Pat Amato; Alice Smith, der Sekretaer des Bezirksvorstandes Nr. 11 des UE; Fred Dutner, ein UE Organisator fuer internationale Angelegenheiten; und Sam Kushner, ein Organisator der
Kommunistischen Partei.
- 7 -

�Auf einer solchen Konferenz der Kommunistischen Partei wurde
kuerzlich erklaert, dass Irving Krane "politisch unzuverlaessig"
sei und Fred Dutner sein Nachfolger werden solle.
Wenn Pat Amato vor kurzem erklaerte, Irving Krane sei deshalb nicht zum Geschaeftsfuehrer vorgeschlagen worden, weil er
"unbefaehigt" sei, so ist dies eine typische kommunistische Luege.
Ich war Jahrelang Mitglied dieser Gewerkschaft und weiss aus eigener Erfahrung, dass Krane die besten Vertraege in diesem Ortskar*
teil abgeschlossen hat. Es ist nicht schwierig, an Hand der Akten
diese Tatsache zu beweisen.
Fred Dutner dagegen hat, soviel mir bekannt ist, in seinem
Leben keinen einzigen Gewerkschaftsvertrag zustande gebracht.
Die Absicht, Krane aus einer fuehrenden Position in unserem
Ortskartell zu verdraengen, ist nichts weiter als der letzte Punkt
in einer langen Liste, der mich endgueltig davon ueberzeugt hat,
dass der ELektriker«»verband voellig unfaehig ist, ehrlich und
aufrichtig zu handeln. Solange ich zu dieser Gewerkschaft gehoerte,
hat sich Ernest DeMaio, der Praesident des Distrikts 11, kein einziges Mal den Beschluessen der Kommunistischen Partei widersetzt,
die fuer die gewerkschaftlichen Angelegenheiten ausschlaggebend
sind.
Deshalb rate ich den Mitgliedern des UE dringend, sich der
kommunistischen Bevormundung zu entziehen und sich der CIO anzuschliesseh. Ichftinbereit, sie hierbei mit allen mir zur Verfuegung stehenden Mitteln zu unterstuetzen.
gez. Lee Lundgren
H

The IUE - CIO News"
Organ des Internationalen Verbandes
der Elektroarbeiter (CIO)
9. Januar 1950
GEWERKSCHAFTEN IN BELGIEN
Der folgende Artikel von Rene Colntre, dem
Sekretaer fuer Forschung im Allgemeinen Belgischen Gewerkschaftsbund, erschien in dem
Magazin "Soclallst Commentary". Er wird
hiermit zu Ihrer Informierung und evtl.
Verwendung veroeffentlicht. Die Wiederveroeffentlichung ist gestattet worden.
Vier Gewerkschaftsfoederationen vertreten die Interessen
der 1.100.000 organisierten Arbeiter Belgiens. Die groesste ist
der Allgemeine Belgische Gewerkschaftsbund (F.G.T.B.;, der 600.000
Mitglieder umf Jtsst; an zweiter Stelle stehen die Christlichen
Gewerkschaften; die uebrlgen beiden sind unbedeutend. Vor dem
Kriege war der F.G.T.B. der Sozialistischen Partei angeschlossen.
Aber als er 1945 wiedergegruendet wurde und neue Gruppen mit
kommunistischen Tendenzen hinzugekommen waren, wurde die Unabhängigkeit von saemtlichen Parteien und die Respektierung der politischen und religioesen Einstellung zu den Grundprinzipien des
F.G.T.B. erklaert. Politische Entwicklungen und besonders die
Frage ueber Koenig Leopolds Rueckkehr haben vor kurzem jedoch den
F.G.T.B. der Sozialistischen Partei wieder naeher gebracht, und
diese beiden Organisationen haben sich der sozialistischen Ein-

tote
— 8—

�heltsbewegung und den sozialistischen Wohlfahrtsgesellschaften
angeschlossen, um sogenannte "Aktionsausschuesse" zu bilden,
die sich der Rueckkehr des Koenigs widersetzen und fuer die
Rechte der Arbeiter eintreten.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf einige wirtschaftliche und soziale Probleme, mit denen sich die belgischen
Gewerkschaften seit Kriegsende befassen.
Lohnpolitik
^s ist allgemein bekannt, dass sich Belgien nach der Befreiung in einer weit guenstigeren Situation als seine Nachbarstaaten befand. Die Deutschen hatten keine Zeit gehabt, viele
Produktionsquellen Belgiens zu zerstoeren, und die Industrie
konnte deshalb nach dem Kriege sofort wieder auf volle Touren
gebracht werden, wenn auch Betriebe und Maschinen veraltert
waren. Ausserdem wurden die Auslagen fuer die in Belgien stationierten Truppenkontingente der Alliierten in harter Waehrung
zurueckerstattet, und damit hatte Belgien ausgedehnte Dollarland Goldreserven. Es konnten also Waren aus Uebersee eingefuehrt
und die vom Kriege herruehrenden Beschraenkungen schnell gelockert
und beseitigt werden.
Zu jener Zeit war die realistische Einstellung der Gewerkschaften zum Lohnproblem von grosser Bedeutung, die besonders in
der Verhuetung der gefaehrlichen Aufwaertsbewegung von Loehnen
und Preisen zum Ausdruck kam. Von 1944 bis 1947 waren die
Gewerkschaften mit einer Lohnregelung durch die Regierung einverstanden; Bedingung war Jedoch, dass durchgreifende Massnahmen
zur Senkung der Preise ergriffen wuerden. Auf diese Weise sollte
die Kaufkraft der breiten Masse stabilisiert und allmaehlich gesteigert werden. Die Gewerkschaften forderten zugleich einen
gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Sie erklaerten sich niemals
mit dem von der Regierung seit 1946 eingefuehrten totalen Lohnstop
einverstanden. Im Gegenteil, sie taten ihr Moeglichstes, um die
notwendig gewordenen Abeanderungen vorzunehmen, und die Regierung
bewilligte diese Forderungen teilweise. Die Verbesserungen der
sozialen Einrichtungen stellen einen weiteren, indirekten Fortschritt dar. Und als sich die Regierung nicht mehr auf weitere
Preissenkungen einliess, forderten die Gewerkschaften die Rueckkehr zum System der freien Lohnverhandlungen. Obwohl das Lohnstopgesetz noch besteht, sind bereits die ersten Vertraege zwischen
Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Kraft getreten, in denen bestimmt wird, dass sich die Loehne nach einem Warenpreisindex zu
richten haben.
Die "Nationale Konferenz der Arbeit".
Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
wurde durch die Schaffung der sogenannten "Nationalen Konferenz
der Arbeit" gefoerdert, eine Einrichtung, die am 16. September 1944
gegruendet wurde. Seitdem haben acht Versammlungen stattgefunden
und zahlreiche Konflikte konnten auf diese Weise vermieden werden.
Durch diese Institution, in der Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sind, haben Gewerkschaftsdelegierte die Moeglichkeit, ihre Faelle vorzubringen und Beschluesse zugunsten der Arbeiter zu erwirken, wie z.B.: im Jahre 1944 eine allgemeine Lohnerhoehung von 60#, 1945 weitere 20g, (der Lohnstabilisierung und
bestimmte Abaenderungen folgten), ein gesetzlich festgelegter
Mindestlohn; eine Preissenkung von 10g im Jahre 1946, bezahlter
Urlaub, und zwar zuerst acht und dann 10 Tage jaehrlich, Erhoehung
der Familienunterstuetzungen und Pensionen.

- 9 -

�Vor dem Kriege haetten solche Forderungen langwierige Verhandlungen Innerhalb eines Bezirkes oder einer Fabrik nach sich
gezogen. • Durch die Nationale Konferenz der Arbelt dagegen Ist
es moeglich geworden, dieselben Forderungen auf nationaler Ebene
und fuer alle Arbeiter durchzusetzen. Damit koennen die Gewerkschaften in wirtschaftlichen Angelegenheiten weit mehr Einfluss
ausueben als je zuvor. Und wenn der Zentrale Wirtschaftsrat und
die einzelnen Fachausschuesse in Taetigkeit treten werden, werden
die Gewerkschaften noch eine weit einflussreichere Stellung einnehmen.
Der Zentrale Wirtschaftsrat, der am 21.September 1949 offiziell
gegruendet wurde, ist eine beratende Koerperschaft, die sieh aus
50 Mitgliedern zusammensetzt. 44 davon vertreten Unternehmer und
Arbeiter, waehrend die restlichen 6 Experten sind, die von den 44
Mitgliedern gewaehlt werden. Auf Antrag der Minister oder des
Parlaments oder aus eigener Initiative heraus soll dieses Gremium
Probleme studieren, die mit der nationalen Wirtschaft in Zusammenhang
stehen« Die Fachausschuesse ueben eine beratende Taetigkeit bei der
Behandlung von Fragen aus, die in das Spezialgebiet der Wirtschaft
fallen, fuer das sie vorgesehen sind.
Diese Institutionen sind zweifellos sehr wertvoll, aber sie
entsprechen nur In geringem Masse dem, was der FGTB erstrebt. Wir
sind der Ansicht, dass unsere Forderung nach wirksamer Beteiligung
der Arbeiter an der Betriebsleitung auf allen Gebieten nur verwirklicht werden kann, wenn die gesamte Produktion und die Verteilung
sozialisiert werden« Inzwischen setzen sich die Gewerkschaften
fuer alle Reformen ein, die unter den gegebenen Verhaelthlssen
durchzufahren sind.
Soziale Errungenschaften.
Nach harten Auseinandersetzungen konnten Betriebsraete, in
denen Arbeiter und Unternehmer vertreten sind, eingefnehrt werden,
und sie sind In allen Betrieben, die eine Belegschaft von mehr als
50 Mann haben, obligatorisch« Sie befassen sich mit Massnahmen,
die die Organisation des Betriebes und die Arbeltsbedingungen
betreffen, und sind berechtigt, von der Betriebsleitung Informationen
ueber die Produktionsleistung und andere wirtschaftliche und finanzielle Probleme zu fordern. Sie haben das Recht, die bei der Einstellung und Entlassung angewendeten Methoden zu ueberwachen und
alle sozialen Einrichtungen des Betriebes zu kontrollieren. Ausser
in dem letztgenannten Punkt haben sie nur beratende Vollmachten.
Die wichtigste Aufgabe besteht nun darin, die Arbeiter so zu erziehen, dass sie diese Rechte wirksam geltend machen koennen. Es
genuegt nicht, dass sie etwas ueber ihren eigenen Betrieb wissen;
sie muessen darueberhinaus mit den allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Problemen unserer Zeit vertraut sein« Deshalb hat der
FGTB einige Dutzend Schulen eroeffnet, in denen die zukuenftigen
Delegierten geschult werden«
Bezueglich der sozialen Sicherheit konnten die Gewerkschaften
beachtliche Erfolge erzielen« In dem Sozialversicherungssystem,
das 1944 eingefuehrt wurde, sind Arbeitslosen-, Kranken-, Invalidenund Altersversicherung, ausserdem bezahlter Urlaub, Kinderbeihilfen,
Krankenhaus- und Sterbegelder vorgesehen. Dieses System wird nicht
vom Staate finanziert, (die Katholiken lehnen dies ab) sondern von
den Arbeitern und Unternehmern, die Beitraege in Hoehe von S bis
8.5 fC bzw. 15 y0 der Arbeitsloehne entrichten. Die ersten 4000
Francs des Arbeiterlohnes werden bei der Errechnung der Beitraege
nicht in Anrechnung gebracht.

10 -

�Und schliesslich noch einiges ueber das Schlichtungswesen.
Seit 1919 bestanden Ausschuesse, In denen Arbeiter und Unternehmer parltaetlsch vertreten waren. Zuerst hatten sie die Aufgabe, sich mit der Reduktion der Arbeltszelt zu befassen, jedoch
erweiterte sich bald Ihr Aufgabenbereich. 1945 wurden diese
Kommissionen neu gebildet und erhielten Gesetzesstatut. Sie haben
sich - es sind vierzig - zu wesentlichen Organen des sozialen
Lebens entwickelt. Ihre Hauptaufgabe besteht nun darin, In solchen
Arbeltsproblemen schiedsrichterlich zu entscheiden, die der freien
Verhandlung unter den beteiligten Partnern ueberlassen bleiben;
damit sollen Konflikte in der Industrie verhuetet oder beigelegt
werden.
.«rfoln tsbü
«w Jaelegaov JßiesnxtflßwieV n9*mjaess
Der FGTB ist lebhaft und aktiv an internationalen Angelegenheiten Interessiert, besonders an dem europaeise'ien Wiederaufbau,
wo es viele Probleme gibt, die in das Interessengebiet der Gewerkschaften fallen, wie z.B. die rationelle Verteilung der Arbeitskraefte, Verbesserung der sozialen Bedingungen, Produktionsleistung und Export. Der Initiative des FGTB und aehnlicher Organisationen in den anderen Beneluxstaaten war es zu verdanken,
dass eine europaelsche Gewerkschaftskonferenz im Maerz 1948 nach
London einberufen wurde, um den Plan des Europaeischen Wiederaufbauprogramms zu ueberpruefen. So hat der FGTB auch eine aktive
Rolle bei den Vorbereitungen zur neuen Gewerkschaft Sinter nationale
gespielt, und es ist Paul Finet, der Generalsekretaer des FGTB,
der den vorbereitenden Kongress in London am 28. November 1949
eroeffnet hat.
JrioiieS ißiz&amp;itJiLstriQV
meß brclw noieelranJoS eia
%nefSa3zis
ECA Labor Information
6. Februar 1950
KOMMISSION »ES INTERNATIONALEN ARBEITSAMTES ZUR WAHRUNG DER

al«IC«fltfTTJCflfl&gt; RECHTET
Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes wird in
Kuerze die erste internationale Kommission aufgestellt haben, die
zu der Frage des Versammlungsrechtes Ermittlungen anstellen und
Vermittlungsdienste leisten wird.
fi&amp;ßtei'Zü sGJteissn' nerioelaloq
leib floitfßsslt
Der Verwaltungsrat billigte im Januar in seiner 110. Sitzung
In Mysore, (Indien; die Richtlinien, nach denen bei der Bildung
einer 9-Mann Kommission vorgegangen werden soll, die sich mit
Verletzungen der gewerlschaftlichen Rechte befassen wird.
Die Tagesordnung der 111. Sitzung, die am 8. Maerz in Genf
eroeffnet werden wird, sieht die Wahl der Mitglieder dieser Kommission vor. Gewaehlt werden soll, wer die persoenliche Befaehlgung
besitzt, und von dem man erwarten kann, dass er seine Aufgaben in
vollkommener Unabhaengigkeit erledigt.
Der Wirtschafts- und Sozialausschuss der Vereinten Nationen
forderte im August vorigen Jahres das Internationale Arbeitsamt
auf, die Bildung der Kommission sowohl im Namen der Vereinten Rationen als auch des Internationalen Arbeitsamtes vorzunehmen.
In aer Sitzung von Mysore wurde die Kommission fuer das
Internationale Arbeltsamt zusammengestellt und zu gleicher Zeit die
Bildung einer aehnlichen Koerperschaft auch fuer die Vereinten
Nationen in Aussicht gestellt.
In den vom Verwaltungsrat entworfenen Satzungen der Kommission
wird sie als ein Gremium bezeichnet, das in erster Linie die Aufgabe hat, Ermittlungen anzustellen. Ausserdem wird es jedoch
auch ermaechtigt, mit der Regierung Angelegenheiten zu besprechen,
die den Zweck haben, auftretende Schwierigkeiten durch ein Abkommen
zu beheben.
- 11 -

�Beschwerden ueber eine angebliche Verletzung der gewerkschaftlichen Rechte koennen sowohl vom Verwaltungsrat als auch von der
Generalversammlung des Internationalen Arbeitsamtes an die Kommission ueberwiesen werden. $SB
Jede Regierung, gegen die eine Beschwerde gefuehrt wird, kann
ebenfalls die Kommission zu Rate ziehen.
Gewerkschaften und Arbeitgeberverbaende koennen vorschlagen,
bestimmte Faelle der Kommission zu uebergeben. Vorschlaege dieser
Art und solche der Regierung muessen zuerst, von den Beamten des
Verwaltungsrates geprueft werden. Sie entscheiden, ob sie dem
gesamten Verwaltungsrat vorgelegt werden oder nicht.
Wenn eine Eingabe in Umlauf gesetzt worden ist, kann jedes
Mitglied des Verwaltungsrates beantragen, dass sie der Kommission
zur Bearbeitung ueberwiesen wird.
Nach einer langen Diskussion wurde beschlossen, dass Beschwerden nur mit Zustimmung der betreffenden Regierungen zur Pruefung
und Bearbeitung an die Kommission weitergeleitet werden koennen«
^enn eine Regierung ihre Zustimmung verweigert, wird der Verwaltungsrat entsprechende Massnahmen in Erwaegung ziehen, um die
umstrittenen Rechte zu wahren. Hierzu gehoert auch, dass er den
Fall an die Oeffentlichkeit bringen kann.
Die Kommission wird dem Verwaltungsrat Bericht erstatten,
der erwaegen wird, welche weiteren Schritte in Jedem Falle unternommen werden sollen*
Der Verwaltungsrat billigte ferner Vorschlaege, nach denen
sich die Kommission den Vereinten Nationen zur Verfuegung stellen
soll, wenn es sich um Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen handelt,
die nicht Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisationen sind.
Diesen Vorschlaegen zufolge haetten die Generalversammlung und der
Wirtschafts- und Sozialausschuss die Moeglichkeit, ueber den Verwaltungsrat Beschwerden an die Kommission zu ueberweisen.
Die Delegation der polnischen Regierung erklaerte sich mit
den Beschluessen ueber die Satzungen der Kommission nicht einverstanden.
Nachrichtenblatt des Internationalen
Arbeitsamtes, Genf, Februar-Maerz 1950
- 12 OFFICIAL

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

b tfieS leti:.

t'An90Mi

. netfnisteV ei5
mtns

noleelmmc
b 3.

rioc
no2jcfA
V * * 0-0?SÜ I 4 B T»b «)0 1? C

TW

lllft

3WieV aiov a&amp;b n
d malMStO nie ele 9i
*efl tab ttm ^sl^riosami
+ *l-M

i f t t n ö-' i

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I - 52

Frankfurt,

3 . Maerz 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
C l O - P r a e s i d e n t zu den V e r f a h r e n gegen kommunistische
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1
S t a t i s t i s c h e Unterlagen e r l e i c h t e r n K o l l e k t i w e r handlungen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
W i s s e n s c h a f t l i c h e H i l f s t r u p p e n fuer d i e Gewerks c h a f t e n i n U.S.A.
—
5
P a r l a m e n t a r i s c h e S p i e l r e g e l n i n U. S . A . - - - - - 7
G l e i c h e r Lohn fuer F r a u e n a r b e i t - - - - - - - - - 9
Wird d i e 40-Stundenwoche den E r r u n g e n s c h a f t e n der
modernen Technik g e r e c h t ? - - - - - - - - - - - - - 9
B i l a n z des M a r s h a l l p l a n s
- - - - - - - - - - - - - - 1 0
E i n z e l h e i t e n u e b e r das ECA-Programm f u e r t e c h n i s c h e
Hilfe
15

CI0-PRAE3IDENT ZU DEN VERFAHREN GEGEN KOMMUNISTISCHE GEWERKSCHAFTEN
Der C l O - P r a e s i d e n t P h i l i p Murray l i e s s v o r kurzem e i n e Erk l a e r u n g v e r ö f f e n t l i c h e n , d u r c h d i e a l l e U n k l a r h e i t e n ueber d i e
gegenwaertig gegen 10 kommunistisch o r i e n t i e r t e CIO-Gewerkschaften
a n g e s t r e n g t e n V e r f a h r e n b e s e i t i g t werden s o l l e n . Darin h e i s s t es
u.a.:
" I n Uebereinstimmung mit dem Willen d e r Mehrzahl s e i n e r M i t g l i e d e r t r a c h t e t d e r CIO g r u n d s a e t z l i c h danach, j e d e Verbindung
mit den von d e r TCP b e h e r r s c h t e n Gewerkschaften abzubrechen.
"Den Gewerkschaften, denen vorgeworfen w i r d , d a s s s i e von d e r
KP und i h r e n Agenten b e h e r r s c h t werden, s t e h e n . a l l e Wege o f f e n ,
um d i e gegen s i e erhobenen Anklagen durch T a t s a c h e n zu w i d e r l e g e n .
S t a t t d e s s e n bedienen s i e s i c h der Mittel der t r a d i t i o n e l l e n Feinde
d e r o r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r s c h a f t , um Unruhe i n d i e Reihen d e r CIO
zu t r a g e n . S i e v e r s u c h e n , u n s e r e O r g a n i s a t i o n i n M i s s k r e d i t zu
b r i n g e n , s i c h i n d i e T a e t i g k e i t des CIO e i n z u m i s c h e n , d i e muehsam
erkaempften V o r t e i l e zu b a g a t e l l i s i e r e n und d i e e r l i t t e n e n Ruecks c h l a e g e aufzubauschen."
Amerika Dienst
7 . Februar 1950

�STATISTISCHE UNTERLAGEN ERLEICHTERN KOLLEKTIWERHANDLUNGEN.
Wir geben in grossen Zuegen den Inhalt einer Ansprache
wieder, die Ewan Clague, Beauftragter fuer Arbeitsstatistik im US Arbeitsministerium am 31. Januar 1950 vor dem
Ersten Nationalen Jahresforum gehalten hat, auf dem
Arbeitsfragen im Transportgewerbe zur Debatte standen,
"Kollektiwerhandeln bestand in frueheren Zeiten einzig und
allein aus dem gegenseitigen Ausspielen der wirtschaftlichen
Kraefte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Dieses Verhaeltnis
wurde spaeter nach und nach durch wirtschaftliches Denken ergaenzt.
Das will nicht heissen, dass wirtschaftliches Erwaegen das gegenseitige Ausspielen der Kraefte vollstaendig ersetzt hat. Die
freie Ausuebung der wirtschaftlichen Macht der verschiedenen
Interessengruppen unserer Wirtschaft muss auch weiterhin ein
charakteristisches Merkmal unserer demokratischen Lebensfuehrung
bleiben. Was Jedoch in den letzten Jahren hinzugetreten ist, ist
die Ergaenzung der wirtschaftlichen Macht durch die Beweisfuehrung
an Hand von statistischen Tatsachen. Dies ist besonders seit der
Verabschiedung des National Labor Relatlons Act (Gesetz zur Regelung
der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern) im Jahre
1935 in Erscheinung getreten. Dieses Gesetz verpflichtete die
Arbeitgeber, die Verhandlungen mit ihren Arbeitnehmern nach bestem
Willen zu fuehren. Das bedeutete, dass die Vereinbarungen, die
getroffen wurden, — ob sie mit anderweitig entstandenen Abkommen
uebereinstimmten oder nicht — durch irgendwelche Ueberlegungen
und Tatsachen begruendet sein mussten.
Wirtschaftliche Verhandlungen koennen auf der Grundlage von
Beweismaterial gefuehrt werden, das entweder von beiden in die
Streitigkeit verwickelten Partnern oder von dritter Seite geliefert
wird. Von der Regierung geliefertes statistisches Material ist
bei Kollektiwerhandlungen besonders wertvoll, weil es auf unparteiischer Basis und ohne Beeinflussung durch die herrschende Situation
auf dem Gebiet der Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen entstanden
ist. Das Statistische Buero im US Arbeitsministerium arbeitet
wirtschaftsstatistische Berichte aus, die in der amerikanischen
Industrie auf folgende drei Arten Anwendung finden:
1.

Allgemeine Wirtschaftsinformationen.

Diese Art von Informationen steht mit dem Kollektivverhandlungswesen nicht in unmittelbarem Zusammenhang. Das Statistische Buero
ist bestrebt, den oeffentlichen Bedarf an aktuellen Wirtschaftsstatistiken, die irgendwelchen ELnfluss auf Arbeitsfragen haben
koennen, so weit wie moeglich zu decken. Die Gross- und Kleinhandelspreise fuer die verschiedensten Waren werden veroeffentlicht.
Sie koennen als Unterlage dienen, wenn Entscheidungen zur Preisregelung getroffen werden, die ihrerseits wiederum Entscheidungen
in Kollektivverhandlungen beeinflussen koennen. Zur Informierung
des Baugewerbes zum Beispiel veroeffentlicht das Buero Statistiken
ueber Preise und Kosten bei Neubauunternehmen, einschliesslich
privater Wohnungsbau, oeffentliche Bauten und Industrieanlagen*
Hieraus ist z.B. ersichtlich, wie sich der Umfang der Bautaetigkeit
indirekt aber doch sehr nachhaltig auf das Transportwesen auswirken
kann. Es wird fuer Sie von Interesse sein zu wissen, dass im
Jahre 1949 ein neuer Rekord im Wohnungsbau aufgestellt wurde es wurden mehr als eine Million neuer Wohnungsbauten begonnen.
Die Aussichten fuer das Jahr 1950 sind ebenfalls gut.
2.

Allgemeine Informationen ueber Kollektiwerhandlungen.

Das Statistische Buero veroeffentlicht ausserdem eine Reihe
sogenannter "indicator" (anzeigende) Statistiken, die mit dem
- 2 -

�Kollektivverhandlungswesen in engerem Zusammenhang stehen. Obwohl
diese Art von statistischen Berichten Ihre eigenen Probleme kaum
beruehren, koennen sie doch wertvolle Hilfsmittel sein, indem sie
Ihnen zeigen, was Sie erreicht haben im Vergleich zu anderen, die
vielleicht den gleichen Problemen wie Sie gegenueberstehen.
a. Beschaeftigtenzahl und Lohnlisten» Die Statistiken
ueber die Beschaeftigtenzahl und die Lohnlisten stellen eine der
aeltesten Veroeffentlichungen dar, die ohne Unterbrechung vom
Statistischen Buero herausgegeben wurde. Es besteht kein Zweifel,
dass die Beschaeftigtenzahl einen der bedeutendsten wirtschaftlichen Faktoren unserer Zeit bildet. Die Geschaeftsleute muessen
wissen, wie der Stand der Beschaeftigtenzahl ist, wo er fluktuiert,
mit steigender oder fallender Tendenz, und wie er in den verschiedenen Teilen des Landes verschieden ist. Auch ist ,die Beschaeftigtenzahl ein wirtschaftlicher Faktor, der bei der Bestimmung der oeffentlichen Wirtschaftspolitik eine Rolle spielt.
Auf Grund von Berichten von Unternehmern veroeffentlicht das
Statistische Buero fuer den Gebrauch im ganzen Land monatliche
Schaetzungen der Beschaeftigtenzahl, Lohnlisten, Wochenverdienste
und Arbeitszeit in etwa 200 verschiedenen Industriezweigen.
Die zustaendigen Behoerden der einzelnen Staaten erhalten ebenfalls
Berichte von den Unternehmern, die sie zusammenstellen und in
aehnlicher Weise fuer die Industrien in ihrem Staat veroeffentlichen.
Um zu vermeiden, dass diese Berichte in doppelter Form von den
Unternehmern eingereicht werden muessen, hat das Statistische
Buero mit den Regierungsstellen der verschiedenen Staaten Vereinbarungen getroffen, nach denen die Berichte der Unternehmer zuerst
an den betreffenden Staat geschickt und dann von dort aus an das
Statistische Buero im Arbeitsministerium weitergeleitet werden, wo
sie bei statistischen Berechnungen auf nationaler Ebene verwendet
werden. Fuer Sie duerften die statistischen Angaben fuer das
Bau- und Transportgewerbe und fuer den Gross- und Kleinhandel von
besonderem Interesse sein«
b. Produktionsleistung. Die Produktionsleistung ist ein
Faktor, dem seit dem Kriege in zunehmendem Masse Aufmerksamkeit
geschenkt werden musste. Damit ist nicht nur der Anteil des
Arbeiters an der gesteigerten Produktionsleistung gemeint. Einbegriffen sind vielmehr alle Faktoren der technologischen Entwicklung: Betriebsleitung, Maschinen, Versorgung mit Rohstoffen
und die Leistung des Arbeiters. Dies alles zusammen gestaltet
das Gesamtbild der industriellen Produktionsleistung. Die
Entwicklungen der allgemeinen Produktionsleistung werden von dem
Statistischen Buero ueberwacht, um sich einen Gesamtueberblick
ueber die Kosten der Arbeitseinheit verschaffen zu koennen.
Darueberhinaus beschaeftigt sich das Statistische Buero mit den
direkten Arbeitskosten einer beschraenkten Anzahl von Produkten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in einer Form veroeff entlicht, die die fuer die Herstellung von Standardartikeln
erforderliche Arbeitsleistung pro Mann und pro Stunde erkennen
laesst.
c. Unfaelle in der Industrie. Sicherheitsprogramme sind fuer die
amerikanische Industrie von wesentlicher Bedeutung. Sowohl die
Gewerkschaften als auch die Unternehmer haben es sich viel Zeit und
Geld kosten lassen, um Programme durchzufuehren, die die Zahl der
Verletzungen bei der Arbeit und der industriellen Unfaelle reduzieren Sollen. Das Statistische Buero veroeffentlicht regelmaessig
statistische Angaben ueber Verletzungen und Unfaelle in der Industrie.
3.

Spezifische Statistiken fuer Kollektiwerhandlungen.

Fuer Kollektivverhandlungen werden bestimmte statistische Unterlagen benoetigt, die fuer die Besonderheit der Probleme geeigneter
- 3 -

�sind als die bis jetzt beschriebenen allgemeinen Informationen.
Bei den Verhandlungen, aus denen die Tarlfvertraege entstehen,
koennen die folgenden Arten von Statistiken wertvolle Dienste
leisten:
a. Preisindex fuer Verbrauchsgueter» Während des Krieges
bestand ein lebhaftes Interesse fuer die Lebenshaltungskosten,
und der vom Statistischen Buero regelmaesslg aufgestellte Preisindex fuer Verbrauchsgueter galt als Richtschnur bei der Festsetzung der Tarife. Als die staatliche Lohnkontrolle nach Beendigung des Krieges aufgehoben wurde, haette man erwarten koennen,
dass auch das Interesse hlerfuer nachlassen wuerde. Das war
jedoch nicht der Fall, well die Lebenshaltungskosten bei Kollektivier handlungen auch weiterhin in Betracht gezogen wurden.
Unternehmer und Gewerkschaften sahen in den Lebenshaltungskosten
einen Faktor, der bei der Festsetzung der Tarife berueckslchtigt
werden muss. Der 2-Jaehrige Vertrag, der Im Mal 1948 zwischen
der "General Motors Corporation" und der Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter abgeschlossen wurde, sieht in ganz
praeziser Form die Berücksichtigung des Verhaeltnisses zwischen
Loehnen und Preisindex fuer Verbrauchsgueter vor. Kein anderes
Unternehmen und keine andere Gewerkschaft haben derartig genaue
Masstaebe angelegt; die Berücksichtigung der Preise fuer Verbrauchsgueter kommt jedoch bnchstaeblich in Tausenden von Vertraegen in einer Form oder der anderen zum Ausdruck, so haben
zum Beispiel verschiedene Unternehmen bei der Anglelchung der
Lohntarife nichtorganisierter Arbeiter diesen gleichen Preisindex
zu Hilfe genommen.
Der monatliche, nationale Index fuer Veraenderungen der
Lebenshaltungskosten von Familien der mittleren Einkommengruppen
stuetzt sich in erster Linie auf statistische Angaben, die In
34 groesseren Staedten von Beamten gesammelt werden. Der monatliche Bericht enthaelt eine sorgfaeltig zusammengestellte Aufstellung der Ausgaben einer Familie. Die Verbrauchsgueter werden
einzeln nach Art und Qualitaet beschrieben und der betreffende
Preis jeden Monat in Geschaeften festgestellt, deren sich
Familien der mittleren Einkommensgruppen bedienen«
b. Statistiken ueber Loehne und Lohntarife. Eines der
kritischsten Wirtschaftsprobleme der Nachkriegszeit ist das der
Loehne und Lohntarife. Sobald die Lohnkontrolle der Regierung
nach Beendigung des Krieges aufgehoben war, bestand auf Seiten •
der Gewerkschaften die Tendenz, allgemein hoehere Lohntarife
zu erzielen. Der Druck von dieser Seite wurde verstaerkt durch
die Reduzierung der Arbeitszelt, den Wegfall der Bezahlung fuer
Ueberstunden, was in vielen Industriezweigen ein Zusammenschrumpfen der Lohntueten der Arbeiter zur Folge hatte, und
ausserdem durch das Ansteigen der Lebenshaltungskosten. Die
gegenteiligen Meinungen ueber die Hoehe der Lohntarife fuehrten
dazu, dass man mehr und mehr vom Statistischen Buero Informationen,
ueber Tarife, nach Berufen und Industrien geordnet, verlangte.
Informationen ueber Loehne koennen die Aussenbeamten direkt
bei den Unternehmern durch Einsicht ihrer Lohnlisten einholen.
Sie sind hierzu nach den Bestimmungen eines Programms der Zusammenarbeit berechtigt, das schon viele Jahre besteht und dazu
bestimmt ist, aktuelle Angaben ueber die Lohnverhaeltnlsse in
den verschiedenen Industrien des Landes zu liefern. Die veroeffentlichten Ergebnisse gewaehren Einblick in die Lohntarife jedes
Industriezweiges. Sie sind nach den verschiedenen Berufen in
der Industrie geordnet. Ausserdem sind die Tarife fuer die verschiedenen Beschaeftigungsarten in ihrer genauen Hoehe angegeben.
Also sind nicht nur der allgemeine Durchschnitt und die hohen und
niedrigen Tarife, sondern auch die einzelnen Stufen im Tarifsystem
ersichtlich.
4 -

�c. Tarifvertraege. Die "Industrial Relations Division"
(Referat fuer Arbeitnehmer-Arbeitgeber Wechselbeziehungen) im Statistischen Buero des Arbeitsministeriums ist im Besitz von Abschriften vieler Tausender von Tarifvertraegen, die in den verschiedensten
Unternehmen abgeschlossen wurden und gueltig sind. Von dieser
Dienststelle werden typische Vertragsbestimmungen veroeffentlicht,
die Bezug haben auf Pensionen, Sicherheit der Gewerkschaft, Urlaub,
Feiertage, Akkordloehne, Zeitstudium, Ausbildung von Lehrlingen,
Befoerderung, Entlassungen, Abwesenheitsurlaub, Anpassung der Loehne,
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Betriebsleitung, Leistungsfaehigkeit des Betriebes, Seniorenrechte, Streiks und Aussperrungen,
Sicherheit, Gesundheit und sanitaere Einrichtungen. Eine Sammlung
von Tarifvertraegen steht der Oeffentlichkeit zur Einsicht offen,
damit jeder, der sich unterrichten will, auch eine bestimmte Phase
des kollektiven Verhandlungswesen studieren kann, die in den veroeff entlichten Berichten noch nicht behandelt wurde.
US Arbeitsministerium
Statistisches Buero
WISSENSCHAFTLICHE HILFSTRUPPEN FUER DIE GEWERKSCHAFTEN IN U.S.A.
Die amerikanischen Gewerkschaften ziehen mehr
und mehr erstklassige Volkswirtschaftler,
Betriebswirtschaftler und Spezialisten fuer
besondere Gutachten heran, wenn sie Lohnforderungen erheben. Der Elektriker-Verband hat
kuerzlich einen der bekanntesten Wirtschaftskenner in einem solchen Falle zu Rate gezogen,
und wir geben den folgenden interessanten Bericht der "CIO News" darueber wieder:
Der bekannte Volkswirtschaftler Robert R. Nathan hat fuer
den Internationalen Elektriker-Verband (IUE-CIO) einen Bericht
ausgearbeitet, in dem er beweisst, dass das Unternehmen "General
Electric" auf Grund seiner enormen Gewinne es sich leisten kann,
seinen Arbeitnehmern hoehere Loehne zu zahlen und dabei noch gute
Einnahmen aus seinem investierten Kapital zu beziehen.
Es ist das erste Mal, dass ein Gutachten in dieser Form den
Arbeitern der "General Electric" zur Verfuegung gestellt wurde.
Die Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter (UE), die wegen
ihrer kommünistischen Tendenzen aus den Reihen der uebrigen Gewerkschaften ausgestossen wurde, hat weder die Moeglichkeit noch
die Zeit, derartige Untersuchungen durchfuehren zu lassen. Ausserdem wuerde sich kein anstaendiger Volkswirtschaftler dieser Organisation zur Verfuegung stellen.
In dem Bericht Nathans an den Internationalen Elektriker Verband IUE-CIO heisst es:
Die durchschnittlichen, Jaehrlichen Realeinkommen der Arbeiter
der "General Electric" lagen 1948 nur um 2,2# hoeher als im Jahre
1939. (Das heisst, die Kaufkraft ihres Einkommens ist, gemessen
an der aus dem letzten Jahre vor dem Kriege, nur um 2,2 % gestiegen.)
Sie liegen damit weit hinter dem durchschnittlichen Einkommen in der
gesamten elektrischen Industrie zurueck, die um 14# gestiegen sind.
In anderen Industrien liegen die Loehne noch viel hoeher; in der
gesamten Fertigwarenindustrie z.B. haben sich die Einkommen um 29,8#
erhoeht.
Die Gewinne der "General Electric" haben sich in der Zeit
zwischen 1939 und 1948 mehr als verdreifacht. Steuerunterlagen
- 5 -

�haben bewiesen, dass die "General Electric* ihre gesamten Kapitalanlagen innerhalb von drei Jahren verdoppeln koennte.
Im Gegensatz zu der Erhoehung der jaehrlichen, durchschnittlichen Realeinkommen der Arbeiter um 2,2$, hatten sich die Gewinne
der Aktionaere dieser Gesellschaft im Jahre 1948 um 87$ seit dem
Jahre 1937 vermehrt - und dieser Zahl ist ebenfalls die Kaufkraft
des Dollars von 1939 zugrunde gelegt.
Die "General Electric" liegt bezueglich der Steigerung ihres
Verkaufs weit an der Spitze vor den anderen Unternehmen. Von 1939
bis 1948 haben sich die Verkaeufe um 377$ erhoeht - das bedeutet,
dass fuer jeden im Jahre 1939 eingegangenen Dollar fast 5 Dollar
im Jahre 1948 eingenommen wurden. Dabei ist der Verkauf, verglichen
mit der BeschaeftigungsZiffer, um mehr als das Doppelte angestiegen.
Die Aktiven der "General Electric" haben sich fast verdreifacht.
Nathan kam zu der Schlussfolgerung, dass die Arbeiter dieser
Gesellschaft auf eine wesentliche Erhoehung ihrer Realloehne Anspruch haetten und erklaertet, dass "die Aussichten fuer Geschaeftstaetigkeiten und Gewinne der "General Electric" im Jahre 1950 und
auch danach ausgezeichnet seien, und zwar nicht nur wegen der voraussichtlich allgemein guenstigen Geschaeftslage im Jahre 1950,
sondern auch wegen der vielversprechenden Aussichten fuer die
elektrische Industrie auf dem Gebiet der Licht - und Starkstromversorgung im besonderen."
James B. Carey, Vorsitzender des Verwaltungsrates des IUE-CIO,
und andere Vorstandsmitglieder dieser Organisation waren in enger
Zusammenarbeit mit Nathan an der Ausarbeitung des Berichtes ueber
die "General Electric" beteiligt.
Nachdem man sich eingehend mit den Realeinkommen der Arbeiter
der Gesellschaft befasst hatte, erklaerte Carey: "Es ist nicht
verwunderlich, dass die "General Electric" mit einer schwachen
Organisation zu verhandeln wuenscht, die sich nicht fuer die Arbeiter einsetzt, wie zum Beispiel mit dem UE."
Carey und Nathan erklaerten, dass es das Ziel in den vom
IUE-CIO gefuehrten Verhandlungen sei, den Arbeitern ihren gerechten
Anteil am Gewinn zu sichern. "Ein Arbeiter sollte die Ware, die
er herstellt, kaufen koennen,1* sagte Carey.
Nathans Bericht ist in drei Hauptabschnitte unterteilt:
Im ersten werden die Lebensbedingungen der Arbeiter der
"General Electric" mit denen der Arbeiter im allgemeinen verglichen.
Der zweite Abschnitt zeigt, dass das Unternehmen absolut in
der Lage ist, bessere Loehne, ausreichende Pensionen, eine Wohlfahrtskasse und andere soziale Verbesserungen zu finanzieren.
Und im dritten Abschnitt wird darauf hingewiesen, dass eine
Verbesserung der Bensbedingungen der Arbeiter des Unternehmens nicht
nur den Arbeitern selbst, sondern auch dem Unternehmen und dem ganzen Lande zugute kaeme, da damit die Kaufkraft erhoeht wuerde.
In einer Rundfunksendung des CIO erklaerte Nathan vor kurzem:
"Der wirtschaftliche Beratungsausschuss des Praesidenten befürwortet Massnahmen zur Anregung der GeschaeftsInvestierungen
und sieht ganz richtig im Gewinn einen Ansporn zur Kapitalanlage.
- 6

�Er weisst jedoch darauf hin, dass trotz der hohen Gewinne die
Geschaeftsleute mit einer Erweiterung ihres Unternehmens so
lange zurueckhalten, bis sich die Aussichten fuer den Absatz
besser gestalten. Einige Unternehmer geben sich mit der jetzigen
Groesse ihres Unternehmens und dem Umfang ihrer geschäftlichen
Taetigkeit zufrieden. Die meisten moechten sich vergroessern.
"Ein umsichtiger Geschaeftsmann wird seine Fabrik jedoch nicht
erweitern, wenn er nicht auch die Gewissheit hat, dass er seine
Produkte verkaufen kann. Derjenige, der Geld anlegen will, wird
kein Wohnhaus bauen, ohne einlgermassen sicher zu sein, dass er
Mieter finden wird, die die Miete bezahlen koennen. Die Kapitalanlage ist unbedingt vom Verbrauch abhaengig.
"Ich persoenlich bin der Ansicht, dass wir in Amerika waehrend
der letzten zwei bis drei Jahre unsere Produktionskapazitaet im
Vergleich zu den Absatzmöglichkeiten viel zu schnell erweitert
haben. Wir koennen zum Beispiel nicht unsere Produktionskapazitae*
fuer Radiogeraete um eine weitere Million Einheiten pro Jahr erhoehen, waehrend die VerbrauchsSteigerung fuer diesen Artikel nur eine
i Million pro Jahr betraegt. Ein solches Verhaeltnls ist unsinnig.
"Der Wirtschaftsausschuss stelle fest, - und ich bin der
gleichen Meinung, - dass sich der Verbrauch schneller vergroessern
muesse als Fabriken und deren Einrichtungen, dass beide Jedoch
unaufhoerlich wachsen muessten. Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung.
Die Schlussfolgerung des Ausschusses hieraus heisst natuerlich,
dass es durch private und oeffentliche Massnahmen gelingen muss,
das Verbrauchsniveau zu heben, das augenblicklich nicht hoch genug
ist, um die Vollbeschaeftigung gewaehrleisten zu koennen.
"Wenn der Markt die Erzeugnisse der Industrie nicht absorbieren
kann, dann liegt dies nicht etwa daran, dass das Volk nicht mehr
verbrauchen moechte, als es zur Zeit verbraucht. Es liegt vielmehr an der Kaufkraft und der Verteilung unseres Gesamtvermoegens.
Ich bin ueberzeugt, dass nur wenige unserer Hoerer es als eine
Haerte empfinden wuerden, groessere und bessere Wohnungen und mehr,
und bessere Kleidung und Nahrungsmittel zur Verfuegung zu haben.
"Es fehlen uns vielmehr die Mittel, um das kaufen zu koennen,
was wir haben moechten. Es scheint uns unsinnig, dass wir uns
mit dem Krebsgang unserer Wirtschaft, mit Arbeitslosigkeit und
geschlossenen Betrieben abfinden sollen, nur weil wir keine Massnahmen treffen wollten, die eine ausreichende Kaufkraft gesichert
haetten.
"In dem Bericht des Ausschusses wird der Ausgeglichenheit
der wirtschaftlichen Faktoren besondere Bedeutung zugemessen und
die Frage, wohin unsere Einkommen gehen, und wie sie verwendet
werden, findet besondere Beruecksichtigung. Damit hat man unser
wirtschaftliches Problem mitten ins Herz getroffen."
Organ des Internationalen ElektrikerVerbandes, "The IUE-CIO News,"
23. Januar 1950
PARLAMENTARISCHE SPIELREGELN IN U.S.A.
Letzte Beleidigung im Senat fiel 1888.
Washington — (Amerika Dienst) —
Als Dr. Schumacher durch
seine scharfe Kritik an Bundeskanzler Adenauer die Aufmerksamkeit
der Welt auf sich zog, haben manche politischen Beobachter in
- 7 -

�I

Washington sich die Frage vorgelegt, was passieren wuerde, wenn
ein amerikanischer Senator sich von der Debatte hinreissen und die
traditionellen Hoeflichkeitsregeln ausser acht lassen wuerde.
Nach den vorliegenden Senatsprotokollen ereignete es sich 1888
zum letzten Mal, dass ein Senator wegen Beleidigung eines Kollegen
disziplinarisch bestraft wurde. Er hatte ein anderes Mitglied
des Hauses als "Luegner und dreckigen Hund" bezeichnet. Der Beleidiger wurde daraufhin prompt von der Sitzung ausgeschlossen. Nach
zwei Tagen entschuldigte er sich und nahm seine Arbeit wieder auf.
Die Verfahrensregeln des Senates bestimmen, dass: "...kein
Senator im Verlauf der Debatte direkt oder indirekt einem oder
mehreren anderen Senatoren in i/rgendeiner Form ein Verhalten oder
Motiv unterstellen soll, das eines Senators unwuerdig oder fuer
ihn ungehoerlg ist.
In der Praxis ist diese Regel natuerlich verletzt worden.
Durch Erfahrungen hat der Senat gelernt, dass im Rahmen gewisser
Grenzen heftige Debatten und temperamentvolle Ausbrueche oft dazu
beigetragen haben, die wirklichen Kernpunkte einer zur Diskussion
stehenden Frage ans Tageslicht zu bringen. Es ist daher nicht ueblich, dass der Senat mit einem Angehoerigen des Hauses, dem in der
Hitze des Gefechtes sein Temperament durchgeht, drastisch verfaehrt.
Man weiss, dass das demokratische Gesetzgebungsverfahren das Ergebnis von MeinungsVerschiedenheiten, Debatten und Kompromissen ist.
Keine Beamtenbeleidigung in U.S.A.
Der Bonner Vorschlag, ein Gesetz zu schaffen, das die Kritik
an deutschen Beamten strafbar machen soll, wurde hierzulande in
parlamentarischen Kreisen mit unglaeubigem Staunen entgegengenommen.
Kein Mitglied der Regierung der Vereinigten Staaten einschliesslich
des Praesidenten ist immun gegen Angriffe aus dem Kongress. Doch
haben Brauch und Tradition ein ungeschriebenes Gesetz entstehen
lassen, das den Praesidenten vor Verbalinjurien in den Kongresssaelen bewahrt. Kennern des parlamentarischen Verfahrens ist kein
Fall bekannt, in dem ein Kongressabgeordneter wegen Anwuerfen gegen
den Praesidenten haette zur Ordnung gerufen werden muessen.
Die Mitglieder des Kabinetts des Praesidenten geniessen keinerlei Immunitaet gegen Angriffe. Wenn auch Kabinettsmitgliedern nicht
gestattet ist, zur Abgabe von Erklaerungen als Redner im Kongress
aufzutreten, werden sie doch haeufig vor Kongressausschuessen *ur
Auskunfterteilung gerufen, wo sie sich eingehenden Fragen und oft
auch scharfer Kritik stellen muessen.
Seit dem Buergerkrieg von 1861 - 1365 ist noch nie wieder ein
Mitglied des amerikanischen Senates ausgestossen worden. Im Verlauf seiner ganzen Geschichte hat der Senat nur achtzehn seiner
Mitglieder ausgestossen - die meisten waren Senatoren, die in die
Armee der Suedstaaten eingetreten waren und somit des Hochverrates
gegen die anerkannte Staatsregierung beschuldigt wurden.
Nur fuenfmal seit 1789 haben die Bestimmungen, die die Redefreiheit im Kongress regeln, unbedeutende Aenderungen erfahren und
seither haben keine Aenderungen mehr stattgefunden. Doch behalten
sich beide Haeuser des Kongresses das* Recht vor, mit einer Zweidrittelmehrheit Parlamentsmitglieder auszuschliessen, die sich
eines unparlamentarischen Verhaltens schuldig gemacht haben. Gegen
eine solche Entscheidung gibt es keine Berufung.
"Amerika Dienst"
13. Januar 1950

�GLEICHE LOHN FUER FRAUENARBEIT
Zahlreiche Kollektiwertraege, die zwischen amerikanischen
Gewerkschaften und Unternehmern abgeschlossen wurden, beinhalten
Bestimmungen ueber die Gleichstellung von Frauen bei der Bezahlung.
Einzelne Bundesstaaten haben waehrend des Krieges diesbezügliche
Gesetze erlassen, und drei weitere Staaten sowie das Territorium
Alaska verabschiedeten derartige gesetzliche Bestimmungen im Jahre
1949. Auf diese Art und Weise besitzen 12 der Bundesstaaten Gesetze,
die eine gleiche Bezahlung von Frauen im privaten Arbeitsverhaeltnis vorsehen« Zwei Staaten beschlossen derartige Gesetze bereits
im Jahre 1919.
Viele der 48 Bundesstaaten dehnen nunmehr den Grundsatz der
gleichen Bezahlung fuer Frauen auch auf den Dienst In Behoerden
aus« Die Bundesregierung setzte bereits im Jahre 1923 ein Gehaltsschema fest, das fuer alle Dienstraenge entsprechende gleiche Bezahlung ohne Unterschied des Geschlechts vorsieht«
Zur Zeit steht Im amerikanischen Kongress ein Gesetzesvorschlag zur Beratung, der eine Erweiterung des Grundsatzes der
gleichen Bezahlung fuer den zwischenstaatlichen Handel (Betriebe,
die Waren herstellen, die von einem Bundesstaat geliefert werden)
beinhaltet. Der Vorschlag wird sowohl von der AFL als auch vom
CIO, den beiden groessten Gewerkschaftsverbaenden der U.S.A«,
unterstuetzt.
Amerika Dienst
7. Februar 1950
WIRD DIE 40-STUNDENWOCHE DEN ERRUNGENSCHAFTEN DER MODERNEN
TECHNIK GERECHT?
Washington — (Amerika Dienst) — In einer Denkschrift an
die Vereinten Nationen forderte der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL eine Herabsetzung der Arbeitszeit in der ganzen Welt«
Die AFL, einer der beiden groessten amerikanischen Gewerkachaftsverbaende, verlangt die allgemeine Elnfuehrung der 40-Stunden-Woche,
die dann im Laufe der Zeit auf 30 Stunden herabgesetzt werden koennte.
Die Verkuerzung der Arbeitswoche in der ganzen Welt waere
eine Aufgabe, die vom UN-Wirt Schafts- und Sozialrat in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation in Angriff genommen werden muesste. Die Internationale Arbeitsorganisation
hatte bereits «im Jahre 1935 eine Konvention zur Billigung des
Grundsatzes der 40-Stunden-Woche gefordert. "Trotzdem steht die
vorgeschlagene Aenderung noch laengst nicht vor ihrer Verwirklichung", heisst es in dem Memorandum«
In Australien, Kanada und Amerika kommt man der 40-StundenWoche am naechsten; in anderen Laendem"muesste die Arbeitswoche
erheblich verkuerzt werden, um die Bedingungen der Konvention der
Internationalen Arbeitsorganisation aus dem Jahre 1935 zu erfuellen."
Wie AFL betont, wurde die Beschaeftlgtenzahl in Amerika von
der Kuerzung der Arbeitswoche auf durchschnittlich 40 Stunden
nicht beruehrt« In den U.S.A. ist gesetzlich festgelegt, dass
Arbeiter, die mit der Herstellung von Guetern fuer den zwischenstaatlichen oder Exporthandel beschaeftigt sind, das l£-fache
ihres regulaeren Stundenlohns bekommen, wenn sie ueber 40 Stunden
pro Woche arbeiten. In einigen Industriezweigen wurde auf Grund
von Kollektivverhandlungen eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit erreicht. So arbeiten z.B. die Angestellten der Bekleidungs1
Industrie nur 35 Stunden in der Woche«
- 9 -

�In dem Memorandum wird ausserdem darauf hingewiesen, dass
die Kuerzung der Arbeltswoche In Amerika von einem staendlgen
Fortschritt der Lelstungsfaehlgkelt und der Produkt Ionskapazitaet begleitet war. In den NachkriegsJahren ist die Produktion
um 2,3g pro Jahr gestiegen.
Auch wird In dem Memorandum betont, dass das augenblickliche
Industrielle Zeltalter Immer produktlonsfaehlgere Einrichtungen
hervorbringt, die auf Grund Ihrer staendlg zunehmenden Mechanisierung weniger Betriebspersonal erforderlich machen.
Bezueglich der ausserordentlichen Wirkungen des technischen
Fortschrittes weist da* Memorandum auf die Juengsten Entwicklungen
in der Physik hin, "die fuer die Zukunft der Industrie und die
Befriedigung der menschlichen Beduerfnlsse von weittragender
Bedeutung sind." Diese Entwicklungen beziehen ein: die Atomspaltung, Ultraschall und eine grosse Anzahl von Erscheinungen,
die man unter dem Namen Hochfrequenztechnik zusammenfasst.
"Es setzt sich langsam die Anschauung durch, dass die zunehmende Verwendung von Hochfrequenzgeraeten nicht nur fuer Wissenschaft und Technik, sondern auch fuer Oeschaeft und Regierung von
grosser Bedeutung sein wird. Immer mehr gelangt man zu der Ueberzeugung, dass diese neuen Maschinen eine zweite industrielle Revolution einleiten."
Amerika Dienst
24. Februar 1950
BILANB DES MARSHALLPLANS
Im folgenden geben wir im Auszug eine Erklaerung
wieder, die der Leiter der ECA-Sondermisslon fuer
Westdeutschland, Robert M. Hanes am 24. Februar
in Washington abgab.
"Seitdem zum letzten Mal ein BDA-Miss Ions-Chef fuer Deutschland vor dem Kongress erschien, sind in diesem Land grundsaetzllche
Veraenderungen eingetreten. Westdeutschland hat eine eigene Regierung, und der voellige Zusammenschluss der amerikanischen, britischen und franzoeslschen Zone ist nahezu vollendet. Die Militaerregierung wurde durch eine zivile Institution, die Alliierte Hochkommission, ersetzt.
Die deutsche Bundesregierung nimmt nunmehr mit allen Rechten
und Verpflichtungen am Marshallplan und seinen Organisationen teil.
Im Oktober 1949 wurde die Bundesrepublik ein vollberechtigter Partner in der Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Europas (OEBC), wo sie nunmehr eine eigene Stimme hat und nicht
mehr durch die Alliierten vertreten wird. Im Dezember 1949 wurde
ein zweiseitiges Abkommen zwischen der Regierung der Vereinigten
Staaten und der deutschen Bundesrepublik geschlossen.
Der gewaltige Aufschwung in der Industrieproduktion, der
die Zeit vom Juni bis Dezember 1948 bestimmte, Hess waehrend der
ersten Haelfte des Jahres 1949 nach. Im Laufe der letzten sechs
Monate des gleichen Jahres war jedoch ein Wiederansteigen der
Produktion festzustellen. Die deutsche Produktion hat sich mehr als
verdoppelt, seitdem das Europaelsche Wiederaufbauprogramm gestartet
wurde.

- 10 -

�Im Mai 1948 erreichte der Produktionsindex eine Hoehe von
47 Prozent des Standes von 1936, im November 1949 hatte er einen
Hoechststand von 98 Prozent erreicht. Durch diesen Anstieg konnte
Deutschland einen Anfang damit machen, wieder die wichtige Rolle
zu spielen, die es frueher als Produzent und Verbraucher in der
europaeischen Wirtschaft innehatte, und wieder einer der Hauptpartner des europaeischen Handelsaustausches zu werden. Durch den
Produktionsanstieg konnte ein grosser Teil des angestauten Bedarfs,
besonders auf dem Sektor der Verbrauehsgueter, befriedigt werden.
Waehrend des letzten Jahres sind die Preise im allgemeinen stabil
geblieben, und in den letzten Monaten sind sogar Preisrueckgaenge
eingetreten. Fuer Verbrauc hsguet er wurden Rationierung und Preis«*
kontrollen abgeschafft. Heute bestehen derartige Kontrollen nur
noch fuer Treibstoffe und einige landwirtschaftliche und industrielle Gueter. Der gegenwaertige Stand des Nahrungsmittelverbrauchs
und der landwirtschaftlichen Produktion ist bedeutend hoeher als
noch vor einem Jahr. Die taeglich zur Verfuegung stehende Lebensmittelmenge betraegt etwa 2 500 Kalorien gegenueber 2 900 vor dem
Krieg. Obwohl qualitaetsmaessig der Stand der Vorkriegstage noch
nicht wieder erreicht wurde, bietet der heute zur Verfuegung stehende Speisezettel genau soviel Abwechslung wie damals. Allerdings ist diese Verbesserung der Lebensmittelsituation das Ergebnis
der Nahrungsmittelimporte und ungewoehnlich guter Wetterverhaeltnisse. Sie beruht nicht auf irgendwelchen grundlegenden Verbesserungen von Produktions-Methoden oder -Planung in der deutschen
Landwirt sc haft•
Auf monetaerem Gebiet war das hervorstehendste Merkmal des
letzten Jahres die Tendenz von der Inflation zur Deflation. Die
Waehrungsreform vom Juni 1948 hat einen Ansturm der Kaeufer ausgeloest, der gegen Ende des gleichen Jahres ueberaus ernste Formen
anzunehmen drohte. Die Einfuehrung einer strengen Kreditkontrollpolitik und das Nachlassen der abnormen Verbrauc hernachfrage vermochten die inflationistische Tendenz zu stoppen und die Situation
zu stabilisieren. Tatsaechlich machte sich in den folgenden Monaten ein deflationistischer Druck bemerkbar. Um nunmehr dieser
Deflationstendenz zu begegnen, wurden ECA-Gegenwertmittel fuer
Investitionszwecke freigegeben und die Kreditpolitik ü b e r a u s iert.
Im Zahlungsverkehr mit dem Ausland wurde die deutsche Waehrung im
Herbst 1949 abgewertet. Damit folgte Deutschland dem Beispiel
anderer europaeischer Laender und verbesserte die Konkurrenzfaehigkeit der deutschen Exporteure auf den Weltmaerkten.
Die Frage der Dollarknappheit stellt auch heute noch das
schwierigste Problem Deutschlands dar. Nur ein Zehntel der deutschen Dollar-Importe werden durch Exporte nach Laendern mit harter
Waehrung gedeckt. Der Fehlbetrag wird durch amerikanische Hilfe
aufgebracht, der das unmittelbare Verdienst fuer die bisher erzielte wirtschaftliche Erholung zukommt, doch es verbleiben noch
immer ernste Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet, die
ueberwunden werden muessen.
Ich moechte in diesem Zusammenhang kurz auf die Punkte eingehen, die wir gegenwaertig als die wichtigsten wirtschaftlichen
Probleme Westdeutschlands ansehen:
1.

Produktion:

Westdeutschland muss seine landwirtschaftliche und seine
industrielle Produktion steigern, wenn es ohne Hilfe von aussen
weiter leben soll. Es kann niemals mehr als rund 65 Prozent
- 11 -

�seines eigenen Nahrungsmittelbedarfes selbst erzeugen* Um die
NahrungsmittelImporte zu verringern und die heimische Produktion
zu steigern, werden gegenwaertig entschiedene Anstrengungen unternommen. Hemmende Faktoren auf dem landwirtschaftlichen Sektor
sind die Festpreise, besonders fuer Getreide, die weder einen
Anreiz fuer die deutsche Erzeugung derjenigen Nahrungsmittel bieten,
die andernfalls mit Dollarimporten beschafft werden muessten, noch
deren uebermaessigen Verbrauch verhindern helfen. Die deutschen
landwirtschaftlichen Methoden sind veraltet, die wissenschaftliche
Forschung auf dem Gebiete der Landwirtschaft und die Unterrichtung
der Lebensmittelerzeuger in den letzten 15 Jahren voellig ungenuegend. Durch technische HilfsProgramme werden gegenwaertig alle
Anstrengungen unternommen, um die Landbevoelkerung mit modernen
technischen Methoden vertraut zu machen.
Mangelhafte Technisierung fuehrte zu hohen Gestehungskosten
und ist daran schuld, dass die Programme zur Urbarmachung und
Bodenverbesserung nur langsame Fortschritte machen. Schaetzungsweise 200 000 Hektar Land koennten unter Verwendung moderner Methoden zusaetzllch urbar gemacht werden. Die Rueckstaendlgkelt Deutschlands auf diesem Sektor laesst sich an gewissen Gebieten, zum Beispiel an der hollaendisehen Grenze, aufzeigen. Auf hollaendischer
Seite wurden hohe Ertraege aus dem Land herausgeholt, waehrend der
deutsche Teil nur als Oedland anzusprechen ist. Geldmittel aus dem
ECA-Gegenwertfonds wurden fuer Bodenverbesserungsmassnahmen und zur
Beschaffung von landwirtschaftlichen Maschinen bereitgestellt.
Die Produktion der Industrie, die allerdings einen relativ
viel besseren Leistungsgrad als die Landwirtschaft aufweist, ist
nach amerikanischen Masstaeben noch Immer ungenuegend und unrentabel. Nach gegenwaertlgen deutschen Vorhersagen rechnet man
bei Abschluss des ERP damit, einen Stand von 107 Prozent der
Erzeugung von 1938 erreicht zu haben. Dies ist unserer Meinung
nach weit weniger, als erreicht werden kann. Die Industrielle
Produktion kann und muesste zumindest auf 120 Prozent des Standes
von 1936 gebracht werden. Hindernisse wie teure Handarbeit und
Mangel an InvestitIonskapital muessen ueberwunden werden. Das Problem Westdeutschlands ist es, geeignete Waren nach geeigneten Laendern zu exportieren und die Ausfuhrgueter zu Selbstkosten zu produzieren, die sie auf den Weltmaerkten konkurrenzfaehig machen«
Dazu ist eine Umgestaltung und Neuorientierung des Denkens der
deutschen Industrie noetlg, das sich bisher nur Innerhalb der Grenzen geschuetzter Maerkte, der Monopole und Kartelle bewegte und
nie in vollem Umfang der Wirklichkeit eines wahrhaft freien und
konkurrenzbestimmten Marktes ausgesetzt war.
Die Vertreter der deutschen Industrie halten noch immer am
Gedanken eines niedrigen Umsatzes bei hoher Gewinnspanne fest,
statt sich zu einer ausgedehnten Produktion bei niedriger Gewinnspanne zu entscheiden. Darueber hinaus wird der deutsche Export
noch immer durch das Fehlen geeigneter Handelsorganisationen gehemmt sowie durch das unzulaengliche Wissen um moderne Verkaufsmethoden und in einem gewissen Grade auch durch den Im Ausland
noch Immer allgemein verbreiteten, wenn auch abnehmenden Wiederstand gegen deutsche Waren.
2.

KapitalInvestierungen:

Der Mangel an InvestitIonskapital ist im Hinblick auf das
Problem einer Produktionssteigerung sehr bedenklich. Steht solches
Kapital zur Verfuegung, so sind die Zinssaetze sehr hoch, und in
allzu vielen Faellen wurde mit dem gefaehrlichen Mittel gearbeitet,
kurzfristige Kredite zu langfristigen Investitionen zu verwenden.
Ein Mangel an langfristigen Krediten verzoegert den Wiederaufbau
von Fabrikanlagen sowie die Wiederinstandsetzung und Modernisierung
der Produktionsausruestung. Um diesen Mangel einigermassen zu lindern, sind erhebliche Mittel aus dem ECA-Gegenwertfonds freige- 12 -

�geben worden. Aber die Mittel des Gegenwertfonds koennen das
Problem allein nicht loesen. Auf dem Kapitalmarkt koennen nur
kleine Betraege an Investitionskapital beschafft werden. Weder
die Privatbanken noch die oeffentliche Hand sind in der Lage,
grosse Kredite zu gewaehren. Die einzig greifbare Hoffnung auf
Abhilfe scheint auf der Bank Deutscher Laender zu beruhen, aber
auch diese Loesung ist weder von Dauer, noch kann sie als ausreichend bezeichnet werden.
Die Kapitalknappheit spiegelt sich auch in zwei der dringendsten Probleme Westdeutschlands wider, naemlich dem Wohnraummangel und der Arbeitslosigkeit. Wir stehen heute vor der paradoxen Situation, dass in einem Land, in dem 5 Millionen Wohnungen
fehlen, Bauarbeiter entlassen werden. Gegenwaertig werden Mittel
aus dem Gegenwertfonds verwendet, um das Wohnungsbauprogramm zu
foerdern, es muss aber noch weit mehr getan werden, wenn sehr gefaehrliche soziale und politische Folgen vermieden werden sollen.
Die Zahl der Arbeitslosen hat eine Hoehe von 2 Millionen
oder ungefaehr 10 Prozent der Gesamtzahl der Werktaetigen erreicht.
Der anhaltende Zustrom von Fluechtlingen aus der Sowjetzone und
den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang - etwa 20 000 im Monat hat zu dieser Lage wesentlich beigetragen. Waehrend die Fluechtlinge etwa 18 Prozent der Gesamtbevoelkerung Westdeutschlands
ausmachen, stellen sie 35 Prozent der Erwerbslosen. Sie verstaerken den Druck auf den Wohnungs- und Arbeitsmarkt und werden von
der einheimischen Bevoelkerung als Aussenstehende und Eindringlinge angesehen. Die Fluechtlinge schaffen Ressentiments, und
diese Ressentiments werfen schwere soziale und wirtschaftliche
Probleme auf. Abgesehen von seinen rein menschlichen Aspekten
hat dieses Problem, das fuer Westdeutschland ueberaus brennend
ist und fuer andere ERP-Laender nicht zutrifft, weitreichende
politische Auswirkungen. Nur durch die gemeinsame Anstrengung,
diese Menschen in die Wirtschaft und den Volkskoerper einzugliedern, koennten Unruhe und ausgesprochen extremistische Tendenzen
im politischen Denken dieser Gruppe verhindert werden. Mit dieser
Frage muss zwar die deutsche Regierung aus eigener Kraft fertig
werden, ich bin aber dennoch der Ansicht, dass dieses Problem
bei der Zuteilung der ameriknaischen Hilfe besondere Beachtung
verdient. Das Fehlen langfristigen Kapitals fuer den Wohnungsbau
und die Erweiterung der industriellen Kapazitaet, das allmaehliche
Schwinden der ueberschuessigen Kaufkraft und ein noch nicht voeilig
entwickelter Export haben zur Verschlimmerung des Arbeitslosenproblems beigetragen. Zahlreiche Arbeitslose, in der Hauptsache
Fluechtlinge, leben in landwirtschaftlichen Gebieten, wo sie
unerwuenscht sind und keine Arbeitsplaetze zur Verfuegung stehen.
In vielen Faellen ist es auf Grund der schlechten Wohnverhaeltnisse
unmoeglich, sie in andere Gegenden umzusiedeln, wo bessere Arbeitsmoeglichkeiten bestehen und sogar Arbeitskraefte fehlen.
Sowohl fuer die ECA-Mission als auch fuer die deutsche Bundesregierung stellt die Arbeitslosenfrage ein ueberaus wichtiges Problem dar. Nach meiner Ansicht kann sich weder die wirtschaftliche
noch die soziale Situation Westdeutschlands stabilisieren, wenn
nicht mit aller Energie an dieses Problem herangegangen wird. Ein
umfassendes Wohnbauprogramm, das zum Teil aus dem ECA-Gegenwertfonds finanziert wird, ist eine der Massnahmen, die getroffen wurden,
um der dringendsten Not zu begegnen. Auf lange Sicht muss man jedoch die bestehenden Uebel und Misstaende an der Wurzel packen.
Dies erfordert grosse Geschicklichkeit und Umsicht von Seiten der
Bundesregierung. Alle Schritte muessen auf der einen Seite darauf
- 13 -

�abgestimmt sein, die vorhandenen Moeglichkelten bis aufs aeusserste
auszunuetzen, auf der anderen Seite muss jedoch mit der noetigen
Vorsicht zu Werke gegangen werden, um die Stabilitaet der Waehrung
nicht zu gefaehrden.
,
Vor allem muss die Produktion erhoeht und die Produktivitaet
verbessert werden. Meiner Ansicht nach wuerde die gegenwaertige
Finanzlage unter der Voraussetzung, dass ausreichende fiskalische
Sicherungen bestehen, eine wesentliche Kreditexpansion fuer langfristige Investierungen gestatten. Das Steuereinnahmesystem muss
gefestigt und die Steuerstruktur so gestaltet werden, dass der
Verbrauch von Luxusguetern gesenkt wird und mehr Mittel fuer Investierungen zur Verfuegung stehen.
Kreditmoeglichkeiten muessten fuer diejenigen Projekte geschaffen werden, die fuer die gesamte Wirtschaft von besonderem
Nutzen sind und durch die zusaetzliche arbeitsintensive und produktive Industrien geschaffen werden koennen.
Schliesslich muss ein energischer Feldzug eingeleitet werden,
um die Exporte, und im besonderen-die Exporte in das Dollargebiet,
zu steigern.
3.

Aussenhandel und Ausgleich der Zahlungsbilanz.

Falls Westdeutschland seine Ziele im Rahmen des Europaeischen
Wiederaufbauprogramms erreichen soll, muessen die Exporte, und
besonders die Dollarexporte, ausserordentlich gesteigert werden.
Das in diesem Zusammenhang bereits erwaehnte Zehn-zu-eins-Verhaeltnis
der Dollarimporte zu den Dollarexporten muss drastisch herabgesetzt
werden. Auf Grund der gegenwaertig von Westdeutschland verfolgten
Politik einer weitgehenden Liberalisierung des Handels ist seine
Zahlungsbilanz mit anderen europaeischen Laendern unausgeglichen.
Die ECA-Mission vertraut jedoch darauf, dass in naher Zukunft andere
europaeische Nationen mehr von Deutschland kaufen werden, wodurch
die gegenwaertige Entwicklung aufgehalten und tatsaechlich ein
deutscher Exportueberschuss im Handel mit Westeuropa geschaffen
werden koennte.
i

Deutschland muss sich jedoch enger dem Dollargebiet anschliessen und den groessten Teil seiner Anstrengungen hierauf verwenden.
Die westdeutsche Bevoelkerung muss jetzt diese 'Linie des geringsten Widerstandes1 verlassen und sich mit dem Problem der
Selbsterhaltung nach Beendigung der amerikanischen Hilfe befassen.
Um den westdeutschen Exporteuren zu helfen, entsendet die ECA Experter
verschiedenster Fachgebiete nach Deutschland, die im Rahmen des
technischen Hilfsprogrammes die deutschen Industriefachleute. Gewerkschaftsvertreter und Landwirte mit den modernsten Produktionsmethaden
vertraut machen. Darueber hinaus muss das deutsche Volk dazu bewegt werden, dass es unmittelbare eigene Vorteile auf Kosten der
Exportsteigerung zurueckstellt.
Um seine Handelsbilanz halbwegs ausgleichen zu koennen, muss
Deutschland nach neuen Importmoeglichkeiten suchen. Osteuropa,
Suedamerika und andere ERP-Laender stellen Hilfsquellen dar, die
dazu beitragen koennen, Deutschlands Dollarbestaende zu schonen.
Von groesster Wichtigkeit fuer den Fortbestand des Landes ist
der Uebergang zu einem freieren Wirtschaftssystem. Das uebervoelkerte Gebiet Vifestdeutschlands kann sich das zur Foerderung der

- 14 -

�Autarkie des Reiches in der Zeit vor dem Krieg geschaffene System
von Schutzzoellen nicht mehr laenger leisten. Diese in Verruf geratene Politik muss durch ein System ersetzt werden, das geeignet
ist, dem westdeutschen Export neue Maerkte zu erschliessen und
dabei gleichzeitig die zur Finanzierung gewichtiger Nahrungsmittelund Rohstoffimporte erforderlichen Devisen zu erbringen. Zu diesem
Zweck muessen die quantitativen Beschraenkungen des Imports- besonders
bei Nahrungsmitteln - langsam aufgehoben und Kartelle und Monopole
abgeschafft werden, um die Beschraenkungen von Industrie und Handel
zu beseitigen. Damit soll ausserdem der Fortbestand der Kleinbetriebe gesichert und ihre Wettbewerbsfaehigkeit erhalten werden.
Auch fuer Exporteure muss ein gewisser Anreiz geschaffen werden.
Deutschland nimmt einen ganz besonderen Platz innerhalb des
Marshallplans ein. Niemals vorher hat eine Siegernation ein positives Programm eingeleitet, um einen besiegten Gegner wieder aufzurichten. Wir haben uns auf dieses einmalige Abenteuer eingelassen,
weil die fuenfjaehrige Besatzungserfahrung uns den aussergewoehnlichen Einfluss vor Augen fuehrte, den die Verhaeltnisse in Deutschland auf Westeuropa als Ganzes ausueben. Deutschland steht im Mittelpunkt des europaeischen Problems. Um das deutsche und auch das
europaeische Problem zu loesen, muss Westdeutschland so eng wie nur
moeglich an Westeuropa angeschlossen werden. Es darf ihm nicht mur
gestattet, sondern es muss auch ermutigt werden, auf den Maerkten
der Welt zu kaufen und zu verkaufen.
Wir haben viele Milliarden Dollar ausgegeben, um den Nazismus
in der Welt zu vernichten. Es scheint daher durchaus angebracht,
einen Bruchteil jener Summe dafuer zu verwenden, um in Westdeutschland die Grundlage einer Wirtschaftsstruktur zu legen, die das
Wiederaufleben irgendeiner extremistischen, den Weltfrieden bedrohenden Ideologie verhindert."
Amerika Dienst
28. Februar 1950
EINZELHEITEN UEBER DAS ECA-PROGRAMM FUER TECHNISCHE HILFE
Frankfurt — (Amerika Dienst) —
Die ECA-Mission fuer Westdeutschland gab kuerzlich Anweisungen bekannt, die die Teilnahme
Deutschlands an dem ECA-.Programm fuer technische Hilfe betreffen.
In Form einer Direktive wurden diese Anweisungen vom Amt fuer
oeffentliche Angelegenheiten und dem Amt fuer Wirtschaftsangelegenheiten, HICOG, gemeinsam ausgearbeitet und von den Direktoren dieser
beiden Aemter, Mr. Ralph Nicholson, bezw. Mr. Robert M. Hanes, unterzeichnet«
Wie in der Direktive besonders unterstrichen wird, koennen
Antraege fuer Projekte von alliierter oder von deutscher Seite gleicherweise gestellt werden. Die vorgeschlagenen Projekte muessen jedoch "technischer oder beruflicher Natur sein und in absehbarer Zeit
zum Wiederaufbau beitragen." Ausserdem werden Projekte nur genehmigt,
wenn die erforderliche technische Hilfe und Beratung eine Reise nach
den Vereinigten Staaten notwendig machen.
Einzelpersonen oder Organisationen, die Antraege fuer technische
Hilfsprojekte einreichen wollen, muessen diese dem zustaendigen Ministerium der deutschen Bundesregierung vorlegen. Den Antraegen
muessen jeweils vollstaendige Beschreibungen ueber Art und Umfang
der erbetenen Hilfe, die Berechtigung hinsichtlich der Dringlichkeit fuer den Wiederaufbau und Angaben darueber, wie die erlangten
Erfahrungen weitervermittelt und ausgenutzt werden sollen, beiliegen.
Weiterhin sind die Zahl des erforderlichen Personals, das vorgeschlagene Datum fuer den Beginn und die Dauer des Projektes anzugeben.
- 15 -

�Die ECA-Sondermission prueft alle Antraege sorgfaeltig auf
die Zweckmaessigkeit des Projektes und seinen technischen Wert. Alle
vorgeschlagenen BCA-Projekte werden auch von den Austauschabteilungen im Amt fuer oeffentliche Angelegenheiten im Hinblick auf ihre
Beziehung zum allgemeinen Austauschprogramm ueberprueft.
Die endgueltige Entscheidung ueber Genehmigung oder Ablehnung
wird von der BCA-Abteilung fuer technische Hilfe in Washington gefaellt, die die Projekte auf Grund der allgemeinen BDA-Planung auswertet.
Die Teilnehmer an den Austauschprogrammen erhalten in den Vereinigten Staaten ein Tagesgeld von 12 r - Dollar. Ausserdem bezahlt
ECA saemtliche in den U.S.A. entstehenden Fahrtauslagen und sonstigen Kosten. Im allgemeinen jedoch haben die deutschen Stellen, auf
deren Vorschlag die Entsendung der Teilnehmer erfolgt, den Gegenwert dieser von ECA zur Verfuegung gestellten Dollarbetraege in
Deutscher Mark auf das Gegenwertkonto der Bank Deutscher Laender
einzuzahlen.
Nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten werden die
deutschen Sachverstaendigen von Beamten der Arrangements Branch,
ECA, die Ihre Dienststellen in.Washington und New York hat, empfangen.
Von diesen Beamten wird ihnen auch das Naehere ueber ihren AmerikaAufenthalt in Form von kurzen Unterweisungen mitgeteilt. Innerhalb
eines Monats nach Beendigung der Projekte muessen von den deutschen
Teilnehmern vorlaeuflge Berichte ausgearbeitet werden. Diese muessen
Einzelheiten ueber die bei der Durchfuehrung des Projektes gesammelten praktischen und theoretischen Kenntnisse und Informationen sowie
ausserdem Angaben enthalten, inwiefern die Verbreitung der erworbenen
Erfahrungen allgemein als Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau
gewertet werden kann.
Amerika Dienst
23. Februar 1950

- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

klujo 0-OJ87 I I I «»reo •)&lt;&gt; IT C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
»

III - 1

Frankfurt, 10, Maerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
CIO fordert groessere soziale Sicherheit fuer
mehr amerikanische Buerger - - - - - - - - - - 1
Gewerkschaften i n Holland - - - - - - - - - - 4
David Dubinsky - - - - - - - - - - - - - 9
Der Verbraucherpreisindex wird modernisiert- - - 13
CIO fordert "energische, demokratische Massnahmen
zur Sicherung des Weltfriedens
- - - - - - - - - 1 4

CIO FORDERT GROESSERE SOZIALE SICHERHEIT FUER MEHR AMERIKANISCHE
BUERGER
Der Sozialausschuss des CIO forderte vorige Woche bedeutende
Erhoehungen der AltersPensionen. Diese Forderung wurde zusammen
mit anderen Vorschlaegen zur allgemeinen Verbesserung des S o z i a l versicherungsgesetzes eingebracht,
Fuehrende Komitees verlangten die Ausdehnung der A l t e r s - ,
Hinterbliebenen- und InvalidenversicherungsProgramme auf " a l l e
Amerikaner - so, dass eine g e s e t z l i c h e Berechtigung auf Pensionen
besteht,"
Neue Methoden zur Festsetzung von Pensionssaetzen wurden i n
Vorschlag gebracht, um den " a e l t e r e n Arbeitern eine ausreichende
Bezahlung zu s i c h e r n , d i e ihnen einen Lebensstandard nach amerikanischen Begriffen ermoeglichtf" Der e r s t e S c h r i t t in d i e s e r Richtung b e s t e h t d a r i n , dass man vorschlaegt, b e i der Festsetzung der
Pensionen den d u r c h s c h n i t t l i c h e n Monatslohn der besten fuenf aufeinanderfolgenden Jahre des Arbeiters zugrunde zu legen, und zwar
b i s zu einem Jahreseinkommen von hoechstens 4.800 Dollar.
- 1 -

�"Fuer die ersten 100 Dollar des durchschnittlichen Monatseinkommens sollen 50g und fuer den restlichen Betrag bis zu 400
Dollar pro Monat 20g bei einem zusaetzlichen Zuschlag von 1%
fuer jedes VersicherungsJahr gezahlt werden", erklaerte Vorsitzender Emil Rieve im Namen des Komitees. Rieve ist Praesident der
Textilarbeiter Gewerkschaft.
Ein aelteres Ehepaar, das waehrend seiner fuenf besten aufeinanderfolgenden Jahre ein Monatseinkommen von 300 Dollar bezogen
hat, wuerde dem CIO Programm zufolge nach 20 Jahren Zugehoerigkeit
zur Sozialversicherung eine monatliche Pension von 162 Dollar erhalten. Die Mindestpension, die in diesem Programm fuer einen in den
Ruhestand versetzten Arbeiter vorgesehen ist, beliefe sich auf
50 Dollar monatlich. Der Hoechstbetrag der zu zahlenden Pensionen
waeren 80g des durchschnittlichen Monatseinkommens.
Ausserdem schlug der Sozialausschuss vor:
1. Die Qualifizierungsbedingungen zu liberalisieren und die Reduktionen der Pensionen wegen zeitweiliger Nichtzugehoerigkeit zur
Sozialversicherung zu begrenzen.
2. Das pensionsfaehige Alter fuer Frauen von 65 auf 60 Jahre
herabzusetzen.
3. Solche Personen zu unterstuetzen, die von Invalidenrentnern
wirtschaftlich abhaengig sind.
4. Soziale Bestimmungen zur Unterstuetzung arbeitsunfaehiger
Personen zu erlassen, um ihnen durch aerztliche Hilfe und Berufsumschulung wieder die Moeglichkeit zu geben, Geld zu verdienen.
5. Ein Programm nach den von der Truman-Verwaltung vorgeschlagenen
Richtlinien aufzustellen, das eine zeitweilige Versicherung fuer
Arbeitsunfaehige vorsieht.
6. Ein System zur Unterstuetzung der Armen einzufuehren, das
"diesen Leuten nicht nur ermoeglicht, zu bestehen, sondern anstaendig zu leben." Den einzelnen Staaten sollen genuegend Mittel
von der Bundesregierung zur Verfuegung gestellt werden, damit sie
in allen Faellen ausreichende Unterstuetzungen auszahlen koeimen.
Ferner forderte der Sozialausschuss die Vereinheitlichung der
Sozialbestimmungen im gesamten Bundesgebiet, um die Hilfsbeduerftigen besser unterstuetzen und die unnoetlgen Aufenthaltsbedingungen
und EigentumsPfandrechte gegenueber Unterstuetzungsempfaengern beseitigen zu koennen.
Diese Vorschlaege wurden einen Tag vor Eroeffnung der Sitzung
gemacht, in der dem konservativen Finanzausschuss des Senats die
Erweiterung der Sozialversicherungsgesetzgebung vorgetragen werden
sollte. Die entsprechende Gesetzesvorlage war in der letzten
Sitzung des Repraesentantenhauses bereits gebilligt worden. Nun
hatte der Senat darueber zu entscheiden.
Arthur J. Altmeyer, Beauftragter fuer Sozialversicherung,
nahm als erster Referent vor dem Ausschuss'des Senats zu diesem
Thema Stellung. Er sprach sich unter anderem fuer ein ausgedehnteres Sozialversicherungsprogramm aus, das frueheren Vorschlaegen
des CIO sehr nahe kommt. Er schlug vor, 5£ Millionen Farmverwalter,
Landarbeiter und viele Hausangestellte in die Sozialversicherung
aufzunehmen, wie es der CIO bereits getan hat. Er erwaehnte dabei
nicht bestimmte Gruppen gelernter Arbeiter, die bis jetzt noch ausgeschlossen sind, aber vom CIO fuer versicherungsberechtigt erachtet werden.
- 2 -

�Altmeyer schlug ferner vor, die Bestimmungen zu liberalisieren, nach denen die Unterstuetzungsberechtigung fuer solche
Personen festgelegt ist, die die mittleren Altersgruppen ueberschritten haben; statt Armenunterstuetzungen sollten ihnen
Pensionen gezahlt werden. In der vom Repraesentantenhaus genehmigten Gesetzesvorlage ist zur Zeit ein fuer Sozialversicherung
zu versteuernder Hoechstbetrag von 3000 bzw. 3600 Dollar vorgesehen. Altmeyer setzte sich fuer eine Erhoehung des sozialversicherungspflichtigen Hoechstbetrages auf 4800 Dollar ein. Er
ist ferner fuer die Beibehaltung des Zuschlages zu den Monatspensionen von 1# fuer jedes VersicherungsJahr gegenueber dem i#igen Zuschlag, wie er in der Gesetzesvorlage des Repraesentantenhauses vorgesehen ist.
Altmeyer forderte hoehere Leistungen der Sozialversicherung
im allgemeinen, sodass z.B. ein Arbeiter, der seit 1937 ununterbrochen beschaeftigt war und ein durchschnittliches Monatseinkommen von 200 Dollar hatte, jetzt eine monatliche Pension von
111 Dollar erhalten soll, wenn seine Frau ebenfalls das pensionsfaehige Alter erreicht hat. Fuer Alleinstehende soll die Pension
74 Dollar betragen.
Altmeyer erklaerte, dass ein Teil der durch die Erhoehung
der Unterstuetzungen und die Ausdehnung der Unterstuetzungsberechtigung entstandenen Mehrkosten dadurch gedeckt wuerden, dass man
die Zuschuesse an die einzelnen Staaten fuer die Armenhilfe reduzieren koenne. Er schaetzt, dass sich die Gesamtkosten dieses
Programms auf 6£ der Gesamtsumme der Loehne belaufen wuerden«
wenn sich die Loehne in den naechsten 50 Jahren in demselben
Masse wie in den vergangenen 50 Jahren erhoehten« Die Kosten
wuerden 7,2# der Loehne ausmachen, wenn dieselben unveraendert
blieben. Die Kosten fuer die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses wurden bei gleichbleibendem Lohnniveau auf 6,2# der Loehne
geschaetzt.
Nachfolgende Tabelle zeigt die vom Sozialausschuss des CIO
vorgeschlagenen Pensionssaetze der Sozialversicherung im Vergleich
zu den augenblicklich gueltigen und den in der Gesetzesvorlage
des Repräsentantenhauses vorgeschlagenen Leistungen. Die Angaben
beziehen sich auf eine alleinstehende Person mit 20 VersicherungsJahren:
Durchschnittl.

Monatseinkommen

$100
150
200
250
300
400

P e n s i o n e n
l t . Vorschlag nach dem gegenGesetzesvorlage
des CIO
waertigen S o z i a l des Repraesentanversicherungsgesetz tenhauses
$30
36
42
48
48
48

$60
72
84
96
108
132

"The CIO News"
2 3 . Januar 1950

- 3 -

$55
60.50
66
71.50
77
77

�GEWERKSCHAFTEN IN HOLLAND
Der folgende Artikel von D. Roemers, Direktor
der Abteilung fuer Forschung im Hollaendischen
Gewerkschaftsbund (N.V.V.), erschien in dem
Magazin "Socialist Commentary,,. Er wird hiermit zu Ihrer Informierung und evtl. Verwendung
veroeffentlicht. Die Wiederveroeffentlichung
ist gestattet.
Nach der deutschen Besetzung Hollands war wenig von der
hollaendlschen Gewerkschaftsbewegung uebriggeblieben. Die Deutschen
hatten die Gewerkschaften unterdrueckt und versucht, sie durch
die "Arbeitsfront" zu ersetzen. Ihr Erfolg war ueberraschend gering.
Von den 685.300 Gewerkschaftsmitgliedern wurden weniger als 100.000
in die Arbeitsfront aufgenommen. Das gesamte Eigentum der Gewerkschaften war jedoch beschlagnahmt und vergeudet worden, und so
musste im Jahre 1945 ganz von vorn angefangen werden.
In der hollaendlschen Gewerkschaftsbewegung bestanden schon
immer Spaltungen. Waehrend des Krieges wurden zwar Vorbereitungen
fuer eine Vereinigung der verschiedenen Richtungen getroffen, ihre
Verwirklichung scheiterte jedoch an dem Widerstand der christlichen
Gewerkschaften. Dagegen wurde ein gemeinsamer Ausschuss fuer gemeinsame Beratung gebildet. Es ist der sogenannte Rat der Gewerkschaftsverbaende.
Am 1. Januar 1949 hatten die drei grossen Gewerkschaftsverbaende folgende Mitgliederzahlen: Hollaendischer Gewerkschaftsbund (N.V.V.) 365.000, Katholische Arbeiterbewegung Hollands
263.000 und die Christlich Nationale Gewerkschaft etwa 150.000
Mitglieder. (Die gesamte erwerbstaetige Bevoelkerung Hollands
zaehlt 3,5 Millionen).
Vor dem Kriege stand der N.V.V. in engen Beziehungen mit der
Sozialdemokratischen Partei. Diese offizielle Verbindung wurde
jedoch nach dem Kriege in gegenseitigem Einvernehmen aufgehoben.
Das Verhaeltnis zwischen beiden Organisationen blieb jedoch auch
weiterhin herzlich. Obwohl der N.V.V. grundsaetzlich gegen konfessionelle Gewerkschaften ist, liegt ihm sehr daran, mit den
protestantischen und katholischen Gruppen unter den Arbeitern
zusammenzuarbeiten, die die konfessionelle Grundlage ihrer Bewegungen zu erhalten wuenschen. Es besteht noch ein vierter Gewerkschaftsverband, E.V.C., der etwa 100.000 Mitglieder zaehlt und
angeblich dazu dient, die Einheit in der Gewerkschaftsbewegung
herzustellen. In Wirklichkeit hat er alle Versuche, eine Einigung
zu erzielen, sabotiert. Dieser Verband ist praktisch voellig von
den Kommunisten beherrscht, und es besteht keine Veranlassung mehr,
eine Verstaendigung mit dieser Organisation zu suchen.
Waehrend die Meinungsverschiedenheiten ueber soziale Fragen
zwischen dem N.V.V. und den christlichen Gewerkschaften nicht
wesentlich sind, bestehen einige bedeutsame Differenzen in wirtschaftspolitischen Fragen. Der N.V.V. tritf'mehr oder weniger
auf derselben Linie wie die Labour Party", fuer die Planwirtschaft
ein. Die konfessionellen Gewerkschaften dagegen gehen nur mit
Vorsicht und Zoegern an diese Frage heran und neigen mehr zu den
rechtsgerichteteren Parteien hin. In dem "Stichting van de Arbeid",
einer auf freiwilliger Basis entstandenen Koerperschaft ohne jegliche Exekutivgewalt, beraten die drei Gewerkschaftsverbaende mit
den nationalen Unternehmerverbaenden ueber soziale Angelegenheiten.
Die Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern hatte-nach der Befreiung des Landes in der Bildung dieser
Organisation ihren Niederschlag gefunden. Sie wurde bald danach,
im Juli 1945, von der Regierung als eine oeffentlich-rechtliche,
beratende Koerperschaft anerkannt.
- 4 -

�In dem Kampf um ihr Neuerstehen - unter den verarmten und
chaotischen Verhaeltnissen der NachkriegsJahre wahrlich ein
schwerer Kampf - konzentrierten sich die hollaendischen Gewerkschaften auf drei Punkte: Regelung von Loehnen und Preisen,
soziale Verbesserungen und bessere Interessenvertretung der
Arbeiter. Was ist auf diesen drei Gebieten erreicht worden?
Loehne und Preise
Die Gewerkschaftsbewegung war sich bewusst, dass sie in
ihrer Politik eine wirtschaftliche Lage zu beruecksichtigen hatte,
die eine Nachwirkung der Besetzung und des Krieges darstellte:
ein niedrigerer Lebensstandard, minierte Produktionsbetriebe,
wenig Vorraete, die Ueberschwenmung von 10£ der landwirtschaftlichen Anbauflaeche, Erschoepfung des Ackerbodens infolge Mangels
an Kunstduengern, zerstoerte Haeuser, Liangel an Transportmitteln
und anderen Materialien. Ausserdem haben die Umwaelzungen in
der Weltwirtschaft das Land schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Besonders das Abflauen des Handels mit Deutschland und Indonesien,
den beiden Hauptstuetzen der hollaendischen Wirtschaft, konnte
nicht ohne Nachwirkungen bleiben. Es bestand nicht die Aussicht,
die Vorkriegsverhaeltnisse schnell wiederherstellen zu koennen.
Infolge der fortschreitenden Industrialisierung in vielen Ueberseestaaten wurden die Exportmoeglichkeiten geringer. Da es aus
all diesen Gruenden fuer Holland unmoeglich war, wirtschaftlich
auf seinen eigenen Fuessen zu stehen, beschlossen sowohl der
N.V.V. als auch die christlichen Gewerkschaften ohne Zoegern,
am Marshall Plan mitzuarbeiten.
Hohe Investitionen erforderlich
Zwar ist es wahr, dass der Wiederaufbau grosse Fortschritte
gemacht hat - die Industrieproduktion hat den Stand von 1935
um 20% ueberschritten, und die landwirtschaftliche Produktion
liegt ebenfalls ueber dem Vorkriegsstand - trotzdem steht zweifellos fest, dass Holland ohne fremde Hilfe seinen VorkriegsLebensstandard noch nicht erreichen kann. Bedeutende Einnahmequellen sind verlorengegangen, und die Einwohnerzahl hat sich
von 8.800.000 im Jahre 1940 auf 9.900.000 im Jahre 1949 erhoeht.
In den kommenden Jahren muss fuer 40.000 Menschen Arbeit gefunden werden, und nach 1955 wird die Zahl der zu Beschaeftigenden
auf 60.000 ansteigen. Da die Moeglichkeiten einer Ausdehnung
der Landwirtschaft sehr beschraenkt sind, muss die Erhoehung
der Beschaeftigtenzahl in der Industrie stattfinden und zwar
in erster Linie in der' Exportindustrie. Das bedeutet, dass ein
bedeutender Teil des nationalen Einkommens fuer die Industrialisierung verwendet werden muss.
Zur Frage, wie das zu diesem Zweck benoetigte Kapital beschafft werden soll, ist man geteilter Meinung. Die kapitalistische Presse spricht sich gegen staatliche Investierungen aus
und wuenscht, die privaten Ersparnisse zu vermehren. Sie fordert zum Beispiel die Aufhebung der Dividendensperre und die
Beendigung der Finanzpolitik der billigen Kredite. Diese Vorschlaege wuerden die Ungleichheit der Einkommen noch vergroessern.
Der N.V.V. ist der Ansicht, dass man nicht erwarten kann, dass
das Volk im Interesse der industriellen Entwidmung mit einer
Beschraenkung des Verbrauchs sich einverstanden erklaert, aber nur
unter der Bedingung, dass die aus dieser Entwicklung entstehenden Gewinne der gesamten Nation zugutekommen und die wohlhabenderen Gruppen auch einen Teil der Lasten tragen muessen. Das
erforderliche Kapital muesste deshalb hauptsaechlich aus oeffentlichen Mitteln zur Verfuegung gestellt werden.

�Wir moechten nun einen Blick auf die Lohn- und Preispolitik
werfen, die die Regierung seit Kriegsende eingeschlagen hat. Eine
bedeutende Rolle bei der Festsetzung der Loehne spielt das "College van Rijksbemiddelaaps" (Staatlicher Vermittlungsausschuss) ein nicht ganz zutreffender Name, da dieser Ausschuss keine vermittelnde Taetigkeit ausuebt; diese Bezeichnung wurde von Vorgaengern uebernommen, die in Arbeitsstreitigkeiten vermittelten.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer eines Industriezweiges uebersenden
ihre Vorschlaege fuer neue Tarifvertraege dieser oeffentlichrechtlichen Koerperschaft der Regierung. Bevor der Ausschuss eine
Entscheidung faellt, wird der Stichting zu Rate gezogen, der ein
Fachkomitee hat, in dem Vertreter nationaler Arbeitgeberverbaende
und Gewerkschaften sind, die sich mit solchen Fragen befassen.
Die Entscheidungen de» Stichtings unterliegen allgemeinen Massregeln, die in praktischer Zusammenarbeit zwischen dem Stichting
und dem Vermittlungsausschuss ausgearbeitet worden sind. Mehr
alseeinmal hat der Vermittlungsausschuss Vorschlaege zu Lohnerhoehungen mit dem Hinweis abgelehnt, dass sie die allgemeine
Lohnpolitik der Regierung gefaehrden.
Verstaendnis fuer die wirtschaftliche Lage
Dass man Lohnforderungen wirtschaftspolitischen Erwaegungen
unterordnet, stellt eine voellig neue Entwicklung in der hollaendischen Gewerkschaftsbewegung dar. Grundsaetzlich befuerworten
alle den Hauptverbaenden angeschlossenen Gewerkschaften diese
Politik, wenn auch in bestimmten Faellen Meinungsdifferenzen
hinsichtlich ihrer Anwendung aufgetreten sind. Die Gewericschaften
sind zu der Auffassung gelangt, dass es weniger wichtig ist, wieviel Gulden ein Arbeiter verdient, alt vielmehr, welche Kaufkraft
sein Lohn besitzt. Sie wissen, dass eine sofortige Lohnerhoehung
zur Inflation fuehren muesste, und dass es die Arbeiter waeren,
die darunter am meisten zu leiden haetten. Ausserdem haben sie
erkannt, dass Holland versuchen muss, seine Exporte zu erhoehen
und gleichzeitig die Preise konkurrenzfaehig zu halten. Schliesslich sind sie sich im klaren darueber, dass es sich verhaengnisvoll auswirken wuerde, wenn jede Gewerkschaft ihre eigene Lohnpolitik verfolgte. Wir geben zu, dass Arbeiter in sicheren Stellungen ihre Loehne nach oben schrauben koennten; diese hohen Loehne,
die zu erhoehten Preisen fuehrten, wuerden jedoch nicht von den
Arbeitgebern, sondern von Arbeitern in weniger guenstigen Arbeitsverhaeltnissen bezahlt werden.. Um die Ausbeutung von Arbeitern
durch andere Arbeiter zu verhindern, ist ein vernuenftiges Lohnverhaeltnis der verschiedenen Industrien von wesentlicher Bedeutung.
Die Gewerkschaften haben sich deshalb fuer einen umfassenden
Ausgleich im Lohnsystem eingesetzt. Der Index fuer Stundenloehne
in der Industrie ist, verglichen mit den Vorkriegstarifen, auf 181
gestiegen, waehrend er in der Landwirtschaft die Ziffer 270 erreicht hat - und heute wird den Landarbeitern zum erstenmal ein
anstaendiger Lohn gezahlt. Ausserdem sind die Loehne der Industrie
in den Provinzen weit mehr angestiegen als in den grossen Staedten,
wenn sie auch noch weit davon entfernt sind, gleich zu sein. (Der
Lohnunterschied zwischen Land und Staedten ist von etwa 8 Gulden
auf 6 Gulden pro Woche reduziert worden). Man wird auch weiterhin
auf dem Lande darauf dringen, bezueglich der Loehne den Staedtern
gleichgestellt zu werden; es wird jedoch schwierig sein, dieses
Ziel in naechster Zukunft verwirklichen zu koennen, da sich die
Arbeiter der Staedte gegen eine Senkung ihrer Lebensstandards, die
die unausbleibliche Folge waere, wehren werden. Darueberhinaus,
ist eine bedeutende Anpassung der Loehne fuer gelernte und ungelernte Arbeiter vorgenommen worden, und die hollaendischen Gewerk-

�Schäften haben sich bemueht, allen Arbeitern ein Lohnminimum
zu garantieren. Hierin, soffirdvon verschiedenen Seiten behauptet, ist man zu weit gegangen; es steht ausser Zweifel, dass
es in manchen Faellen den Arbeitern am Ansporn fehlt, um die Opfer
zu bringen, die die Ausbildung fuer einen gelernten Beruf erfordert.
Werden die hollaendischen Gewerkschaften ihre Lohnpolitik
auf der gleichen Linie beibehalten, wenn die gegenwaertigen,
anormalen Schwierigkeiten ueberwunden sein werden? Die Lohnpolitik ist unseres Erachtens ein wesentlicher Bestandteil der Planwirtschaft und unerlaesslich zur Sicherung der Vollbeschäftigung.
Die Inflation kann nicht vermieden werden, wenn die Bereitwilligkeit nicht vorhanden ist, der Lohnerhoehung Grenzen zu setzen.
Ausserdem muss, wenn man einen Mindestlohn fuer notwendig erachtet, dieser Mindestlohn in entsprechendem Verhaeltnis zu den Lebenshaltungskosten stehen, und ein unbegrenztes Steigen der Loehne
muss vermieden werden. Deshalb muss irgendeine planende Behoerde
fuer die Lohnpolitik verantwortlich sein.
Sozialpolitik
Die hollaendische Gewerkschaftsbewegung hatte fuer die schlechte
Lage des Landes nach dem Kriege Verstaendnis und ging nur aus diesem Grunde auf diese bedeutende Zugestaendnisse in ihrem traditionellen Kampf fuer hoehere Loehne ein. Dafuer legte man groessere'
Betonung auf soziale Verbesserungen, und erzielte in dieser Beziehung
beachtliche Erfolge. So zahlen zum Beispiel die Arbeitgeber jetzt
einen Betrag fuer die soziale Versorgung, der 20# der Loehne entspricht, waehrend ihr Anteil vor dem Kriege nur 6# betrug. Fast
jeder Arbeiter hat jetzt auf 6 aufeinanderfolgende und sechs einzelne
Urlaubstage im Jahr Anspruch. Die Zeit, in der Krankengeld gezahlt wird, ist nach dem Gesundheitsgesetz von 26 auf 53 Wochen
verlaengert worden; die Invalidenrenten wurden erhoeht, und fuer
Alterspensionen sind vorlaeufige Regelungen getroffen worden, die
noch endgueltig gesetzlich verankert werden. Ausserdem hat das
Parlament kuerzlich ein Arbeitslosengesetz bewilligt. Ein Betrieb
kann nun gezwungen werden, eine Pensionskasse fuer seine Arbeiter
einzurichten. Diese Bestimmung ist auch in der Landwirtschaft
gueltig» Der Plan, der wahrscheinlich bewilligt werden wird,
sieht zusaetzlich zu d/sn Pensionskassen der Betriebe, eine Grundpension nach einem allgemeinen Gesetz fuer AltersPensionen vor.
Weitere Reformen sind in Vorbereitung, deren wichtigste Aufgabe
die SozialVersorgung fuer selbstaendige Arbeiter ist, die bisher
nicht unter die Sozialgesetze fielen. In diesem Punkte sind die
verschiedenen Gewer 1s chaftsverbaende geteilter Auffassung. Die
Christlichen Gewerkschaften bestehen auf einem VersicherungsSystem, waehrend der N.V.V. wuenscht, Familienunterstuetzungen und
Pensionen aus einem Fonds zu aahlen, der mit besonderen Steuern
finanziert werden soll. Den selbstaendigen Arbeitern, die am
meisten der Unterstuetzung beduerfen, waere es naemlich kaum
moeglich, die in einem Versicherungssystem notwendigen Beitraege
zu eruebrigen.
Die Tatsache, dass der Lebensstandard des hollaendischen
Arbeiters trotz des rapiden Absinkens der allgemeinen Prosperitaet nicht zurückgegangen ist, ist als ein Ergebnis all dieser
sozialen Reformen zu werten.

- 7 -

�Das Mitbestimmungsrecht
Schliesslich kommen wir zu dem erhoehten Einfluss, den die
Arbeiter sowohl in der Industrie als auch in privaten Unternehmen
gewonnen haben. Angesichts der Entwicklung zu einer Planwirtschaft ist das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in der Industrie
von groesster Bedeutung. Nicht weniger wichtig jedoch, ist der
groessere Einfluss des Arbeiters in Betrieben und Bueros, wenn
man von der Ueberlegung ausgeht, dass die Persoenlichkeit des
Arbeitnehmers damit hoehere Anerkennung findet.
Die Entwicklung zur Planwirtschaft hat nicht erst vor kurzer
Zeit begonnen. Seit mindestens zwanzig Jahren hat der Staat mehr
und mehr in wirtschaftlichen Angelegenheiten der modernen, westeuropaeischen Laender mitgeredet, und man hat erkannt, dass die
Parlamente die Durchfuehrung der Regierungsvorschriften nicht
im einzelnen ueberwachen koennen. Die Gefahr zunehmender Buerokratiesierung und unbeaufsichtigter Macht in den Haenden von
Beamten ist offensichtlich geworden und wurde von der hollaendischen
Sozialistenbewegung schon vor langer Zeit erkannt. Sowohl dl«
Sozialisten als auch die Gewerkschafter sind der Auffassung, dass
dieser Gefahr durch eine Dezentralisierung der Funktionen der
Regierungsdienststellen durch die Errichtung einer Koerperschaft
fuer jede Industrie begegnet werden muss, in der Vertreter der
Nation liegen muss, sollen auch die beiden Teile der Industrie
einen bedeutenden Einfluss ausueben. Diese Idee ist dem gegenwaertigen System zugrundegelegt worden. Bis jetzt war die tatsaechliche Macht der Unternehmer jedoch so gross, (sie ist durch
die allgemein reaktionaere Tendenz in politischen Angelegenheiten
noch gestaerkt worden), dass sie allein den Haupteinfluss hinter
den Kulissen ausuebten.
Ein Gesetzentwurf, der die allgemeine Struktur eines solchen
Systems vorsieht, ist dem Parlament vorgelegt worden und stellt
trotz ernsthafter Schwaechen einen weiteren Schritt auf das richtige Ziel hin dar. Der N.V.V. (und nicht die christlichen Gewerkschaften) kritisiert die UnzulaengHenkelt der Mitbestimmung,
die den Regierungsvertretern in den Vorstaenden der vorgeschlagenen
Koerperschaften gewaehrt ist, und damit auch die unzureichenden
Vollmachten, mit denen sie ausgestattet werden sollen.
Eine andere Gesetzesvorlage ueber gemeinsame Beratungsausschuesse in einzelnen Unternehmen wird ebenfalls zur Zeit vom
Parlament bearbeitet. Es besteht bereits eine grosse Anzahl
solcher Ausschuesse, in denen Arbeltgeber und Arbeitnehmern zusammenarbeiten. Das neue Gesetz sieht jedoch vor, sie fuer alle
Betriebe mit ueber 25 Arbeitnehmern fuer obligatorisch zu erklaeren. Es ist audruecklich anerkannt worden, dass diese Ausschuesse nicht nur, wie bisher, bei der Loesung sozialer, sondern
auch wirtschaftspolitischer Fragen mitzureden haben, ohne dass
sie jedoch irgendwelche Beschlussfaehigkeit besitzen. Der N.V.V.
erklaert sich mit dieser Bestimmung einverstanden, weil er der
Auffassung ist, dass das Privatunternehmen nicht in den Haenden
einer bestimmten Gruppe des Volkes liegen darf, sondern von Behoerden kontrolliert werden muss, die im Interesse der Oeffentlichkeit handeln und fuer die Durchfuehrung der Bestimmungen
zur Planwirtschaft verantwortlich gemacht werden koennen. Solche
Behoerden, auch wenn sie in ihrer gegenwaertlgen Form noch unvollkommen sind, sind es wert, ,von den Gewerkschaften unterstuetzt
zu werden, weil sie in das System de3 Privatunternehmens, sowwie
es bis jetzt bestand, eine Bresche geschlagen haben. Die Aussichten, sie weiter auszubauen, moegen weit geringer als im Jahre 1945
sein, aber die Macht der wirtschaftlichen Faktoren selbst wird
in st^endig wachsendem Masse denen zu Hilfe kommen, die sich fuer
eine wirtschaftliche Planung einsetzen.
ECA Labor Information
2. Februar 1950
- 8 -

�DAVID DUBINSKY
David Dubinsky, der kleine, explosive Gewerkschaftsführer
der amerikanischen 4-Billionen-Dollar Industrie fuer Damenbekleidung, kaempft nun seit ueber 43 Jahren gegen die Willkuerherrschaft.
Zeit und Erfahrung haben seinen jugendlichen Sozialismus zum
Reifen gebracht und ihn gelehrt, Kompromisse zu schliessen. Dubinsky und seine Gewerkschaft haben die Anerkennung der Arbeiter und
Unternehmer im ganzen Lande gefunden. Doch der kleine Schneider
aus Lodz hat niemals den Kampf gegen den Totalitarismus aufgegeben.
Dubinsky wurde 1892 in Brest-Litowsk (Russisch Polen) als Sohn
eines verarmten Baeckers geboren. Die ersten politischen Eindruecke
gewann er in einem Lodzer Gefaengnis und pspaeter in sibirischer
Verbannung, noch bevor er 16 Jahre alt war.
Er war noch ein kleines Kind, als seine Familie nach Lodz
umzog, wo er die Volksschule besuchte und Polnisch, Russisch und
Jiddisch lesen und schreiben lernte. Mit 11 Jahren musste er die
Schule verlassen und als Baeckergehilfe fuer seinen Vater arbeiten.
Nach drei Jahren wurde er Baeckermeister, und man waehlte ihn zum
Sekretaer der Lokalgewerle chaft von Lodz. Dubinsky sagt, dass er
auf Grund seiner Sprachkenntnisse diese Stellung bekommen habe.
Der junge David hatte sich bereits fuer die Probleme des
Arbeiters interessiert und war ein begeisterter Anhaenger der
revolutionaeren, Sozialistischen Partei Polens. Bald nach seiner
Ernennung zum Gewerkschaftsfunktionaer half er mit, einen Baeckerstreik zu organisieren, dem sich ausser den uebrigen Baeckereien
auch die seines Vaters anschloss. Die Streikenden gewannen. Aber
kurz nach dem Siege wurden die meisten derjenigen, die den Streik
organisiert hatten, festgenommen. Dubinsky verbrachte zehn Tage
im Gefaengnis. Seinem Vater gelang es, ihn durch Bestechung des
Lodzer Polizeichefs und durch das Versprechen freizubekommen, dass
sein Sohn sofort die Stadt Lodz verlassen wuerde.
David wuerde zu einem Onkel nach Brest-Litowsk geschickt.
Nach drei Monaten kehrte er jedoch heimlich nach Lodz zurueck, um
die Organisierung der Baecker fortzusetzen. Nach weniger als einem
Jahr wurde er erneut wegen Teilnahme an einer illegalen Tagung der
Baecker festgenommen. Diesmal war sein Vergehen schwerwiegender,
und er wurde in die Verbannung nach Sibierien geschickt, wo er fast
zwei Jahre lang von einem Gefaengnis aum andern verlegt wurde.
In dieser Zeit fasste Dubinsky den Entschluss, sein Leben
dem Kampf um soziale Gerechtigkeit und persoenliche Freiheit zu
widmen.
Dubinsky sagt hierzu: "Sie muessen sich vorstellen, dass ich
kaum 17 Jahre alt war; es war nicht leicht fuer mich, die inneren
Kraefte, die die revolutinnaere Bewegung trugen, zu verstie hen. Ich
glaube jedoch, dass die Jahre, die ich in Lodz verbrachte, und
anschliessend der Gefaengnisaufenthalt mir die Augen oefiten halfen.
Bereits als Kind erkannte ich, was Willkuerherrschaft und Diktatur
bedeuten... Die heute angewendeten, totalitaeren Methoden unterscheiden sich nicht sehr von dem, was ich in meiner fruehesten
Jugend sah; keine Gedankenfreiheit, keine Pressefreiheit, keine
freien Gewerkschaften, keine Buecher ausser den vom Staate genehmigten... Sklavenarbeit kann nicht zum Sozialismus fuehren. Ich
habe stets gegen Willkuerherrschaft und Ungerechtigkeit gekaeinpft,
und deshalb kaempfe ich nun gegen den Totalitarismus."
- 9 /

�Im Jahre 1910 gelang es Dubinsky, aus Sibirien zu fliehen.
Er schmuggelte sich ueber die Grenze und floh mit Hilfe eines
Bruders nach Amerika, wo er zu einer der besten Kraefte der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung werden sollte.
In New York fing er als Tellerwaescher an, fand jedoch bald
Anstellung in einem Konfektionsgeschaeft und ging schliesslich
unter die Zuschneider - die'"Aristokratie des Handwerks". Im
Jahre 1911 trat er in die Lokalgewerkschaft der Zuschneider ein,
die der Internationalen Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft
angeschlossen ist. 1918 wurde Dubinsky Funktionaer seiner Lokalgewerkschaft, und schon nach 14 Jahren hatte er sich zur hoechsten
Stellung in dem internationalen Gewerkschaftsverband emporgearbeitet,
eine Stellung, die er nun seit 18 Jahren innehat.
Dubinsky wurde zu einem Zeitpunkt Praesident, als" es sehr
schlecht um diese Organisation bestellt war. Ein kostspieliger
Kampf innerhalb der Gewerkschaft zwischen Sozialisten und Kommunisten und ein 23 Wochen langer Streik in New York hatten die
Gewerkschaft ruiniert. Nach Beendigung des Streiks hatten die
Kommunisten keinen Einfluss mehr; die Mitgliederzahl war jedoch
auf 40.000 gesunken, und die Schulden der Gewerkschaft beliefen
sich auf 2 Millionen Dollar. Zu jener Zeit war Dubinsky Fuehrer
der einzigen New Yorker Lokalgewerkschaft, die noch ueber ausreichende Mittel verfuegte, und in der die Kommunisten keinen
Einfluss hatten. Logischerweise fiel die Wahl fuer die Praesidentenstelle auf ihn.
Diese Stellung galt nicht als begehrenswert. Die Arbeiter
waren dem Schicksal der Gewerkschaft gegenueber so pessimistisch
eingestellt, dass man Dubinsky scherzhafterweise zu seiner Ernennung
zum "Totengraeber" beglueckwuenschte.
Dubinskys Gewerkschaft blieb jedoch bestehen.
Im Jahre 1933 wurde unter Praesident Franklin D. Roosevelt
das Gesetz zur Nationalen Wirtschaftlichen Wiederaufrichtung (National Recovery Act) erlassen, dessen beruehmter Paragraph 7A
die Industrie verpflichtete, mit den Gewerkschaften KollektivVerhandlungen zu fuehren.
Dubinsky machte sich sofort diese Bestimmung zunutze. Er
nahm bei einer Bank eine Anleihe von 10.000 Dollar auf und startete
damit einen grossangelegten Werbefeldzug, der seiner Gewerkschaft
innerhalb von sechs Monaten 160.000 Mitglieder einbrachte. Auch
danach hat Dubinsky niemals aufgehoert, fuer seine Gewerkschaft
zu werben. Heute verfuegt diese Organisation ueber mehr als
26 Millionen Dollar und vertritt ueber 450.000 Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie.
Dubinskys Verdienste um die Arbeitei koennen jedoch nicht nur
in Mitgliedszahlen und Bankkonten ausgedrueckt werden.
In einer Industrie, die die englische Sprache um den Ausdruck
"sweat-shop" ("Ausbeuterbetrieb") bereichert hatte, ist es der
Internationalen Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft unter Dubinskys
Fuehrung gelungen, das vollkommenste Wohlfahrtsprogramm einzufuehren,
das in den Vereinigten Staaten besteht.
Frtther mussten Maenner und Frauen in schmutzigen, ungeluefteten
Hoehlen von fuenf Uhr morgens bis nach Mitternacht arte iten, um in
der Woche neun Dollar zu verdienen. Heute hat die normale Arbeitswoche 35 Stunden; der durchschnittliche Wochenlohn belaeuft sich,
auf 70 Dollar. Die Arbeiter'haben Anspruch auf Urlaubsgeld, Kran- 10 -

�kenverSicherung, Alterspensionen und Sterbegelder. Gewerkschaftsvertreter ueberwachen die Betriebe, um dafuer zu sorgen, dass die
sanitaeren Vorschriften beachtet werden. Die Zeit ist vorbei,
in der die Arbeiter ihre Mahlzeit an ihren Maschinen einnahmen,
um beim Essen weniger Zeit zu verlieren.
Die Gewerkschaft selbst ist fuer den Arbeiter zur Schule,
zum Krankenhaus und zum Zentrum des sozialen und politischen
Lebens geworden.
Die internationale Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft hat
Lehrinstitute in New York, Boston, Philadelphia, Chikago und anderen
Grosstaedten. Den Arbeitern werden dort nach der Arbeitszeit Kurse
in den verschiedensten Faechern, von der Literatur, Psychologie und
Wirtschaftslehre bis zur Schauspielkunst und den bildenden Kuensten,
geboten. Ausserdem ermoeglicht die Gewerkschaft eine Ausbildung
an der Harvard- und Wisconsin- Universitaet. Man hat nun auch
eine Gewerkschaftsschule zur Ausbildung von Gewerkschaftsorganisator an eroeffnet. Ausserdem unterhaelt die Gewerkschaft in 12 grossen
Staedten Krankenhaeuser, in denen die Mitglieder bei einem Preis von
nur einem Dollar pro Visite aerztlich behandelt werden koennen.
Viele Lokalgewerkschaften besitzen Erholungsheime und mieten Betten
in Krankenhaeusern. Im Er holung sprog ramm der Gewerkschaft ist alles
vom Wandern bis zum Tanzen, vorgesehen. Ein eigenes Ferienheim, das
"Unity House", steht in den Bergen von Pennsylvanier. zur Verfuegung.
Ein Mitglied kann in diesem Heim fuer 38 Dollar, einschliesslich
Mahlzeiten, Schwimmen, Bootfanren, Tennisspielen und Tanzen, eine
Woche seines Jahresurlaubs verbringen.
Dubinsky hat seine Mitglieder auch politisch geschult. Obwohl
die Internationale Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft dem Amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL angeschlossen ist, in dem man gegen
die politische Betaetigung des Gewerkschaftlers war, hat Dubinsky
immer betont, dass es nicht genuegt, wenn sich nur eine Gruppe
von Arbeitern hoeherer Loehne und besserer Arbeitsbedingungen erfreut. "Alles, was den Arbeiter angeht, ist fuer alle Arbeiter und
ueberall von Interesse," dagt Dubinsky.
Um die Wiederwahl Roosevelts unterstuetzen zu koennen, trat
Dubinsky im Jahre 1936 aus der sozialistischen Partei aus und
half bei der Bildung der Amerikanischen Arbeiterpartei im Staate
New York. Als die Kommunisten spaeter diese Partei uebernahmen,
unteistuetzte er die neugegruendete Liberale Partei. (Praesident
Truman weiss, was er der Liberalen Partei schuldig ist, und zeigt
sich ihr gegenueber erkenntlich, indem er Dubinsky oft um seine
Meinung und seinen Rat befragt).
Dubinsky hat sich schon immer fuer eine groessere Anteilnahme der Gewerkschaften an internationalen Angelegenheiten eingesetzt. Als der Weltgewerkschaftsbund den Kommunisten in die
Haende fiel, widmete er sich der Schaffung des neuen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Als die italienischen Gewerkschaf tsfuehrer im Jahre 1948 wuenschten, sich von dem kommunistisch
beherrschten Gewerkschaftsbund loszusagen, wurden sie von Dubinsky
mit der ansehnlichen Summe von 250.000 Dollar unterstuetzt. Die
Zuwendungen an die"Force Ouvriere" und die Sozialisten Leon Blums
belaufen sich seit Kriegsende auf 150.000 Dollar. Mit Geldern der
Gewerkschaft Dubinskys wurden ferner ein Waisenhaus in China und
eine Berufsschule in Frankreich eingerichtet. Auch eine Jungenstadt in Italien wurde finanziell unterstuetzt.
Obwohl Dubinsky staendig fuer bessere Bezahlung und bessere
Arbeltsbedingungen seiner Gewerkschaftsmitglieder gekaempft hat,
- 11 -

�ist er auch einer der ersten amerikanischen Gewerkschaftsführer,
die einsehen, dass die Wohlfahrt des Arbeiters mit der der Industrie
und Unternehmer eng verbunden ist. In dieser Erkenntnis hat Dubinsky
viel Zeit, Energie und Geld aufgewendet, um die Produktivitaet und
Leistungsfaehigkeit in der Damenbekleidungsindustrie zu erhoehen.
Im Jahre 1940 zum Beispiel war die wirtschaftliche Lage der
New Yorker Bekleidungsindustrie sehr schlecht. Die Arbeiter dieses
Industriezweiges konnten nur- 30 bis 35 Wochen im Jahr beschaeftigt
werden; viele Betriebe mussten schliessen, und noch viele mehr
verloren Geld.
Dubinsky hatte Produktionssachverstaendige zu Rate gezogen,
die die Industrie ueberwachen sollten. Sie stellten Maengel fest unzulaengliche Ueberwachung der Maschinen, schlechte Materialtransportmoeglichkeiten, unzureichende Finanzkontrolle.
Die Internationale Damenkonfe'ctionsarbeiter Gewerkschaft
teilte ihre Beobachtungen den Unternehmern mit und arbeitete schliesslich ein gemeinsames Programm fuer groessere Leistungsfaehigkeit
in diesem Industriezweig aus. Die Unternehmer veroflichteten sich,
pro Jahr 1 Million Dollar zur Errichtung des New YorkerBekleidungsinstituts zur Verfuegüng zu stellen, dessen Aufgabe es waere, Reklameaktionen einzuleiten. Ausserdem richtete die Gewerkschaft eine
gewerkschaftliche, technische Abteilung ein, auf Jahresbasis arbeitet
und Produktionsmethoden studiert und Mittel und Wege ersinnt, um
Verluste zu reduzieren und die Produktionsleistung zu erhoehen.
Diese technische Abteilung stellte in vielen Faellen fest,
dass verbesserte Arbeitsmethoden automatisch zu hoeheren Loehnen
fuehren. In einem Falle zum Beispiel beschwerten sich die Arbeiter,
weil ihre Loehne niedriger waren als in anderen Betrieben der gleichen Branche, obwohl in ihrem Betrieb hoehere Akkordsaetze gezahlt
wurden als in anderen Unternehmen, Die technische Abteilung fuer
Produktion befasste sich mit diesem Fall. . Sie entdeckte, dass die
schlechte Qualitaet des in den Naehmaschinen verwendeten Garnes
zu haeufig ein Reissen des Fadens und damit ein Neueinfaedeln verursachte. Man verwendete eine bessere Qualitaet, und die Loehne
gingen in die Hoehe.
Dubinsky weiss auch, dass es zur Sicherung eines hohen Lebensstandards des industriellen Friedens bedarf. Obwohl frueher in
jeder Saison die Bekleidungsindustrie unter einem Streik zu leiden
hatte, und obwohl Dubinsky selbst seine Gewerkschaftslauf bahn begann,
indem er einen Baeckerstreik in Lodz fuehrte, fand in der Bekleidungsindustrie seit 14 Jahren kein groesserer Streik statt.
Dubinsky hat den Unternehmern klargemacht, dass er bei rein
gewerkschaftlichen Forderungen seinen Standpunkt immer vertreten
wird, andererseits aber auch vernuenftigen Erwaegungen Gehoer
schenken und die Rechte der Oeffentlichkeit, in entsprechendem
Masse beachten wird.
Wie sehr die Unternehmer diesen einzigartigen Sozialisten
schaetzen, beweist die folgende Begebenheit in Philadelphia Im
Winter 1946: In der Mantel- und Anzugsindustrie Stand ein Streik
bevor. Er wurde abgewendet, weil sich die Unternehmer mit einem

- 12 -

�Schiedsverfahren einverstanden erklaerten. Doch das ist nicht
alles. Die Unternehmer akzeptierten als Schiedsrichter David
Dubinsky, den Praesidenten der in diese Streitigkeiten verwickelten Gewerkschaft.
David Dubinsky, der revolutionaere Kaempfer aus Lodz, hat
mitgeholfen, die Gewerkschaftsbewegung zu dem zu machen, was sie
heute in Amerika darstellt. Und er hat bewiesen, dass Gewerkschaften
und Unternehmer zur Besserung des Lebensstandards Aller friedlich
zusammenarbeiten koennen.
BCA Labor Information
17. Februar 1950
DER VERBRAUCHERPREISINDEX WIRD MODERNISIERT
Die Statistik der U.S.A. passt sich den
veraenderten Kaufgewohnheiten an.
Washington — (Amerika Dienst) — Eine deutlich erkennbare
Veraenderung in den Kaufgewohnheiten der amerikanischen Bevoelkerung hat die Statistiker der U.S.A. veranlasst, den offiziellen
Verbraucherpreisindex einer Revision zu unterziehen. Um die Mitte
der dreissiger Jahre kaufte man Dinge, die heute kaum mehr gefragt
werden, waehrend umgekehrt fuer den Durchschnittsamerikaner von
heute der Erwerb mancher Waren eine Selbstverstaendllchkeit ist,
die vor 15 Jahren noch nicht bekannt oder zumindest fuer den "kleinen Mann" nicht erschwinglich waren. Der Leiter des amerikanischen
Statistischen Amtes, Ewan Clague, erwaehnte vor kurzem unter anderem,
dass frueher beispielsweise allgemein Eiskaesten zum Fuellen gekauft wurden, aber kaum elektrische Kuehlschraenke. Die Zahl der
Familien, die Fernsprechanschluss haben oder ein Radio besitzen,
ist gewaltig gestiegen; vielfach hat man schon Fernsehapparate.
Der technische Fortschritt hat in diesen Faellen bedeutsame Veraenderungen mit sich gebracht. Frauen kauften damals Seidenstruempfe
in grosser Zahl, waehrend heute der Nylonstrumpf den Markt beherrscht.
Lebensmittel, die in den dreissiger Jahren nur zu bestimmten Jahreszeiten erhaeltlich waren, kann man heutzutage jederzeit bekommen.
Tiefkuehlobst und -gemuese waren in jener Zeit praktisch unbekannt; es gab auch weder so viele Spezialnaehrmittel fuer Kleinkinder noch etwa die heute in den U.S.A. so weitverbreiteten "Nachtischpulver", aus denen - aehnlich wie bei Puddingpulver - eine
Nachspeise oder ein Kuchen schnell und ohne weitere Zutaten hergestellt werden kann. Speiseeis wurde frueher allgemein in viel
kleineren Mengen verkauft, als dies heute der Fall ist.
Aehnliche Veraenderungen hat es im Wohnungswesen gegeben.
Die Mieten, die heute kontrolliert werden, geben kein echtes Bild
der Kosten fuer die Unterkunft. Bedeutend mehr Amerikaner sind
Besitzer von Eigenheimen oder haben die Abzahlung der Raten bereits
begonnen; fuer sie kann daher die Berücksichtigung der Mieten
die Veraenderung der Wohnungskosten nicht widerspiegeln.
Alle diese Erwaegungen haben das dem U.S.-Arbeitsministerium
angeschlossene Amt fuer Arbeitsstatistik veranlasst, die Grundlagen des VerbraucherIndexes auf ihre Gueltigkeit zu uber-pruefen
und die notwendigen Verbesserungen vorzunehmen. Zum letztenmal
wurde eine derartige Untersuchung in den Jahren 1934 bis 1936
durchgefuehrt. Im Zuge der jetzt beabsichtigten Erhebungen, die
insgesamt drei Jahre in Anspruch nehmen werden, soll in rund
500 000 amerikanischen Wohnungen festgestellt werden, welche dort
befindlichen Gegenstaende als typisch fuer den amerikanischen Lebmsund Wohnbedarf anzusehen sind. Die Ausgaben von ueber 20 000 Familien sollen genau erfasst werden und weitere Schluesse zulassen.
- 13 -

�In Tausenden von Einzelhandelsgeschaeften und Dienstleistungsbetrieben werden mehr als 600 000 Preise zu ermitteln sein. Um
einen fuer den Gesamtbereich der Vereinigten Staaten gueltigen
Durchschnitt zu erhalten, werden die Ergebungen in elf sorgfaeltig ausgewaehlten Staedten vorgenommen werden.
Ewan Clague erklaerte in diesem Zusammenahng, dass eine
Familie etwa 1 400 bis 1 500 verschiedene Waren kauft, beziehungs
weise Dienstleistungen in Anspruch nimmt, von denen 200 in den
Verbraucherindex aufgenommen werden. Da sich nicht alle Preise
gleichmaessig veraendern, muessen nicht nur die im Verbraucherindex enthaltenen Waren selbst wirklich einen allgemein gueltigen
Durchschnitt darstellen, es muss vielmehr auch ihre Wichtigkeit
fuer den Verbraucher genau in Betracht gezogen werden. Wuerde
zum Beispiel jenen Waren, deren Preise nur langsam steigen oder
fallen, zu viel Gewicht beigemessen, dann wuerde der Index nachhinken; ueberschaetzte man andererseits die Bedeutung von Waren,
deren Preise starken Schwankungen ausgesetzt sind, dann koennte
der Index eine zufaellige Konjunktur widerspiegeln und an Allgemeingueltigkeit verlieren.
Der Verbraucherpreisindex wird monatlich vom Amt fuer ArbeitsstatLstik veroeffentlicht und gilt als offizieller Masstab
der fuer die Lebenshaltungskosten ausschlaggebenden Preise; er
verzeichnet die Preisveraenderungen bei jenen Waren und Dienstleistungen, die regelmaessig auf dem Ausgabeaetat von Lohn- oder
Gehaltsempfaengern der niedrigeren Einkommensklassen stehen.
Ausschlaggebende Bedeutung kommt ihm oft als authentischstem
Vergleichsmasstab bei Lohnverhandlungen, Gesetzesdebatten und
anderen Diskussionen ueber Probleme der Sozialpolitik zu,
Amerika Dienst
4. Maerz 1950
CIO FORDERT "ENERGISCHE. DEMOKRATISCHE MASSNAHMEN ZUR SICHERUNG
DES WELTFRIEDENS
Der amerikanische Gewerkschaftsverband CIO ueberreichte
dem Aussenminister Dean Acheson eine Erklaerung, in der gefordert
wird, dass sich die Regierungrtunablaessig und aktiv" fuer die Weltabruestung einsetzt.
Eine "Stellungnahme des CIO zu internationalen Problemen" wurde
veroeffentlicht und Mr. Acheson bei einer inoffiziellen Konferenz
vorgelegt. Dieser Konferenz wohnten ferner bei: der Praesident
des CIO, Philip Murray; der Vorsitzende des neugegruendeten Internationalen Ausschusses des CIO, Jacob S. Potofsky; und der CIO
Direktor fuer Internationale Angelegenheiten, Michael Ross.
In dieser Erklaerung wird die Ansicht des CIO zum Ausdruck
gebracht, "dass angesichts des gegenwaertigen Standes der Weltsicherheit der Wasserstoffbombe und anderer Waffen Anteil zu
nehmen."
Es wurde jedoch hinzugefuegt, dass "wir ebenso wie die Arbeiter
aller anderen Laender wissen, dass die Wasserstoffbombe keine Sicherheitsgarantie bietet und kein rettendes Mittel darstellt. Eine
Weltzivilisation, die sich auf die Wasserstoffbombe oder auf irgendeine andere Art von Waffe stfttzt, ist eine Zivilisation, deren
Jahre gezaehlt sind.

