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U.S. Information Service
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8. Mai 1991

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GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 16. bis 30. April 1991

TERRORISMUS

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER
NOCH WICHTIGE TRIEBFEDER
FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht
des US-Außenministeriums

PARTEIEN IN AMERIKA

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
8. Mai 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. April 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. April 1991 fort.

16. April

18. April

Präsident Bush erklärt, er habe die US-Streitkräfte
angewiesen, unverzüglich mit der Errichtung mehrerer
Lager im Norden des Irak zu beginnen, um im Rahmen
einer neuen Initiative der Vereinigten Staaten den
kurdischen Flüchtlingen Hilfe zu leisten. Die erweiterte
Hilfe sei von humanitären Überlegungen geleitet, erklärt Bush nach Konsultationen mit dem britischen
Premierminister Major, dem französischen Präsidenten Mitterand, dem türkischen Präsidenten özal,
Bundeskanzler Kohl und UNO-Generalsekretär Perez
de Cuellar.

Gemäß Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats zur
Beendigung des Krieges übermittelt der Irak UNOVertretern Informationen über seine chemischen und
biologischen Waffen mit Reichweiten über 150 Kilometern. Die Resolution fordert femer die Zerstörung
solcher Waffen. Eine Sondereinheit der Vereinten
Nationen wird die Zerstörung der chemischen und
biologischen Waffen überwachen und Vor-Ort-Inspektionen im Irak durchführen.

17. April
Die Vereinten Nationen organisieren eine umfangreiche Friedenstruppe zur Überwachung der entmilitarisierten Zone zwischen dem Irak und Kuwait und entsenden im Rahmen der irakisch-kuwaitischen UNOBeobachtermission (UNIKOM) bewaffnetes und unbewaffnetes militärisches Personal.
Der leitende militärische Beobachter der Einheit,
Generalmajor Günther G. Greindl aus Österreich,
befehligt eine Gruppe von 1.440 Mitgliedern aus 36
Ländern: Argentinien, Bangladesh, Chile, China,
Dänemark, Großbritannien, Fidschi, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Kanada, Kenia, Malaysia, Nepal, Nigeria,
Norwegen, Österreich, Pakistan, Polen, Rumänien,
Senegal, Singapur, Sowjetunion, Schweden, Schweiz,
Thailand, Türkei, Ungarn, Uruguay, den Vereinigten
Staaten und Venezuela.

AMERIKA DIENST 18

In Wien legen irakische Regierungsvertreter gemäß
Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) Informationen über ihre atomaren Arsenale offen.
Die Vereinten Nationen und irakische Regierungsvertreter unterzeichnen in Bagdad eine 21 Punkte umfassende Regierungsvereinbarung, mit der die Vereinten
Nationen und private Organisationen wie das Rote
Kreuz und der Rote Halbmond den Kurden und anderen irakischen Flüchtlingen im nördlichen und südlichen Teil des Landes bis Ende 1991 helfen können.
Die Vereinbarung wurde unterzeichnt vom irakischen
Außenminster Ahmed Hussein und Prinz Sadruddin
Aga Khan, dem Koordinator des Generalsekretärs für
das humanitäre UNO-Programm für Irak, Kuwait und
die irakisch-iranischen und irakisch-türkischen Grenzgebiete.

Seite 1

�21. April
Der Befehlshaber der US-Streitkräfte am Persischen
Golf, General Norman Schwarzkopf, beendet seine
Mission in Saudi-Arabien und verlegt das Hauptquartier von USCENTCOM wieder nach Florida. Er bekundet seine Befriedigung, daß die Streitkräfte ihre Mission der Befreiung Kuwaits beendet haben, zeigt sich
aber auch enttäuscht darüber, daß Saddam Hussein
im Irak immer noch an der Macht ist. Schwarzkopf lobt
Generalleutnant Khalid Bin Sultan Bin Abdul Asis aus
Saudi-Arabien, der die vereinigten arabischen Truppen befehligt hat und verleiht ihm die militärische
Auszeichnung der Vereinigten Staaten "Legion of Merit".
22. April
Im Norden des Irak beginnen multinationale Streitkräfte in der Nähe von Sachu mit dem Aufbau von 20 bis
25 Zeltstädten, um etwa 950.000 irakischen Flüchtlingen zu helfen. Amerikanische, französische, britische,
kanadische und italienische Militärflugzeuge liefern
über 460 Tonnen humanitäre Hilfsgüter und steigern
damit den Umfang der insgesamt seit dem 7. April
gelieferten Güter auf etwa 4.165 Tonnen.
UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar verkündet die
Ernennung von Botschafter Rolf Ekeus aus Schweden
zum Vorsitzenden des U NO-Sonderausschusses zur
Überwachung und Verifizierung der Zerstörung irakischer Waffen, wie sie in der Resolution 687 des UNOSicherheitsrats gefordert wird. De Cuellar ernennt Dr.
Robert Gallucci aus den Vereinigten Staaten zum
Stellvertretenden Vorsitzenden dieses Ausschusses,
der seinen Sitz im UNO-Hauptquartier in New York
haben wird.
23. April
Einem Sprecher des Weißen Hauses zufolge haben
sich Belgien, Deutschland, Italien, Kanada, Neuseeland und die Niederlande an den internationalen Hilfsmaßnahmen für irakische Flüchtlinge beteiligt. Die
Vereinigten Staaten ermutigten andere Länder, militärische Einheiten zu den Aktivitäten im Rahmen der
"Operation Provide Comfort" beizusteuern.
Die Vereinigten Staaten haben 63 Millionen Dollar für
diese Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Andere
wichtige Geber sind die Europäische Gemeinschaft,
Deutschland, Großbritannien und Japan.
24. April
Amerikanische Truppen übergeben in einer Zeremonie, die den Beginn der Stationierung von UNIKOMEinheiten symbolisiert, einen Posten in der entmilitarisierten Zone im Südirak an Beobachter der Vereinten
Nationen. Die Beobachterund Infanterieeinheiten der
Vereinten Nationen werden Patrouillen in der entmilitarisierten Pufferzone zwischen Irak und Kuwait durchführen. Die Stationierung des ersten Kontingents der

Seite 2

UN-Beobachter leitet einen Prozeß ein, der etwa zwei
Wochen andauern soll und an dessen Ende die letzten
Koalitionstruppen die entmilitarisierte Zone verlassen
haben werden.
Amerikanische Regierungsvertreter teilen dem Kongreß mit, die Vereinigten Staaten planten keine Verurteilung des irakischen Präsidenten in Abwesenheit
wegen Kriegsverbrechen und würden keine militärische Gewalt einsetzen, um den irakischen Führer in
Gewahrsam zu nehmen.
25. April
Der japanische Premierminister Toshiki Kaifu kündigt
an, Japan werde in der ersten japanischen Militäroperation in Übersee seit dem Zweiten Weltkrieg Minenräumboote in den Persischen Golf entsenden.

*•

Irakische Diplomaten bei den Vereinten Nationen
erklären, Bagdad werde im Einklang mit den Vorstellungen der Koalitionsstreitkräfte den Rückzug der irakischen Truppen aus Sachu akzeptieren.
26. April
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar erklärt, die
Vereinten Nationen würden die von den Vereinigten
Staaten und ihren westlichen Verbündeten eingerichteten Flüchtlingslager im Nordirak "so bald wie möglich" übernehmen.
Der Stellvertretende UN-Generalsekretär, Jean Claude Aime und UN-Abteilungsleiter Marrack Goulding
reisen nach Genf, um die Einzelheiten der Übergabe
mit dem Koordinator der UN-Flüchtlingshilfe, Prinz
Sadruddin Aga Khan und dem Hohen Flüchtlingskommissar auszuarbeiten.
29. April
Präsident Bush stellt fest, solange Saddam Hussein
an der Macht s e i , werde es keinen normalen Handel
mit dem Irak geben und "was die Vereinigten Staaten
anbelangt keine Hilfe, bis sie auf zahlreichen Gebieten
Fortschritte machen", die mit der Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in Zusammenhang
stehen.
Amerikanischen Regierungsvertretem zufolge hat der
Irak der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) in einem neuen Schreiben an diese UNOBehörde in Wien weitere Informationen über die irakischen Vorräte an spaltbarem Material geliefert. Diese
Zusatzinformationen waren eine Reaktion auf Beschwerden, denen zufolge der Irak nicht genug getan
habe, um die UN-Bedingungen über die Preisgabe
seiner nuklearen, chemischen und biologischen Einrichtungen und Bestände zu erfüllen. Der Sprecher
des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, stellt fest,
Washington warte auf die Entscheidung der IAEO im
Hinblick darauf, ob der Irak die Bestimmungen der
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats erfüllt habe.
AMERIKA DIENST 18

^

�30. April

Williams zufolge haben 20 Nationen die Operation
Provide Comfort unterstützt oder Unterstützung zugeDer Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete sagt, und Vertreter der Vereinten Nationen, des InterWilliams, erklärt, da ß mehr als 12. 000 Angehörige der nationalen Komitees vom Roten Kreuz und anderer
multinationalen Koalitionsstreitkräfte aus den Verei- privaten Organisationen haben das Gebiet besucht
nigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutsch- und sind mit Vertretern der gemeinsamen Hilfstruppe
land, den Niederlanden, Spanien, Kanada und der zusammengetroffen.
Türkei den irakischen Flüchtlingen Hilfe leisteten.
* *

AMERIKA DIENST 18

* *

Seite 3

�TERRORISMUS
8. Mai 1991

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER NOCH
WICHTIGE TRIEBFEDER FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht des US-Außenministeriums
WASHINGTON -(AD) - In seinem am 30. April 1991 veröffentlichten Bericht erklärt das US-Außenministerium,
staatliche Unterstützung bleibe einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des internationalen Terrorismus. Diesem neuesten Jahresbericht zufolge betrachten die Vereinigten Staaten Kuba, Irak, Iran, Libyen,
Nordkorea und Syrien als Staaten, die Terrorismus fördern.
Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von dieser Liste gestrichen, nachdem sich das Land mit seinem Nachbarn
zur Republik Jemen zusammengeschlossen hatte. Der Irak wurde neu in die Liste aufgenommen, weil er 1990
erneut terroristische Vereinigungen unterstützte.
Der Bericht trägt den Titel: "Patterns of Global Terrorism: 1990". Das US-Außenministerium ist gesetzlich
verpflichtet, den Kongreß jedes Jahr über Entwicklungen im internationalen Terrorismus zu informieren.
Die nachfolgend veröffentlichten Auszüge sind den Kapiteln "Yearin Review" und "State-sponsored Terrorism"
entnommen.

Das Jahr 1990 gehörte zu den wenigen Jahren der
jüngsten Vergangenheit, in denen es keine "spektakulären" Terroranschläge mit zahlreichen toten oder
verletzten Opfern gab. Trotzdem haben einige wichtige Entwicklungen im Terrorismus stattgefunden. Unter
anderem stieg die Bedrohung durch den internationalen Terrorimus, weil sich der Irak erneut mit terroristischen Vereinigungen auf der ganzen Welt verbündete.
Die vielleicht wichtigste Entwicklung fand imTusammenhang mit der irakischen Invasion in Kuwait am 2.
August statt. Eine Reihe von Palästinensergruppen unter ihnen die Palästinensische Befreiungsfront
(Palestine Liberation Front - PLF), der Palästinensische Islamische Dschihad (Palestinian Islamic JihadPIJ), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine - PFLP) und das
Generalkommando der Volksfront für die Befreiung
Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine-General Command - PFLP-GC) - sagten Saddam
Hussein ihre Unterstützung zu, und die meisten drohten für den Kriegsfall Terroranschläge gegen Ziele im
Westen, in Israel und gemäßigten arabischen Ländern
an. Obwohl bis Ende des Jahres keine Anschläge
stattgefunden hatten, bleibt die Bedrohung bestehen.
Eine weitere wichtige Entwicklung war der fehlgeschlagene Angriff der PLF auf israelische Strände am
30. Mai 1990. Die PLF ist Mitglied der Palästinensi-

AMERIKA DIENST 18

schen Befreiungsorganisation (PLO) und hat sich
demzufolge ebenso wie diese der "Ablehnung" des
Terrorimus verschrieben. Nach der Weigerung der
PLO, diesen Anschlag zu verurteilen, haben die Vereinigten Staaten ihren Dialog mit der PLO beendet, bis
die PLO demonstriert, daß sie sich an die im Dezember
1988 vereinbarten Bedingungen hält.
Diese beiden Ereignisse betonen die anhaltende
Bedeutung der Staaten, die Terrorismus unterstützen
und Terroranschlägen Vorschub leisten. Der Anschlag der PLF auf Israel wurde von Libyen aus
geplant und ausgeführt. Im Jahr 1990 wurde der Irak,
der einer steigenden Zahl von terroristischen Verbündeten Hilfe leistet, wieder in die Liste der US-Regierung aufgenommen, in der Staaten, die Terrorimus
fördern, verzeichnet sind. Die anderen Länder auf
dieser Liste-Kuba, Iran, Libyen, Nordkorea und Syrien
- helfen Terroristen in unterschiedlichem Maße: als
Zufluchtsort, durch die Bereitstellung von Reisedokumenten, Waffen, Ausbildung und technischem Knowhow.
Lateinamerika erwies sich 1990 als das Land mit den
häufigsten Terroranschlägen gegen US-Interessen.
Die meisten dieser Anschläge fanden in Chile, Peru
und Kolumbien statt. Lateinamerikanische radikale
oder Guerillagruppen mit terroristischem Anspruch
griffen eher einheimische als ausländische Ziele an.

Seite 1

�Trotz der hohen Zahl von internationalen Terroranschlägen hatte die zunehmende politische Gewalt auf
nationaler Ebene noch größere Auswirkungen auf die
Region.
In Asien nahm der internationale Terrorismus 1990
erheblich zu, insbesondere aufgrund steigender Aktivitäten der kommunistischen Neuen Volksarmee (New
People's Army - NPA) auf den Philippinen. Gleichzeitig erfuhr der Terrorismus in Südasien einen erheblichen Aufschwung, insbesondere in Pakistan, wo der
afghanische Geheimdienst für eine Flut von Terroranschlägen verantwortlich war.
Es gab im Jahr 1990 aber auch positive Entwicklungen
im Hinblick auf den Terrorismus. Acht im Nahen Osten
festgehaltene westliche Geiseln - unter ihnen die
Amerikaner Robert Polhill und Frank Reed - wurden
freigelassen. Darüber hinaus wurden 1990 im Libanon
keine westlichen Ausländer als Geiseln genommen.
Eine weitere positive Entwicklung war der starke
Rückgang des Terrorismus im Nahen Osten und ein
vermindertes "Überschwappen" des Terrorismus aus
dem Nahen Osten in andere Regionen.
Der Übergang zur Demokratie in Osteuropa brachte
Veränderungen bei den Einstellungen der Länder
Osteuropas zum Terrorismus mit sich. Die neuen
osteuropäischen Regierungen waren bestrebt, die
Unterstützung offenzulegen, die frühere Regime den
Terroristen gewährt hatten, etwa die von der DDR
gewährte Zuflucht für Terroristen der Rote Armee
Fraktion und tschechoslowakischen Lieferungen des
Plastiksprengstoffs Semtex. Von offizieller Seite finden Terroristen keine Unterstützung oder Zuflucht
mehr in den aufstrebenden Demokratien Osteuropas.
Die Tendenz zur multilateralen Zusammenarbeit bei
der Terrorismusbekämpfung setzte sich im Laufe des
Jahres fort. Nach grö ßeren Terroranschlägen wie den
Anschlägen auf Pan Am-Flug 103 und UTA-Flug 772
wiesen die Vereinten Nationen die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (International Civil Aviation
Organization - ICAO) an, eine Methode zu entwickeln,
um Plastiksprengstoff so zu "kennzeichnen", daß er
vor der Explosion entdeckt werden kann. Mitglieder
der ICAO leisteten harte Arbeit für eine Konvention,
derzufolge alle Hersteller ihren Plastiksprengstoffen
Chemikalien zusetzen müssen, mit deren Hilfe sie
besser entdeckt werden können. Anfang des Jahres
1991 wurde die Konvention zur Kennzeichnung von
Plastiksprengstoffen zum Zweck der Entdeckung unterzeichnet.
Der Trend früherer Jahre wurde 1990 mit einer Reihe
wichtiger Prozesse gegen Terroristen fortgesetzt, und
Regierungen zogen zunehmend Terroristen zur Rechenschaft.

Seite 2

Staatlich geförderter Terrorismus
Die staatliche Unterstützung des Terrorimus bleibt
einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des
internationalen Terrorimus. Eine Reihe von Regierungen gewähren Terroristen Zuflucht und stellen Reisedokumente, Waffen, Ausbildung und technisches Knowhow bereit. Viele Regierungen unterstützen nicht nur
terroristische Vereinigungen, sondern nutzen Terrorismus als Mittel ihrer Innen- und Außenpolitik. Andere Regierungen, die keine direkten Förderer terroristischer Vereinigungen sind, unterstützen die Fähigkeiten solcher Gruppen, indem sie ihnen ungehinderte
Durchreise gewähren, die Führung von Geschäften
gestatten und ihnen die Rekrutierung neuer Mitglieder
oder andere Aktivitäten erlauben. Jede Art staatlicher
Terrorismusförderung macht Strafverfolgungsbestrebungen zur Terrorimusbekämpfung wesentlich schwieriger. Deshalb konzentrieren sich die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten bei der Terrorimusbekämpfung darauf, den Preis für diejenigen Regierungen zu erhöhen, die Terrorimus unterstützen, tolerieren und ausüben.
Die Vereinigten Staten setzen gegenwärtig Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien auf ihre Liste der
Länder, die Terrorismus fördern. Diese Liste wird
gemäß Paragraph 6 (j) des Exportgesetzes von 1979
geführt. Diese und andere US-Gesetze verfügen
Handels- und andere Beschränkungen für Länder, die
vom Außenminister der anhaltenden Unterstützung
von Terrorakten bezichtigt werden. Diese Liste wird
jährlich dem Kongreß vorgelegt, dabei können jederzeit neue Länder aufgenommen oder gestrichen werden, wenn die Umstände dies erfordern. Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von der Liste gestrichen,
nachdem sie sich mit ihrem Nachbarn im Norden zur
Republik Jemen vereinigt hatte. Der Irak wurde neu
auf die Liste gesetzt, weil er 1990 terroristischen
Vereinigungen erneut Hilfe geleistet hat.
Die internationalen Bestrebungen zur Abschaffung
des staatlich geförderten Terrorimus haben bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht. Die internationale öffentliche Meinung und die Zusammenarbeit
gleichgesinnter Länder haben großen Druck auf Regierungen ausgeübt, ihr Verhalten zu ändern oder
zumindest zu versuchen, ihre Beteiligung am Terrorismus zu verschleiern. Dies wird deutlich in der Zahl von
Terroranschlägen, die Regierungen zugeschrieben
werden, die auf der US-Liste von Förderern des Terrorimus stehen. Die Gesamtzahl ist von 176 im Jahr
1988 auf 58 im Jahr 1989 und schließlich auf 54 im Jahr
1990 gesunken. Obwohl diese Zahlen ermutigend
sind, sollte festgehalten werden, daß die Ermittlungen
in bezug auf die Terroranschläge auf Pan Am 103 im
Dezember 1988 und UTA 772 im September 1989
noch andauern und eine Beteiligung von Regierungen
enthüllen könnten, die Terrorismus fördern.

AMERIKA DIENST 18

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t

Tatsächlich zeigte sich die anhaltende Gefahr durch
Länder, die Terrorismus fördern, 1990 in zwei Entwicklungen. Erstens wurde der vom Meer ausgeführte
Anschlag der PLF auf überfüllte israelische Strände
durch die Hilfe der libyschen Regierung bei Ausbildung, Unterhaltung und Transport der PLF-Terroristen
ermöglicht. Obwohl die Operation ohne Verluste unter
der Zivilbevölkerung zerschlagen werden konnte, führte
der Anschlag zu erhöhten Spannungen in der Region
und zur Unterbrechung des Dialogs zwischen den
Vereinigten Staaten und der PLO. Wenn der Anschlag
erfolgreich ausgeführt worden wäre, hätte er unter
Umständen zu zahlreichen Todesopfern an den öffentlichen Stränden von Tel Aviv geführt. Zweitens wurde
die Welt nach der irakischen Invasion in Kuwait Zeuge,
wie der Irak eine eindrucksvolle Bandbreite von terroristischen Vereinigungen um sich versammelte, um
die internationale Koalition gegen die Invasion einzuschüchtern.

nutznießern des geheimen Unterstützungsnetzes in
Kuba. Havanna war der Ursprungsort der meisten
Waffen, die FMLN-Kämpfer bei Revolten und Terroranschlägen in El Salvador benutzten. Auch andere
mittelamerikanische Gruppen, besonders in Honduras
und Guatemala, haben Hilfe aus Kuba erhalten. In
Südamerika waren die linksextremen Gruppen in Chile
Hauptnutznießer kubanischer Unterstützung, aber die
Hilfe ist seit Chiles friedlichem Übergang zu einer
Zivilregierung im März 1990 möglicherweise zurückgegangen.

Libyens Beteiligung am Terrorimus im Jahr 1990 ging
über die Unterstützung für den Anschlag auf Israel am
30. Mai hinaus. Tripolis gewährte der bekannten
Gruppe Abu Nidal (Abu Nidal Organization - ANO)
Zuflucht und Hilfe, finanzierte andere radikale Palästinensergruppen wie die PFLP-GC und unterstützte
terroristische Vereinigungen in anderen Ländern Afrikas, in Lateinamerika und Asien.

Iran

Der Iran nutzte und unterstützte den Terrorimus auch
im Jahr 1990, bedrohte und ermordete iranische Dissidenten im Ausland, griff saudiarabische Beamte und
Interessen an, unterstützte weiterhin Geiselnehmer
von Amerikanern und anderen westlichen Ausländern
im Libanon und unterstützte radikale Palästinensergruppen wie die PIJ und die PFLP-GC. Syrien gewährte libanesischen, palästinensischen, türkischen, japanischen und iranischen Terroristen weiterhin Zuflucht
und Unterstützung und bezeichnete alle Anschläge auf
Israel und die besetzten Gebiete als rechtmäßige
Bestrebungen zur "nationalen Befreiung". Nordkorea
beherbergt weiterhin einige Terroristen der Japanischen Roten Armee (Japanese Red Army - JRA) und
unterstützt die Neue Volksarmee auf den Philippinen.
Kuba beliefert und unterstützt Gruppen, die Terroranschläge unter anderem in El Salvador, Kolumbien,
Peru, Honduras und Chile verüben.
Kuba

Einige Rebellenorganisationen haben Büros und Mitglieder in Havanna stationiert. Oftmals werden verwundete Rebellen in kubanischen Krankenhäusern
behandelt. Mit dem Niedergang der prokubanischen
Regierungen in Panama und Nicaragua hat Kubas
Unterstützung für radikale Gruppen noch an Bedeutung gewonnen.

Der Iran setzte seine weitreichende Unterstützung für
den Terrorismus 1990 fort, obwohl die Zahl der vom
iranischen Staat geförderten Terroranschläge 1990
auf 10 gesunken ist -1989 waren es 24.
Der Iran hat häufig seine Nachrichtendienste eingesetzt, um terroristische Anschläge zu erleichtern und
auszuführen, insbesondere gegen iranische Dissidenten. Geheimdienstoffiziere in den Botschaften haben
die Diplomatenpost benutzt, um Waffen und Gelder an
terroristische Gruppen weiterzuleiten. Der Iran hat
seine Verbindungen zu moslemischen Extremisten in
der ganzen Welt ausgebaut und ihnen häufig Rat und
finanzielle Unterstützung gewährt. Die iranische Unterstützung des Terrorismus im vergangenen Jahr läßt
sich anhand folgender Beispiele belegen:
Wiederholung des Aufrufs zur Ermordung von
Salman Rushdie, dem Autor des Romans Die
satanischen Verse.
Die Ermordung von vier iranischen Dissidenten
- in Pakistan, der Schweiz, Schweden und Frankreich.
Unterstützung von Anschlägen radikaler Schiiten auf saudiarabische Interessen, darunter die
Ermordung von drei saudischen Diplomaten,
als Vergeltung für die Hinrichtung von Personen, die im Rahmen der Pilgerfahrt nach Mekka
Bombenanschläge verübt hatten.

Kuba dient nach wie vor als Hafen für regionale Revolutionäre und stellt radikalen subversiven Terrorgruppen militärische Ausbildung, Waffen, Geld und Knowhow zur Verfügung. Die Insel ist heute ein wichtiges
Ausbildungszentrum und Durchgangsland für lateinamerikanische Untergrundkämpfer und internationale
Gruppen.

Umfassende Unterstützung für die Hisbollah,
die PFLP-GC, die PIJ und andere Gruppen, einschließlich Bereitstellung von Waffen, Geld und
Ausbildung.

Die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti (Farabundo Marti National Liberation Front - FMLN) aus El
Salvador gehörte in den letzten Jahren zu den Haupt-

Vom Iran unterstützte schiitische Gruppen haben
wahrscheinlich die Kontrolle über westliche Geiseln im
Libanon, und die meisten Beobachter gehen davon

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

�aus, daß der Schlüssel zu ihrer Freilassung im Iran
liegt. Sämtliche amerikanischen Geiseln befinden sich
wahrscheinlich in der Gewalt einer dieser Gruppen,
der Hisbollah. Der iranische Präsident, Ali Akbar
Haschemi Rafsandschani, dessen innenpolitische Stärke
im Jahr 1990 gewachsen ist, soll einen pragmatischen
Ansatz in der Außenpolitik und verbesserte Beziehungen zum Westen befürworten, was eine Lösung des
Geiselproblems erfordern würde. So schrieb etwa die
Tageszeitung The Tehran Times, von der man annimmt, daß sie Rafsandschanis Ansichten wiedergibt,
in einem Leitartikel vom 22. Februar, die Geiseln
sollten ohne Vorbedingungen freigelassen werden.
Zwei Monate später wurden die amerikanischen Geiseln Robert Polhill und Frank Reed auf freien Fuß
gesetzt. Einige Hardliner im Iran und innerhalb der
Hisbollah reagierten darauf mit Kritik. Sie fragten, ob
der Iran oder die Geiselnehmer durch ihre Handlungsweise vom Westen irgendwelche Vorteile in Form
einer Geste des guten Willens erhalten hätten. Im Jahr
1990 wurden keine weiteren Geiseln freigelassen, und
Presseberichten zufolge strebte der Iran Belohnungen
an, bevor es zu weiterer Bewegung in der Geiselfrage
kommen könne.
Wichtige Personen der Terrorszene, darunter Ahmed
Dschebril von der PFLP-GC sowie verschiedene prominente Mitglieder der Hisbollah, besuchten häufig
den Iran. Der Iran war Gastgeber einer Weltkonferenz
über Palästina, die im Dezember in Teheran stattfand.
Damit versuchte das Land, seinen Einfluß in islamischen Angelegenheiten allgemein und auf die Palästinenser im besonderen zu stärken. Die Führer verschiedener radikaler palästinensischer und libanesischer Gruppen, darunter Salka, Hamas, Hisbollah und
der Palästinensische Islamische Dschihad nahmen
daran teil.
Irak
Irak wurde aufgrund seiner verstärkten Kontakte mit
und Unterstützung von terroristischen Gruppen im
September 1990 wieder auf die Liste der Staaten
gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Nach der
Bildung einer internationalen Koalition gegen die Invasion in Kuwait gaben irakische Regierungsvertreter
öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus
als legitime Taktik bezeichnet wurde.
Nach der Invasion in Kuwait am 2. August 1990 nahm
die Regierung des Irak systematisch Bürger der Vereinigten Staaten und zahlreicher anderer Nationen gefangen. Dies geschah sowohl in Kuwait als auch im
Irak und dauerte mehrere Monate an. Viele der
Geiseln wurden an strategisch wichtige Orte im Irak
verschleppt, darunter Rüstungsfabriken, militärische
Forschungseinrichtungen und wichtige militärische
Stützpunkte.

tion 664 verlangte der UN-Sicherheitsrat dfe Freilassung dieser Geiseln durch den Irak.
Saddam Hussein setzte die Geiseln schließlich wieder
auf freien Fu ß, wobei Frauen und Kinder zuerst freigelassen wurden. Bis Dezember 1990 waren alle westlichen Geiseln frei, aber viele Kuwaiter blieben in
Gefangenschaft.
Eine Geiselnahme in dem vom Irak begangenen Ausmaß
ist einzigartig in der jüngeren Geschichte. Saddam
Husseins Vorgehensweise stellte einen zynischen und
sinnlosen Versuch dar, ausländische Staatsbürger
und ihre Regierungen zu terrorisieren und die internationale Entschlossenheit zu schwächen, sich der
Besetzung und Annexion Kuwaits entgegenzustellen.
Im Jahr 1990, insbesondere nach dem 2. August,
berichtete die Presse über zunehmende Reisen von
Terroristen nach Bagdad, womit sich eine intensivere
Beziehung zwischen diesen Gruppen und dem Irak
andeutete. Schon vor der Invasion Kuwaits bot der
Irak einen sicheren Hafen, Ausbildung und andere
Unterstützung für palästinensische Gruppen mit terroristischem Hintergrund. Unter diesen Gruppen sind
die Arabische Befreiungsfront (ALF) und die PLF von
Abu Abbas, die für die Entführung der Achille Lauro im
Jahr 1985 und den terroristischen Anschlag auf israelische Strände im Mai verantwortlich sind. Auch die
ANO solle ihre Präsenz im Irak in der ersten Hälfte des
Jahres 1990 erneuert haben. Abu Ibrahim, Führer der
inzwischen nicht mehr existierenden terroristischen
Organisation 15. Mai und bekannt für seine Fähigkeiten als Bombenkonstrukteur, soll ebenfalls seinen Sitz
nach Bagdad verlegt haben.
Mit dem Ende des iranisch-irakischen Kriegs verringerte der Irak seine Unterstützung für anti-iranische
Dissidentengruppen, einschließlich der Mujahedin-eKhalq (MEK). Weiterhin wird über eine verstärkte
irakische Unterstützung der Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) in der Türkei spekuliert. Diese geht Hand in
Hand mit der Verschlechterung der türkisch-irakischen
Beziehungen wegen der türkischen Einhaltung der
UNO-Sanktionen nach dem irakischen Einmarsch in
Kuwait und Auseinandersetzungen über Wasserrechte.
Führende irakische Regierungsvertreter, darunter der
ehemalige Außenminister Tarik Asis, gaben öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus als
legitime irakische Reaktion gerechtfertigt wurde, falls
es zu Feindseligkeiten zwischen dem Irak und der
multinationalen Streitmacht am Golf kommen sollte.
Berichten zufolge plante der Irak die Durchführung
dieser Ankündigungen. So sollen irakische Regierungsvertreter sowie Bagdads palästinensische Stellvertreter verschiedene Ziele in der Koalition ausspioniert haben.

Die Massengeiselnahme wurde von der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt, und in der Resolu-

Seite 4

AMERIKA DIENST 18

�Libyen
Libyen hat im Jahr 1990 durch die Unterstützung des
fehlgeschlagenen Anschlags der Palästinensischen
Befreiungsfront auf israelische Badegäste erneut seine anhaltende Förderung des Terrorismus unter Beweis
gestellt. Tripolis half der PLF bei Planung, Ausbildung,
Nachschub und Durchführung dieser Seeoperation.

«

Seit 1986 hat sich der libysche Staatschef Muammar
Gaddafi öffentlich von der Unterstützung terroristischer Gruppen distanziert. Er stellte seiner terroristischen Klientel jedoch weiterhin Finanzmittel, Ausbildung und andere Unterstützung zur Verfügung. Gaddafis
Behauptungen, er habe gewisse terroristische Gruppen - die PLF, ANO und PFLP-GC - des Landes
verwiesen, konnten bis zum Ende des Jahres 1990
nicht erhärtet werden. Libyen nahm darüber hinaus im
Jahr 1990 die finanzielle Unterstützung der PFLP-GC
und möglicherweise auch anderer palästinensischer
Terrorgruppen wieder auf.
Libyen unterstützt auch weiterhin terroristische Vereinigungen und Untergrundkämpfer in der ganzen Welt.
Auf den Philippinen hat Libyen die NPA unterstützt, die
im Jahr 1990 terroristische Anschläge auf Amerikaner
verübte, denen fünf Personen zum Opfer fielen. Vertreter Costa Ricas gehen davon aus, daß alle 15
Mitglieder der Santamaria Patriotic Organization (OPS),
die im Februar in Costa Rica aufgrund von Granatenanschlägen auf amerikanische Einrichtungen verhaftetwurden, in Libyen ausgebildet wurden. Die Gruppe,
die am 27. Juli bei einem Putschversuch, dem mehrere
Menschen zum Opfer fielen, das Parlament von Trinidad und Tobago angriff, wurde unter anderem von
Libyen ausgebildet und finanziert.
Im April wies Äthiopien zwei libysche Diplomaten aus,
weil sie angeblich an einem Bombenanschlag auf das
Hilton Hotel in Addis Abeba am 30. März beteiligt
gewesen waren.

«

'

Im ganzen Jahr 1990 tauchten neue Hinweise auf die
libysche Verstrickung in frühere Akte des Terrorismus
auf. Deutschen Presseberichten zufolge entdeckten
deutsche Stellen in den Akten des ehemaligen DDRStaatssicherheitsdienstes Beweise dafür, daß Libyen
für den Bombenanschlag auf die Diskothek La Belle in
West-Berlin im Jahr 1986 verantwortlich war.
Auch die Ermittlungen in bezug auf den Bombenanschlag vom September 1989 auf Flug 772 der französischen UTA - bei dem 170 Menschen, darunter 7
Amerikaner, ums Leben kamen - weisen Presseberichten zufolge darauf hin, daß die Bombe mit libyscher
Diplomatenpost in den Kongo geschmuggelt wurde
und von einem libyschen Botschaftsvertreter in Brazzaville an drei in Libyen ausgebildete kongolesische
Terroristen weitergegeben wurde. In afrikanischen
und französischen Presseberichten wird festgestellt,
daß sowohl im Kongo als auch in Zaire Verdächtige

AMERIKA DIENST 18

festgehalten werden, die Libyen mit dem Bombenanschlag in Verbindung bringen.
Auch ein Großteil der Verantwortung für den Bombenanschlag auf Flug 103 der Pan Am vom Dezember
1988 geht laut Presseberichten von Ende 1990 zu
Lasten der Libyer. So schrieb die amerikanische,
britische und französische Presse, die Ermittler hätten
entdeckt, daß der damals verwendete Zünder mit dem
identisch sei, den zwei im Februar 1988 in Dakar
(Senegal) festgenommene libysche Agenten bei sich
trugen. Die offiziellen Ermittlungen dauerten in beiden
Fällen bis Ende 1990 an.
Nordkorea
Seit Mitglieder des nordkoreanischen Geheimdienstes
im Jahr 1987 eine Bombe an Bord eines südkoreanischen Verkehrsflugzeuges schmuggelten, sind keine
weiteren von diesem Land unterstützten Terrorakte
bekanntgeworden. Nordkorea bietet jedoch weiterhin
einer kleinen Gruppe von Mitgliedern der Japanischen
Roten Armee (JRA) Schutz, die im Jahr 1970 ein

japanisches Verkehrsflugzeug nach Nordkorea entführt hatten. Nordkorea hat der New People's Army
auf den Philippinen Unterstützung gewährt. Es hat
sich nicht vom Terrorismus distanziert.
Syrien
Seit 1987 gibt es keinerlei unmittelbare Beweise für die
Beteiligung der syrischen Regierung an terroristischen
Anschlägen außerhalb des Libanon, obwohl Syrien
weiterhin Gruppen, die internationale terroristische
Aktionen durchführen, Unterstützung und Unterschlupf
bietet.
Syrien hat Fortschritte dabei erzielt, sich von der
Unterstützung einiger terroristischer Gruppen zu lösen. Syrien hat darüber hinaus mit dem Iran und
anderen zusammengearbeitet, um die Freilassung
westlicher Geiseln zu erreichen, die von terroristischen Gruppen im Libanon festgehalten wurden. Dazu
gehörte auch die Freilassung der amerikanischen Geiseln
Polhill und Reed im Frühjahr 1990. Die staatlich
kontrollierten Medien haben die Abu-Nidal-Organisation als terroristisch bezeichnet, aber die syrische
Regierung versäumte es, in den syrisch kontrollierten
Gebieten des Libanon konkrete Maßnahmen gegen
die ANO durchzuführen.
Gleichzeitig unterstützt Syrien öffentlich das Recht der
Palästinenser auf bewaffneten Kampf für ihre Unabhängigkeit. Präsident Assad hat palästinensische
Angriffe auf Israel und die besetzten Gebiete öffentlich
verteidigt und unterstützt. Syrien stellt weiterhin politische und materielle Unterstützung für palästinensische Gruppen zur Verfügung, die ihr Hauptquartier in
Damaskus haben und in der Vergangenheit terroristische Anschläge verübten, insbesondere die PFLPGC, deren Propagandasender al Quds in Syrien steht.
Darüber hinaus beherbergt sie die Abu-Musa-Gruppe,
Seite 5

�die Volkskampffront (PSF), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und die Demokratische Front
für die Befreiung Palästinas (DFLP). Der Führer der
PFLP hat öffentlich erklärt, er werde Anschläge auf
amerikanische Ziele und andere Gegner des Irak
durchführen, falls es zum militärischen Konflikt am
Golf käme. Bis zum Jahresende wurden keine Anschläge dieser Art verübt.

sehen Islamischen Dschihad, die die Verantwortung
für das Massaker an neun israelischen Touristen in
Ägypten übernommen hat. Die Erklärung des PU
wurde vom Rundfunksender der PFLP-GC in Südsyrien ausgestrahlt.