- 14 -

�"Ohne wirkliches gegenseitiges Verstaendnis unter der
gesamten Menschheit ist ein dauernder Friede unmoeglich."
Der CIO erklaerte sich erneut bereit, die Vereinten Nationen
als "das beste Mittel zur Entwicklung einer geordneten Welt ausserhalb des jetzigen Durcheinanders neidischen und uebertriebenen
Nationalismus" zu unterstuetzen. Die "nuetzliche Arbeit, die
von den Vereinten Nationen geleistet wird, sollte nicht durch
politische Spekulationen, den skrupellosen Gebrauch des Vetorechtes, harte Worte und zeitweiliges Boykottieren gestoert
werden,"
Latein-Amerika wurde in dem Bericht besonders erwaehnt und
mit dem Hinweis auf den wachsenden Einfluss diktatorischer
oder reaktionaerer Kraefte die wirtschaftliche Unterstuetzung
dieses Gebietes als "unbedingt erforderlich" bezeichnet.
"Amerika kann durch die Fortsetzung und Durchfuehrung
wirksamer Hilfsmassnahmen fuer die Bewohner Puerto Ricos in
Latein-Amerika ein lobenswertes Beispiel fuer demokratische
Handlungsweise geben", heisst es weiter in dem Bericht. Der
CIO sei davon ueberzeugt, dass die Voelker Latein-Amerikas
"unser Verhalten In Puerto Rico genau beobachtet, um sich ein
Bild von dem machen zu koennen, was man amerikanische Hilfe und
Freundschaft nennt."
Der CIO forderte die umfassende wirtschaftliche Unterstuetzung dieser Insel und die Errichtung einer Gewerkschaftsschule, der nicht nur Studenten aus Puerto Rico, sondern auch
aus anderen Teilen Latein-Amerikas zustroeaen wuerden. Eine
derartige Schule, sagt der CIO, "haette dramatische und unmittelbare Auswirkungen auf die latein-amerikanische Gewerkschaftsbewegung •"
Die wichtigsten, in der CIO Erklaerung enthaltenen Forderungen sind:
1.

Die rapide Aktivierung des Punkt-Vier-Programms.

2.

Zivile Kontrolle der Atom-Energie, -Forschung und
-Entwicklung. Die Auswertung der Atomkraft fuer
aufbauende Zwecke.

- . 3.

4.

Widerstand gegen beschwichtigende Elemente, die die
demokratischen Traditionen der Vereinigten Staaten
im Interesse "zeitweiligen und unsicheren Verhandeins"
mit faschistischen oder kommunistischen Regimes opfern.
Die Einleitung aller moeglicher Massnahmen, um dem
israelitischen Volke zu helfen.

5. Wirtschaftliche Unterstuetzung Latein-Amerikas.
6.

Untersuchung und Richtigstellung zu der "angeblich
weitverbreiteten Unzufriedenheit" ueber'die Durchfuehrung des Programms, nach dem Arbeiter ohne
staendigen Wohnsitz aus Latein-Amerika nach den
Vereinigten Staaten gebracht werden sollen.

- 15 -

�7.

Die Anstellung spanischsprechender Beamten fuer
Arbeltsfragen an den Gesandtschaften der Vereinigten Staaten in Latein-Amerika.

8. Verbesserung der Arbeitervertretungen in US Behoerden, die sich mit internationalen Problemen
befassen.

CIO Press Releasa
19. Februar 1950

- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

H1CJ0 Ü-0M1 L H

Marc K) 17 C

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNOEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 2

Frankfurt, 17. Ilaerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Amerikanische Arbeiter fuer "Union Shop1* System - 1
Amerikaner nehmen zum Pensionsproblem Stellung - - 2
Ottmarsheim - - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
Amerikanische Gewerkschaften verhindern Wirtschaftskrise - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -- 4
Belgische Papierarbeiter Gewerkschaft i n t e r e s s i e r t
sich fuer Gewinnbeteiligung der Arbeiter - - - - 5
Stahlarbeitergewerkschaft unterstuetzte Streikende
Bergleute mit 500.000 Dollar
—
- 6
Bergson: "Es gibt kein gutes Monopol" - — - - — 7
"Force Ouvriere" im Kampf gegen Kommunisten - - - 9
ERP h i l f t der britischen Baumwollindustrie - - - - 11

AMERIKANISCHE ARBEITER FUER "UNION SHOP" SYSTEM ~
Dem Jahresbericht des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen
(National Labor Relations Board) zufolge entschied man s i c h
in mehr a l s 96g der von dieser Behoerde im Laufe des am 30. Juni
1949 endenden Haushaltsjahres organisierten "union Shop" Wahlen
fuer "union Shop" Vertraege. (Ein "union Shop" Vertrag enthaelt
die Bestimmung, dass die Einstellung nur unter der Bedingung
e r f o l g t , dass der Arbeitnehmer innerhalb einer festgesetzten
Frist der Gewerkschaft b e i t r i t t . ) Der Bericht zeigt ferner,
dass von Insgesamt 15.074 "union Shop" Abstimmungen 14.581
zugunsten dieses Systems ausfielen.

U. S. Arbeltsministerium
"Weekly Labor News Digest"

�AMERIKANER NEHMEN ZUM PENS IONSPROBLEM STELLUNG
Washington — (Amerika Dienst) —
In letzter Zeit wurde
bei zahlreichen Gelegenheiten in den U.S.A. zum Pensionsproblem
Stellung genommen, wobei vor allem eine Novellierung des Bundesgesetzes ueber die Sozialversicherung, soweit dieses die Zahlung
von Ruhegeldern betrifft, und eine Erweiterung des Kreises der
Anspruchsberechtigten vorgeschlagen wurde«
Der Vorsitzende der CIO-Vereinigung fuer den Staat New York;
Louis Hollander, forderte die Regierung dieses Bundesstaates auf,
das Bundes-Penslonssystem der U.S.A. so zu ergaenzen, dass jeder
in den Ruhestand getretene Arbeitnehmer eine Pension von mindestens 100 Dollar im Monat beziehen kann. Auch Emil Rieve, der
Vorsitzende der CIO-TextUarbeitergewerkschaft, schloss sich diesem Vorschlag an. In einer Ansprache in New York legte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gummiarbeiter, I.S. Buckmaster, den
Standpunkt des CIO zu diesem Problem dar: "Erstens draengen wir
auf eine Verbesserung des amerikanischen Sozialversicherungsprogramms, zweitens - und das ist derzeit eine zwingende Notwendigkeit - treten wir fuer die Regelung der Pensionsfrage im Wege
von Kollektiwertraegen ein. Unsere grundsaetzliche Einstellung
ist klar: die Bundesgesetzgebung soll bei Pensionen fuer Arbeiter
und fuer die uebrige amerikanische Bevoelkerung eine Untergrenze
bestimmen. "Darueber hinaus hat der Arbeiter jedoch noch Anspruch
auf eine Anerkennung »einer bisherigen langjaehrlgen Taetigkeit
bei einer Firma in Form eines zusaetzlichen Ruhegeldes."
In Boston schlug Arbeitsminister Tobin vor, durch eine Erweiterung des Bundesgesetzes ueber die Sozialversicherung jeder
aus dem Berufsleben ausscheidenden Person in den Vereinigten
Staaten eine Pension im Betrag von 100 Dollar zu sichern. Auch
der Leiter der Abteilung fuer Arbeltsstatistik im U.S.-Arbeitsministerium, Ewan Clague, höh in einer Rede in Washington die
Notwendigkeit hervor, die Sozialversicherungsbestimmungen auf
alle in den Ruhestand tretenden Arbeiter auszudehnen, die Unterstuetzungssaetze zu erhoehen und sie ausserdem durch Beitraege
der Unternehmer zu ergaenzen. Senator Taft nahm in der Presse
zu der Frage Stellung, welche Kosten mit der Einfuehrung von
allgemeinen Pensionen in der Hoehe von 100 Dollar verbunden sind,
und behauptete, dass die einzige Moeglichkeit, den Millionen
Menschen, die in den Ruhestand getreten sind und demnach nicht
mehr arbeiten, Pensionen zu bezahlen, darin bestehe, die erforderlichen Mittel aus dem Verdienst der Arbeitenden aufzubringen*
Er empfahl, den Finanzausschuss des amerikanischen Senats mit
dem Studium dieses Problems zu beauftragen.
Amerika Dienst
9. Maerz 1950
OTTMARSHEIM
Ein 50 Jahre alter Traum geht nun in Frankreich in Erfuellung. An seiner Verwirklichung arbeiten 4.000 franzoesische
Arbeiter und amerikanische Dollars.
Das Flussbett des Rheines wird auf der 105 km langen Strecke
von Kembs bis nach Strassburg verlegt.
Nach der Fertigstellung dieses Projektes wird der "neue"
Fluss nicht nur fuer Frankreich, sondern auch fuer den groessten
Teil des uebrlgen Europas von Nutzen sein. Neue Wasserkraftwerke werden Frankreich mit der dringend benoetigten ELektrizi*
taet versorgen. Ein neuer, waehrend des ganzen Jahres schiffbarer Waserweg wird fuer Europa entstehen, denn in dem zementierten Flusskanal wird es keine Untiefen mehr geben, die die
- 2 -

�Rheinschiffahrt bei Hochwasser so oft stillgelegt haben. Allen
Nationen wird es erlaubt sein, den "neuen" Fluss zu benutzen«
Seit fast einem halben Jahrhundert beschaeftigen sich franzoesische Techniker mit dem Gedanken, den Rhein umzubetten. Jedoch erst im Jahre 1932 konnte der erste Abschnitt dieses Vorhabens im Gebiet von Kembs vollendet werden - — der Hauptdamm,
ein Kraftwerk, zwei Schleusen und ein Kanal von etwa 8 km Laenge.
Danach kam die Wirtschaftskrise und es trat eine Stockung im Bau
ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Damm bei einem waghalsigen
Flugunternehmen der R.A.F. ueber dem ELsass durch eine Bombe
zerstoert*
Nach dem Kriege Hess die franzoesische Regierung diese
Schaeden so schnell wie moeglich ausbessern. Dann ging die
nationalisierte ELektrizitaetsgesellschaft daran, die zweite
Phase des acbt Einzelprojekte umfassenden Planes zu beginnen und zwar in Ottmarsheim.
Ottmarsheim stellt den wichtigsten Teil des historischen
Umbettungsprojektes dar, und man kann dort nun die Dollar Amerikas
am Werk sehen. Alle Arten moderner Geraete und Maschinen zur Befoerderung von Erde sind zum Einsatz gekommen - riesige Seilbagger
mit Kuebeln, die ein Fassungsvermoegen von sechs Kubikmetern haben,
Kratzer, Schaufeln, Planierraupen, Zugmaschinen usw. - alles laeuft
auf Hochtouren. Der groesste Teil der Maschinen ist amerikanischer
Herstellung*
Ottmarsheim galt von Jeher als ein Vorhaben groessten Umfangs.
Es musste ein bewaehrter Betonkanal von 30 Meter Breite gebaut
werden, der auch fuer grosse Schleppzuege tief genug ist. Er muss
genuegend Wassermengen mit sich fuehren, um vier Turbinen von
Je 53.000 PS treiben zu koennen, die Jaehrlich eine Elaktrizitaetsmenge von 900 Millionen Kilowattstunden erzeugen werden. Ausserdem waren zwei Schleusen von dar Groesse derjenigen im Panama
Kanal zu errichten. 12 Millionen Kubikmeter Erde mussten bewegt
und 450.000 Kubikmeter Beton verarbeitet werden. Die Gesamtkosten
wurden auf ueber 60 Millionen Dollar geschaetzt.
Zur Ausfuehrung eines Projektes solchen Umfangs waren bestimmte schwere Ausruestungsgeganstaende notwendig, die Frankreich
nur von den Vereinigten Staaten beziehen konnte. Und die franzoesiche Regierung hatte bereits vor Inkrafttreten des Marshall
Planes etwa 3 Millionen aus seinen geringen Dollarreserven fuer
Maschinen aus den Vereinigten Staaten aufgewendet. Ausserdem
wurden spaeter amerikanische Maschinen im Werte von einer weiteren
Million Dollar mit Marshall Plan Mitteln gekauft.
Es wurden Jedoch noch Millionen von Dollar fuer Ottmarsheim
benoetigt, selbst als die erforderlichen Maschinen im Ausland gekauft worden waren. Da kamen die unter dem Marshall Plan geschaffenen Gegenwert Fonds zu Hilfe, mit denen der groesste Teil der
Kosten fuer Ottmarsheim gedeckt werden konnte - Kosten fuer die
erforderliche franzoesiche Ausruestung und Materialien und fuer
die Loehne der franzoesischen Arbeiter.
Im Jahre 1948 wurde das Projekt Ottmarsheim mit 9 Millionen
Dollar unterstuetzt. 1949 entsprachen die Zuschuesse in franzoesichen Francs aus den Marshall Plan Gegenwert Fonds ainem Werte
von 15 Millionen Dollar.
ECA Labor Information
88 Februar 1950

�AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN VERHINDERN WIRTSCHAFTSKRISE
In einem Artikel, der kuerzllch Im "American Federationist",
dem offiziellen Organ des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFI
erschienen war, wird erklaert, dass es der hohen-Lohn-Politik
der amerikanischen Gewerkschaften mit zu verdanken sei, dass
die Wirtschaftskrise Im vorigen Jahre In den Vereinigten Staaten
verhindert wurde.
Der Verfasser dieses Artikels ist George T. Brown, Direktor
des Referats fuer Forschung In der Gewerkschaft der Spengler
und Installateure. Seiner Abhandlung liegt der vor kurzem dem
Kongress ueberreichte Wirtschaftsbericht Praesident Trumans
zugrunde •
Der Bericht des Praesidsnten zeigte nach Ansicht Browns,
dass eine Nachkriegs-WirtSchaftskrise Mitte 1949 abgebogen
worden war. Gegen Ende des Jahres war wieder ein allmaehliches
Anziehen der industriellen Produktion, der Bautaetigkeit, der
Beschaeftlgtenzahl und des Absatzes zu verzeichnen. Insbesondere
waren es die Loehne, die auf verhaeltnismaasslg gleicher Ebene
gehalten wurden.
Brown fuehrt aus, dass dieser Bericht "eine dramatische
Geschichte erzaehlt, eine Geschichte, in der die organisierte
Arbeiterschaft eine Hauptrolle spielt.•• Eine Entwicklung, die
zu einer umfassenden Wirtschaftskrise haette fuehren koennen,
konnte deshalb so schnell beendet werden, well man nicht zu dem
in der Geschichte immer wieder ueblichen Mittel der Lohnkuerzung
griff."
"Die Gewerkschaften", fuhr Brown fort, "bildeten das Bollwerk, hinter dem die Arbeiter der Nation ihren Lebensstandard
verteidigten. Eine Folge dieser Kraftanstrengung war, dass der
groesste Teil der in Arbeit befindlichen Lohnempfaenger fortfuhr
zu kaufen." Brown sagte, nicht nur Amerika, sondern auch dam
groessten Teil Europas kaeme die Tatsache zugute, dass die amerikanische Kaufkraft eine Krise verhindert hat, die durchaus haette
eintreten koennen.
"Haette man sich den Lohnkürzungen nicht energisch widersetzt," fuehrte Brown warnend aus, "dann wuerde die Lebenswelse
nicht nur Amerikas, sondern auch der üebrigen Welt einer Zerruettung entgegengehen und damit Moskau ein groesserer Gefallen
erwiesen werden als irgendeiner anderen Hauptstadt der freien
Welt."
Brown warnte die Gewerkschaften davor, ihre Arbelt als beendet zu betrachten; das "zukuenftlge Wohlergehen der organisierten Arbeiter - und damit der gesamten arbeitenden Menschheit
haenge von der groesseren Leistungsfaehigkeit und dem besseren
Kollektiwerhandeln ab." Er wies darauf hin, dass hoehere Leistung sfaehigkeit "Lohnerhoehungen und deshalb eine groessere
Kaufkraft mit sich bringen muss." Und abschliessend sagte er:
"Damit die gesteigerte Produktionsleistung auch wirklich den
Lohnempfaengern in Form bedeutender Lohherhoehungen zugute kommt,
Ist es notwendig, dass die Kollektlwerhandlungen auf wirksame
und kluge Art und Weise gefuehrt werden."
ESA Labor Information
28, Februar 1950

�BELGISCHE PAPIERARBEITER GEWERKSCHAFT INTERESSIERT SICH FUER
GEWINNBETEILIGUNG DER ARBEITER.
Emil de Bondt nimmt als belgischer Gewerkschaftsvertreter
an einem Team technischer Sachverstaendiger teil, das sich zur
Zeit auf einer zweimonatigen Reise zur Besichtigung der Papierindustrie in den Vereinigten Staaten befindet. Sein Hauptinteresse gilt den amerikanischen Methoden der Beteiligung der
Arbeiter an den aus gesteigerter, industrieller Produktionsleistung entstandenen Uebergewinnen. Diese Besichtigungsreise
im Rahmen des Technischen Hilfsprogramms der Marshall Plan Verwaltung steht unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas«
Mr. de Bondt, der sich in der letzten Woche vor seiner
Abreise nach den Vereinigten Staaten in Paris aufhielt, erklaerte,
dass die gesteigerte, industrielle Produktionsleistung in Europa
sowohl fuer die Gewerkschaftsbewegung als auch fuer das Unternehmertum, die Regierungen und fuer Europa als Gesamtheit von
hervorragender Bedeutung sei«
Der durch das vorliegende Projekt ermoeglichte Informationsund Erfahrungsaustausch von Gewerkschaftern, Unternehmern und
technischen Vertretern aus 12 Laendern sei ein konkretes Beispiel dafuer, dass die europaeischen Nationen aus einer engen
Zusammenarbeit zur Loesung gemeinsamer Probleme tatsaechllchen
Nutzen ziehen koennten.
Der 46-Jaehrige, belgische Gewerkschaftsvertreter ist
Generalsekretaer der Christlichen Belgischen Gewerkschaft der
Papierarbeiter und Graphiker. Er hat diese Stellung seit 12 Jahren
inne und ist seit 1935 Funktionaer seiner Gewerkschaft. Davor
war er 16 Jahre lang als Buchdrucker und Schriftsetzer taetig.
Mr. de Bondt wies auf die in den vergangenen Jahren von den
belgischen Papierarbeitern erzielten Erfolge und auf die noch
zu loesenden Probleme hin und eroerterte dann die allgemeine
Frage der Beteiligung der Arbeiter an den aus der hoeheren Produktionsleistung entstehenden Uebergewinnen.
Der Gewerkschaftsfunktionaer berichtete, dass die Produktionsleistung der belgischen Industrie der Papierherstellung
und —Verarbeitung zu 115 bis 125# des Standes von 1936-1938
gesteigert worden sei. Er unterstrich die Tatsache, dass bereits
drei der 24 Betriebe in Belgien ihre Arbeiter an dieser Produktivitaetssteigerung beteiligt haetten, und zwar in Form von
Bonuszuteilungen, und dass sie damit endgueltig den Beweis erbracht haetten, dass die Arbeiter fuer ihre Mithilfe bei der
Senkung der Produktionskosten durch Gewinnbeteiligung belohnt
werden koennten.
Mr. De Bondt erklaerte, dass seine Gewerkschaft, die etwa
ein Drittel der 10.000 belgischen Arbeiter der papierherstellenden und -verarbeitenden Industrie vertritt, die Gewinnbeteiligung durch Erhoehung des Grundlohnes den Bonuszuteilungen
vorziehe und fuegte hinzu, dass ihm besonders daran gelegen
sei, entsprechende Methoden in den Vereinigten Staaten zu
studieren.
Nur 50# der belgischen Arbeiter der papierherstellenden
und -verarbeitenden Industrie seien gewerkschaftlich organisiert.
Mr. de Bondt ist der Ansicht, dass diese niedrige Zahl auf das
Fehlen sowohl des "closed-shop" Systems als auch des "union-shop"
Systems zurueckzufuehren sei. (In Amerika uebliche Systeme,
nach denen entweder nur Mitglieder einer bestimmten Gewerkschaft
vom Arbeitgeber eingestellt werden duerfen (closed-shop), oder
die Einstellung nur unter der Bedingung erfolgt, dass der Arbeit- 5 -

�nehmer innerhalb einer bestimmten Frist der Gewerkschaft beitritt
(union-shop).
Ausser anderen wichtigen Gewerkschaftsproblemen wird sich
der belgische Gewerkschaftsfunktionaer in Amerika mit der Mehrbezahlung fuer Nachtarbeit - die es in Belgien noch nicht gibt und mit Fragen der Bezahlung von Sonn- und Feiertagen beschaeftigen, die in Belgien erst im Laufe der letzten drei Jahre als
Ergebnis von Forderungen der Gewerkschaften durchgesetzt werden
konnte.
Mr. de Bondt wird ausserdem die Organisierung des Arbeitsanfalls und der Schichtarbeit studieren und insbesondere Vergleiche mit der zur Zeit in Belgien ueblichen 48-Stunden Woche
der belgischen Arbeiter der papiererzeugenden und- herstellenden
Industrie anstellen. Die Arbeiterschaft Belgiens fordert dringend
die Abaenderung des gegenwaertigen Systems der Schichtarbeit.
Mr. de Bondt ist einer der vier Gewerkschaftsvertreter, die
sich zum Studium der amerikanischen Industrie der Papierherstellung
und -Verarbeitung nach den Vereinigten Staaten begeben. Die drei
anderen Gewerkschaftler dieses Industriezweiges kommen aus Eng» land, Westdeutschland und Italien.
BCA Labor Information
13. Februar 1950
SIAHLARBEIT5RGEWERK3CHAFT UNTERSTUETZTE STREIKENDE BERGLEUTE

Mir Böo.ööö DOLLAR.
Obwohl der U.S. Bergarbeiter Verband weder
dem AFL noch der CIO angeschlossen ist« haben
die amerikanischen Gewerkschaften den Bergarbeitern ihre Sympathie und Solidaritaet in
dem kuerzlich beendeten Bergarbeiterstreik
nicht versagt, wie aus dem nachstehenden Bericht
hervorgeht.
Die Stahlarbeitergewerkschaft (CIO) hat dem Bergarbeiter
Verband 500.000 Dollar geschenkt, "um hilfsbeduerftige Bergleute und ihre Familien in ihrem Kampf gegen die Bergwerksbesitzer zu unterstuetzen."
Nach einer telegraphisch durchgefuehrten Abstimmung des
Vorstandes der Stahlarbeitergewerkschaft uebersandte der Praesident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes CIO, Philip Murray,
dem Finanzsekretaer des U.S. Bergarbeiter Verbandes einen Scheck
ueber i Million Dolla'r.
Gleichzeitig erliess Murray einen Aufruf an alle Lokalgewerkschaften der eine Million Mitglieder zaehlenden Stahlar-'
beitergewerkschaft, noch mehr Geld zur Unterstuetzung der Bergleute zu spenden.
"Die Not ist gross. Ihr muesst nach besten Kraeften helfen,"
heisst es in dem Aufruf Murrays an die Mitglieder der Stahlarbeitergewerkschaft.
In seinem Brief an Finanzsekretaer Owens vom Bergarbeiter
Verband fuehrte Murray aus:
H

Ich habe mich an unsere angeschlossenen Lokalgewerkschaften
mit der Bitte gewandt, den Bergarbeitern und ihren Familien jede
nur meogliche finanzielle und moralische Unterstuetzung zukommen
zu lassen, und hoffe, dass ihre Hilfe ein Beitrag zu dem endgueltigen Sieg der amerikanischen Bergarbeiter sein moege."
- 6 -

�Mitte Januar natte sich Murray heftig gegen die Methoden
des Hauptanwaltes des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen,
Robert Denham, gewandt, der das Streikverbot beantragt hatte.
Daraufhin beschuldigte der Praesident des CIO Denham,
"dass er die gesetzlichen Rechte und Interessen aller Gewerkschaftler angegriffen habe."
"Ich habe den Generalanwalt der CIO angewiesen, die Rechtsabteilung des Bergarbeiter Verbandes bei der Verteidigung der
auf dem Spiele stehenden, fundamentalen, gewerkschaftlichen
Prinzipien und bei der Bekaempfung der von Denham eingeleiteten
Verfahren so weit wie moeglich zu unterstuetzen«"
Am 9. Februar wurde das Streikverbot erlassen«
Seitdem wurde zweimal vergeblich versucht, die Kollektivverhandlungen zwischen Unternehmern und Bergarbeitern wieder
aufzunehmen. Ein Uritersuchungsausschuss, wie er in den Bestimmungen des Taft-Hartley- Gesetzes zum "nationalen Notstand" vorgesehen ist, wurde gebildet. Im Laufe dieser Woche wird man
ein Streikverbot von 80 Tagen beantragen.
Der Kampf der Gewerkschaften geht um hoehere Loehne, erhoehte Beitraege der Unternehmer zu den Wohlfahrtskassen und
die Beibehaltung einiger in dem alten Vertrag enthaltener Bestimmungen. Ein grosser Teil der Bergleute hatte mehrere Monate
lang nur drei oder noch weniger Tage pro Woche gearbeitet.
Murray wies in seinem Schreiben an die lokalen Dienststellen der Stahlarbeiter Gewerkschaft auf "die bittere Not der
Bergarbeiter und ihrer Familien" hin.
"Diese Lage fordert gebieterisch, dass unsere Gewerkschaft
und ihre Mitglieder den Bergarbeiter Verband in seinem bedeutungsvollen Kampf gegen diese maechtigen Kraefte mit allen
Mitteln unterstuetzen," schrieb Murray.
"Der Krieg, der zur Zelt gegen ihre Gewerkschaft gefuehrt
wird, kann sich gegen unsere eigene Gewerkschaft und gegen alle
anderen richten, sobald es den Wohlhabenden, die ihn fuehren,
zweckmaesslg erscheint."
Der Praesident der Stahlarbeiter fuhr fort: "Es ist von
groesster Wichtigkeit, dass Sie und unsere Lokalgewerkschaften
diesem Aufruf prompt Folge leisten«"
In der Verfassung der Stahlarbeitergewerkschaft ist fesgelegt, dass derartige Geschenke dem Internationalen Gewerkschaftsvorstand zu ueberwelsen sind, von wo sie den Empfaengern zugeleitet werden.
•The CIO News"
13. Februar 1950
BERGSON:

"E3 GIBT KEIN GUTES MONOPOL."
Wir bringen nachstehend einen Artikel der
"CIO News" ueber Monopole, weil das Problem
der Kartelle und Monopole in Deutschland
im Augenblick wieder sehr diskutiert wird
und eine Stellungnahme zu diesem Problem notwendig
ist.
Die Redaktion.
- 7 -

�Der Generalstaatsanwalt McGrath und sein Stellvertreter
Bergson erklaerten vor der Vereinigung der Rechtsanwaelte des
Staates New York (New York State Bar Association), dass Kartelle eine Bedrohung der Anti-Trust Gesetze darstellten, weil
ein grosses Unternehmen die Konkurrenz leichter auf illegale
Art und Weise ausschalten kann, als dies einem kleinen Unternehmen moeglich ist.
Indem diese beiden hohen Anklaeger des Monopols darlegten,
was ihre Aufgaben und Absichten sind, betonten sie besonders,
dass sie das Kartell nicht als solches, sondern als den Wegbereiter des Monopols bekaempften. Die beiden Erklaerungen, die
von der Tagespresse groesstenteils verschwiegen oder entstellt
wurden, geben zum erstenmal klaren Aufschluss ueber den Kampf
der Regierung gegen das Monopol.
"Das Monopolproblem ist "nach dem der Arbeitslosigkeit das
dringlichste, innerstaatliche Wirtschaftsproblem unserer Zeit,"
sagte McGrath.
"Wir wissen natuerlich, dass die Zusammenballung Wirtschaft- .
licher Kraft kein Verbrechen ist. Andererseits sind wir uns aber
auch im klaren darueber, - auch der Oberste Gerichtshof ist dieser
Auffassung - dass "wirtschaftliche Staerke leicht missbraucht
werden kann und wird deshalb staendig gegen solchen Missbrauch
auf der Hut sein muessen."
McGrath hielt einen Rueckblick auf die Geschichte und
Entstehung der Anti-Trust Gesetze und berichtet, wie der Oberste
Gerichtshof im Jahre 1920 die Durchfuehrung dieser Gesetze erschwerte, indem er im Falle der HU. S. Steel Corporation" entschied, dass "die Kartellisierung innerhalb der Stahlindustrie
solange keine Verletzung des "Sherman Act"(Anti-Trust Gesetz)
darstelle, wie die Unternehmer von dieser Macht keinen nachweisbaren Gebrauch machten."
McGrath fuegte hinzu und sprach damit wohl die bedeutsamsten
Worte, die ein Generalstaatsanwalt seit Jahren ausgesprochen hat:
"Ich persoenlich bin der Auffassung, dass man hiermit nichts anderes
sagen moechte, als dass nach dem "Sherman Act" nur schlechte Monopole gesetzwidrig seien. Der Wortlaut dieses Gesetzes besagt jedoch eindeutig das Gegenteil."
Bergson, der beauftragt ist, die Einhaltung der Anti-Trust
Gesetze zu ueberwachen, erklaerte: "Unsere Erfahrungen haben uns
gezeigt, dass es kein "gutes Monopol" gibt. Bei allen Monopolen
konnten wir feststellen, dass sie demeigennuetzigen Privatgewinn
und nicht dem Allgemeinwohl dienten."
M

Das Kartell an und fuer sich ist kein Verbrechen im Sinne
der Anti-Trust Gesetze, " sagte Bergson. "Auch der Besitz eines
Jagdgewehrs ist kein Verbrechen. Aber so wie mit dem Gewehr ein
Verbrechen veruebt werden kann, so kann auch die wirtschaftliche
Macht der Unternehmer zur Verletzung der Anti-Trust Gesetze verwendet werden. In beiden Faellen fuehrt das, was vorher gesetzlich und erlaubt war, zu unzulaessigen Auswirkungen und wird
Gegenstand gerichtlicher Verfolgung.
"Die meisten von uns werden zugeben, dass die Kartellisierung
illegales Handeln erleichtert, wenn auch haeufig die Anti-TrustGesetze von kleineren Unternehmen uebertreten werden. Bin grosses
Unternehmen kann einer Industrie eher illegale Bedingungen auferlegen, als ein kleineres Unternehmen.
- 8 -

�"In einer solchen Situation stellt nicht die Groesse des
Unternehmens als solche eine Uebertretung dar. Anklagepunkt
ist vielmehr die monopolistische Macht oder die Beeintraechtigung des Handels, die durch die wirtschaftliche Macht des
Unternehmens gefoerdert wurden. Wir sind der Meinung, dass
es nicht nur logisch, sondern auch erforderlich ist, mit Hilfe
seit langem bestehender Bestimmungen der Anti-Trust Gesetze die
Mittel unwirksam zu machen, die ein Vergehen im Sinne dieser
Gesetze erst ermoeglichen."
Bergson zeigte an Hand von Beispielen, wie die Anti-Trust
Abteilung in Gerichtsverfahren gegen monopolistische Methoden
grosser Unternehmen vorgegangen ist. "Einige Verfechter der
•guten Monopol-Theorie' stellen sich auf den Standpunkt, " so
fuehrte Bergson aus, "dass die Leistungsfaehigkeit von erstranginger Bedeutung sein muss, und dass eine Verletzung der
Anti-Trust Gesetze uebergangen werden kann, wenn diese Gesetze
die Leistungsfaehigkeit beeintraechtigen.
"Die Deutschen begingen diesen Fehler. Durch ihr Kartellisierungssystem und ihre vielgepriesene Leistungsfaehigkeit war
es ihnen moeglich, eine Zeitlang die groesste wirtschaftliche
Macht in den Haenden zu halten. Die Verherrlichung dieser Anschauung warf Jedoch ihre gesamte Philosophie ueber den Haufen
und brachte Ihrem Lande schliesslich Chaos und Zerstoerung."
"The CIO News"
6. Februar 1950
"FORCE OUVRIERE" IM KAMPF GEGEN KOMMUNISTEN
Der franzoesfche Gewerkschaftsbund "Force Ouvriere" hat
seit seiner Gruendung im Jahre 1948 gegen den kommunistischen
Allgemeinen Gewerkschaftsbund CGT (Confederation Generale des
Travailleurs) um die Mitgliedschaft der franzoesischen Arbeiter .
gekaempft. Der Kampf war nicht leicht, wenn man bedenkt, dass
"Force Ouvriere" zu Beginn weder organisiert war, noch ueber
Raeumlichkeiten und Geldmittel verfuegte. Trotzdem konnten •
Fortschritte erzielt werden.
Das Strassburger Zentralbuero der "Force Ouvriere" befindet sich im zweiten Stockwerk eines schaeblgen Buerogebaeudes.
Das Personal setzt sich zusammen aus zwei Stenographen, einem
teilbeschaeftigten Buchhalter und Rene Kunkel, der sowohl Bezirks sekretaer als auch Organisator und Versammlungsredner
ist. Kunkels alter Privatwagen ist das einzige fuer dienstliche Zwecke verfuegbare Transportmittel.
Das ist der gesamte Stab der "Force Ouvriere" und zwar
nicht nur fuer Strassburg, eine Stadt von 200.000 Einwohnern,
sondern auch fuer das umliegende, elsaesslsche Department Bas-Rhln,
ein Landwirtschafts- und Industriegebiet mit weiteren 700.000
Bewohnern.
Kunkel berichtete, dass das Strassburger Buero der CGT
ueber weit mehr Mittel verfuegt und. vier oder fuenf vollbeschaeftigte, maennliche Angestellte und acht oder neun Kraftfahrzeuge
hat. Kunkel Ist 41 Jahre alt und Gewerkschaftsmitglied seit
dem Tage, an dem er zu arbeiten begann. Wir sehen in ihm einen
typischen FunJdiaonaer der "Force Ouvriere". Wenn er von seiner
Arbeit spricht, sagt er, dass er "immer zu viel zu tun und
immer zu wenig Mittel hat". Das finanzielle Problem spielt in
allen Angelegenheiten seiner Organisation eine Rolle. Jede
- 9 -

�Gewerkschaft der "Force Ouvriere" setzt ihre eigenen Mitgliedsbeitraege fest. Sie betragen durchschnittlich 100 Franken
(DU 1,20) pro Monat* Fuer die Geschaeftsfuehrung einer Gewerkschaft ist das nicht viel; fuer die franzoesischen Arbeiter
Jedoch, die nur 14,000 Franken (etwa DM 165, — ) verdienen,
bedeutet dieser Betrag in Anbetracht der sehr hohen Preise ein
Opfer, Die CGT hat es in dieser Beziehung besser. Einige der
finanziell besserstehenden Gewerkschaften der CGT haben laut
Kunkel sogar "Werbewochen" veranstaltet, in denen sie die Mitgliedsbeitraege praktisch auf ein Nichts reduzierten, um auf
diese Weise neue Mitglieder au koedern.
Trotz dieser Widerstaende hat die "Force Ouvriere" in
Kunkels Department ueber 10.000 Mitglieder fuer sich gewinnen
koennen. Fast alle sind in Strassburg ansaessig; um ausserhalb
der Stadt organisatorisch wirken zu koennen, waren weder Geldmittel noch Personal vorhanden. Einer der grundlegenden Unterschiede zwischen der CGT und der "Force Ouvriere" besteht darin,
dass die kommunistische Organisation gegen den Marshall Plan
ist, waehrend er von der "Force Ouvriere" unterstuetzt wird.
Tausenden franzoesicher Gewerkschafter kommt die amerikanische Hilfe zugute, erklaert Kunkel* Sie wissen , dass sie
einen grossen Teil dieser Unterstuetzung Tausenden amerikanischer
Gewerkschafter zu verdanken haben. Unter diesen Ümstaenden glaubt
Kunkel nicht an die Gefahr einer "Uebernahme" Frankreichs durch
die Vereinigten Staaten, mit der die Kommunisten so gerne ihre
ablehnende Haltung dem Marshall Plan gegenueber begruenden.
Der Marshall Plan stellt einen Brennpunkt in dem staendigen Kampf zwischen CGT "Force Ouvriere" dar. Die CGT verfuegt
wie alle von den Kommunisten beherrschten Organisationen ueber
eine gut funktionierende Propagandamaschine, die dazu bestimmt
ist, den Marshall Plan zu unterminieren. Ausserdem besteht fuer
die CGT ein Anreiz darin, dass sie die "Force Ouvriere" in Misskredit bringen kann, wenn es ihr gelingt, die franzoesischen
Arbeiter von der Wertlosigkeit des Marshall Planes zu ueberzeugen.
Charles Henck, der seit 45 Jahren Gewerkschafter ist und
der Transportarbeiter Gewerkschaft der "Force Ouvriere" in
Strassburg angehoert, berichtet, dass jedesmal, wenn eine
Stockung im Transport entsteht, die Kommunisten den Marshall
Plan dafuer verantwortlich machen.
Es ist ein wenig schwerer, die Arbeiter aus dem Baugewerbe
an der Nase herumzufuehren, sagt Friedrich Klein, ein anderes
Mitglied der "Force Ouvriere", denn die meisten von ihnen wissen,
dass der um Strassburg im Werk befindliche Wiederaufbau und
Neubau zum grossen Teil direkt oder indirekt durch die amerikanische Hilfe erst ermoeglicht wurde. Fuer sie ist die Parole:
kein Marshall Plan keine Arbeit,
"Sie moegen es glauben oder nicht," sagt Klein, "selbst
wenn wir wegen Frost die Arbeit einstellen muessen, erfinden (
die Kommunisten irgendwelche Geschichten, die den Marshall
Plan als Ursache der Arbeitseinstellung hinstellen*"
In Strassburgs bedeutendem Hafen ist es schon ein wenig
schwieriger, gegen den Marshall Plan zu argumentieren und Leute
zu finden, die diesen Argumenten Glauben schenken, erklaert der
staemmige Alfred Fulssel, ein Flusskapitaen und ueberzeugter
Anhaenger der "Force Ouvriere". Ein grosser Teil der franzoesichen Rheinflotte war waehrend des Krieges zerstoert worden, so
- 10

�erzaehlt er, und jeder, der in dem Hafen heute beschaeftigt
ist, muss unwillkuerlich an der wiederhergestellten Flotte und
dem geschaeftigen Treiben im Hafen einen Beweis fuer die amerikanische Hilfe sehen.
Wer wird in diesem Kampf um die Mitgliedschaft der franzoesischen Arbeiter den Sieg davontragen? Hoeren wir Gustave Boulier,
ein anderes Mitglied der "Force Ouvriere" und langjaehriger Gewerkschafter, der uns diesbezueglich einen kleinen Hinweis gibt.
Boulier gehoert zur Gewerkschaft der staatlichen Angestellten.
Vor einigen Wochen wurde eine Betriebswahl unter den Zivilangestellten der franzoesischen Armeewerkstaetten in Strassburg abgehalten.
Die CGT erhielt dabei 176 Stimmen, waehrend der Katholische Gewerkschaftsverband (CFTG) (ebenfalls anti-kommunistisch und pro Marshall Plan) 156 und die "Force Ouvriere" 140 Stimmen fuer sich
buchen konnten. Vor einigen Monaten, berichtet Boulier, hatte
die "Force Ouvriere" kaum ein Mitglied in diesen BetrAen, die
als komnunistische Hochburgen galten.
"Gebt uns noch einige Monate Zeit," sagt er zuversichtlich,
"und wir werden in diesem Betrieb viel mehr als 140 Stimmen haben.
Und sie (die CGT) werden viel weniger als 176 haben." Zwei Jahre
sind vergangen und noch immer wird ein zaeher Kampf gefuehrt.
Besser gesagt, der Kampf ist schwer, weil die "Force Ouvriere"
zwei Schlachten zu schlagen hat. Die eine gegen die Kommunisten
und die andere, um die Verbesserung der Lebensbedingungen des
franzoesischen Arbeiters - und die Moeglichkeiten zu verbessern
sind sehr gross.
Wichtig ist, dass die "Force Ouvriere" weiterkaempft und
an beiden Fronten erfolgreich ist.
EEA Labor Information
28. Februar 1950
ERP HILFT DER BRITISCHEN BAUMWOLLINDUSTRIE
Sam Lowe schuettelte seinem Besucher herzlich die Hand.
Lowe ist Weber in Lancashire. Er arbeitet nun seit fast 50 Jahren
in den dortigen Webereien. Sein Besucher fragte ihn, wie sich
die Hilfe Amerikas in der englischen Baumwollindustrie bemerkbar
gemacht habe.
"Sehen Sie sich den geschwaerzten Himmel an»1* sagte Lowe,
indem er nach dem Russ und Rauch deutete, der ueber den Fabriken .
hing. "Das ist ein gutes Zeichen fuer eine Industriestadt. Es
bedeutet, dass die Betriebe in Gang sind - und dass die Bewohner
unserer Stadt Arbeit haben."
"Wenn wir durch den Marshall Plan keine Rohbaumwolle bekommen
haetten," fuhr er fort, "waere ein grosser Teil dieser Fabriken
Jetzt geschlossen."
Im Jahre 1949, erklaerte Lowe, haette Lancashire - das Herz
der Baumwollindustrie Englands - seine Produktion dermassen gesteigert, dass die Exporte aus diesem Bezirk um 20£ haetten erhoeht werden koennen. Gleichzeitig sei auch der Bedarf der britischen Industrien an Rohbaumwolltextilien gedeckt worden. Nur
wenige Leute wuessten, dass mehr als die Haelfte der Baumwollarbeiter in Lancashire fuer die Industrie und nicht fuer die
Kleidungsherstellung arbeiten.

- 11 -

�••Damit", sagt Lowe, "schafft der Weber von Lancashlre
mit HUfe amerikanischen Geldes Arbeitsmoeglichkeiten fuer die
Arbeiter in anderen Teilen Englands."
Lowe fuehrte seinen Besucher in "seinen" Betrieb. Es ist
eine verhaeltnismaessig kleine Fabrik in einem Vorort von Manchester; 400 Arbeiter sind darin beschaeftlgt. Lowe leigte
mit nicht wenig Stolz die Kantinen, Baeder und Aufenthalt sraeume
fuer die Belegschaft; auch den Kindergarten, in dem die Kinder
erwerbstaetlger Muetter Aufnahme finden koennen. Sam ist der
Meinung, dass die Arbeitgeber nach dem Kriege mehr Interesse
fuer das Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer gezeigt haetten. Dies
sei zum Teil auf den Mangel an Arbeltskraeften zurueckzufu ehren,
denn heutzutage sei jedermann beschaeftlgt. "Auch dafuer koennen
wir dem Marshall Plan danken", sagte Lowe.
BCA Labor Information
2. Maerz 1950
- 18 -

Office of Labor Affairs, HJDOG
APO 757

OFFICIAL

UCOO O-mm L t 1 H»rch &gt;)0 IT C

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Aaszüge aus dar amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschahsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 3

Prankfurt, 24. Maerz 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Hollaendische Gewerkschaften zum WiederaufbauProgramm - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Neue Wohnhaeuser fuer Lothringische Bergleute Axel Strand
—

1
3
3

Bruessel - Welthauptstadt der Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 7
Innergewerkschaftlicher Kampf der Arbeiter gegen
den Kommunismus - - - - - - - - - - - - - - - 9
Die franzoesische Rheinflotte - - - - —
- - - 10
Amerikanische Gewerkschaften zu internationalen
Fragen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1

HOLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN ZUM WIEDERAUFBAUPROGRAMM
Der groesate der drei bedeutendsten hollaendischen Gewerkschaf tsverbaende hat seinen Verwaltungsrat aufgefordert, "die
wirtschaftliche Zusammenschliessung der Laender Westeuropas in
jeder Hinsicht zu foerdern."
In Amsterdam wurde kuerzlich von den Vorstaenden des Niederlaerd.sehen Gewerkschaftsbundes N.V.V. eine Resolution angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, dass "sowohl der
Wiederaufbau und die wirtschaftliche Wiedergesundung als auch
der dazu erforderliche Zusammenschluss Westeuropas nur durch die
dauernde Unterstuetzung durch den Marshall Plan moeglich sind."
Die Vorstaende wiesen ihre Mitglieder an, "bei den zustaendigen Stellen dahingehend zu wirken, dass die mit Hilfe des
Marshall Planes erzielten Erfolge auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Westeuropas und insbesondere Hollands
nicht gaenzlich oder teilweise durch eine Beschraenkung oder fruehzeitige Beendigung dieser Hilfe zunichte gemacht werden."
"Der Marshall Plan," heisst es weiter in der Resolution,
"ist ein unentbehrlicher und wirksamer Beitrag zum wirtschaftlichen
Wiederaufbau Hollands."
Die Fortsetzung dieser Hilfe wird als eine "dringende Notwendigkeit fuer die weitere Festigung der wirtschaftlichen Stellung
Hollands und fuer die Sicherung und Konsolidierung der bisher erzielten Erfolge" bezeichnet.

�NEUE WOHNHAEÜSER HIER LOTHRINGISCHE BERGLEUTE

Wie aus kuerzlich veroeffentlichten Statistiken hervorgeht,
sind insgesamt 245 Billionen Franken dem Gegenwert Fonds Frankreichs zur Verwendung Im nationalen Investierungsprogramm 1949
entnommen worden.
Hiervon gingen mehr als 45 Billionen zur Beschaffung von
Ausruestung und zur Modernisierung an "Charbonnages de France",
d.h. an die staatseigenen Kohlenbergwerke. Hinter diesen nuechternen Zahlenangaben liegt jedoch eine menschliche Geschichte, ein Teil der Geschichte vom Marshall Plan, der dem franzoesischen
Volke hilft, sich selbst und einer den andern zu unterstuetzen.
So liegt z.B. in der Nordost-Ecke Frankreichs,nahe an der Grenze
des Saargebietes, die Stadt Merlebach. Von ihren 9.500 Einwohnern
sind 2.400 Bergleute. Ausserdem arbeiten noch viele andere aus
den umliegenden Ortschaften in den Merlebacher Kohlegruben.
Der Beruf des Bergmanns ist ein sehr schwerer, und deshalb
verlangt der Kumpel nicht nur einen entsprechenden Lohn, sondern
auch eine anstaendige Wohnung. Nach dem Kriege war es jedoch nicht
leicht, in Merlebach eine annehmbare Wohnung zu finden. Heute ist
das anders geworden. Einige Wohnbioecke von der Bürgermeisterei
entfernt ist eine gesamte "Neustadt" aus der Erde gewachsen. In
erhoehter Lage, ueber der dichten Rauchdecke, die den Industriebezirk bedeckt, stehen Hunderte neuer Wohnhaeuser fuer die Bergleute. Diese Haeuser sind zwar einfach in der Bauweise, aber zu
jedem gehoert ein Hof und ein Garten. In den zuerst beendeten
Abteilungen sind bereits hohe Hecken und Straeucher gewachsen.
In den Haeusern befinden sich moderne Badezimmer und fliessendes
warmes Wasser, Kuechen mit eingebauten Herden und Schraenken, und
behagliche Wohn- und Schlafzimmer.
Die Strassen der "neuen Stadt" sind breit und gewunden. Man
sieht neue Laeden und Schulen, die in ihrer Bauweise den Wohnhaeusern angepasst sind.
Diese neuen Haeuser fuer die Bergleute von Merlebach wurden
in Frankreich entworfen, hergestellt und zusammengesetzt. Insgesamt sind etwa 15.000 aehnliche Einheiten fuer franzoesische Bergleute erstellt worden, davon mehr als 4.000 in Lothringen. Die
franzoesische Regierung beabsichtigt, fuer diejenigen, die die
franzoesische Kohle graben, noch mehr solcher Wohnungen zu bauen,
und zwar jaehrlich fuenftausend bis zum Jahre 1955. Die Wohnungen
sind mietfrei, und Brennmaterial wird kostenlos zur Verfuegung gestellt. Das Wohnungsbauprogramm fuer Bergleute - das auch Krankenhaeuser, Apotheken, Schulen und Erholungsheime vorsieht, ist sehr
kostspielig. Die jaehrliche Rechnung belaeuft sich auf etwa 14 Billionen Franken (40 Millionen Dollar). Fuenf Billionen Franken
hiervon werden aus dem Marshall Plan Gegenwert Fonds fuer Frankreich gestellt.
Merlebach und die lothringischen Kohlengebiete bilden nur
einen kleinen Teil Frankreichs. Trotzdem ist in den neuen Wohnhaeusern fuer die Bergleute ein weiteres Beispiel dafuer zu sehen,
wie der Marshall Plan Frankreich hilft, sich selbst zu helfen.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950

- 2 -

�AXEL STRAND
Die Laufbahn und gegenwaertige Taetigkeit, der Charakter
und die Persoenlichkeit des Praesidenten des Schwedischen Gewerkschaft sbund es ("LG-'1), Axel Strand, geben in wirkungsvoller
Weise die Geschichte der schwedischen Gewerkschaftsbewegung
wieder.
Das Datum seines Eintritts in die Gewerkschaftsbewegung
im Alter von 16 Jahren faellt mit dem denkwuerdigsten Datum der
Geschichte der schwedischen Gewerkschaften zusammen. Es war im
Jahre 1909, als das eintrat, was alle Schweden heute noch als den
•Grossen Streik" bezeichnen. Es war ein Kampf zwischen Unternehmern und Gewerkschaften, der endgueltig entscheiden sollte, wer
der Staerkere war - so dachte man wenigstens damals darueber.
Die Unternehmer hielten die Zeit fuer gekommen, der aufkommenden, organisierten Gewerkschaftsbewegung den Todesstoss
zu versetzen. Sie schlössen sich zusammen und begannen mit einer
Reihe von Aussperrungen. Die Antwort der Gewerkschaften hierauf
war ein Generalstreik. Der Streik missglueckte, und in diesem
Sinne zogen die Gewerkschaften den Kuerzeren. Sie erlitten schwere
Verluste an Geld und auch an Mitgliedern, da die Unternehmer ruecksichtslos schwarze Listen aufgestellt hatten. Zu jener Zeit wanderte ein grosser Teil der schwedischen Arbeiter nach Amerika aus,
weil man sie zu Hause nicht beschaeftigen wollte. Aber auch die
Unternehmer verloren in einer gewissen Beziehung, denn es gelang
ihnen nicht, die Gewerkschaftsbewegung zu zerstoeren. Die Gewerkschaften hielten noch immer zusammen. Fuenf Jahre dauerte es,
bis sie sich von diesem Schlag erholt hatten, aber dann kamen sie,
staerker als je zuvor, wieder.
Der junge Axel Strand war im Jahre des "Grossen Streiks" Mitglied der Gewerkschaft der Moebelschreinsr geworden. Zu gleicher
Zeit trat er in die Sozialdemokratische Partei ein.
Er arbeitete in seinem Beruf in Lund, dem historischen Kulturzentrum der suedschwedischen Provinz Skane und der zweitaeltesten Universitaets. Stadt des Landes. Er war in dem Dorf Burlov
geboren, wo er bis zu dem ueblichen Alter von 14 Jahren zur Schule
ging. Sein Vater war Hobler in einem Betriebe,in dem Inneneinrichtungen fuer Eisenbahnwagen hergestellt wurden.
Der Bedeutung von Skane entsprechend haben Maenner dieser
Provinz (es ist u.a. die am staerksten bevoelkerte) im Leben des
Landes grosse Rollen gespielt. Per Albin Hansson, der beliebte
Demokrat, der viele Jahre lang bis zu seinem Tode im Jahre 1946
Premierminister war, stanmte aus Skane. Ebenso Gustav Moller, der
als Minister fuer Soziale Wohlfahrt der Architekt der schwedischen
Sozialreformen ist; ausserdem Per Edvin Skold, zur Zeit Finanzminister. Hansson war ebenso wie die beiden andern Genannten
Soz ialdemokrat.
Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahre 1919, begab sich Strand
nach Stockholm, wo er seitdem immer gelebt hat. Er blieb in seinem Handwerk bis zum Jahre 1923 taetig, als er Organisator der
Stockholmer Zentrale seiner Gewerkschaft wurde.
Im gleichen Jahr heiratete er Emilie Lindkvlst. Das Ehepaar
hat zwei Toechter; die aelteste, 25 Jahre, ist verheiratet, die
andere Tochter ist 20 Jahre alt und lebt zu Hause.
Ein Jahr speater wurde Strand zum Finanzsekretaer der nationalen Gewerkschaft der Moebelschreiner ernannt, und diese Stellung

�bekleidete er 12 Jahre lang. Dann wurde er im Jahre 1936 zum
Finanzsekretaer des Schwedischen Gewerkschaftsbundes LO gewaehlt
und hatte diese Stel lung bis zu seiner Ernennung zum Presidenten im Jahr 1947 inne.
Waehrend der Gewerkschaftslaufbahn Strands ist diese Bewegung laufend und stetig angewachsen. Von dem Rueckschlag Im
Jahre des "Grossen Streiks" an (die Mitgliederzahl war von 186*000
im Jahre 1908 auf 80.000 Im Jahre 1911 zurueckgegangen) begann der
Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung zu ihrer gegenwaertigen hohen
Machtstellung. Die fruehere, zahlenmaessige Staerke wurde waehrend des Ersten Weltkrieges wieder erreicht. Nach dem Kriege, im
Jahre 1919, wurden 259.000 Mitglieder gezaehlt. Zehn Jahre spaeter
hatte sich diese Zahl verdoppelt. In den dreissiger und vierziger
Jahren, in Krisen und Krieg wuchs die Bewegung staendig. (Eine
einzige Ausnahme bildete 1933, das schlimmste Jahr der Krisenzeit,
in dem ein Absinken der Mitgliederzahl um 5.000 eintrat). Bei
Beendigung der ersten Haelfte des Jahrhundertet hatte der 52 Jahre
alte Schwedische Gewerkschaftsbund 1.244.000 Mitglieder zu verzeichnen. Davon sind 95# Arbeiter.
Auch die Zentralgewerkschaft der Angestellten, TCO, ist von
40.000 Mitgliedern im Jahre 1937, als sie gegruendet wurde, auf
255.000 Mitglieder, das ist fast die Haelfte aller Angestellten,
angewachsen. Damit machen die Gewerkschaftsmitglieder nahezu
ein Fuenftel der gesamten Bevoelkerung Schwedens (7 Millionen)
aus.
Mit dem zahlenmaessigen Ansteigen der Gewerkschaften ging
die Entwicklung zu Einfluss und Prestige Hand in Hand. Diese
Entwicklung ist gekennzeichnet durch ein gesamtnationales Kollektivverhandlungswesen zwischen dem LO und den organisierten
Unternehmern. In dieser Tatsache spiegelt sich die Umwaelzung
wider, die innerhalb des LO stattgefunden hat und aus einer verhaeltnismaessig lockeren Vereinigung selbststaendiger Koerperschaften eine Organisation mit betraechtlicher Zentralgewalt
entstehen liess.
Das Verhaeltnis der Gewerkschaften zu den Unternehmern
hat sich im Laufe der Jahre geaendert. Frueher bestand eine
Feindschaft zwischen diesen beiden Parteien, waehrend heute
jede von ihnen die Rolle billigt, die der andere im wirtschaftlichen Leben spielt. Beide erkennen aus sozialen Erwaegungen
heraus die Notwendigkeit an, Loesungen fuer Probleme zu finden,
die aus den entgegengesetzten Interessen entstehen. Die gegenwaertigen Beziehungen sind in einem Grundvertrag niedergelegt,
der im Jahre 1939 zwischen Vertretern des LO und des Schwedischen Arbeitgeberverbandes entstanden war. Sie arbeiteten Richtlinien fuer das Verhalten bei Streiks und andere grundlegende
Arbeitsprobleme aus. Dieser Vertrag hat sich gut bewaehrt, denn
er schuf einen hohen Grad an Stabilitaet in den Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern, ohne dass sich die
Regierung dabei einzuschalten hatte.
Die Autoritaet, mit der der LO ausgestattet ist, hat nicht
zu einer Beherrschung "von oben her" gefuehrt, weil die Macht
des LO weit davon entfernt ist, absolut zu sein; das Ergebnis
der Verhandlungen mit den Unternehmern wird in Empfehlungen
zusammengefasst, die zwar ueberzeugend sein koenne, aber nicht
hindend fuer die angeschlossenen Verbaende sind, denen eine
betraechtliche Selbststaendigleit bleibt.

�Ausserdem Ist die Demokratie ein angeborenes Merkmal der
schwedischen Gewerkschaftsbewegung. Die Fuehrer erklimmen nicht
Hoehen, in denen sie keine Verbindung mehr mit der breiten Masse
haetten. Wie Strand sagt, "spricht Jeder aus der Gewerkschaftsbewegung den anderen, auch wenn es ein Funktionaer ist, mit "Du"
an."
Strands Tuere sowohl als auch die der anderen Funktionaer«
des LO steht zu jeder Zelt allen Gewerkschaftlern offen. Diese
scheuen sich nicht, zu ihnen zu kommen, wenn sie ihnen ihre Meinung
mitteilen moechten. Funktionaere und einfache Gewerkschaftler
besprechen gemeinsam Angelegenheiten, wann und wo sie sich auch
immer begegnen; nicht nur in Versammlungshallen, sondern auch in
der Strassenbahn und auf der Strasse.
So wie Axel Strand in die Sozialdemokratische Partei eintrat,
als er Gewerkschaftler wurde, so haben auch die Arbeiter Schwedens
die wirtschaftliche Tetigkeit mit der politischen kombiniert. Das
Ergebnis auf politischem Gebiet war, dass diese Partei auf Grund
ihrer Mehrheit im Riksdag (Parlament) seit 1932 das Kabinett gebildet hat. Eine Ausnahme stellen die KriegsJahre dar, in denen
eine Koalitionsregierung bestand. Die Gesetzgebung und die Massnahmen der Regierung waren unter dem Einfluss der Sozialdemokratischen Partei auf Vollbeschaeftigung, Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter und Ausdehnung der sozialen Sicherheit
ausgerichtet.
Strand und viele andere Gewerkschaftsfuehrer betreten bei
Wahlkaempfen die Rednertribüne und werben fuer sozialdemokratische
Kandidaten. Er selbst wurde fuer die Zeit von 1936 bis 1938 in
den Stadtrat gewaehlt. Dann gehoerte er mit sechs anderen Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei zu der 14 Mann starken
Vertretung in der Ersten Kammer des Riksdag. Seitdem war er Immer
im Riksdag und staendig Mitglied des Gesetzes- und Verfassungsaußschusses, der sich mit der sozialen Gesetzgebung befasst. Ausserdem gehoert Strand seit 1946 zum AussenpolitIschen Ausschuss.
Strands aktive Rolle als politischer Fuehrer wird durch
die Tatsache bekundet, dass er seit 1944 Mitglied des Exekutivausschusses seiner Partei ist.
Seine Einstellung wirtschaftlichen und politischen Fragen
gegenueber hat Strand selbst in folgenden Worten zum Ausdruck
gebracht:
"Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und die Gewerkschaftsbewegung arbeiten seit dem Tage zusammen, an dem beide Organisationen
gegruendet wurden. Diese Zusammenarbeit wurde nicht in irgendeiner
Verfassung genau festgelegt, sondern hat sich aus der Interessengemeinschaft ergeben, die die politischen und gewerkschaftlichen
Ziele der Arbeiter miteinander verbindet. Als die Sozialdemokratie
die Regierung uebernahm, war es ganz natuerlich, dass die Arbeiterregierung und die Gewerkschaftsbewegung ebenso wie Regierung und
SozaildemokratIsche Partei zusammenarbeiteten. Es gab fuer uns
Immer gemeinsame Probleme und Interessen. Die Zusammenarbeit ist
unseres Erachtens in einer Zeit, in der die Arbeiter regieren,
gerade so-notwendig, wie zu einer Zeit, in der sie sich in der
Opposition befinden."
In der Nachkriegszeit standen die wirtschaftlichen Probleme
bei den Diskussionen in dem Ausschuss im Vordergrund, sagt Strand.
Vor dem Kriege befasste man sich.In groesserem Masse mit politischen
Angelegenheiten.
- 5 -

�Beide Gewerkschaftsverbaende, LO und TCO, vertreten die
Arbeiter Schwedens im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften,
der im Dezember vorigen Jahres in London gegruendet wurde. Strand
war natuerlich auch in London und zwar als Mitglied der achtkoepfigen
schwedischen Delegation. Er arbeitete in dem Verfassungsausschuss,
der wohl die wichtigsten Funktionen der gesamten Konferenz hatte.
Strands Auslandsreisen, ausser den bereits genannten, sind
ein Beispiel fuer die Anteilnahme der schwedischen Gewerkschaften
an internationalen Angelegenheiten. Auf Einladung der Marshall
Plan Verwaltung flog er zusammen mit 11 weiteren Gewerkschaftlern
nach den Vereinigten Staaten, um amerikanische Industriebetriebe
zu besuchen. 1947 verbrachte er 14 Tage in der britischen Besatzungszone Deutschlands, um die Nachkriegsverhaeltnlase zu studieren.
In den letzten zwoelf Jahren bereiste er ferner Frankreich, Belgien,
Holland, Schweiz, Oesterreich, Tschechoslowakei und Ungarn.
Zu der internationalen, wirtschaftlichen Zusammenarbeit und
der Haltung der schwedischen Gewerltthaft zu dieser Frage nimmt
Strand folgendermassen Stellung:
"Unsere Teilnahme am Marshall Plan und unsere Unterstuetzung
der einzelnen Massnahmen im Rahmen dieses Projektes gruenden sich
auf die feste Ueberzeugung, dass die internationale Zusammenarbeit
auf wirtschaftlichem Gebiet unerlaesslich ist, wenn wir eine Welt
aufbauen wollen, in der die Sicherheit und Wohlfahrt der Menschheit garantiert ist. Durch die ungeheuren Zerstoerungen des
Krieges war es den Nationen Europas unmoeglich, den Wiederaufbau
mit eigenen Mitteln und innerhalb einer im voraus zu bestimmenden
Frist durchzufahren. Wir begruessen deshalb dankbar das grossartige Hilfsprogramm des amerikanischen Volkes und sind bereit,
alles zu tun, um es zu einem Erfolg werden zu lassen."
Im Wesen und der Haltung Strands finden wir vieles, was fuer
die Schweden charakteristisch ist. Er ist ruhig,und gelassen. .
Von guter Erscheinung, ueber mittelgross, kahlkoepfig, mit grossen,
dunklen, forschenden Augen, koennte er leicht fuer einen Professor
oder Doktor gehalten werden. Nach schwedischer Art sind seine
oeffentlichen Reden weder laut noch rhetorisch, sondern ruhig und
ueberzeugend.
Alle, die ihn kennen, bezeichnen ihn als einen Mann von
grosser Intelligenz und einem umfassenden Allgemeinwissen, das
laufend durch seine Wissbegierde genaehrt wird. Sein Humor wird
von einem Freund als eine Art bezeichnet, "die andere Leute zum
Lachen bringt, waehrend er selbst todernst dabei bleibt."
Strand ist ein einfacher Mann. Auf die Frage, welche Faktoren
zu seinem Aufstieg bis zur hoechsten Stellung im LO gefuehrt haben,
erklaert er, wie die Praesidentensteile durch den Tod eines Vorgaengers frei war und er vom Verwaltungsrat des LO zum Presidenten gewaehlt wurde. Alle jedoch, die Axel Strand kennen, wissen
dass die Erklaerung fuer seinen Aufstieg zur fuehrenden Persoenlichkeit in der schwedischen Gewerkschaftsbewegung in der Tatsache
liegt, dass "er wirklich auf Draht ist»"
ECA Labor Information
27. Januar 1950

- 6 -

�BRUESSEL - WELTHAUPTSTADT DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Vor sechs Jahren waere in Bruessel eine Gewerkschaftsmitgliedskarte wohl das Letzte gewesen, was ein Arbeiter in seiner
Tasche getragen haette - es sei denn, er hatte das Verlangen,
einem deutschen Erschiessungskommando gegenüberzustehen. Die einst maechtigen, belgischen Gewerkschaften waren aufgeloest, die Mitgliederlisten zerstoert und jegliche gewerkschaftliche Taetigkeit verboten. Gewerkschaftsfuehrer, die dem Tode,
dem Kerker oder der Verbannung durch die Besatzungsbehoerden
entgangen waren, hielten sich verborgen. Die Gestapo war ihnen
Tag und Nacht auf der Spur.
Es bestand lediglich eine "Gewerkschaft" in Belgien, die
von den Nazis gegruendete Gewerkschaft der Hand- und Kopfarbeiter
(Union des Travailleurs Manuels et Intellectuels). Es war eine
"Unternehmergewerkschaft" im wahrsten Sinne, und der Unternehmer,
dem sie diente, war Adolf Hitler. Wenig belgische Arbeiter
wuenschten, mit der verhassten "UTMI" irgendetwas zu tun zu
haben, da sie im Dienste der Nazis und der Wehrmacht stand.
Heute gibt es in Belgien drei grosse Gewerkschaftsverbaende,
und fast die Haelfte der 2.600.000 Arbeiter des Landes tragen
stolz ihre Mitgliedskarten. Die belgische Hauptstadt ist Hauptquartier der beiden groessten Gewerkschaftsverbaende, des
Belgischen Gewerkschaftsbundes und des Bundes Christlicher
Gewerkschaften, die zusammen ueber eine Million Mitglieder
zaehlen.
Mit der Errichtung des staendigen Sitzes des neugegruendeten Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in Bruessel,
ist diese Stadt nun auch zur Welthauptstadt der Gewerkschaftsbewegung geworden.
Die neue, demokratische Arbeiterinternationale wurde im
- Dezember in London organisiert, als 261 Gewerkschaftsdelegierte
aus 53 verschiedenen Laendern gemeinsam beschlossen, einen
neuen Weltbund zu gruenden, dessen Aufgabe es sein sollte, "die
wirtschaftliche und politische Freiheit der arbeitenden Menschen
auf der Welt zu erringen und zu sichern." Vom 28. November bis
. zum 10. Dezember vorigen Jahres trafen sich in der County Hall
in London Delegierte als Vertreter von 50 Millionen Arbeitern
der Welt. Sie ernannten Paul Finet, den 52-jaehrigen Werkzeugmacher und Generalsekretaer des Belgischen Gewerkschaftsbundes,
zu ihrem ersten Praesidenten und waehlten Bruessel zum staendigen Sitz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Generalsekretaer der neuen Organisation ist J. H. Oldenbroek
aus Holland, der tatkraeftige Sekretaer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes. Ein Stab von 40 bis 50 Mitgliedern wird
ihm bei der Verwaltung der neuen Gewerkschaftsinternationale
von Bruessel aus zur Seite stehen.
Die dynamische, junge Organisation ist die kuehne Antwort
der freien Gewerkschaften an den von den Kommunisten beherrschten
Weltgewerkschaftsbund, der sich nach vergeblichen Versuchen der
Gewerkschaften des Westens, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten, in das Kielwasser der russischen Intrigenten begab. Der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften lehnt, wie es sein
Name schon sagt, den Totalitarismus in allen Formen und jegliche
Art kontrollierten Gewerkschaftswesens ab. Sein klar vorgezeichnetes Ziel ist die wirtschaftliche Sicherheit ohne den Verlust
der persoenlichen Freiheit. Der hartnaeckige Widerstand des
Weltgewerkschaftsbundes
- 7 -

�dem Marshall Plan gegenueber, gepaart mit einer ruecksichtslosen
kommunistischen Diktatur und der bekannten Ausbeutung der Arbeiter
in den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang, veranlassten schliesslich die Gewerkschaften der westlichen Laender im Februar vorigen
Jahres, aus dem Weltgewerkschaftsbund auszutreten»
In seiner Praesidentenbotschaft an den Londoner Kongress erklaerte Paul Finet: "Fuer diejenigen von uns, die sich noch immer
verzweifelt bemuehten, die Einheit zu erhalten und fuer die stalinistischen Intrigen im Weltgewerkschaftsbund eine weniger verletzende Erklaerung zu finden, beseitigte die Einstellung dieser Organisation zum Mars hall Plan auch die letzten Illusionen. Ihrer Haltung dem ERP gegenueber ist es zuzuschreiben, dass der Weltgewerkschaftsbund auseinanderbrach.•
"Brot, Friede,und Freiheit11 ist der Kampfruf, mit dem der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften ins Leben sprang. Das
achtseitige Manifest wirtschaftlicher und sozialer Forderungen, das
auf der Londoner Konferenz entworfen wurde, bezeichnet ••Brot" als
"die wirtschaftliche Sicherheit und soziale Gerechtigkeit fuer Alle",
fordert "Freiheit" durch wirtschaftliche und politische Demokratie"
und"Frieden" in Freiheit, Gerechtigkeit und Anerkennung der persoenlichen Wuerde fuer Alle." Es fordert die Arbeiter auf, "sich
zusammenzuachliessen, um eine Welt aufzubauen, in der die Menschen
frei sind von Tyrannei.... von Totalitarismus und von der Bevormundung und Ausbeutung durch.... Kartelle und Monopole." Es ruft
dazu auf, den "Ueberfluss zu mobilisieren, dessen sich die industriell fortgeschrittenen Nationen der Welt erfreuen, um allen
Menschen Vollbeschäftigung, Sicherheit gegen Not, Alter und
Krankheit zu garantieren und ihnen einen staendig steigenden
Lebensstandard und ein reicheres und besseres Leben zu bieten."
Das sind die Ziele der neuen Gewerkschaftsinternationale,
die ihren Sitz in Belgien hat. Ihrer Verwirklichung ist die Organisation in Bruessel gewidmet, die das Sprachrohr der gesamten
freien, organisierten Arbeiterschaft der Welt darstellt.
Mit der Wahl Bruessels zur Hauptstadt hat der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften eine glueckliche Hand gehabt. Als
Hauptstadt einer der kleinsten Nationen Europas ist Bruessel eine
Stadt mit einer Million Einwohnern, in der der Charme der alten
Welt mit dem aeusseren Bild einer vorwaertsstrebenden, modernen
Metropole harmonisch zusammenwirkt. Neue amerikanische Automobile bewegen sich in den altertuemlichen, engen Strassen und wetteifern mit klingenden elektrischen Strassenbahnen und furchtlosen
Radfahrern, die sich durch den Verkehr schlaengeln. Die Laeden
sind mit Waren gefuellt, vom amerikanischen, elektrischen Kuehlschrank und der Waschmaschine bis zu feinen englischen Stoffen.
Freundliche, kleine Cafes locken Kaeufer, Touristen und Geschaeftsleute.
Bruessel ist wie New York City kein ausgesprochenes Industriezentrum. Ausser der Leichtmetallindustrie ist wenig Industrie
in der Stadt selbst. Der groesste Teil der erwerbstaetigen Bevoelkerung, deren Zahl sich auf fast eine Viertelmillion belaeuft,
ist in den grossen Finanz- und Handelsunternehmen der Hauptstadt
beschaeftlgt oder arbeitet in den Verwaltungsstellen der belgischen
Regierung. Bruessel ist seit dem Mittelalter ein bluehendes Zentrum
des kontinentalen Handels. Abgesehen von seiner Bedeutung fuer
Finanz und Handel und von seinen grossen Sehenswürdigkeiten fuer
Touristen, ruehmt sich diese Stadt einer Atmosphäre des guten
Lebens und der erfolgreichen Arbeit.
- 8 -

�Das kleine Belgien, das erst seit 1830 als unabhaengige
Nation besteht, hat 8£ Millionen Einwohner. Ein Viertel hiervon
lebt in den vier grossen Staedten Bruessel , Antwerpen, Luettich und
Gent. Man findet in diesem Land sowohl die Schwer- als auch die
Leichtindustrie, - beide produzieren fuer den Export - eine ausgedehnte Landwirtschaft und den zweitgroessten Seehafen des Kontinents.
Durch Antwerpen geht ein grosser Teil der Produktion Westeuropas
in die ganze Welt.
Belgien produziert in normalen Zeiten genuegend Ezportwaren,
um seine Importe damit bezahlen zu koennen. Sein Problem bestand
Jedoch nach dem Kriege darin, dass es keine Kaeufer fand, die
diese Waren abnehmen konnten. Der Marshall Plan hat Belgien geholfen, indem er anderen Laendern Europas ermoeglichte, belgische
Exportwaren zu kaufen. M. Gaston Eyskens, der Premierminister
Belgiens, erklaerte unlaengst: "Im ganzen gesehen ist 100.000
belgischen Arbeitern durch die Marshall Plan Hilfe Arbeit gegeben
worden - 100.000 Arbeiter deren Produktion in den Dienst des
Wiederaufbaus Belgiens und Europas gestellt werden konnte. In
dieser schweren Zeit bedeutet diese Hilfe die Rettung Belgiens."
Obwohl Belgiens neun Provinzen in drei Sprach- und Kulturgebiete aufgeteilt sind, bilden deren Bewohner trotzdem eine einzige
Nation, die gelernt hat, Notzeiten durch enges Zusammenarbeiten
zu ueberstehen. Die Flamen der noerdlichen Provinzen, die fransoesichsprechenden Wallonen aus dem Sueden und die deutschsprechende Bevoelkerung des aeussersten oestlichen Teiles des Landes sie alle sind zu alte rerst Belgier.
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird bei seinen
Tagungen in Bruessel eine freundliche Aufnahme finden, denn
Belgien ist ein Land, in dem sich die Gewerkschaften einer grossen
Sympathie nicht nur seitens der Regierung sondern der gesamten
Nation erfreuen.

INNERGEWERKSCHAFTLICHER KAMPF DER ARBEITER GEGEN DEN KOMMUNISMUS
Nach Ansicht des amerikanischen Sonderbeauftragten in Europa,
W. Avereil Harrlman, hat der Kommunismus in Europa seine groesste
Niederlage innerhalb der Gewerkschaftsbewegung'erlitten. In
einem Bericht an den auasenpolitisehen Ausschuss des Senats, in dem
Harriman zu der Fortsetzung des Wiederaufbau Programms fuer das
Jahr 1950-1951 Stellung nimmt, spricht er sich anerkennend ueber
den Kampf der europaeischen Arbeiter "um ein freies Leben" aus.
"In Italien und Frankreich", berichtet Harriman, "hatten sich
die Kommunisten der Herrschaft ueber die bedeutendsten Gewerkschaftsverbaende bemaechtigt, bevor der Marshall Plan angelaufen war. Nun
verlieren sie an Boden, und die nichtkommunistischen Gewerkschaften
gewinnen schnell an Staerke. In Frankreich hat es sich die "Force
Ouvriere" zusammen mit anderen nichtkommunistischen Gewerkschaften
zur Aufgabe gemacht, die franzoesische Gewerkschaftsbewegung von
den Kommunisten zu befreien. In Italien haben sich zwei bedeutende
nichtkommunistische Gewerkschaftsverbaende von dem kommunistischen
Gewerkschaftsbund losgesagt und mobilisieren nun die Kraefte der
freien italienischen Arbeiter."
Harrison fuehrt auch an, wie die deutschen Gewerkschaften
auf einer Konvention im Oktober vorigen Jahres dem Kommunismus
einen schweren Schlag versetzt haben, indem sie sich im Deutschen
Gewerkschaftsbund ausammenschlossen. Auf dieser Konvention, berich- 9 ,.

�tet Harriman, "brachten die Kommunisten nur eine Handvoll von
Delegierten auf."
"In anderen Laendern," faehrt er fort, "wie Oesterreich,
Belgien und Norwegen, in denen die Kommunisten einst stark waren,
ist ihr Einfluss in der Gewerkschaftsbewegung heute zu einem unbedeutenden Nichts zusammengeschmolzen." Harrison erklaert weiter,
dass "die zunehmende Entschlossenheit der Arbeiter, die kommunistischen Agenten aus den einflussreichen Stellungen in der Gewerkschaftsbewegung zu vertreiben, in der ganzen Welt Reaktionen ausgeloest hat."
Als Beispiele fuehrt er den Austritt der freien Gewerkschaften
aus dem einst maechtigen, kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund an, den er als "ein Werkzeug der Intrige" bezeichnet,
und die Gruendung des Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften, der, wie er sagt, "der Foerderung der Arbeiterwohlfahrt
und der Bekaempfung der kommunistischen Machtgelueste dient."
ECA Labor Information
3. Maerz 1950
DIE FRANZOESISCHE RHEINFLOTTE
Die franzoesische Rheinschiffahrt ist wieder in Betrieb dies ist zum grossen Teil durch die Hilfe Amerikas ermoeglicht
worden. Am Ende des Krieges war ein Drittel der Rheinflotte
vollkommen zerstoert, und Frankreich war es nicht moeglich, die
zum Schiffsbau notwendigen Arbeiten allein zu finanzieren. Von
den 120 benoetigten Lastkaehnen wurden 47 in amerikanischen Schiffswerften in Einzelteilen hergestellt und in hollaendischen und franzoesischen Haefen zusammenmontiert. Die restlichen werden in Frankreich fast ausschliesslich mit amerikanischem Material gebaut.
Die Kosten fuer das gesamte Programm zum Bau von Lastkaehnen
belaufen sich auf 18.797.000 Dollar; hiervon werden 17.938.000
Dollar von Amerika in verschiedenen Formen, einschliesslich Marshall
Plan, zur Verfuegung gestellt.
Auch die von und nach Belgien, Holland, Schweiz, Deutschland
und Frankreich auf dem Rhein verfrachteten Gueter sind zum grossen
Teil von Amerika bezahlt.
Das Flottenbauprogramm bedeutet also Wiederaufleben des Rheinhandels fuer alle Uferstaaten. Es bedeutet Arbeit fuer Hunderte von
Schiffern und Werftarbeitern. Der Lebensstandard der Schiffer ist
dank dieses Programms verbessert worden.
Da ist zum Beispiel George Vaeth. Er ist Kapitaen der "Chinon",
einer der in den Vereinigten Staaten in Einzelteilen hergestellten
Lastkaehne. Vaeth ist auf der "Chinon" zuhause; mit Stolz wird er
Ihnen sein Schiff zeigen. Es ist glaenzend weiss, hat eine buntgestrichene Kueche mit einem Herd mit Oelfeuerung und einem schimmernd
weissen Kuehlschrank; ausserdem ein modernes Badezimmer mit Dusche,
ein geraeumiges Doppelschlafzimmer und zwei zusaetzlichen Schlafkajueten mit je 2 uebereinanderliegenden Betten.
Vaeth, ein Elsaesser mittleren Alters, ist ein lakonischer
Mensch. Wenn Sie ihn fragen, was er vom Marshall Plan haelt, wird
er Ihnen nur erwidern, dass dies eine bedeutende und gute Angelegenheit ist.
- 10 -

�Hoeren wir jedoch seine Frau. "Wo an Land koennten wir uns
all das leisten?" fragt sie, indem sie stolz ihre saubere Kueche,
ihr "luxurioeses" Badezimmer und ihren Kuehlschrank zeigt. All
das haben wir der Hilfe Amerikas zu verdanken."
Der Leiter der Personalabteilung der Rheinflottenverwaltung
kann besser erklaeren, was die "neue" Rheinflotte fuer diejenigen
bedeutet, die durch sie Arbeit gefunden haben. Auf die Frage, was
Kapltaen Vaeth, seine Besatzung und die Kapitaene und Mannschaften
der uebrigen Schiffe tun wuerden, wenn es keinen Marshall Plan
gaebe, antwortete er:
"Ich nehme an, dass sich die meisten nach Arbeit in irgendeiner Fabrik umsehen muessten."
BGA Labor Information
2. Maerz 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN ZU INTERNATIONALEN FRAGEN
In kuerzlich angenommenen Resolutionen sprachen sich die
Verwaltungsraete der beiden Hauptgewerkschaftsverbaende der Vereinigten Staaten, AFL und CIO, fuer die Beteiligung der freien
Gewerkschaftsbewegung an internationalen Angelegenheiten aus.
Fuehrende Funktionaere der AFL und des CIO stimmten fuer die
Unterstuetzung des neuen Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften, befürworteten erneut den Marshall Plan, forderten die
Bewilligung des von Praesident Truman vorgeschlagenen Punkt-VierProgramms zur Unterstuetzung rueckstaendiger Gebiete und brachten
erneut ihr Vertrauen in die Vereinten Nationen zum Ausdruck, Gleichzeitig lehnten die beiden grossen amerikanischen Gewerkschaften
eine Ausdehnung der wirtschaftlichen Unterstuetzung und die diplomatische Anerkennung Franco Spaniens ab.
Der Verwaltungsrat der AFL forderte auf seiner Tagung in
Miami (Florida) den Kongress auf, sich mit Nachdruck fuer die
Genehmigung des Punkt-Vier-Programms einzusetzen, und die Gewerkschaften an der Planung und Verwaltung dieses Programms teilnehmen
zu lassen. In seiner Bereitschaftserklaerung sich hinter den
Marshall Plan und das Programm zur Unterstuetzung der in Not befindlichen Gebiete der Welt zu stellen, erklaerte der Verwaltungsrat im einzelnen:
"Die bis jetzt mit Hilfe des Europaeischen WiederaufbauProgramms
erzielten Erfolge, die in der Produktionssteigerung in den unterstuetzten Laendern erkennbar sind, unterstreichen die Notwendigkeit, jetzt fuer die Zeit nach Beendigung des Marshall Planes als
solchen vorzubereiten. Es ist klar, dass die demokratischen Nationen
im Interesse der Entwicklung einer gesunden und ausgeglichenen
Wirtschaft in dem freien Teil der Welt keine Zeit verlieren duerfen,
die verschiedenen unter dem ERPund demPunkt-Vier-Programm getroffenen
Massnahmen zu kombinieren. Eine wirksame Vereinigung der Wirtschaften
des demokratischen Europa ist unmoeglich, solange keine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit Westeuropas mit Afrika, Amerika und den
demokratischen Laendern und Gebieten Asiens zustandekommt. Es muss
Westeuropa in zunehmendem Maase gelingen, fuer seine produzierten
Waren Absatzmaerkte in den wirtschaftlich unentwickelten Gebieten
zu erschllessen. Bei diesen gemeinsamen Moeglichkeiten wuerden die
verschiedenen europaeischen, nationalen Wirtschaften, die in vieler
Hinsicht miteinander konkurrieren, eher versuchen, sich zusammenzuschliessen."
- 11 -

�Der Verwaltungsrat des CIO billigte in Washington die Prinzipien des Punkt-Vier-Programms, warnte jedoch davor, die den
rueckstaendigen Gebieten gewaehrte Hilfe nur "stueckweise" zukommen zu lassen. In der Resolution heisst es u.a.:
"Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, das vorsieht, den
rueckstaendigen Gebieten unsere wissenschaftlichen und industriellen Fortschritte zu ihrer Verbesserung und ihrem Gedeihen zur
Verfuegung zu stellen, stellt einen Anfang dar. nenn wir jedoch
erfolgreich sein wollen, darf diese Unterstuetzung nicht nur
"stueckweise" gewaehrt werden.
"Unser Programm muss, wie das Europaeische Hilfsprogramm,
wohl durchdacht und mit Umsicht geplant sein. Seine Durchfuehrung
wird ungeheure Kapitalanlagen erfordern. Die Armut dieser rueckstaendigen Gebiete stellt eine Gefahr und eine Bedrohung fuer
sie selbst sowohl als auch fuer uns dar. Wir sind ueberzeugt,
dass Friede und Prosperitaet unzertrennliche Begriffe sind."
Die beiden Gewerkschaftsverbaende sprachen sich rueckhaltlos
fuer die Unterstuetzung des neuen Internationalen Weltbundes Freier
Gewerkschaften aus, den Vertreter von etwa 50 freien Gewerkschaftsbewegungen der ganzen Welt im vorigen Jahr in London ins Leben
riefen.
Die AFL begruesste die Gruendung dieser Organisation als ein
"Ereignis von unschaetzbarer Bedeutung in der Geschichte des Weltgewerkschaf tswesens • *•
Der Verwaltungsrat des CIO erklaerte:
"Wir sind der Ueberzeugung, dass diese Organisation freier
und demokratischer Gewerkschaften berufen ist, dem Wohle der Arbeiter auf der ganzen Welt zu dienen, und die Angriffe auf ihre
Organisationen von totalitaeren Quellen her abzuwehren.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFKIAL

HICCS O-Citt L H

hrd

c

0 IT C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Materini kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankhirt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auck einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmltteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 4

Frankfurt, 3 1 . Maerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
William Green zum Marshall Plan - - - - - 1
S c h i e d s r i c h e r t l i c h e Schlichtung, ein wesentl i c h e r Bestandteil der K o l l e k t i w e r t r a e g e - 3
Gewerkschaften Hollands fuer Steigerung der
Produktion
- - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Vollbeschaeftigung
- - - - - - - - - - - - - 5
SOS - Hilferuf aus Ostdeutschland - Sachsen 6
Englische Weber s t u d i e r e n amerikanische Produktionsmethoden - - - - - - - - - - - - - - 7
Amerikanische Gewerkschaften u n t e r s t u e t z e n das
Neue I s r a e l - - - - - - — - - - - - — - 8
CIO Resolution zu i n t e r n a t i o n a l e n Problemen 10

WILLIAM GREEN ZUM MARSHALL PLAN
William Green, der Praesident des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL, u e b e r r e i c h t e v e r s c h i e denen Ausschuessen des Kongresses der Vereinigt e n Staaten folgende Erklaerung, in der er d i e
Fortsetzung des Marshall Planes f o r d e r t :
"Acht Millionen Maenner und Frauen der AFL u n t e r s t u e t z e n den
Marshall Plan. Die beiden e r s t e n Jahre dieses Programms beweisen,
dass s i c h i h r e Muehe gelohnt h a t . Nach Vollendung der Haelfte
des Europaeischen Wiederaufbau Programmes s t e l l e n wir mit Genugtuung f e s t , d a s s :
• der Stand der i n d u s t r i e l l e n Produktion ein Fuenftel ueber
dem des besten VorkriegsJahres l i e g t ;
• d i e l a n d w i r t s c h a f t l i c h e Produktion den Vorkriegsstand f a s t
e r r e i c h t hat;
• eine I n f l a t i o n vermieden wurde;
• der Handel u n t e r den ERP-Laendern zunimmt.
Fuer die 135 Millionen Arbeiter bedeutet d i e s :
• Beschäftigung
• eine gesicherte Ernaehrung und
• ein Lebensstandard, der seit 1943, dem Beginn des
Marshall Planes, immer besser wurde.
- 1 -

�Ein fuehlbarer Beweis fuer die wirtschaftliche Wiedergesundung der ERP Laender ist in dem Schwinden der kommunistischen
Macht in ganz Westeuropa zu sehen. Positiv ausgedrueckt heisst
das, dass die wachsende Macht der demokratischen Gewerkschaften
ein Gradmesser fuer das Gelingen des Wiederaufbauprogrammes ist,
in Laender, in denen die Kommunisten noch vor zwei Jahren die
Gewerkschaftsbewegung fast voellig beherrschten.
So wie die vergangenen zwei Jahre die Staerke des Wiederaufbau
Programms unter Beweis gestellt haben, so haben sie auch dessen
Schwaechen und Problem« gezeigt, die in den noch bleibenden zwei
Jahren in Angriff genommen werden muessen.
Mit einer der schwersten Fehler ist die ungleiche Methode,
nach der Min bei der Verteilung der Geldmittel aus dem Wiederaufbauprogramm vorgegangen ist. Dies ist besonders in Frankreich,
Italien, Deutschland und Griechenland der Fall. Der franzoesische
Arbeiter zun Beispiel hat nicht nur unter einem niedrigeren
Lebensstandard als vor dem Kriege zu leiden, man verlangt von ihm
sogar, dass er sich geduldet, waehrend andere Gruppen innerhalb
der Wirtschaft in Wohlstand leben. Er weiss sehr wohl, dass die
Durchfuehrung des staatlichen Programms zur wirtschaftlichen
Stabilisierung nicht nur Preiskontrolle geht. Was in Frankreich
der Fall ist, trifft auch in geringerem Masse fuer andere ERP
Laender zu, die keine Arbeiter- oder Arbeiter-Koalitionsregierungen
haben. Selbst da,,wo fuer alle Teile der Wirtschaft Erfolge erzielt werden konnten, hat die ungleiche Beteiligung der verschiedenen Gruppen an den Gewinnen, wobei den Arbeitern in vielen Faellen
der geringste Prozentsatz zufiel, Anlass zur Unzufriedenheit in
Arbeiterkreisen gegeben.
Der ungleichen Verteilung der Wiederaufbaukosten kann durch
eine gerechtere Besteuerung abgeholfen werden; damit wuerden die
Arbeiter von einer uebermaessigen Belastung durch Steuern befreit;
ein intensiviertes Bauprogramm soll den grossen Wohnraummangel in
Laendern wie Italien, Frankreich, Deutschland und Griechenland
beheben; hoehere Realloehne sollen einen höheren Lebensstandard
fuer die Arbeiter und die Errichtung eines inlaendischen Absatzmarktes ermoeglichen. Die europaeische Industrie und gewisse
Regierungen muessen sich Jetzt darueber klar werden, dass die
Staerke und Stabilitaet der Wirtschaft von einer hohen Kaufkraft
der Masse des Volkes abhaengig ist.
Das Problem der gegenwaertig angestrebten, wirtschaftlichen
Zusammenschliessung ist fuer die amerikanischen Gewerkschaftler
ebenso von grossem Interesse. Wir billigen das Prinzip des freien
Handels innerhalb Europas zur Schaffung eines Massenabsatzmarktes.
Wir moechten aber auch die Beamten der ECA und die europaeischen
Regierungen darauf hinweisen, dass es entsprechender Massnahmen
bedarf, um der durch die internationale Konkurrenz entstehenden
wirtschaftlichen Not von Arbeitern zu begegnen, die fuer eine
gewisse Zeit ihren Arbeitsplatz verlieren koennten.
Wir sind uns bewusst, dass unsere Regierung Verantwortlichkeiten zu uebernehmen hat, indem sie einen umfangreicheren Handel
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten ermoeglicht. Wir wissen,
wie wichtig es ist, unsere Importe zu steigern, damit Europa Gelegenheit hat, die von uns gekauften Waren zu bezahlen. Als amerikanische Arbeiter sind wir an diesem Programm hoechst interessiert
und beieLt, zu seinem Gelingen beizutragen, wenn im voraus Massnahmen
zur Vermietung von Krisen fuer solche Leute getroffen werden, fuer
die sich das Programm unguenstig auswirken kann. Dies sind Probleme,
denen wir uns in den kommenden Monaten mit gesteigerter Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Sie aendern jedoch nicht das Geringste
an unserer Unterstuetzung des Marshall Planes und seines Endzieles,
der Hebung des Lebensstandards der europaeischen Voelker. Wir fordern deshalb vom Kongress, dass er der Marshall Plan Verwaltung
- Z -

�die Unterstuetzung und die finanziellen Mittel nicht versagt,
die notwendig sind, um dieses Programm bis zu seinem festgesetzten
Ablauf im Jahre 1952 weiterfuehren zu koennen. Jeglicher Versuch,
die Mittel zu kuerzen, die die Marshall Plan Verwaltung fuer erforderlich haelt, um das Programm im kommenden Jahre weiterfuehren
zu koennen, waere nach unserer Meinung falsche Wirtschaftspolitik.
Wir erinnern den Kongress daran, dass die unvermeidlichen Folgen
einer Aufhebung oder starken Reduzierung der Europahilfe zu diesem Zeitpunkt folgende waeren:
• • ein-starker Rueckgang der Produktion und Beschaeftigtenziffern wegen Mangel an Rohstoffen, Maschinen, etc.
. als Ergebnis der Arbeitslosigkeit und der schlechteren
Ernaehrung ein Absinken der Lebensstandarde
• ein Abnehmen des internationalen Handels auf Grund
strenger Kontrollen durch dde Regierungen, die ihre
beschraenkten Reserven an Devisen schuetzen moechten
• ein Wiederaufleben des Kommunismus als unvermeidliche
Folge des wirtschaftlichen Rueckgangs in Europa.
Die Notwendigkeit einer Verstaerkung der amerikanischen,
militaerischen Verteidigung eines geschwaechten Europas wuerde
letzten Endes weit kostspieliger sein als die Finanzierung eines
Aufbauprogramms, das Europa auf seine eigenen Fuesse stellen soll.
Aus diesen Gruenden fordert der Amerikanische Gewerkschaftsbuno AFL den Kongress auf, den Marshall Plan auch weiterhin zu
unterstuetzen und die zum Wiederaufbau Europas notwendigen Geldmittel zu bewilligen.'1
«.

ECA Labor. Information
13. Maerz 1950

SCHIEDSRICHTERLICHE SCHLICHTUNG. EIN WESENTLICHER BESTANDTEIL
DER KOLLEKTIWERTRAEGE
Das S t a t i s t i s c h e Buero des U. S. Arbeitsministerium b e r i c h t e t ,
dass e i n e r kuerzlich durchgefuehrten Erhebung zufolge i n mehr a l s
acht von j e zehn g u e l t i g e n Tarifvertraegen i n den Vereinigten
S t a a t e n zur Beilegung von A r b e i t s s t r e i t i g k e i t e n eine s c h i e d s r i c h t e r l i c h e Entscheidung vorgesehen i s t . Bast 1.500 Vertraege, die
ueber d r e i Millionen Arbeiter umfassen, wurden der Erhebung zugrundegelegt. Neun von j e zehn der geprueften Vertraege - aus
den Industriezweigen Kleidung, T e x t i l i e n , Leder, Transport (ausser
Automobil), Gummi, Papier, Druck und Veroeffentlichungen, Nahrungsm i t t e l und oeffentliche Dienste - verlangen eine s c h i e d s r i c h t e r l i c h e Entscheidung bei S t r e i t i g k e i t e n , die mit dem Vertrag i n
Zusammenhang stehen.
Im allgemeinen besteht die Aufgabe des S c h i e d s r i c h t e r s d a r i n ,
S t r e i t f r a g e n ueber die Auslegung und Anwendung der bestehenden
Vertragsbestimmungen zu klaeren. In 80f0 der der Erhebung zugrundegelegten Vertraege komut dies zum Ausdruckt Nach einem von je 10
Vertraegen i s t der S c h i e d s r i c h t e r ermaechtigt, F a e l l e zu b e a r b e i t e n , wie z . B . allgemeine Lohnveraenderungen - d i e nicht d i r e k t i n dem
Vertrag vorgesehen s i n d . Einige Vertraege (2#) g e s t a t t e n den
S c h i e d s r i c h t e r n , - wenn Verhandlungen zwischen beiden P a r t e i e n zu
keinem Ergebnis gefuehrt haben,- d i e Bedingungen fuer neue oder
r e v i d i e r t e Vertraege auszuarbeiten.

3

�Die gelaeufigste Form des Schiedsspruchverfahrens ist der
Sonder- oder "ad hoc"- (nur fuer den betreffenden Fall) Ausschuss,
der sich gewoehnlich aus drei oder mehr Mitgliedern zusammensetzt.
In wenig mehr als der Haelfte (52*o) der ueberprueften Vertraege
mit Schiedsrichterbestimmungen wird festgelegt, dass derartige
Ausschuesse dann einzusetzen sind, wenn eine Streitfrage auftaucht,
die nach dem ueblichen Beschwerdeverfahren zwischen Gewerkschaft
und Unternehmer nicht beigelegt werden kann. In nur 4# der Vertraege sieht man sogenannte "dauernde Ausschuesse" vor, die berechtigt sind, auf mehr oder weniger dauernder oder regelmaessiger
Basis einen Schiedsspruch bei Streitigkeiten zu faellen, die sich
im Laufe der Vertragsdauer ergeben. 27# der Vertraege bestimmen
die Einsetzung eines einzelnen "ad hoc" Schiedsrichters, (statt
eines Schiedsrichterausschusses), waehrend in einem von je 10 Vertraegen ein dauernder Schiedsrichter oder unparteiischer Vorsitzender vorgesehen ist»
Zwei Drittel der Vertraege enthalten irgendwelche Bestimmungen, nach denen eine unparteiische Behoerde zu Rate gezogen
werden muss, deren Auswahl Sache des Schiedsrichters ist, wenn
sich die Parteien nicht selbst ueber die Wahl einig werden koennen.
Meistens kommt hierfuer das Bundesstaatliche Schlichtungs- und
Vermittlungsamt (Federal Mediation and Conciliation Service) in
Frage, das in. mehr als 30# der Vertraege genannt wird. Weniger
haeufig spricht man von staatlichen oder lokalen Regierungsdienststellen oder von privaten Organisationen. Die unter diesen
haeufigst Erwaehnte ist die Amerikanische Vereinigung der Schiedsrichter (American Arbitration Association).
Gemaess der Erhebung des Statistischen Bueros herrscht die
Gewohnheit vor, Unternehmer und Gewerkschaft gleichermassen mit
den Schiedsrichterkosten zu belasten. In fast Dreiviertel der
Satzungen ueber Schiedsrichter verfaehrt man nach dieser Methode.
Einige Vertraege, - weniger als lf0 - bestimmen, dass die verlierende Partei die gesamten Schiedsrichterkosten allein zu tragen
hat. Nach den meisten der letztgenannten Vertraege ist es erforderlich, dass in der schiedsrichterlichen Entscheidung die
verlierende Partei genannt wird.
Wenig mehr als 1.000 der 1.483 analysierten Vertraege sind
von Herstellerfirmen abgeschlossen. Alle Vertraege der Erhebung
waren teilweise oder ganz waehrend des Jahres 1949 in Gueltigkeit.
Der vollstaendige Bericht ueber die von dem Arbeitsstatistischen Buero durchgefuehrte Untersuchung der Satzungen fuer
Schiedssprechung in Vertraegen zwischen Gewerkschaft und Unternehmer wird gegen Ende des Monats in der Februarausgabe des
"Monthly Labor Review", der offiziellen Veroeffentlichung des
Bueros fuer Arbeitsstaistik, erscheinen.
Information des Statistischen
Bueros im U.S. Arbeitsministerium
Februar 1950
GEWERKSCHAFTEN HOLLANDS FUER STEIGERUNG DER PRODUKTION
Der Hollaendische Gewerkschaftsbund hat einen Aufruf erlassen,
in dem "alle Schichten des hollaendischen Volkes aufgefordert
werden, sich mit allen zur Verfuegung stehenden Mitteln fuer
eine Steigerung der Produktion einzusetzen." Darin wird die
Bevoelkerung Hollands warnend darauf aufmerksam gemacht, dass
"die Vollbeschaeftigung nicht gesichert und infolgedessen der
gegenwaertige Verbrauchsstand nicht beibehalten werden kann,
- 4 -

�wenn die Produktion nicht in erheblichem Masse gesteigert wird."
In der Verlautbarung des Hollaendischen Gewerkschaftsbundes,
des groessten der drei bedeutenden Gewerkschaftsverbaende Hollands,
heisst es weiter: "Der Lebensstandard muss mit der Steigerung der
Produktion Schritt halten, damit die Produktionsleistung der Arbeiter gesichert ist, die von wesentlicher Bedeutung ist und
ihrerseits den Industrien Hollands ermoeglichen muss, auf dem
Weltmarkt zu konkurrieren." Eine Finanzpolitik der Regierung wurde
gefordert, die geeignet ist, die Arbeiterschaft an den aus der
Produktion entstehenden Gewinnen zu beteiligen.
In seinem Aufruf zu hoeherer Produktion.fuehrte der Hollaendische Gewerkschaftsbund aus:
"Trotz beachtlicher Fortschritte im wirtschaftlichen Wiederaufbau in den Jahren 1945 bis 1949 liegen Verbrauchs- und Investierung svolumen noch immer ueber dem der Produktion... Holland,
dessen Reserven erschoepft sind, kann sich diesen Defizit nur auf
Grund des Europaeischen Wiederaufbauprogramms erlauben; dieses
Programm wird jedoch im Jahre 1952 beendet werden... Es gilt jetzt,
einerseits den Verbrauch und die Investierungen einzuschraenken
und andererseits die Produktion so zu erhoehen, dass bis zum Jahre
1952 das Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz hergestellt werden
kann...."
"Das heisst," erklaerte der Praesident des Hollaendischen
Gewerkschaftsbundes, H. Oosterhuis, "wenn wir zehn Laib Brot verbrauchen, muessen wir auch zehn bezahlen koennen und nicht nur
acht, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war."
Der Hollaendische Gewerkschaftsbund verpflichtete sich, mit
den Arbeitgebern Besprechungen zu fuehren, um herauszufinden, wie
er zu einer Steigerung der Produktion beitragen kann. Er erbot
sich zum Beispiel, ueber eine zeitweilige Erweiterung des Systems*
der Schichtarbeit zu verhandeln; eine groessere Differenzierung
der Loehne fuer Arbeiten hoeherer und niedriegerer Klassen zu besprechen; die Frage der Verbesserung der Ausruestungen und der
Leistungsfaehigkeit von Betrieben zu eroertern; und schliesslich
eine Verbesserung der Organisation innerhalb der einzelnen Abteilungen zu diskutieren."
ECA Labor Information
17. Jiaerz 1950
VOLLBESCHAEFTIGUNG
In seiner Abhandlung ueber einen kuerzlich erschienen Bericht
der Vereinten Nationen ueber nationale und internationale Massnahmen zur Vollbeschaeftigung warnte der amerikanische Delegierte
Isador Lubin die Vertreter der Kommission fuer Wirtschaft und
Vollbeschaeftigung bei den Vereinten Nationen vor der Auffassung,
dass die Vollbeschaeftigung allein wirtschaftliche Stabilitaet
und wirtschaftliches Gedeihen sichern koenne. Es muesse vielmehr
auf dem Gebiet der internationalen Wirtschaften ein Maximum an
Produktion und Kaufkraft angestrebt werden.
Mr. Lubin bezeichnete das U # 3, Gesetz zur Vollbeschaeftigung von 1946 als einen Beweis dafuer, dass viele grundlegende,
wirtschaftliche Fragen bei der Formulierung dieses Gesetzes der
Vereinigten Staaten beruecksichtigt worden seien.
- 5 -

�"Dieses Gesetz," sagte er, "stellt ein nationales Bekenntnis
zu unserer Politik der Aufrechterhaltung nicht nur der Vollbeschaeftigung,, sondern auch eines Maximums an Produktion und Kaufkraft dar. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes ist die Wirtschaft
der Vereinigten Staaten unter staendiger Beaufsichtigung gehalten
worden. Ferner wurden der Wirtschaft Ziele gesetzt in Bezug auf
Produktion, Beschaeftigung und Kaufkraft. Dem Kongress wurden
Vorschlaege fuer gesetzliche Massnahmen unterbreitet, die erforderlich waren, "um diese Ziele erreichen zu koennen."
"Die seit dem Kriege in den Vereinigten Staaten erzielten
Rekordziffern fuer Beschaeftigung, Produktion und Kaufkraft sind
von vielen Faktoren abhaengig. Meiner Meinung nach hat auch das
Gesetz zur Vollbeschaeftigung von 1946 zu diesem Ergebnis beigetragen."
Das grosse Interesse des amerikanischen Volkes, an der Frage
der Vollbeschaeftigung erklaerte Mr. Lubin damit, dass dieselbe
"nicht nur fuer die Wohlfahrt des amerikanischen Volkes sondern
auch fuer den Weltfrieden von grosser Bedeutung sei."
Der von Sachverstaendigen der Mitgliedsstaaten der Vereinten
Nationen verfasste Bericht war in zwei Abschnitte unterteilt. Der
eine handelt von Massnahmen, die Jedem einzelnen Land empfohlen
werden, waehrend in dem anderen Vorschlaege zu internationalen
Fragen dargestellt werden.
Mit Bezug auf den erstgenannten Abschnitt des Berichtes sagte
Mr. Lubin: "In dem Bericht wird die Instabilitaet der privaten
Investierung als wesentlichster Faktor in den periodischen (Beschaeftigungs-) Fluktuationen bezeichnet. Ohne die Bedeutung der
privaten Investierung als Faktor in solchen Fluktuationen schmaelern
zu wollen, bin ich der Ansicht, dass noch bedeutsamer die Tatsache
ist, dass man es zu oft versaeumt hat, die Kaufkraft so zu steigern, wie es durch die Vergroesserung der Fabriken und Einrichtungen
erzielte Produktionssteigerung erfordert haette»
Der Delegierte der Vereinigten Staaten forderte alle Mitgliedstaaten auf, "weitere Schritte zu unternehmen... wenn es unsgelingen
soll, die Vollbeschaeftigung zu erreichen, wozu uns die Charta
der Vereinten Nationen verpflichtet." Er billigte die in dem
Bericht getroffene Feststellung, dass "die geforderten Massnahmen
zur Foerderung der Vollbeschaeftigung in Laendern mit freier Wirtschaft mit den Verhaeltnissen dieser Laender durchaus vereinbar
sind." Zum dauernden Gelingen der freien Wirtschaft gehoert nicht
nur die Vollbeschaeftigung," sagte er, "sondern sie ist sogar von
ausschlaggebender Bedeutung."
ESA Labor Information
13. Februar 1950
S O S - HILFERUF AUS OSTDEUTSCHLAND - SACHSEN
Am 6.12.49. morgens 5.30 Uhr hoerte ich vom Sender RIAS das
Gespraech mit dem amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer (Walter
Reuther). Trotzdem die Sendung 3ehr gestoert wurde, habe ich
viel Aufschlussreiches gehoert und verstanden. Richte an Euch
die Bitte, befreit uns bald von den russischen Sklavenhaltern
und ihren Aufpassern (SED-Funktionaeren).

- 6 -

�Durch eine f r e i e demokratische Wahl, die wir h i e r i n der
Ostzone nicht a l l e i n durchfuehren koennen, h e l f t unsj Ich glaube,
dass ich d i e Z e i l e n im Sinne von 60g der Ostzonen-Bevoelkerung
schreibe.
Meinen Namen kann ich auch n i c h t nennen, da i c h in Ungnade
g e f a l l e n b i n . Meine Arbelt habe i c h auch schon v e r l o r e n . Wenn
wir f r e i s i n d , kann i c h Rede und Antwort stehen. Ich moechte so
gerne d i e Ostzone v e r l a s s e n , bin aber v e r h e i r a t e t und habe Kinder
und auch kein Geld.
Viele moechten nach dem Westen a b .
b e i Euch h a l t e n v i e l e im Osten.
F r e i h e i t

Die grosse Wohnungsnot
11

Am 15.12.49. die Sendung Menschenrecht und Freiheit. In der
Ostzone gibt es fuer keine ein Recht und Freiheit. Von oben bis
unten (ueberhaupt nicht) wird der Mensch gefuehrt (Kommandiert)
von der Besatzungsmacht*
Viele Arbeiter wuerden gerne mit denen im Westen tauschen
(sagt das Euren Arbeitern, die sich nach dem Arbeiter-Paradies
sehnen).
Jawohl, es gibt alles im Radio und auf dem Papier bei uns
im Osten, das ist die Wahrheit. Das schreibt ein ehemaliger SED»
Mann. Die Arbeiter im Westen wissen es ja garnicht, wie gut sie
es haben.
ENGLISCHE WEBER STUDIEREN AMERIKANISCHE PRODUKT IONSMETHODEN
Ein Hauptfaktor in der staendigen Steigerung der Produktionsleistung der amerikanischen Industrie ist die Bereitwilligkeit
der Arbeiter, mit der sie sich mit Veraenderungen der Arbeitsbedingungen einverstanden erklaeren, die eine hoehere Produktion
zur Folge haben. Dies ist einer der Schlussfolgerungen, die
sechzehn Vertreter der englischen Kunstseidenindustrie aus ihrer
6-woechigen Studie der Industrie der Vereinigten Staaten gezogen
haben. Ihre Reise wurde gemeinsam von dem Anglo-Amerlkanlschen
Produkt ivitaetsrat, der englischen Regierung und der Verwaltung
fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit organisiert.
Die englische Gruppe stellte fest, dass die allgemeine Beteiligung der amerikanischen Arbeiter an den aus hoeherer Produktion
entstehenden Gewinnen in Form von Lohnerhoehungen und Bonuszuteilungen einen Ansporn fuer sie darstelle, mehr zu produzieren.
Ausser den zahlreichen arbeitssparenden Methoden, die den amerikanischen Arbeitern helfen, pro Stunde mehr als ihre Kollegen
in England zu produzieren, wird nach Ansicht der Besucher die Produktion dadurch erhoeht, dass man Facharbeitern ermoeglicht, sich
auf diejenigen Arbeiten zu konzentrieren, die einen Hoechstgrad
an Fertigkeit erfordern. Wie es auch in anderen Laendern der Fall
ist, besteht die Hauptverantwortung der amerikanischen Weber darin,
die Produktion und die Qualitaet der Stoffe auf demselben Stand
zu halten. Da er jedoch nicht gezwungen ist, zahlreiche andere
Nebenarbeiten zu verrichten, wie es bei den englischen Webern
der Fall ist, kann der Amerikaner mehr Webstuehle ueberwachen
und mehr produzieren als der Weber in England.

- 7 -

�Unter den Hilfsmitteln zur Erzielung einer hoeheren Produktionsleistung, die in England bereits in Gebrauch sind, in der
amerikanischen Industrie jedoch besser entwickelt sind, nannten
die englischen Besucher die Verbesserung der Arbeitsmethoden
durch das Studium der Arbeitszeit und des Arbeitsganges.
In dem Bericht der Gruppe heisst es weiter, dass die Methode
des Zergliederns der Arbeitsgaenge in die einzelnen Elemente zur
Vermeidung unnoetiger Arbeiten und Verbesserung der uebrigen in
einigen der groesseren Webereien soweit entwickelt sei, dass man
die einzelnen Arbeitsvorgaenge photographiere. Verbesserungen,
die man auf Grund dieser Filme beschlossen habe, wuerden dadurch
ausgewertet, dass man die Arbeiter in der neuen Methode unterweist.
Die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen waren nach Ansicht
der britischen Gruppe sowohl in Betrieben mit gewerkschaftlich
organisierter Belegschaft als auch in nichtorganisierten im allgemeinen gut. Dem Bericht zufolge sind in einigen Webereien Glaszellen eingerichtet worden, um dem Arbeiter das Rauchen zu ermoeglichen, ohne dass er seinen Arbeitsplatz verlassen muss. In
groesseren Unternehmen sei es ausserdem den Arbeitern moeglich,
viele der von ihrer Firma hergestellten Produkte zu Grosshandelspreisen zu kaufen.
Besonders hervorgehoben wurden in dem Bericht die Auswirkungen des riesigen amerikanischen, inlaendischen Absatzmarktes
auf die amerikanische Kunstseidenindustrie. Daraus ergibt sich
fuer die Webereien die Moeglichkeit, sich auf weniger Sorten von
Garnen und Stoffen zu spezialisieren, laengere produktivere Arbeitsgaenge anzuwenden und durch diese grossangelegte Produktion die
Gestehungskosten zu.reduzieren. Aus all diesen Gruenden ist
Amerika in den Augen der britischen Fachleute Europa so weit in
der Produktionsleistung voraus.
ECA Labor Information
16. Maerz 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN UNTERSTUETZEN DAS NEUE ISRAEL
Praesident William Green vom Amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL und der Praesident des CIO, Philip Murray, veroeffentlichten nach einer Besprechung mit Praesident Harry S. Truman
folgende gemeinsame Erklaerung:
Im Namen der ueberwaeltigenden Mehrheit der organisierten
Arbeiterschaft in Amerika haben wir heute dem Praesidenten erklaert,
dass wir geschlossen hinter dem neuen demokratischen Staat von
Israel stehen, und dass wir besorgt sind, diesen Staat und die
Menschen des Mittleren Ostens durch das unnoetige Wettruesten der
Regierungen Aegyptens und anderer arabischer Laender des Mittleren
Ostens bedroht zu sehen.
Auf Grund massgeblicher Zeitungsberichte und anderer zuverlaessiger Informationsquellen sind wir zu der Ueberzeugung gelangt,
dass das Ziel dieser militaristischen Tendenzen ein zweiter Krieg
gegen den israelitischen Staat ist.
Wir sind der Ansicht, dass diese Erklaerung eine Bedrohung
darstellt nicht nur der neuen, demokratischen Republik Israel,
sondern auch der Hoffnungen des amerikanischen Volkes auf Stabilitaet und friedlichen Fortschritt ueberall da, wo dies in der
Welt moeglich ist.

�Die Gewerkschaften Amerikas,- sowohl AFL als auch CIO-, treten
seit langem fuer eine Wiedererrichtung der juedischen Souverraenitaet in Palaestina ein. Es war uns eine grosse Genugtuung, als
unsere Regierung sich prompt entschloss, den neuen Staat Israel
anzuerkennen und zu unterstuetzen, der als Ergebnis jahrhundertealten, juedischen Strebens und juedischer Hoffnungen zu werten
ist. Mit lebhaftem Interesse und Beifall haben wir die Bemuehungen
der demokratischen Regierung Israels verfolgt, ihren Buergern
Frieden und Fortschritt zu bringen. Wir sind soweit, dass wir
die israelitische Republik als ein Bollwerk unserer Hoffnungen
zum Schutze der demokratischen Entwicklung im Mittleren Osten
betrachten. Enge und freundschaftliche Beziehungen verbinden
uns mit Histadrut, dem hervorragenden Gewerkschaftsbund Israels,
der fuer die Wohlfahrt seiner Mitglieder und den neuen Staat als
Ganzes Grosses leistet.
Wir hatten gehofft, dass es Israel nach Beendigung seines
gerechten Kampfes um nationale Unabhaengigkeit moeglich wuerde,
seine menschlichen und natuerlichen Kraefte in Frieden und Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn zu entwickeln.
Die wachsende Gefahr einer neuen militaerischen Einmischung
seitens reaktionaerer, illegaler Nachbarregierungen - wovon in der
Presse in allen Einzelheiten berichtet wurde - wirken mehr und
mehr alarmierend.
Diese neue militaerische Bedrohung richtet sich gegen einen
Staat, der wirksamer als irgendein anderer des Mittleren Ostens
daran arbeitet, seinem Volke einen hoeheren Lebensstandard, ein
besseres Erziehungswesen und bessere Wohn- und Gesundheitsbedingungen zu ermoeglichen. In den ersten 18 Monaten seines JBestehens
hat dieser Staat ungeheure Fortschritte erzielen koennen, und weitere Erfolge sindtzu erwarten, wenn der Friede in diesem Gebiet
erhalten bleibt.
Die wirksame Foerderung des Lebens- und Kulturstandards in
Israel wird Verbesserungen im Leben von Millionen anderer Menschen
des Mittleren Ostens zur unvermeidlichen Folge haben, die zum
groessten Teil in Unwissenheit, Armut und Krankheit dahinvegetieren.
Wenn Praesident Trumans Punkt-Vier-Prograrnm, das wir unbedingt
befuerworten, bewilligt wird und zur Ausfuehrung kommt, dann waere
Israel in der Tat dazu berufen, in der Entwicklung der Energiequellen des Mittleren Ostens eine fuehrende Stellung einzunehmen.
Zeitungsberichten und anderen glaubwuerdigen Quellen zufolge
unterstuetzt die Regierung Grossbritanniens Aegypten, Trans Jordanien,
den Irak und andere arabische Laender, die Israel feindlich gesinnt
sind, mit umfangreichen Waffenlieferungen. Wir ersuchten den
Praesidenten, entsprechende Vertretungen im Namen unserer Regierung
bei der englischen Regierung vorstellig werden zu lassen, um die
Belieferung dieser arabischen Laender mit Kriegsmaterial zu Aggressionszwecken zu unterbinden, das offensichtlich dazu bestimmt ist,
gegen Israel eingesetzt zu werden.
Da die Waffenlieferungen nach den arabischen Laendern noch
fortgesetzt werden, baten wir den Praesidenten, den Verkauf von
Waffen an die Regierung Israels zu genehmigen, um der taeglich
wachsenden Bedrohung der Sicherheit dieses Landes zu begegnen«
Wir sehen keinen Grund, dass Israel nicht die Moeglichkeit haben
soll, sich Mittel zu seiner Verteidigung zu beschaffen, waehrend
sich das Waffendepot seiner Nachbarn staendig zu Aggressionszwecken
vergroessert.

- 9

�Auch gaben wir dem Praesidenten gegenueber unserer Hoffnung
Ausdruck, dass Amerika mithelfen moege, einen gerechten und
dauernden Frieden zwischen der Regierung Israels auf der einen
Seite und Aegypten, Transjordanien und den anderen arabischen
Laendern auf der anderen Seite zustandezubringen. Wir vertrauen
fest darauf, dass die Regierung der Vereinigten Staaten ihre vernuenftlge und einsichtsvolle Haltung in Bezug auf die Lage Jerusalems beibehalten wird, damit der unausfuehrbare Beschluss der
Vereinten Nationen hinsichtlich dieser Stadt abgeaendert wird.
Ebenso stellten wir die Forderung nach zusaetzlicher, finanzieller Unterstuetzung fuer Israel. Dieser kleine und neue Staat
hat waehrend der 13 Monate seines Bestehens 365.000 juedische
Emigranten aufgenommen, Sie kamen aus den Verschlepptenlagern
Deutschlands, den Ghettos der arabischen Laender, oder waren vor
der immer groesser werdenden Diskriminierung in den Satellitenstaaten der Sowjets gefluechtet. Die Anleihe der Export-Import
Bank ueber 100 Millionen Dollar, fuer die sich der Praesident
In grosszuegiger Welse eingesetzt hatte, ist nun aufgebraucht. Die
von der juedischen Bevoelkerung Amerikas geleistete Hilfe kann den
dringenden, grossen Bedarf nicht decken.
Wir hoffen, dass unsere Regierung erneut eine neue Anleihe
bei der Export-Import und der Weltbank beantragen wird, um dem
Staate Israel zu ermoeglichen, mit seinen zahlreichen Problemen
fertig zu werden.
Amerikanischer Einfluss und amerikanische Hilfe koennen mitwirken, den Frieden und die Demokratie im Mittleren Osten zu bewahren und Stabilitaet, Fortschritt und Aufklaerung in Jenen Teil
der Welt zu bringen. Als Gewerkschaftler, die an den Frieden und
den Sieg der Demokratie glauben, hoffen wir, dass sich unsere
Regierung weiteren Angriffen gegen den israelitischen Staat und
das mutige, verstaendlge israelistische Volk widersetzen wird, das
ebenso wie wir nach einer geordneten Wirtschaft und restlosen
Ausnutzung der natuerlichen Hilfsquellen zum Wohle der Menschheit
strebt.
Information Service
10. Februar 1950

CIO RESOLUTION ZU INTERNATIONALEN PROBLEMEN
Die ku erzlich abgehaltene Vorstands Sitzung des CIO
in den Vereinigten Staaten fasste folgende EntSchliessung:
"Zu einer Zeit, in der die Ziele der demokratischen Nationen,
Wiederaufbau, Demokratie und dauerhafter Friede, von ihrer Verwirklichung noch weit entfernt sind, gibt der CIO erneut seiner
tiefen Ueberzeugung Ausdruck, dass sich unsere Nation mit allen
ihr zur Verfuegung stehenden Mitteln fuer Abruestung und Frieden
einsetzen muss. Der Entschluss, die Wasserstoffbombe und andere
Massenvernichtungswaffen weiter zu entwickeln, bestaerkt uns in
unserem Willen, mit noch mehr Interesse die hoechst kritische,
internationale Lage im Auge zu behalten.
Wir verlangen von unserer Regierung, dass sie auf dem Wege
ueber die Vereinten Nationen und ihre angeschlossenen Kommissionen
und Dienststellen in ihren Bemuehungen um die WeltSicherheit nicht
nachlaesst. Die Vereinten Nationen unterstuetzt und in ihrer Arbeit

- 10 -

�zu Enttaeuschangen Anlass gegeben haben. Diese Organisation hat
die Moeglichkeit, eine geordnete Welt aufzubauen, in der nicht
uebertrieben nationalistische Tendenzen ein Chaos heraufbeschwoeren
koennen. Man sollte keine' Gelegenheit voruebergehen lassen, die
Koerperschaften der Vereinten Nationen in den Dienst des Friedens
und der Prosperitaet der Welt zu stellen.
Unsere Hoffnungen und Wuensche koennen nicht erfuellt werden,
wenn wir die Augen vor 4er Wirklichkeit verschliessen. Wir muessen
einsehen, dass jeglicher Vorschlag zur wahren internationalen Ruestungskontrolle, zur Welt Sicherheit und der Entwicklung einer internationalen Kontrollbehoerde von der Sowjetunion und ihren Satelliten unterdrueckt und abgelehnt wurde.
Waehrend die sowjetischen Agenten von sogenannten "FriedenskonferenzenM sprechen, versucht die Sowjetunion, die Brandherde in
Buropa, Asien und den Mittleren Osten noch zu vergroessern. Dieses
Land mit seinen Satelliten verspricht auf der einen Seite in heuchlerischer Weise den Arbeitern den langersehnten Frieden und betreibt
zugleich - oder drohte damit - eine Aggressionspolitik gegen
Griechenland, Jugoslawien, Korea und Indochina.
Wir begruessen jeden Vorschlag, wie der Friede durch ein Abkommen erhalten werden kann. Wir duerfen jedoch auch in Zukunft
Vereinbarungen nicht ueberschaetzen, die mit solchen Staaten getroffen wurden, die sich ruehmen, dass ihre Unterschriften nicht
von dauernder Gueltigkeit seien. Die Vereinigten Staaten muessen
auch weiterhin an ihrer Politik festhalten, die darin besteht,
sich selbst und ihre gleichgesinnten Nachbarn in der ganzen Welt
zu staerken.
Aus diesen Gruenden unterstuetzte der CIO den Atlantik Pakt
und das Militaerische Hilfsprogramm, die zwischen unserer Regierung
und den demokratischen Nationen Europas abgeschlossen wurden. Wir
stehen absolut bejahend dem Programm unserer Regierung gegenueber,
das die Belieferung der demokratischen Nationen mit den Waffen
vorsieht, die notwendig sind, um sich selbst gegen die Gefahr
einer totalitaeren Aggression verteidigen zu koennen.
Der CI Ü fordert die Regierung der Vereinigten Staaten auf,
in Zukunft in noch verstaerktem Masse die fortschrittlichen Bewegungen in der ganzen Welt in ihrem Kampf gegen den ueberholten
Imperialismus zu unterstuetzen. In Asien, Afrika und dem Mittleren
Osten lehnen sich die Voelker gegen fremde Bevormundung auf. Wir
Wir erkennen das Recht aller Voelker auf voellige nationale Freiheit und Selbstregierung an und werden alle Bemuehungen unterstuetzen,
die auf die schnellstmoegliche Verwirklichung dieses Rechtes gerichtet sind.
Es liegt in der Macht der Vereinigten Staaten, dafuer zu sorgen,
dass die Befreiung der Kolonialvoelker vom alten Imperialismus nicht
zu ihrer Unterwerfung unter den sowjetischen Imperialismus fuehrt,
den man ihnen als eine Form der Befreiung vorsetzt. Die Voelker,
die um ihre nationale Unabhaengigkeit kaempfen und das Recht, ihre
eigenen Wirtschaften nach ihrem Gutduenken zu entwickeln, sollten
aus unserer Handlungsweise ersehen, dass sie in den Vereinigten
Staaten einen Freund haben.
Der CIO stimmt mit ganzem Herzen den folgenden Forderungen zu,
die der neugegruendete Internationale Bund Freier Gewerkschaften in
seinem Manifest gestellt hat.

-11 -

�"Die industriell fortschrittlichen Nationen haben die Pflicht,
jenen grossen Gebieten der Welt und ihren Millionen von Bewohnern vorwaertszuhelfen, die an der industriellen Revolution keinen materiellen
Anteil hatten. Noch viele dieser Nationen geniessen weder politische
Freiheit noch nationale Unabhängigkeit. Einige schmachten unter
altmodischer, militaerischer Diktatur, andere unter modernem Totalitär! smus. Viele sind Kolonien der fortgeschrittenen Laender, denen
zwar mehr oder weniger das Recht der Selbstbestimmung zusteht, deren
natuerlicher Wunsch nach Unabhängigkeit jedoch noch nicht erfuellt
ist. Den Millionen von Arbeitern in diesen Laendern, die noch nicht
in den Genuss voelliger Freiheit gekommen sind, versprechen wir hiermit unsere unumschraenkte Hilfe.
"Wir sind der Auffassung, dass der wirtschaftliche Fortschritt
in diesen Gebieten oberstes Gebot ist. Wir befuerworten kuerzlich
gemachte Vorschlaege zur technischen Unterstuetzung unentwickelter
Laender und alle anderen Massnahmen, die demselben Zwecke dienen*
Wir bestehen darauf, dass diese Laender im Geiste gegenseitiger Zusammen
arbeit und nicht im Geiste des Imperialismus entwickelt werden. So
duerfen zum Beispiel diesen Laendern in der Verwendung der von ihnen
erzeugten Waren keine Beschraenkungen auferlegt werden. Die Kapitalinvestierung in diesen Gebieten ist von wesentlicher Bedeutung, sie muss
jedoch mit den Interessen des Volkes und im besonderen den Rechten der
Arbeiter in den durch diese Investierungen entstehenden Unternehmen
vereinbar sein. Die Bemuehungen der Voelker, ihre eigenen politischen
und wirtschaftlichen Probleme selbst zu loesen, sollen durch dieses
Kapital nicht ersetzt, sondern ergaenzt werden.
Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, das vorsieht, unsere
wissenschaftlichen und industriellen Fortschritte den unentwickelten
Gebieten zu ihrer Verbesserung und ihrem Gedeihen zur Verfuegung zu
stellen, stellt einen Anfang dar. Wenn wir jedoch erfolgreich sein
wollen, darf diese Hilfe nicht stueckwelse gegeben werden. Unser
Programm muss, wie das Europaeische Hilfsprogramm, wohl durchdacht
und mit Umsicht geplant sein. Seine Durchfuehrung wird ungeheure
Kapitalanlagen erfordern. Die Armut dieser rueckstaendigen Gebiete
stellt eine Gefahr und eine Bedrohung fuer sie selbst sowohl als auch
fuer uns dar. Wir sind ueberzeugt, dass Friede und Prosperltaet nicht
voneinander zu trennende Begriffe sind."
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HItüO

ObbO L H

A p r i l SO 17 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel «teilen Aaszüge aus dar amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICQG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienstetelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III-5

Frankfurt, 7. April 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Ein schwedisches Urteil ueber die deutschen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - 1
Amerikanische Gewerkschaftler arbeiten am
Wiederaufbau Europas - - - —
-- - —
.«•&gt;.* 9
Interamerikanische Gewerkschaftstagung - - - - 4
Die O.E.E.C. und die internationalen Fachabteilungen - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Grosszuegiges Wohlfahrtsprogramm der AFL Gewerkschaft der Kraftfahrer
- - - - - - - - - - 8
Franzoesische Gewerkschaften draengen auf
Wohnungsbau - - - - - - - - - - - - —
----9
Hollaendische Gewerkschaftsführer sprechen
sich anerkennend ueber den CIO aus - - - - - 10

EIN SCHWEDISCHES URTEIL UEBER DIE DEUTSCHE GEWERKSCHAFTEN
"Die Gewerkschaftsbewegung muss zum Rueckgrat der neuen
deutschen Demokratie werden."
Zu dieser Schlussfolgerung kam Algot Joensson, der Ausbildungsleiter des Schwedischen Gewerkschaftsbundes (Svenska Handelsarbetareforbundet), nachdem er sich in Deutschland drei Wochen
lang mit den Problemen des Wiederaufbaus befasst hatte.
Joensson, der in den dreissljer Jahren auf dem Gebiet der
Erziehung taetig war, und dessen Arbelt den Zweck hatte, nazistische Gewaltideen in Schweden nicht Wurzel fassen zu lassen,
erklaerte warnend, dass drei grundlegende Probleme geloest werden
muessten, wenn ein Wiederaufleben des Nazismus in Deutschland
verhindert werden soll. Diese drei Probleme seien: Arbeitslosigkeit, Wohnraummangel und zu niedrige Realloehne.
Joensson, sagte: "Die Gewerkschaftsbewegung als die staerkste,
konstruktivste und demokratischste Macht in Deutschland muss
nicht nur bei der Loesung dieser Probleme eine entscheidende Rolle
spielen, sondern es ist auch ihre Aufgabe, das demokratische
Denken in Deutschland und besonders unter der deutschen Jugend
zu foerdern."
/

�Drei Faktoren nannte Joensson, die in Deutschland bereits
eine "gute Grundlage fuer eine Entwicklung nach demokratischen
Grundsaetzen" geschaffen haetten: die Waehrungsreform, der,
wie er sagte, das Wiederaufleben der deutschen Wirtschaft und
die befriedigende Ernaehrungslage zu verdanken seien.
Er wies jedoch darauf hin, dass noch "viel zu viel Menschen
keine Wohnung haetten" oder in ueberbevoelkerten Vierteln lebten,
und das in einem Land, in dem genuegend Baumaterial zur
Verfuegung stuende. Waren seien in ausreichendem Masse vorhanden,
die Preise fuer den Arbeiter jedoch unerschwinglich, und die Arbeitslosigkeit nehme bedrohliche Ausmasse an«
Wenn diese Probleme nicht geloest wuerden, warnte Joensson,
dann wuerde,sich keine Demokratie, sondern etwas "ganz Verschiedenartiges und Unerwuenschtes" in Deutschland entwickeln.
Er hob besonders die Notwendigkeit einer Betaetigung der
Gewerkschaften und anderer demokratischer Elemente in Deutschland
auf dem Gebiet der Erziehung und Aufklaerung hervor»
"Demokratie ist nicht nur eine Frage der materiellen Verhältnisse eines Volkes, sondern vielmehr eine Angelegenheit
seines geistigen Lebens. Es hat den Anschein, als ob der Anfang
auf geistigem Gebiet viel schwerer als der auf materiellem sei.
Das schwierigste Problem, sagte Joensson, stelle die Jugend
dar, die in nazistischen Organisationen sozial geschult wurde.
"Diese jungen menschen hoerten waehrend der Nazizeit soviel Unwahrheiten ueber die Gewerkschaftsbewegung und die Demokratie,
dass sie heute den Gewerkschaften skeptisch und unentschlossen
gegenueberstehen.
Hauptsaechlich in der Gewerkschaftsbewegung fand Joensson
"erfahrene und zielbewusste Demokraten, die von dem wirklich guten
Willen beseelt waren, eine sichere Grundlage fuer die Zukunft
zu schaffen." Er stellte deshalb die Forderung, dass die Militaerregierung die Gewerkschaften mehr und mehr unterstuetze.
Gleichzeitig legte er den Gewerkschaftsfuehrern nahe, in verstaerktem Masse unter den Arbeltern und in der Gemeinde erzieherisch
zu wirken. Er verlangte ausserdem mehr Selbstkritik innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung und erklaerte, dass der allgemeinen
Tendenz, die nach seiner Meinung darin besteht, dass man selbst
geringfuegigere ArbeitsStreitigkeiten durch das Gesetz beizulegen
sucht, ein Ende gemacht werden muesse.

"Damit meine ich natuerlich nicht, dass die Gewerkschaften
in ihrem Bereich jegliche Anwendung des Gesetzes ablehnen sollen.
Im Gegenteil: die soziale Gesetzgebung ist als Ergaenzung der
Lohnpolitik der Gewerkschaften zu werten. Wenn Jedoch Probleme in
gegenseitigem Einvernehmen der Parteien des Arbeitsmarktes geloest
werden koennen, dann sollte dies um der Demokratie willen geschehen.
Trotz aller Schwierigkeiten, die zwoelf Jahre Naziherrschaft
heraufbeschworen haetten, sprach Joensson mit Zuversicht von dem
Wiederaufleben der Demokratie in Deutschland. Die Tatsache, dass
die Mitgliederzahl der Gewerkschaften seit der Waehrungsreform
gestiegen ist, sei eines der Anzeichen, die zu Hoffnungen berechtigen.
"Zwar sind nur etwa 35# der Beschaeftigten zur Zeit gewerkschaftlich organisiert, trotzdem hat man Beweise dafuer, dass
die Arbeiter mit zunehmendem Vertrauen in den Gewerkschaften die
Vertreter ihrer Interessen sehen."
ECA Labor Information
24. Maerz 1950
- 2 -

�AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTLER ARBEITEN AM WIEDERAUFBAU EUROPAS
"Das gemeinsame Streben der freien Voelker Europas nach
wirtschaftlicher Stabilltaet, Selbststaendlgkelt und Einheit
muss von den demokratischen Einrichtungen dieser Laender getragen
werden, zu denen In erster Linie die nichtkommunistische Gewerkschaftsbewegung gehoert."
So helsst es In einer Direkt' Ive der Mars hall Plan Verwaltung,
(ECA), In der von Massnahmen gesprochen wird, die die Beteiligung der Gewerkschaften am Europaalschen Wiederaufbau Programm
erwirken sollen«
Mit dem Hinwels auf die 30 Millionen Maenner und Frauen In
den Gewerkschaften der Marshall Plan Laender helsst es In der
Direktive der ECA: "Keine andere Gruppe hat ein groesseres Interesse am Gelingen des Europaeischen Wiederaufbauprogramms, und
keine andere Gruppe hat eine bedeutendere Rolle zu spielen, um
diesem Programm zum Erfolg zu Verhelfen." üeber 50 Personen aus
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bekleiden jetzt wichtige
Stellungen In der Mars hall Plan Verwaltung« Einige arbeiten In
den Hauptquartieren Washington und Paris, andere sind in die
Missionen der einzelnen Marshall Plan Laender berufen. Drei von
ihnen sind Leiter einer solchen Mission.
Die Gewerkschaftler in diesen Aemtern sind angewiesen, mit
den demokratischen Elementen In den Gewerkschaften der Teilnehmerstaaten zusammenzuarbeiten, um sich Ihre Mitarbeit und Unterstuetzung fuer das. Programm zu sichern« Sie sind dafuer verantwortlich, dass die freien GewerkschaftsOrganisationen bezueglich
des Programms auf dem Laufenden gehalten werden« Sie muessen sich
von diesen Organisationen In Problemen beraten lassen, die im
taegllchen Leben der europaeischen Arbeiter In Zusammenhang mit
dem Programm entstehen.
Die Marshall Plan Verwaltung ist der Auffassung, dass zur
wirksamen Einschaltung der ERP Laender in den Welthandel eine
hohe Produktion bei niedrigen Gestehungskosten von ausschlaggebender Bedeutung ist. Sie legt deshalb ihren Gewerkschaftlern
in den Missionen der einzelnen Laender nahe, die in den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen der Arbeit
gemachten Erfahrungen den europaeischen Gewerkschaften zur Verfuegung zu stellen. Es handelt sich hier In erster Linie um die
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern, die zur
Erreichung einer hohen Produktion notwendig ist.
In der Direktive wird betont, dass sowohl Arbeiter und
Verbraucher als auch Industrielle und Unternehmer ihren rechtmaesslgen Anteil an den aus der erhoehten Produktionsleistung
entstehenden Gewinnen erhalten muessen. Die Leiter der Aemter
fuer Arbeltsangelegenheiten In den einzelnen Missionen werden
der Arbeiterschaft und den Unternehmern die Vorteile dieser
Methode klarlegen. Ausserdem werden sie mithelfen, die Produktionsgebiete einander anzugleichen und die Probleme in der Steigerung der Produktionsleistung zu loesen.
Die Marshall Plan Verwaltung strebt unter Berueckslchtlgung
der persoenlichen Rechte des Arbeiters eine hoechst wirksame
Verwendung der Arbeitskraefte an. Durch die Staerkung von
Grundstoffindustrien, durch wesentliche Verbesserungen und die
Belieferung mit Rohmaterial und Produktionswerkzeugen werden
Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen. Diese Massnahmen
dienen der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhaeltnisse in
den Marshall Plan Laendern«

�In enger Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen
beschaeftigen sich die BCA Aemter fuer Arbeitsangelegenheiten mit
dem Problem der Wiederansiedlung verschleppter Personen oder des
Austausches von Arbeitern. Massregeln und Mindestnormen werden
ausgearbeitet, um die fuer die freiwillig umgesiedelten Arbeiter
entstehenden Schwierigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren, um
die Beschaeftigungsmoeglichkeiten auf ein gleiches Mass zu bringen
oder den Mangel an Arbeitskraeften in bestimmten Gebieten oder
Berufssparten zu beheben.
Die Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas
und die betreffenden Regierungen werden von den BCA Aemtern fuer
Arbeitsfragen in der Schaffung besserer, oeffentlicher Arbeitsaemter unterstuetzt. Diesen oeffentlichen Behoerden obliegt die
Aufgabe, die Ueberweisung von Arbeitern in lebenswichtige Industrien zu organisieren und Facharbeiter aus Ueberschussgebieten
in Mangelgebiete zu versetzen»
Durch den Krieg entstand ein Mangel an gelernten Arbeitern.
Viele Maenner wurden so jung zum Militaerdienst einberufen, dass
sie heute keinerlei industrielle Erfahrung oder Ausbildung besitzen. Anderen, die die Kriegsjahre in Uniform verbrachten, sind
die neuen, technischen Methoden unbekannt. Um den dauernden Bedarf
an Facharbeitern decken zu koennen und den Arbeitern zu ermoeglichen
eintraeglichere Arbeiten zu verrichten, arbeiten die ECA Aemter
fuer ArbeitsangeDqgenheiten mit den Gewerkschaften, Unternehmern
und Regierungen an der Planung von BerufsausbildungsProjekten.
Um der kommunistischen Propaganda entgegenzuwirken, die den
Arbeitern laufend aufgetischt wird, hat die Marshall Plan Verwaltung
hervorragende Informationsleute nach Europa geschickt, deren Aufgabe es ist, die Arbeiterschaft ueber die Ziele und Erfolge des
Wiederaufbau Programms genau zu unterrichten. Sie berichten von
der Hilfe und Unterstuetzung, die die amerikanische Arbeiterschaft
diesem Programm zuteil werden laesst.( Sie sorgen fuer Redner,
Broschueren, Filme und andere Informationsmittel.
Labor Information Bulletin
U.S. Arbeitsministerium
Oktober 1949
INTERAMERIKANISCHE GEffERKSCHAFTSTAGUNG
Der Exekutiv-Ausschuss des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes (C.I.T.) trat in der Zeit vom 36.-38. Januar 1950 in Havanna
(Cuba) zusammen. Er billigte in einer Resolution das Programm zur
Industrialisierung Latein-Amerikas, den kontinentalen Agrarplan,
den Plan zur Bekaempfung diktatorischer Tendenzen in Latin-Amerika
und eine Resolution, die gegen das Franco Regime in Spanien gerichtet ist.
Der Ausschuss liess sich von der Teilnahme einer Anzahl von
C.I.T. Delegierten an der Internationalen Gewerkschaftskonvention
im Dezember 1949 in London berichten, wo der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften gegruendet wurde. Man beschloss, alle dem
Interamerikanischen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Verbaende
aufzufordern, der neuen internationalen Gewerkschaftsorganisation
beizutreten und sich so weit wie moeglich an den Taetigkeiten dieser
Organisation zu beteiligen. Was die Gruendung einer regionalen
Organisation des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften fuer
die westliche Hemisphaere betrifft, beschloss der Exwkutivausschuss,
grundsaetzlich an Jeder Konferenz teilzunehmen, die von dem Inter-

4

�national«! Bond Freier Gewerkschaften zu diesem Zweck einberufen
wuerde.
Nachstehende Einzelheiten ueber die Resolution zur Indust r i a l i s i e r u n g Latein-Amerikas wurden von dem Exekutivausschuss
veroeff e n t l i e h t :
Der Exekutlrausschuss des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes b i l l i g t die Resolution zur Industrialisierung Latein-Amerikas, die von unserem Zweiten Kongress bis zu dieser Konferenz vertagt worden war; In Ergaenzung hierzu gibt er folgende Erklaerung
ab:
1* per Interamerikanische Gewerkschaftsbund I s t der Auffassung, dass zur Foerderung der Industriellen Entwicklung In
Latein-Amerika auslaendlsches Kapital erforderlich I s t , um unserer
Wirtschaft einen Auftrieb geben zu koennen. Wir haben nichts gegen
eine P o l i t i k , die Sicherheitsgarantien fuer diese Investitionen
vorsieht, aber zu gleicher Zeit sind wir der Ansicht, dass s i e
d i e allgemeine Wohlfahrt unserer Laender foerdern, den Lebensstandard der Arbeiter heben und g l e i c h z e i t i g eine angemessene
Sicherheit und den aus der GewerkschaftsOrganisation fuer die
Arbeiter entstehenden Nützen sichern s o l l t e . Nur so kann die
arbeitende Klasse eine verantwortliche und konstruktive Rolle
i n der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Nationen s p i e l e n .
2. Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund fordert die
aktive Mitbeteiligung der Gewerkschaftsbewegung an der Formulierung einer neuen Wirtschaftspolitik, insbesondere an der
Durchfuehrung des Punkt-Vier-Programms Praesldent Trumans, das
fuer wirtschaftlich und i n d u s t r i e l l rueckstaendlge Laender finanz i e l l e und wirtschaftliche Hilfe v o r s i e h t . Die Richtigkeit unserer
Einstellung i s t durch die bejahende Haltung bewiesen, die die
Arbeiter dem Marshall Plan gegenueber eingenommen haben.
3 . Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund wird sich gegen
die Staerkung der P r i v i l e g i e n des Kapitals oder gegen die Entwicklung gewerkschaftsfeindlicher P o l i t i k s e i t e n s der Regierungen
wenden, auf deren Land s i c h das internationale Programm zur Industrialisierung Latein-Amerikas erstreckt. Wir sind deshalb
der Meinung, dass Regierungen, die die Freiheit der arbeitenden
Klasse beeintraechtIgen, weder technische noch f i n a n z i e l l e Hilfe
erhalten duerfen.
4 . Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund s t e l l t f e s t ,
dass Programme zur wirtschaftlichen Unterstuetzung oder Investierung s e i t e n s anderer Regierungen oder Internationaler Behoerden
in Latein-Amerika bisher nicht von der organisierten Arbeiterschaft unterstuetzt wurden, und wir fordern, dass man s i c h in
Zukunft bei der Durchfuehrung aehnlicher Programms um die i d e e l l e
und aktive Beteiligung der Arbeiterorganisationen bemueht.
Inter-Amerlcan Labor News
Februar 1950
DIE O.E.E.C. UND DIE INTERNATIONALEN FACHABI EILUNGEN
Nachstehender Artikel von M.O. Bolle, dem
Sekretaer des Internationalen Gewerkschaftsbundes der Arbeitnehmer des Oeffentlichen
Dienstes erschien im Maerz Im Monatsbericht
dieser Organisation.
Der Kopenhagener Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes der Arbeitnehmer des Oeffentlichen Dienstes nahm f a s t ein-

�stimmig bei nur zwei Stimmenthaltungen) eine Resolution zugunsten
des Europaelschen Wiederaufbauprogramms an. Damit bekundete er,
welche ungeheuren Auswirkungen auf den Lebensstandard der Arbeiter
aller an dem Programm beteiligten Laender durch das Wiederaufbau
Programm hervorgerufen wurden. Ausserdem wird die Notwendigkeit
hervorgehoben, der Gewerkschaftsbewegung sowohl auf nationaler
als auch auf Internationaler Ebene Gelegenheit zu geben, bei der
Durchfuehrung des Programms Ihre Meinung geltend zu machen.
Mit Becht hat unser Kongress diesen Punkt besonders betont,
denn es besteht keinerlei Zweifel, dass Lohnfragen und Angelegenheiten der sozialen Gesetzgebung mit vielen der Entscheidungen,
die von den ERP Organisationen und Im besonderen von der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas getroffen
werden, in Zusammenhang stehen.
Die Frage ist aufgeworfen worden, warum eine Internationale
Fachabteilung wie die unsrlge zu dem Europaelschen Wiederaufbau
Programm Stellung nehmen sollte. Es gibt natuerlich eine eindeutige und ausfuehrliche Antwort auf diese Frage. Erstens besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Internationalen Fachabteilungen an den Problemen der allgemeinen Politik tatsaecblich
interessiert sind, obwohl sie sich natuerlich eingehender mit
Fragen befassen, die den besonderen Berufsinteressen ihrer eigenen
Mitglieder naheliegen. Hierzu bedarf es wohl kaum einer Erklaerung.
Eine einzelne, nationale Gewerkschaft nimmt selbstverstaendlich
an der allgemeinen Einstellung und faetlgkeit der nationalen
Gewerkschaftsvereinigung groessten Anteil, der sie angegliedert
ist. Das ist nicht verwunderlich, denn die allgemeine Einstellung
und Taetigkeit des nationalen Gewerkschaftszentrums wirkt sich
unmittelbar auf die Arbeit dar einzelnen Gewerkschaften aus, die
sie zum Wohle Ihrer eigenen Mitglieder leisten.
Dasselbe Argument trifft auch fuer die internationale
Gewerkschaftsbewegung zu. Die Politik und die Taetigkeit einer
allgemeinen, internationalen Gewerkschaftsorganisation, wie des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften oder irgendeiner
Kombination nationaler Gewerkschaftszentren (wie zum Beispiel die
Gewerkschaftsverbaende der Laender der O.E.E.C.) wirken sich unmittelbar auf die Taetlgkelten der Internationalen Fachabteilungen
aus.
Ich moechte dies an Hand nur eines Beispieles erlaeutern,
das mit dem Europaelschen Wiederaufbau Programm in Zusammenhang
steht: Die Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europat
hat den gewerkschaftlichen Beratungsausschuss des ERP anerkannt,
der von den in Frage kommenden nationalen Zentren gebildet worden
war. Dieser Ausschuss hat eine Anzahl Internationaler Fachabteilungen zu Rate gezogen, die ihn in seinen Beziehungen zu den technischen Komitees der O.E.E.C. unterstuetzen sollen. Diese technischen Komitees sind fuer bestimmte Industriezweige zusammengestellt worden, wie zum Beispiel Bergbau, Textilindustrie, Transport
und Elektrlzitaet. Obwohl das Statut, das der Gewerkschaftsbewegung innerhalb der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas gegeben wurde, noch lange nicht zufriedenstellend
ist, bleibt die Tatsache bestehen, dass sowohl die betreffenden*
nationalen Zentren, als auch die Internationalen Fachabteilungen
der in Frage kommenden Industriezweige an Beratungen teilnehmen,
die dem Europaelschen Wiederaufbau Programm gelten, das wiederum
direkten Einfluss auf die Arbeltsbedingungen ihrer Gewerkschaftsmitglieder hat.

- 6 -

�Wenn es auch augenblicklich schwierig Ist, auf diesem Gebiet
Wesentliches zu erreichen, so sind wir doch anerkannt und nehmen
an den erwaehnten Beratungen teil. Der gewerkschaftliche Beratungsausschuss des ERP Ist zur Zelt dabei, genaue Richtlinien bezuegllch der europaelschen, wirtschaftlichen Zusammenarbeit auszuarbeiten. Die Internationalen Fachabteilungen sind durch Ihr koordinierendes Komitee hinzugezogen worden, um bei der Formulierung dieser Richtlinien mitzuhelfen. Viele von Ihnen nehmen ein sehr
lebhaftes Interesse an der Arbelt der O.E.E.C. In Bezug auf bestimmte Industriezweige, und sie sind sich bewusst, dass sie der
O.E.E.C. wertvolle HUfe leisten koennen, wenn es sich um diese
bestimmten Industriezweige oder um Irgendwelche Internationalen
Vereinbarungen handelt, die die O.E.E.C. In Bezug auf diese
Industriezweige treffen moechte. Wir duerfen nicht vergessen,
dass die Frage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der europaelschen
Laender nicht nur eine rein technische Angelegenheit Ist - zu Ihr
gehoeren vielmehr die Lohnfrage, die soziale Gesetzgebung, kurz,
sie wirkt sich auf den Lebensstandard der Arbeiter In diesen Industriezweigen aus.
Als Ich dieses Problem auf dem Kopenhagener Kongress zur
Sprache brachte, fragte man mich, ob es zu rechtfertigen sei,
dass die Gewerkschaftsbewegung an dem Europaelschen Wiederaufbau
Programm Interessiert ist und sich an seiner Durchfuehrung beteiligt. Meine Antwort war "Ja". Ich erklaerte In diesem Zusammenhang unter anderem:
"Das Europaelsche Wiederaufbau Programm soll den Interessen
der gesamten Bevoelkerung der daran beteiligten Laender
dienen. Alle Schichten der Bevoelkerung muessen sich deshalb
fuer dieses Programm interessieren. Sie sind fuer sein Gelingen, aber auch fuer sein Misslingen verantwortlich. Die
meisten Schichten der Bevoelkerung dieser Laender koennen
ihr aktives Interesse durch ihre sie vertretenden Organisationen unter Beweis stellen; sie koennen sich konstruktiv
an der Loesung aller bestehenden Probleme beteiligen, indem
sie sich zu diesem Zweck ihrer Organisationen bedienen oder,
wenn noetlg, sie fuer diesen Zweck einsetzen, und Indem sie
die notwendigen Koerperschaften gruenden, die ihren Bemuehungen
auf diesem Gebiet praktische Wirksamkeit verleihen'koennen.
"Alle Verantwortungsbewussten und ehrlichen Gewerkschaftsbewegungen der an dem Programm beteiligten Laender haben sich
nun dieser Verantwortung unterzogen - und ich moechte fast
sagen, sie haben es mit grossem Eifer getan. Denn sie wissen,
dass sie mehr als jede andere Organisation in der Gemeinschaft fuer die Wahrnehmung der wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Interessen der vielen Millionen Maenner,
Frauen und Kindern verantwortlich sind, deren Leben und
Zufriedenheit von der Verbesserung und Stabilisierung der
Wirtschaften ihrer Laender abhaengt. Die Gewerkschaftsbewegung wuerde sich in der Tat einer grossen Verpflichtung
entziehen und wenig Verstaendnis fuer ihre Aufgaben und
Verantwortlichkelten zeigen, wenn sie nicht die enormen
Moeglichkeiten wahrnehmen wuerde, die das Europaelsche
Wiederaufbau Programm bietet
Moeglichkeiten, die zerrüetteten Wirtschaften der Laender wieder aufzubauen, die
so sehr unter der grausamen nationalsozialistischen und
faschistischen Aggression und den verheerenden Folgen von
fuenf Kriegsjahren und feindlicher Besatzung gelitten haben»"

- 7 -

�I

Unsere Aufgabe ist folgende: Wir muessen unseren Mitgliedern
klarmachen, was das EuropaeIsche Wiederaufbau Programm fuer sie
bedeutet und zwar an Hand von Angaben ueber Brot, Butter und Bekleidung und soziale und wirtschaftliche Sicherheit; ausserdem,
welche Bedeutung es fuer die Zukunft ihrer Kinder hat. Wir muessen
sie davon ueberzeugen, dass dieses Programm der einzige Weg zu
einem dauerhaften, wirtschaftlichen Wiederaufbau in allen in Frage
kommenden Laender ist. Das Wort "dauerhaft" ist dabei zu betonen,
denn es handelt sich nicht nur darum, das wirtschaftliche und
soziale Elend voruebergehend zu beheben, das heisst Atem schoepfen
zu koennen, bevor das naechste Unglueck ueber uns hereinbricht.
Was wir benoetigen, ist ein stabiler Lebensstandard auf der Grundlage einer gut organisierten europaeischen Gemeinschaft, auf der
wir ein sicheres Sozialsystem und die Existenzsicherheit fuer Alle
aufbauen koennen.
Wir haben gehoert, dass man das Europaeische Hilfsprogramm
und die Bejahung desselben seitens der Gewerkschaftsbewegung kritisiert hat. Wir wissen natuerlich, dass durch dieses Programm
unsere wirtschaftliche Schwierigkeiten bisher noch nicht restlos
beseitigt werden konnten. Es bleibt noch viel zu tun, und Gefahren
und Ungewissheiten bestehen noch, die ueberwunden werden muessen.
Ueber eine Tatsache koennen wir uns Jedoch vollkommen klar sein:
der Strom von Nahrungsmitteln, Rohmaterialien und technischen
Ausruestungen nach Europa hat viele Laender des Westens vor dem
voelligen wirtschaftlichen und politischen Chaos bewahrt. Noch
etwas anderes muessen wir uns vor Augen halten: kein anderes
Land der Erde als die Vereinigten Staaten von Amerika haette diesen
Laendern nur einen Bruchteil dessen liefern koennen, was sie benoetigen, um ein Chaos zu verhueten.
Der Kernpunkt ist folgender: fast ausschliesslich durch
amerikanische Hilfe und durch das Europaeische Wiederaufbau Programm ist Westeuropa vor Elend und Chaos bewahrt worden. Diejenigen, die sich dem ERP widersetzten und es auch noch tun, waren
niemals in der Lage, einen befriedigenden Ersatz fuer die amerikanische Hilfe in Vorschlag zu bringen.
Eine Ablehnung der amerikanischen Hilfe und des Europaeischen
WiederaufbauProgramms, ohne zu gleicher Zeit einen annehmbaren
Gegenvorschlag zu machen, haette in vielen Laendern bedeutet,
dass man sich bewusst mit Elend und Chaos abfindet.
Wir gehoeren nicht zu jenen, die glauben, dass Elend und
Chaos eine Grundlage bilden, auf der eine glueckliche Gemeinschaft
aufgebaut werden kann.
ECA Labor Information
25. Maerz 1950
GROSSZUEGIGES WOHLFAHRTSPROGRAMM DER AFL GEWERKSCHAFT DER
KRAFTFAHRER
(Chikago) —
Das groesste und umfassendste, von Unternehmern
finanzierte Wohlfahrtsprogramm, das je im Kraftwagen-Transportgewerbe zustandekam, wurde am 5. Maerz von dem Zentralverband der
Kraftfahrer (Central States Drivers Council) und dem Suedlichen
Bezirksverband dieser Gewerkschaft (Southern Conference of Teamsters) unterzeichnet. Die New Yorker Unfallversicherungsgesellschaft "Union Casualty Co." wird fuer die Durchfuehrung der Krankheits- und Krankenhausbestimmungen des Vertrages als verantwortlich

�zeichnen. Das in dem Vertrag enthaltene Lebensyerslcherungsprogramm
Ist der Versicherungsgesellschaft "United States Insurance Co."
zur Ausfuehrung uebertragen worden. Sie wird jedem Mitglied einen
Versicherungsvertrag ueber 2.000 Dollar aushaendlgen.
Ueber 30.000 Gewerkschaftsmitglieder aus 18 Staaten werden
von dem Programm erfasst werden, In dem Unterstuetzungen fuer
Krankheit, Unfall, Krankenhausaufenthalt, aerztllche Behandlung
und eine Lebensversicherung vorgesehen sind. Man plant gegenwaertlg, den Vertrag auch auf die uebrlgen Mitglieder des Central
States Drivers Council auszudehnen. Im ganzen sollen mehr als
100.000 Kraftfahrer in den Genuss dieses Programms kommen.
Die Gesamtpraemie des ersten Jahres wird sich auf ueber
1.500.000 Dollar belaufen, die ausschliesslich von den Unternehmern In einen Wohlfahrtsfonds gezahlt werden. Der Satz betraegt
1 Dollar pro Woche fuer jedes Mitglied. Dieser Fonds wird von
dem Zentralverband der Kraftfahrer (Central States Drivers Council)
verwaltet werden.
Drelsslg der bedeutendsten Versicherurgsgesellschaften des
Landes wurden von dem Zentralverband um ihr Angebot gebeten, und
schliesslich entschied man sich nach eingehenden Beratungen, Studien und Pruefungen fue r "Union Casualty Co." und die "United States
Insurance Co."
Die Vertragsbestimmungen bezueglich Krankheit,und Unfall, die
zwei Jahre Gueltigkelt haben, wurden von A. F. Hudson, dem Exekutivsekretaer des Zentralverbandes der Kraftfahrer, und von William
Smith und Dr. Leo Perlman, dem Finanzsekretaer bzw. Vizepresidenten der "Union Casualty Co." unterzeichnet. Man erwartet, dass
dieser Vertrag als der umfassendste, der je Im Kraftwagen-Transportgewerbe abgeschlossen wurde, ueber 400.000 Kraftfahrern in den
Vereinigten Staaten als Musterbeispiel dienen wird.
Etwas frueher in der gleichen Woche war fuer die in der
Getraenkeverteilung beschaeftigten Fahrer ein aehnlicher Vertrag
abgeschlossen worden, In dem eine Lebensversicherung, Unterstuetzungen
bei Arbeitsunfaehigkelt, Krankenhausaufenthalt und aerztllcher
Behandlung vorgesehen sind. Die fuer dieses Programm erforderlichen
Ausgaben werden auf 50.000 Dollar geschaetzt. Es stellt zusammen
mit dem Vertrag des Central States Drivers Council einen wesentlichen Erfolg In den Bemuehungen der Gewerkschaft der Fahrer um
Wohlfahrtsunterstuetzungen fuer schaetzungswelse eine Million
Mitglieder Im ganzen Lande dar.
American Federation of Labor
Weekly News Service
21. Maerz 1950
FRANZOESISCHE GEWERKSCHAFTEN DRAENGEN AUF WOHNUNGSBAU
Der Franzoesische, Christliche Gewerkschaftsbund (Confederation des Travailleurs Chretiens) hat die franzoesische Regierung
aufgefordert, den dringend notwendigen Wohnungsbau einzuleiten.
Als Auftakt seiner Kampagne zur Foerderung des Wohnungsbaus
zeigte der C.F.T.C. kuerzlich in Paris zwei Wochen lang eine
Ausstellung, die die kritische Wohnraumlage des ffanzoesIschen
- 9 -

�Volkes in ansehnlicher Welse darstellte.
Den Eroeffnungsfelerlichkelten der Ausstellung wohnten der
franzoesische Premierminister Bidault und Barry Bingham, Chef
der ECA Sondermission in Frankreich, bei. Ferner waren anwesend:
Boris Shishkin, Direktor der Abteilung fuer Arbeit im Amt des
Sonderbeauftragten der Vereinigten Staaten in Europa, und Ken Douty
und AI Desser, die amerikanischen Gewerkschaftsvertreter im franzoesischen Missionsstab der BCA.
Als Sprecher der amerikanischen Gewerkschaftsgruppe sprach
Shishkin dem C.F.T.C. seine Anerkennung dafuer aus, dass er sich
an fuehrender Stelle fuer die Loesung des Wohnraumproblems einsetze.
Er wies darauf hin, dass die amerikanischen Gewerkschaften durch
aehnliche Bemuehungen viel zu einem beschleunigten Wohnungsbauprogramm in Amerika beigetragen haetten.
Gleichzeitig gab der C.F.T.C, der 750.000 franzoesische Arbeiter vertritt, eine detailierte "Charta'' fuer ein Wohnungsbauprogramm in Frankreich bekannt. Er forderte, um das Wohnraumproblem
loesen zu koennen, 'teLnen Jaehrlichen Staatszuschuss, Geldmittel aus
den Marshall. Plan Gegenwertfonds und Unterstuetzungsgelder aus den
Gemeinde- und Departementskassen."
Die Gewerkschaft zeigte an Hand offizieller, statistischer
Angaben, dass Frankreich mehr als drei Millionen Wohnungen benoetlgt,
um die durch Kriegseinwirkung beschaedigten, verfallenen oder ungesunden Wohnbauten ersetzen und uebervoelkerte Stadtgebiete auflockern
und Fluechtlingen Wohnungen verschaffen zu koennen.
Das Ziel dieses Programms soll dem C.F.T.C. zufolge die Erstellung von 20.000 Wohnungen pro Monat sein. Die Gewerkschaft versicherte, dass es nach ihrem Plan moeglich sei, dieses Ziel zu erreichen. Schaetzungen des franzoesIschen Wiederaufbauministeriums
zufolge sieht man in den gegenwaertigen Plaenen der Regierung den
Bau von 60.000 bis 70.000 Haeusern im Jahre 1950 vor. Seit 1947
sind in Frankreich insgesamt 74.000 neue Wohnungen erstellt worden.
Nach dem Plan des C.F.C.T. waere der Minister fuer Wiederaufbau
und Wohnungsbau fuer die Leitung des Wohnungsbauprogramms allgemein
verantwortlich. Die Gewerkschaft schlaegt die Schaffung eines
obersten Wohnungsbauausschusses zur Unterstuetzung des Ministers
und die Gruendung von zwei getrennten Zentral Organisationen vor:
eine Zentralbank fuer Wohnungsbau und einen Nationalfonds zur
Foerderung des Wohnungsbaus. Der C.F.T.C. beabsichtigt, seine
Vorschlaege der Nationalversammlung zur gesetzlichen Genehmigung
zu unterbreiten.
BCA Labor Information
20*. Februar 1950

HOLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTSFUEHRER SPRECHEN SICH ANERKENNEND
UEBER DEN CIO AUS
Eine Gruppe hollaendischer Gewerkschaftsfuehrer besuchte die
Vereinigten Staaten und war tief beeindruckt von der Macht und
Staerke des CIO, seiner gut funktionierenden, Inneren Organisation
und seiner weitsichtigen Einstellung zur Sozialreform. Dies kommt
in einem Artikel von H. Ponsen zum Ausdruck, der unlaengst in

- 10 -

�"Het Frije Volk" (Das Freie Volk), dem offiziellen Tagesorgan
des Hollaendischen, Sozialdemokratischen Gewerkschaftsbundes,
erschienen war. Ponsen hatte als Mitglied der oeben erwaehnten Delegation an dem Besuch In Amerika teilgenommen« Er
spricht In seinem Bericht von dem "enormen Elnfluss* der
organisierten Arbeiterschaft auf das soziale und wirtschaftliche Leben In den Vereinigten Staaten« Er weist darauf hin,
dass sich das Anwachsen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung von drei Millionen Mitgliedern Im Jahre 1930 auf mehr als
15 Millionen Innerhalb von 20 Jahren nachhaltig auf die Entwicklung der Innen- und Aussenpolltlk der Vereinigten Staaten
ausgewirkt hat.
Mr. Ponsen besuchte mit 12 anderen hollaendischen Gewerkschaftlern die Vereinigten Staaten, um einen Monat lang amerikanische Produktivltaetsmethoden und Arbeitnehmer- ArbeltgeberBeziehungen zu studieren. Diese Reise fand auf Veranlassung
der hollaendischen Regierung und der ECA statt. In dem Artikel
wird von einem Besuch bei Herman Mulllns berichtet», der Funktlonaer einer CIO-Lokalgewerkschaft der Textilarbeiter in
Knexvllle (Tennessee) Ist. Fuer die hollaendischen Gewerkschaftler stellte Mulllns die "Personifizierung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung• dar, besonders deshalb, well
er wie der Schreiber feststellt, nicht einer der "grossen"
Fuehrer in den nationalen Vorstanden war. Mulllns Geschichte
von seinen Kaempfen, um die 1.500 Arbeiter in seiner Textilfabrik organisieren zu koennen, und sein endgueltlger Erfolg,
fuer seine Gewerkschaft das Recht der Mitbestimmung erringen
zu koennen, war fuer die Besucher ein leuchtendes Beispiel fuer
die "dynamische Energie und den Machtgewinn des noch Jungen CIO."
In dem Artikel heisst es welter, dass die hollaendischen
Gewerkschaftsfuehrer auch von der umfassenden Forschungstaetigkelt des CIO sowohl in den nationalen Vorstaenden als auch
innerhalb der angeschlossenen Gewerkschaften beeindruckt
gewesen seien. Erwaehnt wurden weiterhin die wertvollem
Dienste, die ein Riesenaufgebot an Wirtschaftlern, Rechtsvertretern, Technikern und Politikern den Gewerkschaftsfuehrern
leisten, und die Unterweisung der gesamten MitgliederSchaft
in grundlegenden Wirtschaftsfragen. Der Artikel spricht
mit Anerkennung von dem "ehrlichen Versuch der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung, das Negerproblem zu loesen" und billigt
die Politik des CIO, die auf Foerderung der Prosperltaet durch
ein umfassendes Programm der Sozialgesetzgebung gerichtet ist«
Bezugnehmend auf das immerwaehrende Problem der Vereinigung der bedeutendsten amerikanischen GewerkschaftsOrganisationen, berichtet der Schreiber, dass sowohl ein grosser Teil
der Gewerkschaftsmitglieder als auch der Funktionaere eine
Zusammenschiiesseung aller Gewerkschaften in einem grossen
Bund befuerworteten.

ECA Labor Information
16. Maerz 1950

- 11 -

�Office of Labor Affairs, HICOG,
APO 757

- 12 -

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 6

Frankfurt, 14. April 1950
INHALTSVERZEICHNIS

200.000 Arbeitsplaetze fuer i t a l i e n i s c h e Arbeiter
der Schuh- und Lederindustrie durch den Marshall Plan
Der Londoner Kongress
- - - - - - - - - - - - - - - CIO's "Wendung nach der Rechten" : Ein Maerchen - - Noch immer keine Reform des deutschen Beamtensystems
ECA foerdert Berufsausbildung in Europa - - - - - - Ein Weltplan zur Verhuetung der A r b e i t s l o s i g k e i t - -

200.000 ARBEITSPLAETZE FUER ITALIENISCHE ARBEITER DER
SCHUH- UND LEDERINDUSTRIE DURCH DEN MARSHALL PLAN
Mft Hilfe der f i n a n z i e l l e n Unters tu etzung durch die Vere i n i g t e n Staaten und die Marshall Plan Verwaltung werden
nahezu 200.000 Arbeiter i n i t a l i e n i s c h e n Schuhfabriken und
Gerbereien ihren Arbeitsplatz beibehalten und 700.000 Paar
Schuhe fuer h i l f s b e d u e r f t i g e i t a l i e n i s c h e Kinder h e r s t e l l e n
koennen.
Dieses Projekt wird die Beschaeftigung i n den Schuh- und
Lederindustrien s i c h e r s t e l l e n , die augenblicklich von konjunkt u r e l l e r A r b e i t s l o s i g k e i t betroffen sind.
Aus dem I n t e r n a t i o n a l e n Fonds fuer notleidende Kinder
wurde I t a l i e n Leder fuer d i e Herstellung von Schuhen im Gesamtwerte von 500.000 Dollar zur Verfuegung g e s t e l l t . Zum
Gerben des Leders und aur Herstellung der Schuhe wurden
685 Millionen Lire (1 Million Dollar; aus dem Marshall Plan
Gegenwert Fonds I t a l i e n s aufgebracht.
Die e r s t e Sendung von 40.000 Paar Schuhen gelangte waehrend
der Osterferien zur Verteilung.

ECA Labor Information
20. Februar 1950
- 1 -

�Mit den Augen eines Amerikaners:
DER LONDONER KONGRESS
Von Jay Lovestone.
Jay Lovestone, der Exekutivsekretaer des AFLKomitees der Freien Gewerkschaften, war Sekretaer der Delegation der AFL auf der Gruendungskonferenz des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften in London. Wir geben nachstehend seinen Bericht wieder, der am 1. Januar
1950 in "Justice", dem Organ der Internationalen
Gewerkschaft der Damenbekleidungsarbeiter (AFL),
veroeffentlicht worden war.

Nahezu 300 Delegierte als Vertreter von 59 nationalen Gewerkschaf tszentren und anderen nationalen GewerkschaftsOrganisationen in 53 Laendern kamen vom 38. November bis 9. Dezember
1949 in der beruehmten County Hall in London zusammen, um den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften zu gruenden. Diese
Versammlung von Maennern und Frauen, die im Zeichen des Kampfes
und des Fortschritts der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt
stand, hat. in der Tat Geschichte gemacht. Die Vereinigung der
freien Gewerkschaften der Welt stellt mehr als einen Abschnitt
in den Annalen der Gewerkschaftsbewegung dar. Sie symbolisiert
und dramatisiert die Notwendigkeit, sich auf die Schaffung einer
lebenswichtigen Macht mit ausgedehnten Moeglichkeiten zu konzentrieren, die eine entscheidende Rolle in einer friedlichen und
menschlichen Loesung der schweren Krise spielen koennte, die
die Menschheit jetzt durchzumachen hat.
In geschichtlich bedeutungsvollen, internationalen Versammlungen dieser Art herrscht so etwas wie eine ••Weltatmosphaere".
Alles erscheint wie in einem aufregenden Schauspiel, - dramatisch
angesichts der zu einem Ganzen vereinten Masse, die doch jedem
Einzelnen soviel freie Hand laesst, dass er seinen individuellen
Beitrag zum Ganzen leisten kann.
Die Vorbereitungen zu dieser Konferenz liegen Jahre zurueck Jahre des Ueberlegens, Planens, der Arbeit und des Kampfes fuer
Maenner und Frauen, die ihre feste Ueberzeugung und das tiefe
Vertrauen in die Sache der Gewerkschaften und des Friedens nicht
aufgegeben haben. Und nun kam die langerwartete Stunde - die
Eroeffnung der Konferenz.
Die christlichen Gewerkschaften
Nachdem die Eroeffnungsformalitaeten beendet waren, nahmen
die Vertreter der demokratischen Gewerkschaften ihre schwierigen,
umstrittenen Probleme in Angriff. Der erste Antrag wurde von
David Dubinsky, dem Praesidenten der Internationalen Gewerkschaft
der Damenbekleidungsarbeiter, im Namen der vereinten.AFL- und
CIO-Delegationen eingebracht. Die Zusammenarbeit war hervorragend.
In diesem Antrag handelte es sich um das Verhaeltnis, zwischen den
christlichen Gewerkschaften und der freien Weltgewerkschaftsorganisation, die formell gegruehdet werden sollte. Es war dies jedoch kein formelles Problem, dem die Delegationen gegenübergestellt worden waeren. Viele andere Fragen waren damit verknuepft.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich die franzoesichen, christlichen Gewerkschaften von der Vorbereitenden Kommission zu der
Konferenz eingeladen worden. Einwaende waren erhoben worden, und
deshalb lud man nicht die anderen christlichen Gewerkschaften,
wie diejenigen Belgiens und Hollands, zur Teilnahme ein.
-

2

-

•

�Die Konferenz waere unter einem falschen Vorzeichen begonnen
worden, wenn gleich zu Anfang Uneinigkeit in dieser Frage geherrscht
haette. Auch konnte man in diesem Augenblick nicht ausweichen.
Nicht nur ein Zusammenprall der Beteiligten musste vermieden, sondern auch eine vernuenftige und gerechte Loesung gefunden werden.
Und was noch mehr bedeutet, diese Loesung musste fuer Alle tragbar
sein, denn es handelte sich hier um eine freiwillige Versammlung
und nicht etwa um eine von einer totalitaeren, imperialistischen
Grossmacht fuer ihre Zwecke einberufene Tagung. Die Hauptaufgabe
bestand darin, dem Zank und Streit ein Ende zu machen, der aus
laengst ueberlebten Verhaeltnissen stammte. Um der neuen Situation mit ihren neuen Problemen Herr werden zu koennen, mussten
wir dem im Entstehen begriffenen neuen Weltbund freier Gewerkschaften auf breitester Basis die groesatmoegliche Unterstuetzuhg
Aller zuteil werden lassen. Einige Delegationen mussten einen
hohen Preis hierfuer zahlen. Seither bestehende Vorurteile, Verdaechtlgungen und Zustaendigkeitsstretigkeiten - all das musste
geklaert werden, denn die Aussoehnung und Zusammenarbeit auf der
Basis der praktischen Gegenwart hatte an erster Stelle zu stehen.
In diesem Geiste und mit diesem Ziel im Auge schlug Dubinsky,
unterstuetzt vom CIO, Sondermassnahmen vor, die die Konferenz zu
schnellem Handeln veranlassen sollten. In einer oeffentlichen
Sitzung wurde In einer schnell getroffenen Vereinbarung mit dem
Britischen Gewerkschaftsbund festgelegt, wie verfahren werden
sollte. Der Mandatskommission wurden zwei Tage Zeit gegeben, um
dies als erste Frage zu behandeln und ihren Bericht darueber der
gesamten Konferenz vorzulegen.
Letztere bescbloss daraufhin einstimmig, die anderen christlichen Gewerkschaftsorganisationen zur Teilnahme an der Konferenz
einzuladen. Ausserdem wurde ihnen das Recht zugesprochen, sich
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften anzuschliessen,
vorausgesetzt, dass sie innerhalb der naechsten zwei Jahre - das
waere bis zum naechsten Kongress - ihre Mitgliedschaft beim
Internationalen Bund Christlicher Gewerkschaften aufgeben. Nach
diesem Zeitpunkt kann also keine nationale Gewerkschaft ihre Mitgliedschaft bei zwei internationalen Verbaenden aufrechterhalten.
Dieser Beschluss würde von dem bekannten, italienischen Gewerkschaf tsfuehrer, Giulio Pastore, und von Gaston Tessier und M. Bouladoux, den Delegierten des franzoesischen, christlichen Gewerkschafts bundes, gutgeheissen. Auch sozialistisch gesinnte Gewerkschaftler, wie der Belgier Louis Major und andere Delegierte aehnlicher politischer Einstellung aus der Schweiz und Holland zeigten
sich mit dieser Loesung einverstanden.
Das gemeinschaftliche Vorgehen und die dynamische und konstruktive Initiative der AFL- und CIO-Delegationen gaben den
Sitzungen ihr besonderes Gepraege. In vielen Kreisen hatte man
sich gefragt, wie AFL und CIO in London wohl miteinander auskommen
wuerden. Die AFL war der entschlossenste Gegner des Moskauhoerlgen
Weltgewerkschaftsbundes gewesen und war zweifellos die treibende
Kraft in der Trennung der demokratischen Gewerkschaften von dieser
Kreml-Behoerde.
Die Einigkeit der amerikanischen Gewerkschaftsdelegationen
war eine Quelle, aus der nicht nur die Vertreter der verhaeltnismaessig Juengeran und schwaecheren Gewerkschaften in Asien und
Afrika Anregung und grosse Ermutigung schoepften. Diese kraftvolle, amerikanische Einheit - die auch noch von dem Delegierten
der Vereinigten Bergarbeiter unterstuetzt wurde' - gab den erfahreneren und festgelegten Gewerkschaften Westeuropas den festen

- 3

�Glauben an den Fortbestand der fuehrenden entscheidenden Rolle,
die die amerikanischen Gewerkschaften in der demokratischen,
internationalen Gewerkschaftsbewegung zu spielen haben. Wir
durften nicht mehr Beteiligte oder Aussenstehende, - voruebergehende sozusagen - nicht blosse Beitragszahler und im besten
Falle passive Teilnehmer sein. In den Augen des Kongresses des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften hatte die amerikanische Gewerkschaftsbewegung schliesslich den hoechsten Grad an
Verantwortlichkeit und Autoritaet im Geltungsbereich der Weltgewerkschaftsbewegung erreicht.
Das lebhafte Interesse und die begeisterte Aufnahme, die
die Rede des Praesidenten der AFL, William Green, fand, gaben
hierfuer den besten Beweis. Seine Erklaerung war in vielen
Beziehungen die umfassendste, uebersichtlichste und positivste
Richtliniengebung der gesamten Versammlung. Ein ins Einzelne
gehender Bericht ueber die wirtschaftliche Lage Amerikas, fuer
die sehr grosses Interesse besteht, war in seinen Ausfuehrungen
enthalten. Greens Worte waren aufrichtig und zuversichtlich.
Er zeigte der Gewerkschaftsbewegung einen Weg zum Fortschritt, in
dem sich nicht fruchtlose Schwaetzereien und sinnverwirrende Phrasen
der toten Vergangenheit als Hindernisse in den Weg stellten. Er
sagte der totalitaeren Tyrannei direkt den Kampf an und zeigte
an Hand eines bestimmten Programms, wie sich die arbeitenden Menschen
aller Laender verhalten muessen, um die Menschheit von der Furcht
vor der Tyrannei, der Armut und dem Kriege und deren schrecklichen
Folgen befreien zu koennen.
Einmuetigkeit statt Einheitlichkeit
Die Verfassung des Internationalen Bundes, Freier Gewerkschaften
und die Festlegung der Grundziele wurden ausfuehrlich besprochen.
Den Problemen der regionalen Organisation und der Beziehungen
zu den internationalen Fachabteilungen wurde besondere Beachtung
geschenkt. Diese Debatten waren von Erfolg gekroent. Die in
Vorschlag gebrachten Resolutionen wurden einstimmig angenommen,
und es herrschte eine echte, tiefverwurzelte Einmuetigkeit. Diese
darf nicht mit der Einheitlichkeit verwechselt werden, die fuer
alle totalitaeren Organisationen und Bewegungen charakteristisch
ist. Natuerlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten. Diese wurden
Jedoch auf wahrhaft demokratische Weise beseitigt. Es war eine
Konvention gl eichgesinnt er Vertreter der freien Gewerkschaften.
Im Gegensatz zu dem Gruendungskongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes vor vier Jahren in der gleichen Halle handelte es
sich hier um einen Kongress der Gewerkschaften und nicht um eine
Ansammlung fremdartiger Elemente mit grundverschiedenen Meinungen,
Ideen und Interessen, die durch den Gang der Ereignisse und durch
machiavellistische Intrigen fuer eine gewisse Zeit zusammengeworfen
waren.
Als zum Beispiel die Sitzung begann, war allgemein bekannt,
dass betraechtliehe Meinungsverschiedenheiten zu der Frage, wo
der Sitz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften sein
sollte, zu erwarten waren. Unsere Kollegen vom Britischen Gewerkschaftsbund - mit nicht geringer Unterstuetzung seitens anderer
Delegationen - behaupteten nachdruecklich und halsstarrig ihren
Standpunkt. Niemand konnte ihnen widerlegen, dass London wirklich
ein Vfeltzentrum ist. Auch konnte nicht ernsthaft bezweifelt werden,
dass die ilacht und Erfahrung des Britischen Gewerkschaf tsbundes
T.U.C. dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eine wirkliche Stuetze waeren,- besonders solange diese Organisation noch
in ihren Kinderschuhen steckt.

4 -

�Die amerikanischen Gewerkschaftsverbaende AFL und CIO, die
Delegationen der kanadischen Verbaende und eine ganze Anzahl anderer Delegierter aus anderen Teilen der Welt warfen jedoch ein,
dass die Erfahrungen mit dem alten Internationalen Weltgewerkschaftsbund und besonders mit dem Weltgewerkschaftsbund gelehrt haetten,
dass man vor allem organisatorische oder politikbestimmende Massnahmen vermeiden muesse, die zugunsten von Uachtgeluesten und Beherrschungsbestrebungen grosser Organisationen in der neuen Gewerkschaftsinternationale ausgelegt werden oder auch zu diesen
Uebeln fuehren koennten.
Die Amerikaner hatten erst Paris zum
Hauptquartier vorgeschlagen. Wir wuenschten, dem Weltgewerkschaftsbund in direktem Konflikt die Stirne zu bieten und diese
Fuenfte Kolonne des imperialistischen Russlands zu bekaempfen.
Die endgueltige, einstimmige Wahl Bruessels zum Hauptquartier
befriedigte nicht nur die Amerikaner, sondern insbesondere die
Delegationen der kleineren Laender und Kolonien.
% n e maechtige, repraesentative, internationale Fuehrerschaft
wurde von dem Kongress gewaehlt. Es ist bezeichnend, dass die
durch den letzten Krieg hervorgerufenen Gegenerschaften bei der
Zusammensetzung dieser maechtigen Koerperschaft keine Rolle spielten.
Eine besonders willkommene Entwicklung stellt die Beteiligung der
freien Gewerkschaften aus Afrika und dem Fernen und Mittleren
Osten an der exekutiven Fuehrung dar.
Abschliessend seien die bewegenden Wort wiedergegeben, die
Praesident Green zu.Beendigung der Konferenz an die Versammelten
richtete:
"Wir haben auf diesem historischen Kongress ein Gebauede
errichtet, in dem die Gewerkschaften der ganzen Welt zusammenleben
und zusammenarbeiten koennen, um die Lebensbedingungen aller
Arbeiter der Welt zu verbessern."
International Free Trade Union News
Februar 1950
CIO's "WENDUNG NACH DER RECHTEN";

EIN MAERCHEN

Von Allan L. Swim
Wir veroeffentlichen den nachstehenden Leitartikel
des offiziellen CIO Organs, weil er Einwaende
widerlegt, die auch von deutschen Kommunisten
wiederholt erhoben worden sind.
Die Schriftleitung.

Zweck dieser Abhandlung ist es, mitzuhelfen, das Maerchen
von "einer endgueltigen Wendung des CIO nach der Rechten" zu
widerlegen.
Dieses Maerchen war in der Hitze des Gefechtes und der Verwirrung entstanden, die Begleiterscheinungen des Feldzuges des
CIO zur Saeuberung oder Ausstossung kommunistisch beherrschter
Gewerkschaften waren. Die Kommunisten hatten natuerlich alles
Moegliche zur Verbreitung des Gedankens getan, dass sich der
CIO nicht nur dem Konservativismus zuneige, sondern auch mit der
Reaktion herzliche Freundschaft geschlossen habe, Zeitungsschreiber,
die den CIO gerne weniger aktiv sehen moechten, haben ihrer Be- 5 -

�geisterung freien Lauf gelassen, und von einer "Wendung nach der
Rechten" geschrieben. Diese "Wendung" war ein Frontmachen gegen
den Kommunismus, aber keine Neigung zur Reaktion*
Die einzige, bemerkbare Veraenderung der Politik des CIO
waehrend der vergangenen Jahre besteht darin, dass er seine
Toleranz den Kommunisten gegenueber aufgegeben hat. Und das kam
nur deshalb, weil die Roten versuchten, den CIO den Befehlen
der russischen Regierung gefuegig zu machen - Befehle, die die
Zerstoerung der Vereinigten Staaten zum Ziele hatten. Es war
in der Tat kein Umschwung nach der Rechten, denn die Kommunisten
sind in vielen Beziehungen ebenso reaktionaer wie die "Chikago
Tribüne (Reaktionaere Chikagoer Zeitung). Ueberzeugen wir uns
an Hand von Tatsachen und Berichten, welche Richtung der CIO
bisher eingeschlagen hat. Die Organisation unterstuetzte staerkstens
Praesident Roosevelt und sein New Deal Programm. (Die Kommunisten
waren sowohl fuer als auch gegen Roosevelt, entsprechend der Jeweiligen Einstellung ihrer Partei). Der CIO befuerwortete ausserdem das Fair Deal Programm Praesident Trumans, welches in mancherlei Hinsicht mehr als das New Deal nach der "Linken" neigt.
Im Verlauf des vergangenen Jahres beteiligten sich die
Stahlarbeiter und andere CIO Gewerkschaften massgeblich an dem
Kampf fuer verbesserte soziale Sicherheit. Augenblicklich betaetigt sich die Organisation mit zunehmender Aktivitaet an einem
politischen A^tionsfeldzug, der den Liberalen in den Kongresswahlen dieses Jahr zu mehr Stimmen verhelfen soll« An dem Beschluss des CIO, das verhasste Taft-Hartley Gesetz ausser Kraft
zu setzen, hat sich nicht das Geringste geaendert. Mit gesteigertem Nachdruck setzt sich der CIO fuer eine Verbesserung der b ü r gerlichen Rechte ein. Eine ihrer Hauptaufgaben sieht die Organisation in der Beseitigung der Wohnungsnot durch Foerderung des
Wohnungsbaus fuer Empfaenger niedriger und mittlerer Einkommen
und durch die Fortsetzung der Mietkontrolle. Der Kampf gegen
die wachsende Monopolkontrolle seitens des "Big Business" ist
ununterbrochen weitergefuehrt worden. Die Unternehmer, die mit
CIQ-Ausschuessen Verhandlungen gefuehrt haben, haben erkannt,
dass die Aktivitaet dieser Organisation, die die Kommunisten
faelschlicherweise fuer sich beanspruchen moechten, alles andere
als tot ist.
Wenn die Kommunisten in außenpolitischen Angelegenheiten
die "Linke" vertreten, dann hat sich der CIO der "Rechten" zugewandt. Dies ist Jedoch eine seltsame "Rechte". Der CIO hat
eine Politik verfolgt, deren Ziel die wirtschaftliche Gesundung
der Voelker der Welt und die Errichtung einer wahren Demokratie
in Jedem Lande ist. Er hat sich den totalitaeren Machtgeluesten
und der Idee widersetzt, dass sich das Volk dem Polizeistaat
unterwerfen muesse. Er kaempft gegen die Versuche der Kommunisten
an, die Gewerkschaften zu unterwuerfigen Dienern des Staates zu
machen. Der CIO steht hinter dem Europaeischen Wiederaufbau
Programm und den Plaenen Praesident Trumans zur Versorgung der
"rueckstaendlgen" Nationen mit technischer und anderer Hilfe.
Er hat gegen die Anerkennung Spaniens und die zunehmende Macht
diktatorischer Regimes der aeussersten Rechten Jenseits des
Rio Grande gekaempft.
Um es unverbluemt zu sagen, Geruechte ueber unsere "Wendung
nach der Rechten" sind vollkommener Unsinn. Vielleicht sind
einige nutzlose, linksgerichtete Anhaengsel inzwischen verschwunden. Unsere Organisation wendet nicht die politische Streiklinie
an. Und verantwortungsbewusste CIO Fuehrer werden weder aufruehrische Tumulte inszenieren, noch Gewalt anwenden, um auf diese
- 6 -

�Welse zu demonstrieren, dass das arme Proletariat von den Kapitalisten zertreten wird» Selbstverstaendlich ist der CIO im
Verhaeltnis zu frueher gereifter. Er hat gelernt, dass man sich
keiner Aufgabe entledigt, indem man viel Laerm schlaegt. Aber er
hat deshalb noch lange nicht nach rechts umgeschwenkt. m Sein Platz
ist immer noch links von der Mitte, aber nicht an der aeussersten
Unken. Und das ist wohl der richtige Platz fuer eine Arbeiterorganisation.
"The CIO News"
6. Itaerz 1950
NOCH TMMER KEINE REFORM DES DEUTSCHEN BEAMTENSYSTEMS
Von Joseph Mire, Volkswirtschaftler in der
U.S. Gewerkschaft der Angestellten des
Oeffentlichen Dienstes.
(Nachstehender Artikel handelt von dem deutschen Beam
tentum und seinem Einfluss auf die demokratische
Entwicklung in Deutschland. Der Verfasser ist
Volkswirtschaftler im Dienste der Gewerkschaften.
Frueher war er Berater der Militaerregierung.)

Im Jahre 1935 veroeffentlichte ein gewisser Dr. Hans Globke
in Muenchen einen Kommentar zu den neuen deutschen Rassengesetzen.
"Diese Gesetze", erklaerte Dr. Globke zustimmend, "sind eine
Abkehr von der liberalistischen Idee der Gleichheit der menschlichen Wesen.... Eine Nation kann m r gedeihen, wenn die Fuehrung
ihrer Elite anvertraut ist.... Nur diejenigen, die deutschen
Blutes sind, koennen Buerger sein." Fuer die ungluecklichen
Opfer der deutschen Rassengesetzgebung fand Dr. Globke die folgenden, trostreichen Worte: "Sie haetten in der Wahl ihrer
Eltern vorsichtiger sein solleni"
Heute ist dieser gleiche Dr. Globke Leiter des Personalamtes der westdeutschen Regierung und Verfasser des neuen deutschen
Beamtengesetzes, mit dem sich nun das deutsche Parlament beschaeftigt. öas neue Gesetz und sein Verfasser beweisen, dass es uns
nicht gelungen ist, das deutsche Beamtensystem zu reformieren
und es von Nazi Anhaengern wirksam zu saeubern.

Das deutsche Beamtentum war schon immer ein Traeger der
Reaktion. Es diente der Monarchie und ungeachtet dessen, dass es
ein Nebenprodukt des autoritaeren Staates ist, blieb es fast ohne
Aenderung unter der Weimarer Republik und dem Naziregime bestehen.
Mit grossen Privilegien ausgestattet, wie Anstellung auf Lebensdauer, unkuendbar selbst bei offensichtlicher und totaler Unfaehigkeit, automatische Befoerderung ohne Ruecksicht auf Dienst Verrichtung, entwickelte sich das Beamtentum zu einem Kastensystem,
unter dem die Bediensteten des Staates eher Herren als Diener
des Volkes waren.
Ihre bevorrechtigte Stellung wurde noch gestaerkt durch
ihren Einfluss in den gesetzgebenden Koerperschaften und in allen
starken, politischen Parteien Deutschlands. (In einigen deutschen
Staaten setzen sich die gesetzegebenden Organe zu 45 bis 50£ aus
Beamten zusammen.)
- 7 -

�Zur Kroenung all dessen gewaehrt das deutsche Strafgesetzbuch den Beamten einen besonderen Schutz gegen Beleidigungen.
Es ist schon eine Sache in Deutschland, jemanden zu beleidigen,
aber weit schwerwiegender ist das Vergehen, wenn sich diese Beleidigung gegen einen Beamten richtet. Es herrscht eine kaum
ertraegliche Atmosphaere, die sich die Beamten voll und ganz
zunutze machen, und aus der heraus die allgemein verbreitete
Furcht und Scheu zu verstehen ist, die das Verhaeltnis zwischen
den gewoehnlichen Buergern und den Beamten in Deutschland beherrscht.
Genau so wie der deutsche Militarismus und die preussischen
Junker bildeten auch die Beamten einen wesentlichen Bestandteil
derjenigen Kraefte in Deutschland, die zweimal in einer Generation
den Weltfrieden gestoert haben. Die amerikanische Militaerregierung war sich dessen voll bewusst. Sie wusste, dass ohne eine
gruendliche Reform der oeffentlichen Verwaltung in Deutschland ein
wahrhaft demokratischer Gesellschaftsaufbau unmoeglich sei.
Die meisten Beobachter sind sich darueber einig, dass der
Durchschnittsdeutsche die Meinung der Militaerregierung teilte
und fuer die Beamten nur wenig Sympathie hatte« Leider versaeuraten wir, schnell und durchgreifend zu handeln. Jahrelang warteten
wir geduldig auf einen annehmbaren Reformplan der Deutschen selbst.
Da sie jedoch dieses. Problem nicht in allgemeinen, gegenseitigem
Einvernehmen loesen konnten, wurde von uns schliesslich das
Kontrollratsgesetz Nr. 15 erlassen, das dazu bestimmt war, das
deutsche Beanitensystem von Grund auf zu aendern. Dies geschah
jedoch erst am 15. Maerz 1949.
Die Reaktionen auf dieses Gesetz waren in Deutschland verschieden. Diejenigen, die eine wirkliche Reform wuenschten, waren
der Ansicht, dass man in diesem Gesetz nicht weit genug gegangen
war, waehrend die Beamten selbst aufatmend feststellten, dass man
nicht so weit gegangen war, wie sie befuerchtet hatten. Das Gesetz stellte einen Schritt in der richtigen Richtung dar, leider
war dieser Schritt jedoch zu klein und kam zu spaet. Im Sommer
1949 hatte sich das politische Klima in Deutschland derartig geaendert, dass die Beamten es sich leisten konnten, das Gesetz zu
ignorieren und es zu uebergehen.
#• * ; # v # #

Seit dem Bestehen der neuen deutschen Regierung hat der
Innenminister Dr. Heinemann den auf sehr zweifelhafter Rechtsgrundlage basierenden Standpunkt vertreten, das Gesetz Nr. 15
sei auf die Beamten der neuen deutschen Bundesverwaltung nicht
anwendbar. Der gesetzliche Gesichtspunkt spielt keine Rolle, denn
es ist unbestreitbar wahr, dass das neue deutsche Parlament die
volle Befugnis hat, ein neues Beamtengesetz zu erlassen.
Und das tut man gerade jetzt in Deutschland, und alles laesst
darauf schliessen, dass in Kuerze der Beamte seine fuehrende Machtstellung wiedergewonnen haben wird. Das zur Zeit in Bearbeitung
befindliche Gesetz - von Dr. Globke entworfen - ist ein Duplikat
des von Hitler im Jahre 1937 erlassenen Gesetzes, in welches die
wesentlichen autoritaeren Bestandteile des Beamtengesetzes von
1873 aufgenommen worden waren.
Es liegt nun klar auf der Hand, dass wir eines unserer Hauptziele in Deutschland verfehlt und den verhaengnisvollen Fehler
der Weimarer Republik wiederholt haben, die es ebenfalls, zu ihrem
eigenen Verhaengnis, versaeumt hatte, die oeffentliche Verwaltung
in Deutschland zuverlaessigen Freunden und Anhaengern demokratischer
Ideen und Prinzipien in die Haende zu geben.
- 8

�Die Situation koennte vielleicht noch durch Anwendung der
von der Militaerregierung in Deutschland sich vorbehaltenen
Rechte gerettet werden, wenn sich unsere politischen und militaerischen Fuehrer zum Handeln entschliessen wuerden. Die Zeit
draengt Jedoch sehr in Deutschland.
"ADA Uorld"
Herausgegeben von Amerikanern
fuer Demokratische Aktion.
(Americans for Democratic Action)
20. Maerz 1950
ECA FOERDERT BERUFSAUSBILDUNG IN EUROPA
Die Berufsausbildung Junger Maenner und Frauen ist fuer die
Wiederbelebung der europaeischen Industrien von wesentlicher
Bedeutung. Die Regierungen der ularshall Plan Laender und die
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit ECA arbeiten gemeinsam an der Ausbildung Junger Menschen in jedem Sektor der
Industrie und Landwirtschaft.
Das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten hat sich
ebenfalls durch sein Buero fuer Lehrlingswesen an diesem Programm
beteiligt. Sechs Griechen studieren zwei Monate lang Lehrlingsausbildungsmethoden in den Vereinigten Staaten. Ihre Reise und
Schulung wird von diesem Buero organisiert.
Die griechische Regierung und die ECA haben in gemeinsamer
Zusammenarbeit Berufsschulen in den wichtigsten Industriezentren
Griechenlands eingerichtet. In Athen gibt es sieben Berufsschulen,
in denen eine vierjaehrige Ausbildung fuer hochqualifizierte
Mechaniker und Ingenieure vorgesehen ist. In der Berufsschule
von Sevitanedios werden 120 Schueler in zweijaehrigen Kursen
praktisch und theoretisch fuer 40 verschiedene Berufe ausgebildet. In Amerika hergestellte Maschinen und 'Werkzeuge im Werte
von etwa 30.000 Dollar sind diesen Schulen zur Verfuegung gestellt
worden. Die Automobilabteilung liefert im Durchschnitt pro Tag
einen Autobus und ist mit 57# an der Wiedererstellung der griechischen Autobusparks beteiligt. Aus anderen Abteilungen kommen
erstklassige Nieter, Maler und Elektriker.
Traktoren, Pfluege und Erntemaschinen werden im Rahmen des
Marshall Planes nach der Tuerkei geschickt, um die landwirtschaftliche Produktion in diesem Lande zu erhoehen. Die tuerkische
Regierung bildet Junge Leute zwischen 19 und 26 Jahren zu Mechanikern fuer landwirtschaftliche Maschinen aus. Sechzig beendeten
den ersten dieser Lehrgaenge erfolgreich, und an dem zweiten Lehrgang nehmen 92 Schueler teil. Bevorzugt werden Jugendliche von
Bauernhoefen, die mit modernen Maschinen ausgeruestet werden sollen,
oder die dieselben bereits besitzen; ausserdem solche, die ihr
Talent in motorisierten militaerischen Einheiten unter Beweis
gestellt haben*
In Daenemark arbeitet die Gewerkschaft der Metallarbeiter
an einem Berufsausbildungsprogramm fuer ungelernte Arbeiter, um
im Rahmen der nationalen Wiederaufbaubestrebungen dem Mangel an
Facharbeitern zu begegnen. Die 50.000 Mitglieder zaehlende
Gewertechaft hat alle noetigen Vorsichtsmnssnahmen zum Schutze der
gelernten Handwerker getroffen. Der Praesident dieser Gewerkschaft, Hans Rasmussen, erklaerte: "Grundsaetzlich vertreten wir
die Ansicht und haben dies auch in den getroffenen Vereinbarungen
- 9 -

�geltend zu machen versucht, dass ein ungelernter Arbeiter, der
eine Fachkenntnisse erfordernde Beschaeftigung ausuebt, auch
nach dem fuer diesen Fachberuf gueltigen Tarif bezahlt werden
muss. Zweitens haben wir darauf bestanden, dass ein gelernter
Arbeiter, der an einen anderen Arbeitsplatz ueberwiesen wird,
weil seine Arbeit von einem ungelernten Arbeiter verrichtet
wird, den gleichen Lohn wie frueher erhalten muss. Ausserdem
ist in den meisten Faellen vereinbart worden, bei Arbeitsmangel die gelernten Arbeiter zuerst mit Beschaeftigung zu
versorgen."
Durch dieses Programm sind bereits 3.000 zusaetzliche
Arbeiter fachlich geschult worden, die von einem Schiffsbauunternehmen benoetigt werden, damit es die ihm gesteckten Ziele
in der Produktion erreichen kann.
In den Ausbesserungswerften von Triest werden zur Zeit
Fischereifahrzeuge gebaut. Zur Bemannung dieser Schiffe hat
die Fischergenossenschaft mit der Hilfe des Marshall Planes,
deren Wert sich auf 600.000 Dollar belaeuft, eine Fischereischule errichtet. Die Schule wird von 50 Studenten besucht,
die in Geographie, Navigation, Technik und Meeresbiologie
unterrichtet werden. Ausserdem lernen sie, wie man Netze herstellt und aisbessert und werden mit allen praktischen Fragen
der Hochseefischerei vertraut gemacht.
Oesterreichische Jungen und Maedchen werden, in Jungbauernklubs zusammengefasst. Dort hoeren sie von den modernen Methoden der Gross- und Kleinviehzucht, und wie man besser und
mehr Wqizen, Roggen, Gerste, Mais, Kartoffeln und Zuckerrueben
erzeugt. Die Maedchen lernen Hausarbeit, das Naehen von
Kleidern und Konservieren von Fleisch, Gemuese und Fruechten.
Die Lehrkraefte dieser Klubs sind oesterreichische Experten
der Landwirtschaft.
Labor Information Bulletin
US Arbeitsministerium
Maerz 1950

EIN WELTPLAN ZUR VERHUETUNG DER ARBEITSLOSIGKEIT
Von Mac R. Johnson
Washington—(Amerika Dienst)— Fuenf hervorragende
Volkswirtschaftler haben einen Mobilisierungsplan ausgearbeitet, der zur Anwendung kommen soll, sobald eine steigende
Arbeitslosigkeit das Herannahen einer Wirtschaftsdepression
ankuendigt; dieser Plan ist zur Beratung durch den Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen bestimmt.
Ber Bericht, der den Titel "Nationale und Internationale
Massnahmen fuer Vollbeschaeftigung" traegt, wurde auf Veranlassung des Generalsekretaers der Vereinten Nationen, Trygve
Lie, von unabhaengigen Fachleuten verfasst.

- 10 -

�Die Initiatoren des Planes sind: Prof. John Maurice Clark
von der Columbia-Universitaet, Prof. Arthur Smithies von der
Harvard-Universitaet, Nicholas Kaldor von King's College,
Cambridge, Pierre Uri vom Commissariat General du Plan, Paris,
und E. Renald Walker vom australischen Aussenministerium, der
den Vorsitz fuehrte.
Bach diesem Programm sollen sich die teilnehmenden Regierungen verpflichten, im voraus festzustellen, was sie zu
tun gedenken, wenn der Beschaeftigungsgrad unter eine bestimmte
Hoehe sinkt. Diese geplanten Massnahmen muessten durch entsprechende Gesetze vorbereitet und geeignet sein, die Nachfrage nach Guetern zu steigern. (z.B. Steuerermaessigungen).
Eine Voraussetzung sei allerdings die Bekaempfung der
Dollarknappheit an ihren Wurzeln, und zwar nicht nur in
Europa, sondern auf weltumfassender Grundlage.
Als nationale Massnahmen werden empfohlen:
1.

Die Feststellung eines Ausmasses von Mindestbeschaeftigung, das erreicht werden soll.

2.

Die Bekanntgabe eines Gesamtplanes fuer die Erreichung
der Vollbeschaeftigung.

3*

Die Bekanntgabe zusaetzlicher Massnahmen fuer den
.Fall, dass dieses Ziel nicht erreicht wird. «

4. Die Bekanntgabe der Plaene fuer die Stabilisierung
der Preise.
5.

Die Schaffung der notwendigen legislativen und administrativen Voraussetzungen fuer die Durchfuehrung.

Als Internationale Massnahmen werden vorgeschlagen:
1.

Ein Programm zur Beseitigung der gegenwaertigen
strukturellen Gleichgewichtsstoerung im Welthandel.

2.

Die Schaffung eines staendigen Zuflusses von Investitionskapital in wirtschaftlichen zurueckgebliebene
Gebiete, hauptsaechlich durch die Welthank.

3.

Ein Plan, nach dem die Ausbreitung internationaler
Wirkungen einer deflationistischen Politik mit Hilfe
des Internationalen Waehrungsfonds verhindert werden
kann.

In einer zusaetzlichen Erklaerung schrieb Prof. Clark:
Wir uebernehmen wahrscheinlich ein grosses Risiko, wenn
wir durch staatliche Finanzpolitik zu viel erreichen wollen.
Wir laufen aber ein ebenso grosses Risiko, wenn wir fuer die
Stabilisierung des Einkommens und des Beschaeftigungsgrades
auf einem hohen Niveau zu wenig tun.
Die Vereinigten Staaten koennten wohl geneigt sein, ein
gewisses Mass von Unregelmaessigkeit auf sich zu nehmen und
sich bei der Ueberbrueckung der Arbeitslosigkeit auf ihr

- 11 -

�SozlalversicherungsSystem zu verlassen. Als gute Weltbuerger
aber duerfen wir mit Ruecksicht auf die Wirkungen, die eventuelle Veraenderungen in unserer Wirtschaft auf andere Laender
ausueben, solche Fragen nicht entscheiden, als ob es sich nur
um uns selbst handelte.
Die Weltlage legt vielmehr den industriell fuehrenden
Laendern die Verpflichtung auf, mehr zu tun, als sie es vielleicht auf Grund von nur innerpolitischen Erwaegungen moechten.
Diese Ueberlegung soll uns davon abhalten, zu wenig zu
tun, und uns veranlassen, lieber das Risiko zu uebernehmen,
bisher noch nicht genuegend erprobte Wege der Finanzpolitik
zu beschreiten. In diesem Sinne unterschreibe ich den Bericht.
"Amerika Dienst" - Arbeit
14. Llaerz 1950

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

- 12 -

UGOS t n ; 1 4 1 April SO 1' s.

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Ottice of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fflr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 7

Frankfurt, 2 1 . April 1950
INHALTSVERZ

EICHNIS

Dubinsky prphezeit schweren Kampf gegen den r o t e n
Weltgewerkschaftsbund - - - - - - - - - - - - - —
Warum b l e i b t Hlstadrut Im kommunistischen Weltgewerkschaftsbund - - - - - - - - - - - - - - - - Walter Reuther - - - - - - - - - - - - - - - - - F e r n u n t e r r i c h t durch die Gewerkschaften - - - - - Ein Kommunist schwenkt u m - —
- - - - - - - - - - 1

1
8
4
7
1

DUBINSKY PROPHEZEIT SCHWEREN KAMPF GEGEN DEN ROTEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND
Von dem New Yorker Korrespondenten des Nachrichtendienstes der AFL, Arnold Beichmann.
(New York)— David Dubinsky, der Praesident der I n t e r n a t i o n a l e n Bekleidungarbeiter Hewerkschaft (AFL), i s t der Auffassung, dass der "vor kurzem gegruendete I n t e r n a t i o n a l e Bund
F r e i e r Gewerkschaften eine kategorische Abkehr von dem Maerchen
d a r s t e l l e , der sowjetische T o t a l i t ä r Ismus s e i eine f o r t s c h r i t t l i c h e Idee, oder das kommunistische System b i e t e irgendeine
Moeglichkeit, die I n t e r e s s e n der i n t e r n a t i o n a l e n Arbeiterklasse
zu foerdern."
Dubinsky, der Mitglied der AFL Delegation war, die den
neuen I n t e r n a t i o n a l e n Bund F r e i e r Gewerkschaften o r g a n i s i e r e n
half, schrieb i n der Aprilausgabe der v i e r t e l , ) a e h r l i c h e r s c h e i nenden e i n f l u s s r e i c h e n Veroeffentlichung, "Foreign A f f a i r s " :
" D e l e g i e r t e , d i e 50.000.000 Arbeiter in mehr a l s 50 v e r schiedenen Laendern v e r t r e t e n , haben nun den Bolschewismus a l s
den Erbfeind der Arbeiterschaft gebrandmarkt. Damit moegen s i e
dem Vorwand e i n Ende b e r e i t e t haben, u n t e r dem der Bolschewismus
mehrere Jahrzehnte lang die meisten seiner Erfolge errungen hat •
naemlich, dass er e i n Freund der Arbeiter der Welt s e i . "

- 1 -

�Der Chef der Internationalen Damenbekleidungsarbeiter
Gewerkschaft wandte sich gegen Franco Spanien, indem er
erklaerte, "die freien Gewerkschaften der ganzen Welt seien
der Ansicht, dass sich Nazismus, Faschismus, Falangistentum
und Kommunismus im wesentlichen gleich seien", und er versicherte, dass "eine unentschlossene Haltung, wie sie kuerzlich von unserem Aussenministerium Franco Spanien gegenueber
an den Tag gelegt worden sei, unter der Arbeiterschaft Europas
und Asiens schwerwiegende Missverstaendnlsse der von Amerika
verfolgten Ziele ausloesen koennten."
Dubinsky wies warnend auf die Gefahr bin, dass der Kampf
zwischen der freien Gewerkschaftsbewegung und dem sowjetischen
Weltgewerkschaftsbund" an Heftigkeit und Erbitterung zunehmen
muesse."
"Beide Organisationen sind in einen Kampf um den hoechsten
Bes itz der Welt verwickelt - um die Herzen und Seelen von Millionen von arbeitenden Menschen in vielen Laendern der Welt.
Moskau koennte dem Rest der Welt nicht den totalitaeren Kommunismus aufzwingen, ohne erst die noch bestehenden freien Gewerkschafts Organisationen an die Kette zu legen,"
"Damit waere der Untergang des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften besiegelt, der nun das Herz und den
Kopf der internationalen demokratischen Gewerkschaften bildet.
Die neue Internationale ist sich der schwerwiegenden Bedeutung
dieser Bedrohung voll und ganz bewusst. Das Ringen ist besonders
schwer, da es dem Weltgewerkschaftsbund erlaubt ist , gegen die
freien Gewerkschaften in den demokratischen Laendern zu operieren,
wahrend dem Internationalen Bund Freier GewerkscKaften die
Strasse zu allen Laendern hinter dem Eisernen Vorhang versperrt
ist."
Mr. Dubinsky fuegte hinzu, dass der Weltgewerkschaftsbund
in Italien, Frankreich und einigen Teilen Asiens und Afrikas
noch starke Positionen halte, die die Kommunisten "waehrend
der vier Jahre eroberten, in denen ihre Verbindung mit den
freien Gewerkschaften sie mit dem Mantel der Redlichkeit umgab."
Weekly News Service der AEL
28. M&amp;rz 1950
WARUM BLEIBT HISTADRUT IM KOMMUNISTISCHEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND?
Chikago — Der Finanzsekretaer der AFL, George Meany, erklaerte, dass die amerikanischen Freunde des israelitischen
Gewerkschaftsbundes "Histadrut" geradezu verbluefft seien, dass
diese Arbeiterorganisation immer noch Mitglied des kommunistisch
beherrschten Weltgewerkschaftsbundes aei, atatt dem neuen
antikommunistischen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
anzugehoeren.
Mr. Meany sprach anlaesslich eines Essens, das von der
Gewerkschaftsabteilung des israelitischen Histadrut in Chikago
gegeben wurde, ueber die seit langem bestehende]Freundschaft
und tatkraeftige Unterstuetzung seitens der AFL fuer Israel
und Histadrut.

- 8 -

�• Jedoch," so fuehrte er aus, "ist Hlstadrut von allen
nationalen Gewerkschaftszentren das einzige, welches seine
Mitgliedschaft In dem von den Kommunisten kontrollierten Weltgewerkschaftsbund aufrechterhaelt."
Mr. Meany sagtet
"Ich habe Verstaendnis fuer die Probleme des neuen Staates
Israel und des Gewerkschaftsbundes Hlstadrut, der eine so bedeutende Rolle in diesem Lande spielt« Ich weiss, dass die
Juedischen Gewerkschaftler Israels um das Los ihrer Brueder sehr
besorgt sind, die sich hinter dem Eisernen Vorhang befinden und
von den Russen als Geiseln zurueckgehalten werden. Wir geben
zu, dass die neue Republik, die noch keine zwei Jahre alt und
von feindlichen Nachbarn umringt ist, vor schweren Problemen
steht. Wir koennen und wollen all dies verstehen.
"Waehrend wir jedoch diesen Problemen die ihnen gebuehrende
Bedeutung zumessen, koennen wir nicht verstehen, dass sich Hlstadrut zu der Ausbreitung der Sklavenarbelt auch in anderen
Laendern als der modernen Heimat der Sklaverei, dem kommunistischen Russland, schweigend oder neutral verhaelt.
"Wir koennen nicht verstehen, wie Hlstadrut der Methode des
Kreml zur Vernichtung der Menschen schwelgend mitzusehen kann.
Auch koennen wir nicht verstehen, dass Hlstadrut neutral bleibt,
wenn das kommunistische Russland Juedischen Arbeltern die Einwanderung nach Israel verweigert, obwohl es deren Wunsch und
gutes Recht ist.
"Schliesslich fragen wir uns: Wie kann Hlstadrut moegllcherweise neutral sein, wenn die Juden In Sowjetrussland
zur Zelt aktiven und brutalen Verfolgungen ausgesetzt sind?"
"Hlstadrut ist eine demokratische, freie Gewerkschaftsbewegung," sagte Mr. Meany. "Sie hegt weder fuer den Kommunismus
noch fÜBr eine andere Form des Totalitarlsmus Sympathien* Auch
ist sie kein Werkzeug der kommunistischen Partei. Deshalb lat
•s seltsam, unvereinbar und - seien wir ehrlich - befremdend,
wenn wir sehen, wie Hlstadrut versucht, in dem Ringen zwischen
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften und dem Satelliten des Kreml, dem Weltgewerkschaftsbund, eine neutrale Stellung
einzunehmen.
"Ich habe ausfuehrlich und offen ueber diese Frage gesprochen.
Wir bewundern Hlstadrut und versagen ihm nicht unsere Anerkennung
fuer seine heroischen Leistungen im Laufe der vergangenen 30 Jahre.
Wir moechten ihm auch in Zukunft unsere Achtung und Freundschaft
bewahren.
"Als Freund Israels und seines Gewerkschaftsbundes Hlstadrut
bin ich gewiss, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung in
ihren Hoffnungen nicht getaeuscht werden wird, die demokratische
Gewerkschaftsbewegung Israels bald an ihrem Platze in der freien
Gewerkschaftsbewegung der Welt zu sehen - dem Vorkaempfer einer
friedlichen, freiheitsliebenden Menschheit.
"Hlstadrut gehoert zu dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften, und seine Mitarbeit in dieser Organisation ist
unerlaesslich."
Weekly News Service der AFL
28. Maerz 1950
- 3 -

�WALT gl REUTHER
Walter Reuther stammt aus einer Familie von Gewerkschaftlern, und die Berufung zu organisieren liegt Ihm Im Blut.
Aber er musste kaempfen, — mit Worten, Ideen und Faeusten —
um sich seinen Weg an die Spitze einer der groessten Gewerkschaften der Welt zu bahnen -- der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas, Zweimal musste er wegen gewerkschaftlicher
Betaetigung seinen Arbeitsplatz verlassen; mehrere Male wurde
er schwer misshandelt und einmal waere er beinahe einem
Mordanschlag zum Opfer gefallen. Selbst seine Ausbildung
musste sich Reut her er kaempfen« Mit 15 Jahren war er gezwungen
zu arbeiten; trotzdem beendete er die hoehere Schule und besuchte drei Jahre lang die Unlversitaet, waehrend er in einer
Automobilfabrik in Detroit arbeitete. Spaeter sollte er mit
Tatsatehen und Zahlen kaempfen, um seine Gewerkschaft vor dem
Untergang zu bewahren.
Aber immer wieder hatte er das Beduerfnis zu organisieren.
Als Reuther noch dabei war, die Tausende der schlecht
bezahlten Automobilarbeiter In Detroit zu organisieren, wurde
er einmal von den Unternehmern gebeten, einen Streik zu beenden,
durch den die Montageabteilung lahmgelegt war. Reut her begab
sich in diese Fabrik, versammelte die Arbeiter um sich und
begann, ihnen eine Gewerkschaftsrede zu halten. "Hoeren Sie",
unterbrach ihn der Sprecher der Betriebsleitung, "Sie sind
hierher gerufen worden, um den Streik zu beenden und nicht
eine Gewerkschaft zu organisieren."
Gelassen ueberging Reuther diese Unterbrechung.
"Ich versuche, sie wieder an die Arbeit zu bringen,"
sagte er. "Aber zuerst muss ich sie organisieren."
Reuther wurde am 1. September 1907 in Wheeling, (West
Virginia), dem Herzen der amerikanischen Stahl- und Kohlenindustrie«, geboren. Sein Vater war bereits Gewerkschaftler. Mit
33 Jahren wurde Valentine Reuther Praesident des Berufs- und
Arbeiterverbandes von Ohio. Sein Bruder, Victor Reuther,
ist Leiter der Abteilung fuer Ausbildung in der Gewerkschaft
der Verinigten Automobilarbeiter von Amerika. Reuther selbst
arbeitet In derselben Richtung weiter. Im Jahre 1936 heiratete
er ein Maedchen namens May Wolf, die ebenfalls Gewerkschaftlerin
ist und mit ihm schon in den fruehesten Tagen seiner Gewerkschaftslaufbahn zusammengearbeitet hatte.
Mit 15 Jahren verliess Reuther die hoehere Schule und
lernte Werkzeug- und Schnittmacher in seiner Geburtsstadt.
Fast zur gleichen Zeit begann er, die Arbeiter im Protest gegen
die Sonn- und Feiertagsarbeit zu organisieren. Dieses erste
Experiment gewerkschaftlicher Taetlgkeit beendete seine Laufbahn in Wheeling. Er wurde entlassen. Daraufhin ging der
entschlossene junge Gewerkschaftler nach Detroit, dem Zentrum
der Automobilindustrie Amerikas. Dort arbeitete er erfolgreich
sechs Jahre lang bei "General Motors", in verschiedenen Werkzeugfabrlken und schliesslich bei Ford. Abends ging er zur
Schule.
Aber selbst waehrend seiner Schulzeit vennachlaesslgte
Reuther nicht seine erste Liebe - die Gewerkschaft. Er schuf
den "Club fuer Soziale Probleme"; dann schulte er seine Mitglieder im Gewerkschaftswesen an Hand von praktischen Beispielan
Bei Streiks zum Beispiel setzte er sie als Streikposten ein.
- 4 -

�Inzwischen war Reuther ein erfahrener Techniker geworden
und wurde In der Werkzeugmacherel der Ford Werke als Vorarbeiter eingesetzt. Aber noch einmal wurde seine Laufbahn als
Arbeiter auf Grund seiner gewerkschaftlichen laetlgkelt unterbrochen. 1938 wurde er wegen Versuchs, die Arbeiter zu organisieren, erneut entlassen.
Daraufhin entschloss sich Reuther, sich mehr praktische
Erfahrung in der Gewerkschaftsarbelt anzueignen. Mit seinem
Bruder Victor unternahm er eine Reise per Rad durch Europa
und Asien. Die beiden Brueder arbeiteten In allen moeglichen
Unternehmen, beobachteten die Arbeltswelse In Auto- und Maschinenfabriken und befassten sich eingehend mit den Gewerkschaftsbewegungen In England, Deutschland, Russland, Zentralasien, China
und Japan — ihre Reise Ist In gewisser Beziehung mit den heutigen
Studienreisen der BCA zu vergleichen.
Drei Jahre spaeter kehrte er nach Detroit zurueck, um seine
Kenntnisse In die Tat umzusetzen. Zusammen mit anderen Arbeltern, die versuchten, die Automobilarbeiter zu organisieren,
gruendete er Im Westen von Detroit eine Lokalgewerkschaft und
machte sich an die Arbelt. Innerhalb eines Jahres hatte er
30.000 Arbeiter In seiner damals beruehmten Lokalgewerkschaft 174
organisiert.
Ausserdem spielte Reuther eine aktive Rolle bei der
Organisierung der Arbeiter der Radfabrik Kelsey-Hayes. Als
sich die Betriebsleitung dieses Unternehmens weigerte, den
Forderungen der Gewerkschaften stattzugeben, setzten sich die
Arbeiter an Ihren Arbeltsplaetzen nieder und weigerten sich zu
arbeiten oder sich von der Stelle zu ruehren. Zehn Tage lang
streikten sie und wurden von Ihren Frauen und Gewerkschaftskollegen verpflegt» Die Unternehmer waren machtlos» Schliesslich kapitulierten sie und erklaerten sich damit einverstanden,
die Gewerkschaft anzuerkennen und Maennern und Frauen einen
Anfangstarif von 75 i pro Stunde zu zahlen. Dies waren zu
jener Zelt die besten Loehne, die In der Industrie gezahlt wurden.
1936 wurde Reuther In den Internationalen Exekutivausschuss
der jungen Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas
gewaehlt. Im folgenden Jahre stand er Im Mittelpunkt der Handlung,
als es galt, die Arbeiter von Ford zu organisieren. Ford war
die letzte Hochburg der nlchtorganlslerten Automobilfabriken.
(Zu jener Zelt hatte die Gewerkschaft bereits Vertraege mit den
beiden anderen zwei der drei grossen Automobilunternehmen abgeschlossen - den "General Motors* und "Chrysler" und ausserdem
mit den meisten der kleineren Automobilfabriken.) Indem er half,
auch Ford zu organisieren, machte Reuther Geschichte fuer die
Gewerkschaften. Er veranstaltete die erste Gewerls chaftsSendung,
die je von einem Flugzeug aus gegeben werden sollte. Er ueberflog die Fabrik "Ford River Rouge" In Dearborn, In der Naehe
von Detroit. Ausserdem hatte er die Aufgabe, eine Flugschrift
seiner Gewerkschaft In diesem Werk zu verteilen. Dabei wurden
er und mehrere andere Gewerkschaftler von der Werkspolizei misshandelt.
Ein Jahr spaeter wurde er nochmals von Maennern verpruegelt,
die waehrend einer Geburtstagsfeier In sein Haus eingedrungen
waren.

�Reuther wollte Jedoch den Frieden und keine Gewalttaetigkelten. 1939 wurde er zum Leiter der Gewerkschaft Innerhalb
der General Motors ernannt. In dieser Stellung arbeitete er
mit seinem Personal an der Loesung der Arbeltsprobleme von etwa
300,000 Arbeltern In 100 verschiedenen Werken dieses Unternehmens.
Waehrend dieser Zelt herrschten in den Werken der "General Motors"
die besten und friedlichsten Beziehungen zwischen Arbeitnehmern
und Arbeitgebern in der Industrie. Reuther gelang es, die
"General Motors" zu veranlassen, einen unparteiischen Schiedsrichter zur Beilegung nichtwirtschaftlicher Streitigkeiten einzusetzen, die zwischen den Arbeitern und ihren Unternehmern
aufkommen koennen. Dieses Schiedsrichtersystem wurde spaeter
in viele andere Gewerkschaftsvertraega uebernommen und half mit,
Frieden in die von Streitigkeiten erschuetterte Industrie zu
bringen.
Obwohl jedoch Reuther den Frieden suchte, konnte er ihn
niemals finden. Zwei politische Kaempfe standen ihm noch bevor,
die er fast nicht bestanden haette. Es war ein erbitterter
Kampf Innerhalb der Gewerkschaft, ein lange andauernder Streik
nach dem Kriege. Ausserdem haette Reuther beinahe seinen Arm
verloren, als man einen Mordanschlag auf ihn veruebte.
Auch gegen Ende des Krieges sah Reuther die Dinge mit den
richtigen Augen und stellte seine Umsicht unter Beweis. Lange
vor dem Waffenstillstand hatte er die wirtschaftlichen Probleme
studiert, die sich fuer Amerika nach dem Kriege vermutlich
ergeben wuerden. Er schlug die Bildung eines Ausschusses fuer
FriedensproduktIon vor, der die amerikanische Wirtschaft waehrend
dieser schweren Zeit leiten sollte, und forderte die Umstellung
der staatseigenen Ruestungsbetriebe auf die Massenproduktion
von Wohnungsbau- und rollendem Eisenbahnmaterial. Dieser Plan
wurde jedoch nicht ausgefuehrt. Viele Gewerkschaftsfuehrer
sind der Ansicht, dass mit diesem vorgeschlagenen Programm ein
grosser Teil der Wohnungsprobleme haette geloest werden koennen,
denen sich Amerika nach dem Kriege gegenuebersah.
Gegen Ende des Jahres 1945 hatten die Automobilarbeiter
einen weiteren Kampf zu bestehen. Die Kaufkraft der Arbeiter
in den Industrien der Massenproduktion sank erheblich, well
die waehrend des Krieges gezahlten Praemien wegfielen und die
Tarife im allgemeinen als Folge des Einsteilens der Kriegsproduktion zurueckgingen. Walter Reuther und die Arbeiter von
"General Motors" nahmen diese grosse Aufgabe in Angriff, die
sich ihnen als erste nach dem Kriege bot. Reuther arbeitete mit
seinen Kollegen der Automobilarbeiter Gewerkschaft eine gründliche wirtschaftliche Analyse aus, die zeigte, dass die "General
Motors" In der Lage waren, hoehere Loehne aus ihren hohen Gewinnen
zu zahlen, ohne die Preise steigern zu muessen. Sie erboten sich,
ihre Forderungen herabzuschrauben, wenn die Gesellschaft ihre
Buecher zur Einsichtnahme zur Verfuegung stellen und den Beweis
liefern wuerde, dass sie nicht In der Lage ist, die Forderungen
der Gewerkschaft zu erfiueilen.
Die Gesellschaft lehnte diesen Vorschlag ab, und es kam
zu einem 113-taegigen Streik, der den Mittelpunkt eines nationalen,
politischen Problems und eines inneren Gewerkschaftskämpfes zwischen den Anhaengern Reuthers und der sogenannten linken Fraktion
der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas bildete , die in
Wirklichkeit eine Kombination von konservativen Funktionaeren
und Kommunisten war; die Letzteren waren dabei tonangebend. Obwohl ein vom Praesidenten eingesetzter Untersuchungsausschuss

�festgestellt hatte, dass die "General Motors" den Stundenlohn
um 19$£ erhoehen koennten, ohne die Automobilpreise steigern
zu muessen, weigerte sich die Gesellschaft, auf diese Bedingungen
einzugehen. Schliesslich gewaehrten sie doch eine Stundenlohnerhoehung von 18£#, weigerten sich jedoch, die Preise auf dem
gleichen Niveau zu halten.
Die Beilegung des Streiks in den Werken der "General Motors"
fuehrte zu aehnllchen Lohnerhoehungen in. anderen Zweigen der
Schwerindustrie, wodurch viele amerikanische Arbeiter in der
Lage waren, ihren Lebensstandard trotz der vermehrten Lebenshaltungskosten beizubehalten. Der Linksfraktion der Vereinigten
Automobilarbeiter Amerikas gelang es nicht, den Streik zuungusten
Reuthers zu wenden, der im Fruehjahr 1946 zum Praesidenten der
Gewerkschaft gewaehlt wurde. Die Laufbahn der Kommunisten in
den Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas fand auf der Konvention
von 1947 ihr Ende, auf der Reuther und seine Anhaenger die Kontrolle ueber die Gewerkschaft endgueltig in die Hand bekamen.
Reuther selbst bezeichnet sich als einen "Mittelwegler",
einen Mann, der weder an die Extremen der Rechten noch Linken
glaubt. Ein Mittelwegler hat jedoch immer Feinde.
In der Nacht des 20. April 1946 wurde Reuther, als er von
einer Gewerkschaftssitzung heimkehrte, durch Schuesse aus einem
im Hinterteil seines Hauses gelegenen Fenster verletzt. Sein
Arm wurde fast abgerissen und an der Brust wurde er verwundet.
Reuther ist der Ansicht, dass der Angreifer wahrscheinlich ein
Extremist der Rechten oder Linken ist. Noch ist er nicht voellig
genesen, doch die Taeter konnten niemals gefasst werden.
Aber Reuther steht noch immer im Kampf. Er hat seine Zeit
und seine Energie in den Dienst des neuen Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften gestellt. £r arbeitet fuer den Tag, an
dem das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften
in Amerika Wirklichkeit werden wird; an dem die Loehne hoeher
und die Preise und Gewinne niedriger und Arbeiter und Bauern
Amerikas und der ganzen Welt sich die Haende reichen und zusammenarbeiten werden.
ECA Labor Information
9. Maerz 1950
FERNUNTERRICHT DURCH DIE GEWERKSCHAFTEN
Uns wird geschrieben:
Eine der vordringlichsten und wichtigsten Aufgaben der
modernen Gewerkschaftsbewegung ist die gruendliche Schulung ihrer
Mitglieder und Funktionaere. Es ist schwer zu entscheiden, welche
Gebiete im Vordergrund dieser Schulungsarbeit stehen sollen: die
berufliche Weiterbildung des Arbeiters und Angestellten in seiner
Funktion als Produzent oder seine mitbuergerliche, soziale und
wirtschaftliche Schulung als Staatsbuerger.
Von den Verhaeltnlssen in Deutschland aus gesehen sind beide
Gebiete gleich wichtig. Wir brauchen den guten lualitaetsarbeiter,
um hochwertige Produkte sowohl fuer den Inlandsverbrauch wie fuer
den Export herstellen zu koennen und wir brauchen den gut orientierten, zuverlaessigen Mitbuerger, um unser Staatswesen auf
echter demokratischer Basis aufzubauen.

�Es ist selbstverstaendlich, dass die Gewerkschaften an der
Loesung beider Probleme interessiert sind. Eine qualitativ
gute Produktion ist eine der Voraussetzungen zur Hebung des
Lebensstandards.;-die demokratische Entwicklung des Staates
ist die Voraussetzung fuer den Bestand der Gewerkschaften*
Echte freie Gewerkschaften koennen nur in der frischen und
sauberen Luft der Demokratie existieren und ihre Aufgaben
erfuellen.
Um diese so wichtige Schulungs- und Bildungsarbeit durchfahren zu koennen, haben sich die Gewerkschaften verschiedene
Institute geschaffen. Auch der Fernunterricht wurde in den
Dienst dieser Aufgabe gestellt. Es wurde ein besonderes Institut "Die Brief schule" errichtet, die ihre Bueros im Gewerkschaftshaus in Frankfurt a.M., Wilhelm Leuschnerstr. 69/77 hat.
Durch den Fernunterricht der Brief schule ist es jedem
Arbeiter und Angestellten moeglich, sich in seiner Freizeit
sowohl beruflich als auch auf dem Gebiete des Allgemeinwissens
weiterzubilden. Um das zu koennen, braucht er nun nicht unbedingt eine Schule zu besuchen, denn die "Schule" kommt in Form
von Studienheften der Briefschule zu ihm ins Haus.
Bei der Organisierung und Propagierung des Fernunterrichts
der Brief schule wird versucht, die Kursteilnehmer zu Arbeitsgemeinschaften zusammenzuschliessen. Sie werden Immer wieder
darauf aufmerksam gemacht, dass es sich am besten in der
Gemeinschaft lernt. Ausserdem sind die oertlichen und betrieblichen Organisationen der Gewerkschaften bemueht, solche Arbeitsgemeinschaften oder Studienzirkel,zu bilden. Es soll nicht verschwiegen werden, dass es noch lange nicht genug dieser Studienzirkel gibt und dass noch viel Organisationsarbeit notwendig
ist, um sie populaer zu machen.
"Die Briefschule" hat bisher 15 Kurse herausgebracht. An
der Erweiterung des Kursprogramms wird staendig gearbeitet und
zum Herbst wird eine Reihe neuer Kurse erscheinen.
Aus Raummangel muss darauf verzichtet werden, die einzelnen
Kurse zu besprechen. Wir muessen uns darauf beschraenken, sie
lediglich anzufuehren:

Gewerksohaftskunde (7 Studienhefte) gibt einen Ueberblick
ueber die geschichtliche Entwicklung der deutschen Gewerkschaftsbewegung und ihrer Aufgaben in der Vergangenheit und in der Gegenwart.
Einfuehrung in die Nationaloekonomie (3 Studienhefte) ist
ein kleiner Kurs, der die Aufgabe hat, den Fernschueler mit den
nationaloeknnomischen Grundbegriffen bekannt zu machen und ihn
wirtschaftlich denken zu lehren.
Grundfragen der Psychologie (3 Studienhefte) beschaeftigt
sich in der Hauptsache mit den Moeglichkeiten und Grenzen psychologischer Forschung.
Die Frau im Erwerbsleben (3 Studienhefte) ist ein Kurs,
der einen Ueberblick gibt ueber die soziologische Stellung der
Frau in der modernen Gesellschaft. Er soll ein Beitrag sein
im Kampfe der Frau um ihre Gleichberechtigung.
Die Freie Rede (4 Studienhefte). Mit Hilfe dieses Kurses

- 8 -

�s o l l der ungeuebte und befangene Redner das Selbstvertrauen
gewinnen, das er braucht, um Im oeffentllchen Leben mit Erfolg
taetlg s e i n zu koennen.
Versarnmlungstechnik (3 Studienhefte). Nicht Jeder Vors i t z en^e~^änn~eTnTTeTs8jnmlung richtig und einwandfrei l e i t e n .
Deshalb werden mit Hilfe dieses Kurses die guten parlamentarischen
Regeln der Versarnmlungstechnik populaer gemacht.
Betriebswirtschaft (4 Studienhefte). Die Forderung nach
wirtschaftlicher Mitbestimmung der Arbeitnehmer macht es notwendig, dass ihre Vertreter einiges davon verstehen. Dieser Kurs
gibt jedem die Moeglichkeit, sich das Wissen anzueignen, das
er braucht, um die Interesses der Arbeitnehmer auch von einem
hoeheren Gesichtspunkt aus zu verstehen und wahrzunehmen.
Genossenschaftswesen (4 Studienhefte) macht den Leser mit
dem Wert und den Vorteilen genossenschaftlicher Organisationen
vertraut. Im Mittelpunkt der Eroerterungen steht die Konsumgenossenschaftsbewegung.
Zeichensetzung und Rechtschreibung (4 Studienheftö w i l l
dazu beitragen, die Maengel zu beseitigen, die das infolge des
Nazismus und des Krieges verschlechterte Schulwesen hinterlassen
hat.
Arbeitsyerwaltung und Arbeitspolitik (5 Studienhefte)
macht die Interessenten mit den Problemen des Arbeitsmarktes
und der Lenkung der Arbeitskraft bekannt. Der Kurs dient vor
a l l e n Dingen der Schulung des Personals, das in der oeffentl l c h e n Arbeitsverwaltung beschaeftigt i s t .
Englisch fuer Anfaenger (6 Studienhefte) i s t ein vorbildl i c h e r Sprachkurs, der auch a l l e n Jenen willkommen s e i n wird,
die schon etwas englisch sprechen, denen es aber an grammatikal i s c h e n Kenntnissen f e h l t .
Kurse, die ganz s p e z i e l l der beruflichen Weiterbildung
dienen s o l l e n sind: Technisches Rechnen I (4 Studienhefte)
und Technisches Rechnen II (3 Studienhefte).
Y

on der Skizze zur technischen Zeichnung I . und ILV Teil
(7 Studienhefte), sowie Kaufmaennlsches Rechnen (5 Studienhefte).
Zum Schlüsse s o l l erwaehnt werden, dass die Briefschule
Jederzeit bereit i s t , Auskuenfte ueber ihre Arbeit zu geben.
Prospekte koennen ebenfalls kostenlos angefordert werden.
Die Anschrift der Briefschule i s t : "DIE BRIEFSCHJLE",
Frankfurt a.M», Wilhelm LeuschnerStrasse 69/77.
Den folgenden interessanten Artikel entnehmen wir der
"New York Herald Tribüne'* vom 8. April 1950:
VERWALTUNG DER GEWERKSCHAFTSFONDS IST HAUPTPROBLEM IN DEN
VfiRtltilGTBW MAAtfiN
Gesamtkapital der GewerkschaftsOrganisationen wird auf

drei bis v i e r Billionen Dollar geschaetzt.
Von H. Eugene Dickhuth

(New York- 7. April) - Das Gewerkschaftswesen i s t zum

�Grossgeschaeft geworden. Das Gesamtkapital aller Gewerkschaften
in den Vereinigten Staaten wird zur Zeit auf drei bis vier Billionen Dollar geschaetzt, und die neuen Pensionsvertraege, ob sie
bereits abgeschlossen oder noch in Bearbeitung sind, werden
dieses Kapital voraussichtlich um 500 Millionen Dollar vermehren.
Die Verwaltung dieser riesigen Summen wird damit zu einem
Problem von hervorragender Bedeutung. Diese und aehnliche
Fragen bilden Gegenstand einer Erhebung, die gerade unter der
Leitung von Alexander S. Lipsett, amtierender Direktor des Bueros
fuer Oeffentliche-und Arbeitsbeziehungen (Public and Labor Relatlons Bureau), beendet wurde.
Die Ergebnisse dieser Erhebung sind von der Floyd L. Carlisle G.m.b.H. veroeffentlicht worden, "um die Gewerkschaftsführer sowohl als auch die breite Masse der Gewerkschaftler
ueber die voraussichtliche Hoehe der gewerkschaftseigenen Wohlfahrts- und Pensionsfonds zu informieren, fuer die Investierungsmoeglichkeiten gesucht werden sollen."
Verschiedene Maklerfirmen im ganzen Lande haben diese
Tendenz bereits erkannt, und man sah in den vergangenen Monaten
in Gewerkschaftszeitungen die ersten Reklamezeigen von Finanzfirmen.
Diese Entwicklungen sind gelegentlich noch durch Veroeffentlichungen in der Gewerkschaftspresse gefoerdert worden, in denen
zu dieser Frage Stellung genommen wurde. Auch haben einige Investitionsberater der Wall Street die Verwaltung des Kapitals
der Gewerkschaften bereits in die Hand genommen.
Die Ergebnisse der Erhebung Lipsett wurden unter der Ueberschrift "Teilhaberschaft der Gewerkschaften an der Industrie"
veroeffentlicht. Sie zeigen, dass der ueberwiegende Teil des
Gewerkschaftskapitals gegenwaertig in Regierungen und Gemeindeverwaltungen investiert und in bar vorhanden Ist, und dass ein
Drittel der gesamten Aktiva Eigentum von nationalen und internationalen Organisationen ist, waehrend zwei Drittel den Lokalgewerkschaften gehoeren.
In dieser Veroeffentlichung wird geschaetzt, dass in allernaechster Zukunft Pensionskassen fuer etwa eine Million Stahlarbeiter, eine Million Automobilarbeiter und 500-ooo Bergleute
bestehen werden, und dass sich das Gesamtkapital, welches in
diese Kassen fHessen wird, auf rund eine halbe Billion Dollar
belaufen wird.
Die Lipsett Erhebung enthaelt eine Aufstellung der Kapitalien
von 42 nationalen Gewerkschaften. Diese Angaben geben auf keinen
Fall ein Gesamtbild der amerikanischen Gewerkschaftsfinanzen,
sie bitten jedoch in gewisser Hinsicht einen Masstab.
In diesem Xapital sind die Geldreserven der Gewerkschaft
fuer Unterstuetzungen bei Todesfaellen oder Arbeitsunfaehigkeit,
der Grundstue&amp;ks- und sonstige Besitz wie Banken, Alters- und
Erholungshelme, Rundfunksender, kuenstlerische Unternehmen etc.
enthalten.