Im Jahr 1990 und insbesondere seit dem irakischen
Einmarsch in Kuwait hat Syrien versucht, seine öffentlichen Verbindungen zu terroristischen Aktivitäten und
Die Vereinigten Staaten haben der syrischen Regie- Gruppen im internationalen Bereich abzuschwächen,
rung gegenüber - sowohl öffentlich als auch vertraulich augenscheinlich in dem Versuch, sein Ansehen im
- weiterhin ihre ernste Besorgnis über die von Syrien Westen zu verbessern. Syrische Reglerungsvertreter
unterstützten terroristischen Gruppierungen zum haben erklärt, das Land engagiere sich für die AufspüAusdruck gebracht. Die syrische Regierung hat einige rung und Bestrafung von Personen im syrischen
positive Schritte unternommen, insbesondere seit Beginn Hoheitsbereich, die terroristischer Anschläge beschulder Golfkrise im August 1990, um die in Syrien behei- digt werden, falls Beweise für ihre Verbrechen vorgemateten terroristischen Gruppen zu zügeln. Sie hat legt werden können. Sie haben darüber hinaus wiejedoch keine Maßnahmen ergriffen, um diese Grup- derholt, daß jede Organisation, die an terroristischen
Verbrechen beteiligt ist, die Folgen zu tragen hat.
pen aufzulösen oder aus Syrien auszuweisen.
Nach dem Besuch von Außenminister Baker in Syrien
Syrien hat keine Schritte unternommen, um die Prä- im September hat der syrische Außenminister Schasenz anderer terroristischer Organisationen abzubau- raa öffentlich erklärt, Syrien verurteile alle Formen des
en oder zu beseitigen, wie etwa der Kurdischen Arbei- Terrorismus, einschließlich von Flugzeugentführunterpartei (PKK), der Armenischen Geheimarmee für gen und Geiselnahmen. Syrien unterscheidet jedoch
die Befreiung Armeniens (ASALA) und der Japani- weiterhin zwischen dem "legitimen Kampf gegen die
schen Roten Armee. Einige dieser Gruppen unterhal- Besatzungstruppen" und Akten des Terrorismus - ein
ten Lager im libanesischen Bekaa-Tal, das von syri- grundlegender Unterschied zwischen amerikanischen
schen Truppen kontrolliert wird. Syrien toleriert ferner und syrischen Nachrichten.
die Präsenz einer Splittergruppe des Palästinensi-

*

Seite 6

*

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AMERIKA DIENST 18

•

�PARTEIEN

IN

AMERIKA
8. Mai 1991

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

BONN - (AD) - Der nachfolgend veröffentlichte Artikel ist im Januar 1991 in der Zeitschrift American Studies
Newsletter erschienen. Der Autor ist Leiter des Roper Institute in Storrs (Connecticut).

Nach jeder wichtigen Wahl in den Vereinigten Staaten
sind Politiker und Insider bestrebt, die Bedeutung des
Ergebnisses zu analysieren. Welche Implikationen
haben die Ergebnisse für die nächste Runde nationaler
Wahlen und ganz allgemein für die Zukunft der Partei?
Die vorherrschende Meinung über die Wahl vom 7.
November 1989 - bei der die Demokraten die Bürgermeisterwahl in New York und die Gouverneurswahlen
in Virginia knapp gewannen und beim Rennen um den
Posten des Gouverneurs von New Jersey gut abschnitten - läßt zwei Schlußfolgerungen zu. Erstens,
daß nach der Reagan-Ära die Demokraten ihren Vorsprung bei den Wahlen wiedergewonnen haben und
zweitens, daß der Widerstand der Republikaner gegen
flexiblere Abtreibungsgesetze sich als politisches
Eigentor erwiesen hat.
Das erste Argument entbehrt jeder Grundlage. Noch
schlimmer ist, daß es die Aufmerksamkeit von dem
Merkmal ablenkt, das den gegenwärtigen Wettbewerb
der politischen Parteien in den Vereinigten Staaten
von dem früherer Zeiten unterscheidet: Wahlergebnisse in den Bundesstaaten und Kommunen weichen
in ihrem Muster stark und kontinuierlich von den landesweiten Wahlen ab, bei denen die Präsidentschaft
im Vordergrund steht. Normalerweise wäre man gut
beraten, den drei Wahlen im November 1989 nicht
allzuviel Bedeutung beizumessen, weil sie als Beispiel
zu unerheblich sind, um etwas über nationale Tendenzen zu verraten, aber die Ergebnisse spiegeln tatsächlich eingefahrene Muster wider.
Ein Jahr zuvor hatten die Republikaner die Präsidentschaft mit Leichtigkeit gewonnen - ihr fünfter Sieg in
den letzten sechs Rennen. In diesem Zeitraum hatten
sie bei den Wählern gegenüber den Demokraten einen
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Vorsprung von 10 Prozentpunkten - 53 Prozent zu 43
Prozent. Diese Spanne ist so groß, daß sie ihresgleichen nur einmal in der amerikanischen Geschichte bei den Wahlen von 1932 - findet (als der Demokrat
Franklin D. Roosevelt 57 Prozent der Wählerstimmen
auf sich vereinigte und damit vor dem Republikaner
Herbert Hoover lag, der 39 Prozent errang). Aber in
der ganzen Zeit hielten die Demokraten ihre Mehrheit
in den Parlamenten der Bundesstaaten und im Kongreß. Nach der Wahl von 1988 führten sie gegenüber
den Republikanern im Senat mit 55 zu 45, im Repräsentantenhaus mit 260 zu 175, bei den Gouverneuren
mit 28 zu 22 und bei den Sitzen in den gesetzgebenden
Körperschaften der Bundesstaaten mit 4.477 zu 2.925.
Wenn die Ergebnisse von 1989 irgendeine besondere
Bedeutung haben, dann die, daß sich die Tradition
geteilter Parteikontrolle in die neunziger Jahre fortsetzt. Warum ist das so?
Bei dem Versuch zu erklären, warum die gegenwärtige
Wählerschaft etwas tut, was amerikanische Wähler
bisher nicht getan haben - unterschiedliche Stimmabgabe bei nationalen und regionalen Wahlen -muß man
zu der Schlu ßfolgerung gelangen, daß die Wähler uns
damit etwas sagen wollen. Ich nenne ihre Reaktion
nach James Madison (US-Präsident von 1809-17),
dem großen Verfechter der geteilten Regierung "kognitiven Madisonismus". Diese Interpretation geht
von der Tatsache aus, daß sich Amerikaner mit einer
politischen Philosophie und begleitenden Institutionen - die einer sich wechselseitig kontrollierenden
Regierungsbefugnis große Bedeutung beimessen und
als Instrument zur Wahrung der Freiheit des einzelnen
dienen - in geringerem Umfang als andere Demokratien durch ein republikanisches Weißes Haus und
einen demokratischen Kongreß beunruhigt fühlen.
Seite 1

�Niemals vor diesen letzten 25 Jahren hat Amerika
erlebt, daß die Parteien sich die Kontrolle über nationale exekutive und legislative Institutionen geteilt haben,
aber ihre ganze Geschichte hatte sie für die zugrundeliegende Idee der geteilten Regierung vorbereitet.

Vorteil, weil sie nach zwei ungewöhnlichen republikanischen Debakeln in den Jahren 1964 und 1974 das
moderne Zeitalter mit mehr Amtsträgern begonnen
haben, die damit einhergehende Vorteile des Amtes in
Anspruch nehmen konnten.

Erhalten die Lehren der Geschichte jetzt eine neue
Perspektive? Sind Amerikaner jetzt empfänglicher für
eine gesteigerte Form geteilter Macht - eine republikanische nationale Exekutive mit einer demokratischen
Vormachtstellung im Kongreß und den Parlamenten
der Bundesstaaten - um neue Perspektiven auszudrücken? Natürlich erklärt die Öffentlichkeit, durch
eine geteilte Parteienkontrolle nicht im mindesten beunruhigt zu sein. Zum Beispiel wurde in einer vom 23.
bis 26. Oktober 1988 von NBC News und dem Wall
Street Journal durchgeführten Untersuchung gefragt:
"Glauben Sie, daß es generell besser ist, wenn dieselbe politische Partei sowohl den Kongreß kontrolliert als
auch den Präsidenten stellt, oder sind Sie der Meinung, es sei besser, wenn unterschiedliche politische
Parteien den Kongreß kontrollieren und den Präsidenten stellen?" Nur 32 Prozent sprachen sich für die
Kontrolle einer Partei aus, während 54 Prozent geteilte
Macht befürworteten. Andere Umfragen haben diese
Tendenz bestätigt.

Die Bindung an eine politische Partei ist das eine Mittel,
diese Dynamik außer Kraft zu setzen. Das heißt, ein
Wähler weiß vielleicht nicht sehr viel über das Wahlergebnis eines Amtsinhabers und stimmt dennoch zugunsten eines weniger bekannten Herausforderers
gegen ihn, weil der Wähler die Partei des Gegners
bevorzugt - und das ist genau das, was historisch
gesehen geschah. Im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts, in dem die Amtsinhaber größere Wahlressourcen als je zuvor aufgebracht haben, hat sich der
Anteil der Wähler mit starken Parteibindungen jäh
verringert. Die Wähler von heute, die über eine bessere Ausbildung verfügen und ihre politischen Informationen im großen und ganzen den Massenmedien entnehmen, gehen sehr viel weniger mit dem Kurs ihrer
Partei konform als ihre Vorgänger dies taten.

Untersuchungen der öffentlichen Meinung in den
Vereinigten Staaten zeigen eine Öffentlichkeit, die
wichtigen politischen Themen höchst ambivalent
gegenübersteht. Insbesondere befürworten Amerikaner ein hohes Maß an staatlichem Schutz und staatlichen Dienstleistungen, kritisieren aber gleichzeitig die
Regierung als zu groß, zu aufgebläht und zu belehrend. Sie erwarten wiedersprüchliche Dinge vom
modernen Staat und sehen, daß Demokraten und
Republikaner zur Rolle der Regierung ganz unterschiedliche Auffassungen haben. Wäre es denn
überraschend, wenn eine Art kognitiver Madisonismus
in modernem Gewand in Erscheinung treten würde?
Nach dem Motto: wir wollen die Ansichten der beiden
Parteien zur angemessenen Rolle der Regierungen
noch spannender gestalten. 1989 ist der republikanische Präsident George Bush fest im Weißen Haus
etabliert und erfreut sich großer Zustimmung, deshalb
wollen wir bei den Gourverneurswahlen in New Jersey
und Virginia eine etwas andere Botschaft aussenden.
Zusätzliche Faktoren als nur der kognitive Madisonismus wirken natürlich jetzt und produzieren geteilte
Wahlergebnisse. Bei den Wahlen 1989 spielten sie
keine große Rolle, aber bei den Wahlen für die gesetzgebenden Körperschaften in den letzten 25 Jahren
haben Amtsvorteile eine gro ße und zunehmende Rolle
gespielt. In vielen Parlamenten der Bundesstaaten
und im Kongreß hatten Amtsinhaber im Hinblick auf
das Personal und die Kampagne einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Herausforderern - sie
verfügten über entschieden mehr Mittel zur Eigenwerbung. Damit haben die Demokraten einen klaren

Seite 2

Die Faktoren, die das Wahlverhalten bei Kongreßund Präsidentschaftswahlen beeinflussen, unterscheiden sich grundlegend. Der Politologe S.M. Lipset
argumentiert fogendermaßen:
"Der Kongreß ist der Ort, an dem (Gruppen-)
Konflikte ausgefochten werden. Die Mitglieder
leisten Dienste, fungieren als Ombudsmann
und vertreten Interessen. Sie erheben eher im
kleinen als im großen Rahmen Einspruch. Und
die Demokraten mit ihren Verbindungen zu den
Massen und die Interessen der Öffentlichkeit
vertretenden Lobbyisten sind besser in der Lage,
diese Aufgaben zu erfüllen."
•
Andererseits "kommt den Republikanern auf
nationaler Ebene die Tatsache zugute, daß der
Präsident als ein gewählter Monarch angesehen wird, als Symbol ebenso wie als Führungskraft für das gesamte Land, die im Idealfall über
kleinmütigen Interessenkonflikten steht und sich
vor allem für moralische Werte in der Innensowie die Außen- und Verteidigungspolitik
engagiert. Das Amt ist immanent an Nationalismus gebunden. Demokratische Liberale stehen
vor diesem Hintergrund schwach da. Reagan
und Bush scheinen stark."
Die Meinungen der Analysten gehen auseinander,
inwieweit die öffentliche Meinungsbildung den Republikanern ihren derzeitigen nationalen Vorteil verschafft
hat. Ich kann drei Komponenten ausmachen. Die eine
ergibt sich aus dem enormen realen Wachstum der
Regierung in den sechziger und siebziger Jahren. Als
Reaktion auf diesen Zuwachs wurde das Vorgehen der
Regierung zunehmend als Problem, nicht nur als
Problemlösung gesehen. "Die Regierung verursacht

AMERIKA DIENST 18

�j

Inflation" war ein Teil dessen. "Die Regierung erhebt
zu hohe Steuern" ist heute geläufiger. Für die meisten
Bürger nahm die tatsächliche Steuerlast nach den
fünfziger Jahren drastisch zu.

gehalten. Weiße Südstaatler aus den ländlichen
Gebieten und die Arbeiterklasse des Nordens waren
bezüglich stärkerer staatlicher Eingriffe in den Markt
einer Meinung.

Der zweite Problembereich bezieht sich auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Heutzutage vergißt
man leicht, daß zu Zeiten des New Deal [der Innenpolitik von Präsident Franklin D. Roosevelt (1933-34), die
die Erholung der amerikanischen Wirtschaft von der
großen Wirtschaftskrise zum Ziel hatte] die Demokraten die Partei mit der dogmatischeren Außenpolitik
waren. In einigen republikanischen Kreisen machte
sogar der Vorwurf die Runde, die Vereinigten Staaten
"führen Kriege", wenn die Demokraten an der Regierung sind. Zweifelsohne erhielten die Vereinigten
Staaten in den dreißiger und vierziger Jahren von den
Demokraten eine Art au ßenpolitischen Nationalismus,
der intellektuell dem "neuen Nationalismus" entsprach,
den die Partei bei Wirtschaftsbelangen im Inland verfolgte - in beiden Fällen unter der Führung von Franklin
D. Roosevelts republikanischem Vetter Theodore.
Politiker der Demokratischen Partei insistierten, daß
den Vereinigten Staaten große Verantwortung bei der
Förderung spezifischer nationaler Interessen und der
Sache der Demokratie durch das Einbringen amerikanischer Macht in das Weltgeschehen zukäme.

Keine der beiden Gruppen hatte "liberale" Ansichten
zu Themen wie Rassenzugehörigkeit, Patriotismus,
Todesstrafe oder Abtreibung. Sobald diese Themen
politisch in den Vordergrund treten wie in den sechziger Jahren sahen und sehen sich die Demokraten mit
einem nahezu unlösbaren Problem konfrontiert. Wenn
sie eine liberale Haltung zu diesen Themen einnahmen, stießen sie die weißen Südstaatler und einen Teil
der weißen Arbeiterklasse vor den Kopf. Wenn sie
konservative Ansichten vertraten, riskierten sie, die
gebildeten Liberalen zu verlieren, die ihren Wahlkampf
führten und das Geld aufbrachten. Demokratische
Kongreßkandidaten können diesem Problem häufig
ausweichen, da die meisten Wahlbezirke für Kongre ßwahlen relativ homogen sind. Diese Strategie wirkt bei
Wahlen in den Bundesstaaten nicht so gut, vor allem,
wenn der Bundesstaat sozial vielschichtig ist. Bei
landesweiten Wahlen scheint sie überhaupt nicht zu
funktionieren.

Wesentliche Teile der Demokratischen Partei hätten
diesen Ansatz der New Deal-Ära in jedem Fall modifiziert, aber aufgrund des Vietnamkriegs wurde die
Neubewertung beschleunigt und verschärft. Den
Republikanern wurde damit die enorme Chance gegeben, sich als die in Fragen der Außenpolitik realistischer denkende und als die Partei zu etablieren, die
eher zur Aufrechterhaltung einer starken nationalen
Verteidigung und zum Widerstand gegen die kommunistische Expansion bereit ist.
Einige Demokraten vertreten die Auffassung, daß ihr
jüngster Nachteil bei außen- und verteidigungspolitischen Fragen jetzt durch die Entwicklungen in der
UdSSR und Osteuropa abgebaut wird.

i

Aber solche Betrachtungen scheinen eher Hoffnungen
der Demokraten als politische Realität zu sein. Die
Tatsache bleibt bestehen, daß ein republikanischer
und nicht ein demokratischer Präsident zu einem Zeitpunkt auf der Bühne ist, zu dem der Kommunismus
ideologisch das Handtuch geworfen zu haben scheint.
Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, daß sich
die bisherigen Probleme der Demokraten in dem neuen
politischen Umfeld der neunziger Jahre verringern
werden - aber im Augenblick ist das reine Spekulation.
Der dritte Problemkreis, der die Demokraten national
vor eine Herausforderung gestellt hat, umfaßt ein
vielschichtiges Spektrum sozialer Fragen. Christopher Jancks Beobachtungen zufolge wurde die New
Deal-Koalition durch Wirtschaftsinteressen zusammen-

AMERIKA DIENST 18

Viele Analysten sehen jedoch jetzt in der scharfen
Abtreibungskontroverse eine größere Chance für die
Demokraten. Der Politologe William Schneider argumentiert, daß "die Frage des Schwangerschaftsabbruchs einen Pfahl mitten durch die Reagan-Koalition
treiben könnte." Der Grund:
"Religiöse Konservative und wohlhabende
Vorstädter sind die beiden Kemwählerschaften
der Republikanischen Partei. Kein Thema kann
diese beiden Gruppen mehr entzweien als Abtreibung."
In Wirklichkeit war das Tema Schwangerschaftsabbruch für beide Parteien seit über zehn Jahren äußerst schwierig - seit der Zeit, als sich die Amerikaner
der praktischen politischen Konsequenzen einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr
1973 bewußt wurden, die ein flexibles Recht auf Abtreibung einräumte. Dies ist darauf zurückzuführen,
daß die große Mehrheit der Öffentlichkeit sich weder
im Lager der Befürworter noch der Abtreibungsgegner
wohlfühlt. Die Lobby ist stark polarisiert und vertritt
zunehmend die Auffassung, daß es zu diesem Thema
keinen Mittelweg geben kann. Für viele Amerikaner ist
der Mittelweg jedoch ein weites Feld - und dort wollen
sie stehen.
Ein Teil der von zahlreichen Amerikanern der "breiten
Mitte" vertretenen Auffassung ist, daß bei Abtreibung
wie bei so vielen anderen Fragen der Gedanke der
Entscheidung des einzelnen gro ßen Respekt verdient.
Wenn Meinungsforscher beispielsweise die Frage
stellen: "Sollte einer Frau der Schwangerschaftsabbruch gestattet werden, wenn sie dies wünscht und ihr

Seite 3

�Arzt zustimmt?", antwortet die große Mehrheit kontinuierlich mit Ja. Der andere Teil argumentiert jedoch,
Abtreibungen würden zu häufig und zu sorglos durchgeführt und daher sei größere Kontrolle vonnöten.

"liberalisiert". Gleichzeitig möchten Demokraten, die
selbst Gegner der Abtreibung sind oder aus Wahlkreisen kommen, in denen die Gegner sehr stark sind, daß
die Partei ihre Einstellung konservativer gestaltet.

Die Auswirkungen dieser unterschiedlichen Einstellungen werden von einer Reihe von Untersuchungen
eindeutig aufgezeigt - dazu gehören auch zwei im März
und September 1989 durchgeführte Meinungsumfragen, bei denen jeweils ein umfassendes Spektrum von
Fragen gestellt wurde. Diesen Untersuchungen zufolge lehnt eine große Mehrheit einen Verfassungszusatz ab, der Schwangerschaftsabbrüche kategorisch
verbieten würde. Eine Frau könnte demnach einen
legalen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen,
wenn die Schwangerschaft die Folge von Vergewaltigung oder Inzest ist oder wenn das Kind mit hoher
Wahrscheinlichkeit an einer Erbkrankheit leiden würde. Nahezu einhellig würden die Amerikaner einen
Schwangerschaftsabbruch befürworten, um das Leben der Mutter zu retten.

Eine Mehrheit aller Amerikaner befürwortet tatsächlich
die Wahlfreiheit des einzelnen und gleichzeitig mit
Nachdruck den Schutz des ungeborenen Lebens. Sie
erwarten von beiden Parteien, daß sie beide Positionen respektieren. Wird eine Partei dabei mehr Erfolg
haben als die andere?

Obwohl die Mutter die Freiheit haben sollte, in einigen
Fällen über den Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, sollte ihre Wahlfreiheit jedoch nicht uneingeschränkt bestehen. Große Mehrheiten der Bevölkerung würden Abtreibung in den Fällen für illegal erklären, in denen ein Schwangerschaftsabbruch deshalb
gewünscht wird, weil die Geburt eines Kindes die Frau
zwingen würde, ihre berufliche Karriere zu unterbrechen, weil der Vater nicht bereit ist, bei der Kinderbetreuung mitzuhelfen oder weil die Schwangerschaft
eine übermäßige emotionale Belastung darstellen würde.
Nahezu einhellig lehnen die Amerikaner Abtreibung
als Mittel der Geburtenkontrolle ab. Die Analyse von
Erhebungsdaten zur öffentlichen Meinung zeigt sowohl unter Republikanern als auch unter Demokraten
ein breites Meinungsspektrum zum Schwangerschaftsabbruch. Es wurde häufig in den Vordergrund gestellt,
daß es unter den Republikanern einen starken Block
für die Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch
gibt - vielleicht ein Fünftel aller Anhänger der Republikanischen Partei. Man sollte jedoch nicht außer acht
lassen, daß bei den Demokraten die Gegner der
Abtreibung einen noch größeren Prozentsatz ausmachen - meiner Analyse zufolge etwa ein Viertel. Dies
ist ein starker Hinweis darauf, daß beide Parteien bei
ihren traditionellen Wählern Zuspruch einbüßen könnten, wenn die Frage des Schwangerschaftsabbruchs
bei Wahlen größeres Gewicht erhielte.
Verständlicherweise machen sich deshalb auch einige
Vertreter beider Parteien Sorgen über die Auswirkungen des Themas auf das Wählerverhalten. Republikanische Befürworter der Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch, wie etwa die Kongreßabgeordneten
Lynn Martin aus Illinois und Claudine Schneider aus
Rhode Island möchten, daß ihre Partei ihre Haltung

Seite 4

Zu Beginn der neunziger Jahre haben beide großen
politischen Parteien ihre Hochburgen. Wie bereits
festgestellt, haben die Republikaner institutionell gesehen das nationale Stimmverhalten dominiert, in dessen
Mittelpunkt die Wahl des Präsidenten steht. Gleichzeitig haben die Demokraten bei Wahlen in den Bundesstaaten und Gemeinden ihre Mehrheit ständig ausgebaut. Im Hinblick auf ihre Grundsätze profitieren die
Republikaner wie bereits seit über zehn Jahren weiterhin von dem Glauben, daß der Zuwachs an staatlichem Einfluß zurückgedrängt werden muß, während
die Demokraten durch die weiterhin große Nachfrage
nach öffentlichen Dienstleistungen gestärkt werden.
Moralische Fragen wie die Abtreibung sind Herausforderungen für beide Parteien.
Insgesamt gesehen, haben jedoch die Republikaner
die politische Schlacht der achtziger Jahre gewonnen.
Am Ende des Jahrzehnts hatten sie bei Wähleridentifikation gleichgezogen und bei anderen Faktoren einen Vorsprung erzielt.
Alle wichtigen nationalen Meinungsumfragen weisen
im Lauf des Jahrzehnts beeindruckende Bewegungen
auf: Die Nettoverschiebung zu den Republikanern
betrug bei der Identifikation 15 bis 20 Prozentpunkte in
den Umfragen. Die Ergebnisse schwanken - sie
spiegeln damit sowohl die ihnen eigene Ungenauigkeit
als auch den Fluß der politischen Ereignisse wider -,
aber ein eindeutiger, sich kontinuierlich verstärkender
Trend ist offenkundig.
Jüngste Arbeiten der Politikwissenschaftler Helmut
Norpoth und Michael Kagay liefern dramatische Beweise für den Erfolg der Republikaner bei jungen
Menschen. Norpoth und Kagay kombinierten die
zahlreichen jährlich von CBS und New York Times
durchgeführten Umfragen und erhielten dadurch einen
noch umfassenderen, verläßlicheren Querschnitt. Sie
fanden heraus, daß sich im Jahr 1980 54 Prozent der
18-29jährigen als Anhänger der Demokraten bezeichneten, 33 Prozent als Anhänger der Republikaner-ein
Nettovorsprung der Demokraten von 21 Prozent. Im
ersten Quartal des Jahres 1989 bezeichneten sich
jedoch 52 Prozent der 18-29jährigen als Republikaner
und 38 Prozent als Demokraten - ein 14prozentiger
Vorsprung der Republikaner. Die von Jahr zu Jahr

AMERIKA DIENST 18

�gesammelten Daten machen deutlich, daß dieser
gewaltige Generationen Umbruch die Folge kontinuierlich angesammelter Erfahrungen und keine Reaktion
auf eine plötzlich eintretende Reihe von Ereignissen
war.

i

•

Anderen Maßstäben für die Lage der Parteien zufolge
haben die Republikaner sogar noch größere Fortschritte erzielt. In einer Gallup-Umfrage vom Juli 1989
bezeichneten 51 Prozent der Befragten die Republikaner als die Partei, die eher in der Lage sei, "den
Wohlstand des Landes zu erhalten", während nur 30
Prozent dasselbe von den Demokraten behaupteten.
Bei der jungen Generation war der republikanische
Vorsprung noch größer: 63 Prozent der 18-29jährigen
hielt die Partei für wirtschaftlich kompetenter, während
nur 23 Prozent die Demokraten auswählte. Dagegen
betrug bei den über 50jährigen der Vorsprung der
Republikaner lediglich 43 zu 32 Prozent.

*

AMERIKA DIENST 18

*

Noch wichtiger ist Norpoth und Kagay zufolge die
Tatsache, daß in früheren Zeitabschnitten, als die
Republikaner im Aufwind zu sein schienen, nichts dem
gegenwärtigen Trend bei den Jungwählern vergleichbares geschah. So haben zwar die Republikaner ihr
Ansehen bei denjenigen, die in der Ära Eisenhower
(1953-61) politisch mündig wurden, etwas gesteigert,
jedoch bei weitem nicht in dem Maß, wie dies bei den
Jungwählern der achtziger Jahre der Fall war.
Welches ist die sich daraus ergebende politische
Botschaft? Sicherlich nicht, daß republikanische
Zuwächse im nächsten Jahrzehnt zwangsläufig oder
Siege der Partei bei künftigen Wahlen vorherbestimmt
sind. Die Bilanz der achtziger Jahre endete jedoch mit
dem Ergebnis, daß die Republikanische Partei ihre
Basis gestärkt und bis auf ein Niveau angehoben hat,
wie es sie seit Beginn der Großen Depression der
dreißiger Jahre nicht mehr gegeben hatte.

*

*

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;Herausgeben US Information &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;&lt;span style="vertical-align: inherit;"&gt;Service Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;</text>
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                <text>Amerikadienst 08.05.1991</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. April 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Staatliche Unterstützung immer noch wichtige Triebfeder für Terrorismus &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Parteien in Amerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Republikaner und Demokraten in den Neunziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Everett Carll Ladd&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States ot America

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22. Mai 1991

20
•w;
CHEMISCHE WAFFEN

ZUR VERWIRKLICHUNG EINES VERBOTS
CHEMISCHER WAFFEN
Botschafter Ledogar vor der Genfer
Abrüstungskonferenz

OSTEUROPA

MITTEL- UND OSTEUROPA:
EIN JAHR DANACH
Rede des Stellvertretenden Außenministers Eagleburger

UMWELT

LEITER DES US-UMWELTSCHUTZ AMTES
FORDERT ZUSAMMENSPIEL VON UMWELTUND WIRTSCHAFTSPOLITIK
Anhörung vor Senatsausschuß

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Mai 1991

EINWANDERUNG

AMERIKANER ASIATISCHER ABSTAMMUNG
IN DER AMERIKANISCHEN GESELLSCHAFT
von Paul Malamud, USIA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�CHEMISCHE

WAFFEN
22. Mai 1991

VEREINIGTE STAATEN UNTERSTREICHEN
ENGAGEMENT ZUR VERWIRKLICHUNG DES
VERBOTS CHEMISCHER WAFFEN
Botschafter Ledogar vor der Genfer Abrüstungskonferenz
WASHINGTON - (AD) - Der Chefunterhändler der Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz
(CD), Botschafter Stephen Ledogar, hat dieses Gremium am 16. Mai 1991 aufgefordert, umgehend den
Vorschlag Präsident Bushs für ein weltweites Verbot chemischer Waffen zu erörtern.
"Angesichts der Dringlichkeit einer Befreiung der Welt von diesen Waffen des Terrors können wir es uns nicht
leisten, unsere Verhandlungen rein routinemäßig fortzuführen", erklärte der Botschafter in einer Rede vor
diesem wichtigsten Weltforum für multilaterale Abrüstungsverhandlungen.
Ledogar räumte ein, daß die Fertigstellung einer Konvention innerhalb von 12 Monaten "erhebliche Anstrengungen" erfordern werde, forderte die anderen Teilnehmerstaaten aber auf "in ihrer Haltung flexibel zu sein" und
"dasselbe Engagement" zur Verwirklichung eines Verbots chemischer Waffen an den Tag zu legen wie die
Vereinigten Staaten.
Ledogar erinnerte daran, daß der amerikanische Vorschlag die Lösung aller ausstehenden Probleme bis Ende
1991 und die ständige Tagung des Ad-hoc-Ausschusses der CD zu chemischen Waffen bis zur Vollendung einer
Konvention im nächsten Jahr vorsieht.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Ledogars Erklärung im Wortlaut.

Zu Beginn des zweiten Teils unserer Sitzungsperiode
im Jahr 1991 habe ich das große Vergnügen, Ihnen
eine Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten an die Abrüstungskonferenz vorzulesen. Diese
Botschaft hat folgenden Wortlaut:
"Der jüngste Konflikt am Persischen Golf hat erneut
das Schreckgespenst des Einsatzes chemischer Waffen
gegen unschuldige Menschen heraufbeschworen. Dies
unterstreicht die Dringlichkeit einer Befreiung der Welt
von diesen Waffen des Terrors. Ich gehe davon aus,
daß die beste Hoffnung auf eine Beseitigung der
Geißel chemischer Waffen in einem vollständigen
Verbot besteht, das Bestandteil der von dieser Konferenz auszuhandelnden Konvention über chemische
Waffen ist. Die Vereinigten Staaten engagieren sich
für einen unverzüglichen, erfolgreichen Abschluß dieser Konvention und ihre wirksame Durchführung. Zu
diesem Zweck habe ich eine Reihe von Maßnahmen
angekündigt, die von den Vereinigten Staaten ergriffen
werden, um die Verhandlungen zu beschleunigen und

AMERIKA DIENST 20

Botschafter Ledogar angewiesen, meine Entscheidung in dieser Sitzungsperiode umzusetzen. Ich hoffe, diese Initiative wird auch andere Nationen dazu
anspornen, sich selbst ebenso für die entscheidenden
Ziele der Konvention zu engagieren und fordere alle
Nationen auf, sich uns bei der möglichst baldigen
Erlangung eines effektiven Verbots chemischer Waffen anzuschließen. Insbesondere rufe ich die Teilnehmer dieser Konferenz dazu auf, für diese Zielsetzung
alles in ihrer Macht Stehende zu tun und sich dafür
einzusetzen, alle noch anstehenden Probleme bis
Ende 1991 zu lösen und die Konvention über chemische Waffen innerhalb von 12 Monaten fertigzustellen.
Um diesen Zeitplan einzuhalten, bitte ich darum, daß
der Ad-hoc-Ausschuß zu chemischen Waffen in Genf
ständig tagt. Ich wünsche Ihnen allen einen raschen
Erfolg."
Präsident Bushs Botschaft enthält den Ansatz, den die
Vereinigten Staaten bei der Vollendung unserer Arbeit
an einem Verbot chemischer Waffen zu verfolgen

Seite 1

�gedenken. Der Präsident geht seit langem davon aus,
daß die beste Hoffnung auf einen Abbau chemischer
Waffen in ihrem völligen Verbot besteht, über das wir
gegenwärtig in diesem Forum verhandeln. Angesichts
der Dringlichkeit einer Befreiung der Welt von diesen
Waffen des Terrors können wir es uns nicht leisten,
unsere Verhandlungen rein routinemäßig fortzuführen.
Zu Beginn dieser Woche hat der Präsident angekündigt, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, eine
Reihe innovativer Maßnahmen zu ergreifen, um die
Aussichten auf den erfolgreichen Abschluß einer
Konvention über chemische Waffen zu verbessern.
Erlauben Sie mir, diese Schritte nun zu erläutern.
Um der Arbeit der CD ein Gefühl von der Dringlichkeit
des Problems zu vermitteln, schlagen die Vereinigten
Staaten die Erstellung eines Zeitrahmens für die Lösung aller noch zur Verhandlung anstehenden Probleme bis Ende 1991 und die Fertigstellung der Konvention innerhalb von 12 Monaten vor.
Um zur Verwirklichung dieser Ziele beizutragen, schlagen die Vereinigten Staaten vor, daß der Ad-hocAusschuß zu chemischen Waffen von heute bis zur
Fertigstellung der Konvention ständig tagt. Die Verhandlungen würden also während der vorgesehenen
Sitzungspausen im Juli und im Herbst andauern. Damit
würde sichergestellt, da ß keine Zeit verloren und keine
Chance vergeudet wird. Unserem Vorschlag gemäß
sind die Vereinigten Staaten bereit, mich und meine
Delegation in Genf zu belassen und die Delegation
gegebenenfalls zu verstärken, um diesem Zeitplan
gerecht zu werden. Wir rufen andere Staaten dazu
auf, dasselbe Engagement an den Tag zu legen.
Um den Abschluß eines Verbots chemischer Waffen
innerhalb eines Jahres auf den Weg zu bringen, haben
die Vereinigten Staaten entschieden, Maßnahmen zur
Lösung zweier wichtiger Probleme zu ergreifen, die
unsere Verhandlungen behindert haben.
Mit diesen Maßnahmen hoffen wir aufzuzeigen, daß
der einzige Weg zum Abschluß eines Vertrags über
eine flexible Haltung führt. Wir fordern andere auf,
ebenfalls Flexibilität zu demonstrieren. Die Vereinigten Staaten werden insbesondere nicht mehr auf ihrem
Recht auf Vergeltung mit chemischen Waffen bestehen. Die Vereinigten Staaten werden unmittelbarnach
Inkrafttreten der Konvention dem Einsatz chemischer
Waffen aus jedwedem Grund und gleichartiger Vergeltung gegen alle Länder abschwören. Darüber hinaus
werden wir eine Bestimmung für die Konvention vorschlagen, die den Einsatz chemischer Waffen unter
allen Umständen verbietet.
Ferner werden die Vereinigten Staaten ihren Standpunkt aufgeben, daß wir und einige andere Länder
zwei Prozent unseres C-Waffenarsenals behalten dürfen,
bis alle Länder, die chemische Waffen besitzen, der
Konvention beigetreten sind. Die Vereinigten Staaten
Seite 2

werden sich bedingungslos für die innerhalb von zehn
Jahren nach Inkrafttreten der Konvention erfolgende
Zerstörung all ihrer Chemiewaffenarsenale und früheren Produktionsstätten einsetzen. Wir fordern alle
Länder auf, ihre C-Waffenarsenale offenzulegen und
sich uns anzuschließen, indem sie ihre Arsenale und
Produktionsstätten zerstören. Wir werden Bestimmungen für die Konvention vorschlagen, die von allen
Parteien bedingungslose Zerstörung ihrer C-Waffenarsenale und Produktionsstätten nach Inkrafttreten
der Konvention und die Beendigung der Zerstörung
innerhalb von zehn Jahren verlangen.
Verifizierung ist einer der wichtigsten' ungelösten
Schlüsselbereiche der Konvention. Obwohl bei der
Entwicklung des Verifizierungssystems für die Konvention erhebliche Fortschritte erzielt wurden, bleiben
noch wichtige Fragen bestehen. Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihr Engagement für ein starkes und
direktes Verifizierungsregime. Wir werden bald zusätzlich konkrete Vorschläge unterbreiten, um die
zentrale Frage von Ad-hoc-lnspektionen zu kfären.
Wir werden die Abrüstungskonferenz auffordern, sich
unserer Position anzuschließen.
Eine weitere ungelöste Frage ist, wie man die für ein
effektives Verbot entscheidende Beteiligung erzielt.
Wir sind natürlich der Meinung, daß ein vollständiges
Verbot chemischer Waffen erhebliche Fortschritte für
alle Parteien mit sich bringen wird. Wir sind femer der
Ansicht, daß es greifbare Vorteile für diejenigen Länder geben sollte, die der Konvention beitreten - und
bestimmte Strafen für diejenigen, die es nicht tun.
Deshalb werden die Vereinigten Staaten Bestimmungen für die Konvention vorschlagen, die den Parteien
den Handel mit Material zur Herstellung chemischer
Waffen mit solchen Ländern untersagen, die nicht
innerhalb eines absehbaren Zeitraums nach Inkrafttreten beitreten.
Nach der Konvention werden viele Länder ihre chemischen Waffen zerstören müssen. Dies ist eine sehr
komplexe und technisch anspruchsvolle Aufgabe. Um
die weltweite Beseitigung von C-Waffen zu erleichtern,
werden die Vereinigten Staaten anderen Ländern
praktische und effektive Hilfe leisten und sich an der
schnellen, sicheren und umweltschonenden Zerstörung chemischer Waffen beteiligen, wo immer diese
auch sein mögen. Wir gründen eine Arbeitsgruppe aus
Vertretern der US-Regierung und der Privatwirtschaft,
um Vorschläge zu entwickeln, wie die Vereinigten
Staaten einzelne Ländern bei der Zerstörung chemischer Waffen beraten und ihnen helfen können. Wir
werden Parteien technische Hilfe bei der Zerstörung
leisten, die chemische Waffen auf ihrem Territorium
stationiert haben. Dazu zählen etwa Besuche unserer
Zerstörungseinrichtungen, Pläne und technische Beratung. Als Forum für praktische Zusammenarbeit
schlagen wir die Einrichtung einer technischen Arbeitsgruppe unter der Ägide der Abrüstungskonferenz
vor.
AMERIKA DIENST 20

�Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre Position, daß
es Sanktionen gegenüber Staaten geben sollte, die die
Konvention verletzen sowie besonders strenge Sanktionen gegen jedes Land, das erstmals chemische
Waffen einsetzt. Die Vereinigten Staaten erklären,
Verletzungen der Konvention, insbesondere den Ersteinsatz chemischer Waffen, als extrem gravierenden
Bruch des Völkerrechts zu betrachten und in diesem
Fall angemessene Sanktionen zu verhängen.

Bis zum vollständigen Verbot sind die Vereinigten
Staaten der Meinung, es sei wichtig, die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu verhindern. Deshalb sind
die Vereinigten Staaten bereit, allen anderen Verhandlungspartnern umfassende Informationen über unsere
Exportkontrollen für Material und Technologie zur
Herstellung chemischer Waffen - und über unsere
nationalen Gesetze zu deren Durchführung - zur Verfügung zu stellen.

Durch den Verhandlungsprozeß leisten die Teilnehmer der Abrüstungskonferenz alles in ihrer Macht
Stehende, um zu gewährleisten, daß die C-Waffenkonvention den Anliegen und Interessen aller Teilnehmer entgegenkommt. Oftmals sind Kompromisse
erforderlich, um dies zu leisten. Wir vertreten daherdie
Meinung, daß es Pflicht der an den Verhandlungen
teilnehmenden Länder ist, den erarbeiteten Text zu
unterstützen. Die Vereinigten Staaten erklären formell
ihre Absicht, von Anfang an Partei der C-Waffenkonvention zu werden. Wir fordern alle Länder auf,

Wir empfehlen allen anderen Ländern, ähnliche Kontrollen durchzuführen und wollen deshalb bis zur
Ausarbeitung eines vollständigen und formellen Verbots die Weiterverbreitung von C-Waffen einschränken.

öffentlich zu erklären, daß auch sie von Anfang an

beitreten wollen. Darüber hinaus fordern wir alle
Länder auf, ihre C-Waffenarsenale offenzulegen und
unmittelbar nach Inkrafttreten der Konvention dem
Einsatz von C-Waffen aus jedwedem Grund abzuschwören.

AMERIKA DIENST 20

Der Abschluß der Konvention im nächsten Jahr wird
uns allen große Anstrengungen, großen Einsatz und
viel Flexibilität abverlangen. Der Status quo wird nicht
ausreichen. Vielmehr müssen wir alle zusammenarbeiten, wenn wir unser gemeinsames Ziel eines weltweiten Verbots zur Herstellung, Lagerung und dem
Einsatz chemischer Waffen erreichen wollen. Um
allgemeine Einhaltung zu erzielen, sind die Vereinigten
Staaten bereit, alles Erdenkliche zu tun, um eine CWaffenkonvention Wirklichkeit werden zu lassen. Wir
fordern andere auf, in ihren Positionen Flexibilität zu
demonstrieren und dasselbe Engagement für unsere
gemeinsamen Ziele zu zeigen.

Seite 3

�OSTEUROPA
22. Mal 1991

Mittel- und Osteuropa: Ein Jahr danach
Rede des Stellvertretenden US-Außenministers Eagleburger

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden US-Außenministers
Lawrence S. Eagleburger bei der Jahreskonferenz der US-Export-Import Bank (EXIM-Bank) am 16. Mai 1991.

Im März 1990 hielt ich bei der letztjährigen Jahreskonferenz der EXIM-Bank zu einer Zeit eine Rede über
Osteuropa, da in dieser Region gerade wahrhaft revolutionäre Veränderungen stattgefunden hatten. Verständlicherweise herrschte damals eine starke Euphorie über den plötzlichen Fall des Eisernen Verhangs
und den Triumph der Freiheit in ganz Mittel- und
Osteuropa. An einem Ende des Spektrums stand die
widersinnige Behauptung, die Geschichte sei zuende
gegangen und am anderen die selbstzufriedene Annahme, die Umgestaltung Osteuropas zu Demokratie
und freier Marktwirtschaft bedeute, daß wir uns nicht
mehr in dem Maße mit Entwicklungen in der Region
auseinandersetzen müßten, wie wirdas in den vergangenen 50 Jahren getan haben.
Nüchternere Beobachter waren sich natürlich bewußt,
wie ungewöhnlich und schwierig die Aufgaben sein
würden, denen sich unsere Freunde in Osteuropa
stellen müßten und wie wichtig ihr Erfolg für amerikanische Interessen ist, aber das Drama ihres Kampfes
war nicht mehr dazu angetan, Schlagzeilen in den
Zeitungen zu machen, insbesondere da man sich mit
den Tagesgeschäften demokratischer Wahlen und der
Gestaltung von Wirtschaftspolitik beschäftigte, was
wir alle nur zu gut kennen. Und in der Zwischenzeit
brauten sich die Ereignisse am Persischen Golf zusammen und lenkten unsere Aufmerksamkeit in eine
andere Richtung.
Wenn es einen Punkt gibt, auf den ich heute noch
einmal hinweisen möchte, dann ist es die strategische
Bedeutung, die Mittel- und Osteuropa in der amerikanischen Außenpoltik in absehbarer Zukunft weiterhin
einnehmen werden. Tatsächlich bin ich der Meinung,

AMERIKA DIENST 20

wir sollten die Revolutionen, die in Osteuropa und
durch den Golfkrieg stattgefunden haben, dahingehend werten, daß beide ein neues Zeitalter in den
internationalen Beziehungen eingeläutet haben, das
wir in Ermangelung einer besseren Bezeichnung das
Zeitalter nach dem kalten Krieg nennen. Diese Ära
wird von zwei Merkmalen gekennzeichnet: erstens
vom weltweiten Übergang von Kommandowirtschaften in freie Marktwirtschaften - eine Bewegung, deren
Ergebnis das Schicksal der ebenfalls stattfindenden
weltweiten Hinwendung zu Demokratie mitbestimmen
wird. Und zweitens-wie wir bei der irakischen Invasion
Kuwaits beobachten konnten - von einer viel größeren
Labilität in den internationalen Beziehungen, da die
historisch ungewöhnliche und vom kalten Krieg auferlegte Disziplin schwindet.
Diese beiden Merkmale eines neuen Zeitalters treten
heute in Mittel- und Osteuropa zutage, wo der Kampf
zur Etablierung von Demokratie und Marktwirtschaft
parallel zur schwindenden Sicherheitsordnung des
kalten Krieges erfolgt ist. Unser Ziel muß eindeutig
darin bestehen, die erfolgreiche Integration der früheren kommunistischen Länder in umfassendere europäische Strukturen zu erlangen und westliche Zusammenarbeit anzuregen, die Frieden und Wohlstand
zwischen solchen Ländern gefördert hat, die sich in
diesem Jahrtausend zumeist gewohnheitsmäßig an
die Gurgel wollten. Niemand wei ß, was ein Fehlschlag
bedeuten würde. Wir wissen jedoch, daß die Natur
kein Vakuum kennt, und da Mittel- und Osteuropa in
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts schwach und
instabil waren, prallten die großen Mächte zweimal
aufeinander. Wir müssen also Erfolg haben.

Seite 1

�Das vergangene Jahr: Ergebnisse und Hindernisse
Soviel zu dem, was auf dem Spiel steht. Ich möchte
heute die Fortschritte und Probleme beschreiben, denen
unsere europäischen Freunde im vergangenen Jahr
bei ihren Reformbestrebungen begegnet sind und auf
das eingehen, was die Vereinigten Staaten an Hilfe
leisten.
Wichtige Erfolge wurden vor allem im Bereich der
Sicherheitspolitik erzielt, das demokratische Engagement ist in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und
sogar in Bulgarien unwiderruflich, es wird in Parlamenten, einer freien Presse und rechtlichen Schutzmaßnahmen für die Freiheit des einzelnen und Menschenrechte institutionalisiert. In der Zwischenzeit werden
sowjetische Truppen in diesem Jahr vollständig aus
Ungarn und der Tschechoslowakei abgezogen, und
ein Zeitplan für ihren Abzug aus Polen wird gegenwärtig ausgehandelt. Das vielleicht greifbarste Zeichen
der Veränderung war die einhellige und kostenträchtige Zusammenarbeit mit der internationalen Koalition
gegen Saddam Hussein.
Man muß jedoch kein Raketenspezialist sein, um zu
verstehen, daß die Region wirtschaftlich am Boden
liegt und die noch schwachen demokratischen Institutionen in der nächsten Zeit harte Proben bestehen
müssen. Das letzte Jahr hat eine um sich greifende
Rezession mit sich gebracht, ein Vermächtnis der
veralteten und maroden wirtschaftlichen Infrastruktur,
die die Kommunisten hinterlassen haben und in gewissem Maße ein Ergebnis der Reformbestrebungen zur
Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität. Es
gab eine Reihe unvorhergesehener Erschütterungen:
der Ausfall irakischen und kuwaitischen Öls, der Zusammenbruch des Handels mit der Sowjetunion, die
sowjetische Entscheidung, ihre Waren in harter Währung bezahlen zu lassen und der Verlust des ostdeutschen Marktes.
Glücklicherweise haben diese Ereignisse nicht grundsätzlich das Engagement der Regierungen in der
Region erschüttert, den Übergang zu Marktwirtschaften zu steuern, und sie haben auch nicht ihre Bereitschaftaufheben können, die schmerzlichen Reformen
durchzuführen, um ihr Ziel zu erreichen.
Polen setzt weiterhin den Maßstab bei Reformen. Sein
solides Stabilisierungsprogramm des letzten Jahres erheblich unterstützt von den Vereinigten Staaten und
ihren westlichen Partnern - hat die Inflation erfolgreich
begrenzt, die Zinssätze verringert und den Zloty konvertierbar gemacht. Es ist wichtig, daß damit auch die
Industrieproduktion gefallen und die Zahl der Arbeitslosen gestiegen ist. Aber die Arbeitslosenquote reicht
noch nicht an westeuropäisches Niveau heran, und
zum ersten Mal seit Menschengedenken sind die
Regale in den Geschäften voll und die Warteschlangen verschwunden.

Seite 2

Polens Nachbarn haben in unterschiedlichem Maße
größere Vorsicht bei der Durchführung von Reformen
demonstriert. Dennoch haben sowohl Ungarn als
auch die Tschechoslowakei jetzt Pläne für die makroökonomische Stabilisierung und im Hinblick auf die
kommenden Jahre für die Beseitigung der Verzerrungen durch staatliche Eingriffe in die Wirtschaft. Bulgarien befindet sich nach der Wahl eines Mehrparteienparlaments im Juni auf dem Weg zu wirtschaftlichen
Reformen.
Offen gesagt, mußten wir in den vergangenen beiden
Jahren zwei Arten von Hindernissen für grundlegende
Reformen in Mittel- und Osteuropa überwinden. Das
erste war die langsame Bewegung von makro- zu
mikroökonomischen Reformen, das heißt, von der
makroökonomischen Stabilisierung zur tatsächlichen
Umwandlung der Kommandowirtschaften in Marktwirtschaften. Das zweite war die Entstehung potentiell
gefährlicher politischer Phänomene, die zusammen
mit den aufstrebenden demokratischen Institutionen in
der Region existieren.
Tatsache ist, daß die Geschichte wenige Beispiele von
Versuchen kennt, eine Volkswirtschaft zu privatisieren, die vollständig vom Staat gelenkt wurde. Es gibt
keine Präzedenzfälle und damit auch keine Richtlinien.
Sie werden sich daran erinnern, daß wir im letzten Jahr
Vorschläge für eine massive Stützungsaktion der osteuropäischen Volkswirtschaften im Stil des Marshallplans von 1947 abgelehnt haben. Es wird immer
wieder vergessen, daß in Westeuropa nach dem Zweiten
Weltkrieg bereits eine Marktwirtschaft existierte, die
das erforderliche Kapital aufnehmen konnte, um der
Nation auf die Füße zu verhelfen. Das trifft auf Mittelund Osteuropa heute ganz einfach nicht zu.
Statt dessen besteht der erste Auftrag für die Wirtschaft in der Region nach der makroökonomischen
Stabilisierung in der schrittweisen Schaffung einer
marktwirtschaftlichen Infrastrukur. Dies war ein umstrittener und verwirrender Prozeß. Grundsatzfragen
müssen entschieden werden: wem gehört das ehemalige Staatseigentum? Wem sollten Staatsbetriebe
verkauft werden? Wie sollte die Entschädigung für
diejenigen aussehen, deren Eigentum von den Kommunisten konfisziert wurde? Welche Industrien sollten
gerettet und welche den Realitäten der Weltmärkte
geopfert werden?
Zur Liste von zur Entscheidung anstehenden Fragen
müssen eine Reihe von zu erwerbenden Fähigkeiten
kommen: Fähigkeiten der Arbeitnehmer, der Führungskräfte, Fähigkeiten in Information und Finanzwesen, um nur einige zu nennen.
Und schließlich muß die Infrastruktur einer modernen
und international wettbewerbsfähigen Wirtschaft geschaffen werden - im Bankwesen, im Informationssektor, bei Transport und Verkehr, im Wohnungsbau und
in anderen Sektoren.

AMERIKA DIENST 20

�Es ist daher nicht überraschend, daß zum Beispiel in
Polen, wo die makroökonomische Stabilisierung am
weitreichendsten war, die erwünschte angebotsorientierte Reaktion nur schleppend erfolgt ist. Die Privatisierung hat sich verzögert, und Staatsbetriebe sind
vom Markt und den Kräften des Wettbewerbs isoliert.
Darüber hinaus können wir die wichtigen psychologischen Hindernisse für mikroökonomische Reformen
nicht außer acht lassen, die aus der kommunistischen
Herrschaft resultieren, das Anklammern an die Sicherheit des Arbeitsplatzes und ganz einfach die Angst vor
Veränderungen und dem Unbekannten schlechthin.
Neue US-Strategie für wirtschaftliche Reformen
Ich möchte Ihnen versichern, daß die Regierung eine
Lehre aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre
gezogen und ihre Prioritäten im Hinblick auf Hilfe
entsprechend verlagert hat. Das heißt nicht, wir geben
die makroökonomische Unterstützung auf - denken
Sie nur an die von den Vereinigten Staaten angeregte
Initiative im Pariser Club, die Einigung über einen
außergewöhnlichen Schuldenerlaß für Polen hervorgebracht hat. Aber unserer Ansicht nach besteht in
Mittel- und Osteuropa heute größerer Bedarf an mikroökonomischen Reformen, insbesondere die Notwendigkeit zur Stimulierung von Aktivitäten des Privatsektors. Und wir glauben, die beste Möglichkeit,
diesem Bedarf gerecht zu werden, besteht in der
Verbesserung des Handels, besserem Zugang zu
westlichen Märkten und stärkerem Investitionsfluß
aus dem Westen. Demgemäß wird unser neuer Ansatz die folgenden drei Komponenten umfassen:
Erstens ein Schwerpunkt auf technischer Hilfe - Ausbildung für Banker und Führungskräfte, Hilfe bei der
Erarbeitung von Steuer-, Arbeits- und Wirtschaftsgesetzen, mit denen Wettbewerb in die Tat umgesetzt
werden kann, Hilfe von Finanzmittlern, die beim Privatisierungsprozeß helfen, Hilfe bei der Umstrukturierung von Unternehmen und Beseitigung des Würgegriffs der Bürokratien über wirtschaftliche Aktivitäten.
Zusammen mit den Unternehmensfonds für Polen,
Ungarn und die Tschechoslowakei wird die technische
Hilfe in den nächsten Jahren die meisten US-Mittel
erhalten.
Zweitens muß der Handel mit dem Westen ausgebaut
werden - zu einer Zeit, da der Osteuropahandel mit der
UdSSR und Ostdeutschland zusammengebrochen ist,
sind westliche Märkte wichtiger als westliche Hilfe.
Wenn sie nicht ihre Exporte erhöhen, werden die
neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas mehr durch
das Ausbluten des Handels verlieren als sie möglicherweise durch die Transfusion westlicher Hilfe gewinnen
könnten. Deshalb haben die Vereinigten Staaten eine
Initiative zur Verbesserung des Handels ins Leben
gerufen, die folgende Punkte umfaßt:

AMERIKA DIENST 20

eine erhebliche Erweiterung von Zollfreiheitsprivilegien für Mittel- und Osteuropa im Rahmen
des Allgemeinen Präferenzsystems;
technische Unterstützung in Zusammenhang
mit den US-Handelsgesetzen und -Vorschriften, um Informationshemmnisse für den Handel
überwinden zu helfen;
Entwicklung eines Programms, mit dessen Hilfe
das Wirtschaftsministerium Kontakte zwischen
Unternehmen, und zwar vorwiegend kleinen
und mittleren Firmen, in ähnlich gelagerten
Wirtschaftsregionen der Vereinigten Staaten und
Unternehmen in Mittel- und Osteuropa herstellen wird.
Wir sollten diese Maßnahmen nicht allein ergreifen.
Die Europäische Gemeinschaft, die den größten Markt
für Mittel- und Osteuropa darstellt, sollte - und hat in
der Tat die Pflicht - ebenfalls verstärkt ihren Markt
öffnen, und wir ermutigen sie, dies im Rahmen ihrer
Assoziierungsabkommen zu tun. Wir betonen jedoch,
daß diese Abkommen mit den GATT-Regeln für alle
Bereiche des Handels, einschließlich der Landwirtschaft, in Einklang stehen sollten.
Unsere dritte und letzte Priorität ist der Ausbau der
Produktivkraft der Region und damit des Handels
durch verstärkte Direktinvestitionen in den mittel- und
osteuropäischen Volkswirtschaften. Offengesagt sind
wir von dieser Form der Unterstützung bis jetzt enttäuscht. So hat zum Beispiel Präsident Walesa während seines Besuchs in Washington erklärt, die amerikanischen Privatinvestitionen hätten bisher lediglich
30 Millionen Dollar erreicht.
Das Kernstück dieser Bemühungen bildet unsere kürzlich
eingeleitete Initiative zur Entwicklung des Privatsektors, die das Wachstum amerikanischer Investitionen
in der Region fördern, die Beteiligung amerikanischer
Firmen an der Entwicklung der Infrastruktur verstärken
und das Engagement kleiner und mittlerer amerikanischer Unternehmen im bilateralen Handel ausbauen
soll. Es handelt sich dabei um ein auf zwei Jahre
angelegtes Programm im Umfang von 45 Millionen
Dollar, das vom Amt für internationale Entwicklung
(AID), dem Wirtschaftsministerium, der Entwicklungsgesellschaft OPIC und dem US-Handels- und Entwicklungsprogramm gemeinsam mit dem Privatsektor
durchgeführt wird. Das Hauptaugenmerk gilt dabei
fünf von den mittel- und osteuropäischen Ländern
identifizierten Schlüsselbereichen, die darüber hinaus
amerikanischen Unternehmen einzigartige Perspektiven bieten: 1. Landwirtschaft und Agrarindustrie, 2.
Energiewesen, 3. Umwelt, 4. Telekommunikation und
5. Wohnungsbau. Die Initiative beinhaltet unter anderem folgende Elemente:

Seite 3

�Ein amerikanisches Wirtschaftszentrum in
Warschau, das in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor gegen Entgeld Büroräume und technische Business-Dienstleistungen anbietet.
Amerikanische Firmenkonsortien in Osteuropa,
um kleine und mittlere amerikanische Unternehmen zu unterstützen, die sich auf dem osteuropäischen Markt engagieren möchten. Amerikanischen Handels- und Wirtschaftsvereinigungen,
die sich in der Region niederlassen möchten,
werden Beihilfen gewährt.
Eine Kapitalentwicklungsinitiative des AID, mit
der osteuropäische Regierungen und Privatfirmen bei der Planung von Infrastrukturprojekten
in einer Art und Weise unterstützt werden, die
dem Engagement amerikanischer Unternehmen
Vorschub leistet.
Wir ersuchen den Gesetzgeber um die Vollmacht, das Eigenkapital-Investitionspilotprogramm der OPIC auf Osteuropa zu erweitern,
damit die OPIC selbst Direktinvestitionen in
aussichtsreichen Gemeinschaftsunternehmen
tätigen kann.
Wir sind uns voll und ganz der Tatsache bewußt, daß
die wichtigsten Hindernisse für Direktinvestitionen in
den Ländern dieser Region selbst zu finden sind. Sie
müssen zusätzliche Schritte ergreifen, um die Hemmnisse für den Handel miteinander abzubauen und
Veränderungen von Gesetzen, politischen Maßnahmen und Institutionen zu bewirken, damit die private
Wirtschaftstätigkeit wirklich gedeihen kann. Insbesondere müssen spezielle Schranken gegen ausländische Investitionen beseitigt werden, etwa die Begrenzung ausländischen Grundbesitzes, Obergrenzen für
ausländische Kapitalanteile sowie rückwirkende Haftung für ökologische Altlasten. Ich möchte dem noch
hinzufügen, daß diese Hemmnisse auch die Entwicklung heimischer Unternehmen behindern, da ausländisches Kapital Technologie und Managementkenntnisse ins Land bringen und zur Umstrukturierung der
Industrie auf eine Art und Weise beitragen können, die
diese Volkswirtschaften nicht mit Schulden belastet.
Die Zukunft der Demokratie in der Region
Ich habe bereits früher festgestellt, daß wir im vergangenen Jahr mit einer zweiten Herausforderung in Gestalt
einiger beunruhigender politischer Tendenzen konfrontiert wurden. Dazu zählte insbesondere das Aufkommen von Nationalitätenstreit innerhalb verschiedener mittel- und osteuropäischer Länder und, in geringerem Maße, nationalistischer Spannungen zwischen diesen Ländern. Während nach dem Zweiten
Weltkrieg die traditionellen Feindschaften Westeuropas offen behandelt und von solchen Faktoren wie
wirtschaftlichem Wohlstand, gemeinsamen demokratischen Institutionen und dem Aufbau einer paneuro-

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päischen Identität abgebaut wurden, wurden solche
Strömungen im Osten lediglich durch die kommunistische Herrschaft unterdrückt. Es hätte also eigentlich
niemanden überraschen sollen, wenn diese nach den
Revolutionen von 1989 plötzlich erneut zum Ausbruch
kamen.
Ethnische Animositäten sind nicht das einzige negative Vermächtnis des totalitären Zeitalters. Der Kommunismus gewöhnte seine Untertanen an die Politik
des Absolutismus - einen Glauben an magische Formeln und alles umfassende Pläne und die Tendenz,
Gegner als Feinde zu betrachten und alles schwarz/
weiß zu sehen.
Die Konfrontation mit diesem Vermächtnis muß uns
meines Erachtens zu der nüchternen Schlußfolgerung
veranlassen, daß der Übergang von der Makro- zur
Mikroebene bei den Reformen in der politischen Sphäre ebenso hohe Anforderungen stellen könnte wie dies
im ökonomischen Bereich der Fall ist. Die institutionelle Struktur der Demokratie entwickelt sich, aber die
Verhaltensmuster und die tägliche Praxis der Demokratie - die Tugenden der Geduld, Toleranz und des
Respekts der Vielfalt - müssen im Lauf der Zeit angeeignet werden.
Leider sind diese Tugenden nicht langfristig sondern
bereits heute vonnöten. Tatsache ist, daß die nahezu
allgegenwärtige Erwartungshaltung, derzufolge Demokratie die rasche Erlangung des westlichen Lebensstandards bedeutet, zwangsläufig zu einer Kollision
mit der harten Wirklichkeit der Anpassung an die
Reformen und des Übergangs zur Marktwirtschaft
führen muß. Es besteht deshalb die Gefahr, daß die
Desillusionierung Ungeduld über das bedächtige Tempo
und das unerläßliche Geben und Nehmen der Demokratie hervorrufen und damit zu neuen Arten der Instabilität führen könnte.
Der Beitrag des Westens
Eines, was wir im Westen nicht tun sollten, ist, über
unsere osteuropäischen Freunde zu richten oder zu
versuchen, die Entscheidungen zu diktieren, die diese
alleine treffen müssen. Wir sollten uns schließlich
unserer eigenen historischen Erfahrungen erinnern,
daß die Demokratie schon unter den günstigsten
Umständen die wahrscheinlich anspruchsvollste Regierungsform ist.
Es gibt jedoch gewisse Dinge, die der Westen, insbesondere wir in den Vereinigten Staaten, tun kann, um
dazu beizutragen, daß der sich vollziehende schwierige wirtschaftliche Übergang weder die zerbrechlichen
neuen demokratischen Institutionen noch den Frieden
in der Region insgesamt destabilisiert.
Erstens müssen wir weiterhin Beratung und technische Hilfe beim Aufbau demokratischer Institutionen
bereitstellen. Unsere Freunde in der Region erklären
uns, daß solche Hilfe bis heute absolut entscheidend
AMERIKA DIENST 20

�für die bisher erzielten Erfolge war - die veranstalteten
Wahlen, neuen Verfassungen und so weiter. In Zukunft müssen wir uns auf die Stärkung der Demokratie
an der Basis konzentrieren, insbesondere auf die
Institutionen auf lokaler Ebene sowie diejenigen Gremien, die eine gesunde pluralistische Gesellschaft
schützen und vermitteln - zum Beispiel Gewerkschaften, Presseorgane und Rechtspflege. Unser Ziel muß
sein, zur Schaffung eines Systems beizutragen, in
dem von der obersten bis zur untersten Ebene Debatten und Opposition konstruktiv und demokratisch
kanalisiert werden, ein System, das die unvermeidlichen Erschütterungen der Zukunft abfedern kann.
Zweitens müssen wir sicherstellen, daß der durch das
Ende des kalten Krieges veränderte Gesamtrahmen
der europäischen Sicherheit selbst jeder von Mittelund Osteuropa ausgehenden politischen Erschütterung standhalten kann. Letztlich bedeutet dies konkret
die Schaffung einer neuen europäischen politischen,
wirtschaftlichen und Sicherheitsarchitektur. Darüber
hinaus müssen wir versuchen, die Mittel- und Osteuropäer davon zu überzeugen, daß die Beibehaltung
des demokratischen Kurses die conditio sine qua non
für den Beitritt zur Familie westlicher Nationen darstellt. Die Antwort besteht nicht darin, sie nur wegen
ihrer Investitionsregelungen oder ethnischen Auseinandersetzungen zu belehren. Sie müssen selbst erkennen, daß es zu den politischen und wirtschaftlichen
Freiheiten des Westens keine Alternative gibt, wenn
ihr Ziel die Erlangung westlichen Wohlstands und
gefestigter Freiheiten ist. Daneben müssen sie auch
lernen, das durchaus legitime Recht auf ethnische
Selbstbestimmung und Ausdruck der eigenen Persönlichkeit mit den Geboten der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in einem Europa in Einklang zu
bringen, das auf rasche Integration und nicht auf
Zersplitterung ausgerichtet ist.
Schließlich müssen wir die psychologische Dynamik
beeinflussen, die heute in Mittel- und Osteuropa am
Werk ist, um sicherzustellen, daß die Euphorie von
Zuversicht und nicht von Verzweiflung abgelöst wird.
Wir können dies tun, indem wir unsere Freunde davon
überzeugen, daß es Licht am Ende des Tunnels gibt

und wir mit ihnen gemeinsam durch diesen Tunnel
gehen, bis sie vollständige Mitglieder der westlichen
Staatengemeinschaft geworden sind.
Dies kann jedoch nicht nur das Werk der westlichen
Regierungen allein sein. Die Nagelprobe unseres
Engagements für Demokratie und freies Unternehmertum in Mittel- und Osteuropa könnte die Bereitschaft unseres Privatsektors sein, sich an diesem
großen Experiment zu beteiligen und damit der Region
zu helfen, die menschlichen Qualifikationen und das
Kapital zu erwerben, die dringend benötigt werden.
Ich bin mir voll und ganz im klaren darüber, daß dies für
die amerikanische Wirtschaft keine Sache der Menschenfreundlichkeit ist. Ich habe mich bei der Beschreibung der Hindernisse für Wandel und Reformen
nicht zurückgehalten, die wir im vergangenen Jahr
angetroffen haben. Trotzdem bin ich ohne zu zögern
bereit, meinen Appell an Sie zu erneuern, in der Region
zu investieren. Ich bin davon überzeugt, daß der
Ertrag, obwohl nicht schnell erreichbar, so doch groß
sein wird.
Ja, der Status von Privateigentum ist immer noch
unklar - aber er wird geklärt werden. Ja, die Investitionsbestimmungen werden nicht allen unseren Erwartungen gerecht - aber dies wird schon bald der Fall
sein. Ja, das Tempo der Privatisierung war langsam aber es gibt einfach keine Alternative zu ihrer weiteren
Vorwärtsentwicklung.
Tatsache ist, daß Mittel- und Osteuropa Erfolg haben
werden, und diese Überlegung sollte bei ihren Investitionsentscheidungen zentralen Stellenwert einnehmen.
Und wenn ich von Erfolg spreche, so meine ich damit
auch, daß sich die Region im Lauf der Zeit sicherlich
dem historischen Prozeß der wirtschaftlichen Integration anschließen wird, der sich gegenwärtig in Westeuropa vollzieht - einem Prozeß, von dem ausgeschlossen zu sein sich die amerikanische Wirtschaft nicht
leisten kann. Mittel- und Osteuropa können gewinnträchtige Tore in das Europa von morgen sein - aber
nur, wenn die amerikanische Wirtschaft bereit ist, die
Risiken in Kauf zu nehmen und sich mit den Hindernissen auseinanderzusetzen, die heute in der Region
bestehen.

*

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*

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�UMWELT
22. Mai 1991

LEITER DES US-UMWELTSCHUTZAMTS FORDERT
ZUSAMMENSPIEL VON UMWELTUND WIRTSCHAFTSPOLITIK
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des US-Umweltschutzamts (EPA), William K. Reilly, zufolge sind "Wirtschaft
und Umwelt zwei Bestandteile eines zerbrechlichen Ganzen und interdependent."
In einer Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats erklärte Reilly am 15. Mai 1991: "Wir müssen unserer
Verantwortung in beiden Bereichen gerecht werden, um sicherzustellen, daß das ökologische System, von dem
alle Aktivitäten des Menschen - einschließlich der Wirtschaftstätigkeit - abhängen, zukünftigen Generationen
erhalten bleibt."
Reilly erörterte vor dem Senatsausschuß die Vorbereitungen der Vereinigten Staaten zur Teilnahme an der für
nächstes Jahr anberaumten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED). Ziel
dieser Konferenz ist, die weltweite Beeinträchtigung des ökologischen Systems aufzuhalten. Die Zusammenkunft wird im Juni 1992 in Rio de Janeiro stattfinden, dem 20. Jahrestag der Stockholmer Umweltkonferenz von
1972.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Leiters des EPA im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, heute mit Ihnen die
Rolle des Umweltschutzamts bei den Vorbereitungen
der Vereinigten Staaten für die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung im Jahr
1992 erörtern zu können. Wir teilen die vom USAußenministerium geäußerte Einschätzung dieser
Konferenz.
Wie unsere Kollegen in der Exekutive vertreten wir die
Auffassung, daß die UNCED eine einmalige Chance
für die internationale Staatengemeinschaft bietet, einen Konsens zu den wirksamsten Ansätzen bei der
Bewältigung der vordringlichsten umweit- und entwicklungspolitischen Probleme auf internationaler,
regionaler, nationaler und lokaler Ebene zu erarbeiten.

wird und uns veranlaßt, eine auf das Zusammenwirken
von Umwelt- und Wirtschaftspolitik ausgerichtete kollektive Partnerschaft zu schmieden.
Im Februar 1990 erklärte Präsident Bush vor der
Zwischenstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (IPCC): "Ich bin derfesten Überzeugung, daß wir
alles in unserer Macht Stehende zur Förderung weltweiter Zusammenarbeit, für Umweltschutz und Wirtschaftswachstum, intelligente Verwaltung unserer
natürlichen Ressourcen und wirksame Nutzung unserer industriellen Kapazität sowie dauerhafte und
umweltverträgliche Entwicklung - auf der ganzen Welt
- tun müssen."
Ziele und Rolle des EPA bei der UNCED

Der chinesische Philosoph Lao Tse hat einmal gesagt,
eine tausend Meilen lange Reise beginne mit einem
einzigen Schritt. Die Stockholmer Konferenz von 1972
hat Umweltthemen auf die internationale und nationale
Tagesordnung zahlreicher Länder gesetzt. Wir hoffen,
daß die Konferenz von 1992 einen Schritt weiter gehen

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Das EPA sieht seine Rolle bei den Vorbereitungen für
die UNCED darin, den Vereinigten Staaten mit Ideen,
Rat und umfassendem Fachwissen zu den bei der
Konferenz angesprochenen Themen zur Seite zu stehen.
Das EPA verfügt über 20jährige Erfahrungen bei

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�Bewertung und Abbau von Risiken, Techniken zur
Verhinderung der Umweltverschmutzung sowie umweltverträgliche technologische Zusammenarbeit, die
von den Vereinigten Staaten bei der Integration von
Umweltschutzmaßnahmen in die Wirtschaftsplanung
und den Entscheidungsfindungsprozeß genutzt werden können.
Das EPA erwartet, daß die UNCED ein - derzeit
Programm 21 genanntes - Aktionsprogramm hervorbringt, das Empfehlungen für bestimmte Programme
und Umweltmedien zur Durchführung auf lokaler,
nationaler und internationaler Ebene enthält. Obwohl
das EPA an praktisch allen Themen der UNCED
interessiert ist, übernehmen wir die Führungsrolle bei
der Abfassung von Positionspapieren zu sieben Bereichen: toxische Chemikalien, Verschmutzung der Meere,
technologische Zusammenarbeit, Sondermüll, Trinkwasserqualität, Umwelterziehung und Austausch von
Informationen. Darüber hinaus spielen wir in zwei
weiteren Bereichen eine führende Rolle, und zwar
Forstwesen und Reform der Vereinten Nationen. Ich
möchte kurz einige unserer Interessensgebiete umreißen:
Toxische Chemikalien
Das EPA unterstützt die laufende Arbeit einer Reihe
internationaler Institutionen zu Pestiziden und toxischen Chemikalien. Wir begrüßen die Bestrebungen
der UNCED zur Verbesserung der Zusammenarbeit
zwischen diesen Gruppen, insbesondere, den Mitgliedstaaten bei der Entwicklung der erforderlichen
menschlichen Ressourcen und technischen Infrastruktur behilflich zu sein, um chemische Risiken wirksam in
den Griff zu bekommen. Das EPA hat mehrere spezifische Initiativen erarbeitet, deren Verabschiedung bei
der UNCED es begrüßen würde:
Internationale Bestrebungen technischer Experten in die Wege zu leiten, um eine Risikoanalyse von Umweltproblemen mit Chemikalien zu
entwickeln, die sich beim Festsetzen der Prioritäten in den Vereinten Nationen und anderen Institutionen als nützlich erweisen würde.
Verständigung auf eine Reihe unverbindlicher
"Prinzipien zur Kommunikation von Risiken."
Verständigung auf Richtlinien für einen neuen
internationalen Verhaltenskodex bei industriellen Chemikalien. In diesem Zusammenhang
würde dem Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) empfohlen, einen unverbindlichen Kodex international vereinbarter Grundsätze für den industriellen Einsatz chemischer
Stoffe aufzustellen, einschließlich Prüfung,
Handhabung, technischen und gesetzlichen
Erfordernissen, Kennzeichnung, Verpackung und
Informationsaustausch.

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Erarbeitung eines Rahmens für die Entwicklung
einer Bestandsaufnahme der Emissionen toxischer Chemikalien in den Mitgliedstaaten ähnlich dem US-Jahresbericht über Emissionen
toxischer Chemikalien.
Meeresverschmutzung
Amerikanische Regierungsbehörden, vertreten durch
das US-Außenministerium, EPA und NOAA (National
Oceanic and Atmospheric Administration), haben sich
auf ein umfassendes Paket von Initiativen verständigt,
die bei der UNCED in Genf zur Diskussion gestellt
werden sollen. Dieses Paket beinhaltet Fragen wie
etwa die Küstenverschmutzung, Überwachung, Sammlung und Austausch von Daten und Informationen,
Aus- und Fortbildung sowie die wirksame Durchsetzung nationaler und internationaler Vorschriften und
Nonnen. Andere Länder haben erhebliches Interesse
an der Entwicklung einer weltweiten Initiative zur Verhinderung und Kontrolle binnenländischer Quellen der
Meeresverschmutzung gezeigt. Die Vereinigten Staaten erwägen eine Reihe von Initiativen, die potentiell
zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit und Kontrolle binnenländischer Verschmutzungsquellen beitragen können.
Technologische Zusammenarbeit und Finanzierung
Fragen der technischen und finanziellen Unterstützung genießen bei der UNCED vorrangige Bedeutung.
Das EPA geht davon aus, daß technologische Zusammenarbeit, und zwar sowohl der Transfer von umweltverträglichen Technologien und Know-how als auch
finanzielle Beihilfen zur Unterstützung dieses Transfers wichtige Elemente bei den internationalen Bemühungen zum Schutz der Umwelt sind. Das EPA ist
aktiv in ein breites Spektrum von Maßnahmen zum
Technologietransfer eingeschaltet, darunter die Entwicklung einer Clearingstelle für Umwelttechnologie
(ENVIROTECH), Entwicklung besonderer Technischer
Informationsprogramme (TIP), Einrichtung regionaler
Umweltzentren sowie technische Zusammenarbeit mit
China, Indien und Mexiko.
Das EPA war befriedigt über die jüngsten Studien des
Büros für Technologiebewertung und der Nationalen
Akademie der Wissenschaften, die zu dem Ergebnis
kamen, daß zahlreiche preisgünstige Technologien
bereits zur Bewältigung der weltweiten Klimaveränderung zur Verfügung stehen. Auf der Grundlage dieser
und anderer Studien gehen wir davon aus, daß Hindernisse bei der technologischen Zusammenarbeit überwunden werden können. Die Entwicklung der Globalen Umweltfazilität (GEF) und anderer finanzpolitischer Mechanismen liefern die erforderliche finanziel le
Unterstützung zur Förderung des Technologietransfers.