-10-

�Die n a t i o n a l e Organisation der Gewerkschaft des Zugpersonals mit 1.100 Lokalgewerkschaften s t e h t mit einem Kapital, von
55.500.000 Dollar i n dieser Aufstellung an der S p i t z e ; es f o l g t
die Gewerkschaft der Heizer und Lokomotivfuehrer mit einem Vermoegen von 35.300.000 Dollar. Der I n t e r n a t i o n a l e Verband der
Kraftfahrer b e s i t z t 81 Millionen Dollar, die Vereinigten Berga r b e i t e r 20 Millionen. Die I n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaft der
Drucker f o l g t mit 16.600.000 Dollar. An l e t z t e r S t e l l e stehen
die Gewerkschaften der Hausangestellten und B r a u e r e i a r b e i t e r ,
die über ein Kapital von j e 1 Million verfuegen.
Die Einnahmen der Gewerkschaften scheinen eine fragwuerdige
Angelegenheit zu s e i n . In diesem Zusammenhang h e l s s t es in der
Erhebung: "Im Jahre 1943 meldeten etwa 29.000 GewerkschaftsOrganisationen den Flnanzbehoerden ein Bruttoeinkommen von rund 400 M i l l i onen Dollar. S e i t dieser Zeit wurde Jedoch kein umfassender
Bericht von der Regierung herausgegeben."
Eine Aufstellung ueber d i e I n v e s t i t i o n e n der Gewerkschaften
weist auf, dass von den 55.500.000 Dollar der Gewerkschaft des
Zugpersonals etwa 42 Millionen in s t a a t l i c h e n und staedtischen
Schuldverschreibungen, und nur 9.800.000 Dollar anderweitig angel e g t s i n d . Die Drucker mit einem Gesamtvermoegen von 16.600.000
Dollar haben s t a a t l i c h e und s t a e d t i s c h e Schuldverschreibungen im
Werte von a l l e i n 13.300.000 Dollar aufgekauft.
Angesichts dieser sicheren und n i e d r i g v e r z i n s t e n K a p i t a l anlagen, deren 3ich die meisten Gewerkschaften bedienen, schlaegt
man eine r e a l i s t i s c h e r e I n v e s t i t i o n s p o l i t i k durch Investierung
b e t r a e c h t l i c h e r Geldbetraege i n privaten Unternehmen vor.
M

DamitH , e r k l a e r t e Mr. L i p s e t t , "wuerden die Gewerkschaften
mehr Zinsen beziehen, waeren gegen ein Absinken der Kaufkraft des
Dollars g e f e i t , und in der I n d u s t r i e wuerden durch diesen K a p i t a l zustrom mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen."
All dies kann in der Tat zu einer Teilhaberschaft der
Gewerkschaften an der I n d u s t r i e fuehren. Es koennte eine a k t i v e
und eine passive Teilhaberschaft s e i n , was im Grunde jedoch genau
das Gleiche waere.
New York Herald Tribüne
8. April 1950
EIN KOMMUNIST SCHWENKT UM
Die Vorwuerfe, die der ehemalige Eunktionaer e i n e r kommun i s t i s c h beherrschten, franzoesisehen Gewerkschaft, Andre Miffre,
gegen die Fuehrer d i e s e r Gewerkschaft erhob, l i e f e r n einen weit e r e n Beweis dafuer, dass es in den demokratischen Laendern
einige Kommunisten g i b t , die i h r e Einstellung zum Marshall Plan
und seinen Auswirkungen auf die Wirtschaft Europas aendern.
Miffre war aus der kommunistischen P a r t e i a u s g e t r e t e n und
h a t t e s e i n Amt a l s Generalsekretaer des Gewerkschaftsverbandes
der Chemischen I n d u s t r i e n (CGT) n i e d e r g e l e g t , weil er davon
ueberzeugt war, dass die Fuehrer d i e s e r Gewerkschaft nicht die
Interessen Frankreichs Im Auge h a t t e n . Er e r k l a e r t e , dass er zu
einer gewissen Z e i t e r n s t l i c h an der Marshall Plan Hilfe gezweifelt habe.

- 11 -

�"Die Erfahrung hat uns jedoch gelehrt," sagte er, "dass
ohne die Hilfe Amerikas unsere Industrie niemals in der Lage
gewesen waere, unseren Mindestbedarf zu decken. Unsere Rohoelund Petroleumimporte
werden in Dollars bezahlt, die uns zu 85#
von Amerika zur verfuegung gestellt werden. Durdh die Hetze
gegen den Marshall Plan kann die Arbeitslosigkeit in unseren
Raffinierien, dem Vefteilungssystem und im Transportwesen
nicht beseitigt"werden."
Miffre wandte sich in aller Schaerfe gegen die Jetzigen
Fuehrer der kommunistisch gefuehrten Gewerkschaft der Chemiearbeiter. Um seiner franzoesichen Heimat treu sein zu koennen,
erklaerte er, habe er sich gezwungen gesehen, seine fruehere
Meinung zu aendern und sein Amt als Gewerkschaftssekretaer
aufzugeben.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950

- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG,
APO 75V

OFFICIAL

dit-uli tt-rlib U

I IU| U IT c

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 8

Frankfurt, 28. April 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Der Weltarbeitsmarkt - Mangel und Ueberschuss
an Arbeitskraeften - - - - - - - - - - - - - -

z

Internationaler Bund Freier Gewerkschaften in
die Vereinten Nationen berufen —
AFL fuer hoehere Kaufkraft

—

—

- - - - - -

3

- - - - -

3

Marshall Hilfe fuer Rotterdam

4

Neuer Gewerkschaftsvertreter im Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsrat

—

6

Der Krisenausschuss des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften

- - -

— --

—

- - -

AFL g e i s e l t rote Sabotage an der Waffenhilfe Faliero Pinguentini —

—

-- —

Der Marshall Plan, ein "Programm des Volkes" -

7
8
10
11

Hoffman beglueckwuenscht die freien Gewerkschaften
— 12

�. DER WELTARBEITSMARKT - LIANGEL UND UEBERSCHUSS AN ARBEITSKRAEFTEN
Eine Erhebung ueber Mangel und Ueberschuss an Arbeitskraeften
auf der ganzen Welt wurde kuerzlich von der Internationalen Arbeitsorganisation zu Ende gefuehrt.
Umfragen wurden bei 31 Regierungen durchgefuehrt und der Erhebung zugrundegelegt. Diese zeigt, dass fuenf europaeische
Laender - Frankreich, Luxemburg, Schweden, Schweiz und England im Laufe des Jahres 1950 8.900 Arbeiter besonderer Berufsgruppen
in ihre Wirtschaft eingliedern koennten. Man schaetzt ausserdem,
dass allein Australien, wo nach eigenen Angaben immer noch Mangel
an Arbeitskraeften herrscht, waehrend der sechs Monate bis zum
Dezember 1949 72.000 Einwanderer aufgenommen hat. Die Vereinigten
Staaten meldeten keinen Mangel an Arbeitskraeften, ihren Schaetzungen zufolge kamen jedoch im Laufe des Jahres 1949 153.000 Personen als regelrechte Einwanderer im Rahmen des nationalen Einwanderung sprogramms ins Land. In Norwegen herrscht Mangel an
Facharbeitern, der Wohnraummangel macht jedoch augenblicklich
ein Einwanderungsprogramm groesseren Umfangs unmoeglich.
Kanada, Chile, Israel und Neuseeland berichteten ebenfalls,
dass sie Arbeiter aufnaehmen, konnten jedoch keine genauen Angaben ueber ihren Bedarf oder ihre Moeglichkeiten machen. In
Kanada habe der Arbeitsmarkt im Jahre 1949 bewiesen, dass die
Zeit ernsthaften Mangels an Arbeitskraeften vorbei sei. Es wurde
jedoch darauf hingewiesen, dass sie Quoten fuer Heimatvertriebene
in zwei Berufssparten noch nicht erfuellt seien - fuer gelernte
Handwerker des Baugewerbes stuenden 800 Arbeitsplaetze und fuer
Hausgehilfen 2.300 freie Arbeitsplaetze zur Verfuegung. Israel
berichtete, dass es seine Politik der freien Einwanderung fuer
Juden fortsetzen und soviel Menschen wie moeglich in das wirt- ,
schaftliche Leben seines Landes eingliedern werde. Auch in
Neuseeland wird der Zustrom von Einwanderern anhalten, die sich
hauptsaechlich aus Englaendern und Heimatvertriebenen zusammensetzen.
Laender mit ueberzaehligen Arbeitskraeften, wie Oesterreich,
Holland und die Schweiz, berichteten, dass 61.500 Arbeiter auswandern koennten. Ausserdem befinden sich 234,110 Heimatvertriebene unter der Obhut der Internationalen Fluechtlingsorganisation in Oesterreich, Italien und Deutschland. Diese Zahl enthaelt nicht die auf 10.000 geschaetzten deutschsprechenden Fluechtlinge in Oesterreich und nicht die ueberzaehligen Arbeiter unter
der einheimischen, italienischen Bevoelkerung.
In Italien, Hawai, Burma, den Philippinen und Finnland ist
das Problem der Arbeitslosigkeit besonders schwierig. Zu den
Laendern, die weder einen Ueberschuss an Arbeitskraeften, noch
einen Bedarf an Arbeitern aus fremden Laendern meldeten, gehoereü
Indochina, Iran, Belgien, Tschechoslowakei, Daenemark, Finnland
und Polen.
Die Aufgliederung der Laender, die zusaetzlich Arbeitskraefte
verwenden koennten, ist wie folgt:
Frankreich hat Bedarf an 3.600 Bergleuten fuer Kohlenbergwerke. Nach Luxemburgs Angaben koennen dort 2.600 staendige Landarbeiter und 1.000 Hausbedienstete eingestellt werden. Schweden
koennte 50 gelernte Metallarbeiter, 60 Textilspinner, 50 Krankenpflegerinnen und 100 Hausgehilfen absorbieren.

- 2

�Die Schweiz beabsichtigt, im Jahre 1950 11.500 Arbeiter
fuer dauernd zu engagieren. Gleichzeitig sind dort 7.300 Arbeiter fuer die Auswanderung verfuegbar. Englands Bericht
zeigt, dass dort im Laufe des Jahres 1950 2.500 weibliche Arbeiter
aufgenommen werden koennen und zwar: fuer die Textilindustrien
1.700, in Strumpffabriken 200, in der Toepfereiindustrie 100 und
500 Krankenpflegerinnen und Krankenhausbedienstete. England
schaetzt ausserdem, dass im Jahre 1949 45.000 Personen mit Unterstuetzung der Regierung nach Australien ausgewandert sind.
ECA Labor Information
23. März 1950
INTERNATIONALER BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN IN DIE VEREINTEN
NATIONEN BERUFEN
Der Wirtschafts - und Sozialausschuss der Vereinten Nationen
beschloss in dieser Woche einstimmig, den neugegruendeten Internationalen Bund Freier Gewerkschaften als beratendes Mitglied
aufzunehmen. Der Interationale.Bund Freier Gewerkschaften ist
nicht Vertreter irgendeiner Regierung und gehoert damit zu den
Organisationen der "Kategorie A". Er kann in dieser, seiner
neuen Eigenschaft Vorschlaege fuer die Tagesordnung des Ausschusses
einreichen, die mit vielen der Probleme in Zusammenhang stehen,
welche fuer die Gewerkschaften von Interesse sind. Sowohl die
AFL als auch der CIO sind Mitglieder des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften. Die Praesidenten dieser Gewerkschaftsverbaende, William Green (AFL) und Philip Murray (CIO), gehoeren
zu dem 7 Mitglieder umfassenden Exekutivausschuss der neuen
Gewerkschaftsinternationale. Bevor die Resolution ueber die
Aufnahme des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften als
Organisation der"Kategorie A" angenommen worden war, hatte man
vereinbart, dass die AFL eine aehnliche Stellung, die sie in
diesem Ausschuss der Vereinten Nationen innehatte, aufgeben
sollte.
Als Chiles Mitglied im Ausschuss dem Weltgewerkschaftsbund
"wahrhaft demokratischer" Gewerkschaftsbewegung seine Anerkennung
aussprach, hiessen die meisten Mitglieder des Wirtschafts- und
Sozialausschusses der Vereinten Nationen den Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften herzlich willkommen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
AFL FUER HOEHERE KAUFKRAFT
In diesem "Probejahr der freien Wirtschaft" sieht der
Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL in der Erhoehung der Loehne
eine wesentliche Notwendigkeit, um die wirtschaftlichen Probleme
loesen zu koennen, denen die Gewerkschaften im Jahre 1950 gegenüberstehen.
"Tatsaechliche" Lohnverbesserungen koennen nur erreicht
werden, wenn die Preise stabil bleiben, sagte die AFL, und
weist auf die Tatsache hin, dass sich die nationale Wirtschaft
nun in einer "Periode stabiler Lebenshaltungskosten" befindet.
Fuer Unternehmen, deren Einkommen nicht ausreicht, um "wesentliche Lohnerhoehungen" gewaehren zu koennen, schlaegt die AFL .
gemeinsame Programme der Arbeitnehmerund Arbeitgeber zur Reduzierung der Gestehungskosten wor.

�Aus AFL Kreisen verlautet ferner, dass durch den gegenwaertlgen Werbefeldzug, der der AFL eine weitere Million von
Mitgliedern einbringen soll, die allgemeine Lohnverbesserung
gefoerdert werden koenne. Der Beweis hlerfuer sei durch das
praktische Nbusiness unionism" (geschaeftliches Gewerkschaftswesen) in der Vergangenheit gegeben. Unter Hinwels auf das
statistische Material, das von 1945 bis 1949 durch Erhebungen
des Statistischen Bueros des US Arbeitsministeriums zusammengetragen wurde, stellt die AFL fest, dass die Durchschnittslohntarife der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ueber
denen der nichtorganisierten Arbeitnehmer lagen. So wurde
zum Beispiel fuer jeden Dollar, den ein nichtorganisierter
Arbeiter der Zieglstein- und ZiegelIndustrie verdiente, 1, 20
Dollar durchschnittlich an die gewerkschaftlich organisierten
Arbeiter dieses Industriezweiges gezahlt, waehrend die entsprechenden Tarife der organisierten Arbeiter der Getreidemuehlen 1,26 Dollar, der organisierten Baeckereiarbeiter 1,23
Dollar und der organisierten Arbeiter der Fleischkonservdnfabriken 1,29 Dollar betrugen.
In der wachsenden Arbeitslosenziffer sieht der AFL einen
Grund zur Beunruhigung; sie koenne ungehemmt ansteigen, da
sich "die industrielle Aktivltaet nicht schnell genug ausbreiten wuerde." Zwei Millionen Arbeitsplaetze mehr als im Jahre
1949 wuerden benoetigt, um die Vollbeschaeftigung verwirklichen
zu koennen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
MARSHALL HILFE FUER ROTTERDAM
Der Lebensstandard der hollaendisehen Arbeiter ist 10 bis 15g
hoeher, als er ohne die Marshall Plan Unterstuetzung gewesen
waere, sagt einer der fuehrenden Gewerkschaftler Hollands.
Hendrik Westeriaken, der Vorsitzende der Sozialistischen
Gewerkschaft der Transportarbeiter ( N W ) , erklaert ausserdem,
dass der groesste Teil der zur Zeit in Gang befindlichen Wiederaufbauarbeiten am ausgebombten Rotterdam ohne die Marshall Plan
Gelder undurchfuehrbar gewesen sei.
Rotterdam war die erste Satd des Westens, die die Wucht
des Blitzkrieges zu spueren bekam, und es war eine der letzten
Staedte, die in nazistischen Todeskampf noch schwer zu leiden
hatte. Dazwischen lag es im Bombenhagel der Alliierten. Im Mai
1940 wurde Rotterdam, ohne vorher gewarnt zu werden, von den
Nazis bombardiert. Rund 25.000 Haeuser, 2,350 Laeden, 2.000
kleinere Fabriken und Lagerhaeuser und 1.450 Buerogebaeude
fielen in Schutt und Asche. Nahezu 80.000 Menschen waren obdachlos. Waehrend der Besatzung wurde die Stadt von den Bomben der
Alliierten schwer und oft getroffen. Dann sprengten die fliehenden deutschen Besatzungstruppen im September 1944 die Hafenanlagen in die Luft - Kaianlagen in einer Laenge von 6,5 km
mit Kraenen, Trockendocks und allem Zubehoer.
Um all dies wiederaufzubauen, werden Millionen von Dollars
benoetigt. Ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten laege der
groesste Teil der Arbeiten still und viele Arbeiter haetten
keine Beschaeftigung.

- 4 -

�Westeriaken hob.ganz besonders Folgendes hervor: "Wenn
wir den Marshall Plan nicht haetten, waere unser Lebensstandard
um 10 bis 15g niedriger als gegenwaertig." Zwoelfhundert Arbeiter sind allein beim Wiederaufbau der Kais beschaeftlgt. Dreizehntausend Bauarbeiter beseitigten die Truemmer, die die Deutschen
hinterlassen hatten, und bauen nun das neue Rotterdam auf. Die
Stadt wuenscht, Ihren Wiederaufbau so schnell wie moeglich zu
vollenden. Den Bauarbeiten werden deshalb besonders gute Loehne
geboten, und sie werden bei der Wohnraumzuteilung bevorzugt behandelt. Aus der Marshall Hilfe sind mindestens 40 Millionen
Gulden (10.500.000 Dollar) in Form von Gegenwertfonds fuer den
Wiederaufbau des Hafens und der Bahnhoefe von Rotterdam bereitgestellt worden.
Arbeiter, die an Marshall Plan Projekten beschaeftlgt sind,
wie zum Beispiel an den Kaianlagen,des Rotterdamer Hafens, verdienen 45 und 50 Gulden woechentlich. Der Wochenlohn eines
Hafenarbeiters betraegt durchschnittlich 60 Gulden. Beide beklagen sich darueber, dass die Preise weit schneller als die
Loehne angestiegen seien. Einer Forderung nach einer allgemeinen
Lohnerhoehung um 5g wurde kuerzllch stattgegeben, jedoch sind nicht
alle Industriezweige verpflichtet, diese Erhoehung zu gewaehren.
Es gibt vier grosse Gewerkschaften in Holland; der Gewerkschaftsbund ( N W ) mit 400.000 Mitgliedern, die Christliche
(oder Protestantische) CNV Gewerkschaft mit 155.000 Mitgliedern,
die Katholische Union (290.000 Mitglieder) und eine kommunistische
Gewerkschaft (EVC), deren Mitgliederzahl sich angeblich auf
160.000 belaeuft. Die ersteren drei Gewerkschaften haben sich
zum Zwecke gemeinsamen Kollektiwerhandelns im Gewerkschaftsrat
zusammengeschlossen. Dieser Rat bearbeitet Streitfragen zusammen
mit Vertretern der Unternehmer, die ebenfalls eine "Gewerkschaft"
haben. Wenn keine Einigung erzielt werden kann, wird ein Ausschluss der Regierung als Schiedsrichter hinzugezogen. Alle Gewerkschaften ausserder kommunistischen haben sich offiziell mit
den Zielen des Marshall Planes einverstanden erklaert und ihre
Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht, am Marshall Plan mitzuarbeiten. Sie sind im Gewerkschaftlichen Beratungsausschuss
des ERP vertreten.
Die Arbeiter sind sich voll und ganz der Bedeutung des
Marshall Planes bewusst und wissen, was sie diesem Programm
in den vergangenen beiden Jahren zu verdanken hatten. Abraham
Baars, der Mitglied der CNV ist und an den Rotterdamer Kaianlagen
arbeitet, erklaerte: •Ohne die Marshall Plan Hilfe haetten wir
die Schwierigkeiten dieser Nachkriegszeit nicht ueberwlnden koennen.
Unser Lebensstandard ist zwar nocht nicht gut* Stellen Sie siah
vor, wie er ohne das ERP gewesen waerei" Jilles van Dalen, Mitglied
des Gewerkschaftsbundes N W , ist der Ansicht, dass "nachdem die
Deutschen das Land verwuestet hatten, die Marshall Hilfe unerlaesslich war, wenn die Wirtschaft wieder auf die Fuesse gestellt
werden sollte."
Die Arbeiter sagen, dass ihnen der LIarshall Plan Arbeit
gegeben hat, dass die Preise Jedoch schneller als die Loehne
gestiegen seien und es selbst mit Lohnerhoehung fuer den Arbeiter
schwierig sei, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, da nach
Kriegsende niemand mehr Ersparnisse besass. Van Dalen sagte:
"Vor dem Kriege habe ich woechentlich 3g,50 Gulden verdient. Fuer
einen GüUen konnte ich aber einen Schinken von 7 Pfund kaufen.
Nun verdiene ich nach Abzug der Steuern 46,31 Gulden, ein Pfund
Schinken kostet mich jedoch 1,50 Gulden. Mein Lohn ist hoeher,

- 5 -

�und trotzdem geht es mir schlechter. Durch die Marshall Hilfe
gibt es wieder Nahrungsmittel und Kleidung, aber wir brauchen
niedrigere Preise, um zu unserem alten Lebensstandard zurueckkehren zu koennen."
Die Sozialversorgung fuer Gewerkschaftsmitglleder Ist verbessert, worden. Es gibt von der Regierung getragene, besondere
Lebensversicherungen fuer Arbeiter; Druckerelen, die Tages- und
Gewerkschaftszeitungen veroeffentlichen, Berufsschule und Erholungshelme wurden eingerichtet. Ein privates Sanatorium fuer
TB Kranke Ist von der Katholischen Union erbaut worden. Dem
Gewerkschaftsrat Ist es gelungen, das Jahreseinkommen der Arbeiter um eine Feiertagszulage von Qg zu erhoehen» Die Arbeltgeber
zahlen jetzt einen Betrag, der SOg des Jahreseinkommens des Arbeiters entspricht, fuer soziale Einrichtungen, wie zum Beispiel
Alterspensionen. Fuer 80g aller Arbeiter Hollands werden die
Loehne jetzt In Tarlfvertraegen festgelegt.
Die Arbeiter von Rotterdam spielen eine wichtige Rolle.
Die Krlegsschaeden In Rotterdam allein machen 3Q&lt; der gesamten
Krlegsschaeden Hollands aus. Die Kaianlagen sind jedoch bereits
wiederhergestellt; es gibt heute mehr schwimmende Trockendocks,
mehr Oellager mit groesserem Fassungsvermoegen und mehr Getreideheber als vor dem Kriege. Weiterhin beachtenswert sind Kraene
und Lagerhaeuser. Viel Ist zur wirksameren Nutzung des vorhandenen
Materials getan worden, um die Kapazitaet des Hafens wiederherzustellen. Massgebliche Behoerden schreiben die Geschwindigkeit,
mit der der Wiederaufbau vonstatten geht, der Tatsache zu, dass
Rotterdam mit Hilfe des Marshall Planes versucht hat, den Arbeltern eine Chance zu geben.
ESA Labor Information
8. Maerz 1950
NEUER GEgERKSCHAFTSVBRTRErER IM ANGLO-AMERIKANISCHEN PRODUK-

•*\Mi3«&amp;te
Laut einer Mitteilung des Administrators der Europahilft,
Paul G. Hoffman, ist A. j. Hayes, ein amerikanischer Gewerkschaftsführer und Praesldent des Internationalen Metallarbeiter Verbandes
zum Mitglied der Amerika Abteilung im Anglo-Amerikanischen Produktlvitaetsrat ernannt worden.
Mr. Hayes ist der Nachfolger Harvey Browns, des frueheren
Praesidenten des Internationalen Metallarbeiter Verbandes, der
das Amt eines Beraters fuer Arbeitsfragen des amerikanischen Hohen
Kommissars fuer Deutschland, John J. McCloy, uebernommen hat
und zugleich Hauptberater fuer Arbeitsfragen in der deutschen
Marshall Plan Mission ist.
Der Produktivttaetsrat wurde Im September 1948 gebildet,
um durch den Austausch technischer Erfahrungen und Methoden
zwischen der amerikanischen und englischen Industrie die Produktionsleistung der Industrie steigern zu helfen. Im Verlauf des
Jahres 1949 besuchten nahezu 300 Vertreter der Gewerkschaften und
Unternehmer Englands als Mitglieder von 14 Produktlvltaets-Teams
die Vereinigten Staaten. Sie studierten die Methoden zur Steigerung der Produktionsleistung in den Industriezweigen Metall,
mechanische und elektrische Ausrüstungen, Textilien und Kunstduengemlttel. Wie Administrator Hoffman mitteilte, beabsichtigt
man, das Programm Im Jahre 1950 unter Auswertung der Ergehnisse

- 6 -

�des l e t z t e n Jahres zu erweitern. Die Kosten fuer die Studienreisen werden gemeinsam von den beiden Regierungen, der Marshall
Plan Verwaltung und den Arbeltgebern der Teilnehmer getragen.
ECA Labor Information
2 . Februar 1950
DER KRgENAUSSCHUSS DBS INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERK*

Dar nachstehende Bericht ist von Pat Frayne, der an einer
Sitzung des Krisenausschusses des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften in Bruessel vom 16« - 18. Maerz teilnahm. Dieser
Bericht soll Sie über die letzten Vorgaenge Innerhalb der Gewerkschaft sinternationale Informieren. Der obengenannte Krisenausschuss ist berechtigt, im Namen der 50 Millionen organisierter
Arbeiter Probleme zu loesen, dl« unerwartet auftreten koennen
und dringend einer Loesung beduerfen.

Der Ausschuss nahm eine Resolution an, in der er erneut
seine Bereitwilligkeit zum Ausdruck brachte, den Atlantik
Pakt zu unterstuetzen« In dieser Resolution heisst es: "Der
Sabotagefeldzug der Kommunisten gegen den Waffentransport Im
Rahmen des Atlantik Paktes stellt eine direkte Beeinträchtigung des Rechtes der freien Voelker dar.
"Als demokratische Buerger bestehen wir vom Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften auf dem Recht der freien Nationen,
sich zur Abwehr Irgendeiner Aggression zusammenzuschliessen.
Die Slgnatarmaechte des Atlantik Paktes haben sich nach dem
auf demokratische Welse zum Ausdruck gebrachten Willen Ihrer
Voelker zum Zwecke der Selbstverteidigung verbuendet."
"Das Kominform und der sogenannte Weltgewerkschaftsbund
sind Werkzeuge der russischen Aussenpolltlk. Kommunistische
Versuche, die Waffenlieferungen zu unterbrechen, stellen eine
Art Taetigkeit einer Fuenften Kolonne und einen über die
ganze Welt sich ausbreitenden Feldzug dar, der die freien,
demokratischen Laender der Welt entzweien und schwaechen und
damit die sowjetische Expansion erleichtern soll."
In der Verlautbarung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften heisst es weiter, dass die Kommunisten In heuchlerischer Welse den Frieden auf ihre Fahne schreiben, "waehrend
sie alle Moeglichkelten ausnutzen, die Sowjet Union und ihre
Satelliten bis an die Zaehne zu bewaffnen."
Alle Arbeiter der Welt werden in derReaolution aufgerufen,
sich der kommunistischen Sabotageoffensive entgegenzustellen.
Diese Resolution zum Atlantik Pakt bildete den Hoehepunkt in
der dreltaeglgen Sitzung des Krisenausschusses.
Ausserdem nahm der Ausschuss noch die folgenden EntSchliessungen an:
Der Sowjet Regierung wurde zur Last gelegt, das Moskauer
Abkommen von 1943 verletzt zu haben, indem sie den Abschluss

�eines Staatsvertrages mit Oesterreich sabotierte. Die sofortige
Wiederherstellung der österreichischen Unabhängigkeit und der
Abzug aller Besätzungstruppen wurde gefordert. Mit allem Nachdruck wendete man sich gegen Tendenzen, die darauf zielen, die
gegen das Franco Hegime in Spanien gerichtete Resolution der
Vereinten Nationen abzuaendern, und man forderte die Beibehaltung
der "kompromisslosen feindseligen Haltung" gegenueber der Franco
Regierung.
Alle angeschlossenen Gewerkschaften der Welt wurden aufgefordert, gemeinsam gegen die "unwuerdigen Handlungen und Methoden*
der Regierung von Argentinien zu protestieren, wo Arbeiter eingekerkert und misshandelt werden, ein Gewerkschaftler sterben musste
und demokratische Zeitungen unterdrueckt werden. .Es wurde beschlossen, eine Delegation nach Sued-Ost Asien zur Unters tue tzung
und Staerkung der freien Gewerkschaften zu entsenden. Zur Besprechung der Ruhrprobleme wurde eine Konferenz von Gewerkschaftsorganisationen aus den an dieser Frage interessierten Laendir
zum 22. und 23. Mai nach Duesseldorf einberufen. Die Entsendung
eines Vertreters nach Griechenland zur Unterstuetzung der griechischen Gewerkschaftsbewegung wurde genehmigt. In New York soll
ein Buero des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften eingerichtet werden, das die freien Gewerkschaften der Welt im Wirtschafts
und Sozialrat der Vereinigten Staaten vertreten soll. Mit den
Internationalen Sekretariaten wurde ein Abkommen zur gegenseitigen
Unterstuetzung auf dem Gebiet der GewerkschaftsOrganisation getroffen.
Die Veroeffentlichung eines zwei-woechentlichen Nachrichtenblattes und eines Monatsberichtes in vier Sprachen, naemlich
Spanisch, Franzoesisch, Deutsch und Englisch wurde angekuendlgt.
Ausserdem soll ein Programm zur Ausbildung und Erziehung aufgestellt und eine Konferenz ueber diese Angelegenheit unter Teilnahme der angeschlossenen Organisationen einberufen werden. Eine
Sitzung des Exekutivausschusses in Bruessel am 25. und 26. Mai
wurde angekuendlgt. Die Errichtung eines Bueros des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in Genf zur Vertretung der Arbeiter
in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurde geplant.
An den exekutiven Sitzungen nahmen teil: Der Praesident
Paul Finet (Belgien), Hans Boeckler (Deutschland), Irving Brown
(USA-AFL), Eimer Cope (USA-CIO), Leon Jouheaux (Frankreich),
Deven Sen (Indien), Sir Vincent Tewson (Grossbritannien) und der
Generalsekretaer J.H. Oldenbroek. Francisco Aguirre (Kuba) war
verhindert an der Sitzung teilzunehmen.
Saemtliche Mitglieder des Ausschusses erschienen zu einer
Pressekonferenz, die in drei Sprachen - Englisch, Franzoesisch
und Deutsch - abgehalten wurde. Der Generalsekretaer Oldenbroek
leitete die Konferenz und berichtete von Zweck und Ziel des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften und der vom Krisenausschuss geleisteten Arbeit.
ECA Labor Information

AFL GEISELT ROTE SABOTAGE AN DER WAFFENHILFE
Das Komitee fuer I n t e r n a t i o n a l e Wechselbeziehungen der Arbeit
im Amerikanischen Gewerkschaftsbund AEL v e r o e f f e n t l i c h t e nach
einer Sitzung in Washington eine Erklaerung, in dem das Programm
der Nordatlantischen S t a a t e n der Unterstuetzung zur gegenseitigen

-

3 -

�Verteidigung voll und ganz gebilligt und die kommunistischen
Versuche, dieses Programm zu sabotieren, angeprangert werden.
Die Erklaerung wendet sich gegen die Versuche der Kommunisten,
"Chaos, Verwirrung und Schwaeche zu schaffen, in denen der Kommunismus gedeihen kann," Indem sie die Hilfe der Vereinigten Staaten
fuer die Westeuropaeischen Nationen In Form des Marshall Planes,
den Nordatlantik Pakt und das Waffenhilfsprogramm zu sabotieren
versuchen. Die AFL als der Repraesentant Millionen amerikanischer
Arbeiter erklaerte, dass "der sowjetische Imperialismus seit 1945
seine Fuehler ueber weite Gebiete in Osteuropa und Asien ausgestreckt habe, die von nahezu 600 Millionen Menschen bewohnt
seien."
"Die gegenwaertige, sogenannte "Friedensoffensive" des
Kominform und seiner Helfershelfer, insbesondere des Weltgewerkschaftsbundes und der "Kaempfer fuer den Frieden", heisst es in
der Verlautbarung des AFL, "ist von hinterlistigen, diplomatischen
Manoevern begleitet, die die Illusion erwecken sollen, der Kreml
wuensche eine friedliche Beilegung der Streitigkeiten mit den
Vereinigten Staaten und anderen Nationen."
Die U.S. Gewerkschaft nahm zu den kommunistischen Versuchen
Stellung, In Europa und insbesondere in Frankreich und Italien
politische Streiks zu organisieren, die angeblich den Zweck
haben sollen, den Abzug der franzoesIschen Truppen aus Indochina, der britischen Truppen aus den Malaienstaaten und Burma,
der hollaendlschen Truppen aus Indonesien und der amerikanischen
Truppen aus Korea und Japan zu erzwingen. Der wahre Zweck dieser
kommunistischen Manoever, sagt die AFL, ist," diese asiatischen
Laender und Westeuropa fuer eine eventuelle Einverleibung in
das sowjetische Gebiet reif zu machen."
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung lehnt den kolonialen Imperialismus ab," lautet die Erklaerung weiter, "und
besteht auf dem Recht dieser und aller anderen Laender, unabhaengig zu sein. Wenn Jedoch in diesem Augenblick die Truppen
aus diesen Gebieten zurueckgezogen wuerden, dann wuerden sie dem
sowjetischen Imperialismus zum Opfer fallen, was fuer sie weit
schlimmer als alles waere, was man in der Geschichte bisher
gekannt hat."
Die AFL spricht den italienischen und franzoesisehen
Hafenarbeitern ihre Anerkennung dafuer aus, dass sie dem kommunistischen Aufruf nicht Folge leisteten und sich nicht weigerten,
Waffenlieferungen zu entladen und Material nach Indochina zu
verschiffen.
i

'•Die amerikanischen Arbeiter stehen den Arbeitern Westeuropas in ihrem Kampf um hoehere Loehne zur Seite. Wir sind der
Ansicht, dass der durch die Marshall Plan Hilfe ermoeglichte
Wiederaufbau diese wirtschaftlichen Forderungen rechtfertigt....
"Unsere Ziele und ihre Ziele sind die gleichen —
die
Garantie der Menschenrechte, Fortschritt zu allgemeiner Prosperitaet und Aufrechterhaltung des Friedens... Sechzehn Millionen
amerikanische Arbeiter stehen entschlossen hinter den freien Arbeitern Europas. Wir werden dafuer sorgen, dass sie die Waffen erhalten, die sie brauchen, um ihre Freiheit verteidigen zu koennen»"
Sieben ameriknaische Seefahrergewerkschaften gaben kuerzlich
das Versprechen ab, Hder europaeischen freien Gewerkschaftsbe-

�wegung in ihrem Kampf gegen die kommunistische Diktatur Jedmoegllche Unterstuetzung zukommen zu lassen und ihr Waren
zu bringen," wie sie im Marschall Plan und dem Hilfsprogramm
zur gegenseitigen Verteidigung vorgesehen sind.
Washington, 3. April 1950
FALIERO PINGUENTINI
Faliero Plnguentlni, der Sekretaer der sozialistischen
Gewerkschaft von Trlest, ist ein altbewaehrter Kaempfer, der
sich sowohl im Kriege als Angehoerlger gegen die Nazis gerichtteten Untergrundbewegung, als auch in dem gegenwaertigen Kalten
Kriege gegen die Kommunisten Verdienste erworben hat.
Wr wurde in Trlest am 10. Juli 1988 als Sohn eines Werkzeug- und Schnittmachers geboren, der ueberdies Gewerkschaftler
mit Leib und Seele war. Plnguentlni folgte seinem Vater sowohl
im Beruf als auch in seiner Laufbahn als Gewerkschaftler.
Waehrend des Krieges arbeitete er in den Schiffswerften
von Trlest. Er schloss sich der Widerstandsbewegung an und
kaempfte gegen die Deutschen. Nach der Befreiung kehrte er
nach Trlest zurueck und machte sich sofort daran, eine demokratische Gewerkschaftsbewegung als Opposition gegen die korrnunistisch beherrschten Syndikate zu organisieren.
Als die Kommunisten im Jahre 1945 die Herrschaft ueber
die Schiffswerften in die Hand bekamen, war Plnguentlni gezwungen,
seine Arbeit in der Maschinenfabrik St. Andrea niederzulegen«
1946 wurde er wieder eingestellt und zum Betriebsratvorsitzenden
gewaehlt. Auf Grund seiner kompromisslosen Einstellung gegen
politische Streiks wurde ihm mehrere Male von den Kommunisten
gedroht. Als diese versuchten, sich die Herrschaft ueber die
Gewerkschaftskammer zu siehern, eine Koerperschaft, in der alle
nichtkommunistischen Gewerkschaften in Trlest vertreten sind,
kaempfte Plnguentlni mit aller Macht gegen diese Versuche an.
Die Folge davon war, dass er heinahe einem Mordanschlag zum
Opfer gefallen waere.
Seit 1947 ist Plnguentlni Sekretaer der Arbeltskammer«
Er und die beiden anderen Sekretaere, Llvio Novell! und Giuseppe
Bazzato, nahmen als Delegierte an der Gruendungskonferenz des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teil und
sind nun Mitglieder des Verwaltungsrates der neuen Gewerkschaftsinte rnatlonale.
LIVIO NOVELLI. Sekretaer der katholischen Gewerkschaft von
Trlest, ist von Beruf Rechtsanwalt und stammt aus dem Mittelstand von Trlest.
Er begann seine Gewerkschaftslaufbahn nach dem Kriege,
als er zum Vorsitzenden des Gewerkschaftsrates fuer Tarifvertraege und ArbeitStreitigkeiten gewaehlt wurde. Waehrend der
letzten fuenf Jahre gingen praktisch alle von der katholischen
Gewerkschaft abgeschlossenen Vertraege durch seine Haende, und
Novelli hat es sich trotz seines jugendlichen Alters zur Aufgabe gemacht mit allen Problemen der Arbeiter von Trlest vertraut
zu werden. Solange er Gewerkschaftler ist, war er immer ein stand
hafter Antikommunist und hat sich entschieden gegen alle Versuche
gewandt, die Gewerkschaftsbewegung fuer politische Zwecke zu
verwenden.

-10

�1947 wurde Novelll zum stellvertretenden Sekretaer der
Arbeltskammer von Trlest gewaehlt. Kuerzlich wurde er Sekretaer
und nahm, In dieser Eigenschaft, wie bereits oben erwaehnt, an
der Gruendungskonferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teil. Er wurde ebenfalls in den Verwaltungsrat dieses Internationalen Gewerkschaftsbundes berufen.
BCA Labor Information
9. Maerz 1950
DER MARSHALL PLAN. EIN "PROGRAMM DES VOLKES".
Philip Murray, der Praesident des CIO, erklaerte, "der
Marshall Plan sei eine Art ehrlich gemeinten, schoepferischen
Programms, welches von kleinen Leuten gestaltet sein koennte,
die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ein Weltproblem zu
loesen."
Murrays Rede wurde anlaesslich des zweiten Jahrestages
des Europaeisehen Wiederaufbauprogramms in einer Sendung der
"Stimme Amerikas" uebertragen. Ausserdem sprach Michael Ross,
der CIO-Repraesentant fuer Internationale Angelegenheiten.
"Selten haben sich Nationen ploetzlich und unerwartet ueber
die laestigen Kleinigkeiten hinweggesetzt, die die internationalen Beziehungen staendig stoeren, um geradewegs und unerschrocken die Loesung des Problems des Weltfriedens in Angriff
zu nehmen," sagte Murray. "Hierin liegt die Groesse des Marshall
Planes... Nichts von Buerokratie, von behandschuhter Diplomatie
und engstirniger Tradition haftet ihm an, wie wir es an Dingen
von weltpolitischer Bedeutung schon ganz gewoehnt sind."
Murray erklaerte, dass die sechs Millionen Mitglieder des
CIO "stolz darauf seien, ihren Teil zu der Entwicklung des
Marshall Planes beigetragen zu haben," und dass sie die Europaeer zu ihrem grossen Erfolg beglueckwuenschten, "der selbst
die Vorhersagen unserer Statistiker und Staatsmaenner uebertroffen hat."
Indem er wiederholte, was Murray schon zum Ausdruck gebracht hatte, fuehrte Michael Ross aus: "Unseren Arbeitskollegen
in Europa moechte ich noch einmal sagen, dass die Gewerkschaften
Amerikas entschlossen hinter der Europaeischen Wiederaufbau
Programm stehen."
"Wir unterstuetzen dieses Programm deshalb, weil wir wissen,
dass es das Wohlergehen der Menschen in Europa foerdern und
ihren Lebensstandard verbessern wird." Ross erklaerte, dass
der CIO darauf bedacht sei, die staendige Zusammenarbeit der Arbeiterschaft an diesem Programm zu gewaehrleisten. Er hielt
einen Rueckblick auf die Erfolge des Marshall Planes waehrend
der beiden ersten Jahre seines Bestehens und wies besonders
auf "das Band der Freundschaft hin, welches sich durch die ECA
enger und dauerhafter zwischen unseren Laendern gestaltet habe.
Das traefe besonders fuer die Gewerkschaftsbewegungen der betreffenden Staaten zu."
"Noch muessen viele Hindernisse ueberwunden werden," erklaerte Mr. Ross, "aber an diesem Wendepunkt des ERP haben wir
allen Grund zu hoffen und zu glauben, dass das gemeinsame
Streben unserer Voelker nach Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand alle Hindernisse beseitigen wird, die einem gluecklichen,
unabhaengigen Europa noch im Wege stehen."
ECA Labor Information
21. April 1950
- 11 -

�HOFFMAN BEGLUECKWUENSCHT t)IE FREIEN GEWERKSCHAFT Bf
"Der Anteil der freien Gewerkschaftler Europas und ihrer
amerikanischen Brueder an den wirklich bemerkenswerten Erfolgen
im Wiederaufbau ganz Westeuropas waehrend der vergangenen Jahre
ist nicht gering."
Mit diesen Worten gruesste der ECA Administrator Paul
Hoffman die dritte Volkskonferenz des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des Europaeischen Wiederaufbauprogramms, die
kuerzlich in Rom stattfand."
"Ich kann nicht genug betonen," fuhr Mr. Hoffman fort,
"wie sehr ich die bedeutende Mitarbeit der arbeitenden Maenner
und Frauen aller am ERP teilnehmenden Nationen anerkenne und
schaetze."
Mr. Hoffman fuegte hinzu, dass zur erfolgreichen Durchfuehrung des Marshall Planes nur noch wenig Zeit zur Verfuegung
stuende und zwei besonders schwierige Aufgaben geloest werden
mftssten.
"Wir muessen erstens die Produktionsleistung steigern,"
sagte er. "Und dann muessen wir, um die erhoehte Produktionsleistung auch wirklich zur Geltung kommen zu lassen, die Schranken
einschraenkender, veralteter Methoden niederreissen, die es den
europaeischen Wirtschaftslaendern unmoeglich machen, an einem
starken und gesunden System zum Wohle aller ihrer Voelker gemeinsam zu arbeiten."
"Im Vertrauen auf Ihre Hilfe und Mitarbeit stelle ich Ihnen
diese doppelte Aufgabe," schloss er.
Mr. Hoffmans Gruesse an die dreitaegige Konferenz wurden
telegraphisch von Washington uebermittelt.
ECA Labor Information
19. April 1950

- 18 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFIdlAL

ucoe «-e?9 L t 1 i m W IT C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

111

"9

Frankfurt, 5. Kai 1950

ZWEI JAHRE MARSHALL-PLAN
Der Marshall Plan auf halbem Wege - - - 1
Die Stimme einer freien Welt - - - - - - 3
Leon Jouhaux: Der Marshall Plan, eine neue
Art internationaler Solidaritaet - - - - - 5
Produktivitaet und Dollarkluft —
-- —
7
Schwedische Gewerkschaften zum europaeischen Hilfsprogramm - - - - - - - - - - 11

DER MARSHALL PLAN AUF HALBEM WEGE
Radio-Vortrag von Walter Schevenels
Anlaesslich der am 18., 19. und 20. April 1950 in Rom
stattfindenden Dritten Vollkonferenz der ERP Gewerkschaftsorganisationen und der Tatsache, dass der Marshällplan auf halbem
Wege angelangt ist, hielt Walter Schevenels, Sekretaer des
Pariser Verbindungs-Bueros des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer den Europaeischen Hilfsplan, am 24. Maerz am Radio
folgenden Vortrag:
"Im naechsten Monat wird in Rom eine Vollkonferenz der am
ERP teilnehmenden Gewerkschaftsorganisationen abgehalten, um
den Bericht ueber die zweijaehrige Taetigkeit des Gewerkschaft-

�liehen Beratungsausschusses zu diskutieren, der im Maerz 1943
als offizielle Vertretung der europaeischen Gewerkschaften
in allen die Durchfuehrung des Marshallplans betreffenden Angelegenheiten gebildet wurde. Die Konferenz wird einen Bericht
ueber die Gewerkschaftspolitik hinsichtlich der aktuellen Probleme diskutieren, die sich durch die gegenwaertige Entwicklung
des Europaeischen Hilfsplans stellen. Es ist ein glueckliches
Zusammentreffen, dass diese grosse Gewerkschaftskonferenz zu
eben der Zeit stattfindet, wo der Marshallplan auf halbem Wege
angelangt ist."
"Aus diesem Grunde ist es angebracht, einen kurzen Ueberblick ueber die bisherigen Ergebnisse des Marshallplans zu geben.
Bei dieser Gelegenheit werden die europaeischen Gewerkschaften
von mir als Sekretaer ihres Ausschusses sicher erwarten, in
ihrem Namen von der Erkenntnis zu sprechen, dass das Bestehen
des Marshallplans hauptsaechlich auf die Unterstuetzung seitens
der amerikanischen Gewerkschaften zurueckzufuehren ist und dass
diese eine wichtige Rolle gespielt haben, indem sie dem ERP seine
wirkliche Bedeutung als uneigennuetzige, grosszuegige Hilfe an
notleidende Voelker gaben."
"Die natuerlichen und materiellen Hindernisse und Schwierigkeiten, welche der Marshallplan zu ueberwinden hatte, waren ungeheuer. Die Arbeit wurde noch schwieriger gestaltet durch die
aeusserst boshafte und gemeine Sabotage der Kommunisten, die
jedes in ihrer Macht stehende Mittel anwandten, um das wirtschaftliche Chaos zu verschlimmern, wobei sie auf die Not und
Verzweiflung der europaeischen Voelker spekulierten, um die Eroberung Europas durch die Kommunisten zu foerdern. Sie stempeln
den Marshallplan als eine Bemuehung der Amerikaner, die europaeischen Voelker zu versklaven, mit dem Ziel kapitalistischer
und imperialistischer Ausbeutung und der Vorbereitung eines neuen
Krieges. Wir wollen unsere Zeit nicht damit vergeuden, diese
dummen und kriminellen Behauütungen zu widerlegen, welche nur die
taeuschen koennen, die getaeuscht werden wollen, oder diejenigen,
die aufgehoert haben, selbst zu denken."
"Trotz all dieser Schwierigkeitren kann gesagt werden, dass
von den ERP-Laendern in den letzten zwei Jahren beachtenswerte
Fortschritte erzielt wurden, und schneller, als man erwartete.
Die industrielle und landwirtschaftliche Produktion ist um 30%* und
mehr angestiegen. Grosse Fortschritte sind auf dem Gebiet der
inneren Waehrungsstabilisierung gemacht worden. Das Vertrauen
in die Zukunft Europas ist wieder hergestellt worden. Ohne den
Zustrom von Nahrungsmitteln und Rohstoffen in diesen zwei Jahren
haette die Arbeitslosigkeit ein Ausmass angenommen, dem zu steuern
unmoeglich gewesen waere. Dank der Marshallhilfe konnte die Inflation in Grenzen gehalten werden. Jetzt wissen all diejenigen,
welche die Inflation in Deutschland und Oesterreich in der Zeit
zwischen den beiden Kriegen gesehen oder von ihr gehoert haben,
welches Elend insbesondere den europaeischen Arbeitern geblieben
ist."
"Aus diesen zwei Gruenden, neben vielen anderen, koennen
die europaeischen Arbeiter, und die Bevoelkerung Europas Im allgemeinen, dem amerikanischen Volk und der amerikanischen Arbeiterschaft dankbar sein fuer ihre konstruktive und grosszuegige Tat
internationaler Solidaritaet."

�DIE STIMME EINER FREIEN WELT
Gewerkschaftsführer zu beiden Seiten des Atlantiks gaben
in diesem Monat gemeinsam das Versprechen ab, den Marshall Plan
auch weiterhin zu unter3tuetzen und sich dafuer einzusetzen,
dass die Arbeiter auch in den Genuss der diesem Plan entspringenden Vorteile in Form von Vollbeschaeftigung und hoeherer
Realloehne kommen.
Dies kam in einer Reihe von Ansprachen zum Ausdruck, die
von verschiedenen Rednern sowohl im Namen der europaelschen
als auch der amerikanischen Arbeiter anlaesslich des zweiten
Jahrestages des Beginns des Marshall Plans gehalten wurden, mit
dem auch gleichzeitig die erste Haelfte dieses Programms abgelaufen ist. Diese Reden sollen in der "Stimme Amerikas" im
Rundfunk uebertragen werden.
Die amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer erklaerten, dass
die Arbeiterschaft Amerikas das Programm mit ganzem Herzen unterstuetzt haette und dies auch in Zukunft tun wuerde. Sie betonten
Jedoch, dass es letzten Endes den Bemuehungen der Europaeer selbst
zu verdanken sei, wenn Europa auf dem Weg zum Wiederaufbau vorwaertsgekommen sei. Als geradezu wunderbar bezeichneten die
amerikanischen Redner die bereits erzielten Erfolge.
"Wenn ich an die dunklen Jahre zurueckdenke, die dem Krieg
unmittelbar folgten," sagte James Carey, Sekretaer des CIO, "dann
erinnere ich mich nur zu gut an die ungeheuren Probleme, vor die
sich Europa gestellt sah. Die Voelker Europas waren erschoepft,
die Menschen heimatlos und hungrig« Die langen Kriegsjahre
hatten ihren Zoll von ihnen gefordert..."
*

Carey wies darauf hin, dass "die amerikanischen Gewerkschafts Organisationen von Anfang an Verstaendnis fuer die Not
der Europaeer gehabt und eine bedeutsame Rolle in der Entwicklung und Gestaltung des Marshall Planes gespielt haetten... "Das
amerikanische Volk war von diesem Programm so ueberzeugt," sagte
er, "dass es fuer den Wiederaufbau Europas einen Betrag angebracht hat, der einem Durchschnitt von 100 Dollar fuer Jeden
Mann, jede Frau und jedes Kind nahekommt. Wir sind uns jedoch
bewusst, dass selbst mit all diesem Geld Europa nicht wiederaufgebaut werden koennte, wenn sich die Menschen Europas nicht durch
schwere Arbeit und Opfer an diesem Programm beteiligten. Heute,
nach Vollendung der ersten Haelfte des Programms, sagen wir mit
Stolz und Bewunderung, dass der groesste Anteil an Europas erstaunlichem Fortschritt den Europaeern zukommt."
Auch William Green und George Meany, Praesident und Vizepresident des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL, lobten
die Einigkeit der Arbeiter der ganzen Welt in der Unterstuetzung
des Marshall Planes.
"In den ersten beiden Jahren der EGA," erklaerte Green,
"ist Europa aus der Hungerzone herausgerissen worden. Die Produktion ist erheblich angestiegen. Der Wiederaufbau ist in
•ollem Gange. Die internationale Freundschaft wurde gefoerdert.
Eine bessere Gueterverteilung ist gesichert und eine gesunde
Basis fuer ein grosses, neues Zeitalter der Prosperität geschaffen worden. Ich bin stolz, dass amerikanische Gewerkschaften an diesen Erfolgen beteiligt sind."

v

- 3 -

�Meany hob besonders hervor, dass der Marshall Plan "von allen
demokratischen Gewerkschaften der Welt unterstuetzt wuerde."
"Damit Ist diesem gigantischen Unternehmen die aktive
Unterstuetzung von mehr als 50 Millionen freien Arbeltern
aus ueber 53 Nationen der Welt gesichert. Mit einem solchen
Rueckhalt nimmt es kaum Wunder, dass die Marshall Plan Verwaltung heute mit einem Gefuehl der Befriedigung auf die In
diesen beiden Jahren erzielten Erfolge zurueckblicken kann."
Arlon Lyon sprach im Namen der organisierten Eisenbahnarbeiter Amerikas und versprach, den Marshall Plan "fuer die
Gesamtdauer" zu unte rstuetzen. "Das Programm," sagte er, hat
den amerikanischen Arbeitern und der Gesamtheit unseres Volkes
einige Opfer abverlangt, wir sind jedoch davon ueberzeugt, dass
diese Opfer nicht umsonst gebracht wurden. Auf dem Wege zur
Demokratie und Freiheit sind in allen Marshall Plan Laendern
grosse Fortschritte erzielt worden. Wir sind der Auffassung,
dass es ein schwerer Fehler waere, wenn man versaeumte, dieses
Programm fortzusetzen, oder es durch unzureichende Geldmittel
kuerzte. Die Arbeit ist erst zur Haelfte getan."
Auch von der europaeischen Seite des Ozeans kamen Stimmen,
die den Marshall Plan priesen. Die Gewerkschaften versprachen,
das Programm auch in Zukunft zu unte rstuetzen. Die Forderung
wurde laut, sich noch mehr fuer eine Zusammenarbeit unter den
Nationen Europas einzusetzen und den Lebensstandard der Lohnempfaenger zu verbessern.
Evert Kupers, der Praesident des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses' fuer den Europaeischen Hilfsplan, rief die
grossen Arbeiterorganisationen dazu auf, den Gedanken eines
Vereinigten Westeuropas zu foerdern und anzuregen. Er sprach
den Gewerkschaften zu beiden Seiten des Atlantiks seine Anerkennung fuer ihre Zusammenarbeit in der Unters tuetzung des
Marshall Planes aus, "um den durch den letzten Krieg zugrundegerichteten Laendern neuen Wohlstand zu bringen"; gleichzeitig
wies er jedoch auch warnend darauf hin, dass die beteiligten
Laender enger zusammenarbeiten muessten, wenn sie nicht Gefahr
laufen wollten, innerhalb weniger Jahre vor einer neuen wirtschaftlichen Krise 8u stehen, die massenhafte Arbeitslosigkeit
mit sich braechte, deren Folgen nicht abzusehen waeren."
Der italienische Gewerkschafts Sprecher, Enrico Parri,
forderte die italienischen Arbeiter auf, dafuer zu sorgen, dass
die Geldmittel der EGA in seinem Lande so zweckmaesslg wie
moeglich verwendet wuerden. Er erklaerte, dass «der Zustrom
von Rohmaterialien (durch die Marshallhilfe), der Aufschwung,
den der Wiederaufbau der Eisenbahnen genommen habe, und die
allgemeine Belebung des Handels zweifellos den Lebensstandard,
den Verbrauch und die individuelle Leistungsfaehigkeit des
italienischen Arbeiters bereits gesteigert haetten."
Der Praesident der Norwegischen National-Gewerkschaft
Konrad Nordahl sagte, dass sich der Marshall Plan fusr Norwegen
am guenstigsten ausgewirkt haette, weil durch ihn der internationale Handel wiederbelebt worden sei. "Es gibt auf der
Welt wohl kein zweites Land, welbhes von einem ausgedehnten,
internationalen Handel So abhaengig ist wie Norwegen,- erklaerte
er. Die Erfolge des Marshall Planes haetten alle Erwartungen
bereits weit uebertroffen.

- 4 -

�Mart Ruppert, der Vorsitzende der Hollaendischen, Protestantischen, Christlichen Gewerkschaft sprach mit uneingeschraenkter Begeisterung von den Ergebnissen, die die Marshall Plan Verwaltung bereits fuer sich buchen koennte. "Ich moechte feststellen," fuehrte er aus, "dass meiner Meinung nach die Bedeutung
des Programms zum Wiederaufbau Baropas nichthoch genug eingeschaetzt werden kann. Dieses Programm hat vor allem Europa
und viele Millionen von Europaeern vor dem Untergang bewahrt.
Es hat ausserdem die Produktionsleistung in Europa wieder hochgebracht. Ihm ist die Bereitwilligkeit und der Wunsch der
europaeischen Voelker, enger zusammenzuarbeiten, zuzuschreiben.
Diese Arbeit darf nicht abgebrochen werden."
Auch Louis Major vom Allgemeinen Belgischen Gewerkschaftsbund sprach sich anerkennend zu den Erfolgen des Planes aus.
Auch er stellte Jedoch die Forderung, entscheidende Schritte
zu einer europaeischen Vereinigung zu unternehmen. "Wenn wir
in dieser Hinsicht untaetig bleiben," erklaerte er warnend,
"dann muessen wir ernstlich befuerchten, dass die Ergebnisse
ebenso katastrophal sein werden, als wenn uns Amerika seine
Hilfe versagte."
"Die Erkenntnis, dass Elend in irgendeinem Teil der Welt
letzten Endes Elend fuer die ganze Welt bedeutet," sagt Ludwig
Rosenberg aus Deutschland, "und die Anerkennung der Notwendigkeit, gemeinsam gegen Hunger und Verzweiflung zu kaempfen, —
dies waren die wichtigsten Beweggruende, die das amerikanische
Volk veranlassten, Europa zu helfen. Es war deshalb keineswegs
ueberraschend, dass die Gewerkschaften in Jenen Laendem, in
denen die Vernunft noch nicht dem Dogma eines Systems untergeordnet ist, mit unter den Ersten waren, die sich bereit erklaerten, den Marshall Plan fuer Europa zu unterstuetzen."
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer vdes Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften sprach im Namen der 50 Millionen,
in diesem Bund organisierten Arbeiter und erklaerte, dass die
Geschichtsschreiber der Zukunft nicht vergessen werden, "zu bemerken, dass die grossen Gewerkschaftsorganisationen der Vereinigten Staaten - AFL und CIO - ebenso wie die freien Gewerkschaften
Westeuropas ueberzeugte Anhaenger des Marshall Planes waren...."
Aber auch er forderte eine andere Art gemeinsamen Handelns unter
den Nationen. "Europa hat noch einen langen Weg vor sich," so
prophezeite er, "bevor die Ziele des Marshall Plans erreicht
sein werden. Enge wirtschaftliche Zusammenarbeit wird unbedingt
notwendig sein, wenn das Programm zum vollan Erfolg werden soll.
Kein Land Westeuropas hat einen Teil seiner Souverenitaet eingebuesst oder ist zum Satelliten eines anderen Landes geworden auch besteht nicht die Gefahr hierzu. Unter Beibehaltung ihrer
eigenen Kultur und Einrichtungen muessen die Laender Europas
Jedoch bereit sein, ihre wirtschaftlichen Kraefte zu vereinigen
und eine gerechte Verteilung von Arbeit und Dienstleistungen im
besten Interesse Aller vorzunehmen."
ECA Labor Information
LEON JOUHAUX; DER MARSHALL PLAN. EINE NEUE ART INTERNATIONALER
SOLIDARITÄET
•Eine neue Art der Zusammenarbeit unter den Nationen - die
nicht darin besteht, Kriege vorzubereiten, sondern das menschliche Los zu verbessern und die Furcht vor Hunger und Elend zu
beseitigen - ist durch den Marshall Plan ins Leben gerufen worden."-

- 5 -

�So urteilt Leon Jouhaux, Praesident des groessten franzoesischen
Bundes freier Gewerkschaften, "Force Ouvriere."
"Skeptiker und Parteigaenger moegen mit den Achseln zucken,"
sagte Jouhaux in einem Rueckblick auf die beiden ersten Jahre
des Marshall Planes in Frankreich. "Sie moegen von dem Kapitalismus reden, der einen letzten Versuch unternimmt, um am Leben zu
bleiben; vom Imperialismus, der seine beherrschende Stellung zu
festigen sucht. Wozu soll ich mich jedoch mit weit hergeholten
Argumenten befassen. Ich halte mich an die Tatsachen."
Der Haupterfolg des Marshall Planes sei darin zu sehen,
dass er den Begriff der Solidaritaet von nationaler auf internationale Basis ausgedehnt habe, - der Solidaritaet, die darin
besteht, dass die arbeitende Menschheit fuer ein gemeinsames Ziel
zusammenarbeitet.
"Nationale Finanzen," fuehrte er weiter aus, "wurden gewoehnlich lediglich zur Unterhaltung öiner Polizeimacht und zur Kriegsvorbereitung verwendet. Dieser Zustand ist Jedoch laengst ueberholt. Heute ist es fuer jeden Franzosen selbstverstaendlich, dass
zum Beispiel die Strassen und Schulen der Gebirgsgegenden Frankreichs zum groessten Teil mit Steuern finanziert werden, die aus
den franzoesischen Industrie- und Landwirtschaftsgebieten kommen."
Warum sollten sie es nicht auch als selbstverstaendlich
ansehen, dass ein aehnlicher Plan nicht nur fuer eine Nation,
sondern fuer das gesamte Europa in Anwendung gebracht wird?
Und das sei gerade das, was im Marshall Plan verwirklicht
wuerde.
"Bisher bestand die gegenseitige Unterstuetzung der Nationen
lediglich in dem Austausch von Kriegsmaterial - und zwar mechanisches oder Menschenmat.erial. Die Gegner des Marshall Planes
weigerten sich nicht, d,ie Panzer und Flugzeuge anzunehmen, die
uns Amerika in den Jahren von 1941 bis 1945 geschickt hat. Mit
welcher Begruendung koennten wir also jetzt das Angebot abweisen,
unsere Ruinen wiederaufzubauen, unsere Industrie wieder in Gang
zu bringen, unsere Landwirtschaft zu modernisieren und unsere
Ausruestung zu erneuern?"
•"Wir nahmen diese Hilfe an," fuhr Jouhaux fort. "Allein im
Jahre 1949 erhielten wir von den Vereinigten Staaten 243 Billionen Francs im Gegenwertfonds.... sie dienten dazu, unsere Versorgung mit ELektrizitaet, Kohle und Gas sicherzustellen, unsere
Eisenbahnen, unsere Handelsmarine, unsere privaten Industrien,
unsere Landwirtschaft und unsere Kolonien wiederaufzubauen."
Jouhaux kritisierte die Regierungen der europaeischen Laender,
die versaeumt haetten, die aus diesen Verbesserungen entstehenden
Gewinne gleichmaessig zu verteilen.
"Wir,als die Vertreter der Arbeiterklasse," erklaerte er,
"sind der Auffassung, dass die grosse Masse der europaeischen
Arbeiter nicht in genuegendem Masse an dem beteiligt worden ist,
was die amerikanischen Arbeiter fuer sie geopfert haben; wir sind
der Ansicht, dass der europaeische Lebensstandard nicht in demselben Verhaeltnis wie die industrielle und landwirtschaftliche
Produktion angestiegen ist."

- 6 -

�"Wir sagen es offen und eindeutig, dass die Steigerung der
Produktionsleistung in allererster Linie dazu dienen muss, den
Lebensstandard des Volkes im allgemeinen und des Arbeiters im
besonderen zu heben, und dass wir ueberzeugt sind, dass dies
gegenwaertig der Fall ist."
Jouhaux erklaerte, es sei Aufgabe der Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung, diesen Misstand zu beseitigen. Sie wuerden unaufhoerlich daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen.
ECA Labor Information
5. April 1950
PRODUKTIVITAEX UND DOLLARKLUFT
Ansprache des Botschafters Milton Katz,
amerikanischer Vice-Sondervertreter in Europa,
vor der Dritten Vollkonferenz der ERP Gewerkschaftsorganisationen.
Es freut mich, heute als Mitarbeiter im gemeinsamen Werk
des europaeischen Wiederaufbaues zu Ihnen zu sprechen. Wir sind
auf zweifache Art miteinander verbunden. Als gewerkschaftlicher
Beratungsausschuss des ERP sind Sie das offizielle Sprachrohr,
durch welches die Stimme der freien Gewerkschaften Europas in
den Raeten der OEEC gehoert werden kann. Darueber hinaus gibt
es zwischen uns ein weniger foermliches, dafuer Jedoch tieferes
Band der Gemeinschaft. Die freien Gewerkschaften stehen an der
Spitze des Kampfes fuer Freiheit, Sicherheit undeinen anstaendigen Lebensstandard, welches die Hauptziele des Marshallplanes
sind.
Der Kampf fuer diese Hauptziele ist unermesslich, vielseitig
und endlos. Alle Menschen, die guten Willens sind, in allen
Laendern von Europa und Amerika, sind an ihm beteiligt. Sie
haben Ihren Anteil an der Aufgabe - es gibt keinen, der wichtiger
waere; und die OEEC und ECA haben den ihren.
Ich moechte unter den zahlreichen Unternehmungen zwei
herausgreifen, durch welche die OIEC und ECA versuchen, unsere
gemeinsamen Ziele zu erreichen. Es sind dies die Bemuehungen,
in Europa zu einem groesseren Mass von Einheit zu gelangen, and
die europaeische Produktivitaet zu steigern. Sie haben von
diesen Programmen unter den Namen MWirtschafliche Vereinigung",
"Liberalisierung des Handels und der Zahlungen", "Harmonisierung
der Wirtschaftspolitik" und "Produktivitaetssteigerung" gehoert.
Nur durch hoehere Produktivitaet (Produktionsleistung)
koennen die Europaeer besser und sicherer leben und Europa
in der Welt wirtschaftlich unabhaengig werden. Europa kann mit
keinen anderen Mitteln hoffen, seine Einfuhren von Nahrungsmitteln und Rohmaterialen bezahlen und den Lebensstandard seiner
Arbeiter erhoehen zu koennen. Die Produktivitaet wird von vielem
beeinflusst, und es gibt keinen einzig dastehenden und einfachen
Weg, sie zu verbesser. "DerFeldzug zur ProduktivitaetsSteigerung"
ist ein Programm, das sich zur Aufgabe stellt, das Problem direkt
am Arbeitsplatz anzufassen. Es bedeutet, ein besseres Verhaeltnis
zwischen Menschen, Geld, Material, Maschinen und Zeit herzustellen, um mit gleicher Anstrengung groessere Mengen von Waren
zu produzieren und zur Verteilung zu bringen. Auf diese Art
wuerde die gesamte Arbeitskraft, vollbeschaeftigt, mehr erzeugen
und mehr verteilen. Dieser besondere Ueberschuss an Produktivitaet

- 7 -

�koennte auf verschiedene Arten verwendet werden. Er koennte
teilweise dazu benuetzt werden, mehr Gueter zu niedrigeren
Preisen fuer den Verbrauch verfuegbar zu machen und so den
gegenwaertlgen Lebensstandard In Europa zu erhoehen. Teilwelse koennte er dazu dienen, mehr Fabriken und Haschinen
zu bauen, die spaetere Produktion zu erhoehen und die Grundlagen der europaeisehen Wirtschaft zu festigen. Zum Teil
koennte er auch dazu gebraucht werden, mehr Gueter fuer die
Ausfuhr zu solchen Preisen herzustellen, welche den Verkauf
dieser Gueter auf den Weltmaerkten gewaehrlelsten und damit
die Dollarelnkuenfte Europas erhoehen wuerden.
Betrachten wir diese Tatsachen einmal von einem anderen
Gesichtspunkt aus. Sie haben viel ueber Europas lebenswichtige Einfuhren und ueber die Dollarkluft gehoert. Europa
muss Weizen fuer sein Brot, Futtersamen fuer sein Vieh, Baumwolle fuer seine Bekleidung, Kupfer fuer seine elektrischen
Anlagen und Petroleum fuer seine Transporte einfuehren. Es
muss Fette und Oele, landwirtschaftliche Maschinen und Ausstattungen fuer seine Petroleumraffinierien einfuehren. Einige
dieser Einfuhren stellen infolge der Verwuestungen und Zerruettungen des Krieges kurzfristige Beduerfnlsse dar. Viele jedoch
werden angesichts der Besonderheit der europaeischen Wirtschaft
dauernd benoetlgt, um die Voelker Europas zu ernaehren, seine
Fabriken zu betreiben und seine Arbeiter zu beschaeftigen.
Ein grosser Teil dieser lebenswichtigen Einfuhren stammt
aus den Vereinigten Staaten und aus sonstigen Seilen Nordund Suedamerikas, wo sie mit Dollar gekauft werden muessen.
Trotz des bemerkenswerten Fortschritts der letzten zwei Jahre
besitzt Europa nocht nicht und verdient auch nicht genug Dollar,
um alle seine Beduerfnlsse zu decken. Der Unterschied zwischen
seinen Beduerfnissen und dem, wofuer es aus eigenem Verdienst
und eigenen Mitteln zahlen kann, wird gewoehnlich die Dollarkluft genannt. In den letzten zwei Jahren wurde diese Kluft
durch die Marshallhilfe ueberbrueckt. Es war immer klar, dass
die Marshallhilfe mit jedem Jahr abnehmen und spaetestens am
30. Juni 1952 zu Ende gehen wuerde. Zu diesem Zeitpunkt muss
Europa imstande sein, die Dollar, die es benoetlgt, durch hoehere
Einkuenfte und normale Kapitalanlagen zu erlangen. Um mehr
Dollar zu verdienen, muss es In anderen Laendern mehr Waren verkaufen koennen. Um Europa dabei behilflich zu sein, hat meine
Regierung soeben bekanntgegeben, dass sie Besprechungen ueber
die Herabsetzung der Tarife von etwa 2,500 Artikeln anzubahnen
wuenscht. Um mehr verkaufen zu koennen, muss Europa in der Lage
sein, mehr Waren zu niedrigeren Preisen, oder bessere Qualltaeten,
oder beides anzubieten.
Gleichzeitig muessen die Anstrengungen fortgesetzt werden,
Europas Zukunft zu sichern, indem ein Grossteil seiner Mittel
fuer neue Kapitalanlagen verwendet wird, naemlich fuer neue
oder bessere Fabriken oder Ausstattungen, Landurbarmachung oder
der Ausbildung von Arbeltern und Bauern in neuen 9rwerbszweigen.
Mehr Ausfuhren, neue Kapitalanlagen, besserer Lebensstandard fuer den heutigen Arbeiter - sind einige der wichtigsten
Notwendigkeiten unserer Zelt. Wie die Welt heute aussieht, kann
keines dieser Beduerfnlsse vollends gedeckt werden; wir muessen
jedoch danach streben, sie in einem mit der Praxis vereinbarlichen Masse alle zu erfuellen. Wenn die Produktivitaet niedrig
Ist, wuerde ein Versuch, zwischen diesen Beduerfnissen ein

- 8 -

�Gleichgewicht herzustellen, zu bitteren und irrefuehrenden
Debatten Anlass geben. Die Menschen, die fuer eine Erhoehung
der Ausfuhren kaempfen, wuerden fuerchten, dass hoehere Gehaeiter die Preise der Waren so weit hinauftreiben wuerden,
dass diese aufhoeren wuerden, konkurrenzfaehig zu sein. Die
Menschen, die fuer die Rechte der Arbeiter kaempfen, wuerden
fuerchten, die Benuehungen, die Ausfuhrpreise und -Spesen
herabsusetzen, koennten in einen Feldzug zur Senkung der
Loehne ausarten. Diejenigen, welche dafuer kaempfen, einen
angemessenen Teil der Produktion und der Mittel auf die Zukunft
der Wirtschaft zu verwenden, wuerden mit ihren Mitbuergern in
Konflikt stehen, die dieselben Mittel dazu verwenden wollen,
den gegenwärtigen Lebensstandard zu verbessern. Aus all diesen
Befuerchtungen und Konflikten wuerden moeglicherweise Inflation,
Unstetigkeit und Unzufriedenheit entspringen. Um es zu ermoeglichen, allen diesen wesentlichen Beduerfnlssen in vernuenftigem
Masse gerecht zu werden und zwischen ihnen ein weises Gleichgewicht herzustellen, muss die Produktivitaet gesteigert werden.
Wir alle sind uns darueber Im klaren, dass man manchmal
befuerchtet, hoehere Produktivitaet koennte eine Verringerung
der Arbeitsmoegllchkeiten zur Folge haben. Es gibt eine Lage,
in der dies wohl der Wahrheit entsprechen duerfte. Naemlich
dort, wo die Maerkte beschraenkt sind, waehrend die Produktivitaet steigt. Wenn sich in einer solchen Lage Arbeitslosigkeit einstellt, ist es von groesster Wichtigkeit, die richtige
Diagnose zu stellen, und die wirkliche Stoerungsquelle aufzuspueren. Der Fehler liegt in der Beschraenkung des Marktes, und
nicht in der erhoehten Produktivitaet. Wenn man zu enge Schuhe
traegt, verursacht das Gehen Schmerzen, nicht im Stillstand.
Ich habe hervorgehoben, inwiefern eine Erhoehung des Lebensstandards und eine Erweiterung der europaeischen Maerkte von
einer Prpduktivitaetssteigerung abhaengig sind. Dementsprechend
muss ein Programm der Produktivitaetssteigerung von einer Erweiterung der Inlands- und Auslandsmaerkte begleitet werden.
Der Handel kann auf vielerlei Weise beschraenkt werden.
Er kann aus reiner Traegheit ins Stocken geraten. Er kann von
engstirnigen und veralteten Denk- und Handlungsgewohnheiten
eingeschraenkt werden. Er kann durch Kartelle oder andere Formen
hinfl erlicher Geschaeftspraktiken begrenzt werden. In Europa
war -seit dem Kriege keine Form der Einengung ernster als die
Schranken, die von den einzelnen Regierungen dem Handel gesetzt
wurden. Sie kennen die vielen Formen, in denen sich diese
Einengung kundgetan hat: Einfuhrverbote, Quoten, Einfuhrgenehmigungen, Devisenkontrolle, uebermaesslge Zolltarife, Doppelpreise und andere Formen der Erschwerung.
Es waere sowohl gefaehrlich als auch unsinnig, die schweren
Verhaeltnisse zu vergessen, aus denen dieses Labyrinth der
^inschraenkungen hervorging. Die Regierungen und Voelker Europas mussten nach einem verheerenden Krieg ihre Wirtschaft wieder
aufbauen. Sie hatten diese Aufgabe angesichts eines reaktionaeren
Kommunismus zu erfuellen, der es unaufhoerlich und dauernd darauf
abgesehen hatte, sie zu unterminieren. Ihre Moeglichkeiten waren
beschraenkt, sie standen unter schwerer Spannung und mussten ihre
Arbeit mit allen praktisch verfuegbaren Hilfsmitteln durchfuehren.
Dank ihres Erfindungsgeistes und ihrer Muehe, und mit Hilfe ihrer
eigenen Mittel und derer des Marshallplans, haben sie sich in
diesen schweren Jahren weit emporgearbeitet.

9 -

�Bei voller Anerkennungfuer die getane Arbeit und Ermutigung
durch den erzielten Fortschritt, nruessen wir dennoch die heutigen
Tatsachen ins Auge fassen, wie sie sind. Die Tatsachen sind, dass
der europaeische Handel Immer noch in einem Gewebe von Einschraenkungen und Erschwerungen verstrickt ist. Weder Waren, noch Geld,
noch Menschen koennen auch nur halbwegs ohne Schwierigkeit von
einem Land ins andere gelangen. Den europaeischen Erzeugern
bleiben die Moeglichkeiten wirksamer Organisation und kraftvoller
Entwicklung vorenthalten, die von europaweiten Maerkten geboten
wuerden. Den europaeischen Konsumenten bleiben die Moeglichkeiten
verschlossen, ueberall in Europa frei einzukaufen. Der Strom
neuer Kapitalanlagen, von welchen Europas Wirt Schaftszukunft in
einem solch hohen Masse abtiaengig ist, wird von kurzsichtigem,
selbstzerstoerendem Protektionismus oft in unwirtschaftliche
Bahnen gelenkt. Wie wir alle wissen, gibt es in gewissen Teilen
Europas ernste Probleme der Ueberbevoelkerung und der Entwurzelung, die zur Folge haben, was manchmal "strukturelle Arbeitslosigkeit •&lt;, genannt wird. Obschon durch die OEBC einiges auf
diesem Gebiet getan wurde, erfordert das ganze Problem der Eroeffnung weiterer Moeglidkeiten fuer eine Massenumsiedlung viel
groessere gemeinsame Bemuehungen. Ein Teil dieser Umsiedlung
sollte innerhalb Europas moeglich sein, das Hauptgewicht muss
jedoch duenner besiedelten Gebieten ausserhalb Europas zufallen.
In ihren Berätungen im Rahmen der OEEC haben die Teilnehmerlaender bewiesen, dass sie ueber dfese Sachlage wohl unterrichtet
sind. Die ersten Schritte wurden unternommen, um ihr ein Ende
zu bereiten. Sie stellen eine betraechtllche Anstrengung angesichts
betraechtlicher Schwierigkeiten dar, und sind ein wichtiger Anfang.
Ich kenne jedoch niemand, der behaupten wuerde, sie seien ausreichend. Die OEEC steht jetzt mitten im Begriff, weitere Fortschritte auszuarbeiten.
Bisher wuerden von den Regierungen der ERP-Laender durch
die OEEC, und mit voller Unters tue tzung der ECA gewisse Vorschi aege entwickelt. Darunter befindet sich die Schaffung einer
europaeischen Zahlungsunion, durch wleche die verschiedenen
Waehrungen der Teilnehmerlaender schnell austauschfaehig gemacht
wuerden. Diese Vorschlaege sehen auch ein entschlossenes Programm zur wirklichen Beseitigung quantitativer Einschraenkungen
des innereuropaeischen Handels vor. Es wuerde dies die Beseitigung eines Verfahrens aus dem lnnerwaropaeischen Handel bedeuten,
das als Festsetzung von Doppelpreisen fuer Brennstoffe und Grundmaterialien bekannt geworden ist. Darunter wird der Gebrauch
verstanden, fuer solche Brennstoffe und Grundmaterialien mehr
zu verlangen,, wenn sie in einem anderen OEEC-Land verkauft
werden, als wenn sie im Ursprungsland auf den Markt kommen. Im
Zuge dieses allgemeinen Programms wuerden Zolltarife ebenfalls
auf einer vernuenftigen Hoehe gehalten werden. Es wuerde insbesondere erwartet werden, dass die Laender die Tarife nicht
erhoehen wuerden, umfladurch vorsaetzlich die Einfuhrbeschraenkungen zu ersetzen.
Füer die Arbeiter Europas und ihre Gewerkschaften steht
bei der Erweiterung der Maerkte ebensoviel auf dem Spiel wie
bei der Produktivitaetssteigerung. Ich weiss, dass Sie Ihnen
behilflich sein werden, das einzusehen, und ihnen helfen werden,
ihre eigenen wahren Interessen mit voller Macht zu verfolgen.
Wenn sie ihre eigenen tiefen Interessen verstehen, werden sie es
nicht zulassen, dass die Produktivitaet durch Einschraenkungsmassnahmen unterdrueckt wird. Wenn Regierungsschranken zur
Erweiterung der Maerkte beseitigt werden, werden sie nicht gestatten, dass diese Beseitigung von Kartellen und privaten Ein-

- 10 -

�schraenkungen Ihrer Fruechte beraubt werden. Denn sie haben ein
Interesse sowohl an Entwicklung als auch an Sicherheit. Nur
durch Entwicklung kann eine wahre Sicherheit erreicht werden.
Wenn die europaeische Wirtschaft nicht vorwaerts schreitet,
wird sie sicherlich zurueckfallen.
Unsere Ziele koennen durch oertliche Planung oder oertliche
Eingriffe nicht erreicht werden. Das Potential Europas muss
fuer Europa als Ganzes verwirklicht werden. Die freien Nationen
Europas und die atlantische Gemeinschaft muessen Jederzeit einander Rechnung tragen. Keine unter ihnen darf eine Politik
verfolgen ohne Ruecksicht auf ihre Konsequenzen gegenueber der
anderen, wenn sie nicht Gefahr laufen will, ihre eigenen Ziele
zu verfehlen. Nur diejenigen, denen diese wesentlichen Wahrheiten nicht einleuchten, koennen sich der Taeuschung hingeben,
dass ein Gegensatz zwischen dem Ziel hohen Arbeitsangebots und
demjenigen der europaeischen Einheit bestehe. Es muss wiederholt werden, dass diese Ziele sich gegenseitig stuetzen, und
dass es unsere gemeinsame Aufgabe sein muss, sie zu erreichen.
Die freien Nationen Europas und Amerikas muessen unser gemeinsames Schicksal zusammenschmieden.

SCHWEDISCHE GEWERKSCHAFTEN ZUM EUROPAEISCHEN HILFSPROGRAMM
Axel Strand, der Praesident des Schwedischen Gewerkschaftsbundes, erklaerte, die schwedischen Gewerkschaftler befürworteten den Marshall Plan deshalb, weil er eine finanzielle Hilfe
darstellt, die vom gesamten amerikanischen Volk und nicht nur
von Banken und sonstigen FinanzInstituten geleistet sei.
In einer Rede ueber die Bedeutung des Marshall Planes fuer
die Wirtschaft Schwedens und Skandinaviens waehrend der beiden
ersten Jahre des ECA Programms verglich Strand das ERP mit der
Hilfe, die Amerika nach dem ersten Weltkrieg Europa zukommen
Hess.
'
"Nach dem ersten Weltkrieg," sagte Strand, "wurde Europa
ebenfalls von den Vereinigten Staaten unterstuetzt; die damalige
Hilfe war Jedoch ganz anderer Art. Die Banken, FinanzInstitute
und grossen Gesellschaften gaben Kredite. Mit dieser Hilfe
war den EmpfaengerStaaten Jedoch nicht gedient. Sie konnten
damit nicht ihre finanziellen Schwierigkeiten beseitigen....
Nun ist es das amerikanische Volk, das hinter dem Plan zum Wiederaufbau Europas steht...» In Schweden sind wir der Ansicht,
dass diese Tatsache den Arbeitern und der breiten Masse der Bevoelkerung das Vertrauen in das Programm und seine Ziele eingefloesst hat."
Strand erklaerte ausserdem das Programm werde deshalb von
den Gewerkschaftlern unterstuetzt, weil es ein Mittel zur Hebung
des Lebensstandards und zur Verhuetung zukuenftlger Kriege darstelle.
"Aufgabe 1 der Gewerkschaftsbewegungen aller Laender ist,
den Lebensstandard des arbeitenden JJenschen zu halten und zu
steigern. Deshalb ist die Gewerkschaftsbewegung fortschrittlich
in ihrer Arbeit und realistisch in ihren Zielen. Der Mars hall
Plan beruht auf konstruktiven Faktoren, und deshalb wird er von
den Gewerkschaftsorganisationen unterstuetzt.
H

Was an wirtschaftlicher Hilfe fuer den Wiederaufbau Europas
eingesetzt wurde, ist eine Kapitalanlage fuer die Zukunft. Mit
den Millionen von Dollar, die heute fuer den Wiederaufbau und

11 -

�fuer soziale und wirtschaftliche Sicherheit ausgegeben werden,
koennen Billionen von Dollar fuer eventuelle militaerische Ausgaben in der Zukunft gespart werden. Es hat sich Immer als
richtig erwiesen, sich auf positive, vorbeugende Kraefte zu verlassen, weil destruktive Kraefte nur auf diese Weise ueberwunden
werden koennen."
Strand brachte zum Ausdruck, dass der Marshall Plan waehrend
der beiden vergangenen Jahre fuer Schweden sehr nutzbringend gewesen sei, weil er den Wiederaufbau ueberall auf der Welt und die
Wiederbelebung des internationalen Handels gefoerdert habe.
"Das schwedische Volk, dessen Lebensstandard von einer guenstigen Entwicklung des internationalen Handels so sehr abhaengig
ist," meinte er, "weiss, dass Wiederaufbau im Kriegszerstoerten
Europa vermehrten Handel der Laender miteinander, mehr Waren und
bessere Waren bedeutet."
Er wies ferner darauf hin, dass waehrend Schweden zwar auf
die liarshall Plan Hilfe nicht so sehr angewiesen sei wie die vom
Krieg verwuesteten Laender, die schwedische Arbeiterschaft trotzdem nicht im geringsten die Bedeutung dieser Hilfe fuer unser
Land unterschaetze. Nicht weniger als 40g unserer Importe aus
den Vereinigten Staaten wurden im vergangenen Jahre mit Marshall
Plan Geldern bezahlt, die Schweden durch Warenlieferungen an
andere Teilnehmerstaaten des Marshall Planes erworben hatte."
Strand, dessen Gewerkschaft 1,250.000 Mitglieder zaehlt,
unterstrich besonders die Bedeutung der Tatsache, dass die ECA
besonderen Wert auf die Steigerung der Produktionsleistung legt.
"Alles, was getan werden kann, um den Wert der koerperlichen
Leistung durch bessere Maschinen und bessere technische Ausruestung zu erhoehen, muss getan werden. Die Bedeutung des Wissens-,
Erfahrungs- und Ideenaustausches auf technischem und verwaltungstechnischem Gebiet, der nun zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten stattfindet, geht weit ueber die Zeit des Marshall Planes
hinaus. Und dieser Austausch muss auch nach Beendigung des
Europaeischen HilfsProgramms fortgesetzt werden."
ECA Labor Information
4. April 1950
- 18 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

0FF1CIAL

ucoo *-m&lt;, i » &gt; *w vi i ' i

�Internationale
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 10

Frankfurt, 12. Mal 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Malrede In Berlin 1950
1
Reut her: " Europahilfe nruss nach 1952
fortgesetzt werden" - - - - - - - - - 3
England auf dem Wege zum Wiederaufbau - 4
Daenische Gewerkschaftler treten aus der
Kommunistischen Partei aus - - - - - - 5
Charles J. MacGowan - - - — - - - - 7
Konrad Nadahl
8
Seeleute Amerikas versprechen europaeischen Gewerkschaften ihre Hilfe
11

MAIREDE IN BERLIN 1950
Irving Brown, Vertreter des I.B.F.G.
An diesem Maitage des Jahres 1950 ueberbrlnge ich Euch
tapferen, f r e i e n Maennern und Frauen von Berlin die Gruesse
und die Gefuehle hoechster Bewunderung von den fuenfzig M i l l i onen Arbeitern des maechtigen Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften.
Es I s t gerade vier Jahre her, dass die demokratische Welt
mit Begeisterung das Ergebnis f r e i e r Wahlen i n Berlin g e f e i e r t
hat. Damals hat Berlin fuer Z i v i l i s a t i o n und gegen Sklaverei
gestimmt, fuer grundsaetzliche Menschenrechte und gegen Verneinung von Menschenwuerde, fuer Freiheit und Wiederaufbau und
gegen eine neue Tyrannei. In den Jahren der Hitlerschande
habt Ihr eines gelernt: "Nur die allergroessten Kaelber waehleii
ihre Metzger selber."
Dank der Luftbruecke i s t der Stadt Berlin, die Moeglichkeit
gegeben worden, ihre Freiheit zu behaupten. Ja, das stimmt.
Aber Berlin i s t f r e i geblieben und wird weiterhin auch f r e i s e i n ,

- 1 -

�weil die Arbeiter unter dem Banner der U.G.O. die Freiheit
wollen. Ohne dieses Freiseinwollen der Bevoelkerung gibt es keine
technisch« Mittel, so vollkommen sie auch sein moegen, die die
Freiheit sichern koennen.
Die Deutschen sind nicht bereit, sich einer neuen Sklaverei
zu ergeben, sind nicht bereit, an neuen Verbrechen teilzunehmen
unter der Maske der Nationalen Front, Die ehemaligen Verbrechen
der Nazis und der Deutschnationalen verblassen gegenueber denen,
die heute vom Kreml angeordnet werden. Deshalb koennen und
werden auch jetzt tatsaechlich wie einst der Nationalismus und
der Kommunismus in Deutschland Blutsfreunde. Darum dient das
"Denazifizieren'* der SMA in Deutschland als Deckmantel zum
Rueckfall ins Nazitum im Namen der UdSSR.
Wir alle glauben an den Frieden. Die ganze Menschheit
sehnt sich nach Frieden und Sicherheit. Die ganze Entwicklung
der Geschichte der Amerikaner deutet auf ihre tiefe Friedensliebe
und ihre Abneigung gegen den Militarismus hin. Ebenso fest
glauben wir an die Freiheit. Besteht Sklaverei auch nur in einem
Lande, so stellt sie eine Gefahr fuer die ganze Welt dar. Wo
es Sklaverei gibt, besteht Kriegsgefahr fuer die ganze Welt,
Wo es Sklaven gibt, gibt es Herren. Und wo es Herren gibt,
gibt es Fuehrer mit unbeschraenkter Macht, die ihr Volk in den
Krieg stuerzen. Gibt das Volk die Freiheit auf, dann verliert
es alle Macht, die Herren zu kontrollieren und zurueckzuhalten.
Darum ist Euer Kapf nicht nur ein Kampf um die Freiheit Berlins,
sondern auch ein Kampf um den Frieden fuer Deutschland und fuer
die Welt, Euer Kappf um die freien Gewerkschaften in Berlin laesst
sich unter den jetzigen Umstaenden nicht von dem allgemeinen
staendlgen Kampf um die Freiheit und die Demokratie trennen.
Ohne freie Gewerkschaften gibt es keine Demokratie, und umgekehrt, ohne Demokratie gibt es keine freien Gewerkschaften. Der
Kampf um oekonomische und soziale Gerechtigkeit, den die Gewerkschaften in der ganzen Welt fuehren, kann nur im Rahmen einer
politischen Demokratie stattfinden. In diesem Sinne unterstuetzen wir mit ganzer Kraft Euren Kampf auf Leben und Tod nicht
nur zur Ausrottung einer alten, sondemauch zur Verhinderung einer
neuen Diktatur. Die internationale Arbeiterschaft, ja die freie
Arbeiterschaft der ganzen Welt heisst Euch, die Berliner Gewerkschaften, in ihren Reihen willkommen zur gemeinsamen Sache der
internationalen Arbeiterbewegung.
Wir sind der festen Ueberzeugung, dass ein neues Deutschland
wiedererstehen muss. Die wirtschaftlichen und politischen Kon*
trollen muessen in den Haenden derjenigen bleiben, die als die
ersten Opfer im Kriege der Nazis gegen Demokratie und Zivilisation
fielen* Das sind: die freien Gewerkschaften, Diese muessen
stark genug werden, um im zukuenftigen Deutschland eine entscheidende und einflussreiche Rolle zu spielen. Die Alliierte Besetzung
wird ihren Zweck verfehlt haben, wenn die Schwerindustrien ihren
ehemaligen Besitzern zurueckgegeben werden - denen, die seinerzeit die Ruhr und die ganze Wirtschaftsordnung Deutschlands
den Nazis zum frevelhaften Gebrauch zur Verfuegung stellten.
Das darf nicht wieder sein. Die Arbeiter Amerikas haben dagegen
protestiert und werden weiterhin protestieren. Deshalb muss die
Internationale Arbeiterbewegung fuer die Sicherung der wirtschaftlichen Demokratie Deutschlands kaempfen.
Wir begruessen Eure gewaltigen Bestrebungen gegen jede
totalitaere Diktatur ob braun oder rot und um ein freies und
demokratisches Gewerkschaftsleben. In diesem Augenblick gibt

- 2 -

�es fuer die Menschen der sowjetischen Zone ein neues Gesetz.
Zwangsarbeit, Konzentrationslager, Militarisierung der Arbeit
sind aufgezwungen» Berlin ist fuer die Ifelt zum Symbol des
Kampfes gegen Diktatur und Versklavung geworden. Wir gruessen
alle Berliner und Berlinerinnen, die ihr Alles aufs Spiel
setzen, um ihre Stadt als Bollwerk der Menschlichkeit und Freiheit zu bewahren.
Einen wichtigen Sieg fuer die Freiheit hat Berlin schon
errungen, aber der Kampf fuer die Freiheit geht weiter. Wer
frei bleiben will, muss dauernd um die Sicherung seiner Freiheit
kaempfen. Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit. Heute
muss die freie Welt nach einem positiven Programm der wirtschaftlichen, politischen und militaerischen Sicherheit auf folgende
Grundsaetze beruhend streben;
Die Berliner muessen nicht nur politisch frei sein, sondern
sie muessen in einer Wirtschaft der Vollbeschaeftigung leben,
die den freien Arbeitern Berlins die Arbeit sichert. Dabei
sei besonders der Frauen und der Jugend gedacht.
Um dauernde Sicherheit zu gruenden, muss Berlin in das
wirtschaftliche und politische Leben des freien, demokratischen
Deutschland vereinigt werden. Aber ein freies Berlin in einem
freien, demokratischen Deutschland muss auch in einem freien
und demokratischen Europa vereinigt werden.
Und ein vereinigtes demokratisches Europa muss in einer
groesseren atlantischen wirtschaftlichen, politischen und
verteidigungsfaehigen, starken Union aufgehen, in der auch
Amerika eingereiht ist.
Ich gruesse Euch im Namen des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften. Wir erkennen die Bedeutung Eures Kampfes
um Frieden und Freiheit und Sicherung der Menschenrechte.
Zum Schluss aber moechte ich noch dieses sagen:
Es gibt Millionen unserer Brueder, die keine Moeglichkeit
haben, ihre Stimme zu erheben. Auch in ihrem Namen - im Namen
der unzaehligen Menschen in allen Laendern hinter dem Eisernen
Vorhang - habe ich heute zu Ihnen gesprochen.
Und eines Tages - dessen bin ich sicher - werden wir einen
Ersten Mai feiern - mit ihnen allen zusammen, Ost und West,
einen Weltfeiertag der Freiheit.
Es lebe die
Es lebe die
Es lebe ein
friedliches
Es lebe der

Berliner Arbeiterschaft.
U.G.O.
freies, demokratisches, bluehendes und
Deutschland.
kommende Tag der Freiheit - ueberall in der Welt.

REUTHER: '«EUROPAHILFE MUSS NACH 1952 FORTGESETZT WERDEN."
Victor Reuther, der Leiter der Ausbildungsabteilung der
Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), erklaerte in einer Unterredung, die er waehrend seines Aufenthaltes in Stuttgart mit
einem Vertreter der amerikanischen Zeitung "Stars and Stripes"
hatte, dass die Fortsetzung der amerikanischen Hilfe fuer
Europa in irgendeiner Form nach dem Ablaufen des Europahilfsprogramms im Jahre 1952 unerlaesslich waere.

�"Wenn wir die amerikanische Hilfe nicht fortsetzen,"
sagte Reuther, "werden die Arbeitslosenziffern in unserem eigenen
Lande und in Europa sicherlich ansteigen."
Er glaube, dass ERP im Jahre 1952 "offiziell" beendet sein
wuerde. Dann wuerde das "alternative Programm" in Aktion treten.
Dies koenne irgendeine Form des "erweiterten Punkt-Vier-Programms"
sein, in dessen Rahmen Europa und die "rueckstaendlgen" Gebiete
von Amerika unterstuetzt wuerden.
Der Funktionaer der Automobilarbeitergewerkschaft forderte
die Errichtung einer "europaeischen Behoerde fuer den Wohnungsbau" , deren Aufgabe es sein soll, Tausende von Arbeiterwohnungen
zu niedrigen Preisen zu bauen. Damit koenne die Arbeitslosigkeit
in Europa beseitigt und eine erhoehte Stahlproduktion der Ruhr
in unbedenklicher Weise verwendet werden.
Victor Reuther, der Bruder des Praesidenten der Automobilarbeiter Gewerkschaft, Walter Reuther, traf mit deutschen Gewerkschaf tsfu ehrern und Beamten des Bueros fuer Arbeitsangelegenheiten im Amte des Hohen Kommissars zusammen.

ENGLAND AUF DEM WEGE ZUM WIEDERAUFBAU
"Die freiwillige Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften,
den Unternehmern der Industrie und der Regierung in England hat
zu einer Erhoehung der industriellen Produktion um 20# pro Arbeiter seit dem Jahre 1946 gefuehrt," erklaerte John Kenney,
der ECA Missionschef in England, in einem Rueckblick auf die
in Europa seit der formellen Gruendung der ECA vor 2 Jahren
erzielten Erfolge.
"Unternehmertum und Gewerkschaften haben nicht nur gemeinsam
an der Steigerung der Produktion gearbeitet, sondern sie haben auch
ihre Forderungen nach Extraloehnen und -gewinnen begrenzt und
damit mehr Geldmittel fuer die Neuausrüstung und Modernisierung
unserer Industrie freigemacht."
Kenney lobte die Englaender dafuer, dass sie mit bei den
Ersten waren, die die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns der
europaeischen Nationen erkannten, wenn die Wunden, die der Krieg
geschlagen hatte, geheilt werden sollten.
H

Da wir auf halbem Wege angelangt sind," sagte Kenney,
"ist es angebracht, an die Tatsache zu erinnern, dass England
als erstes Land auf den Vorschlag eingegangen ist, die europaeischen
Nationen zur gegenseitigen Unterstuetzung zu vereinigen. Dieser
Vorschlag wurde zum erstenmal von George C. Marshall, dem damaligen Aussenminister der Vereinigten Staaten, unterbreitet. Um
mit Ernest Bevins eigenen Worten zu sprechen: "Wir griffen mit
beiden Haenden zu."
Kenney sagte voraus, dass der Llarshall Plan in zwei Jahren
zwar zu Ende ginge, das Buero fuer Europaeische, Wirtschaftliche
Zusammenarbeit jedoch weiterbestehen wuerde. Auchwerde England
nicht aufhoeren, an seinem Wiederaufbau zu arbeiten.
"Das englische Volk wird bestrebt sein, seine Produktion
.zu erhoehen, die Exporte nach den Dollargebieten zu steigern und
einen einzigen europaeischen Absatzmarkt zu erschliessen, damit
es auf eigenen Fuessen stehen kann, wenn der Marshall Plan auf-

�hoert, und damit es wesentlich zu der Hebung des Lebensstandards
nicht nur In seinem eigenen Lande, sondern In ganz Europa beitragen kann.11
ECA Labor Information
5. April 1950

DAENISCHE GEWERKSCHAFTLER TRETEN AUS DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI AUS
Am 14. April traten vier prominente daenls*che Gewerkschaftler
aus der Kommunistischen Partei Daenemarks aus. In einem gemeinsamen Schreiben erklaerten sie, nur diejenigen blieben in der
Partei, die sich an das Motto "Mund zu und gehorchen" hielten*
Es handelt sich um den Praesidenten der Gewerkschaft der
Kopenhagener Strassenbahnangestellten, Frede Danielsen, der
30 Jahre lang Mitglied der Kommunistischen Partei war.
Ausserdem beklagten sich die drei obersten Fuehrer der
Daenlschen Eisenbahnergewerkschaft - Henry Olsen, Vorsitzender,
Victor Madsen, Finanzsekretaer, und M. Ollgard Rasmussen, Sekretaer - ueber die kommunistische Bevormundung und erklaerten in
einem offenen Schreiben an den Exekutivausschuss der Kommunistischen Partei ihren Austritt aus der Partei.
In diesem Schreiben wurden die Methoden angeprangert, deren
sich die Kommunistische Partei den von ihr beherrschten Gewerkschaften gegenueber bedient. Der Brief, der im "Social Demokraten" vom 16. April veroeffentlicht wurde, hat folgenden
Wortlaut:
An das Sekretariat der Kommunistischen Partei
Wir haben die Entwicklung der Kommunistischen Partei von
1945 bis zum heutigen Tage verfolgt. Wir sahen, wie sie eine
Wahlniederlage nach der anderen einstecken musste, und wie
diese Niederlagen bei den letzten Gemeindewahlen im Jahre 1950
ihren Hoehepunkt erreichten. Diese Tatsache muss auf einen
Kommunisten ziemlich demuetigend wirken. Natuerlich haben wir
uns ueber diesen staendigen Rueckgang der Kommunistischen Partei
Gedanken gemacht. Es muss daran erinnert werden, dass die M ö g lichkeiten, die daenlschen Arbeiter fuer die kommunistische Idee
zu gewinnen, nach dem Kriege ausgezeichnet gewesen sein muessen.
Angesichts dieser Tatsache sind die Ergebnisse umso unbefriedigender. Obwohl die Arbeiterklasse gegenwaertlg grosse wirtschaftliche Lasten zu tragen hat, (Arbeitslosigkeit, Steuern
und allgemeines Ansteigen der Lebenshaltungskosten) und obwohl
die Gerlchtshoefe in unerhoerter Weise Leute freisprechen, die
waehrend der Besatzung Verbrechen begangen hatten, ist es der
Kommunistischen Partei nicht gelungen, die Entwicklungen Innerhalb der daenlschen Arbeiterklasse entscheidend zu beeinflussen.
Selbst auf den proletarisiertesten Teil der Bevoelkerung hat
die kommunistische Ideologie keine besondere Anziehungskraft ausueben koennen.
Wir sind der Auffassung, dass unsere einflussreichsten
Fuehrer bei wichtigen Gelegenheiten versagt haben.

�Kommunistische Methoden
Der groesste und wohl folgenschwerste Fehler bestand darin,
dass man Methoden anwandte, die vielleicht In Laendern wie
Russland, Polen, Rumaenien etc. angebracht sind. Bei der Mentalitaet der daenischen Arbeiter Jedoch mussten sich diese
Methoden in Daenemark nachteilig auswirken. Von Zeit zu Zeit
wurden Parteibefehle erlassen, in denen die Fuehrer der kommunistischen Parteizentralen und die Mitglieder der exekutiven
Koerperschaften aufgefordert wurden, die von der Partei herausgegebenen Parolen zu befolgen und keine Ruecksicht auf die oben
erwaehnten Fuehrer und damit auf unsere Stellung Innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung zu nehmen. Als Vorsitzender, Finanzsekretaer
und Sekretaer der Gewerkschaftsbewegung bemuehten wir uns, eine
Grundlage zur kommunistischen Orientierung unserer Mitglieder
zu schaffen. Wir taten dies, indem wir, ungeachtet der uebrigen
politischen Einstellungen, bewiesen, dass die wirtschaftliche
und kulturelle Stellung des Arbeiters verbessert werden muss.
Kurz gesagt, wir versuchten, In der Gewerkschaftsbewegung Einigkeit zu schaffen. Deshalb waren wir irritiert, wenn uns von
Zeit zu Zeit Befehle zugingen, in denen man uns vorschrieb, wie
wir handeln sollten. Die Partei stellte die Forderung, diese
Befehle strengstens zu befolgen, ohne Ruecksicht auf Nachteile,
die uns dadurch entstehen koennten. Es ist ein grosser Fehler,
wenn eine exekutive Koerperschaft glaubt, einem Gewerkschaftsvorstand vorschreiben zu koennen, wie er seine Gewerkschaft
zu fuehren hat. Die lokal bedingten Probleme Jeder Gewerkschaft
muessen beruecksichtigt und mit Vorsicht behandelt werden.
Offensichtliche Diktatur
Wir koennen diese Form offensichtlicher Diktatur nicht anerkennen, weil sie ohne Zweifel zu Misstrauen und Verdacht unter
unseren Mitgliedern fuehren wuerde. Hierin ist auch der Grund
fuer die Niederlage und den betraechtlichen Rueckgang der Kommunistischen Partei zu suchen.
Im Jahre 1945 hatten wir die besten Aussichten, das Vertrauen des Volkes zu gewinnen, weil wir die Sache des "kleinen
Mannes" auf unsere Fahne geschrieben hatten, und vor allem weil
wir zu Jener Zeit ehrliche Politik betrieben, die den Arbeitern
Vertrauen einfloesste. In den letzten beiden Jahren trat Jedoch
eine Aenderung ein. Kein Mittel ist nun zu gemein, als dass
es nicht angewandt werden koennte. Streitigkeiten in der Partei
sind an der Tagesordnung, und die Arbeiter wenden sich deshalb
von ihr ab. Sie merken, dass sie irregefuehrt worden sind.
Es ist oft erklaert worden, dass die Gewerkschaftsbewegung
ohne fremden Einfluss sein muesse, und wir sind der Ansicht,
dass sich besonders die Kommunistische Partei an diesen Grundsatz halten sollte.
Ein weiterer Grund fuer den Rueckgang ist in der Einstellung
der Parteisperre zu den Entwicklungen in den osteuropaelschen
Laendern zu sehen. Man muss annehmen, dass die kommunistische
Presse so schreibt, wie es die Fuehrer der Kommunistischen Partei
wuenschen. Tag fuer Tag ergeht sich "Land og Folk", die Veroeffentlichung der Kommunistischen Partei, in Lobreden fuer die
in den oben erwaehnten Laendern vor sich gehenden Entwicklungen.
Polen, Ungarn, Rumaenien und die Tschechoslowakei werden den
daenischen Arbeitern als Musterbeispiele hingestellt. Die Partei
hat wohl nicht erkannt, dass der daenische Arbeiter intelligent
genug ist, sich selbst die Frage vorzulegen und herauszufinden,

- 6 -

�warum so viele fuehrende Kommunisten in Jenen Laendern von
ihren Stellungen verschwinden.
Es waere eigenartig, wenn die daenischen Arbeiter nicht
erkennen wuerden, dass an dem System irgendetwas nicht in
Ordnung ist. Niemand will offen zugeben, dass die kommunistischen Fuehrer zu Verraetern an ihrem Lande werden, wenn die
kommunistischen Parteien in den osteuropaeIschen Laendern
die gesamte Macht in die Hand bekommen. Die Entwicklungen
dort zeigen eine Tendenz rueckslchtsloser Rivalitaet um
Macht, gepaart mit dem Mangel organisatorischen Talents. Das
Ergebnis war eine endgueltige Diktatur, die in mancher Hinsicht
mit dem ehemaligen Naziregime identisch ist.
Ununterbrochen versichert man uns, dass wir nicht vom
Kominform befehligt werden. Wenn dies Jedoch wahr ist, muss
man sich fragen, warum man keine ausgesprochen daenlsche
Politik betrieben hat, die den daenischen Verhaeltnissen und
der Mentalitaet der daenischen Bevoelkerung Rechnung getragen
und alle konstruktiven Kraefte, die In diesem Lande verfuegbar sind
in ihren Dienst gestellt haette? Warum hat die Partei nicht
so gehandelt, dass die Bevoelkerung die Ueberzeugung gewinnen
koennte, dass in diesem Lande eine wahre Demokratie errichtet
werden kann, in der jeder seine Meinung ohne Risiko aeussern
kann? Dagegen muss Jeder, der eine der kommunistischen Auffassung gegenteilige Meinung aeussert, befuerchten, dass man
sich spaeter seiner erinnern koennte.
"Mund zu gehorchen"
Wenn heute Gewerkschaftler der Kommunistischen Partei
den Ruecken kehren, dann liegt dies nicht etwa an den geaenderten Verhaeltnissen; sie protestieren damit vielmehr gegen
die Tatsache, dass die Partei ruecksichtslos der Gewerkschaftsbewegung Ihre Grundsaetze aufzuzwingen versucht und durch
die Anzettelung illegaler Streiks schwere wirtschaftliche
Verluste fuer die Arbeiter verursacht, die nicht wiedergutzumachen sind.
Es ist ausserdem unbekannt, dass Kommunisten mit gegenteiliger Einstellung fallen gelassen wurden, waehrend andere,
die dem Motto "Mund zu und gehörehen" huldigten, beguenstigt
worden sind. Auch wir moechten hiermit protestieren, und
treten deshalb aus der Kommunistischen Partei aus.
Mitglied Nr. 2003
Henry Olsen, Vorsitzender
Abtlg. T. der EisenbahnerGewerkschaft
Mitglied Hr. 28841
Victor Madsen, Finanzsekretaer
Mitglied Nr. 451
M. Ollgaard Rasmussen, Sekretaer
CHARLES J. MACGOWAN
Der Mann hinter dem Schreibtisch des Praesidenten in
den Bueros der Internationalen Gewerkschaft der Kesselmacher
und Schiffbauer ist grauhaarig, 1,83 m gross und hat maechtige
Haende und Schultern - er hat ueber 25 Jahre bei den Eisenbahnen gearbeitet.

- 7 -

�Es ist Charles J. MacGowan, nun der elfte Vlzepraesldent
des Amerikanischen Gewer kschaftsbundes AFL.
Am 2. Juni 1887 In Schottland geboren, kam MacGowan Im
Alter von 10 Jahren nach Kanada und begann seine Arbeiterlaufbahn in der Kesselwerkstatt der alten Eisenbahngesellschaft
"Grand Trunk Pacific Railroad."
Fast unmittelbar danach schloss er sich der kanadischen
Lokale der .Kesselmachergewerkschaft an und bemuehte sich um die
Verbesserung der Arbeitsbedingungen. (Die Internationale Gewerkschaft war Im Jahre 1880 gegruendet worden und steckte damals
noch in den Kinderschuhen.)
An dem ersten Streik der Werkstattarbeiter der kanadischen
Eisenbahn war MacGowan aktiv beteiligt. Der Streik war ohne
Erfolg, MacGowan reiste jedoch per Gueterwagen umher, um die
Gewerkschaft von neuen zu organisieren. Streiks, Aussperrungen
und das Aufstellen von schwarzen Listen machten es ihm unmoegllch, laengere Zeit ununterbrochen an einer Arbeltsstelle zu
bleiben. 1913 landete er schliesslich in den Vereinigten Staaten,
wo ihm Joseph Franklin, der damalige Praesldent der Kesselmachergewerkschaft, zu einer Beschaeftigung bei der Rock Island Eisenbahngesellschaft verhalf.
Als ernster, fleisslger Mensch widmete MacQowan 20 Jahre
lang seine Freizeit gewerkschaftlicher Taetigkeit. Er arbeitete
staendig an seiner Weiterbildung, organisierte und ergriff als
Gewerkt chaftsfuehrer mehr und mehr Initiative. Er arbeitete in
staedtlschen Ausschüssen fuer Arbeltsangelegenheiten mit, beteiligte sich aktiv am der Arbeit staatlicher Vereinigungen und
nahm an internationalen Konventionen seiner eigenen Gewerkschaft
und des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL teil.
1936 wurde er zum Vlzepraesldenten der Internationalen
Gewerkschaft der Kesselmacher gewaehlt, und als im Jahre 1944
Franklin auf der Konvention in Kansas City sein Amt niederlegte,
wurde MacGowan auf einstimmigen Beschluss zu seinem Nachfolger
ernannt. Drei Jahre spaeter war er Vlzepraesldent des maechtlgen
Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL.
ECA Labor Information
27. Maerz 1950
KONRAD NORDAHL
Konrad Nordahl, der Praesldent der Norwegischen Nationalen
Gewerkschaftsunion, hat die norwegische Gewerkschaftsbewegung
durch mindestens drei der schwersten Krisen hindurchgesteuert,
die sie seit ihrem Bestehen durchzumachen hatte.
Waehrend der schweren Jahre des Krieges und der deutschen
Besatzung war er ununterbrochen Praesldent der Union; auch durch
die Nachkriegszeit, in der die Kommunisten Elnfluss zu gewinnen
versuchten, fuehrte er sicher die Organisation. Heute hilft er
mit, den heiklen Mittelweg einzuhalten, der unter einem Regime
der Arbeiterregierung zwischen Gewerkschaften und Regierung eingehalten werden muss.
Man hat Nordahl oft einflussreiche Stellungen im Storting
(Parlament) angeboten. Immer jedoch hat er mit der Begruendung
abgelehnt, dass die Gewerkschaftsbewegung und die Arbeiterre-

- 8
»

�gierungen verschiedene Verpflichtungen haetten und er nicht
massgebliches Mitglied Im Parlament sein und zu gleicher
Zelt die norwegische Gewerkschaftsbewegung in zufriedenstellender Weise fuehren koenne.
Konrad Nordahl wurde am 35. September 1897 in Bergen
geboren. Bereits als Junge arbeitete er in den Schiffswerften
von Bergen und schloss sich kurz darauf seiner lokalen Gewerkschaft und der sozialistischen Jugendbewegung an.
Von Anfang an stellte er seine Faehigkeiten als Fuehrer
unter Beweis. Bevor er Im Jahre 1931 zum Praesidenten der
Norwegischen Eisen- und Metallarbeitergewerkschaft und zum
Mitglied des Sekretariats der Norwegischen Gewerkschaftsunion
gewaehlt wurde, hatte er viele Aemter in der Lokalgewerkschaft
und In der uebrigen Gewerkschaftsbewegung inne.
Drei Jahre spaeter wurde Nordahl zum Vizepraesidenten
der Nationalen Gewerkschaftsunion und im Jahre 1939, nachdem der
Praesident Regierungsmitglied geworden war, zum Praesidenten
ernannt.
Nordahls Praesidentenschaft gestaltete sichals aeussertt
schwierig. Sieben Monate nach seinem Amtsantritt griffen
die Deutschen Norwegen an. Nordahl gelang es, aus der Hauptstadt zu entkommen und sich mit den norwegischen Kraeften zu
vereinigen, die im noerdlichen Teil des Landes kaempften.
Zwei Tage nach Beginn des deutschen Angriffs unterzeichneten
er und andere Fuehrer der norwegischen Arbeiterpartei einen
Aufruf an alle lokalen Gewerkschaftsfuehrer, innerhalb der
kaempfenden Untergrundbewegung eine Gewerkschaftseinheit organisieren zu helfen. In den beiden Monaten, in denen die
Norweger Widerstand leisteten, hielt sich Nordahl bei den
Streitkraeften der Regierung auf. Als die Front dann vorgeschoben wurde, trat er mit den Gewerkschaften in den befreiten
Gebieten in Verbindung und setzte sich mit seiner ganzen Kraft
fuer die Beteiligung der Gewerkschaften an dem Kampf gegen die
Eindringlinge ein.
Als der militaerische Widerstand im Juni 1940 aufhoerte
und das ganze Land besetzt war, kehrte Nordahl nach Oslo zurueck.
Anfangs erlaubten die Deutschen den Gewerkschaften, ihre Taetigkeit fortzusetzen, in dem Glauben, sie nazifizieren und fuer
Ihre Besatzungszwecke gewinnen zu koennen. Diese Illusion erwies
sich jedoch bald als falsch, und die Deutschen verboten Nordahl
und all denen, die an dem Feldzug im Norden teilgenommen hatten,
ihre gewerkschaftliche Taetigkeit fortzusetzen.
Nordahl hatte jedoch bereits aus den Gewerkschaftsfuehrern
eine Untergrundbewegung gebildet und um sich eine Reihe von
lokalen Fuehrern geschart, die bereit waren, die politischen
Bemuehungen der Deutschen zu sabotieren. Aus dieser Gruppe
entstand bald eine ausgedehnte Untergrundorganisation innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung, und diese Konzentration von Kraeften
sollte in der spaeteren Entwicklung und dem Werden der norwegischen Widerstandsbewegung zum entscheidenden Faktor werden.
Im September 1941 wurde es den Deutschen endlich klar, dass
sie die Norweger nicht nazifizieren konnten; sie verkuendeten
in Oslo das Kriegsrecht und verfolgten die WiderStandskaempf er.
Nordahl gehoerte in erster Linie mit zu denen, die man suchte,
und er fluechtete deshalb aus dem Land.

- 9 -

�Zuerst wandte er sich nach Schweden, wo er sich mit dem
Gedanken trüg, eine zentrale norwegische Gewerkschaftsbewegung
ausserhalb Norwegens zu gruenden. Zu jener Zeit hatte die
norwegische Exilregierung ihr Hauptquartier* in London aufgeschlagen, wo auch der norwegische Verband der Seeleute seit
dem 9. April 1940 seinen Sitz hatte» Nordahl begab, sich also
nach London.
Er erkannte, dass seine Hauptaufgabe darin bestehen musste,
mit dem besetzten Norwegen ueber eine Zentrale in Stockholm und
mit der englischen Gewerkschaftsbewegung und denen der uebrigen
freien Laender, besonders in den Vereinigten Staatent Verbindung aufzunehmen.
*m 12. November 1941 wurde das Londoner Sekretariat der
Norwegischen Nationalen Gewerkschaftsunion gegruendet. Zu Anfang
setzte es sich lediglich aus dem Praesidenten des Norwegischen
Seeleuteverbandes (der zu Jener Zeit auch Leiter des Presseund Informationsbueros der norwegischen Regierung in London war)
und Nordahl zusammen. Spaeter kamen noch andere Mitglieder der
Gewerkschaftsbewgung hinzu, die aus Norwegen entkommen und nach
London gefluechtet waren.
Das Londoner Sc-kretariat wurde sofort von der norwegischen
und den alliierten Regierungen und von den Gewerkschaften
in den allJJerten Laendern als Vertreter der norwegischen Exilgewerkschaftsbewegung anerkannt. Dreieinhalb Jahre lang fuehrte
Nordahl das Londoner Sekretariat, das nicht nur in dem Kampf
um Norwegens Freiheit und Unabhaengigkeit eine hervorragende
Rolle spielte, sondern auch den Grundstein fuer die Nationale
Gewerkschaftsunion in Norwegen nach dem Kriege legte.
Von seinem Londoner Buero aus dirigierte Nordahl die gesamte
illegale Gewerkschaftstatigkeit, die in Norwegen geleistet wurde.
Alle Untergrundgewerkschaften in seiner besetzten Heimat und
alle diejenigen, die in Schweden taetig waren, erkannten das
Londoner Sekretariat als die oberste Behoerde in der Bewegung an.
Die Staerke dieses Kampfes der Gewerkschaftler wurzelte in der
Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaftlern draussen und denen
im eigenen Lande.
Als Leiter des Sekretariats stand Nordahl ebenfalls in
enger Zusammenarbeit mit Regierungsvertretern und half, den
Grundstock fuer den Wiederaufbau seines Landes nach dem Kriege
zu legen. Mit dem Praesidenten der norwegischen Angestelltengewerkschaft, der sich dieser Zeit ebenfalls in London befand, traf
Nordahl Vorbereitungen zur Beilegung von Lohnstreitigkeiten nach
der Befreiung, um den Gewerkschaftsfrieden und die Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in den ersten Jahren
des Wiederaufbaus zu gewaehrleisten. Dieses Programm hat sich
als sehr erfolgreich erwiesen. Waehrend der fuenf Jahre, die
nun seit der Befreiung verflossen sind, hatte Norwegen ein Minimum
an nennenswerten Arbeitskonflikten zu verzeichnen. Nach dem
Kriege setzte sich Nordahl, der einstimmig zum Praesidenten der
Gewerkschaftsunion gewaehlt worden war, fuer die Schaffung des
Weltgewerkschaftsbundes ein. Bald musste er aber erkennen, dass
eine Zusammenarbeit zwischen den demokratischen Gewerkschaften
Westeuropas und Amerikas und den kommunistisch beherrschten
Gewerkschaften Osteuropas unmoeglich war. Als die freien Gewerkschaften deshalb im Jahre 1949 aus dem Weltgewerkschaftsbund
austraten, unterstuetzte Nordahl sofort die Idee, einen neuen,
freien internationalen Gewerkschaftsbund zu gruenden. Im Mai 1949

- 10 -

�stimmte die Nationale Gewerkschaftsunion fuer den Austritt aus
dem Weltgewerkschaftsbund, und das Sekretariat wurde angewiesen,
sich um die Mitgliedschaft im Internationalen Weltbund Freier
Gewerkschaften zu bewerben.
Die Kommunisten sehen in Nordahl verstaendlicherweise ihren
gefaehrlichsten Gegner, und er ist deshalb ihren staendigen
Angriffen ausgesetzt. Obwohl sie jedoch ununterbrochen versuchten,
sich in die Fuehrung der Gewerkschaftsbewegung einzumischai,
mussten sie eine Niederlage nach der anderen einstecken, und
spielen nun eine sehr unbedeutende Rolle. Die Nationale Gewerkschaftsunion hat unter der Fuehrung Nordahls ihre entschlossene
Haltung diesen Intrigen gegenueber bewahrt und alle Einmischungsversuche der Kommunisten zurueckgewiesen.
Die rechtsgerichteten Gegenspieler der Gewerkschaft machen
ihr oft den Vorwurf, sie regiere in Wirklichkeit Norwegen, und
Nordahl sei der Drahtzieher, Dagegen behaupten die Kommunisten»
die Fuehrer der Gewerkschaft seien nur die Dienstboten der
Regierung.
Beides ist Jedoch, wie Nordahl selbst sagt, falsch. Norweger,
sagt er, seien nicht zum Dienstbotentum geboren. Und in einer
demokratischen Gesellschaftsordnung muessten Fuehrung und Verantwortung in den Haenden der verfassungsmaessigen Organisationen
liegen - und das seien Parlament und Kabinett.
ECA Labor Information
18. April 1950
SEELEUTE AMERIKAS VERSPRECHEN EUROPAEISCHEN GEWERKSCHAFTEN IHRE HILFE
Sieben amerikanische Gewerkschaften, in denen 170.000 Seeleute organisiert sind, haben versprochen, "der europaeisehen,
freien Gewerkschaftsbewegung Jedmoegliche Unterstuetzung in ihrem
Kampf gegen die kommunistische Diktatur zukommen zu lassen....rt
Die Gewerkschaften bezeichneten den Marshall Plan und den
Atlantik Pakt als die wirksamsten Mittel, um diesen Kampf zu
fuehren, und versprachen, alles, was in ihrer Macht liegt, zur
Unterstuetzung dieser Plaene zu tun.
Die Praesidenten der sieben Gewerkschaften erklaerten, diese
Entschile ssung sei gefasst worden, nachdem man die Lage der Arbeiterschaft Westeuropas hinsichtlich der wirtschaftlichen Struktur
ihrer Laender und die Verteidigung des freien demokratischen
Regimes eingehend besprochen hatte."
'•Wir wissen," so heisst es in der EntSchliessung, "dass die
Kommunistische Partei und die kommunistischen Gewerkschaften
auf Befehl des Kominform versucht haben und noch versuchen, diese
Laender zu unterjochen, indem sie chaotische Verhaeltnisse schaffen
und Gewalt anwenden, um zu verhindern, dass sich der Marshall
Hilfsplan und der Atlantik Pakt voll auswirken koennen.
"Wir als die Vertreter der Seeleute geloben deshalb, die
Marshall Plan Laender und alle SignatarStaaten des Atlantik
•
Paktes zu unterstuetzen, denn wir sind davon ueberzeugt, dass
Westeuropa nur mit diesen Mitteln wiederaufgebaut werden kann,
und dass nur unter diesen Voraussetzungen4in Europa das bestehen
kann, was wir unter Demokratie und Freiheit verstehen."

- 11 -

�Die Gewerkschaften versprachen ausserdem, sich fuer die
Einberufung einer Konferenz aller amerikanischer Transportarbeitergewerkschaften in Verbindung mit dem Internationalen
Transportarbeiterverband einzusetzen, auf der die notwendigen
Massnahmen formuliert werden sollen, die eingeleitet werden
muessen, um der zerstoerenden und umstuerzlerischen Taetlgkeit
der Kommunisten in der TransportIndustrie Europas und anderswo
zu begegnen."
Unterzeichnet wurde die EntSchliessung von den Praesidenten
der Internationalen Seefahrergewerkschaft, der Gewerkschaft der
Schlffskapitaene, Steuerleute und Lotsen, der Gewerkschaft der
Heizer, der Gewerkschaft der Funker, der Nationalen Seeleutegewerkschaft, des Verbandes fuer das Maschinenpersonal und des
Amerikanischen Rundfunkverbandes.
Omer Becu aus Antwerpen, der Oeneralsekretaer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes, erklaerte vor der Konferenz,
dass "die europaelschen Arbeiter auf Schiffen und in Haefen davon
unterrichtet werden muessten, dass die amerikanischen Seetransportarbeiter den Mars hall Plan, die Marshall Plan Verwaltung und
den Atlantik Pakt unterstuetzen."
Becu berichtete, dass die Kommunisten auf Konferenzen europaelscher Seeleute EntSchliessungen gegen das Entladen von amerikanischen Waffenlieferungen mit Arbeltern, die nicht zur See
fahren, vollgepropft haetten.
"Diese kommunistischen Eindringlinge bringen diese erzwungene
EntSchliessung dann in anderen Haefen in Umlauf und versuchen,
nichtsahnende Gewerkschaften zu veranlassen, dieselben anzunehmen,'1
erklaerte Becu. "Aber das glueckt ihnen nicht immer. Kuerzlich
stimmte sogar eine kommunistisch beherrschte Lokalgewerkschaft von
Seeleuten gegen eine solche Resolution."
ESA Labor Information
4. April 1950
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HXCOG
APO 757

OFPICIAL

i

MJCUÖ B-9?fl L H

J O B « •»&lt;&gt; 17 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der. amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommisaion für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 11

Frankfurt, 19. Mai 1950I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europas einzige Hoffnung
-- 1
Lokale Vereinigung zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit - 2
AFL fordert Gleichberechtigung Westdeutschlande - - - - - U
ILO Direktor fuer gesteigerte Produktivitaet und Vollbeschaeftigung
5
Gewerkschaften Amerikas loben den Marshall Plan
6
Amerikanische Gewerkschaften in Griechenland
---- 7
Sekretaer der Sozialistischen Internationale fuer den
Atlantik Pakt
9
»Marshall" Fahrrad
10
Gewerkschaftliche Untersuchung
H
Gewerkschaftstagung der Arbeiter im oeffentlichen Dienst 11
Neue Arbeiterwohnungen in Italien
-11

EUROPAS EINZIGE HOFFNUNG
Von Arnold Beichman, dem New Torker Korrespondenten des "AFL News Service."
(New York)—Die Parolen der demokratischen Gewerkschaftler Europas, deren
Land von dem sowjetischen Kommunismus ueberrannt wurde, sind:
Langsam arbeiten.
Den Mut nicht verlieren.
Das erste bedeutet: arbeite, produziere und ernte so wenig und so langsam
wie moeglich. Das zweite besagt, dass die Hoffnung besteht, dasa die Laender
hinter dem Eisernen Vorhang eines Tages von der Sowjetdiktatur befreit werden.
Bis dahin - den Mut nicht verlieren.
Diese Parolen stammen von einer Gruppe von Gewerkschaftlern, die sich in
Paris unter dem Namen "Freie Gewerkschaftszentrale im Exil" zusammengeschlossen
haben. Diese Vereinigung setzt sich aus anerkannten Vertretern der Gewerkschaftsbewegungen in Bulgarien, Rumaenien, Jugoslawien, Litauen, Estland, Tschechoslowakei, Ungarn und Polen zusammen.
Es sind Maenner, die den Totalitarismus faschistischer Praegung in ihren
Laendern ueberall bekaempften, wo und wann er sich zeigte; heute gilt ihr Kampf
der kommunistischen Beherrschung.

- 1-

�Sasha Volman, der jugendliche Sekretaer der Freien Gewerkschaftszentrale im
Exil haelt sich zur Zeit in Amerika auf, um mit Funktionaeren der AFL zu konferieren und Hilfe fuer seine Organisation zu erbitten. Als gebuertige.r Rumaene verbrachte Volman einige Jahre in sowjetischen Zwangsarbeitslagern; es gelang ihm zu
entkommen, und er versucht nun mit seinen Kameraden, die unvermeidliche Zerschlagung des Eisernen Vorhangs vorzubereiten.
Die Freie Gewerkschaftszentrale ist an zwei Fronten taetig - ausserhalb und
innerhalb des Eisernen Vorhangs. Ihre Sachverstaendigen arbeiten Berichte ueber
die Arbeitsbedingungen in den sowjetisch beherrschten Laendern aus. Diesen Berichten liegen Informationen zugrunde, die auf illegalem Wege in den Besitz der Gewerkschaft gelangen. Sie werden Personen zur Verfuegung gestellt, die an dem
Propagandakrieg gegen den sowjetischen Imperialismus beteiligt sind.
Ausserdem unterstuetzt die Gewerkschaftszentrale eine Untergrundbewegung
innerhalb der von den Sowjets beherrschten Gebiete. Es ist keine Bewegung, die
Gewalt- und Sabotageakte veruebt, denn die Sowjets wuerden darauf mit blutigen
Repressalien antworten, und gute Menschen wuerden geopfert, was, wie Volman sagt,
"im Augenblick nutzlos waere."
"Unsere Hauptaufgabe," erklaerte er, "besteht darin, das Vertrauen und die
Moral unserer Mitglieder hochzuhalten. Sie duerfen die Ueberzeugung nicht verlieren, dass die demokratischen Kraefte auf der Welt noch am Leben sind.
"Wohl hat die Sowjetunion diese Gebiete besetzt, aber sie hat sie noch nicht
fuer sich gewonnen. Sie konnte noch nicht den moralischen Widerstand dieser
Gebiete brechen.
"Die Kommunisten sprechen nur von ihren Siegen und betonen fortwaehrend, dass
sie die Gewerkschaftsbewegungen der ganzen Welt beherrschten. Sie sprechen von dem
unvermeidlichen Zusararoenstoss mit dem Westen, und dass vom Ausland nichts zu erwarten sei.
"Wir versuchen, dieser kommunistischen Propaganda durch Schriften entgegenzuwirken, die wir in unseren Heimatlaendern in Umlauf bringen. Wir versuchen,
' durch Rundfunksendungen mit den Volksmassen in Verbindung zu treten, um nicht
das Leben der Arbeiter in der Untergrundbewegung gefaehrden zu muessen.
"Die Gewerkschaften sind die einzige Hoffnung in Mitteleuropa.- Es ist die
einzige, noch verbliebene, dynamische Macht, und wir sind der AFL und besonders
Jay Lovestone und Irving Brown fuer ihre Mitarbeit und Unterstuetzung bei der
Gruendung der Zentrale in Paris aeusserst dankbar."
In ihrer antikommunistischen Propaganda schildert diese Gewerkschaftszentrale
u.a., wie die Sowjets ihre Vasallenstaaten ausbeuten und die in diesen Laendern
herausgeschlagenen Gewinne der Sowjetunion zufliessen lassen. Sie entlarvt den
sowjetischen Kommunismus als einen ideologischen Verrat am klassischen Marxismus.
Diese Art ideologischer Polemik mag amerikanischen Gewerkschaftlern seltsam erscheinen, in Europa jedoch, wo die marxistische Theorie fuer viele aus der Gewerkschaftsbewegung eine Glaubenslehre darstellt, ist sie von lebenswichtiger Bedeutung.
Die Zentrale veroeffentlicht ausserdem Schriften, in denen beschrieben wird,
was es fuer die Arbeiter heisst, unter dem Kommunismus leben zu muessen.
Weekly News Service der AFL
25. April 1950
LOKALE VEREINIGUNG ZUR 3EKASMPFUNG DE:i ARBEITSLOSIGKEIT
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund, AFL, der mehr als 7 Millionen Mitglieder
vertritt, setzt sich in zunehmendem Masse fuer die Bildung sogenannter Lokalausschuesse fuer Vollbeschaeftigung ein, die die Arbeitslosigkeit bekaempfen sollen.

- 2 -

�Diese Ausschuesse haben bereits Tausende von Arbeitsplaetzen gefunden und damit
bewiesen, dass durchgreifende Massnahmen auf lokaler Basis zur Loesung des Arbeitslosenproblems beitragen koennen.
Im Monatsbericht der AFL wurden unlaengst die von diesen Ausschuessen erzielten Erfolge zusammengestellt. Die Forderung wurde erhoben, 2 Millionen neue
Beschaeftigungsmoeglichkeiten schaffen zu helfen. Nachstehend sind einige Beispiele wiedergegeben, von denen in einer neueren Ausgabe des AFL Nachrichtenblattes "AFL News Service" berichtet wurde:
In einer amerikanischen Stadt des mittleren Nordens werden drei neue Fabriken in Kuerze den Betrieb aufnehmen. Die Mitglieder des Ausschusses interessierten zwei Firmen aus einer benachbarten Stadt am Kauf von zwei stilliegenden
Ruestungsbetrieben, die ihre Produktion nun umstellen und 400 Arbeiter beschaeftigen werden; ein anderer Unternehmer wird eine chemische Fabrik uebernehmen und
100 Arbeiter einstellen. Mit diesen 500 neuen Arbeitsplaetzen wird ein Fuenftel
saemtlicher Arbeitslosen der Stadt beschaeftigt werden koennen - ein guter
Anfang.
In einer Stadt des Suedens hat man ein Verfahren zur Verarbeitung von Schiefer zu leichten Bausteinen erfunden. Ein Werk wird errichtet, in dem dieser
neue Baustoff hergestellt werden wird.
In einer Stadt des Ostens haben sich die Mitglieder des Ausschusses mit
einer Gummigesellschaft in Verbindung gesetzt, die ihre Fabrik schliessen wollte;
man fand gemeinsam einen Weg, das Werk in Betrieb zu halten, und stellt nun
Werkstoff her.
In einer anderen kleinen Stadt wurde im April 1949 eine Massenkundgebung abgehalten, auf der fuer den Bau eines Fabrikgebaeudes gesammelt wurde, um neue
Arbeitsplaetze zu schaffen. Diese Sammlung ergab einen Betrag von 40.000 Dollar.
Eine Schuhfabrik, die sich vergroessern wollte, war bereit, weitere 20.000
Dollar zu investieren. Man bot ihr ein Gebaeude an, das fuer die Zwecke geeignet war. Daraufhin setzten sich Gewerkschaften und andere Organisationen ein
und erhoehten den Betrag auf 100.000 Dollar. Die Fabrik wurde dann eingerichtet.
Im Februar dieses Jahres nahm sie den Betrieb auf. 400 Arbeiter konnten eingestellt werden, und die neuen Loehne, die der Gemeinde jetzt zufHessen, belaufen
sich auf jaehrlich 1 Million Dollar.
In einer noerdlichen Gegend, wo grosse Arbeitslosigkeit herrschte, schlössen
sich 10 kleinere Unternehmen zusammen und bildeten eine Vertriebsvereinigung; sie
stellten einen Verkaeufer ein, der nun neue Abnehmer wirbt und Auftraege hereinbringt. Keines dieser Unternehmen haette diesen Kostenaufwand allein uebernehmen
koennen.
In einer anderen Stadt benoetigte ein Mann, der die Absicht hatte, ein
kleines Unternehmen zu starten, ein Kapital von 10.000 Dollar, die er von der
lokalen Bank Jedoch nicht erhalten konnte. Durch Subskriptionen von Buergern,
die gewillt waren, in ein gesundes Geschaeftsvorhaben Geld zu investieren, das
die erforderlichen Arbeitsplaetze schaffen konnte, brachte der Vollbeschaeftigungsausschuss die 10.000 Dollar zusammen. Er wurde dabei von den Gewerkschaften unterstuetzt.
Einem anderen Ausschuss gelang es, eine Korbfabrik einzurichten, in der die
ortsansaessigen Arbeiter aus dem in dieser Gegend vorhandenen Holz Koerbe fuer
die Obstzuechter zu niedrigen Preisen herstellen.
In einer Stadt des Ostens ist ein Mitglied der lokalen Zimmermannsgewerkschaft in leitender Stellung des Vollbeschaeftigungsausschusses. In der Stadt
wurde Wohnraum fuer die Familie der niedrigen Einkommensstufen benoetigt; viele
Arbeiter waren erwerbslos. Dieser Gewerkschaftler zog die noetigen Informationen
zur Beschaffung von Krediten ein, die im Wohnungsbaugesetz von 1949 vorgesehen
waren. LTit seinen Kollegen aus dem Ausschuss wurde er persoenlich bei den Behoerden vorstellig, denen die Genehmigung der Kredite oblag, und beschleunigte
den Ablauf der Formalitaeten, bis ein Kredit von 60.000 Dollar zur Verfuegung
gestellt wurde.

- 3-

�Bald werden die Arbeiter mit den Bau neuer, billiger Wohnungen beschaeftigt
sein. Damit hoerte die Arbeit des Gewerkschaftlers jedoch nicht auf. Mit anderen Mitgliedern des Ausschusses arbeitet er an weiteren Projekten zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Sie sind z.B. damit beschaeftigt, die fuer
die Vollendung eines Dammes erforderlichen Gelder zu beschaffen, der eine in
der Naehe liegende Papiermuehle mit Wasser versorgen und ihr es damit ermoeglicben wird, noch mehrere hundert Arbeiter einzustellen.
Auch anderen Ausschuessen gelang es, die Durchfuehrung staatlicher und
lokaler Projekte zu erwirken. Auf diese Weise wurden Strassen gebaut, ein Kanalisier ungssystem erweitert, Schulen und Krankenhaeuser errichtet, den oeffentlichen Schulen mehr Lehrpersonal zur Verfuegung gestellt, das Postwesen und andere
oeffentliche Dienste durch Zurverfügungstellung der benoetigten Arbeitskraefte
verbessert.
In einem Staat des Westens gab der staatliche Ausschuss in mehreren Gegenden "wirtschaftliche Vorlesungen", um die Initiative der Bewohner anzuregen.
Lokale Komitees wurden gebildet, die die Arbeiterschaft und andere Gruppen vertreten. U.a. waren in den verschiedenen Gebieten folgende Erfolge zu verzeichnen: In einer Stadt wird ein Wohnungsbauprojekt im Gesamtwerte von 250.000
Dollar durchgefuehrt. Ein Flugzemgverkehr zwischen mehreren Staedten wird aufgenommen und ein neuer Flughafen gebaut werden. In einer anderen Stadt wird eine
neue Wochenzeit .ng herausgegeben. In einem Staate war fuer Lastkraftwagen eine
Transportsteuer von 250 Dollar erhoben wordenj diese Steuer wurde reduziert,
denn sie verhinderte, dass Lastkraftwagen aus benachbarten Staaten zum Abtransport der Fruechte kamen, die in diesem Staat zum Verkauf angeboten werden; der
Aufschwung, den das Transportwesen durch die Verminderung dieser Steuer genommen
hat, hat das Geschaeft vergroessert und damit vielen Staedten geholfen. Alle
diese Projekte schaffen Beschaeftigungsmoeglichkeiten.
ECA Labor Information
19. April 1950
AFL FORDERT GLEICHBERECHTIGUNG WESTDEUTSCHLANDS
Philadelphia, 12. Mai—In einer gestrigen Verlautbarung der AFL hiess es,
die Vereinigten Staaten sollten den Kriegszustand des Zweiten Weltkrieges beenden und Deutschland in die Gemeinschaft der freien Nationen aufnehmen.
Dies sei noetig, erklaerte der Exekutivrat des Gewerkschaftsbundes, um die
kommunistischen Versuche, Westdeutschland zu erobern, endgueltig zu zerschlagen.
Die russische Aggression wurde als eine schreckliche Bedrohung des Weltfriedens bezeichnet, der man sofort begegnen muesse, wenn die Menschheit nicht in
einen dritten Weltkrieg gestuerzt werden sollte.
Praesident William Green erklaerte, die Empfehlungen der AFL zur Deutschlandfrage seien auf eine "fundamentale Revision der Politik Westdeutschland gegenueber1*
gerichtet.
Die westdeutsche Republik, sagte Green, muesste als souveraener Staat anerkannt werden. Es gaebe keinen anderen Weg, um dem deutschen Volk das Gefuehl der
Solidaritaet mit den westlichen Demokratien zu geben. Hur so sei gewaehrleistet,
dass es alle russischen Machenschaften und Methoden kategorisch abweist, die aus
ihrem Lande einen sogenannten neutralen oder einfach einen weiteren Satelliten
der rassischen Gewaltherrschaft machen sollen.
Ausserdem rief Green die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten dazu auf,
das gegenwaertige Besatzungsstatut fuer Deutschland durch einen Friedensvertrag
zu ersetzen, nach deia Westberlin dem westdeutschen Staat angegliedert werden solle.

- 4 -

�Die US Streitkraefte muessten in Deutschland gehalten werden, sagte Green,
um dem deutschen Volk in seinem Kampf gegen die russische Aggression und die
kommunistischen. Quislingversuche zur Beeintraechtigung seiner Souveraenitaet
beistehen zu koennen.
Die Gewerkschaft brachte ferner zum Ausdruck, dass sie. die Methode der
Alliierten Hohen Kommission verwerfe, die Bonner Verfassung ab und zu ihrem
Vetorecht zu unterwerfen.
"Alle 3e8chraenkungen der Wirtschaftstaetigkeit wie Stahlproduktion und
Schiffsbau muessten aufgehoben werden", sagte Green. Eine solche Politik einzuschlagen, sei umso ratsamer, als die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland zu
einem dringenden Problem geworden sei.

ILO DIREKTOR FUER GESTEIGERTE PRODUKTIVITAET UND VOLLBESCHAEFTIGUNG
David A. Morse, der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes ILO,
schlug ein Weltprogramra zur Hebung des Lebensstandards und Sicherstellung der
Vollbeschaeftigung vor, um auf diese Weise die Gefahr eines neuen Krieges zu
bannen. Erhoehte Produktionsleistung und die gerechte Verteilung der aus der
groesseren Produktion entstehenden Gewinne bilden die Grundlage des Vorschlags
von Morse.
Morse hat die Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und Regierungen von 60
Laendern eingeladen, um seinen Vorschlag auf der 33. Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes zu besprechen, die am 7. Juni im Palais der Nationen in
Genf eroeffnet werden wird.
Er erklaerte, dass Armut und Elend in den aermeren Nationen der Welt nur
durch erhoehte Produktionsleistung beseitigt werden koennten. Vollbeschaeftigung sei fuer die HoechstProduktion unerlaesslich; er rief die Fuehrer aller
Nationen auf, dafuer zu sorgen, dass mit den technologischen Veraenderungen die
Bemuehungen zur gerechten Verteilung der Gewinne Hand in Hand gingen.
"Vollbeschaeftigung," sagte er, "und vor allem die Aussicht auf Fortdauer
dieser Vollbeschaeftigung foerdern die Steigerung der Produktionsleistung. Sie
schliesst erstens Verluste durch unerwuenschte Arbeitslosigkeit aus. Die dauernde Vollbeschaeftigung ermoeglicht zweitens eine relativ gleichmaessige Produktion dadurch, dass es keine periodischen Fluktuationen der Nachfrage mehr gibt.
Drittens wurden in der Vergangenheit die Arbeiter aus Furcht vor der Arbeitslosigkeit staendig veranlasst, technischen Neuerungen gegenueber eine ablehnende
Haltung einzunehmen. Auch die Produktionsbeschraenkungen sind auf diese Ursache
zurueckzuf uehren
"
Morse forderte ausserdem zur Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und
Unternehmern auf, wenn es gelte, irgendwelche technischen Veraenderungen vorzunehmen.
"Die gemeinsame Entschlossenheit, die Produktionsleistung zu steigern, kann
nur bestehen, wenn Unternehmer und Arbeiter vollstes gegenseitiges Verstaendnis
zeigen," sagte er. "Und dieses Ziel kann nur durch engste Zusammenarbeit der
beiden Partner erreicht werden."
Morse schlug vor, dass sich die Delegierten der ILO Konferenz unter anderem
mit den folgenden Fragen befassen die mit der Erhoehung der Loehne und der Produktionsleistung im Zusammenhang stehen:
1. Aus- und Einwanderung. ".... die Welt wird sich in Zukunft mit gesteigerter Aufmerksamkeit diesem Problem zuzuwenden haben.... auch den Möglichkeiten
der Auswanderung auf breiter Basis aus den asiatischen Laendern, die jetzt infolge der geringen Nachfrage nach ungelernten Arbeitskraeften in anderen Laendern
und infolge der Schwierigkeit, eine grosse Zahl von Einwanderern einer fremden
Kultur anzupassen, sehr gering sind. In Laendern wie Italien und Holland bestehen eher Auswanderungsmoeglichkeiten, und zwar wahrscheinlich nach den

- 5-

�Laendern Latein-Amerikas."
2. Auslaendische Investitionen. "Eine Kapitalverlagerung auf internationaler Ebene kann bis zu einem gewissen Grad internationale Verschiebungen der
Bevoelkerung ersetzen.... Es scheint wahrscheinlich, dass ein grosser Teil der
aermsten Gebiete der Welt fuer laengere Zeit zur Armut verurteilt sein wird,
wenn nicht im Ausland grosse Kapitalsummen fuer sie aufgebracht werden koennen."
3. Berufliche Lenkung. "Erfahrungen haben nachweislich gezeigt, dass die
berufliche Auswahl der Arbeiter die Produktionsleistung um 10 bis ueber 40j£
steigern kann."
4. Schichtarbeit. "Wo es keine Nachtarbeit gibt, kann eine Einteilung in
zwei Schichten von je 8 oder eventuell 7 Stunden zur Steigerung der Produktionsleistung beitragen."
5. Handelsschranken. "Ein freierer Handel zwischen den verschiedenen
Laendern Europas wuerde den europaeischen Produzenten groessere Absatzmaerkte
erschliessen, die Spezialisierung foerdern und der Leistungssteigerung dienlich
sein."
6. Gesundheitliche und allgemeine Erziehung. "Die Leistungsfaehigkeit der
Arbeiter wird oft durch niedrigen Gesundheits- und ErnaehrungsStandard und durch
den Mangel an allgemeiner Ausbildung und technischer Schulung beeintraechtigt."
Morse schlug ausserdem vor, dass die Statistiker des Internationalen Arbeitsamtes Untersuchungen auf weltweiter Basis ueber Methoden anstellen, die die sofortige Verbreitung von verbesserten Methoden der Produktion und Betriebsleitung
foerdern sollen. Aber auch dabei duerfe die Wohlfahrt des einzelnen Arbeiters
nie ausser Acht gelassen werden.
"Wenn die wirtschaftliche Wohlfahrt erfordert, dass man Veraenderungen der
Produktions- und Betriebsleitungsmethoden akzeptiert, die der Produktivitaetssteigerung dienen, dann erfordert sie auch, dass derartige Neuerungen auf eine
solche Weise eingefuehrt werden, dass dem Einzelnen moeglichst wenig Nachteile
daraus entstehen. Auch diese Frage sollte Gegenstand einer eingehenden Studie
bilden."
ECA Labor Information
24. April 1950
GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS LOBEN DEN MAUSHALL PLAN
In einer Feierstunde anlaesslich der iäarshall Plan V/ende brachten amerikanische Gewerkschaftler kuerzlich erneut zum Ausdruck, dass sie hinter dem i^arshall Plan stehen.
William Green, der Praesident des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL,
der CIO Praesident Philip Murray, der Sekretaer der Eisenbahnergewerkschaft
E. Lyon und zahlreiche andere politische Fuehrer richteten Glückwunschtelegramme an ECA Administrator Paul Hoffraan, in denen sie von der guten Arbeit
sprachen, die bisher geleistet worden sei. Die drei Gewerkschaftsverbaende vertreten ueber mehr als 15 Millionen amerikanischer Arbeiter.
Alle drei Gewerkschaftsführer hoben die grossen Fortschritte hervor, die
die Arbeiter Europas mit Hilfe des *arshall Planes erzielten und noch erzielen
werden.
Greens Telegramm hatte u.a. folgenden Wortlaut: "Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL ist auf Eure Erfolge stolz und gluecklich, dass es ihm vergoennt
war, mit Euch an dem grossen Wohltaetigkeitswerk zusammenzuarbeiten, das sich
unser Land selbst zur Aufgabe gemacht hat. Grosse wirtschaftliche und politische
Siege sind in Europa errungen worden. Und uns amerikanischen Gewerkschaftlern

-6 -

�ist es eine besondere Genugtuung, dass dieses neue Gefuehl des Wohlergehens
und der Hoffnung im Ausland eine für die Errichtung einer neuen und demokratischen internationalen Gewerkschaftsorganisation guenstige Ataosphaere geschaffen hat."
Murray sagte: "Wir standen hinter dem Marshall Plan, als er begann, und
wir stehen auch jetzt noch hinter ihm. In dieser kurzen Zeit seines Bestehens
hat die ECA viel geleistet, und wir sind ueberzeugt, dass die Fortschritte der
kommenden zwei Jahre hinter denen der ersten beiden Jahr« nicht zurueckstehen
werden."
Lyon hob besonders die Erfolge hervor, die im Hinblick auf ein freies
Europa erzielt worden seien. Er sagte: "Der Exekutivrat der Eisenbahngewerkschaften hat kuerzlich erklaert, dass Demokratie und Freiheit in den Marshall
Plan Laendern gute Fortschritte gemacht haben. Nach unserer Ansicht ist dies
die wertvollste Hilfe, die den Beamten der ECA und allen anderen Funktionaeren
in ihren Bemuehungen zuteil werden kann. Die organisierten Elsenbahner Amerikas kaempfen mit Euch um deren Fortbestand."
Als Antwort hierauf sprach sich Administrator Hoffman anerkennend ueber
die wertvolle Unterstuetzung seitens der amerikanischen Gewerkschaftsorganisationen aus und lobte die Arbeit der Gewerkschaftsmitglieder, die ueberall auf
der Welt im "ienste der EC* stehen.
ECA Labor Information
k. April 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN IN GRIECHENLAND
Joseph F. Heath, der ehemalige NationalVertreter der Amerikanischen Gewerkschaft der Regierungsangestellten (AFL), loest viele Arbeitsprobleme in
Griechenland unter Anwendung der Methoden des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL.
Heath, der stellvertretende Direktor der Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten im Amte der ECA Mission in Griechenland, verhandelt taeglich mit zahlreichen griechischen Gewerkschaftlern.
Mit Entruestüng muss Heath oft feststellen, dass die Arbeitsbedingungen
in Griechenland nur mit den erbaermlichsten zu vergleichen sind, die er in den
Vereinigten Staaten gesehen hatte. Er ist mit den Mitgliedern der GasarbeiterGewerkschaft zu ihren Arbeltsplaetzen gegangen und hat dort Maenner angetroffen,
die barfuss auf der heissen Kohle laufen und uralte Kohlenkarren schieben. In
einem Memorandum an die Beamten der ECA Mission hat er sofort von diesen Zustaenden berichtet. Wenn es Heath gelingt, diesen Arbeitern durch einen hoeheren Lohn oder durch eine Sondervereinbarung mit den Unternehmern zu Schuhen zu
verhelfen, dann hat er ein sehr wesentliches Problem geloest.
Ein Bildreporter eines international bekannten, in Amerika gedruckten
Magazins kam .inmal nach Athen und wollte einige gute Farbaufnahmen machen.
"Wenn Sie mit mir kommen wollten, wuerde ich Ihnen einige Farben zeigen," sagte
Heath. "Drunten in der chemischen Fabrik sind barfuessige Arbeiter mit roten
und gruenen Wunden an ihren Beinen. Eine Menge von Farbenl" Der Reporter
erklaerte jedoch, dass sein Magazin keine unfeinen Bilder wuensche - nur Anmut
und Licht, das blaue Aegaeische Meer und die glaenzende, helle Seite des griechischen Lebens. Solange es keine farbige Gewerkschaftszeitung gaebe, koenne
man derartige Bilder nicht sehen,
Heath hat zusammen mit Direktor D. Alan Strachan schon viel fuer die griechischen Arbeiter geleistet, die wirtschaftlich schwer zu kaempfen haben. So
weigerte sich zum Beispiel die Eisenbahngesellschaft Athen-Piraeus-Peloponnes,
ihren Vertrag, den sie muendlich mit den Arbeitern fuer ein "schnelleres

-7 -

�Schwellenverlegen" abgeschlossen hatte, einzuhalten. Den Arbeitern war fuer
eine Beschleunigung der Arbeit ein Bonus versprochen worden, und sie legten
doppelt so viel Schwellen wie vorher. Die Gesellschaft zahlte Jedoch nicht,
was sie versprochen hatte. Sie schlug der ECA Mission vor, ihr weitere Geldmittel zur Vollendung eines anderen Auftrages zur Verfuegung zu stellenj nur
so koenne sie den versprochenen Bonus zahlen. Dieser Vorfall wurde den ECA •
Missionschefs gemeldet, die sich sofort bereit erklaerten, einzugreifen. Der
Vertreter der Eisenbahngesellschaft wurde gerufen, und man teilte ihm mit,
dass keine finanzielle Hilfe mehr gewaehrt wuerde, bevor der Bonus nicht gezahlt sei. Nach langem Argumentieren wurde die Gesellschaft schliesslich einsichtig, und die Schwellenleger bekamen ihren Bonus.
Und die Gesellschaft wurde gezwungen, diesen Bonus nur den Arbeitern zukommen zu lassen und ihn nicht, wie es in einigen griechischen Industrien von
jeher ueblich ist, an die Doktoren, Buero- und sonstigen Angestellten zu verteilen.
Heath -sprach als "Gewerkschaftskollege" am 1. Mai, dem europaeischen Feiertag der Arbeit, vor dem Allgemeinen, Griechischen Gewerkschaftsbund und uebermittelte die freundschaftlichen Gruesse des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL und der gesamten amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Danach ergriff er
auf einer Massenkundgebung der griechischen Beamtengewerkschaft das './ort, eine
Organisation, die 75.000 Mitglieder umfasst. Er hatte sich schon frueher oft
mit den Ausschuessen dieser Gewerkschaft beraten und kannte ihre Probleme.
Ausserdem hat er volles Verstaendnis fuer die griechischen Beamten, da er selbst
seit 1932 im Dienste der amerikanischen I-tegierung steht.
Nicht immer konnte Heath die Forderungen der griechischen Beamten billigen,
denn er ist auch der Vertreter der amerikanischen Steuerzahler. Trotzdem gelang
es unter der Leitung des Direktors Strachan und der ECA Mission, die Gewerkschaft
fuer gewisse Einsparungen zu gewinnen und ihre Mitarbeit zu sichern. In griechischen Zeitungen spricht man mit Anerkennung von der Beamtengewerkschaft, die
die Vereinfachung der Regierungsgeschaefte, die Beseitigung der politischen
Bevorzugungspolitik und absurder Sondervereinbarungen vorscnlaegt.
Als die Gasarbeiter trotz ihrer verheerenden Arbeitsbedingungen um eine
Lohnerhoehung um 30$ und eine Steigerung des Gastarifs um $0% baten, war Heath
entruestet. Er bewies an Hand statistischer Unterlagen, dass in einer frueheren
Verhandlung die Gastarife um 70% erhoeht worden waren, und warf der Gewerkschaft vor, ein Unternehmerverband zu sein. Das bestritten die Arbeiter natuerlich und gingen schleunigst daran, ihre eigenen Forderungen zu formulieren, ohne
sich um die Gesellschaft zu kuemtaern.
Heath war Praesident der Lokalgewerkschaft 98 B in Philadelphia des Internationalen Verbandes der Elektroarbeiter (International Brotherhood of Electrical
Vforkers), ausserdem Sekretaer der Vereinigten Metallarbeiterverbaende in Philadelphia und Sekretaer der Vereinigten Metallarbeiterverbaende der Ostkueste.
Im Jahre 1932 trat er in die Gewerkschaft der Kegierungsangestellten ein und
leitete waehrend des zweiten Weltkrieges die Operationen in den Schiffswerften
der Ostkueste. Vorher hatte er auf Anweisung des Praesidenten L'illiam Green
an der Operation "Dixie" (Aktion in den Suedstaaten zur Organisierung der Arbeiter in Gewerkschaften; teilgenommen und bereiste als Generalkoordinator den
Sueden. Vor seiner Beorderung nach Athen war Heath nationaler Vizepraesident
der Gewerkschaft der Regierungsangestellten und NationalVertreter der gleichen
AFL Organisation.
Seine Arbeit in Griechenland steht im Dienste der positiven Demokratie
und des Kampfes gegen die Ausbreitung des Kommunismus. Er setzt sich fuer
bessere Lebensbedingungen des griechischen Arbeiters ein.

- 8

�SEKRETAER PSA SOZIALISTISCHEN INTERNATIONALE FUER DEN ATLANTIK PAKT
Julius Braunthal, der neugewaehlte Sekretaer der Comisco, der demokratisch,
sozialistischen Internationale, erklaerte, die europaeischen Sozialisten seien
durch die Tyrannei des Stalin Regimes gezwungen worden eine antisowjetische
Haltung einzunehmen.
In der Veroeffentlichung "New Leader", dem offiziellen Organ der sozialistischen Internationale, bezeichnet Braunthal den Atlantik Pakt als den einzigen Weg, der den friedliebenden Sozialisten zur Verteidigung der demokratischen
Traditionen noch offenstuende.
"Den Sozialisten Westeuropas bleibt keine andere Moeglichkeit, als der
russischen Expansion Widerstand entgegenzusetzen," schrieb Braunthal. "Sie
gebraucht«» die Waffe der intellektuellen Debatte, solange dies moeglich war;
sie bedienen sich sozialistischer Waffen, solange die Freiheit sozialistischer
Taetigkeit nicht in Gefahr ist. Sie werden jedoch zu den Waffen der Gewalt
greifen, wenn sie durch eine bewaffnete Aggression bedroht werden."
Braunthal sagte, dass die Sozialisten Westeuropas durch ihre bejahende
Einstellung zum Atlantik Pakt bekundet haetten, dass sie sich im Kriegsfalle
nicht mehr wie einst mit Russland solidarisch erklaeren, sondern gegen Russland auf der Seite der Vereinigten Staaten kaempfen wuerden.
Indem Braunthal an die vielen Jahre erinnerte, in denen die Sozialisten
Russland in der Hoffnung unterstuetzten, dass dieses Land eines Tages mit dem
Ausland im Einvernehmen leben und sich nach demokratischen Grundsaetzen entwickeln moege, bezeichnete er die Tschechoslowakei und Jugoslawien als Beispiele, die auch die letzten Illusionen beseitigt haetten.
"Die Tschechoslowakei ist im Gegensatz zu Ungarn, Rumaenien oder sogar
Polen kein "rueckstaendiges Land," sondern ein hochentwickelter Industriestaat mit einer alten, hervorragenden Zivilisation und tief verwurzelter demokratischer Tradition. Die Tschechoslowakei bedrohte in keiner Weise die russische Sicherheit. Dieses Land war bereits vor dem kommunistischen Putsch im
Februar 1948 eine demokratische Republik. Die tschechoslowakische Republik
blieb jedoch ein souveraener Staat.... Als die Tschechoslowakei eingeladen
wurde, am Marshall Plan teilzunehmen, beschloss die Regierung - mit der Zustimmung der Kommunisten in der Koalition - dieses Angebot zu akzeptieren. Moskau lehnte jedoch den Marshall Plan ab und zwang die Prager Regierung, ihren
eigenen Entschluss zu widerrufen
Die Tschechoslowakei ist heute, so wie
die sowjetische Ukraine, eine russische Provinz."
Braunthal erklaerte, auch der Fall Jugoslawien stelle Russlands imperialistischen und nicht sozialistischen Charakter unter Beweis.
"In seiner politischen Organisation, seiner wirtschaftlichen Struktur und
seiner Ideologie ist Jugoslawien ein voellig kommunistischer Staat
Die
jugoslawische Regierung meinte jedoch faelschlicherweise, sie sei eine Regierung
eines souveraenen Staates und nicht eine Behoerde oder Satrapie Moskaus...
Dieses Misswrstaendnis wurde jedoch bald richtig gestellt. Da sich die jugoslawische Regierung Moskau widersetzte, wird sie nun von Rüssland und seinen
Satelliten als eine "faschistische," feindliche Macht behandelt. Eine wirtschaftliche Blockade wurde gegen sie verhaengt; ja man droht ihr sogar mit Invasion und Krieg."
"Diese Erfahrung," schloss Braunthal, "haben die ueberwiegende Mehrheit
der westeuropaeischen Sozialisten davon ueberzeugt, dass es Russlands Ziel ist,
die Voelker Europas der diktatorischen Gewalt einer Nation zu unterwerfen. Der
Atlantik Pakt stellt die unausbleibliche Folge dieser Entwicklung dar."
Arbeitsmitteilungen der ECA
6. April 1950

-9-

�"MARSHALL" FAHRRAD
Ein daenischer Fahrradfabrikant hat seinem neuesten Fahrradmodell den
Namen "Marshall" gegeben - als eine Danksagung an den Marshall Plan, durch
den es moeglich war, die Fahrradproduktion der Fabrik aufrecht zu halten und
100 in dieser Branche beschaeftigten Arbeitern ihren Arbeitsplatz zu erhalten.
Im Jahre 1948 war die Fabrik im Begriff, ihren Betrieb einzustellen. Es
war unmoeglich, Kugellager von irgendeiner daenischen Quelle zu beziehen.
Hundert in der Fahrradherstellung beschaeftigten Arbeitern drohte Arbeitslosigkeit. Normalerweise hatten sie 30.000 Fahrraeder im Jahr hergestellt fast ein Siebtel der gesamten daenischen Produktion.
Da erfuhr Lauritz Hansen, der Direktor der Hede Nielsens Werke, dass er
durch den Marshall Plan diese Kugellager von amerikanischen Herstellern kaufen
koennte.
Die Gesellschaft kaufte 1.100.000 Kugellager, die ausreichten, um mehr
als 20.000 Fahrraeder herzustellen und ihre Fahrradabteilung fuer fast 1 Jahr
in Betrieb zu halten. Die Arbeiter dieser Abteilung konnten weiterhin beschaeftigt werden.
Eines der ersten Fahrraeder, die von der Firma herausgebracht wurden,
trug ein besonderes rot-weiss-und-blaues Abzeichen mit dem Sternenbanner. Es
war das "Marshall" Fahrrad. Das Reklameplakat der Gesellschaft zu diesem
Fahrrad traegt die Aufschrift: "Startet Euren eigenen Marshall Plan - kauft
ein Marshall Fahrrad.'*
"Verglichen mit den 150 Millionen, die im Rahmen des Marshall Planes
fuer Daenemark bis jetzt bewilligt wurden," erklaerte Hansen in bezug auf
den Geldbetrag, der ihm zur Verfuegung gestellt wurd», "mag dies nicht als
grosse Summe erscheinen." Sie stellt jedoch einen aeusserst lebenswichtigen
Faktor im Leben unserer Arbeiter und unserer Fabrik dar. Ihre Arbeitsplaetze
und unser guter Ruf, den wir als Fahrradhersteller geniessen, standen auf dem
Spiel.
"Gerade unser Problem, das durch den Marshall Plan geloest werden konnte,
scheint mir ein gutes Beispiel fuer die verstaendige Verwendung der im Rahmen
des Marshall Planes zur Verfuegung gestellten, amerikanischen Dollar zu sein.
Unser Unternehmen hat sich deshalb entschlossen, seinem neuesten Fahrrad den
Namen "Marshall" zu geben, um damit unsere Anerkennung zum Ausdruck zu bringen, die wir der internationalen Zusammenarbeit, wie sie im Marshall Plan
symbolisiert ist, zollen."
Das "Marshall" Fahrrad hat spaeter eine weite Reise angetreten, so weit,
wie Hansen es sich niemals haette traeumen lassen.
Als die Sache mit dem "Marshall" Fahrrad Beamten der ECA zu Ohren kam,
luden sie Hansen zu einer Reise durch die Vereinigten Staaten ein. Er traf
mit zwei Fahrraedern als Geschenk fuer den Vizepresidenten Alben Barkley und
den ECA Administrator Paul Hoffman dort ein. Man lud ihn ein, diesen beiden
Maennern auf ihrer ersten Fahrt per itad in den Strassen von Washington zuzusehen. Hansen hofft nun, auch Amerikaner fuer das Radfahren begeistern und
vielleicht Fahrraeder von Daenemark nach den Vereinigten Staaten-exportieren
zu koennen.
In Daenemark ist das Fahrrad da3 populaerste Transportmittel. Die etwa
k Millionen iiinwohner Daenemarks besitzen mehr als 2 Millionen Fahrraeder.
Waehrend der Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags sind die Strassen bevoelkert mit Arbeitern, Geschaeftsleuten und Beamten, die per Rad von und zu
ihrer Arbeitsstelle fahren. Bei gutem Wetter kann man selbst Koenig Frederick
und die Koenigin Ingrid auf ihren Raedern sehen, und der daenische Vorbote des
Fruehlings ist ein huebsches Maedchen, das mit wehendem Rock Fahrrad faehrt.
Arbeitsmitteilungen der ECA
9. Mai 1950

- 10 -

�GEWERK3CHAFTLICHE UNTERSUCHUNG
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL und der Kongresa der Industrieverbaende CIO, die beiden grossen Gewerkschaftsvereinigungen Amerikas, beteiligen
sich an einer Untersuchung ueber die Moeglichkeiten Amerikas, seine Importe zu
steigern.
Diese Untersuchung, die von zwei privaten Forschungsorganisationen, der
"National Plannini; Association" und der "Twentieth Century Fund," durchgeführt
wird, soll das Verstaendnis des amerikanischen Volkes fuer dieseaProblem foerdern.
Die beiden amerikanischen Gewerkschaftsverbaende erklaerten bereits, dass
sie die Bemuehungen der ECA befuerworteten, die Importe Amerikas an YJaren und
Dienstleistungen zu erhoehen, um Europa und Asien die Moeglichkeit zu geben,
amerikanische Dollars zu verdienen und damit die Dollarluecke zu schlieasen.
Als Gewerkschaftsvertreter werden an der Durchfuehrung der Untersuchung
beteiligt sein: Solomon Barkin, Direktor der Forschungsabteilung der Textilarbeitergewerkschaft (CIO), George P. Delaney, AFL Vertreter fuer internationale
Angelegenheiten, und Michael Ross, Direktor des CIO Referats fuer Internationale
Angelegenheiten.
Diese Untersuchung leiten: E.J. Coil, Direktor der "Planning Association,"
H. Christian Sonne, Vorsitzender des Treuhaenderrates dieser Vereinigung, und
Evans Clark, Direktor des "Twentieth Century Fund."
Arbeitsmitteilungen der ECA
3. Mai 1950
GaaaKSCKAFTSTAGUNG DER ARBEITET! IM CfcFTEKTLICHüN DIENST
In Blackpool, England, werden Mitte Oktober die Vertreter der freien Weltgewerkschaften der Gas- und Elektrizitaetsindustrie zu einer internationalen, technischen Konferenz zusammenkommen, die von dem Internationalen Gewerkschaftsbund
der Angestellten des Oeffentlichen Dienstes einberufen wurde.
Die viertaegige Konferenz wird vom 16. bis 19. Oktober in Verbindung mit
einem Treffen der Nationalgewerkschaft der Oeffentiichen und Gemeindearbeiter,
die dem internationalen Verband angeschlossen ist, abgehalten werden.
Delegierte der europaeischen Nationen und Amerikas werden gemeinsam über
die Entwicklung und Organisation der Britischen Elektrizitaetsbehoerde und des
Britischen Gasverwaltungsrates beraten. In diesem Zusammenhang sind auch Tagungen geplant, auf denen die allgemeinen Arbeitsbedingungen und Verhandlungsmethoden der beiden Industriezweige sowohl in England als auch in den uebrigen
Laendern besprochen werden sollen. Der Frage der Schichtarbeit soll dabei
besondere Berücksichtigung geschenkt werden.ECA Labor Information
20. April 1950

NEUE ARBEITE [WOHNUNGEN IN ITALIEN
Neunzig neue .-.ohnungen fuer Arbeiterfamilien wurden kuerzlich in Ledi bei
Mailand ihrer Bestimmung uebergeben. Die Baukosten waren zur Haelfte aus ECA
Gegenwertfonds gedeckt worden. Es handelt sich um die ersten ..'ohnungen, die
im Rahmen eines von der italienischen Regierung vor einem Jahr aufgestellten
Programms vollendet wurden.

- 11 -

�James D. Zellerbach, der Chef der ECA Uission in Italien, sprach anlaesslich der Einweihung dieser Wohnungen und erklaerte, dass mit Hilfe von SCA
Geldern noch rund 300.000 Wohnungseinheiten fuer *'amilien in Italien gebaut
werden sollten, das ist ein Zehntel des zusaetzllchen Bedarfs an Uohnungen in
diesem Lande.
Bei dieser Feierlichkeit wurde eine Gedenktafel enthuellt, auf der dargestellt ist, wie dieses Projekt durch einen gemeinsamen Beitrag der italienischen Arbeiter und Unternehmer mit Unterstuetzung des amerikanischen Volkes
durchgeführt wurde.
ECA Labor Information
28. April 1950

-12 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

HICOG »-977 L H

OFFICIAL

Jun. 50 17 C

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 12

Prankfurt, 26. Mai 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Zusammenschluss der f r e i e n Gewerkschaften
Italiens - - - - - - - - - - - - - - - - - Zusammenschluss der f r e i e n Gewerkschaften
Asiens - - - - - - - - - - - - - - - - - - Michael Quill
- - - - - - Erklaerung der ERP GewerkchaftsOrganisationen
zum Europaeischen Wiederaufbauprogramm - - -

l
2
4
8

ZUSAMMENSCHLUSS DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN ITALIENS
Drei nichtkommunistische GewerkschaftsOrganisationen
I t a l i e n s haben s i c h zum I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaftsbund
zusammengeschlossen, der eine Anfangsmitgliedschaft von
rund 1.600.000 aufweist.
Es handelt s i c h um die F r e i e I t a l i e n i s c h e Gewerkschaftsfoederation (zum groessten Teil k a t h o l i s c h o r i e n t i e r t ) , um
die Foederation der I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaften ( s o z i a l i s t i s c h )
und d i e u e b e r p a r t e i l i c h e Union Autonomer I t a l i e n i s c h e r Gewerkschaftsverbaende. Die neue Organisation i s t v o e l l i g n i c h t p o l i tisch.
Giulio P a s t o r e , der zum Praesidenten der neuen Organisation
gewaehlt wurde, e r k l a e r t e i n seiner Gruendungsrede, dass S t r e i k s
unentbehrliche Werkzeuge der Arbeiter s e i e n , der Gewerkschaftsbund jedoch diejenigen bekaempfen wuerde, die "aus S t r e i k s eine
Waffe machen moechten, mit der p o l i t i s c h e r Druck ausgeuebt werden s o l l . "
Nach d i e s e r Verschmelzung g i b t es i n I t a l i e n ausser zahlr e i c h e n autonomen Organisationen noch v i e r grosse Gewerkschaftsorg an i s a t i o n e n : Die allgemeine Gewerkschaftsfoederation (unter
kommunistischer K o n t r o l l e ) , der I t a l i e n i s c h e Bund der Gewerkschaf tsverbaende, die Union I t a l i e n i s c h e r Gewerkschaften und
die I t a l i e n i s c h e Foederation Nationaler Gewerkschaftsverbaende.
Arbeitsmitteilungen der ECA
9. Mai 1950
- 1 -

�ZU5AMMENSCHLUSS DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN ASIENS.
Von Richard Deverall,
Vertreter des Amerikanischen
Gewerkschafts bundes AFL in Asien.
Bombay —
Den Anstoss zu der Bildung des Asiatischen
Gewerkschaftsbundes gaben die in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vertretenen, demokratischen Arbeitergruppen.
Die neue Organisation vereinigt in sich alle Kraefte der
freien Gewerkschaften des nichtkommunistischen Asiens. Ausgenommen sind lediglich der sowjetische Ferne Osten und Rot-China.
Auf der im Januar in Nuwara Eüya (Ceylon) abgehaltenen
ILO Konferenz trafen die einzelnen Gewerkschaftsvertreter der
ILO mit K. Hedayat, vom Exekutivausschuss des neuen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, zusammen, um die endgueltige Vereinigung der freien Gewerkschaften Asiens in
einem Gewerkschaftshund zu verwirklichen.
Die Bildung des Asiatischen Gewerkschaftsbundes stellt
einen Meilenstein in der Entwicklung einer maechtigen, demokratischen Bewegung auf dem Kontinent dar. Er kennzeichnet
das Aufkommen des asiatischen Nationalismus und der freien,
demokratischen Kraefte, die nicht nur dem kommunistischen
Imperialismus Widerstand leisten, sondern sich in der Offensive zur Verbannung der Seuche des Totalitarismus aus der
asiatischen Welt befinden.
Der Asiatische Gewerkschaftsbund ist zu einer Zeit- entstanden, in der die kommunistische Macht innerhalb der asiatischen
Gewerkschaftsbewegung mit Ausnahme von Rot-China zerbroeckelte.
Das Manifest des neuen Gewerkschaftsbundes, wie es auf
Ceylon gebilligt wurde, erklaert:
"Asien befindet sich in den Wehen einer Wiedergeburt. Die
Zitadelle des Imperialismus wird baufaellig. Die Zeit, in der
Asien als Gesamtheit frei sein wird, rueckt schnell heran.
Die Erweiterung der Recht« und Privilegien der Massen hat jedoch nicht im gleichen Masse stattgefunden. Die Massen sind
noch immer unentschlossen. Die Eigentumsverhaeltnisse haben
keine Aenderung erfahren. Noch besteht keine Aussicht, Armut
und Arbeitslosigkeit beseitigen zu können. Die Loehne reichen
nicht zum Lebensunterhalt aus. Die Lebenshaltungskosten steigen
immer mehr."
Mit dem Hinweis auf die kommunistische Aggression, die
in ganz Asien intensiviert worden sei, wird in diesem Manifest
die "neue Fuehrung" des Asiatischen Gewerkschaftsbundes begruesst
und erklaert: "Nur die freie Gev/erkschaftsbewegung in Asien
kann diese Fuehrung ausueben." In einer Absage an Imperialismus
und Kolonialismus in jeglicher Form sagt das Manifest von der neuen,
asiatischen, freien Gewerkschaftsbewegung:
"Durch ihre organisierte Macht wird sie den festverankerten
Einfluss imperialistischer Macht auseinanderreissen; die herausfordernde Macht des Totalitarismus, ob kommunistisch oder faschistisch, wird in die Flucht geschlagen und die Ungleichheiten
in der sozialen Ordnung vollstaendig beseitigt werden.*

- 2 -

�Als Hauptziele werden in dem Manifest bezeichnet: (1) Bedeund Versammlungsfreiheit; (3) Beschaeftigung und Sicherheit
dieser Beschaeftigung; (3) Nahrung, Kleidung und Unterkunft,
wie sie zur Wahrung der Menschenwuerde notwendig sind; (4) Regierungswechsel nach demokratischen Prinzipien.
Der Asiatische Gewerkschaftsbund ist damit zum Verfechter
der Sache der freien Arbeiter geworden, die sich mit Recht vor
der ihnen von Rot-China angebotenen, sogenannten "Befreiung"
fuerchten. Sie erinnern sich nur noch allzu gut an die japanische "Befreiung" in der Zeit von 1940 bis 1945. Sie wuenschen
keine Befreiung durch eine fremde totalitaere und imperialistische
Mac ht.
Fung Hoi-chiu vom Gewerkschaftsrat in Hongkong erklaerte
vor der Konferenz auf Ceylon:
"Meine Landsleute (jenseits des Eisernen Vorhangs) haben
etwas zu spaet ihren Fehler erkannt. Sie haben nun unter
Haerten und Entbehrungen zu leiden, die ihren Vorfahren seit
Anbeginn der Geschichte unbekannt waren. Obwohl die Arbeiter
von Hongkong nur schlecht bezahlt sind, glauben die Chinesen,
wir seien hier im Paradies. Fuer die Chinesen hinter dem
Eisernen Vorhang ist Hongkong tatsaechlich die Perle des Fernen
Ostens."
Er fuehrte weiterhin aus:
"Es ist unsere Pflicht, den Chinesen und den Voelkern der
uebrigen asiatischen Staaten zu zeigen, dass die Demokratie ein
weit wirksameres Mittel zur Loesung des Armutsproblems ist.
Wenn sie dies erkannt haben, - und nicht vorher - wird die
Gefahr der kommunistischen Aggression nicht mehr wie ein Alpdruecken auf den Asiaten lasten."
Nachdem das Manifest angenommen war, schritt der Asiatische
Gewerkschaftsbund zu seiner ersten Amtshandlung, die darin bestand, eine Resolution mit dem folgenden Wortlaut einzubringen:
"Diese Konferenz stellt mit Genugtuung fest, dass die arbeitende Klasse in fast allen Laendern Asiens der totalitaeren
Durchdringung der Gewerkschaftsbewegung unter der Fuehrung
Moskaus in zunehmendem Mac;se Vfiderstand leistet. Wenn diese
Durchdringung gelingen wuerde, wuerde sie alle freien Gewerkschaftsbewegungen in Asien zerstoeren und die grosse Masse der
Arbeiter in eine Armee von Sklavenarbeitern, umwandeln."
Die Gründungsmitglieder des Asiatischen Gewerkschaftsbundes sind ebenfalls Mitglieder des vor kurzem gegruendeten
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Die Konferenz
von Ceylon beantragte, dass der Asiatische Gewerkschaftsbund
"von dieser neuen Internationale als die regionale Organisation
fuer Asien anerkannt werden moege."
Der Asiatische Gewerkschaftsbund entbot daraufhin den neuegruendeten Vereinigten Staaten von Indonesien seine Gruesse.
benso brachte er seine Freude ueber die Befreiung des freien
•Vietnam zum Ausdruck und erliess an die franzoesische Regierung
den Aufruf, den Friedensvertrag mit diesem Lande schnell zu
ratifizieren.

f

•- 3 -

�Das Jahr 1950 wird fuer Asien von grosser Bedeutung sein.
Der Kampf dreht sich um Freiheit oder Sklaverei. Die Russen
haben in Peiping ein Buero des Weltgewerkschaftsbundes errichtet,
von dem aus die kommunistische Kampagne gegen die Demokratie
in ganz Asien geleitet werden soll.
Gleich dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
kaempft auch der Asiatische Gewerkschaftsbund fuer Menschenwuerde und menschlichen Anstand, fuer Demokratie und wirtschaftliche Gerechtigkeit. In erster Linie kaempfen die freien Arbeiter Asiens und ihre Organisationen um die Freiheit Asiens, die
heute von den roten Horden bedroht wird, die Empoerung und
Aufruhr stiften.
Die wirkliche Bedeutung des Asiatischen Gewerkschaftsbundes
liegt in der Tatsache, dass die arbeitenden Menschen Asiens die
kommunistische Propaganda durchschauen, mit der Asien im Laufe
der letzter dreissig Jahre ueberechwenuat wurde.
"The American Federationist"
Offizielles Monatsmagazin des Amerikanischen Gewerls chaftsbundes AFL.
Mai 1950

MICHAEL QUILL
Gross war die Erregung, als Michael Quill vor einigen
Jahren seinen- Platz im New Yorker Stadtrat einnahm - der regierenden Koerperschaft der groessten Metropole Amerikas.
Quill als Praesident der maechtigen Transportarbeitergewerkschaft hatte mit einem Streik der staedtischen Untergrundbahnen gedroht,-wenn seinen Mitgliedern keine Lohnerhoehungen
und verbesserte Arbeitsbedingungen gewaehrt wuerden. Die
Beamten der Stadt hatten sich zum Kampf geruestet.
Im Stadtrat kam dieser Kampf offen zum Ausbruch. Eines
der Mitglieder brachte eine Resolution ein, in der Vorwuerfe
gegen Quill erhoben"wurden. Es war eine schwere Anklage gegen
den Gewerkthaftsfuehrer, in der man ihm zur Last legte, versucht
zu haben, die Regierung zu stuerzen und eine Revolution anzustiften. In einer kleinen, verborgenen Klausel wurde Jedoch zugegeben, dass die Beschwerde der Arbeiter berechtigt sei, und
empfohlen, die Stadt moege zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen irgend etwas unternehmen. Das Stadtratsmitglied beantragte
ferner, seine Resolution dem Gewerls chaftsfuehrer als oeffentliche Ruege zu ueberreichen.
Als er geendet hatte, hat Quill um das Wort. Im Saale
herrschte tiefes Schweigen. Die Mitglieder warteten gespannt
auf eine zornige Antwort Quills.
In dessen Augen bemerkte man jedoch ein vergnuegtes Zwinkern, als er - offensichtlich unter Bezugnahme auf die Klausel,
die die Arbeiter betraf, - erwiderte:
"Ich unterstuetze den Antrag."
Dann setzte er sich. Von der Galerie der Pressevertreter
ertoente ein Heulen auf Quills geschickte Antwort, und in einem
Lachsturm wurde die Resolution niedergeschlagen.

- 4 -

�Spaeter setzte die Gewerkschaft viele ihrer Forderungen
ohne Streik durch.
Das war nur einer der zahlreichen Angriffe, denen "Mike"
Quill und seine Gewerkschaft im Laife der bewegten Geschichte
der Transportarbeitergewerkschaft ausgesetzt waren, und die
er mit einer Kombination von Humor und Geistesgegenwart abschlug.
Denn die Geschichte von der Entwicklung der Transportarbeitergewerkschaft ist zum grossen Teil die Geschichte dieses klugen,
gutgelaunten Irlaenders.
Quill wurde am 18. September 1905 in County Kerry (Irland)
als Sohn eines armen, irischen Bauern geboren. Die Familie
Quill war in der Bewegung fuer die Unabhaengigkeit ihres Landes
von der britischen Herrschaft, und ihr kleines Gebirgsbauernhaus bot vielen irischen Freiheitskaempfern, die von den "Black
and Tan" gesucht wurden, Unterkunft und Versteck.
Mit 14 Jahren bewaffnete sich der junge Mike mit einem
Gewehr und schloss sich seinen drei Schwestern und fuenf Bruedern
im Kampf um ein freies Irland an. Im Fruehjahr des Jahres 1920
befand sich ein grosser' Teil der Familie wegen revolutionaerer
Taetigkeit im Gefaengnis.
Als ein erfahrener Kaempfer fuer die Unabhaengigkeit
wanderte Quill deshalb im Jahre 1926 nach Amerika aus. Seine
Anhaenger behaupten, dass ihn das "Glueck des Irlaenders" von
dem Beginn dieses Unternehmens an begleitet habe, er war naemlich am Tag des St. Patrick, des Schutzpatrons Irlands, in
New York angekommen.
Nach seinem Eintreffen in Amerika arbeitete er mit Hacke
und Schaufel bei der Untergrundbahn der Achten Avenue. Spaeter
war er in den Kohlengebieten von Pennsylvanien beschaeftigt,
um dann als Fahrkartenschaffner, Zugbegleiter und Kontrolleur
bei der "IRT-Untergrundbahn (IRT-Interborough Rapid Transit Schnellverbindung der Stadtteile New York) taetig zu sein.
Zu dieser Zeit entschlossen sich "Mike" und eine kleine
Gruppe ihm gleichgesinnt er Leute, eine Gewerkschaft zu organisieren. Quill arbeitete damals 7 Tage pro Woche und 14 Stunden
taeglich, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine
starke, unangreifbare Unternehmergewerkschaft hinderte seine
14.000 Arbeitskollegen daran, gegen diese Bedingungen mit Erfolg
zu protestieren.
In einem Gasthaus in der Naehe des Zentralparks fand die
erste Versammlung der "Gewerkschaft" statt, die notgedrungen
geheimgehalten werden musste. Plaene wurden entworfen und
bald regelmaessig Versammlungen in moeblierten Zimmern, Vorhallen in Hotels, in Parkanlagen und Gasthaeusern abgehalten.
In kuerzester Zeit hatte Quill mit seinen feurigen, begeisternden Reden, seinem humorvollen Wesen und seiner gepfefferten,
irischen Mundart die anderen Mitglieder davon ueberzeugt, dass
es unerlaesslich waere, eine Gewerkschaft zu haben. Nach einem
Jahr hatte die Gewerkschaft genuegend Anhaenger, um einen hauptamtlichen Organisator beschaeftigen zu koennen. Quill gab seine
Arbeit als Kontrolleur .auf und widmete sich dem Aufbau dieser
Organisation.
1936 wurde er zum Praesidenten der Gewerkschaft gewaehlt,
die damals noch nicht angeschlossen war. Nach Empfang des
internationalen Freibriefes des CIO im Jahre 1937 wurde Quill
der erste Praesident der Transportarbeitergewerkschaft Amerikas

5 -

�und Mitglied im nationalen Exekutivausschuss des CIO. Bei
allen darauffolgenden Gewerls chaftswahlen wurde er in seiner
Stellung als Praesident der Transportarbeitergewerls chaft
Amerikas bestaetigt.
In den sechs Monaten, die dem Anschluss dieser Gewerkschaft an den CIO folgten, konnte sie 44,000 neue Mitglieder
anwerben und "closed-shop" Vertraege mit allen groesseren
Verkehrsge.jellschaften der Stadt New York abschliessen. (Nach
dem "closed-shop" System duerfen nur Mitglieder einer bestimmten Gewerkschaft vom Arbeitgeber eingesta.lt werden). Spaeter
loeste sie sich wieder vom CIO, um die Mitglieder einer Autobusgesellschaft in der Stadt aufzunehmen, und setzte ihre
Organisationstaetigkeit zur Erfassung der Transportarbeiter
und Taxichauffeure in Chikago, Philadelphia, San Franzisko
und anderen Staedten fort.
Im Juiire 1941 war die Arbeitswoche im Verkehrsgewerbe
auf fuenf Arbeitstage reduziert worden. Die Arbeiter hatten
Anspruch auf einen zweiwoechigen, bezahlten Urlaub, vier
bezahlte Feiertage im Jahr, eine freiwillige Krankenversicherung
und die Aufhebung der in den Krisenjahren 1930-1937 eingeführten Lohnkuerzungen. Ausserdem war es der Gewerkschaft gelungen,
feste Einrichtungen zu schaffen, denen die- Fuehrung von Kollektiwerhandlungen und die Bearbeitung von Beschwerden oblag.
Aber selbst vor diesen Ereignissen war die Persoenlichkeit
Quills auch ausserhalb der Gewericschaft populaer geworden.
1938 wurde er als Vertreter von Bronx (Stadtteil von New York)
in den Stadtrat gewaehlt. In diesem Rat setzte er sich fuer
die Bereinigung der Elendsviertel, moderne Wohnungen zu niedrigen Preisen, oeffentliche Milchverteilung und aehnliche
Massnahmen ein. Ausserdem galt seine Arbeit der Abwehr antigewerkschaftlicher Angriffe gegen seine Gewerkschaft und ihn
selbst.
Die Schwierigkeiten, in die Quill mit der Stadt geriet,
begannen im Jahre 1940, als die in Privatbesitz befindlichen
Untergrundbahnen New Yorks von der Stadt uebernommen wurden.
öer"Board oi TransDortation" (Verwaltungsrat), der mit der Leit u % der Untergrundbahnen beauftragt war, erkannte den Vertrag
nicht an, den die Gewerkschaft mit den Privatunternehmern abgeschlossen hatte, mit der Begruendung, dass die Stadt mit
ihren Arbeitnehmern nach dem Gesetz keine Kollektiwerhandlungen fuehren koenne. Der Kampf um die Anerkennung des Vertrages dauerte sieben Jahre lang.
Er fand erstmals sein Ende, als sich der Praesident des
CIO John J. Lewis einschaltete und die Stadt sich damit einverstanden erklaerte, die Vertraege bis zu ihrem Ablaufsdatum,
dem 30. Juni 1941, anzuerkennen.
Als ihre Gueltigkeit jedoch erloschen war, weigerte sich
der "Board of Transportation", von Bürgermeister Fiorello
La Guardia unterstuetzt, die Vertraege zu erneuern. Der Kampf
zwischen La Guardia und Quill, der nun folgte, war ein Kampf
zwischen zwei der passioniertesten, hervorragendsten Persoenlichkeiten in der New Yorker Geschichte. Der Buergermeister
nannte Quill einen "dickkoeofigen, eigensinnigen, Verantwortungs
losen Geweric chaftsfuehrer" und lehnte rundweg seine Forderungen
ab. Quill drohte, einen Streik selbst auf die Gefahr hin auszurufen, gesetzlich bestraft zu werden. "Kein Vertrag, keine

- 6 -

�Arbeit," lautete sein Ultimatum. " Der Buergermelster," sa?te
er, "habe zwei Zungen."
56 Stunden vor Ausbruch des Streiks erklaerte sich die
Stadt jedoch einverstanden, den Vertrag solange in Gueltigkeit
zu belassen, bis eine gerichtliche Entscheidung gefaellt sei.
Auch diese Entscheidung Hess jedoch die Frage der Anerkennung
in gewissem Sinne offen. Die Behauptung der Stadt, dass kein
Vertrag mit den Arbeitnehmern der Stadt abgeschlossen werden
koenne, wurde unterstuetzt. Andererseits wurde festgelegt,
dass die in dem Vertrag enthaltenen Bestimmungen zu befolgen
seien.
In jedem folgenden Jahr brach der Kampf von neuem aus,
wenn die Bestimmungen des Vertrags erloschen waren - dieses
Mal war es ein Kampf zwischen Quill und dem Bürgermeister
O'Dwyer. Er fand schliesslich im Jahre 1947 ein Ende, indem
man sich auf eine von O'Dwyer unterstuetze Formel einigte.
Danach erklaerte sich die Stadt damit einverstanden, den Gewerkschaftsgruppen auf deren Ersuchen eine Vertretung zu bewilligen!
deren Staerke sich nach der nachgewiesenen Uitgliederzahl der
Gewerkschaften richten sollte. Es wurde abgestimmt, und fast
90g der Transportarbeiter der Stadt brachten durch ihre Unterschrift zum Ausdruck, dass sie nicht nur wuenschten, durch die
Transportarbeitergewerkschaft vertreten zu werden, sondern auch,
dass die Gewerkschaftsbeitraege vom Lohn abgezogen werden. Die
Gewerkschaft hatte somit gewonnen.
In spaeteren Jahren waren Vertragsbestimmungen Gegenstand
ernstlicher Zwistigkeiten zwischen Quill und O'Dwyer. Mehrere
Male drohte .Quill mit Streik, und oft warf man ih;: vor, eine
Verlangsainung angeordnet zu haben. Kein einziges Mal jedoch
legte ein Streik den Untergrundbahnverkehr still.
Ein Kampf wurde von Quill und O'Dwyer gemeinsam durchgefochten. Es war in dem unpopulaeren Ringen um die Erhoehung
der Fahrpreise der Untergrundbahnen. Jahrelang war die Stadt
New York stolz auf die Parole ihrer Untergrundbahnen gewesen:
"die laengste Fahrt der Welt fuer fuenf Cents.•' O'Dwyer hatte
seinen Waehlern gegenueber oft erklaert, dass er eine Fahrpreiserhoehung niemals billigen wuerde. Nun sah sich, im Jahre 1948,
die Stadt jedoch in einer finanziellen Klemme. Geldmittel, die
sie beim Staat angefordert hatte, waren nicht bewilligt worden;
die Untergrundbahnen standen vor dem Ruin; die Arbeiter der
Untergrundbahnen forderten in Anbetracht der erhoehten Lebenshaltung svosten eine Lohnerhoehung.
O'Dwyer sah sich nun der unangenehmen Aufgabe gegenueber,
eine Fahrpreiserhoehung zu befuerworten oder andere Dienstleistungen der Stadt zu kuerzen und die Lohnforderungen der
Arbeiter abzulehnen. Auch fuer Quill war dies eine unpopulaere
Situation, es gelang dem Gewerkschaftsfuehrer jedoch, seine
Mitglieder auf die Seite des Buergermelsters zu bringen. Hoehere
Fahrpreise wurden eingefuehrt, und die Arbeiter erhielten ihre
Lohne rhoehung.
Durch diese Einstellung Quills entstand ein Br;ch in den
Beziehungen, die ihn seit langem mit den kommunistisch beherrschten Koerperschaften in New York verbanden - der Amerikanischen
Arbeiterpartei, die fuer die Beibehaltung des 5 Cent Tarifs war,
und dem CIO Stadtrat von Gross-NewYork.

- 7 -

�Unter dem Banner der Amerikanischen Arbeiterpartei war
Quill im Jahre 1945 wieder in den Stadtrat gewaehlt worden.
Im April 1948 legte er jedoch sein Amt als stellvertretender
Vorsitzender der Amerikanischen Arbeiterpartei nieder, weil
sich die Partei der Lohnpolitik der Transportarbeitergewerkschaft widersetzte und den linksgerichteten Praesidentschaftskandidaten Henry Wallace unterstuetzte.
Quill beteiligte sich ausserdem aktiv an der Bildung des
CIO Stadtrates und war mehrere Jahre lang dessen Vizepresident.
1948 wurde er zum Praesidenten gewaehlt, trat jeoch im Maerz 1948
auch von dieser Stellung zurueck, weil er Wallace nicht unterstuetzen wollte und der Stadtrat sich fortwaehrend der Politik
des Nationalen CIO entgegenstellte, der die Wiederwahl des
Praesidenten Truman befürwortete. Der CIO Stadtrat wurde
spaeter auf Anordnung des Nationalen CIO wegen kommunistischer
Umtriebe aufgeloest, und Quill half mit, eine nie htkojnraunis tische
CIO Körperschaft zu bilden, die dessen Funktionen uehernehmen
sollte.
Quill, der jahrelang den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen
fuer seine Mitglieder vom kommunistischen Lager aus gefuehrt hatte,
weiss nur zu gut, dass die beste Offensive gegen den Kommunismus
eine Bevoelkeruhg ist, die gut ernaehrt ist, gut behandelt wird,
und der gute Wohnverhaeltnisse geboten werden.
In seiner Rede auf der Konvention des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in London machte Quill den Regierungen der westlichen Demokratien den Vorwurf, diesen Problemen
nicht genuegend Aufmerksamkeit gewidmet zu haben.
"Ich will es ebenso offen wie andere aussprechen," sagte
er, "dass ein grosser Teil der Schwierigkeiten, in denen sich
die Welt heute befindet, den Kommunisten und der kommunistischen
Taetigkeit in den verschiedenen Laendern zuzuschreiben ist. Es
genuegt jedoch nicht, den Kommunismus nur zu bekaempfen. Wenn
wir die Menschen, die heute in Not sind, fuer uns gewinnen wollen,
muessen wir ihnen ein positives Programm geben, und wenn ich
sage "Wir", dann meine ich die Arbeiterschaft dieser Laender.
Arbeitsmitteilungen der BGA
24. Maerz 1950
ERKLAERUNG DER ERP GEWERKSC HAFTS ORGANISATIONEN ZUM EURO'
PAEISCHEN WIEDERAUFBAU PROGRAMM
Die dritte Konferenz der ERP Gewerkschaften, die vom 18. bis
20. April 1950 in Rom zusammentritt, moechte an erster Stelle
von neuem erklaeren, dass sie das Hauptziel des Europaeischen
WiederaufbauProgramms unterstuetzt: den Wiederaufbau und die
Vereinigung Westeuropas auf der Grundlage der Freiheit, sozialen
Sicherheit und des hoechstmoeglichen Lebensstandards.
Die Konferenz stellt mit groesster Genugtuung fest, dass
das ERP waehrend der beiden letzten Jahre beachtliche Erfolge
erzielt hat; sie erachtet als unbedingt notwendig, das Hilfsprogramm fortzusetzen, damit die bisher erzielten Erfolge und
die voellige Verwirklichung des ERP nicht in Frage gestellt
werden.
Nach eingehender Pruefung des Berichtes des Unterausschusses
fuer die Wirtschaftliche Wiedergesundung Westeuropas im Gewerk-

- 8 -

�schaftlichen Berätungsaus sc huss des ERP, des Berichtes der italienischen Delegation ueber die Arbeitsmarktlage und die Aus- und
Einwanderungsmoeglichkeiten und des Entwurfes einer Resolution,
der von der skandinavischen Gewerkschaftsdelegation unterbreitet
wurde, hat die Dritte ERP Gewertechaftskonferenz beschlossen,
sich in den folgenden Punkten zu der Politik zu aeussern, die zur
wirtschaftlichen Wiederbelebung Europas betrieben werden soll.
Es ist vereinbart, dass diese Punkte zur rechten Zeit und im Laufe
ihrer Verwirklichung auf nationaler und internationaler Basis von
den zustaendigen Gewerkschaftsorganisationen zu behandeln sind.
1«

Volle Ausnutzung der vorhandenen Hilfsquellen

Sowohl in den einzelnen Laendern als auch im gesamten Westeuropa
muss die volle Ausnutzung der vorhandenen Hilfsquellen und Arbeltskraefte und eine gerechtere Verteilung der nationalen Einkommen
gesichert werden, um einen hoeheren und staendig steigenden Lebensstandard fuer Alle zu ermoeglichen.
Die beteiligten Regierungen muessen zu der Erkenntnis gebracht
werden, dass Massenarbeitslosigkeit als Folge des Liangels an Kaufkraft unter den Arbeitern, wie sie in bestimmten Laendern wieder
auftritt, mit grossen wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Gefahren verbunden ist. Folglich ist eine Politik der Vollbeschaeftigung nicht nur um ihrer selbst Willen, sondern auch als Vorbedingung fuer die Wohlfahrt Jedes Landes und der Gesamtheit der Nationen unbedingt erforderlich. In diesem Zusammenhang sollten die
Regierungen grundsaetzlich die Vorschlaege akzeptieren, die in dem
kuerzlich ausgearbeiteten Bericht der Sachverstaendigen der Vereinten Nationen fuer die Beibehaltung der Vollbeschaeftigung enthalten waren. Sie sollten diese Empfehlungen nach den in jenem
Bericht vorgeschlagenen Methoden verwirklichen.
An dieser Stelle muss gesagt werden, dass von gewerkschaftlichen Gesichtspunkten aus Systeme, wie zum Beispiel die Europaeische Zahlungsunion (EPU) nur dann befuerrortet werden koennen,
wenn sie in den Rahmen einer nationalen und internationalen Politik der Vollbeschaef tigung hineinpassen.
Es ist ausserdem von groesster Wichtigkeit, dass die Vereinigten Staaten und die anderen betreffenden Laender eine aehnliche
Politik der Vollbeschaeftigung betreiben.
3. Verbesserung der Produktionsmethoden und der Organisation.
Die Gewerkschaften sind im allgemeinen der Auffassung, dass
die Organisation und die Methoden der Produktion in allen Wirtschaftszweigen verbessert werden muessen, damit durch niedrigere Preise
der inlaendische Verbrauch und der Export gesteigert werden koennen.
Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass hoehere Produktionsleistung nur dann zu einem verbesserten Lebensstandard
fuehren kann, wenn sie durch hoehere Loehne und niedrigere Preise
belohnt wird.
3.

Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs

Die Gewerkschaften vertuen die Auffassung, dass die Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs, einschliesslich der
Senkung der Zoelle, die Erschliessung neuer Massenabsatzmaerkte
beguenstigen kann, die ihrerseits wiederum Anlass zu Verbesserungen
der Produktionsmethoden und -Organisation geben werden. Es muessen
jedoch die notwendigen nationalen und internationalen Vorsichtsmassre^eln getroffen werden, um zu verhindern, dass sich diese Libera-

- 9 -

�l i s i e r u n g auf Laender ausdehnt, i n danen gegenwaertig nicht d i e jenige Art von A r b e i t s l o s i g k e i t h e r r s c h t , die auf Mangel an Kaufk r a f t der A r b e i t e r oder die neuen Konkurrenzbedingungen zurueckzufuehren i s t .
Es darf ausserdem nicht vergessen werden, dass die L i b e r a l i sierung nur a l s T e i l der Berauehungen zu werten i s t , die eine bessere
i n t e r n a t i o n a l e Verteilung der Arbeitskraefte und damit bessere
Lebensbedingungen fuer Alle zum Z i e l e haben»
Die L i b e r a l i s i e r u n g des Handels und Zahlungsverkehrs darf
d i e s o z i a l e n und w i r t s c h a f t l i c h e n Erfolge der f o r t s c h r i t t l i c h e n
Regierungen Europas nicht mindern.
Bestimmte wesentliche Zweige der nationalen Wirtschaften der
b e t e i l i g t e n S t a a t e n muessen ausserdem waehrend der besagten Uebergangsperiode gegen gefaehrliche Deplacierung und Aufspaltung g e schuetzt werden, damit d i e p r i v a t e n und o e f f e n t l i c h e n Unternehmen
genuegend Z e i t haben, s i c h den neuen Konkurrenzbedingungen anzupassen, ohne ueber Nacht i h r e gegenwaertigen Absatzmaerkte zu v e r l i e r e n , d i e s i e zu i h r e r Existenz brauchen. Insbesondere muessen
die A r b e i t e r , die durch den Uebergang voruebergehend betroffen
s i n d , mit angemessenen Arbeitslosenunterstuetzungen v e r s o r g t werden.
4. Lenkung der Investierungen
Die Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs kann,
wenn sie mit nationalen und intenationalen Massnahmen zur Sicherung
der Vollbeschaeftigung kombiniert ist, die guenstigste Verteilung
der Kapitalien foerdern. Trotzdem wird die unmittelbare Lenkung
der Investierungen durch die Regierungen oder die ihnen verantwortlichen Koerperschaften als eine Bedingung zur Sicherung der Vollbeschaeftigung notwendig sein. Diese Koordinierung bedeutet ebenso
wie jede andere Angleichung der Wirtschaftspolitiken, dass die betreffenden Laender einen Teil ihrer Souverenitaet .aufgeben muessen.
Auf europaeischer Basis wird wahrscheinlich die Koordinierung der
Produktion und Investitionen nicht vollstaendig und sofort verwirklicht werden koennen, es ist jedoch denkbar, dass eine Reihe
•von Schlüsselindustrien, wie Elektrizitaet, Stahl, Kohle, Textil,
Kunstduenger und andere, leichter zu koordinieren sind.
Die Koordinierung der Investierungen durch die Regierungen
ist ausserdem deshalb notwendig, weil vermieden werden muss, dass
diese Funktionen erneut von privaten, internationalen Kartellen
ausgeuebt werden. Durch diesen Kampf gegen die Maechte des privaten Monopols kann die internationale Koordinierung der Investierungen den einzelnen Regierungen den Weg weisen, den sie zur
Bekaempfung der Monopole in ihren eigenen Wirtschaften einschlagen
muessen, um die Vollbeschaeftigung und einen steigenden Lebensstandard zu sichern.
5. Ueberschuss an Arbeitskraeften
Alle Massnahmen muessen ergriffen werden, um einen Austausch
der Arbeitskraefte innerhalb und ausserhalb Europas zu ermoeglichen und die strukturelle Arbeitslosigkeit zu beseitigen, die
trotz der Anwendung der oben erwaehnten Richtlinien zur Sicherung
der Vollbeschaeftigung noch herrscht.
Die Gewerkschaften und die Organisation fuer Europaeische,
'.Viruschaftliche Zusammenarbeit sind sich darueber einig, dass in
den Laendern, in denen ein aussergewoehnlich grosser Ueberschuss
an Arbeitskraeften herrscht, eine Auswanderungspolitik auf grosser Basis betrieben werden muss. Ziel der Auswanderer muessen
wenig entwickelte Ueberseegebiete sein, da die schnelle Aufnahme

- 10 -

�einer grossen Anzahl auslaendischer Arbeiter in die hochindustrialisierten Laender Westeuropas die Gefahr einer Missplacierung in
sich birgen wuerde. Die allmaehliche Verteilung der Produktion
als Ergebnis der Liberalisierung des Austausches unter den ERP
Laendern wird notwendigerweise eine entsprechende Beweglichkeit
und Verteilung der Arbeitskraefte mit sidi bringen, in die auch
die gegenwaertigen und zukuenftigen "Ueberschuesse" einbezogen
werden muessen.
Die Gewerkschaften sind der Auffassung, dass das Wohnungsproblem einen sehr wichtigen Aspekt des Problems der Arbeitslosigkeit
und der Beweglichkeit der Arbeitskraefte darstellt. Zweifellos
macht der Mangel an Wohnungsmoeglichkeiten die restlose Ausnutzung
der Arbeitskapazitaet von Millionen von Menschen in Europa, besonders in Deutschland, Italien und Frankreich unmoeglich. Der
weitverbreitete, akute Wohnraummangel bildet ausserdem ein Hindernis fuer die Angleichung der Löhne an die erhoehten Lebenshaltungskosten.
Die freien Gewerkschaften fordern deshalb die Regierungen auf,
sich noch viel intensiver fuer die Loesung des sehr dringlichen
Wohnungsproblems in Westeuropa einzusetzen. Internationale Vereinbarungen zur Finanzierung der Wohnungsbauprojekte als oeffentliche
Arbeiten muessen ins Auge gefasst werden.
6. Das Dollarproblem
Zur Schliessung der Dollarluecke in moeglichst kurzer Zeit
muessen nach Ansicht der Gewerkschaften die ERP Laender bestrebt
sein, ihre Dollarimporte zu reduzieren, ihre Dollarexporte zu erweitern und moeglichst viel Waren aus Nichtdollargebieten zu beziehen.
Die Gewerkschaften teilen die allgemeine Meinung, dass Westeuropa seine Exporte nach den Absatzmaerkten der Vereinigten Staaten nur steigern kann, wenn die Vereinigten Staaten ihre Zoelle
wesentlich reduzieren und die Zollverfahren vereinfachen.
Andererseits sehen die Gewerkschaften jedoch ein, dass die
sofortige Verwirklichung dieser Massnahmen allein das Dollarproblem nicht loesen kann.
Ohne einen bedeutenden Zustrom an Dollars, sei es als Anleihen oder Investitionen, in die ERP Laender, ihre abhaengigen
Ueberseegebiete oder in die anderen rueckstaendigen Gebiete der
Welt, wird Europa seinen gegenwaertigen Lebensstandard nicht aufrechterhalten koennen, eine Tatsache, die ihrerseits bedenkliche
Reaktionen in der amerikanischen '.Virtschaft hervorrufen koennte.
Nach Auffassung der ERP Gewerkschaften ist es unbedingt erforderlich, dass an der Loesung der europaeischen Probleme enger
zusammengearbeitet wird. Hierzu gehoeren das Problem der Arbeitskraefte und die Verwirklichung der "Punkt-VierH Idee Praesident
Trumans.
Ferner muss betont werden, dass das Dollarproblem von weltweiter Bedeutung ist und endgueltig nur durch die Schaffung eines
neuen Gleichgewichtes des Welthandels als das Ergebnis eines umfang
reichen Kapitäleinflusses von den Vereinigten Staaten sowohl als
auch von anderen Industrielaendern in die Gebiete der Welt geloest
werden kann. Diese Beschleunigung der industriellen Entwicklung
wird mithelfen, das Problem der ueberschuessigen Arbeitskraefte
zu loesen.

- 11 -

�Es erscheint deshalb notwendig, dass eine internationale
Maschinerie geschaffen wird, die den staendigen Fluss solchen
Kapitals leitet und aufrechterhaelt.
7.

Europaeische Einheit

Die demokratischen Gewerkschaften erkennen einmuetig die
Notwendigkeit einer europaeischen Einheit an. Nur in einem vereinigten Europa koennen Probleme wie die Koordinierung der Investierungen, Liberalisierung des Handels, Errichtung einer europaeischen Zahlungsunion und Beweglichkeit der Arbeitskraefte in
zufriedenstellender Weise und voellig geloest werden. Dabei muss
man sich darueber im klaren sein, dass die wirtschaftliche Koordinierung und Vereinigung von den entsprechenden politischen Massnahmen begleitet sein muss. Die Einheit ist von so grosser Bedeutung,
dass selbst Risiken dabei in Kauf genommen werden muessen. Wenn
jedoch eine bestimmte Politik, ihsbesondere die der vollen Ausnutzung der vorhandenen Kraftquellen und der gerechteren Verteilung der nationalen Einkommen, nicht von Anfang an befolgt
wird, dann wird die Einheit nicht auf solider Grundlage beruhen
und frueher oder spaeter durch politische und soziale Unbestaendigkeit unterminiert werden.
Es ist klar, dass die zu ueberwindenen Schwierigkeiten angesichts der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Interessen, Regie rungsSysteme und politischen Anschauungen In Westeuropa sehr
gross sind; doch alle aufrichtigen, demokratischen Kraefte sind
sich darueber einig, dass die Loesung dieser Schwierigkeiten
energisch in Angriff genommen werden muss. Denn es ist gewiss,
dass die wirtschaftliche Wiedergesundung Europas ohne die europaeische Einheit auf die Dauer nicht verwirklicht werden kann.
Bulletin des Gewerkschaftlichen
Beratungsausschusses.

- 12 -

Office of Labor Affairs, HICOG,
APO 757

HICCG H-991 L I B

OFFICIAL

J u n . 50 1 7 } C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 13

Frankfurt,

2 . J u n i 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Kommunisten gegen hohe Loehne - - - - - - - - -

2

Kaakon L i e , ^ e k r e t a e r der A r b e i t e r p a r t e i
Norwegens - - - - - - - _ - _ - _ _ - _ - _ - -

4

Der Schweizer Gewerics c ha ftsbund - - - - - - - -

7

B e t r i e b s u n f a e l l e im l e t z t e n V i e r t e l von 1949
auf e i n e n T i e f s t a n d gesunken

- - - - - - - - -

10

Tobin gegen Ausdehnung der A n t i t r u s t Gesetze
auf Gewerkschaften

'

- - - - - - - - - - - - - - 1 1

�KOMMUNISTEN GEGEN HOHE LOEHNE
Den franzoesIschen Kommunisten wurde kuerzlich erklaert,
hohe Loehne stellten eine Gefahr iri1 ihrem Kampf um die Macht dar.
Kommunistische Fuehrer gaben vor Delegierten der 12. Jahresversammlung der Kommunistischen Partei Frankreichs zu, dass ihre
gegen den Marshall Plan gerichtete Propaganda zum groessten Teil
misslungen und dass es ihnen nicht gelungen sei, die Arbeiter
fuer rein politische Streiks zu gewinnen; die Mitgliederzahl
sei seit 1947 um mehr als 300.000 gesunken und das Interesse fuer
ko. mnistlsche Veroeffentlichungen Hesse staendig nach.
In einer der aufschlussreichsten Reden, die je von einem
komnunistischen Partelfuehrer gehalten wurden, gab Auguste Lecoeur,
der spaeter aum Parteisekretaer gewaehlt wurde, zu, dass der Kampf
um 3inen vernuenftigen Lebensstandard bestenfalls nur eine Nebena n jabe der Komrunistischen Partei darstelle und hohe Loehne in
Wirklichkeit eine Bedrohung ihrer eigentlichen Ziele seien.
"Wirtschaftliche Kaempfe", sagte Lecoeur, "sind natuerlich
erforderlich, um das Versagen der Regierung und die KriegsPolitik zu verurteilen.... Man muss natuerlich zeigen, wie sich die
auf Kriegsvorbereitung ausgerichtete Politik Bidaults, Mollets
und de Gaulles auf die wirtschaftliche Lage der Arbeiter auswirkt.
"Die wirtschaftlichen Verbesserungen als einzige Basis anzusehen, von der aus der Kampf gegen die Regierung gefuehrt wird,
ist "edoch ein Programm, das Lenin ablehnte. Wohin wuerde eine
derartige Auffassung fuehren? In einer Zeit, in der die Loehne als
ausreichend betrachtet werden, bestuende kein Grund fuer wirtschaftlichen Kampf und folglich nur eine geringe Basis, von der
aus Regierung und Kapitalismus bekaempft werden koennen."
Lecoeur und andere kommunistische Fuehrer forderten deshalb
die Delegierten auf, sich auf politische Kaempfe zu konzentrieren,
die sich in erster Linie gegen den Uarshall Plan und den Atlantik
Pakt richten muessten.
Maurice Thorez, der Fuehrer der Kommunistischen Partei Frankreichs, erklaerte ebenfalls, Chaos und Unterdrückung seien fuer
die Fuehrung des kommunistischen Kampfes am guenstigsten. "Das
Blut von Maertyrern ergibt die beste Ernte," sagte er. Thorez bedauerte, dass "die Arbeiter nicht an die Gefahr eines imperialistischen Krieges unter der Fuehrung der Vereinigten Staaten zu
glauben scheinen." £r verurteilte die "unglaubliche Schlaffheit"
der kommunistischen Fuehrer und rief ru einem intensivierten
Kampf gegen den Marshall Plan auf.
Obwohl eindeutig bewiesen ist, dass der Arbeiter an der
kommunistischen Propaganda desinteressiert ist, bestanden die
Partelfuehrer darauf, den Kampf in politischer Richtung fortzusetzen und den Wuenschen der Arbeiter nicht .allzuviel Beachtung
zu schenken. Die Arb-iter und nicht sie befaenden sich im Irrtum.
Die Antwort der nichtkommunistischen Zeitungen Frankreichs auf
diese Konvention war ein Loblied auf den Marshall Plan und die
Prophezeiung, dass die kommunistische Sabotage fehlschalgen wuerde,
wenn dies nicht bereits geschehen sei.
In der sozialistischen Tageszeitung "Le Pooulaire" heisst es:
"An zwei Fronten ist der Kampf gegen den Mtetrshall Plan gefuehrt
worden: durch Propaganda unter dem Leitwort 'politische Unabhaengigkeit' und durch Streiks und Sabotage* Die Kommunisten haben aber
- 2 -

�«

diesen Kampf verloren. Das Schlagwort, Frankreich werde
•marshallisiert', zieht nicht mehr. Die Arbeiter lehnen politische Streiks und Sabotage ab."
Andre Viot, der Herausgeber der antikommunistischen, woechentlichen Gewerkschaftszeitung "Force Ouvriere" prophezeite,
dass das Interesse fuer den kommunistischen Kampf gegen den
Marsliall Plan nach und nach verloren ginge. Die gegen den
Marshall Plan gebrauchten Schlagworte seien wirkungslos geworden."
In dem linksgerichteten "Franc-Tireur" heisst es: "Die meisten
kommunistischen Parteifuehrer wissen, dass sich die franzoesischa
Arbeiterklasse zwar der Gefahr eines Krieges bewusst ist, die
ueber der Welt schwebt, aber trotzdem nicht an eine unmittelbare
Bedrohung des Friedens glaubt. Deshalb widersetzen sich die
Arbeiter Versuchen, sie fuer politische Zwecke einzuspannen,
waehrend sie die Fordsrungen nach verbesserten sozialen Verhaeltnissen willig unterstuetzen."
Der schlagendste Beweis fuer das Misslingen der kommunistischen Angriffe kam jedoch von den Kommunisten selbst.
Florimonde Bonte, ein kommunistischer Abgeordneter in der
Nationalversammlung, berichtete, dass die Partei nun "rund 700.000
Mitglieder* hat. Mit dieser Feststellung wurde offiziell zugegeben, dass die Kommunisten zumindest 300.000 Mitglieder seit
der Zeit nach der Befreiung, in der ihre Mitgliederzkhl den
Hoechststand erreicht hatte, verloren haben. Die letzte, offizielle Zahl der Parteimitglieder wurde auf einer Parteitagung
kurz nach der Befreiung von"Thorez bekanntgegeben. Damals sagte
er, dass die Partei eine Million Mitgliederkarten ausgegeben habe.
Man nimmt an, dass im Jahre 1947 die Mitgllederzahl noch weit
hoeher lag.
Pierre Doize, der Generalsekretaer der komunistischen Foederation des Departments Bouches du Rhone (Gebiet um Marseille),
erklaerte, dass die Lage in diesem Bezirk - der seit langem als
Hochburg der kommunistischen Kraefte Frankreichs galt, - nicht
"glaenzend* sei.
"Im Jahre 1948." sagte er, "hatten wir 425 Betriebszellen;
es bleiben uns nur noch 379 Zellen. Es gibt keine einzige Zelle
der Seeleute, und der Einfluss der konrnunistischen Partei ist
wegen der unglaublichen Passivitaet seitens der lokalen Fuehrer seit
1947 staendig zurückgegangen."
Marcel Cachin, der Direktor der kommunistischen Zeitung
"L'Humanite", sagte, die Gesamtauflage der kommunistischen Veroeffentlichungen beliefe sich auf weniger als 1.500.000 Exemplare,
waehrend die antikommunistisehen Zeitungen eine Auflage von 10
Millionen zu verzeichnen haetten. " Unsere Tageszeitungen werden
von 16)i der franzoesischen Bevoelkerung gelesen; 84# lesen Zeitungen, die fuer den Marshall Plan sind. In bezug auf Zeitschriften
ist die Lage noch schlechter."
Etienne Fajon, der Mitglied des Zentralkomitees ist, gestand
ein, dass die Kommunisten fuer das Misslingen des Metro-Streiks
verantwortlich seien. Er sei deshalb misslungen, weil sich die
Arbeiter geweigert haetten, den Fuehrern des kommunistischen Gewerkschaft sbundes (CGT) zu folgen, und weil sie die. Anordnungen der
nichtkomiauuistischen "Force Ouvriere" (FO) und des franzoesischen.
Christlichen Gewerkschaftsbundes (CFTC) befolgt haetten.

�Andre Souquiere, der Sekretaer der Foederation Seine,
berichtete, dass es im Gebiet von Paris 1.800 Betriebe gaebe,
die mindestens je 150 Arbeiter beschaeftigten, aber keine Zelle
haetten.
Souquiere legte den Kommunisten zur Last, beim Metro-Streik
nicht aktiv genug gewesen zu sein. rtBei diesem Streik bedienten
sich unsere Kameraden nicht des Kampfgeistes der Arbeiter, sie
versuchten vielmehr, die Einigkeit mit anderen Vertretern zu bew a h r e n , — — " , sagte er.
Arbeitsmitteilungen der ECA
88. April 1950
HAAKON L1E. SEKRETAER DER ARBEITERPARTEI NORWEGENS
Haakon Lie, der freundliche, blauaeugige Sekretaer der
Norwegischen Arbeiterpartei, hat sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit seinen breiten Schultern in das Rad der norwegischen
Gewerkschaftsbewegung gelegt.
Ein Llann von dynamischer Persoenlichkeit und mit einem
seltsamen, bezwingenden Laecheln, hat Lie die Arbeiter in der
Vorkriegszeit in ihrem Kampf um einen besseren Lebensstandard
gefuehrt. Er stand ihnen in ihrem Kampf gegen die Naziherrschaft
zur Seite und kaempfte noch vor kurzem in vorderster Front gegen
die kommunistischen Durchdringungsversuche in den Arbeiterorganisationen an.
Alle diese Jahre hindurch widmete er sich in erster Linie
erzieherischer Taetigkelt -.er lehrte und ueberzeugte, sprach üut
zu und gab Hoffnung; er gewann Freunde und Unterstuetzung fuer
die norwegischen Arbeiter, als sein Land von den Nazis unterdrueckt
wurde.
Fuer diese Arbeit ist Lie gut geeignet. Er wurde am 32. September 1905 geboren und studierte zuerst Rechtswissenschaften;
dann besuchte er die staatliche Forstschule in Kongsberg und
promovierte im Jahre 1926 mit einem der besten Zeugnisse, die es je
in Norwegen gab. Danach studierte er n.ch ein weiteres Jahr an
der landwirtschaftlichen Schule in As.
Lie war jedoch niemals nur Theoretiker. Zur Taetigkelt
geschaffen, ist er ein Llann, der Entbehrungen und schwere Arbeit
mit einem Laecheln hinnimmt; ein zaeher Kaempfer, der sich einem
Projekt mit eiserner Entschlossenheit widmet und nicht nachlaesst,
bis er es durchgefuehrt hat; ein aufrichtiger, unvoreingenommener
Liensch, der durch seinen eigenen t&amp;xt und seinen Optimismus Vertrauen einfloesst. Seine Arbeitszeit verbringt er in intellektueller
Taetigkelt. Aber in der kurzen freien Zeit, die ihm zur Verfuegung
steht, kann man Lie beim Heben von Baumstaeamen aus dem GlommaFluss antreffen.
Als Erziehungs- und Informationschef der norwegischen Gewerkschaftsbewegung war Lie mehrere Male gezwungen, sein Leben durch
Flucht vor den Nazis in Sicherheit zu bringen; er wurde durch
Bomben aus seinem Hauptquartier herausgetrieben^ er reiste Tausende
von Meilen, um finanzielle und Inf ormations hilf e fuer seine Landsleute zu erbitten; einmal entging er nur knapp, von einem Nachbarn
gewarnt, den Klauen der Nazis.
- 4 -

�Noch waehrend seiner Schulzeit interessierte sich Lie fuer
die Probleme des arbeitenden Menschen. Im Jahre 1922, - er war
gerade 17 Jahre alt - schloss er sich der sozialistischen Jugendbewegung an und wurde 1925 Mitglied der Nationalgewerkschaft.
Sobald er die Schule verlassen hatte, widmete er sich erzieherischer
Taetigkeit in der Gewerkschaft uncl wurde 1928 zum Sekretaer eines
Komitees ernannt, das die Nationalgewerkschaft zur Aufklaerung ihrer
Mitglieder aufgestellt hatte.
Dieses Komitee wurde 1932 als die Vereinigung fuer Arbeiterbildung zu einer staendigen Einrichtung erklaert und von der
Nationalgewerkschaft, der norwegischen Arbeiterpartei, ihrer
Jugendbewegung und von den meisten der Nationalgewerkschaft angeschlossenen Lokalgewerkschaften gebilligt. Haakon Lie wurde erster
Sekretaer dieser Organisation und blieb ihr staendiger Fuehrer
bis zum 9, '•pril 1940, dem Tag der deutschen Invasion Norwegens.
Unmittelbar nach dem Angriff stellte sich Lie der Regierung
zum Kampf gegen die Nazis zur verfuegung. Es war jedoch ein
aussichtsloser Kampf, und Lie musste sich mit den Truppen zurueckziehen. Nachdem Oslo eingenommen war, entkam er nach Hamar und
uebernahm den Propagandafeldzug an der dortigen Rundfunkstation.
Dann wurde Hamar besetzt, und Lie zog sich nach Namsos zurueck,
wo er als Verbindungsoffizier zu den alliierten Streikraeften
taetig war. Kurze Zeit spaeter mussten die Alliierten ihre
Truppen aus diesem Gebiet zurueckziehen, und wieder ging Lie weiter
noerdlich nach Bode, wo er erneut an der dortigen Rundfunkstation
propagandistisch taetig war.
Wenige Tage nach seiner Ankunft in 3ode wurden die Stadt
und auch die Rundfunkstation bombardiert und in Brand gesetzt.
Wieder floh Lie in noerdlicher Richtung. Diesmal ging er nach
Vadso, dem entferntesten Punkt in der Nordostecke Norwegens,
nahe der finnisch-russichen Grenze» Er leitete nun die Rundfunkstation dieser Stadt". Aber selbst hier gelang es den Deutschen,
den Sender durch Einsatz von Langstreckenbombern zu zerstoeren.
Die Rundfunkstation wurde voellig in Truemmer gelegt, und kurz danach,
im Juni 1940, war jeglicher Kampf in Norwegen beendet.
Einige lochen danach kehrte Lie nach dem von den Nazis "besetzten Oslo zurueck, um zu versuchen, die Interessen seiner Landsleute
wahren zu helfen. Ein Befehl der Nazis jedoch, der allen die gewerkschaftliche Taetigkeit verbot, die sich an dem Feldzug im
Norden beteiligt hatten, machte ihm dies unmoeglich. Da Lie nicht
wuenschte, in.irgendeiner Weise fuer die Nazis tatig zu sein,
ging er in eine kleine Vorstadt von Oslo, wo sein Vater einen
kleinen Brennholzhandel unterhielt. Etwas ueber ein Jahr lang
fuhr er einen Lastkraftwagen mit Holz zwischen Oslo und den -Holzgebieten und verteilte Brennholz an seine Nachbarn.
Aber auch dies sollte nicht lange dauern. Am 10. September
1941 erklaerten die Deutschen Oslo zum Notstandsgebiet und begannen
ihre Jagd nach ehemaligen Mitgliedern der Gewerkschaftsbewegung.
Die verhafteten Maenner wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und
zum Tode oder lebenslaengerlicher Zwangsarbeit verurteilt.
Eines Tages wurde Lie auf seinem Heimwege mit seinem Lastkraftwagen von einem Nachbarn vor der Gestapo gewarnt, die bei
ihm zu Hause sass und ihn erwartete. Lie drehte mit seinem Wagen
um und wendete sich der schwedischen Grenze zu.
(Lies Bruder hatte weniger GluecK. Er wurde von der Gestapo
verhaftet, eingesperrt und gefoltert; dann wurde er in. ein Konzentrationslager nach Deutschland ueberfuehrt, wo er starb.)
5 -

�In Schweden nahm Lie seine Arbeit als Leiter der Wohlfahrtsund Bildungstaetigkeit unter den norwegischen Arbeitern wieder
auf. Zu dieser Zeit gab es in Schweden etwa 1.000 Norweger, die
ihr Land in der Hoffnung verlassen hatten, nach England gehen
und sich dort den norwegischen Streitkraeften anschliessen zu
koennen. Es gelang jedoch nur wenigen, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Die meisten von ihnen wurden in Baracken untergebracht, hatten nichts zu tun, und ihre Moral war auf einen
Tiefstand gesunken. Lie begab sich sofort an die Arbeit. Mit
einigen anderen gefluechteten Gewerkschaftlern richtete er
einen Arbeitsvermittlungsdienst fuer die Fluechtjlinge ein und
war zu gleicher Zeit als eine Art Fuersorgeoffizier taetig.
Innerhalb kurzer Zeit gelang es Lie und seinen Mitarbeitern in
Zusammenarbeit mit der schwedischen Regierung, fuer den groessten
T3il der politischen Fluechtlinge Arbeit zu finden - die meisten
konnten in den schwedischen Waeldern als Holzfaeller beschaeftigt werden.
Nachdem Lie diese Arbeit vollendet hatte, begab er -sich
nach London, um das Londoner Sekretariat der Nationalgewerkschaft in seiner Aufklaerungs- und Propagandataetigkeit in
Grossbritannien zu unterstuetzen. Im Januar 1942 kam er dort
an und war waehrend der ersten zehn Monate als Chef einer Informationseinheit taetig, die gemeinsam von dem Londoner Sekretariat
der Gewerkschaft und dem norwegischen Handelsministerium in
London aufgestellt worden war.
Eine der groessten Arbeiten Lies galt damals den Seeleuten
der norwegischen Handelsmarine. Als die Deutschen Norwegen besetzten, waren 1.052 norwegische Schiffe mit einer Gesamttonnage
von 4 Millionen und dreissig bis vierzigtausend norwegischen
Seeleuten und Walfischjaegern auf allen Weltmeeren unterwegs.
Die ueberwaeltigende Mehrheit dieser Seeleute erklaerte sofort
ihre Loyalitaet zu der norwegischen Exilregierung in London und
begab sich nach England. Verschiedene Beobachter sind der Ansicht,
dass das, was diese Maenner geleistet haben, zum grossen Teil der
Erziehungs- und Fuersorgearbeit zuzuschreiben ist, die Lie mit
seinen Helfern unter diesen Leuten geleistet hat.
Dies kommt in einer ^ede zum Ausdruck, die Admiral Emery
S. Land, der Leiter der amerikanischen Marine-Kommission, im
September 1941 vor norwegischen Seeleuten gehalten hat. Admiral
Land sagte u.a.: "Ich glaube, es war eine britische Veroeffentlichung, die einmal schrieb, dass die Seeleute der norwegischen
Handelsmarine fuer die Alliierten in ihren Kriegsanstrengungen
ebensoviel wert seien wie eine Million SoDcaten. Ich moechte bei
dieser Gelegenheit nicht versaeuraen zu sagen, dass diese Behauptung keineswegs uebertrieben war. Sie sind uns mehr wert als eine
Million Soldaten."
Lie arbeitet mit diesen Leuten und anderen Norwegern zusammen,
denen es gelungen war, England zu erreichen, um sich fuer den
Kampf zur Verfuegung zu stellen. Er gab Vorlesungen, organisierte
Studiengruppen, gab Liederbuecher, Brcschueren und sonstige Veroeffentlichangen heraus, die fuer den Gebrauch in der Untergrundbewegung nach Norwegen geschickt wurden.
Ende 1942 wurde Lie von dem Londoner Sekretariat in einer
Mission nach den Vereinigten Staaten geschickt. Seine Aufgabe
war, den amerikanischen Arbeitern von der Rolle zu berichten,
die die norwegische Gewerkschaftsbewegung im Kampf um die Freiheit
spielte, und Material ueber die Taetigkeit der amerikanischen
Arbeiter zu sammeln, das der norwegischen Untergrundbewegung zugeleitet werden sollte.
Seine Informationsbläetter, Broschueren und Schriften enthielten Nachrichten aus den Vereinigten Staaten und berichteten
- 6 -

�von der unnachgiebigen Entschlossenheit, mit .der die Arbeiter
Amerikas an dem Sturz der Hitlertyrannei arbeiteten. Sie gelangten, manchmal durch den Fallschirmabwurf von Aufklaerungsfliegern, nach Norwegen. Diese Nachrichten aus der Welt ausserhalb der Einflussphaere der Nazis haben unendlich viel dazu
beigetragen, den Widerstandswillen und Kampfgeist des unterdrückten norwegischen Volkes aufrechtzuhalten.
Als Lie 1943 von Amerika nach England zurueckkam, brachte
er das Versprechen der AFL und des CIO mit,' die illegale Gewerkschaf tstaet ig keit in Norwegen finanziell zu unterstuetzen und
den politischen Fiuecbtlingen Norwegens in Schweden zu helfen.
1944 kamen die ersten Geldmittel und hatten im Mai 1945 die
Gesamtsumme von 470.000 Dollar erreicht.
Dann kam endlich das Kriegsende, und Lie kehrte im Sommer
1945 nach Norwegen zurueck. Zu jener Zeit riefen die Kommunisten
zu einer vereinigten Gewerkschaftsbewegung auf, und norwegische
Fuehrer zogen bereits eine dauernde Vereinigung mit diesen Elementen in Betracht. Lie warnte jedoch seine Mitarbeiter, sich
vor den kommunistischen Schlagworten der "Einheit'' in acht zu
nehmen, und er berichtete ihnen von der zersetzenden Taetigkeit
der Kommunisten in den Vereinigten Staaten. Zur rechten Zeit
scharten sich die fuehrenden Mitglieder der norwegischen Arbeiterpartei um ihn, um seine Meinung zu teilen, und die Komnrinisten
wurden daran gehindert, ihr Machtstreben zu verwirklichen.
Norwegens Hauptprobleme sind nun wirtschaftlicher Natur • es
muss eine Produktion geschaffen werden, die ausreicht, um die
Kosten fuer die benoetigten Importe auch nach Beendigung des
Marshall Planes decken zu koennen. Lie als Sekretaer der Arbeiterpartei hat eine grosse Aufgabe - eine Aufgabe, die ihn ganz
in Anspruch nimmt«
Das beste Bild von diesem itfanne bekommt man vielleicht,
wenn man ihn in seiner Freizeit am Glomma-Fluss beobachtet. Der
Glomma, der Millionen von Baumstaemmen von den Holzgebieten
Norwegens hinunter in die Seehaefen getragen hat, fordert alljahrlich eine betr aecht lie he Anzahl von Baumstaemmen fuer sich.
Sie saugen sich voll Wasser und sinken auf den Grund.
Lie hat eine Spegialmaschine konstruiert, mit der man diese
abgesunkenen Staemme hebt, und in seinem Urlaub begibt er sich
gewoehnlich mit einem Freund an den Glomma, um verlorenes Holz
wiederzugewinnen. Im Laufe weniger Jahre hat er Hunderte von
Baumstaemmen aus dem Fluss geholt.
Holz ist eines der wichtigsten Exportgueter Norwegens, und
weil Norwegen dringend Devisen, vor allem Dollars braucht, schaetzt
sich Lie glueckllch, mit zur Sicherung der Zukunft seines Landes
beitragen zu koennen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
26. April 1950
DER SCHWEIZER GEWERK3CHAFTSBÜND
Von Jean Moeri,
Sekretaer des Schweizer Gewertechaftsbundes.
Die Schweizer Gewerkschaftsbewegung stellt das Ergebnis einer
- 7 -

�sehr fruehen Zusammenarbeit dar. Im Jahre 1818 wurde in der
kleinen Stadt Aarau die erste Vereinigung zur Unterstuetzung
der Buchdrucker gegruendet, die sich spaeterhin zur Gewerkschaft
der Buchdrucker entwickelte. Eine gleiche Entwicklung, dem
gleichen Beispiel folgend, konnte in allen Schweizer Staedten
festgestellt werden, in denen das Zusammengehoerigkeitsgefuehl
In Gruppen, wie Uhrmacher, Zimmerleute, Bierbrauer, usw. hochsntwickelt war. Nachdemder erste Schritt zur Bildung gemeinsamer
Gewerkschaftsraete mit gemeinsamen Interessen unternommen war,
dehnten die Gewer Im c haftspioniere diese Organisationen zuerst
auf kantonale und dann auf nationale Ebene aus. Und so wurde
die Schweizer Gewerkschaft der Buchdrucker am 15. August 1858
gegruendet. Diese Bewegung der nationalen Vereinigung pflanzte
sich schnell in allen Arbeitergruppen fort.
Das Gewerkschaftswesen, das bis zu jener Zeit beruflich
gegliedert war, dehnte sich nun auf alle Arbeiter aus. Die erste
Hoffnung, nach Industrien organisieren zu koennen, war der kurzlebige
Internationale Arbeiterverband von 1864, dessen Sitz sich in Genf
befand; dieser Verband fand im Jahre 1872'jedoch ein jaehes Ende,
nachdem er sich seine Fluegel in den Flammen der Politik verbrannt
hatte. 1873 wurde die Schweizer Arbeiterunion'gegruendet, zu der
politische Arbeiterpartelen, Wohltaetigkeitsvereinigungen und
Gewerkschaften gehoerten. Der heutige Schweizer Gewerkschaftsbund stammt aus dem Jahre 1880.
Zu Ende des Jahres 1948 zaehlte der Schweizer Gewerkschaftsbund 16 Berufs- oder Industrieverbaende mit insgesamt 376.436
Mitgliedern. In Anbetracht der Tatsache, dass es zu jener Zeit
531.000 Industriearbeiter in der Schweiz gab, stellt diese Zahl
einen nicht unbetraechtllchen Prozentsatz dar. Eine ^inschraenkung besteht darin, dass die Mitglieder des Gewerkschaftsbundes
nicht ausschliesslich von Industriegewerkschaften sind, sondern
auch Handwerker und kaufmaennische Berufe in diesen Zahlen enthalten sind. Ausserdem ist zu beruacksichtigen, dass noch bestimmte
Gebiete fuer die Werbung offenstehen, die jedoch durch die Taetigkeit andersgesinnter Gewerkschaften wie der, christlich-sozialen,
katholischen, evangelischen, usw. begrenzt sind. Diese hatten
Ende 1948 eine Mitgliederzahl von 78.000 zu verzeichnen. Dazu
kommt die Foederation der Schweizer Arbeitervereinigungen, die dem
Bund durch ein Abkommen auf Treu und Glauben angeschlossenen ist,
mit dem etwa 73.000 Mitglieder. Zahlreiche andere, kleinere
Organisationen mit insgesamt 50.000 Mitgliedern bleiben vom Bund
aus verschiedenen Gruenden getrennt. Trotz dieser Gruppen, die
verschiedenartig orientiert sind, ist der Gewerkschaftsbund bei
weitem die groesste Gewerkschaftsgruppe der Schweiz. Das kommt
ausserdem in der Einstellung der foederalen und kantonalen Behoerden
zum Ausdruck,
In Artikel 2 des Statuts des Gewerkschaftsbundes sind die
Ziele der Organisation festgelegt. Allgemeinaufgabe ist die Wahrung
der Interessen der Mitgliedsorganisationen und ihrer Mitglieder.
Dieser Artikel bestimmt ausserdem, dass die Organisation in religioesen Angelegenheiten ihre Neutralitaet und in politischen Angelegenheiten ihre Unabhaengigkeit zu bewahren hat.
Werfen wir jedoch einen Blick auf diese Ziele und stellen
wir fest, inwieweit sie bereits erreicht worden sind.
Erstes Ziel des Schweizer Gewerkschaftsbundes ist, die demokratischen Rechte und Freiheiten des Volkes zu entwickeln. Waehrend des Zweiten Weltkrieges stellte diese Organisation eine
der wichtigsten demokratischen Kraefte dar, auf die sich die Regie- 8 -

�rung und die 'Armee verlassen konnten. Sie trug zu einem grossen
Teil zu der Sicherstellung der souveraenen Rechte des Buergers
bei, wie nationale Unabhaengigkeit und individuelle Freiheit
des Buergers.
Sie tritt an zweiter Stelle fuer die Gemeinwirtschaft ein das heisst, fuer den Einsatz oeffentlicher Dienste im Interesse
der nationalen, kantonalen oder lokalen Gemeinschaft. Man darf
nicht uebersehen, dass in der Schweiz bemerkenswerte Erfolge
erzielt wurden und zwar lange bevor andere Staaten die Planwirtschaft einfuehrten. Seit 1948 untersteht die Post der Schweizer
Bundesregierung. Der Telegrafendienst, der 1852 eingefuehrt und
im gleichen Jahre verstaatlicht wurde, der Telefondienst, der urspruenglich von Privatunternehmern kontrolliert und im Jahre 1881
verstaatlicht wurde, und das Eisenbahnsystem, um die Jahrhundertwende verstaatlicht, sind die drei Hauptzweige der nationalen
Wirtschaft, die unter der Kontrolle der Bundesregierung stehen.
Das Rundfunkwesen und die Alkoholverteilung unterstehen ebenfalls der nationalen Regierung. Banken, Feuerversicherung und
die Schulsysteme werden in der Regel von den kantonalen Regierungen
verwaltet. Strassenbahnen, Gas, Elektrizitaet, usw. gehoeren zu
den oeffentlichen Diensten der kommunalen Behoerden.
Eine weitere Aufgabe sehen die Gewerkschaften in der Foerderung der Sozialgesetzgebung und der Wahrung der Interessen der
Arbeiter. Die Industriearbeiter sind durch das Bundesgesetz von
1877 geschuetzt, in dem die Arbeitsbedingungen fuer die Industrie
festgelegt sind. Lehrlinge werden durch ein anderes Bundesgesetz
geschuetzt. Seit dem 1. Januar 1948 ist die alters- und Hinterbliebenenversicherung obligatorisch fuer das gesarate Land. Man
ist augenblicklich bemueht, gesetzliche Regelungen zu treffen in
bezug auf Arbeitslosenversicherung, Allgemeingueltigkeit von Gewerkschaft svertraegen ( diese Frage bildet zur Zeit Gegenstand
einer vom Bundesrat erlassenen Verordnung), die Schaffung von
Arbeltsprojekten, Krankenversicherung, usw. Die Taetigkeit der
Schweizer Gewerkschaften bildet natuerlich die Basis dieser fortschrittlichen Bewegung. Es ist zu bemerken, dass haeufig die
Kantone fuer die besondere Regelung der.Arbeitsbedingungen und
die Sozialpolitik (Kinderzulagen, Urlaub und Bezahlung) verantwortlich sind.
Die Entwicklung des Arbeitsrechtes, und der Verfahren des
Kollektiwerhandelns sind jedoch die Gebiete, denen die Schweizer
Gewerkschaften ihre groesste Beachtung zugewendet haben, und denen
ihre groessten Bemuehungen gelten. 1.400 Tarifvertraege sind
rechtskraeftig und erstrecken sich entweder ueber eine gesamte
Industrie, ein bestimmtes Gebiet, einen Kanton, eine Stadt oder
auch nur ein Unternehmen. Im allgemeinen regeln diese Vertraege
die Arbeitsbedingungen, die Verfahren der Schlichtung und Schiedssprechung und sogar in einigen Faellen die Bedingungen der Lehrlings- und Arbeitslosenversicherung. Die Schweizer Gewerkschaften
schaetzen Gesetze, die es ermoeglichen, Mindestnormen zu erzielen,
im grossen und ganzen bevorzugen sie jedoch dehnbarere, nichtformelle Mittel, mit denen Einzelfaelle leichter erledigt werden koennen.
Das hoechste Ziel des Schweizer Gewerkschaftsbundes, naemlich
die Entwicklung internationaler Gewerkschaftsbeziehungen, ist
waehrend der letzten Jahre auf Grund der politischen Machenschaften
des Weltgewerkschaftsbundes in den Hintergrund gestellt wordenf
Gegen Ende dieses Jahres wird der Schweizer Bundeskongress zu dem
neuen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften Stellung nehmen.
Wir hoffen, dass die Abstimmung positiv ausfallen wird, denn die
- 9 -