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�Die UNCED macht Fortschritte bei der Entwicklung
einer Reihe von Prinzipien zum Technologietransfer.
Zusammen mit anderen US-Regierungsbehörden
bemühen wir uns darum, zur Vorlage bei der UNCED
detaillierte Vorschläge zur technologischen Zusammenarbeit zu entwickeln. Darüber hinaus werden USRegierungsbehörden sorgfältig den vom UNCEDSekretariat erarbeiteten Bericht über technologische
Zusammenarbeit analysieren, um die technologischen
Bedürfnisse der Entwicklungsländer zu verstehen und
diese Ergebnisse mit der bestehenden bilateral und
multilateral gewährten technischen und finanziellen
Hilfe in Einklang zu bringen.
Die UNCED sollte in der Lage sein, gemeinsame
Ansätze zur technologischen Zusammenarbeit in
bestimmten Problembereichen zu entwickeln. Unterschiedliche Ansätze zur technologischen Zusammenarbeit könnten in jedem der sieben Problembereiche
entwickelt werden (Atmosphäre, Forstwesen, Artenschutz, Abfallentsorgung, toxische Chemikalien,
Süßwasser und Meere), die folgende Maßnahmen
zum Inhalt hätten: 1. Bereitstellung einer besonderen
Technologie oder speziellen Know-hows; 2. die Finanzierung dieser Bemühungen aufgrund bestehender
bilateraler oder multilateraler Programme wie etwa der
Globalen Umweltfazilität, des Multilateralen Fonds im
Rahmen des Montrealer Protokolls, der normalen
Geschäftstätigkeit der Weltbank, der Hilfen von AID/
EPA und anderer Programme sowie 3. das notwendige Fortschreibungs- und Unterhaltsprogramm.
Sondermüll
Die Vereinigten Staaten setzen sich vorbehaltlos für
die internationale Zusammenarbeit bei Methoden der
Abfallvermeidung durch saubere Technologien und
Rückgewinnung als Erweiterung ihres nationalen
Programms zur Verhinderung von Umweltverschmutzung ein. Wir gehen davon aus, daß die bei weitem
wichtigste Aufgabe der UNCED im Hinblick auf die
Abfallproblematik die vollständige Anwendung des
Baseler Übereinkommens über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und
ihrer Entsorgung ist. Zu diesen Bemühungen werden
die Inkraftsetzung der Konvention sowie Zusammenkünfte der Vertragsparteien gehören, um Kriterien für
internationale Transporte zu entwickeln.
Trinkwasserqualität
Die Vereinigten Staaten haben der UNCED empfohlen, die internationale Staatengemeinschaft solle in
diesem Bereich eine geschlossenere Strategie und
intensivierte Zusammenarbeit ins Leben rufen, um
nicht vorhergesehenen unerwünschten Tendenzen in
den neunziger Jahren entgegenzutreten. Darüber
hinaus betonen wir, daß sich die Länder um die Verhinderung von Wasserverschmutzung als dauerhaftes
Entwicklungsziel bemühen sollten.

AMERIKA DIENST 20

Umwelterziehung
Obwohl dieses Thema noch in den Foren der UNCED
behandelt werden muß, unterstützen die Vereinigten
Staaten einen intensivierten und organisierteren internationalen Ansatz zur internationalen Zusammenarbeit bei der Umwelterziehung. Wir gehen davon aus,
daß die UNCED das Potential für folgende Maßnahmen besitzt: 1. Hilfe beim Bau von "Brücken" zwischen nördlichen und südlichen Ländern sowie zwischen südlichen Ländern unter sich; Schaffung kostengünstigerer internationaler Maßnahmen zum Wohle
vieler Industriestaaten und aller Entwicklungsländer
sowie 3. bedeutende Beiträge zu den nationalen und
internationalen Bemühungen, um das Interesse der
Entwicklungsländer am Umweltschutz wiederzubeleben und gleichzeitig dauerhafte entwicklungspolitische Ziele zu verwirklichen.
Informationsaustausch
Die Vereinigten Staaten hoffen, beim Treffen des
Vorbereitungsausschusses im August Empfehlungen
zu diesem Thema vorlegen zu können. Den Vereinigten Staaten zufolge soll eine internationale Politik zum
Informationsaustausch über Themen wie Berechnung,
Genehmigung, urheberrechtlicher Schutz, öffentlicher
Zugang, Austausch von Statistiken und Normen erarbeitet werden. Wir würden die Ausweitung des Informationszentrums (INFOTERRA) begrüßen, um unmittelbaren Zugang zu Informationen und Statistiken
zu gewährleisten. Darüber hinaus sind wir der Meinung, daß sein Frühwamsystem ausgebaut werden
sollte, damit Umweltprobleme früher erkannt werden.
Ferner sollte eine Initiative für regionale Partnerschaften zum Zweck des Informationsaustauschs ins Leben
gerufen werden.
Das EPA spielt auch eine wichtige Rolle bei der politischen Konzeption in den Bereichen Forstwirtschaft
und UN-Reformen. Unser Interesse gilt vor allem
folgenden Punkten:
Forstwirtschaft
Das zweite umfassende Treffen des Vorbereitungsausschusses zeigte breite Unterstützung für ein mögliches eigenständiges weltweites Abkommen zum Schutz
des Waldes. Dennoch sind wenige Länder der Auffassung, daß bis 1992 ein rechtsverbindliches Abkommen oder sogar ein Rahmenabkommen zustande
kommt. Die meisten Länder befürworten bis 1992 und
als ersten Schritt zu einer Konvention die Erarbeitung
einer unverbindlichen Grundsatzerklärung.
UN-Reform
Das EPA hat an der Erarbeitung von Empfehlungen
über konzeptionelle Reformen des UNEP für das USAußenministerium mitgearbeitet. Die Vereinigten
Staaten unterstützen das UNEP und seine regionalen

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�Büros. Wir werden weiterhin mit dem Außenministerium an der Entwicklung der amerikanischen Sicht zu
UN-Reformen für die UNCED zusammenarbeiten.
Pläne des EPA zur Vorbereitung der UNCED
Das EPA hat im Rahmen seiner Sonderabteilung für
die UNCED Arbeitsgruppen gebildet, die Themen
ansprechen sollen, bei denen wir die Führungsrolle
übernehmen oder für die wir innerhalb der US-Regierung eintreten sollen. Die Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit folgenden Themen: Trinkwasserqualität,
toxische Chemikalien, Sondermüll, Technologietransfer, Berücksichtigung des Nationaleinkommens, Informationen über Umweltschutz und Bewußtseinsschärfung zum Umweltschutz.

Koordinierung durch andere multilaterale Foren
Wir arbeiten ebenfalls durch andere multilaterale Foren zusammen, wie etwa die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD),
die Regionalen Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen und die technischen und speziellen UNOOrganisationen, um die Arbeit der UNCED zu unterstützen. Zusammen mit dem Leiter von AID werde ich
die US-Regierung beim Gemeinsamen Treffen der
OECD-Minister für Entwicklung und Umwelt Im Dezember 1991 in Paris vertreten. Bei diesem Treffen
werden die Minister
Aufzeichnungen über UNCED-Vorbereitungen
austauschen,

Beteiligung der EPA an der Erstellung des Länderberichts

Bestrebungen in ihren jeweiligen Ländern erörtern, mit denen Umweltverschmutzung verhindert und der Einsatz natürlicher Ressourcen auf
ein erträgliches Maß reduziert werden soll, um
anderen Ländern ein Beispiel zu geben Und

Das EPA bereitet drei Kapitel des Länderberichts vor
- Wichtige Fragen zu Umwelt und Naturschutz, Umweltkatastrophen und Bewußtseinsschärfung für die
Umwelt - bei denen der Rat über Umweltqualität (Council
on Environmental Quality - CEQ) die Federführung
hat.

Wege besprechen, wie weltweite Umweltprobleme zu lösen sind, etwa durch Förderung der
Umweltschutzinstitutionen in Entwicklungsländern sowie in Mittel- und Osteuropa und mit
diesen Ländern zusammenarbeiten, um umweltverträglichere Technologien zu verbreiten,
zusätzliche Mittel zum Umweltschutz bereitzustellen und unsere Umwelt-, Entwicklungshilfe,
Handels- und Wirtschaftspolitik einheitlicher zu
gestalten.

EPAs Hilfe für das UNCED-Sekretariat
Die EPA-Abteilung für die Verwaltung der Informationsquellen steht mit dem UNCED-Sekretariat in
Verbindung, um zu bestimmen, welche Rolle das EPA
bei der Bereitstellung von Informationen an Entwicklungsländer oder das UNCED-Sekretariat spielen soll.
EPA hat zwei Anfragen des UNCED-Sekretariats bereits
zugestimmt. Zum einen wollen sie unser bereits
funktionierendes INFOTERRA-Netzwerk nutzen, um
auf Anfrage Informationen an Entwicklungsländer zu
liefern, damit diese ihre Länderberichte erstellen können. Zum anderen soll den EPA-Zweigstellen Material
über die UNCED zur Verfügung gestellt werden, damit
sie die amerikanische Öffentlichkeit über die Konferenz informieren können. Das EPA hat allen EPABüros in der Zentrale und in den regionalen Büros an
ECONET angeschlossen, um den termingerechten
Zugang zu Informationen über die UNCED zu erleichtern. ECONET ist das Informationsnetz des UNCEDSekretariats, mit dessen Hilfe Nichtregierungsorganisationen und Regierungen Zugang zu UNCED-Dokumenten und neueste Informationen über die Arbeit des
Vorbereitungsausschusses erhalten.

Die Minister werden ferner erwägen, wie die Zusammenarbeit bei der Integration unserer Entwicklungsund Umweltpolitik nach 1992 aussehen soll.
Zuletzt möchte ich die Dringlichkeit betonen, mit der
wir uns der UNCED widmen sollten. Die Konferenz
1992 findet in dreizehn Monaten statt. Meiner Meinung
nach bietet die Konferenz der internationalen Staatengemeinschaft eine einzigartige Gelegenheit, die Entscheidungsfindung in den Bereichen Umwelt und
Wirtschaft zu vereinheitlichen. Die Bestrebungen der
Vereinigten Staaten werden von entscheidender
Bedeutung sein, wenn es um die Formulierung von
Ergebnissen der Konferenz zum Schutz unserer Umwelt
geht. Wir sollten bereit sein, diese einzigartige Chance
zu nutzen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 20

�GOLFKRISE
22. Mai 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Mai 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Mai 1991 fort.

2. Mai

vorgesehene UN-Zivilpolizeitruppe zu prüfen, die Gebiete
im Norden Iraks und in anderen Gegenden mit hohem
Flüchtlingsaufkommen absichern sollen.

Dem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bob
Hall, zufolge haben 347.000 amerikanische Soldaten
oder 65 Prozent der zur Operation Wüstensturm entsandten Truppen die Golfregion verlassen. Von den
193.000 noch am Kriegsschauplatz befindlichen Soldaten sind 4.000 amerikanische in der entmilitarisierten Zone und weitere 800 im al-Rafa-Camp stationiert.
Hall erklärt, die Meeresblockade zur Durchsetzung
des UN-Handelsembargos bleibe in Kraft.

Das US-Außenministerium gibt bekannt, daß Algerien
in den Vereinigten Staaten die Interessen des Irak
wahrnehmen wird. Der Irak hatte die Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten Anfang dieses Jahres abgebrochen.

3. Mai

9. Mal

Dem amerikanischen Stellvertretenden Ständigen
Vertreter bei den Vereinten Nationen, Botschafter
Alexander Watson, zufolge erwägen die Vereinigten
Staaten nicht, irakische Vermögenswerte freizugeben
oder der irakischen Bitte zu entsprechen, ö l zur Bezahlung von Nahrungsmitteln zu verkaufen. "Zu diesem Zeitpunkt ziehen die Vereinigten Staaten die
Freigabe (irakischer) Vermögenswerte überhaupt nicht
in Betracht", so Watson.

Der Kongreß billigt die Bereitstellung von 572 Millionen
Dollar, um den Opfern des irakischen Bürgerkriegs zu
helfen. Das Repräsentantenhaus stimmt mit 383 zu 25
Stimmen für den Transfer bereits bewilligter Mittel von
Konten für Auslandshilfe und Verteidigungsaktivitäten
auf Sonderkonten, die für Katastrophenhilfe an Personen errichtet wurden, die vor Saddam Husseins Armee
geflohen waren, als er die Aufstände im Anschluß an
den Golfkrieg niederschlug. Der Senat folgte dem
Repräsentantenhaus einstimmig.

6. Mai
Die Vereinigten Staaten möchten, daß die Vereinten
Nationen "so bald wie möglich" die Verantwortung für
die kurdischen Flüchtlingslager übernehmen, erklärt
der amerikanische Botschafter Thomas Pickering. Das
Ziel sei, die Kurden zur Rückkehr in ihre Heimat zu
bewegen "und ihnen, so schnell dies verwirklicht werden kann, das Gefühl von Sicherheit und Hoffnung
unter dem Schutz der Vereinten Nationen zu vermitteln". Pickering fügt hinzu, er habe Generalsekretär
Perez de Cuellar gebeten, die Einzelheiten für eine

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7. Mai

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Bob
Hall, erklärt, die Koalitionsstreitmacht habe 13.140
Tonnen an Nahrungsmitteln und anderen Hilfslieferungen für kurdische Flüchtlinge bereitgestellt. An dem
Unternehmen beteiligen sich 18.229 Mann der multinationalen Streitmacht einschließlich 10.314 US-Soldaten. Australien, das als letztes Land der Sondereinsatztruppe zur Unterstützung der Kurden beigetreten
ist, entsendet fünf der 70 vorgesehenen Personen, die
ärztliche Hilfe leisten und an der Wasseraufbereitung
arbeiten sollen. Andere Länder haben folgendes

Seite 1

�Personal entsandt: Deutschland 219, Frankreich 1.335, wortung für das erste Zeltdorf in Sachu als ersten
Großbritannien 4.110, Italien 604, Kanada 79, die Schritt der allmählichen Übergabe der HilfsoperatioNiederlande 1.017 und Spanien 536.
nen im nördlichen Irak an zivile internationale Hilfsorganisationen unter der Schirmherrschaft des Hohen
Einem Sprecher des US-Verteidigungsministeriums Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
zufolge wird das Abfangen oder Umleiten von Schiffen (UNHCR).
mit für Irak bestimmten Lieferungen fortgesetzt. Vor
Einstellung der Feindseligkeiten am Golf belief sich die 15. Mai
Zahl der abgefangenen Schiffe auf insgesamt 7.645.
Seitdem wurden 1.847 abgefangen, davon 660 seit Ein 34köpfiges Team der Internationalen Atomenergieagentur beginnt gemäß der Bedingungen des Wafdem Waffenstillstand.
fenstillstands, die die Zerstörung nuklearer, chemiDas US-Verteidigungsministerium erklärt, 71 Prozent scher und biologischer Waffen fordern, mit der Inspekder zur Operation Wüstensturm entsandten Truppen tion der irakischen Anlagen zur Herstellung von Atomseien abgezogen worden. Dem Sprecher des Vertei- waffen.
digungsministeriums, Bob Hall, zufolge bleiben 156.000
am Kriegsschauplatz, um die Verlegung von verbliebe- Irakischen Berichten zufolge sollen gemäß einer vornen Truppen und Gerät zu Stützpunkten in den Verei- läufigen Übereinkunft die alliierten Truppen im Norden
nigten Staaten vorzubereiten oder die noch am Golf des Irak angeblich durch 500 leicht bewaffnete UNPolizisten ersetzt werden, um die kurdischen Gebiete
befindlichen Truppen zu schützen.
zu schützen. Im Rahmen der Übereinkunft würden
etwa 3.300 Soldaten abgezogen, die zur Zeit die
14. Mai
"Schutzzone" kontrollieren.
Der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs, Prinz
Sadruddin Aga Khan, übernimmt offiziell die Verant-

* *

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AMERIKA DIENST 20

�EINWANDERUNG
22. Mai 1991

AMERIKANER ASIATISCHER ABSTAMMUNG IN DER
AMERIKANISCHEN GESELLSCHAFT
von Paul Malamud, USIA
"Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Vereinigten Staaten
ist die Tatsache, daß sie vollständig von Einwanderern
bevölkert werden. Selbst die Indianer kamen ursprünglich
aus Asien. In der gesamten Geschichte dieser Nation hat es
Einwanderungswellen aus Europa, Afrika und - in jüngster Zeit aus Asien gegeben. Jede brachte ihr eigenes Erbe mit, und
diese Verknüpfung unterschiedlicher kultureller Abstammungen
unterstreicht die Dynamik dieses Landes."
T.O. Lee, Nobelpreisträger für Physik

"Nennen Sie mich Tu", sagt der vietnamesische Kellner, der mir im Cafe Dalat Delikatessen wie thit kho
nuoc dua (karamelisiertes Schweinefleisch in Kokosmilch) und bo xao chua ngot (Rindfleisch süß-sauer)
serviert. Die Unterhaltung mit seinen Gästen scheint
ihm Spaß zu machen.
Während er redet, herrscht ein ständiges Kommen
und Gehen von Arbeitern und Geschäftsleuten aus
den nahegelegenen Bürogebäuden. Es ist Mittagszeit. Seine Schwester, eine würdevoll blickende Dame,
kümmert sich um die Bar.
Das Cafe Dalat liegt in Arlington (Virginia) in einem
Viertel, das heute als "Little Saigon" bekannt ist.
Nguyen Van Ly Jewelry and Watch Repair, Mekong
Center Oriental Food and Gifts, der Pacific Oriental
Department Store, Grocery and Restaurant befinden
sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Wände des
Cafe Dalat sind mit Reproduktionen orientalischer
Kalligraphien und Aquarellen vietnamesischer Dorfszenen geschmückt.
"Es war schwer, als wir im Jahr 1975 hier ankamen",
sagt Tu. "Alles war neu - Sprache, Arbeit, Sitten und
Gebräuche, Traditionen, besonders die Traditionen.
Amerikaner und Asiaten sind grundverschieden. Aber
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ich hatte Glück - meine Schwester war bereits hier.
Und da ich in Saigon bei einer Fluggesellschaft gearbeitet hatte, konnte ich bereits etwas Englisch. Ich
habe mich angepaßt. Meine Freunde haben sich
angepaßt."
"Noch schwerer ist es für einige der später gekommenen Flüchtlinge. Sie haben Kommunikationsprobleme. Nicht alle sprechen Englisch", meint er.
Tu erklärt, wenn sich die politische Lage in Vietnam
ändere, würden die alten Vietnamesen nach Hause
zurückkehren wollen - "aber nicht die jüngeren".
"Meine Schwester hat sechs Kinder - fünf Töchter und
einen Sohn. Eines legte sein Examen an der University of Virginia ab, eines an der Howard University, ein
anderes Kind studiert Zahnmedizin, eines an der George
Mason University, eines an der Johns Hopkins Universität in Baltimore und eines an der Georgetown University. Natürlich werden sie ihr Leben lang hierbleiben."
Mi Cha Lee, eine junge Koreanerin Ende zwanzig,
besitzt eine Reinigung in einem Viertel mit eintönigen
Regierungsgebäuden in der Bundeshauptstadt Washington. Sie begrüßt viele ihrer Kunden, zumeist
Regierungsbeamte, mit Namen.
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�"In Korea wollte ich Modedesignerin werden", erklärt
sie. "Aber als ich hierherkam, stellte ich fest, daß mein
Englisch nicht gut genug war, um einer solch hochwertigen kreativen Tätigkeit nachzugehen."
"Ich besuche Sommerkurse in Englisch an der University of Virginia, und vielleicht kann ich eines Tages
wieder Kleider entwerfen."
Wie Tu so meint auch sie, daß der Anfang schwierig
war, obwohl ihr Vater, der in Korea ein Uhrengeschäft
besaß, kein armer Mann war. "Als ich dieses Geschäft
einrichtete, arbeitete ich normalerweise bis spät in die
Nacht. Einmal mußte ich sogar bis fünf Uhr morgens
bleiben. Aber heute kann ich es mir leisten, Mitarbeiter
einzustellen und muß deshalb nicht mehr so lange im
Geschäft bleiben."
Mein gesellschaftliches Leben hat stark gelitten", sagt
sie kichernd. "Ich mußte zu hart arbeiten. Aber für
mich persönlich war es das wert." Obwohl zwei ihrer
Schwestern nicht glücklich sind und vielleicht nach
Südkorea zurückkehren werden, möchte Mi Cha bleiben. "Ich mag dieses Land. Es ist frei - man kann hier
frei seine Meinung äußern. Vielleicht gibt es sogar
zuviel Freiheit - nicht genug Rücksicht darauf, was die
Eltern und die Gemeinschaft möchten. Aber es ist frei.
Ich bin glücklich", sagt sie.
"Wenn ich eines Tages Kinder habe, will ich, daß sie
mehr Möglichkeiten haben als ich sie hatte. Ich
möchte, daß sie tun können, was sie wollen. Ich weiß,
daß sie anders denken werden als ich, aber sie werden
auch mehr Wahlmöglichkeiten haben."
Sowohl das ruhige vietnamesische Restaurant als
auch die geschäftige koreanische Reinigung zählen zu
den vielen Anzeichen für die erhebliche und sich rasch
verstärkende asiatische Präsenz in den Vereinigten
Staaten, eine Präsenz, die in allen Lebensbereichen
zunehmend spürbar wird.
Auf den Straßen und in den Schulen gibt es immer
mehr asiatische Gesichter. Die Zahl asiatischer Geschäfte und Restaurants hat sich rapide vermehrt. In
vielen Großstädten ist es kein Problem, indische
Lebensmittel zu kaufen, in Hongkong oder Bombay
produzierte asiatische Videokassetten auszuleihen oder
Dienstleistungen wie Akupunktur in Anspruch zu nehmen.
Zwei neue Zeitschriften, AsiAm und Rice, sind auf die
jungen Leser unter den Amerikanern asiatischer Abstammung ausgerichtet, und asiatische Gesichter sind
in der Kunstszene und im Fernsehen immmer häufiger
zu sehen. Das berühmte Denkmal für Veteranen des
Vietnamkriegs wurde von Maya Lin entworfen. David
Henry Hwang ist der erste erfolgreiche amerikanische
Dramatiker asiatischer Abstammung, dessen Hit "M.
Butterfly" am Broadway aufgeführt wurde. Connie
Chung ist eine landesweit bekannte Nachrichtenmoderatorin beim Fernsehsender NBC.
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Im Jahr 1986 belief sich die Zahl der in den Vereinigten
Staaten lebenden Asiaten auf schätzungsweise 3,2
Millionen oder rund 1,5 Prozent der amerikanischen
Bevölkerung. Diese Zahl wird sich bis Anfang des
nächsten Jahrhunderts voraussichtlich verdoppeln. Und
eine im Jahr 1980 durchgeführte Volkszählung ergab,
daß die Mehrzahl der Amerikaner asiatischer Abstammung im Ausland geboren war und gerade erst anfing,
ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft zu
erobern.
In Kalifornien - wo 36 Prozent von ihnen leben -, haben
die Amerikaner asiatischer Abstammung bereits gesellschaftlichen und politischen Einfluß. Die meisten
anderen Amerikaner asiatischer Herkunft leben in
Hawaii oder Illinois, New York und Texas. Es sind
vorwiegend Chinesen, Filipinos und Japaner, aber
auch Koreaner und Einwanderer aus dem indischen
Subkontinent und Südostasien.
Die Asiaten stellen natürlich keine homogene Gruppe
dar, und das Ausmaß ihrer Integration in die amerikanische Gesellschaft sowie ihr gesellschaftlicher und
wirtschaftlicher Erfolg innerhalb dieser Gesellschaft
variiert. Amerikanern chinesischer, koreanischer,
japanischer und indischer Abstammung - von denen
viele einer gebildeten Schicht angehören - ist es am
besten ergangen. Abhängig von der jeweiligen statistischen Quelle sind Amerikaner philippinischer Herkunft
genauso oder etwas weniger erfolgreich. Die jüngsten
Einwanderer aus Vietnam, Laos und Kambodscha
sehen sich aufgrund der Tatsache, daß sie eher politische Flüchtlinge als freiwillige Einwanderer sind, mit
größeren Schwieirgkerten konfrontiert und leiden unter
dem Trauma des Krieges.
Den meisten Asiaten erleichtert jedoch ihre konfuzianische Lehre - die der amerikanischen protestantischen Geisteshaltung harter Arbeit und enger Familienbande entspricht - und vor allem ihr Streben nach
Bildung die Integration in die amerikanische Gesellschaft. Eine jüngste Studie des US-Bildungsministeriums belegt, daß die High School-Schüler asiatischer
Abstammung einen höchst anspruchsvollen Lehrplan
bewältigen.
Obwohl einige Vertreter der Amerikaner asiatischer
Abstammung auf Anzeichen von Ressentiments gegen den Strom asiatischer Einwanderer in einigen
Gegenden verweisen, werden die Asiaten im großen
und ganzen gut aufgenommen. Eine von der amerikanischen Bügerrechtskommission im Jahr 1988 in Auftrag gegebene Studie, die sich vorwiegend auf die
Volkszählung von 1980 stützt, ergab, daß die Einkommen asiatischer Familien im großen und ganzen nicht
durch Diskriminierung am Arbeitsplatz beeinträchtigt
waren.
Als Gruppe genommen entspricht das Einkommen
amerikanischer Familien asiatischer Abstammung dem
in den Vereinigten Staaten geborener weißer Amerika-

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�neroder ist zum Teil aufgrund derTatsache höher, daß
mehr Familienangehörige arbeiten. Eine kürzlich in
Chicago durchgeführte Studie ergab, daß rund 39
Prozent der Asiaten in dieser Stadt in Führungspositionen oder akademischen Berufen arbeiten. Zahlreiche andere sind hart arbeitende Unternehmer und
kleine Geschäftsleute. Insbesondere Amerikaner koreanischer Abstammung haben sich durch den Aufbau
kleiner Geschäfte - Gemüseläden, Reinigungen, Parf ümerien - teilweise in ärmlichen Gegenden der Innenstadt, die von anderen Einzelhändlern vernachlässigt
werden, Ansehen verschafft.
"Es gibt viele sichtbare Erfolgsstories von Amerikanern asiatischer Abstammung", erklärt Michael Woo,
der erste in den Stadtrat von Los Angeles gewählte
Amerikaner aus Asien.
"Viele asiatische Studenten studieren an erstklassigen Schulen und Universitäten. Menschen wie ich
erobern jetzt die Domäne des öffentlichen Dienstes,
und meine Schwester ist Journalistin bei der Los
Angeles Times. Viele Schranken sind gefallen", so
Woo.
In einigen Teilen des Landes, räumt Woo ein, "ist eine
ablehnende Haltung gegen neue Einwanderer aus
Indochina, Taiwan, Hongkong, dem indischen Subkontinent zu beobachten. Dies ist Teil eines Ressentiments gegen die wirtschaftliche Konkurrenz der Japaner
- eine Tendenz, alle Asiaten in einen Topf zu werfen.
Es gab vereinzelt Fälle von Gewalttätigkeiten oder
Vandalismus, aber häufiger werden Asiaten stillschweigend für Probleme in der Gemeinde verantwortlich
gemacht."
Man assoziiert Asiaten nicht mehr automatisch mit
dem Stereotyp des hart arbeitenden Mathematikers,
Wissenschaftlers und kleinen Geschäftsmanns, stellt
Woo fest. "Obwohl sich noch immer zahlreiche Asiaten an technischen oder medizinischen Hochschulen
bewerben, gehen viele in andere Berufe, in Bereiche
wie Journalismus oder Politik, werden Jurist oder üben
Tätigkeiten in Unternehmen aus, die nichts mit Buchhaltung oder Technik zu tun haben", erklärt er.
"Jetzt werden mehr asiatische Richter berufen oder in
Ämter gewählt. Eine wachsende Zahl Amerikaner
asiatischer Abstammung, insbesondere Frauen, gehen zu Rundfunk- oder Fernsehsendern", so Woo.
"Ich denke, die Veränderung ist immens," erklärt Woo
weiter. "Als mein Vater in dieses Land kam, um an der
UCLA (University of California at Los Angeles) zu
studieren, war es für einen Chinesen sehr schwer,
anderswo zu leben als in Los Angeles' Chinatown.
"Es war unvorstellbar, daß irgendjemand chinesischer
Abstammung eines Tages einen größtenteils weißen
Bezirk vertreten könnte, wie das bei mir der Fall ist.
Mein Vater hat diese Veränderungen noch zu seinen
Lebzeiten erfahren," konstatiert Woo.
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"Meine Mutter wuchs in einer ländlichen Gemeinde im
Norden Kaliforniens auf, wo es eine große chinesische
Kolonie gab, deren Mitglieder hauptsächlich Bauern
oder kleine Einzelhändler waren. Auch sie hat viele
Veränderungen mitgemacht. Meine Generation lebt in
dem Bewußtsein, daß uns die Welt offener steht als
unseren Eltern," erklärt Woo.
Ihre sehr erfolgreiche Anpassung bringt für die Amerikaner asiatischer Herkunft auch Belastungen mit sich.
"Ich bin ein Mensch ohne ethnische Zugehörigkeit",
erklärt Woo. "Obwohl ich der erste Asiate bin, der in
den Stadtrat von Los Angeles gewählt wurde, stellen in
meinem Wahlkreis Asiaten nur etwa fünf Prozent der
Bevölkerung. Es ist meine Pflicht, auf die Probleme
der Asiaten einzugehen, weil ich eine exponierte Figur
dieser Gruppe bin, gleichzeitig muß ich aber einen
Weg finden, das zu tun, ohne die restlichen 95 Prozent
meiner Wähler zu verärgern, denen die Probleme der
Asiaten egal sind und die vielmehr die Meinung vertreten, ich sollte meine Zeit für ihre Probleme aufwenden.
Mit diesem grundsätzlichen Dilemma muß ich fertigwerden."
Woo denkt, "der Anpassungsprozeß ist unvermeidlich. Unsicher ist, in welchem Maße die nachfolgende
Generation von Amerikanern asiatischer Abstammung
ein Gefühl ethnischer Zugehörigkeit behält".
"Ich sprach Chinesisch, bis ich in die Schule kam. Ich
spreche es nicht mehr gut. Ich verstehe nur ein
bißchen davon. Dennoch versuchen einige Vertreter
meiner Generation, ihre Wurzeln neu zu entdecken.
Meine Frau wurde in diesem Land geboren und wuchs
auf, ohne Chinesisch zu lernen, aber sie ging nach
Hongkong, um ihr eigenes kulturelles Erbe zu entdekken," erklärt Woo.
Auf die Frage, welchen besonderen Beitrag Amerikaner asiatischer Abstammung zur Kultur Amerikas leisten, führt Woo aus, "Asiaten denken nicht, daß die
USA Anfang und Ende der Weltgeschichte bestimmen. Das kann angesichts der zunehmenden Verflechtung der Wirtschaft und der Kulturen auf der Welt
eine wichtige Erkenntnis sein."
"Asiaten können auch konfuzianische Lehren beitragen: Respekt für die älteren Mitbürger, Respekt vor
der Bedeutung von Bildung und Wissenschaft im allgemeinen," erklärt Woo.
"In Städten wie etwa Los Angeles, New York, San
Francisco trägt die asiatische Kultur in erheblichem
Maße zu der Weitläufigkeit der Städte bei, in denen wir
leben - wenn wir an Restaurants, Paraden, Zeitungen
und Feiern denken", führt Woo aus.
Nicht alle in Amerika lebenden Asiaten gehören der
Mittelschicht an. Bei der jüngsten Flüchtlingswelle aus
Indochina - vielen Boat People - kamen Bauern oder
Stammesangehörige, die sich nur schwer an das
moderne Leben anpassen können.
Seite 3

�Einem Zeitungsbericht zufolge sind die "zuletzt angekommenen Indochina-Flüchtlinge eher arm, arbeitslos
oder Sozialhilfeempfänger als irgendeine andere Volksgruppe in Amerika".

keiten in einer Gesellschaft, in der eher Kreativität als
Disziplin belohnt wird.

Trotzdem scheinen diese Probleme nachrangig im
Vergleich zu dem, was Asiaten den Vereinigten StaaManche leiden an Depressionen und der Auflösung ten zu bieten haben. "Nie zuvor in der amerikanischen
ihrer Familien - aber Beobachtern zufolge zeigen auch Geschichte gab es soviele talentierte Einwanderer, die
Kinder aus diesen Gruppen in der Regel sehr gute in so kurzer Zeit Mittelschichtstatus erreicht haben,"
Schulleistungen, und viele von ihnen werden ihre erklärt Robert Oxnam, der Präsident der Asia Society,
wirtschaftliche Situation in der nächsten Generation einer gemeinnützigen Kulturorganisation in New York.
erheblich verbessern.
"Weil bei den Amerikanern asiatischer Abstammung
Es gibt noch andere Probleme. Wie frühere Einwan- soviele der fähigsten Köpfe eine hochqualifizierte wisderergruppen haben auch die Asiaten ihre eigenen senschaftliche Ausbildung erhalten", erklärt Edward
Spielarten des organisierten Verbrechens mitgebracht. Wagner, Leiter des Instituts für Koreastudien an der
Chinesische, japanische und vietnamesische Verbre- Universität Harvard, "denke ich, man kann ganz erchersyndikate sind für die US-Polizeibehörden eine hebliche Beiträge von ihnen erwarten".
harte Nuß, einmal aufgrund der Sprachbarriere und
zum anderen wegen ihrer extremen Disziplin, ihres "Ganz allgemein betrachtet, handelt es sich hierbei um
Zusammenhalts und ihrer Gewalttätigkeit. Die Behör- eine ziemlich neue und ganz andere Art von Amerikaden halten es nur noch für eine Frage der Zeit, bis diese nern, deren Erfolgsgeschichte anderen Minderheiten
Gruppen einige Geschäfte der traditionellen amerika- als Inspiration dienen sollte, daß dies möglich ist. Sie
könnten es eher und schneller schaffen, die immer
nischen Verbrechersyndikate übernehmen.
noch bestehenden Schranken einzureißen, wenn sie
Obwohl konfuzianische Lehre und amerikanische in die Sitzungssäle amerikanischer Banken oder Unprotestantische Arbeitsmoral einiges gemeinsam haben, ternehmen vorstoßen," erklärt Wagner.
stoßen Asiaten manchmal auf Anpassungsschwierig-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Chemische Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Verwirklichung eines Verbots chemischer Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafter Ledogar vor der Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mittel- und Osteuropa: ein Jahr danach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers Eagleburger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leiter des US-Umweltschutzamtes fordert Zusammenspiel von Umwelt- und Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Mai 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Einwanderung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerikaner asiatischer Abstammung in der amerikanischen Gesellschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul Malamud, USIA&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States ot America

Deichmanns

Aue »

5300 Bonn 2
21

29. Mai 1991

NAHER OSTEN

BAKER: NAHOSTKONFERENZ "MITTEL
ZUM ZWECK"
Erklärung vor Kongreßausschuß

NATO

GOLFKRIEG UNTERSTRICH
SICHERHEITSKONZEPT DER NATO
Rede von Botschafter Taft

CHEMISCHE WAFFTEN

BUSHS CHEMIEWAFFENINITIATIVE
BESCHLEUNIGT GENFER GESPRÄCHE
ACDA-Director Lehman vor Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NAHER

OSTEN
29. Mai 1991

BAKER: NAHOSTKONFERENZ "MITTEL ZUM ZWECK"
Erklärung vor Kongreßausschuß
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker geht davon aus, daß die von den Vereinigten Staaten angestrebte
Nahostkonferenz dazu beitragen würde, das Endziel direkter Verhandlungen zwischen Israel und seinen
arabischen und palästinensischen Nachbarn zu erreichen.
"Sie ist schlicht ein Mittel zum Zweck", erklärte Baker am 22. Mai 1991 vor einem Ausschuß des Kongresses,
"ein Instrument in unseren Bemühungen, die Parteien dazu zu bewegen, sich zusammenzusetzen, um ihre
Meinungsverschiedenheiten zu sichten und anachronistische Tabus zu durchbrechen."
"Seit Beginn dieser Administration", erinnerte sich der Außenminister, "haben wir deutlich gemacht, daß unser
Ziel darin besteht, Israel und Palästinenser aus den besetzten Gebieten zu Verhandlungen zu bewegen." Baker
betonte, daß solche Gespräche "den einzigen Weg zur Erlangung von Fortschritten überhaupt bieten, und wir
würden keinen Vorschlag akzeptieren, der irgendeiner Partei Anlaß geben würde zu glauben, sie könne
Verhandlungen vermeiden oder durch andere von der Notwendigkeit zu verhandeln entbunden werden."
In einer vorbereiteten Erklärung vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für die Bewilligung von
Haushaltsmitteln für Auslandsoperationen (House of Representatives Appropriations Subcommittee on Foreign
Operations) erörterte Baker darüber hinaus die folgenden Punkte:
Solange Saddam Hussein an der Macht bleibt, werden die Vereinigten Staaten weder ihre Beziehungen
zum Irak normalisieren noch einer Aufhebung der UNO-Sanktionen gegen den Irak zustimmen.
Das sogenannte "neue Denken" in der Sowjetunion ist weiterhin Leitlinie für das sowjetische Verhalten
bei zahlreichen Aspekten der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Baker erwähnte in diesem Zusammenhang die sowjetische Hilfsbereitschaft im Nahen Osten, Angola, Mittelamerika und Kambodscha.
Das von den USA angestrebte Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada
"verspricht allen drei Ländern bedeutende wirtschaftliche Vorteile" und wird Exporten, Arbeitsplätzen und
Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten auf dem Weltmarkt zugute kommen.
Baker zufolge wird die bilaterale Militär- und Wirtschaftshilfe in den neunziger Jahren ein unerläßliches
Instrument zur Förderung amerikanischer Interessen bleiben. Für das Haushaltsjahr 1992 beantragten
die Vereinigten Staaten deshalb
6,2 Milliarden Dollar für den Nahen Osten und Südasien, vornehmlich zur Förderung von Frieden und
Stabilität in Israel und Ägypten;
702 Millionen Dollar für Ostasien und den Pazifik, hauptsächlich für die Philippinen;
1,6 Milliarden Dollar für Europa, primär für die Türkei und Griechenland;
2,1 Milliarden Dollar für Lateinamerika und die Karibik, wovon der Löwenanteil zur Unterstützung der
Betäubungsmittelinitiative der Andenstaaten (Andean Narcotics Initiative) und der aufstrebenden Demokratien Mittelamerikas bestimmt ist.
1 Milliarde Dollar für Afrika zur Förderung eines Wirtschaftswachstums auf breiter Basis.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Erklärung des Außenministers, die sich mit dem Nahen Osten,
Irak, der Sowjetunion und dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen beschäftigen.