�Interessen der "Arbeiter sind auf der ganzen Welt ebenso voneinander abhaengig wie beispielsweise die nationalen Wirtschaften. Und damit koennte zur Erreichung der beiden Ziele, des
sozialen Fortschritts und eines gerechten Friedens, beigetragen
werden.
Arbeitsmitteilungen der BGA
3. Mai 1950
BETRIEBSUNF AELLE IM LETZTEN VIERTEL VON 1949 AUF EINEN TIEFSTAND
GESUNKEN
Vorlaeufigen Berichten des Statistischen Bueros des US Arbeis tamtes zufolge ist die Zahl der Betriebsunfaeile in Fertigungsbetrieben im letzten Viertel des Jahres 1949 auf einen neuen
Tiefstand gesunken. Die Betriebsunfallziffer ist die niedrigste
seit den sieben Jahren, fuer die vierteljaehrliche Statistiken
verfuegbar sind. Die Betriebsunfallziffer gibt die Zahl der
Arbeitsunfaelle pro Million Arbeitsstunden an.
Die Berichte zeigen einen durchschnittlichen Rueckgang um
etwa 11# der Betriebsunfaeile zwischen dem dritten und letzten
Viertel von 1949. Der allgemeine Stand der Betriebsunfallziffer
des letzten Viertels des Jahres 1949 und die Gesamtziffer fuer
das gesamte Jahr 1949 liegen beide 18g unter denen des Jahres 1948,
Das Absinken der Betriebsunfallziffer des letzten Viertels des
Jahres 1949 passt in das sich seit sieben Jahren kJLar abzeichnende
Bild des saisonbedingtenRueckgangs der Betriebsunfaeile hinein.
Monatliche statistische Angaben sind seit 1943 vorhanden und
zeigen bestaendig ein Absinken der Unfallziffer im November und
einen Tiefstand im Dezember eines jeden Jahres. Die meisten Unfaelle ereignen sich gewoehnlich im juli oder August eines jeden
Jahres.
Auf Grund von Arbeitsverletzungen waren im letzten Viertel
des Jahres 1949 etwa 78.000 Arbeiter aus Fertigungsbetrieben
einen oder mehr Tage lang arbeitsunfaehig. Das sind 7.700 weniger
als im dritten Viertel von 1949 und 86.000 weniger als im letzten
Viertel von 1948. Im Gegensatz zum Absinken der Gesamtzahl jedoch belief sich die Zahl der toedlichen Unfaelle im letzten
Viertel auf 400, - 100 mehr als im dritten. Viertel - waehrend die
Zahl der Unfaelle, die dauernde Arbeitsunfaehigkeit zur Folge
hatten, von 4,400 im dritten Viertel auf 4,700 im vierten Viertel
anstieg.
Durch Betriebsunfaeile gingen im letzten Viertel etwa 1,570,000
Arbeitstage verloren. Bei den gegenwaertigen Lohntarifen bedeutet
dies einen unmittelbaren Verlust an Loehnen von rund 16 Millionen
Dollar. In mehr als der Haelfte der 123 verschiedenen Herstellergruppen, fuer die statistische Angaben zur Verfuegung stehen, war
ein bedeutender Rueckgang der Betriebsunfallziffer zwischen dem
dritten und letzten Viertel des Jahres 1949 zu verzeichnen. In
40 anderen war keine bemerkenswerte Veraenderung festzustellen.
Nur 20 Industriezweige hatten hoehere Unfallziffern im letzten
Viertel von 1949.
Nur aus zwei Industriezweigen wi^d ein Ansteigen der Betriebsunfallziffer um mehr als 5 Punkte gemeldet - in den Saegemuehlen
von. 53.8 im dritten Viertel auf 59,6 im vierten Viertel; und in
der Toepfereiindustrie von 13,8 auf 20,3. Dagegen weisen 14 verschiedene Industriezweige ein Absinken der Betriebsunfallziffern
- 10 -

�um mehr als 5 Punkte auf. Am bemerkenswertesten ist dieses
Ahsinken in der Getraenkeindustrie, wo die Ziffer von 37,8 auf
28,1 zurueckging; ausserdem in der Kunstduengerherstellung (von
29,8 auf 17,5).
Die hoechsten Betriebsunfallziffern waren im letzten Viertel
des Jahres 1949 in folgenden Industriezweigen zu verzeichnen:
Plolzfaellen mit 77,9 Betriebsunfaellen pro Million Arbeitsstunden,
Saegemuehlen mit 59,6 und kombinierte Saege- und Hobelwerke mit
43,0 Betriebsunfaellen. Die Industriezweige mit den niedrigsten
Betriebsunfallziffern waren: Sprengstoffe (1,3), synthetische
Textilfawier (2,2), komprimierte und fluessige Gase (2,6), optische
Geraete (3,0), Flugzeug herStellung (3,3) und synthetischer Gummi
(3,4).
Die niedrigsten Gesamtziffern fuer das gesamte Jahr waren:
In der SprengstoffIndustrie 1,6, in der Herstellung synthetischen
Gummis 2,3, synthetischer Textilfaser 2,3, in der optischen Industrie 3,2 und in der Elektroindustrie (Lampen und Gluehbirnen)
3,3.
Labor Information Bulletin
Mai 1950.
TOBIN GEGEN AUSDEHNUNG DER ANTITRUST GESETZE AUF GEWERKSCHAFTEN
In einer Erklaerung vor einem Unterkomitee des Rechtsausschusses des Senats brachte der US Arbeitsminister J. Tobin
kuerzlich zum Aftsdruck, dass Antitrust Gesetze allein nicht
dazu angetan seien, die Beziehungen zwischen Gewerkschaften
und Unternehmern in konstruktiver Weise zu regeln. Er nahm
damit zu der Gesetzesvorlage Nr. 2912 an den Senat Stellung.
Durch die Bestimmungen dieser Vorlage, heisst es In der
Erklaerung, koennten die Gewerkschaften fuer die Verfolgung bestimmter, ungesetzlicher Ziele von der Regierung der Vereinigten
Staaten strafrechtlich belangt werden. Ausserdem seien sie dadurch privaten Zwangsmassnahmen und Prozessen und Verfolgungen
auf Grund der Gesetze ueber "strafbare Verse hwoerungen" ausgesetzt.
"Ich lehne jegliche Gesetze ab", erklaerte Arbeitsminister
Tobin, "durch die man versucht, zu den Verhaeltnissen jener
dunklen Tage zurueckzukehren, in denen Antitrust Gesetze gewoehnlich dazu dienten, die Gewerkschaften zu unterdruecken und
zu beseitigen."
Die von Senator A. Willis Robertson (Virginia) eingereichte
Gesetzesvorlage wuerde die Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen
in allen amerikanischen Grundindustrien wieder in einen Zustand
der "Beherrschung durch Zwang" versetzen, fuehrte Tobin weiter aus.
Sie fuehre damit die Sprache des urspruenglichen Sherman Gesetzes,
in dem man verfehlt habe, Normen fuer den Begriff "unvernuenftige
Hemmung des Handels durch die Gewerkschaften" aufzustellen, die
den Gerichtshoefen als Richtlinien haetten dienen koennen. Er
wies darauf hin, dass das Sherman Gesetz am wirksamsten als vVaffe
gegen die Gewerkschaften zur Anwendung gekommen sei.
Tobin gab seiner Vermutung Ausdruck, dass der Grund zur Vorlage dieses Gesetzes in dem Wunsch zu suchen sei, ein wirksames
Mittel zur Beilegung der Arbeitsstreitigkeiten in der bituminoesen
Kohlenbergbauindustrie zu finden. Er legte dem Unterausschuss
nahe zu bedenken, dass eine Aenderung der Gesetzgebung, die in der
Absicht vorgenommen wurde, eine Lage in einem Zweig unserer Indus-

- 11 -

�trie zu klaeren, sich oft weit ueber das Uebel hinaus ausdehnen
kann, gegen das sie gerichtet war, und akzeptierte Taetigkeiten
und Uethoden in anderen Zweigen der Industrie unterdruecken kann.
Er unterstrich", wie wichtig es sei, vor einer Entscheidung ruhig
und sorgfaeltig die Tatsachen zu ueberpruefen.
Arbeitsminister Tobin forderte mit allem Nachdruck den
Unterausschuss auf, die Gesetzesvorlage abzulehnen, -^r versicherte,
dass sie gegen das gesamte System der Kollektiwerhandlungen, und
damit das Herz der Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen gerichtet
sei. Abschliessend erklaerte er, diese Gesetzesvorläge wuerde,
wenn genehmigt, den Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen in den
Vereinigten Staaten grossen Schaden zufuegen.
Labor Information Bulletin
April 1950
- IS -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

KC00 »-1077 L H

Julj }0 17} C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
#
Die folgenden Artinel stellen Auszüge aus de'r amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 14

Frankfurt, 9. Juni 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Punkt Vier: Das amerikanische Hilfsprogramm fuer
wirtschaftlich zurueckgebliebene Laender - - - - Mexikanischer Gewerkschaftsbund tritt aus dem Weltgewerkschaftsbund aus - - - - - - - - - - - - - - Lebenshaltungskosten in Grosstaedten der Vereinigten
Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gewerkschaften in China - - - - - - - - - - - - - - Fachabteilung der Chemiearbeiter gegruendet - - - - Jugoslawien bricht mit dem Weltgewerkschaftsbund - - Bund Christlicher Arbeiter Frankreichs lehnt Einladung
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften ab
Ernennungen im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Amerikanischer Berater fuer Arbeitsfragen zur Rolle
der deutschen Gewerkschaften - - - - - - - - - - Wiederaufleben der Konkurrenz zwischen den Haefen
Hamburg und Triest - - - - - - - - - - - - - - - Die Tagung des Exekutivausschusses des ICFTU - - - Ein maoehtiges Bollwerk - - - - - - _ _ _ - _ _
Allgemeiner Boykott gegen die Schiffe Panamas - - - Die demokratische Gewerkschaftsbewegung Boliviens - Probleme um die Beschaeftigung aelterer Arbeitskraefte

1
5
6
7
7
8
8
8
9
10
10
11
13
13
15

PUNKT VIER: DAS AMERIKANISCHE HILFSPROGRAMM FUER WIRTSCHAFTLICH
ZURUflCKGEBLIEBENE LAENDER
In seiner Botschaft vom 24. Juni 1944 begruendete Praesident
Truman die Notwendigkeit eines neuen Hilfsprogramms, das der wirtschaftlichen Entwicklung einiger aussereuropaeischen Laender dienen
soll. Hierbei soll einmal eine Unterstuetzung in rein technischer
Hinsicht erfolgen, zum andern ist eine Pruefung 4er Moeglichkeiten
vorgesehen, wie private Mittel in diese wirtschaftliche Entwicklung
eingeschaltet werden koennen.
In der Zwischenzeit sind vom Repraesaentantenhaus und Senat 45
Millionen Dollar bewilligt worden, um die technischen Voraussetzungen fuer die Verwirklichung des Hilfsprogramms schaffen zu koennen.
Weitere 12 Millionen Dollar werden von anderen Mitgliedsstaaten der
JNO aufgebracht. Im einzelnen soll die Gesamtsumme wie folgt verteilt werden:
- 1 -

�Amerikanische Republiken
Naher Osten (Afrika)
Ferner Osten (ausser Suedasien)
Suedasien

21.128.000 Dollar
18.926.000
»
8.721.000
"
8.305.000
"
57.080.000 Dollar

Diese Betraege erscheinen verhaeltnismaecsig gering angesichts
der geradezu riesigen Aufgabe, die hier gestellt worden ist. Aber
diese Summen sollen nur dazu dienen, um Informationen zu schaffen
und aus diesen wiederum Schluesse auf die vorliegenden Probleme zu
ziehen. So muessen zur Loesung des Arbeitsproblems Ratschlaege gegeben werden, wie der Lebensstandard zu heben ist, wie Unfallverhuetung und Gesundheitsfuersorge zu etwas selbstverstaendlichem
werden, wie gerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen sind und schliesslich wie die Arbeiter jener. Laender ermuntert werden koennen, T&amp;rifvertraege durchzusetzen.
Es ist somit ein langer Weg von der Planung bis zur Verwirklichung - die Wege selbst werden jedoch keineswegs immer die gleichen
sein. Ohne Zweifel werden in Indonesien andere Mittel gesucht werden muessen als in Paraguay, wiederum andere in Aegypten als in
Mexiko. Bei der Planung hat bereits die Statistik wertvolle Dienste
leisten koennen. Hierbei wurden verschiedene Reihen ausgearbeitet,
wobei sich die Merkwuerdigkeit ergab, dass die Reihenfolge der unterentwickelten Staaten in der Statistik ziemlich die gleiche ist, auch
wenn die Themen der Statistik sich aendern. Fast automatisch gelangte man zu einer Art Wohlstandsindez, wobei die einzelnen Staaten in
drei Gruppen eingeteilt wurden. Es genuegt hier, die Ergebnisse
jener Staatengruppen zu beleuchten, wo das Jahreseinkommen je Kopf
der Bevoelkerung unter 100 Dollar liegt - diese Unterscheidung nach
dem durchschnittlichen Einkommen erscheint zwar sehr oberflaechlich,
sie liefert jedoch bereits brauchbare Werte. In die Gruppe jener
Laender gehoeren 28 Staaten, die jedoch 2/3 der gesamten Erdbevoelkerung umfasst. Es handelt sich hierbei um die Staaten:
Cuba
Polen
Venezuela
Palaestina
Columbien
Panama
Mexiko
Dominikanische Republik
Nikaragua
Bolivien
San Salvador
Ekuador
Indien
China

Jugoslawien
Japan
Aegypten
CostaRika
Peru
Ceylon
Uruguay
Haity
Guatemala
Honduras
Brasilien
Paraguay
Philippinen
Indonesien

Eine Unterteilung, die bereits wesentlich weiter geht als jene
nach dem Einkommen, ist durch den Index der Lebenserwartung gegeben.
So werden in den Laendern mit einem Einkommen ueber 200 Dollar die
Menschen durchschnittlich 63, in den Laendern mit einem Einkommen
ueber 100 Dollar durchschnittlich 52 Jahre alt, waehrend in den
Laendern der letzten Gruppe, die hier aufgezaehlt wurden, die Lebenserwartung auf 40 Jahre begrenzt ist. Wenn jedoch die Lebenserwartung fuer den Chinesen und den Indoneser ebenso hoch angesetzt
wird wie fuer den Inder, so ergibt sich sogar nur ein durchschnittliches Lebensalter von 30 Jahren.
Aehnliche Differenzierungen erbringen statistische Uebersichten
ueber die Verbreitung der Tuberkulose. Diese Krankheit hat nur sehr
wenig mit dem Klima zu tun - im Gegensatz zur Malaria. Sie ist
- 2 -

�jedoch die typische Seuche in armen, uebervoelkerten Gegenden und
.-^t haeufiger in»Staedten als auf dem Lande zu finden. In gleichen
Gebieten befaellt die Tuberkulose wiederum vor allem jene Kreise,
lie unter schwierigeren Lebensbedingungen zu leiden haben. Dies
drd besonders deutlich, wenn jene erwaehnte Einkommensgruppierung
iuch auf die Tuberkulosestatistik angewendet wird. In Laendern mit
linem Durchschnittseinkommen von mehr als 200 Dollar jaehrlich -ster&gt;en an Tuberkulose von 100.000 Einwohnern jaehrlich 64, in Laendern
lit einem Durchschnittseinkommen ueber 100 Dollar belaeuft sich die
;ahl der jaehrlichen Tuberkuloseopfer auf 143, waehrend in jenen Laen'ern, in denen der einzelne weniger als 100 Dollar im Jahr verdienen
:ann, die Seuche 333 Opfer fordert.
Aehnliche Resultate ergibt die Zaehlung der Analphabeten. In
len Laendern der hoechsten Einkommensgruppe ist sie verhaeltnismaessig unbedeutend, sie steigt jedoch in den Staaten der mittleren Grup&gt;s bereits auf 20% an und in der letzten Gruppe - das sind jene Laenler, wo der Einzelne weniger als 100 Dollar im Jahre verdient - auf
'8%.
Bei einer Betrachtung der Zahl der verbrauchten Kalorien ergeben
sich aehnliche Ergebnisse. Euer die erste Gruppe laesst sich ein taeg.icher Kalorienverbrauch von 3040 feststellen, in der letzten jedoch
mr 2051. Diese Zahl fuer sich laesst noch nicht allzu viel Rueck;chluesse zu, wird jedoch der Verbrauch an Eiweisstoffen und Fetten
genauer ueberprueft, so stellt sich heraus, dass in der letzten Orup&gt;e an Proteinen nur etwa 18% gegenueber dem Verbrauch der ersten
Gruppe erreicht werden, bei Fetten sind es rund 33%. Auch in dieser
tichtung laesst sich somit eine klare Schichtung der Laender in bestimmte Gruppen durchfuehren.
Ueberraschend gleichartige Resultate zeigt ein Vergleich des
Spinnstoffverbrauchs. Hier wird in der letzten Gruppe nur etwa 28%
les Bedarfs der hoeheren Einkommensgruppe benoetigt, wobei Wolle, Baumvolle und Kunstseide beruecksichtlgt sind.
Alle diese Merkmale reichen jedoch noch nicht aus, um die wirtschaftliche Situation der einzelnen wirtschaftlich unentwickelten Laenler genauer zu umreissen. Eine Anzahl technischer Daten genuegt jedoch,
im zu weiteren Schluessen zu kommen. Die Zahl der taeglich benoetigten
'ferdekraefte (PS) belaeuft sich in Laendern der Einkommensgrunpe ueber
200 Dollar auf 26,6 PS im Durchschnitt, auf je 1000 Einwohner gerechlet, waehrend in den Laendern der niedrigsten Gruppe nur etwa 1,2 PS
rerbraucht werden. Hier zeigt sich bereits eindeutig, wie gross die
wirtschaftliche Rueckstaendigkeit jener Laender ist. Das gleiche erriet sich in Bezug auf die Motorisierung: Auf tausend Einwohner enteilen in der ersten Gruppe 111 Fahrzeuge, in den Laendern der untersten Gruppe jedoch nur ein einziges Fahrzeug. Aehnliche Unterschiedlichkeiten ergeben sich in Bezug auf die Zahl der Telefone, die Zahl
ler Gleiskilometar oder den Umfang der befoerderten Frachten.
Wenn jetzt nach Moeglichkeiten gefragt wird, die diese wirtschaftlich zurueckgebliebenen Laender von sich aus ergreifen koennen, um
sinige Schritte vorwaerts zu gehen, so ist dies vor allem auf dem Geriete des Schulunterrichts und der aerztlichen Versorgung moeglich,
"enn in den Laendern der hoeheren Einkommensgruppe auf tausend Einwohler vier Lehrer entfallen, so sind es in der untersten Gruppe nur 1,76.
Jei Aerzten belaufen sich die entsorechenden Zahlen auf 1,06 und 0,17.
Iier ergibt sich bereits, dass ohne genuegende Hygiene- und Erziehungsoa33nahmen ein wirtschaftlicher Aufschwung der zurueckgebliebenen Laenler unmoeglich ist.
:en.

Es wuerde zu weit fuehren, die Statistiken im einzelnen anzufuehAm Schluss der meisten Tabellen steht fast immer Indonesien. Das
- 3-

�Durchschnittseinkommen belaeuft 3ich hier auf 22 Dollar. 92% der
Einwohner sind Analphabeten, die Tuberkulosesterblichkeit ist Desonders hoch, die Zahl der verbrauchten PS je Tag und tausend Einwohner
belaeuft sich auf 0,4, auf tausend Einwohner entfallen 0,6 Telefone
und 0,02 Aerzte.
Die Zahlenwerte der Statistik zeigen bereits auf, welche Laender
am dringendsten der wirtschaftlichen Entwicklung K'iuerfen, eine Entwicklung, die jenen Laendern nicht aus eigener Kraft moeglich ist.
Ebenso eindeutig geht aber aus diesen Zahlenwerten hervor, dass eine
wirtschaftliche Erschliessung nur dann moeglich ist, wenn Hand in
Hand mit den rein wirtschaftlichen Problemen auch die Voraussetzungen
gegeben werden, auf dem Gebiete der Schule und der Hygiene entsprechende Massnahmen zu treffen.
*
Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits mit der Zusammenarbeit in einer Reihe von Laendern begonnen, wo die Regierungen bei der
Loesung besonderer Fragen unterstuetzt wurden. Die Sorge gilt vor
allem der Bekaempfung der Malaria und der Tuberkulose sowie der Hautund Geschlechtskrankheiten. Je breiter die Basis ist, auf der dieser
Kampf aufgenommen wird, um so groesser sind die Erfolge, die sich erzielen lassen. Das Programm der Weltgesundheitsorganisation umfasst
weiterhin die Sorge fuer die Gesundheitspflege der Kinder und Muetter,
die Verbesserung der sanitaeren Einrichtungen und vor allem die Modernisierung internationaler QuarantaenebeStimmungen.
Neben der Weltgesundheitsorganisation ist auch die UNESCO sehr
aktiv auf ihrem Gebiet gewesen, das die fundamentalen Erziehungsfragen
und die Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse umfasst. In jenen
Laendern ist vor allem der üufbau von Elementarschulen notwendig,
aber auch Universitaeten muessen hier gegruendet werden, damit eine
geistige Elite herangebildet werden kann. Erst durch eine wirksame
Bekaempfung des Analphabetentums laesst sich ein dauernder wirtschaftlicher Erfolg erzielen. Die UNESCO hat in einer Reihe wirtschaftlich
zurueckgebliebener Laender bereits «ine Reihe Massnahmen durchgefuehrt,
um auch auf diese.-n Gebiete die Entwicklung dieser Laender voranzutreiben.
Die Internationale Arbeitsorganisation hat ebenfalls eine Reihe
Beitraege geleistet, um die Arbeits- und Lebensbedingungen jener Laender zu heben. ^Gegenwaertig ist sie damit beschaeftigt, vor allem
Fragen des Arbeitseinsatzes, der Koalitionsfreiheit fuer gewerkschaftliche Organisation, der sozialen Sicherheit und der beruflichen Ausbildung zu loesen, wobei mit besonderer Sorgfalt die Fragen der Beschaef tigunp; von Kindern und Frauen behandelt werden. Besonderer Wert
wird darauf gelegt, solche Fertigkeiten zu entwickeln und zu nutzen,
wie sie gerade in den '.venia; entwickelten Laendern anzutreffen sind.
Berufliche Ausbildung und jene des Arbeitsnlatzes selbst, die Organisation der Arbeitsvermittlung und die Schleusung von Arbeitskräften
sind weitere Beispiele fuer die Aufgaben der Internationalen Arbeitsorganisation. Sie ist weiterhin bestrebt, die Summe von Erfahrungen,
die in anderen Laendern in Bezug auf Sicherheitsfragen und ueberhaupt
den gesamten Bereich der Arbeitsfragen gewonnen werden konnten, fuer
die Entwicklungsarbeiten zur Verfuegung zu stellen.
Waehrend des Jahres 1949 sind zahlreiche deutsche Gewerkschaftler
und Spezialisten auf dem Gebiet der Arbeitsfreien in die Vereinigten
Staaten gekommen, um dort einen Ein.blick in die Verhaeltnisse zu gewinnen. Eine aehnliche Zusammenarbeit ist jetzt auch in jenen Laendern
vorgesehen, wo das Punkt-Vier-Programm zur Durchfuehrung kommen soll.
Genau so wie die deutschen Besucher die Moeglichkeit hatcen, ihre in
den Vereinigten Staaten gewonnenen Erfahrungen und Beobachtungen in
Deutschland selbst zu erproben und gegebenenfalls zu verwirklichen,
4 -

�genau so werden die aus den wirtschaftlich zurueckgebliebenen Laendern in die Vereinigten Staaten entsandten Spezialisten ihre Beobachtungen verwerten. Natuerlich wird es diesen Fachleuten wesentlich
schwieriger werden, ihre Erfahrungen zu realisieren, da haeufig
genug in einzelnen Laendern noch alle Voraussetzungen fehlen, um
auch auf dem Gebiet der Arbeitsfragen wirksame Aenderungen der Verhasltnisse herbeizufuehren. Der erste Schritt wird darin bestehen
muessen, lokale gewerkschaftliche Organisationen zu gruenden, die
«ich nach und nach auf groesserer Basis zusammenschliessen und dadurch
die Moeglichkeit gewinnen,entscheidend den Gang der Ereignisse beeinflussen zu koennen.
Hand in Hand mit diesen Bemuehungen muessen selbstverstaendlich•
individuelle technische Fragen geloest werden, die in den einzelnen
Laendern sehr verschieden sein werden, wobei sich sogar noch Unterschiedlichkeiten in einzelnen Gegenden des gleichen Landes ergeben
werden. Die Organisation dieser technischen Vorarbeiten ist jedoch
9benso umfangreich wie sie spezialisiert sein muss, sodass schon
nach einer verhaeltnismaessig kurzen Zeit Untersuchungsergebnisse vorliegen werden, die dann die Voraussetzungen fuer die weitere Bearbeitung der einzelnen Fragen ergeben.
Im Gegensatz zum Marshall-Plan sollen nach der Beendigung der
technischen und organisatorischen Vorbereitung keine staatlichen Gelder der eigentlichen wirtschaftlichen Erschliessung dienen, sondern
private Kapitalien sollen hier Anlagemoeglichkeiten finden. Durch
die umfangreichen Vorarbeiten, die die internationalen Organisationen
leisten, wird sich jedoch sehr genau feststellen lassen koennen, wo
wirkliche Entwicklungsmoeglichkeiten bestehen, zumal einzelne Staaten
ueber sehr umfangreiche, jedoch noch unerschlos3ene Bodenschaetze verfugen. Es wird hier also eine grosse Anzahl Ansatzpunkte geben, wobei
die Berichte der Experten genuegendes Informationsmeterial geben
koennen.
Es ist zu erwarten, "dass durch eine grosszuegige Inangriffnahme
des Punkt-Vier-Programmes die Weltwirtschaft eine nachdrueckliche Belebung erfaehrt, die vor allem dann gegeben ist, wenn durch eine planmaessige Zusammenarbeit und die Zurverfuegungstellung genuegender Kapitalien diese Arbeiten auf lange Sicht durchgefuehrt werden.
V3 CIKANIr- GHER GEV:ERKSCHAFTS3UND TRITT AUS DSM '.VELTGEV.'ERKSCILAFTSBUND

25g

*

Der Gewerkschaftsbund Mexikos (CTlO , der unter der Fuehrung Lombardo Toledanos der Gruender des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes (CTAL) war und Jahre hindurch das Bollwerk dieser Organisation
blieb, sprach sich auf seinem Kongress, der vor kurzem in der Stadt
Mexiko stattfand, mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer den Austritt
sowohl aus dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (CTAL) als auch
aus dem kommunistisch kontrollierten 7/eltgewerkschaftsbund (WFTU)
aus.
•

Auf dem Kongress wurde Senator Videl Velasquez zum neuen Generalsekretaer der Organisation gewaehlt. Der Exekutivausschuss wurde ermaechtigt, selbst zu entscheiden, welche internationalen Verbindungen
der CTM einzugehen habe.
Sachkenner, die an den Besprechungen des CTM ueber die internationalen Verbindungen teilgenommen haben und den Standpunkt des Generalsekretaers Velasquez kennen, behaupten, dass der CTM in Kuerze dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beitreten wird. Mit dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund, dem CIO und anderen Gewerkschaftsgrupnen wird voraussichtlich eine regionale Organisation fuer die westliche
Hemisnhaere errichtet.
Inter-American Labor News (CIT)
V/1950
- 5-

�LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN GROSSTAEDTEN DER VEREINIGTEN STAATEN

Index (1935-39-100)
225

225

200

175

150

125

100
15. Jan.

15Juli.

1946

15. Jan.

15Juli.

194?

15Jan.

15. Juli.

1948

15Jan.

15.Juli.

1949

100
anAlSMärz
15.

1950

Die Preise, die Familien mittlerer Einkommensgruppen in grossen
Staedten der Vereinigten Staaten fuer Nahrungsmittel und Dienstleistungen zahlen, zeigen jetzt eine fast ununterbrochen fallende Tendenz, nachdem die Lebenshaltungskosten der Nachkriegszeit im August
1948 ihren Hoechststand erreicht hatten.
Die Mieten dagegen zeigen - im Gegensatz zu den meisten vom
Statistischen Buero des US-Arbeitsministeriums fuer seinen Verbraucherindex errechneten Posten - eine stetige Aufwaertsentwicklung.
Auch die Preise fuer Brennstoff und Elektrizitaet liegen etwas
hoeher.
Am deutlichsten machte sich diese Abwaertsbewegung der Lebenshaltungskosten an den Preisen fuer Nahrungsmittel bemerkbar. Die
Preise fuer Bekleidung, Haushaltsgegenstaende und andere Artikel
weisen ebenfalls eine fallende Tendenz auf. In keinem Falle jedoch
sind die Preise in dem gleichen Tempo zurueckgegangen, in dem sie
nach Kriegsende und in der Zeit von Juli 1946 (als die Preisueberwachung zum groessten Teil aufgehoben wurde) bis zum Sommer 1948
(Hoechststand) angestiegen sind.
Die Mieten, die als einziger Posten im Verbraucherindex staendig anstiegen und auch noch weiter anziehen, haben diese steigende
Tendenz im Jahre 1947 begonnen, als die waehrend des Krieges erlassenen Preisbestimmungen etwas gelockert wurden. Von Mitte 1946 bis
Mitte 1947 blieben sie praktisch unveraendert, waehrend andere
Posten des Verbraucher-Preisindex' sprungartig in die Hoehe gingen.
- 6-

�Angesichts der seit 1948 zurueckgehenden Preise ist zu erwarten, dass die Verbraucher in diesem Jahre einen geringeren Teil ihres
Einkommens fuer Nahrungsmittel verwenden werden als im Jahre 1949.
1947 und 1948 beliefen sich die Ausgaben füer Nahrungsmittel auf rund
33% der Einkommen.,
"Labor Information Bulletin"
IV/1950
GEWERKSCHAFTEN IN CHINA
Nach Zeitungsberichten aus Shanghai ist ein gewisser Widerstand
gegen die neugegruendete Allgemeine Gewerkschaft von Shanghai zu verspueren. "Liberation Daily" behauptete zwar vor kurzem,87,52% der
Arbeiter der Stadt seien gewerkschaftlich organisiert, gleichzeitig
aber vermisst die Zeitung jede spontane Aktion, mit der sich die Arbeiter dieser Organisation anschliessen. Weiter wird berichtet, dass
in grossen industriellen Unternehmen das revolutionaere Bewusstsein
nicht genuegend entwickelt ist, die alten Fuehrer muessen umgeschult
werden, damit sie zu tuechtigen Organisatoren unter dem neuen System
erzogen werden koennen. Massnahmen zur Bekaempfung der Saboteure
sind bereits ergriffen.
Vielsagend ist auch die Feststellung, dass "in Fabriken, in •
denen reaktionaere Einfluesse noch vorherrschen, eine Politik zur
Mobilisierung der Massen und zur Organisierung eines Kampfes betrieben werden muss, der sich gegen besondere Agenten richte, die röckstaendige Elemente unter den Arbeitern zur Verbreitung von Geruechten
und anderen Sabotageakten benutzen und sogar den mit der gewerkschaftlichen Organisationsarbeit beauftragten Maenner offen entgegenarbeiteten." "Aber," so heisst es weiter, "diese subversiven Elemente konnten bald isoliert werden: nachdem die Arbeiter aufgeklaert wurden, hatten die Agenten schnell ausgespielt."
"Man muesse beachten," schreibt die Zeitung weiter, "dass der
Aufnahme in die Gewerkschaft eine gruendliche Aufklaerung, insbesondere die Befreiung von reaktionaeren Ideen; vorausgehen muesse."
Trotzdem wurden Vorkehrungen getroffen, um die Wahl, bestimmter Funktionaere sicherzustellen. "Auf oeffentlichen Versammlungen," heisst es
dann, "hat man Massnahmen ergriffen, damit die Massen aelteren Arbeitern vertrauen und deren Wahl damit gesichert ist." In den meisten
Betriebs- und Industriegewerkschaften wurden die Wahlen nach dem indirekten Abstimmungssystem durchgeführt, das heilst, die Waehler
waehlten durch ihre Vertrauensleute.
Trotz der Fuelle dieser Massnahmen sagt der Artikel jedoch weiter: "Diese Methode erwies sich in den meisten Faellen als zufriedenstellend." In diesem "Arbeiterstaat" muessen alle Tarifvertraege
von der Regierung genehmigt werden und koennen durch eine Vereinbarung
zwischen Unternehmern und Regierung rueckgaengig gemacht, aber auch
von der Regierung abgeaendert werden. Rahmentarifvertraege sind fuer
die gesamte Industrie verbindlich erklaert worden. Kleinere Tarifverhandlungseinheiten, wie z.B. Lokalgewerkschaften, koennen somit
Vertraege nur im Rahmen des fuer die Industrie geltenden Vertrages
abschliessen.
FACHABTEILUNG DER CHEMIEARBEITER GEGRUENDST
Der Weltbund der Arbeiter aer Cnemischen Industrie, eine Fachabteilung des Weltgewerkschaftsbundes, wurde vor kurzem auf einem
Treffen in Budapest gegruendet. Die Zeitungen berichten, dass
Eugenie Guidi, der Generalsekretaer der Italienischen Chemiearbeiter- 7-

�gewerkschaft, zum Praesidenten gewaehlt wurde. Die beiden Vizepresidenten sind N. M. Kawalljoff, Praesident des Zentralkomitees der
Sowjetischen Chemiearbeitergewerkschaft, und Paul Pigelet, Generalsekretaer der franzöesischen Chemiearbeitergewerkschaft. Zum Sekretaer wurde Ferencz Bozoki, Ungarn, ernannt.
Delegierte aus 12 Laendern sollen an der Gruendungskonferenz
teilgenommen haben: Bulgarien mit Dimitar Christov Kriwasieff; die
Tschechoslowakei mit Adolph Babulik; Frankreich mit P. R. Champion,
Robert Paul und Paul Pigelet; fuer Deutschland (Ostzone) sind keine
Namen genannt; das "Freie Griechenland" mit Konstantin Theosz und
Theos Kostas; Ungarn mit Jozsef Darvas, Sandor Szilagyi, Arpad
Radios, Ferencz Bozoki, Gyorgy Gati, Ilona Hatala; Italien mit Eugenie Guidi, U. Stokkero, M. Piacentini, D. Bianconi und 0. MarChi;
Korea (Nord) mit Li Ven Yong, Rak Im Sun und Li Do Yin; Polen mit
Viktor Drozd; fuer Rumaenien sind keine Namen angegeben; die Sowjetunion mit N. M. Kawalljoff, Yanalieff und Taratonyln; und schliesslich
Venezuela mit Rudolfo Quintero. Ausserdem wurde die Anwesenheit einiger Beobachter aus Oesterreich, Schweden und Norwegen berichtet.
Als Delegierte des Weltgewerkschaftsbundes waren Boleslaw Gebert,
3ekretaer des Weltgewerkschaftsbundes und £• Schultz zugegen.
JUGOSLAWIEN BRICHT MIT DEM WELTGEWERKSCHAFTSBUND
Als Antwort auf den Ausschluss ihres Praesidenten, Djuro Salaj,
aus dem Exekutivrat des Weltgewerkschaftsbundes hat sich die Generalkonferenz der Jugoslawischen Gewerkschaften durch eine Abstimmung
fuer den Abbruch ihrer Beziehungen zum Weltgewerkschaftsbund ausgesprochen. Der jugoslawische Gewerkschaftsvorstand teilte diese Entscheidung dem Weltgewerkschaftsbund und den ihm angeschlossenen
Koerperschaften mit.
BUND CHRISTLICHER ARBEITER FRANKREICHS LEHNT EINLADUNG DES INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERKSCHAFTEN AB
Der Exekutivausschuss des Bundes Franzoeslscher Christlicher
Arbeiter (CFTC) beschloss durch eine Abstimmung, sich nicht dem
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften auf der Basis des Vorschlags der neuen Internationale anzuschliessen. In diesem wird
gefordert, dass der CFTC bis zur naechsten Konferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im November 1951 die Christliche
Internationale (CISC) zu verlassen hat.
ERNENNUNGEN IM INTERNATIONALEN BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften in Bruessel hat
sechs Positionen mit bewaehrten Kraeften besetzt.
Die Wlrtschafts- und Sozialabteilung leitet Alfred Braunthal,
der ehemalige Direktor der Forschungsabteilung in der Internationalen
Gewerkschaft der Hut-, Muetzen- und Putzmacher (AFL).
In der Abteilung Bildung, Schrifttum und Propaganda leitet das
Ressort Presse und Propaganda J. A. Riddell, der ehemalige Informationsbeamte der britischen Gesandstschaft in Polen. Das Ressort
Bildung hat Hans Gottfurcht uebernommen, der bisherige Verbindungsmann der deutschen Gewerkschaften zum britischen Gewerkschaftsbund
(TUC). Er ist heute britischer Buerger, in der Nazizeit fluechtete
er aus Deutschland. Da3 Ressort Schrifttum bearbeitet Edward Thompson, der fruehere Sachbearbeiter fuer Presse und Veroeffentlichungen
- 8-

�im Verbindungsausschuss der Internationalen Sozialistischen Konferenz (Britische Organisation).
Die Abteilung Organisation ist noch nicht besetzt, das Ressort
Finanzwesen leitet Albert Van Campf, e^n gebuertiger Belgier, der im
Internationalen Transportarbeiterverband taetig war, das Ressort
Korrespondenz und Registratur untersteht Frau Cabossel, bisher Vorständsmitglied der "Force Ouvriere," Frankreich.
i?!BRIKANISCHER BERATER FUER ARBEITSFRAGEN ZUR ROLLE DER DEUTSCHEN
GEWERKSCHAFTEN
Harvey %• Brown, der Direktor der Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten in der Hohen Kommission, berichtete in einem Interview mit
Spero Galanopulo, dem Kachrichtenherausgeber der Berliner Rundfunkstation AFN, den Hoerern ueber die Entwicklung der deutschen Gewerkschaften in der Nachkriegszeit.
Er brachte seine Ueberraschung ueber das Tempo zum Ausdruck, mit
dem es den deutschen Gewerkschaften gelungen ist, sich nach 1945 wieder zu organisieren. Mr. Brown berichtete seinen Zuhoerern, dass der
Deutsche Gewerkschaftsbund am 1. Januar 1950 rund 5 Millionen Mitglieder zaehlte, die in 16 Industriegewerkschaften organisiert sind. Die
Gesamtzahl der Industriearbeiter belief sich zu diesem Zeitpunkt auf
13.340.000. Nach Mr. Browns Auffassung bedeutet dies, dass in Westdeutschland heute ein groesserer Prozentsatz der Arbeiter gewerkschaft
] ich organisiert ist als in den Vereinigten Staaten.
Mr. Brown nahm zu dem Problem der Arbeitslosigkeit in Westdeutsch
land Stellung und sorach sich fuer einen verbesserten Lebensstandard
der Bevoelkerung aus, der durch die Erweiterung des inlaendischen Absatzmarktes ermoeglicht werden koennte. Er ermahnte die Fuehrer der
westdeutsehen Industrie, sich ihrer Verantwortung gegenueber dem
deutschen Volke bewusst zu sein, und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck,
dass Deutschland sein Arbeitslosenproblem loesen koenne.
Mr. Brown wies auf die Notwendigkeit hin, das kulturelle Austaus chprograram zu erweitern, um mehr Vertretern der Gewerkschaftsbewegung Gelegenheit zu ,?eben, mit amerikanischen Gewerkschaftlern zusammenzutreffen und den amerikanischen Lebensstandard und amerikanische Fertigungsmethoden ihres Arbeitsgebietes kennenzulernen. Nach
seiner Ansicht sei "damit viel mehr getan.als mit dem Lernen an Hand
von Buechern." Mr. Brown berichtete, dass bis jetzt 244 Gewerkschaftsvertreter im Rahmen des kulturellen Austauschprogramms die
Vereinigten Staaten besucht haben.
Mitteilung der Abteilung fuer Oeffentliche
Beziehungen der Hohen Kommission in Berlin

WIEDERAUFLEBEN DER KONKURRENZ ZWISCHEN DEN HAEFEN HAMBURG UND TRIEST
In Schiffahrts- und Industriekreisen Triests macht sich eine gewisse Beunruhigung ueber die wachsende Konkurrenz des Hamburger Hafens
bemerkbar.
In der Vorkriegszeit war Hamburg einer der schaerfsten Konkurrenten Triests, nachdem es dieser Stedt durch den Zusammenbruch des oesterreichisch-ungarischen Reiches gelungen war, einen grossen Teil des
Verkehrs, der vorher ueber Triest gegangen war, zu uebernehmen.
- 9-

�Nach einem Konkurrenzkampf auf Leben und Tod wurden durch ein
Abkommen die Einflussphaeren der beiden Haefen festgelegt. Als
Deutschland jedoch in den dreissiger Jahren die Balkanlaender wirtschaftlich eroberte, bestand diese Vereinbarung nur noch auf dem
Papier, der Kampf um die Vorherrschaft aber ging in unverminderter
Staerke weiter.
Nach dem Zweiten V/eltkrieg hatte Triest anfaenglich wenig Grund
zur Klage. Die Lage besserte sich staendig, einmal hinsichtlich des
Durchgangsverkehrs, zum andern fuer die Schiffahrt, und damit auch
fuer den Hafen betraechtlich. Diese aeusseren Prosperitaetserscheinungen truegten jedoch, und Triest hatte bald wieder Sorgen. Das
natuerliche Hinterland des Hafens war hinter dem dortigen Eisernen
Vorhang verschwunden, der groesste Teil des Durchgangsverkehrs bestand aus ERP-Ladungen und aus Versorgungsguetern fuer die amerikanischen und englischen Truppen im Freigebiet. Die Tschechoslowakei und- Ungarn bedienten sich in zunehmendem Masse der Donau als
Transportweg zum Mittellaendischen Meer, waehrend Jugoslawien in
Fiume einen ausgezeichneten Hafen besitzt.
Mit dem Wiederaufleben der deutschen Konkurrenz ergibt sioh
fuer Triest wieder die Vorkriegssituation, der in Aussicht gestellte Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte wird als wachsende Gefahr angesehen.
Aus den letzten Nachrichten geht hervor, dass Vertreter der
Triester Handelskammer sich nach Rom begeben haben, um die Unterstuetzung der italienischen Regierung in dem Kampf um die Erhaltung
der Lebensfaehigkeit des Hafens sicherzustellen. Ein weiterer Vorschlag der Delegation sieht vor, die Tarife der Haefen Triest, Venedig, Genua, Livorno und Neapel aufeinander abzustimmen.
Die Triester Schiffahrtskreise bemuehen sich mit allen Mitteln,
die Hafengebuehren und Eisenbahntarife zu senken, um damit der Bedrohung aus dem Norden zu begegnen.
Mitteilung des Internationalen
Transpor-tarbeiterverbandes ITF
DIE TAGUNG DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES ICFTU
Der gesamte Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften (ICFTU) ist vom 25. - 27. Mai in Bruessel zusammengetreten. Dies ist die erste Konferenz seit dem Londoner Gruendungskongress im Dezember vorigen Jahres.
Der Exekutivausschuss hatte eine groessere Reihe Massnahmen beantragt, die der ICFTU durchfuehren wird. Die Tagesordnung umfasste«
ueber dreissig Hauptpunkte.
Der Ausschuss befasste sich mit einem Vorschlag, der eine wechselseitige Vertretung in den Internationalen Fachabteilungen vorsieht,
die bereits hierzu ihre Zustimmung gegeben haben.
Er hat weiterhin die Abmachungen ueberprueft, die kuerzlich von
dem Generalsekretaer anlaesslich eines Besuches im Hauptquartier der
Vereinten Nationen getroffen wurden. Die Stellungnahme des ICFTU
ist dem Unterausschuss fuer Menschenrechte des Wirtschafts- und Sozialrates vorgelegt worden. Ein Bericht ueber die Vorschlaege des
ICFTU zur Einberufung einer internationalen Konvention, die sich mit
der lurchfuehrung von Massnahmen zur Vollbeschaeftigung befasst, ist
dem Generalsekretaer der Vereinten Nationen bereits unterbreitet
worden.
- 10 -

�Der Bericht ueber Arbeiterbildung enthielt Vorschlaege zur Einberufung einer internationalen gewerkschaftlichen Bildungskonferenz;
ausserdem schlug er die Aufnahme von Beziehungen zur UNESCO, dem Rat
fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinigten Nationen, vor
sowie die Errichtung einiger Gewerkschaftsschulen im Fernen Osten.
In der regionalen Organisation wird sich der Ausschuss auf den
Fernen Osten konzentrieren. Der Diskussion ueber das Ruhrproblem
wurden die Beschluesse zugrundegelegt, die eine Konferenz der an
diesen Fragen interessierten Gewerkschaften am 22. und 23. Mai in
Duesseldorf gefasst haben.
Die Hauptpunkte der Tagesordnung waren:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.

Gescheeftsboricht des Generalsekretaers.
Finanzbericht und Budget.
Beziehungen zu den Internationalen Fachabteilungen.
Beziehungen zu den Vereinten Nationen.
Beziehungen zur Internationalen Arbeitsorganisation ILO.
Beziehungen zum Europarat.
Regionale Organisation.
Arbeiterbildung.
Bericht ueber Oesterreich.
Ruhrproblem.
Ernennung der stellvertretenden Generalsekretaere.
Datum der naechsten Konfernz des Exekutivausschusses und des
Verwaltungsrates und des naechsten Kongresses.
Arbeitsmitteilungen der ECA

EIN MAECHTIGES BOLLWERK
(Rede des US Arbeitsministers Maurice J. Tob in auf der 27. Konvention der Internationalen Damenbekleidungsarbeitergewerkschaft in
Atlantic City, N. J. , am 24. Mai 1950).
* * *

Im Jahre 1932 zaehlte die Internationale Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter 45.000 Mitglieder, heute sind in ihren Reihen
425.000 Organisierte. Dieser ungeheure Aufstieg ist ein Gradmesser
fuer den Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung unter
den Praesidenten Roosevelt und Truman. Ich behaupte nicht, dass alle
Gewerkschaften sp grosse Erfolge erzielen konnten. Nicht alle Gewerkschaften stehen unter der mitreissenden Fuehrung eines David
Dubinsky. Meine Meinung ist jedoch, dass die Gewerkschaft der Damenoberbekleidun'gsarbeiter gezeigt hat, was eine Gewerkschaft in verhaeltnismaessig kurzer Zeit leisten kann, wenn sie sich die von den
Vereinigten Staaten
geschaffene Atmosphaere zunutze macht.
Als Dubinsky Praesident wurde, befand sich die Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter in einer verzweifelten Lage. Sie hatte
einen furchtbaren "Buergerkrieg" durchmachen muessen, bevor sie sich
der kommunistischen Intriganten entledigen konnte. Noch waren die
"fanden dieses Kampfes nicht geheilt, da kam der Schock der wirtschaftlichen Krise. In den naechsten drei Jahren gelang es der Gewerkschaft,
sich gerade ueber Wasser zu halten. Dann uebernahm der unbezaehmbare
Dubinsky die Fuehrung, und mit dem Erlass des Gesetzes zur Nationalen
Wirtschaftlichen Wiederaufrichtung (National Recovery Act) war seine
Gewerkschaft wie viele andere Arbeiterorganisationen gerettet.
Fuer die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter kam diese
Wendung jedoch besonders gelegen. Sie hatte gerade einen Streik in
- 11

�Philadelphia erfolgreich beendet. Mit aller Macht, die ihren Vorsorung vor anderen Gewerkschaften noch vergroesserte, begab sie
sich an die Arbeit des Wiederaufbaus. Das Ergebnis war, dass die
Gewerkschaft auf einer Grundlage aufgebaut wurde, die unerschuetterlich ist. Heute steht die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter sicher und fest und zwar nicht nur als GewerkschaftsOrganisation, sondern auch als eine soziale Einrichtung zum Wohle des ganzen
Landes.
Was ich soeben gesagt habe, ist fuer die meisten Gewerkschaftler
eine altbekannte Geschichte. Was ich noch ausfuehren werde, ist
lediglioh eine Wiederholung dessen, was allen Beobachtern schon klar
ist. Ich erachte es als hoechst bezeichnend, dass in dieser Gewerkschaft 11.000 Unternehmer vertreten sind. Vielsagend ist ausserdem,
dass in 15 Jahren kein groesserer Streik zu verzeichnen war. Dies
muss auf die Tatsache zurueckzufuehren sein, dass sich die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter jahrelang ein wirksames
Schiedsgerichtssystem zunutzemachte.
Nicht nur das: Die Damenoberbekleidungsgewerkschaftler haben
sich auch die Philosophie Dubinskys zu Herzen genommen: "Das Gewerkschaftswesen braucht den Kapitalismus wie der Fisch das Wasser.
Demokratie ist nur in einer Gesellschaft des freien Unternehmertums
moeglich, und der Bestand der Gewerkschaften ist nur in einer Demokratie gesichert." Diese Feststellung von Benjamin Stolberg scheint
mir alles zu diese** Frage in zwei Saetzen zu sagen.
Dubinsky meint damit nicht den Kapitalismus von heute. Er
wuenscht ihn im Dienste des allgemeinen Interesses und der industriellen Demokratie taetig zu sehen. Das heisst bei weitem nicht, dass er
das freie Unternehmertum ablehnt. Es bedeutet lediglich, dass das
freie Unternehmertum von seinen Maengeln und Fehlern in seinem eigenen
Interesse und im Interesse unserer Wirtschaft und des Fortschritts
unserer Gesellschaft kuriert werden muss.
Seitdem sich die Damenoberbekleidungsgewerkschaft diese Einstel- .
lung zu eigen machte, hat sie nicht nur die Leistungsfaehigkeit in der
Produktion und im Vertrieb vorangetrieben, sondern auch die Konkurrenz
der Unternehmer zum Gegenstand ihrer TarifVerhandlungen gemacht. Sie
hat darueberhinaus ein technisches Referat gegruendet, das den Unternehmern beratend zur Seite steht. Wir sehen hierin eine Art schoepferlsoher Zusammenarbeit, die diese Gewerkschaft im industriellen Leben
unserer Nation einzigartig dastehen laesst.
Das ist jedoch nicht der einzige Grund fuer ihre unvergleichliche
Stellung. Diese Gewerkschaft ist innerhalb der Gewerkschaftsbewegung
eine staendige Fuersprecherin des Friedens gewesen. Niemand hat tagaus, tagein fuer die Einigkeit der Gewerkschaftsbewegung mehr geleistet als David Dubinsky. Sein oberster Grundsatz ist, zerbrochene
Bande wieder zusammenzuschweissen. Ich bin ueberzeugt, dass ihn all
das beglueckt, was eine "aufrichtige und realistische Wiederversoehnung" erhoffen laesst.
Ich moechte noch ein Wort zu der erzieherischen Arbeit dieser
Gewerkschaft sagen. In der Idee, faehige Funktionaere auszubilden
und Arbeiter zu wertvollen Mitgliedern der Gewerkschaft zu erzienen,
spiegelt sioh Dubinskys Sinn fuers Praktische wider. Er hat ein
Programm zur Arbeiterbildung ausgearbeitet, das anderen Gewerkschaften als Musterbeispiel dient. Er hatte in Mark Starr, dem Direktor
des Referats fuer Arbeiterbildung, einen'hervorragenden Mitarbeiter.
Wenn wir an das "Unity House" denken, das als der groesste
Feriunaufenthaltsort in den Vereinigten Staaten bezeichnet worden ist,
an die Krankenversicherung, den bezahlten Urlaub, die Altersversicherung und die Ambulatorien, in denen kostenlos aerztliche Behandlung gewaehrt wird - und dies alles bei einem Durchschnittslohn von
70 Dollar fuer eine Woche mit 35 Arbeitsstunden, - dann erkennen wir,
- 12 -

�wie weit die frueheren "sweatshop" (Schwitzwerkstatt)-Verhaeltnisse
hinter den Mitgliedern der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter liegen. Es war ein langer und schwerer Kampf. Vor dem,
Jahre 1933 gab es fuer die Arbeiter der Bekleidungsindustrie keine
gesicherte Existenz, weil dieser Industriezweig nicht stabilisiert
war.
Doch diese Unsicherheiten gehoeren der Vergangenheit an und
sollen mit ihr begraben werden. Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ist heute ein Bollwerk zum Schutze ihrer Mitglieder und ein Helfer und Freund aller fortschrittlichen Kraefte. Sie
i3t eine voellig demokratische, eine echt amerikanische Gewerkschaft.
Ich beglueckwuensche sie zu ihren Erfolgen im Kampf gegen den
Kommunismus innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Ich spreche ihr
meine Anerkennung dafuer aus, dasseiner der hervorragendsten Gewerkschaftsfuehrer an der Spitze ihrer Organisation steht. Er hat
aus der Alten Welt seine Erbitterung ueber die Ungerechtigkeit mitgebracht, die in Amerika zu einer Waffe geworden ist, mit der fuer
Gerechtigkeit zum Wohle der Arbeiter und aller Menschen gekaempft
wird.
Mitteilung des üä Arbeitsministeriums
ALLGEI.SINSR BOYKOTT GEGEN DIE SCHIFFE PANAMAS
Auf einer kuerzlich stattgefundenen Konferenz in Amsterdam
sprach sich die Seefahrerabteilung des 'internationalen Transportarbeiterverbandes ITF einstimmig fuer einen weltweiten Boykott gegen
die Schiffe Panamas aus.
Urspruenglich hatte der ITF am 25. November 1948 bereits beschlossen, die Schiffe Panamas zu boykottleren. Die Ausfuehrung dieses
Beschlusses wurde jedoch noch hinausgeschoben, da die Regierung Panamas versprochen hatte, ihre Schiffahrtsbestimmungen abzuaendern.
Seitdem hat die Regierung jedoch nichts unternommen, sodass das Versprechen nicht eingeloest wurde.
Der ITP kuendigte an, dass er sich die Unterstuetzung der Hafenarbeiter und anderer Gewerkschaften sichern werde, um die Seeleute
davon abzuhalten, fuer panamensische Reeder zu arbeiten und um gegebenenfalls die Ladungen in den Haefen zu blockieren.
Dieser Boykott, so heisst es in dem Beschluss, soll "den skrupellosen Methoden jener Reeder ein Ende bereiten, die unter panamensischen und aehnlichen Flaggen fahren, und soll anst-aendige Lebensund Arbeitsbedingungen fuer die Seeleute dieser Schiffe erzwingen."
US Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
Robert J. Alexander:
DIE DEMOKRATISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG BOLIVIENS
In den vergangenen Jahren hatte die Gewerkschaftsbewegung Boliviens unter den politischen Kaempfen und Unruhen in diesem Lande
schwer zu leiden. Die Bewegung selbst war politisch aufgespalten sowohl durch neofaschistische als auch durch kommunistische Gruppen und die Arbeiter, die sich in unpolitischen aber demokratischen Geverkschaften zu organisieren versuchten, hatten ein schweres Los.
- 13 -

�Mehrere Jahre hindurch bildete die maechtige Bergarbeitergewerkschaft (Federacion Sindical de Trabajadores Mineros) das Rueckgrat der bolivianischen Gewerkschaftsbewegung. Aber auch diese Gewerkschaft stand unter der Kontrolle der Nationalen Revolutionaeren
Bewegung (M.N.R.), einer profaschistisch orientierten Gruppe. Auf
der Gegenseite standen andere bedeutende Gewerkschaftsgruppen, wie
z.B. der Gewerkschaftsverband bolivianischer Arbeiter (Confederacion
Sindical de Trabajadores-Bolivlanos - C.S.T.B.) und die Eisenbahnergewerkschaft unter dem Sinfluss der kommunistisch orientierten
Linken Revolutionaeren Partei. Der C.S.T.B. ist die einzige Gewerkschaftsorganisation Boliviens, die dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (C.T.A.L.) Lombardo Toledanos angeschlossen ist.
Waehrend der letzten Jahre war das Land Schauplatz zahlreicher
Revolten und eines einmonatigen Buergerkrieges. Die meisten Aufstaende richteten sich gegen die Regierung und waren von der Nationalen
Revolutionaeren Bewegung organisiert. Dies fuehrte jedoch dazu, dass
die von dieser Vereinigung (M.N.R.) kontrollierten Gewerkschaften
aufs schwerste unterminiert und gespalten wurden, sodass nach und
nach viele von ihnen verschwanden. So besteht z.B. in den Bergwerken
des groessten Zinnproduzenten des Landes, den Patino Werken, keine
einzige Gewerkschaft mehr, die von der Regierung oder von Arbeitgebern
anerkannt waere. Auf der anderen Seite ist es durch die strengen
Notverordnungen der Regierung und den Belagerungszustand einer demokratischen Gewerkschaftsbewegung tatsaechlich unnoeglich, sich wieder zu
entwickeln.
Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund CIT bemueht sich in
dieser schwierigen Situation inner wieder, den Arbeitern zu helfen,
die sich in einer unpolitischen freien Gewerkschaftsbewegung zusamnenzuschliessen versuchten. Eine Reihe Gewerkschaften wurde im
Bolivianischen Gewerkschaftsbund (Confederacion Boliviana de Trebajadsros - CBT) zusanmengefasst, der seinen Sitz in der Bergwerksstudt
Oruro hat. Zu gleicher Zeit wurde in La Paz, der Hauptstadt Boliviens, ein Buero des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes eroeffnet, und bolivianische Delegierte nahmen an den Konventionen des CIT
in Lima und Havanna teil.
Im Maerz stattete der Praesident des CIT, Bernardo Ibanez, Bolivien einen kurzen Besuch ab, um den Bolivianischen Gewerkschaftsbund
in meiner Aufgabe, eine einflussreiche demokratische Gewerkschaftsbewegung aufzubauen, zu unterstuetzen. Er verbrachte seinen Aufenthalt in Bolivien meist in Oruro, wo er mit Fuehrern des CBT und der
Lokalgewerkschaft von Oruro (Federacion Obrera Sindical Departmental
de Oruro) zusammentraf. Diese Organisation, die in enger Zusammenarbeit mit den bolivianischen Freunden des CIT steht, ist eine alte
Vereinigung, zu der ausser einigen Bergarbeitern auch Baecker,
Druckereifacharbeiter und andere Handwerker der Provinz Oruro gehoeren. Sie war noch bis vor kurzem dem kommunistisch orientierten
C3TB angegliedert, widersetzte sich jedoch den Kommunisten, als
diese die Gewerkschaft voellig in ihre Hand bekommen wollten, und
v/andte sich dem CIT zu. Mehrere Funktionaere der Federacion Obrera
Sindical Departmental de Oruro sind Mitglieder des Exekut'ivausschusses des dem CIT angeschlossenen CBT.
Nach mehreren Besprechungen, die Praesident Ibanez in herzlichem Einvernehmen mit Fuehrern des CBT und der Gewerkschaft von Oruro
fuehrte, einigte man sich auf einen Aktionsplan. Man vereinbarte,
drei Bezirkssekretariate fuer den Norden, den Sueden, und den zentralen Teil des Landes zu schaffen, die in La Paz, Olluni und in
Oruro ihren Sitz haben sollen. Der CBT selbst wird weiterhin in
Oruro verbleiben, die Organisation wird jedoch in erster Linie den
Bezirksvereinigungen als Funktion zufallen. Besondere Aufmerksamkeit
- 14 -

�wird auf die Organisierung der Eisenbahnarteiter und der Bergleute
gelegt werden, um sie in den CBT aufzunehmen, waehrend in La Paz die
Hauntarbeit der Wiedergewinnung der staedtischen Industriearbeiter
gelten soll.
Es wurde vereinbart, eine Reihe Bezirkskonferenzen in den verschiedenen Teilen Boliviens abzuhalten, um auf diese Weise alle demokratisch eingestellten Gewerkschaften miteinander in Fuehlung zu
bringen und den Grundstein fuer einen nationalen Kongress des CBT
zu legen. Eine solche nationale Zusammenkunft findet statt, sobald
die Voraussetzungen gegeben sind, um die nationale Organisation auf
einer sicheren Grundlage aufzubauen.
Man hofft, dass der Besuch des Praesidenten Ibanez den bolivianischen Arbeitern einen starken Auftrieb in ihren Bestrebungen zur
Errichtung einer demokratischen, unpolitischen Gewerkschaftsbewegung
gegeben hat.' Bevor Praesident Ibanez das Land verliess, hatte er
eine Unterredung mit dem Arbeitsminister Boliviens, Dr. Ernesto
Monas t-erio, in der er zum Ausdruck brachte, dass die Arbeiter mit den
Einschraenkungsbestimmungen der gewerkschaftlichen Taetigkeit nicht
einverstanden seien, die die Regierung unter dem "Belagerungszustand"
erlassen hatte.
Inter-American Labor News
V/1950
PROBLEME UM DIE BESCHAEFTIGUNG AELTERER ARBEITSKRAEFTE
Diese Zeilen sind ein Ausschnitt aus der Rede des Beauftragten fuer
Arbeitsstatistik im U.S.-Arbeitsministerium, Evan Clague, die er
vor der Zweiten Generalkonferenz der Nationalen Konferenz fuer
Soziale Arbeit in Atlantik City gehalten hat.
In Bezug auf die aelteren Arbeltskraefte haben sich fuer die Vereinigten Staaten Probleme ergeben, die durch schon seit mehreren Jahrzehnten bestehende Tendenzen aufgezeigt werden. Dies ist vor allem auf
das steigende Verhaeltnis der Zahl der Aelteren zu der der Gesamtbevoelkerung zurueckzufuehren. Im Jahre 1900 hatten nur 4$ der Bevoelkerung das 65. Lebensjahr erreicht. Nach Beendigung der Zaehlung im
Jahre 1950 werden wir wahrscheinlich feststellen koennen, dass sich
dieser Prozentsatz fast verdoppelt hat. Das bedeutet in Zahlen, dass
aus 3 Millionen im Jahre 1900 etwa 11 Millionen im Jahre 1950 geworden
sind. Es ist zu erwarten, dass diese Altersgruppe sowohl zahlenmaessig
als auch im Verhaeltnis zur gesamten Bevoelkerung weiterhin ansteigen
wird.
Damit hat sich fuer uns das Problem der Altersversorgung jener
Buerger ergeben, die sich ihren Lebensunterhalt nicht mehr durch eigene
Arbeit verdienen koennen. Das Problem wird noch dadurch erschwert, dass
die Beschaeftigungsmoeglichkeiten fuer Leute ueber 65 Jahre staendig
geringer werden. Im Jahre 1900 wuenschten etwa zwei Drittel aller Arbeiter, die ueber 65 Jahre alt waren, weiterzuarbeiten und sich ihren
Lebensunterhalt selbst zu verdienen; nur ein Drittel hoerte mit der
Arbeit aus eigenem Entschluss auf. 1940 waren nur noch 43# dieser
ueber 65 Jahre alten Leute zur Arbeit bereit - und davon waren nicht
einmal alle erwerbstaetig. Waehrend des Krieges stieg diese Zahl auf
etwa 50£ an, 1919 war sie jedoch wieder auf 46$ gefallen. Auf weite
Sicht gesehen, wird sie noch weiter sinken, wobei sich diese Tendenz
in den kommenden Jahren noch staerker bemerkbar machen wird.
Inzwischen hat die U.S. Regierung zahlreiche Massnahmen ergriffen,
um dieses Problem zu loesen. Es bestehen Altersversorgung, bundesstaatliche Altersversicherung, Pensionsplaene in der Industrie, Pensionsnlaene der Gewerkschaften, Tarifverhandlungsplaene, Lebensversicherungsrenten, private Sparplaene und andere traditionelle Methoden
nebeneinander. Es bleibt keine Zeit, sich an dieser Stelle mit dem
- 15 -

�Grundproblem zu befassen. Notwendig ist jedoch., auf die Tatsache hinzuweisen, dass noch kein umfassendes Programm geschaffen worden ist,
das, sowohl vom sozialen als auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus
gesehen, voll befriedigend waere. Der Kongress der Vereinigten Staaten
arbeitet augenblicklich an einer grundlegenden Revision des bundesstaatlichen Systems, der Alters- und Hinterbliebenenversicherung. Nachdem diese Arbeit beendet sein wird, duerfte die Lage fuer die Aelteren
besser werden; es wird jedoch noch weit mehr getan werden muessen. In
den Vereinigten Staaten ist dies tatsaechlich eines der dringlichsten
Probleme, denen sich das amerikanische Volk gegenuebersieht. Zweifellos wird ihm im Verlauf der kommenden Jahre in zunehmendem Masse die
oeffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden.
Eine zweite Phase dieses Programms verdient es ebenfalls, beachtet
zu v/erden, obwohl sie erst in einigen Jahren akut werden wird. Es
handelt sich um das Problem der aelteren arbeitenden Bevoelkerung der Maenner und Frauen zwischen 45 und 64 Jahren. Auch hier ist eine
vorausschauende Politik notwendig, um die Probleme, die sich in diesem
Fragenkomplex ergeben werden, rechtzeitig zu erkennen, damit rechtzeitig Massnahmen ausgearbeitet werden koennen.
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG,
APO 757

OFFICIAL

HCOG ft-107* L * 1 Jul/ 50 1» C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen'' ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 15

Frankfurt, 16. Juni 1950

I N H A L T S H R

Z E I CHNIS

Die Loehne in der amerikanischen Damenoberbekleidungsindustrie - - - - - - - - - - l
Sine Million Dollar fuer den Werbefeldzug einer
amerikanischen Gewerkschaft - - - - - - - 3
Die erste Konferenz des Exekutivausschusses des
ICFTU in Bruessel - - - - - - - - - - - - 4
CIO fordert Massnahmen zur Bekaempfung der
Arbeitslosigkeit - - - - - - - - - - - - - ,
8
AFL fordert Staerkung Deutschlands - - - - - - 10
CIO-Schulungskurse fuer Spitzenfunktionaere - 12
Der Kampf gegen unzureichende Frauenloehne - - 13
Praesident Truman spricht der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO seine Anerkennung
aus - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 4
Arbeiterschaft und Kalter Krieg
-------14
Spitzengehaelter in der amerikanischen Stahlindustrie - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 6

DIE LCEHNE IN DER AFRIKANISCHEN DAMEN Cß ERB EKLE IDUNGSINDUSTRIE
In elf von zwoelf Zentren der U.S.-Bekleidungsindustrie betragen
die durchschnittlichen Stundenloehne der Arbeiter in der Damenmaentelund -kostuemherstellung mehr als 1.50 Dollar. (Bei dieser Feststellung
sind nur Betriebe mit mehr als acht Arbeitskraeften beruecksichtigt).
Die Stundenloehne variieren im Durchschnitt zwischen 1.17 Dollar (in
Kansas City) und 2.60 Dollar (in Los Angeles). New York und Chikago
mit Druchrchnittstarifen von 2.27 bzw. 2.05 Dollar sind ausser Los
Angeles die einzigen Staedte, in denen die durchschnittlichen Stundenloehne zwei Dollar ueberschreiten. Ueberstunden und Nachtarbeit sind
in diesen Ziffern nicht beruecksichtigt.
Maenner, die fast die Haelfte aller Arbeitskraefte ausmachen,
verdienen wesentlich mehr als Frauen. In elf Staedten liegen die Unterschiede in den Stundenloehnen fuer Maenner und Frauen zwischen 52 Cents
- 1-

�(Baltimore) und 1.45 Dollar (Los Angeles). In Kansas City mit dem
kleinsten Prozentsatz an maennlichen Arbeitskraeften (15%) verdienen
diese im Durchschnitt 22 Cents mehr in der Stunde als Frauen. In
neun von zwoelf der Erhebung zugrundegelegten Staedten belaufen sich
die durchschnittlichen Stundenloehne fuer Maenner im Schnitt auf mindestens 2 Dollar; an Frauen dagegen werden in sieben Staedten durchschnittliche Stundenloehne in Hoehe von 1.50 Dollar oder mehr gezahlt,
sie sind jedoch in keiner Stadt hoeher als 1.95 Dollar.
Fast 40% der Betriebsangehoerigen in den Erhebungsstaedten sind
Maschinennaeher und -naeherinnen. Diese werden wiederum in zwei Hauptgruppen unterteilt. Die erste Gruppe verrichtet typische Fliessbandarbeit, d.h. jede Arbeitskraft ist auf eine bestimmte Taetigkeit spezialisiert; die Maschinennaeher der zweiten Gruppe hingegen erledigen
mehrere Arbeitsgaenge hintereinander. Die Stundenloehne der letzteren
Gruppe liegen mit Ausnahme von Kansas City in allen Staedten, in denen
die Erhebung durchgefuehrt wurde, unter 2 Dollar, so in Paterson, New
Jersey, 1.67 Dollar und in Newark-Jersey City 1.99 Dollar. In den
anderen Staedten, wie San Franzisko und Los Angeles, belaufen sich die
Durohschnittsstundenloehne auf 2.10 bzw. 3.29 Dollar. Die Loehne der
typischen Fliessbandarbeitskraefte dagegen liegen in den Staedten, in
denen es beide Arten des Maschinennaehers gibt, um Betraege von 5 Cents
bis zu 1.24 Dollar unter den Stundenloehnen der Einzelarbeiter. (St.
Louis 1.23 Dollar, Los Angeles 2.29 Dollar).
In der Haelfte der Bezirke, die in dieser Erhebung beruecksichtigt
sind, verdienen die Handnaeher (Fertignaeher), die die zahlenmaessig
groesste Einzelgruppe in dieser Industrie bilden, 1.50 Dollar je Stunde
und mehr. Die niedrigsten Loehne werden diesen Arbeitskraeften in
Kansas City (1.04 Dollar) und in St. Louis (1.17 Dollar) gezahlt, waehrend sie in Los Angeles und New York Hoechsttarife von 2.02 bzw. 2.13
Dollar beziehen.
In der Gruppe der Zuschneider (AufZeichner und Ausschneider) und
Buegler (Buegler und Presser), in der in erster Linie maennliche Arbeitskraefte taetig sind, finden sich die bestbezahltesten dieser Industrie. In neun von 12 Staedten ueberschreitet der Stundenlohn der
Zuschneider den Betrag von 2 Dollar, sie bewegen sich in allen Zentren
zwischen 1.56 Dollar in Kansas City und 3.34 Dollar in Los Angeles.
In sechs von elf Staedten' sind die Loehne fuer Handbuegler und in neun
von elf Staedten die Loehne fuer Maschinenbuegler (Presser) hoeher als
2.00 Dollar. Fuer Arbeiter, die sowohl mit der Hand als auch mit der
Maschine buegeln, liegen sie in neun von zehn Staedten über dieser
Grenze. In vier von neun Erhebungsstaedten, in denen es alle drei Arten der Bueglertaetigkeit gibt, erhaelt die dritte Gruppe die hoechsten
Durchschnittsloehne.

Die Stundenloehne der Fadenzieherinnen sind in allen Staedten (ausser in Kansas City) die niedrigsten saemtlicher Berufsgruppen der Damenoberbekleidungsindustrie. Sie bewegen sich zwischen 66 Cents (St. Louis!
und 1.19 Dollar (in Newark-Jersey City).
Von den 61.000 Arbeitern, die In der Damenmaentel- und -kostuemeindustrie in den 12 Erhebungsstaedten taetig sind, arbeiten 37.000 in
New York und 9.000 in den angrenzenden Gebieten von Newark-Jersey City
und Paterson. In New York liegen die Stundenloehne saemtlicher Berufsgruppen dieser Industrie mit Ausnahme der Fadenzieherinnen, die durchschnittlich 98 Cents verdienen, ueber dem 2 Dollar-Stundenlohneatz.
Grundsaetzlich werden in New York in Privatbetrieben hoehere Loehne
gezahlt als in Vertragsfirmen. Die Durchschnittsloehne der Arbeiter,
die bei Vertragsfirmen in Newark-Jersey City und Paterson beschaeftigt
sind, liegen im allgemeinen unter denen der Arbeiter, die bei Vertragsfirmen der Stadt New York taetig sind. Was die anderen Erhebungsstaedte
betrifft, so werden in Los Angeles die hoechsten und in Kansas City
die niedrigsten Loehne gezahlt.
- 2 -

�Ein Vergleich der Loehne von 1949 mit denen des Jahres 1946 ergibt, dass sie sich bei der Haelfte der zwoelf Staedte um ueber 10%
durchschnittlich erhoeht haben. Ein leichtes Absinken der Loehne,
das in einer der Staedte festgestellt wurde, bedeutet nicht, dass die
Lohntarife gesenkt wurden, sondern ist wahrscheinlich auf Veraenderungen des Arbeitsganges und aehnliche andere Faktoren als Folge des
Leistungsprinzips in der Bezahlung zurueckzufuehren.
Der weitaus groesste Teil der Bekleidungsarbeiter in den Erhebungsstaedten steht mit der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft (AFL) unter Vertrag.
Gemaess den Bestimmungen der Gewerkschaftsvertraege leisten die
Unternehmer in den meisten Erhebungsstaedten finanzielle Zuwendungen,
die einen bestimmten Prozentsatz ihrer Lohnlisten ausmachen, an die
von den Gewerkschaften verwalteten Gesundheits- und Wohlfehrtskassen,
aus denen die Gewerkschaftsmitglieder Urlaubsgelder beziehen. Die Hoehe
dieser Zuwendungen und die Bedingungen, unter denen Urlaubsgelder gewaehrt werden, sind verschieden. In New York, Newark-Jersey City und
Paterson betragen die Zuwendungen der Unternehmer an die unter den Gewerkschaftsvertrag fallenden Arbeitskraefte 3 1/2% der woechentlichen
Iohnlistenbetraege. Arbeiter, die sechs Monate Gewerkschaftsmitglied
sind, haben Anspruch auf Urlaubsgeld. Nach einem Jahr Mitgliedschaft
erhalten sie je nach der Art ihrer Beschaeftigung Betraege zwischen
35 und 50 Dollar, in New York betraegt der Hoechstsatz 60 Dollar. In
einigen Staedten ist die Hoehe des Urlaubsgeldes von dem Jahresverdienst des Arbeiters abhaengig. Auch Krankenunterstuetzungen, Sterbegelder und Krankenhausgebuehren werden aus den Gesundheits- und Wohlfahrtskassen der Gewerkschaft gezahlt.
Monthly Labor Review
11/1950
EINE MILLION DOLLAR FUER DEN WERBEFELDZUG EINER AMERIKANISCHEN GEWEHRr-CHAFT
Auf dem 38. Jahreskongress der Amerikanischen Gewerkschaft der
StrumpfIndustriearbeiter, der kuerzlich in New York eroeffnet wurde,
wurde ein Werbefeldzug zur organisatorischen Erfassung der Arbeiter der
Strumpfindustrie des Suedens der USA angekuendigt, dessen Kosten sich
auf eine Million Dollar belaufen werden.
Alexander McKeown, der Vorsitzende dieser Gewerkschaft, erklaerte,
dass man sich zum Ziel gesetzt habe, mindestens ein Drittel der schaetzungsweise 30.000 nichtorganisierten Arbeiter der suedlichen Strumpfindustrien in die Gewerkschaft aufzunehmen. Er wies darauf hin, dass
die nFabriken des
Nordens, in denen hoehere Loehne gezahlt wuerden, es
als unmoeglichn bezeichneten, mit den Unternehmern des Suedens zu
konkurrieren. Es wurde an Hand von Statistiken nachgewiesen, dass in
den Fabriken des Suedens mehr als 52% saemtlicher Arbeiter der Strumpfindustrie beschaeftigt sind. Die fuer diese Organisationskampagne zur
Verfuegung gestellte eine Million Dollar stellt etwa 40% des Vermoegens dieser Gewerkschaft dar.
Die Gewerkschaft der Arbeiter der Strumpfindustrie, die gegenwaertig etwa 35.000 Mitglieder zaehlt, wurde im Jahre 1948 aus der Textilarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO) ausgeschlossen, weil sie sich geweigert hatte, einen erhoehten Kopfbeitrag zu zahlen, der durch eine
Abstimmung der Textilarbeitergewerkschaft beschlossen war. Ueber eine
neue Bewerbung dieser Gewerkschaft um eine Wiederaufnahme in die AFL
ist bis Jetzt noch nicht entschieden worden.
Weekly Labor News Digest
17/V/1950
- 3-

�DIE ERSTE KONFERENZ DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES ICFTU IN BRUESSEL
Die erste Konferenz seit der Gruendungskonferenz in London des
Exekutivausschusses des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften
fand, wie angekuendigt, vom 25. - 27. Mai in Bruessel statt.
Folgende Mitglieder oder ihre Stellvertreter waren anwesend:
Afrika: Guy Rozemont (Mauritius); Asien und Mittlerer Osten:
E. Kato (Japan), K. Hedayat (Iran) und Frau M. Kara (Indien); England: Arthur Deakin und Sir V. Tewson; Europa: Leon Jouhaux (Frankreich), Eiler Jensen (Daenemark), Anton Proksch (Oesterreich) und
Giulio Pastore (Italien); Latein-Amerika: Bernardo Ibanez (Chile),
Hiüolito Marcano (Portoriko); Nordamerika: George Meany und Eimer
Cope (USA), Pat Conroy und Sam Finlay (Kanada); Westindien: Robert
Bradshaw (St. Kitts).
Den Vorsitz fuehrte der Praesident Paul Finet (Belgien); der Generalsekretaer J. H. Oldenbroek war von Amts wegen Mitglied des Exekutivausschusses.
Nachdem der Bericht des Generalsekretaers besprochen worden war,
einigte man sich darueber, dass die einzige Moeglichkeit, mit der
reichhaltigen Tagesordnung fertig zu werden, darin bestand, dass man
sich in zwei Unterausschuesse teilte und gleichzeitig arbeitete. Der
eine Unterausschuss sollte sich mit organisatorischen und finanziellen
Problemen befassen, waehrend der andere die Aufgabe hatte, Fragen der
einzuschlagenden Politik zu besprechen. Die Ergebnisse dieser Diskussion wurden spaeter dem gesamten Exekutivausschuss berichtet. Die
BesDrechungen wurden natuerlich dadurch betraechtlich in die Laenge
gezogen, da einzelne Teilnehmer zu Punkten Stellung nahmen, die von
dem anderen Unterausschuss bearbeitet worden waren, an dessen Sitzungen sie nicht teilgenommen hatten.
Wie es in einer demokratischen Organisation nicht anders erwartet
werden kann, wurde eine umfassende Einstimmigkeit erst nach einem sehr
offenen Meinungsaustausch erzielt. Der Vorsitzende Paul Finet dankte .
den Delegierten fuer ihre Geduld, mit der sie die ausserordentlich
reichhaltige Tagesordnung erledigten, und erklaerte, dass der zeitweilig lebhafte Meinungsaustausch ein Beweis fuer die Aufrichtigkeit sei,
mit der sie ihre Verpflichtungen denen gegenueber einloesten, die sie
zu vertreten hatten. Im Namen des Exekutivausschusses dankte er dem
Generalsekretaer und dem Sekretariat fuer die schwere Arbeit, die sie
bei der Vorbereitung dieser Konferenz zu leisten hatten.
Es wird unvermeidlich sein, dass einige der in dieser Konferenz
des Exekutivausschüsses gefassten Beschluesse erst nach einiger Zeit
wirksam werden koennen. Andere Entscheidungen wiederum werden sehr
schnell zu verwirklichen sein. So wird z.B. das Abkommen, das der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften in bezug auf seine Haltung
zum Schuman-Plan getroffen hat, in allernaechster Zukunft zweifellos
zu gemeinsamen, internationalen Bemuehungen fuehren, um die Gewerkschaften bei der Festlegung der kuenftigen Wirtschaftspolitik in entscheidender Weise mitreden zu lassen. In eine demokratische Organisation die Einheit des Wollens zu bringen - nicht die vorgetaeuschte Einheit einer totalitaeren Einrichtung - ist keine leichte Aufgabe. Der
Exekutivausschuss hat jedoch bewiesen, dass es moeglich ist. Es kann
deshalb voller Zuversicht einer weiteren Staerkung des demokratischen
Gewerkschaftswesens, vor allem in den wirtschaftlich rueckstaendigen
Gebieten der Welt, entgegengesehen werden. Die Arbeiterschaft ist diesem Ziele einen grossen Schritt naehergekommen, das in der wirksamen
Beteiligung der Gewerkschaften an der Festlegung der Sozial- und Wirtschaftspolitik auf nationaler und internationaler Ebene besteht.
4 -

�Eine der bedeutendsten organisatorischen Fragen, die vom Exekutivausschuss behandelt wurden, war die der regionalen Organisation. Ein
diesbezueglicher, vom Sekretariat abgefasster Bericht zeigte auf, was
seit dem Beschluss des Londoner Kongresses unternommen worden war, der
die Errichtung regionaler Organisationen des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften in verschiedenen Gebieten der 7/elt vorsah. Das
Sekretariat hatte ausserdem einen ersten Entwurf ueber die Richtlinien
fuer die regionalen Sekretariate ausgearbeitet. In dieser Frage kam
der Exekutivausschuss zu folgendem Entschluss:
1.

Der Exekutivausschuss billigt die Einberufung einer regionalen Konferenz der Westlichen Hemisphaere fuer den Herbst 1950.
Der Generalsekretaer des ICFTÜ wird in Verbindung mit den in
Frage •kommenden nationalen Gewerkschaftszentren und dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund festlegen, zu welcher Zeit
und wo diese Konferenz stattfinden soll.

2.

Er beauftragt die Fern-Ost-Mission, sich mit allen Gesichtspunkten des Problems der regionalen Organisation in Asien zu
beschaeftigen und der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses darueber zu berichten.

3.

Der Ausschuss beauftragt den Generalsekretaer, mit den nationalen Zentren in Europa zu besprechen, ob es ratsam sei, eine
regionale Konferenz fuer Europa einzuberufen, bejahendenfalls
die Vorbereitungen fuer eine solche Konferenz zu treffen.

4.

Der Exekutivausschuss stellt dem Notfall-Ausschuss die Aufgabe, den ersten Entwurf ueber die Richtlinien fuer regionale
Sekretariate zu ueberpruefen und dabei Vorschlaege und Abaenderungen in Betracht zu ziehen, die von Mitgliedern des Exekutivausschusses beantragt werden koennen.

Im Verlauf der Konferenz konnte der Generalsekretaer die Zusammensetzung der Delegation des ICFTU fuer den Fernen Osten bekanntgeben.
ürspruenglich sollte die Delegation aus vier Vertretern bestehen:
einem englischen, einem amerikanischen, einem skandinavischen und einem
Delegierten jener Gebiete, in die die Delegation geschickt werden soll.
Infolge zahlreicher technischer Schwierigkeiten musste die urspruengliche Zusammensetzung geaendert werden, und die Delegation wird nun aus
folgenden Mitgliedern bestehen: Gordon Chapman vom Amerikanischen Gewerkschaftsbund (AFL), John Brophy, CIO, und Fred Dalley vom Britischen
Gewerkschaftsbund TUC. Ein weiteres Mitglied wird nach Ruecksprache mit
den Gewerkschaftszentren Skandinaviens und Belgiens ernannt werden.
Die Delegation soll in Bruessel zusammenkommen und vor ihrer Abreise ihren Reiseplan und des bereits zur Verfuegung stehende Dokunentenmaterial ueberpruefen. Bei ihrer «nkunft im Fernen Osten wird sich ihr
das von den nationalen Gewerkschaften Asiens ernannte Mitglied anschliessen.
Man wird sich erinnern, dass eine Delegation als Vertreterin der
Internationalen berufssekretariate an der Konferenz des Notfall-Ausschusses des ICFTÜ teilgenommen hat und dass eine Zusammenarbeit zwischen dem ICFTU und den Internationalen Berufssekretariaten sowie eine
gegenseitige Vertretung der betreffenden Organisationen in ihren Konferenzen und amtierenden KoerperSchäften vereinbart wurde.
Diese Abkommen wurden in einer Vollkonferenz der Internationelen
berufssekretariate im Haag bestaetigt. Der Exekutivausschuss konnte
sie jetzt endgueltig ratifizieren, woraus sich ergibt, dass die Internationalen Berufssekretariate ihre Selbststaendigkeit beibehalten und
- 5-

�gleichzeitig mit dem ICFTU eine vereinigte internationale Gewerkschaftsbewegung bilden. Der Vorsitzende brachte die Genugtuung des Exekutivausschusses ueber dieses Abkommen zum Ausdruck und hiess die beiden
Vertreter der Internationalen Berufssekretariate, Omer Becu und M. C.
Bolle, willkommen, die daraufhin, wie vereinbart, an den Sitzungen
des Ausschusses teilnahmen.
Auch die Frage, wie stark die einzelnen Internationalen Berufssekretariate im Kongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften vertreten sein sollen, wurde geklaert. Danach entsenden die
Internationalen Berufssekretariate mit einer Mitgliederzahl bis zu
einer Million je 1 Delegierten, bei einer Mitgliedzahl, die zwischen
einer und drei Millionen liegt, zwei Delegierte und Berufssekretariate
mit mehr als drei Millionen Mitglieder dvei Delegierte. •
Im Verlauf der Konferenz traf ein Unterausschuss mit Delegierten
ftes Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer das Europaeische
Hilfsorogramm zusammen. Die Delegation setzte sich zusammen aus E.
Kupers, M. Bouladoux, Sir Vincent Tewson und Walter Schevenels.
Auf der Konferenz der Gewerkschaftsorganisationen der ERP-Teilnehmerstaaten in Rom war vereinbart, dass Vertreter des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses mit dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften die Frage eroertern sollten, ob der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften die Verwaltung und Leitung des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses uebernehmen soll, der sein Verbindungsbuero in Paris
hat. Der Unterausschuss war uebereinstimmend der Meinung, dass der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften diese Funktionen uebernehmen
soll. Die Hauptfrage, die noch einer Erledigung bedurfte, war der Zeitpunkt, an dam dies geschehen soll.

Man wurde sich deshalb im Exekutiveusschuss darueber einig, dass
der Internationale Bund Freier Gewerkschaften die Funktionen des Verbindungsbueros des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses uebernehmen,
und dass diese Uebernahme moeglichst noch vor Ende dieses Jahres stattfinden soll. In der Zwischenzeit soll zwischen dem Sekretariat des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (ICFTU) und dem Verbindungs
buera des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses in Paris (TUAC) eine
moeglichst enge Zusammenarbeit durchgefuehrt werden.

Ein grosser Teil der Besprechungen ueber die Beziehungen zu den
Vereinten Nationen war der Eroeffnung eines Bueros des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in New York gewidmet. Dies war im Prinzip
schon auf der Konferenz des Notfall-Ausschusses vereinbart worden. Der
Generalsekretaer nahm waehrend seines Besuches in den Vereinigten Staaten die Gelegenheit wahr, sich mit amerikanischen Gewerkschaftsfuehrern
ueber diese Frage zu unterhalten. Der Exekutivausschuss billigte die
bereits getroffenen Abmachungen, und man kam ueberein, dass der Internationale Bund Freier Gewerkschaften sein Buero in New York am 1.
Juli 1950 eroeffnen soll. Man erwartet, dass der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften und der Internationale Transportarbeiterverband
die gleichen Bueroraeume in New York beziehen und gemeinsam arbeiten
werden. Hierzu bedarf es jedoch noch der endgueltigen Zustimmung des
Exekutivausschusses des Internationalen Transportarbeiterverbandes.
Man hofft ausserdem, dass sich andere internationale Berufssekretariate
an der Arbeit des New Yorker Bueros beteiligen v/erden, dessen Hauptaufgabe sein wird, die Beziehungen zu den Vereinten Nationen zu pflegen.
Ausserdem wird das New Yorker Buero fuer die V.'eltgewerkschaftsbewegung
in der westlichen Eemisphaere propagandistisch taetig sein.
Der Exekutivausschuss beschloss ausserdem, dass sich der Internationale Bund Freier Gewerkschaften an der Arbeit der Wirtschaftsau.^schuesse der Vereinten Nationen fuer Euroüa , Lateinamerika, Asien
und den Fernen Osten beteilie-en soll.
6

�Eine Reihe Gewerkschaftsorganisationen bewarben sich um die Mitgliedschaft im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften. Der Exekutivausschuss gab in diesem Zusammenhang nach eingehender Beratung
folgende Erklaerung ab:
Der Exekutivausschuss ist bestrebt, die Zusammenfassung aller
freien Gewerkschaftskraefte im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften in jedem Lande zu foerdern. Er begruesst deshalb die eingegangenen Bewerbungen und schlaegt die Aufnahme folgender Organisationen vor:
1. Union de Trabajadores de Colombia (Kolumbianischer Gewerkschaftsbund)
2. Confederacion nacional de Trabajadores (Mexikanischer Gewerkschaf tsb und)
3. New Zealand Föderation of Labour (Neuseelaendischer Gewerkschaftsbund) .
Bei der Behandlung der Bewerbung des italienischen Gewerkschaftsbundes Unione Italian'a del Lavoro, der erst kuerzlich gegruendet wurde,
beschloss der Exekutivausschuss, die Entscheidung ueber die Aufnahme
dieser Organisation bis zur naechsten Konferenz zu vertagen. Der Generalsekretaer wurde beauftragt, Erkundigungen und Beobachtungen Aber
die gewerkschaftliche Entwicklung in Italien anzustellen, um der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses einen umfassenden Bericht vorlegen zu koennen.
Es laß weiter ein Bericht ueber die vom ICFTU einberufene Konferenz in Duesseldorf vor, auf deren Tagesordnung das Ruhrproblem und
die Neuordnung der Schwarindustrien Westeuropas standen. Auf der
Duesseldorfer Konferenz waren zwei Entschliessungen gefasst worden,
deren eine den Schuman-Plan zum Gegenstand hatte, waehrend in der
anderen zum Ruhrproblem und der europaeischen Schwerindustrie Stellung genommen wurde. Der Exekutivausschuss des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften gab zu den Ergebnissen der Duesseldorfer Konferenz folgende Erklaerung ab:
Der Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften befuerwortet und bestaetigt die in der Resolution zur Neuordnung der Ruhrindustrie und zur Bildung einer europaeischen Behoerde
fuer die Schwerindustrien zum Ausdruck gebrachten Grundsaetze. Im
Zusammenhang mit der Resolution zum Schuman-Plan
1.

erklaert er, dass die freien Gewerkschaften an einer rationalen Organisation der Schwerindustrie Westeuropas lebhaft
interessiert sind,

2.

fordert er eine angemessene Vertretung der freien Gewerkschaften in allen nationalen und internationalen Diskussionen, in
denen die Richtlinien und Einzelheiten zum Schuman-Plan ausgearbeitet werden,

3.

ernennt er einen Ausschuss, dem Vertreter der nationalen Gewerkschaftszentren und der an dieser Frage unmittelbar interessierten Internationale Berufssekretariate angehoeren, der
den Inhalt des Schuman-Planes im einzelnen ueberpruefen und
die Stellungnahme des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften zu diesem Flan formulieren soll.

Auf ein briefliches Ersuchen des Oesterreichischen Gewerkschaftsbundes hin befasste sich der Exekutivausschuss mit der Lage in Oesterreich und nahm folgende Entschliessung an:
Der Exekutivausschuss bestaetigt die Erklaerung des Notfall-Ausschusses zur Lage in Oesterreich, in der die Forderung der oesterreichischen Gewerkschaften auf sofortige Zurueckziehung saemtlicher Be- 7-

�satzungstrupoen und auf Wiederherstellung seiner Selbstaendigkeit
durch den Abschluss eines Staatsvertrages unterstuetzt wurde. Er ernennt eine Kommission, die Oesterreich in naechster Zukunft besuchen
und die Verhaeltnisse in diesem Lande pruefen Wird, die sich durch das
NichtZustandekommen eines Staatsvertrags ergeben haben.
Nach einer laengeren Aussprache ueber den vom Sekretariat ausgearbeiteten Bericht ueber Arbeitererziehung beschloss der Exekutivausschuss, es dem Notfall-Ausschuss zu ueberlassen, das Datum fuer die
vorgeschlagene internationale Gewerkschaftskonferenz ueber Erziehungsfragen festzulegen. Ausserdem soll der Notfall-Ausschuss nach Erhalt
weiterer vom Sekretariat eingeholter Informationen entscheiden, ob
eine einzige weltweite Konferenz oder eine Reihe regionaler Konferenzen ueber Erziehungsfragen abgehalten werden sollen.
Weiter beschloss der Exekutivausschuss, dass der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften auf der Konferenz der UNESCO in Florenz vertreten sein soll.
In bezug auf den Vorschlag geeignete Ausbildungsmoeglichkeiten,
u.a. zwei Gewerkschaftsschulen im Fernen Osten zu schaffen, beauftragte
der Exekutivausschuss die Delegation des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften fuer Asien und den Fernen Osten, genauer diese Moeglichkeiten zu ueberpruefen und der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses einen endgueltigen Vorschlag zu unterbreiten.
Auf Ersuchen des Schwedischen Gewerkschaftsbundes befasste sich
der Exekutivausschuss mit der Frage der Organisation der freiberuflich
Taetigen und der Techniker. Man beschloss, einen Sonderausschuss zu
bilden, der sich aus Vertretern der nationalen Gewerkschaftszentren
und der betreffenden Berufssekretaritte zusammensetzt, der dieses Problem studieren soll. In einem Bericht soll dieser Ausschuss seine
Feststellungen und Empfehlungen dem Exekutivausschuss in seiner nächsten Konferenz unterbreiten.

Der Exekutivausschuss kam ueberein, seine naechste Konferenz im
Oktober oder November 1950 abzuhalten. Nach einigen Diskussionen wurde
vereinbart, den angeschlossenen Organisationen vorzuschlagen, :inen Vollkongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im Sommer 1951
abzuhalten.
Information Bulletin des
Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften
VI/1950
CIO FORDERT MASSNAHMEN ZUR BEKAEMPFUNG DER ARBEITSLOSIGKEIT
Zu der Zeit, als dieses Programm des CIO verkuendet wurde, zeigte der
Bericht des US Statistischen Amtes von Mitte Mai, dass die Arbeitslosenziffer seit Mitte April um 500.000 zurueckgegangen und damit
auf 3.057.000, der niedrigsten Zahl seit April 1949, gesunken war.
Die Zahl der Erwerbstaetigen stieg von Mitte April bis Mitte Mai um
1.060.000 auf schaetzungsweise insgesamt 59.731.000 an. Dies ist
die hoechste Beschaeftigtenziffer seit August 1949. Sie liegt um
etwa 3.000.000 ueber dem saisonbedingten Tiefstand von Januar und
Februar. Die Zahl der nicht in der Landwirtschaft Beschaeftigten hat
den Stand aus dem Rekordjahr 1948 wieder erreicht; trotz der vermehrten Beschaeftigungsmoeglichkeiten ist es jedoch noch nicht gelungen,
die dem Arbeitsraarkt neu hinzugekommenen jungen Arbeitskraefte restlos zu beschaeftigen.
Philip Murray, der Praesident des CIO, sandte vor einiger Zeit an
den US Vizepraesidenten Alben W. Barkley, den Vorsitzenden der Demokra8 -

�tischen Partei im Senat, Scott Lucas, den Vorsitzenden der Demokratischen Partei im Repraesentantenhaus, John McCormick, und an den
Sprecher des Repräsentantenhauses, Sam Rayburn, folgendes Schreiben:
"Der CIO stellt mit wachsender Besorgnis fest, dass die Arbeitslosigkeit in vielen Gebieten der Vereinigten Staaten beunruhigende
Ausmasse angenommen hat. In ueber 40 Bezirken der Vereinigten Staaten
zaehlen die Arbeitslosen mehr als 12% aller Beschaeftigten. In mehr
als 80 Staedten hat die Arbeitslosenziffer 7 bis 12% der Beschaeftigtenzahl erreicht. Hierzu gehoeren die meisten groesseren Staedte der
Vereinigten Staaten, wie Boston, New-York, Philadelphia, Pittsburgh,
Detroit, St. Louis, Cincinnati, Cleveland, Baltimore, Los Angeles, San
Franzisko und viele andere. In nahezu 120 Staedten der Vereinigten
Staaten liegt das prozentuale Verhaeltnis der Arbeitslosenziffer zur
Zahl der Beschaeftigten ueber dem durchschnittlichen Prozentsatz.
"Es muss etwas unternommen werden zur Unterstuetzung dieser Arbeiter, die zum grossen Teil sohon lange arbeitslos sind. Der Praesident der Vereinigten Staaten hat bereits eine Botschaft ueber die Unterstuetzung der Arbeitslosen an den Kongress gesandt. Der CIO schliesst
sich dem Inhalt dieser Botschaft an und fordert den Kongress auf, unverzueglich die Unterstuetzung der Arbeitslosen zu erhoehen sowie den
Zeitraum, f-uer die sie gezahlt werden, zu verlaengern. Darueberhinaus
lege ich dem Kongress nahe, zur Unterstuetzung dieser in Not geratenen
Bezirke folgende Massnahmen zu ergreifen:
"1. Verlaengerung des Zeitraums, fuer den ArbeitsTosenunterstuetzungen gezahlt wird und zwar fuer Arbeiter jener Bezirke, in denen
eine Arbeitslosigkeit von 9% üeber 26 Wochen angedauert hat. Dadurch
koennen erwerbslose Arbeiter, denen es ohne eigenes Verschulden
nicht moeglich war, eine geeignete Beschaeftigung zu finden, weiterhin Arbeitslosenunterstuetzung beziehen.
n

2 . Erlass einer Notverordnung zur Aufnahme oeffentlicher Arbeifen. Die eingebrachte Gesetzesvorlage sieht einen Reservefonds fuer
Notfaelle in Hoehe von 1.800.000.000 Dollar vor, den der Praesident
einmal verwenden koennte, um verschiedene Vorhaben fuer oeffentliche
Arbeiten zu beschleunigen, zum andern, um Staaten und Gemeinden direkte
Kredite zu geben, mit denen sie selbst Arbeiten zur Behebung der Erwerbslosigkeit einleiten koennten.
"3. Wiedererrichtung der zivilen Hilfsdienste (Civilian Conservation Corps), wie sie in der Gesetzesvorlage Nr. 7463 des Repraesentantenhauses und der Vorlage Nr. 3144 des Senats vorgeschlagen wurden.
"Kit diesen drei Massnahmen kann die Lage sofort verbessert werden, in der sich jene Bezirke befinden, wo die Arbeitslosigkeit 7
bi=: 9$ ueberschritten hat. Ausser dem Erlass dieser Notverordnungen
muss das gesamte Programm des Fair Deal verwirklicht werden, wenn allen
unseren Arbeitern Beschaeftigungsmoeglichkeiten geboten werden sollen.
Mit Ruecksicht auf die ernste gegenwaertige Lage in bestimmten Bezirken
bitte ich Sie, diese Notmassnahmen sofort zu ergreifen.
"Wenn e3 uns nicht gelingt, den zahlreichen Bezirken mit hohen
Arbeitslosenziffern sofort zu helfen, wird dieses Problem bis zum Sommer und fruehen Herbst bedenkliche Ausmasse angenommen haben.
"Bei einer groesseren Arbeitslosigkeit in unserem Lande wird es
sehr schwer sein, unsere Aussenpolitik erfolgreich fortzusetzen und die
Vorteile der technischen Entwicklung dem amerikanischen Volke zugutekoimen zu lassen. Deshalb ist es dringend notwendig, etwas zur Unterstuetzung der 120 Bezirke zu tun, in denen die Arbeitslosigkeit einen
Stand von mehr als 7% erreicht hat.»
Mitteilung des CIO
IV/1950
- 9-

�AFL FORDERT STAERKUNG DEUTSCHLANDS
Per Exekutivrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL stellte
die Forderung, dass den deutschen und den anderen europaeischen Gewerkschaften in der Union der westeuropaeischen Kohle- und Stahlindustrie,
ueber die Aussenminister Acheson und die Aussenminister Frankreichs
und Englands beraten, eine Stimme gewaehrt wird.
Der Exekutivrat forderte ausserdem eine weitgehende Unterstuetzung und Staerkung der demokratischen Kraefte in Deutschland, um damit
allen kommunistischen Versuchen, Westdeutschland propagandistisch zu
erobern und es dann als Sprungbrett fuer die Beherrschung des uebrigen
Europas zu benutzen, einen Riegel vorzuschieben.
In bezug auf andere aussenpolitische Massnahmen forderte der Exekutivrat die in London zusammenkommenden Aussenminister auf, geeignete
Schritte zu unternehmen, um einen suedostasiatischen Verteidigungspakt,
aehnlich dem Atlantikpakt, zustandezubringen; er billigte die wirtschaftliche Unterstuetzung Jugoslawiens unter dem Regime Marschall
Titos.
Die Erklaerung zur "Krise in, Europa - Programm fuer Deutschland"
hat folgenden Wortlaut:
Oberste Voraussetzung fuer die Erhaltung des Friedens in Luropti
ist die endgueltige Abwehr aller kommunistischen Versuche, Westdeutschland in seinen Bjesitz zu bringen und damit die Sowjetherrschaft bis zu
einem Punkte auszudehnen, von dem aus die russische Willkuerherrschaft
Frankreich, Belgien, Holland und den uebrigen Kontinent erobern kann.
In diesem Zusammenhang ist es vor allem erforderlich, dass die
Vereinigten Staaten und seine demokratischen Verbuendeten Deutschland
gegenueber jegliche Politik fallen lassen, die eine Wiederholung des
Zweiten Weltkrieges zur Folge haben koennte. Heute ist es nicht die
deutsche Aggression, die die Sicherheit V/esteuropas und den Frieden und
Fortschritt der Welt bedroht, sondern es sind 175 bereitstehende russische Divisionen, von einer ungeheuren Luftwaffe und einem enormen
Reservoir an Arbeitern unterstuetzt, die von einem totalitaeren Regime,
das nach der Weltherrschaft strebt, ruecksichtslos ausgebeutet werden.
Der sowjetische Imperialismus verfolgt mit verdoppelter Energie
seine Plaene, das gesamte Deutschland in seine Gewalt zu bringen. Er
versucht, durch zeitweilige Blockaden, terroristische Demonstrationen
und bewaffnete Invasionen Berlin zu erobern. Moskau hat eine intensive
Propagandakampagne gestartet, die sich in erster Linie an alle antidemokratischen Kraefte wendet - fruehere Nazigrössen, ehemalige Offiziere
der Wehrmacht und die Kohlenmagnaten und Stahlbarone der Ruhr, die
Kitlers Machtergreifung und sein Kriegsprogramm finanzierten. Diesen
Feinden menschlicher Freiheit und Anstaendigkeit gaukeln die russischen
Kriegslords nun grossartige Versprechen sogenannter nationaler Einheit
und verlockender wirtschaftlicher Absatzmoeglichkeiten fuer die Erzeugnisse der westdeutschen Schwerindustrie vor.
Angesichts dieser verhaengnisvollen Entwicklung schlaegt der Exekutive t vor, dass die demokratischen Nationen ihre Deutschlandpolitik
einer eingehenden Ueberpruefung unterziehen, sie den neuen Verhaeltnissen anpassen und sie dann abaendern, wenn sie sich als nicht laenger
vertretbar erwiesen hat. "Wenn eine grundlegende Revision der Politik
Westdeutschland gegenueber vorgeschlagen wird, sollen natuerlich nicht
die grossen, bereits erzielten Erfolge, wie wirtschaftlicher Wiedereufbau, Wachsen der Gewerkschaftsbewegung und die Errichtung einer deutschen Bundesrepublik vergessen oder geschmaelert werden.
- 10 -

�Der Exekutivrat bringt ausserdem dem Hohen Kommissar John J.
"cCloy gegenueber seine Anerkennung darüeber zum Ausdruck, dass er
die Suspendierung der Gesetze ueber das Mitbestimmungsrecht in Hessen
und Wuerttemberg-Baden aufgehoben und das reaktionaere Beamtengesetz
sowie die Steuerprogramme blockiert hat. Es muss jedoch noch viel
getan werden, bevor die Demokratie in Deutschland gesichert ist.
In diesem Sinne sollte die Politik der Alliierten in Deutschland darauf ausgerichtet sein, die demokratischen Elemente - und besonders die Gewerkschaften - zu staerken und den gefaehrlichen Manifestationen des Chauvinismus, des Antisemitismus, des Nazismus und
der totalitaeren Methoden ein Ende zu machen.
Den Interessen der europaeischen Demokratie und Sicherheit wird
weit mehr gedient sein, wenn die Vorbedingungen zu diesen Uebeln beseitigt werden, nicht jedoch die Bonner Verfassung von Zeit zu Zeit
d?m Vetorecht der Alliierten Hohen Kommission unterstellt wird, um
schwerwiegende Fehler wiedergutzumachen. Ausserdem schwaecht die
Methode, sich mit unangenehmen Folgen zu befassen, anstatt ihre Ursachen zu beheben, die Entwicklung einer gesunden, unabhaengigen und
demokratischen Autoritaet in Deutschland.
Angesichts dieser schweren internationalen Krise und der dringenden Notwendigkeit, die bereits erzielten Erfolge zu festigen und die
Grundlagen der Demokratie in Deutschland zu staerken, damit sie ihren
nicht unbedeutenden Beitrag zur Erhaltung der Freiheit und des Friedens
leisten kann, schlaegt der Exekutivrat der US-Regierung folgendös vor:
1. Alle Demontagearbeiten muessen eingestellt werden. Alle Bestimmungen, die die Wirtschaftstaetigkeit einschraenken, wie die Beschraenkung der Stahlproduktion und des Schiffbaus, muessen aufgehoben
werden. Dies ist umso dringlicher, als das Arbeitslosenproblem in
Y/estdeutschland immer schwerwiegender wird.
£. Bis zu der Zeit, da das deutsche Volk selbst die volle Verantwortlichkeit und die Macht uebernehmen wird, muss das Kontrollratsgesetz Nr. 75 unveraendert in Kraft bleiben. Den deutschen Gewerkschaften muss eine Vertretung im Treuhaenderrat der Kohleindustrie gewaehrt werden, wie es bereits im Treuhaenderrat der Stahlindustrie der
Fall ist. Dieses Gesetz hat, obwohl es mit einigen Fehlern behaftet
ist, den frueheren gigantischen Machteinfluss der Industrie- und Finanzmagnaten in Schach gehalten, die den Nazis zur Macht verhalfen und
Hitlers Terror und Kriegsmaschinerie finanzierten. Dieses Gesetz darf
nicht in einer V/eiste abgeaendert werden, die das Erreichte unterminieren oder zunichte machen koennte. M n e derartige Revision wuerde eine
Gefahr för die Freiheit und Sicherheit nicht nur des deutschen Volkes,
sondern auch der anderen Nationen Europas bedeuten.
3. Das Ruhrstatut muss grundlegend geaendert werden, damit es
seinen einseitigen Charakter verliert. Der Lebensstandard des deutschen Volkes muss von dessen eigenen Bemuehungen und Leistungen und
nicht von den einschraenkenden Bestimmungen oder grosszuegigen Gaben
und Unterstuetzungen anderer Maechte abhaengig sein. Ausserdem muss
die Ruhrbehoerde offiziell und grundsaetzlich nur als ein erster
Schritt zur Schaffung einer allgemeinen europaeischen Behoerde proklamiert werden, die befugt sein muss, eine aehnliche Kontrolle ueber die
Kohle-, Eisen- und Stahlindustrien Nordwesteuropas auszuueben. Gemaess
den Vorschlaegen des Internationalen Gewerkschaftskomitees fuer die
Ruhr muss den Gewerkschaften eine angemessene Vertretung in der Verwaltung des Ruhrstatuts und in allen anderen aehnlichen noch zu errichtenden Behoerden eingeraeumt werden.
4. Die Wirtschaft des deutschen Bundesgebietes muss in das westauropaeische Wirtschaftsleben im Rahmen der OEEC oder anderer inter- 11 -

�nationaler Organisationen, die auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit
aufgebaut sind, eingegliedert werden.
5. Die Vielzahl der Sicherheitsbehoerden in Westdeutschland,
die sich in ihren Funktionen gegenwaertig ueberschneiden, muessen
durch eine einzige Organisation ersetzt werden, die reine Sicherheitsfunktionen auszuueben hat.
6. Durch ein Abkommen mit der deutschen Bundesregierung muss
Frankreichs Versorgung mit Saarkohle gesichert werden, und zwar in einem Umfang wie Frankreich sie benoetigt. Als der traditionelle Traeger der Demokratie in Europa braucht und darf Frankreich nicht ein
undemokratisches Regime an der Saar aufziehen, um auf diese Weise
in den Besitz dieser &amp;ohle zu kommen.
7. Die deutsche Bundesrepublik muss als souveraener Staat anerkannt und in die Gemeinschaft der freien Nationen aufgenommen werden.
Dabei hat sie alle Verantwortlichkeiten und Pflichten zu teilen, aber
sie muss auch in den Genuss der Rechte und Vorteile einer solchen Vereinigung kommen. Es gibt keinen anderen Weg, um dem deutschen Volke
das Gefuehl der Solidaritaet mit den westlichen Demokratien zu geben,
und dafuer zu sorgen, dass alle russischen Manoever und Machenschaften
abgewiesen werden, die dieses Land zu einem sogenannten, neutralen
oder einfach zu einem neuen Satelliten der sowjetischen Willkuerherrschaft machen sollen.
8. Das jetzige Besatzungsstatut muss durch einen vorlaeufigen
Friedensvertrag ersetzt werden.
9.

Westberlin

muss ein Teil der deutschen Bundesrepublik sein.