AMERIKA DIENST 21

Seite 1

�Ich möchte Ihnen heute über meine jüngsten Reisen in
den Nahen Osten berichten und in meinen Ausführungen hauptsächlich zum Friedensprozeß im Nahen
Osten und der Lage im Irak Stellung nehmen. Ferner
möchte ich kurz auf die Sowjetunion und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen eingehen.
Der Friedensprozeß
Ich möchte zunächst den Friedensprozeß erörtern.
In den vergangenen zwei Monaten haben wir uns
intensiv darum bemüht, einen Weg für eine umfassende Regelung durch direkte Verhandlungen zwischen
Israel, den arabischen Staaten und den Palästinensern zu finden. Von Beginn an habe ich mir keine
Illusionen über die damit zusammenhängenden Herausforderungen und Schwierigkeiten gemacht. Ich
hatte jedoch auch ein starkes Gefühl dafür, daß der
Golfkrieg vielleicht neue Möglichkeiten für einen Friedensschluß in der Region geboten hat und die Vereinigten Staaten eine einzigartige Verpflichtung haben,
dabei zu helfen, diese auszuloten. Zwar wäre es
traurig, wenn wir zu dem Ergebnis kämen, daß alte
Hindernisse stärker sind als die neuen Möglichkeiten,
es wäre noch trauriger, wenn die Vereinigten Staaten
versäumten, einer Chance für den Frieden energisch
nachzugehen. Solche Chancen ergeben sich im Nahen
Osten nicht so häufig.
Die irakische Invasion Kuwaits führte eine historische
internationale Koalition zusammen. Die Vereinigten
Staaten, die Sowjetunion, Europäer, Araber und andere schlössen sich zusammen, um die irakische Aggression zunichte zu machen. Die Vereinten Nationen
spielten die Rolle, die ihnen ihre Gründer zugedacht
hatten, und durch ihre Zurückhaltung angesichts der
irakischen Provokation wurde Israel zum stillen Teilhaber am Erfolg der Koalition. Das Endresultat war eine
vernichtende Niederlage für Saddam Hussein und den
von ihm vertretenen Weg der Gewalt und Einschüchterung - und neue Hoffnung für den alternativen Weg
von Diplomatie und Verhandlungen.
Um die Gunst der Stunde zu nutzen und die Spielregeln für einen arabisch-israelischen Friedensschluß
zu verändern, war es unseres Erachtens wichtig, uns
in einem Prozeß zu engagieren, der die Tabus eines
direkten Dialogs durchbrechen würde. Wenn der
Impuls für einen Friedensschluß ein anderer war, so
mußten wir die Hindernisse für direkte Treffen zwischen Israelis, Arabern und Palästinenser überwinden. Wir mußten der Tatsache Geltung verschaffen,
daß Dialog und Diplomatie - nicht Gewalt und Verweigerung - Grundlage für die Politik in der Region sein
könnten.
Der Krieg erinnerte auf grausame Weise an die Gefahren eines Konflikts in einem Zeitalter eskalierenden
militärischen Wettlaufs. Er erinnerte daran, daß der
Streit zwischen Israelis und Palästinensern weiterhin

Seite 2

den Kern des arabisch-israelischen Problems bildet aber auch der zwischenstaatlichen Dimension mußte
Rechnung getragen werden. Er gab aber auch Anlaß
zu Hoffnung, indem er daran erinnerte, daß Israel und
die arabischen Staaten bisweilen eine gemeinsame
Grundlage entdecken können - eine gemeinsame
Grundlage, die Spielraum verschaffen könnte, um
einen israelisch-palästinensischen Ausgleich zu ermutigen.
Unsere Nachkriegsaufgabe bestand also darin, die
neuen und aussichtsreichen Elemente nach der Krise
mit den dauerhaften Prinzipien der arabisch-israelischen Diplomatie in Einklang zu bringen. Dies war der
Zweck meiner ersten drei Reisen in die Region nach
dem Krieg. Das Ergebnis war ein Konsens der Parteien zu den folgenden fünf Kernpunkten:
Erstens die allgemeine Übereinstimmung, daß
Ziel des Prozesses eine umfassende Regelung
. durch direkte Verhandlungen auf Grundlage der
Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats ist.
Zweitens breite Übereinstimmung, daß der
Verhandlungsprozeß gleichzeitig auf zwei Ebenen ablaufen sollte, darunter direkte Verhandlungen zwischen Israel und arabischen Staaten
sowie zwischen Israel und Palästinensern aus
den besetzte Gebieten.
Drittens der Konsens, daß die Verhandlungen
zwischen Israel und den Palästinensern in Stufen ablaufen sollten, wobei den Verhandlungen
über den dauerhaften Status der besetzten
Gebiete Gespräche über eine Interims-Selbstregierung vorausgehen würden.
Viertens die Übereinstimmung, daß die Palästinenser in diesem Prozeß durch Führer aus den
besetzten Gebieten vertreten werden, die den
Prozeß auf diesen beiden Ebenen und einen
stufenweisen Ansatz zu den Verhandlungen
akzeptieren und sich verpflichten, mit Israel in
Frieden zu leben.
Fünftens die allgemeine Akzeptanz, daß eine
von den Vereinten Nationen und der Sowjetunion mitgetragene Konferenz die alten Tabus im
Hinblick auf öffentliche Kontakte zwischen den
Parteien durchbrechen würde und Sprungbrett
für direkte Verhandlungen zwischen den Parteien sein sollte.
Dies sind keine unbedeutenden Bereiche der Übereinstimmung, und sie liefern gewiß eine Grundlage für
Fortschritte. Aber sie müssen noch in einen praktischen Prozeß umgesetzt werden, und das war der
Zweck meiner jüngsten Reise in diese Region. Ich
möchte Ihnen einen Eindruck von den Schlüsselfragen
geben, die wir noch zu lösen versuchen.

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�Der erste Problembereich umfaßt die Modalitäten der
Friedenskonferenz.
Es hat zu dieser Frage zahlreiche Mißverständnisse
gegeben, und ich möchte Ihnen deshalb darlegen,
welche Absichten wir verfolgen. Unser Ziel ist die
Einleitung direkter Verhandlungen. Das ist der wesentliche Inhalt unserer Bemühungen. Wir gehen
davon aus, daß dies am besten durch eine Friedenskonferenz geleistet werden kann, die zu direkten Verhandlungen zwischen Israel und seinen arabischen
und palästinensischen Nachbarn sowie multilateralen
Verhandlungen über Themen wie Rüstungskontrolle
und regionale Sicherheit, Umwelt und Wasser führt.
Eines möchte ich eindeutig klarstellen: Wir fassen
keine internationale Konferenz ins Auge, bei der das
Plenum die Macht oder Autorität besitzt, die Durchsetzung seiner Meinung zu erzwingen, und wir erwägen
auch keinen Mechanismus, der irgendwie in die Verhandlungen eingreifen würde. Wie ich meinen Gesprächspartnern in der Region erklärt habe, ist die
Konferenz in der Tat kein Forum für Verhandlungen.
Sie ist schlicht ein Mittel zum Zweck, ein Instrument in
unseren Bemühungen, die Parteien dazu zu bewegen,
sich zusammenzusetzen, um ihre Meinungsverschiedenheiten zu sichten und anachronistische Tabus zu
durchbrechen.
Diese Konferenz würde gemeinsam von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion getragen. Israel,
Ägypten, Syrien, der Libanon, Jordanien und Palästinenser aus den besetzten Gebieten würden daran
teilnehmen. Wie Sie wissen, hat der Golf-Kooperationsrat (GCC) bereits einen sehr wichtigen Schritt
getan und sich bereiterklärt, seinen Generalsekretär
als Beobachter zu entsenden. Darüber hinaus haben
alle Mitgliedstaaten des GCC - die sechs Golfstaaten
- angekündigt, sie würden an den direkten Verhandlungen über multilaterale Fragen teilnehmen.
Daneben sind wir der Ansicht, daß die Europäische
Gemeinschaft eine konstruktive Rolle bei der Unterstützung dieses Prozesses, insbesondere bei der
schwierigen Arbeit der wirtschaftlichen Entwicklung
spielen könnte, die einem Verhandlungsfrieden folgen
würde. Der EG sollte eine Teilnahme an der Konferenz
ermöglicht werden. Ebenso sollten die Vereinten
Nationen eine Rolle spielen. Es sollte eine für alle
Parteien annehmbare Formel gefunden werden, die
niemanden benachteiligt und das neugewonnene
Potential der Vereinten Nationen in einer Art und
Weise kanalisiert, die der Förderung von Frieden und
Aussöhnung in der Region dienlich sein kann. Der
genaue Charakter der Beteiligung von EG und UNO
muß noch definiert werden. Eine weitere offene Frage
ist die Fähigkeit der Konferenz, erneut zusammenzutreten. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, daß
diese Möglichkeit bestehen sollte, wenn alle Parteien
dies wünschen, um Berichte der bilateralen und multilateralen Verhandlungsgruppen anzuhören.

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Wichtig ist, daß all dies die direkten Verhandlungen in
keiner Weise beeinträchtigen wird. Direkte Verhandlungen bieten den einzigen Weg zur Erlangung von
Fortschritten, und wir würden keinen Vorschlag akzeptieren, der irgendeiner Partei Anlaß geben würde zu
glauben, sie könne Verhandlungen vermeiden oder
durch andere von der Notwendigkeit zu verhandeln
entbunden werden.
Der andere Problembereich betrifft die Frage der palästinensischen Vertretung bei den Verhandlungen.
Seit Beginn dieser Administration haben wir deutlich
gemacht, daß unser Ziel darin besteht, Israel und
Palästinenser aus den besetzten Gebieten zu Verhandlungen zu bewegen. Selbstverständlich müssen
die Palästinenser ihre Vertreter wählen, aber wir gehen davon aus - und viele andere Parteien stimmen
dem zu -, daß eine gemeinsame jordanisch-palästinensische Delegation ein nützliches Instrument sein
könnte, um die Konferenz zu verwirklichen und all die
Fragen zu behandeln, die bei solchen Verhandlungen
auftreten könnten.
Der Zweck meiner jüngsten Reise in die Region bestand also darin, diese Fragen weiterhin mit den Parteien zu sondieren und zu entscheiden, wo Konsens
besteht und welche Bereiche weiterer Arbeit bedürfen.
Insgesamt kam ich zu dem Schluß, daß bei Schlüsselelementen unseres Ansatzes mehr Übereinstimmungen als Gegensätze bestehen. Und ich fand die
Bereitschaft vor, weiterhin nach Wegen zur Lösung
der noch ausstehenden Problembereiche zu suchen.
Auch mit dem sowjetischen Außenminister Bessmertnych habe ich in der Sowjetunion und in Kairo außerordentlich fruchtbare Gespräche geführt. Die Sowjets
haben unseren Ansatz uneingeschränkt unterstützt.
Die Tatsache, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten bezüglich des Vorgehens beim Friedensprozeß Übereinstimmung erzielt haben, schafft neue
Gegebenheiten - mit verbesserten Chancen, diesen
Prozeß in die Wege zu leiten.
Dennoch befinden wir uns offensichtlich nicht an dem
Punkt, an dem ich gerne wäre. Es gibt Meinungsverschiedenheiten - insbesondere zwischen Israel und
Syrien - über die Modalitäten der Konferenz, die Rolle
der Vereinten Nationen und die Frage, ob die Konferenz mehrmals zusammentreten soll. Ich möchte nicht
den Anschein erwecken, als seien diese Fragen leicht
oder schnell zu lösen.
Wir werden es jedoch so lange versuchen, wie wir der
Überzeugung sind, daß alle Parteien in gutem Glauben handeln und sich ernsthaft um die Beilegung der
Meinungsverschiedenheiten bemühen. Der Präsident
und ich haben unsere nächsten Schritte erörtert, und
wir sind der Meinung, wir sollten weiter versuchen, die
Kluft zu überwinden und Verhandlungen anzustreben.

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�Abschließend möchte ich erwähnen, daß die Parteien
in der Region meines Erachtens die echte Chance zu
schätzen wissen, einen Prozeß in die Wege zu leiten.
Wir haben einen praktikablen Weg zu Verhandlungen
aufgezeigt, der es Israel, den arabischen Staaten und
den Palästinensern gestatten würde, diese Chance zu
ergreifen und tatsächlich um der Sache des Friedens
willen mit der Vergangenheit zu brechen. Sie darf nicht
vergeudet werden - aber sie wird sich uns nicht immer
bieten.
Abzuwarten bleibt, ob die Parteien bereit sind, diese
Chance zu nutzen. Die Vereinigten Staaten sind bereit
und willens, sie bei diesem Versuch zu unterstützen.
Aber wir können den politischen Willen zum Handeln
nicht erzwingen, wenn er in der Region nicht vorhanden ist.
Irak
Ich möchte jetzt auf die Lage im Irak eingehen.
Nachdem seine Aggression gegen Kuwait vereitelt
wurde, richtete Saddam Hussein nach dem Golfkrieg
seinen Terror gegen sein eigenes Volk und vertrieb
Hunderttausende Iraker aus ihrer Heimat in fremde
Länder. Wie die Vereinten Nationen in Resolution 688
feststellten, schuf dies eine neue Bedrohung für den
internationalen Frieden und die Sicherheit. Für alle
von uns heißt das Problem nicht mehr nur Kuwait.
Ich möchte heute gemeinsam mit Ihnen eine Prüfung
der drei Punkte umfassenden Strategie vornehmen,
die wir und unsere Verbündeten bei der Bewältigung
dieser schrecklichen Situation verfolgt haben. Erstens
haben wir alles in unserer Macht Stehende getan, um
das unmittelbare Leid der irakischen Flüchtlinge zu
mildern. Zweitens versuchen wir, weitere Terrorakte
zu verhindern, indem wir im Irak sichere Bedingungen
schaffen, damit die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren und in Sicherheit leben können. Drittens werden wir Saddam Hussein so lange isolieren wie er an
der Macht ist. Ich möchte jetzt auf diese Aspekte
unserer Strategie im einzelnen eingehen.

am Dienstag verabschiedete Maßnahme und hoffen,
der Kongreß wird unverzüglich zu unserem zusätzlichen Antrag auf Flüchtlingshilfe Stellung nehmen.
Infolge unserer Bemühungen hat sich die Lage erheblich verbessert. Die Sterblichkeitsrate unter den Flüchtlingen ist beträchtlich gesunken, und mehr als die
Hälfte der Flüchtlinge sind in die Täler gekommen.
Dies reicht jedoch nur aus, um die dringendsten Bedürfnisse der Flüchtlinge zu befriedigen. Wir müssen
auch eine größere Tragödie verhindern: eine Situation, in der Saddam Hussein seinen Terror erneut
ausüben könnte.
Dieser zweite Aspekt unserer Strategie erfordert eine
gemeinsame Haltung der internationalen Staatengemeinschaft, um den Zugang zu den betroffenen Regionen in ganz Irak in vollständigem Einklang mit Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats zu gewährleisten, die
Achtung der humanitären und politischen Rechte des
irakischen Volkes fordert.
Saddam Husseins brutale Unterdrückung seines eigenen Volkes führt uns erneut vor Augen, daß man ihm
nicht trauen kann. Wir sind nach wie vor besorgt, daß
Saddam - wenn sich die Bedingungen ändern - die
systematische Ausrottung von Regimekritikern und
unschuldigen irakischen Bürgern wiederaufnehmen
würde. Die internationale Staatengemeinschaft tut
heute nicht alles in ihrer Macht Stehende, um diesen
armen unschuldigen Menschen zu helfen, damit sie
morgen von Saddam Hussein abgeschlachtet werden
können.
Aus diesem Grund haben wir den Irak davor gewarnt,
die im Irak in die Wege geleiteten Hilfsmaßnahmen zu
behindern. Deshalb haben wir im Einklang mit Resolution 699 die Vereinten Nationen aufgefordert, unverzüglich Personal bereitzustellen, um die Sicherheit der
nach Irak zurückkehrenden Flüchtlinge zu gewährleisten. Die Vereinigten Staaten beabsichtigen nicht, ihre
Streitkräfte länger als absolut notwendig im Norden
des Irak zu belassen. Wir hoffen auf ihre baldige
Ablösung durch eine wirksame internationale Präsenz.

Der erste zielt auf das unmittelbare Problem ab: das
Leben der Flüchtlinge zu retten, indem wir Nahrungsmittel, Wasser, Medikamente, Decken und Unterkunft
zur Verfügung stellen. Dank der Operation Provide
Comfort konnten wir die Lieferungen aus der Luft
abwerfen oder mit Lastwagen zu den Flüchtlingen in
den Bergen im nördlichen Irak und Süden der Türkei
bringen, haben Flüchtlingslager im Irak und der Türkei
aufgebaut und Gebiete im Norden des Irak gesichert,
so daß sie wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

Wir sind der festen Überzeugung, daß eine Art - wie
auch immer organisierter - internationaler Präsenz die
jetzt von den US- und Koalitionsstreitkräften wahrgenommene Aufgabe übernehmen muß. Wirhoffen, daß
diese internationale Präsenz als Wachhund der internationalen Staatengemeinschaft dienen wird, um
Saddam Hussein von einer Wiederholung seiner jüngsten Greueltaten abzuhalten.

Der Präsident hat sich mit den Staats- und Regierungschefs derführenden Industrienationen und unseren Koalitionspartnern in der arabischen Welt in Verbindung gesetzt und sie aufgefordert, den einzelnen
UN-Appellen durch großzügige Hilfszusagen nachzukommen. Wir begrüßen die vom Konferenzausschuß

Wir hoffen ferner, daß der Irak in Zukunft wieder in die
internationale Staatengemeinschaft aufgenommen
werden kann. Der Irak hat eine au ßerordentlich talentierte, kreative und vielfältige Bevölkerung. Meines
Erachtens ist ein neuer politischer Konsens im Irak
möglich, in dem die pluralistische Zusammensetzung

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AMERIKA DIENST 21

�seiner Bevölkerung und seine reichen historischen
und kulturellen Traditionen ihren Niederschlag finden.
Ein solcher Konsens muß durch Verhandlungen mit
allen Irakern und nicht durch Gewalt hervorgebracht
werden.
Wir respektieren die Souveränität und territoriale Integrität des Irak und wünschen keine Zersplitterung des
Staates. Wir haben wiederholt erklärt, daß wir uns
nicht im Streit mit dem irakischen Volk befinden. Und
unsere Worte werden durch Taten unterstützt. Während unsere Soldaten sich der Flüchtlinge annahmen
und ihnen Nahrung gaben, haben Saddams Soldaten
sie angegriffen und beschossen.
Daher kann ich ohne jeden Zweifel sagen: Saddam
Hussein selbst ist das alleinige und größte Hindernis
für eine hoffnungsvolle Zukunft des irakischen Volkes
- sei es im Hinblick auf seine Entwicklung als Gesellschaft oder seine Integration in die internationale Staatengemeinschaft. Wenn wir ihm freie Hand lassen,
seine brutale Diktatur und Militärmaschinerie wiederaufzubauen, wissen wir, daß Saddam Hussein wieder
sein eigenes Land terrorisieren und seine Nachbarn
bedrohen wird. Ohne konstante internationale Überwachung und Druck auf Saddam wird diese irakische
Regierung weiterhin eine Gefahr für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten darstellen.
Aus diesem Grund können wir, solange Saddam Hussein an der Macht bleibt, nur einen offiziellen Waffenstillstand aber keinen echten Frieden mit der irakischen Regierung haben.
Lassen Sie mich diesen dritten Aspekt unserer Strategie eindeutig klarstellen:
Saddam Hussein ist ein Paria, dessen Vorgehen ihn
außerhalb der zivilisierten internationalen Gesellschaft
stellt. Aus diesem Grund werden wir gemeinsam mit
anderen daran arbeiten, Saddams Regime weiterhin
zu isolieren.
Das bedeutet, daß wir unsere Beziehungen zum Irak
solange nicht normalisieren werden, wie Saddam
Hussein an der Macht ist.
Das bedeutet, die UNO-Sanktionen werden solange
aufrechterhalten, wie Saddam Hussein an der Macht
ist.
Und es bedeutet, daß die Iraker nicht an den sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Vereinbarungen
nach der Krise teilnehmen werden, bis ein Wechsel
des Regimes stattgefunden hat.
Mit einer neuen Regierung werden sich jedoch neue
Möglichkeiten für den Irak zur Wiederaufnahme in die
internationale Staatengemeinschaft ergeben. Mit einer
neuen Regierung könnten wir sehr wohl die meisten
Sanktionen mit Ausnahme derjenigen aufheben, die
das Militärpotential des Irak begrenzen. Und in diesem
neuen Irak muß Toleranz an die Stelle von Terror
AMERIKA DIENST 21

treten, und die Furcht, die das irakische Volk solange
im Griff hatte, muß der friedlichen Verwirklichung des
enormen Potentials der irakischen Bevölkerung und
ihres Heimatlands Platz machen.
Sowjetunion
Ich möchte jetzt drei Anmerkungen zu unseren Beziehungen mit der Sowjetunion machen.
Erstens vertreten der Präsident und ich die Auffassung, es sollte hervorgehoben werden, daß das sowjetische Verhalten in zahlreichen Aspekten unserer
Beziehungen weiterhin vom neuen Denken in der
Sowjetunion geleitet ist. Im Nahen Osten hat Außenminister Bessmertnych unschätzbare Hilfe bei der
Wiederbelebung des Friedensprozesses geleistet. Auch
bei dem historischen Abkommen, das den Bürgerkrieg
in Angola beenden wird, war die sowjetische Zusammenarbeit entscheidend - ein Abkommen, das auch
ich nächste Woche in Lissabon unterzeichnen werde.
Darüber hinaus waren die Sowjets auch in anderen
Regionen sehr hilfreich - vor allem in Mittelamerika und
Kambodscha.
Im Bereich der Rüstungskontrolle hoffen wir, unsere
Meinungsverschiedenheiten beim KSE-Vertrag beilegen, ihn zur Ratifizierung vorbereiten sowie die STARTVerhandlungen und die Vorbereitungen für das Gipfeltreffen in Moskau voranbringen zu können.
Zweitens bietet das sogenannte "Eins-plus-NeunAbkommen" zwischen Präsident Gorbatschow und
den baltischen Republiken vom 23.April 1991 die
Möglichkeit für eine Hinwendung zu neuen politischen
Vereinbarungen in der Sowjetunion. Wenn Gorbatschow und die Neun dieses Abkommen in der beabsichtigten Weise einhalten - durch einen für die gesamte Union geltenden Vertrag und eine neue Verfassung
- wäre dies ein entscheidender Schritt zur Schaffung
einer neuen politischen Legitimität in der Sowjetunion.
Zusammen mit den derzeit stattfindenden Gesprächen zwischen Moskau und dem Baltikum eröffnen
diese Schritte neue Möglichkeiten zur Aussöhnung,
um anstelle der politischen Polarisierung zu treten, von
der die sowjetische Politik seit vergangenen September gekennzeichnet war.
Darüber hinaus begrü ßen wir die Verabschiedung des
neuen Auswanderungsgesetzes. Nahezu zwei Jahrzehnte lang haben wir das Recht auf Auswanderung
zum Kernstück der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gemacht. Wir erachten die Verabschiedung
des neuen Gesetzes als wichtigen Schritt im sowjetischen Reformprozeß und bei der Erfüllung der KSZEVerpflichtungen durch die Sowjetunion.
Unsererseits werden wir die Kontakte mit allen Ebenen
und Schichten der sowjetischen Gesellschaft erweitern - von Reformwilligen über Demokraten zu Traditionalisten und dem Militär. Dies wird nicht nur unser
Verständnis der sowjetischen Gesellschaft vertiefen,
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�sondern uns - mittels eines sogenannten "demokratischen Dialogs" - gestatten, politischen Pluralismus
und wirtschaftliche Freiheit sowie den Erfolg der sowjetischen Reformen zu fördern. Und wie der Präsident und ich bis heute reichlich deutlich gemacht
haben, liegen Kontinuität und Erfolg der sowjetischen
Reformen im Interesse aller.
Drittens haben die sowjetischen Wirtschaftsreformen
selbst angesichts der zögernden Schritte zur politischen Anpassung noch einen weiten Weg vor sich.
Wir und praktisch jeder andere Beobachter sind überzeugt, daß Ministerpräsident Pawlows Antikrisenprogramm nicht funktionieren wird. Unseres Erachtens
muß die sowjetische Führung dringend tiefgreifende
marktwirtschaftliche Reformen vornehmen.

NAFTA und "Fast Track"
Ich möchte meine Ausführungen mit einigen Bemerkungen zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) und "Fast Track" abschließen. Wir
streben ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada an, weil wir der Überzeugung sind, daß ein solches Abkommen wesentliche
wirtschaftliche Vorteile für alle drei Länder verspricht.
Seit der Präsident im vergangenen Juni seinen Wunsch
nach einem Freihandelsabkommen mit Mexiko bekanntgab, haben wir intensive Konsultationen mit dem
Kongreß und Privatsektor geführt.

Herr Vorsitzender, meines Erachtens steht hier sehr
viel auf dem Spiel - sowohl im Hinblick auf die Außenund Wirtschaftspolitik als auch unsere wachsende
Ohne die Verpflichtung zu grundlegenden Reformen Zusammenarbeit mit Mexiko bei entscheidenden reerwarten wir, daß die sowjetische Wirtschaft weiterhin gionalen und grenzüberschreitenden Fragen. Darüber
dem Niedergang geweiht ist - und das liegt in nieman- hinaus werden amerikanische Exporte, Arbeitsplätze
des Interesse. Wir prüfen nach wie vor unterschiedli- und internationale Wettbewerbsfähigkeit gefördert. Um
che Wege, wie wir der sowjetischen Wirtschaftsreform internationale Märkte zu eröffnen und die Handelskobehilflich sein können, aber der Nutzen unserer Bemü- operation auf dem Kontinent zu verbessern, ist es
hungen hängt immer noch vor allem von den Entschei- unabdingbar, daß der Kongreß das "Fast-track"-Mandat
dungen ab, die von den Sowjets selbst getroffen verlängert. Ohne diesen Schritt wird unsere Fühwerden.
rungsposition in Au ßenpolititk und Wirtschaft ernsthaft
gefährdet.

*

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* * *

*

AMERIKA DIENST 21

�NATO
29. Mai 1991

GOLFKRIEG UNTERSTRICH SICHERHEITSKONZEPT
DER NATO
Rede von Botschafter Taft
DEN HAAG - (AD) - Der jüngste Golfkrieg hat nicht nur den Wert des Konzepts der NATO für die europäische
Sicherheit bewiesen, "er hat uns jetzt, da alte Bedrohungen durch neue Herausforderungen ersetzt werden,
einige wichtige Lehren über den Umgang mit Veränderungen vermittelt," erklärte Botschafter William H. Taft am
23. Mai 1991.
Der Ständige US-Vertreter beim Nordatlantikrat erklärte bei einer internationalen Konferenz über "Parlamentarische Demokratie und Internationale Sicherheitspolitik" in Den Haag, der Golfkrieg habe gezeigt, daß die NATO
als unschätzbares Forum für politische Konsultationen dient,
entscheidende logistische Unterstützung und gemeinsame operative Verfahren bietet und
Angriffe auf Mitgliedstaaten abschreckt.
Taft

erklärte ferner, folgende Lehren seien aus dem Golfkrieg gezogen worden:
der Wunsch nach strafferer Entscheidungsfindung unter den europäischen Ländern, um auf Krisen an der
Peripherie der NATO zu reagieren und
die Notwendigkeit einer integrierten europäischen Streitmacht zur Stationierung in bündnisfremden
Gebieten, die gegebenenfalls US-Streitkräfte unterstützen soll. Diese Streitkräfte sollten zur Vorbereitung
aller Truppenteile regelmäßig Manöver und Übungen mit anderen NATO-Streitkräften durchführen.

Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Tafts Rede im Wortlaut:

Die europäische Sicherheit - Lehren aus dem Golfkrieg
I. Einleitung
Sie haben das Thema europäische Sicherheit zwei
Jahre lang erörtert. Ich bin beeindruckt von all dem,
was ich heute über dieses äußerst wichtige Thema
gehört habe. Offensichtlich sind erhebliche Bestrebungen aufgewendet worden, um die Beziehungen
der verschiedenen Institutionen zurechtzurücken, die
zur europäischen Sicherheit und Stabilität in den
kommenden Jahren beitragen können. Es kann keine
wichtigere Aufgabe für all unsere Länder geben als die
Beibehaltung der gemeinsamen Basis, die wir in den
vergangenen vierzig Jahren aufgebaut haben. Aber
wir müssen unsere Partnerschaft auch den dramatiAMERIKA DIENST

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schen Veränderungen anpassen, die uns vor neue
Aufgaben gestellt haben. Dabei ist die Anpassung an
die Veränderungen in Osteuropa und die Sowjetunion,
um aus unseren früheren Gegnern Partner zu machen, nur ein Teil der Arbeit. Ein anderer ist die
Entwicklung einer grö ßeren Rolle für die europäischen
Länder innerhalb des Atlantischen Bündnisses, da die
Europäische Gemeinschaft Schritte zu einer politischen Union und einer gemeinsamen Außen- und
Sicherheitspolitik unternimmt. Wir müssen beides zur
gleichen Zeit leisten, und dazu dient die Überprüfung
der NATO-Strategie. Eine weitere Herausforderung
stellt sich uns, weil wir eine harmonische Zusammenarbeit gewährleisten müssen, um neue Bedrohungen,
die sich fem von europäischen oder nordamerikanischen Grenzen ergeben, abzuwenden.

Seite 1

�Dieser letzte Punkt war manchmal innerhalb unseres
Bündnisses umstritten. Verpflichtungen in den Washingtoner Verträgen erstrecken sich nicht auf sogenannte bündnisfremde Probleme. Aber uns allen ist
klar, daß in einem Zeitalter zunehmender wechselseitiger Abhängigkeiten westliche Interessen durch weltweite Entwicklungen in Mitleidenschaft gezogen werden können. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft
wird ein pragmatisches Vorgehen sein, um unsere
Zusammenarbeit so weitläufig wie möglich zu gestalten.
Ich schlage nicht die formelle Ausdehnung der NATO
auf andere Gebiete vor. Ich würde vielmehr gern die
Frage der europäischen Sicherheit aus einem bestirnten Blickwinkel betrachten - durch das Prisma der
jüngsten Ereignisse am Persischen Golf. Was hat uns
der Golfkrieg über unsere europäische Sicherheitspolitik und deren Strukturen gelehrt?
Trotz der Tatsache, daß der Krieg an der Peripherie
der NATO stattgefunden hat, gibt es starke und wie ich
denke, wichtige Implikationen für die NATO. Es gibt
verschiedene Lehren, die ich gern ziehen würde - über
die NATO selbst und über die verschiedenen sich
entwickelnden Sicherheitsinstitutionen in Europa.
Es wäre nachläsig, wenn ich nicht bereits zu Beginn
auf die erheblichen Beiträge unserer Gastgeber - der
Regierung und des Volkes der Niederlande - zum
Golfkrieg eingehen würde.
Die Unterstützung der Niederlande zu den Bestrebungen der Koalition, den irakischen Abzug aus Kuwait zu
erzwingen, kam früh und großzügig. Holland hat
unmittelbar nach der Invasion finanzielle Sanktionen
verhängt und sofort zwei Fregatten in die Region
entsandt. Diese Unterstützung wurde mit PatriotRaketen für die Türkei und Israel fortgeführt, und heute
leistet das Land umfangreiche humanitäre Hilfe für die
kurdischen Flüchtlinge. Diese kühnen Schritte wurden
von fast allen politischen Parteien in Holland unterstützt. In der WEU, der EG, der NATO und in der UNO
haben die Holländer starke und kontinuierliche Unterstützung geleistet, um die Unabhängigkeit Kuwaits
wiederherzustellen.

II. Der Golfkrieg
Ich möchte kurz auf die Abfolge der Ereignisse im
Golfkonflikt eingehen, bevor ich daraus Lehren für die
europäische Sicherheit ziehe.
Saddam Hussein ist am 2. August in Kuwait eingefallen und hat damit den zweiten irakischen Aggressionskrieg in zehn Jahren begonnen. Innerhalb weniger
Stunden haben Regierungen auf der ganzen Welt die
Invasion verurteilt. Wirtschaftssanktionen wurden
verhängt, erst von einzelnen Ländern und dann von
der EG und der UNO. Innerhalb einer Woche hatten
die Vereinigten Staaten, Großbritannien und eine Reihe
arabischer Länder den Entschluß gefaßt, Streitkräfte
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in der Region zu stationieren, um den Irak von weiteren
Aggressionen abzuhalten und Wirtschaftssanktionen
verhängt. Die NATO-Minister kamen am 10. August
zusammen und leisteten den angekündigten nationalen Maßnahmen politische Unterstützung. Wichtig ist
in diesem Zusammenhang, daß sie übereinkamen,
zusätzliche nationale Truppenkontingente zu entsenden und die Vereinigten Staaten bei ihren Stationierungen zu unterstützen. Schließlich warnten die Minister
den Irak, das Bündnis sei der territorialen Integrität der
Türkei verpflichtet, die sich mutig denjenigen angeschlossen hatte, die die Invasion Kuwaits verurteilt und
Wirtschaftssanktionen verhängt hatten.
In den folgenden fünf Monaten kam es zu einer erheblichen Streitkräftekonzentration in der Region. Fast
eine dreiviertel Millionen Männer und Frauen wurden
von der Koalition stationiert. Die Vereinigten Staaten
hatten daran einen Anteil von etwa 70 Prozent. Diese
Stationierung, die von US- und europäischen Stützpunkten ausging, wurde durch die NATO-Infrastruktur
gestützt. Ohne die Unterstützung der Verbündeten
hätte sie nicht stattfinden können. Die europäischen
Verbündeten stellten 10 Prozent aller Streitkräfte in
der Region, die Briten hatten daran den größten Anteil.
Im Dezember bedrohte der Irak in seinen Erklärungen
die Türkei. Die Reaktion des Bündnisses bestand in
der Stationierung einer Gruppe aus deutschen, belgischen und italienischen Flugzeugen in der Türkei, im
Einklang mit bestehenden NATO-Plänen. Darüber
hinaus wurden zusätzliche Luftverteidigungsraketen
einschließlich der holländischen Patriot stationiert. Wir
haben unseren Einsatz für unseren Verbündeten erneut bekräftigt. Saddams Streitkräfte haben die Türkei
nicht angegriffen.
Am 16. Januar begann die Luftoffensive der Koalition.
46 Tage später war Kuwait befreit. Dabei haben die
Ausbildung, das Gerät und die Moral der Koalitionsstreitkräfte eine entscheidende Rolle gespielt, ihre
Führer haben Weitsicht, flexible Planung und klare
Kommando- und Kommunikationsstrukturen demonstriert. Das Ergebnis stand nie in Zweifel, obwohl das
Verhältnis der Verluste des Feindes zu denen der
Koalition und der schnelle Sieg die meisten Erwartungen überstiegen.
III. Lehren für die NATO
Diese Ereignisse ziehen verschiedene Lehren nach
sich. Zunächst möchte ich fünf Lehren für die NATO
ziehen.
Erstens hat sich die NATO für ihre Mitgliedstaaten bei
dieser Situation als unschätzbares Forum für Konsultationen und Vereinbarungen erwiesen.
Seit dem 2. August und im Laufe des gesamten
Krieges haben Botschafter, Außen- und Verteidigungsminister sowie Hunderte von Militärs und Zivilisten
Einschätzungen der Lage, Optionen, nachrichtendienstAMERIKA DIENST 21

�liches Material und Pläne ausgetauscht. Diese Konsultationen waren Grundlage der nationalen und multinationalen Reaktionen, die wiederum die Arbeit im
Krieg gefördert haben. Diese Treffen in der NATO
haben gewährleistet, daß sich alle Verbündeten - nicht
nur die größten Mächte - aktiv an der Debatte über
anstehende Probleme beteiligen konnten. Ich kenne
kein anderes Forum, in dem so enge politische und
militärische Zusammenarbeit zwischen allen Verbündeten so gut ausgeführt werden könnte. Tatsächlich
ist dies ein Beweis des alten Spruchs: Wenn die NATO
noch nicht existiert hätte, hätten wir sie erfinden müssen.
Die fünfzehn Mitgliederdes ständig tagenden Verteidigungsplanungs-Ausschusses kamen regelmäßig
zusammen und trafen schwierige Entscheidungen wie
etwa im Januar die erstmalige Stationierung der mobilen
ACE-Einheit in der Türkei und mehrere Maßnahmen
zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft und Wachsamkeit.
Ständige und detaillierte militärische Konsultationen
der NATO führten zu der außergewöhnlichen bilaterlaen und bündnisweiten Unterstützung im Hinblick auf
die Bereitstellung von Logistik und Stützpunkten für die
Streitkräfte auf dem Weg zu Golf. Dazu zählten
Transport, Landerechte, Auftanken, Landtransport,
Hafenanlagen, Munitionslieferungen zwischen den
Verbündeten, Flugsicherheit, Ersatzteile, Fachwissen
zur Beseitigung von Umweltschäden und medizinische Versorgung.
Ohne die militärische Unterstützung der NATO-Verbündeten am Golf und die logistische Unterstützung
der Bündnispartner in Europa hätten die Vereinigten
Staaten und die Golf koalition nicht leisten können, was
sie erreicht haben. Der Konsultativmechanismus der
NATO, der zur Bewahrung der europäischen Sicherheit konzipiert wurde, hat sich auch in dieser Krise
außerhalb des Bündnisgebiets als tragfähig erwiesen.
Zweitens war trotz der Nichtbeteiligung des militärischen Kommandos der NATO am Golf dessen Einfluß
dort spürbar. Die militärische Koalition, die sich ausbildungsmäßig auf einen massiven Krieg in Europa vorbereitet hatte, setzte ihre Ausbildung am Golf ein.
Landstreitkräfte aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich kämpften zusammen unter
einem gemeinsamen Kommando.
Luftstreitkräfte aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien kämpften effektiv unter einem gemeinsamen Kommando. Marinestreitkräfte aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Kanada, Dänemark, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Portugal und Spanien operierten wirkungsvoll unter gemeinsamem Kommando, wobei die WEU eine koordinierende Rolle spielte.

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Es war jedoch kein Zufall, daß diese Streitkräfte so gut
miteinander harmonierten. Auch konnte dies nicht
hastig organisiert werden. Jahre gemeinsamer Ausbildung, Ausrüstung, Manöver und der Entwicklung
gemeinsamer Standards und Verfahren in der NATO
haben in Friedenszeiten die effizienten und koordinierten militärischen Operationen am Golf ermöglicht.
Einige behaupten heute, daß die scheinbar ad hoc
zusammengestellte Golfkoalition ein Beweis dafür sei,
daß formelle militärische Strukturen zur Reaktion auf
Sicherheitsbedrohungen nicht notwendig seien. Wir
benötigen keine auf Dauer angelegten Strukturen und
Verfahren, so argumentieren sie, da wir diese von
heute auf morgen ins Leben rufen können. Darüber
hinaus können wir uns stets auf die Vereinigten Staaten mit ihrem hochintegrierten militärischen Kommando verlassen, wenn die Lage schwierig wird. Diese Art
des Denkens ist am häufigsten in gewissen Kreisen in
Frankreich anzutreffen, das natürlich nicht formell an
der integrierten Militärstruktur der NATO teilhat, läßt
sich aber auch andernorts finden.
Ich wei ß nicht, ob diejenigen, die den dauerhaften Wert
der integrierten militärischen Organisation der NATO
abtun, die Geschichte von den drei kleinen Schweinchen kennen, die in Stroh-, Holz- und Steinhäusern
lebten. Wenn sie sie kennen, dann sicherlich die
Version, in der die Bewohner, nachdem der Wolf die
Häuser aus Stroh und Holz weggeblasen hat in das
Steinhaus entfliehen und gerettet, anstatt aufgefressen werden. Selbst bei dieser abgemilderten Version,
in der alles ein gutes Ende findet, bedürfte es einer
besonderen Art der Unlogik, um daraus die Moral
abzuleiten, daß das Steinhaus, weil es groß und
flexibel genug war, um zusätzliche Bewohner aufzunehmen, ebenso gut auch aus Stroh hätte gebaut sein
können.
Die integrierte militärische Struktur ist das Steinhaus
des Bündnisses. Wir müssen es im voraus bauen und
unterhalten, wenn wir seine politischen und militärischen Vorzüge genießen möchten. Eine wichtige
Lehre des Golfkriegs ist, daß selbst ohne Einschaltung
der NATO an sich die Erfahrung der Kooperation ein
unerläßliches Element für unseren Erfolg bei der
Zusammenarbeit außerhalb des Vertragsgebiets der
NATO ist. Das Steinhaus - die integrierte Struktur der
NATO - hat uns am Golf gute Dienste geleistet und
neue Bewohner aufgenommen, weil es bereits existierte.
Drittens gründet sich die Verteidigungsstrategie der
NATO für Europa seit langem auf Abschreckung.
Abschreckung ist unseres Erachtens das Produkt aus
zwei Komponenten: militärischer Fähigkeit und des
Willens, sie notfalls gegen einen Aggressor einzusetzen. Militärische Fähigkeit ist ohne den Willen zu
deren Einsatz kein Abschreckungsmittel. Dasselbe
gilt für einen starken Willen ohne militärische Fähigkeit.
Seite 3

�Saddam wurde am 2. August 1990 nicht abgeschreckt.
Kuwait hatte vielleicht den Willen zum Widerstand,
aber nicht die Fähigkeit. Nachdem jedoch sowohl der
Wille als auch die Fähigkeit unter Beweis gestellt
waren, wurde Saddam von einem Angriff auf SaudiArabien abgeschreckt.
Artikel V des NATO-Vertrags sowie die Stationierung
der luftgestützten Mobilen Einsatzstreitmacht (ACE)
bekräftigten diese Abschreckung, und Saddam hat es
nie gewagt, die Türkei anzugreifen. Für die Türkei
ebenso wie für andere Mitgliedstaaten dieses starken
und völlig unzweideutigen Bündnisses hat die NATO
funktioniert.
Offene Bündnisse als Ausdruck politischen Willens,
der von militärischen Fähigkeiten unterstrichen wird,
können Aggressionen abschrecken und tun dies auch.
Wir sollten uns dessen erinnern.
Es gibt jedoch noch eine vierte Lehre, die wir zusammen mit der im Hinblick auf Abschreckung beherzigen
müssen: Obwohl wie im Falle der Türkei der Wille und
militärische Fähigkeiten bisweilen Aggression abschrekken, gilt dies in anderen Fällen, wie etwa bei den ScudAngriffen Saddams auf Israel, nicht. Deshalb benötigen wir Verteidigungssysteme, nicht nur ein Offensivpotential. Im Falle Israels ließ sich Saddam von der
Aussicht auf Vergeltung ganz und gar nicht abschrekken, sondern dies war genau das, was er wollte - Israel
in diesen Krieg zu verwickeln, um die Koalition zu
sprengen. Verteidigungssysteme - in diesem Fall die
Patriot-Raketen - wurden benötigt, um Israel zu schützen. Wenn wir die Lehren aus diesem Krieg ziehen,
sollten wir alle nach Abschreckung und Verteidigung
Ausschau halten.
Eine letzte Lehre aus diesem Krieg für die NATO
bezieht sich auf unsere Waffenbeschaffungsprogramme. Wir haben uns zu Recht auf den Ankauf der
modernsten Waffen für unsere Streitkräfte konzentriert, und wir sollten dies weiterhin tun. Diese Waffen
haben ihre Wirksamkeit gegen den Feind bewiesen
und das Leben unserer Soldaten gerettet. Angesichts
der Kosten müssen wir diese Waffen selbstverständlich mit Sorgfalt ankaufen. Gemeinsame ForschungsEntwicklungs- und Produktionsprogramme sollten
eingesetzt werden, um die Kosten durch Teilung zwischen den Verbündeten zu reduzieren.
IV. Gezogene Lehren: Europäische Institutionen
Der Golfkrieg hat uns auch einige Lehren über die
europäischen Sicherheitsinstitutionen vermittelt.
Erstens politisch: Seit letzten August wurde seitens
der Europäer Unzufriedenheit über die Mechanismen
laut, derer sich Europa bei seiner Reaktion auf die
Ereignisse am Golf bediente. Es überrascht nicht, daß
sich die Debatte über die europäische Außen- und
Sicherheitspolitik beschleunigt hat und mehrere konkretere Vorschläge sowohl bei der zwischenstaatliSeite 4

chen Konferenz zur politischen Union als auch bei der
Westeuropäischen Union hervorbrachte.
Europa sollte in der Tat zu einer gemeinsamen Außenund Sicherheitspolitik finden, da es damit in die Lage
versetzt würde, eine effektivere Rolle bei der Aufrechterhaltung der Weltsicherheit zu spielen. Damit betone
ich übrigens ziemlich offen die Vorteile für die Welt
insgesamt. Allzu häufig wird eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik primär als Unterstützung der europäischen Position und Lösung für
Europas innere Probleme betrachtet. Man sollte sich
daran erinnern, daß die Europäische Gemeinschaft in
jüngster Zeit in guter Verfassung war, bevor diese
Bemühungen eingeleitet wurden. Die 40jährige Geschichte der Gemeinschaft ist selbst ohne die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die zur Zeit
entwickelte politische Union eine Geschichte von Sicherheit und Wohlstand. Nicht Europa hat stark unter
dem Fehlen einer gemeinsamen Au ßenpolitik gelitten,
sondern der Rest der Welt. Die übrige Welt braucht ein
stärkeres und vereinteres Europa, um zur Lösung
vieler uns bedrängender weltweiter Probleme beizutragen. Es sollte kein Zweifel daran bestehen, daß die
Vereinigten Staaten die Entwicklung eines solchen
vereinten, verantwortungsbewußten und nach außen
gerichteten Europas in allen Bereichen begrüßen würden.
Wir haben darüber hinaus einige militärische Lektionen gelernt: Aus verschiedenen Gründen hat die
NATO als Institution keine unmittelbare Rolle am Golf
gespielt, sondern nur bei der Verteidigung der Türkei.
Dies wird wahrscheinlich auch in Zukunft der Fall sein.
Wenn die NATO nicht außerhalb Europas zum Einsatz
kommen soll, dann müssen die Europäer die politische
und militärische Fähigkeit entwickeln, ihre Interessen
außerhalb des Bündnisgebiets auf andere Weise zu
verteidigen.
Aber die WEU repräsentiert nicht ganz Europa. Tatsächlich betraf die größte militärische Herausforderung Europas während der Golfkrise einen europäischen Verbündeten - die Türkei -, der weder zur WEU
noch zur EG gehört. Im Hinblick auf den zukünftigen
europäischen Beitrag zur Sicherheit des Westens wird
es wichtig sein, sich daran zu erinnern, daß zu Europa
zahlreiche Länder gehören, die nicht Mitglied dieser
Organisationen sind. Es wird wichtig sein, wesentliche
Verbündete nicht im Namen der institutionellen Entwicklung von unseren sicherheitspolitischen Beratungen auszuschließen. Die Aufgabe der Verteidigung ist
zu wichtig, um dies zuzulassen.
Wenn die europäischen Staaten ihre eigenen Strukturen verfolgen, sollte eine der am Golf gelernten Lektionen im Gedächtnis haften bleiben: der große militärische Nutzen eines einheitlichen Kommandos, miteinander harmonierender Ausrüstung, gemeinsamer
Ausbildung, gemeinsamer Kommunikationssysteme
und gemeinsamer operativer Verfahren. Bei der Entwicklung einer europäischen Streitmacht sollte den

AMERIKA DIENST 21

�Mechanismen zur Sicherstellung dieser gemeinsamen Punkte das gebührende Augenmerk geschenkt
werden. Diese Arrangements sollten Integration und
Effektivität des atlantischen Bündnisses stärken, das
auch deshalb auf sie angewiesen ist, um die Sicherheit
Europas selbst zu gewährleisten.

einen Angriff auf Mitgliedstaaten abschreckt.
Zu den neuen Lehren, die wir aus dem Krieg gezogen
haben, gehörten
die Erwünschtheit einer strafferen Entscheidungsfindung zwischen den europäischen Staaten,
um auf Krisen an der Peripherie des NATOGebiets zu reagieren und

Dies könnte für Europa und die Vereinigten Staaten
der beste Weg sein, um die militärische Unterstützung
bei künftigen Eventualfällen außerhalb des NATOGebiets ebenso zu koordinieren, wie dies vier Jahrzehnte lang innerhalb des NATO-Gebiets getan wurde.
V. Zusammenfassung
Insgesamt hat der Golf krieg nicht nur die Gültigkeit des
Ansatzes der NATO zur europäischen Sicherheit
bewiesen, sondern er hat uns ferner einige Lehren zur
Bewältigung des Wandels vermittelt, da alte Bedrohungen neuen Herausforderungen weichen.
Der Krieg hat gezeigt, daß die NATO
als unschätzbares Forum politischer Konsultationen dient,
entscheidende logistische Unterstützung und
gemeinsame operative Verfahren liefert und

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AMERIKA DIENST 21

*

die Notwendigkeit einer integrierten europäischen Streitmacht für mögliche Einsätze au ßerhalb des Bündnisgebiets an der Seite amerikanischer Streitkräfte.
Sicherlich obliegt es den Europäern, die Institutionen
zu diskutieren und entwickeln, über die eine europäische Sicherheitsidentität zum Ausdruck kommt. Bei
diesem Unterfangen werden Sie unsere starke Unterstützung haben - soweit die NATO prinzipiell Ort der
Konsultation und Forum zur Entscheidungsfindung für
Maßnahmen bleibt, die die Sicherheit und Verteidigungsverpflichtungen ihrer Mitglieder gemäß dem
Nordatlantikvertrag betreffen.
Auf diese Weise kann die europäische Sicherheit, in
der Tat die transatlantische und Weltsicherheit, bis ins
21. Jahrhundert hinein gesichert werden.

*

*

Seite 5

�CHEMISCHE

WAFFEN
29. Mai 1991

BUSHS CHEMIEWAFFENINITIATIVE BESCHLEUNIGT
GENFER GESPRÄCHE
ACDA-Direktor Lehman vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Ronald Lehman,
zufolge werden die neuen Vorschläge von Präsident Bush "die Verhandlungen über ein multilaterales Verbot
chemischer Waffen beschleunigen, die zur Zeit im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz (CD) stattfinden".
Vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats bezeichnete Lehman am 22. Mai 1991 die Verwirklichung "eines
effektiven, weltweiten Verbots chemischer Waffen so bald wie möglich" als das Ziel des Präsidenten.
Im Hinblick auf die bilateralen amerikanisch-sowjetischen Gespräche über chemische Waffen stellte Lehman
fest: "Ein multilaterales Chemiewaffenverbot kann nicht verwirklicht werden, wenn die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion nicht eng zusammenarbeiten." Darüber hinaus erklärte er, die amerikanische Regierung werde
das im vergangenen Juni unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Protokoll nicht dem Kongreß zur Zustimmung vorlegen "bis wir davon überzeugt sind, daß die Sowjetunion die Schwierigkeiten mit ihrem Programm zur
Zerstörung chemischer Waffen gelöst hat".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme Lehmans vor dem Auswärtigen Senatsausschuß im
Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, heute vor diesem
Ausschuß die Bemühungen der Vereinigten Staaten
für die Beseitigung der Bedrohung chemischer Kriegführung darzulegen. Ich freue mich, feststellen zu
können, daß dies ein gemeinsames Ziel der Regierung
und des Kongresses ist.
Am 13. Mai 1991 verkündete Präsident Bush eine
Reihe neuer Maßnahmen, die von den Vereinigten
Staaten ergriffen werden, um die Verhandlungen über
ein multilaterales Verbot chemischer Waffen zu beschleunigen, die zur Zeit im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz (CD) stattfinden. Sein Ziel ist die
Verwirklichung eines effektiven, weltweiten Verbots
chemischer Waffen so bald wie möglich. Um dieses
Zieles willen hat der Präsident gefordert, die Konvention innerhalb von zwölf Monaten zu vollenden und die
Konferenz ohne Unterbrechung tagen zu lassen, um
dies zu erreichen.
Um das Engagement der Vereinigten Staaten für das
Verbot chemischer Waffen zu unterstreichen und dazu
beizutragen, keinem Land einen Vorwand zum Erwerb
oder zur Beibehaltung chemischer Waffen zu liefern,

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werden die Vereinigten Staaten mit Inkrafttreten der
Konvention formell dem Einsatz chemischer Waffen
aus jedwedem Grund, einschließlich Vergeltung, gegen
irgendeinen Staat entsagen. Wir werden vorschlagen,
daß sich alle anderen Staaten dem anschließen.
Daneben werden sich die Vereinigten Staaten bedingungslos zur Zerstörung ihrer gesamten Chemiewaffenarsenale innerhalb von zehn Jahren nach Inkrafttreten verpflichten und vorschlagen, daß alle anderen
Staaten dasselbe tun. Wir werden anderen Staaten
technische Hilfe zur Verfügung stellen, um ihnen zu
ermöglichen, dies effizient und sicher zu bewerkstelligen.
Um denjenigen Staaten, die der Konvention beitreten,
greifbare Vorteile zu bieten und diejenigen, die nicht zu
ihrer Unterstützung bereit sind, einschneidenden Strafen zu unterwerfen, schlagen die Vereinigten Staaten
vor, daß sich alle Parteien der Konvention verpflichten,
den Staaten, die sich der Konvention nicht innerhalb
eines angemessenen Zeitraums nach Inkrafttreten
anschließen, keinerlei Material zu liefern, das für die
Herstellung chemischer Waffen verwendet werden
könnte. Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre Hal-

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�tung, daß gegen Staaten, die die Konvention über
chemische Waffen verletzen, Sanktionen verhängt
werden sollten und daß sie selbst als Reaktion gegen
Verletzungen der Konvention, insbesondere den Einsatz chemischer Waffen, Sanktionen verhängen werden. Die Vereinigten Staaten werden darüber hinaus
neue Verifizierungsmaßnahmen für die Inspektion von
Orten vorschlagen, an denen die Herstellung oder
Lagerung chemischer Waffen vermutet wird.
Die neue Initiative des Präsidenten ist ein weiterer
Beweis seiner anhaltend energischen persönlichen
Bemühungen zur Erlangung eines multilateralen Abkommens, das chemische Waffen verbietet. Als Vizepräsident legte er im Jahr 1984 vor der Genfer Abrüstungskonferenz den Entwurf einer Konvention über
chemische Waffen vor, der die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in diesen Verhandlungen begründete. Gemeinsam mit den darauf folgenden amerikanischen Vorschlägen bildete dieser Vertragsentwurf
den Schwerpunkt der Gespräche. Er findet in dem
gegenwärtig umlaufenden Vertragsentwurf, der in Genf
weiter ausgearbeitet wird, seinen Niederschlag.
In den nächsten Monaten gedenken wir weiterhin eine
führende Rolle bei der Erstellung tragfähiger Lösungen der noch ausstehenden Probleme in den Verhandlungen zu spielen. Wir erwarten, daß andere ebenfalls
ihre Bereitschaft zeigen, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, mit denen sich die Verhandlungsführer in der Vergangenheit plagen mußten.
Die Einigung über Verifizierung bleibt ein zentraler
Streitpunkt, insbesondere die Übereinkunft zu den
Vorschriften für die Untersuchung vermuteter Vertragsverletzungen. Eine Reihe von Ansätzen für Adhoc-Inspektionen wurden bereits erörtert. Die Gespräche konzentrierten sich auf einen geregelten Zugang
zu vermuteten Standorten. Da es abweichende Ansichten über den Grad des Zugangs gab, waren wir
bestrebt, die Notwendigkeit des Zugangs zur Verifizierung mit der Notwendigkeit des Schutzes sicherheitsempfindlicher nationaler Maßnahmen in Einklang zu
bringen, die nicht mit chemischen Waffen zusammenhängen. Wir engagieren uns weiterhin für ein fundiertes Verifikationsregime, und wir haben uns energisch
dafür eingesetzt, ein befriedigendes Gleichgewicht
zwischen Zugang und Schutz nationaler Sicherheitsinteressen herzustellen.
Unsere bilateralen Gespräche mit der Sowjetunion
sind wichtiger Bestandteil der amerikanischen Bemühungen zur Erlangung eines multilateralen Abkommens über das Verbot chemischer Waffen. Mit diesen
Gesprächen sollen die multilateralen Verhandlungen
über ein Verbot chemischer Waffen gefördert, nicht
ersetzt werden. Ich gehe vielmehr davon aus, daß ein
multilaterales Chemiewaffenverbot nicht verwirklicht
werden kann, wenn die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nicht eng zusammenarbeiten. Wie Sie
wissen, ist der Leiter der sowjetischen Delegation bei

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der Genfer Abrüstungskonferenz, Botschafter Sergej
Batsanow, dieses Jahr auch Vorsitzender des multilateralen Verhandlungsausschusses. Es gibt dieses
Jahr also noch mehr Gründe, eng mit der sowjetischen
Delegation zusammenzuarbeiten. Wir haben ihn unserer
Unterstützung und Zusammenarbeit im Hinblick auf
die angestrebte rasche Vollendung einer Konvention
versichert, die wirksam sein und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und anderer Parteien verbessern
wird.
Wir arbeiten mit der Sowjetunion bei einer Reihe von
Problemen zusammen.
Im September 1989 haben die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion eine Regierungsvereinbarung
unterzeichnet, um mehrOffenheit über die Fähigkeiten
zur Herstellung chemischer Waffen beider Seiten zu
erzielen und praktische Erfahrungen zu gewinnen, mit
denen die Durchführung eines multilateralen Verbots
erleichtert werden kann. Im Rahmen dieser Vereinbarung haben beide Seiten allgemeine Informationen
über ihre C-Waffenarsenale und Produktionsstätten
ausgetauscht und sich gegenseitig Besuche in wichtigen Fabriken und Militäreinrichtungen abgestattet. Zu
einem späteren Zeitpunkt werden beide Seiten detaillierte Informationen über ihre Arsenale austauschen
und Inspektionen in bekannten und bisher unbekannten Eirichtungen durchführen. Ich sollte darauf hinweisen, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
sich gegenseitig im Zeitraum vor und nach der Unterzeichnung der multilateralen C-Waffenkonvention eine
Reihe von 10 Ad hoc-Inspektionen genehmigt haben.
Dabei wurde der Ratifizierungsprozeß beider Länder
berücksichtigt und auf mögliche Anliegen eingegangen.
Im Juni 1990 haben die Präsidenten Bush und Gorbatschow ein bilaterales Abkommen unterzeichnet, das
einen wichtigen Schritt in Richtung auf ein Verbot
chemischer Waffen darstellt. Beide Seiten fordern die
Einstellung der Produktion chemischer Waffen und
den Beginn der Vernichtung von Arsenalen. Sie kamen
überein, diese beiden Schlüsselbedingungen des
multilateralen Verbots noch vor seinem Inkrafttreten
durchzuführen.
Seit letzten Sommer arbeiten beide Seiten an detaillierten Verfahrensweisen zur Durchführung des bilateralen Abkommens vom Juni 1990. Die Sowjetunion
hatte Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines zustimmungsfähigen Programms zur Vernichtung.
Deshalb konnte sie ihren Unterhändlern nicht die erforderlichen Instruktionen erteilen, mit denen wir das
Protokoll hätten abschließen können.
Die Schwierigkeiten beim sowjetischen C-WaffenVernichtungsprogramm haben ernste Besorgnis über
die Fähigkeit der Sowjetunion aufkommen lassen,
gemäß dem bilateralen Abkommen bis zum 31. Dezember 1992 mit der Vernichtung zu beginnen. Wir

AMERIKA DIENST 21

�haben klargestellt, daß wir uns nicht mit symbolischen
Handlungen begnügen werden - die Bestrebungen zur
Vernichtung müssen ernsthaft eingeleitet werden.
Darüber hinaus haben wir unsere Bereitschaft dokumentiert, unsere Erfahrung und unser Know-how zur
Verfügung zu stellen.
Unseres Wissen nach hat Präsident Gorbatschow die
zuständigen Ministerien angewiesen, einen überarbeiteten Vernichtungsplan zu erarbeiten, der die Einlassungen des Obersten Sowjet ebenso berücksichtigt
wie die praktischen Schwierigkeiten, die sich ergeben
haben. Der Plan soll im Mai abgeschlossen und dem
Obersten Sowjet im Juni vorgelegt werden. Der Inhalt
des überarbeiteten Programms ist uns noch nicht
bekannt.
Die Verzögerung bei der Fertigstellung des Protokolls
für das Abkommen vom Juni 1990 hat natürlich die
Unterbreitung des Abkommens im Kongre ß für dessen
Zustimmung verzögert. Zu diesem Zeitpunkt kann ich
nicht vorhersagen, wann wir dazu in der Lage sein
werden. Ich möchte Ihnen versichern, daß wir das
Abkommen nicht unterbreiten werden, bis wir sicher
sein können, daß die Sowjetunion die Schwierigkeiten
mit ihrem C-Waffen-Vernichtungsprogramm gelöst hat
und es guten Grund zu der Annahme gibt, daß die
Bestimmungen des Abkommens von beiden Seiten
erfüllt werden können. Das bilaterale Abkommen hat
jedoch eine wichtige Rolle gespielt, indem es der
Sowjetunion die Notwendigkeit vor Augen geführt hat,
im Hinblick auf ein für die multilaterale C-Waffenkonvention erforderliches Vernichtungsprogramm schnell
zu handeln.
Das Abkommen von Juni 1990 verpflichtet beide Seiten, versuchsweise Ad hoc-Inspektionen durchzuführen. Obwohl die Arbeit am Protokoll Priorität hatte,

*

AMERIKA DIENST 21

*

haben beide Seiten fruchtbare Vorgespräche über
Modalitäten zur Ausführung dieser versuchsweisen
Ad hoc-Inspektionen geführt. Solche Modalitäten
müssen natürlich auf einem gemeinsamen Ansatz für
Ad hoc-Inspektionen basieren. Ich erwarte, daß sich
die Arbeit an einem gemeinsamen Ansatz im Hinblick
auf die baldmöglichste Vervollständigung der Modalitäten während der nächsten bilateralen Runde intensivieren wird. Selbstredend ist die Lösung von Differenzen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten
Staaten über Ad hoc-lnspektionen auch entscheidend
für Fortschritte bei den multilateralen Verhandlungen.
Zum Schluß möchte ich das Engagement der Regierung bekräftigen, sobald wie möglich ein umfassendes, weltweites Verbot chemischer Waffen zu erzielen. Wir sehen der engen Zusammenarbeit mit dem
Kongreß entgegen, um dieses wichtige Ziel zu erreichen.
Die mit der jüngsten Initiative des Präsidenten vorgelegten Vorschläge sollen die Sackgasse bei wichtigen
Fragen überwinden und einzelnen Ländern Anreize
schaffen, der Konvention beizutreten. Wir versuchen,
die Dringlichkeit zu betonen, indem wir einen Termin
für die Endfassung der Konvention setzen und anhaltende Verhandlungen fordern.
Allein können wir keine Konvention erreichen. Wir sind
nur einer der 39 offiziellen Verhandlungspartner. Der
Abschluß der Konvention wird die Zusammenarbeit
und den Einsatz der Beobachterländer bei der Abrüstungskonferenz und anderer Länder fordern. Auf sie
schauen wir, damit sie uns in einer letzten Anstrengung zum Abschluß der Konvention unterstützen und
damit gewährleisten helfen, daß künftige Generationen nicht mit dem Gespenst der chemischen Kriegführung leben müssen.

*

*

Seite 3

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*

3. Juli 1991
*

JUGOSLAWIEN

BAKER FORDERT EINHEIT UND MEHR
AUTONOMIE IN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Außenministers

PORTRAIT

BUSH ERNENNT SCHWARZEN KONSERVATIVEN ZU MARSHALLS NACHFOLGER
Portrait von Clarence Thomas

EXPORTKONTROLLEN

EXPORTKONTROLLEN UND HANDEL
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
Von Botschafter Allan Wendt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWIEN
3. Juli 1991

BAKER FORDERT EINHEIT UND MEHR
AUTONOMIE IN JUGOSLAWIEN
Rede des US-Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker hat am 26. Juni 1991 dazu aufgerufen, die Krise in Jugoslawien
durch Dialog und Verhandlungen statt durch Gewalt beizulegen. In einer Rede bei der Gannett Foundation, einer
Institution, die sich der Förderung der Pressefreiheit verschrieben hat, bekräftigte er, die Vereinigten Staaten
unterstützten die Einheit Jugoslawiens und stellte gleichzeitig fest: "Wir können mehr Autonomie und
Souveränität der Republiken - mit anderen Worten eine neue Grundlage der Einheit in Jugoslawien befürworten..."
Baker erklärte, die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft, die anderen Mitglieder der Konferenz
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die internationale Staatengemeinschaft untersuchten zur
Zeit, "welche Maßnahmen wir jetzt ergreifen sollten, um in Jugoslawien den Dialog zu fördern und größere
Gewalt zu vermeiden".
Der Außenminister erörterte in seiner Rede ferner das KSZE-Außenministertreffen in Berlin, die Lage im Irak,
den freien Handel und die Sowjetunion.
Wir veröffentlichen die Rede Bakers nachfolgend im Wortlaut.

Ich freue mich besonders, heute abend mit Ihnen
gemeinsam für die grundlegenden Bürgerrechte, wie
sie in unserem ersten Verfassungszusatz enthalten
sind, in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion
eintreten zu können. Denn es sind diese Grundrechte,
die das neue, demokratische Europa untermauern
müssen, dessen Aufbau wir alle anstreben.
Bei meiner Reise nach Berlin, Belgrad und Tirana
erhielt ich in der vergangenen Woche einen lebendigen Eindruck der Chancen und Risiken des neuen
Europas. Ich kehrte mit der erneuerten Überzeugung
zurück, daß die Werte und Interessen Amerikas den
Atlantik überbrücken. Unser Schicksal bleibt untrennbar mit einem Europa verknüpft, das ungeteilt und frei,
stabil und sicher, wohlhabend und offen für den freien
Fluß von Informationen ist.
Beim Außenministertreffen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Berlin haben wir
zusammen mit den anderen Signatarstaaten dieses
gemeinsame Ziel bekräftigt. Darüber hinaus haben wir
eine gemeinsame Erklärung im Hinblick auf die Lage in
Jugoslawien verabschiedet, in der die einhellige UnterAMERIKA DIENST 26

stützung der Menschenrechte, Demokratie und territorialen Unversehrtheit Jugoslawiens unter Beweis gestellt
wurde. Meine anschließenden Gespräche in Belgrad
mit verantwortlichen Politikern der Bundesregierung
und der Republiken ergaben Punkte der Übereinstimmung. Aber auch wenn man die schwülstige Rhetorik
berücksichtigt, stellte ich eine gewisse Realitätsferne,
eine Unfähigkeit seitens mancher führender Politiker
der Republiken fest, die gefährlichen Konsequenzen
ihrer Handlungsweise zu verstehen.
Ich reiste nach Jugoslawien wegen unserer großen
Sorgen über die dortige Lage und unseres starken
Wunschs, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um
ein Unglück abzuwenden. Aber unsere Sorgen wurden nicht zerstreut, und die Wahrscheinlichkeit zunehmender Gewalt und wachsenden Blutvergießens und
Zerfalls wird größer. Es handelt sich um das sprichwörtliche Pulverfaß, und die Lage verschlechtert sich
weiter, während ich hier spreche.
Wir werden weiterhin die politisch Verantwortlichen
der Bundesregierung und der Republiken eindringlich
auf die Bedeutung des politischen Dialogs und einer
Seite 1

�Lösung auf dem Verhandlungsweg hinweisen. Aber
ich wäre nicht offen, wenn ich nicht auch erkennen
würde, daß die Ereignisse in Jugoslawien eine Eigendynamik entwickelt haben, die in den gestrigen Unabhängigkeitserklärungen Kroatiens und Sloweniens und
den heutigen Ereignissen zum Ausdruck kommt.
Ich möchte an der amerikanischen Haltung keinen
Zweifel aufkommen lassen: Wir unterstützen die
Anwendung der KSZE-Prinzipien und kooperative
Bemühungen zur friedlichen Beilegung politischer
Streitigkeiten. Wir werden einseitige Maßnahmen
nicht belohnen, die einen Dialog oder die Möglichkeiten einer Verhandlungslösung zunichte machen, und
wir werden Einschüchterung oder den Einsatz von
Gewalt energisch ablehnen. Die Vereinigten Staaten
anerkennen und unterstützen weiterhin die territoriale
Unversehrtheit Jugoslawiens, einschließlich der Grenzen seiner einzelnen Republiken. Gleichzeitig können
wir mehr Autonomie und Souveränität der Republiken
- mit anderen Worten eine neue Grundlage der Einheit
in Jugoslawien - befürworten, jedoch nur mit friedlichen Mitteln wie Verhandlungen und Dialog. Wir
werden weiterhin Demokratie, marktorientierte Reformen und die Wahrung der Menschenrechte jedes
Bürgers in Jugoslawien fördern. Gemeinsam mit den
Staaten der Europäischen Gemeinschaft und anderen
Mitgliedern der KSZE und der internationalen Staatengemeinschaft untersuchen wir gegenwärtig, welche
Maßnahmen wir jetzt ergreifen sollten, um in Jugoslawien den Dialog zu fördern und größere Gewalt zu
vermeiden.
Sicherlich kann niemand in Jugoslawien - und niemand
in Europa - es sich leisten, die tragischen Fehler der
Vergangenheit zu wiederholen.
Dies gilt umso mehr, wenn die Zukunft so vielversprechend sein kann, wenn die Freiheit weltweit auf dem
Vormarsch ist - und wenn demokratische Prinzipien so
umfassend aufgenommen werden wie nie zuvor. Diese
neue Realität wurde für mich lebendig, als ich am
vergangenen Samstag Albanien besuchte.
Als ich auf jenem überfüllten Platz in Tirana in die
Gesichter der nach Freiheit schreienden Menschen
sah, erlebte ich einen verfrühten 4. Juli. Dieser spontane Ausbruch echter Zuwendung und Unterstützung
für unsere Delegation war sehr bewegend und erfüllte
mich mit tiefem Stolz, Amerikaner zu sein. Unser Land
und unser Beispiel von Freiheit sind deutliche Symbole
der Hoffnung für das albanische Volk, das über einen
solch langen Zeitraum hinweg nichts zu hoffen hatte.
Diese Menschen waren nach über fünfzig Jahren der
Unterdrückung, Isolation und Unfähigkeit, ihre Meinung zu äußern, völlig von der Freiheit berauscht. Es
war fast so, als ob ein seit langem untätiger Vulkan
ausgebrochen sei. Die Menschen schrien von den
Dächern das Wort "Freiheit" - Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit. Mit anderen Worten:
sie nahmen freudig gerade diejenigen Menschenrech-

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te und Grundrechte auf, die von Ihrer Stiftung seit
langem hier in unserem Land verteidigt wurden und für
die Sie heute auch im Ausland eintreten.
Und übrigens - ich möchte Sie zur Umbenennung
dieser Stiftung in Freiheitsforum beglückwünschen.
Denn genau das ist es, was wir benötigen - eine
Plattform für die Grundrechte, wie sie im ersten Zusatz
unserer Verfassung enthalten sind, die stark genug ist,
freie Gesellschaften weltweit zu unterstützen.
Im Februar 1990 habe ich in einer Rede in Prag die
Notwendigkeit betont, die freie Presse als Mittel zur
Sicherung neugewonnener Freiheit in Ost- und Mitteleuropa und der Sowjetunion zu fördern. Heute bleibt
die Stärkung der unabhängigen Medien für uns nicht
nur ein wichtiger Faktor, sondern eine vordringliche
Angelegenheit für alle, die sich wünschen, daß die
Demokratie Fuß faßt.
In Prag habe ich Thomas Jefferson zur politischen
Philosophie einer freien Presse zitiert. In meinen
darauffolgenden Gesprächen mit den demokratisch
orientierten Politikern der Regierung und der Opposition in ganz Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion habe ich nie gehört, daß irgendjemand mit den
allgemeinen Prinzipien freier Medien nicht übereingestimmt hätte. Ich habe jedoch vernommen, wie unbedingt notwendig unsere Hilfe ist, um diese Prinzipien so
schnell wie möglich in die Tat umzusetzen.
In Bulgarien und Rumänien haben mir die Oppositionspolitiker von ihrem verzweifelten Bedarf an Zeitungspapier berichtet. Mir wurde erklärt, daß heute allein in
Rumänien über zweitausend Zeitungen existieren, und
sie benötigen dringend Material wie etwa Zeitungspapier. In Albanien hatte die demokratische Opposition
bei den Wahlen Erfolg, sah sich jedoch mit dem
Problem konfrontiert, ihre Botschaft in das Land zu
tragen, weil die Zentralregierung die Ressourcen
kontrolliert.
Um die Vordringlichkeit dieses Bedarfs zu illustrieren,
möchte ich das Beispiel eines erfolgreichen Verlegers
anführen, der ein Zeitgenosse von Thomas Jefferson
war. Er kümmerte sich weniger um die Theorie der
Grundrechte als um die Praxis. Erst spät in seinem

Leben kam er in Berührung mit dem Aufbau der
Demokratie und Diplomatie. Ben Franklin hielt nicht
viel von Menschen, die "viel reden, aber wenig leisten". Er ist ein gutes Vorbild für uns, weil er immer
Taten vor Worte stellte.
Ich fordere Sie also auf, Ihre Energie und Ihr Geld für
das einzusetzen, was ich hier erkläre. Finanzieren Sie
konkrete Programme, mit denen unabhängige Journalisten einen guten Start haben. Ich denke, wir sind uns
alle einig, daß jetzt - da Länder im Frühstadium der
Ausarbeitung neuer Verfassungen sind, Rechtsordnungen aufarbeiten und bürgerliche Gesellschaften
aufbauen - die Zeit gekommen ist, wo es darauf
ankommt. Langfristig kann eine freie Presse nur in
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�einem demokratischen und marktwirtschaftlich orientierten Umfeld überleben. Der Schlüssel ist, daß wir
uns dort engagieren und unabhängige Stimmen unterstützen, bis sie sich selbst helfen können. Andernfalls
könnte unsere Hilfe zu spät kommen.
Es ist bereits viel gute und hilfreiche Arbeit zur Dekkung bestimmten Bedarfs geleistet worden: von Gannett,
dem US-Informationsamt, dem Internationalen Rundfunkrat, dem National Endowment for Democracy,
dem Internationalen Medienfonds, derSoros Stiftung,
der New York Times Stiftung, den Mittel- und Osteuropäern und Sowjets selbst und auch von vielen anderen. Jetzt ist die Zeit gekommmen, um praktische
Arbeit zu leisten.
Natürlich haben wir Amerikaner kein Monopol an Erfahrungen, und wir können nicht unsere eigenen Lösungen einfach übertragen. Zweifellos funktionieren
private Medien bei uns und auch bei anderen gut.
Wenn wir jedoch den Mittel- und Osteuropäern und
den Sowjets beim Aufbau unabhängiger Medien helfen, sollten wir uns nicht allzu sehr damit beschäftigen,
ob das Modell der Unabhängigkeit BBC, PBS, NBC
oder C-Span heißt - vorausgesetzt, Unabhängigkeit
heißt Freiheit von der Regierung oder von politischer
Kontrolle und politischem Einfluß.
Wir erkennen, daß Gruppen wie das Freiheitsforum
keine Fonds mit US-Regierungsstellen vermischen
wollen, obwohl sie unabhängig arbeiten. Aber wir
denken, daß kreative Möglichkeiten für parallele Arbeit
existieren. Wenn Sie also Möglichkeiten der Hilfe
erwägen, dann fordere ich Sie auf, den Bestrebungen
Priorität einzuräumen, die baldige und konkrete Ergebnisse in vier Schlüsselbereichen hervorbringen können.
Erstens: Ressourcen. Vielversprechende unabhängige Projekte werden ausschließlich mit ganz geringen
Mitteln und lokaler Initiative durchgeführt. Sie können
die Mittel bereitstellen, sie zu einer Zeit am Leben zu
erhalten, da der Übergang von Plan- zu Marktwirtschaften Maschinen und Material - wie Zeitungspapier, Computer, Satellitenschüsseln, Faxmaschinen
und Desktop-Publishing- schwer zugänglich undteuer
macht.
Zweitens: Investitionen: Sie können westliche Investitionen ermutigen, die der örtlichen Presse bei ihrem
Aufbau hilft. Sie können darüber hinaus Investitionen
fördern, um bestehende Medien zu privatisieren.