10. Die Streitkraefte der Vereinigten Staaten und ihrer demokratischen Vefbuendeten werden gemaess den Bestimmungen des oben erwaehnten, von beiden Partnern gebilligten Friedensvertrages in Deutschland
bleiben muessen, um dieses Land in seinem Abwehrkampf gegen die russische Aggression und die kommunistischen Quislinguebergriffe auf seine
Souveraenitaet zu unterstuetzen.
w

Weekly News Service" der AFL
4020/V/1950

CIO-SCHULUNGSKURSE FUER SPITZENFUNKTICNAERE
In diesem Sommer werden unter der Schirmherrschaft der CIO, Referat Bildung und Forschung, in Zusammenarbeit mit den ClO-Vorstaenden
der einzelnen Staaten und den internationalen Gewerkschaften zwoelf
einwoechige Ausbildungskurse fuer solche Mitglieder des CIO abgehalten
werden, die berufen sind, Spitzenpositionen in der Gewerkschaft zu bekleiden.
Das Programm dieses Jahres, das das vierte dieser Art ist, wird
in der Rocky-Mountain-Schule (Estes Park, Colorado) im Juni beginnen
und bis zum Monat Oktober laufen.
Der fuer den 9.-15. Juli in Kimmswick vorgesehene Schulungskurs
fuer Fortgeschrittene, in dem die Ausbildung fuer das politische Aktionskomitee betont werden wird, stellt eine neue Entwicklung in dem
erweiterten Programm des CIO fuer diesen Sommer dar. Zugelassen werden
Mitglieder des CIO, die vorher an einem allgemeinen Funktionaerausbildungskurs teilgenommen haben. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt,
alle Schueler muessen als Delegierte ihrer Lokalgewerkschaften oder
ihrer Vorstaende kommen.
- 12 -

�Das Sommerschulprogramm steht unter der Leitung des Direktors x
des CIO-Referats fuer Erziehung, George Guernsey. Abgesehen von einigen Abweichungen, die durch die besonderen Verhaeltnisse in einzelnen Gewerkschaften in den verschiedenen Staaten bedingt sind, ist
das Programm im gründe fuer alle Schulen gleich.
Es sieht fuer den Vormittag Diskussionen ueber Gewerkschaftsgeschichte, Yollbeschaeftigung, wirtschaftliche und oeffentliche Beziehungen und aehnliche Themen vor, fuer den Nachmittag steht auf dem
Lehrplan "Studien an Hand praktischer Beispiele."
Waehrend dieser Zeit stellen die Schueler z.B.. Umfragen bei Bauern an, kommen dann zusammen und diskutieren die Ergebnisse dieser
Umfragen. Wichtig ist, dass die Lehrgangsteilnehmer ueber die Einzelheiten der Umfrage nicht zu den Bauern sprechen, sondern die Einstellung der Bauern zu bestimmten aufgeworfenen Fragen selbst herausfinden
sollen.
Allabendlich finden dann Diskussionen ueber wichtige ProgrammDunkte und Resolutionen des CIO statt, an denen im Dienste dieses Programms taetige CIO-Fuehreri_teilnehmen.
Philipp Murray, der Praesident des CIO, forderte die Lokalgewerkschaften und Vorstaende des CIO auf, sich dieses Programm zunutze zu .
machen, und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass "die Lehrgangsteilnehmer der CIO-Kurse all das, was sie gelernt haetten, in ihre
Lokalgewerkschaften mitnehmen moegen, um eine starke demokratische Gewerkschaftsbewegung aufzubauen, die notwendig ist, um ein starkes demokratisches Amerika zu schaffen."
The CIO News
V/1950
DER KAMPF GEGLN UNZUREICHENDE FRAUENLOLENE
Der CIO brachte in einer Erklaerung an den Kongre3s offen zum
Ausdruck, dass weibliche Arbeitskraefte die gleiche Bezahlung wie
maennliche Arbeiter verdienen, wenn sie die gleiche Arbeit leisten.
Frau Helen Blanchard vom Verband der Bekleidungsarbeiter (Amalgamated Clothing Workers) erklaerte vor dem Komitee fuer Arbeitsfragen
des Repräsentantenhauses:
"Die erwerbstaetige Frau verlangt nicht, bevorzugt behandelt zu
werden. Es ist lediglich ihr Wunsch, als wirklich gleichberechtigt
anerkannt zu werden.
"Das geringste, was der Kongress tun kann, ist die Beseitigung
der unhaltbaren Diskriminierungsmethoden gegen Frauen."
Frau Blanchard bezeichnete die Diskriminierung des Frauenlohnes
als eine Methode, die sich in bedenkliche.r Weise gegen die uebrige
Gesellschaft ausgewirkt habe.
Auch Praesident Joseph Beirne von der Gewerkschaft der Telefonarbeiter (CIO) forderte die Bewilligung der Gesetzesvorlage Nr. 1584
des Repräsentantenhauses, die den gleichen Lohn fuer weibliche wie
fuer maennliche Arbeitskraefte bei gleicher Leistung vorsieht. Auch
der Automobilarbeiterverband des CIO sprach sich fuer die Durchfuehrung dieser Gesetzesvorlage aus.
Beirne, dessen Gewerkschaft etwa ,20.000 erwerbstaetige Frauen
umfasst, berichtete, dass in der Telefonindustrie, bei voellig gleicher
- l^ -

�Arbeit, Unterschiede bei den Lonntarlfen fuer Maenner und Frauen bis zu
ZO Dollar fuer den Wochenlohn bestuenden.
In Baltimore z.B. zahle eine Telefongesellschaft fuer eine Arbeit, die mit Beschwerden der Teilnehmer und dem Einrichten neuer
Telefonanschluesse zu tun habe, einen woechentlichen Hoechstlohn von
90 Dollar fuer Maenner und nur 59 Dollar fuer Frauen.
Der einzige Unterschied in der Arbeit der Maenner und Frauen,
sa^te Beirne, bestehe darin, dass sich die Gesellschaft weigere, Frauen in die Wohnungen oder Bueros zu schicken, um dort die Beschwerden
der Teilnehmer entgegenzunehmen.
Der Praesident der Telefonarbeitergewerkschaft erklaerte ausserdem, er koenne nicht verstehen, warum der Kongress trotz staendiger
Fuersprache diese Gesetzesvorlage nicht bewillige. Die Vorlage sei
in den Jahren 1945, 1947 und 1949 eingereicht worden. Beirne sagte,
dass er fuenf Jahre lang ununterbrochen zu ihren Gunsten im Parlament
olaediert habe und dieser oder der naechste Kongress die Vorlage bewilligen koennte, ohne noch einmal die Fuersprache anzuhoeren.
Vorsitzender Tom Burke, ein Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, und zugleich Abgeordneter, der ebenfalls diese Gesetzesvorlage befuerwortet, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Vorlage
bewilligt wElrde.
Nach dem vorgeschlagenen Gesetz waere es eine unmoegliche Praxis,
wenn ein Unternehmer bei der Lohnzumessung Unterschiede auf Grund des
Geschlechts machte - es sei denn, die Bezahlung richtet sich nach einem
Berufsjahr - oder Verdienstsystem, in dem eine Diskriminierung des Frauenlohnes nicht vorgesehen ist.
The CIO News
ZIII/21/V/1950
PRAESIDENT TRUMAN SPRICHT DER BEKLEIDUNGSARBEITERGEWERKSCHAFT DES CIO
SEINE ANERKENNUNG AUS
,
In einem Schreiben an die Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter
(Amalgamated Clothing VVorkers) erklaerte Praesident Truman:
"Ihre Organisation, in der sich Menschen zahlreicher Rassen zusammengefunden haben, hat bewiesen, dass Maenner und Frauen, die guten
Willens sind, trotz der Verschiedenheit ihrer Herkunft und der kulturellen Stufe, auf der sie sich befinden, in gutem Einvernehmen miteinander leben koennen....
"Sie haben weit besser als viele andere Menschen und Organisationen erkannt, dass die sicherste Grundlage unserer demokratischen Lebensweise in einem hoeheren Lebensstandard, der Vollbeschaeftigung
und in Sozialeinrichtungen zum Wohle des ganzen Volkes zu suchen ist."
The CIO News
22/V/1950
ARBEITERSCHAFT UND KALTER KRIEG
. "Der Kampf um die Arbeiterschaft ist eine entscheidende Phase im
Kalten Krieg," erklaerte Philip M. Kaiser, der stellvertretende Arbeitsminist 3r, der fuer internationale Arbeitsangelegenheiten zustaendig
ist, als er Amerika verliess, um ar- einer Reihe Konferenzen in Europa
teilzunehmen.
- 14 -

�"Die Kommunisten werfen alles in diesen Kampf, um die Arbeiter
»uer sich zu gewinnen," sagte Kaiser. "Sie sind sich klar darueber,
lass sie mit der Herrschaft ueber die Arbeiter eine strategische Posi;ion in die Hand bekaemen, mit der sie ohne Einsatz der Roten Armee
Lhre Ziele verwirklichen koennten. Die Tschechoslowakei ist hierfuer
jin ausgezeichnetes Beispiel.
"Die Amerikaner sind ihren eigenen freien Gewerkschaften sehr viel
)ank schuldig," fuegte Kaiser hinzu. "Sie haben ohne Propagandarr.assnehlen aus sich heraus ihren freien Willen kundgetan, als sie sich mit
illen Mitteln fuer den Kalten Krieg zur Verfuegung stellten. Sie wislen, was Kommunismus fuer die Arbeiterschaft bedeutet, denn sie haben
.hn hier in den Vereinigten Staaten selbst kennengelernt. Sie haben
Lsrvorragende Arbeit geleistet, indem sie sich mit der Mitgliedschaft
[er freien Gewerkschaftsbewegungen im Ausland verbuendeten., Die freie
.rbeiterschaft der ganzen Welt ist sich trotz aller Luegen der Helferslelfer Moskaus einig."
Kaiser, der als Repraesentant der Regierung der Vereinigten Steaten
in der Konferenz des Exekutivausschusses des Internationalen Arbeitsamts in Genf teilnahm und Leiter der US-Delegation auf der Internationa.en Arbeitskonferenz ist, die am 7. Juni in Genf begann, sprach dem Interlationalen Arbeitsamt seine Anerkennung darueber aus, dass es ihm gelungen ist, Vertreter der Regierungen, der Unternehmer und der Gewerkschaften
n dem Bestreben zu vereinigen, bessere Arbeitsbedingungen fuer die 60
littfliedsstaaten zu entwickeln. "Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn
.ch RegierungsVertreter, Unternehmer und Arbeiter friedlich zusammeniitzen sehe, um Plaene fuer ein besseres Leben der Maenner und Frauen
er ganzen Welt zu entwerfen," sagte er.
An erster Stelle der Tagesordnung der 33. Jahreskonferenz des In.ernationalen Arbeitsamtes stand eine Diskussion ueber die Bedeutung der
Iteigerung der Produktionsleistung
fuer die Verbesserung der Lebensbedingungen auf der ganzen A:elt. Die Tagesordnung fuehrte ausserdem zu
Iroerterungen gewisser Probleme der Beziehungen zwischen Gewerkschaften
md Arbeitgebern, ueber die Frage des gleichen Lohnes fuer die gleiche
rbeit fuer Maenner und Frauen gelangte man zu den Problemen der Festetzung eines Mindestlohnes in der Landwirtschaft. Zu einer in Vorchlag gebrachten Empfehlung zur Berufsausbildung Erwachsener, wobei
ie Einreihung der Koerperbehinderten in den Arbeitsprozess ebenfalls
esprochen wurde, wird noch endgueltig Stellung genommen werden. Wenn
ie von der Konferenz gebilligt wird, wird das Prograx^m zur Berufsausildung an die Mitgliederstaaten zur entsprechenden Durchfuehrung weiergeleitet werden.
Auf einer Konferenz in Paris traf Kaiser mit dem Stab der US-3eraer fuer Arbeitsfragen mit den Beratern fuer Arbeitsfragen im Dienste
es Marshall-Planes aus Oesterreich, Belgien, Daenemark, Aegypten,
rankreich, Deutschland, Grossbritannien, Griechenland, Israel, Italien,
olland, Spanien und Schweden zusammen. Hier wurde vor allem die wirtchaftliche Lage der europaeischen Arbeiterschaft und der Anteil der
ewerkschaften am Kampf gegen den Kommunismus besprochen.
Kaiser wurde von Arnold Zempel, dem Direktor des Bueros fuer InterQtionale Angelegenheiten im US-Arbeitsministerium, und von Edward B.
ersons, dem Direktor der ILO-Abteilung dieses Bueros, begleitet. Cleon
. Swayzee, der Berater fuer Arbeitsfragen im Amt des stellvertretenden
irtschaftsministers, und L. Wendell Hayes vom Aussenministerium, Amt
uer Wirtschafts- und Sozialangelegenheiten der Vereinten Nationen, weren Mr. Kaiser auf den ILO-Konferenzen in Genf beratend zur Seite stehen.
Weitere Teilnehmer an diesen Konferenzen sind: George Philip Dela3y, der internationale Repraesentant der AFL und Mitglied des acht Mann
barken Exekutivausschusses des ILO; Charles P. McCormick, der Praesi3nt der McCormick-Gesellschaft in Baltimore (Maryland), einer der acht
iternehmervertreter in dem gleichen Ausschuss.
Mitteilung des US-Arbeitsministeriums
VI/1950
- 15 -

�SPITZSNGEHAELT-R IN DER AMERIKANISCHEN STAHLINDUSTRIE
Berichte, die bei der "Securities and Exchange Commission" (Kommission der amerikanischen Regierung fuer Wertpapiere und Boersentaetigkeit) vorliegen, zeigen, dass sich die Gehaeiter der drei obersten
Vorstandsmitglieder der United States Steel Corporation im Jahre 1949
auf insgesamt 538.400 Dollar beliefen.
Praesident Benjamin Fairless bezog ein Gehalt von 211.000 Dollar,
der Vorstandsvorsitzende Irving S. Olds 164.200 Dollar und der Vorsitzende des Finanzausschusses Enders 'M. Voorhees 163.200 Dollar.
Die Curtis Publishing Company zahlte ihrem Vorstandsvorsitzenden
W. D. Füller 101.938 Dollar und Ben Hibbs, dem Herausgeber der gewerkschaftsfeindlichen "Saturday Evening Post," 101.923 Dollar.
"Weekly News Service" der AFL
2040/V/1950
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HIC0G
APO 757

KICCG 8-1125 L 1 B Jul/ 50 14 C

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

II - 16

Frankfurt, 23. Juni 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Arbeiterbildungsmassnahmen der«amerikanischen
Universitaeten - - - - - - - - - - - - - l
Sozial-Attachds - - - - - - - - - - - - - - 7
IAA-Vorschlaege zur Steigerung der Weltproduktivitaet
---_
13
IAA im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit - - - 15
Das Vermoegen der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL) - - - - - - - - - 1 5
Weitere Verluste des Weltgewerkschaftsbundes - 16
Organisationserfolge der Textilarbeitergewerkschaft - - - - - - - - - - - - - - - - - - 16

Caroline F. Ware:
ARBSITERBILDUNGSMASSNAHMEN DER AMERIKANISCHEN UNIVERSITAETEN
Die Streitigkeiten ueber den Arbeiterbildungsdienst der Universitaet Michigan, die mit seiner Aufloesung endeten, haben die Frage in
den Vordergrund gerueckt, welche Rolle die Universitaeten im Arbeiterbildungswesen zu spielen haben, Dieser Streitfall gibt daher Veranlassung, ueber das Problem nachzudenken, wie weit die ArbeiterbildungsDrogra'"T» der Universitaeten sich heute bereits durchgesetzt haben,
und wie sie sich weiter entwickeln werden. Die Beschaeftigung mit
diesen Fragen ist deshalb besonders wichtig, weil man mehr und mehr
von einem staatlich unterstuetzten Arbeiterbildungsdienst der Universitaeten sprechen kann.
Der Amerikanische Arbeiterbildungsdienst (umerican Labor Education Service) hat, um sica einen Ueberblick Ober die neueste Entwicklung der Universitaetsprogramme in der Frage der Arbeiterbildung verschaffen zu koennen, im Sommer 1943 alle Universitaeten und hoeheren
Schulen befragt, die in seiner Erhebung von 1946 ("Arbeiterbildung an
Universitaeten", von Caroline F. Ware im Amerikanischen Arbeiterbildungsdienst) beruecksichtigt worden waren. Er hat sich ausserdem mit
jenen Instituten in Verbindung gesetzt, von denen man wusste, dass
sie in der Zwischenzeit solche Programme eingefuehrt hatten. Im
Herbst 194B wurde erneut statistisches Material von einigen anderen
- 1-

�Universitaeten und den verschiedenen Gewerkschaften beschafft. Aus
dieser Studie und weiteren Untersuchungen ergibt sich ein Bild ueber
den gegenwaertigen Stand der Arbeiterbildung an den US-Universitaeten.
Mit Ausnahme der Vorkommnisse an der Michigan-Universitaet und
einem oder zwei weiteren unbedeutenden Programmen, die fallen gelassen
wurden, sind die seit 1945-1946 bestehenden Bildungsprogramme ohne
grosse Unterschiede staendig forgesetzt worden. Jene Programme, die
sich im Jahre 1945 noch im Versuchsstadium befanden, waren 1948 bereits
fe3t verankert. An den meisten Universitaeten, ueber deren Arbeiterbildungsarbeit bereits in der ersten Erhebung berichtet wurde, laufen
heute Programme aehnlicher Art, wobei diese entweder innerhalb oder
ausserhalb der Universitaet durchgefuehrt werden, zum Teil auch in
besonderen Instituten.
Eine Reihe Universitaeten, die schon frueher die Absicht hatten,
Arbeiterbildungskurse einzufuehren, sind im Verlauf der letzten drei
Jahre auf diesem Gebiet erstmals taetig geworden. Unter den Programmen, die geplant waren und nach und nach auch zur Ausfuehrung gelangten, sind besonders die des Roosevelt-College in Chicago sowie der
Universitaeten in Illinois und Kalifornien hervorzuheben. Die Universitaeten Alabama, New Hampshire, Utah und das Marshall-College in
Westvirginien haben kleinere Programme nach bereits festgelegten
Plaenen in Angriff genommen. Andere Institute, wie Antioch, Colby
und die Universitaeten in Colorado und Denver, sind noch nicht ueber
das Planungsstadium hinausgekommen.
Jedoch sind einige neue Programme in Erscheinung getreten. NewJersey gehoert seit 1947 zu den Staaten, die sich fuer eine Unterstuetzung der Kurse aus oeffentlichen Mitteln ausgesprochen haben. Dieser
Staat hat in Rutgers das bekannte Institut fuer die Pflege der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern errichtet, zu dem im
ganzen Staate Ergaenzungskurse laufen. Die hierfuer bereitgestellten
Betraege belaufen sich auf 50.000 Dollar. Die Princeton-Universitaet,
die jahrelang Seminare ueber Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern veranstaltet hat, uebergab ein besonderes Seminar
zur Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionaeren seiner Bestimmung. Auch
die Universitaet in Kansas beteiligt sich jetzt an den BildungsProgrammen der Stahlarbeiter und anderer Gewerkschaften. Die Universitaet
in Washington hat ein Institut fuer Arbeit und Wirtschaft errichtet,
das in Seattle Kurse gibt, die einen Teil seines Programms fuer die
Schulungsarbeit in der Gemeindeverwaltung (Community Service) darstellen. Das Hobart-College fuehrte einen vierwoechigen, praktischen
Lehrgang fuer eine kleine Gruppe Gewerkschafter durch.
Die Erhebung von 1946 hatte bereits gezeigt, dass die Arbeit auf
dem Gebiet der Arbeiterbildung an den Universitaeten eine sehr umfassende ist, dass aber noch viele Moeglichkeiten einer weiteren Entwicklung bestehen. Die allgemeinen Bestrebungen der letzten drei Jahre
gingen dahin, staendig neue Moeglichkeiten nach allen Richtungen zu
erforschen und zugleich zahlreiche Probleme zu loesen, die sich mit
dem Augenblick ergaben, als sich die Universitaeten staerker in die
Arbeiterbildung einschalteten.
•

Waehrend alle Arten des Unterrichts, die schon 1945 eingefuehrt
waren, auch im Jahre 1948 noch bestanden, hätten jedoch einige dieser
Formen mehr Anklang gefunden als andere. Eine deutlich erkennbare
Abkehr von langfristigen Programmen fuer kleine, ausgewaehlte Gruppen
Gewerkschafter» die in Universitaetsinstituten durchgefuehrt wurden,
wofuer die von der Harvard- und Yale-Universitaet durchgefuehrten Kurse als Beispiel gelten koennen, macht sich allgemein bemerkbar. Das
Harvard-Programm wurde deshalb von neun Monaten auf dreizehn Wochen
reduziert, weil sich fuer die Gewerkschafter Schwierigkeiten ergaben,
wenn sie fuer ein ganzes Studienjahr sich kaum ihren Gewerkschafts-

- £-

�pflichten widmen konnten. Harvard kuendigte jetzt an, dass das gleiche Fensum im wesentlichen auch in einer kuerzeren Zeit bewaeltigt
werden koennte, obwohld die Rektoren noch im Jahre 1945 der Ansicht
waren, dass volle neun Monate fuer eine wirkliche Schulung unumgaenglich seien, wie sie in dem Gewerkschaftsprogramm vorgesehen war. In
Yale musste man auf oertlich festgelegte Institutslehrgaenge wegen der
Unterbringungsschwierigkeiten verzichten, sodass die Kurse auf nicht
oertlich gebundener Basis weitergefuehrt werden konnten.
Auf der anderen Seite ist man in zunehmendem Masse zu kurzfristigen oertlichen Schulungskursen uebergegangen. Diese finden fuer die
Dauer von einer bis zu vier Wochen in den Universitaeten waehrend des
Sommers statt. Die Kurse sind haeufig fuer bestimmte Gewerkschaften
eingerichtet, wie es an dem Pennsylvanien State College, der Universitaet in Wisconsin und dem Rhode Island State College der Fall ist,
manchmal sind sie es nicht, wie zum Beispiel an der Goddard College
Vermont Labor School.
Auch die eigentlichen Volkshochschulkurse fuer Gewerkschafter haben
eine betraechtliche Erweiterung erfahren, '.'.'aehrend der Arbeiterbildungsdienst der Universitaet in Michigan bis zu seiner Aufloesung das umfassendste aller Volkshochschulprogramme darstellte, sind diese an anderen Universitaeten erweitert worden, oder neu ins Leben gerufen worden.
Einige kleinere Volkshochschulprogramme konnten wegen des Mangels an
oertlichem Interesse nicht weitergefuehrt werden, so zum Beispiel am
St. Michael's-College im Winooski Park, Vermont, oder sie wurden voruebergehend wegen des Fehlens eines geeigneten Lektors von der Universitaet eingestellt, wie es am State College in Westvirginien der Fall
war. Durch neue Volkshochschulprogramme und Ergaenzungen zu den bestehenden sind diese Ausfaelle jedoch mehr als ersetzt worden.
An der Universitaet in Illinois und der New Yorker Staatsschule
fuer industrielle und gewerkschaftliche Beziehungen in Cornell sind
dis Volkshochschuldienste mit der Einfuehrung einzelstaatlicher Programme - aehnlich den Kursen fuer den Verwaltungsdienst in den Gemeinden ihrer Verwirklichung naehergekommen. Obwohl sich keines dieser beiden
Volkshochschulprogramrae so rasch entwickelte, wie es sich einige Referenten fuer Arbeiterbildung in den Gewerkschaften versprachen, hatten
beide Institute mit ihren Kursen doch sohnell festen Fuss gefasst. In
etwa 20 Orten des Staates Illinois wurden Volkshochschulen begruendet.
Die New Yorker Staatsschule hatte ausser den eigentlichen Schulungskursen und mehreren Vorlesungsserien 43 spezialisierte Lehrgaenge in
16 Staedten des Staates New York laufen. 29 dieser Projekte wurden
in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften durchgefuehrt, zehn mit der
Uhterstuetzung der Unternehmer und vier fanden auf genereller Basis
statt. Das State College in Pennsylvanien riohtete innerhalb seiner
Volkshochschulabteilung einen Arbeiterbildungsdienst ein und dehnte
seinen erneuerten, aktivierten Volkshochschuldienst auf Gewerkschaftsgruppen aus. Zu den neuen Volkshoohschulprogrammen fuer Arbeiter gehoeren die des Roosevelt-College in Chikago und des Instituts fuer
wechselseitige Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen in Rutgers, das
auf Grund der Gesetzgebung des Staates New-Jersey errichtet wurde. An
dem Programm des Roosevelt-College nahmen im Jahre 1948 etwa 1.100 Arbeiter teil, im Staate New Jersey wurden vom Rutgers Institut 65 Volkshochschulkurse fuer Arbeiter durchgefuehrt.
Viele der von den Universitaeten den Arbeitern gebotenen Hochschulkurse fanden an Orten statt, die fuer die Arbeiter bequem erreichbar waren. Allerdings wurden auch weiterhin Kurse in Universitaetsgebaeuden und an anderen zentral gelegenen Stellen abgehalten. Drei
Jehre zuvor zoegerte noch eine Reihe Universitaeten, ihre Lehrreeume
in Gewerkschaftshaeuser oder andere nichtakademische Gebaeude zu verleren, weil sie sich nicht klar darueber waren, ob diese Methode mit
dem Ansehen einer Universitaet zu vereinbaren sei. Eine Anzahl Uni- 3 -

�versitaeten hat sich jedoch bereit erklaert, eher mit den Kursen zu
den Arbeitern zu gehen als die Arbeiter in die Universitaeten kommen
zu lassen, und die Auffassung, dass diese Methode fuer die Universitaeten durchaus guenstig ist, scheint in den vergangenen drei Jahren
einen weiten Anhaengerkreis gefunden zu haben.
Ausser den Volkshochschulen hat die oertliche Bildungsarbeit in
Form von Filmforen, Diskussionsgrupnen, Vorlesungen und Reden im Zusammenhang mit Gewerkschaftsversammlungen eine grosse Ausdehnung erfahren.
Auch kurze, ein- oder zweitaegige Kurse scheinen, gemessen an
ihrem Fortbestand und ihrer Erweiterung, den Anspruechen der Arbeiter
gerecht zu werden und zugleich fuer die Universitaeten finanziell tragbar zu sein. Gemeinsame Vereinbarungen, die derartige Kurse vorsehen,
sind zwischen dem Buero fuer Arbeiterbildung und solchen Universitaeten
verabredet worden, wo es keine anderen Programme gibt; aber auch viele
Universitaeten mit V/ohnort- und Volkshochschulkursen unterhalten in
jedem Jahre ein oder mehrere solcher Kurzprogramme.
In allen Formen und Arten der Universitaetsprogramme zeigt sich
sehr klar die Tendenz nach Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften
und den Universitaeten im Planen, Organisieren und der Durchfuehrung
der Programme. Sie muessen den Bedürfnissen der Arbeiter gerecht werden
damit sie Forschungen betreiben und Schulungsmaterial ausarbeiten koennen. Drei Jahre zuvor waren sich die Universitaeten selbst nicht im
klaren ueber ihr Verhaeltnis zu den Gewerkschaften. Sie hatten keine
Erfahrung, wie die traditionelle Kluft zwischen der Universitaet und
der Gewerkschaftsbewegung ueberbrueckt werden koennte. Sie wussten
nicht, wie man sich mit aussenstehenden Gruppen, vor allem mit den
Gewerkschaften, in die Verantwortlichkeit teilen koennte. Gewisse Universitaetskreise, die sich ihrer Verantwortung fuer die Universitaet
und der Grundsaetze akademischer Freiheit bewusst waren, befuerchteten,
da3S die Gewerkschaften nach einer ^rt von Herrschaft streben koennten,
die diese Verantwortung beschneiden und sich gegen diese Grundsaetze
v;enden wuerde. Die Referenten fuer Arbeiterbildung in den Gewerkschaften ihrerseits waren der Auffassung, dass nur durch eine gemeinsame
Planung die Universitaeten die Moeglichkeit haetten, die Beduerfnisse
der Arbeiter auf erzieherischem Gebiet kennenzulernen; dass die Gewerkschaften und ihre Mitglieder nur auf diese Weise herausfinden koennten,
wie die Universitaeten ihnen dienen koennten, und dass nur so ein wirklich konstruktives Arbeiterbildungsprograran entwickelt werden koennte.
Wenn die Vorlesungsprogramme beurteilt werden, die diese Zusammenarbeit
mit den Gewerkschaften widerspiegeln und die eine Universitaet nach
der anderen herausgibt und in der alle mitarbeitenden Gewerkschaften
eufgefuehrt sind, dann ist klar erkennbar, dass die Furcht und Unsicherheit gaenzlich ueberwunden sind. Die bestehenden Programme sind das
Ergebnis gemeinsamer Beratungen, gemeinsamen Planens und geteilter Verantwortung.
j

Die Gewerkschaften haben natuerlich die Bedeutung dieser erzieherischen Arbeit fuer das gesamte Gewerkschaftsprogramm mehr und mehr erkannt. V/aehrend die Bekleidungs-, Textil und Automobilarbeiter auch
weiterhin am staerksten daran interessiert, sind, Programme zu entwickeln
und Gelegenheiten der Schulung wahrzunehmen, haten andere Gewerkschaften, wie zum Beispiel die Stehlarbeiter,ihre erzieherische Taetigkeit
intensiviert und danach gestrebt, mehrere Universitaeten fuer die Einrichtung von Instituten und Volkshochschulen zu gewinnen. Die New
Yorker Staatsschule fuer wechselseitige Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen organisierte Volkshochschulkurse fuer die Gewerkschaften der
Chemiearbeiter, Metallarbeiter, Hausangestellte, kaufmaennische Angestellte, Telefonarbeiter, Hotel- und Restaurantarbeiter, Fahrer, Textilund Bekleidungsarbeiter, Stahlarbeiter und fuer eine Reihe oertlicher
- 4 -

�Berufs- und Gewerkschaftsorganisationen in verschiedenen Staedten.
Der Grund fuer das zunehmende Interesse der Gewerkschaften an der
Arbeiterbildung liegt in der wachsenden Verpflichtung und Verantwortlichkeit des einzelnen Gewerkschaftsmitglieds. Das Nationale Komitee
fuer die Vertiefung der Arbeiterbildung hat in sieben groesseren Gewerkschaften (drei AFIn zwei CIO- und zwei unabhaengigen Organisationen) eine Erhebung durchgefuehrt, die gezeigt hat, dass von zehn Mitgliedern je ein Mitglied eine besondere, hohe Verantwortung erfordernde Aufgabe in bezug auf Unternehmertum, die Gemeinde oder Arbeitskollegen zu erfuellen hat, die besondere Kenntnisse und Schulung erfordert.
Die von der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) einberufene Konferenz fuer Fragen der Arbeiterbildung stellt eine neue Phase in der Entwicklung des Bildungswesens dar. An dieser Konferenz, die vom Exekuftivausschuss der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), vom Bildungsausschuss dieser Gewerkschaft und von der Abteilung fuer Arbeiterbildung
des CIO einberufen worden war, nahmen die Vorsitzenden der Bildungsausschuesse und die Referenten fuer Arbeiterbildung der ÜAW-Lokalgewerkschaften des ganzen Landes teil. Man befasste sich vor allem damit,
das Leitmotiv dieser Konferenz zu verwirklichen: wYti,e koennen auf demokratischem Wege die Gewerkschaft und die politische Betaetigung in
Eurem Betrieb und Eurer Gemeinde vorangetrieben werden.'"
Je mehr sich die Gewerkschaften ihrer Beduerfnisse auf dein Gebiete
der Arbeiterbildung bewusst sind, umso besser wird es ihnen moeglich
sein, die Universitaeten fuer solche Dienstleistungen zu gewinnen, die
die Gewerkschaften verwenden und die Universitaeten geben koennen.
Die Universitaeten dagegen mussten in ihrem Verhaeltnis zu den
Gewerkschaften darauf achten, nicht in interne Streitigkeiten innerhalb
dsr Gewerkschaftsbewegung verwickelt zu werden und sich streng an den
Grundsatz zu halten, allen in gleichem Masse ihre Dienste zur Verfuegung
zu stellen. Die Gewerkschaften haben diese Aufgabe dadurch erleichtert,
da^s sie sich bereit erklaerten, Fragen der Arbeiterbildung in gegenseitiger Zusammenarbeit zu loesen. Den Beweis fuer diese Bereitwilligkeit
liefert die Zugehoerigkeit der AFL, des CIO, der Eisenbahnergewerkschaft
und anderer unabhaengiger Gewerkschaften zu dem Nationalen Komitee fuer
die Vertiefung der Arbeiterbildung. Die drei Hauptzweige der Gewerkschaftsbewegung in New Jersey beteiligen sich auf dieser Basis gemeinsam an der Errichtung eines staatlichen Komitees fuer die Vertiefung
des Arbeiterbildungswesens. Dieses Komitee hat die Aufgabe, die Gesetzesvorlage fuer Arbeiterbildung zu unterstuetzen und mit allen Lehrinstituten zusammenzuarbeiten, um die Arbeiterbildungsprogramme innerhalb
des Staates zu foerdern.
Diese Programme leiden jedoch auch heute noch unter dem Mangel an
geeignetem Material fuer den Gebrauch in den Arbeiterschulen. Einige
Fortschritte auf diesem Gebiet konnten in den letzten drei Jahren immerhin erzielt werden, da in einigen Instituten die Bestrebungen, Schulungsmaterial
auszuarbeiten, mit zum Programm gehoeren. Das Gesetz von
NTew Jersey, durch welches das Rutgers Institut zustandekam, bezeichnet
die Entwicklung neuen Schulungsmaterials und fortschrittlicher Arbeitsmethoden als eine der Funktionen dieser Schule,und die Dozenten des
Rutgersinstitutes haben sich besonders mit den Anwendungsmoeglichkeiten
und der Entwicklung von Schulungsmaterial befasst. Die Universitaet
Shikago bearbeitet mit Hilfe des Carnegie-Fonds und der Gewerkschaften
Material fuer solche Veroeffentlichungen. Der Arbeiterbildungsdienst
ier Universitaet in Michigan entwickelt Programmrichtlinien und Lehrolaene. Ueberall besteht jedoch eine starke Nachfrage nach aue^eopro3henem Schulungsmaterial, aber die Maschinerie zur Ausarbeitung, zum
\ustausch und zur Verteilung dieses Materials ist leider noch immer nicht
senuegend entwickelt worden.
- 5-

�•

CO '•*}
0 4 f
HB)
H p
• U

i-b co p g j c+ P . &lt;q cj*
f c t f f © H © © H
t n S ( D 0 Ol p 4
H
4 H S D O c t o j f i
CD e t H
p* H H p
P CD H ©
CR) e t p Cd
P
ctOH&lt;l©ffCR)C0
W O tD
pr P © 4 ff B
H O P p"
CD 4
c t t 3 O*
P P* O ff P J
W CA © 4 ©
CD
p-ctCDC}pCDPOC0
P
4 P O £
CÄct
CjOfl)
H p - © ff 4 ©
P © p O . &gt; &lt; e t H P ff p"
H p- &gt;"b ff 4
ff
COCOBct
&lt; (S&gt;
(OCT4 S
SS B
ffi&gt;4BC0©C0oCR)H
CL
4
P
K H - 4 (8 M » C
(ft 0! 0 i » C t c t O . ( J t ) X P
4
H-PCDCOCDCDCDCDcti-fcO
et
4
4 CD p er
pCB C J . a P J CO e t
CD P Qu ©
CDCD
H O
H D P ff p
ctpQffip-CDW
piCOCO
CD 4 CO CO p . e t H
P*
P © &gt;-* 0 CQ © (Fl p
CO UJT3 P c t B
c+ CO CD 4
C+O^Ö
- D p .
CQ p
CDCDCÖ
H H C &lt; ff P
CT 4 p © CD
CD P © f} p .
© ©
p . 4 p , tu ex 4 ( t
4 4 B P PT H ©
ff
a N
H
P CD CD © p H- CD
P

o pr w 4 P

1
CT»
1

B P fei

pr © 09 &gt;-k P CI) P
C "4 P .
c t 4 B P c t © © p a ^ a
CD CT) P . H
PL CO © 4 OB 4
C t p © C 0 p " P H « O ' c t O
- CKsp-COCOCDoti»
p- • &gt;
© P © e t 4 p" H
COp
P . Ct t-r P
t-fc ctflft O 0&gt; P"
© 4
S., P CO # C P OB
co © £ oej P H &gt; O t» £ c» t r
CO T*} CD © Cü CO P
O P 0
© 4 4
COPW'P'Cfl©
H P O. © H © pr H H O P"
© o pr
e t co
p4 S P P* 4 ©
p - p - p p.
© •
et
H-©©H-|-&gt;OB
© 4
^ 0 H - 4 » C t O
HC.
£ 4 © p
4 P «
H © o H o 4 o*) o» *%m
0») P ff 4 CR) ~
©PPC0CO
© p - p . 4 o ' l 3 , o ( f a HB
C - ff ff © p* 4 4 O
© CL 4
B c o p
O P"
H © O K 0 G O J P P C R )

p p p-

ff p
H O 4 c
© ©
P C C N O O f f ©
c o p P V P &lt; P © p p - p - H ©
B
4 4
et
|
w co p p. o o w

pe

&gt;

O O ' P H « 4 P cHO 8 P i 4 •
Cr
ff e t
P«&lt;H»©cr
a
PQ.JTC0
OP&lt;C0pl-J©
•"-•M-K 8 C 4 H - c t
H
P ©
C O B p C D © © C j c t
P P ^ J

Ä

'

3

4

3

H

'

P

«

Ct}©»4&lt;4©^3 O » p H«4
CO P o CD 1 © P 1 1 1 1
1
1 t-J
.
1

w••*}m."RJ PiöH-o&lt;Hm P.CD et?&lt;rp.a c

0 4 C D a p H B H P 4 B H B © © B 3
O B P CT P ©
ffl©oMCJ©HP
UOH
POQ
ö
4 CD
N e t c t
N CQ
8 0 f f l p U O J H - q
CQ DJ © H
tÜ P
H
&lt; © H P L f f c t © © &gt; M H HCR) © ©
O ü

a p o 8 4 i » p c r 4

©Mcoppetcop-H-

H • p - p e r p - r a © c r 4 Q . c t p o 4 H
CD
et
fl)
8 H c + 4 8 8 C
( B Ä P H - O P .
1
HH ff CD
p.
P
ff
© P" © P
O Ö&lt; P H e t 4
#&gt;. et P C 9 e t p © CT © 4 ©
OH0 f f l t r P &gt; O 8 C O J l H P p C O 4 8 ^
H 0 W M 4 8 8 O 4 i S H - P i ^ p p p 8
H P 4
tt
H 4
C T © © 0
•
4
© e t o H P" e t
ft)H-"4J3p-p.p.p
r^fV
fH}
Olc+ffffHCDHpi/CDCDCDH©
H CO
8 &lt; » p o ' 4 0 ^ ( l I » 3 3
4
8 0 , 1 H c t O
8 0) e t a m P T 8 p O
© © ff p r
H P 4 © p © f f 4 P p - H C - ' 0 j P 4
4 ! »
B H
^ H J C D C R } © B C -D © © P U « } c r , - b
C R j I S a H a a P t-k
O e t er a 4 a c+

^ 8

H Ht3 4 3 ^

ctTj« 8 H p - O H 8

ff 4 HC?)
er p W pr
P"
C O Q P©H ^' P©O4WpHH- '©e ö
t ©©© e t p
•4»
8 4 o 4
©
aj
H a P ca er £
B H B 4 O PTCR) P
P " * * B &lt;fc
• •
•
C Q P H - C O 0 B C B P N C B W 4 P P .
4 H P
H

ocot-bpp.pcrB«&gt;p«p©

°*

«Ocjip.pr©ctH«
B © § e t i Ä t 4 P
P&gt;c»
t»KO«etB
» ö
P
4
p , &lt; ^ » p
03
P ©
p Ct O CD
P . © 0&gt; co
©»4
O
c t C ] p c t N 8 0 ' « O P O t J . 4
CO
C t i J g P i H - 8 H - 8 4 K
N » Q » K H © ^ ^
Hfc
O P CQ CO
C + N h
P » 4 0
H- CD »4 B © P . P c t ^ o P OS 0&gt; B e t ^ p"
H 4 9 P P H - 8
» K P »
P T H " © * »
•
^ h C K H a p p J O i i p H i p o H - p
coct©
H « » f e | t i p ' i 4 c + »
O W 4 &lt; &lt; &lt; p n
y-i 14 co ©
et©p"
p© O C D P P p j © K O H ' ^ C 0 H " 4 » 4
» O*
M 4 P« CD H - » CO
O O H- H- P
i-k©Q*VCr
4CD
O t f P P O O P C
c t C 0 © C 0 » p .
CKJP"CD©H'P'P'(ÄP
8 c t ^ p f f i 8 &gt; &gt; P P P . 3 &gt;4
W
PJ
P » 8 0 P 4 4 C c t 4 »
»P.CDP.
p - 4 0 0 .
cTet
ctpCOp-|-uH-©B
P © p r p - © p © Q O © e t f f i 4 © c t 4 f l »
©pcoco
© h * g p p © K e t
•
pr
C r P . O O P . f f l c + 0 «
1 ct. » p
^ 4

•i©p-p-©»©cro«j»P'o

®

4

© p ß &gt; p H &gt; B h * H - C 6 ' 0 » 4 P ' $ P ' G r ( a &lt;
P
4 H
e t c r H J C « H ' 4 * » « H - » »
CJctP«rt3C&lt;}H-©et»
P 4 4 0 H - P
» P ( 1 C » « H 4 B H *
K
et

PH-p 4 « SP-PetS

P- Pi^o co Q © d

&lt;
© e t © p © c t P 4 0 ) o o &lt; » 4 P
p . © p . © H - 4 P t - * ©
P i a H P S CT*H«
CD 4 ©
H* KCRJ e t e t B
&gt;-&gt;• O co t-" &lt;
BCOCBP 1 W
8
9 P P i H c t 4 4 H 9
H - a p
0 &lt; 4
C 0 H - O H » e t K P ' 4
1 j et(R} p . p p - a C W ^ w a X c o t - ' O B p C O
4 0 8 ©
p © 4 © C r «
© O H - O C S H "
0 8 P * P &gt; ^ ^ i c t
» M p - O p - t ^ e t
(?) e t
O
e t P CD ©
O © © P" © co ©
4 8
p p f f l
8 4 H - M H P P 8 t-b'O ©

© ^ © p a m W f v M H - H '

c + 4 et

B 4 e t o P T c t e t c o p p © p r j O i - ^ © o C »
3 Q © 4 H ' © O p H — P © OB p 05 p
T H - e t © p"
p-()»j (fc
P. • ©
4
PM l H * f f l P . © © O P .
ctH-8 N
©
Hi P H - &gt; - t P
H"
H - P B P
CQ _ l
• © et
©
(J3
1 -

O 4&gt;
CD ©
CO CO

© et
et N
IM P 03
© co ©
03
H»
&lt;
et
©
O
P
4
©
H
CD
W ©
©
© 4
t-b 14
p ^ d
© © p
4
H H
er &lt;
p&gt; © ©
H-4 4
© e t CO
» HU
et
P 03»
4 O ©
O p- e t
CT P ©
t-kHP

c c

• PH»
Ö-OQ CO
4 M et
C^ö

P 4 &lt;•

0*J O H-

W P
P- 4 &lt;»
©

»

4 . »
0 »5&gt; » •-•
4
ff»
er p . ©
© p 0
H « 4 CD
e t O HCD p- P
4 N CD

erp _

H» t-fc CO
H" P «
P. © 4
P Cr CD
P 4 H0Q © e t

P £

(Ä r*
•
H
P ^ H
© © HCT P 09
0 P W
H»
©
Oej P . H e t H« e t
©

co'id t - * 4 C » J CO rr N © a t d ö Q
p © a p © 0 O H CD ff ©
» PCR} © H P er 3 N 8 $
CO
a
p- p. a 4 e t P . p P J H
i-t
4
e» W © CO P B 8er 0a 4 t&gt;r o
et
7)
© P J CO © 4
© p 3 © H
K* C D U
4 ff a P ff 0 .
p
©
H
O
©
P p- p © o a
©
P
4CR) 4 er
e t et p
N
© peff c j
P « c t H »-*WHPJ
CD
c
p p © M&gt; ©
©CK) P P o m € &gt;-!&gt; d
cc
P
O et o*
4 H ü ) a o CD O et p P .
4
pr © ©
H - e t 4 co 4 4
H © p,
er PL ©
PL ©
ff P 4
O © H&gt;
a
© ©
&lt; CO B P.
H •-*
er
H- 4 S O P» e t co &lt; &lt;t © H ©
et
© 4 CD p a © a P © 4 tr» © © et p- 4
pr
co
©
p
4m
» '-Ö e t P 4 e t H H
w ©
P H p- 4 * 3 * e t ©
P H P a
• P e t ff
© ©
o
• © 0 H H- P a 1 p B 4 ct 4
p p . H P
P Q e t H P ff © ESI 4 tflo.pr
c a
P. , O * e t « a p c £ © © r.
© p c p
P
CJP. P&gt; »-3 H O
•ö e t co
ff H O CR)
0t)O&lt;) P 8 CO 4
H 4 PL ©
O
CQ C * P e t
© H - P et © a et ©
CD a c P . p- p .
c p &lt;
a PCR) H 4 HCO
4 p H
a
P N a t*) P" P" ©
P.
4 H e t ff
O peffo © er 4
o p . ci
ff
©
©
H
OB CO © - © H
4
• e r ff
O. P P - ^ 4 P j
P P
p. a H» &gt;v
PT a 1 — • 1 — © P © © © H
8 H c t P 8 PJ
©
P et 4 O H P
4 er © et 4 © O" H c j t ©
e r e t t-k
© a H- co 4 ff e t P OQ
P p CO © e t
©
t ) et et &lt; 0 4 N
H a
a
©
P
J
G &lt;
l P* ff P P &lt; e 0
H p £ H e r N
4 a 0 { &gt; CD etot) P © ©
O 4 P- C H e t 4 H t ) a p © co © £
p. 4 a 4
H
t r co © co P &lt; ff © co P 0
pr H &lt;j co
N ©
^v et 4 a a H P 4 H
c »
0 p a •-* e r et ff © 4 er © e t o o
H
OB ff H P N a o H "4 e r
© © p . P"
p - p a p p H P . I - © m e t H P©J pffr o©» 4ff ffp
© ©
4 p . 4 a OB a H e t et
P H
CO O H © a © t o p H p » - k P CR)
© PJ
p p - d f f l p 0 ^ P P © CO e t c+ e t
© et © © © Jt- p ©
CR} 0 P a
Cr&gt;
© e t ff P P P 4 C P
p-H-P P
e t p i*r P ff 0
p.
CT ©
PJ
&lt;
P
w
o
C!
^3 © P ©
CD CR) © CO p . © € a 09 P
H f j P
Co a 4 e t
H © p CD C J N O P P
p. et 4
H
€ co © p P Cr P 4 e t p 4
PCR) &lt;
et P
!&gt;• O H» • 03 N H © 0) ©
H ^ CQ © &lt; © © ©
4 4 et et 0 H
P
O er © er er 4
&lt;
Cd H
p c m H P CR)
ff
O
P
a
4 er H 4 3 P CO
a a a H
© 5 © H !-&gt;•
H P e t O P 4 P P N PL p
p . H CD © H Ct B 4 © e t
ctp - p et
©
H- © P
a »4 P et © P I © ff
f r et P P. &gt; © ©
CR) © © t r
4 B P 4
et 4
et
S O c P © ©
O* hff
pti © e r © ©
H Ct S- J&gt; P C © H p © D
© 4 P
H Ä CQ • © ©
H
0» P O P 4
p . P . CO © P" c t pr © CD ©
H 4 &gt;TJ H er
4
e
t 4 C
p © p- et
P
© © P D H
H d P ^ O CR) ff P
P P H-OB O 4 O •
O CT © O P J
CRJ
p H (D
P co H
er
© QOU et ^
P 0 © PJ 4 H P P
PL
©
© I © © et P.
e t p? a et a ©
8 t » ^
tt&gt; p
© s 0 e&gt; 4 P c t f f © ff
B 4 • ©
i-t,
4
4
© © P - PT
© I
P
© ©
et 1

co t q

o
pOB
t-k
et
© ©
P p

©
p CD
et
© N

o 4

• 0

i

S

p ?r

1 er

�Programm fuer Erwachsene den Beduerfnissen besonderer Gruppen in dieser
Gemeinschaft angepasst wurde, ohne an bestimmte Formen gebunden zu sein.
Trotz der hier erwaehnten Tendenzen, die in jedem Falle die Erweiterung, die Festlegung auf einer noch sichereren Basis und den erweiterten Gebrauch der Universitaetsprogramme im Arbeiterbildungswesen erhoffen lassen, und obwohl sich die gesamte Gewerkschaftsbewegung energisch
fuer einen bundesstaatlich gestuetzten Arbeiterbildungsdienst unter
Anwendung der Universitaets-Hilfsquellen einsetzt, sind sich die fuer
die Arbeiterbildung verantwortlichen Gewerkschafter nicht sicher, ob
d-ie Universitaeten all das bieten koennen, was zu einer wirklichen und
damit vollstaendigenLoesung der Arbeiterbildungsprobleme fuehren kann.
Das traditionelle Misstrauen der "Intellektuellen" ist noch laengst
nicht beseitigt, und das eingeschlaeferte Gefuehl der Universitaeten,
dass "sie" es sind und nicht "wir", und dass derjenige, "der nicht mit
uns ist, gegen uns ist," kann leicht wieder erweckt werden. Die Frage
ist jedoch, inwieweit diese Zusammenarbeit zwischen den Universitaeten
und der Gewerkschaftsbewegung die wertvolle Erkenntnis, das Verstaendnis und die Einsicht erzeugen kann, die fuer grosse Ziele der Gewerkschaften und ihre heutige Verantwortlichkeit in der Gemeinde, der Nation
und der ganzen Welt unumgaenglich sind. Die gegenwaertige Situation erinnert deutlich an die fruehen Tage der landwirtschaftlichen Schulungsarbeit, als die Bauern solange mißtrauisch blieben, bis sie endlich erkannt hatten, dass das "Lernen aus Buechern," wie es in den landwirtschaftlichen Schulungsprogrammen geboten wurde, fuer sie tatseechlich
von grossem Nutzen war.
Auch wenn die Universitaeten ihre Arbeiterbildungsprogramme staendig weiter entwickeln, muessen sie sich doch vergegenwaertigen und damit
abfinden, dass ihr guter V,'ille und ihre Redlichkeit staendig beargwoehnt
werden. Eine fruchtbringende Entwicklung haengt somig davon ab, dass
Gewerkschaften und Universitaeten in einer Form zusammenarbeiten, dass
jeder den Bereich, die Moeglichkeiten und die Arbeitsvoraussetzungen
des andern kennt und versteht; dass die Universitaeten den Geist des
freien Meinungsaustausches aufrechterhalten und die Gewerkschaften ihn
anerkennen; dass aber die Arbeiterschaft in zunehmendem Masse zusammen
mit anderen Gruppen der Gesellschaft an der Formulierung der Richtlinien
und Programme der Universitaeten beteiligt wird, um den Anforderungen
von heute und von morgen besser gerecht werden zu koennen.
Industrial and Labor Relations Review
X/48
Henry Hauck, Berater fuer Arbeitsfreien an der franzoesischen Gesandtschaft in London:
SOZIAL-ATTACHES
Um sich ueber die Entwicklungen in der Sozialpolitik auf der ganzen
Veit auf dem laufenden zu halten und sich eine Unterstuetzung fuer
die Loesung jener Probleme zu sichern, die in Verbindung mit Arbeitsfragen in der diplomatischen Sphaere auftauchen koennen^, haben viele
Regierungen seit dem Kriege eine neue Art technischer Berater ernannt.
Die Titel dieser Berater sind verschieden (Arbeits-Atttche, SozialAttache, Arbeiter-Attache", usw.), die Motive zu ihrer Ernennung sind
im wesentlichen jedoch die gleichen.
Mr. Henry Hauck, der^Vertreter der franzoesischen Regierung im Exekutivausschuss des Internationalen Arbeitsamtes, der auf Grund seines
Londoner Amte3 besonders qualifiziert ist, die Bedeutung dieser neuen
^hase der internationalen Zusammenarbeit ermessen zu koennen, legt
in dem nachstehenden Artikel die Arbeitsweise dieser neu eingefuehrten
Einrichtung auseinander.
7 -

�Vor dem ersten Weltkrieg waren die Probleme der Sozialpolitik im
wesentlichen noch nationale Probleme, deren Bedeutung nicht ueber die
Grenzen des einzelnen Landes hinausging. Erst mit den Friedensvertraegen und der Errichtung der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf
wurde die Sozialpolitik als ein Problem von internationaler Bedeutung
angesehen. Obwohl jedoch in der Zeit von 1919 bis 1939 grosse und
kleine Laender innerhalb der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)
ihre diesbezueglichen Erfahrungen austauschten und gemeinsam an einem
internationalen Arbeitsrechtssystem arbeiteten, waren sich nur wenige
Menschen der Bedeutung der Arbeitsprobleme innerhalb der diplomatischen
Beziehungen bewusst. Die wirtschaftliche Entwicklung, die durch den
zweiten Weltkrieg ungeheuer forciert wurde, und das staendige Anwachsen
der Gewerkschaftsbewegung in den meisten Laendern der Welt haben aber
diesen Problemen eine noch groessere Bedeutung gegeben, als sie ihnen von
den Verfassern des Teiles 13 des Versailler Friedensvertrags beigemessen
worden ist. Heute beruehren die Arbeitsprobleme unmittelbar das Herz
jeder Nation; Loehne, Einsatz der Arbeitskraefte sowie Aus- und Einwanderung sind ueberall wesentliche Faktoren im wirtschaftlichen Leben.
Die mit der Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung aufgekommenen Fragen wie Koalitionsfreiheit, die Bestrebungen der Gewerkschaften, ihre Forderungen gegenueber den Unternehmern durchzusetzen oder bestimmte politische Einfluesse auszuueben, das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im
Betrieb und der Einfluss auf die Wirtschaftspolitik auf ueberbetrieblicher Ebene - alle diese Forderungen stehen mit der Gestaltung politischer Einrichtungen und selbst mit dem Verlauf der Aussenpolitik in
engem Zusammenhang. Deshalb sind zahlreiche Regierungen der Auffassung,
dass sie ueber die Entwicklung der Sozialpolitik in anderen Laendern zumindest mit denen sie diplomatische Beziehungen unterhalten - auf
dem laufenden gehalten werden muessen. Diese Auffassung hat ihrerseits
zu der Einfuehrung und Bewaehrung einer neuen Form des spezialisierten
Diplomaten, des Sozial-Attachds, gefuehrt.
Eine grosse Forschungsarbeit wuerde notwendig sein, um die Ursprueng
der Methode, Sozial-Attachös zu ernennen, festzustellen. Der erste positive Schritt auf diesem Gebiet ebenso wie auf anderen wurde von Albert
Thomas unternommen, dem verstorbenen Leiter des Internationalen Arbeitsamtes in Genf.
Waehrend des ersten '/Veitkrieges war er sich als Kriegsminister
Frankreichs der Notwendigkeit einer engen Koordinierung der Kriegsmaterialüroduktion Grossbritanniens und Frankreichs bewusst; er sah ein,
dess sich diese Koordinierung, wenn sie wirksam sein sollte, sowohl
auf die persönlichen Beziehungen als auch auf das technische Gebiet
erstrecken musste. Altert Thomas ersuchte deshalb Paul Mantoux, seinen
Schulkameraden an der Eoole Nori.ale in Paris und Verfasser des Buches
ueber die englische industrielle Revolution, nach London zu gehen und
den Kontakt mit der britischen Gewerkschaftsbewegung aufzunehmen und
aufrechtzuerhalten. Paul Mantoux war somit der erste Sozial-Attache,
obwohl er nicht diesen Titel trug.
Nach der Kriegserklaerung im Jahre 1939 erkannte die britische Regierung sofort die Bedeutung der Vorgaenge in der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung. Um genauestens darueber informiert zu sein, wies das
Auswaertige Amt den damaligen Pariser Korrespondenten der Gewerkschaftszeitung "Daily Herald", Jack Sandford, an, sich dem Stab der britischen
Gesandtschaft in Paris als Sozial-Attache1 zur Verfuegung zu stellen.
Einige Monate spaeter wurde der Verfasser dieses Artikels auf Ersuchen
de? franzoesischen Gewerkschaftsbundes von dem franzoesischen Aussenminister nach London geschickt, um in aehnlicher Eigenschaft an der
dortigen franzoesischen Botschaft taetig zu sein. Der Waffenstillstand
machte dieser Arbeit ein Ende. Jack Sandford kehrte nach London zurueck,
und der franzoesische Sozialreferent schloss sich der Bewegung "Freies
Frankreich" an. Die britische Regierung, in der die Gewerkschaftsbewegung seit dem Mai 1940 stark vertreten war, hielt daran fest, den Sozial-

�Problemen die ihnen gebuehrende Bedeutung zuzuerkennen. Kurz nach den
Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg wurde im Jahre 1942
ein Sozial-Attach«* nach Washington geschickt - zuerst Professor Tavmey
von der Londoner Wirtschaftsschule, ein sozial eingestellter Intellektueller, der von Anfang an Fuehlung mit der Gewerkschaftsbewegung
hatte, und dann Archibald Gordon, ein verdienter Sachbearbeiter im
britischen Arbeitsministerium. Das Experiment erwies sich als zufriedenstellend^, und unmittelbar nt.cn der Befreiung Europas vervollstaendigte die britische Regierung ihre diplomatischen Wissionen in den verschiedenen Laendern de3 Kontinents auf Veranlassung Ministers Ernest Bevins
durch die Ernennung von Sozial-Attaches. Die Vereinigten Staaten taten
das gleiche. V/aehrend des Krieges war es dem Strategischen Buero gelungen,"eine ansehnliche Gruppe Spezialisten fuer Arbeitsfragen zu nominieren, die sofort mit den ueberell erstandenen, ueberaus populaeren
Widerstandsbewegungen der besetzten Laender Verbindung aufnahmen und
, in der Lage waren, den Verlauf der militärischen Operationen in Europa
wesentlich zu unterstuetzen. Die Regierung der Vereinigten Staaten erkannte sofort, dass solche Verbindungen auch in Friedenszeiten nutzbringend sein muessen, und berief nach dem Beispiel der englischen Regierung
Sozialisten fuer Arbeitsfragen in eine Reihe ihrer diplomatischen Missionen im Ausland.
Frankreich konnte vornehmlich aus finanziellen Gruenden auf diesem
IGebiet nicht so schnell und so weit voranschreiten wie seine beiden
'Verbuendeten. Das Finanzgesetz vom 13. August 1947 sah jedoch ebenfalls
die Errichtung von drei Sozial-Attache-ttellungen in London, Washington
und Moskau vor.
Andere Laender folgten. Zu den Laendern, die inzwischen in mehr
oder weniger systematischer Weise Aemter fuer Sozial-Attaches einrichteten, gehoer'en Argentinien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Aegypten,
Italien, Polen und die Schweiz und jetzt auch die deutsche Bundesrepublik.
Die Funktionen der Sozial-Attaches sind natuerlich in den einzelnen Laendern verschieden. Fuer den Sozial-Attache solcher Staaten, in
denen eine grosse Anzahl ihrer Stuatsangehoerigen im Ausland leben, ergibt sicn die.Aufgabe, sich um seine Landsleute in dem Staate, fuer den
er zustaendig ist, zu kuemmern. Andere Staaten, fuer die die Frage der
Aus- und Einwanderung von besonderer Wichtigkeit ist, beauftragen ihre
3ozial-Attach4s, diesen Problemen ihre besondere Aufmerksamkeit zu
schenken. Sin Staat wiederum, dessen Wirtschafts- und Sozialpolitik
sich von der anderer Laender wesentlich unterscheidet, duerfte bestrebt
3ein, sei.-.e Sozial-Attaches zu ermuntern, den Arbeitern dieser Laender
iie Bedeutung und den Wert der in seinem Lande gemachten Erfahrungen
zu erlaeutern. Obwohl jedoch die Einrichtung von Sozial-Attacbe-Stellungen unter gaenzlich verschiedenen Voraussetzungen erfolgen kann, muss
gesagt werden, da3s die Funktionen der Sozial-Attaches in allen Laendern im wesentlichen darin bestehen, Informationen - genauer gesagt,
Informationen nach beiden Seiten - zu geben. Ein Sozial-Attechd muss
jedoch in erster Linie seine eigene Regierung ueber die Sozialpolitik
de3 Landes, in das er geschickt wurde, informieren, sei es ueber seine
Arbeits- und Sozialgesetzgebung, sei es ueber die Entwicklungen und
Tendenzen innerhalb der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorgenisationen.
Gleichzeitig muss er mit Hilfe von Unterlagen und seinem eigenen Wissen
sowie seinen Beziehungen, die er mit den Dienststellen der Regierung und
anderer Organisationen des Landes, in das er delegiert wurde, aufnehmen
konnte, seine Behoerde ueber die Sozialpolitik, die Sozialgesetzgebung
und die Bewegungen der Arbeitgeber- und Arbeltnehmerorganisationen laufend unterrichten.
Um sich "dieser doppelten Aufgabe entledigen zu koennen, werden die
Sozial-Attachös dem Leiter der diplomatischen Mission, der sie angehoeren
- 9-

�auf der gleichen Stufe wie andere Spezialisten unterstellt, wie etwa
den Militaer-, den Marine- oder den Luftwaffenattaches oder den Attaches fuer Handels-, Finanz- oder Kulturangelegenheiten. Es waere
jeden sozialisierten Attache unmoeglich, seinen Verpflichtungen gerecht zu werden, wenn er nicht in enger Zusammenarbeit und mit der
Autoritaet des Gesandten oder Botschafters sich befaende, der seine
Regierung in dem Lande vertritt.

j

Der Aufgabenbereich eines Sozial-Attaches ist von allen Regierungen, die die Errichtung solcher Stellungen als Notwendigkeit erachteten, in aehnlicher Form festgelegt worden. Loehne und Lebenshaltungskosten, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen, Beschaeftigüngsquote und Arbeitslosigkeit, Probleme der Arbeits- und Berufsausbildung, Wechselbeziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Streitigkeiten in der Industrie und der Abschluss von Tarifver- i
traegen, die Gesetzgebung zum Schutze weiblicher Arbeiter und Jugendlicher, die Erhaltung der Gesundheit des Arbeiters und die Sozialversicherungsgesetzgebung, die Rechte der Gewerkschaften und die Taetigkeifcen der Arbeitnehmerorganisationen - all dies sind wesentliche Faktoren, ueber die ein Sozial-Referent seine Regierung auf dem laufenden
halten muss. Das Gebiet ist aeusserst umfangreich und kann nicht ohne
Beruecksichtigung wirtschaftlicher und politischer Gesichtspunkte behandelt werden. Wenn der Sozial-Attache jedoch in der Lage ist, mit
den Mitgliedern der Botschaft oder Gesandtschaft, die fuer die letzten
Fragen zustaendig sind, in kluger V/eise zusammenzuarbeiten, kann er
einen aeusserst wertvollen Beitrag zu der Gesamtarbeit seiner diplomatischen Mission leisten. Ein Sozial-Attachd, der mit den arbeitenden
Maennern und Frauen in engerem Kontakt steht als irgenein anderes
Mitglied seiner Mission, kannrseinem Vorgesetzten und seinem Kollegen
ein besseres und brauchbareres Bild von der Lage in dem Lande, in dam
er sich befindet, geben als ein anderer. Abgesehen von den Berichten
an sein eigenes Land ermoeglicht ihm sein Wissen um die Arbeiterpsychologie und um Probleme, die lange ausserhalb der Interessensphaere diplomatischer Organisationen geblieben sind, die Mitglieder seiner eigenen
Mission mit wertvollen Informationen zu versorgen und ihnen dabei zu
helfen, ein genaueres Urteil zu bilden.

Um diesen grossen Aufgaben gewachsen zu sein, muss ein SozialAttache ueber eine Reihe bestimmter Eigenschaften verfuegen, ueber die
sich praktisch alle Regierungen einig sind. Er muss vor allem gesunde
Kenntnisse - sowohl theoretische als auch praktische - ueber Sozialnrobleme und allgemeine Sozialpolitik besitzen. England hat in fast
allen Faellen Angestellte des Arbeitsministeriums zu Sozial-Attaches
ernannt. Die ersten franzoesischen Sozial-Attaches, die nach dem Gesetz
von 1947 bestellt wurden, waren fuehrende Persoenlichkeiten des franzoesischen Arbeitsministeriums; einer der Sozial-AttachÄs in der Schwel;
ist ein ehemaliger Sachbearbeiter des Internationalen Arbeitsamtes. Es
koennten noch viele andere Beispiele gegeben werden.

Die Sozial-Attaches muessen ausserdem Leute sein, die auf Grund
ihrer ^ersoenlichkiet und ihres Werdegangs das Vertrauen der Arbeiterorganisationen des Landes, in dem sie leben, besitzen. Wenn sie nicht
selbst in der Gewerkschaftsbewegung taetig gewesen sind, muessen sie
doch in freundschaftlichem Verhaeltnis zu den Gewerkschaften stehen
und etwas mehr als nur theoretisch mit der Mentalitaet der Arbeiter
vertraut sein, die sich in vieler Hinsicht in allen Laendern gleicht.
Dies waren in England bei vielen Ernennungen grundlegende Bedingungen;
zu diesem Zweck unterhaelt in den Vereinigten £tauten das Aussenminister^uri enge Beziehungen zu den amerikanischen Gewerkschaftsverbaenden
ÄFL um. CIO; die Regierungen der Tschechoslowakei, Polens und der
Schweiz haben verschiedentlich weltbekannte Gewerkscheftsfuehrer zu
Sozial-Attaches ernannt. Das franzoesische Arbeitsministerium zog den
Exekutivrat des Gewerkschaftsverbandes zu Rate, bevor es sich entschloss
- 10 -

�den gegenwaertigen Sozial-A^tache nach .London zu schicken; und diö
Regierung Argentiniens hat in jedem einzelnen Falle aktive Mitglieder der Gewerkschaftsorganisation auserwaehlt - sie nennt sie auch
deshalb "Arbeiter-Attaches."
Da die Beziehungen des Sozial-Attaches zu den Maennern und Frauen aller Staende und die Probleme, denen er gegenuebersteht, in erster Linie menschlichen Charakters sind, ist es unerlaesslich, dass
der Sozial-Attach* mit der nationalen Psychologie des Landes, in dem
er sich befindet, vertraut ist. Wenn sich sein persönlicher Kontakt
nur auf eine kleine Gruppe hoeherer Amtstraeger erstrecken wuerde,
waere seine Arbeit wertlos. Er muss nicht nur die Sprache des Volkes,
in deren Mitte er lebt, beherrschen, sondern auch seine Sitten und
Gebraeuche verstehen, und er muss instinktiv das Leben dieses Volkes
sozusagen "fuehlen." Das ist eine sehr seltene Befaehigung, die jedoch nicht weniger nichtig als die uebrigen ist, und die Wahl, die
die verschiedenen Regierungen getroffen haben, beweist, dass die
Verantwortlichen dieses Leitmotiv immer im Sinn hatten, obwohl es
nicht in jedem Falle verwirklicht werden konnte.
Weil die Aufgaben der Sozial-Attaches urspruenglich die gleichen
waren, haben alle Laender die gleichen Anforderungen und Bedingungen
an die Anwaerter fuer diese Positionen gestellt. Wie bereits erwaehnt wurde, bestehen jedoch Unterschiede auf Grund der verschiedenen nationalen Auffassungen, diese muessen daher einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Sie entspringen in der Regel der internationalen Stellung, der wirtschaftlichen Struktur oder den speziellen
Problemen jener Laender, die Sozial-Attaches entsenden.
Fuer Grossmaechte, die in Weltangelegenheiten eine bedeutende
Rolle spielen, ist die politische Information und darueber hinaus die
politische Aktion eine wesentliche Aufgabe ihrer Sozial-Attaches. Ein
Blick auf bestimmte Laender wird genuegen, um zu zeigen, dass England
und die Vereinigten Staaten ihre Sozial-Attaches in Positionen gestellt
haben, die von grosser politischer Bedeutung fuer ihr Land sind. Die
Vereinigten Staaten haben bereits solche Attaches in Deutschland, Argentinien, Australien, Daenemark, Belgien, Canada, Chile, Kuba, Mexiko,
Aegypten, Indien, Frankreich, England, Indonesien, Griechenland, Spanien, Italien, Israel, Brasilien, Oasterreich, Holland, Schweden und
i beabsichtigen, auch nach Peru, Bolivien, Neu-Seeland, Panama, Columbien und Suedafrika Vollattaches zu entsenden, zur Zeit sind sie kommissarisch besetzt. Die Liste der Laender, in die England SozialAttachös entsandt hat, ist verblueffend sehnlich: Argentinien, Oasterreich, Belgien, Bolivien, Brasilien, China, Kuba, Porto Rico, Daenemark, Aegypten, Chile, Columbien, Finnland, Frankreich, El Savador,
Griechenland, Guatemala, Indien, Ekuador, Iran, Indien, Italien, Haiti,
Luxemburg, Libanon, Japan, Mexiko, Nikaragua, Paraguay, Panama, Syrien, St. Domingo, Uruguay, Holland, Pakistan, Peru, Polen, Schweden,
Vereinigte Staaten Von Nordamerika und Venezuela. Von den £8 Laendern in der Liste der Vereinigten Staaten (in 22 Laendern sind SozialAttaches bereits ernannt, fuer 6 sind sie noch zu ernennen) und den
38 Laendern in der britischen Liste sind 19 ^aender fuer beide Staaten
die gleichen. Zu diesen 19 gehoeren nicht nur grosse Laender wie
Frankreich, Italien, Argentinine, Brasilien und Indien und industriell
hochentwickelte Staaten wie Belgien und Schweden, sondern auch Aegypten, Griechenland und Mexiko. Dies ist ein Beweis dafuer, dass die
Vereinigten Staaten und England erkannt haben, dass in jenen Teilen
der Welt, wo Konflikte der Grossmaechte die internationale Lage schwierig gestalten koennen, die Arbeitsprobleme einen entscheidenden politischen Faktor darstellen, und dass die Regierungen wuenschen, ueber
die dortigen Entwicklungen aus erster Hand informiert zu werden.
- 11 -

�Die Sozial-Attaches Englands und der Vereinigten Staaten sind
darueberhinaus angewiesen, in allen Gebieten, deren Bedeutung soeben
auseinandergelegt wurde, eine aktive Rolle zu spielen. Das bemerkenswerteste Beispiel ist Griechenland, wo die akute Spannung innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung zwei Jahre lang zu den politischen Wirren
des Landes beigetragen hat. Obwohl die Vereinigten Staaten und England bereits Attaches nach Griechenland entsandt hatten, betraute
England seinen Sozial-Attachd in Rom, W. H. Braine, im Jahre 1946 in
besonderer Mission damit »zwischen den verschiedenen Gewerkschaf'tsrich- (
tungen in Athen zu vermitteln, Sam Berger, der Sozial-Attache der Vereinigten Staaten in London, begab sich gleichfalls nach der griechi1
sehen Hauptstadt.
Die Funktionen, die die Vereinigten Staaten und England ihren
Sozial-Attachds uebertragen haben, spiegeln sich auch im Status der
Sozial-Attaches im oeffentlichen Dienst wieder.

|

Die Sozial-Attaches der Vereinigten Staaten unterstehen direkt
dem Aussenministerium, in dem eine Sonderabteilung fuer internationale
Arbeits-, Sozial- und Wohlfahrtsangelegenheiten verantwortlich ist;
die Attaches senden ihre Berichte an das Au: senrninisterium. Das heisst
nicht, dass das US-Arbeitsministerium die Arbeit der Sozial-Attaches
nicht gen,au verfolgt und die von ihnen uebermittelten Informationen
nicht auswertet; sie sind jedoch in erster Linie Beauftragte des Aussenministeriums, das sie ernennt, ihnen Instruktionen gibt und ihre
Berichte bei der Formulierung der Aussenpolitik der Vereinigten Statten
verwendet. In England ist das Verhaeltnis der Sozial-Attaches zur Regierung dehnbarer gestaltet, das Arbeitsministerium steht mit ihnen in
staendiger Verbindung. Sie bekleiden einen diplomatischen Rang, und
ihre Arbeit wird vom Berater fuer Arbeitsfragen im Aussenministerium
(einem frueheren Angestellten des Aussenministeriums) koordiniert. Die
rersoenllchkeit des gegenwaertigen Aussenministers Ernest Bevin, eines
alten Gewerkschaftsfuehrers und ehemaligen Arbeitsministers, ist nicht
nur fuer die Zusammenarbeit der beiden Ministerien verantwortlich, sondern es ist auch seine Aufgabe, zu bestimmen, welches Ministerium den
groesseren Einfluss hat. Die englischen Sozial-Attaches bilden wie
diejenigen der Vereinigten Staaten einen wichtigen Bestandteil der
diplomatischen Maschinerie ihres Landes.
Andere Laender haben diese Frage von einem gaenzlich anderen Gesichtspunkt aus betrachtet. Italien, ein Land der Auswanderung, hat
\
zum Beispiel mehrere Attaches fuer Auswanderung in diplomatische Aemter im Ausland berufen, und zwar in Washington, Rio de Janeiro, Sao
Paulo, Buenos Aires, Paris, Bern und Bruessel. Die italienische Regierung weiss jedoch auch, dass sie gruendliche und neueste Informationen
ueber die Arbeitslage im Ausland benoetigt, und dass Wirtschafts- und
Sozialürobleme bestimmter Laender von besonderen Beobachtern studiert
werden muessen; eigentliche Sozial-Attaches sind deshalb in die italienischen Gesandtschaften in Argentinien, Belgien, Frankreich und England
berufen worden.
Die Schweiz wuenscht ihrerseits, dass ihre Sozial-Attaches die
wichtigsten Fragen der Sozialpolitik und Arbeitsgesetzgebung in den
Laendern, in die sie geschickt sind - Frankreich, England und Vereinigte Staaten - studieren und stellt andererseits an sie die Forderung, '
ueber die Interessen der schweizerischen Staatsangehoerigen, die in
diesen Laendern arbeiten, zu wachen und beim Abschluss von Aus- und
Einwanderungsvertraegen sowie bei Abkommen ueber den Austausch von
Experten mitzuwirken.
D?ese Aufgaben gehoeren ebenfalls zu den Funktionen der franzoesischen Sozial-Attachds. Sie werden vom Arbeitsminister auf Grund entsprechender Vereinbarungen mit dem Aussenminister ernannt, sie sind dem
- 12 -

�Arbeitsministerium unterstellt, sie stehen in direkter Korrespondenz
mit ihm und werden im Namen dieses Ministeriums beauftragt, dem Leiter der diplomatischen Mission, unter dessen Autoritaet sie stehen,
eine Kopie dieser Korrespondenz auszuhaendisen. Die franzoesische Regierung misst jedoch ebenso wie die Regierungen Englands und der
Vereinigten Staaten den allgemeinen Informationen grosse Bedeutung zu,
die sie unter Umstaenden von ihren Sozial-Attaches erhalten kann.
Dieses Interesse spiegelt sich deutlich in der Tatsache wieder, dass,
wie bereits erwaehnt, franzoesische Sozial-Attaches in England, den
Vereinigten Staaten und der Sowjet-Union stationiert sind.
Aegyptische Sozial-Attaches sind fuer Washington, Paris und London ernannt, sie werden wie die franzoesisehen Attaches vom Ministor .fuer
Sozialangelegenheiten ernannt.
Dies sind die wesentlichen Grundzuege der neuen Einrichtung der
Sozial-Attachee. Die Umstaende, unter denen sie entstanden ist und
die Art und Weise, wie sie arbeitet, variieren von Land zu Land je
nach den nationalen Traditionen und Gepflogenheiten. Es bestehen jedoch weniger Unterschiede als Aehnlichkeiten, die aeusserst zahlreich
sind. Der Grund hierfeur liegt zweifellos darin, dass diese Einrichtung einer in unserem Zeitalter tief verwurzelten Notwendigkeit entsprungen ist, das von vielen als das Jahrhundert des "Mannes auf der
Strasse" bezeichnet wurde und das selbst den neuesten Anforderungen
der modernen Diplomatie gerecht wird, die die sozialen Probleme und die
Bestrebungen der Massen nicht uebersehen darf. Die Sozial-Attaches
koennen durch die Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen der verschiedenen Laender in der Frage der Sozialpolitik die internationalen
Institutionen in der Tat nur unterstuetzen und die Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation ausserordentlich ergaenzen und erleichtern.
International Labor Review
X/48
IAA-VORSCHLAEGE ZUR STEIGERUNG DER WELT^RODUKTIVITAET
Die erste offizielle, internationale Weltdebatte ueber die Steigerung der Produktionsleistung hat im Palais der Nationen in Genf begonnen.
Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und Regierungen fast aller
60 Mitgliedstaaten des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) nehmen an
diesen Besprechungen teil, die voraussichtlich mehrere Wochen dauern
werden.
Technisch gesehen, liegt den Besprechungen der Delegierten der
Jahresbericht des Generaldirektors David A. Morse zugrunde. Morse hat
die Bedeutung einer gesteigerten Produktionsleistung hervorgehoben und
zwar nicht nur in den wirtschaftlich unterentwickelten, sondern auch
in den industriell fortgeschrittenen Gebieten der Welt.
Morse fuehrte in seinem Bericht zu der wirtschaftlichen Entwicklung waehrend des vergangenen Jahres folgendes aus:
"Das Anwachsen der Ueberschuesse an landwirtschaftlichen Erzeugnissen in einigen Laendern und der grosse Ringel an Nahrungsmitteln in
anderen sind ein Problem, das auf internationaler Basis energisch in
Angriff genommen werden muss; eine Loesung waeren zum Beispiel interlationale Abkommen zum Austausch lebensnotwendiger Gueter, um Angebot
und Nachfrage ausgleichen und die Preise auf angemessener Ebene stabilisieren zu koennen.
- 13 -

�"Seit dem Kriege hat es noch keine Massenarbeitslosigkeit auf
Grund eines allgemeinen Rueckgangs in allen wesentlichen Sektoren der
Nachfrage segeben, wie es in den dreissiger Jahren der Fall war. Sollte diese Struktur der Arbeitslosigkeit wieder auftreten, dann wird man
besser als damals die Gruende dafuer kennen, ^ine Regierung darf keine
Massenarbeitslosigkeit zulassen, die auf eine langandauernden Mangel
an Nachfrage zurueckzufuehren ist.
'•Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob der normale internationale
Handel ausreichen wird, die Luecken. zu schliessen, die sich nach Ablauf der finanziellen Hilfsprogramme der Vereinigten Staaten, vor allem des Europaeischen Hilfsprogramms, ergeben werden.
"Waehrend der Binnenhandel Lateinamerikas seit Kriegsende im Vergleich zu den Vorkriegs jähren sich erweitern konnte, ist er in Asien
und Europa waehrend der gleichen Zeit erheblich zurueckgegangen. Diese
beiden Kontinente sind dabei mehr und mehr auf Importe aus Laendern mit
harter Waehrune angewiesen. Diesen Binnenhandel wiederzubeleben, ist
eine Grundvoraussetzung fuer die Reduzierung des Dollardefizits in diesen Laendern. ,
"In Asien und dem Fernen Osten ist die Ausdehnung des Binnenhandels ebenso drängend erforderlich. Im Jahre 1938 war %T mit 46 % am gesamten Import und mit 43% am Export dieser Gebiete beteiligt. Seit dem
Kriege ist der Binnenhandel im wesentlichen aus folgenden zwei Gruenden
zurueckgegangen:
"Japan faellt als wichtigster Kaeufer und Verkaeufer dieses Gebietes aus. Die Reisexporte Suedostasiens nach anderen asiatischen Laendern, die keine Nahrungsmitteldefizite haben, wurden reduziert. Im
Jahre 1948 betrug das Volumen des Handels zwischen Japan und den anderen Laendern des asiatischen Gebiets wenig mehr als ein Zehntel des
Handels im Jahre 1934.
"Gemeinsame internationale Massnahmen werden notwendig sein, um
erstens den Welthandel zu foerdern, der es den rueckstaendigen Gebieten
ermoeglichen wird, mehr zu exportieren und Kapital zu erwerben; und um
zweitens die technischen Erfahrungen und Errungenschaften allen Laendern
zur Bekaempfung von Krankheiten und zur Steigerung ihrer Produktivitaet
zur Verfuegung zu stellen."
Auf die Frage der Produktionsleistung eingehend, erklaerte Morse:
n

In neuerer Zeit macht sich seitens der Gewerkschaften die Tendenz
bemerkbar, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung im
Interesse der Wirtschaft und im Interesse der Arbeiter selbst groessere
Bedeutung beizumessen.
"Hand in Hand hiermit geht die Tendenz einer staendig wachsenden
Anzahl Laender, den Arbeitern Sicherheitsgarantien zu geben und den Gewerkschaften das Recht zuzusprechen, in der Handhabung der Massnahmen
zur Steigerung der Produktionsleistung mitzuwirken.
?t

In diesem Zusammenhang ist in einer Reihe Laender eine Entwicklung
hoechster Bedeutsamkeit festzustellen. Obwohl man nicht behausten kann,
dass die tiefverwurzelte Befuerchtung vieler Arbeiter, ihren eigenen
Arbeitsplatz oder den ihrer Kollegen aufs Spiel zu setzen, ueberwunden
waere, so bestehen doch Anzeichen dafuer, dass die Haltung der vorsichtigen Reserve, die die Gewerkschaften in der Vergangenheit gegenueber
den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung bezogen haben,
einer neuen Einstellung der positiven Unterstuetzung und der Mitarbeit
in solchen Lagen Raum gibt, vorausgesetzt, dass ausreichende Sicherheitsgarantien fuer den Arbeiter gegeben sind."
ILO New Service VI/50
- 14 -

�IAA IM KAMPF GEGtiN DIE ARBEITSLOSIGKEIT
Im vierten Jahresbericht des Internationalen Arbeitsamtes an die
Vereinten Nationen wird hervorgehoben, dass da« Internationale ArbeitsAmt die Massnahmen zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit als ein Problem
von entscheidender Bedeutung ansieht.
Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen wird sich
waehrend seiner Konferenz in Genf im Juli mit diesem Bericht eingehend
beschaeftigen.
Weil die Frage der Arbeitslosigkeit "das Leben derjenigen unmittelbar beruehrt, in deren Interesse das Internationale Arbeits-Amt ins
Leben gerufen wurde", wird in diesem Bericht ein besonderer Abschnitt
der Untersuchung jener Massnahmen gewidmet, die das Internationale
Arbeits-Amt dreissig Jahre lang zur Loesung des Problems der Vollbeschaeftigung famuliert und vorgeschlagen hat.
Auf diesem Gebiet, heisst es in diesem Bericht, hat das Internationale Arbeits-Amt bereits hervorragendes geleistet. Diese Organisation hat noch vor kurzem ein Programm zum Einsatz unbeschaeftigter Arbeitskraefte eingeleitet, dessen unmittelbarer Zweck die Aufrechterhaltung der Vollbesohaeftigung ist. In der Frage der Unterbringung dieser Arbeitskraefte ging die Politik des Internationalen Arbeits-Amtes
dahin, "durch den Austausch von Meinungen und technischen Erfahrungen
in dieser Frage den Regierungen sowie den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen die groes^ten Dienste zu leisten."
Neben den Ausfuehrungen ueber die Taetigkeit des IAA auf dem Gebiet des Einsatzes der Arbeitskraefte und ihrer Beschaeftlgung wird in
dem Bericht vor allem die Arbeit im Bereich der Sozialversicherung und
der Koalitionsfreiheit hervorgehoben. Ein umfassender Rueckblick wird
auch auf andere Arbeitsbereiche der vergangenen Jahre geworfen, fuer
die das Internationale Arbeits-Amt mitverantwortlich ist.
ILO Labor News VI/50
DAS VERMOEGEN DER GEWERKSCHAFT DER DAMEN OBERBEKLEIDUNGSARBEITER (AFL)
Auf der Goldenen Jubilaeumskonvention der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft (AFL) unterbreitete der Praesident
David Dubinsky den Delegierten den Finanzbericht, aus dem sich ein Vermoegen an Kapitalien und Reservefonds in Hoehe von 110 Millionen Dollar
ergibt.
Diese Zahlen stehen in krassem Gegensatz zu den Verhaeltnissen,
die vor zwei Jihrzehnten herrschten, als die Gewerkschaft praktisch vor
dem Bankrott stand.
Der obengenannte Betrag setzt sich dem Bericht zufolge in grossen
Zuegen wie folgt zusammen: Allgemeiner Verwaltungsfonds 13,2 Millionen,
Gesundheits- und Wohlfahrtsfonds 44,8 Millionen, Pensionsfonds 27 Millionen und Kapitalien lokaler und vereinigter Gewerkschaftsvorstaende 19,4
Millionen Dollar. Die groessten Ausgabeposten der Gewerkschaften im
vergangenen Jahre waren 3,7 Millionen Dollar fuer Organisationsarbeit
und 3,9 Millionen fuer die Verwaltung.
Auf der Konvention wurde angekuendigt, dass die Gewerkschaft beabsichtigt, einen "Kampffonds" in Hoehe von mindestens 500.000 Dollar aufzustellen, der fuer die politische Agitation anlaesslich diesjaehriger
Wahlen verwendet werden soll.
Weekly Labor News Digest V/31/50
- 15 -

�•.7EITEKE VERLUSTE DES WELTGEWERKSCHAFTSBUNDES
Die Gewerkschaftsverbaende Israels, Jugoslawiens und Australiens
haben beschlossen, aus dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund- auszutreten. Die beiden erstgenannten Laender-Organisationen
lehnten die Mitgliedschaft in der "Konkurrenzorganisation,w dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, ab, waehrend sich der Gewerkschaf tsvorstand der australischen Organisation zu dieser Frage noch
nicht geaeussert hat.
Weekly Labor News Digest V/50/17
ORGANISATICNSERFOLGE DER TEXTILARBEITERGEWERKSCHAFT
"Die .Textilarbeitergewerkschaft der AFL (United Textile Workers)
hat es trotz des Taft-Hartley Gesetzes und anderer Schwierigkeiten
fertiggebracht, im Sueden wesentliche Organisationserfolge zu erringen," erklaerte Joseph Jacobs, der Organisationsleiter der Gewerkschaft. Die Suedstaaten wuerden in diesem Jahre dreimal soviel Delegierte zu.der Jahreskonvention der Textilarbeitergewerksohaft entsenden wie im Jahre 1941.
Weekly Labor Newa Digest V/50/17
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HICCG R-U72 I I B J u l j 50 U C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 17

Prankfurt. 30. Juni 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Kampf gegen Betriebsunfaelle - - - - - - - 1
Die Genfer Konferenz des Internationalen
Arbeitsamtes - — - - - - - - - - - - - - 2
Produktivitaetssteigerung in englischen
Betrieben - - - - - - - - - - - - - - - - 3
IAA s t e l l t Verbesserung der Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern f e s t 8
Der Vertrag der Automobilarbeitergewerkschaft
mit den General Motors-Werken - - - - - - 9
Rutgers I n s t i t u t f e i e r t 30-jaehriges Bestehen 13
Wie eine Gewerkschaft zu einer Eisenbahn auf
Puerto Rico kam- - - - - - - - - - - - - - - 1 4
Keine geheimen Streikbefehle im Bergarbeiterstreik
16
KAMPF GEGEN BETRIEBSUNFAELLE
US-Arbeitsminister Tobin erklaerte auf der Konferenz fuer
i n d u s t r i e l l e Sicherheit, dass die Gewerkschaftsbewegung entscheidenden Anteil an den Erfolgen haette, die die Senkung der Zahl
der Betriebsunfaelle erreicht hat. (Im Jahre 1948 waren diese
bis auf zwei Millionen angestiegen). An dieser Konferenz nahmen
mehr a l s 150 Gewerkschaftsvertreter der AFL und des CIO, Vertreter der Unternehmer sowie Sicherheitstechniker und Sachverstaendige der Regierung t e i l «
"Die organisierte Arbeiterschaft kann mit Stolz auf ihren
langen Kampf fuer groessere Sicherheit und fuer wirksame Gesetze
zum Schutze der Gesundheit zurueckblicken," sagte Tobin. Er erinnerte an die bahnbrechenden Bemuehungen von "Leuten wie William
Green von der AFL, der in Ohio einen der ersten Siege in dem
Kampf der Gewerkschaften fuer ein besseres Los der Arbeiter
errang," und an Philip Murray, "unter dessen Fuehrung es dem CLO
gelang, groessere Sicherheiten a l s bisher fuer die Arbeiter zu
erwirken."
Zuvor hatte Praesident Truman auf der Konferenz erklaert, die
Zahl der Betriebsunfaelle muesse bis zum Jahre 1953 um 50g reduz i e r t werden. Er hatte darauf hingewiesen, dass die Zahl saemtl i c h e r Betriebsunfaelle 1949 um 1% gesunken s e i , a l l e i n in den
Fertigungsbetrieben betraegt der Rueckgang sogar 19g.
Daily News Service
Labor Press Association
VI/7/50
- 1 -

�DIE GENFER KONFERENZ DE3 INTERNATIONALEN ARBEITSAMTES
Als die 33. Generalkonferenz des IAA im Palais der
Nationen in Genf eroeffnet wurde, waren Vertreter der Arbeiterschaft, der Unternehmer und der Regierungen flast aller 60 Mitgliedstaaten der Internationalen Arbeitsorganisation anwesend.
Obwohl die Delegierten nicht die Absicht hatten, irgendwelche neuen Arbeitskonventionen den Regierungen der Mitgliedstaaten in diesem Jahre zu unterbreiten, ergab sich doch durch
die umfassende Tagesordnung eine Diskussion ueber die Massnahmen
zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit und ueber geeignete Mittel
und Wege zur Steigerung der Produktionsleistung.
Im Verlauf der Sitzungen, die Anfang Juli beendet sein
werden, befassen sich verschiedene Fachausschuesse mit den vom
IAA durchgefuehrten Studien, die folgende Themen zum Gegenstand
haben: Tarifvertraege zur Regelung der Loehne und Arbeltsbedingungen, Schiedssprechung und Schlichtung, Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften, Unternehmern und Regierung, gleicher
Lohn fuer Maenner und Frauen bei gleicher Leistung und Festsetzung von Mindestloehnen fuer die Landwirtschaft.
Trotz der Tatsache, dass in den diesjaehrigen Sitzungen
keine neuen Konventionen bearbeitet werden sollen, ist vorgeschlagen worden, eine "Offizielle Empfehlung* zur Berufsausbildung Erwachsener und Koerperbehinderter zu bewilligen. Derartige Empfehlungen beduerfen nicht der Ratifizierung durch die
Mitgliedstaaten, es wird jedoch von den einzelnen Regierungen
erwartet, dass sie ihnen durch Akte der Gesetzgebung oder durch
andere Massnahmen ^echtsgueltigkeit verleihen.
Die Wirtschaftsexperten des Internationalen Arbeitsamtes,
die den Bericht ueber geeignete Massnahmen zur Bekaempfung der
Arbeitslosigkeit ausgearbeitet haben, machten die Delegierten
warnend auf bestimmte Anzeichen aufmerksam, die zweifellos auf
eine zu erwartende Zunahme der Arbeitslosigkeit hindeuten.
Die Experten erklaerten jedoch in ihrem Bericht an die
Konferenz, dass eine Krise durch sofortige und angemessene
internationale und einzelstaatliche Massnahmen vermieden werden
koennte. In dem Bericht heisst es woertlich:
"Die Erkenntnis, dass Arbeitslosigkeit und Unterbeschaef- tigung soziale Uebel sind, die behoben werden koennen, stellt
einen Meilenstein auf dem Wege zu modernem Denken dar. Das
passive Sichabfinden mit der Unvermeidbarkeit von Arbeitslosigkeit und Armut hat damit ein Ende gefunden."
Die Wirtschaftsexperten des IAA stellten dabei die Tatsache
.eraus, dass die grossen Aufwendungen der Regierungen und Privatunternehmer in bestimmten Laendern, die der Erneuerung der waehrend des Krieges abgenutzten und zerstoerten Einrichtungen dienen
sollen, in dem Grade zurueckgehen, in dem die Nachfrage nach
diesen Guetern abnimmt. Vor einer solchen Wirtschaftspolitik
muesse gewarnt werden.
Die Experten stellten weiter fest, dass einige Industriestaaten bis Jetzt noch keine Arbeitslosenversicherungssysteme
haben, in anderen gibt es fuer landwirtschaftliche Arbeiter und
einige /ngestelltengruppen keine besonderen Schutzmassnahmen gegen
Erwerbslos igke it.

- 2 -

�Ausserdem unterstrichen sie die Bedeutung eines gut eingespielten Verwaltungsapparates, der vernuenftige Vorschlaege
zur Beschaeftigungspolitik ausarbeiten und sofort die Voraussetzungen fuer deren Durchfuehrung schaffen soll.
Die Wirtsc haßt sexrierten des IAA einigten sich auf folgende
Vorschlaege:
"Bis jetzt waren die Einlagerungsprogramme der Regierungen
in erster Linie auf lebenswichtige Gueter beschraenkt. Diese
Ausgleichsmethode muesste Jedoch auch auf Industrieprodukte
ausgedehnt werden, um einer Arbeitslosigkeit vorzubeugen, die
dann eintreten wird, wenn die Nachfrage der Hersteller und
Grosshaendler nach Maschinen und Einrichtungsgegenstaenden
nachlaesst."
Der Vorschlag der Experten enthaelt ausserdem folgende
Forderungen:
1 -

"Der Welthandel muss nicht nur stabilisiert, sondern auch
ausgedehnt werden.

2 -

Es muessen internationale Vereinbarungen getroffen werden,
um sicherzustellen, dass die Waehrungen der wichtigsten
Staaten auf stabiler Grundlage zur Verfuegung stehen,
gleichgueltig, ob diese Laender ihren ueblichen Bedarf
an Importen gedeckt haben oder nicht.

3 - Grundbedingung zur Stabilisierung des Massenbedarfs der
Welt ist die Errichtung internationaler Systeme zur
Stabilisierung der Preise fuer die lebensnotwendigsten
Gueter der Welt.
Die Wirtschaftsexperten erklaerten ferner: "Wenn die
Loesung des Arbeitslosenproblems in den rueckstaendigen Gebieten
auf internationaler Basis unterstuetzt werden soll, muessen
diesen Gebieten zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung von den
industriell gut entwickelten Laendern langfristige Kredite zur
Verfuegung gestellt werden.
"Den industriell fortgeschrittenen Laendern bietet sich
ausserdem eine Moeglichkeit der Unterstuetzung darin, dass
sie den wirtschaftlich rueckstaendigen Gebieten ihr technisches
Wissen und ihre Erfahrungen zur Verfuegung stellen. Die internationale Taetigkeit auf diesem aeusserst wichtigen Gebiet
nimmt allmaehlich konkrete Formen an, wie das Punkt-Vier-Programm
des Praesldenten Truman und das erweiterte Programm der Vereinigten Staaten zur technischen Unterstuetzung wirtschaftlich
unterentwickelter Laender beweist.
"Eine dritte Moeglichkeit liegt auf dem Gebiet der Foerderung internationaler Aus- und Einwanderung."
ILO News Service
VI/50
PRODUKT IVITAETSSTEIGERUNG IN ENGLISCHEN BETRIEBEN
Dieser Bericht entstammt dem In London erscheinenden "Target", dessen Aufgabe die Steigerung
der Produktivitaet in der britischen Industrie
ist. Dieses Ziel wird in gemeinsamem Zusaramen- 3 -

�wirken der Unternehmer und der Gewerkschaften
erstrebt, da beide der Meinung sind, dass nur
durch eine sehr erhebliche Steigerung der Leistung es Grossbritannien fuer die Dauer moeglich
sein wird, seinen frueheren Platz im Export wiederzugewinnen*
Dem gleichen Ziele dienen auch Studienreisen
fuehrender britischer Industrieller und Gewerkschafter in Spitzenbetriebe der US-Industrie.
Den Besuchern wird hier in aller Offenheit gezeigt,
wie die Produktivitaet auf ein Hoechstmass gesteigert werden konnte. Die auslaendischen Besucher
sind insbesondere ueberrascht ueber das Arbeitstempo, das in den Vereinigten Staaten erreicht
wird und das sich ausserordentlich von dem in
Grossbritannien ueblichen Tempo abhebt. Aber
es wurde immer wieder seitens der amerikanischen
Arbeiter darauf hingewiesen, dass sie dieses Arbeitstempo keineswegs als ueberhoeht ansaehen,
sondern durchaus fuer die gestellten Anforderungen
zu haben seien, zumal wenn in der Lohnfrage entsprechende Konzessionen gemacht wurden.
Bei einem Vergleich der britischen Loehne mit den
amerikanischen und der Produktion selbst ergibt sich
immer wieder, dass es fuer Unternehmerund Arbeiter
zweckmaessiger ist, ein hoeheres Arbeitstempo
in England einzufuehren. Dieser Bericht beschreibt
zwei Faelle, wo es allein durch organisatorische
Massnahmen gelungen ist, eine wesentliche Steigerung
der Produktivitaet zu erreichen.
In den Leyland Motorenwerken wird durch die Einfuehrung
neuer Produktionsmethoden, deren Erprobung fast beendet ist,
die Produktion schaetzungsweise um ein Drittel erhoeht werden
koennen.
Zu den wichtigsten Neuerungen, die vorgenommen wurden, gehoert die Neugliederung der Fabrikanlagen, die die Fliessbandarbeit ueberall da ermoeglicht, wo sie durchfuehrbar ist« Ausserdem wendet man jetzt ein sogenanntes "Gruppensystem" der Bezahlung an, dem man die Produktionsleistung groesserer Produktionsgruppen innerhalb der Belegschaft von 10,000 Arbeitern zugrundelegt.
Es ist in den Leyland Werken Tradition geworden, dass man
unentwegt darum bemueht ist, bessere Arbeitsmethoden zu ermitteln.
Man ist sich darueber klar, dass das Herumliegen von Material
in den Werkstaetten bedeutet, dass jemand bezahlt werden muss,
der es aufnimmt; es ist deshalb besser, das Material, wenn nur
irgend moeglich, in Bewegung zu halten. Die Auswertung allein
dieser einfachen Erkenntnisse hat bereits zu leistungsfähigeren
Maschinenwerkstaetten gefuehrt, die, Sachverstaendigen zufolge,
in der Welt ohne Konkurrenz dastehen.
Waehrend des Krieges mussten sich die Leylandwerke im grossen
ganzen auf die Herstellung von Panzern, Flugzeugteilen, Bomben
und aehnlicher Kriegsmaterialien konzentrieren. Im Jahre 1945
stellten sich die Werke auf die Produktion von Kraftfahrzeugen
um, und es gelang ihnen innerhalb von 12 Monaten, die ungeheuren
Schwierigkeiten einer solchen Umstellung zu ueberwinden und einen
- 4 -

�gaenzlich neukonstruierten Nachkriegslastkraftwagen in Serien
fuer den Verkauf im eigenen Lande und in einer besonderen Serie
fuer den Export zu produzieren.
Ein anderes sichtbares Ergebnis der seit 1946 geleisteten
Arbeit ist die Erhoehung der durchschnittlichen Wochenloehne
Jedes Arbeitnehmers bis zu etwa 22#. Die Preise fuer die LeylandFahrzeuge sind dagegen seit April 1947 unveraendert geblieben.
All dies ist das Ergebnis jener unentwegten Bemuehungen,
den bestmoeglichen Gebrauch von Arbeitszeit, Material und Arbeitskraft durch eine weitgehende Mechanisierung des Produktionsvorgangs zu garantieren und gleichzeitig durch die Anwendung des
Leistungsprinzips die guenstigste Arbeitsleistung fuer die Arbeitskraefte zu ermitteln.
Oberster Grundsatz bei der Verbesserung der Produktionsmethoden ist die Elnfuehrung des Fliessbandsystems ueberall dort,
wo dies moeglich ist, und die gleichseitige Beseitigung veralteter
Methoden der Serienproduktion. Die Neuordnung der Betriebsanlagen
und die Gruppierung der Maschinen zu Fliessbandsystemen ermoeglichten eine Reduzierung der Einrichtungen und damit die Einsparung betraechtlicher Kapitalsummen. Dieses Kapital ist in
erster Linie zur Planung und Neueinrichtung verwendet worden.
Nach dem Kriege wurden jaehrlich etwa 150.000 DolJar fuer die
Neueinrichtung der heute wirklich modernen Leyland-Betriebe aufgewendet •
Motoren, Transmissionen, Achsen, Karosserien, Steuerungen
und andere Teile werden jetzt in Fliessbandfertigung hergestellt.
Maschinen und Foerderbaender sind so angeordnet, dass die Werkstuecke von einem Arbeitsplatz zum andern rollen. Alles Moegliche wird getan, um das Aufnehmen von Werkstuecken und jede
sonstige unnoetlg ermuedende Taetigkeit auf ein Mindestmass zu
reduzieren.
Der verminderte Materialaufwand und die zweckmaessige Platzierung der Arbeitskraefte haben natuerlich ebenfalls zu Einsparungen
gefuehrt. Ein Maschinenmeister kann jetzt zwei, drei und moeglicherweise auch vier Maschinen ueberwachen, unter dem alten
System war dies gaenzlich unmoeglich. Als logische Folge dieser
Umstellung ist der individuelle Akkordlohn durch ein Gruppenbonussystem ersetzt worden. Das bedeutet gesteigerte Einkuenfte und
zugleich hoehere Produktion. Die Betriebsleitung ist der Auffassung, dass die Arbeitsleistung des einzelnen zwar wichtig ist,
das Hauptaugenmerk muss jedoch darauf gerichtet werden, die Arbeitskapazitaet einer Gruppe einzelner Kraefte, die Fertigwaren produzieren, aufeinander abzustimmen und dadurch einen Ausgleich zu
erreichen.
Andrew J. Charnock, der Hauptbetriebsleiter der Leyland-Werke,
ist der Meinung, dass dieses Gruppenbonussystem zu einem staerkeren
Gemeinschaftsbewusstsein der Arbeiter und damit zu dem Bestreben
fuehren kann, stets als geschlossenes Team zu arbeiten. Ausserdem
werden dadurch kleine Unzulaenglichkeiten der Faehigkeiten des
einzelnen wie auch Maengel des fachmaennischen Koennens ausgeglichen, weil ein Arbeiter den andern unterstuetzen muss.
Als weiteres positives Ergebnis der Leistungssteigerung
der Lancashire-Werkstaetten dieses Unternehmens ist die vor kurzem
durchgefuehrte Interessenausdehnung in Uebersee und die Geschaeftserweiterung auf eine Reihe ausgesprochener Dollarmaerkte anzusehen.
- 5 -

�In den Leyland-Werken ist man der Auffassung, dass kuehne
und zielbewusste Methoden zur Loesung der Produktionsprobleme
notwendig sind, um der Weltkonkurrenz begegnen zu koennen; das
es ausserdem besser ist, "Wunder* stattfinden zu lassen, als auf
sie zu hoffen.
Ein weiterer Beweis fuer das Streben nach hoeherer Produktionsleistung ist ddr Bericht amerikanischer Experten ueber die
Rylands-Werke in Warrington (Lancashire). In diesen Werken
werden ausschliesslich Naegel hergestellt.
Auf Grund einer voelligen NeuOrganisierung ihres Produktionssystems konnte diese Firma bei gleichzeitiger proportionaler
Senkung der Gestehungskosten die Produktionsleistung um 100g
steigern. Die Durchschnittsloehne fuer Maschinenarbeiter haben
sich seit 1939 pralctisch verdoppelt. Das ist umso bemerkenswerter,
als diese Erfolge nicht durch Neuausruestung, sondern lediglich
durch eine gaenzlich neue Anordnung sowie eine zweckmaessige
Normierung und die Ausschaltung unnoetiger Materialbewegungen
erzielt wurden.
Vom Rohdraht des Rohmaterials bis zum Verpacken und Versand
der fertigen Naegel ist der Herstellungsprozess durch ein System
elektrotechnischer und mechanischer Kontrollgeraete so verbessert
worden, dass diese Fabrik, die die groesste dieser Art in Europa
iat, die gebraeuchlichen Naegel wahrscheinlich billiger als
irgendein anderes Unternehmen in der Welt herstellen kann.
Plaene fuer die neue Fahrik, die bereits vor zehn Jahren
entworfen wurden, mussten wegen des Krieges bis zum Jahre 1948
zurueckgestellt werden. Dann konzentrierte sich die Betriebsleitung jedoch sofort auf die Neubildung der Werksgruppierung
und der inneren Organisation zur Erzielung einer optimalen Leistungsfaehigkeit.
Da es unmoeglich war, mehr als eine sehr begrenzte Anzahl
neuer Maschinen zu erhalten, wurde die Umgruppierung mit den noch
vorhandenen Maschinen durchgefuehrt, die zum Teil sehr alt waren;
es wurden jedoch Vorkehrungen getroffen, um diese alten Maschinen
reibung=Los durch neue ersetzen zu koennen, sobald diese verfuegbar
wurden.
Als erstes wurde die "Eselsarbeit", die eine Inflation der
Arbeits kr aefte zur Folge hat, durch die Einfuehrung mechanischer
Transportmittel in allen Stadien des Produktionsprozesses beseitigt.
Dies bedeutet nicht nur, dass Arbeitskraefte eingespart wurden
und ermuedende Taetigkeiten wegfielen, sondern auch, dass die
Werkstuecke mit den geeignetsten Transportmitteln befoerdert wurden
und unproduktive Taetigkeitn, die bei dem alten System notwendig
waren, wegfallen konnten. Das Gewicht der Drahtrollen, die die
Maschinen verarbeiteten, wurde erhoeht,IJ^einen laengeren, ununterbrochenen ProduktIonsprozess zu ermoeglichen. Das Ergebnis waren
Zeit- und Arbeitsersparnisse sowie erhoehte Produktion.
Die Maschinen, die die Naegel herstellen, sind je nach ihrer
Type geordnet und in Reihen aufgestellt. Zwischen Je zwei Reihen
verlaeuft eine Rinne, die mit Stahlgittern bedeckt ist. In dieser
Rinne befinden sich Behaelter mit einem Fassungsvermoegen von
1 Tonne zur Aufnahme der Naegel aus den beiden anliegenden Maschinen.
Eingleisige Kraene befoerdern die Drahtrollen zu den Maschinen und
transportieren die mit Naegeln gefuellten Behaelter ab. Ein
ausgekluegeltes System elektrischer Kontroll- und Signalanlagen
machen Zeit- und Arbeitsverlust nahezu unmoeglich. Jede Maschine
- 6 -

�ist mit einer Kontrolltafel im Buero des Meisters gekoppelt.
Wenn ein Behaelter zwischen zwei Maschinen voll ist, betaetigt
der Maschinenmeister einen Knopf und loest damit eine Reihe
mechanischer Vorgaenge zum Abtransport, Wiegen und Befoerdern
des Behaelters zur Polierwerkstaette und zum Zurueckfuehren des
leeren Behaelters aus. In der Zwischenzeit setzen die Maschinen
Jedoch nicht aus. In Gleitbahnen, die sich zwischen den Maschinen
und den Behaeltern befinden, sammeln sich inzwischen die Naegel
an, bis der Eraatzbehaelter wieder eingetroffen ist. Die Lichtsignale ermoeglichen es dem Werkmeister, den Verlauf der Arbeiten
staendig zu verfolgen und mit einem Blick festzustellen, wann und
wo eine Verzoegerung eintritt.
Die Kontrolle des vollautomatischen Polierprozesses ist noch
weit vollkommener. Die Kontrollstelle ist ein kleiner, gegen
Geraeusche gesicherter Raum durch dessen Fenster der Hauptraum
der Werkstatt staendig beobachtet werden kann. Dem Maschinenmeister ist es moeglich durch die Bedienung dreier Schalter
von beherrschenden Punkten aus sechs Paar Poliertrommeln gleichzeitig zu bedienen, aus denen die Naegel nach einer bestimmten
Zeit in Transportkuebel geschuettet werden.
Die Kontrolle der Arbeits- und Pruefkarten der Behaelter
geschieht durch eine aehnliche Kontrollanlage. Das Verpacken,
das Stapeln und der Versand werden ebenfalls mit gleicher mechanischer Vollkommenheit und Arbeitsersparnis durchgefuehrt.
Der Gesamteindruck des Betriebes ist der einer reibungslosen
und offensichtlich muehelosen Leistungsfaehigkeit. Wo auch immer
Maschinenkraft die Arbeit der Haende und Muskeln des Menschen
uebernehmen kann, hat sie es getan.
In der Nagelfabrik bedienen vier Arbeiter und ein Ersatzmann
je 48 Maschinen, waehrend es unter dem alten System nur zwoelf
waren. Aufgabe des Ersatzmannes ist es, die anderen Werkmeister
zu unterstuetzen und selbst als Meister einzuspringen, wenn dies
erforderlich ist. Alle Arten Maschinen sind aufs sorgfaeltigste
normiert, damit saemtliche Teile ausgewechselt werden koennen.
Regelmaessiges Ueberholen und Reparieren der Maschinen macht
Ausfaelle fast unmoeglich. Wenn dieser Fall jedoch eintritt,
so kann der Schaden auf jeden Fall binnen hoechstens zwei Stunden
behoben werden.
Die 150 Maschinenmeister der Fabrik, die in zwei Schichten
arbeiten, und die Vertreter ihrer Gewerkschaft (Gewerkschaft
allgemeiner und oeffentlicher Betriebe) haben sich begeistert
zu dem neuen Produktionsverfahren bekannt. Was bisher eine
schmutzige und schwere Arbeit war, die viel physische Kraft
erforderte, ist zu einem verhaeltnismaessig sauberen und einfachen Vorgang geworden.
Der tatsaechliche Erfolg der Bemuehungen der Rylands-Werke
kann am besten durch die Gegenüberstellung der Produktionsleistungen in folgender Tabelle veranschaulicht werden:
Durchschnittliche Produktionsleistung je Arbeitskraft u. -stunde
„ .
Steigerung der
Nagelgroesse Nach dem alte]i System Nachdem neuen
Produktionssystem
leistung
»
ll.t06
cwts
*
64.36£
7.244 cwts
6 Zoll
6.294
•
72.06^
3.658 •
4 Zoll
13.000 •
140.00,;
5.412 *
2 Zoll
3.250
•
189.66£
1.122 "
1 Zoll
1 cwts • 45 kg)

H

- 7 -

�Die Produktionsleistung im gesagten Betrieb, einschliesslich
des gesamten Personals, konnte pro Mann und Arbeitsstunde um 68#
gesteigert werden!

"Target*
V/50

IAA STELLT VERBESSERUNG DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN ARBEITGEBERN
UND ARBEITNEHMERN FEST
Das IAA veroeffentlichte in Genf einen Bericht ueber wechselseitige Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen, in dem eine Verbesserung dieser Beziehungen auf betrieblicher Ebene und eine
zunehmende Verankerung der Schllchtungs- und der Schiedssprechungsmethoden festgestellt wird.
Dieser Bericht enthaelt Vorschlaege zu fuenf neuen, internationalen Abkommen, die ljTarifvertraege zur Regelung der
Loehne und Arbeitsbedingungen, 2.) Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf betrieblicher Ebene, 3.) freiwillige
Schlichtung und Schiedssprechung, 4.) Zusammenarbeit zwischen
staatlichen Behoerden und Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen
und 5.) eine aehnliche Zusammenarbeit auf einzelstaatlicher Basis
zum Gegenstand haben.
Diese Abkommen sollen in Form offizieller Empfehlungen des
IAA und nicht als internationale Konventionen betrachtet werden,
da diese von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden muessen.
Ueber die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sagt der Bericht:
••In einer betraechtlichen Anzahl Laender wurden seit dem
Kriege bei dem Aufbau der Zusammenarbeitsmassnahmen innerhalb
der Betriebe beachtliche Fortschritte erzielt."
Eine Umfrage bei Betrieben in den Vereinigten Staaten hat
ergeben, dass von 263 Unternehmen, die den Fragebogen beantworteten, in 226 die Zusammenarbeit in irgendeiner Form bereits seit
mehreren Jahren besteht. Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern ist somit weiter verbreitet als allgemein angenommen wird. In Kanada gab es am 31. Maerz 1949 615 Ausschuesse,
die die Interessen von 275.000 Arbeitern vertraten. Der Bericht
faehrt fort:
"In neuerer Zeit macht sich seitens der Gewerkschaften die
Tendenz bemerkbar, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung im Interesse der Wirtschaft und im Interesse der Arbeiter
selbst groessere Bedeutung beizumessen.
"Auch die Arbeitgeberorganisationen sind in zahlreichen Laendern bestrebt, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung und der Notwendigkeit, Bestimmungen zur Sicherung der Arbeiterinteressen zu erlassen, groessere Aufmerksamkeit zu schenken.
Es kann gesagt werden, dass viele Hindernisse, die sich den gemeinsamen Bemuehungen zur Steigerung der Produktionsleistung in
den Weg stellten, bereits ueberwunden sind oder noch ueb«rwunden
werden koennen."

- 8 -

�I

In wenigstens 48 Laendern sieht die Gesetzgebung Tarifvertraege in der einen oder anderen Form vor, zum Teil bestehen
sie bereits auf Grund besonderer Vereinbarungen.
In dem Bericht heisst es weiter:
"Die Methode, Arbeits- und Einstellungsbedingungen in
Tarifvertraegen festzulegen, setzt sich mehr und mehr durch.
Nach den Worten des Praesidenten der Vereinigten Staaten muss
das freie Tarifverhandlungswesen geschuetzt und gefoerdert
werden. Das Recht zum Abschluss von Kollektiwertraegen ist
nicht nur ein grundlegendes wirtschaftliches Fundament der
Gewerkschaften, es uebt darüberhinaus einen nachdruecklichen
Elnfluss zur Staerkung und Stabilisierung der gesamten Wirtschaft
aus.
"Drei Haupttendenzen haben sich in den letzten Jahren abgezeichnet: 1.) an dem freien Kollektlwertragswesen als Mittel
zur Regelung der Loehne und uebrigen Arbeitsbedingungen festzuhalten, 2.) das gleiche Kollektlwertragswesen durch breit fundierte Lohnabkommen auf einen Bruchteil zu beschraenken oder
3.) das Kollektlwertragswesen als Teil eines allgemeinen staatlichen Systems zur Regelung der Loehne und Arbeitsbedingungen
auszubauen wie es in den P/lanwirt sc haften der Laender Osteuropas
der Fall ist."
Hinsichtlich der Wirksamkeit bestehender Schlichtungs- und
Schiedssprechungsmethoden heisst es in den Bericht:
«Die Tatsache, dass eine kuerzlich durchgeführte Erhebung
zeigt, dass der auf Streiks zurueckzufuehrende gesamte Arbeitszeitverlust in 22 Laendern in einer Periode von 20 Jahren weniger
als zwei Zehntel eines einzigen Prozents der gesamten Arbeitszeit in jenen Laendern betrug, kann als Beweis fuer den Grad
der Wirksamkeit jener Methoden angesehen werden, die in diesen
Laendern zur Verhuetung und Beilegung aller Streitigkeiten zwischen
Industrie und Gewerkschaften angewendet werden."
ILO News Service
VI/50

DER VERTRAG DER AUTOMOBILARBEITERGEWERKSCHAFT MIT DEN
GENERAL MOTORS-WERKEN
Der folgende Bericht ueber diesen Vertrag stammt
nicht aus Veroeffentlichungen der amerikanischen
Gewerkschaften, sondern hier wird woertlich der
Text benutzt, den die Direktion der General MotorsWerke ueber die Ergebnisse der Verhandlungen mit
der Automobilarbeitergewerkschaft veroeffentlicht
hat. Dies erschien deshalb von besonderer Bedeutung, als dieser Bericht fuer die deutsche Oeffentlichkelt objektiver erscheinen duerfte als der von
den Gewerkschaften veroeffentllchte Schlussbericht.
Zwischen den General Motors-Werken und der Automobilarbeitergewerkschaft ist ein Fuenf Jahresvertrag zustandegekommen,
dem man das Lohnanpassungssystem zugrundegelegt hat, auf das
sich beide Partner vor zwei Jahren bereits geeinigt hatten.
- 9 -

�I

Dieses Abkommen erstreckt sich auf Loehne, Pensionen,
Versicherungen und bestimmte Garantien an die Gewerkschaft
und regelt alle wirtschaftlichen und vertraglichen Probleme
bis zum 29. Mal 1955. Es kann vor diesem Datum von keinem
der beiden Partner gekuendigt werden.
"Dieser FuenfJahresvertrag ist beispiellos In der Geschichte
der Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen," erklaerte C. £. Wilson,
der Praesident der General Motors-Werke. "Es ist zu erwarten,
dass er einen stabilisierenden Einfluss nicht nur auf unser eigenes Unternehmen, sondern darueber hinaus auf die Wirtschaft
des ganzen Landes ausueben wird. Wir sind der Auffassung,
dass die Tatsache, die Furcht vor einem Streik fuer fuenf Jahre
gebannt zu haben, einen ungeheuer konstruktiven Erfolg fuer
unsere Arbeitnehmer, unser Geschaeft, unsere Kunden, unsere
Lieferfirmen und somit fuer die Allgemeinheit darstellt. Der
Abschluss des Vertrages duerfte bedeuten, dass alle daran Beteiligten der Zukunft mit groesserem Vertrauen entgegensehen.
"Was wir von dem Vertrag erhoffen, ist, dass alle Arbeitsplaetze bei General Motors gute Arbeitsplaetze sind. Wir wuenschen, dass unsere Arbeitnehmer gern fuer General Motors arbeiten.
Nur so koennen wir auch in Zukunft so erfolgreich wie bisher
arbeiten und (iualitaetserzeugnisse fuer unsere Kunden herstellen."
Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages sind folgende:
(1) Die Lebenshaltungskostenformel wird ohne Aenderung beibehalten. Sie trat in dem 1948 abgeschlossenen Vertrag das erstemal
auf und sieht vor, dass die Loehne viertelJaehrlich ueberprueft
und den Veraenderungen des Verbraucherpreisindex', den das Statistische Buero des US-Arbeitsministeriums feststellt, angeglichen
werden.
(3) Ab 29. Mai 1950 wird dem Grundtarif eine Jaehrliche Aufbesserungspraemie von 4 Cents je Arbeitsstunde hinzugefuegt*
Waehrend der gesamten Vertragsdauer wird dieser Tarif jaehrlich
um vier weitere Cents erhoeht werden. Hierin spiegelt sich die
Erkenntnis der Automobilarbeitergewerkschaft und der General
Motors-Werke wider, dass ein hoeherer Lebensstandard von den
technologischen Fortschritten und der Zusammenarbeit der Arbeitnehmer abhaengt.
(3) Allen Arbeitnehmern, die von diesem Vertrag erfasst werden
und 25 Dienst Jahre hinter sich haben, wird aus einer nicht beitragspflichtigen Pensionskasse eine Mindestpension in Hoehe von
100 Dollar, einschliesslich der Pension der Bundesstaatlichen
Sozialversicherung, gezahlt. Wenn die eingereichten Vorschlaege
zur Erhoehung der Bundesstaatlichen Sozialversicherungs-Unterstuetzungen Gesetz werden, wird die Pension der General MotorsArbeiter sich in der Form erhoehen, dass die Teilpension der
General Motors-Werke die gleiche wie bei dem Monatssatz von
100 Dollar bleibt, auch wenn durch diese Erhoehungen sich Betraege
ergeben, die die Hundert Dollar Summe betraecbtllch ueberschreiten.
Die Werke werden auch weiterhin fuer Jeden pensionsberechtigten
Arbeitnehmer monatlich nicht weniger als 1.50 Dollar an Penslonsbeitraegen zahlen.
(4) Die Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen werden nach
dem neuen Versicherungsprogramm der General Motors verbessert,
ohne dass den Arbeitnehmern zusaetzliche Kosten entstehen.
Ausserdem werden die General Motors-Werke die Haelfte der Kosten
fuer Krankenhausaufenthalte und fuer die aerztliche Behandlung
des Arbeitnehmers und seiner Familie uebernennten.
- 10 -

�(5) Fuer den Schutz der Gewerkschaften tritt eine abgeaenderte
Bestimmung in Kraft, fuer die sich eine grosse Mehrheit der
von der Automobilarbeitergewerkschaft vertretenen Arbeitnehmer
der General Motors-Werke im Februar dieses Jahres ausgesprochen
hat. Nach den Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes hat die
Regierung dieses Abstimmung ueberwacht.
•Die Frage des Schutzes der gewerkschaftlichen Rechte1*,
erklaerte Praesident Wilson, "ist in praktischer und durchfuehrbarer Weise geloest worden. Die Gewerkschaft hat nach dem neuen
Vertrag die Moeglichkeit, ihrer Verantwortung besser gerecht zu
werden. Die zum Ausdruck gebrachten Wuensche der Mehrheit werden
beruecksichtlgt, aber zu gleicher Zeit wird auch der Entscheidung
der Minderheit Rechnung getragen, die aus irgendwelchen Gruenden
nicht Mitglied der Gewerkschaft sein wollen."
Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages enthalten u.a.
folgende Einzelheiten:
Die Loehne werden viertelJaehrlich den Lebenshaltungskosten
angeglichen werden, denen der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bueros des US-Arbeitsministeriums zugrundeliegt. Der
Stichtag-Index vom 15. April, der am 19. Mal veroeffentlicht
wurde, nachte keine Angleichung des gegenwaertigen Lebenshaltungskostenzuschusses erforderlich. Infolgedessen wird der bisherige
Zuschuss von drei Cents Je Stunde In den naechsten drei Monaten
keine Aenderung erfahren. Die naechste Ueberpruefung des Lebenshaltungskostenzuschusses wird unter Zugrundelegung des Verbraucherpreisindexes vom 15. Juli im September erfolgen.
Mit Wirkung vom 29. Mai 1950 wird der Grundtarif in Anbetracht technischer Verbesserungen um eine Jaehrllche Aufbesserungspraemie von vier Cents Je Stunde erhoeht. Fuer die Gesamtdauer
des Vertrages werden dem Tarif Jaehrlich weitere vier Cents Je
Stunde hlnzugefuegt werden. Die Jaehrllche Aufbesserungspraemie
betrug nach dem Vertrag von 1948 drei Cents Je Stunde.
Beide Partner halten weiterhin an dem Grundsatz fest, dass
der technische Fortschritt gefoerdert werden muss, um diese Jaehrllche Aufbesserungspraemie zu ermoegllchen. Der Vertrag enthaelt
folgende Bestimmung zu dieser Frage:
"Die in diesem Vertrag vorgesehene Aufbesserungspraemie zeigt,
dass eine staendlge Verbesserung des Lebensstandards der Arbeltnehmer von dem technischen Fortschritt, von besseren Werkzeugen,
Arbeitsmethoden und Ausruestung sowie von der Zusammenarbeit der
beiden Partner abhaengt. Dieser Methode liegt ausserdem der
Grundsatz zugrunde, dass es ein gesundes wirtschaftliches und
soziales Programm ist, mit dem gleichen Aufwand an Arbeitskraft
mehr als bisher produzieren zu wollen."
Fuer bestimmte Fachberufe sind Lohnangleichungen vorgenommen worden, wodurch die Tarife fuer Werkzeugmacher, Former und
gewisse andere Facharbeitergruppen ausser der Aufbesserungspraemie
noch um fuenf Cents Je Stunde erhoeht werden.
Der neue Vertrag enthaelt ausserdem ein grosszuegig
gestaltetes Programm der Urlaubsbezahlung« Arbeitnehmer mit einem DienstJahr erhalten 40 Stunden, mit drei bis vier Dienst Jahren 60 Stunden,
mit fuenf bis 14 DienstJahren 80 Stunden und mit mehr als 15 DienstJahren 120 Stunden bezahlten Urlaubs.
Alle Arbeitnehmer im pensionsberechtigten Alter, die 25 Dienstjahre erreicht haben, erhalten eine MindestpensIon von monatlich
- 11 -

�100 Dollar, wobei In dieser Summe die Bezuege aus der Bundesstaatlichen Sozialversicherung eingeschlossen sind.
Fuer Arbeitnehmer mit weniger als 25, aber mit mehr als zehn
Dienstjahren betragen die Pensionen einschliesslich der Bezuege
aus der Bundesstaatlichen Sozialversicherung, monatlich mindestens
vier Dollar fuer Jedes zurueckgelegte Dienstjahr.
Bach dem gegenwaertigen oder irgendeinem zukuenftigen
Bundesstaatlichen Sozialversicherungsgesetz wird der Anteil der
General Motors-Werke an allen Pensionen fuer die Dauer dieses
Vertrages mindestens monatlich 1.50 Dollar fuer Jedes Dienstjahr
betragen.
Das normale pensIonsberecht igte Alter ist 65 Jahre. Jeder
Arbeitnehmer kann jedoch auf eigenen Wunsch, vorausgesetzt, dass
er dazu in der Lage ist, bis zum Alter von 63 Jahren weiterarbeiten, mit dem er dann automatisch pensioniert wird. Mit Genehmigung der Gesellschaft kann ein Arbeitnehmer mit ueberdurchschnittllchem fachlichem Koennen und guter Gesundheit auch nach dem
68. Lebensjahre noch weiter taetig bleiben.
Bis zum 1. Januar 1952 sollen, ausser auf eigenen Wunsch des
Arbeitnehmers, keine Pensionierungen erfolgen. Fuer diejenigen,
die nach dem 1. Januar 1950 pensioniert wurden, und denen nach
dem Vertrag die Pensionsberechtigung zuerkannt ist, beginnen die
Pensionszahlungen am 1. Oktober 1950.
Der Pensionsfonds steht unter Treuhaenderschaft und soll
auf 30-jaehriger Basis finanziert werden. Ein gemeinsamer Ausschluss der General Motors-Werke und der Gewerkschaft wird gebildet,
um ueber die Pensionsberechtigung Jedes einzelnen Arbeitnehmers
zu beraten.
Eine andere Bestimmung des Pensionsplanes sieht vor, dass
jeder Arbeitnehmer, der mindestens 15 DienstJahre zurueckgelegt
hat und danach voellig und dauernd arbeitsunfaehig wird, nach
Vollendung seines 50. Lebensjahres eine Invalidenrente von
50 bis 90 Dollar im Monat,je nach der Anzahl seiner Dienstjahre,
bezieht. Diese Invalidenrente steht ihm zu,bis er 65 Jahre alt
ist; von da ab faellt er unter die regulaeren Pensionsbestimmungen.
Unabhaengig von dieser Invalidenrente kann der Arbeitnehmer nach
den Bestimmungen ueber Arbeitsunfaehlgkeit, wie sie der Versicherungsplan der General Motors-Werke enthaelt, eine Unterstuetzung von
der Gesellschaft beziehen.
Die nach dem Gruppenversicherungsplan der General MotorsWerke jetzt gueltlgen Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen
bleiben bei einer Erhoehung der Lebensversicherungssumme um
500 Dollar und der woechentlichen Unterstuetzungen bei Krankheit
und Unfall um 14 Dollar bestehen, ohne dass der Arbeitnehmer
hoehere Praemien fuer diese Versicherungen zu zahlen hat. Nach
dem neuen Vertrag wird sich somit die Lebensversicherungssumme
auf 2.500 bis 5.000 Dollar und die woechentlichen Krankheitsund Unfallunterstuetzungen auf 28 bis 45.50 Dollar bis zu einer
Dauer von 26 Wochen belaufen.
Die General Motors werden nach dem neuen Plan den in Krankenhausbehandlung befindlichen Arbeitnehmern fuer ihre aerztliche
Behandlung einen Hoechstbetrag von 5 Dollar pro Tag gewaehren bis
zu einer Hoechstdauer von 70 Tagen, fuer Krankenhausaufenthalt
gilt
das gleiche.
Die in dem Vertrag von 1948 enthaltene Klausel ueber den
Schutz der gewerkschaftlichen Rechte, in der der Abzug der Gewerk- 12 -

�schmftsbeltraege und sonstiger Abgaben auf freiwilliger Basis
vorgesehen war, wird wie folgt abgeaendert:
1« Allen Arbeitnehmern, die bei Inkrafttreten dieses Vertrages nicht Mitglied der Gewerkschaft sind und keine Beitraege
an die Gewerkschaft entrichten, wird der Beitritt zur Gewerkschaft nicht zur Bedingung ihrer Weiterbeschaeftigung gemacht.
Fuer die Dauer dieses Vertrages sind sie nicht verpflichtet,
Irgendwelche Abgaben oder Beitraege an die Gewerkschaft zu entrichten.
2. Alle Arbeitnehmer, die gegenwaertlg Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO) sind und Beitraege an die Gewerkschaft direkt oder indirekt auf dem Wege des Lohnabzugs zahlen,
sind verpflichtet, ihre Mitgliedschaft in dieser Gewerkschaft
fuer die Dauer des Vertrages insofern aufrechtzuerhalten, als
es sich um die Zahlung von Beitraegen und sonstigen Abgaben
handelt«
3, Nach Inkrafttreten dieses Vertrages muss ein neueingestellter Arbeitnehmer nach einer Probezeit von drei Monaten
der Gewerkschaft beitreten und Beitraege sowie sonstige Abgaben
entrichten. Der Arbeitnehmer ist jedoch berechtigt, binnen nicht
weniger als zehn und nicht mehr als zwanzig Tage vor Ablauf
seines ersten ArbeitsJahres, das mit der Beendigung der Probezeit beginnt, aus der Gewerkschaft auszutreten und die Zahlung
weiterer Beitraege ohne Nachwirkungen auf sein Beschaeftigungsverhaeltnis einzustellen. Wenn er sich emtschliesst, Mitglied
zu bleiben, muss er als Beschaeftigungsbedingung seine Mitgliedschaft durch Entrichtung der Gewerkschaf tsbeltraege und sonstiger
Abgaben bis zum Ablauf dieses Vertrages aufrechterhalten.
Mitteilung der General Motors
Corporation
23A/50
RUTGERS INSTITUT FEIERT 20-JAEHRIGES BESTEHEN
William Green, der Praesldent der AFL, besuchte die Rutgers
Universitaet, um dort anlaesslich des 20. Jahrestages der Gruendung dieses aewerkschaftsInstituts zu sprechen.
Green hatte diese Universitaet bereits vor 20 Jahren
besucht. Damals war er Zeuge eines voellig neuen Experiments,
das darin bestand, dass sich Erzieher und Gewerkschaftler an
den gleichen Tisch setzten, um sich vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus ueber Arbeitslosigkeit zu unterhalten.
Green erklaerte seinen Zuhoerern - Funktionaere des Gewerkschaftsbundes, Erzieher und fuehrende Persoenlichkeiten der Regierung - dass sie damals Geschichte gemacht haetten. Die verflossenen Jahre haetten die Richtigkeit dieses Experiments unter
Beweis gestellt.
Dieser Gewerkschaftsfuehrer, der stets den Ausbau der Arbeiterbildung befuerwortete, war nicht der Einzige, der als
Beobachter an der ersten regulaeren Konferenz amerikanischer
Erzieher und Gewerkschaftler im Juni 1931 teilgenommen hatte.
Selbst aus Michigan waren Vertreter der Universitaeten gekommen,
um zu sehen, ob dieses Projekt durchfuehrbar sei.