*

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Drittens: Fragen, der Kontrolle, Pressegesetze und
des Zugangs. Sie können dazu beitragen, die staatliche Kontrolle der Medien abzubauen. Die Einführung
eines angemessenen rechtlichen Rahmens ist eine
Möglichkeit zur Lösung des Problems. Ein weiteres
besteht darin, den unabhängigen Medien Zugangsrechte zu verschaffen, wo Frequenzen oder knappes
Material wie Zeitungspapier aus politischen Gründen
von offizieller Seite vorenthalten werden. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Unterstützung des Internationalen Medienfonds für SOTI, die rumänische Gesellschaft zur Schaffung einer unabhängigen Fernsehgesellschaft, mit seiner schwierigen Kampagne für den
Zugang zu den Frequenzen.
Viertens und letztens: Ausbildung. Ein unabhängiger
ungarischer Journalist hat es richtig formuliert: "Wir
müssen lernen, daß Fakten wichtiger sind als Ideologien ... Wir müssen lernen, die Wahrheit unter all den
Lügen und der Korruption auszugraben, lernen, andere Meinungen zu tolerieren und verstehen, daß Konkurrenten nicht unbedingt Feinde sind."
Ich kann nicht genug die konkreten Beiträge betonen,
die wir in den vier von mir gerade beschriebenen
Hauptbereichen machen können. Auch wenn es die
Anlagen zur Störung von Rundfunk und Fernsehen,
Zensurgesetze und die Berliner Mauer selbst nicht
mehr gibt, bleiben noch viele ernsthafte Schranken für
den freien Informationsfluß: autoritäre Methoden,
verkrustete alte Strukturen, isolationistische und intolerante Einstellungen.
Die Überwindung dieser Schranken wird das erfordern, was Präsident Bush als "harte Arbeit der Freiheit" bezeichnet hat. Aber wir dürfen uns oder die
Menschen in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion nicht täuschen: der Aufbau der Demokratie ist eine
schwierige Aufgabe. Er hat in den Vereinigten Staaten
und Westeuropa Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte
gedauert. Die Straße der Freiheit ist oftmals eine
unwegsame - auch die Menschen in Mittel- und Osteuropa und der Sowjetunion müssen das wissen.
Aber sie müssen auch wissen, daß wir sie in ihrem
Streben nach Freiheit unterstützen. Wir können ihren
Erfolg nicht garantieren. Das können nur sie selbst.
Aber wir können ihnen eine helfende Hand reichen,
wenn sie die neue Grenze - die Grenze namens
Freiheit - überschreiten.
Ich danke Ihnen.

* * *

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Seite 3

�PORTRAIT
3. Juli 1991

BUSH ERNENNT SCHWARZEN KONSERVATIVEN
ZU MARSHALLS NACHFOLGER
Portrait von Clarence Thomas

WASHINGTON - (AD) - Als der schwarze Konservative Clarence Thomas Anfang 1990 bestätigt wurde, um
einen von drei freien Posten im 12 Mitglieder umfassenden amerikanischen Berufungsgericht des District
of Columbia zu übernehmen, lag auf der Hand, daß er
abgesehen von seinem Sitz im einflußreichen Berufungsausschuß als Kandidat für die Nachfolge von
Thurgood Marshall - dem einzigen Schwarzen im
Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten - in die
engere Wahl gezogen würde, sollte Marshall seinen
Abschied nehmen.

jedoch davon Abstand und seine Nominierung wurde
vom Rechtsausschuß mit nur einer Gegenstimme
genehmigt.

Nach Marshalls Ankündigung seines Rücktritts am
Ende der Gerichtssitzung vergangene Woche, wenn
sein Nachfolger vom Senat bestätigt ist, hat Präsident
Bush jetzt den 42jährigen Thomas für dieses Amt
benannt.

Einer seiner stärksten Befürworter, der republikanische Senator Orrin Hatch, stellte während der Anhörung fest, Thomas' für einen schwarzen Regierungsvertreter ungewöhnliche Positionen hätten ihn in eine
"unbequeme und schwierige" Lage manövriert, in der
er häufig von anderen schwarzen Politikern angegriffen würde.

Vorbehaltlich der Bestätigung durch den Senat wäre
Thomas, der in der Reagan-Administration sieben
Jahre lang Vorsitzender des Ausschusses für Chancengleicheheit am Arbeitsplatz war, nach Marshall der
einzige Schwarze, der je dem obersten Gericht der
Vereinigten Staaten gedient hat.
Der Kandidat, der für seine freimütig bekannte konservative Einstellung und insbesondere seinen Widerstand gegen Gleichstellungsprogramme einschließlich Quotenregelungen und Zeitplänen zur Unterstützung der Minderheiten vielleicht am besten bekannt
ist, hat von einigen Bürgerrechtsgruppen und Interessenvertretungen der Minderheiten Kritik geerntet.
Die Leiter von Organisationen wie dem Nationalen
Verband für die Förderung von Farbigen (National
Association for the Advancement of Colored People NAACP), die mit der Begründung, er gehe lasch bei der
Durchsetzung von Gesetzen gegen Diskriminierung
vor, Einwände gegen seine Qualifikation für das Distrikt-Berufungsgericht vorbringen wollten, nahmen

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Während der Anhörung versicherte Thomas den
Ausschußmitgliedern, die Verwirklichung der Gesetze
werde nicht durch seine persönlichen Überzeugungen
beeinträchtigt. "Meines Erachtens steht es einem
Richter nie zu", erklärteer, "seine eigenen Intentionen
vor die Intention der Gesetzgebung zu stellen. Selbst
wenn meine eigene Meinung beträchtlich abwich, habe
ich dem Gesetz Vorrang eingeräumt."

"Das ist eine Wahl zwischen Prinzip und Popularität,"
erklärte Thomas dem Ausschuß.
"Ich bestehe nachdrücklich darauf," schrieb Thomas
1987 an das Wall Street Journal, "daß die Verfassung
farbenblind ausgelegt wird. Demnach ziehe ich schwarze Selbsthilfe einer Quotenregelung und anderen
rassenspezifischen rechtlichen Kunstgriffen vor, die
das eigentliche Problem nur verschärfen."
Der Kandidat für den Obersten Gerichtshof wurde von
seinen Großeltern im ländlichen Süden in der Nähe
von Savannah, in der Stadt Pinpoint (Georgia) in Armut
aufgezogen. Sein Vater M.C. Thomas verließ seine
junge Frau, als Thomas zwei Jahre alt war. Bis zu
seinem sechsten Lebensjahr lebte er mit seiner Mutter, ihrer Tante und ihrem Onkel sowie zwei Geschwistern in einem Haus ohne fließendes Wasser und
einem Holzofen zum Heizen.

Seite 1

�Seine Mutter arbeitete als Dienstmädchen und in einer
nahegelegenen Konservenfabrik. 1955 wurden Thomas und sein jüngerer Bruder nach Savannah geschickt, um bei den Großeltern zu leben.

Als Student an der Yale Law School heiratete er seine
erste Frau, mit der er einen heute 18jährigen Sohn hat.
1983 wurde er geschieden und heiratete 1987 seine
jetzige Frau Virginia Lamp.

Zu seiner Kindheit sagt Thomas, daß Lebensmittel
knapp waren und Schuhe nur zur Schule getragen
wurden. Einem Journalisten gegenüber erklärte er:
"Man hat wirklich keine Ahnung, was Hunger ist, wenn
man nicht in der Vorstellung gelebt hat, nie genug zu
essen zu haben."

Nach seinem Juraexamen arbeitete Thomas für den
damaligen Justizminister von Missouri und heutigen
republikanischen Senator John Danforth. 1977 wurde
er Anwalt für Monsanto, eine Chemiefabrik in St. Louis.
Drei Jahre später zog er nach Washington, um als
Rechtsberater für Danforth zu arbeiten, der zu dieser
Zeit bereits Senator war.

Obwohl Thomas' Großvater kaum lesen und schreiben konnte, zwang er die beiden Jungen, regelmäßig
zur Schule zu gehen. In ihrer Freizeit halfen sie ihm,
Öl und Eis auszuliefern.

1981 trat Thomas ins Erziehungsministerium ein, wo
er Leiter der Abteilung Bürgerrechte wurde. Ein Jahr
später - Thomas war 33 - wurde er als Vorsitzender
des Ausschusses für Chancengleichheit am ArbeitsThomas kam zum ersten Mal mit der Welt der Wei ßen
platz bestätigt.
in Kontakt, als er 1964 das St. John Vianny Seminary
in Savannah besuchte. Sein erstes Jahr im College Sein gegenwärtiger Arbeitgeber, das Berufungsgeverbrachte er im Immaculate Conception Seminary in richt des District of Columbia, wird allgemein als zweitMissouri, dann wechselte er an das Holy Cross College höchstes Gericht nach dem Obersten Gericht betrachin Worcester, Massachusetts, wo er 1971 sein Bakka- tet, weil es Einsprüche von Bundesbehörden ebenso
annimmt wie Fälle aus Vorinstanzen.
laureat mit Auszeichnung ablegte.

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�EXPORTKONTROLLEN
3. Juli 1991

EXPORTKONTROLLEN UND HANDEL
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Botschafter Allan Wendt
BONN - (AD) - Der Autor ist im US-Außenministerium mit Fragen der strategischen Technologie befaßt. Dieser
Artikel basiert auf einer Rede, die Botschafter Wendt am 11. Juni 1991 zum Thema "US-Exportkontrollen in einer
sich verändernden Welt" beim Symposium der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Irvine (Kalifornien)
gehalten hat.

Kein Ereignis hat in den letzten Jahren das Interesse
und die Hoffnungen der Welt so gefangengenommen
wie die Vorfälle, die dazu geführt haben, daß Europa
das Joch des Kommunismus abgeworfen und die
lange und schwierige Reise zu Demokratie und Marktwirtschaft angetreten hat. Darüber hinaus verändern
Glasnost und Perestrojka die Sowjetunion. Infolgedessen hat eine erhebliche Liberalisierung der Exportkontrollen stattgefunden, insbesondere beim Treffen
hochrangiger Vertreter (High Level Meeting) des
Koordinationsausschusses für ost-westliche Handelspolitik (COCOM) im Juni 1990 und auch beim Treffen
derselben Gruppe am 23. Mai 1991. Bei diesem
letzten Treffen einigte man sich auf eine neue gekürzte
Kernliste eindeutig strategischen Geräts und strategischer Technologie. Diese Kernliste soll ab 1. September dieses Jahres gelten.
Dennoch steht die Welt immer noch vor beängstigenden Herausforderungen, die eine vollständige Abschaffung der Exportkontrollen verhindern. Die Unterdrückung der Baltenstaaten durch die Sowjets beweist
die Notwendigkeit für Vorsicht bei der Erleichterung
von Exportkontrollen für die Sowjetunion. Darüber
hinaus waren die sowjetischen Militärausgaben trotz
der jüngsten Reduzierungen im vergangenen Herbst
noch höher als bei Gorbatschows Amtsantritt. Die
sowjetischen Interkontinentalraketen (ICBM) werden
modernisiert, nach wie vor stationiert ist die silogestützte und schienengestützte ICBM des Typs SS-24,
die straßengestützte SS-25 und eine neue Version der
SS-18 mit 10 Gefechtsköpfen (mit größerer Sprengkraft und Zielgenauigkeit). Bomber der Typen BEAR
H und BLACKJACK werden mit Marschflugkörpern
längerer Reichweite disloziert, und qualitative Verbes-

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serungen erfolgen bei den mit ballistischen Raketen
ausgerüsteten U-Booten vom Typ DELTA IV und
TYPHOON, die jeweils 16 und 20 Atomraketen an
Bord haben. Bei der strategischen Verteidigung haben
die Sowjets ihr zweistufiges Raketenabwehrsystem
um Moskau modernisiert und verfügen weiterhin über
die Fähigkeit zur Zerstörung von Satelliten. Die Forschung über noch modernere Systeme wie etwa Laser
beweist das starke sowjetische Interesse an der militärischen Nutzung des Weltraums.
Noch beunruhigender ist die Tatsache, daß die militärische Modernisierung in der Sowjetunion zu einer Zeit
großer politischer Unberechenbarkeit stattfindet.
Niemand ist sicher, ob die von Gorbatschow eingeleiteten politischen und wirtschaftlichen Reformen von
Dauer oder erfolgreich sein werden, und wir können
auch nicht wissen, wie lange Gorbatschow oder seine
potentiellen Nachfolger die Kontrolle innehaben. Unter diesen Umständen sind Exportkontrollen tatsächlich eine wichtige Form der Versicherung gegen Irrwege.
Unsere Sorge gilt nicht allein der Sowjetunion. Chinas
Politik der Weiterverbreitung von Raketen und Nukleartechnologie fordert ebenfalls Vorsicht und anhaltende Aufmerksamkeit. Ferner bekräftigen die Ereignisse am Persischen Golf die Notwendigkeit effektiver
nationaler und multilateraler Kontrollen von Waren und
Technologien, die zur Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beitragen können.
Als Reaktion auf steigende Besorgnis über die Verbreitung solcher Waffen hat die Regierung die Initiative zur
verbesserten Kontrolle der Weiterverbreitung (Enhanced Proliferation Control Initiative - EPCI) ins Leben
Seite 1

�gerufen, um unsere Fähigkeit zur Kontrolle von Gütern
und Technologie zu verbessern, die zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden und für die Herstellung
chemischer und biologischer Waffen und Raketen
nützlich sein können. Erhebliche Fortschritte wurden
beim Treffen der 20 Länder umfassenden AustralienGruppe im Mai erzielt, die sich zum Ziel gesetzt hat, zur
Herstellung chemischer und biologischer Waffen verwendetes Gerät und Material zu kontrollieren und eine
Liste von zu kontrollierendem Mehrzweckgerät aufzustellen. Die Liste der Australien-Gruppe folgt im allgemeinen der Initiative des Präsidenten zur verbesserten
Kontrolle der Weiterverbreitung. Wiederum hat die
Führungsrolle der Vereinigten Staaten die internationale Staatengemeinschaft zum Handeln bewegt.
In ähnlicher Weise wird die US-Initiative zur Erlangung
multilateraler Zustimmung zur Kontrolle von unterschiedlich einsetzbaren Waren und Mehrzwecktechnologie immer stärker akzeptiert. Andauernde Gespräche mit wichtigen Lieferanten entsprechender
Anlagen haben einen zunehmenden Konsens über die
Notwendigkeit zutage gefördert, ein multilaterales
Rahmenwerk einzurichten, um Exporte zu verhindern,
die weiterverbreitenden Ländern bei der Entwicklung
nuklearer Fähigkeiten helfen könnten.
Zum Teil infolge der Ereignisse am Persischen Golf
sind mehrere neue Länder dem Kontrollregime zur
Raketentechnologie beigetreten. Die Bilder von Zivilisten, die im Golfkrieg in Erwartung eines Raketenangriffs mit chemischen Waffen Gasmasken anlegen,
haben die dringende Notwendigkeit unterstrichen, den
Erwerb solcher Raketensysteme durch instabile Regime zu unterbinden.
Im November 1990 forderte Präsident Bush Bestrebungen zur Verbesserung der multilateralen Anwendung von Exportkontrollen für Hochleistungscomputer. Auf der Basis dieser Initiative schlössen die
Vereinigten Staaten und Japan am 6. Juni 1991 Konsultationen über Exportkontrollen für Supercomputer
ab. Das Hauptziel dieser Konsultationen bestand in
der Aufrechterhaltung von Kontrollen für Exporte von
Supercomputern an zweifelhafte Bestimmungsorte,
gleichzeitig sollte aber die Belastung durch Exportlizenzen für seriöse Bestimmungsorte aufgehoben
werden. Für Exporte in Länder, die im Hinblick auf die
nationale Sicherheit oder Verbreitung Anlaß zur Sorge
geben - etwa solche, die den Vertrag über die Nichtverbreitung von Atomwaffen nicht unterzeichnet haben sind strenge Vorschriften gegen Mißbrauch notwendig. Je nach Bestimmungsort und Umständen eines
bestimmten Exports können Bestellungen nicht ausgeführt werden. Darüber hinaus wurden Supercomputer als "jeder Computer mit einer CTP, die 195 Millionen oder mehr theoretische Operationen pro Sekunde
durchführt", definiert.
Das politische Dilemma der Regierung besteht darin,
ein Gleichgewicht zwischen umfangreichen KontrolSeite 2

len, die den legitimen Außenhandel verhindern und
denjenigen Kontrollen zu finden, die die Vereinigten
Staaten und andere wichtige Wettlieferanten für notwendig erachten, um gemeinsame Sicherheitsziele zu
unterstützen.
Ein solches Gleichgewicht ist notwendig, um unser
Exportkontrollsystem an die neuen Realitäten in den
ehemals kommunistischen Ländern anzupassen und
wirksame multilaterale Kontrollen zu erarbeiten, um
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen in Angriff
zu nehmen.
Nirgends ist der Balanceakt schwieriger als im COCOM, und nirgends war die amerikanische Führungsrolle augenfälliger. Mit den am 23. Mai beim High Level
Meeting des COCOM getroffenen Entscheidungen
haben wir das Versprechen des Präsidenten erfüllt,
eine neue Kernliste wirklich entscheidender Güter und
Technologien zu erarbeiten. Ein Schlüssel zur erfolgreichen Verabschiedung der Kernliste war die uneingeschränkte Beteiligung der US-Industrie an der Erarbeitung amerikanischer Vorschläge für die Kernliste.
Es mag die Frage aufgeworfen werden, warum in
bestimmten Bereichen wie etwa Computer und Werkzeugmaschinen keine größere Liberalisierung erreicht
wurde. Die Antwort ist komplex, ich kann Ihnen jedoch
versichern, daß die von allen betroffenen US-Behörden einschließlich des Gemeinsamen Stabs im Pentagon unterbreiteten Vorschläge zur Kernliste der genauesten und umfassendsten technischen Überprüfung in der jüngeren Geschichte des COCOM unterzogen wurden. Auf Vorschlag des Gemeinsamen Stabs
haben die Vereinigten Staaten eine neue Maßnahme
- eine Art militärischen Gradmesser - verabschiedet,
das Ausmaß, in dem die Beschaffung von Gütern oder
Technologie durch die Sowjets zur Behebung eines
entscheidenden technologischen Gefälles beitragen
würde. Ein gutes Beispiel sind die Nachtsichtgeräte,
die - wie wir im Golfkrieg beobachten konnten - eine
entscheidende Rolle beim Sieg der Koalitionsstreitmacht gespielt haben.
Im Rahmen unserer Überarbeitung der Kemliste haben wir die dem Ausland zur Verfügung stehenden
Technologien von Avionik bis hin zu Lasersystemen
einer genaueren Überprüfung unterzogen. Wo immer
diese Technologien außerhalb des COCOM zur Verfügung standen, haben wir uns bereitwillig auf die Freigabe dieser Güter geeinigt. Wenn wir feststellten, daß
die sowjetischen Fähigkeiten dem bisherigen Kontrollniveau entsprachen oder darüber lagen, haben wir uns
ebenfalls für eine Aufhebung der Kontrolle eingesetzt.
Wo Mehrzweckgüter oder -technologien für die COCOM-Lieferanten jedoch von strategischer Bedeutung
sind und Lücken schließen, haben wir die Verbündeten
gedrängt, die Kontrollen aufrechtzuerhalten.
Die neue Kernliste beinhaltet im allgemeinen bessere
Spezifizierung bei der Beschreibung der kontrollierten

AMERIKA DIENST 26

�Güter, Anpassung der Kontrollkriterien an den derzeitigen technischen Standard der Industrie, Freigabe der
leicht verfügbaren,' 'direkt aus dem Regal" erhältlichen
Güter sowie Angleichung der Zollsysteme.
Im Hinblick auf Computer sind wir zu dem Schluß
gelangt, daß außerhalb von COCOM kein wirklicher
Markt für Computer mit einem CTP von über 23
besteht. Dasselbe gilt für Werkzeugmaschinen mit
einer größeren Genauigkeit als sechs Mikron. Infolgedessen wurde die COCOM-Kontrollgrenze genau
unterhalb dieser Werte angesiedelt. Ich verweise
darauf, daß die Kontrollkriterien für Computer von
PDR (processing data rate - Datenverarbeitungsgeschwindigkeit) zu CTP geändert wurden, weil CTP ein
genaueres Maß für die Leistung eines Computers ist.
Einigung auf eine Kernliste wird zu einer beträchtlichen
Lockerung der Kontrollen für Computer und die dazu
gehörigen Geräte führen. Die Kontrollen für praktisch
alle Personal- und Minicomputer und ihre Peripheriegeräte werden gelockert. Wir werden die Kontrollen für
nahezu alle Peripheriegeräte mit Ausnahme von
Hochgeschwindigkeits-Laufwerken, HochleistungsGraphik- und Messgeräten aufheben.
Auch die Kontrollen für genormte integrierte Schaltkreise wurden erheblich gelockert. Alle DRAM-Chips
(dynamic random access memory) werden ebenso
freigegeben wie die meisten bei Personalcomputern
verwendeten standardisierten 32 Bit-Mikroprozessoren. Die Kontrollen für Geräte zur Herstellung von
integrierten Schaltkreisen und Silikonmaterialien werden entsprechend gelockert. Und schließlich werden
alle zivilen Aufzeichnungsgeräte, die bestimmte internationale Normen erfüllen, freigegeben.
Als abschließende Bemerkung zu den COCOM-Kontrollen möchte ich das Thema der Telekommunikationssysteme und -technologie anschneiden. Die
technischen und politischen Experten haben lange
und hart gearbeitet, um Wege zu erarbeiten, die es
amerikanischen Firmen ebenso wie unseren Verbündeten gestatten werden, moderne Telephonsysteme
in der Sowjetunion und Osteuropa zu installieren. Wir
setzen jedoch unsere Sicherheitsinteressen ernsthaft
aufs Spiel, wenn wir hochmoderne Telekommunikationsgeräte und -technologien für den internen Gebrauch in die Sowjetunion exportieren. Bis sich die
Lage in der Sowjetunion berechenbarer und vielversprechender gestaltet, müssen wir bei Genehmigungen zur Lieferung von Hochgeschwindigkeits-Mikrowellen- und Faseroptiksystemen, mit denen die strategischen Fähigkeiten der Sowjetunion drastisch verbessert werden könnten, während sie gleichzeitig unsere
nachrichtendienstlichen Ermittlungsfähigkeiten erheblich verringern würden, unsere bisherige Politik weiterverfolgen.
Auch im Telekommunikationsbereich gibt es gute
Nachrichten. Die Kontrollen zur Freigabe von Digital-

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schaltem wurden gelockert und gestatten es den Sowjets,
öffentliche Netze zur digitalen Stimmübertragung und
Datennetze aufzubauen, die in ihrer Auslegung und
Funktionsfähigkeit den bereits im Westen installierten
entsprechen. Die Sowjets werden in der Lage sein,
solche Dienste wie Fax, Mobiltelephone, elektronische
Briefkästen und Sprachspeicherdienste auf dem technischen Stand zu beschaffen, dessen sich die Verbraucher im Westen bereits erfreuen.
Im Hinblick auf internationale Verbindungen kam der
COCOM überein, bestimmte Mikrowellensysteme nach
nationalem Ermessen in jedes beliebige Land zu exportieren. Im selben Tenor wurde Einigung erzielt,
unter dem Begünstigungsverfahren (die Zustimmungsvermutung) den Export von Faseroptikleitungen für
den intertnationalen Telefonverkehr in jedes beliebige
Land bis an seine internationalen Grenzen auf einer
bestimmten Laserwellenlänge zu gestatten.
Zusammengenommen werden diese Änderungen eine
enorme Verbesserung der Kommunikation zwischen
der UdSSR und dem Westen bedeuten und damit
sowohl das Unternehmenswachstum als auch persönliche Kontakte fördern und es der Sowjetunion gestatten, ein dem westlichem Standard Anfang bis Mitte der
achtziger Jahre vergleichbares Telekommunikationssystem zu beschaffen.
Für alle Bestimmungsländer mit Ausnahme der Sowjetunion und Nordkoreas wird die Kernliste ebenfalls
den Export - wiederum unter dem Begünstigungsverfahren-von Mikrowellenverbindungen für den internen
Gebrauch (das hei ßt, nicht auf internationalen Verkehr
beschränkt) und, nach nationalem Ermessen, Faseroptikverbindungen auf einer bestimmten Laserwellenlänge gestatten.
Schließlich haben sich die COCOM-Länder in umfassenden Liberalisierungsbestrebungen für Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei geeinigt, daß alle
Telekommunikationsgeräte mit Ausnahme von Veschlüsselungsgeräten nach nationalem Ermessen
exportiert werden können.
Unseres Erachtens stehen diese Liberalisierungsbestrebungen im Einklang mit unseren gemeinsamen
Interessen und gestatten gleichzeitig eine umfassende Handelstätigkeit.
Die COCOM-Partner haben darüber hinaus die Frage
der Streichung Polens, Ungarns und der Tschechoslowakei von der Liste unzulässiger Bestimmungsorte
erörtert. Wir waren uns einig, entscheidende Fortschritte in diese Richtung würden davon abhängen,
daß diese Staaten die Kontrollen ebenso effektiv
handhaben wie die Mitgliedstaaten. Das gilt sowohl für
aus den Mitgliedstaaten importierte Produkte wie auch
für in dem betreffenden Land hergestellte Güter. Darüber
hinaus muß jedes Land eine solide rechtliche Grundlage für die Durchführung seines Exportkontrollsy-

Seite 3

�stems besitzen, um von der Liste verbotener Bestimmungsorte gestrichen zu werden. Für Polen, Ungarn
und die Tschechoslowakei besteht vorläufig ein besonderes Verfahren, das von einer Zustimmungsvermutung für alle außer den sicherheitsempfindlichsten
Gütern zur Lieferung in diese drei Länder ausgeht. Die
von uns vermittelte Botschaft lautet, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten im COCOM verpflichtet sind, diesen drei Ländern bei ihren Bemühungen zu helfen, ihre Volkswirtschaften durch Umgestaltung zu einem marktorientierten System zu modernisieren.
Eine Lockerung der Exportkontrollen kann nicht ohne
parallele Bemühungen zur Verbesserung ihrer Durchführung erlangt werden. Dabei handelt es sich um
höhere Zäune, die um eine geringere Zahl von Gütern
errichtet werden müssen. Beim High Level Meeting
wurde vereinbart, daß der gemeinsame Standard effektiven Schutzes am 1. Januar 1992 in Kraft treten
soll. Mit dem gemeinsamen Standard werden die
Kriterien für ein effektives Durchführungsregime zur
Kontrolle von Gütern und Technologien festgelegt, um
deren Abzweigung für nicht genehmigte Verwendung
oder Bestimmungsorte zu verhindern. Die Anwendung des gemeinsamen Standards wird weitere Fortschritte zur Erleichterung der innerwestlichen Lizenzvergabe gestatten, indem zusätzliche Gegenstände in
die lizenzfreie Handelszone des COCOM aufgenommen werden.
Der rasche technologische Fortschritt, der Gerät binnen weniger Jahre veralten läßt sowie die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen als brennendes Problem waren wichtige Faktoren bei unseren Überlegungen zur Neudefinition der Kernliste des COCOM. Aber
Präsident Bush und hochrangige Berater in der Administration erkannten darüber hinaus, daß Exportkontrollen entscheidende Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Sicherheit haben. Wenn die Lieferländer
die Exportkontrollen nicht gleichmäßig anwenden und
durchsetzen, dann sind diese Kontrollen nicht nur
ineffektiv sondern wirken sich auch negativ auf unsere
Handelsbilanz und Wettbewerbsfähigkeit aus. Eine
solche potentielle Bedrohung unserer wirtschaftlichen
Sicherheit ist ebenso eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit wie eher traditionelle Anliegen des strategischen Gleichgewichts, regionaler Konflikte oder
der Waffenentwicklung.
Eine unlängst von der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Studie mit dem Titel "Finding Common Ground" kam zu dem Schluß, daß die
Exportkontrollen weder in der momentanen Euphorie
abgeschafft noch die strenge Anwendung der Vergangenheit wiedereingeführt werden sollten. Die von der
Administration im Rahmen des COCOM im Hinblick
auf Nichtverbreitung ergriffenen Maßnahmen sind
meines Erachtens dieser Herausforderung gerecht
geworden. Obwohl sie vielleicht nicht die Erwartungen
aller interessierten Parteien erfüllen, sind die beim
Seite 4

letzten High Level Meeting des COCOM verkündeten
Veränderungen ein Schritt nach vorn auf dem Weg zu
einem Gleichgewicht zwischen verstärktem Handel
und der Aufrechterhaltung einer soliden nationalen
Sicherheitspolitik. Wir möchten unser Exportkontrollsystem den neuen Realitäten in ehemaligen kommunistischen Ländern und den Veränderungen in der
Sowjetunion anpassen. Gleichzeitig möchten wir dies
auf eine Art und Weise und in einem Tempo bewerkstelligen, daß unsere nationale Sicherheit weiterhin
vor alten und neuen Gefahren geschützt wird.
Welches sind die nächsten Schritte? Jetzt, da die
Erstellung der Kemliste abgeschlossen ist, muß die
Industrie wissen, welche Art von Exportkontrollsystem
sie erwarten kann. Ich kann Ihnen keinen detaillierten
Leitfaden geben. Ich kann Ihnen jedoch einen Einblick
in die Überlegungen der Administration vermitteln.
Die Kemliste schafft keine rote Linie oder eine absolute
Grenze. Wir werden weiterhin Exporte von Objekten
auf der Kernliste gestatten, wenn sie erwiesenermaßen zivilen Zwecken dienen und für diese geeignet
sind. Wir und unsere Verbündeten im COCOM haben
im Jahr 1990 nahezu 1.600 Lizenzen im Wert von etwa
1,7 Milliarden Dollar für zivile Endverbraucher in der
Sowjetunion erteilt. So haben wir zum Beispiel den
Export von Hochleistungscomputern für die Sicherheit
sowjetischer Kernkraftwerke sowie den Verkauf der
modernsten heute auf dem Markt befindlichen Passagierflugzeuge gestattet. Darüber hinaus hat der Präsident den Sowjets wie auch der Industrie zugesagt,
daß wir Lieferungen von Gütern und Technologien zur
Modernisierung der sowjetischen Energieversorgung
wohlwollend berücksichtigen würden, insbesondere
zur Exploration und Entwicklung von Öl- und Gasvorkommen. Im vergangenen Jahr haben wir etwa 95%
aller allgemeinen Ausnahmefälle genehmigt, und bei
Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei lag die
Genehmigungsquote noch höher. Dem neuen "besonderen Verfahren" zufolge wird für die meisten
Exporte in diese drei Ländereine Zustimmungsvermutung gelten. Sicherlich beruht die Fähigkeit zu exportieren nicht gänzlich auf der Frage, ob ein Gegenstand
Kontrollen unterliegt oder nicht.
Der sowjetische Markt ist nicht der einzige potentielle
neue Geschäftsbereich. Insbesondere Polen, Ungarn
und die Tschechoslowakei streben die vollständige
Integration in das westliche Wirtschaftssystem an. Es
mag vielleicht überraschen, daß es gerade die Vereinigten Staaten waren, die beim Drängen nach einer
durchgreifenden Liberalisierung der Exportkontrollen
für diese Länder die Führungsrolle übernommen haben.
Der COCOM bleibt ein effektives und wichtiges Instrument der nationalen Sicherheit, weil wir in der Lage
waren, ihn den veränderten Umständen anzupassen.
Wir werden dies auch weiterhin tun, da wir erkennen,
daß wir nicht weniger tun und dabei der Unterstützung
AMERIKA DIENST 26

�unserer Verbündeten sowie der Industrie gewiß sein
können. Mit der Fertigstellung der Kernliste haben wir
eine neue internationale Industrieliste geschaffen, die
lediglich die wichtigsten Güter und Technologien kontrolliert, die erforderlich sind, um den bestehenden
technologischen Vorsprung westlicher militärischer
Systeme gegenüber solchen sowjetischen Ursprungs
zu bewahren, einen Vorsprung, der während der
Operation Wüstensturm klar zutage getreten ist. Das
Wirtschaftsministerium schätzt, daß die neue Liste bei
der Anzahl kontrollierter Güter eine 65prozentige
Reduzierung der Liste vom Juni 1990 darstellt. Wir
gehen davon aus, daß es bei Computerexporten allein
eine 70prozentige Reduzierung der Lizenzanträge geben
wird.

Die Zukunft ist sowohl vielversprechend als auch gefahrvoll. Die Veränderungen in Osteuropa und - wie wir
hoffen - in der Sowjetunion bieten Aussichten auf eine
weitere Liberalisierung der Exportkontrollen und zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten für amerikanische
Firmen. Wir engagieren uns weiterhin für ein Gleichgewicht zwischen nationaler Sicherheit und dem Abbau
von Handelsschranken. Zur Herstellung dieses Gleichgewichts möchten wir uns auf die Geschichte des
COCOM sowie die Zusammenarbeit mit der Industrie,
unseren Verbündeten und Partnern stützen.

* * * *

AMERIKA DIENST 26

*

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Jugoslawien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker fordert Einheit und mehr Autonomie in Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Portrait&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush ernennt schwarzen Konservativen zu Marshalls Nachfolger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Portrait von Clarence Thomas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Exportkontrollen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Exportkontrollen und Handel in den Neunziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Botschafter Allan Wendt&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>omcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Emfcassy

27

Daichmanns Aue 29
5300

10. Juli 1991

Bonn 2

VERTEIDIGUNG

BUSH STREBT SICHERHEIT ZU
MÖGLICHST GERINGEN KOSTEN AN
Rede des Präsidenten vor
verteidigungspolitischer Gruppe

JUGOSLAWIEN

EAGLEBURGER FORDERT FRIEDLICHE
VERHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
Interview mit dem
StellvertretendenUS-Außenminister

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER USA
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN LONDON
Eine Übersicht des Weißen Hauses

KATZ: TATEN STATT WORTE ZUR
BEENDIGUNG DER URUGUAY-RUNDE
ERFORDERLICH
Hintergrundinformation zum Londoner
Weltwirtschaftsgipfel

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�VERTEIDIGUNG
10. Juli 1991

BUSH STREBT SICHERHEIT ZU
MÖGLICHST GERINGEN KOSTEN AN
Rede des Präsidenten vor verteidigungspolitischer Gruppe
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 9. Juli 1991 sein Engagement für einen Verteidigungshaushalt
bekräftigt, der die Sicherheit der Vereinigten Staaten "zu möglichst niedrigen Kosten" garantiert.
In einer Ansprache vor der American Defense Preparedness Association gelobte Bush, wenn der Kongreß "mir
einen unzureichenden Verteidigungsetat vorlegt, der keine Mittel für notwendige Programme vorsieht und Geld
auf Kosten der militärischen Schlagkraft verschwendet... werde ich dagegen mein Veto einlegen".
Bush erinnerte an seinen im vergangenen August verkündeten Vorschlag zur Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, der einigen grundlegenden Tatsachen Rechnung trägt:
Die Vereinigten Staaten haben keinen "Blankoscheck für die Verteidigung... Wir müssen innerhalb
unseres Finanzrahmens bleiben."
Instabile Verhältnisse in der ganzen Welt bedrohen die Vereinigten Staaten, und zahlreiche Länder haben
Massenvernichtungswaffen erworben. Wenn Despoten wie der irakische Präsident Saddam Hussein
"moderne Waffen und traditionelle Ambitionen vereinen, bedrohen sie uns alle".
Die Vereinigten Staaten benötigen die richtige Art von Militär. Unsere Streitkräfte müssen hier und im
Ausland die Stärke besitzen, um Aggression abzuschrecken und die Mobilität, um unerwarteten Herausforderungen zu begegnen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um über unsere
gemeinsame Pflicht zur Aufrechterhaltung einer effektiven nationalen Verteidigung zu sprechen. Wie Sie
alle wissen, hat der Senat damit begonnen, unseren
Verteidigungshaushalt unter die Lupe zu nehmen.
Seine Beratungen könnten grundsätzliche Auswirkungen auf unsere künftige nationale Sicherheit haben.
In Anbetracht des sich verändernden internationalen
Umfelds und unter Berücksichtigung innenpolitischer
Haushaltsengpässe hat unsere Administration einen
durchgreifend gestrafften Verteidigungshaushalt vorgelegt. Man muß kein ausgebildeter Buchhalter sein
oder die Brust voller Orden haben, um zu verstehen,
daß unter den gegebenen Umständen jeder Pfennig,
den wir für unnötige Rüstungsgüter ausgeben, zu
Lasten der militärischen Schlagkraft geht.
Ich weiß, daß Haushaltskürzungen weh tun werden.
Sie werden auch einigen der hier Versammelten weh
AMERIKA DIENST 27

tun, und ich verstehe das. Wir werden jedoch neue
Prioritäten setzen und uns lediglich auf unsere wichtigsten, absolut entscheidenden Programme konzentrieren müssen. Als Präsident ist es meine Pflicht, den
nationalen Interessen zu dienen, und unsere nationalen Interessen erfordern einen Verteidigungshaushalt,
der unsere Sicherheit zu möglichst niedrigen Kosten
garantiert.
Im vergangenen August habe ich einen Plan angekündigt, um unsere Streitkräfte angesichts des Endes des
kalten Krieges und der Entstehung einer Welt neuen
Zuschnitts umzustrukturieren. Ich möchte dazu sagen, daß dieser Vorschlag von den führenden Leuten
im Pentagon sorgfältig durchdacht war - nicht nur von
den Vereinigten Stabschefs sondern auch von anderen, von Leuten, die mein großes Vertrauen besitzen.
Dieser Vorschlag trug einigen grundsätzlichen Tatsachen Rechnung: Erstens, wir besitzen keinen Blankoscheck für die Verteidigung - das war nie der Fall. Wir
Seite 1

�müssen innerhalb unseres Finanzrahmens bleiben.
Zweitens, instabile Verhältnisse in der ganzen Welt
bedrohen die Vereinigten Staaten, und zahlreiche Länder
haben Massenvernichtungswaffen erworben. Wenn
Despoten wie Saddam Hussein moderne Waffen und
traditionelle Ambitionen vereinen, bedrohen sie uns
alle. Und Saddam Hussein ist weder der einzige
Despot in der Welt, noch ist er bedauerlicherweise der
letzte.
Die Sowjetunion ist nach wie vor eine militärische
Supermacht mit einem zunehmend modernen Kriegsapparat und einem Programm zur Modernisierung
einer Reihe ihrer Waffensysteme.
Drittens benötigen wir die richtige Art von Militär.
Unsere Streitkräfte müssen im In- und Ausland über
die Stärke zur Abschreckung von Aggression, die
Mobilität zur Handhabung unerwarteter Herausforderungen und die Flexibilität zur Bewältigung sämtlicher
Probleme von ICBMs über regionale Konflikte bis hin
zu Geiselnahmen verfügen.
Diese Erwägungen bilden das Kernstück des Verteidigungsprogramms der Administration. Und gegen jeden
Verteidigungshaushalt, der sie nicht einbezieht, werde
ich mein Veto einlegen.
Vor diesem Hintergrund möchte ich beginnend mit
dem B-2-Stealth-Bomber einige Themen ansprechen,
die ich für absolut entscheidend halte. Ich habe 75 B2-Bomber gefordert - hierbei handelt es sich um das
revolutionärste Militärflugzeug in der Geschichte unseres Landes. Und wenn Sie die Beschwerden einiger
Kongre ßabgeordneten über die Kosten des B-2 hören,
dann sollten Sie sich vor Augen führen, daß ein einziger B-2 im wahrsten Sinne des Wortes die Arbeit von
Dutzenden von Flugzeugen, Panzern, Überwachungsflugzeugen und anderen Bombern verrichtet. Und
wenn einige schüchtern das Argument vorbringen,
daß wir nur einige wenige B-2-Bomber benötigen, weil
sie technologisch so weit entwickelt sind, dann stellen
Sie sich die Frage: Sollten wir unsere Sicherheit, das
Leben unserer Söhne und Töchter oder unsere nationale Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen, nur weil einige
den revolutionären Vorteil, den dieses Waffensystem
unserer Nation verschaffen wird, nicht eingestehen
wollen? Sollten wir im Vertrauen auf einen in den
vierziger Jahren entworfenen und in den fünfziger
Jahren gebauten Bomber ins 21. Jahrhundert eintreten? Nein. Der B-2 kombiniert die Reichweite und
Nutzlast des B-52 mit den enormen erwiesenen Vorteilen der Tarntechnologie. Und nicht zuletzt bietet er nukleare und konventionelle - Abschreckung über das
gesamte Spektrum hinweg.
Denken Sie an die Kosten, die militärischen Operationen, denken Sie an unsere langfristigen Sicherheitsbedürfnisse, und Sie werden zu der Schlußfolgerung
gelangen, daß wir in der Tat zwei volle Geschwader
des B-2 benötigen.

Seite 2

Einige scheinen auch zu zögern, Geld für den Schutz
der Amerikaner vor zufälligen oder beabsichtigten
Angriffen ballistischer Raketen auszugeben. Wir haben
den Kongreß gebeten, das GPAL-System - das bedeutet den weltweiten Schutz vor begrenzten Angriffen (Global Protection Against Limited Strikes) - zu
unterstützen. Jeder der davon ausgeht, daß wir uns
nicht ernsthafteren Bedrohungen als derSCUD-Rakete ausgesetzt sehen, gibt sich einer Selbsttäuschung
hin. Wenn wir uns schützen und Aggression abwenden wollen, tragen wir die Verantwortung zur Entwicklung von Verteidigungstechnologien wie "brillant pebbles", die in greifbare Nähe gerückt sind. Dies beinhaltet auch GPALs.
Während wir uns auf die Zukunft vorbereiten, müssen
wir auch die Frage stellen, welche Art von Streitkräftestruktur wir benötigen. Unsere Erfahrungen im Golfkrieg haben die wertvolle Rolle unterstrichen, die
Reservisten spielen können. Darüber hinaus haben
sie belegt, daß wir die Art von Reservistenprogrammen nicht benötigen, auf deren Beibehaltung das
Repräsentantenhaus besteht. Ginge es nach der
Verteidigungsvorlage des Repräsentantenhauses, so
würden in den nächsten fünf Jahren nahezu 12 Milliarden Dollar für unnötige Programme und Operationen
der Reservisten aufgewendet. Offen gesagt, würde
dieses Geld auf Kosten von Programmen ausgegeben, die all unsere Streitkräfte - aktive und Reservisten
- benötigen werden.
Im Golf krieg haben wir sehr viel gelernt - einges davon
habe ich bereits in meiner Rede zur Verteidigung vom
2. August vergangenen Jahres vorweggenommen, die
ironischerweise genau auf den Tag fiel, an dem Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Wir haben
gelernt, daß die Nationen der Welt kollektiv handeln
können und werden, um Aggression abzuwehren. Sie
werden erst die Mittel der Diplomatie ausschöpfen, wie
wir es tun sollten und getan haben und militärisches
Vorgehen nur als letztes Mittel einsetzen. Wir haben
gelernt, daß die Vereinigten Staaten allein die internationale Staatengemeinschaft mobilisieren und sie durch
solche Bestrebungen anführen können. Diese Führungsrolle war nicht nur ein Zufall oder ein Vergnügen
sondern die Voraussetzung für unseren kollektiven
Erfolg. Und ich möchte diejenigen im Land beglückwünschen, die diese Führungsrolle übernommen haben.
Wir haben gelernt, daß Hochtechnologiewaffen nicht
kostspieliges "Spielzeug" sind, wie Kritiker seit Jahren
behaupten. Sie begrenzen die Verluste unter der
Zivilbevölkerung auf ein Minimum, maximieren den
Schaden für militärische Ziele, verkürzen Kriege, retten Leben - das Leben der Amerikaner und in diesem
Fall auch das Leben der Koalitionsstreitkräfte und
sogar des Gegners. Wir dürfen niemals vergessen,
daß jedes unnötig gelassene Leben eine Tragödie ist,
insbesondere in Zeiten des Krieges.

AMERIKA DIENST 27

�i

Es wäre eine Schande, wenn wir so kurz nach diesem
Krieg diese Lektionen mißachten würden. Und es
wäre blanker Hohn, Geld für Verteidigungssysteme zu
verschwenden, die uns im Golfkrieg nicht geholfen
haben und nicht dazu beitragen, unseren zukünftigen
Herausforderungen zu begegnen.

lichung der von mir dargelegten Ziele außerordentlich
hilfreich sein können.

Wenn der Senat seine Erörterungen aufnimmt, bitte
ich inständig, daß er einen Haushalt verabschiedet,
der die Menschen verteidigt, der uns den nächsten und
nicht den letzten Krieg führen läßt und der unsere
nationale Sicherheit fördert - Punkt.

Ich möchte mit einem Punkt schließen, der nicht
unmittelbar mit unserem Verteidigungsprogramm
zusammenhängt. Gestern habe ich verschiedenen
Journalisten ein Interview gegeben. Ich werde bald
eine längere Auslandsreise antreten und habe mich
mit Journalisten aus vielen Ländern getroffen, die ich
bereisen werde.

Wenn mir der Kongreß einen unzureichenden Verteidigungsetat vorlegt, der keine Mittel für notwendige
Programme vorsieht und Geld auf Kosten der militärischen Schlagkraft verschwendet, werde ich dagegen
mein Veto einlegen - egal, wie umfangreich oder
dringend der Entwurf ist.
Sie sehen, wir haben uns angestrengt, versucht, die
Bundesregierung zum Maßhalten zu bewegen und
das Amt des Präsidenten einzusetzen, um Entscheidungen zu treffen, die - verständlicherweise - den
Abgeordneten oder Senatoren zu schmerzlich erscheinen. Ich verstehe, warum das so ist. Ich selbst war
Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, und
ich kenne den starken Druck auf Kongreßabgeordnete, die Interessen ihres Wahlbezirks oder Staats zu
vertreten.
Vor dreißig Jahren hat Dwight Eisenhower in seiner

Abschiedsrede an die Nation mehrere Themen angesprochen, die heute noch Gültigkeit haben. "Ein
unabdingbares Element zur Erhaltung des Friedens ist
unser militärischer Apparat", erklärte Eisenhower.
"Unsere Waffen müssen schlagkräftig und schnell
einsatzbereit sein, damit kein potentieller Aggressor
versucht ist, seine eigene Zerstörung zu riskieren."
Dennoch warnte Eisenhower auch, daß unsere Bestrebungen nationalen Interessen und nationalen
Bedürfnissen dienen müssen - und nicht den beschränkten Interessen einzelner Industriezweige oder
Interessengruppen.
t

&gt;

Eine neue Weltordnung erfordert eine neue Reihe von
Verteidigungsprioritäten. Gemeinsam können wir diese
Prioritäten verwirklichen. Da sich die Aufmerksamkeit
nunmehr auf den Senat richtet, bitte ich Sie um Hilfe bei
der Schaffung eines Militärs, das stark genug ist, um
unsere Interessen zu schützen, aber klein genug, um
den Glauben der Öffentlichkeit an die Regierung zu
erhalten.
Ich freue mich über diese Gelegenheit, für die Experten in diesem Bereich zu sprechen, die bei der Verwirk-

*

AMERIKA DIENST 27

Ich danke Ihnen für alles, was Sie getan haben. Vielen
Dank für ihre anhaltenden Bestrebungen, Amerika
sicher und stark zu erhalten.

Einer der Anwesenden fragte mich nach dem Krieg
gegen Saddam Hussein. Die Frage lautete im Hinblick
auf die Ereignisse nach dem Sieg: Hat es sich Ihrer
Ansicht nach gelohnt? Denken Sie als Land, nicht als
Einzelperson, daß es die Sache wert war? So lautete
wohl die Frage. Ich antwortete, ich sei niemals überzeugt gewesen, daß sich unsere Aktion gelohnt hat.
Manche setzen die Ziele neu. Andere versuchen, neu
zu definieren, worum es in diesem Krieg eigentlich
ging. Ging es um sofortige Demokratie in Kuwait? Um
den totalen Niedergang von Saddam Hussein? Darum
wohl nicht.
Eine internationale Koalition formte sich. Wir haben
die Vereinten Nationen auf eine nie dagewesene Weise
benutzt, die vielleicht den Vorstellungen ihrer Gründer
entsprach. Und wir haben entschieden, daß die Aggression keinen Bestand haben würde. Einer der
Gründe, warum wir der Welt erfolgreich bewiesen
haben, daß die Aggression keinen Bestand haben
würde, lautete, daß wir über die Streitkräfte, das Gerät
und dieTechnologie verfügen, um unseren warnenden
Worten Gehör zu verschaffen.
Ich bin absolut davon überzeugt, daß dieses überall
vernehmbare revisionistische Denken ganz falsch ist,
weil wir meiner Ansicht nach dank eines phantastischen Militärs, Geräts und dank der großartigen
Menschen etwas Gutes getan haben. Wir haben die
Aggression gegen Kuwait zunichte gemacht und dem
Aggressor erklärt, die internationale Staatengemeinschaft und das Völkerrecht würden diese Art Verhalten
in Zukunft nicht dulden. Genauso lautete die Botschaft. Sie ist ernstzunehmen und aussagekräftig.
Deshalb bin ich so entschlossen, in Zukunft einen
Verteidigungshaushalt und eine Verteidigungsfähigkeit zu haben, die uns gegebenenfalls gestatten, jedem Aggressor klarzumachen, daß sich Aggression
nicht auszahlt.
Ich danke Ihnen. Gott schütze unser Land.

* * *

*

Seite 3

�JUGOSLAWIEN
10. Juli 1991

EAGLEBURGER FORDERT FRIEDLICHE
VERHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
Interview mit dem Stellvertretenden US-Außenminister
WASHINGTON - (AD) - In der Fernsehsendung MacNeil/Lehrer Newshour forderte der Stellvertretende USAußenminister Lawrence Eagleburger am 2. Juli 1991 die am Konflikt in Jugoslawien beteiligten Parteien auf,
"sich zusammenzusetzen und friedlich zu verhandeln".
In Slowenien, Kroatien und Serbien gibt es Menschen, "die erkennen, daß sie auf einen Abgrund zusteuern, in
den niemand stürzen will", erklärte Eeagleburger. "Ich denke, es besteht immer noch Hoffnung, aber diese
Hoffnung wird sich nicht konkretisieren lassen, wenn sich die einzelnen Republiken nicht zusammensetzen und
friedlich verhandeln."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in wesentlichen Auszügen. (Copyright (c) 1991 Educational
Broadcasting Corporation and GWETA).

Jim Lehrer: Jetzt hören wir die offizielle Meinung der
US-Regierung zur Krise in Jugoslawien von der Nummer
Zwei im US-Außenministerium, dem Stellvertretenden
Außenminister Lawrence Eagleburger. Er war von
1977 bis 1981 Botschafter in Jugoslawien. Es freut
mich, Sie hier begrüßen zu dürfen, Herr Minister. Wem
unterstehen Ihrer Meinung nach gegenwärtig die Streitkräfte? Sind Sie außer Kontrolle geraten?

sprechen. Bis jetzt hat das nicht funktioniert, aber das
ist offensichtlich der Weg, den wir nach Möglichkeit
verfolgen müssen, denn wenn es nicht funktioniert,
wird es viele Tote geben und zu einer schrecklchen
Tragödie kommen.

Eagleburger: Ich würde nicht unbedingt sagen, sie
sind außer Kontrolle geraten, aber ich nehme an - und
das galt auch schon vergangene Woche -, daß sie
zwar ursprünglich von der Zentralregierung zum Schutz
oder zur Sicherung der Grenzen entsandt wurden.
Meiner unbewiesenen Meinung nach handeln die Streitkräfte jedoch über das Maß des von der Zentralregierung Erlaubten hinaus, und wie es aussieht, tun sie das
weiterhin. Das ist eine ziemliche Dummheit.

Antwort: In der internationalen Staatengemeinschaft
besteht dazu ein Konsens auf breiter Ebene.

Frage: Das ist tatsächlich eine Dummheit, aber ist es
aufzuhalten?
Antwort: Ich wei ß es nicht. Ich weiß nicht, ob man es
aufhalten kann. Natürlich wird das KSZE-Treffen
morgen etwas bewirken. Bei all dem Chaos, das sich
in Jugoslawien entwickelt, bestand immer die Hoffnung, daß wir die Parteien bewegen können, nicht
mehr aufeinanderzu schießen sondern zu verhandeln.
Sie müssen sich zusammensetzen und miteinander

AMERIKA DIENST 27

Frage: Wo bleiben die Kräfte des Friedens? Wer tut
etwas für den Frieden in Jugoslawien?

Frage: Das übrige Europa ist sich mit den Vereinigten
Staaten einig?.
Antwort: Von Anfang an waren wir der Auffassung,
daß die Hoffnung auf einen Zusammenschluß der
Kräfte des Friedens immer mehr schwindet, je länger
der Prozeß in seiner jetzigen Form andauert. Es gibt
immer noch solche Kräfte. Ganz sicher gibt es Menschen in Slowenien, Kroatien und auch in Serbien auch wenn sie schwer zu finden sind -, die erkennen,
daß sie auf einen Abgrund zusteuern, in den niemand
stürzen will. Ich denke, es besteht immer noch Hoffnung, aber diese Hoffnung wird sich nicht konkretisieren lassen, wenn sich die einzelnen Republiken nicht
zusammensetzen und friedlich verhandeln. Das war
von Anfang an der Tenor der amerikanischen Haltung.
Außenminister Baker hat das bei jeder sich bietenden

Seite 1

�Gelegenheit erklärt. Das ist auch weiterhin unsere
Politik.
Frage: Was die Politik der Vereinigten Staaten anbelangt, schien es letzte Woche, daß sie gegen irgendeine Form der Unabhängigkeit für Slowenien und Kroatien war. Heute scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Erklären Sie uns, was passiert ist.
Antwort: Ich denke, nichts ist passiert, und obwohl ich
nicht gern vorbereitete Stellungnahmen verlese, möchte
ich doch eine kurze Erklärung des US-Außenministeriums verlesen, die am 24. Mai im Auftrag des Außenministers veröffentlicht wurde. Ein Satz darin lautet:
"Die Vereinigten Staaten werden keine Spaltung fördern oder belohnen. Sie wird jeden Rahmen - föderalistisch, als Staatenbund oder andere Formen - akzeptieren, über den das jugoslawische Volk friedlich und
demokratisch entscheidet." Dies ist unsere Haltung,
wie sie im Mai verkündet wurde. Das war immer
unsere Haltung, und die Meinung, wir hätten unsere
Haltung geändert, stimmt ganz einfach nicht.
Es ist klar, daß wir aus der Sicht der Vereinigten
Staaten glauben, zum Vorteil des jugoslawischen Volkes
in Zukunft sei eine friedlich hervorgebrachte Form der
Einheit - ein Staatenbund oder was auch immer - die
beste Lösung. Wir haben jedoch auch deutlich gemacht, daß wir mit allen Entscheidungen über eine
demokratische und friedliche Form des Zusammenschlusses leben werden. Wir werden jedoch keine
einseitigen Erklärungen akzeptieren, die in eine Richtung führen, wie wir sie in der letzten Woche oder in den
vergangenen vierzehn Tagen beobachten konnten.
Es besteht ganz eindeutig die Gefahr eines Bürgerkriegs, und das muß sich jeder vor Augen führen. Und
es wird ein schrecklicher Bürgerkrieg werden, wenn er
stattfindet.
Frage: Aber was sagen Sie zu den Slowenen und
Kroaten, die erklären: "Wenn die Vereinigten Staaten
einen Bürgerkrieg verhindern wollen, dann verhelft uns
zur Unabhängigkeit. Gibt es hier kein Zurück?"
Antwort: Wir vertreten die Ansicht, wenn sie ihre
Unabhängigkeit einseitig herbeiführen und nicht durch
eine friedlich mit den anderen Republiken ausgehandelte Lösung, dann wird es einen Bürgerkrieg geben dessen Beginn wir jetzt beobachten konnten. Wir
befürchten stark, daß einseitiges Vorgehen genau die
Art von Ereignissen zur Folge haben wird, die wir jetzt
gesehen haben - nur noch entschieden schlimmer.
Und an den Händen von irgendjemand wird Blut kleben. Die Position der Vereinigten Staaten lautet, der
einzige Weg zur Lösung dieses Problems zum Nutzen
des gesamten jugoslawischen Volkes ist, sich zusammenzusetzen und friedlich zu verhandlen.
Frage: Wer ist für das Blutvergießen verantwortlich?
Antwort: Erstens besteht meines Erachtens kein
Zweifel - und wir haben dies hinlänglich klargestellt -,
Seite 2

daß der übermäßige Einsatz von Gewalt durch die
jugoslawische Volksarmee von Anfang an falsch war.
Dies muß verurteilt werden. Und sicherlich hat sie viel
zu dem Blutvergießen beigetragen. Andererseits muß
ich betonen - und wir sagen dies seit Monaten -, daß
einseitige Entscheidungen, den Staatenbund zu verlassen, ebenfalls bei den jetzt von uns beobachteten
Ereignissen eine Rolle spielen können und gespielt
haben.
Frage: Der slowenische Regierungsvertreter hat Judy
(Woodruff) gerade gesagt, es handle sich hierbei in
Wirklichkeit um einen Kampf zwischen Demokratie
und Kommunismus. Stimmen Sie dem zu?
Antwort: Ich wünschte, es wäre so einfach. Zweifelsohne - und ich kann und würde dies keinen Moment
bestreiten - haben das slowenische und kroatische
Volk demokratisch gewählte Regierungen, die eindeutig den Staatenbund verlassen wollen. Daran hegen
wir keinen Zweifel. Noch bestreiten wir die Tatsache,
daß es sich um demokratisch gewählte Regierungen
handelt. Unsere Position ist und war seit Monaten,
wenn sie den Wunsch haben, aus dem Staatenbund
auszutreten, sollte dies auf dem Verhandlungswege
geschehen. Wenn sie den Wunsch nach einer anderen Form des Zusammenschlusses hegen, muß dies
friedlich verhandelt werden. Und jeder andere Versuch einer Lösung - es handelt sich nicht um einen
Kampf zwischen Kommunismus und Demokratie
sondern vielmehr darum, daß das jugoslawische Volk
in einen Bürgerkrieg verwickelt wird, in dem Tausende
von Menschen getötet werden. Ich kann dies nicht
genug betonen. Und jeder kleinste Beweis deutete in
der vergangenen Woche und im Verlauf der letzten 50
Jahre in der jugoslawischen Geschichte darauf hin,
daß genau das passieren wird.
Frage: Nun, es ist eine Tatsache, daß die Zentralregierung kommunistisch ist und die anderen Regierungen nicht. Heißt das...
Antwort: Das bedeutet nicht, daß sie sich nicht
zusammensetzen und friedlich um einen neuen Staatenbund in der einen oder anderen Form verhandeln
können. Ich bestreite nicht, daß sie Kommunisten und
Demokraten sind - das ist eindeutig der Fall. Ich stelle
fest, der einzige Weg, das sich Abzeichnende zu
verhindern, sind friedliche Verhandlungen zwischen
den einzelnen Parteien und Republiken. Jeder andere
Weg wird zu einem heillosen Chaos führen.
Frage: Werden die Vereinigten Staaten dazu gehört?
Antwort: Meines Erachtens hört man uns wie auch
die Europäer in Jugoslawien bis zu einem gewissen
Grad an. Aber - und dies möchte ich nochmals
betonen -, die Gefahr besteht darin, je länger man in
der Weise vorgeht wie in der vergangenen Woche,
desto weniger Rationalität und desto mehr Emotionalität wird vorherrschen. Unter diesen Umständen

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�möchte ich die Konsequenzen nicht vorhersagen, außer,
daß sie schrecklich sein werden.
Frage: Heute abend sieht es ziemlich erschreckend
aus, oder nicht?

&gt;

Antwort: Wenn die Generale tatsächlich die von
ihnen beabsichtigte Haltung eingenommen haben,
dann ist dies ein weiterer dummer Akt des jugolawischen Militärs. Dies ist nicht der richtige Weg, das
Problem anzugehen und beweist aus unserer Sicht
erneut, daß es in Belgrad, Ljubljana und Zagreb eine
Reihe von Leuten gibt, die erst einmal tief Luft holen,
sich zurücklehnen und sagen müssen: "Wir müssen
uns an den Verhandlungstisch begeben." Dies ist der
einzige Weg zur Bewältigung dieses Problem.
Frage: Herr Außenminister, wenn wir uns einen
Moment dem schlimmsten Szenarium zuwenden - wer
hat die meisten Gewehre? Wer wird wahrscheinlich
übrig bleiben, wenn es einen totalen Bürgerkrieg gibt?
Antwort: Sollte es einen totalen Bürgerkrieg geben,
ist es eine Frage - und dies ist eines der Themen, bei
denen ich nicht mit dem slowenischen Regierungsvertreter übereinstimme. Dies ist potentiell ein größerer
Nationalitätenkonflikt. Tausende von Serben leben in
Kroatien. In vieler Hinsicht ist es ein heterogenes
Land, und wenn diese Republiken sich zu lösen begin-

nen, wird es unter den einzelnen Nationalitäten zu
einem wahren Chaos kommen. Ich weiß nicht, wer
gewinnen wird. Ich kann Ihnen sagen, wer verlieren
wird - die unschuldigen Menschen in den jeweiligen
Republiken Jugoslawiens, die dabei ums Leben kommen. Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen, wer gewinnen wird. Aber wir könnten uns mit einem wahren
Chaos auf dem Balkan und in Europa konfrontiert
sehen, zu einer Zeit, in der sich alles in Europa in die
richtige Richtung und hoffentlich zur Demokratie wendet.
Frage: Wo sind all die Gewehre hergekommen, Herr
Außenminister?
Antwort: Meines Erachtens gibt es eine Reihe von
Erklärungen dafür. Im Hinblick auf die jugoslawische
Volksarmee gibt es wohl keine Frage. Sie ist seit
Jahren beliefert worden. Ich weiß nicht genau, woher
die Gewehre in Slowenien gekommen sind, man muß
sich jedoch vor Augen führen, daß die Jugoslawen seit
Jahren Waffen in unterschiedlichen Verstecken in den
einzelnen Republiken in dem Gedanken an einen
Partisanenkrieg wie während des Zweiten Weltkriegs
gehortet haben, damit diese für die Partisanen bereit
wären. Ein Teil der Waffen kam sicherlich von dort. Ein
anderer offensichtlich von Lieferanten außerhalb Jugoslawiens.

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AMERIKA DIENST 27

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Seite 3

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
10. Juli 1991

WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER USA
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN LONDON
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentliche Übersicht wurde am 8. Juli 1991 vom US-Außenministerium herausgegeben. Sie beschreibt die wirtschaftspolitischen Ziele der Vereinigten Staaten beim Weltwirtschaftsgipfel vom 15. bis 17. Juli, an dem die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten sowie Vertreter der EG teilnehmen.

1.
Uruguay-Runde: Wir werden auf einen umfassenden Abschluß der Runde in den Bereichen Landwirtschaft, Investitionen, Dienstleistungen und geistiges Eigentum drängen. Das hat Priorität, denn wenn
kein Abkommen zustande kommt, werden protektionistische Bestrebungen auf der ganzen Welt gefördert.
Eine erfolgreiche Runde wird den aufstrebenden Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas ebenso wie den
Entwicklungsländern neue Möglichkeiten im Handel
eröffnen.
2.
Wirtschaftswachstum: Beim Gipfel werden
die Notwendigkeit einer starken wirtschaftlichen Gesundung und anhaltendes Wachstum bei stabilen Preisen
erörtert werden. Ferner wird eine wachstumsorientierte Geld- und Finanzpolitik gefördert. Wir möchten
größere Handelsmärkte schaffen, was insbesondere
für die neuen Demokratien und Märkte Mittel- und
Osteuropas von Bedeutung ist.
3.
Mittel- und Osteuropa: Der Ausbau der Exporte ist entscheidend, um den Verlust des sowjetischen Markts auszugleichen und notwendige wirtschaftliche Anpassungen zu erleichtern. Dies erfordert in diesen Ländern tiefgreifende Strukturreformen,
Maßnahmen zur Verbesserung des Klimas für Auslandsinvestitionen, die Förderung des privaten Kapitäflusses und den Ausbau des Marktzugangs im Westen.
4.
Umwelt: Der Londonder Gipfel soll auf den
Initiativen von Houston aufbauen, insbesondere dem
Abkommen zum Schutz der Wälder; er soll dem EinAMERIKA DIENST 27

satz der G-7 für einen erfolgreichen Abschlu ß der 1992
stattfindenden UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung Rechnung tragen; die Tatsache berücksichtigen, daß alle Länder Verantwortung für den Umweltschutz teilen und die Bedeutung der internationalen
Zusammenarbeit bei der Lösung umweltpolitischer
Probleme betonen. Darüber hinaus sollten wir uns der
Notwendigkeit bewußt sein, Mittel zur Einbeziehung
umweltpolitischer Ziele in wirtschaftliche Entwicklung
und Wachstum zu entwickeln und die zunehmende
Verflechtung von Fragen des Handels und der Umwelt
zu erkennen.
5.
Sowjetunion: Die Einladung an Gorbatschow
zu einem Treffen mit den Gipfelteilnehmern sendet ein
starkes Signal der Unterstützung für seine Bestrebungen um politische und wirtschaftliche Reformen in der
Sowjetunion aus. Der Westen muß eine entschiedene, neue und funktionsfähige Marktreformpolitik fordern und seine Bereitschaft signalisieren, die Sowjetunion in einen schrittweisen Prozeß von Dialog und
Kooperation einzubinden. Charakter und Ausmaß
dieses Prozesses hängen davon ab, daß die Sowjets
konkrete Schritte zu Wirtschaftsreformen und politischen Veränderungen treffen. Wir zielen ganz allgemein darauf ab, auf allen Ebenen positive Veränderungen in Richtung auf eine marktwirtschaftlich orientierte
Demokratie zu stützen und die Integration der Sowjetunion in die Weltwirtschaft zu fördern. Wir halten es für
wichtig, daß die Probleme der Sowjetunion nicht den
Gipfel beherrschen, weil die Staats- und RegierungsSeite 1

�chefs der G-7 noch verschiedene andere Themen zu
erörtern haben werden.
6.
Entwicklung: Die Vereinigten Staaten und
andere Mitglieder der G-7 setzen sich dafür ein, den
Entwicklungsländern zu helfen, ihre Wirtschaftspolitik
und den Lebensstandard allgemein zu verbessern.
Hilfe für Mittel- und Osteuropa wird die Aufmerksamkeit der G-7 nicht von den Bedürfnissen der Entwicklungsländer ablenken. Wirtschaftspolitische Reformen, die diesen Ländern langfristig funktionierende
Märkte bringen, werden ein wichtiger und integraler
Bestandteil dieser Hilfe sein. Die G-7 werden durch
geeignete Behörden daran arbeiten, den Entwicklungsländern bei der Bewältigung ihrer Schuldenlast
zu helfen. Der Pariser Club wird Ausgangspunkt
derartiger Bestrebungen sein.

zeugende Drogen verzichten müssen. Die Arbeitsgruppe für finanzielle Transaktionen arbeitet mit Regierungen auf der ganzen Welt zusammen, um zu
verhindern, daß Banken und andere Finanzinstitutionen benutzt werden, um Gewinne aus dem Drogenhandel zu waschen.
8.
Energie: Wir wollen das effektive Funktionieren der Energiemärkte verbessern. Dieses Ziel wird
am besten erreicht, indem Schranken für Handel mit
und Investitionen in Energie abgebaut und die Anfälligkeit für Versorgungsengpässe durch Entwicklung
angemessener staatlich kontrollierter Vorräte redu
ziert werden.

Ein weiteres Ziel ist die Förderung hoher weltweiter
Standards und verbesserter Energieausnutzung. In
diesem Zusammenhang sind wir uns bewußt, daß
7.
Drogen: Die Arbeitsgruppe für die Verbreitung Kernenergie - vorbehaltlich größtmöglicher Sicherchemischer Stoffe beim Gipfel empfiehlt, daß Regie- heits- und Umweltstandards - eine wichtige Rolle spierungen und Industrie wirksame Maßnahmen ergreifen, len sollte, um Energiequellen zu verteilen und den
um zu verhindern, daß der legale internationale Handel Treibhauseffekt zu verringern.
mit chemischen Stoffen in die Herstellung illegaler
Drogen mündet. Effektive weltweite Zusammenarbeit, Wir messen der Integration der sowjetischen und
mit der die Umleitung wichtiger Chemikalien zur Her- osteuropäischen Energiesektoren in die Weltmärkte
stellung von Kokain, Heroin und anderer Drogen ver- große Bedeutung bei. Wir werden aktiv zusammenarhindert wird, gewährleistet, daß Drogenhändler auf beiten, um dies zu verwirklichen.
wichtige Produktionsmittel für gefährliche und suchter-

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AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
10. Juli 1991

KATZ: TATEN STATT WORTE ZUR BEENDIGUNG
DER URUGUAY-RUNDE ERFORDERLICH
Hintergrundinformation zum Londoner Weltwirtschaftsgipfel

WASHINGTON - (AD) - Beim Londoner Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli werden die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen
voraussichtlich politische Verpflichtungen zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde multilateraler
Handelsgespräche eingehen.
Dies hatten sie zwar bereits bei ihrem Treffen in
Houston im vergangenen Jahr getan, aber "selbst das
reichte nicht aus, um Ergebnisse herbeizuführen",
erklärte der Stellvertretende Handelsbeauftragte Julius Katz.
"Die im vergangenen Jahr eingegangenen Verpflichtungen zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
waren sehr weitreichend", stellte Katz in einem Interview mit dem US-Informationsamt (USIA) fest. "Es
mangelt nicht an politischem Engagement. Was fehlt,
ist die Durchführung."

i

Die Uruguay-Runde und Maßnahmen zur Öffnung der
Märkte der Industrienationen für Waren aus Osteuropa werden voraussichtlich die beiden wichtigsten
Handelsthemen sein, wenn die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten
und führende Vertreter der Europäischen Gemeinschaft vom 15. bis 17. Juli zusammentreffen.
Der EG-Kommissar für Auswärtige Angelegenheiten
Frans Andriessen erklärte am 2. Juli 1991 vor Journalisten in Washington, er habe mit amerikanischen
Regierungsvertretern erörtert, wie die Gipfelteilnehmer dem Abschluß der Uruguay-Runde "neue politische Betonung" verleihen könnten.
Katz, der die amerikanische Teilnahme sowohl an der
Uruguay-Runde als auch an den Verhandlungen über
das Nordamerikanische Freihandelsabkommen beAMERIKA DIENST 27

aufsichtigt, stellte jedoch fest, jetzt seien nicht länger
Worte sondern konkrete Taten seitens der Europäischen Gemeinschaft zur Agrarreform erforderlich.
Angeführt durch die Opposition Frankreichs hat die EG
in den vergangenen vier Jahren der Verhandlungen
zur Uruguay-Runde Reformen im Agrarbereich verzögert. Die Gespräche hätten letzten Dezember beendet
werden sollen, gerieten jedoch in Brüssel in eine
Pattsituation, als einige der rund 100 Teilnehmer keine
Einigung zum Abbau staatlicher Subventionen für die
drei entscheidenden Agrarhandelsbereiche erzielten:
Exportsubventionen, interne Stützungsmaßnahmen
und Marktzugang. Im vergangenen Februar stimmte
die EG schließlich zu, über einen Abbau in jedem
dieser Bereiche zu verhandeln.
Katz erklärte, die kürzlich vom EG-Agrarkommissar
Ray MacSharry vorgelegten Vorschläge seien ein
entscheidender Schritt zur Reform der Gemeinsamen
Agrarpolitik der EG.
"Sie stellen keine Umkehr der Politik dar, sind jedoch
ein Anfang", so Katz. "Dank dieser Vorschläge werden die Preise beträchtlich gesenkt und Produktionsanreize abgebaut. Dies ist ein beachtlicher Schritt in
die richtige Richtung."
Er fügte hinzu, die EG-Kommission könnte in der
zweiten Juliwoche über ein Paket interner Agrarreformen abstimmen, das dann dem Ministerrat in der
Woche vom 15. Juli - zum gleichen Zeitpunkt, an dem
der Londoner Weltwirtschaftsgipfel stattfindet - zu
einer ersten Erörterung zugeleitet wird.
Nach der Sommerpause in Europa im August würden
die EG-Agrarminister die Vorschläge im September
einer weiteren Überprüfung unterziehen.

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�"Sie vertreten die Position, sie seien nicht bereit, die
internationalen Verhandlungen aufzunehmen, bevor
sie nicht eine gewisse Distanz zur Binnenreform
gewonnen haben", stellte Katz fest. "Also warten wir
immer noch auf die Aufnahme der Agrarverhandlungen."
Sowohl europäische als auch amerikanische Regierungsvertreter haben erklärt, die Verhandlungen der
Uruguay-Runde sollten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Und beide Seiten vertreten die Auffassung, die Verhandlungen bis ins nächste Jahr hinauszuzögern, bedeute den vollständigen Zusammenbruch
der Gespräche. Im Jahr 1992 würden die Verhandlungen von Wahlen in Großbritannien, Deutschland und
den Vereinigten Staaten sowie der wachsenden Frustration der Teilnehmerstaaten über mangelnde Erfolge bei den Handelsgesprächen überschattet, räumte
Katz ein.
Doch der Zeitplan der EG für interne Reformen innerhalb der EG läßt einen Abschluß der Uruguay-Runde
bis zum Jahresende immer unwahrscheinlicher werden.
Beim Ministertreffen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im
Juni stellte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills fest,
ein Abschluß der Uruguay-Runde bis Dezember erfordere von den wichtigsten an diesen Verhandlungen
beteiligten Ländern bis Ende Juli das Eingehen fester
Verpflichtungen in der Landwirtschaft und mehreren
anderen Schlüsselbereichen.
Katz zufolge scheint es heute klar, daß die Meinungsverschiedenheiten über die Reform der Landwirtschaft
nicht bis Juli ausgeräumt werden können.
"Ich habe keinen Grund, um Optimismus zu verbreiten, aber ich werde es auch nicht ausschließen",
erklärte Katz.
Das Problem bestehe darin, daß nicht nur über das
Ausmaß der Kürzungen in den drei Schlüsselbereichen, sondern auch über die Techniken für die Vornahme dieser Reduzierungen verhandelt werden müsse.
So müßten etwa beim Bereich der Exportsubventionen die Unterhändler entscheiden, was Exportsubventionen überhaupt sind und ob Kürzungen dieser Subventionen auf der Grundlage der Quantität oder des
Ausgabenniveaus sowie für einzelne Erzeugnisse oder
Produktgruppen erfolgen sollten.
Die Agrarunterhändler bei der Uruguay-Runde werden
sich in der dritten Juliwoche in Genf treffen, um diese
und andere Möglichkeiten für die zu treffenden Ent-

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Scheidungen zu diskutieren. Katz bleibt jedoch skeptisch im Hinblick auf mögliche wichtige Entscheidungen bei diesem Treffen.
Ein Fehlschlag in der Landwirtschaft würde wahrscheinlich auch einen Rückschritt fürdie substantiellen
Fortschritte bedeuten, die in anderen Verhandlungsbereichen erzielt wurden, etwa bei geistigem Eigentum
oder dem Handel mit Dienstleistungen, erklärte Katz.
"Es stellt sich die Frage, wie lange man so weitermachen kann. Es dauert nun schon fünf Jahre an, und die
Leute werden müde, gelangweilt und frustriert."
Er warnte davor, das Ausbleiben eines Abkommens
berge "erhebliche Bedrohungen für das multilaterale
Handelssystem". Probleme wie die in der Landwirtschaft seien wenig geeignet, um durch regionale
Handelsarrangements gelöst zu werden.
Von den Gipfelteilnehmern werden femer Überlegungen erwartet, welche weiteren Maßnahmen sie treffen
können, um ihre Märkte für Waren aus Ost- und Mitteleuropa und der Sowjetunion zu öffnen.
Amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus,
daß ein Großteil der Maßnahmen in diesem Bereich
von den EG-Ländern kommen muß, da sie geographisch nahe an Osteuropa liegen und weil die EGSchranken gegen Produkte aus der Region weiterhin
hoch sind.
Die Vereinigten Staaten könnten Katz zufolge in der
Lage sein, einige Importquoten für Textilien zu erhöhen und technische Hilfe zur Verfügung zu stellen. Sie
könnten jedoch kaum mehr tun, da die amerikanischen
Importschranken bereits äußerst niedrig seien.
Für die meisten osteuropäischen Länder gelten gegenwärtig die niedrigsten Zollsätze, die von den Vereinigten Staaten im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems eingeräumt werden, stellte Katz fest.
Obwohl die Vereinigten Staaten Beschränkungen auf
Stahl, Textilien und Milchprodukte aufrechterhielten,
würden Katz zufolge die den osteuropäischen Ländern
zugestandenen Quoten in den meisten Kategorien bei
Stahl und Textilien nicht vollständig in Anspruch genommen, in einigen Fällen um über 50 Prozent.
Die amerikanischen Beschränkungen für Stahl werden im nächsten März aufgehoben und es gebe keine
Absicht, sie zu erneuern. Die Administration habe
jedoch zur Zeit wenig Spielraum für eine Aufhebung
der Beschränkungen auf Milchprodukte, räumte Katz
ein.

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AMERIKA DIENST 27

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                <text>Ausstellung im Amerika Haus in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD&lt;br /&gt;Vom 21. April bis&amp;nbsp;20. Mai 1971</text>
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