- 13 -

�Die massgeblichen Persoenlichkeiten der Universitaet Michigan waren von dem Wert zusammengefasster ArbeitsInformationen
so ueberzeugt, dass bis zum Juni des folgendes Jahres ein aehnllches Institut in Ann Arbor gegruendet wurde. Heute arbeiten
75 Hochschulen und Universitaeten in 40 Staaten der USA nach
dem Vorbild des Rutgers-Institut?.
Noch staerker war jedoch die Gewerkschaftsbewegung von dem
Ergebnis jener Konferenz vor zwanzig Jahren beeindruckt. Noch
vor dem Abschluss der fuenftaegigen Sitzungsperiode forderten
die Delegierten einstimmig die Einberufung weiterer Konferenzen.
Der Gewerkschaftsbund in New Jersey richtete auf seiner naechsten
Jahreskonferenz an Rutgers die Bitte, diese Konferenzen alljaehrlich stattfinden zu lassen.
In Anerkennung der Verdienste, die sich das Institut auf
dem Gebiet der wechselseitigen Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen
erworben hatte, wurde Im Jahre 1947 durch eine gesetzgeberische
Akte des Staates New Jersey das Rutgers Institut fuer ArbeitgeberArbeitnehmer Beziehungen gegruendet.
"Wekkly News Service" der APL
VI/13/50
WIE EINE GEWERKSCHAFT ZU EINER EISENBAHN AUF PUERTO RICO KAM
Die ehemaligen Besitzer der Puerto Rico-Elsenbahn haben
zu ihrem Bedauern feststellen muessen,dass die Weigerung, Mindestloehne zu zahlen, den Verlust einer Eisenbahn mit sich bringen
kann. Und sie koennen in der Tat sehr betruebt sein, denn sie
sind nicht mehr Besitzer der Eisenbahn.
Die Gesellschaft hatte sich beharrlich geweigert, Mindestloehne zu zahlen, das gesamte Eigentum der Eisenbahngesellschaft
wird deshalb in kurzer Zeit in den Besitz der Arbeitnehmer uebergehen, die Mitglieder des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes von
Puerto Rico (Confederacion General de Trabajadores) sind, waehrend die eigentlich zustaendige Gewerkschaft die Eisenbahnergewerkschaft von Puerto Rico ist.
Die Eisenbahn-Gesellschaft hatte sich nie an das im Oktober
1938 auf Puerto Rico in Kraft getretene Lohn- und Arbeitszeitgesetz gehalten und missachtete es staendig. Dabei belief sich
der Mindestlohn auf Puerto Rico und den Virgin-Inseln nur auf
25 Cents in der Stunde - die Eisenbahn-Gesellschaft zahlte drei
Jahre lang einer ganzen Reihe ihrer Arbeitnehmer nur drei Cents
pro Stunde!
Der von der Eisenbahnergewerkschaft angestrengte Prozess,
der mit der Ueberfuehrung der Eisenbahn in den Besitz der Arbeiter
endete, erstreckte sich bereits ueber neun Jahre.
Als die Prozessaussichten unguenstig wurden, hielt die
Gesellschaft die Zeit fuer gekommen, ihren Aroeitern Einigungsvorsphlaege zu unterbreiten. Die Unternehmer boten den Eisenbahnern an, die Forddrungen auf rueckstaendige Loehne bis zu einem
Betrag von 700.000 Dollar auszuzahlen, diese Summe haette Jedoch
nur 45T£ des geschuldeten Betrages ausgemacht.

- 14 -

�Als Gegenleistung sollten die Arbeiter Verzichtserklaerungen
unterschreiben, die die Unternehmer jeglicher weiterer Verpflichtungen enthoben haetten. Unter den Eisenbahnarbeitern gab es
jedoch kluegere Koepfe. Sie baten Ernesto Hamos Antonini, den
Sekretaer fuer auswaertige Beziehungen und Rechtsberater des
Gewerkschaftsbundee von Puerto Rico, um einen Rat. Ramos Antcnini
ist ausserdem Sprecher im Repraesentantenhaus von Puerto Rico.
Der Rechtsberater des Allgemeinen Gewerte chaf tsbundes von
Puerto Rico verklagte die Gesellschaft beim amerikanischen
Bezirksgericht in Puerto Rico. Er bestand nicht nur auf der
Annullierung der Abkommen, die zwischen der Gesellschaft und
einzelnen Arbeitern zustande gekommen waren, sondern auch darauf,
dass die Gesellschaft den Arbeitern eine Gesamtsumme von etwa
drei Millionen Dollar schuldet, in der ueber die angebotenen
700.000 Dollar hinaus die restlichen 55# an rueckstaendigen
Loehnen und eine Entschaedigung von 100g enthalten sind.
Das Gericht entschied jedoch zugunsten der Eisenbahn-Gesellschaft. Ramos Antonini, ein Mann, der nicht leicht etwas aufgibt,
brachte den Fall vor das Bezirksappellationsgericht von Boston,
das die Unternehmer verurteilte.
Aber die Gesellschaft wollte unter allen Umstaenden den
Prozess gewinnen und wandte sich an den Obersten Gerichtshof der
Vereinigten Staaten, der jedoch das Urteil bestaetigte.
Die Gesellschaft machte Jetzt Bankerott. Die Arbeiter sahen,
wie ihnen die Fruechte ihres schweren Kampfes um ihr Recht regelrecht entglitten, es konnte ihnen passieren, dass sie in dem
Konkursverfahren eine wesentlich geringere Summe erhielten,
als ihnen durch das Gerichtsurteil zuerkannt war.
Auf Veranlassung Ramos Antoninls und der Fuehrer der
Eisenbahnergewerkschaft ueberpruefte der Gouverneur von Puerto
Rico, Luis Munos Marin die Moeglichkeiten, die Eisenbahngesellschaft
in den Besitz der Arbeiter uebergehen zu lassen.
Es war ein gluecklicher Tag fuer die Mitglieder der Eisenbahnergewerkschaft von Puerto Rico, als die Dokumente ueber die
Uebergabe der Eisenbahngesellschaft an die Arbeiter unterzeichnet
wurden.
Die Arbeiter haben 40 Jahre Zeit, um den endgueltigen Kauf
der Eisenbahngesellschaft durchzufuehren. Sie werden die Verwaltung der Elsenbahn einer Genossenschaft uebergeben, die sie
bereits gebildet haben» in wenigen Wochen wird sich das gesamte
Eigentum der Eisenbahngesellschaft in ihrem Besitz befinden.
Kurze Zeit spaeter gab es einen anderen grossen Tag in der
Geschichte der Eisenbahnergewerkschaft. 712714 Dollar wurden in
Form von Schecks oder Genossenschaftsaktien in San Juan, Ponce
und Mayaguez an die Gewerkschaftsmitglieder verteilt.
Ramos Antonini sprach waehrend der Feier, auf der die
ersten Schecks und Aktien ausgehaendigt wurden. An dieser Feier
nahmen teil: George De Nucci, der Vertreter des CIO in Frerto
Rico, Ernest Schwarz, der Sekretaer des AHL-Komitees fuer lateinamerikanische Angelegenheiten sowie Fernando Zegri, der Konkurs- 15

�Verwalter der Eisenbahngesellschaft nach dem Bankerott.
Wenn Sie also einmal in Puerto Rico reisen sollten, dann
wird Ihr Zug von Arbeltern bedient werden, die gleichzeitig
Besitzer der Elsenbahn sind«
The CIO News
VI/12/50
KEINE GEHEIMEN STREIKBEFEHLE IM BERG ARBEIT ERSTREIK
John L. Lewis, der Vorsitzende der Berg arbeit ergewerkschaft,
erklaerte In einem Schreiben an einen Unterausschuss des Komitees
des Repraesentantenhauses fuer Erziehung und Gewerkschaften,
der sich mit Gewerkschaftsdemokratie beschaef tlgt, dass waehrend
des Bergarbeiterstreiks Im letzten Winter keine geheimen Streikbefehle an die Arbeiter ergangen seien. Diese Frage wurde eroertert, well ein Gewerkschafts funkt lonaer, der wegen einer Strafe
von 50.000 Dollar seiner Funktionen enthoben worden war, der
Gewerkschaft vorgeworfen hatte, geheime Instruktionen zur Einstellung der Arbeit an die Arbeiter gegeben zu haben.
Weekly Labor News Digest
V/50/17
- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HIC0G. APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Aui Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
I

I I I - 18

F r a n k f u r t , 7 . J u l i 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Kolumbianischer Gewerkschaftsbund tritt aus dem Weltgewerls chaftsbund aus - - - - - - - - - - - - - - - l
Die Havanna-Konferenz gruendet interamerikanische
Vereinigung fuer Demokratie und Freiheit - - - - - 2
AFL protestiert gegen die Aufloesung der Erdoelarbei-'
tergewerkschaften in Venezuela - - - - - - - - - - 4
Juan A. Acuna: Die Montevideo-Konferenz des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes - - - - - - - - 5
Pere F. Seward: Oeffentliche Arbeiten - Schluessel
zum Fortschritt - - - - - - - - - - - - - - - - - - 6
Arbeitsmoeglichkeiten und Umsiedlung - - - - - - - 9
Arbeitsminister Tobin zur Entscheidung des Obersten
Gerichtshofes zum Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen 11
Internationaler Verband der Vereinigungen fuer Arbeiterbildung
—
12
Perons Antwort an den Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 5

KOLUMBIANISCHER GEWERKSCHAFTSBUND TRITT AUS DEM WELTGEWERKSCHAFTSBUND AUS,
Dem Beispiel des mexikanischen Gewerkschaftsbundes folgend,
hat sich der Kolumbianische Gewerkschaftsbund auf seiner letzten
Konferenz in Bogota entschlossen, aus dem Welt- und dem Lateinamerikanischen Gewerkschafts bund auszutreten. Der Vorschlag,
die kommunistisch gefuehrte Weltgewerkschaftsorganisation zu
verlassen, wurde von den Kommunisten und einer kleinen Gruppe
irregefuehrter "Liberaler" heftig angefochten. Es gelang ihnen
Jedoch nicht, die notwendigen Stimmen zur Ablehnung des Vorschlags
sich zu sichern. Spaeter verliessen sie die Konferenz und bildeten eine eigene Organisation. Sie griffen damit zu der typisch
kommunistischen Taktik, die all das zerstoeren wollen, was sie
nicht beherrschen koennen»
Die Mehrzahl der Delegierten des Kolumbianischen Gewerkschaftsbundes bekraeftigte daraufhin ihren Entschluss, aus dem
Weltgewerkschaftsbund und dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund auszutreten, indem sie sich eindeutig fuer den Anschluss an
den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften aussprachen, dessen
Zentrale sich in Bruessel befindet. Die regionalen Organisationen
fuer die westliche Hemisphaere soll in Kuerze gebildet werden.
Inter-American Labor News
VI/50

�DIE HAVANNA-KONFERENZ GRUENDET INTERAMERIKANISCHE VEREINIGUNG
FUER DEMOKRATIE UND FREIHEIT
Die freie Gewerkschaftsbewegung hat mit der Interamerikanischen Konferenz fuer Demokratie und Freiheit, die in Havanna
abgehalten wurde und vom Interamerikanischen Gewerkschaftsbund
auf seiner zweiten Konvention in Havanna im September vorigen
Jahres befuerwortet worden war, eingn weiteren Sieg im Kampf
um die Erhaltung der zivilen Rechte der Hemisphaere zwischen
Atlantik und Stillem Ozean errungen. Die Konferenz stand unter
der Schirmherrschaft eines ausgezeichneten Komitees massgeblicher
politischer Persoenlichkeiten, Intellektueller und Gewerkschaftsführer und bot zum erstenmal den wahrhaft demokratischen Kraeften
Nord-, Mittel- und Suedamerikas eine Gelegenheit, zusammenzukommen.
Frei von Jedem Druck seitens der Regierungen und frei von Jeden
diplomatischen Beschraenkungen eroerterte und plante die Konferenz,
was die amerikanischen Voelker zur Abwehr des Totalitär Ismus und
zur Staerkung der Demokratie und Freiheit gemeinsam tun koennen.
Obwohl nur wenige Monate zur Vorbereitung dieser Konferenz
zur Verfuegung standen, und obwohl die Kommunisten und ein halbes
Dutzend Militaerdiktaturen oder ultrareaktionaere Regierungen
Lateinamerikas von Anfang an offen gegen die Einberufung dieser
Konferenz kaempften, waren doch nahezu 150 Delegierte im Kapitol
von Havanna zu diesem, historischen Treffen versammelt. Sie kamen
aus Argentinien, Uruguay, Chile, Peru, Kolumbien, Panama, Venezuela, Honduras, Costa Rica, Nicaragua, Guatemala, Mexiko, Puerto
Rico, der Dominikanischen Republik, Kuba und den Vereinigten
Staaten. Einige von ihnen waren beruehmte Inteilektuelle, andere
politische Fuehrer und Gewerkschafter, die im Exil leben; ausserdem waren Kongressmitglieder, Senatoren, Kabinettsminister, Journalisten, Universitaetspröfessoren und Gewerkschaftsfuehrer jener
Laender zugegen, in denen die Demokratie stark und gesichert ist.
Als Delegierte der Gewerkschaftsbewegung waren anwesend:
George P. Delaney, Charles Zimmermann und Serafino Romualdi von
der AFL; Dr. Ernst Schwarz vom CIO; Senator Euseblo Mujal und
Pablo Balbuena vom kubanischen Gewerkschaftsbund; Franzisco Aguirre,
Generalsekretaer des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes; Augusto Malave Villalba vom Gewerkschaftsbund Venezuelas; Oscar Zuniga vom Gewerkschaftsbund *Rerum Novarum" von Costa Rica; Andres
Townsend vom peruanischen Gewerkschaftsbund und Bernoardo Ibanez,
der chilenische Praesident des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes und Vizepresident des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Der doppelte Zweck dieser Konferenz bestand in der Demonstration der interamerikanischen, demokratischen Solidaritaet gegen
Jegliche Form des Totalitarismus und in der Begruendung einer
staendigen Organisation, deren zukuenftige Taetigkeit sich nicht
nur in der westlichen Hemisphaere erschoepfen sollf sondern auch
mit aehnlichen Organisationen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeiten soll, falls die Notwendigkeit dafuer gegeben ist. Beide
Aufgaben wurden geloest.
In der Havanna-Deklaration wurde die demokratische Solidaritaet der Voelker Amerikas in hervorragender Weise zum Ausdruck
gebracht und proklamiert. In dieser Deklaration wurde der Chapultepecer-Grundsatz erneut feierlich bestaetigt, in dem es heisst:
"Amerika kann nicht ohne Gerechtigkeit und ohne Freiheit leben."
- 2 -

�Die Havanna-Deklaration verurteilt aufs schaerfste jede
Form von Kommunismus, Faschismus, Falangismus und Nazismus;
sie proklamiert die Notwendigkeit, den Lebensstandard der Voelker zu heben, um die Demokratie Wirklichkeit werden zu lassen;
sie befuerwortet die uneingeschraenkte Garantie politischer,
gewerkschaftlicher, buergerlicher und religioeser Freiheiten;
sie bestaetigt erneut die Politik der Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten eines souveraenen Staates. In ihr wird
Jedoch auch die Forderung erhoben, jene Regierungen, die das
Ergebnis einer militaerischen Erhebung gegen ein verfassungsgemaesses Regime darstellen, anzuerkennen«
In anderen von der Konferenz gebilligten Resolutionen wird
Jedoch gefordert, dass jenen Regierungen wirtschaftliche und
finanzielle Hilfe versagt werden muesse, die die buergerlichen
und gewerkschaftlichen Freiheiten missachten; es wird vor Waffenlieferungen an die Militaer-Diktaturen Lateinamerikas gewarnt,
die zur Bekaempfung der demokratischen Opposition und nicht zur
Verteidigung der Hemisphaere verwendet werden koermten; es wird
proklamiert, dass die Amerikaner zu der demokratischen Familie
der Welt gehoeren, und dass sich die Neue Welt bereit erklaert
hat, gemeinsam gegen jegliche Form totalitaerer Durchdringung
und Aggression zu kämpfen.
Um diese Ziele verwirklichen zu koennen, beschloss die
Konferenz einstimmig, die Interamerikanische Vereinigung fuer
Demokratie und Freiheit zu gruenden. Der Hauptsitz dieser Vereinigung wird Montevideo, die Hauptstadt Uruguays sein. Eine
staendige Delegation wird ihren Sitz in den Vereinigten Staaten
haben, wo sie in Washington und New York Bueros bezieht. Dieser Delegation faellt die bedeutungsvolle Aufgabe zu, Beziehungen
zu der Organisation der Vereinten Nationen und ihren verschiedenen Kommissionen zu unterhalten, die sich mit Menschen- und Buergerrechten befassen. Die Delegation wird in staendigem Kontakt
bleiben mit den amerikanischen Staaten, mit dem US-Arbeitsministerlum und anderen Pegierungsbehoerden, die sich mit lateinamerikanischen Fragen beschaeftigen, mit dem Kongress, der Presse, den
Lehranstalten, den Gewerkschaften und anderen Sektoren der amerikanischen oeffentliehen Meinung.
Die Delegation hat weiterhin die Aufgabe, die Taetigkeiten
der ihr angeschlossenen Organisationen in der gesamten westlichen
Hemisphaere auf einen Nenner zu bringen, sodass die Einheitlichkeit der Aktion im Hinblick auf grundlegende Probleme der Demokratie gefoerdert wird. Sie wird ausserdem von Zeit zu Zelt
genaue Informationsberichte ueber den Stand der Demokratie und
der Sicherung buergerlicher Rechte in den verschiedenen lateinamerikanischen Laendern veroeffentlichen, die von unparteiischen
und unbeelnflussten Persoenlichkeiten zusammengetragen und ausgewertet werden; diese Informatoren muessen sich von jeder Parteiergreifung fernhalten, da diese oft das Urteil eines Einzelnen
oder ganzer Gruppen beeinflussen koennten, dass diese Grundrechte
der Verfolgung oder gesetzes widriger Handlungsweisen einer Regierung ausgesetzt seien.
Obwohl in dieser Konferenz die Gewerkschaftsvertreter in
der Minderheit waren, muss gesagt werden, dass die Schlüsselstellung des Gewerlschaftswesens in dem weltumfassenden Kampf
um die Erhaltung buergerlicher Freiheiten anerkannt wurde.
George P. Delaney von der AFL wurde beauftragt, die Gewerkschaften in dem slebenkoepfigen Ehrenpraesidium der Gruendungs- 3 -

�Sitzung dieser Konferenz zu vertreten. Seraflno Romualdl (AFL)
und Dr. Ernst Schwarz (CIO) wurden als Gewerkschaftsvertreter
In den neun Mitglieder umfassenden Exekutivaussc huss der neugegruendeten Interamerikanischen Organisationen gewaehlt.
Die uebrlgen Mitglieder des Exekutivausschusses sind Roger
N. Baldwin und Frau Frances Grant (US), Dr. Emilio Frugoni und
Senator Juan Guichon (Uruguay), Victor Raul Hava de la Torre
(Peru), den Senator Manuel Seoane zeltwellig vertreten wird,
Dr. Aurelanio Sanchez (Kuba) und Professor German Arciniegas
(Kolumbien). Stellvertretende Mitglieder sind Walter White (USA),
Dr. Ernesto Sammartino (Argentinien), Dr. Manuel Galich (Guatemala), Dr. Manuel Fazlo (Costa Rica) und Senator Eduardo Rodriguez (Uruguay).
Labor News des Interamerikanischen
Gewerkschaftsbundes
VI/50
AFL PROTESTIERT GEGEN DIE AUFL0E3UNG DER EfiDELARBEITERGEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA"
Die Militaerregierung Venezuelas schrieb im vorigen Monat
ein weiteres schwarzes Kapitel in ihr Tagebuch antigewerkschaftlicher Massnahmen. Sie loeste 46 Lokalgewerkschaften der Erdoelarbeiter auf, die In Streik getreten waren, um die Unternehmer zu
zwingen, Verhandlungen ueber einen neuen Lohntarif in die Wege
zu leiten.
Sobald es offenbar wurde, dass durch den Streik die Erdoelproduktion fast 100-prozentig stillgelegt wurde, erklaerte die
Regierung den Streik als illegal. Sie loeste sofort alle daran
beteiligten Gewerkschaften auf und erliess den Befehl, die Wohnungen der Streikenden vom Wasser-, Strom- und Gasversorgungsnetz zu
trennen. An vielen Stellen verwehrte man ihnen sogar den Zutritt
zu den Verkaufslaeden, die Eigentum der Unternehmer sind, man entzog den Streikenden somit buchstaeblich die Nahrung. In Telegrammen an den Vorsitzenden der UNO-Komisslon fuer Menschenrechte und
den Generalsekretaer des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften wurden diese unmenschlichen Methoden durch Augusto Malave Villalba, dem Generalsekretaer des Gewerkschaftsbundes Venezuelas, angeprangert. Villalba haelt sich zur Zeit im Exil in Kuba auf.
Sobald der Amerikanische Gewerkschaftsbund (AFL) von diesen
neuesten Entwicklungen in Venezuela Kenntnis erhielt, beauftragte
er das Komitee fuer Internationale Arbeitsbeziehungen durch seinen
internationalen Vertreter Georg P. Delaney, das Internationale Arbeltsamt ueber diese Methoden der Streikbekaempfung zu informieren.
Am Tage darauf richtete Delaney an David Morse, den Generaldirektor
des IAA, folgendes Telegramm:
"DAS KOMITEE DER MILITAERREGIERUNG VENEZUELAS HAT 4* LOKALGEWERKSCHAFTEN DER ERDOELARBEITER AUFGELOEST UND DIE EINZIEHUNG DES GESAMTEN BESITZES UND VERMOEGENS DIESER ORGANISATIONEN ANGEORDNET. IN DIESEN LOKALGEWERKSCHAFTEN SIND SAEMTLICHE GEWERKSCHAFTSMITGLIEDER DIESES INDUSTRIEZWEIGES ORGANISIERT. DIESE MASSNAHME WURDE ERGRIFFEN, WEIL DIE ERDOELARBEITER NACH ABLAUF IHRES TARIFVERTRAGES IN STREIK GETRETEN
WAREN, UM SICH BESSERE BEDINGUNGEN ZU ERKAEMPFEN. ANGESICHTS
DIESER NEUEN OFFENKUNDIGEN VERLETZUNG GEWERKSCHAFTLICHER
RECHTE DURCH DIE REGIERUNG VENEZUELAS FORDERT DER AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBUND AFL, DASS DIESER FALL DEM "IAA UNTERSUCHUNGS- UND SCHLICHTUNGSAUSSCHUSS WEGEN DER VERLETZUNG GEWERKSCHAFTLICHER RECHTE" UEBERGEBEN WIRD."
Inter-American Labor News
VI/50
- 4 -

�Juan A. Acuna:
DIE MONTEV IPSO- KONFERENZ DES LAT EI N M ERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTS- .
BUNDES.
Lombardo Toledanos Lateinamerikanischer Gewerkschaftsbund und
der Weltgewerkschaftsbund beriefen eine sogenannte Südamerikanische
Gewerkschaftskonferenz nach Montevideo ein. Obwohl diese Konferenz
fuer die Arbeiter sozusagen wertlos war, hatte sie doch vom politischen Standpunkt gesehen grosse Bedeutung. Den wirtschaftlichen
und sozialen Problemen der Arbeiter wurde wenig Beachtung geschenkt;
umso staerker waren die gesamten Besprechungen politischen Problemen
von Weltbedeutung und ihren lokalen Zusammenhaengen gewidmet. Hauptzweck dieser Konferenz war somit, den dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund und dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften die politischen Anweisungen der kommunistischen Internationale zu uebermitteln, die im Grunde nichts anderes als Verpflichtungen fuer die Verteidigung der Interessen und Massnahmen
Sowjetrusslands und eine Kampfansage an den sogenannten "YankeeImperialisaus" enthalten. Dieses Thema stand waehrend der gesamten
Konferenz zur Debatte, um dieses Thema drehten sich alle Manifestationen und Resolutionen.
Tonangebend war Lombardo Toledano auf dieser Konferenz, der in
einer Analyse der Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten
Staaten den USA alle moeglichen aggressiven Absichten andichtete und
schliesslich erklaerte: "Sollten die Vereinigten Staaten verrueckt
genug sein, einen neuen Krieg zu entfachen, so wuerden sie diesen
Kampf verlieren, denn alle Voelker der Erde werden sich gegen den
Angreifer erheben. Dieser grausame und verbrecherische Angreifer
ist und wird der Yankee-Imperialismus sein; ihm gilt der Kampf des
Kommunismus, mit dem Sie alle so sehr verwachsen sind. Damit soll
Jedoch nicht das Volk der Vereinigten Staaten und auch licht die
Gewerkschaftsbewegung dieses Landes getadelt werden, d &lt;.e unter dem
wirtschaftlichen und politischen Druck des Imperialismus zu leiden
hatten und auch heute ntch darunter leiden."
Lombardo Toledano und seine Freunde vermi^^n es wohlweislich,
ueber Jenen anderen Imperialismus zu sprechen, der seine despotische
Diktatur ueber die halbe Welt ausgebreitet hat. Toledano vergass
den sowjetischen Imperialismus, der seine Opfer der elementarsten
Menschenrechte beraubt« Unter diesem Imperialismus waere eine
derartige Konferenz sicherlich nicht erlaubt worden, und sie haette
nicht unter solch friedlichen Umstaenden wie in Uruguay stattfinden koennen. Diese Konferenz demonstriert erneut die Rolle, die
Lombardo als kommunistischer Koeder in der organisierten Arbeiterschaft spielen soll.
Die südamerikanische Gewerkschaftskonferenz versuchte also,
die angeschlossenen Gewerkschaften In die Kampffront des Internationalen Kommunismus gegen die Vereinigten Staaten einzureihen,
den sie als Kampf gegen den "Yankee-Imperialismus" bezeichnet.
Konkret gesprochen, hatte die Konferenz die folgenden Ziele:
1. Die Vereinigten Staaten im Falle eines Krieges mit Russland von den grossen Hilfsquellen des wirtschaftlich entwickelten
Lateinamerikas abzuschliessen;
2. Die wirtschaftliche und soziale Lage Lateinamerikas durch
eine ununterbrochene Streikwelle zu zerruetten und damit die Arbeiter und Bauern dieses Gebietes vom Versagen der politischen Demokratie zu ueberzeugen!
Dieser doppelte Zweck, den die Kommunisten in Lateinamerika
verfolgen, ist deshalb besonders gefaehrlich, weil der Kampfruf ge5 -

�gen den Imperialismus auf begierige Ohren Jener Bauern und Arbeiter
trifft, die in der Vergangenheit unter dem amerikanischen Imperialismus zu leiden hatten. Die Kommunisten haben sich eingehend mit diesen Beschwerden befasst und mit ihrer Hilfe versucht, einen Propagandafeldzug einzuleiten, der die Voraussetzungen schafft, um in einem
eventuellen Krieg, in den Russland verwickelt wird, sowohl die politische Demokratie als auch die Unterstuetzung'der Vereinigten Staaten
zu sabotieren.
Um sich diese aeussere guenstige Situation zunutze zu machen und
diesen kommunistischen Sabotagefeldzug besser zu organisieren, wurde
die "Südamerikanische Gewerkschaftskonferenz" abgehalten. In dieser
Frage duerften keine Unklarheiten bestehen. Die wirtschaftlichen und
sozialen Probleme, die den Arbeitern am Herzen liegen, wurden zugunsten weltkommunlstischer Interessen voellig beiseitegedraengt. So
sehen die Tatsachen hinter den heuchlerischen Schlagworten der Kommunisten von "gewerkschaftlicher Einheit" und "patriotischem Kampf" aus.
Die Arbeiter wissen sehr gut, dass die Kommunisten an gewerkschaftlicher Einheit oder an Patriotismus sehr wenig Interesse haben, es sei
denn, diese dienten den Interessen Sowjetrusslands.
Labor News - Interamerikanischer Gewerkschaftsbund
VI/50
Pere F. Seward:
QEFFENTLICHE ARBEITEN - SCHLUESSEL ZbM FORTSCHRITT
In Amerika hat die Bautaetigkeit in der Nachkriegszeit einen
maechtigen Aufschwung erfahren. 1949 beliefen sich die Kosten fuer
Neubauten auf insgesamt 19,3 Billionen Dollar, den hoechsten Dollarbetrag in der Geschichte, und es ist anzunehmen, dass diese Spitzensumme im Jahre 1950 wieder erreicht wird. Bei der gegenwaertlgen Abnahme der privaten Bautaetigkeit bedeutet dies jedoch, dass das Mass
des oeffentlichen Bauens staendig gesteigert werden muss, um diesen
Hoechststand halten zu koennen*
Es ist hierbei zu beruecksichtigen, dass dieser Epoche Jahre
vorausgingen, in denen das Bauen und alle oeffentlichen Arbeiten,
die nicht unbedingt erforderlich waren, zurueckgesteilt wurden; Jahre,
in denen man ausbesserte und reparierte oder das Fehlende provisorisch
ersetzte; der heutige Bedarf geht somit auf zwei Jahrzehnte zurueck.
Heute ist aber weiter zu beruecksichtigen, dass die Bevoelkerungsziffer .
staendig zunimmt, Industrie und Handel die Moeglichkeit haben, mehr
Beschaeftigungsplaetze als bisher zu bieten, und dass sich der Lebensstandard staendig verbessert«
Dabei muss die Frage auftauchen und untersucht werden, ob das gegenwaertige private und oeffentliche Bauvolumen der US- Wirtschaft
mit ihren hohen Beschaeftigungsziffern. die sich staendig steigern,
ueberhaupt noch genuegt. Vergleiche auf der Basis des Preisniveaus
ergeben, dass die 19.3 Billionen von 1949 erheblich unter den Betraegen der Jahre 1925 bis 1929 und 1941 und 1942 liegen, obwohl
das Jahr 1942 bereits ein Kriegsjähr war.
Sicherlich wuerden alle Gebaeude, Strassen, Elsenbahnen und
andere oeffentliche, in den spaeten zwanziger Jahren erbauten Einrichtungen den Anforderungen der 150 Millionen Amerikaner von heute
oder einer Wirtschaft mit einem nationalen Einkommen von 225 Billionen Dollar bei weitem nicht genuegen. Sie wuerden dem staendigen
Zuwachs der Bevoelkerung und damit derjenigen, die eines Tages beschaeftigt werden muessen, nicht gewachsen sein.
- 6 -

�Allein auf der lokalen Ebene befinden sich die notwendigen
oeffentllchen Arbeiten In einem Rueckstand, dessen Ausgleich nahezu 100 Billionen Dollar kosten duerfte. Es wird Jahre dauern, bis
das Versaeumte nachgeholt werden kann; es muss jedoch schleunigst
nachgeholt werden, wenn der jetzige amerikanische Standard der allgemeinen Wohlfahrt, Gesundheit und Bildung aufrechterhalten werden
soll. In der Bekaempfung oertlicher Arbeitslosigkeit und gesunkener Kaufkraft koennen oeffentllche Arbeiten zum ausschlaggebenden
Werkzeug der nationalen Wirtschaft werden.
Durch das Bauen ist Amerika reich und wohnlich geworden.
Oeffentllche Arbeiten zum Wohle des Volkes stellen einen Gradmesser
fuer den Fortschritt dar. Es wird gebaut, um den jetzigen Ansprechen der Menschen genuegeni zu koennen, aber es wird auch fuer die
Kinder und die spaeteren Generationen gebaut. Ueberall fehlt es an
Gebaeuden zur Steigerung der Produktion, des Handels und zur Unterbringung der oeffentllchen Dienste.
Wenn die gegenwaertlge Wirtschaftslage den vollen Einsatz des
oeffentllchen Baupotentials unmoeglich macht, muss trotzdem heute
bereits geplant werden, wie den Anforderungen der Zukunft am besten
entsprochen werden kann, um auf diese Weise nicht nur wirtschaftlichen Schwierigkeiten vorzubeugen, sondern auch fuer das organische
Anwachsen der Staedte und Doerfer durch eine der Dringlichkeit entsprechenden Bauplanung Sorge zu tragen.
Planung? Ein ausgezeichnetes Wort, solange es nicht den bitteren Beigeschmack der "staatlichen Unters tu et zung"erhaelt. Planen
helsst an die Arbeit gehen, um bestimmte Anforderungen zu erfuellen.
Die Idee, oeffentllche Arbeiten zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit durchzufuehren, ist keineswegs neu. Die roemischen Kaiser
kannten sie bereits vor 2000 Jahren, als die unvergleichlichen
Strassen und grossen Wasserleitungen gebaut wurden. Die Annahme
waere erfreulich, dass seit jener Zeit die Menschen viel gelernt
hatten, aber ist es tatsaechlich so? Die Erinnerung an die Zeit
nach dem ersten Weltkrieg, als die Regierung zu sehr den wiederaufkommenden Kraeften der Privatindustrie vertraute, um die heimkehrenden Soldaten und die entlassenen Ruestungsarbeiter wiederaufzunehmen, ist nicht vergessen. Sehr viele werden sich noch Jener
Tage der Verwirrung erinnern.
Mit gutem Grund kann angenommen werden, dass die Wirtschaft
durch oeffentllche Arbeiten bereits vor einer Depression bewahrt
wurde. Als Beispiel sei die Verwaltung fuer Oeffentllche Arbeiten
angefuehrt. Zwar konnten ihre Programme niemals schnelle Ergebnisse und Erfolge zeitigen, weil es an durchgeplanten und vorbereiteten Projekten fehlte. Letzten Endes fuehrte es Jedoch trotzdem
zur Wiederbeschaeftigung, wenn auch 18 lange und schwere Monate noetlg waren, um fuer 100.000 Arbeiter Beschaeftigungsmoeglichkeiten
zu schaffen. Geld war vorhanden, aber - keine Plaene.
Diese Erfahrungen Hessen es wohl angebracht erscheinen, eine
Reserve an fertig geplanten, oertlich gebundenen oeffentllchen Arbeiten bereitzuhalten, ueber die nach dem zweiten Weltkrieg Vertraege geschlossen werden konnten. Dieser Nachkriegsbedarf schien zu
jener Zeit realistisch und angemessen zu sein.
Im Fruehjahr 1945 genehmigte der Kongress das erste Vorplanungsprogramm, durch das die Beschaeftigungsluecke ueberbrueckt werden
sollte, die sich nach dem Kriege mit der Rueckkehr der Soldaten und
der Stillegung der Ruestungsbetriebe oeffnen konnte. Wenn hierueber
offen geredet wird, ergibt sich, dass ein Programm fuer oeffentllche
- 7 -

�Arbeiten allein das Land niemals aus einer tiefen wirtschaftlichen
Depression haette herausreissen koennen, ein bis zum Anlaufen vorbereitetes Programm fuer oeffentliche Arbeiten haette aber die
Bauindustrie und die ihr verwandten Industriezweige stabilisieren
koennen, d.h. den ausser der Landwirtschaft umfangreichsten Sektor
der Wirtschaft.
Dieses Planungsprogramm endete mit dem Kriegsmobilmachungsund dem Umstellungsgesetz von 1944 am 30. Juni 1947. Nachdem die
erwartete Rueckwaertsbewegung des wirtschaftlichen Potentials nicht
eintrat, wurden die fuer das Programm bereitgestellten Gelder vom
Kongress zurueckgezogen, aber erst dann, als eines der interessantesten Experimente in der gesamten Geschichte der amerikanischen
Bauindustrie begonnen war.
Das Programm konnte nicht voellig ausgewertet werden, jedoch
sind es immerhin 6.764 oeffentliche Arbeitsprojekte, deren Kosten
sich schaetzungswei3e auf 2,7 Billionen belaufen werden, die auf
dem Papier durchkonstruiert und endgueltig verplant wurden. Hierzu
gehoeren Schulen, Krankenhaeuser und Erholungsheime, Be- und Entwaesserungssysteme, KLaeranlagen und andere sanitaere Einrichtungen,
Ueberfuehrungen, Bruecken, Strassen, Bahnuebergangsanlagen, Flughafenprojekte, oeffentliche Bauten, Gebaeude des oeffentlJc hen Dienstes
und Erholungsheime. Alle diese Einrichtungen werden dringend benoetigt.
Die Tatsache, dass eine bis ins Einzelne gehende Planung der Projekte rechtzeitig vor Baubeginn niedergelegt wurde, Kann als die
bedeutendste Entwicklung auf dem Gebiet der oeffentlichen Arbeiten
in der Jetztzeit bezeichnet werden.
Der 81. Kongress bewilligte erneut das zweite VorplanungsProgramm, genehmigte 100 Millionen Dollar fuer zwei Jahre und stellte
sofort 25 Millionen Dollar zur Verfuegung. Administrator Jess Larson von der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste wurde mit der Verwaltung dieses Programms beauftragt, und dieser uebermittelte es der
Abteilung fuer Oeffentliche Einrichtungen zur Ausfuehrung. 139 Antraege fuer oeffentliche Arbeitsprojekte, deren Gesamtkosten sich
schaetzungsweise auf 90.365.846 Dollar belaufen werden, sind bereits
genehmigt worden. Hunderte weiterer Antraege werden noch von den
Sachverstaendigen des Bueros in Washington oder der Abteilung fuer
Oeffentliche Einrichtungen ueberprueft. Die gesamte Lage wird von
dem grossen Rueckstand an oeffentlichen Arbeiten beherrscht, deren
Durchfuehrung die fast astronomische Summe von 100 Billionen Dollar
erfordern wuerde.
Wenn in wirtschaftlich guenstigen Zeiten aus privaten Mitteln
neue Fabriken, Wohnhaeuser und Geschaeftsgebaeude gebaut werden,
fuer die neue Wasser- und Kanalverbindungen, neue Strassen, heue
Feuerwehrstationen »neue Schulen und aehnliche Einrichtungen notwendig sind, dann muessen Moeglichkeiten zur Durchfuehrung oeffentlicher
Arbeiten geschaffen werden. Waehrend Einzelprojekte zurueckgestellt
werden koennen, darf mit dem Bau von Hauptstrass^n und schwierigen
Konstruktionsarbeiten nicht bis zum Eintritt einer Krise gewartet
werden. Hier gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme: Der Bau von
oeffentlic hen Ge baeuden.
Das Tempo der privaten Bautaetigkeit entspricht praktisch
dem der staatlichen, obwohl der Bedarf der Bundesregierung an Neubauten sehr gross ist und ihr Fehlen sich oft recht kostspielig auswirkt. Im vorigen Jahre uebermittelte die Abteilung fuer Oeffentliche
Bauten in der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste dem Kongress eine
Liste von mehr als 4.000 Projekten aus allen Teilen des Landes, deren
voraussichtliche Kosten sich auf mehrere Billionen Dollar belaufen

�werden. In den zehn Jahren seit 1940 sind praktisch keine staatlichen Gebaeude errichtet worden.
Der Kongress hat der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste die
Ausgabe von 40 Millionen Dollar fuer die Erwerbung von Grundstuecken
und den Entwurf von 575 Bauprojekten genehmigt. Das bedeutet keineswegs, dass eine Depression zu erwarten waere, weil fuer das Bauen
selbst mit einigen unbedeutenden Ausnahmen keine Geldmittel zur
Verfuegung gestellt wurden.
Wenn nun die Vorplanung oeffentlicher Arbeiten als vorbeugende
Massnahme gegen einen Rueckgang der Bauindustrie oder der gesamten
Industrie dienen soll, dann ist dies nur umso besser. Und nur
Wenige koennen genau voraussagen, was die Zukunft bringen wird.
Niemand sollte sich jedoch darauf festlegen,dass sich die wirtschaftlichen Verhaeltnlsse aendern muessen. Der fuer lange Zelt bestehende
Bedarf an oeffentlichen Arbeiten muss jedoch staendlg vor Augen gehalten werden.
Die Durchfuehrung oertlicher oeffentlicher Arbeiten ist so
dringlich, dass mit ernstlichen sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkelten gerechnet werden muss, wenn nichts unternommen wird. Das
bedeutet nicht, dass Hals ueber. Kopf an die Arbelt gegangen werden
soll und alles, was erwuenscht und sogar benoetigt ist, gebaut werden soll.
Fuer eine Stadt, eine Provinz oder einen Staat ist es ebenso
vorsorglich und klug, ein bestimmtes Quantum an noch auszufahrenden
oeffentlichen Arbeiten fuer gewisse wirtschaftliche Situationen
in Reserve zu halten, wie es fuer den einzelnen ratsam ist, sein
Haus zu versichern.
Die Depression, der Krieg und die Nachkriegsjanre haben in
unmissverstaendlicher Weise gezeigt, dass die oertlichen Einheiten
einer Wirtschaft Immer mehr zu Bestandteilen eines in sich geschlossenen nationalen Systems werden. Die Zeit, als die oertlichen
Verwaltungen der Regierung sowohl In schlechten als auch in guten
Zeiten voellig unabhaenglg voneinander waren, ist laengst vorueber.
Das Bauwesen hat eine fuer die US-Wirtschaft und fuer die amerikanische Lebensweise unerlaessliche Funktion zu erfuellen.
"The Laborer"
V/50
ARBEITSMOEGLICHKEITEN UND UMSIEDLUNG
Zwei einflussreiche, internationale Organisationen haben in
den letzten Wochen angekuendigt, dass sie sich mit den Problemen
eingehend befassen werden, die sich aus der Umsiedlung von Arbeltern und •ueberzaehligen" Einwohnern ergeben, Im Anschluss an
eine vorlaeufige Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes, die
in Genf stattfand und sich mit Umsiedlungsfragen beschaeftigte,
gaben die Aussenminister der Vereinigten Staaten, Frankreichs und
Englands bekamt, dass sie Sachverstaendlge ernennen, die dieses
Problem studieren und mit den daran interessierten Regierungen
Verhandlungen aufnehmen sollen.
Die Aussenminister trafen sich erneut in London und erliessen
eine Deklaration zu der Frage der Aus- und Einwanderung. In dieser
Erklaerung wird die Ueberzeugung zum Asudruck gebracht, dass eine
- 9 -

�groessere Beweglichkeit der Bevoelkerung entscheidend zu der
Loesung des Problems der "ueberzaehligen" Bevoelkerung in einigen
westeuropaeisehen Staaten beitragen koennte. Dem Internationalen
Arbeitsamt, das gerade die vorlaeufige Konferenz ueber diese Fragen beendet und die Einberufung einer Vollkonferenz mit dem gleichen
Thema gefordert hatte, sowie den Vereinten Nationen und ihren Fachabteilungen und schliesslich der Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas wurden in dieser Erklaerung besondere
Anerkennung fuer ihre Bemuehungen und'ihre Arbeiten auf dem Gebiet
der Umsiedlung von Arbeitskraeften gezollt.
Die Aussenminlster forderten eine "allgemeine Ueberpruefung
der verschiedenen Arbeiten auf diesem Gebiet unter Beruecksichtigung moeglicher 2usaetzlicher Massnahmen, die noch ergriffen werden koennten." In der Deklaration heisst es weiter: H 2u diesem
Zwecke sind die Aussenminlster uebereIngekommen, Sachverstaendige
zu bestellen, die nach Beendigung der Londoner Konferenzen miteinander und mit den Sachverstaendigen anderer Laender, besonders
Italiens und Deutschlands, unter Berücksichtigung der Hauptinteressen dieser Laender über dieses Problem beraten sollen."
Delegierte der vorlaeufigen Umsiedlungskonferenz des Internationalen Arbeitsamtes in Genf hatten vor kurzem empfohlen, eine
formelle Konferenz ausgesprochener Aus- und Einwanderungslaender
einzuberufen und im besonderen jene einschraenkenden Bestimmungen
zur Sprache zu bringen, die die Umsiedlung ueberzaehliger Arbeitskraefte in Laendern, in denen ein Mangel an Arbeitskraeften
herrscht, verbietet oder behindert.
Australien kuendigte auf dieser Konferenz an, dass es beabsichtige, in den naechsten zehn Jahren zwei Millionen Einwanderer
aufzunehmen, von denen ein grosser Teil Europaeer sein koennte,
wenn die AuswanderungsSchwierigkeiten dort beseitigt wuerden. In
einer Ansprache, die der australische Minister fuer Einwanderung,
Harold Holt, in Canberra hielt, erklaerte er, dass sein Land
ernsthaft die Moeglichkeit in Erwaegung ziehe, die ueberzaehlige
Bevoelkerung in Italien und Deutschland in grossem Umfang aufzunehmen. Er wies darauf hin, dass sich Australien nach anderen
europaeischen Umsiedlern umsehen muesse, sobald die Verschleppten
Europas aufgenommen seien, wenn es seine Einwanderungsquoten beizubehalten wuensche.
Den Delegierten der 31 Nationen, die an der zweiwoechigen vorbereitenden Genfer Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes
teilnahmen, wurde berichtet, dass in Westdeutschland und Italien
allein ueber drei Millionen Menschen lebten, die fuer eine Auswanderung in Frage kaemen, wenn die damit verbundenen verwaltungstechnischen, finanziellen und sozialen Schwierigkeiten ueberwunden
werden koennen.
Die Delegierten hoerten noch einen Bericht, in dem der Vorschlag unterbreitet wird, dass das Internationale Arbeitsamt und
andere Organisationen der Vereinten Nationen den Mitgliedernationen eine groessere technische Unterstuetzung bei der Umsiedlung
zukommen lassen moechten. Die Regierungen der Ein- als auch der
Auswanderungslaender sollten Informationsprogramme aufstellen,
damit die Umsiedlung erleichtert werden kann, ebenso waere es erwuenscht, wenn die Regierungen den Umsiedlern, die sich auf dem
Wege in ihre neue Heimat befinden, aerztllche Betreuung und einige
andere Dienste zur Verfuegung stellen.
Frau Clara M. Beyer vom Arbeitsministerium, Irwin Tobin vom
Aussenministerium und Boris Shishkin, der Direktor der ECA-Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten in Europa., nahmen als Vertreter
der Vereinigten Staaten an dieser Konferenz teil.
Clara Beyer erklaerte vor den Delegierten des Internationalen
10 -

�Arbeitsamtes: "Nicht nur ueber d i e s e Z i e l e , sondern auch ueber
bestimmte Programme muss E i n i g k e i t e r z i e l t werden. Und es muss
dafuer gesorgt werden, dass a l l e BeSchluesse und Vereinbarungen
den B e d ü r f n i s s e n der Menschen angepasst werden, und dass d i e s e
dem A l l t a g im Leben von Millionen Menschen Rechnung tragen."
ECA Labor Information
V/26/50
ARBEITSMINISTER TOBIN ZUR ENTSCHEIDUNG DE3 OBERSTEN GERICHTSHOFES ZUM GESETZ FUER GERECHTE ARBEITSNORMEN.
•

"Die Entscheidung des obersten amerikanischen Gerichtshofes,
nach der das Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen auch auf Arbeitnehmer Jener Arbeitgeber anzuwenden ist, deren Unternehmen einen
AusSchreibungsvertrag (Kosten zuzueglich feste Gebuehren) mit der
Bundesregierung abgeschlossen haben, ist ein glaenzender Erfolg
sowohl fuer das private Unternehmertum als auch fuer die Arbeiter
und die Regierung.
"Waehrend des Krieges hielt sich die Regierung bewusst an
den Grundsatz, ihr umfassendes Programm zur Produktion an Kriegsmaterial soweit wie moeglich von privaten Unternehmern ausfuehren
zu lassen, um nicht von dem System des freien Unternehmertums abzuweichen. Der Gerichtshof ist der Auffassung, dass es zwar einfacher und billiger fuer die Regierung gewesen waere, wenn diese
Produktion unter s-taatlicher Aufsicht und als Eigentum der Regierung baette laufen koennen, dass aber damit das System des freien
Unternehmertums geschwaecht worden sei. Die USA haben sich auf
dieses System als die Grundbedingung fuer die allgemeine industrielle Ueberlegenheit verlassen, von der der endgueltige Sieg abhing."
Ich kann sagen, dass dieser Grundsatz und die festgelegten Arbeitsnormen in nicht geringem Masse zu dem bewunderungswuerdigen Funktionieren der Produktionsmaschinerie fuer Kriegsmaterialien beigetragen hat.
"Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes enthielt ausserdem eine Aufforderung an drei Ruestungsbetriebe der Kriegszeit,
die nach dem Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen faeilig gewordenen xrueckstaendlgen Loehne an ihre Arbeitnehmer zu zahlen, die
einen Prozess gegen sie angestrengt hatten. Es handelt sich um
die United States Patronen-Gesellschaft; Ford, Bakon and Davis
und die Lone Star Defense Company. Fuer alle, die an dem Erfolg
des Gesetzes fuer gerechte Arbeitsnormen interessiert sind, - und
es scheint heute kein Zweifel mehr darueber zu bestehen, dass dieses
Gesetz fuer das laufende Funktionieren des Privatunternehmensystems
von groesster Bedeutung ist, - duerfte diese Einstellung des Obersten
Gerichtshofes eine grosse Genugtuung bedeuten. Sie bestaetigt die
Auffassung des Arbeitsministeriums und anderer Dienstsstellen der
Regierung, die an der Frage der Kriegsmaterialproduktion interessiert
sind, dass die SiherStellung unserer grossen, sozialen Erfolge fuer
die Verteidigung unserer Nation ebenso wichtig ist wie die materielle Bewaffnung selbst.
Justice Burton erklaerte und gab damit der Meinung der Mehrheit des Gerichtes Ausdruck: "Dieses Gesetz wuerde seinen materiellen Zweck verfehlen, wenn es nicht die Erzeuger des riesigen Volumens an Kriegsmaterial umfasste. In den Jahren 1941 bis 1945
stellte die Munitionshersteilung eine Hauptbeschaeftigungsquelle
dar. Loehne und Arbeitszeit in dieser Industrie uebten einen massgeblichen Einfluss auf den Lebensstandard der amerikanischen Arbei-

11 -

�terschaft aus.H
"Das Gericht verkannte nicht die Tatsache, dass diese Einstellung einen finanziellen Verlust fuer die Regierung bedeuten koenne.
Auch massgebliche Persoenlichkeiten des Arbeitsministeriums sind
sich dessen bewusst. Kurz gesagt, die Regierung erwartet gar nicht,
fuer die Kosten zur Beibehaltung dieser Arbeitsnormen entschaedigt
zu werden. Die Einhaltung dieser Normen wurde von allen privaten
Unternehmern, aber auch jenen, die einen Ausschreibungsvertrag der
Regierung erfuellen, gefordert. Und die Arbeitgeber hielten sich
zum groessten Teil an die Vereinbarungen."
"Die Vermutung, dass hierdurch grosse finanzielle Verpflichtungen entstanden seien, ist nach allen Informationen und Unterlagen
stark uebertrleben. Die Schaetzung der Verpflichtungen wurde im
Jahre 1946 vor dem Inkrafttreten des "Fabrikeingang bis Arbeitsplatz" Gesetzes durchgefuehrt, das ausser der Begrenzung der Lohnforderungen auf zwei Jahre andere weitgehende Bestimmungen zum
Schutze der Unternehmer vorsieht. Tatsaechlich wurden weit ueber
100 Klagen bei den Gerichten, die die Forderungen Tausender von Arbeitnehmern enthielten, auf Grund dieser Schutzbestimmungen des "Fabrikeingang bis Arbeitsplatz" Gesetzes abgewiesen, da hier auch der
"gute Glauben" fehlte. Es gibt noch weitere Schutzbestimmungen gegen besondere Forderungen, wie zum Beispiel die staatlichen Statute
ueber Begrenzungen der Ansprueohe und den Mangel an Beweisen fuer
die Anwendbarkeit irgendwelcher Ausnahmeregeln."
"Man kann feststellen, dass in der Entscheidung des Obersten
Gerichtshofes keiner einzigen individuellen Forderung die Richtigkeit oder Gueltigkeit zugesprochen wird. Die Forderungen einzelner
Arbeitnehmer muessen in diesen und in anderen noch offenstehenden
Faellen immer noch gegen Schutzbestimmungen unterstuetzt werden."
"Es ist von besonderer Bedeutung, dass ein Unternehmer, der
Vertragspartner der Regierung ist, nicht mehr bezahlen muss, als
von jedem anderen Privatunternehmer gefordert wird. Und die Tatsache, dass die Regierung Vertraege geschlossen hat, um die Kosten der
Forderungen zu zahlen, ist kaum ein zu rechtfertigender Grund, gerechten Forderungen nicht stattzugeben."
US Arbeitsministerium
V/12/50
INTERNATIONALER VERBAND DER VEREINIGUNGEN FU£R ARBEIT ERBILDUNG
Der Internationale Verband der Vereinigungen fuer Arbeiterbildung (IWA) hielt seine Generalkonferenz im Gebaeude der UNESCO in
Paris ab. Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften war durch
seinen Sachbearbeiter fuer Arbeiterbildungsfragen vertreten, der
ebenfalls zu der Konferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften eingeladen war, die das Thema "Plaene zur Entwicklung der
Arbeiterbildung".behandelte.
Der I W A ist ein Verband unabhaengiger Organisationen, die
sich der Arbeiterbildung widmen. Seine Gruendung ist auf die Initiative der britischen Arbeiterbildungsvereinigung im Jahre 1943
zurueckzufuehren. Nach einer vorlaeufigen Konferenz im Jahre 1945
wurde die Organisation 1947 endgueltig gegruendet. Mitglied des
Verbandes koennen die Arbeiterbildungsorganisationen der verschiedenen Laender werden, wobei jedoch normalerweise nur eine einzige
Organisation jedes Landes zugelassen wird. Das Ziel des I W A ist,
"das gegenseitige Verstaendnis und die Zusammenarbeit durch Sommerschulen, Konferenzen, Austausch von Literatur und Informationen zu
foerdern." Er soll weiterhin "die Interessen der Arbeiterbildung in
- 12 -

�der UNESCO und dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
vertreten." Austausch von Studenten und Lehrern und die Schaffung von Schulungsmoeglichkeiten fuer Arbeiterstudenten gehoeren
zu den wichtigsten Funktionen des IWA.
Vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Feststellung interessant, dass die Arbeiterbildungsvereinigungen
Belgiens, Daenemarks, Norwegens, Schwedens und der Schweiz, die
alle Mitglieder des I W A sind, die Arbeiterbildungsorgane der
Gewerkschaftsbewegungen dieser Laender sind. Weitere Mitgliedsorganisationen des IWA sind die Vereinigungen fuer Arbeiterbildung in Irland, Finnland und Italien, die zwar einen gewissen
Kontakt mit den Gewerkschaftsbewegungen haben, aber dennoch nicht
deren offizielle Vertretungen sind.
Die Britische Arbeiterbildung svereinigung als eine der einflussreichsten Mitglieds Organisationen gehoert der britischen Gewerkschaftsbewegung an, sie
findet aber auch darüberhinaus den Zuspruch einer betraechtlichen
Anzahl Studenten der mittleren
Klasse. (Die andere bedeutende
britische Arbeiterbildungsorganisation, der Nationalvorstand der
Arbeiterschulen, ist nicht dem I W A angeschlossen, sie gehoert
aber ebenfalls der britischen Gewerkschaftsbewegung *n.) Die
Referate fuer Arbeiterbildung in den nationalen Gewerkschaftsorganisationen Frankreichs (Ferce Ouvriere), Luxemburgs und Hollands
sind dagegen Mitgliedorganisationen des IWA. Sogenannte "assoziierte" Mitglieder sind die BildungsOrganisationen in Kanada,
Neu- Sued-Wales, Neuseeland, Suedafrika (Transvaal), Tasmanien,
Afrika (Goldkueste), eine Organisation in Indien ("Rajendra Vidyapith") sowie der Amerikanische Arbeiterbildungsdienst und das
Arbeiterbildungsbuero der AFL.
Die Lage in Oesterreich und Deutschland muss hinsichtlich .
der Bildung von Arbeiterbildungsorganisationen noch geklaert werden.
Bis Jetzt ist in diesen Laendern eine gewisse Abneigung der Gewerkschaften festzustellen, mit anderen Ausbildungsinstitutionen in
Verbindung zu treten, zumal diese in einigen Faellen alles andere
als fortschrittlich sind. Beobachter aus beiden Laendern nahmen
jedoch an der Konferenz teil.
Der Sachbearbeiter fuer Bildungsfragen des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften erklaerte in seiner Ansprache an die
Konferenz, dass der Internationale Bund Freier Gewerkschaften gern
mit diesen Arbeiterbildungsvereinigungen zusammenarbeiten wolle,
vorausgesetzt, dass sie von ihren nationalen Gewerkschaftsbewegungen
anerkannt werden. Der IWA, sagte er, sei in erster Linie ein
Verband der Arbeiterbildungsvereinigungen Jener Laender, die ein
gut entwickeltes Bildungssystem besaasen. Arbeiterbildungsvereinigungen stehen im Dienste der Gewerkschaften und sind in einigen
Laendern die einzigen Einrichtungen, die eine Ausbildung und Erziehung ermoeglichen« Die meisten dieser Institute dienen jedoch
auch den uebrlgen Schichten des Volkes und finden in manchen Faellen
sogar mehr Zuspruch seitens der Buergertums als der Arbeiterschaft.
Die Art und Weise, in der man das Erwachsenen- und Arbeiterbildung sproblem zu loesen versucht, ist ueberall verschieden: Die
Organisationen des IWA sehen zum Beispiel in einer engen Zusammenarbeit mit den Unlversitaeten den besten Weg. Andere Organisationen
lehnen diesen Weg grundsaetzllch ab. Der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften will in diesen Fragen kein Urteil faellen, er wird
sich vielmehr mit den Anschauungen seiner Mitgliedsorganisationen
einverstanden erklaeren muessen, und diese koennen und werden von
Land zu Land verschieden sein. Eine Gewerkschaftsinternationale
muss in solchen Angelegenheiten vorsichtig sein und wird sich nicht
- 13 -

�ausschliesslich zu einem der beiden Systeme bekennen koennen. Der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird alles tun, was man
von ihm verlangt, und was in seiner Macht steht, soweit es sich um
die Unterstuetzung der Bildungsarbeit in bestimmten Laendern oder
um irgendwelche gemeinsame Arbeitsmassnahmen handelt. Er wird
sich mit besonderem Interesse der Unterstuetzung rueckstaendiger
Gebiete widmen, und er erwartet von seinen Mitgliedern in traditionell fortgeschrittenen Laendern, dass sie anderen,weniger
gluecklichen nationalen GewerkschaftsOrganisationen dadurch helfen,
indem sie ihnen eigene Kenntnisse und Erfahrungen zur Verfuegung
stellen. ,
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften, fuhr der Sprecher
fort, befuerchte nicht, dass seine Arbeit den Interessen des IWA,
oder umgekehrt, zum Nachteil sei. Es muesse noch derart viel auf
dem Gebiet der Arbeiterbildung getan werden, dass die doppelte
Durchführung bestimmter Taetigkeiten, wie z.B. auf dem Gebiet der
Sommerschulen, praktisch nur bedeuten wuerde, dass einige Moeglichkeiten mehr vorhanden sind, tienn jedoch die Gefahr bestehe, dass
sich Arbeiten ueberschneiden, dann bleibe immer noch die Moeglichkeit der freundschaftlichen Aussprache, die sicherlich zu fruchtbarer Zusammenarbeit fuehren wuerde. Der Vertreter des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften schloss mit der Erklaenung,
dass die Gewerkschaften eine eigene Arbeiterbildungsarbeit durchfuehren muesse, um die Gewerkschafter mit jenen Kenntnissen aus*statten zu koennen, die sie in ihren verschiedenen Funktionen
dringend benoetigen. Sie seien Jedoch zu gleicher Zeit fuer die
Arbeit dankbar, die andere Organisationen, wie zum Beispiel die
ArbeiterbildungsVereinigungen, leisteten.
Die UNESCO war auf dieser Konferenz durch eine starke Delegation vertreten, der auch ihr Generaldirektor angehoerte, der einige
Worte an die Konferenz richtete. Der Sachbearbeiter fuer Fragen
wechselseitiger Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, Jules Dekock,
sprach ueber das Thema "UNESCO und der'Mann auf der Strasse'." Es
waere weiterhin zu erwaehnen, dass Lionel Elvin, der ehemalige Leiter des Ruskin-College in Oxford, gerade zum Leiter der Abteilung
fuer Erziehung in der UNESCO ernannt ist. Die UNESCO war von dem
Praesidenten des I W A scharf kritisiert worden, weil sie "der Dringlichkeit der Probleme, vor die die ganze Welt gestellt sei, fast
teilnahmslos gegenueberstehe," und weil "sie von der Gewerkschaftsbewegung getrennt zu sein scheine und ihr Programm nicht den Beifall
der Arbeiter gefunden habe." Man war sich im allgemeinen ueber die
Notwendigkeit einer Organisation wie der UNESCO einig, aber ebenso
einig war man sich darueber, dass es hoechste Zeit sei, von den
Moeglichkeiten und Mitteln der UNESCO mehr als bisher zur Foerderung jener Bildungsprogramme Gebrauch zu machen, an denen die Arbeiter tatsaechlich interessiert sind. Es kann gesagt werden, dass
die Angestellten der UNESCO diese Auffassung teilten und die Delegierten aufforderten, ihren Einfluss in ihren Heimatlaendern dahingehend geltend zu machen, dass ihre Vertreter in der UNESCO diesen
Grundsaetzen gemaess handelten.
Earnest Green und Harry Nutt von der britischen Arbeiterbildungsvereinigung wurden einstimmig zum Praesidenten und Sekretaer
des Verbandes wiedergewaehlt. Die uebrigen Mitglieder des Exekutivausschusses sind Oluf Bertolt (Daenemark), H. Neumann (Schweiz)
und Frau Denyse Wurmser (Frankreich).
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/1/50
- 14 -

�PERONS ANTWORT AN DEN INTERNAT IPNALEN BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN
Man wird sich erinnern, dass der Notfallausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften auf einer seiner letzten Konferenzen eine Resolution ueber Argentinien angenommen hatte. Die
EntSchliessung protestierte gegen die Verfolgung argentinischer Arbeiter, die Unterdrückung der Gewerkschaften, den InhaftierungsbefeJbl gegen den Gewerkschaftsfuehrer Candldo Gregorlo und schliesslich gegen die Restriktionen, die das Peron-Reglme der unabhaenglgen
und demokratischen Presse auferlegt hat.
Im Anschluss an diesen Beschluss des Notfallausschusses uebersandte J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, der argentinischen Regierung den Text
dieser Resolution.
Die Peron-Reglerung, die zwar die elementarsten demokratischen
Grundsaetze missachtet, aber dafuer In gesellschaftlichen Formen
äusserst bewandert Ist, - hat sich dazu herabgelassen, dem Generalsekretaer zu antworten. Die Antwort kam von dem Ministerium fuer
"Auswaertige Angelegenheiten und Religion."
In der Antwortnote versucht Anselmo Malvicini, der Leiter der
Abteilung fuer Internationale Gewerkschaftsorganisation in diesem
Ministerium, dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eine
Anstandslehre zu erteilen, indem er die Feststellung trifft, dass
diese Organisation die elementarsten Regeln der Hoeflichkeit nicht
kenne.
Oldenbroeks Brief an die argentinische Regierung war nicht unhoeflich. Er war lediglich bestimmt und streng. Um gegen die gewalttaetigen Methoden der Peron-Reglerung zu protestleren, mit der
sie argentinische Arbeiter und die freien Gewerkschaften behandelt,
hielt der Internationale Bund Freier Gewerkschaften es natuerlich
nicht fuer angebracht, sich literarischer Redekuenste und Feinheit
ten zu bedienen.
Ausser diesen Bemerkungen wird in der Antwort der Peron-Reglerung all das bestritten, was die ganze Welt nur zu gut weiss: Der
diktatorische Charakter des Regimes. In dem Schreiben besteht man
auf der Behauptung, dass in Argentinien die Gewerkschaften frei bestehen koennten. Die Wahrheit ist Jedoch, dass die Gewerkschaftsorganisationen, die nicht der "Arbeitsfront" Perons angehoeren, verfolgt werden, und dass sich ihre Fuehrer augenblicklich im Exil In
Uruguay, Chile und anderen demokratischen Laendern Lateinamerikas
befinden. Malvicini bezeichnet den vor kurzem an Carlos'Antonio
Aguirre In Tucuman veruebten Mord als eine "Polizeiaktion." Auch
versucht er, die gegen die unabhaengige Presse ergriffenen Massnahmen durch mildernde und fadenscheinige Argumente zu rechtfertigen^
So waren zum Beispiel die staedtischen Behöerden, von Buenos Aires
der Ansicht, dass das Gebaeude einer in der Opposition stehenden
Zeitung den sanitaeren Anforderungen nicht genuege und das sichere
Funktionieren des Betriebes in Frage stelle
Eine andere
Zeitung, helsst es in dem Schreiben weiter, wurde verboten und des
"Verrats an der Nation" beschuldigt, weil sie versaeumt hatte, die
fuer diesen Tag angeordnete Schlagzeile "Das Jahr des Befreiers General San Martin" drucken zu lassen.
Candldo Gregorlo, der Fuehrer der Gewerkschaftsbewegung Argentiniens, lebt heute im Exil, nachdem er an der ersten Konferenz des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teilgenommen
hatte. Malvicini versichert allen Ernstes, dass "dieser Buerger
auf argentinischem Boden leben koenne." Es soll nicht abgestritten
werden, dass Gregorlo in Argentinien leben koennte, wenn er den Ent15 -

�schluss fasste, dorthin zurueckzukehren. Leben die politischen Gefangenen in der Lubianka, dem NKWD-Gefaengnis in Moskau, nicht auch
auf russischem Boden? Ebenso kann nicht bestritten werden, dass
jene Spanier, die sich auf Grund ihrer Franco-feindlichen Einstellung im Gefaengnis befinden, auch in Spanien leben. Die Freundlichkeit muss anerkannt werden, die der Sprecher Perons an den Tag legte, als er Gregorio einlud, in sein Land zurueckzukehren .......
Trotz der "guten Absichten" Malvicinis bleibt jedoch der Eindruck bestehen, dass Gregorio im Augenblick den argentinischen Arbeitern einen groesseren Dienst erweist, wenn er in Uruguay bleibt,
anstatt in sein Heimatland zurueckzukehren.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

BICOO 1 - 1 2 4 9 L A B laXj

OFFICIAL

60 1 § 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 19

Frankfurt, 14. Juli 1950
I N H A L T S

V E R Z E I C H N I S

Keine gewerkschaftliche Freiheit in Spanien - Lohnentwicklungen in Schweden
- - - - - - - Zwangsarbeit in Rumaenien als legal erklaert Pensionsvertraege fuer Tausende amerikanischer
Arbeiter abgeschlossen - - - - - - - - - - AFL fuer funktionelle Einheit mit C I O - - - - U.S. Senat fuer Verbesserung der Sozialversicherung - - - - - - - - - - - - - - - - - Betrachtungen zum "Wohlfahrtsstaat" - - - - - Samuel Gompers Werk - - - - - - - - - - - - - - 1
Das Arbeitslosenproblem wird in Amerika nicht
vernachlaessigt
- - - - - - - - - - - - - - 1
Spendet fuer den Kampf gegen arbeiterfeindliche
Senatoren.' - - - - - - - - - - - - - - - - - 1

1
z
2
3
5
6
7
2
4
5

KEINE GEWERKSCHAFTLICHE FREIHEIT IN SPANIEN
In einem Schreiben an die Mitglieder der vom Internationalen
Arbeitsamt gegruendeten Internationalen Kommission fuer Gewerkschaftliche Freiheit weist die Exilgewerkschaft Spanischer Arbeiter darauf hin, dass es seit dem Maerz 1939, der endgueltigen
Machtergreifung der Franco-Diktatur, in Spanien keine gewerkschaftliche Freiheit mehr gibt.
In Franco-Spanien existieren keine freien Arbeiterorganisationen. 4uf der anderen Seite hat der Staat sogenannte "vertikale
Gewerkschaften" geschaffen, denen alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber
eines bestimmten Industriezweiges angehoeren muessen. So besagt
zum Beispiel ein Erlass der Regierung fuer die Bauindustrie vom
29. September 1948: "Die Mitgliedschaft ist fuer alle Personen
Pflicht, die von den nationalen Arbeitsbestimmungen fuer das Baugewerbe betroffen werden."
Loehne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen werden in allen
Industriezweigen von den Behoerden festgelegt, ohne dass die Arbeiter hierzu ihre freie Meinung aeussern koennen. In dem Schreiben
- 1 -

�wurde ein bestimmtes Unternehmen erwaehnt, dessen Arbeitsbestimmungen besagen, dass jeder Beschaeftigte mit dem Verlust des Verdienstes zweier Arbeitstage bestraft wird, wenn er sich durch
"Pfeifen, Summen oder Singen eines Vergehens schuldig macht, selbst
wenn der Wortlaut des Liedes die Moral oder die Religion, den
Staat, die Staatsoberhaeupter oder die Vorgesetzten im Betrieb
nicht angreift." In der Tat sind die spanischen Arbeiter gezwungen, ihre Arbeitskraft irgendjemandem zu verkaufen, der sie dafuer
bezahlen will, ohne dass sie irgendwelche eigenen Rechte haben.
Allen in Franco-Spanien gueltigen Arbeitsbestimmungen liegen diese
Prinzipien zugrunde.
Die offizielle Darlegung der Punktionen dieser "vertikalen
Gewerkschaften" geschieht wie folgt: "Die Idee des totalitaeren
Staates setzt voraus, dass alle Arbeiter in Jedem Sektor der Produktion vom obersten Leiter eines Betriebes bis zum juengsten Lehrling Mitglied der entsprechenden Gewerkschaft sein muessen. Diese
Idee, die dem Einzelnen keine freie Wahl zu lassen scheint, ist
ebenso gerechtfertigt, wie die Militeerdienstpflicht aller gesunden Buerger in einer einzigen nationalen Armee.**
Das Schreiben an die Internationale Kommission fuer Gewerkschaftliche Freiheit schliesst mit dem Aufruf an die zivilisierte
Welt, die Tatsache anzuerkennen und zu verkuenden, dass es in Spanien keine gewerkschaftliche Freiheit gibt und das diktatorische
Falangistenregime deshalb als eine Gefahr fuer die Freiheit und
eine Bedrohung des Friedens angeprangert werden muss.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/14/50
LOHNENTWICKLUNGEN IN SCHWEDEN
Der dominierende Faktor des schwedischen Arbeitsmarktes war
waehrend der vergangenen Jahre ein deutlicher Mangel an Arbeitskraeften und zwar besonders an gelernten Arbeitskraeften. Die Arbeitslosigkeit, die vor dem Kriege etwa 9 bis 10$ der arbeitenden
Bevoelkerung erreichte, hat im vorigen Jahre mit 2,6% einen neuen
Rekordtiefstand erreicht.
Auf Grund des allgemeinen Grundsatzes der Gewerkschaften, Tarif vertraege zu verlaengern, sind keine Kollektiverhoehungen der
Grundloehne vorgenommen worden. Das Gesamteinkommen je Stunde
stieg trotzdem im vorigen Jahre um 3.5% an, was auf die Eigeninitiative zurueckzufuehren ist, eine bei Vollbeschaeftigung normale Begleiterscheinung.
Gemessen am Realeinkommen steht sich der maennliche schwedische Industriearbeiter heute um 25% besser als im Jahre 1945. Die
entsprechende Verbesserung betraegt fuer weibliche Industriearbeiter
35%, fuer Verkaufspersonal 20%, fuer Staatsangestellte, wie z.B.
Eisenbahner, Angestellte der Post etc. 11% und fuer hoehere Beamte
9%.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
ZWANGSARBEIT IN RUMAENIEN ALS LEGAL ERKLAERT
Premierminister Groza unterbreitete der rumaenischen Nationalversammlung eine neue Gesetzesvorlage ueber Arbeitsdisziplin. Diese
- 2-

�Vorlage sieht fuer besondere Vergehen gegen die Arbeitsdisziplin
Zwangsarbeit vor.
Der Vorsitzende des "Gewerkschaftsbundes", Apostol, bezeichnete dieses Gesetz als den Grundstein fuer den Sozialismus in Rumaenien. Dabei enthaelt das Gesetz die Bestimmung, dass die Arbeit nach genau festgesetzten Normen verrichtet werden muss, die
nur von der Regierung abgeaendert werden koennen. Alle Arbeiter,
die diese Normen nicht erreiohen, erhalten nur fuer die geleistete
Teilarbeit ihren Lohn.
Angestellte sind fuer alle Verluste und Sohaeden verantwortlich, die sie verursachen. Maenner und Frauen erhalten gleiohe
Loehne fuer die gleiohe Arbeit. Bei einem freien Tag in jeder
Woohe betraegt die Arbeitszeit in der Tagschicht acht Stunden und
in der Nachtschicht sieben Stunden. In der Gesetzesvorlage ist
ein Streikrecht nicht vorgesehen.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/14/50
PENSIONSVERTRAEGE FUER TAUSENDE AMERIKANISCHER ARBEITER ABGESCHLOSSEN
Durch den Abschluss von Vertraegen zwischen zwei Gewerkschaften und fuenf Unternehmungen erhalten mehrere Tausend Hitglieder
des CIO Anspruch auf Pensionen.
Allein durch den Vertrag der Textilarbeitergewerkschaft mit
drei grossen Teppichfabriken (Bigelow Sanford, Thompsonville (Connecticut) und Amsterdam im Staate New York; Alexander Smith &amp; Sons,
Yonkers (New York); und A. M. Karagheusian, I n e , Freehold und
Roselle (New Jersey) werden fuenfzehntausend Arbeiter pensionsberechtigt.
Im Prinzip war die Gewerkschaft sich schon seit Monaten mit
den Gesellschaften einig geworden, ein formelles Abkommen wurde jedoch erst jetzt geschlossen.
Auoh durch die Vertraege zwischen der Gewerkschaft der Vereinigten Gummiarbeiter und der Republio Rubber Company in Youngstown,
Ohio, und der Dunlop Rubber Company in Buffalo (New York) erhalten
mehrere Tausend Arbeiter Anspruch auf Pensionen.
Nach den Bestimmungen der Vertraege, die die Textilarbeitergewerkschaft abschloss, werden die Unternehmer am 1. Januar 1951 mit
der Zahlung der Pensionen beginnen. Die Unterstuetzungssaetze der
Sozialversicherung werden von den Unternehmern auf 100 Dollar monatlich ergaenzt werden, und zwar fuer alle Arbeiter, die mit 65 Jahren
freiwillig in den Ruhestand treten und 30 Jahre lang in dem Unternehmen taetig waren.
Die Unternehmer uebernehmen saemtliche Versicherungskosten.
Bis zum Alter von 72 Jahren kann kein Arbeiter gezwungen werden,
sioh pensionieren zu lassen. Der Unternehmer kann jedoch einen Arbeiter mit 68 Jahren pensionieren, wenn die Gewerkschaft hierzu
ihre Zustimmung gibt.
Die Vertraege sehen vor, dass den Arbeitern die gesamte Zeit,
waehrend der sie gearbeitet haben, ohne Beruecksichtigung der Unterbrechungen als Dienstzeit angerechnet wird. Die Gewerkschaft erhaelt bei der Verwaltung des Pensionsprogramms Stimmrecht, in
Streitfaellen ist eine schiedsrichterliche Entscheidung vorgesehen.
- 3

�Nach den Bestimmungen des Dunlop-Vertrages, der, von dem Vorsitzenden der Gummiarbeitergewerkschaft, L. S. Buckmaster, als
"eines der grosszuegigsten Versloherungs- und Wohlfahrtsprogramme, die Je zustandekamen," bezeichnet wird, erhaelt Jeder Arbeiter mit 25 Dienstjahren, wenn er mit 65 Jahren pensioniert wird,
von dem Unternehmer eine monatliche Pension von 100 Dollar, einschliesslich der Unterstuetzungen aus der staatlichen Sozialversicherung.
Der Vertrag enthaelt eine besondere Klausel fuer die Pensionierung vor dem 65. Lebensjahr. Danaoh wird einem 60 Jahre alten
Arbeiter mit 15 Dienstjahren bis zu seinem 65. Lebensjahre eine
Mindestpension von 50 Dollar im Monat gezahlt. Sobald er das
65. Lebensjahr erreioht hat, steht ihm die normale Pension zu.
Fuer den Fall, dass die Unterstuetzungssaetze der staatlichen Sozialversicherung erhoeht würden, erklaerte Buckmaster, .
werden die Pensionen um die Haelfte des von der Regierung gezahlten Zuschusses erhoeht werden.
Die Unternehmer haben sich bereit erklaert, Lebensversicherungen fuer die Arbeiter abzuschliessen, deren Saetze sich mit
den DienstJahren erhoehten und auch nach der Pensionierung weiterlaufen.
Fuer jeden neueingestellten Arbeitnehmer betraegt die Versicherungssumme 1000 Dollar, nach drei DienstJahren erhoeht sich
dieser Betrag auf 2000 und nach 6 Dienstjahren auf 4000 Dollar.
Buckmaster sagte, dass dieses Pensionsprogramm von einem
Treuhaenderrat verwaltet wird, dem Vertreter der Unternehmer und
der Gewerkschaft angehoeren.
Das Versloherungs- und Wohlfahrtsabkommen bleibt fuenf Jahre
in Kraft.
Der Vertrag mit der Republic Rubber Company enthaelt Bestimmungen, naoh denen Arbeitnehmer mit 15 Dienstjahren im Alter von
65 Jahren unter gewissen Bedingungen in den Ruhestand treten koennen. Der Zusohuss des Unternehmers zu der staatlichen Altersversorgung ist so hoch, dass der Arbeiter 100 Dollar im Monat zur
Verfuegung hat. Wie in dem Dunlop-Vertrag heisst es auch in diesem Abkommen, dass bei einer Erhoehung der staatlichen Sozialversicherung die von dem Unternehmer gewaehrten Pensionen um die
Haelfte dieses Mehrbetrages heraufgesetzt werden.
Ein Arbeiter, der naoh 15 Dienstjahren in den Ruhestand tritt,
erhaelt auch hier eine monatliche Pension von 50 Dollar. Dieser
Betrag erhoeht sioh fuer jedes zusaetzliche DienstJahr um einen
Dollar. Die Mindestpension von 50 Dollar mit dem Ein-Dollar-Zusohlag fuer Jedes geleistete Diejistjahr ueber 15 Jahre hinaus wird
auoh fuer alle jene Arbeiter gewaehrt, die arbeitsunfaehig sind
und in den Ruhestand treten muessen.
Naoh dem Vertrag ist das Unternehmen verpflichtet, Unfallund Invalidenversicherungen in Hoehe von 1000 Dollar fuer ihre Arbeitnehmer abzuschliessen. Bei Krankheit und Unfall werden dem
Arbeiter 13 Wochen lang woechentlich Unterstuetzungen in Hoehe von
25 Dollar gezahlt, fuer die ärztliche Behandlung werden ihm bis
zu 200 Dollar verguetet. Fuer 70 Tage Krankenhausaufenthalt erhaelt er bis zu 9 Dollar je Tag zuzueglioh eineirHoeohstbeträges von
90 Dollar fuer besondere Ausgaben, wie Operationen usw.
- 4 -

�Eine andere Klausel des Vertrags sieht vor, dass Abkehrgelder bei Kuendigungen seitens des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers gezahlt werden. Sie betragen nach fuenf DienstJahren einen
Wochenlohn, bei mehr als zehn DienstJahren fuer Jedes weitere
Jahr 1 1/2 Wochenloehne und fuer jedes Dienstjahr nach dem 20.
Jahr zwei Wochenloehne.
The CIO News
VI/12/50
AFL FUER FUNKTIONELLE EINHEIT MIT CIO
Der Ezekutivausschuss des amerikanischen Gewerksohaftsbundes
(AFL), der in Philadelphia zusammentrat, teilte dem CIO mit, dass
die AFL bereit sei, "aehnlich wie der CIO ein Komitee zu bilden,
dessen Aufgabe die baldige und erfolgreiche Verwirklichung des
Einheitsgedankens auf einer dauerhaften und sioheren Grundlage
sein soll."
In einem vom Vorsitzenden der AFL William Green unterzeichneten Sohreiben an den Vorsitzenden des CIO, Philip Murray, erklaert der Ezekutivausschuss, die Vorstandsmitglieder der AFL seien "nicht nur an einer versuchsweisen oder kooperativen Einheit,
sondern an einer dauernden und organischen Versohmelzung"interessiert. Der CIO-Vorsitzende hatte der organisierten Arbeiterschaft
vorgeschlagen, ein Vorstandskomitee zu bilden, dessen Aufgabe die
Verwirklichung der "funktionellen" Einheit sein soll.
Diese Mitteilung an den CIO, dass die AFL sohon immer bereit
sei, sich um eine wirkliche Einheit ernstlich zu bemuehen, folgte
die Ernennung eines Dreier-Komitees, das mit dem von dem CIO gebildeten Komitee Besprechungen aufnehmen soll. Zu Vertretern der
AFL wurden ernannt: die Vizevorsitzenden Daniel J. Tobin, Vorsitzender der Internationalen Gewerkschaft der Fahrer, Charles J.
MacGowan, Vorsitzenden der Internationalen Gewerkschaft der Kesselschmiede, und Daniel W. Traoy, Vorsitzender der Internationalen
Gewerkschaft der Elektroarbeiter.
Auf der Konferenz in Philadelphia, die gleichzeitig mit der
Industrieausstellung der Gewerkschaften abgehalten wurde, ist
eine Reihe wichtiger Beschluesse gefasst worden.
Natuerlioh bildete das Taft-Hartley Gesetz einen der wichtigsten Diskussionspunkte des Ezekutivausschusses. Es wurde beraten,
wie dieses ungerechte Gesetz so sohnell wie moeglich rueckgaengig
gemacht werden koenne. Das Ergebnis der Besprechungen war, dass
dieses Ziel nur zu erreichen sei, wenn im November nicht nooh mehr
Taft-Hartley-freundliche Abgeordnete in den Senat und das Repraesentantenhaus gewaehlt werden, sondern diese durch Gegner ersetzt
werden muessen.
Ein weiterer Beschluss sieht vor, ein Komitee des Ezekutivlussohusses zu bilden, das die verschiedenen Pensionsplaene studieren soll. William Green berief in dieses Komitee den Finanzsekretaer
George Meany, den Vizevorsitzenden George M. Harrison, den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Eisenbahnbueroangesteilten, und Vizevorsitzenden Matthew Woll, den Vorsitzenden der Abteilung fuer gewerkschaftlich gefoerderte Gewerbe.
Der Ezekutivausschuss ist durch das Ansteigen der Erwerbslosigkeit in einigen Gegenden beunruhigt, er fordert deshalb die Ausweitung der amerikanischen Wirtschaft, um allen Arbeitswilligen
eine Beschaeftigung geben zu koennen. Der Aussohuss wies darauf
- 5-

�hin, dass die vielbesprochenen 60 Millionen Arbeitsplaetze, die
man sich zum Ziel gesetzt hatte, nicht mehr ausreichten, da sich
die Zahl der Arbeitsuchenden in jedem Jahre vermehre.
Der Exekutivausschuss besohloss ausserdem, jede einzelstaatliche und jede internationale Gewerkschaft anzuweisen, ab sofort
einen Beitrag von 10 Cents Je Mitglied an den Erziehungsfonds der
Gewerkschaftlichen Vereinigung fuer Politische Erziehung zu entrichten. In den kommenden Monaten wird noch intensiver um eine
freiwillige Zwei-Dollar-Spende der Gewerkschaftsmitglieder fuer
einen Fonds geworben werden, mit dem eine politische Kampagne
dieser Vereinigung finanziert werden soll.
n

The American Federt-tionist"
Offizielle Monatszeitschrift
der AFL, Vi/50
U.S. SENAT FUER VERBESSERUNG DER SOZIALVERSICHERUNG
Mit einer ueberwaeltigenden Mehrheit von 81 gegen 2 Stimmen
hat der Senat eine Gesetzesvorlage gebilligt, die die Erweiterung
des Kreises der Anspruchsberechtigten fuer die Sozialversicherung
und deren Unterstuetzungseinrichtungen vorsieht.
Durch diese Massnahmen werden die Unterstuetzungen fuer
2.900.00p pensionierte Arbeiter verdoppelt und etwa 10 Millionen
Menschen neu in das Sozialversicherungsprogramm einbezogen. Die
Verhandlungen dauerten eine Woche und fanden nur wenig Widerspruch.
Die Unterschiede zwischen dieser Vorlage und der des Repräsentantenhauses, die Ende vorigen Jahres bewilligt wurde, muessen in einer
gemeinsamen Konferenz des Senats und des Repraesentantenhauses ausgeglichen werden.
Die wichtigsten Punkte der Gesetzesvorlage sind folgende:
1. Die Sozialversicherung wird auf weitere 10 Millionen Personen ausgedehnt, von denen etwa die Haelfte selbstaendige Arbeiter
sind.
2. Die Unterstuetzungssaetze werden bei einem Hoechstbetrag
von 80 Dollar ungefaehr verdoppelt.
3. Die Lohnlistensteuer, die in Hoehe von 1 1/2% des zu versteuernden Betrages sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Arbeitnehmer erhoben wird, bleibt bis 1956 unveraendert. Dann wird sie auf
2%, im Jahre 1960 auf 2 1/2%, 1965 auf 3% und im Jahre 1970 schliesslich auf S 1/4% erhoeht werden.
4. Der selbstaendige Arbeiter zahlt um 50% hoehere Versicherungsbeitraege als der Arbeitnehmer, weil hier kein Arbeitgeberbeitrag entrichtet wird. Die Unterstuetzungssaetze fuer selbstaendige
Arbeiter sind jedoch die gleichen wie fuer andere Unterstuetzungsberechi.igte.
i

5. 2in Versicherter hat Anspruch auf Unterstuetzung, wenn er
laenger als die Haelfte aller Vierteljahre seit dem 1. Januar 1950
der Versicherung angehoert. Er muss jedoch mindestens sechs Vierteljahre Vers icherungsbeitraege gezahlt haben. Dadurch sollen aeltere Leute schneller in den Genuss der Unterstuetzung kommen, die
oeffentlichen Fuersorgekosten koennen dadurch gekuerzt werden.
6. Die Zuschuesse des Bundesstaates an die einzelnen Staaten,
die eine zusaetzliche Altersversorgung und eine Unterstuetzung be- 6-

�duerftiger Kinder und Blinder ermoeglichen, sollen erhoeht werden.
Weekly Labor News Digest
Statistisches Buero des US Arbeitsamtes
VI/El/50
Ralph Wright, stellvertretender US-Arbeitsminister:
BETRACHTUNGEN ZUM "WOHLFAHRTSSTAAT*
Immer wieder gefaellt es einigen Leuten, gegen das "Uebel" des
sogenannten "Wohlfahrtsstaates" Front zu machen. Dieses imaglnaere
Uebel, das Monstrum dieser Zeit, gegen das bestimmte Leute so laut
schimpfen und Alarm schlagen, muss deshalb einmal etwas naeher untersucht werden.
Es war keine Rede von einemnWohlfahrtsstaat"und niemand sohlug
Alarm, als die Regierung Millionen aufwendete, um den Bau der Eisenbahnlinien quer durch den amerikanischen Kontinent zu unterstuetzen. Kein Unternehmer tobte ueber den "Wohlfahrtsstaat" und
niemand hielt es fuer ein Uebel in Amerika, als die Regierung den
amerikanischen Schiffsbau mit hohen Schenkungen unterstuetzte, um
Schiffahrtslinien in die Lage zu versetzen, jeder auslaendischen
Konkurrenz gewachsen zu sein. Oder wurde von einem "Wohlfahrtsstaat" gesprochen, als die Regierung die zivile Luftfahrt mit hohen Summen finanzieren half? Wird ein "Wohlfahrtsstaat" verwirklicht, wenn die US-Regierung heute Zeitungen und Zeitschriften auf
indirektem Wege unterstuetzt?
Zu keiner Zeit haben sich die Zeitungen oder die Sprecher des
Kapitals ueber die Grosszuegigkeit der Regierung beschwert, wenn das
Grosskapital der direkte Nutzniesser dieser Grosszuegigkeit war.
Diese Beispiele sind nicht deshalb hier angefuehrt, weil der
Regierung ein Vorwurf gemacht werden soll, dass sie Unternehmer
unterstuetzt, die um Hilfe bitten. Auffaeilig bleibt jedoch, dass
jene reaktionaeren Kritiker des sogenannten "Wohlfahrtsstaates"
diese Tatsachen niemals erwaehnen. Kuenstlich geschuerte Aufregung
entsteht immer nur dann, wenn die Regierung irgendetwas unternimmt,
um dem Durohschnittsbuerger zu helfen - in diesen Augenblicken ergibt sich bei den Kritikern ein uebersteigerter Blutdruck.
Die Entwicklung des "Wohlfahrtsstaates," an dem so viel Kritik
geuebt wird, kann in den Vereinigten Staaten bis zu der Depression
des Jahres 1929 zurueckverfolgt werden. Die mehr und mehr veraltenden Theorien ueber die Beziehungen der Regierung zu Privatunternehmen erhielten damals besondere Bedeutung. Schliesslich kann
irgendjemand naoh unzaehligen Hin- und Hergereden auf den Gedanken,
die Verfassung der Vereinigten Staaten naeher zu untersuchen, und
er stellte in der Praeambel und wiederum in Artikel 1, Absatz 9,
fest, dass eines der Ziele der freien und demokratischen Regierung,
wie es die Verfassungsvaeter niedergelegt haben, die Foerderung der '
allgemeinen Wohlfahrt ist.
In jenen Tagen der Depression existierte eine Regierung, die
unter dem starken Einfluss des Grosskapitals stand. Es war deshalb
nur allzu natuerlich, dass diese "allgemeine Wohlfahrt" entsprechend den Wuenschen und Beduerfnissen dieses Kapitals "gefoerdert"
werden sollte. Das erste Werk der Gesetzgebung Jener Zeit zur Eegruendung einer "allgemeinen Wohlfehrt" war das Gesetz zur Errichtung einer Wiederaufbaufinanzierungsgesellschaft. Die republikanische Regierung erklaerte damals, als dieses Gesetz erlassen wurde:
"Die Regierung wird nicht untaetig bleiben und zusehen, wie die
- 7

�Untaetigkeit der Unternehmer dem Volke schadet. Wenn die Privatunternehmerschaft nicht in der Lage ist, die Wirtschaft in Gang
zu halten, dann muss die Regierung versuchen, sie durch Finanzkredite an bestimmte Unternehmungszweige wieder in Gang zu bringen."
Die politische Opposition jener Zeit nahm zu diesem Problem
eine durchaus konstruktive Haltung ein. Dieser "Wohlfahrtsstaat"
zugunsten der Unternehmer wurde von der demokratischen Opposition
keineswegs verdonnert. Sie dehnte diese Gedanken vielmehr auf
das ganze Volk aus, als sie im Jahre 1933 das Ruder in die Hand
nahm. Damit verlieh sie dem bisherigen Knochengeruest eines
"Wohlfahrtsstaates" wirkliche Gestalt und Form.
So schufen Praesident Roosevelts Neuer Plan und Praesident
Trumans Fairer Plan diesen verhassten "Wohlfahrtsstaat." Dieser
furchtbare "Wohlfahrtsstaat," dessen Gesetzgebung das Rahmengebilde
des Neuen Plans und des Fairen Plans darstellt, hat Massnahmen fuer
die folgenden Punkte getroffen:
Soziale Sicherheit
Arbeitslosenversicherung
Spareinlagenversicherung
Mindestlohngesetzgebung
Gesetzgebung zur Foerderung des Wohnungsbaus und Beseitigung
der Elendsviertel
Verbot der Kinderarbeit
Freies Tarifverhandlungswesen
Preissubventionen fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse
Bodenverbesserungsarbeiten
Versorgung laendlioher Gebiete mit Strom und Fernsprechern
Landwirtschaftliche Forschung
Guenstige Kredite an Landwirte zur Vergroesserung der Farmen
Regulierung des Aktienmarktes
Fluss- und Talsperrenausbauten
Erforschung der Herz-, Krebs- und Gemuetskrankheiten
und viele andere Massnahmen, die dem amerikanischen Volk schon sehr
nuetzlich geworden sind.
Diese Gesetzgebung hob den Lebensstandard und verbesserte zugleich die sozialen und wirtschaftlichen Verhaeltnisse in einem Grads, wie es nie zuvor der Fall gewesen ist.
Das Niveau des Umsatzes wurde weit ueber alles bisher Dagewesene hinaus gesteigert. Die Gesamtproduktion wurde von 55,8 Milliarden Dollar im Jahre 1933 auf 257,8 Milliarden im Jahre 1949 gesteigert. Im ersten Vierteljahr 1950 lag sie bei 263,9 Milliarden Dollar. Das Einkommen des amerikanischen Volkes hat einen Rekordstand
erreicht, die Vermoegen der Banken und Versicherungen sind groesser
als je zuvor. Die Geschaeftseinnahmen brechen alle bisherigen Rekorde.
All dies wurde erreicht, ohne dass die persoenliche Freiheit
in Mitleidenschaft gezogen worden waere. Ja, die Freiheit ist sogar noch staerker fundiert als bisher, Millionen und Abermillionen
Amerikaner kennen weder Not noch Hunger und Furcht. Die freien
Vereinigungen der Industriearbeiter, der Farmer und der Unternehmer
gewinnen staendig an Staerke. Das Erziehungswesen und der allgemeine Gesundheitszustand des Volkes sind besser geworden, aber auch
der Gesundheitszustand in der Industrie ist ausgezeichnet. Die
Jugendlich«nproblerne gehen ihrer Loesung entgegen. Es war ein langer Weg, der seit 1933 zurueckgelegt wurde. Mit dem Taft-Hartley
Gesetz ist jedoch ein Rueckschlag eingetreten, dieses Gesetz wird
jedoch wieder beseitigt werden.
8 -

�V

"Aber," so sagt die reaktionaere Kritik, "die Politik des
Fairen Plans stellt eine Einmischung in Unternehmer-Angelegenheiten dar."
Dabei i3t es sehr interessant, einmal zu. erfahren, was eine
ausgesprochen kapitalfreundliche
Zeitung Zur Lage sagt. Am 12. Mai
hiess es in den "U.S. News,1* einem durch und durch gegen Truman eingestellten Magazin: "Die Unternehnerkreiöe geben es zwar nioht
gern zu, aber die Geschaefte gehen zum groessten Teil sehr gut.
Die Automobilproduktion brioht alle bisherigen Rekorde. Ebenso die
Stahlgewinnung." Die Bautaetigkeit hat ihren hoechsten Stand in der
Geschichte erreicht und ist noch im Steigen begriffen."
Einige Wochen zuvor hiess es in der gleichen Zeitschrift:
"Die amerikanischen Geschaeftsunternehmen, als ganzes betrachtet, sohwimmen im Geld. Nie zuvor war die finanzielle Lage des amerikanischen Unternehmertums eine so starke."
Vor einiger Zeit berichteten die Zeitungen des Landes, dass
die Bankvermoegen die nie dagewesene Hoehe von 180 Milliarden Dollar
zu Beginn dieses Jahres erreicht haetten.
"Schoen und gut," geben die Industriebarone zu, "aber wir verlieren dabei unsere Freiheit." Welche Freiheit?
Etwa die Freiheit des Qrosskapitals, die Macht lediglich
der Macht willen auszuueben?

um

Oder die Freiheit, alle Kredite und Wucherzinssaetze ohne jede
Einschraenkung kontrollieren zu koennen?
Oder meinen sie die Freiheit, eine Wirtschaft gaenzlich in ihrer Hand zu haben, ein paar Millionen zur Erwerbslosigkeit zu verdammen, die Gewerkschaften machtlos und die Arbeiter untertaenig
werden zu lassen?
Eine Freiheit, die hilflose Arbeiter zum Unterschreiben von
"Kuli"vertraegen und zur Arbeit fuer Hundeloehne zwingt?
Etwa die Freiheit, Kinder in "Knochenmuehlen" 12 und 14 Stunden taeglich arbeiten zu lassen?
Denken sie an die Freiheit, Werkpolizei und Rowdies, Werkspione und "ausgehaltene" Richter zu engagieren und Telefongespraeche
zu ueberwachen?
Die Freiheit, keine Zuschuesse zur Sozialversicherung, zur Arbeitslosenversicherung und zur Arbeiterunfallversicherung zu zahlen?
Die Freiheit, die Grossbanken so arbeiten zu lassen, dass das
Volk regelmaessig seine Ersparnisse verlieren muss und die Aktienboersen durch Spekulationen so zu steuern, dass der Kleinaktionaer
systematisch und erbarmungslos ausgepluendert wird?
Halten sie jene Form der Freiheit fuer die beste, einen Kongress zu haben, der nur diesen wenigen Grosskapitalisten gegenueber
verantwortlich ist?
Kurz gesagt, hier wird jene Freiheit ersehnt, das Privatunternehmersystem restlos nach den Wuenschen des Grosskapitals zu dirigieren und der grossen Masse den Weg nach oben zu versperren.
9 -

�Einige engstirnige und habgierige Kraefte in den Vereinigten
Staaten koennen nicht verstehen, dass es ausser den Geschaeftsleuten auch Arbeitern und Bauern gut gehen muss, es kann nicht nur
einer in Wohlstand leben.
Was sagen die Kritiker nun zu den besonderen Bestimmungen,
die zur Wohlfahrt des Volkes in den letzten 17 Jahren erlassen wurden? Unbelehrbare Reaktionaere sagten natuerlich, wenn eine dieser
Bestimmungen in Vorschlag gebracht wurde, jedesmal voraus, dass die
Folgen furchtbare sein wuerden. Ihre Vorgaenger aus der Kolonialzeit hatten schon damals hohe Loehne mit der Begruendung abgelehnt,
dass diese nur "die Traegheit des Menschen" foerderten und zugleich
"fuer das Laster in Schenken, Gastwirtschaften und anderen suendhaften Einrichtungen Zeit gewonnen wuerde." Mit aehnlichen Argumenten widersetzten sich spaeter reaktionaere Kraefte der Einfuehrung des Zehn-Stunden-Tages. Ein Gelehrter unserer Tage berichtet
darusber folgendes:
"Der Vorschlag, den Zehn-Stunden-Tag einzufuehren," erklaerte
eine Zeitung im Jahre 1835, "trifft die Industrie und zugleich
die echte Moral an ihren Lebensadern, wenn die Arbeitszeit gesetzlich geregelt werden soll .... Wenn ein Arbeiter mehrere
der nuetzlichsten Stunden des Morgens und des Abends untaetig
bleibt, so fuehrt dies bestimmt zur Unmaessigkeit und zum Ruin."
In einer im "Boston Courier" veroeffentlichten Erklaerung einer Gruppe Kaufleute und Reeder wird betont, dass die Gemeinschaft durch jegliche Verkuerzung des Arbeitstages schwere
Verluste erleiden muesse, man beklagt sich zugleich ueber die
Folgen, die eine Duldung der Untaetigkeit zwangslaeufig mit sich
bringen muss. Der wirkliche Grund fuer die Ablehnung der kuerzeren Arbeitszeit war natuerlich die Befuerchtung, dass die
Geschaeftsgewinne dadurch geschmaelert würden. Aber immer,
wenn irgendeine Aenderung des "von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang" Arbeits-Systems vorgenommen werden sollte, erklaerte
die konservative Opposition, dass sie den Aenderungsvorschlag
deshalb ablehne, weil sie um die Moral der Arbeiter besorgt
sei."
In aehnlicher Weise kaempften vor mehr als 100 Jahren die Industriebarone gegen die Errichtung freier oeffentlicher Schulen.
Die modernen Reaktionaere, die den Kampf gegen die fortschrittliche Gesetzgebung jetzt verloren haben, bedienen sich,genau so wie
frueher, noch weiter der Abschreckmethode, um jeden neuen Fortschritt
zu verhindern. "Wir schaffen einen Wohlfahrtsstaat," sagen sie.
Aber was meinen sie damit? Sind sie gegen eine kuerzere Arbeitszeit, weil sie fuerchten, dass der amerikanische Arbeiter dadurch
noch mehr Zeit zum Trinken haben wird? Sind sie gegen einen Mindestlohn? Wuenschen sie, die Sozialversicherung, die Arbeitslosenversicherung, die Spareinlagenversicherung und die Mindestlohngesetzgebung oder die uebrigen Massnahmen des Neuen Planes und des Fairen
Planes zu beseitigen, die fuer das Volk so ungeheuer wertvoll sind?
Welche Einrichtungen des "Wohlfahrtsstaates" moechten sie eigentlich
verschwinden lassen?
Die Gegner sind
sprechen staendig in
ueber. Und trotzdem
Fairen Plan, den sie
get mit voller Wucht

in ihren Aeusserungen sehr vorsichtig. Sie
nichtssagenden und ausweichenden Worten hierfuehren sie einen erbitterten Kampf gegen den
abschlachten wollen, indem sie dem Staatsbudtiefe und verborgene Wunden schlagen.

Ist man sich dessen bewusst, dass zwei Drittel - genau gesagt,
71# - des fuer 1951 vorgeschlagenen Budgets Kriegs- und Verteidigungs10 -

�kosten decken sollen? Natuerlich hat das Volk nichts dagegen, wenn
die Kosten der vergangenen Kriege bezahlt werden und versucht wird,
unser Land gegen neuerliche Angriffe in Zukunft zu schuetzen. Heute
werden 71$ des Budgets hierfuer verwendet.
Wenn also Leute von ungeheuren Einsparungen sprechen und grosse Kuerzungen des Staatsbudgets befuerworten, dann muessen sie auch
im einzelnen angeben, was sie kuerzen wollen, wieviel sie sparen
wollen, wann, wie und warum sie diese Kuerzungen durchfuehren wollen.
Die verbesserte Sozialversicherungsgesetzgebung, die Gesetze
zur Festlegung der Mindestloehne, die Krankenversicherung und alle
anderen Errungenschaften der Politik des Neuen Planes und des Fairen Planes werden heute mit dem Geschrei ueber die falsche Sparsamkeit und dem scheinheiligen Geschrei ueber den "Wohlfahrtsstaat" bekaempft.
Worin bestehen denn nun eigentlich die Suenden einer demokratischen Regierung, die aufrichtig um das Wohl des Volkes besorgt
ist? Richtet sie sich nicht staendlg nach dem bewaehrten Motto des
Praesidenten Lincolns, in dem es helsst: "Regierung des Volkes, Regierung durch das Volk und Regierung fuer das Volk?"
Diejenigen, die sich heute gegen den "Wohlfahrtsstaat" scharf
ins Zeug legen, behaupten einfach, das Volk verloere seine Freiheit.
Ist es noch niemandem aufgefallen, dass gerade jene Schreier, die
den groessten Laerm ueber den "Wohlfahrtsstaat" schlagen, die
schlankwegs erklaeren, der "Wohlfahrtsstaat" raube jedem die persoenliche Freiheit, genau die gleichen Leutohen sind, die durch
das Taft-Hartley-Gesetz den Gewerkschaften ihre Freiheit raubten?
Jeder Buerger X oder Ypsilon, der eine Rente von der Sozialversicherung bezieht, hat deshalb nicht mehr oder nicht weniger Freiheit al3 andere. Wenn seine Taschen leer waeren, waere er dann etwa
freier gewesen?
Die gleiche Frage muss all denen gestellt werden, die Vorteile
durch die Bestimmungen des Gesetzes ueber Mindestloehne haben. Oder
Jenen, die vielleicht einmal Gelegenheit hatten, Unterstuetzungen
aus der Erwerbslosen- oder Unfallversicherung zu beziehen.
Ist eine Familie - Erwachsene und Kinder zugleich - freier oder
ist sie es nicht, wenn sie ueber genuegend Geld verfuegt, um Lebensmittel, Kinderschuhe und andere Notwendigkeiten einzukaufen?
Das amerikanische Volk laesst sich nicht zum Narren halten. Es
verlangt diese Programme der Wohlfahrtsgesetzgebung, die ihm dienen
und helfen. Es wuenscht eine angemessene Sozialversicherung, ebenso
die Arbeitslosenversicherung, eine Unterstuetzung der Landwirtschaft
und freies Tarifverhandlungswesen. Es fordert, dass die Regierung
sich fuer die Befriedigung der Beduerfnisse und Bestrebungen einsetzt
und dafuer verantwortlich gemacht wird. Das amerikanische Volk
laesst sich nicht durch Schreck- und Drohworte einschuechtern. Es
geht seinen Wog des Fortschritts unbeirrt weiter.
Praesident Trumen unterstuetzt die Forderungen des Volkes, er
vertraut dem Volk und seinen politischen und wirtschaftlichen Einrichtungen. Er weiss, dass die Nation nur so stark wie das Volk
sein kann. Er kaempft mit zaehem Eifer, unerschuetterlichem Mut
und echter Tuechtigkeit fuer eine Politik, die dem Wohl des Volkes
dient. Sein Werk ist der Foerderung der allgemeinen Wohlfahrt gewidmet.
Die Opposition gegen eine solche Politik ist nicht neu. Sie
geht bis auf die ersten Anfaenge der Geschichte zurueck.
- 11 -

�Kurz und klar zusammengefasst, heisst diese Frage: Soll die
politische und wirtschaftliche Einstellung den Wueaschen und Interessen des Volkes angepasst werden, oder soll die Politik sich nach
den Wuenschen der Grosskapitalisten und einiger anderer "hoeherer
Intellektueller" richten?
US Arbeitsministerium
VI/15/50
D. G. Garland, Organisator der AFL in den Suedstaaten:
SAMUEL GOMPERS WERK
Was liegt naeher, als in diesem Jahre den 100. Geburtstag Samuel Gompers, dießes beruehmten Apostels und Gruenders des grossen
Amerikanischen Öewerkschaftsbundes (APD zu ehren? Kein Geschichtswerk ueber die Vereinigten Staaten und ueber den Werdegang der Gewerkschaften waere vollstaendig, wenn nicht ein Bericht ueber Leben
und Werk Samuel Gompers und seine hervorragenden Leistungen fuer
die Sache der Gewerkschaften in ihnen enthalten waere.
Wer ist
listigen und
gehoert auch
nen, die man

dieser Mann, den wir ehren? Es ist keiner jener
schlauen Politiker, die man Staatsmaenner nennt. Er
nicht zu Jenen Figuren mit prunkvollen und teuren KroKoenige nennt. Nein, nichts von alledem.

Der Mann, dessen Andenken in diesem Jahre geehrt wird, ist
der vornehme, menschliche Samuel Gompers, der die ersten Schlaege
gegen Uneinigkeit und Vorurteil, Unwissenheit, Zank und Streit in
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung fuehrte.
Seine Welt war gross und maechtig. Sein Blick war allein auf
die Beduerfnisse des arbeitenden Volkes gerichtet. Sein Leben war
rein, seine Ziele erhaben, seine Kenntnisse umfassend und gruendlich und seine Erfolge gross.
Wir ehren ihn, weil er der Gruender und erste Praesident des
Amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) war. Er adelte die Organisation des arbeitenden Volkes. Samuel Gompers trug mehr als je
ein anderer zum wirklichen Fortschritt, zur Wohlfahrt und zum
Glueck der arbeitenden Menschen bei. Wir.ehren ihn, weil er die
7/uerde des arbeitenden Menschen anerkannte, weil er jeden Ichgedanken beiseiteschob und fuer andere arbeitete, und weil er ein erhabenes Vermaechtnis des Ruhmes fuer jedes arbeitende menschliche
Wesen hinterliess.
Samuel Gompers schrieb einst:
w

Es ist leichter, nach den Sternen emporzublicken, wenn Euer
Magen nicht leer ist."
Niemand kann grosse Erfolge erzielen oder gluecklich sein, wenn
sein Magen leer, die Bioessen des Rueckens unbedeckt, der Kopf ungeschuetzt ist und seine Taschen voellig leer sind. Dieser Mensch
koennte auch niemals ein idealer amerikanischer Buerger sein.
Nicht ein einziges Mal strauchelte Samuel Gompers auf seinem
Wege des Fortschritts, den er im Dienste der Arbeiterschaft beschritt. Er verlor niemals das Ziel aus dem Auge, das er sich gesteckt hatte. Er schmiedete seine Plaene, er wusste genau, was getan werden musste und ging mit eiserner Entschlossenheit an die
Verwirklichung seiner Plaene. In ueberzeugender Weise appellierte
er an den gesunden Menschenverstand der Arbeiter. Tagsueber schien
er ihnen einer Wolke aehnlich zu sein und nachts einer Feuersaeule,
die den Weg zu Freiheit, Ehre und Ruhm wies.
- 12 -

�Unter dem ehrwuerdigen Banner des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) und unter der Fuehrung seines Gruenders und ersten
Praesidenten und seiner tapferen und selbstlosen Kampfgefaehrten,
die ihm folgten, rangen sich die Arbeiter zur Freiheit durch.
Dieser grosse Kaempfer fuer das Wohl der Menschheit und fuer
die Befreiung aus der Unternehmerknechtschaft siegte ohne Panzer
und Kanonen, er arbeitete ohne Beifall und litt, ohne bemitleidet
zu werden. Die Arbeiterschaft schuldet ihm Dank fuer die wirtschaftliche und gewerkschaftliche Freiheit, die sie heute geniesst.
Alle Energie seiner grossen Seele setzte er fuer die Erhaltung des
Freiheitsgeistes ein. Jahr auf Jahr klangen seine tapferen, gesunden und ueberzeugenden Worte durchs Land. Ueberdruessige und muede
gewordene Arbeiter lasen seine aufmunternden Worte, die sie wieder
aufruettelten.
"Was will die Arbeiterschaft? Sie wuenscht die Erde und ihre
Schaetze. Es gibt nichts, was zu erhaben, zu wertvoll, zu schoen
oder zu edel waere, als dass es nicht im Bereich der Wuensche und
Bestrebungen der Arbeiterschaft liegen koenne. V/ir wuenschen mehr
Sohulhaeuser, jedoch weniger Gefaengnisse, mehr Buecher und weniger
Maschinengewehre, mehr Lerneifer und weniger Laster, mehr Freizeit
und weniger Geldgier, mehr Gerechtigkeit und weniger Hass. Wir
wuenschen mehr von all diesen Guetern, um unsere bessere Natur
pflegen zu koennen, damit die Maenner edler, die Frauen schoener
und die Kinder gluecklicher und freudvoller seien."
In jener verhaengnisvollen Nacht des 13. Dezember 1924 verschied der groesste Geist, der aus der amerikanischen Arbeiterschaft
hervorgegangen war. Sein Geist sollte nicht mehr fuer die arbeitende Menschheit denken, fuer immer war Samuel Gompers friedlich
eingeschlafen. Ein unermesslicher Verlust fuer die arbeitende
Mensohheit der Welt bedeutete sein Tod, aber sein Name und sein
Werk werden die Jahrhunderte ueberdauern.
Dieser Held, dieser Apostel, dieser Erzvater der Arbeiterschaft
starb fuer die Freiheit der Arbeiter. Er lebte und starb fuer alle.
Und obwohl er die Grenze ueberschritten hat, ueber die niemand wieder zurueckkehrt, wird sein adelnder Einfluss doch niemals zu bestehen aufhoeren. Sein Licht leuchtet so hell wie immer, und die gesamte Arbeiterschaft verehrt Samuel Gompers, der einmal sagte: "Es
i3t leichter, zu den Sternen emporzublicken, wenn Euer Magen nicht
leer ist."
"Schreibe Deinen Namen in den Sand, und die Wellen werden ihn
ausloeschen. Schnitze ihn in eine starke Eiche, und der Blitz
wird sie zerschmettern. Meissle ihn tief in Marmor, er wird zerbroeckeln. Wenn Dein Name Jedoch unvergaenglich sein soll, dann
schreibe ihn durch bescheidene Taten der Liebe und Entsagung in
die Herzen der Menschen, wie Samuel Gompers es tat."
Schwer haengt die Schoepfung in tiefer Nacht
Licht bricht herein, das Leben erwacht
Graeser spriessen und Blumen und Baeume
Sterne erstrahlen, das Meer wogt Schaeume
Wunder auf Wunder, die Schoepfung erschafft
Samuel Gompers, als Sinnbild des Waltens,
Kaempfer der Arbeit, Ursprung der Kraft.
Samuel Gompers war der Gottheit groesster Arbeitergeneral.
The American Federationist
Offizielles monatliches Magazin
der AFL, VI/50

- 13 -

�Paul Porter:
DAS ARBEITSLOSENPROBLEM WIRD IN AMERIKA NICHT VERNACHLAESSIGT
Amerika sieht wie alle anderen Laender in der Arbeitslosigkeit ein Uebel und ist deshalb bemueht, es zu verhindern.
Dies erklaerte Paul R. Porter, der Chef der Mission fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit in Griechenland, der zugleich Mitglied der amerikanischen Delegation auf der Konferenz des Europaeischen Wirtschaftsausschusses der Vereinten Nationen in Genf
war. Vor diesem AusschU3S nahm er zu der Haltung Amerikas zum
Arbeitslosenproblem Stellung und widerlegte dabei die sowjetischen
Vorwuerfe, dass in den Laendern des Westens und besonders in Amerika die Arbeitslosigkeit entweder unbeachtet bliebe oder sogar befuerwortet wuerde.
Paul Porter, der ebenfalls Chef der Marshall-Plan-Mission fuer
Griechenland ist, erinnerte den Europaeischen Wirtschaftsausschuss
der Vereinten Nationen an die schweren Depressionstage, die Amerika
zu Anfang der Dreissiger Jahre zu ueberwinden hatte. Das amerikanische Volk setzt sich mit aller Energie dafuer ein, dass ein solches Elend sich nicht wiederholt, sagte er, denn es ist sich voellig dessen bewusst, was Arbeitslosigkeit bedeutet.
Die Amerikaner bekennen sich zum Prinzip der wirtschaftlichen
Planung, sie ist eine der Hauptwaffen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. "Wir im Amerika von heute zoegern nicht; die wirtschaftliche Planung als ein Mittel zur Erweiterung und zur Erhaltung eines
hohen und stabilen Beschaeftigungsstandes anzuwenden und oeffentliche Investierungen und die Kreditpolitik so zu lenken, dass sie
diesen hohen Stand unterstuetzen."
Ausserdem sind die Amerikaner der Auffassung, dass der Arbeiter, der den hoechsten Grad persoenlicher Freiheit besitzt, zugleich
der erfolgreichste und leistungsfaehlgste Arbeiter ist und auch
dadurch am besten in der Lage ist, sich eine angemessene und lohnende Beschaeftigung zu sichern. Dieser Glaube an die persoenliche
Freiheit ist die andere entscheidende Waffe Amerikas im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.
In einer freien Gesellschaft, fuehrte Porter weiterhin aus,
steht es den Arbeitern frei, sich in beliebigen Gewerkschaften zusammenzuschliessen und mit den Unternehmern Aber beliebige Forderungen zu verhandeln und, wenn noetig, zu streiken. "Diese Freiheit der amerikanischen Arbeiter hat zu dem hohen Lohnstand gefuehrt, und dieses hohe Lohnniveau ist ein staendiger Ansporn fuer
den amerikanischen Unternehmer, die Produktionsleistung seines
Betriebes zu verbessern, die Arbeiter anzuregen, ihm bei der Steigerung der Produktionsleistung zu helfen und mit geringerer koerperlioher Anstrengung mehr zu produzieren. Dieser Druck, den die
Politik des hohen Lohnes ausuebt, muss eine staendige Erweiterung
unserer Wirtschaft zur Folge haben.
Den amerikanischen Arbeitern stuende es ausserdem frei, jederzeit zu kuendigen und sich nach einem besseren Arbeitsplatz umzusehen. Der Arbeiter benoetigt keine Erlaubnis der Regierung, der
r
olizei oder einer sonstigen Behoerde, wenn er auf der Suche nach
besseren Moeglichkeiten seinen Wohnsitz von einer Stadt in die
andere oder von einem Staat zum andern verlegen will. Dadurch wird
ein hoeheres Beschaeftigungsniveau gesichert, denn wenn die Bedingungen an der einen Stelle unguenstig werden, fuehlen sich die Arbeiter
nicht an diesen Ort gebunden.
- 14 -

�Sine dritte Freiheit besteht fuer den amerikanischen Arbeiter
darin, dass er durch gruendliches Selbststudium vorwaertskommen
und eine bessere Stellung uebernehmen kann. Trotz gegenteiliger
Behauptungen der Sowjets hat diese Freiheit Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der amerikanischen Gesellschaft geschaffen, wodurch
eine scharfe Spaltung des amerikanischen Volkes in Klassen vermieden werden konnte. In einer Klassengesellschaft dagegen kann kein
Mensch erwarten, aus einer Klasse in die andere zu gelangen. Diese
Freiheit hat zu einem staendigen Aufstieg der Maenner in den Betrieben in die Reihen des Unternehmertums und in den oeffentlichen
Dienst gefuehrt.
Amerika hat keinen Grund, selbstzufrieden zu sein, oder etwa
zu glauben, das Arbeitslosenproblem geloest zu haben. Mit der Unters tuetzung der Mehrzahl des Volkes befindet es sich jedoch auf
des richtigen Weg und hat seit den dunklen Tagen der dreissiger
Jahre grosse Erfolge erzielt. Wir beschaeftigen heute in den Vereinigten Staaten 60 Millionen Mensohen. Der Prozentsatz an verborgener oder unsichtbarer Arbeitslosigkeit ist jedoch voellig unbedeutend. Es koennen aber noch mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten
geschaffen werden, wenn wir an der Politik der klugen wirtschaftlichen Planung und des Schutzes der persoenlichen Freiheit festhalten.
Auf die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland eingehend erklaerte Paul Porter, dass die Besatzungsmaechte an diesem Problem hoechst
interessiert seien. Ein Grund hierfuer sei zumindest der grosse
Zustrom an Fluechtlingen aus Osteuropa, deren Zahl in einem einzigen Monat 30.000 und mehr betragen habe.
Wenn die Verhaeltnisse fuer den Arbeiter in Osteuropa wirklich
so zufriedenstellend sind, warum stehen dann die Grenzen der Tschechoslowakei und Ungarns unter starker polizeilicher Bewachung und
sind mit Stacheldrahtverhauen verbarrikadiert? Soll dadurch vielleicht ein Zustrom von Arbeitslosen aus dem Westen verhindert werden? Oder sollen dadurch nicht vielmehr Menschen ausserhalb oder
innerhalb der Grenzen gehalten werden?
Wir erkennen an, dass die Laender Osteuropas ernstlich bemueht
sind, ihre Menschen von der Not zu befreien. Wir billigen diese Bemuehungen. Wir wuenschen ihnen Erfolg. Aber ich denke, dass wir
alt der Frage der Arbeitslosigkeit Frobleme beruehren, die ueber
die Arbeitslosigkeit als solche hineusgehen. Die Sehnsucht nach der
Befreiung von Not und Elend ist nur einer der vielen Wuensche in
d9n Herzen der Menschen. Paul Porter wandte sich jetzt direkt an
die Delegierten der sowjetischen Satellitenstaaten und erklaerte:
"Ich noechte Ihre Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Befreiung
von Furcht lenken."
"Beschaeftigung allein ist keine Loesung; sie stellt nur ein
Mittel dar,nur ein Mittel der persoenlichen wirtschaftlichen Sicherheit; menschliche Wuerde, Selbstachtung und Freiheit fuer jeden einzelnen sind die wirklichen Ziele der Vereinigten Staaten.
Es gibt 30 viele Dinge, die die Menschen aller Laender gemeinsam
erstreben, dass diese gemeinsamen Ziele uns in unseren Bemuehungen
vereinigen sollten. Sie sollten nicht dazu benutzt werden, sich
gegenseitig zu beschuldigen und die Arbeit anderer herabzusetzen."
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI/6/50
SPENDET FUER DEN KAMFF GEGEN ARBEITERFEINDLICHE SENATOREN.»
Die Politische Abteilung der Eisenbahnergewerkschaft setzt sich
dafuer ein, dass konservative Senatoren, wie "Bob" Taft und Senator
- 15 -

�Donnell aus Missouri,nicht wieder in den Kongress gewaehlt werden.
An ihre Stelle sollen wirklich fortschrittlich gesinnte Senatoren
treten.'
Zu diesem Zweck benoetigt die Gewerkschaft Geld.
Sie bittet deshalb ihre Mitglieder, einen oder zwei Dollar zu
spenden und auf ihrer naechsten oertliehen Gewerkschaftsversammlung den "Hut herumgehen zu lassen." Wenn dies nicht moeglich ist,
soll unter den Arbeitskollegen eine Sammlung veranstaltet werden.
"Die Spenden sind natuerlich freiwillig," heisst es in dem
Aufruf der Gewerkschaft," aber wir wissen, dass jeder daran beteiligt sein moechte, wenn die Feinde der Arbeiterschaft geschlagen
werden muessen. Spendet deshalb einen oder zwei Dollar."
Labor
VII/1/50
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HICOO R-1297 L t B Julj 50 1) C

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="6758">
              <text>12.01.1950</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="6759">
              <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 12.01.1950</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="6760">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="6761">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14549">
              <text>Gewerkschaften Amerikas unterstützen Verteidigungsproduktion&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Gewerkschaften helfen am Punkt-Vier-Programm mit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung für die Verteidigung Amerikas&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in Amerika steigt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In England entscheiden die Bergleute selbst über ihre Zukunft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerechts Akkordsystem steigert Produktionsleistung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Gewerkschaftsführer unterstreichen die Bedeutung der Arbeiterbildung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausbildungsinstitut für die wirtschaftliche Planung asiatischer Entwicklungsprojekte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische Gefahr</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
